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Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America
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Z12462C
Li-

53170

Bonn
27. Oktober 1993

43

NATO

PARTNERSCHAFTEN ZUR
UNTERSTÜTZUNG DER NATO
Verteidigungsminister Aspin in Deutschland

ABRÜSTUNG

USA UMREISSEN ABRÜSTUNGSZIELE
Rede des amtierenden
ACDA-Direktors vor UNO-Ausschuß

UMWELT

SCHLUSSELELEMENTE DES AKTIONSPLANS
ZU KLIMAVERÄNDERUNGEN
Übersicht des Weißen Hauses

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax: 0228 -3341 02

�NATO
27. Oktober 1993

PARTNERSCHAFTEN ZUR
UNTERSTÜTZUNG DER NATO
Verteidigungsminister Aspin in Deutschland
TRAVEMÜNDE - (AD) - Der amerikanische Vorschlag über eine begrenzte militärische Partnerschaft zwischen
der NATO und den europäischen Nationen wird "den Handlungsspielraum der NATO in dieser neuen Zeit nach
dem Kalten Krieg, nach dem Zerfall der Sowjetunion, erweitern", erklärte US-Verteidigungsminister Aspin.
Dazu zählen "Friedenssicherung, aber auch Such- und Rettungsübungen, Katastrophenhilfe und Krisenmanagement", stellte Aspin am 21. Oktober 1993 auf einer Pressekonferenz in Travemünde fest, wo er mit den
anderen Verteidigungsministern der NATO zusammentraf.
Zuvor hatte er geäu ßert, der Vorschlag für eine Partnerschaft wäre ein erster Schritt zu einer möglichen, jedoch
nicht automatisch erfolgenden Mitgliedschaft Rußlands und anderer Nationen des ehemaligen Warschauer
Pakts in der NATO.
Dem Verteidigungsminister zufolge bestände ein zweiter an seine Amtskollegen gerichteter Vorschlag der Vereinigten Staaten darin, die Bekämpfung der Weiterverbreitung auf die Tagesordnung der NATO zu setzen.
Das sei notwendig, weil die alte atomare Bedrohung durch Tausende von Sprengköpfen in der Sowjetunion "einer
brandneuen atomaren Bedrohung" gewichen ist, "der Möglichkeit eines terroristischen Staats, einer terroristischen Organisation, die sich vergleichsweise geringe Mengen von Nuklearwaffen beschaffen".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Äußerungen von Verteidigungsminister Aspin auf der Pressekonferenz im
Wortlaut.
Zunächst möchte ich kurz auf die beiden von uns bei
diesem Treffen vorgelegten Vorschläge eingehen. Einer
bezog sich auf eine Partnerschaft für den Frieden. Der
andere ist ein Vorschlag zur Bekämpfung der Weiterverbreitung als Punkt auf der Tagesordnung der NATO.
Diese beiden Vorschläge müssen bis zum NATOGipfel noch weiterentwickelt und präzisiert werden und
sind hoffentlich in irgendeiner Form Bestandteil des für
den kommenden Januar anberaumten Gipfels.
Beide Vorschläge entstanden aus dem grundlegenden
Konzept, daß die NATO im Kern ein Sicherheitsbündnis ist. Sie ist ein Militärbündnis, das sich mit der
Sicherheit ihrer Mitgliedstaaten befaßt. Das ist die
Grundlage, auf der sie sich weiterentwickelte, und
natürlich das Fundament für den Erfolg der NATO.
Dies sollte unseres Erachtens Teil der Frage der
Erweiterung der N ATO-Mitgliedschaft sowie der Frage
sein, welche Staaten unter welchen Bedingungen
beitreten sollten. Dadurch entstand bei uns die Idee,
das Konzept der NATO als Sicherheitsbündnis zu
nutzen, um eine Beziehung zu potentiellen neuen
Mitgliedern zu entwickeln.
AMERIKA DIENST 43

Der Vorschlag lautet, daß die Länder, die der NATO
beitreten wollen - und selbstverständlich beschränkt
sich das nicht nur auf die Beitrittswilligen, sondern es
sind auch die gemeint, die sich der Initiative Partner für
den Frieden anschließen - aufgefordert werden, ein
Partnerschaftsabkommen mit der NATO zu unterzeichnen, wenn sie dies wünschen. Diesem Partnerschaftsabkommen würde dann ein Plan zur Umsetzung folgen mit einem Programm, das nähere Einzelheiten zur Einbeziehung des jeweiligen Landes in die
Institution NATO gibt.
Letztlich streben wir die gemeinsame Entwicklung von
Fähigkeiten zwischen der Organisation NATO und den
einzelnen Ländern durch gemeinsame Übungen,
gemeinsame Planung und gemeinsame Ausbildung
an, um schließlich zu einer Interoperabilität von Gerät
und Operationsmethoden zwischen der NATO und
den Partnerstaaten zu gelangen. Mit dieser Methode
verbessern wir die Fähigkeiten der NATO, indem wir
den Handlungsspielraum der NATO in dieser neuen
Zeit nach dem Kalten Krieg, nach dem Zerfall der
Sowjetunion, erweitern. Dazu zählen natürlich FrieSeite 1

�denssicherung, aber auch Such- und Rettungsübungen, Katastrophenhilfe und Krisenmanagement. Dies
sind die Aufgaben, die die NATO als Organisation
wahrnehmen wird.
Die Idee vors Partnern - Partnern für den Frieden besteht in der Entwicklung von gemeinsamen Fähigkeiten zwischen der Institution NATO und diesen anderen
Ländern zur Verbesserung des Handlungsspielraums
der NATO bei der Bewältigung dieser Aufgaben. Zur
Zeit gibt es einen gewissen Handlungsspielraum zwischen den NATO-Partnern, den derzeitigen NATOMitgliedstaaten. Durch Partnerschaft würden wir die
Ressourcen erweitern, um die Fähigkeiten anderer
Länder aufzustocken. Um dies zu erzielen, müssen
wir gemeinsame Operationen und gemeinsame Ausbildung sicherstellen und hoffen letztlich auf ein gewisses Maß an Interoperabilität zwischen ihnen. Die Idee
ist ihre Erweiterung und zwar durch Partnerschaft für
den Frieden. Das war die zugrundeliegende Idee.

greßausschüssen, die jahrelang Doktrinen, Streitkräftestrukturen und so weiter zur Bewältigung dieser
nuklearen Bedrohung entwickelten.
Die nukleare Bedrohung ist einer brandneuen atomaren Bedrohung gewichen. Die neue nukleare Bedrohung besteht jetzt in der Möglichkeit eines terroristischen Staats, einer terroristischen Organisation, die
sich vergleichsweise geringe Mengen von Nuklearwaffen beschaffen. Dies wirft die Frage auf, wieviel dieser
alten Doktrinen und Geräte der alten Bedrohung auf
die neue Bedrohung Anwendung finden. Es gibt Anlaß
zu der Sorge, daß es nicht allzuviel sein könnte - ein
völlig neues Denken und die Entwicklung einer ganz
neuen Strategie zur Bewältigung dieser Bedrohung
könnten erforderlich sein sowie völlig neues Gerät und
eine neue Sichtweise, während sich diese neue Bedrohung entfaltet.

Ich bin einer derjenigen, deren Antwort "Ja" lautet. Ja,
diese neue atomare Bedrohung wird eine neue atomaIch möchte nun kurz auf den zweiten Vorschlag einge- re Reaktion erfordern, und diese Reaktion wird sich
hen - die Initiative zur Bekämpfung der Weiterverbrei- von der bisherigen unterscheiden. Das bedeutet, wir
tung - und dann werden wir gerne Ihre Fragen beant- müssen anfangen, darüber nachzudenken, müssen
worten. Die Welt - und natürlich die NATO - sieht sich gemeinsam die Arbeit aufnehmen und gemeinsam
heute, in der Weit nach dem Kalten Krieg, nach dem darüber nachdenken. Und es ist ein Vorschlag, daß wir
Zerfall der Sowjetunion, mit einer brandneuen atoma- in der NATO - wiederum, indem wir zu den Wurzeln der
ren Bedrohung konfrontiert.
Sicherheit, den Wurzeln einer sicherheitsorientierten
NATO zurückkehren - eine neue Bedrohung in Angriff
Die alte nukleare Bedrohung bestand in Tausenden nehmen, mit der sich alle Mitglieder des Bündnisses
Gefechtsköpfen in der Sowjetunion. Über die Jahre individuell und kollektiv konfrontiert sehen, und ihr bei
hinweg haben wir - "wir" bedeutet alle von uns in der unseren jährlichen Sitzungen neuen Auftrieb verleiNATO - sorgfältig formulierte Theorien, Strategien, hen.
Fähigkeiten zur Kriegführung, Verteidigung, militärisches Gerät des einen oder anderen Typs entwickelt, Dies war der zweite Vorschlag. Wie ich bereits erum dieser nuklearen Bedrohung zu begegnen. Es gab wähnt habe, entwachsen beide Vorschläge dem
ganze Studienbereiche, die sich mit Abschreckung Hauptinteresse des Bündnisses - einem im Kern siund Kriegführung, mit Rüstungskontrolle, dem Kräfte- cherheitsorientierten Bündnis. Ich bin jetzt gerne zur
gleichgewicht und anderem befaßten. Ichsprechevon Beantwortung Ihrer Fragen bereit.
Universitäten und Denkfabriken, verschiedenen Kon-

* * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 43

�ABRÜSTUNG
27. Oktober 1993

USA UMREISSEN ABRÜSTUNGSZIELE
Rede des amtierenden ACDA-Direktors vor UNO-Ausschuß
VEREINTE NATIONEN - (AD) - Die Eindämmung der Verbreitung nuklearer und konventioneller Waffen sei eine
der höchsten Prioritäten der Vereinigten Staaten und die Clinton-Administration beabsichtige, sie "besser in das
Gefüge unserer Beziehungen zu den Nationen der Welt" zu integrieren, erklärte der geschäftsführende Direktor
des amerikanischen Amts für Rüstungskontrolle und Abrüstung (U.S. Arms Control und Disarmament Agency
- ACDA), Thomas Graham Jr., in einer am 19. Oktober 1993 vor dem Ersten Ausschu ß der UN-Generalversammlung gehaltenen Rede.
Graham umri ß die Ziele der Clinton-Administration bei der Gewährleistung der Nichtverbreitung von Massenvernichtungswaffen, Schaffung globaler Normen für die Rüstungskontrolle, Anwendung vertrauensbildender
Maßnahmen bei der Beilegung regionaler Streitigkeiten und Beseitigung überflüssiger Waffen aus der Zeit des
Kalten Krieges.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des amtierenden ACDA-Direktors im Wortlaut.

Von vorigen Direktoren des Amts für Rüstungskontrolle und Abrüstung vor diesem Ausschuß gehaltene
Reden verwiesen auf die Notwendigkeit einer Anpassung der Rüstungskontrolle an die teifgreifenden Veränderungen, deren Zeuge wir fast täglich auf den
Fernsehschirmen werden.

tiken und -programme aus der Zeit des Kalten Krieges

werden diese Periode des Wandels beeinflussen, nicht
beherrschen, wie einige befürworten. Wir haben bei
diesem Anpassungsprozeß einen guten Anfang gemacht. Wir haben jedoch noch einen weiten Weg
zurückzulegen.

Ich dachte, in diesem Jahr könnte ich mich einem
neuen Thema zuwenden. Die Realität spricht jedoch
dagegen. Nach dem Ende des Kalten Krieges beobachten wir weiter mit bemerkenswerter Geschwindigkeit und Regelmäßigkeit aufsehenerregende Veränderungen. Einige dieser Veränderungen sind sehr
positiv - wie das jüngste israelisch-palästinensische
Abkommen oder die Machtübergabe in Südafrika.

Wir sollten im Zusammenhang mit Rüstungskontrolle
zwei wichtige Punkte im Gedächtnis behalten. Erstens
ist Rüstungskontrolle ein allen zur Verfügung stehendes politisches Instrument. Es kann und muß von uns
allen zu guten Zwecken eingesetzt werden, nicht nur
für uns selbst, sondern für die gesamte internationale
Staatengemeinschaft. Zweitens müssen wir uns
konstant bewußt sein, daß Rüstungskontrolltransaktionen grundsätzlich politischer Natur sind, während
Einige Veränderungen sind jedoch äußerst beunruhi- das Zahlmittel der Rüstungskontrolle militärische
gend - die Drohung Nordkoreas, aus dem Nichtverbrei- Fähigkeiten sind.
tungsvertrag (NW) auszutreten, die Verhöhnung der
Resolutionen des UN-Sicherheitsrats durch den Irak Im Kern dreht sich Rüstungskontrolle um die Gestalund seine Bestrebungen zum Wiederaufbau seiner tung bestimmter Arten von Beziehungen, Erwartunmilitärischen Fähigkeiten sowie auf der ganzen Welt gen und Verhaltensweisen. Als solches kann sie
ausbrechende Konflikte, die Tragödien ungekannten nützliche Richtlinien auf dem Weg bieten, den wir zu
Ausmaßes verursachen.
selten für eine friedliche Lösung von Streitigkeiten und
die effektive gewaltlose Handhabung konkurrierender
Die Summe dieser - guten und schlechten - Verände- Interessen eingeschlagen haben.
rungen ist die Notwendigkeit zur Neubewertung der
Tagesordnung für Rüstungskontrolle, Abrüstung und Wenn Rüstungskontrolle diese Rolle jedoch erfolgNichtverbreitung sowie der fortgesetzten Anpassung reich spielen soll, müssen wir vier vordringliche Aufgavon Rüstungskontrolle an das sich abzeichnende si- ben erfüllen:
cherheitspolitische Umfeld. Die RüstungskontrollprakAMERIKA DIENST 43

Seite 1

�1.

Gewährleistung der Nichtverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ihrer Trägersysteme,

2.

Schaffung globaler Normen für die Rüstungskontrolle,

3.

Anwendung der Lehren der Rüstungskontrolle
und vertrauensbildender Maßnahmen bei der
Beilegung regionaler Streitigkeiten und

Unterzeichner - streben Mutmaßungen zufolge
offensive chemische Waffenfähigkeiten an.
Trotz des seit 20 Jahren aufgrund der Konvention über biologische Waffen (BW-Konvention)
bestehenden Verbots biologischer Waffen haben wir Beweise, daß einige Länder die Entwicklung biologischer Waffen weiterverfolgen.

In Washington engagiert man sich dafür, in der Nichtverbreitungsarena über das "business as usual" hin4.
Beseitigung überflüssiger Waffen und Überka- auszugehen. Präsident Clinton unterstrich sein Engapazitäten der Rüstungsindustrien aus der Zeit gement in seiner jüngsten Rede vor der Generalverdes Kalten Krieges.
sammlung der Vereinten Nationen, in der er NichtverIch möchte Ihnen kurz darlegen, wie meine Regierung breitung "zu einer der obersten Prioritäten unserer
die von uns erzielten Fortschritte bei der Ausführung Nation" erklärt hat. "Wir beabsichtigen, die Nichtverdieser entscheidenden Aufgaben und den vor uns breitung enger in das Gefüge unserer Beziehungen zu
den Nationen und Institutionen der Welt einzubezieliegenden Herausforderungen sieht.
hen."
Nichtverbreitung
Bei dieser Gelegenheit hat der Präsident auch einen
Das globale Umfeld der Nichtverbreitung hat sich umfassenden Ansatz zur Nichtverbreitung bekanntgedramatisch verändert. Ebenso wie die bereits erwähn- geben und drei Prinzipien umrissen, von denen unsere
ten Veränderungen jedoch sowohl positive als auch Politik zu Nichtverbreitung und Exportkontrollen geleinegative Entwicklungen enthielten, ist das Nichtver- tet sein wird. Das erste - Nichtverbreitung zu einer
breitungsumfeld von Erfolgen und schlimmen Vorah- höheren Priorität zu machen und sie fester in unsere
Beziehungen zu anderen Ländern zu integrieren nungen gekennzeichnet:
habe ich bereits erwähnt.
Das internationale Engagement für die Sache
der Nichtverbreitung wächst nach wie vor stän- Das zweite Prinzip ist, daß die Vereinigten Staaten
dig, wie durch den jüngsten Beitritt Südafrikas, aktiv die Erweiterung von Handel und TechnologieausFrankreichs und Chinas zum Nichtverbreitungs- tausch mit Nationen anstreben, einschließlich ehemavertrag (NW) sowie durch Argentiniens und ligen Gegnern, die globale Nichtverbreitungsnormen
Brasiliens Bestrebungen zur Inkraftsetzung des einhalten.
Vertrags von Tlatelolco unter Beweis gestellt.
Schließlich werden die Vereingten Staaten versuchen,
Obwohl der Zusammenbruch der Sowjetunion einen neuen Konsens - sowohl im In- als auch im
nicht zum Entstehen neuer Nuklearwaffenstaa- Ausland - zu bilden, um die Nichtverbreitungsbestreten führte, hat in der Ukraine die Debatte über bungen zu fördern und sie in unsere wirtschaftlichen
die Ratifizierung des START-Vertrags und die Ziele einzubeziehen.
Einhaltung des NW Fragen über die Zukunft
der in der ehemaligen Sowjetunion verbliebe- Als Reaktion auf die Geißel der Verbreitung von
nen Nuklearwaffen aufgeworfen. Die falschen Massenvernichtungswaffen besteht unsere erste AufAntworten könnten das gesamte Nichtverbrei- gabe in der Stärkung des Fundaments für Nichtverbreitung. Die zweite Aufgabe ist, darauf aufzubauen.
tungsregime bedrohen.
Traditionelle Lieferanten haben die Exportkon- Nuklerae Nichtverbreitung
trollen im Zusammenhang mit der Verbreitung
von Waffen verschärft, während neu auftretende Lieferanten diese Bestrebungen zu unterminieren versuchen.

Mit nahezu 160 Vertragsparteien ist der NW ein
Eckpfeiler des internationalen nuklearen Nichtverbreitungsregimes und die oberste rechtliche und politische
Barriere für die weitere Verbreitung von Nuklearwaffen. Der NW spiegelt den internationalen Konsens
Die Zahl der Mitglieder des NW hat sich auf
gegen die Verbreitung von Nuklearwaffen wider, die
nahezu 160 erhöht, einschließlich aller fünf Nueine der ernsthaftesten Bedrohungen der globalen
klearwaffenstaaten. Mitglieder wie Nordkorea
Sicherheit und Stabilität ist. Seit über 20 Jahren hat der
und Irak, die den NW nicht einhalten, untergraNW seinen Parteien Sicherheit und wirtschaftliche
ben jedoch die Wirksamkeit des Vertrags.
Vorteile gebracht. Durch die erfolgreiche EindämÜber 150 Nationen haben die Chemiewaffen- mung der Verbreitung von Nuklearwaffen hat der NW
konvention unterzeichnet, aber einige der Nicht- die Bestrebungen der Vereinigten Staaten und andeunterzeichner - und vielleicht auch einige der rer zum Abbau ihrer eigenen Kernwaffenarsenale erleichtert.

Seite 2

AMERIKA DIENST 43

�Die sicherheitspolitischen Vorteile des N W sind in
jeder Region der Welt offenkundig. Die Einhaltung des
N W durch Südafrika im Jahr 1991 hat beispielsweise
die Sicherheit aller afrikanischen Staaten erhöht und
einen konkreten Beitrag zu den regionalen Bestrebungen zur Gründung einer nuklearwaffenfreien Zone in
Afrika geleistet. Der N W kann einen entscheidenden
Beitrag leisten sowie die durch den Zusammenbruch
der ehemaligen Sowjetunion möglicherweise verursachte Verbreitung von Nuklearwaffen eindämmen.
Die Einhaltung des N W durch alle neuentstandenen
Staaten wird zur Beseitigung des Risikos der gefährlichen Verbreitung von Kernwaffen beitragen und produktive Beziehungen zu den Nachbarstaaten und
anderen erleichtern. Die uneingeschränkte Einhaltung
von Nordkoreas Verpflichtungen im Rahmen des N W
ist ebenfalls unabdingbar für den Abbau der Spannungen in Asien.
Der N W hat auch die weitreichende Zusammenarbeit
bei der friedlichen Nutzung von Atomenergie für die
wirtschaftliche und soziale Entwicklung gefördert, insbesondere in den Entwicklungsländern. Viele Staaten
konnten aufgrund ihrer Mitgliedschaft im N W von den
Vorteilen der Kemwaffentechnologie für friedliche
Zwecke profitieren.
Die Vereinigten Staaten vertreten die Auffassung, daß
die unbegrenzte und bedingungslose Erweiterung des
N W im Jahr 1995 die beste Versicherung für den
weiteren Beitrag des Vertrags zu globaler Sicherheit
ist. Er wird der internationalen Staatengemeinschaft
die lebenswichtige und verläßliche Grundlage verleihen, auf der weitere Rüstungskontroll- und Abrüstungsmaßnahmen verfolgt werden können. Er wird zuverlässigen Zugang zu Nuklearmaterial und -technologie
für die NW-Parteien gewährleisten. Infolgedessen
werden die Vereinigten Staaten alles in ihrer Macht
Stehende tun, um die unbegrenzte und bedingungslose Erweiterung des N W im Jahr 1995 sicherzustellen.
Während wir den N W stärken, müssen wir jedoch
auch unsere weitergehenden Bestrebungen zur Beendigung der Verbreitung von Nuklearwaffen erweitern.
Aus diesem Grund haben die Vereinigten Staaten ihre
Unterstützung fürzwei Initiativen bekanntgegeben, bei
denen wir an alle Mitglieder der internationalen Staatengemeinschaft appellieren, unserem Beipiel zu folgen.
Die erste ist eine multilaterale Konvention über das
Verbot der Produktion von hochangereichertem Uran
oder der Trennung von Plutonium für Nuklearexplosionen außerhalb der internationalen Sicherheitsvorschriften. Ein solches Abkommen wird andere Maßnahmen
ergänzen, die wir im Zusammenhang mit spaltbarem
Nuklearmaterial zu verfolgen beabsichtigen. Dazu
zählen:
Die Beseitigung - wo immer dies möglich ist - der
Anhäufung übermäßiger Bestände an hochan-

AMERIKA DIENST 43

gereichertem Uran oder Plutonium und die Sicherstellung, daß die bereits existierenden
Materialien den höchsten Normen der Sicherheit und internationalen Zählweise unterliegen.
Abbau der Notwendigkeit für hochangereichertes Uran in zivilen nuklearen Aktivierungseinrichtungen.
Ermutigung restriktiverer regionaler Arrangements zur Begrenzung der Produktion von
spaltbarem Material in instabilen Regionen mit
einem hohen Weiterverbreitungsrisiko.
Inspektionen des nicht länger für die Abschrekkung der Vereinigten Staaten benötigten spaltbaren Materials durch die internationale Atomenergie-Organisation.
Verfolgung des Kaufs von hochangereichertem
Uran aus der ehemaligen Sowjetunion und
anderen Ländern sowie seine Nutzung für friedliche Zwecke als Reaktorbrennstoff.
Das zweite vorrangige Ziel der Vereinigten Staaten eine entscheidende Änderung der Politik unter der
Clinton-Administration - ist der unverzügliche Abschluß
des Vertrags über ein umfassendes Atomtestverbot
(Comprehensive Test Ban Treaty - CTB). Wir begrüßen die Entscheidung der Genfer Abrüstungskonferenz, ihrem Ad-hoc-Ausschuß für ein Atomtestverbot
ein Mandat zur Aushandlung eines CTB zu verleihen,
und sehen einer aktiven Rolle unsererseits bei diesen
Verhandlungen entgegen, wenn die Genfer Abrüstungskonferenz im Januar ihre neue Sitzungsrunde aufnimmt. Darüber hinaus hoffen wir, daß wir in diesem
Jahr eine Resolution über ein Testverbot des Ersten
Ausschusses unterstützen können.
Die Vereinigten Staaten vertreten von jeher die Auffassung, daß diesen Zielen auch mit der Einhaltung des
andauernden Moratoriums für Atomtests durch alle
Nuklearstaaten gedient wäre. Bedauerlicherweise
teilen nicht alle Staaten diese Ansicht, und die Vereinigten Staaten bedauern zutiefst die chinesische Entscheidung zur Durchführung eines unterirdischen
Atomtests. Präsident Clinton hat China aufgefordert,
von weiteren Tests Abstand zu nehmen und gemeinsam mit den anderen Nuklearmächten das globale
Testmoratorium einzuhalten - ein unerläßlicher Beitrag zur Erlangung eines baldmöglichen umfassenden
Atomtestverbots.
Nichtverbreitung chemischer und biologischer
Waffen
Das Engagement der Vereinigten Staaten für die
Beseitigung chemischer und biologischer Waffen ist
nicht weniger stark als ihr Engagement für die nukleare
Nichtverbreitung. Die Unterzeichnung der Konvention
über chemische Waffen (CW-Konvention) im Januar
dieses Jahres ist ein Meilenstein in der Rüstungskon-

Seite 3

�trolle, der alle Pattsituationen durchbricht und neue
Verfahrensweisen eröffnet.

tungchemischerund biologischer Waffen verfolgt. Die
Australiengruppe hat stets die universelle und effektive Durchführung der CW- und BW-Konventionen
Wir sind erfreut, daß bis Oktober 1993 über 150 unterstützt und wird weiter auf die Erlangung dieses
Staaten die CW-Konvention unterzeichnet haben. Die Ziels durch die Förderung multilateraler ExportkontrolEinhaltung sollte jedoch universell sein. Wir fordern len für C- und B-waffenfähiges Material und Gerät
alle Staaten zur Unterzeichnung der Konvention auf. hinarbeiten, das für Waffenprogramme beschafft werden
Ein solcher Schritt ist nicht ein Akt des Großmuts, soll. Die Vereinigten Staaten fordern alle Länder auf,
sondern des Eigeninteresses.
die Durchführung von Exportkontrollisten der Australiengruppe in Erwägung zu ziehen.
Ich kann nur Präsident Clintons Appell an alle Signatarstaaten einschließlich der Vereinigten Staaten wieder- Nichtverbreitung von Raketen
holen, die CW-Konvention so schnell wie möglich zu
unterzeichnen, damit sie zum frühesten Zeitpunkt in Die Einführung moderner Raketenfähigkeiten in die
nur 15 Monaten in Kraft treten kann. Wir werden das Arsenale einer zunehmenden Zahl von Staaten verAbkommen dem amerikanischen Senat voraussicht- wandelt das geostrategische Umfeld in ein gefährlilich in diesem Herbst unterbreiten und hoffen, er hat die cheres Terrain. Sie schaffen neue Bedrohungen auf
Beratungen bis Anfang 1994 abgeschlossen und seine größere Entfernungen, bei denen zuvor keine BedroZustimmung erteilt.
hung existierte. Sie nähren das Schreckgespenst von
Bevölkerungen, die weit entfernt von einer militäriWährend wir dem Inkrafttreten der Konvention erwar- schen Konfrontation Opfer eines nuklearen, chemitungsvoll entgegensehen, sind wir durch die Arbeit der schen oder biologischen Angriffs werden. Sie führen
CW-Vorbereitungskommission in Den Haag ermutigt. neuen Streit und neue Kontroversen in die bereits
Sie hat keine leichte Aufgabe. Die technischen Details belasteten Beziehungen vieler Staaten ein.
sind äußerst umfangreich und die Ausarbeitung der
Verwaltungsverfahren kann zermürbend sein. Diese Als Teil ihrer neuen Initiative zur Nichtverbreitung
Aufgabe ist jedoch entscheidend, wenn die Konven- verpflichten sich die Vereinigten Staaten zur Fördetion effektiv funktionieren soll, und wir werden weiter- rung der Richtlinien des Raketentechnologie-Kontrollhin eine aktive Rolle bei der Gewährleistung überneh- regimes (Missile Technology Control Regime - MTCR)
men, daß die Normen nicht auf Kosten des Nutzens als globaler Nichtverbreitungsnorm sowie als Mechagesenkt werden. Wir ermutigen die anderen Staaten, nismus für gemeinsame Aktionen zur Bekämpfu ng der
dasselbe zu tun.
Verbreitung von Raketen.
Die Vereinigten Staaten sind der Auffassung, daß die
Konvention über biologische Waffen (BW) seit ihrem
Inkrafttreten in mehrfacher Weise verbessert wurde,
einschließlich der weitverbreiteten und zunehmenden
Mitgliedschaft sowie derdrei Überarbeitungskonferenzen. Die Vereinigten Staaten unterstützen weitere
Bestrebungen zur Verbesserung der BW-Konvention.
Im einzelnen streben wir die Schaffung eines Transparenz-Regimes an, das die Wirksamkeit der Konvention
und ihre Einhaltung verbessert.
Wir unterstützen den einhelligen Bericht der zur Identifizierung und Prüfung potentieller BW-Verifizierungsmaßnahmen einberufenen Ad-hoc-Gruppe von Regierungsexperten, die vor kurzem ihre Arbeit beendet hat.
Der Bericht wird allen Parteien zur Erörterung vorgelegt. Wenn die Mehrheit der Staaten die Einberufung
einer Konferenz zur Prüfung des Berichts beantragt,
wird eine solche Konferenz anberaumt. Die Vereinigten Staaten ermutigen alle Parteien, dies ernsthaft in
Erwägung zu ziehen und unterstützen die frühzeitige
Einberufung einer solchen Konferenz.
Zusätzlich zur Unterstützung der Vereinigten Staaten
für die CW- und BW-Konventionen nehmen sie auch
an der aus 25 Mitgliedern bestehenden Australiengruppe teil, die multilaterale Maßnahmen - einschließlich Exportkontrollen - zur Verhinderung der Verbrei-

Seite 4

Wir müssen die wachsende Bedrohung von leichter
verfügbaren Raketenfähigkeiten meistern. Die Freunde und Streitkräfte der Vereinigten Staaten sind durch
ballistische Raketenfähigkeiten in Krisengebieten wie
dem Golf und der koreanischen Halbinsel einem Risiko
ausgesetzt. Eine solche Entwicklung liegt in niemandes Interesse. Wir müssen das Problem sowohl von
der Angebots- als auch von der Nachfrageseite angehen.
Förderung globaler Rüstungskontrollnormen
Die Stärkung bereits existierender Grundlagen der
Nichtverbreitung - NW, BW-Konvention, CW-Konvention sowie der Nichtverbreitungsgruppen wie das
Raketentechnologie-Kontrollregime, die Gruppe der
Lieferanten von Atommaterial und die Australiengruppe - tragen zur Erreichung unseres zweiten großen
Rüstungskontrollziels bei und fördern globale Normen
für die Rüstungskontrolle.
Die von der internationalen Staatengemeinschaft befürworteten Normen spiegeln sich auch in der Unterstützung von internationalen Institutionen bei der
Rüstungskontrolle, Abrüstung und Nichtverbreitung
wider.
Aus diesem Grund muß die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO), die bei der Anwendung interAMERIKA DIENST 43

�nationaler Sicherheitsvorschriften unter dem NW eine
wichtige Rolle spielt, die für effiziente Arbeit erforderliche finanzielle Unterstützung erhalten. Die Vereinigten Staaten und andere Länder sollten bereit sein, mit
der IAEO die zur Wahrnehmung ihrer Verantwortung
nötigen Informationen auszutauschen und sie politisch
uneingeschränkt unterstützen.
In ähnlicher Weise muß die Vorbereitungskommission
für die CW-Konvention sicherstellen, daß die zur
Durchsetzung der CW-Konvention in Übersee geschaffene Organisation für das Verbot chemischer
Waffen (Organization for the Prohibition of Chemical
Weapons - OPWC) effizient und effektiv ist und nicht
zu einer aufgeblähten internationalen Bürokratie wird,
in der die Interessen der Bürokraten an erster Stelle
stehen und die des Vertrags erst an zweiter.

Unterstützung regionaler Rüstungskontrolle
Die dritte große auf der Tagesordnung für die Rüstungskontrolle nach dem Kalten Krieg stehende Aufgabe ist die Anwendung der aus der Rüstungskontrolle
gezogenen Lehren sowie vertrauensbildender Maßnahmen bei der Beilegung regionaler Konflikte. Ebenso wie andere Aspekte der internationalen Rüstungskontrolle geben die Aussichten für regionale Rüstungskontrolle Anlaß zu Optimismus und Besorgnis gleichermaßen.
Positiv ist, daß eine Reihe von Entwicklungen das
wachsende Interesse der Staaten an einem regionalen
Ansatz zu Rüstungskontrolle und vertrauensbildenden
Maßnahmen widerspiegeln. Im vergangenen Jahr
konnten wir folgendes beobachten:

Die Vereinten Nationen verkörpern ebenso wie die
Genfer Abrüstungskonferenz globale Rüstungskontrollnormen. Einzelnen Mitgliedern gefällt vielleicht
nicht jeder Aspekt ihrer Arbeit oder jede vorgebrachte
Idee, aber die von ihnen organisierten Foren - wie das
heutige Treffen - sind für die Förderung der Völkerverständigung, die der Kern einer globalen Norm ist,
unabdingbar.

Den Beginn eines Dialogs über Sicherheitsfragen unter den Mitgliedern des Verbands Südostasiatischer Nationen (Association of Southeast Asian Nations - ASEAN) sowie Bestrebungen einiger Staaten Südostasiens zur Förderung der Suche nach einer Lösung potentieller
Konfliktursachen wie dem Disput über die Spratlyinseln.

Die Einhaltung von Rüstungskontrollabkommen ist
ebenfalls eine entscheidende Norm. Die Frage der
Einhaltung ist in der Tat von grundlegender Bedeutung. Ereignisse wie die fortgesetzte Verletzung der
Resolutionen des Sicherheitsrates und das Entstehen
neuer Staaten auf der ganzen Welt betonen erneut die
Bedeutung einer universellen Beachtung von Rüstungskontrolle fürdie Weltordnung. Die Vereinigten Staaten
und andere sie unterstützende Länder planen die
Wiedereinführung einer Resolution über diese wichtige Angelegenheit.

Die fortgesetzte Realisierung und Erforschung
der Möglichkeiten regionaler Rüstungskontrolle
durch die Staaten Lateinamerikas, beispielsweise Argentinien.

Internationale Vorschriften manifestieren sich auch in
unseren Maßnahmen zur Bekämpfung der Weiterverbreitung. Unsere Exportkontrollsysteme reflektieren
beispielsweise unsere wahre Einstellung zu den Verpflichtungen, die wir durch unseren Beitritt zu multilateralen Abkommen eingegangen sind. Wirksame
Exportkontrollen unterstreichen die Ernsthaftigkeit
unserer Absichten sowie unsere Erkenntnis, daß
multilaterale Abkommen und multilaterale Exportkontrollen komplementäre Instrumente zur Erreichung
von Zielen bei Rüstungskontrolle und Nichtverbreitung
sind. Aus diesem Grund harmonisieren die Vereinigten Staaten ihre Kontrollen im Inland so weitgehend
wie möglich mit den multilateral vereinbarten. Gleichzeitig schaffen wir unilaterale Kontrollen ab, die nicht
von essentieller Bedeutung für unsere nationale Sicherheit sowie unsere außenpolitischen Interessen
sind und arbeiten mit anderen Ländern zusammen, um
veraltete Kontrollen zu beseitigen, die den rechtmäßigen Handel ungebührlich erschweren.

AMERIKA DIENST 43

Stetige Fortschritte der Arbeitsgruppe für multilaterale Rüstungskontrolle und regionale Sicherheit (Arms Control and Regbnal Security - ACRS),
die als Teil des Friedensprozesses im Nahen
Osten ins Leben gerufen wurde.
Verhandlungen über eine atomwaffenfreie Zone
in Afrika.
Diese und ähnliche Entwicklungen demonstrieren, daß
einzelne Regionen unterschiedliche sicherheitspolitische Bedürfnisse und Probleme haben und deshalb
die Staaten dieser Regionen auf sie zugeschneiderte
Rüstungskontrollbestrebungen unternehmen können,
um nicht nur Frieden und Stabilität im eigenen Land zu
fördern, sondern auch in der internationalen Staatengemeinschaft als Ganzes.
Besorgniserregend ist, daß das Interesse an regionaler Rüstungskontrolle und vertrauensbildenden Maßnahmen nicht von allen geteilt wird. Einige Staaten
müssen noch überzeugt werden, daß Rüstungskontrolle ein nützliches Instrument für die Regelung schwieriger Beziehungen zwischen Staaten sein kann. Andere
wiederum entzogen sich ihrer kollektiven Verantwortung, praktische und angemessene Schritte zur Rüstungskontrolle zu unternehmen, und versteckten sich
hinter dem nicht stichhaltigen Argument, daß es bei
der Rüstungskontrolle darum gehe, die Waffen anderer, vor allem der Supermächte, zu kontrollieren.

Seite 5

�Eine auf der Tagesordnung für Rüstungskontrolle und
vertrauensbildende Maßnahmen weit oben stehende
quälende Frage ist die destabilisierende Auswirkung
übermäßiger konventioneller Aufrüstung. Die Verantwortung für eine solche Anhäufung wird häufig den
Staaten zugeschoben, die Waffen liefern. Obwohl die
Industrienationen tatsächlich Überkapazitäten in der
Rüstungsindustrie sowie überschüssige militärische
Ausrüstung haben, ist ein Großteil dessen nachfragebedingt. Obwohl die Lieferantenstaaten einen Teil der
Verantwortung für destabilisierende Waffentransfers
tragen, sind es vorrangig die Abnehmer der Waffen,
die die Auswirkungen ihrer Rüstungskäufe auf die für
die sozio-ökonomische Entwicklung eines Landesund
die regionale Stabilität verfügbaren Ressourcen abwägen müssen.

weise den Vorschlag unterbreitet, daß die Staaten
Informationen über militärische Bestände und Beschaffung durch die nationale Produktion bereitstellen.
Wir sehen der Arbeit der Genfer Abrüstungskonferenz
im nächsten Jahr im Hinblick auf diesen Vorschlag und
einige andere jetzt auf dem Tisch liegende entgegen.

Die Einrichtung und Arbeit des durch die Resolution
über Transparenz im Rüstungsbereich geschaffenen
Ad-hoc-Ausschusses, des seit mehreren Jahren von
der Genfer Abrüstungskonferenz ersten neu eingerichteten Ausschusses und des einzigen zu konventioneller Rüstung, war eine wichtige und positive Entwicklung. Wir sind jedoch enttäuscht, daß nur einige
Staaten zur Diskussion entscheidender Fragen bereit
sind, die sie stark betreffen, beispielsweise Transparenz beim Transfer konventioneller Waffen. Ferner
sind
wir enttäuscht, daß einige Mitgliedstaaten der
Maßnahmen zum Transfer von Waffen - sowohl seiGenfer
Abrüstungskonferenz den Versuch zur Erweitens der Käufer als auch der Verkäufer - müssen in
terung
des
Anwendungsbereichs dieser Resolution
Betracht ziehen, daß zwischen den legitimen Verteidiunternommen
haben, um Massenvernichtungswaffen
gungserfordernissen und dem internationalen Sichermit
einzubeziehen
und die Diskussion von Fragen zu
heitsinteresse an der Verhinderung einer destabilisiekonventionellen
Waffen
abzulenken, die eine direktere
renden Aufrüstung ein Gleichgewicht aufrechterhalten
Auswirkung
auf
ihre
eigene
Sicherheitspolitik haben.
werden muß, insbesondere in Spannungsgebieten
oder Konfliktregionen.
Bevor ich auf das nächste Thema zu sprechen komZur Erlangung dieses Gleichgewichts verdient nach me, möchte ich eine weitere bedeutende Maßnahme
Ansicht der Vereinigten Staaten der Vorschlag des zur Verbesserung der Transparenz erwähnen. Am 6.
UN-Generalsekretärs zu regionalen Abkommen ernst- August dieses Jahres gab der Senat seine Ansichten
hafte Prüfung, genauer zu definieren, was übermäßige und Zustimmung zur Ratifizierung des Vertrags über
oder bedrohliche militärische Kapazitäten darstellen. Offene Himmel, der bis heute weitestgehenden internationalen Bestrebung zur Förderung von Offenheit
Andere Punkte auf der Tagesordnung für regionale und Transparenz der Streitkräfte und ihrer Aktivitäten.
Rüstungskontrolle und vertrauensbildende Maßnah- Der Vertrag sieht ein vertrauensbildendes Regime von
men - die häufig eng mit dem Problem des Waffen- gegenseitigen Beobachtungsflügen über dem gesamtransfers verbunden sind - beziehen sich auf Transpa- ten Gebiet aller Signatarstaaten vor - einem riesigen
renz und Offenheit. Wenn keine regionale Verständi- Territorium.
gung darüber erreicht werden kann, was unter übermäßiger Aufrüstung zu verstehen ist - die wahrschein- Der Vertrag über Offene Himmel, der am 24. März
lich geraume Zeit erfordern wird - wäre ein leichterer 1992 in Helsinki von 25 Staaten unterzeichnet wurde,
Schritt zur Erlangung dieses Ziels größere Offenheit wird nach der Hinterlegung von 20 Ratifizierungsurund Transparenz bei der Waffenbeschaffung.
kunden in Kraft treten, einschließlich der aller Staaten
mit einer passiven Quote von acht oder mehr Flügen.
Aus der Perspektive der Vereinigten Staaten sind 80 Wir ermutigen alle Signatarstaaten, die Ratifizierung
Reaktionen auf das 1991 durch die Resolution über des Vertrags zügig vorzunehmen.
Transparenz im Rüstungsbereich (Transparency in
Armaments - TIA) erstellte UN-Register über konven- Der potentielle Umfang von Offene Himmel geht weit
tionelle Waffen eine gute Reaktion - aber nicht gut über die Grenzen seiner anfänglichen Signatarstaaten
genug. Das UN-Register über konventionelle Waffen hinaus. Die neuen unabhängigen Staaten der ehemakann ganz offensichtlich verbessert werden, und die ligen Sowjetunion werden als neue Mitglieder angeseVereinigten Staaten sehen dem für nächstes Jahr hen und können jederzeit beitreten. Andere Mitglieder
anberaumten Treffen von Regierungsvertretern er- der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in
wartungsvoll entgegen, einschließlich einer verstärk- Europa (KSZE) werden wahrscheinlich bald nach
ten Teilnahme von Mitgliedstaaten und besseren Inkrafttreten einen Antrag auf Mitgliedschaft stellen.
Ein halbes Jahr nach Inkrafttreten wird der Vertrag
Ergebnissen.
jedem interessierten Staat vorbehaltlich der ZustimDie Vereinigten Staaten haben bereits einige ihrer mung aller ursprünglichen Signatarstaaten offensteIdeen zur Förderung von Transparenz und Offenheit hen.
dargelegt. Während der Verhandlungen des Ad-hocAusschusses der Genfer Abrüstungskonferenz über Der Vertrag über Offene Himmel wird zu größerer
Transparenz im Rüstungsbereich haben wir beispiels- Offenheit und Transparenz bei militärischen AngeleSeite 6

AMERIKA DIENST 43

�genheiten in ganz Europa beitragen. Heute hat er
vielleicht größere Auswirkungen, entweder durch
erweiterte Teilnahme an dem Regime oder als mächtiges Modell für andere Regionen.
Nach dem Kalten Krieg
Die letzte große Aufgabe auf der Tagesordnung der
Rüstungskontrolle ist die Beseitigung des Schattens,
den die Relikte des Kalten Krieges werfen, einschließlich der Überrüstung auf atomarer und konventioneller
Ebene sowie der Überkapazität der Rüstungsindustrie.
Sicherstellung der Ratifizierung von START
Am 3. Januar 1993 unterzeichneten die Vereinigten
Staaten und Rußland das zweite Abkommen über die
Verringerung strategischer Rüstungen. Dieses im
allgemeinen als START-II-Vertrag bezeichnete Abkommen setzt den Prozeß der Stabilisierung des Abbaus
von Atomwaffenbeständen in den Vereinigten Staaten
und Rußland fort, der mit dem START-I-Vertrag begonnen wurde. Er geht jedoch über START I hinaus,
da er die Stabilität der verbleibenden Arsenale drastisch erhöht, indem er die Bestände spätestens bis
zum Jahr 2003 auf ein Niveau von 3.000 bis 3.500
Waffen senkt. Auch verbietet er schwere und mit
Mehrfachgefechtsköpfen bestückte ballistische Interkontinentalraketen, die traditionsgemäß als die destabilisierendsten erachtet werden.
START II ist ein bilateraler Vertrag zwischen den
Vereinigten Staaten und Rußland. Im Unterschied
dazu ist START I ein multilateraler Vertrag zwischen
den Vereinigten Staaten, Belarus, Kasachstan, Rußland und der Ukraine. Er besteht aus unabhängigen
Abkommen, die gleichzeitig in Kraft treten. START II
basiert jedoch auf den Definitionen und Verifikationsverfahren von START I. START II kann gemäß seinen
eigenen Bestimmungen nicht umgesetzt werden, bevor
START I in Kraft tritt.
Die baldmögliche Inkraftsetzung dieser beiden Abkommen ist ein Hauptziel der Vereinigten Staaten.
Sicherheit und Abrüstung
Obwohl wir der Ansicht sind, daß sich die Atomwaffen
in der ehemaligen Sowjetunion unter zuverlässiger
Kontrolle befinden, hat der Zusammenbruch der
Sowjetunion zu neuer Besorgnis über die Sicherheit
dieser nuklearen Systeme geführt. Im Laufe der
vergangenen zwei Jahre hat der Kongreß nahezu 1
Milliarde Dollar für die sichere Zerlegung von Massenvernichtungswaffen und die Verhinderung der Weiterverbreitung solcher Waffen bewilligt und beabsichtigt
im kommenden Jahr weitere 400 Millionen Dollar hierzu bereitstellen.
Unsere Aktivitäten in diesem Bereich ergänzen die
Umsetzung von Rüstungskontrollabkommen, stehen

AMERIKA DIENST 43

jedoch nicht in direktem Zusammenhang damit. Eine
Anzahl von Abkommen ist bereits in Kraft getreten,
darunter zehn Abkommen mit Rußland über Fragen
wie Hilfe beim Entwurf von Lagern für spaltbares
Material, Kontrolle und Nachweis von spaltbarem Material
sowie Zerlegung strategischer Offensivwaffen. Mit
Belarus wurden sechs Abkommen geschlossen, und
zur Zeit handeln wir Rahmenabkommen mit Kasachstan und der Ukraine aus, denen Zusatzabkommen
zur Durchführung folgen sollen.
Umsetzung von KSE und die Zukunft der sicherheitspolitischen Zusammenarbeit
Der infolge des Kalten Krieges entstandene militärische Schatten wurde nicht nurvon Atomwaffen geworfen. Im Hinblick auf konventionelle Waffen war Europa
die am stärksten bewaffnete Region auf der Welt.
Dieses Problem ging der Vertrag über konventionelle
Streitkräfte in Europa (KSE) an noch bevor die Berliner
Mauer fiel. Heute steht der KSE-Vertrag kurz vordem
Ende des ersten Jahres einer dreijährigen Phase für
die Reduzierung großer Mengen konventioneller
Rüstungen.
Ich freue mich Ihnen mitteilen zu können, daß die KSEVertragsparteien bisher den Abbau - im allgemeinen
durch Zerstörung - von mehr als 13.900 Panzern,
gepanzerten Kampffahrzeugen, Artillerieteilen, Kampfflugzeugen und Angriffshubschraubern bekanntgegeben haben - eine nach jedermanns Maßstab erhebliche Reduzierung. Zudem haben wir noch zwei weitere
Jahre, bis 1995, bevor wir in die Abbauphase eintreten.
Insgesamt ist die Umsetzung des KSE-Vertrags
bemerkenswert gut vonstatten gegangen. Der KSEVertrag ist sehr kompliziert und seine Umsetzung war
nicht ohne Mängel. Einige Probleme müssen noch in
Wien von dem Gremium zur Überwachung des Vertrags, der Gemeinsamen Konsultativgruppe, behandelt werden.
Wir hoffen und erwarten, daß sich dieser positive
Zustand fortsetzen wird. Die erneute Verhandlung der
Bestimmungen des Vertrags liegt in niemandes Interesse. Ein solcher Versuch würde die heiklen Kompromisse, die den KSE-Vertrag ermöglichten, gefährden.
Selbst in diesen veränderten Zeiten bleibt der KSEVertrag ein fundamentaler Bestandteil des europäischen Sicherheitssystems nach dem Kalten Krieg. Er
muß wirksam funktionieren und seine Ziele einer
umfassenden Reduzierung konventioneller Waffen
erreichen, bevor weitere Schritte in Betracht gezogen
werden können.
Das bedeutet jedoch nicht, daß man nicht über zusätzliche Rüstungskontrollbestrebungen und vertrauensbildende Maßnahmen als Beitrag zur Sicherheit in
Europa nachdenken sollte. Das ist in der Tat die
Aufgabe des KSZE-Forums für Sicherheit und Zusammenarbeit. Dieses Forum hat nach einjährigem Beste-

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�hen bereits Fortschritte bei einer Anzahl von Fragen
auf seinem Aktionsplan gemacht. Hierzu zählen ein
Verhaltenskodex auf dem Gebiet der Sicherheitsbeziehungen, Informationsaustausch, Verteidigungsplanung, Entwicklung der Prinzipien der Nichtverbreitung
und des Transfers konventioneller Waffen, Kontakte
zwischen den Militärs einzelner Länder sowie Arbeit an
sicherheits- und vertrauensbildenden Maßnahmen.
Die Arbeit des KSZE-Forums für Sicherheit und Zusammenarbeit richtet sich auf das für Dezember 1994
anberaumte Folgetreffen der KSZE in Budapest. Wir
hoffen, bis Budapest eine Anzahl von im Zusammenhang mit diesen und anderen Angelegenheiten stehende Fragen abschließen zu können.

Andere Fragen konventioneller Waffen
Die Vereinigten Staaten bringen dieses Jahr eine
Resolution ein, die sich mit der Hauptquelle regionaler
Instabilität und menschlicher Tragödien befaßt. Schätzungen der US-Regierung zufolge sind mehr als 85
Millionen nicht entschärfte Landminen in 62 Ländern
weltweit verteilt. Jeden Tag werden neue gelegt.
Ungefähr 150 Menschen - die Mehrheit Zivilisten werden jede Woche von Landminen getötet oder verletzt. Landminen sind eine Quelle regionaler Destabilisierung, da sie wirtschaftlichen Wiederaufbau und
Entwicklung hemmen, die Rückführung von Flüchtlingen verhindern und ein beständiges Element von
Chaos in nach politischer Stabilität strebenden Ländern darstellen.

Rüstungskonversion
Ein Vermächtnis des Kalten Krieges waren nicht nur
Waffen, sondern auch die zu ihrer Herstellung erforderlichen Industrien. Die Konkurrenten bei dieser
Konfrontation sehen sich jetzt einer enormen Überkapazität in der Rüstungsindustrie gegenüber. Die
Konversion dieser Kapazitäten zu friedlicher kommerzieller Nutzung trägt zu Wirtschaftswachstum bei und
ist eine hohe Priorität. Besonders akut ist das Problem
in der ehemaligen Sowjetunion, da diese sich von einer
vom Verteidigungssektordominierten Kommandowirtschaft in eine Marktwirtschaft umgestalten will.
Wir alle haben ein Interesse an einer erfolgreichen
Konversion der Rüstungsindustrie, nicht nur weil das
daraus resultierende Wirtschaftswachstum größere
Stabilität fördern sollte, sondern auch weil sie anderen
wichtigen Zielen der Rüstungskontrolle wie der Nichtverbreitung dient. Alternative Beschäftigung von
Wissenschaftlern aus dem Rüstungsbereich in der
ehemaligen Sowjetunion ist beispielsweise zu einem
ganz wichtigen Anliegen geworden. Kurzfristige zivile
Forschungs- und Entwicklungsprojekte für diese Wissenschaftlerwerden durch die neugeschaffenen internationalen Wissenschafts- und Technologiezentren in
Moskau und Kiew finanziert. Darüber hinaus haben
diese Wissenschaftler die Möglichkeit, langfristig Hightech-Unternehmen im Zivilbereich zu schaffen, die
kommerziell tragfähig sind. Zur Untersuchung dieses
Konzepts hat meine Behörde in Zusammenarbeit mit
dem Energieministerium und dem russischen Atomenergieministerium unternehmerische Workshops in
Moskau unterstützt, an der eine Reihe russischer
Atomforscher teilnehmen.

Unseres Erachtens ist es an der Zeit, dieses Problem
an der Wurzel zu packen. Im vergangenen Jahr hat die
amerikanische Regierung ein einjähriges unilaterales
Moratorium für den Export von gegen Personen gerichtete Landminen verlängert. Der Senat verabschiedete vor kurzem einstimmig eine dreijährige Verlängerung dieses Moratoriums. Wir erwarten, daß das
Repräsentantenhaus in Kürze über diese Frage abstimmt. Ich bitte Sie um die Unterstützung meiner
Regierung bei ihren Bemühungen, die Welt mit Hilfe
von Exportkontrollen von Landminen zu befreien.
Schlußbemerkung
Ich habe heute ausführlich die vor uns liegenden
Aufgaben im Bereich Rüstungskontrolle und Nichtverbreitung angesprochen, weil es von Bedeutung ist, die
bestehenden Handlungsmöglichkeiten und -erfordernisse zu erkennen. Wie dieser Überblick zeigt, haben
wir bei mehreren Fragen in einer Reihe von Regionen
mit einer ganzen Anzahl von Rüstungskontrollinstrumenten größere Fortschritte gemacht.

Wir haben Fortschritte erzielt, aber es liegt noch ein
langer Weg vor uns. Wie ich bereits erwähnte, müssen
wir darüber nachdenken, wie wir Rüstungskontrolle
und vertrauensbildende Maßnahmen nutzen können,
um die für eine stabile und friedliche Welt erforderlichen Erwartungen, Beziehungen und das Verhalten zu
fördern. Wir werden unsere Ziele nicht erreichen,
wenn wir nicht die gefährliche Tendenz der Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen umkehren
können, wenn wir nicht strenge internationale Normen
für die Nichtverbreitung aufstellen und beibehalten
können, wenn wir nicht zur Beilegung von StreitigkeiDas Problem ist natürlich nicht allein Rußland oder die ten in jenen Regionen der Welt beitragen können, die
Ukraine. Die anderen Staaten der ehemaligen Sowjet- am anfälligsten für Gewalt und Konflikte sind, wenn
union, die ehemaligen Mitglieder des Warschauer Pakts, uns nicht die sichere und dauerhafte Beseitigung der
die NATO und die Vereinigten Staaten selbst sehen Überreste des Kalten Krieges gelingt.
sich Herausforderungen unterschiedlicher Größenordnung im Bereich der Rüstungskonversion gegenüber. Veränderungen in der internationalen Situation beinIn einer Welt, in der wirtschaftliche Sicherheit in der Öf- halten zwar möglicherweise Gefahren und sicherlich
fentlichkeit an erster Stelle steht, können wir es uns Herausforderungen, jedoch auch die Hoffnung, den
nicht leisten, die Technologie und das Talent der Ver- Antagonismus des Kalten Krieges durch Zusammenarbeit zu ersetzen und ein immer stabileres strategiteidigungsindustrie ungenutzt zu lassen.
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�sches Gleichgewicht zu schaffen, die Weiterverbreitung zu verhindern und regionale Konflikte einzudämmen. Wir werden dazu beitragen, diese Hoffnungen

Realität werden zu lassen, wenn wir alle weiterhin
gemeinsam vernünftige Rüstungskontrolle und vertrauensbildende Maßnahmen anstreben.

* *

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Seite 9

�UMWELT
27. Oktober 1993

SCHLUSSELELEMENTE DES AKTIONSPLANS
ZU KLIMAVERÄNDERUNGEN
Übersicht des Weißen Hauses
WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton hat einen Aktionsplan zu Klimaveränderungen vorgeschlagen, der die
vielleicht größte Gefahr für die Umwelt unseres Planeten bekämpfen soll. Der Plan beruht weitgehend auf der
freiwilligen Verpflichtung der Industrie, die Emissionen der zurglobalen Erwärmung beitragenden Treibhausgase
zu reduzieren.
Nachfolgend veröffentlichen wir eine am 19. Oktober 1993 vom Weißen Haus herausgegebene Übersicht, die
die Schlüsselelemente von Präsident Clintons Aktionsplan zusammenfaßt.

Überblick und Schlüsselelemente des Plans
Der Aktionsplan zu Klimaveränderungen
umfaßt nahezu 50 Initiativen aus allen Wirtschaftssektoren. Es handelt sich hierum ein die
gesamte Wirtschaft betreffendes Problem, das
Lösungen aus allen Bereichen der Wirtschaft
erfordert,
,,

betrifft alle Treibhausgase - Kohlendioxid, Methan, Stickoxid und andere Gase. Ferner sind
forstwirtschaftliche Maßnahmen vorgesehen, um
den Kohlenstoffvorrat in den amerikanischen
Wäldern zu erhalten,
soll zügig und entschieden umgesetzt werden
und Verzögerungen aufgrund von Gesetzen
und Vorschriften möglichst begrenzen,
fördert die Partnerschaft mit der Industrie, wo
gezielte staatliche Leitung und ein flexibler Ansatz
eine kostengünstige Reduzierung der Emissionen bewirken können. Der Plan fördert Investitionen in Technologien der Zukunft und stärkt
die amerikanische Position auf dem Weltmarkt
für Umwelttechnologie,
wird durch Bundesmittel unterstützt - zwischen
1994 und dem Jahr 2000 mit 200 bis 300 Millionen Dollar jährlich, das sind insgesamt 1,9 Mil-

AMERIKA DIENST 43

liarden Dollar an neuen und umgelenkten Finanzmitteln,
senkt das Defizit durch zwei neue politische
Maßnahmen. Eine erlaubt Pendlern, sich die
vom Arbeitgeber bezahlte Parkgebühr auszahlen zu lassen, wobei der Wert dieser Leistung
dem zu versteuernden Einkommen angerechnet wird. Die zweite würde Privatunternehmern
gestatten, bereits bestehende staatliche Wasserkraftwerke zu modernisieren und den zusätzlich gewonnenen Strom als Gegenleistung
für Pachtzahlungen zu verkaufen. Diese Reformen führen zu Einnahmen aus neuen Markttransaktionen, die zur Reduzierung der Treibhausgase beitragen und sich zwischen 1994
und dem Jahr 2000 auf 2,7 Milliarden Dollar
belaufen werden,
setzt zwischen 1994 und dem Jahr 2000 Privatinvestitionen in Umwelttechnologien in Höhe
von 60 Milliarden Dollarfrei. Diese Investitionen
zahlen sich für amerikanische Unternehmen
und Bürger aus - sie sollen zwischen 1994 und
dem Jahr 2000 zu einer Senkung der Energiekosten in Höhe von mehr als 60 Milliarden Dollar
führen und zwischen 2001 und 2010 zu weiteren
Energieeinsparungen in Höhe von über 200
Milliarden Dollar,

Seite 1

�umfaßt ein gemeinsames Pilotprogramm, um
Erfahrung bei der Auswertung von Investitionen
in anderen Ländern zur Reduzierung von Emissionen zu gewinnen,
wird aktiv auf Fortschritte bei der Erreichung des
vom Präsidenten gesetzten Zieles hin überprüft
und gegebenenfalls neue Programme zur Sicherstellung einer Reduzierung der Emissionen
ins Leben rufen,
stellt ein Team des Weißen Hauses auf, das
Strategien für die langfristige Reduzierung der
Emissionen entwirft, einschließlich Abgasen von
Kraftfahrzeugen und Lastkraftwagen.
Schlüsselprogramme einzelner Sektoren
Wohnungswesen
Energiesparende Hypothekeninitiative, um
Hausbesitzern bei herkömmlichen Hypotheken
die Möglichkeit zur Finanzierung von Energiesparmaßnahmen einzuräumen, wenn die eingesparten Energiekosten die erhöhte Hypothekenzahlung mehr als ausgleichen.
Aggressivere Normen für die Überprüfung der
Effizienz bei einer Reihe von Haushaltsgeräten,
um den Energieverbrauch und die Stromrechnungen zu senken. Diese Normen werden von
innovativen öffentlichen/privaten Konsortien
ergänzt, die die Hersteller zur Entwicklung
energiesparender Geräte ermutigen, indem sie
der besten Technologie einen Absatzmarkt
garantieren.
Handel
Bedeutend erweiterte Partnerschaftsprogramme fürdie Energieeinsparung in Bürogebäuden.
Diese sind erfolgreichen Bestrebungen des Umweltschutzamtes nachempfunden und enthalten eine Erweiterung des Programms "Green
Light" dieses Amtes sowie neue koordinierte
Bestrebungen des Umweltschutzamtes, genannt
Energy Star Buildings, und des Energieministeriums, genannt Rebuild America program.
Hilfe bei der Finanzierung gemeinsam getragener Demonstrationsprojekte für kommerzielle
Bautechnologie bei staatlichen, bundesstaatlichen und kommunalen sowie privaten Gebäuden.
Industrie
Motoren - eine Partnerschaft zwischen Verwendern von Motoren (die praktisch den größten
Energieverbauch haben), Herstellern, Einrichtungen und dem Energieministerium zur Förderung effizienter Motoren.

Seite 2

Gründung von Marktkonsortien fürden Kauf von
modernen, energiesparenden Geräten für die
Industrie.
Transportwesen
Reform des Parkens, um dem Arbeitnehmer die
Option zu geben, den Gegenwert des vom
Arbeitgeber bezahlten Parkplatzes in bar zu
erhalten als Anreiz, nicht allein zur Arbeit und
zurück nach Hause zu fahren - und Einnahmen
zu schaffen (das statt der Parkgenehmigung
ausgezahlte Bargeld muß als Einnahme versteuert werden).
Eine einjährige Strategie für das Transportwesen. Das Büro für Wirtschaftspolitik des Weißen Hauses (Office of Economic Policy - OEP),
der nationale Wirtschaftsrat (National Economic Council - NEC) und das Büro für Wissenschaft und Technologie des Weißen Hauses
(Office of Science and Technology Policy OSTP) werden ein Team anführen, um zwingend vorgeschriebene oder nicht zwingend vorgeschriebene Mechanismen zum Abbau der
Treibhausgasemissionen des Transportsektors
auszumachen - dem Sektor mit den am schnellsten zunehmenden Emissionen.
Elektrizitätswerke
Freiwillige Verpflichtungen der Elektrizitätswerke zum Abbau der Treibhausgase. Das Energieministerium hat von rund 60 Elektrizitätswerken Absichtserklärungen für die Aushandlung
von Grenzwerten für Treibhausgasemissionen
erhalten, die über 60 Prozent der C02-Emissionen dieses Sektors erzeugen.
Erweiterung der integrierten Ressourcen-Planungshilfe für die Überwacher bundesstaatlicher Elektrizitätswerke zur Verbesserung der
Energiesparprogramme und Entwicklung erneuerbarer Energiequellen.
Normen für elektrische Transformer zur Verbesserung der Übertragungsleistung.
Methan und andere Gase
Aggressive Vorschriften des Umweltschutzamts
für Müllhalden zur Begrenzung der Methanemissionen von Müllhalden und zur Weiterverwendung des aufgefangenen Methans im Energiesektor.
Erweitertes Erdgasprogramm ("Star") des
Umweltschutzamts zur Verringerung des Austretens von Methan aus Erdgasleitungs-Verteilersystemen.
Freiwillige Abkommen und Partnerschaften mit
FCKW- und Aluminiumherstellern zur VerwenAMERIKA DIENST 43

•
,

�düng von hochmodernem Gerät zur Verringerung potentieller Treibhausgasemissionen im
Herstellungsbetrieb.
Forstwirtschaft

Zukunft ein. Der internationale Rahmen bedarf
jedoch noch der Weiterentwicklung. Das Pilotprogramm des Präsidenten trägt zur Vertiefung
der Erfahrungen bei und fördert den internationalen Rahmen. Der Plan erfüllt mit Hilfe von
Aktionen im Inland das für das Jahr 2000 gesetzte Ziel.

Erweiterung dertechnischenHilfedes Landwirtschaftsministeriums an Kleinbau ern fü r bessere
Forstverwaltung, womit der Kohlenstoffvorrat in Überwachung und Beurteilung
stehenden Wäldern erhöht wird.
Der Aktionsplan enthält Bestimmungen für
Erweiterung der Recyclingprogramme des
kontinuierliche Überwachung, Auswertung und
Umweltschutzamts und des Landwirtschaftsmieventuelle Überarbeitung, wenn Emissionstennisteriums, die zur Reduzierung der Nachfrage
denzen anzeigen, daß mehr zur Verwirklichung
nach Urholz für Papier und Pulpe beitragen.
des Ziels getan werden muß, zum Emissionsniveau von 1990 zurückzukehren. Der Plan sieht
Internationale Bestrebungen
ferner interministerielle Arbeitsgruppen unter
dem Vorsitz des Weißen Hauses zur ErarbeiGemeinsames Pilotprogramm zur Durchführung.
tung
einer langfristigen Strategie zu KlimaveProjekte zum Emissionsabbau in Übersee werränderungen
vor, einschließlich Emissionen des
den gemeinsam durchgeführt und nehmen breiten
Transportsektors.
Raum bei den Plänen zahlreicher Länder für die

* *

AMERIKA DIENST 43

Seite 3

�</text>
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dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

^
Information^*
United States
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Embassy of tiie
U31S USRAHY

^r,0N ^

Z12462 C

Deichmanns Aue ^s

53170 Bonn
3. November 1993

44

HANDEL

NAFTA SOLL 200.000
ARBEITSPLÄTZE SCHAFFEN
Rede des Präsidenten in der
John F. Kennedy Library

REGIONALE ABKOMMEN ERLEICHTERN
WELTHANDEL
von Mickey Kantor

WETTBEWERB

WETTBEWERB BEWIRKT
PRODUKTIVITÄTSVORTEILE DER USA
von William Lewis

USIA

ZUSAMMENARBEIT IN
NEUEN NATIONEN
Rede von USIA-Direktor Duffey

DROGEN

USA WOLLEN BEI DROGENBEKÄMPFUNG
MIT ANDEREN LÄNDERN
ZUSAMMENARBEITEN
Erklärung Browns vor der
UN-Generalversammlung

PORTRÄT

RÜSTUNGSKONTROLLE BLEIBT
DRINGENDES ANLIEGEN
Porträt von John Holum

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-33923 72
Fax:0228-3341 02

�HANDEL
3. November 1993

NAFTA SOLL 200.000 ARBEITSPLÄTZE SCHAFFEN
Rede des Präsidenten in der John F. Kennedy Library
BOSTON - (AD) - In einer Rede am 29. Oktober 1993 in der John F. Kennedy Library erklärte Präsident Clinton,
das Abkommen über die Nordamerikanische Freihandelszone (NAFTA) werde bis zum Jahr 1995 ungefähr
200.000 neue Arbeitsplätze schaffen und einen riesigen neuen Markt öffnen. Der Präsident stellte fest: "In noch
viel stärkerem Ausmaß als zu Präsident Kennedys Zeiten verschwindet heutzutage die Grenze zwischen Au ßenund Innenpolitik. Millionen unsererbesten Arbeitsplätze stehen in engem Zusammenhang mit unserer Fähigkeit,
Handel zu treiben sowie unsere Produkte auf der ganzen Welt zu verkaufen, und unsere Fähigkeit zur Schaffung
von Millionen weiterer Arbeitsplätze hängt ganz offensichtlich von unserer Zusammenarbeit mit unseren
Freunden, Nachbarn und Partnern ab, um unsere Chancen in der Weltwirtschaft zu erhöhen."
Nachfolgend veröffentlichen wir das inoffizielle Transkript der Rede Präsident Clintons.

Vielen Dank für Ihre bewegenden Worte, Senator
Kennedy, und für Ihre Freundschaft und Führung. Ich
begrüße Jacky, Caroline, John und alle anderen
anwesenden Mitglieder der Familie Kennedy. Herr
Kongreßabgeordneter Kennedy, ich danke Ihnen für
ihre ausgezeichneten Ausführungen. Ich heiße die
Senatoren, Mitglieder des Kongresses und hier vertretenen Gouverneure sowie alle an diesem historischen
Tag Versammelten willkommen.

flüchtige Zeit John F. Kennedys unter uns einzigartig in
der Geschichte unserer großen Nation.
Er war nur 1.000 Tage lang unser Präsident, aber wie
die M itglieder seiner Familie so beredt darlegten, hat er
unsere Einstellung gegenüber unserem Land, unserer
Welt und unseren zukünftigen Verpflichtungen geändert. Er nahm die Amerikaner mit auf das gewagte
Abenteuer, das er "New Frontier" nannte. Damals
äußerte er: "Die New Frontier, von der ich spreche, ist
kein Versprechen, sondern eine Herausforderung. Sie
faßt nicht das zusammen, was ich dem amerikanischen Volk anbieten, sondern was ich ihm abverlangen will." Er brachte Millionen von uns dazu, persönlich die Verantwortung dafür zu übernehmen, unser
Land voranzubringen und die Sache der Freiheit auf
der ganzen Welt zu fördern. Er überzeugte uns, daß
unsere Bestrebungen sowohl aufregend als auch lohnend sein würden. Er erinnerte uns daran, daß unsere
Demokratie ein kühnes und gewagtes Abenteuer ist.

Ich möchte Ihnen sagen, daß ich mich heute wie zu
Hause fühlte, als ich aus meinem Auto stieg und die
Band von Harvard den Yale Song spielte. Es erinnerte
mich an die Zeit, als Präsident Kennedy seinen Abschluß in Yale machte und feststellte, er hätte weder
auf das eine noch das andere verzichten müssen: Eine
Ausbildung in Harvard und einen Abschluß in Yale. Ich
hatte die Band von Harvard und den Song von Yale.
Harvard hat sehr hohe Maßstäbe. Man hat mir dort
noch keinen akademischen Grad angeboten. Aber für
einige von uns ist Musik wichtiger als ein UniversitätsSeit der dreijährigen Amtszeit Präsident Kennedys
abschluß.
sind drei Jahrzehnte vergangen, aber seine Legende
Der große Sieger in der irischen Mythologie war der lebt weiter an den New Frontiers, die wir noch erforjunge Krieger Cu Chulainn. Der Legende zufolge war schen.
er ein Held, der unter den Sterblichen seinesgleichen
suchte. Eines Tages sagte ihm ein Priester: "Du wirst Denken Sie an seinen Aufruf zu religiöserToleranz vor
glorreich und berühmt sein, aber ein kurzes Leben den Baptistenpredigern in Houston und erinnern Sie
haben." Cu Chulainn erwiderte: "Selbst wenn ich nur sich daran, daß wir erst diese Woche im Senat das von
einen Tag und eine Nacht auf dieser Welt habe, reicht Senator Kennedy vorgelegte Gesetz über die Wiederes aus, vorausgesetzt mein Ruhm und meine Taten herstellung der Religionsfreiheit annahmen. Ich danke
leben weiter." Wie die Legende Cu Chulainns bleibt die Ihnen dafür, Herr Senator. Denken Sie an den Einsatz

AMERIKA DIENST 44

Seite 1

�Präsident Kennedys für die fundamentalen Bürgerrechte und daran, daß wir genau in diesem Jahr das
Motor Voter Act einbrachten, das seit langem wichtigste Bürgerrechtsgesetz. Und ich bin stolz darauf, daß
wir jetzt die im Hinblick auf rassische Herkunft vielfältigste Administration in der Geschichte der Vereinigten
Staaten haben.
Von der auf ihn zurückgehenden Gründung des Peace
Corps bis zur Schaffung des Corps für den Nationalen
Sozialdienst, das durch das soziale Jahr hier in seiner
Heimatstadt Boston inspiriert wurde, zieht sich wie ein
roter Faden die Herausforderung, junge Menschen zu
Höherem zu berufen. Von seinem Weltraumprogramm
bis zur Errichtung der Weltraumstation in diesem Jahr
beobachten wir die kontinuierliche Bereitschaft der
Amerikaner, selbst angesichts wirtschaftlicher Schwierigkeiten die Weite des Universums zu erforschen.
Von seinem Streben nach Gesundheitsversorgung für
ältere Menschen bis zu den Bemühungen um Gesundheitsversorgung für alle Amerikaner, die in dem diese
Woche von der First Lady und mir dem Kongreß
vorgelegten Gesetz enthalten sind, zieht sich ein Faden
der Entschlossenheit, endlich eines der drängendsten
innenpolitischen Probleme in der Geschichte der Vereinigten Staaten zu lösen. Von seinen Bemühungen
um einen Vertrag über das Verbot von Atomtests bis zu
unseren Bestrebungen zur Eindämmung der Weiterverbreitung aller Massenvernichtungswaffen und der
tatsächlichen Zerlegung des Großteils der Atomwaffen weltweit sehen wir die gemeinsame Anstrengung
einer amerikanischen Führungsrolle, die Menschheit
vor der atomaren Vernichtung zu bewahren.

und wir bezahlten den Preis dafür mit einem bedrohten
Frieden, einer Beschränkung des Handels, höheren
Zöllen, der Großen Depression, einem Verlust von
Arbeitsplätzen, zerstörten Leben, dem Ansteigen des
Faschismus im Ausland und einem schrecklichen
Zweiten Weltkrieg, der mehr Opfer unter den jungen
Amerikanern forderte als jeder andere Krieg, mit
Ausnahme unseres eigenen Bürgerkriegs.
Jack Kennedy kehrte nach diesem Zweiten Weltkrieg
mit der Einsicht nach Hause zurück, daß Amerika sich
nicht zurückziehen darf. Wenn wir nicht die Ereignisse
mitbestimmen, werden wir von ihnen bestimmt - und
häufig auf eine Art und Weise, die für uns eine große
Gefahr darstellt. Eine neue Generation von Amerikanern lernte nach dem Zweiten Weltkrieg zusammen
mit ihm diese Lektion. Gemeinsam bauten sie Japan
und Europa wieder auf und dämmten den sowjetischen Expansionismus ein. Sie gründeten die Institutionen für den Erhalt von Sicherheit und Wohlstand
nach dem Krieg. Und indem sie sich entschlossen,
sich nach au ßen statt nach innen zu wenden, brachten
sie dem amerikanischen Volk eine Periode wirtschaftlichen Wachstums und der Sicherheit, die einzigartig in
unserer Geschichte ist. Es entstand eine große Mittelklasse, und der Amerikanische Traum wurde im Leben
der Amerikaner Wirklichkeit, nicht nur in den Augen
ihrer Eltern.

Heute befinden wir uns in einer ähnlichen Zeit großer
Entscheidungen. Das Ende des Kalten Krieges hat
eine sich wandelnde Welt hinterlassen. Das sowjetische Imperium und die Sowjetunion existieren nicht
mehr. Rußland, einst unser atomarer Gegner, ist jetzt
John F. Kennedy verkörperte die Einstellung, daß wir unser Partner beim Abbau der atomaren Bedrohung
sowohl bei Ereignissen jenseits unserer Grenzen als und der Ausweitung von Demokratie. Frühere Feindauch angesichts von Herausforderungen im Heimat- seligkeiten im Nahen Osten weichen jetzt den Verspreland viel bewirken können. Er vertrat die Ansicht, daß chungen des Friedens - ein Wandel, der letzten Monat
Millionen Menschenleben von unserer Führungsrolle für Millionen Menschen durch einen einfachen, aufseund unseren Idealen abhängen sowie unsere eigene henerregenden Händedruck greifbar wurde. Nach
Sicherheit und unser Wohlstand wiederum davon, daß Jahrzehnten der Apartheit ging der Friedensnobelwir die übrige Welt einbeziehen. Und das ist der preis an zwei führende Politiker unterschiedlicher
Grund, warum sein Bild heute immer noch in unseren Hautfarbe, die sich für eine nichtrassische Demokratie
Häusern hängt - nicht nur in den irischen Stadtbezirken in Südafrika einsetzen.
von Boston und Chicago, sondern in Dörfern und
Diese Umbrüche wurden von anderen großen VeränStädten von Afrika bis Lateinamerika.
derungen auf der Welt begleitet, in vielen Fällen sogar
John F. Kennedys frühe Jahre fielen in eine Zeit, in der angetrieben, die durch die Revolution im Kommunikadie meisten Amerikaner nicht der Meinung waren, daß tionswesen sowie den neuen Weltmarkt entstanden,
wir uns in der Welt stark engagieren sollten. Nach dem der von Unternehmergeist und hartem Wettbewerb
Ersten Weltkrieg wendeten sich die Vereinigten Staa- gekennzeichnet ist und sich mit Lichtgeschwindigkeit
ten nach innen und waren nicht bereit, die neuen verändert. Wir sehen hier überall in Amerika die
Lasten des Friedens zu tragen.
Auswirkungen - an unserem Arbeitplatz, in unseren
Familien und in unseren Städten.
Man nannte das Rückkehr zur Normalität. In Wahrheit
war es jedoch ein Rückzug von den harterkämpften Einige dieser Auswirkungen sind keineswegs vielverSchlachtfeldern, auf denen wir einen Sieg errungen sprechend. In vielen Teilen der Welt wird dem Verhatten. Kein Feuerwehrmann in Boston würde es sprechen von Frieden, Freiheit und Demokratie immer
wagen, das Löschwasser zu früh abzudrehen und ein noch entgegengewirkt. Für Millionen Menschen ist
schwelendes Haus zurückzulassen, aber genau das das Versprechen von Wohlstand immer noch eine
tat Amerika in den zwanziger und dreißiger Jahren, Illusion, nicht nur in armen Ländern, sondern zunehSeite2

AMERIKA DIENST 44

�mend auch in den prosperierenden. Hier in unserem
Land hatten wir ebenso wie in anderen reichen Ländern unsere Schwierigkeiten mit der Schaffung von
Arbeitsplätzen und der Erhöhung der Einkommen.
Zur Zeit führt die Technologie nicht zu Wachstum und
Wohlstand für Millionen unserer Bürger. Wir sehen
das an der zunehmenden Unsicherheit in ganz Amerika - die Menschen fürchten um ihre Arbeitsplätze, ihre
Gesundheitsversorgung, ihre Gemeinden, die Ausbildung ihrer Kinder und ihre Sicherheit.
Die neue Weltwirtschaft wird von Demokratie dominiert, jedoch von Kriegen und Unterdrückung beeinträchtigt. Sie wird durch neue Technologien und neue
Horizonte erweitert, jedoch durch langsames Wachstum sowie stagnierende Arbeitsplätze und Einkommen begrenzt. Dennoch ist diese neue Weltwirtschaft
unsere "New Frontier".
Unsere Generation muß jetzt ebenso wie John F.
Kennedy und seine Generation nach dem Ende des
Zweiten Weltkrieges entscheiden, ob wir uns die galoppierenden Veränderungen unserer Zeit zunutze
machen - in der besten Tradition John F. Kennedys
und der Nachkriegsgeneration - zum Wohle des
amerikanischen Volkes, oder ob wir uns von der Welt
zurückziehen und vor unseren eigenen Problemen
zurückschrecken wie nach dem Ersten Weltkrieg.
Werden wir wie die Amerikaner der zwanziger Jahre
dieses Jahrhunderts oder wie die Ende der vierziger
und Anfang der fünfziger Jahre? Werden wir wie die
Amerikaner, die John F. Kennedy zum Präsidenten
wählten, oder wie diejenigen, die der Welt den Rücken
zukehrten und den Preis dafür bezahlten?

Wir müssen dem amerikanischen Volk noch einmal
klarmachen, daß unser Erfolg zu Hause von unserem
Engagement im Ausland abhängt, daß wir uns gleichzeitig unseren Problemen zu Hause stellen und die
Welt einbeziehen müssen. In noch viel stärkerem
Ausmaß als zu Präsident Kennedys Zeiten verschwindet heutzutage die Grenze zwischen Außen- und
Innenpolitik. Millionen unserer besten Arbeitsplätze
stehen in engem Zusammenhang mit unserer Fähigkeit, Handel zu treiben sowie unsere Produkte auf der
ganzen Welt zu verkaufen, und unsere Fähigkeit zur
Schaffung von Millionen weiterer Arbeitsplätze hängt
ganz offensichtlich von unserer Zusammenarbeit mit
unseren Freunden, Nachbarn und Partnern ab, um
unsere Chancen in der Weltwirtschaft zu erhöhen. Aus
diesem Grund müssen wir uns der Konkurrenz stellen
und dürfen uns nicht zurückziehen, und aus diesem
Grund hängt unser Interesse an den Ereignissen innerhalb unserer Grenzen bis zum kleinsten Dorf oder
zur prosperierendsten Gegend einer Stadt von einem
Interesse an unseren Unternehmungen jenseits unserer Grenzen ab.

In den vergangenen Monaten stand dieses Gebot im
Zentrum der Bestrebungen dieser Administration. Wir
haben uns um die Unterstützung der Reformen in
Rußland und den anderen Nachfolgestaaten der
Sowjetunion bemüht. Wir haben unsere Beziehungen
zu Japan auf eine neue Grundlage gestellt, die der
wirtschaftlichen Dynamik der Beziehungen zwischen
unseren beiden Ländern mehr Rechnung trägt. Wir
streben durch die GATT-Gespräche ein neues weltweites Handelsabkommen an. Es gibt jedoch kein
besseres Beispiel für unseren Versuch, die Welt einzubeziehen, als die Sicherstellung eines NordamerikaniPräsident Kennedy verstand diese durch den Wandel schen Freihandelsabkommens mit Kanada und Mexigeschaffenen Herausforderungen. Er glaubte an die ko, das bis zum Jahr 1995 200.000 neue Arbeitsplätze
Öffnung des Welthandelssystems, er glaubte aber für unser Land schaffen, einen riesigen neuen Markt
auch, daß wir Amerikas Arbeitnehmern helfen müs- eröffnen, 90 Millionen Freunde gewinnen und den Weg
sen, die keine Vorteile von der Ausweitung des Han- zur Einbeziehung ganz Lateinamerikas - mit 700 M illiodels hatten, sich an die Härten dieses Handelsund des nen Einwohnern - in ein Handelsgefüge ebnen kann,
das ihnen und uns Wohlstand bringen wird.
internationalen Wettbewerbs anzupassen.
Um den Arbeitnehmern, die aufgrund des Handels
ihren Arbeitsplatz verloren hatten, bei der Suche nach
einem neuen Arbeitsplatz behilflich zu sein, der durch
die erweiterte Weltwirtschaft geschaffen würde, legte
John F. Kennedy 1962 den Vorschlag für das vom
Kongreß erarbeitete Hilfsprogramm für Handelsanpassungen (Trade Adjustments Assistance Program)
vor. 1962 stellte er fest: "Wirtschaftliche Isolation und
eine politische Führungsrolle sind absolut nicht miteinander vereinbar. Die Vereinigten Staaten haben tiefgreifende Veränderungen für eine freie Weltwirtschaftsordnung ermutigt, um die Kräfte der Freiheit zu stärken, aber wir selbst dürfen nicht stillstehen. Wir
müssen unsere eigene Wirtschaft an die Gebote einer
sich wandelnden Welt anpassen und unsere Führungsrolle erneut bekräftigen."

AMERIKA DIENST 44

Gestern abend habe ich bei einer Versammlung von
Führungskräften in New York erklärt, wenn die Unternehmer wollen, daß die Amerikaner in Zeiten großer
Unsicherheit freien Handel unterstützen statt ihn abzulehnen, sollten sie Amerikaner unterstützen, die nicht
nur gewinnen wollen, sondern auch vorübergehend
mobil sein müssen. Sie sollten eine neue, modernere
Vision von Hilfe für Handelsanpassungen fördern, die
dieses Mal funktioniert. Sie haben kein Recht, Opfer
- und sei es nur von einem einzigen Amerikaner - zu
verlangen, es sei denn, sie tätigen gemeinsame Investitionen, damit wir im Geiste des Gemeinschaftsinteresses in diesem Land und zusammen mit Lateinamerika wachsen können.
Heute sage ich Ihnen jedoch, daß es bei unserer
Entscheidung um mehr als Dollars geht, daß ebenso

Seite 3

�wie sich die Unternehmer um ihre Arbeitnehmer kümmern und in ihre Zukunft investieren müssen, die
Amerikaner als Volk ohne Rücksicht auf ihren wirtschaftlichen Status verstehen müssen, daß unser
Schicksal als Nation von unserem kontinuierlichen
Einbeziehen anderer Nationen abhängt. Aus diesem
Grund haben hier in Boston der Kongreßabgeordnete
Kennedy und sein Vorgänger O'Neill von dem Sitz im
Kongreß aus, auf dem einst John F. Kennedy saß,
diese neue Expansion amerikanischer Interessen
unterstützt. Und ich bin der Ansicht, daß Präsident
Kennedy sie ebenfalls unterstützen würde, wenn er
diesen Sitz im Kongreß noch innehätte.
Wie Sie sich vielleicht erinnern, waren die lateinamerikanischen Länder auf dem Weg zu einer Regierung
mit größerer Rechenschaftspflicht und offeneren Volkswirtschaften, als Präsident Kennedy die Allianz für den
Fortschritt befürwortete. Dann ereigneten sich jedoch
eine Reihe von Rückschlägen und Lateinamerika erlebte eine Periode tiefgreifender Unruhen, politischer
Unterdrückung und wirtschaftlicher Zerstörung. All
dies ändert sich jetzt. Die Bestrebungen der lateinamerikanischen Länder werden belohnt: Immer mehr
Demokratien, die am zweitschnellsten wachsende
Region der Welt und der echte Wunsch, enge Freunde
von uns zu sein.
Präsident Roosevelt war ein Verfechter einer gutnachbarschaftlichen Politik gegenüber Lateinamerika.
Präsident Kennedy bezeichnete sie als Allianz für den
Fortschritt. Wir wissen, daß wir keine Politik der
schlechten Nachbarschaft haben können. Wir wissen,
daß wir nicht ein Bündnis zu unserem Schutz auf ihre
Kosten haben können. Wir wissen, daß die Menschen,
die unsere Produkte kaufen und an unserer Zukunft
teilhaben wollen, eine Chance haben sollten, uns bei
der Lösung unserer Probleme im Inland behilflich zu
sein, selbst während wir ihnen dabei helfen, ihr Schicksal selbst zu bestimmen.

und an dem Leid unserer Zeit beteiligen aus Furcht vor
dem Urteil, wir hätten nicht gelebt. Niemand würde je
eine solche Anschuldigung gegen John F. Kennedy
erheben.
Dies ist unsere Stunde der Entscheidung. Dies ist das
Ende des Kalten Krieges. Dies ist der Anbruch des 21.
Jahrhunderts. Es gibt zahlreiche komplexe, frustrierende Probleme, die sehr einfache, tiefgehende und
häufig schmerzliche Auswirkungen auf das Leben der
Menschen haben, denen wir alle dienen wollen. In
diesen Momenten müssen wir jedoch unseren tiefsten
Werten, unseren stärksten Überzeugungen auf den
Grund gehen und andere einbeziehen, nicht uns entziehen.
In diesen Momenten wird unser individueller und unser
nationaler Charakter auf die Probe gestellt. Die uns
heute gemeinsamen Probleme werden von anderen
modernen Nationen geteilt. Niemand kennt all die
Antworten. Aber eines wissen wir: Wir werden die
Antworten niemals finden, wenn wir nicht die Reise
fortsetzen. Wenn wir uns zu einem Weg erwiesenen
Scheiterns zurückwenden, werden wir nie wissen, was
wir in einem neuen und anderen Zeitalter geworden
wären, in dem zum Glück meine Tochter, Ihre Kinder
und unsere Enkelkinder hoffentlich endlich von der
Angst der nuklearen Zerstörung befreit sein werden
und wo sich zumindest ein Großteil des uns konfrontierenden Wettbewerbs auf das gründet, was wir denken
und nicht auf das, was wir in Form von Waffen in den
Händen halten.
Ich sage Ihnen, meine amerikanischen Mitbürger, trotz
all der Schwierigkeiten ist dies ein Zeitalter, in dem
viele Generationen unserer Vorfahren nur zu gerne
gelebt hätten. Dies sind die Herausforderungen, denen
sich so viele unserer Vorfahren allzu gerne gestellt
hätten. Wie können wir uns von ihnen abwenden?

Wir sind es John F. Kennedy heute in diesem Museum
Wir sollten nicht ein Signal aussenden, daß wir unse- schuldig, es nicht nur in unseren Gedanken, sondern
ren Nachbarn und der übrigen Welt den Rücken keh- auch mit unseren Taten zum Leben zu erwecken. Wir
ren, indem wir dieses Abkommen zu Fall bringen. Wir wollen uns der Zukunft mit aller Kraft stellen. Wir
sollten die Menschen hier in unserer Heimat - in ganz wollen niemals zu wenig von uns selbst erwarten. Wir
Amerika - einbeziehen, die dieses Unternehmen nicht wollen niemals zu wenig von den anderen erwarten.
unterstützen, weil sie von den wirtschaftlichen Verän- Wir wollen niemals vor dem Vermächtnis der Generaderungen der vergangenen 15 Jahre hart betroffen tionen von Amerikanern davonlaufen, die den Weg
waren und ihre Rufe, ihr Leid und ihre Frustration von geebnet haben. Wir wollen mehr wie die Amerikaner
ihren nationalen Regierungen nicht wahrgenommen sein, die nach dem Zweiten Weltkrieg nach Hause
wurden. Wir wollen sie beachten, jedoch nicht ein zurückkehrten und weniger wie diejenigen, die sich
Patentrezept auf ihre gerechtfertigten Beschwerden nach dem Ersten Weltkrieg zurückzogen. Das
anwenden, das ihre Probleme verschärft. Wir wollen 21 Jahrhundert kann unser Jahrhundert sein, wenn wir
uns in der Welt ausbreiten und in ihre Zukunft hier in es mit der Energie, Entschlossenheit, Klugheit, dem
unserem Land investieren. Wir können beides tun: tiefen Vertrauen und der Lebensfreude angehen, die
John F. Kennedy Amerika im Jahr 1960 gegeben hat.
Das ist die richtige Antwort.
Senator Kennedy hat Richter Holmes zitiert. Er hat
einmal gesagt, wir alle müßten uns an den Aktionen

Ich danke Ihnen. Gott schütze Sie.

* *
Seite 4

AMERIKA DIENST 44

�HANDEL
3. November 1993

REGIONALE ABKOMMEN ERLEICHTERN
WELTHANDEL
von Mickey Kantor
WASHINGTON - (AD) - Botschafter Kantor ist der amerikanische Handelsbeauftragte. Der nachfolgende Artikel
erschien erstmals am 13. Oktober 1993 unter einem anderen Titel in der Financial Times und am 3. November
1993 in leicht gekürzter Fassung in DIE WELT.

Im November werden die Vereinigten Staaten in Seattle ein äußerst wichtiges Treffen - das Forum für
asiatisch-pazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit
(Asian Pacific Economic Cooperation - APEC) veranstalten, bei dem die Außen- und Wirtschaftsminister
zusammenkommen, und eine Sitzung der Staats- und
Regierungschefs des APEC anberaumen.

Ostasien ist der Exportmarkt Nummer eins für amerikanische Produkte. Das Volumen des transpazifischen Handels der Vereinigten Staaten war doppelt so
groß wie das ihres transatlantischen Handels 1992.

Seit 1989 haben die amerikanischen Exporte nach
Lateinamerika und in die Karibik um über 50 Prozent
und mehr als doppelt so schnell zugenommen wie die
Obwohl die meisten noch nie vom APEC gehört haben, Exporte der Vereinigten Staaten in die übrige Welt,
möchte ich wetten, daß sich dies in den nächsten wodurch diese Region zu unserem am zweitschnellJahren ändern wird. Als neue Organisation gewinnt sten wachsenden Markt wurde. Lateinamerika wiedas Forum an Bedeutung und übernimmt eine größere derum ist ein wachsender Markt für amerikanische
Produkte - 43 Prozent der lateinamerikanischen ImRolle bei der Erleichterung des Handels in Asien.
porte kommen aus den Vereinigten Staaten.
In der Zwischenzeit haben wirdie Verhandlungen über
Zusatzvereinbarungen zum Nordatlantischen Freihan- Während die Volkswirtschaften der Welt sich zunehdelsabkommen (North American Free Trade Agree- mend öffnen, nehmen die protektionistischen Impulse
ment - NAFTA) über Umwelt und Arbeitsbedingungen in Europa zu, insbesondere in den Bereichen Automoabgeschlossen und arbeiten auf die Verabschiedung bilindustrie und Landwirtschaft.
der Zusätze im amerikanischen Kongreß hin.
Das jüngste Beispiel ist Frankreichs Beharren auf
Präsident Clinton hat eindeutig klargestellt, daß erden einer Neuverhandlung des Blair-House-Abkommens,
Beitritt weiterer südamerikanischer Länder zum NAF- das an die Produktion gebundene Agrarsubventionen
TA unterstützt, angenommen, sie haben die geeigne- abbauen würde. Die französische Position, die die
ten Schritte zur Öffnung und Erweiterung des Handels gesamte Uruguay-Runde gefährdet, wird von prakunternommen, um Arbeitsplätze zu schaffen und tisch jedem Land abgelehnt.
Wachstum anzukurbeln.
Angesichts dieser Situation fragen sich einige, ob die
Mit APEC und NAFTA profitieren die Vereinigten Staa- Vereinigten Staaten sich von Europa abwenden ten von den beiden am schnellsten wachsenden ihrem Verbündeten und engen Handelspartner seit
Gebieten der Welt: Asien und Lateinamerika. Viele Jahrzehnten. Andere sind besorgt, daß die Welt in
dieser Länder haben sich in den vergangenen Jahren eine Periode regionaler Handelsblöcke eintritt, die
entschieden, die Kontrolle ihrer Volkswirtschaften und miteinander konkurrieren.
die Fesseln ihres politischen Systems abzulegen.
Die Vereinigten Staaten werden solange wir vorausDie asiatisch-pazifische Region hatte 30 Jahre lang blicken können eine aktive Rolle in Europa spielen. In
das schnellste Wachstum der Welt zu verzeichnen. Europa besteht unser Wunsch in besserem Zugang für

AMERIKA DIENST 44

Seite 1

�amerikanische Waren und nicht darin, daß sich ame- Volkswirtschaft der Welt verpflichtet sowie der Verbesrikanische Unternehmen auf andere Teile des Erdballs serung der Chancen für amerikanische Arbeitnehmer,
konzentrieren. Wenn Europa Bestrebungen zur Er- hochbezahlte und hochwertige Arbeitsplätze zu beweiterung des Handels blockiert, wird es sich selbst kommen.
am meisten schaden. Der Handel der Vereinigten
Staaten mit Asien und Lateinamerika wird weiter zu- Wir sehen uns schließlich der Tatsache gegenüber,
daß unsere Volkswirtschaft sowie die Weltwirtschaft
nehmen, und Europa wird ausgeschlossen.
im Wandel begriffen sind. Die Volkswirtschaften der
Im Hinblick auf das Interesse an regionalen Handels- Welt sind nicht länger in sich geschlossen. Wir alle
abkommen sind diese zu einem neuen Bindeglied im stehen im Wettbewerb in einer Weltwirtschaft, in der
Welthandelssystem geworden. Tatsache ist, daß sie Kapital und Technologie mobil sind. Diese Tendenz
Bestand haben müssen. Die Frage lautet, ob sie den hält an. Die Frage ist nicht, ob wiruns an sie anpassen,
Welthandel erleichtern oder behindern und zu konkur- sondern wie.
rierenden Blöcken führen werden.
Unsere wirtschaftliche Strategie zum Abbau unseres
Die Clinton-Administration vertritt die Auffassung, daß Haushaltsdefizits, die Gesundheitsreform, eine effisie in zweierlei Hinsicht zur Erleichtern ng des Welthan- zientere Regierungsführung, Änderungen im Bildungsdels genutzt werden können. Erstens können sie die und Erziehungswesen, Ausbildung der Arbeitnehmer
Entwicklungsländer auf den Beitritt zum Welthandels- und technologische Investitionen verfolgen allesamt
system vorbereiten. Zweitens können sie den Welt- das gleiche Ziel: den Aufbau einer produktiveren und
handel ergänzen und Verhandlungen in Gang bringen. konkurrenzfähigeren Wirtschaft.
Beispielsweise ist eine der wichtigsten handelspolitischen Prioritäten dieser Administration - wenn nicht
die wichtigste überhaupt- der Abschluß der UruguayRunde und im Anschluß daran weitere Gespräche
über den Abbau der Handelsschranken weltweit.
Die Uruguay-Runde zog sich über mehrere Jahre hin
- eine absurd lange Zeit, insbesondere da sie großenteils von einer weltweiten Rezession gekennzeichnet
war, die durch einen aus dem Abschluß der Runde
resultierenden Abbau von Handelshemmnissen abgemildert worden wäre.
Fragen, die in künftigen GATT-Verhandlungen angesprochen werden, wie umweltpolitische Zusammenarbeit und Investitionen, sollen von den Mitgliedstaaten
des APEC erörtert werden. Die Vereinigten Staaten
werden soweit ihnen das möglich ist bei regionalen
Handelsgesprächen ein Thema zur Sprache bringen,
wenn in dieser Hinsicht bei den globalen Gesprächen
keine Fortschritte erzielt werden.
Die Vereinigten Staaten unterstützen ein stärkeres,
aktiveres APEC, das ein Forum für Konsultationen
über Handelspolitik und die Ausweitung von Handel
und Investitionen werden soll mit dem Ziel, die Handelsschranken in der Region abzubauen und das
multilaterale System zu unterstützen. Obwohl das
APEC noch in der Entwicklung begriffen ist, wurde
bereits offensichtlich, daß es sich zu einer solchen
Organisation entwickelt.
Die Handelspolitik der Clinton-Administration basiert
auf einer neuen Realität: Wir leben in der Weltwirtschaft nach dem Kalten Krieg. Wir sind dem Aufbau
der stärksten, produktivsten und konkurrenzfähigsten

Unsere Handelspolitik ist ein essentieller Bestandteil
dieser Strategie. Die Öffnung neuer Märkte ist der
Schlüssel für die Schaffung neuer Arbeitsplätze und
für Wirtschaftswachstum.
Aus diesem Grund suchen die Vereinigten Staaten
nach Chancen in schnell wachsenden Regionen, beispielsweise Asien und Lateinamerika, in der Hoffnung,
daß neue Handelsvereinbarungen dort die Chancen
für amerikanische Unternehmen und Arbeitnehmer
erhöhen und gleichzeitig die multilateralen Gespräche
voranbringen werden.
Die Existenz einer neuen Weltwirtschaft ist auch für
europäische Arbeitnehmer eine Tatsache. Man sollte
sich vor Augen führen, daß der Abschluß von Gesprächen wie der Uruguay-Runde für die europäischen
Arbeitnehmer und Konsumenten von Vorteil ist.
Diese regionalen Handelsvereinbarungen - das NAFTA, ein wirkliches Freihandelsabkommen, das APEC,
ein Forum für Diskussionen unter den dynamischsten
Volkswirtschaften der Welt - stellen das fortgesetzte
Wachstum dieser Nationen und ihre Eingliederung in
das Welthandelssystem sicher.
Zusätzlich sorgen diese Vereinbarungen dafür, daß
das Streben nach demokratischeren Regierungen und
offeneren politischen und wirtschaftlichen Systemen,
die das lebhafte Wachstum in Asien und Lateinamerika auslösten, andauert.
Wir kehren unserer alten Verantwortung in Europa
nicht den Rücken zu. Wir begrüßen die neue Verantwortung und das Engagement in Asien und auf dem
amerikanischen Kontinent.
* *

Seite 2

AMERIKA DIENST 44

�WETTBEWERB
3. November 1993

WETTBEWERB BEWIRKT
PRODUKTIVITÄTSVORTEILE DER USA
von William Lewis
William Lewis ist Partner des Washingtoner Büros der Wirtschaftsberatungsfirma McKinsey &amp; Company, Inc.
Der nachfolgende Artikel erschien erstmals im Wall Street Journal und wurde ebenfalls in der Financial Times
vom 22. Oktober 1993 zitiert.
Veröffentlichung und Übersetzung mit freundlicher Genehmigung des Wall Street Journal. Copyright (c) 1993
Dow Jones &amp; Co., Inc. Alle Rechte vorbehalten.

Es werden viele Gründe vorgebracht, warum Industriezweige eines Landes international wettbewerbsfähig werden. Die Debattierenden jeglicher Couleur
scheinen sich jedoch bezüglich einer Tatsache einig zu
sein: Die Vereinigten Staaten hinken hinter ihren
internationalen Wirtschaftskonkurrenten Deutschland
und Japan her, wenn es um die gute altmodische
Herstellungsweise von Sachen geht. Wenn man hohe
Qualität, Superproduktivität, ausgezeichnete Technik
und handwerkliches Können will, finden sich die beispielhaften Modelle in Stuttgart oder Osaka, nicht in
Cleveland. So lautet zumindest die Binsenwahrheit.

Japan führt in fünf Industriezeigen: Autos,
Autoteile, Unterhaltungselektronik, Metallverarbeitung und Stahl.
Die Vereinigten Staaten nehmen in vier Industriezweigen eine Führungsrolle ein: Computer,
Nahrungsmittelverarbeitung, Seife und Reinigungsmittel sowie Bier - und haben bei Autos
gut aufgeholt.
Bemerkenswerterweise führt Deutschland in
keinem Industriezweig und liegt bei sechs von
neun Bereichen weit abgeschlagen an dritter
Stelle, einschließlich Autos und Autoteilen Bereichen, in denen Deutschland häufig als
exemplarisch bezeichnet wird.

Meine Kollegen und ich haben diese Binsenwahrheit
kürzlich auf die Probe gestellt, indem wir die Arbeitsproduktivität in neun repräsentativen Fertigungsindustrien in Deutschland, Japan und den Vereinigten
Weil mehr Japaner in der NahrungsmittelverarStaaten miteinander verglichen: Autos, Autoteile,
beitung als in der Produktion von Stahl, Autos,
Metallverarbeitung, Stahl, Computer, UnterhaltungsAutoteilen und der Metallverarbeitung insgeelektronik, Seife und Reinungsmittel, Bier sowie Nahsamt beschäftigt sind, ist der ermittelte Durchrungsmittelverarbeitung. Wir haben Bereinigungen
schnitt der Produktivität japanischer Arbeitnehbei der Produktqualität und den Konjunkturschwanmer in diesen neun Fallstudien tatsächlich niedkungen vorgenommen. Die Ergebnisse dieser vom
riger als der der Vereinigten Staaten und etwas
McKinsey Global Institute durchgeführten Studie sind
höher als der Deutschlands. Nimmt man die
erhellend - nicht nur aufgrund der Fakten, die sie
Vereinigten Staaten als einen Index von 100,
enthüllen und schaffen, sondern auch wegen der dieergibt sich eine Arbeitsproduktivität Japans von
sen Tatsachen zugrundeliegenden Erklärungen. In83 und Deutschlands von 79.
ternationale Wettbewerbsfähigkeit ist jedoch schlicht
und einfach ein bißchen wie Tennis: Man wird besser, Das Gefälle zwischen der jeweiligen Industrieprodukindem man mit Leuten spielt, die besser als man selbst tivität ist erstaunlich groß. Japan nimmt bei der Stahlsind.
produktion immer noch mit nahezu 50 Prozent eine
Führungsrolle in der Welt ein. Die amerikanische

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�Nahrungsmittelindustrie liegt um fast 70 Prozent vor
der japanischen. Und die deutsche Bierindustrie hinkt
selbst nach Qualitätsunterschieden bereinigt um mehr
als 50 Prozent hinter den Vereinigten Staaten her.

Vorschriften zu Handel und Investitionen sowie von
der Struktur des Marktes für Unternehmenskontrolle
ab. Von den drei Ländern stehen die Vereinigten
Staaten im Hinblick auf den Wettbewerb bei Handel,
Standortverlagerungen (ausländische DirektinvestitiDas ist an sich schon bemerkenswert. Angesichts des onen) sowie Fusionen mit ausländischen Unternehtechnologischen Know-how und im wesentlichen men und Übernahmen an erster Stelle. Obwohl die jamobilem Kapital zwischen Deutschland, Japan und panische Schwer- und Unterhaltungselektronikinduden Vereinigten Staaten und mit Arbeitnehmem in strie im eigenen Land nicht durch Handel oder Kapitaldiesen drei Marktwirtschaften, die sich im Hinblick auf märkte der Konkurrenz ausgesetzt ist, trifft das auf
Ausbildungsstand und Gesundheit nicht signifikant anderen Märkten aufgrund von Handel und ausländiunterscheiden, scheint die Annahme gerechtfertigt, schen Direktinvestitionen im wesentlichen zu.
daß die Produktivität in diesen drei Ländern 1990-45
Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg - ziemlich gleich ist. Im Unterschied dazu muß sich die von geringer ProUm zu verstehen, warum dies nicht der Fall ist - und um duktivität gekennzeichnete japanische Fertigungsinherauszufinden, ob die großen Unterschiede bei der dustrie praktisch nicht dem internationalen WettbeArbeitsproduktivität innerhalb dieser Industriezweige werb stellen. Dasselbe gilt für Deutschland, wo die
Chancen für die Hinterherhinkenden bieten, aufzuho- Hersteller fast nur innerhalb Europas konkurrieren
len - ermittelten wir die Ursachen des Produktivitätsge- müssen. Die freiwilligen Selbstbeschränkungsabkomfälles in jedem der neun Industriezweige.
men zwischen der Europäischen Gemeinschaft und
Japan bieten beispielsweise einen maßgeblichen Schutz
Warum ein Prodktivitätsgefälle? Herkömmliche Erklä- der Automobil- und metallverarbeitenden Industrie.
rungen wie etwa unterschiedliche Fertigungstechnolo- Zudem ist es aufgrund verfahrensrechtlicher Hemmgien und Kostenersparnisse durch optimale Betriebs- nisse schwierig, in traditionellen Industriezweigenden
vergrößerungen spielen bei der Erläuterung des Gefäl- Standort des Unternehmens nach Deutschland zu
les in der Metallverarbeitung, Stahlindustrie, Verarbei- verlagern. Und schließlich bewirken die Aktienanteile
tung von Nahrungsmitteln und bei der Bierherstellung und Vollmachten der führenden Banken bei Abstimeine Rolle. In anderen Bereichen lassen sich diese mungen in Deutschland, daß der Kapitalmarkt für
Faktoren zur Rechtfertigung des Gefälles jedoch nur Fusionen mit ausländischen Unternehmen und Überbedingt anführen. Genausowenig sind es Ausbildung nahmen praktisch geschlossen ist. Infolgedessen
und Qualifikation der Vorarbeiter. In jedem dieser konkurrieren die deutschen Produzenten vornehmlich
Länder sind die Arbeitnehmer mehr oder weniger auf regionaler, nicht auf globaler Ebene. Der Zwang zu
gleich qualifiziert. Es sind auch nicht die Kosten der Innovationen ist gering.
Rohstoffe, die weltweit im wesentlichen gleich hoch
sind. Es scheint, daß hohe Produktivität die Fähigkeit Was geschieht nun mit den Innovationen? DerMechavon Managern stimuliert, neue und immer effizientere nismus zur Übertragung dieser ProduktivitätsverbesWege zur Produktfertigung zu erfinden und die der serungen von Unternehmen zu Unternehmen und von
Techniker, leicht herzustellende Produkte zu entwer- Nation zu Nation macht sich ebenfalls bemerkbar.
fen.
Ausländische Direktinvestitionen - Standortverlagerung - spielen die zentrale Rolle bei UnternehmensnieWeder in der amerikanischen Nahrungsmittelindustrie derlassungen im Ausland. Tatsächlich tragen auslännoch in der japanischen Automobilindustrie gelangen dische Direktinvestitionen in viel stärkerem Ausmaß
die Manager und Ingenieure zu diesen Innovationen, als der Handel zu Produktivitätserhöhungen bei, insweil sie härter arbeiten, klüger oder besser ausgebildet besondere in Deutschland und den Vereinigten Staasind als ihre Kollegen in anderen Ländern. Nein. Sie ten.
tun es, weil sie müssen. Sie sind hartem internationalen Wettbewerb ausgesetzt, bei dem das konstante Niederlassungen führender Hersteller im Ausland
Erweitern der Produktivitätsgrenzen der zu bezahlentragen direkt zu einer Erhöhung der inländide Preis ist.
schen Produktivität bei,
Das Gegenteil trifft ebenfalls zu. Die meisten Unterbeweisen, daß durch Einsatz der vor Ort vornehmen mit niedrigerer Produktivität werden von den
handenen Arbeitskräfte und des Input größtRegierungen vor den schmerzlichen Härten des intermögliche Produktivität erzielt werden kann,
nationalen Wettbewerbs geschützt. Die neun Industriezweige haben eines gemeinsam: Internationale
erhöhen den Konkurrenzdruck auf andere inlänKonkurrenz führt zu hoher Produktivität, Protektionisdische Produzenten und
mus zu Stagnation.
übertragen durch natürliche PersonalbewegunDas Ausmaß, in dem sich die Industrien weltweitem
gen das Wissen über die besten Verfahren auf
Wettbewerb stellen, hängt von den Gesetzen und
andere inländische Produzenten.

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�Zudem stoßen ausländische Direktinvestitionen auf Produktivitätsunterschiede bei internationalen Indugeringere politische Opposition als Handel, weil sie striezweigen bedeuten große Chancen für hochproArbeitsplätze schaffen statt sie zu zerstören. Folglich duktive Unternehmen. Mit Hilfe ausländischer Direktwerden sie in den kommenden Jahren wahrscheinlich investitionen konnten diese führenden internationalen
stärker anwachsen als der Handel.
Produzenten den örtlichen Unternehmen zwar große
Marktanteile und Gewinne abnehmen, haben aber
Montagestätten japanischer Automobilhersteller in den auch den Lebensstandard in den Gastländern gehoVereinigten Staaten waren von besonderer Bedeu- ben. Ihre erhöhte Produktivität resultiert in höheren
tungfür die Verbesserung der inländischen Produktivi- Löhnen, besseren und sichereren Arbeitsplätzen für
tät sowie als Anreiz für amerikanische Produzenten - die Arbeiter in den Niederlassungen und der Umgeinsbesondere Ford - zur Erhöhung ihrer Produktivität. bung. Staatlicher Schutz oder die Loyalität der örtliVerlagerte amerikanische Computeruntemehrnen haben chen Konsumenten sind keine verläßliche Grundlage
seit der Entstehung dieses Industriezweiges zu sub- für eine langfristig gesunde Wirtschaft oder die weitere
stantieller Produktion in Europa geführt. Im Jahr 1990 Existenz unproduktiver regionaler Unternehmen.
entfielen 56 Prozent der Gesamtproduktion in der Letztlich tragen die produktivsten Firmen den Sieg
Computerindustrie Europas auf ausländische Nieder- davon.
lassungen. Es ist vor allem auf sie zurückzuführen,
daß Deutschlands Produktivität im Computerbereich Was wird mit der deutschen Automobilindustrie genahezu an die amerikanische und japanische heran- schehen, wenn in Großbritannien angesiedelte japanireicht. Außerdem haben multinationale Seifen- und sche Unternehmen ihre Autos in großer Zahl auf das
Reinigungsmittelhersteller, einschließlich Colgate- europäische Festland exportieren? Oder mit der japaPalmolive, Procter &amp; Gamble sowie Unilever bedeu- nischen Nahrungsmittelindustrie, wenn internationale
tende Produktionsstätten in nahezu allen Märkten.
Nahrungsmittelgiganten Fuß fassen? Fragen Sie die
amerikanische Stahl- oder Automobilindustrie. LedigObwohl das Produktivitätsgefälle wirkliche Chancen lich im regionalen Wettbewerb zu bestehen, reicht
fürdie hinterherhinkenden Industrien bietet, die besten nicht aus, wenn die besten Praktiken in anderen Teilen
Praktiken zu lernen und einzuführen, weist es auch auf der Welt greifbar nahe sind.
eine entscheidende Wettbewerbsgefahr hin. Große

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�USIA
3. November 1993

ZUSAMMENARBEIT IN NEUEN NATIONEN
Rede von USIA-Direktor Duffey
CHICAGO - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die vom Direktor des US-Informationsamts (United States
Information Agency - USIA), Joseph Duffey, am 5. Oktober 1993 vor dem Executive Club of Chicago gehaltene
Rede mit dem Titel: "Zusammenarbeit in neuen Nationen - Offene Türen, offene Märkte und geistige Offenheit:
Warum Außen- und Innenpolitik heute 'zwei Seiten derselben Medaille sind'".

In diesem Jahr begehen wir den 40. Jahrestag der
Gründung des US-Informationsamts. Das Amt wurde
von Präsident Eisenhower ins Leben gerufen und
entstand aus dem ehemaligen Büro für Kriegsinformation der Regierung, einer Institution, deren Aufgabe
darin bestand, die amerikanische Öffentlichkeit und
das Ausland im Hinblick auf bestimmte außenpolitische Ziele unserer Nation zu beeinflussen. Das Motto
von USIA in den folgenden Jahren lautete: "Der Welt
die Geschichte Amerikas erzählen".
Wie alles andere in unserem nationalen Leben wurde
auch USIA Teil des Kampfes im Kalten Krieg. Es gab
Tage, an denen wir Studenten in anderen Teilen der
Welt zu überzeugen versuchten, an die Universitäten
Northwestern und DePaul zu kommen, während die
Sowjetunion sie für die Lumumba Universität in Moskau gewinnen wollte.

gleich näher darauf eingehen - bei der Erfüllung menschlichen Strebens und der Schaffung von Wohlstand
sind.
Wir versuchen, dieses Amt neu zu definieren - und
dieser Prozeß ist seit einiger Zeit in Gang. Ich kann ihn
vielleicht am besten beschreiben, indem ich ein bißchen über das spreche, was Präsident Clinton dem
amerikanischen Volk im Hinblick auf das Verständnis
unserer heutigen Außenpolitik zu vermitteln versucht.
Vor einem Jahr haben wir den 500. Jahrestag der
Entdeckung der Neuen Welt durch Christopher Columbus gefeiert - oder "markiert" wäre vielleicht der
bessere Ausdruck.

Der 400. Jahrestag wurde im Jahr 1893 hier in Chicago
ein Jahr nach dem tatsächlichen Jahr weniger kontrovers mit der Weltausstellung gefeiert, einem äußerst
Es waren die Jahre, in denen einige von uns sich mit wichtigen Ereignis in der Geschichte Chicagos. Vor
auswärtigen Angelegenheiten befaßten, bei denen wir 100 Jahren war Chicago die ideale Stadt, um das
anscheinend einen Kampf der Titanen darum kämpf- Wachstum und die Stärke Amerikas zu demonstrieten, ob die zweite Sprache in der Dritten Welt Russisch ren. Einem Historiker zufolge war Chicago schon
damals eine Stadt, die alles überdimensional und
oder Englisch sein sollte.
schnell machte.
Am Ende dieser Periode sieht sich USIA plötzlich mit
der Frage konfrontiert, die uns allen durch den Kopf Ein prominenter Bostoner, Charles Francis Adams,
geht: Wie passen wir uns an die Welt an, in der wir schrieb 1893 über Chicago: "Es war eine junge Stadt
im Westen, die sich instinktiv mit Herz und Seele dem
heute leben, und wie definieren wir sie neu?
Schwung ihrer Zeit verschrieben hatte. Sie hatte die
Kurz gesagt bin ich der Ansicht, in der Welt zeichnet bahnbrechende Tatsache erkannt, daß Dampf die
sich jetzt die wachsende Erkenntnis der Menschen in Welt revolutionierte und ihre gesamte Existenz auf die
allen Ländern ab - nicht in ideologischer, sondern in Macht der modernen Zeiten gebaut."
sehr pragmatischer Hinsicht - daß freie und demokratische Institutionen, repräsentative Institutionen und Chicago war und ist eine stolze Stadt. Es ist die einzige
offene Marktwirtschaften die zwei am besten geeigne- mir bekannte Stadt, in der die Taxifahrer einem erzähten Mechanismen zur Zusammenarbeit - ich werde len, wie schön die Stadt ist und wie stolz sie sind. Das

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�geschieht heute nicht in vielen anderen Teilen Ameri- Nicht allzuviele Jahre später gelangte Henry Ford zu
kas. Vielleicht passiert es nur an einem hellen, sonni- der Einsicht, wenn er Autos produzieren wollte, müßgen Tag wie heute - aber ich war beeindruckt.
ten diejenigen, die sie herstellen, über ein ausreichendes Einkommen verfügen, um sie zu kaufen - eine
Es ist mir eine besondere Ehre, zu einem Treffen mit ziemlich bemerkenswerte Erkenntnis, die ebenfalls
einer Gruppe kluger und aktiver Kommunalvertreter Teil dieses explosiven Wachstums war. Wachstum
eingeladen zu sein, die die traditionelle Führungsrolle und Expansion erfolgten fast ein Jahrhundert lang in
für diese so wichtige amerikanische Stadt fortsetzen. der zweiten Ära der amerikanischen Geschichte.
Vor hundert Jahren, am 12. Juli, kam ein amerikanischer Historiker namens Frederick Jackson Turner
während der Weltausstellung nach Chicago und hielt
eine Rede, deren sich zumindest die Gelehrten als
eine Art bahnbrechenden Kommentars über ein zu
Ende gehendes Zeitalter in der Geschichte Amerikas
erinnern. Er sprach vom "Ende der Grenze". Er
verwies auf die Volkszählung von 1890, bei der die
Statistiker festgestellt hatten, daß es auf dem Kontinent keine physischen Grenzen mehr gab.

Und die meisten der heute hier Anwesenden wurden
während der letzten Jahre dieser Periode enormer
wirtschaftlicher Expansion erwachsen. Die Wirtschaft
wurde von zunehmenden Verkäufen auf überseeische
Märkte angekurbelt. Wir zählten zu den wenigen
Industrienationen der Wert und folglich unterhielten wir
keinen Handel mit der übrigen Welt - wir verkauften,
und zwar jahrzehntelang.

Städte im Süden, die Great Plains und der Far West
waren die Zulieferer und Märkte. Sie schleusten
Rohstoffe zur Industriebasis: Baumwolle aus Mobile,
Holz aus Norfolk, Metalle aus Denver, Vieh aus Kansas City. Und ihre Einwohner waren ein expandierender Markt, der Wirtschaftswachstum ankurbelte.

Die Frage lautet also, wie wir uns ein neues Kapitel,
Kapitel III, in der Geschichte der amerikanischen Wirtschaft vorstellen. Und in der Tat haben landesweit und
insbesondere in Chicago weitblickende Männer und
Frauen in Konferenzsälen, Gewerkschaftsräumen und
Universitäten angefangen, das Skript für das nächste
Zeitalter zu schreiben.

Unsere Wirtschaft wurde auf eine Weise stimuliert, die
Wachstum und Wohlstand hervorbrachte: Durch zwei
"Amerika", erklärte er, "ist am Ende der ersten Ära Kriege und die darauffolgende Verwüstung sowie das
seiner Evolution als Nation angelangt." Und er sprach eskalierende Wettrüsten während des sogenannten
ein wenig über die nationalen Charakterzüge, die Kalten Krieges, aber es war ein Zeitalter enormen
durch die konstanten Chancen des Erkundens und Auftriebs und der Expansion.
Vorwärtsdrängens zu einer physischen Grenze auf
diesem Kontinent geprägt wurden.
Vor einiger Zeit beobachteten wir das Ende dieser Ära
raschen Wachstums in unserer Wirtschaft. Kapitel II in
Die auf das Ende der Grenze folgende Periode war ein der Geschichte der amerikanischen Wirtschaft wurde
Zeitalter enormer Ausweitung aufgrund von Produk- abgeschlossen - diese Tatsache beginnen viele
tion und Handel. Und Chicago ist einer der Orte, an Amerikaner jedoch erst jetzt zu verstehen.
denen sich diese Ära am deutlichsten manifestierte.
Die Stadt war ein Vorreiter beim Antizipieren der Das reale Wachstum beim jährlichen BruttosozialproChancen des neuen Kapitels in der amerikanischen dukt (BSP) - ein Maß für nationalen Wohlstand - fing
Geschichte.
vor über einem Jahrzehnt an abzunehmen. Langsameres Wachstum, größere Abhängigkeit von ExporDer Historiker Carl Abbott schrieb folgenden Satz: ten, ein zunehmendes Ungleichgewicht beim Handel
"Zwischen 1880 und 1920 zogen 605.000 Einwande- und wachsende Defizite bei den nationalen Ausgaben
rer und 790.000 gebürtige Amerikaner in die Gegend waren die Merkmale des vergangenen Jahrzehnts.
von Chicago. Die Chicagoer hoben zur Verbesserung Während der achtziger Jahre hörten die Amerikaner
des Abwassersystems die gesamte Stadt um 3 Meter erstmals Gerede über internationale Wettbewerbsan. Sie bauten die ersten Wolkenkratzer und einige und Produktionprobleme, als unsere Vormachtstelder ersten Getreideaufzüge der Welt. Sie konkurrier- lung im Technologiebereich von den zu Produktionsten mit Odessa als Getreidehafen, mit Pittsburgh als und Herstellungszentren reifenden neuen Nationen im
Stahlstandort, mit Cincinnati als Fleischverpacker, mit Pazifik und in Europa bedroht wurde.
London und Paris als nationales Eisenbahnzentrum."
Wir waren bis vor ungefähr 15 Jahren eine Nation mit
Wir begannen das zweite Kapitel unserer Entwicklung für gewöhnlich hohen jährlichen Handelsbilanzüberals große Volkswirtschaft durch Industrialisierung. Wenn schüssen. Seit 1977 war unsere Handelsbilanz stänSie sich eine Karte der Vereinigten Staaten vor Augen dig negativ und unsere nationale Verschuldung hat
halten, können Sie sehen, wie es tatsächlich funktio- durch staatliche Defizitfinanzierung besonders im letzniert hat. Große Herstellungsbetriebe von Boston bis ten Jahrzehnt kontinuierlich zugenommen. Uns allen
Baltimore, Chicago und St. Louis - in diesem Gebiet wurden diese beunruhigenden Statistiken in den verwar der überwiegende Teil der Fertigungsproduktion gangenen Jahren zu häufig zitiert, als daß ich sie jetzt
und des Wohlstands angesiedelt.
wiederholen müßte.

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�Viele von Ihnen in diesem Raum sind Pioniere bei den
Bestrebungen, eine neue Ära von Wohlstand und
Wachstum zu gestalten. Sie wissen, daß Chicago eine
Weltstadt ist. Sie sind stolz, daß die Stadt jetzt ein
internationaler Flughafen mit direkten Verbindungen
zu den Hauptstädten der Welt ist, den man ohne
Zwischenlandung erreichen kann. Sie haben Informationsverbindungen in unmittelbarer Nähe dieses Clubs,
die dank der neuen Kommunikationstechnologien auf
derganzen Welt direkte Verbindungen zu Märkten und
Industriestandorten herstellen. Nur noch wenige Firmen operieren ausschließlich auf lokalen Märkten,
ganz zu schweigen von Binnenmärkten. Das letzte
Jahrzehnt war für viele von uns ein manchmal schmerzhafter Schnellkurs, um die neuen globalen Märkte zu
verstehen und auf ihnen wettbewerbsfähig zu sein.

hoffen, eine Führungsrolle unter den Nationen der
Welt zu übernehmen, wenn wir unsere eigene Volkswirtschaft nicht in Ordnung bringen können.
Wir können anderen Nationen nicht Disziplin und wirtschaftliche Verantwortung predigen, wenn wir nicht
selbst verantwortungsbewu ßter mit unserem Haushalt
umgehen, angefangen bei der Bundesregierung. Das
bedeutet Zurückhaltung bei den staatichen Ausgaben,
Abbau der teuren Defizite des letzten Jahrzehnts
sowie klügere Investitionen in Bildung, Forschung und
neue Technologien für die Zukunft.
Wir können nicht das Wirtschaftswachstum erzielen,
das eine Zukunft in Wohlstand sichert, und eine Volkswirtschaft, die für Arbeitsplätze und damit Steuereinnahmen sorgt, um unserer Verantwortung im In- und
Ausland gerecht zu werden, wenn wir nicht eine starke,
produktive Wirtschaft haben, auf den Weltmärkten
kaufen und verkaufen und Verbindungen zu Staaten
unterhalten, die unsere Werte offener Kommunikation,
offener Gesellschaften und offener Märkte teilen.

Das nächste Kapitel in der Geschichte der amerikanischen Wirtschaft muß offene und tragfähige Handelsbeziehungen zu anderen Teilen der Welt beinhalten.
Wir müssen in einer sich wandelnden Weltwirtschaft
um neue Märkte kämpfen und sie erobern. Es gibt
keinen anderen Weg zu einem Wirtschaftswachstum, Trotz allem, was wir in den letzten Tagen erlebt haben
das Wohlstand und nationale Sicherheit gewährleisten und woran wir angesichts der fortgesetzten Schwierigwird.
keiten der menschlichen Geschichte ständig erinnert
Die neue Tatsache ist, daß der von uns wechselseitig werden - die Agonie wiederauflebender ethnischer und
mit neuen Märkten in anderen Teilen der Welt zu kultureller Konflikte, die aus dem einen oder anderen
entwickelnde Handel nicht nur der Schlüssel zu unse- Grund von den politisch Verantwortlichen geschürt
werden - fanden in letzter Zeit auch Ereignisse statt,
rem, sondern auch zu ihrem Erfolg ist.
die Anlaß zu großer Hoffnung geben: Nicht nur der
Im vergangenen Jahr hat der damalige Präsident- Zusammenbruch der geschlossenen und repressiven
schaftskandidat Clinton dem amerikanischen Volk eine Regime in Osteuropa und der ehemaligen SowjetuniBeobachtung zu vermitteln versucht, die viele vorher on, sondern auch die beginnende Bewegung zu einer
gemacht hatten, die in diesem Land aber sicherlich demokratischen und repräsentativen Regierung in
keine Binsenwahrheit war: Wir sollten über internatio- Südafafrika sowie die Möglichkeit gegenseitiger Anernale Beziehungen, unsere Außenpolitik und unsere kennung und Einigung im Nahen Osten zwischen
nationale Wirtschaftspolitik als eng miteinander ver- lange Zeit durch Bitterkeit und gewalttätige Auseinanbundene zwei Seiten einer Medaille nachzudenken dersetzungen getrennten Völkern. Es ist im wesentlichen eine Zeit der Hoffnung. Der Zusammenbruch des
beginnen.
sowjetischen Imperiums ist ein praktischer, kein ideoAls Präsident hat Clinton während der vergangenen logischer Sieg.
acht Monate versucht, die Nation in die Richtung
dieser Erkenntnis zu führen. Er hat drei Ziele als Der Nationale Sicherheitsberater, Anthony Lake, beGrundlage eines neuen Ansatzes zur Festsetzung schrieb das vor kurzem folgendermaßen: "Es gibt
unserer Interessen und Rolle in der Welt nach den Milliarden von Menschen auf jedem Kontinent, die
Kalten Krieg definiert.
aufgrund jahrzehntelanger harter Erfahrungen zu dem
Schluß gekommen sind, daß Demokratie und MarktDas erste Ziel ist die Wiederbelebung und Erneuerung wirtschaft der produktivste und befreiendste Weg sind,
unserer nationalen Volkswirtschaft. Das zweite ist ihr Leben zu organisieren."
eine Führungsrolle bei der Förderung demokratischer
Werte, Institutionen und offener Marktwirtschaften in Ihre Schlußfolgerungen stehen im Einklang mit unseder internationalen Staatengemeinschaft und insbe- ren höchsten Werten. Alle Menschen sind von ihrem
sondere den neu entstehenden Nationen. Und das Schöpfer mit dem Recht auf Leben, Freiheit und das
dritte ist eine internationale Führungsrolle sowie die Streben nach Glück ausgestattet. Daher setzen wir
unserer nationalen Sicherheit angemessene militäri- Vertrauen in die Klugheit der freien Menschen, diese
sche Bereitschaft.
Rechte zu verteidigen - mit Hilfe der Demokratie als
bestem Mittel zur Erfüllung kollektiver Bedürfnisse, mit
Denkt man darüber nach, so sind diese drei Ziele Hilfe der Marktwirtschaft als bestem Mittel zur Erfüloffenkundig wirkich eng miteinander verbunden. Jedes lung individueller Bedürfnisse durch Erweiterung der
hängt von den anderen beiden ab. Wir können nicht Chancen, und beide Mittel verstärken einander.

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�Demokratie allein kann zwar Gerechtigkeit herbeiführen, jedoch nicht die materiellen Güter, die der Mensch
zum Leben braucht. Märkte allein können zwar den
Wohlstand mehren, jedoch nicht den Sinn für Gerechtigkeit schaffen, ohne den eine Gesellschaft untergeht.
Der vielleicht größte jetzt zu führende Kampf ist der
Versuch, dieses Land zu überzeugen, sich mit der
übrigen Welt weiterhin für diese Werte einzusetzen.
Wieder einmal geht es nicht, wie es in der Vergangenheit so oft der Fall gewesen sein mag, um eine ideale
oder idealistische Sache, sondern um eine äußerst
praktische, denn es handelt sich hier um unsere Zukunft sowie eine bessere Zukunft für die Völker in
anderen Teilen der Welt.
Wir müssen Mittel und Wege zur besseren Kontrolle
des grenzüberschreitenden Personenverkehrs finden,
da er eine neue Bedrohung in Fragen der Sicherheit,
des Terrorismus, der Kriminalität und der Umwelt
darstellt, die jetzt auf der internationalen Tagesordnung stehen.
Das führt mich zu den beiden Themen, die meines
Erachtens am stärksten verkörpern, was Präsident
Clinton über die Wechselbeziehung zwischen diesen
beiden Belangen und politischen Maßnahmen sagen
wollte. NAFTA ist ein Thema, das jetzt erörtert wird.
Es ist ein Zeichen der Hoffnung.

noch nie mit der Furcht leben, daß sich unsere Dollars
über Nacht in Spielgeld verwandeln. Die Russen und
Ukrainer sowie eine Vielzahl anderer Nationalitäten
haben jedoch Angst, daß der Rubel seinen Wert
verlieren könnte, während ihre Geldbörsen noch prall
damit gefüllt sind.
Wenn es dazu kommt, müssen die Menschen dieser
vor kurzem befreiten Staaten die Last der Umwandlung ihrer Systeme tragen. Viele, jedoch nicht alle,
haben in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht große
Fortschritte gemacht. Trotz der Ereignisse der letzten
Tage scheint mir aufgrund der Geschichte dieser
Region in der Welt, daß der Weg festgelegt und der
Kurs klar ist. Unsere eigene Geschichte zeigt, daß
dieser Kurs nicht einfach ist.
Hier handelt es sich nicht um etwas, das die Bundesregierung tun kann. Wie bei den meisten Dingen ist
auch hier eine Partnerschaft vonnöten, ein gemeinsames Unternehmen, insbesondere mit der amerikanischen Geschäftswelt. Wir haben jetzt die Chance,
Talent, Erfahrung und Investitionen in Schlüsselgebieten zum Tragen zu bringen, die die für einen Wandel
erforderliche Dynamik ankurbeln.

USIA und die von Botschafter Talbott beauftragte
Sonderabteilung des Außenministeriums wurden von
Präsident Clinton gebeten, diese Bestrebungen im
Außenministerium zu leiten, zum ersten Mal gemeinDas gleiche gilt für die jetzt von unserer Regierung sam mit Mitgliedern des Finanzministeriums und der
vorgebrachten Vorschläge - die auch bei vielen Men- Export-Import Bank sowie anderen Zweigen der Reschen in diesem Land Anklang finden - daß wir zusam- gierung, die zusammen einen Wirtschaftsgipfel in St.
men mit Rußland und den anderen Nachfolgestaaten Louis einberiefen. Vorallem sollen diejenigen, die-sei
der Sowjetunion einen Weg für den Aufbau neuer es erfolgreich oder nicht - in Ru ßland und den anderen
Gesellschaften suchen müssen.
Nachfolgestaaten der Sowjetunion unternehmerisch
tätig waren, praktische Erfahrung austauschen und
Die Umgestaltung einer zentralen Planwirtschaft in
anschließend die Programme zum Tragen bringen, die
eine offene Marktwirtschaft, einer Diktatur in eine
eine gemeinsame Grundlage für die jetzt und in ZuDemokratie, des größten Imperiums der Geschichte in
kunft zu unternehmenden Anstrengungen darstellen.
eine Partnerschaft mit den ehemaligen Bestandteilen
dieses Imperiums, wird sich über Jahre erstrecken und Ebenso wie in der Vergangenheit spielt USIA hierbei
möglicherweise auch Rückschläge erleiden. Aber der durch den Austausch von Personen und Informationen
Weg und die Richtung sind festgelegt.
eine Rolle. Die folgenden Programme sind für ameriDie Vereinigten Staaten engagieren sich für die Unter- kanische Unternehmen auf diesem Gebiet von potenstützung der Reformkräfte in Rußland und den neuen tiellem Nutzen:
unabhängigen Staaten, die diese Veränderungen
herbeizuführen versuchen. Unsere Politik beruht auf
der Überzeugung, daß die postkommunistische Reform ein Langzeitunternehmen ist und von uns Geduld
und Beharrlichkeit erfordert. Wir sind der Ansicht, daß
ihre und unsere künftige Sicherheit eng in dem Versuch verbunden sind, demokratische Institutionen und
offene Marktwirtschaften aufzubauen.

Ungefähr 300.000 Unternehmer aus der ehemaligen Sowjetunion werden kurze Zeit zu Orientierungs- und Ausbildungsprogrammen in die
Vereinigten Staaten reisen, und viele von ihnen
werden als Praktikanten in amerikanischen
Unternehmen jeder Größenordnung lernen und
arbeiten. Dieses Programm gewinnt zur Zeit an
Dynamik.

Ich bin sicher, daß sich viele von Ihnen schon einmal
vorgestellt haben, wie es wäre, Bürger eines dieser
Nachfolgestaaten zu sein, sich um die Zukunft seiner
Kinder und Enkelkinder zu sorgen und jeden Tag mit
umwälzenden Reformen zu leben. Sie und ich mußten

Nahezu 1.000 russische Studenten werden an
einjährigen amerikanischen Universitätsprogrammen auf Gebieten wie Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft, Informatik, Staatsrecht und Landwirtschaft teilnehmen.

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�Rund 1.200 Bürger dieser Länder kommen in
unser Land, um sich an der Universität in den
Bereichen Jura, Wirtschaftswissenschaften,
öffentliche Verwaltung, Politologie, Erziehungswesen, Gesundheitswesen, Energie, Landwirtschaft und Umwelt ausbilden zu lassen.

Welt wir unseren Kindern hinterlassen und in welcher
wir vielleicht selbst alt werden wollen, und weil Ergebnisse nur durch kooperative Unternehmungen erzielt
werden können.

Auf den letzten Seiten der Zeitschrift Newsweek von
dieser Woche schreibt der Kolumnist Joe Kline, die
8.000 bis 10.000 Studenten aus den neuen Amerikaner kämpften jetzt mit "der großen Angst" unabhängigen Staaten kommen hierher, um an "der großen Furcht" - dem Gefühl des Verlustes von
bis zu einem Jahr laufenden Programmen zur Vertrauen in die Zukunft, eine Unsicherheit darüber, ob
Ausbildung in Unternehmensführung, Lehre wir als Nation wieder auf eine Weise prosperieren
demokratischer Institutionen und Englischkur- können, die Chancen für unsere Kinder eröffnet, die
Art von erweiterten Möglichkeiten, die die meisten von
sen teilzunehmen.
uns kannten, spürten und genossen, während wir
Ungefähr 500 Lehrer erhalten hier eine zusätz- aufwuchsen.
liche Ausbildung, auch in Techniken zur Weiterbildung des Lehrkörpers.
Der Appell, das nächste Kapitel der Entstehung unserer Wirtschaft zu verstehen und sich ihm zu stellen, ist
Wir werden zwischen 35 und 50 Partnerschaf- zum jetzigen Zeitpunkt ein Appell, der "großen Angst"
ten im Ausbildungs- und Universitätsbereich zu begegnen und zusammenzuarbeiten, um die Naentwickeln, um die Beziehungen zu amerikani- tion auf einen nicht leichten Kurs zu bringen, der die
schen Bildungseinrichtungen zu verbessern und sich abzeichnende neue Wirtschaft und die neuen
uns dabei auf die Entwicklung von Lehrplan und internationalen Chancen einbezieht.
Lehrkörper in den Bereichen Unternehmensführung und Verwaltung, Lehre der englischen Präsident Clinton fand vielleicht die richtigen Worte,
Sprache und Politologie konzentrieren.
als er vor einigen Wochen mit den ehemaligen Präsidenten Carter, Ford und Bush zusammentraf und
Weitere Programme richten sich auf die Unterstützung feststellte: "Die Frage ist, ob wir genügend Vertrauen
der Entwicklung unabhängiger Medien, der Rechts- in die Zukunft besitzen, daß wir die Arbeitsplätze von
staatlichkeit und des Pluralismus.
morgen schaffen können, oder ob wir den Versuch
unternehmen,
an denen von gestern festzuhalten."
Um Ihnen eine Vorstellung vom Umfang der internationalen Austauschprogramme zu geben: Zur Zeit befinden sich mehr als 400.000 ausländische Studenten in
den Vereinigten Staaten, die jährlich einen Beitrag in
Höhe von sieben bis zehn Milliarden Dollar zu unserer
Volkswirtschaft leisten.

Als Frederick Jackson Turner in jenem Sommer vor
hundert Jahren seine Rede hielt, beendete er sie
folgendermaßen. Er umriß das Ende einer Ära und
äußerte dann: "Seit Kolumbus mit seiner Flotte in die
Gewässer der Neuen Wert segelte, wurde Amerika mit
Chancen gleichgesetzt. Und die Menschen in den
In der Vergangenheit hat sich gezeigt, daß diese
Vereinigten Staaten haben ihre Energie aus dieser
"weichen", langfristigen Investitionen oft greifbare
großen Ausweitung gezogen, die sie nicht immer wählten,
Auswirkungen haben und große Vorteile für Verständsondern die ihnen auch oftmals aufgezwungen wurde.
nis und künftige Zusammenarbeit mit sich bringen, zur
Bewegung ist für Amerika schon immer der dominante
Stärkung der Demokratie beitragen und bisweilen viel
Faktor gewesen", stellte er fest.
schneller Ergebnisse zeitigen, als wir angenommen
hatten.
Heute sind wir dazu aufgerufen, unseren Horizont,
unsere
Phantasie und unsere Belange zu erweitern
Ich hoffe, daß diese Administration ihre Botschaft
sowie
in
vielerlei Hinsicht unsere Fähigkeit, zugunsten
übermitteln wird, wie wir kooperativer als Team oder
eines
neuen
Zeitalters der Chancen zusammenzuarmit Vertretern der amerikanischen Wirtschaft zusambeiten
nicht
nur für Amerika, sondern auch für die
menarbeiten können, denn dies ist ein wichtiges EleVölker
in
anderen
Teilen der Wert. So sieht USIA jetzt
ment für die Sicherung unserer Zukunft. Es ist die
eine
Aufgabe
auf
diesem
besonderen Gebiet, zu einer
einzige Möglichkeit zu erneutem WirtschaftswachsZeit,
in
der
sich
so
viele
Dinge
geändert haben.
tum, weil es das Richtige im Hinblick darauf ist, welche

*

AMERIKA DIENST 44

* * *

*

Seite 5

�DROGEN
3. November 1993

USA WOLLEN BEI DROGENBEKÄMPFUNG
MIT ANDEREN LÄNDERN ZUSAMMENARBEITEN
Erklärung Browns vor der UN-Generalversammlung
VEREINTE NATIONEN - (AD) - Die Vereinigten Staaten "werden jedes verfügbare Mittel nutzen, um... starke,
kooperative Beziehungen zu anderen Länoern aufzubauen, die ihre Bereitschaft zur Bekämpfung des Drogenhandels unter Beweis stellen", erklärte Lee Brown, der Direktor des Büros für nationale Drogenkontrollpolitik.
In seiner Rede bei einer Tagung hochrangiger Vertreter der UN-Generalversammlung über die Bekämpfung
illegaler Drogen erklärte Brown am 26. Oktober 1993, das Hauptziel sei zwar die "Senkung der Gesamtnachfrage nach Drogen in Amerika", die Vereinigten Staaten würden sich jedoch nicht "ihrer Führungsrolle bei der
Zerschlagung internationaler Drogen- und Verbrechersyndikate entziehen".
Die Zahl der gelegentlich Drogen konsumierenden Amerikaner ist ihm zufolge seit 1979 bedeutend gesunken,
die Kokainverbrauch der Konsumenten harter Drogen scheine jedoch anzusteigen. Die Vereinigten Staaten
würden sich auf die Senkung der Nachfrage, Kontrolle und Prävention von Beschaffungskriminalität und Gewalt
sowie die Unterstützung der Kommunen konzentrieren und ihre Führungsrolle bei internationalen Maßnahmen
zur Drogenkontrolle weiter wahrnehmen, äußerte Brown.
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Redetext von Lee Brown.

Wir sind heute hier aus vielen Teilen der Wert zusammengekommen. Wir gehören unterschiedlichen Nationen und Kulturen an. Dennoch sind wiralle mit einer
gemeinsamen Bedrohung konfrontiert: Dem internationalen Drogenhandel und den internationalen Verbrecherorganisationen, die sich weltweit der Herstellung und dem Schmuggel von Drogen verschrieben
haben.

Aspekte des Drogenproblems zu leiten. Dazu zählen
Strategien zur Senkung des Drogenangebots und der
Nachfrage sowie Strategien für Maßnahmen der
Regierung auf Landes-, bundesstaatlicher und kommunaler Ebene.
Zunächst möchte ich Ihnen einen Überblick über die
heutige Drogensituation in den Vereinigten Staaten
geben.

Diese Bedrohung gefährdet unsere Länder, unsere
Gesellschaften, uns selbst und unsere Kinder und
führt zu Kriminalität, Gewalt, Korruption, Umweltzerstörung, sozialem Verfall und ungeheurem persönlichem Leid.

Positiv zu vermerken ist, daß die Zahl der gelegentlich
Drogen konsumierenden Amerikaner bedeutend gesunken ist. 1979 nahmen 24 Millionen Bürgerunseres
Landes mindestens einmal im Monat illegale Drogen,
im letzten Jahr waren es nur noch 11,4 Millionen. Die
Als ehemaliger Polizist, als Vater und Einwohner ver- Zahl der Amerikaner, die regelmäßig Kokain nehmen,
schiedener Gemeinden in meinem Land stand und sank von 5,8 Millionen im Jahr 1985 auf 1,3 Millionen
stehe ich im Kampf gegen Drogen an der Frontlinie - in im vergangenen Jahr - ein bemerkenswerter Rückunseren Innen- und Vorstädten und in den Ländern gang von nahezu 80 Prozent in einem Zeitraum von
dieser Hemisphäre, einschließlich der Andenstaaten, sieben Jahren.
in denen der Drogenhandel die tiefsten Narben hinterAndere Daten geben jedoch Anlaß zur Besorgnis. Der
lassen hat.
Konsum von harten Drogen ist in den letzten sieben
Ich bin per Gesetz dazu verpflichtet, die Formulierung Jahren fast unverändert geblieben, und alle Bemühununserer nationalen Strategie im Hinblick auf sämtliche gen zur Reduzierung der Anzahl von DrogenabhängiAMERIKA DIENST 44

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�gen waren vergeblich. Der Kokainkonsum ist anscheinend konstant oder nimmt sogar zu. Der Gesundheitszustand der Süchtigen in unserem Land scheint sich
immer mehr zu verschlechtern. Neue Daten weisen
landesweit einen zehnprozentigen Anstieg von im
Zusammenhang mit Drogenkonsum stehenden Krankenhausaufenthalten zwischen 1991 und 1992 aus.
Es wurde eine Zunahme von 18 Prozent bei den
Krankenhausaufenthalten aufgrund von Kokainkonsum beobachtet, bei Heroin betrug sie sogar dramatische 34 Prozent.
Die neuen Statistiken deuten darauf hin, daß die Ende
der siebziger Jahre begonnene Drogenepidemie in
zunehmenden Maße die Hauptkonsumenten erfaßt.
Gleichermaßen besorgniserregend ist auch die Tatsache, daß zum ersten Mal seit mehreren Jahren 1314jährige wieder mehr Drogen nehmen und sich weniger
der Gefahren bewußt sind. Wir haben noch einen
langen Weg vor uns, bis wir bei unserem Kampf gegen
Drogenmißbrauch Erfolg haben.

folgt wird. Die Legalisierung oder Straffreiheit von
Drogenkonsum würde die Zahl der Abhängigen erhöhen, zu noch schwerwiegenderen Konsequenzen führen
und ist folglich inakzeptabel.
Unser nationales Ziel bleibt letztlich die Senkung der
Gesamtnachfrage nach Drogen in Amerika.
Unsere Interimsstrategie umfaßt eine Vorgehensweise auf vier Ebenen:
Erstens konzentriert sie sich auf die Senkung derNachfrage.
Wir planen eine aggressive Strategie für die
Therapie von Drogenabhängigen, wobei die Konsumenten harter Drogen unser Hauptziel sind.
Wir werden weiterhin der Industrie, den Arbeitgebern und Arbeitnehmern beistehen, um amerikanische Arbeitsplätze frei von Drogen zu halten.
Wirwerden eine nationale Tagesordnung fürdie
Kindererziehung aufstellen, um die jungen
Menschen zu befähigen, dem Drogenkonsum
zu widerstehen und ein drogenfreies Leben zu
führen.

Letzte Woche gaben wir unsere Reaktion auf die
Drogengefahr bekannt: Die Interimsstrategie zur nationalen Drogenkontrolle. Diese Strategie wurde entworfen, um unseren nationalen Bestrebungen zur
Bekämpfung des Drogenproblems eine neue Richtung
Zweitens richtet die Interimsstrategie ihre Aufmerkzu geben und sie zu verstärken.
samkeit auf die Verminderung von BeschaffungskrimiDie Interimsstrategie unterscheidet sich in vielerlei nalität sowie auf Verbrechensbekämpfung und -Verhütung.
Hinsicht von den Strategien der Vergangenheit:
Sie strebt durch Präventionsprogramme für
Risikogruppen die Verhinderung eines Anstiegs
der Zahl von Erstkonsumenten an.
Sie sieht Therapien für Drogensüchtige vor, um
ihren Drogenkonsum zu senken und seine Konsequenzen abzumildern.
Sie betont die Bedeutung von Maßnahmen der
Kommunen zur Bekämpfung von Drogen und
Gewalt.
Sie fördert eine schnelle und angemessene
Bestrafung bei Drogenmißbrauch und Beschaffungskriminalität.

Wir werden einen umfassenden Ansatz zur
Bekämpfung von Kriminalität verfolgen und nach
innovativen und wirksamen Lösungen suchen,
insbesondere solchen, die unsere Gemeinden
miteinbeziehen.
Wir streben eine strengere Gesetzgebung für
den Besitz von Schußwaffen an.
Wir werden uns mit den schrecklichen Auswirkungen von Drogen und Gewalt auf die Jugendlichen befassen und dagegen angehen.
Drittens unterstützt sie die Rationalisierung unserer
Regierung und verleiht unseren Gemeinden mehr
Befugnisse.

Sie unterstützt Forschungsprogramme.
Die Strategie hält an bestimmten grundlegenden
Konzepten fest: Einmal müssen wir unseren umfassenden Kampf gegen Drogen fortsetzen - mit Programmen, die den Nachschub von Drogen in die
Vereinigten Staaten und innerhalb des Landes sowie
die Nachfrage nach Drogen in unserem Land bekämpfen. Unsere Unterstützung der Länder, die den politischen Willen zur Unterbindung von Drogenproduktion
und -handel zeigen, wird fortgesetzt.
Ein weiteres Konzept besteht darin, daß der Besitz und
Konsum illegaler Drogen weiterhin strafrechtlich ver-

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Wir beabsichtigen die Abschaffung der Duplizität von Funktionen bei Bundesbehörden.
Wir werden bereits bestehende Organisationen, Ressourcen und Methoden zur Unterbindung des Nachschubs überprüfen um sicherzustellen, daß sie auf die effektivste Weise operieren. Wir werden die Erstellung, Analyse und
Verbreitung unserer nachrichtendienstlichen
Erkenntnisse verbessern.
Wir werden den Gemeinden bei der Bekämpfung von Drogenhandel und -konsum behilflich

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�sein und versuchen, unsere Städte wiederzube- cher Wirtschaftsentwicklung, Menschenrechten und
Schutz der globalen Umwelt.
leben.
Viertens fordert sie die Vereinigten Staaten zur Fortsetzung ihrer internationalen Führungsrolle und Unterstützung der internationalen Drogenbekämpfungsmaßnahmen auf.
Unseres Erachtens stellt der internationale
Drogenhandel eine direkte Bedrohung der Vereinigten Staaten dar und unterminiert unsere
Bestrebungen im Inland zur Verringerung des
Drogenangebots und der Nachfrage. Wir vertreten femer die Auffassung, daß er unsere
Bestrebungen - und die aller freien Nationen bei der Förderung von Demokratie, wirtschaftlicher Stabilität, Menschenrechten und Rechtsstaatlichkeit zunichte macht.
Als Reaktion auf die Bedrohung durch Drogen
müssen wir die zu ihrer Bekämpfung erforderlichen Strafverfolgungs- und Rechtsinstitutionen
aufbauen und verbessern. Die Vereinigten
Staaten werden zu diesem Zweck ihre Ausbildungsprogramme zur Verfügung stellen. Im
Hinblick auf die sich für Betäubungsmittelkontrolle engagierenden Länder werden wir dort,
wo es geeignet erscheint, alternative Entwicklungsprogramme statt des Anbaus von Pflanzen zur Drogenherstellung unterstützen.
Im Hinblick auf die Unterbindung des Nachschubs werden sich die Vereinigten Staaten
mehr auf Bestrebungen in den Ursprungsländern statt auf die Aufbringung und Beschlagnahme von Drogen beim Transport konzentrieren.
Schließlich werden wir die Notwendigkeit unterstreichen, die Drogenhändlerringe selbst zu zerschlagen. Wir werden mit anderen Ländern zusammenarbeiten, um Geldwäscherorganisationen, Lieferanten und chemische Grundstoffe
aufzuspüren und die Drogenbarone auszumachen, von denen die Organisationen geleitet
werden.
Mit anderen Worten, wir werden jedes verfügbare
Mittel nutzen, um das Drogenangebot und die Nachfrage in den Vereinigten Staaten zu verringern und starke, kooperative Beziehungen zu anderen Ländern
aufzubauen, die ihre Bereitschaft zur Bekämpfung des
Drogenhandels unter Beweis stellen.

Wenn wir diese Arbeit bewältigen wollen, ist ein starker
multilateraler Ansatz erforderlich.
Wie kommt es, daß die Drogenkartelle so erfolgreich
und gewinnbringend operieren können? Sie tun mehr,
als nur Drogen zu kaufen und zu verkaufen. Sie
können auch Regierungen kaufen, verkaufen und terrorisieren. Sie sind hochmoderne, äußerst anpassungsfähige multinationale Einheiten. Wir können
unsere Anstrengungen nicht nur auf ein Land beschränken, denn diese kriminellen Organisationen
nutzen die schwache Verteidigung in anderen Ländern
aus. Wir müssen die Drogenkartelle von einer starken
regionalen und multilateralen Verteidigung aus angreifen.
Und wir müssen uns vor Augen führen, daß die internationalen Drogenkartelle nicht von nationalen Gesetzen zur Bewilligung ihrer Budgets abhängen. Ihre
Budgets werden größer, während unsere schrumpfen.
Angesichts der finanziellen Engpässe, mit denen sich
alle Nationen konfrontiert sehen, ist es ein Muß, daß
wir unsere Bestrebungen und unsere Ressourcen
koordinieren und das meiste aus dem machen, was
uns zur Verfügung steht.
Wir sind uns bewußt, daß bereits sehr viel getan und
das Fundament gelegt wurde, auf dem wir unsere
weitere Zusammenarbeit aufbauen.
Die Vereinten Nationen sind vor allem durch das UNDrogenkontrollprogramm, aber zunehmend auch durch
andere Behörden, ein unerläßlicher Partner bei der
Bekämpfung der globalen Bedrohung durch Drogen.
Unter der Leitung des Exekutivdirektors Giacomelli ist
das Drogenkontrollprogramm der Vereinten Nationen
(United Nations Drug Control Program - UNDCP) zum
Stützpfeiler der Drogenkontrollbestrebungen geworden.
Wir tragen die Verantwortung zur Aufrechterhaltung
des internationalen Engagements und Bereitstellung
der Ressourcen zur Drogenbekämpfung auf nationaler und internationaler Ebene.
Meine Regierung glaubt an Taten, nicht nur Worte und aus diesem Grund verdoppeln wir unseren Beitrag
des Jahres 1992 an das UNDCP. Unser Beitrag für
1993 beläuft sich auf 6,2 Millionen Dollar.

Die Notwendigkeit für ein starkes UN-System ist von
zunehmender
Bedeutung. Die US-Behörden mit
Ich möchte einen wesentlichen Punkt unterstreichen:
ähnlichen
Aufgabengebieten
können die AuswirkunTrotz der Notwendigkeit einer Neuorientierung unsegen
von
Betäubungsmittelproduktion,
-handel und
rer Bestrebungen bei der Bekämpfung des Drogen-mißbrauch
nicht
ignorieren.
Die
Vereinten
Nationen
handels als innenpolitisches Thema ist Drogenkontrolsind
nicht
nur
ein
f
riedensichemdes
oder
friedenschafle ein wichtiges Element unserer Außenpolitik sowie
unserer Unterstützung für Demokratien weltweit. fendes Gremium. Sie sind auch ein Forum, das die
Drogenkontrolle ist integraler Bestandteil unserer Aufmerksamkeit auf die Feinde der Demokratie lenkt
Verpflichtung zu Rechtsstaatlichkeit, umweltverträgli- und zu Aktionen gegen sie aufruft. Wir wollen sie zu
einem effektiven Forum machen.
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�Von dieser Zusammenkunft erbitte ich folgendes:

Nationen einigen. Das Ausmaß des Drogenproblems
ist so enorm, daß wir das gesamte UN-System mobilisieren müssen. Wir müssen ferner die internationalen Finanzinstitutionen auffordern, eine größere Rolle
bei der Unterbindung des Drogenhandels zu übernehmen.

Erstens, daß wir heute entschlossen zur Verurteilung
des internationalen Drogenhandels auseinandergehen, die uneingeschränkte Ratifizierung der Wiener
Konvention von 1988 anstreben und darüber hinausgehen, um allen Nationen bei der Verabschiedung von
Gesetzen und dem Aufbau von Institutionen behilflich In seiner Rede vor der Generalversammlung der Verzu sein, mit denen die Ziele der Konvention verwirklicht einten Nationen im vergangenen Monat verwies Präsiwerden können.
dent Clinton darauf, daß unsere Administration die
erste nach dem Kalten Krieg ist. Wir werden nicht
Zweitens, daß wir die Zerschlagung der Drogenhänd- länger von der Bedrohung der nuklearen Vernichtung
lerringe intensivieren, indem wir unsere Bestrebungen heimgesucht. Und dennoch ist dies nicht die Zeit für
auf die sie leitenden Drogenbarone ausrichten. Es Selbstgefälligkeit. Mit dem Ende des Kalten Krieges
genügt nicht, die Kuriere und Dealer, die kleinen Geld- wird die Sicherheit der Nationen durch andere heimwäscher - die "Ersetzbaren" des Drogenhandels - zu tückische und mächtige Feinde von Demokratie und
verhaften und einzusperren.
Freiheit bedroht. Drogenhandel und andere internationale Verbrechen korrumpieren und unterminieren die
Drittens, daß wir verschärft auf die Profite und Geldgrundlegenden Institutionen, die Demokratie unterwaschoperationen der Händler abzielen, effektive einmauern und politische Freiheit fördern - die Rechtsheitliche Abfangverfahren auf See erarbeiten und diese
staatlichkeit sowie freie und offene Volkswirtschaften.
sowie Kontrollen von Chemikalien durchführen.
Viertens, daß wir die Intensivierung unserer multilate- Die Vereinigten Staaten werden sich nicht ihrer Führalen und regionalen Ansätze durch das UNDCP, die rungsrolle bei der Zerschlagung internationaler DroOrganisation Afrikanischer Staaten (OAS), die inter- gen- und Verbrechersyndikate entziehen. Wir fordern
nationalen Finanzinstitutionen, die Dublingruppe und die internationale Staatengemeinschaft auf, sich diedie Einsatzgruppe Finanzaktionen zur gemeinsamen ser Bedrohung kollektiv zu stellen.
Nutzung unserer Ressourcen und Koordinierung un- Mit der erneuerten und kontinuierlichen Verpflichtung
serer Hilfsleistungen beschließen.
der internationalen Staatengemeinschaft zur RechtsUnd letztens, daß sich alle Regierungen auf die Unter- staatlichkeit werden wir obsiegen. Aus der Verantworstützung von Bestrebungen zur Verbesserung des tung - für uns und unsere Kinder - heraus haben wir in
systemübergreifenden Aktionsplans der Vereinten der Tat schlicht und einfach keine andere Wahl.

* * * * *

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�PORTRAT
3. November 1993

RÜSTUNGSKONTROLLE BLEIBT
DRINGENDES ANLIEGEN
Porträt von John Holum

WASHINGTON - (AD) - Dem designierten Direktor des
amerikanischen Amts für Rüstungskontrolle und Abrüstung (U.S. Arms Control and Disarmament Agency ACDA), John Holum, zufolge besteht selbst in der Zeit
nach dem Kalten Krieg die Notwendigkeit für "effektive
Rüstungskontrolle und entschiedene Anstrengungen
zur Eindämmung der Weiterverbreitung".
John Holum ist der Ansicht, daß sich "nach dem Ende
des Kalten Krieges die Herausforderungen für die
Rüstungskontrolle geändert haben, diese jedoch nicht
weniger zwingend seien".
Der Jurist Holum arbeitete unter der Carter-Administration im Außenministerium auf den Gebieten Rüstungskontrolle und auswärtige Angelegenheiten,
gehörte zum Mitarbeiterstab des Senats und war Mitglied von Präsident Clintons Wahlkampfteam.
Er stellte fest, daß die Welt ein immer gefährlicherer
Ort wird, "da einige geächtete Staaten nach Technologien streben, die unser aller Sicherheit bedrohen".
Um die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen
und ihrer Trägersysteme zurückzuschrauben, "müssen wir eine unbefristete Ausweitung, universelle Einhaltung sowie entschiedene Durchsetzung des Nichtverbreitungsvertrags anstreben", so Holum.
Bei der Zusammenarbeit mit den Verbündeten "müssen wir noch wirksamere Maßnahmen zur Kontrolle
der Exporte potentiell gefährlicher Technologien sowie
von Mehrzwecktechnologien, die für zivile und militärische Zwecke genutzt werden können, entwickeln und
gleichzeitig das nationale Gebot des Wirtschaftswachstums angehen", betonte der designierte ACDA-Direktor.
Er drängt auf die Durchführung der Konvention über
chemische Waffen, die "beispiellose Verifizierungsbestimmungen" enthält und die Einhaltung des ABMVertrags, "während wir gleichzeitig eine Antwort auf

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die Bedrohung durch taktische ballistische Raketen
erarbeiten".
Holum zufolge müssen ferner Wege zur Eindämmung
des Wettrüstens mit konventionellen Waffen auf regionaler Ebene gefunden werden.
Bei der Anhörung zu seiner Bestätigung vor dem Senat
erklärte der designierte ACDA-Direktor, bei seiner
künftigen Arbeit lasse er sich von folgenden umfassenden Prinzipien leiten:
Rüstungskontrolle als integralem Bestandteil
der nationalen Sicherheit,
angemessener, effektiver Verifizierung als
unabdingbarem Mittel für Rüstungskontrolle und
Rüstungskontrolle weiterhin als nationalem und
nicht parteipolitischem Unternehmen.
Holum wurde am 4. Dezember 1940 in Highmore
(South Dakota) geboren. Er besuchte das Northern
State Teachers College und die juristische Fakultät der
George Washington University.
Von 1965 bis 1979 gehörte er dem Mitarbeiterstab von
Senator George McGovern an, wo er als Rechtsberater tätig war und die Arbeit des Senators im Auswärtigen Ausschu ß leitete. Holum war ferner während der
Vorwahlen der Demokraten zum Präsidentschaftswahlkampf 1972 für alle Anfragen an McGovern zuständig und während des allgemeinen Wahlkampfes
sein wichtigster Redenschreiber.
Holum war von 1979-81 Mitglied des Stabes für Politik
und Planung im Außenministerium und befaßte sich
mit Rüstungskontrolle und Rechtsfragen.
Seit 1981 war er als Rechtsanwalt in der Kanzlei
O'Melveny and Myers tätig und arbeitete bei Rechtsund internationalen Fragen mit Warren Christopher
zusammen, dem ehemaligen geschäftsführenden

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�Gesellschafter der Kanzlei und jetzigen Außenminister.
Beim Präsidentschaftswahlkampf 1992 war Holum
einer der Berater Präsident Clintons für Verteidigu ngs-

und Außenpolitik . Davor war er geschäftsführender
Direktor des Komitees für den Entwurf des Wahlprogramms und der Wahlplattform für den nationalen
Parteikonvent der Demokraten im Jahr 1992.

* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 44

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                <text>&lt;strong&gt;1. Handel&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;NAFTA soll 200.000 Arbeitsplätze schaffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Präsidenten in der John F. Kennedy Library&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Regionale Abkommen erleichtern Welthandel&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Mickey Kantor&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wettbewerb&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wettbewerb bewirkt Produktivitätsvorteile der USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von William Lewis&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. USIA&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zusammenarbeit in neuen Nationen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von USIA-Direktor Duffey&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Drogen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA wollen bei Drogenbekämpfung mit anderen Ländern zusammenarbeiten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung Browns vor der UN-Generalversammlung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Porträt&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Rüstungskontrolle bleibt dringendes Anliegen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt von John Holum&lt;/em&gt;</text>
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Z12462C
*
10. November 1993

45

AUSSENPOLITIK

CHRISTOPHER BEGRUSST NEUE
RUSSISCHE MILITÄRDOKTRIN
Anhörung vor Senatsausschuß

BOSNIEN

FORDERUNG NACH BESTRAFUNG VON
KRIEGSVERBRECHERN IM EHEMALIGEN
JUGOSLAWIEN
Drängen auf kurzzeitige Friedenslösung
stellt Gefahr dar

GATT

VORBEREITUNGEN FÜR ABSCHLUSS
DER URUGUAY-RUNDE
Weiterhin erhebliche Schwierigkeiten

LUFTFAHRT

PENA ERLÄUTERT AMERIKANISCHE
LUFTFAHRTPOLITIK
Rede des Verkehrsministers

GESELLSCHAFT

DIE WELT IN EINEM STADTVIERTEL
von Jeff Lyon

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-33 41 02

�AUSSENPOLITIK
10. November 1993

CHRISTOPHER BEGRÜSST NEUE
RUSSISCHE MILITÄRDOKTRIN
Anhörung vor Senatsausschuß
WASHINGTON - (AD) - Nach einer "ersten Prüfung"
begrüßte Außenminister Christopher mehrere Aspekte der diese Woche veröffentlichten neuen Militärdoktrin Rußlands. Christopher machte seine Ausführungen im Rahmen einer umfassenden Erörterung der
amerikanischen Außenpolitik bei einer Anhörung vor
dem Auswärtigen Ausschu ß des Senats am 4. November 1993.
Bei der Auflistung außenpolitischer Prioritäten der
Clinton-Administration setzte Christopher wirtschaftliche Sicherheit an die oberste Stelle. "Sicherheit in der
Welt nach dem Kalten Krieg wird ebenso von starken
Volkswirtschaften wie von starken Waffenarsenalen
abhängen", erläuterte er.

Jahren stattgefunden haben", antwortete Christopher
auf die Frage des Ausschußvorsitzenden, Senator
Claibome Pell, zur neuen russischen Militärdoktrin.
"Die russische Militärdoktrin versucht, mit der neuen
Realität in Rußland Schritt zu halten", stellte der Außenminister fest und fügte hinzu, es habe "eine enorme Reduzierung des russischen Militärs stattgefunden. In praktisch jeder Waffenkategorie, einschließlich der nuklearen, wurden einschneidende Kürzungen
vorgenommen."

Die Russische Föderation habe ferner "die alte Doktrin
verworfen, keinen Erstschlag mit Nuklearwaffen durchzuführen", äußerte Christopher. "Offen gesagt haben
die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten die alte
Eine weitere wichtige Priorität ist seiner Ansicht nach sowjetische Doktrin nie als ernsthaften Indikator desdie Unterstützung politischer und wirtschaftlicher Re- sen gewertet, was die UdSSR tatsächlich mit ihrem
formen in Rußland und den anderen Nachfolgestaaten massiven Arsenal von Nuklearwaffen tun würde."
der ehemaligen Sowjetunion sowie in den neuen
Demokratien Mittel- und Osteuropas. Er ging ferner "In der neuen Doktrin hat Rußland im wesentlichen
auf Europa, die NATO, Asien und den Pazifik, China, festgestellt, daß es Atomwaffen nicht gegen einen
den Nahen Osten, Nichtverbreitung sowie die Verhin- atomwaffenfreien Staat einsetzen wird, der Mitglied
derung oder Bewältigung regionaler Konflikte wie in des Nichtverbreitungsvertrags ist", so der AußenminiHaiti, Somalia und Bosnien als Themen von oberster ster. "In der Tat unterscheidet sich die in dieser
Erklärung angekündigte Nukleardoktrin nicht grundlePriorität ein.
gend von unserer eigenen."
Dem Außenminister zufolge wollen die Vereinigten
Staaten "umfassende Beziehungen zu China" aufbau- Christopher verwies ferner auf das "Hauptziel" der
en, die eine Beilegung von Meinungsverschiedenhei- Doktrin, das die Beendigung des Abzugs der zur Zeit
ten in einem weitgefaßten, strategischen Kontext außerhalb Rußlands stationierten russischen Streitgestatten. "Wir arbeiten mit China auf Fortschritte in kräfte sei, die auf russisches Territorium zurückgeführt
allen Bereichen hin, die weiterhin Anlaß zur Besorgnis werden sollen.
geben, darunter Menschenrechte, Nichtverbreitung
"Wir begrüßen dies", stellte der Außenminister fest.
und Marktzugang", führte er aus. Christopher warnte
Die neue Doktrin sehe darüber hinaus vor, daß die
jedoch, "solange es keine maßgeblichen Fortschritte
russischen Truppen "in bestimmten Situationen, verbei Menschenrechten gibt, wird der Präsident im
mutlich im Rahmen der Friedenssicherung, entlang
kommenden Frühjahr nicht die Verlängerung des
der Peripherie der ehemaligen Sowjetunion operieMeistbegünstigungsstatus empfehlen können".
ren". Die Vereinigten Staaten gingen davon aus, daß
"Rußland beginnt die tiefgreifenden Veränderungen in solche Operationen "nur in Zusammenarbeit mit den
den Griff zu bekommen, die in den vergangenen drei anderen betroffenen Staaten erfolgen werden", fügte
Christopher hinzu.
AMERIKA DIENST 45

Seite 1

�"In unseren diplomatischen Gesprächen mit Rußland
haben wir betont, daß russische Operationen außerhalb Rußlands im Einklang mit allen internationalen
Normen, insbesondere der Charta der Vereinten Nationen und der Schlußakte von Helsinki stehen müssen, und die Russen haben dies bestätigt."
"Sie müssen die territoriale Integrität und Souveränität
der anderen neuen unabhängigen Staaten respektieren", stellte er fest. "Mit anderen Worten, Rußland
muß Teil der Lösung und nicht Teil des Problems im
Hinblick auf regionale Konflikte sein."

nicht alleine ein Ende der Uruguay-Runde des GATT
herbeiführen ... Die Förderung der transatlantischen
Sicherheit erfordert nicht nur eine Erneuerung der
NATO, sondern auch einen erfolgreichen Abschluß
der GATT-Verhandlungen."
Außenminister Christopher sprach im weiteren folgende außenpolitische Themen an:

Ukraine. Diese Nation "hat ihre Verpflichtungen sowie
deren Anwendbarkeit auf alle strategischen Offensivwaffen auf ukrainischem Boden erneut bekräftigt, aber
wir haben noch harte Arbeit vor uns, da in diesem Staat
Die Vereinigten Staaten entnehmen der Erklärung weiterhin Opposition gegen eine atomwaffenfreie Ukraine
femer, daß die neue Doktrin speziell auf den Abzug besteht". Präsident Krawtschuk hat zugesichert, im
aller russischen Truppen aus den Nachbarstaaten ukrainischen Parlament auf eine Ratifizierung des
Lettland und Estland Bezug nimmt, "und das sind gute START-I-Vertrags während der Sitzung im November
Nachrichten", so Christopher, der hinzufügte, er habe zu drängen.
während seines Besuchs in Moskau Ende vergangeDer ukrainische Präsident nannte Christopher keine
nen Monats entsprechende Zusicherungen erhalten.
Frist für den Beitritt seines Landes zum Nichtverbrei"Darüber hinaus hat die russische Regierung wieder- tungsvertrag (NW). "Und genau da liegen die Schwieholt bekräftigt, daß sie kein Junktim zwischem dem rigkeiten, und genau da müssen wir auf Fortschritte
Truppenabzug und der Situation der ethnischen Rus- drängen."
sen in diesen Baltenstaaten herstellt."
"Wir alle müssen ihnen klarmachen, daß sie in der
"Ich bedauere das Ende des Kalten Krieges nicht", Gemeinschaft der Nationen nicht voll akzeptiert wererklärte der Außenminister. "Wir müssen einen neuen den und keinen Anspruch auf umfassende WirtschaftsKonsens im Inland für die anhaltende Unterstützung hilfe haben, bevor sie nicht dem NW beitreten."
unseres aktiven Engagements in einer komplexeren
Haiti. "Haiti ist ein Beispiel dafür, daß zeitweilige
und interdependenten Welt erarbeiten."
Rückschläge uns nicht von der Verfolgung unserer
Während dieser Zeit müßten die Vereinigten Staaten Interessen abhalten dürfen. Wenn auf Haiti nicht die
"eine sachliche Einschätzung ihrer dauerhaften Inter- Demokratie wiederhergestellt wird, werden Unterdrücessen vornehmen, die Sicherheit ihrer Nation, den kung, Gewalt und Leiden weiterhin eine große Zahl von
Wohlstand ihres Volkes und wo immer möglich die Haitianern zur - oftmals für sie äußerst gefährlichen Förderung demokratischer Werte gewährleisten", er- Flucht veranlassen."
läuterte der Außenminister.
Haitis Probleme können einzig und allein durch demoDie NATO "mu ß innovativ sein oder sie geht das Risiko kratische Institutionen und wirtschaftliche Entwicklung
ein, in Belanglosigkeit zu verfallen", führte er aus und gelöst werden... Wir bleiben der Wiederherstellung
fügte hinzu, ihre Erweiterung sollte durch die von den von Demokratie und der Rückkehr von Präsident AriVereinigten Staaten angekündigte Initiative Partnerfür stide verpflichtet."
den Frieden in nichtdiskriminierender Weise erfolgen
und zahlreiche Staaten einbeziehen. Christopher zufolge Die Administration hat "viele Informationen über die
sei der russische Präsident Jelzin äußerst positiv Lage auf Haiti und über Präsident Aristide, und auf
gegenüber dem Konzept Partner für den Frieden ein- dieser Grundlage halten wir ihn für unterstützenswert
gestellt, das eine Erweiterung der NATO nach Osten in ... basierend auf der Tatsache, daß er demokratische
Erwägung zieht. "Sie wollen nicht von der Möglichkeit sowie erwiesenermaßen offene und freie Wahlen auf
eines Beitritts ausgeschlossen werden", so der Au- Haiti gewonnen hat".
ßenminister.
Somalia. Die Vereinigten Staaten verfolgen in Soma"Präsident Jelzin ist der beste Verbündete, den wir lia "ein hehres Ziel", das "im Einklang mit unseren
heute in Rußland haben", betonte der Außenminister. Werten und Traditionen steht... Wir haben buchstäb"Er respektiert meines Erachtens die territoriale Inte- lich Hunderttausende von Menschenleben gerettet.
grität der anderen Nachfolgestaaten der Sowjetunion." Jetzt verfolgen wir eine klare politische Linie und
Diejenigen, die Jelzin letzten Monat zu stürzen ver- werden durch die bereits gemachten Fortschritte
suchten, wollten Christopher zufolge das sowjetische ermutigt."
Imperium wiederherstellen.
Burundi. Das Außenministerium hat der aufgrund
des
Putsches in Burundi entstandenen Flüchtlingslage
Er richtete folgende Warnung an die europäischen
große
Aufmerksamkeit gewidmet. Die Vereinigten
Verbündeten Amerikas: "Die Vereinigten Staaten können
Seite 2

AMERIKA DIENST 45

�Staaten stehen in Kontakt mit der Organisation für
Afrikanische Einheit und den Nachbarländern Burundis. Die "beste Lösung in der gegenwärtigen (Situation) ... (ist) die Zusammenarbeit in dieser regionalen
Organisation."
Bosnien-Herzegowina. "Die amerikanische Politik
angesichts des schrecklichen Konflikts in BosnienHerzegowina trägt unserem strategischen Interesse
an der Verhinderung einer Ausweitung des Konflikts
auf die Nachbarstaaten sowie unserem humanitären
Interesse an einer Milderung des Leidens der Menschen in Bosnien-Herzegowina Rechnung."
Die Vereinigten Staaten werden weiterhin auf Verhandlungen drängen, aber angesichts der großen Gefahr
für die Bosnier wegen des bevorstehenden Winters
"müssen wir unsere Aufmerksamkeit auf humanitäre
Hilfsaktionen konzentrieren".
Die Vereinigten Staaten unterstützen die Einrichtung
eines UN-Kriegsverbrechertribunals sowie eine Fortsetzung der Wirtschaftssanktionen gegen Serbien und
Montenegro. "Gleichzeitig haben die Vereinigten Staaten
durch Erklärungen von Präsident Clinton und mir deutlich
gemacht, daß wir nicht mit militärischen Mitteln eine
Lösung erzwingen wollen... Wenn die Bedingungen
für unsere Teilnahme erfüllt sind, wären wir zur Mitwirkung an der Herbeiführung einer Lösung in Bosnien
durch die NATO bereit, sofern alle Parteien zustimmten."
UNO-Friedenssicherung. "Wir müssen eindeutig
neue Mechanismen zur Beilegung und Verhinderung
von Konflikten in Erwägung ziehen sowie die Mechanismen zur Friedenssicherung modifizieren oder neu
gestalten." Die Rolle der Vereinigten Staaten "wird

*

AMERIKA DIENST 45

durch eine genaue Einschätzung der Interessen unseres Landes und anderer Staaten bestimmt".
In außenpolitischen Fragen sind Christopher zufolge
eingehende und umfassende Konsultationen mit dem
Kongreß erforderlich, insbesondere wenn die Administration eine UNO-Resolution in Erwägung zieht, die
den Einsatz amerikanischer Streitkräfte beinhalten
könnte. Es bestehe eine reale Gefahr, daß aus der
Sorge über eine Beteiligung der Vereinigten Staaten
an friedenssichernden Operationen ein Trend zu Isolationismus entstehen könnte.
"Wir dürfen nicht die Tatsache aus den Augen verlieren, daß die Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen uns in vielerlei Hinsicht bei der Erfüllung unserer
Aufgaben größere Effektivität verleiht als wenn wir im
Alleingang handeln würden."
Jedoch "müssen wir in Betracht ziehen, daß das
amerikanische Volk immer in Sorge ist, wenn USTruppen ... nicht dem operativen Kommando des
amerikanischen Militärs unterstehen."
Indien, Pakistan. Die Weiterverbreitung von Atomwaffen in Südasien ist für die Vereinigten Staaten
Anlaß zu "großer Sorge".
Die neue Regierung Pakistans sei hoffentlich aufgeschlossen für die internationalen Gespräche über Fragen
der Weiterverbreitung in der Region.
Indien werde im Zusammenhang mit seinen religiösen
Konflikten hoffentlich einen Weg zur Beschwichtigung
der Gemüter finden, die die Situation zu schüren
scheinen. "Es ist ein tragischer Rückschritt, daß
dieses Land seine Minderheitenreligionen nicht auf
positive Weise integriert."

* * *

*

Seite 3

�BOSNIEN
10. November 1993

FORDERUNG NACH BESTRAFUNG VON
KRIEGSVERBRECHERN
IM EHEMALIGEN JUGOSLAWIEN
Drängen auf kurzzeitige Friedenslösung stellt Gefahr dar
WASHINGTON - (AD) - Botschafter Kenneth Blackwell, der ehemalige Vertreter der Vereinigten Staaten
bei der UN-Menschenrechtskommission, erklärte am
3. November 1993, es sei "von lebenswichtiger Bedeutung", daß die Anklage von Kriegsverbrechern im
ehemaligen Jugoslawien so zügig wie möglich vonstatten gehe.
In einer Arbeitsgruppe forderte Botschafter Blackwell,
Kriegsverbrecher zur Rechenschaft zu ziehen und
erklärte: "Das Drängen auf ein kurzfristiges Friedensabkommen bringt die Kriegsparteien zwar an den
Verhandlungstisch, führt jedoch auch zu einem Abkommen über gegenseitige Amnestie." Er stellte fest:
"Das dient weder der Gerechtigkeit noch dem langfristigen Frieden in der Region." Vielmehr "wird es
fortgesetzte kriegerische Auseinandersetzungen über
Generationen hinweg auslösen; die Strafverfolgung
von Kriegsverbrechern ist bei der Versöhnung auf
lange Sicht der Schlüsselfaktor".
In einer Rede vor den Vereinten Nationen am 2.
November 1993 vertrat Madeleine Albright, die UNOBotschafterin der Vereinigten Staaten, eine ähnliche
Meinung. "Die Clinton-Administration akzeptiert keine
Übereinkunft und kein Angebot, die Kriegsverbrechern
Straffreiheit gewähren - und unserer Ansicht nach wird
das auch die internationale Staatengemeinschaft nicht
tun."
Vergangene Woche gaben die Vereinten Nationen die
Ernennung von Ramon EscovarSalom, dem Justizminister Venezuelas, zum Generalstaatsanwalt beim
internationalen Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien bekannt. Auch wurde angekündigt, daß Cherif Bassiouni, der bereits der Expertenkommission zur Untersuchung von Kriegsverbrechen
angehört, zu deren Vorsitzenden ernannt wird.

Am heutigen Tag forderten mehrere Redner, ein
Übergangsteam aufzustellen, um diese beiden Amtsträger bei ihren Bemühungen zu unterstützen. "Obwohl diese Ankündigungen einen erheblichen Fortschritt im Hinblick auf die Rechenschaftspflicht von
Kriegsverbrechern darstellen, haben wir noch viel Arbeit
vor uns, wenn das Tribunal eine wirksame und glaubwürdige Rolle dabei spielen soll, in dieser Krisenregion
Gerechtigkeit walten zu lassen", äußerte Dr. John
Woodall, Arzt an der Harvard Medical School, der die
Arbeitsgruppe einberufen hatte.
Zu dem Krieg im ehemaligen Jugoslawien im allgemeinen stellte Woodall fest, es sei offensichtlich, daß seit
dem Ende des Karten Krieges multilaterale Aktionen
das bevorzugte Instrument zur Beilegung internationaler Krisen geworden seien. Obwohl solche Aktionen
seiner Ansicht nach auch funktionieren, wies er auf
zwei Fallstricke hin: "Die internationalen Institutionen
sind zur Zeit nicht stark genug, um wirksame multilaterale Aktionen zu unterstützen" und "ein nachlassender
internationaler Wille" erschwere multilaterale Lösungen.
Blackwell stimmte dem zu und fuhr fort: "Es müssen
konkrete Schritte unternommen werden, um die institutionellen M ittel zur Förderung von globaler Sicherheit
und Rechtsstaatlichkeit zu verbessern". Zu diesem
Zweck forderte er einen internationalen Sicherheitsgipfel führender Politiker.
Die dem Kriegsverbrechertribunal angehörenden Richter sollen vom 17. November an mehrere Wochen in
Den Haag zusammentreffen, um Entwürfe für Verfahrensregeln auszuarbeiten. Mehrere Redner wiesen
darauf hin, daß ein Beginn der Verhandlungen nicht
vor Anfang kommenden Jahres erwartet wird.

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AMERIKA DIENST 36

Seite 1

�GATT
10. November 1993

VORBEREITUNGEN FÜR ABSCHLUSS
DER URUGUAY-RUNDE
Weiterhin erhebliche Schwierigkeiten
WASHINGTON - (AD) - Ab dem 15. November 1993
werden Unterhändler aus über 100 Ländern zu einer
praktisch ununterbrochenen Sitzung zusammenkommen, um die sieben Jahre andauernden Handelsgespräche der Uruguay-Runde des GATT bis zum 15.
Dezember zu einem Abschluß zu bringen.
John Schmidt, der amerikanische Koordinator für die
Uruguay-Runde, bezeichnete die Aussichten auf einen erfolgreichen Abschluß der Gespräche in der
gesetzten Frist als "gut", räumte jedoch ein, daß von
Landwirtschaft und Dienstleistungen bis zu Zöllen und
Textilien noch beachtliche Hindernisse bestehen.
Auf einem Treffen von Vertretern der Wirtschaft aus
den Vereinigten Staaten und dem Ausland am 2.
November 1993 in Washington machte Schmidt auch
deutlich, im Gegensatz zu den von französischer Seite
geäu ßerten Behauptungen erwarteten weder die Vereinigten Staaten noch die meisten anderen Teilnehmer der Uruguay-Runde, daß die Gespräche über den
15. Dezember hinausgehen oder zu weniger als einem
umfassenden Abkommen über alle wichtigen Bereiche des Handels führen.
Eine der Hauptschwierigkeiten ist ihm zufolge der
Marktzugang. Die von den führenden Industrieländern
beim Wirtschaftsgipfel in Tokio im vergangenen Juli
eingegangenen Verpflichtungen zur Senkung der Zölle seien nicht erfüllt worden.

"Das Problem war die Fixierung der Europäischen
Gemeinschaft auf die Senkung aller oder praktisch
aller Spitzenzölle, wozu wir niemals bereit waren und
sind", so Schmidt. "Ganz offensichtlich werden weder
wir noch Japan oder Kanada das tun."
Schmidt argumentiert, daß die amerikanischen Textilhersteller von den Vorschlägen der Uruguay-Runde
hart betroffen werden, die einen schrittweisen Abbau
des derzeitigen weltweiten Systems von Textilquoten,
genannt Murtifaserabkommen, fordern. Ihm zufolge
würde das einer 60- bis 70prozentigen Zollsenkung
entsprechen.
Schmidt erklärte auch, das Angebot der EG zur Senkung der Zölle auf Halbleiter von 14 auf 9 Prozent
reiche in den Augen der Welt nicht aus.
Bei Finanzdienstleistungen planten die Vereinigten
Staaten die baldige Vorlage eines kontroversen Ansatzes, der tatsächlich "moderater" als vorgesehen ausgefallen sei.
Die Vereinigten Staaten hatten die Absicht, bei den
Verhandlungen über Finanzdienstleistungen nicht den
Meistbegünstigungsstatus anzubieten, weil ihrer Ansicht nach die anderen Länder die Bereitschaft zur
Öffnung ihrer Märkte vermissen lassen.

Der Meistbegünstigungsstatus hätte den Ländern mit
geschlossenen Märkten bei Finanzdienstleistungen
Das Tokioter Abkommen forderte die Abschaffung den ungehinderten Zugang zum amerikanischen Markt
tarifärerund nichttarifärer Maßnahmen bei einer Reihe gestattet, dereinigen ausländischen Anbietern bereits
von Produkten, die Harmonisierung der Zölle für che- eingeräumt wurde.
mische Produkte auf niedrigem Niveau sowie die "Wir haben vor kurzem die Auffassung geäußert, daß
Verfolgung des umfassenden Ziels einer 33prozenti- wir statt uneingeschränkter Ausnahmen beim Meistgen Zollsenkung.
begünstigungsstatus - die viele als eine Gefährdung
Ferner wird darin die Aushandlung größtmöglicher der Einbeziehung von Finanzdienstleistungen in die
Senkungen der Spitzenzölle von über 15 Prozent Uruguay-Runde oder mögliche Gefährdung des Abgefordert. Schmidt zufolge interpretiere die EG das als kommens über Dienstleistungen insgesamt ansehen 50prozentige Senkung jedes Spitzenzolls, insbeson- gewisse Ausnahmen vornehmen, die der ganzen Wert
eine grundlegende Stillhaltevereinbarung bieten, und
dere auf amerikanische Textilien.
AMERIKA DIENST 45

Seite 1

�wir würden ihnen garantierten Zugang zum amerikanischen Markt auf ihrem derzeitigen Niveau einräumen",
stellte Schmidt fest. "Um jedoch über ihre derzeitigen
Aktivitäten hinauszugehen, ... müßten sie die Verpflichtung eingehen, einen unserem Marktzugang
vergleichbaren Zugang zu ihren Märkten zu gestatten."
Die Vereinigten Staaten haben weiterhin Meinungsverschiedenheiten mit einigen Ländern über die Notwendigkeit einer neuen multilateralen Handelsorganisation (Multilateral Trade Organization - MTO) anstelle
des Allgemeinen Zo^ und Handelsabkommens. Schmidt
zufolge sind die Vereinigten Staaten nicht von der
Notwendigkeit einer MTO überzeugt, obwohl sie zum
Überdenken dieser Frage bereit sind, sollten alle anderen
Probleme der Uruguay-Runde gelöst sein.
"Eine neue multilaterale Handelsorganisation hat eindeutig einige politische Nachteile für uns", erklärte
Schmidt und erläuterte, alles, was die Entscheidungs-

befugnis der Vereinigten Staaten beschränke, könnte
zu politischem Widerstand im Kongreß führen.
Schmidt deutete ferner an, daß ein negatives Ergebnis
der vorläufig für den 17. November 1993 anberaumten
Abstimmung über das Nordamerikanische Freihandelslabkommen (North American Free Trade Agreement - NAFTA) im Kongreß die Uruguay-Runde zu Fall
bringen könnte.
Schmidt zufolge würde ein negatives Abstimmungsergebnis zum NAFTA die Frage aufwerfen, wie die
übrige Weh die Vereinigten Staaten als Verhandlungspartner sieht und ob die Clinton-Administration in der
Lage ist, die Verabschiedung der Gesetzesvorlage zur
Uruguay-Runde im Kongreß durchzubringen. Solche
Zweifel könnten dazu führen, daß andere Unterhändler bei der Uruguay-Runde nicht die liberalisierenden
Maßnahmen anbieten, die zum Erfolg der Runde erforderlich sind.

* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 45

�LUFTFAHRT
10. November 1993

PENA ERLÄUTERT AMERIKANISCHE
LUFTFAHRTPOLITIK
Rede des Verkehrsministers
WASHINGTON - (AD) - Verkehrsminister Federico Pena zufolge liegen der Politik der Vereinigten Staaten zur
internationalen zivilen Luftfahrt vier Prinzipien zugrunde, die er in einer beim Treffen des Internationalen
Verbandes für Lufttransport in Dallas am 1. November 1993 gehaltenen Rede erläuterte.
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text der Rede des Verkehrsministers.

Um Präsident Clinton zu zitieren, durchleben wir sowohl en Zeitpunkt der vollständigen Erholung unseres interin den Vereinigten Staaten als auch weltweit eine Zeit nationalen Luftfahrtmarktes prognostizieren.
"galoppierender Veränderungen" - und Spannungen Und wir Amerikaner sind uns der Belastungen äu ßerst
in der Luftfahrtindustrie.
bewußt, die Wettbewerb den Fluggesellschaften und
Ich möchte Ihnen meine Gedanken zu dieser heraus- Regierungen auf der ganzen Welt auferlegt - weil wir
fordernden Situation erläutern und unseren "Flugplan" sie selbst erlebt haben.
darlegen, der uns dabei leiten soll.
Ich bin jedoch überzeugt, daß Privatisierung, WettbeIch möchte drei Themen ansprechen. Erstens werde werb und Globalisierung durch wirtschaftliche und
ich kurz auf die wettbewerbsfördernde Politik der politische Kräfte genährte Trends sind, die letztlich
Vereinigten Staaten gegenüber den Fluggesellschaf- Bestand haben werden. Regierungen und Fluggesellten eingehen. Dann werde ich den Trend zur Globali- schaften, die sich diese Trends zu eigen machen,
sierung dieser Industrie - und die sie konfrontierenden werden definitiv den Vorsprung haben.
Hemmnisse - analysieren. Logischerweise führt mich
das zu meinem dritten Thema - wie wir in der sich Wettbewerbsfördernde Luftfahrtpolitik
abzeichnenden internationalen Welt der Luftfahrt Während andere Nationen wettbewerbsfördernde
zusammenarbeiten und wachsen können.
Maßnahmen verabschieden, könnte es sich als nützJeder hier weiß, daß sich die internationale Luftfahrtindustrie inmitten eines tiefgreifenden, häufig schwierigen Umbruchs befindet - ausgelöst durch kommerzielle Gebote und die Verbreitung der Politik freier
Marktwirtschaften. Fluggesellschaften und Regierungen auf der ganzen Welt kämpfen, um sich an den
Trend zu Privatisierung, Wettbewerb und Globalisierung anzupassen (und ihm in einigen Fällen zu widerstehen).
Wir haben keine Kristallkugel, um genau vomerzusagen, wie diese Trends die internationale Luftfahrt
beeinflussen werden. Wir können die Kreativität von
Fluggesellschaften nicht antizipieren oder den genau-

AMERIKA DIENST 45

lich erweisen, Ihnen meine Perspektive der amerikanischen Erfahrungen seit 1978 zu erläutern und einige
der Fehleinschätzungen auszuräumen, die heute
bezüglich dieser Perspektive vorherrschen.
Das Engagement für erweiterten Wettbewerb bildet
nach wie vor das Kernstück unserer Luftfahrtpolitik.
Diese Sichtweise gründet sich jedoch nicht auf den
blinden Glauben an die "unsichtbare Hand" eines
allwissenden Marktes - wie einige immer noch behaupten.
Wir müssen nochmals betonen, wer unsere Lobby ist:
Die Reisenden, Transporteure von Waren und Dienstleistungen, die Fluggesellschaften und Flugzeugher-

Seite 1

�steller sowie die Städte, die Dienstleistungen zur
Wiederbelebung ihrer Volkswirtschaften wünschen.

Millionen von Reisenden und Geschäftsleuten, die
jetzt aufgrund überhöhter Preise vom Luftfahrtmarkt
vertrieben werden, könnten beflügelt werden und die
Das Abwägen der Interessen all dieser Parteien könn- Volkswirtschaften auf dem Kontinent wiederbeleben
te eine Herausforderung darstellen. Meines Erach- sowie überall in der Luftfahrtindustrie mehr Arbeitstens müssen wir jedoch versuchen, bei der Förderung plätze schaffen, nicht abschaffen.
des nationalen Interesses nicht genaue mathematische Formeln, sondern gesundes Urteilsvermögen Das war zweifelsohne unsere Erfahrung in den Vereiund Fairness walten zu lassen.
nigten Staaten. Seit 1978 ist die Beschäftigung in der
amerikanischen Luftfahrtindustrie insgesamt von
Niemand ist sich der Traumata und Belastungen des 314.000 auf 432.000 Mitarbeiter angewachsen - trotz
harten Wettbewerbs im Flugverkehr bewußter als die der sattsam bekannten Probleme einiger amerikaniAmerikaner. Die Reisenden, Mitarbeiter der Flugge- scher Fluggesellschaften. Darüber hinaus gibt es
sellschaften, die Regierung und die amerikanischen ständig neue US-Fluggesellschaften, die auf den Markt
Fluggesellschaften selbst haben sie gespürt.
drängen.
Es überrascht daher nicht, daß andere Nationen häufig
die Frage stellen, warum wir diese wettbewerbsfördernden Maßnahmen verfolgen - insbesondere angesichts der drohenden finanziellen Engpässe, mit denen sich die amerikanischen Fluggesellschaften in den
vergangenen drei Jahren konfrontiert sahen.

Es mag Sie schockieren, wenn ich sage, daß wir
diesen neuen Wettbewerb begrüßen. Wir sind sogar
der Auffassung, daß er für unsere traditionellen Fluggesellschaften gut ist.

Der Hauptgrund, warum sich amerikanische Fluggesellschaften heute eines so großen Anteils am internaWir sind durch diesen Tumult in der Tat so beunruhigt, tionalen Markt erfreuen, ist, daß sie durch den Wettbedaß ich die Gründung einer 15köpfigen nationalen werb im Inland äußerst effizient geworden sind.
Kommission zur Gewährleistung einer starken, wettbewerbsfähigen Luftfahrtindustrie uneingeschränkt Wir wissen um die Besorgnis einiger Regierungen über
diesen großen Marktanteil amerikanischer Fluggesellbefürwortet habe.
schaften.
Nach all diesen Analysen, Anhörungen und Debatten
bekräftigte die Luftfahrtkommission ein Dogma - unse- Aber statt erfolgreiche Konkurrenten einzuschränken,
re Überzeugung, daß Wettbewerb zwischen inländi- sollten Regierungen, die den Erfolg ihrer eigenen
schen Fluggesellschaften der amerikanischen Wirt- Fluggesellschaften wünschen, sie zu einer "Neuorgaschaft insgesamt enorme Vorteile verschafft.
nisation" zur Bewältigung der Herausforderungen des
Wettbewerbs auf globaler Ebene drängen.
Die Vorteile liegen auf der Hand - in Form eines
immens angestiegenen Passagieraufkommens, nied- Wettbewerb unter den Fluggesellschaften ist auch
rigeren Preisen, mehr Arbeitsplätzen bei Fluggesell- langfristig für die Flugzeug- und Düsentriebwerksherschaften sowie großen Anreizen für die amerikani- steller vielversprechend. Nichts kann mehr in ihrem
schen Städte und unsere Volkswirtschaft. Kurzum, Interesse liegen als der rasche Anstieg der Nachfrage
Wettbewerb unter Fluggesellschaften hat sich als gut nach Flugreisen und Frachttransport, den Wettbewerb
für die ihre Dienstleistungen in Anspruch nehmenden mit sich bringt.
Kunden erwiesen.
Diese Marktkräfte sind zur Aufrechterhaltung einer
Millionen amerikanischer Touristen, Geschäftsleute stabilen Auftragslage durch die Fluggesellschaften in
und Spediteure, die vor der Deregulierung durch über- der Zukunft unabdingbar. Die steigende Nachfrage
höhte Preise vom Luftfahrtmarkt vertrieben wurden, kann die Triebkraft zur Ankurbelung von Flugzeugverhaben jetzt Zugang zu einem erschwinglichen und käufen insgesamt sein - und bietet nicht nur den
wettbewerbsfähigen Angebot der Fluggesellschaften. Arbeitnehmern bei Boeing und McDonnell-Douglas,
sondern auch in der Airbus-Industrie sowie anderen
Wir sind stolz auf unsere Fluggesellschaften und wol- Flugzeug- und Düsentriebwerksherstellem auf der
len, daß sie rentabel sind. Wir vertreten ferner die ganzen Welt Arbeitsplätze.
Auffassung, daß unsere Fluggesellschaften die strategisch wichtigsten, unerläßlichsten und wertvollsten Welche andere Ursache als durch Wettbewerb und
Akteure unter unseren Dienstleistungsindustrien sind niedrigere Preise herbeigeführte steigende Verbrauund nicht nur Symbole unseres nationalen Prestiges. chernachfrage können wir uns zunutze machen, um
Handelsspannungen abzubauen und den GesamtumOffen gesagt glauben wir, daß Wettbewerb - sowohl satz der Fluggesellschaften zu erhöhen? Offenkundig
bei Preisen als auch bei Dienstleistungen - unter allen können es nicht fortgesetzte staatliche Subventionen
Fluggesellschaften im Interesse der Reisenden und auf Kosten der Steuerzahler weltweit sein.
Geschäftsleute auf der ganzen Welt - nicht nur der
Amerikaner - liegt.

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AMERIKA DIENST 45

�Nachdem er unseren Glauben an die Vorteile von Hemmnisse bei wettbewerbsorientierter PreisfestsetWettbewerb bekräftigt hat, wird der neue Verkehrsmi- zung sowie Vermarktung neuer Unternehmen und der
nister sein Augenmerk vermehrt auf die Dynamik des bloße Einsatz von Marktmacht zur Schädigung des
Wettbewerbs richten und einen sorgfältigeren Ansatz Wettbewerbs werden überprüft, damit neue Firmen
als unsere Vorgänger bei dessen Verwirklichung ver- nicht vom Eintritt in den Markt abgehalten oder bestefolgen.
hende Unternehmen nicht durch wettbewerbsorientierte Praktiken geschädigt werden.
Wo es uns geeignet erscheint, sind wir sehr viel eher
- selbst in Zeiten der Deregulierung - zur Ausübung der In Zukunft werden wir darauf bestehen, daß Fusionen,
seit jeher der Regierung übertragenen gesetzlichen Beschaffungen und Verkäufe von Lizenzen für FlugBefugnis bereit, um Wettbewerb zu fördern und zu strecken gut begründet, wettbewerbsorientiert und
erhalten.
finanziell solide sind. Darüber hinaus werden wir die
Auswirkungen solcher Transaktionen auf die MitarbeiIm Rahmen des gesetzlichen Mandats zur Öffnung ter der Fluggesellschaften prüfen.
des Luftfahrtmarkts werden wir neue Bewerber und
Unternehmer zur Gründung neuer Firmen und zur Die nachhaltige Erfahrung der Konkurse von FluggeZulassung als Fluggesellschaft ermutigen.
sellschaften, Entlassungen, Arbeitskämpfe und Streiks
sind uns noch zu frisch im Gedächtnis, als daß wir die
Dies ist ein wesentlicher Teil unserer Aufgabe, da in finanziellen Exzesse der achtziger Jahre wiederholen
den Vereinigten Staaten seit dem 1. Januar 1992 nicht wollten.
weniger als 24 Passagier-, Charter und Frachtfluggesellschaften den Betrieb aufgenommen haben. Und Präsident Clinton hat Entlassungen eine neue Perbeim Verkehrsministerium sind weitere 23 Anträge für spektive gegeben, die selbst durch die besten - und
die Zulassung als Passagierfluggesellschaft anhän- notwendigsten - Maßnahmen verursacht werden können.
gigIm Hinblick auf unsere gesetzliche Verpflichtung zur
Sicherstellung der Solvenz von Fluggesellschaften
werden wir große Transaktionen etablierter Unternehmen prüfen um zu gewährleisten, daß ihre Finanzlage
nicht durch Fehlplanungen ausgehöhlt wird.
Aus unserer Sicht ist der Grund für die derzeitigen
finanziellen Schwierigkeiten der amerikanischen Luftfahrtindustrie zum Teil auf die von den bisherigen
Administrationen nicht ergriffenen klugen Schritte zur
Sanierung der Fluggesellschaften zurückzuführen,
indem mit einem zu hohen Verschuldungsgrad belastete Geschäfte nicht in Frage gestellt wurden.
Ich möchte jedoch unterstreichen, daß wir die Luftfahrtindustrie nicht wieder regulieren - oder unentgeldlich intervenieren - werden. Wir werden vielmehr mit
der Präzision eines Chirurgen sowie nur in bestimmten
Fällen und mit äußerster Sorgfalt vorgehen. Wir
streben zur Zeit keine neuen gesetzmäßigen Befugnisse an. Wir werden die Befugnisse ausüben, die
bereits während der vergangenen 10 Jahre bestanden, aber größtenteils ungenutzt blieben.
Bei Verstößen gegen das Kartellgesetz hat die neue
Administration bereits unsere Bereitschaft zu handeln
unter Beweis gestellt. Das Verkehrs- und Justizministerium prüfen das Vorgehen der Fluggesellschaften
äußerst genau.

Während wir unsere Verteidigungsindustrie abbauen
und unsere Volkswirtschaft durch das Nordamerikanische Freihandelsabkommen und andere Vereinbarungen für Wettbewerb beim Handel öffnen, unternehmen
wir auch Schritte, um den Gemeinden und Beschäftigten bei Anpassungen - und beim Ergreifen neuer
Chancen - behilflich zu sein, indem wir das umfassendste Programm für Umschulung und lebenslanges Lernen
in der Geschichte unseres Landes anbieten.
Wir wissen, daß die Wiederherstellung der Liquidität
einiger amerikanischer Fluggesellschaften noch einige Jahre dauern wird. Und wir sind über erste Anzeichen erwirtschafteter Gewinne bei unseren Fluggesellschaften erfreut.
Das Ziel der Gewährleistung einer soliden Finanzlage
amerikanischer Fluggesellschaften ist jedoch eine
Ergänzung - nicht ein Widerspruch - wettbewerbsorientierter Maßnahmen oder ein Grund zur Tolerierung wettbewerbsorientierter Praktiken.
Kurzum: Während andere Nationen die Macht der
Regierungen zur Verhinderung von Wettbewerb einsetzen könnten, werden wir die Macht der Regierung
zum Schutz von Wettbewerb nutzen.

Warum? Weil unsere eigene Erfahrung uns von den
folgenden Binsenwahrheiten überzeugt: Wettbewerb
führt zu niedrigeren Preisen und mehr Flugreisen.
In den vergangenen 10 Monaten haben wir zweimal Mehr Flugreisen sind besser als weniger, und mehr
öffentlich die Art und Weise in Frage gestellt, in der Flugreisen schaffen nicht nur Arbeitsplätze im Fluggroße Fluggesellschaften mit kleineren Unternehmen zeugbau, sondern haben auch einen dynamischen
konkurrieren. Und wir haben eine private Überprüfung Zuwachs der Wirtschaftsaktivitäten in Städten, Regioanderer Situationen durchgeführt und vornehmlich auf nen, Nationen und der gesamten Weltwirtschaft zur
freiwillige Einhaltung gedrängt.
Folge.
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�Ich sage das nicht nur als Verkehrsminister - sondern
als ehemaliger Bürgermeister von Denver, der lange
und hart um den neuen internationalen Flughafen von
Denver gekämpft hat, der in diesem Monat eröffnet
wird und nächsten März den vollen Betrieb aufnimmt.
Ich hoffe, Sie alle werden der feierlichen Eröffnung
beiwohnen.

in Form von nichtangetretenen Flügen, nicht abgeschlossenen Kontakten und Geschäften sowie Touristen, die nicht ins Land kommen, um Geld auszugeben.
Diese vergeudeten Wirtschaftschancen und Arbeitsplätze, die entstehen könnten, sind vielleicht für einige
"unsichtbar", jedoch sehr real.

Ich weiß aus erster Hand, welche Vorteile dieser neue
Flughafen für die Wirtschaft der gesamten Region Im Gegensatz dazu verschaffen Nationen, die wettbeRocky Mountains und der Nation mit sich bringen wird. werbsorientiertere Maßnahmen und liberalere Luftfahrtabkommen verabschieden, ihren Bürgern und
Die Nebeneffekte, die er bewirkt, gehen weit über mehr Geschäftsleuten konkrete Vorteile. Eine Studie der
Arbeitsplätze für Mitarbeiter von Fluggesellschaften, Luftfahrtabkommen von 1975 bis 1989 gelangt zu der
Angestellte der Touristikbranche und andere hinaus, Schlußfolgerung: "Ein liberales Abkommen hat 46
Prozent mehr Reisen zwischen den Vereinigten Staadie direkt für die Bedienung der Reisenden und Abwicklung der Fracht zuständig sind. Es werden neue, ten und dem Ausland zur Folge sowie eine jährliche
bis dahin unvorstellbare Geschäftsabschlüsse getätigt Zuwachsrate beim Passagieraufkommen von 11 Pro- neuer Handel, neue Wirtschaftsentwicklung, die nie- zent mehr als ohne eine liberale Vereinbarung - nach
mals ohne das erweiterte Flugangebot stattgefunden Prüfung anderer landesspezifischer Faktoren..."
hätten, die dieser neue und effiziente Flughafen mit
Allein die Tourismusbranche, die jetzt zu einer weltumsich bringen wird.
spannenden Industrie mit einem Umsatz von 3,5 BillioDenver ist nur ein Beispiel dafür, warum die Liberalisie- nen Dollar geworden ist, beläuft sich auf 6 Prozent des
rung des Luftverkehrs und besserer Zugang zu Flug- gesamten Bruttosozialprodukts der Weh und beschäfhäfen die beste Art und Weise zur Verwirklichung des tigt 127 Millionen Arbeitnehmer - das ist jeder 15.
Hauptziels sein kann, nach dem alle Nationen heute Arbeitsplatz. Die Touristikindustrie erhöht jedes Jahr
streben - Wiederbelebung ihrer Volkswirtschaften und ihre neuen Kapitalanlagen um 422 Milliarden Dollar
und bezahlt 303 Milliarden Dollar an Steuern.
Schaffung von mehr Arbeitsplätzen für ihre Bürger.
Unsere Statistiken belegen, daß die Flughäfen in den
30 größten Städten der Vereinigten Staaten Wirtschaftsaktivitäten in Höhe von 250 Milliarden Dollar, 80
Milliarden Dollar an Löhnen und Gehältern sowie 4
Millionen Arbeitsplätze zur Folge haben.
Und was für Denver, Chicago oder Boston gilt, trifft
auch auf Paris, Montreal und Osaka zu - in der Tat auf
alle Städte dieses Planeten. Aus diesem Grund erhalte ich von amerikanischen Städten praktisch jeden Tag
Anträge für internationale Flugverbindungen.
Das könnte auch der Grund sein, warum das heute zu
beobachtende Wiederaufflammen von Protektionismus im Luftverkehr meines Erachtens zutiefst selbstzerstörerisch für die Nationen ist, die einen solchen
Kurs verfolgen.
Protektionismus im Luftverkehr erlegt den Reisenden
und Unternehmen in eben den Ländern enorme Kosten auf, die dies versuchen. Indem sie ineffiziente
Fluggesellschaften "schützen" statt sie zur Anpassung
anzuspornen, schaden die Regierungen jedem anderen Sektor ihrer Volkswirtschaften und lähmen die
gesamte Weltwirtschaft.
Nationen, die ineffiziente inländische Fluggesellschaften "schützen" wollen, tun dies nur auf Kosten der
Verweigerung zunehmenden Wirtschaftswachstums
für ihr Volk. Aus Angst vor kurzfristigen Entlassungen
bei Fluggesellschaften verursachen sie noch sehr viel
höhere Verluste für ihre gesamten Volkswirtschaften

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Der heute größte Industriezweig auf diesem Planeten,
die Reise- und Touristikbranche, soll Schätzungen
zufolge in den kommenden Jahren schneller wachsen
als die Weltwirtschaft als Ganzes. Das Ausmaß dieser
Industrie stellt bereits das der Luftfahrtindustrie in den
Schatten.
In einer Untersuchung des französischen Tourismusministeriums wurde beispielsweise herausgefunden,
daß auf den Luftverkehr nur 10 Prozent der gesamten
Fremdenverkehrsindustrie entfallen. Die Staaten, die
ineffiziente Fluggesellschaften schützen, schaden daher
unweigerlich einer Branche, die neunmal so groß ist
wie die Luftfahrtindustrie - und behindern dadurch
auch das Wirtschaftswachstum als Ganzes.
Ich bezweifle, daß diese wunderbare Stadt, in der wir
uns heute befinden - Dallas - so viele internationale
Unternehmen und Industrien angezogen hätte, wenn
sie nicht die konkurrenzfähigen Luftfahrtdienste anbieten könnte, über die sie seit dem Bau des Dallas-Fort
Worth Flughafens vor nahezu 20 Jahren verfügt. Ich
lade unsere internationalen Besucher dazu ein, das
Erschließungsprojekt Las Colinas zu besichtigen und
die Vorteile des erhöhten Flugaufkommens aus erster
Hand zu sehen.
Ironischerweise schaden die Staaten, die ihre Fluggesellschaften vor Wettbewerb "schützen", sogar diesen
selbst. Denn die Fluggesellschaften, die sich um
Schutz bemühen und diesen unglücklicherweise er-

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�hatten, entdecken bald, daß ein solch kurzlebiger
Schutz ihre langfristige Konkurrenzfähigkeit unterminiert.

Die Reaktionen der Fluggesellschaften und Regierungen auf diese Anforderungen unterscheiden sich stark,
aber niemand kann es sich leisten, sie zu ignorieren.

Selbstverständlich erwarten die Vereinigten Staaten
nicht von anderen Nationen, ihre nationalen Fluggesellschaften - über Nacht - zu einem Wettbewerb zu
zwingen, der ihnen das Genick brechen könnte. Wir
streben jedoch ein Ende der Subventionierung, besseren Zugang zu Flughäfen und so rasch wie möglich
eine stärkere Liberalisierung des Luftverkehrs an.

Die Globalisierung ist natürlich nicht auf die Luftfahrt
beschränkt. Sie ist ein gemeinsames Thema all jener
Branchen, in denen der Erfolg im Wettbewerb vom
Aufbau wettumspannender Netzwerke abhängt.

Es wird erwartet, daß das zukünftige Wachstum im
internationalen Passagier- und Frachtverkehr die
Nachfrage im Inland bei weitem übersteigen wird und
sich das schnellste Wachstum auf den ostasiatischen
und pazifischen Märkten ereignet.

Aufgrund der Chicagoer Konvention von 1944 basiert
der Bilateralismus auf dem Wunsch der meisten nationalen Regierungen, ihre Fluggesellschaften vor dem
Wettbewerb abzuschirmen. Er lebt als ein weltumspannendes Netz von mehr als 1.000 zwischenstaatlichen Abkommen fort, die den internationalen Luftverkehr regeln - und zunehmend behindern.

Im Bank-, Versichernngs- und Kommunikationswesen, bei den Medien und in anderen Dienstleistungsindustrien hat man bereits auf das Entstehen eines
Unserer Ansicht nach werden schnelle und bedeuten- Weltmarktes reagiert. Dasselbe gilt für die Automobilde Fortschritte in dieser Richtung nicht nur den Steu- industrie und die Flugzeughersteller, die bereits noch
erzahlern die Kosten von Subventionen ersparen, vor wenigen Jahren als ketzerisch anmutende globale
sondern weitere Fluggesellschaften dazu ermutigen, Allianzen bilden.
die Herausforderungen des Weltmarktes, denen sie
sich nicht auf immer entziehen können, anzunehmen Die gleiche Dynamik treibt immer mehr Fluggesellschaften zur Erweiterung ihrer globalen Dienstleistunund zu bewältigen.
gen an, wodurch die derzeitige Welle von grenzüberschreitenden Investitionen, strategischen Allianzen und
Globalisierung contra Protektionismus
gemeinsamer Datenübermittlung neuen Auftrieb erNun möchte ich auf mein zweites Thema zu sprechen hält.
kommen - die Globalisierung der Luftfahrtindustrie den Prozeß, durch den die Fluggesellschaften zuneh- Der Schlüssel zur Zukunft der internationalen Fluggemend gezwungen werden, über ihre nationale Umge- sellschaften ist eindeutig ihre Fähigkeit zu größerer
bung hinauszuwachsen und multinationale Unterneh- Effizienz, vermehrtem Dienstleistungsangebot und
men zu werden.
Marktzugang auf der ganzen Welt. Die Fluggesellschaften, denen keine Anpassung ihrer Operationen
Heutzutage hängt der Wohlstand - und sogar das an diese wachsende Nachfrage nach globalen DienstÜberleben - der internationalen Fluggesellschaften leistungen gelingt, werden bald weit abgeschlagen
von ihrer Fähigkeit zur Anpassung an die Globalisie- hinter den anderen zurückliegen.
rung ab. Dieser Prozeß wird von der starken Expansion des internationalen Reise- und Frachtverkehrs Das ist insbesondere der Fall, weil weder einzelne
angetrieben, der sich selbst die Regierungen kaum Fluggesellschaften noch ihre Regierungen andere
entziehen können.
Fluglinien an der Entwicklung ihrer eigenen Strategien
und Verbindungen hindern können.
In den 10 Jahren von 1982 bis 1992 haben sich die
Flugkilometer im internationalen Personenverkehr So mächtig dieser Trend zur Globalisierung auch ist praktisch verdoppelt - von 750 Milliarden Kilometer auf es wird klar, daß die Luftfahrt weit hinterherhinkt, weil
nahezu 1.5 Billionen Kilometer. Das internationale die Fluggesellschaften im Gegensatz zu anderen
Luftfrachtaufkommen ist sogar noch schneller ge- Branchen zwei großen Zwängen ausgesetzt sind.
wachsen - von etwas über 30 Milliarden auf fast 75
Der erste, den ich bereits angesprochen habe, ist das
Milliarden Flugkilometer im Frachtverkehr.
Aufflammen von Protektionismus bei einigen RegieIm gleichen Zeitraum hat sich das Passagieraufkom- rungen. Der zweite ist das veraltete System bilateraler
men zwischen den Vereinigten Staaten und Europa Luftfahrtabkommen, das in vielen Fällen zu Protektiovon 15 Millionen auf über 29 Millionen Personen beina- nismus führt.
he verdoppelt. Noch beeindruckender war der Anstieg
des Passagieraufkommens bei den Flugverbindungen Das System zur Aushandlung von Luftraumrechten ist
zwischen den Vereinigten Staaten und dem Fernen aufgrund der Zwänge der globalen - nicht der "bilateraOsten von gerade 5,4 Millionen im Jahr 1982 auf 15,4 len" - Wirtschaft derart abgenutzt, daß es einen Nährboden für Auseinandersetzungen darstellt.
Millionen im letzten Jahr.

Diese starke Nachfrage leistet der Globalisierung
Vorschub.

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Seite 5

�Heute ist dieses System die Ursache der ernsthaftesten Behinderungen von Chancen im Luftverkehr und
Wahlfreiheit der Konsumenten wehweit - vor allem,
weil die Regierungen in bilateralen Abkommen so oft
Schutz für ihre nationalen Fluggesellschaften verlangen, wiederum auf Kosten ihrer eigenen Reisenden.

denpaktstaaten und die Staaten an der Südspitze
Lateinamerikas.

Wir begrü ßen die von der Europäischen Gemeinschaft
erzielten Fortschritte beim Abbau der Wettbewerbshemmnisse, die seit langem die Luftfahrtgesellschaften in Europa behinderten. Wir vertrauen darauf, daß
Wir sind besonders besorgt über die Bestrebungen die EG gegenläufigem Druck widerstehen und ihre
einer Gruppe von Luftfahrtgesellschaften auf dem Arbeit fortsetzen wird - und wir sehen der baldigen
ostasiatischen Markt, den Zugang amerikanischer Aushandlung eines multilateralen Abkommens mit der
Fluglinien zu diesem am schnellsten wachsenden Markt Europäischen Gemeinschaft entgegen.
der Welt zu beschränken oder sogar zurückzuschrauben. Wir sind der Ansicht, daßdiese Bemühungen den Die Vision der Vereinigten Staaten ist die einer wirklich
Interessen der asiatischen Reisenden und Geschäfts- offenen Welt der Luftfahrt, in der die Länder den Erfolg
leute, die schwindelerregende Flugpreise zahlen, di- ihrer Luftfahrtpolitik an den Anreizen messen, die
rekt zuwiderlaufen - und deren Regierungen mit dem konkurrenzfähige Luftfahrtdienste allen Bürgern und
Volkswirtschaften anbieten - nicht nur durch das PreFeuer spielen.
stige ihrer staatlichen Luftfahrtgesellschaften.
Die Vereinigten Staaten sind der chronischen Handelsdefizite in Milliardenhöhe mit Nationen müde, deren Die Vereinigten Staaten streben eine Welt an, in der
Regierungen die Amerikaner über die Notwendigkeit die Regierungen den Worten über liberale Luftfahrtpobelehren, effizientere und gefragtere Produkte anzu- litik konkrete Taten folgen lassen, um den Zugang zu
den wichtigsten Flughäfen zu verbessern - wie wir es
bieten.
in der Vergangenheit getan haben.
Ich möchte ganz direkt sein: Die amerikanischen
Fluggesellschaften bieten genau die höchst effizien- Die Vereinigten Staaten möchten das Wachstum dieten, konkurrenzfähigen Dienstleistungen an, die die ser neuen Welt der Luftfahrt durch die Zusammenarasiatischen Konsumenten kaufen würden - wenn ihre beit mit allen Regierungen in anderen Bereichen fördern, beispielsweise bei der Harmonisierung von Normen
Regierungen es zuließen.
und strengen Vorschriften für die Sicherheit der Luftfahrt.
Wir sind jedoch zuversichtlich, daß protektionistische
Bestrebungen mit der Zeit nachlassen werden. Erstens, weil die Luftfahrtgesellschaften weltweit wach- Gerne vermitteln wir allen Nationen die Einsicht, daß
sen und globaler werden müssen. Zweitens, weil ihre die uneingeschränkte Inkraftsetzung des Globalen
Kunden, die Unternehmen und Reiseveranstalter überall Positionierungssystems zu großen Vorteilen bei der
erkennen, daß die restriktiven Praktiken ihrer eigenen Navigation, der Sicherheit und systemübergreifenden
Regierungen sie nicht "schützen", sondern ihnen sehr Effizienz führen wird.
schaden.
Wir prüfen zur Zeit die Neustrukturierung unseres
Mittlerweile könnte das derzeitige bilaterale Verhand- eigenen nationalen Flugsicherungs-Kontrollsystems,
lung ssystem durch die Konzentration nationaler Politik wie von der nationalen Luftfahrtkommission vorgeauf engstirnige, fallweise Verhandlungen zur Entste- schlagen. Wir sondieren Mittel und Wege, um ein
hung, nicht zur Verhinderung solcher kontraprodukti- effizienteres System zu schaffen, wodurch schnelle
ven Vorkommnisse beitragen. In dem jüngsten Bericht technologische Fortschritte unabhängig vom Haushalt
der amerikanischen Luftfahrtkommission wird festge- der Regierung oder bürokratischen Zwängen erzielt
stellt: Bilateralismus ist "ein Anachronismus,... wenig werden können.
mehr als ein Nullsummenspiel. Er ist zu starr, zu zeitDas wird unserer Ansicht nach zu fortgesetzten Veraufwendig und zu einschränkend.... Mit einfachen
besserungen des bereits besten - und sichersten Worten behindert das bilaterale System das WachsFlugsicherungs-Kontrollsystems der Welt führen.
tum des Weltmarktes, anstatt es zu fördern."
Aussichten für die Zukunft
Eine neue Welt der Luftfahrt
Unseres Erachtens werden wir alle - ob es uns gefällt
Die Vereinigten Staaten vertreten folgende Ansicht: oder nicht - von einem kräftigen Rückenwind wirtWenn wir ein besseres Luftfahrtsystem für dieses schaftlicher Logik in eine neue Welt der Luftfahrt
Jahrzehnt und das kommende Jahrhundert schaffen getragen. Ich habe die allgemeinen Grundsätze umwollen, müssen wir entschieden über Bilateralismus rissen, die wir für diese Welt anstreben.
hinaus zu Multilateralismus und regionalen Abkommen übergehen.
Nun möchte ich einen dritten Punkt ansprechen: Wie
die Vereinigten Staaten mit ihren Partnern beim AufViele Nationen bewegen sich zur Zeit in diese Rich- bau dieser Welt der Luftfahrt zusammenarbeiten köntung: Australien und Neuseeland im Pazifik, die An- nen.
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�Die Vereinigten Staaten verfolgen hierzu vier grundle- arbeiten, alle existierenden bilateralen Rechte der
Vereinigten Staaten entschieden verteidigen und uns
gende Strategien.
mit allen verfügbaren Mitteln gegen ausländische
Erstens werden wir aktiv unbeschränkte, multilaterale Wettbewerber stellen, deren Regierungen amerikaniAbkommen mit jenen Gruppen von Nationen anstre- sche Fluggesellschaften diskriminieren oder nicht
ben, die bereit sind, den amerikanischen Fluggesell- respektieren. Wir behalten uns das Recht auf die
schaften und der amerikanischen Wirtschaft relative Entscheidung über Zeitpunkt und Ausmaß unser AkWettbewerbsvorteile zu verschaffen.
tionen vor. Niemand sollte unsere diesbezügliche
Entschlossenheit unterschätzen.
Vor wenigen Wochen traf ich beispielsweise in Brüssel
mit dem Verkehrskommissar der Europäischen Ge- Viertens werden wir die Bildung einer globalen Koalimeinschaft zusammen und machte ihm den Vorschlag, tion gleichgesinnter, freier, marktorientierter Nationen
Gespräche über einen vollkommen unbegrenzten prüfen, die die Vorteile von erweitertem Luftverkehr für
Luftfrachtmarkt im nordatlantischen Bereich einzulei- die Bürger und Volkswirtschaften erkennen.
ten.
Unser Ziel besteht darin festzustellen, ob eine solche
Letzte Woche kam die Reaktion der EG, und wir haben Gruppe von Nationen ausreichend "kritische Masse"
uns jetzt darauf geeinigt, Arbeitsgruppen zur Durch- darstellen könnte, um ihren Fluggesellschaften und
führung dieser Verhandlungen einzurichten. Sie wer- Bürgern eine Vielzahl neuer Luftverkehrsrechte und
den ihre Arbeit wahrscheinlich im Januar aufnehmen. -dienstleistungen anbieten zu können - und unseren
eigenen vergleichbare Vorteile zu bieten.
Das ist ein großer Schritt zu Multilateralismus - und wir
hoffen, darauf aufbauen zu können.
Bei der Verfolgung dieser Strategien suchen die Vereinigten
Staaten nach zur Zusammenarbeit bereiten
Anstelle von Verhandlungen zwischen einzelnen LänPartnern,
die gemeinsam mit uns für alle Parteien
dern, die per se zu Spannungen unter den Mitgliedern
nützliche
Abkommen
ausarbeiten. Wir streben weiterder EG führen könnten, ist unserer Ansicht nach ein
es
Wachstum
der
weltweiten
Luftfahrt an und sind uns
EG-weites Abkommen ratsamer.
der Anreize bewu ßt, die ein solches Wachstum für alle
Ein Abkommen über offenen Luftfrachttransport kann Luftverkehrsgesellschaften und Volkswirtschaften
bei der Arbeit an einem Abkommen über liberal isierten darstellt.
Passagierverkehr mit der EG Vertrauen schaffen.
Schlußfolgerung
Zweitens werden wir bei den Bemühungen um multilaterale Übereinkommen auch eine Liberalisierung be- Meine Damen und Herren, wie die Gründer des Interstehender bilateraler Abkommen anstreben und dabei nationalen Verbands für Lufttransport im Jahr 1944
sicherstellen, daß jede Übereinkunft dieser Art zu einer leben auch wir zu einer Zeit, in der eine Reform der
Erhöhung des Luftverkehrsaufkommens und des Vorschriften im internationalen Flugverkehr vonnöten
Wettbewerbs führt und den bereits existierenden bila- ist. Die alte Ordnung ist wie ein zerbrochenes Thermoteralen Luftfahrtrechten weitere hinzufügt. Wir wollen meter - wir können die Glassplitter nicht zusammenkleben oder die verstreuten Quecksilberkügelchen
Fortschritt, nicht Rückschritt.
zurückbefördern.
Wir sind uns bewußt, daß die Abkommen nicht einseitig sein können und sollen. Jede Seite muß etwas Eine neue Welt der internationalen Luftfahrt ist auf dem
hinzugewinnen. Aber nur Abkommen, die den Zugang Vormarsch. Sie wird von kommerziellen und finanzielerhöhen, Wettbewerb fördern und vor allem den Luft- len Kräften angetrieben, die weder von Luftfahrtunternehmen noch von ihren Regierungen eingedämmt
verkehr ausweiten, sind die Unterschrift wert.
werden können. Die Entwicklung dieser neuen Welt
Zur Zeit streben wir solch ein liberalisiertes Abkommen der Luftfahrt mag für einige schmerzhaft sein, wird
mit Großbritannien an und erwarten, die diesbezügli- jedoch für viele andere enorme Vorteile bringen: Für
chen Gespräche bis März nächsten Jahres abzu- Reisende, Spediteure, Touristen, die Angestellten der
Fluggesellschaften und die Flugzeugbauer. Sie wird
schließen.
zu dauerhaftem Wachstum im Handel und ArbeitsplätÜbrigens sollten die Staaten, die eine Art von Bermuda zen auf der ganzen Welt führen. Sie wird die Städte
Il-Abkommen auszuhandeln hofften, wie das zur Zeit des 21. Jahrhunderts gestalten.
zwischen Großbritannien und den Vereinigten Staaten
bestehende, solche Träume aufgeben. Wir halten das Diese neue Luftfahrtordnung gibt dem Konsumenten
Bermuda Il-Konzept für veraltet und angesichts des das Steuer in die Hand. Reisende und Spediteure zukünftigen Anstiegs beim Flugreiseaufkommen für nicht die Bürokraten in der Regierung oder die Manazu unflexibel.
ger der Luftfahrtgesellschaften, die sich hinter den
Bürokraten verstecken - werden über Erfolg oder
Drittens werden wir, während wir auf eine größere und Scheitern der Flugunternehmen entscheiden.
weniger konfrontationsanfällige Welt der Luftfahrt hinAMERIKA DIENST 45

Seite 7

�Einige Regierungen und Fluggesellschaften mögen stellt wurden. Ich möchte sie an die Worte eines
der Ansicht sein, sie könnten vor dieser neuen Welt der berühmten amerikanischen Champions, Joe Louis,
Luftfahrt davonlaufen und sich verstecken. Sie seh- erinnern, der seine Gegner beim Boxen warnte: "Ihr
nen sich vielleicht nach einer lange vergangenen Zeit könnt laufen, aber ihr könnt euch nicht vor mir verstekzurück, in der "nationale Champions" groß herausge- ken."

* * * *

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*

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�GESELLSCHAFT
10. November 1993

DIE WELT IN EINEM STADTVIERTEL
von Jeff Lyon
Ein Stadtviertel in Chicago bietet dem Autor, Redakteur beim Chicago Tribüne Magazine, zufolge die
Möglichkeit, auf einem Spaziergang die ganze Welt kennenzulernen. Der Verfasser beschreibt die vielfältigen
Kulturen und ethnischen Gruppen, die entlang Chicagos Devon Avenue anzutreffen sind.
Veröffentlichung und Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von Chicago Tribüne Company, Copyright (c)
1992. Alle Rechte vorbehalten.

Möchten Sie einen Spaziergang durch die Welt machen und mit Völkern aus jedem Winkel der Erde in
Berührung kommen? Exotische Speisen essen, auf
Märkten feilschen, Straßenkultur in sich aufsaugen
und so viele fremde Sprachen hören, daß Ihnen der
Kopf brummt?

"Sagen Sie nicht, dies sei eine Nachbarschaft vieler
Kulturen", erklärt, die Nase rümpfend, llya Rudiak Autor, Filmemacher und Kunstenthusiast aus Odessa
- der einen auf Werke in russischer Sprache spezialisierten Buchladen betreibt. "Kultur ist das nicht. Das
sind ethnische Gruppen."

All das kann man in Chicago tun. Man braucht nur
einen Fahrschein bis 6400 North zu lösen, wo man ein
Stadtviertel antrifft, für das all die prosaischen und
einschränkenden Begriffe nicht ausreichen, die so oft
auf Gegenden mit einer großen Konzentration ethnisch fremder Gruppen angewandt werden - Begriffe
wie Linie Italy, Chinatown oder Spanish Hartem. Es
gibt kein Etikett, das umfassend genug wäre, um den
unbeschreiblichen Lebensraum zu benennen, wie er
sich auf der Devon Avenue von der Clark Street nach
Westen zur Kedzie Avenue erstreckt.

Aber auch wenn das pulsierende Sammelsurium von
Lebensstilen entlang der Devon Avenue Rudiaks Normen
für Kultur nicht erfüllt, würden die meisten Menschen
es doch als solche akzeptieren. Vom fensterlosen Bau
der Assyrian-American Association bis zur Synagoge
der orthodoxen Juden, der Congregation Chesed
L'Avrohom, ist die Straße einer ethnischen Prozession
vergleichbar, wie es sie in den Vereinigten Staaten
vielleicht kein zweites Mal gibt.

Nicht jeder bezeichnet die Gegend als kulturellen
Schmelztiegel.

Die Straßenschilder erzählen die Geschichte. Östlich
der Western Avenue hat man die Devon Avenue in

Es herrscht ein ständiges Kommen und Gehen von
Männern, Frauen und Kindern praktisch jeder erdenkDenn hier finden sich, eingezwängt in einen urbanen lichen Herkunft, gekleidet in der neuesten landestypiKorridor von lediglich 3,2 Kilometern Länge, genug schen Tracht, die etwas zu erledigen haben, eine
häufig nicht assimilierte Nationalitäten, um auch den schwindelerregende Vielfalt kleiner Restaurants, Bäckenergiegeladensten Ethnologen für den Rest seines ereien, Lebensmittelläden, Elektromärkte, Geschenkläden, Buchläden, Metzgereien, BekleidungsgeschäfBerufslebens in Atem zu halten.
te, Schönheitssalons und Arztpraxen aufsuchen, bei
Inder. Pakistaner. Juden. Russen. Syrer. Iraker. denen sich die Sprachen (und Alphabete) auf den
Iraner. Kroaten. Griechen. Koreaner. Assyrer. Türschildern, die Nachnamen der Geschäftsinhaber
Chinesen. Mexikaner. All diese Gruppen und mehr und die Art der angebotenen Waren von Häuserblock
betrachten die Umgebung der Devon Avenue, wo die zu Häuserblock verändern. Fast wie in einer TraumseGemeinden West Rogers Park und East Rogers Park quenz verschwinden Motive und tauchen anschliezusammentreffen, als ihr Zuhause.
ßend wieder auf.

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Seite 1

�Mohammed Ali Jinnah Way umbenannt. Westlich
davon wird sie zur Ghandi Marg. Ein Stück weiter wird
die Mozart Street zum North Croatia Drive, und noch
weiter entfernt die Troy Street zum Torah V'Chesed
Drive.

Einige der interessantesten und schmackhaftesten
Speisen der Stadt sind zu äußerst attraktiven Preisen
auf der Devon Avenue erhältlich. Restaurants wie das
Moti Mahal und das Tandoor India bieten mittags
indische und pakistanische Büffets für durchschnittlich
5,95 Dollar an, bei denen der Gast so viel essen kann,
Bisweilen scheint ein Anflug von Einheitlichkeit und ein wie er will. An jedem Tag der Woche kann man sich so
Sinn für Grenzen vorhanden zu sein. Etwa sieben an Gerichten wie Tandoor Chicken, Rogan Josh, ChikHäuserblocks westlich der Western Avenue beispiels- ken Vindaloo und allen möglichen Sorten von Nan satt
weise ist das Viertel hauptsächlich von Indern und essen. Auch die gehobenere Kategorie ist mit dem
Pakistanern bewohnt. In FairfiekJ vollzieht sich dann Viceroy of India oder, wenn man es vegetarisch voreine ziemlich abrupte Metamorphose, und die Bevöl- zieht, mit dem Natraj India vertreten.
kerung ist jüdisch geprägt. Auf der einen Straßenseite
heißt der Arzt Mansour, auf der anderen Shkolnick.
Sollte man Lust auf die Küche des Nahen Ostens
verspüren, versucht man das Garden of Eden, wo man
An anderen Stellen jedoch besteht noch nicht einmal sich an Masguf (Wels) oder Koozie (Lammkeule)
ein Anschein von Organisation, und Kombinationen, delektieren kann. Wer jüdisches Essen vorzieht, findet
die sämtlichen bekannten politischen und nationalisti- ein exzellentes Bagel-Restaurant.
schen Realitäten Hohn sprechen, gedeihen hier mehr
oder weniger in gegenseitigem Einverständnis. Da Das Essen ist jedoch nur ein Teil - ein ziemlich kleiner
befindet sich die Metzgerei Zabiha, die Ziegenfleisch Teil - der Gesamterfahrung Devon Avenue. Man sollte
feilbietet und auf arabische Kunden eingestellt ist, wirklich die Geschäfte durchstreifen, sich mit den
unmittelbar neben Moshes koscheren New Yorker
Inhabern unterhalten und sich einfach die Leute anseDelikatessen, und im gleichen Häuserblock gibt es das hen. Um sich herum sieht man Frauen in Saris,
Babylon Restaurant, Daniels Schönheitssalon (desMänner in Kaftanen und wieder andere in der dunklen,
sen Ladenschild in Koreanisch geschrieben ist) und feierlichen Kleidung orthodoxer Juden. Man entdeckt
den Schönheitssalon Athen. Das koreanische Video- junge Frauen mit Kastenzeichen auf der Stirn und
geschäft stößt an Mahboobs Frisörladen und dieser Sikhs mit Turbanen.
wiederum an Marcells Maßschneiderei.
Man trifft Leute wie Arshad Mahboob, den Inhaber von
In den fünfziger und sechziger Jahren war dieses Mahboobs Schönheitssalon für Damen und Herren. Er
Stadtviertel vorwiegend von Juden und irischen Katho- hat wahrhaft die Aufgabe eines Prometheus zu bewälliken geprägt. Der Wandel setzte in den siebziger tigen, denn er mu ß den unterschiedlichen Geschmack
Jahren ein, als die neue Welle die meisten der früheren der 15 oder mehr ethnischen Gruppen zufriedenstelBewohner und Ladeninhaber vertrieb. Ein paar alte len, die zu ihm kommen, um sich die Haare machen zu
Geschäfte haben sich jedoch gehalten.
lassen.
Auch nach all den Jahren florieren Läden wie Minkys
Fahrräder, Goldensons Apotheke und Crawfords
Warenhäuser immer noch. Verschwunden sind jedoch Institutionen wie das Bekleidungshaus Aidem &amp;
Dess, Kofieids Restaurant und Hillmans Delikatessengeschäft. Hobbymodels, seit langem ein Fixpunkt an
der Kreuzung von Devon und Western, heißt heute
Gandhi Electronics. Hillmans ist jetzt der internationale Obst- und Gemüsemarkt, wo unter einem Dach
Mortadella, Ingwer, Feta und Schmalzhering angeboten werden.
"Nicht nur die Nachbarschaft hat sich verändert, sondern die Stadt als Ganzes", meint der Apotheker Don
Goldenson, der den von seinem verstorbenen Vater
Harold 1948 gegründeten Drugstore betreibt. "Es
macht eigentlich Spaß. Wir mußten uns nur ein
bißchen auf die neuen Kulturen einstellen."
Als Beispiel zeigt er ein Fläschchen Valerian - ein
"Wundermittel"- das von russischen Einwanderern als
Beruhigungsmittel bevorzugt wird. "Heute müssen wir
so etwas im Gegensatz zu früher führen."

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"Ich habe hier alle Nationalitäten", erläutert Mahboob
und sieht von seiner in Urdu geschriebenen pakistanischen Zeitung auf. Sein Geschäft besteht seit einem
Jahr. "Es ist ein ziemlicher Unterschied, ob man einer
Schwarzen die Haare schneidet oder einer Pakistanerin. Ich mußte lernen, es den unterschiedlichen Gruppen recht zu machen."
Der Anpassungsdruck hat Mahboob zufolge jedoch
dazu geführt, daß die jüngeren Bewohner des Viertels
mehr Einheitlichkeit bei ihrem Haarschnitt wünschen,
sehr zum Mißfallen ihrer konservativeren Eltern. Woche
für Woche strömen Jugendliche indischer, russischer,
mexikanischer oder syrischer Herkunft in den Laden
und verlangen, was Mahboob als "Bürstenschnitt"
bezeichnet: Kurz an den Seiten, oben lang und
aufrecht stehend.
Von Mahboob aus Richtung Westen kommt man zur
"Videostadt", in der die neuesten Filmhits aus Bombay
und Kalkutta gezeigt werden, wie der von Boney
Kapoor produzierte Horrorfilm "Raat" ("Sag' nicht, du
seist nicht gewarnt worden", mahnt der Poster).

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�Wenn man den Olympic Reggae Club in der Nähe der
Western Avenue hinter sich gelassen hat, kommt man
in die Straße mit den Geschenkläden, in der die
verschiedensten Geschenk- und Haushaltsgeräteläden Videorecorder, Fernseher, Koffer, Mikrowellenherde und Stereoanlagen anbieten. Zwischen den
Ladentischen wimmelt es von Kunden und Verkäufern
aller Nationalitäten. Der florierende Handel trägt der
Gewohnheit vieler Anwohner Rechnung, ungefähr alle
drei Jahre beladen mit Geschenken für die Ehern und
Geschwister einen Besuch in ihrer Heimat zu machen.
Viele der angebotenen Videorecorder werden beispielsweise mit 220 Volt betrieben, sind also für das
außerhalb der Vereinigten Staaten vorherrschende
Stromnetz ausgerüstet. Die meisten Elektroläden
bieten auch eine ziemlich zweifelhafte Dienstleistung
an: Die Umrüstung von Videokassetten vom NTSCFrequenzsystem, das bei Aufzeichnungen in den
Vereinigten Staaten, Mexiko und Kanada benutzt wird,
zu den in Europa und der übrigen Welt gebräuchlichen
Systemen PAL und Secam.
"Als ich den Laden vor 12 Jahren eröffnet habe,
dachten wir, es würden nur indische und pakistanische
Kunden kommen, aber heute kommen alle zu uns",
erklärt Ashok Patel von World Imports. Wie um den
kosmopolitischen Charakter des Ladens zu unterstreichen, liegen im Schaufenster Jesus darstellende Ikonen Seite an Seite mit solchen zu Ehren Wischnus.
In anderen Schaufenstern wird mit Totalausverkauf"
in Russisch und Arabisch geworben. Man schaut
hinein und feilscht ein bißchen. Niemand nimmt das
übel. Es ist total üblich.
Man läuft weiter und kommt bald in die Gegend der
Sari-Paläste und indischen Lebensmittel. Ein paar
Häuserblocks lang könnte man ebensogut in NeuDelhi sein, so aggressiv nichtwestlich ist die Kultur.
Über 1.000 Familien aus Indien und Pakistan haben
hier, der größten Ansammlung von Menschen aus
dem indischen Subkontinent in der Umgebung von
Chicago, ihre Wohnungen.
Die Lebensmittelgeschäfte duften nach dem Aroma
von Kardamon, Gewürznelken, Safran und Fenchel.
Säcke mit Basmati und anderen Reissorten lagern an
den Wänden und in den Regalen stehen Tee, Kichererbsen, Linsen, Fett, loser Curry, Gläser mit Pfefferminzsyrup und eingelegten Mangos. Es gibt Flaschen
mit Dabor-Haaröl ("Macht Ihre Haare lang, stark und
dunkel") sowie Henna und Schnupftabak. Die Kühltruhen sind mit den klassischen gefrorenen Curry-Vorspeisen gefüllt: Chicken Biryani, Lammcurry, Palak
Paneerund Reenas "Exotischem Eis" in Geschmacksrichtungen wie Safran-Pistazie, Pistazie-Honig-Rosenwasser und Rosinen-Cashewkerne.

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Die Pinnwand im Lebensmittelgeschäft ist offensichtlich nicht nur eine amerikanische Sitte. Auf einem
handgeschriebenen Zettel steht: "Suchen Sie einen
Babysitter, der sich liebevoll um Ihr Baby (jeden Alters)
kümmert, dann setzen Sie sich mit Frau Rizvi in
Verbindung".
Man hat die Nachbarschaft nicht wirklich erlebt, bis
man in einen Sari-Palast kommt. Die Mannequins
tragen eine erstaunliche Vielfalt indischer Kostüme,
aus günstig angebotenem französischen Chiffon bis
zu teuerster Seide geschnitten. Ballen bunter Stoffe
liegen in Regalen und harren der Frauen, die ihre
Kleider selbst nähen wollen.
Mafat Patel war einer der ersten Händler in dieser
Nachbarschaft. Er und sein Bruder Talashi errichteten
in der damals fast ausschließlich von Juden bewohnten Gegend den Kolonialwarenladen Patel Brothers.
Heute besitzen sie neben dem Laden ein Reisebüro,
einen Schnellimbiß, einen Videoladen und ein Geschäft für Haushaltsgeräte.
Je weiter man nach Westen kommt, desto mehr schwindet - nahezu unbemerkt - der Einfluß der Inder und
Pakistaner. Plötzlich stellt man fest, daß die SariPaläste und indischen Kolonialwarenläden den Metzgereien mit Schildern in kyrillischer Schrift gewichen
sind, darunter die Metzgerei Kashtan, die während der
vergangenen zehn Jahre von Wladimir Safir und seinem Vater Roman betrieben wurde.
Es ist ein dunkles, europäisches Geschäft, mit russischen Bildern an den Wänden und in Kisten gestapeltem Räucherfisch. Ich verkaufe kein koscheres Fleisch",
erklärt Roman, ein freundlicher älterer Mann, der schlecht
Englisch spricht. "Die Juden russischer Abstammung,
die bei mir kaufen, bleiben nicht koscher".
Ein nichtkoscherer jüdischer Laden ist in der Gegend
jedoch die Ausnahme, nicht die Regel. Typischer für
die Gegend, in der 20.000 Juden russischer Abstammung zu der bereits etablierten Bevölkerung amerikanischer Juden stießen, ist die koschere Bäckerei Kol
Tuv. Die Angestellten dort tragen Yamulkes und die
eingelegten Mangos in den Regalen sind gefilte Fisch,
Eiernudeln, Matze sowie Noahs Hundekuchen gewichen.
An den Sonntagen, nachdem sie am vorigen Tag den
Sabbath begangen haben, strömen Hunderte orthodoxer Juden zu Kol Tuv und in andere Geschäfte. Sie
gehen in Rosenblums hebräischen Buchladen und
kaufen Bücher, Karten, Gedenkkerzen und andere
notwendige Dinge.
Viele russische Juden haben ihren eigenen Lebensstil.
Ihr Weg führt sie in llya Rudiaks Laden mit russischer
Literatur. Sein Schaufenster ist mit Samowars, Pupp
chen, russischen Postern, provokativen Büchern und

Seite 3

�Videos, wie beispielsweise "Ich war Stalins Leibwächter" dekoriert.
"Die jetzt aus Rußland kommenden Juden sind mehr
russischer als jüdischer Identität", so Rudiak, der seit
zehn Jahren in den Vereinigten Staaten lebt. "Dies ist
vor allem eine russische Kultur."

Für sie verwandelt Rudiak seinen Laden häufig in ein
Theater, in das er reisende Dichter, beispielsweise
Bella Achmadulina, zu Lesungen einlädt. Einmal war
^ weltberühmte Dichter Jewgenij Jewtuschenko bei
i n m « D a s j s t k e i n Geschäft", kommt es ernsthaft durch
seinen | a n g e n &gt; ergrauenden Bart. "Das ist ein KuKurchjb
) c n ver diene nicht viel Geld, aber es macht
Spaß."

* * * *

Seite 4

*

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                <text>&lt;strong&gt;1. Außenpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Christopher begrüßt neue russische Militärdoktrin&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Anhörung vor Senatsauschuß&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Bosnien&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Forderung nach Bestrafung von Kriegsverbrechern im ehemaligen Jugoslawien&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Drängen auf kurzzeitige Friedenslösung stellt Gefahr dar&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. GATT&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vorbereitungen für Abschluss der Uruguay-Runde&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Weiterhin erhebliche Schwierigkeiten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Luftfahrt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Pena erläutert amerikanische Luftfahrtpolitik &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Verkehrsministers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Gesellschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Welt in einem Stadtviertel&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Jeff Lyon&lt;/em&gt;</text>
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ST;

amcriko
dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America
^TION

4

Z12462C
46

NAFTA

17. November 1993

CLINTON MACHT SICH FÜR
VERABSCHIEDUNG DES NAFTA STARK
Radioansprache des Präsidenten
CLINTON: KONGRESS WIRD NAFTA
ZUSTIMMMEN
Zusammenfassung der Pressekonferenz im
Weißen Haus und Eingangserklärung des
Präsidenten

TERRORISMUS

SANKTIONEN GEGEN LIBYEN SIND BEWEIS
FÜR WIDERSTAND GEGEN TERRORISMUS
Erklärung Albrights vor UN-Sicherheitsrat

LANDMINEN

USA FÜR WELTWEITES VERBOT DES
VERKAUFS VON LANDMINEN
Rede von Senator Leahy vor
UN-Generalversammlung

MEDIEN

DIE ROLLE FREIER MEDIEN IN DER
DEMOKRATIE
Rede Shattucks bei KSZE-Seminar

BEVÖLKERUNG

BEVÖLKERUNGSENTWICKLUNG IST
WICHTIGES AUSSENPOLITISCHES THEMA
Vorbereitung für Weltkonferenz

JOHN F. KENNEDY

DER PRÄSIDENT, DER HOFFNUNGEN
WECKTE
Persönliche Erinnerungen von David Pitts

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-33 4102

�NAFTA
17. November 1993

CLINTON MACHT SICH FÜR VERABSCHIEDUNG
DES NAFTA STARK
Radioansprache des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - In einer Radioansprache am 13. November 1993 würdigte Präsident Clinton die
amerikanischen Kriegsveteranen und drängte auf Unterstützung für das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (North American Free Trade Agreement - NAFTA).
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Präsidenten im Wortlaut.

Meine Damen und Herren, in dieser Woche feierten die
Amerikaner den Tag der Kriegsveteranen - den Tag,
an dem wir denjenigen danken, die für uns gedient,
unsere Sicherheit gewährleistet und zur Bewahrung
der Freiheit beigetragen haben, die unser aller höchstes Gut ist.
Nachdem ich am Donnerstag auf dem Friedhof Arlington der Veteranen gedacht habe, kam ich mit zwei die
Generationen umspannenden Gruppen von Patrioten
zusammen - den Veteranen des Ersten Weltkriegs und
den Angehörigen des Militärs im aktiven Dienst, die in
Somalia solch ausgezeichnete Arbeit geleistet haben.
Diese tapferen Amerikaner sind durch den Heldenmut,
mit dem sie unserer Nation dienten, über die Generationen miteinander und mit der Geschichte verbunden.
Keiner von ihnen hat sich der Gefahr oder Herausforderung entzogen. In unruhigen Zeiten haben sie
unsere Interessen über unsere Grenzen hinaus geschützt.
Und während sich auf der Welt der tiefgreifendste
Wandel seit 50 Jahren vollzieht, können wir heute eine
eindringliche Lehre aus ihrem Mut und ihrer Vision
ziehen. Ebenso wie wir niemals beim Schutz unseres
Land es vor einer militärischen Bedrohung zurückgeschreckt sind, können wir unseren Wohlstand nicht
schützen, wenn wir uns nicht den wirtschaftlichen
Herausforderungen stellen.
Seit meinem Amtsantritt als Präsident hat sich unsere
Administration der Wiederbelebung der amerikanischen Wirtschaft verschrieben, sich dafür engagiert,
daß sich Arbeit wieder für alle Amerikaner bezahlt
macht und die Bedingungen zu schaffen, dank derer

AMERIKA DIENST 46

unser Privatsektor mehr Arbeitsplätze, höhere Einkommen und mehr Chancen für alle verwirklichen
kann. Dieses Wirtschaftsprogramm beginnt zu funktionieren. Wir haben das Defizit gesenkt, die Inflation
niedrig gehalten und die Zinssätze auf einen Rekordtiefstand gedrückt. Millionen Amerikaner haben ihre
Häuser und Unternehmen neu finanziert. Und obwohl
wir noch nicht so viele Arbeitsplätze haben wie wir
möchten, hat der Privatsektor in den vergangenen 10
Monaten mehr Arbeitsplätze geschaffen als in den
letzten vier Jahren zusammengenommen.
Der einzige Weg, wie eine wohlhabende Nation wachsen, Arbeitsplätze hervorbringen und die Einkommen
erhöhen kann, besteht jedoch letztlich im Abbau der
Handelshemmnisse und der Erweiterung des Handels
in einer wachsenden Weltwirtschaft. Es gibt einfach
keinen anderen Weg, mit dem ein reiches Land Arbeitsplätze schaffen und die Einkommen erhöhen kann,
als andere Kunden für seine Waren und Dienstleistungen zu finden. Die Vereinigten Staaten sind keine
Ausnahme. Wir haben die Chance, dies in einigen
Tagen zu tun, wenn der Kongreß über das als NAFTA
bezeichnete Handelsabkommen berät.
Das Nordamerikanische Freihandelsabkommen wird
die mexikanischen Hemmnisse für amerikanische
Exporte abbauen. Wenn diese Schranken fallen,
werden wir im nächsten Jahr allein an Mexiko weitere
55.000 in Amerika hergestellte Autos verkaufen. Wir
werden weitere Hunderttausende Computer verkaufen und in den nächsten beiden Jahren 200.000 neue
gutbezahlte Arbeitsplätze schaffen. NAFTA ist ein
wirlich gutes Geschäft für Amerika. Und wenn wir
Mexiko nicht für unsere Produkte öffnen, können Sie
Seite 1

�davon ausgehen, daß die Europäer oder die Japaner
dies für ihre Produkte tun. Wenn das NAFTA verabschiedet wird, haben wir auf dem mexikanischen Markt
einen Wettbewerbsvorteil gegenüber den Japanern
und Europäern. Sollte es zum Scheitern verurteilt sein
und Japan oder Europa nehmen die Herausforderung
an, der wir uns nicht gesteift haben, werden sie einen
Vorteil gegenüber uns haben.
Warum haben also einige unserer Mitbürger solche
Angst vor dem NAFTA? Weil sich ihre Welt in den
vergangenen 20 Jahren so stark verändert hat - und
häufig nicht zum Besseren. Technologie kann man
heute überall auf der Wert finden. Geld und Informationen umkreisen den Globus in Millisekunden. Qualifikationen, die einstmals nur wir besaßen, haben jetzt
auch andere. Diese neue Weltwirtschaft hat enorm
viele Chancen geschaffen, aber auch viele Härten mit
sich gebracht.
Wir mußten viele Anpassungen vornehmen. Zur Zeit
arbeiten wir daran, unser veraltetes Arbeitslosensystem durch ein neues - genannt Wiederbeschäftigung
- zu ersetzen, damit jeder, der aus irgendeinem Grund
seinen Arbeitsplatz verliert, sofort Zugang zu der von
ihm benötigten Ausbildung, Fortbildung und Arbeitsplatzvermittlung hat. Wir haben das Gesetz über den
Urlaub aus familiären Gründen verabschiedet, so daß
niemand seinen Arbeitsplatz verliert, wenn er wegen
eines Neugeborenen oder zur Pflege kranker Eltern
eine Zeitlang nicht arbeitet. So können die Menschen
gleichzeitig gute Arbeitnehmer und gute Familienmitglieder sein.

Die amerikanischen Arbeitnehmer sind heute wieder
die produktivsten weltweit. Wir können im Wettbewerb
und bei der Produktion überall jeden anderen übertreffen. Wir werden wieder für eine lange Zeit die Nummer
eins sein, wenn wir uns dem Wettbewerb in der Welt
öffnen. Aus diesem Grund haben amerikanische
Arbeitnehmer vom NAFTA nichts zu befürchten, sondern sollten sich vielmehr Sorgen machen, wenn wir
gegen das NAFTA stimmen und Mexiko, den anderen
Ländern Lateinamerikas und den sich uns bietenden
Chancen den Rücken kehren.
Am Tag nach der Kongreßabstimmung über das NAFTA
werde ich in Seattle mit führenden Politikern vieler
asiatischer Länder - einschließlich Chinas und Japans
- zusammentreffen, und sie um Öffnung ihrer Märkte
auch für unsere Produkte bitten. Bis Ende dieses
Jahres werde ich mich entschieden dafür einsetzen,
ein noch umfassenderes weltweites Handelsabkommen abzuschließen, das die Handelshemmnisse für
den Export unserer Produkte nach Europa und in die
übrige Welt abbauen soll.

Gemeinsam mit anderen Nationen können wir das
Wachstum der Weltwirtschaft buchstäblich erneut
ankurbeln und Millionen neuer Arbeitsplätze und Exportmöglichkeiten für alle Amerikaner schaffen. Hierzu müssen wir jedoch als ersten Schritt diese Woche
für das NAFTA stimmen, das nicht nur eine Handelsvereinbarung mit Mexiko darstellt, sondern auch zum
Symbol unseres Engagements für Wachstum und
Handel auf der ganzen Welt geworden ist. Glauben
Sie mir: Wie auch immer der Kongreß abstimmen
mag, er wird jeder Nation auf der Welt signalisieren,
Wir benötigen eine Reform des Gesundheitswesens welche Absichten wir verfolgen - ob wir unsere Fühund haben einen Plan vorgelegt, der zum ersten Mal in rungsrolle in der Weltwirtschaft beibehalten und bei
unserer Geschichte allen Amerikanern eine Gesund- anderen auf die Öffnung ihrer Märkte für Produkte und
heitsfürsorge anbietet - selbst wenn sie ihren Arbeits- Dienstleistungen unseres Landes und anderer Staaplatz verlieren. Und wir sind entschlossen zur Be- ten drängen, oder ob wir uns in den Protektionismus
kämpfung der Kriminalität mit mehr Polizisten, mehr flüchten.
Lagern für jugendliche Straftäter sowie mehr Gefängniszellen für diejenigen, die das brauchen. Das sind Wenn wir das NAFTA verabschieden, werden wir zum
einige der Maßnahmen aus der Gesetzesvorlage zur Zentrum des weltweit größten Handelsblocks mit Kanada
Bekämpfung der Kriminalität, die dem Kongreß zur und Mexiko, der sich durch die Aufnahme der übrigen
Zeit vorliegt.
Länder Lateinamerikas schnell vergrößern wird. Tun
wir das nicht, geraten wir in eine festgefahrene SituaFolglich leisten wir in den Bereichen Erziehung, Ge- tion, während jemand anders diese Gelegenheit ersundheit, Urlaub aus familiären Gründen und Bekämp- greift.
fung der Kriminalität harte Arbeit, um dem amerikanischen Volk die Sicherheit zu geben, die wir alle ange- Diese Abstimmung wird viel darüber aussagen, wer
sichts der uns konfrontierenden Veränderungen benö- wir, die Amerikaner des Jahres 1993, eigentlich sind.
tigen. Wir können die Welt jedoch nicht zu dem Große Nationen werden nicht nur durch ihre Taten
machen, was sie einmal war. Wir können unsere definiert, wenn die Spielregeln und die Zukunft klar und
Arbeitnehmer, ihre Arbeitsplätze und Einkommen einfach die Zeiten leicht sind, sondern durch die von ihnen
nicht vor den Unwägbarkeiten des weltweiten Wettbe- getroffenen Entscheidungen in Zeiten großer Veränwerbs schützen, indem wir Mauern zu errichten versu- derungen, wenn die Zukunft im Dunkeln liegt, die
chen. Die einzige Möglichkeit zur Bereitstellung wirt- Menschen mit Schwierigkeiten kämpfen und ihre Zukunft
schaftlicher Sicherheit und größerer Chancen für die gestalten müssen.
Mittelschicht in unserem Land besteht darin, sich
dieser neuen Welt direkt zu stellen, zu konkurrieren Dies ist ein für Amerika entscheidender Zeitpunkt.
Werden wir die Chance ergreifen? Werden wir uns für
und zu gewinnen. Und wir können gewinnen.
Seite 2

AMERIKA DIENST 46

�die Hoffnung anstelle der Angst entscheiden? Die
Geschichte der Größe Amerikas läßt darauf schließen. Wir haben immer gesiegt, wenn unsere Nation
sich in der Welt engagiert und ihre großen Herausforderungen angenommen hat. Durch die Verabschiedung des NAFTA kann der Kongreß demonstrieren,
daß wir in einer prosperierenden Weltwirtschaft konkurrieren und gewinnen wollen. Wir übernahmen die

Führungsrolle bei ihrer Schaffung und werden das
angesichts des bevorstehenden 21. Jahrhunderts wieder
tun müssen. Wir können eine Zukunft aufbauen, die
wir unseren Kindern mit Stolz hinterlassen können und die Zukunft beginnt am Mittwoch mit einer positiven Abstimmung über das Nordamerikanische Freihandelsabkommen.

* * * *

AMERIKA DIENST 46

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Seite 3

�NAFTA
17. November 1993

CLINTON: KONGRESS WIRD NAFTA ZUSTIMMEN
Zusammenfassung der Pressekonferenz im Weißen Haus
und Eingangserklärung des Präsidenten

WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton zufolge wird
das beabsichtigte Nordamerikanische Freihandelsabkommen (North American Free Trade Agreement NAFTA) zwischen den Vereinigten Staaten, Kanada
und Mexiko genügend Stimmen für seine Verabschiedung erhalten, wenn es dem Kongreß am 17. November 1993 vorgelegt wird.
In einer landesweit im Fernsehen übertragenen Pressekonferenz am 10. November warnte der Präsident,
ein Scheitern des Abkommens könnte die Fähigkeit
der Vereinigten Staaten beeinträchtigen, andere Nationen davon zu überzeugen, daß die Zeit reif für ein
neues weltweites Handelsabkommen ist.
"Wir können gewinnen", betonte der Präsident. "Und
wir müssen ab nächster Woche entscheiden, ob wir
uns dem Wettbewerb stellen und gewinnen oder uns
zurückziehen wollen."
Mit der Verabschiedung des NAFTA hätten die Vereinigten Staaten, so Clinton, "einen entschieden besseren Einfluß auf die internationale Staatengemeinschaft,
um auf den Abschlu ß einer weltweiten Handelsvereinbarung vor Ende des Jahres - dieses neuen GATTAbkommens - zu drängen."
Der Präsident verwies darauf, daß alle noch lebenden
ehemaligen amerikanischen Präsidenten und Außenminister sich ebenso wie 80 Prozent der derzeitigen
Gouverneure von Bundesstaaten und eine beeindrukkende Vielzahl von Nobelpreisträgern für Wirtschaft
zugunsten des NAFTA ausgesprochen haben.
Auf die Frage, ob ein Scheitern des NAFTA seinen
Stand beim bevorstehenden Ministertreffen mit den
Staats- und Regierungschefs des Forums für asiatisch-pazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit (AsiaPacific Economic Cooperation - APEC) in Seattle
beeinträchtigen würde, antwortete Clinton: "Meines
Erachtens wird es meine Fähigkeit zur Ausübung der
Außenpolitik nicht schmälern, außer im wirtschaftlichen Bereich. Es würde vielmehr mein Argument
AMERIKA DIENST 46

entkräften, daß die Asiaten ihre Märkte weiter öffnen
sollten."
Zur Zeit, so der Präsident, betrage das Handelsdefizit
der Vereinigten Staaten mit Japan 49 Billionen Dollar
jährlich, mit China 19 Billionen und mit Taiwan 9
Billionen Dollar. Im Gegensatz dazu belaufe sich der
Handelsüberschuß der Vereinigten Staaten mit Mexiko auf 5,4 Billionen Dollar.
Dem Präsidenten zufolge hätte ein Scheitern des
NAFTA negative Auswirkungen auf die amerikanischen Beziehungen zu den lateinamerikanischen
Nationen.
Sollte der Vorschlag nicht verabschiedet werden, warnte
Clinton, würden die Vereinigten Staaten eine Chance
zum Verkauf ihrer Produkte an Mexiko verpassen, die
Auslagerung von Arbeitsplätzen südlich der Grenze
nicht verhindern können und die Kosten Mexikos für
Umweltschutz und Arbeitskräfte weiter drücken, wodurch amerikanischen Firmen ein weiterer Wettbewerbsnachteil entstünde.
Auf die Frage, ob die Vereinigten Staaten auf den
Devisenmärkten zur Unterstützung des mexikanischen
Peso intervenieren müßten, wenn das NAFTA verabschiedet würde, erwiderte Clinton: "Meines Erachtens
... würde der Peso aufgrund der Zustimmung zum
NAFTA steigen, weil er die mexikanische Wirtschaft
stärken würde."
Clinton ging auch auf andere Themen ein wie Haiti,
Bosnien-Herzegowina, die Beziehungen zwischen Israel
und Jordanien sowie seine außenpolitischen Berater.
Er betonte, die Haitianer müßten verstehen, daß die
für das Embargo gegen ihr Land Verantwortlichen der
Chef des haitianischen Militärs, Raoul Cedras, und der
Polizeichef Michel Francois seien, weil sie das New
Yorker Abkommen gebrochen hätten.
Clinton verlieh seiner Überzeugung Ausdruck, daß der
haitianische Ministerpräsident Robert Malval und
Seite 1

�Präsident Jean-Bertrand Aristide "zu Gesprächen in
gutem Glauben bereit sind und eine Lösung herbeizuführen versuchen, dank der wir auf den Weg zur
Demokratie und Verwirklichung dieses Abkommens
zurückfinden könnten".

die nichts mit den Kontroversen zu tun haben, die bei
meinem Amtsantritt ein heißes Eisen waren und heute
noch sind - Somalia, Haiti und Bosnien. Es wäre ein
großer Fehler, dies falsch zu interpretieren."

Auf die Frage, waserzurEntschärfung der Situation in
Bosnien-Herzegowina unternehme, stellte der Präsident fest, unter den derzeitigen Bedingungen "ist das
einzige, was wir tun können, die Verluste an Menschenleben in dem bevorstehenden Winter so gering
wie möglich zu halten. Wir müssen versuchen, die Zustimmung der Vereinten Nationen zur Position der
NATO zu erhalten, daß die Vereinigten Staaten im
Falle einer ernsthaften Bombardierung Sarajevos
Luftstreitkräfte bereitstellen, und dies eine aktuelle,
echte Option ist - nicht nur Theorie. Wir wollen
sicherstellen, daß unser humanitäres Programm funktioniert."

Meine Damen und Herren, gegen Ende dieser Sitzungsperiode des Kongresses, kurz vor dem Erntedankfest, sollte unser Volk wissen, daß wir hier in
Washington endlich die Themen angehen, die für alle
Amerikaner von zentraler Bedeutung sind, und die
Pattsituation durch Fortschritte zum Wohle aller ersetzen.

Nach der Wahrscheinlichkeit der Unterzeichnung eines Friedensvertrags zwischen Israel und Jordanien
am 12. November 1993 - dem Datum, an dem der
Besuch des israelischen Ministerpräsidenten Jitzhak
Rabin im Weißen Haus vorgesehen ist - befragt,
antwortete der Präsident, er sei erfreut über "die Berichte von Fortschritten" in den israelisch-jordanischen
Beziehungen, glaube jedoch nicht, "daß in dieser
Hinsicht am Freitag irgend etwas abend geschieht".

wobei die dramatische Erhöhung des Einkommensteuerfreibetrags berufstätigen Amerikanern mit Kindern und einem bescheidenen Einkommen aufgrund
von Steuersenkungen ein besseres Leben ermöglicht.
Wir haben mehr amerikanische Produkte aus dem
High-tech-Bereich exportiert. Wir haben das Gesetz
über den Erziehungsurlaub verabschiedet. Wir haben
die Möglichkeit für Investitionen in neue Unternehmen
in diesem Land erhöht. Und wir haben einen umfassenden Plan vorgelegt, der jedem Amerikaner eine
wirklich sichere Gesundheitsversorgung anbietet.

Erklärung des Präsidenten
Er wolle nicht, daß "noch jemand in Haiti verletzt wird",
fügte Präsident Clinton hinzu und erklärte, "wir müssen Nachfolgend veröffentlichen wir die Eingangserkläein weiteres Abkommen anstreben, damit das Land rung von Präsident Clinton bei der Pressekonferenz im
Weißen Haus am 10. November 1993.
zur Normalität zurückkehren kann".

In den vergangenen Monaten haben wir das größte
Paket zum Abbau unseres Haushaltsdefizits der
Geschichte verabschiedet, die Zinssätze und die Inflationsrate befinden sich weiterhin auf einem historischen Tiefstand, Millionen von Amerikanern konnten
ihre Häuser neu finanzieren, die Investitionstätigkeit
Die von den Vereinigten Staaten angeführte Luftbrük- steigt, und in den letzten zehn Monaten sind in unseke nach Bosnien, betonte Clinton, "dauert bereits rem Land mehr neue Arbeitsplätze geschaffen worden
länger an als die Berliner Luftbrücke, und es ist eine der als in den vergangenen vier Jahren.
umfassendsten humanitären Hilfsbestrebungen" in der Es wurden echte Anstrengungen zur Verbesserung
Geschichte.
der Sicherheit erwerbstätiger Familien unternommen,

Im Zusammenhang mit Berichten über einen Brief
Rabins an Präsident Clinton mit der Bitte um teilweisen
Erlaß der Haftstrafe für den verurteilten Spion Jonathan Pollard bestätigte Clinton, der Ministerpräsident
habe ihm wegen Pollard geschrieben und fügte hinzu:
"Ich habe das Justizministerium um Überprüfung dieses Falles gebeten." Der Präsident erklärte, er habe
"noch keinen Bericht vom Ministerium erhalten, und ich
werde keine Entscheidung zum Fall Pollard treffen,
bevor mir das Ministerium stichhaltige Gründe dafür
nennt".
Clinton erläuterte ferner, er beabsichtige keine drastischen personellen Veränderungen in seinem außenpolitischen Team und dementierte, daß der am 8.
November 1993 zurückgetretene Stellvertretende
Außenminister Clifton R. Wharton zum "Opferlamm"
gemacht worden sei.
Der Präsident stellte fest, Wharton "hat gute Arbeit
geleistet... er war mit einer Reihe von Themen befaßt,
Seite 2

Wir bemühen uns um eine effizientere Gestaltung
unserer Regierung, um mit weniger mehr zu bewirken,
und ich bin stolz darauf sagen zu können, daß der
Kongreß heute deutlich seine Entschlossenheit zur
Reform der Gesetze über Wahlkampffinanzierung
demonstriert. Vor mehreren Monaten verabschiedete
der Senat eine entsprechende Gesetzesvorlage. Heute
wird der Ausschuß des Repräsentantenhauses über
ein Gesetz abstimmen, welches das Repräsentantenhaus meines Erachtens annehmen wird.
Das ist eine Bilanz einmaliger Leistungen. In den
nächsten Wochen bis zum Ende der Sitzungsperiode
wird der Kongreß jedoch mit der Herausforderung
konfrontiert, noch größere Schritte zum Schutz der
persönlichen Sicherheit der Amerikaner zu unternehmen sowie zur Schaffung vermehrter Chancen, wertwert zu konkurrieren und zu gewinnen.

AMERIKA DIENST 46

�Der Senat schließt zur Zeit die Arbeit an unserem
Gesetz über Verbrechensbekämpfung ab, das das
von mir in meiner Wahlkampagne gemachte Versprechen erfüllt, 100.000 zusätzliche Polizisten einzustellen, Verbrecher hinter Gittern zu halten, die Kriminellen
von der Straße zu holen, Jugendlager und alternative
Einrichtungen für jugendliche Straftäter anzubieten
und denjenigen die Waffen wegzunehmen, in deren
Besitz sie sich nicht befinden sollten. Wir verfügen
jetzt wirklich über die Schlagkraft, das Brady-Gesetz
zu verabschieden. Nach Jahren -12 Jahren - heroischen Einsatzes von Jim und Sarah Brady ist der
Kongreß meines Wissens endlich entschlossen, sich
der Lobby gegen das Brady-Gesetz zu widersetzen
und gegen die Kriminalität vorzugehen, die für die
meisten Amerikaner den wichtigsten Aspekt ihrer
persönlichen Sicherheit darstellt.

sen folgen und den Wählern in ihren Wahlkreisen die
Gründe für ihre Entscheidung darlegen. Und wenn die
vorläufigen Ergebnisse der gestrigen Debatte ein Indikator sind, dann können die Mitglieder des Repräsentantenhauses dem amerikanischen Volk die Tatsachen und ihre eigenen Überzeugungen anvertrauen.

Diese Abstimmung erfolgt an einem für unsere Nation
bedeutenden Moment. Wir haben schwere Zeiten
hinter uns. Während der vergangenen 20 Jahre haben
60 Prozent der Amerikaner für die gleichen oder sogar
niedrigere Löhne härter gearbeitet. Wir hatte große
Schwierigkeiten mit der Produktivitätssteigerung, die
für die Schaffung von Arbeitsplätzen und die Steigerung der Einkommen unabdingbar ist. Aber es ist uns
gelungen. Dieses Land ist jetzt auf einer Vielzahl von
Gebieten im Herstellungs- und Dienstleistungsbereich
das produktivste der Welt. Wir können gewinnen. Und
Heute in einer Woche wird der Kongreß die Entschei- wir müssen ab nächster Woche entscheiden, ob wir
dung darüber treffen, ob durch das Nordamerikani- uns dem Wettbewerb stellen und gewinnen oder uns
sche Freihandelsabkommen die Exporte erhöht und zurückziehen wollen.
Arbeitsplätze geschaffen werden. Niemand hätte das
NAFTA entschiedener und beredter verteidigen kön- Bevor ich auf Ihre Fragen eingehe, möchte ich noch
nen als Vizepräsident Gore es gestern abend in seiner einen Punkt zum NAFTA ansprechen, der gestern
Debatte mit Herrn Perottat. Gestern abend bewies der Abend zu kurz gekommen ist. Dieses Abkommen
Vizepräsident, daß allein die Darlegung der Fakten bedeutet mehr Arbeitsplätze, aber der reale Zuwachs
über das NAFTA sowie die Formulierung unserer an Arbeitsplätzen in Amerika wird stattfinden, wenn
Sorge um das Wohlergehen der amerikanischen Ar- zwei weitere Schritte unternommen worden sind. Er
beitnehmer die Ängste und verzerrten Darstellungen wird stattfinden, wenn alle Demokratien und freien
überwinden können, die gegen das NAFTA vorge- Marktwirtschaften Lateinamerikas sich ebenfalls dem
bracht wurden. Das NAFTA bedeutet Exporte, Expor- großen Handelsblock Mexiko, Kanada und Vereinigte
te bedeuten Arbeitsplätze. Kein wohlhabendes Land Staaten angeschlossen haben. Denn wenn das einder Weh kann mehr Arbeitsplätze schaffen, ohne seine mal geschehen ist, haben wir einen entschieden besseren Einfluß auf die internationale StaatengemeinExporte zu steigern.
schaft, um auf den Abschluß einer weltweiten HanDas amerikanische Volk hat gestern abend bewiesen, delsvereinbarung vor Ende des Jahres - dieses neuen
daß es bereit ist, den Diskussionen über diese Frage GATT-Abkommens - zu drängen. Wenn das Repräzuzuhören und sich nicht nur Millionen anderer Ame- sentantenhaus sich für das NAFTA entscheidet, wird
rikaner anzuschließen, wie denjenigen, die der Vize- das Auswirkungen auf Asien und auf Europa haben.
präsident gestern abend anführte, sondern jedem Für dieses Land steht folglich ziemlich viel auf dem
ehemaligen Präsidenten, Außenminister, Nobelpreis- Spiel. Ich bin überzeugt, daß das Repräsentantenträger für Wirtschaft sowie über 80 Prozent der amtie- haus das Richtige tun wird.
renden Gouverneure.
Ich möchte heute auch den Kongreßabgeordneten
Der Gegensatz am gestrigen Abend war deutlich. Herr Hoagland, Kreidler, Dicks und Valentine sowie SenaPerot warnte die Mitglieder des Repräsentantenhau- tor Nunn für ihre erklärte Unterstützung des NAFTA
ses vor schrecklicher Vergeltung, falls siedem NAFTA danken. Ich denke, daß sich in den nächsten Tagen
zustimmten. Der Vizepräsident rief die Abgeordneten noch mehr Abgeordnete für das NAFTA aussprechen
auf, sich für Hoffnung statt für Angst zu entscheiden werden und wir zum Zeitpunkt der Abstimmung über
und dem Vorschlag zuzustimmen, daß die Amerikaner die für einen Sieg erforderliche Stimmenzahl verfügen
in der Weltwirtschaft konkurrenzfähig sein und Gewin- werden.
ne machen können, bei der Abstimmung ihrem Gewis-

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AMERIKA DIENST 46

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Seite 3

�TERRORISMUS
17. November 1993

SANKTIONEN GEGEN LIBYEN SIND BEWEIS
FÜR WIDERSTAND GEGEN TERRORISMUS
Erklärung Albrights vor UN-Sicherheitsrat
VEREINTE NATIONEN - (AD) - Der amerikanischen Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Madeleine
Albright, zufolge sind die vom UN-Sicherheitsrat verabschiedeten härteren Wirtschaftssanktionen gegen Libyen
ein Beweis für die feste Entschlossenheit der Völkergemeinschaft zur Bekämpfung des internationalen
Terrorismus.
In einer am 11. November 1993 vor dem UN-Sicherheitsrat abgegebenen Erklärung äußerte Albright: "Der
Terrorismus stellt für jede Nation der Welt eine Herausforderung dar. Als Reaktion darauf ist meine Regierung
entschlossen, Gerechtigkeit herbeizuführen. Dieses Bestreben muß unter Umständen auch vom Sicherheitsrat
beschlossene, verbindliche Sanktionen umfassen."
Die mit 11 Jastimmen, keiner Gegenstimme und 4 Enthaltungen angenommene Resolution des Sicherheitsrates sieht das Einfrieren libyscher Auslandsguthaben, ein Verbot des Verkaufs von Erdölfördergeräten an das
Land sowie die Schließung von Büros libyscher Luftfahrtgesellschaften vor. Diese Maßnahmen gegen Libyen
sind auf die Weigerung des Landes zurückzuführen, zwei mutmaßliche Täter des Bombenanschlags von
Lockerbie den amerikanischen oder britischen Anklagebehörden auszuliefern und mit Frankreich bei der
Untersuchung des Bombenanschlags auf Flug UTA 772 einer französischen Verkehrsmaschine zusammenzuarbeiten.
Durch die Verabschiedung der Resolution hat der Sicherheitsrat Botschafterin Albright zufolge den flexiblen
Einsatz von "Sanktionen als Mittel der Diplomatie" unter Beweis gestellt.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache von Botschafterin Albright im Wortlauf.

Herr Präsident, die heutige Resolution soll für alle
sichtbar die Entschlossenheit dieses Rates zur Bekämpfung des internationalen Terrorismus demonstrieren. Der Weg zu dieser Resolution war nicht
leicht, aber das ist der Weg der Gerechtigkeit ohnehin
nur selten.
Angehörige von 30 Nationen sind Opfer der Terroranschläge geworden, die auf Pan Am-Flug 103 und UTAFlug 772 verübt wurden. Vor nahezu zwei Jahren
nahm der Sicherheitsrat die Resolution 731 an. Die
libysche Regierung weigerte sich schlichtweg, diese
Resolution zu beachten. Seit damals hat Libyen keine
Anstrengung gescheut, die auch in privaten Gesprächen unterbreiteten Angebote des Sicherheitsrates
auszuschlagen und der internationalen Staatengemeinschaft falsche Versprechungen zu machen, um
ihre Entschlossenheit zu unterminieren - und die heutige Aktion zu verhindern.

AMERIKA DIENST 46

Der Sicherheitsrat kann stolz darauf sein, daß die
Bemühungen Libyens zur Verhinderung dieser Resolution gescheitert sind. Der Terrorismus stellt für jede
Nation der Welt eine Herausforderung dar. Als Reaktion darauf ist meine Regierung entschlossen, Gerechtigkeit herbeizuführen. Dieses Bestreben muß unter
Umständen auch vom Sicherheitsrat beschlossene,
verbindliche Sanktionen umfassen.
Herr Präsident, der Kampf gegen den internationalen
Terrorismus muß eine kollektive Anstrengung sein.
Die Vereinigten Staaten haben in Zusammenarbeit mit
Großbritannien und Frankreich diesen Bemühungen
vorgestanden. Wir haben eng mit jedem Mitglied des
Sicherheitsrates zusammengearbeitet. Die uns vorliegende Resolution ist ausgewogen und hat ein klar
definiertes Ziel. Ihre Hauptmerkmale sind das Einfrieren libyscher Guthaben, ein begrenztes Embargo gegen
die libysche petrochemische Industrie sowie eine

Seite 1

�Verschärfung früherer, unter Resolution 748 erlasse- sie. Diese Resolution richtet sich einzig und allein
ner Sanktionen. Diejenigen, die sie für nicht ausrei- gegen Libyen. Mit jedem Tag, an dem sich die libysche
chend halten, möchte ich folgendes fragen: Warum Regierung nicht an die Beschlüsse der Vereinten
hat Libyen so große Anstrengungen unternommen, Nationen hält, wird der vom libyschen Volk zu zahlende
diese Resolution zu verhindern, wenn die Auswirkun- Preis höher.
gen der neuen Sanktionen kaum spürbar sind?
Herr Präsident, ich möchte noch etwas Allgemeines
Libyen weiß genau, was es tun muß. Wir erwarten die hervorheben. Durch den heutigen Beschluß zur VerAuslieferung der des Bombenanschlags von Locker- schärfung der Sanktionen hat der Sicherheitsrat wiebie Angeklagten. Wir erwarten die Zusammenarbeit der den flexiblen Einsatz von Sanktionen als Mittel der
der libyschen Regierung mit den französischen Justiz- Diplomatie unter Beweis gestellt. Und je mehr wir
behörden. Wir erwarten Schadenersatzzahlungen für demonstrieren, daß dieser Rat Sanktionen verhängen,
die Opferdes libyschen Terrorismus. Und wir erwarten aufheben, aussetzen oder verschärfen kann, desto
die klare und erwiesene Ablehnung des Terrorismus besser dienen sie als Mittel unserer Diplomatie.
durch die libysche Regierung.
Herr Präsident, die tragischen Anschläge auf Pan AmDie Vereinigten Staaten haben seit längerem Sanktio- Flug 103 und UTA-Flug 772 forderten unschuldige
nen gegen Libyen verhängt, die weit über die vom UN- Menschenleben. Ihre Familien erwarten von uns eine
Sicherheitsrat verabschiedeten hinausgehen. Wir haben Antwort. Heute kommt die Reaktion des Sicherheitsuns jedoch zu einem fairen und gerechten Vorgehen rats. Wir müssen jetzt auf die Einhaltung der Bestimbei dem zu unserer heutigen Abstimmung führenden mungen durch Libyen warten, jedoch mit hartnäckiger
Verfahren verpflichtet. Wir haben die Ansichten der Entschlossenheit, bis der Gerechtigkeit Genüge getan
Staaten, für die in wirtschaftlicher Hinsicht mehr auf ist. Vielen Dank, Herr Präsident.
dem Spiel steht als für uns, erwogen und respektieren

* * * * *

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AMERIKA DIENST 46

�LANDMINEN
17. November 1993

USA FÜR WELTWEITES VERBOT DES
VERKAUFS VON LANDMINEN
Rede von Senator Leahy vor UN-Generalversammlung
VEREINTE NATIONEN - (AD) - Die Vereinigten Staaten haben der UN-Generalversammlung eine Resolution
über ein Moratorium für den Export von gegen lebende Ziele gerichteten Landminen unterbreitet.
Bei der Vorlage der Resolution im Namen der Vereinigten Staaten und 46 Mitunterzeichnerstaaten am 11.
November 1993 erklärte Senator Leahy, "es gab Zeiten, in denen Landminen nur benutzt wurden, um den
Vormarsch des Gegners in Kriegszeiten zu verhindern, und es wurde sorfältig registriert, wo die Minen verlegt
wurden. Heute werden Landminen von einigen als Waffe für Terroranschläge verwendet. Man findet sie auf
Brücken, Straßen und Fußwegen, in Feldern und an Wasserstellen - praktisch an jedem Ort, an dem es Zivilisten
gibt."
"Das Ziel des amerikanischen Moratoriums ist", so Leahy, "als Katalysator für konzertierte internationale
Aktionen zur Beendigung dieses sinnlosen Abschlachtens unschuldiger Menschen zu fungieren."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Senator Leahy im Wortlaut.

Ich möchte heute im Namen der Vereinigten Staaten
eine Resolution mit dem Titel "Moratorium für den
Export von gegen lebende Ziele gerichteten Landminen" unterbreiten. Sie ist in Dokument A/C.1/48/L.42
enthalten. Sie fordert alle Staaten zur Zustimmung
und Durchführung eines Moratoriums für den Export
von Landminen auf, die eine ernsthafte Gefahr für Zivilisten darstellen. Darüber hinaus wird der Generalsekretär in der Resolution um die Erstellung eines Berichts über Fortschritte bei dieser Initiative gebeten,
einschließlich möglicher Empfehlungen für weitere
Restriktionen für den Export dieser Waffen.
Als ich vor einigen Jahren durch Mittelamerika reiste,
traf ich einen jungen Honduraner, der durch eine
Landmine ein Bein verloren hatte. Er stammte aus
einer armen Bauernfamilie und konnte nicht mehr auf
dem Feld arbeiten. Seine Familie konnte sich nicht um
ihn kümmern, und zwei Jahre lang hatte er nur mit einer
selbstgebastelten Krücke als Behelf in einem Krankenhaus verbracht. Ich fragte ihn, welche Seite der
Kriegsgegner die Mine dort gelegt hatte. Er wußte es
nicht - und welchen Unterschied würde das machen?
Sein Leben würde niemals mehr dasselbe sein.
Seit damals habe ich die schreckliche Wirkung von
Landminen in vielen Ländern gesehen, und diese
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Erfahrung hat mich in der Entschlossenheit bestärkt,
etwas zurBekämpfungdieser Geißel zu unternehmen.
Als Vorsitzender des Senatsunterausschusses für
auswärtige Operationen habe ich ein Programm ins
Leben gerufen, um kriegsversehrten Zivilisten mit
künstlichen Gliedmaßen und Rehabilitation behilflich
zu sein. Dieses Programm besteht noch heute.
Medizinische Hilfe wird dringend benötigt. Das größere Problem von Millionen willkürlich über riesige Landstriche verteilten Landminen ist jedoch weiterhin akut.
Dieser honduranische Junge ist nureinervon Hunderttausenden unschuldiger Zivilisten - viele von ihnen
Kinder - die durch Landminen getötet oder schrecklich
verkrüppelt wurden. Heute sind über 85 Millionen
dieser Waffen in mehr als 60 Ländern verteilt. Landminen, vor allem gegen lebende Ziele gerichtete, haben
eine medizinische, soziale, wirtschaftliche und umweltpolitische Krise globalen Ausmaßes verursacht.
Viele von Ihnen kommen aus diesen Ländern. In
Afghanistan gibt es 10 Millionen Minen. Ganze Gebiete des Landes sind unbewohnbar. Es kann Generationen dauern, bevor man wieder sicher in diesen Gegenden leben kann. In Angola, wo jeden Tag neue Minen
gelegt werden, gibt es bereits 9 Millionen Minen, und in

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�Kambodscha 55 Millionen. Beide Länder haben über
20.000 Amputierte. In Kambodscha, wo bis zu 300
Menschen pro Monat durch Landminen getötet oder
verstümmelt werden, hat jeder 236. ein Bein oder
einen Arm verloren.

glieder des Senats einstimmig für die Verlängerung
des amerikanischen Moratoriums um weitere drei Jahre.
Der Präsident wird dieser dreijährigen Verlängerung
Ende dieses Monats durch seine Unterschrift Gesetzeskraft verleihen.

Die Verbreitung von Landminen hat tragische Konsequenzen lange nachdem der Konflikt beendet ist.
Minen verhindern die sichere Rückkehr von Flüchtlingen und anderen Vertriebenen, und sie haben eine
Vielzahl verkrüppelter und verarmter Menschen zur
Folge, für die gesorgt werden muß. Die wirtschaftlichen Konsequenzen von Landminen sind verheerend
für die armen Entwicklungsländer, wo sie am meisten
verbreitet sind.

Mit ist natürlich bewußt, daß ein Exportmoratorium
eines Landes keine Lösung ist. Das Ziel des amerikanischen Moratoriums ist, als Katalysator für konzertierte internationale Aktionen zur Beendigung dieses sinnlosen Abschlachtens unschuldiger Menschen zu fungieren. Während wir die gefährliche, kostenintensive
und zeitaufwendige Aufgabe der Räumung von Millionen alter Landminen in Angriff nehmen, besteht unsere Herausforderung darin sicherzustellen, daß sie nicht
durch neue ersetzt werden. Dies können wir nur durch
eine internationale Führungsrolle und Kooperation
erreichen.

Es gab Zeiten, in denen Landminen nur benutzt wurden, um den Vormarsch des Gegners in Kriegszeiten
zu verhindern, und es wurde sorfältig registriert, wo die
Minen verlegt wurden. Heute werden Landminen von
einigen als Waffe für Terroranschläge verwendet. Man
findet sie auf Brücken, Straßen und Fußwegen, in
Feldern und an Wasserstellen - praktisch an jedem
Ort, an dem es Zivilisten gibt. Es werden kaum
Versuche unternommen, um ihre Lokalisierung aufzuzeichnen, und Zivilisten können Wochen oder Monate
später getötet oder verletzt werden, wenn die Mine
plötzlich explodiert.
Landminen sind billig, leicht herzustellen und können
ganze Gebiete unzugänglich machen. Für rund 3
Dollar kann man eine Landmine kaufen, die ein Bein
oder einen Arm abreißt oder ein Kind tötet. Für 75
Dollar kann man einen etwas weiterentwickelten Typ
kaufen, zum Beispiel eine Mine mit Selbstzerstöreinrichtung oder eine selbstentschärfende Mine.
Nur 3 Dollar für eine Landmine - dennoch schätzen die
Vereinten Nationen in Kambodscha die Kosten für die
Beseitigung dieser einen Landmine auf 1.000 Dollar.
Es würde Milliarden Dollar kosten, um die Minen in nur
diesem Land zu räumen.

Das in dieser Resolution geforderte internationale
Exportmoratorium ist ein wichtiger erster Schritt. Meine
Regierung unterstützt darüber hinaus Bestrebungen
zur Verbesserung von Protokoll 11 der Konvention über
konventionelle Waffen von 1980.
Wir erwägen weitere mögliche Schritte für umfassendere Bestrebungen zur Bewältigung der Landminenkrise . Und wir unterstützen die vor kurzem in einer
Resolution der Generalversammlung befürwortete
Initiative der Europäischen Union, die einen Bericht
über die Möglichkeit eines Treuhandfonds zur Minenentschärfung fordert. Die Räumung der Minen wird mit
enormen Kosten verbunden sein. Als Mitglied des
amerikanischen Senats werde ich alles in meiner
Macht Stehende tun um zu gewährleisten, daß die
Vereinigten Staaten ihren Teil zur Beseitigung dieser
Minen beitragen.

Herr Vorsitzender, die Vereinigten Staaten wissen die
Unterstützung der 46 Mitunterzeichnerstaaten dieser
Resolution zu schätzen. Wir hoffen, daß andere
Staaten sich uns anschließen und drängen sie dazu.
Die Menschen auf der ganzen Wert wollen der durch
Im vergangenen Jahr habe ich mich erfolgreich für eine Landminen verursachten menschlichen Tragödie ein
Gesetzesvorlage im Kongreß über ein einjähriges Ende setzen. Es ist an uns, die Führungsstärke unter
Moratorium füramerikanische Exportevon Landminen Beweis zu stellen, damit dies geschieht.
eingesetzt. Vor zwei Monaten votierten die 100 Mit-

* *

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�MEDIEN
17. November 1993

DIE ROLLE FREIER MEDIEN IN DER DEMOKRATIE
Rede Shattucks bei KSZE-Seminar
WARSCHAU - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die am 2. November 1993 beim KSZE-Seminar über freie
Medien in Warschau vom Abteilungsleiter für Menschenrechte und humanitäre Angelegenheiten im USAußenministerium, John Shattuck, gehaltene Eröffnungsansprache im Wortlaut.

Es ist mir eine Ehre, diese Woche als Leiter einer
amerikanischen Delegation in Warschau zu sein, zu
der prominente Vertreter der US-Medien und der
akademischen Welt zählen. Ich möchte dem Büro für
demokratische Institutionen und Menschenrechte für
die Veranstaltung dieses Seminars danken und freue
mich auf eine Woche offener Diskussionen über die
Prinzipien und Praktiken freier Medien in einer freien
Gesellschaft. Ich möchte Polen meinen Dank für die
Gastfreundschaft aussprechen.
Warschau als Ort der Veranstaltung eines Seminars
scheint mir besonders geeignet, denn hier haben
Menschen, denen die Redefreiheit verweigert wurde,
dennoch ihre Stimme erhoben. Mutig. Entschlossen.
Mit Engagement. Und die in Polen friedlich mit Ideen
geführte Revolution hat dazu beigetragen, das Blatt in
Osteuropa zu wenden. Polen ist ein unmißverständliches Beispiel für die Macht der Rede, die sich von der
Zensur zu befreien sucht, um die Ungrechtigkeit anzugreifen und zu berichtigen. Polen ist der Beweis für die
Macht des Volkes - seiner Ideen, seiner Worte und
seiner Träume - über die Tyrannei.
Seit jenen ersten berauschenden Tagen der Freiheit
hat Polen den sich rasch verändernden politischen und
wirtschaftlichen Systemen inhärenten Tumult erlebt.
In eben solchen Zeiten des Wandels wollen Regierungen manchmal die Pressefreiheit beschneiden mit
dem Argument, die Redefreiheit müsse gegen andere
Bedürfnisse der Gesellschaft abgewogen werden. In
einer Demokratie, in der die Souveränität beim Volk
liegt, ist die Redefreiheit das wichtigste Recht. Vor
sechzig Jahren, mitten in der Großen Depression, als
Zehntausende Amerikaner arbeitslos waren, schrieb
der Richter am Obersten Bundesgericht, Benjamin
Cardozo: "Die Freiheit des Ausdrucks ist die Matrix,
die unerläßliche Bedingung, für nahezu jede andere
AMERIKA DIENST 46

Form der Freiheit." Eine Regierung, die ihr Volk und
ihre Presse zum Schweigen bringt, ist nicht demokratisch. Denn ein Volk, dem ein Maulkorb angelegt und
Information verweigert wird, ist ein Volk ohne Macht,
ein Volk ohne die Fähigkeit zur Bewältigung seiner
Probleme.
Hier in Europa waren die Medien und die Kommunikationstechnologie entscheidend für die friedlichen Revolutionen, die den Kontinent erfassen, sowie für die
kontinuierliche Entwicklung neuer politischer Systeme. In Rußland und der ehemaligen Tschechoslowakei wurden die Hoffnungen der Menschen jahrzehntelang dank Samizdat und Kopiermaschinen am Leben
erhalten. In Rumänien wurden mutige Bürger bei
ihrem Protest gegen eine Rede von Ceausescu im
Fernsehen gezeigt, bevor die Zensoren das Programm
unterbrechen konnten. Dies und die verwirrte Reaktion des Regimes verliehen dem rumänischen Volk
Mut. In der Tschechoslowakei trotzten Fernsehjournalisten der Nachrichtensperre und zwangen die
Geschäftsleitung, die Demonstrationen der sanften
Revolution zu übertragen. Eine der ersten Taten der
neuen tschechischen Regierung war, den staatlichen
Zensor zu feuern. Die Bürger in ganz Osteuropa und
der ehemaligen Sowjetunion haben sich mit Begeisterung ihrer neuentdeckten Redefreiheit bemächtigt.
Dennoch wird die Verpflichtung der Regierungen zu
freien Medien häufig auf die Probe gestellt - in meinem
Land ebenso wie in Europa. Kritik an der Regierung
beschneidende Gesetze und staatliche Kontrolle des
Handwerkszeugs der Medien - Druckerpressen, Zeitungsverlage, Fernsehstationen, Subventionen und
Vertrieb - engen eben die Redefreiheit ein, die Grundlage von Stabilität und Legitimität all unserer Nationen
ist.

Seite 1

�Als mit dem Aufbau unserer Nation vertrauter Amerikaner kann ich mich mit dem Kampf der osteuropäischen Länder und der neuen unabhängigen Staaten
sehr gut identifizieren. Skeptiker bezüglich des Werts
der Pressefreiheit argumentieren, daß die Erfahrung
der Vereinigten Staaten einzigartig und aus diesem
Grund für Erörterungen der Rolle von Medien andernorts irrelevant ist. Ich bin anderer Meinung. Die
amerikanische Erfahrung ist nicht einzigartig. Auch wir
sahen uns bei der Geburt unserer Nation mit Kämpfen
im Inland und Bedrohungen aus dem Ausland konfrontiert. Ebenso wie Sie versuchten wir ein neues politisches System zu gründen. Im gesamten Verlauf
unserer Geschichte haben wir mit der Herausforderung gerungen, eine starke Regierung zu schaffen und
gleichzeitig das Volk vor einer nicht rechenschaftspflichtigen Regierung zu schützen - so übermächtig,
daß sie repressiv werden konnte. Seit 200 Jahren
bilden die Medien das Kernstück unserer Gesellschaft
und sehen sich dennoch konstantem Druck durch
staatliche Zensur ausgesetzt.

Das Gesetz über Ausländer und Aufwiegler lief einige
Jahre nach seinem Inkrafttreten aus, aber die daraus
gezogenen Lehren sind eindeutig: In einem Land wie
unserem ist die Pressefreiheit zu Zeiten der größten
Instabilität einer Nation dem höchsten Risiko ausgesetzt. Die Stimmen der Opposition in solchen Zeiten
zum Schweigen zu bringen, heißt, die Gesellschaft
konstruktiver Kritik zu berauben, das Risiko zu laufen,
friedlichen Protest in gewalttätigen Widerstand ausarten zu lassen und zu verhindern, Sprache zum Mittler
demokratischen Wandels zu machen.

Die amerikanische Verpflichtung zur Redefreiheit ist
kein Luxus einer modernen Gesellschaft. Redefreiheit
ist der Ursprung von Kreativität in unserer Gesellschaft
und der Stabilität unserer Regierungsform. Thomas
Jefferson hat einmal die Theorie aufgestellt, die Menschen müßten alle 17 Jahre das Joch ihrer Regierung
abwerfen. 217 Jahre später hat sich dies als unwahr
erwiesen, und zwar eben weil die Redefreiheit die
friedliche Umgestaltung einer Gesellschaft ermöglicht.
Rede- und Pressefreiheit sind kein Luxus in einem
Die Geschichte eines Druckers namens John Peter neuen demokratischen Staat, sondern eine NotwenZenger in der damaligen Kolonie New York wird häufig digkeit und eine Entscheidung, die eine Demokratie
als Beispiel der amerikanischen Verpflichtung zur immer wieder treffen muß.
Redefreiheit angeführt. Im Jahr 1735, vor der Gründung unserer Nation, wurde Peter Zenger wegen In diesem Jahrhundert wurde die Pressefreiheit in den
ketzerischer Reden der Prozeß gemacht. Sein Verge- Vereinigten Staaten wiederholt auf die Probe gestellt.
hen war die Anmaßung, Kritik am britischen Gouver- Sie wurde während der beiden Weltkriege herausgeneur gedruckt zu haben. Unter anderem beschuldigte fordert, während der Bürgerrechtsbewegung und von
er den Gouverneur, die Kolonie französischen Angrif- den Vietnamkriegsgegnern, die uns noch frisch in
fen auszusetzen. Die Geschworenen stimmten für Erinnerung sind. Rede- und Pressefreiheit werden
Freispruch anhand von Beweisen für die Wahrheit der heute unter dem einen oder anderen Deckmantel
Anschuldigung. Diese Geschichte wird gelegentlich weiterhin diskutiert. Wir sind eine Gesellschaft, die
erzählt, um zu demonstrieren, daß die Amerikaner in erörtert, ob von der Regierung finanzierten Künstlern
einzigartiger Weise aufgeschlossen gegenüber einer Zwänge auferlegt werden sollen, ob die Gewalt in
freien Presse sind. Das ist jedoch nicht der Punkt. unseren Städten die Kontrolle von GewaltdarstellunObwohl die Amerikaner ihre Freiheit lieben, wäre die gen im Femsehen und Kino erfordert, ob die AbtreiBehauptung, wir seien anders als andere Menschen, bungsgegner das Recht haben, Abtreibungskliniken
eine Verzerrung unserer und Ihrer Geschichte. Der aufsuchenden Frauen ihren Protest buchstäblich ins
Kampf um das Prinzip einer freien Presse wurde nicht Gesicht zu schreien, ob die Regierung richtig oder
über Nacht gewonnen. Erst jahrzehntelange Kämpfe falsch handelte, als sie während der Golfkrise eine
und der Mut unzähliger Einzelpersonen führte zu sei- Nachrichtensperre verhängte. An den Universitäten,
ner Verankerung in der amerikanischen Bill of Rights. die traditionsgemäß das Hauptforum der freien Rede
sind, wird heute das Argument vorgebracht, die Redefreiheit
sollte eingeschränkt werden, wenn die Rede
Trotz der Verfassung der Vereinigten Staaten und trotz
Angehörige
einer ethnischen rassischen, relgiösen
der kühnen Aussage des ersten Zusatzartikels, "Der
oder
sozialen
Gruppe angreift. Aus meiner Sicht sind
Kongreß darf kein Gesetz erlassen, das ... die Redeall
dies
Bedrohungen
der freien Rede, aber auch
oder Pressefreiheit ... einschränkt", verabschiedete
Themen
lebhafter
Diskussionen.
unser Kongreß im Jahr 1798 das Gesetz über Ausländer und Aufwiegler, mit dem das Recht zu r Kritik an der
Regierung beschnitten wurde. Warum stimmte der In dieser Woche werden wir Gedanken über die RechtsKongreß einer solchen Gesetzesvorlage zu, und war- grundlage freier Medien austauschen. Eben weil die
um verlieh Präsident John Adams, ein Unterzeichner Pressefreiheit gleichermaßen unerläßlich für die
der Unabhängigkeitserklärung, ihm Gesetzeskraft? Demokratie und einer ständigen Bedrohung ausgeGelehrte verweisen auf die Besorgnis über eine Bedro- setzt ist, vertreten wir die Auffassung, da ß eine veriashung der Vereinigten Staaten durch Frankreich sowie sungsmäßige Garantie - kein Gesetz - den besten
auf die Rivalität zwischen der Föderalistischen Partei Schutz der Pressefreiheit darstellt. Ein von der Legisvon John Adams und der Republikanischen Partei lative gewährtes Recht kann von dieser wieder entzogen werden.
seines Vizepräsidenten Thomas Jefferson.

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AMERIKA DIENST 46

�Hinsichtlich der internationalen Verpflichtungen begrüßen wir die von der Menschenrechtskommission
der Vereinten Nationen getroffene Entscheidung, einen Sonderberichterstatter über Meinungs- und Redefreiheit zu ernennen. Die Resolution über die Einrichtung dieses Amtes verleiht der tiefen Besorgnis über
die Verfolgung von Journalisten, Redakteuren, Schriftstellern, Verlegern und Druckern Ausdruck sowie
derjenigen, die lediglich von ihrem Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit Gebrauch
machen.
Wir begrüßen auch die Wiener Deklaration, sind jedoch der Ansicht, daß sie beim Schutz der Pressefreiheit nicht weit genug geht. Das "Rahmenwerk nationaler Gesetze" mag nicht immer eine angemessene
Grundlage für die Gewährleistung einer freien Presse
sein, insbesondere wenn die Regierung der Presse
ablehnend gegenübersteht. Das gleiche Problem besteht
bei Artikel 10 der Europäischen Menschenrechtskonvention und der Resolution des Europarates von 1993,
die "akzeptable" journalistische Praktiken definiert. Ich
fürchte, durch diese Bestimmungen werden freie Medien
nicht gewährleistet, sondern beschränkt.

Entscheidungen werden vom Menschen getroffen, sei
es, wofür das Geld ausgegeben wird, wer gewählt wird
oder wem Glauben geschenkt wird. Die Erfahrung hat
wiederholt gezeigt, daß das beste Mittel gegen Falschinformation mehr Information ist.
Wenn wir einen juristischen Rahmen für freie Medien
erörtern, sollten wir die natürliche Spannung zwischen
den Regierenden und denjenigen, die über sie berichten, in Betracht ziehen. Die Aufgabe der Medien ist die
Überwachung der Regierung, nicht umgekehrt. Die
Medien lassen für gewöhnlich Politiker nicht in Ruhe.
In Polen nimmt die satirische Femsehserie "Polskie
Zoo" die Politiker aufs Korn, obwohl viele von ihnen
diejenigen waren, die im Kampf Polens für Redefreiheit an vorderster Front standen. Das geschieht in
jeder freien Gesellschaft. Als George Washington aus
dem Amt ausschied, versahen die Karikaturisten einen
Esel mit seinem Kopf, und eine Zeitung in Philadelphia
schrieb: " Jedes Herz, das die Freiheit und das Glück
des Menschen wünscht, sollte höher schlagen aus
Jubel darüber, daß der Name Washington von diesem
Tag an nicht länger politische Schandtaten und legalisierte Korruption nährt." Selbst Gründerväter werden
nicht unbedingt respektvoll behandelt.

Auf der Tagesordnung dieser Woche stehen journalistische Freiheit und Verantwortung. Ich bin über
dieses Thema beunruhigt, da es anzudeuten scheint,
Regierungsvertreter hätten das Recht zur Definition
von 'Verantwortungsbewußtem" Verhalten. Seitens
der Regierung eine gute Beurteilung der Presse zu
erwarten, ist ebenso töricht wie die Erwartung, alles
mögen, befürworten oder auch nur lesen zu wollen,
was an einem Zeitungskiosk zum Verkauf angeboten
wird.

Die Debatte dauert noch heute an. Wenn Amerikas
leidenschaftliche Verteidigung der Pressefreiheit charakteristisch für unsere Nation ist, dann aber auch die
Tatsache, daß keine Einrichtung öfter am Pranger
steht als die Presse, niemand von der Öffentlichkeit
schneller zum Sündenbock gemacht wird. "Die Medien" werden von Politikern und Aktivisten aus dem
gesamten ideologischen Spektrum als Quelle verschiedener Übel verurteilt - von schlechter Politik bis
zum Verfall des Wertesystems. Während unseres
Als ich vor kurzem in der Schlange an der Kasse eines letzten Präsidentschaftswahlkampfes war einer der
Supermarktes stand, hatte ich die Auswahl unter beliebtesten Aufkleber der Republikanischen Partei
Publikationen mit Titelgeschichten, die von Präsident "Ärgert die Medien: Wählt wieder Bush!" Und es
Clintons Reformplan für das Gesundheitswesen über verging nicht viel Zeit nach der Amtsübernahme Prädie Herbstmode, neue Angebote für Autos und Kabel- sident Clintons, bis die Leitartikelschreiber seine
femsehen bis zu so verführerischen Überschriften Administration zu kritisieren begannen, was einige
reichten wie "Elvis beim Frühstücken gesehen", "Fünf Demokraten zu Klagen über die "unfaire Behandlung"
Fitnessübungen beim Telefonieren" und "Opfer rätsel- ihres Präsidenten veranlaßte.
hafter Krankheit vergessen Tiernamen - erinnern sich
aber an alles andere". Diese Titel zeigen zumindest, Die freien Medien sind für gewählte Politiker ein ständaß es keine Garantie für guten Geschmack gibt. Es diges Ärgernis. Die freien Medien werden oft vom Volk
gibt keine Sicherheit dafür, daß alles, was die Men- kritisiert. Die freien Medien verleihen oft Ideen Ausschen in einer Demokratie schreiben oder lesen wol- druck, die nicht jeder mag oder befürwortet.
len, tiefgründig, erhebend oder wahr ist. Freie Rede
kann ebensogut albern, verletzend oder vollkommen Der große russische Dichter Turgenjew schrieb 1882:
unwahr sein. Die Frage ist jedoch, wer die Medien bei "An den Tagen des Zweifeins und des traurigen Grüihren Exzessen mäßigen sollte und was der Preis für belns über das Schicksal meines Landes bist Du allein
mein Stab und meine Stütze - mächtige, wahre, freie
die Kontrolle einer freien Presse ist.
russische Sprache!" Rußland erlebt eine sehr harte
Zur ersten Frage: Ich würde argumentieren, Journali- Zeit. Unser Respekt für Rußland hat nicht abgenomsten sollten in objektiver Berichterstattung ausgebildet men, die Vereinigten Staaten haben jedoch in der
werden und die Redakteure über die Veröffentlichun- Öffentlichkeit und in Gesprächen ihre Ablehnung der
gen entscheiden. Ihre Entscheidung wiederum sollte Zensur in Rußland und des Verbots der Oppositionsvom Markt geleitet werden. Die Essenz eines freien presse deutlich gemacht. In der ehemaligen SowjetIdeenmarktes ist dieselbe wie die der Demokratie: Die union genoß Rußland den Ruf, die freiesten Medien zu
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�haben. Die Medien haben beim Schutz der Demokratie in Ru Bland eine Rolle gespielt: Die Fernsehberichterstattung über den Putschversuch von 1991 und die
Proteste im Oktober riefen die demokratischen Kräfte
auf den Plan. Angesichts der gegenwärtigen Krise und
der bevorstehenden Wahlen müssen die Menschen
eine Stimme und eine Vielfalt von Informationsquellen
zur Verfügung haben.

freie Presse ist immer wieder eine Kraft zur Behebung
von haßbedingtem Unrecht gewesen. Die schlechte
Behandlung von Arbeitnehmern, Korruption und Rechtsbrüche finden statt, weil wir Menschen sind. Eine freie
Presse hat sich wiederholt als Korrektiv erwiesen.
Politische Inkompetenz oder Machtmißbrauch ereignen sich nicht aufgrund der Nachlässigkeit der Demokratie, sondern weil die Politiker Menschen sind.
Machtmißbrauch oder der unkluge Umgang mit Macht
Freie Medien sind der beste Schutz einer Demokratie sind so alt wie die Menschheit und ebenso Bestandteil
und ein Urheber für friedlichen sozialen Wandel. Unter der menschlichen Natur wie Ehrgeiz und Angst, Mitleid
normalen Umständen stellen freie Medien das Mittel und Vorurteil, derWunsch, Gutesund die Versuchung,
dar, durch das die Wählerschaft sich bildet und ihren Böses zu tun. Eine freie Presse weist immer wieder
Ansichten über aktuelle Fragen Ausdruck verleiht. Es auf politische Inkompetenz und Machtmißbrauch hin
gibt auf der Welt nicht einen gewählten Politiker, der und hilft der Demokratie erneut auf die Füße. In einer
nicht den Tag mit der Lektüre von Nachrichten und Demokratie erstreben wir eine Beschränkung der
Leitartikeln beginnt. In bewegten Zeiten gewähren die schlimmsten Eingebungen der Regierenden und eine
freien Medien die Ideenvielfalt und stellen ein Forum Freisetzung der besten Eingebungendes Volkes. Das
für abweichende Meinungen dar.
Ergebnis ist auf kurze Sicht manchmal das Gegenteil
des Erwünschten, auf lange Sicht jedoch eine DemoIn den Vereinigten Staaten fallen uns viele Beispiele für kratie, die unter dem Schutz der Pressefreiheit in
die positiven Auswirkungen freier Medien auf die kreativen, stabilen und gerechten Gesellschaften in
Gesellschaft ein. Die Presse brachte zur Jahrhundert- Nationen Früchte trägt, die in Harmonie, nicht in Bürwende die inhumanen Bedingungen in amerikanischen gerkrieg leben.
Fabriken und Mietshäusern ans Licht, die Presse
stellte ein Forum für die Gegner des Vietnamkriegs Die Vereinigten Staaten sind der festen Überzeugung,
dar. Die größte Veränderung, die die Presse in den daß Menschenrechte und Demokratie die PressefreiVereinigten Staaten bewirkte, fand vielleicht bei den heit voraussetzen. Als Abteilungsleiter für MenschenRassenbeziehungen statt. Wie viele andere hier ver- rechte und humanitäre Angelegenheiten im Außenmitretene Nationen werden die Vereinigten Staaten seit nisterium beschäftige ich mich nicht nur zeitweilig mit
langer Zeit mit ethnischen und rassischen Spannun- freien Medien - vielmehr sind sie ein zentraler Bestandgen konfrontiert, oftmals weil das in unserer Verfas- teil meiner Arbeit. Nach dem Ende des Kalten Krieges
sung verankerte Recht auf Freiheit und Würde einigen und angesichts der Bestrebungen einer Vielzahl von
Menschen aufgrund ihrer Rasse verweigert wurde. Ländern zum Aufbau funktionierender Demokratien
Die Abschaffung der Sklaverei hing von einer freien besteht für uns die Chance eines dauerhaften FriePresse ab, beispielsweise William Lloyd Garrisons dens und einer anhaltenden Verpflichtung zur Freiheit.
abolitionistischerZeitung. Die Bürgerrechtsbewegung Der Philosoph Tacitus schrieb vor langer Zeit: "Rar
in diesem Jahrhundert basierte ebenfalls auf der sind jene glücklichen Zeiten, in denen Gedanken und
Redefreiheit - auf dem Recht von Martin Luther King Worte frei sind." Wenn wir uns mit Wachsamkeit für die
und Malcolm X, ihre Meinung zu äußern und Märsche Freiheiten einsetzen, von denen ich spreche, können
anzuführen, auf dem Recht der Presse zur Berichter- wir gemeinsam darauf hinarbeiten, daß uns allen
stattung über Unterdrückung. Martin Luther Kings unwiderruflich solche Zeiten bevorstehen.
Rede "Ich habe einen Traum ..." inspiriert die Menschen noch heute, und ohne Redefreiheit und eine Ich danke Ihnen.
freie Presse würde dieser Traum im Dunkeln bleiben.
Wir haben keine Vorurteile aufgrund von Redefreiheit,
sondern weil sie in der Naturdes Menschen liegen. Die

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AMERIKA DIENST 46

�BEVÖLKERUNG
17. November 1993

BEVÖLKERUNGSENTWICKLUNG IST WICHTIGES
AUSSENPOLITISCHES THEMA
Vorbereitungen für Weltkonferenz

Einrichtung eines Referats für Bevölkerungs-,
VEREINTE NATIONEN - (AD) - "Die BevölkerungsFlüchtlingsund Migrationsfragen im US-Auentwicklung ist ein bedeutendes au ßenpolitisches Anßenministerium,
um bevölkerungspolitische
liegen, dem die Clinton-Administration einen beträchtAspekte
stärker
in
den Vordergrund zu rücken
lichen Teil seiner Energie widmet", und die Vereinigten
sowie
Staaten werden aktiv an den Vorbereitungen für die
bevorstehende Weltkonferenz über Bevölkerung und
Entwicklung einer umfassenden neuen BevölEntwicklung teilnehmen, erklärte der amerikanische
kerungspolitik.
Botschafter Victor Marrero vor der UN-Generalversammlung.
1993 leisteten die Vereinigten Staaten einen Beitrag
von
14,5 Millionen Dollar zum UN-Bevölkerungsfonds
"Die Vereinigten Staaten verpflichten sich, alles in ihrer
und
beabsichtigen für 1994 eine Beitragserhöhung auf
Macht Stehende zu tun, um die Kairoer Konferenz
40
Millionen
Dollar. Die Vereinigten Staaten hatten
erfolgreich zu gestalten", äußerte Marrero am 4. Noden
Fonds
im
Jahr 1986 wegen der Finanzierung von
vember. Sie haben ihm zufolge zur Vorbereitung der
Programmen
zum
Schwangerschaftsabbruch durch
Konferenz einen Beitrag in Höhe von 1 Million Dollar
die
Behörde
und
des
Programms zur zwangsweisen
geleistet.
Familienplanung in China verlassen. Zu diesem ZeitMarrero, der Stellvertreter von Botschafterin Albright punkt beliefen sich die amerikanischen Beiträge auf
bei den Vereinten Nationen, wies darauf hin, daß die insgesamt 46 Millionen Dollar.
Vereinigten Staaten seit dem Amtsantritt Präsident
Clintons vor neun Monaten vier konkrete Schritte zur In seiner Rede vor der UN-Generalversammlung im
Erneuerung der amerikanischen Führungsrolle bei September erneuerte Präsident Clinton das Engageinternationalen Bevölkerungsfragen unternommen ment Amerikas zur Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen, um mehr Informationen und Dienstleihätten:
stungen im Bereich der Familienplanung bereitzustelUmkehr der sogenannten Mexiko-City-Politik, len.
die amerikanische Finanzbeiträge an Organisationen beschränkte, die im Zusammenhang mit Der Zweite Ausschuß der UN-Generalversammlung
Schwangerschaftsabbrüchen stehende Aktivi- erörtert zur Zeit die Vorbereitungen für die Weltkonferenz über Bevölkerung und Entwicklung, die für Septäten verfolgen,
tember 1994 in Kairo anberaumt ist. Die von zwei
erstmalige finanzielle Unterstützung seit 1986 wichtigen Teilnehmerländern - den Vereinigten Staades Fonds der Vereinten Nationen für Bevölke- ten und Ägypten - in dem Ausschuß abgegebenen
rungsfragen (United Nations Fund for Popula- Erklärungen demonstrierten die erstaunliche Annähetion Activities - UNFPA) sowie der internationa- rung der Ansichten über diese Themen sowie neue
len Föderation für Familienplanung (Planned Ansätze bei Bevölkerungsfragen in Industriestaaten
Parenthood Federation) und des Familienpla- und Entwicklungsländern - im Gegensatz zu der
nungsprogramms der Weltgesundheitsorgani- umstrittenen Konferenz von Mexico City im Jahr 1984.
sation (World Health Organization - WHO),

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�Nafis Sadik, der Direktor des UN-Bevölkerungsfonds
und Generalsekretärder Konferenz, stellte fest, das im
Mai abgehaltene vorbereitende Treffen "war eine äußerst
positive Bestätigung für das Engagement der internationalen Staatengemeinschaft bei bevölkerungs- und
entwicklungspolitischen Fragen."
"Die Kairoer Konferenz ist unsere historische Chance,
der Bevölkerung den ihr gebührenden Stellenwert bei
Maßnahmen und Aktionen zu sichern, die den Bedürfnissen und Wünschen der Menschheit Rechnung tragen. Dies zu verwirklichen, schulden wir nicht nur uns
selbst, sondern insbesondere künftigen Generationen", erklärte Sadik gegenüber den Delegierten.

Die Vereinigten Staaten drängten femer auf einen
expliziten Wortlaut der Empfehlungen bezüglich der
Notwendigkeit von verbesserten Informations- und
Bildungsprogrammen sowie zu den Bereichen Technologie, Forschung und Entwicklung.
Ägypten sei darüber hinaus bestrebt sicherzustellen,
daß die Empfehlungen die Verbindung zwischen
Bevölkerung, umweltverträglichem Wirtschaftswachstum und umweltverträglicher Entwicklung hervorheben.

Der ägyptische Minister für Bevölkerung und Familienfürsorge, Mäher Mahran, erläuterte, die "Verantwortung und Beteiligung der Männer an Programmen zur
"Die Vereinigten Staaten hoffen, das Dokument hebt Kontrolle des Bevölkerungswachstums kann nicht länger
eindeutig hervor, daß die Stabilisierung des Weltbevöl- ignoriert werden. Frauen haben bis heute einen grokerungswachstums ein allen anderen Zielen zugrun- ßen Teil der Last getragen - und dies gilt sowohl für die
deliegendes und sie verstärkendes Ziel ist", fügte Industrie- als auch die Entwicklungsländer."
Marrero hinzu.
"Es ist unser Wunsch, daß Familienplanung gleicherDem amerikanischen Botschafter zufolge erwarten die maßen von Männern und Frauen übernommen wird",
Vereinigten Staaten von den Empfehlungen "ein klar so Mahran.
formuliertes Programm für künftiges Vorgehen" mit
Mahran forderte ferner größere Betonung von Proeiner Mindestanzahl von Empfehlungen.
grammen, die den Stand der Frau in der Gesellschaft
" Familien sowie die Vereinbarkeit von Arbeit und El- verbessern, das Analphabetentum unter erwachseternrolle betreffendenEmpfehlungen müssen auch nen Frauen bekämpfen sowie Informationen über die
ausdrücklich die Tatsache berücksichtigen, daß diese Mutterschaft anbieten, und erklärte, den PrivatorganiVereinbarkeit nicht nur von angemessenen Kinderta- sationen müsse die Freiheit eingeräumt werden, "ihre
gesstätten sowie anderen Sozialmaßnahmen und historische Kreativität und Pionierarbeit" ohne ungeProgrammen abhängt, sondern auch vom Zugang zu bührliche staatliche Einschränkungen auszuüben.
den Kontrollmitteln für die Anzahl der Kinder und den
Zeitabstand zwischen ihrer Geburt", stellte er fest. In den vergangenen neun Jahren ist Ägypten dem
"Die Kontrolle der Frau über die Empfängnis ist unab- Minister zufolge zu einer Erfolgsgeschichte der Bevölkerungskontrolle geworden. Die Geburtenrate sei von
dingbar zur Erlangung voller Gleichberechtigung."
3,98 auf 2,99 Prozent gesunken, 48 Prozent der BevölFamilienplanungsprogramme sollten freiwillig erfolgen kerung verwendeten Kontrazeptiva und die Kinderund Bestandteil eines umfassenderen Gesundheits- sterblichkeit betrage 3,5 Prozent.
programms sein, das Vorbeugungsmaßnahmen gegen AIDS, den Bedarf an Kontrazeptiva, sicheren
Schwangerschaftsabbruch und Schwangerschaftsdienste anspricht, fuhr er fort.
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AMERIKA DIENST 46

�JOHN

F.

KENNEDY
17. November 1993

Der Präsident, der Hoffnungen weckte
Persönliche Erinnerungen von David Pitts
WASHINGTON - (AD) -Aus Anlaß des 30. Jahrestages der Ermordung von John F. Kennedy am 22. November
1993 veröffentlichen wir persönliche Erinnerungen an den 35. Präsidenten der Vereinigten Staaten. Der Autor
des nachfolgenden Artikels, David Pitts, erlebte die Kennedy-Zeit als Junge in England.

Würde John F. Kennedy noch leben, wäre er jetzt 76
Jahre alt - ein ernüchternder Gedanke für eine Generation, die erwachsen wurde, als er die Idee der "New
Frontier" entwickelte, und die jetzt mittleren Alters oder
älter ist. Es ist eine Generation, die ihn nicht vergessen
kann, obwohl seit jenem schrecklichen Tag in Dallas
jetzt dreißig Jahre vergangen sind.
John F. Kennedy trat 1961 mit einem äußerst knappen
Wahlergebnis als jüngster Präsident der Vereinigten
Staaten sein Amt an. Doch als er 1.000 Tage später
ermordet wurde, war die Welt in ihrer Trauer geeint.
Die seitdem vergangene Zeit hat unweigerlich zu einer
Neubewertung seiner Leistungen geführt. Wir haben
gelernt, seine Worte von seinen Taten zu trennen,
seine Vision von seiner Politik und seinen Witz von
seiner Klugheit.
In der Wert Anfang der sechziger Jahre hatte Kennedy
jedoch keine leichte Aufgabe. Von Anfang an war
seine Amtszeit von schweren au ßenpolitischen Krisen
überschattet, die in der Nachkriegszeit ihresgleichen
suchten.
Der Kommunismus in Kuba und Südostasien, die
Bedrohung durch Nikrta Chruschtschow wegen Westberlin und gefährliche Krisen wie im Kongo (jetzt Zaire)
beherrschten die Aufmerksamkeit des jungen Präsidenten und der intelligenten jungen Männer, die er mit
nach Washington brachte.
Trotz der Unlösbarkeit vieler dieser Probleme waren
deutliche Erfolge zu verzeichnen, die ein neues Bild
von den Vereinigten Staaten als einem Land schufen,
das sich nicht nur für eine sicherere, sondern auch eine
fürsorglichere Welt einsetzte. Das Peace Corps, die
Allianz für den Fortschritt sowie der Vertrag über das

AMERIKA DIENST 46

Verbot von Atomtests waren anschauliche Beispiele
für ein Amerika, das sich von seiner besten Seite
zeigte.
Auch gab es neue, kühne Versuche zur Bekämpfung
von Armut und Rassendiskriminierung, die nicht nur im
Inland, sondern auch in Übersee Anlaß zu neuer
Hoffnung gaben.
Es sind jedoch nicht die Errungenschaften oder Fehlschläge der Kennedy-Jahre, an die wir uns erinnern,
und auch nicht die Widersprüche dieses höchst komplizierten Mannes. Wir erinnern uns an das von John
F. Kennedy vermittelte Gefühl, daß wir die Welt neu
gestalten können, wir auf diesem Planeten Herr über
unser eigenes Schicksal sind, die Menschheit nicht
dem Untergang geweiht ist, daß "auf der Wert" - wie er
sagte - "Gottes Werk das Vorbild für unser eigenes
sein mu ß". Das ist kein geringer Anspruch, und wir alle
erfüllen seine Erwartungen nicht.
Ich war ein Junge und wuchs in England auf, als ich
Kennedys Amtsantrittsrede sah. Wir mußten geschlagene 24 Stunden darauf warten. Das war in den Tagen
vor dem Satellitenfernsehen, als die Videokassetten
mit Verzögerung per Flugzeug ankamen. Ich erinnere
mich, daß ich fasziniert von seiner Rede war, obwohl
ich als 13jähriger noch nicht ihre Auswirkungen verstand.
Ebenso wie Amerika schloß auch Europa John F.
Kennedy an diesem Tag ins Herz, und zwei Jahre und
zehn Monate lang war das Ansehen der Vereinigten
Staaten höher als jemals zuvor oder danach. In den
Augen der Europäer war Kennedy der Inbegriff des
amerikanischen Ideals: Jung, erfolgreich, energiegeladen, optimistisch, unkonventionell, aber mit sehr viel
Stil.

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�Als er im Sommer seines letzten Lebensjahres, 1963, halt des Lebens sind. Nun weilt er nicht mehr unter
Europa bereiste, waren die Europäer enthusiastisch, uns. Heute trauern wir um ihn. Morgen und in der
insbesondere in Irland, dem Land seiner Vorfahren. Zukunft werden wir ihn vermissen. Und so werden wir
Es ging ihnen ebenso um John F. Kennedy, den Mann, nie wissen, wie anders die Welt ausgesehen haben
den sie liebten, wie um den Präsidenten John F. könnte, wenn das Schicksal dieses unglaubliche TaKennedy.
lent am Leben erhalten hätte und er an der unvollständigen Tagesordnung für Frieden und Fortschritt für alle
Den erfahrenen alten Politikern Europas - DeGaulle in hätte mitwirken können."
Frankreich, Adenauer in der Bundesrepublik Deutschland, MacMillan in England - erschien Kennedys Konzept Die Welt von heute unterscheidet sich stark von der
einer "New Frontier" naiv. Die Europäer waren jedoch Anfang der sechziger Jahre. Wir befinden uns in einem
davon angetan. Lord Harlech, der damalige britische Zeitalter der Beschränkungen, wird gesagt. DiejeniBotschafter in Washington, stellte fest: "Jeder wollte gen unter uns, die jene Jahre erlebten, werden jedoch
damals, daß die Vereinigten Staaten die Führungsrolle nie die Stimme mit dem Bostoner Akzent vergessen,
übernahmen. Es gefiel ihnen, Präsident Kennedy als die uns drängte, die Dinge zu tun, die getan werden
führenden Politiker der westlichen Welt zu haben".
müssen, um das Leben für die ganze Menschheit zu
dem zu machen, was es sein sollte.
Es ist ein Tribut an die bemerkenswerte Weitsicht
Präsident Kennedys, daß selbst nach dem Ende des Wäre er nicht vor 30 Jahren ermordet worden, wäre er
Kalten Krieges viele der Fragen, die er Anfang der natürlich nicht länger jung und vielleicht nicht einmal
sechziger Jahre so energisch ansprach, 30 Jahre mehr kraftvoll. Aber ich wage zu behaupten, daß er
später immer noch auf der Tagesordnung stehen: Die immer noch engagiert wäre und sich weiterhin der
Notwendigkeit der Eindämmung der Weiterverbrei- unvollendeten Tagesordnung der Menschen für Frietung von Atomwaffen, der Kampf um rassische Ge- den und Fortschritt widmen würde.
rechtigkeit, die weltweite Kluft zwischen Arm und Reich.
In einer Rede sprach er einst über seine Hoffnungen
Unweigerlich fragen wir uns, in was für einem Land, in für Amerika, und diese Worte sind auch im Jahr 1993
was für einer Welt wir leben würden, wäre John F. noch von Bedeutung:
Kennedy nicht gestorben - eine quälende Frage der
Geschichte. Der französische Botschafter zitierte bei "Ich sehe einer großen Zukunft für Amerika entgegen,
Kennedys Tod Stendhal: "Er verkörperte eine wunder- einer Zukunft, in der unser Land seine militärische
Stärke unserer moralischen Zurückhaltung anpassen
bare Hoffnung."
wird, seinen Wohlstand unserer Klugheit, seine Macht
Genau das verfolgt Kennedys Generation noch heute unserem Ziel. Ich sehe einem Amerika entgegen, das
- die unerfüllten Hoffnungen, der Schmerz unerfüllter keine Angst vor Anmut und Schönheit hat, das die
Träume. Für uns wurde er zu einer Metapher - nicht Naturschönheiten schützt, das die alten großen amenur für die Zerbrechlichkeit von Hoffnungen, sondern rikanischen Häuser, Plätze und Parks unserer nationalen Vergangenheit bewahrt und das schöne und gut
auch für die schreckliche Unsicherheit des Lebens.
geplante Städte für unsere Zukunft bauen wird. Ich
Adlai Stevenson, der amerikanische Botschafter bei sehe einem Amerika entgegen, das Errungenschaften
den Vereinten Nationen, sprach über dieses Gefühl der Künste belohnt, wie wir Errungenschaften in Wirtverlorener Hoffnung in der vielleicht eloquentesten, schaft oder Staatskunst belohnen... Ich sehe einem
kurz nach John F. Kennedys Tod gehaltenen Gedenk- Amerika entgegen, dem auf der ganzen Welt Respekt
rede. "Präsident Kennedy", erklärte er, "war so sehr gebührt, nicht nur wegen seiner Stärke, sondern auch
ein Mann unserer Zeit, engagierte sich so für unsere wegen seiner Zivilisation. Und ich sehe einer Welt
Welt, gehörte so in unsere Zeit, reagierte so stark auf entgegen, die nicht nur Demokratie und Vielfalt schützt,
ihre Herausforderungen, daß er wie das Symbol der sondern auch die Leistung des einzelnen."
Vitalität und Lebensfreude schien, die der Wesensge-

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AMERIKA DIENST 46

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                <text>&lt;strong&gt;1. NAFTA&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton macht sich für Verabschiedung des NAFTA stark&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Radioansprache des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Clinton: Kongress wird NAFTA zustimmen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Zusammenfassung der Pressekonferenz im Weißen Haus und Eingangserklärung des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Terrorismus&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Sanktionen gegen Lybien sind Beweis für Widerstand gegen Terrorismus &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung Albrights vor UN-Sicherheitsrat&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Landminen&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;USA für weltweites Verbot des Verkaufs von Landminen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Senator Leahy vor UN-Generalversammlung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Medien&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Rolle freier Medien in der Demokratie&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede Shattucks bei KSZE-Seminar&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Bevölkerung&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Bevölkerungsentwicklung ist wichtiges außenpolitisches Thema&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Vorbereitung für Weltkonferenz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. John F. Kennedy&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Präsident, der Hoffnungen weckte&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Persönliche Erinnerungen von David Pitts&lt;/em&gt;</text>
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United States of America

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Z12462C

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24. November 1993

47

NAFTA

CLINTON BEGRUSST NAFTA ALS
ERWEITERUNG DER AMERIKANISCHEN
ROLLE IN DER WELTWIRTSCHAFT
Erklärung des Präsidenten
NAFTA-ABSTIMMUNG IM REPRÄSENTANTENHAUS VERLEIHT CLINTONS BESTREBUNGEN
ZUR HANDELSERWEITERUNG AUFTRIEB
Gespräche Gores in Mexiko vorgesehen

REPRÄSENTANTENHAUS VERABSCHIEDET
NAFTA NACH HEFTIGEN DEBATTEN
Mehr Zustimmung als erwartet

VERBRECHENSBEKÄMPFUNG

CLINTON RUFT ZUR UNTERSTÜTZUNG DES
GESETZES ZUR VERBRECHENSBEKÄMPFUNG
AUF
Rede des Präsidenten in Memphis

USA-ASIEN

WACHSENDE BINDUNGEN DER USA ZU
ASIATISCHEN NATIONEN
Rede Christophers in der
Washington University

APEC

APEC-STAATEN VEREINBAREN
ZOLLSENKUNGEN
Ergebnisse der Ministertagung

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.: 0228 339 23 72
Fax: 0228 33 4102

�NAFTA
24. November 1993

CLINTON BEGRÜSST NAFTA ALS ERWEITERUNG DER
AMERIKANISCHEN ROLLE IN DER WELTWIRTSCHAFT
Erklärung des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton zufolge wird die Verabschiedung des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (North American Free Trade Agreement - NAFTA) zur Bekräftigung der Führungsrolle der
Vereinigten Staaten in der Weltwirtschaft beitragen.
"Das NAFTA wird die amerikanischen Arbeitnehmer zu den produktivsten Beschäftigten und Gewinnern in der
Weltwirtschaft machen", stellte Präsident Clinton in einer Ansprache am 17. November 1993 unmittelbar nach
der Verabschiedung des NAFTA im Repräsentantenhaus mit 234 zu 200 Stimmen fest.
Der Präsident unterstrich, im derzeitigen Umfeld von internationalem Wettbewerb und konstanten Veränderungen könne die Sicherheit amerikanischer Arbeitnehmer nicht durch eine Wendung nach innen und den Aufbau
protektionistischer Schutzmauern gewährleistet werden.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung des Präsidenten im Wortlaut.

Vielen Dank. Vor einigen Minuten hat das Repräsentantenhaus über die Verabschiedung des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens abgestimmt. Das
NAFTA wird unsere Exporte erweitern, neue Arbeitsplätze schaffen und die amerikanische Führungsrolle
in der Weltwirtschaft bekräftigen. Dieses Abkommen
liegt zutiefst im Interesse der Vereinigten Staaten. Das
NAFTA wird die amerikanischen Arbeitnehmer zu den
produktivsten Beschäftigten und Gewinnern in der
Weltwirtschaft machen.

dieses Abkommen, sowie dem Finanzminister, der
gebürtiger Texaner ist und besonders gut versteht,
warum dieses Abkommen in unserem Interesse liegt.
Und ich möchte Vizepräsident Gore meinen herzlichen
Dank dafür aussprechen, daß er dem amerikanischen
Volk die Botschaft in seiner ausgezeichneten Fern sehdiskussion vermittelt hat.

Die Abstimmung des heutigen Abends ist ein entscheidender Augenblick für unsere Nation. Zu einer Zeit, in
der viele Menschen unter den Belastungen der weltIch möchte den Gesetzgebern beider Parteien für ihre wirtschaftlichen Probleme leiden, haben wir uns für
Unterstützung des NAFTA danken. Wie jeder weiß, Wettbewerb entschieden - nicht für Rückzug -, zur
haben viele von ihnen echten Mut bei der Entschei- Führungsrolle in einer neuen Weltwirtschaft, einer
dung bewiesen, was ihrer Ansicht nach im besten Führungsrolle, die Amerika in der Vergangenheit so
Interesse ihrer Nation liegt. Ich möchte all den Bürgern häufig übernommen hat. Die Debatte überdas NAFTA
meinen Dank aussprechen, die so hart daran gearbei- war kontrovers. Guten Glaubens haben Männer und
tet haben, den Unternehmern - insbesondere den Frauen starke Argumente für und gegen dieses AbKleinunternehmern, den Fürsprechern beim Kampf kommen vorgebracht. Jeder Teilnehmer an der Deum das NAFTA - und auch Lee lacocca, der heute batte wollte jedoch das gleiche - mehr Arbeitsplätze,
mehr Sicherheit, mehr Chancen für jeden Amerikaner
abend unter uns weilt.
- und auch ich will das.
Ein besonderes Wort des Dankes gebührt den Kabinettsmitgliedern, die so lange und intensiv gearbeitet Ich danke denjenigen, die mit uns zusammengearbeihaben - vor allem Mickey Kantor, unserem Handels- tet haben. Mein besonderer Dank gilt denjenigen, die
beauftragten, für seineunermüdlichen Anstrengungen für uns die Bestrebungen an der Basis organisiert
bei den Zusatzvereinbarungen und seinen Einsatz für haben - Bill Daley und der ehemalige KongreßabgeAMERIKA DIENST 47

Seite 1

�ordnete Bill Frenzel. Ich danke auch den leidenschaftlichen Verteidigern der gegen das NAFTA eingestellten Arbeitnehmer für die Ausübung ihres Rechts auf
freie Meinungsäußerung. Und sie hatten recht, sich
gegen Wirtschaftsbedingungen auszusprechen, die
zu wenig Arbeitsplätze geschaffen und stagnierende
Einkommen bewirkt haben sowie gegen unzulängliche
Strategien zur Umschulung unserer Arbeitnehmerund
Investitionen in unsere Mitbürger und Arbeitsplätze,
die sie benötigen. Sie haben hart gekämpft und
verdienen meinen Respekt.
In einer von weltweitem Wettbewerb gekennzeichneten Wirtschaft, in der Wandel die einzige Konstante ist,
können wir jedoch nicht einfach die Sicherheit der
amerikanischen Arbeitnehmer erhöhen, indem wir
unsere Volkswirtschaft mit protektionistischen Mauern
umgeben odervorgeben, weltweiter Wettbewerb finde
nicht statt.
Unsere einzige Chance besteht darin, uns dieser neuen
Welt direkt zu stellen, zu konkurrieren und zu gewinnen. Aus diesem Grund war die Verabschiedung des
NAFTA von so großer Bedeutung. Und ich hoffe, der
Senat wird das Verfahren in den nächsten Tagen
abschließen.
Durch die Abschaffung dertarifären und nichttarifären
Handelshemmnisse Mexikos werden wir mehr Autos,
mehr Computer und andere Produkte exportieren und
mehr amerikanischen Arbeitnehmern hier im Inland
ihre Arbeitsplätze erhalten können. Das NAFTA wird
in Mexiko die Anforderungen an Umweltschutz und
Arbeitsnormen erhöhen. Ich möchte heute abend die
Tarifparteien zur Zusammenarbeit mit unserer Administration aufrufen um sicherzustellen, daß die Bestimmungen des NAFTA zum Arbeits- und Umweltschutz
eingehalten werden. Wir müssen gewährleisten, daß
dieses Abkommen für Amerika Vorteile bringt.

wandelnder wirtschaftlicher Bedingungen erforderlich
ist.
Wir müssen unseren Bürgern auch andere Dinge
bereitstellen: Eine dauerhafte Gesundheitsfürsorge
sowie erhöhte Investitionen in Menschen, Orte und
Arbeitsplätze. Und wir müssen uns weiterhin für eine
Senkung der Handelshemmnisse im Ausland einsetzen, die das Wirtschaftswachstum hier in den Vereinigten Staaten und auf der ganzen Welt verlangsamen.
Morgen werde ich mich in Seattle mit führenden Politikern von fünfzehn Staaten aus dem asiatisch-pazifischen Raum treffen. Ich werde sie bitten, auf offenere
Märkte für unsere Produkte hinzuarbeiten. Nach meiner
Rückkehr werde ich mich an die marktwirtschaftlich
orientierten Demokratien Lateinamerikas wenden und
sie bitten, diesem großartigen amerikanischen Pakt
beizutreten, der meiner Meinung nach äu ßerst vielversprechend für unsere Zukunft ist.
Im nächsten Monat werden wir bei unseren Konku rrenten in Europa und Asien darauf drängen, die Arbeit an
dem weltweiten Handelsabkommen zu beenden, das
buchstäblich Hunderttausende von Arbeitsplätzen in
den Vereinigten Staaten schaffen wird, während auf
der ganzen Welt die Märkte geöffnet werden.

Wir waren schon einmal mit derselben Frage konfrontiert wie heute abend: Ob wir uns nach innen wenden
oder nach außen öffnen. Nach dem Ersten Weltkrieg
zogen sich die Vereinigten Staaten zurück und umgaben ihre Volkswirtschaft mit protektionistischen Mauern. Das Ergebnis war eine Depression und schließlich ein weiterer Weltkrieg. Nach dem Zweiten Weltkrieg trafen wir eine ganz andere Entscheidung: Wir
öffneten uns nach außen. Wir errichteten ein System
erweiterten Handels und kollektiver Sicherheit. Wir
bauten die Volkswirtschaften unserer ehemaligen
Das NAFTA ist ein großer Schritt, jedoch nur ein erster Gegner wieder auf und schufen dabei die große
Schritt bei unseren Bemühungen um die Ausweitung amerikanische Mittelschicht.
des Handels und Herbeiführung einer wirtschaftlichen
Wiederbelebung hier und auf der ganzen Welt. Ein Am heutigen Abend, nach dem Ende des Kalten
gerechtfertigter Einwand der NAFTA-Gegner ist, daß Krieges, ist unsere Nation wieder mit dieser Entscheiwir einen noch besseren Stand in der Weltwirtschaft dung konfrontiert. Und heute abend kann ich mit Stolz
haben, wenn wir über ein Ausbildungs- und Umschu- sagen, daß wir nicht zurückgeschreckt sind. Heute
lungssystem für unsere Arbeitnehmer verfügen, das abend fanden die Vorsitzenden beider Parteien eine
den sie konfrontierenden Herausforderungen Rech- gemeinsame Basis für das Gemeinwohl. Wir haben
nung trägt. Wir müssen unseren Arbeitnehmern die uns heute abend für die Zukunft entschieden. Wir
Bildung und Ausbildung anbieten, die sie im weltweiten haben erneut unsere Stärke demonstriert. Wir haben
Wettbewerb benötigen. Ich rufe die Koalition, die das selbst in dieser schwierigen Zeit unser SelbstbewußtNAFTA annahm, zu meiner Unterstützung auf, damit sein unter Beweis gestellt. Unsere Bürger sind Gewinich Anfang kommenden Jahres dem Kongreß ein ner. Und wir haben meiner Ansicht nach am heutigen
Wiederbeschäftigungssystem von Weltklasse zur Abend gezeigt, daß wir gemeinsam bereit sind, zu
Verabschiedung vorlegen kann, das unseren Arbeit- konkurrieren, zu gewinnen und die Welt des 21. Jahrnehmern die Gewißheit gibt, daß sie immer die Ausbil- hunderts zu gestalten.
dung erharten können, die für sie angesichts sich
• * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 47

�NAFTA
24. November 1993

NAFTA-ABSTIMMUNG IM REPRÄSENTANTENHAUS
VERLEIHT CLINTONS BESTREBUNGEN
ZUR HANDELSERWEITERUNG AUFTRIEB
Gespräche Gores in Mexiko vorgesehen

WASHINGTON - (AD) - Durch die unerwartet hohe
Zustimmung zum Nordamerikanischen Freihandelsabkommen am Tag zuvor mit neuer Macht versehen,
reiste Präsident Clinton am 18. November 1993 zur
Konferenz über asiatisch-pazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit und erklärte, der Erfolg in Seattle könnte "eine wirtschaftliche Expansion bewirken, die auf
Jahre andauert".
Musikalisch begleitet von einer Militärkapelle, von
euphorischen Mitarbeitern applaudiert und von seinem
Vizepräsidenten als Magier gerühmt, wurde Clinton
eine Abschiedszeremonie bereitet, die für gewöhnlich
einem von Triumphen in Übersee zurückkehrenden
Präsidenten vorbehalten ist. Der ungewöhnliche Staatsakt stand jedoch im Einklang mit dem politischen und
psychologischen Auftrieb, den Clinton durch die Überwindung der Opposition seitens der Gewerkschaften
und in seiner eigenen Partei erhalten hatte, der zu
einem Abstimmungserfolg von 234 zu 200 Stimmen
zugunsten des NAFTA im Repräsentantenhaus führte, der parteipolitische und ideologische Grenzen
überschritt.
Clinton unternahm unverzüglich Schritte zur Umsetzung des Abkommens und telefonierte mit dem mexikanischen Präsidenten Carlos Salinas, um zu entscheiden, "wie dieses großartige neue Zeitalter der
nordamerikanischen Beziehungen am besten in die
Wege geleitet werden kann". Salinas, so Clinton, lud
Vizepräsident Gore unmittelbar nach der endgültigen
Verabschiedung des NAFTA durch den US-Senat und
den mexikanischen Senat zu einem Besuch in MexikoCity ein.
Der Stabschef des Weißen Hauses, Thomas "Mac"
McLarty, wird Gore voraussichtlich begleiten. Clinton
zufolge werden die beiden amerikanischen Regierungsvertreter mit Salinas und Vertretern seiner Regierung zu "eingehenden Diskussionen" über die DurchAMERIKA DIENST 47

führung der Bestimmungen des Abkommens zusammentreffen, das über einen Zeitraum von 15 Jahren
hinweg die meisten Zölle abbauen soll, die zur Zeit
beim grenzüberschreitenden Handel mit Kanada und
Mexiko erhoben werden.
Das Abkommen tritt am 1. Januar 1994 in Kraft.
"Es liegt in unserer Verantwortung sicherzustellen",
erklärte der Präsident, "da ß wir das meiste aus diesen
Bestrebungen im Hinblick auf unsere Beziehungen zu
unseren Nachbarn im Süden - Mexiko und den übrigen
Ländern Lateinamerikas - und hoffentlich zu den Nationen auf der ganzen Welt machen, die sich für offenen
und freien Handel, Abbau der Handelshemmnisse für
unsere Produkte und Dienstleistungen sowie die Zusammenarbeit für globalere Chancen, Arbeitsplätze
und Wachstum engagieren."
Unmittelbar nach der Abstimmung im Repräsentantenhaus wird Clinton seinen Aussagen zufolge Konsultationen mit den lateinamerikanischen Nationen aufnehmen, die zum Beitritt zu einer Freihandelszone auf
dem Kontinent bereit sind.
Indem er bereits über den Kontinent hinaus auf neue
Chancen und Herausforderungen blicke, äußerte der
Präsident, werde er in Seattle ähnliche den Handel
ankurbelnde Gespräche mit Nationen führen, die Europa
als fruchtbarsten Handelspartner Washingtons ersetzen. Clinton stellte fest, die politischen Vertreter der
Länder im Pazifischen Becken "sind dynamische und
mächtige Wirtschaftspartner und Konkurrenten, die
den am schnellsten wachsenden Teil der Weltwirtschaft vertreten."
Die NAFTA-Abstimmung, erklärte Clinton, gestatte
ihm, zu dem Treffen in Seattle "mit gestärktem Rückgrat für offene Märkte auf der ganzen Welt zu kämpfen".

Seite 1

�Die "kreative Spannung" zwischen den Volkswirtschaften im Pazifischen Becken und den Vereinigten Staaten, so Clinton, könne "eine wirtschaftliche Expansion
bewirken, die auf Jahre andauert".

Clinton wiederholte die zu einem Mantra seiner Äußerungen zur Erweiterung des Handels gewordene Formulierung -, daß kein wohlhabendes Land Zuwächse
verzeichnen kann, solange es nicht neue Kunden für
seine Waren in einer gesunden globalen Wirtschaft
Mit Aufnahme des Prozesses zur Verabschiedung des findet - und bekräftigte, die Vereinigten Staaten hätten
NAFTA - "der mutige Schritt zur Öffnung des Handels mit der Abstimmung im Repräsentantenhaus "einen
auf unserem Kontinent", so Clinton - hätten die Verei- großen Schritt in die richtige Richtung" unternommen.
nigten Staaten jetzt "den wirtschaftlichen, politischen "Ich beabsichtige in den nächsten Tagen im pazifiund moralischen Stand in einer Sache, die weltweit schen Nordwesten weitere Schritte in diese Richtung",
verwirklicht werden sollte. Die Vereinigten Staaten versprach der Präsident.
meinen es ernst mit dem Abbau der Handelsschranken und der Förderung von Wachstum in unserem
Land und auf der ganzen Welt."

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AMERIKA DIENST 47

�NAFTA
24. November 1993

REPRÄSENTANTENHAUS VERABSCHIEDET
NAFTA NACH HEFTIGEN DEBATTEN
Mehr Zustimmung als erwartet

WASHINGTON - (AD) - Am 17. November 1993 verabschiedete ein äußerst gespaltenes Repräsentantenhaus das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (North American Free Trade Agreement - NAFTA) mit 234 zu 200 Stimmen -16 Stimmen mehr als die
für die Annahme erforderlichen 218.
Der Abstimmung des Repräsentantenhauses folgt noch
die Entscheidung des US-Senats, der das Abkommen
voraussichtlich im Laufe der kommenden Tage verabschieden wird.
Die ungewöhnliche Uneinigkeit innerhalb der Parteien
in der Debatte über das NAFTA zeigte sich am Gesamtergebnis der Abstimmung des Repräsentantenhauses: 102 Demokraten und 132 Republikaner stimmten für das Abkommen während 156 Demokraten, 43
Republikaner und ein Unabhängiger sich dagegen
aussprachen.
Das Übereinkommen zwischen den Vereinigten Staaten, Mexiko und Kanada wird Volkswirtschaften mit
einem gesamtwirtschaftlichen Output von mehr als 6,7
Billionen Dollar und über 360 Millionen Konsumenten
vereinigen.
Während der achtstündigen Debatte im Repräsentantenhaus wurde das Abkommen von einigen Abgeordneten als die umstrittenste und entzweiendste Maßnahme bezeichnet, die dem Kongreß seit langer Zeit
vorgelegt worden sei.
Das NAFTA hat die parteipolitischen Grenzen verwischt und innerhalb der Bundesstaaten, der Demokratischen Partei des Präsidenten sowie zwischen der
Administration und den Gewerkschaften zu Spaltungen geführt.
Falls das NAFTA von allen drei Ländern angenommen
wird, soll es in einem am 1. Januar 1994 beginnenden
Zeitraum von 15 Jahren dietarifären und nichtarifären
Handels- und Investitionshemmnisse beseitigen.
AMERIKA DIENST 47

Das kanadische Parlament hatte das NAFTA im Juni
angenommen, es kann jedoch in Kanada nicht in Kraft
treten, bevor es vom neuen Ministerpräsidenten Jean
Chretien offiziell proklamiert worden ist. Dieser will das
jedoch eigenen Angaben zufolge erst tun, wenn die
Vereinigten Staaten sich mit den kanadischen Einwänden im Energie-, Subventions- und Dumpingbereich
befassen. Die mexikanische Regierung hat noch
keine endgültigen Schritte in bezug auf das NAFTA
unternommen, seine Verabschiedung in Mexiko gilt
jedoch als sicher.
Zusätzlich zu diesen 1992 vom ehemaligen US-Präsidenten George Bush unterzeichneten grundlegenden
Abkommen umfaßt das NAFTA von Präsident Clinton
mit Kanada und Mexiko Anfang dieses Jahres ausgehandelte Zusatzabkommen zum Schutz der Umwelt
und der Arbeitnehmerrechte.
Präsident Clinton machte in den Vereinigten Staaten
das NAFTA in vielerlei Hinsicht zu einer Frage der
Führungsrolle Amerikas in der Welt. Der Präsident
setzte alle Hebel in Bewegung, um im Repräsentantenhaus Stimmen zu gewinnen, indem er unentschiedenen Abgeordneten Abmachungen zum Schutz einiger Industriezweige in ihren Wahlbezirken versprach,
falls es zu einem Anstieg der Importe mexikanischer
Waren kommen sollte.
Die NAFTA-Gegner beschuldigten jedoch den Präsidenten des Stimmenkaufs und wollen gerichtlich gegen einige dieser Abmachungen vorgehen.
Der US-Handelsbeauftragte Mickey Kantor erklärte
vordem Abstimmung in einer Femsehansprache, eine
Zustimmung zum NAFTA würde zeigen, daß es der
Clinton-Administration gelungen sei, "mit einer Koalition beider Parteien die festgefahrene Situation in
Washington wieder in Gang zu bringen".
In der Debatte ging es größtenteils um Arbeitsplätze viele Gesetzgeber argumentierten, ein verbesserter
Seite 1

�Zugang zum mexikanischen und kanadischen Markt
würde sich in einer Steigerung der Exporte und einem
Anstieg hochbezahlter amerikanischer Arbeitsplätze
niederschlagen, während andere die Meinung vertraten, es gingen Arbeitsplätze verloren, weil sich die
Unternehmen wegen der niedrigeren Löhne und den
weniger strengen Umweltschutzbestimmungen in
Mexiko ansiedeln würden.

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Lee
Hamilton, drängte die Gesetzgeber zur Unterstützung
des NAFTA aus außenpolitischen Gründen.

Indem er das NAFTA als "eine der wichtigsten außenpolitischen Entscheidungen des Jahrzehnts" bezeichnete, stellte Hamilton fest, das Abkommen würde
engere Zusammenarbeit mit Mexiko bei illegalen Drogen
und Einwanderung, politische Stabilität in Mexiko sowie
"Das N AFTA wird zu einer Gefährdung von amerikani- die bereits eingeleiteten politischen und wirtschaftlischen Arbeitsplätzen aufgrund des Wettbewerbs mit chen Reformen in Lateinamerika fördern. Die Ablehdem Niedriglohnland Mexiko führen", erklärte William nung des NAFTA hätte die Fähigkeit Präsident ClinFord, Vorsitzender des Ausschusses für Bildung und tons zu Verhandlungen bei der Uruguay-Runde der
Arbeit. "Es stellt kein Junktim zwischen Lohnerhöhun- Handelsgespräche und in anderen internationalen
gen und Produktivitätszuwächsen in Mexiko her, das Gremien wie dem Forum für asiatisch-pazifische wirtein Sinken des Lebenstandards in den Vereinigten schaftliche Zusammenarbeit und der NATO untermiStaaten verhindern würde. Das NAFTA gewährleistet niert.
nicht, daß die hart erkämpften Gesundheits- und Sicherheitsnormen amerikanischer Arbeitsplätze nicht Der Vorsitzende des Haushaltsausschusses, Dan
angesichts von Konkurrenz aus einem Land geschmä- Rostenkowski, beschuldigte beide Seiten "riesiger
lert werden, das seine Normen bezüglich Kinderarbeit, Übertreibungen" der Auswirkungen des NAFTA: "Wir
Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz nicht ein- werden im Januarkeinen wirtschaftlichen Aufschwung
auf dem Kontinent erleben, weil wir diesem Abkomhält."
men im November zustimmen ...Und wir werden auch
Der Führer der Mehrheitsfraktion im Repräsentanten- keinen explosionsartigen Zuwachs oder Verlust an
haus, Richard Gephardt, bezeichnete den Vertrag als Arbeitsplätzen beobachten."
"unzulänglich und mit Mängeln behaftet", weil er "die
Rechte von Unternehmern, aber nicht die Rechte der "Wir diskutieren, ob Amerika ein zuversichtliches Land
ist, bereit, sich der Zukunft und allen Konkurrenten zu
Arbeitnehmer schützt".
stellen - oder eine Nation im Niedergang, die sich an
Für den parlamentarischen Geschäftsführer der Erinnerungen der Vergangenheit klammert", äußerte
Demokraten und Hauptgegner des NAFTA, David Rostenkowski.
Bonior, ging es in der Debatte um einen Schlagabtausch zwischen den Befürwortern von Großunterneh- Einige, wie der Republikaner Doug Bereuter aus
Nebraska, stellten fest, die Verabschiedung des NAFTA
men und den Fürsprechern der Arbeitnehmer.
würde den Vereinigten Staaten bei der Uruguay-Run"Stehen Sie auf der Seite von Fortune 500?", fragte er de globaler Handelsgespräche mehr Spielraum verleiunter Bezug auf die Liste der 500 größten Unterneh- hen.
men des Landes in der Zeitschrift Fortune, oder
stehen Sie auf der Seite der bedauernswerten 500.000 Andere Befürworter des NAFTA brachten das ArguAmerikaner, die ihren Arbeitsplatz aufgrund des Ab- ment vor, es werde die Umweltbedingungen entlang
der Grenze verbessern und gleichzeitig mexikanische
kommens verlieren werden?"
Reformen beim Wahl- und Arbeitsrecht sowie beim
"Ich weiß nicht, wie man in diesem Land mehr Arbeits- Umweltschutz ermutigen.
plätze schaffen kann, wenn man nicht die Märkte
ausweitet", erwiderte die Demokratin Pat Schroeder. In einer Abschlußrede vor der Abstimmung forderte
"Es ist ein gutes Geschäft ... Ich komme aus einem der Sprecher des Repräsentantenhauses, Thomas
Foley, die Abgeordneten auf, nach vorne auf die sie
Amerika, das sich nicht vor der Welt fürchtet."
konfrontierenden Herausforderungen wie die GesundSchroeder zufolge werden amerikanische Produkte in heitsreform zu blicken, und nicht auf den tiefen MeiMexiko nach der Verabschiedung des NAFTA infolge nungsverschiedenheiten zu beharren, von denen die
des Abbaus von Zöllen durchschnittlich 20 Prozent Debatte charakterisiert war.
billiger.
"Lassen Sie diese Debatte oder unsere Entscheidung
Der Kongreßabgeordnete Sam Gibbons, Vorsitzender nicht das Gefüge unserer Demokratie zerbrechen",
des Haushaftsunterausschusses für Handel und einer erklärte Foley. "Sie soll uns vielmehr stärken, wenn wir
der Architekten des NAFTA, erklärte, das Abkommen uns den Herausforderungen der Zukunft stellen."
würde einen mexikanischen Markt öffnen, der seit 400
Jahren für amerikanische Produkte versperrt war.
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AMERIKA DIENST 47

�VERBRECHENSBEKÄMPFUNG
24. November 1993

CLINTON RUFT ZUR UNTERSTÜTZUNG DES
GESETZES ZUR VERBRECHENSBEKÄMPFUNG AUF
Rede des Präsidenten in Memphis
MEMPHIS - (AD) - Am 13. November 1993 hielt Präsident Clinton eine Rede bei der 86. Jahresversammlung
der Church of God in Christ im Mason Temple in Memphis.
Nachfolgend veröffentlichen wir den vom Pressebüro des Weißen Hauses freigegebenen Text von Präsident
Clintons Rede.

Ich danke Ihnen. Bischof Ford, Mrs. Mason, Bischof
Owens und Bischof Anderson - meine Bischöfe, Bischof Walker und Bischof Lindsey. Wenn Sie nicht an
Bischof Lindseys Grillfest teilgenommen haben, waren
Sie noch nie auf einem Grillfest. Und wenn Sie nicht bei
Bischof Walkers Rededuell mit einem meiner Gegner
anwesend waren, haben Sie noch nie eine politische
Rede gehört.
Ich freue mich, hier sein zu dürfen. Sie haben mein
tiefstes Inneres berührt, mich zu Tränen gerührt und
mich beflügelt. Im vergangenen Jahr war ich mit Ihnen
im Tagungsgebäude. Vor zwei Jahren kamen Ihre
Bischöfe nach Arkansas und wir legten am The Point
in Little Rock eine Gedenktafel nieder, wo Bischof
Mason die Eingebung für den Namen dieser herrlichen
Kirche erhielt.
Bischof Brooks hat von seiner Kanzel aus prophezeit,
daß ich zum Präsidenten gewählt würde, als die meisten dachten, ich würde nicht überleben. Ich danke
ihm und Ihnen für Ihr Vertrauen und Ihre Arbeit, denn
ohne Sie stünde ich heute nicht hier als Ihr Präsident.
Viele meiner Vorredner haben eloquent und gut gesprochen, und es wurden zahlreiche Leute vorgestellt.
Ich möchte meinem guten Freund, Gouverneur
McWerther, und meinem Freund, Bürgermeister Herenton, sowie meinem Freund, dem Kongreßabgeordneten Harold Ford, dafürdanken, daß sie heute mit mir
hier sind. Wir freuen uns, in seinem Wahlkreis zu sein.
Wenn Sie mir gestatten, möchte ich noch drei weitere
Kongreßabgeordnete vorstellen. Sie sind mit mir
hierhergekommen. Und ohne sie kann ich sehr wenig
fürSietun. Der Präsident schlägt vor, und der Kongreß

AMERIKA DIENST 47

verfügt. Manchmal verwirft der Kongreß meine Vorschläge, ich freue mich jedoch sagen zu können, daß
dieser Kongreß einem jüngsten Bericht aus Washington zufolge - ungeachtet dessen, was Sie gehört haben
mögen - einem höheren Prozentsatz meiner Vorschläge zugestimmt hat als jedem anderen Präsidenten in
seinem ersten Jahr im Amt seit Präsident Eisenhower.
Und ich möchte dem Kongreß dafür meinen Dank
aussprechen.
Ich möchte daher meinen guten Freund vorstellen, den
Kongreßabgeordneten Bill Jefferson aus New Orleans,
Louisiana, der in Tennessee zu Besuch weilt. Bitte
erhebe Dich. Und einen Unterstützer meines Wahlkampfs der ersten Stunde, den Kongreßabgeordneten
Bob Clement aus Tennessee, den viele von Ihnen
kennen. Sowie einen jungen Mann, der zu den Menschen in Tennessee zurückkommen und sie um eine
Beförderung im nächsten Jahr bitten wird, den Kongreßabgeordneten Jim Cooper aus Tennessee, ebenfalls ein guter Freund. Bitte begrüßen Sie ihn.
Wie Sie wissen, wurde ich in den vergangenen 10
Monaten mit einer Reihe von Namen bedacht, aber
niemand hat mich bisher Bischof genannt. Als ich neun
Jahre alt war, blickte mich meine geliebte, inzwischen
verstorbene Großmutter, die eine sehr kluge Frau war,
an und sagte: "Weißt Du, ich glaube, Du könntest
Prediger werden, wenn Du nur ein kleines bißchen
artiger wärst."
Ein Bibelspruch lautet: "Ein gelassenes Herz ist das
Leben des fleischlichen Organismus, Eifersucht aber
ist Fäulnis für das Gebein." Dies ist ein glücklicher Ort,
und ich bin glücklich, hier zu sein. Ich danke Ihnen für
Ihre geistigen Anregungen.
Seite 1

�Dank Gottes Gnade und Ihrer Hilfe wurde ich im
vergangenen Jahr zum Präsidenten dieses großartigen Landes gewählt. Ich hätte mir nie träumen lassen,
jemals an diesen geheiligten Ort zu kommen, an dem
Martin Luther King seine letzte Predigt hielt. Ich bitte
Sie, heute an die Ziele zu denken, für die ich kandidiert
habe und die Ziele, fü r die so viele von Ihnen gearbeitet
haben, um mich in dieses wichtige Amt zu setzen. Ich
habe hart gearbeitet, um bei unseren gemeinsamen
Bestrebungen Wort zu halten - die Wirtschaft wiederzubeleben; die Politik umzukehren, nur denjenigen an
der Spitze des Totempfahls zu helfen und nicht der hart
arbeitenden Mittelschicht oder den Armen; die Menschen über rassische, regionale und politische Grenzen hinweg zusammenzubringen; aus unserer Vielfalt
Stärke zu machen statt sie uns entzweien zu lassen;
Arbeit, Familie und Gemeinschaft zu belohnen und zu
versuchen, uns ins 21. Jahrhundert zu geleiten. Ich
habe versucht, Wort zu halten.
13 Prozent der Ernennungen meiner Präsidentschaft
sind Afroamerikaner, und im Kabinett der Vereinigten
Staaten gibt es 5 Afroamerikaner - zweieinhalbmal
soviele wie je zuvor in der Geschichte dieses großartigen Landes in der Regierung. Ich habe versucht, das
Wahlrecht durch das von allen Kirchen in unserem
Land stark unterstützte Motor-Voter-Gesetz zu fördern. In der nächsten Woche wird es mir eine große
Ehre sein, das Gesetz über die Wiederherstellung der
Religionsfreiheit zu unterzeichnen, ein Gesetz, für das
sich Menschen aller religiösen und politischen Überzeugungen ausgesprochen haben, das der Verfassung wieder echte Bedeutung verleihen soll - Ihnen
und jedem anderen Amerikaner die Freiheit zu gewähren, das zu tun, was das Wichtigste in Ihrem Leben ist
- Ihre Religion Ihrer Überzeugung nach auszuüben.
Ich sage Ihnen, meine amerikanischen Mitbürger, wir
haben einen guten Anfang gemacht. Die Inflationsrate
ist gesunken. Die Zinssätze sind niedrig. Das Defizit
wurde verringert. Die Investitionen sind gestiegen.
Millionen Amerikaner - einschießlich einiger der heute
hier Anwesenden - haben ihre Hypotheken für Häuser
oder Unternehmenskredite im letzten Jahr neu finanziert. Und in den vergangenen zehn Monaten hat
unsere Volkswirtschaft mehr Arbeitsplätze im Privatsektorgeschaffen als in den letzten vier Jahren zusammengenommen.
Wir haben ein Gesetz über Urlaub aus familiären
Gründen verabschiedet, demzufolge man nicht entlassen werden kann, wenn man bei der Geburt eines
Kindes oder der Krankheit eines Elternteils Urlaub
nimmt. Wir wissen, daß die meisten Amerikaner
arbeiten müssen, aber Sie sollten nur wegen Ihres
Arbeitsplatzes nicht zu schlechten Eltern werden. Wenn
Sie als Arbeitnehmer und Elternteil nicht Erfolg haben,
kann unser Land keinen Erfolg haben.
Ich habe wie versprochen das Programm für Collegekredite radikal reformiert, um die Kosten von Krediten
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für den Collegebesuch zu senken, sie leichter verfügbar zu machen und die Rückzahlungsbedingungen zu
erleichtern. Darüber hinaus haben wir das Gesetz
über einen Nationalen Sozialdienst verabschiedet, das
100.000 jungen Amerikanern in drei Jahren von jetzt
an gerechnet die Chance einräumt, einen Dienst in
ihren Gemeinden zu leisten, um die zerrissenen Bande
der Gemeinde zu flicken, den Bedürfnissen der Menschen an der Basis gerecht zu werden und gleichzeitig
etwas Geld für die Collegeausbildung zu verdienen.
Es ist eine großartige Idee.
Am 15. April, wenn die Steuern fällig sind, wird zwischen 15 und 18 Millionen Arbeitnehmerfamilien mit
bescheidenem Einkommen, Familien mit Kindern und
Einkommen unter 23.000 Dollar, ein Steuernachlaß
gewährt - nicht Steuererhöhungen auferlegt - um im
Rahmen der äußerst wichtigen Bestrebungen sicherzustellen, daß wir die Arbeit der letzten 20 Jahre und
die Familien vergüten. 50 Millionen amerikanische
Eltern und ihre Kinder erhalten dadurch einen Vorteil,
weil der Steuersatz wieder zugunsten amerikanischer
Arbeitnehmerfamilien festgesetzt wird.
Unter der Schirmherrschaft der First Lady haben wir
einen umfassenden Plan zur Gewährleistung der
Gesundheitsfürsorge für alle Amerikaner vorgelegt.
Wie können wir von den Amerikanern erwarten, zu
arbeiten und mit all den Veränderungen der Weltwirtschaft zu leben, wenn ein 18jährigerden Arbeitsplatz
durchschnittlich siebenmal in seinem Leben wechselt,
und wenn wir nicht einfach sagen können: "Wir sind in
die Reihen der anderen modernen Länder der Welt
eingetreten. Sie können eine solide Gesundheitsfürsorge haben, die Ihnen niemals weggenommen werden kann." Es war höchste Zeit, dies zu tun. Ich bitte
um Ihre Mithilfe bei der Verwirklichung.
Aber es bleibt noch sehr viel mehr zu tun. Sie und ich
wissen, daß die meisten Menschen immer noch härter
für dieselben oder niedrigere Löhne arbeiten und viele
Angst haben, ihr Arbeitsplatz könnte wegrationalisiert
werden. Wir müssen die für unser Volk erforderliche
Aus- und Fortbildung bereitstellen - nicht nur für unsere
Kinder, sondern auch für die Erwachsenen. Wenn wir
dieses Land nicht vor den die ganze Welt erfassenden
Kräften des Wandels abschotten können, müssen wir
zumindest den Menschen eine sichere Beschäftigung
garantieren. Sie müssen einen neuen Arbeitsplatz
finden können, wenn sie einen benötigen. Wir müssen
das heute in Angriff nehmen, und wir beabsichtigen,
dies zu verwirklichen.
Wir müssen gewährleisten, daß Investitionen in bestimmte Gebiete des Landes getätigt werden - die
Innenstädte und verarmte ländliche Regionen im Mississippidelta meines Heimatstaates sowie in diesem
Bundesstaat, in Louisiana und ähnlichen Gegenden in
ganz Amerika. Es ist gut und schön, Menschen
auszubilden, aber wenn sie keinen Arbeitsplatz haben,
bildet man sie umsonst aus. Wir müssen Investitionen

AMERIKA DIENST 47

�in den Regionen anziehen, wo die Menschen nach
Arbeit hungern.
Und schließlich müssen wir Menschen finden, die das
von uns zu Produzierende kaufen. Wir sind das
produktivste Volk der Erde. Das erfüllt uns mit Stolz.
Das bedeutet jedoch, daß eine Person jedes Jahr in
der gleichen Zeit mehr produzieren kann. Wenn immer
weniger Menschen immer mehr produzieren können
und man dennoch mehr Arbeitsplätze schaffen und die
Einkommen erhöhen will, muß man mehr Kunden für
die Produkte finden. Aus diesem Grund habe ich so
hart gearbeitet, um auf der ganzen Welt mehr amerikanische Produkte zu verkaufen. Aus diesem Grund
habe ich gefordert, daß wir Computer im Wert von
Milliarden Dollar verkaufen, die wir früher nicht exportiert haben - damit unser Volk arbeiten kann.
Warum? Nächste Woche werde ich in den Bundesstaat Washington reisen, um mit den M inisterpräsidenten Chinas und Japans sowie den Staats- und Regierungschefs von 13 weiteren asiatischen Ländern-dem
am schnellsten wachsenden Teil der Welt - zusammenzutreffen und sagen: "Wir wollen Ihre Partner
sein. Wir werden Ihre Waren kaufen, aber wir wollen,
daß Sie bitte auch unsere kaufen." Das ist der Grund.
Aus diesem Grund habe ich so hart für das Nordamerikanische Freihandelsabkommen gearbeitet, das die
Kongreßabgeordneten Ford, Jefferson, Cooper und
Clement heute unterstützt haben, weil wir wissen, daß
die Amerikaner sich nur dem Wettbewerb stellen und
gewinnen können, wenn die Menschen kaufen, was
wir zu verkaufen haben. In Mexiko leben 90 Millionen
Menschen. Sie geben 70 Cents pro Dollar für ausländische - für amerikanische - Waren aus. Die Menschen machen sich zu Recht Sorgen, daß nicht nur in
den Vereinigten Staaten Betriebe geschlossen und
nicht nur nach Mexiko, sondern überallhin verlagert
werden, wo Arbeitskräfte billig sind. Das ist geschehen.
Was ich Ihnen, meine amerikanischen Mitbürger, sagen
möchte, ist folgendes: Nichts an diesem Abkommen
macht dies wahrscheinlicher. Es ist bereits geschehen. Es kann wieder passieren. Was wir tun müssen,
ist, die Arbeitsplätze hier zu halten, indem wir hier
Kunden finden. Genau das tut das Abkommen. Es
bietet uns eine Chance, Möglichkeiten für die Menschen zu schaffen.
Ich habe Freunde in diesem Publikum, Geistliche aus
meinem Bundesstaat, Väter und Söhne, Menschen.
Ich blicke in diese riesige Menge und sehe Menschen,
die ich seit Jahren kenne. Sie wissen es. Ich habe
mein Leben lang für die Schaffung von Arbeitsplätzen
gearbeitet. Ich würde niemals wissentlich etwas tun,
das dem amerikanischen Volk einen Arbeitsplatz
wegnehmen würde. Dieses Abkommen wird mehr
Arbeitsplätze hervorbringen. Wenn es nicht funktioniert, können wir es auch in sechs Monaten aufgeben.

AMERIKA DIENST 47

Aber wenn wir diese Chance nicht ergreifen, werden
wir sie für immer verlieren. Wir müssen sie ergreifen,
weil wir es besser machen müssen.
Was ich Ihnen heute jedoch sagen möchte, meine
amerikanischen Mitbürger, ist, daß wir all dies tun und
dennoch scheitern können, wenn wir nicht die große
intellektuelle Krise in den Griff bekommen, die Amerika
heute erfaßt hat.
Im Anschluß an dieses Treffen werden der Kongreßabgeordnete Ford und ich zu einer städtischen Versammlung in einer nahegelegenen Baptistenkirche
gehen, die er zum Thema Gesundheitsfürsorge und
Gewalt in den Städten abhält. Ich sage Ihnen, wenn wir
nicht etwas gegen die Gemeinden heimsuchende
Verbrechen, Gewaltakte und Drogen unternehmen,
werden wir dieses Land nicht heilen können.
Wenn Martin Luther King, der erklärt hatte, "Wie Moses
stehe auch ich auf dem Berggipfel und kann das
Gelobte Land sehen. Ich werde nicht zusammen mit
Euch dorthin kommen, aber wir werden dorthin gelangen.. ." heute hier neben mir stehen und die vergangenen 25 Jahre beurteilen könnte, was würde er sagen?
"Ihr habt gute Arbeit geleistet", würde er sagen, "indem
ihr Menschen gewählt habt, die früher aufgrund ihrer
Hautfarbe nicht gewählt werden konnten. Ihr habt
mehrpolitische Macht, und das ist gut so. Ihrhabegute
Arbeit geleistet", würde er sagen, "indem ihr Menschen, die dazu fähig sind, ein Leben an einem Ort
ihrer Wahl ermöglicht und ihnen Freizügigkeit in diesem großartigen Land gewährt. Ihr habe gute Arbeit
geleistet", würde er sagen, "indem ihr Farbige in die
höchsten Ränge der Streitkräfte und der Regierung
befördert habt. Ihr habt sehr gute Arbeit geleistet",
würde er sagen. "Ihr habt gute Arbeit geleistet, als ihr
eine schwarze Mittelschicht geschaffen habt mit
Menschen, denen es wirklich gut geht, und es gelangen immer mehr Afroamerikaner als Weiße in die
Mittelschicht. Ihr habt gute Arbeit geleistet. Ihr habt
gute Arbeit bei der Verbesserung der Chancen geleistet."
Er würde jedoch auch sagen: "Ich habe nicht gelebt
und bin nicht gestorben, damit die amerikanische
Familie zerstört wird. Ich habe nicht gelebt und bin
nicht gestorben, damit dreizehnjährige automatische
Schußwaffen bekommen und neunjährige aus Spaß
damit erschießen. Ich habe nicht gelebt und bin nicht
gestorben, damit junge Menschen ihr eigenes Leben
durch Drogen zerstören oder ein Vermögen verdienen,
indem sie das Leben anderer zerstören. Dafür habe
ich mich nicht eingesetzt."
"Ich habe für die Freiheit gekämpft", würde er sagen,
"aber nicht für die Freiheit der Menschen, einander
skrupellos umzubringen, nicht für die Freiheit der Kinder, Kinder zu bekommen, die von ihren Vätern verlassen werden, als ob sie keinen Wert hätten. Ich habe
dafür gekämpft, daß die Menschen ein Recht auf

Seite 3

�Arbeit haben, aber nicht, daß Menschen und ganze nehmen keine Drogen, wir wollen in die Schule gehen,
Gemeinden im Stich gelassen werden. Dafür habe ich wir wollen einen Beruf erlernen, wir wollen hart arbeiten, wir wollen vorankommen, wir wollen eine Familie
nicht gelebt und mein Leben gelassen."
gründen. Wir wechselten die Schule, weil die alte so
Meine amerikanischen Mitbürger, er würde sagen: gefährlich war. Als wir in die neue Schule kamen, um
"Ich habe dafür gekämpft, daß Weiße nicht länger so uns anzumelden, und dort in der Schlange standen,
von Haß erfüllt sind, daß sie gegen Schwarze Gewalt rannte jemand in das Gebäude und fing an zu schieanwenden. Ich habe nicht für das Recht der Schwar- ßen. Mein Bruder wurde erschossen, als er in der
zen gekämpft, andere Schwarze ruchlos zu ermor- sichereren Schule direkt vor mir stand."
den."
Martin Luther King hat nicht für eine solche Freiheit
Kürzlich erzählte mir der Bürgermeister von Baltimore, gelebt und sein Leben gelassen. Dafür haben sich die
ein guter Freund von mir, wie er die Familie eines Menschen nicht am Vorabend seiner Ermordung im
jungen Mannes - eines achtzehnjährigen - besuchte, April 1968 in dieser heiligen Kirche versammelt. Wenn
der am Halloweentag umgebracht worden war. Er sie einem an jenem Abend in dieser Kirche Anwesenbegleitete wie immer die Kleinen, damit sie sicher ihre den gesagt hätten, daß wir unsere Freiheit so mißbrauScherze treiben und Süßigkeiten sammeln konnten. chen würden, er hätte es wohl kaum geglaubt. Ich
Auf der anderen Seite der Straße gab ein 14jähriger sage Ihnen: Es ist unsere moralische Pflicht, das zu
einem 13jährigen eine Pistole und fragte ihn, ob erden ändern.
Mut hätte, auf den 18jährigen zu schießen. Und so
wurde er erschossen. Und der Bürgermeister mußte Jetzt haben wir dazu endlich eine Chance. Heute ist
der Familie einen Beileidsbesuch abstatten.
ein Geistlicher aus New Haven (Connecticut) hier. Ich
war mit Reverend Jackson während meines WahlkamSchauen Sie sich Washington an, wo ich lebe, unsere pfes an einem verschneiten Tag in Connecticut in
Bundeshauptstadt, die weltweit das Symbol der Frei- seiner Kirche, um der Kinder zu gedenken, die in dieser
heit ist - wie dort von der Freiheit Gebrauch gemacht Stadt umgebracht wurden. Danach gingen wir im
wird. Kürzlich ergriff abends ein Mann auf der Straße Schnee zwei Kilometer die Straße hinunter. Damals
ein einjähriges Kind und brachte es in sein Auto. Das war das amerikanische Volk noch nicht bereit. Die
Kind war vielleicht sein eigenes. Zwei Männer waren Menschen sagten: "Oh, das ist schrecklich, aber was
hinter ihm her, sie verfolgten ihn im Auto und schössen können wir dagegen tun?"
wie wild, obwohl sie wußten, daß sich das Baby in dem
Auto befand. Sie erschossen den Mann, eine Kugel Jetzt, da wir sehen, daß ausländische Besucher in
ging durch seinen Körper und traf das Baby am Fuß. unser Land kommen und im schönen Bundesstaat
Florida willkürlich umgebracht werden, da wir sehen,
Wenn man letzthin die Titelseiten unserer Zeitungen wie unsere Kinder ihr eigenes Begräbnis planen, da
las, fragte man sich, ob wir über den Weltfrieden oder das amerikanische Volk endlich den aufgetürmten
über weltweiten Konflikt sprechen. Sie erinnern sich Abfall von Kriminalität und Gewalt in Angriff nimmt
sicher an den langen Artikel auf der ersten Seite der sowie das Auseinanderbrechen von Familien und
Washington Post über die 11jährige, die ihre eigene Gemeinden, den Anstieg von Drogenkonsum und ArBeerdigung plante. "Ich möchte, daß diese Lieder beitslosigkeit - jetzt sind wir vielleicht endlich bereit,
gesungen werden und will dieses Kleid tragen. Ich etwas dagegen zu unternehmen.
weiß, daß ich nicht lange zu leben habe." Das ist nicht
die Freiheit, für die Martin Luther King sich sein Leben Es gibt für jeden von uns etwas zu tun. Es gibt
lang einsetzte und für die er gestorben ist - die Freiheit, Veränderungen, die wir von außen herbeiführen müssen
zu sterben, bevor man ein Teenager ist.
- das ist die Aufgabe des Präsidenten, des Kongresses, der Gouverneure, Bürgermeister und SozialeinIn diesem Land sterben jedes Jahr mehr als 37.000 richtungen. Und dann gibt es Veränderungen, die wir
Menschen infolge von Schußwaffengebrauch. Schuß- von innen herbeiführen müssen, damit sie wirksam
verletzungen sind die Haupttodesursache bei jungen sind. Es gibt ja auch ein Lied mit einem solchen Text,
Männern. Und da wir jetzt alle so 'cool' sind, daß jeder wenn ich mich nicht irre. Manchmal kann von außen
eine halbautomatische Waffe bekommen kann, ist die nichts bewirkt werden, manchmal müssen alle AntworWahrscheinlichkeit, daß jemand erschossen wird, heute ten von den Werten, Gefühlen und Stimmen stammen,
dreimal so groß wie vor 15 Jahren, weil die Waffe die aus unserem Inneren kommen.
meistens drei Kugeln enthält. 160.000 Schulkinder
bleiben täglich der Schule fern, weil sie Angst haben Wir machen einen Anfang. Wir wollen ein Gesetz
müssen, dort verletzt zu werden.
verabschieden, das unserem Volk mehr Sicherheit
gewährt - weitere 100.000 Polizisten einstellen und für
Vor einiger Zeit war ich in Kalifornien bei einer städti- junge Leute, die noch gerettet werden können, Juschen Versammlung. Ein netter junger Mand stand auf gendlager anstelle von Gefängnissen einrichten. Unsere
und sagte: "Herr Präsident, mein Bruder und ich Schulen sicherer machen. Den Zugang zu diesen
gehören keiner Gang an. Wir haben keine Pistolen, wir schrecklichen Waffen beschränken. Das Brady-Ge-

Seite 4

AMERIKA DIENST 47

�setz verabschieden und von denjenigen, die eine Waffe
kaufen wollen, zumindest ein polizeiliches Führungszeugnis verlangen. Und denjenigen, die noch nicht alt
genug sind, um zu wählen und in den Krieg zu ziehen,
sagen: Du solltest keine Handfeuerwaffe besitzen und
keine benutzen, wenn Du Dich nicht auf einem Schießstand befindest.
Wirwollen ein Gesetz zur Gesundheitsfürsorge verabschieden, das jedem Bürger Zugang zu medizinischer
Versorgung gewährleistet. Und das müssen wir auch
tun. Jeder Drogensüchtige muß die Möglichkeit zu
Therapie und Rehabilitation haben, insbesondere
diejenigen, die aus dem Gefängnis entlassen werden.
Wir haben jetzt mit Lee Brown einen Drogenbeauftragten, der Polizeichef von Atlanta, Houston und New
York war und etwas von diesen Dingen versteht. Und
wenn der Kongreß im nächsten Jahr wieder zusammentritt, werden wir uns weiter damit beschäftigen.
Wir brauchen jetzt dieses Gesetz zur Verbrechensbekämpfung. Wir sollten es dem amerikanischen Volk zu
Weihnachten schenken. Und wir müssen auch in allen
anderen Bereichen Fortschritte machen. Aber, meine
amerikanischen Mitbürger, wir benötigen auch andere
Dinge. Ich denke nicht, daß wir das Gefüge unserer
Gesellschaft reparieren können, bevor die Arbeitswilligen einen Arbeitsplatz erhalten haben. Die Arbeit
bestimmt unser Leben. Sie gibt dem Leben Orientierung und gewisse Disziplin. Sie verleiht dem Leben
Sinn und gibt Eltern Selbstbewußtsein. Sie stellt für
Kinder ein Vorbild dar.
Der berühmte afroamerikanische Soziologe, William
Julius Wilson, hat ein beeindruckendes Buch mit dem
Titel The Truly Disadvantaged (Die wirklich Benachteiligten) geschrieben - die atemberaubende Chronik
des Verfalls unserer Innenstädte infolge der Abnahme
von Arbeitsplätzen. Und wir müssen mit Hilfe öffentlicher und privater Stellen einen Weg finden, die Attraktivität der Standorte hierzu erhöhen, um mehr Investitionen anzuziehen. Ich behaupte, daß wirdie amerikanische Gemeinde und die amerikanische Familie nicht
wiederherstellen können, bis wir die Struktur, Werte,
Disziplin und Befriedigung, die Arbeit vermittelt, wiederhergestellt haben.
Kürzlich las ich eine wunderbare Rede, die im Rahmen
einer von Bill und Camille Cosby veranstalteten Vorlesungsreihe gehalten wurde, in derder Redner feststellte: "Ich wuchs vor Jahren in Anacostia auf. Schon
damals lebten dort nurSchwarze, und es war eine sehr
arme Gegend. Aber als ich als Kind in der vollkommen
von Schwarzen bewohnten armen Nachbarschaft
aufwuchs, war unsere Verbrechensrate niedriger als
die durchschnittliche Verbrechensrate unserer Stadt.
Warum? Weil wir intakte Familien hatten. Weil wir
intakte Gemeinden hatten. Diejenigen, die Sonntags
in die Kirche gingen, wohnten auch in ihrer Nähe. Der
Besitzer des Drugstores wohnte um die Ecke. Der

AMERIKA DIENST 47

Besitzer des Kolonialwarenladens lebte in unserer
Gemeinde. Wir waren eine Einheit."
Ich sage Ihnen: Wir müssen unser Volk wieder einen.
Diese Kirche war dafür stellvertretend. Warum haben
Sie indiesem Land wohl fünf Millionen Mitglieder? Weil
die Menschen wissen, daß Sie mit dem Geist Gottes
erfüllt das Richtige tun.
Deshalb müssen wir eine Partnerschaft bilden - aus
allen staatlichen Behörden und allen Vertretern der
Wirtschaft - aber wo es keine Familien gibt, wo es keine
Ordnung gibt, wo es keine Hoffnung gibt, wo wir unsere
Streitkräfte abbauen, weil wir den Kalten Krieg gewonnen haben, stellt sich die Frage, wer diesen Kindern
Orientierung, Disziplin und Liebe geben wird. Das
müssen Sie tun, und wir müssen Ihnen helfen.
Die Heilige Schrift sagt, "Ihr seid das Salz der Erde;...
Ihr seid das Licht der Welt. ...laßt euer Licht vor den
Menschen leuchten, damit sie eure vortrefflichen Werke
sehen und euren Vater, der in den Himmeln ist, verherrlichen." Das müssen wir tun. Wie sollten wir es
Martin Luther King erklären, wenn er heute hier wäre
und sagte: "Ja, wir haben den Karten Krieg gewonnen.
Ja, die größten Gefahren - der Kommunismus und der
Atomkrieg - existieren nicht mehr. Der Kommunismus
ist Vergangenheit. Die atomare Bedrohung nimmt ab.
Ja, wir haben all diese wunderbare Technologie entwickelt. Ja, wir haben zu Hause alle einen Videorekorder. Das ist interessant. Ja, wir können 50 verschiedene Fernsehprogramme empfangen. Ja, wir können
ungeachtet unserer Rasse in eine Streitkräfteakademie oder ein gutes College kommen, wenn wir hart
arbeiten und uns an die Regeln halten und können es
weit bringen."
Wie könnten wir ihm erklären, daß all diese Kinder
umgebracht werden und einander umbringen? Wie
könnten wir die Dinge rechtfertigen, die in keinem
anderen Land der Welt außer unserem erlaubt sind?
Wie könnten wir erklären, daß wir den Menschen die
Freiheit gegeben haben, erfolgreich zu sein, und
Bedingungen schufen, in denen Millionen Menschen
diese Freiheit mißbrauchen und all die Dinge zerstören, die das Leben ausmachen und es lebenswert
gestalten? Wir könnten es nicht erklären.
Aus diesem Grund sage ich Ihnen heute, meine
amerikanischen Mitbürger, Sie haben mich in dieses
Amt berufen, und wir machen Fortschritte bei den
Aufgaben, für die ich zuständig bin. Wenn wir jedoch
nicht die verheerenden Auswirkungen von Verbrechen, Drogen und Gewalt angehen und einsehen, daß
sie für das Auseinanderbrechen von Familien und
Gemeinden sowie für die steigende Arbeitslosigkeit
verantwortlich sind und nicht sagen "Einige dieser
Dinge können nicht von der Regierung erledigt werden, weil sie das Innerste der Werte, des Geistes, der
Seele und der menschlichen Natur betreffen", werden

Seite 5

�wir keines der Dinge erreichen, die wir uns vorgenommen haben.

Zukunft geben. Wir werden ihnen die Pistolen fortnehmen und ihnen Bücher geben. Wir werden ihnen die
Verzweiflung nehmen und ihnen Hoffnung geben. Wir
Deshalb möchte ich am heutigen Tag von dieser werden die Familien, Wohngegenden und Gemeinden
Kanzel aus Sie alle eindringlich dazu aufrufen, das wiederaufbauen. Wir werden nicht zulassen, daß nur
Leben und die Arbeit Martin Luther Kings zu ehren. Wir e i n i g e w e n i g e v o n d e r g a n z e n h i e r geleisteten Arbeit
ehren das, wofür unsere Kirche steht und werden mit profitieren. Wir werden es mit Gottes Hilfe zusammen
Gottes Hilfe eine Änderung der bestehenden Zustän- t u n
de herbeiführen. Wir werden diesen Kindern eine
Ich danke Ihnen.

* * * *

Seite 6

*

AMERIKA DIENST 47

�USA-ASIEN
24. November 1993

WACHSENDE BINDUNGEN DER USA ZU
ASIATISCHEN NATIONEN
Rede Christophers in der Washington University
WASHINGTON - (AD) - Außenminister Christopher rief die asiatischen Länder dazu auf, gemeinsam mit den
Vereinigten Staaten auf einen erfolgreichen Abschluß der Uruguay-Runde des GATT zu drängen.
"Für keine Nation steht bei der Beseitigung der Hindernisse für Handel und Investitionen weltweit mehr auf dem
Spiel als für Asien", erklärte Christopher am 17. November 1993 während einer Rede in der Washington
University, die wir nachfolgend im Wortlaut veröffentlichen.

Vielen Dank für Ihre einleitenden Worte, Professor
Lardy. Ich danke dem World Affairs Council und der
Jackson School für die Einladung, heute zu Ihnen zu
sprechen. Scoop Jackson vertrat die Ansicht, die
Vereinigten Staaten zögen ihre Stärke aus ihrer Bereitschaft zum Engagement im Ausland, und er wäre stolz
auf die hier in seinem Namen geleistete Arbeit.
Vor 130 Jahren wurde in der grünen Wildnis Seattles
von einer Gruppe kühner und intellektuell ambitionierter Pioniere die University of Washington gegründet.
Die erste Fakultät bestand aus einem Professor, der
erste Jahrgang hatte einen Studenten.
Aus diesen einfachen Anfängen an der rauhen Grenze
entwickelte sich die University of Washington zu einer
der größten staatlichen Universitäten Amerikas. In
diesem Zusammenhang möchte ich die Leistungen
meines langjährigen Freundes Bill Gerberding, des
Rektors dieser Universität, würdigen.
Heute lockt eine andere Grenze. Und Seattle steht
nicht am Ende des Weges, sondern an seinem Anfang.
An der Schwelle des kommenden Jahrhunderts muß
Amerika erneut nach Westen schauen - auf Asien und
unsere pazifische Zukunft.
Im 19. Jahrhundert verbanden weitblickende Amerikaner die Küsten mit großen Eisenbahnlinien. Jetzt
überwinden wir durch die Reichweite unserer Satelliten und die enorme Geschwindigkeit der Faseroptik
den Pazifik. Mit derselben Entschlossenheit, mit der
im Staat Washington die Eisenbahn eingeführt wurde,
bauen wir jetzt Kommunikations-, Handels- und Kulturverbindungen zu Asien auf.
AMERIKA DIENST 47

Die Anzeichen für unsere pazifische Zukunft machen
sich hier überall bemerkbar. Auf den Handel mit Asien
entfallen 95 Prozent des Umschlags von Seattles
geschäftigen Häfen. Ein Viertel der Schulkinderdieser
Stadt sind asiatischer Herkunft. Der Pike Place Market
ist erfüllt von den Gerüchen, Düften und Sprachen des
Pazifikrandbeckens. Und in jeder Branche - von der
Flugzeugindustrie über die Software bis zum Immobiliengeschäft - ist die Wirtschaft Seattles mit der Asiens
in zunehmendem Maße verbunden.
Ich habe heute eine einfache Botschaft zu verkünden:
Die ganze Nation muß den von Seattle eingeschlagenen Weg verfolgen. In dem Maße, in dem Asien
Fortschritte macht, müssen das auch die Vereinigten
Staaten tun. Zur Zeit ist für die Vereinigten Staaten
keine Region der Welt wichtiger als Asien.
Amerika hat während der vergangenen 50 Jahre drei
Kriege in Asien geführt. Wir haben dort dauerhafte
Sicherheitsinteressen. Was unsere wirtschaftlichen
Interessen in dieser Region betrifft, wickeln wir 40
Prozent unseres Handels mit Asien ab, halb soviel wie
mit Europa. Und täglich erfüllen sich Einwanderer aus
Asien und ihre Nachkommen den Amerikanischen
Traum, bereichern unsere Kultur und halten über ein
Meer von Chancen hinweg greifbare Bindungen aufrecht.
Vor etwas mehr als einer Generation, als viele dieser
Einwanderer zum ersten Mal die Küsten Amerikas
erreichten, schien Asien im Kreis epischen Leidens
gefangen zu sein. Jetzt herrscht in Asien jedoch eine

Seite 1

�neue Entschlossenheit. Die Verzweiflung über den
Niedergang ist dem Fortschrittsglauben gewichen.
In Südchina wagen ehemals rückständige, ländliche
Regionen den Sprung ins Industriezeitalter. In Singapurs florierendem Hafen, in dem einst die Arbeiter
Reissäcke auf dem Rücken trugen, wird jetzt die
Spitzentechnologiefracht mit riesigen Drehkränen
entladen. Und in den gewaltigen Wolkenkratzern
Jakartas erwerben in Bambushütten geborene Indonesier auf den asiatischen Warenmärkten ein Vermögen.

Für keine Region steht bei der Beseitigung der Hindernisse für Handel und Investitionen weltweit mehr auf
dem Spiel als für Asien. Asien hat uns um eine
Fortsetzung unseres Engagements in der Region
gebeten, und wir werden dieser Bitte nachkommen.
Damit das amerikanische Volk jedoch von den Vorteilen eines solchen Engagements profitieren kann, müssen
die asiatischen Märkte für unsere Waren und Dienstleistungen offen sein.

Heute fordere ich die führenden Vertreter der asiatischen Volkswirtschaften dazu auf, gemeinsam mit u ns
auf einem erfolgreichen Abschlußder Uruguay-Runde
Ebenso wie den Mount Rainier betrachtet man Asiens des GATT zu drängen. Wenn die Runde zu einem
erstaunliche Wiederbelebung - und die daraus resul- Erfolg führt, werden weltweit Märkte geöffnet und
tierenden Herausforderungen - am besten als Ge- Arbeitsplätze geschaffen. Sollte sie scheitern, werden
samtüberblick. Bis zum Jahr 2000 wird wahrscheinlich wir alle unter den vernichtenden Auswirkungen des
die Hälfte des Wachstums beim Welthandel auf Asien steigenden Protektionismus leiden.
entfallen. In Asien finden sich die Volkswirtschaften
mit der größten Wachstumsrate und der vielverspre- Während wir an der Öffnung des Welthandels arbeichendste Absatzmarkt für amerikanische Exporte. ten, müssen wir auch unsere regionalen HandelsbeGleichzeitig haben wir jedoch mit einigen unserer ziehungen stärken. Die heutige historische Abstimasiatischen Handelspartner inakzeptable Handelsde- mung über das NAFTA ist ein Test für unsere diesbefizite.
zügliche Bereitschaft. Noch wichtiger ist: Sie testet
unseren Wunsch nach Konkurrenz anstelle von RückIn sicherheitspolitischer Hinsicht ist Asien stabilerund, zug.
wenn Sie wollen, pazifischer orientiert als zu jedem
anderen Zeitpunkt seit der Jahrhundertwende. Gleich- Das NAFTA liegt in unserem fundamentalen nationazeitig müssen wir neue sicherheitspolitische Heraus- len Interesse. Es beseitigt die Hindernisse auf dem
forderungen annehmen, die den Horizont verdunkeln. Weg zum Wohlstand. Es beweist, daß Amerika an der
Schwelle zum nächsten Jahrhundert nach außen blickt
In der gesamten Region bewässert die steigende Flut und sich nicht nach innen wendet. Aus diesem Grund
der Demokratie einige der verdörrtesten Gebiete der hat sich der Präsident so stark für die Verabschiedung
Freiheit. Zur gleichen Zeit finden sich in Asien jedoch des NAFTA eingesetzt. Und aus diesem Grund bin ich
einige der am stärksten abgeschotteten Regime der der Ansicht, daß das Repräsentantenhaus heute für
Welt.
das NAFTA stimmen wird.
Wir müssen nach vorne blicken, die Gefahren beseitigen und das Versprechen eines größeren Engagements im Pazifikraum in die Tat umsetzen. Aus
diesem Grund hat Präsident Clinton eine neue pazifische Gemeinschaft gefordert, die auf drei wesentlichen Elementen aufbaut: Gemeinsamem Wohlstand,
gemeinsamer Stärke und einer gemeinsamen Verpflichtung zu demokratischen Werten.

Das APEC ist ein weiterer unerläßlicher Bestandteil
unserer Strategie zur Stärkung regionaler Handelsbeziehungen. Es wurde erst vor vier Jahren gegründet nicht zur Regelung des Handels in der Region, sondern um die Behinderung der Wirtschaft durch die
Bürokratie zu beenden und die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Volkswirtschaften zu fördern.

Das diesjährige Treffen hier in Seattle, dem das historische Zusammentreffen Präsident Clintons mit fühZunächst möchte ich die wirtschaftliche Dimension renden Vertretern des APEC folgt, soll der Ausweitung
ansprechen. In Asien sehen wir am deutlichsten, daß von Handel und Investitionstätigkeit im pazifischen
Wirtschaftspolitik das Zentrum unserer Außenpolitik Raum dienen. Wir werden die handelspolitischen
ist. Letztes Jahr beliefen sich unsere gesamten Expor- Maßnahmen der Mitglieder des APEC stärker aufeinte in die Region auf 128 Milliarden Dollar und schufen ander abstimmen. Wir werden den Zugang amerikanischer Unternehmen zu den asiatischen Märkten
2,4 Millionen amerikanische Arbeitsplätze.
erleichtem. Und wir werden die Institution APEC
Diese Administration bemüht sich bei ihren Beziehun- stärken.
gen zu Asien um die Ausweitung von Handel und
Investitionstätigkeit auf drei Ebenen: Auf globaler Im Softwaregeschäft stellt "offene Architektur" den
Ebene durch das GATT, auf regionaler Ebene durch Schlüssel zum Ganzen dar. Daran arbeiten meine
das Forum für asiatisch-pazifische wirtschaftliche Kollegen und ich zur Zeit: An der Entwicklung eines
Zusammenarbeit (Asia-Pacif ic Economic Cooperation offenen Umfelds, in dem wir den 500 Milliarden Dollar
umfassenden Handel unter den APEC-Mitgliedern um
- APEC) und bilateral mit einzelnen Nationen.
ein Vielfaches erhöhen können.
Wohlstand

Seite 2

AMERIKA DIENST 47

�Ich möchte ganz deutlich werden: Das APEC ist ein
Baustein, kein Handelsblock. Die Vereinigten Staaten
halten es für den Eckpfeiler regionaler wirtschaftlicher
Zusammenarbeit. Diese regionalen Bestrebungen
sind wiederum ein Katalysator für weltweite Zusammenarbeit im Bereich des Handels.
Gleichzeitig bemüht sich die Clinton-Administration
um die Stärkung unserer wichtigsten bilateralen Wirtschaftsbeziehungen zu Asien. China, einer unserer
größten Handelspartner, verzeichnete im vergangenen Jahr einen Überschuß von nahezu 20 Milliarden
Dollar beim Handel mit den Vereinigten Staaten. Zur
Lösung dieses Problems bemühen wir uns gemeinsam mit den Chinesen um eine volle Umsetzung
unserer Marktzugangsabkommen.

Unsere Sicherheitsrolle in Asien beginnt bei unseren
vertraglich verankerten Bündnissen mit Japan, Südkorea, Australien, Thailand und den Philippinen. Wir
halten diese Verpf lichtu ngen ein und u nsere Vomepräsenz im gesamten Pazifik aufrecht.
Gleichzeitig arbeiten wir in Asien auf die Verhinderung
der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen hin.
Die Bedrohung der Verbreitung von Nuklearwaffen ist
nirgends ernsthafter als in Nordkorea.

Nordkorea ist in einer Zeitfalle gefangen. Es ist das
isolierteste Land der Welt, unberührt von den Winden
des Wandels, die die Region erfaßt haben. Es hat die
wirtschaftlichen Träume seines Volkes dem Aufbau
einer Millionen Mann starken Armee geopfert - die
größtenteils an der Türschwelle Südkoreas stationiert
In Südkorea haben wir einen neuen Dialog in die Wege ist.
geleitet, der das Handels- und Investitionsklima für
Die anderen Nationen der Region teilen Präsident
amerikanische Unternehmen verbessern wird.
Clintons feste Überzeugung, daß Nordkorea seine
Mit Japan handeln wir einen neuen wirtschaftlichen Ambitionen auf Nuklearwaffen aufgeben muß. Wir
Rahmen aus. Die politischen und sicherheitspoliti- dürfen nicht zulassen, daß Nordkorea eine nukleare
schen Säulen unserer Partnerschaft mit Japan sind in Bedrohung für Südkorea oder seine anderen Nachbargutem Zustand. Die wirtschaftliche Säule bedarf je- staaten darstellt.
doch dringend einer Reparatur. Diese Administration
mißt der Verbesserung unserer Wirtschaftsbeziehun- Nordkorea hat sich geweigert, den internationalen
gen zu Japan ebensogroße Bedeutung bei wie der Inspektoren uneingeschränkten Zugang zu seinen
Pflege unserer Bindungen in politischer und sicher- Nuklearanlagen zu gewähren. Die Vereinigten Staaheitspolitischer Hinsicht. Aus diesem Grund bemühen ten engagieren sich für eine diplomatische Lösung als
wir uns um die Korrektur des bestehenden Handelsun- bestem Mittel zur Lösung der Nuklearfrage. Gleichzeigleichgewichts. Wir sind entschlossen zum Aufbau tig bestehen wir auf der vollen Einhaltung aller internaeiner ausgewogeneren Partnerschaft zum beiderseiti- tionalen Verpflichtungen Nordkoreas, einschließlich
des Nichtverbreitungsvertrags. Nordkorea muß seine
gen Nutzen.
umfassenden Sicherheitsverpflichtungen erfüllen und
die von der Internationalen Atomenergie-Organisation
Sicherheit
geforderten Inspektionen zulassen.
Unsere Bestrebungen zur Förderung des Wohlstands
der Vereinigten Staaten in Asien hängen letztlich von Darüber hinaus muß Nordkorea das EntnuklearisieFrieden und Sicherheit in der Region ab. Aus diesem rungsabkommen mit Südkorea einhalten. Dies ist
Grund ist das kontinuierliche Sicherheitsengagement nicht nur die Meinung der Vereinigten Staaten, sonder Vereinigten Staaten die zweite wesentliche Kom- dern der gesamten internationalen Staatengemeinponente unserer neuen pazifischen Gemeinschaft.
schaft.
Ich war 20 Jahre alt und bei der US-Marine - ein Alter,
in dem viele der heute hier Anwesenden sind - als der
Zweite Weltkrieg und seine Folgen erstmals ein Junktim zwischen den Vereinigten Staaten und der Sicherheit des Pazifiks herstellten. Heute haben sich die
Gründe für unsere Verankerung in Asien gewandelt.
Sie sind jedoch noch immer zwingend. Denn es liegt
nach wie vor eindeutig in unserem nationalen Interesse, regionale Aggression abzuschrecken und das
Wirtschaftswachstum in der asiatisch-pazifischen Region
aufrechtzuerhalten.

Wenn Nordkorea die notwendigen Inspektionen und
die Wiederaufnahme des Dialogs mit Südkorea über
Nuklearfragen verweigert, erwägen wir die Empfehlung an den UN-Sicherheitsrat, andere Optionen als
Verhandlungen in Betracht zu ziehen. Das muß nicht
das Ergebnis dieser Pattsituation sein. Wir fordern
Nordkorea auf, sich der Gemeinschaft verantwortungsbewußter Nationen anzuschließen.

Während wir auf die Lösung der Pattsituation in Nordkorea hinarbeiten, müssen wir auch regionale Ansätze
zur Konfliktverhinderung entwickeln. Aus diesem Grund
Obwohl die Spannungen des Kalten Krieges abgeebbt haben meine Amtskollegen und ich bei der ASEANsind, hegen zahlreiche asiatische Nationen Vorbehalte Ministerkonferenz im Juli das regionale Sicherheitsfogegen ihre Nachbarländer. Ein Abzug der Vereinigten rum des ASEAN gegründet. Dieses Forum wird unseStaaten würde diese Sorgen verstärken. Aus diesem re vertraglich niedergelegten Bündnisse ergänzen,
Grund muß Amerika sich weiterhin engagieren.
jedoch nicht ersetzen. Es wird Spannungen mildern

AMERIKA DIENST 47

Sehe 3

�und vom Wettrüsten abhalten. An diesen Sicherheitsdiskussionen werden die ASEAN-Nationen, die Vereinigten Staaten, Japan, Kanada, Südkorea, Australien
und andere Staaten teilnehmen, wie beispielsweise
China, Rußland und Vietnam.
Vor zehn oder sogar fünf Jahren wäre eine solche
Vielfalt von Nationen undenkbar gewesen. Im nächsten Jahr wird diese Vision Realität.
Demokratie
Ebenso wie Sicherheit die Grundlage für das Streben
nach Wohlstand, ist Demokratie das Fundament für
Sicherheit. Offenere Gesellschaften führen zu einer
stabileren Region. Demokratische Nationen sind bessere
Nachbarn und bessere Handelspartner. Aus diesem
Grund ist die Unterstützung von Demokratie und
Menschenrechten das dritte wesentliche Element
unserer neuen pazifischen Gemeinschaft.
Präsident Clinton hat erklärt, daß "freie Märkte die
Menschen nicht nur bereichern, sondern ihnen auch
Macht verleihen". Immer mehr Asiaten gehören der
Mittelschicht an und streben nach größerem Mitspracherecht in ihren Gemeinden. Während die Fabriken
in China prosperieren, kommt die politische Macht
zunehmend von den Arbeitnehmern am Fließband.
Größere Offenheit wird auch zur nachhaltigen Modernisierung in Asien beitragen. Denn wie können Länder
ohne Rechtsstaatlichkeit Investitionen anziehen? Wie
können sie ohne eine freie Presse Korruption bekämpfen? Wie können sie ohne einen konstanten Informationsfluß Wohlstand schaffen?
Einige bringen das Argument vor, Demokratie sei
irgendwie ungeeignet für Asien und unsere Betonung
der Menschenrechte sei ein Deckmantel für Kulturimperialismus. Aber über Phnom Penh liegt kein Deckmantel - der Stadt, in der die Kambodschaner im
Frühjahr erstmals in freien Wahlen abgestimmt haben.
Es liegt kein Deckmantel über Seoul, wo der ehemalige
Dissident Kim Young Sam jetzt Präsident Koreas ist.
Und auch über Schanghai liegt kein Deckmantel, wo
die Talkshow "Radio Orient" jeden Tag Tausende von
Anrufen und Briefen erhält.
Zweifelsohne hinken weite Teile Asiens hinter dem
Marsch der Geschichte hinterher. Das Streben nach
Freiheit ist jedoch kein Export aus dem Westen. Es ist
ein menschlicher Instinkt. In ganz Asien arbeiten die
Vereinigten Staaten auf die Erfüllung dieses Bedürfnisseshin. Mit anderen Worten: Wirpassenunsandie
Zukunft an.
Menschenrechte sind ein Hauptthema bei unseren
Beziehungen zu mehreren asiatischen Ländern, einschließlich Burma, Vietnam, Indonesien und China.
Die Clinton-Administration hat gegenüber China eine
Politik entwickelt, die sowohl unsere Werte als auch
unsere Interessen widerspiegelt. China ist eine große

Seite 4

Nation und ein einflußreiches Mitglied der internationalen Staatengemeinschaft. Ein stabiles, wohlhabendes
China liegt im langfristigen Interesse der Vereinigten
Staaten.
Die jüngsten Probleme bergen das Risiko negativer
Auswirkungen auf unsere Beziehungen. Solange es
insgesamt keine bemerkenswerten Fortschritte in der
Menschenrechtsfrage gibt, wird der Präsident den
Meistbegünstigungsstatus für China nicht verlängern
können. Wir fühlen uns durch das kürzlich von Beijing
unterbreitete Angebot zur Öffnung der Gefängnisse
für das Internationale Rote Kreuz ermutigt. Wir hoffen,
dies ist ein Anzeichen für dauerhafte Fortschritte.
Beim Handel sind wir weiterhin besorgt über Marktzugang, Textilien und den Schutz von geistigem Eigentum. Im Zusammenhang mit der Nichtverbreitung
haben wir Sanktionen gegen China wegen der Lieferung von M-11-Komponenten an Pakistan verhängt.
Gleichzeitig haben wir eindeutig klargestellt, daß wir
zur Aushandlung derfür die Aufhebung dieser Sanktionen erforderlichen Bedingungen bereit sind.
Wir haben daher einen Prozeß größeren Engagements in China in die Wege geleitet, um Fortschritte in
diesen Schlüsselbereichen zu erzielen. Unser Ziel
besteht im Aufbau umfassender Beziehungen, die die
Beilegung unserer Meinungsverschiedenheiten gestatten.
Viele der die neue pazifische Gemeinschaft verbindenden Themen sind globaler Natur- Herausforderungen,
die politische Grenzen überschreiten. Betrachten Sie
beispielsweise die Umweltprobleme, denen sich Asien
mit seinem enormen Bedarf an Energiequellen im
nächsten Jahrhundert gegenübersieht. Berücksichtigen Sie, daß in 20 Jahren allein in Asien eine Milliarde
mehr Menschen leben werden.
Probleme wie diese verlangen grenzüberschreitende
Lösungen. Aus diesem Grund hat die Clinton-Administration globale Fragen zum Hauptthema unserer
Außenpolitik gemacht.
Vor kurzem fuhr ich am Roten Platz in Moskau vorbei,
um eine Rede vor russischen Studenten zu haften.
Ebenso wie viele von Ihnen waren sie der mitreißenden Proklamationen über "unseren Augenblick in der
Geschichte" müde. Aber Ihre Generation - sei es in
Moskau, Seattle oder Beijing - steht wirklich an einem
Wendepunkt zwischen dem Kalten Krieg und einem
neuen Jahrtausend. Für die russische Jugend stellt
sich die Frage, ob sie an freie Märkte und demokratische Reformen glauben soll. Für Sie lautet die Frage
einfacher: Glauben Sie an sich selbst?
In den vergangenen Jahren waren einige Amerikaner
besorgt, daß der Erfolg Asiens Probleme für die Vereinigten Staaten verursachen könnte. Sie haben sich
die Wirtschaftsleistung Japans betrachtet oder Chinas
unglaubliches Wachstum, oder die ungebremste EntAMERIKA DIENST 47

�Wicklung der Vier Tiger Asiens, und befürchtet, die
besten Tage Amerikas lägen hinter uns.

Die Tugenden, die Amerika zur Größeverholfen haben
- Sparsamkeit, Fleiß, Optimismus, Flexibilität - müssen uns erneut beim Wiederaufbau der amerikanischen Wirtschaft und eines noch größeren Engagements in Asien leiten.

Ich sehe das anders. Der Erfolg Asiens ist auch der
unsere - weil die Dynamik Asiens riesige neue Märkte
für unsere Produkte schafft, weil unser Engagement
seit einem halben Jahrhundert regionale Stabilität Können wir das Vertrauen dazu aufbringen? Können
unterstützt hat und weil das Streben Asiens nach wir den Mut zur Ergreifung dieser Gelegenheit aufbieFreiheit die ungebrochene Stärke unserer Werte re- ten? Von Lewis und Clarks Expedition bis zum ersten
Flug einer Boeing legt alles in unserer Geschichte den
flektiert.
Schluß nahe, daß wir es können. Und alles in unserer
Ich betrachte die Blüte des asiatischen Wohlstands Zukunft - unserer pazifischen Zukunft - deutet an, daß
und sehe die Saat der amerikanischen Erneuerung. wir es müssen.

*

AMERIKA DIENST 47

* * *

*

Seite 5

�APEC
24. November 1993

APEC-STAATEN VEREINBAREN ZOLLSENKUNGEN
Ergebnisse der Ministertagung
SEATTLE - (AD) - Die in Seattle zusammengekommenen Minister der asiatisch-pazifischen Staaten haben
versuchsweise das Angebot unterbreitet, ihre Märkte
für eine Reihe von Rohstoffen und Fertigprodukten zu
öffnen, um einen erfolgreichen Abschluß der festgefahrenen Uruguay-Runde multilateraler Handelsgespräche zu fördern.
Das Angebot wurde am 19. November 1993 auf der
Ministertagung des Forums für asiatisch-pazifische
wirtschaftliche Zusammenarbeit (Asia-Pacific Economic Cooperation - APEC) in Seattle bekanntgegeben.
Da China und Taiwan nicht an der Uruguay-Runde
teilnehmen, beteiligten sie sich nicht an den Angeboten über den Marktzugang, jedoch an der gemeinsamen Erklärung, in der ein erfolgreicher Abschluß der
Runde bis zum 15. Dezember gefordert wird.
Einige der anderen APEC-Minister begrüßten den im
Juli von der Vierergruppe (Vereinigte Staaten, Kanada, Japan und Europäische Union) ausgehandelten
Vorschlag über einen zollfreien Marktzugang. Die
Europäische Union ist das einzige Mitglied der Vierergruppe, das nicht der APEC angehört.
Der Vorschlag vom Juli fordert Zollfreiheit für pharmazeutische Produkte, Stahl, Baugerät, landwirtschaftliches Gerät, medizinisches Gerät, Möbel, Bier und
Spirituosen. Auch strebt er eine Harmonisierung der
Zölle auf Chemikalien an.
Die Minister der APEC-Länder gingen sogar noch
weiter als die Vierergruppe, indem sie Zollfreiheit für
Elektrogeräte, Papier, Holz, wissenschaftliches Gerät,
Spielzeug und Ölsaaten sowie eine Harmonisierung
der auf Fisch verhängten Zölle vorschlugen.
Für den Handel mit nichteisenhaltigen Metallen schlugen einige APEC-Staaten Zollfreiheit, andere eine
Harmonisierung der Zölle vor.
Die vorgeschlagene Abschaffung und Senkung der
Zölle wird erst in Kraft treten, wenn alle Teilnehmerstaaten der Uruguay-Runde bis zum 15. Dezember
zustimmen.

AMERIKA DIENST 47

Nicht alle Länder waren mit den unterbreiteten tarifären Konzessionen einverstanden. Die Vereinigten
Staaten, Kanada und Australien sprachen sich dafür
aus, Hongkong, Japan, die Philippinen, Südkorea und
Singapur stimmten einem Großteil der Vorschläge zu.
Die Zustimmung war in den einzelnen Bereichen verschieden: Zehn Länder vereinbarten Zollfreiheit bei
Elektrogeräten, bei Spielwaren waren es nur fünf.
Dem amerikanischen Handelsbeauftragten Mickey
Kantor zufolge hat der Handel mit diesen Produkten
unter den APEC-Staaten, ausgenommen China und
Taiwan, jährlich einen Wert von 250 Milliarden Dollar.
"Wir gaben eine zusätzliche Erklärung ab, in der wir
unserer kollektiven Bereitschaft zur Rückkehr an den
Genfer Verhandlungstisch Ausdruck verliehen, um
einen umfassenden Marktzugang für Industrieprodukte zu erzielen", stellte Kantor fest.
Eine nicht namentlich genannte Vertreterin der Vereinigten Staaten bezeichnete die Vorschläge im Zollbereich als kühnen Schritt. Bei den meisten Verhandlungen gäben die Teilnehmer für gewöhnlich ihr letztes
Angebot nicht vor Abschluß des Verfahrens bekannt.
"Es sieht vielleicht nicht nach einer großen Sache aus,
aber das ist es", äu ßerte sie. Die im Juli unterbreiteten
Vorschläge seien nicht auf so viel Zustimmung gestoßen, wie die Vierergruppe gehofft hatte. Die jüngsten
Vorschläge beträfen auch Sektoren, die für die nicht
der Vierergruppe angehörenden Staaten von größerem Interesse seien.
Die wenigen bis zum Abschluß der Uruguay-Runde
verbleibenden Wochen würden nicht einfach sein,
aber der Vorschlag der APEC-Staaten könnte die für
einen erfolgreichen Abschluß erforderliche Dynamik
liefern, erklärte sie.
Zur Zufriedenheit der Vereinigten Staaten enthielt die
APEC-Erklärung starke Unterstützung für das im vergangenen Jahr abgeschlossene Blair House-Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union zur Beilegung der Meinungsverschie-

Seite 1

�denheiten über Agrarhandel, die seit Jahren Fortschritte bei der Uruguay-Runde verhindert hatten.
Frankreich hat infolgedessen das Abkommen gekündigt.

Das war einigen Delegationen zu viel. Die Minister
baten die renommierten Persönlichkeiten statt dessen
um die Umformulierung ihrer Empfehlungen und Berichterstattung in einem Jahr.

Den APEC-Ministem zufolge bedeutete das Blair HouseAbkommen bereits eine Abkehr von einem zuvor vom
Generaldirektor des Allgemeinen Zoll-und Handelsabkommens (GATT) im Entwurf vorgelegten durchgreifenderen Agrarvorschlag.

In seiner Ansprache vor den APEC-Ministern am 19.
November 1993 schlug Präsident Clinton weitere kleine Schritte für Fortschritte beim APEC vor: Ein Treffen
der APEC-Finanzminister, einen runden Tisch für
Unternehmer aus dem asiatisch-pazifischen Raum
sowie die Gründung einer asiatisch-pazifischen Stiftung für Bildung.

"Alle weiteren Bestrebungen zur Verwässerung des
Ergebnisses würden die Fähigkeit aufs Spiel setzen,
generell akzeptable Ergebnisse im Agrarbereich zu
erzielen", stellte die APEC-Erklärung fest.
Die APEC-Minister einigten sich auf einen kleinen
Schritt, mit dem das APEC von einem rein konsultativen Forum zu einem mit der Formulierung politischer
Maßnahmen betrauten werden soll, indem ein von den
Vereinigten Staaten vorgeschlagener Ausschuß für
Handel und Investitionen gegründet wird.
Weit von einem Forum für die Durchführung von
Handelsgesprächen entfernt, wird der Ausschuß jährlich über Handelshemmnisse unter den APEC-Staaten berichten.

Diese Vorschläge schienen den anderen Teilnehmern
akzeptabel.
Clinton verwies auf die Intention der Vereinigten Staaten für ein weiteres politisches und wirtschaftliches
Engagement in Asien.
"Wir beabsichtigen nicht, die Kosten unserer Militärpräsenz in Asien und die Lasten der regionalen Führungsrolle zu tragen, nur um von den durch Stabilität
hervorgerufenen Wachstumsvorteilen ausgeschlossen
zu werden", fügte der Präsident hinzu.
Obwohl die Vereinigten Staaten seit langem Handelsdefizite mit allen außer einem APEC-Mitgliedstaat
hätten, so Clinton, eigneten sich ihre wachsenden
Volkswirtschaften gut für künftige amerikanische
Exporte.

Die Minister haben keinen der in dem Bericht einer
"Gruppe renommierter Personen" unterbreiteten provokativen Vorschläge über eine Vision des APEC
unterstützt. Unter anderem sah der Bericht vor, freien
Handel zum obersten Ziel des APEC zu erklären und "Waren und Dienstleistungen - bei denen wir stark
einen Terminplan für die Verwirklichung dieses Ziels sind, wie etwa Flugzeugbau, Finanzdienstleistungen,
Telekommunikation und Infrastruktur - sind vornehmab 1996 festzusetzen.
lich das, was Asien bei seinem Wachstumsmuster
verfolgen muß", stellte Clinton fest.
*

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 47

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                <text>&lt;strong&gt;1. NAFTA&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton begrüßt NAFTA als Erweiterung der amerikanischen Rolle in der Weltwirtschaft &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;NAFTA-Abstimmung im Repräsentantenhaus verleiht Clintons Bestrebungen zur Handelserweiterung Auftrieb &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Gespräche Gores in Mexiko vorgesehen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Repräsentantenhaus verabschiedet NAFTA nach heftigen Debatten &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Mehr Zustimmung als erwartet&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Verbrechensbekämpfung&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Clinton ruft zur Unterstützung des Gesetzes zur Verbrechensbekämpfung auf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Präsidenten in Memphis&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. USA-Asien&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wachsende Bindungen der USA zu asiatischen Nationen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede Christophers in der Washington University&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. APEC&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;APEC-Staaten vereinbaren Zollsenkungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ergebnisse der Ministertagung&lt;/em&gt;</text>
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amcrika
dienet

Herausgeben U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462C
1. Dezember 1993

48

US-REGIERUNG

CLINTON: ERSTES AMTSJAHR EIN ERFOLG
Radioansprache des Präsidenten

APEC

APEC-TREFFEN FORDERT STÄRKERE
REGIONALE IDENTITÄT
Ausführungen Präsident Clintons

WIRTSCHAFTSVISION DES APEC
Abschlußerklärung der Konferenzteilnehmer

GATT

KANTOR ZUVERSICHTLICH ÜBER
ABSCHLUSS DER URUGUAY-RUNDE
Auftrieb für NAFTA und APEC erwartet

USA-EUROPA

WARUM ES AUF EUROPA ANKOMMT
Rede Oxmans vor dem Baltimore Council
on Foreign Relations

MENSCHENRECHTE

USA BENENNEN GRAVIERENDE
MENSCHENRECHTSVERLETZER
Erklärung vor Drittem Ausschuß der
UN-Generalversammlung

US-MILITAR

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

AUCH SIE DIENEN:
FRAUEN IM US-MILITÄR
von Michele McCormick

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-3341 02

�US-REGIERUNG
1. Dezember 1993

CLINTON: ERSTES AMTSJAHR EIN ERFOLG
Radioansprache des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - In einer Radioansprache am 27. November 1993 erklärte Präsident Clinton, seine
Regierung habe während seines ersten Jahres im Amt "mehr wichtige Gesetze verabschiedet... als jede andere
Administration in den vergangenen 40 Jahren".
Nachfolgend veröffentlichen wir den Text der Rede des Präsidenten im Wortlaut.

In dieser Woche hat meine Familie wie die meisten
amerikanischen Familien das Erntedankfest gefeiert.
Wir versammelten uns um einen mit den Gaben unseres großartigen Landes gedeckten Tisch und dankten
dem Herrn für alles, das wir haben und alles, auf das
wir hoffen können.
Kein Feiertag hat eine längere amerikanische Tradition als das Erntedankfest. In der Tat hat kein Volk
mehr Grund dankbar zu sein, weil kein Volk gesegneter ist. Dieser Feiertag signalisiert auch, daß sich das
dem Ende zuneigt - die Zeit, in der viele von uns Bilanz
ziehen und Besinnung üben. Für unsere Nation war es
in jeder Hinsicht ein ereignisreiches Jahr.
Während meiner Reisen durch das Land und in Briefen
von meinen amerikanischen Mitbürgern fühlte ich mich
berührt und ermutigt durch die zum Ausdruck gebrachte Unterstützung für die von uns vorgenommenen
Veränderungen und erzielten Fortschritte. Es war ein
guter Anfang - die Inflationsrate ist gesunken, die
Zinssätze sind auf einem Rekordtiefstand, das Defizit
wurde abgebaut, die Investitionen sind im Anstieg
begriffen. Viele der heutigen Zuhörer zählen zu den
Millionen Amerikanern, die ihre Häuser oder Unternehmen im letzten Jahr aufgrund der gesunkenen Zinsen
neu finanziert haben. Und in den vergangenen 10
Monaten hat die Wirtschaft mehr Arbeitsplätze im
Privatsektor geschaffen als in den letzten 4 Jahren zusammengenommen.
Der Kongreß hat dem Nordamerikanische Freihandelsabkommen zugestimmt, und ich bin nach Seattle
gereist, um mit Wirtschaftsvertretern aus dem asiatisch-pazifischen Raum zusammenzutreffen. Ich weiß
jetzt, daß ich mit Exportzuwächsen den Motor zur
Schaffung von Arbeitsplätzen noch weiter beschleunigen kann.

AMERIKA DIENST 48

Wir konnten noch sehr viel mehr tun, um unseren
Arbeitnehmern und Familien zu helfen. Der Kongreß
hat ebenfalls eine Gesetzesvorlage über Urlaub aus
familiären Gründen und Krankenurlaub verabschiedet, dem ich mit meiner Unterschrift Gesetzeskraft
verliehen habe. Die Arbeitnehmer haben jetzt das
Recht auf Urlaub, damit sie sich ohne ihren Arbeitsplatz zu verlieren um einen kranken Familienangehörigen oder ein neugeborenes Baby kümmern können.
Das Gesetz wird dazu beitragen, die Vereinigten Staaten zu einem Ort zu machen, an dem man gleichzeitig
erfolgreich seiner Tätigkeit nachgehen und seine Rolle
als Elternteil wahrnehmen kann.
Darüber hinaus haben wir durch die Reform des Gesetzes
über Kredite für einen Collegebesuch Schritte zur
Unterstützung unserer Studenten unternommen, die
jetzt leichter einen Kredit erhalten - zu niedrigeren
Zinssätzen und besseren Rückzahlungsbedingungen
sowie strengeren Vorschriften über die Rückzahlungskonditionen.
Wir haben das Gesetz über den Nationalen Sozialdienst unterzeichnet, dank dem binnen drei Jahren
100.000 junge Amerikaner Geld für ihre Collegeausbildung verdienen können, während sie gleichzeitig ihre
Gemeinden von der Basis aus wiederaufbauen.
Wir erhielten in beiden Häusern des Kongresses die
Zustimmung zu unseren Reformen für die Finanzierung von Wahlkampagnen. Und wenn der Kongreß
wieder zusammentritt - wenn das Repräsentantenhaus und der Senat es billigen - können wir noch sehr
viel mehr tun, um die Lobbyisten aus unseren Kongreßwahlen und damit aus unserem Entscheidungsfindungsprozeß herauszuhalten.
Wir haben ein Wirtschaftsprogramm verabschiedet,
das Arbeitnehmerfamilien mit Kindern echte Steuerer-

Seite 1

�leichterungen gewährt um sicherzustellen, daß jederin
diesem Land mit einer 40-Stunden-Woche und Kindern nicht mehr unterhalb der Armutsgrenze leben
muß. Aber es bleibt noch viel zu tun.

Jede dieser Veränderungen, jeder von uns unternommene Schritt muß an einem Arbeitsplatz gemessen
werden, den eine Mutter oder ein Vater findet, einer
Chance, die ein Kind erhält, an besseren Zukunftsaussichten für einen Geschäftsmann, oder an sichereren
Unter der Schirmherrschaft der First Lady haben wir Straßen und einer sichereren Zukunft. Jeder Schritt
jetzt einen Vorschlag zur Gesundheitsreform unter- nach vorne, der zur Wiederbelebung unserer Wirtbreitet. Ich hege die Hoffnung, daß der Kongreß vor schaft, unserer Gemeinden, unserer Familien beiträgt,
Ende nächsten Jahres einen Plan billigen wird, der ist ein Schritt, der es wert ist, unternommen zu werden.
jedem Amerikaner lebenslang umfassende Gesund- Letztlich werden diese Schritte jedoch nur Bestand
heitsfürsorge gewährleistet.
haben, wenn wir zusammen größere Anstrengungen
unternehmen, um die Vereinigten Staaten von innen
Die Gesetzesvorlage über Verbrechensbekämpfung
heraus zu erneuern. Wir müssen uns um die vielen
ist von beiden Häusern des Kongresses verabschiedet
Familien kümmern, die völlig zusammengebrochen
worden. Im Rahmen dieses Gesetzes werden wir
sind, die jungen Frauen, die illegitime Kinder zur Welt
mehr Polizeistreifen auf den Straßen haben - bis zu
bringen. Diese Probleme erfassen unser Land von
100.000 Polizisten, mehr Gefängnisse bauen, Lager
allen Seiten - und über alle Rassenschranken hinweg.
für erstmals straffällig gewordene Jugendliche einrichWir müssen besorgt sein, daß sich ohne die Struktur,
ten, Handfeuerwaffen verbieten. Wir müssen jedoch
die Disziplin, den Familienzusammenhalt zu viele Kinder
noch einige Meinungsverschiedenheiten ausräumen
mit einer Zukunft bar jeder Hoffnung konfrontiert seund diesen Gesetzentwurf Anfang kommenden Jahhen. Zu viele Kinder leben heute mit zu wenig Hoffres verabschieden.
nung, zu wenig Liebe und zu wenig Disziplin.
Wir machen Fortschritte beim Kampf gegen das Verbrechen. Kurz bevorder Kongreß sich vertagte, hat er Wir müssen besorgt sein, daß sowohl in unseren
einem Gesetz zugestimmt, das eine Wartezeit von 5 Städten als auch den ländlichen Gebieten der Wert
Tagen vor dem Kauf einer Handfeuerwaffe festsetzt, des Lebens herabgewürdigt wird. Zu viele Kindertöten
damit Alter und Geisteszustand des Käufers geprüft andere Kinder mit Vernichtungswaffen, die wirksamer
sowie ein polizeiliches Führungszeugnis eingeholt und moderner sind als die der Polizei, die Menschen
werden können. Diese Maßnahme war ein nationaler schützen soll.
Sieg im Kampf gegen Verbrechen und Gewalt. Und ein Was uns anbetrifft, so arbeiten wir hart, um wirtschaftsehr persönlicher Sieg für Jim und Sarah Brady - eine liche Sicherheit, gesicherte Gesundheitsfürsorge und
von Gewalt heimgesuchte Familie, die ihre Tragödie in Sicherheit in den Gemeinden zu gewährleisten, damit
einen Triumph umgewandelt hat, indem sie sieben auf diese Weise ein Teil der Belastungen gemildert
lange Jahre um die Verabschiedung dieses wichtigen werden kann, die unsere Familien zu tragen haben.
Gesetzes kämpfte, um uns vor Personen zu schützen, Wir arbeiten hart, um den für die amerikanischen
denen der Besitz oder die Benutzung von Handfeuer- Arbeitnehmerfamilien vorteilhaften, die Welt erfassenwaffen nicht gestattet werden sollte. Wir haben mit der den Veränderungen eine Chance zu geben. Es wurde
Verabschiedung der Brady-Gesetzesvorlage lange einmal gesagt, die Familie sei der Test für die Freiheit.
gewartet, aber dies ist nur das jüngste Beispiel dafür, Sie stellt unsere Freiheit und unser Verantwortungsbewie wir den im letzten Wahlkampf versprochenen wußtsein auf die Probe. Und das ist der stichhaltigste
Wandel in Washington bewirkt haben.
Grund, den Familienzusammenhalt zu bewahren und
In den ersten 10 Monaten haben wir die Pattsituation
überwunden. Wir haben einen Großteil dessen erreicht, was ich in meinem ersten Jahr bewirken wollte.
Viele der Veränderungen, von denen ich in meinem
Präsidentschaftswahlkampf gesprochen habe, werden jetzt verwirklicht. Tatsache ist, daß dem äußerst
renommierten Congressional Quarterly zufolge diese Administration in Zusammenarbeit mit beiden Parteien mehr wichtige Gesetze verabschiedet hat als
jede Administration in den vergangenen 40 Jahren.

4t

Seite 2

die schweren Lasten zu mildem zu versuchen, die seit
nunmehr fast 30 Jahren die Bürde für die Familien
erschwert haben.
Meine amerikanischen Mitbürger, während wir an diesem
hochgeschätzten Feiertag für das danken, was wir
haben, sollten wir uns vor Augen führen, was so viele
Millionen Amerikaner nicht haben. Wir sollten uns
erinnern, was Arbeit und Familie für ein bürgerliches
Leben bedeuten. Wir können die Grundstruktur unserer Gesellschaft nur wiederherstellen und erneuern,
wenn wir beides aufbauen - Arbeit und Familie.
Gemeinsam können wir es schaffen, glaube ich.

*

AMERIKA DIENST 48

�APEC
1. Dezember 1993

APEC-TREFFEN FÖRDERT STÄRKERE
REGIONALE IDENTITÄT
Ausführungen Präsident Clintons
Aus Anlaß des Treffens führender Politiker des Forums für asiatisch-pazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit
(Asia-Pacific Economic Cooperation Forum -APEC) in Seattle machte Präsident Clinton am 20. November 1993
folgende Ausführungen:

Meine Damen und Herren, wir nähern uns dem Ende
der APEC-Konferenz und haben gerade ein dreistündiges Treffen zwischen 14 Wirtschaftsvertretern des
APEC abgehalten. Es warfür mich eine Freudeund für
die Vereinigten Staaten eine Ehre, Gastgeber des
historischen Treffens auf dieser schönen Insel zu sein.
Die asiatisch-pazifische Region ist für unsere Nation
und die Welt in zunehmendem Maße von entscheidender Bedeutung. In dieser Region leben 40 Prozent der
Weltbevölkerung, sie umfaßt die am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt, und die hier anwesenden führenden Politiker repräsentieren die Hälfte
des globalen wirtschaftlichen Outputs.
Die Ereignisse dieser Woche waren für alle Völker der
Region ein Erfolg. Wir haben die Grundlage für
regionale Bestrebungen zur Schaffung von Arbeitsplätzen, Erhöhung der Einkommen, Erweiterung der
wirtschaftlichen Chancen und Förderung von Harmonie in der Region gelegt. Diese Woche haben wir
mehrere deutliche Schritte zur Erreichung dieser Ziele
unternommen.
Am Montag und Dienstag sind 1.500 Wirtschaftsvertreter zusammengetroffen, um über das Potential der
Region zum Ausgleich ihrer Handelsbilanzen zu beraten. Gegen Ende der Woche einigten sich unsere
Minister auf ein Maßnahmenpaket zur Marktöffnung,
das zu einem erfolgreichen Abschluß der UruguayRunde multilateraler Handelsgespräche bis zum 15.
Dezember 1993 beitragen soll. Auf der Ministertagung
einigte man sich auf die Entwicklung eines Aktionsplans in der nahen Zukunft zum Abbau der Hemmnisse, die das Wirtschaftsleben in der gesamten Region
behindern, beispielsweise unterschiedliche Produktnormen.

AMERIKA DIENST 48

Der krönende Abschluß der Aktivitäten dieser Woche
war das erstmalige Treffen der Staats- und Regierungschefs. Die heute morgen von uns geführten
Gespräche, die wir am Nachmittag fortsetzen werden,
geben uns die Möglichkeit, besser miteinander bekannt zu werden und unsere Visionen für unsere
eigene Nation sowie unsere vielfältige und dynamische Region miteinander zu vergleichen. Du rch u nser
Treffen und unsere Gespräche konnten wir eine stärkere regionale Identität und ein erhöhtes Bewußtsein
für ein gemeinsames Ziel zu fördern. Dieses Ziel ist in
der Abschlußerklärung enthalten, die wir gerade bekanntgegeben haben.
Die Erklärung legt unsere gemeinsamen Ansichten
über eine Wirtschaft der Region dar, die von Offenheit,
Zusammenarbeit, dynamischem Wachstum, erweitertem Handel, verbessertem Verkehrs- und Kommunikationswesen sowie hochwertigen und gutbezahlten
Arbeitsplätzen gekennzeichnet ist. Wir begrüßen den
von der Gruppe renommierter Persönlichkeiten gemachten, eine Herausforderung darstellenden Vorschlag zur Einführung von Freihandel in der asiatischpazifischen Region, Förderung der weltweiten Liberalisierung des Handels und zum Beginn konkreter,
spezifischer Programme zur Erreichung dieser langfristigen Ziele.
Bei unseren am gestrigen Abend und heute geführten
Gesprächen war ich erstaunt, wie viele gemeinsame
Prioritäten wir haben - stabiles, umweltverträgliches
Wirtschaftswachstum, offenere Märkte, bessere Arbeitsplätze, verbesserte Lebens- und Arbeitsbedingungen für unser Volk, bessere Ausbildung für unsere
Kinder und Erwachsenen sowie Schutz der einzigartigen Natur in der Region.

Seite 1

�Natürlich sind wir uns nicht immer über die Wege zur
Erlangung dieser Ziele einig. Aber zumindest verfügt
unsere Region heute zum ersten Mal über ein Mittel,
ernsthafte politische Gespräche über Fragen wie beispielsweise den Abbau von Handelshemmnissen oder
die Beibehaltung eines stabilen Wirtschaftswachstums zu führen.
Wenn ich unsere Vereinbarungen kurz zusammenfassen sollte, würde ich folgendes sagen: Wir haben uns
für eine geeinte, nicht gespaltene asiatisch-pazifische
Region ausgesprochen. Wir stimmten darin überein,
daß wir offene, nicht geschlossene Volkswirtschaften
haben sollten. Wir wollen dieser Überzeugung Ausdruck verleihen, indem wir alles in unserer Macht
Stehende unternehmen, um bis zum 15. Dezember ein
gutes GATT-Abkommen zu erzielen.

Durch das heutige Treffen helfen wir der asiatischpazifischen Region, eine echte Gemeinschaft zu werden - keine formale, juristische Struktur, sondern eine
Gemeinschaft von Staaten mit gemeinsamen Interessen, gemeinsamen Zielen und einem gemeinsamen
Engagement für Zusammenarbeit zum Nutzen aller.
Die Entwicklung dieser Gemeinsschaft liegt sicherlich
im Interesse des amerikanischen Volkes und aller
Völker in der Region. Wir sollten uns über die erzielten
Fortschritte freuen. Und ich möchte nochmals im
Namen der Vereinigten Staaten betonen, daß es für
uns eine Ehre war, die vielen führenden Politiker hier
begrüßen zu dürfen.
Ich danke Ihnen.

* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 48

�APEC
I.Dezember 1993

WIRTSCHAFTSVISION DES APEC
Abschlußerklärung der Konferenzteilnehmer
SEATTLE - (AD) - Bei dem vom 18. bis 20. November 1993 in Seattle anberaumten Treffen der Minister sowie
Staats- und Regierungschefs des Forums für asiatisch-pazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit (Asia Pacific
Economic Cooperation - APEC) gaben die Teilnehmer folgende Abschlußerklärung über ihre Wirtschaftsvision
ab.

Wir haben ein beispielloses Treffen der Wirtschaftsvertreter des Forums für asiatisch-pazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit abgehalten. In dieser Zeit nach
dem Kalten Krieg bietet sich uns die Chance einer
neuen Wirtschaftsgrundlage für den asiatisch-pazifischen Raum, die der Dynamik unserer unterschiedlichen Volkswirtschaften Rechnung trägt, die Zusammenarbeit verbessert und Wohlstand fördert.
Unser Treffen berücksichtigt die Mitsprache des aufstrebenden asiatisch-pazifischen Raums in internationalen Angelegenheiten. An der Schwelle zum 21.
Jahrhundert wird unsere dynamische Region, die 40
Prozent der Weltbevölkerung und 50 Prozent ihres
Bruttosozialprodukts ausmacht, unseres Erachtens
eine wichtige Rolle in der Weltwirtschaft spielen und
den Weg zu Wirtschaftswachstum und Erweiterung
des Handels ebnen.
Die Grundlage unseres Wirtschaftswachstums ist das
offene multilaterale Handelssystem. Aus diesem Grund
unternehmen wir größte Anstrengungen zu einem
erfolgreichen Abschluß der Uruguay-Runde bis zum
15. Dezember. Wir sind entschlossen zu einer Führungsrolle der asiatisch-pazifischen Region bei konkreten Schritten, in Genf das bestmögliche Ergebnis
zu erzielen. Die zunehmende Beteiligung der APECLänder an einem gestärkten GATT-System wird darüber hinaus größere regionale Zusammenarbeit erleichtern.
Unser Erfolg war das Ergebnis der Fähigkeit unserer
Gesellschaften, sich an wandelnde Gegebenheiten
anzupassen. Unsere Volkswirtschaften streben nach
Interdependenz und es besteht ein Zusammengehörigkeitsgefühl unter uns. Wir sind geeint in unserem
Engagement zum Aufbau einer Zukunft mit Stabilität
und Wohlstand für unsere Völker.

AMERIKA DIENST 48

In Anerkennung unserer wirtschaftlichen Interdependenz sowie unserer wirtschaftlichen Vielfalt stellen wir
uns eine Gemeinschaft asiatisch-pazifischer Volkswirtschaften vor, in der
der Geist der Offenheit und Partnerschaft vertieft wird und uns gestattet, kooperative Lösungen für die Herausforderungen unserer sich
rasch verändernden regionalen und globalen
Wirtschaft zu finden.
Wir sind ein riesiger asiatisch-pazifischer Markt
mit 2 Milliarden Menschen, in dem dynamisches
Wirtschaftswachstum andauert und zu einer expandierenden Weltwirtschaft sowie der Unterstützung eines offenen internationalen Handelssystems beiträgt.
Wir werden weiterhin Hemmnisse für Handel
und Investitionen abbauen, damit unser Handel
innerhalb der Region und mit der Welt expandieren kann und ein freier Fluß von Waren, Dienstleistungen, Kapital und Investitionen zwischen
unseren Volkswirtschaften gewährleistet ist.
Unsere Völker profitieren gemeinsam vom Wirtschaftswachstum durch höhere Einkommen,
hochqualifizierte und gutbezahlte Arbeitsplätze
sowie größere Mobilität.
Verbesserte Aus- und Fortbildung führt zur
Verringerung des Analphabetentums, bietet die
Qualifikationen für die Aufrechterhaltung des
Wirtschaftswachstums und ermutigt einen Kunst
und Wissenschaft fördernden Ideenaustausch.
Fortschritte im Telekommunikations- und Transportwesen verringern den Zeitverlust und die
Entfernungen innerhalb unserer Region und

Seite 1

�verbinden unsere Volkswirtschaften, damit Waren Wir haben die Einberufung eines Treffens der APECund Menschen schnell und effizient transportiert Finanzminister zu Konsultationen über umfassende
werden können.
Wirtschaftsthemen einschließlich makroökonomischer
Entwicklungen und des Kapitalflusses vereinbart.
Unsere Umwelt wird verbessert, indem wir die Unseres Erachtens werden uns solche Diskussionen
Qualität der Luft, des Wassers und der Grünflä- bei der Bewältigung der die Region konfrontierenden
chen schützen und unsere Energiequellen sorg- Herausforderungen behilflich sein, bis hin zur Sicherfältig verwalten, um umweltverträgliches Wachs- stellung von nichtinflationärem regionalem Wachstum sicherzustellen und unseren Menschen eine tum, Finanzierung von Investitionen sowie Entwicksicherere Zukunft zu bieten.
lung von Infrastruktur und Kapitalmärkten.
Wir sind uns bewußt, daß diese Vision nur Realität
wird, wenn wir gemeinsam aktiv an ihrer Verwirklichung arbeiten. Wir sind überzeugt, daß wir Erfolg
haben können. Wir beabsichtigen, unsere gemeinsame Vision als Leitfaden für die künftige Entwicklung
unserer Region zu benutzen.
Wir bekräftigen unsere Unterstützung für die kontinuierliche Entwicklung des APEC als Forum, das sich
dem Hervorbringen greifbarer wirtschaftlicher Vorteile
fürdie Region verschrieben hat. Wirfordern das APEC
zur Erweiterung seines wirtschaftlichen Dialogs und zu
Fortschritten bei spezifischen Arbeitsprojekten auf.
Der Unternehmergeist und die marktorientierten
Maßnahmen, die unsere wirtschaftliche Dynamik geleitet haben, werden im APEC weiterhin gefördert.

Wir fordern die Unternehmer zur Gründung eines
pazifischen Wirtschaftsforums auf, um vom APEC
anzusprechende Themen zur Erleichterung von regionalem Handel und Investitionen auszumachen und die
weitere Entwicklung von Unternehmensnetzen in der
gesamten Region zu erleichtern. Darüber hinaus
fordern wir das APEC zur Intensivierung seines politischen Dialogs über kleine und mittelständische Unternehmen auf.

Wir stimmen überein, Investitionen in nachfolgende
Generationen durch die Gründung eines APEC-Bildungsprogramms zu tätigen, um regionale Zusammenarbeit bei weiterführender Bildung zu fördern,
entscheidende regionale Wirtschaftsfragen zu studieren, die Qualifikation von Arbeitnehmern zu verbessern, kulturelle und akademische AustauschprogramWir begrüßen die in dem Bericht der renommierten
me zu erleichtern, die Mobilität der Arbeitskräfte zu
Persönlichkeiten des APEC enthaltene Herausfordeverbessern und das Verständnis der Vielfalt unserer
rung, freien Handel in Asien herbeizuführen, die globaRegion zu vertiefen. Wir sind uns über die Gründung
le Handelsliberalisierung voranzubringen und konkreeines APEC-Freiwilligenprogramms für Unternehmer
te Programme zur Verwirklichung dieser langfristigen
einig, um die Kooperation unter uns bei der EntwickZiele in die Wege zu leiten. Wir fordern das APEC auf,
lung von Humankapital und dem Austausch von UnterSchritte zur Vertiefung und Verbesserung der Ergebnehmensführung und -techniken zu fördern.
nisse der Uruguay-Runde zu unternehmen, die Liberalisierung von Handel und Investitionen in der Region zu
Als APEC-Mitglieder verpflichten wir uns zur Vertiebeschleunigen und regionale Zusammenarbeit in solfung unseres Zusammengehörigkeitsgefühls auf der
chen Bereichen wie Normen zu erleichtern.
Grundlage unserer gemeinsamen Vision zur Verwirklichung von Stabilität, Sicherheit und Wohlstand für
unsere Völker.
* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 48

�GATT
1. Dezember 1993

KANTOR ZUVERSICHTLICH ÜBER ABSCHLUSS
DER URUGUAY-RUNDE
Auftrieb für NAFTA und APEC erwartet

SEATTLE - (AD) - Auf die Erfolge beim Handel mit
Asien und Mexiko zurückblickend, ist der amerikanische Handelsbeauftragte Mickey Kantor optimistisch
über den Abschluß der seit langem festgefahrenen
Uruguay-Runde multilateraler Handelsgespräche bis
zum 15. Dezember 1993.

ment zur Lösung der verbliebenen schwierigen Fragen
bewiesen.

Am Morgen des 20. November äu ßerte sich Kantor vor
einem langen Sftzungstag mit den Wirtschaftsministern gegenüber Reportern, während Präsident Clinton zu einem Treffen mit führenden Politikern aus den
Pazifikanrainerstaaten in der Nähe der Stadt aufbrach.

Kantor ist am 22. und 23. November in Washington mit
EU-Kommissar Sir Leon Brittan zur Erörterung einiger
dieser Optionen zusammengetroffen.

Vor seiner Reise nach Seattle verfolgte Kantor den
entscheidenden Sieg Präsident Clintons bei der Abstimmung im Repräsentantenhaus über die Verabschiedung des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (North American Free Trade Agreement NAFTA) zwischen den Vereinigten Staaten, Mexiko
und Kanada.
In Seattle erzielte Kantor beim jährlichen Ministertreffen des Forums für asiatisch-pazifische wirtschaftliche
Zusammenarbeit (Asia-Pacif ic Economic Cooperation
- APEC) die Zustimmung zu einer eindeutigen Erklärung, die auf den Abschluß der Uruguay-Runde drängt
und jegliche Schwächung des Blair House-Abkommens zwischen den Vereinigten Staaten u nd der Europäischen Union (EU) zu im Zusammenhang mit der
Uruguay-Runde stehenden Agrarfragen ablehnt.
Darüber hinaus konnte Kantor Angebote mehrerer
APEC-Länder über den Abbau oder die Senkung von
Zöllen in Sektoren sichern, in denen die EU sich
solchen Angeboten widersetzt hatte, einschließlich
den Bereichen Elektronik, Holz und Papier.
"Meines Erachtens bedeutet das, daß wir jetzt eine
enorme Chance zur Beendigung der Uruguay-Runde
haben", erklärte Kantor bei dem Pressegespräch.
Ihm zufolge haben alle Teilnehmer der Uruguay-Runde bei den Verhandlungen in Genf echtes EngageAMERIKA DIENST 48

"Ich glaube, wir alle sehen die uns zur Verfügung
stehenden Optionen bei der Bewältigung dieses Themenkomplexes", fügte Kantor hinzu.

Die Aussicht auf stärkere Handelsbeziehungen der
Vereinigten Staaten zu Lateinamerika, der am zweitschnellsten wachsenden Wirtschaftsregion der Welt,
sowie mit Asien und dem Pazifik, der am schnellsten
wachsenden Region, müßten laut Kantor Einfluß auf
die EU haben.
"Meiner Ansicht nach konnte den Partnern in Genf die
Bedeutung dessen nicht entgehen, was hier stattgefunden hat", so Kantor, "und meines Erachtens bewirkt
es einen Unterschied."
UnterdemFast-Track-Mandat, das die Beteiligung der
Vereinigten Staaten an der Uruguay-Runde regelt,
muß Präsident Clinton den Kongreß bis zum 15.
Dezemberdavon in Kenntnis setzen, ob er ein Abkommen zur Annahme vorlegen will. Der Kongreß muß
gemäß dem Fast-Track-Mandat jedes Abkommen
innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens ohne Abänderungsantrag annehmen oder ablehnen.
"Wir beabsichtigen, dem Kongreß bis zum 15. Dezember nicht die Umrisse des Pakets, sondern seinen
wesentlichen Inhalt vorzulegen", erklärte Kantor. "Es
gibt vielleicht noch technische Schwierigkeiten, die
nicht geregelt wurden."
"Man muß bestimmte Einzelheiten, wenn nicht sogar
genauere Einzelheiten wissen, um dem Kongreß ein
Abkommen vorlegen zu können", fuhr er fort. "Wir
halten das heute durchaus für möglich."

Seite 1

�Auf dem APEC-Treffen äußerte Kantor, er sei zufrieden mit der relativ unbedeutenden Übereinkunft, einen
Ausschuß für Handel und Investitionen ins Leben zu
rufen, wodurch die Funktion der Gruppe von bloßer
Konsultation zur Festsetzung der Handelspolitik aufgewertet werde.
Einige Mitglieder des Verbands Südostasiatischer
Nationen (Association of South-East Asian Nation ASEAN), insbesondere Malaysia, haben starken Einspruch gegen jegliche Institutionalisierung des APEC
erhoben.
"Man braucht ein Gefühl dafür... wie vorsichtig man
sein muß, um nichts Unmögliches zu verlangen", so
Kantor. "Das letzte was wir wollen wäre, ... diese
Organisation zu etwas zu drängen, das ihre Mitglieder
nicht wollen oder in politischer Hinsicht nicht können."
Dennoch werde das APEC in Zukunft mehr Funktionen übernehmen, prognostizierte er.

Handelsdefizit der Vereinigten Staaten mit China in
Höhe von mehr als 20 Milliarden Dollar als wirtschaftlich und politisch untragbar.
Der US-Handelsbeauftragte zeigte sich zuversichtlich
im Hinblick auf eine Beilegung der Konflikte über den
Zugang amerikanischer Waren und Dienstleistungen
zum chinesischen Markt, illegale Lieferungen durch
Drittländer zur Umgehung amerikanischer Importquoten für Textilien sowie den Schutz von Patenten und
Urheberrechten.
"Ohne die Vorgänge in privaten Treffen anzusprechen", so Kantor "möchte ich nur betonen, daß wir in
bezug auf die Fähigkeit der Vereinigten Staaten, all
diese Fragen mit den Chinesen zu erörtern und substantielle und bedeutende Fortschritte zu erzielen,
nicht pessimistisch sind."

Zu einem anderen Thema verlieh Kantor seiner Erwartung Ausdruck, die Vereinigten Staaten könnten Be"Was jetzt geschehen wird, ist mit einem fahrenden denken der neuen kanadischen Regierung ausräuZug zu vergleichen, der den Bahnhof verläßt und men, die Kanada von dergeplanten Inkraftsetzung des
NAFTAam 1. Januar 1994 abhaltenwürden. Dennoch
immer schneller wird."
machte er entschieden deutlich, es werde keine NeuKantor sprach auch sein Treffen mit dem chinesischen verhandlung energiepolitischer Fragen geben.
Wirtschaftsminister an und bezeichnete das derzeitige
* * * *

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*

AMERIKA DIENST 48

�USA - E U R O P A
1. Dezember 1993

WARUM ES AUF EUROPA ANKOMMT
Rede Oxmans vor dem Baltimore Council on Foreign Relations
BALTIMORE - (AD) - Stephen A. Oxman, Abteilungsleiter für europäische und kanadische Angelegenheiten im
US-Außenministerium, ist der Ansicht, daß Europa intergraler Bestandteil der Außenpolitik der Vereinigten
Staaten bleiben wird.
In einer am 15. November 1993 vor dem Baltimore Council on Foreign Relations gehaltenen Rede erklärte
Oxman, Europa und die Vereinigten Staaten blickten auf eine lange Geschichte gemeinsamer Ziele und Werte
zurück.
"Wir stehen für dieselben fundamentalen Werte: Demokratie, wirtschaftliche Chancen, Frieden. Wir verfolgen
beide diese hehren Ziele - für uns und für die übrige Welt", äußerte er.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede Oxmans im Wortlaut.

Meine Damen und Herren, ich freue mich, heute abend
bei Ihnen zu sein und vor einem solch renommierten

Forum sprechen zu dürfen. Mein Dank gilt Dr. Burdfür
die Einladung und Herrn Jacobs für seine freundlichen
Einführungsworte.
Sie werden vielleicht bemerkt haben, daß meine Ausführungen den Titel "Warum es auf Europa ankommt"
tragen. Bevor ich die darin enthaltene Frage "Kommt
es auf Europa an?" beantworte, sollten wir uns zuerst
fragen "Was ist Europa?" Europa ist in vielerlei Hinsicht einer der erstaunlichsten Teile unseres Globus.
Dort finden sich mehr souveräne Staaten auf weniger
Fläche als in jedem anderen Teil der Erde - und sie sind
natürlich von größter kultureller und historischer Bedeutung für die Vereinigten Staaten und die Welt.
Ich möchte mit der EG beginnen, den zwölf Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaft, die jetzt nach
Inkrafttreten des Vertrags von Maastricht als Europäische Union (EU) bezeichnet wird. Auf diese Länder
entfallen 1,3 Prozent der Erdoberfläche - oder ungefähr ein Viertel des Territoriums der Vereinigten Staaten. Die zwölf EU-Mitgliedstaaten haben eine Bevölkerung von 350 Millionen Menschen, das sind 6 Prozent der Weltbevölkerung und ungefähr 40 Prozent
mehr als die Bevölkerung der Vereinigten Staaten.
Das bedeutet, daß 350 Millionen Menschen auf einer
Fläche wohnen, die dreimal so groß wie der Bundesstaat Texas ist.

AMERIKA DIENST 48

Noch erstaunlicher ist vielleicht, daß auf diese 12
Staaten, die einen solch kleinen Anteil der Erdoberfläche ausmachen, nahezu 22 Prozent des weltweiten
Bruttosozialprodukts - 5,5 Billionen Dollar - entfallen.
Das Bruttoinlandsprodukt der Vereinigten Staaten ist
ein wenig höher - 5,7 Billionen Dollar.
Natürlich ist Europa sehr viel mehr als die 12 Länder
der Europäischen Union. Selbst ohne die ehemalige
Sowjetunion umfaßt Europa 24 Staaten. Insgesamt
gesehen machen diese 36 Länder nur 3,3 Prozent der
Erdoberfläche aus, und mit 573 Millionen Einwohnern
stellen sie 10 Prozent der Weltbevölkerung. Dennoch
erzeugen sie ein Bruttoinlandsprodukt von nahezu 7
Billionen Dollar - 27,3 Prozent des weltweiten Bruttosozialprodukts.
Aus diesem Blickwinkel muß Europa als das gesehen
werden, was es ist: Ein Gigant.
Die Tatsache, daß ich mich heute abend verpflichtet
fühle, Sie an die Bedeutung Europas zu erinnern, trägt
der zunehmenden Verbreitung der Annahme Rechnung, Europa sei für Wohlstand und Sicherheit der
Vereinigten Staaten nicht länger wichtig. Nichts wäre
weniger zutreffend.
Diese Administration ist sich bewußt, daß nach dem
Ende des Kalten Krieges neue au ßenpolitische Ansätze erforderlich sind. Wir müssen uns aber auch vor
Augen führen, daß Europa eindeutig integraler Be-

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�standteil unserer Außenpolitik bleibt. Ich möchte die Heute ist die Situation anders, die Herausforderung
Zeit heute dazu nutzen, die Gründe hierfür anzuführen jedoch ähnlich. Statt uns aus Europa zurückzuziehen,
und darzulegen, was die Clinton-Administration zur müssen wir unsere Partnerschaft erneut stärken, inStärkung der europäisch-amerikanischen Partnerschaft dem wir neue Ziele auf der Gru ndlage unserer gemeinunternimmt.
samen Werte festsetzen und zusammen über die zur
hrer Erreichung erforderlichen Mittel entscheiden. Etwas
Die Herausforderung
anderes zu tun - Europa mit "wohlwollender Vernachlässigung'' zu behandeln - würde eine Bedrohung für
Einige von Ihnen erinnern sich vielleicht an den Film
unsere Wirtschaft und Sicherheitsinteressen darstel"Der Kandidat" mit Robert Redford. Gegen alle Widriglen und das große Potential aufs Spiel setzen, das die
keiten geht die von Redford gespielte Figur siegreich
amerikanisch-europäische Partnerschaft für die Zuaus einem schwierigen Wahlkampf für den Senat
kunft birgt.
hervor. Der Film endet mit der Aufnahme eines
entgeisterten Redford, der seinen Wahlkampfmana- Partnerschaft für den Wohlstand
gern anklagend die Frage stellt: "Was soll ich jetzt
tun?"
Während des letzten Präsidentschaftswahlkampfes
hat ein aus vier Worten bestehendes Credo - "Die
Die von Redford dargestellte Person ist eine offen- Wirtschaft, Du Dummkopf" - den Demokraten gut
sichtlich unzulängliche Analogie zum erfolgreichen gedient. Amerikaner jeglicher politischer Couleur
Bündnis demokratischer Nationen der atlantischen verstanden, daß wir unser wirtschaftliches Haus in
Gemeinschaft. Dennoch sind die Vereinigten Staaten Ordnung bringen müssen und eine starke Außenpolitik
und Europa mit einer ähnlich mißlichen Lage konfron- bei einer soliden wirtschaftlichen Grundlage beginnt.
tiert. Nahezu 50 Jahre lang wurde unsere Beziehung Wohlstand im Inland erfordert jedoch die weitere
überwiegend durch die Notwendigkeit der Eindäm- Konzentration auf das Ausland. Und der letzte Ort, den
mung des Kommunismus und Gewährleistung der wir aus den Augen verlieren dürfen, ist Europa.
gemeinsamen Sicherheit definiert. Die europäischen
Verbündeten standen im Kalten Krieg an vorderster Sicherlich hätte es wenig Sinn, sich in politischer
Front, weshalb sich die Frage nach ihrer Bedeutung für Hinsicht von einer Region zu lösen, die für unser
uns oder unserer für sie gar nicht stellte. Nach dem wirtschaftliches Wohlergehen von derart zentraler
Sieg im Kalten Krieg könnten mit einem kurzen histo- Bedeutung ist. Ich möchte Ihnen einige zwingende
rischen Gedächtnis ausgestattete Menschen versucht Gründe ins Gedächtnis rufen:
sein, Hände zu drücken, ihre Sachen zu packen und
Das Volumen unserer Exporte nach Europa
nach Hause zurückzukehren - wie wir es 1918 taten.
entspricht in etwa dem nach Ostasien - 120
Solche Stimmen wurden lauter, als bedingt durch das
Milliarden Dollar - jedoch mit einem Überschuß
Fehlen der einigenden Bedrohung durch den Kommuvon 12 Milliarden Dollar anstelle eines Defizits
nismus Handelskonflikte ausbrachen und unsere Sivon 82 Milliarden Dollar.
cherheitspartnerschaft durch tragische Ereignisse wie
den Krieg im ehemaligen Jugowlawien auf die Probe
Ungefähr 60 Prozent der gesamten von amerigestellt wurde. Was unternehmen die Vereinigten
kanischen
Unternehmen in Übersee erzielten
Staaten denn jetzt?
Gewinne stammen aus Westeuropa, gegenüber 17 Prozent aus Ostasien.
Die jüngste Geschichte liefert eine nützliche Richtschnur. Nach dem Zweiten Weltkrieg sprachen sich
Amerikanische Unternehmen haben in Westeuviele Stimmen für eine Loslösung von Europa aus.
ropa Investitionen im Wert von 225 Milliarden
Präsident Truman sowie den Außenministem Marshall
Dollar getätigt (die Hälfte unserer Investitionen
und Acheson gebührt Tribut, daß sie genau das Gein Übersee), im Vergleich zu weniger als 60
genteil taten. Dank dem Marshallplan und einer aktiMilliarden Dollar in Ostasien (und lediglich 23
vistischen Außenpolitik festigten wir mit den EuroMilliarden Dollar in Japan).
päern eine Partnerschaft für Demokratie, Wohlstand
und Sicherheit. General Marshall formulierte es bei
Die Westeuropäer haben in den Vereinigten
der Verkündigung seines Plans für Europa folgenderStaaten 258 Milliarden Dollar investiert (65 Prozent
maßen: "Es ist logisch, daß die Vereinigten Staaten
aller ausländischen Investitionen in unserem
alles in ihner Macht Stehende tun, um die WiederherLand), gegenüber weniger als 100 Milliarden
stellung einer gesunden Weltwirtschaft zu unterstütDollar an Investitionen aus Ostasien.
zen, ohne die es keine politische Stabilität und keinen
Und eine letzte Zahlenangabe: Unsere Exporte
sicheren Frieden geben kann." Die Vereinigten Staanach Europa im letzten Jahr in Höhe von 120
ten hatten enorme Vorteile von ihrem fortgesetzten
Milliarden Dollar entsprechen nahezu 2,5 MillioEngagement in Europa, das ihnen beständige Hannen Arbeitsplätzen.
delspartner und verläßliche Verbündete im Kampf
gegen den Kommunismus bescherte.

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AMERIKA DIENST 48

�Tatsache ist, daß Europa weiterhin unser wichtigster
Handelspartner ist, wenn wir Exportvolumen, Investitionen, Gewinne und Handelsbilanz betrachten. Und
unsere Beziehung ist nicht nur in Zahlen zu messen.
Europa ist ein wohlhabender, hochentwickelter Markt
mit einem Bruttoinlandsprodukt pro Kopf von 16.000
Dollar - verglichen mit 6.300 Dollar in den Pazifikrandstaaten. Das bedeutet, daß die Europäer mehr Geld
für hochwertige amerikanische Exportartikel ausgeben - von Personalcomputern bis zu Kinokarten - als
die Konsumenten der weniger begüterten Regionen.
Wir müssen alles in unserer Macht Stehende tun, um
diese wirtschaftlichen Beziehungen zu fördern und zu
erweitern.
Aus diesem Grund hat Außenminister Christopher als
eine seiner ersten Amtshandlungen die Einrichtung
einer "Amerikaabteilung" im State Department vorgenommen. Die handelspolitische Tagesordnung der
Vereinigten Staaten und die Erfordernisse unserer
Unternehmer im Ausland sind oberste Prioritäten dieser Administration. Auf Initiative des Außenministers
beginnen die amerikanischen Botschaften eine aggressivere Rolle bei der Förderung unserer Handelsinteressen auf der ganzen Welt zu spielen. Unsere
Dipbmaten werden ausgebildet, nicht nur unsere Werte,
sondern auch unserer Produkte, nicht nur unsere
Sicherheit, sondern auch unser geistiges Eigentum zu
schützen. Angesichts des Umfangs unserer Beziehungen ist diese Amerikaabteilung nirgends so wichtig
wie in Europa.
Die bloße Bedeutung dieser Beziehungen tendiert
zusammen mit dem Verschwinden der kommunistischen Bedrohung dazu, unsere Meinungsverschiedenheiten beim Handel zu vergrößern. Und in Zeiten
wirtschaftlicher Stagnation und hoher Arbeitslosigkeit
erscheint Protektionismus sehr verlockend. Um nur
ein Beispiel zu zitieren - unsere langwierigen Verhandlungen mit der EU im Rahmen der Uruguay-Runde des
GATT belegen, wie schnell selbst die besten Freunde
bei Handelsbeziehungen auf die Probe gestellt werden.
Die Vereinigten Staaten können die Uruguay-Runde
nicht allein zu Ende bringen. Ich möchte unseren
europäischen Freunden gegenüber erneut betonen,
daß der Abschluß der Runde bis zum 15. Dezemberwenn das Fast-track-Mandat des Präsidenten ausläuft
- von entscheidender Bedeutung für die Wiederbelebung der Weltwirtschaft ist. Für keine Nation werden
die noch ausstehenden Absprachen bei Waren, Dienstleistungen oder der Landwirtschaft leicht sein- aber sie
müssen getroffen werden. Es darf keinen 16. Dezember für die Uruguay-Runde geben.
Letztlich bin ich davon überzeugt, daß die meisten
Europäer unseren Glauben an freieren Handel teilen.
Sie und wir wissen, daß die Aufrechterhaltung alter
Handelsschranken oder der Aufbau neuer niemandem

AMERIKA DIENST 48

nützt und uns allen schadet. Wir sehen uns mit einer
dreifachen Herausforderung konfrontiert: 1. Gemeinsam den freien Fluß von Waren und Dienstleistungen
durch den Abbau von Handelshemmnissen zu ermutigen, 2. Meinungsverschiedenheiten beim Handel vor
einer Eskalation zu heftigen Auseinandersetzungen
zu bewahren und 3. die unweigerlich auftretenden
Kontroversen besser zu meistern. Eine Loslösung von
Europa würde es unmöglich machen, diese Ergebnisse zu erzielen oder unsere Handelsbeziehungen auf
eine solide Grundlage zu stellen.
Wir müssen uns auch vor Augen führen, daß der
Niedergang des Kommunismus den Vereinigten Staaten und Europa gleichermaßen eine einzigartige Chancebietet. In Mittel-und Osteuropagibt es 135 Millionen
Konsumenten und in der ehemaligen Sowjetunion
weitere 285 Millionen. Die Gesundung und das Wachstum ihrer Volkswirtschaften aktiv zu unterstützen ist
auf lange Sicht der Weg, ihnen zu helfen und unseren
eigenen Wohlstand durch die Öffnung riesiger Märkte
für Waren und Dienstleistungen aus dem Westen
sicherzustellen.
Die Vereinigten Staaten verpflichten sich zu einem
Hilfsprogramm, das Handel und Investitionen für die
Zukunft sichern wird. Seit 1989 haben wir 1,4 Milliarden Dollar an finanzieller und technischer Unterstützung zur Förderung demokratischer Institutionen und
freier Märkte in Mittel- und Osteuropa bereitgestellt,
und weitere 390 Millionen Dollar wurden fürdas laufende Jahr bewilligt. Die Hilfsleistungen für die ehemalige
Sowjetunion belaufen sich seit 1991 auf 4,3 Milliarden
Dollar.
Diese Gelder sind gut angelegt: Eine heute getätigte
relativ geringe Investition wird hohe Dividenden an
Sicherheit und Wohlstand für die Vereinigten Staaten
und Europa bringen. Der Ertrag unserer Marshallplanhilfe beweist diese Tatsache: Inflationsbereinigt haben wir Europa im Rahmen des Marshallplans rund 95
Milliarden Dollar über einen Zeitraum von 4 Jahren zur
Verfügung gestellt. Heute kaufen die Europäer von
uns Waren und Dienstleistungen im Wert von nahezu
120 Milliarden Dollar jährlich.
Während die Volkswirtschaften Osteuropas die Fähigkeit erlangen, auf eigenen Fü ßen zu stehen, dürfen wir
keine Anstrengung scheuen, sie zu unseren ebenbürtigen Handelspartnern zu machen. Wenn Handel und
Investitionen die Hilfsleistungen ersetzen sollen, müssen
die Handelsschranken gesenkt und beseitigt werden,
insbesondere in Europa.
Die Vereinigten Staaten haben bereits die meisten
Hemmnisse für Waren aus Mittel- und Osteuropa
abgebaut. Bedauerlicherweise sind die Länder Westeuropas, die in der Tat die natürlichen Märkte für
Exporte aus Mittel- und Osteuropa sind, nicht so offen.
Wenn wir im Westen Vorteile von neuen Märkten im

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�Osten erwarten, ist es erforderlich - und richtig -, daß Aus diesem Grund ist den Vereinigten Staaten mit
Mittel-und Osteuropa im Westen offene Märktefür ihre einer aktiven Politik der Prävention, statt einer Politik
der Unaufmerksamkeit, gut gedient. Mit anderen
Waren finden.
Worten, es ist letztlich leichter und kostengünstiger,
Der Privatsektor muß eine Führungsrolle bei der Ver- Frieden aufzubauen und zu bewahren, als ihn wiederlagerung der Grenzen von Demokratie und Marktwirt- herzustellen.
schaften nach Osten übernehmen. In den wenigen
Jahren seit dem Fall der Berliner Mauer haben Unter- Unsererfolgreiches Vorgehen im Kalten Krieg steht für
nehmen aus dem Westen bereits über 7 Milliarden diese Politik der Prävention. Aber nun, da sich der
Dollar in die vielversprechenden Volkswirtschaften Staub des Falls der Berliner Mauer gelegt hat, befinPolens, Ungarns und der Tschechischen Republik den wir uns nicht - wie einige gehofft hatten - am Ende
investiert. Dieser Weg zu Wohlstand birgt jedoch der Geschichte, sondern vielmehr am Beginn eines
einige Fallstricke. Der vollständige Übergang zu einer neuen Zeitalters, das ein Umdenken bei unseren
Marktwirtschaft benötigt schließlich Zeit. Eigentums- Sicherheitsbeziehungen erfordert. Wir sehen uns mit
gesetze, Rückführung der Gewinne, Entwicklung der keiner wichtigeren Aufgabe konfrontiert als der ErarInfrastruktur, Zugang zu Kapital, angemessene Versi- beitung einer Sicherheitspartnerschaft mit Europa, die
cherungen, eine effiziente Erwerbsbevölkerung - all die Herausforderungen der Zeit nach dem Kalten Krieg
dies und noch mehr ist zur Schaffung eines günstigen anspricht. Dies nicht zu tun, würde uns eines Tages
Investitionsklimas erforderlich. Letztlich können Rat- teuer zu stehen kommen.
schläge, Ausbildung und Gedankenaustausch, die der
Westen zu bieten hat, sich für den Osten so wertvoll Das Leben war einfacher in den Tagen der monolithiwie Dollars erweisen und werden dazu beitragen, schen sowjetischen Bedrohung. Der Mechanismus
einen noch stetigeren Investitionsfluß anzuregen. Dieser des Bündnisses für kollektive Sicherheit - die NATO Investitionsfluß wird von entscheidender Bedeutung hatte eine klar definierte Mission. Das heißt nicht, daß
sein. Der Kapitalmangel im Osten schnellt explosions- wirdas Ende des Kalten Krieges bedauern sollten. Um
artig in die Höhe und kann durch staatliche Mittel des Außenminister Christopher mit einer jüngst gemachWestens nie vollständig gedeckt werden. Privatkapital ten Aussage zu zitieren: "Sich nach seinen Härten
spielt eine unerläßlich Rolle.
zurückzusehnen, kann nur auf Gedächtnisverlust
zurückgehen."
Amerikaner haben einen Pioniergeist gemein, der sich
den durch neue Grenzen entstandenen Herausforde- Aber jetzt scheinen viele der während des Kalten
rungen stellt. Die aufstrebenden Demokratien sind Krieges schwelenden Probleme aufzuflammen - Proeinem "Wilden Osten" vergleichbar - und darunter bleme, für die die NATO nicht konzipiert war. Ethniverstehe ich, eines der aufregendsten Kapitel der sche und regionale Konflikte, die Verbreitung von
amerikanischen Geschichte wiederaufzuschlagen - Massenvernichtungswaffen, die Unterbrechung des
der durch Handel, Investitionen und Zusammenarbeit Flusses lebenswichtiger Ressourcen, Terrorismus: Dies
- den Instrumenten des Friedens - entwickelt werden sind die Hauptbedrohungen der westlichen Sicherheit.
soll. Es handelt sich hierbei um einen langwierigen, Wie ich darlegen werde, müssen wir hauptsächlich in
schwierigen Prozeß, der eine neue Partnerschaft Europa und gemeinsam mit den Europäern die Mittel
zwischen Ost und West erfordert. Es wird jedoch auch zu ihrer Bewältigung finden.
ein aufregendes Abenteuer von gegenseitigem Nutzen. Und wenn nur aufgrund dieser Chancen im Trotz ihrer veränderten Aufgabe sollte die NATO weiOsten, ist Europa nach wie vor das Kernstück unserer terhin das Fundament unserer Partnerschaft und die
Grundlage von Sicherheit und Stabilität in Europa
Gegenwart und Zukunft.
bilden. Nurdie NATO verfügt über die Streitkräfte, den
multilateralen Mitarbeiterstab sowie die Tradition poliPartnerschaft für den Frieden
tischer und militärischer Kooperation, die uns in die
Während Handel und Investitionen ein Pfeiler unserer Lage zu versetzen, flexibel und durchgreifend auf
besonderen Beziehungen zu Europa sind, ist Sicher- diese sicherheitspolitischen Herausforderungen zu
heit der andere. Die Vereinigten Staaten haben zwei- reagieren. Die vor uns liegende grundlegende Aufgamal in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts ihre be besteht darin, die NATO an die veränderten Zeiten
Söhne und Töchter zum Erhalt der Demokratie über anzupassen.
den Atlantik geschickt. Wir haben einen hohen Preis
bezahlt. Und wir haben eine Lektion gelernt: Früher Dieser Prozeß hat begonnen. Im Verlauf der verganoder später wird Chaos in Europa uns einbeziehen, genen drei Jahre hat die NATO ihre Streitkräfte und
weil für uns viel auf dem Spiel steht. Europa ist unser Führungsebene umstrukturiert, um sich mehr auf Kriführender Handelspartner und engster Verbündeter senmanagement und Friedenssicherung zu konzenbei der Bewahrung internationaler Sicherheit und der trieren und gleichzeitig ihre Kernfunktion der VerteidiAusbreitung von Demokratie. Probleme in Europa gung des NATO-Territoriums gegen einen Angriff zu
werden allzu leicht zu einer Heimsuchung für unsere bewahren. Und wir haben die Sicherheitszusammenarbeit nach Osten ausgedehnt, um unsere ehemaligen
beiden Länder.
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AMERIKA DIENST 48

�Gegner als neue Partner für den Frieden einzubeziehen - ein Thema, dem ich mich gleich zuwenden
möchte.
Von allen uns konfrontierenden neuen Herausforderungen ist die Verhinderung oder Entschärfung ethnischer und regionaler Konflikte die vielleicht greifbarste
- und erschreckendste. Es trifft zu, daß die NATO den
Krieg im ehemaligen Jugoslawien nicht abgeschreckt
oder beendet hat. Aber niemand hätte dies von ihr
erwarten sollen.
Die Tragödie im ehemaligen Jugoslawien ereignete
sich zu kurz nach dem Ende des Kalten Krieges, um
der NATO die zur Anpassung erforderliche Zeit einzuräumen. Wie Lee Hamilton, der Vorsitzende des
Auswärtigen Auschusses des Repräsentantenhauses
feststellte: "Die heute im ehemaligen Jugoslawien
entfesselten Dämonen gehen auf die Zeit lange vor
Bestehen der NATO zurück und haben seit Jahren
unmittelbar unter der Oberfläche gelebt. Man kann die
NATO nicht anhand eines Krieges innerhalb der ehemaligen Grenzen eines Nichtmitgliedstaats der NATO
beurteilen."
In den Gebieten, in denen sich die NATO engagiert,
hat sie schnell und effektiv reagiert. Allein durch ihr
Engagement im ehemaligen Jugoslawien ist die NATO
über die Debatte von Einsätzen "out ofarea" hinausgegangen. Sie setzt eine Flugverbotszone in der Luft und
ein Wirtschaftsembargo auf See durch. Auf Initiative
der Vereinigten Staaten drohte die NATO einen Lufteinsatz an, der die Einkesselung Sarajevos und anderer Gebiete Bosniens lockerte. Sollte schließlich eine
in gutem Glauben ausgehandelte Lösung erzielt und
die erforderlichen Bedingungen erfüllt werden, kommt
der NATO eine zentrale Rolle bei deren Umsetzung zu.
Die traurige Tatsache bleibt jedoch bestehen, daß in
Ermangelung des Willens zu Frieden unter den Kombattanten weder die NATO noch irgendeine andere
Organisation oder Nation - abgesehen von einer
massiven Verlegung von Truppen und Ressourcen viel zur Verhinderung eines größeren Krieges tun
können. Im Falle des ehemaligen Jugoslawien gibt es
weder unter den Verbündeten noch in den Vereinigten
Staaten einen Konsens über eine Intervention dieser
Größenordnung. Die NATO kann und muß ihre Fähigkeit zur Verhinderung von Konflikten stärken, bevor sie
überhaupt ausbrechen.
Vor kurzem bin ich mit Außenminister Christopher
nach Mittel- und Osteuropa gereist, wo wir im Vorfeld
des NATO-Gipfels im Januar Präsident Clintons umfassende neue Initative für eine Partnerschaft zwischen der NATO und dem Ostern erörtert haben.
Unter dem Namen "Partnerschaft für den Frieden"
fordert dieser Vorschlag die Nationen Mittel- und Osteuropas zu praktischer Zusammenarbeit mit den NATOMitgliedstaaten in einem breiten Spektrum von Bereichen wie gemeinsamer Planung, Ausbildung, Übungen und Manövern auf.
AMERIKA DIENST 48

Als Höhepunkt eines Evolutionsprozesses könnten
einige dieser Nationen letztlich der NATO beitreten. In
der Zwischenzeit sollte sich die Partnerschaft für den
Frieden zur Förderung von Stabilität und Sicherheit in
ganz Europa als nützlich erweisen. Infolgedessen
können wir darauf hoffen, künftige Krisen vor ihrem
Ausbruch im Keim zu ersticken, statt erst im nachhinein darauf zu reagieren.
Ungeachtet dessen wie mächtig oder effektiv eine
Streitmacht NATO sein oder werden mag, kann sie
natürlich nie Frieden in Europa oder andernorts garantieren. Letztlich ist die Bereitschaft der Völker in einer
bestimmten Region, auf den Einsatz von Gewalt gegeneinander zu verzichten, der Schlüssel zur Verhinderung von Konflikten.
Auch hier ist die Partnerschaft mit Europa unsere
beste Hoffnung für die Zukunft. Unsere Nationen sind
die Bannerträger der Demokratie. Gemeinsam müssen wir auf die Erweiterung des Kreises gleichgesinnter Länder hinarbeiten, denn damit verbessern wir
unsere eigene Sicherheit. Der Nationale Sicherheitsberater Anthony Lake hat es ausgezeichnet formuliert:
"Die Entstehung neuer Demokratien erhöht unsere
Sicherheit, weil Demokratien normalerweise nicht
miteinander Krieg führen oder dem Terrorismus Vorschub leisten. Sie sind im diplomatischen Bereich
vertrauenswürdiger und haben größere Achtung vor
den Menschenrechten ihrer Völker." Eine Welt demokratischer Marktwirtschaften wird ein Ort mit mehr Sicherheit und Wohlstand sein. Wir müssen sie mit
unseren europäischen Verbündeten und Freunden
aufbauen.
Während wir diese Aufgabe in Angriff nehmen, hängt
die Aufrechterhaltung eines stabilen internationalen
Umfelds in hohem Maße von unserer Fähigkeit zur
Zusammenarbeit mit den Europäern bei der Bewältigung der größten Herausforderungen für unsere kollektive Sicherheit ab. Die Vereinigten Staaten mögen
die einzige Supermacht der Welt sein, aber unsere
außenpolitische Tagesordnung erfordert die Kooperation der führenden Demokratien, um Erfolg zu haben.
Nur in Partnerschaft mit Europa können wir die Verbreitung von Waffen eindämmen, Terrorismus bekämpfen und den freien Fluß von Rohstoffen gewährleisten. Wenn wir diese Kämpfe führen, müssen wir
uns vor Augen halten, daß die uns zur Verfügung
stehenden Instrumente - Wirtschaftssanktionen,
Sammlung nachrichtendienstlicher Erkenntnisse und
Friedenssicherungsoperationen - effektiver sind, wenn
wir sie zusammen mit den europäischen Partnern
einsetzen. Die Vereinigten Staaten können und müssen nicht im Alleingang handeln.
Zusammenhalt
"Wir müssen alle zusammenhalten, oder wir werden
gewiß uns selbst überlassen sein", stellte ein bekannter Europhiler namens Benjamin Franklin einmal fest.
Seite 5

�Die Vereinigten Staaten und Europa brauchen einander weiterhin, um das Anliegen des gemeinsamen
Wohlstands und der Sicherheit voranzubringen.
Mit diesen Worten möchte ich nicht den Eindruck
erwecken, die euro-amerikanische Partnerschaft sei
einfach eine Vernuftehe, um nicht zu sagen, eine

Zweckgemeinschaft. Wir blicken auf eine lange Geschichte gemeinsamer Ziele und Werte zurück. Europa und die Vereinigten Staaten sind ein gutes Paar.
Wir stehen für dieselben fundamentalen Werte:
Demokratie, wirtschaftliche Chancen, Frieden. Wir
verfolgen beide diese hehren Ziele - für uns und die
übrige Welt.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 48

�MENSCHENRECHTE
I.Dezember 1993

USA BENENNEN GRAVIERENDE
MENSCHENRECHTSVERLETZER
Erklärung vor Drittem Auschuß der UN-Generalversammlung
VEREINTE NATIONEN - (AD) - Der Stellvertreter von US-Botschafterin Madeleine Albright bei den Vereinten
Nationen, Botschafter Victor Marrero, hat in einer Rede vordem Dritten Ausschuß der UN-Generalversammlung
am 23. November 1993 Kuba, Burma und China als Nationen mit ernsthaften Menschenrechtsproblemen
benannt.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ausführungen Marreros im Wortlaut.

Herr Vorsitzender, die große Verfechterin der Menschenrechte, Eleanor RooseveK, hat einmal erklärt,
wenn Menschenrechte zu Hause, in der Nachbarschaft, in Schulen, Fabriken, Farmen und Büros nicht
von Bedeutung seien, dann seien sie nirgendwo von
Bedeutung. Wenn Frauen, Männer und Kinder nicht
nach Gerechtigkeit, Chancengleichheit und Würde
ohne Diskriminierung an Orten streben könnten, die in
ihrem Leben wichtig seien, dann hätten universelle
Menschenrechte und Demokratie keine Bedeutung.
Wir mögen die Wert danach absuchen, würden sie
jedoch niemals finden.
Ich wende mich heute an Sie, um zu unterstreichen,
daß die Verpflichtung meines Landes zu universellen
Menschenrechten an welchem Ort auch immer niemals stärker war. Wir glauben an die Bevollmächtigung des einzelnen und die Gewährleistung individueller Menschenrechte. Wir glauben, daß es eine direkte
Verbindung zwischen menschlicher Würde und der
Fähigkeit von Nationen zu effektiver Regierungsführung gibt, zwischen Menschenrechten und sozialer
Entwicklung sowie zwischen der universellen Anwendung von Menschenrechten und globalem Frieden. Es
gibt keine höhere Pflicht, kein größeres Bedürfnis und
kein stärkeres Gebot als die Sicherstellung dieser
Rechte.
In diesem Jahr, dem 45. Jahrestag der Allgemeinen
Erklärung der Menschenrechte, sollten wir den Völkern und Nationen Anerkennung zollen, die darum
gekämpft haben, den in ihr verankerten Idealen Inhalt
zu verleihen und universelle Menschenrechte in das
tägliche Leben aller Bürger der Welt einzubringen.

AMERIKA DIENST 48

Herr Vorsitzender, ebenso wie unser Land seine
Anstrengungen verstärkt hat, den Idealen der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte gerecht zu
werden, haben wir andere Nationen zu ermutigen
versucht, dasselbe zu tun. Unseres Erachtens sollten
die Bosnier frei von Angst und die Somalis frei von
Hungersnöten sein. Unseres Erachtens sollten die
Haitianer Redefreiheit genießen. Die Tibetaner sollten
ihre Religion frei ausüben können.
Traurigerweise finden auf der Welt gravierende Menschenrechtsverletzungen statt. Der die Staaten des
ehemaligen Jugoslawien bedrohende Schrecken ist
allen hier Anwesenden nur zu gut bekannt. Unbeschreibliche Akte der Vergewaltigung, des Mordens,
ethnischer Säuberungen, Plünderungen und mutwillige Zerstörung sind nach wie vor eine Heimsuchung für
die Menschen in Bosnien-Herzegowina und Kroatien.
Wir begrü ßen die wichtige Arbeit von Sonderberichterstatter Mazowiecki und anderer. Die internationale
Staatengemeinschaft muß weiterhin effektive Mittel
zur Wiedergutmachung dieser abscheulichen Akte
suchen. Das Mandat des Kriegsverbrechertribunals
für das ehemalige Jugoslawien besteht im Aufspüren,
der Anklage und Verurteilung der für die Anordnung
und Durchführung dieser Verbrechen gegen die Menschlichkeit Verantwortlichen. Die Vereinigten Staaten
möchten in dieser Sache nicht mißverstanden werden:
Die politisch verantwortlichen Serben in Serbien, Bosnien
und Kroatien tragen die Verantwortung fürden größten
Teil der in diesen tragischen Zeiten begangenen Greueltaten. Diejenigen mit Blut an den Händen und einem
belasteten Gewissen werden der Gerechtigkeit der
internationalen Staatengemeinschaft nicht entgehen.

Seite 1

�Bosnien ist jedoch nicht das einzige Beispiel flagranter
Menschenrechtsverletzungen. In Somalia blicken
Menschen zahlreicher unterschiedlicher Clans dem
Tag entgegen, an dem in ihrer Nation wieder Frieden
einkehrt. Die Vereinigten Staaten haben ein Interesse
an diesem Prozeß. Zusammen mit anderen Nationen
haben wir Millionen Dollar an humanitärer Hilfe bereitgestellt sowie das Leben unserer Soldaten für diese
Sache aufs Spiel gesetzt. Wir hoffen, daß in diesem
kriesengeschüttelten Land jedem einzelnen das Grundrecht auf Leben garantiert werden kann. Die Somalis
müssen jedoch selbst eine Führungsrolle bei der
Gewährleistung dieses Rechts übernehmen.
In Haiti verletzen die Militärmachthaber weiterhin das
grundlegende Recht aller Haitianer auf freie Wahl ihrer
Regierung. Das Engagement der Vereinigten Staaten
und der gesamten internationalen Staatengemeinschaft
ist nach wie vor ungebrochen, die demokratische
Herrschaft in Haiti wiederherzustellen und beim Aufbau von Institutionen, denen sie vertrauen können,
behilflich zu sein.
Auch Kuba ist noch immer eine tragische und negative
Ausnahme des Trends zu Demokratie in Lateinamerika. Die Regierung verweigert ihren Bürgern weiterhin
das Recht auf Rede- und Koalitionsfreiheit und inhaftiert Menschenrechtsverfechter, die es wagen, die
Wahrheit über die Unterdrückung zu sagen. Die
kubanische Marine hat eine schwimmende Berliner
Mauer errichtet und verhaftet oder ermordet diejenigen, die in erbarmungswürdigen Gummischläuchen
oder selbstgezimmerten Booten von der Insel zu fliehen versuchen. Wir fordern das Regime auf, den
Würgegriff um die Grundfreiheiten der Kubaner zu
lockern und Sonderberichterstatter Groth in Ausübung
seines Mandats einen Besuch zu gestatten.

Seit vielen Jahren übt Saddam Husseins Regime eine
Terrorherrschaft über das irakische Volk aus. Im
vergangenen Jahr haben die irakischen Streitkräfte die
Marschen im Süden entwässert und abgefackelt, Dörfer
niedergebrannt und Städte mit Artilleriefeuer belegt.
Die Regierung hat ein vollständiges Embargo für
Nahrungsmittel, Brennstoff und Medikamente gegen
den Nordirak verhängt - all dies in flagranter Verletzung
von Resolution 688 des UN-Sicherheitsrats.
Herr Vorsitzender, wir sind tief besorgt über die Bilanz
von Menschenrechtsverletzungen der sudanesischen
Regierung, bis hin zu Berichten über die Vollstreckung
der Todesstrafe ohne Gerichtsverfahren, Massenexekutionen, Verschleppungen, systematische Folterung
und willkürliche Verhaftungen. Wir fordern alle Konfliktparteien im Sudan zur Achtung der grundlegenden
Menschenrechte auf. Wir sind ersetzt, daß sudanesische Regierungsvertreter Dissidenten verhaftet haben, die mit Sonderberichterstatter Diro zusammengetroffen sind oder eine Begegnung mit ihm gesucht
haben.
Wir sind zutiefst besorgt, Herr Vorsitzender, über
Berichte gravierender Menschenrechtsverletzungen
in Burundi, Äquatorialguinea und Tschad. Wir verurteilen darüber hinaus den fortschreitenden Verfall der
bürgerlichen Gesellschaft in Zaire. Obwohl Mauretanien gewisse Fortschritte zur Demokratie erzielt hat,
bedauern wir die jüngste Generalamnestie der für die
Folterung und Ermordung von über 500 Mauretaniern
afrikanischer Abstammung Verantwortlichen. Zusätzliche glaubwürdige Schritte zur Demokratie sind erforderlich.

Herr Vorsitzender, auch die Menschenrechtspraktiken
der chinesischen Regierung sind weiterhin repressiv
und erfüllen die internationalen Normen in keiner Weise.
Die Vereinigten Staaten sind weiterhin tief besorgt Die Sicherheitskräfte sind verantwortlich für Menschenüber die Menschenrechtssituation in Burma. Obwohl rechtsverletzungen, einschließlich Folterungen, willFortschritte erzielt wurden, verweigert die Regierung kürlichen Festnahmen und Inhaftierungen. Männer
dem burmesischen Volk nach wie vor Grundfreiheiten. und Frauen, deren einziges Verbrechen in der ÄußeNobelpreisträgerin Aung Suu Kyi steht immer noch rung von Meinungen besteht, die im Widerspruch zur
unter Hausarrest, und wir fordern hiermit erneut ihre politischen Führung stehen, befinden nach wie vor in
Freilassung. Es besteht ein eindeutiger Zusammen- Haft. Während ihrer Inhaftierung wurden einige dieser
hang zwischen burmesischen Waffenkäufen und den Gefangenen unmenschlich behandelt. China sollte
andauernden Menschenrechtsverletzungen. Aus sicherstellen, daß erzwungener Schwangerschaftsabdiesem Grund haben die Vereinigten Staaten ein frei- bruch und obligatorische Sterilisierung nicht Bestandwilliges Waffenembargo gegen Burma verhängt, und teil seiner Familienplanungspolitik bleiben. China sollte
wir ermutigen alle Mitgliedstaaten der Vereinten Natio- ferner seinen Bürgern internationale Rundfunk- und
nen, dasselbe zu tun.
Fernsehsendungen zugänglich machen. Die chinesischen Behörden sollten alle erforderlichen Schritte
Die iranische Regierung verletzt weiterhin die Men- zum Schutz des beträchtlichen kulturellen und religischenrechte ihrer Bürger in massivem Umfang. Zu ösen Erbes von Tibet unternehmen.
den bekannten Menschenrechtsverletzungen zählen
Massenexekutionen, häufige Folterungen, Verbot der Herr Vorsitzender, glücklicherweise brechen durch
Rede-, Religions-, Presse-, Versammlungs- und Koa- diese dunklen Wolken Strahlen der Hoffnung in die
litionsfreiheit, gravierende Beschränkungen der Rech- Welt von heute, die uns ermutigen, es besser zu
te von Frauen und Arbeitnehmern sowie die andauern- machen. Wir sind positiv beeindruckt von Entwicklunde Unterdrückung der Bahai.
gen im Bereich der Menschenrechte in einer Reihe von
Ländern, die bisher Anlaß zur Sorge gegeben haben.
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AMERIKA DIENST 48

�Beispielsweise hegen wir große Hoffnungen, daß die
Unterzeichnung und Umsetzung der israelisch-palästinensischen Grundsatzerklärung entscheidende
Verbesserungen für die Menschenrechtssituation in
den von Israel besetzten Gebieten bewirken wird.
Unser Lob gebührt denjenigen, die in diesem Jahr am
härtesten gearbeitet haben, um für die Menschen in
Südafrika Frieden, Demokratie und Gleichberechtigung zu erreichen - vor allem Präsident de Klerk und
Nelson Mandela. Frieden und Demokratie müssen
jedoch noch verwirklicht werden, und wir fordern alle
Parteien zur konstruktiven Beteiligung an dem sich
jetzt vollziehenden politischen Umbruch auf.
Im Jahr 1993 erlebte Kambodscha eine demokratische und Menschenrechtsrevolution. Die in diesem
Jahr erzielten Fortschritte bei den Menschenrechten
sollten gewährleisten, daß Kambodscha nie wieder zu
der verzweifelten Unterdrückung des "Schreienden
Landes" zurückkehrt.

Regierung Nicaraguas zur Durchführung der Empfehlungen der Dreierkommission auf, die eine Gesetzesreform und die Lösung anhängiger Menschenrechtsfälle zum Inhalt hat.
Wir sind von den Fortschritten der peruanischen
Regierung bei der Wiedereinführung der demokratischen Herrschaft und der drastischen Reduzierung
von Menschenrechtsverletzungen in diesem Jahr
beeindruckt, obwohl die Vereinigten Staaten weiterhin
besorgt über Todesfälle und Verschleppungen sowie
Straffreiheit für in der Vergangenheit begangene
Menschenrechtsverletzungen sind.
Die Vereinigten Staaten begrüßen die von den Menschen in Ghana und Ruanda erzielten Fortschritte zur
Demokratie.

Trotz der Krise in Moskau Anfang Oktober gibt die
historische Umgestaltung in Rußland Anlaß zur Hoffnung. Wir sind erfreut, daß die Menschenrechtssituation sich dort weiterhin verbessert. Während die
In den vergangenen Jahren hat Sri Lanka beachtliche Nation Demokratie anstrebt, sehen wir der ZusamFortschritte bei der Menschenrechtsreform gemacht. menarbeit mit Rußland in den Vereinten Nationen und
Wir hoffen, die derzeitige Regierung wird diese Bestre- andernorts entgegen, um größere Achtung der Menbungen fortsetzen und aktiv die Umsetzung früherer schenrechte und demokratischer Institutionen zu fördern.
Verpflichtungen überwachen.
In Mexiko, Kolumbien und Guatemala geben mit der
Prüfung von Berichten über Menschenrechtsverletzungen beauftragte unabhängige Organisationen starke, mutige Empfehlungen an ihre Präsidenten und
gesetzgebenden Organe ab.

Glücklicherweise, Herr Vorsitzender, gibt es heute
mehr Verfechter und Garanten der Menschenrechte
als Böswillige, die sie verweigern wollen. Die Vereinigten Staaten sehen der Verleihung des Menschenrechtspreises der Vereinten Nationen am Menschenrechtstag, dem 10. Dezember, erwartungsvoll entgeDer Prozeß zu Frieden und Aussöhnung in El Salvador gen. Wir hoffen, daß die Geehrten echte Hüter der
hat im Jahr 1993 wirklich beeindruckende Fortschritte Menschenrechte sind - Menschen, die manchmal
erzielt. Die Vereinten Nationen können stolz auf die jahrelang unter gefährlichen Bedingungen mit wenig
unerläßlich Rolle sein, die ONUSAL (Organisation der Anerkennung arbeiten.
Vereinten Nationen in El Salvador) in dieser Erfolgsgeschichte gespielt hat. Die Vereinigten Staaten sind Menschenrechtsverfechter verbreiten nicht nur das
jedoch besorgt über die jüngste Ermordung von FMLN- Licht der Wahrheit in ihren eigenen Nationen, sondern
Mitgliedern in El Salvador und fordern die Regierung unter uns allen. Die Würde ihrer Arbeit verleiht unsezur Verhaftung und Verurteilung der Verantwortlichen ren Häusern, Schulen, Arbeitsplätzen und religiösen
auf.
Stätten Sicherheit. Alsdie wahren Helden unserer Zeit
sind sie die Streiter für Freiheit und Demokratie. Wir
Wir beglückwünschen Präsidentin Chamorro zu ihren wollen gemeinsam die Freiheiten feiern, die sie für uns
jüngsten Versuchen, die Kontrolle über die nicaragua- zu Hause, in Städten, Schulen, am Arbeitsplatz und in
nischen Sicherheitskräfte zu erlangen. Wir fordern die religiösen Stätten bewirkt haben.

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AMERIKA DIENST 48

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*

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Sehe 3

�US-MILITAR
I.Dezember 1993

AUCH SIE DIENEN: FRAUEN IM US-MILITÄR
von Michele McCormick
Der Anteil von Frauen in den amerikanischen Streitkräften nimmt ständig zu - wie ihre Rolle im Golf krieg 1991
und die jüngsten Direktiven der US-Regierung zeigen, erläutert die Verfasserin in dem folgenden Artikel, stellt
jedoch fest, daß ihre Zahl noch vergrößert werden kann.
Michele McCormick ist freiberufliche Schriftstellerin mit Wohnsitz in Kalifornien.

Major Jacqueline Cumbo von der US-Armee fällt es
nicht schwer zu entscheiden, welche ihrer militärischen Erfahrungen ihr am tiefsten im Gedächtnis
verhaftet ist. Es war der Tag, an dem sie die Versetzung nach Panama erhielt, wo die Operation Gerechte
Sache bereits in vollem Gange war.
"Ich war zu Tode erschrocken", erinnert sie sich. "Ich
dachte, ich übernehme nicht nur das Kommando - ich
übernehme es in einer feindlichen Umgebung. Ich
hatte keine Angst um mein Leben, sondern davor,
Entscheidungen zu treffen, die für alle die Sicherheit
gewährleisten sollten."
Die 31jährige Militärpolizistin hätte sich keine Sorgen
zu machen brauchen. Sie übte das Kommando über
die Kompanie erfolgreich aus und übernahm die gleiche Aufgabe während der Operation Wüstensturm am
Persischen Golf. "Ein weiblicher Kompaniekommandeur der MP (Militärpolizei) ist selten in einem Kampfgebiet", erklärt eine Frau, die diese Aufgabe zweimal
übernommen hat. Aber eine Einheit von 111 Männern
und 14 Frauen zu kommandieren, gefiel ihr gut. "Ich
hatte keine Probleme", stellt sie fest. "Die Kameradschaft war ausgezeichnet."
Die US-Armee ist derselben Meinung. Cumbos kürzliche Beförderung zum Major reihte sie in die knapp
fünf Prozent Hauptleute bei der Militärpolizei ein, die
für eine Beförderung vorgeschlagen werden.
Heutzutage sind solche Geschichten keine Seltenheit
mehr. In dem Maße, wie sich die Präsenz der Frauen
im Militär erweitert hat, haben sie ein breites Spektrum
nicht herkömmlicher Aufgaben übernommen. Ihre
Präsenz hat auch Fragen aufgeworfen - von Schwangerschaft und Kinderbetreuung bis zu sexueller Belästigung und Kampfeinsätzen - bei deren Bewältigung
die Teilstreitkräfte harte Arbeit geleistet haben.
AMERIKA DIENST 48

Die amerikanischen Soldatinnen von heute haben ihre
Fähigkeiten überzeugend unter Beweis gestellt. Trotz
kontinuierlicher Fortschritte haben viele von ihnen
jedoch immer noch das Gefühl, daß mehr getan werden muß und sie ihre Präsenz noch erweitern können.
Für diese Frauen bot der Krieg am Persischen Golf die
Gelegenheit, unter Beweis zu stellen, daß sie ihre
Arbeit auch unter schwierigsten Bedingungen meistern konnten. Der Krieg hatte auch maßgebliche
Auswirkungen auf die Stellung der Frau in den USStreitkräften sowie ihr potentielles Fortkommen. Obwohl
Frauen seit vielen Jahren in einem breiten Spektrum
von Positionen gedient haben, waren sie beim Golfkrieg zum ersten Mal ganz direkt und in solchem
Umfang an Kampfhandlungen beteiligt.
"Der Golfkrieg hat einen unglaublichen Unterschied
bewirkt", stellt Carolyn Becraft fest, Expertin für Frauenfragen im Militär, die zurZeit Kommunikationsdirektorin des internationalen Instituts für Frauenforschung
ist. "Der Krieg hat Mythen zerstört - daß Frauen sich
nicht versetzen lassen, besondere Behandlung verlangen, sie den Zusammenhart zerstören, diese Nation Frauen in Leichensäcken nicht tolerieren würde."
"Statt dessen hat der Golfkrieg bewiesen, daß wir mit
Frauen in den Krieg gehen und gewinnen können.
Viele der Fragen von Politikern wurden beantwortet.
Leider konnten sie nicht auf andere Weise beantwortet
werden."
Allein im Hinblick auf den Umfang war der Anteil von
Frauen während des Golfkrieges beeindruckend. Über
33.000 Soldatinnen hatten in der gesamten Region
Posten inne. Sie dienten als Mechanikerinnen, Pilotinnen, Lastwagenfahrerinnen, Militärpolizistinnen, Besatzungsmitglieder von Raketenbombern und in einer
Vielzahl anderer Positionen. Drei Frauen wurden
Seite 1

�getötet, als eine SCUD-Rakete in eine Kaserne einschlug, eine starb im Gefecht und zwei wurden als
Kriegsgefangene genommen.
Obwohl diese Erfahrungen einen Präzedenzfall schufen, war die Tatsache, daß so viele Frauen ihre Rolle
so erfolgreich in einem Kriegsgebiet ausübten, für
niemanden eine Überraschung.
"Die Ausbildung hat sich bezahlt gemacht", erklärt
Generalmajor Robert Frix, der als Stellvertretender
Kommandierender General der Third Army seinen
Dienst tat. "Ausbildung zur Erfüllung der Aufgabe und
zur Zusammenarbeit. In einer solchen Situation sieht
man Frauen nicht als Frauen, sondern als kompetente
Führungskräfte."
Die Chance für Frauen, eine Führungsrolle in einem so
schwierigen Umfeld zu übernehmen, kann sehr wohl
bei einer bahnbrechenden Entscheidung eine Rolle
gespielt haben, die ihnen weitere Möglichkeiten bei
Kampfeinsätzen einräumte. Am 28. April 1993 erließ
Verteidigungsminister Les Aspin eine Direktive, die
Frauen Zugang zu einem breiteren Spektrum von
Positionen und die Bewerbung für Positionen in Kampfflugzeugen gestattete. Aspin versprach ferner, den
Kongreß zur Aufhebung des bestehenden Gesetzes
über den Ausschluß aus Kampfhandlungen zu drängen und die Versetzung von Frauen auf in Kampfhandlungen verwickelte Schiffe zu genehmigen.
In einer kurz nach Veröffentlichung der Direktive gehaltenen Rede stellte Aspin fest, das heutige Militär
müsse sich die besten verfügbaren Talente zunutze
machen. In der Vergangenheit "waren den Frauen zu
viele Schlüsselpositionen beim Militär verschlossen",
erklärte er. "Während wir jede Positon mit der am
besten geeigneten Person besetzen wollten, haben
wir gleichzeitig einige der Besten ausgeschlossen. Wir
sind jetzt dabei, dies zu ändern."

Der Trend zur Öffnung solcher Positionen für Frauen
war langsam, aber stetig. "Jedes Mal, wenn ich an
einer Stufe meiner Karriereleiter angelangt war, wurden neue Möglichkeiten eröffnet", steift Looney fest.
Im gesamten Verlauf der amerikanischen Geschichte
waren Frauen an militärischen Aktionen beteiligt, aber
die Art ihres Engagements hat sich entschieden gewandelt.
Neben so traditionellen Aufgaben wie Tätigkeiten als
Krankenschwestern oder Boten haben einige wenige
auch Waffen auf dem Kriegsschauplatz getragen eine Rolle, die sie für gewöhnlich nur als Männer
verkleidet ausüben konnten.
Bis zum Ersten Weltkrieg trugen Frauen die Uniformen
aller amerikanischen Teilstreitkräfte und leisteten
Unterstützung, die sich vornehmlich auf Tätigkeiten im
administrativen Bereich oder als Krankenschwestern
konzentrierte.
Aber das enorme Ausmaß des Zweiten Weltkriegs
erforderte eine größere Beteiligung. Während dieses
langen Krieges wurde das Frauen-Armeekorps
(Women's Army Corps - WACs) und die Frauengruppe
für freiwillige Notdienste (Women Accepted for Voluntary Emergency Services - WAVEs) gegründet. Frauen traten diesen Gruppen bei und wurden in Bereichen
wie Luftfahrt, Navigation, Ingenieurwesen, Schießausbildung, Flugsicherung, Bordfunk und vielem mehr
tätig.

Trotz dieser langen, bedeutenden Geschichte begann
das interessanteste Zeitalter des Militärdienstes für
Frauen erst vor ungefähr 25 Jahren. "Unser wichtigster Meilenstein war das Jahr 1967", erinnert sich
Evelyn "Pat" Foote, pensionierter Brigadegeneral des
Heeres. "Damals unterzeichente Präsident Johnson
das öffentliche Gesetz 90-130, das die Beschränkung
der Zahl von Frauen, die in der Armee dienen konnten,
"Die Veränderungen sind wirklich bahnbrechend", so und die Restriktionen für die Beförderung von Frauen
Becraft. "Sie ebnen den Weg für Frauen, Vier-Sterne- aufhob."
General zu werden. Zum ersten Mal werden Frauen
auf oberster Ebene mit am Tisch sitzen, um wichtige Laut Foote, einer energischen Verfechterin der Beteiligung von Frauen an allen Bereichen des MilitärdienFragen von Krieg und Frieden zu diskutieren."
stes einschließlich direkter Kampfhandlungen, erfolgKorvettenkapitän Donna Looney, zur Zeit dem Büro ten diese Veränderungen nicht in Anerkennung der
des Sonderberaters der US-Marine für Frauenfragen Fähigkeiten von Frauen, sondern als Reaktion auf
unterstellt, stellt fest, die Veränderungen seien für die einen ernsthaften Bedarf.
weiblichen Unteroffiziere und Mannschaftsgrade von
noch größerer Bedeutung. "Dank dieser Veränderun- Im Januar 1973, als der Vietnamkrieg sich dem Ende
gen können Frauen jetzt die Fähigkeiten, in denen sie zuneigte, wurde auch die allgemeine Wehrpflicht für
ausgebildet wurden, auf modernsten Schiffen einset- amerikanische Männer abgeschafft. Das Konzept
einer reinen Freiwilligenarmee wurde eingeführt. Um
zen. Es ist ein enormer Sprung nach vorne für sie."
den Bedarf an Dienstverpflichteten zu erfüllen, wurden
Es ist zumindest auch ein kleiner Schritt für Looney, die in hohem Maße Frauen angeworben. "Nach dem
bald ihren derzeitigen Posten verlassen und Erster Ende der allgemeinen Wehrpflicht 1973 nahm die Zahl
Offizier eines Schiffes wird, das die Weiterversorgung der Frauen stark zu", stellt Foote fest. Diese Zunahme
von Kampfgruppen gewährleistet. Vor der am 28. April verstärkte sich nochmals 1976, als die Militärakadeerlassenen Richtlinie hätte sie sich nicht um diese Po- mien für Frauen geöffnet wurden und ihnen neue
Chancen für militärische Leistungen boten.
sition bewerben können.
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AMERIKA DIENST 48

�Diese Veränderungen spiegeln sich eindeutig in der
wachsenden Präsenz von Frauen beim Militär wider.
Kurz vor 1973 waren weniger als 2 Prozent der Soldaten Frauen. Heute beträgt diese Zahl nahezu 12
Prozent. Insgesamt sind mehr als 200.000 Frauen im
aktiven Dienst und über 100.000 dienen in verschiedenen Reserveeinheiten.

erläutert Mary Jones, Hauptmann der US-Armee. Jones,
die während des Golfkriegs eine Instandsetzungskompanie kommandierte, gebar zwei Kinder im Verlauf
ihrer 11 Dienstjahre.

Noch schwieriger als eine Schwangerschaft sind ihr
zufolge für die Soldatin die durch den Dienst möglicherweise erforderlichen Trennungen. Jedes Mitglied
Die von ihnen übernommenen Verantwortungsberei- der Streitkräfte, sei es männlich oder weiblich, muß
che sind bemerkenswert. Beispielsweise macht Char- einen Versorgungsplan haben, der im Falle einer
lene Wagner, Leutnant des Heeres, Militärgeschichte Stationierung in Kraft treten kann. "Keiner dieser
als erste Frau, die einen Cobra-Angriffshubschrauber Pläne funktioniert je perfekt", so Jones. "Fünfundfliegt. Sie setzte sich dieses Ziel, als ihr bei einem neunzig Prozent funktionieren. Es ist kein ausschließEinführungskurs über die verschiedenen Flugzeugty- liches Frauenproblem - auch alleinstehende Männer
pen im Bestand der Armee gesagt wurde, "welche sie haben Probleme."
(als Frau) fliegen darf und welche nicht". Im Stillen
hoffte sie jedoch darauf, daß sich eines Tages eine Die glühendsten Befürworter von Frauen im Militär wie
Foote sind der Ansicht, daß sich Mutterschaft und das
Chance "eröffnen würde".
militärische Leben nicht gegenseitig ausschließen.
Bei ihrem ersten Einsatz in Korea werden ihrem "Es gibt dort Frauen, die sehr anspruchsvolle BatailKommando 14 Stabsfeldwebel und sieben Hubschrau- lone kommandieren, ihre Kinder aufziehen und zudem
noch die Ehefrau sind, die ihr Mann sich wünscht",
ber unterstehen.
erklärt sie.
Die Leistungen von Patricia Fornes, Oberstleutnant
der Luftwaffe, haben einen emotionalen Aspekt. Sie ist Die Realität kann jedoch hart sein. Obwohl Jones im
die erste Frau, der das Kommando über ein Raketen- Hinblick auf ihre militärischen Fähigkeiten zuversichtgeschwader übertragen wurde - eine weitere Möglich- lich und auf ihre Leistungen stolz war, beschloß sie,
keit, die Frauen erst vor kurzem zugänglich gemacht den Dienst zu quittieren. Sie war von ihrer ältesten,
wurde. Fornes leitet dieselbe Einheit, der einst ihr erst acht Jahre alten Tochter fünfmal für jeweils sechs
Vater vorstand - jetzt Oberstleutnant im Ruhestand. Monate getrennt. "Es war Zeit für eine Pause", erklärt
Ihr werden rund 75 Soldaten unterstehen - die Männer sie, "denn meine Kinder wuchsen ohne mich auf.
und Frauen, die auf den Raketenanlagen der Vereinigten Staaten in Bereitschaft sind und die Einrichtungen Manche Frauen leiden unter anderen Frustrationen.
Obwohl ihre militärischen Optionen sich verbessern,
warten.
befürwortet nicht jeder die Aussicht auf "bahnbrechen"Führungsstärke ist schwer zu definieren", erklärt Glenn de Veränderungen". Einige machen sich Sorgen, daß
Fornes, wenn sie über die neuen Aufgaben ihrer sie nicht für Posten in Frage kommen, denen sie sich
Tochter nachdenkt. "Aber man wei ß, wenn jemand sie durchaus gewachsen fühlen, und warten immer noch
hat, und ich glaube, diese Dame besitzt sie in hohem auf den Tag, an dem jede Tätigkeit im Militär für alle
Maße."
Frauen offen steht. Im Gegensatz dazu halten andere
wiederum das Herkömmliche für besser.
Selbst angesichts des derzeitigen Abbaus der amerikanischen Streitkräfte nimmt der Prozentsatz von Frauen "Es gibt Frauen im Militär", so Cumbo, "die sich den
weiter zu. Obwohl die Truppenstärke zwischen 1987 neuen Kampfregeln widersetzen. Es ist einfach nicht
und 1992 um fast 370.000 Mann reduziert wurde, stieg das, was sie wollen." Zur Zeit stehen Frauen 99
der Prozentsatz der Frauen von 10,2 auf 11,5 Prozent Prozent aller Berufsgruppen in der Luftwaffe und 99
an.
Prozent der Positionen offen. In der Armee sind es 91
Prozent der Berufsgruppen und 62 Prozent der PosiEs steht außer Frage, daß die Präsenz von Frauen tionen. Die Marine hat 86 Prozent der Berufsgruppen
Fragen und Probleme aufgeworfen hat, die nicht leicht und 60 Prozent der Positionen für Frauen geöffnet,
zu lösen sind. Schwangerschaft ist beispielsweise während die Marineinfanteristen 80 Prozent der Beeine Realität im Leben der Frau. Zur Zeit verrichten rufsgruppen und 34 Prozent der Positionen anbieten.
schwangere Frauen ihre Aufgaben so lange wie möglich.
Ist die Tätigkeit gefährlich, oder sie sind aus medizini- Das scheinen enorme Chancen zu sein, aber einigen
schen Gründen nicht in der Lage, sie auszuüben, Frauen reicht das nicht aus. Wenn jedoch Verteidiwerden ihnen administrative Aufgaben übertragen. gungsminister Aspin wie versprochen das Gesetz über
Nach der Geburt des Kindes erhalten die Mütter min- den Ausschluß von Frauen aus Kampfhandlungen
destens sechs Wochen Mutterschaftsurlaub.
Ende1993 aufhebt, wird es noch mehr Chancen geben. Die Marine erstellt bereits Pläne, jedem der drei
"Im großen und ganzen vertreten wir die Auffassung, Flugzeugträger 1994-95 etwa 500 Frauen zuzuteilen,
daß man nicht krank ist, nur weil man schwanger ist", falls das Gesetz geändert wird.

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�"Das Militär muß jetzt begründen, warum Frauen von
einer Position ausgeschlossen werden", erläutert Becraft.
"Es wird hoffentlich eine vernünftige Erklärung dafür
geben, warum die Möglichkeiten von Frauen aufgrund
ihres Geschlechts beschränkt werden. Wahrscheinlich läuft das auf körperliche Stärke hinaus."

vergaßen wir alle Unterschiede zwischen den Geschlechtern und waren nur noch Soldaten."

fast kein Unterschied zwischen dem Einsatz als
Kombattant oder Nichtkombattant. "Meines Erachtens werden Frauen letztlich in Kampfausrüstung enden",
äußert Jones. "Gehört nicht die Infanterie zur Arbeit
jedes Soldaten dazu? Als der Bodenkrieg begann,

Alle Teilstreitkräfte haben strenge Regeln, die sexuelle
Belästigung verbieten. Die Beseitigung derartiger
Probleme und die Schaffung eines Umfelds, in dem
Frauen sich profilieren können, stellt im Militär eine
Priorität dar. "In der Vergangenheit war es schwierig

In der Armee ist das eine besonders heikle Frage, da
so viele Frauen den Einheiten zugeteilt sind, die Kampfeinheiten direkt unterstützen. "Frauen werden eines
Tages Kampf eingesetzt", erklärt Oberstleutnant
Die vielleicht letzte große Hürde für Frauen im Militär Marcene Etchieson, Personalexpertin. "Unsere Politik
bringt immer noch einige interessante Scenarien her- schließt sie von einer Beteiligung an routinemäßigen
vor. Frauen werden beispielsweise von Elitekampf- direkten Bodenkämpfen aus." Zu den im Golfkrieg
truppen wie den Special Forces der Armee oder den gefangengenommenen Frauen stellt Etchieson fest:
Kampfschwimmern der Marine SEALS ausgeschlos- "Das liegt nicht außerhalb der Politik der Armee. Sie
sen. Bisweilen werden Frauen jedoch diesen Gruppen taten die ihnen zugeteilte Arbeit."
zugeteilt, wenn ihre besonderen Fähigkeiten vonnöten
Wie auch immer diese Arbeit aussehen mag - einige
sind.
führende Vertreter der Streitkräfte sind der Ansicht,
"Wir alle erkennen den herausragenden Beitrag von daß gewisse Beschränkungen bestehen bleiben
Frauen an, die in unseren Streitkräften dienen", erklärt müssen. "Ich persönlich vertrete die Auffassung, daß
der Senator und ehemalige Astronaut John Glenn, der Frauen nicht in der Infanterie dienen sollten", äußert
bei vielen Entscheidungen in bezug auf das Militär eine Frix. "Ich gehörte ihr an und weiß folglich, was das
Schlüsselrolle spielt. "Die Teilnahme von Frauen an bedeutet. Denken Sie über mich, was Sie wollen, aber
Kampftruppen und -Positionen führt zu einigen grund- ich glaube nicht, daß Frauen mit extremen Entbehrunlegenden Fragen über den zukünftigen Umfang und gen fertig werden können."
die Struktur der Streitkräfte."
Major Kathy Wood, Offizier der Armee, ist widerstreDie wichtigste Frage - sollten Frauen im direkten bend zu derselben Schlußfolgerung gelangt. Sie wurde
Kampf eingesetzt werden - ist Fachleuten zufolge schon zu Beginn ihrer Laufbahn für den Einsatz in
durch die moderne Technologie praktisch fiktiv gewor- Panzern ausgebildet und stellt jetzt fest: "Nach zwei
den. "Der Ausschluß der Frau vom Kampf ist eine Jahren Umgang mit Panzern und angesichts der
absolut falsche Formulierung", so Frix. "Frauen wer- Bedingungen und Situationen, denen wir ausgesetzt
den von Positionen ausgeschlossen, bei denen das waren, bin ich zu der Erkenntnis gelangt, daß Frauen
Töten von Menschen die Haupttätigkeit ist."
nicht dorthin gehören. Es fällt mir schwer, das zuzugeben, aber es stimmt. Es stimmt auch, daß Frauen, die
Frix und andere weisen darauf hin, daß Frauen bei der im Kampf eingesetzt werden möchten, die Gelegenmodernen Kriegführung ebenso in Gefahr sind wie die heit zur Entscheidung für einen Bereich haben, der sie
Männer. "Der Krieg am Golf war großangelegt, und sie mit größter Wahrscheinlichkeit ins dichteste Kampfgewaren von Beginn an beteiligt", stellt er fest. "Es gab tümmel bringt."
dort keine Unterschiede. Absolut keine. Niemand
machte sich darüber Sorgen, daß Frauen der Gefahr Während die Armee den Frauen eine breite Palette
ausgesetzt waren."
von Möglichkeiten anbietet, wird die Marine sogar
noch fortschrittlicher. Seit Beginn der achtziger Jahre
Das schließt die Frauen selbst mit ein. Yolanda Wood, hat das Programm "Frauen zur See" weiblichen MariAbsolventin der Luftwaffenakademie, ist Navigatorin neangehörigen den Dienst auf See ermöglicht. Mariund war früher den KC-135-Tankf lugzeugen zugeteilt. nekapitän Dennis Egan befehligte einen Flottentanker,
"Ich bin ausgebildet worden", erklärt sie. "Ich bin zu dessen Besatzung 62 Frauen zählten. "Es klappte
Luftwaffenoffizier. Niemand will in den Krieg. Aberder gut", erklärt er. "Es war eine Übung in Flexibilität. Ich
Wunsch nach der Verteidigung des Heimatlandes ist bekam hochqualifizierte, sehr intelligente Frauen."
nicht auf ein Geschlecht beschränkt."
Dennoch, so Egan, müssen bestimmte Punkte beDie US-Marine hat sich diese Philosophie bereits voll rücksichtigt werden - von der Umgestaltung der Schifund ganz zu eigen gemacht. Sie hat einer Luftkampf- fe, um den Bedürfnissen der Frauen Rechnung zu
einheit schon die erste Frau zugeteilt. Sollten die tragen, bis zu den Schwierigkeiten, die die enge ZuUmstände in Zukunft eine Angriffsmission unter Füh- sammenarbeit von Männern und Frauen mit sich bringt.
rung der Marine erfordern, könnte es sehr wohl eine "Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz war ein Anlaß
Frau sein, die die erste Bombe abwirft.
zur Sorge, mit dem man sich offen befassen mußte",
Für die Frauen, die am Golfkrieg teilnahmen, existiert äußert er.

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AMERIKA DIENST 48

�für Frauen, mit Männern zu konkurrieren, weil sie
keinen nennenswerten Dienst zur See ableisteten."
Gegenwärtig werden auch Schiffe von weiblichen
Angehörigen der Marine befehligt. Korvettenkapitän
Darlene Iskara, die 1990 das Kommando erhielt, war
die einzige Frau an Bord des von ihr befehligten
Schiffes. Seitdem ist zwei weiteren Frauen das
Kommando über ein Schiff übergeben worden, und
weibliche Angehörige der Marine haben auch Staffeln
kommandiert.
Bemerkenswerte Leistungen sind für weibliche Marinepiloten nichts Neues. Im Gegensatz zu Pilotinnen
der Luftwaffe, die zuvor vom Führen bestimmter Jagdflugzeuge ausgeschlossen waren, sind die Pilotinnen
der Marine jedes im Arsenal verfügbare Flugzeug geflogen, einschließlich der im Training verwendeten F/
A-18-Jagdbomber und Angriffsflugzeuge.

Dieser Zugang wird nur langsam gewährt. Gegenwärtig gehören allen Teilstreitkräften nur 11 weibliche
Offiziere im Generalsrang an - zwei in der Armee, drei
in der Luftwaffe, fünf in der Marine und eine bei den
Marineinfanteristen. Nur eine von ihnen - Konteradmiral der Marine - hat den Rang eines Zweisternegenerals. Nur zwei weibliche Luftwaffenoffiziere und ein
weiblicher Armeeoffizier wurden jemals mit zwei Sternen ausgezeichnet. Und was die Armee betrifft, ist das
Beispiel schon fast Geschichte. Generalmajor Betty
Clark, letzter Kommandeur des Frauen-Armeekorps,
wurde 1973 nach Auflösung des Korps in den Ruhestand versetzt.

Oberst Jean Oestreich von der Luftwaffe, ehemalige
Direktorin der Operationen für strategisches Luftkommando, ist der Ansicht, daß mehr Frauen in höchste
Ränge aufsteigen werden. "Ich beobachte eine veränderte Einstellung gegenüber den Frauen", stellt sie
fest. "Als ich kam, hatten die Männer und die FühFrauen nehmen an Feindstaffeln teil und fliegen Feindrungsriege begrenztere Ansichten von dem, was wir
darstellung, um ihre männlichen Kollegen in Kurventun
könnten. Heute ist das kein Thema mehr."
kampftechniken auszubilden. In der Marine gibt es zur
Zeit fünf Testpilotinnen, die gewährleisten, daß die Andere Vertreter des Militärs sind der Auffassung, daß
neuen Flugzeuge den Erfordernissen der Marine ent- auch Frauen Generäle werden - bis jetzt sei dazu nur
sprechen.
noch nicht genug Zeit vergangen. "Erst Mitte der
siebziger
Jahre kamen immer mehr Frauen in die
Im Juni und Juli 1993 traten die ersten weiblichen
Armee",
erklärt
Etchieson. "Man braucht einige Jahre,
Angehörigen der Marine einer auf einem Flugzeugträbis
man
General
oder Hauptfeldwebel wird. Erst jetzt
ger stationierten taktischen Staffel bei. Die Marine
kommt
eine
steigende
Zahl von Frauen hierfür in
erwartet, im April 1994 20 bis 25 Pilotinnen und weibFrage."
liche Flugoffiziere in taktischen Staffeln zu haben. Für
die Frauen in der Marine, die zuvor trotz ihrer umfassenden Ausbildung von diesen wichtigen Positionen
ausgeschlossen waren, stellt das eine dramatische
Veränderung dar.
"Vor diesem Wandel waren meine Optionen sehr
begrenzt", stellt Leutnant Sara Joyner, eine 26jährige
Fluglehrerin bei der Marine, fest. Sie erklärte vor
Journalisten, sie hoffe, für die Ausbildung zur Steuerung des angesehenen F-18-Jagdbombers angenommen zu werden.
Angesichts des technologischen Wandels betrifft die
Frage, mit der Frauen im Militär konfrontiert werden,
nicht so sehr den Kampf, sondern den Zugang zu
Führungspositionen. "Frauen wollen keine Infanteristen sein", erklärt Becraft. "Sie wollen Zugang zu
Positionen, die zu höheren Rängen führen."

*

AMERIKA DIENST 48

Zweifelsohne widmen sich alle Teilstreitkräfte dieser
Frage sorgfältig und aufmerksam. Alle haben Frauenbeauftragte zur Entwicklung von Lösungen. Die Frauenberatungskommission für die Teilstreitkräfte (Defense Advisory Commission on Women in the Services
- DACOWITS) steht dem Verteidigungsministerium
beratend zur Seite.
Trotz Komplikationen wie dem fortgesetzten Streitkräfteabbau, der die Chancen für Männer und Frauen
in den Streitkräften beschränkt, besteht kein Zweifel,
daß sich die Dinge dramatisch verändern.
"Die Operation Wüstensturm hat gezeigt, daß jeder
Soldat eingezogen werden muß, wenn Soldaten benötigt werden", erklärt Kampfveteran Cumbo. "Das
Geschlecht ist unerheblich. Frauen mögen an der
Front führend sein, oder die Nachhut bilden, aber sie
werden präsent sein."

* * * *

Seite 5

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. US-Regierung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton: erstes Amtsjahr ein Erfolg&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Radioansprache des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. APEC&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;APEC-Treffen fördert stärkere regionale Identität&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ausführungen Präsident Clintons&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wirtschaftsvision des APEC&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Abschlußerklärung der Konferenzteilnehmer&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. GATT&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kantor zuversichtlich über Abschluss der Uruguay-Runde&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Auftrieb für NAFTA und APEC erwartet&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. USA-Europa&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Warum es auf Europa ankommt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede Oxmans vor dem Baltimore Council on Foreign Relations&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Menschenrechte&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA benennen gravierende Menschenrechtsverletzer&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung vor Drittem Ausschuß der UN-Generalversammlung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. US-Militär&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Auch sie dienen: Frauen im US-Militär&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Michele McCormick&lt;/em&gt;</text>
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dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United Stat&amp; of America
. w^';V\0^

ArfO'c

Z12462C
8. Dezember 1993

49

USA-DEUTSCHLAND

ERSTE GRUNDSATZREDE VON
BOTSCHAFTER HOLBROOKE
Gehalten bei der Atlantik-Brücke
in Potsdam

KSZE

CHRISTOPHER DRÄNGT AUF VERSTÄRKTES
ENGAGEMENT FÜR DIE KSZE
Rede des Außenministers vor
KSZE-Ministertreffen

NATO

CHRISTOPHER ERLÄUTERT
PARTNERSCHAFT FÜR FRIEDEN
Rede vor dem
Nordatlantischen Kooperationsrat

PARTNERSCHAFT FÜR FRIEDEN:
DER ANDERE TEIL VON MARSHALLS VISION
Rede von Verteidigungsminister Aspin

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-33923 72
Fax:0228-33 41 02

�USA-DEUTSCHLAND
8. Dezember 1993

ERSTE GRUNDSATZREDE
VON BOTSCHAFTER HOLBROOKE
Gehalten bei der Atlantik-Brücke in Potsdam
POTSDAM - (AD) - In seiner ersten Grundsatzrede in Deutschland erklärte der neue amerikanische Botschafter, Richard C. Holbrooke, bei einem Treffen der Atlantik-Brücke am 7. Dezember 1993 im Cäcilienhof in
Potsdam, daß die Clinton-Administration "eine sich abzeichnende Rolle Deutschlands auf der globalen Bühne
unterstützen wird. Wir haben nicht nur keine Angst davor, sondern begrüßen sie und sehen der ebenso engen
Zusammenarbeit mit Bonn wie bisher entgegen", erläuterte der Botschafter den Anwesenden, zu denen der
Vorsitzende der Atlantik-Brücke, Walther Leisler Kiep, der brandenburgische Ministerpräsident Dr. Manfred
Stolpe und Dr. Herbert Knoblich, Präsident des Landtags Brandenburg, zählten. "Aus diesem Grund", fügte der
Botschafter hinzu ."unterstützen wir beispielsweise die ständige Mitgliedschaft Deutschlands im UN -Sicherheitsrat". Aus der Sicht der US-Administration sei Deutschland "voll und ganz in der Lage", die "Lasten und
Verpflichtungen" einer ständigen Mitgliedschaft zu übernehmen.
Mit der Feststellung, in den Vereinigten Staaten bestehe eine Versuchung, "sich nach innen zu wenden" und sich
auf innenpolitische Probleme zu konzentrieren, unterstrich Botschafter Holbrooke, Präsident Clinton und andere
hochrangige Regierungsvertreter hätten "immer wieder klargestellt, daß ein Rückzug zu einer neuen Form von
Isolationismus in den neunziger Jahren fürdie Vereinigten Staaten keine Alternative darstellt". Die Konzentration
der deutschen Medien auf die amerikanischen Truppenreduzierungen und die Bedeutung Asiens für die
Vereinigten Staaten "verschleiern jedoch gelegentlich die Tatsache, daß die Vereinigten Staaten weiterhin
100.000 Soldaten in Europa belassen wollen, die Mehrzahl davon in Deutschland, und Europa fürdie Vereinigten
Staaten nichts - ich wiederhole, überhaupt nichts - von seiner Bedeutung verloren hat". Die asiatisch-pazifische
Region sei für die Vereinigten Staaten 'Von unerläßlicher Bedeutung, die aufgrund ihrer Geographie, Geschichte
und ihrem Eigeninteresse eine pazifische und eine atlantische Nation sind. Aber wir messen der einen Region
nicht mehr Bedeutung bei als der anderen - und werden dies auch nicht tun, wie ich wiederholt betont habe."
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text der Rede von Botschafter Holbrooke.

Ich möchte den Organisatoren dieser Veranstaltung
und der Atlantik-Brücke für die Einladung am heutigen
Abend hier danken. Die Atlantik-Brücke ist eine au ßerordentlich wichtige Institution, die seit Jahren und in
jüngster Zeit dank der herausragenden Tätigkeit meiner Freunde Walther Leisler Kiep und Beate Lindemann immens viel für die deutsch-amerikanischen
Beziehungen geleistet hat. Daher habe ich ohne zu
Zögern Walther und Beate sogar noch vor meiner
Ankunft in Deutschland vor zwei Monaten versprochen, meine erste politische Grundsatzrede vor dieser
renommierten Gruppe zu halten.
Bevor ich beginne, gestatten Sie mir bitte eine persönliche Anmerkung. Ich möchte den vielen Deutschen,
denen ich in meiner kurzen Zeit hier bereits begegnet
bin, für die mir entgegengebrachte Freundlichkeit und
Gastfreundschaft meinen tiefempfundenen Dank
AMERIKA DIENST 49

aussprechen. Ich werte dies nicht als Ausdruck der
Gefühle der Deutschen für mich persönlich, sondern
gegenüber der Nation, die ich die Ehre habe, hier zu
vertreten. Auf persönlicher Ebene war die Herzlichkeit
dieser Kontakte jedoch das herausragendste und erfreulichste Merkmal meiner ersten Monate in Deutschland. Ich danke Ihnen allen - auch vielen hier nicht
Anwesenden - für diese freundliche Aufnahme.
Ich habe mir geschworen, mich in meinen Ausführungen heute abend strikt auf die Zukunft zu konzentrieren, aber ich kann nicht beginnen, ohne auf den
heutigen Jahrestag zu verweisen. Vor genau 52
Jahren griffen die Japaner Pearl Harbor an und brachten die Vereinigten Staaten - entschieden und unabänderlich - auf den Kurs, der uns schließlich heute hierhin
geführt hat.

Seite 1

�Der 7. Dezember 1941 war mehr als ein entscheidender Augenblick für die Vereinigten Staaten. Er zwang
Amerika zur Konfrontation mit der Verantwortung einer
neuen Rolle - Führung in der globalen Arena - auf die
wir nicht vorbereitet waren, die wir erlernen und in die
wir im Laufe der Zeit hineinwachsen mußten. Die
durch Pearl Harbor und die folgenden Ereignisse freigesetzten Kräfte beeinflußten das Geschehen über
mehr als zwei Generationen hinweg und haben auf die
eine oder andere Art die Sichtweise - das grundlegende Weltbild - aller in diesem historischen Raum Anwesenden beeinflußt, in dem - wie ich mit Ehrfurcht und
großer Demut feststellen möchte - der Krieg in Europa
schließlich beendet wurde.

wenn auch in ziemlich unterschiedlicher Weise. 45
Jahre lang gründete sich die Politik der Vereinigten
Staaten auf die Verteidigung Deutschlands gegen
potentielle Aggression aus dem Osten. Diese Politik
war leicht zu verstehen, wenn auch ihre Umsetzung
gelegentlich schwierig und sogar gefährlich war.
Trotz der Versuchung einer Konzentration auf innenpolitische Probleme gibt es heute auch im Bereich der
Außenpolitik eine neue Verantwortung, der man sich
stellen muß. Um Mißverständnissen vorzubeugen die Versuchung, sich nach innen zu wenden, besteht
nicht nur in Deutschland, sondern auch in den Vereinigten Staaten.

In Amerika wurde das Ende des Kalten Krieges weithin
und zu recht als das Ende einer Ära - ein abgeschlossenes Kapitel - gesehen. Eines der wichtigsten und
häufigsten Themen im Präsidentschaftswahlkampf von
1992 war der Gedanke, es sei an der Zeit für die
Vereinigten Staaten, ihr eigenes Haus in Ordnung zu
So kurz diese Ereignisse auch zurückliegen, beginnen bringen. Präsident Clinton hat dies formuliert und in
sie doch in unseren Köpfen bereits eine gewisse seinem ersten Amtsjahr eine Reihe von Initiativen in
Patina anzusetzen, während wir uns nach der Eupho- den Bereichen Gesundheitsfürsorge, Bildungswesen
rie und dem Freudentaumel der Bewältigung eines und Sozialpolitik durchgeführt, die in der Geschichte
völlig neuen Komplexes von Problemen zuwenden. ihresgleichen suchen. Gleichzeitig hat der Präsident
Michael Walzer vom Institute for Advanced Study in jedoch eindeutig klargestellt, daß Amerika seine FühPrinceton verwies vor kurzem auf die Ähnlichkeiten rungsrolle in der Weh bei der Bewältigung unserer
zwischen "dem wunderbaren Jahr 1989" und 1848, innenpolitischen Probleme besser erfüllen kann. Um
"als Professoren für Philosophie und Politologie sich aus Präsident Clintons Ansprache vor der Generalverplötzlich in die Lage versetzt sahen, Verfassungen zu sammlung der Vereinten Nationen im Herbst zu zitieschreiben". Walzer formulierte wehmütig, aberzutref- ren: "Innenpolitische Erneuerung ist ein überfälliges
fend, 1989 scheine "bereits eine Ewigkeit zurückzulie- Tonikum. Aber Isolationismus und Protektionismus
gen". Wir haben guten Grund uns zu fragen, wie der sind noch immer Gift. Wir müssen unsere Völker
grenzenlose Enthusiasmus und die Hoffnung dieser veranlassen, über ihre naheliegenden Ängste hinaus
zu einem erweiterten Horizont zu blicken." Ich möchte
Monate der Befreiung so schnell verfliegen konnten.
dieses Publikum nicht zu der Annahme verleiten, daß
Für Deutschland hat die Vereinigung die uneinge- alle Amerikaner diese Ansicht bereitwillig teilen. Mächtige
schränkte Souveränität und Befreiung von den Be- Stimmen fordern eine Umkehrung des Engagements
schränkungen und Härten des Kalten Krieges bewirkt. der Vereinigten Staaten im Ausland, denen mit Hilfe
Sie hat auch neue Verantwortung mit sich gebracht, derjenigen im Ausland und insbesondere in Europa
die eine neue Denkweise erfordert. Das vereinigte widerstanden werden muß, die den Glauben dieser
Deutschland ist nicht nur ein größeres Deutschland. Administration an ein dauerhaftes amerikanisches
Es ist auch ein anderes Deutschland als das West- Engagement in Übersee teilen.
deutschland der Zeit des Kalten Krieges, das sich
bemüht, die Erfahrungen und Perspektiven zweier Deutschland könnte in zweifacher Weise versucht
Gruppen von Deutschen nach nahezu einem halben sein, sich nach innen zu wenden. Auf nationaler Ebene
Jahrhundert unterschiedlicher Geschichte miteinan- hat sich die vollständige Integration der neuen Länder
der zu verknüpfen. Dieser noch lange nicht abge- in die Wirtschaft und Gesellschaft des vereinigten
schlossene Prozeß wird entscheiden, was das neue Deutschland als sehr viel größere Herausforderung,
Deutschland sein wird. Wir Amerikaner sind uns der kostenintensiver und psychologisch mühsamer erwieSie konfrontierenden Schwierigkeiten und noch zu sen, als man 1989 je prognostiziert hätte. Ich bin
bewältigenden Probleme bewußt. Wir haben jedoch erstaunt über das allgemeine Ausmaß dieser Fehleinauch uneingeschränktes Vertrauen in die Erfindungs- schätzung. Als Vorbereitung für diesen Posten habe
gabe der Deutschen und ihre Entschlossenheit, die ich zahlreiche 1989 und 1990 verfaßte Artikel nochHerausforderungen der Vereinigung zu meistern.
mals gelesen. Keiner sagte die Schwierigkeiten voraus, mit denen sich Deutschland heute konfrontiert
Ich möchte eine grundlegende Tatsache unterstrei- sieht.
chen: Das vereinigte Deutschland ist für die Vereinigten Staaten ebenso wichtig wie das geteilte Deutsch- Deutschland sieht sich noch einer weiteren Versuland - und auf lange Sicht vielleicht noch wichtiger, chung ausgesetzt, sich nach innen zu wenden. Das

Jetzt haben wir einen anderen, vielleicht ebenso entscheidenden Augenblick durchlebt. Die Ereignisse
zwischen 1989 und 1991 brachten die herkömmliche
Ordnung unserer Welt ausdem Lot. Nichts wird jemals
wieder so sein wie es war.

Seite 2

AMERIKA DIENST 49

�Inkrafttreten des Vertrags von Maastricht am 1. November hat der weiteren Entwicklung dessen, was
jetzt als Europäische Union bezeichnet wird, neuen
Auftrieb verliehen. Die Notwendigkeit, gleichzeitig ein
vereintes Deutschland und ein vereintes Westeuropa
aufzubauen, konfrontiert die Deutschen mit enormen
Herausforderungen, die leicht als Rechtfertigung benutzt
werden könnten, die uneingeschränkte Aufmerksamheit auf das Inland zu lenken.

schichte und ihrem Eigeninteresse eine pazifische und
eine atlantische Nation sind. Aber wir messen der
einen Region nicht mehr Bedeutung bei als der anderen - und werden dies auch nicht tun, wie ich wiederholt
betont habe.

Ich freue mich, daß die politisch Verantwortlichen in
Deutschland und den Vereinigten Staaten entschlossen sind, nicht dieser Versuchung der Abkehr von der
Welt zu erliegen. Unsere Politiker sehen sich heute
einer Situation gegenüber, die zwei früheren Wendepunkten in diesem Jahrhundert vergleichbar ist: 1919
und 1945.1919 gelang es den Politikern in Europa und
Amerika trotz guter Absichten nicht, einen dauerhaften
Frieden zu schaffen. 1945 brachte der mit nüchterner
Einschätzung des Machbaren und großen Staatsmännern kombinerte Idealismus Ergebnisse hervor, die
uns einen Rahmen für Sicherheit boten, der uns die
Zeit für die friedliche Lösung 1989-1991 einräumte.
Mit welcher Periode werden uns spätere Generationen
vergleichen? Die Entscheidung ist klar. Unsere Aufgabe besteht in der Bewältigung der gegenwärtigen
Herausforderung mit Führungsstärke und Phantasie
ebenso wie 1947. Die Geschichte und unsere Kinder
verlangen, daß wir das Fundament für eine sichere
und friedliche Zukunft legen.

Diese neue Vision wird durch seine Beteiligung an den
Friedenssicherungsmissionen unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen in Kambodscha und
Somalia symbolisert, ist jedoch nicht auf sie begrenzt.
Dies kann im ehemaligen Jugoslawien beobachtet
werden, wo mutige Bundeswehrpiloten und -flieger
weiterhin täglich einen Beitrag zur Luftbrücke für Sarajevo und zu den Fallschirmabwürfen von humanitären
Hilfsgütern über Bosnien leisten. Es ist ebenso offenkundig in Osteuropa und der ehemaligen Sowjetunion,
wo Deutschland nach wie vor eine Führungsrolle bei
der Bereisteliung von Hilfe spielt. Und Deutschland
sondiert darüber hinaus Wege der Zusammenarbeit in
Asien, wie kürzlich während Bundeskanzler Kohls
beeindruckendem Besuch in China beobachtet. Von
wahrscheinlich größter Bedeutung ist das eindeutige
Zeichen der politisch Verantwortlichen in der Bundesrepublik Deutschland, daß Deutschland schrittweise
zur Übernahme einer globalen Rolle bereit ist.

Weit davon entfernt, sich nach innen zu wenden, hat
auch Deutschland eine umfassendere außenpolitische Vision ausdrücklich bekräftigt.

Ebenso wie die Vereinigten Staaten die Vereinigung
Präsident Clinton, Vizepräsident Gore und Außenmini- Deutschlands begrüßt und unterstützt haben, begrüster Christopher haben immer wieder klargestellt, daß ßen und unterstützen wir die Bereitschaft Deutschein Rückzug zu einer neuen Form von Isolationismus lands, dieser neuen Rolle und Verantwortung gerecht
in den neunziger Jahren für die Vereinigten Staaten zu werden. Präsident Clinton, der seinen Respekt und
keine Alternative darstellt. Die Medien hier in Deutsch- seine Achtung für die Deutschen häufig zum Ausdruck
land haben sich vornehmlich auf das Tempo konzen- gebracht hat, teilt diese Ansicht uneingeschränkt.
triert, mit dem die amerikanischen Streitkräfte aus Unseres Erachtens hat das vereinigte Deutschland,
Deutschland und Europa abgezogen werden sowie selbst während es mit ernsthaften neuen innenpolitiauf jüngste Aussagen Washingtons über die Bedeu- schen und wirtschaftlichen Problemen kämpft, heute
tung Asiens. Dies ist angesichts der historischen eine zunehmende Rolle in der Welt zu spielen - und das
Dimension dieser Veränderungen verständlich. Die bedeutet nicht nur Europa. Wir sind uns bewußt, daß
starke Konzentration auf die amerikanischen Truppen- dieses Thema in Deutschland ernsthaft erörtert wird
reduzierungen und solche Ereignisse wie der äußerst und wollen den Deutschen im Hinblick auf die Größenerfolgreiche Gipfel von Seattle verschleiern jedoch ordnung oder Geschwindigkeit keine Ratschläge erteigelegentlich die Tatsache, daß die Vereinigten Staa- len. Das sind Ihre Entscheidungen. Meine Aufgabe
ten weiterhin 100.000 Soldaten in Europa belassen heute abend ist einfach: Sicherzustellen, daß diese
wollen, die Mehrzahl davon in Deutschland, und Euro- Administration eine sich abzeichnende Rolle Deutschpa für die Vereinigten Staaten nichts - ich wieder- lands auf der globalen Bühne unterstützen wird. Wir
hole, überhaupt nichts - von seiner Bedeutung haben nicht nur keine Angst davor, sondern begrüßen
verloren hat. Unsere beträchtliche und greifbare sie und sehen der ebenso engen Zusammenarbeit mit
Truppenpräsenz ist nur eine Manifestation unseres Bonn wie bisher entgegen, jedoch in einem breiteren
Engagements für Deutschland, die NATO und die Rahmen. Aus diesem Grund unterstützen wir beizukünftige Stabilität Europas.
spielsweise die ständige Mitgliedschaft Deutschlands
Ich möchte sowohl eine persönliche als auch eine
offizielle Anmerkung zu Asien und dem Pazifik machen
- ein Gebiet, dem ich einen Großteil meiner öffentlichen und privaten Karriere gewidmet habe. Diese
Region ist für die Vereinigten Staaten von unerläßlicher Bedeutung, die aufgrund ihrer Geographie, GeAMERIKA DIENST 49

im UN-Sicherheitsrat, wobei natürlich betont werden
mu ß, daß die ständige Mitgliedschaft im Sicherheitsrat
der Vereinten Nationen nicht nur Status und Ehre mit
sich bringt, sondern auch Lasten und Verpflichtungen.
Unserer Ansicht nach ist Deutschland voll und ganz in
der Lage, diese zu übernehmen.
Seite 3

�Bevor ich eine Tagesordnung für die zukünftige deutschamerikanische Partnerschaft anbiete, muß ich kurz
auf einige der vor uns liegenden praktischen Probleme
eingehen. Ich beziehe mich hier nicht auf Isolationismus oder die Haushaltsdefizite unserer Nationen,
sondern auf die Vielfalt lokaler oder regionaler Konflikte, die ironischerweise die Welt instabiler machen als
während des Kalten Krieges. Die Ereignisse des 20.
Jahrhunderts haben den Nationalismus für immer der
Romantik beraubt, die ihm im letzten Jahrhundert
solche Macht verliehen hat. Trotz allem scheint er
jedoch nichts von seinem Einfluß und wenig von seinem Potential zu gelegentlichen, jedoch erschreckenden Auswüchsen von Grausamkeit verloren zu haben.
Wir können es uns jedoch nicht leisten, Problemen
solchen Ausmaßes und mit solchen Konsequenzen
wie in Bosnien den Rücken zu kehren, nur weil sie sich
einer schnellen Lösung widersetzen. Wenn ein solches Problem sich nicht mit alten Patentrezepten
beheben läßt, müssen neue gesucht werden. Wo uns
die Inspiration verläßt, müssen wir auf Durchhaltevermögen und Entschlossenheit zurückgreifen.

digkeit eines GATT-Abkommens bis zum 15. Dezember ausgesprochen. Es gibt keinen - ich wiederhole,
keinen -16. Dezember. Obwohl die Zeit knapp wird,
liegt eine Vereinbarung in greifbarer Nähe. Seien Sie
versichert, daß die amerikanischen Handelsbeauftragten und die Amerikanische Botschaft in Bonn in
diesen schwierigen letzten Stunden eng mit ihren
deutschen Kollegen zusammenarbeiten, um die Uruguay-Runde zu einem erfolgreichen Abschluß zu bringen.
Ein Erfolg der Uruguay-Runde ist nicht nur an und für
sich wichtig, sondern auch weil der Stichtag nicht ganz
einen Monat vor dem NATO-Gipfeltreffen am 10.
Januar liegt. Das Ergebnis der GATT-Verhandlungen
wird unweigerlich Auswirkungen auf die Ereignisse im
Januar in Brüssel haben.

Deutschland hat natürlich ein vitales nationales Interesse an stabilen, florierenden, marktorientierten
Demokratien an seinen unruhigen östlichen Grenzen.
Auch wenn wir geographisch weiter entfernt sind,
teilen wir dieses Interesse uneingeschränkt. Die Vereinigten Staaten haben einen Ansatz vorgeschlagen Heute liegen vor Deutschland und den Vereinigten Partnerschaft für Frieden - der die Aussicht auf unmitStaaten neue und aufregende Möglichkeiten zur Zu- telbare Zusammenarbeit für ganz Osteuropa mit der
sammenarbeit bei der Verfolgung unserer gegenseiti- Möglichkeit noch engerer Verbindungen in der Zukunft
gen Interessen, die unseres Erachtens auch im weiter- eröffnet. Er bietet den kleineren Staaten der Region
gehenden Interesse Europas und der ganzen Wert zusätzliche Sicherheit, vermeidet jedoch gleichzeitig
neue Trennlinien durch dieses Gebiet.
liegen.
Eine dieser Chancen bietet sich eben jetzt bei den
Verhandlungen in Genf und Brüssel, wo die Unterhändler aus der ganzen Welt auf den Abschluß der
Uruguay-Runde vorder für den 15. Dezember gesetzten Frist hinarbeiten. Präsident Clinton und Außenminister Christopher haben wiederholt bekräftigt, daß
internationaler Handel nicht länger als Einzelthema getrennt von Außenpolitik oder der jeweiligen nationalen Wirtschaftspolitik - behandelt werden kann.

Deutschland und die Vereinigten Staaten arbeiten eng
zusammen, um diese Partnerschaft für Frieden Realität werden zu lassen. In einem ähnlichen Zusammenhang war der Außerordentliche und Bevollmächtigte
Botschafter für Rußland und die neuen unabhängigen
Staaten, Strobe Talbott, erst vor wenigen Wochen in
Bonn, um Wege zur besseren Koordinierung unserer
Bestrebungen beim Aufbau von Demokratie sowie der
Förderung von Stabilität und Wirtschaftsreformen in
dieser entscheidenden Regbn zu erörtern. Die deutschPräsident Clinton hat sein starkes Engagement für amerikanische Zusammenarbeit beim Aufbau von
offenen Handel und die Abschaffung von Protektionis- Demokratie ist weder auf offizielle Kanäle noch auf den
mus während der Debatte unter Beweis gestellt, die Osten begrenzt. Von den privaten gemeinsamen
der jüngsten Abstimmung im Kongreß über das Nord- deutsch-amerikanischen Bestrebungen auf diesem
amerikanische Freihandelsabkommen - oder NAFTA - Gebiet möchte ich besonders die Tätigkeit des Gervoranging. Seit vielen Jahren hat kein amerikanischer man Marshall Fund hervorheben, dessen Treuhänder,
Präsident soviel persönliches und politisches Prestige unter anderem mein enger Freund und Berater Fritz
aufs Spiel gesetzt, um die Zustimmung des Kongres- Stern, Programme auf die neuen Länderzuschneiden.
ses zu einem internationalen Abkommen zu erlangen.
Sein beeindruckender Erfolg ist ein Signal für das Ich muß betonen, daß die deutsch-amerikanische
amerikanische Engagement zum Abbau von Handels- Partnerschaft nicht funktionieren würde, wenn sie sich
schranken und zum Aufbau einer wirklich globalen nur auf die kühle Berechnung nationaler Interessen
Wirtschaft. Meines Erachtens hat er auch den Weg gründen würde. Bei solchen Anlässen ist dies für
zum Erfolg beim GATT-Prozeß gewiesen, denn ohne gewöhnlich der Punkt, an dem der Geist von Baron von
GATT ist das NAFTA offensichtlich ein unvollständiger Steuben und Carl Schurz beschworen wird. Ein weiProzeß, der das Welthandelssystem verzerren könn- teres Lieblingsthema ist das eines meiner Vor-Vorgänte.
ger, Botschafter Jacob GoukJ Schurman - der berühmte Tribut an die deutsch-amerikanische Freundschaft,
Bundeskanzler Kohl und seine Amtskollegen haben den er und Gustav Stresemann gemeinsam auf einem
sich ebenso wie wir in der Öffentlichkeit für die Notwen- Podium der Heidelberger Universität im Jahr 1928
Seite4

AMERIKA DIENST 49

�zollten. Dies ist ein ausgezeichnetes Thema für den
jährlich begangenen Deutsch-Amerikanischen Tag,
aber wir alle hier wissen, daß diese Partnerschaft in
etwas Unmittelbarerem und Konkreterem wurzelt:
Unseren gemeinsamen Erfahrungen seit 1945.
Millionen Amerikaner und ihre Familienangehörigen
haben hier in den letzten mehr als 40 Jahren gedient.
Sie haben in deutschen Gemeinden gelebt und ihre
positiven Erfahrungen mit nach Hause genommen.
Praktisch die gesamte Nachkriegsgeneration westdeutscher Politiker aller Ressorts hat die Vereinigten
Staaten bereist, dort gelebt oder studiert. Darüber
hinaus verbindet ein riesiges Netz von Kontakten in
den Bereichen Handel, Bankwesen, Kultur und Bildung unsere beiden Völker fest miteinander. Die
Atlantik-Brücke selbst und das Aspen Institut sind
ausgezeichnete Beispiele hierfür.

men aller Art zwischen Ostdeutschen und Amerikanern tun.
Damit komme ich zu meiner zentralen Aussage des
heutigen Abends zurück, daß wir auf unsere gemeinsamen Erfahrungen aufbauen müssen und nicht die
Hände in den Schoß legen dürfen. Wir benötigen keine
gemeinsame Bedrohung mehr, um zusammenzuarbeiten. In der Tat sollte sich eine neue Partnerschaft
nicht ausschließlich oder vornehmlich auf Bedrohungen von außen gründen, sondern auf die Herausforderungen und Chancen der Zukunft. Ich beabsichtige, in
einerweiteren Rede im kommenden Monat im einzelnen auf diese bilateralen Themen einzugehen, in der
ich hoffentlich einige neue Entwicklungen in der USMission in Deutschland bekanntgeben kann.

Zweifelsohne werden wir nicht immer übereinstimmen, insbesondere bei der Suche nach Lösungen in
der
neuen und komplexeren Welt, der wir uns jetzt
Die Deutschen, die in der ehemaligen DDR gelebt
gegenübersehen,
aber wir müssen ehrlich und kontihaben, denen über Jahre hinweg Lügen über Amerika
nuierlich
miteinander
reden, wenn wir die erforderliche
und Westdeutschland aufgetischt wurden, beginnen
Führungsstärke
bieten
wollen. Meine Aufgabe hier
erst jetzt, diese Art von Kontakten und Austauschprobesteht
nicht
darin,
als
Hüter
dieser Beziehungen zu
grammen mit Amerikanern zu erfahren. Auf beiden
fungieren,
sondern
mit
Hilfe
meiner
deutschen AmtsSeiten muß mehr getan werden, um diese Situation zu
kollegen
und
den
heute
abend
hier
Anwesenden siverbessern. Die Einrichtung eines Amerikanischen
cherzustellen,
daß
wir
auf
der
von
unseren
VorgänGeneralkonsulats in Leipzig und seine Aktivitäten in
gern
geschaffenen
Grundlage
aufbauen
und
sie
erweiSachsen und Thüringen sind ein greifbares Beispiel für
tern.
das amerikanische Engagement. Wir werden in Zukunft mehr für die Förderung von Austauschprogram-

*

AMERIKA DIENST 49

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�KSZE
8. Dezember 1993

CHRISTOPHER DRÄNGT AUF VERSTÄRKTES
ENGAGEMENT FÜR DIE KSZE
Rede des Außenministers vor KSZE-Ministertreffen
ROM - (AD) - Außenminister Christopher zufolge ist die Vision der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) von umfassender Sicherheit für ein neues Europa auf der Grundlage von Demokratie
und kooperativer Sicherheit noch weit von ihre vollständigen Verwirklichung entfernt.
In seinen Ausführungen vor der KSZE-Plenarsitzung am 30. November 1993 verwies der Außenminister auf drei
Bereiche, in denen weitere Fortschritte zur Umsetzung der vor drei Jahren beim Pariser Gipfeltreffen umrissenen
Vision der KSZE erzielt werden müssen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Außenminister Christopher im Wortlaut.
Ich möchte Ministerpräsident Ciampi und Außenminister Andreatta für die Veranstaltung dieses Ministertreffens meinen Dank aussprechen.

dem wurden beachtliche Fortschritte erzielt. Unsere
Vision ist jedoch von ihrer vollständigen Verwirklichung noch wert entfernt.

Dies ist das erste von mehreren wichtigen Treffen, an
denen ich in dieser Woche in Europa teilnehmen
werde, zunächst hier in Rom und dann in Brüssel. In
etwas mehr als einem Monat wird Präsident Clinton
zum NATO-Gipfeltreffen reisen, dem ersten von drei
Besuchen, die er Europa im ersten Halbjahr 1994
abstatten wird. Diese Besuche unterstreichen die
andauernde Bedeutung, die die Vereinigten Staaten
ihren Beziehungen zu Europa beimessen.

Nationen wurden wiedergeboren und ethnische Identitäten fest behauptet. Es entstand jedoch auch aggressiver und häufig myopischer Nationalismus, und
fürchterliche ethnische Konflikte brachen aus. Die
Fundamente demokratischer Institutionen werden
gelegt, aber ihre Strukturen sind noch im Aufbau
begriffen. Eine freie Presse ist ein allgemein anerkanntes Ideal, aber noch keine gemeinsame Realität.
Der steinige Weg zu Wirtschaftsreformen hat begonnen, wirtschaftliche Härten sind jedoch noch immer
wertverbreitet.

Ich möchte dieses wichtige Gremium und die Welt
wissen lassen, daß die Vereinigten Staaten den transatlantischen Beziehungen - sowie der Sicherheit und Die KSZE ist eine kreative und viele Nationen umfasdem Wohlstand Europas - unerschütterlich verpflichtet sende Institution. Wir müssen ihre einzigartigen Fäsind. Mit keiner Region der Welt sind wir enger higkeiten nutzen, um zur Gestaltung eines durch
verbunden. Wir sind nicht nur durch Verträge aneinan- demokratische Institutionen, Achtung der Menschender gebunden, sondern durch die dauerhaften Bande rechte und wachsenden Wohlstand gesicherten neuder Geschichte, Kultur und gemeinsamen Werte.
en Europas beizutragen. Dies ist die einzige Grundlage für ein künftiges Europa im Frieden.
Die Vision der KSZE von umfassender Sicherheit
wurzelt tief in diesen gemeinsamen Werten, und daher Die dauerhafte Besorgnis um die menschliche Würde
ist es mir eine Ehre, die Vereinigten Staaten bei diesem und ihre Achtung sind ein Kernstück der amerikaniMinistertreffen der KSZE zu vertreten.
schen Außenpolitik. Wir sind uns bewußt, daß wir in
den Vereinigten Staaten noch keine perfekte Union
Vor drei Jahren - beim Pariser Gipfeltreffen - umriß die haben. Wir streben jedoch kontinuierlich nach der GeKSZE die Vision eines neuen Europas auf der Grund- währleistung der Achtung und des Schutzes jedes
lage von Demokratie und kooperativer Sicherheit. Seit- einzelnen.

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�Diese Besorgnis um Menschenrechte erstreckt sich
auf alle Beziehungen der Vereinigten Staaten in der
Welt. Obwohl es nicht das einzige uns leitende Prinzip
ist, würde eine amerikanische Außenpolitik ohne das
Engagement für internationale Menschenrechte weder den Idealen noch den Interessen unserer Nation
gerecht.
Jeder KSZE-Mitgliedstaat ist zur Wahrung und zum
Schutz der Rechte des einzelnen verpflichtet. Auf
beiden Seiten des Atlantiks besteht großes Interesse,
Respekt für Vielfalt zu schaffen, Minderheiten das
Wahlrecht zu gewähren und jedem ein Mitspracherecht am nationalen Leben einzuräumen. Wie der
Zusammenbruch des sowjetischen Imperiums demonstriert, kann kein Staat langfristig Stabilität und Wohlstand ohne eine offene Gesellschaft und ein grundlegendes Engagement für Menschenrechte erlangen.
Seit ihren ersten Tagen hat die KSZE dazu beigetragen, die internationale Besorgnis über die Behandlung
der Bürger eines Landes rechtlich zu untermauern.
Menschenrechte müssen weiterhin an oberster Stelle
der KSZE-Tagesordnung stehen. Der Hochkommissarfürnationale Minderheiten hat einen maßgeblichen
Beitrag zum Schutz von Minderheiten geleistet, in der
ehemaligen jugoslawischen Republik Makedonien, der
Slowakei und Albanien. Das Büro für demokratische
Institutionen und Menschenrechte hat Menschenrechtsmissionen effektiv organisiert und Wahlen überwacht.
Im ehemaligen Jugoslawien, in Turkmenistan, Tadschikistan, Usbekistan und anderen KZSE-Staaten
finden jedoch immer noch gravierende Menschenrechtsverletzungen statt. Diese Menschenrechtsverletzungen gilt es zu unterbinden.

Die Auseinandersetzung mit Menschenrechtsverletzungen und Bedrohungen der Grundfreiheiten ist nur
ein Teil der uns konfrontierenden Herausforderungen.
Wir müssen uns auch mit den Konsequenzen eines
Konflikts befassen, der sich einer Lösung widersetzt
hat, und bei dem die Parteien bisher die Beendigung
des Blutvergießens und Mordens hartnäckig verweigert haben.
In diesem Jahr ist der Winter früh in Bosnien eingebrochen, und die humanitäre Krise hat sich verschärft.
Unter diesen tragischen Umständen werden die Vereinigten Staaten ihre humanitären Bestrebungen zur
Milderung des Leidens verstärken. Wir werden eng mit
dem Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen zusammenarbeiten, um den wirksamsten Einsatz dieser Hilfe auszumachen. Als größtes einzelnes
Geberland haben wir seit dem Ausbruch der Feindseligkeiten im Jahr 1991 bereits Hilfsleistungen im Wert
von weit über 400 Millionen Dollar bereitgestellt.
Heute gebe ich einen weiteren Beitrag der Vereinigten
Staaten von 150 Millionen Dollar für Programme und
Organisationen bekannt, die den entscheidendsten
Aspekt der Winterhilfe abdecken. Unser Ziel besteht
in zusätzlichen Nahrungsmittellieferungen, Material,
um die Unterkünfte winterfest zu machen, Flüchtlingshilfe und medizinischer Versorgung für die Menschen
in Bosnien durch folgende Maßnahmen:
Erstens sind wir zur Verdoppelung der amerikanischen
Flüge im Rahmen der multinationalen Luftbrücke für
Sarajevo bereit. Die Vereinigten Staaten fliegen zur
Zeit rund ein Drittel aller Missionen und haben während
der 500tägigen Geschichte der Luftbrücke dank dieser
Bestrebungen insgesamt 6.000 Flüge absolviert. Diese
durch die Luftbrücke geschaffene Lebensader - der
Hauptversorgungsweg für Sarajevo - hat inzwischen
die Dauer der Berliner Luftbrücke von 1948 übertroffen.

Der Schutz der Menschenrechte erfordert freie und
starke Medien. Ein renommierter Richteram Obersten
Bundesgericht, der inzwischen verstorbene Benjamin
Cardozo, hat einmal erklärt: "Redefreiheit ist die
M atrix, d ie u nerlä ßliche Voraussetzu ng praktisch jeder Zweitens sind wir bereit, die benötigten Lieferungen
anderen Form von Freiheit."
zum Flughafen Tuzla zu transportieren, sobald dieser
geöffnet wird. Darüber hinaus werden wir das erforWir müssen sorgfältig beobachten und sicherstellen, derliche Gerät bereitstellen, um ihn offen zu halten.
daß die Redefreiheit nicht nur proklamiert, sondern in Dieser Flughafen könnte die entscheidende Anlaufallen aufstrebenden Demokratien praktiziert wird. stelle für die humanitäre Hilfe werden. Bisher haben
Während diese Länder neue Verfassungen und Ge- die bosnischen Serben und Kroaten die Nutzung des
setze erlassen, sollte die KZSE darauf bestehen, daß Flughafens zu diesem Zweck verhindert. Wir fordern
die Pressefreiheit vollständig geschützt und frei von alle kriegführenden Parteien auf, ihr unverantwortlistaatlicher Einflußnahme ist.
ches Verhalten zu ändern, durch das der Transport
dringend benötigter Lieferungen über diese EinrichBei der Sicherstellung der Pressefreiheit sind Forttung blockiert wird. Wir fordern die kriegführenden
schritte erzielt worden, obwohl bei der Verteilung und
Parteien ferner zur Einhaltung ihrer kürzlich unterVerfügbarkeit von Presseerzeugnissen noch immer
zeichneten Abkommen auf sowie den Landweg für die
starke Einschränkungen bestehen. Ein noch größeres
Hilfskonvois zu sichern. Die kriegführenden Parteien
Hindernis beim Aufbau offener Gesellschaften ist der
müssen erkennen, daß dies in ihrem eigenen InteresMangel an Fortschritten bei der Aufhebung der Fernse liegt. Ungehinderter Zugang wird den vitalen Beseh- und Rundfunkzensur. Das Fernsehen ist das
dürfnissen aller bosnischen Fraktionen dienen.
"größte Megaphon" einer Demokratie und darf nicht
zum Faustpfand irgendeiner Partei werden.

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�Drittens wird unser neuer Beitrag die Fallschirmabwürfe verstärken. In den vergangenen acht Monaten
haben die kontinuierlichen Fallschirmabwürfe von
Nahrungsmitteln und sonstigen Gütern für die isoliertesten und gefährdetsten Gemeinden den Unterschied
zwischen Leben und Tod für Tausende Bosnier bedeutet. Nachdem wir nahzeu 80 Prozent der Flüge übernommen und über 10 Millionen Mahlzeiten abgeworfen haben, wissen wir, daß dieses Programm entscheidend ist. Mit den neuen Mitteln können wir die
Hilfsleistungen verdoppeln, die wir für dieses lebenswichtige Unternehmen bereitstellen. Die Pakete werden femer Material enthalten, um die Unterkünfte
wintertest zu machen, damit die Menschen in den
entlegendsten Regionen den Winter überleben können.
Viertens haben wir entschieden, die Nutzung des
amerikanischen Militärhospitals in Zagreb zu verbessern, um schwer verwundete bosnische Kinder medizinisch versorgen zu können.
Wir fordern andere Regierungen und regionale Organisationen wie die Organisation der islamischen Konferenz auf, ihr Engagement zu verstärken und damit
den unschuldigen Menschen in Bosnien zu helfen,
diesen Winter zu überleben. Was immer wir jedoch an
Hilfe leisten - es ist nie genug. Solange der bewaffnete
Konflikt andauert, ist es nach menschlichem Ermessen unmöglich, das Leiden der Menschen in Bosnien
zu beenden. Die einzige Antwort besteht darin, den
Kämpfen ein Ende zu bereiten, und das einzige Mittel
dafür ist eine Verhandlungslösung. Die Vereinigten
Staaten ermutigen und unterstützen diplomatische
Bestrebungen zu einem Friedensabkommen für Bosnien.

die Opfer von Kriegsverbrechen und anderer Menschenrechtsverletzungen bestehen. Die für die Greueltaten Verantwortlichen müssen für ihr Handeln zur
Rechenschaft gezogen werden. Die Vereinigten Staaten unterstützen das Kriegsverbrechertribunal uneingeschränkt, das seine Arbeit am 17. November aufgenommen hat. Das Tribunal hat die erforderliche Befugnis, um die Kriegsverbrecher der Gerechtigkeit zu
überstellen, wo immer sie auch sein mögen und aufgespürt werden. Keine Nation, die angeklagten oder vom
Tribunal einbestellten Personen Zuflucht gewährt oder in irgendeiner anderen Weise seine Arbeit behindert - kann auf einen guten Stand als Mitglied der
internationalen Staatengemeinschaft hoffen. Die Arbeit
des Tribunals wird zur Abschreckung derjenigen beitragen, die ethnische und territoriale Konflikte durch
Angriffe auf Zivilisten beilegen wollen.
Wir müssen uns auch auf die Verhinderung und Lösung von Konflikten andernorts auf dem Kontinent
konzentrieren. In Rom sollten wir heute eine Entscheidung zur Stärkung der Fähigkeit der KSZE erzielen,
ein sicheres Europa aufzubauen. Insbesondere müssen
wir handeln, um die Fähigkeit der KSZE zur Vorwarnung und Verhinderung von Konflikten zu verbessern.
Die KSZE hat bereits einen Vorsprung bei präventiver
Diplomatie erzielt. In Moldawien, Estland, Lettland,
Georgien, Tadschikistan und Nagomyi Karabach sowie
im ehemaligen Jugoslawien ebnen die KSZE-Missionen den Weg zur Verhinderung von Konflikten, Eindämmung ihrer Ausweitung und Beendigung offener
Kampfhandlungen. Die Mitglieder dieser Missionen
sollten auf ihre Leistung unter schwierigen und gefährlichen Bedingungen stolz sein, wo ethnische Konflikte
und Menschenrechtsverletzungen das Gefüge von
Staaten und Kulturen zerbrechen lassen. Obwohl wir
einen guten Anfang gemacht haben, ist es eben nur ein
Anfang. Wir müssen mehr tun, insbesondere in den
neuen unabhängigen Staaten, wo die KSZE lebenswichtige Unterstützu ng der Reformer bei Aufbau unabhängiger, demokratischer Gesellschaften leisten kann.

Zwei spezifische KSZE-Aktivitäten verdienen unsere
uneingeschränkte Unterstützung: Die der Sanktionsüberwacher auf dem Balkan und die von Skopje ausgehende Mission zur Eindämmung des Konflikts. Diese
Aktivitäten sind nicht nur unerläßlich für eine mögliche
Lösung, sondern demonstrieren auch unsere Entschlossenheit, eine Ausweitung zu verhindern und die In Georgien müssen wir unsere Anstrengungen verKosten der Aggression in die Höhe zu treiben.
doppeln, um der Regierung bei der Erlangung von
Frieden und Stabilität behilflich zu sein und gleichzeitig
Wir verurteilen jede Einmischung in die Beobachter- die Respektierung der Menschenrechte und territoriamissionen der KSZE im ehemaligen Jugoslawien. Die len Integrität des Landes sicherzustellen. In MoldaVereinigten Staten erachten die Ausweisung der KSZE- wien kann das verbesserte Mandat unserer Mission
Beobachter aus Kosovo, Vojvodina und Sandschak allen Parteien bei der Schaffung eines politischen
als völlig ungerechtfertigt. Wir drängen die KSZE zu Rahmens für Frieden helfen und den baldigen Abzug
weiterem Druck auf die serbischen Behörden, die der verbliebenen russischen Truppen unterstützen. In
Rückkehr der Beobachter zu gestatten und jegliche Tadschikistan kann die unverzügliche Einrichtung einer
Einmischung in die KSZE-Bestrebungen zur Bericht- kleinen Mission am Boden den internationalen Bestreerstattung über die Ereignisse in diesen Regionen zu bungen zur Förderung der politischen Aussöhnung
unterlassen.
behilflich sein, die für Stabilität in dieser krisengeschüttelten Region erforderlich ist.
Während wir versuchen, das Leiden zu mildern und
den Konflikt auf dem Balkan zu beenden, müssen wir In Nagornyi Karabach zwingen uns das andauernde
für das Völkerrecht eintreten und auf Gerechtigkeit für Leiden Hunderttausender Flüchtlinge und die Gefahr

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�neuer Feindseligkeiten zur Intensivierung unserer
Bestrebungen für die Beendigung des Konflikts. Auf
Initiative Italiens hat die Minsk-Gruppe beachtliche
Fortschritte bei der Sondierung eines gemeinsamen
Standpunkts der Parteien erzielt. Jetzt ist es an der
Zeit für die Zustimmung aller Parteien zu dem so
mühsam von den Unterhändlern dieses Forums ausgearbeiteten Zeitplan. Wir wissen, daß Schweden,
das jetzt den Vorsitz der Minsk-Gruppe innehat, dieses
Ziel entschlossen verfolgen wird.

len, wo wir die Beseitigung von Nuklearwaffen anstreben. Wir begrüßen die Unterzeichnung des STARTVertrags und die Einhaltung des Nichtverbreitu ngsvertrags durch Belarus. Wir begrü ßen darüber hinaus die
Absicht Kasachstans, den START-Vertrag zu unterzeichnen und Präsident Nazarbajews Zusicherung zur
Einhaltung des NW. Wir sehen dem Abschlu ß solcher
Maßnahmen durch die Ukraine entgegen.

Während wir die KSZE stärken, müssen wir auch
andere regionale Institutionen anpassen. Wir können
Das Engagement der KSZE bei diesen Konflikten dauerhaftere europäische Sicherheit durch die Verunterstreicht darüber hinaus die Herausforderung, einen flechtung von Strukturen fördern, die jeweils mit sich
Konsens zu Richtlinien für die Überwachung der regio- ergänzenden Rollen und Aufgaben versehen werden.
nalen Friedenssicherung durch die KSZE zu erzielen. Die NATO steht im Zentrum der transatlantischen
Die Vereinigten Staaten vertreten die Auffassung, daß Sicherheit und wird der zentrale Punkt des Engagedie KSZE eindeutig Stellung zu den unseren Mitglie- ments der Vereinigten Staaten für die Sicherheit Eurodern angemessen erscheinenden militärischen Aktivi- pas bleiben. Wir arbeiten mit unseren europäischen
täten beziehen muß. Und es ist an der Zeit, die Verbündeten bei der Anpassung der NATO an die
Instrumente zu erarbeiten um sicherzustellen, daß die neuen Herausforderungen eines ungeteilten Europas
mit der Friedenssicherung befaßten Kräfte ihre Aufga- zusammen - und machen ehemalige Gegnerzu neuen
ben in strikter Neutralität und in gutem Glauben aus- Partnern für Frieden.
üben.
Wir haben i-nseren NATO-Verbündeten eine PartnerDarüber hinaus müssen wir das gesamte Spektrum schaft für Frieden vorgeschlagen, die unsere Partner
der KSZE-Konfliktverhinderungsinstrumente besser im Nordatlantischen Kooperationsrat (NAKR) und in
nutzen, vom Mechanismus der "menschlichen Dimen- anderen europäischen Nationen in die praktische Sision" bis zu dem in Stockholm vereinbarten Mechanis- cherheitzusammenarbeit einbeziehen wird. Gleichmus zur friedlichen Beilegung von Streitigkeiten. Bei zeitig schlagen wir vor, die Tür zu einer evolutionären
diesem Treffen werden wir den amerikanischen Vor- Entwicklung der N ATO-M rtgliedschaft zu öffnen. Beim
schlag zur Erarbeitung eines "Plans für schnelles Ministertreffen des Nordatlantikrats und des NAKR
Eingreifen" verabschieden. Ich freue mich, daß wir Ende dieser Woche in Brüssel werden im Vorfeld des
dank dieser Entscheidung Diplomaten und Experten NATO-Gipfels wichtige Initiativen erörtert.
aus dem öffentlichen und privaten Sektor besser einbeziehen können - die zum raschen Einsatz zur Ver- Die Vision der KSZE zwingt uns zu der Erkenntnis, daß
stärkung oder Einleitung einer Mission bereit sind. Die Demokratie und Sicherheit durch Wohlstand nachhalVereinigten Staaten haben Regierungsvertreter als tig unterstützt werden. Beim Pariser Gipfeltreffen
Beobachter zur Unterstützung der KSZE-Missionen 1990 und erneut beim Wirtschaftsforum 1993 sah die
benannt und auch beträchtliche Mittel zur Verfügung KSZE freie Marktwirtschaften als unerläßlichen Begesteift. Wir tragen unseren Teil bei und fordern alle standteil ihrer Vision.
KSZE-Mitgliedstaaten auf, dasselbe zu tun.
Die Nationen Mittel- und Osteuropas, die den schwierigen
Übergang zu marktwirtschaftlichen Demokratien
Die KSZE muß ebenfalls einen Teil durch die Straffung
vollziehen,
müssen ihren Völkern greifbare Vorteile
ihres Entscheidungsfindungsprozesses leisten. Der
bieten
können.
Ihre Bürger müssen wissen, daß ihre
Wert der KSZE hängt von ihrer Flexibilität, ihrer relativ
Opfer
durch
die
Handelspolitik der führenden Indugeringen Bürokratie und ihrer Fähigkeit zu Innovatiostrienationen
belohnt
werden. Unser Engagement für
nen ab. Diese Vorteile müssen gewahrt werden.
die neuen Demokratien des Ostens wird häufig an dem
Darüber hinaus kann die KSZE auch regionale Stabi- Ausmaß gemessen, in dem wir im Westen Marktzulität fördern, insbesondere durch das noch nicht voll gang gewähren.
ausgeschöpfte Potential des Forums für Sicherheitszusammenarbeit. Ein sicheres Europa kann die Ver- Die Öffnung von Märkten in Schlüsselsektoren - und
breitung von Massenvernichtungswaffen nicht zulas- der erfolgreiche Abschlu ß der Uruguay-Runde bis zum
sen. Die Sicherheitsprinzipien der KSZE verpflichten Stichtag am 15. Dezember - wird die ost- und mitteleuuns, auf die Androhung oder den Einsatz von Gewalt ropäischen Nationen auf den Weg zu größerem
gegen die territoriale Integrität und politische Unab- Wohlstand, Sicherheft und Demokratie bringen. Ein
hängigkeit zu verzichten. Diese Prinzipiem bilden die Scheitern wird die Nationen des Westens spalten und
Grundlage der Sicherheitszusagen, die wir den Nach- die Härten für neue und alte Demokratien gleichermafolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion geben wol- ßen verschärfen.

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�Um es nochmals zu wiederholen, wir stehen heute an
einem Wendepunkt für diesen Kontinent. Obwohl die
Umgestaltung des Ostens etwas von ihrer Dynamik
eingebüßt hat, liegt ein sichereres, freieres und besseres Europa noch immer in greifbarer Nähe. Wir wollen
unser Versprechen eines demokratischen und unge-

teilten Europa erfüllen - ein in den Prinzipien dieser
Institution verankertes Versprechen. Wir wollen unser
Engagement für die KSZE verstärken, während wir die
Zukunft Europas in Demokratie und Frieden aufbauen.
Ich danke Ihnen.

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�NATO
8. Dezember 1993

CHRISTOPHER ERLÄUTERT PARTNERSCHAFT
FÜR FRIEDEN
Rede vor dem Nordatlantischen Kooperationsrat
BRÜSSEL - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die von Außenminister Christopher am 3. Dezember 1993
beim Treffen des Nordatlantischen Kooperationsrats (NAKR) im NATO-Hauptquartier gehaltene Rede.

Mit der von Präsident Clinton im Oktober vorgeschlagenen Partnerschaft für Frieden ist die NATO zur
Erweiterung ihres Engagements für den Osten bereit.
Alle Mitglieder des NAKR - ebenso wie einige andere
europäische Länder - sind zur Beteiligung aufgefordert. Unser Ansatz bezieht alle ein. Jede Nation
entscheidet für sich selbst, wie intensiv und aktiv sie
sich engagieren und welche Ressourcen sie bereitstellen will.

Wir möchten, daß die Partner Seite an Seite mit den
NATO-Mitgliedstaaten planen, ausbilden und üben.
Wir erwarten den Beginn dieser Aktivitäten im nächsten Jahr. Die Partner werden sich an bestimmten, die
Aktivitäten der Partnerschaft leitenden politischen und
militärischen Gremien der NATO sowie an einer militärischen Planungsgruppe beteiligen.

Die Partnerschaft an sich ist ein wichtiger Schritt.
Gleichzeitig werden aktive Teilnehmer an der PartnerDie Partnerschaft für Frieden steht für eine feierliche schaft dazu beitragen, die Länder auf die Erfüllung
Verpflichtung der NATO. Die Mitglieder dieser Part- ihrer Verpflichtungen der NATO-Mitgliedschaft vorzunerschaft werden Verpflichtungen gegenüber der NATO bereiten. Natürlich werden viele andere Faktoren in
und untereinander eingehen. Aktive Partner sollten jede Entscheidung der Mitglieder einfließen, und die
das Recht zu Konsultationen mit der NATO haben, Erweiterung vollzieht sich nicht über Nacht. Mit all der
wenn ihre territoriale Integrität, natürliche Unabhän- wechselseitigen Verantwortung, die sie erfordert, muß
die NATO-Mitgliedschaft das Ergebnis eines evolutiogigkeit und Sicherheit bedroht sind.
nären Prozesses sein. Dieser Prozeß muß die KernDie Partnerschaft für Frieden wird den Ländern nut- funktionen und die operative Effektivität des Bündniszen, die sich beteiligen. Von diesen Ländern wird auch ses erhalten. Und er muß im Einklang mit Artikel 10
erwartet, daß sie ihre Ressourcen und Erfahrung zum des Nordatlantikvertrags stehen.
gegenseitigen Nutzen beitragen.
Die Vereinigten Staaten vertreten die Auffassung, daß
Wir verwenden den Begriff "Partner" absichtlich. Wir die NATO dank der Partnerschaft für Frieden ihre
möchten die beteiligten Nationen in sehr viel engere Stärke, Geschlossenheit und ihre unlösbaren Bande
Beziehungen zur NATO bringen. Die Partnerschaft über den Atlantik hinweg verbessern kann. Die Partwird Zusammenarbeit unter ihren Mitgliedern auf ei- nerschaft wird darüber hinaus ein beispielloses Enganem qualitativ neuen Niveau fördern. Sie wird einen gement für ein Europa mit gemeinsamen Werten und
Rahmen für beträchtlich erweiterte politische und mili- gemeinsamer Sicherheit auf die Probe stellen und zu
tärische Kooperation bieten. Sie wird den Weg für diesem Europa beitragen - im Osten wie im Westen.
gemeinsame Krisenbewältigung, Friedenssicherung
und humanitäre Missionen ebnen. Die Partnerschaft Ich bin zuversichtlich, daß das Bündnis Fortschritte
für Frieden wird die Vielfalt der Instrumente erweitern, machen wird. Ich bin zuversichtlich, daß wir alte
die wir in absehbarer Zukunft auf Sicherheitsprobleme Gegner zu neuen Partnern machen werden, und ich
anwenden können.
bin zuversichtlich, daß wir ein neues Europa aufbauen
werden.
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�Wie ich bereits erwähnte, haben wir gestern im Nord- Sie versichert, daß Ihre Ansichten sorgfältig erwogen
atlantikrat die Aussichten für Partnerschaft verbes- werden, während das Bündnis diese bedeutende Inisert. Heute haben wir das Privileg, diese wichtige neue tiative verfolgt und wir uns auf den Gipfel vorbereiten.
Initiative mit unseren NAKR-Partnem zu erörtern. Seien Ich sehe Ihren Reaktionen erwartungsvoll entgegen.

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AMERIKA DIENST 49

�NATO
8. Dezember 1993

PARTNERSCHAFT FÜR FRIEDEN:
DER ANDERE TEIL VON MARSHALLS VISION
Rede von Verteidigungsminister Aspin
WASHINGTON - (AD) -In einer Rede vor dem Atlantischen Rat der Vereinigten Staaten am 3. Dezember 1993
erläuterte Verteidigungsminister Les Aspin Präsident Clintons Vorschlag einer Partnerschaft für Frieden und
bezeichnete sie als den anderen Teil von General Marshalls Vision.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Verteidigungsministers im Wortlaut.

Um die sich uns heute in Europa bietenden Chancen
zu verstehen, sollten wir zunächst Rückblick auf das
Europa vor 45 Jahren zwischen dem Zweiten Weltkrieg und dem Kalten Krieg halten.
Es war eine Zeit großer Hoffnungen. Der Zweite
Weltkrieg war beendet. Freiheitsliebende Nationen
waren siegreich. Und ebenso wie heute war die
Nachkriegszeit ein historischer Wendepunkt. Gefahren lauerten, aber es gab auch die Chance zum Aufbau
eines sicheren, geeinten Europas.

Europas zu eigen zu machen. Diese Vision ist jetzt in
greifbare Nähe gerückt. Um sie zu nutzen, müssen wir
jedoch drei Dinge vollbringen.
Erstens müssen wir bekräftigen, daß die euro-atlantische Region eine unteilbare geopolitische Region ist
und die Vereinigten Staaten sich infolgedessen weiterhin in Europa engagieren.

Zweitens müssen wir den Erfolg der demokratischen
und wirtschaftlichen Reformen in Mittel- und Osteuropa unterstützen, einschließlich Rußlands, der Ukraine
Das war natürlich die von George C. Marshall umrisse- und der anderen ehemaligen sowjetischen Republine Vision, als er das Mikrophon ergriff, um seine ken. Wir sollten den mutigen Bestrebungen der Reforberühmte Rede bei der Abschlußfeier in Harvard zu mer in diesen Nationen besondere Aufmerksamkeit
widmen. Freiheit und Wohlstand sind die besten
halten.
Garanten von Sicherheit und Stabilität in ganz Europa.
Diese Vision war allumfassend. Marshalls Plan wurde
ganz Europa angeboten, vom Atlantik bis zum Ural, Drittens müssen wir die Entwicklung eines neuen
einschließlich der Sowjetunion und den Ländern Ost- Sicherheitssystems fördern, das sich auf die Realitäeuropas. Seine Vision - ein Kontinent prosperierender tendes heutigen Europas gründet und nicht auf die zur
Demokratien, die zu ihrer gegenseitigen Sicherheit in Teilung Europas während des Kalten Krieges gezogeinternationalen Beziehungen zusammenarbeiteten. Kein nen künstlichen Grenzen. Dies ist natürlich eine
schwierige Aufgabe.
Land war ausgeschlossen.
Meines Erachtens haben wir einen Prozeß in die Wege
geleitet, der ein solches System hervorbringen könnte,
und ich möchte heute darüber sprechen. Es ist ein
Und nur ein Teil von Marshalls Vision wurde verwirk- Vorschlag, den wir unseren NATO-Verbündeten zur
licht.
Erörterung beim Gipfeltreffen im Januar unterbreitet
haben. Er heißt Partnerschaft für Frieden. Ich habe
Heute, 45 Jahre und einen Kalten Krieg später bietet
bei meinen Gesprächen am 20. Oktober 1993 in
sich uns eine weitere Chance - nicht einen neuen
Travemünde diese Partnerschaft grob umrissen, und
Marshallplan vorzulegen, sondern dort weiterzumaAußenminister Christopher hat ausführlich darüber
chen, wo der Kalte Krieg aufhörte, und uns erneut
gesprochen. Heute möchte ich im einzelnen darauf
Marshalls Vision eines ungeteilten, sicheren und freien
eingehen.

Aber die Ereignisse nahmen ihren Lauf. Stalin lehnte
das Angebot ab. Der Eiserne Vorhang fiel.

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�Wir gehen bei unserem Ansatz dazu von bestimmten
Annahmen aus und es ist wichtig, sie eingangs zu
erwähnen. Sie lauten, daß die NATO eine einzigartig
effektive internationale Sicherheitsorganisation ist, die
an die Ära nach dem Kalten Krieg angepaßt werden
sollte, die NATO weiterhin unser Hauptkanal für ein
Engagement in Europa ist und schließlich, daß die
NATO das Kernstück jedes neuen euro-atlantischen
Sicherheitssystems bilden sollte.

anderen Formen der Beteiligung an NATO-Aktivitäten
erarbeiten.
Bis dahin wäre klar, welche Nationen aktive, einen
Beitrag leistende Partner für Frieden zu werden beabsichtigen. Das von den Planern unterbreitete Programm würde der NATO und den politisch befugten
Partnern zur Zustimmung vorgelegt, und der Durchführungsprozeß würde beginnen.

Eines der wesentlichsten Produkte dieses Prozesses
für den aktiven Partner sind Sicherheitskonsultationen. Verbündete und Partner würden Konsultationen
vereinbaren, wenn die territoriale Integrität, politische
Unabhängigkeit oder Sicherheit eines Partnerstaats
bedroht
wären. Diese Konsultationen sollten viel zur
In unserer Vorstellung wird die Partnerschaft den
Verbesserung
des Gefühls von Sicherheit und StabiliRahmen für detaillierte, operative militärische Zusamtät
der
Osteuropäer
beitragen.
menarbeit bei multinationalen Sicherheitsbestrebungen bilden, die das Kernstück der NATO sind.
Es ist wichtig, hier festzustellen, daß die Partnerschaft
Die an der Partnerschaft beteiligten Nationen würden zwei Dinge nicht gewähren kann: Die Sicherheitsgaletztlich mit der NATO an einer Reihe militärischer rantie der NATO und automatische Mitgliedschaft zu
Aktivitäten teilnehmen. Zu diesen Aktivitäten könnten einem späteren Zeitpunkt.
gemeinsame militärische Planung, Ausbildung und
Übungen zählen. Sie könnten sogar Operationen wie Erstens, die Sicherheitsgarantie. Artikel 5 des NordatSuch- und Rettungsübungen, Katastrophenhilfe, Frie- lantikvertrags fordert von allen Parteien, daß ein
bewaffneter Angriff gegen eine oder mehrere von
denssicherung und Krisenmanagement beinhalten.
ihnen als ein Angriff gegen sie alle angesehen wird.
Die Partnerschaft für Frieden leitet einen Prozeß in die Die Garantie von Artikel 5 würde sich nicht auf die
Wege, der uns von u nserem heutigen Stand zu diesem Partner erstrecken.
neuen Stadium der Sicherheitszusammenarbeit bringt.
Die nächste gro ße Frage lautet natürlich, ob der Beitritt
Sie würde folgendermaßen funktionieren:
zur Partnerschaft eine Eintrittskarte zur NATO ist.
Die Staats- und Regierungschefs würden beim NATO- Dies trifft nicht zu. Die Partner für Frieden kommen
Gipfel Anfang nächsten Monats eine Rahmenerklä- nicht automatisch für die Mitgliedschaft in der NATO in
rung über die Partnerschaft abgeben und Einladungen Frage. Sie müssen der NATO noch nicht einmal
an die 22 Mitglieder des Nordatlantischen Koopera- beitreten wollen. Und die Partner hätten kein Vetotionsrats sowie von den NATO-Verbündeten verein- recht bezüglich der Staaten, die der NATO beitreten
barte andere europäische Staaten aussprechen. Jeder möchten.
könnte unterzeichnen.
Andererseits hätten die Partner für Frieden eine ChanInteressierte Nationen würden die Erklärung unter- ce zur Zusammenarbeit mit der NATO bei der Entwickzeichnen und damit ihrer Zustimmung zum Beitritt zu lung der Prinzipien, Zielsetzungen und Fähigkeiten der
der Partnerschaft Ausdruck verleihen.
NATO-Mitgliedstaaten. Obwohl die Partnerschaft keine
Garantie für Mitgliedschaft ist, wäre die aktive BeteiliJeder neue Partner würde dann die Einrichtungen, gung wahrscheinlich eine unerläßliche Voraussetzung
Ressourcen und Streitkräfte angeben, die er der Part- für eine zukünftige NATO-Mitgliedschaft.
nerschaft zur Verfügung stellen will, sowie das Ausmaß seiner Beteiligung an gemeinsamer Ausbildung, Dieser Ansatz birgt sowohl für die derzeitigen NATOPlanung und Operationen.
Mitgliedstaaten als auch die Partner große Vorteile.
Diese Erwägungen beinhalteten unseren Ausgangspunkt, als wir Wege zu einem neuen, besseren Sicherheitssystem in Europa zu sondieren begannen.
Das Ergebnis ist die Partnerschaft für Frieden.

Ein Partner wird darüber hinaus darlegen, was er zur
Erlangung der zivilen Kontrolle über das Militär sowie
zur Transparenz des Verteidigungshaushalts und der
Maßnahmen zu tun bereit ist - das heißt, sie für die
Bürgerschaft sichtbar zu machen.

Erstens nimmt er keine erneute Teilung Europas vor.
Wir haben zwei Generationen lang versucht, den Eisernen Vorhang zu heben. Wir wollen ihn nicht ersetzen, indem wir eine neue Grenze ziehen. Die Partnerschaft für Frieden räumt allen Nationen dieselbe Chance
zur Beteiligung ein, macht die Ergebnisse jedoch von
Schließlich würden die NATO-Offiziere in Zusammen- den Anstrengungen jedes einzelnen Partners abhänarbeit mit Planern aus Partnemationen in einem Pla- gignungsraum in Mons, dem Obersten Hauptquartier der
Alliierten Streitkräfte in Europa, ein Programm für die Zweitens bietet die Partnerschaft für Frieden die richAusbildung, Planung, gemeinsamen Übungen und tigen Anreize. In der alten Welt des Kalten Krieges war

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AMERIKA DIENST 49

�die NATO ein für die Reaktion auf eine Bedrohung von
außen geschaffenes Bündnis. In der neuen Welt nach
dem Kalten Krieg kann die NATO ein auf die gemeinsamen Werte von Demokratie und freien Marktwirtschaften gegründetes Bündnis sein. Die Partnerschaft
für Frieden belohnt diejenigen, die Schritte in diese
Richtung unternehmen.

seine Absichten eindeutig klarzustellen, bevor er in
das neue Sicherheitssystem aufgenommen wird. Der
Partnerschaftsprozeß bietet gleichberechtige Chancen, beurteilt die Ergebnisse jedoch ausschließlich am
Verhalten der einzelnen Staaten.

Der Partnerschaftsprozeß setzt keine Zeitpläne oder
strikte Regeln fest, wieviel die Partnertun müssen oder
Drittens erfordert die Partnerschaft für Frieden einen wie schnell. Sie können in dem von ihnen gewährten
echten Beitrag der Partner. Sie fragt nicht nur, was die Tempo arbeiten. Einige Staaten sind vielleicht zuNATO für ihre neuen Partner tun kann, sondern auch, nächst nur mit der Unterzeichnung der Erklärung zuwas die neuen Partner für die NATO tun können. frieden. Andere könnten sich auf eine nominelle
Sicherheitskonsultationen werden beispielsweise den Beteiligung beschränken.
aktiven Partnern zur Verfügung stehen, die einen
Beitrag leisten und sich für die multinationalen Aktivi- Aktive und engagierte Partner, die sich direkt an der
täten engagieren, die das Kernstück der NATO bilden. Planung, den Übungen und der Ausbildung zusammen mit den alliierten Streitkräften sowie an regelmäViertens bleibt die NATO durch die Partnerschaft im ßigen politischen Konsultationen beteiligen, werden
Zentrum der europäischen Sicherheitsbelange und jedoch einen Vorteil haben. Sie werden sich die
das amerikanische Engagement im Zentrum Europas. operativen Verfahren, Kooperationsmechanismen und
routinemäßigen Konsultationen schneller zu eigen
Schließlich rückt die Parnterschaft für Frieden die machen.
Frage der NATO-Mrtgliedschaft für die Partner in den
richtigen Kontext - an das Ende des Prozesses statt an Die Partnerschaft für Frieden war eine Initiative von
den Anfang. Wenn wir einige Erfahrungen mit dem Präsident Clinton. Wir freuen uns, daß sie eine solch
Partnerschaftsprozeß gemacht haben, wird es sehr bemerkenswerte Reaktion hervorgerufen hat. NATOviel klarer sein, welche der in Frage kommenden Generalsekretär Manfred Wörner unterstützt sie unNationen sich wirklich die Ideale der NATO gemeinsa- eingeschränkt. Sie hat die aktive Unterstützung aller
mer demokratischer Werte und kooperativer Sicher- Verbündeten erhalten. Sie wird in Europa weithin als
Beispiel der amerikanischen Führungsrolle in der Welt
heit zu eigen machen wollen.
nach dem Karten Krieg begrüßt.
Einige haben die Partnerschaft mit dem Argument
kritisiert, sie würde die NATO schwächen. Meines Präsident Clinton versteht diese neue Welt. Die PartErachtens wird sie die NATO stärken. Sie macht die nerschaft für Frieden ist ein weiteres Beispiel seines
NATO weiterhin relevant für die Förderung eines Si- Vorgehens, damit die amerikanische Führungsrolle
cherheitssytems für die euro-atlantische Region und auch in Zukunft gesichert ist und gleichzeitig die Ladie Konzentration darauf. Sie wird dazu beitragen, die sten der Verwirklichung unserer gemeinsamen Ziele
NATO an sich wandelnde Zeiten und die Erfordernisse gerecht verteilt sind.
nach zwei Generationen der Konzentration auf den
Wir vertreten die Auffassung, daß die Partnerschaft
Warschauer Pakt anzupassen.
dazu beitragen wird, das von uns allen Gewünschte
Es wurden Beschwerden geäußert, daß die Partner- herbeizuführen - die Vision Marshalls eines friedlichen,
schaft alle ehemaligen kommunistischen Staaten stabilen, sicheren und vereinten Europas.
unabhängig von ihren Absichten gleich behandelt. Im
Gegenteil - sie bietet jedem Staat die gleiche Chance, Ich danke Ihnen.

*

AMERIKA DIENST 49

* * *

*

Seite 3

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. USA-Deutschland&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erste Grundsatzrede von Botschafter Holbrooke&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Gehalten bei der Atlantik-Brücke in Potsdam&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. KSZE&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Christopher drängt auf verstärktes Engagement für die KSZE&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Außenministers vor KSZE-Ministertreffen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. NATO&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Christopher erläutert Partnerschaft für Frieden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede vor dem nordatlantischen Kooperationsrat&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Partnerschaft für Frieden: der andere Teil von Marshalls Vision&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Verteidigungsminister Aspin&lt;/em&gt;</text>
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V^ *«?

amcrika
dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C
50

16. Dezember 1993

NAFTA

NAFTA UNTERSTREICHT
FÜHRUNGSROLLE DER USA
Erklärung Präsident Clintons
bei Unterzeichnung des NAFTA

GATT

URUGUAY-RUNDE GEHT ÜBER URSPRÜNGLICH GESETZTE ZIELE HINAUS
Erklärung des
US-Handelsbeauftragten

EINIGUNG ZWISCHEN USA UND EU
BEI URUGUAY-RUNDE BEKANNTGEGEBEN
Abschluß der Handelsgespräche

NICHTVERBREITUNG

USA BEKÄMPFEN VERBREITUNG VON
MASSENVERNICHTUNGSWAFFEN
Ausführungen von
Verteidigungsminister Aspin

RUSSLAND

USA GRATULIEREN RUSSLAND
ZU HISTORISCHEN WAHLEN
Erklärung des Weißen Hauses

bitte wenden

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-3341 02

�VERBRECHENSBEKÄMPFUNG

USA UND ITALIEN BEKÄMPFEN GEMEINSAM
ORGANISIERTES VERBRECHEN
Erklärung von Präsident Clinton

MENSCHENRECHTE

CLINTON: MENSCHENRECHTE MÜSSEN
HOHE PRIORITÄT BEI DEN VEREINTEN
NATIONEN BEHALTEN
Proklamation zum Menschenrechtstag

SHATTUCK: MENSCHENRECHTSPOLITIK
DER USA STREBT ENDE DER FOLTER AN
Erläuterungen bei Pressekonferenz

�NAFTA
15. Dezember 1993

NAFTA UNTERSTREICHT FÜHRUNGSROLLE DER USA
Erklärung Präsident Clintons bei Unterzeichnung des NAFTA
WASHINGTON - (AD) - Die Annahme des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (North American Free
Trade Agreement - NAFTA) durch die Vereinigten Staaten signalisiert das Engagement der Vereinigten Staaten
für ihre Verantwortung zu Führungsstärke in der Welt, erklärte Präsident Clinton bei der Unterzeichnungszeremonie zur Inkraftsetzung des NAFTA.
Der Präsident fügte hinzu: "Um Mißverständnissen vorzubeugen: Die Weltwirtschaft mit all ihren Versprechungen und Gefahren ist jetzt die zentrale Tatsache im Leben hartarbeitender Amerikaner."
Der Präsident gab seine Erklärung am 8. Dezember 1993 ab, bevor er das Gesetz in demselben Saal des
Wirtschaftsministeriums unterzeichnete, in dem Präsident Truman 1949 den Nordatlantikvertrag zur Gründung
der NATO unterzeichnet hatte.
Nachfolgend veröffentlichen wir den offiziellen Text der Rede Präsident Clintons.

Ich freue mich außerordentlich, Sie alle hierzu sehen.
Ich danke Speaker Foley und dem Vorsitzenden der
Republikanischen Partei Bob Michel für ihre Anwesenheit am heutigen Tag. So viele verdienen ein Wort des
Dankes. Der Vizepräsident hat ausgezeichnete Arbeit
geleistet. Ich möchte drei weiteren Persönlichkeiten
danken - Laura Tyson, der Vorsitzendendes Rates der
Wirtschaftsberater, Bob Rubin, dem Vorsitzenden
meines nationalen Wirtschaftsteams sowie einem
Mitglied des Repräsentantenhauses aus der Republikanischen Partei, das nicht erwähnt wurde - dem
Abgeordneten David Dreier, der mit mir an einem
regnerischen Tag nach Lousiana fuhr, um für das
NAFTA zu werben. Ich würde gerne noch viele andere
erwähnen; Ihnen allen danke ich jedoch für das, was
Sie getan haben.

Ein besonderes Wort des Dankes gilt dem Kabinett,
weil wir etwas Einzigartiges versuchen. Wir versuchen, unsere gesamten Ministerien und führenden
Kabinettsmitglieder zur Zusammenarbeit an all den
Dingen zu bewegen, die für uns von Bedeutung sind.
Viele von ihnen haben trotz ihrer vollen Terminkalender einen Großteil ihrer Freizeit und ihrer Arbeitszeit
hierzu verwendet. Ich danke den bereits erwähnten
ehemaligen führenden Politikern sowie unserem Militär. Da General Powell hier anwesend ist, möchte ich
besonders hervorheben, daß die hochrangigen Offiziere, mit denen ich über das NAFTA sprach, vielleicht
die das Freihandelsabkommen am stärksten unterstützende Gruppe waren. Der Grund dafür ist meines
Erachtens die von ihnen in den letzten Jahrzehnten
gemachte Erfahrung. Sie wußten, daß wir es uns nicht
leisten konnten, vor unserer Verantwortung zu FühWährend der Kampagne für das NAFTA unterstützte rungsstärke und unserem konstruktiven Engagement
der Vizepräsident bei unseren Treffen diese Position, in der Welt zurückzuschrecken. Und viele von ihnen,
lange bevor wir wußten, ob wir hierherkommen würden die noch Uniform tragen, durften und sollten das nicht
oder nicht. Es ist mir auch ein Bedürfnis, Mickey in der Öffentlichkeit sagen. Meines Erachtens darf ich
Kantor und Mack McLarty persönlich für die insbeson- das heute jedoch. Ich war von ihren Worten zutiefst
dere in den letzten Tagen der Verhandlungen mit bewegt.
mexikanischen Handelsvertretern und der mexikanischen Regierung von ihnen geleistete Arbeit zu dan- Ich möchte auch all jenen Bürgern besonderen Dank
ken. Auch möchte ich hier die Vertreter Mexikos und aussprechen, die uns geholfen haben - führenden
Kanadas begrüßen und sie herzlich willkommen hei- Vertretern der Arbeitgeber und Arbeitnehmer, Umßen. Sie sind unsere Partner in einer Zukunft, die wir weltschützern, die hieran arbeiteten - von denen viele
zusammen aufbauen wollen.
starker Kritik ausgesetzt waren, insbesondere in der

AMERIKA DIENST 50

Seite 1

�Umweltschutzbewegung und in Kreisen der Arbeitnehmer. Ich möchte eine Gruppe besonders hervorheben, die für unseren Erfolg von zentraler Bedeutung
war - die Kleinunternehmer, von denen sich viele
organisierten und uns zur Hilfe eilten. Sie haben
wirklich etwas bewirkt.

jetzt wirkliche Fortschritte im Hinblick auf ein weltweites Handelsabkommen, das von derartiger Bedeutung
ist, daß die materiellen Vorteile des NAFTA für unser
Land dagegen gering erschienen.

Heute haben wir die Chance, das zu tun, was unsere
Eltern vor uns taten. Wir haben die Chance zur
Ich möchte die Gelegenheit nicht versäumen, meinem Neugestaltung der Weh. In diesem neuen Zeitalter
guten Freund Bill Daley und dem Kongreßabgeordne- wird unsere nationale Sicherheit ebenso von unserer
ten Bill Frenzel für ihre bei der Mobilisierung dieser Fähigkeit zum Abbau ausländischer HandelsschranBestrebungen geleistete Hilfe zu danken, obwohl die ken abhängen wie von unserer Fähigkeit zur Durchbeiden bereits erwähnt wurden. Der Kongreßabgeord- brechung entlegener Schutzwälle. Wir sind wieder
nete Frenzel schrieb mir kürzlich einen wunderbaren einmal führend und entdecken dabei eine grundlegenBrief und schickte mir eine seiner berühmten Karikatu- de Wahrheit über uns selbst. Wenn wir führen, schafren über das N AFTA, die ich jetzt rahmen lasse. Diese fen wir Sicherheit und Wohlstand für unser eigenes
beiden Persönlichkeiten repräsentieren den parteien- Volk.
übergreifenden Geist, der angesichts des Rufs nach
Wandel im Kongreß und im ganzen Land vorherrscht. Es war eine harte Lektion. In diesem Jahrhundert
Ich hoffe, daß wir in den vor uns liegenden Tagen, wurden wir zweimal zur Definition unserer Rolle in der
Monaten und Jahren mehr davon sehen werden. Es Welt gezwungen. Nach dem Ersten Weltkrieg zogen
wir uns zurück und bauten protektionistische Schutzwar sehr schön.
wälle um unsere Nation. Das Ergebnis war eine große
Diese ganze Angelegenheit hat sich als ein für unsere Depression und letztlich ein weiterer schrecklicher
Nation entscheidender Zeitpunkt erwiesen. Vor eini- Weltkrieg. Nach dem Zweiten Weltkrieg verfolgten wir
gen Minuten sprach ich mit einem der hier Anwesen- einen anderen Kurs - wir wendeten uns der Welt zu.
den, der mir erzählte, daß er die Abstimmung von Begnadete Politiker beider politischen Parteien errichChina aus im internationalen Fernsehen verfolgt habe. teten eine neue Ordnung auf der Grundlage kollektiver
Und er fuhr fort, man hätte dabei sein müssen um Sicherheit und erweiterten Handels. Sie legten ein
verstehen zu können, wie wichtig das NAFTA für die Fundament der Stabilität und schufen dabei die Bedinübrige Welt war. Nicht wegen seiner Bestimmungen - gungen, die zum Entstehen der großartigen amerikada es im Grunde genommen eine Handelsvereinba- nischen Mittelschicht führten, einem der echten Wirtrung zwischen den Vereinigten Staaten, Mexiko und schaftswunder in der gesamten Geschichte der ZiviliKanada ist - sondern weil es zum Symbol für den sation. Ihre Staatskunst zeigt sich noch heute - am
Kampf um die Geisteshaltung in unserem Land wurde IWF und der Weltbank, dem GATT und der NATO.
und dafür, wie wir unsere eigenen beträchtlichen
Herausforderungen in einer äußerst schwierigen und In diesem Auditorium unterzeichnete Präsident Harry
Truman im Jahr 1949 eines der grundlegenden Dokusich rasch wandelnden Welt angehen.
mente dieses goldenen Zeitalters amerikanischer
. Ich bin der Ansicht, daß wir jetzt eine Entscheidung Führung - den Nordatlantikvertrag zur Gründung der
getroffen haben, die uns den Aufbau einer Weltwirt- NATO. "Mit diesem Vertrag hoffen wir einen Schutzschaftsordnung erlaubt, die mehr Wachstum, mehr schild gegen Aggression und die Angst vor Aggression
Gleichberechtigung, verbesserten Umweltschutz sowie zu schaffen", erklärte Truman seinen Zuhörern, "ein
eine größere Chance für den Weltfrieden fördert. Wir Bollwerk, das es uns gestattet, uns der wirklichen
stehen kurz vor einem weltweiten Wirtschaftswachs- Aufgabe der Regierung und der Gesellschaft zu widtum, das auf die Tatsache zurückzuführen ist, daß die men, der Aufgabe, unseren Bürgern ein erfüllteres und
Vereinigten Staaten sich im entscheidenden Moment glücklichereres Leben zu ermöglichen.''
für Wettbewerb anstatt Rückzug entschieden.
Die von Truman und Acheson, Marshall und VandenIn wenigen Minuten werde ich durch meine Unter- berg aufgebauten Institutionen haben jetzt ihre Arbeit
schrift dem Nordamerikanischen Freihandelsabkom- vollendet. Der Kalte Krieg ist vorüber. Die grausame
men Gesetzeskraft verleihen. Das NAFTA wird die Gewißheit der Auseinandersetzung mit dem Kommuzwischen unseren drei Nationen bestehenden Han- nismus wurde durch die euphorische Ungewißheit des
delsschranken abbauen. Es wird die weltweit größte internationalen wirtschaftlichen Wettbewerbs ersetzt.
Handelszone errichten und bis 1995zur Schaffung von Die große Frage des Tages lautet, wie Sicherheit für
200.000 Arbeitsplätzen allein in diesem Land führen. unser Volk zu einer Zeit gewährleistet werden kann, in
Die von unserer Administration ausgehandelten Zu- der Wandel die einzige Konstante ist.
satzabkommen über Umweltschutz und Arbeit werden
dieses Abkommen zu einer treibenden Kraft für sozia- Um Mißverständnissen vorzubeugen: Die Weltwirtlen Fortschritt sowie Wirtschaftswachstum machen. schaft mit all ihren Versprechungen und Gefahren ist
Das von uns durch die Ratifizierung des NAFTA be- jetzt die zentrale Tatsache im Leben hartarbeitender
zeugte Vertrauen trägt bereits Früchte. Wfr madhfcn * Amerikaner. Sie bereichert das Leben von Millionen
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AMERIKA DIENST 50

�Amerikanern, aber zu viele dieser Winde des Wandels
unterhöhlen die Basis ihrer Sicherheit.
Seit zwei Jahrzehnten arbeiten die meisten Menschen
mehr für weniger. Anscheinend sichere Arbeitsplätze
gingen verloren. Und obwohl Amerika wieder die
produktivste Nation auf der Welt ist, birgt eben diese
Produktivität den Samen weiterer Unsicherheit. Schließlich bedeutet Produktivität, daß dieselbe Anzahl Menschen mehr-oder sehr häufig, daß weniger Menschen
mehr - produzieren können. Mit einer solchen Welt
sehen wir uns konfrontiert.
Wir können den globalen Wandel nicht aufhalten. Wir
können den überall vorherrschenden internationalen
Wettbewerb nicht außer Kraft setzen. Wir können nur
von seinen Energien profitieren. Wir müssen uns jetzt
verdeutlichen, daß der einzige Weg zu weiterem
Wohlstand für ein wohlhabendes Land in Exporten
besteht - einfach neue Kunden für die von ihm produzierten Waren und Dienstleistungen zu finden. Das,
meine amerikanischen Mitbürger, ist die vom Kongreß
mit der Abstimmung über die Ratifizierung des NAFTA
getroffene Entscheidung.
Ich bin dankbar für die vom Kongreß in diesem Jahr
beim Defizitabbau und der Zinssenkung sowie der
Schaffung von mehr Wohnraum und Arbeitsplätzen
geleistete Arbeit. Wenn sich unsere nationale Wirtschaftspolitik dank unserer Fähigkeiten langfristig zum
Nutzen unseres Volkes auswirken soll, müssen wir
jedoch eine Außenwirtschaftspolitik haben, dank der
sich Produktivität nicht nur in höheren Einkommen für
unsere Unternehmen ausdrückt, sondern in mehr
Arbeitsplätzen und höheren Einkommen für unsere
Bürger. Das bedeutet mehr Kunden. Es gibt keinen
anderen Weg - wederfürdie Vereinigten Staaten, noch
für Europa oder Japan oder irgendein anderes wohlhabendes Land der Welt.
Aus diesem Grund bin ich dankbar, daß wir nach der
NAFTA-Abstimmung im Repräsentantenhaus ein so
gutes Gespräch mit den Wirtschaftsvertretern des
asiatisch-pazifischen Raums in Washington hatten.
Ich bin dankbar, daß - wie von Vizepräsident Gore und
Stabschef Mack McLarty vor zwei Wochen bei ihrem
Treffen mit Präsident Salinas angekündigt - die Nationen dieses Kontinents im nächsten Jahr zu einem
Wirtschaftsgipfel zusammenkommen, bei dem geplant wird, wie die Vorteile des Handels auf alle aufstrebenden demokratischen Marktwirtschaften Nord- und
Südamerikas ausgeweitet werden können.
Und jetzt freue ich mich, daß wir die Chance zur
Sicherung des größten Durchbruchs haben. Unterhändler aus 112 Nationen arbeiten auf den Abschluß
der Verhandlungen über eine neue Runde des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens hin - ein historischer weltweiter Pakt, der einen globalen Wirtschaftsaufschwung ankurbelt, liegt jetzt in greifbarer Nähe.
Ich möchte eines unmißverständlich klarstellen. Wir

AMERIKA DIENST 50

können und sollten uns nicht mit einem schlechten
GATT-Abkommen zufriedengeben. Wir werden jedoch in unseren Bestrebungen zur Sicherstellung eines
guten Abkommens in diesen letzten Tagen nicht nachlassen. Wir sind bereit, unseren Beitrag zum Erfolg
dieser Verhandlungen zu leisten, aber wir bestehen
darauf, daß andere Nationen auch das Ihre tun. Wir
dürfen diese Chance nicht vergeuden. Ich fordere alle
Nationen der Welt auf, diesen Moment zu nutzen und
die Verhandlungen über ein gutes GATT-Abkommen
in der nächsten Woche abzuschließen.
Ich sage allen, selbst unseren Unterhändlern: Rasten
und ruhen Sie nicht. Bringen Sie die Verhandlungen
zum Abschluß. Ich habe Mickey Kantor neulich gesagt, daß wir die mühevolle Arbeit am NAFTA mit
einem Urlaub bei den GATT-Gesprächen belohnen
werden.
Meine amerikanischen Mitbürger, Stück für Stück wird
all dies die Bedingungen für umweltverträgliche globale Expansion schaffen. So bedeutend sie auch sind unsere Ziele müssen noch ehrgeiziger sein. Die
Vereinigten Staaten dürfen sich nicht mit weniger
zufriedengeben als einem neuen Handelssystem, von
dem alle Nationen durch stabilen Handel profitieren,
der unsere Mittelschicht schützt und anderen Nationen
die Chance zum Aufbau einer Mittelschicht gibt. Damit
wird die Lage der Arbeitnehmer und die Umwelt verbessert. Damit wird sichergestellt, daß unsere Maßnahmen unsere Werte widerspiegeln.
AusdiesemGrundmußunsereTagesordnung weitreichend sein. Wir stellen fest, daß dynamischer Handel
nicht zum Raubbau an der Umwelt führen darf. Wir
streben neue institutionelle Arrangements an um zu
gewährleisten, daß der Handel die Wert sauberer als
zuvor hinterläßt. Wir fordern die Arbeitnehmer aller
Länder auf, sich Rechte zu sichern, die wir jetzt als
selbstverständlich erachten, sich zu organisieren und
einen ordentlichen Lebensunterhalt zu verdienen.
Wir werden darauf bestehen, daß erweiterter Handel
fair zu unseren Unternehmen und Regionen ist. Kein
Land sollte Kartelle, Tochtergesellschaften oder Einfuhrvorschriften benutzen, um unsere Produkte aus
seinen Regalen fernzuhalten. Und wir müssen darauf
hinarbeiten, daß unsere Bürger die persönliche Sicherheit zur vertrauensvollen Beteiligung an diesem
neuen Zeitalter haben. Jeder Arbeitnehmer muß die
erforderliche Aus- und Fortbildung erhalten, um von
den Vorteilen des internationalen Wettbewerbs profitieren zu können, statt seine Lasten zu tragen.
Im nächsten Jahr wird unsere Administration ein umfassendes Gesetz zur Umgestaltung unseres Beschäftigungssystems in ein Wiederbeschäftigungs- und
Umschulungssystem für das 21. Jahrhundert vorlegen. Und vor allem sage ich Ihnen, wir müssen die
Umstrukturierung der breiten politischen Koalition für
erweiterten Handel anstreben. Seit Jahrzehnten haben

Seite 3

�arbeitende Männer und Frauen sowie ihre Vertreter
Maßnahmen unterstützt, die uns Wohlstand und Sicherheit gebracht haben. Grund dafür war unsere
Erkenntnis, daß erweiterter Handel uns allen nutzt, wir
jedoch eine Verpflichtung zum Schutz der Arbeitnehmer haben, die den Löwenanteil der Last des Wettbewerbs tragen, indem wir ihnen die Chance zur Umschulung bieten sowie dazu, einer neuen, unterschiedlichen und letztlich sichereren Arbeit nachzugehen. In
den vergangenen Jahren ist dieser Sozialpakt auseinandergebrochen. Das darf nicht weiterhin der Fall
sein.

sowie den arbeitenden Männern und Frauen in diesem
Land. Es bedeutet größere Produktivität, weniger
Arbeitslose, effizientere Arbeit, höhere Löhne und
mehr Sicherheit für unsere Bürger. Wir müssen dies
tun.

Wir streben ein neues und offeneres globales Handelssystem nicht nur um seiner selbst willen, sondern
um unsertwillen an. Gute Arbeitsplätze, eine sich
bezahlt machende Karriere und ein erweiterter Horizont für die Amerikaner der Mittelschicht können nur
durch die Erweiterung von Exporten und globalem
Wachstum sichergestellt werden. Zu lange war unser
Wenn ich in wenigen Minuten meine Unterschrift unter Schritt unsicher, während sich der Boden unter unsedas NAFTA-Gesetz setze, tue ich dies mit folgendem ren Füßen bewegte. Heute, da ich dem NordamerikaVersprechen: Für die Männer und Frauen unseres nischen Freihandelsabkommen mit meiner Unterschrift
Landes, die Angst vor diesen Veränderungen hatten Gesetzeskraft verleihe und weitere Fortschritte beim
und in ihrem Widerstand gegen das NAFTA einen GATT fordere, haben wir meines Erachtens Fuß geAusdruck dieser Ängste sahen, die meines Erachtens faßt. Und ich bitte Sie alle, standfest zu sein - sich
und meines Wissens falsch, aber dennoch legitime bewußt zu machen, daß wir der Wert von heute und
morgen nicht den Rücken zukehren können. Wir
Ängste waren.
müssen uns den Herausforderungen stellen, sie verDie Vorteile dieses Abkommens werden auch für Sie trauensvoll annehmen, uns mit den Problemen ehrlich
von Vorteil sein. Ich bitte die Gegner des NAFTA zur und offen auseinandersetzen und die Vorteile dieser
Zusammenarbeit mit uns, um die Umsetzung der Welt für uns alle zum Tragen bringen. Amerika ist, wo
Vereinbarungen zu Arbeitsfragen sowie derZusatzab- es ein sollte - an der Führungsspitze, das Tempo
kommen zu gewährleisten, und ich appelliere an alle, bestimmend und das Vertrauen unter Beweis stellend,
die an das NAFTA glauben, gemeinsam mit mir auf das wir alle benötigen, um uns dem morgen zu stellen.
den Kongreß einzuwirken, um das beste Ausbildungs- Wir sind zum Wettbewerb bereit und können gewinund Umschulungsprogramm für Arbeitnehmer der Welt nen. Ich danke Ihnen.
hervorzubringen. Wir schulden es den Unternehmern

* * * * *

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AMERIKA DIENST 50

�GATT
15. Dezember 1993

URUGUAY-RUNDE GEHT ÜBER URSPRÜNGLICH
GESETZTE ZIELE HINAUS
Erklärung des US-Handelsbeauftragten
WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten und die Europäische Union (EU) erzielten Einigung über Fragen
einer Reform des Welthandels, die im Falle ihrer Annahme durch die anderen Teilnehmerstaaten der UruguayRunde den spiralförmigen Anstieg der Agrarsubventionen beenden, die Märkte für Dienstleistungen öffnen,
Schutz geistigen Eigentums gewähren, die Subventionen für die zivile Luftfahrtindustrie senken und die Zölle
abbauen soll.
"Die Vereinigten Staaten und Europa werden jetzt Seite an Seite an einem erfolgreichen Abschluß dieser
Verhandlungen arbeiten", erklärte der US-Handelsbeauftragte Mickey Kantor am 14. Dezember 1993 nach einer
Nachtsitzung in Genf mit EU-Chefunterhändler Sir Leon Brittan. "Wir sind sogar über die vor sieben Jahren im
uruguayischen Punta del Este gesetzten ehrgeizigen Ziele hinausgegangen."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung des US -Handelsbeauftragten im Wortlaut.

Ich freue mich ankündigen zu können, daß die Vereinigten Staaten und die Europäische Union eine umfassende Einigung über alle ausstehenden Fragen der
Uruguay-Runde erzielen konnten. Mit diesem Durchbruch in der Runde lösten wir einen gordischen Knoten. Die Vereinigten Staaten und Europa werden jetzt
Seite an Seite an einem erfolgreichen Abschlu ß dieser
Verhandlungen arbeiten.
Ich habe am Dienstag darauf hingewiesen, daß wir den
Entwurf eines wahrhaft historischen Handelsabkommens vorliegen haben. Heute wissen wir, daß es
erzielt werden kann. Die Uruguay-Runde wird mehr
Handelshemmnisse abbauen als jedes andere Handelsabkommen in der Geschichte. Sie wird zu einer
Steigerung amerikanischer Exporte führen - von denen jetzt 10 Prozent aller Arbeitsplätze in den Vereinigten Staaten abhängen - und erstmals internationale
Handelsrichtlinien für die Bereiche Dienstleistungen,
Landwirtschaft, geistiges Eigentum und Investitionen
festlegen.
Wir sind sogar über die vor sieben Jahren im uruguayischen Punta del Este gesetzten ehrgeizigen Ziele
hinausgegangen. Die Vereinigten Staaten und die
Europäische Union werden ihre Zölle - Steuern, die wir
alle zahlen - anstelle der ursprünglich vorgesehenen
Senkung um ein Drittel um die Hälfte reduzieren. Wir
werden im Dienstieistungsbereich, indem mehr alsdie

AMERIKA DIENST 50

Hälfte aller amerikanischen Arbeitnehmer tätig ist,
neue große Märkte öffnen. Wir werden dem spiralförmigen Anstieg der sinnlosen Agrarsubventionen, die
unseren Staatshaushalt in den Bankrott treiben und
die Weltmärkte für amerikanische Farmer verzerren,
ein Ende setzen.
Die Grundlage der amerikanischen Wirtschaft ist die
Kreativität, Innovationsfreudigkeit und Erfindungsgabe unserer Bürger. Die Uruguay-Runde wird den
illegalen Mißbrauch mit Patenten, Urheberrechten,
Warenzeichen und anderen Rechten geistigen Eigentums beenden.
Der Abschluß der Uruguay-Runde ist für dauerhaftes
Wirtschaftswachstum und die Schaffung guter Arbeitsplätze in Amerika, Europa und auf der ganzen
Welt von essentieller Bedeutung. Im nächsten Jahrzehnt wird die Weltwirtschaft aufgrund des Abbaus
von Handelshemmnissen und der Öffnung von Märkten als Ergebnis dieser Runde 6 Billionen Dollar hinzugewinnen.
Sir Leon Brittan und ich haben zahllose Stunden an
dieser Übereinkunft gearbeitet. Wir rufen die anderen
Regierungen der Wert dazu auf, über die begrenzten
Interessen weniger Staaten hinaus auf die viel größeren Vorteile dieses Abkommens für alle Völker dieser
Wert zu schauen. Es bleiben noch zwei Tage. Jetzt ist

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�die Zeit gekommen, denselben Mut, politischen Willen
und Weitblick zu zeigen, den die Vereinigten Staaten
und die Europäische Union an den Tag gelegt haben.
Es steht viel auf dem Spiel. Die Gewinne sind real. Die
Zeit drängt. Wir müssen - und wollen - Erfolg haben.

Staaten zur Liberalisierung ihrer Vorschriften ermutigen und beinhaltet Mittel, um Trittbrettfahrer zur Einhaltung der Bestimmungen zu zwingen. Amerikanische Unternehmen sind in diesen Bereichen weltweit
führend. Unsere Finanzeinrichtungen in Übersee
schaffen Einkommen und fördern die amerikanischen
Sir Leon Brittan und ich trafen in der Nacht zusammen, Exporte und Investitionen im Ausland.
um die drei Angelegenheiten zu lösen, die die Vereinigten Staaten und die Europäische Union spalteten: Audiovisueller Bereich. Wir waren nicht in der Lage,
Luftfahrt, Finanzdienstleistungen und der audiovisuel- unsere Differenzen über Fragen im Unterhaltungsbele Bereich.
reich beizulegen. Um die Runde voranzubringen, sind
sich die Vereinigten Staaten und die EU einig geworWir haben diese Fragen gelöst und den Weg für einen den, daß sie uneins sind. Unsere Differenzen bleiben
Abschluß der Uruguay-Runde bereitet. Die Bedeu- jedoch bestehen.
tung dieser Runde für die Weltwirtschaft kann gar nicht
genug betont werden, und wir bitten andere Nationen, Fernsehprogramme, Spielfilme und Tonaufnahmen gemeinsam mit uns die Runde zu einem größtmögli- dieser Sektor ist für die Gesundheit und Vitalität der
chen Erfolg zu machen.
amerikanischen Wirtschaft von entscheidender Bedeutung. Millionen von Amerikanern arbeiten in diesen
Luftfahrt. Wir haben eine Einigung erzielt, um unsere Branchen. Noch wichtiger ist, daß unsere Filme,
Differenzen im Bereich der Luftfahrt gerecht und im Fernsehprogramme und Tonaufnahmen nahezu auf
Interesse beider Seiten zu lösen. Wir haben uns die ganze Welt, einschließlich Europa, Anziehungsgeeinigt, die Luftfahrt unter das neue Subventionsab- kraft ausüben.
kommen zu stellen, das zu größerer Disziplin bei der
Vergabe von Subventionen und einem stärkeren, Die Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten
schnelleren, bindenden System zur Beilegung von und Europa überdie Fragen in der UnterhaltungsinduMeinungsverschiedenheiten führen soll. Auch einig- strie sind wohlbekannt.
ten wir uns auf eine einjährige Fortsetzung der Verhandlungen mit dem Ziel der Erweiterung und Verbes- In den letzten Jahren hat die Europäische Gemeinserung des GATT-Abkommens überdie zivile Luftfahrt schaft eine Rundfunkrichtlinie erlassen, die von den
Mitgliedstaaten die Ausstrahlung möglichst mehrheitaus dem Jahr 1979.
lich europäischer Programme fordert.
Finanzdienstleistungen. Die Vereinigten Staaten
strebten ein Abkommen über Finanzdienstleistungen Die EU-Mitgliedstaaten haben die Subventionen für
an, innerhalb dessen die Staaten substantiellen Markt- ihre Filmemacher stark erhöht, teilweise mit aus der
zugang und Sonderbehandlung einzelner Länder Besteuerung ausländischer Filme gewonnenen Gelanbieten, was eine bedingungslose Meistbegünsti- dern.
gungsklausel ermöglichen sowie jetzt und in Zukunft Nahezu alle EU-Staaten erheben eine Leerkassettenunbeschränkten Zugang zu unserem Markt erlauben abgabe und verteilen die daraus resultierenden Einwürde. Da bis zum 15. Dezember nur ein Tag bleibt, künfte nach einem für amerikanische Künstler und
ist es leider offensichtlich, daß viele Länder nicht bereit Produzenten nicht gerechten Schema. Diese Maßoder in der Lage sein werden, gute Angebote vorzulenahmen wurden von wachsender Rhethorik über eine
gen. Unter diesen Umständen konnten und wollten wir
"kulturelle" Invasion durch amerikanische Filme und
unsere Märkte nicht für alle ganz öffnen. Wir mußten
Musik begleitet.
eine Möglichkeit für den Umgang mit Trittbrettfahrem
finden, was uns auch gelungen ist.
Die Vereinigten Staaten verfolgten im Unterhaltungsbereich klare Ziele: Wir wollten einen kalkulierbaren
Die Europäische Union und wir stimmten überein, daß und fairen Zugang zum europäischen Markt und die
wir und andere bereit sind, im Bankwesen und bei faire Behandlung unserer kreativen Bürger.
anderen Finanzdienstleistungen eine Befreiung von
der Meistbegünstigungsklausel zuzulassen, und die Wir strebten jedoch auch eine sowohl für die VereinigVereinigten Staaten werden das auch tun. Wir haben ten Staaten als auch fürdie EU-Mitgliedstaaten günstijedoch ein sechsmonatiges Moratorium nach Inkraft- ge Lösung an. Folglich haben die Vereinigten Staaten
treten des Abkommens beschlossen, nach dessen während der zweiwöchigen Verhandlungen über diese
Ablauf die Staaten ihre Angebote und Befreiungen von Angelegenheit eine Idee nach der anderen zur Lösung
der Meistbegünstigungsklausel abändern können. Bis dieser Frage auf eine für beide Seiten gerechte Weise
dahin werden wir eine Reihe von soliden Regeln für im Rahmen eines Gesamtpakets vorgelegt.
Finanzdienstleistungen ausarbeiten.
Die Europäische Union lehnte jeden unserer VorschläDieses Abkommen wird die Finanzmärkte öffnen. Es ge ab. Stattdessen bot sie Konsultationen und andere
hat die Grundlage dafür geschaffen. Es wird andere Schritte an, die weit von wirklichem Marktzugang oder

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�wirklich gerechter Behandlung eines Landes entfernt
sind.
Aufgrund der Unzulänglichkeit der Vorschläge der EU
und ihrer mangelnden Bereitschaft zur Annahme der
von uns gemachten Vorschläge, beschlossen wir,
unsere Angebote für den audiovisuellen Bereich zurückzunehmen und eine Befreiung von der Meistbegünstigungsklausel in Anspruch zu nehmen.

Wir beschlossen, keine bedeutungslosen Halblösungen zu akzeptieren. Vielmehr sind wir der Ansicht, daß
wir die Interessen unserer Künstler, Darsteller und
Produzenten - und den freien Informationsfluß auf der
ganzen Welt - am besten fördern können, indem wir
uns alle uns zustehenden Rechte vorbehalten, um auf
uns diskriminierende Praktiken in diesen Bereichen zu
reagieren.

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�GATT
15. Dezember 1993

EINIGUNG ZWISCHEN USA UND EU BEI
URUGUAY-RUNDE BEKANNTGEGEBEN
Abschluß der Handelsgespräche

GENF - (AD) - Die Vereinigten Staaten und die Europäische Union haben bei der Uruguay-Runde multilateraler Handelsgespräche eine umfassende Einigung
erzielt und damit den Weg für abschließende Gespräche der am weitreichendsten internationalen Handelsverhandlungen bereitet.
"Heute wissen wir, daß es (eine wahrhaft historisches
Handelsabkommen) erzielt werden kann", erklärte der
US-Handelsbeauftragte Mickey Kantor am 14. Dezember 1993 auf einer Pressekonferenz, bei der er
zusammen mit dem für die Außenhandelspolitik der
Europäischen Union zuständigen Kommissar Sir Leon
Brittan die Einigung bekanntgab.
In den letzten Monaten der Uruguay-Runde hatte die
festgefahrene Situation zwischen den Vereinigten
Staaten und der Europäischen Union über von der
Landwirtschaft bis zu Finanzdienstleistungen reichende Themen das Ergebnis der globalen Handelsgespräche, an der über 100 weitere Staaten teilnahmen,
in Frage gestellt. Im letzten Moment erzielten die
beiden größten Handelsmächte der Welt Einigung
über alle Fragen mit Ausnahme des Schutzes der
europäischen Film- und Fernsehindustrie aus "kulturellen" Gründen.
"Mit diesem Durchbruch in der Runde lösten wir einen
gordischen Knoten", stellte Kantor fest. Die Einigung
zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union wurde im letzten Moment erzielt - weniger
als 48 Stunden vor Ablauf der Frist für den Abschluß
der Uruguay-Runde. Wenn Präsident Clinton dem
Kongreß das globale Handelspaket nicht bis zum 15.
Dezember 24.00 Uhr vorlegt, verliert er sein FastTrack-Mandat, das eine Annahme ohne Abänderungen oder eine Ablehnung des Werkes vorsieht.
Sir Leon Brittan rief die anderen Nationen zur Unterstützung der Vereinigten Staaten und der EU beim
erfolgreichen Abschluß der Uruguay-Runde auf. "Der

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heutige Tag stellt einen Meilenstein in der Geschichte
des Welthandels dar", behauptete er.
Der US-Handelsbeauftragte Mickey Kantor wies darauf hin, das als Ergebnis der Uruguay-Runde erzielte
Abkommen werde zu einer Halbierung der Zölle und
der Öffnung neuer großer Märkte im Dienstleistungsbereich führen, "in dem mehr als die Hälfte der amerikanischen Arbeitnehmer tätig ist". Zudem werde es
"dem spiralförmigen Anstieg der sinnlosen Agrarsubventionen, ... die die Weltmärkte für amerikanische
Farmer verzerren", ein Ende setzen.
Er fügte hinzu, im kommenden Jahrzehnt würden der
Abbau der Handelshemmnisse und die Öffnung der
Märkte eine Ankurbelung der Weltwirtschaft in Höhe
von 6 Billionen Dollar darstellen.
Die Vereinigten Staaten und die Europäische Union
erzielten einen Durchbruch beim Agrarhandel und
erreichten Kantor zufolge die Öffnung seit langem
geschlossener Agrarmärkte. Er zeigte sich jedoch
enttäuscht darüber, daß der Streit über die Film- und
Fernsehindustrie nicht beigelegt werden konnte. Die
Vereinigten Staaten und die EU "sind sich einig geworden, daß sie uneins sind", und werden folglich beide
nicht dem Abkommen der Uruguay-Runde über die
audiovisuellen Dienstleistungen beitreten.
Ein Streit über Subventionsregeln im Luftfahrtbereich,
der die Runde zum Entgleisen zu bringen drohte,
wurde durch ein gesondertes amerikanisch-europäisches bilaterales Abkommen über große Zivilflugzeuge gelöst, das die vorgeschlagenen GATT-Regeln
über Subventionen nicht antastet.
Im Bereich des Marktzugangs für Industrieprodukte
einigten sich die Vereinigten Staaten und die Europäische Union auf eine Abschaffung der Zölle für pharmazeutische Produkte, Baugerät, Agrargerät, medizinische Geräte, Spirituosen, Bier, Möbel und Spielzeug.

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�Im Rahmen der multilateralen Handelsvereinbarungen sollen einer Übersicht der Vereinigten Staaten zu
dem Abkommen zufolge auch Zölle auf forstwirtschaftliche Produkte abgeschafft werden, falls Japan und die
anderen Handelspartner dem Beispiel folgen.

schen Union. Er stellte jedoch fest, nach Bekanntgabe
des Abkommens seien noch einige neue Vorschläge
über Finanzdienstleistungen, Textilien und geistiges
Eigentum vorgelegt worden. Ihm zufolge muß auf
jedem dieser Gebiete am letzten Verhandlungstag ein
"empfindliches Gleichgewicht" geschaffen werden.
Peter Sutherland, der Generaldirektor des GATT, "Dennoch bin ich zuversichtlich, daß wir die Uruguaybegrü ßte den Abschlu ß der bilateralen Verhandlungen Runde morgen zum Abschluß bringen können", äuzwischen den Vereinigten Staaten und der Europäi- ßerte er in einer schriftlichen Erklärung.

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�NICHTVERBREITUNG
15. Dezember 1993

USA BEKÄMPFEN VERBREITUNG VON
MASSENVERNICHTUNGSWAFFEN
Ausführungen von Verteidigungsminister Aspin

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten benötigen Verteidigungsminister Aspin zufolge einen aggressiveren Ansatz bei der Nichtverbreitung von Massenvernichtungswaffen, um Präsident Clintons Politik
umzusetzen.

Stelle der alten Sowjetunion getreten, sowjetisches
Nuklearmaterial oder -technologien fänden den Weg
zum Schwarzmarkt, das gekaufte Fachwissen über
Waffen gelange zu den Verbreitern von Massenvernichtungswaffen und unverantwortliche, einstmals unter
dem Einfluß der Sowjetunion stehende Staaten - wie
Nordkorea - verfolgten aggressiv ihre eigenen Waffenprogramme.

Im September hatte Clinton vor der UN-Generalversammlung geäußert: "Eine unserer wichtigsten Prioritäten muß die Verhinderung der Weiterverbreitung
von Massenvernichtungswaffen sein, seien sie atoma- Darüber hinaus fördere die Weltwirtschaft Aspin zufolge die Verbreitung von Technologie und erschwere
rer, chemischer oder biologischer Art."
das "Aufspüren illegaler, für die Entwicklung von Warfen
Indem er diese Politik in einer am 7. Dezember 1993 nützlicher Materialien und Technologien".
vor der Nationalen Akademie der Wissenschaften in
Washington gehaltenen Rede bekräftigte, warnte Aspin "Wir sehen uns einer größeren Verbreitungsgefahr
jedoch auch, daß wir uns "in einem neuen Zeitafter gegenüber als je zuvor", stellte der Verteidigungsminibefinden", in dem die von diesen Waffen ausgehende ster fest und fügte hinzu: "Eine Politik der Verhinderung durch Verweigerung ist nicht genug. Es handelt
Bedrohung noch größer sei.
sich nicht nur um Nuklearwarfen. Alle potentiell gefähr"Die bisherige Gefahr bestand in Tausenden Gefechts- lichen Nationen sind zumindest zur Herstellung bioloköpfen in der Sowjetunion. Die neue uns konfrontie- gischer und chemischer Kampfstoffe in der Lage."
rende nukleare Gefahr liegt vielleicht in einigen wenigen Instrumenten in den Händen verbrecherischer Laut Aspin verfolgt die neue Initiative einen fünf Punkte
Staaten oder sogar Terrorgruppen", erläuterte der umfassenden Ansatz:
Verteidigungsminister.
Verdeutlichung gegenüber allen Parteien, daß
es eine neue, aggressive Politik gibt,
Aspin stellte fest, die Politik der Abschreckung, Rüstungskontrolle und Nichtverbreitung von Waffen habe
Kauf von Artillerie zur besseren Lokalisierung
während des Kalten Krieges gut funktioniert. Er fügte
und
Zerstörung von Massenvernichtungswafjedoch hinzu, heute "sehen wir uns mit dem Potential
fen,
eines wesentlich verschärften Verbreitungsproblems
konfrontiert", weil der Zusammenbruch der SowjetuniEntwicklung neuer Strategien für die Auseinanon und die Freisetzung ihrerTechnologien die Verbreidersetzung mit Gegnern, die solche Waffen
tung von Massenvernichtungswaffen fördern könne.
besitzen,
"Wir haben eine neue Aufgabe in Angriff genommen",
stellte Aspin fest. "Wir haben ein neues Problem
erkannt und handeln, um ihm mit der Nichtverbreitung
von Massenvernichtungswaffen zu begegnen."
Mehrere Gefahren zusammengenommen machten die
Welt noch gefährlicher als früher, so Aspin. Vier
ehemalige sowjetische Nuklearstaaten seien an die
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Sammlung verbesserter nachrichtendienstlicher
Erkenntnisse über die Programme und Arsenale unverantwortlicher Staaten und
Koordinierung der internationalen Zusammenarbeit bei der Bekämpfung der Verbreitung solcher Waffen.

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�Die Initiative fördere einen Konsens bezüglich der Verteidigung gegen einige wenige ballistische RakeGrößenordnung der Bedrohung, reduziere die militäri- ten aufbauen können, die von unverantwortlichen
sche Nützlichkeit von Massenvernichtungswaffen, halte Staaten oder Terroristen abgefeuert werden könnten.
den Preis solcher Waffen hoch, um die Nachfrage zu
verringern und senke die Verletzbarkeit potentieller Ein hochrangiger Vertreter des VerteidigungsministeOpfer solcher Waffen, führte der Verteidigungsmini- riums hatte zuvor im Pentagon prognostiziert, daß der
Einsatz oder potentielle Einsatz von Massenvernichster aus.
tungswaffen durch solche Gruppen "ein sich abzeichAspin würdigte die Verabschiedung des Nunn-Lugar- nendes Problem ist".
Zusatzartikels durch den Kongreß, im Rahmen dessen
die Vereinigten Staaten Geld und Fachwissen bereit- Im Hinblick auf die nach dem Golfkrieg entdeckten
stellen, um den Nachfolgestaaten der Sowjetunion bei unerwartet modernen Nuklearwaffenprogramme des
der Zerstörung der sowjetischen Arsenale behilflich zu Irak fügte der Vertreter des Verteidigungsministeriums
hinzu: "Wir wollen eine solche Überraschung nicht
noch einmal erleben." Die neue Politik zusammenfasEr bekräftigte, die Vereinigtes Staaten strebten eine send erklärte er gegenüber Reportern: "Wenn man
Klärung zum ABM-Vertrag an, damit sie eine regionale etwas nicht verhindern kann, mu ß man sich schützen."

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�RUSSLAND
15. Dezember 1993

USA GRATULIEREN RUSSLAND ZU
HISTORISCHEN WAHLEN
Erklärung des Weißen Hauses
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine von der Pressestelle des Weißen Hauses zu den
Wahlen in Rußland herausgegebene Erklärung.

Die Vereinigten Staaten gratulieren der Regierung und
dem Volk Rußlands zu den am gestrigen Tag abgehaltenen historischen Wahlen. Der 12. Dezember 1993
war ein bedeutender Tag für die Entwicklung des
demokratischen Systems in Rußland. Die Wahlen
wurden friedlich und geordnet organisiert und durchgeführt. Beobachter meldeten keine Unregelmäßigkeiten beim Wahlgang. Das Bild von Millionen Russen
beim Gang zur Wahlurne, um über ihre Zukunft zu
entscheiden, ist ein dramatisches Beispiel für die in
den zwei Jahren seit dem Zusammenbruch der ehemaligen Sowjetunion beim Aufbau einer demokratischen Zukunft gemachten Fortschritte.
Mit der Annahme einer neuen Verfassung und den
Wahlen für eine neue Legislaturperiode hat sich das
russische Volk der letzten Relikte des alten sowjetischen Systems entledigt und sie durch neue, gesetzlich verankerte Institutionen ersetzt, die eine Grundlage für die kontinuierliche Entwicklung einer demokratischen Gesellschaft legen. Die Vereinigten Staaten
und die internationale Staatengemeinschaft haben
großes Interesse am Erfolg dieses Prozesses.

In den kommenden Tagen werden die bei den Parlamentswahlen abgegebenen Stimmen gezählt und die
neue Duma wird mit den Vorbereitungen für ihre Eröffnungssitzung beginnen. Genaue Ergebnisse der Wahlen
oder die Zusammensetzung des Parlaments liegen
noch nicht vor. Präsident Jelzin hat seiner Bereitschaft
zum Beginn eines konstruktiven Dialogs mit den verschiedenen darin vertretenen politischen Kräften
Ausdruck verliehen. Wir erhoffen eine entsprechende
Haltung von seiten aller führenden Politiker Rußlands.
Am Beginn eines neuen Zeitalters und der Entwicklung
demokratischer Institutionen in Rußland werden die
Vereinigten Staaten ihre uneingeschränkte Unterstützung für die politischen und wirtschaftlichen Reformen
in diesem Land fortsetzen. Der Präsident sieht seinem
für Januar geplanten Besuch in Moskau sowie den
Gesprächen mit Präsident Jelzin und anderen Politikern über den weiteren Aufbau einer Partnerschaft
zwischen den Vereinigten Staaten u nd Ru Bland erwartungsvoll entgegen. Vizepräsident Gore wird morgen
abend in Moskau eintreffen und in seinen Treffen mit
russischen Politikern die amerikanische Unterstützung
für Demokratie und Wirtschaftsreformen unterstreichen.

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�VERBRECHENSBEKÄMPFUNG
15. Dezember 1993

USA UND ITALIEN BEKÄMPFEN GEMEINSAM
ORGANISIERTES VERBRECHEN
Erklärung von Präsident Clinton
WASHINGTON - (AD) - In einer am 12. Dezember 1993 abgegebenen Erklärung äußerte Präsident Clinton, bei
ihrem andauernden Kampf gegen die Mafia und andere internationale Verbrechersyndikate hätten sich die
Vereinigten Staaten ebenso wie die italienische Regierung verpflichtet, "zurückzuschlagen, die Straßen
zurückzuerobern und diejenigen zu bestrafen, deren kriminelles Verhalten am Gefüge unserer Gesellschaften
zerrt und das Leben unserer Bürger bedroht".
Als Beweis für die Entschlossenheit der Vereinigten Staaten verwies er auf die hochrangigen Gespräche des
Direktors der amerikanischen Bundespolizei FBI, Louis Freeh, und des Abteilungsleiters für Strafverfolgung im
US-Finanzministerium, Ronald Noble, mit italienischen Regierungsvertretern am vergangenen Wochenende zur
Erörterung neuer Schritte bei der Bekämpfung des organisierten Verbrechens.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung des Präsidenten im Wortlaut.

Beim andauernden Kampf gegen die Mafia und andere
internationale Verbrechersyndikate erneuern die Vereinigten Staaten ihr Versprechen der Solidarität mit der
Regierung und dem Volk Italiens sowie deren Unterstützung.

lungsleiter für Strafverfolgung im Finanzministerium,
an diesem Wochenende zu hochrangigen Gesprächen mit italienischen Regierungsvertretern zur Erörterung neuer Schritte bei der Bekämpfung des organisierten Verbrechens in Italien auf.

Das organisierte Verbrechen ist eine Geißel, die in
unseren beiden Nationen einen schrecklichen Tribut
gefordert hat - durch Rauschgift verwüstete, durch
Gewalt verrohte, durch Mord zerstörte Existenzen.

Direktor Freeh und Abteilungsleiter Noble führen heute
in Palermo Gespräche über diese gemeinsamen
Bestrebungen bei der Strafverfolgung. Sie werden
unterstreichen, was wir und alle Nationen Richter
Giovanni Falcone - dem beim Kampf gegen die italienische Mafia ermordeten mutigen Juristen - schulden
und dem Einsatz anderer tapferer Italiener, die ihr
Leben jeden Tag beim Kampf gegen das organisierte
Verbrechen aufs Spiel setzen.

Die Vereinigten Staaten haben sich ebenso wie die
italienische Regierung verpflichtet, zurückzuschlagen,
die Straßen zurückzuerobern und diejenigen zu bestrafen, deren kriminelles Verhalten am Gefüge unserer Gesellschaften zerrt und das Leben unserer Bürger
Die Regierung der Vereinigten Staaten ist erfreut, daß
bedroht.
wir Italien bei der Suche nach Richer Falcones MörAus diesem Grund weise ich das Justizministerium dern behilflich sein konnten. FBI-Laborexperten haund das Finanzministerium an, alles in ihrer Macht ben die Verarbeitung von DNA-Beweisen am SchauStehende zur Verbesserung der Zusammenarbeit platz des Verbrechens in Sizilien erleichtert. Ihre Hilfe
zwischen amerikanischen und italienischen Strafver- erwies sich als der entscheidende Faktor für die vor
folgungsbehörden zu tun.
kurzem erfolgte Anklage gegen eine große Zahl von
Verdächtigen.
Als Beweis unserer Entschlossenheit halten sich Louis
Freeh, der Direktor des FBI, und Ronald Noble, Abtei-

AMERIKA DIENST 50

Seite 1

�Direktor Freeh übermittelt darüber hinaus unsere
Botschaft der Verpflichtung gegenüber den italienisehen Strafverfolgungsbeamten und unserer Zusammenarbeit mit ihnen. Ihre kontinuierliche und ent-

schlossene Unterstützung hat den amerikanischen
Strafverfolgungsbeamten zu echten und greifbaren
Fortschritten bei der Bekämpfung der Mafia in den
Vereinigten Staaten verholten.

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�MENSCHENRECHTE
15. Dezember 1993

CLINTON: MENSCHENRECHTE MÜSSEN
HOHE PRIORITÄT BEI DEN
VEREINTEN NATIONEN BEHALTEN
Proklamation zum Menschenrechtstag
WASHINGTON - (AD) - Mit der Erklärung, daß den Menschenrechten weiterhin hohe Priorität bei den Vereinten
Nationen eingeräumt werden muß, forderte Präsident Clinton am 10. Dezember 1993 die "Berufung eines
Hochkommissars für Menschenrechte und die effektive Arbeit des Kriegsverbrechertribunals für das ehemalige Jugoslawien".
In einer Proklamation zum Menschenrechtstag umriß Clinton weitere zum Schutz der Menschenrechte zu
ergreifende Schritte einschließlich der Ratifizierung der internationalen Konvention über die Abschaffung aller
Formen von rassischer Diskriminierung.
Nachfolgend veröffentlichen wir den Text der Proklamation des Präsidenten, die den 10. Dezember 1993 zum
Menschenrechtstag, den 15. Dezember zum Tag der Bill of Rights und die Woche vom 10. Dezember zur
Menschenrechtswoche erklärt.

Dieses Jahr markiert den 45. Jahrestag der Allgemeinen Erklärung der Menchenrechte. Die Universalität
dieser Rechte und die gemeinsame Verpflichtung aller
Regierungen, für sie einzutreten - die in der Erklärung
verankerten Aussagen - wurden bei der Weltkonferenz
über Menschenrechte im Juni in Wien bekräftigt. Die
Erklärung ist der Grundstein für die Erarbeitung eines
internationalen Konsenses über die Menschenrechte,
weil sie die gemeinsamen Interessen fördert, die wir
mit anderen Nationen teilen. Sie erkennt an, daß allen
Menschen bestimmte unveräußerliche Rechte zustehen - das Recht auf Leben, Freiheit und Unverletzbarkeit der Person, das Recht auf Schutz vor willkürlicher
Festnahme und Inhaftierung sowie das Recht auf
Schutz vor Massenexekutionen und Folter. Die AllgeUnsere Bill of Rights garantiert unsere grundlegenden meine Erklärung der Menschenrechte geht über sozioFreiheiten, einschließlich der Religions-, Rede- und ökonomische Bedingungen sowie religiöse und kultuPressefreiheit. Seit über 200 Jahren war sie ein relle Traditionen hinaus, denn die Umstände von Geburt,
leuchtender Wegweiser für sozialen Wandel, der unser Geschlecht, Kultur oder geographischer Herkunft können
Verständnis dieser Grundfreiheiten vertieft und diese das Streben des menschlichen Geistes nach dem
Grundrechte für alle unsere Bürger gewährleistet hat. Recht auf ein Leben in Freiheit und Würde nicht
Wir gedenken des Tages der Bill of Rights noch immer einschränken. Diese Sehnsucht nach einer Verbessefeierlich, weil die Sicherstellung der Achtung der rung der Lebensbedingungen des Menschen ist kein
Menschenrechte in den Vereinigten Staaten niemals westlicher Exportartikel. Sie ist ein angeborener Wunsch
aufhört - es ist ein andauernder Prozeß.
des Menschen.

Thomas Paine hat einmal geschrieben, "hätten wir
einen Platz, an dem wir stehen können, könnten wir die
Welt verbessern". Der Dezember markiert den Jahrestag von zwei bahnbrechenden Ereignissen im
andauernden Kampf zur Gewährleistung des Schutzes der Menschenrechte und der Schärfung des
Bewußtseins der Welt für diese allen zustehenden
Freiheiten. Am 15. Dezember 1791 wurde die amerikanische Bill of Rights ratifiziert. Und anderthalb
Jahrhunderte später, am 10. Dezember 1948, verabschiedete die Generalversammlung der Vereinten
Nationen die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Beide Dokumente haben den Blick zahlloser
Menschen geschärft - und ihr Leben verbessert.

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�Wenn wir über Menschenrechte sprechen, beziehen
Wir müssen alles Erforderliche unternehmen,
um die Konvention über die Abschaffung aller
wir uns auf reale Menschen an realen Orten. Die in der
Formen von Diskriminierung der Frau zu ratifiErklärung enthaltenen grundlegenden Garantien werzieren.
den manchen hohl erscheinen, wenn die Worte nicht in
sinnvolle Aktionen umgewandelt werden. Wir haben
Die Bill of Rights und die Allgemeine Erklärung der
noch viel zu tun:
Menschenrechte verankern die folgende für alle MenWir müssen durch die Berufung eines Hoch- schen und alle Nationen zeitlos gültige Wahrheit: Die
kommissars für Menschenrechte und die effek- Achtung der Menschenrechte ist die Grundlage für
tive Arbeit des Kriegsverbrechertribunals für Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden.
das ehemalige Jugoslawien sicherstellen, daß
die Menschenrechte auf der Tagesordnung der Aufgrund dessen erkläre ich, William J. Clinton, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, kraft der
Vereinten Nationen hohe Priorität behalten.
mir durch die Verfassung und die Gesetze der VereiWir müssen zügig handeln, um die Zustimmung nigten Staaten verliehenen Befugnis den 10. Dezemdes Senats zur Ratifizierung der internationalen ber 1993 zum Menschenrechtstag, den 15. Dezember
Konvention über die Beseitigung aller Formen 1993 zumTagderBillofRightsund die Woche vom 10.
rassischer Diskriminierung zu gewinnen.
Dezember 1993 zur Menschenrechtswoche. Ich rufe
alle Amerikaner dazu auf, diese Tage und diese Woche
Wir müssen Gesetze zur Durchsetzung der mit angemessenen Programmen, Feierlichkeiten und
Konvention gegen die Folter erlassen, um unser Aktivitäten zu begehen.
Engagement für die weltweit angestrebte Abschaffung dieser abscheulichen Menschenrechts- Unterzeichnet am 10. Tag des Dezember, im Jahre
verletzung zu unterstreichen.
des Herrn 1993 und im 218. Jahr der Unabhängigkeit
der Vereinigten Staaten von Amerika.

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�MENSCHENRECHTE
15. Dezember 1993

SHATTUCK: MENSCHENRECHTSPOLITIK DER
USA STREBT ENDE DER FOLTER AN
Erläuterungen bei Pressekonferenz

WASHINGTON - (AD) - Die Clinton-Administration
räumt der Ausbreitung von Demokratie weltweit und
der Beendigung von Folterungen durch Regierungen
oberste Priorität ein, erklärte John Shattuck, Abteilungsleiterfür Menschenrechte und humanitäre Angelegenheiten im US-Außenministerium, am 8. Dezember 1993 bei einer Pressekonferenz im Vorfeld des
Menschenrechtstages.
Der 10. Dezember markiere den 45. Jahrestag der
Unterzeichnung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte in Genf und biete eine Gelegenheit,
"Rückschau zu halten und Bilanz zu ziehen, was
erreicht wurde und was noch zu tun bleibt", erklärte
Shattuck.
"Meine Regierung möchte insbesondere alle Regierungen aufrufen, die Praxis der Folter bis zum Jahr
2000 abzuschaffen." Shattuck beschrieb das Problem
als "weitverbreitet" und fügte hinzu: "Die Grundvoraussetzung zur Beendigung der Folter ist politischer
Wille."
Shattuck stellte fest, die Vereinigten Staaten würden zum ersten Mal - eine Beurteilung ihrer Einhaltung
verschiedener internationaler Verträge vornehmen und
den Bericht der UN-Menschenrechtskommission vorlegen.
"Ich sage hier öffentlich, daß die Menschenrechtsbilanz der Vereinigten Staaten in keiner Weise perfekt ist
und von der Regierung, unabhängigen Organisationen
sowie der freien Presse einer ständigen Prüfung unterzogen wird. Ich möchte insbesondere auf die Rolle der
freien Presse bei der Verfolgung von Menschenrechtsverletzungen in allen Ländern einschließlich der Vereinigten Staaten verweisen."
Shattuck äußerte gegenüber den Journalisten auch,
daß die Vereinigten Staaten die Einrichtung eines
Hochkommissars für Menschenrechte befürworten ein zur Zeit von den Vereinten Nationen erörtertes

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Thema. "Damit würde den Programmen der Vereinten
Nationen Auftrieb verliehen und sichergestellt, daß
Menschenrechten der ihnen gebührende Platz als eine
der Säulen des UN-Systems zukommt."
Obwohl Shattuck kurz auf diese und andere umfassendere Themen einging, verwendete er einen Großteil der Pressekonferenz auf die Beantwortung spezifischer Fragen zu China, Haiti, Israel, Ägypten, Burma,
dem ehemaligen Jugoslawien und zu anderen Ländern.
Shattuck, der vor kurzem von Besuchen in Israel und
Ägypten zurückgekehrt war, antwortete auf eine Frage, er habe in beiden Ländern "sehr ausführliche
Gespräche über das Thema Folter" geführt sowie die
generelle Behandlung von Gefangenen.
Er beschrieb Präsident Clintons Ansatz zu Menschenrechtsfragen als "sehr umfassende und ausgewogene
Anwendung dieser Normen in allen Ländern, mit denen wir bilaterale Beziehungen unterhalten".
Shattuck bekräftigte die amerikanische Position, daß
die Vierte Genfer Konvention auf die von Israel besetzten Gebiete Anwendung findet und stellte fest, die von
den Vereinigten Staaten mit Israel geführten Gespräche - und die Jahresberichte des US-Außenministeriums überdie dortige Menschenrechtssituation - spiegelten diese Auffassung eindeutig wider.
Shattuck zufolge ist Washington nicht "gegen" die Bindung von Auslandshilfe an die Menschenrechtsbilanz
eines Empfängerlandes, er betonte jedoch im weiteren Verlauf der Pressekonferenz, Washington treffe
"nicht alle Entscheidungen zu Auslandshilfe ausschließlich auf der Grundlage der Menschenrechte". Er
machte diese Aussage als Antwort auf eine Frage zu
Israel, das den größten Teil der amerikanischen Auslandshilfe erhält.
Menschenrechte standen auf der Tagesordnung von
jedem Besuch Außenminister Christophers im Nahen
Seite 1

�Osten, "und stehen zweifelsohne dieses Mal auf der
Tagesordnung", stellte Shattuck fest. Er betonte jedoch, Christophers derzeitiger Besuch in der Region
habe den Friedensprozeß zum Ziel.

Im Hinblick auf die "tragische Menschenrechtssituation" in Haiti äu ßerte Shattuck seine Absicht, dem Land
in der kommenden Woche einen Besuch abzustatten
und bekräftigte die Sichtweise der Vereinigten Staaten, daß Demokratie und Menschenrechte Hand in
Im Hinblick auf China äußerte Shattuck, das Engage- Hand gehen. "Die Zukunft der Menschenrechte in Haiti
ment für dieses Land bilde ein "Kernstück" von Präsi- hängt von der Wiedereinführung der Demokratie und
dent Clintons Außenpolitik in seinem ersten Amtsjahr. der Wiedereinsetzung ins Amt des demokratisch
Gespräche zu einem breiten Spektrum von Themen - gewählten Präsidenten von Haiti, Präsident Aristide,
wie Handel und nukleare Nichtverbreitung - seien auf ab." Die derzeitige Politik der Vereinigten Staaten,
höchster Ebene geführt worden, bis hin zu einem haitianische Asylbewerber abzufangen, habe "ernstTreffen zwischen Präsident Clinton und seinem chine- hafte Schwierigkeiten" hervorgerufen, erklärte Shatsischen Amtskollegen Jiang Zemin.
tuck und fügte hinzu, eine Rückkehr zur Demokratie in
Haiti könnte eine Änderung dieser Politik bewirken.
"Meines Erachtens gibt es zweifelsohne Bestrebungen seitens der chinesischen Regierung zur Einhal- Auf die Frage nach der Situation im ehemaligen Jugotung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte slawien stellte Shattuck fest, die Vereinigten Staaten
wie alle Nationen es zu tun bestrebt sind...", antwortete hätten eine Führungsrolle im UN-Sicherheitsrat beim
Shattuck. Auf die Frage, ob China weiterhin der Drängen auf die Einrichtung eines KriegsverbrecherMeistbegünstigungsstatus eingeräumt würde, stellte tribunals zur Prüfung der Situation übernommen.
er fest, Clintons Präsidialerlaß fordere "insgesamt
beträchtliche Fortschritte bei den Menschenrechten in "Das Kriegsverbrechertribunal ist zum jetzigen ZeitChina" und eine Entscheidung werde in diesem Kon- punkt das wichtigste und überwältigende Signal für
text getroffen.
eine Menschenrechtskatastrophe" im ehemaligen
Jugoslawien.
Shattuck hatte vor kurzem eine 10tägige Reise nach
China unternommen und war der erste hochrangige "...Sowohl der Außenminister als auch die BotschafMenschenrechtsvertreter der Vereinigten Staaten, der terin der Vereinigten Staaten bei den Vereinten NatioTibet einen Besuch abstattete. Auf die Frage, ob nen, Madeleine Albright, haben Erklärungen abgegeAußenminister Christopher eine Reise nach China ben ..., daß sich die Vereinigten Staaten verpflichten,
beabsichtige, antwortete Shattuck, bevor dies der Fall die Beweise auf jede Spur hin zu überprüfen und keine
sei, müßten in China "maßgebliche" Fortschritte bei Fragen des Friedensprozesses dem Vorgehen des
den Menschenrechten erzielt werden.
Kriegsverbrechertribunals im Rahmen der UN-Statuten im Wege stehen sollten", erläuterte Shattuck.
In seinen Ausführungen über Hongkong erläuterte
Shattuck, die erneute Unterstellung unter die chinesi- Im weiteren Verlauf der Pressekonferenz antwortete
sche Regierungsgewalt beleuchte einen weiteren Shattuck einem Reporter, die Vereinigten Staaten
Brennpunkt der amerikanischen Außenpolitik. "Die erachteten Vergewaltigung als eine Form der Folter,
demokratische Beteiligung ist eine der Säulen von insbesondere, wenn sie im Rahmen der Kampagne
Präsident Clintons Außenpolitik, und wir hoffen natür- der "ethnischen Säuberung" angewandt würde. Die
lich, eine Verpflichtung zur andauernden Beteiligung amerikanischen Vertreter beim Kriegsverbrechertribuim Hinblick auf Hongkong ... und den Schutz der nal "weiden die Position vertreten..., daß ein wesentGrundrechte der Bürger von Hongkong zu erhalten." licher Bereich bei den Ermittlungen zu ethnischen
Säuberungen (im ehemaligen Jugoslawien) der systeEinem Journalisten, der nahelegte, die neue Konzen- matische Einsatz von Vergewaltigung sein sollte".
tration der Vereinigten Staaten auf Handel sei nur ein
Ersatz für die Bekämpfung des Kommunismus im In einer kurzen Erörterung der MenschenrechtssituaKalten Krieg, antwortete Shattuck: "...ich möchte tion in Indien stellte Shattuck fest, die Vereinigten
eindeutig klarstellen, daß die Vereinigten Staaten Staaten seien "erfreut", daß die Regierung in NeuMenschenrechte keinem Handels- oder Wirtschafts- Delhi Menschenrechtsorganisationen den Zutritt zum
Land gestattet hätte. "Das war ein von uns vehement
thema unterordnen...".
verfolgtes Anliegen", so Shattuck.
Er verwies darauf, daß die Zustimmung der Vereinigten Staaten zum Nordamerikanischen Freihandelsab- Er beschrieb Burma als "das kritischste Menschenkommen (North American Free Trade Agreement - rechtsproblem der heutigen Welt". Die Vereinigten
NAFTA) "eben aus dem Grund möglich war, weil die Staaten hätten "alle Instrumente der Diplomatie" dort
Menschenrechtssituation und die Demokratie sich in eingesetzt, beobachteten die Lage, und "wir hoffen
Mexiko verbessert haben" und der Einsatz des Instru- natürlich, daß es schon sehr bald eine Verbesserung
mentes NAFTA "mehr Anreize zu Menschenrechts- der Menschenrechtssituation in Burma geben wird".
verbesserungen" biete.

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AMERIKA DIENST 50

�Auf die Frage, vermeintlich werde in der amerikanischen Politik "mit zweierlei Maß gemessen" - insbesondere im Hinblick auf die Behandlung von Muslimen
- verwies Shattuck darauf, daß die islamischen Staaten zu den stärksten und wichtigsten Verbündeten Washingtons zählten und religiöse Konflikte in keiner
Weise auf die muslimische Welt begrenzt seien.
"Zweifelsohne beobachten wir sie in anderen Teilen
der Welt. Das Thema betrifft auch das heutige Afrika
und Teile des Fernen Ostens."
Indem er sich der Menschenrechtsproblematik allgemein zuwandte, stellte Shattuck fest, die amerikanische Delegation bei der Weltkonferenz über Menschenrechte in Wien 1993 sei sich über die "äußerst
enge Verbindung zwischen Entwicklung, Menschenrechten und Demokratie" einig gewesen.

Zur Zeit gebe es einen "Überhang" an internationalen
Verträgen, die von den Vereinigten Staaten erörtert
würden, einschließlich Verträgen zu Rassendiskriminierung, sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen
Rechten sowie den Rechten von Kindern und Frauen.
Er nannte drei Bereiche, in denen ein "überwältigender
Konsens" zu Menschenrechten bestehe: Das Recht
auf persönliche Integrität (Freiheit von Folter, Massenexekutionen, etc.), das Recht auf Redefreiheit und "in
gewissem Maße" auf politische Beteiligung sowie die
Gewährung grundlegender Wirtschafts- und Sozialrechte.
"Dies sind nicht Werte der Vereinigten Staaten, sondern der Welt", erklärte Shattuck.

* * * * *

AMERIKA DIENST 50

Seite 3

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                <text>&lt;strong&gt;1. NAFTA&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;NAFTA unterstreicht Führungsrolle der USA &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung Präsident Clintons bei Unterzeichnung des NAFTA&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. GATT&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Uruguay-Runde geht über ursprüngliche gesetzte Ziele hinaus&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des US-Handelsbeauftragten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Nichtverbreitung&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;USA bekämpfen Verbreitung von Massenvernichtungswaffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ausführungen von Verteidigungsminister Aspin&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Russland&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA gratulieren Russland zu historischen Wahlen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Weißen Hauses&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Verbrechensbekämpfung&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;USA und Italien bekämpfen gemeinsam organisiertes Verbrechen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung von Präsident Clinton&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Menschenrechte&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton: Menschenrechte müssen hohe Priorität bei den Vereinten Nationen behalten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Proklamation zum Menschenrechtstag&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Shattuck: Menschenrechtspolitik der USA strebt Ende der Folter an&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erläuterungen bei Pressekonferenz&lt;/em&gt;</text>
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Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

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22. Dezember 1993

RUSSLAND

CLINTON: RUSSEN BEFÜRWORTEN
NICHT DIE EXTREMEN ANSICHTEN
SCHIRINOWSKIS
Der Präsident bekräftigt Unterstützung
für russischen Reformprozeß

GATT

URUGUAY-RUNDE WIRD AMERIKANISCHE
WIRTSCHAFT ANKURBELN
Übersicht über Einzelheiten des Abkommens

ATOMTESTVERBOT

VERHANDLUNGEN ÜBER
UMFASSENDES ATOMTESTVERBOT
Übersicht des US-Amts für
Rüstungskontrolle und Abrüstung

MENSCHENRECHTE

VEREINTE NATIONEN RICHTEN
AMT EINES HOCHKOMMISSARS FÜR
MENSCHENRECHTE EIN
Entscheidung nach jahrzehntelanger Kontroverse

PORTRAT

INMAN BRINGT UNTERNEHMERISCHE
FÄHIGKEITEN UND MILITÄRISCHEN
HINTERGRUND MIT
Porträt des designierten
neuen Verteidigungsministers

THEMENINDEX

DER AMERIKA DIENST
2. Halbjahr 1993
Mit dieser letzten Ausgabe des Jahres 1993
wünscht die Redaktion des Amerika Dienst allen
Beziehern ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest
und ein friedliches und erfolgreiches neues Jahr

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.: 0228 • 339 23 72
Fax: 0228 3341 02

�RUSSLAND
22. Dezember 1993

CLINTON: RUSSEN BEFÜRWORTEN NICHT
DIE EXTREMEN ANSICHTEN SCHIRINOWSKIS
Der Präsident bekräftigt Unterstützung für russischen Reformprozeß

WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton erklärte am
15. Dezember 1993, es gebe keine Beweise dafür, daß
das russische Volk die extremen außenpolitischen
Ansichten des ultranationalistischen Politikers Wladimir Schirinowski unterstützt.

der Kriminalität und der Inflation konzentrierte, nicht
jedoch auf seine Ansichten überdie Wiederherstellung
des russischen Imperiums, das sogar seit langem
nicht mehr zugehörige Gebiete wie Alaska und Finnland umschließen sollte.

Auf einer Pressekonferenz gab Clinton bekannt, er
plane keine Änderung der amerikanischen Politik zur
Unterstützung der Reformelemente in Rußland und
fügtehinzu: "ZurZeit ist es wichtig, nicht überzureagieren."

Der Präsident wies darauf hin, daß in Rußland noch
keine endgültigen Wahlergebnisse vorliegen und die
Zusammensetzung des Parlaments noch nicht feststeht. "Wir wissen noch nicht, wie das neue Parlament
aussehen wird", so Clinton. "Ob ich deswegen besorgt
bin? Ja, das bin ich. Ob ich der Ansicht bin, daß die
russische Politik einen gravierend neuen, gefährlichen
Kurs einschlagen wird? Meines Erachtens gibt es
hierfür keine Anzeichen."

Ein hochrangiger amerikanischer Regierungsvertreter
ließ mittlerweile wissen, Rußlands Präsident Boris
Jelzin habe Vizepräsident Gore versichert, Moskau
werde weiterhin die Souveränität seiner Nachbarn
respektieren und den Kurs der russischen Außenpolitik nicht verändern. Dem Regierungsvertreter zufolge
teilte Jelzin Gore auch mit, die Politik der russischen
Regierung werde weiterhin auf politische und wirtschaftliche Reformen ausgerichtet bleiben.
Clinton teilte auf Fragen mit, er sei "besorgt" über
einige der von Schirinowskij, dem Führer der "sogenannten" Liberaldemokratischen Partei, gemachten
Äußerungen. Schirinowskij und seine Anhänger haben anscheinend ein Viertel der Listenplätze in einem
Wahlgang der aus vier Abstimmungen bestehenden
Wahl vom 12. Dezember in Rußland gewonnen. "Kein
Amerikaner, kein Bürger dieser Welt", teilte Clinton
einem Fragesteller mit, "der solche Kommentare liest,
wäre nicht besorgt".
Präsident Clinton machte jedoch auch deutlich: "Es ist
wichtig zu erkennen, daß wir zur Zeit keine Beweise
dafür haben, daß diejenigen, die für diese Partei stimmten, all diese Kommentare befürworten oder auch nur
davon wußten." Damit spielte der Präsident offensichtlich auf die Tatsache an, daß Schirinowskij aus
dem Nichts durch einen langen Fernsehwahlkampf in
Erscheinung getreten ist, der sich auf die Bekämpfung

AMERIKA DIENST 51

Da er nicht wisse, ob sich die russische Politik ändern
werde, sehe er zur Zeit keine Notwendigkeit zur Änderung seiner eigenen Politikder Unterstützung für Jelzin
und seine Reformbewegung. "Andererseits", fügte
Clinton hinzu, "müssen wir diese Entwicklung beobachten und in unser Handeln einbeziehen. Wir alle
sind gefordert, unsere Anstrengungen zu verdoppeln,
um den russischen Reformprozeß auf eine Art und
Weise zu unterstützen, von der der Bürger versteht,
daß sie ihm zum Vorteil gereicht."
Clinton wiederholte, er sei der Ansicht, das russische
Volk habe ein "Protestvotum" abgegeben, um sich
über die wirtschaftliche und psychologische Notlage
der letzten Jahre zu beschweren. Viele russische
Bürger hätten sich "in wirtschaftlicher Hinsicht wahrhaft im freien Fall befunden" und ... auch unter den
psychologischen Belastungen gelitten, die entstehen,
wenn die Menschen für weniger Geld härter arbeiten
müssen, oder wenn sie ihren Arbeitsplatz verlieren
oder als Ergebnis "all der Veränderungen" keine Verbesserungen sehen.
Der Präsident stellte fest, die Wahlen in Rußland
hätten "zwei Zentren demokratischer Legitimität" her-

Seite 1

�vorgebracht - das vom Volk gewählte Parlament und
Jelzin. "Sie werden eng zusammenarbeiten", so Clinton, "manchmal auf kalkulierbare Weise, manchmal
nicht; das wissen wir aus unserer hier gemachten
Erfahrung... Wir werden abwarten um zu sehen, wer
Parlamentsabgeordneter wird, was diese Menschen
tun und was sie äußern."

soviel wie von ihnen prognostiziert. Dadurch könnte
Schirinowskijs Liberaldemokratische Partei ungefähr
ein Viertel der 225 Listenplätze des Unterhauses erhalten; ein Drittel der Stimmen ist jedoch noch nicht
ausgezählt. Dem Regierungsvertreterzufolgewurden
die meisten der noch nicht gezählten Stimmen in
"großen, städtischen Gebieten abgegeben, wo die
Reformer gute Ergebnisse erwarten."

Die endgültigen Ergebnisse der Wahlen vom 12.
Dezember stehen noch nicht fest, da das Wahlverfah- Im zweiten Teil der Abstimmung über die Zusammenren kompliziert ist und die Wahlzettel in Rußland per setzung des Unterhauses werden 225 Sitze mit AbgeHand und nicht maschinell ausgezählt werden.
ordneten der Direktwahlkreise besetzt. Schätzungen
des Regierungsvertreters zufolge hatte Schirinowskijs
Der zuvor erwähnte hochrangige Regierungsvertreter Partei Kandidaten in nur 70 der 225 Wahlbezirke
erklärte, Jelzin habe Gore in Moskau mitgeteilt, "daß aufgestellt. Er stellte fest: "In den meisten Wahlkreidie russische Regierung einen entschiedenen Reform- sen sind sie noch nicht einmal im Rennen."
kurs beibehalten wird und insbesondere, daß die wirtschaftlichen und politischen Reformen fortgesetzt werden Nach Erhalt der Berichte au s 165 Wahlkreisen erklärte
und er (Jelzin) einer Zusammenarbeit mit dem russi- der Regierungsvertreter: "Die größten Gewinner sind
schen Parlament freudig entgegensieht". Jelzin teilte bei den sogenannten Unabhängigen zu verzeichnen,
Gore mit, "die Hauptlinien der russischen Außenpolitik die keiner Partei angehören." Die Unabhängigen
und die Achtung der Souveränität und territorialen haben ihm zufolge anscheinend 100 Sitze gewonnen.
Integrität der Nachbarstaaten durch die russische Von den übrigen Mandaten ging ein Drittel an die
Regierung werde weiterhin die russische Politik cha- Reformparteien und ein Viertel an die Kommunisten
rakterisieren."
und Agrarier. Er fügte hinzu, die Kandidaten Schirinowskijs hätten dem Anschein nach bei den EinzelerDer hochrangige Regierungsvertreter äußerte, die gebnissen aus den Direktwahlkreisen 'last nichts"
Administration sei der Ansicht, daß der russische gewonnen.
Reformprozeß sich über Jahrzehnte entwickeln werde
und "es von Bedeutung ist, daß wir während der Obwohl es ihm zufolge sowohl einen Block von Befürunvermeidlichen Hochs und Tiefs des Dramas der wortern als auch von Kritikern der ReformbemühunEvolution der russischen Reform unsere langfristigen gen gebe, deute nichts darauf hin, "daß wir alle zusamInteressen im Auge behalten. Wir halten es nicht für menarbeiten oder in vielerlei Hinsicht übereinstimmen
klug, die Dinge zu überstürzen oder bei den ersten werden".
Anzeichen für Schwierigkeiten unsere Politik neu zu
überdenken. Aus diesem Grund wollen wir unsere Folglich äußerte der Regierungsvertreter, es sei "ziemderzeitige Linie (der Unterstützung des Reformprozes- lich wahrscheinlich", daß das neue Parlament aus den
größten Blöcken zusammengesetzt werde... erstens,
ses und der Reformer) weiterverfolgen."
den Reformern, zweitens, den selbsternannten UnabDer amerikanische Regierungsvertreter wies darauf hängigen, drittens wahrscheinlich den Kommunisten
hin, Schirinowskij sei, obwohl die Medien ausführlich und dann wohl Schirinowskijs Kandidaten. "Das wird
über ihn berichteten, in der parlamentarischen Hierar- meines Erachtens die reale Machtverteilung im Parlachie aufgrund des komplizierten russischen Wahlver- ment sein", fuhr er fort.
fahrens eher am unteren Ende anzusiedeln. In einem
Teil der Wahl hätten mehr als 52 Prozent der Wähler Der Regierungsvertreter nannte allein die Tatsache,
die russische Verfassung angenommen. In einem daß Wahlen abgehalten wurden, einen Beweis dafür,
weiteren Teil wurden die Mitglieder des Oberhauses wieviel das russische Volk seit dem Zusammenbruch
gewählt. Dem Regierungsvertreter zufolge ist "fast des Kommunismus vor nur zwei Jahren erreicht habe.
Die Annahme der Verfassung "bietet die Struktur, die
nichts" über dieses Wahlergebnis bekannt.
Regeln für die politische Debatte und wird die Rechte
Bei den beiden Abstimmungen über die aus 450 Sitzen und Pflichten ... der Exekutiven und der Legislativen
bestehende Staatsduma hatte Schirinowskij die größ- festlegen. Im weitesten Sinne repräsentiert die Abten Gewinne zu verzeichnen. Amerikanische Wahl- stimmung das Ende der sowjetischen Ära und den
beobachter waren überrascht darüber, daß er unge- Beginn etwas vollkommen Neuen."
fähr 25 Prozent der Listenplätze gewann, fast doppelt

* *

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AMERIKA DIENST 51

�GATT
22. Dezember 1993

URUGUAY-RUNDE WIRD AMERIKANISCHE
WIRTSCHAFT ANKURBELN
Übersicht über Einzelheiten des Abkommens
WASHINGTON - (AD) - Die zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union (EU) erzielten
Vereinbarungen über eine Reform des Handelssystems werden einer von der amerikanischen Mission in Genf
herausgegebenen Übersicht zufolge eine bedeutende Belebung für die amerikanische Wirtschaft darstellen, falls
sie von den anderen Teilnehmerstaaten der Uruguay-Runde multilateraler Handelsgespräche angenommen
werden.
Die Übersicht gibt einen kurzen Überblick über 12 Verhandlungsbereiche und skizziert einige der aus dem
Abschluß der Uruguay-Runde am 15. Dezember 1993 resultierenden Vorteile für amerikanische Unternehmen,
Landwirte und die Wirtschaft im allgemeinen.
Nachfolgend veröffentlichen wir den Text der Übersicht.

Marktzugang für Industrieprodukte
Die Europäische Union wird ihre Zölle auf
amerikanische Exporte in die EU im Wert von
mehr als 5 Milliarden Dollar abschaffen, was
vielen der wettbewerbsfähigsten Industrien
Amerikas zugute kommt.
In der Branche der forstwirtschaftlichen Produkte, die 1,8 Millionen Amerikaner beschäftigt,
haben sich die EU und die Vereinigten Staaten
auf eine Abschaffung der Zölle geeinigt, falls
Japan und andere Handelspartner dem Beispiel
folgen. Dies wird enorme neue Chancen in
einem Sektor beinhalten, in dem die amerikanischen Exporte nach Europa bereits die Marke
von 1 Milliarde Dollar übersteigen.
Ähnliche Vorteile können wir bei pharmazeutischen Produkten, Baugerät, Agrarmaschinen,
medizinischen Geräten, Spirituosen, Bier, Möbeln
und in der Spielzeugindustrie erwarten - Bereichen, in denen die Vereinigten Staaten und die
EU ebenfalls die Zölle abschaffen werden.
In der Elektronikindustrie - die für die zukünftige
Wettbewerbsfähigkeit Amerikas von entscheidender Bedeutung ist - hat die EU einer Senkung ihrer Zölle auf amerikanische Exportartikel
um zwei Drittel zugestimmt. Dieser IndustrieAMERIKA DIENST 51

zweig exportiert bereits Halbleiter, Computer
und Telekommunikationsprodukte im Wert von
mehr als 13 Milliarden Dollar in die EU und
beschäftigt ungefähr 700.000 Amerikaner.
Agrarhandel
Wir haben ein Agrarpaket ausgehandelt, das
den Zugang amerikanischer Agrarprodukte zu
den europäischen Märkten bewahrt und ausweitet. Insbesondere werden wir neue Märkte
für frisches Obst, Gemüse und Nüsse öffnen.
Das "Erweiterungsabkommen", das für bestimmte Mengen Mais und Sorghum den Zugang zum
spanischen und portugiesischen Markt garantiert, wird nun dauerhaft verlängert.
Die Vereinigten Staaten haben auch das Blair
House Abkommen über Exportsubventionen unangetastet bewahrt. Um den Übergang zu
diesem neuen System zu erleichtern, haben wir
uns darauf verständigt, die in diesem Abkommen vorgesehenen Exportsubventionskürzungen in Höhe von 21 Prozent gleichmäßig auf den
sechsjährigen Zeitraum für die Umsetzung des
Abkommens zu verteilen.
Während dieses Zeitraums zur Umsetzung des
Abkommens werden die Vereinigten Staaten
den Export landwirtschaftlicher Erzeugnisse
Seite 1

�stärker fördern können. Die Produzenten und
Verarbeiter von Weizen, Pflanzenöl, Molkereiprodukten und Eiern werden die Hauptnutznießer dieser Anpassung sein.
Audiovisueller Bereich
Die amerikanische Unterhaltungsindustrie beschäftigt 5 Millionen Amerikaner und gehört zu
unseren wettbewerbsfähigsten und erfolgreichsten Exportbereichen. Europa hat die Exporteure unserer Film-, Fernseh- und Tonaufnahmenbranche seit langem einer Vielzahl von
Beschränkungen unterworfen.
Die im audiovisuellen Bereich erzielte Lösung
gestattet den Vereinigten Staaten die Förderung der Interessen ihrer Künstler, Darsteller
und Produzenten und ermöglicht den freien
Informationsfluß auf der ganzen Wert.

wird andere Staaten zur Liberalisierung ihrer
Vorschriften ermutigen und beinhaltet Mittel,
um Trittbrettfahrer zur Einhaltung der Bestimmungen zu zwingen. Amerikanische Unternehmen sind in diesen Bereichen weltweit führend.
Unsere Finanzeinrichtungen in Übersee schaffen Einkommen und fördern die amerikanischen
Exporte und Investitionen im Ausland.
Seehandel
Die Vereinigten Staaten und die Europäische
Union stimmten darin überein, daß ein gewisses
Maß an Lberalisierung von seifen anderer Länder
erforderlich ist, damit wir selbst gute Verpflichtungen im Schiffahrtsbereich eingehen können.
Da dieses bestimmte Maß noch nicht erreicht
ist, stimmten die Vereinigten Staaten und die
EU darin überein, die Einrichtung einer Arbeitsgruppe zur Förderung weiterer Bestrebungen in
diesem Sektor einzurichten. Die Bestimmungen und Bedingungen für diese Arbeitsgruppe
werden auf multilateraler Ebene festgesetzt.

Wir haben uns geweigert, der EU die Legitimierung ihrer diskriminierenden Quoten unter dem
Deckmantel einer Verbesserung des Welthandelssystems zu gestatten.
Subventionen
Finanzdienstleistungen
Die Vereinigten Staaten haben ein Abkommen
über Finanzdienstleistungen angestrebt, innerhalb dessen die Staaten substantiellen Marktzugang und Sonderbehandlung einzelner Länder anbieten, was die Verpflichtung zu einer
bedingungslosen Meistbegünstigungsklausel
ermöglichen sowie jetzt und in Zukunft unbeschränkten Zugang zu unserem Markt erlauben
würde. Da uns bis zum 15. Dezember nur ein
Tag bleibt, ist es leider offensichtlich, daß viele
Länder nicht bereit oder in der Lage sein werden, gute Angebote vorzulegen. Unter diesen
Umständen konnten und wollten wir unsere
Märkte nicht für alle ganz öffnen. Wir mußten
eine Möglichkeit für den Umgang mit Trittbrettfahrern finden, was uns auch gelungen ist.

Beim heiklen Problem der Subventionen haben
wir einen Mittelweg gefunden, der unsere Freiheit zur Unterstützung der Forschung bewahrt,
die die Grundlage für die Wirtschaft von morgen
schaffen kann. Gleichzeitig haben wir uns auf
eine Struktur geeinigt, die die Regionalförderung der EU beschränkt und Regeln festlegt, die
eindeutig benachteiligende Subventionen verbieten.
Luftfahrt
Die gestärkten und verbesserten Disziplinen
des neuen, in der Uruguay-Runde ausgehandelten Subventionstextes werden auch auf die
Luftfahrtindustrie angewendet. Dies war das
Hauptziel der amerikanischen Luftfahrtindustrie
- einer unserer am stärksten exportorientierten
Industrien. Die Vereinigten Staaten und die
Europäische Union einigten sich auch auf eine
einjährige Fortsetzung der multilateralen Verhandlungen zur Verbesserung und Stärkung
der Disziplinen des GATT-Luftfahrtabkommens.

Die Europäische Union und wir haben uns geeinigt,
daß wir und andere bereit sind, im Bankwesen
und bei anderen Finanzdienstleistungen, einschließlich des Versicherungswesens, Ausnahmen von der Meistbegünstigungsklausel zuzulassen, und die Vereinigten Staaten werden das Textilien und Bekleidung
auch tun. Wir haben jedoch ein sechsmonatiDie Vereinigten Staaten und die EU haben
ges Moratorium nach Inkrafttreten des Abkombeschlossen,
eine Ergänzung zum Text über
mens beschlossen, nach dessen Ablauf die
Textilien
und
Bekleidung
anzustreben.
Staaten ihre Angebote und Ausnahmen von der
Meistbegünstigungsklausel abändern können.
Die Ergänzung würde das Auslaufen des MultiBis dahin werden wir eine Reihe von soliden
faserabkommens (MFA) direkt mit der Öffnung
Bestimmungen für Finanzdienstleistungen ausder Märkte für Textilien und Bekleidung verbinarbeiten.
den. Sie sieht vor, daß die Länder, die letztlich
keinen Zeitplan für die Öffnung ihrer Märkte für
Dieses Abkommen wird die Finanzmärkte öffTextilund Bekleidungsimporte vorlegen, nicht
nen. Es hat die Grundlage dafürgeschaffen. Es
Seite 2

AMERIKA DIENST 51

�die Vorteile erhöhter Quoten genießen. Obwohl
sich eine Anzahl textilexportierender Staaten
diesem Ansatz entschieden widersetzt, werden
die Vereinigten Staaten und die EU ihn weiterhin
als eine ihrer obersten Prioritäten verfolgen.

Tatsächlich wird uns die Runde dabei helfen,
das 301-Gesetz wirksam anzuwenden, denn
wenn wir einen Fall vor ein Schlichtungsgremium des GATT bringen und gewinnen, wissen
wir, daß aufgrund der gestärkten Regeln zur
Beilegung von Streitigkeiten der Bericht angenommen wird und wir Vergeltungsmaßnahmen
ergreifen können, falls das andere Land nicht
reagiert.

Wir haben bereits äußerst bedeutsame Angebote von vielen unserer Handelspartner zur
Öffnung ihrer Märkte für Textilien und Bekleidung sowie zur Festsetzung ihrer Zölle auf
angemessenem Niveau erhalten. Einige Län- Antidumping
der sind jedoch hierzu nicht bereit. Der von uns
Die amerikanischen Unterhändler haben die
verfolgte Ansatz sieht vor, daß diese wenigen
amerikanischen
Antidumping- und AusgleichsStaaten keine Quotenerhöhung erhalten, bis sie
zollgesetze
geschützt,
die Arbeitnehmer und
einen Zeitplan zur Öffnung ihrer Märkte und
Industrien
in
Amerika
vor
Importen zu unfairen
Festsetzung ihrer Zölle vorlegen.
Preisen bewahren. Die wichtigsten Ziele der
Vereinigten Staaten wurden erreicht, einschließBeilegung von Streitigkeiten
lich der Unterbindung einer Hinterlegung ameDie Verfahren der Uruguay-Runde zur Beilerikanischer Sachentscheidungen durch das
gung von Streitigkeiten bieten für die VereinigGATT, der Beibehaltung des Beschwerderechts
ten Staaten zahlreiche Vorteile:
von Arbeitnehmern und der Abschaffung eines
automatischen Auslaufens von AntidumpingEs wird eine Berufungsstelle eingerichtet, bei
zöllen.
der Einspruch gegen die Beschlüsse eines
Schlichtungsgremiums erhoben werden kann. Gesundheit, Sicherheit und Umwelt
Überkreuz-Vergeltung zwischen Sektoren ist
möglich, wenn ein Land seinen handelspolitischen Verpflichtungen nicht nachkommt.
Die Beilegung von Streitigkeiten erfolgt im Vergleich zu dem langwierigen und oft ergebnislosen Gremiumsverfahren des vorigen Systems
rechtzeitig, automatisch und bindend.
Die amerikanischen Unterhändler stellen sicher,
daß die amerikanischen Handelsbräuche nicht
geschwächt werden.
Die Uruguay-Runde wird nicht die Art und Weise
des Einsatzes unseres 301-Gesetzes ändern.
Innerhalb der Runde erfordert das 301-Gesetz
bereits, daß im Zusammenhang mit einer Verletzung des GATT stehende Beschwerden ein
offizielles Schlichtungsverfahren des GATT
durchlaufen. Daher ist die Übereinkunft der
Uruguay-Runde zur Beilegung von Streitigkeiten, die die Anwendung von GATT-Schlichtungsverfahren im Fall von Wiedergutmachung
wegen einer Verletzung des Abkommens verlangt, nichts Neues.

*

AMERIKA DIENST 51

Wir haben unser Recht auf die Einführung und
Beibehaltung strenger Anforderungen an Gesundheit, Sicherheit und Umwelt in den Vereinigten Staaten geschützt. Unsere Standards,
die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen und nicht als Handelshemmnisse eingesetzt werden, sind vor ausländischer Intervention sicher.
Beschaffung
Die großen Märkte für staatliche Beschaffungsmaßnahmen werden für Waren, Dienstleistungen und Bauverträge der Vereinigten Staaten
geöffnet. Die Beschaffungsmärkte der EU und
Japans könnten jährlich einen Wert von 300
Milliarden Dollar erreichen. Es wird erwartet,
daß weitere Länder das Abkommen unterzeichnen - darunter Korea, Taiwan, Australien und
China - und dadurch neue Möglichkeiten geschaffen werden.

*

Seite 3

�ATOMTESTVERBOT
22. Dezember 1993

VERHANDLUNGEN ÜBER UMFASSENDES
ATOMTESTVERBOT
Übersicht des US-Amts für Rüstungskontrolle und Abrüstung
Nachfolgend veröffentlichen wir die vom US-Amt für Rüstungskontrolle und Abrüstung (U.S. Arms Control and
Disarmament Agency - ACDA) vor kurzem herausgegebene Übersicht zu der Aushandlung eines Vertrags über
ein umfassendes Atomtestverbot (Comprehensive Test Ban Treaty - CTBT).

Bericht des Ersten Ausschusses der UN-Generalversammlung
Erstmals hat der Erste Ausschuß der UN-Generalversammlung übereinstimmend eine Resolution zu einem
weltweiten Vertrag über ein Verbot aller Atomtests
angenommen. Die Vereinigten Staaten waren der
wichtigste Befürworter dieser Resolution. Die aktive
Unterstützung der Resolution durch alle fünf Atommächte ermöglichte ihre Annahme in Übereinstimmung.
In der Resolution wird die Genfer Abrüstungskonferenz zum Beginn von Verhandlungen über einen universellen, international verifizierbaren Vertrag über ein
umfassendes Atomtestverbot im Januar 1994 aufgefordert. Die Resolution bekräftigt ebenfalls erneut die
Bedeutung "äußerster Zurückhaltung" im Hinblick auf
Atomtests und unterstreicht den wichtigen Einfluß
einer solchen Zurückhaltung auf einen Erfolg der CTBTVerhandlungen.
Die Clinton-Administration unterstützt entschieden den
baldmöglichen Abschluß eines Vertrags über ein
umfassendes Atomtestverbot.
Präsident Clinton legte die Administration erstmals auf
dem Gipfel von Vancouver mit Präsident Jelzin im April
auf Verhandlungen über ein multilaterales Atomtestverbot fest. Um den Vereinigten Staaten zu einer
möglichst starken Position bei den CTBT-Verhandlungen zu verhelfen, kündigte der Präsident am 3. Juli
1993 in einer Ansprache an die Nation eine Verlängerung des Moratoriums für amerikanische Atomtests
mindestens bis Ende September des kommenden
Jahres an und rief die anderen Atommächte dazu auf,

AMERIKA DIENST 51

diesem Schritt zu folgen. In seiner im September vor
der Generalversammlung der Vereinten Nationen
gehaltenen Rede erneuerte der Präsident seine Forderung nach einem globalen Moratorium für Atomversuche.
Die Aktion des Ersten Ausschusses stellt einen weiteren Meilenstein dar. Sie stellt die Weichen für die
Annahme der Resolution durch die UN-Generalversammlung zu einem späteren Zeitpunkt und verleiht
den andauernden Konsultationen zwischen den an der
Genfer Abrüstungskonferenz teilnehmenden Staaten
zur Vorbereitung der für Januar angesetzten Verhandlungen zusätzlichen Schwung. Die Annahme der
Resolution durch die Generalversammlung würde die
Entschlossenheit der internationalen Staatengemeinschaft zur Beendigung aller Atomversuche noch unterstreichen.
Verhandlungsperspektiven
Um einen schnellen Beginn der Verhandlungen im
Januar zu gewährleisten, hat die Clinton-Administration intensive Beratungen mit ihren Verbündeten und
anderen Nationen über die Vorbereitungen für die
CTBT-Verhandlungen abgehalten. Die vom Ersten
Ausschuß in Übereinstimmung angenommene Resolution verleiht diesen Konsultationen zusätzlichen
Nachdruck. Der derzeitige Vorsitzende des Ad-hocKomitees für ein Atomtestverbot führte während der
Sitzungspause der Abrüstungskonferenz ebenfalls
informelle Konsultationen über Fragen bezüglich der
Struktur und Organisation der multilateralen Verhandlungen. Diese Beratungen werden jetzt intensiviert,
um den Weg für einen reibungslosen Verhandlungsbeginn Anfang 1994 zu ebnen.

Seite 1

�Die Vereinigten Staaten sind der Ansicht, daß innerhalb kurzer Zeit eine Einigung über die wichtigsten
Elemente eines multilateralen Vertrags erzielt werden
kann. Von Bedeutung für die Aushandlung der CTBTVerifizierungsbestimmungen - einem entscheidenden
Element des Vertrags - wird die Arbeit der 1976
eingerichteten Ad-hoc-Gruppe von Wissenschaftlern
(Ad Hoc Group of Scientific Experts - GSE) sein, die
internationale kooperative Maßnahmen zur Entdekkung und Identifizierung unterirdischer Atomversuche
prüft. Seitdem hat die GSE beträchtliche Arbeit zur
Entwicklung eines globalen Systems für den internationalen Austausch seismologischer Daten für CTBTÜberwachungsprozesse geleistet.

Schritt zu folgen. Das globale Moratorium für Atomtests wurde befolgt, bis China am 5. Oktober einen
unterirdischen Atomtest durchführte, obwohl eine
Vielzahl von Nationen, einschließlich der Vereinigten
Staaten, es eindringlich dazu aufgerufen hatte, dies zu
unterlassen.

Die Vereinigten Staaten verliehen ihrem tiefen Bedauern über diesen Test Ausdruck und forderten China
eindringlich dazu auf, von weiteren Atomtests Abstand
zu nehmen und gemeinsam mit den anderen Atommächten das globale Moratorium einzuhalten. Der
Präsident wies weiterhin das Energieministerium an,
Maßnahmen zu ergreifen, die es den Vereinigten
Staaten ermöglichen würden, im kommenden Jahr
Ein CTBT kann nur erfolgreich sein, wenn die fünf Atomtests durchzuführen, falls die im Hatfield-ExonAtommächte ihm beitreten und ihn fördern. Diese Mitchell-Zusatzartikel festgelegten Voraussetzungen
Staaten tragen eine besondere Verantwortung dabei, im Hinblick auf Notifizierung und Überprüfung gegeeinen Beitrag zu den Genfer Verhandlungen zu leisten ben sind.
und Atomtests zu unterlassen.
Die endgültige Entscheidung des Präsidenten über die
Amerikanische Atomtestpolitik
Wiederaufnahme von Atomtests wird sich auf grundlegende nationale Sicherheitsinteressen der VereinigPräsident Clinton kündigte am 3. Juli 1993 eine neue ten Staaten gründen, die folgende Fakten berücksichamerikanische Atomtestpolitik sowie einen Vertrag tigen:
über das Verbot von Atomtests an. Nach gründlicher
Prüfung entschied die Administration, daß die im
Den Beitrag, den weitere Tests zur Verbesseamerikanischen Arsenal befindlichen Atomwaffen sirung der Sicherheit und Zuverlässigkeit des
cher und zuverlässig sind. Zusätzliche Atomtests
amerikanischen Arsenals bei der Vorbereitung
hätten den Vereinigten Staaten helfen können, sich auf
eines Vertrags über ein umfassendes Atomtestein Atomtestverbot vorzubereiten und einige zusätzliverbot leisten würden.
che Verbesserungen in den Bereichen Sicherheit und
Die Reaktion Chinas und anderer Staaten auf
Zuverlässigkeit vorzunehmen. Der Präsident entden
Appell der Vereinigten Staaten zu einem
schied jedoch, daß diese Vorteile aufgewogen werden
globalen
Moratorium für Atomtests.
durch die Gefahr, daß solche Atomversuche die Nichtverbreitungsziele der Vereinigten Staaten unterminieFortschritte bei den CTBT-Verhandlungen.
ren.
Die Auswirkungen weiterer amerikanischer
Am 3. Juli gab der Präsident seine Entscheidung
Atomtests auf die umfassenderen Nichtverbreibekannt, das Moratorium für amerikanische Atomtests
tungsziele der Vereinigten Staaten.
bis mindestens Ende September 1994 zu verlängern,
sofern keine andere Nation Atomtests durchführt. Auch Die Administration führt mit dem Kongreß und ihren
rief er die anderen Atommächte dazu auf, diesem Verbündeten Konsultationen zu diesen Fragen.

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Seite 2

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AMERIKA DIENST 51

�MENSCHENRECHTE
22. Dezember 1993

VEREINTE NATIONEN RICHTEN AMT EINES
HOCHKOMMISSARS FÜR MENSCHENRECHTE EIN
Entscheidung nach jahrzehntelanger Kontroverse

VEREINTE NATIONEN - (AD) - Nach mehr als 30
Jahre andauernden Diskussionen über die politisch
brisante Frage der Schaffung des Amts eines Hochkommissars für Menschenrechte schuf die UN-Generalversammlung am 20. Dezember 1993 diesen Posten für die Förderung und den Schutz der Menschenrechte auf der ganzen Welt.
Die Übereinkunft wurde nach wochenlangen schwierigen diplomatischen Verhandlungen im Dritten Ausschuß der Generalversammlung erzielt. Die Kompromißlösung des Ausschusses verleiht dem Hochkommissar breiten Spielraum und hohes Ansehen, spezifiziert jedoch nicht die von den Ländern der Dritten Welt
geforderten, ihm zur Verfügung stehenden Möglichkeiten wie Informationsbesuche oder die Verhängung
von Sanktionen.
Die amerikanische Botschafterin bei den Vereinten
Nationen, Madeleine Albright, bezeichnete das Abkommen am 15. Dezember 1993 als "einen wichtigen
Meilenstein für die Menschenrechte auf der Welt" und
"eine weitreichende Errungenschaft für die internationalen Beziehungen".
"Wir halten diesen Schritt für einen globalen Triumph
der Menschenwürde, der Rechte des einzelnen und
der Grundfreiheiten", erklärte Albright.
In diplomatischen Kreisen wird die Übereinkunft als
größter Erfolg der UN-Generalversammlung seit vielen Jahren gewertet, insbesondere da die Ansicht
weitverbreitet war, daß selbst nach dem Erfolg und der
Dynamik der Weltkonferenz über Menschenrechte im
Juni dieses Jahres in Wien ein Kompromiß nicht zu
erreichen wäre.
Der ecuadorianische Botschafter Jose Ayalo Lasso,
der Vorsitzende des Sonderausschusses, der die
schwierige Kompromißlösung ausarbeitete, bezeichnete das Abkommen als "einen großen Erfolg, da jeder
mit dem Text zufrieden ist. Dies ist ein Text, der die
AMERIKA DIENST 51

gemeinsamen Ideale der Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen im Menschenrechtsbereich in sich vereinigt."
Weiter erklärte Ayalo Lasso: "Dies ist ein Text, der
dem Hochkommissar genügend Handlungsspielraum
für effektives Vorgehen gibt. Es ist auch ein Text, der
dem Hochkommissar klar die Grenzen seines Handlungsspielraums aufzeigt, damit jeder möglicherweise
im Rahmen seiner heiklen Aufgabe der Förderung und
des Schutzes der Menschenrechte entstehende Zweifel
an seiner Arbeit ausgeräumt wird."
Dem Resolutionsentwurf zufolge, der am 20. Dezember von der Generalversammlung angenommen wurde, wird der Hochkommissar Sorge tragen, daß alle
bürgerlichen, kulturellen, wirtschaftlichen, politischen
und sozialen Rechte gefördert und geschützt werden.
Der Hochkommissar wird den Rang eines Stellvertretenden Generalsekretärs innehaben und Generalsekretär Boutros-Ghali, der Menschenrechtskommission
und dem Wirtschafts- und Sozialrat verantwortlich
sein.
Der Hochkommissar wird auch im Rahmen des Menschenrechtszentrums Staaten und regionalen Organisationen Beratungsdienste sowie technische und finanzielle Hilfe anbieten und die entsprechenden Bildungs- und Informationsprogramme der Vereinten
Nationen sowie die Menschenrechtsaktivitäten im
gesamten VN-System koordinieren.
Der Hochkommissar soll einen "Dialog mit allen Regierungen über die Umsetzung seines Mandats im Hinblick auf die Achtung aller Menschenrechte führen".
Die Resolution sieht auch vor, daß er 'Von der Erkenntnis geleitet werden" soll, "daß alle Menschenrechte,
bürgerlichen, kulturellen, wirtschaftlichen, politischen
und sozialen Rechte universell, unteilbar, voneinander
abhängig und zusammenhängend sind... und daß die
Förderung einer ausgewogenen und dauerhaften
Entwicklung für alle Menschen sowie die GewährleiSeite 1

�stung des Rechts auf Entwicklung von großer Bedeutung sind".
Ein an den Verhandlungen beteiligter amerikanischer
Regierungsvertreter erklärte in einem Interview: "Wir
sind der Ansicht, ... daß das Mandat keine Verbote
enthält."
Erwies darauf hin, daß der Hochkommissar der Resolution zufolge "einen Dialog mit den Regierungen
beginnen kann. Unseres Erachtens gibt das dem Amt
des Hochkommissars großen Spielraum, öffentlich
Erklärungen abzugeben ... oder in privaten Gesprächen zu sondieren, ob (die Regierungen) Informationsbesuchen zustimmen. Der Hochkommissar kann ein
Team entsenden, ungeachtet dessen, ob es sich hierbei um einen Informationsbesuch oder um etwas anderes
handelt."
Der Regierungsvertreter stellte auch fest: "Ein Land
kann immer nein sagen, aber das war (im Umgang mit
den Vereinten Nationen oder der Menschenrechtskommission) stets der Fall."
Eine Konzession an die Entwicklungsländer war ihm
zufolge die Erwähnung des Rechts auf Entwicklung ein Mittel für sie, auf den Hochkommissar Druck auszuüben, sich mit Entwicklungsfragen zu befassen.

Die Diplomaten wenden ihre Aufmerksamkeit jetzt den
möglichen Kandidaten für das Amt des ersten Hochkommissars für Menschenrechte zu. Sie erwarten,
daß mehrere Staaten Generalsekretär Boutros-Ghali
eine Nominierung ihres Kandidaten zur Prüfung vorlegen. Für einen der Spitzenreiter hält man Ibrahimi Fall
aus Senegal, den derzeitigen Direktor des Menschenrechtszentrums.
Man stimmt darin überein, daßder erste Hochkommissar einen Präzedenzfall von großer Bedeutung schaffen wird.
"Es werden Handlungsmöglichkeiten in dem Maße
entstehen, wie der Hochkommissar sich als vertrauenswürdige Persönlichkeit herausstellt, die mit komplexen, heiklen und Feingefühl verlangenden Situationen umgehen kann", so Ayalo Lasso.
"Ich persönlich bin der festen Überzeugung, daß die
Effektivität des Hochkommissars von dem in ihn gesetzten Vertrauen abhängt. Gewinnt er das Vertrauen
aller, wird er in der Lage sein, mit den Regierungen in
Kontakt zu bleiben, um Menschenrechtsverletzungen
zu verhindern oder wiedergutzumachen", stellte Ayala
Lasso fest.

Dem Vertreter der Vereinigten Staaten beim UN-Wirtschafts- und Sozialrat, Botschafter Victor Marrero,
Die Vereinigten Staaten "haben das Recht auf Ent- zufolge ist die Einrichtung des Amts eines Hochkomwicklung als unveräußerliches Menschenrecht akzep- missars für Menschenrechte ein großer, historischer
tiert, aber es bleibt immer noch die Frage der Umset- Schritt, mit dem "die Nationen der Welt die Bedeutung
zung dieses Rechts", so der amerikanische Regie- und Unentbehrlichkeit der Achtung der Menschenrungsvertreter. Er betonte jedoch die Bedeutung der rechte bekräftigt haben. Sie haben sich verpflichtet,
den Entwicklungsländern gewährten technischen Hilfe den Menschen an die erste Stelle zu setzen und die
und Beratung.
Würde und Entwicklung des einzelnen über alles andere
zu stellen. Sie haben den Menschenrechten wieder
"Wir schufen ein Amt mit hohem Ansehen", ließ er
die herausragende Bedeutung verliehen, die die Verwissen. "Unserer Ansicht nach kann ein Hochkommisfasser der Charta dieser großartigen Organisation
sar Ressourcen binden und Regierungen zur Zustimbeabsichtigten."
mung zu dieser Art von Programmen bewegen... Der
Hochkommissar wird in der Lage sein, auf die Regie- Marrero warnte: "Ein Hochkommissar wird viele Akrungen Druck zur Annahme dieser Programme und auf tionsmöglichkeiten haben. Wir sollten uns jedoch
die Regierungen der Geberländer zur Gewährung von keinen Illusionen hingeben. Die Macht, Grundrechte
Geldern für diese Programme auszuüben."
zu gewähren oder zu verweigern, wird weiterhin bei
den nationalen Regierungen liegen."
Eine der wichtigsten Bestimmungen des Abkommens
ist dem Regierungsvertreter zufolge, daß der Hoch- "Es wird unsere Aufgabe bleiben, die Regierungen
kommissar für Menschenrechte vom UN-Generalse- davon zu überzeugen, daß die Staaten nicht gekretär für einen Zeitraum von vier Jahren mit der schwächt, sondern gestärkt werden, wenn ihre Bürger
Möglichkeit der Verlängerung um eine weitere vierjäh- frei von Unterdrückung und Angst leben können. Ein
rige Amtszeit ernannt wird. Eine solche Bestimmung mit großen Befugnissen ausgestatteter Hochkommisgibt dem Hochkommissar mehr Unabhängigkeit als sar kann bei diesen Bestrebungen ein wichtiger Vereinem typischen Stellvertretenden Generalsekretär.
bündeter sein", so Botschafter Marrero.

* *

Seite 2

'

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AMERIKA DIENST 51

*

�PORTRAT
22. Dezember 1993

INMAN BRINGT UNTERNEHMERISCHE FÄHIGKEITEN
UND MILITÄRISCHEN HINTERGRUND MIT
Porträt des designierten neuen Verteidigungsministers

WASHINGTON - (AD) - Als Präsident Clinton am 16.
Dezember 1993 Bobby Ray Inman für den Posten
seines nächsten Verteidigungsministers nominierte,
entschied er sich für einen Kenner des Militärs, der
auch in Wirtschaft und Management erfahren ist und
im Kongreß hohes Ansehen genießt.
Der Viersterneadmiral Inman, der im Falle seiner
Bestätigung durch den Senat der 19. Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten wird, ging nach einer
dreißigjährigen Karriere in den Ruhestand. Er diente
sowohl im Korea- als auch im Vietnamkrieg und wird im
Falle seiner Bestätigung der erste Berufssoldat an der
Spitze des Pentagon seit General George C. Marshall
im Jahr 1950 sein.
Präsident Clinton, der bei einer kurzen Feierstunde im
Rosengarten des Weißen Hauses die Nominierung
Inmans bekanntgab, erklärte, die von Inman im Dienst
der Nation gemachten Erfahrungen seien "wahrhaft
beeindruckend".
Erstellte fest, daß Inman während seiner dreißigjährigen Laufbahn in der Marine hochrangige Ämter unter
den Präsidenten Ford, Carter, Reagan und Bush
bekleidet hatte und machte geltend: "Ich weiß, daß er
als Verteidigungsminister ein Gewinn für unsere Nation sein wird."
"Erbringt fürdieses Amt die Eigenschaften mit, die alle
Amerikaner respektieren", fügte der Präsident hinzu.
"Der Sohn eines Tankstellenbesitzers aus einer kleinen Stadt in Texas gelangte durch Intelligenz, Begabung und harte Arbeit zu hohen Ehren und Erfolg."
Inman wurde innerhalb von 24 Stunden nach der
Rücktrittsankündigung von Verteidigungsminister Aspin
nominiert. Seit Inman die Marine verlassen hatte, war
er dem Weißen Haus zufolge an einer Vielzahl von
geschäftlichen Unternehmungen beteiligt und Mitglied
mehrerer Aufsichtsräte.

AMERIKA DIENST 51

Während seiner beruflichen Laufbahn diente Inman
unter Administrationen der Demokraten und der Republikaner. Als Computergenie und nachrichtendienstlicher Experte wurde er 1977 unter der Carter-Administration Leiter der Nationalen Sicherheitsbehörde
(National Security Agency - NSA) und 1981 Stellvertretender CIA-Direktor. Beim CIA demonstrierte Inman Senator David Boren zufolge als erster, "daß das
Verfahren der Kontrolle durch den Kongreß funktionieren kann".
Als der ehemalige Verteidigungsminister Cheney sein
Amt verließ, empfahl er Inman für den Posten und
stellte fest: "Er kennt das Verteidigungsministerium
außerordentlich gut und ... hat gute Beziehungen zu
vielen seiner zukünftigen hochrangigen Mitarbeiter im
Militär."
Inman genießt im Kongreß hohes Ansehen. Lee
Hamilton, der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Repräsentantenhauses, nannte die Nominierung Inmans "eine ausgezeichnete Entscheidung" und
prognostizierte ihm eine gute Aufnahme im Kongreß.
Sowohl Senator John McCain, ein Kritiker der ClintonAdministration, als auch William Cohen vom Streitkräfteausschuß des Senats bezeichneten ihn als "herausragend".
In seiner Eigenschaft als Stellvertretender Direktordes
Nachrichtendienstes hatte sich Inman öffentlich gegen
schnelle Kürzungen der Gelder für den Nachrichtendienst ausgesprochen. Er argumentierte, solche Entscheidungen sollten zurückgestellt werden, bis die
Politik des Nachrichtendienstes für die Zeit nach dem
Kalten Krieg festgelegt sei.
Der in Rhonesboro (Texas) geborene Inman erlangte
1950 an der University of Texas seinen Abschluß als
Bachelor. Er trat 1952 als Leutnant zur See seinen
Dienst in der Marine an und machte zwei Jahrzehnte

Seite 1

�später seinen Abschluß am National War College. In
den darauffolgenden 19 Jahren diente er in seiner
Eigenschaft als Analytiker für den Nachrichtendienst
der Marine an Bord eines Flugzeugträgers, zweier
Kreuzer, eines Zerstörers sowie bei einer Vielzahl von
Aufgaben an Land. Auch war Inman in der amerikanischen Pazifikflotte als Stellvertretender Stabschef sowie
als Marineattache in Stockholm tätig.
Im Falle seiner Bestätigung wird Inman den Posten
des Verteidigungsministers in einer sehr schwierigen
Zeit innehaben, und er räumte ein, daß es "keine
leichte Aufgabe" sein werde.
"Ich bezeichne mich selbst als Unternehmer mit hoffentlich strategischer Ausrichtung", erklärte er und
fügte hinzu, in den vergangenen 10 Jahren habe er
"eine Menge über das Funktionieren eines Unternehmens gelernt" und hoffe, "einen Großteil meiner Zeit
mit der Einführung der besten Geschäftspraktiken im
Verteidigungsministerium verbringen zu können".
Das Pentagon sah sich im vergangenen Jahr mit einer
Vielzahl von Herausforderungen konfrontiert: Einer
neuen Politik im Zusammenhang mit Homosexuellen
im Militär, dem Tailhook-Skandal und der sich wandelnden Rolle von Frauen in militärischen Kampfsituationen, dem Druck aufgrund der in Somalia erlittenen

militärischen Verluste, dem Krankenhausaufenthalt
Aspins wegen seiner Herzprobleme sowie einem
gekürzten Verteidigungshaushalt.
Inman hat sich auch mit dem fortgesetzten Abzug
amerikanischer Streitkräfte sowie einem schrumpfenden Vorrat an militärischer Ausrüstung zu befassen,
die zu der derzeitigen schlechten Stimmung im Verteidigungsministerium beitrugen. Er muß der Überprüfung der amerikanischen Nuklearwaffenstrategie vorstehen, den Rückzug der amerikanischen Truppen
aus Somalia bis zum 31. März kommenden Jahres
überwachen, dem Ministerium bei seinen Schwierigkeiten angesichts neuer Rollen und Missionen bei der
Friedenssicherung vorstehen, das Atomwaffenprogramm Nordkoreas im Auge behalten sowie BosnienHerzegowina und andere Krisengebiete auf der Welt
wachsam beobachten.
Gleichzeitig muß Inman Mittel und Wege finden, den
Verteidigungshaushalt um weitere 50 Milliarden Dollar
zu kürzen, wogegen Aspin sich sträubte.
Von dem geschickten Manager, der von Kollegen als
entschlossen bezeichnet wird, erwartet man, daß er
sich sofort nach dem Rücktritt Aspins am 20. Januar
1994 mit den Einzelheiten der Leitung des Pentagon
vertraut macht.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 51

�THEMENINDEX
22. Dezember 1993

DER AMERIKA DIENST
2. Halbjahr 1993
Nachstehend eine Liste der Themen, die im Amerika Dienst (2. Halbjahr 1993) erschienen sind. Angegeben
ist jeweils die Nummer der Ausgabe, in der das betreffende Thema behandelt wird.

THEMA

NUMMER DER AUSGABEN

4. Juli

27

Deutsch-Amerikanischer Tag

41

Diplomatie

42

Drogen

27, 28, 44

AID

29

APEC

47,48

Abrüstung

39,43

Einwanderung

31,36

Atomtestverbot

40,51

Europa

38

Atomversuche

28

Außenpolitik

30,35,38,39,40,41,
45,
Sonderdienst (4.0kt)

Flüchtlinge

39

Frauen

41

42

Friedenssicherung

34

Führungsrolle der USA

39

Austauschprogramme

Balkan

30

Bevölkerung

46

G-7

27, 28, 30

Bildung

37,38

G-7/Korea

28

Blues

34

GATT

45, 48, 50, 51

Bosnien

31,32,33, 36, 45

GUS-Hilfe

29

Botschafter

27

Gesellschaft

45

Bürgerrechte

34

Gesundheitsreform

34,39

Gleichberechtigung

34

Country-Music

AMERIKA DIENST 51

35

Seite 1

�Haiti

42

Porträt

30, 33, 42, 43, 51

Handel

29,31,44

Pressefreiheit

33

Haushalt

30

Proliferation

29

Innenpolitik

37

Raumfahrt

34

Rußland

38,40,41, 50,51

Serbien-Montenegro

31

John F. Kennedy

46

KSZE

49

Somalia

35,40,41, 42

Kongreß

37

Sudan

34

Kriegsverbrechen

30,36
Terrorismus

32,46

Landminen

32,46

Literatur

42

US-Militär

48

Luftfahrt

45

US-Regierung

48

USA-Asien

47

Martin Luther King

32

USA-Deutschland

37,49

Medien

46

USA-Europa

48

Menschenrechte

48, 50, 51

USA-Korea

28

Musik

36

USA-Rußland

36,37

USIA

40,44

Umwelt

43

Verbrechensbekämpfung

47,50

Verteidigung

36,37

Weiterverbreitung

35

Wettbewerb

44

Wirtschaft

27,30,31,32,33,35

.
NAFTA

33, 34,38,46,47, 50

NATO

28, 33, 43, 49

Naher Osten

29,31,32,35,37,38,
39,40

Nichtverbreitung

30,50

Osteuropa

31

Pazifik

36

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 51

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                <text>Amerikadienst 22.12.1993</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Russland&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Clinton: Russen befürworten nicht die extremen Ansichten Schirinowskijs&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Der Präsident bekräftigt Unterstützung für russische Reformprozeß&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Gatt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Uruguay-Runde wird amerikanische Wirtschaft ankurbeln&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Übersicht über Einzelheiten des Abkommens&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Atomtestverbot&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Verhandlungen über umfassendes Atomtestverbot &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Übersicht des US-Amts für Rüstungskontrolle und Abrüstung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Menschenrechte&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Vereinte Nationen richten Amt eines Hochkommissars für Menschenrechte ein&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Entscheidung nach jahrzehntelanger Kontroverse&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Porträt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Inman bringt unternehmerische Fähigkeiten und militärischen Hintergrund mit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt des designierten neuen Verteidigungsministers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Themenindex&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Amerika Dienst&lt;br /&gt;&lt;em&gt;2. Halbjahr 1993&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>&lt;o

^roM ^

amcrika
dienet

Herausgeber. U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462C
5. Januar 1994

CLINTON-BILANZ

CLINTON HAT 1993 BEEINDRUCKENDE
GESETZE ERLASSEN
Bilanz der Tagesordnung und
Zielsetzungen des Präsidenten

VEREINTE NATIONEN

USA ERFREUT ÜBER VON DEN
VEREINTEN NATIONEN ERZIELTE
FORTSCHRITTE
Rückblick auf 1993

PARTNERSCHAFT FÜR FRIEDEN AMERIKANISCHE POLITIK
KONZENTRIERT SICH GLEICHZEITIG
AUF EUROPA UND DEN PAZIFISCHEN RAUM
Interview mit John Shalikashvili

PORTRAT

RUSSLAND-EXPERTE UND ENGER FREUND
DES PRÄSIDENTEN SOLL NEUER
STELLVERTRETENDER AUSSENMINISTER
WERDEN
Porträt von Strobe Talbott

US-MI LITAR

HILFESTELLUNG IN DER ÜBERGANGSZEIT
von Don Ward

LITERATUR

DER "TYPISCHE AMERIKANER"
Interview mit der Autorin Gish Jen

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-33 41 02

�CLINTON-BILANZ
5. Januar 1994

CLINTON HAT 1993 BEEINDRUCKENDE
GESETZE ERLASSEN
Bilanz der Tagesordnung und Zielsetzungen des Präsidenten

WASHINGTON - (AD) - Während seines ersten Jahres im Weißen Haus hat Präsident Clinton eine Reihe
bahnbrechender Gesetze erlassen, obwohl weder die
Medien noch die Öffentlichkeit die ihm seiner Ansicht
nach gebührende Anerkennung gezollt haben.
Clinton kann 1993 auf eine Leistungsbilanz seiner
Präsidentschaft zurückblicken, die in den letzten Jahrzehnten ihresgleichen sucht. Seine Initiativen führten
zu weiteren Fortschritten bei der Einkommensteuer,
niedrigen Zinssätzen, Kürzungen beim Zuwachs der
Bundesausgaben und zur Schaffung von mehr Arbeitsplätzen im Privatsektor innerhalb von zehn Monaten als während der vergangenen vier Jahre zusammengenommen.
Clinton artikulierte seine Vision eines neuen Wohlstands, der durch die mit zunehmendem Welthandel
einhergehende Schaffung von Arbeitsplätzen genährt
wird. Mit Appellen seinerseits, Präsidalerlassen oder
indem er dem Kongreß die Zustimmung zu den Gesetzesvorlagen abrang, scheint Clinton den Grundstein für ein neues Zeitalter amerikanischer Wettbewerbsfähigkeit gelegt zu haben.
Auf dem Weg dorthin hat Clinton - der es angeblich
allen recht machen will - dennoch viele der Lobbyisten
irritiert, die ihm beim Wahlkampf geholfen hatten, und
die Gewerkschaften mit seinem vehementen Drängen
auf das Nordamerikanische Freihandelsabkommen
(North American Free Trade Agreement - NAFTA)
ebenso verärgert wie sogenannte gemäßigte Demokraten mit seinem Vorschlag für die Gesundheitsreform sowie die Bürgerrechtler, indem er von einem
umstrittenen Kandidaten für die Schlüsselposition im
Justizministerium für Bürgerrechtsfragen Abstand nahm.
Der Präsident stellte jedoch auch Frauengruppen durch
die Liberalisierung der Vorschriften für Schwangerschaftsabbruch, die bürgerlich Gesinnten durch die

AMERIKA DIENST 1

Aufhebung einiger Beschränkungen für die Wählerregistrierung und Umweltschützer durch die Unterzeichnung des Gesetzes zur Erhaltung der Natur zufrieden.
Mit objektiven Maßstäben und zweifelsohne anhand
derer der letzten zwei Jahrzehnte hat der Präsident
umfassende Veränderungen bewirkt.
Er hat die Aktenschränke mit allen festgefahrenen
liberalen Gesetzen buchstäblich leergefegt - mit Ausnahme eines Gesetzes, das den Unternehmern den
Ersatz von Arbeitskräften während eines Streiks verbietet - und versprochen, auf die Verabschiedung
dieses Gesetzes im kommenden Jahr hinzuarbeiten.
Der Präsident unterzeichnete Präsidialerlasse, mit denen
das Verbot von medizinischer Beratung bei Schwangerschaftsabbruch aufgehoben wurde sowie für die
Wiedereinführung der Verwendung von fetalem Gewebe in der Forschung zu Heilverfahren für die Parkinsonsche oder Alzheimersche Krankheit. Er verlieh von
vorherigen Präsidenten abgelehnten Maßnahmen durch
seine Unterschrift Gesetzeskraft, einschließlich der
Brady-Gesetzesvorlage, die Bestimmungen für den
Kauf von Handfeuerwaffen verschärft, den Zusatzartikeln zum Hatch-Gesetz, das Bundesbediensteten eine
aktivere Beteiligung an der Parteipolitik gestattet sowie
weiteren Gesetzen, mit denen die Registrierung von
Wählern erleichtert wird und Arbeitnehmern Urlaubstage aus familiären Gründen ohne Sorge um ihren
Arbeitsplatz gewährt werden.
Der Präsident erhob seine im Wahlkampf gegebenen
Versprechen zu Gesetzen, Ausbildungskredite kostengünstiger zu gestalten, Collegestudenten die
Zahlung von Studiengebühren im Austausch für einen
nationalen Sozialdienst als Polizist, Arzt oder Krankenschwester zu ermöglichen, die Einkommensteuer
für die wohlhabendsten amerikanischen Privatpersonen und Unternehmen zu erhöhen und Richtlinien für
die Modernisierung der Regierung aufzustellen.

Seite 1

�Die beiden herausragendsten Siege waren jedoch der
Erfolg des Präsidenten beim Gesetz zum Abbau des
enormen Haushaltsdefizits des Landes - dank dem
dieses in den nächsten fünf Jahren hoffentlich um
500 Milliarden Dollar verringert werden soll - und dem
Gesetz zur Umsetzung des NAFTA, das bei seiner
vollständigen Verwirklichung eine Freihandelszone von
Alaska bis zur Südgrenze Mexikos schaffen soll.

tiver als ursprünglich angestrebten Politik sind. Andere Kritiker verweisen darauf, daß es Clinton nicht
gelungen sei, ein wirksames Mittel gegen die Verschleppungstaktik der Republikaner im Senat zu finden, die sein Paket wirtschaftlicher Anreize scheitern
ließ.

Beim ersten Sieg hatte er die überwiegende Zustimmung seiner Partei und die kleinstmögliche Mehrheit
von einer Stimme. Den zweiten errang er, indem er
sich einer Vielzahl von Gegnern stellte - dem Unabhängigen Ross Perot, vielen Gewerkschaftsmitgliedern,
die seine Wahl unterstützt hatten, zahlreichen Kritikern
aus der eigenen Partei und sogar einigen ihrer führenden Kongreßabgeordneten. Der Sieg gelang ihm
durch den Aufbau einer wirksamen, überparteilichen
Koalition aller, die überzeugt werden konnten, und zur
Überraschung der meisten Politiker und Politologen
mit einigen überzähligen Stimmen.

Einigen Amerikanern gehen diese Veränderungen nicht
schnell genug vonstatten. Und vielen scheint, daß die
Beurteilung der Ereignisse nicht mit der Realität übereinstimmt.
Einer für Time Magazine und CNN durchgeführten
Umfrage zufolge waren 48 Prozent der Befragten der
Ansicht, der Kongreß habe sich 1993 in einer ebensolchen "Pattsituation" befunden wie 1992, und lediglich
43 Prozent sahen Fortschritte während des Jahres
1993 bei der Überwindung der festgefahrenen Parteiensituation.

Im Rückblick auf die 1993 von ihm erzielten Leistungen
erklärte Clinton in einem kürzlich durchgeführten InterEine ähnliche überparteiliche Koalition unterstützte view der Zeitschrift Rolling Stone, ihm sei von den
Clinton bei der Frage der finanziellen Unterstützung für Medien und folglich auch von der Öffentlichkeit keine
Rußland und die anderen Nachfolgestaaten der ehe- Anerkennung für die Dinge gezollt worden, die er für
maligen Sowjetunion. Obwohl dieses Thema nicht so die Amerikaner getan habe.
umstritten wie das NAFTA war, mußte Clinton den
Andere stimmen dem zu. "Die Tatsache, daß dieser
Kongreß - zu einer Zeit, in der die Abgeordneten ihre
Kongreß sehr produktiv war, gehört in unserem Land
Zustimmung zur Unterstützung der Amerikaner verzu den am besten gehüteten Geheimnissen", erklärte
weigerten - von der Notwendigkeit überzeugen, zwei
Senator John Breaux im Congressional Quarterly.
Milliarden Dollar an Steuergeldern für die Hilfe an
"Die Menschen glauben immer noch, der Kongreß
Rußland beim Übergang zur Demokratie aufzuwenleiste nichts."
den.
Auch in akademischen Kreisen ist man der Ansicht,
Der Kongreß wies einen der schwierigsten Vorschläge daß die Partnerschaft Clintons mit dem Kongreß nicht
des Präsidenten für eine Veränderung zurück, wobei genügend artikuliert wird. "Es ist keine Frage, daß
die Verschleppungstaktik des Senats Clintons Plan dieser Kongreß sehr aktiv und äußerst produktiv war,
zur Ankurbelung der amerikanischen Wirtschaft durch ob einem die erzielten Ergebnisse gefallen oder nicht",
höhere Aufwendungen für die Schaffung von Arbeits- so Roger Davidson, Politologe an der University of
plätzen selbst angesichts des anwachsenden Haus- Maryland.
haltsdefizits scheitern ließ. Dieses Experiment mußte
verschoben werden, um die Annahme anderer Be- Es wäre vielleicht zu euphorisch, die aus der ersten
schränkungen der Staatsausgaben zu erlangen.
Sitzungsperiode des 103. Kongresses gezogene Bilanz mit den Kongressen der "Great Society" unter
Von einigen Kritikern wird behauptet, Clinton sei zu Präsident Lyndon Johnson zur vergleichen - wie dies
kompromißbereit gewesen und hätte Einzelheiten seines einige führende Politiker der Demokraten getan haben
ursprünglichen Konzepts geopfert, um im Kongreß - Analysten behaupten jedoch, daß es in Washington
Stimmen zu gewinnen. Im Hinblick auf seinen Einsatz kein so produktives erstes Amtsjahr eines Präsidenten
für das Recht Homosexueller, im Militär zu dienen, oder Kongresses gegeben habe, seit Johnson 1969
stellen sie beispielsweise fest, wie verschieden Clin- das Amt verließ.
tons im Wahlkampf gemachte Versprechungen zu
diesem strittigen Thema von seiner letztlich viel restrik-

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AMERIKA DIENST 1

�VEREINTE

NATIONEN
5. Januar 1994

USA ERFREUT ÜBER VON DEN
VEREINTEN NATIONEN ERZIELTE FORTSCHRITTE
Rückblick auf 1993

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten sind
erfreut über die im letzten Jahr von den Vereinten
Nationen bei der Durchführung interner Reformen und
dem Umgang mit internationalen Problemen erzielten
Fortschritte.
Der führende UNO-Experte im US-Außenministerium,
Douglas Bennet, Abteilungsleiter für internationale
Organisationen, umriß am 23. Dezember 1993 die
Haftung der Vereinigten Staaten.
Obwohl 1993 "ein von sichtbaren Erfolgen und Fehlschlägen im Bereich der Friedenssicherung gekennzeichnetes Jahr" war, so Bennet, wurde anderen Aktionen der UNO, die zu "einigen substantiellen Fortschritten" führten, wenig Aufmerksamkeit zuteil. Diese
Fortschritte wurden u.a. durch eine Änderung der
amerikanischen Politik möglich, sind aber "teilweise
auf eine grundlegende Änderung des internationalen
Klimas" zurückzuführen.
Präsident Clinton erklärte im September 1993 in seiner
Rede vorder UN-Generalversammlung, die Vereinten
Nationen müßten ihre Funktionsweise neu erfinden.
"Offensichtlich wird eine Anzahl lebensfähiger UNInstitutionen eine viel besser funktionierende Nachbarschaft schaffen", erklärte Bennet, "und wir sind der
Ansicht, daß hierbei wichtige Fortschritte erzielt wurden."
Im letzten Sommer stellten die Vereinigten Staaten
auch eine Liste mit den wichtigsten Zielen der UNGeneralversammlung für ihre Sitzungsperiode im Herbst
auf, die von größerer Rechenschaftspflicht des UNSystems zu Haushaltsfragen und von Menschenrechtsproblemen zu einer veränderten Schubkraft der UNResolutionen über den Nahen Osten reichten. Der
neue Haushalt der UNO sieht keine Ausgabensteigerung und eine bedeutende Umverteilung der Fonds für
Menschenrechte und humanitäre Angelegenheiten vor,

AMERIKA DIENST 1

was ihm zufolge Prioritäten der Vereinigten Staaten
sind.
Eines der jüngsten und sichtbarsten Ergebnisse der
amerikanischen Führungsrolle in der Weltorganisation
ist ihm zufolge die Einrichtung des Amts eines UNHochkommissars für Menschenrechte - eine von den
Vereinigten Staaten seit Ende der vierziger Jahre
gestellte Forderung. Der Hochkommissar wird ein
Streiter für die Menschenrechte sein, auf die Verhinderung von Menschenrechtsverletzungen hinarbeiten und
den Versuch zum Beginn eines Dialogs mit den Regierungen unternehmen, die Probleme mit den Menschenrechten haben.
Bennet führte drei "ziemlich bedeutende" Errungenschaften der Generalversammlung im Rüstungskontrollbereich an - Resolutionen, die den Abschlu ß eines
umfassenden Vertrags über das Verbot von Atomtests
fordern, die Produktion von spaltbarem Material für
Waffen verbieten und ein Moratorium für den Export
von gegen lebende Ziele gerichteten Landminen beantragen. Er begrüßte auch die Unterstützungserklärung
der Generalversammlung für den Friedensprozeß im
Nahen Osten.
Anfang 1993 schuf UN-Generalsekretär Boutros-Ghali
einen Posten mit dem Mandat zur Erfüllung der Aufgaben eines Generalinspekteurs. Dieses Konzept wurde
von der Generalversammlung begrüßt. "Es bleibt
noch mehr zu tun... aber wir sind der Ansicht, daß wir
dieses Jahr hierbei mehr Fortschritte gemacht haben
als erwartet", so Bennet.
Im UN-Sicherheitsrat übten die Vereinigten Staaten
ihm zufolge einen wichtigen Einfluß auf die Beibehaltung der Wirtschaftssanktionen gegen Irak und Libyen
aus.
Bennet wies auch auf die "viel nüchternere Einschätzung" des Sicherheitsrates bei der Erwägung neuer

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�friedenssichemder Operationen hin. "Unser Ansatz
war die Entwicklung von Leitlinien, politischen Maßnahmen, Praktiken, Erfahrungen und Einschätzungen, die uns eine disziplinierte Untersuchung jeder
dieser neuen Situationen erlaubt hätte", erklärte er.
Auf die Frage, ob der Schwerpunkt von der Friedenssicherung auf die Friedensschaffung verlegt werde,
räumte Bennet ein, "diese Unterscheidungen seien es
wert, diskutiert zu werden", aber schwer vorzunehmen. "Die internationale Staatengemeinschaft muß
sich auf eine Vielzahl von friedenssichernden Aktivitäten vorbereiten", ließ er wissen.
"Sie muß in den Bereichen präventive Diplomatie und
Konfliktverhütung viel bessere Arbeit leisten", äußerte
er. "Die Frühwarnsysteme müssen besser funktionieren. Die diplomatischen Interventionen müssen viel
subtiler sein als bisher."

Ihm zufolge sind die meisten Länder der Ansicht, daß
die Bestrebungen zur Erweiterung des Sicherheitsrates zu einer Zahl von nicht viel mehr als zwanzig
Mitgliedern führen werden. "Den Vereinigten Staaten
liegt keine Zahl vor, und es bleibt zu sehen, wo sie
liegen wird. Aber alles darüber Hinausgehende wäre
zu groß", betonte Bennet.
Auf die Frage nach der Wirksamkeit der U NO-Sanktionen antwortete er; "Wir wissen aus Erfahrung, daß
Sanktionen alleine in der Regel nicht zur schnellen
Änderung einer Politik führen, mit der Zeit kann das
jedoch - wie in Südafrika - der Fall werden.
"Sanktionen sind ein stumpfes Instrument. Sie ziehen
Bevölkerungen in Mitleidenschaft, bei denen das gar
nicht wünschenswert ist. Sie liefern manchen Regierungen eine Entschuldigung für die Fortsetzung unerwünschter Verhaltensweisen."

Er verlieh der Hoffnung der Vereinigten Staaten Ausdruck, daß ihr Anteil an der Friedenssicherung von
über 30 Prozent auf ungefähr 25 Prozent gesenkt
werde, "was unserem Anteil am Haushalt entspricht".
Die derzeitige Veranlagungsformel stammt aus dem
Jahr 1974.

Bennet zufolge erwarten die Vereinigten Staaten, daß
die Einsetzung eines Kriegsverbrechertribunals zur
Untersuchung der Menschenrechtsverletzungen im
ehemaligen Jugoslawien zu "einer ernsthaften Strafverfolgung" führt. Der Staatsanwalt des Tribunals soll
seine Arbeit im Februar aufnehmen. "Das Tribunal
wurde lange Zeit nach der Verübung der Verbrechen
Sollten Japan u nd Deutschland wie erwartet M rtglieder eingesetzt, und die Beweisführung wird in einigen
des Sicherheitsrates werden, würde sich diese Veran- Fällen sehr schwierig sein. Das ist das größte Prolagung ändern. "Meines Erachtens ist es für die blem, dem wir uns gegenübersehen", so Bennet.
Institution Vereinte Nationen von Nachteil, zu mehr als
25 Prozent von einem einzigen Land abhängig zu sein, Er bezeichnete die Beziehungen der Vereinigten Staaund das war auch das wichtigste Grundprinzip bei der ten zu Generalsekretär Boutros-Ghali als "ausgezeichFestsetzung anderer Höchstsätze", so Bennet.
net" und stellte fest: "Wir unterhalten sehr gute Beziehungen zu ihm; das ist nicht immer einfach, aber
Die Generalversammlung setzte eine Arbeitsgruppe äußerst konstruktiv." Boutros-Ghali sei amerikanizur Oberprüfung der Frage einer Erweiterung des Si- schen Ansichten gegenüber "extrem aufgeschlossen"
cherheitsrats ein. "Unserer Meinung nach ist es für gewesen." Er stimmte nicht immer mit ihnen überein,
den Sicherheitsrat von großer Bedeutung, seine Effi- aber ich könnte mich nicht erinnern, daß auch nur ein
zienz beizubehalten", so Bennet. "Er darf nicht zu groß einziges Mal eine von den Vereinigten Staaten geäusein, damit er seine Arbeitslast bewältigen kann."
ßerte Meinung unberücksichtigt gelassen oder ungeprüft verworfen worden wäre."

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�PARTNERSCHAFT

FÜR

FRIEDEN
5. Januar 1994

AMERIKANISCHE POLITIK KONZENTRIERT SICH
GLEICHZEITIG AUF EUROPA UND DEN
PAZIFISCHEN RAUM
Interview mit John Shalikashvili
WASHINGTON - (AD) - Dem Vorsitzenden der Vereinigten Stabschefs, General John Shalikashvili, zufolge
hat die amerikanische Politik eine zweifache Ausrichtung: Den pazifischen Raum und Europa.
Der hochrangige Vertreter des amerikanischen Militärs teilte am 3. Januar 1994 im Programm WorldNet
Dialogue des US-Informationsamts (USIA) mit, Präsident Clinton arbeite an "pazifischen Übereinkünften",
die jedoch nicht vom tiefverwurzelten Interesse der
Vereinigten Staaten "an der Sicherheit und Stabilität
Europas" ablenken würden.
"Es handelt sich hier nicht um zwei widersprüchliche
Ideen", ließ der Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs die Journalisten aus Bonn, Paris, Prag und
Warschau wissen. Als Weltmacht hätten die Vereinigten Staaten "die Fähigkeit, sich mit derselben Energie
zwei Regionen der Welt" gleichzeitig zu widmen.
Der für den 10. Januar in Brüssel anberaumte NATOGipfel wird ihm zufolge den Vereinigten Staaten die
Gelegenheit zur Bekräftigung ihrer Absicht geben,
"ihre Präsenz in Europa beizubehalten", und Präsident
Clinton werde das bei den anderen Staats- und Regierungschefs nochmals betonen. Shalikashvili erklärte,
der Präsident werde in Brüssel auf die "zentrale Bedeutung" des Bündnisses für die transatlantische Sicherheit hinweisen und unterstreichen, daß Frieden
und Stabilität in Mittel- und Osteuropa am meisten
gedient ist, "wenn keine neuen Divisionen aufgestellt
werden".
Die Präsenz von 100.000 amerikanischen Soldaten in
Europa, einschließlich zweier Divisionen und dreier
Gegenstücke zu taktischen Jagdgeschwadern der USLuftwaffe bis zum Ende des Haushaltsjahres 1996, sei
"die richtige Anzahl". Dazu soll eine ausreichende Zahl
an der Küste stationierter Seestreitkräfte zur Unterstützung eines Trägerverbands sowie einer amphibischen Landungsgruppe im Mittelmeer gehören. Der
General wies jedoch auch darauf hin, daß sich die
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Vereinigten Staaten das Recht vorbehalten, die sicherheitspolitische Lage in Europa jedes Jahr neu zu
bewerten, um festzustellen, ob sie diesen schrittweisen Abbau auf ungefähr 100.000 Soldaten verlangsamen oder beenden sollen.
Das vorgeschlagene Programm Partnerschaft für
Frieden geht dem Vorsitzenden der Vereinigten
Stabschefs zufolge wirksam und gleichzeitig alle Moskau,
Warschau, Budapest und Prag betreffenden Probleme an. Die Partnerschaft für Frieden baue Hindemisse ab und sei für den transatlantischen Raum von
Vorteil, erklärte er. Sie werde die beteiligten Militärs
durch gemeinsame Übungen, Planung und Operationen einander näherbringen und die Gelegenheit zur
Beseitigung von Problemen im Bereich der Transparenz bieten.
Im Hinblick auf einen angemessenen Zeitrahmen für
das Programm erklärte Shalikashvili, "es obliegt den
Ländern Mittel- und Osteuropas, das Tempo der zu
erzielenden Fortschritte zu bestimmen". Er sehe keinen Grund, warum das Programm Partnerschaft für
Frieden nicht bereits Anfang 1994 "erste positive
Ergebnisse" zeitigen sollte. Obwohl die Teilnahme an
dem Programm "nicht gleichbedeutend" mit einer
künftigen NATO-Mitgliedschatt sei, befänden sich die
Staaten "in einer besseren Position", zu einem früheren Zeitpunkt ernsthaft in Betracht gezogen zu werden.
In bezug auf die jüngsten Wahlen in Rußland unterstrich Shalikashvili, in der Wahlberichterstattung sei
anfänglich die Zustimmung der Wähler zu dem nationalistischen Wladimir Schirinowskij übertrieben dargestellt worden. Das Abschneiden Schirinowskijs sollte
"nicht den von uns bei unseren Beziehungen zu den
östlichen Ländern eingeschlagenen Kurs ändern".
Dem General zufolge sollten die Wahlergebnisse für
die reformistischen und demokratischen Kräfte in
Rußland einen "Aufruf zum Handeln" darstellen, ihre
Seite 1

�Bemühungen um die Gewährleistung eines korrekten
Ablaufs des Reformprozesses zu verstärken und die
Zweifler "möglichst bald davon zu überzeugen, daß
Reformen zur Zeit das beste Heilmittel in Rußland
sind".
Es sei wichtig, den Reformkräften, die "Rußland zu
gestärkten demokratischen Institutionen und einer
Marktwirtschaft hinführen", die größtmögliche Unterstützung zukommen zu lassen.
Shalikashvili geht davon aus, daß die Vereinigten
Staaten und Rußland im neuen Jahr "auf niedriger
Ebene" militärische Übungen durchführen werden.
Der Abbau der Mauern zwischen den Militärs beider
Länder sollte ihm zufolge zur Unterstützung der russischen Reformkräfte führen. Der General bezeichnete
es auch als wichtig, daß Rußland "bei den friedenssichernden Operationen (der UNO) ein vollwertiger
Partner" wird.

zahlen bereit oder in der Lage seien. Fortgesetzte
humanitäre Hilfsbestrebungen "retteten Hunderttausende von Menschenleben" und Sanktionen "haben
auf Serbien bedeutende Auswirkungen gehabt". Sollten sich die drei Kriegsparteien in Bosnien auf einen
Friedensplan verständigen, so Shalikashvili, könnten
die Streitkräfte zu seiner Umsetzung eingesetzt werden.
Zum Thema Somalia ließ der General wissen, der für
den 31. März geplante Abzug amerikanischer Truppen
verfolge das Ziel, "den Vereinten Nationen und den
verbleibenden Ländern die größte Chance" für die
Fortsetzung humanitärer, friedenssichernder und friedensschaffender Operationen zu geben.
Trotz des Verdachts einer von Nordkorea ausgehenden atomaren Bedrohung verfolgten die Vereinigten
Staaten 'Veine besonderen Pläne", ihre Arsenale
konventioneller Waffen in Südkorea zu verstärken.

Nach dem NATO-Gipfel wird Präsident Clinton nach Auf Fragen zur Rüstungskontrolle erklärte der GenePrag reisen, "um die Bedeutung zu unterstreichen, die ral, die gesetzten Fristen lägen zwar noch in weiter
er den Staaten Mitteleuropas beimißt".
Feme, es sei aber dennoch von Bedeutung, "unsere
Anstrengungen zu verdoppeln, um zu gewährleisten",
Zur Situation in Bosnien-Herzegowina äußerte der daß diese atomaren Gefechtsköpfe "so schnell und
General, für die Bosnien-Frage gebe es keine militäri- sicher wie möglich abgebaut werden", wie im STARTsche Lösung zu einem Preis, den die Nationen zu Il-Vertrag vorgesehen.
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AMERIKA DIENST 1

�PORTRAT
5. Januar 1994

RUSSLAND-EXPERTE UND ENGER FREUND
DES PRÄSIDENTEN SOLL NEUER
STELLVERTRETENDER AUSSENMINISTER WERDEN
Porträt von Strobe Talbott
Am 28. Dezember 1993 gab US-Au ßenminister Christopher bekannt, er habe Botschafter Strobe Talbott für das
Amt seines nächsten Stellvertreters ausgewählt und bezeichnete ihn als "begnadeten Strategen und Manager".

Auf einer Pressekonferenz in Los Angeles teilte der Außenminister mit, er habe Talbott für die zweithöchste
Position in seinem Ministerium vorgeschlagen und Präsident Clinton habe der Nominierung zugestimmt, die jetzt
noch der Bestätigung des Senats bedarf.

Strobe Talbott war früher als Journalist tätig und spielte
eine Schlüsselrolle bei der Konzeption der RußlandPolitik der Administration zur Unterstützung des russischen Präsidenten Boris Jelzin.
Der 47jährige Talbott, langjähriger Freund Bill Clintons
sowie ehemals Chef vom Dienst und Kolumnist des
Time Magazine, ist der führende Experte des Präsidenten für die Politik gegenüber Rußland und den
anderen Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion sowie ein unbeirrbarer Befürworter der Reformbewegung in diesen Republiken.
Talbott, der sich in drei Jahrzehnten durch seine
Kommentare zu außenpolitischen Fragen einen Namen
gemacht hat und fließend Russisch spricht, wurde am
2. April 1993 zum Außerordentlichen und Bevollmächtigten Botschafterund Sonderberater des Außenministers fürdie neuen unabhängigen Staaten derfrüheren
Sowjetunion ernannt.
Er soll eine wichtige Rolle beim Entwurf des auf dem
Treffen in Vancouver zwischen Präsident Clinton und
Präsident Jelzin bekanntgegebenen amerikanischen
Hilfspakets für Rußland gespielt haben sowie bei dem
später auf dem Tokioter Gipfel der führenden Industrienationen angekündigten internationalen Hilfspaket.
Talbott ist ein enger Vertrauter von Außenminister
Christopher und kennt den Präsidenten seit der Zeit,
AMERIKA DIENST 1

als Clinton und er vor 25 Jahren als Rhodes-Stipendiaten an der Oxford University ein Zimmer teilten. Seitdem sind sie befreundet, und wenn Clinton als Gouverneur von Arkansas nach Washington reiste, wohnte er
oft bei Talbott.
Bei seiner Anhörung vor dem Auswärtigen Ausschuß
des Senats im März 1993 hatte Talbott erklärt, er hätte
einen Großteil der vergangenen 30 Jahre mit dem
Versuch verbracht, Rußland und die anderen Republiken der früheren Sowjetunion zu verstehen. Talbott,
der an der Hotchkiss School, einer weiterführenden
Privatschule in Connecticut, Russisch gelernt und an
den Universitäten von Yale und Oxford russische
Literatur studiert hat, erwarb seinen Ruf als Sowjetunion-Experte, als er die mündlich Überlieferten Memoiren des ehemaligen sowjetischen Staatschefs Nikita
Chruschtschow übersetzte und veröffentlichte (Khrushchev Remembers, 1970 und Khrushchev Remem
bers: The Last Testament, 1974).
Am 23. März 1993 äußerte Talbott vor dem Senatsausschuß: "Ich werde zwar erstmals im Dienst derRegierung arbeiten, der Gegenstand meiner Arbeit ist
jedoch ein Thema, dem ich bereits einen Großteil
meines Lebens gewidmet habe."
In der Vergangenheit wurde ihm zufolge die nationale
sicherheitspolitische Rechtfertigung amerikanischer
Ru Bland hilf e vorwiegend negativ formuliert: "Hilfe für
Rußland, damit es nicht explodiert und uns dabei in
Seite 1

�Mitleidenschaft zieht; Hilfe für Rußland, damit es nicht resultierenden Härten für die russischen Bürger zu
das Rad der Geschichte wieder zurückdreht."
mildern. Anstelle einer "Schocktherapie", die nach
Meinung mancher zur Umwandlung der ehemaligen
"Ich würde jedoch behaupten, daß unsere Ziele und Planwirtschaft erforderlich sei, wird Talbott zufolge das
unsere Politik positiver sein können und sollten. Mit neue Ziel "weniger Schock und mehr Therapie für das
anderen Worten: Die amerikanische Politik sollte nicht russische Volk sein. Das ist kurz zusammengefaßt
nur auf die Verhinderung des Schlimmsten abzielen, das Ziel unserer Bemühungen...".
sondern auch auf die Förderung des Besten, das in der
ehemaligen Sowjetunion geschehen könnte. Das betrifft Talbott machte an der Yale University seinen Aballe Nachfolgestaaten, nicht nur Rußland... Sie haben schluß als Bachelor of Arts und Master of Arts. Er
mit ihrer Vergangenheit gebrochen und gestalten ihre erhielt außerdem von der Oxford University einen
Zukunft neu. Wir werden ihnen dabei helfen."
Master in Literaturwissenschaft sowie die Ehrendoktorwürde des Monterey Institute of Strategie Studies.
Talbott unterstrich anschließend die Unterstützung
der Vereinigten Staaten für "die Reformen und die Talbott hat seit 1974 die Rüstungskontrollgespräche
Reformer, seien sie politisch in der Offensive oder der genau verfolgt, Rußland, China, den Nahen Osten,
Defensive, seien ihre Vertreter im Kreml, im Parlament Kuba und Iran bereist und ausführlich über diese
oder im Herzen des Landes." Er fügte hinzu: Während Länder berichtet. Bevor er dem Außenministerium
Rußland und die anderen unabhängigen Staaten ihren beitrat, umfaßte seine Arbeit für das Time Magazine
heroischen Übergang vom Kommunismus zur Demo- auch Tätigkeiten als diplomatischer Korrespondent,
kratie durchlaufen, müssen wir unsere eigene Über- Berichterstatter des Außenministeriums und des Weißen
gangszeit durchleben - von der Führungsmacht einer Hauses, Osteuropa-Korrespondent, Chef vom Dienst
gegen die Sowjetunion gerichteten Koalition zum in Washington, Herausgeber und außenpolitischer
Anführer einer strategischen Allianz mit den Nachfol- Kolumnist.
gestaaten der Sowjetunion."
Seine Werke über Rüstungskontrolle und die amerikaAuf einer Pressekonferenz nach den jüngsten Ruß- nisch-russischen Beziehungen umfassen unter
landwahlen, die der Partei des ultranationalistischen anderem: At the Highest Levels: The Inside Story
Wladimir Schirinowskij eine erstaunlich große Unter- of the End of the Cold War (Auf höchster Ebene: Das
stützung brachten, betonte Talbott nochmals, daß die Ende des Karten Krieges und die Geheimdiplomatie
Administration ihre Unterstützung der russischen der Supermächte 1989-91; dt. 1993, zusammen mit
Reformen nicht einstellen werde und es keine Anzei- Michael Beschloss), The Master of the Game: Paul
chen dafür gebe, daß das russische Volk das getan Nitze and the Nuclear Peace, Reagan and Gorbahabe.
chev (zusammen mit Michael Mandelbaum), Deadly
Gambits: The Reagan Administration and the
"Das sollte uns eine Lehre sein", fuhr er fort, "daß wir Stalemate in Nuclear Arms Control (Raketenschach,
unsere eigenen nationalen Interessen an einer Förde- dt. 1984) sowie Endgame: The Inside Story of SALT
rung der Reformkräfte stärker im Auge behalten soll- Two.
ten, die auch im neuen Parlament und ganz gewiß in
der Jelzin-Regierung ziemlich mächtig sein werden." Für seine Berichterstattung erhielt Talbott 1980 und
1985 den Edward Weintal-Preis für hervorragende
Talbott gab auch bekannt, die Administration werde diplomatische Berichterstattung sowie 1979, 1981,
mehr Zurückhaltung bei ihrem Drängen auf schnelle 1987 und 1988 Auszeichnungen des Overseas Press
Wirtschaftsreformen in Rußland zeigen, um die daraus Club.
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�US-MILITAR
5. Januar 1994

HILFESTELLUNG IN DER ÜBERGANGSZEIT
von Don Ward
Zu einer Zeit, in der amerikanische Militäreinrichtungen in den gesamten Vereinigten Staaten abgebaut oder
geschlossen werden, ergreifen Verantwortliche dieser Stützpunkte und anderer Anlagen die Initiative bei der
Karriereplanung für die Tausenden von Militär- und Zivilangestellten, die entlassen oder entwurzelt werden. Der
nachfolgende Artikel beschreibt diese Stellenvermittlung. Sein Verfasser, Don Ward, ist Journalist bei der Navy
Times.
Veröffentlichung und Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von Government Executive, Mai 1993.
Copyright (c) 1993 National Journal, Inc. Alle Rechte vorbehalten.

Alyce El gehört zu den 8.700 Angestellten der Marineschiffswerft und dem Marinestützpunkt von Philadelphia, die durch die 1995 geplante Schließung dieses
Stützpunktes ihren Arbeitsplatz verlieren.
Die 24jährige Mitarbeiterin des Personalbüros wartet
mit ihrer Suche nach einem neuen Arbeitsplatz aber
nicht bis zu ihrer Entlassung. El nutzt das besondere,
auf dem Stützpunkt errichtete sogenannte Übergangszentrum, um ihre Fähigkeiten zu bewerten und neue
Karrieremöglichkeiten zu erkunden.
Das Übergangszentrum von Philadelphia wurde im
März 1993 eröffnet, um Zivilangestellten des USMilitärs bei der Suche nach neuen Arbeitsplätzen in
Regierungsbehörden oder der Privatwirtschaft behilflich zu sein. Durch seine dem neuesten Stand der
Technik entsprechenden Computer, zahlreichen Softwareprogramme und sein Korps von Schiffswerftmanagem, die auch eine Beraterfunktion einnehmen,
gehört es zu den am besten ausgerüsteten Zentren
seiner Art. Die angebotenen Dienste sollen den Zivilangestellten bei der Beurteilung ihrer Fähigkeiten, der
Vorbereitung aussagekräftiger Lebensläufe und der
Bewerbung um staatliche Stellen helfen.
In einigen Fällen stehen den Arbeitnehmern, die sich
zu einem Berufswechsel entschlossen haben, Umschulungsprogramme zur Verfügung. Arbeitsplatzmessen und -clubs sind ebenfalls geplant.
"Ich fand das Zentrum außerordentlich hilfreich, um
meine Arbeitsplatzsuche zu organisieren und zu sehen, welche Qualifikationen ich hierzu vorweisen muß",
so El. "Die Berater haben mir geholfen, meinen
Lebenslauf noch ansprechender zu gestalten. Und sie

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haben mich auf Fähigkeiten hingewiesen, von denen
ich gar nicht wußte, daß ich sie besitze."
Philadelphia ist nur einer von zahlreichen Militärstützpunkten, auf denen die Hilfe für Zivilangestellte bei der
Suche nach einem neuen Arbeitsplatz nahezu eine
nationale Freizeitbeschäftigung geworden ist. Vor
mehreren Jahren begann das Verteidigungsministerium mit der Bereitstellung einer ähnlichen Übergangshilfe für Zivil- und Militärangestellte durch Familienunterstützung sowie Büros für ehemalige Angestellte auf
den Stützpunkten. Die jüngsten Stützpunktschließungen und der derzeitige Streitkräfteabbau erfordern
jedoch eine Verstärkung dieser Bemühungen. (Ende
Juni 1993 empfahl der Ausschuß für die Schließung
und Neuorientierung der Militärstützpunkte die Schließung oder Verkleinerung von ungefähr 30 großen
Militäreinrichtungen und einer Vielzahl kleinerer Stützpunkte, was zur Entlassung oder Entwurzelung von
mehr als 125.000 Zivil- und Militärangestellten führte.
Der unabhängige Ausschuß handelte im Einklang mit
seinem Mandat gemäß einem 1990 vom Kongreß
entwickelten Verfahren, um einengerechten, unparteiischen, öffentlichen Entscheidungsprozeß über die
Stützpunktschlie ßung sieherzustellen).
Als Folge davon riefen Mitarbeiter verschiedener Stützpunkte mit eigenen Geldmitteln auf eigene Faust von
der Basis ausgehende Übergangshilfeprogramme ins
Leben, von denen jedes auf die besonderen Bedürfnisse der Stützpunktmitarbeiter zugeschnitten ist.
"Es gibt hier alle möglichen Sonderprogramme", erklärt Ellen Tunstall, Programmanagerin für Unterstützungsberechtigung des Abteilungsleiters für Personalpolitik für Zivilangestellte im Verteidigungsministerium.
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�"Auf den Stützpunkten hat man sich wirklich etwas
einfallen lassen. Sie haben mit dem Arbeitsministerium und Beschäftigungsausschüssen zusammengearbeitet. Außerhalb des Ministeriums gab es allgemeine
Anleitung, und einige Einrichtungen erhielten Unterstützung in Form von Geldern oder Programmen, aber
ein Großteil der Aktionen war wirklich innovativ und
ging von der Basis aus. Und das ist das Verdienst der
Manager und Angestellten dort."
Im März 1992 eröffneten zivile Angehörige des Personalbüros im Armeedepot von Sacramento (Kalifornien) ein Zentrum, das dem in Philadelphia ähnelt,
jedoch kleiner ist, nachdem dieser Militärstützpunkt
1991 auf die Liste der zu schließenden Einrichtungen
gesetzt wurde. Der stellvertretenden Zentrumsleiterin
Mary Romero zufolge soll es 6.500 Zivil- und Militärangestellten sowie ihren Familien behilflich sein. Bisher
hat das Zentrum nahezu 70 Mitarbeitern des Armeedepots eine neue Anstellung verschafft. Das Depot,
dessen Schließung für 1997 geplant ist, ist auf die
Reparatur von Radaranlagen und Telekommunikationseinrichtungen spezialisiert.
Im Juli 1991 begannen Beamte des Luftwaffenstützpunktes Mather nahe Sacramento, dessen Schließung im Rahmen des Verfahrens von 1988 ins Auge
gefaßt wurde, ein Programm zur Unterstützung von
1.600 Zivilangestellten bei der Suche nach einem
neuen Arbeitsplatz oder der Umschulung für einen
neuen Beruf. Durch dieses Programm, dem ersten
seiner Art in der US-Luftwaffe, wurden bislang 750
Mitarbeiter beraten und 133 zu einem neuen Arbeitsplatz verholten, so die Koordinatorin Joann Morse.
Im Zuge des fortgesetzten Streitkräfteabbaus nehmen
weitere Bestrebungen dieser Art Gestalt an.
Das Pentagon plant bis zum 1. Oktober 1993 die
Reduzierung der Zahl seiner Zivilangestellten um 40.000,
wodurch die Streitkräfte bis zum Ende des Haushaltsjahres 1993 auf 966.000 Angehörige verringert werden
sollen. Voraussichtlich werden ungefähr 25.000 Mitarbeiter das Militär freiwillig verlassen, die übrigen sollen
-je nach Art ihrer Beschäftigung und ihres Dienstalters
-durch finanzielle Anreize von bis zu 25.000 Dollar pro
Person zum Abschied bewegt werden.
Auf vielen Stützpunkten könnte der Personalabbau
schon viel früher beginnen. Zahlreiche Stützpunkte
haben bereits um die Erlaubnis gebeten, ihre Mitarbeiter gehen zu lassen. Beispielsweise hat Philadelphia
das Ersuchen gestellt, seine Mitarbeiterzahl um 800
bis 1.200 zu senken, da für die große Belegschaft nicht
genügend Arbeit vorhanden ist.

die von den Kürzungen des Verteidigungshaushalts
und der Stützpunktschließung betroffen sind.
Mittlerweile haben Verantwortliche zahlreicher Stützpunkte vom Arbeitsministerium Gelder für die Umschulung erhalten und Freiwillige vor Ort für Beratertätigkeiten gewonnen, um den Angestellten des Militärs
einen reibungslosen Übergang in den Privatsektor
oder andere Regierungsbehörden zu erleichtern.
In Philadelphia richteten für Zivilangestellte zuständige Mitarbeiter des Personalbüros des Flottenkommandos ein Übergangszentrum ein, das anderen zur
Schließung oder Neuorientierung vorgesehenen Militärstützpunkten als Modell dienen könnte. Nancy
Doody, der Spezialistin für Personalführung und Gestalterin des Zentrums, zufolge stellte die große Zahl
entlassener Arbeitnehmer und ihre stark spezialisierte
Arbeit eine ziemlich große Herausforderung dar. "Die
meisten Karrierezentren sind wie Arbeitsämter, aber
das von mir Entworfene in Philadelphia verfolgt eine
andere Linie", erklärt Doody. "Ich habe Karriereplanung und Entwicklung miteinander verknüpft, da viele
der Betroffenen neue Entscheidungen hinsichtlich ihrer
Zukunft zu treffen haben. Sie müssen ihre Optionen
und Qualifikationen prüfen und sich unter dem Gesetz
zur Berufsausbildung und Stellensuche für einen anderen
Beruf ausbilden lassen, da viele ihrer Arbeitsplätze
wegfallen."
Doody ermutigt ihre Klienten, sich selbst als Unternehmen zu verstehen, "das Ihre Fähigkeiten vermarkten
und Ihr Produkt - Sie - verkaufen soll".
Das Zentrum verfügt über Computer und Laserdrucker
zur professionellen Erstellung von Lebensläufen, Softwareprogramme zur Einschätzung beruflicher Fähigkeiten, Nachschlagewerke, damit die Qualifikationen
auf potentielle Arbeitgeber abgestimmt werden können, Branchenverzeichnisse zur Sondierung von Industriekontakten sowie Computerprogramme zur Bewerbung bei staatlichen Stellen. Zudem stehen dem
Zentrum mehr als ein Dutzend ehrenamtliche Berufsberater zur Verfügung - eine Mischung aus Schiffswerftmanagern und Betriebsratsmitgliedern, die entlassenen Klienten bei ihrem neuen Anfang zur Seite
stehen.
Das Ziel ist die Unterstützung von entlassenen Zivilangestellten bei der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz innerhalb der 120 Tage betragenden Kündigungsfrist.

"Bisher war es ein wirklicher Erziehungsprozeß, den
Menschen begreiflich zu machen, daß wir keine Stellenvermittlung sind", erklärt die vor Ort tätige ManageEinen Tag vor Bekanntgabe der Stützpunktschließun- rin Cindy Anderson. "Unsere Aufgabe besteht darin,
gen und Neuorientierungsempfehlungen für das Jahr die Angestellten mit den für ihre Vermarktung bei der
1993 kündigte Präsident Clinton im März ein Hilfspaket Stellensuche erforderlichen Werkzeugen auszustatin Höhe von 20 Milliarden Dollar zur Unterstützung von ten. Viele Menschen entdecken das erst, wenn sie hier
Industriezweigen, Arbeitnehmern und Gemeinden an, sind."

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�Da viele dieser Arbeitnehmer seit Jahren nicht mehr
auf dem Arbeitsmarkt waren, stellt das Zentrum Beratung zur Streßbewältigung und Videokassetten zur
Vorbereitung von Vorstellungsgesprächen zur Verfügung und probt mit den Klienten gestellte Personalgespräche.

se einschätzen und ihm bei seinem neuen Anfang
helfen zu können. Alles ist auf den einzelnen abgestellt. Es gibt hier kein Standardformat."

Doody plant auch die Einrichtung einer kleineren Version des Zentrums von Philadelphia beim Flottenkommando in Ariington (Virginia) für die 12.000 bei den
"In der staatlichen Verwaltung gibt es für so viele Dinge zahlreichen Kommandosystemen der US-Marine
Vorschriften", stellt Anderson fest. "Für uns gibt es beschäftigten ZivilangestelHen. "Wenn es in Philadelkein business-as-usual. Wir sind vollständig auf unse- phia funktioniert, tut es das überall", so Doody.
ren Kunden ausgerichtet, um wirklich seine Bedürfnis-

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�LITERATUR
5. Januar 1994

DER "TYPISCHE AMERIKANER"
Interview mit der Autorin Gish Jen
WASHINGTON - (AD) - Was ist der "typische Amerikaner"? Eine chinesisch-amerikanische Autorin hat sich in
ihrem sarkastischen, aufschlußreichen ersten Roman, der von Literaturkritikern in den Vereinigten Staaten
gelobt wurde, die Beantwortung genau dieser Frage zum Ziel gesetzt.
Der Roman Typical American von Gish Jen ist die Geschichte von Yi-feng Chang - in Amerika Ralph Chang
- der im Jahr 1974 seinen Vater, einen wissenschaftlichen Angestellten, seine Mutter und seine ältere Schwester
in einer kleinen, nahe Schanghai gelegenen Stadt zurückläßt, um in New York Ingenieurwesen zu studieren.
Ralph gibt sich große Mühe, durchläuft jedoch einen Akkulturationsprozeß, bis seine Schwester Teresa und ihre
Freundin Helen zu ihm nach New York kommen. Das Buch beschreibt ihren bisweilen schmerzlichen, manchmal
witzigen Weg, Amerikaner zu werden.

Die in Amerika als Kind chinesischer Einwanderer
geborene Gish Jen wuchs in Jonkers und Scarsdale
(New York) auf. Als Romanautorin ist sie eine Art
Abtrünnige in einer Familie, der unter anderem drei
Geschäftsleute - ihre Brüder - und eine Ärztin - ihre
jüngere Schwester - angehören.

Nach ihrer Rückkehr aus China studierte sie Literatur,
heiratete 1983 David O'Connor (der kein Chinese ist)
und widmete sich ausschließlich hausfraulichen Tätigkeiten. Als sie dreißig war, verspürte sie jedoch den
dringenden Wunsch nach beruflichem Erfolg und begann
zu schreiben.

Als "gehorsame Tochter" besuchte Jen ein Jahr lang
die Stanford Business School. Aber kurz nach Beginn
des zweiten Jahres wurde ihr klar, daß eine Laufbahn
in der Wirtschaft einfach nicht das Richtige für sie ist.
Sie ging nach China und erteilte dort Bergbauingenieuren Englischunterricht.

Ursprünglich wollte Jen keinen Roman über chinesische Einwanderer schreiben, erklärte sie in einem
Interview mit dem US-Informationsamt (USIA). "Das
Thema ergab sich irgendwie" aus einer Serie von
Kurzgeschichten, die sie über die fiktive Familie geschrieben hatte und die viele verschiedene Themen
behandelte. "Nachdem ich drei oder vier dieser Geschichten geschrieben hatte, wurde mir klar, daß ich
genug Interesse an diesen Charakteren hatte, um ein
Buch über sie zu schreiben", teilte sie mit.

In China entdeckte sie, daß sie den dortigen "Gemeinschaftssinn" liebte. "Es gab dort viele Dinge, die mir
gefielen und die ich wunderbar beruhigend fand.
Gleichzeitig war ich mir der Unterschiede sehr bewußt."
"Beispielsweise hatte ich eine ganz andere Einstellung
zur Autorität alsdie meisten Chinesen, die ich traf. Sie
akzeptieren, daß der Staat sehr viel und der einzelne
keine Macht haben sollte. Wenn man in Amerika
aufgewachsen ist, akzeptiert man diese Idee nicht.
Wenn man dort mit willkürlichem Machtmißbrauch
konfrontiert wird, ist man entrüstet. Die Chinesen sind
das nicht, und sie können auch nicht verstehen, warum
eine 'nette Chinesin' entrüstet ist. Der Grund ist, daß
ich in Amerika aufgewachsen bin. Ich bin Amerikanerin und habe diesen Dingen gegenüber eine amerikanische Einstellung."

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"Ich habe wahrscheinlich einen Roman über Einwanderer geschrieben, weil meine Eltern Einwanderer
waren", stellte sie in einem im März 1991 von Houghton Mifflin/Seymour Lawrence veröffentlichten Buch
fest. "Damals entwickelte ich auch Interesse an Amerika
betreffenden Themen. Es interessierte mich zu wissen, wer wir als Amerikaner sind. Und es schien, daß
die Einwanderer die wirklichen Außenseiter waren,
was uns zeigte, woraus die amerikanische Kultur wirklich besteht."
Was ist denn der "typische Amerikaner"?
Bisher, teilte Jen dem US-Informationsamt mit, wurde
der "typische Amerikaner" vornehmlich von Menschen
Seite 1

�europäischer Herkunft definiert, aber die Definition
muß jetzt erweitert werden. "Ich versuche zu argumentieren, daß wir jetzt angesichts neuer Einwanderungswellen den typischen Amerikaner' als jemanden
sehen müssen, der bestimmte Fragen zu seiner eigenen Person stellt. Der typische Amerikaner ist beispielsweise jemand, der viel Zeit mit der Untersuchung
der Frage verbringt, wer er ist. Diese Frage wird in
anderen Ländern nicht gestellt: Was jemand aus sich
macht."

"Jede Art von Wachstum beinhaltet meiner Meinung
nach Wandel. Jeder Wandel beinhaltet Verlust. Hier
besteht ein wirklicher Verlust, das möchte ich gar nicht
leugnen. Ein gegen diesen Wandel gerichteter Standpunkt ist ein gegen das Leben gerichteter Standpunkt.
Jeder Elternteil, der stirbt, ist ein Verlust. Dennoch
können wir als Kinder nicht einfach das Leben unserer
Ehern wiedererschaffen, um ihr Leben fortzusetzen."

Jen betonte, ihr Buch handele zwar von Amerikanern
chinesischer Herkunft, richte sich jedoch nicht an eine
"In anderen Ländern ist man einfach man selbst, bestimmte Leserschaft. Beim Verfassen ihres Buches
insbesondere in älteren Kulturen wie in China. Man ist habe sie "große Anstrengungen unternommen, um
das Kind seiner Eltern. Man ist vorwiegend an seinem eine sehr detaillierte psychologische Beschreibung
Platz in der Gesellschaft. Hier in Amerika werden wir meiner Charaktere zu geben, die eher menschlich als
mit all diesen anderen Botschaften bombardiert - 'man 'exotisch' wirken sollten." Jen hofft, daß ihre Leser in
sollte alles sein, was man sein kann', und so fort. den Vereinigten Staaten "auf die chinesisch-amerikaMeines Erachtens sind wir eine von einer Idee und nischen Erfahrungen schauen, darin ihre eigenen
diesen Gedanken geeinte Nation."
Erfahrungen sehen und sich gleichzeitig der Unterschiede und Gemeinsamkeiten bewußt werden".
Jen zufolge kann man jahrelang in Japan, Frankreich
oder Italien leben, ohne jemals Japaner, Franzose An ihre Leser in Übersee richtet Jen die folgende
oder Italiener zu werden. Man kann jedoch in Amerika Botschaft: "Mein Buch enthält eine Art Warnung
leben und ein wirklicher Amerikaner werden.
bezüglich der Freiheit hier (in den Vereinigten Staaten), welche Nachteile sie haben kann und welche
"Der Grund dafür ist, daß in Amerika - beispielsweise Grenzen das in diesem 'Paradies' Gebotene hat. Ein
im Unterschied zu Japan, wo das Wesen des Japaners Mensch hat hier viel weniger Beschränkungen als in
eng verbunden mit Rasse, Geschichte und Blut ist - jedem anderen Teil der Welt, aber es gibt immer noch
das Wesen des Amerikaners etwas mit bestimmten Grenzen. Die Freiheit kann für große und edle Dinge
gemeinsamen Ideen zu tun hat", erläuterte sie. "Wir genutzt werden, aber auch für unehrenhafte und gesind eine Nation, die sich von jeder anderen auf der fährliche... Sie beinhaltet sowohl Gefahren als auch
Welt stark unterscheidet. Wir sind 'das großartige Chancen."
Experiment'. Wir sind ein auf Gedanken und Vorstellungen basierendes Land, was bedeutet, daß jeder zu Sie räumt ein, daß die amerikanische Gesellschaft ihre
uns gehören kann. Wie könnte jemand ein wirklicher "willkürlichen Grenzen" hat, wobei der Rassismus die
Japaner werden, so wie das dort verstanden wird?"
am stärksten vorherrschende ist. "Eine der Grenzen,
die in diesem Land am schwersten abzuschaffen sind,
USIA befragte Jen zu der vorherrschenden Ansicht ist die der Rasse. Jeder scheint automatisch anzunehaller Nichtamerikaner, daß der amerikanische "Markt- men, daß die Rasse der wichtigste Aspekt eines
platz der Ideen" unkontrolliert, chaotisch und bisweilen Menschen ist. Das stellt eine wirkliche Schwierigkeit
gefährlich instabil ist.
dar, wenn die Menschen einander einschätzen", so
Die Autorin lachte. "Das ist ein Teil der amerikanischen Jen.
Natur - daß jeder argumentiert und eine Meinung
vertritt. Wir haben diese Art von Anarchie und jeder
nimmt daran teil. Das macht einfach Spaß."

Das Leben in den Vereinigten Staaten wird ihr zufolge
stärker von den Grenzen der eigenen Vorstellungskraft eingeschränkt. "In diesem Land, in dem man sein
Jen hatte beobachtet, daß viele Chinesen, die in die Leben nach den eigenen Wünschen gestalten kann,
Vereinigten Staaten ziehen, Angst vor der Assimilie- wird man von den eigenen Vorstellungen vom Leben
rung haben, die sie für einen gefährlichen Verlust ihres beschränkt. Manchmal habe ich den Eindruck, die
Selbst halten. "Wahr ist meines Erachtens, daß jeder, Menschen haben nicht ausreichend darüber nachgeder mit klarem Kopf darüber nachdachte, in einer dacht, wer sie werden wollen, bevor sie einfach losanderen Kultur Fuß zu fassen, in Angst und Schrecken stürmen, um diese Person zu werden. Das geschieht
mit Ralph in meinem Buch. Er folgt aus bestimmten
versetzt wurde", meinte sie.
Gründen einfach der falschen Spur. Er hätte mehr
"Meiner Ansicht nach ist es jedoch auch unvermeid- nachdenken sollen, wie sich in meinem Buch herauslich, daß die jeweilige Umgebung einen Menschen stellt."
verändert. Und das halten die Menschen oftmals für
schrecklich: Man verliert sein Erbgut! Ich halte das "Damit will ich einfach sagen, daß es in Amerika diese
enormen Chancen gibt, aber auch viele Stricke, um
aber eher für einen Teil des Lebens."
sich zu erhängen. Es gibt beides, und die Menschen
sollten Vorsicht walten lassen."
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AMERIKA DIENST 1

�Jen würde sich freuen, wenn ihr Buch zur Verständigung zwischen den Kulturen beitragen würde. Ihr
wirkliches Ziel besteht jedoch darin, Literatur mit wahrhaft
künstlerischem Wert zu schaffen, die über ethnische
Grenzen hinausgeht.

Jen, die kürzlich ein Guggenheim-Stipendium erhielt,
arbeitet zur Zeit an ihrem zweiten Roman. Eine ihrer
Kurzgeschichten, The Water-Faucet Vision, erscheint
in einer kürzlich veröffentlichten Anthologie asiatischamerikanischer Literatur mit dem Titel Charlie Chan
is Dead (Penguin Books, 1993. Herausgeberin Jessica Hagedom).

* * * * *

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