<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<itemContainer xmlns="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5" xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance" xsi:schemaLocation="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5 http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5/omeka-xml-5-0.xsd" uri="https://www.amerikahaus-archiv.de/items/browse?output=omeka-xml&amp;page=99&amp;sort_field=Dublin+Core%2CTitle" accessDate="2026-11-04T13:57:29+00:00">
  <miscellaneousContainer>
    <pagination>
      <pageNumber>99</pageNumber>
      <perPage>10</perPage>
      <totalResults>2223</totalResults>
    </pagination>
  </miscellaneousContainer>
  <item itemId="1969" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="1980">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/0acb064e69eb862533d52debca0e79b9.pdf</src>
        <authentication>49db4ef71d04b2ce7db4f1510c4dd4a1</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="9831">
                    <text>AMERIKA DIENST
VON

*

39

20. November 1986

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan enthüllt geheime diplomatische initiative- im Iran
- Präsident Reagans Ansprache an die Nation Reagan sieht Fortschritte in Genf
- Erklärung zum Abschluß der 6. Runde der NST-Verhandlungen Freier Handel mit Agrarprodukten: Gebot für ein gesundes Welthandels
System
- Ansprache von Botschafter Richard R. Burt vor dem waren-verein der
Hamburger 3örse e.V. -

HINTERGRUNDMATERIAL
Rüstungskontrolle nach Reykjavik
- Von Paul Nitze -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Künftige Raumfahrtpläne der USA
- NASA-Chef Dr. C. Fletcher zu Fragen europäischer Wissenschaftler
und Journalisten -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
'VON

4

Dokumentation
20. November 1986

39

REAGAN ENTHÜLLT GEHEIME DIPLOMATISCHE INITIATIVE IM IRAN
- Präsident Reagans Ansprache an die Nation WASHINGTON - (AD) - In einer landesweit ausgestrahlten Ansprache an die
Nation erklärte Präsident Reagan am 13. November 1986, die Vereinigten Staaten
hätten eine geheime diplomatische Initiative im Iran unternommen, um die Beziehungen zu diesem Land wieder herzustellen und die sichere Rückkehr aller
Geiseln zu erreichen.
Als zwei weitere Ziele der Initiative nannte der Präsident, daß der iranisch-irakische Konflikt zu einem ehrenvollen Ende geführt und der staatlich
geförderte Terrorismus und die Subversion abgeschafft werden sollten.
Reagan betonte, die von ihm "autorisierten Schritte standen in vollem Einklang mit den Bundesgesetzen und tun dies auch weiterhin"; die Regierung der
Vereinigten Staaten "verfolgt eine klare politische Linie, die darin besteht,
sich nicht den Forderungen von Terroristen zu beugen".
Nachfolgend drucken wir den Text der Ansprache im Wortlaut:
Ich weiß, daß Sie in den vergangenen Tagen viel von dem gehört, gesehen und gelesen haben, was dänischen Matrosen, ungenannten Beobachtern in italienischen und spanischen
Häfen und besonders auch anonymen
Mitgliedern meiner Administration zugeschrieben wird.
Jetzt werden Sie
die Tatsache aus einer Quelle des
Weißen Hauses hören - ich denke, Sie
kennen mich.
Ich möchte heute über eine ausgesprochen delikate und sehr wichtige
außenpolitische Angelegenheit zu Ih-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

nen sprechen.
Seit achtzehn Monaten haben wir
im Iran eine geheime diplomatische
Initiative durchgeführt.
Diese Initiative wurde aus den einfachsten und
besten Gründen durchgeführt:
um wieder Beziehungen
aufzunehmen,

zum

Iran

um den blutigen, sechs Jahre währenden Krieg zwischen Iran und
Irak zu einem ehrenvollen Ende zu
führen,

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�- um staatlich geförderten Terrorismus und Subversion zu beseitigen; und um die sichere Rückkehr
aller Geiseln zu erreichen.
Ohne Mitarbeit des Iran können
wir den Krieg am Persischen Golf
nicht zu einem Ende bringen; ohne die
Beteiligung des Iran kann es im Mittleren Osten keinen dauerhaften Frieden geben.
Seit nunmehr zehn Tagen ist die
Presse Amerikas und der gesamten Welt
voll von Berichten und Gerüchten über
diese Initiative und ihre Ziele.
Nun, liebe Mitbürger, es gibt ein
altes Sprichwort, das besagt: nichts
verbreitet sich so rasch wie ein Gerücht. Deshalb schien es mir an der
Zeit, direkt zu Ihnen zu sprechen und sie aus erster Hand über unsere
Beziehungen zum Iran zu informieren.
Will Rogers sagte einmal: "Gerüchte
sind schneller, aber sie halten der
Wahrheit nicht stand."
Halten wir
uns also an die Tatsachen.
Die Behauptung wurde aufgestellt,
die Vereinigten Staaten hätten Waffen
an den Iran geliefert - als Lösegeldzahlung für die Freilassung amerikanischer Geiseln im Libanon -, die
Vereinigten Staaten hätten ihre Verbündeten hintergangen und heimlich
die amerikanische Politik verletzt,
wonach es keine Geschäftsbeziehungen
zu Terroristen geben soll.
Diese Behauptungen
men falsch.

sind vollkom-

Die Vereinigten Staaten haben
keine Zugeständnisse an jene gemacht,
die unsere Landsleute im Libanon gefangenhalten.
Und wir werden das
auch nicht tun.
Die Vereinigten
Staaten haben weder Schiffsladungen
- 2

noch Flugzeugladungen voller amerikanischer Waffen gegen amerikanische
Geiseln ausgetauscht. Und wir werden
das auch nicht tun.
Es tauchten auch Berichte über
eine angebliche amerikanische Verwikklung auf. Berichte über einen Seetransport in Richtung Iran unter Verwendung dänischer Schiffe, mit amerikanischen
Waffen
beladen.
über
Schiffe in spanischen Häfen zwecks
geheimer amerikanischer Waffentransporte, über italienische Häfen, die
angelaufen wurden, darüber, daß die
Vereinigten Staaten, die angeblich
Ersatzteile und Waffen für Kampfflugzeuge lieferten. All diese Berichte
sind ganz schön aufregend; aber was
uns angeht, so ist nicht ein einziger
von ihnen wahr.
Im Verlauf unserer vertraulichen
Diskussionen stimmte ich dem Transfer
geringer Mengen von Verteidigungswaffen und Ersatzteilen für Defensivsysteme an den Iran zu. Meine Absicht
bestand darin, Teheran davon zu überzeugen, daß unsere Unterhändler mit
meiner Erlaubnis handelten, ein Signal zu senden, daß die Vereinigten
Staaten bereit seien, die Feindseligkeit zwischen uns durch neue Beziehungen zu ersetzen. Diese bescheidenen Lieferungen könnten, zusammengenommen, leicht in einem einzigen
Transportflugzeug Platz finden. Sie
könnten, zusammengenommen, weder den
Ausgang des sechs Jahre alten Krieges
zwischen dem Iran und dem Irak beeinflussen - noch könnten sie in irgendeiner Weise Wirkung auf das militärische Gleichgewicht zwischen den beiden Ländern haben.
Jene, mit denen wir in Kontakt
stehen, gingen erhebliche Risiken ein
und bedurften eines Signals unserer
ernsthaften Absicht, sollten sie ihr
Wirken fortsetzen und den Dialog aus-

�weiten.

schaft.

Als wir diese Initiative ergriffen, machten wir dem Iran aber auch
klar, daß er sich als Vorbedingung
für Portschritte in unseren Beziehungen allen Formen des internationalen
Terrorismus
entgegenstellen
müsse.
Wir deuteten an, daß der wesentlichste schritt, den der Iran unternehmen
könnte, darin bestünde, seinen Einfluß im Libanon zu verwenden, um die
Freilassung aller dort festgehaltenen
Geiseln zu erwirken.

Aus diesen Gründen liegt es in
unserem
nationalen
Interesse, nach
Veränderungen
im Iran Ausschau zu
halten, der Hoffnung auf verbesserte
Beziehungen bietet. Bis zum vergangenen Jahr gab es nur wenig, was derlei Hoffnung rechtfertigt hätte.

Aber warum, so mögen Sie fragen,
sind Beziehungen zum Iran überhaupt
für die Vereinigten Staaten wichtig?

Vielmehr gibt es noch immer bittere und tiefe Meinungsverschiedenheiten, die noch heute andauern. Im
Zentrum unseres Disputs steht die Unterstützung des internationalen Terrorismus durch den Iran. Es ist bislang die Politik des Iran gewesen,
jeglichen westlichen Einfluß aus dem
Mittleren Osten zu verdrängen. Damit
können wir uns nicht abfinden, denn
unsere Interessen im Mittleren Osten
sind grundlegender Art. Dabei streben wir im Iran weder territoriale
Gewinne, noch eine spezielle Position
an. Die iranische Revolution ist eine geschichtliche Tatsache; aber zwischen den grundlegenden
nationalen
Interessen
der Vereinigten Staaten
und des Iran braucht es keinen permanenten Konflikt zu geben.

Der Iran hat eine der bedeutsamsten geopolitischen Lagen der Welt.
Er liegt zwischen der Sowjetunion und
dem Zugang zu den Gewässern des Indischen Ozeans.
Die Geographie erklärt, warum die Sowjetunion eine Armee nach Afghanistan geschickt hat,
um das Land - und, wenn möglich - den
Iran und Pakistan zu beherrschen.

Seit
1983
haben
verschiedene
Staaten mit dem Versuch begonnen, direkte Kontakte zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran herzustellen.
Europäische, nahöstliche und
fernöstliche Länder versuchten, als
Mittler aufzutreten.
Trotz amerikanischer Bereitschaft zu mehr Bewegung
trug keine dieser Bemühungen Früchte.

Die geographische Lage verleiht
dem Iran eine ganz entscheidende Position, von wo aus Gegner in die ölströme aus den arabischen Staaten
eingreifen könnten, die Anrainer des
Persischen Golfs sind. Von der Geographie abgesehen sind die Erdölvorräte des Iran wichtig für das langfristige Wohlergehen der Weltwirt-

Vor diesem Hintergrund reagierten
wir im vergangenen Jahr, als wir auf
die Möglichkeit hingewiesen wurden,
einen direkten Dialog mit iranischen
RegierungsVertretern einzurichten.

Einiger Fortschritt wurde bereits
erzielt.
Seit Beginn der Kontakte
zwischen der amerikanischen Regierung
und dem Iran gab es keine Beweise für
Komplizenschaft der iranischen Regierung bei Terrorakten gegen die Vereinigten Staaten. Einige Geiseln sind
nach Hause zurückgekehrt - und wir
begrüßen die Bemühungen, die die Regierung des Iran in Vergangenheit unternommen hat und derzeit unternimmt.

Lassen Sie es mich noch einmal
wiederholen.
Amerikas Ziele in der
Region sind seit langem:
Hilfe bei

- 3 -

�der Bewahrung der Unabhängigkeit des
Iran vor sowjetischer Domination;
Herbeiführung eines ehrenhaften Endes
des blutigen Krieges zwischen dem
Iran und dem Irak; Beendigung der
Verbreitung von Subversion und Terrorismus in der Region. Ein Haupthindernis bei diesen zielen war der
fehlende Dialog, die abgeschnittene
Verbindung zwischen uns.
Unserem Versuch
der Schaffung
besserer Beziehungen zwischen unseren
beiden Ländern liegt die strategische
Bedeutung des Iran und sein Einfluß
in der islamischen Welt zugrunde.
Unsere Gespräche wurden bis ins
Frühjahr dieses Jahres fortgesetzt.
Angesichts des unserer Meinung nach
bis
dahin
erzielten
Fortschritts
dachten wir daran, das Niveau der
diplomatischen
Kontakte
anzuheben.
Ein Treffen in Teheran wurde arrangiert. Ich ersuchte meinen ehemaligen Sicherheitsberater, Robert McFarlane, eine Geheimmission zu unternehmen und gab ihm ausführliche Instruktionen.
Ich ersuchte ihn, in
den Iran zu gehen, um dort einen Dialog zu eröffnen, wobei ich klar und
deutlich auf unsere Grundziele und
Meinungsunterschiede hinwies.
Die viertägigen Gespräche wurden
in zivilisierter weise geführt; amerikanisches Personal wurde nicht mißhandelt. Seither wurde der Dialog
fortgeführt und schrittweiser Fortschritt wird auch weiterhin erzielt.
Lassen Sie mich wiederholen: unseren Interessen wird eindeutig durch
die Eröffnung eines Dialogs mit dem
Iran gedient und dadurch zu einer Beendigung des Krieges zwischen dem
Iran und Irak beigetragen.
Dieser
Krieg zieht sich nun schon seit über
sechs Jahren hin, Aussicht auf eine
Verhandlungslösung
besteht
nicht.

Die Opfer auf beiden Seiten sind gewaltig; die nachteiligen wirtschaftlichen und politischen Folgen für
diese so wichtige Weltregion werden
immer größer. Wir haben versucht, in
diesem sinnlosen Kampf Verbindung mit
beiden Seiten aufzunehmen, um dabei
behilflich zu sein, eine Waffenruhe
und letztlich einen Frieden auszuhandeln. Wir sind dabei um Ausgewogenheit bemüht, indem wir mit beiden
Seiten wie auch mit anderen interessierten Staaten zusammenarbeiten, um
eine Ausweitung des Krieges zu verhindern.
Dieses heikle Unterfangen birgt
für die Beteiligten große Risiken.
Es steht außer Frage, daß wir diesen
Dialog nie hätten beginnen oder fortführen können, wäre die Initiative
eher aufgedeckt worden.
Wegen der
Publizität der vergangenen Woche ist
heute die gesamte Initiative in großer Gefahr.
Unsere Geschichte ist voll anderer Beispiele für diese Art Geheimdiplomatie. 1971 sandte der damalige
Präsident Nixon seinen nationalen Sicherheitsberater auf geheime Mission
nach China. In jenem Fall bestand,
wie heute, ein entscheidendes Bedürfnis nach Diskretion und nach gutem
Gespür für die Situation, in der sich
das Land befand, mit dem wir in den
Dialog einzutreten versuchen.
Seit der sicheren Rückkehr von
David Jacobsen, der als Geisel festgehalten worden war, gab es eine Unzahl an Spekulationen und Berichten,
die nicht nur falsch waren, sondern
auch für die Geisel potentiell gefährlich und sich zerstörerisch auf
die Chancen auswirken, die wir noch
haben.
Die Bemühungen so mutiger
Leute wie Terry Waite wurden gefährdet. Aber die falschen Gerüchte und
die irrigen Berichte nahmen so zu,

�daß das Risiko weiteren Schweigens
jetzt die Gefahren eines offenen Wortes überwiegen.
Und deshalb entschloß ich mich, heute abend zu Ihnen
zu sprechen.
Beispielsweise wurde viel darüber
berichtet,
daß
der
Kongreß
sowie
höchstrangige Angehörige der Administration u :igang&lt;jn worden wären. Obwohl die /on uns unternommenen Anstrengunger überaus heikel waren und
die Zahl &lt; er darin einbezogenen Regierungsmitgliecer auf diejenigen begrenzt
war,
3ie
unbedingt
davon
Kenntnis ru ben mußten, waren alle betioffenen ;abin?ttsangehörigen umfassend konsu .tier:. nie von mir autorisierten ichri^te standen in vollem
Einklang n it den Bundesgesetzen und
tun dies a ich weiterhin; auch die rel'Vinten K&gt;ngre3ausschüsse wurden und
w&lt; rien umf; ssenr informiert.

den Forderungen von Terroristen zu
beugen.
Diese Politik des "keine
Konzessionen" ist auch weiterhin gültig - trotz der wilden Spekulationen
und falschen Berichte über Waffen für
Geiseln und vermeintliche Lösegeldzahlungen.
Wir haben nicht - ich
wiederhole: nicht - Waffen oder dergleichen gegen Geiseln eingetauscht
und werden dies auch nicht tun. Jene, die glauben, wir seien gegenüber
dem
Terrorismus
"weich
geworden",
sollten über diese Frage mit Oberst
Gadhafi sprechen.
Wir haben nicht vor Terroristen
kapituliert - und werden dies auch
nicht tun.
Wir werden jedoch auch
weiterhin die lebenswichtigen Interessen unserer großen Nation fördern trotz Terroristen und Radikaler, die
versuchen, unsere Bemühungen zu untergraben und die Vereinigten Staaten
lahmzulegen.

Eine
veite:e Unterstellung bes eht darii, wir hätten uns im Golfkrieg auf die Seite des Iran gestellt.
?uch dies ist unbegründet.
W^r haben immer wieder die Gewalt auf
beiden Sei;en verurteilt. Wir haben
UMS immer wieder am eine Verhandlungslösun' bemüht, die die territoriale Integrität beider Staaten bewahrt.
Die Annäherungsversuche, die
w r beim Iran unternommen haben, sind
k ;i&gt;ie Verschiebung der Unterstützung
v &gt;n einer Seit? zur anderen. Vielmehr handelt es sich hierbei um eine
diplomatische Initiative, um im Iran
- wie auch im Irak - ein gewisses Maß
ai Zugang jnd Einfluß zu erhalten und
UM diesen blutigen Konflikt zu einem
ehrenvolle.i
Ende
zu
bringen.
Es
l\egt im Interesse aller Parteien in
der Golfrejion, diesen Krieg so bald
w e möglic i zu beenden.

Als Präsident habe ich immer in
der Überzeugung gehandelt, daß das
amerikanische Volk, mit den Tatsachen
vertraut, die richtige Entscheidung
treffen wird. Ich bin überzeugt, daß
dies auch jetzt richtig ist.

Ich fasse ?usammen: unsere Regier mg verfolgt eine klare politische
Linie, die d a r n besteht, sich nicht

Ich kann kein Ergebnis garantieren.
Aber wie in der Vergangenheit
erbitte ich Ihre Unterstützung, weil

Unsere Ziele waren und bleiben:
- Wiederherstellung
zum Iran,

der Beziehungen

- Herbeiführung
eines
ehrenvollen
Endes des Golfkrieges,
- Beendigung des staatlich unterstützten
Terrors
im
Mittleren
Osten und schließlich
- die sichere Heimkehr
seln aus dem Libanon.

- 5-

aller

Gei-

�ich glaube, daß Sie die Hoffnung auf
Frieden im Mittleren Osten teilen,
auf Freiheit für alle Geiseln und auf
eine Welt, die frei von Terrorismus
ist. Sicherlich gibt es bei der Verfolgung dieser ziele Risiken, aber
die Risiken sind noch größer, wenn
wir nicht unermüdlich weitermachen.
Es wird der Geduld und der Einsicht bedürfen; es wird des anhaltenden Widerstands gegon jene bedürfen,
die terroristische Handlungen begehen; und es wird der Zusammenarbeit
mit all jenen bedürfen, die die Welt
von dieser ?lage befreien wollen.

- 6

�AMERIKA DIENST
'VON

Dokumentation

4

20. November 1986

39

REAGAN SIEHT FORTSCHRITTE IN GENF
Erklärung zum Abschluß der 6. Runde der NST-Verhandlungen -

WASHINGTON - (AD) - Den Abschluß der sechsten Runde der Verhandlungen über
Kern- und Weltraumwaffen (NST) in Genf nahm Präsident Reagan am 12. November
1984 zum Anlaß einer schriftlichen Erklärung, in der er darauf hinwies, daß
diese neue Runde "vielleicht die bislang produktivste" gewesen ist, obwohl die
Sowjets durch ihr Beharren auf einer Verknüpfung aller Elemente der nuklearen
Gleichung einen "großen Schritt rückwärts" taten.
Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

Da der heutige Tag den Abschluß
der sechsten Runde der Verhandlungen
über Kern- und Weltraumwaffen (NST)
zwischen den Vereinigten Staaten und
der Sowjetunion signalisiert, möchte
ich diese Gelegenheit ergreifen, erneut unsere Verpflichtung zu bekräftigen, umfassende, ausgewogene und
verifizierbare
Verringerungen
der
amerikanischen und sowjetischen Nukleararsenale zu erreichen.
Solche
Verringerungen würden die Gefahr eines Atomkriegs mindern und eine weit
sicherere Welt schaffen.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Als diese Runde vor acht Wochen
eröffnet wurde, zeigte sich darin die
Chance auf bedeutsame Fortschritte in
unserem Bemühen, die Zustimmung der
Sowjets zu umfassenden Verringerungen
der Kernwaffen
zu
erhalten.
Die
Hoffnung hierauf verstärkte sich noch
durch den Fortschritt, der im Verlauf
meines Treffens mit Generalsekretär
Gorbatschow in Reykjavik im vergangenen Monat erzielt wurde. Wir sprachen dort über die gesamte Bandbreite
der Themen, die unsere beiden Länder
betreffen - einschließlich der Men-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�schenrechte, der regionalen Konflikte, der Rüstungsverringerung
sowie
der erweiterten bilateralen Kontakte
und der Kommunikation.
Insbesondere
hinsichtlich
der
Rüstungskontrolle
erzielten der Generalsekretär und ich
erhebliche Fortschritte bei der Annäherung der amerikanischen und sowjetischen Standpunkte bei mehreren zentralen Fragen:
Wir stimmten einer 50prozentigen
Verringerung der strategischen Offensivwaffen
im Verlauf der nächsten
fünf Jahre zu, die durch die Verringerung auf 1 600 strategische Trägersysteme und 6 000 Gefechtsköpfe bei
diesen Trägersystemen ergänzt werden
sollten.
- Wir
betonten die Notwendigkeit
erheblicher Einschnitte bei den
schweren
Interkontinentalraketen
der Sowjetunion, von denen die
destabilisierendste Wirkung ausgeht.
- Wir stimmten einer weltweiten Beschränkung auf 100 Gefechtsköpfe
bei den nuklearen Mittelstreckensystemen größerer Reichweite zu;
in Europa sollten keinerlei solche Raketen verbleiben.
Die Vereinigten Staaten schlugen
vor, weder sie selbst noch die UdSSR
sollten in den nächsten zehn Jahren
eine moderne strategische Verteidigung dislozieren, während Forschung,
Entwicklung und Erprobung, die der
ABM-Vertrag zuläßt, durchgeführt werden. Dies würde mit der Vereinbarung
gekoppelt, wonach während der ersten
fünf Jahre dieses Zeitraums die strategischen Offensivwaffen um 50 Prozent verringert und während der zweiten fünf Jahre alle verbleibenden offensiven ballistischen Raketen der
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion vollständig abgeschafft würden.

Wir verwiesen darauf, daß am Ende
dieser Zehnjahres-Frist
jede Seite
eine derartige Verteidigung dislozieren könnte, falls sie sich dazu entscheiden würde, es sei denn, die Vertragsparteien kämen zu einer anderen
Übereinkunft.
Herr Gorbatschow akzeptierte diesen Vorschlag nicht und
bestand stattdessen darauf, den ABMVertrag
restriktiver
zu gestalten,
indem er unsere Forschung ausschließlich auf das Labor begrenzt wissen
wollte, womit er letztlich die amerikanische Strategische Verteidigungsinitiative abwürgen würde.
Während dieser Runde legten unsere Unterhändler in Genf in aller Form
neue amerikanische Vorschläge, die
die
Bereiche
der
zwischen
Herrn
Gorbatschow und mir in Reykjavik erzielten
Übereinstimmung
widerspiegeln, sowie unsere anderen Vorschläge
auf den Tisch. Am 7. November unternahm auch die Sowjetunion durch Unterbreitung
von
Vorschlägen,
die
teilweise den in Reykjavik erzielten
Fortschritt
widerspiegeln,
einige
neue schritte.
Diese Bereiche der
Übereinstimmung können als Ausgangspunkt dienen, von dem aus die amerikanischen und sowjetischen Unterhändler
bedeutsame
Rüstungskontrollverträge schmieden könnten.
Dies ist
aber bislang noch nicht der Fall gewesen.
Obwohl dies vielleicht die
bislang produktivste Verhandlungsrunde gewesen ist, haben die sowjetischen
Unterhändler
bislang
noch
nicht entsprechend reagiert, um auf
dem
in Reykjavik
erzielten
Fortschritt
aufzubauen.
Stattdessen
schienen die Sowjets bisweilen mehr
an der Durchführung einer Öffentlichkeitskampagne
interessiert
als
am
Verfolg eines ernsthaften Gebens und
Nehmens am Verhandlungstisch.

der

- 2 -

Dies gilt vor allem für die Frage
Verringerung bei den nuklearen

�Mittelstreckensystemen.
Bei unserem
Gipfeltreffen vor einem Jahr in Genf
kamen Herr Gorbatschow und ich überein, dort weiterzumachen, wo es Bereiche der Übereinstimmung gibt, einschließlich eines INF-Zwischenabkommens. Die Sowjets bekräftigten diese
Position noch einmal durch Vorschläge, die sie zu Beginn dieses Jahres
unterbreiteten.
Und
sie verwiesen
nur wenige Tage vor unserem Treffen
in Island erneut auf das ziel eines
separaten INF-Abkommens. Jetzt aber
sind die Sowjets einen großen Schritt
rückwärts gegangen, indem sie darauf
bestehen, daß Fortschritt in allen
Bereichen der Rüstungskontrolle bei
den Kernwaffen in einem einzigen Paket verschnürt sein müsse. Diese Bemühung, Fortschritte in anderen Bereichen
der
Rüstungskontrolle
zur
Geisel einer Hinnahme des sowjetischen Versuchs zu machen, unser SDIProgramm zu vereiteln, ist für uns
ganz offenkundig unannehmbar.
Angesichts der anhaltenden sowjetischen Aufrüstung im Offensivbereich, der seit langer Zeit bestehenden und intensiven sowjetischen Programme bei der strategischen Verteidigung und angesichts der andauernden
sowjetischen
Nichteinhaltung
bestehender RüstungskontrollVereinbarungen
ist SDI für die künftige Sicherheit
der Vereinigten Staaten und ihrer
Verbündeten
von größter Bedeutung.
Amerika weiß, daß SDI das entscheidende Mittel war, um die Sowjets zur
Rückkehr zum Verhandlungstisch zu bewegen - und auch entscheidend für unsere Aussichten auf Abschluß eines
Abkommens mit den Sowjets zur Verringerung der Kernwaffen. Eine wirksame
strategische Verteidigung wäre eine
Versicherung gegen Betrug oder Aufhebung eines solchen Abkommens seitens
der Sowjets.
Außerdem wäre sie für
die Sowjets ein fortwährender Anreiz,
bei den Offensivwaffen auf weitere

Verringerungen
hinzuarbeiten.
SDI
ist daher eine lebenswichtige Versicherungspolice, die wir nicht wegverhandeln können und nicht wegverhandeln werden. Dies ist eine Verpflichtung, die ich gegenüber dem amerikanischen Volk eingegangen bin und dazu
stehe ich.
Die
amerikanischen
Unterhändler
haben schwer daran gearbeitet, den in
Reykjavik
erzielten Fortschritt
in
konkrete,
neue
Abrüstungsvorschläge
umzusetzen.
Diese
neuen amerikanischen Vorschläge liegen nun zusammen
mit einigen neuen sowjetischen Vorschlägen in Genf auf dem Verhandlungstisch. Hoffen wir, daß die Sowjets, wenn die Verhandlungen, wie
bereits vereinbart, am 15. Januar
wieder aufgenommen werden, mit uns
zusammen darangehen werden, zum erstenmal in der Geschichte bedeutende
Verringerungen bei den Kernwaffen zu
erreichen.
Solche
Verringerungen
sind
jetzt
in unserer Reichweite,
wenn die Sowjets sich uns in dem
ernsthaften Bemühen um Abkommen anschließen, die für beide Seiten ausgewogen und stabilisierend sind und
im Interesse der ganzen Welt liegen.
Wir sind dazu bereit. Wir warten auf
die
sowjetische
Bereitschaft
zum
Schritt nach vorn.

- 3 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
'VON

Dokumentation

**

39

20. November 1986

FREIER HANDEL MIT AGRARPRODOKTEN: GEBOT
FÜR EIN GESUNDES WELTHANDELSSYSTEM
- Ansprache von Botschafter Burt in Hamburg HAMBURG - (AD) - In einer Ansprache vor dem Waren-Verein der Hamburger
Börse e.V. hat Botschafter Richard R. Burt am 18. November 1986 davor gewarnt,
daß die Vereinigten Staaten und Europa sich im Bereich der Agrarpolitik auf
Kollisionskurs befinden. Er betonte, daß ein freier Agrarhandel für die Aufrechterhaltung eines offenen Welthandelssystems unerläßlich ist. Burt erklärte, "wenn es uns nicht gelingt, anstehende Probleme der Landwirtschaft in den
Griff zu bekommen, wird es in den Vereinigten Staaten als Gegenreaktion protektionistischen Druck geben". Dies würde sich auch auf die transatlantischen
Beziehungen in der Sicherheitspolitik auswirken.
Die Äußerungen des Botschafters haben folgenden Wortlaut:
Verehrter Herr Freytag, Dr. Graf
Lambsdorff, meine Damen und Herren*.
Wir sind hier in Hamburg zusammengekommen, der Stadt, die vor Hunderten von Jahren in der Hanse, einem
der großen Handelsbündnisse der Weltgeschichte, zu gewaltigem Wohlstand
gelangte. Ein zentrales Anliegen für
die Hanse war der Handel mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen.
Heute
hat sich nicht viel verändert: Die
Bundesrepublik Deutschland nimmt nach
wie vor eine Schlüsselstellung im
wichtigsten
Handelssystem
der Welt

United States Information Service
Embassy of the United States of America

ein, und der Handel mit landwirtschaftlichen Produkten bleibt lebenswichtiger Bestandteil dieses Handelssystems, in dem wir alle zu Wohlstand
gelangt sind.
Ich möchte daher zu Ihnen ein wenig über den Handel mit landwirtschaftlichen Gütern sprechen,
- über seine Bedeutung für Deutsche
und Amerikaner gleichermaßen,
- über die Probleme, die er uns bereitet
- und über Lösungen, die wir zusam-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�men erarbeiten müssen.

wohl mit Offenheit als auch mit politischem Mut angehen.

Seit meiner Ankunft in Deutschland im vergangenen Jahr habe ich
wiederholt gesagt, daß sich die Beziehung
zwischen
den
Vereinigten
Staaten und der Bundesrepublik zu einer "reifen Partnerschaft" entwikkelt.
In vielen Bereichen gibt es
eine bemerkenswerte Übereinstimmung
unserer Ansichten.
Auf geopolitischer Ebene sehen sich Europa und die
Vereinigten Staaten derselben Bedrohung gegenüber und stehen in der NATO
für unsere gemeinsame Verteidigung
fest zusammen. Wir arbeiten darüber
hinaus bei einer großen Bandbreite
außenpolitischer Themenkreise zusammen, wie etwa beim Terrorismus, bei
Südafrika und dem Mittleren Osten.
Ein Aspekt dieser "reifen Partnerschaft" ist unsere Fähigkeit, miteinander über die Punkte zu sprechen,
bei denen unsere Ansichten auseinandergehen. Einer dieser Punkte ist im
Augenblick der Handel mit landwirtschaftlichen Produkten. Manche mögen
diesen Bereich als nicht so wichtig
einschätzen wie etwa die Beziehungen
auf
sicherheitspolitischer
Ebene;
trotzdem glaube ich, daß der Handel
an erster und zentraler stelle stehen
muß.
Das offen und ehrlich geführte
Gespräch unter Freunden ist ein wesentlicher Bestandteil einer reifen
Partnerschaft, und gerade Offenheit
ist bei diesem Thema notwendig. Wenn
es uns nicht gelingt, anstehende Probleme der Landwirtschaft in den Griff
zu bekommen, wird es in den Vereinigten Staaten als Gegenreaktion protektionistischen Druck geben. Ein größerer Ruck zum Protektionismus würde
sich unweigerlich auf die transatlantischen Beziehungen in der Sicherheitspolitik auswirken.
Aus diesem
Grund müssen wir das Thema Handel so-

Das Dilemma, dem wir uns heute in
der
Landwirtschaft
gegenübersehen,
geht weit über den Handel selbst hinaus. Wir sprechen über die Notwendigkeit der Umstrukturierung eines
wesentlichen Elements unserer Volkswirtschaften. Solch radikaler Wandel
muß besonders durch die Art und Weise, wie wir ihn beeinflussen, sowohl
politische als auch wirtschaftliche
Auswirkungen haben. Im Bereich des
Handels könnten wir heute sehr wohl
an dem Punkt angelangt sein, wo es um
die Zukunft des Multilateralismus, um
die Stärke der westlichen Volkswirtschaften und die Lebensfähigkeit der
Volkswirtschaften
in den Entwicklungsländern geht.
Vor etwas über 20 Jahren erklärte
Indonesiens Präsident Sukarno, um
seine Wähler auf gewisse politische
und wirtschaftliche Schwierigkeiten
vorzubereiten:
"Dieses Jahr leben
wir gefährlich".
Heute leben auch
die Vereinigten Staaten und die Europäische Gemeinschaft "gefährlich" und
werden dies weiterhin tun, wenn sie
nicht mit ihren Handelsproblemen fertigwerden.
Sie als Mitglieder des Waren-Vereins kennen und schätzen die Vorzüge
eines Klimas des freien Handels. Sie
kennen ferner die Nachteile und Verzerrungen für den Handel, die auftreten können, wenn Institutionen und
Regierungen in solchem Umfeld intervenieren. Wir können es uns nicht
leisten, zu vergessen, wie alle Länder - auch meines - in den dreißiger
Jahren zugelassen haben, daß der Protektionismus den Handel erstickt und
damit die weltweite wirtschaftliche
Not hervorgerufen hat, die zum Aufstieg der Diktatur und zum Zusammenbruch einer friedlichen Weltordnung

- 2 -

�beitrug.
Die
kostspieligen
Auswirkungen
einer über das natürliche Maß hinausgehenden Unterstützung unserer Landwirte werden für uns alle sichtbar.
Erstens belasten wir die öffentliche
Hand
und
fügen unseren Volkswirtschaften
erheblichen
Schaden
zu.
Zweitens bereiten wir uns selbst und
einander ernsthafte Schwierigkeiten,
die zu einer Belastung der Grundstruktur unserer Beziehungen zu werden drohen. Drittens schaden wir anderen Exporteuren, die nicht subventionieren und von denen viele unsere
engen Verbündeten sind.
Schließlich
richten wir großen Schaden bei den
Entwicklungsländern an, indem wir sie
bei
ihrem Bemühen behindern, sich
ausreichend
mit Nahrungsmitteln
zu
versorgen und selbst Agrarexporte zu
exportieren, um auf diese Weise ihre
Schuldenprobleme zu lösen.
Ich möchte Ihnen einige unserer
sehr realen Sorgen über die Politik
der Gemeinschaft vortragen und auch
darüber sprechen, warum wir unsere
europäischen Freunde so sehr drängen,
die
augenblicklich
unbefriedigende
Struktur mit Nachdruck zu reformieren. In den letzten fünf Jahren haben die Vereinigten Staaten in ihrer
Handelsbilanz mit der EG einen dramatischen
Umschwung
wahrgenommen.
Vor 1984 verzeichneten die Vereinigten Staaten durchgängig Zahlungsbilanzüberschüsse gegenüber der Gemeinschaft. 1980 belief sich unser Überschuß im Handel auf 18 Milliarden
Dollar. Für 1986 prognostizieren wir
hingegen ein Handelsbilanzdefizit von
23 Milliarden Dollar.
Das bedeutet
einen Umschwung im Handel zugunsten
der Gemeinschaft von über 40 Milliarden Dollar in sechs Jahren.
Einer der
hinter
dieser

wesentlichen
Entwicklung

Handel mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen. Seit 1980 ist der Absatz
von amerikanischen Agrarprodukten in
der EG um 40 Prozent zurückgegangen.
Unser Überschuß im Agrarhandel ist um
über fünf Milliarden Dollar gesunken.
Ende des Jahres 1985 hatte dieser
Handelsüberschuß
im
landwirtschaftlichen
Sektor
seinen
niedrigsten
Stand erreicht und könnte in Zukunft
völlig verschwinden.
Diese Entwicklungen stehen im Gegensatz zum Aufstieg der Europäischen Gemeinschaft
zum zweitgrößten Exporteur von Agrarprodukten in der Welt im selben Zeitraum. Unseren Beobachtungen nach ist
es den gegenwärtigen Trends zufolge
wahrscheinlich, daß die EG 1986 die
Vereinigten Staaten als den größten
Exporteur von Agrarprodukten überrunden wird - ein Faktum, das vor einigen Jahren niemand auch nur im entferntesten für möglich gehalten hätte.
Dies wäre gerecht und durchaus
zum Vorteil der Welt, wenn Europa Agrarprodukte billiger als die Vereinigten Staaten produzieren könnte.
Aber diese Verschiebung in der Struktur des Handels ist das Ergebnis von
Subventionen und Handelsbeschränkungen, die die Weltmärkte zu unser aller Nachteil verzerren.
Heute ist die EG der Welt größter
Exporteur von Butter, Geflügel, Rindfleisch und Weißzucker.
In keinem
dieser
Bereiche
produziert
Europa
vergleichsweise billiger als andere
Anbieter. Aufgrund hoher Stützpreise
stieg die Produktion dieser und anderer
Erzeugnisse
in
einer
Periode
weltweit stagnierender Nachfrage weiter an.
Die EG wiederum hat versucht, ihre Überschußproduktion auf
den Weltmärkten abzusetzen, indem sie
Exportsubventionen benutzte, um die
Anhäufung lästiger Vorräte auf ein
Mindestmaß zu beschränken.

Faktoren
ist der
- 3 -

Die wurzeln für diese Entwicklung

�liegen in der Agrarpolitik der Europäischen Gemeinschaft. Die Grundsätze dieser gemeinsamen
Agrarpolitik
von 1962 - garantierte Versorgung mit
Nahrungsmitteln in Zeiten der Knappheit und faire Erträge für die Bauern
- entsprangen sicherlich guten Motiven. Wir alle möchten, daß die Landbevölkerung einen gerechten Anteil am
Wohlstand unserer Länder erhält. Ein
freierer Handel mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen innerhalb der Gemeinschaft war wirtschaftlich zweifellos sinnvoll.
Gleichzeitig mußten die amerikanischen Bauern jedoch relativ hilflos
mit ansehen, wie die EG von einem bedeutenden
Importeur
amerikanischer
Agrarprodukte bei vielen dieser Produkte zum Konkurrenten wurde. Diese
Verlagerung beim Handel hatte deutlich sichtbare Auswirkungen auf die
amerikanische Wirtschaft.
Die Deutschen und andere Europäer sollten
verstehen, daß die Amerikaner einen
starken und florierenden Agrarsektor
als einen der wichtigsten Bestandteile der amerikanischen Wirtschaft ansehen. Wegen des Oberflusses an äußerst ertragreichem Boden waren wir
in der Lage, auf eine steigende inländische und internationale Nachfrage nach Nahrungsmitteln zu reagieren
und damit die Devisen zur Ankurbelung
unseres Importmarktes zu verdienen eines Marktes, der Dreh- und Angelpunkt
weltweiter
wirtschaftlicher
Prosperität gewesen ist.
Als Reaktion auf die neue europäische Rolle im Agrarhandel haben
wir ebenfalls damit begonnen, auf die
von der EG angewandten Praktiken zurückzugreifen.
Wir nähern uns deshalb einem massiven Subventionskrieg zwischen der
Europäischen
Gemeinschaft
und
den
Vereinigten Staaten, und die ausge-

dehnte Anwendung von Exportsubventionen kommt beiden Seiten immer teurer
zu stehen. Zum Beispiel hat die EG
vor kurzem ein Geschäft mit der Sowjetunion abgeschlossen, bei dem sie
Weizen, für den sie selbst 210 Dollar
pro Tonne bezahlt hatte, für 75 Dollar verkaufte. Die Vereinigten Staaten haben kürzlich gefrorenes Geflügel für 875 Dollar pro Tonne an Ägypten verkauft, gewährten den Exporteuren aber einen "Ausfuhrbonus" im Wert
von 1 210 Dollar pro Tonne.
Dies
sind lediglich zwei Beispiele für den
wirtschaftlichen Unsinn, der heute im
landwirtschaftlichen
Bereich
vorherrscht.
Das Interesse des Kongresses am
Schutz der amerikanischen Landwirtschaft in einem feindlichen Handelsumfeld hat die Kosten der Unterstützungsprogramme für die Bauern drastisch in die Höhe getrieben. In diesem Jahr werden die Ausgaben aller
Bundesprogramme
für
die
Landwirtschaft
in den Vereinigten Staaten
über 30 Milliarden Dollar betragen.
Dieser Betrag ist größer als die Nettoerträge aller amerikanischen Farmen
zusammengenommen.
Im Jahr 1981 hatten diese Ausgaben noch bei vier Milliarden Dollar gelegen. All dies muß
vom Steuerzahler getragen werden.
Auf der europäischen Seite des
Atlantik sind die Kosten für die
Stützung der Landwirtschaft ebenfalls
gewaltig.
Die EG verwendet heute
über zwei Drittel ihres Haushalts für
diesen Zweck.
Die Agrarpolitik der
EG wird in diesem Jahr den Haushalt
der Gemeinschaft mit gut 20 Milliarden Dollar belasten, und darin sind
eine Reihe von Subventionsprogrammen
der
einzelnen Mitgliedstaaten
noch
nicht berücksichtigt. Auch die höheren Nahrungsmittelpreise, die der europäische Verbraucher auf Grund dieser Programme zahlen muß, sind in

�dieser Summe nicht enthalten.

unsere Kongreßabgeordneten über
Entwicklungen im Handel sind.

Beim Drängen auf Reformen in der
Agrarpolitik der EG, darunter Maßnahmen zur Verringerung der Uberschußproduktion, stand die Bundesrepublik
Deutschland sicherlich an vorderster
Front. Gleichzeitig hat die Bundesrepublik jedoch im Rahmen der gemeinsamen
Agrarpolitik
eine
interne
Preispolitik unterstützt, die einer
Befürwortung von Maßnahmen zur Produkt ionseinschränkung
zuwiderläuft.
Nach dem heutigen stand genießen die
deutschen Bauern bei vielen Produkten
garantierte Mindestpreise.
Sie können fast alle ihre Produkte unabhängig von Angebot und Nachfrage absetzen.
"Butterberge" sind für Europa
noch immer ein fast ebenso vertrautes
Bild wie die Alpen, trotz der Bemühungen,
die
Milchproduktion
unter
Kontrolle zu bringen.
In Anbetracht der vielen widersprüchlichen Zwänge im Bereich der
Landwirtschaft machen die Amerikaner
sich Sorgen über das Tempo, in dem
sinnvolle Reformen möglich sind.
Wegen unserer Befürchtungen über
die Möglichkeit sinnvoller Veränderungen hierzulande wächst in den Vereinigten Staaten der Druck, einseitige Maßnahmen als Vergeltung für unfaire Handelspraktiken
einzuführen.
Präsident Reagan, ein energischer Befürworter des freien Handels und zuverlässiger Freund Europas sah sich
dieses
Jahr
einem
amerikanischen
Kongreß gegenüber, der entschlossen
war, mit der EG zu wetteifern. Nach
Jahren des Spiels "auf abschüssigem
Terrain" war der Kongreß der Meinung,
es sei an der Zeit, sich die Spielregeln der Europäer zu eigen zu machen.
Dazu
gehören
Subventionen.
Man
braucht nur einige unserer Kongreßanhörungen zu studieren, um ein Gefühl
dafür zu entwickeln, wie frustriert

die

In der soeben beendeten Sitzungsperiode des Kongresses wurden 67 Gesetzentwürfe protektionistischen Inhalts eingebracht. Nicht alle diese
Maßnahmen wurden Gesetz.
Die Zahl
vermittelt jedoch einen Eindruck von
dem Gefühl der Dringlichkeit, ja des
Zorns, das im Kongreß herrscht, wenn
der Schutz unserer Handelsinteressen
zur Debatte steht.
Vertreter
der neuen Mehrheitsfraktion der Demokraten im Kongreß
haben erklärt, daß die Handelsgesetzgebung im Jahr 1987 für sie oberste
Priorität haben wird.
Man braucht
sich nur einmal das Parteiprogramm
der
Demokratischen
Partei
anzuschauen, um zu wissen, daß derartige
Gesetze
nicht
im Interesse
eines
freien und offenen Welthandelssystems
liegen.
Das vom vorigen Kongreß verabschiedete Landwirtschaftsgesetz gibt
ein Bild zukünftiger Trends. Gerade
dieses Gesetz markiert eine scharfe
Abwendung von der Politik des freien
Handels, wie sie in den vergangenen
40 Jahren von den Vereinigten Staaten
verfolgt wurde. Ein ganzer Abschnitt
dieses Gesetzes ist dem internationalen Handel mit Agrarprodukten gewidmet. Es schreibt eine neue aggressive Exportpolitik vor, einschließlich
der Anwendung von Ausfuhrsubventionen, um der EG auf Drittmärkten energisch entgegenzutreten.
Wir glauben nicht, daß Subventionen als Mittel des Wettbewerbs eine
langfristige Lösung für das Problem
des
Agrarhandels
darstellen.
Es
sollte
vielmehr
allen
Beteiligten
klar sein, daß eine langfristige Lösung nur dann möglich ist, wenn wir
unsere Produktion auf ein realist-

- 5 -

�isches Niveau absenken. Mit unserem
Landwirtschaftsgesetz tun wir dies;
unter hohen Kosten für den Steuerzahler und auch unter hohen Kosten für
diejenigen
im
landwirtschaftlichen
Bereich, die in der Vergangenheit von
der
Uberschußproduktion
profitiert
haben.
Ziel der Vereinigten Staaten ist
es, eine marktorientierte Landwirtschaftspolitik einzuführen, durch die
Produktionsentscheidungen an Marktpreise gebunden und Hilfsprogramme
für die Einkommen der Bauern von den
? roduktionsentscheidungen abgekoppelt
werden. Dies ist das längerfristige
Ziel des Landwirtschaftsgesetzes von
1985. Auch deshalb drängt die Administration auf eine Reform des weltweiten Agrarhandelssystems und der
Agrarpolitik der Europäischen Gemeinschaft.
Zusätzlich zu den Exportsubventionen der EG stehen wir derzeit auch
noch vor einigen sehr beunruhigenden
Entwicklungen beim amerikanischen Zugang zu den Märkten der Europäischen
Gemeinschaft.
Wir unterstützen eine größere und
stärkere EG. Wir haben mit Nachdruck
die jüngste Erweiterung der Gemeinschaft beim Beitritt Spaniens und
Portugals unterstützt. Wir sehen jedoch keinen Grund dafür, warum eine
größere EG zu Lasten der amerikanischen Bauern gehen sollte. Sie sehen im Moment mehr als eine halbe
Milliarde Dollar an Exporten zur
Iberischen Halbinsel in Gefahr.
Auch die nichttarifären Handelsschranken bleiben ein Grund des Ärgernisses. Eine davon bedroht derzeit unsere Fleischexporte in die Gemeinschaft. Wir halten unser System
der Fleischkontrolle für hervorragend, garantiert es doch Fleisch von

höchster
und
sicherster Qualität.
Wir beobachten daher mit Argwohn, wie
unbegründete Befürchtungen wegen Kontrollverfahren
und Verwendung von
Hormonen als Mittel verwendet werden,
um den Verkauf unserer Produkte hier
zu verbieten.
Kürzlich haben wir ein Problem
beim Hopfenhandel zwischen den Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik
Deutschland durch wissenschaftliche
Mittel und offenen Informationsaustausch erfolgreich gelöst. Ich hoffe, daß wir diese gerade von mir angesprochenen Probleme auf ähnliche
Weise aus der Welt schaffen können.
Wir wissen, daß wir Probleme haben, aber Amerikaner wollen auch Lösungen anstreben. In dieser Hinsicht
sind wir davon überzeugt, daß dauerhafte Lösungen nicht einseitig, sondern kooperativ sind, gegründet auf
bilaterale und multilaterale Vereinbarungen. Ich denke, im Prinzip teilen wir alle diese Verpflichtung.
Beim OECD-Ministertreffen im April und auf dem Weltwirtschaftsgipfel
in Tokio im vergangenen Mai kamen die
führenden Persönlichkeiten der Industriestaaten überein, daß die Landwirtschaft jetzt an die Spitze der
internationalen
Wirtschaftstagesordnung gehört. Wir haben kürzlich die
Vorarbeiten beendet, die zur 8. Runde
der GATT-Verhandlungen, der UruguayRunde, führen werden. In Punta del
Este kamen die Spitzen der wichtigsten Staaten überein, daß die Landwirtschaft als Thema höchster Priorität behandelt werden muß. Sie erkannten, daß ein Scheitern bei der
Vereinbarung einer neuen Runde ernsthafte Gefahren für das internationale
Handelssystem bedeuten und zu einem
scharfen Anstieg des Protektionismus
in allen Bereichen des Handels führen
würde.
_

�Es ist an der Zeit, das Chaos im
Handel mit landwirtschaftlichen Produkten zu beenden und von einseitigen
zu kooperativen Lösungen unserer gemeinsamen
Probleme
zu
gelangen.
Durch den Versuch, auf die Landwirtschaft andere Regeln anzuwenden als
auf den Handel mit Industriegütern,
haben wir den Landwirten in den Vereinigten Staaten und auf der ganzen
Welt Unruhe, Ungerechtigkeiten
und
gewaltige Sorgen bereitet.
In Punta
del Este wurden alle Probleme des Agrarhandels
auf den Verhandlungstisch
gelegt, da die Beteiligten sich der
dringenden Notwendigkeit bewußt waren, dieses schwierige Problem anzugehen. Ganz oben auf der Liste stehen dabei die
landwirtschaftlichen
Subventionen,
die
den
effizienten
Landwirt schädigen und die Budgets
der Länder sprengen, die sie einsetzen.
Wir haben uns auch entschlossen, uns mit der ganzen Bandbreite
der Beschränkungen des Marktzugangs
auseinanderzusetzen, die den Handel
betreffen - einschließlich der gesundheitspolitischen
Maßstäbe.
Bei
entsprechender Zusammenarbeit können
wir dieses ministerielle Mandat bald
in konkrete Ergebnisse umsetzen.

Viele amerikanische Bürger sind
skeptisch über die Aussichten multilateraler Verhandlungen.
Die Vereinigten Staaten brauchen ein multilaterales Abkommen, um die Öffentlichkeit davon
zu überzeugen, daß
auch die anderen willens sind, Änderungen im eigenen Land durchzuführen.
Für kurze Zeit ist eine günstige Gelegenheit hierzu gegeben, und wir
brauchen
den
politischen
Mut, um
jetzt in positivem Geist zu handeln.
Es besteht für uns die dringliche
Notwendigkeit, all die Fragen, die
den
Agrarhandel
betreffen,
einer
strengeren und wirksameren GATT-Regelung zu unterwerfen.
Auch wir sind
voll und ganz bereit, unsere Agrarhandelspolitik zu überprüfen und, wo
notwendig, zu berichtigen.
Ich bin überzeugt, daß das Welthandelssystem bewahrt und ein besseres Umfeld für den Handel erreicht
werden kann, wenn wir bereit sind,
drei wesentliche Schritte zu unternehmen.

Die Durchführung der Uruguay-Runde ist ein wichtiger Schritt vorwärts
in Richtung auf die Verwirklichung
unseres Ziels der Handelsliberalisierung, aber es ist nur ein erster
Schritt. Wir können keine unmittelbaren Resultate erwarten; aber andererseits dürfen sie auch nicht zu
lang auf sich warten lassen. In der
Zwischenzeit werden die Vereinigten
Staaten auch weiterhin eine Politik
zur Erhöhung der Handelschancen verfolgen, einschließlich der konsequenten Anwendung von Gesetzen, die die
Probleme der unfairen Handelspraktiken anderer Staaten angehen.

- 7 -

- Erstens müssen wir durch Abbau
der Zollschranken, denen sich der
Handel gegenübersieht, den Zugang
zum
Markt
verbessern.
Diese
Hemmnisse können die Gestalt von
Abgaben,
Importquoten,
Zöllen
oder speziellen Steuern annehmen.
Es gibt sie sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in der
EG; die meisten wurden errichtet,
um bestimmte Sektoren zu schützen, die für den Handel des jeweiligen
Landes von besonderem
Interesse sind. Der Abbau dieser
Zollschranken wird den Handelsfluß und das Wohlergehen aller
erleichtern.
- Zweitens müssen wir wettbewerbsmäßig durch eine diszipliniertere

�Verwendung von Subventionen das
Umfeld
verbessern.
Leider
scheint es so, als seien Subventionen in der heutigen Landwirtschaft endemisch.
Subventionen
sind vielleicht der am meisten
verzerrende Faktor im Welthandel.
Durch ihre allmähliche Beseitigung können wir wieder in einem
freien Handelsumfeld agieren.
Drittens müssen wir die nachteiligen Auswirkungen der nichttarifären Handelsschranken auf ein
Minimum beschränken. Viele davon
treten in Gestalt unrealistischer
Vorschriften für Zweigniederlassungen von Firmen und Gesundheitsbestimmungen bei Tieren auf.
Sowohl die EG als auch die Vereinigten Staaten wollen ihren inund
ausländischen
Verbrauchern
ein sicheres, gesundes Nahrungsmittelangebot garantieren.
Aber
wenn diese Vorschriften mehr zum
Zweck der Behinderung von Importen als zum Schutz der Gesundheit
erlassen werden, dann muß man sie
abschaffen.
Ob auf bilateraler oder multilateraler Ebene: die Verbesserung der
Regeln für den Welthandel ist eine
absolute Notwendigkeit, um das für
unsere Volkswirtschaft so lebenswichtige Umfeld des freien Handels zu
schützen und zu fördern. Ein im Fundament freier und offener Märkte verwurzeltes
Handelssystem
ist
der
Schlüssel zu wirtschaftlichem Wohlergehen.
Die transatlantische Zusammenarbeit bei einer marktorientierten
Politik im internationalen Handel sowie eine Verringerung der Handelsschranken und anderer unfairer Handelspraktiken wird
wesentlich zur
Verbesserung der Handelsaussichten und damit zu Wohlstand für jedermann
- beitragen.

Über Nacht wird sich nichts ändern. Aber wir müssen die Resultate
der neuen Uruguay-Runde als Fundament
benutzen, das ein dem weltweiten
Wohlstand förderliches Umfeld für den
Welthandel schafft. Die Alternative
- der Protektionismus - existiert.
Ich muß es wiederholen: "Wir leben
gefährlich".
Lassen Sie uns alles
tun, um wirklich sicher sein zu können, daß die Gefahr nicht zur Realität wird. Lassen Sie uns alles tun,
um sicherzustellen, daß eine Politik
des freien Handels, die unserer Generation so viel Reichtum und so viele
Vorteile beschert hat, dasselbe auch
den
nachfolgenden
Generationen
bringt. Die Hanse des Mittelalters
ging unter, weil sie sich dem Wandel
nicht anpassen konnte.
Ich denke,
wir im 20. Jahrhundert sind klug und
weitsichtig genug, um es besser zu
machen.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
^7

^

Hintergrundmaterial

C&amp;

20. November 1986

39

RÜSTUNGSKONTROLLE NACH REYKJAVIK
- Von Paul Nitze -

WASHINGTON - (AD) - Der Autor des nachfolgend abgedruckten Artikels ist
Sonderberater in Rüstungskontrollfragen für Präsident Reagan und Außenminister
Shultz. Der Artikel erschien in der hier abgedruckten Passung erstmals in der
Washington Post vom 9. November 1986.

Beim Gipfel in Reykjavik entstanden zwischen den Vereinigten Staatne
und der Sowjetunion grundlegende Meinungsverschiedenheiten über die von
den Sowjets vorgeschlagenen Beschränkungen
der strategischen Verteidigungsinitiative. Diese über den ABMVertrag von 1972 hinausgehenden Vorschläge zur Beschränkung gehörten zu
den Punkten der Uneinigkeit, die einen umfassenden Rahmen für ein vorhersehbares und stabiles Management
bei der Rüstungskontrolle blockiert
haben.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Die Vereinigten Staaten glauben,
daß sich beide Seiten strikt an den
ABM-Vertrag in seiner jetzigen Fassung halten sollten. Die Vereinigten
Staaten sollten keine über den Vertrag
hinausgehenden
Beschränkungen
bei Entwicklung und Erprobung hinnehmen. Wir müssen ferner sowohl unsere Besorgnis über die sowjetischen
Aktivitäten im ABM-Bereich zur Sprache bringen, die der Vermutung Raum
geben, daß sie auf ihrem eigenen Territorium ein Raktenabwehrsystem vorbereiten, als auch unsere Überzeugung, daß die Sowjets die Radaranlage

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�von Krasnojarsk abbauen sollten, deren Errichtung den ABM-Vertrag direkt
verletzt.
Im Gegensatz zur Haltung der Vereinigten Staaten haben die Sowjets in
Island vorgeschlagen, daß der ABMVertrag geändert werden sollte, um
Forschung und Erprobung aller weltraumgestützten Elemente oder Komponenten einer ABM-Verteidigung auf das
Labor zu beshränken. Die Sowjets beabsichtigten damit, uns bei unserem
SDI-Forschungsprogramm strengere Beschränkungen aufzuerlegen, als dies
durch den ABM-Vertrag geschieht. Solche zusätzlichen Beschränkungen wären
das Ende des SDI-Programms.
Die Vereinigten Staaten glauben,
daß die Art der durch den ABM-Vertrag
gestatteten und verbotenen Aktivitäten, wie sie aus Vetragstext und Verhandlungspapieren hervorgehen, klar
ist.
Die sowjetische Seite möchte
jedoch unter dem Vorwand, den ABMVertrag "stärken" zu wollen, den Vertrag so ergänzen, daß er nunmehr Aktivitäten verbietet, die ursprünglich
nicht verboten werden sollten.
Präsident Reagan konnte das nicht
akzeptieren.
Er hat statt dessen
vorgeschlagen, daß sich beide Seiten
strikt an die Beschränkungen des ABMVertrages halten sollten.
Wenn wir diese Themenkreise näher
untersuchen, sollten wir damit beginnen, zwischen Forschung und Entwicklung zu unterschieden. Der ABM-Vertrag verwendet das Wort "Forschung"
nicht. Bei den SALT I-Verhandlungen
haben weder die Delegation der Vereinigten Staaten noch die der Sowjetunion daran geglaubt, daß es möglich
wäre, Beschränkungen bei der Forschung zu verifizieren. Keine Seite
möchte eine Beschränkung der Forschung, und der ABM-Vertrag versucht

auch keine solche Beschränkung.
Die Vereinigten Staaten haben in
der Vergangenheit bereits in dem von
Harold Brown in einer Erklärung vor
der
sowjetischen
Delegation
bei
SALT I beschriebenen Sachverhalt immer "Forschung" von "Entwicklung" unterschieden.
Forschung
beinhaltet
die Erstellung einer Konzeption und
deren Tests, die sowohl innerhalb wie
auch außerhalb des Labors durchgeführt werden. Die Entwicklung folgt
auf die Forschung und liegt noch vor
den in großem Stil durchgeführten
Tests von Systemen und Teilen, die
für die eigentliche Stationierung bestimmt sind. Die Entwicklung eines
Waffensystems beginnt mit Konstruktion und Erprobung eines oder mehrerer Prototypen des Systems oder seiner wichtigsten Bestandteile.
Die
grundlegenden
Bestimmungen
des ABM-Vertrages sind wohlbekannt.
Artikel I verbietet die Stationierung
von Raketenabwehrsystemen zur Verteidigung des gesamten Territoriums einer Nation. Er beschäftigt sich mit
Systemen, nicht mit deren Bestandteilen, und er verbietet die Stationierung, nicht die Tests.
Artikel V
verbietet die Entwicklung, Erprobung
und Stationierung
see-, luft- und
weltraumgestützter wie auch mobiler
landgestützter
Raketenabwehrsysteme
und deren Bestandteile und nimmt die
1972

niederlegten

physikalischen

Prinzipien als Grundlage.
Auf der anderen Seite erlaubt der
ABM-Vertrag vier allgemeine Bereiche
der Entwicklungs- und Erprobungstätigkeit.
Eine entscheidende Frage zur Definition eines solchen Bereichs erlaubter Aktivität hängt mit einem Kodizill zusammen, das als Übereinkunft
D bekannt ist. Diese Erklärung be2 -

�schäftigt sich mit der Möglichkeit,
daß in Zukunft ABM-Systeme oder deren
Bestandteile entwickelt werden könnten, die "andere physikalische Prinzipien" als Grundlage haben. Solche
hochmodernen Verteidigungssysteme und
deren Bestandteile werden vom Vertrag
anders behandelt als diejenigen, die
in Artikel II näher definiert sind
und denen Technologien von 1972 zugrunde liegen. Übereinkunft D sieht
vor,
daß
die Stationierung
solch
hochmoderner Systeme, nicht
jedoch
deren Entwicklung oder deren Erprobung, von Diskussionen und Übereinkünften abhängig gemacht werden müssen. Deshalb sind die Beschränkungen
von Artikel V nicht auf die Entwicklung und Erprobung moderner Verteidigungsysteme oder deren Bestandteile
anzuwenden.
Diese Auslegung der Übereinkunft
D, die auch als die "weitere" Interpretation
beschrieben
wurde,
ist
durch den Vertragstext und die Verhandlungsdokumente völlig gerechtfertigt.
Der Präsident hat trotzdem
entschieden,
daß
die
Vereinigten
Staaten
das
ursprünglich
geplante
SDI-Programm
nicht
umstrukturieren
werden,
solange
die
Überzeugung
herrscht, daß die Ziele dieses Programms
eingehalten
werden
können.
Deshalb brauchen Sie auch nicht ihre
SDI betreffenden Aktivitäten entsprechend dieser "weiteren" Interpretation des Vertrages durchzuführen, um
die Ziele der SDI-Forschung zu erlangen.

über hinaus erlaubt er Tests von Systemteilen, die im Sinne von ABM keine Fähigkeit zur Raketenabwehr (z.B.
gegen Satelliten)
haben
und
auch
nicht haben können. Eine ABM-Abfangrakete wird als "zur Raketenabwehr
getestet" betrachtet, wenn sie versucht hat, eine Interkontinental-Rakete auf ihrer Flugbahn abzufangen.
Dazu gehören aber keine Tests gegen
Ziele auf Erdumlaufbahn. Schließlich
erlaubt der Vertrag die Entwicklung
und Erprobung von stationären, landgestützen ABM-Radaranlagen und Trägersystemen
auf
zugelassenen
Versuchsgeländen, wie auch Entwicklung
und Erprobung von ABM-Abfangraketen,
die von ABM-Trägersystemen gestartet
und im Weltraum erprobt werden.
Die Sowjetunion muß einsehen, daß
die Vereinigten Staaten gegen Beschränkungen bei Entwicklung und Erprobung sind, die über das hinausgehen, was im Rahmen des ABM-Vertrages
ausgehandelt, vereinbart und kodifiziert wurde. Wenn sie dies tut, können wir uns auf ein umfassendes, stabilisierendes Abkommen über ein zukünftiges Rüstungskontroll-Management
hinbewegen, das eine defensiv angelegte Forschung und Erprobung, den
Abbau von strategischen Offensivwaffen und eine gemeinsam vorgenommene
Umorientierung zu mehr Vertrauen auf
Verteidigungssysteme vorsieht.

Drei andere Bereiche der Entwicklung und Erprobung werden vom ABMVertrag zugelassen.
Der Vertrag beschränkt zum Beispiel nicht die Entwicklung und Erprobung von Vorrichtungen, die weder Bestandteile eines
ABM-Systems sind, wie es im Vertrag
definiert wird, noch einen Ersatz
solcher Komponenten darstellen. Dar- 3 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
VON

e

Wissenschaft und Technik
20. November 1986

39

KÜNFTIGE R A U M F A H R T P L X N E

DER

USA

NASA-Chef Dr. C. Pletcher zu Fragen europäischer Wissenschaftler
und Journalisten -

WASHINGTON - (AD) - Die Umorganisation des Managements für das amerikanische Raumtransporterprogramm und die damit zusammenhängenden Aufgabengebiete
ist in vollem Gange. Sie werde, so berichtete Richard Truly, der beigeordnete
NASA-A'iministrator für Raumflug, auf einer Pressekonferenz am 5. November
1986, lach den Empfehlungen der Rogers-Kommission durchgeführt. Diese war von
Präsident Reagan eingesetzt worden, um das CHALLENGER-Unglück vom 28. Januar
1986 za untersuchen. Die sieben Astronauten an Bord der Raumfähre CHALLENGER
fanden damals den Tod.

Im Rahmen des neuen organisatorischen Aufbaues wird Arnold Aldrich,
derzei': Manager des Shuttle-Programms
am Johnson-Raumfahrtzentrum in Houston (Texas), die Leitung des gesamten
Shuttle-Programms in der NASA-Zentrale in Washington übernehmen und Truly
direkt unterstellt sein.
Als neuer
Direktor trägt er "die volle Verantwortung und ist mit allen Kompetenzen
ausgestattet", um das Programm durchzuführen.
Zu seinem Stellvertreter
wurde Astronaut Robert Crippen ernannt, der bereits viermal mit dem
Shuttle
im Weltraum war.
Crippen

United States Information Service
Embassy of the United States of America

wird Direktor für den 9etrieb der
Raumtransporter.
zu seinen Aufgaben
zählen beispielsweise die Überwachung
der Flugvorbereitungen in der letzten
Phase vor dem Start, die Durchführung
der Mission und die Rückführung des
Space Shuttle zur Inspektion und Ausrüstung für den nächsten Flug.
Um
Tagesaufgaben und die Prozeduren im
Detail kümmert sich Richard Kohrs,
stellvertretender
Programmdirektor
für den Bereich "Raumtransporter".
Das neue Management-Konzept verlangt außerdem die Einsetzung eines

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Führungsrates, dem u.a. der beigeordnete NASA-Administrator für Raumflug
(Truly) und die Direktoren sämtlicher
NASA-Zentren im Lande angehören sollen.
Dale Myers, stellvertretender
NASA-Administrator, verwies darauf,
daß man erwarte, über den neuen Führungsrat zu einer besonders guten
Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen der NASA-Zentralbehörde und den
Direktoren der einzelnen Zentren im
Lande zu kommen. Die starke Position
des in Washington tätigen Programmdirektors und die Einsetzung des Führungsrates hätten, wie Myers sagte,
eine gewisse Ähnlichkeit mit der
Struktur des erfolgreichen APOLLOProgramms.
Die Zeit wird intensiv für die
technische Verbesserung
der Feststoff raketei-Zusatzträger
des Space
Shuttle und auch des Orbiters selbst
genutzt. Dies erklärte NASA-Chef Dr.
James C. Fletcher (Washington) in einer
Worldnet-Fernsehsatellitenkonferenz, die am 4. November 1986 vom USInformationsamt
(USIA) veranstaltet
wurde.
Gesprächspartner
Fletchers
via

Satellit

waren

MAGELLAN (Meßstation zur Untersuchung
der Venus-Oberfläche mit hochauflösendem Radarstrahl), ULYSSES (erste
Sondierung der Nordregionen des Sonnenkörpers), GALILEO (erste umfassende Sondierung des Planeten Jupiter
und seiner Monde) sowie das Mars-Observatorium.
Da es sich in jedem Fall um große
und schwere Satelliten handelt, war
von Anfang an vorgesehen, sie mit einem Raumtransporter zunächst in eine
Erdumlaufbahn zu bringen und von dort
aus auf die Reise zu ihrem ziel zu
schicken. Der Faktor "Gewicht" macht
auch beim Hubble-Weltraumteleskop mit
seinem umfangreichen Instrumentarium
den Start von einem Raumtransporter
aus erforderlich. Das für Beobachtungen aus einer Position jenseits
der Erdatmosphäre konzipierte Gerät
erweitert die Möglichkeiten der Wissenschaftler für eine Sicht in die
Tiefen des Universums um das Siebenfache.

Grundlagenforschung

Wissenschaftler

und Journalisten in Bern, Bonn, Brüssel, London, Paris und Rom, die den
Leiter der US-Behörde für Luft- und
Raumfahrt ?:u den Plänen der USA für
die bemannte Raumfahrt und für Missionen mit Forschungssatelliten befragten. Denn angesichts der Verzögerung
von Raumtransporterstarts als Folge
des CHALLENGER-Unglücks und möglicher
vorrangiger eigener Projekte der Vereinigten Staaten steht auch für Europa viel auf dem Spiel.
Die wichtigen wissenschaftlichen
Missionen können laut Fletcher nunmehr erst :jwei bis fünf Jahre später
als ursprünglich vorgesehen durchgeführt werden. Davon seien u.a. Vorhaben zur weiteren Erforschung der
Planeten und der Sonne betroffen - so

Professor Wolfgang Priester, Direktor des Instituts für Astrophysik
und extraterrestrische Forschung der
Universität Bonn, hob die besondere
Bedeutung des Hubble-Teleskops für
die Grundlagenforschung hervor und
äußerte die Befürchtung,daß diese
durch eine Bevorzugung anderer Programme erheblich ins Hintertreffen
geraten könnte. Aufgrund neuer Beobachtungen und Erkenntnisse sei gerade
in den letzten paar Monaten klargeworden, daß vom Weltraumteleskop (es
wurde in über zehnjähriger Arbeit
entwickelt) Ergebnisse zu erwarten
seien, die einschneidende Umwälzungen
in der Physik und Astronomie herbeiführen dürften. Und zwar gehe es um
neue Ideen zu der Frage, woher die
Energie komme, die die Expansion des

�Weltalls bewirkt. Die nunmehr angestellten Überlegungen könnten unsere
grundlegenden Theorien zur modernen
Elementarteilchen-Physik in bezug auf
alle Quantenfelder
bei Ruheenergie
revolutionieren.
Das wiederum
sei
mit der Frage verknüpft, wodurch denn
beim Urknall vor etwa 20 Milliarden
Jahren die Materie im Universum erzeugt worden sei. Somit seien nicht
nur
tiefgreifende Auswirkungen auf
die Physik, sondern, über die Philosophie, auf alle Bereiche zu erwarten.
In seiner Antwort unterstrich Dr.
Fletcher, daß sich die NASA der Bedeutung gerade dieses internationalen
Projekts für die Grundlagenforschung
sehr wohl bewußt sei und dem Weltraumteleskop unter den wissenschaftlichen Nutzlasten höchste Priorität
eingeräumt habe.
Es sei beabsichtigt, es
nach
Wiederaufnahme
der
Raumtransporterflüge
(voraussichtlich
im Februar 1988) beim dritten Einsatz, d.h. etwa im November 1988, in
den Weltraum zu transportieren.
Es
solle unmittelbar nach dem Start der
beiden
TDRS-Nachrichtensatelliten
folgen, die für die Bahnbeobachtungen
und Datenübertragung einer ganzen Anzahl von Satelliten gleichzeitig und
rund um die Uhr so wichtig sind.
Für eir.e Anzahl weiterer wissenschaftlicher Nutzlasten aus den Vereinigten Staaten und dem Ausland, deren Start vor dem Unglück bereits
vereinbart war, suche die NASA, so
Fletcher, gegenwärtig nach anderweitigen
Traisportmöglichkeiten.
Man
werde auf sogenannte Verlustraketen
wie DELTA, ATLAS und TITAN zurückgreifen, die im Gegensatz zum Raumtransporter nicht wiederverwendungsfähig sind. Auch die europäische Rakete ARIANE zählt dazu. Es sei beispielsweise vorgesehen, mit ihr eine
Anzahl
amerikanischer
kommerzieller
Nachrichtensatelliten in den Weltraum

zu befördern.
Allerdings seien die
Kapazitäten und auch die Startfrequenz dieser Trägergeräte begrenzt, so
daß Verzögerungen für manche wissenschaftlichen und kommerziellen Nutzlasten dennoch in Kauf genommen werden müßten.

'Gemischte* Trägerkapazität
Die Vereinigten Staaten seien bestrebt, erklärte Dr. Fletcher, eine
"gemischte" Trägerkapazität aus wiederverwendungsfähigen und nicht wiederverwendbaren
Startgeräten
aufzubauen, obgleich der Raumtransporter
das kostengünstigste Beförderungsmittel darstelle.
Irgendwann
dürften
weitere technische Fortschritte auch
Verlustraketen
verbilligen
helfen.
Entsprechende Vorschläge zu Neuentwicklungen
werden bereits gemacht.
Aber bis zur Realisierung
solcher
Projekte würden mindestens fünf und
mehr Jahre vergehen. Und erfahrungsgemäß könne man nie vorhersagen, wie
sich die Kosten tatsächlich entwikkelten. Wie die "gemischte" Kapazität aussehen solle, werde gegenwärtig
in einer Studie untersucht, die Anfang kommenden Jahres fertiggestellt
sein dürfte.

Mehr Zuverlässigkeit
Das CHALLENGER-Unglück habe bewirkt, daß die Struktur der amerikanischen Weltraumbehörde
ebenso wie
die des Mitarbeiterstabs
gestrafft
würde, und daß auch vom Space Shuttle
selbst eine erheblich bessere Qualität und Zuverlässigkeit zu erwarten
sei. Die Frage nach dem Einbau eines
Rettungssystems in der Startphase für
die Bordmannschaft in alle Orbiter
konnte Fletcher angesichts der damit
verbundenen technischen Schwierigkeiten und des Gewichtsproblems nicht

- 3 -

�endgültig
benatworten.
Auch
eine
Verlängerung der einzelnen Raumtransportermissionen bereite wegen der dafür erforderlichen zusätzlichen Energiequellen Probleme. Langzeitexperimente in der Schwerelosigkeit sollten
deshalb besser in der in den neunziger Jahren zu errichtenden Raumstation durchgeführt werden.

COLUMBOS - wichtiger Beitrag
zur Raumstation

Europas

Arbeitsprogramme für die Raumstation müssen schon jetzt formuliert
werden. In den ersten Phasen werden
es Dr. Flet.cher zufolge vor allem Experimente aus dem Gebiet der Mikrogravitation sein. Die NASA ermutige
die Privatwirtschaft zu entsprechenden Projekten.
Es gebe eine Reihe
von Aktivitäten, bei denen sich eine
kommerzielle Nutzung der Schwerelosigkeit lohnen könne - für biologische Substanzen, für Legierungen, für
neues Halb".eitermaterial, um nur einige zu nennen. Ist die Station weiter ausgebaut, werde man auch zunehmend mehr wissenschaftliche Experimente durchführen können. Zusätzlich
zu den auf der Station untergebrachten Nutzlasten werde es auch frei
fliegende Plattformen geben, die neben der Raumstation ihre Bahn ziehen.
Wenigstens eine davon werde bemannt
sein.
COLUMBU3 als der von europäischen
Ländern bereitgestellte Beitrag zur
amerikanischen Raumstation werde eine
wichtige und sehr willkommene Rolle
spielen. Fs handle sich, ähnlich dem
SPACELAB, um eine Labor- und Wohneinheit, die zunächst mit der Raumstation verbunden werde, später aber als
ein von Astronauten betreutes Modul
auch frei fliegen könne.
COLUMBÜS
werde dann immer wieder an der Raumstation anlegen, um Treibstoff und

Nachschub zu übernehmen und um die
Besatzung auszuwechseln.
Allerdings
steht die Ausarbeitung der eigentlichen Betriebspläne mit entsprechenden Verhandlungen zwischen den Partnern noch bevor.
Hinsichtlich
der
sogenannten
funktionellen Aufteilung der Aufgaben
sähen sich die Europäer, worauf einer
der Interviewer hinwies, noch mancherlei Ungewißheiten gegenüber. Dr.
Fletcher räumte ein, daß in Verhandlungen der NASA mit der Europäischen
Weltraumbehörde über die Aufgabenteilung in der Entwicklung der Raumstation Einvernehmen erzielt worden sei,
daß jedoch in bezug auf den Betrieb
noch kein Konzept existiere.
Erst
jetzt beginne man in den USA, sich
mit dem Problem zu befassen.
"wir
haben einen beigeordneten Administrator für die Raumstation bestellt, der
sich ausschließlich mit Betriebsaufgaben befaßt, mit der Frage, wie die
Raumstation betrieben werden soll."
Dies
sei keineswegs nebensächlich, denn die Tätigkeit der Personen
in der Raumstation, in der Europäer
und wahrscheinlich Kanadier, Japaner
und Amerikaner arbeiten werden, verlange klare Konzepte, zwar werde die
Gruppe an Bord mit etwa sechs Personen relativ klein sein. Aber für die
Planung und die Vorbereitungen am Boden sei doch eine wesentlich größere
Gruppe von Mitarbeitern erforderlich,
die entscheiden, was in jeder Arbeitsperiode von 90 Tagen bis zur Ablösung vorzunehmen sei, welcher Art
die Experimente sein sollen.
über
Gebühren, die etwaige internationale
Partner oder private Investoren für
die Benutzung der Raumstation zu entrichten hätten, sei innerhalb der
NASA noch nichts beschlossen worden.
Jedoch könne zunächst einmal die vor
dem CHALLENGER-Unglück erwähnte Gebühr von 75 Millionen Dollar als

�Richtwert angenommen werden.
Alles
in allem sei es aber zu früh, endgültige Aussagen zu machen, solange die
Betriebsstudie noch nicht vorliege.
Inzwischen plane man aber nicht
nur für die nächsten sieben oder acht
Jahre, sondern auch schon für die
Zeit nach der Raumstation, die voraussichtlich ab 1994 ständig besetzt
sein werde.
Eine Gruppe unter der
Leitung vor Dr. Sally Ride, der ersten Amerikanerin im Weltraum, habe
begonnen,
künftige
Aktivitäten
zu
sondieren.
Gemeinsame amerikanischsowjetische bemannte Raumfahrtprojekte, etwa (ine Expedition zum Mars,
seien
nicht
beabsichtigt.
Jedoch
wurden
künftige
wissenschaftliche
Austauschprogramme erörtert. Es gebe
ohnehin genügend Forschungsaufgaben,
die im internationalen Rahmen weltweit durchgeführt werden müßten
u.a. die Untersuchung von Klimaveränderungen uni der Ozonschicht.
nie von Präsident Reagan angekündigte Entwicklung eines Weltraumflugzeugs fall« sowohl in Aufgabenbereiche der ;&gt;JASA als auch des amerikanischen Verteidigungsministeriums, erklärte Fletcher auf eine Frage. Aber
die ersten Flugexperimente mit dem
Versuchsgerit, die für Anfang der
neunziger
Jahre
vorgesehen
seien,
stünden unter der Leitung des Verteidigungsministeriums.
Der
Fortgang
der Entwicklung werde dann davon bestimmt, welche Ergebnisse die Versuchsflüge bringen.

- 5 -

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9828">
                <text>20.11.1986</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9829">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9830">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="13497">
                <text>Amerikadienst 20.11.1986</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="13498">
                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan enthüllt geheime diplomatische Initiative im Iran&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Präsident Reagans Ansprache an die Nation -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan sieht Fortschritte in Genf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung zum Abschluss der 6. Runde der NST-Verhandlungen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Freier Handel mit Agrarprodukten: Gebot für ein gesundes Welthandelssystem&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ansprache von Botschafter Richard R. Burt vor dem Waren-Verein der Hamburger Börse e.V. -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rüstungskontrolle nach Reykjavik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Paul Nitze -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Künftige Raumfahrtspläne der USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- NASA-Chef Dr. C. Fletcher zu Fragen europäischer Wissenschaftler und Journalisten -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2222" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2233">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/9a758009039bbc7d24871f88b2e459aa.pdf</src>
        <authentication>480da47856933025dff626eded8ab9a3</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="11314">
                    <text>amcrika
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

nAdt
46

:.enca

Urifö"'

20. November 1991

53&lt;

VEREINTE NATIONEN

PICKERING SIEHT NEUE ART VON
WELTKONFLIKTEN VORAUS
Rede über die Rolle der Vereinten Nationen

WAHLEN 1992

INITIATIVEN: GUTE DEMOKRATIE ODER
SCHLECHTE GESETZGEBUNG?
von Kenneth Jost

DROGEN

MARTINEZ DRÄNGT EUROPA ZU KAMPAGNE
GEGEN DROGENMISSBRAUCH
Verabschiedung europaweiter
Kontrollen gefordert

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�VEREINTE

NATIONEN
20. November 1991

PICKERING SIEHT NEUE ART VON
WELTKONFLIKTEN VORAUS
Rede über die Rolle der Vereinten Nationen
WASHINGTON - (AD) - Botschafter Thomas Pickering zufolge sehen sich die Vereinten Nationen nach dem
Zusammenbruch des sowjetischen Imperiums mit neuen politischen und diplomatischen Herausforderungen
konfrontiert. "Nirgendwo sind die Veränderungen augenfälliger und von unmittelbarerer Konsequenz für die
amerikanischen Interessen" als im Bereich der internationalen Sicherheit, so Pickering.
In einer Rede vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats erklärte Pickering am 13. November 1991, die
Vereinten Nationen - und die internationale Staatengemeinschaft - müßten lernen, lokal begrenzte aber dennoch
todbringende Konflikte wie den derzeit in Jugoslawien wütenden in den Griff zu bekommen.
"Wie der Nahe Osten und Jugoslawien täglich demonstrieren, wird die regionale Stabilität nach dem kalten Krieg
... vornehmlich durch im großen und ganzen engstirnige Anliegen ethnischer, religiöser, politischer, wirtschaftlicher und sozialer Art geprägt", fügte Pickering hinzu. "Dies mag eine gewisse Sehnsucht nach der Eindeutigkeit
der irakischen Bedrohung wachrufen, die möglicherweise nicht das beste Beispiel für die vor uns liegenden
ungeordneten Herausforderungen ist", so Pickering.
Pickering zufolge müßten die Vereinten Nationen die Funktionen stärken, die regionale Konflikte schlichten und
verhindern helfen, selbst wenn dies die Androhung des Einsatzes internationaler Streitkräfte bedeute.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Botschafter Pickering im Wortlaut.
Das Ende des kalten Kriegs hat Auswirkungen auf alle
Aktivitäten. Nirgendwo sind die Veränderungen augenfälliger und von unmittelbarerer Konsequenz für
die amerikanischen Interessen als im Hinblick auf die
Rolle der Vereinten Nationen im Bereich der internationalen Sicherheit. Aus diesem Grund werde ich einen
Großteil meiner Ausführungen der künftigen Rolle der
Vereinten Nationen bei Frieden und Sicherheit widmen. Ich werde jedoch versuchen, diese Gedanken in
einen breiteren Kontext zu stellen, der die bedeutende
Rolle des Völkerrechts und die sich abzeichnenden
staatlichen Verhaltensnormen berücksichtigt.
Beim Entwurf eines neuen Ansatzes zur sicherheitspolitischen Rolle der Vereinten Nationen arbeiten wir in
einem extrem vagen Umfeld. Die vordringlichen Sicherheitsbelange der kommenden Jahre sind weiterhin unbekannt. Darüber hinaus können wir nicht davon
ausgehen, daß die Vereinten Nationen und insbesondere der Sicherheitsrat den gleichen Rahmen wie in
der Vergangenenheit bieten werden. Die Vereinten
Nationen sind eine Organisation von Mitgliedstaaten.
Ändern sie sich, so verändern sich auch die Vereinten
Nationen. Offenkundigster Beweis dafür sind die
Auswirkungen der gegenwärtigen Auflösung der Union
AMERIKA DIENST 46

der Sozialistischen Sowjetrepubliken. Die geringsten
Veränderungen in Struktur und Zusammensetzung
des Sicherheitsrats werden zweifelsohne den Kurs
beeinflussen, den er den Vereinten Nationen vorgibt.
Mit dieser Warnung möchte ich einige Gedanken über
die Zukunft der Vereinten Nationen bei der Bewahrung
des internationalen Friedens und der Sicherheit darlegen.
Aus internationaler Sicht wurde durch das Ende des
kalten Kriegs das internationale politische System
seines bisherigen zentralen und dominierenden Prinzips beraubt - dem Ost-West-Konflikt. In einer Rede
vom vergangenen April legte Präsident Bush seine
Vision einer neuen Ordnung in folgenden Worten dar:
"Die neue Weltordnung bedeutet nicht, auf unsere
nationale Souveränität zu verzichten oder unsere Interessen preiszugeben. Sie bezeichnet vielmehr eine
Verantwortung, die durch unsere Erfolge auferlegt ist.
Sie bezieht sich auf neue Wege der Zusammenarbeit
mit anderen Nationen, um Aggression abzuschrecken
und Stabilität zu erlangen, um Wohlstand und vor
allem Frieden zu schaffen. Sie erwächst aus der
Hoffnung auf eine Welt, die auf einem von kleinen und
Seite 1

�großen Nationen geteilten Engagement für eine Reihe
von Prinzipien gründet, die unsere Beziehungen untermauern - friedliche Beilegung von Konflikten, Solidarität gegen Aggression, reduzierte und kontrollierte
Waffenarsenale und gerechte Behandlung aller Völker."
Was sind die sicherheitspolitischen Auswirkungen des
Übergangs von der Ära des kalten Kriegs zu der von
Präsident Bush beschriebenen neuen Ordnung?
Betrachtet man die amerikanischen Sicherheitsinteressen nach dem kalten Krieg aus dem Blickwinkel der
Vereinten Nationen, so besteht ein Weg, um diesen
Blickwinkel zu beschreiben darin, zwei durch eine
relativ durchlässige Grenze getrennte nebeneinanderliegende Kreise auszumachen. In den ersten Kreis
stellt man die wichtigsten Sicherheitsinteressen der
Vereinigten Staaten:
Schutz vor direktem Angriff,
Schutz der amerikanischen Staatsbürger im
Ausland,
Hilfe und Unterstützung für die Verbündeten,
Aufrechterhaltung unbehinderter internationaler Kommunikationswege und des Handels,
Gewährleistung des Zugangs zu unerläßlichen
Ressourcen,
Abgrenzung grundlegender Interessen von den
Auswirkungen ausländischer Kriege - wie etwa
die Tankereskorten gegen Ende des iranischirakischen Kriegs und so weiter.
In den zweiten Kreis stellt man die umfassenden Ziele,
Werte und Grundsätze, die die Substanz der von
Präsident Bushs Vision heraufbeschworenen bürgerlichen internationalen Gesellschaft ausmachen, wenn
er von einer neuen Ordnung oder einer "Pax Universalis" spricht. Sie umfaßt Rechtsstaatlichkeit, Abkehr
von Aggression und die friedliche Beilegung von Konflikten, Wahrung der Souveränität, Verteidigung der
Menschenrechte, Rüstungskontrolle, Eindämmung der
Verbreitung von Nuklearwaffen und generell einen

disziplinierten, kooperativen Ansatz zur gemeinsamen
Sicherheit. Heute möchte ich die Rolle der Vereinten
Nationen bei der Stärkung und Durchsetzung dieser
Prinzipien erkunden.
Ich möchte zunächst einige Gedanken darüber darlegen, wie die Rolle des UN-Sicherheitsrats erweitert
werden könnte. Diese Gedanken passen in die traditionelle Sicht der Zwangsmaßnahmen der Vereinten
Nationen - das heißt, Intervention in Konflikte zwischen Staaten. Als nächstes möchte ich etwas weitergehende Betrachtungen darüber anstellen, wie die
Vereinten Nationen eine konstruktive Rolle bei der
Schaffung der im zweiten Kreis beschriebenen bürgerlichen internationalen Gesellschaft spielen können.
Eine wesentliche Herausforderung besteht darin, die
Seite 2

Kluft zwischen den Rechten von Staaten (Souveränität) und den Rechten von Völkern zu schließen - eine
in diesen Tagen abnehmender internationaler jedoch
andauernder Konflikte zwischen Völkern innerhalb
nationaler Grenzen zunehmend relevante Frage.
Einleitend möchte ich feststellen, daß die zentrale
Rolle des UN-Sicherheitsrats bei der Erarbeitung und
Legitimierung der Reaktion auf die irakische Aggression Erwartungen und damit politischen Druck nach
einer vergleichbaren Rolle des Rats bei anderen Krisen geweckt hat. Erwartungen, daß die Vereinten
Nationen unverzüglich auf Haiti, in Jugoslawien und
Liberia eingreifen sollten, belegen dieses Argument.
Abgesehen von den Erwartungen ist das triftigere
Argument, daß die Charta niemals den Sicherheitsrat
als einziges oder ausschließliches Gericht erster Instanz angesehen hat. Artikel 52 und Kapitel VIII der
Charta verfügen in der Tat ausdrücklich regionale
Bestrebungen zur Beilegung oder Behebung von
Bedrohungen des Friedens und der Sicherheit bevor
die Vereinten Nationen um Beistand angerufen werden. Und das ist gut so. Aus gemeinsamen regionalen, politischen und kulturellen Interessen erwachsenes konstruktives Engagement einer regionalen Gruppe schafft möglicherweise einen breiteren Handlungsspielraum.
Dennoch wird die Zukunft ebenso wie die Vergangenheit zweifelsohne Krisen mit sich bringen, die trotz der
besten Absichten der regionalen Akteure weder regional begrenzt noch vollständig gelöst werden können.
Zu diesem Zeitpunkt kann man sich als notwendigen
und legitimen nächsten Schritt an den Sicherheitsrat
wenden. Der Rat kann darüber hinaus gegebenenfalls
auf regionalen Bestrebungen aufbauen, indem er beispielsweise ein regionales Handelsembargo institutionell verankert.
Mit Ausnahme des Koreakriegs und der irakisch-kuwaitischen Krise ist das Thema der von den Vereinten
Nationen genehmigten Zwangsmaßnahmen ein ungeschriebenes Buch. Die Arbeit an der Verfassung des
Textes wird durch die Tatsache erschwert, daß die
Bedrohungen, die wir bewältigen müssen, schlecht in
jede vorstellbare auf die Vereinten Nationen gegründete Struktur passen. Und genausowenig werden die
Vereinten Nationen - unabhängig von ihrer Verstärkung - leicht mit den möglicherweise umfassenderen
Sicherheitsaufgaben der Zukunft fertigwerden. Wir
sollten daher von den Vereinten Nationen erwarten,
daß sie bestenfalls einen Teil der Lösung bieten können. Wie groß dieser Teil ist, wird von ihrer Fähigkeit
abhängen, zwei Schlüsselelemente für jeden neuen
sicherheitspolitischen Ansatz zu entwickeln: Legitimität und Flexibilität.
Zunächst müssen wir uns vor Augen fütlren, was unter
"Legitimität" bei Intervention durch Gewalt zu verstehen ist. Für uns und unsere Verbündeten kam die
Verfügung von Resolution 678, "alle erforderlichen
AMERIKA DIENST 46

�Mittel" zur Gewährleistung des unverzüglichen und
bedingungslosen Abzugs des Irak aus Kuwait einzusetzen, einer idealen Formulierung nahe. Sie erteilte
den Vereinten Nationen die Befugnis zum Einsatz von
Gewalt ohne unnötige Einschränkungen von Art und
Umfang, die bei der erfolgreichen Durchführung von
Operationen wichtige militärische und politische Erwägungen sind. Es war offenkundig impliziert, daß die
Koalition die Verwirklichung des Ziels eines Abzugs
aus Kuwait anstreben würde; die uneingeschränkte
Einhaltung des Kriegsvölkerrechts und der Einsatz
konventioneller Waffen waren Teil des Mandats.
Es überraschte nicht, daß diese unbegrenzten Attribute zahlreiche andere UN-Mitglieder beunruhigten. Selbst
der Generalsekretär hat festgestellt, obwohl der Krieg
gegen den Irak "durch den Sicherheitsrat legitimiert
wurde", sei er "nicht ein Sieg der Vereinten Nationen
gewesen", da dieser sich nur aus "Feindseligkeiten
unter der Kontrolle und Weisung der Vereinten Nationen" hätte ergeben können. Man muß Perez de
Cuellars Ansicht nicht teilen, um seiner Argumentation
folgen zu können: die ehernste legale Rechtfertigung
könnte uns nicht das Legitimität genannte vergänglichere politische Gut erkaufen.
Obwohl die Aktionen der Verbündeten im Irak sich
praktisch uneingeschränkter internationaler Unterstützung erfreuten, besteht die Gefahr, daß eine solche
Genehmigung für einige Länder zum Einsatz von
Gewalt im Namen des Rats Kritiker zu der Argumentation veranlaßt, das Vorgehen sei ein Projekt einiger
weniger Regierungen, die für die internationale Staatengemeinschaft nicht repräsentativ seien. Für militärische Aktionen in der Größenordnung von Desert
Storm scheint es keine klare Antwort auf dieses Problem zu geben, weil jedes nennenswerte Ausmaß von
Weisungen und Kontrolle von Kampfhandlungen durch
die Vereinten Nationen lähmende Beschränkungen
auferlegen würde. Dennoch könnte sich der durch die
Erfahrungen mit dem Irak geförderte Zusammenhalt
im Rat auf andere Bereiche übertragen. Wenn sich
dies als richtig erweist, kann Druck ausgeübt werden,
die Rolle des Sicherheitsrats bei künftigen Maßnahmen für den Frieden zu verbessern. Dies sollte in
Betracht gezogen werden.
Eine Möglichkeit, die die Charta dafür bietet, ist durch
Aushandeln von Vereinbarungen gemäß Artikel 43
zwischen dem Sicherheitrat und von ihm ausgewählten Ländern. Absatz 1 des Artikels 43 fordert die Mitgliedstaaten auf:
"...beizutragen, daß sie nach Maßgabe eines oder
mehrerer Sonderabkommen dem Sicherheitsrat auf
sein Ersuchen Streitkräfte zur Verfügung stellen, Beistand leisten und Erleichterungen einschließlich des
Durchmarschrechts gewähren, soweit dies zur Wahrung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit erforderlich ist".

AMERIKA DIENST 46

Eine wichtige Frage zu Artikel 43 lautet, ob und welche
Art von Vereinbarungen im Hinblick auf das Kommando er vorsieht. Meiner Ansicht nach schlie ßen die Vereinbarungen nach Artikel 43 einen großen militärischen Spielraum seiner Unterzeichner nicht aus, wenn
solche Vereinbarungen in Anspruch genommen werden. In diesem Sinne könnte die Vereinbarung weniger ein Mittel zur direkten Kontrolle des Rats sein als
Ausdruck seiner allgemeinen Fähigkeit, Entscheidungen und damit ein Instrument der Abschreckung durchzusetzen.
Eine Delegierung von Operationen wird in der UNCharta ausdrücklich antizipiert, vor allem in den Artikeln 48 und 53. Artikel 48 ermächtigt den Sicherheitsrat zu bestimmen, welche Mitglieder "zur Wahrung des
Weltfriedens und der internationalen Sicherheit"
Maßnahmen ergreifen sollen. Artikel 53 gestattet dem
Rat, sich zur Durchführung von Zwangsmaßnahmen
unter seiner Autorität "regionaler" Abmachungen oder
Einrichtungen zu bedienen.
Ungeachtet der Legalität der delegierten Operationen
sollten wir uns jetzt die Möglichkeit vor Augen führen,
daß sich der Rat nicht so völlig der Führung und
Kontrolle enthalten wird wie in Resolution 678. Wie Sie
wissen, bietet Kapitel VII, insbesondere die Artikel 42,
46 und 47, das Instrument zur direkten Beteiligung des
Rats an Planung, Einsatz und Führung.
Jede Bewegung in diese Richtung wird Sorgen unter
den Bereitstellern von Truppen aufwerfen. Kapitel VII
mit seiner besonderen Betonung der Rolle des Generalstabsausschusses ist besonders problematisch: kein
Land, dessen Truppen sich an Feindseligkeiten beteiligen, wird deren Bewegungen von einer Gruppe bestimmen lassen, dessen Mitglied es nicht ist oder
dessen Mitglieder nicht unbedingt ebenfalls Truppen
bereitgestellt haben. Große oder überlegene Beitragsleistende wollen unter Umständen eine ähnliche
Rolle bei Führung und Kontrolle.
Es mag tatsächlich Möglichkeiten zur teilweisen Anwendung der Artikel 42 und 47 geben, wenn man ihm
gleichzeitig die Schärfe nimmt. Es erscheint angebracht, dies insbesondere im Kontext kleiner Konflikte
oder solcher geringerer Intensität zu erforschen. In
dieser Hinsicht möchten wir unter Umständen auch
Arrangements prüfen, denen zufolge Friedenstruppen
regelmäßig oder persönlich dem Rat selbst oder einer
seiner Untergruppen Bericht erstatten. Eine solche
konsultative Verbindung könnte ein hilfreiches Instrument für die Erhaltung des Konsenses sein, ohne die
Führungsbeziehungen zu verändern.
Eine der Fragen, die unsere Sicherheitsgemeinschaft
erwägen muß, ist die Frage der Integration von Führung und Einsatz der Truppen, mit deren Hilfe unter
Umständen eine Entscheidung des Sicherheitsrats
verwirklicht wird. Dies erfordert einen Kompromiß
zwischen der Notwendigkeit, eine Überidentifizierung

Seite 3

�mit einigen Ländern zu vermeiden und dem Bedarf an
einer Einheit von Führung, schneller Stationierung,
koordinierten Bewegungen und so weiter. Bevor wir
das Ausmaß der gemeinsamen Aktionen wie bei Desert
Storm überschreiten, müssen wir gute Antworten auf
viele ungeprüfte militärische und politische Fragen
über die Kriegführung der Koalition stellen.
Bisher habe ich vor allem das Vorgehen der Vereinten
Nationen in Fällen des bereits offenen Konflikts erörtert, aber ein anderer sehr wichtiger Bereich gesteigerter UN-Aktivitäten ist die Vermeidung von Konflikten.
Im Kommunique des Londoner Gipfels vom Sommer
dieses Jahres haben sich die Staats- und Regierungschefs der G-7 verpflichtet, die Grundlage für eine
präventive Diplomatie der Vereinten Nationen zu unterstützen. Dieses Thema hat der Präsident in seiner
Rede vor der Generalversammlung im September
aufgegriffen. Um diese Ziel zu verwirklichen, muß die
Institution eine schnellere Gangart einschlagen. Folgende Schritte wurden vorgeschlagen:
Informeller Informationsaustausch zwischen uns
und anderen Mitgliedstaaten, um den Generalsekretär vollständig über bestehende oder potentielle Situationen auf dem laufenden zu halten, die zu internationalen Spannungen führen
könnten (dies findet gegenwärtig im Rahmen
der Resolution 687 mit dem Inspektionsprogramm für Massenvernichtungswaffen im Irak
statt). Der Generalsekretär benötigt einen kleinen, ausgewählten Mitarbeiterstab, der mit ihm
und den Mitgliedstaaten an diesem Thema
zusammenarbeitet.
Kontrahenten oder potentielle Kontrahenten
müssen den Generalsekretär und durch ihn den
Sicherheitsrat über alle relevanten Tatsachen
informieren.
Unterstützung des verbesserten Einsatzes von
besonderen Repräsentanten bei Vermittlungsdiensten und stillen diplomatischen Missionen,
um Fragen zu lösen, die zu Konflikten führen
können.
Einsatz einzelner Ländern oder kleiner Ländergruppen, die an der Lösung eines bestimmten
Problems interessiert sind und auf diplomatischem Wege zur Lösung solcher Konflikte beitragen sollen.
Schließlich sollen der Generalsekretär und der
Rat aufgefordert werden, den Einsatz von UNTruppen als Mittel der Konfliktvermeidung zu
erwägen, bevor es zu Feindseligkeiten kommt,
etwa durch die Stationierung an den Grenzen
eines bedrohten Landes. Dies könnte sowohl
Elemente traditioneller Friedenserhaltung als
auch der Durchsetzung des Friedens enthalten.

Seite 4

Es wird ferner besonderer Erwägung und Arrangements bedürfen, um es erfolgreich durchzuführen.
Zum Thema Wahrung des Friedes befinden wir uns in
einer Wachstumsphase. Die Vereinten Nationen haben
in den vergangenen drei Jahren mehr Missionen durchgeführt als in den vergangenen 43. Umfang und
Bandbreite der Funktionen haben ebenfalls zugenommen. Es ist an der Zeit, die Organisationsstruktur der
UN-Friedensplanung und -Verwaltung zu stärken, um
mit der größeren Arbeitsbelastung Schritt zu halten.
Darüber hinaus ist es an der Zeit, die Finanzierung der
Friedenswahrung auf eine stabilere langfristigere Basis
zu stellen, die ihrer Bedeutung für die internationale und unsere eigene - Sicherheit Rechnung trägt. In den
Vereinigten Staaten könnte es sich als nützlich erweisen, im Rahmen des Haushalts des Verteidigungsministeriums die Einrichtung eines Titels für den Frieden
zu erwägen, weil Ausgaben für den Frieden eindeutig
dem Ziel der Sicherheit dienen.
Ich möchte mich nunmehr Frieden und Sicherheit in
einem breiteren Kontext zuwenden. Die meisten Konflikte
heute sind Konflikte innerhalb einzelner Länder, nicht
unter ihnen. In der Zeit nach Desert Storm lohnt es,
sich daran zu erinnern, daß Bedrohungen für die
regionale Stabilität nicht primär durch Fehlkalkulationen großer Staaten mit expansionistischen Bestrebungen entstehen. Wie der Nahe Osten und Jugoslawien täglich demonstrieren, wird die regionale Stabilität nach dem kalten Krieg - ebenso wie vor ihm vornehmlich durch im großen und ganzen engstirnige
Anliegen ethnischer, religiöser, politischer, wirtschaftlicher und sozialer Art geprägt. Dies mag eine gewisse
Sehnsucht nach der Eindeutigkeit der irakischen
Bedrohung wachrufen, die möglicherweise nicht das
beste Beispiel für die vor uns liegenden ungeordneten
Herausforderungen ist.
Ein tägliches Dilemma für den Sicherheitsrat in diesem
Zusammenhang ist, daß Rechtsstaatlichkeit und Ordnung sich nach dem kalten Krieg gut ergänzen, aber
nicht gleich sind. Das Völkerrecht hat wenig Positives
über die Verpflichtungen anderer Staaten im Falle von
Staatsstreichen, Anarchie oder Blutvergießen innerhalb der Grenzen des Nachbarn zu sagen. Tatsächlich
würde die Rechtsstaatlichkeit einen Staat zulassen obwohl die Vorstellung unangenehm ist -, der von
außerordentlich zerstörerischen, aber völig legalen,
inneren Konflikten erschüttert ist. (Die Erklärung von
Santiago der OAS über die Unannehmbarkeit eines
Regierungswechsels durch einen Staatsstreich stellt
einen wichtigen Schritt nach vorn dar, der jetzt in Haiti
auf die Probe gestellt wird).
Diesem Dilemma wird nicht durch die Tatsache abgeholfen, daß das Gewohnheitsrecht einzelner Länder
und die unter ihnen vereinbarten Konventionen und

AMERIKA DIENST 46

�Verträge widersprüchliche Forderungen zulassen.
Nirgendwo ist dies augenfälliger als wenn die internationale Staatengemeinschaft gezwungen ist, zwischen
den Rechten von Staaten und den Rechten von Völkern zu entscheiden.
Wie Sie wissen, gestattet Resolution 678 des UNSicherheitsrats Maßnahmen zur Durchführung von
Artikel 2, dem Verbot der UN-Charta des Einsatzes
von Gewalt gegen einen anderen Staat. Wie Sie
ebenfalls wissen, kam Resolution 688 zu dem Schluß,
daß die Verfolgung irakischer Kurden eine Gefahr für
den Weltfrieden und die internationale Sicherheit darstell, eine Erkenntnis, daß nach Ansicht der Mehrheit
ein anderes Prinzip desselben Artikels (Absatz 7) aufhebt, der die Einmischung in innere Angelegenheiten
von Mitgliedstaaten verbietet.
Die Tatsache, daß Resolution 688 trotz der humanitären Frage wie auch der Möglichkeit einer Ausbreitung
auf andere Länder nur durch zähe Verhandlungen
erreicht wurde sowie der spätere Widerstand gegen
sehr einschneidende Resolutionen zu Jugoslawien
und Haiti bedeuten meiner Ansicht nach zweierlei.
Erstens muß noch manches getan werden, bevor der
Sicherheitsrat in der Lage ist, regelmäßig als weltweiter Krisenmanager zu fungieren, da noch kein eindeutiger und berechenbarer Konsens darüber besteht, wie
und in welchem Ausmaß er mit Bedrohungen der
internationalen Sicherheit umgehen soll, die sich aus
innenpolitischen Vorgängen in einzelnen Staaten ergeben. Zweitens müssen wir der UNO-Charta zufolge
offen für alternative regionale und auch unilaterale
Instrumente sein, um die vom Präsidenten erörterten
Programme für "Ordnung" sowie "Recht und Gerechtigkeit" zu verwirklichen.
In gewissem Sinne führt uns diese Art von Einstellung
gegenüber der Sicherheit zurück zu den ersten Prinzipien. Ein Teil der vor uns liegenden "Arbeit" ist mit der
identisch, die unsere Mitgliedschaft in den Vereinten
Nationen und anderen internationalen Institutionen
seit jeher erfordert hat. Es ist die mühselige Aufgabe,
eine internationale Gesellschaft gemeinsamer Werte
aufzubauen, um die geregelte Welt zu informieren und
beleben, in der wir alle leben möchten und deren
Schaffung wir deshalb anstreben sollten.
Während der Zusammenbruch des Kommunismus
den wichtigsten weltweiten Konflikt zwischen unterschiedlichen Werten beseitigt hat, hatte er bei anderen
nationalistischen, auf Stammesgegensätzen beruhenden oder religiösen, wirtschaftlichen und ethnischen
Konflikten, die bereits länger existieren und den wirtschaftlichen Gegensatz zwischen Nord und Süd erneut zu verschärfen drohen, genau das Gegenteil zur
Folge. Aus diesem Grund ist eine baldige Ausweitung
des Völkerrechts oder der Praxis des Sicherheitsrats
auf gesicherte äußere Garantien für Minderheitenrechte, demokratisch gewählte Regierungen oder von

AMERIKA DIENST 46

Bürgerkriegen heimgesuchte hungernde Menschen
unwahrscheinlich. Eine bedeutende Zahl der Ratsmitglieder betrachtet solche Prinzipien nicht als ordnungsfördernd sondern als Aushöhlung von Ordnung - oder
zumindest als subversiv für eine Ordnung, die auf
festgefügten Doktrinen staatlicher Souveränität und
Nichteinmischung beruht.
Das heißt jedoch nicht, daß wir jeglichem Fortschritt
von vornherein entsagen. Im Gegenteil, für ein rasch
entstehendes weltweites Sicherheitssystem liegt meines Erachtens die Antwort auf dieses Problem in einer
Kombination aus Pragmatismus und Phantasie. Wann
immer möglich, würde ein solcher Ansatz die Arbeit
innerhalb der etablierten Organe der Vereinten Nationen fordern, um die Lücke zwischen "Ordnung" und
Recht zu überbrücken. Wenn jedoch dieser Weg
verschlossen ist, bedeutet ein pragmatischer Ansatz,
über die Vereinten Nationen hinauszugehen - und
trotzdem im Rahmen der UNO-Charta zu bleiben -, um
andere Foren oder Instrumente einzusetzen. Schließlich müssen wir parallel zu diesem pragmatischen
Ansatz, der häufig von überraschenden Ereignissen
diktiert werden wird, die Phantasie besitzen, neue
Möglichkeiten für eine geradlinige Anwendung des
Völkerrechts zu erschließen.
Der Fall der Kurden und Resolution 688 sind ein gutes
Beispiel für den ersten Ansatz. Der Resolution zufolge
stellte die Lage eine Bedrohung für die internationale
Sicherheit und den Weltfrieden dar. Sie forderte
darüber hinaus die Mitgliedstaaten auf, die humanitären Bemühungen des Generalsekretärs zu unterstützen. Diese beiden Elemente sowie die Tatsache, daß
der Irak bereits den Zwangsbestimmungen von Kapitel
VII unterworfen war, reichten aus, um für die Koalition
eine rechtliche Grundlage zur Bereitstellung von Hilfe
und Unterstützung für die Kurden zu schaffen. Dieser
Spielraum wurde von denjenigen ständigen und anderen Ratsmitgliedem nicht beanstandet, die für gewöhnlich dazu neigen, aus Gründen der Nichteinmischung einen direkteren Ansatz abzulehnen.
Die zweite Reaktion auf die Einschränkungen, denen
die formellen Organe der Vereinten Nationen unterliegen, besteht im Verständnis, wann es notwendig sein
könnte, sie zu umgehen. Weder die Ausübung unserer
Rechte nach Artikel 51 noch vorsichtiges Engagement
zur Unterstützung unserer außenpolitischen Grundsätze verpflichten uns, stets nur mit ausdrücklicher
Genehmigung der Vereinten Nationen zu handeln.
Zwar mag dies vorzuziehen sein, aber man kann sich
unschwer Bedingungen vorstellen, unter denen die
rasche Entwicklung der Bedrohung zusammen mit der
Unfähigkeit oder Nichtbereitschaft des Sicherheitsrats
zur Entscheidungsfindung für eine regionale oder unter gewissen Umständen - einseitige Reaktion im
Einklang mit der Charta sprechen.
Ein dritter Ansatz besteht darin, jede Möglichkeit zu

Seite 5

�nutzen, um die Lücke zwischen den schwerwiegenden
Anforderungen einer gerechten und geordneten Welt
und den begrenzten Mitteln des Völkerrechts in seiner
heutigen Form auszufüllen. Ich bin nicht der Überzeugung, daß dies bedeutet, wie müßten uns nun in eine
neue Runde von Verhandlungen über das Völkerrecht
stürzen. Im Gegenteil, meines Erachtens besteht
unsere wichtigste Aufgabe darin, die uns heute zur
Verfügung stehende rechtliche Struktur besser und
umfassender zu nutzen.
Der Menschenrechtspfeiler dieser Struktur ist hier ein
nützliches Beispiel, da es meines Erachtens drei
Schlüsselbereiche gibt, in denen die Stärkung dieses
Pfeilers jetzt oder in absehbarer Zeit möglich ist:
Normen, Beobachtung und Durchsetzung. Ich möchte
auf jeden dieser Bereiche kurz eingehen.
Auf der normativen Ebene fand die weltweite Hinwendung zur Demokratie bei der diesjährigen Generaldebatte starken Wiederhall in den Reden zahlreicher
Vertreter von Entwicklungsländern. In einigen Bereichen wird die Rhetorik durch Taten unterstützt. Dies
verschafft den Vereinten Nationen eine bessere Ausgangslage für ein aggressiveres Streben nach internationalen Maßnahmen und Verfahrensweisen zum Schutz
der traditionellen Menschenrechte des einzelnen (dazu
gehören die Rechte religiöser, ethnischer, nationaler
und kultureller Minderheiten) sowie der bisweilen so
bezeichneten Grundfreiheiten, darunter die Rechte
des einzelnen auf demokratische Teilhabe an der
Regierung. Beide Gruppen von Rechten werden von
zwei UNO-Instrumenten ausdrücklich bekräftigt. Dies
sind die Allgemeine Deklaration der Menschenrechte
und der Internationale Pakt über bürgerliche und politische Rechte. Angesichts der großen Zahl von Unterzeichnerstaaten des Pakts sowie der Bedeutung seiner demokratischen und pluralistischen Schutzbestimmungen für so viele Länder, die heute von inneren
Veränderungen erschüttert werden, würde eine baldige Ratifizierung durch den Senat sein Ansehen weiter
stärken.
Humanitäre Normen würden ferner von aggressiverer
Unterstützung profitieren. Ich beziehe hierin die Bestimmung gegen Folter ein, die Bestandteil einer weiteren vom Senat noch zu ratifizierenden Konvention ist
sowie solch grundlegende moralische Pflichten wie die
Nichteinmischung bei der Lieferung von Nahrungsmitteln und anderen Hilfsgütem für Völker in Not. Obwohl
letzteres weder in der Erklärung noch im Pakt enthalten ist, liegt es eindeutig im Sinne dieser Dokumente.
Der durchgreifende Wandel, der die Wahrung von
Demokratie und Menschenrechten unter den Mitgliedstaaten der UNO erhöht hat, eröffnet neue Möglichkeiten für die Stärkung der Überwachung von Menschen-

rechten und sogar für die Untersuchung von Optionen
zu ihrer Durchsetzung. In der ersten Kategorie besteht
ein ehrenwertes, wenn auch in weiter Ferne liegendes
Modell für die Vereinten Nationen darin, sich den
Mechanismus der Menschlichen Dimension zu eigen
zu machen, eine bemerkenswerte neue Leistung der
Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in
Europa. Der KSZE-Mechanismus ist eine Abfolge von
Schritten, mit denen KSZE-Mitgliedstaaten ein anderes Mitgliedsland für vermutete Verletzungen zur
Rechenschaft ziehen können. Für die Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen wären zwei
wichtige Schritte in diese Richtung die Stärkung und
Ausweitung des Systems der Berichterstatter für einzelne Länder sowie die Straffung des heutigen langwierigen und komplizierten Mechanismus zur Prüfung
gesammelter Einzelbeschwerden.
Wenn wir die Menschenrechte ernst nehmen, müssen
wir es letztlich auch mit der Durchsetzung ernst meinen. Die Vereinigten Staaten haben traditionell eine
Vielzahl bilateraler und multilateraler Mittel eingesetzt,
um die starke Ablehnung von Menschenrechtsverletzungen zum Ausdruck zu bringen. Aktionen der UNO
haben im allgemeinen keine große Rolle gespielt.
Veränderungen könnten jedoch heute möglich sein.
Ein relativ bescheidener Schritt nach vorn würde durch
die Bestimmung über Dringlichkeitssitzungen der
Menschenrechtskommission erzielt, um besonders
wichtige und drängende Probleme zu erörtern. Weiter
in der Zukunft, aber trotzdem der Untersuchung wert,
liegt die Möglichkeit, Sanktionen gegen massive
Menschenrechtsverletzer einzusetzen. Mit der Verabschiedung von Resolution 688 hat der Sicherheitsrat
bereits zu verstehen gegeben, daß auf einer bestimmten Ebene Menschenrechtsverletzungen eine echte
Bedrohung für Frieden und Sicherheit schaffen können, die Aufmerksamkeit seitens des Sicherheitsrats
erforderlich macht.
Von Zeit zu Zeit benutzen Autoren in Zusammenhang
mit bemerkenswerten historischen Entwicklungen den
Begriff "annus mirabilis" oder "wunderbares Jahr", um
ihrer Verblüffung Ausdruck zu verleihen. Dies sind in
der Tat erstaunliche Zeiten. Vom sicherheitspolitischen Standpunkt aus sind sie jedoch keineswegs
wunderbar. Es besteht kein Mangel an Zielen, für die
Menschen zu töten oder sterben bereit sind. Auch
werden wir heute nicht all die klassischen Instrumente
beiseite legen, mit denen wir unsere Interessen verfolgen oder verteidigen. Dasselbe gilt für andere. Ich
möchte jedoch behaupten, daß die Fähigkeit der Vereinten Nationen, gemeinsamen Sicherheitsanliegen
zu dienen, niemals größer, beziehungsweise konstruktivem Denken oder Einfluß gegenüber niemals
aufgeschlossenen war.

*

Seite 6

*

AMERIKA DIENST 46

�W A H L E N 1992
20. November 1992

INITIATIVEN: GUTE DEMOKRATIE ODER
SCHLECHTE GESETZGEBUNG?
von Kenneth Jost
BONN - (AD) - Die Kritiker von Initiativen verweisen auf eine Verwirrung an den Urnen, zu große Macht der
Geldgeber und Polarisierung. Die Befürworter erklären sie zur besten Kontrollmöglichkeit der Regierung. Der
Autor stellt Vor- und Nachteile des Prozesses der Initiativen vor, mit dem Wähler über Gesetzesvorlagen direkt
abstimmen können.
Die Veröffentlichung dieses Artikels erfolgt mit Genehmigung von Editorlal Research Reports. Copyright (c)
1990, Congressional Quarterly, Inc.
Kritiker des Initiativverfahrens in den Vereinigten Staaten weisen darauf hin, es funktioniere nicht im beabsichtigten Sinne. An den Urnen herrscht Verwirrung,
Geldgeber mit Eigeninteressen manipulieren die Wähler,
und mit der Kunst des Kompromisses wird kurzer
Prozeß gemacht. Befürworter gestehen Probleme,
erklären aber, im allgemeinen biete das System der
Basisdemokratie den Bürgern eine ausgezeichnete
Gelegenheit zur Kontrolle einer mächtigen Regierung.
Beide Seiten sprechen über Reformen, aber die Reformen selbst bringen unter Umständen neue Schwierigkeiten mit sich.
In 23 Staaten und dem District of Columbia dürfen
Wähler direkt an der Wahlurne über Gesetzesvorlagen
abstimmen. Zahlreiche Initiativen erreichten 1990 die
Urnen der Bundesstaaten - eine Fortsetzung der Tendenz
der achtziger Jahre. Dieses Jahrzehnt verzeichnete mit Ausnahme der dreißiger Jahre der Depression den höchsten Einsatz der Initiativen, seit sie von den
progressiven Bewegungen und ihren beiden direkten
demokratischen Verwandten - dem Referendem und
der Abberufung - Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts institutionalisiert wurden.
Die Progressiven wollten den Wählern mit der Initiative
ein direktes Mitspracherecht an den Gesetzen geben
und Eigeninteressen sowie nicht den Bedürfnissen
entsprechende Gesetzen ausschalten. Heute schütteln jedoch viele Wähler den Kopf, wenn sie versuchen, bei einer einzigen Abstimmung die Einzelheiten
jedes Themas zu verarbeiten. Dahersind den Kritikern
zufolge die Ergebnisse oftmals nicht von sorgfältigem
Abwägen bestimmt sondern von den Botschaften der
Medien, die bestenfalls stark vereinfacht und schlimmstenfalls ganz einfach irreführend sind: Vertreter
AMERIKA DIENST 46

besonderer Interessen haben gelernt, wie man das
System zähmt und es sich selbst zunutze macht. Der
Prozeß der Initiativen hat im Laufe der Zeit eine Flut
von politischen Beratern und Organisationen hervorgebracht, die Petitionen einreichen, eine veritable
Industrie, die allein bei der Wahl im November 1988 26
Millionen Dollar eingenommen hat.
Die Erfahrungen in Kalifornien mit der starken Zunahme von Abstimmungen über Einzelfragen, hohen Kosten
für Kampagnen und raffinierten Medienstrategien waren
ein schlagkräftiges Argument für Gesetzgeber, die in
den 27 Staaten, die keine Initiativen zulassen, den
Status quo erhalten wollen. Aber in den Staaten, die
diese Form der Basisdemokratie gestatten, hat sich
das progressive Vermächtnis als widerstandsfähig
gegenüber Veränderungen erwiesen. Die öffentliche
Befürwortung des Prozesses der Initiativen ist - in
Kalifornien und im ganzen Land - nach wie vor stark
und bietet eine politische Schranke für alle Angriffe auf
den Prozeß.
Die Kritik scheint dort, wo sie auftritt, davon abzuhängen, welchen Ochsen man bei den Hörnern nimmt.
Kaliforniens Liberale jubelten Anfang der siebziger
Jahre, als ihnen das Initiativverfahren gestattete, im
Rahmen der Kampagne eine Finanzreform zu verabschieden, mit der die Küste des Bundesstaats geschützt und Kernkraftwerke fast verhindert werden
konnten. Aber 1978 machte sich bei den Liberalen
Ernüchterung breit, als der Steuergegner Howard Jarvis
die Verabschiedung von Antrag 13 gewann - eine
Senkung der Grundsteuer - was dann ähnliche Initiativen in einem halben Dutzend anderer Staaten inspirierte.

Seite 1

�Mit der Zeit scheint sich die ideologische Bilanz jedoch
auszugleichen, jedenfalls David Schmidt zufolge, dessen
Buch Citizen Lawmakers: The Bailot Initiative
Revolution den Prozeß der Initiativen stark unterstützt. Schmidts Berechnungen zufolge brachten
Liberale, Umweltschützer oder linksgerichtete Gruppen von 1977 bis 1986 96 Initiativen in den Bundesstaaten ein und erlangten Zustimmung für 43 - 45
Prozent. Konservativ ausgerichtete Gruppen legten
91 Initiativen zur Abstimmung vor, wovon 41 -oder 45
Prozent - verabschiedet wurden.
Schmidt wird in seinen Ansichten von dem Konservativen Patrick McGuigan unterstützt, der als Redakteur
des von der Free Congress Foundation
herrausgegebenen Family, Law and Democracy Report die Initiativen in den achtziger Jahren beobachtet
hat. "Die Mechanismen der Basisdemokraatie", so
McGuigan, "sind ideologisch neutral und eignen sich
uneingeschränkt für die Beeinflussung und Nutzung
aller - oder durch alle."
Wenn die allgemeine Annahme, die Initiative sei ideologisch entweder konservativ oder liberal eingefärbt,
der eingehenden Überprüfung der Tatsachen nicht
standhält, dann auch nicht andere Behauptungen von
Befürwortern oder Gegnern, die ihren Standpunkt in
der anhaltenden Debatte über Basisdemokratie untermauern.
Befürworter erklären zum Beispiel, Initiativen und
Volksabstimmungen erhöhten die Wählerbeteiligung,
indem sie die öffentliche Debatte über bestimmte
Themen stimulieren und der Öffentlichkeit eine direkte
Rolle bei ihrer Entscheidung zuweisen. Aber der
Politologe Thomas E. Cronin vom Colorado College,
im allgemeinen ein Befürworter des Einsatzes der
Initiativen, gibt in seiner jüngsten Untersuchung Direct
Democracy zu, alle Tatsachen sprächen dafür, daß
die Wählerbeteiligung im allgemeinen bei der Abstimmung über bestimmte Themen niedriger ist als bei
einer Abstimmung über Kandidaten bei derselben Wahl.
Andererseits zeigen auch die Argumente der Gegner
Schwächen. Zum Beispiel bezeichnen sie die Initiative
als zu oft benutzte Taktik, ihrer Meinung nach ist es zu
leicht, Maßnahmen in einen Wahlgang einzubringen,
so daß die Wähler zu bereitwillig den einmal eingebrachten Maßnahmen zustimmen. Die Gegner weisen jedoch darauf hin, daß der Prozeß der Initiativen
sogar bei sehr häufigem Einsatz insgesamt ein relativ
seltenes rechtliches Mittel ist, die meisten Bestrebungen zur Vorlage von Initiativen bei der Wahl scheitern
und Wähler etwa die Hälfte oder mehr der zur Wahl
stehenden Initiativen ablehnen.
In den letzten Jahren haben die Gegner einen neuen
- angesichts der Geschichte der Basisdemokratie
paradoxen - Kritikpunkt vorgebracht. Ihnen zufolge
dominieren Eigeninteressen den Prozeß der Initiativen, weil sie ihre hohen finanziellen Mittel einsetzen,
um Medienkampagnen zu starten, die einer populären
Seite 2

Idee bis zum Wahltag den Garaus machen können.
Beispiele dazu liefern zwei erfolglose Initiativen in
Kalifornien, die dem Juraprofessor Daniel Lowenstein
von der University of California at Los Angeles (UCLA)
zufolge durch "einseitige Ausgaben" von Gegnern aus
der Industrie geprägt wurden: eine Anti-RaucherMaßnahme von 1978 und die 'Tax Big Oil"-Kampagne
1980. Befürworter der Initiativen verweisen jedoch auf
zwei aktuellere Beispiele aus Kalifornien - den Erfolg
einer Tabaksteuermaßnahme im Jahr 1986 und die
Verabschiedung von Antrag 103, der Senkung der
Kraftfahrzeugversicherung 1988 - als Beweis dafür,
daß Initiativen wohlfinanzierten Kampagnen der Industrie Widerstand entgegensetzen können und manchmal die einzige Möglichkeit bieten, starre Lobbys der
Industrie zu besiegen.
Diese nüchternen Debatten finden vor dem Hintergrund einer anhaltenden Spaltung über den Einsatz
der Initiativen statt, einer Spaltung über die Teilnahme
oder Nichtteilnahme zwischen denjenigen, die Zugang
zur konventionellen Rechtsprechung und denjenigen,
die keinen haben - ungeachtet der politischen Ideologie. Der liberale Schmidt und der konservative McGuigan können zum Beispiel beide den Prozeß der Initiativen unterstützen. Für Schmidt sind die Initiativen
"eine seltene und wertvolle Blume der Demokratie", ein
System, das weder von rechts, links oder von Eigeninteressen kontrolliert wird sondern von den Menschen."
Für McGuigan zeigen Maßnahmen wie der Antrag 13
- die Steuerreform -, wie die Initiative "der Mehrheit hart
arbeitender, engagierter steuerzahlender Bürger"
Hoffnung gibt, wie sie mehr von ihrem Geld behalten
können, während Initiativen über soziale Belange den
Bürgern gestatten, traditionelle Werte zu bekräftigen,
die von der politischen Elite allzuoft ignoriert werden.
Für viele Gesetzgeber, etablierte Lobbyisten und manche
Politologen hat dieser angebliche Vorteil der initiative
eine beunruhigende Kehrseite. Sie erkennen einen
immanenten Trend zu Polarisierung, Konfrontation
und alarmierendem Protest, eine Abwendung von
Kompromiß, Verständigung und fein abgestimmter
Ausarbeitung der Gesetze.
"Es ist eine schlechte Art, Gesetze zu schreiben", so
der Professor für Politologie an der Brigham Young
University in Provo (Utah), David Magelby, dessen
Buch von 1984 Direct Legislation die umfassendste
Studie zur Basisdemokratie aus einem skeptischen
Blickwinkel ist. John Knox, ein ehemaliger Abgeordneter aus Kalifornien, der versuchte, das Verfahren der
Gesetzesinitiativen im Bundesstaat einzuschränken,
stimmt dem zu. "Meines Erachtens sind die meisten
Institutionen auf der rechten und linken Seite des
politischen Spektrum bedroht", erklärte er 1984 in
einem Interview, als er einen erneuten und letztlich
erfolglosen Versuch zur Überarbeitung des Verfahrens der Gesetzesinitiativen in Kalifornien unternahm.
"Es ist wie ein Schuß, der nach hinten losgehen kann.
Jede Gruppe kann angegriffen werden, von der ameAMERIKA DIENST 46

�rikanischen Bürgerrechtsbewegung bis zur Ölindustrie. Es ist einfach keine gute Art und Weise, Gesetze
zu verfassen."
Für Befürworter der Basisdemokratie sind jedoch die
Initiative und das Referendum unabdingbare Sicherheitsventile für nichtrepräsentative und indifferente
gesetzgebende Körperschaften. Sie vertreten die
Auffassung, Basisdemokratie biete ein Gegenmittel
für das sich aus der Dominanz des politischen Prozesses durch organisierte Interessengruppen ergebende
Gefühl der Machtlosigkeit und Entfremdung der Wähler. "In einem Zeitalter, in dem politisches Handeln
zunehmend durch Finanzierungskampagnen großen
Stils und 30 Sekunden dauernde Fernsehwerbung
beherrscht wird,", schreibt Schmidt, "sind Kampagnen
für Gesetzesinitiativen ein Bereich der Politik, in dem
die Vorstöße des Normalbürgers noch etwas verändern können."
Für Bürgerinitiativen bietet die Initiative das, was gelegentlich als einzig gangbarer Weg zur Überwindung
starrer Opposition durch Interessengruppen und die
vorherrschenden politischen Kräfte erscheint.
Kritiker der Initiative wissen für gewöhnlich einige ihrer
vermeintlichen Vorteile zu würdigen und nehmen davon
Abstand, die Abschaffung des Verfahrens zu fordern.
Ihnen zufolge übertreiben die Befürworter jedoch seine Vorteile, und in einem umfassenderen Kontext
bringen sie das Argument vor, das System sei grundsätzlich sowohl in der Theorie als auch in der Praxis
schlechter als die repräsentative Demokratie.
"Wir haben vor 200 Jahren die Entscheidung getroffen,
welche Art der Regierung wir wollen", erklärt Alan
Karcher, ein ehemaliger Anführer der Demokraten im
Parlament von New Jersey, der in diesem Bundesstaat den Kampf, gegen die Einführung der Initiative
im Jahr 1986 erfolgreich führte. "Wir wollten nicht dem
Modell der Französischen Revolution folgen. Wir
wollten eine strukturierte, institutionell verankerte repräsentative Demokratie, in der der Wille des Volkes
durch Vertreter kanalisiert wurde."
Ein Vorteil des Gesetzgebungsverfahrens, argumentieren die Kritiker der Wahlurnen-Demokratie, ist die
größere Menge der dem Gesetzgeber zur Verfügung
stehenden Informationen. "Wir wählen Abgeordnete
und Senatoren als unsere Vertreter weil wir als Einzelpersonen keinen Einblick in die Themen nehmen können,
die Gesetze erfordern", stellte Robert T. Hall, der
geschäftsführende Direktor der Bürgerrechtsgruppe
"Common Cause" in West Virgina zur Begründung
seiner Ablehnung der Gesetzesinitiative in seinem
Bundesstaat fest.
Gegner der Initiative erklären jedoch, das Gesetzgebungsverfahren habe einen größeren Vorteil als nur
die Bereitstellung von mehr Information. Bei einer
Initiative können die Wähler nur Ja oder Nein ankreuzen. Bei der Gesetzgebung können und müssen
AMERIKA DIENST 46

Kompromisse zwischen konkurrierenden Interessen
erarbeitet werden. Institutionen können Kompromisse
erfordern, nicht nur um bessere Gesetze zu machen,
argumentieren die Gegner der Initiative, sie können
auch Minderheiten schützen. Julian Eule, Juraprofessor an der UCLA, verweist darauf, daß die Begründer
der amerikanischen Verfassung aus Mißtrauen gegenüber der Herrschaft des Volkes ein System der
gegenseitigen Kontrolle und gemeinsamen Verantwortung von Kongreß und Regierung als Schutz vor
einer überwältigenden Mehrheit geschaffen haben.
Zwei der wichtigsten Strukturelemente der Verfasser ein Zweikammernsystem und das Veto der Exekutive
- sind im Verfahren der Gesetzesinitiativen nicht enthalten, und Eule zufolge wurde das dritte - richterliche
Nachprüfung - sowohl von den Gerichten der Bundesstaaten als auch den Bundesgerichten bei der rechtlichen Infragesstellung von Initiativen zu vorsichtig
ausgeübt.
Weit von der Förderung von Kompromissen entfernt,

hat das Verfahren der Gesetzesintitiativen in der entscheidenden Entwurfsphase eine eingebaute Tendenz zur Polarisierung. Die organisatorische Notwendigkeit der Sammlung von Unterschriften und Aufbringung von Mitteln bedingt ehrgeizige Vorschläge, die
leicht übermittelt werden können und verlockend sind,
wie die Steuerbegrenzungen in der Gesetzesvorlage 2
von Massachusetts oder die 20prozentige Senkung
der Kraftfahrzeugversicherung in Vorlage 103 des
Bundesstaates Kalifornien.
Wie Magelby feststellt, hegen darüber hinaus Interessengruppen, die nur ein Thema vertreten "häufig den
Wunsch, eine 'eindeutige' Abstimmung zu ihrem Statut oder Verfassungszusatz zu erhalten. Diese Gruppen, und häufig auch ihre Gegner, sind nicht so besorgt
über die Auswirkungen auf den Regierungsprozeß wie
darüber, ihren Willen zu dem Thema durchzusetzen."
Trotz der Kritik und der gescheiterten Erwartungen im
Hinblick auf das Verfahren der Gesetzesinitiativen
belegen öffentliche Meinungsumfragen, daß sich die
Basisdemokratie national breiter Unterstützung durch
die Öffentlichkeit erfreut, sogar in Bundesstaaten wie
Kalifornien, wo sie häufig Kontroversen auslöst. Eine
von Cambridge Survey Research 1977 durchgeführte
Umfrage ergab, daß 57 Prozent eine Verfassungsänderung zugunsten einer nationalen Gesetzesinitiative
befürworten und nur 25 Prozent dagegen sind. Eine
1987 für Thomas Cronins Buch bei Gallup in Auftrag
gegebene Untersuchung kam zu dem Schluß, daß
zwei Drittel der 1.009 befragten Personen die Auffassung vertraten, die Wähler sollten zu einigen staatlichen und kommunalen Gesetzen direkt abstimmen
können. Eine von "Common Cause" und dem Institut
für Politik und Staatsrecht der University of Southern
California durchgeführte Umfrage belegte im Jahr 1985,
daß 71 Prozent der Befragten gegen die Abschaffung
des Initiativensystems waren.

Seite 3

�Aufgrund der breiten öffentlichen Unterstützung hat
sich die Basisdemokratie als außerordentlich dauerhaft in den Staaten erwiesen, in denen sie in die Praxis
umgesetzt wurde. Kein Staat hat die Initiative je
aufgegeben, nachdem sie einmal verabschiedet war,
und Bestrebungen zur Verschärfung der Verfahren
scheitern häufig angesichts des triftigen Arguments,
man nehme dem Volk sein Recht zur Selbstregierung.
"Einige Gesetzgeber fürchten, eine Stimme gegen die
Änderung des Verfahrens der Gesetzesinitiativen würde
als Abstimmung gegen das Verfahren an sich angesehen", erklärt Margaret Herman, Rechtsberaterin der
kalifornischen Liga weiblicher Wähler, die in den vergangenen 5 Jahren erfolglos ein Gesetz zur Reform
der Initiative durchzusetzen versuchte.
Magelby verweist hingegen auf die Erkenntnisse einiger Meinungsumfragen, die gemischte Gefühle der
Öffentlichkeit bezüglich der Anwendung der Initiative
belegen. Als die Gesetzgeber von New Jersey beispielsweise Ende der siebziger Jahre ein Gesetz zur
Schaffung einer Initiative erwogen, kam eine vom
Eagleton Institute of Politics an der Rutgers University
zu dem Schluß, daß 57 Prozent der Befragten keine
Meinung dazu hatten, ob die Initiative eine gute Idee
sei.
Laut Magelby war noch wichtiger, daß der Meinungsumfrage zufolge ungefähr zwei Drittel der Befragten
einigen der wichtigsten von den Kritikern der Basisdemokratie vorgebrachten Argumente zustimmten: Die
Aufgabe der Gesetzgebung sollte den gewählten
Vertretern überlassen bleiben, viele Wähler seien nicht
in der Lage, eine fundierte Wahlentscheidung zu treffen, zahlreiche Themen seien zu kompliziert für eine.
einfache Abstimmung mit Ja oder Nein, und besondere Interessen würden durch das Initiatiwerfahren an
Macht gewinnen, indem mehr Geld ausgegeben würde. In ähnlichem Tenor stellt Magelby fest, von dem
kalifornischen Meinungsforscher Mervin Field durchgeführte Untersuchungen belegten, daß zwei Drittel
der Befragten der Überzeugung waren, gewählte
Vertreter seien besser als die Wähler zur Entscheidung außerordentlich schwieriger technischer oder
rechtspolitischer Fragen geeignet.
Zweifel über die Entstehung der Initiative veranlassen
viele Studenten und Beobachter des Verfahrens zum
Ruf nach Reformen. Trotz ihrer unterschiedlichen
Perspektive haben beispielsweise sowohl Magelby als
auch Cronin Listen von Vorschlägen, die ihres Erachtens das Initiativverfahren verbessern würden. In
Kalifornien haben sich "Common Cause" und die Liga
der weiblichen Wähler zusammengeschlossen, um
Reformvorschläge für die Initiative zu unterstützen,
und Zeitungskolumnisten und Verfasser von Leitartikeln befürworten dieses Ziel regelmäßig in Wahlkampfzeiten.

Seite 4

Einige Reformen können nur als Kesselflickerei bezeichnet werden: zum Beispiel Verschärfung der
Unterzeichungsverfahren, um die Zahl der Initiativen
zu verringern oder Begrenzung der Wahlthemen auf
allgemeine Wahlen, bei denen die Wahlbeteiligung
normalerweise höher ist und wahrscheinlich weniger
verzerrt wird als bei den Vorwahlen. Aber alle vorgeschlagenen Reformen - selbst diese - fordern Kritik
heraus.
Andere Reformvorschläge haben zum Ziel, dem Einfluß entgegenzuwirken, den besondere Interessen
über das Initiatiwerfahren erlangt haben. Die Zunahme bezahlter Unterschriftensammler hat einige Bundesstaaten einschließlich Colorado veranlaßt, ihren
Einsatz zu verbieten.
Im Jahr 1988 brachte das Oberste Bundesgericht
jedoch ein Gesetz des Staates Colorado als verfassungswidrig zu Fall. Lowenstein von UCLA war Mitverfasser einer unlängst veröffentlichten Untersuchung,
die jene Entscheidung scharf kritisierte und einen
Altemativvorschlag unterbreitete, demzufolge von
Freiwilligen gesammelte Unterschriften einen erheblichen Bonus erhalten sollten. Er gibt jedoch zu, daß
dieser Vorschlag den Abgeordneten nur schwer
schmackhaft gemacht werden kann, da er als "zu
trickreich" erscheint.
Ein zweiter Weg, um den Einfluß von Sonderinteressen auf Abstimmungen über Einzelanliegen durch
Beitrags- oder Ausgabenbegrenzung zu verringern,
könnte ebenfalls an Verfassungsgrundsätzen scheitern.
Ohne Beitrags- oder Ausgabenbegrenzung bestünde
eine alternative Methode zur Verringerung der Auswirkungen einseitiger Ausgaben bei solchen Abstimmungen darin, öffentliche Gelder für solche Kampagnen
zur Verfügung zu stellen. Der Politologe Austin Ranney von der University of California in Berkeley ist der
Meinung, die Abwesenheit von klaren Parteilinien, die
für gewöhnlich dem Wähler Orientierung geb9n, akzentuiere die Bedeutung, die der ausreichenden Informierung des Wählers bei Abstimmungen über Einzelfragen von beiden Seiten zukomme. Unter Berufung
auf dieses Argument unterstützt Cronin den von Ranney ins Spiel gebrachten Gedanken, bei einer solchen
Kampagne einer Seite begrenzte öffentliche Unterstützung - einen Grundstock - zukommen zu lassen,
wenn die andere Seite mehr als einen festgesetzten
Betrag aufbringt.
Eine weitere Kategorie vorgeschlagener Reformen
konzentriert sich auf strukturelle Veränderungen beim
Initiatiwerfahren. Diese Vorschläge sind nicht darauf
ausgerichtet, den Zugang zur Abstimmung zu begrenzen oder Ungleichgewichte zu beheben sondern da-

AMERIKA DIENST 46

�rauf, bei der Vorbereitung einer Initiative für die Abstimmung einen Diskussionsprozeß zu fördern oder
vorzuschreiben.
Was auch immer die Argumente für die Überarbeitung
des Initiativprozesses sein mögen, die politischen
Hindernisse für die Verabschiedung solcher Veränderungen bleiben bestehen. Und genau dies könnte ein
Grund für den offenkundigen Anstieg von Klagen - vor
der Verabschiedung und in einigen Fällen auch schon
vor der Abstimmung - gegen Initiativen im vergangenen Jahrzehnt sein.
In gewissem Sinne ist die Debatte über Initiativen
juristisch und politisch in eine Sackgasse geraten.
Kritiker des Prozesses sind politisch nicht stark genug,
um ihn zu beschneiden, aber seine Befürworter haben
keine Erfolge verzeichnet, seit sich Wyoming und
Florida im Jahr 1968 den Reihen der Staaten angeschlossen haben, die Initiativen vorsehen. In den
vergangenen zwei Jahrzehnten haben mindestens 20
Staaten ohne die Möglichkeit der Initiative Gesetze in
Erwägung gezogen, um Sonderabstimmungen zuzulassen, aber politische Trägheit, Opposition in den
Parteien und Mangel an Interesse der Öffentlichkeit
zusammengenommen haben diesen Vorschlägen den
Garaus gemacht. Wähler in zwei Staaten haben vom
Parlament unterbreitete Vorschläge zur Einführung
der Initiative nur knapp abgewiesen: In Minnesota im
Jahr 1980 und Rhode Island im Jahr 1986.
Die Möglichkeit der nationalen Initiative liegt in noch
weiterer Ferne. Das Thema wurde bei Anhörungen
des Kongresses im Jahr 1977 zur Sprache gebracht,
aber Gesetzentwürfe dazu haben keine Fortschritte
gemacht.
Aus einem relativ desinteressierten Blickwinkel konstatiert Cronin, daß der Initiativprozeß funktioniert hat
- und er hat "auf Staats- und Gemeindeebene besser
funktioniert als die meisten sich bewu ßt sind". Aber wo
die Befürworter der Basisdemokratie den Vorteil erkennen, daß neue Teilnehmer in das politische System
einbezogen werden, sehen die Kritiker eine Abzweigung politischer Energien und Ressourcen von bevorzugten politischen Prozessen. Was Praktiker des
Initiativprozesses als Instrument für politische Durchbrüche und Volksherrschaft betrachten, wird von den
Kritikern als verselbständigter Impuls für Mehrheitshysterie und Gesetzgebung angesehen, die sich nicht
um Einzelheiten schert. Einzelinitiativen sorgen femer
noch Jahre nach ihrer Annahme oder Verwerfung für
hitzige Debatten.
Selbst die schärfsten Kritiker der Initiative würden sich
jedoch dem Schluß Cronins nicht verschließen, wonach die Mechanismen der Basisdemokratje 'Von Dauer
sind", und zumindest einige Befürworter würden seiner
Forderung nach zusätzlichen Sicherungen bei diesem
Prozeß applaudieren. Bei eingehender Prüfung weist
die Initiative zwar schwerwiegende Mängel auf, aber

AMERIKA DIENST 46

das gleiche gilt für das Gesetzgebungsverfahren und
konventionelle Wahlen. Möglicherweise lassen sich
einige dieser Mängel beheben, aber ob mit oder ohne
Mängel, wo die Initiative zugelassen ist, stellt sie eine
Grundtatsache des amerikanischen politischen Lebens
dar, die von gewählten Vertretern, Interessengruppen
und Wählern insgesamt nicht außer acht gelassen
werden kann.
Die Terminologie der Basisdemokratie
Direct Initiative (Direkte Initiative) - Verfügungen
oder Verfassungsänderungen werden durch Petition
vorgeschlagen und mit einer ausreichenden Zahl von
Unterschriften dem Wähler unmittelbar zur Zustimmung oder Ablehnung vorgelegt. Die Legislative spielt
dabei keine Rolle.
Indirect Initiative (Indirekte Initiative) - Verfügungen
werden durch Petition vorgeschlagen, dann jedoch
dem Parlament unterbreitet. Falls das Parlament nach
einer bestimmten Frist die Verfügung nicht verabschiedet oder so verändert hat, daß sie für deren
Verfechter nicht mehr annehmbar ist, können diese
weitere Unterschriften sammeln und den ursprünglichen Vorschlag dem Wähler zur- Abstimmung vorlegen.
In 23 Staaten sowie dem District of Columbia (Territorium der Bundeshauptstadt Washington) sind die direkte oder indirekte Initiative zulässig.
Populär Referendum (Volksbegehren) - Wähler können
Unterschriften sammeln, um zu fordern, daß bestimmte von der Legislative verabschiedete Gesetze allen
Wählern zur Abstimmung vorgelegt werden. Dieses
Volksbegehren ist in 25 Staaten sowie dem District of
Columbia zulässig.
Für gewöhnlich gelangen einzelne Gesetzesvorhaben
nicht durch Volksbegehren zur allgemeinen Abstimmung. Statt dessen werden sie durch Beschluß der
Legislative dem Volk zur Abstimmung vorgelegt.
Zahlreiche Verpflichtungsgesetze (einen Bundesstaat
oder Gemeinden betreffend) sowie Veränderungen
von ursprünglich durch Initiativen eingeführten Verfügungen erfordern die Zustimmung der Wähler. Alle
Staaten außer Delaware erfordern die Zustimmung
der Wähler zu Verfassungsänderungen.
Recall (Abberufung) - Wähler können Unterschriften
sammeln, um einen Amtsträger abzulösen oder zu
entlassen, für gewöhnlich in einer Sonderabstimmung.
Petitionen für eine Abberufung erfordern normalerweise mehr Unterschriften als eine Initiative oder ein
Volksbegehren.
Gesetze zur Abberufung von Staatsvertretern bestehen in 15 Staaten und dem District of Columbia,
während 36 Staaten die Abberufung von Gemeindevertretern gestatten. Das Verfahren wird auf Staatsebene äußerst selten angewendet.

Seite 5

�DROGEN
20. November 1991

MARTINEZ DRÄNGT EUROPA ZU KAMPAGNE
GEGEN DROGENMISSBRAUCH
Verabschiedung europaweiter Kontrollen gefordert
LONDON - (AD) - Obwohl Drogenbekämpfungsmaßnahmen nicht immer populär sind, forciert der Drogenbeauftragte der US-Regierung, Bob Martinez, die westeuropäischen Staats- und Regierungschefs zum Handeln
auf, bevor diese Länder sich mit einer ausgewachsenen Drogenepidemie konfrontiert sehen.
"Wir wollen es den Drogenhändlern schwer machen,
ihre Profite zu behalten. Dies bedeutet Kontrollen bei
Geldwäsche und die Beschlagnahmung von Vermögen", erklärte Martinez in einem Interview, während er
im Auftrag des Präsidenten vom 15. bis 26. November
1991 eine Reise in sechs europäische Länder antrat.
Auch die Vereinigten Staaten drängen auf europaweite Kontrollen beim Verkauf von Chemikalien, die zur
Herstellung von Kokain und Heroin verwendet werden
können, auf Präventionsprogramme gegen Drogenmißbrauch, zunehmende Bestrebungen zur Unterbindung des Nachschubs sowie Unterstützung bei der
Bereitstellung alternativer Wirtschaftsprogramme in
Drogenerzeugerländern, fügte Martinez hinau.
Er räumte ein, daß einige Drogenbekämpfungsinitiativen wie die Bekanntgabe von Geldtransfers und chemische Kontrollen politisch nicht immer populär sind.
Martinez verwies jedoch darauf, daß die öffentliche
Unterstützung für Strafverfolgungsmaßnahmen und
Präventionsinintiativen während seiner Amtszeit als
Bürgermeister von Tampa (Florida) und in den achtziger Jahren als Gouverneur von Florida mit Verschärfung des Drogenproblems drastisch anstieg.
Sein Interesse an diesem Problem wurde 1979 geweckt, als er als neu gewählter Bürgermeister von
Tampa 10- bis 12jährige Kinder auf den Straßen in der
Nähe öffentlicher Wohnsiedlungen mit brandneuen
Mopeds herumlungern sah.
"Die Polizei erzählte mir, die Drogenhändler heuerten
diese Kinder an", so Martinez. Die Kinder bekamen
Mopeds und rund 50 Dollar am Tag, um nach neuen
Opfern Ausschau zu halten, "und wenn sie es nicht
richtig machten, nahmen ihnen die Drogenhändler die
Mopeds weg."

AMERIKA DIENST 46

Bedauerlicherweise stieg der Drogenkonsum Martinez zufolge drastisch an, aber die Öffentlichkeit interessierte sich kaum für das Problem oder verschloß die
Augen davor.
Als Martinez 1987 Gouverneur wurde, begann sich
das Verhalten zu ändern, "aber bis dahin hatte der
Drogenkonsum in Florida epidemische Ausmaße erreicht."
Martinez leitete ein breites Spektrum von Drogenbekämpfungsprogrammen ein wie den Einsatz der Nationalgarde in Zusammenarbeit mit dem amerikanischen
Zoll bei der Inspektion von Containerladungen, Aufstockung der Zahl von Polizeibeamten, Labors und
Zellen sowie die Bereitstellung staatlicher Mittel zum
Abbau der Nachfrage in Schulen und am Arbeitsplatz.
"Wir haben erkannt, daß es ungeachtet der Nationalität oder politischen Lage einen Zeitraum des Verleugnens gibt, den jeder durchläuft," erklärte Martinez und
bezog sich damit auf das Leugnen des Drogenproblems.
"Ich verstehe, daß man in der Politik viele Dinge tun
kann, bevor man ein Krisenstadium erreicht...," fügte
er hinzu. "Aber das mindeste, was wir meiner Ansicht
nach tun können, ist, unsere Erfahrungen zu vermitteln."
Martinez wird in Großbritannien, Deutschland, Belgien, Frankreich, Italien und Spanien mit Regierungsvertretern, Geschäftsleuten, Drogenexperten und
Polizeibeamten zusammentreffen.
Er verwies darauf, daß bereits viel getan wird, einschließlich der Hilfe für die Andenstaaten Bolivien,
Kolumbien und Peru. "Einigen von ihnen wollen wir

Seite 1

�danken", erklärte er. "Manche dieser Länder haben "Ich habe Berichte gesehen, denen zufolge Crack jetzt
bereits Geld investiert, und ihre Beamten reisen in die Einzug in einigen Städten Europas hält, wo die Drogenkonsumenten und -händler bisher nicht darauf
Regionen, um sich dort ein Bild zu verschaffen."
vorbereitet waren. Jetzt sind sie gewappnet," erklärt
Martinez betonte jedoch, "es gibt ungeheure Bestre- Martinez.
bungen der Kokain-Kartelle zum Vertrieb ihres Produkts in Europa ... Sie sind sehr klug, finanziell gut In den siebziger Jahren haben Martinez zufolge die
ausgestattet, und sie setzen die beste Technologie Menschen in den Vereinigten Staaten nicht auf die
ein. Ich bin nicht sicher, ob es manche westlichen Warnungen der Polizei gehört, Drogenhandel und
Länder mit ihnen aufnehmen können."
Gewalt würden zunehmen. "Meiner Meinung nach ist
dies ein Grund, warum Drogen in den Vereinigten
Für die Vereinigten Staaten "ist der Umgang mit den Staaten so gut Fuß fassen konnten, und heute müssen
kolumbianischen Kartellen schwierig genug", erklärte wir so viel Geld und Mühe zur Eindämmung des
er, "auch mit den 11,7 Milliarden Dollar, die ausgege- Drogenkonsums investieren."
ben werden" um ihren illegalen Handel zu durchkreuzen.
"Wenn der Import von Kokain nach Europa nur die
Frage einiger Jahre war", fügte er hinzu, "und wenn
Diese Zahl fordert Präsident Bush für die Drogenbe- man die Zahlen betrachtet, steigen sie eher als daß sie
kämpfung im Haushaltsjahr 1992. Der Antrag wurde fallen, dann kann es noch einige Jahre dauern, bis sich
vom Amt für nationale Drogenbekämpfungspolitik - die vollen Auswirkungen dort zeigen."
das Martinez leitet - in Zusammenarbeit mit anderen
Bundesbehörden erarbeitet.
* *

Seite 2

*

*

AMERIKA DIENST 46

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11309">
                <text>20.11.1991</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11310">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11311">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11312">
                <text>Amerikadienst 20.11.1991</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11313">
                <text>&lt;strong&gt;1. Vereinte Nationen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Pickering sieht neue Art von Weltkonflikten voraus&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede über die Rolle der Vereinten Nationen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wahlen 1992&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Initiativen: gute Demokratie oder schlechte Gesetzgebung?&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Kenneth Jost&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Drogen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Martinez drängt Europa zu Kampagne gegen Drogenmissbrauch&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Verabschiedung europaweiter Kontrollen gefordert&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="1428" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="1439">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/c0eff86cc98dd2fdf1e931724b5c57fe.pdf</src>
        <authentication>6efffd96e06f5a79badb7fab3e2f72c4</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="7560">
                    <text>amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Nummer

Information

Service

G o de s b e r g 1, P o s t f a c h

8 9 - 3 2 4 0

300

Information
und
Dokumentation

T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

20. Dezember 1972

51

Inhalt
DOKUMENTATION:
Erklärung Kissingers zum Stand der Vietnam-Verhandlungen
-Pressekonferenz vom 16. Dezember-

INFORMATION:
John A. Scali soll neuer US-Chefdelegierter bei den Vereinten Nationen
werden
Sonderprogramm der Fulbright-Kommission für Bildungsexperten im Jahre
1973
WIRTSCHAFT:
Ein Jahr Smithsonian-Abkommen
Von Eugene Brake
1972 brachte nachhaltigen Wirtschaftsaufschwung für die USA
Von John Holway

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
APOLLO 17: Sonderbonus für die Wissenschaft
-Die automatischen Meßstationen liefern noch jahrelange ForschungsdatenKalziumbestimmung im Blutserum
Laser-Nachrichtensystem
Die vorliegende Ausgabe von INFORMATION UND DOKUMENTATION ist die letzte
in diesem Jahr.
Wir wünschen allen Beziehern ein frohes Weihnachtsfest und ein glückliches
Neues Jahr.

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�a m e r i k a dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

I n f o r m a t i o n

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

Telex:

Dokumentation

300

08-85432

51/1972

ERKLÄRUNG KISSINGERS ZUM STAND DER VIETNAM-VERHANDLUNGEN
•Pressekonferenz vom 16.Dezember-

WASHINGTON — ( A D ) — Der Sonderberater Präsident Nixons für Fragen der Nationalen Sicherheit, Dr. Henry A. Kissinger, hat am 16. Dezember auf einer
Pressekonferenz im Weißen Haus über den Stand der Vietnamverhandlungen berichtet. Er gab hierzu eine längere Erklärung ab, die folgenden Wortlaut
hat:
Meine Damen und Herren,
wie Sie wissen, habe ich dem Präsidenten berichtet und mit dem Außenminister, dem Vizepräsidenten, dem Verteidigungsminister, dem Chef des Gemeinsamen Stabes sowie anderen maßgeblichen Regierungsvertretern konferiert.
Ich treffe heute mit Ihnen hier zusammen, weil es unser Wunsch war, Ihnen
über den gegenwärtigen Stand der Verhandlungen Bericht zu erstatten.
Sie werden sicherlich verstehen, daß ich nicht in Einzelheiten bestimmter Fragen gehen kann, aber ich werde Ihnen eine möglichst faire und ehrliche Darlegung des allgemeinen Trends der Verhandlungen geben.
Lassen

-1-

�Lassen Sie mich dies zunächst in drei Teilen tun: erstens, was führte
uns Ende Oktober zu der Überzeugung, daß der Friede bevorstand; zweitens, was
ist seither geschehen; drittens, wie geht es nun weiter?
Ende Oktober hatten wir soeben drei Verhandlungswochen mit den Nordvietnamesen beendet, Wie Sie alle wissen, unterbreiteten uns die Nordvietnamesen am 8. Oktober einen Vorschlag, der - wie sich dann herausstellte - die
Hauptprinzipien zu reflektieren schien, die der Präsident immer als Bestandteil der amerikanischen Position hervorgehoben hatte. Diese Grundsätze besagten, daß es eine bedingungslcse Freilassung aller amerikanischen Gefangenen
in ganz Indochina geben müsse; daß zweitens in ganz Indochina eine Waffenruhe
Zustandekommen müsse, und zwar durch verschiedene, den Verhältnissen der betroffenen Länder entsprechende Mittel; daß wir drittens bereit seien, unter
diesen Bedingungen unsere Truppen innerhalb eines beiderseitig vereinbarten
Zeitraums abzuziehen; daß wir viertens dem politischen Ergebnis der Zukunft
Vietnams nicht vorgreifen, daß wir keine besondere Lösung aufzwingen, daß wir
nicht auf unserer besonderen Lösung bestehen wollten,
Das Abkommen, das sich im Laufe des Ol tober herauskristallisierte, schien
uns diese Prinzipien genau zu reflektieren. Gegen Ende Oktober dann stießen
wir auf eine Reihe von Schwierigkeiten

Weil wir die Atmosphäre, die zu einer

schnellen Regelung führen konnte, erhalten wollten^

erwähnten wir zum damali»

gen Zeitpunkt zwar diese Schwierigkeiten auf unseren Presseunterrichtungen,
gingen jedoch nicht im einzelnen auf sie ein.
Lassen Sie mich nunmehr zusammenfassen;, welcher Art diese Probleme Ende
Oktober waren:
Es wurde deutlich, daß damals eine massive kommunistische Anstrengung vorbereitet wurde, in ganz Südvietnam einen Angriff zu starten, der einige Tage
vor der Verkündigung einer Waffenruhe eingesetzt und noch einige Wochen nach

2-

�nach dem Inkrafttreten der Waffenruhe fortgedauert hätte.
Zweitens, es gab ein Interview des nordvietnamesischen Ministerpräsidenten, welches besagte, daß die politische Lösung, auf der wir immer als Bestandteil unserer politischen Prinzipien beharrt hatten, nämlich, daß (Südvietnam)
keine Koalitionsregierung aufgezwungen würde, nicht so klar war, wie dies aus
den Verhandlungsunterlagen hervorging.
Drittens, wie keinem entgehen konnte, stießen wir auf einige spezifische
Einwände von Seiten Saigons.
Aufgrund dieser Umstände schlugen wir Hanoi eine weitere Verhandlungsrunde vor, um diese Schwierigkeiten zu beseitigen. Wir waren der Überzeugung,
daß diese Schwierigkeiten mit gutem Willen auf beiden Seiten relativ leicht
überwunden werden könnten und daß eine Regelung sich schnell herbeiführen
ließe, wenn wir uns auf beiden Seiten an den Geist der Oktoberverhandlungen
halten würden.
Wir waren überzeugt, daß, wenn wir einen zehnjährigen Krieg beenden wollten, wir dies nicht mit einem Waffenstillstand, sondern mit einem Frieden tun
sollten, der Aussicht auf Bestand hätte. Wir schlugen drei Kategorien der
Klärung in dem Abkommen vor: erstens wünschten wir die sogenannten linguistischen Schwierigkeiten aufgeklärt, damit durch sie nicht der Same für endlose
Dispute und einen erneuten Ausbruch des Krieges gelegt werde,, Ich werde darüber noch gleich sprechen.
Zweitens hatte das Abkommen immer vorgesehen, daß unverzüglich nach Verkündigung einer Waffenruhe ein internationaler Apparat eingesetzt werde. Wir
wollten die praktische Bedeutung des Wortes "unverzüglich" dadurch klarstellen, daß wir die Protokolle ausarbeiteten, die erforderlich sind, um diesen
internationalen Apparat gleichzeitig mit dem Abkommen über eine Waffenruhe
zu schaffen. Dies schien uns weitgehend eine technische Angelegenheit zu sein.
Drittens

�Drittens wünschten wir irgendeinen Hinweis in dem Abkommen, und sei er
noch so vage, verblümt, illusorisch oder indirekt -

einen Hinweis, der klar-

stellen würde, daß die beiden Teile Vietnams in Frieden miteinander leben
würden und daß keine Seite ihre Lösung der anderen mit Gewalt aufzwingen würde.
Dies schienen uns ganz bescheidene Anforderungen, die relativ leicht zu erreichen sein würden.
Lassen Sie mich Ihnen nun die Folge der Ereignisse seit jenem Zeitpunkt
aufzeigen. Wir alle wissen von den Meinungsverschiedenheiten, die zwischen Saigon und Washington bestanden haben. Diese Meinungsverschiedenheiten sind bis
zu einem gewissen Grad verständlich. Es ist unvermeidlich, daß ein Volk, auf
dessen Territorium der Krieg ausgetragen wurde und das 25 Jahre lang der Zerstörung, dem Leid und dem Terror ausgesetzt war, auf die Aussichten einer Regelung in detaillierterer Weise sieht, mit einem besorgteren Blick,als wir,
die wir 10 000 Meilen vom Schauplatz entfernt sind. Viele Bestimmungen des Abkommens wurden unvermeidlicherweise in Vietnam in einem anderen Zusammenhang gesehen als in Washington.
Ich glaube, man kann mit einiger Berechtigung sagen, daß wir uns diesem
Problem im Hinblick auf beide vietnamesische Seiten gegenübersehen. Das vietnamesische Volk, im Norden wie im Süden, hat nun schon so lange gekämpft, daß
ihm die Risiken und Gefahren des Krieges, so schwer sie auch sein mögen, manchmal erträglicher zu sein scheinen als die Ungewißheiten und die Risiken und
Gefahren des Friedens.
Nun ist es auch kein Geheimnis, daß die Vereinigten Staaten nicht allen
Einwänden zustimmten, die von Saigon erhoben wurden. Insbesondere war die
Haltung der Vereinigten Staaten hinsichtlich der Waffenruhe im Oktober 1970
klargestellt worden. Sie wurde im Vorschlag des Präsidenten vom 25. Januar 1972
erneut klargemacht und dann im Angebot des Präsidenten vom 8. Mai 1972 wiederholt. In keinem dieser Vorschläge war ein Abzug der nordvietnamesischen Streit-

&gt;4*

�Streitkräfte gefordert worden. Daher konnten wir unseren Verbündeten in
Südvietnam nicht zustimmen, als sie den festgelegten Positionen Bedingungen
hinzufügten, nachdem ein Abkommen erreicht worden war, das diese festgelegten
Positionen widerspiegelte. Wie wir in der Pressekonferenz vom 26. Oktober hier
klargelegt haben und wie der Präsident es in seinen Reden immer wiederholt hat ,
werden die Vereinigten Staaten den Krieg nicht einen Tag länger führen, als
dies nach ihrer Ansicht notwendig ist, um ein Abkommen zu erreichen, das wir
als gerecht und fair erachten.
Wir möchten also keinen Zweifel an der Tatsache lassen, daß, wenn ein
Abkommen erreicht worden ist, das den erklärten Bedingungen des Präsidenten
entspricht, falls ein Abkommen erreicht worden ist, das wir für gerecht ansehen, keine andere Seite ein Veto gegen unsere Maßnahmen haben wird.
Ich bin jedoch auch verpflichtet, Ihnen zu sagen, daß diese Frage heute
hypothetisch ist, weil wir bisher noch kein Abkommen erreicht haben, das der
Präsident für gerecht und fair ansieht. Daher möchte ich Ihnen den Gang der
Verhandlungen darlegen, seit sie am 20. November wieder aufgenommen wurden,
und Ihnen erläutern, wo wir heute stehen.
Die drei Ziele, die wir in diesen Verhandlungen anstreben, wurden in der
Pressekonferenz vom 26. Oktober, in vielen Reden des Präsidenten nach diesem
Zeitpunkt und in jeder Kommunikation mit Hanoi selbst dargelegt. Sie dürften
keine Überraschung dargestellt haben.
Lassen Sie mich nun zuerst ein Wort zu dem Komplex sagen, den wir
"linguistische Schwierigkeiten" nannten und die so bezeichnet werden, um die
Situation nicht anzuheizen. Wie entstanden sie? Sie entstanden, weil die Nordvietnamesen uns ein Dokument auf englisch unterbreiteten, das wir dann mit
ihnen erörterten. An zahlreichen Stellen dieses Dokumentes wurde der ursprüngliche Text im Zuge der fortschreitenden Verhandlungen geändert, und die Formulierungen wurden im Vergleich zu den ursprünglichen häufig abgeschwächt.

-5-

�abgeschwächt. Erst als wir den vietnamesischen Text erhielten, und zwar nach
Abschluß dieser Verhandlungen, stellten wir fest, daß zwar der englische Text,
jedoch nicht der vietnamesische geändert worden war.
So befanden wir uns plötzlich in zwei Verhandlungen ~ in einer über den
englischen Tex. und in einer anderen über den vietnamesischen Text. Obwohl
ich zahlreiche Verhandlungen geführt habe, muß ich doch sagen, daß dies eine
neuartige Prozedur war. Dies führte zu der Ansicht, daß es hierbei vielleicht
doch nicht lediglich um linguistische Schwierigkeiten, sondern um substantielle Schwierigkeiten ging. Nun muß ich sagen, daß alle diese Schwierigkeiten mit
einer Ausnahme beseitigt worden sind. Die zweite Kategorie der Probleme betraf
die Schaffung des internationalen Apparates, damit dieser gleichzeitig mit der
Waffenruhe c

10 Arbeit aufnehmen und eine Situation vermieden werden konnte,

in der die Waffenruhe, statt Frieden zu bringen, eine erneute unsinnige Kette
von Feindseligkeiten auslösen würde.
Zu diesem Zweck unterbreiteten wir also am 20. November, dem ersten Tag
der wiederaufgenommenen Verhandlungen, eine Liste dessen, was wir Protokolle
nannten - technische Instrumente, durch die dieser Apparat ins Leben gerufen
werden sollte. Diese Protokolle - und ich möchte mich nicht auf Einzelheiten
hierüber einlassen » sind normalerweise technische Dokumente, und unsere verfolgten ohne Zweifel das Ziel, den normalen Praktiken zu entsprechen, trotz
der Tatsache, daß dies vier Wochen nach dem Zeitpunkt geschah, an dem wir
klar gemacht hatten, daß dies unser Ziel war, und drei Wochen, nachdem Hanoi
uns gedrängt hatte, ein Abkommen über eine Waffenruhe zu unterzeichnen. Die
nordvietnamesische Seite weigerte sich, unsere Protokolle zu erörtern, und
weigerte sich auch, uns ihre Protokolle zu unterbreiten, so daß wir uns der
Frage der Schaffung des internationalen Apparates nicht zuwenden konnten. Wir
sahen die nordvietnamesischen Protokolle erstmalig am Abend des 12. Dezember
- am Abend, bevor ich Paris verlassen sollte, und sechs Wochen, nachdem wir

-6-

�wir unsere Ziele dargelegt hatten, fünf Wochen, nachdem die Unterzeichnung der
Waffenruhe vorgeschlagen worden war - eine Waffenruhe, die bedingte, daß dieser
Apparat umgehend eingerichtet werden mußte.
Bei diesen Protokollen handelt es sich nicht um technische Instrumente ,
sondern es wird eine ganze Liste von Fragen erneut aufgeworfen, die bereits geregelt worden waren oder von denen wir glaubten, daß sie in dem Abkommen geregelt worden seien. Sie enthielten Bestimmungen,die in dem ursprünglichen Abkommen nicht enthalten waren, und es waren Bestimmungen ausgelassen worden, die in
dem ursprünglichen Abkommen standen. Diese Protokolle werden gegenwärtig von den
technischen Experten in Paris erörtert; aber es wird einiger Anstrengungen bedürfen, die politischen Bestimmungen aus ihnen wieder herauszunehmen und ihnen
wieder einen technischen Status zu geben.
Zweitens kann ich mit Bestimmtheit sagen, daß die nordvietnamesische Vorstellung von einem internationalen Apparat und unsere Vorstellung von einem internationalen Apparat in einem krassen Widerspruch zueinander stehen, und das,
meine Damen und Herren, ist eher noch zu gelinde ausgedrückt.
Wir waren der Auffassung, daß ein wirksamer Apparat praktisch eine gewisse
Bewegungsfreiheit bedingt

und nach unseren Schätzungen wären mehrere tausend

Personen erforderlich gewesen, um die zahlreichen Bestimmungen des Abkommens zu
überwachen. Nach der nordvietnamesischen Vorstellung soll sich die Gesamtstärke
auf nicht mehr als 250 Personen belaufen, von denen die Hälfte in den Hauptquartieren stationiert sein sollte ; damit würden sie, was Nachrichtenverbindungen,
Nachschub und auch die physischen Erfordernisse anbetrifft, völlig von der Partei abhängig sein, in deren Gebiet das Hauptquartier seinen Sitz hat.
So würden sie keine eigenen Jeeps, Telefone und Funkgeräte haben;

die Leute

könnten sich nicht ohne Begleitung von Verbindungsoffizieren der Partei bewegen,
die überprüft werden soll, falls diese Partei überhaupt die Jeeps bereitstellen

�bereitstellen würde, um an den Ort des Verstosses zu gelangen, und falls diese
Partei dann die Übermittlung der Feststellungen zulassen würde.
Wir haben den Eindruck, daß die Mitglieder dieser Kommission sich nicht
überarbeiten würden, falls dieses Verfahren akzeptiert werden würde.
Drittens ist da noch der Inhalt des Abkommens. Die Verhandlungen seit dem
20. November haben praktisch in zwei Phasen stattgefunden. Die erste, drei
Tage dauernde Phase fand in dem Geist und der Haltung der Treffen vom Oktober
statt. Wir legten unsere Vorschläge vor. Einige wurden akzeptiert, andere abgelehnt. Aber am Ende des dritten Tages hatten wir sehr beträchtlichen Fortschritt gemacht, und alle von uns glaubten, daß wir innerhalb von einem oder
zwei Tagen die Vereinbarungen abgeschlossen haben würden. Wir kennen die damals
in Hanoi getroffenen Entscheidungen nicht, doch von diesem Augenblick an hatten
die Verhandlungen den Charakter, daß eine Regelung stets nahezu in Reichweite
war, und daß sie uns immer wieder entzogen wurde, wenn wir danach zu greifen
suchten.
Ich halte es nicht für angebracht, auf die Einzelheiten der spezifischen
Fragen einzugehen, aber ich glaube, ich sollte Ihnen einen Eindruck von der allgemeinen Atmosphäre und den befolgten Verfahren geben.
Als wir am 4. Dezember zurückkehrten, glaubten wir in der amerikanischen Delegation, daß die Treffen nicht länger als zwei oder drei Tage dauern würden,
da nur noch zwei oder drei Fragen zu lösen waren. Sie alle wissen, daß die Treffen neun Tage dauerten. Sie begannen damit, daß Hanoi jede Annäherung zurückzog, die in den vorangegangenen zwei Monaten vereinbart worden war.
So verbrachten wir den Rest der Woche damit, dahin zurückzukehren, wo wir
bereits zwei Wochen zuvor gewesen waren. Am Samstag glaubten wir, daß die Fragen so weit angenähert worden waren, daß, wenn die andere Seite einen bereits
zwei Wochen zuvor vereinbarten Absatz akzeptiert hätte, das Abkommen hätte

�hätte abgeschlossen werden können.
An diesem Punkt beorderte der Präsident General Ha ig nach Washington zurück, so daß er für die dann folgende Mission, das Abkommen unseren Verbündeten
vorzulegen, verfügbar sein würde. An dieser Stelle glaubten wir uns einem Abkommen nahe genug, so daß die Experten zusammenkommen und die Texte aufeinander abstimmten könnten, damit wir nicht erneut auf die sprachlichen Schwierigkeiten stoßen würden, wie wir sie zuvor erlebt hatten, und damit wir sicherstellen konnten, daß die im Englischen ausgehandelten Änderungen auch im
Vietnamesischen enthalten sein würden. Als die Experten zusammentraten, wurden sie mit 17 neuen Änderungen in linguistischer Hinsicht konfrontiert. Als
ich wieder mit dem Sonderberater zusammentraf, waren aus dem einen Problem,
das unserer Ansicht nach für Samstag übrig geblieben war, zwei geworden, und
eine neue Forderung wurde präsentiert. Als wir diese akzeptierten, wurde sie
am nächsten Tag zurückgezogen und noch schärfer gefaßt. So verbrachten wir unsere Zeit damit, die 17 linguistischen Änderungen durchzugehen und sie erneut
auf zwei zu reduzieren.
Dann, am letzten Tag der Zusammenkunft, beauftragten wir unsere Experten,
zusammenzutreten und zu vergleichen, ob die 15 geregelten Änderungen von den
17 ursprünglich vorgeschlagenen jetzt in den beiden Texten gleichlautend waren.
An dieser Stelle wurden wir mit 16 neuen Änderungen konfrontiert, darunter vier
wesentlichen, von denen einige jetzt immer noch ungelöst sind.
Nun, ich möchte nicht auf die Einzelheiten oder Vorzüge dieser Änderungen
eingehen. Die Hauptschwierigkeit, der wir uns jetzt gegenübersehen, ist, daß
die in dem Abkommen bereits geregelten Bestimmungen in den Protokollen erneut
in einer anderen Form erscheinen; daß Fragen der technischen Durchführung,die
in dem Abkommen von Anfang an impliziert waren,rieht angesprochen worden waren
und uns erst am letzten Tage einer Reihe von Sitzungen vorgelegt wurden, die
gerade dazu bestimmt waren, diese Fragen zu diskutieren; und daß, sobald eine

-9-

�V

eine Frage geregelt worden war, eine neue Frage aufgeworfen wurde.
Es war für uns sehr verlockend, den Prozeß fortzusetzen, der allen so
sehr am Herzen lag, wie dies aus den zahlreichen Treffen hervorgeht, und auf
große Fortschritte zu verweisen, aber der Präsident entschied, daß wir dem
amerikanischen Volk nicht ständig Rätsel aufgeben könnten.
Wir befinden uns jetzt in der folgenden merkwürdigen Situation: Großer
Fortschritt war gemacht worden, selbst in den Gesprächen. Was lediglich noch
fehlt, ist eine Entscheidung in Hanoi, die verbleibenden Fragen in einer Form
zu regeln, die bereits zwei Wochen zuvor vereinbart worden war. Wir sprechen
also nicht über eine Prinzipienfrage, die völlig unannehmbar ist.
Das Zweite ist, die erforderliche Arbeit zum Abschluß zu bringen für den
Aufbau des internationalen Apparates in einem solchen Geiste, daß beide Seiten
interessiert sind, den Krieg nicht in einer solchen Weise zu beenden, daß dies
lediglich der Anfang einer neuen Konfliktsrunde ist. Wir befinden uns also in
einer Situation, wo der Friede nahe sein kann, wo der Friede jedoch eine Entscheidung erfordert. Dies ist der Grund, warum wir erneut unsere grundlegende
Haltung darlegen wollen.
Was Saigon anbetrifft, so haben wir Sympathie und Mitgefühl mit der Not
seiner Bevölkerung und den Sorgen seiner Regierung. Wenn wir jedoch ein Abkommen erreichen können, das der Präsident als gerecht erachtet, so werden wir damit voranschreiten.
Was Hanoi anbetrifft, so ist unser grundlegendes Ziel in der Pressekonferenz vom 26. Oktober dargelegt worden. Wir wollen ein Ende des Krieges, das
mehr als ein Waffenstillstand ist. Wir wollen von Feindschaft zu Normalisierung
und von Normalisierung zu Zusammenarbeit gelangen. Aber wir werden keine Regelung eingehen, die nur eine verschleierte Form eines fortdauernden Krieges ist

-10-

�ist und die auf Umwegen das herbeiführt, was wir stets als nicht tolerierbar
erklärt haben-.
Wir haben stets erklärt, daß eine faire Lösung unmöglich jeder Seite das
geben kann, was sie sich wünscht. Wir setzen den Krieg nicht fort, um unseren Verbündeten einen totalen Sieg zu erringen. Wir wollen ihnen eine vernünftige Möglichkeit geben, an einer politischen Struktur teilzuhaben, aber
wir werden nicht eine Regelung eingehen, die einen versteckten Sieg für die
andere Seite bedeutet.
Daher befinden wir uns jetzt an einem Punkt, wo wir vielleicht einem Abkommen wieder näher sind, als wir es Ende Oktober waren, sofern die andere
Seite bereit ist, mit uns in gutem Glauben und gutem Willen zu verhandeln.
Aber es geht nicht an, daß an jedem Tag, an dem eine Frage gelöst wird, eine
weitere aufgeworfen wird, daß eine einmal in einem Abkommen geregelte Frage
erneut in einer Absprache aufgeworfen wird, und wenn sie als solche dann geregelt ist, als Protokoll vorgebracht wird. Wir werden uns nicht zu einem Abkommen erpressen lassen. Wir werden uns nicht aus Panik in ein Abkommen treiben
lassen, und wenn ich es einmal so sagen darf, wir werden uns nicht in ein Abkommen hineinschmeicheln lassen, dessen Bedingungen nicht gerecht sind.
Dem Präsidenten und uns allen, die wir mit diesen Verhandlungen befaßt
waren, hat nichts anderes so viel bedeutet, wie der Versuch, den Krieg in
Vietnam zu beenden. Nichts, was ich getan habe, seit ich mich in dieser Position befinde, hat mich so sehr fühlen lassen, der Treuhänder so vieler Hoffnungen zu sein, wie gerade die Verhandlungen, an denen ich in letzter Zeit
teilgenommen habe. Es war oftmals schmerzlich, an die Hoffnungen der Millionen
zu denken und praktisch an die Hoffnungen von vielen von Ihnen, meine Damen
und Herren, die vor den verschiedenen Tagungsorten warteten und mit bedeutsamen Ereignissen rechneten, während innerhalb dieser Tagungsstätten in den
letzten drei Tagen eine geringfügige Frage nach der anderen aufgeworfen wurde.
So

-11-

�So sagen wir Hanoi jetzt, wir sind bereit, mit den Verhandlungen in dem
Geiste fortzufahren, in dem sie im Oktober aufgenommen wurden. Wir sind bereit, ein Abkommen einzuhalten, das die bedingungslose Freilassung aller amerikanischen und verbündeten Gefangenen vorsieht, das keiner Seite irgendeine
politische Lösung aufzwingt, das eine international überwachte Waffenruhe und
den Abzug aller amerikanischen Truppen innerhalb von 60 Tagen bringt. Eine
solche Regelung ist für beide Seiten gerecht, und dies erfordert lediglich die
Entscheidung, bereits akzeptierte Bestimmungen einzuhalten und Prozeduren zu
beenden, die lediglich die Hoffnungen der Menschheit verhöhnen können.
Auf einer solchen Basis können wir einen Frieden haben, der den Hoffnungen der Menschheit wie auch dem Gerechtigkeitsgefühl aller Beteiligten entspricht.

f++4

-12-

�&lt; a m e r i k a dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

Information

300

T e I e x : 08 - 8 54 32

51/1972

JOHN A. SCALI SOLL NEUER US-CHEFDELEGIERTER BEI DEN VEREINTEN NATIONEN
WERDEN
WASHINGTON -»(AD)«- Präsident Nixon hat seinen bisherigen Sonderberater
John A. Scali zum neuen Chefdelegierten der USA bei den Vereinten Nationen

nominiert. Er soll die Nachfolge von George Bush antreten, der Vorsitzender
des Nationalen Komitees der Republikanischen Partei wird. Die Ernennung muß
noch vom amerikanischen Senat bestätigt werden.
Scali bringt für seinen neuen Posten eine fast dreißigjährige Auslandserfahrung mit, die er sich als Journalist von Ruf erworben hat. Bevor er 1971
als Sonderberater in den Stab des Weißen Hauses eintrat, war er zehn Jahre
lang diplomatischer Chefkorrespondent der American Broadcasting Company (ABC)
und davor 17 Jahre lang diplomatischer Berichterstatter der amerikanischen
Nachrichtenagentur Associated Press. Auch als Sonderberater Nixons begleitete er diesen auf vielen Auslandsreisen. So gehörte Scali der Vorausabteilung
an, die den Besuch Nixons in der Volksrepublik China vorbereitete, wobei es
seine Aufgabe war, die Fernsehberichterstattung über diese Reise zu organisieren. Er war auch Mitglied der amerikanischen Delegation beim Gipfeltreffen in Moskau.
Als Reporter hatte Scali sich auf die Berichterstattung über internationale Entwicklungen konzentriert. In dieser Zeit besuchte er fast 80 Länder

-1-

�Länder und war bei allen Auslandsreisen der Präsidenten Eisenhower, Kennedy
und Johnson dabei. Diese Erfahrung veranlasste Außenminister Rogers zu der
Feststellung, daß die Nominierung Scalis das große Interesse Präsident Nixons
an der Weltorganisation manifestiere.
Scali wurde am 27. April 1918 in Canto im Staate Ohio geboren; seine
Eltern sind italienischer Abstammung. Er studierte an der Universität von
Südkalifornien und an der Boston Universität, wo er den Grad eines Bachelor
of Journalism erwarb. Während seiner Tätigkeit als Journalist, die ihn weltweit bekannt machte, wurde er mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt, so beispielsweise für seine Rolle als inoffizieller Übermittler von Botschaften
zwischen sowjetischen Diplomaten und der amerikanischen Regierung während
der Kuba-Krise des Jahres 1962, die er aufgrund seiner engen internationalen
Kontakte ausüben konnte. Dafür zollte ihm der damalige amerikanische Außenminister Dean Rusk ausdrücklich seinen Dank.
Als amerikanischer Chefdelegierter bei den Vereinten Nationen hat Scali
den Rang eines Botschafters.

f+++

-2-

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

8 9 - 3 2 4 0

Information

G o d e s b e r g l ,

Service

Postfach

Telex:

Information

300

08-85432

51/1972

SONDERPROGRAMM DER FULBRIGHT-KOMMISSION FÜR BILDUNGSEXPERTEN
IM JAHRE 19 73

--(AD)«.» Die deutsch-amerikanische Fulbright-Kommission, die seit 1962
als zwischenstaatliche Einrichtung von beiden Regierungen getragen wird,
hat Stipendien für ein Sonderprogramm in den Bereichen der Bildungsplanung,
der Bildungsreform sowie der Hochschulverwaltung als "Pilot Project" ausgeschrieben. Die Stipendien finanzieren einen zweimonatigen Aufenthalt in
den USA, der Bewerbern mit mindestens dreijähriger Berufserfahrung in den
genannten Bereichen die Begegnung mit der Vielfalt amerikanischer Modelle
und Verfahren vermitteln und die kritische Auswertung von Erfahrungen erleichtern soll. Für 1973 wird das Schwergewicht des Sonderprogramms auf
die folgenden Themenkreise fallen: Struktur, Organisation und Verwaltung im
tertiären Bereich ("Higher Education") der USA; Bildungsplanung in den USA;
der Übergang von der Sekundarstufe zur Hochschule. Bewerbungsschluß ist am
15. Februar 1973. Antragsformulare und weitere Auskünfte sind erhältlich
beim Executive Director, Fulbright-Kommission, Bonn-Bad Godesberg, Postfach 208. Ein ähnliches Programm für amerikanische Bildungsexperten zum
Aufenthalt in der Bundesrepublik ist in Vorbereitung.

-H-

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

Wirtschaft

300

T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

51/1972

EIN JAHR SMITHSONIAN-ABKOMMEN
Von Eugene Brake

WASHINGTON — ( A D ) — Ein Jahr ist seit dem Abschluß des historischen
Smithsonian-Abkommens am 18. Dezember 1971 verstrichen, das der Welt ein
Chaos im internationalen Handel und Finanzwesen ersparen sollte.
Zum ersten Male war hier auf internationaler Ebene in Verhandlungen
eine allgemeine Neufestsetzung der Wechselkurse vereinbart worden. Und, was
langfristig vielleicht noch wichtiger ist, die zehn hier vertretenen Länder vereinbarten, daß umgehend Gespräche über eine Reform des internationalen Währungssystems aufgenommen werden sollten. Aber auch Vorgespräche
über eine Tagesordnung für Verhandlungen über grundlegende Handelsfragen
wurden vorgesehen.
Ein Jahr ist inzwischen verstrichen. Die Welt hat zwar bisher noch kein
neues Währungssystem erhalten, und es ist auch kein neues Handelssystem ausgearbeitet worden.

Doch haben sich die Finanz-und Handelsminister mit die-

sen Fragen befaßt, und blickt man auf das verflossene Jahr zurück, so ist
ganz offensichtlich, daß Fortschritte erzielt wurden.
Einmal wurde ein neues Gremium für die Ausarbeitung neuer Richtlinien
für die Wechselkurspolitik und andere Aspekte der internationalen Währungsbe-

-1-

�Währungsbeziehungen eingesetzt, in dem neben den wichtigen Industriestaaten
auch die Entwicklungsländer und die kleineren Staaten zu Wort kommen können.
Seine detaillierten Aufträge erhielt dieses Gremium auf der Jahrestagung des
Internationalen Währungsfonds (IWF) im September 1972, und auf der kommenden
IWF-Jahrestagung in Nairobi soll es seine Empfehlungen vorlegen.
Die in diesem Zusammenhang von dem amerikanischen Finanzminister George
Shultz unterbreiteten Vorschläge wie auch die Reaktionen der anderen Länder
hierauf lassen auf ein günstiges Klima bei den Verhandlungen der Stellvertreter des Zwanziger-Ausschusses rechnen, der im Januar zu seiner zweiten Sitzungsrunde in Paris zusammentreten wird.
Aber auch auf anderen Gebieten des internationalen Währungssystems scheint
weitgehende Übereinstimmung zu bestehen. So wird künftig kein Land mehr damit
rechnen können, auf unbegrenzte Zeit hinaus Zahlungsbilanzdefizite oder Überschüsse ausweisen zu können. Defizit-wie auch Überschußländer sollen künftig
auf einen Ausgleich der internationalen Transaktionen hinarbeiten, was ein
deutliches Abweichen von dem System von Bretton Woods bedeutet, das bis zum
15. August 1971 praktisch uneingeschränkt in Kraft war.
Das Smithsonian-Abkommen selbst bedeutet bereits eine Anerkennung dieses
Prinzips. Nunmehr bemühen sich die Länder darum, Richtlinien auszuarbeiten,
die prompte Maßnahmen zur Anpassung von Ungleichgewichten sicherstellen, bevor solche Ungleichgewichte ernstlich die Stabilität der Weltwirtschaft beeinträchtigen können.
Weiterhin besteht allgemeine Übereinstimmung darüber, daß häufigere Anpassungen der Wechselkurse in erster Linie, aber keinesfalls ausschließlich,
ein besseres Gleichgewicht der Geldströme sichern sollen. Daneben, so wird
betont, gibt es auch noch andere Möglichkeiten, um eine weitgehende Stabilität
der Wechselkurse zu gewährleisten. So meinte ein Teilnehmer der letzten Gesprächsrunde der Stellvertreter des Zwanziger-Ausschusses, "es besteht eine

-2-

�eine starke Spannung zwischen dem Wunsch nach Stabilität und dem Wunsch nach
Flexibilität, die es zu überwinden gilt."
Auch andere wichtige Fragen sind noch ungelöst. Welche Kriterien sollten
angewandt werden, um festzustellen, wann ein Land handeln muß? Wie weit können
Druck oder Sanktionen angewandt werden, falls sich ein Land weigert, sich den
vereinbarten Regeln zu beugen? Sollten Länder, falls sie dies wünschen, einen
Teil ihrer Reserven in Dollar halten dürfen? Wie würde das neue Währungssystem
den besonderen Erfordernissen der Entwicklungsländer Rechnung tragen? Selbst
die optimistischsten Währungsexperten glauben, daß vor Jahresfrist eine Antwort auf alle diese Fragen gefunden werden kann.
Auf dem Gebiet des Handels war die Vereinbarung der GATT-Partner, im kommenden Jahr eine neue Runde von umfassenden und weltweiten Handelsverhandlungen aufzunehmen mit dem Ziele, alle Arten von Hemmnissen für den Welthandel
-zollursächliche wie auch nicht-zollursächliche- abzubauen, eine wichtige positive Entwicklung. Diese Verhandlungsrunde soll sowohl alle Industrie-wie auch
alle Agrarerzeugnisse aus tropischen wie auch aus nicht-tropischen Gebieten einschließen. Auch hier soll wieder den besonderen Erfordernissen der Entwicklungsländer Rechnung getragen werden. Eine Ministertagung im September 1973 soll den
Bericht des Vorbereitungsausschusses prüfen und dann die Verhandlungen in Gang
setzen.
Die Vereinigten Staaten haben die Erweiterung der Europäischen Gemeinschaft
von 6 auf 9 Mitglieder unterstützt. Ihre Kritik richtet sich jedoch gegen die
besonderen Handelsvereinbarungen, die die Gemeinschaft mit zahlreichen Nicht-Mitgliedern in Europa, Afrika und dem Mittelmeerraum ausgehandelt hat. In den
meisten Fällen handelt es sich hier um Präferenzabkommen, und die Vereinigten
Staaten wenden sich im besonderen gegen die Gegenpräferenzen,die die Entwicklungsländer dafür einräumen sollen.
Für

-3-

�Für manche Amerikaner hat es den Anschein, als ob die Europäische Gemeinschaft im Begriffe steht, einen riesigen diskriminierenden Handelsblock

zu

errichten, der für die europäischen Industrieexporte auf Kosten der wenigen
außenstehenden Industriestaaten - etwa die USA, Kanada, Japan und Australien einen abgeschirmten Absatzmarkt schaffen würde. Von europäischer Seite sind
solche amerikanischen Einwendungen als unwesentlich zurückgewiesen worden, wobei die Ausweitung ihres Netzes von besonderen Handelsvereinbarungen für die
Erweiterung der Europäischen Gemeinschaft als notwendig oder aus politischen
Gründen als wünschenswert bezeichnet wurde. In jüngster Zeit mehren sich aller
dings die Anzeichen, daß die EWG bereit sein könnte, den Auswirkungen ihrer
Maßnahmen auf Drittländer mehr Beachtung zu schenken.
In einer Stellungnahme zu dem Treffen der führenden Staatsmänner der neun
länder der erweiterten Europäischen Gemeinschaft hat Präsident Nixon ausdrücklich "die erklärte Absicht der Gemeinschaft begrüßt, mit uns in einem progressiven, aufgeschlossenen Dialog zu bleiben, sowie ihre Verpflichtung zu einer
progressiven Liberalisierung der tarifären und nicht-tarifären Handelsschranken auf einer umfassenden Basis während der wichtigen multilateralen Verhandlungen, die im nächsten Jahr beginnen sollen". Und der Präsident fügte hinzu,
daß die Vereinigten Staaten bereit seien, "zusammen mit unseren europäischen
Partnern kühne Maßnahmen für eine gerechtere und offenere Weltwirtschaft zu
ergreifen."

H—I—r

-4-

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Wirtschaft

Service

Postfach

300

T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

51/1972

1972 BRACHTE NACHHALTIGEN WIRTSCHAFTSAUFSCHWUNG FÜR DIE USA
Von John Holway

WASHINGTON _-(AD)-~ Das Jahr 1972 hat für die amerikanische Wirtschaft einen
nacbba] r.i.gan Aufschwung gebracht. Wenn auch nicht alle gesteckten Ziele voll
erreicht sind, so müssen selbst die Kritiker der Regierung das zugestehen,
während die maßgeblichen Wirtschaftsindikatoren dies eindeutig zeigen.
Die industrielle Produktion hatte eine starke Zunahme zu verzeichnen, und
die Auslastung der vorhandenen Kapazitäten war - nach den letzten verfügbaren
Zahlen - mit 80 Prozent recht hoch. Die Zahl der Beschäftigten erreichte einen
Rekordstand, obwohl die Arbeitslosenquote mit 5,2 Prozent noch immer relativ
hoch ist. Die Wochenlöhne der Arbeitnehmer sind weiter gestiegen, und die Regierung hat die Preise in den Griff bekommen. Allerdings liegt die Preisauftriebsrate mit 3,4 Prozent im Oktober immer noch etwas über dem von der Regierung für 1972 angestrebten Ziel von 3 Prozent.
Finanzminister GeorgeShultz faßte die wirtschaftliche Entwicklung des auslaufenden Jahres mit den Worten zusammen: "Wir sind außerordentlich zufrieden.
Die Anzeichen sprechen eindeutig dafür, daß wir uns in einer soliden, starken
Expansion befinden."

Und diese Entwicklung, so fügte Shultz hinzu, dürfte

-1-

�i

dürfte auch 1973 anhalten.
Allerdings ist man sich in Regierungskrisen der noch nicht voll gelösten
Aufgaben voll bewußt. Wenn auch die Arbeitslosenquote von 6 Prozent auf 5,2
Prozent im November gefallen ist - die Regierung wollte sie bis zum Jahresende
auf 5 Prozent herabgedrückt haben -, so ist dieses Ergebnis noch lange nicht
befriedigend. Zwar wurden 1972 rund 2,7 Millionen neue Arbeitsplätze in der
Wirtschaft geschaffen - eine Million mehr als in einem normalen Jahr - aber dafür wurden in der Verteidigungsindustrie Arbeitskräfte freigesetzt, und das verfügbare Arbeitskräftepotential nahm doppelt so stark wie üblich zu. In Regierungskreisen rechnet man allerdings damit, daß das Arbeitskräftepotential 1973
nicht mehr so stark ansteigen wird und die Arbeitslosenquote damit auf etwa
4,5 Prozent zurückgehen dürfte.
Ein weiteres Problem ergibt sich auf dem Außenhandelssektor. Nach der
Dollarabwertung im Januar erwartete man in Regierungskreisen kurzfristig eine
Zunahme des Handelsdefizit. Aber erst im Oktober 1972 begann dieses Handelsdefizit wieder zu schrumpfen; die Exporte lagen in diesem Monat sogar doppelt so
hoch wie die Importe. Für das Gesamtjahr ergibt sich jedoch immer noch ein beträchtliches Handelsdefizit. Die Verbesserung der Handelsbilanz im Oktober ist
nach Ansicht der Regierung auf drei Faktoren zurückzuführen. Einmal beginnt die
Neufestsetzung der Wechselkurse aufgrund des Smithsonian-Abkommens jetzt durchzuschlagen. Zum anderen hat die wirtschaftliche Erholung in den anderen Ländern
die Nachfrage nach amerikanischen Erzeugnissen belebt

Und drittens hat die

Sowjetunion große Mengen amerikanischen Weizens angekauft.
Die amerikanische Zahlungsbilanz wies allerdings nicht die gleiche Verbesserung wie die Handelsbilanz auf. Ein Grund dafür waren die Spekulationen gegen das britische Pfund„ Aber seit Juli hat sich der US-Dollar an den internationalen Geldmärkten wesentlich gefestigt. Und die Zahlungsbilanzzahlen für das

-2-

�das dritte Quartal 1972 lassen erkennen, daß das Defizit in der Bilanz der Güter und Dienstleistungen gegenüber dem vorangegangenen Quartal - von 1,6 Milliarden Dollar auf weniger als 900 Millionen Dollar - beträchtlich zurückgegangen
ist. Aufgrund der sonstigen Kapitalflüsse steckt die amerikanische Zahlungsbilanz jedoch weiterhin noch tief in den roten Zahlen.
Ein weiteres Problem bildete der Preisauftrieb. Bis zum Jahresende war die
Regierung dem angestrebten Ziel - einen Preisauftrieb von rund 3 Prozent - beträchtlich nahe gekommen. Die Statistiken für Oktober zeigen eine Zuwachsrate
von 3,4 Prozent - verglichen mit einem Preisauftrieb von fast 6 Prozent Anfang
1970 ist dies ein beträchtlicher Fortschritt. Damit haben die USA die niedrigste Preisauftriebsrate in der nichtkommunistischen Welt zu verzeichnen - ja,
sie liegt nur etwa halb so hoch wie in den europäischen Ländern. Ganz offensichtlich haben die von Präsident Nixon angeordneten Lohn-und Preiskontrollen
sich bewährt, ohne die nach Ansicht führender Experten der Preisauftrieb in den
Vereinigten Staaten 1972 wenigstens fünf Prozent betragen haben würde. Einige
dieser Kontrollen sollen auch über den 30. April 1973 - wenn das gegenwärtige
Gesetz ausläuft - beibehalten werden.
Aber auch die Reallöhne der Arbeitnehmer sind gestiegen, was zu einer Zunahme der Verbraucherausgaben um fast zehn Prozent geführt hat. Die Kreditkäufe
erreichten sogar neue Rekorde, und die Geschäftsinhaber sind mit dem Weihnachtsgeschäft sehr zufrieden. Die Autoindustrie nähert sich einem Rekordumsatzjähr,
und immer mehr Familien haben drei Wagen laufen. Dabei fällt auf, daß wieder
mehr Käufer von ausländischen Modellen zu amerikanischen Wagen übergehen. Nach
Ansicht der Automobilindustrie wird das Jahr 1973 sogar noch besser werden.
Auch die Gewinne der großen Unternehmen zeigten eine deutliche Tendenz nach
oben - zum Teil betrug der Anstieg bis zu 15 Prozent. Allerdings wirkten sich
hier die Lohn-und Preiskontrollen dämpfend aus. Ganz wesentlich hat sich auch
die Produktivität erhöht, was zu einer Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit

-3-

�1
V

Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Erzeugnisse auf den Weltmärkten führte. So
wird auch das Bruttosozialprodukt das von der Regierung angestrebte Ziel von
6 Prozent deutlich übersteigen - die Zuwachsrate im zweiten Quartal war mit 9,5
Prozent die höchste für diesen Zeitraum seit 13 Jahren. Nach übereinstimmender
Ansicht der Experten dürfte für 1972 mit einem Zuwachs des Bruttosozialproduktes
um real 7 Prozent zu rechnen sein, was die höchste Zuwachsrate seit 1966 wäre.
Eine weitere Sorge der Bundesregierung gilt dem Haushalt, dessen Ausgaben
250 Milliarden Dollar nicht übersteigen sollen. Damit, so glaubt man, erhält
die Wirtschaft weiterhin genügend Auftrieb ohne das Risiko einer erneuten Inflation. Der Kongreß hatte für das laufende Finanzjahr gegen das Veto des Präsidenten sogar 6 Milliarden Dollar mehr als angefordert bewilligt. Der Präsident will
jedoch dieses Geld nicht ausgeben, sondern bei seinen eigenen Ansätzen bleiben.
So kann Finanzminister Shultz mit Recht zum Jahresende sagen, daß die Wirtschaft weiterhin über starke Auftriebskräfte verfügt und die derzeitige Expansion
uneingeschränkt anhalten wird.

I I'''I

-4-

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

I n f o r m a t i o n

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Wissenschaft
und

Service

Postfach

Technik

300

T e I e x : 08 - 8 54 3 2

51/1972
APOLLO 17:
SONDER-BONUS FÜR DIE WISSENSCHAFT
-Die automatischen Meßstationen liefern noch jahrelang Forschungsdaten-

--(AD)o- Den jungen Menschen der Welt widmeten die APOLLO 17-Astronauten einen
•&gt;

von Dr. Harrison Schmitt gefundenen Stein aus dem Taurus Littrow-Gebiet als
ein Symbol für die Vielfalt in der Einheit. In dem Wunsch, daß die Menschheit
ihre Zukunft in diesem Sinne gestalten möge, stehen Eugene A. Cernan, Harrison
H. Schmitt und Ronald E. Evans, die den letzten APOLLO-Flug zum Mond unternahmen, gewiß nicht allein.
Kommandant Eugene Cernan beschrieb den mehr als faustgroßen Stein als
typisch für das aus verschiedensten Bestandteilen zusammengesetzte Material,
das sie im Landegebiet fanden. Der Stein wird nach der glücklichen Rückkehr
zur Erde aufgeteilt und Museen in den 79 Ländern zum Geschenk gemacht, die
junge Menschen für 14 Tage nach den Vereinigten Staaten entsandt hatten, damit
sie Zeuge des letzten Mondfluges würden.
Die sechste und letzte APOLLO-Gruppe, die eine Mondlandung unternahm,hält
in bezug auf wissenschaftliche Informationen, Bodenproben und Fotos vom Mond
den Ausbeuterekord. Die Astronauten benutzten und installierten eine ganze

-l-

�ganze Anzahl neuer und noch besserer Meß-und Beobachtungsinstrumente als ihre
Vorgänger. Zwar sind Boden-und Gesteinsproben vom Erdtrabanten heute nichts
Seltenes mehr auf der Erde. Zu den 269 kg, die die Expeditionen APOLLO 11,
12,14,15 und 16 erbrachten, kamen jetzt weitere 113 kg hinzu. Um alles mitnehmen zu können, hatten Cernan und Schmitt ihre Fähre CHALLENGER für den
Rückstart zum Mutterschiff sogar um mehr als 10 kg überladen.
Die zweieinhalb Zentner Material aus dem Taurus-Littrow-Gebiet enthalten höchstwahrscheinlich Dokumente sowohl aus der ältesten als auch aus der
jüngsten Mondgeschichte. Vielleicht liefern sie außerdem Beweise für vulkanische Aktivität und für die Existenz von Wasser auf dem Mond - in welcher
Form auch immer es vorhanden gewesen sein mag oder sogar noch vorhanden ist.
Die Sensation des Fluges von APOLLO 17 dürfte orangefarbener Sand und
Gestein mit orange und braun gefärbten Adern sein, die Eugene Cernan und
Jack Schmitt bei der zweiten Exkursion fanden. Dabei könnte es sich um Mineralien handeln, die durch Oxydationsprozesse unter Beteiligung von Wasserdampf bei vulkanischen Vorgängen entstanden. Es wäre denkbar, daß die beiden
auf Überreste dessen stießen, was man auf der Erde als "Fumarolen" bezeichnet. Sie entstehen in der Endphase von Vulkanausbrüchen und stellen eine Art
Ventil dar, aus dem Gase und Dämpfe entweichen. Allerdings werden erst die
Untersuchungen in den Laboratorien zeigen, ob die Vermutung richtig war.
Verständlicherweise galt die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit nach
der Landung von CHALLENGER den beiden schwer arbeitenden Astronauten im TaurusLittrow-Gebiet. Ronald E. Evans, der mehr als 75 Stunden allein im AP0LL0Mutterschiff den Mond umkreiste, war fast vergessen. Dennoch dürften die Fotos
und die Beobachtungen, die er auf der Vorder-und Rückseite des Mondes machte,
die Meßdaten der Radarsonde und der Infrarot-und Ultraviolett-Sensoren am
Mutterschiff für die wissenschaftliche Analyse mindestens ebenso wichtig wie
die Beobachtungen und die Mitbringsel des Landeteams sein.
Der

�Der Fund im Landegebiet hatte die Astronauten alarmiert, ihren Blick
für Farben vielleicht noch mehr geschärft. Auch Evans entdeckte aus der Umlaufbahn vor allem auf der Mondrückseite orangerote und braune "Flecke"
- Beobachtungen, die der Geologe Schmitt nach der Rückkehr zur AMERICA bestätigte. Außerdem machte der Pilot der Kommandokapsel auf der Rückseite des
Mondes eine Anzahl von Gebilden aus, bei denen es sich wahrscheinlich um Vulkankegel handelt. Die sensationellen Fernsehbilder von einem Teil der Rückseite und vom Südpolgebiet des Mondes, die die Astronauten bei Beginn ihres
Rückfluges zur Erde funkten, vertieften und ergänzten auf eindrucksvolle
Weise das Bild vom Mond, das man sich nun auf der Erde dank des APOLLO-Unternehmens machen kann.
Zu den jetzt vorhandenen Informationen kommen aber noch ständig neue hinzu - nämlich die Meßdaten von den fünf Stationen mit ihren automatisch arbeitenden Instrumenten, die auf der Vorderseite bei den APOLLO»Landungen installiert wurden. Mit Ausnahme eines Magnetometers am Landeplatz von APOLLO 12
arbeiten alle 25 Instrumente einwandfrei. Selbst am Landeplatz von APOLLO 11
ist noch ein Gerät benutzbar. Es ist ein Quarzprismen-Reflektor für LaserStrahlen, die von der Erde aus auf diesen Spiegel gerichtet werden. Diese Experimente dienen einmal der genauen Entfernungsmessung von Erde und Mond. Zum
anderen aber machen sie es möglich, Abstände auf der Erdoberfläche auf Dezimeter, ja Zentimeter genau zu bestimmen.
Von den Signalen der Instrumente an den Mond-Meßstationen im Meer der
Stürme, im Fra Mauro-Gebiet, am Fuß des Apennin-Gebirges, im Descartes-Hochland und im Taurus-Littrow-Gebiet erwarten die Wissenschaftler Informationen
zur Klärung einer Vielzahl von Fragen. Sie betreffen z.B. Magnetfeld, Temperaturen und Wärmefluß im Untergrund, Mondbeben und Reflexion von Bebenwellen
an inneren Schichten des Mondkörpers, Atmosphäre des Mondes, kosmische Strahlung und Mikrometeoriten, Gezeitenbewegungen des Mondkörpers und Gravitationswellen im Kosmos.
Drei

-3-

�Drei Erdstationen - in Kalifornien, Australien und Spanien - fangen die
Signale auf. Keines geht verloren, gleichgültig, welche Seite die Erde dem
Mond gerade zuwendet. Alle Funksignale werden hier auf Magnetband aufgenommen
und per Luftpost sofort zum Raun.fahrtzentrum Houston (Texas) weitergeleitet.
Computer verarbeiten die Daten, Wissenschaftler analysieren sie. Gelegentlich ist es auch erforderlich oder wünschenswert, Meßdaten direkt vom Mond
in den wissenschaftlichen Beobachtungsraum von Houston zu übertragen. Auch
das ist möglich und wird recht häufig getan. Kopien der Meß~und Auswertungsstreifen gehen kostenlos an die Wissenschaftler in vielen Ländern, die sich
bei der NASA als offizielle Mitarbeiter um die Überlassung von Material beworben haben.
Pro Tag kommen durchschnittlich vier neue Rollen je 750 m langer Magnetbänder zu der schon bestehenden Sammlung hinzu - ca. 15 00 Rollen pro Jahr.
Jeder Zentimeter Band enthält 320 "Bits", d.h. Einzel Informationen für den
Computer. Bei der Analyse wurde bisher noch wenig unternommen, um die Auswertung in bezug auf die verschiedensten Gebiete zu koordinieren und Einzelbeobachtungen in Zusammenhang zu bringen. Eine solche "Synthese" erfordert wahrscheinlich viel Zeit. Aber sie wäre nach Meinung der Forscher geeignet, zu
neuen wichtigen Entdeckungen zu führen.

-4-

�" amerika dienst
' U n i t e d
53

States

Bonn-Bad

T e l :

I n f o r m a t i o n

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

300

Wissenschaft
und
Technik

T e I e x : 0 8 - 8 54 32

51/1972
KALZIUMBESTIMMUNG IM BLUTSERUM

--(AD)-- Eine Methode mit hoher Meßgenauigkeit zur raschen Ermittlung des
Kalziumspiegels im Blutserum entwickelten in den Vereinigten Staaten Wissenschaftler von acht klinischen Laboratorien in Zusammenarbeit mit dem US-Bundesamt für Technische Normen (NBS-National Bureau of Standards). Sie basiert
auf der spektrometrischen Absorptionsmethode von J. Pybus, F.J.Feldman und
G.N.Bowers, jr. Wie jetzt das National Bureau of Standards bekanntgab, konnte das Verfahren zu einer Referenz-Methode ausgebaut werden, mit der die
Konzentration bestimmter Stoffe bezw. die Eigenschaften einer Substanz bis
zu einem exakt definierten Genauigkeitsgrad ermittelt werden.
Bei der Anwendung dieses Verfahrens ist es möglich, den Kalziumgehalt
einer Lösung oder des Blutserums auf plus minus zwei Prozent genau in Konzentrationen von 3-6mVal/l (6-12 mg % Ca) zu messen; das gilt auch dann, wenn
das Präparat physiologische Mengen von Natrium und Kalium enthält. Die beim
Menschen als normal angesehene Konzentration liegt innerhalb dieses Bereiches
Abweichungen davon, insbesondere erhöhte Kalziumwerte, können ein Alarmzeichen für das Vorhandensein schwerer Erkrankungen, z.B. einer Überfunktion
der Nebenschilddrüsen,sein, die eine sofortige Operation erforderlich
machen.
Mit

�r

Mit Hilfe der neuen Referenz-Methode ist es möglich, die Genauigkeit und
Brauchbarkeit von Messungen zu überprüfen, die in der ärztlichen Praxis mit
Routineverfahren erzielt werden. Aufgrund derartiger Vergleiche sind Fehlraessungen oder Ungenau'igkeiten zu eliminieren oder zumindest ausfindig zu machen.
Hauptzweck der Referenz-Messung ist unter anderem:
- den absoluten Kalziumwert in Kontrollseren oder Mischseren zu ermitteln;
• die Kalziumwerte zu kontrollieren, die in den klinischen Fertigpackungen
angegeben sind;
- die Qualität von Kalzium-Normallösungen nachzuprüfen und die Genauigkeit
der zahlreichen Methoden zur Messung des Kalziumspiegels sicherzustellen.

+i++

.2-

�amerika dienst
U n i t e d
53

States

Bonn-Bad

T e l :

I n f o r m a t i o n

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

Te I e x :

300

Wissenschaft
und
Technik

08-85432

51/1972
LASER- NAC HR IC HTENS YS TEME

--(AD)-- Die Nationale Wissenschaftsstiftung der USA (National Science Foundation-NSF) vorgab an 20 Ingenieure und Wissenschaftler, die an 14 der bekanntesten amerikanischen Universitäten und Instituten tätig sind, Forschungsaufträge zur "Entwicklung optischer Kommunikationssysteme". Im Mittelpunkt der Projekte wird die Laser-Technik stehen.
Es ist möglich, den Laser-Strahl zu modulieren und zur Übermittlung von
Daten und anderen Informationen zu benutzen. Und da solche Systeme sehr große
Bandbreiten haben, besteht Aussicht, mit Laser-Strahlen ein Vieltausendfaches
an Informationen im Vergleich zu der Trägerkapazität der heute üblichen elektromagnetischen Wellen zu übermitteln, wie sie für Funk und Fernsehen verwendet werden.
Im Hintergrund des neuen NSF-Projekts steht der wachsende Bedarf an
Nachrichtenkanälen und Frequenzen. Zwar bieten die äußerst leistungsfähigen
Bänder im Mikrowellen-und Millimeterbereich vorläufig einen Ausweg aus einer
immer kritischer werdenden Situation. Jedoch ist die Zukunft der Nachrichtentechnik ohne Systeme nicht denkbar, bei denen mit Photonen gearbeitet wird-

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="7557">
                <text>20.12.1972</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="7558">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="7559">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="14472">
                <text>Amerikadienst 20.12.1972</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="14473">
                <text>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Kissingers zum Stand der Vietnam-Verhandlungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pressekonferenz vom 16. Dezember -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;John A. Scali soll neuer US-Chefdelegierter bei den Vereinten Nationen werden&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sonderprogramm der Fulbright-Kommission für Bildungsexperten im Jahre 1973&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ein Jahr Smithsonian-Abkommen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Eugene Brake&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1972 brachte nachhaltigen Wirtschaftsaufschwung für die USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von John Holway&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;APOLLO 17: Sonderbonus für die Wissenschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Die automatischen Messstationen liefern noch jahrelange Forschungsdaten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kalziumbestimmung im Blutserum&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Laser-Nachrichtensystem&lt;/p&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2125" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2136">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/8d364d39b6fac5dde88dcfca5768411a.pdf</src>
        <authentication>38af7298ba7763187ac0051c3fb64da2</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="10729">
                    <text>20. Dezember 1989

46

INHALT
DOKUMENTATION
Partnerschaft und Wettbewerb: Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen
den Vereinigten Staaten von Amerika und der europäischen Gemeinschaft
- Rede von Botschafter Vernon A. Walters -

Baker: Der Westen muß den Wandel In ganz Osteuropa unterstützen
- Rede des US-Außenministers in Brüssel -

Den Worten der Vereinigten Staaten werden in Osteuropa Taten folgen
- von Robert Mosbacher -

HINTERGRUND
Offene Himmel
- Eine Übersicht der US-Delegation bei der NATO -

Wir wünschen unseren Beziehern ein
frohes und gesegnetes Weihnachtsfest
und ein
friedliches und erfolgreiches Neues Jahr

* * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�^° s ^&lt;

VON

AMERIKA DIENST
Dokumentation

&amp;

20. Dezember 1989

46

PARTNERSCHAFT UND WETTBEWERB:
DIE WIRTSCHAFTSBEZIEHUNGEN ZWISCHEN DEN VEREINIGTEN STAATEN
VON AMERIKA UND DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFT
- Rede von Botschafter Vernon A. Walters -

(AD) - In einer Ansprache vor dem Industrie-Club e.V., dem Harvard Club RheinRuhr und der Deutsch-Amerikanischen Vereinigung Steuben-Schurz in Düsseldorf
gab Botschafter Walters am 5. Dezember 1989 einen historischen Rückblick und
bekräftigte erneut das Engagement der Vereinigten Staaten für den europäischen
Integrationsprozeß. Darüber hinaus verwies er auf die besondere Bedeutung der
Uruguay-Runde des GATT. Walters zufolge "waren und sind Amerikaner und Europäer in diesen Konferenzen Partner in dem Bestreben, den Welthandel effektiver
zu gestalten." Sie seien aber auch Kontrahenten, wenn es um politisch brisante Teilbereiche wie beispielsweise Subventionen für die Landwirtschaft geht.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Botschafter Walters im Wortlaut.
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich freue mich sehr über die Gelegenheit, heute abend zu Ihnen sprechen
zu können.
Mir wurde gesagt, daß
bisher jeder amerikanische Botschafter in der Bundesrepublik Deutschland
einen Vortrag in Düsseldorf gehalten
hat, und es ist mir daher eine besondere Ehre, diese Tradition fortzusetzen. Ich weiß es auch zu schätzen,
mit welchem Engagement der Düsseldorfer Industrie-Club, der Harvard Club
mxd die Deutsch-Amerikanische Vereinigung Steuben-Schurz für einen regen
Gedankenaustausch und eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Deutschen
und Amerikanern eintreten.
Aber dieser Besuch in Düsseldorf
bringt auch persönliche Erinnerungen

United States Information Service
Embassy of the United States of America

zurück. Erinnerungen, die in engem
und lebhaftem Bezug zum Thema meines
Vortrags stehen.
Im Jahre 1948 kam ich als Mitarbeiter
von Avereil Harriman nach Europa.
Harriman war damals Sonderbeauftragter unserer Regierung für den Wiederaufbau dieses Kontinents. Ich kam in
Bremerhaven an, und auf dem Weg nach
Paris fuhr ich auch durch diese Region.
Ich war erschüttert über das
Ausmaß der Zerstörung und Verwüstung.
Angesichts der Ruinen und der Not
konnte ich mir damals nicht vorstellen, daß ein Wiederaufbau Europas
noch zu meinen Lebzeiten möglich wäre.
Damals stand ich als junger amerikanischer Offizier inmitten zerbombter
und ausgebrannter Städte; heute

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�einundvierzig Jahre später - bin ich
Botschafter meines Landes in einem
der wohlhabendsten Staaten dieser Erde. Damals waren gerade drei Jahre
vergangen seit eines der unmenschlichsten Regime in der Geschichte unterging; heute ist die Bundesrepublik Deutschland ein demokratischer
Staat und ein geschätztes Mitglied
der Gemeinschaft freier Völker. Gerade drei Jahre waren vergangen, daß
europäische
Nationen
gegeneinander
Krieg führten;
heute bilden die
Staaten Westeuropas eine immer enger
werdende wirtschaftliche und politische Gemeinschaft. Amerikaner und
Westeuropäer
sind
Verbündete
und
Partner. Dieses Bündnis basiert auf
gemeinsamen Werten, wie Demokratie,
Volkssouveränität und der Achtung der
Menschen- und Bürgerrechte. Wir können mit Stolz auf vierzig Jahre Frieden und Prosperität in diesem Teil
der Erde zurückblicken.
Eine wesentliche Grundlage für diese
Entwicklung war sicherlich der rasche
Wiederaufbau der desolaten Wirtschaft
in Europa nach dem Kriege. Dies wurde erreicht aufgrund des Willens und
der Schaffenskraft der europäischen
Völker, ihren zerstörten Kontinent
wieder aufzubauen und in Freiheit zu
leben. Ich erinnere mich an eine Begebenheit mit Harriman in der zerstörten Stadt Essen. Nach einem Besuch bei einer Familie, die in einem
Keller zwischen Trümmern lebte, fragte ich ihn: "Glauben Sie, daß man
diese Stadt jemals wieder aufbauen
kann?" Er sagte: "Haben Sie gesehen, was auf dem Tisch in diesem Keller stand?"
"Ja", erwiderte ich,
"eine Vase mit Blumen." "Nun", meinte er, "ein Volk, das inmitten dieser
Verwüstung Blumen auf dem Tisch hat,
kann auf diesen Ruinen etwas Neues
errichten." Wie viele meiner Landsleute bin ich wirklich beeindruckt
von der Leistung der Unternehmer und
Arbeitnehmer dieses Landes.
Einen weiteren Grund für die politische Neugestaltung und die schnelle
wirtschaftliche Gesundung der Alten
Welt sehe ich darin, daß diese Nach-

kriegsjahre für mich eine "Zeit der
Giganten" war. Jean Monnet, Robert
Schuman, Aleide de Gasperi, Paul
Henri Spaak und Konrad Adenauer waren
Männer mit Vision und Tatkraft. Sie
legten das Fundament für das moderne
Europa und die engen transatlantischen Beziehungen.
Gemeinsam schufen wir nach dem Zweiten Weltkrieg die politischen und
wirtschaftlichen Grundlagen für ein
enges und freundschaftliches Verhältnis zwischen der Alten und der Neuen
Welt. Natürlich trug dazu auch der
Beitrag meines Landes zum Wiederaufbau Europas bei. Bundeskanzler Kohl
sagte anläßlich des Besuchs von Präsident Bush im Mai dieses Jahres:
"Amerikas tiefe demokratische Überzeugung und politische Weitsicht haben damals entscheidend den Weg zur
Gründung unseres Staates geebnet.
Uns werden die großartige Hilfsbereitschaft und Menschlichkeit in jener düsteren Nachkriegszeit immer in
Erinnerung bleiben." Ich glaube, es
ist einmalig in der Geschichte, daß
eine Siegermacht, die Tausende von
Männern auf dem Schlachtfeld verloren
hat, die Wirtschaft des Kriegsgegners
mit enormem Einsatz wieder aufbauen
hilft.
Unsere Soldaten sind durch halb Europa marschiert; wir hatten Deutschland
besetzt. Wir waren hier und fühlten
uns mitverantwortlich, eine stabile
Friedensordnung in Europa zu schaffen. Wir waren der Überzeugung, daß
wir sowohl die politischen als auch
die wirtschaftlichen Voraussetzungen
schaffen müßten, um einen erneuten
"Bürgerkrieg
der
Europäer",
wie
Churchill einmal sagte, zu verhindern. Aus diesen Überlegungen, aber
auch aus Gründen der Humanität angesichts der Not und des Elends, entschloß sich die Regierung Truman zu
einem Wiederaufbauprogramm, das ohnegleichen ist.
Von 1948 bis 1952 betrug die amerikanische Wirtschaftshilfe für Europa
rund 13 Milliarden Dollar.
Diese
Summe entsprach während dieses Zeit-

�raums jährlich zwischen fünf und zehn
Prozent des amerikanischen Bundeshaushalts oder zwei Prozent unseres
Bruttosozialprodukts.
Diese Unterstützung ermöglichte es den Europäern, die Produktion in vielen Bereichen wiederaufzunehmen und zu erweitern. Die eintretende positive Wirtschaf tsentwicklung erhöhte sowohl die
Akzeptanz der marktwirtschaftlichen
Ordnung als auch der demokratischen
politischen Systeme in Westeuropa.
In Anbetracht des Hegemonialstrebens
der Sowjetunion war es außerdem erforderlich, unsere Verteidigungsanstrengungen auf feste politische und
wirtschaftliche Grundlagen zu stellen.
Jedoch schon während des Krieges war
den Verantwortlichen klar, daß sich
die Fehler der Wirtschaftspolitik der
dreißiger Jahre nicht wiederholen
durften. Wirtschaftlicher Isolationismus und Nationalismus haben die
Wirtschaftskrisen zwischen den beiden
Kriegen verschärft und den Aufstieg
des Nationalsozialismus in Deutschland zumindest begünstigt. Maßnahmen, die zum Schutz der heimischen
Wirtschaft beabsichtigt waren, erwiesen sich als Bumerang.
Errichtete
eine Nation Importbarrieren, so folgten andere auf dem Fuß. Wertete ein
Land seine Währung ab, um für seine
Industrie Vorteile zu erzielen, so
folgten andere auf dem Weg in die Deflation mit unzähligen Firmenzusammenbrüchen und Massenarbeitslosigkeit.
Die Erfahrung der Zeit zwischen den
Kriegen hat gezeigt, daß Protektionismus und fehlende internationale
Abstimmung in wesentlichen Währungsfragen die gesamte Weltwirtschaft ins
Chaos stürzt. Es wurde deutlich, daß
Zusammenarbeit zwischen den Nationen
und supranationale Institutionen notwendig sind, um Stabilität und Berechenbarkeit im Währungsbereich und im
Welthandel zu erzielen. Ferner waren
wir damals wie heute davon überzeugt,
daß ein offenes Welthandelssystem eine
wesentliche
Voraussetzung
für
wirtschaftliches Wachstum und Wohlstand ist. Gleichberechtigter Zugang
zu Rohstoffen und Märkten, sowie

Wettbewerb unter den Anbietern sind
Garanten für effizientes Wirtschaften
und Prosperität.
Ich glaube, die
Entwicklung der letzten vierzig Jahre
hat diese These bestätigt.
Mit dem Abkommen von Bretton Woods im
Juli 1944 legten 44 Staaten das Fundament für die Nachkriegswirtschaft.
Das
internationale
Währungssystem
wurde geordnet, Weltbank und Internationaler Währungsfonds gegründet. Am
1. Januar 1948 trat das Allgemeine
Zoll- und Handelsabkommen in Kraft
mit dem Ziel, den Welthandel zu liberalisieren. In der Zwischenzeit wurde dieses Abkommen durch mehrere Konferenzrunden erweitert. Wie Sie wissen, befinden wir uns gegenwärtig in
der sogenannten GATT Uruguay-Runde,
benannt nach dem Land, in dem diese
Verhandlungsrunde vereinbart wurde.
In diesen Konferenzen waren und sind
Amerikaner und Europäer Partner in
dem Bestreben, den Welthandel effektiver zu gestalten. Sie sind aber
auch Kontrahenten, wenn es darum
geht, gewisse für den einzelnen politisch brisante Teilbereiche vom freien Welthandel auszuklammern.
Die Marshallplanhilfe, ein reformiertes Weltwährungssystem und relativ
offene Märkte in Europa und den Vereinigten Staaten führten bald zu einem regen internationalen Warenaustausch. Häufig hört man, die Wiederaufbauhilfe sollte der amerikanischen
Industrie Absatzmärkte in Europa erschließen. Ganz sicherlich sahen eine Reihe unserer Firmen Chancen in
Europa. Aber andererseits gilt es zu
bedenken, daß der große heimische
Markt unseren Unternehmen hervorragende Möglichkeiten im eigenen Lande
bot.
Ich glaube, damals wie heute war es
ein Geben und Nehmen. Amerikanische
Firmen brachten nach dem Kriege Maschinen und technisches Wissen nach
Europa.
Mit amerikanischen Fertigungsmaschinen produzierten europäische Unternehmen auch bald für unseren Markt. Auf jeden Fall entstanden
in jenen Jahren vielfältige und enge

�Handelsbeziehungen und geschäftliche
Kontakte. Sie bildeten ein Fundament
nicht nur für die beispiellose wirtschaftliche Entwicklung, sondern auch
für die transatlantischen Beziehungen
insgesamt.
Die amerikanische Wiederaufbauhilfe
hatte eine weitere bedeutende Funktion: sie brachte ehemalige Kriegsgegner zusammen.
Es war nicht unser
Ziel, von Amerika aus Finanzhilfe in
die einzelnen europäischen Länder zu
vergeben.
Vielmehr betonte General
Marshall, daß der Wiederaufbau eine
gemeinsame Aufgabe der Europäer sei,
die wir tatkräftig unterstützten.
Wir arbeiteten gemeinsam mit Vertretern der europäischen Länder an der
Durchführung des Marshallplanes. Die
Mitarbeit im Ausschuß für Europäische
Wirtschaftliche
Zusammenarbeit
und
später in der OEEC trug wesentlich zu
einer Annäherung zwischen Deutschen
und Franzosen bei. Diese Zusammenarbeit war ein Grundstein für den weiteren Integrationsprozeß in Westeuropa.
Wir Amerikaner befürworteten stets
eine europäische Einigung. Wir handelten nach dem Zweiten Weltkrieg
nicht nach dem Motto "teile und herrsche", sondern wir wollten ein einiges, starkes Europa. Im Jahre 1947
war beispielsweise der spätere amerikanische Außenminister John Foster
Dulles einer derjenigen, die für eine
Föderation europäischer Staaten plädierte.
"Europe must federate or
perish", warnte er, "Europa muß sich
zusammenschließen oder es wird untergehen." Wir waren der Überzeugung,
daß Kleinstaaterei und Kirchturmspolitik nicht nur den europäischen Aufbauprozeß behindern, sondern auch der
kommunistischen Expansionspolitik Türen öffnen würde.
Wir ermutigten und unterstützten die
beteiligten Länder bei der Gründung
der Europäischen Gemeinschaft für
Kohle und Stahl am 18. April 1951.
Ebenso begrüßten wir die Schaffung
der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft mit den Römischen Verträgen

sechs Jahre später.
Alle amerikanischen Präsidenten seit
dem Zweiten Weltkrieg legten großen
Wert und große Hoffnung auf eine enge
Partnerschaft mit einem geeinten Europa.
In einer Ansprache an der
Boston University am 19. Mai wiederholte Präsident Bush, was auch seine
Vorgänger schon betont hatten: "Ein
starkes, geeintes Europa bedeutet ein
starkes Amerika." Für meine Regierung ist und bleibt eine enge Kooperation mit Westeuropa von fundamentalem Interesse.
Es ist interessant sich zu erinnern,
daß die transatlantische Debatte um
die Schaffung der EWG ähnlich verlief
wie die Diskussion um die Errichtung
des Europäischen Binnenmarktes zum 1.
Januar 1993. Damals wie heute wollten wir eine Blockbildung wie in den
dreißiger Jahren verhindern. Damals
wie heute ging es um Fragen wie Handels- und Investitionsbarrieren gegenüber Unternehmen, die ihren Sitz
außerhalb der Gemeinschaft haben.
Wir sind bereits in den vierziger
Jahren für den freien Welthandel eingetreten und wollten in den folgenden
Jahrzehnten unsere Bemühungen fortsetzen, Hindernisse im Waren- und Kapitalverkehr
zu beseitigen.
Die
sechs EWG-Mitgliedstaaten waren aber
in ihrer Gründungsphase erst einmal
dabei, innerhalb der Gemeinschaft die
Bedingungen für einen Zollabbau zu
schaffen.
Gegenüber einer weiteren
Liberalisierung verhielten sie sich
sehr zurückhaltend.
Aus politischen Gründen waren wir bemüht, den Weg für einen erfolgreichen
Einigungsprozeß zu ebnen.
Außerdem
erzielten wir in jenen Jahren mit
Westeuropa einen hohen Handelsüberschuß. Daher nahmen wir einiges in
Kauf, was nicht unseren Prinzipien
des fairen Wettbewerbs und des offenen Marktes entsprach. Dazu gehörte
das agrarpolitische Konzept der EWG,
das schon damals gegen unsere wirtschaftlichen
Interessen
verstieß.
Niemand konnte jedoch voraussehen,

- 4 -

�welches Ausmaß der Subventionswettlauf im Agrarbereich einmal annehmen
würde. Kaum einer konnte ahnen, daß
die Landwirtschaft zu einer Dauerbelastung im transatlantischen Handel
werden würde.
Heute ist die EG auf wirtschaftlichem
Gebiet den Vereinigten Staaten ebenbürtig. Das Bruttosozialprodukt der
Europäischen Gemeinschaft entspricht
in etwa dem unseren und die Einwohnerzahl Westeuropas liegt weit über
der meines Landes. Auch das Bild der
Handelsbilanz hat sich zu unseren Ungunsten verändert. Im Jahre 1988 betrug unser Handelbilanzdefizit gegenüber der EG neun Milliarden Dollar.
Für europäische Unternehmen ist der
große amerikanische Markt aber nicht
nur für den Export, sondern auch für
Investitionen interessant.
Europäischen Direktinvestitionen von 157,6
Milliarden Dollar in den Vereinigten
Staaten im Jahre 1987 standen amerikanische Direktinvestitionen in der
EG von 122,3 Milliarden Dollar gegenüber.
Im Hinblick auf die wirtschaftliche
Stärke der EG besteht für Großzügigkeit unsererseits kein Grund mehr.
Daher treten wir mit größerem Nachdruck als früher für unsere Interessen ein. Europäische und amerikanische Unternehmen stehen im Wettbewerb
auf den Weltmärkten.
Und deshalb
brauchen wir gleiche und faire Wettbewerbsbedingungen sowohl im bilateralen Handel als auch auf dem Weltmarkt insgesamt.
Unsere Handelspartner wissen um die
Attraktivität unseres Landes für Investitionen und Exporte: Wir bieten
stabile politische Verhältnisse, eine
liberale Wirtschaftsstruktur und einen offenen Markt von über 240 Millionen Menschen mit einer einheitlichen Sprache und Währung. Aber mein
Land kann nicht der Hauptabsatzmarkt
im Welthandel sein. Es kann auf die
Dauer nicht gut gehen, wenn andere
auf Exporte setzen und im eigenen
Land Handelsbarrieren und Wachstumshindernisse nicht beseitigen.

Unser Handelsbilanzdefizit geht zwar
seit 1987 zurück, wird aber in diesem
Jahr doch noch um die hundert Milliarden Dollar
liegen.
Steigende
Einfuhren bringen Immer größere Teile
unserer heimischen Industrie in Bedrängnis.
Unsere wettbewerbsfähige
Landwirtschaft wird immer ungeduldiger, wenn ihr Absatzmärkte verschlossen bleiben.
Amerikanische Dienstleistungsunternehmen klagen über Barrieren in einer Vielzahl von Ländern.
Daher besteht die Gefahr, daß auf
Grund verschiedener Erfahrungen im
In- und Ausland immer weniger Amerikaner für ein liberales Welthandelssystem eintreten.
In der amerikanischen Bevölkerung und
im Kongreß ist der Ruf nach Schutzmaßnahmen für die heimische Industrie
sehr laut geworden In den letzten
Jahren.
Sowohl Präsident Bush als
auch sein Vorgänger haben sich so gut
es ging protektionistischen Maßnahmen
widersetzt. Meine Regierung ist der
Meinung,
daß
Protektionismus
den
Strukturwandel
behindert
und
die
wirtschaftliche Entwicklung sowohl im
eigenen Lande als auch auf internationaler Ebene nicht voranbringt.
Wie ich in meinem historischen Rückblick betonte, war es das Ziel unserer Nachkriegspolitik, die Fehler der
dreißiger Jahre nicht zu wiederholen.
Wir wollen nun verhindern, daß die
Weltwirtschaft erneut von einer Protektionismuswelle erfaßt wird.
Präsident Bush tritt für eine Öffnung
der Märkte und für faire Wettbewerbsbedingungen weltweit ein.
Er ist
überzeugt, daß ein liberales und offenes Handelsystem, das auf klaren
und durchsetzbaren Regeln beruht,
dauerhaftes
Wirtschaftswachstum
am
ehesten gewährleistet.
Unsere Handelsbeauftragte, Carla Hills, formulierte die amerikanische Handelspolitik der neunziger Jahre mit folgenden
Worten:
"Wir wollen eine Welt, in
der Unternehmer und nicht Regierungsbürokraten über den Wettbewerb in Industrie und Landwirtschaft und den
internationalen Handel entscheiden."

- 5 -

�Die gegenwärtige GATT-Runde bietet eine große Chance, eine weitere
Liberalisierung des Welthandels zu
erreichen. Die Erfahrung der letzten
Jahrzehnte hat gezeigt, daß die Senkung der Zölle im Rahmen des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens zu
einem beispiellosen Anstieg des internationalen Warenaustausches beigetragen hat. Nun ist es unser Ziel,
zu verbindlichen Regelungen für den
Abbau von nichttarifären Handelshemmnissen zu kommen.
Darüber hinaus
treten wir für eine Erweiterung des
Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens ein.
Bereiche wie Dienstleistungen, geistiges Eigentum und Landwirtschaft müssen endlich im Rahmen
des GATT geregelt werden.
Wir sind uns mit den Europäern in
vielen Punkten einig. Aber wie in so
vielen Dingen steckt der Teufel auch
hier im Detail.
Das Hauptproblem
zwischen den Vereinigten Staaten und
der Europäischen Gemeinschaft sowohl
in der laufenden GATT-Runde als auch
auf bilateraler Ebene liegt im Agrarhandel. Die Vereinigten Staaten sind
ein traditionelles Exportland für
landwirtschaftliche Produkte. Gegenwärtig sind etwa zwanzig Prozent aller amerikanischen Ausfuhren Agrarexporte. Unsere Landwirtschaft könnte
ihre Exporte noch steigern, wären da
nicht die hochsubventionierten Agrarerzeugnisse aus der EG auf den internationalen Märkten. Zum einen treffen unsere Agrarexporteure auf einen
protektionistischen Wall um die EG.
Zum anderen konkurrieren subventionierte landwirtschaftliche Produkte
aus der EG auf dem Weltmarkt mit amerikanischen Erzeugnissen, die zum
Teil nun ebenfalls subventioniert
werden.
Der Subventionswettlauf zwischen der
EG und den USA hat inzwischen absurde
Ausmaße angenommen. Im letzten Jahr
gaben die Europäer etwa 120 Milliarden Dollar und wir Amerikaner etwa 75
Milliarden Dollar zur Unterstützung
der Landwirtschaft aus. Am 25. Oktober unterbreitete daher meine Regierung der GATT-Runde in Genf einen um-

fassenden Plan zur Reform des internationalen Agrarhandels. Unter anderem schlugen wir vor, die Exportsubventionen innerhalb von fünf Jahrer
zu beseitigen. Außerdem machten wir
Vorschläge zur graduellen Beseitigung
von Einfuhrbarrieren und von wettbewerbsverzerrenden
Unterstützungszahlungen im Agrarbereich weltweit.
Die EG hat vorschnell, wie ich meine,
unsere Vorschläge als unrealistisch
abgelehnt. Die Europäer argumentieren, ein drastischer Abbau der Agrarsubventionen wäre politisch nicht
machbar. Es läßt sich immer darüber
streiten, was politisch durchsetzbar
ist und was nicht. Aber Sie dürfen
nicht vergessen, daß das Farmsterben
im Mittleren Westen auch beträchtliche innenpolitische Auswirkungen hat.
Die amerikanische Öffentlichkeit akzeptiert nicht mehr, daß Handelsbarrieren
und
wettbewerbsverzerrende
Subventionen einen wichtigen Exportzweig behindern, während europäische
Güter im großen und ganzen ungehindert in unser Land kommen.
Seit Jahren ist die EG-Agrarpolitik
ein ständiger Stein des Anstoßes.
Wir führten Hähnchen- und Spaghettikriege. Wir stritten wegen der geplanten EG-Fettsteuer und belegten
Walnüsse und Dosenfrüchte gegenseitig
mit Strafzollen.
Ich glaube, die
zermürbenden Grabenkämpfe im Agrarbereich sind eine stetige Belastung für
unsere Handelsbeziehungen. Nicht nur
das. Ich sehe auch eine große Gefahr, daß Handelskonflikte zu einer
zunehmenden Belastung für die transatlantischen
Beziehungen
insgesamt
und damit für unser Sicherheitsbündnis werden. Dies müssen wir gemeinsam verhindern, und deshalb darf die
Uruguay-Runde nicht am Agrarprotektionismus der EG scheitern.
Aber der Abbau von Agrarsubventionen
wird nicht nur unseren Landwirten
Vorteile bringen. Auch die europäischen Steuerzahler und Verbraucher
würden davon profitieren.
Ferner
streben wir offene Märkte nicht allein für unsere Exportwirtschaft an,

- 6 -

�sondern für alle am Wettbewerb teilnehmenden Staaten. Die Öffnung des
japanischen
Rindfleischmarktes
ist
für die australischen Viehzüchter
mindestens ebenso ein Gewinn wie für
unsere Fleischexporteure.
Schließlich hätten mit dem Wegfall
hochsubventionierter Agrarexporte und
mit einer Öffnung unserer Märkte auch
die Länder der Dritten Welt eine
Chance,
ihre
landwirtschaftlichen
Strukturen zu entwickeln und zu verbessern. Es ist offensichtlich, daß
viele Entwicklungsländer ihre Wirtschaft nur dann voranbringen können,
wenn sie mangels Industriegüter Absatzmärkte für ihre Agrarprodukte
finden. Auch die deutsche Industrie
weiß, daß die Dritte Welt Einnahmen
aus Agrarausfuhren braucht, um beispielsweise Maschinen oder Fertigung sanlagen in der Bundesrepublik
kaufen zu können. Nicht zuletzt im
Hinblick auf eine Lösung der internationalen Verschuldungskrise sind offene Agrarmärkte für die hochverschuldeten Staaten von entscheidender
Bedeutung.

sicht
würde
sich
Protektionismus
zweifelsohne negativ auf die Einheit
der NATO auswirken.
Wir hoffen, daß im Hinblick auf 1992
die Europäer der Versuchung widerstehen, die innere Umstrukturierung mit
protektionistischen
Barrieren
nach
außen abzuschirmen. Ich weiß, es erfordert politischen Mut, bisher national regulierte Branchen nicht nur
dem Wettbewerb innerhalb der EG, sondern weltweit zu überlassen.
Aber
Protektionismus hier und da bringt
das ganze System in Gefahr. Staatlicher Schutz und Subventionen für einen Wirtschaftszweig in einem Land,
führen meist zu Gegenmaßnahmen in anderen Staaten.
Beispielsweise wäre
bei zunehmendem Protektionismus in
der EG eine restriktivere Handhabung
des neuen amerikanischen Handelsgesetzes nicht auszuschließen.

Ich glaube, enge Kontakte zwischen
Amerikanern und Europäern in Fragen
der Wirtschaft und des Handels sind
für die gesamten transatlantischen
Beziehungen außerordentlich wichtig.
Bei der Komplexität und dem Umfang
unseres Handels wird es immer Interessengegensätze geben. Aber es muß
alles getan werden, um zu verhindern,
daß Kontroversen um Hormone und Teigwaren unsere partnerschaftlichen Beziehungen insgesamt beeinträchtigen.

Lassen Sie mich kurz noch ein Problemfeld ansprechen, das Amerikaner
und Europäer schon seit Jahren beschäftigt: die Subventionen für den
Airbus. Im Rahmen der Übernahme von
MBB durch Daimler-Benz wurde ein gefährlicher Präzedenzfall dadurch geschaffen, daß die Bundesregierung das
Risiko
von
Wechselkursschwankungen
übernimmt. Ich bin der Meinung, es
wäre eine Katastrophe, wenn Regierungen anfingen, die Wechselkursrisiken
ihrer Industrie mit Subventionen abzusichern.
Im übrigen müßte sich
heute
jeder Geschäftsmann fragen,
wieso der Airbus trotz der enormen
Nachfrage nach Zivilflugzeugen immer
noch am Subventionstropf hängt.

Ich frage mich auch, ob das Atlantische Bündnis langfristig Bestand
haben könnte, wenn sich auf dem Gebiet der Wirtschaft ein europäischer
und ein nordamerikanischer Block gegenüberstünden?
Senator William V.
Roth betonte kürzlich, daß es in unserer modernen Welt unrealistisch wäre, Handels- und Sicherheitsfragen zu
trennen. Roth ist führendes Mitglied
des Finanzausschusses und der Vorsitzende der Arbeitsgruppe zu "Europa
1992" im Kongreß. Nach seiner An-

Europäer und Amerikaner müssen sich
hüten vor einer Politik, die kurzfristig vielleicht ein paar wirtschaftliche Vorteile bringt, aber langfristig unsere partnerschaftlichen Beziehungen aushöhlt.
Es gibt nicht
wenige, die dem Atlantischen Bündnis
seit dem Reformkurs Gorbatschows nur
noch sekundäre Bedeutung beimessen.
Ich aber sage, in einer Zeit der
enormen Veränderungen In den Staaten
des Warschauer Paktes, sind Einheit
und Standfestigkeit im Atlantischen

�Bündnis Voraussetzung für Stabilität
und gute Nachbarschaft in Europa.
Uneinigkeit im Westen und sei es eben
weil Handelsprobleme eskalieren, würde zu einer Destabilisierung mit unvorhersehbaren Folgen führen.
Wie ich schon eingangs erwähnte, begrüßen wir ausdrücklich den europäischen
Einigungprozeß.
Westeuropa
wird mehr und mehr mit einer Stimme
sprechen und eine größere Rolle in
der Weltpolitik und der Weltwirtschaft spielen.
Präsident Kennedy
hat bereits vor über fünfundzwanzig
Jahren von den zwei Pfeilern des Verteidigungsbündnisses
gesprochen.
Auch in der Weltwirtschaft ist Europa
zu einer tragenden Säule geworden.
Kein Land der Erde - auch die Vereinigten Staaten nicht - kann heute
noch als Lokomotive die Weltwirtschaft ziehen. Deshalb brauchen wir
ein einheitliches Europa als Partner
im Bemühen um weltweiten wirtschaftlichen Fortschritt.
Heute ist allen klar, daß die Verflechtung der Weltwirtschaft eine enge und möglichst reibungslose Zusammenarbeit zwischen den Staaten erfordert. War es nicht verblüffend und
erschreckend zugleich zu sehen, wie
am 19. Oktober 1987 an allen Börsen
der Welt die Wertpapierkurse in den
Keller stürzten?
Selten wurde die
Vernetzung und die Sprunghaftigkeit
der internationalen Finanzmärkte so
deutlich.
Viele Kommentatoren verglichen dieses Ereignis mit dem sogenannten Schwarzen Freitag im Jahre
1929 und sagten eine weltweite Rezession voraus. Wie Sie wissen, erwiesen sich diese Prognosen glücklicherweise als falsch. Im Gegenteil: die
Konjunktur in Europa ist hervorragend; in den Vereinigten Staaten
setzt sich das wirtschaftliche Wachstum fort, und die Experten sind sich
nicht einig, ob die amerikanische
Wirtschaft weiterhin zügig vorausfährt oder bereits zu einer weichen
Landung ansetzt.
Im Vergleich zu 1929 war eine Tatsache bemerkenswert:
die Regierungen

der führenden Wirtschaftsnationen waren sich einig, daß sie nur gemeinsam
die Finanzmärkte beruhigen und die
Weltwirtschaft vor Instabilität bewahren
konnten.
Wirtschaftliche
Stabilität und Kontinuität beruhen
heute auf einer engen Abstimmung der
Finanz- und Wirtschaftspolitik unter
den Industrieländern. Die Weltwirtschaftsgipfel, Konferenzen des Internationalen
Währungsfonds
und
der
Weltbank, und eine Vielzahl von Begegnungen von Regierungsmitgliedern
und Notenbankgouverneuren sind Beispiele für eine Politik, die Peter F.
Drucker
"Joint
leadership" nennt:
die großen WirtSchaftsnationen tragen
gemeinsam die Verantwortung für globale Aufgaben und arbeiten gemeinsam
an deren Lösungen. In diesem Zusammenhang sind das Plaza-Abkommen vom
September 1985 und das Louvre-Abkommen vom Februar 1987 zu nennen, in
denen die großen Industrienationen
gemeinsame Schritte in der Währungspolitik vereinbarten.
Natürlich muß diese Zusammenarbeit
noch verbessert werden. Es sind sich
zwar alle bewußt, daß heute im globalen Rahmen gedacht und gehandelt werden muß, aber nationale und regionale
Besonderheiten und Interessen spielen
natürlich auch im makroökonomischen
Bereich eine Rolle. Wir sind beispielsweise der Meinung, daß die Länder mit hohen Exportüberschüssen einen größeren Beitrag zu einem ausgeglichenen Welthandel leisten müßten.
Die Vereinigten Staaten und andere
Länder fordern daher die Bundesrepublik immer wieder auf, weniger auf
Wachstum durch Exporte zu setzen und
der Binnennachfrage mehr Gewicht beizumessen.
Die Bundesregierung und die Bundesbank wiederum kritisieren unser Haushaltsdefizit und die niedrige Sparquote in unserem Land. Wir müssen in
der Tat noch einige harte haushaltspolitische
Entscheidungen
treffen.
Ich möchte allerdings in diesem Zusammenhang darauf hinweisen, daß aus
dem amerikanischen Verteidigungsetat
jährlich neunzig Milliarden Dollar

�für unsere Streitkräfte in Europa
ausgegeben werden.
Die Bundesrepublik Deutschland gibt beispielsweise
weniger als ein Drittel dieses Betrages für Verteidigungsausgaben im Jahr
aus. Außerdem darf man auch nicht
vergessen, daß unsere Soldaten jährlich ungefähr acht Milliarden Dollar
in Deutsche Mark umtauschen. Diese
Summe entspricht fast unserem Handelsdefizit mit der Bundesrepublik im
letzten Jahr.
Aber gemeinsame Anstrengungen müssen
nicht nur in Fragen der Weltkonjunktur unternommen werden. Nur gemeinsam können wir die internationale
Verschuldungskrise bewältigen. Alle
Industrieländer sind aufgerufen, sich
für die wirtschaftliche Entwicklung
der Staaten der Dritten Welt einzusetzen.
Dabei geht es um direkte
Wirtschaftshilfe ebenso, wie um eine
weitere Öffnung unserer Märkte für
Erzeugnisse aus der Dritten Welt.
Entwicklungshilfe ist ein wichtiger
Beitrag für eine gerechtere Welt.
Aber ich glaube, daß es noch viel
wichtiger ist, daß die Menschen in
der Dritten Welt ihr Brot selber verdienen können. Das erfordert allerdings, daß wir den Entwicklungsländern die Möglichkeit einräumen, ihre
Waren bei uns zu verkaufen um Devisen
zu erwirtschaften.
In dieser Hinsicht kann mein Land mit Stolz vergleichsweise beachtliche Ergebnisse
vorweisen.
Im Jahre 1987 betrugen beispielsweise
unsere Fertigwarenimporte aus der gesamten Dritten Welt mehr als das Doppelte von dem, was die EG aus diesen
Staaten einführte. Aus den hochverschuldeten Ländern importierten wir
im gleichen Jahr mehr als dreimal soviel Fertigerzeugnisse wie die EG.
Genauso bemerkenswert sind die unterschiedlichen Wachstumsraten an Einfuhren aus diesen Staaten zwischen
1980 und 1987: sie nahmen im Bereich
der Fertigwaren bei uns um über 200
Prozent und in der EG nur um 73 Prozent zu. Ich glaube, die wirtschaftliche Zukunft der Dritten Welt würde

um einiges besser aussehen, wenn die
Europäische Gemeinschaft ihre Importe
aus den Entwicklungsländern in etwa
auf unser Niveau brächte.
Gegenwärtig sind die politischen und
wirtschaftlichen Entwicklungen in der
DDR und in anderen Staaten des Warschauer Paktes für uns alle von besonderem Interesse. Wie Sie wissen,
entschlossen sich die Staats- und Regierungschefs der sieben größten Industriestaaten auf dem Pariser Gipfel
im Juli dieses Jahres zu einer gemeinsamen Wirtschaftshilfe für Polen
und Ungarn. Die EG-Kommission wurde
beauftragt, diese Hilfe zu koordinieren. Ich glaube, diese Tatsache unterstreicht unseren Wunsch nach Übernahme von Führungsaufgaben im internationalen Bereich durch die Europäische Gemeinschaft.
Europäer und Amerikaner müssen gemeinsam mit anderen Ländern Maßnahmen
zum Erhalt unserer natürlichen Lebensverhältnisse und unserer Umwelt
ergreifen. Die Erwärmung der Erdatmosphäre und die Beschädigung der
Ozonschicht
betreffen
die
ganze
Menschheit. Maßnahmen einzelner reichen nicht aus, um diese Probleme zu
lösen, und deshalb sind mehr denn je
internationale
Vereinbarungen
von
größter Wichtigkeit.
Das Abkommen
von Montreal zur Reduzierung von
Fluorkohlenwasserstoff ist ein wichtiger erster Schritt.
Flüchtlingsfragen, der internationale
Drogenhandel und die Verhinderung der
Weiterverbreitung von atomaren und
chemischen Waffen und Raketentechnologie sind weitere Herausforderungen,
die Amerikaner und Europäer gemeinsam
mit anderen bewältigen müssen. Aber
die Zeit ist bereits fortgeschritten,
und ich kann auf diese Punkte nicht
mehr näher eingehen.
Ich möchte nun schließen mit einem
Wort von Jean Monnet, der in seinen
Erinnerungen über die Vereinigten
Staaten schreibt: "Die größte Macht
der Welt zu sein, das ist eine einsame und gefährliche Stellung. Sie be-

- 9 -

�deutet fast unbegrenzte Verantwortung
gegenüber den anderen...".
Meine Damen und Herren, ich glaube,
meine Ausführungen haben gezeigt, daß
wir es begrüssen würden, wenn diese
Verantwortung auch von der Europäischen Gemeinschaft mitgetragen würde.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

'VoN^

20. Dezember 1989

46

BAKER:

DER WESTEN MUSS DEN WANDEL IN GANZ OSTEUROPA UNTERSTÜTZEN
- Rede des US-Außenministers in Brüssel -

BRÜSSEL - (AD) - In einer Ansprache vor der Gruppe der 24 Industrienationen
(G-24) bekräftigte der amerikanische Außenminister James Baker am 13. Dezember
1989, daß die koordinierten Hilfsleistungen für Ungarn und Polen nur eine erste Reaktion des Westens auf den wirtschaftlichen und politischen Wandel in
Osteuropa sind, jedoch auch die in der DDR, der Tschechoslowakei und Bulgarien
stattfindenden Veränderungen der Aufmerksamkeit des Westens bedürften. "Wir
müssen zur Unterstützung der Länder bereit sein, die auf dem Weg zu bedeutenden Fortschritten im politischen und wirtschaftlichen Bereich sind", erklärte
Baker, "und ich hoffe, daß im Zuge unserer Unterstützung einer wachsenden Zahl
reformwilliger Länder der Koordinierungsprozeß der G-24 Modellcharakter für
reibungslose und erfolgreiche westliche Zusammenarbeit behält."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Außenminister Baker im Wortlaut.
Herr Präsident, liebe Kollegen,
die Vereinigten Staaten von Amerika
begrüßen diese Gelegenheit zu einer
Erörterung der dynamischen Ereignisse
in Osteuropa.
Der Multiplikatoreffekt der Macht des Volkes bringt ein
völlig neues Ost-West-Gefüge hervor.
Männer und Frauen treten friedlich
für die grundlegenden Menschenrechte
ein - in einem Maße, das zu Beginn
dieses Jahres undenkbar gewesen wäre.
1989 ist das Jahr, in dem die Völker
Osteuropas handelten, um Europa ungeteilt und frei zu machen.
Unsere Aufgabe besteht darin, diese
mutigen Reformbestrebungen zu unterstützen. Wenn auf den Straßen nicht
mehr demonstriert wird, wenn das Volk
eine neue Regierung gewählt hat, wenn
die Regierungen Diener des Volkes ge-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

worden sind - wenn all dies geschehen
ist, müssen die Volkswirtschaften soweit gesundet sein, daß Essen auf den
Tisch gestellt und die Regale der Geschäfte mit Waren gefüllt werden können. Neue Pläne für Wirtschaftsreformen müssen mit vierzigjähriger
Stagnation brechen und private Marktkräfte freisetzen. Hier können und
müssen wir helfen, wenn wir dem Ruf
der Geschichte Folge leisten wollen.
Bei der Unterstützung von Reformen in
Osteuropa haben die G-24 bereits eine
maßgebliche Rolle gespielt. Wie ich
gestern in Berlin erläutert habe, ist
die Bush-Administration außerordentlich erfreut über unsere beim Pariser
Weltwirtschaftsgipfel getroffene Abmachung, daß die EG-Kommission eine
besondere Rolle bei den Bemühungen
der G-24 übernehmen sollte, die Re-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�formen in Polen und Ungarn zu unterstützen. Seitdem haben wir im Wege
der Zusammenarbeit viel erreicht.
Was uns betrifft, so haben die Vereinigten Staaten über 1 Milliarde
Dollar an Hilfsleistungen für diese
beiden Länder bewilligt - den Großteil in Form von Darlehen.

I.

Hilfe für Polen

Ich hoffe, daß die G-24 heute die
letzten Einzelheiten des Stabilisierungsfonds für Polen in Höhe von 1
Milliarde Dollar klärt.
Die Polen
haben uns selbst darum gebeten, und
er ist zur Verwirklichung der Reformen unabdingbar. Die politisch Verantwortlichen in Polen sehen diesen
Fonds als entscheidend für den Erfolg
der geplanten Währungs- und Preisreform an.
Darüber hinaus hat der
Fonds für die Polen auch symbolische
Bedeutung als Indikator dafür, ob ihnen der Westen tatsächlich beisteht,
wenn sie schwierige Wirtschaftsentscheidungen zu treffen haben.
Als die Vereinigten Staaten Anfang
Oktober erstmals ihre Absicht bekanntgaben, ein Darlehen in Höhe, von
200 Millionen Dollar zum Stabilisierungsfonds beizusteuern, hofften wir,
eine Reihe anderer Länder - nicht nur
die sieben führenden Industrienationen - würden ebenfalls zu diesem
Fonds beitragen. Vor Beginn unseres
heutigen Treffens habe ich erfahren,
daß unser Ziel in greifbare Nähe gerückt ist, doch die Antwort einiger
potentieller Spender steht noch aus.
Als ehemaligem Finanzminister ist mir
klar, daß Versprechungen allein nicht
genug sind. Wir müssen sicherstellen, daß wir in den kommenden Wochen
die rechtlichen und technischen Details ausarbeiten, damit die Regierung von Ministerpräsident Masowiecki
und das polnische Volk unsere Hilfe
unverzüglich in Anspruch nehmen können, wenn sie ihr IWF-Programm verwirklichen und den neuen Haushalt
verabschieden. Aus diesem Grunde empfehle ich, daß jedes Land eine hochrangige Kontaktperson benennt, damit

die rasche Durchführung in allen Einzelheiten gewährleistet ist. Für die
Vereinigten Staaten hat Präsident
Bush meinem Stellvertreter, Larry
Eagleburger, diese Aufgabe zugedacht.
Ich möchte kurz einige der von den
Vereinigten Staaten im Rahmen der
Hilfe für Polen ergriffenen Maßnahmen
erwähnen.
Wir haben 240 Millionen
Dollar für den polnisch-amerikanischen
Unternehmensfonds
bewilligt.
Mit diesem Fonds sollen Privatinvestitionen in Polen gefördert werden.
In mancher Hinsicht scheint die Arbeit des Unternehmensfonds sich mit
den Aufgaben zu decken, die für die
vorgesehene Europäische Entwicklungsbank erwogen werden.
Ein Prüfung,
wie sich ihre Arbeit verbinden läßt,
könnte sich als nützlich erweisen.
Wir haben die Zustimmung des Kongresses zu zusätzlichen Hilfsleistungen
in Höhe von rund 200 Million Dollar
erhalten. Sie umfassen Programme in
den
Bereichen
Nahrungsmittelhilfe,
Energie, Umwelt, medizinische Versorgung, technische Ausbildung, Stipendien, Aktivitäten des Entwicklungsdienstes (Peace Corps), Ausbildung
von Arbeitskräften und technische Unterstützung ebenso wie Programme zur
Förderung demokratischer Institutionen. Darüber hinaus hat der Kongreß
200 Millionen Dollar für Handels- und
Darlehensgarantien bewilligt. Zusammengenommen werden wir also im Verlauf der nächsten drei Jahre Hilfsleistungen in Höhe von über 800 Millionen Dollar für Polen bereitstellen.
Wir haben versucht, diese Hilfe so
weit wie möglich in Form von Sofortkrediten zu gewähren. Die Polen benötigen vor allem Bargeld, damit sie
bei der Reform ihrer Wirtschaft und
der Umschuldung etwas Luft haben. Im
Hinblick auf das gesamte Mix an
Hilfsleistungen sollte Sofortkrediten
der Vorzug vor Garantien und Handelskrediten gegeben werden.
Darüber hinaus freue ich mich, Ihnen
mitteilen zu können, daß wir die Arbeit an einem multilateralen Überbrückungskredit
aufgenommen
haben,

- 2 -

�der Polen so bald wie möglich ausgezahlt werden soll und zu dem wir 200
Millionen Dollar beitragen werden.
Es sollte nicht unerwähnt bleiben,
daß Präsident Bush vor kurzem eine
von Landwirtschaftsminister Clayton
Yeutter angeführte Wirtschaftsdelegation auf Kabinettsebene nach Polen
entsendet hat, um herauszufinden, wie
wir Polen bei seinen strukturellen
Wirtschaftsreformen
helfen
können.
Sie konzentrierte sich insbesondere
auf den Finanz-, Agrar- und Industriesektor sowie den Arbeitsmarkt.
Polen muß jetzt in diesen lebenswichtigen mikroökonomischen Fragen Fortschritte erzielen, wenn Kraft und Erfindungsreichtum von Privatinitiativen Früchte tragen sollen. Die Delegation wird ihren Bericht in Kürze
vorlegen, und wir werden Ihnen die
Schlußfolgerungen natürlich mitteilen.
Polen sieht sich nach wie vor mit einer kritischen Wirtschaftslage konfrontiert, die schwere Entscheidungen
fordert. Eine Reihe von Ländern haben erfolgreich die sehr hohe Inflationsrate gedämpft, andere haben ihre
hohe Auslandsverschuldung abgebaut,
die Preisbindung aufgehoben, Subventionen
entschieden
gekürzt
oder
Staatsbetriebe privatisiert - aber
kein Land hat all diese Probleme nach
40 Jahren Planwirtschaft auf einmal
gelöst. Die Aufgabe ist erdrückend,
aber unsere gemeinsamen Bestrebungen
werden dazu beitragen, den Polen über
die vor ihnen liegenden Hürden hinwegzuhelfen.

II.

Prozeß besteht darin, potentiellen
Investoren die Gewißheit zu geben,
daß sie ungarische Produkte im Westen
verkaufen können.
Wir begrüßen es
deshalb, daß die Vereinigten Staaten,
die EG und mehrere andere Mitgliedstaaten der G-24 Ungarn in das allgemeine Präferenzsystem einbezogen haben und daß die Europäische Gemeinschaft den Abbau der noch bestehenden
Mengenbeschränkungen für ungarische
Produkte beschleunigen wird.
Die Vereinigten Staaten haben ferner
60 Millionen Dollar für einen ungarisch-amerikanischen
Unternehmensfonds bewilligt, der zum Aufbau von
Privatunternehmen
beitragen
soll.
Darüber hinaus haben wir in Ungarn
ein Programm unseres Entwicklungsdienstes eingeleitet und Programme
für technische Ausbildung, Studienbeihilfen, Umwelt und Arbeitswesen
ins Leben gerufen. Insgesamt werden
wir Ungarn in den nächsten drei Jahren Hilfe in Höhe von 80 Millionen
Dollar gewähren.
Der wichtigste Schritt für Ungarn ist
jedoch die Zustimmung des Parlaments
zu einem Programm des Internationalen
Währungsfonds und dessen erfolgreiche
Durchführung. Da Ziel des Programms
ein Abbau des Haushalts- und Handelsdefizits ist, wird dies für die Regierung mit schwierigen Entscheidungen verbunden sein. Bedeutende Zeiten erfordern jedoch mutige Entscheidungen.
Die Führung Ungarns kann
sich einen Platz In der Geschichte
sichern, indem sie tut, was getan
werden muß, damit die multilaterale
Hilfe für Ungarn in Gang kommt.

Hilfe für Ungarn

Darüber hinaus müssen wir uns den
Problemen Ungarns widmen, die zwar
anders gelagert sind als die polnischen, aber ebenso wichtig. Wir müssen dazu beitragen, Anreize für Privatinvestitionen zu schaffen, damit
Ungarns dringendem Kapitalbedarf abgeholfen wird. Ebenso wie in Polen
müssen wir in Ungarn die Grundlagen
für Selbsthilfe zu schaffen.
Ein entscheidender Schritt in diesem

III. Anhaltende Bemühungen und der
Koordinierungsprozeß
Gemeinsam haben wir einen guten Anfang bei der Unterstützung Polens und
Ungarns gemacht, aber es bleibt noch
viel zu tun. In den kommenden Monaten werden die neue polnische und die
neue ungarische Regierung vor schweren Herausforderungen stehen, wenn
beide den historisch bisher einmaligen Schritt von einer zentralen Plan-

- 3 -

�Wirtschaft zu
vollziehen.

einer

Marktwirtschaft

Meines Erachtens kann die EG bei diesem Prozeß eine besonders wichtige
Rolle spielen.
Die EG mit ihren
marktwirtschaftlichen Prinzipien hat
für die osteuropäischen Reformer eine
besondere
Anziehungskraft.
Vielleicht könnte die EG besondere Möglichkeiten für eine verbesserte wirtschaftliche
Interaktion
schaffen,
wenn die politischen und ökonomischen
Reformen bestimmte Niveaus erreicht
haben. So könnte die erste Stufe und die ersten Anreize - auf Niveaus
in Kraft treten, die sich schon bald
erreichen lassen.
Andere Niveaus
könnten sich der Art von Bindungen
annähern, wie sie die EG mit den Mitgliedstaaten der EFTA erreichen möchte. Eine solche Abfolge von Möglichkeiten könnte das wertvollste Angebot
bieten: Hoffnung.
Im Zuge fortschreitender Reformen in
Polen und Ungarn müssen wir ferner
kontinuierlich prüfen, wie wir die
Reformen am besten unterstützen können, insbesondere nach Einführung der
IWF-Vereinbarungen. Bei der Koordinierung
unserer
Hilfsanstrengungen
müssen wir sowohl mit dem IWF als
auch mit Weltbank, OECD und Pariser
Club zusammenarbeiten.
Wir sollten
dazu beitragen, daß die Maßnahmen
dieser jeweiligen Organisationen einander verstärken.

IV.
Neue
der G-24

Kandidaten

für

Maßnahmen

Schließlich können wir uns der Tatsache nicht verschließen, daß die Ereignisse in der Tschechoslowakei, der
Deutschen Demokratischen Republik und
auch in Bulgarien eindringlich belegen, daß unsere Bemühungen zur Koordinierung der westlichen Antwort nur
die erste Phase der anstehenden ökonomischen und politischen Reformen In
Osteuropa betreffen. Dies wurde mir
besonders nach meinem gestrigen Besuch der DDR klar. Sowohl Kirchenvertreter als auch Ministerpräsident
Modrow erklärten mir gegenüber, der

wirtschaftliche Fortschritt in der
DDR sei ein entscheidendes Element
zur
Gewährleistung
schrittweiser,
friedlicher Veränderungen - und vielleicht sogar dabei, eine Ausreisewelle in die Bundesrepublik zu verhindern.
Koordinierte Maßnahmen des Westens
zur Förderung demokratischer Institutionen, von politischem Pluralismus
und marktorientierten Volkswirtschaften werden weiterhin für die Aussichten auf erfolgreiche, unumkehrbare
Reformen entscheidend sein. Wir müssen bereit sein, Ländern zu helfen,
die substantielle Fortschritte zu ökonomischen und politischen Veränderungen machen, und ich hoffe, daß im
Zuge
unserer
Unterstützung
einer
wachsenden Zahl reformwilliger Länder
der Koordinierungsprozeß der G-24 Modellcharakter für reibungslose und
erfolgreiche westliche Zusammenarbeit
behält.

V.

Schlußbemerkungen

Abschließend
möchte ich Präsident
Delors und die EG-Kommission nochmals
zu ihrer Arbeit beglückwünschen. Der
Pariser Gipfel brachte für die EG eine neue Herausforderung, eine Herausforderung, deren Tragweite nur noch
größer werden kann. Meine Regierung
sieht der weiteren Koordinierung erwartungsvoll entgegen, in deren Rahmen wir uns bemühen werden, die Macht
des Volkes institutionell zu verankern und die Teilung Europas zu überwinden.
Die Kommission hat Bewundernswertes geleistet und verdient
unseren Beifall.
Ferner sehen wir - falls auch die anderen Teilnehmer zustimmen - ein Ministertreffen im nächsten Jahr vor,
auf dem die von uns erzielten Fortschritte überprüft und weitere Impulse gegeben werden sollen.
Ich danke Ihnen.

* * * * *

�^DS&gt;

AMERIKA DIENST
Dokumentation

20. Dezember 1989

46

DEN WORTEN DER VEREINIGTEN STAATEN WERDEN IN OSTEUROPA TATEN FOLGEN
von Robert Mosbacher

(Der Autor ist Wirtschaftsminister der Vereinigten Staaten und war Mitglied
der Delegation des Präsidenten für Polen. Der folgende Beitrag wurde exklusiv
für das IJS-Inf ormationsamt verfaßt.)

"Laßt den Worten Taten folgen." Diesen Appell richtete Lech Walesa im
vergangenen Monat während seiner Rede
vor beiden Häusern des Kongresses an
das amerikanische Volk.
Er sprach
dabei über Polens dringenden Bedarf
an Investitionen, um die Freiheit zu
unterstützen.
Die aus tiefstem Herzen kommende Antwort der Bush-Administration und des
amerikanischen Volkes ist ein uneingeschränktes Ja.
Wir unterstützen
das polnische Volk - und alle Völker
Osteuropas - in ihrem Streben nach
Freiheit. Und wir werden alles in
unserer Macht Stehende tun, um zu ihrem Erfolg beizutragen.
Letzten Endes können jedoch nur die
Völker Osteuropas selbst die nachtei-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

ligen Auswirkungen einer 40jährigen
kommunistischen Mißwirtschaft überwinden. Aber wir können ihnen dabei
helfen, und das werden wir auch tun.
Der Kongreß hat ein Hilfspaket für
Polen und Ungarn in Höhe von 938 Millionen Dollar verabschiedet und sich
damit das Programm Präsident Bushs
für die Unterstützung politischer und
ökonomischer Reformen in diesen beiden Länder vollständig zu eigen gemacht.
Darüber hinaus haben die Vereinigten
Staaten im vergangenen Monat mit der
Unterzeichnung eines gemeinsamen Kommuniques über Telekommunikation und
der Aushandlung eines Abkommens zur
Verbesserung des Investitionsklimas
in Polen einen bedeutenden Schritt

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�getan, um Polen in die Weltwirtschaft
einzugliedern und den Übergang des
Landes zur Demokratie zu fördern.

tionsförderung müssen die Länder Osteuropas ihr Rechts- , Rechnungs- und
Bankwesen und die Aufgaben der Banken
verändern. Gegenwärtig ist es beispielsweise für Unternehmen in Polen
Diese Maßnahmen waren das Ergebnis
nicht möglich, Akkreditive zu erhalder Reise einer von drei Kabinettsten. Es gibt keine Girokonten, wie
mitgliedern geleiteten Delegation des
wir sie kennen, und das RechnungswePräsidenten nach Polen. Die Delegasen ist mit dem international und in
tion trug der Tatsache Rechnung, daß
allen Industrieländern üblichen Syder Schlüssel zu verbesserten amerikani sch-polni sehen Wirt schaft sbezie- stem unvereinbar. Dies sind nur einige der Probleme, die mit einem
hungen in der umfassenden Beteiligung
Wirtschafts- und Handelsabkommen zu
des
amerikanischen
Privatsektors
lösen wären.
liegt. Die Bemühungen der Bush-Administration sind deshalb darauf ausgerichtet, die polnische Regierung Viertens:
Wenn Märkte erschlossen
und alle osteuropäischen Regierungen
werden sollen, müssen Käufer und Ver- zu ermutigen, ein Klima zu schafkäufer über genaue Statistiken zu
fen, das Investitionen amerikanischer
Wirtschaft und Handel verfügen. Die
Firmen begünstigt.
Vereinigten Staaten können technische
Hilfestellung leisten, damit Zahlen
über Verbraucherpreise, Handel und
Sicherlich werden Vereinbarungen zwiArbeitslosigkeit exakt und termingeschen den Vereinigten Staaten und anrecht vorliegen können.
deren osteuropäischen Staaten in Kürze folgen. Im Rahmen einer früheren
Delegationsreise nach Ungarn und PoFünftens: Unser Engagement für Menlen sind wir zu der Überzeugung geschenrechte ist integraler Bestandlangt, daß sich der Schlüssel zur
teil unserer Handelspolitik.
PoliVerbesserung
der
Ost-West-Wirttische Freiheit und wirtschaftliche
schaftsbeziehungen mit sechs PrinziFreiheit gehen Hand in Hand, und
pien charakterisieren läßt:
grundlegende Verbesserungen im OstWest-Handel werden in demselben Maße
erfolgen wie Fortschritte bei den
Erstens: Das Wachstum des Ost-WestMenschenrechten.
Handels muß auf soliden wirtschaftlichen Entscheidungen fußen. Wir können amerikanische Firmen nicht zwinSechstens: Obgleich wir den starken
gen, in Osteuropa geschäftlich tätig
Aufschwung im Handel mit Waren bezu werden, und es obliegt den dortigrüßen und fördern, die nicht für
gen Regierungen, ein attraktives und
strategische Zwecke eingesetzt werden
profitables wirtschaftliches Umfeld
können, sind doch nationale Sicherzu schaffen. Mit dieser Art Fördeheitsinteressen des Westens von höchrung werden reale Investitionen bester Bedeutung. Wir werden mit unsegünstigt, Arbeitsplätze geschaffen,
ren Verbündeten zusammenarbeiten, um
Grundkapital gebildet und der Lebenszu gewährleisten, daß nur Schlüsselstandard angehoben.
technologie kontrolliert wird, die
Exportkontrollen
für
solche Teile
werden aber bestehen bleiben.
Zweitens: Investitionen müssen ebenso wie Joint Ventures beim Ausbau von
Innerhalb dieses Rahmens werden wir
Wirtschaftsbeziehungenen
eine
entOsteuropa bei der Entwicklung eines
scheidende Rolle spielen. Die langwettbewerbsfähigen
Systems
helfen,
fristig wirkungsvollste Hilfe, die
das von freiem Unternehmertum gekennvon den Vereinigten Staaten geleistet
zeichnet und Schlüssel zur Integrawerden kann, besteht in Direktinvetion in die Weltwirtschaft ist. Und
stitionen amerikanischer Unternehmen.
wir werden Investitionen fördern und
Exportmärkte für amerikanische Waren
Drittens:
Zum Zweck der Investi-

�schaffen.
Präsident Bush hat erklärt: "Demokratische Kräfte in Polen haben um
die moralische, politische und wirtschaftliche Unterstützung des Westens
gebeten. Und der Westen wird dieser
Bitte nachkommen."

* * * * *

- 3-

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

'VON**

20. Dezember 1989

45

OFFENE HIMMEL
- Eine Übersicht der US-Delegation bei der NATO -

Die folgende Übersicht zu der von Präsident Bush vorgeschlagenen Initiative
Offene Himmel, die das häufige überfliegen von Territorium beteiligter Staaten zur Beobachtung der jeweiligen militärischen Aktivitäten und Einrichtungen
gestattet, wurde am 15. Dezember 1989 von der US-Delegation bei der NATO in
Brüssel veröffentlicht.
Hintergrund
Präsident Bush schlug das Konzept
Offene Himmel am 12. Mai 1989 in
einer Rede bei der Texas A and M
University vor. Die Verbündeten vereinbarten die weitere Ausarbeitung
der Initiatvie beim Gipfeltreffen im
Mai.
Seitdem hat die NATO an einem detaillierten Vorschlag gearbeitet.
Bei
der Sitzung des Nordatlantikrats am
14. und 15. Dezember 1989 vereinbarten die Minister einen gemeinsamen
Ansatz des Bündnisses bei der Aushandlung des Konzepts für Offene
Himmel. Für die im Februar in Ottawa stattfindende Konferenz über Offene Himmel wurde als Kernstück der
westlichen Haltung ein Papier über

United States Information Service
Embassy of the United States of America

"Grundlegende
licht.

Merkmale'

veröffent-

Präsident
Bush
und
Außenminister
Baker haben beim NATO-Gipfel am 4.
Dezember beziehungsweise am 12. Dezember in Berlin den Westen aufgefordert, Maßnahmen zu ergreifen, um die
zunehmende Offenheit in der Sowjetunion und in Westeuropa festzuschreiben. Die Vereinbarung der NATO über
ihre Haltung zu Offene Himmel für
die Konferenz in Ottawa demonstriert
möglicherweise
einen
wichtigen
Schritt in diese Richtung.

Zielsetzung
Offene Himmel ist eine Initiative
zur Förderung gegenseitiger Offenheit

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�der beteiligten Länder.
Sie würde
das häufige überfliegen von Territorium beteiligter Staaten zur Beobachtung der jeweiligen militärischen Aktivitäten und Einrichtungen gestatten
und damit Vertrauen und Sicherheit
fördern.
Das Konzept basiert auf folgenden
Grundsätzen, mit denen größtmögliche
Offenheit gewährleistet werden soll:
Verpflichtung der Beteiligten zu
stärkerer Transparenz durch uneingeschränktes überfliegen des
gesamten nationalen Territoriums
im Rahmen der Flugsicherheitsbestimmungen.
Die Beteiligten können solche Beobachtungsflüge einzeln oder gemeinsam mit ihren Verbündeten
durchführen.

Quartal über jedem Land vorgesehen.

Flugzeuge und Sensoren
Der Einsatz von unbewaffneten Starrflüglern der Zivilluftfahrt oder der
Streitkräfte zum Transport von Beobachtern des Gastgeberlandes ist gestattet, des weiteren ist eine Vielzahl von Sensoren erlaubt.

Perspektiven
Vom 12. bis 28. Februar 1990 soll in
Ottawa eine Konferenz stattfinden,
auf der ein Konzept für Offene Himmel vereinbart werden soll.
Die
Außenminister der NATO und des Warschauer Pakts werden an der Eröffnungssitzung vom 12. bis 14. Februar
teilnehmen. Außenminister Baker wird
die US-Delegation leiten.

Verpflichtung
der
Beteiligten,
BeobachtungsflUge auf der Basis
festgelegter Quoten durchzuführen
und zu dulden.
Die
Ausarbeitung
einheitlicher
Verfahrensweisen, mit denen sowohl Transparenz als auch Flugsicherheit
gewährleistet
werden
sollen.

Beteiligung und Umfang
Die Beteiligung an der Initiative
Offene Himmel steht anfänglich allen
Mitgliedern
des
Atlantischen
Bündnisses und des Warschauer Pakts
offen. Sie umfaßt alle Territorien
der Mitglieder in Nordamerika, Asien
und Europa. Alle Mitglieder sind zu
Beobachtungsflügen berechtigt.

Quoten
Die "Abrechnung" bei Offene Himmel
geschieht durch Quoten, mit denen die
Anzahl der überflüge begrenzt wird.
Diese Quoten sind abhängig von der
Fläche des jeweiligen Landes. Dennoch ist mindestens ein Flug pro
- 2 -

* * * * *

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10724">
                <text>20.12.1989</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10725">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10726">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10727">
                <text>Amerikadienst 20.12.1989</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10728">
                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Partnerschaft und Wettbewerb: Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen&lt;br /&gt;den Vereinigten Staaten von Amerika und der europäischen Gemeinschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede von Botschafter Vernon A. Walters -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Baker: Der Westen muß den Wandel In ganz Osteuropa unterstützen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des US-Außenministers in Brüssel -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Den Worten der Vereinigten Staaten werden in Osteuropa Taten folgen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- von Robert Mosbacher -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrund&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Offene Himmel&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Eine Übersicht der US-Delegation bei der NATO -&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2447" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2458">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/3a79cad0830889b0389a393764a3edf9.pdf</src>
        <authentication>cf62895723e8cfb0da3b10c749b6e93f</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="12707">
                    <text>ceo S7:

amcriha
dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Sr,oN ^

Z12462 C
25

20. Dezember 1996

NATO

NATO BILLIGT EINSATZ DER SFOR IN
BOSNIEN
Rede von Außenminister Christopher
beim Nordatlantikrat

UMWELT

GIPFELTREFFEN VON SANTA CRUZ IST
POSITIVES ERGEBNIS VON MIAMI
Eröffnungsansprache von Vizepräsident Gore

PORTRAT

BILL RICHARDSON
Der designierte UNO-Botschafter
WILLIAM M. DALEY
Der designierte Wirtschaftsminister
GENE SPERLING
Der neue Direktor des Nationalen Wirtschaftsrats
CHARLENE BARSHEFSKY
Die designierte US-Handelsbeauftragte

GESUNDHEIT

BEKÄMPFUNG DER URSACHEN VON
INFEKTIONSKRANKHEITEN
von AID-Direktor J. Brian Atwood

THEMENINDEX

DER AMERIKA DIENST

1996

Mit dieser letzten Ausgabe des Jahres 1996
wünscht die Redaktion des Amerika Dienst allen
Lesern ein friedliches und erfolgreiches neues Jahr.

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn
Tel.: 0228-339 2372

Fax: 0228-333 138
e-mail: bbsbonn@usia.gov
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html

�NATO
20. Dezember 1996

NATO billigt Einsatz der SFOR in Bosnien
Rede von Außenminister Christopher beim Nordatlantikrat

BRÜSSEL - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text der Rede, die Außenminister Warren
Christopher am 10. Dezember 1996 beim Ministertreffen des Nordatlantikrats in Brüssel hielt. Christopher gibt
darin einen Überblick über die von der NATO während seiner Amtszeit gemachten Fortschritte und kündigt den
Einsatz einer neuen internationalen Stabilisierungstruppe in Bosnien (SFOR) nach erfolgreichem Abschluß des
IFOR-Mandats an.

Herr Generalsekretär, verehrte Kollegen, es ist mir
eine Ehre, erneut im Namen der Vereinigten Staaten
vor Ihnen sprechen zu dürfen.
Während meiner vierjährigen Amtszeit als Außenminister hatte ich neunmal die Gelegenheit, vor dem
Nordatlantikrat eine Rede zu halten. Angesichts der
Bedeutung, die Präsident Clinton und ich unserer
Partnerschaft mit Europa beimessen und in Anbetracht
der zentralen Rolle der NATO bei der Gewährleistung
der Sicherheit all unserer Nationen ist dies einer
meiner wichtigsten Aufgabenbereiche gewesen. Auch
unsere Verbündeten standen unerschütterlich zu ihrer
Verpflichtung zur transatlantischen Partnerschaft. Sie,
meine Damen und Herren, haben uns Amerikaner
immer wieder daran erinnert, welch bedeutende Rolle
wir weiterhin in Europa spielen. Ich habe diese
Botschaft an unseren Kongreß und das amerikanische
Volk weitergeleitet. Mit ihrer Unterstützung ist unser
Bündnis stärker denn je geworden.
Der von uns zurückgelegte Weg und unsere gemeinsamen Leistungen dieser vier Jahre sollten bei all
unseren Völkern Vertrauen schaffen. Halten Sie sich
vor Augen, wo wir Anfang 1993 standen. Denken Sie
an die Unsicherheiten, mit denen das Bündnis damals
konfrontiert war, und an die unbeantworteten Fragen.
Viele fragten sich damals, ob Amerika sein Engagement in Europa fortsetzen würde. Andere stellten die
Bedeutung der NATO für die Welt nach dem Kalten
Krieg in Frage. Wir alle stimmten hinsichtlich der
Notwendigkeit einer Integration der neuen Demokratien Europas überein, hatten uns jedoch auf keine

AMERIKA DIENST 25

Strategie hierfür geeinigt. Rußland begab sich damals
gerade auf den schwierigen und unsicheren Weg zu
Demokratie und Marktwirtschaft. Der Krieg in Bosnien
befand sich auf dem Höhepunkt seiner Grausamkeit.
Wir bewältigten diese Herausforderungen, indem wir die 16 Mitglieder dieses großartigen Bündnisses unsere Interessen gemeinsam verfolgten. Bei ihrem
Gipfeltreffen 1994 einigten sich unsere Staats- und
Regierungschefs auf eine Strategie zur Umgestaltung
der NATO und zum Aufbau eines ungeteilten Europas.
1995 handelte die NATO, um den Krieg in Bosnien zu
beenden und bildete eine Koalition zur Friedenssicherung, die so umfassend war, daß wir zum ersten
Mal behaupten konnten, ganz Europa sei unter einer
Flagge in einer gemeinsamen Sache geeint. Die
NATO-Partnerschaft für den Frieden ist zu einer
dauerhaften, einigenden Kraft in Europa geworden.
Frankreich und Spanien trafen historische Entscheidungen über eine umfassendere Teilnahme am
Bündnis. Wir unterstützten die Demokratie in Rußland
und boten dem Land eine besondere Art der Partnerschaft mit der neuen NATO an. Die Ukraine, Belarus
und Kasachstan haben die Nuklearwaffen von ihrem
Territorium abgezogen. Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hat
von Bosnien bis zum Kaukasus hart für eine Wahrung
ihrer Grundsätze gearbeitet. Die Europäische Union
hat die Grundlagen für ihre Erweiterung geschaffen
und ihre Partnerschaft mit den Vereinigten Staaten
gestärkt.
Angesichts unserer Leistungen steht außer Frage, daß
Amerika heute in Europa engagiert bleibt. Es besteht

Seite 1

�kein Zweifel daran, daß die NATO, die EU und die
OSZE funktionieren, sich weiterentwickelt haben und
gemeinsam die beste Hoffnung für den Aufbau eines
sicheren, demokratischen und integrierten Kontinents
darstellen. Es besteht über den Atlantik hinweg ein
breiter Konsens über unseren Kurs. Die NATO ist
weiterhin der zentrale Garant unserer Sicherheit.
Die europäischen NATO-Mitglieder spielen im Bündnis
eine sichtbarere Rolle. Die NATO wird bald neue
Mitglieder aufnehmen. Rußland ist bereits unser
Partner - von den Konferenzräumen Brüssels bis zu
den Schlammfeldern Bosniens.
In dieser Woche symbolisieren drei Ereignisse die von
uns erzielten Fortschritte.
Beim OSZE-Gipfel in
Lissabon verabschiedeten 55 Nationen ein umfassendes Sicherheitsmodell und einen neuen Ansatz für die
konventionelle Rüstungskontrolle in Europa. Bei der
Londoner Bosnienkonferenz kamen wir zur Unterstützung von Demokratie und Wiederaufbau in Bosnien
zusammen. Heute treffen wir uns als NATO-Verbündete, um die von unseren Staats- und Regierungschefs beim Gipfel von 1994 unterbreitete Vision
voranzubringen.
Bei der heutigen Zusammenkunft stimmen wir über
den Einsatz einer NATO-Stabilisierungstruppe in
Bosnien ab. Wir werden einer bedeutenden Stärkung
der PFF zustimmen. Wir setzen die interne Anpassung der NATO fort. Wir erklären, daß die NATO
im heutigen Europa weder die Absicht noch den Plan
hat, Nuklearwaffen auf dem Territorium eines ihrer
neuen Mitglieder zu stationieren und hierfür auch keine
Notwendigkeit sieht. Und wir bekräftigen, daß derzeit
keine NATO-Streitkräfte in Alarmbereitschaft sind. Die
NATO signalisiert ihre Bereitschaft zur Einrichtung
gegenseitiger Verbindungsbüros mit Rußland bei
unseren wichtigsten militärischen Kommandostellen.
Heute beschlossen wir ein Gipfeltreffen unserer
Staats- und Regierungschefs im Sommer 1997. Wir
werden die von uns gemachten Fortschritte bei drei
umfassenden Zielen konsolidieren, die unsere führenden Politiker 1994 festlegten: Ausstattung der NATO
für neue Rollen und Missionen, Reform ihrer internen
Strukturen und Einbeziehung neuer Verbündeter und
Partner.
Wir müssen uns weiterhin ehrgeizige Ziele setzen und
die schwierigen Fragen direkt angehen - sowohl beim
Gipfel als auch danach. Viele bedeutende Herausforderungen liegen noch vor uns. Bei der Erweiterung
von NATO und EU müssen wir sicherstellen, daß die
Türen dieser Organisationen offen bleiben. Wir
müssen hart mit unseren Partnern in Rußland und der
Ukraine zusammenarbeiten, damit diese Nationen den
ihnen zukommenden Platz in dem neuen Europa
einnehmen. Es wird Zeit erfordern, die großen wirtschaftlichen Unterschiede zwischen Ost und West zu

Seite 2

überwinden und den Nationen des ehemaligen
Jugoslawiens den Wiedereintritt in Europa zu ermöglichen. Wir waren bei der Verteidigung von
Menschenrechten und politischer Freiheit wachsam:
Wie uns die mutigen jungen Menschen in Serbien
gezeigt haben und die jüngsten Entwicklungen in
Belarus demonstrieren, ist der Kampf für Demokratie in
Europa noch nicht vorüber. Natürlich müssen wir
weiterhin unsere transatlantische Partnerschaft
stärken, indem wir die Schranken zwischen unseren
Völkern und Volkswirtschaften abbauen und die
globalen Herausforderungen gemeinsam meistern.
1999 werden unsere Staats- und Regierungschefs
zweifellos aus Anlaß des 50. Jahrestages der NATO
erneut zusammentreffen. Das Ereignis sollte mehr als
eine Feier anläßlich der Vergangenheit der NATO sein,
mehr als eine Zeremonie zur Begrüßung neuer
Mitglieder. Es wird der Moment sein, an dem die
NATO ihre nächsten 50 Jahre beginnt. Es wird der
Zeitpunkt sein, um den weit ins nächste Jahrhundert
hineinreichenden Kurs unserer neuen atlantischen
Gemeinschaft festzulegen. Obwohl sich seit der
Gründung der NATO viel geändert hat, bleibt das Ziel
der Vereinigten Staaten bestehen: Eine engere
Partnerschaft mit einem größeren, stärker integrierten
Europa auf diesem Kontinent und weltweit. Vor dem
Hintergrund dieses Ziels möchte ich kurz auf die
Themen eingehen, die auf der Tagesordnung für
heute, den kommenden Gipfel und die nächsten Jahre
stehen.
Heute besteht unsere unmittelbarste Aufgabe darin,
unsere endgültige Zustimmung zum Einsatz einer
neuen Friedenstruppe für Bosnien zu geben. In zehn
Tagen ist die Mission der IFOR in Bosnien beendet.
Wir werden dann eine neue Mission beginnen - mit
weniger Soldaten und einem neuen anderthalbjährigen
Mandat. Das ist aufgrund des Erfolgs der IFOR
möglich. Lassen Sie uns kurz darüber nachdenken,
wieviel Dank wir den 60.000 Männern und Frauen der
IFOR schulden. Einige gehören den erfahrensten
Streitkräften der Welt an, andere kommen aus Nationen und Armeen, die vor einigen Jahren noch gar nicht
existierten. Sie vertreten langjährige Verbündete und

ehemalige Gegner. Alle haben gezeigt, daß sie der
Aufgabe der Schaffung von Sicherheit in Europa unter
den härtesten Bedingungen gewachsen sind. Alle an
der IFOR beteiligten Nichtmitgliedstaaten der NATO
werden in der Stabilisierungstruppe bleiben.
Wir haben bislang Fortschritte gemacht, indem wir in
Bosnien einen schrittweisen Ansatz für unsere Vorgehensweise wählten. Wir beendeten den Krieg. Wir
trennten die gegnerischen Streitkräfte. Wir überwachten die Übergabe von Land. Wir beaufsichtigten die
demokratischen Wahlen. Jetzt werden die Institutionen eines geeinten bosnischen Staates aufgebaut.
Jeder Schritt hat Bosnien einen weiteren Schritt vom

AMERIKA DIENST 25

�Krieg entfernt. Aber unsere Arbeit ist noch nicht beendet.
Die IFOR und der Hohe Repräsentant hatten bewundernswürdigen Erfolg bei der Schaffung der Grundlagen für eine normale bürgerliche Gesellschaft in
Bosnien. Jetzt müssen die Parteien einen größeren
Teil der Verantwortung übernehmen.
Sie müssen die Pressefreiheit respektieren. Sie
müssen Rüstungskontrollabkommen einhalten. Sie
müssen Freizügigkeit gewährleisten und den Flüchtlingen die sichere Rückkehr in ihre Heimat gestatten.
Wir alle werden große Anstrengungen unternehmen
müssen, um diese Bedingung für den Friedensprozeß
zu erfüllen. Sie müssen dafür sorgen, daß ihre
gemeinsamen Institutionen effektiv funktionieren. Eine
kompetente und ehrliche öffentliche Verwaltung ist von
elementarer Bedeutung. Die OSZE ist verantwortlich
für die Überwachung und Veranstaltung von Kommunalwahlen, die im April stattfinden werden. Wenn
diese Wahlen erfolgreich sein sollen und die OSZE
eine zentralere und einflußreichere Rolle in Europa
übernehmen soll, müssen wir ihren Bestrebungen
unsere volle finanzielle und politische Unterstützung
gewähren.
Gerechtigkeit ist auch eine Vorbedingung für dauerhaften Frieden. Es sollte kein Zweifel an unserer Entschlossenheit bestehen, Kriegsverbrecher zu bestrafen. Wir erwarten von den Behörden in Bosnien,
Kroatien und Serbien die Festnahme von Kriegsverbrechern und ihre Auslieferung an das Kriegsverbrechertribunal in Den Haag. Aber wir brauchen bei
diesem drängenden Problem auch neue und effektive
Methoden.

ihre Nachbarn in Zentraleuropa bereits haben: Faire
Wahlen, eine freie Presse und Marktwirtschaft. Wenn
Präsident Milosevic ihren Willen respektiert, können
die Serben die erforderliche Legitimität und Hilfe
bekommen. Wenn er Serbien als eine nicht reformierte Diktatur regieren will, erhöht er nur noch seine
Isolierung und das Leiden seines Volkes.
Die internationale Staatengemeinschaft muß ebenfalls
weiterhin ihren Verpflichtungen nachkommen. Wir
müssen die Gewährung von Wiederaufbauhilfe an die
Parteien beschleunigen, die ihre Pflicht erfüllen.
Unsere Zusagen müssen in Projekte vor Ort umgewandelt werden, damit die Menschen die Vorteile des
Friedens sehen können. Aber wie Präsident Clinton
erklärte, obliegt es immer noch dem bosnischen Volk,
die Verantwortung für den Wiederaufbau seines
Landes, die Versöhnung mit seinen Nachbarn, die
Einsetzung einer demokratischen nationalen Regierung sowie die Schaffung der Grundlagen für einen
sich selbst erhaltenden Frieden zu übernehmen.
Die Mission der NATO in Bosnien, die breite Basis
unserer Koalition und unsere Zusammenarbeit mit
Organisationen wie der OSZE machen offenkundig,
daß wir eine neue NATO aufgebaut haben. Die
Herausforderung, mit der wir uns in Bosnien konfrontiert sahen, ist auch die Art von Herausforderung,
der sich eine neue NATO in der Welt nach dem Kalten
Krieg mit größerer Wahrscheinlichkeit gegenübersieht
und zeigt uns das Potential, das die NATO für die
Gewährleistung von Frieden und Stabilität hat.
Jahrelang sahen die Menschen dieses Bündnis nur als
Bollwerk gegen Aggression in Europa. Jetzt erkennen
wir, daß es das mächtigste und effektivste Instrument
für den Aufbau militärischer Koalitionen in der Welt ist.

Unsere Hilfe in Bosnien wird nur etwas bewirken, wenn
wir darauf bestehen, daß die Parteien ihren Verpflichtungen nachkommen. Der Wiederaufbau in
Bosnien ist kein Selbstzweck. Die Reparatur von
Brücken und Straßen ist unseren Zielen nur dann
förderlich, wenn auf ihnen der freie Fluß von Menschen und Waren möglich ist. Wirtschaftshilfe wird nur
stabiles Wachstum hervorbringen, wenn die neuen
Institutionen in Bosnien es sich wirksam zunutze
machen. Die Wiederaufbauhilfe soll den Friedensprozeß unterstützen und die Erfüllung der zentralen
Forderung des Daytoner Abkommens - ein geeintes,
multiethnisches Bosnien - beschleunigen, und sie ist
an die Erfüllung dieser Forderung durch die Parteien
gebunden.

Das ist ein Grund, warum wir die interne Anpassung
der NATO in die Wege geleitet haben, und das ist der
Grund für die Einführung des Konzepts alliierter
Streitkräftekommandos (CJFT). Wir möchten der
NATO eine permanente Fähigkeit verleihen, für
komplexe Missionen wie IFOR zu planen, zu üben
sowie Soldaten und Gerät zu dislozieren. Diese
Reformen werden den europäischen Verbündeten der
NATO auch eine echte Chance bieten, eine sichtbarere, verantwortungsvollere Rolle im Bündnis zu
spielen. Unsere europäischen Verbündeten haben
beispiellose Erfahrung bei der Friedenssicherung. Sie
haben jetzt die Möglichkeit, die Aktiva der NATO für
Operationen unter der Führung der WEU zu nutzen.

Wir müssen Serbien und Kroatien auch klarmachen,
daß sie der internationalen Staatengemeinschaft nur
als offene, demokratische Gesellschaften beitreten
können. Heute verurteilen wir gemeinsam die Entscheidung der serbischen Regierung, die Ergebnisse
der Wahlen vom 17. November zu ignorieren. Diese
Entscheidung muß umgekehrt werden. Die Menschen
in Serbien haben ebenfalls ein Anrecht auf das, was

Seit unserem Berliner Ministertreffen über die innere
Anpassung der NATO haben wir beträchtliche Fortschritte erzielt - bei den CJFT, den Beziehungen der
NATO zur WEU, der Entwicklung einer gemeinsamen
europäischen Sicherheits- und Verteidigungsidentität
sowie der Reform der Kommandostruktur. Wir sollten
diese Arbeit bis zu dem Gipfeltreffen beenden. Unser
Ziel besteht in der Stärkung der Fähigkeit der NATO zu

AMERIKA DIENST 25

Seite 3

�handeln, um neue Herausforderungen zu bewältigen,
während wir gleichzeitig die Qualitäten bewahren, die
sie so erfolgreich gemacht haben, darunter das
einheitliche Kommando und die transatlantische
Verbindung.
Wir machen auch kontinuierliche Fortschritte bei
unseren Bestrebungen, die neuen Demokratien
Europas vollständig, endlich und für immer in unsere
transatlantische Gemeinschaft einzubinden.
Die
NATO-Erweiterung muß natürlich mit den stärksten
Kandidaten beginnen, sonst würde sie überhaupt nicht
beginnen. Die Nationen, die wir zuerst einladen,
sollten diejenigen sein, die am deutlichsten unter
Beweis stellen, daß sie der Verantwortung gerecht
werden können, die NATO-Verbündete gemeinsam
tragen. Um Präsident Clinton zu zitieren, glauben wir
auch, daß die neuen Mitglieder nicht später als Juni
1999 - dem 50jährigen Bestehen der NATO - aufgenommen werden sollten.
Wenn die Aufnahmegespräche beginnen, hat jeder
von uns die Pflicht, unseren Bürgern und Parlamenten
zu vermitteln, daß die Erweiterung unsere Interessen
fördern wird. Das Bündnis muß auch klarstellen, daß
dieser Prozeß ein offenes Ende hat: Die ersten neuen
Mitglieder werden nicht die letzten sein. Die NATO
sollte den Wunsch der Nationen begrüßen, die nach
dem Gipfeltreffen weiterhin die Mitgliedschaft anstreben und unseren intensivierten Dialog sowie die
Konsultationen mit ihnen fortführen. Die Aussicht der
Erweiterung hat jedem potentiellen Mitglied einen
Anreiz gegeben, tiefere Beziehungen zur NATO zu
entwickeln, die Demokratie im eigenen Land zu
bewahren und zu regionaler Stabilität beizutragen. Es
liegt in unserem Interesse, diesen Anreiz für eine
große Gruppe von Staaten beizubehalten. Die neuen
Mitglieder der NATO werden auch die Pflicht haben,
die Tür für andere offenzuhalten.
Wir müssen ferner sicherstellen, daß alle neuen
Demokratien Europas - ob sie der NATO früher, später
oder überhaupt nicht beitreten - eine Chance haben,
zur Gestaltung der Zukunft Europas beizutragen.
Deshalb sollten wir mit unseren Partnern zusammenarbeiten, um so bald wie möglich den Atlantischen
Partnerschaftsrat zu gründen. Der Rat wird die
kollektive Stimme der Partnerschaft für den Frieden.
Er wird unseren Partnern einen offiziellen Konsultationsmechanismus mit dem Bündnis und einen
Mechanismus für gegenseitige Zusammenarbeit - nicht
nur direkt mit der NATO - bieten. Er wird für jedes
Mitglied der Partnerschaft und des Nordatlantischen
Kooperationsrats, an dessen Stelle er tritt, offen sein.
Am wichtigsten ist, daß der Rat uns bei der Gestaltung
der Zukunft der Partnerschaft für den Frieden behilflich
ist. Die Partnerschaft ist ein außerordentlicher Erfolg.
'1996 hat sie 16 militärische Übungen abgehalten, 25
sind für nächstes Jahr geplant. Sie hat es ermöglicht,

Seite 4

die ersten wirklich gesamteuropäischen militärischen
Koalitionen zu bilden. Heute bringen wir sie auf eine
neue Ebene. Wir haben vereinbart, daß die Mitglieder
der Partnerschaft sich am gesamten Spektrum der
NATO-Missionen beteiligen sollten. Wann und wo
immer die NATO handelt, sollten unsere Partner eine
Chance haben, an unserer Seite zu stehen. Wir haben
vereinbart, unsere Partner zusätzlich zur Durchführung
in die Planung der Mission einzubeziehen, an der sie
sich beteiligen, sowie in die reguläre Arbeit der
militärischen Behörden der NATO in Friedenszeiten.
Diese Schritte sollten rasch umgesetzt werden.
Meines Erachtens sollte die NATO auch ein Verbindungsbüro in den Partnerländern eröffnen, die dies
wünschen. Und wir sollten alle anderen Erweiterungen
in Erwägung ziehen, die der Atlantische Partnerschaftsrat vorschlägt.
Jeder von uns, alle unsere Partner und viele andere
Nationen sind auch Mitglieder der OSZE. Sie ist ein
elementarer Pfeiler des amerikanischen Engagements
in Europa. Ihre Bedeutung wird zunehmen, solange
wir die von ihr geförderten Prinzipien respektieren:
Achtung der Menschenrechte und eine offene Gesellschaft. Natürlich ist die OSZE sehr viel mehr als ein
Trendsetter geworden: Sie hat Wahlen in ganz Europa
unterstützt und war während des gesamten Krieges in
Tschetschenien für die Förderung von Dialog und
Aussöhnung vor Ort. Sie ist die einbeziehende und
notwendige Ergänzung zu den anderen Institutionen
unserer neuen atlantischen Gemeinschaft. Bosnien ist
ein Fallbeispiel: Ohne die NATO hätten wir dort nicht
den Frieden sichern können; ohne die OSZE können
wir keine Demokratie - den Schlüssel zu dauerhaftem
Frieden - aufbauen.
Beim OSZE-Gipfeltreffen einigten wir uns auf den
Umfang und die Parameter von Verhandlungen zur
Anpassung des Vertrags über konventionelle Streitkräfte in Europa. Die Verhandlungen sollten unverzüglich im neuen Jahr beginnen. Wir sind bereit,
alte Spaltungen zwischen Staatengruppen zu überwinden, das System von Begrenzungen des Vertrags
auf den neuesten Stand zu bringen sowie stabilisierende Maßnahmen und die Verifizierung zu verbessern.
Unser Ziel sind schnelle Fortschritte. Zu diesem
Zweck sollte das Bündnis Anfang nächsten Jahres
einen umfassenden Verhandlungsvorschlag vorbereiten und unterbreiten.
Auch Rußland sollte eine vitale Rolle in jeder Institution
und bei jedem Vorhaben unserer neuen atlantischen
Gemeinschaft spielen. Das ist heute möglich aufgrund
der Fortschritte, die Rußland unter Präsident Jelzins
Führung gemacht hat: Wahlen sind Realität geworden,
und die Ideale freier Marktwirtschaft verbreiten sich
zunehmend. Das ist unerläßlich, weil wir nur ein von
Tyrannei, Teilung und Krieg freies Europa aufbauen
können, wenn die größte Nation Europas unser
vollwertiger Partner ist.

AMERIKA DIENST 25

�Wir streben grundlegend neue Beziehungen zwischen
dem neuen Rußland und der neuen NATO an. Zur
Erlangung dieses Ziels muß die NATO fest entschlossen ihre Gesamtstrategie weiterentwickeln.
Wir
müssen weiterhin jeden Eindruck von Unsicherheit,
Mehrdeutigkeit oder Verzögerung vermeiden. Gleichzeitig muß die NATO ihre Bereitschaft signalisieren, mit
Rußland die Einzelheiten und Substanz wirklich
kooperativer Beziehungen zu erarbeiten.
Das Potential für diese Beziehungen zeigt sich bereits
in Bosnien. Generalmajor Montgomery Meigs, der die
Einsatztruppe kommandiert, in der amerikanische und
russische Soldaten in Tuzla dienen, hat es am besten
formuliert: Heute "ist ein Angriff auf russische Mitglieder der Einsatztruppe Eagle nichts anderes als ein
Angriff auf amerikanische Soldaten". Die Truppen
Rußlands und der NATO in Bosnien trauen einander,
sind voneinander abhängig und verteidigen sich
gegenseitig. Sie haben letztes Jahr eine gemeinsame
Aufgabe übernommen, und sie haben eine gemeinsame Aufgabe für die nächsten 18 Monate. Unsere
Aufgabe ist es, einen permanenten Rahmen zu
schaffen, der ihre Einstellung auf andere gemeinsame
Vorhaben überträgt und sie bewahrt, lange nachdem
der letzte ausländische Soldat Bosnien verlassen hat.
Diese Beziehungen sollten in einer zwischen der
NATO und Rußland verabschiedeten Charta ihren
Niederschlag finden. Rußland und das Bündnis sollten
gemeinsam einen offiziellen Rahmen für Kooperation,
Konsultationen, Ausbildung und Krisenmanagement
schaffen. Wir streben keinen starren, legalistischen
Vertrag an, sondern vielmehr einen Konsultationsprozeß und ein Schema regelmäßiger Sicherheitszusammenarbeit. Es besteht Übereinstimmung, daß
solche Beziehungen möglich sind und gleichermaßen
im Interesse der NATO und Rußlands liegen. Und wir
sind jetzt bereit, bei jedem Aspekt unserer Sicherheitsstrategie in eine neue Phase zu treten: Wir sehen der
engen Zusammenarbeit mit Rußland bei der Erarbeitung dieses lebenswichtigen Elements erwartungsvoll entgegen, so daß Rußland ein Mitspracherecht bei europäischen Sicherheitsangelegenheiten
hat, das es verdient und das Europa benötigt.
Meiner Ansicht nach kann, muß und wird auch die
Ukraine vollständiger Bestandteil der europäischen
Strömung sein. Die Ukraine hat enorme Fortschritte
bei der Überwindung der schmerzlichen und schwieri-

AMERIKA DIENST 25

gen Geschichte des Landes gemacht. Die ukrainische
Führung hat klargestellt, daß sie ihren Teil zum Aufbau
eines sicheren und integrierten Europas beitragen will.
Heute haben wir beschlossen, erweiterte Beziehungen
zwischen der Ukraine und der NATO zu definieren.
Wir sollten die Ukraine auch ermutigen, weiterhin enge
Bande zu allen Nachbarländern zu knüpfen. Das neue
polnisch-ukrainische Bataillon zur Friedenssicherung
ist beispielsweise ein sichtbarer Schritt bei der Ausmerzung der Teilung Europas. Es sollte integraler
Bestandteil der Partnerschaft für den Frieden werden,
damit es bei künftigen Missionen wie der IFOR eingesetzt werden kann.
Ich habe oft gesagt, daß unsere große Herausforderung in allen diesen Bereichen darin besteht, die Arbeit
fortzusetzen, die unsere Vorgänger begannen, als sie
nach dem Zweiten Weltkrieg unser Bündnis aufbauten.
Sie riefen die transatlantische Partnerschaft ins Leben
und entwickelten sie weiter. Wir stärken unsere
Partnerschaft und dehnen auf die seit kurzem freien
Nationen Europas das aus, was ihnen 1945 verweigert
wurde. Es geschieht nicht häufig, daß den Menschen
die Möglichkeit geboten wird, die großen Chancen zu
nutzen, die wir in der Vergangenheit verstreichen
ließen. Wir haben diese Möglichkeit - und wir ergreifen
sie.
Heute erinnern wir uns an die Leistungen von Schuman, Bevin, Sforza, Pearson, Acheson und Marshall.
Wir denken nicht oft an die zahllosen großen und
kleinen Hindernisse, die ihnen im Weg standen.
Wenige erinnern sich an die Verständigung, die sie
erzielen mußten, bevor unsere Politiker in Bretton
Woods, Washington oder Rom zusammenkommen
konnten, um die Institutionen der Nachkriegszeit aus
der Taufe zu heben. Künftige Generationen werden
sich vielleicht auch nicht an die Einzelheiten unserer
Diskussionen hier erinnern. Aber wenn wir uns
weiterhin auf das wirklich Wesentliche konzentrieren,
werden sie sich an folgendes erinnern: Das war die
Zeit, in der wir die Gründungsvision der NATO erfüllten; das war die Zeit, in der wir die Aufgabe eines
halben Jahrhunderts beendeten, ein freies und
sicheres Europa aufzubauen, dieses Mal jedoch ohne
Teilungen und ohne jemanden auszuschließen. Ich
bin dankbar für die Gelegenheit, daß ich meinen Teil
zu diesem Unternehmen beitragen konnte, und ich
weiß, Präsident Clinton ist entschlossen, es fortzuführen.

Seite 5

�UMWELT
20. Dezember 1996

Gipfeltreffen von Santa Cruz
ist positives Ergebnis von Miami
Eröffnungsansprache von Vizepräsident Gore

SANTA CRUZ - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir in wesentlichen Auszügen die Eröffnungsansprache, die
Vizepräsident AI Gore am 7. Dezember 1996 beim Gipfel über umweltverträgliche Entwicklung in Santa Cruz in
Bolivien hielt.

Es ist mir eine Ehre, heute morgen hier zu Ihnen
sprechen zu dürfen und eine Freude, wieder in
Bolivien und Santa Cruz zu sein, das ich bereits vor
einigen Jahren besucht habe.
Es ist kaum zu glauben, daß fast auf den Tag genau
erst zwei Jahre vergangen sind, seit die 34 demokratisch gewählten Staats- und Regierungschefs unserer
Region in Miami zusammentrafen und unsere Reise in
eine Zukunft auf der Grundlage von freiem Handel,
starken demokratischen Institutionen, der Bekämpfung
von Armut sowie Wachstum begannen, das das Leben
der Menschen verbessert und gleichzeitig unsere
Umwelt schützt. Nach Ansicht der Vereinigten Staaten
gehört der bolivianische Gipfel über nachhaltige
Entwicklung zu den vielversprechendsten Ergebnissen
von Miami. Wir erachten diese Konferenz und ihre
substantielle Tagesordnung als Schlüsselelemente der
Partnerschaft dieser Hemisphäre, die wir für das 21.
Jahrhundert schaffen wollen. Obwohl wir aus verschiedenen Nationen kommen und einen unterschiedlichen Hintergrund haben, sind wir geeint in der
grundlegenden Überzeugung, daß wir keine verantwortungsbewußten Hüter unserer Freiheit sein können, wenn wir nicht auch verantwortungsbewußte
Hüter von Land, Wasser und Luft dieser Hemisphäre
sind. Eine nachhaltige demokratische Entwicklung
setzt die nachhaltige Entwicklung der Ressourcen
voraus, die unsere Freiheit erhalten.
Der Gipfel für nachhaltige Entwicklung in dieser
Hemisphäre ist in vieler Hinsicht eine Brücke, die auf
den geistigen Grundlagen des Erdgipfels von Rio und
auf der in Miami begonnenen hemisphärischen
Partnerschaft steht. In den letzten beiden Jahren

AMERIKA DIENST 25

haben wir begonnen, auf eine größere Synthese
zwischen wirtschaftlicher Entwicklung, sozialer
Gerechtigkeit und Umweltschutz hinzuarbeiten. Wir
lernen, daß keiner dieser Prozesse ohne den anderen
fortgesetzt werden kann. Durch unsere Zusammenarbeitsind wir zu der Erkenntnis gelangt, daß wir nicht
die Armut bekämpfen können, ohne uns mit der
Zerstörung der Umwelt zu befassen. Und wir haben
gelernt, daß wir nicht die Umwelt schützen können,
ohne wirksam gegen Armut vorzugehen.
Auf dem Weg nach Santa Cruz heute morgen wurde
unser Flugzeug wegen des Sturms nach Cochabamba
umgeleitet. Als der Himmel wieder klar wurde, gab
unser Flug von Cochabamba nach Santa Cruz mir die
Gelegenheit, von oben mehr von diesem wunderschönen Land zu sehen. Von der rechten Seite
meines Flugzeugs aus konnte ich durch die Wolken in
der Ferne fast das Land des sagenumworbenen Cerro
Rico (in Potosi) sehen. Er ist das vielleicht aussagekräftigste Symbol unserer Hemisphäre für die
enge Verbindung zwischen der Art und Weise, wie wir
uns die Erde zunutze machen, und der Armut beziehungsweise dem Reichtum, die das Resultat unseres
Umgangs mit den natürlichen Ressourcen sind. Der
Cerro Rico war früher einmal reich an Silber. Dort
stand einmal die größte Stadt unserer Hemisphäre und
unterhielt das damals mächtigste Imperium, das
Tausende von Meilen entfernt war. Dieser Reichtum
wurde jedoch schnell und grausam ausgebeutet, und
der Wohlstand war nur von kurzer Dauer. Als die
Reichtümer vollkommen erschöpft worden waren,
blieben die Berge kahl zurück und die Menschen in
diesem schönen Land litten gemeinsam mit der Erde.
Beide waren verarmt.

Seite 1

�Heute, Jahrhunderte später, wächst in unserer Hemisphäre ein neues Verständnis für die Zerbrechlichkeit der Geschenke der Erde und ihren wahren Wert.
In den Vereinigten Staaten und in allen Ländern
unserer Hemisphäre lernen wir aus unseren Fehlern.
Wir setzen uns für die Sauberheit von Wasser, Luft
und Land ein. Wir schützen gefährdete Arten. In
meinem Land können wir endlich wieder auf die Berge
schauen und dort Kondore fliegen sehen. Hier an
diesem südlichen Himmel, in den der Cerro Rico
hineinragt, sehen wir, wie dieses neue Bewußtsein die
Flügel schwingt und sich über diesen Ort erhebt, der
uns von Gott gegeben wurde. Dieser Ort ist unsere
tierra rica, unser reiches Land.
Wir kommen als Brüder und Schwestern in einer
neuen Hemisphäre zusammen und geben ein feierliches Versprechen ab: Die Menschenwürde, die
Bekämpfung der Armut und die Zukunft unseres
Planeten erfordern, daß diese tierra rica nicht zu einem
Cerro Rico wird. Dieses reiche Land soll nicht wieder
ausgebeutet werden.
Diesen Kurs verfolgten wir gemeinsam in Rio, in
Miami, hier in Santa Cruz und werden es bald in
Santiago tun. Durch Zusammenarbeit sind wir zu der
Erkenntnis gelangt, daß Regierungen allein nicht die
Lösungen für alle uns konfrontierenden Herausforderungen bieten können, sondern dem Privatsektor,
nichtstaatlichen Organisationen und den internationalen Finanzinstitutionen eine immer wichtigere
Rolle zukommt. In Zusammenarbeit tragen wir die
Mauer des Mißtrauens ab, die die Debatte über Handel
und Umwelt umgibt. Wir sind uns bewußt, daß
vorsichtige handelspolitische Maßnahmen, wie die im
Rahmen von NAFTA und MERCOSUR ergriffenen, mit
Umweltschutz, wirtschaftlicher Zusammenarbeit und
sozialem Fortschritt vereinbar sind.
Und durch
Zusammenarbeit sind wir zu der Erkenntnis gelangt,
daß sozialer Fortschritt im Rahmen einer Verpflichtung
zu demokratischer Regierungsführung und Rechtsstaatlichkeit das gemeinsame übergeordnete Ziel
darstellt, das unsere wirtschaftlichen und umweltpolitischen Ziele verbindet.
In diesem Sinne ist unsere heutige Arbeit Teil größerer
globaler Bestrebungen zur Förderung von nachhaltiger
Entwicklung, Demokratie und Wohlstand. In Manila
kamen gerade die Staats- und Regierungschefs des
Forums für asiatisch-pazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit (APEC) zusammen und prüften am
Rande ihrer Gespräche über Handel und Integration
auch Mittel und Wege zur Säuberung des pazifischen
Ozeans sowie zur Entwicklung einer Agenda für
umweltverträgliche Städte und Industrien. In Istanbul,
Rom, Peking, Kairo und Kopenhagen kamen wir unter
der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen zusammen, um einen neuen Kurs für Fragen zu entwerfen, die für die Zukunft unseres Planeten von zentraler
Bedeutung sind, einschließlich Urbanisierung, Hunger,

Seite 2

Rolle der Frau, Bevölkerung und andere äußerst
wichtige soziale Fragen. In Managua hatte ich die
Gelegenheit zur Teilnahme an einer bedeutenden
Zusammenkunft, bei der sich viele unserer Nationen
den Zielen von CONCAUSA (Central American
Alliance for Sustainable Development) verpflichteten.
Kommende Woche werden in Genf Vertreter von mehr
als 100 Nationen zusammentreffen, um über die
nächsten Schritte für die Bewältigung der extrem
wichtigen globalen Herausforderung des Klimawandels
zu beraten. Wir wissen, daß wir uns und künftige
Generationen in große Gefahr bringen, wenn wir
dieses Risiko ignorieren. Ich bin erfreut und ermutigt
angesichts der hier und weltweit unternommenen
Bestrebungen zur Bekämpfung dieser Bedrohung.
Hier in Santa Cruz wird unsere heutige Arbeit neue
Herausforderungen bringen, neue Fragen aufwerfen
sowie unsere Diskussionen und zukünftige Arbeit
leiten. All dies sind Schlüsselelemente eines entstehenden globalen Bewußtseins über die Zukunft
unseres Planeten. Unsere Nationen haben sich
niemals zuvor im Schulterschluß so intensiv auf unsere
gemeinsamen Herausforderungen konzentriert. Und
wir haben nie zuvor so klar die Notwendigkeit von
Aktionen mit hohen Grundsätzen erkannt.
Die besondere Herausforderung, mit der wir heute und
in den kommenden Monaten konfrontiert sind, besteht
in mehr als nur der Befürwortung von Ideen - wir
müssen sie umsetzen. Wir müssen mehr unternehmen, als nur Ideen zu Papier zu bringen - wir müssen
sie vor Ort, zum Nutzen unserer Menschen umsetzen.
Wir müssen über ehrgeizige Worte und Absichtserklärungen hinaus zu konkreten Ergebnissen kommen, die im Leben der Menschen wirklich etwas
bewirken. Lassen Sie uns nicht vergessen, daß wir
heute aus einem einzigen Grund hier sind: Alles
Menschenmögliche zu unternehmen, um das Wohlergehen unserer Kinder und Enkel zu verbessern und
sicherzustellen, daß sie in einer friedlichen Welt leben
können - einer Welt mit sauberer Luft und sauberem
Wasser, in der das Versprechen des Wohlstands nicht
nur ein Traum, sondern ihr Geburtsrecht ist.
Dieses Unterfangen beginnt man am besten mit dem
Aktionsplan dieses Gipfels. Es ist ein ehrgeiziges
Dokument, das auf den in Rio, Miami und andernorts
geschaffenen Grundlagen basiert.
Und dieses
Dokument fördert die Sache nachhaltiger Entwicklung,
indem es viele der in Rio eingegangenen Verpflichtungen weiterentwickelt, anstatt völliges Neuland zu
betreten. Nach mehrjähriger Arbeit mit dem RioProzeß haben wir und der Großteil der internationalen
Staatengemeinschaft erkannt, daß die Konzentration
auf einige wenige Schlüsselthemen zu einem bestimmten Zeitpunkt bei weitem der effektivste Weg zur
Förderung der Umweltagenda ist.

AMERIKA DIENST 25

�Ich möchte zwei Bereiche unseres Aktionsplans
hervorheben, die ein besonderes Versprechen für die
Verbesserung des Lebens der Menschen beinhalten.
Erstens die Initiativen zur Verbesserung der Wasserqualität. Sauberes Wasser ist eine grundlegende
Notwendigkeit. Niemand in dieser Hemisphäre sollte
verurteilt sein, unsauberes Wasser zu trinken. Aber
allzu viele tun das jeden Tag. Viele Menschen in den
Vereinigten Staaten waren vor einigen Jahren schokkiert, als Hunderttausende unserer Mitbürger aufgrund
von Problemen mit der städtischen Wasserversorgung
in Milwaukee (Wisconsin) erkrankten.
Heute stimmen wir darin überein, daß die Länder der
Hemisphäre verschiedene innovative und spezifische
Schritte zur Verbesserung der Wasserqualität in
unserer gesamten Hemisphäre unternehmen müssen.
Im Rahmen unseres Aktionsplans werden wir unsere
Bestebungen verstärken, nicht nur die Verunreinigung
durch biologische Schadstoffe, sondern auch durch
Chemikalien und Schwermetalle zu verhindern. Und
wir werden mehr zur Förderung innovativer Finanzmechanismen unternehmen, um Gelder für die
Bestrebungen zum Schutz von Wassereservoiren zu
erhalten.
Zweitens enthält der Aktionsplan das großartige
Versprechen, allen unseren Bürgern die Vorteile der
Elektrizität zu bringen. Elektrischer Strom erleuchtet
Häuser und Schulen, kühlt Medikamente und versorgt
Unternehmen mit Energie. Trotzdem hat heute noch
ein Drittel unserer Bürger keinen Zugang zu dieser
grundlegenden Technologie. Alle unsere Bürger
müssen Zugang zu dieser elementarsten aller Dienstleistungen und das Recht haben, umfassend am
nachhaltigen Wirtschaftswachstum unserer Hemisphäre beteiligt zu sein und dazu beizutragen.
Ich freue mich feststellen zu können, daß die jüngsten
technologischen Fortschritte erneuerbare Energien
besonders attraktiv für die Stromversorgung ländlicher
Gebiete machen. Ich habe keinen Zweifel daran, daß
sie in den kommenden Jahren noch attraktiver und
kostengünstiger werden.
Unsere hemisphärische Partnerschaft macht sich
diese und andere Fortschritte zunutze, indem sie uns
gestattet, zum Vorteil aller voneinander zu lernen.
Dies sind wichtige Schritte, aber lassen Sie mich noch
einmal wiederholen, daß Worte allein nicht ausreichen.
Wichtig ist jetzt die Umsetzung. Wichtig ist Beharrlichkeit, die jedoch nur dann gegeben ist, wenn alle Teile
der bürgerlichen Gesellschaft beteiligt sind. Tatsächlich wissen wir, daß in der neu zu schaffenden Hemisphäre weder unsere Bürger noch unsere führenden
Politiker nur von den Regierungen Antworten erwarten
können. Der Privatsektor ist derzeit die wichtigste
Triebkraft für nachhaltige Entwicklung und wird es
auch in Zukunft bleiben. Betrachten Sie sich die
Bilanz. In den letzten 20 Jahren überstieg der Zufluß

AMERIKA DIENST 25

von Privatkapital in diesen Kontinent bei weitem die
offizielle Entwicklungshilfe als Hauptquelle für die
Finanzierung der von uns angestrebten Lösungen. Im
vergangenen Jahr stieg der Zufluß von Privatkapital in
die Hemisphäre auf mehr als 50 Milliarden Dollar an.
Wir ersetzen Handelshemmnisse durch Handelsbrücken. Allein innerhalb von sieben Jahren erhöhte
sich der Handel in der westlichen Hemisphäre um das
Doppelte - auf mehr als 530 Milliarden Dollar. Das
Wirtschaftswachstum in Lateinamerika beträgt in
diesem Jahr schätzungsweise 3 Prozent.
Ich möchte nochmals insbesondere Bolivien und
andere hier vertretene Länder dazu beglückwünschen,
daß sie bei der Energieversorgung und auf anderen
Gebieten das Wettbewerbsprinzip eingeführt haben.
Die zunehmende Erfahrung zeigt eindeutig, daß
Privatunternehmen sowohl für die Wirtschaft als auch
für die Umwelt besser sind als staatliche Unternehmen. Zur Förderung dieser beeindruckenden Entwicklungen haben all unsere Nationen eine große Verantwortung, die für mehr Wohlstand und nachhaltige
Entwicklung erforderlichen Instrumente bereitzustellen.
Diese Maßnahmen beinhalten eine solide makroökonomische Politik, zunehmende Privatisierung und
Kapitalisierung, ein angemessenes Regelwerk und gut
funktionierende Finanzmärkte.
Außerdem müssen wir alles in unserer Macht Stehende zur Förderung unserer umweltpolitischen Ziele
unternehmen, indem wir Umfang und Reichweite der
Informationstechnologie in unserer gesamten Hemisphäre vergrößern. Der Einsatz des modernen
Internets erleichtert den Fluß von biologischen,
geologischen und atmosphärischen Informationen, die
unabdingbare Voraussetzung für jeden soliden Plan für
nachhaltige Entwicklung sind. Das interamerikanische
Informationsnetz zur Artenvielfalt, das wir als Teil
unseres Aktionsplans einrichten möchten, ist ein
solider Vorschlag, der unsere Unterstützung verdient.
Das zukünftige Wohlergehen dieses Planeten erfordert
jedoch mehr als das, was wir hier in unserer Eigenschaft als Staats- und Regierungschefs tun oder
sagen. Unsere Zukunft hängt auch von den einzelnen
Bürgern ab, die in ihren Kommunen hart arbeiten. Ich
werde jeden Tag durch den Mut der vielen Bürger,
Kinder, Wissenschaftler, Künstler, Einheimischen,
Entwicklungsexperten und Diplomaten inspiriert, die oft
unter großer Gefahr für sich und ihre Familien am
Schutz der Umwelt und der Bekämpfung von Armut
arbeiten.
Wir haben in den vergangenen Jahren gelernt, daß wir
von Dingen träumen dürfen, die es noch nie gab.
Betrachten Sie sich, welche Wunder sich um uns
herum ereigneten:
Südafrika baut heute seinen Weg zu einer
Zukunft in Demokratie und Wohlstand.

Seite 3

�In Haiti faßt die Freiheit Fuß.
Rußland und die Vereinigten Staaten schaffen
Frieden, anstatt Raketen aufeinander zu
richten.

Auch unsere Bestrebungen für diese Hemisphäre sind
weit mehr als nur der Stoff, aus dem die Träume sind.
Sie können - und werden - mit harter Arbeit, Zielstrebigkeit und Entschlossenheit realisiert werden,

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 25

�PORTRAT
20. Dezember 1996

Bill Richardson
Der designierte UNO-Botschafter

Der Kongreßabgeordnete Richardson ist Stellvertretender Fraktionsvorsitzender und hat damit einen
der höchsten Posten der demokratischen Führung im
Repräsentantenhaus inne. Von der Führung wurde er
als einer der "produktivsten Gesetzgeber im Repräsentantenhaus" bezeichnet, der zahlreiche Gesetzesvorlagen und Zusätze in den Bereichen Umwelt,
Energie, Indianerfragen, Gesundheitswesen, Außenpolitik und Verteidigung verabschiedete.
1982 wurde Richardson gewählt, um den 3. Kongreßdistrikt von New Mexiko zu vertreten - einen der
größten und ethnisch vielfältigsten des Landes. In
seinem Distrikt sind große hispanische, indianische
und angloamerikanische Kulturen angesiedelt. Er
umfaßt Santa Fe, Taos, einen Großteil des NavajoReservats, die nationalen Labors von Los Alamos und
den Luftwaffenstützpunkt Cannon.
Bei den letzten sechs Wahlen wurde Richardson mit
durchschnittlich 70 Prozent der Stimmen wiedergewählt. Er ist als Vertreter der Basis bekannt und hat
über 2.300 Stadtversammlungen abgehalten.
Richardson ist führendes demokratisches Mitglied im
Ressourcen-Unterausschuß für nationale Parks,
Wälder und Ländereien. Neben dem RessourcenUnterausschuß ist er im Handelsausschuß, dem
Ständigen Sonderuntersuchungsausschuß für die
Nachrichtendienste und der Helsinki-Kommission für
Menschenrechte tätig.
Richardson war im Kongreß einer der maßgeblichen
Befürworter von erweitertem Handel auf dem gesamten amerikanischen Kontinent (darunter das
Nordamerikanische Freihandelsabkommen). Er hat
sich vehement für Umweltbelange eingesetzt mit der
Formulierung von Gesetzen über saubere Luft und
sauberes Wasser sowie Gesetzen, die vor der Verunreinigung durch Erdöl schützen sollen. Darüber
hinaus hat er die Erweiterung von Nationalparks und
die Kennzeichnung wilder und malerischer Flüsse

AMERIKA DIENST 25

unterstützt. Seit langem war er Befürworter des
Verfassungszusatzes über einen ausgeglichenen
Bundeshaushalt und stimmte für das selektive Veto.
Der designierte UNO-Botschafter diente als Sondergesandter von Präsident Clinton für heikle diplomatische
Missionen. Er hat die Freilassung von Amerikanern
und anderen Geiseln aus der Gefangenschaft ausgehandelt. Er traf mit dem irakischen Präsidenten
Saddam Hussein (Juli 95) zusammen und handelte die
Freilassung zweier inhaftierter Amerikaner aus. Er
erzielte die Freilassung von zwei amerikanischen
Piloten, die von den Nordkoreanern gefangengenommen worden waren (Dezember 94). Er traf mit dem
kubanischen Präsidenten Fidel Castro (Januar und
Februar 96) zusammen und handelte die Freilassung
von drei politischen Gefangenen aus, beschaffte Visa
für ihre Familien und erreichte eine Reduzierung der
Visagebühren um die Hälfte für jährlich bis zu 1.000
Kubaner. Er befreite eine Amerikanerin aus einem
Gefängnis in Bangladesch (Juli 96). Er führte ein
fünfstündiges Gespräch mit dem haitianischen General
Cedras (Juli 94), das die Grundlage für die friedliche
Wiedereinführung ins Amt von Präsident Aristide legte.
Er hielt ein historisches Treffen (Februar 94) mit der
burmesischen politischen Dissidentin Aung San Suu
Kyi ab (während ihres sechsjährigen Hausarrests
durften sie bis dahin nur Familienangehörige besuchen), die inzwischen freigelassen wurde. Er wurde
für den Friedensnobelpreis nominiert (1995). Richardson wurde von der mexikanischen Regierung der
Aztec Eagle Award verliehen (die höchste Ehre, die
einem Ausländer zuteil wurde). Er leitete amerikanische Beobachterteams bei den Wahlen in Guatemala, Nicaragua und Ostdeutschland.
Richardson ist seit langem Verfechter der Souveränität
der Indianer. Als Vorsitzender des Unterausschusses
für indianische Angelegenheiten im 103. Kongreß
formulierte er Dutzende von Gesetzentwürfen und
verabschiedete fast 40 Gesetzesvorlagen (von denen
die Hälfte Gesetz wurde), mit denen alle Aspekte des

Seite 1

�Lebens der Indianer verbessert wurden, darunter die
Reform des Gesundheitswesens, gerichtliche Veränderungen, Umweltschutzgesetze und Verbesserungen bei der Verwaltung von Treuhandsfonds.

Als ehemaliger Vorsitzender der Abgeordneten
hispanischer Herkunft im Kongreß war er der Initiator
von "Adelante con Clinton" beim Präsidentschaftswahlkampf 1992.

Richardson ist Stellvertretender Vorsitzender des
nationalen Komitees der Demokraten. Er führte den
Vorsitz des Redaktionsausschusses beim Parteitag
des nationalen Komitees der Demokraten im Jahr
1992 und Berichten der Washington Post vom 5. Juli
1992 zufolge wurde er als Kandidat für die Vizepräsidentschaft gehandelt.

Richardson lebt mit seiner Frau Barbara in Santa Fe
(New Mexico). Er erwarb seinen Bachelor of Arts an
der Tufts University und seinen Master of Arts an der
Fletcher School of Law and Diplomacy.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 25

�PORTRAT
20. Dezember 1996

William M. Daley
Der designierte Wirtschaftsminister

Der 48jährige William M. Daley trat im Mai 1993 erneut
der Chicagoer Rechtsanwaltssozietät Mayer, Brown &amp;
Platt bei, wo sein Hauptaufgabenbereich Körperschaftsrecht und staatliche Beziehungen war. Von
September 1993 bis November 1993 war er als
Sonderberater von Präsident Clinton für das Nordamerikanische Freihandelsabkommen NAFTA tätig.
Von 1985 bis 1990 war Daley bereits Partner von
Mayer, Brown &amp; Platt und in dieser Zeit bei der Erweiterung des Washingtoner Büros der Kanzlei
behilflich.
Daley war Ko-Vorsitzender von Chicago '96, des mit
der Überwachung der städtischen und kommunalen
Planung für den nationalen Parteikonvent der Demokraten 1996 beauftragten überparteilichen, gemeinnützigen Gastkomitees.
Von 1990 bis 1993 war er Präsident der Amalgamated
Bank of Chicago, nachdem er der Bank 1989 als
stellvertretender Vorsitzender beigetreten war. Von
1975 bis 1985 war Daley Sozius der Anwaltskanzlei
Daley &amp; George, Chicago.
Daley ist Mitglied der boards of directors der Federal
National Mortgage Association (FannieMae), Wheelabrator Technologies, Inc., Northwestern Memorial
Corporation, Everen Securities, Inc. und Big Shoulders
Archdiocese of Chicago. Darüber hinaus ist er auch

Mitglied in den Treuhänderausschüssen des The Field
Museum und der Loyola University Chicago. Außerdem ist Daley Mitglied der Beratungsstellen von City
Year Chicago und The Catholic Charities sowie des
Beratergremiums der John Marshall Law School. Er ist
Mitglied von The Chicago Council on Foreign Relations
und des Economic Club of Chicago. Daley wurde
1977 von Präsident Carter in den Konsultativrat von
Economic Opportunity berufen und hatte diese Position
bis 1980 inne. Weiterhin war er im Bi-State Policy
Commirtee für den regionalen Flughafen tätig und
Leiter der Clinton/Gore-Kampagne 1992 in Illinois.
1994 erhielt Daley den St. Ignatius Award for Excellence in the Practice of Law. Ebenfalls 1994 wurde ihm
vom The World Trade Center Chicago der World Trade
Award verliehen.
Daley, der 1975 bei der Anwaltsvereinigung Illinois
zugelassen wurde, erwarb seinen Bachelor of Laws
an der John Marshall Law School in Chicago und
seinen Bachelor of Arts an der Loyola University
Chicago. Ihm wurde ferner der Ehrendoktor der
Jurisprudenz von der John Marshall Law School,
Chicago, verliehen.
Daley lebt mit seiner Frau Loretta und drei Kindern in
Chicago (Illinois).

* * * * *

AMERIKA DIENST 25

Seite 1

�PORTRAT
20. Dezember 1996

Gene Sperling
Der neue Direktor des Nationalen Wirtschaftsrats

Vom 20. Januar 1993 bis heute war Gene Sperling
Präsident Clintons Stellvertretender Referent des
Präsidenten für Wirtschaftspolitik. In dieser Funktion
war Sperling Stellvertretender Direktor des Nationalen
Wirtschaftsrats (NEC) unter Robert Rubin (1993-95)
und Dr. Laura D'AndreaTyson (1995 bis heute).

Bevor Sperling sein Amt im Weißen Haus antrat, war
er Gouverneur Clintons wirtschaftspolitischer Direktor
beim Clinton-Gore-Präsidentschaftswahlkampf in Little
Rock (Arkansas). Nach der Wahl 1992 wurde er zum
Stellvertretenden Direktor für Wirtschaftspolitik für das
Übergangsteam des Präsidenten ernannt.

Als Stellvertretender Direktor des NEC für binnenwirtschaftliche Fragen koordinierte Sperling die Erarbeitung der wirtschaftlichen Tagesordnung des Präsidenten und hatte die Funktion, als ehrlicher Vermittler
die Interessen des Präsidenten bei der interministeriellen Entwicklung der Wirtschaftspolitik zu vertreten. Zu
seinen Aufgabenbereichen zählten wichtige Budgetfragen, die Formulierung und Rechtfertigung des
Vorschlags des Präsidenten für einen ausgeglichenen
Haushalt, Bildungs- und Ausbildungsinitiativen,
Steuerpolitik, Gesundheitsfürsorge sowie städtische
Fragen. In jüngster Zeit hat Sperling eine führende
Rolle bei der Koordinierung der Erarbeitung neuer
politischer Initiativen des Präsidenten gespielt, wie
etwa dem Projekt zur Bekämpfung des Analphabetentums bei Kindern America Reads, dem Bau von
Schulen und im Bereich der Bildungstechnologie sowie
Steuerfreibeträgen für Collegegebühren im Rahmen
von HOPE-Stipendien.

Von 1990 bis 1992 war Sperling als Wirtschaftsberater
des New Yorker Gouverneurs Mario Cuomo tätig.
Davor arbeitete er als politischer Berater, Anwalt für
Verfassungsfragen in der Berufungsinstanz und
Wirtschaftsberater für Regierungsvertreter der Demokratischen Partei.
Sperling hat Beiträge im Yale Law Journal, der Columbia Law Review, Michigan Law Review, Pennsylvania
Law Review sowie im Atlantic Monthly, der Washington
Post, New York Times, im Christian Science Monitor
und American Prospect veröffentlicht.
Sperling legte seine Examina an der University of
Minnesota und der Yale Law School ab und besuchte
die Wharton Business School. An der Yale Law
School war er Redakteur des Yale Law Journal.
Sperling ist gebürtig aus Ann Arbor (Michigan), und
seine Leidenschaft für Wirtschaftspolitik wird nur noch
von seiner Liebe zum Wolverine football übertroffen.

* * * * *

AMERIKA DIENST 25

Seite 1

�PORTRAT
20. Dezember 1996

Charlene Barshefsky
Die designierte US-Handelsbeauftragte

Im April 1996 ernannte Präsident Clinton Charlene
Barshefsky zur amtierenden US-Handelsbeauftragten,
nachdem sie zuvor drei Jahre lang die Hauptstellvertreterin des US-Handelsbeauftragten gewesen war. In
dieses Amt hatte Präsident Clinton sie am 28. Mai
1993 berufen.
Seit 1993 spielt Botschafterin Barshefsky eine Schlüsselrolle bei der Erarbeitung und Verfolgung der
handelspolitischen Ziele der Administration. Sie wirkte
am Zustandekommen zahlreicher Handelsvereinbarungen und Investitionsverträge mit. Ihr Verantwortungsbereich umfaßt viele Regionen, einschließlich
der asiatisch-pazifischen Region und Lateinamerikas,
Funktionsbereiche wie geistiges Eigentum und Investitionen weltweit sowie mehrere Sektoren.
In Asien erwirkte Barshefsky den Abschluß bilateraler
und multilateraler Handelsvereinbarungen sowie die
Aufnahme von Verhandlungen über die Verbesserung
des Marktzugangs für amerikanische Exporte und
Investitionen. Im Verhältnis zu Japan spielte sie eine
Schlüsselrolle bei der Ausarbeitung der Politik und der
Aushandlung eines umfassenden Rahmenabkommens.
Entsprechend diesem Rahmenabkommen
wirkte sie entscheidend an Übereinkünften im Zusammenhang mit der Auftragsvergabe der japanischen
Regierung für Telekommunikationsgerät und -dienstleistungen, medizinisches Gerät und Medizintechnologie, Versicherungen, Flachglas, Zellulartelefone und ausrüstung sowie Abkommen mit Nippon Telephone &amp;
Telegraph (NTT) mit.
Im Büro des US-Handelsbeauftragten war sie auch
eine bedeutende Entscheidungsträgerin und politische
Innovatorin bei einer Reihe sektoraler Handelsfragen
mit Japan, darunter Halbleiter, Computer, Supercomputer, Papier, Glass, Holzprodukte und Landwirtschaft.
Im Hinblick auf Marktzugangsfragen und den Schutz
des Rechts auf geistiges Eigentum in den
amerikanisch-chinesischen
Handelsbeziehungen

AMERIKA DIENST 25

spielte Botschafterin Barshefsky eine führende Rolle
beim Abschluß eines umfassenden Abkommens mit
China über den Schutz des Rechts auf geistiges
Eigentum und war verantwortlich für die allmähliche
und stetige Öffnung des chinesischen Marktes für
wichtige amerikanische Exporte. Zusätzlich leitete sie
mit China bilaterale Verhandlungen über Dienstleistungen ein, darunter Versicherungen und Telekommunikation. Botschafterin Barshefsky war führend
bei der Formulierung des DEC-Prozesses in Korea
sowie beim Abschluß des Bündnisses für gegenseitiges Wachstum (AMG) mit den Staaten des Verbands
Südostasiatischer Nationen (ASEAN). Ferner leitet sie
die Ausarbeitung der amerikanischen Handels- und
Investitionspolitik im Zusammenhang mit dem Forum
für asiatisch-pazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit (APEC).
Botschafterin Barshefsky leitete die Bestrebungen der
Administration zur Entwicklung bilateraler und regionaler Handelsinitiativen unter besonderer Berücksichtigung von Brasilien, Argentinien, den CARICOMLändern und Zentralamerika, um dem raschen Wachstum des Handels zwischen den Vereinigten Staaten
und Lateinamerika Rechnung zu tragen. Sie war
verantwortlich für die Umsetzung der CBI ParityInitiative sowie für die Förderung von Maßnahmen, die
angemessenen und effektiven Schutz amerikanischer
Investitionen und des Rechts auf geistiges Eigentum in
der Region sicherstellen. Barshefsky war maßgeblich
an der Initiierung der Freihandelszone für den gesamten amerikanischen Kontinent (FTAA) beteiligt und
ist die führende Unterhändlerin der Vereinigten Staaten
beim FTAA. Ferner wird sie das amerikanische Team
bei den Verhandlungen über den Beitritt Chiles zum
NAFTA leiten.
Botschafterin Barshefsky setzt die Bestrebungen der
Administration für strengere Investitionsregeln fort und
ist Leiterin eines interministeriellen Teams, das mit
dem Abschluß weiterer bilateraler Investitionsverträge
(BITS) in Asien und dem amerikanischen Kontinent

Seite 1

�befaßt ist sowie mit dem Engagement der US-Regierung für regionale Bestrebungen im APEC und der
Erarbeitung des Freihandelsabkommens für den
gesamten amerikanischen Kontinent. Im Hinblick auf
den Schutz des Rechts auf geistiges Eigentum und
dessen Umsetzung ist Botschafterin Barshefsky
verantwortlich für die Durchführung der "Special 301"Bestimmungen des Handelsgesetzes und die wichtigste Unterhändlerin der Administration für bilaterale
Fragen zum Recht auf geistiges Eigentum.
Neben diesen Aufgabenbereichen ist Botschafterin
Barshefsky Vorsitzende der Gruppe zur Überprüfung
der Handelspolitik, die bei der Formulierung der
generellen Handelspolitik der Administration behilflich
ist, und an allen Aspekten des Entscheidungsfindungsprozesses der Regierung zu Handelsfragen beteiligt.
Vor ihrer Verwendung im Büro des Handelsbeauftragten war Botschafterin Barshefsky Partnerin der
Washingtoner Anwaltssozietät Steptoe &amp; Johnson. 18

Jahre lang war sie auf internationalen Handel und
Handelspolitik spezialisiert und Ko-Vorsitzende der
International Practice Group.
Während ihrer Zeit im Büro des Handelsbeauftragten
und bei Steptoe &amp; Johnson hat Botschafterin Barshefsky Artikel über die amerikanische und internationale Handelspolitik und Handelsgesetze veröffentlicht sowie Vorträge und Anhörungen zu diesem
Thema gehalten.
Botschafterin Barshefsky legte ihre Examina 1972 an
der University of Wisconsin und 1975 an der Columbus School of Law an der Catholic University in
Washington ab. Beide Institutionen verliehen ihr
zahlreiche akademische Ehren und Auszeichnungen.
Botschafterin Barshefsky ist mit Edward B. Cohen
verheiratet. Sie wohnen mit ihren beiden Töchtern in
Washington, D.C.

* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 25

�GESUNDHEIT
20. Dezember 1996

Bekämpfung der Ursachen von Infektionskrankheiten
von AID-Direktor J. Brian Atwood

(AD) - Das Amt für internationale Entwicklung (Agency for International Development - AID) stellt eine Vielzahl von
Instrumenten und Finanzmitteln zur weltweiten Stärkung öffentlicher Gesundheitssysteme sowie zur Bekämpfung
der globalen Verbreitung von Infektionskrankheiten bereit. Nachfolgend erläutert AID-Direktor J. Brian Atwood die
Arbeit seiner Behörde im Kampf gegen die weltweite Ausbreitung ansteckender Krankheiten.

Ebenso wie die Charaktere in einem Spionageroman
überqueren die Erreger ansteckender Krankheiten oft
unerkannt die Landesgrenzen, gefährden unbemerkt
jeden, der mit ihnen in Kontakt kommt und bedrohen
die Stabilität der Nationen. Die Aufmerksamkeit der
Öffentlichkeit konzentriert sich auf furchterregende
neue Krankheiten, wie die durch das Ebola-Virus und
den BSE-Erreger hervorgerufenen, aber die alten
Infektionskrankheiten, die mit Antibiotika und Insektenbekämpfungsprogrammen unter Kontrolle gebracht
wurden, machen ebenfalls wieder Schlagzeilen. Zu
einer Zeit, in der Menschen und Fracht, die möglicherweise Träger von Krankheitserregern sind, innerhalb
weniger Stunden Ozeane und Kontinente überqueren
können, stellen das Auftreten tödlicher neuer Krankheiten und das Wiederaufleben der alten Killer ein
globales Anliegen dar.
AID bekämpft seit langem Infektionskrankheiten in den
Entwicklungsländern und gewährt Unterstützung bei
medizinischer Forschung und Gesundheitsfürsorge in
mehr als 40 dieser Länder. AID ist die führende
Behörde der Vereinigten Staaten zur Förderung
internationaler Gesundheit und spielt eine Schlüsselrolle bei der Reaktion auf den Ausbruch von Krankheiten. Der Anteil von AID am Haushalt der US-Regierung für die Krankheitsbekämpfung lag im Haushaltsjahr 1996 bei 295 Millionen Dollar.
Im Juni 1996 erkannte ein Präsidialerlaß zu Infektionskrankheiten die führende Rolle des Amts für internationale Entwicklung bei den langfristigen Bestrebungen
zur Bekämpfung der Ursachen erstmals oder erneut
auftretender Krankheiten in den Entwicklungsländern
an. Das Dokument fordert verstärkte Überwachung,

AMERIKA DIENST 25

Reaktionsfähigkeit und Forschungsaktivitäten in den
Vereinigten Staaten und zusammen mit anderen
Ländern bei der Bekämpfung dieser Krankheiten.
Wie verbreiten sich Infektionskrankheiten?
Epidemien werden nicht immer von neuen Organismen
verursacht. Bekannte Krankheiten können sich an
neuen Orten ausbreiten oder Menschen befallen, die
nicht immun sind. Die Veränderung der ökologischen
und klimatischen Bedingungen oder der Landnutzung
kann die Anfälligkeit des Menschen für "Bakterienüberträger" erhöhen - Insekten, Nagetiere oder andere die
Krankheit übertragende Tiere.
Da immer mehr
Menschen in den Entwicklungsländern aus ländlichen
Gebieten in stark bevölkerte städtische Gebiete mit
unzulänglichen Wohnverhältnissen und sanitären
Einrichtungen oder Gesundheitssystemen ziehen, sind
die Bedingungen für die Entwicklung und Ausbreitung
dieser Krankheiten gegeben.
Malaria, Tuberkulose, Gonorrhöe und Lungenentzündung treten als größere Gesundheitsprobleme wieder
auf, weil die Krankheitserreger gegen die Medikamente resistent werden und die Insekten, die Krankheiten
übertragen, immer resistenter gegen Schädlingsbekämpfungsmittel werden. Die Gesundheitssysteme
müssen "ungewöhnliche Ereignisse" erkennen
können, die den erstmaligen oder erneuten Ausbruch
von Krankheiten signalisieren und schnelle, angemessene Antworten geben können.

Seite 1

�Präventionsprogramme von AID
In den Entwicklungsländern stellen Infektionskrankheiten eine große Gefahr für ernsthafte gesundheitliche
Beeinträchtigungen (Morbidität) dar. Chronische, zu
Invalidität führende Krankheiten behindern Autonomie
und wirtschaftlichen Fortschritt. Neue und erneut
auftretende Krankheiten mit den größten wirtschaftlichen Auswirkungen in den Entwicklungsländern sind
HIV/AIDS, Malaria und Tuberkulose.
Anstatt Programme zur Bekämpfung spezifischer
Krankheiten zu entwickeln - ein sich ständig veränderndes Ziel - erhöht AID die Fähigkeit der Gesundheitssysteme zur Erkennung, Prävention und Behandlung ansteckender Krankheiten durch verbesserte
Ausbildung, Haushaltsmanagement, Pharmazeutika,
Logistik und Kommunikation. Die Hilfe richtet sich
auch auf die Entwicklung epidemiologischer Fähigkeiten und der Krankheitskontrolle sowie die Förderung von Immunisierung, Gesundheitserziehung und
Veränderung des Risikoverhaltens.
Effektive nationale epidemiologische Überwachungssysteme sind von entscheidender Bedeutung, jedoch
sehr schwierig zu schaffen und zu erhalten. Spezielle
Überwachungssysteme für seltene Krankheiten sind
langfristig möglicherweise nicht zweckmäßig. AID hilft
den Entwicklungsländern bei der Einrichtung von
Systemen zur Entdeckung ungewöhnlicher Ereignisse
und zur Bereitstellung von Informationen, um angemessene Aktionen zur Bekämpfung des Ausbruchs
ansteckender Krankheiten durchführen zu können.

Frauen vor Ort in die Planung und Umsetzung der
Bestrebungen zur Bekämpfung der Krankheit von
elementarer Bedeutung. Andere Schlüsselprogramme
beinhalten die Verfügbarkeit von Kondomen, die
Förderung von Verhaltensänderungen und die Verbesserung von Dienstleistungen zur Kontrolle anderer
Krankheiten, die die Möglichkeit einer Ansteckung mit
HIV/AIDS erhöhen.
Resistenz gegen Antibiotika
Mit der Zeit entwickeln alle Bakterien eine gewisse
Widerstandsfähigkeit gegen Antibiotika. Infolgedessen
werden in Zukunft unausweichlich gravierende Probleme durch gegen Medikamente resistente Bakterien
entstehen.
AID ist besonders besorgt über gegen Antibiotika
resistente Krankheitserreger, die Kinder in Entwicklungsländern bedrohen und in den Industrieländern ein
zunehmendes Risiko darstellen. In diesem Zusammenhang räumt AID durch Pneumokokken verursachten Kinderkrankheiten (Lungenentzündung),
durch Hemophilus verursachter Lungenentzündung
und Hirnhautentzündung sowie durch das ShigaKruse-Bakterium verursachter Ruhr hohe Priorität ein.
Tuberkulose tritt wieder verstärkt auf, und die Infektionen rühren zunehmend von Bakterienstämmen her,
die resistent gegen verschiedene, früher effektive
Antibiotika sind. Das gilt insbesondere für Bevölkerungen mit einer starken Verbreitung der HIV-Infektion.
Forschung

Gesundheitssysteme sind nur eine Waffe im Kampf
gegen das Auftreten ansteckender Krankheiten. Die
Beweise häufen sich, daß komplexe Fragen wie
menschliches Verhalten, wirtschaftliche Entwicklung
und Umwelt zum Auftreten und zur Ausbreitung von
Krankheiten beitragen. Die Programme von AID in
diesen Bereichen befassen sich mit Problemen wie
Bevölkerungsexplosion, schlechter Nutzung von Land,
Wasser und Pflanzen sowie mangelhafter Ernährung.
HIV/AIDS
Seit 1986 ist AID weltweit führend im Kampf gegen die
HIV/AIDS-Epidemie, indem es sich auf die Bekämpfung der Ausbreitung des Virus und die Milderung
seiner sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen
konzentriert. Diese Strategie verhindert das Auftreten
und Wiederauftreten anderer Krankheiten, beispielsweise Tuberkulose. AID gibt jährlich ungefähr 120
Millionen Dollar für Präventions- und Behandlungsprogramme aus, um lokale Kapazitäten für die Bekämpfung der Krankheit und ihrer Folgen aufzubauen.
In vielen Entwicklungsländern bekommen Frauen mit
"ebenso großer Wahrscheinlichkeit HIV/AIDS wie
Männer. Aus diesem Grund ist die Einbeziehung von

Seite 2

Die Forschung des Amts für internationale Entwicklung
im Bereich der Infektionskrankheiten in Entwicklungsländern konzentriert sich auf drei Bereiche:
Bekämpfung verbreiteter Kinderkrankheiten
wie Diarrhoe, Malaria, Lungenentzündung
sowie von Krankheiten, denen durch Impfungen, bessere Vorbeugung, Pflege und den
vernünftigen Einsatz mikrobenbekämpfender
Arzneimittel vorgebeugt werden kann.
Verringerung der hohen reproduktiven Morbidität und Sterblichkeit mit Hilfe angemessener
Behandlung und Prävention sexuell übertragbarer Krankheiten.
Verringerung der Übertragung von HIV/AIDS.
Abstimmung mit den Partnern
AID arbeitet im Rahmen offizieller Abkommen und
Koordinierungsvereinbarungen mit anderen amerikanischen Partnern zusammen. Zu den multilateralen
Aktivitäten zählen substantielle finanzielle und technische Beiträge zu den Programmen der Weltgesund-

AMERIKA DIENST 25

�heitsorganisation (World Health Organization - WHO)
zur Bekämpfung von HIV/AIDS, Tuberkulose und der
Resistenz gegen Antibiotika. Ferner fördert AID die
internationale Unterstützung regionaler Kontrolle von
Infektionskrankheiten durch das internationale Zentrum
für die Erforschung diarrhoischer Krankheiten (International Center for Diarrheal Disease Research) mit Sitz
in Dhaka in Bangladesch.
Obwohl das historische Mandat von AID sich auf
langfristige Entwicklungsfragen konzentriert, stellt das
Amt auch Mittel für internationale Notfälle bereit.
Unser Büro für ausländische Katastrophenhilfe reagiert
auf Natur- und vom Menschen verursachte Katastro-

*

AMERIKA DIENST 25

phen; wir haben einen großen Beitrag zur Bekämpfung
von Epidemien wie Cholera und Diphterie sowie zu
Operationen amerikanischer und internationaler
Behörden beim Umgang mit dem Ausbruch neuer
Virusinfektionen wie dem Ebola-Virus gezeigt.
Die Operationen von AID vor Ort in den Entwicklungsländern zielen auf die Weiterentwicklung der lokalen
Kapazitäten zur Überwachung und Kontrolle von
Infektionskrankheiten ab. Unser Hauptbeitrag wird
weiterhin darin bestehen, die Ursachen für ansteckende Krankheiten und ihre Verbreitung begünstigende
Bedingungen zu bekämpfen.

* * *

*

Seite 3

�THEMENINDEX
20. Dezember 1996

DER AMERIKA DIENST
1996

Abrüstung
APEC
Arbeit
ASEAN
Außenpolitik
Bosnien
Civitas
CTBT
Datenautobahn
Demokratie
Drogen
Frauen
Fulbright
Gesamtamerika
Gesundheit
Handel
Haushalt
Kuba
Lage der Nation
Landminen
Literatur
Luftfahrt
Menschenrechte
Nachrichtendienste
NAFTA
Naher Osten
NATO
Nichtverbreitung
OECD
Olympiade
OSZE
PFF
Porträt
Rassismus
RIAS

AMERIKA DIENST 25

03, 04, 06, 07
23
19
15
02, 06, 07, 09, 12, 13, 14, 15
01, 05, 08, 10, 11, 15, 18
14
18
02, 04, 05, 13
06, 14
13
01, 18
05
10
25
23, 24
02, 07
17
02
11, 21
16
09
03, 08, 24
05
19
06, 07, 23
03, 10, 12, 13, Sonderdienst 24. Oktober,
23, 25
03
11
14
24
02, 03
17, 21, 22, 24, 25
13
04

Seite 1

�Soziales
Sport
Technologie
Telekommunikation
Terrorismus
Thanksgiving
Umwelt
USA-Deutschland
USA-Europa
USA-Israel
USA-Japan
USA-Kuba
USA-Rußland
USIA
Vereinte Nationen
Verteidigung
Wahlen '96
Währung
Wirtschaft
WTO
4. Juli

17
12
23
09
09,11,14,16
23
08,09,15,17,25
07, 09, 11, 12, 18, 21, 23
04,08,10,21
16
09
14, 18
14,22
10
Sonderdienst 26. September, 19
11
04, 05, 16,17, 20, 22
05,06
04, 06, 10, 11, 15, 19, 22
01,24
13

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 25

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="12702">
                <text>20.12.1996</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="12703">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="12704">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="12705">
                <text>Amerikadienst 20.12.1996</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="12706">
                <text>&lt;strong&gt;1. NATO&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;NATO billigt Einsatz der SFOR in Bosnien&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Außenminister Christopher beim Nordatlantikrat&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Umwelt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gipfeltreffen von Santa Cruz ist positives Ergebnis von Miami&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eröffnungsansprache von Vizepräsident Gore&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Porträt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bill Richardson&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Der designierte UNO-Botschafter&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;William M. Daley&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Der designierte Wirtschaftsminister&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gene Sperling&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Der neue Direktor des Nationalen Wirtschaftsrats&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Charlene Barshefsky &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Die designierte US-Handelsbeauftragte&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="1532" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="1543">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/0ed65d43cd5c483cbc92803468bc24fc.pdf</src>
        <authentication>1b8f1794be17aef024d97dda3f7dd671</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="7992">
                    <text>amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

Tel:

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

300

Information
und
Dokumentation

T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

Nummer

21. Januar 1976

Inhalt

DOKUMENTATION
Präsident Ford:

Botschaft über die Lage der Nation

- Wortlaut -

WIRTSCHAFT
Präsident Ford legt amerikanischen Haushalt 1976/77 vor
- Auszüge aus der Haushaltsbotschaft -

INFORMATION
US-Gemeinschaftsschau auf der PRO-IN' 76

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

Tel:

I n f o r m a t i o n

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

Dokumentation

300

T e I e x : 08 - 8 54 3 2

1/1976

PRÄSIDENT FORD: BOTSCHAFT ÜBER DIE LAGE DER NATION
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Gerald R. Ford hat am 19., Januar 1976
dem amerikanischen Kongreß und dem amerikanischen Volk seine Botschaft über
die Lage der Nation - State of the Union Message - unterbreitet. Die vor
beiden Häusern des Kongresses verlesene und von allen Fernsehstationen übertragene Botschaft hat folgenden Wortlaut:
An den Kongreß der Vereinigten Staaten:
Wenn wir jetzt in das 200,. Jahr unseres Bestehens eintreten, dann ist
Amerika doch eine der jüngsten Nationen in der aufgezeichneten Geschichte.
Lange bevor unsere Vorväter an diese Küsten kamen, haben Münner und Frauen
auf diesem Planeten darum gekämpft, für sich und für ihre Familien ein besseres
Leben zu gestalten.
In dem langen Marsch des Menschen aus Wildnis und Sklaverei - durch die
fast 2000 Jahre des christlichen Kalenders und die fast 6000 Jahre der jüdischen
Zeitrechnung - hat er viele tiefe und schreckliche Täler durchwandert aber auch
schöne und hohe Gipfel erreicht,
Ein Gipfel ragt am höchsten aus den Bereichen der menschlichen Geschichte
heraus.

Ein Beispiel eines Volkes leuchtet auf, das sich vereint hat, um
- 1 -

�um Fülle zu schaffen und das gute Leben so gut wie möglich gemeinsam und in
Freiheit zu leben*

Eine Union bietet das Versprechen der Gerechtigkeit und

der Chancen für jeden Bürger.
Diese Union heißt Vereinigte Staaten von Amerika.
Wir haben nicht das Paradies auf Erden neu geschaffen. Wir wissen, daß
es auch bei uns keine Vollkommenheit gibt. Aber denken Sie einen Augenblick
nach, wie weit wir es in 200 Jahren gebracht haben.
Wir stammen aus vielen Wurzeln und haben viele Zweige. Und doch erklären
alle Amerikaner über die acht Generationen hinweg, die uns von den aufrüttelnden Taten von 1776 trennen, jene, die kein anderes Mutterland kennen.und jene,
die eben erst an unsere Küsten gekommen sind, einstimmig:
Ich bin stolz auf Amerika und ich bin stolz, Amerikaner zu sein. Das
Leben wird hier für meine Kinder besser sein als für mich.
Ich glaube das nicht, weil man es mir gesagt hat, sondern weil mein Leben
besser ist als das meines Vaters und meiner Mutter.,
Ich weiß, daß es für meine Kinder besser sein wird, weil meine Hände,
mein Geist, meine Stimme und meine Wahlstimme dazu beitragen können.
Und es ist hier in Amerika geschehen.
Es ist Ihnen und mir geschehen.
Die Regierung ist da, um Bedingungen zu schaffen und zu erhalten, unter
denen Menschen ihre Ideale in die praktische Wirklichkeit umsetzen können.
Selbst in besten Zeiten geht bei diesem Umsetzungsprozeß viel verloren«

Aber

wir lassen nicht locker«
Manchmal

�Manchmal haben wir uns angestrengt, und wir haben es nicht geschafft.

Wir haben auf jeden Fall immer die besten Absichten gehabt.

Aber in der

jüngsten Vergangenheit haben wir manchmal die gesunden Grundsätze vergessen,
die uns in unserer Geschichte fast immer geleitet haben.
erreichen und jahrhundertealte Probleme lösen.
Fähigkeiten überschätzt.

Wir wollten Großes

Und wir haben unsere eigene

Wir versuchten draußen in der Welt ein Polizist und

zuhause nachsichtige Eltern zu sein.

Wir dachten, wir könnten das Land durch

massive nationale Programme verändern.

- Oft jedoch funktionierten die Programme nicht;

allzu oft machten sie

die Dinge nur noch schlimmer-

- In unserem Drang, große Aufgaben rasch zu bewältigen, zertrampelten
wir gesunde Grundsätze der Zurückhaltung und gefährdeten die Rechte des Einzelnen.

- Wir brachten unser Wirtschaftssystem durch das gewaltige und beispiellose Anwachsen der Ausgaben und Anleihen des Bundes aus dem Gleichgewicht.
Und wir waren uns selbst gegenüber nicht völlig aufrichtig in bezug auf die
Frage, wieviel diese Programme kosten würden und wie wir sie bezahlen sollten.

- Schließlich verlagerten wir den Schwerpunkt von der Verteidigung auf
Probleme der Innenpolitik, während unsere Gegner weiterhin einen massiven
Rüstungsaufbau betrieben.

Jetzt ist die Zeit für ein von Grund auf anderes Vorgehen gekommen - für
einen neuen Realismus, der den großen Prinzipien entspricht, auf denen diese
Nation aufgebaut wurde.

Wir müssen unsere Wirtschaft in ein neues Gleichgewicht bringen - ein
Gleichgewicht, das nicht nur eine gesunde und aktive Regierung, sondern auch
eine dynamischere und gesündere Wirtschaft begünstigt, die neue Arbeitsplätze

- 3 -

�Arbeitsplätze schaffen und die Preise niedrig halten kann.
Wir müssen die Beziehungen zwischen dem Einzelnen und der Regierung
in ein neues ausgewogenes Verhältnis bringen - in ein Verhältnis, das

größere

individuelle Freiheit und größere Eigenständigkeit begünstigt.
Wir müssen unser föderalistisches System in ein neues Gleichgewicht
bringen - ein Gleichgwicht, das für die führenden Vertreter unserer einzelstaatlichen und kommunalen Behörden größere Verantwortlichkeit und Freiheit
bringt.
Wir müssen ein neues ausgewogenes Verhältnis zwischen den Ausgaben für
innenpolitische Programme und den Verteidigungsausgaben schaffen - ein Verhältnis, das die Gewähr bietet, daß wir unseren Verpflichtungen gegenüber den
Bedürftigen voll und ganz nachkommen, während wir andererseits unsere Sicherheit in einer Welt schützen, die der Freiheit gegenüber immer noch feindselig
ist.
Und in allem was wir tun, müssen wir ehrlicher gegenüber dem amerikanischen
Volk sein, ihm nicht mehr versprechen, als wir halten können, und das, was wir
versprochen haben, auch halten.
Es ist der Genius des amerikanischen Volkes, daß es eine unglaubliche
Fähinkeit besitzt, das Leben seiner Bürger durch eine einzigartige Kombination
der Tätigkeit der Regierung und der Tätigkeit der freien Bürger zu verbessern.
Geschichte und Erfahrung lehren uns, daß moralischer Fortschritt nicht
aus Zeiten der Bequemlichkeit und Selbstgefälligkeit erwächst, sondern aus
Prüfungen und Verwirrungen. Tom Paine rüttelte die verunsicherten Amerikaner
des Jahres 1776 auf, sich den Zeiten, die des Menschen Seele auf die Probe
stellen, gewachsen zu zeigen, weil je härter der Konflikt umso glorreicher der
Triumph.
Vor

�Vor genau einem Jahr erklärte ich hier vor Ihnen, daß die Lage der Nation
nicht gut sei.
Heute kann ich berichten, daß die Lage unserer Nation besser ist - in
mancher Hinsicht sogar um vieles besser - aber immer noch nicht gut genug.
Um in Anlehnung an Tom Paine zu sprechen, 1975 war kein Jahr für Salonsoldaten und Schönwetterpatrioten. Es war ein Jahr des Niedagewesenen und
Nichtfürmöglichgehaltenen.
Wie Sie sich erinnern, begann das Jahr mit Haß und Bitterkeit.
Missetaten der Vergangenheit waren weder vergessen noch vergeben.

Politische

Der längste und zerrüttendste Krieg in unserer Geschichte kam zu einem unglücklichen Abschluß. Viele fürchteten, daß das Ende dieses ausländischen
Krieges von Menschen und Material den Beginn eines Krieges der gegenseitigen
Beschuldigungen und Repressalien im eigenen Lande bedeuten würde.
Im Ausland stellten sich Freunde wie Gegner die Frage, ob Amerika seinen
Mut verloren habe.
Schließlich wurde unsere Wirtschaft von einer Inflation schwer heimgesucht
- einer Inflation, die uns in die schwerste Rezession seit vier Jahrzehnten
trieb.
Zur gleichen Zeit fand in immer stärkerem Maße eine Entfremdung der
Amerikaner von allen großen Institutionen statt. Die Amerikaner verloren
nicht nur immer mehr das Vertrauen in die Größe der Regierung, sondern auch
in die Größe der Wirtschaft, in die großen Gewerkschaften und in die großen
Bildungsprogramme und anderes.
Wir lebten in einem von Unruhe

heimgesuchten Land.
Und

- 5 -

�Und so war das Jahr 1975 ein Jahr harter Entscheidungen, schwieriger
Kompromisse und eines neuen Realismus, der uns etwas sehr wichtiges über
Amerika gelehrt hat.
Dieser neue Realismus brachte uns wieder ein notwendiges Maß an Vernunft,
Standhaftigkeit und Selbstdisziplin.

Die Amerikaner gerieten nicht in Panik

und forderten keine sofortigen aber nutzlosen Heilmittel.

In allen Bereichen

packten die Menschen ihre schwierigen Probleme mit Zurückhaltung und Verantwortungsbewußtsein an und erwiesen sich ihres großen Erbes würdig.
Rechnet man die einzelnen Fortschritte des Jahres 1975 zusammen, und
zieht man die Rückschläge ab, so zeigt das Gesamtergebnis, daß wir nicht nur
in der neuen Richtung voranschreiten, die ich vor zwölf Monaten vorgeschlagen
hatte, sondern daß sich diese auch als die richtige erwiesen hat.
Es ist die richtige Richtung, denn sie folgt der wahrhaft revolutionären
Konzeption des Jahres 1776, die besagt, daß in einer freien Gesellschaft zur
Gestaltung der staatlichen Politik und einer erfolgreichen Lösung von Problemen
weit mehr gehört als nur Regierung.

Es erfordert eine uneingeschränkte Partner-

schaft aller Regierungszweige und -ebenen, aller privaten Institutionen und
aller Bürger.
Der gesunde Menschenverstand sagt mir, an diesem stetigen Kurs festzuhalten.
Nehmen wir die Lage unserer Wirtschaft:
- Im Januar vorigen Jahres hat sich fast alles sehr rasch verschlechtert.
- Im Januar diesen Jahres zeigt sich fast überall eine langsame aber stetige Besserung.
Die schlimmste Rezession seit dem 2. Weltkrieg hatte ihren Wendepunkt _irn
- 6 -

�im April.

Auf dem Gebiet der Lebenshaltungskosten ist die beste Nachricht

des letzten Jahres, daß die zweistellige Inflationsrate von 12 Prozent oder
mehr auf fast die Hälfte gesenkt worden ist. Die schlimmste Nachricht ist
- die Arbeitslosigkeit ist immer noch viel zu hoch.
Heute stehen fast 1,7 Millionen Amerikaner mehr in Arbeit als in der Talsohle der Rezession.

Zur Jahreswende war die Zahl der Einstellungen von Ar-

beitnehmern weit größer als die der Entlassungen.
Doch wollen wir ehrlich sein:

Für viele Amerikaner sind diese Veränderungen

in ihrem täglichen Leben noch nicht spürbar geworden.

Sie sehen, daß die Preise

immer noch viel zu rasch steigen, und sie haben immer noch Angst vor der Arbeitslosigkeit.
Wir sind ein wachsendes Volk.
beitsplätze.

Wir brauchen jedes Jahr mehr und mehr Ar-

Unsere Wirtschaft stellt heute über 85 Millionen Arbeitsplätze

für Amerikaner bereit, aber wir brauchen noch viel mehr, vor allem für die
jungen Menschen.
Mein erstes Ziel ist es, ein gesundes Wirtschaftswachstum ohne Inflation
zu erreichen.
Wir alle wissen aus den iüngsten Erfahrungen, daß eine ungezügelte Inflation alle anderen wertvollen Ziele zunichte machen kann. Wir verlangsamen
gegenwärtig das Tempo der Inflation; wir müssen der Inflation jedoch völlig
Einhalt gebieten.
Für viele Amerikaner ist der Weg immer klarer geworden, der zu einer gesunden nicht-inflationistischen Wirtschaft führt; die Regierung muß aufhören,
so viel von unserem Geld auszugeben, und so viel von unserem Geld aufzunehmen;
es muß mehr Geld in privaten Händen bleiben, wo es den besten Nutzen bringt.
Um
- 7 -

�Um die Lebenshaltungskosten niedrig zu halten, müssen wir die Regierungskosten niedrig halten.
•

Während des letzten Jahrzehntes ist der Bundeshaushalt jedes Jahr mit
einer durchschnittlichen Rate von über 10 Prozent gestiegen.

Der Haushalt,

den ich am Mittwoch vorlegen werde, reduziert diese Wachstumsrate auf die
Hälfte.

Ich habe mein Versprechen gehalten, für das nächste Finanzjahr einen

Haushalt von 395 Milliarden Dollar vorzulegen.

Ganz genau sind es sogar nur

394,2 Milliarden Dollar.
Dadurch, daß wir die Ausweitung der Bundesausgaben gering halten, können
wir uns zusätzliche Steuersenkungen leisten und den Menschen, die die Steuern
entrichten, größere Entscheidungsmöglichkeiten in bezug auf ihr eigenes Leben
zurückgeben.
Im vorigen Monat habe ich ein Gesetz unterzeichnet, durch das die Steuersenkungen des Jahres 1975 für die ersten sechs Monate dieses Jahres verlängert
werden. Ich schlage jetzt vor, daß wir mit Wirkung vom 1. Juli 1976 unseren
Steuerzahlern eine Steuersenkung von etwa 10 Milliarden Dollar über das hinaus
gewähren, was der Kongreß im Dezember verabschiedet hat.
•

Meine umfassendere Steuersenkung würde für eine Familie von vier Personen
mit einem Jahreseinkommen von 15 000 Dollar bedeuten, daß sie im Jahr 227
Dollar mehr zur Verfügung hat. Die hart arbeitenden Amerikaner der mittleren
Schichten können dieses zusätzliche Geld wirklich gebrauchen.
Meine Empfehlungen, bei der Ausweitung der Bundesausgaben standhaft Zurückhaltung zu üben, und die Steuern stärker zu senken, sind einfach und einleuchtend.

Denn für jeden Dollar, den wir dadurch sparen, daß wir die Aus-

weitung des Bundeshaushaltes einschränken, können wir einen weiteren Dollar
für die Senkung der Bundessteuern freimachen.
Eine Wirtschaft ist wirklich gesund, wenn sie für jeden Amerikaner, der
arbeiten will, einen Arbeitsplatz bereitstellt.
Die
- 8 -

�Die Regierung - eine Regierung wie wir sie haben - kann nicht so viele
Arbeitsplätze schaffen.

Aber die Bundesregierung kann die Bedingungen schaffen

und die Anreize für die Privatwirtschaft und die Privatindustrie geben, immer
mehr Arbeitsplätze bereitzustellen.
Fünf von sechs Arbeitsplätzen in unserem Lande sind in der Privatwirtschaft und der Privatindustrie.

Der gesunde Menschenverstand sagt uns, daß dort

der richtige Platz ist, um mehr Arbeitsplätze zu suchen und sie rascher zu
finden.

Ich meine echte, befriedigende, dauerhafte Arbeitsplätze.

Um das zu erreichen, müssen wir dem amerikanischen Volk größere Anreize
bieten, in die Zukunft zu investieren.

Meine Steuervorschläge stellen einen

wichtigen Schritt in dieser Richtung dar.
Als Ergänzung zu diesen Vorschlägen ersuche ich den Kongreß, Änderungen
der Bundessteuergesetze zu beschließen, um die Ausweitung von Produktionsanlagen und den Kauf neuer Ausrüstungen zu beschleunigen.

Meine Empfehlung wird

sich auf einen solchen arbeitsplatzschaffenden Steueranreiz in Gebieten konzentrieren, wo die Arbeitslosenrate gegenwärtig über 7 Prozent liegt.

Ein Ge-

setz, um dies in Gang zu bringen, muß zum frühestmöglichen Zeitpunkt verabschiedet werden.
In dem strikten Rahmen des Gesamthaushaltes, den ich für das kommende
Jahr empfehlen werde, beabsichtige ich, zusätzliche Hilfe für den Wohnungsbau
für 500 000 Familien zu beantragen.

Diese Programme werden das Wohnungsange-

bot verbessern, die Bautätigkeit beleben und dazu beitragen, Wohnraum für Familien der mittleren und niedrigen Einkommensgruppe zu schaffen.
Für den Wohnungsbau war 1975 ein enttäuschendes Jahr, doch verbessert
sich die Situation. Bei niedrigeren Zinssätzen und verfügbaren Hypothekengeldern können wir 1976 einen gesunden Wiederaufschwung erreichen.
Eine notwendige Voraussetzung für eine gesunde Wirtschaft ist, daß jede
- 9 -

�jede kleinliche Tyrannei durch massive staatliche Reglementierung unterbleibt.
Wir vergeuden durch überbürokratisierung praktisch Millionen von Arbeitsstunden,
die uns Milliarden von Dollar unserer Verbraucher kosten.

Die amerikanischen

Farmer, die nicht nur 215 Millionen Amerikaner ernähren, sondern darüber hinaus
noch viele Millionen Menschen in aller Welt, haben gezeigt, wieviel mehr sie
ohne Behinderung durch Regierungskontrollen produzieren können.
Wir brauchen aber auch Reformen in anderen entscheidend wichtigen Gebieten
in unserer Wirtschaft - Luftfahrt, Fernlastverkehr, Eisenbahn und Finanzierungsinstitute.

Ich habe für jedes dieser Gebiete konkrete Pläne, nicht um dieser

oder jener Industrie zu helfen, sondern um den Wettbewerb zu steigern und die
Preise für die Verbraucher zu senken.
Diese Administration wird eben aus diesem Grunde die Kartellgesetze des
Bundes strikt durchsetzen.
Wenn wir weiter in die Zukunft Amerikas blicken, dann kann es weder ein
stetiges Wachstum noch mehr Arbeitsplätze geben, wenn wir nicht weiterhin eine
gesicherte Energieversorgung für unsere Wirtschaft haben.
Erdöl- und Erdgasförderung geht immer noch zurück.

Die einheimische

Unsere Abhängigkeit von

teurem ausländischem Erdöl ist immer noch zu groß und entzieht unserer eigenen
Wirtschaft Arbeitsplätze und Geld - auf den einzelnen Amerikaner umgerechnet
in einer Rate von 125 Dollar pro Jahr.
Im vorigen Monat habe ich eine Kompromißfassung des Nationalen Energiegesetzes unterzeichnet, das einen Teil meines umfassenden Programms für Unabhängigkeit auf dem Energiesektor verwirklicht.

Dieses Gesetz kam spät und ist

nicht die umfassende Lösung für eine Unabhängigkeit auf dem Energiesektor, aber
doch ein Anfang in der richtigen Richtung.
Ich ersuche den Kongreß erneut dringend darum, umgehend meine restlichen
Energievorschläge zu verabschieden, um Amerika gegenüber dem ausländischen
ölkartell unverwundbar zu machen.

Meine Vorschläge würden:
- die
- 10 -

�- die Verknappungen bei einheimischem Erdgas verringern;
- eine Förderung aus nationalen Erdölreserven ermöglichen;
- eine wirksame Einsparung anregen - unter anderem auch die Wiederbelebung des Eisenbahnverkehrs und den Ausbau unserer öffentlichen Verkehrssysteme in den Städten;
- zur Erzeugung von mehr und sauberer Energie aus unseren riesigen Kohlevorkonimen führen;
- die saubere und sichere Gewinnung von Kernkraft beschleunigen;
- eine neue Nationale Behörde für Energieunabhängigkeit schaffen, um
die lebenswichtigen Investitionen auf dem Energiesektor zu fördern; und
- die Entwicklung einer Technologie beschleunigen, um die Energie von
Sonne und Erde für diese und künftige Generationen nutzbar zu machen.
Ebenfalls um des Wohls der künftigen Generationen willen müssen wir für
die Erhaltung des Familienbetriebs in der Landwirtschaft und im Geschäftsleben
sorgen. Beide stärken Amerika und geben unserer Wirtschaft Stabilität.
Ich werde eine Änderung der Grundsteuer vorschlagen, damit Kleinbetriebe
und Farmen in Familienbesitz von Generationen zu Generationen weitervererbt
werden können, ohne daß man sie verkaufen muß, um die Steuern bezahlen zu
können.
Ich schlage Steueränderungen vor, die die Bürger ermutigen sollen, durch
einen neuen Plan in Amerikas und in ihre eigene Zukunft zu investieren, der
Familien mit mittlerem Einkommen Einkommenssteuervergünstigungen zukommen
läßt, wenn sie langfristige Investitionen in Aktien amerikanischer Unternehmen
tätigen.
Die Bundesregierung muß und wird auf eindeutige nationale Notwendigkeiten
mit entsprechenden Maßnahmen reagieren - zum Wohle dieser und künftiger Generationen.
Die Krankenhäuser und die medizinische Versorgung in Amerika zählen zu
den besten der Welt, aber die Kosten bei einer schweren und langwierigen Er- 11 -

�Erkrankung können rasch die Ersparnisse aufzehren, die eine Familien im Verlauf eines ganzen Lebens gemacht hat.

Die wachsenden Kosten des Gesundheits-

wesens sind für alle Anlaß zu tiefer Besorgnis und eine gewaltige Kraft, die
die Lebenshaltungskosten hochtreibt.
Die Kosten für eine Erkrankung schwerster Art können in unserer Gesellschaft nur von wenigen Menschen selbst getragen werden.

Wir müssen diese

Furcht, die jede Familie belastet, beseitigen.
Ich schlage eine Versicherung für schwerste Krankheitsfälle für jeden
vor, der von der Medicare-Krankenversicherung erfaßt ist. Um diesen zusätzlichen Schutz zu finanzieren, werden die Beiträge für kurzfristige Krankenhauspflege etwas heraufgesetzt werden müssen, aber niemand wird nach Erreichung
des 65. Lebensjahres mehr als 500 Dollar im Jahr für Krankenhaus - oder Pflegeheimkosten zu zahlen haben oder mehr als 250 Dollar im Laufe eines Jahres für
Arztrechnungen.
Wir können uns realistischerweise keine vom Bund vorgeschriebene nationale
Krankenversicherung leisten, die die volle Deckung aller Kosten für alle 215
Millionen Amerikaner gewährleistet. Die Erfahrungen anderer Länder lassen
Zweifel sowohl bezüglich der Kosten als auch des Wertes solcher Pläne aufkommen .
Aber ich sehe den Tag kommen, an dem wir das private Krankenversicherungssystem dazu nutzen werden, um mehr Familien mit mittleren Einkommen einen Gesundheitsdienst höchster Qualität zu Preisen zu bieten, die sie bezahlen können,
und sie damit auch vor den Folgen schwerster Krankheitsfälle zu schützen.
Unter Ausschöpfung der jetzt verfügbaren Mittel schlage ich eine Verbesserung des Medicare- und anderer Gesundheitsprogramme des Bundes vor, um
vor allem denen zu helfen, die größeren Schutz brauchen: den Alten und den
Armen.

Um den

jinzelstaatlichen und kommunalen Behörden dabei zu helfen, den

Armen eine bessere Gesundheitsfürsorge zuteil werden zu lassen, schlage ich
vor, daß wir die 16 bestehenden Bundesprogramme - einschließlich Medicaid - z_u
- 12 -

�zu einer einzigen lO-Milliarden'-Dollar-Bundesbeihilfe vereinigen.

Die Mittel würden nach einer neuen Formel unter den Einzel Staaten aufgeteilt werden, die jene.^ Staaten einen größeren Anteil von Bundesmitteln
zuweist, die eine größere Zahl von Familien mit niedrigem Einkommen haben.

Ich werde ferner Maßnahmen treffen, um die Qualität der medizinischen
Versorgung und der Krankenhauspflege für diejenigen zu verbessern, die in den
Streitkräften gedient haben.

Lassen Sie mich jetzt über soziale Sicherheit sprechen.

Unser Bundessozialversicherungssystem für die Menschen, die hart gearbeitet
und ihr Leben lang Beiträge dazu geleistet haben, ist ein lebenswichtiger
Teil unseres Wirtschaftssystems.

Sein Wert ist mittlerweile unumstritten.

In meinem Haushaltsplan für das Finanzjahr 1976 empfehle ich, daß der Anstieg
der Lebenshaltungskosten in den Sozialversicherungsleistungen im kommenden
Jahr voll berücksichtigt wird.

Was mir jedoch Sorge macht, ist der Bestand und die Integrität unseres
Sozialversicherungs-Treuhandfonds, der es den Menschen - jenen, die schon Rente
beziehen, und jenen, die noch arbeiten, aber Rente erhalten werden - ermöglicht, fest auf diese Anteile ihres Renteneinkommens zu rechnen.

Jüngere Ar-

beiter sehen, wir ihre Abzüge immer höher werden, und sie fragen sich, ob sie
in der Zukunft auch angemessen geschützt sein werden.

Wir müssen diese Aufgabe unverzüglich anpacken.

Die einfache rechnerische Überlegung warnt uns alle, daß der Sozialversicherungs-Treuhandfonds ernsten Schwierigkeiten entgegengeht.

Sofern wir

nicht rasch handeln, um sicherzustellen, daß der Fonds auch so viel einnimmt,
wie er ausgibt, wird es keine Sicherheit für Alte oder Junge geben.
Ich
- 13 -

�I

Ich muß daher eine Erhöhung sowohl des Arbeitgeber- als auch des Arbeitnehmeranteils zu den Sozialversicherungsabgaben um je 3/10 Prozent mit Wirkung vom 1. Januar 1977 empfehlen.

Dies wird jeden von der Sozialversicherung

erfaßten Arbeitnehmer weniger als einen Dollar pro Woche zusätzlich kosten
und die Integrität des Treuhandfonds gewährleisten.
Beim Wiederaufbau unserer Wirtschaft haben wir eine ständige Verantwortung, den Arbeitslosen temporäre Hilfe zu gewähren.

Auf mein Ersuchen hat

der Kongreß zwei Gesetze über die Verlängerung und Ausweitung der Arbeitslosenversicherung verabschiedet, die den im Laufe des Jahres 1975 arbeitslos
gewordenen geholfen haben.

Diese Programme werden 1976 fortgesetzt werden.

In meinem Haushalt für das Finanzjahr 1976/77 ersuche ich ferner um Mittel,
um die bewährte Ausbildung am Arbeitsplatz und die Arbeitsbeschaffungsprogramme
für Millionen anderer Amerikaner fortsetzen zu können.
Mitgefühl und Gemeinschaftssinn - zwei der stärksten Eigenschaften
Amerikas in unserer ganzen Geschichte - sagen uns, daß wir uns auch um unsere
Nachbarn kümmern müssen, die nicht für sich selbst sorgen können.

Die Viel-

zahl unserer Bundesprogramme auf diesem Gebiet zeigt unserer Großzügigkeit
als Volk.
Aber jeder weiß, daß, was die Wohlfahrt angeht, diese Aufgabe von der
Regierung - auf allen Ebenen - nicht sehr gut verrichtet wird. Zu viele unserer Wohlfahrtsprogramme sind ungerecht und laden zum Mißbrauch ein. Noch
schlimmer, wir vergeuden dringend benötigte Mittel, ohne viele der wirklich
Bedürftigen überhaupt zu erreichen.
Komplexe Wohlfahrtsprogramme lassen sich nicht über Nacht reformieren.
Natürlich können wir die Wohlfahrt nicht einfach den 50 Bundesstaaten überlassen, ihren jeweiligen Steuerzahlern oder den privaten Wohlfahrtseinrichtungen, und uns einfach davon zurückziehen.

Genausowenig ist jetzt der rich-

tige Zeitpunkt für umfassende und durchgreifende Änderungen, solange wir ums
- 14 -

�uns noch im Stadium der Wiedererholung nach einer Rezession befinden.
Trotzdem gibt es mehr als genug Verbesserungen, die wir durchführen
können.

Ich werde den Kongreß um Vollmachten für den Präsidenten ersuchen,

um die Bestimmungen für Auswahl und Vergünstigungen zu verschärfen.
Im vorigen Jahr habe ich zweimal eine längst überfällige Reform des von
Skandalen umwobenen Lebensmittel markenprogramms versucht. Dieses Jahr sage
ich erneut: Laßt uns nur denen, die am bedürftigsten sind, Lebensmittelmarken
geben. Wir wollen sie keinem geben, der ihrer nicht bedarf.
Der Schutz des Lebens und des Eigentums der Bürger in unserem Lande ist
die Aufgabe aller öffentlichen Stellen, aber es ist vor allem Aufgabe der
kommunalen und der bundesstaatlichen Vollzugsorgane.
Die Amerikaner haben stets dem Gedanken einer Bundespolizeitruppe ablehnend gegenüber gestanden, und ich lehne ihn auch ab.

Doch gibt es genügend

Wege,wie wir dazu beitragen können, die Ruhe im Lande gemäß dem Auftrag, den
uns die Verfassung gibt, zu gewährleisten.
Meine Empfehlungen, wie Gewaltverbrechen unter Kontrolle gebracht werden
können, sind dem Kongreß im Juni vorigen Jahres unterbreitet worden, wobei
starker Nachdruck auf den Schutz unschuldiger Opfer von Verbrechen gelegt
wurde.
Um zu verhindern, daß ein verurteilter Verbrecher noch weitere Verbrechen begeht, müssen wir ihn in Haft nehmen, damit er nicht noch mehr gesetzestreue Bürger schädigt. Wenn diese Strafe wirksam sein soll, muß sie
rasch und sicher vollstreckt werden.
Zu oft werden Verbrecher nach ihrer Verurteilung nicht ins Gefängnis
geschickt, sondern dürfen auf die Straße zurückkehren.
Manche
- 15 -

�Manche Richter zögern, verurteile Verbrecher ins Gefängnis zu schicken,
wei] die Gefängniseinrichtungen unzulänglich sind.

Um für dieses Problem

auf Bundesebene Abhilfe zu schaffen, schlägt mein neuer Haushalt den Bau von
vier neuen Bundeshaftanstalten vor.
Zur Beschleunigung der Bundesjustiz schlage ich vor, daß die Zahl der
Bundesstaatsanwälte zur Verfolgung von Verstößen gegen Bundesgesetze sowie
der Bundesvollzugsbeamten (U.S. Marshalls) erhöht wird.
Es werden ferner zusätzliche Bundesrichter benötigt, wie dies von mir ,
und der Richterkonferenz empfohlen worden ist.
Eine weitere große Gefahr für Leben und Eigentum jedes Amerikaners ist
der Verbrecher, der eine Handfeuerwaffe mit sich führt.

Die Benutzung von

Handfeuerwaffen für Verbrechen läßt sich nicht dadurch eindämmen, daß man
gesetzestreuen Bürgern die Waffen wegnimmt, sondern dadurch, daß man Höchststrafen für Verbrechen festsetzt, bei denen eine Waffe benutzt wurde, daß
man den Erwerb billiger Waffen für verbrecherische Zwecke erschwert und daß
man sich auf die Durchsetzung der Waffenkontrolle in Gebieten mit einer hohen
Kriminalität konzentriert.
.

•

Mein Haushalt empfiehlt, 500 zusätzliche Bundesbeamte für die 11 GroßStadtgebiete mit der höchsten Kriminalität einzustellen, die den kommunalen
Behörden helfen sollen, dem Verkauf von Handfeuerwaffen an Verbrecher und
ihre Benutzung durch sie Einhalt zu gebieten.
Der Verkauf harter Drogen nimmt wieder zu.

Ich habe alle Stellen der

Bundesregierung angewiesen, die Strafverfolgung gegen die Rauschgifthändler
zu verstärken.

Im Jahre 1975 haben Bundesbeamte wesentlich mehr Heroin be*

schlagnahmt, das in unser Land eingeführt wurde, als 1974.
Ich habe als Präsident persönlich mit den führenden Staatsmännern
Mexikos, Kolumbiens und der Türkei gesprochen und vermehrte Anstrengungen
ihrer JVgierungen gefordert, damit die Gewinnung und die Ausfuhr harter Drogen
- 16 -

�Drogen wirksamer kontrolliert wird.
Ich habe vor Monaten empfehlen, daß der Kongreß gesetzliche Höchststrafen für Personen festsetzt, die der Vergehen gegen Bundesgesetze über
den Verkauf harter Drogen überführt worden sind.

Harte Drogen führen bei

den Verbrauchern zu geistigen und körperlichen Schäden.
Es wäre unrealistisch und irreführend, wollte man die Hoffnung erwecken,
die Bundesregierung könne überall eingreifen und die Kriminalität beseitigen.
Nach der Verfassung liegt die Verantwortung für die Eindämmung der Kriminalität in erster Linie bei den Einzelstaaten und den Kommunalbehörden. Sie
stehen an der Front im Krieg gegen das Verbrechertum.
Es gibt natürlich Wege, wie die Bundesregierung ihnen helfen kann. Ich
werde in dem neuen Haushalt vorschlagen, daß der Kongreß für die nächsten
fünf Jahre fast 7 Milliarden Dollar bewilligt, um den Einzel Staaten und den
Kommunalbehörden zu helfen, Leben und Eigentum aller Bürger zu schützen .
Als Präsident verspreche ich feierlich, daß die Bundesgesetze strikt
durchgesetzt werden und daß den Einzel Staaten und Kommunalbehörden - durch
Beispiel, Unterstützung und Führunq - geholfen wird, ihre Gesetze durchzusetzen.

Gemeinsam müssen wir die Opfer von Verbrechen schützen und die Ruhe

im Lande gewährleisten.
Im letzten Jahr habe ich nachdrücklich eine Verlängerung der derzeitigen
Gesetze über den Finanzausgleich empfohlen, über den bisher 23,5 Milliarden
Dollar bereitgestellt worden sind, um Einzel Staaten und Kommunalbehörden bei
der Lösung von Problemen in ihrem Bereich zu unterstützen. Dieses Programm
hat sich als wirksam erwiesen und die Entscheidungsbefugnis von der Bundesregierung auf die örtlich gewählten Beamten übertragen. Der Kongreß muß dieses
Jahr handeln, oder die Einzelstaaten und die Kommunal Verwaltungen müssen Programme aufgeben oder die örtlichen Steuern erhöhen.
Unter
- 17 -

�Unter Einschluß meiner Reformen der Gesundheitsfürsorge schlage ich
die Konsolidierung von 59 getrennten Bundesprogrammen vor, sowie die Gewährung
flexibler Dollarzuwendungen, um Einzel Staaten, Städte und Kommunal Verwaltungen
auf so wichtigen Gebieten wie Erziehungswesen und Schulspeisung sowie bei sozialen Dienstleistungen zu unterstützen.

Dieses flexible System wird die Auf-

gabe besser und ortsgebundener lösen.
Der Schutz des Lebens und Eigentums der Amerikaner vor Feinden von

außen

ist eine meiner Hauptaufgaben als Präsident.
In einer Welt der unmittelbaren Kommunikation und der Interkontinentalraketen, in einer Weltwirtschaft, die global und interdependent ist, sind unsere Beziehungen zu anderen Ländern für das Leben der Amerikaner mehr - nicht
weniger - wichtig geworden.
Amerika hat seit dem Tage unserer Unabhängigkeit vor 200 Jahren in der
Welt eine einzigartige Rolle gespielt, und seit Ende des 2. Weltkrieges haben
wir ständig - und mit Erfolg - eine große Verantwortung für die Gewährleistung
einer stabilen Weltordnung und für die Hoffnung auf Fortschritt der Menschheit getragen.
Heute befindet sich unsere Außenpolitik in einer gesunden und starken
Position.
- Wir leben in Frieden - und ich werde alles in meinen Kräften stehende
tun, daß es so bleibt.
- Unsere Streitkräfte sind gerüstet und einsatzbereit; unsere militärische
Stärke ist ohnegleichen - und ich will, daß es so bleibt.
Unsere wichtigsten Bündnisse mit den demokratischen Industriestaaten der
Atlantischen Gemeinschaft und mit Japan sind niemals fester gewesen.

Ein
- 18 -

�- Ein weiteres Abkommen zur Begrenzung des strategischen Wettrüstens
wird möglicherweise erreicht werden.
- Wir haben unsere Beziehungen zu China, dem bevölkerungsreichsten Land
der Welt, verbessert.
- Die entscheidend wichtigen Elemente für den Frieden zwischen den
Ländern des Nahen Ostens sind jetzt gegeben.
- Unsere traditionelle Freundschaft zu Lateinamerika, Afrika und Asien
dauert an.
- Wir haben die führende Rolle bei der Aufnahme eines ernsthaften und zu
Hoffnungen berechtigenden Dialogs zwischen der industriellen Welt und der Welt
der Entwicklungsländer übernommen.
- Wir haben eine bedeutsame Reform des internationalen Währungssystems
erreicht.
Wir dürfen stolz auf das sein, was die Vereinigten Staaten erreicht haben.
Das amerikanische Volk hat zu viel darüber gehört, wie schrecklich unsere
Fehler, wie schlimm unsere Taten und wie fehlgeleitet unsere Zielsetzungen
seien.

Das amerikanische Volk weiß es besser.

Wahrheit ist, daß wir die größte Demokratie der Welt sind.
das Symbol des Strebens der Menschen nach Freiheit und Wohlstand.

Wir bleiben
Wir sind

die Verkörperung der Hoffnung auf den Fortschritt.
Ich halte es für an der Zeit, mit der Herabwürdigung unserer selbst als
Nation Schluß zu machen.

Natürlich sind wir verpflichtet, die richtigen Lehren

aus den Fehlern der Vergangenheit zu ziehen.
pflichtet, uns um die Zukunft zu kümmern.

Noch mehr aber sind wir ver-

Die Schwierigkeiten der Welt werden

sich nicht von selbst verflüchtigen.
Das
- 19 -

�Das amerikanische Volk wünscht eine starke und wirkungsvolle Außen- und
Verteidigungspolitik.

t

In unserem verfassungsmäßigen System sollten diese Politiken Konsultation und Abstimmung zwischen Präsident und Kongreß widerspiegeln.

Letzten

Endes aber kann, wie die Väter unserer Verfassung aus harten Erfahrungen
wußten, die Außenpolitik der Vereinigten Staaten nur dann wirksam gestaltet
werden, wenn eine starke zentrale Führung gegeben ist, die ausreichende Flexibilität im Handeln gewährleistet.

Diese Verantwortung liegt eindeutig beim

Präsidenten.
Ich gelobe dem amerikanischen Volk, eine Politik zu verfolgen, die eine
sichere, gerechte und friedliche Welt zum Ziel hat.

Ich gelobe dem Kongreß,

gemeinsam mit ihm auf dieses Ziel hinzuarbeiten.
Wir dürfen nicht einer Zukunft entgegengehen, in der wir Freunden, wie
in Angola, nicht mehr helfen können - nicht einmal auf begrenzte und sorgfältig kontrollierte Weise.

Wir dürfen nicht unsere ganze Fähigkeit verlieren,

mit allen Mitteln außer der militärischen Intervention zu reagieren.

Einige

überstürzte Maßnahmen des Kongresses im letzten Jahr - und jüngst erst in bezug auf Angola - waren meiner Ansicht nach sehr kurzsichtig.

Leider beschäf-

tigen sie noch immer das Denken unserer Verbündeten wie das unserer Gegner.
Eine starke Verteidigungsposition verleiht unseren Wertvorstellungen
und Auffassungen in internationalen Verhandlungen Gewicht;

sie gewährleistet

die Stärke 'inserer Bündnisse; und sie fördert unsere Bemühungen, Regelungen für
internationale Konflikte herbeizuführen.

Nur aus einer Position der Stärke

heraus können wir ein ausgewogenes Abkommen zur Begrenzung der Ausweitung der
nuklearen Rüstungen aushandeln.

Nur ein wohl ausgewogenes Abkommen wird un-

serem Interesse dienen und die Drohung einer nuklearen Konfrontation verringern.
•

Das Verteidigungsbudget, das ich dem Kongreß für das Haushaltjahr 1977
unterbreiten werde, wird eine erhebliche Steigerung gegenüber dem vorjährigen
•

- 20 -

�vorjährigen Voranschlag aufweisen.

Es sieht eine echte Zunahme der Kauf-

kraft gegenüber dem vorjährigen Verteidigungshaushalt vor, die die Kosten
für unsere Freiwilligen-Streitkräfte abdeckt.
Wir werden weiterhin Einsparungen vornehmen, um die Leistungsfähigkeit
unserer Streitkräfte zu steigern.

Das Budget jedoch, das ich vorlegen werde,

dokumentiert die Notwendigkeit amerikanischer Stärke in der realen Welt, in
der wir leben.
Da es weiterhin in der Welt Konflikte und Rivalitäten gibt, müssen unsere Möglichkeiten auf dem Gebiet der Nachrichtenbeschaffung die besten der
Welt sein.
Die Verkrüppelung unserer Auslandsnachrichtendienste erhöht die Gefahr,
daß Amerika direkt in bewaffnete Konflikte verwickelt wird. Unsere Gegner
werden dadurch ermutigt, neue Abenteuer zu wagen, während unsere eigene Fähigkeit untergraben wird, die Ereignisse zu registrieren und mit allen Mitteln
außer militärischem Eingreifen zu beeinflussen.
Ohne einen leistungsfähigen Apparat zur Nachrichtenbeschaffung stünden
die Vereinigten Staaten blind und gefesselt da.
Ich werde in naher Zukunft Maßnahmen ergreifen, um unseren Nachrichtenbeschaffungsapparat zu reformieren und zu stärken.
Mitarbeit.

Ich bitte um Ihre positive

Es ist an der Zeit, über die Sensationsmache hinwegzukommen und

die Gewähr für leistungsfähige, verantwortungsbewußte und reaktionsfähige Nachrichtenbeschaffungsorgane zu schaffen.
Ich habe heute abend von unseren Problemen im In- und Ausland gesprochen.
Ich habe Maßnahmen empfohlen, die den Herausforderungen, vor die sich unser
Land im dritten Jahrhundert seines Bestehens gestellt sehen wird, angemessen
sind.
Ich
- 21 -

�Ich hege keinen Zweifel, daß unsere Union fortbestehen wird - besser,
stärker und mit größerer individueller Freiheit ausgestattet.
Wir können nur begrenzt in die Zukunft sehen - auf ein Jahr, auf fünf
Jahre, vielleicht sogar auf eine Generation.

Wir wissen, daß wir, wenn wir

der Herausforderung unserer Zeit gemeinsam im Geist der Zielstrebigkeit und
Zuversicht begegnen - wenn wir unserer Verfassung und unseren Idealen treu
bleiben -, gewiß sein dürfen, daß die Zukunft besser sein wird, als die Vergangenheit war.
Ich sehe Amerika heute eine Schwelle überschreiten - nicht nur insofern,
als wir unser zwei hundertjähriges Bestehen feiern, sondern deshalb, weil wir
uns in der Not bewährt haben. Wir haben uns ein neues Bild von dem gemacht,
was wir sein möchten und was wir als Nation werden möchten.
Ich sehe Amerika wieder einen neuen Anfang nehmen - wieder dessen gewiß,
daß das Leben für unsere Kinder besser sein wird, als es für uns ist, und daß
wir wieder Stärke gewinnen, die nicht von der Inflation aufgezehrt werden
kann.
Ich sehe die Vereinigten Staaten wieder im Vormarsch in Richtung auf eine
vollkommenere Union, in der die Regierung dient und das Volk herrscht.
Das werden wir nicht dadurch erreichen, daß wir Reden halten - gute oder
schlechte, Sie oder ich -, sondern nur durch harte Arbeit und harte Entscheidungen, die wir mit Mut und Verstand treffen.
Ich habe viele ermutigende Präsidentenreden gehört; die Worte aber,
an die ich mich am besten erinnere, sprach Dwight D. Eisenhower:
ist nicht gut, weil es groß ist," so sagte der Präsident,

"Amerika

"Amerika ist groß,

weil es gut ist."

Präsident

- 22 -

�Präsident Eisenhower ist in einer armen, aber religiösen Familie im
Herzen Amerikas aufgewachsen.

Seine einfachen Worte waren das Echo von Prä-

sident Lincolns beredtem Testament:

"Recht gibt Macht". Und Lincoln wieder-

um hatte das Bild George Washingtons im stummen Gebet bei Valley Forge vor
Augen,
All diese Erinnerungen von magischer Kraft, die acht Generationen von
Amerikanern miteinander verbinden, sind in der Inschrift zusammengefaßt, die
Sie über mir lesen können. Wie oft haben wir sie eigentlich bewußt gesehen?
"In God we trust" - Unser Vertrauen ruht in Gott -.
Lassen Sie uns diese Worte in das Herz eines jeden von uns eingraben
- heute, da wir mit den Feiern zum 200jährigen Bestehen unserer Nation beginnen.

- 23 -

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

Tel:

I n f o r m a t i o n

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

Telex:

Wirtschaft

300

08-85432

1/1976

PRÄSIDENT FORD LEGT AMERIKANISCHEN HAUSHALT 1976/77 VOR
- Auszüge aus der Haushaltsbotschaft -

Präsident Ford hat dem amerikanischen Kongreß am 21. Januar 1976 seinen neuen Haushalt für das Finanzjahr 1977 (vom 1. Oktober 1976 bis
30. September 1977) vorgelegt. Der Voranschlag weist bei Ausgaben von
394,2 Milliarden Dollar und Einnahmen von 351,3 Milliarden Dollar ein
Defizit von fast 43 Milliarden Dollar aus. Das Haushaltdefizit hält
sich damit etwa auf der Höhe des Finanzjahres 1975 von 43,6 Milliarden
Dollar, bleibt jedoch wesentlich hinter dem für das laufende Finanzjahr 1976 veranschlagten Defizit von 76 Milliarden Dollar zurück. Die
Zunahme der Ausgaben ist im neuen Finanzjahr mit 5 1/2 Prozent nur halb
so hoch wie die im Finanzjahr 1976 und bleibt noch um 1/2 Prozent hinter
der erwarteten Inflationsrate von 6 Prozent zurück.
Von den Gesamtausgaben sind 101,1 Milliarden Dollar für die Verteidigung
bestimmt - im Finanzjahr 1976 waren für Verteidigungsausgaben 92,8 Milliarden Dollar veranschlagt. Verglichen mit dem Finanzjahr 1969 ergibt
sich bei den Verteidigungsausgaben eine Zunahme von 20,9 Milliarden Dollar oder 26 Prozent, während die Ausgaben für Soziales im gleichen Zeitraum um 141,7 Milliarden Dollar oder 223 Prozent zunahmen. Für alle
übrigen Programme betrug die Zunahme 46,9 Milliarden Dollar oder 115
Prozent. In realen Dollar bleiben die Verteidigungsausgaben gegenüber
denen des Finanzjahres 1969 jedoch um 33 Prozent zurück, während die
Aufwendungen auf allen übrigen Gebieten real um 55 Prozent gestiegen
sind.
In den folgenden Auszügen aus der Botschaftsrede des Präsidenten bedeuten die Jahreszahlen jeweils Finanzjahr, wobei z.B. 1977 die Zeit
vom 1. Oktober 1976 bis 30. September 1977 bezeichnet. Erstmalig beginnt mit 1977 das Finanzjahr in den USA am 1. Oktober statt wie bisher am 1. Juli.
Der Haushalt der Vereinigten Staaten gibt einen guten Überblick darüber,
wo wir standen, wo wir jetzt stehen, und in welcher Richtung wir uns als Nation
bewegen sollten. Der Haushalt gibt die Auffassung des Präsidenten wieder, wie

�wie die Prioritäten zu setzten sind.

Er zeigt, wie wir uns seiner Ansicht

nach zwischen den miteinander konkurrierenden Interessen entscheiden müssen.
Und er spiegelt seine Auffassung wider, wie die öffentlichen und die privaten
Bereiche sich zueinander verhalten sollten ...
Der von mir für das Finanzjahr 1977 vorgeschlagene Haushalt und die von
mir für die Zukunft angestrebte Richtung entsprechen den Forderungen einer verantwortungsbewußten Haushaltspolitik.

Die Kombination der von mir vorgeschlagenen

Änderungen bei Steuern und Ausgaben wird uns auf einen Weg bringen, der nicht
nur innerhalb von drei Jahren zu einem ausgeglichenen Haushalt führt, sondern
der auch die Aussichten für die Wirtschaft verbessert, einen Expansionskurs
einzuschlagen, den wir aufrechterhalten können.

Das ist keine Politik, die uns

schnell aus der Klemme helfen soll; sie enthält kein feierliches Versprechen,
daß wir Inflation und Arbeitslosigkeit über Nacht beseitigen können.

Es handelt

sich vielmehr um eine ehrliche, realistische Politik - eine Politik, die besagt,
daß wir Inflation und Arbeitslosigkeit stetig abbauen können, wenn wir einen
klugen, ausgewogenen Kurs steuern.

Diese Politik hat sich in den letzten Mo-

naten als richtig erwiesen, in denen wir beträchtliche Fortschritte bei der Oberwindung der Rezession und der Verringerung der Inflationsrate erzielt haben.
Sie wird sich bewähren, wenn wir an ihre festhalten.
Eine zweite wichtige Dimension des Haushalts ist, daß er zur Definition
der Grenzen zwischen den Aufgaben beiträgt, die wir dem Staat zuweisen, und
denen, die privaten Institutionen und dem Bürger überlassen bleiben.
Im Laufe der Jahre hat eine stetig allerdings z.T. sehr unterschiedliche
Ausweitung des Regierungsapparates stattgefunden, doch der Trend ist unverkennbar.

Wenn eine solche Aufblähung auch in erster Linie auf der Ebene der Einzel-

staaten und der Kommunal Verwaltungen festzustellen war, so hat doch die Bundesregierung ebenfalls zu diesem Trend beigetragen.

Wir dürfen uns nicht weiter

in Richtung auf einen immer größeren Regierungsapparat treiben lassen.

In un-

serer 200jährigen Geschichte war unser privater Sektor die treibende Kraft.
Wenn wir uns auf ihn verlassen und ihn erhalten, dann wird die Wirtschaft weiter
expandieren, unserem Volke neue und bessere Chancen bieten und die Mittel zur

�zur Verfügung stellen, die wir zur Deckung unseres gemeinsamen Bedarfs benötigen.

Wenn wir stattdessen fortfahren, den Anteil des Staates an unserer

Volkswirtschaft zu vergrößern, dann werden wir keine andere Wahl haben, als
die Steuern zu erhöhen, und wir werden diesem Wege die Kräfte des Wettbewerbs,
die Risiken und die Gewinnmöglichkeiten einengen, die uns in der Vergangenheit
so gute Dienste geleistet haben.
künftig die Frage lauten:

Bei einer Stagnation dieser Kräfte wird

Wer erhält welchen Anteil an einer Volkswirtschaft

mit geringem oder überhaupt keinem Wachstum - und nicht, wie es eigentlich
sein sollte: Wie können die expandierenden Einkommen und Mittel eingesetzt
werden.
Als einen wichtigen Schritt zur Änderung des langfristigen Trends schlägt
mein Haushalt für 1977 eine Senkung der jährlichen Wachstumsraten der Bundesausgaben auf 5,5 Prozent vor - das ist noch nicht die Hälfte der durchschnittlichen Wachstumsrate, die wir in den letzten zehn Jahren hatten. Gleichzeitig
schlage ich weiter permanente Einkommenssteuersenkungen vor, so daß die einzelnen Bürger und Unternehmen diese Dollar ausgeben und investieren können,
die sonst die Bundesregierung an Steuern einziehen und ausgeben würde ...

Verteidigungsausgaben
Natürlich ist die Gewährleistung der Verteidigung unseres Landes stets
eine der obersten Prioritäten unserer Regierung.
native.

Hier gibt es keine Alter-

Wenn wir in der Bundesregierung dieser Verantwortung nicht nachkommen,

dann sind unsere anderen Ziele bedeutungslos.
Daher empfehle ich für 1977 eine beträchtliche Erhöhung der Verteidigungsausgaben.

Wenn ich guten Gewissens weniger vorschlagen könnte, dann würde

ich das tun.

Viel Gutes könnte getan werden, wenn diese Mittel einer anderen

Verwendung zugeführt werden könnten.

Meine Anforderung begründet sich auf

einer sorgfältigen Bewertung der internationalen Lage und der möglichen Ent-

�Entwicklungen, auf die wir vorbereitet sein müssen.

Die von mir beantragten

Beträge werden die nationale Verteidigung sicherstellen, die wir, wie es
jetzt aussieht, brauchen.
Wir können nicht mit weniger auskommen.

Und wenn unsere Bemühungen, eine

Begrenzung der internationalen Rüstungen zu erreichen, scheitern, dann werden
wir auch mehr Geld benötigen.

Energie
Die Sicherstellung des Energiebedarfs unseres Landes muß ebenfalls zu unseren obersten Prioritäten zählen.

Mein Haushalt räumt dem Vorrang ein...

•

Soziales
Bei unseren innenpolitischen Programmen war es mein Ziel, einen Ausgleich
zwischen all dem zu erreichen, was wir gerne tun möchten, und dem, was wir uns
realistischerweise leisten können ...
Ich schlage ferner Maßnahmen vor, um die wachsende Furcht unserer älteren
Bürger zu beseitigen, daß eine lange schwere Krankheit sie und ihre Kinder um
ihren gesamten Besitz bringen könnte.

Meine Medicare-Reformvorschläge würden

Sicherheit gegen solche katastrophalen Krankheitskosten schaffen ...
Mein Haushalt sieht einen vollen Lebenshaltungskostenausgleich für die
Empfänger von Renten aus der Sozialversicherung oder aus anderen Bundesprogrammen vor.

Wir müssen uns jedoch klar darüber sein, daß der Sozialver-

sicherungstreuhandfonds langsam aufgezehrt wird.

Um seine Integrität wieder

herzustellen, ersuche ich den Kongreß um eine Erhöhung der Sozialversicherungsabgaben mit Wirkung vom 1. Januar 1977 sowie um Verabschiedung verschiedener

�verschiedener anderer Reformen des Systems ...

Finanzausgleich
Mein Haushalt schlägt ferner vor, daß wir die 59 Programme mit Zuwendungen
an die Einzel Staaten durch große Blockzuwendungen auf vier wichtigen Gebieten
ersetzen ...

Die Bedingung, daß die Einzel Staaten die von der Bundesregierung

zur Verfügung gestellten Gelder durch entsprechende Mittel aufstocken müssen,
wird aufgehoben ...
Dieser Haushalt schreckt nicht vor harten Entscheidungen zurück, wo dies
notwendig ist.

Trotz solcher harten Entscheidungen glaube ich, ist dieser

Haushalt jetzt am Beginn des dritten Jahrhunderts unserer nationalen Existenz
auf die Zukunft ausgerichtet, so wie dies unserer ganzen Geschichte entspricht

Verteidigung
Das grundlegende Ziel der Verteidigungseinrichtungen ist es, die Freiheit
und Sicherheit der Vereinigten Staaten zu gewährleisten, und die lebenswichtigen Interessen der USA überall in der Welt zu schützen.
Um sicherzustellen, daß die amerikanischen Verteidigungsstreitkräfte weiterhin in der Lage sind, diese Aufgaben zu erfüllen, ist eine Erhöhung der Mittel
- über das hinaus, was zum Ausgleich der Inflation erforderlich ist - notwendig.
Eine solche Aufstockung wird die Entwicklung und Beschaffung moderner militärischer Ausrüstungen gestatten, die wir zur Erhöhung der Schlagkraft unserer
Kampftruppen brauchen.

Die vorgeschlagenen Ausgaben für die nationalen Ver-

teidigungsprogramme erhöhen sich von 92,8 Milliarden Dollar im Haushalt 1976
- 5 -

�1976 auf 101,1 Milliarden Dollar im Haushalt 1977 und auf 112,9 Milliarden
Dollar im Haushalt 1978.
Die Durchführung der erforderlichen Verbesserungen in dem durch den Haushaltsvoranschlag gesetzten Rahmen verlangt, daß die Leistungsfähigkeit der
Verteidigungseinrichtungen weiter gesteigert wird.

Zu diesem Zweck werden

objektive Kürzungen bei Personal stärken, Vergünstigungen und Logistik vorgeschlagen, die sich nur geringfügig auf die Kampfkraft auswirken.
ser Kürzungen erfordern die Verabschiedung von Gesetzen.

Viele die-

Ohne solche Gesetze

würden zusätzliche Mittel erforderlich werden ...
Trotz einer Erhöhung der Verteidigungsausgaben der Truppenstärke und der
Modernisierung der Ausrüstungen in der Sowjetunion besteht in der Welt heute
ein akzeptables militärisches Gleichgewicht, was in erster Linie auf vier
Faktoren zurückzuführen ist:
*

- Eine wirksame strategische Abschreckung konnte durch selektive Verbesserungen bei der Streitkräften aufrechterhalten werden.
- Die amerikanischen und verbündeten Streitkräfte konnten durch Einführung
moderner taktischer Kampfflugzeuge, weitere Modernisierung der Seestreitkräfte
sowie verstärkte Beschaffung von Panzern, Panzerabwehrwaffen und anderen Ausrüstungen sowie Munition für die Landstreitkräfte schlagkräftiger gemacht werden.
- Der Kampfwert der Verteidigungseinrichtungen konnte - ohne Erhöhung der
Gesamttruppenstärken, - durch Umwandlung von Nachschubeinheiten in Kampfeinheiten gesteigert werden.

Die Zahl der Heeresdivisionen ist von 13 im Jahre

1974 auf 16 im Jahre 1976 vermehrt worden, während die Gesamttruppenstärke bei
2,1 Millionen Mann geblieben ist.

Die Kampfstärke der taktischen Luftstreit-

kräfte und der Marinestreitkräfte ist ebenfalls verbessert worden.
- Ein großer Teil der Verstärkung des sowjetischen Militärpotentials war
gegen die chinesische Grenze gerichtet.
Die

�Die Vereinigten Staaten bemühen sich um eine Verringerung der militärischen
Ausgaben und einen Abbau der internationalen Spannungen durch Verhandlungen.
Hierunter fallen die Gespräche mit der Sowjetunion über eine Begrenzung der
Strategischen Rüstungen (SALT)

sowie die Erörterung beiderseitiger und aus-

gewogener Truppenreduzierungen in Mitteleuropa
den Mitgliedern des Warschauer Paktes.

(MBFR) zwischen der NATO und

Wirksame Abkommen können jedoch nur

erreicht werden, wenn die amerikanischen und die verbündeten Streitkräfte
weiterhin mindestens genauso stark sind wie die des potentiellen Gegners.
Damit das militärische Gleichgewicht in der Zwischenzeit aufrechterhalten
bleibt, enthält der Haushalt 1977 Vorschläge zur weiteren Vermehrung der Heeresdivisionen, zur Fortsetzung der Modernisierung der Ausrüstungen für die Land-,
See- und die taktischen Luftstreitkräfte und zur weiteren Erhöhung der Schlagkraft der Kampftruppen. Diese Maßnahmen werden laufende Haushaltserhöhungen erfordern, die über den für einen Ausgleich der Inflation benötigten Beträgen
liegen.

Internationale Angelegenheiten
Oberstes internationales Ziel unseres Landes ist es, überall auf der Welt
Frieden zu schaffen. Die unmittelbarste Gefahr für diesen Frieden besteht im
Nahen Osten - ein Gebiet von großer Bedeutung für die Vereinigten Staaten.
Unser Land hat wesentliche Anstrengungen unternommen, um diesem Gebiet Frieden
zu bringen, und das jüngste Abkommen zwischen Israel und Ägypten ist ein ermutigendes Zeichen des Fortschritts. Die Vereinigten Staaten werden, gemeinsam
mit den Ländern dieses Gebietes, in ihren Bemühungen fortfahren, eine dauerhafte Regelung zu fördern.
Der Wohlstand Amerikas und die Gesundheit der Weltwirtschaft sind eng miteinander verbunden.

Die Vereinigten Staaten müssen daher ein Weltwirtschafts-

system fördern, das Stabilität und Fortschritt in gleicher Weise sowohl für
- 7 -

�für die Industriestaaten als auch für die Entwicklungsländer gewährleistet.
Die Vereinigten Staaten haben sich verpflichtet, mit den übrigen Industriestaaten darauf hinzuarbeiten, eine rasche Wieder erholung ihrer Volkswirtschaften
sicherzustellen, den Abschluß der Handelsverhandlungen zu beschleunigen, eine
Währungsreform zu erreichen und das wirtschaftliche Wachstum in den Entwicklungsländern zu fördern. Die Ausgaben für internationale Angelegenheiten
werden für 1977 auf insgesamt 6,8 Milliarden Dollar und für 1978 auf 7,8 Milliarden Dollar veranschlagt ...
J
~&lt;
Im Haushalt wird eine Rahmenermächtigung in Höhe von 840 Millionen Dollar
für das auf 2,1 Milliarden Dollar veranschlagte Programm für militärische
Kreditkäufe beantragt, von dem ein beträchtlicher Teil auf Israel entfällt.
Etwa 704 Millionen Dollar sind für direkte Kredite bestimmt, für die eine
Rahmenermächtigung in gleicher Höhe erforderlich ist. Der Rest entfällt auf
das Programm für die Vergabe garantierter Anleihen, das über die Bundesfinanzierungsbank abgewickelt wird. Für diese Anleihen ist eine Garantierücklage
von 10 Prozent und damit eine Rahmenermächtigung von 136 Millionen Dollar erforderlich.
Die Haushaltsvorschläge der Regierung gehen davon aus, daß das Schwerge^' -.-.
wicht weiterhin immer stärker von nicht-rückzahlbaren militärischen Zuwendungen auf militärische Kreditverkäufe verlagert wird. Im Haushalt 1977 wird
die Rahmenermächtigung ftii nicht-rückzahlbare Militärhilfe auf 279 Millionen*
Dollar zurückgehen, gegenüber 394 Millionen Dollar 1976, und die Zahl der Empfängerländer wird sich ebenfalls verringern. Die Gesamtausgaben für mili-,
tärische Hilfe werden für 1977 auf 739 Millionen Dollar veranschlagt ...
•

•

K.(

.

:

•

. •

.•

'

.

-

.

•

'

.

,-

•

.

•

'

•

,

•

:

.

•

•

•

'

•

•

.

.

•

.

'

'

.

.

•

:

.

-

! '

Wirtschaftliche und finanzielle Auslandshilfe
... Die zur Stärkung der Sicherheit gewährte Hilfe sieht wirtschaftliche
Unterstützung für ausgewählte Länder vor und soll den Fortschritt in Richtung
auf eine dauerhafte Verhandlungsregelung im Nahen Osten fördern. Es wird eine

�&gt;

eine Rahmenermächtigung in Höhe von 1,8 Milliarden Dollar für den Haushalt
1977 beantragt, vor allem für Hilfe an den Nahen Osten ...

Multilaterale Entwicklungshilfe
Diese Hilfe wird in Form von Beiträgen an die internationalen Finanzierungsinstitute (die Weltbankgruppe und die regionalen Entwicklungsbanken) sowie
für Entwicklungsprogramme internationaler Organisationen (vor allem im Rahmen
des Systems der Vereinten Nationen) gewährt. Sie ist zu einer immer wichtigeren
Komponente der wirtschaftlichen Auslands- und Entwicklungshilfe geworden. Die
multilaterale Hilfe spornt andere Geber zu erhöhten Beiträgen an und mobilisiert private Hilfsquellen für die Entwicklungsanstrengungen. Für 1977 wird
für solche Hilfe im Haushalt eine Rahmenermächtigung von 1,2 Milliarden Dollar
beantragt, wobei sich die voraussichtlichen Ausgaben auf 1,1 Milliarden Dollar
stellen werden ...

Bilaterale Entwicklungshilfe
Diese wird in erster Linie über das Amt für Internationale Entwicklung
(AID) abgewickelt, wobei sich die Hilfe auf die Ärmsten in den armen Ländern
konzentriert.- 1 127 Millionen Dollar. Schwerpunkte des Programms sind
Förderung der Entwicklung der Landwirtschaft, Kontrolle des raschen Bevölkerungswachstums sowie Verbesserung der grundlegenden Gesundheits- und Bildungseinrichtungen ...
Das Lebensmittel-für-den-Frieden-Programm soll Hunger und Unterernährung
in den Entwicklungsländern mildern und gewährt günstige Kredite sowie nichtrückzahlbare Zuwendungen für die Finanzierung von Agrarimporten aus den Vereinigten Staaten - 1 169 Millionen Dollar ...
+ + + + +
- 9 -

�amerika dienst
United
53
Tel:

States

Bonn-Bad
8 9 - 3 2 4 0

Information

G o d e s b e r g l ,

Service

Postfach

miO

rmation

300

T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

1/1976

US-GEMEINSCHAFTSSCHAU AUF DER PRO-IN' 76
Internationaler Kongreß und Ausstellung für Produkt-Innovation - neue Bauelemente, Werkstoffe und Technologien für Produktentwicklung und Fertigung

— ( A D ) — Vom 21. bis 25. Februar 1976 beteiligen sich 30 amerikanische Firmen
im Rahmen einer Gemeinschaftsschau an der erstmals in Deutschland stattfindenden PR0-IN' 76 in Halle 2 auf dem Düsseldorfer Messegelände.
Technisches "Know-how", das ständig mit der raschen Entwicklung in allen
Industrienationen Schritt hält, gehört zu den Grundlagen unseres modernen
technischen Zeitalters. Voraussetzung für Produkt-Innovation ist ein ständiges "up-to-date-sein" mit den Ergebnissen unabhängiger Forschung sowie den
neuesten Entwicklungen der Industrieunternehmen.
Kenntnis des letzten Standes technischer Entwicklung gibt so die Impulse
für die Technologie der Zukunft, die allein in der Lage ist, die vielfältigen
ökologischen, sozialen und technischen Probleme einer komplexen Zivilisationsgesellschaft zu lösen.
In den USA, einem der klassischen Länder der modernen Technik, gehört
die bereits seit 20 Jahren regelmäßig stattfindende "Design Engineering
Show" zu den Informationsquellen für den Konstruktions-und Betriebsingenieur.
So dürfte die Beteiligung der amerikanischen Gruppe und unter ihnen die vom
amerikanischen Department of Commerce unterstützte US-Gemeinschaftsschau

1-

�US-Gemeinschaftsschau in Halle 2 auf der PRO-IN' 76 vor hesonderer Bedeutung
sein und den internationalen Charakter dieser Veranstaltung unterstreichen.
Folgende Gruppen sind Schwerpunkte der US-Gemeinschaftsschau:
Moderne Werkstoffe als Bauelemente, Antriebstechnik, Füge-und Verbindungstechnik sowie Formgebung technischer Teile.
Einige charakteristische Bestandteile der amerikanischen Produktpalette
sind:
1) Pulvermetallurgisehe und gegossene Halbfertigprodukte aus Molybdän;
2) geflochtene Glasfib^rrohre und -Stäbe mit extrem hohem Zugfestigkei ts-Gewi chtsverhältni s;
3) Befestigungssyteme mit Innen-und Außen-6-Kantschrauben und mit
neuartig geformtem Werkzeug zur sicheren Übertragung des Anzugsdrehmomentes ;
4) Antriebsmechanismen für Computer-Peripheriegeräte;
5) Verschiedene Typen von Spindel einheiten;
6) Chemisch bearbeitete Strukturteile für die Luft-und Raumfahrtindustrie
aus Aluminium und Titan;
7) Metall-Faltenbalgpumpen;
8) Einrichtung zum omnidirektionalen staubfreien Schneiden zahlreicher
Materialien.

Weitere Informationen und komplette Programme über die US-Gemeinschaftsschau
durch:
US-Handelszentrum Frankfurt
Bockenheimer Landstraße 2-4
6000 Frankfurt am Main
Tel.: (0611) 72 08 01
XXX

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="7989">
                <text>21.01.1976</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="7990">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="7991">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="14305">
                <text>Amerikadienst 21.01.1976</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="14306">
                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Ford: Botschaft über die Lage der Nation&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Ford legt amerikanischen Haushalt 1976/77 vor&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus der Haushaltsbotschaft -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Gemeinschaftsschau auf der PRO-IN' 76</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="4165" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="3623">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/54d7deaa1be56ad7d30c48c9a6220cd0.pdf</src>
        <authentication>f0c021683acd38d7b674415a1d4527f6</authentication>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="20037">
                <text>Amerikadienst 21.01.1981</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="49">
            <name>Subject</name>
            <description>The topic of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="20038">
                <text>Allgemeines</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="20039">
                <text>Herausgeben U.S. Information &#13;
Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="20040">
                <text>21.01.1981</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="20041">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="20241">
                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Ronald Reagan: Ein Neubeginn für Amerika&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ansprache des neuen Präsidenten zu seinem Amtsantritt -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Präsident Carter fordert Kontrolle der Kernwaffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Abschiedsrede an die Nation -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;James S. Brady - Pressesekretär des Weißen Hauses&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neuer Bluttest zur Krebs-Frühdiagnose&amp;nbsp;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="1973" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="1984">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/16f6421ffa87aae212417dd7eec840d0.pdf</src>
        <authentication>055b9e1535d860d14d08ca0a9286c7b5</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="9847">
                    <text>«fc°s^

VON

AMERIKA DIENST
4

2 1 . J a n u a r 1987

I N H A L T

DOKUMENTATION

Die vereinigten Staaten und die Bundesrepublik Deutschland:
Moderne Gesellschaftssysteme und ihre Herausforderungen
- Rede von Botschafter Burt vor dem Tönnissteiner Kreis -

HINTERGRUNDMATERIAL

Rüstungskontrollinitiativen der Vereinigten Staaten
- Bericht des Weißen Hauses -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK

Analyse des "Stoffwechsels" in der Stratosphäre
- Mit Forschungsflugzeug chemischen Prozessen in der Luft auf der
Spur -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
'VON

Dokumentation

^

21. Januar 1987

DIE VEREINIGTEN STAATEN UND DIE BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND:
MODERNE GESELLSCHAFTSSYSTEME UND IHRE HERAUSFORDERUNGEN
- Rede von Botschafter Burt vor dem Tönnissteiner Kreis BONN - (AD) - In einer am 18. Januar 1986 vor dem Tönnissteiner Kreis in
Maria Laach gehaltenen Rede ging der amerikanische Botschafter besonders auf
drei wichtige Herausforderungen der modernen demokratischen Gesellschaften
ein: die Herausforderung des moralischen und geistigen Relativismus für unsere
Grundwerte, die Herausforderung des Provinzialismus für die internationale Zusammenarbeit und die Herausforderung der zunehmenden Verkrustung innerhalb der
modernen Gesellschaft. Bei der Bewältigung dieser Herausforderungen wies Botschafter Burt den Medien eine besondere Rolle zu.
Die Rede des amerikanischen Botschafters hat folgenden Wortlaut:
Meine Damen und Herren, ich freue
mich, heute morgen bei Ihnen sein zu
dürfen.
Christoph Bertram hat mir
von der wichtigen Arbeit berichtet,
die der Tönissteiner Kreis leistet,
um jüngere Akademiker wie Sie auf ihre Tätigkeit im Umfeld internationaler Beziehungen vorzubereiten - auf
den höchsten Ebenen der Regierung, in
multinationalen
Organisationen, dem
Bankenwesen, im Handel und im Hochschulbereich.
Heute bilden internationale Probleme größere Herausforderungen, sie

sind komplexer und haben eine unmittelbarere Bedeutung für unseren Alltag als jemals zuvor. Die Verantwortung für die Behandlung dieser Probleme wird zunehmend Ihnen und Ihrer
Generation in der gesamten westlichen
Welt
zufallen.
Ihre Verantwortung
wird schwer wiegen.
Die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik Deutschland sind von besonderer
Bedeutung.
Unsere Beziehungen sind
komplexer und intensiver Natur, weil
zwischen unseren Ländern ein reger

- 1-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Austausch besteht. Wir arbeiten eng
zusammen für den Fortschritt in einer
Reihe von Bereichen, die uns beide
gleichermaßen angehen - an der Erhaltung und Verbesserung unserer Verteidigung, der Suche nach echter Rüstungskontrolle, an der Stärkung unseres offenen Handelssystems, am Umweltschutz und an der Förderung des
weltweiten Wirtschaftswachstums.
Es
ist dies die reife Partnerschaft, von
der ich so oft gesprochen habe.
Angesichts der in der nächsten
Woche in der Bundesrepublik anstehenden Wahlen werde ich mich wohl besser
wie ein guter Diplomat verhalten und
nicht allzu sehr auf tagespolitische
Fragen eingehen.
Ich möchte diese
Gelegenheit vielmehr dazu benutzen,
einige der langfristigeren Probleme
zu untersuchen, denen sich unsere Gesellschaftssysteme
stellen
müssen,
wenn
sie
die
heute
anstehenden
schwierigen internationalen Probleme
erfolgreich lösen wollen.
Einige von Ihnen haben vielleicht
den Artikel gelesen, den ich kürzlich
für 'Die Zeit' geschrieben habe und
in dem ich die Meinung vertrat, daß
unsere
Gesellschaftssysteme
keineswegs
identisch
sind.
Es bestehen
zwischen uns bedeutende Unterschiede
an historischer Erfahrung, geographischer Lage, im sozialen, wirtschaftlichen und politischen System
und in der Denkweise.
Und trotzdem sehen wir uns, obschon wir keine Zwillinge sind, als
moderne
Demokratien
vielfach
den
gleichen Problemen und Herausforderungen gegenüber.
Heute möchte ich
eher näher auf unsere Gemeinsamkeiten
als auf unsere Unterschiede eingehen.
Ich glaube, daß es im einzelnen drei
grundlegende Herausforderungen sind,
denen sich unsere beiden Länder und
auch andere moderne Gesellschaftssy-

steme stellen müssen, wenn wir die
Probleme von heute und morgen bewältigen wollen.
Die erste Herausforderung liegt
im moralischen und geistigen Relativismus.
Es scheint in unseren Gesellschaftssystemen zunehmend Verwirrung über Grundwerte zu bestehen.
Wir sind
unsicher darüber, welche
Maßstäbe uns bei unseren Versuchen
leiten sollen, Entwicklungen im Inland zu bewältigen, und zu beurteilen, wie unsere Länder am besten zum
internationalen Frieden und zur internationalen
Stabilität
beitragen
können.
Zweitens stellt sich uns die Herausforderung
des
Provinzialismus.
Unsere Generation hat ein internationales System geerbt, in dem die westlichen Länder bereit sind, Probleme
aus einer gemeinsamen globalen Perspektive
zu betrachten.
Aber
ich
fürchte, daß wir zunehmend in unsere
alte Gewohnheit zurückverfallen, jedes Problem aus dem Blickwinkel eines
eng gefassten nationalen Standpunktes
zu betrachten.
Drittens sehen wir uns der Herausforderung einer zunehmenden Verkrustung unserer jeweiligen Gesellschaft
gegenüber.
Flexibität
und
Kreativität, die notwendig sind, um
mit neuen Problemen fertigzuwerden,
werden
allzu
oft
durch
zunehmend
starre Einrichtungen in den Bereichen
Politik, Wirtschaft und im Bildungswesen erstickt.
Es gibt auf die Frage, wie wir
die Denkweise angehen sollen, die
solche Herausforderungen hervorbringt
keine leichten Antworten.
Sie kehrt
in der Geschichte unseres Jahrhunderts immer wieder. zeitweise schien
es, als ob der Schock des Zweiten
Weltkrieges uns im Westen letztlich

2 -

�gelehrt hätte, daß bestimmte Werte
fundamentaler Art sind, daß eine auf
engem nationalen Eigeninteresse aufgebaute Politik sich selbst ausschaltet und daß Gesellschaften nur blühen
können, wenn sie neuen Ideen gegenüber aufgeschlossen sind.
Aber mit
der auf den Erfolg folgenden Selbstzufriedenheit
und
dem
Schock
der
jüngsten Vergangenheit haben sich die
alten Ansichten wieder
eingeschlichen.
Wir müssen Maßnahmen ergreifen, um ihnen entgegenzutreten, Maßnahmen, die sich vor allem auf Offenheit gründen. Heute möchte ich Ihnen
in groben Zügen einige mögliche Maßnahmen vorstellen und dabei auch besonders auf die Medien eingehen, denen bei der Sicherung dieser Offenheit eine besondere Verantwortung zukommt.
Lassen Sie mich dennoch zunächst
auf jede dieser grundsätzlichen Herausforderungen im einzelnen eingehen.

Moralischer Relativismus
Zunächst möchte ich über den moralischen und geistigen Relativismus
sprechen. In einer Welt der Veränderungen bringt jeder Tag neue Ideen,
neue Ideologien und neue Werkzeuge,
mit deren Hilfe wir mit den uralten
Problemen
des menschlichen
Daseins
fertigwerden können. Aber der soziale und technologische Wandel führt
auch zu Störungen und stellt unsere
traditionellen Wertmaßstäbe in Frage.
Der scharfsinnige britische Schriftsteller Paul Johnson hat in seinem
Buch "Modern Times" herausgestellt,
daß Philosophen, Psychologen und Politikwissenschaftler
zu Anfang des
20. Jahrhunderts die Wertvorstellungen des 19. Jahrhunderts hinwegfegten, ohne etwas von vergleichbarem
Wert an ihre Stelle zu setzen.
Es
war das von ihnen geschaffene "mo-

ralische Vakuum", das uns
in die
schrecklichen Zeiten zu Anfang und in
der Mitte des 20. Jahrhunderts geführt hat.
Nach dem Zweiten Weltkrieg erfuhr
die gesamte westliche Welt eine erneute Bestätigung von Freiheit, Demokratie und Menschenrechten. Aber der
Erfolg der demokratischen Wiedergeburt Europas brachte Gleichgültigkeit
mit sich und letztendlich eine neue
Verwirrung der Werte.
Diese Verwirrung wurde durch den Aufruhr reflektiert und verstärkt, den alle westlichen Gesellschaften in den späten
sechziger und frühen siebziger Jahren
erfuhren.
Der amerikanische Erziehungsminister William J. Bennett sagte, "wir haben es unseren sozialen
und kulturellen Institutionen gestattet, sich von ihrer ursprünglichen
Bestimmung zu entfernen; wir haben es
versäumt, Klarheit über die von uns
vertretenen Normen und die Grundlagen
für unser Urteil zu schaffen, oder
wenn wir uns selbst eine Meinung gebildet hatten, haben wir das Umfeld
öffentlicher Diskussionen den Kräften
des moralischen und geistigen Relativismus überlassen".
Sowohl in Amerika als auch in
Europa hatte der Druck des schnellen
Wandels einen auflösenden Einfluß auf
zwei für die Ausprägung von Werten
und moralischen Grundsätzen wichtige
Institutionen - die Familie und das
Bildungssystem.
Die dritte hierzu
zählende Institution, die Kirche, hat
Anzeichen
von Unsicherheit
gezeigt
und einzelne
religiöse Führer und
Gruppen
sind
zuweilen
relativistischen Trugschlüssen erlegen.
Sowohl in Amerika als auch in Europa ist man zunehmend besorgt über
das, was viele als Zerfall der Familie ansehen. Heute lassen sich weniger als zehn Prozent aller amerikan-

- 3-

�ischen
Haushalte
der
sogenannten
"traditionellen
Familie" mit einem
verdienenden Ehemann, einer Hausfrau
und Mutter und ein oder zwei Kindern
zuordnen.
Teilweise
spiegelt dies
die zunehmende Emanzipation der Frau
wider, nachteilig aber ist, daß eine
von zwei Ehen mit einer Scheidung endet und die Zahl der Familien mit einem
alleinerziehenden
Elternteil
ständig steigt. In Europa haben wir
niedrige Geburtenraten und nehmen die
zunehmende Tendenz der sozialen Einrichtungen wahr, verstärkt Funktionen
der Familie zu übernehmen.
Diese
Veränderungen gefährden die Fähigkeit
der
Gesellschaft, wichtige
soziale
Werte von einer Generation an die
nächste weiterzugeben. Solche Sorgen
bestehen nicht nur im konservativen
Feld der politischen Landschaft. Die
Grünen und die Anhänger ihrer Politik
sprechen ebenfalls von der "Auflösung
der Gesellschaft".
Der
Zerfall der
traditionellen
Familie erlegt unseren formalen Bildungseinrichtungen eine große zusätzliche Verantwortung auf. Leider sind
auch diese ins Wanken geraten.
in
den Vereinigten Staaten gab es bis
vor kurzem einen stetigen Qualitätsrückgang bei der Bildung an Grundschulen und weiterführenden Schulen,
ein Ergebnis von zu vielen fruchtlosen Bildungsexperimenten und zu wenig
Hinwendung
zu
den
Grundlagen.
William Bennett betonte, was Schulen
bieten sollten: "einen systematischer
Zugang zu unserer westlichen Erfahrungswelt mit ihrem klassischen und
christlich-jüdischen Erbe, den Ereignissen der amerikanischen und europäischen Geschichte, der politischen
Struktur
westlicher
Gesellschaften,
den großen Werken westlicher Kunst
und Literatur, den wichtigsten Leistungen der Naturwissenschaften...".
Er glaubt, daß Schulen dies nur allzu
häufig nicht bieten.

Es mag in Europa, wo die Ausbildung der Grund- und der weiterführenden
Schulen
geringeren
Belastungen
ausgesetzt ist als in den Vereinigten
Staaten, weniger Anlaß für eine Bewegung "Zurück zu den Grundlagen" geben.
Aber ich glaube, daß Europa
sehr wohl Probleme mit der Struktar
des weiter führerenden Bildungssystems
hat.
In der Bundesrepublik und anderswo bedeutet der rapide Anstieg
von Studenten an Universitäten einen
Qualitätsverlust.
Viele
Studenten
und ihre Eltern glauben einfach immer
noch, daß eine Universitätsausbilduig
die Mitgliedschaft in einer gesellschaftlichen und wirtchaftlichen Elite garantiert, und diese Einstellung
ermutigt sicher nicht zu harter Arbeit oder wirlichkeitsnaher Auswahl.
Wie wir kürzlich in Frankreich sahen,
haben Regierungen mit schwerwiegenden
Problemen zu kämpfen, wenn sie versuchen, mit den Problemen fertigzjwerden, wenn sie den Zugang zur Universität kontrollieren, von Studenten
verlangen, sich an den Ausbildungskosten zu beteiligen oder strengere
Leistungsmaßstäbe anlegen wollen. In
der
Bundesrepublik
begünstigt
die
akademische Mode, alle sozialen Einrichten "kritisch" zu untersuchen genau das, was eigentlich
vermieden
werden soll - Verwirrung und moralischen
Relativismus.
Dem "kritischen" Wissenschaftler wird so vermittelt das zu betonen, was an unseren Werten und Institutionen falsch
ist und niemals, was richtig ist.
Wie Paul Johnson überzeugend ausführt, war es die Zunahme von moralischem Relativismus, die den Aufstieg des Faschismus und Bolschewismus mit ihren grandiosen Projekten
der sozialen Reorganisation, die Millionen Leid und Tod brachten, erst
ermöglichte.
Diese Erfahrung können
wir
nicht
selbstgefällig
auf
die

�staubigen Seiten unserer Geschichtsschreibung zurückverweisen. Wie auch
immer unser Engagement für Frieden
und Demokratie aussehen mag, der geistige Relativismus macht es manchmal
unmöglich, sich auf vernünftige Urteilskriterien zu einigen, nach denen
wir unsere Politik im In- und Ausland
gestalten können.
Der französische
Schriftsteller
Jean-Francois
Revel
schreibt:
"Einer
Zivilisation, die
sich wegen ihrer Eigenarten und Taten
schuldig fühlt, wird die Energie und
Überzeugung fehlen, sich selbst zu
verteidigen".
Zahlreiche
Europäer
und einige
Amerikaner glauben, daß es die einzig
wichtige Wahrheit über die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion sei,
daß beide eine ungeheure und zahlenmäßig etwa gleich große Militärmacht
beherrschen.
Nachdem sie diesen augenfälligen Punkt bemerkt haben, fühlen sich diese Leute geistig dazu berechtigt, die Tatsache außer Acht zu
lassen, daß militärische Macht eine
der wenigen diesen beiden Gesellschaften
gemeinsamen
Eigenschaften
ist.
Manche Europäer ziehen besonders in diesem Land den bequemen,
aber gefährlichen Schluß, die beste
Politik sei eine "Äquidistanz" zwischen diesen beiden gleichermaßen unmoralischen - oder
amoralischen
Ländern.
Solche Ansichten sind ein
besonders zerstörerisches Produkt der
durch moralischen
Relativismus bedingten fehlenden festen Maßstäbe.
Das grundlegende Hindernis
für
den Frieden in Europa besteht heute
meiner Ansicht nach in der Teilung
Europas.
Diese Teilung hat nicht
stattgefunden, weil zwei gleichmaßen
machthungrige Supermächte Europa in
klassische
Einflußgebiete
aufteilten;
vielmehr
bestehen
Spannungen
und Konflikte weiter fort, weil Europa in freie und unfreie Staaten ge-

teilt ist. Wie das jüngste spanische
Referendum über die Mitgliedschaft in
der NATO zeigt, ist die NATO ein Verteidigungsbündnis für freie Nationen,
mit freiwilliger Mitgliedschaft. Wie
die wiederholten Aufstände
in der
DDR, in Ungarn, der Tschechoslowakei
und Polen zeigen, ist der Warschauer
Pakt eine Einrichtung der gewaltsamen
Knechtschaft der Völker Mittel- und
Osteuropas
im Dienste des sowjetischen Imperialismus.
Sicherheitsvereinbarungen und Rüstungskontrollabkommen
sind
sehr
wichtig.
Aber sie werden nicht in
dem Maße zum Frieden beitragen, wie
Maßnahmen, die darauf abzielen, die
Teilung Europas stufenweise zu überwinden, indem sie in östlichen Gesellschaftssystemen Veränderungen im
Hinblick auf größere Offenheit und
eine erhöhte Beachtung der Menschenrechte herbeiführen.
Der moralische
Relativismus kann uns jedoch blind
machen für die Tatsache, daß die Teilung zwischen Ost und West im wesentlichen in unterschiedlichen menschlichen
und politischen Werten besteht, nicht im geopolitischen Wettbewerb.
Es ist noch einfacher - und dabei
genauso gefährlich - im Hinblick auf
die Dritte Welt dem moralischen und
geistigen Relativismus in die Falle
zu gehen. Wir wissen zum Beispiel,
daß Demokratie für uns am besten ist.
Aber wir denken vielleicht, daß Diktatur für andere gut genug sei, weil
wir daran zweifeln, daß sie für die
Demokratie gerüstet sind, oder weil
wir glauben, daß Demokratie nichts
weiter als eine Schöpfung der westlichen Kultur ist. In Wahrheit glauben Millionen von Asiaten, Afrikanern
und Lateinamerikanern
rund um die
Welt, von Indien bis nach Argentinien, von den Philippinen bis nach
Costa Rica, daß sie das gleiche Recht

- 5-

�auf Freiheit und eine pluralistische
Demokratie haben wie wir.
Wenn wir unsere Maßstäbe auf die
Dritte Welt anwenden, tun wir dies
oft auf erstaunlich widersprüchliche
Art und Weise. Ein großer Teil der
westlichen
Intellektuellen
fordert,
daß gegen Südafrika wegen der dort
herrschenden offensichtlichen Verletzungen
der Menschenrechte
härteste
Maßnahmen ergriffen werden sollten.
Aber in anderen Fällen - Uganda in
den siebziger Jahren unter Amin liefert ein hervorstechendes Beispiel ist es für den Westen leicht, über
Massenmord und eine krasse Verletzung
der Menschenrechte hinwegzusehen.
Diese doppelte Moral, die mangelnde Bereitschaft oder Unfähigkeit,
moralische Unterscheidungen zu treffen, führt zu groben außenpolitischen
Fehlern, die auf Vorurteile und Eigeninteresse zurückzuführen sind. So
weigern sich viele, zu unterscheiden
zwischen den amerikanischen Bemühungen zur Wiederherstellung der Demokratie in Grenada und dem kontinuierlichen Drang der Sowjetunion, den
Wunsch des afghanischen Volkes nach
Unabhängigkeit und nationaler Selbstbestimmung zu unterdrücken. Dieselben Menschen, die die Regierung Chiles verurteilen, gewähren dem gleichermaßen
gewalttätigen
und unterdrückerischen Regime in Nicaragua ihre Unterstützung.
Werte und Normen sind ein unerläßlicher Bestandteil der Außenpolitik.
Wir müssen wissen, wofür wir
stehen, was wir verteidigen und was
unsere Zielsetzungen sind.
Die Erlangung von Frieden und Stabilität in
Europa fordert zunächst einmal die
Beachtung
von
Menschenrechten
und
Werten. Die Förderung der Menschenrechte und des politischen Wandels im
Osten ist für den Helsinki-Prozeß le-

benswichtig.
Wir
dürfen
die
Rüstungskontrolle nicht außer acht lassen, aber es kann keine wirkungsvolle
Rüstungskontrollpolitik
geben,
die
nicht Teil einer weiter gefaßten politische Strategie ist, mit der die
Menschenrechte gefördert werden.

Provinzialismus
Die zweite Herausforderung, der
wir uns gegenübersehen, ist ein wiederauflebender Provinzialismus.
Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg
brach im Westen der pragmatische Internationalismus in großem Stil aus.
Eine begabte Generation von Amerikanern und Europäern erkannte, daß eine
auf bloßem nationalem Eigeninteresse
begründete Politik nicht länger wirkungsvoll war und man sich eine solche nicht leisten könne. Wir hatten
gelernt, daß wir die Interessen aller
westlichen Länder berücksichtigen und
unterstützen mußten - ebenso wie die
der Dritten Welt.
Daher haben wir gemeinsame Sicherheitsvereinbarungen und Bündnisse
entwickelt, um uns alle zu schützen.
Wir
haben die
selbstzerstörerische
protektionistische Handelspolitik der
zwanziger und dreißiger Jahre in neue
Zusammenschlüsse wie GATT und die Europäische
Gemeinschaft
umgewandelt,
mit deren Hilfe ein offenes internationales
Handelssystem
geschaffen
werden soll.
Wir haben vergleichsweise neutrale internationale Hilfsprogramme zum Wiederaufbau und später
zur Wirtschaftshilfe ins Leben gerufen.
Wir haben neue Austauschprogramme entwickelt, um Wissenschaftler, Studenten etc zusammenzuführen,
die das Grundwissen und Verständnis
für eine offenere Welt vermitteln
konnten.
Aber

in den letzten Jahren konn-

�ten wir weniger Bereitschaft zur Zusammenarbeit
an gemeinsamen
Zielen
erkennen.
Dieser neue Provinzialismus ist sowohl auf unsere Erfolge wie
auch auf unsere Niderlagen zurückzuführen. Für Amerikaner und Europäer
waren die
fünfziger
und sechziger
Jahre eine Zeit, in der wir wußten,
daß wir bei der Lösung großer Probleme zusammenarbeiten mußten - aber wir
waren optimistisch, daß wir uns dadurch
grundlegende
Sicherheit
und
dauerhaften Wohlstand sichern konnten.
Wir hatten mehr Erfolg als erwartet. Aber mit zunehmendem Wohlstand
und - wie wir dachten - zunehmender
Sicherheit, mit der heranwachsenden
Generation, die keine persönliche Erinnerung mehr mit den Kriegsjahren
verband, empfanden wir das internationale System zunehmend als selbstverständlich. Wir haben es versäumt,
zu sehen, daß es sich an die neuen
Erfordernisse eines neuen Zeitalters
anpassen mußte.
Dann gab es die
wirtschaftlichen und politischen Erschütterungen der sechziger und siebziger Jahre. Diese ließen unsere alten Ängste und Unsicherheiten wieder
aufleben und haben manchen vom Fehlschlag
der
internationalen
Politik
überzeugt.
Die alte Mentalität des
"jeder für sich" kam wieder auf und
brachte die Gefahr eines neuen Zeitalters des nationalen Egoismus mit
sich.
Unterschiedliche Einstellungen in
Europa und Amerika haben ebenfalls
zum neuen Provinzialismus beigetragen.
Wir haben das 20. Jahrhundert
auf sehr
unterschiedliche Art und
Weise erlebt.
Obwohl Europa heute
freier und wohlhabender ist als jemals
zuvor,
so
haben
doch
die
schrecklichen
Erfahrungen
dieses
Jahrhunderts viele Bürger pessimistisch, mißtrauisch und skeptisch werden lassen, was ihre Fähigkeit zur

Gestaltung der Zukunft betrifft. Europäer tendieren daher zu einer Politik, die europäische Interessen von
den
Auswirkungen
der
Ereignisse
trennt, bei deren Beeinflussung sie
sich machtlos fühlen.
Das 20. Jahrhundert war freundlicher zu den Amerikanern, die teilweise durch ihre geographische Lage
von den über Europa hinwegfegenden
Stürmen geschützt waren.
Für die
Vereinigten Staatn war dies hauptsächlich ein Jahrhundert der Errungenschaften und Siege. Unser manchmal
angeschlagenes
Selbstbewußtsein
ist immer noch stark.
Daher ist es
ein amerikanischer Drang, sich überall auf der Welt aktiv mit internationalen Problemen zu beschäftigen.
Genau diese Verschiedenheit hat
zu der emotional geführten Diskussion
über den Angriff auf Libyen geführt,
um ein Beispiel aus jüngster Zeit zu
verwenden.
Die in Europa vorherrschende Tendenz bestand darin, sich
von libyschem Terrorismus zu isolieren während Amerika die libysche Kampagne des Terrorismus überall auf der
Welt zu verhindern suchte.
In diesem, wie auch in anderen Fällen hat
der europäische Provinzialismus den
amerikanischen
Unilateralismus
geschürt, und umgekehrt.
Der
neue
Provinzialismus
kann
sich immer des geistigen Relativismus
bedienen, um zu "beweisen", daß es
richtig ist, das zu tun, was durch
das
Eigeninteresse
diktiert
wird.
Wir sehen dies besonders deutlich,
wenn wir an die wachsende Neigung zum
wirtschaftlichen Protektionismus denken. Amerikaner, Europäer und Japaner stimmen darin überein, daß der
freie Handel
uns wohlhabender
und
stärker macht.
Wir scheinen jedoch
alle unsere eigenen nationalen Entschuldigungen bei der Hand zu haben,

- 7-

�um Entscheidungen zu treffen, die zusammengenommen
das offene Welthandelssystem untergraben könnten.
Europa
kritisiert
amerikanische
Maßnahmen, die darauf abzielen, unsere Werkzeugmaschinenindustrie zu erhalten,
nennt
sie
"protektionistisch", während es gleichzeitig energisch den europäischen Schutz für die
Montanindustrie, Werften, Stahlwerke,
Rüstungsindustrie,
Fluglinien,
den
Airbus sowie die verwirrenden und
übertriebenen Bestimmungen, die den
freien Handel mit Telekommunikationsausrüstungen unmöglich machen, verteidigt. Die gemeinsame Agrarpolitik
der Europäischen Gemeinschaft ist für
das offene Handelssystem des Westens
sogar noch bedrohlicher. Von den Europäern als notwendig gerechtfertigt,
um die Zerrüttung ihrer Gesellschaften zu verhindern, verzerrt die gemeinsame Agrarpolitik den Weltmarkt
und schädigt insbesondere die amerikanischen Landwirte.
Aus denselben
Gründen
werden
die
amerikanischen
Subventionen für die Landwirtschaft
von den Amerikanern
gerechtfertigt
und von den Europäern verurteilt.
Die Japaner bezeichnen es wiederum als unfair, wenn die Vereinigten
Staaten
die
Automobilimporte
oder
Frankreich die Importe von Videorecordern
beschränken
während
sie
selbst es als ganz richtig empfinden,
die meisten im Ausland hergestellten
industriellen
und
landwirtschaftlichen Produkte durch komplexe und
undurchsichtige
nichttarifäre
Handelsschranken von ihren Märkten auszuschließen,
obwohl Amerikaner berechtigterweise
stolz darauf sind,
daß ihre Wirtschaft Importen gegenüber offener ist als jede andere,
sind sie trotzdem allzu bereit, dem
Sirenengesang des Protektionismus Beachtung zu schenken. In letzter Zeit
ist es Präsident Reagan zum Beispiel

nur unter großen Anstrengungen gelungen, Vorschläge zum Schutz der amerikanischen Schuh- und Textilhersteller
abzuwenden.
Wir sind im Begriff, in einen
Teufelskreis einzutreten, der, wenn
er nicht durchbrochen wird, unsere
Budgets sprengen, die Europäische Gemeinschaft in den Bankrott treiben
und einen neuen Handelskrieg entfachen wird.
Und wir sind in diesem Spiel ja
nicht die einzigen Teilnehmer.
Die
meisten Europäer, vielleicht besonders die Deutschen, stimmen uns zu,
daß Europa und die Vereinigten Stciaten eine moralische Verpflichtung zur
Förderung politischer und wirtschaftlicher Entwicklung unter den ärmeren
Nationen der Dritten Welt haben. Es
ist aber der Handel, viel mehr noch
als Entwicklungshilfe, der der Dritten Welt hilft, und nur zu oft schadet unser Protektionismus am meisten
den Entwicklungsländern.
Den Provinzialismus zu vermeiden,
bedeutet nicht, daß wir die Welt immer aus demselben Blickwinkel betrachten müssen.
wir haben unterschiedliche geschichtliche Traditionen, wir leben in verschiedenen Teilen der Welt. Wir müssen unseren jeweiligen regional bestimmten Anliegen
sensibel gegenüberstehen und den Provinzialismus überwinden, um sie in
Betracht zu ziehen.
Es ist zum Beispiel wichtig J'ür
die Europäer, zu erkennen, daß Entwicklungen in der Karibik und in M:.ttelamerika für die Vereinigten Staaten
von
lebenswichtigem
Interesse
sind - so wie die Amerikaner verstehen müssen, wie wichtig die innerdeutschen Beziehungen für die Deutschen sind. Niemand unter uns sollte
zulassen, daß diese regionalen Anlie-

8-

�gen unsere Aufmerksamkeit so sehr in
Anspruch nehmen, daß darüber Fragen
von größerer Bedeutung ausgeschlossen
oder unsere politischen Haltungen gegenüber der restlichen Welt verzerrt
dargestellt werden. Aber wir benötigen und verdienen unsere gegenseitige
Hilfe bei der Behandlung dieser Fragen.

Gesellschaftliche Verkrustung
Die dritte und besonders komplexe
Herausforderung, die es von uns zu
bewältigen gilt, ist die der gesellschaftlichen
Verkrustungen.
Starre
gesellschaftliche,
politische
und
wirtschaftliche Institutionen können
die Flexibilität und Kreativität lähmen, die zur Bewältigung neuer Probleme notwendig sind.

gend und scheint durch eine Vielzahl
von Beweisen unterstützt zu werden.
Wir können seine Aussagen leicht auf
die
politische
Entscheidungsfindung
bei internationalen Fragen anwenden.
Um auf ein bekanntes Beispiel zurückzukommen:
sowohl
wirtschaftliche
Theorie wie auch praktische Erfahrung
haben immer wieder bewiesen, daß der
freie Handel mehr zu unserem Wohlstand beiträgt als der Protektionismus.
Dies spielt jedoch kaum eine
Rolle, wenn diejenigen, die für die
Handelspolitik
verantwortlich
sind,
zu kämpfen haben mit

Selbst unsere modernen westlichen
Gesellschaften, die so sehr auf Wandel eingestellt sind, verändern sich
nicht so einfach. In seinem wichtigen,
im Jahr
1982 veröffentlichen
Werk "Aufstieg und Niedergang von Nationen" vertritt Mancur Olson die Ansicht, dies beruhe darauf, daß stabile, erfolgreiche Gesellschaftssysteme
ein Netz zunehmend mächtiger Interessengruppen
hervorbringen.
Diese
Gruppen sind darum bemüht, jede Veränderung zu ersticken, die die Position der von ihnen Repräsentierten
bedrohen könnte.
Diese Gruppen, so
behauptet Olson, "verringern die Effizienz und das Gesamteinkommen der
Gesellschaften, in denen sie am Werk
sind....". Sie "verlangsamen die Fähigkeit
einer
Gesellschaft,
neue
Technologien einzuführen als Reaktion
auf sich verändernde Bedingungen Ressourcen neu zu verteilen und verringern so die wirtschaftliche Wachstumsrate".
Olsons

These

ist

intuitiv

zwin-

- 9-

- politisch aktiven Landwirten und
Arbeitnehmern
verfallender
Industriezweige
(zum Beispiel
in
der
Stahl- und
Automobilindustrie), die Schutz vor internationalem
Wettbewerb
verlangen,
der sie aus ihren Arbeitsplätzen,
ihren Wohnungen und ihrem geregelten Lebensablauf zu vertreiben
droht;
- Politikern, Beamten und Militärs,
die den Handel für nicht-wirtschaftliche Ziele benutzen wollen, die ihren eigenen Interessen
dienen, wie etwa dem Gewinn einer
Wahl oder der Erhaltung der nationalen Rüstungsindustrie;
- Managern, die nicht bereit sind,
Kosten und Risiken bei der Einführung
neuer
Technologien
zu
tragen oder neue Methoden auszuprobieren.
Im November hat der
stellvertretende
amerikanische
Finanzminister Richard Darman
kein Gegner des freien Handels klar seine Meinung zum Ausdruck
gebracht, daß die Manager in den
Vereinigten
Staaten einen Teil
der Schuld für den schlechten Exporterfolg unseres Landes tragen.
Er beschuldigte sie, eine "industrielle Bürokratie" geschaffen

�zu haben. Dies, so erklärte er,
ist "die Neigung der amerikanischen Industrie, so zu sein wie
die Regierungsbürokratie, die so
gern
von
Führungskräften
der
Wirtschaft beschimpft wird: aufgebläht, risikofeindlich, ineffizient und einfallslos". Und diese industrielle Bürokratie
ist
kein amerikanisches Monopol.
Mancur
Olson konzentriert sich
auf
wirtschaftliche
Verkrustungen,
aber neben Geld und wirtschaftlicher
Macht gibt es noch andere Dinge, die
Menschen
schützen wollen.
Beamte,
die das Telekommunikationsnetz, die
öffentlichen
Transportmittel
eines
Landes
oder
das
Gesundheitssystem
kontrollieren, werden beispielsweise
nicht gern ihre eigene Macht und ihr
eigenes Prestige schädigen, indem sie
diese Institutionen dezentralisieren
und von einschränkenden Bestimmungen
befreien. Journalisten, die das öffentliche
Rundfunkund
Fernsehwesen
beherrschen, werden versuchen, private
Anbieter
auszuschließen,
deren
Wettbewerb ihren Einfluß auf die öffentliche Meinung schmälern könnte.
Die Art der menschlichen Natur
wird immer eine Tendenz fördern, daß
sich in unseren Gesellschaften Netze
von Interessengruppen
bilden.
ist
eine zunehmende Verkrustung deshalb
unausweichlich?
olson führt aus, daß
in der Bundesrepublik und Japan unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg
ein enormes Maß an Kreativität freigesetzt wurde. Das physische und soziale Gefüge beider Länder war zerschlagen.
Die traditionellen Interessengruppen
waren
zeitweilig
zu
schwach, um das Hervortreten neuer
gesellschaftlicher
und
wirtschaftlicher Kräfte zu verhindern.

be

In geringerem Umfang galt dasselauch für den Westen insgesamt.

All unsere Gesellschaften waren durch
den Krieg zerrüttet.
Deshalb waren
in den Vereinigten Staaten die ersten
beiden
Nachkriegs Jahrzehnte
sicherlich eine Zeit der Kreativität in der
Innen- und Außenpolitik.
Es war :.n
diesem Zeitraum, daß wir die gesetzliche Grundlage der Rassendiskriminierung beseitigten, die Frauen zu
vollwertigen Mitgliedern der Gesellschaft befreiten, Millionen unserer
Mitbürger aus der Armut emporhoben
und eine neue Revolution in Technologie und Informationswesen einleiteten.
Aber müssen wir wirklich erst
Krieg, Revolution und soziales Chaos
durchmachen,
um
gesellschaftliche
Verkrustungen aufzubrechen?
Das ist
die entscheidende Frage.
Und angesichts
unserer
jüngeren Geschichte
ist dies eine Frage, die wir zu allen
drei grundlegenden Herausforderungen
stellen müssen, über die ich heute
gesprochen habe.
In der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts hat uns der moralische Relötivismus gegenüber den unbegrenzten
Ambitionen des Totalitärismus in geistiger Wehrlosigkeit belassen.
Der
Provinzialismus
hat abwechselnd
in
Gestalt von fanatischem Nationalismus,
Imperialismus,
Isolationismus
oder
ungezügeltem
Protektionismus
zweimal das internationale Staatensystem
zerschlagen.
Unfähig
zur
Überwindung
gesellschaftlicher
Verkrustungen erfuhr eine Nation nach
der anderen den politischen, wirtschaftlichen
und
gesellschaftlichen
Zusammenbruch - und erlag dem einfachen Ausweg der Diktatur.
Das Ergebnis zeigte sich in einigen der schlimmsten Ereignisse in der
Geschichte der Menschheit, die im
Zweiten
Weltkrieg
kulminierten.
Aber, wie ich schon sagte, hat der
Schock jenes Krieges dem Westen die

10 -

�Tatsache bewußt gemacht, daß sein
überleben auf dem Spiel stand.
Wir
haben wieder gelernt, daß es Werte
gibt, für die es sich lohnt zu kämpfen und zu sterben.
Wir haben erkannt, daß wir nur durch gemeinsame,
enge nationale Interessen überwindende Bemühungen hoffen konnten, eine
Wiederholung der Geschichte zu verhindern. Und unserer Gesellschaften,
ob zerschlagen
oder
lediglich erschüttert, waren genügend aufgelokkert worden, um einen außergewöhnlichen
Kreativitätsschub
zu ermöglichen, eine neue Fähigkeit, politische Grundsätze zu entwickeln, um
sich mit innen- und außenpolitischen
Problemen auseinanderzusetzen.
Aber die Jahre vergingen und wir
nahmen unsere Erfolge zunehmend als
selbstverständlich hin. Für zu viele
Angehörige
der
Nachkriegsgeneration
scheinen die Grundwerte des Westens
heute
wenig
mehr
als
langweilige
Phrasen des Establishments zu sein.
Was als innovative gesellschaftliche,
bildungspolitische
und
wirtschaftliche
Institutionen
seinen
Anfang
nahm ist heute zu neuen Netzen spezieller
Interessengruppen
herangewachsen, die unsere Gesellschaften
immer stärker umklammern.
Egoismus
und Provinzialismus scheinen wieder
legitim geworden zu sein.
Sind wir deshalb dazu verdammt,
die düstere Geschichte der ersten
Hälfte dieses Jahrhunderts zu wiederholen? Nun, wenn dies der Fall ist,
können wir in diesem nuklearen Zeitalter sicherlich nicht erwarten, daß
der Krieg unsere Werte wiederherstellen, unsere Lebensanschauung erweitern oder eine neue Welle der Kreativität freisetzen wird.
Ich kann Ihnen für dieses Dilemma
keine endgültigen Lösungen anbieten.
Es bleibt jedoch noch viel zu tun.

Wir können die Bedeutung von Werten in unseren eigenen Gesellschaften
bekräftigen. Wir können unsere Bildungsinstitutionen
so
umgestalten,
daß sie jungen Menschen eine solide
Grundlage geben, um die den unserer
westlichen Zivilisation zugrundeliegenden traditionellen Werte zu verstehen und sie umfassend mit neuen
Ideen vertraut machen, die sich zur
Bewältigung einer sich verändernden
Welt entwickeln. Wir können bewußte
Anstrengungen unternehmen, um unsere
grundlegenden Werte und Normen konsequent auf die Gestaltung der Innenund
Außenpolitik
anzuwenden.
Wir
können unsere Werte auf internationalem Gebiet in die Tat umsetzen, indem
wir denjenigen Ländern helfen und mit
ihnen zusammenarbeiten, die echte Bemühungen zur Enwicklung freier, demokratischer,
pluralistischer
Gesellschaften zu unternehmen, in denen die
Menschenrechte respektiert werden
selbst wenn sie noch nicht perfekt
sind. Was vielleicht das Wichtigste
ist, wir können und müssen Offenheit
in den
internationalen
Beziehungen
unterstützen, und wir müssen uns Plänen wie etwa der "neuen Weltinformationsordnung" energisch widersetzen,
die die offene Kommunikation zwischen
den Völkern ersticken würden. In einem
freien und offenen Wettbewerb
werden sich unsere westlichen Werte
des Friedens, der Freiheit, Demokratie und Menschenrechte durchsetzen.
Offenheit
kann uns auch dabei
helfen, die steigende Flut des Provinzialismus zurückzudrängen. Egoismus kann nicht bei Licht gedeihen.
Wenn wir bereit sind, wirtschaftliche
und
politische
Risiken einzugehen,
können
wir
tragfähige
Kompromisse
beim Handel finden, durch die das offene Welthandelssystem
auf solider
Grundlage
wiederhergestellt
wird.
Die kommende GATT-Runde wird uns eine

11 -

�wichtige Möglichkeit geben, dies zu
tun. Wir können in unseren eigenen
Gesellschaften politische Grundsätze
entwickeln, die wirksamere Antworten
für die durch unsere fortschreitende
wissenschaftlich-technische
Revolution geschaffenen sozialen und wirtschaftlichen
Herausforderungen
liefern können als der Protektionismus.
Sowohl die Europäer als auch die Amerikaner können und müssen erkennen,
daß Europa tatsächlich eine der unentbehrlichen Säulen des Weltfriedens
ist, dessen Rolle und Verantwortung
sich weit über die Grenzen Europas
hinaus erstreckt. Die Europäer müssen Amerika in seinen Bemühungen unterstützen, mit seinen drückenden regionalen
Problemen
fertigzuwerden,
und die Amerikaner müssen dasselbe
tun - und mehr, weil die Teilung Europas nicht einfach ein regionales
europäisches
Problem,
sondern
die
grundlegende Quelle der Spannungen in
der Welt von heute darstellt.
Und wir können sicherlich eine
Menge tun, um unsere Gesellschaftlich
flexibel und kreativ zu erhalten, um
ein institutionelles Umfeld zu entwickeln, in dem es für Interessengruppen schwierig ist, Veränderungen
zu verhindern.
In den Vereinigten
Staaten haben wir für diese Bemühungen eine Vielzahl von Instrumenten
geschaffen:
- Abschaffung
einschränkender
Bestimmungen, indem wir die staatlichen Kontrollen in allen Sektoren der Gesellschaft auf ein Minimum beschränken, da solche Kontrollen einen besonders starken
Schutz für Monopole bieten;
- Privatisierung vieler staatlicher
Funktionen,
einschließlich
der
Medien, um die Bereiche möglichst
gering zu halten, in denen die
Einmischung des Staates zu Ver-

krustungen führen kann;
- Maßnahmen, um ein Höchstmaß an
freiem Wettbewerb und die Bereitstellung
von Risikokapital
für
neue experimentelle Projekte :ÜU
ermutigen;
- Schaffung von Strukturen im Bildungswesen, die die besten und
kreativsten
Studenten, Forscher
und Lehrer belohnen und ermutigen;
- Liberalisierung des internationalen
Handels,
da
ausländischer
Wettbewerb eine der mächtigsten
Kräfte des Wandels darstellt.

Die modernen Medien
Als ich darüber gesprochen habe,
was zur Bewältigung der grundlegenden
Herausforderungen, mit denen wir konfrontiert sind, getan werden kann,
habe ich sehr viel Betonung auf Offenheit gelegt.
In der Tat denke
ich, daß Offenheit wahrscheinlich der
Schlüssel zu all diesen Problemen
ist. Und die Institution, die in wie
auch zwischen unseren Gesellschaften
potentiell den größten Beitrag zur
Offenheit zu leisten vermag, sind die
Medien. Aus diesem Grunde möchte ich
noch einige besondere Bemerkungen ;su
den Medien machen. Die Medien sollten Teil
der
Problemlösung
sein,
nicht Teil des Problems selbst.
Dies gilt besonders für diejenigen unter uns, die sich mit internationalen Fragen befassen. Wie in der
Vergangenheit
verwehren
Entfernung,
unzureichende
Sprachkenntnisse
oder
willkürliche Zensur den meisten Menschen den direkten Zugang zu Informationen darüber, was in anderen Ländern vor
sich
geht.
Der
Durchschnittsbürger
in
den
Vereinigton
Staaten und Europa ist jedoch heute

- 12 -

�bemerkenswert gut informiert, selbst
im Vergleich zu seinen Eltern. Dafür
können wir uns bei den modernen Medien bedanken, die durch die von der
modernen Technik geschaffenen mächtigen neuen Instrumente zur Beschaffung
und
Übermittlung
von
Informationen
revolutioniert wurden.
Paradoxerweise haben die Medien
jedoch nicht nur unseren Informationsstand über internationale Angelegenheiten verbessert, sondern auch
zu
unserer Verwirrung
beigetragen.
Die reine Masse der uns von den Medien gelieferten Informationen, die
Geschwindigkeit, mit der sie diese
übermitteln können und ihr intensiver
Wettbewerb untereinander führen allzuoft zu einer Art von Berichterstattung, die
trivialisiert und oberflächlich wie auch paradoxerweise extrem konformistisch ist.
Insbesondere
das Fernsehen hat
größere Auswirkungen gehabt als wir
normalerweise annehmen.
Die "Fernsehgeneration" hat eine kurze Aufmerksamkeitsspanne.
Sie wird meist
durch Berichte von 15 bis 30 Sekunden
Dauer in den Abendnachrichten über
internationale Fragen informiert. Da
die ihnen zur Verfügung stehende Zeit
heutzutage so vielfältig in Anspruch
genommen wird, sind die meisten Menschen
glücklich
darüber, daß
das
Fernsehen die scheinbar wichtigsten
Tatsachen schnell präsentieren kann.
Die gedruckten Medien mögen zur eingehenden
Information
besser ausgerüstet sein, aber auch sie müssen den
Stil des Fernsehens imitieren, um mit
dem Fernsehen um die begrenzte Aufmerksamkeit
der
Öffentlichkeit
zu
konkurrieren.
Meine eigene Erfahrung als Journalist hat mich davon überzeugt, daß
das Fernsehen all die traditionellen
Probleme akzentuiert, unter denen der

Journalismus leidet.
Mehr denn je
müssen
die Journalisten
versuchen,
sich
gegenseitig
auszustechen.
Da
ist keine Zeit für ernsthafte Analysen. Den Reporter einer anderen Station bei der Übermittlung einer Story
zu schlagen, und sei es nur um wenige
Minuten, kann für den ersten bedeuten, daß er in die Nachrichten kommt
und der andere nicht. Der erste erntet die Lorbeeren und dem anderen ergeht es schlecht.
Das Resultat besteht darin, daß der Journalismus als
Beruf nicht diejenigen anzieht, die
sich tiefer mit komplexen Problemen
befassen möchten.
Die Mehrzahl der
Journalisten, die über internationale
Angelegenheiten berichten, sind intelligent und gebildet, lassen aber
oft die Sachkenntnis vermissen, um
über diese Fragen zusammhängend zu
schreiben.
Schlagzeilen Journalismus ist ein
weiteres Problem.
Journalisten versuchen, sich vor gegenseitigem Druck
zu schützen, indem sie sich zusammentun und unter sich tage- und wochenweise abmachen, was als wichtigste
Story gebracht werden soll.
Jeder
beschäftigt sich dann nur noch mit
diesem Thema - bis zur nächsten Woche, wenn sie sich alle auf eine neue
Story stürzen. In Amerika können wir
unter einer Menge von Fernsehkanälen
auswählen, aber nur zu oft wird dieselbe große Story auf jedem Kanal gebracht und sonst kaum etwas. Deshalb
ist ein Problem, das heute noch die
Welt erschüttert, morgen schon vergessen.
Schlagzeilen Journalismus bedeutet, daß die Öffentlichkeit keine
Möglichkeit hat, bedeutende Fragen so
wie sie im Fernsehen präsentiert werden, in eine Perspektive zu stellen wer kann den Zusammenhang zwischen
dem heutigen Aufmacher und irgendeinem
anderen
Ereignis, das
vorige
Woche 30 Sekunden lang über den Bildschirm flimmerte, verstehen?

- 13 -

�Das Fernsehen verstärkt außerdem
die traditionelle Tendenz des Journalismus zur Uberdramatisierung.
Reporter haben immer gewußt, daß Geschichten mit "menschlichem Interesse" benötigt werden, um Zeitungen und
Zeitschriften
zu
verkaufen.
Das
Fernsehen bringt jedoch die Nachrichten mit nie gekannter Dramatik in unsere Wohnzimmer - Abend für Abend leben wir mit den Schrecken von Vietnam, mit der Furcht der TWA-Geiseln,
mit apokalyptischen Visionen darüber,
was mit uns geschehen wird wegen
Tschernobyl; weil Chemikalien in den
Rhein geleitet werden; weil die Amerikaner
einen
Schlag gegen Libyen
durchgeführt haben. Die außergewöhnliche Fähigkeit des Fernsehens, jede
Nachricht
zu dramatisieren, zwingt
uns dazu, zu überdenken, ob es die
Zuschauer informierter macht - oder
lediglich emotionaler, mit oberflächlichem Verständnis komplexer Ereignisse, die oft nur als Aufeinanderprallen von Gut und Böse aufgefaßt
werden und sich vom neuesten Produkt
aus Hollywood nicht unterscheidet.
Offensichtlich sind die Probleme
des Medien in Europa und Amerika
nicht identisch.
Die Oberflächlichkeit ist vielleicht charakteristisch
für Amerika. Aber während unsere Medien vielleicht zu sehr auf Wettbewerb und Dramen ausgerichtet sind,
werden Sie meiner Meinung nach hierzulande zu wenig damit konfrontiert.
Das Ergebnis ist eine Konformität der
Medien - die Öffentlichkeit bekommt
bisweilen nur die eine Seite einer
Geschichte und nur einen Teil der
Tatsachen zu hören, insbesondere im
Fernsehen.
Wir
außenpolitischen
Experten
neigen dazu, die Auswirkungen der Medien auf die Gestaltung der Politik
zu unterschätzen.
Tatsächlich ver-

bringen führende Regierungsvertreter
und
Spitzenkräfte
der
Wirtschaft
enorm viel Zeit damit, sich Sorgen zu
machen, was über sie und die von ihnen getroffenen Entscheidungen in der
Presse berichtet wird.
Wegen des
großen Interesses, das eine Regierung
ihrer Darstellung in der Presse beimißt, haben die Medien großen Einfluß
auf die Entscheidungsfindung innerhalb der Regierung gewonnen.
überdies sind es oft die Medien
selbst, die die außenpolitische Tagesordnung bestimmen, indem sie die
Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf
bestimmte Themen lenken.
Oft legen
die Medien die Parameter von Handlungen zu diesen Fragen fest, indem sie
bestimmte politische Ansätze als gut
und andere als schlecht definieren.
Und sogar wir Experten werden mehr
davon beeinflußt, was wir im Fernsehen sehen und in der populären presse
lesen, als von dem, was wir glauben
möchten.
Ja, wir müssen davon beeinflußt werden - anders als die sowjetischen Politiker arbeiten wir in
Demokratien. Wir müssen der öffentlichen Meinung Beachtung
schenken,
und es sind die Medien, die die öffentliche Meinung bilden oder zumindest in bestimmte Kanäle lenken.
All dies bedeutet, daß außenpolitische Experten aktiv an der Erziehung der Öffentlichkeit zu diesen
komplexen Fragen beteiligt sein müssen. Wir müssen in die öffentliche
Debatte eingreifen, anstatt sie als
trivial abzutun. Wenn man den Einfluß der Medien auf den Entscheidungsfindungsprozeß
berücksichtigt,
dann kann die Trivialisierung von
Nachrichten auch zu einer Trivialisierung bei der Gestaltung staatlicher Politik führen.
Wir müssen verstehen, daß der
Journalismus - wie Diplomatie, Handel

14 -

•

,

�und akademische Forschung - einer der
grundlegenden Berufe der internationalen Angelegenheiten ist, und wir
müssen den Journalisten deshalb als
Kollegen behandeln. Gleichzeitig haben wir aber auch das Recht, von den
Medien bessere Leistungen zu verlangen. Die Medien gehören zu den mächtigsten Institutionen unserer Gesellschaft. Wie jede andere mächtige Institution müssen sie dem Rest der Gesellschaft
gegenüber
rechenschaftspflichtig sein.

Schlußfolgerungen
Sicherlich sind die Medien nur
eine unter vielen Institutionen, die
effektiv funktionieren müssen, wenn
wir den Herausforderungen des moralischen Relativismus, des Provinzialismus und der gesellschaftlichen Verkrustung begegnen sollen. Da es auf
diese grundsätzlichen Herausforderungen keine einfachen Antworten gibt,
müssen wir unsere gesamte Politik und
all unsere Institutionen einer eingehenden Überprüfung öffnen. Wir müssen im positivsten Sinn dieses Wortes
"kritisch" sein - nicht davor Angst
haben, zu ändern, was geändert werden
muß oder zu erhalten und bestätigen,
was erhaltenswert ist.
Wir können
dies am besten in einer offenen Welt
tun, wie ich sie schon oft zu früheren Anlässen beschrieben habe.
Je
mehr wir uns auf eine solche Welt zu
bewegen, desto größer wird unsere
Chance sein, vernünftige und wirksame
Antworten auf die zentralen Probleme
der Handhabung einer modernen Demokratie zu formulieren.

- 15

�AMERIKA DIENST
'VON

Hintergrundmaterial

4

21. Januar 1987

RÜSTUNGSKONTROLLINITIATIVEN DER VEREINIGTEN STAATEN
- Bericht des Weißen Hauses -

WASHINGTON - (AD) - Das Weiße Haus hat am 12. Januar 1987 den nachfolgend
abgedruckten Bericht veröffentlicht, in dem amerikanische und westliche Initiativen in zehn verschiedenen Bereichen der Rüstungskontrolle beschrieben
werden.

Strategische Offensivwaffen

(START)

Bei
ihren
Zusammenkünften
in
Reykjavik im vergangenen Oktober sind
Präsident Reagan und Generalsekretär
Gorbatschow
grundsätzlch
übereingekommen, in den nächsten fünf Jahren
eine 50prozentige Reduzierung strategischer Nuklearwaffen auf 1 600 nukleare Trägersysteme mit 6 000 Gefechtsköpfen auf diesen Trägersystemen herbeizuführen. Beide Seiten haben bei der Aufstellung eines Zählmodus für Bomber wichtige Fortschritte
gemacht und grundsätzlich eine Über-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

einkunft über die Notwendigkeit "erheblicher Verringerungen" bei sowjetischen schweren Interkontinentalraketen (ICBM) erzielt, die zu den Raketen zählen, die die Stabilität am
meisten untergraben.
Unsere Unterhändler in Genf haben
daraufhin sofort einen neuen amerikanischen Vorschlag zu START vorgelegt,
der die in Reykjavik akzeptierten gemeinsamen
Bereiche
berücksichtigt.
Ferner hat die Sowjetunion am 7. November einige weitere Schritte unternommen, indem sie Vorschläge unter-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�breitete, die
teilweise die Fortschritte von Reykjavik widerspiegelten. - Wir hoffen, daß diese Bereiche
der Übereinstimmung als Ausgangspunkt
dienen können, von dem aus amerikanische
und sowjetische Unterhändler
bedeutungsvolle
Verträge
für einen
Rüstungsabbau erarbeiten können.

Kern- und Weltraumwaffen
(NST) wird
es unsere Aufgabe sein, auf den in
Reykjavik erreichten Leistungen und
auf den bei der letzten NST-Runde in
Genf vorgelegten Vorschlägen aufzubauen.

Mittelstreckenwaffen (INF)
Leider koppeln die Sowjets ein
Abkommen zu START an die amerikanische
Zustimmung
zum
sowjetischen
Vorschlag
über
Verteidigungs- und
Weltraumwaffen, der letztendlich SDI
zunichte machen würde. Das ist nicht
akzeptabel und läuft den von Generalsekretär Gorbatschow im November 1985
in Genf eingegangenen Verpflichtungen
zuwider, in den Bereichen, in denen
eine gemeinsame Grundlage vorhanden
ist, voranzugehen, wozu auch das Konzept eines 50prozentigen Abbaus strategischer Offensivwaffen gehört. Die
Sowjets machen ihr Abkommen über einen 50prozentigen Abbau strategischer
Waffen ferner von der grundsätzlichen
amerikanischen Zustimmung zur völligen Abschaffung aller strategischen
Offensivwaffen
bis
1996
abhängig.
Dies ist ebenfalls zur Zeit nicht annehmbar; wenn man die massiven sowjetischen Investitionen bei konventionellen
Streitkräften
betrachtet,
sind Nuklearwaffen
unerläßlich
für
die Sicherheit der Vereinigten Staaten und unserer Verbündeten.
Anfang Dezember haben sich Unterhändler beider Seiten zu Gesprächen
zwischen den Runden in Genf getroffen. Obwohl es bei den unterschiedlichen Standpunkten keine Annäherung
gab, glauben wir doch, daß diese Gespräche zu unseren Vorbereitungen für
die nächste Runde beitragen, weil
durch sie begrenzter, aber nützlicher
Fortschritt bei der Klärung von Punkten der Übereinstimmung und des Gegensatzes erzielt worden ist. In der
nächsten
Runde der Gespräche über

In Reykjavik gäbe es bedeutsame
Fortschritte beim Abbau der Differenzen über Mittelstreckenwaffen.
Die
Vereinigten Staaten und die Sowjetunion haben in Reykjavik grundsätzlich einer weltweiten Begrenzung von
100 Gefechtsköpfen auf Mittelstrekkenraketen
längerer
Reichweite
(LRINF) zugestimmt, von denen keine
in Europa stationiert sein sollen.
Die verbleibenden Raketen würden im
asiatischen Teil der Sowjetunion und
auf amerikanischem Territorium stationiert werden.
Die Sowjets haben
ihre hartnäckige Haltung aufgegeben,
daß britische und französische Nuklearwaffen in solch ein Abkommen eingeschlossen werden sollten. Beide Seiten kamen ferner grundsätzlich überein, INF-Systeme kürzerer Reichweite
zu begrenzen und für deren Abbau in
Genf
Folgeverhandlungen
abzuhalten.
Nach dem Treffen in Reykjavik haben
unsere Unterhändler in Genf umgehend
einen neuen amerikanischen Vorschlag
unterbreitet, der die Bereiche, bei
denen im Prinzip Übereinstimmung besteht wie auch andere Elemente, die
notwendig wären, um ein annehmbares
INF-Abkommen
zu
erlangen,
einschließt. Obwohl die Sowjets daraufhin einen neuen, auf ihrer Sichtweise
der Ereignisse in Reykjavik beruhenden Vorschlag auf den Verhandlungstisch legten, sind sie von dem bei
diesem Treffen erzielten Fortschritt
beträchtlich zurückgetreten.
Darüber
hinaus haben sich die Sowjets von ihrer beim Genfer Gipfeltreffen eingegangenen Verpflichtung zurückgezogen,

�ein separates
INF-Abkommen
zu beschließen. Sie versuchen nun, INF an
andere Bereiche der Rüstungskontrolle
zu koppeln und bestehen darauf, daß
ihre
Rüstungskontrollvorschläge
ein
"Paket" seien und nicht getrennt werden können.

Probleme der Verteidigung im Weltraum
In Reykjavik haben die Vereinigten Staaten als Antwort auf den sowjetischen Vorschlag, sie sollten eine zehnjährige Verpflichtung eingehen
und sich nicht aus dem ABM-Vertrag
zurückzuziehen, angeboten, solch eine
Zehnjahresverpflichtung bis 1996 einzugehen.
In diesem Zeitraum würde
die im ABM-Vertrag gestattete Forschung,
Entwicklung
und
Erprobung
weitergeführt. Die Vereinigten Staaten verbinden ihre Zustimmung mit:
- einem
50prozentigen
Abbau
der
strategischen Offensivwaffen der
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion in den ersten fünf Jahren,
- Abschaffung aller amerikanischen
und sowjetischen offensiven ballistischen Raketen in den folgenden fünf Jahren, und
- einem Abkommen, wonach beide Seiten nach
1996 moderne strategische Verteidigungssysteme stationieren könnten, wenn sie nicht
andere Vereinbarungen treffen.
Die Sowjets haben
jedoch versucht, den ABM-Vertrag einzuschränken, indem sie die Erprobung von im
Weltraum befindlichen "Bestandteilen"
eines Raketenabwehrsystems außerhalb
von Labors verbieten.
Damit würde
das amerikanische
SDI-Programm zunichte gemacht - für den Präsidenten

unannehmbar.
Vorher
hatten
die
Vereinigten
Staaten auch eine Initiative der Offenen Labors vorgeschlagen - ein vertrauensbildendes Programm gegenseitiger Informationen
und Besuchen in
Einrichtungen
für die
strategische
Verteidigung.
Im Hinblick auf AntiSatelliten-Systeme
(ASAT) haben die
Vereinigten Staaten noch keine Begrenzungsvorschläge
ausgearbeitet,
die wirklich verifizierbar wären und
im Sicherheitsinteresse der Vereinigten Staaten lägen. Wir haben angeboten, Vorschläge
für bestimmte Rüstungskontrollmaßnahmen
zu ASAT in
Betracht zu ziehen, wenn solche Maßnahmen mit der nationalen Sicherheit
der
Vereinigten
Staaten
vereinbar
sind.

Chemische Waffen (CW)
Im April 1984 haben die Vereinigten
Staaten
bei
der
Genfer
Abrüstungskonferenz (CD) mit 40 Teilnehmerstaaten einen umfassenden Vertrag vorgeschlagen, mit dem Entwicklung, Herstellung, Gebrauch, Transfer
und die Lagerung chemischer Waffen
verboten werden. Dies wäre mit Hilfe
verschiedener Maßnahmen zu verifizieren, zu denen in Zweifelsfällen obligatorische
Überprüfungen
vor Ort
kämen. Beim Gipfeltreffen im November 1985 sind Präsident Reagan und
Generalsekretär Gorbatschow übereingekommen, die bilateralen Gespräche
zu allen Aspekten des umfassenden
Verbots chemischer Waffen zu intensivieren, die auch bei der CD verhandelt werden. Im Jahr 1986 haben wir
vier Runden von Geprächen zu einem
bilateralen
Vertrag
über
chemische
Waffen abgehalten, und für Februar
1987 ist eine fünfte Runde geplant.
Die Gespräche

für einen bilatera-

�len Vertrag haben Differenzen über
eine Abschaffung von Produktionsstätten für chemische Waffen und über von
einem möglichen Vertrag
abgedeckte
chemische
Substanzen
abgebaut.
Trotzdem bestehen darüber und in einer Anzahl anderer wichtiger Bereiche
immer noch Meinungsverschiedenheiten,
besonders in solchen, die sich mit
einer Verifizierung der Vertragseinhaltung beschäftigen. Um die Einhaltung
sicherzustellen,
fordern
die
Vereinigten Staaten systematische Beobachtung vor Ort und obligatorische
"Inspektionen bei Zweifelsfällen", um
mögliche Verletzungen zu untersuchen.
Die Sowjets haben in der Vergangenheit immer wieder darauf bestanden,
daß die Annahme der Inspektionen in
Zweifelsfällen freiwillig sei.
Obwohl sie kürzlich darauf hingewiesen
haben, daß bei bestimmten Zweifelsfällen strengere Verfahrensweisen angewandt werden sollten, so müssen sie
noch im einzelnen erklären, wie diese
genau aussehen sollen.
Darüber hinaus haben wir einen
Dialog mit den Sowjets eröffnet, wie
die Weiterverbreitung chemischer Waffen zu verhindern sei. Wir haben in
diesem Zusammenhang Exportkontrollen
und politische Schritte zur Beschränkung der Ausbreitung chemischer Waffen überarbeitet.

Atomtests
Die
Priorität
der
Vereinigten
Staaten im Bereich der Atomtests besteht in der Verbesserung der Verifizierungsprotokolle
des
bestehenden
Schwellenvertrages
(TTBT)
und
des
Vertrags
über
Atomexplosionen
zu
friedlichen Zwecken (PNET). Bei den
Treffen in Reykjavik zwischen Präsident
Reagan
und
Generalsekretär
Gorbatschow haben wir vorgeschlagen,
daß die Vereinigten Staaten und die

Sowjetunion Verhandlungen über Atomtests aufnehmen. Das Programm dieser
Verhandlungen würde zunächst in der
Lösung anstehender Fragen zur Verifikation von in TTBT und PNET definierten
Zusammenhängen
bestehen.
Wenn
diese Probleme der Verifizierung aus
der Welt geschafft und die Verträge
ratifiziert sind, würden die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion
sofort Verhandlungen darüber aufnehmen, wie ein schrittweises, paralleles Programm - in Zusammenhang mit
einem Programm
zur Begrenzung und
letztendlich
zur Abschaffung
aller
Kernwaffen
durchgeführt
werden
kann, das Atomtests einschränkt und
schließlich ganz beendet.
Obwohl Anzeichen
bestehen, daß
die Sowjets sich zur Behandlung unserer Anliegen einverstanden erklären
könnten, hat es bis heute noch keine
Übereinkunft
über
die
Prioritäten
dieser Verhandlungen gegeben.
Während der dritten Runde von Experte:igesprächen zur Frage der Atomtests
ist die sowjetische Delegation von
einem ordentlichen schrittweisen Ansatz
für
Verhandlungen
abgerückt.
Wir
haben
die
Fortsetzung
dieser
Treffen im Januar vorgeschlagen.
In
Island
hat
der
Präsident
Gorbatschow gegenüber außerdem angedeutet, daß er nach Zusammentreten
des 100. Kongresses vom Senat Ratschläge und die Zustimmung zur Ratifizierung des Schwellenvertrages und
des Vertrages über Atomexplosionen zu
friedlichen Zwecken erbitten werde,
jedoch mit dem angemessenen Vorbehalt, daß diese Verträge nicht vor
einer Regelung der Verifikationsfrage
in Kraft treten würden. Wie versprochen, hat der Präsident dieses Ersuchen am 13. Januar 1987 dem Kongreß
zugeleitet.

�Konferenz über Vertrauensbildung
Abrüstung in Europa (KVAE)

und

Die aus 35 Teilnehmerstaaten bestehende
Stockholmer
KVAE-Konferenz
wurde am 22. September mit Annahme
einer Reihe konkreter Maßnahmen vertagt, die dazu bestimmt sind, die Offenheit und Berechenbarkeit von militärischen Aktivitäten in Europa zu
stärken.
Diese Maßnahmen, die die
Vorschläge der NATO-Staaten einbeziehen, sehen die frühzeitige Notifizierung aller militärischen Aktivitäten
oberhalb einer Schwelle von 13 000
Soldaten oder 300 Panzern vor, die
Beobachtung von militärischen Aktivitäten oberhalb einer Schwelle von
17 000 Mann sowie jährliche Vorschauen auf geplante militärische Aktivitäten.
Die Übereinkunft enthält außerdem Vereinbarungen über Inspektionen vor Ort aus der Luft und zu Land
zur Verifizierung. Obwohl bescheiden
im Ausmaß, hat die Sowjetunion mit
diesen Bestimmungen zum ersten Mal
Inspektionen auf ihrem eigenen Territorium zur Verifizierung einer internationalen
sicherheitsvereinbarung
zugestimmt.

Bilaterale vertrauensbildende Maßnahmen
Der
Vorschlag
der
Vereinigten
Staaten zur Verbesserung der Kommunikation über den heißen Draht wurde
von der Sowjetunion angenommen und
wird gegenwärtig durchgeführt.
Der
amerikanische Vorschlag für Zentren
zur Verminderung des atomaren Risikos
wird gegenwärtig von der Sowjetunion
geprüft.
Vertrauensbildungsinitiativen über einen Informationsaustausch
zwischen den Militärs und zur Notifizierung bei Abschüssen von ballistischen Raketen sowie über strategische Manöver wurden ebenfalls von den
Vereinigten Staaten vorgeschlagen.

Gegenseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen in Mitteleuropa
(MBFR)
Am 5. Dezember 1985 hat die NATO
eine neue Initiative mit dem Ziel der
Berücksichtigung
östlicher
Anliegen
vorgeschlagen. Der Vorschlag hat die
westliche Forderung über eine vorherige Einigung bei der Datenfrage in
bezug auf die Truppen des Ostens fallengelassen.
Die Sowjets hatten behauptet, diese westliche Forderung
stelle das primäre Hindernis auf dem
Weg zu einer Einigung dar. Der Vorschlag forderte außerdem eine zeitlich befristete erste Phase für den
Rückzug von 5 000 amerikanischen und
11 500 sowjetischen Soldaten, die von
einer dreijährigen Verpflichtung zur
NichtVerstärkung der Truppen gefolgt
sein würde, die von allen Parteien
mit Streitkräften in dieser Zone mit
dem Ziel eingegangen werden sollte,
die Stärke der verbleibenden Streitkräfte zu verifizieren. Die verbleibenden
Truppenstärken
würden
durch
nationale technische Mittel, vereinbarte Ein- und Ausreisepunkte sowie
30 jährliche Inspektionen vor Ort verifiziert werden.
Bis heute haben
die Sowjets der westlichen Initiative
noch keine konstruktive Antwort erteilt.

Die hochrangige Arbeitsgruppe der
NATO zur Rüstungskontrolle im konventionellen Bereich
Die Arbeitsgruppe hat dem Nordatlantikrat am 11. Dezember 1986 ihren
Bericht über die zukünftige Richtung
der NATO-Rüstungskontrollpolitik vorgelegt. Bei diesem Treffen gaben die
NATO-Minister ihre Annahme der "Brüsseler Erklärung" bekannt, in der die
Bereitschaft der NATO erklärt wird,

�neue Verhandlungen mit dem Warschauer
Pakt aufzunehmen mit dem Ziel, ein
"verifizierbares,
umfassendes
und
stabiles Gleichgewicht der konventionellen Streitkräfte auf niedrigerem
Niveau" in ganz Europa vom Atlantik
bis zum Ural zu schaffen. Die NATO
hofft, Anfang des Jahres 1987 mit Gesprächen beginnen zu können, um ein
Mandat für neue Verhandlungen zu entwickeln.
Die
Brüsseler
Erklärung
fordert außerdem getrennte Verhandlungen, um die Ergebnisse der KVAE
auszubauen und zu erweitern.

Der vertrag
Kernwaffen

zur Nichtverbreitung

folgende Chronologie amerikanisch-sowjetischer
Rüstungskontrollverhandlungen im Jahr 1986 veröffentlicht:

von

Vom 15.-18. Dezember 1986 hielten
die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion
in Washington die achte
Runde einer andauernden Serie von
Konsultationen
zur
Nichtverbreitung
von Kernwaffen ab, die im Dezember
1982 begonnen hatte. Diese Konsultationen erstreckten sich auf ein breites Spektrum von Fragen, einschließlich der Aussichten für eine Stärkung
der
internationalen
Regelungen zur
Nichtverbreitung,
der
Unterstützung
des Vertrages
zur Nichtverbreitung
von Kernwaffen und des gegenseitigen
Wunsches der Vereinigten Staaten und
der UdSSR, die Internationale Atomenergieorganisation
(IAEO) zu stärken. Diese Konsultationen sind keine
Verhandlungen sondern eher Gespräche
zur Überprüfung verschiedener Fragen
beiderseitigen Interesses.
Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion
haben beide ein starkes Interesse,
die gefährliche Ausbreitung von Atomwaffen zu verhindern und haben sich
darauf verständigt, diese Konsultationen als ein Forum der Diskussion
und des Meinungsaustauschs zu benutzen.
Das Weiße

Haus

hat außerdem

die
- 6 -

�Amerikanisch-sowjetische Rüstungskontrollverhandlungen 1986
Nuklear- und Weltraumgespräche
Runde IV - 16. Januar - 4. März
Runde V - 8. Mai - 26. Juni
Runde VI - 18. September - 13. November
Konferenz
Runde
Runde
Runde
Runde

über Vertrauensbildung und Abrüstung in Europa (multilateral)
IX - 28. Januar - 15. März
X - 15. April - 23. Mai
XI - 10. Juni - 18. Juli
XII - 19. August - 19. September

Konferenz über Abrüstung (multilateral)
Rumpfsitzung des Ausschusses für chemische Waffen - 13.-31. Januar
Frühlingssitzung - 4. Februar - 25. April
Sommersitzung - 10. Juni - 29. August
Konsultationen des Vorsitzenden des Ausschusses für chemische Waffen
- 24. November - 17. Dezember
Beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen in Mitteleuropa
(multilateral)
Runde 38 - 30. Januar - 20. März
Runde 39 - 15. Mai - 3. Juli
Runde 40 - 25. September - 4. Dezember
Amerikanisch-sowjetische Expertengespräche über Rüstungskontrolle
Nuklear- und Weltraumgespräche (NST)
- 11.-12. August in Moskau
- 5.-6. September in Washington
- 2.-5. Dezember in Genf auf Verhandlungsführerebene
Beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen in Mitteleuropa (MBFR)
- 6.-7. August in Moskau
- 10.-11. September in Moskau
Konferenz über Vertrauensbildung und Abrüstung in Europa (KVAE)
- 14.-15. August in Stockholm
Gespräche über einen Vertrag über chemische Waffen
- 28. Januar - 3. Februar in Genf
- 15.-25. April in Genf
- 1.-18. Juli in Genf
- 28. Oktober - 18. November in New York
Gespräche über die Nichtverbreitung von chemischen Waffen
- 5.-6. März in Bern
- 4.-5. September in Bern

- 7-

�Atomtests
- 25. Juli - 1. August in Genf
- 4.-18. September in Genf
- 13.-25. November in Genf
Zentren zur Verringerung des atomaren Risikos
- 5.-6. Mai in Genf
- 25. August in Genf
Gespräche über die Nichtverbreitung von Kernwaffen (NPT]
- 15.-18. Dezember in Washington

* * * * * *

- 8~

�AMERIKA DIENST
'VON

4

Wissenschaft und Technik

21. Januar 1987

ANALYSE DES "STOFFWECHSELS" IN DER STRATOSPHÄRE
Mit Forschungsflugzeug chemischen Prozessen in der Luft auf der Spur -

WASHINGTON - (AD) - Ein nach Art
und Umfang bisher einzigartiges Forschungsprojekt, organisiert von mehr
als 50 Wissenschaftlern der NASA (USBehörde für Luft- und Raumfahrt) und
NOAA (US-Behörde für Meeres- und Atmosphärenforschung) , begann am 15.
Januar
1987 auf der Südhalbkugel,
über der Nordregion Australiens werden von Bord des amerikanischen Spezialflugzeuges ER-2
(ER steht für
"Earth Resources") in 18 000 m Höhe
und mehr, jedenfalls über den mächtigen Gewitterwolken, Luftproben genommen und im Flugzeug automatisch er-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

faßt, zum Teil auch bereits analysiert.
Zur gleichen Zeit sondieren
niedriger
fliegende
Flugzeuge
die
tieferen Schichten der amboßförmigen
Gewitterwolken.
Ziel der Experimente
ist es, nicht nur die Mengen von Wasserdampf sowie Art und Konzentrationen der Schwebstoffe in der Luft zu
bestimmen, sondern auch den Weg von
Luft, Gasen und Aerosolen aus niedrigen in höhere atmosphärische Schichten sowie chemische Umsetzungen bei
diesen Vorgängen
aufzudecken.
Man
hofft, dadurch Prozesse besser als
bisher erfassen zu können, die die

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Ozonschicht zerstören.
Die wissenschaftliche Nutzlast im
ER-2-Flugzeug, 16 speziell für dieses
Projekt entwickelte und vollautomatisch
arbeitende Instrumente, mißt
auch den Ozongehalt der durchflogenen
unteren Stratosphäre.
ER-2 ist der
einzige Flugzeugtyp, mit dem bei Unterschallgeschwindigkeit in so großen
Höhen geflogen werden kann.
Fünf
Jahre Vorbereitung hat das jetzt in
Angriff genommene Projekt gekostet.
Die Instrumente sind so ausgelegt,
daß der Pilot nur einen Schalter zu
bedienen braucht, um sie zu aktivieren.
Alles übrige - Kalibrieren,
Überprüfen, Erfassen und Aufzeichnen
von Daten - geschieht vollautomatisch
und wartungsfrei.
Diese erste Meßperiode soll ca.
einen Monat dauern.
Später ist geplant, mit einem ähnlichen Projekt
das berüchtigte "Ozonloch" über der
Antarktis näher zu untersuchen. Dabei handelt es sich um einen Bereich
in der Stratosphäre von der Ausdehnung Nordamerikas, in dem in den Monaten September und Oktober der Ozongehalt bis um 40 Prozent absinkt.
Das bedeutet eine erhebliche Störung
des natürlichen Gleichgewichts
für
den Auf- und Abbau der Ozonschicht,
die wegen ihrer Filterfunktion gegen
gefährliche
ultraviolette
Strahlung
von der Sonne wichtig für das Gedeihen, ja die Erhaltung allen Lebens
auf der Erde ist. In Hunderten von
Millionen Jahren hat sich eine bestimmte Konzentration an Ozonmolekülen (dreiatomiger Sauerstoff) in der
Stratosphäre eingependelt. Schon eine Verdünnung um ein Prozent könnte,
wie Wissenschaftler
der amerikanischen Umweltschutzbehörde EPA schätzen, unter anderem die Zahl der Erkrankungen an Hautkrebs um jährlich
20 000
allein
in
den
Vereinigten
Staaten erhöhen.

Eine Anreicherung von Ozon in bodennahen Luftschichten, unterhalb der
Stratosphäre, der dort durch photochemische Reaktionen bestimmter Luftschadstoffe entsteht, stört ebenfalls
das ökologische Gleichgewicht.
Die
Untersuchung der Auswirkungen dieses
"Tiefen''-Ozons steht noch ziemlich am
Anfang.
Jedenfalls erweist er sich
als Umweltgift, vor allem für Pflanzen.
Eine genaue Kenntnis von Transport- und Umsetzungsvorgängen für Gase und Aerosole in den Luftschichten
bis etwa 2 0 oder 25 km Höhe könnte
helfen, Antworten auf die Frage zu
finden, wie denn bestimmte Stoffe und
Verbindungen
in
die
oberen
Luftschichten gelangen - Stoffe, zu denen
zum Beispiel auch die an der Ozonschicht nagenden Fluorchlorkohlenwasserstoffe
gehören.
Einer
ziemlich
verbreiteten Theorie zufolge werden
Luftmassen, Wasserdampf und chemische
Stoffe durch die Wolken in den Tropen
in die Atmosphäre getragen: Die oberen Wolkenschichten kühlen vom Weltraum her ab, während die unteren
Schichten von der Erde her erwärmt
werden.
Das
erzeugt
aufsteigende
Konvektionsströmungen.
Ob oder inwieweit solche Vorgänge mit Veränderungen der Ozonschicht in Zusammenhang gebracht werden können, ist noch
unklar.
Die amerikanische Forschergruppe, die im Herbst 1986 in der
Antarktis eine Studie speziell zur
Aufklärung der Ursachen für das seit
1979 regelmäßig beobachtete "Ozonloch" durchführte, vermochte
keine
definitive Antwort zu geben.
Aber
sie ist überzeugt, triftige Gegenbeweise gegen Theorien zu haben, denenzufolge Aufwinde oder starke Sonnenaktivität den Abbau der Ozonschicht
bewirkten. Sie vermute vielmehr, daß
in erster Linie ein chemischer Prozeß
dafür verantwortlich sei.

�Dem steht die Hypothese einer anderen
NASA-Gruppe
entgegen.
Sie
glaubt auf Grund von Satellitenbeobachtungen
herausgefunden
zu haben,
daß die Sonne, nicht Chemikalien,
Ozonabbau bewirke.
Durch ungewöhnlich starke Sonnenaktivität, die Ende
1979 ihren Höhepunkt hatte, seien die
Konzentrationen
an
Stickstoffdioxyd
in der Stratosphäre zwischen 1979 und
198 4 um 75 Prozent gestiegen.
Das
habe zu einem weltweiten Rückgang der
atmosphärischen
Ozonkonzentrationen
und einem deutlichen Abbau über der
Antarktis geführt, heißt es in ihrer
Studie. Eine weitere Hypothese hatten einige Wissenschaftler der Universität Colorado auf einer Tagung
der Amerikanischen Geophysikalischen
Gesellschaft im Dezember 1986 in San
Francisco parat:
Sie vermuten, daß
durch Aschewolken von Vulkanausbrüchen in den Jahren 1978 bis 1982 Meßdaten, die Forschungssatelliten zur
Erde
schickten, verfälscht wurden,
weil die Instrumente an Bord der Satelliten
für solche Phänomene gar
nicht eingerichtet waren und sie deshalb nicht "verarbeiten" konnten. So
könnte zum Beispiel eine durch Sulfate vulkanischen Ursprungs verursachte
Streuung
elektromagnetischer
Strahlung bei Beobachtungen aus dem Weltraum fälschlicherweise als Anzeichen
für eine Ausdünnung der Ozonschicht
interpretiert werden.

* * * * * *
- 3

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9844">
                <text>21.01.1987</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9845">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9846">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="13489">
                <text>Amerikadienst 21.01.1987</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="13490">
                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Vereinigten Staaten und die Bundesrepublik Deutschland: Moderne Gesellschaftssysteme und ihre Herausforderungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede von Botschafter Burt vor dem Tönnissteiner Kreis -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rüstungskontrollinitiativen der Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Bericht des Weißen Hauses -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Analyse des "Stoffwechsels" in der Stratosphäre&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Mit Forschungsflugzeug chemischen Prozessen in der Luft auf der Spur -&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2282" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2293">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/8e483011ec08075da42cd858bbfce4df.pdf</src>
        <authentication>c936fecfc3291d3db6eb5bc8164871fe</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="11676">
                    <text>amcrika
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America
«**

f.

-&lt;S • y

N&amp;

fr

•v.

^

tf

Sonderdienst
21.Januar 1993

AMTSEINFÜHRUNG

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

PRÄSIDENT CLINTON: USA MUSSEN
WEITERHIN HERAUSFORDERUNGEN
IM AUSLAND BEWÄLTIGEN
Rede des neuen Präsidenten
bei seiner Amtseinführung

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�AMTSEINFÜHRUNG
21.Januar 1993

PRÄSIDENT CLINTON: USA MÜSSEN WEITERHIN
HERAUSFORDERUNGEN IM AUSLAND BEWÄLTIGEN
Rede des neuen Präsidenten bei seiner Amtseinführung
WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton hat am 20. Januar 1993 seinen Mitbürgern erklärt, daß die Vereinigten Staaten weiterhin "Herausforderungen im Ausland ebenso wie im Inland bewältigen" und weiterhin "die Welt
führen müssen, zu deren Entstehung wir so sehr beigetragen haben".
In seiner Rede anläßlich der Amtseinführung erklärte der neue Präsident auf den Stufen des Kapitols, es gebe
heute "keine klare Trennung mehr zwischen Außen- und Innenpolitik - die Weltwirtschaft, die Umwelt, die AIDSKrise der Welt, das weltweite Wettrüsten betreffen uns alle."
Clinton verwies darauf, daß die Vereinigten Staaten bei Herausforderungen ihrer vitalen Interessen "wenn
möglich mit friedlicher Diplomatie und wenn nötig mit Gewalt" reagieren würden. "Die mutigen Amerikaner, die
am Persischen Golf, in Somalia und andernorts stehen, sind Zeugnis unserer Entschlossenheit."
Nachfolgend veröffentlichen wir Clintons Rede zur Amtseinführung im Wortlaut.

Meine Mitbürger,
heute feiern wir das Mysterium der amerikanischen
Erneuerung. Diese Zeremonie findet mitten im Winter
statt. Aber mit den Worten, die wir sprechen und mit
den Gesichtern, die wir der Welt darbieten, erzwingen
wir den Frühling - einen Frühling, der in der ältesten
Demokratie der Welt wiedergeboren wird und der die
Vision und den Mut hervorbringt, um Amerika neu zu
erfinden.
Als unsere Gründerväter kühn der Welt die Unabhängigkeit Amerikas und Gott dem Allmächtigen unsere
Ziele erklärten, wußten sie, daß Amerika, um Bestand
zu haben, sich verändern mußte. Verändern nicht um
der Veränderungen willen, sondern verändern, um
Amerikas Ideale - das Leben, die Freiheit und das
Streben nach Glück - zu bewahren. Obwohl wir nach
der Musik unserer Zeit marschieren, ist unser Auftrag
zeitlos. Jede Generation muß definieren, was es
heißt, Amerikaner zu sein.

Heute stellt sich eine im Schatten des Kalten Krieges
aufgewachsene Generation neuen Pflichten in einer
Wert, die vom Sonnenschein der Freiheit erwärmt,
aber immer noch von altem Haß und neuen Plagen
bedroht wird.
Aufgewachsen in beispiellosem Wohlstand erben wir
eine Wirtschaft, die immer noch die stärkste der Wert
ist, aber von Konkursen, stagnierenden Einkommen,
wachsender Ungleichheit und tiefen Gräben zwischen
unseren Bürgern geschwächt wird.
Als George Washington zum ersten Mal den Eid
leistete, den ich gerade zu haften geschworen habe,
verbreiteten sich Nachrichten nur langsam zu Pferde
über Land und per Schiff über die Meere. Heute
werden die Bilder und der Ton dieser Feier unverzüglich zu Milliarden Menschen auf der ganzen Welt übertragen.

Kommunikation und Handel haben globalen Charakter, Investitionen sind mobil, die Technologie grenzt an
Stellvertretend für mein Land beglückwünsche ich Zauberei und der Ehrgeiz für ein besseres Leben ist
meinen Vorgänger für das halbe Jahrhundert seines überall anzutreffen. Wir verdienen unseren LebensunDienstes an Amerika, und ich danke den Millionen terhalt im Amerika von heute in friedlichem WettbeMännern und Frauen, deren Standhaftigkert und Opfer werb mit Menschen auf der ganzen Welt.
über Depression, Faschismus und Kommunismus triumphierten.

SONDERDIENST 1

Seite 1

�Grundlegende und mächtige Kräfte erschüttern unsere Welt und gestalten sie neu, und die drängende
Frage unseres Zeitalters lautet, ob wir den Wandel zu
unserem Freund und nicht zu unserem Feind machen
können.

Dies wird nicht leicht sein, es wird Opfer erfordern.
Aber es kann getan werden und zwar auf faire Weise.
Dies sind nicht Opfer um ihrer selbst willen, sondern
um unseretwillen, denn wir müssen für unsere Nation
sorgen, wie eine Familie für ihre Kinder sorgt.

Diese neue Welt hat bereits das Leben von Millionen
Amerikanern bereichert, die in der Lage sind, in ihr zu
konkurrieren und zu gewinnen. Wenn jedoch die
meisten Menschen für weniger mehr arbeiten, wenn
andere überhaupt nicht arbeiten können, wenn die
Kosten des Gesundheitswesens Millionen ruinieren
und viele unserer Unternehmen - große und kleine - in
den Bankrott zu treiben drohen, wenn die Furcht vor
Verbrechen gesetzestreue Bürger ihrer Freiheit beraubt und wenn Millionen armer Kinder sich das Leben,
das wir sie zu führen auffordern, noch nicht einmal
vorstellen können, haben wir den Wandel nicht zu
unserem Freund gemacht.

Unsere Gründerväter betrachteten sich im Lichte der
Nachwelt. Wir können nicht weniger tun. Jeder, der
jemals beobachtet hat, wie die Augen eines Kindes
langsam vom Schlaf überwältigt werden, weiß, was
Nachwelt ist. Nachwelt ist die Welt, die noch kommen
wird - die Welt, für die wir unsere Ideale aufrechterhalten, von der wir unseren Planeten geliehen haben und
für die wir eine geheiligte Verantwortung tragen.

Von unserer Revolution über den Bürgerkrieg und die
Große Depression bis zur Bürgerrechtsbewegung hat
unser Volk die Entschlossenheit aufgebracht, aus diesen
Krisen die Pfeiler unserer Geschichte zu bauen.

und sie vergessen darüber die Menschen, die uns mit
ihren Mühen und ihrem Schweiß hierhin entsandt
haben und die uns bezahlen.

Wir müssen tun, was keine Generation zuvor tun
mußte. Wir müssen mehr in unser Volk, seine Arbeitsplätze und seine Zukunft investieren und gleichzeitig
unsere massive Verschuldung abbauen. Und wir
müssen dies in einer Welt tun, in der wir um jede
Chance konkurrieren müssen.

Um Amerika zu erneuern, müssen wir Herausforderungen im Ausland ebenso wie im Inland bewältigen.
Es gibt keine klare Trennung mehr zwischen Außenund Innenpolitik - die Weltwirtschaft, die Umwelt, die
AIDS-Krise der Welt, das weltweite Wettrüsten betreffen uns alle.

Wir müssen tun, was Amerika am besten leistet: mehr
Chancen für alle bieten und von allen mehr Verantwortung fordern.

Es ist Zeit, mit der schlechten Gewohnheft zu brechen,
etwas
ohne Gegenleistung zu erwarten, von unserer
Wir wissen, daß wir uns harten Wahrheiten stellen und
Regierung
und voneinander. Laßt uns alle mehr
energische Schritte unternehmen müssen. Dies haVerantwortung
übernehmen, nicht nur für uns selbst
ben wir jedoch nicht getan. Statt dessen haben wir uns
und
unsere
Familien,
sondern für unsere Gemeinden
treiben lassen, und dieses Treibenlassen hat unsere
und
unser
Land.
Ressourcen erschöpft, unsere Wirtschaft zerrüttet und
unser Vertrauen erschüttert.
Um Amerika zu erneuem, müssen wir unsere Demokratie
neu beleben.
Zwar sind unsere Herausforderungen furchteinflößend,
doch dasselbe gilt auch für unsere Stärken. Die Diese schöne Hauptstadt ist, wie jede Hauptstadt seit
Amerikaner sind seit jeher ein ruheloses, suchendes dem Anbruch der Zivilisation, häufig ein Ort der Intriund hoffnungsvolles Volk gewesen. Unserer heutigen gen und Berechnung. Mächtige Personen schachern
Aufgabe müssen wir die Vision und den Willen derje- um Positionen und machen sich endlos Sorgen darünigen hinzufügen, die vor uns waren.
ber, wer in und wer out ist, wer oben und wer unten ist,

Die Amerikaner haben Besseres verdient. In dieser
Stadt
sind heute Menschen versammelt, die es besser
Thomas Jefferson glaubte daran, daß wir von Zeit zu
machen
möchten. Und deshalb sage ich Ihnen allen
Zeit dramatische Veränderungen benötigen, um die
heute,
laßt
uns beschließen, unsere Politik zu reforFundamente unserer Nation zu bewahren. Meine
mieren,
damit
Macht und Privilegien nicht länger die
Mitbürger, dies ist unsere Zeit. Wir müssen sie nutzen.
Stimme des Volkes ersticken. Laßt uns persönliche
Um unsere Demokratie soll uns nicht nur die ganze Vorteile zur Seite schieben, damit wir den Schmerz
Welt beneiden, unsere Demokratie muß auch die fühlen und die Versprechungen Amerikas sehen.
Lokomotive unserer Erneuerung werden. Amerika hat
keine Schwächen, die nicht durch Amerikas Stärken Laß uns beschließen, unsere Regierung zu einem Ort
dessen zu machen, was Franklin Roosevelt als "kühbehoben werden könnten.
nes, andauerndes Experiment" bezeichnet hat, zu
So geloben wir heute, daß die Ära des Stillstands und einer Regierung für unser Morgen und nicht für unser
des Dahintreibens vorüber ist und ein neues Zeitalter Gestern.
der amerikanischen Erneuerung begonnen hat.
Laßt uns diese Hauptstadt den Menschen zurückgeUm Amerika zu erneuern, müssen wir kühn sein.
ben, denen sie gehört.

Seite 2

SONDERDIENST 1

�Heute ist nach dem Ende einer alten Ordnung die neue
Welt freier aber weniger stabil. Der Zusammenbruch
des Kommunismus hat alte Animositäten und neue
Gefahren heraufbeschworen. Sicherlich müssen die
Vereinigten Staaten weiterhin die Welt führen, zu
deren Entstehung wir so sehr beigetragen haben.

Meine amerikanischen Mitbürger, auch Sie müssen
das Ihre zu unserer Erneuerung beitragen.

Ich rufe eine neue Generation junger Amerikaner auf,
sich ein Jahr in den Dienst an der Allgemeinheit zu
stellen - ihren Idealen gemäß Kindern in Not zu helfen,
Hilfsbedürftigen beizustehen, unsere zerrissenen
Während Amerika Aufbauarbeit im Inland leistet, werden Gemeinden wiederzusammenzufügen. Esgibt soviel
wir weder vor den Herausforderungen dieser neuen zu tun - in der Tat genug für Millionen anderer, die im
Welt zurückweichen, noch versäumen, ihre Chancen Geiste noch jung genug sind, um sich ebenfalls in den
zu ergreifen. Gemeinsam mit unseren Freunden und Dienst an der Allgemeinheit zu stellen.
Verbündeten werden wir danach streben, den Wandel
Wenn wir anderen dienen, erkennen wir eine einfache,
zu gestalten, damit er uns nicht überwältigt.
aber machtvolle Wahrheit: Wir brauchen einander.
Wenn unsere vitalen Interessen herausgefordert oder Und wir müssen uns umeinander kümmern.
der Wille und das Gewissen der internationalen Staatengemeinschaft mißachtet werden, werden wir han- Heute feiern wir nicht nur Amerika, sondern engagiedeln - wenn möglich mit friedlicher Diplomatie und ren uns erneut für die Amerika innewohnende Idee:
wenn nötig mit Gewalt. Die mutigen Amerikaner, die
Eine Idee, die während der Revolution geboren
am Persischen Golf, in Somalia und andernorts stewurde und im Laufe von zwei Jahrhunderten der
hen, sind Zeugnis unserer Entschlossenheit.
Herausforderungen erneuert wurde;
Unsere größte Stärke ist jedoch die Macht unserer
Ideen, die in vielen Ländern immer noch neu sind. Wir
sehen, wie sie auf der ganzen Welt aufgenommen
werden, und wir freuen uns darüber. Unsere Hoffnungen, unsere Herzen, unsere Hände sind auf seiten
derjenigen auf allen Kontinenten, die Demokratie und
Freiheit aufbauen. Ihre Sache ist die Sache Amerikas.

Eine Idee, die mit dem Wissen einhergeht, daß
wir nur durch das Schicksal zu den Glücklichen
oder den weniger Glücklichen gehören;

Das amerikanische Volk hat den Wandel bewirkt, den
wir heute feiern. Sie haben in einem unmißverständlichen Chor Ihre Stimmen erhoben. Sie haben in
historischen Zahlen Ihre Stimmen abgegeben. Und
Sie haben das Gesicht des Kongresses, der Präsidentschaft und des politischen Prozesses selbst verändert.

Eine Idee, die von der Überzeugung geleitet ist,
daß Amerikas lange heroische Reise immer
nach oben führen muß.

Ja, meine amerikanischen Mitbürger, Sie haben den
Frühling erzwungen.
Jetzt müssen wir tun, was die Jahreszeit gebietet.
Dieser Arbeit wende ich mich nun zu, mit der ganzen
Autorität meines Amtes. Ich bitte den Kongreß, sich
mir anzuschließen. Aber kein Präsident, kein Kongreß, keine Regierung kann diese Mission allein in
Angriff nehmen.

Eine Idee, die durch den Glauben veredelt wird,
daß unsere Nation aus ihrer enormen Vielfalt die
größtmögliche Einheit erlangen kann;

Mitbürgerinnen und Mitbürger, an der Schwelle des 21.
Jahrhunderts wollen wir mit Energie und Hoffnung, mit
Glauben und Disziplin neu beginnen und arbeiten, bis
unsere Arbeit getan ist. In der Bibel steht geschrieben:
"Laßt uns nicht müde werden das Gute zu tun, denn
wenn wir darin nicht nachlassen, werden wir ernten,
sobald die Zeit dafür gekommen ist".
Vom Gipfel des Hügels, auf dem wir freudig feiern,
vernehmen wir den Aufruf zum Dienst aus dem Tal.
Wir haben die Trompeten gehört. Die Wachablösung
hat stattgefunden. Und jetzt muß jeder von uns auf
seine Weise und mit Gottes Hilfe der Aufforderung
Folge leisten.
Ich danke Ihnen und möge Gott Sie schützen.

* * * *

SONDERDIENST 1

*

Seite 3

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11671">
                <text>21.01.1993</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11672">
                <text>Amerikadienst 21.01.1993 - Sonderdienst</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11673">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11674">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11675">
                <text>&lt;strong&gt;1. Amtseinführung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Clinton: USA müssen weiterhin Herausforderungen im Ausland bewältigen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des neuen Präsidenten bei seiner Amtseinführung&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="1442" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="1453">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/8532965fcdb9f4ed7a2100e35f750e5c.pdf</src>
        <authentication>91cecf3529d58d8a381bd392f90a4102</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="7624">
                    <text>amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

300

Information
und
Dokumentation

T e I e x : 08 - 8 54 3 2

Nummer

2 1 . Februar 1973

Inhalt

INFORMATION:
Nixon unterstreicht Bedeutung der Beziehungen zu Europa
-Auszüge aus einem Gespräch mit dem NATO-OberbefehlshaberPressekonferenz von Außenminister Rogers am 15. Februar 1973
-Auszüge zu Europa-

DOKUMENTATION:
Wortlaut des amerikanisch-nordvietnamesischen Kommuniques

WIRTSCHAFT:
Nixon will US-Kongreß um Ermächtigung für Zollerhöhungen ersuchen
-Neues Handelsgesetz soll US-Position stärken-

WISSENSCHAFT

UND TECHNIK:

Natürliche Hilfsquellen der Umwelt
-Botschaft Präsident Nixons an den US-KongreßMetallische Schadstoffe
Von G. Weiss
OECD-Rat untersagt Anwendung bestimmter Chemikalien

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

Information

300

T e I e x : 08 - 8 54 32

8/1973

NIXON UNTERSTREICHT BEDEUTUNG DER BEZIEHUNGEN ZU EUROPA
-Auszüge aus einem Gespräch mit dem NATO

Oberbefehlshaber-

WASHINGTON --(AD)-- Präsident Nixon hat am 15. Februar den Obersten Alliierten Befehlshaber Europa (SACEUR), General Andrew Goodpaster, zu einer Unterredung empfangen und dabei auch zu internationalen Fragen Stellung genommen.

Die Europa und Vietnam - vor allem die amerikanischen NATO-Ver-

pflichtungen - betreffenden Ausführungen des Präsidenten haben folgenden
Wortlaut:
"Ich habe im Augenblick nichts wesentliches zu MBFR und zur europäischen Sicherheitskonferenz zu sagen, mit der Ausnahme vielleicht, daß diese
Fragen sehr eingehend innerhalb der Regierung wie auch zwischen der amerikanischen Regierung und den Regierungen unserer europäischen Verbündeten
erörtert werden. Sie bildeten einen wichtigen Punkt in dem Gespräch mit
Premierminister Heath. Natürlich koennen Sie annehmen, daß dies auch zu
wirtschaftlichen Betrachtungen, über das Problem des Handels zum Beispiel,
führen würde, das sehr interessant und manchmal auch, was unsere europäischen Freunde wie auch die Japaner anbetrifft, sehr schwierig sein kann.
Wir dürfen die Tatsache nicht übersehen, daß die Sicherheitsvereinbarungen, die wir mit Europa und mit Japan getroffen haben, in engem Zusammenhang
hiermit stehen. Die Vereinigten Staaten werden jetzt, nachdem Vietnam vorbei

�vorbei ist, verständlicherweise Stimmen hören, sehr ernsthafte Stimmen,
daßVir jetzt nach Vietnam die Hände heben, uns nach innen wenden und uns
von unseren Verpflichtungen in der Welt zurückziehen sollten*.
Einer der Gründe, warum ich es für ungeheuer wichtig erachte, daß der
Krieg in Vietnam auf, wie ich glaube, die richtige Weise beendet wurde, nämlich durch einen ehrenvollen Frieden, war, daß es notwendig war, unseren
Verbündeten in Europa, den Japanern und den übrigen Verbündeten, den Thais
usw., wie auch den potentiellen Gegnern zu zeigen, daß die Vereinigten Staaten ein zuverlässiger Verbündeter sind. Alle Macht der Welt, die in den Vereinigten Staaten liegt, bedeutet nichts, wenn diejenigen, die von der amerikanischen Macht abhängig sind, um sie vor einer möglichen Aggression durch
andere Mächte zu schützen, vor der sie sich nicht selbst schützen können
- alle Macht der Welt bedeutet hier nichts, wenn nicht eine gewisse Garantie,
eine gewisse Zuversicht, ein gewisses Vertrauen besteht, daß die Vereinigten
Staaten glaubwürdig und zuverlässig sein werden.
Es ist mir durchaus bekannt, daß seitens unserer guten Freunde und Verbündeten in der Welt große Besorgnis geäußert worden ist - die wir durchaus
verstehen - nicht nur hinsichtlich unseres Engagements in Vietnam, der Entscheidungen, die wir treffen mußten, um einen ehrenvollen Frieden zu erreichen und um unsere Ziele zu verwirklichen, die ich in meiner Rede vom
8. Mai aufgezeigt hatte.
Ich bin, das möchte ich nur sagen, der ganz festen Überzeugung, daß
viele unserer Verbündeten zurückblicken und im geschichtlichen Rückblick erkennen werden, daß wir, hätten wir den leichten Ausweg gewählt- was wir
schon vor Jahren hätten tun können und sicherlich bei meinem Amtsantritt
im Jahre 1969 - durch unser Versagen dort ihr Vercrauen in die Vereinigten
Staaten ausgehöhlt und möglicherweise sogar zerstört hätten - und sicherlich
jene gewaltig ermutigt hätten, die aggressive Absichten uns gegenüber hegen
könnten."
General

�I
»
General Goodpaster erwiderte auf die Ausführungen des Präsidenten:
"Die Folge davon ist eine Stärkung des Vertrauens in Europa, und seit
den Anfängen der NATO bildete dieses Vertrauen ihre Grundlage. Es hat keine
Aushöhlung dieses Vertrauens gegeben; vielmehr kam es zu einer Stärkung
dieses Vertrauens, vor allem da dieses Handeln mit der starken Unterstützung
verbunden war, die Sie für die gesamte NATO zum Ausdruck brachten, sowie durch
die anhaltende Verpflichtung amerikanischer Stärke und durch die weiteren
amerikanischen Beiträge zur NATO. Wenn wir jetzt in diese Periode konstruktiver Verhandlungen eintreten, dann besteht nach meiner Meinung grundsätzlich
die Auffassung, daß wir diese Verhandlungen, so schwierig und so anspruchsvoll sie auch sein mögen, auf der Grundlage des gegenseitigen Vertrauens
und eines Gefühls der Stabilität und Stärke angehen."

+-H-

-3-

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

Telex:

Information

300

08-85432

8/1973

PRESSEKONFERENZ VON AUSSENMINISTER ROGERS AM 15.FEBRUAR 1973
-Auszüge zu Europa-

WASHINGTON --(AD)-- Der amerikanische Außenminister William P. Rogers
hat am 15. Februar auf einer Pressekonferenz zu internationalen Fragen
Stellung genommen. Wichtigste Themen der Pressekonferenz waren das Abkommen mit Kuba über die Auslieferung von Flugzeugentführern, die bevorstehende Vietnamkonferenz in Paris, der Nahe Osten, Europa, Indochina und der
Wiederaufbau Indochinas, die SEATO, das neue Handelsgesetz, das Energieproblem, die bevorstehende Sitzung des Weltsicherheitsrates in Panama
und der China-Besuch Dr. Kissingers.
Die Europa betreffenden Fragen und Antworten haben folgenden Wortlaut:
Frage: Herr Außenminister, vor zwei Tagen hat: ein Sprecher, der nicht
identifiziert werden kann, die Lösung der Handels-und Währungsprobleme mit
den Truppen, den amerikanischen Truppen in Europa, in Verbindung gebracht.
Gestern abend hat einer der höchsten Beamten des Außenministeriums in
einem informellen Gespräch eine solche Verbindung eindeutig bestritten.
Besteht eine solche?
Antwort: Es gibt keine Verbindung zwischen diesen beiden Dingen, bestimmt nicht in irgendeinem

formellen Sinn und bestimmt nicht, was die Ge-

spräche anbetrifft, die wir mit unseren europäischen Verbündeten führen
werden.
Auf

�Auf der anderen Seite liegt auf der Hand, daß die Gesundheit unserer
Wirtschaft und die Stärke unserer Position hier im eigenen Lande etwas mit
der Haltung des Kongresses bezüglich unserer Präsenz in Europa zu tun hat.
Was dies anbetrifft, so ist allgemein bekannt, daß eine Opposition im Kongreß
vorhanden ist und daß unsere Situation hier im eigenen Lande die Ansichten
des Kongresses beeinflußt.
Was die amerikanische Regierung anbetrifft, so bringen wir natürlich
die beiden Dinge nicht miteinander in Verbindung. Nach unserer Auffassung
sollte dies nicht geschehen, denn die Wäarungs-und Handelsfragen sind in
weltweitem Sinne, nicht nur was Europa anbetrifft, sehr wichtig.
Frage: Herr Außenminister, rechnen Sie mit irgendwelchen Schwierigkeiten mit der Europäischen Gemeinschaft, wenn wir nicht bis September, wenn
die Gespräche beginnen, ein Handelsgesetz verabschiedet haben. Es hat zahlreiche Anzeichen dafür gegeben, daß den Europäeern dieser Punkt alles andere
als gleichgültig ist?
Antwort: Ich weiß nicht, wie die zeitliche Reihenfolge sein wird. Die
Gespräche über Handelsfragen beginnen jedenfalls im Herbst.
Frage: Richtig, und die übereinstimmende Ansicht im Kapitol ist, daß
ein Handelsgesetz bis dahin kaum verabschiedet sein dürfte.
Antwort: Ich halte dies nicht für eine sehr fundierte Auffassung, denn
niemand im Kapitol weiß bis jetzt, was vorgeschlagen werden wird. Ich glaube,
wenn die Vorschläge, die wir machen werden, im Kapitol unterbreitet worden
sind, wird es eine beträchtliche Unterstützung für diese Vorschläge geben
- weil diese Vorschläge nämlich in keiner Weise darauf abzielen, unsere Märkte stärker für ausländische Waren zu öffnen, als dies heute der Fall ist.
Im Gegentei1,sie sollen für einen faireren Handel sorgen, so daß, ^enn unsere
Märkte stärker geöffnet werden, auch andere Märkte für uns geöffnet werden
müssen. Mit anderen Worten, wir wollen nichts anderes, als eine gleiche Behandlung in Handelsfragen. Und meines Erachtens ist man sich darüber im

�r

im klaren - und ich bin sogar sicher, daß man sich darüber im klaren ist denn die Außenminister, mit denen ich gesprochen habe, haben diese Auffassung zum Ausdruck gebracht, daß eine Menge Änderungen vorgenommen werden müssen.
Es gibt viele Ungerechtigkeiten. Unseres Erachtens wird der Kongreß
anders darüber denken, wenn ihm das Gesetz erst einmal vorliegt und daraus hervorgeht, daß es sich um einen Vorschlag handelt, der für gerechtere Handelsabmachungen sorgen wird, die vom Standpunkt der amerikanischen Geschäftsleute und der amerikanischen Arbeitnehmer fair sind. Wir
sind der Meinung, daß es keinen anderen Weg gibt als diesen, um auf dem
Gebiet des Handels vernünftig zu verhandeln - denn es geht, nicht nur um
Zölle, sondern es geht auch um nicht-tarifäre Handelsschranken, die durch
eine starre Gesetzgebung schwer zu packen sind. Hier muß man verhandeln.
Ich glaube also nicht, daß der Kongreß bereits jetzt schon seine Hai»
tung festgelegt hat.

Ich möchte sehr hoffen, daß der Kongreß positiv re-

agieren wird. Alles andere ist sinnlos. Ich meine., daß die Vorstellung,
man könne die Vereinigten Staaten gegenüber den ausländischen Importen
völlig abschirmen und dann ginge es uns allen besser, einfach nicht stimmt.
Was wir wollen, ist mehr Handel, mehr Welthandel, aber wir wollen, daß er
auf faire Weise abgewickelt wird. Vor allem müssen die nicht-tarifären Handelsschranken beseitigt werden, die, wie Sie uissen, versteckte Hilfsmittel,
oftmals versteckte Hilfsmittel, sind, um uns daran zu hindern;, nach anderen
Märkten zu exportieren. Das sind alles Dinge, die wir nicht etwa erfinden
oder uns nur einbilden. Das sind Dinge, die auch andere Nationen zugeben.
Wir sind zuversichtlich, daß wir jetzt die Zeit verlassen, da es um
militärische Auseinandersetzungen ging, und ich möchte mir das Jahr 1973
als ein Jahr des Friedens vorstellen. Wenn wir jetzt diese Zeit hinter uns
lassen und in ein Jahr des Friedens eintreten, dann gewinnen Fragen wie

-3-

�/•

wie Handel, Umwelt, die Weltmeere betreffende Fragen, Kommunikationsfragen,
all diese Dinge, immer mehr an Bedeutung.
Es ist für die internationale Völkergemeinschaft von entscheidender Bedeutung, bei der Behandlung solcher Fragen genügend Selbstdisziplin zu üben.
Und ich bin besonders froh, daß unsere Beziehungen zu allen großen Mächten
der Welt heute derart sind, daß wir, wie ich glaube, hoffen können, diese
schwierigen Fragen mit einem gewissen Maß an Selbstdisziplin behandeln zu
können.
Frage: Herr Außenminister, können Sie uns sagen, wann der Gesetzesentwurf vorgelegt wird?
Antwort: Nein, wir haben darüber noch nicht entschieden.
Frage: Herr Außenminister, eine ganz kurze Frage. Was wird das "Jahr
Europab" uns als nächstes bringen?
Antwort: Mir ist der Begriff "Jahr des Friedens" lieber als der Begriff
"Jahr Europas", weil ich glaube, daß das Schlagwort Jahr Europas so verstanden werden könnte, daß wir andere Gebiete der Welt vernachlässigen und unsere
ganze Aufmerksamkeit Europa zuwenden würden. Ich glaube nicht, daß dies der
Fall sein wird. Meines Erachtens wird das Schwergewicht mehr auf Europa und
europäische

Probleme gelegt werden, als dies in der Vergangenheit der Fall

war, und zwar aus vielen offensichtlichen Gründen: Erstens die Erweiterung
der Gemeinschaft; zweitens ist eine Reihe von Konferenzen im Gange, die sich
mit europäischen Angelegenheiten befassen - die europäische Sicherheitskonferenz, die beiderseitigen und ausgewogenen Truppenreduzierungen, die SALT-Verhandlungen . Und die Probleme im Zusammenhang mit der Erweiterung der Gemeinschaft werden ohne Frage ganz unterschiedliche Handelsfragen berühren, die
natürlich auch zu einem beträchtlichen Teil Japan angehen. All diese Faktoren
zusammengenommen werden sicherlich bewirken, daß das Schwergewicht in diesem
nächsten Jahr vermehrt auf Europa liegen wird."

"H—r

.,4-

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

I n f o r m a t i o n

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

Dokumentation

300

T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

8/1973

WORTLAUT DES AMERIKANISCH-NORDVIETNAMESISCHEN KOMMUNIQUES

WASHINGTON -„(AD)-- Das amerikanisch-nordvietnamesische Kommunique, das
zum Abschluß des Besuches, den der Berater Präsident Nixons für Nationale
Sicherheitsfragen, Dr. Henry Kissinger, Hanoi vom 10. bis 13. Februar abgestattet hat, herausgegeben und am 14. Februar vom Weißen Haus in Washington veröffentlicht worden ist, hat folgenden Wortlaut:
"Der Berater des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Dr. Henry A.
Kissinger, ist am 10. Februar 1973 in Hanoi eingetroffen und hat Hanoi am
13. Februar 1973 wieder verlassen. Er wurde von dem Leiter der RegierungsInformationszentrale, Herbert G. Klein, dem Stellvertretenden Unterstaatssekretär im amerikanischen Außenministerium, Botschafter William H.
Sullivan, sowie weiteren amerikanischen Beamten begleitet.
Während seines Aufenthaltes in Hanoi wurde Dr. Henry A. Kissinger von
Ministerpräsident Pham van Dong, dem Sonderberater Le Duc Tho und dem
Stellvertretenden Ministerpräsidenten Nguyen Duy Trinh empfangen. Die nordvietnamesische und die amerikanische Seite hatten einen offenen, ernsthaften
und konstruktiven Gedankenaustausch zur Durchführung des Abkommens über

»1-

�über eine Beendigung des Krieges und die Wiederherstellung des Friedens in
Vietnam, das am 27. Januar 1973 in Paris unterzeichnet worden war, wie auch
über die Nachkriegsbeziehungen zwischen der Demokratischen Republik Vietnam
und den Vereinigten Staaten und über andere Fragen von beiderseitigem Interesse. Sonderberater Le Duc Tho und Dr. Kissinger führten ferner Gespräche,
mit denen sie ihre Treffen fortsetzten, die in den vergangenen vier Jahren
in Paris stattgefunden hatten. Unabhängig von diesen Arbeitssitzungen besuchten Dr. Kissinger und seine Begleiter eine Reihe von für sie interessanten Punkten in Hanoi.
Die beiden Seiten überprüften sorgfältig die Durchfuhrung des Pariser
Vietnam-Abkommens während der letzten Zeit. Sie erörterten verschiedene notwendige Maßnahmen, die ergriffen werden sollten,um die Verwirklichung des
Abkommens zu verbessern und zu beschleunigen, und vereinbarten, daß sie weiterhin in gewissen Zeitabständen einen Gedankenaustausch führen werden, um
die strikte und peinlich genaue Einhaltung des Abkommens und seiner Protokolle zu gewährleisten, so wie es die Unterzeichner versichert haben.
Die beiden Seiten begrüßten die Gespräche zwischen den beiden südvietnamesischen Parteien, die dem Ziele dienen, die Paragraphen über die Selbstbestimmung in Südvietnam gemäß den Vereinbarungen des Pariser Vietnanh-Abkommens durchzuführen.
Die Demokratische Republik Vietnam und die Vereinigten Staaten erklärten, daß die volle und peinlich genaue Durchführung des Pariser Vietnam-Abkommens zur Sache des Friedens in Indochina und in Südostasien auf der Basis der strikten Respektierung der Unabhängigkeit und Neutralität der Länder
dieses Raumes positiv beitragen werde.
Die beiden Seiten bekräftigten, daß die zwischen den Ländern Indochinas
bestehenden Probleme von den Parteien Indochinas auf der Basis der Respektierung der Unabhängigkeit, der Souveränität und der territorialen Integrität

-2-

�Integrität des anderen sowie der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten des anderen gelöst werden sollten. Sie begrüßten die Verhandlungen zwischen den Parteien in Laos, die eine friedliche Regelung in diesem Lande
herbeiführen sollen.
Die beiden Seiten führten einen Gedankenaustausch darüber, wie die
Vereinigten Staaten zur Heilung der Wunden des Krieges und zum Wiederaufbau
der Nachkriegswirtschaft in Nordvietnam beitragen werden. Sie vereinbarten,
eine gemeinsame nordvietnamesisch-amerikanische Wirtschaftskommission einzusetzen. Diese Kommission, die sich aus einer gleichen Zahl von Vertretern jeder Seite zusammensetzen soll, wird die Aufgabe haben, die wirtschaftlichen
Beziehungen zwischen der Demokratischen Republik Vietnam und den Vereinigten
Staaten auszubauen.
Die beiden Seiten führten ferner einen Gedankenaustausch über die Einberufung der internationalen Vietnamkonferenz,wie dies in Artikel 19 des Pariser Vietnamabkommens vorgesehen ist. Sie werden ihre Konsultationen mit den
übrigen Konferenzteilnehmern fortsetzen, um den Boden für eine erfolgreiche
Konferenz vorzubereiten.
Die beiden Seiten erörterten die Nachkriegsbeziehungen zwischen der Demokratischen Republik Vietnam und den Vereinigten Staaten und prüften konkrete Schritte, die zur Normalisierung der Beziehungen zwischen den beiden Ländern ergriffen werden können. Sie vereinbarten bestimmte allgemeine Prinzipien,
die ihren beiderseitigen Beziehungen zugrundeliegen sollen:
-- Alle Bestimmungen des Pariser Vietnam-Abkommens und seiner Protokolle
sollen voll und peinlich genau durchgeführt werden.
-- Die Demokratische Republik Vietnam und die Vereinigten Staaten sollen
sich um ein neues Verhältnis bemühen, das auf der Respektierung der
Unabhängigkeit und Souveränität des anderen, der Nichteinmischung in
die inneren Angelegenheiten des anderen, der Gleichberechtigung und
des beiderseitigen Wohles basiert.
--Die

3-

�-- Die Normalisierung der Beziehungen zwischen der Demokratischen Republik Vietnam und den Vereinigten Staaten wird dazu beitragen, einen
stabilen Frieden in Vietnam zu gewährleisten, und der Sache des
Friedens in Indochina und Südostasien nützen.

Dr. Kissinger und seine Begleitung haben ihrem herzlichen Dank für die
von der Demokratischen Republik Vietnam gewährte Gastfreundschaft Ausdruck
gegeben. Beide Seiten hoffen, daß dieser Besuch den Beginn neuer bilateraler Beziehungen kennzeichnen wird."

Auf Fragen von Korrespondenten erklärte der Pressesekretär des Weißen
Hauses, Ronald Ziegler, zur Möglichkeit einer diplomatischen Anerkennung
Hanois: "Die beiden Seiten haben Schritte zur Normalisierung der Beziehungen
geprüft und bestimmte Prinzipien für die Beziehungen der beiden Seiten vereinbart. Nach Durchführung dieser Maßnahmen können wir weitere Schritte erörtern."
Nach den Worten Zieglers sind ferner bedeutsame Fortschritte in drei
Punkten erzielt worden, nämlich bei der Ausarbeitung eines Systems zur Nachforschung nach den als vermißt gemeldeten Amerikanern, bei der Verbesserung
des Waffenstillstandes sowie bei der Festlegung der Übergangsstellen, über
die militärischer Ersatz gemäß dem Abkommen vom 27. Januar nach Südvietnam
gebracht werden darf. Ziegler kündigte weiter an, daß Präsident Nixon innerhalb von zwei Wochen die amerikanischen Mitglieder für die gemeinsame Wirtschaftskommission benennen wird, wobei der Pressesekretär betonte, daß die
amerikanischen Wiederaufbauanstrengungen ganz Indochina umfassen würden.
Wie hoch die Beträge sein werden, die die USA zum Wiederaufbau Indochinas
beisteuern werden, war in Washington noch nicht zu erfahren, doch betonten
maßgebende amerikanische Kreise, daß gegenwärtig bilaterale wie auch multilaterale Kanäle für die Nächkriegshilfe geprüft werden. Und der Sprecher
des amerikanischen Außenministeriums, Charles Bray, erklärte, daß jedes der-

-4-

�derartige Programm zuerst der Zustimmung des US-Kongresses bedürfe.
Ziegler lehnte es ab, auf Einzelheiten der am 26. Februar in Paris beginnenden Vietnam-Konferenz und die Zur Erörterung anstehenden Tagesordnungspunkte einzugehen und betonte lediglich, daß Washington und Hanoi ihre Kontakte auf den bestehenden Kanälen fortsetzen werden.

-5-

�&lt; a m e r i k a dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Postfach

Telex:

Wirtschaft

Service
300

0 8 - 8 54 32

8/1973

NIXON WILL US-KONGRESS UM ERMÄCHTIGUNG FÜR ZOLLERHÖHUNGEN ERSUCHEN
-Neues Handelsgesetz soll US-Position stärken-

WASHINGTON --(AD)-- Präsident Nixon hat angekündigt, daß er den amerikanischen Kongreß um eine Ermächtigung für Zollerhöhungen ersuchen werde,
wenn sich solche als notwendig erweisen sollten, um amerikanischen Erzeugnissen im Ausland eine faire Behandlung und einen fairen Anteil an
den Auslandsmärkten zu sichern.
Nach Ansicht des Präsidenten müssen die Vertreter der USA bei den
bevorstehenden Verhandlungen, die den amerikanischen Exporten bessere Absatzmöglichkeiten bringen sollen, in der Lage sein, notfalls auch mit Importbeschränkungen drohen zu können. In einem Gespräch mit Finanzminister
Shultz nach Bekanntgabe der Abwertung des US-Dollar um 10 Prozent gab
Nixon eindeutig zu verstehen,daß "die Abwertung des Dollar bestenfalls
nur eine vorübergehende Lösung des Problems (der Ungleichgewichte) ist."
Aus diesem Grunde müsse der Abwertung jetzt ein neues Handelsgesetz folgen.
Gleichzeitig wies der Präsident darauf hin, daß die Vereinigten Staaten in
der Vergangenheit zu oft ihre Handelsbeschränkungen abgebaut haben, während
andere Länder die ihren erhöhten. Künftig, so betonte der Präsident, müßten
die amerikanischen Delegierten Handlungsfreiheit nach beiden Seiten haben,
denn nur wenn die Vereinigten Staaten ihre Handelsschranken erhöhten,

-1-

�I

V.

erhöhten, könnten andere Länder dazu veranlaßt werden, einige ihrer Handelsschranken abzubauen.
Die Vereinigten Staaten stellen für die übrige Welt den besten Absatzmarkt dar, und Japan sowie die europäischen Länder können diesen Markt mit
ihren Erzeugnissen überschwemmen, so daß amerikanische Firmen schließen
müssen und amerikanische Arbeiter ihre Arbeitsplätze verlieren. Aus diesem
Grunde müssen die USA nach Ansicht des Präsidenten bei der Verfolgung ihrer
Politik eines freieren Handels stets "die Karte des Protektionismus in der
Hinterhand" halten. "Wir sind der Ansicht, daß der Welt durch eine Senkung
der Zölle besser gedient ist", so betonte der Präsident. Aber dies könne
nicht dadurch erreicht werden, daß die USA ihre Zölle senken, während die
anderen Länder sie beibehalten. Vielmehr müßten auch die anderen Länder
ihre diskriminierende Politik aufgeben.
Das neue Handelsgesetz ist nach Auffassung der amerikanischen Regierung
unbedingt notwendig, um die hohen Defizite der USA in den beiden letzten Jahren abzubauen. Nur so kann der Druck, unter dem der US-Dollar steht, beseitigt werden. Den unmittelbaren Auswirkungen der Ungleichgewichte ist jetzt
durch die Dollarabwertung begegnet worden, aber, und das hat der Präsident
ganz klar zu verstehen gegeben, "wir dürfen uns keinen Illusionen in bezug
auf die Tatsache hingeben, daß wir jetzt ein Handelsgesetz brauchen, damit
die grundlegenden Ursachen angepackt werden."
Schon bei der Bekanntgabe der neuen amerikanischen Handelspolitik am
15. August 1971 hatte Nixon darauf hingewiesen, daß es für die USA von ungeheurer Wichtigkeit ist, ihre Märkte vor einer möglichen Überschwemmung durch
ausländische Erzeugnisse zu schützen. Und in den jüngsten Erklärungen der
amerikanischen Regierung ist immer wieder betont worden, daß die amerikanischen Produzenten fair behandelt werden und gleichen Zugang zu den Auslandsmärkten haben müssen. Diesem Ziel, nämlich die tarifären und die nicht-

-2-

�nicht-tarifären Handelsschranken auf allen Gebieten abzubauen und die amerikanische Handelsposition zu verbessern, soll das neue Handelsgesetz dienen,
wobei von amerikanischer Seite immer wieder darauf verwiesen worden ist,
daß es sich bei den internationalen Wirtschaftsproblemen keineswegs ausschließlich um Probleme der USA handelt. Und mit Recht erklärte Finanzminister Shultz am 13. Februar: "Wenn wir dieses Ziel einer Verbesserung
der US-Handelsposition nicht im Rahmen eines freieren und faireren Handels
erreichen können, dann wird sich ein starker Druck in den USA in Richtung
auf eine Wendung nach innen herausbilden."
Maßgebende Kreise des amerikanischen Kongresses haben bereits erkennen
lassen, daß der Kongreß die in Kürze zu erwartenden Handels-und Währungsvorschläge Präsident Nixons rasch behandeln wird. Hier wie auch in der amerikanischen Presse ist die Dollarabwertung allgemein begrüßt und die Forderung des Präsidenten nach einem Handelsgesetz unterstützt worden, das der
amerikanischen Wirtschaft einen fairen Anteil an den Weltmärkten sichern
soll .
Zahlreiche Abgeordnete und Senatoren unterstrichen dabei die Notwendigkeit weiterer Reformen sowohl auf dem Währungssektor wie auch auf dem Gebiet
des Handels. Der demokratische Abgeordnete Henry Reuss betonte, daß die
Dollarabwertung praktisch nur eine Atempause gebe und weitere Krisen zu erwarten seien, "sofern wir nicht schnell und entschlossen in Richtung auf eine
grundlegende Reform des internationalen Währungssystems fortschreiten."
Wie dringlich eine solche Reform des internationalen Währungssystems ist,
unterstreichen auch die jetzt vom amerikanischen Handelsministerium veröffentlichten vorläufigen Zahlen des amerikanischen Zahlungsbilanzdefizits im Jahre
1972, das mit 13 779 Millionen Dollar angegeben wird. Gegenüber dem Rekorddefizit des Jahres 1971 bedeutet dies eine Verbesserung um 8 223 Millionen
Dollar. Maßgebende amerikanische Kreise weisen in diesem Zusammenhang darauf

�darauf hin, daß diese Verbesserung fast ausschließlich auf einen Rückgang
des Abflusses spekulativer Gelder zurückzuführen war, während die Bilanz
der Güter und Dienstleistungen 1972 ein Defizit von 4 542 Millionen Dollar
auswies. Noch im Jahre 1970 hatten die USA einen Überschuß in dieser Bilanz
von 3 563 Millionen Dollar und 1971 einen geringen Überschuß von 727 Millionen Dollar zu verzeichnen gehabt.
In der Presseverlautbarung des US-Handelsministeriums heißt es wörtlich:
"Daß die Importe 1972 stärker als die Exporte anstiegen ist zum Teil
auf die raschere Zunahme der Wirtschaftstätigkeit in den USA-im Vergleich
zu den meisten unserer großen Exportmärkte- zurückzuführen. Weiter haben die
Importpreise rascher angezogen als die Exportpreise, zum Teil,weil der inflationistische Druck in zahlreichen anderen Ländern stärker war,und zum Teil,
weil sich die Dollarabwertung des Jahres 1971 zunächst nachteilig auswirkte.
Dieser Dollarabwertung folgten fast umgehend höhere Dollarpreise für Importgüter. Diese Importpreise stiegen im letzten Jahr um fast 7,5 Prozent verglichen mit 5,2 Prozent 1971. Die Exportpreise stiegen weit weniger an
- um 3,5 Prozent gegenüber 3,2 Prozent im vorangegangenen Jahr - und zu einem
wesentlichen Teil war dies auf die zunehmende weltweite Nachfrage nach Agrarerzeugnissen zurückzuführen."
Die amerikanische Handelsbilanz allein hat sich nach den Angaben des
Handelsministeriums 1972 um 4,1 Milliarden Dollar verschlechtert, wovon je
1,5 Milliarden Dollar auf den Handel mit Westeuropa und mit den Entwicklungsländern in Asien und Afrika entfielen. Das amerikanische Handelsdefizit gegenüber Japan vergrößerte sich um 800 Millionen Dollar auf 4 Milliarden Dollar
und das Handelsdefizit gegenüber Kanada um 300 Millionen D 0 n a r
den Dollar.

-4-

aUf

2 Milliar-

�* amerika dienst
d States I n f o r m a t i o n
Bad
Tel:

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

Telex:

300

Wissenschi
und
Technik

0 8 - 8 54 32

8/1973

NATÜRLICHE HILFSQUELLEN UND UMWELT
-Botschaft Präsident Nixons an den US-Kongreß-

WASHINGTON --(AD)— In einer Botschaft über "Natürliche Hilfsquellen und
Umwelt", die Präsident Nixon am 15. Februar 1973 dem US-Kongreß zuleitete,
werden die Anstrengungen und die Fortschritte der letzten Zeit zur Reinhaltung von Luft und Wasser hervorgehoben. "Die Ergebnisse der Anstrengungen sind meßbar geworden..; unsere Luft wird sauberer...; die schwerwiegenden Probleme von Wasserverschmutzung bekommen wir in den Griff, die
Probleme der Lärmbelästigung und Pestizidanwendung kommen unter Kontrolle,
unsere Park-und Naturparkflächen werden größer", erklärte der Präsident.
Gleichzeitig verweist er auf die Notwendigkeit einer nationalen Landnutzungspolitik, in der die Aufgaben des Umweltschutzes gebührend berücksichtigt sind.
Besserer Schutz der Umwelt ist inzwischen auch Gegenstand internationaler Bemühungen.Präsident Nixon erinnert daran, daß die Vereinten Nationen
den amerikanischen Vorschlag zur Schaffung eines Sonderfonds für umweltaufgaben akzeptierten. Der amerikanische Haushaltsvoranschlag für 1974 sieht
einen Beitrag der USA von zunächst zehn Millionen Dollar zu dem Fonds vor,
der im Verlauf von fünf Jahren auf 100 Millionen Dollar aufgestockt werden

�werden soll. Der Präsident drängt außerdem darauf, daß der US-Senat

der

internationalen Konvention über die Abfallbeseitigung im Meer zustimmen möge,
auf die sich im November 1972 die USA und 91 andere Länder in London einigten. Auch die internationale Konvention über die Schaffung eines Welttreuhänderrates steht noch zur Ratifizierung an. Diese Einrichtung, die auf
Vorschläge der Vereinigten Staaten zurückgeht, soll Gebiete betreuen, "die
von so großem naturkundlichen, historischen oder kulturellen Wert sind,
daß sie als Kulturgut der gesamten Menschheit zu gelten haben."
Präsident Nixon erwähnt in der Botschaft eine neue Gesetzesvorlage,
die den Schutz seltener und in ihrem Bestand gefährdeter Pflanzen und Tiere gewährleisten soll. Damit könnten die Vereinigten Staaten auch einen
Beitrag zu ähnlichen internationalen Bestrebungen leisten. In Washington
tagt gegenwärtig eine internationale Konferenz, die eine entsprechende
Konvention mit weltweiter Gültigkeit erarbeitet.
Vorschläge der Regierung zu 19 speziellen Punkten in bezug auf natürliche Hilfsquellen und Umweltaufgaben, auf die der Kongreß bisher nicht reagierte, wird der Präsident erneut unterbreiten. Andere wichtige Regierungsvorlagen über Immissionsschutz, Verbesserung der Wasserqualität und der
Kontrolle von Pestiziden, zur Lärmbekämpfung, dei Abfallbeseitigung im Meer
und Verhinderung von Ölverschmutzung von Häfen und Wasserwegen sowie über
die Schaffung von Erholungsgebieten haben bereits Gesetzeskraft erlangt.
"Jahr für Jahr werden mehr öffentliche Mittel für Umweltprogramme
eingesetzt", betont Präsident Nixon. In den letzten vier Jahren haben sich
die Aufwendungen dafür vervierfacht; auf dem Gebiet der Wasser-Reinhaltung
wurden sie sogar um das 15fache erhöht. Indirekt auf die Kritik aus Kongreßkreisen eingehend, daß der Präsident sich weigerte, die von der Volksvertretung für diesen speziellen Zweck bereits bewilligten Mittel in voller Höhe
freizugeben, gibt Nixon zu bedenken: "Wir schaffen gegenwärtig neue Anlagen

-2-

�Anlagen schon beinahe in dem gleichen Tempo an, in dem die Industrie sie
baut. Dafür noch mehr Geld auszugeben würde uns nicht mehr Klär-und Reinigungsanlagen einbringen, sondern nur höhere Kosten."
Zur Erfüllung wichtiger innenpolitischer Aufgaben forderte Präsident
Nixon unter anderem:
-- ein Bundesgesetz über Landnutzung, das Bundeshilfe an die 50 Einzelstaaten vorsieht, "um gefährdete Gebiete zu schützen und die Standortwahl
für Einrichtungen wie Flughäfen, Fernstraßen und wichtige private Projekte
zu regeln";
-- ein Programm für die Standortwahl von Kraftwerken, das sowohl die
Energieversorgung auf lange Sicht als auch den Umweltschutz berücksichtigt;
-- ein neues Bergbauschutzgesetz, das die Einzelstaaten verpflichtet,
Umweltschutz-Auflagen der Bundesregierung bei der Neuerschließung von Tagebau- und Untertage-Gruben zu berücksichtigen. Unter anderem ist auch die Rekultivierung von Tagebau-Gebieten darin vorgesehen;
—

Erhebung einer Gebühr in Höhe von 44 Cent pro Kilogramm Schwefel,

der mit Abgasen in solchen Gebieten in die Atmosphäre gelangt, wo die Luftqualität nicht den gesundheitlichen Mindestwerten entspricht. Gebiete mit
besserer oder guter Luftqualität dagegen sollen von der Sondergebühr befreit sein.
Präsident Nixon setzt sich außerdem für neue gesetzliche Regelungen in
bezug auf den Fischfang durch ausländische Schiffe vor solchen Küstengebieten der USA ein, die in internationale

Verträge einbezogen sind, neuer-

dings aber als Naturschutzgebiete gelten. Während dies bisher ausschließlich
für die Pazifikküste zutraf, wurden jetzt auch Gebiete der Ostküste zu
Schutzzonen erklärt.
+++

~3

�1

- amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

W ssenschaft
und
Technik

Service

Postfach

300

T e I e x : 0 8 - 8 54 32

8/1973
METALLISCHE SCHADSTOFFE

Verbesserte Analyseru. cthoden - Neue Erkenntnisse zur Wirkung von
Quecksilber im Organismus
Von G, Weiss
--(AD)-- Ein genaues und sehr zuvex..ässiges Verfahren für die Messung der
Konzentration von Schadstoffen in der Luft entwickelten Wissenschaftler
des amerikanischen "National Bureau of Standards" (iNBS-Bundesamt für Materialprüfung und Technische Normen) gemeinsam mit Chemikern der Universität
Maryland. Die in Luftproben enthaltenen Staubpartikel werden in einem NBSLaboratorium mit energiereichen Photonen eines Elektronen-Linearbeschleunigers beschossen. Dabei entstehen radioaktive Reaktionsprodukte der beteiligten Elemente, die Gammastrahlung abgeben. Die Intensität und Frequenz der
Strahlungskomponenten läßt genaue Rückschlüsse darauf zu, welche von 14
verschiedenen Elementen in welcher Konzentration in der Probe enthalten waren. Zur Messung und Unterscheidung der Gammastrahlung, die z.B. die genaue
Menge toxischer Materialien wie Blei, Arsen oder Nickel im Staub angibt,
werden Halbleiter-Detektoren verwendet.
Da Elektronenbeschleuniger jedoch noch Seltenheitswert haben und sehr
kostspielige Maschinen sind, ist das als "instrumenteile Photonen-Aktivierungsanalyse (IPAA) bezeichnete Verfahren vorläufig nur an gut ausgestatteten

-l-

�ausgestatteten Instituten anwendbar. Deshalb sollte es nach Ansicht von
Dr. George J. Lutz (NBS), der im Januar 1973 auf einer Tagung der American
Chemical Society darüber berichtete, zunächst zur Überprüfung und Einstellung einfacherer und billiger Meßverfahren benutzt werden.
Mit Hilfe der Neutronen-Aktivierungsanalyse wurde im NBS außerdem ein
Verfahren zur genauen Bestimmung von Chrom bei sehr geringen Konzentrationen entwickelt- Die Methode ist sowohl für die klinische Forschung als auch
für die Schadstoffüberwachung anwendbar. Dieser kommt in der Umgebung von
Bergwerken oder Industrieanlagen besondere Bedeutung zu, wo Chrom freigesetzt wird. Die Aufnahme giftiger Chromverbindungen durch Pflanzen und Tiere
(z.B. Anreicherung im Laub von Obstbäumen oder in der Leber von Rindern)
ist auf diese Weise zuverlässig zu kontrollieren.

-QuecksilberEin besonders guter Indikator für die Belastung der Luft mit Quecksilber, das aus Industrieprozessen stammt, scheint die Moosdecke in den Wäldern
zu sein. Der Chemiker Dr. Donald S. Yeaple ("J-B-F Scientific Corporation"
in Burlington, Vermont) stellte bei der Untersuchung zahlreicher Moosarten
in der Nachbarschaft von Industrieanlagen fest, daß sie Quecksilber aus der
Luft mit Staub oder durch Niederschläge aufnehmen. Eine Quecksilberabsorption
aus dem Boden, die die Meßwerte verfälschen würde, kann dagegen mit Sicherheit ausgeschlossen werden.
Sehr zuverlässige "Bioindikatoren" für die Belastung von Gewässern mit
Quecksilber und anderen giftigen Abfällen, insbesondere Zink und Kupfer,
sind die Muscheln. Prof. Francis C. Birkner von der Universität Maryland
(Baltimore) stellte dies bei Untersuchungen an Muscheln aus der ChesapeakeBucht an der Küste von Maryland fest, die erhebliche Mengen von Industrieabfällen aufzunehmen hat.
Die

�Die Muscheln aus diesem Gebiet, die übrigens kommerziell nicht verwertet werden, hatten zwar noch eine relativ niedrige Quecksilberkonzentration.
Nach den heute üblichen Maßstäben wäre eine Gefährdung erst dann gegeben,
wenn man täglich mehr als 30 solcher Muscheln verzehren würde. Die Muscheln
reichern durch ihre massive Filtrationsarbeit die Giftstoffe an, so daß sie
stets wesentlich mehr davon enthalten als das Wasser, in dem sie leben. Deshalb sollten sie als "Markierorganismen" für metallische Schadstoffe im Wasser mehr als bisher genutzt werden.
Dr. Bruce McDuffie von der Staatsuniversität New York (Binghamton), der
vor ein paar Jahren als einer der ersten wegen des teilweise gefährlich hohen Quecksilbergehaltes von Schwert-und Thunfisch Alarm schlug, stellte durch
neuere Untersuchungen fest, daß das Schwermetall ausschließlich in der
methylierten

Form in den Speisefischen vorhanden ist. Sie speichern die

giftigen Schwermetallverbindungen in den Muskeln, ähnlich wie der menschliche Körper das Metall Kadmium in Niere und Leber anreichert.
In der methylierten Form kann Quecksilber bei Säugetieren und beim
Menschen die Blut-Hirn-Schranke passieren und irreversible Schäden anrichten. Über die verschiedenen Formen und Stadien neurologischer und biochemischer Störungen sowie Veränderungen der Verhaltensweisen versuchten Dr. Joan
Spyker, Dr. Sheldon Sperber (Universität Minnesota) und Dr. Alan Goldberg
(Johns Hopkins-Universität in Baltimore, Maryland) durch Tierversuche Aufschluß zu bekommen. Den drei Forschern ging es vor allem darum, zu ermitteln,
ob es neben den bekannten Symptomen von Methylquecksilber-Vergiftung - beim
Menschen z.B. taubes Gefühl und andere abnorme Empfindungen in Händen, Füßen,
Augenlidern und Zunge, die Unfähigkeit zu koordinierten Muskelbewegungen,
Beeinträchtigung des Hör-und Sehvermögens - bereits im Frühstadium Anzeichen
für eine Quecksilbervergiftung gibt und ob verschiedene Altersgruppen unterschiedlich reagieren.
Bei

�Bei den Experimenten an Mäusen fiel die Feststellung besonders ins
Gewicht, daß Methylquecksilber im Gewebe des Fötus, und zwar speziell im
Nervensystem, stärker angereichert wird als im Gewebe des Muttertieres. Äußerlich waren zwischen der Nachkommenschaft behandelter Tiere und unbehandelter
Kontrollgruppen keine Unterschiede festzustellen. Aber nach einigen Wochen
war zu beobachten, daß die Nachkommen behandelter Tiere im Vergleich zu den
normalen Artgenossen auf äußere Reize stark verzögert oder falsch reagierten
und daß Stoffwechselvorgänge offenbar langsamer abliefen. Auch die Ausscheidung von Urin und Exkrementen war davon betroffen.
Nach Ansicht der drei Wissenschaftler, die ihre Studien mit finanzieller Unterstützung der Medizinischen Bundesforschungsanstalten der USA (NIH)
durchführten, müßten aufgrund dieser Beobachtungen neue, verfeinerte Parameter zur Diagnose einer Quecksilbervergiftung entwickelt werden. Andernfalls sei zu befürchten, daß eine Reihe von gesundheitlichen Störungen zu
lange unentdeckt bleibt oder falsch gedeutet wird, solange die Symptome
nicht in das Bild einer massiven Quecksilbervergiftung passen.

.4-

�i amerlka diens,
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

I n f o r m a t i o n

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

Telex:

300

Wissenschaft
und

Technik

0 8 - 8 54 32

8/1973

OECD-RAT UNTERSAGT ANWENDUNG BESTIMMTER CHEMIKALIEN
Polychlorierte Biphenyle (PCB) nur noch in Ausnahmefällen zugelassen

— (AD)-- Einstimmig beschloß der Rat für Wirtschaftliche Zusammenarbeit
und Entwicklung (OECD) in Paris, die Anwendung von polychlorierten
Biphenylverbindungen (FCB) zu verbieten, sofern nicht durch besondere Umstände gegen die weitere Benutzung keine Bedenken bestehen. Das ist beispielsweise bei Transformatoren und großen Kondensatoren der Fall, die
"geschlossene Systeme" darstellen.
Die PCB-Verbindungen, von denen es etwa 2oo gibt, sind in der Elektroindustrie wegen ihrer guten Isoliereigenschaften und Unbrennbarkeit geschätzt. Darüberhinaus wurden sie auch anderweitig auf den verschiedensten
Gebieten verwendet - z.B. in Farben, Schmierölen, Weichmachern oder Pestiziden. Verhältnismäßig spät fand man heraus, daß sie für Menschen wie für
die Tier-und Pflanzenwelt eine Gefahr darstellen können. Alarm wurde geschlagen, nachdem es zu einigen Unfällen mit Vergiftungserscheinungen gekommen war - am schlimmsten wurden die ca. 1 000 Arbeiter einer japanischen
Fabrik betroffen, wo Reisöl pasteurisiert wurde. Deshalb ordneten einige
Länder schon vor der OECD-Aktion Einschränkungen für die Anwendung von
PCB-Chemikalien an. Aber es wird viel Zeit brauchen, um diese vor allem

-1-

�allem durch Abwässer in der Natur deponierten, nur schwer abbaufähigen Substanzen wieder los zu werden.
Der OECD-Beschluß schafft einen Präzedenzfall für konkrete internationale
Maßnahmen zur Verbesserung der Umweltsituation, Er wurde in Übereinstimmung
mit einer Resolution der UN-Konferenz von Stockholm (Juni 1972) über den
Schu-Z der menschlichen Umwelt gefaßt, geht jedoch auf zwei amerikanische
Anträge zurück, die Vertreter der USA im Umwelt ausschuß der OECD einbrachten.
Der erste dieser Anträge, dem der OECD-Rat bereits im Mai 1971 zustimmte,
galt der Einführung eines "Frühwarnsystems", das hier im wirtschaftlichen
Sinn zu verstehen ist. Es soll die Partnerländer rechtzeitig auf beabsichtigte nationale Maßnahmen aufmerksam machen, die die Verwendung gewisser toxischer Substanzen in dem betreffenden Land einschränken, wodurch aber gleichzeitig wirtschaftliche Interessen von Partnerländern berührt werden könnten.
Der zweite amerikanische Antrag betraf ausschließlich die Kontrolle von PCBVerbindungen. Er wurde im Oktober 1972 angenommen.
Der Umweltausschuß der OECD wurde 1970 geschaffen, um wirtschaftliche,
technologische, gesetzgeberische und gesundheitliche Fragenkomplexe im Zusammenhang mit Umweltverschmutzung und Umweltschutz gemeinsam zu erörtern und zu
regeln.

Zum Vorsitzenden wurde damals der Amerikaner Christian Herter.Jr.,

berufen.

I "I I

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="7621">
                <text>21.02.1973</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="7622">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="7623">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="14230">
                <text>Amerikadienst 21.02.1973</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="14231">
                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nixon unterstreicht Bedeutung der Beziehungen zu Europa&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus einem Gespräch mit dem NATO-Oberbefehlshaber -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Pressekonferenz von Außenminister Rogers am 15. Februar 1973&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge zu Europa -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wortlaut des amerikanisch-nordvietnamesischen Kommuniqués&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nixon will US-Kongress um Ermächtigung für Zollerhöhungen ersuchen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Neues Handelsgesetz soll US-Position stärken -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;br /&gt;Natürliche Hilfsquellen der Umwelt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Botschaft Präsident Nixons an den US-Kongress -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Metallische Schadstoffe&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von G. Weiss&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;OECD-Rat untersagt Anwendung bestimmter Chemikalien</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
</itemContainer>
