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I 3

Information
und
Dokumentation

1

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

20. August 1980

37

INHALT

DOKUMENTATION
Außenminister Muskie erläutert Bündnissysteme der USA
- Rede vor dem Commonwealthclub in San Francisco Brown:

USA wollen keinen Atomkrieg

- Schreiben an die NATO-Verteidigungsminister -

HINTERGRUNDMATERIAL
Ausreichende Reserve entscheidend fürj^ahrung^smHtelversorgung der
Weltbevölkerung
- USICA-Interview mit Dale Hathaway, Staatssekretär im US-Landwirtschaftsministerium -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Das Meer - Energiequelle für Inseln und Küstenländer
- USA intensivieren Forschungs- und Entwicklungsprogramme
Start des Raumtransporters: Mä'rz 1981

Um Übcr/cncJung von
BcIcgcKcmplorcn wird
gebeten

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Dokumentation

a

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

20. August 1980

37

AUSSENMINISTER MUSKIE ERLÄUTERT BÜNDNISSYSTEME DER USA
- Rede vor dem Commonwealthclub in San Francisco -

SAN FRANCISCO - (AD) - Der amerikanische Außenminister Edmund Muskie
hielt am 9. August 1980 in San Francisco vor dem Commonwealthclub eine Rede,
in der er sich eingehend mit den Bündnissystemen, denen die Vereinigten Staaten angehören, befaßte.
Die Rede hat folgenden Wortlaut:
Als der Präsident mir den Posten des neuen Außenministers anbot, sicherte er mir zu, daß es nicht allzu viel zu reisen geben werde.
Seither bin ich in Brüssel und Wien gewesen, in Venedig, Ankara und
Kuala Lumpur; zweimal in Japan.
Nun ist das Reisen gar nicht so schlecht.

Denn ich habe herausgefunden,

daß es eine Ähnlichkeit gibt zwischen Auslandsreisen und dem Senioritä'tssystem im Senat: man findet mit der Zeit immer mehr Geschmack daran.
Teils

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D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Teils aufgrund der Umstände, aber zum größeren Teil aus eigenem Antrieb,
verwendete ich einen ansehnlichen Teil meiner Zeit im Verlauf der letzten
zweieinhalb Monate - sowohl während meiner Reisen als auch zu Hause - auf das
Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und ihren Hauptverbündeten.
Ich habe dies getan, weil ich zutiefst davon überzeugt bin - und das
war zu jedem Zeitpunkt meiner öffentlichen Laufbahn der Fall -, daß die Stärke und der Zusammenhalt unserer Bündnisse für unser Wohlergehen als Amerikaner
lebenswichtig sind.
Heute möchte ich gemeinsam mit Ihnen einige Überlegungen hinsichtlich
unserer grundlegenden Bündnisse anstellen: hinsichtlich ihres derzeitigen Zustandes und ihrer Entwicklung in der Zukunft.
Meine eigene öffentliche Laufbahn begann, als unsere Sicherheitsbündnisse der Nachkriegszeit - vor allem der NATO und unsere Bündnisse mit Japan geschlossen wurden.

Von jenem Zeitpunkt an bis heute gab es kaum einen Augen-

blick, in dem die Stärke dieser Partnerschaften nicht in Frage gestellt wurde.
Journalisten und andere "Untersuchungsbeamte" überprüften regelmäßig
unsere Bündnisse und fanden sie gefährdet:
auch durch "gähnende Löcher".

durch "Haarrisse" -, manchmal

Sie beschreiben diese Probleme mit Worten wie

"Verwirrung und Unordnung".
Vor den gleichen Behauptungen stehen wir heute.
Es wäre wahrscheinlich möglich, eine Antwort darauf einzig auf die höchst
reale und breite Übereinstimmung zu gründen, die sich auf dem Gipfeltreffen
von Venedig sowie auf dem Treffen der NATO-Minister in Ankara zeigte.
Aber ich möchte nicht in der Rhetorik globaler Beteuerungen schwelgen.
Tatsache ist, daß es Meinungsverschiedenheiten zwischen uns gibt.
Auch
- 2 -

�Auch biete ich nicht die Rhetorik der Gegenbeschuldigungen an. Gelegentliche Spannung zwischen freien Verbündeten ist verständlich.

Wir und

unsere Verbündeten stehen jetzt sowohl vor neuen Herausforderungen als auch
vor den alten Herausforderungen für die Interessen außerhalb der Grenzen
unserer Bündnisse und wieder anderen, die sich aus unserer wachsenden wirtschaftlichen Interdependenz ergeben.

Unsere gemeinsamen Ziele jedoch sind dauerhaft:

wir stehen zusammen,

um unsere demokratische Lebensweise zu erhalten, indem wir vor Krieg abschrecken und indem wir daran arbeiten, die Spannungen zwischen uns und unseren Gegnern abzubauen.

Aber während wir diese überdauernden, zentralen Ziele verfolgen, müssen die Formen unserer Zusammenarbeit ausgeweitet werden.
über unsere gemeinsame Verteidigung hinaus ist es stets für uns und
unsere Verbündeten wünschenswert gewesen, unsere Handlungen in anderen Teilen der Welt zu koordinieren.

Heutzutage jedoch ist diese weitere Zusammen-

arbeit nicht nur wünschenswert, sondern unabdingbar.
in einer neuen Ära.

Denn wir befinden uns

Wir leben in einer Zeit, da die zentralen Interessen der

demokratischen Industriestaaten nicht nur durch drohende militärische Gewalt
an den unmittelbaren Grenzen berührt werden, sondern auch durch die Tatsache
entfernterer Aggression.

Es ist ein Zeitalter, da die Wirtschaftspolitik

ebenso wie die militärische Strategie unserer Sicherheitsinteressen grundlegend beeinflussen - ein Zeitalter, da wir uns sowohl über die direkte
Bedrohung durch bewaffnete Angriffe als auch die Bedingungen Gedanken machen
müssen, die in der Welt der Entwicklungsländer Aufruhr schaffen.

Und es ist

ein Zeitalter, in dem die Verteidigung der gemeinsamen westlichen Interessen
in zunehmendem Maße konzertierte westliche Reaktion erfordert.

Den Herausforderungen dieses neuen Zeitalters müssen wir uns stellen.
Die demokratischen Industrieländer

müssen eine koordinierte Reaktion auf

- 3 -

�auf die bedrohlichen Ereignisse jenseits der Bündnisgebiete entwerfen.
wir dies nicht, so könnten die Folgen schwerwiegend sein.

Tun

In allen unseren

Staaten könnte sich das Vertrauen in unsere Bündnisse und das Vertrauen zueinander aushöhlen.

Und wenn wir zulassen, daß kurzfristige nationale Anliegen

uns davon abbringen, uns den strategischen Herausforderungen zu stellen, die
wir alle teilen - wie etwa in Afghanistan -, würden wir unsere zukünftige
Sicherheit gefährden.

*

Es gab in den vergangenen Monaten Spannungen, als wir und unsere Verbündeten neue Reaktionen auf die Aggression in Afghanistan und den Terrorismus
in Teheran ausarbeiteten.
Aber die Meinungsverschiedenheiten, die es dabei gegeben hat, sollten
eine zentrale Tatsache nicht verdunkeln: mit den Maßnahmen, die wir ausarbeiten, schaffen wir zugleich neue Formen der Zusammenarbeit.
zeß hat beträchtlichen Lärm verursacht.

Dieser Pro-

Aber zum größten Teil sind die

Töne, die wir hören, konstruktive Töne.
Verschaffen wir uns zunächst Klarheit über die grundlegende Stärke, die
im Mittelpunkt dieser Beziehungen steht.
Unsere Bündnisse sind erfolgreich, was ihre grundlegende Sinngebung anbelangt - die kollektive Verteidigung ihres gemeinsamen Territoriums.
Die Nordatlantische Verteidigungsgemeinschaft hat mehr als 30 Jahre Frieden hervorgebracht. Eben weil sie eine Aggression gegen Westeuropa vernichtend zurückweisen könnte, hat die NATO diese Aggression abgeschreckt.
»

In diesem Prozeß hat die NATO bemerkenswerte Elastizität und Wachstum
gezeigt.
- Wir haben erfolgreich weitreichende Anpassungen der strategischen
Doktrin in den Griff bekommen: den Übergang aus dem Zeitalter der massiven

- 4 -

�massiven Vergeltung zu einer realistischeren Strategie - einer Strategie
der flexiblen Antwort auf die gesamte Bandbreite der Gefahren, denen wir
gegenüberstehen.
- Im Juni 1978 hat die NATO das Langfristige Verteidigungsprogramm angenommen, um die Schwächen in unserer Verteidigung auszumerzen und für die
Zukunft vorzusorgen.
- Die NATO-Verbündeten haben sich zu dem Ziel eines dreiprozentigen
Real Zuwachses der Verteidigungsausgaben pro Jahr verpflichtet.
- Die NATO reagiert wirkungsvoll auf die Anwesenheit neuer sowjetischer
Kernwaffen im europäischen Bereich: mit neuen eigenen Systemen und mit einem
Angebot, mit den Sowjets wirklich gleichmäßige Beschränkungen dieser Waffen
auszuhandeln.
Dies sind die Anstrengungen eines Verteidigungsbündnisses, das kraftvoll seinen grundlegenden Zweck verfolgt: starke und entschlossene Verteidigung.
Das gleiche gilt für den Pazifik.
Unsere strategische Beziehung zu Japan weitet sich aus.

Und unser Ver-

hältnis zu den ANZUS-Staaten - zu Australien und Neuseeland - ist fest.
So steht am Anfang die Tatsache, daß unsere wichtigsten Beziehungen
auf dem Gebiet der Friedenssicherung auf beiden Seiten des Globus funktionieren.

Sie sind solide.

geschaffen wurden:

Sie machen Fortschritte.

Sie tun das, wofür sie

sie schrecken vor einer Aggression ab.

Dennoch wäre es töricht, die neuen Gegebenheiten zu ignorieren, die
uns dazu drängen, neue Formen der Zusammenarbeit zu gestalten.
Eine
- 5 -

�Eine dieser neuen Gegebenheiten zeigt sich beispielhaft in der sowjetischen Militärpräsenz in Afghanistan.
In den vergangenen Jahren hat sich die militärische Reichweite der
Sowjetunion bis in die Dritte Welt hinein ausgedehnt. Afghanistan ist der
jüngste und dramatischste Beweis für die wachsende sowjetische Militärtätigkeit in der Entwicklungswelt.
Durch ihre Nähe und durch ihr Beispiel hat die sowjetische Invasion
die Bedrohung der Energieversorgung und der Handelswege verstärkt, die für
die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten lebenswichtig sind.

Und sie

beweist deutlich, daß es für die westlichen Interessen neue Herausforderungen
jenseits der unmittelbaren Bündnisgrenzen gibt.
•

Ein zweiter neuer strategischer Gesichtspunkt ist die verbesserte wirtschaftliche und politische Lage unserer Verbündeten. Die Vereinigten Staaten halten noch immer den strategischen Schirm. Aber unter diesem Schirm
hat sich eine Gruppe von immer wohlhabenderen und mächtigeren Staaten versammelt.
Die Probleme, die diese Entwicklung mit sich bringt, ähneln etwas den
Steuerproblemen eines Multimillionärs: sie sind zwar schwierig, aber trotzdem ist es eine Art von Problemen, die man nicht ungern hat.
Starke Partner verdienen nachdrückliche Überlegung: bei den amerikanischen Entscheidungen wird es keine automatische Fügsamkeit geben. Diese
Tatsache kann nur diejenigen beunruhigen, die auf die Tage warten, da Amerika
womöglich seine Verbündeten dominiert. Nichtsdestoweniger ist der Wandel
eine Tatsache.
Daß Entscheidungen jetzt tatkräftig debattiert werden, ist kein Zeichen
eines geschwächten Bündnisses; es ist ein Zeichen für Verbündete» die stärker geworden sind.
Tatsache
- 6 -

�Tatsache ist auch, daß unsere wirtschaftlichen und politischen Interessen nicht immer identisch sind.

Für viele Amerikaner ist die Entspannung

eine Abstraktion - durchaus eine vernünftige Politik, aber dennoch eine, die
weit von ihrem täglichen Leben entfernt ist. Für die Menschen in der Bundesrepublik Deutschland hingegen hat das Maß an Spannung zwischen Ost und
West direkte Auswirkung auf die Probleme des Alltags.

Die Möglichkeit zu

Verwandtenbesuchen, die Möglichkeit für Deutsche, aus dem Osten zu emigrieren, die tägliche Lage in Berlin - um all das geht es.
Und es gibt noch andere Unterschiede.

Die Abhängigkeit der Staaten

Europas und Japans von ausländischen Energiequellen ist größer als unsere.
Diese unterschiedlichen Standpunkte müssen bei der Festlegung gemeinsamer
Positionen in Einklang gebracht werden.
Wir in den Vereinigten Staaten müssen ein Gefühl für die besonderen
Bedenken und Verletzlichkeiten unserer Verbündeten bekommen.
Gleichzeitig müssen unsere Verbündeten die wachsende Verantwortung übernehmen, die mit der wachsenden Stärke einhergeht. Sie müssen bereit sein,
ihren Anteil an der gemeinsamen Last zu übernehmen.
Der Anfang der Weisheit ist die freimütige Erkenntnis dieser Realitäten
- und die Verwendung dieser Grundlage für neue Formen der Zusammenarbeit.
Lassen Sie mich kurz darlegen, wie ich die Entwicklung dieser Formen sehe.
Der erste Bereich ist unsere gemeinsame Strategie zur Bewältigung der
Ost-West-Beziehungen.
Die Grundlage dieser Strategie muß - heute wie in der Vergangenheit - eine
militärische Abschreckung sein, die außer Frage steht.

Denn Abschreckung ist

auch weiterhin der Eckstein des Friedens, den wir zu bewahren beabsichtigen.
Der
- 7 -

�Der Beitrag unserer NATO-Partner für unsere kollektive Verteidigung wird
hier bei uns zu Hause nicht ausreichend erkannt.

Unsere Partner kommen für

fast die Hälfte der Verteidigungsausgaben der NATO auf; für fast 60 Prozent
der Streitkräfte; für etwa 75 Prozent der Panzerfahrzeuge; für mehr als 90
Prozent der Panzerdivisionen.
Aber angesichts der ständigen Zunahme der sowjetischen Militärmacht sind
wir und unsere Verbündeten gezwungen, noch größere Verteidigungsanstrengungen
zu unternehmen.
werden.

Diese neuen Lasten müssen fair und gleichmäßig verteilt

Da wir in den Vereinigten Staaten unsere eigenen Verteidigungsausgaben
deutlich erhöhen, erwarten wir von unseren Verbündeten,ihrer Verpflichtung
nachzukommen und ihre eigenen Ausgaben um drei Prozent pro Jahr zu erhöhen.
Und da die Vereinigten Staaten die Führungsrolle übernehmen, um gemeinsame Bündnisinteressen im Persischen Golf und in Südwestasien zu schützen,
werden unsere Verbündeten einen größeren Anteil an der Stärke der NATO in
Europa übernehmen.
Kurz gesagt, da wir das tun, was zur Aufrechterhaltung eines militärischen
Gleichgewichts notwendig ist, werden wir unsere Verbündeten weiterhin auffordern, Verteidigungslasten zu übernehmen, die ihrem Wohlstand, ihrem Einfluß
und ihrer Stärke entsprechen.
Eine gemeinsame Strategie bezüglich der Ost-West-Beziehungen erfordert
auch eine abgestimmte politische Antwort auf die sowjetischen Aktionen in
der ganzen Welt.
Die demokratischen Industriestaaten müssen den sowjetischen Führern unmißverständlich klarmachen, daß Abenteuer wie in Afghanistan echt auf Kosten
unserer direkten Beziehungen gehen.
Wie
- 8 -

�Wie der Präsident in Venedig sagte, kann Europa keine "Insel der Entspannung" sein, während anderswo eine Aggression stattfindet.

Denn das würde

einfach zu neuen Abenteuern und Krisen in Europa und anderswo einladen.
Wir müssen bereit sein, an unserem Kurs in der Afghanistanfrage so
lange festzuhalten, wie dieser Angriff auf die nationale Freiheit andauert.
Wenn Länder des Bündnisses oder ihre Firmen dort einspringen, wo die Vereinigten Staaten und amerikanische Firmen abseits bleiben, dann wird dieser Bruch
des Vertrauens und der Zusammenarbeit hier die öffentliche Unterstützung untergraben, auf der ein starkes Bündnis beruht.
Die Länder des Bündnisses müssen ausdauernd und stark sein, um die
Sowjets zur Zurückhaltung zu bewegen. Und diese Zurückhaltung ist für einen
Fortschritt in den Ost-W,est-Beziehungen notwendig. Entspannung und Abschrekkung sind also untrennbare Teile desselben Ganzen.
Aus diesem Grunde ist auch ein Fortschritt an einer anderen Front von
entscheidender Bedeutung für den Zusammenhalt des Bündnisses.

Neben unserer

anhaltenden Festigkeit hängt eine gemeinsame Strategie des Bündnisses gegenüber der Sowjetunion von unserer echten Bereitschaft ab, konkrete Abmachungen
anzustreben, die den Interessen des Westens dienen - vor allem vernünftige
Beschränkungen des Wettrüstens.
Wenn wir uns - und hier spreche ich hauptsächlich von den Vereinigten
Staaten - von unserer Verpflichtung zu einem stetigen Fortschritt in der
Rüstungskontrolle abwenden, dann wird die Stärke und die Einheit des Bündnisses echt erschüttert werden. Man kann sich wirklich kaum einen schwereren
Schlag vorstellen.
Wollen wir uns keinen Täuschungen hingeben:

Der Schlüssel zur künfti-

gen Rüstungskontrolle ist die Ratifizierung des SALT II-Vertrages.
Alle die strategischen Programme, die wir geplant haben, können unter
diesem Vertrag fortgesetzt werden.
Aber
- 9 -

�Aber ohne den Vertrag könnten wir 1985 vor 7000 bis 8000 mehr sowjetischen
Raketen und Bombern stehen, als es wären, wenn der Vertrag in Kraft wäre.
Ohne den Vertrag gäbe es nichts, um die Sowjets davon abzuhalten, jede
ihrer schweren Raketen mit 20 oder 30 mehr Nukleargefechtsköpfen statt der im
Vertrag vorgesehenen 10 auszurüsten.
Ohne den Vertrag stünde es den Sowjets frei, ihre strategischen Programme
vor der Beobachtung durch unsere Satelliten und andere Beobachtungseinrichtungen zu verbergen.

Wir wüßten weniger über die künftigen Bedrohungen, vor

denen wir stehen könnten.
Natürlich werden wir alles notwendige tun, um einer erhöhten Bedrohung
zu begegnen.

Aber das Wettrüsten wird während immer weiter hinausgezogener

Verhandlungen zu seiner Kontrolle nicht stillstehen.

Das war niemals der

Fall und wird auch niemals der Fall sein.
Und jeder,der behauptet, wir könnten ein besseres Abkommen aushandeln,
ohne zuerst SALT II unter Dach und Fach zu bringen, macht sich selbst etwas
vor.
Afghanistan hat ohne Frage die Ratifizierungsgespräche erschwert. Es
hat die Ratifizierung kein Jota weniger wichtig für unsere nationalen Interessen gemacht; nicht ein Jota weniger entscheidend für die Aufrechterhaltung
einer gemeinsamen Strategie der Ost-West-Beziehungen mit unseren Verbündeten.
Ein zweites und damit zusammenhängendes Gebiet, auf dem die Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und dem Bündnis wachsen muß, ist unsere Gesamteinstellung zur Entwicklungswelt.
Ich rede hier nicht von einer Art Verschwörung der Industriestaaten, bei
der die Starken dem Rest der Welt ihren Willen aufzwingen.

Diese Zeiten sind

vorbei. Und wir sollten ihnen nicht nachtrauern.
Aber
- 10 -

�Aber es liegt in unserem gemeinsamen Interesse, miteinander zusammenzuarbeiten, um an die Wurzeln der Instabilität und des Konflikts zu gehen,
bevor es zur Explosion kommt.
Es liegt in unserem Interesse, die Regierungen der Dritten Welt in ihrem
Kampf gegen Armut und Krankheit und Hoffnungslosigkeit zu unterstutzen, bevor
die Enttäuschungen den Siedepunkt erreichen.
Es liegt in unserem Interesse, in einem vernünftigen Umfang Sicherheitsbeistand zu leisten, wo das dazu beitragen wird, die nationale Unabhängigkeit
gegen Bedrohungen von außen zu verteidigen.
Und es liegt in unserem Interesse an Harmonie, wenn wir nach praktischen
Lösungen auf dem Verhandlungswege für Streitfälle in unruhigen Gebieten der
Welt, wie dem Nahen Osten, streben.
Und schließlich wird unser Verhältnis zu unseren Verbündeten in zunehmendem Maße durch Wirtschaftsfragen gestaltet werden, denn die wirtschaftlichen Strömungen, die unser tägliches Leben gestalten, fließen durch die
ganze Industriewelt.
Was die Energie anbetrifft: Werden wir uns als Konkurrenten um das
knappe öl den Hals abschneiden - oder werden wir gemeinsam als Mitverbraucher
handeln, um unsere Abhängigkeit zu verringern und die Stabilität und Zurückhaltung auf dem Markt zu fördern?
Was den Handel anbetrifft:

Werden wir in einen neuen protektionistischen

Kreislauf hineinschlittern - oder werden wir weiterhin Formen des Handels
entwickeln, die frei und fair sind?
Was die Wirtschaftspolitik angeht:

Wird jeder von uns einfach seinen

zeitweiligen Vorteil anstreben - oder werden wir unser binnenwirtschaftliches
Handeln koordinieren, um unseren langfristigen Gesamtinteressen zu dienen?
Die
- 11 -

�Die Zukunft der Bündnisbeziehungen wird ebenso sehr davon bestimmt werden,
wie diese Fragen beantwortet werden - von dem Ausmaß unserer wirtschaftlichen
Zusammenarbeit ebenso wie von der Gestaltung unserer militärischen Zusammenarbeit.
- . Daß wir alle diese Dinge tun müssen, liegt auf der Hand - ob wir sie jedoch tun werden, steht noch keineswegs fest.
Es könnte sein, daß die demokratischen Industriestaaten es zulassen
werden, daß unsere abweichenden Interessen und unsere individuellen Probleme
uns auseinander treiben.
Oder aber wir können auf den neuen Formen der Zusammenarbeit aufbauen,
die Gestalt anzunehmen beginnen.
- Die Industriestaaten koordinieren in einem größeren Maße als bisher
ihre nationale wie ihre internationale Energie- und Wirtschaftspolitik.
- Die NATO-Verbündeten haben einen festen Standpunkt gegen den außerordentlichen sowjetischen Druck eingenommen, unseren Kurs bezüglich der Modernisierung der nuklearen Mittel Streckensysteme (TNF) zu revidieren.
- In den letzten Jahren haben die westlichen Demokratien ein beispielloses Maß an Zusammenarbeit bei der Lösung gefährlicher regionaler Streitigkeiten - in Rhodesien und Namibia - gezeigt.
- Die demokratischen Industriestaaten haben sich in einem massiven Hilfsprogramm für die Türkei zusammengeschlossen.
- Obwohl wir umfassendere Maßnahmen angestrebt haben, so ist es doch
eine Tatsache, daß sich unsere Verbündeten uns in der Verhängung wirtschaftlicher Saktionen gegen den Iran wegen des Festhaltens amerikanischer Geiseln
angeschlossen haben.
- Und
- 12 -

�- Und das Gipfeltreffen in Venedig und die NATO-Tagung in Ankara demonstrierten die wesentliche Einigkeit der Verbündeten, indem sie auf einem
völligen - nicht kosmetischen - sowjetischen Abzug aus Afghanistan beharrten.

Die Sowjets sollten diese Entschlossenheit nicht unterschätzen.

Es entstehen neue Formen der Zusammenarbeit im Bündnis.
eindeutig mehr - viel mehr - getan werden.

Aber es muß

Wir müssen verhindern, daß wir

hinter den Fortschritten der letzten Monate zurückbleiben.

Ich habe keinen Zweifel, daß es in den kommenden Monaten und Jahren
weiterhin Meinungsverschiedenheiten und gegenteilige Auffassungen geben wird.
Die Vereinigten Staaten werden in solchen Zeiten ihre Auffassung nachhaltig
vertreten.

Aber wir sollten in solchen Augenblicken ein Gefühl für den größeren
Fortschritt einbringen, der gemacht werden muß.

Jene, die zweifeln, daß dieser Fortschritt möglich ist, sollten die
gegenwärtigen Augenblicke mit Augenblicken in der Vergangenheit vergleichen
- Augenblicke, in denen der Lärm, den die Welt vernahm, nicht der Lärm des
Aufbaus war, sondern das Knirschen der Zahnräder der Zusammenarbeit im Bündnis, die zum Stehen kamen.

Denken wir an die Suez-Krise im Jahre 1956, als

sich die Vereinigten Staaten im Gegensatz zu ihren Hauptverbündeten Großbritannien und Frankreich befanden

oder an die Zeit von Vietnam.

Wir sollten uns auch an einige fundamentale Tatsachen erinnern:

Die großen Industrieländer sind trotz all ihrer wirtschaftlichen Probleme die Hauptquelle des Wohlstandes der Welt.

Sie sind die Quelle der

Ideen, des technischen Geistes und der oragnisatorischen Fähigkeit, nicht
nur einen Großteil der Güter der Welt zu liefern, sondern auch die größte
Hoffnung auf einen Forschritt der Menschheit.

Und
- 13 -

�V

Und bei all ihren Unzulänglichkeiten sind unsere Länder die wesentlichen Hüter des demokratischen Erbes.

Wir haben Systeme, die an die Würde

des Einzelmenschen, die Unabhängigkeit von Nationen und die Zustimmung der
Regierten glauben und dies fördern.
Im Besitz solcher Aktiva und solcher Werte brauchen wir und unsere Verbündeten uns weder vor derzeitigen Meinungsverschiedenheiten noch vor unserer
gemeinsamen Zukunft zu fürchten.

+ + + + +

- 14 -

�Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

20. August 1980

37

BROWN: USA WOLLEN KEINEN ATOMKRIEG
Schreiben an die NATO-Verteidigungsminister -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Verteidigungsminister Harold Brown
hat in einem Schreiben vom 8. August 1980 an die Verteidigungsminister der
NATO-Länder, das am 11. August in Washington veröffentlicht wurde, die neue
Nuklearstrategie der Vereinigten Staaten erläutert.

Brown bezeichnete die

Verlagerung der strategischen Schwerpunkte in dieser neuen Konzeption als
eine "evolutionäre Entwicklung" durch die die Abschreckung verstärkt und die
Wahrscheinlichkeit eines Atomkrieges verringert werde.
Das Schreiben des amerikanischen Verteidigungsministers hat folgenden
Wortlaut:
Als ich am 1. Juni auf der Tagung der Nuklearen Planungsgruppe in Bodo
(Norwegen) unsere Strategie des Gegenzugs (countervailing strategy) erörterte, wies ich darauf hin, daß vom Präsidenten in Kürze eine Direktive ausgehen werde, in der diese Politik formell dargelegt würde.
berichten wissen, ist dies inzwischen geschehen.

Wie Sie aus Presse-

(Ich werde wohl bereits in

naher Zukunft eine öffentliche Erklärung zu unserer Politik abgeben, möchte

Postfach 2 0 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�möchte aber diese Gelegenheit wahrnehmen, um mich mit Ihnen direkt über diese
Politik in Verbindung zu setzen.)
Die Politik des Präsidenten, wie sie in der neuen Direktive dargelegt
wird, ist die von mir beim Treffen der Nuklearen Planungsgruppe beschriebene
Politik des Gegenzugs. Es ist eine Strategie, die dazu bestimmt ist, die Abschreckung gegenüber einer jeden sowjetischen Aktion, die zu einem Atomkrieg
führen könnte, zu steigern, indem sie keinen Zweifel daran läßt, daß wir sowohl die Kapazitäten als auch die Pläne zum Einsatz unserer Streitkräfte
haben, falls die Abschreckung versagt.

Das heißt, daß ein Sieg für die UdSSR

kein irgendwie wahrscheinlicher Ausgang eines solchen Krieges wäre, wie immer
auch die Sowjets einen Sieg definieren mögen.
Da in einigen Presseberichten diese evolutionäre Entwicklung unserer
Doktrin als ein deutlicher Bruch mit der früheren Politik dargestellt worden ist, möchte ich hervorheben, wie ich dies auch bei der Nuklearen Planungsgruppe getan habe, daß die Vereinigten Staaten seit langem in ihre Pläne eine
wirksame und weitestgehende Erfassung der militärischen und Kontrollziele einbezogen haben.
Unsere diesbezüglichen Kapazitäten werden weiterhin verbessert und flexibler gestaltet werden, während wir diese Strategie des Gegenzugs durchführen.
Denn es ist von entscheidender Bedeutung, daß die sowjetische Führung erkennt,
daß sie durch eine Aggression nicht nur einen allgemeinen amerikanischen Vergeltungsschlag gegen den Gesamtbereich der Ziele riskieren würde, sie müssen
auch begreifen, daß im Falle sie eine Art Mittelstufe der Eskalation wählen,
die Vereinigten Staaten ihnen durch begrenztere Gegenzüge einen unannehmbar
hohen Preis hinsichtlich dessen aufzwingen könnten, was die sowjetische Führung am höchsten schätzt - die politische und militärische Kontrolle, die militärische Macht sowohl im nuklearen wie konventionellen Bereich und die
industrielle Kapazität zur Inganghaltung militärischer Operationen.
Wir

- 2 -

�Wir wissen um die großen Gefahren und Unsicherheiten einer jeden Anwendung von Kernwaffen, sei es als Vergeltung oder zu Beginn eines Konflikts.
Wir alle wissen darüber hinaus, daß auch die ausgeklügeltste Theorie für
den Einsatz von Kernwaffen uns nicht der Notwendigkeit einer Aktion behebt,
durch die wir alle eine adäquatere konventionelle Komponente in unserer militärischen Kapazität zur Abschreckung und Verteidigung schaffen.

Ein Atom-

krieg kann nicht ein bewußt gewolltes Instrument zur Erlangung unserer Sicherheitsziele oder zur Förderung unserer Interessen sein.

Aber selbst wenn wir

diese Beschränkungen und Risiken, wie sie von unserem Standpunkt aus im

We-

sen der Kernwaffen liegen,anerkennen, so können wir uns nicht das Risiko
leisten, daß die sowjetische Führung die Illusion hegt, daß ein Atomkrieg
eine Option - oder die Androhung eines nuklearen Krieges ein Zwangsmittel
zur Förderung sowjetischer Interessen sein könnte.

Diese lehrmäßigen Erklärungen und die Planungsmaßnahmen, die wir ergreifen, um sie durchzuführen - sowie unsere Modernisierungsprogramme für die
Streitkräfte und natürlich auch unsere Rüstungskontroilbemühungen - verbessern den Beitrag unserer strategischen Nuklearstreitkräfte für die Abschrekkung über das gesamte Spektrum der Bedrohungen, mit denen wir alle ernsthaft
rechnen müssen, und für die Erhaltung des Friedens in Freiheit.

Wir haben

nicht den Wunsch, einen Atomkrieg zu führen; er wäre eine unvorstellbare
Katastrophe.

Wir haben auch keinerlei Illusionen über die Schwierigkeiten

der Begrenzung seiner Eskalation noch über die sich daraus ergebenden Folgen.
Aber der beste Weg, um einen solchen Krieg zu vermeiden ist, sicherzustellen,
daß die sowjetische Führung sich keine Illusionen darüber macht, was ein derartiger Krieg für die sowjetische Staatsmacht bedeuten würde.

Natürlich sind es die Kapazitäten unserer Streitkräfte und nicht die
Worte, die wir darüber machen, die den stärksten Einfluß auf die sowjetischen
Anschauungen ausüben.

Aber ich bin zuversichtlich, daß die formelle Erklä-

rung des Präsidenten über unsere Gegenzug-Strategie in Verbindung mit unseren energisch durchgeführten Modernisierungsprogrammen in Moskau als eine

- 3 -

�37

20. August 1980

AUSREICHENDE RESERVE ENTSCHEIDEND FÜR NAHRUNGSMITTELVERSORGUNG
DER WELTBEVÖLKERUNG
- USICA-Interview mit Dale Hathaway, Staatssekretär im
US-Landwirtschaftsministerium -

WASHINGTON - (AD) - Dale Hathaway, Staatssekretär im amerikanischen Landwirtschaftsministerium, äußerte sich in einem Interview mit dem Korrespondenten
des US-Amtes für Internationale Kommunikation (USICA), John J. Harter, zur
internationalen Situation und zu den Problemen der Versorgung der Weltbevölkerung mit Nahrungsmitteln.

Es bestehe, so erklärte Hathaway, eine dringende

Notwendigkeit zu verbreiteter Reservehaltung von Nahrungsmitteln im Rahmen
eines allgemein gültigen Aktionsprogramms, das in Mangelzeiten die Freigabe
regelt.

Der Staatssekretär verwies darauf, daß die Vereinigten Staaten bisher

stets 55 bis 60 Prozent der gesamten internationalen Nahrungsmittelhilfe geleistet hätten und in diesem Jahr beabsichtigten, für bedürftige Entwicklungsländer mehr als sechs Millionen Tonnen Nahrungsmittel bereitzustellen.
Das Interview mit Staatssekretär Hathaway hat folgenden Wortlaut:
FRAGE:

�FRAGE:

Was bedeutet der Begriff "NahrungsmittelSicherung für die Welt"?

ANTWORT:

Im Grunde bedeutet er, daß genügend Nahrungsmittel erzeugt und

verfügbar gemacht werden müssen, um der Weltbevölkerung die Möglichkeit zu
ausreichender Ernährung zu geben.

Hierbei ist eine Unterteilung notwendig.

Die erste Hälfte der Forderung bezieht sich auf die Tatsache, daß bei einem
großen Teil der armen Länder - in Afrika, Asien und Lateinamerika - sowohl
die Wachstumsrate der Bevölkerung als auch ihre sehr bescheidene, gleichwohl
aber zunehmende Einkommensverbesserung folgendes bedeutet:

Die Nachfrage nach

Nahrungsmitteln steigt mit weitaus größerer Geschwindigkeit als die Fähigkeit
zur Produktion von Nahrungsmitteln.

Wenn diese Tendenzen anhalten, vermögen

schon um die Jahrhundertwende selbst agrarwirtschaftlich so leistungsfähige
Länder wie die Vereinigten Staaten den Nahrungsmittel bedarf dieser Menschen
nicht mehr zu decken.

Manche werden nichts bekommen, weil Nahrungsmittel so

rar und teuer werden.

Das zweite Element im sogenannten Ernährungssicherungsprogramm hat mit
der Tatsache zu tun, daß ein großer Teil der Weltproduktion an Nahrungspflanzen nach wie vor von natürlichen Regenmengen abhängt. Und wie das Wetter von
Jahr zu Jahr verschieden ist - daß es zu viel oder zu wenig regnet, daß es zu
kalt oder zu warm ist -, so verschieden fallen auch die Ernten aus. Wenn man
nicht über Nahrungsmittelreserven aus guten Erntejahren verfügt, kann es bei
schlechtem Wachswetter zu erheblicher Nahrungsmittel Verknappung kommen, Menschen verhungern, obgleich langfristig gesehen zufriedenstellende Produktionstrends bestehen. Eine echte Nahrungsmittel Sicherung muß beide Elemente
haben: Es muß eine ausreichende, lange anhaltende Wachstumsrate der Weltagrarproduktion und eine Politik ausreichender Vorratshaltung vorhanden sein,
um den veränderten Wetterverhältnissen von einem Jahr zum andern Rechnung
zu tragen.
FRAGE:

Glauben Sie, daß die Notwendigkeit einer weltweiten Nahrungsmittel-

Sicherung in dem Maße stärker in den Vordergrund tritt, in dem viele Entwicklungsländer immer weniger in der Lage sind, ihren eigenen Nahrungsmittel bedarf
selbst zu decken?

ANTWORT:

�ANTWORT:

Ein hoher Prozentsatz der Weltbevölkerung ist heute von Im-

porten, insbesondere von Getreideimporten abhängig.

Von immer größerer Be-

deutung ist eine ausreichende Vorratshaltung geworden, um sicherzustellen,
daß die Handelskanäle bei der Deckung des Weltbedarfs funktionieren.

Ganz

besonders notwendig ist ein Vorrat an Nahrungsgetreide, der in weiten Regionen unter Bestimmungen angelegt wird, die eine Freigabe in Zeiten der Verknappung vorsehen.

In den letzten paar Jahren haben wir in bezug auf dieses

Element der Nahrungsmittel Sicherung für die Welt keinen wirklich bedeutsamen
Fortschritt erzielt.

In den Jahren 1977 und 1978 bemühten wir uns sehr um

ein internationales Weizenabkommen, das eine Vorratshaltung vorsah.

Leider

brachten wir es nicht zustande, weil andere Länder keinen Beitrag zu den
Kosten leisten wollten.

FRAGE:

In welcher Form würde die neue Konvention über Nahrungsmittel -

hilfe zur Lösung dieses Problems beitragen?
ANTWORT:

Bei den Verhandlungen über die Nahrungsmittelhilfe-Konvention

hatten wir mehr Erfolg.

Wir konnten erreichen, daß die Mindestbeiträge im

Rahmen der Nahrungsmittelhilfe-Konvention gegenüber den Mengen nach der früheren Konvention verdoppelt wurden.

Es war also ein weiter Weg bis zur re-

gelmäßigen Nahrungsmittelhilfe für jene Länder, die sie entweder infolge
langewährender Schwierigkeiten oder kurzfristiger schlechter Ernten benötigen.
Wir hatten sehr gehofft, daß die so schnell zu Reichtum gekommenen ölexportierenden Länder beachtliche Beiträge zur Nahrungsmittelhilfe-Konvention
leisten würden, weil sie es sich wirklich leisten können.

Bisher haben sie

dies jedoch nicht getan.

FRAGE: Welchen Bezug hat der Gesetzesvorschlag der Regierung Carter von
1979 für die Schaffung einer, wie man es nennt, "Reserve zur NahrungsmittelSicherung" zur Nahrungsmittelhilfe-Konvention?

ANTWORT:

Eine Reserve zur Nahrungsmittel Sicherung ist das Programm un-

serer Regierung, mit dem gewährleistet werden soll, daß die Vereinigten Staaten
stets genügend Getreide verfügbar haben, um ihren Verpflichtungen zur Nah- 3-

�Nahrungsmittelhilfe im Rahmen der Konvention nachzukommen - mag unsere Ernte
in diesem oder jenem Jahr noch so karg bemessen sein, und ohne Rücksicht auf
den kommerziellen Bedarf.

Das heißt mit anderen Worten, daß wir vier Mil-

lionen Tonnen Weizen in Reserve halten, die ausschließlich für Zwecke der Lebensmittelhilfe zu verwenden sind, wenn das Angebot so knapp geworden ist,
daß wir über den Markt dafür nicht genügend Nahrungsmittel erhalten können.
FRAGE:

Manche behaupten, "Nahrungsmittelhilfe" sei im Grunde ein Weg

für Lebensmittel exportierende Länder, genügend Weizen über nichtkommerzielle
Kanäle loszuwerden, um sicherzustellen, daß auf den Weltmärkten die Weizenpreise hoch bleiben.
ANTWORT:
für 1980 zu.

Was sagen Sie dazu?

Das mag 1960 so gewesen sein, aber es trifft ganz gewiß nicht
Unsere Lebensmittelhilfe macht heute etwa vier Prozent des Ge-

samtwertes unserer Agrarexporte aus.

Unsere Lebensmittelhilfe ist nicht ge-

ringer geworden, aber unsere kommerziellen Exporte sind stark angestiegen.
Wir exportieren heute pro Jahr mehr als 100 Millionen Tonnen Getreide, wovon
nur vier Prozent auf die Nahrungsmittelhilfe entfallen.

Sie war einmal ein

höchst bedeutsamer Faktor im Weizenexport, Reisexport und im Export einiger
anderer Güter.

Das ist sie aber jetzt nicht mehr.

-

FRAGE: Obgleich durch die Nahrungsmittelhilfe-Konvention die garantierte
Mindestmenge der Nahrungsmittelhilfe für bedürftige Entwicklungsländer von
4,2 auf 7,6 Millionen Tonnen jährlich angehoben wurde, ist damit noch immer
nicht das 1974 auf der Welternährungskonferenz gesteckte Ziel von 10 Millionen Tonnen erreicht. Besteht Aussicht, daß man ihm doch noch näher kommt?
ANTWORT:

Ich hoffe es. Die Vereinigten Staaten boten an, bis zur Hälfte

der zehn Millionen Tonnen jeweils so viel zu liefern, wie die Länder der ganzen übrigen Welt.

Bisher wurde dieses Angebot nicht - oder zumindest nur

ungenügend - angenommen.

Eine Anzahl immens reicher Länder nimmt in diesem

Jahr aus ölexporten etwa 150 Milliarden Dollar ein - und manche sind der Meinung, diese Länder könnten in bemerkenswerter Weise zur Lebensmittelhilfe bei
tragen.

Wir hoffen, daß sie es in Zukunft tun.
FRAGE:
- 4 -

�FRAGE:

Wie wird der amerikanische Beitrag zur Lebensmittelhilfe im

Rahmen der Konvention und anderweitig aussehen?
ANTWORT:

Die USA haben ihren früheren Mindestbeitrag in etwa verdoppelt,

so daß wir uns gegenwärtig auf die Lieferung von 4,4 Millionen Tonnen von insgesamt 7,6 Millionen Tonnen festgelegt haben. Jahr um Jahr haben wir 55 bis
60 Prozent aller Lebensmittelhilfe in der Welt bereitgestellt.

Tatsächlich

kommt von den Vereinigten Staaten und von anderen Ländern mehr als nur der
Mindestbeitrag.

Gegenwärtig beabsichtigen wir, pro Jahr mehr als sechs Mil-

lionen Tonnen Nahrungsmittelhilfe zu geben, und die Welt als Ganzes stellt
wesentlich mehr als 7,6 Millionen Tonnen zur Verfügung.
FRAGE:

Wird das ausreichen, um das Problem der Nahrungsmittel Sicherung

zu lösen?
ANTWORT: Das Nahrungsmittel sicherungsproblem wird durch Lebensmittelhilfe als solche nicht gelöst, Sie hilft zwar armen Ländern, die sich infolge temporärer schlechter Ernten, wie wir sie in Ostafrika und Kambodscha
erlebt haben, in einem Notstand befinden. Und sie hilft Ländern mit chronischem Nahrungsmittelmangel wie z.B. Ägypten und Bangladesch, wo die Agrarproduktion mit der Wachstumsrate bei der Bevölkerungszahl nicht mehr Schritt
halten kann. Aber weder die eine noch die andere Art der Unterstützung kann
die Reserven ersetzen, die angelegt werden müssen, um mit den jährlichen
Schwankungen der Ernteerträge fertig zu werden.
FRAGE: Besteht die Gefahr, daß arme Länder von Nahrungsmittelhilfe abhängig werden und sich dann plötzlich infolge unvorhergesehener Umstände einer
drastischen Reduzierung gegenübersehen?
ANTWORT: Eben aus diesem Grunde haben wir unsere Reserve für die Nahrungsmittelsicherung in den Vereinigten Staaten angelegt. Das jüngste Beispiel für eine solche Situation erlebten wir 1974-75, als durch das Zusammentreffen von schlechten Ernten und einem rapide wachsenden kommerziellen Bedarf die Vereinigten Staaten ohne ausreichende Reserven dastanden, um ihren
- 5 -

�ihren Verpflichtungen zur Nahrungsmittel hilfe zu einem Zeitpunkt nachzukommen, wo sie dringend gebraucht wurde. Wenn der Kongreß die von uns empfohlene
Anlegung von Reserven zur Nahrungsmittel Sicherung billigt, wird sich dies
nicht wiederholen,
FRAGE:

Wo sollten Reserven angelegt werden?

In Erzeugerländern oder

in Verbraucher!ändern?
ANTWORT:

In beiden.

Es ist ungemein kostspielig, Nahrungsgetreide in

den Tropen auf Vorrat zu halten.

Aber da die Logistik schwierig ist und die

Ernteerträge stark schwanken, sollte eine Mindestmenge von Nahrungsmittel Vorräten in den Verbraucher!ändern in Reserve liegen - gleichgültig, ob wir von
reichen Ländern wie Japan oder armen Ländern wie Bangladesch sprechen.
Da man aber auch nicht im voraus weiß, wo von einem Jahr zum andern besonderer Bedarf besteht, und es viel billiger ist, Getreide in gemäßigtem
Klima auf Vorrat zu halten, ist es außerdem sinnvoll, größere Mengen in den
Exportländern in Reserve zu halten.
vernünftigen Schlüssel teilen.

In die Kosten könnte man sich nach einem

Damit meine ich, daß die Vereinigten Staaten,

die EG und Japan einen Teil der Kosten übernehmen sollten - ebenso die Sowjetunion, die eine erhebliche Quelle für die Instabilität der Weltmärkte darstellt.

Außerdem bin ich der Meinung, daß zumindest ein Teil der Kosten für

die lokale Vorratshaltung von den ärmeren Ländern übernommen werden könnte
- auch wenn vieles dafür spricht, daß sie sowohl auf den Import von Getreide
als auch auf Hilfe von außen zum Aufbau der Lager angewiesen sind,
FRAGE-

Welche Rolle könnte hier die Organisation der erdölexportieren-

den Staaten (OPEC) spielen?
ANTWORT: Die OPEC könnte eine überaus bemerkenswerte Rolle insofern
übernehmen, als sie hilft, die Vorratsspeicher in den ärmeren Ländern, den
Ankauf von Reserven zu finanzieren, und indem sie sich an den laufenden Lebensmittel hrfe-Programmen beteiligt.
FRAGE:
- 6 -

�FRAGE:

Gibt es einen echten Hinweis darauf, daß andere Exportländer

für Nahrungsmittel einen wesentlichen Beitrag zur Stärkung des Weltprogramms
für die Nahrungsmittel Sicherung leisten?
ANTWORT:

Mehrere Länder - u.a. Kanada, Australien, die Europäische Ge-

meinschaft und Japan in bescheidenem Rahmen - haben zu erkennen gegeben, daß
sie dazu bereit sind.
FRAGE:

Glauben Sie, daß man sich in den "Globalverhandlungen" im Januar

auf die von uns erörterten Fragen konzentrieren wird?
ANTWORT: Ich vermute, daß sie auf der Tagesordnung stehen. Eine ausreichende Nahrungsmittelversorgung ist wohl zwangsläufig ein Dauerproblem.
Aber ich sehe nicht ein, wieso diese Frage wichtiger sein soll als die Probleme, die durch die Eskalation der Preise für fossile Brennstoffe und deren
schlimme Auswirkungen auf Entwicklungsländer entstehen; deren Fähigkeit zur
Produktion ihrer Nahrungsmittel wird durch die sich unaufhörlich drehende
Preisspirale für Düngemittel, Dieselkraftstoff und andere in ihrer Landwirtschaft notwendigen Dinge aufs Spiel gesetzt. So scheint mir, daß es einen
ganzen Komplex von Fragen gibt, der international erörtert werden müßte:
Nahrungsmittel, die Auswirkungen der Brennstoffpreise auf die NahrungsmittelProduktion und eine Vielzahl anderer Probleme.
Es ist schrecklich einfach, sich auf eine weltweite Nahrungsmittel- und
Agrarstrategie zu konzentrieren und die Tatsache außer acht zu lassen, daß
die einzelnen Länder keine entsprechenden Strategien besitzen.

Wenn man keine

realistische Politik betreibt, um die Systeme zur Nahrungsmittelproduktion
und des Agrarwesens der einzelnen Länder funktionsfähig zu machen, hilft es
nicht viel, hinauszugehen und zu sagen:
gie".

"Wir brauchen eine globale Strate-

Wir sollten mit länderbezogenen Strategien anfangen, die funktionieren

- und dazu gehörten auch Handel und Hilfsaktionen -, und dann prüfen, ob wir
unsere verschiedenen Länderstrategien in eine realistische Globalstrategie
einbringen können.
Ich
- 7 -

�Ich bezweifle, daß die "GlobalVerhandlungen" zu den echten Sachfragen
vorstoßen, um für diese Lösungen zu finden. Meines Erachtens ist das wahre
Problem erkannt und recht gut umrissen. Jetzt brauchen wir stetige und wachsende Aufmerksamkeit für eine Vielzahl relativ wichtiger Dinge - tagein und
tagaus. Gelegentliche internationale Konferenzen, mögen sie einmal im Jahr
oder alle fünf Jahre stattfinden, sind von untergeordneter Bedeutung gegenüber der Tatsache, sich stets der Existenz des Problems bewußt zu sein und
unermüdlich, wenn auch in kleinen Schritten, auf seine Lösung hinzuarbeiten.

- 8 -

�3

L

öMOfi

Wi/scn/choft
und Technik
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20. August 1980

37

DAS MEER - ENERGIEQUELLE FÜR INSELN UND KÜSTENLÄNDER
- USA intensivieren Forschungs- und Entwicklungsprogramme

WASHINGTON - (AD) - Nach der Einrichtung eines Sonderprogramms im USEnergieministerium, die Nutzbarmachung der thermischen Meeresenergie durch
intensivere Forschung und Entwicklung zu beschleunigen, unterzeichnete Präsident Carter am 4. August 1980 ein Gesetz, das entsprechende Genehmigungsund Förderverfahren für die Industrie regelt. Die Vereinigten Staaten beabsichtigen, mit der Umwandlung der im Meer gespeicherten Wärmeenergie in
elektrische Energie einen Teil des Programms zu bestreiten, mit dem bis zum
Jahr 2000 ca. 20 Prozent des gesamten amerikanischen Energiebedarfs aus
Sonnenenergie und anderen regenerierfähigen Energiequellen gedeckt werden
sollen. Der Anteil der aus dem Meer gewonnenen Energie könnte zu diesem
Zeitpunkt bei 10 000 Megawatt liegen.
Bei der Umwandlung der im Meer gespeicherten Wärmeenergie (das entsprechende US-Programm läuft unter der Bezeichnung "Ocean Thermal Energy
Conversion - 0TEC") nutzen die Ingenieure die Temperaturunterschiede zwischen warmem Oberflächenwasser und kaltem Tiefenwasser.

Am rentabelsten

dürfte das Verfahren für Inseln und Küstenbereiche innerhalb des Gürtels

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Gürtels vom 20. Breitengrad nördlich bis zum 20. Breitengrad südlich des
Äquators sein. So bezeichnete ein hoher Verwaltungsbeamter aus Puerto Rico
die OTEC-Technik, für die amerikanische, japanische und französische Wissenschaftler Pionierarbeit leisteten, als "die natürliche Lösung für Puerto
Rico".

Dort wurden bereits mehrere Standorte auf ihre Eignung für eine 0TEC-

Demonstrationsanlage getestet.

Bereits im Jahr 1990 könnte, wie Robert

Cohen, Leiter des OTEC-Programms im US-Energieministerium, auf der 7. Konferenz über Meeresenergie (2. - 5. Juni 1980) in Washington erklärte, eine
Konversionsanlage von 250 Megawatt Stromleistung vor den Küsten Puerto Ricos
Elektrizität sehr viel billiger produzieren als ein neu installiertes, mit
öl beheiztes Kraftwerk.
Die Vereinigten Staaten wollen bis zum Jahr 1985 eine OTEC-Pilotanlage
in Betrieb nehmen, die zunächst 10 Megawatt Strom produziert, dann jedoch
aufgrund der vorgesehenen Modularbauweise auf die Leistungskapazität von
40 Megawatt erweitert werden kann. Eine solche Anlage lieferte genügend
Strom, um 40 000 Haushalte zu versorgen. Bisher vorliegenden Studien zufolge würde die erste 40-Megawatt-Anlage etwa 280 Millionen Dollar kosten.
Für technisch ausgereifte, kommerzielle OTEC-Anlagen mit ca. 400 Megawatt
Leistung dürften nach gegenwärtigen Berechnungen etwa 880 Millionen bis
1,2 Milliarden Dollar zu investieren sein.
Im äquatornahen Gürtel beträgt der Temperaturunterschied zwischen dem
Oberflächenwasser von 26 C Durchschnittstemperatur und den Schichten in
1000 m Tiefe etwa 20 - 22°C. Er reicht aus, um nach einem schon mehr als
100 Jahre bekannten Prinzip unter Einsatz modernster technischer Ausrüstungen elektrischen Strom zu erzeugen: In einem Wärmeaustauscher wird ein
flüssiges Arbeitsmedium, dessen Siedepunkt unter dem von Wasser liegt
(z.B. Freon oder Ammoniak) mit Hilfe des warmen Oberflächenwassers in den
gasförmigen Zustand übergeführt. Dabei dehnt sich das Arbeitsmedium aus
und treibt eine mit einem Stromgenerator gekoppelte Turbine. Das kältere
Tiefenwasser bringt das Gas wieder zur Kondensation, und nun kann der Zyklus
im geschlossenen OTEC-System von neuem beginnen. Der dabei produzierte

- 2 -

�produzierte Strom ließe sich über Kabel zur Küste leiten oder zum Betrieb von
schwimmenden Produktionsstä'tten auf künstlichen Inseln nutzen.

Das Arbeitsprinzip wurde mit einem als "Mini-OTEC" bezeichneten System
in den Gewässern vor Hawaii, in Laboratorien des US-Energieministeriums sowie
in Japan und Frankreich bereits erprobt.

Die vom US-Bundesstaat Hawaii und

einem Konsortium der Firmen Lockheed Missiles &amp; Space Company, Dillingham
Corporation, Alfa-Laval und Roto-Flo finanzierte Versuchsanlage "Mini-OTEC"
erreichte im vergangenen Jahr eine elektrische Leistung von 50 kW.

Aufgrund

der bisher gesammelten Erfahrungen ist anzunehmen, daß wegen der relativ
kostspieligen technischen Ausrüstungen der Preis für OTEC-Strom gegenwärtig
zwar mit dem Preis für Strom aus ölbeheizten Kraftwerken vergleichbar wäre,
aber angesichts der ständig weiter anziehenden ölpreise schon in einem Jahrzehnt wesentlich kostengünstiger sein wird.
In der ersten Phase des amerikanischen OTEC-Programms wurden in kleinem
Maßstab angefertigte Ausrüstungen erprobt.

Man wollte zunächst einmal er-

kunden, ob und in welcher Weise das System Wassertemeperaturen und im Wasser
lebende Organismen beeinflußt, welcher Art und wie umfangreich Schäden und
Korrosion am System durch Seewasser, Schlick, Algen und andere Faktoren sind
und wie die Anlage sauber gehalten werden kann.
gramms ist inzwischen angelaufen:

Die zweite Phase des Pro-

Ein ehemaliger Tanker der US-Marine, umge-

rüstet zur schwimmenden Versuchsstation ("The Ocean Energy Experiment"),
erprobt Wärmeaustauscher für eine 1-Megawatt-Anlage auf See.

Die dritte

Phase schließlich soll die technischen und wirtschaftlichen Informationen
bringen, die als Grundlage für den Bau kommerzieller Anlagen notwendig sind.

Auf technischem Gebiet ist in bezug auf die Entwicklung optimaler Grundausrüstungen - Ketten, Verankerung, Rohrleitungen, Kabel, usw. - noch viel
zu tun.

Beispielsweise wurde jetzt vom US-Energieministerium eine 300 m

lange Kaltwasserleitung aus glasfaserverstärktem Kunststoff (Rohrdurchmesser:
3 m) mit Erfolg erprobt.

Für eine kommerzielle Anlage jedoch wären sehr viel

längere Kaltwasser-Rohrleitungen mit dem fünf- bis zehnfachen Durchmesser er-

- 3-

�erforderlich.

Für die Wärmeaustauscher müssen besonders korrosionsbestän-

dige Werkstoffe, möglicherweise rostfreier Stahl oder gar Titan, verwendet
werden.

Denn Seewasser ist sehr aggressiv und zerstört Metalle wie Alu-

minium in relativ kurzer Zeit.

Schlick oder Algenbesatz in den Rohrleitun-

gen würde mit der Zeit die Leistung der Wärmeaustauscher beeinträchtigen.
Um dies zu verhindern und die Rohre sauber zu halten, presst man mit einem
Abriebmittel überzogene Schwammgummikugeln durch die Ansaugrohre.
•

.

In einer auf drei Jahre angesetzten Gemeinschaftsstudie mit Kollegen
vom US-Amt für Umweltschutz (EPA) untersuchen derzeit Wissenschaftler des
US-Energieministeriums Fragen wie mögliche Umweltbelastungen durch chemische
Schadstoffe aus einer OTEC-Anlage, den Einfluß derartiger Strukturen auf
ökologische Systeme im Meer sowie Art und Umfang eventueller Gefahren für
das Betriebspersonal, die durch Sicherheitsmaßnahmen auszuschalten sind.

+ + + + +
...
. •

•

•

�3
3

Uli//cn/chofl
und Technik
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20. August 1980

37

START DES RAUMTRANSPORTERS: MÄRZ 1981

- (AD) - Mit allen verfügbaren Kräften und Mitteln arbeitet das USBundesamt für Luft- und Raumfahrt (NASA) darauf hin, den neu festgesetzten
Termin für den ersten Orbitalflug eines bemannten Raumtransporters (Space
Shuttle) im März 1981 einzuhalten. Wie NASA-Administrator Dr. Robert Frosch
auf einer Pressekonferenz am 1. August 1980 in Washington erklärte, sei dies
trotz des gedrängten Zeitplanes und die endgültige Lösung der noch bestehenden Probleme beschlossene Sache.
Der "Space Shuttle", ein wiederverwendbares Orbitalgerät für bemannte
Raumflüge, wird vertikal wie eine Rakete gestartet, kehrt aber wie ein Flugzeug zur Erde zurück. Das neue System soll die bemannte Raumfahrt wirtschaftlicher und flexibler machen. Infolge zwischenzeitlich aufgetretener
technischer Schwierigkeiten ist die NASA mit dem ersten bemannten Orbitalflug fast zwei Jahre im Verzug. Der jüngste Zwischenfall war ein Brand,
durch den während eines Tests am 30. Juli in Mississippi ein Triebwerk beschädigt wurde. Die Verzögerungen bereiten der NASA vor allem deshalb erhebliche Sorgen, weil nicht nur amerikanische Kunden, sondern auch eine Anzahl anderer Länder, z.B. die Bundesrepublik und Kanada, erhebliche Mittel
für Reservierungen im Nutzlastraum des Space Shuttle bereitgestellt haben

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T e l : 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�haben oder beabsichtigen, dies zu tun.

Im Frachtraum werden beispielsweise

Satelliten zum Absetzen oder Instrumente für Experimente während des Fluges
in der Erdumlaufbahn untergebracht.

Wichtigste Nutzlast des Orbiter ist

das wiederverwendbare Laboratorium SPACELAB, das von einem Konsortium europäischer Firmen unter Federführung der Europäischen Weltraumorganisation
ESA gebaut wurde.
Als das bisher kritischste technische Problem erwies sich der Hitzeschild.

Er besteht aus mehr als 30000 quadratischen Plättchen aus keramischem

Material, die einzeln an der Außenwand des Raumgleiters befestigt werden
müssen.

In mehreren Tests hat sich immer wieder eine Anzahl von ihnen gelöst

oder gelockert.
sert.

Das gesamte System wurde inzwischen verstärkt und verbes-

Gegenwärtig wird die Außenseite der Orbiterzelle erneut mit den Schutz-

platten besetzt.
Der Zeitplan bis zum März 1981 sieht folgendermaßen aus:
Bis zum 23. November hofft die NASA, den Orbiter im Montagegebäude
des Kennedy-Raumfahrtzentrums am Cape Canaveral zu haben. In der Zwischenzeit müssen die Flugtüchtigkeit der Triebwerke gesichert, die Änderungen am
Manövriersystem des Orbiter durchgeführt und die restlichen Arbeiten am
Startplatz beendet werden. In der riesigen Montagehalle werden die zwei als
Booster dienenden großen Feststoffraketen und der außen befestigte Treibstofftank mit dem Orbiter zusammengebaut. Dann folgen Tests für das integrierte System. Für Februar 1981 ist das Ausrollen des Fluggeräts zum Startplatz geplant. Dort werden weitere Tests, einschließlich Brenntests der
Triebwerke, sowie die "Generalprobe" für den Start im März durchgeführt.

+ + + + +

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Außenminister Muskie erläutert Bündnissysteme der USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede vor dem Commonwealthclub in San Francisco -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Brown: USA wollen keinen Atomkrieg&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Schreiben an die NATO-Verteidigungsminister -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ausreichende Reserve entscheidend für Nahrungsmittelversorgung der Weltbevölkerung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- USICA-Interview mit Dale Hathaway, Staatssekretär im US-Landwirtschaftsministerium -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das Meer - Energiequelle für Inseln und Küstenländer&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- USa intensivieren Forschungs- und Entwicklungsprogramme -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Start des Raumtransporters: März 1981</text>
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VON

AMERIKA DIENST

&amp;

26

2Ü. A u g u s t

1986

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan übt Kritik an Kongreßentscheidung bei Militärausgaben
- Rundfunkansprache des Präsidenten -

Reagan: Demokratie stärkt Beziehungen zwischen PSA und
Lateinamerika
- Interview mit der mexikanischen Tageszeitung "Excelsior" (Auszüge)

USA hoffen auf sowjetische Zusammenarbeit bei KVAE-Ubereinkunft
- Erklärung des Weißen Hauses, Faktenpapier zu KVAE-Gesprächen -

WIRTSCHAFT
Heinz: Wachsender Zorn im Kongreß wegen Handelsproblemen
- Interview mit Senator John Heinz -

* * * * * *

United States Information Service
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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
VON

Dokumentation

&amp;

20. August 1986

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REAGAN ÜBT KRITIK AN KONGRESSENTSCHEIDÜNG BEI MILITSRAÜSGABEN
- Rundfunkansprache des Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan nannte in seiner wöchentlichen,
landesweit übertragenen Rundfunkansprache am 16. August 1986 die Entscheidung des amerikanischen Repräsentantenhauses bezüglich einer Gesetzesvorlage für den Verteidigungshaushalt einen "rücksichtslosen Angriff auf die
nationale Sicherheit". Dabei kritisierte er insbesondere die Abstriche,
die bei den Mitteln für die Strategische Verteidigungsinitiative gemacht
wurden, wie auch den Versuch, ihn dazu zu zwingen, sich an die numerischen
Beschränkungen von SALT II zu halten.
Die Ansprache des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Liebe Mitbürger*! Als ich mich 1980 um die Präsidentschaft bewarb,
ging ich die feierliche Verpflichtung ein, alles in meiner Macht Stehende
zu tun, um unserem Land wieder eine nationale Verteidigung zu geben, die
keinen Vergleich zu scheuen brauchte. 3ei diesen Wahlen - und erneut 1984
- übertrug mir das amerikanische Volk, wie ich meine, genau dieses Mandat.
Heute jedoch sind diese Verpflichtung sowie viele der großen Fortschritte, die wir zusammen in den vergangenen fünf Jahren erzielt haben,
durch Schritte gefährdet, die das Repräsentantenhaus unternommen hat.
Lassen Sie mich einige dieser Entscheidungen im einzelnen erläutern, die sollte ihnen zugestimmt werden - unseren Abrüstungsunterhändlern in Genf

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�in Genf den Teppich unter den Fußen wegziehen und schließlich die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten gefährden würden.
Erstens stimmte das Repräsentantenhaus dafür, der amerikanischen Luftwaffe sogar das Recht zu verwehren, unsere kleinen Antisatellitenwaffen,
ASAT genannt, zu erproben. ASAT soll im Fall eines Konflikts die militärischen Satelliten der Sowjetunion zerstören, die russische Bomber und
Raketen auf amerikanische ziele lenken würden. Es handelt sich hierbei um
eine defensive Waffe, die dazu beitragen soll, Männer und Frauen der amerikanischen Streitkräfte im In- und Ausland zu schützen.
Es ist mir unverständlich, warum das Repräsentantenhaus uns das Recht
verwehren kann, selbst diese Waffe zu erproben, wenn die Sowjetunion über
ihrem Territorium schon seit langem einen Killersatelliten disloziert hat.
Zweitens stimmte das Repräsentantenhaus dafür, alle Atomversuche über
eine Kilotonne einzustellen. Wenn diese Abstimmung Bestand hat, dann würden alle Versuche zur Aufrechterhaltung der Sicherheit, Glaubwürdigkeit
und Verläßlichkeit der strategischen Abschreckung der Vereinigten Staaten
eingestellt werden.
Hat die Mehrheit des Repräsentantenhauses die Lehren der Geschichte
vergessen? 1958 stimmten die Vereinigten Staaten einem ähnlichen Moratorium zu. Drei Jahre später brach die Sowjetunion einseitig dieses Moratorium mit der größten atomaren Testserie der Geschichte. Wir brauchten
fast ein Jahrzehnt, um das herauszufinden, was die Sowjets aus diesen Versuchen gelernt hatten, die insgeheim stattfanden, als die Vereinigten
Staaten sich noch auf sowjetische Versprechungen verließen, wir dürfen
den gleichen Fehler nicht noch einmal machen.
Drittens hat es das Repräsentantenhaus mit einer Stimme Mehrheit abgelehnt, uns die Mittel für die von uns geforderten chemischen Waffen bereitzustellen. Wenn diese Abstimmung 3estand hat, wird das Repräsentantenhaus die Möglichkeit erhöht haben, daß diese furchtbaren Waffen
eines Tages eingesetzt werden. Die Geschichte hat mehrfach gelehrt, daß
die beste Abschreckung gegen solch schreckliche Waffen darin besteht, daß
beide Seiten sie besitzen - und nicht nur eine Seite.
Hitler setzte seine fürchterlichen Gaswaffen gegen die Verbündeten aus
einem einzigen Grund nicht ein: er fürchtete die Vergeltung durch die Alliierten mit eben dieser Art von Waffen.
Viertens stimmte das Repräsentantenhaus dafür, unsere Anforderungen
bezüglich der strategischen Verteidigungsinitiative erheblich zusammenzustreichen. Aber SDI ist nicht nicht nur die große Hoffnung dieses Landes bei der Suche nach einem Ausweg aus dem Gefängnis gegenseitigen
Schreckens, sondern sie ist eine Idee, die dazu beitrug, die Sowjets
wieder an den Verhandlungstisch in Genf zurückzubringen.
SDI auf so schwerwiegende Weise die Mittel zu kürzen bedeutet, alle
unsere Hoffnungen auf Rüstungsverringerung zu gefährden. Es bedeutet,

�Es bedeutet, Amerika auf unabsehbare Zeit schutzlos versehentlichen oder
absichtlichen Raketenangriffen auszusetzen. Derlei radikale Beschneidungen von SDI würden es der Sowjetunion, die seit Jahrzehnten an einer strategischen Verteidigung arbeitet, erlauben, Fortschritte auf Kosten der
Vereinigten Staaten zu machen.
Schließlich stimmte das Repräsentantenhaus dafür, uns alle Mittel zu
verwehren, um über die Grenzen von SALT II hinauszugehen, obwohl SALT II
nie ratifiziert wurde und obwohl die Sowjetunion seine Bedingungen verletzt hat. Welch eine Botschaft wird Moskau übermittelt, wenn eine Mehrheit des Repräsentantenhauses dafür stimmt, das eigene Land zu zwingen,
einen ausgelaufenen und nie ratifizierten Vertrag einzuhalten, den die
Sowjetunion selbst unterlaufen hat?
Darüber hinaus stimmte das Repräsentantenhaus dafür, einige der Programme zu beschneiden, die im Mittelpunkt der strategischen Abschreckung
dieses Landes stehen - landgestützte MX-Rakete, TRIDENT-Unterseeboot, weiterentwickelte Marschflugkörper.
Die sowjetischen Abrüstungsunterhändler müssen heute vollkommen verwirrt darüber sein, daß die amerikanischen Abgeordneten in Washington etwas weggeben sollten, was sie selbst in Genf nicht erreichen konnten. Die
sowjetische Militärplanung muß über die Schläge erstaunt sein, die das Repräsentantenhaus diese Woche der nationalen Verteidigung Amerikas versetzt
hat. Schließlich hat das Repräsentantenhaus dafür gestimmt, daß zehn Prozent der zahllosen militärischen Kontrakte ohne Wettbewerb auf der Grundlage einer Quote an bestimmte Unternehmen gehen sollen - und das nennt man
dann Militärreform. Es ist ein Schritt in die falsche Richtung.
Daß wir uns nicht irren: Das Verteidigungsgesetz des Repräsentantenhauses ist ein rücksichtsloser Angriff auf die nationale Sicherheit der
Vereinigten Staaten. Es bedroht unsere Hoffnungen für Rüstungskontrolle
und versetzt uns zurück in eine politische Xra, die das amerikanische Volk
in den letzten zwei nationalen Wahlen mit Nachdruck zurückgewiesen hat.
Auch wenn es meine Gewohnheit ist, erst dann etwas über ein Veto meinerseits zu sagen, wenn es auf meinen Schreibtisch kommt: Wenn der Verteidigungshaushalt in irgendeiner Form kommt, die der gegenwärtigen entspricht,
werde ich mein Veto einlegen und die nationale Sicherheit wird zur Frage
des Jahres 1986. Bis zur nächsten Woche. Vielen Dank fürs Zuhören. Gott
schütze Sie.

- 3-

�AMERIKA DIENST
'VON

Dokumentation

^

20. August 1986

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REAGAN:

DEMOKRATIE STÄRKT BEZIEHUNGEN ZWISCHEN USA UND LATEINAMERIKA

- Interview mit der mexikanischen Tageszeitung "Excelsior" (Auszüge)

WASHINGTON - (AD) - In einem am 19. August 1986 vom Weißen Haus veröffentlichten Interview mit der mexikanischen Tageszeitung "Excelsior" unterstrich Präsident Reagan, die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und den Ländern Lateinamerikas seien derzeit auf ganz außergewöhnlich
gutem Niveau. Mit besonderem Hinweis auf Mexiko sagte er: "Unsere demokratisch gewählten Regierungen repräsentieren den Willen des Volkes, und
diese Tatsache ermöglicht es uns, immer leichter und wirksamer zusammenzuarbeiten."
Das Interview, das neben bilateralen Fragen auch Themen wie Nicaragua,
die Möglichkeit einer Wiederannäherung zwischen Washington und Havanna,
den CONTADORA-Prozeß sowie das Ost-West-Verhältnis behandelte, hat in
seinen wesentlichsten Auszügen den folgenden Wortlaut:
FRAGE: Sie möchten Managua weiterhin unter Druck setzen, weil dort
eine Diktatur herrscht. Was möchten Sie mit diesen 100 Millionen Dollar
erreichen?
ANTWORT: Wir haben uns bisher schon neunmal mit den Führern der
sandinistischen Regierung getroffen, um zu versuchen, sie dazu zu bewegen,

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�zu bewegen, sich mit den anderen zusammenzusetzen und zu verhandeln, die
auch an der Revolution gegen Somoza beteiligt waren und die jetzt für die
Freiheit kämpfen. Die Sandinisten haben die Macht ergriffen und das Versprechen gebrochen, das sie der Organisation Amerikanischer Staaten gegeben hatten. Dieses Versprechen bestand darin, daß ihr Ziel - ein revolutionäres Ziel - die Verwirklichung von Demokratie, Redefreiheit, Pressefreiheit und Gewerkschaftsfreiheit sei, kurzum all das, was mit Demokratie
in Verbindung gebracht wird. Als die Sandinisten an die Macht kamen, entledigten sie sich stattdessen ihrer früheren Verbündeten und führten ein
totalitäres Regime ein.
Bei diesen neun Treffen haben wir immer versucht, sie dazu zu bringen,
über die Demokratisierung Nicaraguas zu verhandeln und zu den Prinzipien
zurückzukehren, denen sie sich einst verschrieben hatten. Und jedesmal
hatten die Freiheitskämpfer mit uns darin übereingestimmt, ihre Waffen
niederzulegen und sich an den Verhandlungstisch zu setzen, um eine friedliche, politische Lösung dieses Problems zu finden.
Neunmal lag die Verantwortung für das Scheitern bei der sandinistischen Regierung - sie weigerte sich. Wir glauben, Druck seitens der
Freiheitskämpfer ist nötig. Unserer Meinung nach wäre dem Ziel am besten
gedient, wenn sie genug Stärke besitzen, um einen gewissen Zwang auf die
Sandinisten auszuüben. Dann könnte eine friedliche, politische Lösung
immer noch erreicht werden.
Falls Nicaragua, falls die Sandinisten trotzdem nicht davon überzeugt
werden können, dann bestünde die einzige Alternative für die Freiheitskämpfer darin, es auf ihre Weise zu versuchen und die Macht an sich zu
ziehen.
FRAGE: Sie glauben also, daß die 100 Millionen Dollar genügen, um
Druck auf sie auszuüben?
ANTWORT: Nun, das hängt davon ab, wie lange es dauert, bis eine Lösung des Problems gefunden ist. Ich denke jedoch, daß damit zum jetzigen
Zeitpunkt mehr erreicht werden kann als manche denken, weil, wie Sie vielleicht wissen, die Bedürfnisse von Kämpfern oder Soldaten, die sich
Guerillataktiken zunutze machen, geringer sind als die einer formelleren
militärischen Struktur.
Über den Daumen gepeilt ist es jedenfall so, daß eine Regierung und
deren Truppen den Guerillas im Verhältnis von zehn zu eins überlegen sein
müssen, um Erfolg zu haben.
FRAGE: Ist es Ihrer Meinung nach möglich, daß Mexiko zu einer Brücke
für die Verbreitung des Kommunismus in die Vereinigten Staaten werden
könnte?
ANTWORT: Nun, lassen Sie mich dies in einem weiteren Sinne b e a n t worten. Die Sandinisten selbst haben kurz nach ihrer Machtübernahme proklamiert, daß ihre Revolution nicht auf ihr eigenes Territorium begrenzt
sein würde. In anderen Worten: sie wollten die kommunistische Revolution

�kommunistische Revolution in ganz Lateinamerika unterstützen. Dies waren
ihre Worte, nicht unsere. Und deshalb meine ich, daß wir sie beim Wort
nehmen sollten.
FRAGE: Hinsichtlich Demokratie und Politik: was sollte Inhalt beider
sein? Warum charakterisiert Ihre Administration Länder wie Nicaragua so,
wie sie dies tut? Stünde es mit dem Wesen der Demokratie wirklich in Einklang, direkt und offiziell in die Angelegenheiten anderer Länder zu intervenieren - wie dies etwa bei der Unterstützung der Contras in Nicaragua
der Fall ist? Glauben Sie, daß man ein so kleines Land wirklich als Bedrohung der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten ansehen kann?
ANTWORT: Die Demokratie ist ein politisches System, in dem das Volk
ein entscheidendes Wort bei der Bestimmung seines Schicksals mitspricnt.
Die Demokratie sollte aus repräsentativen und pluralistischen Prozessen
bestehen, die eine Garantie dafür sind, daß das Volk an den Entscheidungen
teilhat, die sein Überleben beeinflussen. Das System sollte sicherstellen, daß die unterschiedlichen Meinungsrichtungen freien Zugang zu fairen,
regelmäßigen und freien Wahlen haben, die sich auf die volle Einhaltung
der Bürgerrechte gründen. Wir sehen natürlich, daß Wahlen allein, auch
wenn sie eine entscheidende Voraussetzung der Demokratie darstellen, nicht
genug sind. Die Demokratie muß auch gleichen Zugang zu Ausbildung, Jurisdiktion und Arbeitsmarkt bieten. Demokratie bedeutet außerdem, daß keine
Tyrannei herrschen darf - gleich, ob Tyrannei einer Minderheit über die
Mehrheit oder der Mehrheit über eine Minderheit.
Unglücklicherweise gibt es in Nicaragua wenig Nachweise für eine Demokratie, und was es noch an Überresten gibt, so werden diese immer rascher
erstickt. In schlichter Anerkenntnis der Realität bezeichnen wir
Nicaragua als einen marxistisch-leninistischen Staat. Ich darf hinzusetzen, daß man sich dort selbst als marxistisch-leninistisch umschreibt.
All die Elemente, die man normalerweise überall auf der Welt als für eine
Demokratie notwendig erachtet, werden von der Tyrannei der Comandantes in
Nicaragua unterdrückt. Die Sandinisten haben mittlerweile die freie
Presse abgeschafft. Sie bedrohen die katholische Kirche und andere religiöse Gruppierungen. Sie halten die anderen politischen Parteien, die
Gewerkschaften und die verschiedenen Sektoren der Geschäftswelt davon ab,
ihre legitimen Funktionen auszuüben.
Unter solchen Umständen ist es nicht überraschend, daß jene Nicaraguaner, bei denen die meiste Freude über den Sturz der Diktatur Somozas
herrschte, sich jetzt zusammengetan haben, um sich der Konsolidierung
einer anderen Diktatur zu widersetzen - einer Diktatur, die von Kräften
unterstützt wird, die von außerhalb dieser Hemisphäre kommen.
FRAGE: Sie haben gesagt, daß der nicaraguanische Kommunismus sich
nach Mexiko ausweiten könnte. Könnten Sie mir sagen, was Mexiko tun
sollte, um dies zu verhindern und was Mexiko derzeit unterläßt, so daß
derlei geschehen könnte?
ANTWORT: Ich glaube, Ihr Präsident könnte hierauf viel besser antworten als ich. Ich habe großen Respekt vor Präsident de la Madrid und

�Madrid und vor der Verpflichtung des mexikanischen Volkes gegenüber der
Demokratie und den Werten des Westens, die sich ihrer Natur nach nicht mit
dem Kommunismus vereinbaren lassen.
Wir haben erlebt, wie kommunistische Regierungen in Kuba und Nicaragua
enge Verbindungen zur Sowjetunion geknüpft haben und als Mittel ihrer Politik zur Subversion demokratischer Regierungen greifen. Kommunisten sind
Feinde der Demokratie; sie sind Feinde der Kirche; und sie fühlen sich von
demokratischen Regierungen bedroht. Alle Menschen, die die Demokratie
schätzen, sollten zutiefst besorgt sein über die Konsolidierung expansionistischer, kommunistischer, prosowjetischer Regierungen in dieser Hemisphäre.
FRAGE: Könnten Sie mir sagen, ob es in nächster Zukunft Möglichkeiten
für eine Wiederannäherung zwischen Washington und Havanna gibt?
ANTWORT: Kubas Herrscher, die keine Bereitschaft zur Tolerierung
Andersdenkender in ihrem eigenen Herrschaftsbereich zeigen, waren niemals
so weit von den Trends dieser Hemisphäre entfernt wie gerade jetzt, da
Freiheit und Menschenrechte auf ihrem Weg nach oben sind. Ihr kommunistisches Wirtschaftsmodell hat sich als schrecklicher Fehlschlag erwiesen:
unter Castros Herrschaft ging das Pro-Kopf-Einkommen, das einst zu den
höchsten in dieser Hemisphäre gehörte, auf eins der niedrigsten zurück.
In der Außenpolitik zeigt Kuba, daß es zuallererst dem sowjetischen Bündnis verpflichtet ist. Unter seinen Nachbarn und bis hin nach Afrika sät
es Gewalt und Zwietracht. Es gibt wenig Aussicht auf eine deutliche Verbesserung unserer Beziehungen mit solch einem Kuba. Trotz dieser grundlegenden Meinungsunterschiede sind wir jedoch auch weiterhin bereit, konkrete Fragen, wie etwa die der Auswanderung, aus der Welt zu schaffen,
wenn Kuba hierzu bereit ist. Leider hat Kuba einseitig das eine Abkommen
aufgekündigt, das wir erzielt hatten und zeigte nur unzureichende Entschlossenheit, während der jüngsten Gespräche mit unsren Vertretern in
Mexiko City zu Fortschritten zu kommen.
FRAGE: Es heißt, daß die CONTADORA-Friedensinitiative wegen des
Drucks nicht unterzeichnet wurde, den die Vereinigten Staaten auf El
Salvador, Honduras, Costa Rica und Guatemala ausübten. Ist das wahr?
Wenn nicht, könnten Sie uns sagen, was Ihrer Meinung nach der Grund für
die Sackgasse ist, in der sich der CONTADORA-Prozeß befindet?
ANTWORT: Dies ist sicher nicht wahr. Wir haben zu keinem Zeitpunkt
die mittelamerikanischen Demokratien unter Druck gesetzt, einen CONTADORAFriedensvertrag nicht zu unterzeichnen.
Das Problem ist, daß der Entwurf unvollständig ist; er ist noch nicht
für eine Unterzeichnung reif. Die Demokratien haben im Detail Erklärungen
für seine Unzulänglichkeit gegeben. Der Entwurf muß in mehreren Bereichen
- wie etwa Verifizierung und Demokratisierung - gestärkt werden. Er fordert außerdem Verhandlungen über Rüstungsbegrenzungen, die beginnen sollen, nachdem der Vertrag bereits unterzeichnet und ausgeführt ist. Wenn
man ihn näher ansieht, so fordert er die Mittelamerikaner auf: "unterzeichnet jetzt, verhandelt später'." Die MittelameriKaner brauchen weder
- 4 -

�brauchen weder uns, noch irgendjemand sonst, der innen sagt, daß dies
nicht sehr klug wäre.
Das Hauptproblem, vor dem der CONTADORA-Prozeß steht, ist immer noch
dasselbe: die Sandinisten sind nicht bereit, ernsthaft über viele der
Hauptpunkte des Dokumentes der Zielsetzungen aus dem Jahr 1983 zu verhandeln.
Sie waren unnachgiebig hinsichtlich der politischen Aspekte der Demokratie und nationalen Aussöhnung wie auch bezüglich der militärischen
Kräfteverhältnisse. Sie wollen einen Vertrag, der ihnen sofort gibt, was
sie anstreben - Ende des Drucks des demokratischen Widerstands -, der für
sie aber keine v/irklichen Verpflichtungen enthält. Sie haben wiederholt
Fortschritte blockiert, wobei sie sich der kommunistischen Standardtaktik
bei Verhandlungen bedienen, nämlich unflexibel zu sein, damit die anderen
Parteien zu Konzessionen gezwungen werden. Jetzt sagen sie, sie werden
den unvollständigen Entwurf unterzeichnen, machen inre Zustimmung jedoch
von der Bedingung abhängig, daß ihr eigener Vorschlag für Rüstungsbegrenzung angenommen wird. Sie haben Begrenzungen bei 14 Waffenkategorien vorgeschlagen - viele davon haben sie nicht einmal; sie weigern sich, die
meisten ihrer wichtigsten Waffensysteme oder die Größe ihrer gewaltigen
Armee zu begrenzen. Die mittelamerikanischen Demokratien haben zurecht
diesen Vorschlag abgelehnt und bestehen darauf, daß bei den Waffengattungen realistische Mengenangaben erarbeitet werden. Sie sind bereit, auch
weiterhin auf ein umfassendes Abkommen hinzuarbeiten, das der Region
dauerhaften Frieden bringt.
Wir streben eine politische Lösung in Nicaragua an. Was wir wollen,
ist ein demokratisches Ergebnis mit freien und fairen Wahlen für alle
politischen Parteien, wobei allen potentiellen Kandidaten die Möglichkeit
der Beteiligung gegeben ist - sowie mit einer freien und offenen Gesellschaft, die mit ihren Nachbarn und mit dem eigenen Volk in Frieden lebt.
FRAGE: Gemäß Ihren vorherigen Äußerungen, in denen Sie rechte und
linke Diktaturen kritisiert haben: glauben Sie nach den Ereignissen auf
den Philippinen und in Haiti, daß der Fall der gegenwärtigen Regierungen
in Paraguay und Chile kurz bevorsteht? Wie ist der Stand der amerikanischen Beziehungen mit den Staaten Lateinamerikas insgesamt?
ANTWORT: Jede Regierungsänderung in diesen beiden Ländern würde
selbstverständlich von Entscheidungen herrühren, die von der Bevölkerung
dieser Staaten getroffen werden, nicht von den Vereinigten Staaten. Unsere Politik gegenüber Chile und Paraguay besteht in der Unterstützung
eines friedlichen und geordneten Übergangs zu vollständiger Demokratie und
darin, zur stärkeren Beachtung der Menschenrechte zu ermutigen. Wir versuchen, diese Politik durch Gespräche sowohl mit der Regierung wie auch
mit der demokratischen Opposition in jedem dieser Länder durchzuführen.
Unser Ziel ist dabei, einen Dialog zwischen beiden zustande zu bringen.
Was den zweiten Teil Ihrer Frage angeht: unsere Beziehungen zu Lateinamerika befinden sich gegenwärtig auf einem der höchsten Niveaus in
der Geschichte unserer Länder. Die Ausdehnung der Demokratie in der ge- 5 -

�in der gesamten Region während des letzten Jahrzehnts hat das Band zwischen uns noch verstärkt. Unsere demokratisch gewählten Regierungen repräsentieren den Willen des Volkes und diese Tatsache ermöglicht es uns,
immer leichter und wirksmer zusammenzuarbeiten. Unsere Unterstützung der
meisten Länder Lateinamerikas und der Karibik bei ihrer Hinwendung zur
Demokratie sowie der Verfestigung der bestehenden Demokratien hat die
Bindungen zwischen unseren Regierungen und Völkern gestärkt. Wir arbeiten
zusammen, um die Sicherheit unserer Völker und unsere Lebensart zu sichern.
FRAGE: Die "Gruppe der Sechs" hat die Einstellung der Atomtests und
das Einfrieren der Waffenarsenale gefordert. Glauben Sie, daß derlei zum
gegenwärtigen Zeitpunkt durchführbar ist, wenn Sie einmal das kommende
Treffen mit dem sowjetischen Generalsekretär Gorbatschow in Betracht ziehen? Glauben Sie, unter Berücksichtigung der wachsenden Spannungen zwischen Ost und West, Nord und Süd, daß es zum Ausbruch von Gewalt nicht nur
auf regionaler Ebene, sondern in weltweitem Maßstab kommen könnte?
ANTWORT: Ich denke, daß die Zielvorstellung einer Welt ohne Atomwaffen von uns allen geteilt wird. Wir sind jedoch unterschiedlicher Meinung
in der Frage, ob ein Atomtestmoratorium einen echten Beitrag zu diesem
Prozeß leisten kann. Ein Atomtestmoratorium liegt nicht im Sicherheitsinteresse der Vereinigten Staaten, ihrer Verbündeten und Freunde. Heute
und noch für einige Zeit muß die Sicherheit der Vereinigten Staaten, ihrer
Verbündeten und Freunde auf einer glaubwürdigen und wirksamen nuklearen
Abschreckung beruhen. Meiner Meinung nach gebietet diese Tatsache die
Durchführung von Atomtests. Für die Vereinigten Staaten bleibt ein umfassendes Versuchsverbot deshalb ein langfristiges Ziel. Solch ein Verbot
muß im Kontext einer Zeit gesehen werden, in der wir uns nicht mehr auf
die nukleare Abschreckung verlassen müssen, um die internationale Sicherheit und Stabilität zu garantieren und in der wir breitangelegte, einschneidende und verifizierbare Rüstungsbeschränkungen, substantiell verbesserte Verifikationsfähigkeiten, erweiterte vertrauensbildende Maßnahmen
und ein stärkeres Gleichgewicht bei den konventionellen Streitkräften erreicht haben werden. In der näheren Zukunft bestent unsere Priorität in
der Verbesserung von Verifikationsmodalitäten bei bestehenden Beschränkungen - dem Schwellenvertrag (TTBT) und dem Vertrag über Atomexplosionen
zu friedlichen Zwecken (PNET).
Wir haben kürzlich Expertengespräche mit den Sowjets über das ganze
Spektrum des Atomtestproblems eröffnet. Im Hinblick auf TTBT und PNET
haben wir den Sowjets unsere Verifikationsbedenken unterbreitet und ihnen
zu verstehen gegeben, daß die Ausräumung dieser Bedenken uns in die Lage
versetzen würde, Fortschritte bei der Ratifizierung zu erzielen. Wir
haben ebenso die sowjetischen Bedenken angehört und diskutiert. In diesen
Gesprächen und in den gegenwärtigen Rüstungskontrollverhandlungen besteht
unsererseits die Hoffnung, daß Fortschritte erzielt werden, die zu einer
echten Stärkung von Sicherheit, Stabilität und Frieden führen werden.
Generalsekretär Gorbatschow und ich haben bei unserem Genfer Gipfeltreffen
versprochen, die Rüstungskontrollverhandlungen zu beschleunigen, und die
Vereinigten Staaten geben sich bei der Verwirklichung dieses Versprechens
große Mühe.
Das Einfrieren

�Das Einfrieren oder Kappen unseres nuklearen Potentials auf dem gegenwärtigen hohen Niveau ist einfach nicht genug. Es gibt in der Welt zu
viele Atomwaffen. Wir brauchen reale Einschnitte. Ich denke, daß wir in
Genf zu echten Reduzierungen bei den Atomwaffen kommen können, die uns
meiner Meinung nach unserem Hauptziel näherbringen werden. Ein Moratorium
oder ein Einfrieren der Atomwaffen wird dies nicht erreichen.
Die Vereinigten Staaten möchten ihre eigene Sicherheit durch die Förderung von Freiheit und Wohlstand in der ganzen Welt verbessern. Gleichzeitig müssen wir die Verschiedenheit der regionalen Konflikte sowie die
Bedingungen, unter denen sie entstehen, berücksichtigen. Die meisten der
Turbulenzen in der Welt haben hausgemachte Ursachen und nicht jeder regionale Konflikt sollte als Teil des Ost-West-Konflikts angesehen werden.
Dennoch haben Generalsekretär Gorbatschow und ich während unseres
Genfer Gipfeltreffens darin übereingestimmt, daß jeder Konflikt zwischen
der UdSSR und den Vereinigten Staaten katastrophale Folgen haben würde.
Wir haben die Bedeutung der Verhinderung eines Krieges - gleichgültig, ob
konventionell oder nuklear - zwischen unseren Ländern betont, und wir
stimmten darin überein, daß ein Atomkrieg nicht gewonnen werden kann und
niemals geführt werden darf.
Deshalb hat meine Administration darauf bestanden, daß das Problem
regionaler Sicherheit einen wichtigen Platz auf der Tagesordnung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen einnehmen muß. Seit dem Genfer Gipfel
hatten wir mit den Sowjets eine Reihe von Gesprächen über ein breites
Spektrum regionaler Fragen. Dieser Prozeß war sehr nützlich für uns, und
wir beabsichtigen, ihn fortzusetzen.
FRAGE: Ihr früheres Image als charismatische Persönlichkeit und
typischer Amerikaner ist zunehmend zu dem eines Meinungsmachers in der
Welt hochstilisiert worden - von vielen kritisiert, aber doch authentisch.
Wie denken Sie über sich selbst und über Ihr Wirken als Präsident der Vereinigten Staaten? Was denken Sie von dem Land, das Sie als Präsident
übernommen haben und dem Land, das Sie nach Ablauf Ihrer Amtszeit Ihrem
Nachfolger übergeben werden?
ANTWORT: Lassen Sie mich die ersten beiden Fragen zusammen beantworten. Ich denke, die letzten sechs Jahre haben gezeigt, daß Amerika
wieder auf die Beine gekommen ist und wieder eine tragende Säule des Fortschritts und der Freiheit in der Welt darstellt. Mit harter Arbeit zuhause begannen wir vor sechs Jahren mit der Wiederherstellung unserer
Verteidigung und der Sanierung unserer Wirtschaft. Nachdem wir diese
Stärken wiederhergestellt haben, sind wir nun in der Lage, eine wesentlich
wichtigere Rolle in der Welt zu spielen. Ich denke, daß wir dies hier in
dieser Hemisphäre noch klarer erkennen können. Heute erfreuen sich über
90 Prozent der Bevölkerung Lateinamerikas und der Karibik der Selbstregierung - verglichen mit lediglich einem Drittel vor sechs Jahren.
Nun, wie ist es zu diesem Prozeß gekommen? Es ist größtenteils das
Verdienst des Mutes und der Entschlossenheit der Bevölkerung Lateinamerikas, die sich bemüht hat, trotz äußerer Bedrohung und Subversion durch

�Subversion durch gewalttätige Minderheiten im Innern demokratische Institutionen aufzubauen. Aber ich denke auch, daß die Vereinigten Staaten
durch ihre Militär- und Wirtschaftshilfe einen Beitrag geleistet haben.
Auf diese Weise haben sich beide Trends - zu mehr Freiheit und zu mehr
Stärke seitens der Vereinigten Staaten - gegenseitig verstärkt.
Ich denke, wir können dies auch in anderen Teilen der Welt sehen. Sie
hören im Ausland kaum noch etwas von Ineffizienz der Vereinigten Staaten.
Sie hören kaum noch etwas von einem Mangel an Bereitschaft unsererseits,
unseren Freunden zu helfen. Und dies ist der Fall, weil wir gezeigt haben
- von Lateinamerika zu den Philippinen, vom Mittleren Osten zu Westeuropa
-, daß wir entschlossen sind, unseren Prinzipien und unseren Freunden treu
zu bleiben und diese Prinzipien überall zu fördern, wo dies unserer Ansicht nach möglich ist.
Was die letzte Frage angeht - die Vereinigten Staaten sind für alle,
die nach Freiheit und Selbstregierung streben, immer ein leuchtendes Beispiel gewesen. Dies ist heute genauso der Fall wie im Jahr 1890; und es
wird im Jahr 1990 genauso der Fall sein. Wenn wir in den letzten Jahren
in der Lage gewesen sind, dieses Land zu stärken - und ich denke, das
waren wir -, dann haben wir das getan, wofür uns die Bevölkerung der Vereinigten Staaten gewählt hat.

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20. August 1986

USA HOFPEN AUF SOWJETISCHE ZUSAMMENARBEIT BEI KVAE-ÜBEREINKÜNFT
- Erklärung des Weisen Hauses, Faktenpapier zu KVAE-Gesprächen -

SANTA BARBARA - (AD) - Nach Angaben des stellvertretenden Pressesprechers des Weißen Hauses, Larry Speakes, könnte bis nächsten Monat
eine Übereinkunft zur Verminderung des Risikos eines Krieges in Europa
durch Fehleinschätzung erreicht werden, wenn der Kreml zur Zusammenarbeit
bereit wäre.
Die Konferenz über Vertrauensbildende Maßnahmen und Abrüstung in
Europa (KVAE), deren zwölfte und letzte Runde am 19. August in Stockholm
eröffnet wurde, könnte "einen direkten Beitrag zu einer klareren und berechenbareren militärischen Lage in Europa leisten", erklärte Speakes vor
Reportern.
Die Erklärung des stellvertretenden Pressesprechers und das Faktenpapier des Weißen Hauses zur KVAE haben folgenden Wortlaut:
Nach zweieinhalbjähr igen Verhandlungen beginnt am 19. August die 12.
und letzte Sitzungsperiode der Konferenz über Vertrauensbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa (KVAE) in Stockholm. Sie wird am 19.
September beendet werden, und bis dahin muß ihre Arbeit vollendet sein.
Die Vereinigten Staaten messen der Erzielung eines militärisch bedeutsamen Resultats in Stockholm große Bedeutung bei. Ein Erfolg bei der

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�Erfolg bei der KVAE würde einen direkten Beitrag zu einer klareren und
berechenbareren militärischen Lage in Europa leisten. Im weiteren Sinne
würde er dem Prozeß von Helsinki, dessen integraler Bestandteil die KVAE
ist, einen wichtigen Impuls geben und damit zur Förderung all der Ziele
beitragen, die in der Schlußakte von Helsinki enthalten sind.
Die Vereinigten Staaten waren mit den in den letzten Tagen der vorherigen Verhandlungsrunde erzielten Fortschritten zufrieden. Wenn der
Osten eine konstruktive Haltung einnimmt, dann kann unserer Meinung nach
das Mandat der Konferenz zur Aushandlung konkreter, verifizierbarer Maßnahmen erfüllt werden, durch die die Offenheit aller militärischen Aktivitäten in Europa erhöht werden kann. Um dieses ziel zu erreichen, muß
die Stockholmer Konferenz unserer Ansicht nach Maßnahmen zur Schaffung
eines umfassenden, verifizierbaren Regelwerkes zur Vertrauensbildung beschließen, das den Austausch militärischer Informationen sowie die Vorausankündigung, Notifizierung und Beobachtung militärischer Aktivitäten
vorsieht. Wir glauben, daß die effektive Verifikation solcher Maßnahmen
durch alle beteiligten Staaten nur durch die Inspektion solcher Aktivitäten erreicht werden kann, die Zweifel an der Einhaltung aufkommen
lassen.
Da zur Erzielung eines Abkommens nur noch wenig Zeit verbleibt, hat
der Präsident die amerikanische Delegation angewiesen, frühzeitig nach
Stockholm zurückzukehren, um an informellen Gesprächen zur Lösung einiger
ausstehender Probleme teilzunehmen. Der Leiter der amerikanischen Delegation bei der KVAE, Botschafter Robert L. Barry, genießt die volle Unterstützung des Präsidenten bei seinen Bemühungen um ein Schlußdokument,
das den seit Beginn der Verhandlungen von uns verfolgten Zielen entspricht und das einen Beitrag zur Sicherheit aller teilnehmenden Staaten
leisten wird.

FAKTENPAPIER DES WEISSEN HAUSES

Hintergrund: Seit Januar 1984 nehmen die Vereinigten Staaten, Kanada
und 33 europäische Staaten, einschließlich NATO, Warschauer Pakt, neutraler und nicht-paktgebundener Staaten an der Stockholmer Konferenz über
Vetrauensbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa (KVAE) teil. Das
Mandat für die KVAE wurde auf der Madrider KSZE-Folgekonferenz (1980-83)
erteilt, um eine Übereinkunft über Maßnahmen zur Erhöhung der Offenheit
und Verminderung des Risikos eines Krieges aus Versehen oder aufgrund von
Fehleinschätzungen zu erzielen. Das Madrider KVAE-Mandat fordert vertrauensbildende Maßnahmen, die militärisch bedeutsam, politisch bindend
und mit angemessenen Formen der Verifikation ausgestattet sind, die ganz
Europa einbeziehen. Die KVAE wird ihre Arbeit am 19. September 1986 beenden, damit ihre Ergebnisse und ihre Zukunft von der KSZE-Folgekonferenz, die am 4. November 1986 in Wien zusammentrifft, beurteilt werden
können.
Grundzüge eines

�Grundzüge eines möglichen Schlußdokuments: Die Grundzüge eines sich
abzeichnenden möglichen Schlußdokuments, die hauptsächlich auf den von
der NATO im Februar 1984 und den von den neutralen und nicht-paktgebundenen Staaten im November 1985 vorgelegten umfassenden Vorschlägen beruhen, schließen folgende Punkte ein:
- ein bedeutsamer Informationsaustausch durch die beteiligten Staaten
über ihre in Europa stationierten Luftstreitkräfte;
- ein jährlicher Austausch von Vorankündigungen militärischer Aktivitäten, die im voraus zu notifizieren sind;
- Vorankündigung militärischer Aktivitäten jenseits einer Schwelle, die
bedeutend niedriger wäre, als die in der Schlußakte von Helsinki enthaltene;
- obligatorische Beobachtung militärischer Aktivitäten, die der Notifizierung unterliegen;
- Verifikation, die es den beteiligten Staaten erlauben, die Einhaltung
der Abkommen wirksam zu beurteilen. Die NATO-Staaten sind der Überzeugung, daß die einzig effektive Methode der Verifikation im KVAEKontext die der Inspektion ist.
Gegenwärtiger zustand: In Runde XI (10. Juni - 18. Juli) wurden
Fortschritte beim Entwurf eines Schlußdokuments (Abkommen) gemacht. Das
Tempo bei der Gestaltung des Entwurfs muß in Runde XII auf allen Gebieten
bedeutend gesteigert werden, um die KVAE zu einem erfolgreichen Ende zu
bringen. Die Vereinigten Staaten bleiben den Zielen der KVAE verpflichtet, und die amerikanische Delegation wird ihre Bemühungen fortsetzen, um
in der letzten Sitzungsperiode ein solides Abkommen zustande zu bringen.

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20. August 1986

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HEINZ: WACHSENDER ZORN IM KONGRESS WEGEN HANDELSPROBLEMEN
- Interview mit Senator John Heinz -

WASHINGTON - (AD) - In einem Interview, das der Vorsitzende des Senatsunterausschusses für internationale Finanz- und Währungspolitik, Senator John Heinz, zwei Korrespondenten des US-Informationsamts (USIA) gewährte, erklärte der Senator, daß die wachsende Sorge über die steigende
Importflut und unfaire Handelspraktiken anderer Staaten den Kongreß zur
Verabschiedung einschneidender Handelsgesetze noch vor Ende dieses Jahres
treiben werden. "In den 15 Jahren meiner Tätigkeit in Washington habe
ich niemals ein solch hohes Maß an Frustration und Besorgnis über die
Nichteinhaltung der Gesetze des freien Handels durch andere Staaten erlebt."
Das Interview mit Senator Heinz hat folgenden Wortlaut:
FRAGE: Der Kongreß diskutiert gegenwärtig mehrere wichtige Handelsgesetze, von denen die Reagan-Administration behauptet, sie enthielten
protektionistische Elemente. Gibt es Ihrer Meinung nach gegenwärtig im
Kongreß ein größeres Maß an Unterstützung für harte Maßnahmen gegen Importe als in den vergangenen Jahren?
ANTWORT: Ich denke, daß die Besorgnis des Kongresses über das wachsende Ungleichgewicht bei der Einhaltung der Spielregeln durch andere
Länder noch nie so groß war. Im Kongreß wird die Ansicht vertreten, daß

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�vertreten, daß
mischen, indem
ten Industrien
mißachten, die

sich ausländische Regierungen in nie gekanntem Ausmaß einsie ihre heimischen Märkte schützen, ihre exportorientiersubventionieren und die Regeln des freien Handels gänzlich
wir im Rahmen des GATT mit so viel Mühe ausgehandelt haben.

Zweitens sind die Handelsnationen der Freien Welt zu gierig geworden.
Sie möchten, daß die Vereinigten Staaten weiterhin eine starke, einflußreiche Weltmacht bleiben, auf die man sich zum Schutz und zur Stabilisierung der Ost-West-Beziehungen verlassen kann. Sie bedienen sich gerne
des amerikanischen Schutzschirms gegen die sowjetische Hegemonie, erwarten aber weiterhin freien Zugang zu amerikanischen Märkten, selbst wenn
dies mit Subventionen, Dumping-Preisen oder staatlich geförderten Industriezweigen erreicht wird.
Sie können von den Vereinigten Staaten nicht erwarten, eine einflußreiche Weltmacht zu sein und gleichzeitig in Kauf zu nehmen, ihre Wirtschaftsbasis im konventionellen und hochtechnologischen Bereich zu verlieren. Entgegen einer weitverbreiteten Annahme sind von den Schwierigkeiten nicht nur die 3asisindustrien in den Vereinigten Staaten betroffen, sondern auch Bereiche, in denen wir außergewöhnlich wettbewerbsfähig
sind, wie etwa bei integrierten Schaltkreisen und Mikrochips und auf Gebieten, die besonders subtile Arten geistigen Eigentums betreffen.
Das dritte Problem besteht in der Besorgnis über die Kurzsichtigkeit
der entwickelten Länder des Westens, die sich dagegen sträuben, ihren
Volkswirtschaften mehr Freiheit zu gewähren und dadurch das Wachstum anzuheizen. Ihr Versäumnis, ihren Volkswirtschaften mehr Freiheit zur Verfolgung marktorientierten Binnenwachstums zu geben - gekoppelt mit dem
Versuch, sich auf exportgestütztes und durch Regierungsaktionen unterstütztes Wachstum zu verlassen - bildet die Ursache für drei weitere Probleme.
Erstens beschränkt es die wirtschaftlichen Möglichkeiten für die Menschen in diesen Ländern. Die Europäische Gemeinschaft schafft eben keine
neuen Arbeitsplätze. Sie zieht keine neuen Investitionen auf dem Gebiet
der Hochtechnologie an. Sie tut nichts, um die unternehmerischen und natürlichen Kräfte des Marktes zur Schaffung neuer Arbeitsplätze in den
heimischen Volkswirtschaften zu veranlassen. Sie hält sie vielmehr durch
eine künstliche Politik davon ab.
Zweitens ist dieser umfassende Eingriff des Staates in die Wirtschaft
schlechte Weltwirtschaftspolitik. Er führt zu nichts anderem als Verzerrungen und sinnloser Verschwendung rarer Mittel. Folge sind solche
Anomalien wie die gewaltige weltweite Uberkapazität bei Schlüsselindustrien.
Ein drittes und noch dringlicheres Problem besteht darin, daß all
diese Länder - zusammen mit den Schuldnerstaaten der Entwicklungswelt in die Vereinigten Staaten exportieren und dadurch die Gefahr entsteht,
daß die amerikanische Wirtschaft zusammenbricht und niemand mehr überhaupt noch ein Ziel für seine Exporte hat.
Aus theoretischer
- 2-

�Aus theoretischer Perspektive heraus formuliert: die entwickelten
Staaten wie etwa Japan und die seit jüngerer Zeit industrialisierten
Staaten müssen sich der Verantwortung bewußt werden, die dem Erfolg innewohnt.
FRAGE: Sie sagten zu Beginn, die 3esorgnis im Kongreß hinsichtlich
der Handelspraktiken im Ausland sei noch nie so groß gewesen. Wie könnte
man die derzeitige Haltung im Kongreß im Vergleich zu den Monaten vor
Einführung der Smoot-Hawley-Zölle des Jahres 1930 beschreiben?
ANTWORT: Das kann man nicht vergleichen. In den 15 Jahren meiner
Tätigkeit in Washington habe ich niemals ein solch hohes Maß an Besorgnis
über die Nichteinhaltung der Gesetze des freien Handels durch andere
Staaten erlebt. Es gibt vielleicht nicht viel Konsens hinsichtlich einzelner Maßnahmen, aber es gibt einen breiten Konsens darüber, daß etwas
getan werden muß.
FRAGE: Wie ist der allgemeine Eindruck im Kongreß hinsichtlich der
Wirksamkeit der derzeitigen amerikanischen Handelsgesetze?
ANTWORT: Die heutigen amerikanischen Handelsgesetze gelten zum größten Teil nur für sehr konkrete staatliche Maßnahmen - Dumping und Subventionen. Es ist sicher wichtig, gegen diese Art unfairer Handelspraktiken
anzugehen. Aber die amerikanischen Handelsgesetze wie auch die Maßnahmen
der amerikanischen Regierung haben sich bei der Behandlung einer ganzen
ganzen Bandbreite weniger sichtbarer, unfairer Handelspraktiken als in
großem Maß unwirksam erwiesen. Hierzu gehören Abkommen darüber, sich
Märkte zu teilen, außerdem nichttarifäre Handelsschranken, die sich praktisch so auswirken, daß Uberschußprodukte des Welthandels wieder in die
Vereinigten Staaten zurückgelangen, sowie verdeckte und verborgene staatliche Subventionen zum Aufbau neuer Industrien.
FRAGE: Manche Kritiker argumentieren, daß die Erwägung von Handelsgesetzen im Kongreß Vergeltungsmaßnahmen gegen amerikanische Exporte provozieren könnten. Was ist Ihre Ansicht?
ANTWORT: Meine Ansicht ist, daß unsere Maßnahmen mit GATT in Einklang stehen sollten. Wenn andere Staaten sich zu Vergeltungsmaßnahmen
entscheiden sollten, weil wir unsere Rechte gemäß GATT durchsetzen, dann
sind sie es, die protektionistische schritte unternehmen.
Gleichzeitig gibt es mit GATT eine Reihe von Problemen. So gibt es
Handelsbereiche, die davon nicht abgedeckt werden. Außerdem gibt es
Staaten, die ihm nicht angehören sowie Staaten, die ihm angehören und
nicht ehrlich spielen. In diesen drei Bereichen haben die Vereinigten
Staaten meiner Meinung nach keine Verpflichtung, sich an GATT gebunden zu
fühlen.
FRAGE:
sagen?

Könnten Sie etwas zu dem Handels-Rahmengesetz des Senats

ANTWORT:
- 3-

Es is

�ANTWORT: Es ist ein großartiges Gesetz. Wir haben versucht, hinsichtlich eines Handelsgesetzes im Senat einen breiten, überparteilichen
Konsens herbeizuführen, und ich glaube, das haben wir erreicht, und wir
werden ein kompaktes Handelsgesetz bekommen.
Mit diesem Gesetz wird jedes Land, das derlei unfaire Handelspraktiken betreibt, wie ich sie gerade geschildert habe, in den Vereinigten
Staaten einen weit aggressiveren Verteidiger der Prinzipien des freien
Handels finden. Die Handelspartner der Vereinigten Staaten können nicht
freien Zugang zu unserem Markt haben und uns zugleich ihre Märkte vorenthalten, sie können nicht ihre jungen Industrien schützen und von uns erwarten, Produkte dieser geschützten Industrien ins Land zu lassen, sie
können nicht immer mehr nichttarifäre Handelsschranken errichten, ohne
daß die Vereinigten Staaten Gegenmaßnahmen zu deren Beseitigung ergreifen.

'

'

FRAGE: Meinen Sie damit, wir sollten einige dieser Schranken attakkieren, die durch das GATT nicht angemessen behandelt werden?
ANTWORT: Im Prinzip, ja. Aber es geht hier auch um eine bessere
Durchsetzung der bereits bestehenden Gesetze. So bedarf es zum Beispiel
der Verbesserungen bei unserem Dumping- und Ausgleichszoll-Gesetz. Sektion 301 - die Gesetzgebung hinsichtlich unfairer Handelspraktiken - muß
umfassender angewandt werden, um klarzustellen, daß sie auch für Praktiken gilt, die auf die Förderung einzelner Industriezweige ausgerichtet
sind.
Der Vorteil dieser Art Förderung liegt darin, daß sie es einem Industriezweig ermöglicht, einen unverhältnismäßig hohen Umfang an Barmitteln bereitzustellen - eben weil er gegen ausländischen Wettbewerb abgesichert ist. Er kann dann diese Mittel in Forschung und Entwicklung
stecken, in neue Produktionstechniken und Qualitätskontrollen, die unwirtschaftlich wären, wenn dieser Industriezweig dem normalen Wettbewerbsdruck ausgesetzt wäre.
Ein solcher Industriezweig bekommt auf diese Weise einen weltweiten
Wettbewerbsvorteil, den man problemlos ausnutzen kann. Das ist nicht anders, als wenn eine Regierung ihm einfach Milliarden Dollar zwecks Investition in neue Zweigniederlassungen mit modernster Produktionstechnologie zur Verfügung stellen würde. Diese Praktiken müssen verschwinden.
i

FRAGE: Glauben Sie, daß das Handels-Rahmengesetz des Senats noch vor
Ende dieser Sitzungsperiode zur Abstimmung kommen wird?
i

ANTWORT: Ja. Der zeitliche Rahmen ist eng, aber das Gesetz wird
verabschiedet werden.
FRAGE: Wann könnte ein gesetzlicher Kompromiß zwischen Repräsentantenhaus und Senat erreicht werden?
ANTWORT: Das könnte im September der Fall sein. Jedes Urteil
darüber, ob ein Kompromiß nötig sein wird, ist verfrüht. Es ist durchaus
möglich, daß das Repräsentantenhaus, falls der Senat bei seinem Handels- 4-

�seinem Handelsgesetz gute Arbeit leistet, einfach entscheiden könnte, es
so zu verabschieden, wie es ist. Dies könnte insbesondere dann zutreffen, wenn für eine Konferenz zwischen Haus und Senat zur Lösung der Differenzen nicht genügend Zeit zur Verfügung steht.
FRAGE: In den letzten zwei Monaten hat die Administration drei bilaterale Textilabkommen, ein neues Mehrfaserabkommen und eine Vereinbarung
mit Japan über die Liberalisierung des Handels mit Halbleitern abgeschlossen sowie weitere Schritte im Bereich des Handels unternommen. Ist
dies ein Beweis für die Verhärtung der Administration in der Importfrage
oder stellt es einen Versuch dar, die Unterstützung für neue Gesetze im
Kongreß abzuschwächen?
ANTWORT: Beides. Die Reagan-Administration hat die Entschlossenheit
anderer entwickelter Volkswirtschaften, weiterhin auf exportgestütztes
Wachstum zu setzen, und die Wirkung einer solchen Politik auf die wirtschaftliche Erholung in den Vereinigten Staaten unterschätzt. Ich denke,
daß sich die Administration der Realität bewußt wird, wonach die wirtschaftliche Erholung von exportorientierten Wachstumsstrategien anderer
Staaten ernsthaft gefährdet wird, die durchweg auf eine staatliche Politik angewiesen sind, die gegen die Gesetze des freien Marktes verstoßen.
FRAGE: Im Zuge der weltweiten Handelsgespräche, die im September in
Uruguay beginnen sollen, werden die Staaten aufgefordert werden, die Aufrichtung neuer Handelsschranken zu vermeiden und bestehende Handelsschranken zurückzudrängen oder abzubauen. In welchen Sektoren - Stahl,
Milchprodukte, Zucker - könnte der Senat zu einer Verringerung bereit
sein?
ANTWORT: Zum jetzigen Zeitpunkt ist der Senat insgesamt der Meinung,
daß die Administration sich nicht stark genug für den Schutz legitimer
Welthandelsinteressen der Vereinigten Staaten und gegen Praktiken eingesetzt hat, die die Politik der freien Märkte unterminieren. Es würde
deshalb ein ungewöhnlich hohes Maß an Widerstand gegen einen Abbau der
amerikanischen Maßnahmen geben.
Der Kongreß wird sogar schon bei der Vergabe einer Verhandlungsvollmacht für eine neue Runde sehr zurückhaltend sein, wenn die Administration nicht sehr viel aggressiver handelt als in der Vergangenheit. Man
ist weithin der Überzeugung, daß die amerikanischen Wirtschaftsinteressen
immer diplomatischen Zielen geopfert werden. Ich habe selbst mit Wirtschafts- und Handelsattaches zu tun gehabt, die absolut kein Veständnis
für die Bedeutung der wirtschaftlichen Praktiken ihres Gastlandes hatten
und falls sie es doch hätten, wäre es ihnen wahrscheinlich egal.
FRAGE: Was sollten Ihrer Meinung nach die Hauptpunkte für die Tagesordnung und die amerikanischen Prioritäten in der neuen Handelsrunde sein?
ANTWORT: Die Prioritäten der neuen Runde sollten Durchsetzung und
Erweiterung des GATT sein. Durchsetzung bedeutet die Schließung von
Schlupflöchern, die noch von den multilateralen Handelsgesprächen des
Jahres 1979 übriggeblieben sind. Der Subventionskodex hat sich zum Bei-

�zum Beispiel als vieldeutiger erwiesen als erwartet. Es bedeutet außerdem, die gemeinsame Agrarpolitik der EG in den Griff zu bekommen, ein
empörendes System, das weder ihnen, noch dem Rest der Welt nützt.
Erweiterung bedeutet, dem GATT neue Gebiete zu erschließen, wie etwa
Dienstleistungen und Investitionen, wir müssen diese Institution fit für
das moderne Handelssystem machen.
FRAGE: Der Vorsitzende der amerikanischen Zentralbank, Paul Volcker,
hat die Bedeutung einer Reduzierung des Handelsdefizits zur Erzeugung von
Wachstum in der amerikanischen Wirtschaft betont. Gleichzeitig warnte er
jedoch vor protektionistischen Maßnahmen. Welche anderen Schritte könnten neben der Handelsgesetzgebung unternommen werden, um das Handelsdefizit zu verringern?

,

r

ANTWORT: Zwei Schritte können und sollten unternommen werden. Der
erste besteht darin, daß die Vereinigten Staaten ihr Haushaltsdefizit auf
Bundesebene abbauen. Dies sollte zu einer Verringerung der Gesamtnachfrage in den Vereinigten Staaten führen und dies wird dann auch das Handelsdefizit reduzieren. Der zweite besteht darin, daß man ausländischen
Regierungen zur Erkenntnis der Notwendigkeit verhilft, ihren Volkswirtschaften zur Erzeugung größeren Wirtschaftswachstums mehr Freiheit zu gewähren. Ein Instrument dafür wäre sicherlich die Herabsetzung des
Diskontsatzes durch die Zentralbank. Obwohl es für die entwickelten Länder vorteilhafter wäre, im Einklang oder in Zusammenarbeit miteinander zu
handeln, würde ein Alleingang der Vereinigten Staaten den Dollar weiter
schwächen und Exporte aus entwickelten Ländern in die Vereinigten Staaten
weniger wettbewerbsfähig machen als heute.
Ich denke, für unsere Haupthandelspartner ist es wichtig, die Risiken
ihrer Untätigkeit zu verstehen. Die Folgen können tiefgreifend und ernst
sein. Die amerikanische Regierung kann nicht untätig zusehen, wie ihre
Wirtschaft untergraben wird und die gesamte Weltwirtschaft sowie das
Weltfinanzsystem gefährdet werden.

******
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I

- 6-

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                    <text>amcrika
dienet

Herausgeben U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

16

20. August 1997

DAS PROGRAMM DES WEISSEN HAUSES
FÜR DAS NÄCHSTE JAHRTAUSEND
Rede von Präsident Clinton

GESELLSCHAFT

RECHT UND GLAUBEN
von Richter Anthony Kennedy

NAHER OSTEN

ALBRIGHT VERURTEILT GEWALT, TERROR
UND UNILATERALE AKTIONEN
Rede der US-Außenministerin

TELEKOMMUNIKATION

VERBRAUCHER WELTWEIT PROFITIEREN
VON SENKUNG DER TELEFONGEBÜHREN
FÜR AUSLANDSGESPRÄCHE
Rede von Reed Hundt

PORTRAT

JOHN C. KORNBLUM
Der designierte Botschafter der Vereinigten Staaten
von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland

MICHAEL C. POLT
Gesandter der Botschaft der Vereinigten Staaten
von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland

Informationen über die Politik der US-Regierung und
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können
auf der Home Page von USIS-Deutschland
im World Wide Web des Internet unter
http://www.usia.gov/posts/bonn.html
abgerufen werden.

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn
Tel.: 0228-339 2372

Fax: 0228-333 138
e-mail: bbsbonn@usia.gov
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html

�GESELLSCHAFT
20. August 1997

Das Programm des Weißen Hauses
für das nächste Jahrtausend
Rede von Präsident Clinton

WASHINGTON - (AD) - Am 15. August 1997 gaben Präsident Bill Clinton und die First Lady, Hillary Rodham
Clinton, in den National Archives das Programm des Weißen Hauses für das nächste Jahrtausend bekannt.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Präsidenten im Wortlaut.

Wie die First Lady bereits sagte, haben wir jetzt eine

eine Zeit des Niedergangs oder eine Zeit der Erneuerung einleiten? Ungeachtet der Prophezeiungen und
Voraussagen - von denen es in den nächsten Jahren
noch viele geben wird - ungeachtet der Hoffnungen
und Ängste ist das Jahrtausend nicht länger eine

außergewöhnliche Gelegenheit, die Vergangenheit in

entfernte Möglichkeit. Es rückt näher. Wir werden die

Ehren zu halten, uns die Zukunft vorzustellen und
beide im Geist und für unsere amerikanischen Mitbürger miteinander zu verbinden. Das 20. Jahrhundert
wurde das amerikanische Jahrhundert genannt.
Während Kriegen und der großen Wirtschaftskrise, der
industriellen Revolution und jetzt der Informationsrevolution haben uns der amerikanische Geist der
Entdeckung, Innovation und der Glaube an die Zukunft
angespornt und Milliarden Menschen auf der ganzen
Welt inspiriert.

Zukunft erleben und müssen sie jetzt für uns und
unsere Kinder bestimmen.

Vielen Dank, Gouverneur Carlin, für Ihre Gastfreundschaft an diesem wunderbaren Ort, im Schatten
unserer bedeutendsten historischen Dokumente.

Jetzt sind wir an einem Meilenstein angelangt - dem
Ende eines aufregenden Jahrzehnts, das den Fall des
Kommunismus und den Aufstieg der Demokratie
weltweit gesehen hat, in dem die Geheimnisse des
menschlichen Körpers analysiert und die Beschaffenheit des Mars erforscht wurde sowie neue amerikanische Ideen und Kunst entstanden. Jetzt haben wir
die meines Erachtens wichtigste Erforschung begonnen: Die Wiederentdeckung und Bekräftigung unserer
gemeinsamen Identität als Volk in einer ganz neuen
und anderen Zeit, in der wir als ein Amerika zusammenkommen.
Noch am Anfang unserer Reise stehen wir als Nation
kurz vor der ersten Jahrtausendwende. Seit Jahrhunderten haben sich die Menschen gefragt, was
dieses Jahrtausend bringen würde. Würde es die
Apokalypse bedeuten oder eine neue Welt verkünden,

AMERIKA DIENST 16

Während das Jahr 2000 näher rückt, müssen wir uns
fragen, was wir zur Bewältigung seiner Herausforderungen und zur Definition dieser Zukunft benötigen und müssen uns auf ein neues Jahrhundert und
ein neues Jahrtausend vorbereiten. Wir müssen uns
fragen, welche Werte und welches Erbe wir mitnehmen
und mit welchen Gaben wir die Zukunft beschenken
sollten.
Weltweit bereiten sich Nationen und Gemeinden mit
verschiedenen Bestrebungen auf das neue Jahrtausend vor. Großbritannien baut Brücken, Museen,
neue Parks und eine neue Universität. Deutschland
veranstaltet die Expo 2000, die erste Weltausstellung
zur Feier einer Jahrtausendwende. Ich nehme gerne
die Einladung von Bundeskanzler Kohl an, gemeinsam
mit 143 anderen Organisationen und Nationen an der
Expo 2000 teilzunehmen. Österreich richtet im Jahr
2000 die Sommerolympiade aus. Island feiert den
tausendsten Jahrestag der Reise Leif Eriksons in die
Neue Welt.
Das Programm des Weißen Hauses für die Jahrtausendwende wird Richtschnur für die Feiern Amerikas aus diesem Anlaß, indem es die Leistungen
hervorhebt, die uns als Nation definieren - unsere

Seite 1

�Kultur, unsere Forschung, unsere wissenschaftlichen
Entdeckungen. Ich begrüße das Interesse der First
Lady an diesem Unternehmen und freue mich, daß sie
bei unseren Bestrebungen eine führende Rolle
übernehmen wird. Ferner weiß ich die Arbeit zu
würdigen, die sie und Ihr Stab bereits geleistet haben.
Und ich möchte Ellen McCulloch-Lovell, der ehemaligen Direktorin des Präsidialausschusses für die
Künste und Geisteswissenschaften, danken, daß sie
zugesagt hat, das Büro für das Jahrtausendprogramm
des Weißen Hauses zu leiten. Vielen Dank, Ellen.
Heute möchte ich darlegen, was wir bereits unternehmen, um uns auf das 21. Jahrhundert vorzubereiten
und uns dieses neue Jahrtausend zu eigen zu machen. An erster und wichtigster Stelle erklären wir die
Erziehung unserer Kinder zu unserer obersten Priorität. Schließlich werden sie den Großteil ihres Lebens
in diesem neuen Jahrtausend und dem neuen Jahrhundert verbringen. Diesen Monat habe ich ein
historisches Gesetz unterzeichnet, das nicht nur einen
ausgeglichenen Haushalt vorsieht, sondern auch
große Investitionen in die Bildung einer Generation von
der frühen Kindheit bis zum College und darüber
hinaus. In den kommenden Monaten werde ich mich
weiterhin dafür einsetzen, hohe und meßbare nationale Maßstäbe für herausragende akademische
Leistungen zu setzen.
Wir haben uns das Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2000
jedes Klassenzimmer und jede Bibliothek in den
Vereinigten Staaten an das Internet anzuschließen.
Ich danke dem Kongreß für die Finanzierung dieses
Unternehmens und dem Privatsektor, daß er uns
bislang geholfen hat, unserem Zeitplan sogar ein
kleines Stück voraus zu sein. Wir müssen unsere
Bestrebungen verdoppeln um sicherzustellen, daß
jeder unserer Mitbürger die Mittel hat, in dem neuen
Jahrhundert erfolgreich zu sein.
Zweitens müssen wir den Weg fortsetzen, der Optimismus und Wachstum unserer Wirtschaft wiederhergestellt hat - jetzt jedoch um sicherzustellen, daß alle
Amerikaner die Möglichkeit erhalten, davon zu profitieren.
Drittens müssen wir sicherstellen, daß unser einzigartiges und pulsierendes kulturelles Leben in dem
neuen Jahrhundert floriert und unsere reiche
Geschichte bewahrt und in Ehren gehalten wird. Ich
freue mich, daß die National Endowment for the
Humanities eine nationale Fernsehserie - Millennium
Minutes - über tausend Jahre mit wichtigen Menschen,
Ereignissen und Errungenschaften sponsert. Das
führende Projekt der National Endowment for the Arts
für die Jahrtausendwende wird über die Kunst die
Geschichten Amerikas erzählen und neue Projekte in
die Wege leiten, beispielsweise neue Knabenchöre
nach dem Modell des berühmten Knabenchors von
Harlem. Die National Endowment for the Arts wird

Seite 2

auch Teams von Fotografen ins ganze Land entsenden, damit sie ihre Vision von Amerika zur Jahrtausendwende festhalten. Und der Präsidialausschuß
für die Künste und Geisteswissenschaften wird sein
Worthy Ancestors-Programm einleiten, in dessen
Rahmen Wirtschaft, Kunst und gemeinnützige Organisationen zusammenkommen, um Kulturgüter aus dem
Bereich folkloristischer, volkstümlicher und klassischer
Tradition zu retten.
Viertens müssen wir Schritte unternehmen um sicherzustellen, daß die Dokumente unserer Demokratie für
die Zukunft sowie die Millionen von Amerikanern,
neuen Einwanderern und ausländischen Besuchern
erhalten werden, die sie jedes Jahr besichtigen. Sie
mögen es vielleicht nicht glauben: Die Dokumente - die
Verfassung, die Bill of Rights und die Unabhängigkeitserklärung - werden von Zeit und Elementen ernsthaft
bedroht, wenn wir nicht innerhalb der nächsten drei
Jahre handeln, um sie zu retten. Aus diesem Grund
freue ich mich sehr, daß die National Archives unter
der Leitung von Gouverneur Carlin einen Dreijahresplan verfolgen um zu gewährleisten, daß diese Papiere
auch den Übergang ins nächste Jahrhundert überleben.
Das wichtigste Projekt der Smithsonian Institution für
die Jahrtausendwende besteht darin, bis zum Jahr
2001 unser Sternenbanner zu retten - die Flagge, die
über Fort McHenry wehte und Francis Scott Key zu
seinem Gedicht inspirierte, das zum Text unserer
Nationalhymne wurde.
Fünftens müssen wir weiterhin die Grenzen von
Wissenschaft und Technologie erweitern und die
Erforschung des Universums fortsetzen. Die Landung
der Marssonde Sojourner am 4. Juli hat die Welt in
Erstaunen versetzt. Sie inspiriert eine neue Generation, und ich habe die Hoffnung, daß sie die Mehrheit
der Amerikaner von der weiteren Unterstützung der
Erforschung des Weltraums überzeugt hat. Die NASA
wird 1998, 2001 und 2003 neue unbemannte Flüge
zum Mars durchführen.
Die National Science Foundation feiert im Jahr 2000
ihr 50-jähriges Bestehen. Aus Anlaß dieses Jahrestages und um junge Menschen zu einer wissenschaftlichen Laufbahn zu ermutigen, wird die Stiftung das
Programm "National Science Foundation 2000" ins
Leben rufen - eine nationale Kampagne über die
Bedeutung von Wissenschaft, Technik und Mathematik.
Wir wissen bereits aus zahllosen Berichten, daß sich
nicht nur das Jahrtausend wendet, sondern auch die
Daten in unseren Computern. Die Experten machen
sich Sorgen, daß viele unserer Informationssysteme
nicht zwischen den Daten im 20. und 21. Jahrhundert
unterscheiden können. Ich möchte dem amerikanischen Volk versichern, daß die Bundesregierung in

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�Zusammenarbeit mit den Regierungen der Bundesstaaten, den Kommunen und dem Privatsektor Schritte
unternimmt, um Unterbrechungen bei den staatlichen
Dienstleistungen zu vermeiden, die von einem guten
Funktionieren der staatlichen Computersysteme
abhängen. Wir können nicht zulassen, daß das
amerikanische Volk sich auf ein neues Jahrhundert
und ein neues Jahrtausend vorbereitet, während seine
Computer - das Symbol modernen Lebens und des
neuen Zeitalters - es behindern. Wir sind entschlossen, das nicht zuzulassen.
Sechstens müssen wir sicherstellen, daß wir das uns
von Gott gegebene Land für zukünftige Generationen
bewahren. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erklärte
Theodore Roosevelt: "Wir bauen unser Land nicht für
einen Tag auf - es soll die Zeiten überdauern." Am
Vorabend eines neuen Jahrhunderts haben wir eine
moralische Verpflichtung, dieser Forderung weiterhin
gerecht zu werden. Wir haben uns bereits für den
Schutz einiger unserer größten Schätze eingesetzt vom Lake Tahoe über das Grand Staircase-Escalante
National Monument bis zu den Florida Everglades.
Und wir arbeiten daran, das sehr reale Problem des
Klimawandels im kommenden Jahrhundert zu bekämpfen.
Als nächstes müssen wir alles in unserer Macht
Stehende unternehmen, um den Geist des Dienstes an
der Gemeinschaft wiederzubeleben. Jeder Amerikaner sollte die Chance dazu erhalten. Und ich freue
mich sehr, daß AmeriCorps, unser Programm für den
nationalen Sozialdienst, sich zum Ziel gesetzt hat, die
Zahl seiner ehrenamtlichen Mitarbeiter bis zum Jahr
2000 zu verdoppeln. Ferner freue ich mich, daß das
Peace Corps auf dem Vermächtnis seiner Dienste
aufbauen wird, indem es sich vornimmt, den Umfang
seiner globalen Partnerschaft für das Lernen - World
Wise Schools - bis zur Jahrtausendwende zu verdreifachen. Dieses Programm verbindet die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Peace Corps mit Lehrern
und Schülern hier in Amerika, um internationale und
interkulturelle Verständigung zu fördern.
Und schließlich müssen wir weiterhin als ein Amerika
zusammenkommen. Walt Whitman hat einmal gesagt:
"Wir sind eine Nation der Nationen." Unsere in
unserer Demokratie lebende Vielfalt ist die Quelle
unserer Kreativität, unseres Erfindungsgeistes und
unserer Fähigkeit zu weltweiter Kommunikation. Aus
diesem Grund habe ich im Juni unsere amerikanischen Mitbürger dazu aufgerufen, einen großen
nationalen Dialog über Rasse und Versöhnung zu
beginnen, damit wir gut in das neue Jahrtausend
kommen.
Dies sind nur einige Arten, auf die wir das neue
Jahrtausend feiern und es zu unserem machen.
Letztlich muß jeder Amerikaner entscheiden, welches
Geschenk er der Zukunft machen möchte, aber alle

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haben eine Verantwortung gegenüber unserem
gemeinsamen Schicksal. Daher möchte ich jeden
Bürger, jede Familie und jede Gemeinde auffordern
darüber nachzudenken, auf welche Weise wir das
Jahrtausend feiern und seiner gedenken können - vom
Wiederaufbau und der Verjüngung unserer Gemeindeschulen bis zur Wiederherstellung historischer
Denkmäler und der Aufzeichnung mündlich überlieferter Geschichten von Familienangehörigen.
Die Städte in ganz Amerika planen bereits ihre eigenen
Feiern. In den nächsten drei Jahren werden die First
Lady und ich mit Gouverneuren, Bürgermeistern und
Gemeindevertretern zusammenarbeiten, um dieses
Jahrtausend wirklich zu einer nationalen Feier für die
Zukunft zu machen. Ich lade Sie ein, uns Ihre Gedanken zu übermitteln, indem Sie unsere neue Webseite
über das Jahrtausendprogramm des Weißen Hauses
unter www.whitehouse.gov besuchen.
Ich habe
beschlossen, daß ich eine Zukunft habe, wenn ich 800
Nummern und Webseiten vergebe. Wir können nur
hoffen, daß wir ebenso viele Besucher haben wie die
National Archives Gouverneur Carlin zufolge.
Das ist eine ernsthafte Sache. Wir wollen die besten
Ideen für diese Gedenkfeier und die größtmögliche
Anzahl von Amerikanern zur Zusammenarbeit mobilisieren und motivieren, um einen Beitrag zur Zukunft zu
leisten. Und die Technologie kann uns dabei behilflich
sein. Wir möchten, daß Menschen jeglichen Alters und
aus allen Lebensbereichen uns ihre Ideen über die
Webseite vermitteln. In den nächsten drei Jahren wird
die Webseite uns auch die Chance bieten, dem
amerikanischen Volk unsere Planungen mitzuteilen.
Wir werden die besten örtlichen Projekte mit dem
Ehrentitel "Jahrtausendgemeinde" auszeichnen. Und
wir werden diese Geschichten auf unseren Webseiten
veröffentlichen, damit andere Gemeinden sie lesen
und aus ihnen lernen können. Andere Nationen sind
außerordentlich interessiert an unseren Plänen für das
neue Jahrtausend, und aus diesem Grund überträgt
die Voice of America diese Veranstaltung weltweit. Die
Voice of America hat auch ihr eigenes Projekt - eine
Reihe besonderer Sendungen darüber, wie wir das
Jahrtausend feiern.
Wir markieren unser Leben mit Meilensteinen und
Geburtstagen. Wir markieren die Geschichte unserer
Nation mit Gedenkfeiern - der Zweihundertjahrfeier
unserer Unabhängigkeit, dem 50. Jahrestag der
alliierten Landung in der Normandie, dem 50. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs im Pazifik und
nächsten Monat mit dem 40. Jahrestag der historischen Entscheidung des Obersten Bundesgerichtshofs
über die Aufhebung der Rassentrennung in der
zentralen High School von Little Rock.
Jeder unserer wichtigsten Wendepunkte war eine
Bekräftigung unserer Werte, und während wir ihrer

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�gedenken, erneuern wir diese Werte und gewinnen
neue Energie aus ihnen. Angesichts des neuen
Jahrtausends müssen wir jetzt über unsere Verpflichtung gegenüber der Zukunft entscheiden. Vor
langer Zeit stellte Thomas Paine fest: "Es liegt in
unserer Macht, die Welt von neuem zu beginnen." Wir
haben das immer im Hinblick auf unser Land geglaubt,
und wir müssen jetzt an der Schwelle zu diesem neuen
Jahrtausend Bilanz ziehen und uns verpflichten, die

Welt für unsere Kinder, unsere Kindeskinder und für
die Menschen, die in einem neuen Jahrhundert leben,
neu zu beginnen. Den Menschen dieses neuen
Jahrhunderts müssen wir alle unsere besten Geschenke geben. Für sie werden wir dieses Jahrtausend
feiern.
Ich danke Ihnen.

* * * * *

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�GESELLSCHAFT
20. August 1997

Recht und Glauben
von Richter Anthony Kennedy

SAN FRANCISCO - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Richters am Obersten Bundesgerichtshof der Vereinigten Staaten, Anthony Kennedy, die er am 2. August 1997 vor der Jahresversammlung des
amerikanischen Anwaltvereins in San Francisco gehalten hat.

Unser Berufsstand und unser Recht sind ein Spiegelbild der Vereinigten Staaten. Der juristische Beruf ist
ein Spiegelbild des Erbes der Nation, ihres gegenwärtigen Zustands und ihrer Zukunft. Richterin O'Connor
und ich wissen, daß viele von Ihnen keine detaillierte
Kenntnis der Gerichtsbeschlüsse für Ihr spezielles
Fachgebiet benötigen. Wir wissen, daß nicht jeder
Anwalt jeden Tag in die Kanzlei eilt um zu lesen, was
wir in der amtlichen Sammlung der Entscheidungen
des Obersten Bundesgerichts geschrieben haben.
Viele Anwälte erteilen Ratschläge, um die Beziehungen und Transaktionen zu erleichtem, die sich ohne
die Notwendigkeit eines Eingreifens der Regierung
ergeben. In diesen unterschiedlichen Fachbereichen
erfreuen Sie alle sich der Freiheit. Wir wissen auch,
daß es ein spezielles Band zwischen allen Richtern
und Anwälten gibt. Wir sind durch den Beruf verbunden. Von Beginn der Republik drängten Anwälte für
Wirtschaftsrecht Kollegen, die sie besonders bewunderten, zur Tätigkeit in der Judikative, wodurch sie
Vertrauen und Solidarität in allen Bereichen des Berufs
zum Ausdruck brachten. Wir sind durch unser gemeinsames Erbe und unser gemeinsames Jurastudium verbunden, und so sprechen wir dieselbe Sprache
- die Sprache des Gesetzes. Einer von Ihnen kann
den Telefonhörer in die Hand nehmen und mit einem
Juristen sprechen, den er nie getroffen hat und der von
Ihnen durch einen Kontinent und vielleicht eine oder
zwei Generationen getrennt ist. Dennoch kennen Sie
sich in dem Sinne, daß dieses Band sie verbindet und
Sie diese Sprache des Gesetzes sprechen. Die
Sprache unseres Berufs ist eine unserer großartigen
nationalen Ressourcen. Viele andere Menschen und
viele andere Gesellschaften beneiden uns darum.

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Und dennoch sehen sich unser Berufsstand und die
Nation trotz unserer historischen Stärke und unseres
Prestiges mit einer schwierigen und drängenden
Aufgabe konfrontiert. Jeder heute bei dieser Versammlung Anwesende muß ihr Gewicht spüren.
Unsere Aufgabe besteht in der Bestätigung und
Bekräftigung des Glaubens unserer Mitbürger an das
Gesetz. Wenn die Rechtsstaatlichkeit erhalten werden
soll, müssen wir unseren Glauben an ihre einfachsten,
grundlegenden Prinzipien wiederherstellen und
wiederbeleben. Das Recht muß im Bewußtsein eines
Volkes leben. In einer freien Gesellschaft muß das
Recht ein Teil unseres intellektuellen Bewußtseins
sein. Der Glaube muß konstant sein, um dieses
Bewußtsein zu schaffen und dann zu bewahren. Es
wäre eine Übertreibung, wenn ich sagen würde, es
gäbe eine Krise des Unglaubens in unserer Nation,
aber unser erneutes und vertieftes Engagement ist
dennoch vordringlich. Wir dürfen nicht warten, bis wir
am Rande des Abgrunds stehen.
Wir müssen uns verstärkt für das Recht in seinem
grundlegendsten Sinn engagieren, nicht nur für uns
selbst, sondern für die neuen aufstrebenden Demokratien, die von uns den Beweis erwarten, daß die
Rechtsstaatlichkeit funktioniert. Auch an diesen Orten
gibt es oder könnte es bald eine Krise des Unglaubens
geben.
Hier ein Beispiel. Während der letzten Sitzungsperiode des Obersten Bundesgerichts und nach über
einjähriger Planung konnten wir in Washington ein
Treffen der Gerichtsvorsitzenden der Länder der
westlichen Hemisphäre von Kanada bis Argentinien
und Uruguay einberufen. Die Richter führten drei Tage
lang Gespräche. Unser Präsident des Obersten

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�Bundesgerichtshofs und die Richter O'Connor, Scalia
und Breyer hielten ebenso wie ich Vorträge über
verschiedene Themen. Mein Vortrag widmete sich
einen ganzen Vormittag lang Fragen juristischer Ethik
und juristischer Unabhängigkeit. Ich erörterte die
theoretischen Grundpfeiler der juristischen Unabhängigkeit sowie einfache Regeln wie die Feststellung der
Nichteignung aufgrund finanzieller Interessen und das
Verbot einseitiger Kontakte zum Gericht. Als ich
geendet hatte, bat einer der Vorsitzenden aus Südafrika - ein äußerst engagierter Jurist - um das Wort.
Er sagte: "Richter Kennedy, ich stimme mit allen Ihren
Ideen, Konzepten und Vorschlägen überein. Das von
Ihnen beschriebene System ist das, was wir anstreben, nach dem wir uns alle sehnen. Und dennoch
können wir es nicht haben. Unsere Juristen und
unsere Bürger würden eine so rigorose Ethik nicht
einhalten können. Unsere Bürger würden nicht
glauben, daß dies möglich ist." Es wurde still im Saal.
Die Stille war quälend, greifbar und schmerzlich. Wir
wußten, daß dies einer der unerwarteten Augenblicke
bei einem Seminar oder Treffen war, der einen Wendepunkt markiert. Ich konnte nur eine Antwort geben.
Ich sagte: "Herr Vorsitzender, Sie müssen diese
Rechtskultur ändern, und Sie müssen heute damit
beginnen. Die Freiheit Ihres Volkes steht auf dem
Spiel."
Die neuen Demokratien in Ost- und Zentraleuropa
sehen sich mit einer ähnlichen Herausforderung
konfrontiert. Sie befinden sich am Scheideweg in der
Geschichte der menschlichen Freiheit. 1848 entschied
sich Deutschland gegen demokratische Institutionen
und leitete so eines der zerstörerischsten Jahrhunderte ein, das die Welt je gesehen hat. Heute hat die
Demokratie Ost- und Zentraleuropa erreicht, aber sie
steht noch auf tönernen Füßen. Die Geschichte wird
noch urteilen müssen, ob die Demokratie dort sicher
ist. Diese Nationen, die so mutig die Einführung der
Rechtsstaatlichkeit versuchen, werden von mächtigen
gegnerischen Kräften bedrängt: Verbrechen, Korruption und der Gefahr eines Demagogen, der die falschen Ideen lehrt. Es wäre tragisch, wenn ehrliche
Menschen, die das Funktionieren der Rechtsstaatlichkeit wollen, nicht mit diesen Kräften ringen könnten.
Die Menschen in Ost- und Zentraleuropa dürfen nicht
denken, sie hätten einfach die Gesetzlosigkeit eines
Diktators gegen die Gesetzlosigkeit des Mob eingetauscht. Sie müssen sicher sein, daß es einen Ort der
Ruhe zwischen der Skylla der Tyrannei und der
Charybdis der Anarchie gibt. Sie blicken auf die
Vereinigten Staaten, um den Stand unserer Gesetze,
den Tenor unserer öffentlichen Debatte und den
Zustand unserer gesamten sozialen Ordnung zu
erfahren. Was sie sehen, kann einen echten Unterschied bei ihrer Entschlossenheit und ihrem Durchhaltevermögen bewirken.
Lassen Sie uns dann die Grundsätze erwägen, an die
unsere eigene Gesellschaft und unser Volk glauben

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und die sie bewahren müssen, wenn unsere Rechtsordnung sicher und eine Quelle der Inspiration für uns
und andere sein soll. Am Anfang wissen wir, daß wir
einen gemeinsamen Glauben an einige generelle
Prinzipien teilen, die Staatstreue vorschreiben und
eine Vielfalt von Überzeugungen berücksichtigen.
Freie Institutionen setzen diese Vielfalt voraus. Die
Verfassung der Vereinigten Staaten, die Charta von
1789 mit der Bill of Rights und ihren elementaren
Verfassungszusätzen, ist ein notwendiger Ausgangspunkt. Diese Verfassung ist unsere grundlegende
Charta, das Instrument, das die Gerichte interpretieren,
das Dokument, das weiterhin ein Monument in der
gesamten Geschichte des menschlichen Denkens ist.
Sie kennen diese Verfassung sehr genau, und unser
Volk hält sie in Ehren.
Die Grundsätze, die ich erörtern möchte, beziehen sich
auf Verfassungen im allgemeinen. Verfassungen
beinhalten den Gesamtzustand unserer Gesellschaft
mit allen Konventionen, Sitten, Gebräuchen und
Überzeugungen, die freie Menschen charakterisieren.
Das gilt auch, wenn die Verpflichtungen nicht durch
das Gesetz durchgesetzt werden können und sollten.
Ich meine die Verfassungen, über die Plato und
Aristoteles, Hobbes und Locke sprachen, als sie
untersuchten, ob eine Gesellschaft anständig und
gerecht ist. Verfassungen im allgemeinen setzen
dauerhaften Glauben unsererseits an bestimmte
Regeln voraus, wenn die offizielle Verfassung und die
Rechtsstaatlichkeit gesichert sein sollen. Die Anwaltschaft hat eine besondere Verantwortung zur Wahrung
dieser Grundsätze, von denen ich heute drei ansprechen möchte.
Erstens müssen wir auf der Verantwortung des
Einzelnen bestehen. Jeder muß die Verantwortung für
seine Taten übernehmen. Dieser Grundsatz beinhaltet
die Pflicht zur Umsetzung des Strafrechts und des
bürgerlichen Rechts, erstreckt sich aber auch auf
Bestrebungen der Gesellschaft und die gesellschaftlichen Beziehungen. Persönliche Verantwortung ist für
die Definition von Individualität unerläßlich. Jedes
Mitglied unserer Gesellschaft - auch junge Menschen muß diese Idee verstehen und respektieren. Freiheit
des Einzelnen setzt Verantwortung des Einzelnen
voraus.
Dieses Thema taucht in mehreren Zusammenhängen
auf. Als ein Beispiel möchte ich die Verteidigung mit
dem Argument verminderter Rechtsfähigkeit im
Strafrecht nennen. Wenn dieses im Strafrecht überhaupt anerkannt wird, sollte das nur in den seltensten
Fällen geschehen. James Q. Wilson erzählt von
einem Kriminalfall, bei dem ein Mann eines Verbrechens angeklagt wurde, das er begangen haben
soll, als er sich an einem Aufstand beteiligte. Er
plädierte auf verminderte Rechtsfähigkeit, da er von
der Aufregung und den Emotionen mitgerissen worden
sei. Das ist eine seltsame Verdrehung der Rechts-

AMERIKA DIENST 16

�Staatlichkeit. Unsere Gesellschaft ist mitfühlend und
daher versucht, den Einzelnen aufgrund früherer
Ungerechtigkeit oder hartnäckiger sozialer Mißstände
von der Verantwortung zu entbinden. Wenn wir
unsere Gesellschaft verbessern möchten, müssen wir
uns mit diesen Defiziten befassen, was aber nicht so
weit gehen sollte, daß die Idee persönlicher und
moralischer Verantwortung unterminiert wird. Wir
dürfen das Grundprinzip nicht verdecken.
Wenn unsere Nation sich vor der Geschichte rechtfertigen muß, werden wir nicht verminderte Rechtsfähigkeit zu unserer Verteidigung anführen können.
Und wenn unsere Helden gezählt werden, gehören
dazu diejenigen, die erkannt haben, daß die Verantwortung des Einzelnen die Freiheit fördert, nicht
verweigert.
Der zweite und dritte Grundsatz der Rechtsstaatlichkeit
sind Vernunft und staatsbürgerliches Verhalten. Diese
Grundsätze gelten ganz allgemein für alle gesellschaftlichen Bestrebungen. Zum Beruf des Juristen
gehört die besondere Verpflichtung zu vernunftbestimmtem und staatsbürgerlichem Verhalten, denn
wir wollen Ordnung in eine andernfalls ungeordnete
Debatte bringen. Vernunftbestimmtes und staatsbürgerliches Verhalten sollten zwei der wichtigsten
Beiträge darstellen, die der juristische Beruf zur
sozialen Ordnung leisten kann.
Die Verpflichtung zur Vernunft ist das eine freie
Gesellschaft untermauernde Grundprinzip. Zweifelsohne impliziert es andere elementare Werte wie
Neutralität, Objektivität und Aufrichtigkeit, die Lincoln
und so viele Juristen in diesem Land unter Beweis
stellten. Die Idee der Vernunft ist, daß eine durch das
Gesetz geeinte Gruppe von Bürgern ein Problem
ausreichend informiert untersuchen und zu einer
vernünftigen, gemeinsamen Schlußfolgerung gelangen
kann. So müssen wir im Rahmen des offiziellen
Rechtssystems, beispielsweise bei Gerichtsverhandlungen mit Geschworenen, vorgehen. Und so sollten
Bürger, insbesondere Juristen, unsere öffentliche
Debatte führen.
Betrachten Sie sich die Debatten über Vorschläge zur
Verbesserung oder Förderung des Rechtssystems. Es
gibt kaum ein Spektakel, das destruktiver für das
Ansehen unseres Berufs ist, als wenn ein Jurist oder
eine Gruppe von Juristen zu Vorschlägen über
Gesetzesänderungen Stellung nehmen, die nur auf
den finanziellen Eigeninteressen dieser Juristen
basieren. Unser Berufsstand und die Nation verdienen
Ihr objektives Urteil und kein von Eigeninteressen
geleitetes Lobbying. Bisweilen müssen wir als bezahlte Waffe eines anderen agieren; wir brauchen jedoch
keine bezahlte Waffe für uns selbst zu sein.

Bestandteil. Staatsbürgerliches Verhalten ist ein
populärer Ausdruck, weil er nicht politisch belastet ist
und keine parteipolitischen Implikationen hat. Und
genau darum geht es. Daß dieses Konzept akzeptabel
ist, zeigt, daß es grundlegend und nicht belanglos ist.
Es handelt sich nicht um eine zufällige Idee, einen
Ausdruck, vor dem wir uns kurz verneigen, bevor wir
uns in eine erbitterte Debatte stürzen. Es ist kein
Slogan auf irgendeinem Aufkleber wie "Hast Du heute
schon Deinen Feind umarmt?" Staatsbürgerliches
Verhalten ist das Kennzeichen einer erfolgreichen und
herausragenden Persönlichkeit - und mehr. Es ist ein
Selbstzweck. Staatsbürgerliches Verhalten ist tief in
der Idee verwurzelt, den Einzelnen zu respektieren.
Wir behandeln uns mit gegenseitigem Respekt, weil
wir die Bestrebungen anderer Menschen und ihre
Gleichstellung in der demokratischen Gesellschaft
respektieren. Wir müssen Staatsbürgertum in jedem
Teil unseres Rechtssystems und der öffentlichen
Debatte wiederherstellen. Staatsbürgerliches Verhalten definiert unser gemeinsames Anliegen einer
Förderung der Rechtsstaatlichkeit. Unsere ehrlichen
und anständigen Bürger müssen dazu überredet
werden, sich im öffentlichen Leben zu engagieren,
aber sie werden das nur ungern tun, wenn unser
Dialog nicht durch staatsbürgerliches Verhalten
charakterisiert ist. Wenn unsere besten Bürger unsere
Debatte nicht bewundern, werden Angehörige anderer
Nationen das erst recht nicht tun - die Menschen, die
nach den Prinzipien verlangen, die die Grundlage
gemeinsamer Überzeugungen sind und die Rechtsstaatlichkeit in einer Gesellschaft untermauern.
Staatsbürgerliches Verhalten bedeutet nicht, daß die
Argumente eines Juristen nicht überzeugend sein
dürfen. Es übersieht auch nicht die elementare Rolle
des Juristen oder Bürgers, die ihre Stimme aus Protest
gegen die Ungerechtigkeit erheben müssen. Die Idee
des Protests ist in unserer gesetzlichen Tradition von
lebenswichtiger Bedeutung. Protest enthält oft eine
Bitte, die die Gesellschaft lieber nicht hören möchte,
was jedoch nicht heißt, daß sie der Staatsbürgerlichkeit entbehrt. Gezielter Protest ist Protest gegen
Ungerechtigkeit, und Ungerechtigkeit ist grober Mangel
an staatsbürgerlichem Verhalten. Die Geschichte von
Antigone, die ihren Bruder entgegen dem gesetzlosen
Befehl des Tyrannen beerdigt; die Realität von Rosa
Parks würdevoller Weigerung, sich im Bus einen
anderen Sitzplatz zu suchen; das Bild eines jungen
chinesischen Studenten, der kurz vor den tragischen
Ereignissen auf dem Platz des Himmlischen Friedens
einen Panzer stoppt; die von Wel Jingshend in seiner
Zelle in China verfaßte - in sehr höfliche Worte gekleidete - vernichtende Kritik an den Politikern - all diese
Proteste spiegeln den amerikanischen Geist wider.
Wir dürfen jedoch eines nicht vergessen: Freiheit mag
aus Protest geboren werden, sie überlebt jedoch nur in
einem Rechtsstaat.

Staatsbürgerliches Verhalten - der dritte Grundsatz ist eng mit Vernunft verbunden, wenn nicht sogar ihr

AMERIKA DIENST 16

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�Das bringt mich zurück an den Anfang meiner Ausführungen. Das Recht kann nicht im Bewußtsein der
Menschen leben, ohne daß diese von den Prinzipien
individueller Verantwortung, Vernunft und Staatsbürgerlichkeit überzeugt sind. Niemand ist stärker an
einem erneuten Engagement für Rechtsstaatlichkeit
und diese Grundsätze interessiert und offener dafür als
die heutige Generation der Jurastudenten und jüngsten Absolventen juristischer Fakultäten. Abschließend möchte ich kurz auf sie zu sprechen kommen.
Ich besuche juristische Fakultäten in verschiedenen
Regionen und sogar verschiedenen Ländern und habe
gerade einen Kurs abgeschlossen, den ich in Europa
gelehrt habe. 120 Studenten von 23 verschiedenen
juristischen Fakultäten aus den Vereinigten Staaten
und anderen Ländern nahmen daran teil. Ich muß
sagen, daß ich in meinen mehr als 33 Jahren Unterrichtserfahrung keine Generation mit so viel Mäßigung,

*

Seite 4

Anstand, Altruismus, Vernunft, staatsbürgerlichem
Verhalten und Sinn für staatsbürgerliche Pflichten
erlebt habe. Viele Professoren der Jurisprudenz und
anderer Disziplinen sowohl hier als auch im Ausland
teilen meine Ansicht. Diese jungen Menschen, die
bald die wichtigsten Treuhänder unserer rechtlichen
Tradition sein werden, möchten hören, daß es eine
Ehre ist, Mitglied der Anwaltschaft und dieses Anwaltsvereins zu sein. Wenn wir uns jetzt erneut dem
Glauben an das Gesetz und seine Grundsätze verschreiben, werden wir sie nicht enttäuschen. Unser
erneutes Engagement und unsere erneute Bekräftigung dieser Grundsätze werden die Grundlage für ein
neues Bündnis mit allen Demokratien bilden - kein
Bündnis der Waffen, sondern des Glaubens an die
Erhöhung der Standards, die das Recht, die Rechtsstaatlichkeit sichern - das Recht, das das einzige Mittel
ist, die Fortschritte der Menschheit zu sichern.

*

AMERIKA DIENST 16

�NAHER

OSTEN
20. August 1997

Albright verurteilt Gewalt, Terror
und unilaterale Aktionen
Rede der US-Außenministerin

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die von Außenministerin Madeleine Albright am 6. August
1997 vor dem National Press Club gehaltene Rede.

Der israelisch-palästinensische Friedensprozeß
Verehrte Mitglieder des National Press Club, liebe
Gäste, Kollegen und Freunde. Ich freue mich sehr,
daß wir unter der Führung Präsident Clintons während
des ersten halben Jahrs meiner Amtszeit als Außenministerin Fortschritte auf mehreren Gebieten erzielt
haben, die für Sicherheit, Wohlstand und das Wertesystem des amerikanischen Volkes von Bedeutung
sind.
Die Vereinigten Staaten sind der Chemiewaffenkonvention beigetreten.
Die NATO hat drei der neuen zentraleuropäischen
Demokratien zum Beitritt eingeladen und historische
Partnerschaften mit Rußland und der Ukraine begonnen.
Der Kongreß hat einer stärkeren Finanzierung internationaler Angelegenheiten zugestimmt und einen Plan
ausgearbeitet, die UN-Reform anzukurbeln und
gleichzeitig die amerikanischen Zahlungsrückstände
bei dieser Organisation zu begleichen.
Wir machen Fortschritte bei der Implementierung des
Daytoner Abkommens und der Förderung des Kriegsverbrechertribunals.
Wir haben normale Handelsbeziehungen zu China
wiederhergestellt, gleichzeitig aber offen unsere
Besorgnis über die Weiterverbreitung von Waffen
sowie unsere Unterstützung der Menschenrechte
gezeigt.

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Wir haben neue Richtlinien für unsere sicherheitspolitische Zusammenarbeit mit Japan entworfen,
Fortschritte auf dem Weg zu Vierparteiengesprächen
in Korea erzielt, unsere Arbeitsbeziehungen zu
Mexiko, Zentralamerika und der Karibik gestärkt und
einen Plan zum Ausbau von Handel und Investitionen
in Afrika bekanntgegeben. Insgesamt war es eine
bemerkenswerte Zeit. Bedauerlicherweise sind die im
Nahen Osten - einem für unsere Interessen wichtigen
Gebiet - erzielten Fortschritte zwischen Israelis und
Palästinensern jetzt in Gefahr.
Heute möchte ich die Gründe für den Stillstand des
Friedensprozesses in dieser Region erörtern und
Vorschläge für die Wiederherstellung der positiven
Dynamik unterbreiten.
Die Dringlichkeit dieses Ziels trat vor einer Woche zu
Tage, als bei dem Bombenanschlag auf den Mahane
Yehuda Markt in Jerusalem 13 Israelis - darunter einer
mit amerikanischem Paß - umkamen und 168 verletzt
wurden. Hinter diesen Zahlen verbergen sich die
Gesichter von Müttern, Vätern, Großeltern und Kindern, die umgebracht wurden - nicht wegen etwas, das
sie getan hatten, sondern nur aus dem Grund, wer und
wo sie waren. Tragischerweise ist das israelische Volk
- nach nahezu 50-jähriger Geschichte seines Staates immer noch die Zielscheibe einer mörderischen
Terrorkampagne.
Kein Volk sollte so leben müssen.
Gleichzeitig sagen solche Vorfälle auch etwas sehr
Positives und Richtiges über das israelische Volk aus:
Daß es sich niemals an derartige Ereignisse gewöh-

Seite 1

�nen und niemals aufhören wird, darauf mit Empörung
und Trauer zu reagieren, die verfrüht beendeten
Menschenleben zu betrauern, die Familien zu trösten
und ein Ende der Terroranschläge zu fordern - und
daß es sich niemals geschlagen geben wird.
Es sagt auch etwas Hoffnungsvolles über die Zukunft
des Nahen Ostens aus, daß diesen Sommer 162
arabische, israelische und palästinensische Teenager
an einem vom Programm "Saat des Friedens" gesponserten Ferienlager in den Wäldern von Maine teilnehmen, und daß dieser tragische Bombenanschlag diese
jungen Menschen durch den Schock, die Trauer und
Entschlossenheit geeint hat, dem Teufelskreis der
Gewalt in ihrer Region ein Ende zu setzen.
Amerikaner nehmen Anteil an allen diesen Gefühlen
und Reaktionen. Unsere Gedanken sind bei den
Familien und Freunden der vergangene Woche
Getöteten oder Verwundeten. Wir stehen Israel bei
seinem Kampf gegen den Terror zur Seite. Wir
bewahren unser unerschütterliches Engagement für
die israelische Sicherheit. Und wir verurteilen gemeinsam mit anderen Regierungen und Völkern aus jedem
Teil der Erde den brutalen Anschlag von letzter
Woche.
Wir haben klare Überzeugungen. Terrorismus ist ein
Übel, für das es keine Rechtfertigung gibt. Er ist ein
Instrument von Feiglingen. Er tötet Unschuldige nicht
zufällig, sondern absichtlich. Und die Absicht im
Nahen Osten ist, den Friedensprozeß zu zerstören,
indem die Sicherheit untergraben und die Hoffnung auf
Frieden vernichtet wird.
Wir wissen noch nicht, wer den Bombenanschlag auf
den Mahane Yehuda Markt verübt hat.
Aber wir können sicher sein, daß dieses Verbrechen
nicht wahllos verübt wurde. Terroristen schlagen oft
zu, wenn sie der Ansicht sind, daß die Parteien
Fortschritte machen. Es mag mehr als nur ein Zufall
sein, daß der jüngste Anschlag kurz nach der Ankündigung verübt wurde, daß die im Rahmen des HebronAbkommens geschaffenen Interimsausschüsse ihre
Verhandlungen wiederaufnehmen würden - und am
Vorabend der amerikanischen Bestrebungen, sich an
der Überwindung der gegenwärtigen Pattsituation zu
beteiligen.
Wir haben im arabisch-israelischen Friedensprozeß zu
viel erreicht um zuzulassen, daß die Aasgeier der
Gewalt die Zukunft der Region bestimmen.
Es steht zu viel auf dem Spiel. In der Vergangenheit
wurden bereits zu große Opfer gebracht.
Und die Menschen in der Region wurden bereits zu
lange durch Blutvergießen und Streit belastet.

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Wir müssen denjenigen antworten, die dem Frieden
den Krieg erklärt haben, indem wir dem Terror den
Krieg erklären - in dem Wissen, daß die Schaffung von
Frieden und die Bekämpfung von Terrorismus keine
separaten Kämpfe sind, sondern vielmehr zwei Seiten
ein und desselben Kampfes. Wir können nicht in
einem Kampf erfolgreich sein, wenn wir nicht in beiden
die Oberhand behalten.
Der vor uns liegende Weg ist schwierig, aber dasselbe
gilt auch für den bereits zurückgelegten.
Im Lauf der Jahre war das Streben nach Frieden im
Nahen Osten bereits mehreren Erschütterungen,
Rückschlägen und Traumata ausgesetzt. Wir sahen
mit Entsetzen, wie Bombenanschläge auf Busse und
Märkte verübt, Schulkinder angegriffen, große Staatsmänner wie Präsident Sadat und Ministerpräsident
Rabin ermordet und Unschuldige sogar in Gotteshäusern niedergeschossen wurden.
Trotzdem kamen in Madrid, Oslo, Washington, Kairo
und am Arava historische Feinde zusammen und
sprachen die Sprache des Friedens. Wir waren
Zeuge, wie die Bande zwischen Arabern und Israelis
enger wurden und diese sich im Rahmen eines
Prozesses regionaler Zusammenarbeit schwierigen
Fragen wie Wasserversorgung, Umwelt und Flüchtlingsproblemen widmeten.
Wir haben gesehen, wie arabische und israelische
Geschäftsleute bei einer Reihe von Wirtschaftsgipfeln
Kontakt aufnahmen und die Grundlagen für verstärkten
Handel und Investitionen und erhöhten Wohlstand
legten.
Wir haben gesehen, wie umfassende Fortschritte zur
Beendigung des Sekundär- und Tertiärboykotts Israels
gemacht wurden, wodurch israelische Produkte für die
Welt und die Produkte der Welt für Israel zugänglich
wurden. Wir waren Zeuge substantieller Verhandlungen zur Erlangung einer umfassenden Einigung
zwischen Israel und allen seinen arabischen Nachbarn.
Und wir haben gesehen, wie viele Nationen außerhalb
dieser Region, die jedoch von ihr beeinflußt werden beispielsweise Rußland, Norwegen, Japan und
Mitglieder der EU - dem Frieden diplomatische,
politische und finanzielle Unterstützung gewähren. Wir
müssen uns fragen, warum dieser Prozeß alle Traumata überlebt hat, und wie er trotz Bitterkeit, Trauer,
Leid und Wut Bestand haben konnte.
Die Antwort lautet, daß die überwältigende Mehrheit
der Menschen in der Region - Israelis, Araber und
Palästinenser - zu der Überzeugung gelangt ist, daß
der Status quo inakzeptabel ist, die Kosten des
Konflikts zu hoch sind und das Streben nach Frieden

AMERIKA DIENST 16

�zumindest das Versprechen einer besseren Zukunft
beinhaltet.
Sie wissen, daß ihre Gesellschaften, wenn es keinen
Frieden gibt, weiterhin von den Sorgen der Vergangenheit gebeutelt werden, ihre Region auf dem Weltmarkt
weiter zurückfällt und ihre Kinder in Unsicherheit,
Gefahr und Angst aufwachsen.
Der Wunsch des Volkes nach Frieden ist dauerhaft,
unverwüstlich und stark.
Davor fürchten sich Extremisten und Terroristen am
meisten. Und aus diesem Grund hat der Friedensprozeß trotz des Bombenanschlags von vergangener
Woche und trotz weiterer Gewaltandrohung überlebt
und wird es auch in Zukunft tun.
Als Israelis und Palästinenser 1993 in Oslo zusammenkamen, trat das Bestreben zur Erlangung des
Friedens in eine neue Phase ein. Die Parteien einigten
sich erstmals auf gegenseitige Anerkennung. Und sie
beschlossen, wie die auf kollidierenden Ideologien und
Gewalt basierende ehemals unlösbare Konfrontation in
realisierbare politische Verhandlungen auf der Grundlage gemeinsamer Interessen umgewandelt werden
kann. Die Politiker konnten sich darauf einigen, weil
das israelische und palästinensische Volk die Notwendigkeit verstanden, sich gegenseitig anzuerkennen,
direkt miteinander zu sprechen und die politische
Identität des anderen zu akzeptieren.
Nachdem jetzt die Schwelle zu gegenseitiger Anerkennung überschritten worden ist, gibt es keine
Rückkehr zu gegenseitiger Ablehnung. Keine Partei
kann zu den früheren Zeiten zurückkehren.
Indem sich Israelis und Palästinenser einigten, sich
gegenseitig als Partner zu akzeptieren, unternahmen
sie einen unumkehrbaren Schritt zur Beendigung ihres
Konflikts.
Die Frage lautet heute nicht ob, sondern wann Israelis
und Palästinenser ein für beide Seiten akzeptables
Abkommen erlangen. Die Zeitfrage ist sehr wichtig.
Mit unserer Hilfe können sich Israelis und Palästinenser stetig einer besseren Zukunft nähern oder aber
weiterhin in gegenseitigem Mißtrauen und gegenseitigen Beschuldigungen verhaftet bleiben.
Je länger Entscheidungen hinausgeschoben werden,
desto mehr Konflikt und Leiden werden sich daraus
ergeben.
Ministerpräsident Netanjahu äußerte
kürzlich, an der Spitze Israels sei man wie "auf Rosen
gebettet", jedoch "mit vielen Dornen".
Ich nehme an, daß der PLO-Vorsitzende Arafat seinen
Job mit ähnlichen Worten beschreiben könnte. Man
kann nicht fair über den Nahen Osten sprechen, ohne
die Schwierigkeiten anzuerkennen, mit denen die

AMERIKA DIENST 16

führenden Politiker konfrontiert werden. Man kann
nicht zutreffend über die Region sprechen, ohne
anzuerkennen, wie wichtig der Frieden für das israelische und das palästinensische Volk gleichermaßen
ist und ohne anzuerkennen, daß beide Völker sich für
den Frieden entschieden haben.
In jeder Gesellschaft ist es wichtig, daß das Zentrum
harte Arbeit leistet, um die Oberhand über die Extremisten zu behalten. Und es ist von elementarer
Bedeutung, die Botschaft zu übermitteln, daß es nicht
länger akzeptabel ist, die für die Suche nach dem
Frieden erforderlichen schwierigen Entscheidungen zu
umgehen. Bedauerlicherweise gab es während der
letzten Monate seitdem verheißungsvollen Abkommen
über Hebron keine neuen Fortschritte. Jetzt werden
wir mit einer Vertrauenskrise konfrontiert, die bisherige
Fortschritte in Gefahr bringt, alte Animositäten Wiederaufleben läßt und Israelis und Palästinenser gleichermaßen mit Angst vor der Zukunft zurückläßt.
Um den gegenwärtigen toten Punkt zu überwinden,
müssen Israelis und Palästinenser zu den Grundprinzipien zurückkehren. Diese Prinzipien konzentrieren sich nicht auf den Inhalt der Verhandlungen,
über den die Parteien am Verhandlungstisch sprechen
müssen, sondern auf die viel grundlegendere Frage,
wie die Parteien die Verhandlungen angehen sollten,
um das günstigste Klima für Erfolg zu schaffen.
Welches sind diese Prinzipien? Erstens: Unerläßliche
Bedingung für Fortschritt ist die gegenseitige Verpflichtung zu Sicherheit und Gewaltlosigkeit. Das ist
grundlegend. Das gebietet der gesunde Menschenverstand. Im Friedensprozeß ist kein Platz für Gewalt
oder Terror und kein Platz für den Einsatz von sicherheitspolitischer Zusammenarbeit als Druckmittel
bei Verhandlungen.
Dieser Ansatz zerstört das
Vertrauen, leistet dem Extremismus Vorschub und
unterminiert die Aussichten auf Frieden.
In den letzten Monaten sind viele Israelis zu der
Überzeugung gelangt, daß die palästinensische
Autonomiebehörde ihr Versprechen zur Bekämpfung
des Terrors nicht ernst nimmt, den Worten der Palästinenser keine Taten folgen und die Worte selbst nicht
konsequent oder klar sind. Sie machen sich Sorgen,
daß die Gewalt auf den Straßen inszeniert sein könnte.
Und sie fragen sich, ob die palästinensische Autonomiebehörde alles in ihrer Macht Stehende unternimmt,
um Anstiftung zu Gewalt und Terroranschlägen zu
verhindern.
Sie fürchten, daß die Gewalt grünes Licht bekommt,
während in Oslo rotes Licht gefordert wurde, das für
den Friedensprozeß unerläßlich ist. Wir wollen nicht
das Unmögliche. Bei Selbstmordterroristen gibt es
kein perfektes System, um die Sicherheit zu garantieren. Wir können keinen hundertprozentigen Erfolg
erwarten. Wir müssen jedoch hundertprozentige

Seite 3

�Bestrebungen im Hinblick auf unilaterale Maßnahmen
der palästinensischen Autonomiebehörde zur Bekämpfung des Terrorismus sowie bei der israelisch-palästinensischen Sicherheitszusammenarbeit in die Wege
leiten.
Was bedeutet das im Einzelnen? Es bedeutet Informationsaustausch und die Koordinierung von Maßnahmen im Bereich der Strafverfolgung. Es bedeutet
unermüdliche Bestrebungen zum Aufdecken potentieller terroristischer Gewaltakte und ihrer Abschreckung.
Es bedeutet Aufspüren und Beschlagnahme von
geheimen Waffenlagern, wie es der palästinensischen
Polizei vor zwei Wochen in Beit Sahour gelungen ist.
Es bedeutet die Festnahme und Verfolgung derjenigen, die an der Planung, Finanzierung, Unterstützung
oder Ermutigung des Terrorismus beteiligt sind. Und
es bedeutet, alles in unserer Macht Stehende zur
Schaffung eines moralischen Umfelds zu unternehmen, in dem die Befürwortung von Gewalt und Terror
abnimmt. Die Terroristen geben nicht auf, und deshalb
dürfen wir in unserem Kampf gegen sie ebenfalls nicht
aufgeben. In dieser Sache darf man kein Auge
zudrücken, es darf keine Doppeldeutigkeit oder
Doppelmoral geben - und im Hinblick auf die Gefangennahme von Terroristen keine Drehtüren.
Und das Niveau der sicherheitspolitischen Zusammenarbeit darf nicht mit den Höhen und Tiefen der Verhandlungen schwanken.
Die Verpflichtung der
Palästinenser
zur
Bekämpfung des Terrors
muß konstant und absolut sein. Das ist von elementarer Bedeutung für Fortschritte beim Friedensprozeß.
Es ist offensichtlich erforderlich, in Israel ein Klima
größerer Sicherheit und größeren Vertrauens zu
schaffen. Aber das ist auch für die Palästinenser
unerläßlich.
Extremistische Gewalt stellt für die
palästinensische Gesellschaft eine große Bedrohung
dar. Palästinenser sind bisweilen direkte Zielscheibe
dieser Gewalt. Und sie leiden unter wirtschaftlichen
und humanitären Härten, wenn Israel die Gebiete
abriegelt.
Obwohl die Israelis zu häufig Opfer des Terrors
geworden sind, muß man fairerweise sagen, daß die
Anschläge durch den Islamischen Heiligen Krieg und
die Hamas auch von den Palästinensern einen
schrecklichen Preis gefordert haben - nicht nur in
ihrem täglichen Wohlergehen, sondern auch im
Hinblick auf ihre langfristigen Hoffnungen und Chancen. Israelis und Palästinenser müssen sich zur
Bekämpfung ihres gemeinsamen Feindes - des
Terrorismus - zusammenschließen. Sie müssen sich
zur Beendigung der Gewalt zusammenschließen, die
dafür Verantwortlichen verhaften und ein Umfeld
schaffen, in dem alle nicht nur überleben, sondern
auch prosperieren und die Aufgabe in Angriff nehmen
können, ein sicheres und produktives Leben auf-

Seite 4

zubauen. Das ist das erste Prinzip von Oslo und der
Eckpfeiler eines dauerhaften Friedens.
Das zweite Prinzip ist, daß beide Seiten die Beilegung
ihrer Streitigkeiten über die Themen am Verhandlungstisch und nirgendwo sonst vereinbart haben. Es liegt
im Interesse beider Parteien, Schritte zu vermeiden,
die das Vertrauen des anderen in den Prozeß unterminieren. In der Praxis bedeutet das die Abkehr von
unilateralen Aktionen, die vorschnelle Entscheidungen
über Themen herbeiführen, die den Verhandlungen
über den endgültigen Status vorbehalten sind.
Ich möchte mich klar ausdrücken. Es gibt kein moralisches Äquivalent zwischen Selbstmordattentätern
und Planierraupen, zwischen der Ermordung unschuldiger Menschen und dem Bau von Häusern. Es
ist einfach nicht möglich, politische Themen ernsthaft in
einem Klima der Einschüchterung und des Terrors
anzusprechen.
Aber das Prinzip, nutzlose unilaterale Aktionen zu
unterlassen, ist entscheidend für die Bewahrung des
gegenseitigen Vertrauens. Insbesondere mit Blick auf
die Verhandlungen über den endgültigen Status ist es
unerläßlich, daß die Parteien überdenken, wie ihre
Aktionen das Umfeld für diese Verhandlungen beeinträchtigen.
Die Palästinenser argumentieren, daß Israel in den
vergangenen Monaten Aktionen unternommen hat, die
eine vorschnelle Entscheidung über Themen bewirken,
die den Verhandlungen über den endgültigen Status
vorbehalten sind. Dazu zählen Siedlungsaktivitäten,
Bauvorhaben in Har Homa und die Beschlagnahme
von Land. Diese Aktionen haben bei vielen Palästinensern Unsicherheit über die Absichten der Israelis
hervorgerufen, die Logik der Verhandlungen für sie
unterminiert und eine Vertrauenskrise gegenüber
ihrem israelischen Partner bewirkt. Die Frage ist
berechtigt: Wie kann man ein glaubwürdiges Umfeld
für Verhandlungen schaffen, wenn Aktionen erfolgen,
die das Ergebnis vorwegzunehmen scheinen?
Um das Vertrauen wiederherzustellen, müssen beide
Seiten ernsthaft und im Vorhinein über die möglichen
Auswirkungen dessen nachdenken, was sie tun und
sagen. Sie müssen mehr tun als zu fragen, ob eine
Aktion technisch legal ist; sie müssen fragen, ob sie
klug ist und im Einklang mit dem Geist ihrer Partnerschaft steht und sie den Zielen ihrer Abkommen
näherbringt.
Die dritte Regel für den Verhandlungsprozeß lautet,
daß beide Seiten mit Worten und Taten demonstrieren
müssen, daß sie Frieden nicht als eine Option von
vielen verstehen, sondern als die einzige Option, die
Sicherheit und Wohlergehen ihres Volkes bietet.

AMERIKA DIENST 16

�Es war diese gegenseitige Anerkennung, die Israel
und die Palästinenser zu Partnern beim Streben nach
Frieden machte. Und es ist die Logik dieser Partnerschaft, die eine Überwindung der Hindernisse und
Rückschläge der Vergangenheit möglich gemacht hat,
wie es das in diesem Jahr abgeschlossene HebronAbkommen demonstriert.
Sowohl die israelischen als auch die palästinensischen
Politiker haben einhellig ihre Verpflichtung zu Frieden
zum Ausdruck gebracht. Aber der Erfolg des Verhandlungsprozesses erfordert mehr. Sie müssen ihre
Verpflichtung zu Partnerschaft und Zusammenarbeit
bei der Lösung von Problemen bekräftigen.
Sie müssen bekräftigen, daß die Zukunft ihrer beiden
Völker kein Nullsummenspiel ist, bei dem eine Partei
gewinnt und die andere verliert, oder bei dem einer mit
einem Vorteil vor dem anderen vom Verhandlungstisch
aufsteht. Wenn zwei Menschen in einem Boot auf eine
Stromschnelle zusteuern, sollten sie nicht darüber
diskutieren, wie sie dorthin gekommen sind - sie
sollten gemeinsam auf das sichere Ufer zurudern.
Die Israelis und Palästinenser werden weiterhin
beträchtliche Differenzen bei ihren Verhandlungen
haben, insbesondere in der noch anzusprechenden
Frage des endgültigen Status. Das Ausmaß dieser
Differenzen macht es umso unerläßlicher, daß die
Parteien nach Wegen zum Wiederaufbau des gegenseitigen Vertrauens und zur Wiederherstellung eines
dynamischen Friedensprozesses suchen.
Der Geist der Partnerschaft muß beide Seiten motivieren. Und eine Anerkennung der legitimen Rechte
des Partners muß das Verhalten beeinflussen. In der
Tat muß die neue Geisteshaltung lauten: "Kein
Problem ist zu groß, als daß wir es nicht gemeinsam
lösen können."
Während Israelis und Palästinenser auf die Wiederbelebung ihrer Verhandlungen hinarbeiten, ist es
unabdingbar, daß die internationale Staatengemeinschaft ihren Teil zur Unterstützung dieser Bestrebungen beiträgt und erkennt, daß Wohlstand ein Vorläufer
des Friedens ist. Jede Nation mit einem Interesse an
der Region - insbesondere Israel - hat ein Interesse an
sozialen und wirtschaftlichen Fortschritten der palästinesischen Autonomiebehörde und sollte einen entsprechenden Beitrag dazu leisten.
Den arabischen Staaten kommt die Verantwortung
zum Aufbau des Friedens durch eine Normalisierung
der Beziehungen in ihrer gesamten Region zu. Dialog,
geschäftliche und persönliche Kontakte sollten an die
Stelle von Boykotten und Feindseligkeit treten. Das ist
die dem im November in Doha geplanten NahostWirtschaftsgipfel zugrundliegende Logik. Die Länder
in der Region werden dem Friedensprozeß und ihrer

AMERIKA DIENST 16

eigenen wirtschaftlichen Zukunft nur schaden, wenn
sie an diesem Gipfel nicht teilnehmen.
In diesem Zusammenhang möchte ich König Hussein
sowohl für seinen direkten Beitrag zu dem Friedensprozeß als auch für die von ihm unternommenen
Anstrengungen danken, die Araber und Israelis
gleichermaßen von den wirtschaftlichen und politischen Vorteilen des Friedens zu überzeugen.
Seit Jahrzehnten haben sich die Vereinigten Staaten
entschieden für einen umfassenden Frieden im Nahen
Osten engagiert. Ebenso wie seine Vorgänger mißt
Präsident Clinton dem oberste Priorität bei und arbeitet
hart an der Unterstützung der Bestrebungen der
Parteien zur Erlangung dieses Ziels.
Seit Jahren gründet die Politik der Vereinigten Staaten
gegenüber dem arabisch-israelischen Friedensprozeß
auf Schlüsselelementen, die unseren Ansatz unterstreichen.
Diese zentralen Elemente besitzen auch heute noch
Gültigkeit. Ich möchte sie nochmals hervorheben:
Wir streben einen gerechten und dauerhaften Frieden
an, der durch direkte Verhandlungen auf der Grundlage der Resolutionen 242 und 338 des UN-Sicherheitsrats erlangt wird, einschließlich des Prinzips, auf dem
jedes arabisch-israelische Abkommen aufbaut - Land
für Frieden. Unseres Erachtens muß der Frieden mit

wirklichem Schutz Israels und seiner arabischen
Nachbarn vor Bedrohungen von außen und Gewaltakten einhergehen.
Unserer Ansicht nach muß der Frieden gerecht,
dauerhaft, umfassend sein und zu Verträgen führen,
die auf normalen Beziehungen und einem echten
Frieden zwischen zwei Völkern basieren - auch
zwischen Israel und Syrien sowie Israel und dem
Libanon - und wir glauben, daß der Frieden die
legitimen politischen Rechte des palästinensischen
Volkes ansprechen muß. Prinzipien können jedoch
keine Abkommen hervorbringen. Die harte Verhandlungsarbeit tut das. Und die Vereinigten Staaten
haben über eine Vielzahl von Wegen versucht, diesen
Prozeß zu fördern.
Manchmal haben wir auf die Abschirmung und den
Schutz der Verhandlungen hingearbeitet. Wir haben
die Entschärfung von Krisen sowohl an der israelischpalästinensischen als auch an der israelisch-libanesischen Front angestrebt. Wir haben wirtschaftliche und
politische Unterstützung gewährt.
Und wir sind
manchmal sogar über die traditionelle Rolle des
Wegbereiters hinausgegangen und haben die des
Vermittlers gespielt wie bei den israelisch-syrischen
Gesprächen auf der Wye Plantation und während der
Hebron-Verhandlungen.

Seite 5

�Gleichzeitig sind die Vereinigten Staaten keine Partei
in dem arabisch-israelischen Konflikt. Wir übernehmen nicht dieselben Risiken und Pflichten wie die
Parteien, die sich mit den Problemen der politischen
Identität und dem physischen Überleben befassen.
Infolgedessen können, sollten und werden wir keine
Lösungen aufzwingen.
Genausowenig können wir den politischen Willen
bewirken, den Araber und Israelis für die harten
Entscheidungen auf dem Weg zu Frieden benötigen.
Das sind ihre Entscheidungen - nicht unsere. Aber
angesichts unserer unerläßlichen Rolle und dem uns
entgegengebrachten Vertrauen haben wir die Pflicht, in
guten wie in schlechten Zeiten mit ihnen beim Streben
nach Frieden zusammenzuarbeiten.
In der Tat
möchten sie, daß wir diese Rolle spielen. Und das
werden wir weiterhin tun.
Als in den vergangenen Monaten die Verhandlungen
ins Stocken gerieten und sich die gegenseitigen
Beschuldigungen der Israelis und Palästinenser
verschärften, haben wir mehrfach versucht, den
Prozeß wieder auf Kurs zu bringen. In enger Zusammenarbeit mit dem ägyptischen Präsidenten
Mubarak - unserem strategischen Partner im Frieden versuchten wir, eine Basis zu definieren, auf der sich
die Parteien wieder engagieren könnten. Wir haben
direkte Kontakte gefördert, um praktische Arbeitsbeziehungen zwischen Israelis und Palästinensern
wiederherzustellen.
Wir konzentrierten uns auf parallele Schritte, die jede
Seite unternehmen könnte, um die Anliegen der
anderen Seite anzusprechen. Wir bauten auf diesen
Kontakten auf, um die Diskussion über Probleme des
Interimsabkommens wiederzubeleben und entwickelten Ideen zur Überwindung der Differenzen, die eine
Anberaumung der Gespräche über den endgültigen
Status verhinderten.
Am Abend des Anschlags vom 30. Juli in Jerusalem
hatten der Präsident und ich in der Tat das Gefühl, es
sei an der Zeit, Dennis Ross zur Übermittlung der
amerikanischen Ideen in die Region zu entsenden.
Diese Reise wird er nun Ende dieser Woche antreten.
Botschafter Ross wird sich bei seinem Besuch vornehmlich auf die Sicherheitsdimension der gegenwärtigen Krise konzentrieren. Wenn die richtigen Schritte
zur Verbesserung des Sicherheitsumfelds unternommen werden, haben wir eine Basis für Fortschritte bei
politischen Themen - die wir erzielen müssen -,
angefangen mit der Notwendigkeit der Wiederherstellung des Vertrauens und Fortschritten bei der
Erfüllung der Bedingungen des Interimsabkommens.
Wir müssen jedoch auch bereit sein, mehr zu tun. Die
israelisch-palästinensische Vertrauenskrise hat den
Friedensprozeß sechs Monate gekostet. Verdächti-

Seite 6

gungen und Mißtrauen sind an der Tagesordnung. Die
auf gegenseitiger Anerkennung basierende Logik von
Oslo ist überzeugend, aber der Gesamtansatz des
Interimsabkommens muß mit einem beschleunigten
Ansatz zu den Verhandlungen über den endgültigen
Status einhergehen.
Um wieder an Dynamik zu gewinnen, müssen wir auf
beiden Seiten das Vertrauen in den Verhandlungsprozeß und das mögliche Ergebnis der Gespräche
über den endgültigen Status wiederherstellen. Wenn
beide Parteien ein klares und positives Gefühl bezüglich der endgültigen Richtung der Verhandlungen
haben, wird es leichter für sie, Rückschläge zu
überwinden und Ablenkungen auf dem Weg zu
vermeiden. Das erfordert eine Beschleunigung der
Verhandlungen über den endgültigen Status.
Dieser Schritt ist heute vordringlich und wichtig. Unter
der Voraussetzung von Fortschritten bei den Sicherheitsfragen bin ich daher bereit, Ende dieses
Monats in den Nahen Osten zu reisen. Ich werde
intensive Konsultationen mit den Politikern der Region
und insbesondere mit den israelischen und palästinensischen Politikern führen, um das Klima für Verhandlungen zu verbessern sowie die verfahrenstechnischen und substantiellen Aspekte der Probleme des
endgültigen Status zu erörtern.
Die Wiederbelebung des israelisch-palästinensischen
Friedensprozesses wird nicht über Nacht erfolgen. Sie
erfordert Zeit. Aber Präsident Clinton und ich werden
weiterhin alles in unserer Macht Stehende tun, um den
Parteien zum Erfolg zu verhelfen.
Wir werden auch in Zukunft unsere Rolle als vollwertiger Partner übernehmen. In dieser Partnerschaft
dürfen nur die Parteien die Entscheidungen treffen,
aber wir können sie unterstützen. In dieser Partnerschaft dürfen nur die Parteien die Verhandlungen
führen, aber wir können mit ihnen am Verhandlungstisch sitzen. In dieser Partnerschaft dürfen nur die
Parteien die Gestalt bestimmen, die der Frieden
annehmen soll, aber wir können mit ihnen zusammenarbeiten, um diesen Frieden zu erleichtern, zu bewahren und zu erweitern.
Es besteht kein Zweifel daran, daß die Vereinigten
Staaten weiterhin alles zur Förderung des Friedens
zwischen Israelis und Palästinensern und im gesamten
Nahen Osten tun werden. Wir werden alles tun, weil
Fortschritte zu Frieden unseren elementaren Interessen dienen, zum Schutz unserer Freunde beitragen,
unsere Werte reflektieren und weil es richtig ist.
Keine Region der Welt hat größeres Leid oder länger
anhaltende Konflikte gesehen als der Nahe Osten.
Keine Generation hatte eine bessere Chance als die
gegenwärtige, den Teufelskreis des Konflikts zu
durchbrechen.

AMERIKA DIENST 16

�An der Schwelle zu einem neuen Jahrhundert gibt es
keine Trennlinien des Kalten Krieges, die regionale
Rivalitäten schüren. Und der - einst dunkle - Weg zu
Frieden wurde zuerst in Madrid und dann noch klarer
in Oslo und den inzwischen geschlossenen Abkommen aufgezeichnet.
Israelis und Palästinenser gleichermaßen stehen jetzt
vor der Entscheidung über ihre Zukunft. Sie können
vor den Risiken des Friedens zurückschrecken und
eine Zukunft mit mehr Unsicherheit, Härten und
Kämpfen wählen, oder sie können zur Erneuerung
ihrer Partnerschaft und der Erfüllung der Versprechen
des Friedens zusammenkommen.
Für die Israelis ist dies das Versprechen einer prosperierenden Wirtschaft mit dem Potential des pazifischen
Beckens. Es ist die Gewißheit einer gemeinsamen
Front beim Kampf gegen den Terror, die Gewißheit der
stetigen Zunahme regionaler Zusammenarbeit und der
Fähigkeit, Kinder in Sicherheit und Frieden großzuziehen. Für die Palästinenser ist es das Versprechen des Endes von jahrzehntelangen Konflikten.
Es ist die Chance, ihre Energien und Talente als
vollwertige Partner in einer wachsenden regionalen
Volkswirtschaft einzusetzen, um eine Zukunft von

*

AMERIKA DIENST 16

stetig wachsendem Wohlstand, Würde und Hoffnung
für sich zu schaffen.
Und für alle Menschen in der Region ist es das
Versprechen - wie Präsident Clinton es formulierte "ein Land aufzubauen, das so reich an Schätzen und
friedlich ist wie es heilig ist" und das Angebot des
"Wunders eines normalen Lebens" an Israelis und
Palästinenser gleichermaßen.
Die Vereinigten Staaten können diese Zukunft weder
für Israel noch die Palästinenser entscheiden. Das ist
ihre Entscheidung und ihre Herausforderung. Wir
unterschätzen die Schwierigkeiten nicht. Wir sind uns
der Gefahren bewußt. Aber Amerika gründet auf
Optimismus und dem Glauben, daß die Zukunft besser
als die Vergangenheit sein kann, nicht nur innerhalb
unserer eigenen Grenzen, sondern innerhalb aller
Grenzen auf der Welt.
In diesem Geiste und mit dieser Überzeugung fordern
wir von uns und unseren Partnern erneute und
entschlossene Bestrebungen, um den flüchtigen
Traum eines Nahostfriedens Realität werden zu
lassen.
Ich danke Ihnen.

* * *

*

Seite 7

�TELEKOMMUNIKATION
20. August 1997

Verbraucher weltweit profitieren von Senkung
der Telefongebühren für Auslandsgespräche
Rede von Reed Hundt

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die am 7. August 1997 gehaltene Rede des Leiters der
amerikanischen Fernmeldebehörde FCC, Reed Hundt.

Die heutigen Maßnahmen sind neue Bezugspunkte für
die Festsetzung der Preise, die amerikanische Netzbetreiber zum Endpunkt der Verbindung bei Auslandsgesprächen zahlen. Sie werden zu Einsparungen in
Milliardenhöhe für die Verbraucher in den Vereinigten
Staaten führen und zur Förderung eines wettbewerbsfähigeren, florierenden internationalen Telekommunikationsmarkts beitragen.
Zur Zeit beträgt der Durchschnittspreis eines Auslandsgesprächs 88 Cents pro Minute, verglichen mit 13
Cents pro Minute für ein Inlandsgespräch. Dieser
Unterschied ist vornehmlich auf das monopolistische
Kartell zurückzuführen, das seit langem auf Verrechnungsgebühren bestanden hat, die die Kosten für
die Bereitstellung der Dienstleistung häufig um das
Fünf- bis Zehnfache übersteigen. Dieser Grundsatz
und das Abkommen der Welthandelsorgansation zur
Öffnung der internationalen Telekommunikationsmärkte werden zusammenwirken, um das Wachstum
und die Wettbewerbsfähigkeit der internationalen
Märkte enorm zu steigern, so daß die Verbraucher und
Netzbetreiber weltweit gleichermaßen profitieren
können.
Dieser Grundsatz wird den Verbrauchern hier in den
Vereinigten Staaten und andernorts außerordentliche
Vorteile bringen.
Unseren Schätzungen zufolge
werden die Verbraucher auf der Grundlage der
derzeitigen Markttrends allein in den Vereinigten
Staaten in den nächsten sechs Jahren über 17
Milliarden Dollar einsparen. Zusammen mit unserem
Grundsatz über die Reform des Zugangs von Anfang
dieses Jahres ist dies der größte Vorteil, der amerikanischen Verbrauchern in der Geschichte dieser
Behörde je zuteil wurde.

AMERIKA DIENST 16

Infolge dieses Grundsatzes und des WTO-Abkommens prognostizieren wir, daß der Durchschnittspreis
für ein Auslandsgespräch von heute 88 Cents in fünf
Jahren auf 20 Cents fallen wird - ein Abnahme von
nahezu 80 Prozent.
Und wir sagen vorher, daß sich der amerikanische
Markt für internationale Dienstleistungen in den
nächsten vier Jahren infolge dieses Grundsatzes mehr
als verdoppeln wird. Auf dem Weltmarkt wird wahrscheinlich ein ähnlicher Ansatz erfolgen.
In den vergangenen Jahren wurde ein internationaler
Konsens bezüglich der Notwendigkeit einer Reform
des veralteten Verrechnungssystems erzielt. Dieses
System reicht über 100 Jahre zum Zeitalter des
Telegraphen zurück und diente früher als der Mechanismus für nationale Telekommunikationsbetreibermonopole zur Festsetzung internationaler Verrechnungsgebühren. Die internationale Fernmeldeunion
und andere internationale Organisationen haben
beträchtliche Anstrengungen unternommen, um die
Reform des Verrechnungssystems zu prüfen. Wir
haben bei diesen Bestrebungen eng mit dem Ausland
zusammengearbeitet, und werden das auch in Zukunft
tun. Wir ermutigen unsere Freunde in Übersee zu
gemeinsamen Fortschritten mit uns bei der Reform des
Verrechnungssystems, weil es integraler Bestandteil
eines erfolgreichen Übergangs zur Welt nach der
Welthandelsorganisation ist. Wir sind überzeugt, daß
eine multilaterale Lösung der beste Weg zu einer
Reform ist und haben in dem heute zu verabschiedenden Bericht an die Endstelle (Report &amp; Order) versprochen, diese Bezugspunkte zu überprüfen, sollte
eine zufriedenstellende multilaterale Lösung erzielt
werden.

Seite 1

�Heute vertritt die FCC die Ansicht, daß die Lösung für
die Finanzierung des globalen Kommunikationsnetzes
nicht in immer weiter ansteigenden Subventionen der
amerikanischen Verbraucher für ausländische Telefongesellschaften liegen kann. Ferner muß unserer
Meinung nach ein globales Netz aufgebaut werden,
und der einzige Weg hierzu besteht darin, dieselben
Gesetze des Wettbewerbs und der Marktfinanzierung
anzuwenden wie auf allen anderen Gebieten. 1996
beliefen sich die gesamten Nettoauszahlungen
amerikanischer Netzbetreiber an ausländische
Netzbetreiber auf 5,4 Milliarden Dollar. Mehr als 70
Prozent dieser Auszahlungen stellen Subventionen der
amerikanischen Verbraucher für ausländische Telekommunikationsgesellschaften dar.
Ob es um den Endpunkt von Inlands- oder Auslandsverbindungen geht - gewisse Grundsätze bleiben
bestehen. Die Grundsätze des Wettbewerbs im
Telekommunikationswesen sind - ebenso wie die
Gesetze der Physik - in South Dakota dieselben wie in
Südkorea. Im Telekommunikationsgesetz des vergangenen Jahres stellte der Kongreß verschiedene
Grundsätze für die Einführung des Wettbewerbs bei
Ortsgesprächen auf. Dazu zählte die Forderung, daß
die Preise für Wettbewerber für die Schaltverbindung
mit dem örtlichen Netzbetreiber kostenorientiert sein
müssen und niemanden diskriminieren dürfen.
Internationale Verrechnungsgebühren sind nur eine
spezielle Form der Schaltverbindung, die nationale
Grenzen überschreitende Dienste beinhaltet. Die
Bezugsgrößen, auf die wir uns heute einigen, bieten
einen Rahmen zur Förderung des Wettbewerbs bei
internationalen Diensten, indem sie kostenorientierte,
nichtdiskriminierende Preise für internationale Dienst-

*

Seite 2

leistungen bis zum Endpunkt von Verbindungen
fördern. Ferner berücksichtigen sie die Bedürfnisse
der Entwicklungsländer, indem sie den Netzbetreibern
solcher Länder höhere Bezugspunkte und mehr Zeit
zu ihrer Erlangung einräumen.
Verbraucher weltweit werden höherwertige Dienste,
mehr Serviceoptionen und niedrigere Verrechnungsgebühren erhalten, da die Verrechnungsgebühren auf
eine stärker an den Kosten orientierte Ebene gesenkt
werden. Eine Reform der Verrechnungsgebühren wird
auch jedem Netzbetreiber zugute kommen, der
internationale Dienste anbietet, da sie das Wachstum
internationaler Dienste ankurbelt. Das derzeitige
Verrechnungssystem unterdrückt die globale Nachfrage, indem es zu inflationären Preisen für Auslandsgespräche beiträgt. Wenn die Verrechnungsgebühren
und damit wiederum die Telefongebühren gesenkt
werden, wird die Nachfrage nach Auslandsgesprächen
erhöht. Noch wichtiger ist, daß eine Reform des
Verrechnungssystems wesentlich ist, wenn die
Netzbetreiber, die derzeit von künstlich hoch gehaltenen Verrechnungsgebühren profitieren und sich darauf
verlassen, überleben wollen. Ohne eine Reform bei
den Verrechnungsgebühren würden diese Netzbetreiber von einem globalen Telekommunikationsmarkt an den Rand gedrängt, der künstlich teuer
gehaltene Leitungen immer stärker umgeht - entweder
mit Hilfe der preisgünstigsten Praktiken wie Rückruf
oder mit technischen Innovationen wie Telefonieren im
Internet (das nicht den Verrechnungsgebühren
unterliegt). Nur die Disziplin eines wettbewerbsfähigen
Marktes kann das globale Kapital anziehen, das für
den Aufbau einer globalen Informationsinfrastruktur
erforderlich ist.

* * *

*

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�PORTRAT
20. August 1997

John C. Kornblum
Der designierte Botschafter der Vereinigten Staaten
von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir das Porträt von Botschafter John C. Kornblum, der am
20. August 1997 in der Bundesrepublik Deutschland eintreffen wird.

Am 21. Mai 1997 ernannte Präsident Clinton John C.
Kornblum zum amerikanischen Botschafter in der
Bundesrepublik Deutschland. Er wurde am 31. Juli
vom Senat bestätigt und am 11. August vereidigt. Vor
seiner Ernennung war Botschafter Kornblum Abteilungsleiter für europäische und kanadische Angelegenheiten im US-Außenministerium und Sondergesandter bei den Verhandlungen über das Friedensabkommen von Dayton. Für seine herausragenden
Leistungen während der Krise auf dem Balkan erhielt
er 1996 eine Auszeichnung des amerikanischen
Außenministers.
Botschafter Kornblum begann 1964 eine bemerkenswerte Laufbahn im auswärtigen Dienst der Vereinigten
Staaten.
Erste Stationen waren Hamburg und
Washington. 1969 wurde er in die politische Abteilung
der US-Botschaft nach Bonn entsandt, wo er als
Verbindungsmann für Berlin tätig war und der amerikanischen Delegation bei den Viermächteverhandlungen
angehörte.
1973 kehrte Botschafter Kornblum nach Washington,
D.C., zurück, wo er verschiedene politische Ämter
innehatte - zunächst als Mitglied des politischen
Planungsstabs und später als Direktor der Abteilung
für europäische regionalpolitische Angelegenheiten.
Von 1979 bis 1981 war Botschafter Kornblum Politischer Berater in der US-Mission in Berlin. Im Juli 1981
wurde er zum Leiter der Abteilung für zentraleuropäische Angelegenheiten im US-Außenministerium
ernannt. Im August 1985 kehrte Botschafter Kornblum
als amerikanischer Gesandter und Stellvertretender

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Kommandant nach Berlin zurück. Nach zweijähriger
Tätigkeit in Berlin wurde er zum Stellvertretenden
Ständigen Vertreter der Vereinigten Staaten bei der
NATO in Brüssel ernannt.
In Anerkennung der herausragenden Leistungen von
John Kornblum ernannte Präsident Bush ihn zum
amerikanischen Botschafter bei der Konferenz für
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa. Der USSenat bestätigte seine Nominierung am 19. Oktober
1991. In dieser Funktion war Botschafter Kornblum
Leiter der amerikanischen Delegation bei der HelsinkiFolgekonferenz 1992 und übernahm eine führende
Rolle beim Entwurf der Deklaration, die beim Gipfeltreffen von Helsinki im Juli 1992 verabschiedet wurde.
Botschafter Kornblum stellte im August 1992 die neue
amerikanische Delegation bei der KSZE in Wien
zusammen, wo er bis April 1994 tätig war.
Botschafter Kornblum wurde im Juni 1994 zum
Stellvertretenden Abteilungsleiter für europäische und
kanadische Angelegenheiten im US-Außenministerium
ernannt und hatte diese Position bis zu seiner Nominierung zum Abteilungsleiter im Februar 1996 inne.
Während seiner Tätigkeit im europäischen Büro wirkte
Botschafter Kornblum maßgeblich am Friedensabkommen von Dayton mit und spielte eine zentrale
Rolle bei der Erarbeitung der Strategie der Administration für eine neue Sicherheitsstruktur in Europa.
Botschafter Kornblum ist mit Helen Sen verheiratet und
Vater von zwei Söhnen: Alexander (geboren 1988) und
Stephen (geboren 1990).

Seite 1

�PORTRAT
20. August 1997

Michael C. Polt
Gesandter der Botschaft der Vereinigten Staaten
von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland
BONN- (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir das Porträt von Michael C. Polt, dem neuen Gesandten der USBotschaft in der Bundesrepublik Deutschland.

Michael C. Polt wurde im August 1997 zum Gesandten
der Amerikanischen Botschaft in Bonn ernannt.
Gesandter Polt ist Berufsdiplomat im höheren auswärtigen Dienst der Vereinigten Staaten mit 20-jähriger
Erfahrung im US-Außenministerium und in diplomatischen Vertretungen in Europa und Lateinamerika. Vor
seiner jetzigen Tätigkeit war er Gesandter und Geschäftsträger der Amerikanischen Botschaft in der
Schweiz.
Nach seinem Eintritt in den diplomatischen Dienst im
Jahr 1977 wurde Herr Polt an die Amerikanischen
Botschaften in Mexiko City und Kopenhagen entsandt.
Im Anschluß daran war er persönlicher Referent des
amerikanischen Botschafters in Bonn, Leiter des
Amerikanischen Konsulats in Bremen und Botschafts-

rat an der Amerikanischen Botschaft in Panama. In
Washington war Herr Polt Stellvertretender Leiter des
Büros für europäische Sicherheits- und politische
Angelegenheiten und später persönlicher Referent des
Staatssekretärs für internationale Sicherheitsangelegenheiten im US-Außenministerium.
Michael Polt wurde mit dem Superior Honor Award des
US-Außenministeriums und mehreren Meritorious
Honor Awards ausgezeichnet. Er machte seinen
Magister in Verwaltungswissenschaften an der
University of Tennessee. Herr Polt wurde in Österreich geboren. Seine Heimat ist der Bundesstaat
Tennessee. Er spricht Deutsch und Spanisch. Der
Gesandte ist mit Frau Hallie L. Polt, geborene Smith,
verheiratet. Die Familie hat zwei Kinder, Nicholas (16)
und Lindsay (11).

* * * * *

AMERIKA DIENST 16

Seite 1

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Gesellschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das Programm des Weißen Hauses für das nächste Jahrtausend&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Präsident Clinton&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Recht und Glauben&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Richter Anthony Kennedy&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Naher Osten&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Albright verurteilt Gewalt, Terror und unilaterale Aktionen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede der US-Außenministerin&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Telekommunikation&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Verbraucher weltweit profitieren von Senkung der Telefongebühren für Auslandsgespräche&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Reed Hundt&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Porträt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;John C. Kornblum&lt;br /&gt;&lt;em&gt;der designierte Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Michael C. Polt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Gesandter der Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland&lt;/em&gt;</text>
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September

1972

Inhalt
INFORMATION:
Nixon: Kampf gegen Drogenmißbrauch hat höchste Priorität
Wortlaut der Ansprache vor der Konferenz über internationale Drogenbekämpfung
Kann die NATO die Liebe zum Auto kurieren?
- Verkehrsexperten tagten in Den Haag
Von Hubert G. Collins
HINTERGRUNDMATERIAL:
USA treten weiterhin für weltweite Maßnahmen gegen jeden Terror ein
Von unserem Sonderkorrespondenten
WIRTSCHAFT:
Ermutigende Fortschritte bei den amerikanisch-sowjetischen Handelsgesprächen
Von unserem Wirtschaftskorrespondenten
Burns erläutert Zweck der US-Interventionen auf den Devisenmärkten
Von Eugene Brake
US-Zahlungsbilanzdefizit im zweiten Quartal 1972 zurückgegangen
- Wortlaut einer Erklärung des Handelsministeriums Osteuropahandel der USA stieg im ersten Quartal 1972 an
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Drogenkrieg bis zur bedingungslosen Kapitulation
Vereinigte Staaten ziehen erste Bilanz
Monitor für Stickstoffoxid in der Luft
Erdbeben verändern Magnetfeld
Wichtige Erkenntnisse für Erdbebenforschung aus dem Amchitka-Test

Um Übersendung v o n Belegexemplaren w i r d gebeten.

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38/1972

NIXON: KAMPF GEGEN DROGENMISSBRAUCH HAT HÖCHSTE PRIORITÄT
Wortlaut der Ansprache vor der
Konferenz über internationale Drogenbekämpfung

WASHINGTON - (AD) - Präsident Nixon hat in einer Ansprache zu Beginn einer
dreitägigen Konferenz über internationale Rauschgiftbekämpfung am 18, September
den Maßnahmen gegen die Drogenseuche höchste nationale Priorität eingeräumt.
An der Konferenz, die im amerikanischen Außenministerium stattfindet, nehmen
die Sonderbeauftragten für Rauschgiftbekämpfung an 55 Botschaften der Vereinigten Staaten in aller Welt teil.
Die Ansprache des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
"Herr Außenminister, meine Damen und Herren!
Wenn ich die Liste der Teilnehmer an dieser Konferenz betrachte, dann
bin ich mir durchaus darüber im klaren, daß die meisten von Ihnen im Laufe
Ihrer Tätigkeit an vielen Konferenzen teilgenommen haben. Ich nehme an, daß
Sie sich wohl gefragt haben, warum gerade diese Konferenz etwas anderes sein
sollte und warum sie wohl wichtiger wäre als all die früheren Konferenzen.
Ich möchte gleich zu Anfang betonen, daß diese Konferenz mindestens so
wichtig ist, wie all die Konferenzen, an denen Sie je mitgewirkt haben- Ich
betrachte sie auf jeden Fall so wichtig wie jede andere Konferenz, an der ich
in meiner öffentlichen Tätigkeit je teilgenommen habe, weil der Sieg im Kampf
gegen den Drogenmißbrauch zu den wichtigsten Aufgaben - zu den höchsten na- 1 -

�nationalen Prioritäten - gehört, die den Vereinigten Staaten heute gestellt
sind.
Als Präsident der Vereinigten Staaten fühle ich keine größere Verpflichtung, als zum Sieg in diesem Kampfe beizutragen, und Sie alle hier in diesem
Raum, die Sie dieses Land in aller Welt vertreten, könnten keiner besseren
humanitären Sache dienen als dem Sieg in diesem Kampf gegen den Drogenmißbrauch.
Wie wir alle wissen, ist das globale Drogenproblem ungeheuer schwierig.
Hier bieten sich keine Sofort- oder Patentlösungen an. Wenn wir jedoch auf
die letzten drei Jahre zurückblicken, seit ich den totalen Krieg gegen den
Drogenmißbrauch erklärt und das Rauschgift als öffentlichen Feind Nummer eins
Amerikas bezeichnet habe, dann, so meine ich, wird das ganze Ausmaß unserer
nationalen Verpflichtung deutlich. Die Gesamtausgaben des Bundes für diesen
Kampf haben sich gegenüber 1969 um das elffache gesteigert. Sie machen gegenwärtig rund dreiviertel Milliarden Dollar in dem Haushalt aus, der dem Kongreß
jetzt vorliegt.
Was die organisatorische Seite anbetrifft, so haben wir alle Kräfte mobilisiert, um das Problem an allen Fronten anzupacken. Wir haben ein Sonderaktionsamt zur Verhütung von Drogenmißbrauch unter der Leitung von Dr.Jaffe
eingerichtet, das sich mit Therapie und Rehabilitation befaßt. Wir haben auch
im Justizministerium ein neues Amt für den Vollzug der Rauschgiftgesetze eingerichtet, das sich gegen die Verteilung und gegen die Händler im eigenen Lande
richtet. Und ich habe einen Kabinettsausschuß für Internationale Rauschgiftkontrolle

eingesetzt, der unseren weltweiten Kampf zur Unterbindung des Nach-

schubs koordiniert.
Wir packen das Problem also durch unsere verschiedenen Regierungsbehörden
an allen Fronten so wirksam wie nur möglich an.
Ich habe auch persönlich einige Verpflichtungen übernommen. Ich habe, wie
viele von Ihnen hier in diesem Raum wissen, bei meiner persönlichen Aufsicht
über dieses Programm immer wieder ausdrücklich mit der Peitsche geknallt. Und
ich muß zugeben, daß wir einige bürokratische Köpfe zusammengestoßen haben, als
ich im Ostraum (des Weißen Hauses) vor zwei Jahren die Anweisung gegeben habe,

�habe, daß die verschiedenen Regierungsbehörden endlich aufhören sollten, sich
gegenseitig über dieses Problem zu streiten, und endlich anfangen sollten das
Problem selbst zu bekämpfen.
Ich wollte endlich solide Ergebnisse sehen, und zwar in Form der Rettung
des Lebens Tausender junger Menschen, die sonst hoffnungslos dem Rauschgift
verfallen würden. Und heute liegen uns einige dieser Ergebnisse vor. Wir dürfen
sie nicht mit Selbstgefälligkeit betrachten, aber mit einigem Stolz und auch
mit der Entschlossenheit, weiterzumachen, um in Zukunft zu noch besseren Ergebnissen zu gelangen.
Dr. Jaffe berichtet aus seinem Gebiet, daß wir im letzten Jahr mehr mit
Bundesmitteln finanzierte Kapazität zur Behandlung einer Viertelmillion Menschen brauchen, läßt das gewaltige Ausmaß des Problems und die Notwendigkeit
erkennen, es in den Griff zu bekommen - nicht nur was die Behandlung angeht,
sondern auch besonders hinsichtlich der Lieferquellen und des Rechtsvollzugs.
Was den Rechtsvollzug angeht, so hat sich die Zahl der Festnahmen von
Rauschgifthändlern im letzten Haushaltsjahr gegenüber 1969 verdoppelt. Die Beschlagnahme von Heroin und anderen ungesetzlichen Drogen ist auf einem Höchststand angelangt. Aber wie ich denen, die mir erst im letzten Monat darüber Bericht erstattet haben, erklärt habe, ist das noch nicht genug. Wir müssen die
Zahlen verdoppeln und verdreifachen und von da aus zu einem völligen Sieg über
jene gelangen, die diesen Handel betreiben.
Ein sehr starker Preisanstieg bei Heroin im ganzen Osten der Vereinigten
Staaten läßt erkennen, daß der Nachschub austrocknet und daß der kriminelle
Drogenhandel unter Druck geraten ist. Ich darf Ihnen allen, und vor allem all
jenen, die es angeht, versichern, daß wir weiterhin mit allem Nachdruck vorgehen werden, bis die erbärmlichen Profitgeier des menschlichen Elends aus
ihren Schlupfwinkeln vertrieben und in die Gefängnisse gesteckt worden sind,
wo sie hingehören. Diese Anstrengung wird auch nicht an den Grenzen unseres
Landes haltmachen.
Die

�Die Männer und Frauen, die den weltweiten Heroinhandel betreiben, bedeuten
nicht nur eine Gefahr für die amerikanische Nation, sondern für die ganze
Menschheit. Diese Menschen sind im wahrsten Dinne des Wortes die Sklavenhändler
unserer Zeit. Sie handeln mit dem lebendigen Tod. Sie müssen bis an die Grenzen
unserer Erde gejagt werden. Ihnen darf keine Operationsbasis in irgend einem
Land bleiben. Ihnen darf nirgendwo in der Welt auch nur ein einziger Unterschlupf oder ein Refugium vor der Gerechtigkeit eingeräumt werden. Darum habe
ich, in Zusammenarbeit mit den Regierungen von über 50 Ländern in der ganzen
Welt, ein aggressives internationales Rauschgift-Kontrollprogramm eingerichtet.
Darum habe ich schon bald nach meinem Amtsantritt das Zentralamt für Nachrichten und Abwehr (CIA) angewiesen, alle seine Mittel für den Kampf gegen
den internationalen Rauschgifthandel zu mobilisieren - eine Aufgabe übrigens,
in der es sich hervorragend bewährt hat.
Lassen Sie mich hier ein Wort über diese vielgeschmähte Einrichtung einflechten. Wie ich oft erklärt habe, stellen wir auf dem Gebiet des Nachrichtendienstes immer wieder fest, daß nur die Versager publiziert werden. Die Erfolge
müssen, schon aus der Natur der Sache heraus, immer geheim bleiben, und auf
diesem Gebiet gibt es viele Erfolge, und vor allem Erfolge, auf die dieses
Amt sehr stolz sein darf.
Die höchste Priorität hat hier die Ausschaltung der Händler, wo immer sie
sich befinden mögen - sie durch unsere Rechtsvollzugs- und Nachrichtenorgane
auszuschalten und unschädlich zu machen. Und ich darf Ihnen allen für die ersten
Fortschritte, die wir in diesen Programmen erzielt haben, meine Anerkennung aussprechen.
Frankreich, Paraguay, Laos, Thailand und die Türkei sind nur einige Beispiele für die vielen Länder, wo die Arbeit amerikanischer Regierungsbediensteter
vom Botschafter abwärts in allen Botschaften im Ausland in Partnerschaft mit
örtlichen Regierungsvertretern wichtige Durchbrüche erzielt hat - wie beispielsweise die Beschlagnahme großer Heroinbestände, die Festnahme wichtiger Personen
und, im Falle der Türkei, die mutige Entscheidung, den Opiumanbau selbst ganz
einzustellen. Diese Maßnahme stellt übrigens nicht nur ein großes Verdienst
für die türkische Regierung dar, sondern auch für unsere eigene Regierung und
- 4-

�und vor allem für jene im Außenministerium und in der türkischen Botschaft, die
an diesem Problem gearbeitet haben.
Die Bevölkerung der Vereinigten Staaten und vor allem die jungen Menschen
schulden Ihnen, Ihnen allen hier in diesem Raum, großen Dank. Leider werde ich
keine Gelegenheit haben, mit den meisten von Ihnen persönlich zusammenzukommen,
um Ihnen für das zu danken, was Sie hier geleistet haben. Aber wie Sie alle
wissen, bleibt uns noch sehr viel mehr zu tun, um diesen Krieg zu gewinnen und
wir müssen mit einer noch sehr viel größeren Dringlichkeit als bisher an diese
Aufgabe herangehen.
Ich möchte Sie, die Sie in der ganzen Welt an der Rauschgiftkontrolle arbeiten, bitten, diese persönliche Botschaft von mir an die ausländischen Regierungsvertreter zu übermitteln, mit denen "ie zusammenkommen. Alle Regierungen,
deren Führer an den Tätigkeiten jener beteiligt sind oder sie schützen, die unser
Drogenproblem mit verursachen, sollen wissen, daß der Präsident der Vereinigten
Staaten gesetzlich verpflichtet ist, jede amerikanische Wirtschafts- und Militärhilfe an ein solches Regime einzustellen, und ich werde nicht zögern, diesem
Gesetz entsprechend zu verfahren, wenn irgendwelche Übertretungen vorkommen.
Ich betrachte die Aufgabe, gefährliche Drogen von den Vereinigten Staaten
fernzuhalten, für ebenso wichtig wie die Verhinderung der Landung gegnerischer
Streitkräfte in den Vereinigten Staaten. Gefährliche Drogen, die in die Vereinigten Staaten hereinkommen, können das Leben junger Amerikaner ebenso gefährden, wie eine Invasionsarmee, die in den USA landet. Jede Regierung die
gegen Rauschgift vorgehen will, soll wissen, daß sie seitens unseres Landes
auf unsere volle und nachhaltige Unterstützung dabpi rechnen kann.
Vor drei Jahren watete die globale Heroinseuche in der ganzen Welt praktisch
ohne jede Kontrolle. Für eine ganze Generation unserer Kinder, die potenziellen
Rauschgiftopfer der nächsten Jahre, drohte die Zeit abzulaufen.
Aber dann starteten wir unseren Kreuzzug zur Rettung unserer Kinder, und
heute können wir feststellen, daß dieser Kreuzzug aus der Defensive heraus zur
Offensive übergeht und in einem Land nach dem anderen in der ganzen Welt und
in den Vereinigten Staaten selbst Siege zu zeitigen beginnt.
Was

�Was ist heute unser Ziel? Wir leben heute, wie wir alle wissen, im Zeitalter der Diplomatie, in dem es Zeiten gibt, da eine große Nation sich auf
etwas einlassen muß, was als begrenzter Krieg bezeichnet wird. Ich habe dieses
Prinzip abgelehnt und den totalen Krieg gegen die gefährlichen Drogen erklärt.
Unser Ziel ist die bedingungslose Kapitulation der Schleichhändler des Todes,
die mit Heroin Geschäfte machen. Unser Ziel ist die totale Verbannung des
Drogenmißbrauchs in Amerika. Es geht um Leben und Zukunft unserer Kinder deshalb muß uns dies gelingen.
Wir werden dieses Übel mit jeder verfügbaren Waffe bekämpfen, und mit
Ihrer Hilfe und mit der Unterstützung durch Millionen engagierter Amerikaner
werden wir siegen."

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KANN DIE NATO DIE LIEBE ZUM AUTO KURIEREN?
- Verkehrsexperten tagten in Den Haag -

Von Hubert G. Collins

DEN HAAG - (AD) - Wenn der NATO-Ausschuß für Aufgaben der Modernen Gesellschaft (CCMS) im November in Brüssel zu seiner Plenarsitzung zusammentritt,
wird er sich mit der wenig dankbaren Aufgabe beschäftigen müssen, Wege zur
Behebung der Verkehrsmisere in den Städten der westlichen Welt zu finden. Verkehrsexperten aus neun NATO-Ländern - Niederlande, Belgien, Kanada, Dänemark,
Frankreich, Bundesrepublik Deutschland, Italien, Großbritannien und Vereinigte
Staaten - kamen vom 14. bis 16. September in Den Haag zusammen, um eines der
Übel des 20. Jahrhunderts, das Verkehrschaos in den Großstädten, anzupacken.
Das Projekt im Rahmen des CCMS steht seit längerem an, und in Nordamerika
wie in Europa haben sich die Fachleute ihre Gedanken gemacht, wie der moderne
Massenverkehr bewältigt werden könnte. Der Leiter der Expertenkonferenz in der
niederländischen Hauptstadt, der Direktor der Planungsabteilung im amerikanischen
Verkehrsministerium Dr. Lee Huff, hat wohl den Kern des Problems berührt, als er
sagte, es gehe letztlich darum, "die Liebe zum Auto" zu kurieren.
In Den Haag ging es nicht um neue

Technologien, sondern um institutionelle

und wirtschaftliche Veränderungen zur Lösung des Verkehrsproblems. Die Vereinigten Staaten hatten bereits im Frühjahr angeregt, ein CCMS-Musterprojekt unter amerikanischer Federführung - einzurichten, um in einem Erfahrungsaustausch über den Atlantik hinweg, neue Wege zum Transport von Personen und Gütern

- 1 -

�Gütern zu finden, die einmal wirtschaftlich und durchführbar und zum anderen
auch umweltgerecht sind. Die Probleme in Amerika und Europa sind mehr oder
weniger die gleichen. Wie kann der Einzelne dazu bewegt werden, öffentliche
Verkehrsmittel zu benutzen und sein Auto zuhause zu lassen?
Die Erfahrungen in Amerika haben gezeigt, daß die "Entmutigung" der Privatfahrer allein - beispielsweise durch drastische Erhöhung der Parkgebühren nicht ausreicht. Vielmehr bedarf es auch einer entsprechenden Ausweitung der
Kapazität der öffentlichen Verkehrsmittel. Auch in Brüssel hat sich herausgestellt, daß die Autofahrer dem Appell der Behörden zunächst folgten, daß sie
jedoch bei einem mangelnden Angebot von Bussen und Bahnen bald wieder zum
Privatwagen zurückkehrten.
In diesem Zusammenhang ist ein amerikanischer Vorschlag interessant: Autobusse sollen eigene Strai3en erhalten - auf denen keine Privatautos zugelassen
sind. Dadurch wäre es möglich, stündlich rund 1200 Busse verkehren zu lassen,
die über 60 000 Menschen befördern könnten. Die Zahl der Privatwagen, um eine
solche Menge Menschen zu transportieren ist riesig, und der entsprechende Aufwand für Straßen und Einrichtungen noch gewaltiger. In Amerika sind bereits
Versuche in dieser Richtung gemacht worden, so beispielsweise mit der "Shirly
Highway Bus Lane" in Nordvirginia. Auf dieser Strecke, die ausschließlich von
Bussen befahren werden darf, werden die Menschen zur Arbeit nach Washington gebracht. Sobald die Busse jedoch das normale Washingtoner Straßennetz erreichen,
bleiben sie - wie die Privatwagen - im Berufsverkehr iiängen. Die Bus-Straßen
müssen also auch innerhalb der Städte nach bestimmten Brennpunkten durchgeführt
werden.
Ähnliche Probleme ergeben sich auci für den Güterverkehr. Das wirtschaftlich rationellste System ist nicht immer das umweltfreundlichste. Es ist und
bleibt die Frage, wie die Waren zu ihrem Empfänger kommen, vor allem wenn beispielsweise die Geschäfte in einer Fußgängerzone liegen. Sicherlich verfolgen
die Amerikaner die europäischen Versuche, in den Stadtkernen solche Fußgängerzonen einzurichten, mit großem Interesse.
Eine

�»

Eine wesentliche Rolle bei den Expertengesprächen in Den Haag hat auch
die Voraussage der Verkehrsbedürfnisse und der Verkehrsdichte in den Städten
gespielt. Solche Untersuchungen und Berechnungen sind für die einzelnen Städte
sehr kostspielig, und wenn es dem CCMS gelingt, hier durch Standardisierung der
Methoden sowie durch Vereinfachungen Kosten und Aufwand wesentlich zu senken,
dann dürfte dies ein weiterer echter Fortschritt sein.
Man kann nur hoffen, daß der internationale Erfahrungsaustausch im Rahmen
des NATO-AusSchusses für Aufgaben der Modernen Gesellschaft (CCMS) und ein neues
Musterprojekt eine wirtschaftlich tragbare und umweit- und menschenfreundliche
Lösung näher bringen.

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USA TRETEN WEITERHIN FÜR WELTWEITE MASSNAHMEN GEGEN JEDEN TERROR EIN
Von unserem Sonderkorrespondenten

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten werden weiterhin für eine
weltweite Solidarität gegen Terrorakte jeder Art eintreten und sich für internationale Maßnahmen einsetzen. Präsident Nixon und Außenminister Rogers sowie
andere amerikanische Regierungsvertreter haben unmißverständlich zu verstehen
gegeben, daß sie dieses Problem in nationalen und internationalen Gremien
weiterverfolgen werden.
Präsident Nixon hat in einer Botschaft an den Senat der Vereinigten Staaten
diesen dringend um die Ratifizierung der vor einem Jahr in Montreal unterzeichneten Konvention gegen kriminelle Akte gegen die Zivilluftfahrt ersucht. Nach
der Konvention gegen Luftpiraterie, die im Dezember 1970 in Den Haag verabschiedet und inzwischen von den USA und 39 weiteren Ländern ratifiziert wurde,
soll die zweite Konvention vor Sabotage, Terrorangriffen und sonstigen kriminellen Akten gegen die Zivilluftfahrt schützen.
Die Konvention, so heißt es in der Botschaft Nixons an den Senat, "dient
dazu, die Strafverfolgung von Saboteuren und anderen Terroristen, die Flugzeuge
angreifen, zu sichern, und sie kann dazu beitragen, dieses wachsende Problem
für die weltweite Zivilluftfahrt zu beheben."
Die Vereinigten Staaten haben auch den Entwurf für eine neue Konvention
gegen Luftpiraterie begrüßt, den ein Unterausschuß des Rechtsausschusses der
Internationalen Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) ausgearbeitet hat. Der Ent-

�Entwurf, der jetzt in Montreal dem Rechtsausschuß

der ICAO vorgelegt wird,

sieht unter anderem den Flug-Boykott gegen Länder vor, die Luftpiraten beherbergen. Der Sprecher des amerikanischen Außenministeriums, Charles Bray, erklärte dazu, "endlich haben wir eine Formulierung für eine Konvention, die, wenn
sie von der Völkergemeinschaft angenommen, endlich unseren Anstrengungen zur Bekämpfung der Luftpiraterie in all ihren Formen eine echte Handhabe gibt." Der
Leiter der amerikanischen Delegation, Charles Brower, wies darauf hin, daß es
noch zwei Jahre dauern könne, ehe die Konvention abgeschlossen sei, räumte jedoch ein, daß der Fortschritt in den letzten beiden Wochen - gegenüber zwei
Jahren der Untätigkeit - Anlaß zur Hoffnung gebe.
Nicht zuletzt aufgrund der grauenhaften Ereignisse in München wird sich
auch die Vollversammlung der Vereinten Nationen mit dem Problem des Terrors
und der Terroristen befassen müssen. Auch hier haben sich die Vereinigten Staaten
mit an die Spitze der Bemühungen gestellt, eine weltweite Zusammenarbeit zu
erreichen, ohne die eine wirkungsvolle Verhütung und Bekämpfung von Terrorakten
kaum möglich ist. Außenminister Rogers, der, wie gesagt, ausdrückliche Anstrengungen in dieser Richtung ankündigte, hält sich zu Beginn der neuen Vollversammlung in New York auf. Er wird sicherlich bei seinen Gesprächen am Rande der
Vollversammlung die amerikanische Initiative gegen den Terror mit den Vertretern
anderer Länder erörtern.
Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Waldheim, hat einen ungewöhnlichen Schritt getan und das Thema Terror persönlich auf die Tagesordnung der
Vollversammlung gesetzt sowie Maßnahmen zur Verhütung künftiger Terrorakte gefordert. Die Vereinigten Staaten werden diese Forderungen mit allem Nachdruck
unterstützen.

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ERMUTIGENDE FORTSCHRITTE BEI DEN AFRIKANISCH-SOWJETISCHEN
HANDELSGESPRÄCHEN
Von unserem Wirtschaftskorrespondenten

WASHINGTON - (AD) - Bei den amerikanisch-sowjetischen Handelsgesprächen
sind "sehr wesentliche Fortschritte" erzielt worden, so daß noch bis zum Jahresende mit einem Paket von wichtigen wirtschaftlichen Vereinbarungen zwischen den
beiden Ländern zu rechnen ist.
Dies haben sowohl der amerikanische Handelsminister Peter G. Peterson, wie
auch der Sonderberater Präsident Nixons für Nationale Sicherheitsfragen, Henry
Kissinger, in den letzten Tagen mitgeteilt. Peterson betonte vor der Handelskammer von Baltimore, er sei mehr denn je ermutigt, daß das angestrebte Ziel
des Präsidenten, ein umfassender Handelsvertrag, noch bis zum Jahresende, vielleicht sogar schon früher, erreicht werden kann. Gleichzeitig kündigte der
Minister an, daß Arbeitsgruppen der Gemeinsamen Handelskommission noch in diesem
Monat detaillierte Verhandlungen über einige der offenen Fragen aufnehmen würden.
Kissinger, der auf einer Pressekonferenz über seine Handelsgespräche in
Moskau berichtete, gab der festen Zuversicht Ausdruck, daß "eine befriedigende
Lösung" erzielt w rden wird. Die drei Arbeitsgruppen würden die Themen Handel,
Schiffahrtsabkommen sowie Pacht- und Leihschulden erörtern, die alle drei Bestandteil des großen Gesamtpaketes seien.
Den Schlüssel zu diesem Gesamtpaket dürften die Pacht- und Leihgespräche
bilden. Von einer befriedigenden Lösung auf diesem Gebiet wird es nämlich ab- 1 -

�abhängen, ob der amerikanische Kongreß Regierungskre iten an die Sowjetunion
sowie der Einräumung der Meistbegünstigungsklausel für sowjetische Erzeugnisse
zustimmt. Bei den Pacht- und Leihge prächen geht es um die nichtmilitärische
Hilfe, die die Vereinigten Staaten der Sowjetunion während des zweiten Weltkrieges und unmittelbar danach gewährt haben (für die während des letzten
Krieges gewährte Militärhilfe haben die Vereinigten Staaten nie eine Rückzahlung gefordert). Die endgültige Regelung dieser Schulden wird wahrscheinlich
nur die Rückzahlung eines Bruchteils des unsprünglichen Wertes der Hilfsgüter
vorsehen. Wie Dr. Kissinger auf seiner Pressekonferenz erklärte, hätten beide
Seiten nunme ir einer Formel für die Bewertung der Hilfsgüter zugestimmt. Einzelheiten der Zahlungsmodalitäten, wie Höhe der Raten und Rückzahlungszeitraum,
müssen aber noch ausgehandelt werden.
Weitere Punkte des angestrebten Handelsabkommens sind ein von den USA gewünschter Mechanismus für eine internationale Schlichtung von Streitigkeiten;
die Sowjetunion hat sich bisher stets an ihre eigenen Schiedsgerichte gehalten. Ferner wünschen die USA bessere Arbeitsmöglichkeiten für amerikanische
Geschäftsleute in der So jetunion; unter diesen Punkt fallen Fragen wie Bereitstellung von Büror. um und Telefonanschlüssen, aber auch Kontaktmöglichkeiten
mit potentiellen Kunden. Und schließlich wünscht die Sowjetunion Regierungskredite zur Finanzierung ihrer Käufe in den USA; die USA bestehen darauf, daß
jedes Abkommen auf Gegenseitigkeit beruhen muß und die Sowjetunion nicht besser
als andere amerikanische Handelspartner gestellt sein darf.
Auch in der Frage der Einräumung der Meistbegünstigungsklausel besteht
noch keine Einigung. Hier geht es unter anderem um den Schutz der amerikanischen
Wirtschaft vor einem Sowjet sehen Dumping, denn beide Länder gehören unterschiedlichen Handelsblöcken an und angesichts des Regierungsmonopols in der
Sowjetunion gibt es dort keine absolute Bez ehung zwischen Kosten und Preisen.
Auch die von den USA seit langem ausgeübte Kontrolle über den Export strategisch wichtiger Güter wirft gewisse Probleme auf. Und letztlich muß jedes Abkommen

' die Einräumung der Meistbegünstigtenklausel vom amerikanischen Kongre

gebilligt werden.
Im

�t

Im Kongreß sind bereits Stimmen laut geworden, die sich gegen die von der
Sowjetunion geübte Praxis wenden, von sowjetischen Juden, die nach Israel auswandern wollen, eine Ausreisegebühr zu fordern. Senator Ribicoff hat dies als
"Kopfgeld" bezeichnet und gleich anderen Abgeordneten und Senatoren damit gedroht, den Handelsvertrag als Druckmittel zu benutzen, um durchzusetzen, daß
die Sowjetunion auf diese Abgabe verzichtet.
Ein weiterer wichtiger Punkt der Verhandlungen ist ein Schiffahrtsabkommen,
bei dem jedoch, wie Handelsminister Peterson betonte, eine Einigung unmittelbar
bevorsteht. Mit diesem Abkommen soll eine Reihe von Fragen gelöst werden, die
sich im Gefolge des zu erwartenden verstärkten Warenverkehrs zwischen beiden
Ländern ergeben dürften. Unter anderem muß geklärt werden, welcher Warenanteil
auf amerikanischen und welcher auf sowjetischen Schiffen befördert werden soll
und in welchem Ausmaß Schiffe dritter Länder eingeschaltet werden können. Im
Augenblick sind Schiffe dritter Länder zu 20 bis 25 Prozent am an,^rikanisch••
sowjetischen Handel beteiligt. Da die Betriebskosten amerikanischer Frachter aufgrund höherer Löhne und besserer Sicherheitseinrichtungen höher liegen, als bei
Schiffen anderer Länder, müßten Subventionen gezahlt werden, um sie wettbewerbsfähig zu machen. Von Seiten des amerikanischen Handelsministeriums wurde bereits
betont, daß recht beträchtliche Regierungssubventionen direkt an die Schiffseigner gezahlt werden müßten, wenn ein Engpaß wie bei den Getreideverkäufen des
Jahres 1963 vermieden werden soll.
Ferner muß festgelegt werden, welche Häfen in beiden Ländern für Schiffe
des anderen Landes offen sein sollen und welchen Schiffen ein Anlaufen gestattet
werden soll. Sofern es hier nicht zu unvorhergesehenen Schwierigkeiten kommt,
dürfte, wie Handelsminister Peterson betonte, eine Einigung in all diesen Fragen
innerhalb weniger Jochen nöglich sein.

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38/1972

BURNS ERLÄUTERT ZWECK DER US-INTERVENTIONEN AUF DEN DEVISENMÄRKTEN
Von Eugene Brake

WASHINGTON - (AD) - Die Verein igten Staaten werden auch in Zukunft nicht
versuchen, durch massive Interventionen auf den Devisenmärkten einen unrealistischen Wechselkurs des US-Dollar zu stützen.
Das ist das Fazit der öffentlichen Anhörungen, die der Unterausschuß für
Devisen und internationalen Zahlungsverkehr des gemeinsamen Wirtschaftsausschusses des amerikanischen Kongresses in der letzten Woche durchgeführt hat.
Nicht nur der Vorsitzende des Federal Reserve Boards, Notenbankpräsident Arthur
Burns, sondern auch der Staatssekretär im amerikanischen Finanzministerium, Paul
Volker, gaben vor dem Ausschuß entsprechende Zusicherungen ab. Burns betonte,
daß Interventionen auf den Devisenmärkten ausschließlich auf Initiative des
Federal Reserve Boards (Bundesbank) und nicht etwa auf Initiative anderer Länder
nin unternommen würden. Sie v;ürden auch nur erfolgen, um Auswüchse auf den Märkten
zu verhindern oder ihnen entgegenzuwirken, und dann in einem Umfang vorgenommen,
der ein positives Ergebnis sicherstellte. Auch Swap-Vereinbarungen würden niemals dazu mißbraucht werden, um amerikanische Zahlungsbilanzdefizite mitteloder langfristig zu finanzieren. Genau so wenig stellten sie einen Ersatz für
eine erforderliche Anpassung der grundlegenden Wirtschaftspolitik dar.
Volker wies vor dem Ausschuß darauf hin, daß das Finanzministerium sich
nicht an Interventionen auf den Devisenmärkten beteilige, um bei Zahlungsbilanzungleichgewichten einen bestimmten Wechselkurs zu verteidigen. Allerdings gab

- 1 -

�gab der Staatssekretär zu bedenken, daß nicht immer im Voraus leicht zu erkennen sei, ob ein Wechselkurs nur vorübergehend unter Druck geraten sei, oder
ob es sich hier um die ersten Anzeichen eines fundamentalen Ungleichgewichts
handele, das früher oder später durch eine Auf- oder Abwertung korrigiert
werden müsse.
Burns wie auch Volcker wandten sich damit gegen Bedenken, die der Ausschußvorsitzende

Henry Reuss, zugleich im Namen verschiedener Zeugen geäußert hatte,

daß nämlich die reaktivierten Swap-Vereinbarungen zur Stützung des Dollarkurses
benutzt werden könnte, solange noch ein grundlegendes Zahlungsbilanzungleichgewicht bestünde. Wörtlich erklärte Burns, "ich kann Ihnen uneingeschränkt versichern, daß dies nicht der Fall sein wird".
Allerdings, so führte Burns weiter aus, mehrten sich jetzt die Anzeichen,
daß die bescheidenen amerikanischen Investitionen auf den Devisenmärkten vom
Juli ihren Zweck erreicht haben. Zusammen mit Maßnahmen anderer Länder, so sagte
Burns, hätten sie dazu beigetragen, der Spekulation Einhalt zu gebieten und
das Vertrauen in den Markt wieder herzustellen. Bei den insgesamt neun seit dem
19. Juli von amerikanischer Seite durchgeführten Interventionen seien ausländische
Devisen - belgische Francs und DM - im Werte von 32 Millionen Dollar abgegeben
und diese Beträge seien durch spätere Käufe wieder voll abgedeckt worden. Die
Tatsache, daß die Vereinigten Staaten diese Swap-Vereinbarungen ausnutzen können,
und dies sei noch nicht einmal in vollem Umfang der Fall gewesen, habe allein
schon genügt, um der Spekulation Einhalt zu gebieten und die Spekulanten zum
Nachdenken zu zwingen.
Auf die amerikanische Zahlungsbilanz eingehend, betonte Burns, es sei völlig
verfrüht, etwa pessimistische Schlußfolgerungen hinsichtlich ihrer langfristigen
Entwicklung ziehen zu wollen. Allerdings, so gab der Notenbankchef zu, vollzögen
sich die erforderlichen Anpassungen zur Korrektur der Ungleichgewichte nicht so
rasch wie erhofft oder angenommen worden sei. Dies gelte im besonderen auch für
die amerikanische Zahlungsbilanz. Man brauche jedoch kein großer Optimist zu
sein, um feststellen zu können, daß zumindest eine Reihe von Faktoren in die
richtige Richtung weisen, um eine wesentliche Verbesserung der US-Zahlungsbilanz zu bewirken. In diesem Zusammenhang verwies Burns vor allem auf die Ent- 2-

�Entwicklung von Kosten und Preisen in den USA, die gegenüber den anderen
Ländern hier weitaus besser abgeschnitten hätten. Auch die Neufestsetzung der
Wechselkurse im Dezember vorigen Jahres, so sagte Burns, werde sich jetzt auszuwirken beginnen und mit der Zeit zu einer Ausweitung des amerikanischen Exports sowie einer Verlangsamung der Zunahme der Importe führen. Ferner werde
sich die in Japan und in Europa im Gange befindliche zyklische wirtschaftliche
Wiedererholung in einer Steigerung der Nachfrage nach amerikanischen Exporterzeugnissen auswirken. Und schließlich werde die starke Expansion der amerikanischen Wirtschaft selbst dazu führen, daß amerikanische Investoren wieder eher
geneigt sind, ihr Geld im eigenen Land statt im Ausland anzulegen.

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US-ZAHLUNGSBILANZDEFIZIT IM ZWEITEN QUARTAL 1972 ZURÜCKGEGANGEN
- Wortlaut einer Erklärung des Handelsministeriums -

WASHINGTON - (AD) - Das Zahlungsbilanzdefizit der USA ist im zweiten
Quartal dieses Jahres beträchtlich zurückgegangen. Dies stellt das amerikanische Handelsministerium in einer am 13. September veröffentlichten Presseverlautbarung fest, die folgenden Wortlaut hat:
"Die Bilanz der laufenden Konten und die langfristige

Kapitalbilanz

wiesen im zweiten Quartal ein Defizit von 1,9 Milliarden Dollar aus, wie das
Büro für Wirtschaftsanalysen, eine Unterabteilung des Amtes für Sozial- und
Wirtschaftsstatistik des Handelsministeriums heute bekannt gegeben hat. Das
Defizit war damit nur etwa halb so groß wie das (revidierte) Defizit von 3,6
Milliarden Dollar im ersten Quartal. (Alle Zahlen saisonbereinigt).
Nachdem das Handelsdefizit im zweiten Quartal zugenommen hat und der Überschuß bei den Dienstleistungen einen geringfügigen Nettorückgang aufwies, erbrachte die Bilanz der Güter- und Dienstleistungen ein Defizit von 1,5 Milliarden Dollar (revidiert) und die Bilanz der Güter, Dienstleistungen und Remittenten ein Defizit von 1,9 Milliarden Dollar, so daß beide sich gegenüber
dem ersten Quartal um jeweils etwa 350 Millionen Dollar verschlechterten. Die
Bilanz der laufenden Konten allein verschlechterte sich ebenfalls und wies ein
Defizit von 2,4 Milliarden Dollar - gegenüber 2,2 Milliarden Dollar im ersten
Quartal - aus.
Der

�Der Nettofluß langfristigen Privatkapitals verzeichnete im zweiten Quartal
einen Nettozufluß von 660 Millionen Dollar, nach einem Abfluß von 1,1 Milliarden
Dollar im ersten Quartal. Auf der Basis der jetzt verfügbaren, vorläufigen Zahlen
über die direkten amerikanischen Auslandsinvestitionen erfolgte im zweiten
Quartal ein Nettoabfluß von nur 200 Millionen Dollar gegenüber einem Nettoabfluß
von 1,3 Milliarden Dollar (revidiert) im ersten Quartal. Verschiedene besondere
Faktoren, darunter einige sich nicht wiederholende Nettozuflüsse haben wahrscheinlich zu den niedrigen Nettoabflüssen im zweiten Quartal beigetragen. Die Direktinvestitionen des Auslandes in den Vereinigten Staaten nahmen um über 700 Millionen Dollar zu und wiesen damit einen Nettozufluß von 345 Millionen Dollar auf.
Ein guter Teil dieses Zuflusses ist auf den Rückfluß von Geldern zurückzuführen,
die von japanischen Handelsgesellschaften in den USA zuvor aus den Vereinigten
Staaten an ihre Muttergesellschaften transferiert worden waren. Veränderungen
bei anderen privaten langfristigen Kapitalflüssen hoben sich meistens gegeneinander auf.
Die Nettoliquiditätsbilanz verzeichnete im zweiten Quartal ein Defizit von
(revidiert) 2,4 Milliarden Dollar und die Bilanz der offiziellen Reservetransaktionen erbrachte ein Defizit von (revidiert) 865 Millionen Dollar. Die entsprechenden Defizite im ersten Quartal betrugen jeweils 3,1 und 3,3 Milliarden
Dollar."

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OSTEUROPAHANDEL DER USA STIEG IM ERSTEN QUARTAL 1972 AN

WASHINGTON - (AD) - Der Handel zwischen den Vereinigten Staaten und Osteuropa stellte sich nach Angaben des amerikanischen Handelsministeriums im ersten Quartal 1972 auf wertmäßig 230,3 Millionen Dollar. Von dem Gesamtbetrag
entfielen 158,8 Millionen Dollar auf amerikanische Exporte nach Osteuropa und
71,5 Millionen Dollar auf Importe aus diesem Raum. Im vierten Quartal 1971
hatte sich der gesamte Warenaustausch zwischen den USA und Osteuropa auf 137,7
Millionen Dollar und im ersten Quartal 1971 auf 170,9 Millionen Dollar gestellt.
Der vom amerikanischen Handelsministerium veröffentlichte lOO. Quartalbericht über die Durchführung der amerikanischen Exportkontrollen zeigt weiter,
daß im zweiten Quartal 1972 Lizenzanträgen für Warenexporte nach Osteuropa im
Werte von 119,4 Millionen Dollar stattgegeben wurde

gegenüber Anträgen im Werte

von 432,5 Millionen Dollar im ersten Quartal 1972 und von 119 Millionen Dollar
im zweiten Quartal 1971.
Der höchste Dollarbetrag bei den genehmigten Exportlizenzen entfiel mit
99,1 Millionen Dollar auf die Sowjetunion. Davon waren 77,6 Millionen Dollar
für die Ausfuhr von Ausrüstungen für die sowjetische Autoindustrie bestimmt.
Weiter wurden Lizenzen für die Ausfuhr nach Rumänien in Höhe von 8,9 Millionen
Dollar - meistens Walzwerksausrüstungen -, nach Polen in Höhe von 3,2 Millionen
Dollar - darunter ebenfalls Walzwerkausrüstungen - nach Ostdeutschland in Höhe
von 2,8 Millionen Dollar, nach der Tschechoslowakei in Höhe von 2,3 Millionen

�Millionen Dollar und nach Ungarn in Höhe von 2,1 Millionen Dollar ausgestellt.
Unter anderem haben die USA im ersten Quartal 1972 dem Bericht zufolge,
Mais im Werte von 53,3 Millionen Dollar nach der Sowjetunion, Baumwolle im
Werte von 6,5 Millionen Dollar und Sojabohnen im Werte von 6 Millionen Dollar
nach Polen, Mais im Werte von 7,5 Millionen Dollar nach Ostdeutschland, Baumwolle im Werte von 7,5 Millionen Dollar nach Rumänien, Sojabohnenölkuchen und
Mehl im Werte von 3 Millionen Dollar nach Ungarn sowie Hopfen im Werte von
1,8 Millionen Dollar und Sojabohnenölkuchen und Mehl im Werte von 2 Millionen
Dollar nach der Tschechoslowakei ausgeführt.
Nach den Angaben des Handelsministeriums wurden von den USA im Berichtszeitraum unter anderem Büchsenschinken im Werte von 8,2 Millionen Dollar aus
Polen, Diamanten, Palladium, Platin und Chromerz im Werte von 10,1 Millionen
Dollar aus der Sowjetunion, Raffinerieprodukte im Wert von 3,3 Millionen Dollar
aus Rumänien und Büchsenschinken im Werte von 1,4 Millionen Dollar aus Ungarn
eingeführt.

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DROGENKRIEG BIS ZUR BEDINGUNGSLOSEN KAPITULATION
Vereinigte Staaten ziehen erste Bilanz

- (AD) - Mehr als 2300 kg Heroin, 306 kg Kokain, 70 192 kg Marihuana,
3756 kg Haschisch und 207 Millionen Dosen gefährlicher anderer Drogen haben
in den letzten zwölf Monaten die amerikanischen Rauschgiftfahnder in Zusammenarbeit mit ausländischen Kollegen und Behörden beschlagnahmt. Im gleichen Zeitraum kam es zu 7771 Verhaftungen im Zusammenhang mit Rauschgiftdelikten. Diese
Angaben enthält ein Bericht, der am 17. September 1972 in Washington von der
Rauschgiftzentrale des amerikanischen Justizministeriums veröffentlicht wurde.
John E. Ingersoll, der Leiter der US-Bundesbehörde für Narkotika und gefährliche Dragen (BNDD), nahm ebenso wie Außenminister Rogers, CIA-Chef Richard
Helms und andere führende Vertreter von Regierung und Behörden an der dreitägigen Konferenz im US-Außenministerium teil, zu 3er die Sonderbeauftragten
für Rauschgiftbekämpfung an amerikanischen Botschaften in 55 Ländern nach
Washington gerufen wurden. Die US-Botschaft in Bonn wurde durch Gesandten Frank
Cash vertreten.
Die Konferenz zog eine Bilanz der bisherigen Ergebnisse der Aktionen, die,
wie Präsident Nixon darlegte, vor allem den internationalen Heroinhändlern gilt,
"die eine Gefahr nicht nur für die amerikanische Nation, sondern für die ganze
Menschheit bedeuten ... Unser Ziel ist die bedingungslose Kapitulation der
Schleichhändler des Todes, die mit Heroin Geschäfte machen ..., die totale
Verbannung des Drogenmißbrauchs aus dem Leben in Amerika. Wir werben sie mit

�mit jeder verfügbaren Waffe bekämpfen. Es geht um Leben und Zukunft unserer
Kinder - deshalb muß uns dies gelingen."
Präsident Nixon machte auch kein Hehl aus seiner Entschlossenheit, von
seinem Recht Gebrauch zu machen, Wirtschafts- und Militärhilfe für Regierungen
zu sperren, in denen führende Männer "sich an den Aktionen jener beteiligen
oder sie schützen, die zu unserem Drogenproblem beitragen". Der Versuch, den
Rauschgifthandel allmählich "auszutrocknen", zeitigt in den Vereinigten Staaten
erste Früchte. In New York schnellte in den letzten paar Monaten der Preis für
ein Gramm Heroin von 418 Dollar auf 785 Dollar in die Höhe, die Qualität des
Stoffs Hat sich erheblich verschlechtert. Ähnliches gilt für andere Großstädte
wie Boston und Baltimore. Aber noch bleibt viel zu tun, um wenigstens den Nachschub so weit wie nur irgend möglich zu unterbinden. An den dabei ergriffenen
Maßnahmen beteiligen sich mehr als 50 Länder in aller Welt.
Der Rauschgiftkrieg in Amerika dauert nun fast vier Jahre. In dieser Zeit
wurde, wie Eugene T. Rossides, Unterstaatssekretär im US-Finanzministerium, erklärte, an der internationalen Front mehr gegen die Seuche Rauschgift getan als
in den vorangegangenen 35 Jahren. Dank der Initiative des Präsidenten wurden
die Maßnahmen erheblich ausgeweitet und auf eine andere Ebene angehoben - aus
interministeriellen Aktionen gegen den Mißbrauch von Narkotika, Marihuana und
gefährliche!Drogen entwickelten sich internationale Aktionen auf breiter Basis.
Zur besseren Koordinierung der Maßnahmen im In- und Island wurde im vergangenen
Jahr unter dem Vorsitz von Außenminister Rogers der Kabinettsausschuß für internationale Narkotika- und Rauschgiftbekämpfung geschaffen.
Den intensiven Bemühungen ist es u.a. zu verdanken, daß beispielsweise
Frankreich zum ersten Mal die Rauschgiftbekämpfung als Schwerpunktprogramm behandelt und dabei in letzter Zeit auch beachtliche Erfolge erzielte. Der Opiumnachschub aus der Türkei, aus der 70 Prozent des in die Vereinigten Staaten gelangten Rauschgifts kamen, dürfte bald versiegen. Die türkische Regierung hat
nunmehr den Anbau von Mohn zur Opiumgewinnung verboten. Umso mehr wird dann
allerdings der südostasiatische Raum als Zuliefergebiet zu beobachten sein.
Die

- 2-

�Die Erfassung, Behandlung und Rehabilitation Rauschgiftsüchtiger ist eine
besonders wichtige und gleichzeitig sehr schwierige Aufgabe. Die 16 Behandlungsprogramme, die die US-Regierung um die Jahreswende 1968/69 finanzierte, wurden
inzwischen auf 321 erweitert. Für die medizinische, soziale und berufliche Rehabilitation vor allem der jugendlichen Drogenabhängigen werden alle nur erdenklichen Möglichkeiten sondiert und erprobt. Für diese Zwecke allein sind im
Finanzjahr 197:./73

485,2 Millionen Dollar vorgesehen, der zehnfache Betrag

gegenüber den Ausgaben von 1969. Im Gesetz von 1971 zur Rauschgiftbekämpfung und
gegen Drogenmj.3brauch sind Bestimmungen verankert, die mehr Flexibilität r.'ei
der gerichtlichen Verfolgung von Ersttätern und eine Differenzierung bei Strafen
für Rauschgift-Delikte

insofern vorsehen, als Mißbrauch von Marihuana weniger

streng behandelt wird als von Heroin.
Die Zusammenarbeit der Bundesstaaten mit der Regierung in Washington bei
der Drogenbekämpfung ist selbstverständlich geworden. Sie bekommen von der
Bundesregierung beträchtliche Mittel zur Verfügung gestellt, um an allen Fronten
dagegen vorgehen zu können. Der sich jetzt abzeichnende Erfolg läßt erkennen,
daß dies der richtige Wej ist.

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MONITOR FÜR STICKSTOFFOXID IN DER LUFT

- (AD) - Am "National Bureau of Standards", dem US-Bundesamt für Materialprüfung und Technische Normen, wurde eine neue Methode zur quantitativen Bestimmung von Stickstoffmonoxid (NO) und Stickstoffdioxid (NO2) in Autoabgasen
und Emissionen von Industriebetrieben, insbesondere Kraftwerken, entwickelt.
Das Verfahren ist einfacher und wirtschaftlicher als die bisher angewandten
Methoden und wird hinsichtlich der Meßergebnisse durch andere Beimengungen wie
Schwefeldioxid oder Wasserdampf nicht gestört. Die Empfindlichkeit für Stickstoffmonoxid beträgt 3 ppm (d.h. Die Verunreinigung wird bei Vorhandensein von
nur drei Anteilen in 1 Million Anteilen Luft erfaßt, also bei einer Konzentration von 0,0003 % ) . Durch eine weitere Verbesserung der Komponenten des
Instruments - insbesondere der Lichtquelle, eines Infrarotlicht abstrahlenden
Kohlenmonoxid-Lasers, und des Infrarot-Detektors- dürfte die Empfindlichkeit
des Geräts sogar auf 0,1 ppm bzw. 0,00001 % zu steigern sein. Dann ließen sich
bereits Milliardstel Anteile von Stickstoffoxid in Luftproben ermitteln.
Das Arbeitsprinzip für das von A. Kaldor, W.B. Olson und A.G. Maki (alle
von der Abteilung Optische Physik des "National Bureau of Standards") entwickelte
Instrument ist die Verschiebung und Aufspaltung von Spektrallinien im Magnetfeld , der sog. Zeeman-Effekt. Als "Richtwert" bei der Ermittlung der NO-Konzentration dient das mit einheitlicher Wellenlänge abgegebene Infrarotlicht
des Kohlenmonoxid (CO)-Lasers, das beim Durchgang durch die zu analysierende
Luftprobe (Absorptionszelle) einen Teil seiner Energie verliert. Dadurch ergibt sich je nach den Bestandteilen der Luftprobe ein Absorptionsspektrum mit
Spektrallinien bei ganz bestimmten Wellenlängen. Die Beimengungen schlucken an
-

1 -

�I

an diesen "Stationen" entsprechend ihrer Konzentration Energie des Infrarotstrahls. Das bewirkt, daß der hinter der Absorptionszelle angebrachte Infrarotdetektor einen plötzlichen Abfall des Meßwertes für das Licht des CO-Lasers
anzeigt.
Die Absorptionszelle befindet sich zwischen den Polen eines Elektromagneten,
der ein Magnetfeld von 750 Gauss Stärke erzeugt. In diesem Magnetfeld erfahren
die •• relativ weit auseinanderliegenden und deshalb voneinander gut unterscheidbaren - Absorptionslinien für NO (Stickstoffmonoxid) und N0 2 (Stickstoffdioxid)
eine Aufspaltung in Zee an-Linien. Durch Anlegen eines zweiten, variablen Magnetfeldes von lO bis 100 Gauss läßt sich die Position der Zeeman-Linie z.B. für
NO im Spektrum verschieben, bis es zu deren stärkster Annäherung an die Spektrallinie für den CO-Las r bzw. zu einer Überlagerung mit ihr

kommt. Aus der dabei

vom Detektor gemessenen Intensität des infraroten Lichts ist durch Extrapolation
die Menge von Stickstoffoxid zu errechnen, die in der Luftprobe vorhanden ist.

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ERDBEBEN VERÄNDERN MAGNETFELD
Wichtige Erkenntnisse für Erdbebenforschung aus dem Amchitka-Test

- (AD) - Durch die unterirdische Kernexplosion "Cannikin" vom 6. November
1971 auf der Aleuten-Insel Amchitka wurden nicht nur die Spannungsverhältnisse
im Untergrund, sondern auch die erdmagnetischen Feldstärken verändert. Wie die
Ergebnisse der regelmäßigen Beobachtungen in den letzten zehn Monaten zeigten,
handelt es sich dabei nicht um einan vorübergehenden, sondern um einen bleibenden
Effekt.
Zwar sind die Veränderungen minimal - es wurde z.B. ein Anstieg der Feldstärke um 13 Gamma diesseits einer Gesteinsversetzung, die sich in ca. 1600 m
Abstand vom Explosionsort befindet, dagegen ein Abfall bis zu 11 Gamma jenseits der Versetzung und außerdem ein markanter Abfall um 15 Gamma im Umkreis
von 15 Metern zu beiden Seiten der Versetzungslinie g "sssen. Im Vergleich zu
den je nach geographische

Breite unterschiedlichen Werten für das erdmagnetische

Feld, das im Bereich der Pole eine Feldstärke von ca. 50 000 Gamma (0,5 Gauss)
am Äquator von ca. 30 OOO Gamma aufweist, ist dies gewiß nicht viel. Aber die
Tatsache, daß Spannungsveränderungen im Untergrund das örtliche Magnetfeld meßbar beeinflussen können, gibt der Wissenschaft wahrscheinlich eine Chance, auf
Grund solcher Messungen die Erdbebenvorhersage merklich zu verbessern.
Dem Effekt liegt das Phänomen des Geo-Piezomagnetismus zugrunde, d.h. Veränderungen der magnetischen Eigenschaften von Gestein unter der Einwirkung von
Druck. Es wird schon seit langer Zeit als mögliches Anzeichen für ein bevor-

-

I

-

�bevorstehendes

Erdbeben diskutiert, jedoch gibt es bisher nur ganz wenige

Messungen magnetischer Feldveränderungen im Zusammenhang mit Spannungsveränderungen in der Erdrin ;e. Die Daten vom Cannikin-Experiment jedoch, über
die Dr. W. '. Hasbrouck vom Institut für Erdwissenschaften und J.H. Allen vom
Nationalen Datenzentrum für Geophysik und Solarforschung in Boulder (Colorado)
jetzt berichteten, liefern den Beweis für das Auftreten solcher Magnetfeldveränderungen und bilden eine wichtige Grundlage, um festzustellen, inwieweit
sie als Vorboten von Erdbeben gewertet werden können. Der nächste Schritt bestünde dann in dem Versuch, die Zusammenhänge zwischen Spannungen im Gestein
bzw. der Erdrinde und regionalen oder örtlichen geomagnetischen Effekten
quantitativ zu erfassen. Für die Auswertung des unter bekannten Bedingungen
durchgeführten Versuchs auf der Insel Amchitka bedeutete dies, sagen zu können,
welche nach der Explosion aufgetretenen Spannungswerte den einzelnen Magnetfeldveränderungen zuzuordnen sind.
Im Laboratorium werden entsprechende Versuche mit meßbaren Effekten bereits seit geraumer Zeit durchgeführt. Aber in der Natur waren sie vor
"Cannikin" nur äußerst selten zu beobachten und nicht mit Sicherheit nachzuweisen. Hasbrouck und Allen werden das Ergebnis ihrer Untersuchungen auf
Amchitka gegen Ende des Jahres im "Bulletin of the Seismological Society of
America" veröffentlichen. Sie benutzten Protonen-Präzessionsmagnetometer, die
noch Feldstärkenveränderungen von 1/8 Gamma registrieren.

- 2-

�</text>
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                <text>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nixon: Kampf gegen Drogenmissbrauch hat höchste Priorität&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut der Ansprache vor der Konferenz über internationale Drogenbekämpfung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kann die NATO die Liebe zum Auto kurieren?&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Verkehrsexperten tagten in Den Haag -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Hubert G. Collins&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA treten weiterhin für weltweite Maßnahmen gegen jeden Terror ein&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von unserem Sonderkorrespondenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ermutigende Fortschritte bei den amerikanisch-sowjetischen Handelsgepsrächen&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von unserem Wirtschaftskorrespondenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Burns erläutert Zweck der US-Internvention auf den Devisenmärkten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Eugene Brake&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Zahlungsbilanzdefizit im zweiten Quartal 1972 zurückgegangen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut einer Erklärung des Handelsministeriums -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Osteuropahandel der USA stieg im ersten Quartal 1972 an&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Drogenkrieg bis zur bedingungslosen Kapitulation&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Vereinigte Staaten ziehen erste Bilanz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Monitor für Stickstoffoxid in der Luft&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erdbeben verändern Mangetfeld&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wichtige Erkenntnisse für Erdbebenforschung aus dem Achitka-Test&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
VON

4

20. September 1989

35

I N H A L T

DOKUMENTATION
Die amerikanische Außenpolitik In einer Zelt des Umbruchs
- Von Lawrence S. Eagleburger US-Handelspolitik setzt große Hoffnungen in Uruguay-Runde
- Rede der US-Handelsbeauftragten in London Baker; Neue US-Position zu mobilen Raketen
- Erklärung d:»s amerikanischen Außenministers -

HINTERGRUND
Die Verhandlungen über chemische Waffen
- Übersicht über die Bestrebungen zum Verbot chemischer Waffen Industrie und Regierung bekämpfen chemische Waffen gemeinsam
- Von Richard Clarke und Will Carpenter Die Vernichtung chemischer Waffen
- Ijbersicht über das Programm der Vereinigten Staaten Das amerikanische Forschungsprogramm zur biologischen Verteidigung
- Eine Übersicht des US-Informationsamtes -

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'VoN

Dokumentation

^

35

20. September 1989

DIE AMERIKANISCHE AUSSENPOLITIK IN EINER ZEIT DES UMBRUCHS
- Von Lawrence S. Eagleburger -

Der Autor ist Stellvertretender Außenminister. Der folgende Artikel stützt
sich auf die am 13.September 1989 anläßlich der Gedenkfeier für Samuel D.
Berger in der Georgetown University in Washington gehaltene Rede.
Uns allen ist das Klischee bekannt, daß die Früchte des Sieges in
der Niederlage gesät werden.
Ein
Ausdruck dieser altbekannten Wahrheit
ist, daß Menschen ebenso wie ganze
Nationen fähig sind, aus ihren Fehlern zu lernen und die Lektion der
Niederlage auf ihr nächstes Rendezvous mit dem Schicksal anzuwenden.
Wir Amerikaner sind uns der dem
Erfolg immanenten Gefahren jedoch
meist sehr viel weniger bewußt. Wir
sind ein selbstbewußtes und optimistisches Volk und in unserer Einstellung zu internationalen Angelegenheiten tendieren wir dazu, uns auf die
Herausforderungen des Augenblicks zu
konzentrieren und den langfristigen
Aspekten
sowie der Notwendigkeit,
Vorsorge für eine im permanenten Um-

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bruch begriffene Welt zu treffen, wenig Aufmerksamkeit zu widmen. Zu Beginn dieses Jahrhunderts haben wir
zwei große Siege über die Mächte der
Aggression und des Totalitarismus davongetragen. Aber bei beiden Gelegenheiten haben wir es im Verlauf des
Konflikts versäumt, weit über das aktuelle Geschehen und die Aussicht auf
Sieg hinauszublicken und der Tatsache
Rechnung zu tragen, daß unsere Siege
an sich schon die Welt verändern und
uns mit einer Reihe neuer Probleme,
Herausforderungen und Verantwortlichkeiten konfrontieren würden.
Fairerweise muß jedoch gesagt
werden, daß die Vereinigten Staaten
tatsächlich eine wichtige Lehre aus
den bitteren Erfahrungen der Zeit
zwischen den beiden Weltkriegen gezo-

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�gen haben, und zwar die Erkenntnis
der Notwendigkeit einer aktiven Rolle
der Vereinigten Staaten und die Übernahme von Verantwortung bei der Bewahrung des internationalen Friedens
und der Stabilität. Zum dritten Mal
in diesem Jahrhundert riskieren wir
heute jedoch, Opfer unseres eigenen
Erfolges zu werden. Wir vernehmen
von allen Seiten, daß der als kalter
Krieg bekannte gnadenlose ideologische und militärische Machtkampf zwischen den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion jetzt zu Ende geht. Und
wir hören, daß dieser Krieg im großen
und ganzen zu unseren Bedingungen zu
Ende geht.
Obwohl ein Großteil der Diskussionen über dieses Thema meines Erachtens verfrüht ist, besteht kein
Zeifel daran, daß wir in eine neue
Ära internationaler Beziehungen eintreten, die größtenteils das Produkt
unserer erfolgreichen Nachkriegspolitik ist. Es ist jedoch jetzt nicht
an der Zeit, uns selbst auf die
Schulter zu klopfen.
Zufriedenheit
über unseren Erfolg macht sachliches
Nachdenken über die neuen außenpolitischen Herausforderungen nicht überflüssig, die uns in den kommenden
Jahren erwarten. Wir betreten Neuland und wir werden einen anderen
Kompaß als den benötigen, der uns bis
heute sicher durch die zweite Hälfte
des 20. Jahrhunderts geleitet hat.
Zunächst möchte ich mich jedoch
in einigen selbstgefälligen Betrachtungen ergehen. Die Geschichte wird
lehren, daß die Vereinigten Staaten
sich - obwohl sie den kalten Krieg
nicht vorhergesehen hatten - den Herausforderungen und Verantwortlichkeiten einer Weltmacht voll und ganz gestellt haben, die er uns aufgezwungen
hat. Was haben wir erreicht? Erstens haben wir dazu beigetragen,
Westeuropa vor wirtschaftlichem Ruin
und vielleicht permanentem Abstieg zu
bewahren, indem wir den Grundstein
für die beeindruckende Stärke und den
heutigen Wohlstand dieses Kontinents
gelegt haben. Zweitens haben wir die
Führungsrolle bei der Gründung eini-

ger
multilateraler
Institutionen
übernommen, die erstmals in der Geschichte die rationelle Verwaltung
einer unabhängigen, internationalen
freien Marktwirtschaft gestatteten.
Drittens haben wir unsere ehemaligen
Gegner - die Bundesrepublik Deutsch] and und Japan - in der Reihe demokratischer Nationen des Westens willkommen geheißen, die Feindseligkeiten
der Vergangenheit begraben und einen
Krieg zwischen uns für immer undenkbar gemacht. Und viertens haben wir
gemeinsam mit unseren NATO-Partnern
ein Bollwerk gegen sowjetische Expansion in Europa und weltweit gebildet.
Das sind keine geringen Errungenschaften. Es ist für eine Demokratie
nicht leicht, die Entschlußkraft und
den für eine erfolgreiche und in sich
geschlossene Außenpolitik erforderlichen öffentlichen Konsens zu bewahren. Unsere Aufgabe wurde durch die
Tatsache noch zusätzlich erschwert,
daß wir nur ein Land in einer Koalition von Demokratien waren und uns
mit einem mächtigen Gegner konfrontiert sahen, dessen Missionseifer nur
noch durch seine scheinbar grenzenlose Fähigkeit, die Bedürfnisse seines
Volkes zu ignorieren und enorme Ressourcen der Beschaffung des Instrumentariums für Einschüchterung und
Aggression zu opfern, in den Schatten
gestellt wurde. Wir hatten Erfolg,
weil wir und unsere Verbündeten einig
waren, daß die Bedrohung, der wir uns
gemeinsam gegenübersahen, unmittelbar
und real war und weil die Völker des
Westens bereit waren, die zur Bewältigung dieser Bedrohung erforderlichen Opfer zu bringen.
Unser Erfolg spricht für sich
selbst.
Kollektiv ist der Westen
heute stärker als jemals zuvor seit
dem Zweiten Weltkrieg.
Wir haben
Wohlstand und Sicherheit. Wir haben
Vertrauen in unsere Aufgabe und in
die Gültigkeit - und Allgemeingültigkeit - unserer demokratischen Ideale.
Andererseits ist der Kommunismus als
Staatsphilosophie und Wirtschaftsform
in Auflösung begriffen.
Heute ist
Kommunismus das Refugium von Despoten

�und Oligarchen, die sich verzweifelt
an die Macht klammern aber wissen,
daß sie von der Geschichte verurteilt
sind.
Von Osteuropa bis Nicaragua
und von Äthiopien bis Kuba sind kommunistische Volkswirtschaften anerkannte Fehlschläge.
Die Geschichte
des vergangenen Jahrzehnts ist weltweit eine nahezu fehlerlose Bilanz
marktorientierter Reformen und des
Sieges demokratischer Kräfte über
Diktaturen des linken und rechten politischen Spektrums.
Aber die Bilanz unserer Leistungen ist nicht das Thema meiner heutigen Ansprache.
Stattdessen möchte
ich absichtlich Nachdenken über die
diametral entgegengesetzten Herausforderungen provozieren, mit denen
sich die Vereinigten Staaten bei ihrem Weg ins nächste Jahrhundert auf
der internationalen Bühne konfrontiert sehen. Wir müssen uns vor Augen führen, daß die bipolare Welt der
Nachkriegszeit, in der die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion das
Weltgeschehen beherrschten und die
Tagesordnung für ihre jeweiligen Verbündeten bestimmten, zu Ende ist.
Wir bewegen uns jetzt in Richtung auf
- oder sollte ich sagen zurück in denn seit Menschengedenken liegt dies
in der Natur internationaler Beziehungen - eine Welt, in der Macht und
Einfluß unter einer Vielzahl von
Staaten aufgeteilt wird.
Natürlich wurde diese Entwicklung
vom Westen insofern begrüßt, als sie
eine Abnahme der sowjetischen Wirtschaftsmacht und den Prozeß politischen Zerfalls widerspiegelt, der
heute für Osteuropa symptomatisch zu
sein scheint. Aber machen wir uns
nichts vor. Wenn es stimmt, daß wir
als Sieger aus dem kalten Krieg hervorgegangen sind, dann sind wir ebenso wie die Sowjets hinter uns ziemlich außer Atem durchs Ziel gekommen. Sowohl die Sowjets als auch
wir sehen uns mit einer offensichtlich geringeren Fähigkeit konfrontiert, Ereignisse zu beeinflussen und
unsere jeweiligen Interessen weltweit
in dem bisher gewohnten Maße zu för- 3

dern.
Das soll nicht heißen, daß die
Vereinigten Staaten und die Sowjetunion aufhören werden, die einzigen
wirklichen Supermächte der Welt zu
sein oder daß die Sowjets auch in absehbarer Zukunft nicht die Hauptbedrohung für die Sicherheitsinteressen
des Westens darstellen.
Noch wird
die multipolare Welt, auf die wir uns
zwangsläufig zubewegen angesichts der
Existenz und der tatsächlichen Verbreitung von Massenvernichtungswaffen
ein sichererer Ort sein als das Zeitalter des kalten Krieges, das wir
jetzt hinter uns lassen.
Bei all
seinen Risiken und Unsicherheiten war
der kalte Krieg durch ein bemerkenswert stabiles und berechenbares Beziehungsgeflecht zwischen den Großmächten gekennzeichnet.
Ein kurzer
Blick in die Geschichtsbücher wird
uns lehren, daß wir das über den
Zeitraum von der Geburtsstunde der
europäischen Nationalstaaten bis zum
Ausbruch
des
Zwweiten
Weltkriegs
nicht sagen können.
Daher leben wir in einer Zeit des
Umbruchs, einer Zeit der Risiken und
Chancen.
Es besteht Aussicht, daß
die Ostblockländer letztlich der demokratischen Staatengemeinschaft beitreten und die Entwicklungsländer von
den Segnungen des Fortschritts profitieren können, indem sie marktorientierte Reformen durchführen. Es besteht jedoch auch die Gefahr, daß ein
Wandel im Ostblock sich als zu destabilisierend erweisen könnte, um fortgeführt werden zu können und die Länder der Dritten Welt unter der Last
der Verschuldung und des Zerfalls zusammenbrechen, was wiederum zu gravierenden Instabilitäten führen könnte.
Wenn es eine Botschaft gibt, die
ich heute abend übermitteln möchte,
so lautet sie folgendermaßen: Unsere
Fähigkeit, den Herausforderungen in
den Ost-West- und den Nord-Süd-Beziehungen zu begegnen, wird maßgeblich
davon abhängen, wie gut die führenden
westlichen
Industrienationen
den

�Übergang zu einem neuen Beziehungsgeflecht und zu einer Neuverteilung der
Verantwortlichkeiten
untereinander
bewältigen.
Zweifelsohne hat sich
das Kräftegleichgewicht zwischen den
Vereinigten Staaten, Westeuropa und
Japan im vergangenen Jahrzehnt verlagert. Wir können etwas gegen unsere
Handels- und Haushaltsdefizite tun,
aber wir stehen der unumstößlichen
Tatsache machtlos gegenüber, daß wir
in
internationalen
Angelegenheiten
nicht länger wie gewohnt unseren Willen bekommen werden.
Wie wir mit
dieser Tatsache fertigwerden und wie
sich unsere westlichen Partner an ihre neugewonnene Unabhängigkeit und
Verantwortung gewöhnen, wird darüber
entscheiden, ob der stabile internationale Rahmen, für dessen Stützung
die Vereinigten Staaten in der Nachkriegszeit soviel getan haben, weiterhin zum Nutzen aller funktionieren
wird oder ob wir zu den dunklen Tagen
der Autarkie, des Unilateralismus und
Protektionismus
zurückkehren,
die
sich in den zwanziger und dreißiger
Jahren als höchst schädlich für den
Westen erwiesen haben.
Die Verlagerung des Kräftegleichgewichts zwischen den führenden westlichen
Industrienationen
bedeutet
nicht, daß die Vereinigten Staaten
ihre Führungsrolle aufgeben müssen.
Im Gegenteil, die Vereinigten Staaten
werden noch bis weit ins nächste
Jahrhundert hinein die einzige Großmacht sein, die in der Lage - oder
zumindest bereit - ist, global zu
denken und Maßnahmen zu erarbeiten,
die im allgemeinen politischen, wirtschaftlichen
und
sicherheitspolitischen Interesse des Westens liegen.
Dies ist uns nicht immer gelungen,
noch haben wir es notwendigerweise
aus reinem Altruismus getan, aber es
ist und bleibt eine Tatsache, daß
keiner unserer westlichen Partner
über die globale Einflußsphäre verfügt oder in der Lage ist, bei der
Bewahrung und Erweiterung der institutionellen Mechanismen die Führungsrolle zu übernehmen, die für die Erhaltung
der internationalen wirtschaftlichen und politischen Stabili-

tät unabdingbar ist. Unsere Fähigkeit zur Übernahme dieser Rolle mag
abgenommen haben, aber nicht die Notwendigkeit, es zu tun.
Damit die Vereinigten Staaten
diese Rolle weiterhin spielen können,
ist jedoch die Erkenntnis unserer demokratischen Partner im Westen erforderlich, daß zunehmender Wohlstand
und Einfluß mit wachsender Verantwortung einhergeht. Westeuropa muß auf
seinem Weg zur Schaffung eines europäischen Binnenmarktes bis Januar
1993 beispielsweise kontinuierliche,
offene Handelsbeziehungen
mit den
Vereinigten
Staaten
sicherstellen,
wenn wir die Spirale des Protektionismus und damit die zwangsläufige
Verschlechterung
der
transatlantischen Beziehungen vermeiden wollen.
Gleichermaßen werden die Japaner die
Tatsache akzeptieren müssen, daß sie
es sich nicht länger leisten können,
nur ihren eigenen Vorteil auf Kosten
der Stabililtät des internationalen
Systems insgesamt im Auge zu behalten. In dieser Hinsicht müssen sowohl die Vereinigten Staaten als auch
Westeuropa die institutionellen Mittel und Wege finden, um die Japaner
in engere Konsultationen zu einem
breiten
Spektrum
politischer
und
wirtschaftlicher Themen einzubeziehen, so daß sie die kreative und positive internationale Rolle spielen
können, die ihnen rechtmäßig und
zwangsläufig zukommt.
Die Anpassungsprobleme, mit denen
wir uns im Westen konfrontiert sehen,
sind verschwindend gering, verglichen
mit denen der Sowjets heute. Die Sowjetunion durchläuft eine Phase, die
nur als Krise massiven Ausmaßes beschrieben werden kann. Michail Gorbatschow hat die Klugheit und Einsicht besessen, daß radikale Veränderungen erforderlich sind, um sein
Land vor permanentem Abstieg zu bewahren.
Dies ist jedoch nicht das
erste Mal, daß der Kreml einen ideologischen Rückzug angetreten hat, um
nationale Gesundung zu stimulieren.
In den zwanziger Jahren hat Lenin ihn
zum ersten Mal mit seinem marktorien-

- 4 -

�tierten neuen Wirtschaftsplan vollzogen und Stalin opferte während des
großen patriotischen Krieges gegen
Nazi-Deutschland die Ideologie zugunsten des russischen Nationalismus.
Wir müssen uns dieses Kapitel der Geschichte ebenso wie die Tatsache vor
Augen führen, daß Gorbatschow kein
Antikommunist ist und beabsichtigt,
die Sowjetunion so stark wie irgend
möglich zu machen.
Dennoch trifft es zu, daß die von
Gorbatschow eingeleiteten Veränderungen zu ersten realistischen Hoffnungen auf eine Umgestaltung des sowjetischen Systems und auf eine qualitative Verbesserung der Ost-West-Beziehungen Anlaß geben. Wie Präsident
Bush erklärt hat, bietet sich heute
die Gelegenheit zur Überwindung der
seit dem Ende des Krieges bestehenden
Teilung Europas zu Bedingungen, in
denen unsere demokratischen Prinzipien ihren Niederschlag finden. Offensichtlich hat Gorbatschow begriffen,
daß sein Land wirtschaftlich nicht
konkurrieren kann, solange die Ressourcen nicht aus dem militärischen
Bereich abgezogen werden und die Sowjetunion nicht ins nachindustrielle
Zeitalter eintreten kann, wenn sie
ihre Gesellschaft nicht der Welt
draußen öffnet und die Beziehungen
mit dem Westen auf eine normale
Grundlage stellt. Aus diesen Gründen
hat er hoffnungsträchtige Erklärungen
zur Abrüstung abgegeben und die abenteuerlichen Eskapaden in Übersee mehr
oder weniger aufgegeben, die so ausserordentlich zur Festigung der Solidarität im Westen Anfang der achtziger Jahre beigetragen haben.
Und darin liegt eine Gefahr für
die westlichen Interessen: Mit der
wachsendenen Erkenntnis in der westlichen Öffentlichkeit, daß die sowjetische Bedrohung abgenommen hat, wird
sich unter den NATO-Mitgliedstaaten
eine Tendenz abzeichnen, beim Ausbau
ihrer Beziehungen mit dem Ostblock zu
wetteifern.
Bereits
jetzt werden
Stimmen laut, die fordern, wir müßten
Maßnahmen ergreifen, um den Erfolg
von Gorbatschows Reformen sicherzu-

stellen. Das ist jedoch weder Aufgabe der amerikanischen Außenpolitik
noch die unserer westlichen Verbündeten. Unsere Aufgabe besteht letztlich darin, politische Maßnahmen zu
erarbeiten, die unseren Interessen
dienen - gleichgültig, ob Gorbatschow
Erfolg hat oder nicht. Und unser gemeinsames Ziel sollte die Aufrechterhaltung des Konsenses im Sicherheitsbereich sein, der dem Westen in den
vergangenen vierzig Jahren so gut gedient hat, bis der Prozeß demokratischer Reformen im Ostblock wirklich
unumkehrbar geworden ist.
Das ist leichter gesagt als getan. Wenn die westliche Tendenz zu
Unilateralismus bei Handelsangelegenheiten auch auf die Beziehungen mit
dem Ostblock im Sicherheitsbereich
zutrifft, könnte die Sowjetunion die
NATO-Mitgli edstaaten
gegeneinander
ausspielen und Konzessionen bei Handel und Rüstungskontrolle erhalten,
ohne ihr System auf eine Art und Weise zu reformieren, die einzig und allein zu einer stabilen und vertrauensvollen Beziehung zwischen Ost und
West führen können.
Zweifelsohne liegt es ebensosehr,
wenn nicht noch mehr im europäischen
als in unserem Interesse, die finanzielle
Unterstützung
rein
kosmetischer Reformen in der Sowjetunion
zu vermeiden oder RUstungskontrollabkommen zu erzielen, mit denen die Fähigkeit der NATO zur Abschreckung von
Aggression unterhöhlt wird.
Letztlich sind die Europäer von der Geographie her verdammt, im Schatten der
sowjetischen Militärmacht zu leben,
unabhängig davon, ob die Sowjetunion
langfristig
soviele
Veränderungen
vornimmt wie wir alle hoffen. Und
während das Engagement der Vereinigten Staaten für die NATO unerschütterlich bestehen bleibt, müssen unsere europäischen Verbündeten - insbesondere in Anbetracht der Schaffung
eines europäischen
Binnenmarkts
größere Verantwortung für ihre Verteidigung übernehmen und eine gerechtere Arbeitsteilung im Bündnis einführen, die der relativen Stärke un-

- 5 -

�serer Volkswirtschaften Rechnung trägt.
Es gibt noch einen weiteren
Grund, warum die Europäer bei der
Verwaltung ihrer Interessen mehr Verantwortung übernehmen müssen.
Wir
entdecken jetzt, daß der Reformprozeß
im Ostblock und die Lockerung der sowjetischen Kontrolle über Osteuropa
lang unterdrückte ethnische Auseinandersetzungen und Nationalitätenkonflikte an die Oberfläche bringt und
die deutsche Frage wieder auf die internationale Tagesordnung setzt. Obwohl die amerikanische Politik einen
stabilisierenden Einfluß auf die Behandlung dieser Fragen haben kann,
sind
es
letztlich
die
Europäer
selbst, die das politische Hauptinteresse daran haben, den Übergang zu
einem neuen und ungeteilten Europa
friedlich und reibungslos zu gestalten. Darüber hinaus ist der kooperative und multilaterale Ansatz, der in
der Nachkriegszeit ein wohlhabendes
und sicheres Westeuropa geschaffen
hat, der Schlüssel zur Überwindung
der Instabilität und Unberechenbarkeit, die der multipolaren Ära innewohnt, in die ganz Europa heute eintritt.
Die Vereinigten
Staaten sehen
sich im nächsten Jahrzehnt auch in
ihren Beziehungen zu den Entwicklungsländern neuen Herausforderungen
gegenüber.
Auch hier scheint sich
der Nachkriegskampf zwischen liberaler Demokratie und kommunistischen
oder dirigistischen
Ideologien um
Seele und Geist der Völker in der
Dritten Welt in eine für den Westen
günstige Richtung zu entwickeln. Wir
sollten die unterschwellige Bedeutung
des Trends zu Demokratie und freien
Marktreformen, dessen Zeuge wir heute
in einem Großteil der Entwicklungsländer werden, jedoch realistisch beurteilen. Tatsache ist, daß dieser
Trend gegen die amtierenden Regierungen überall auf der Welt und aller
politischen Schattierungen gerichtet
ist - Regierungen, die mit Problemen
wie Bevölkerungsexplosion, Arbeitslosigkeit
und
stagnierendem
Wirtschaftswachstum überfordert sind.

Zweifelsohne sind viele der Probleme in den Entwicklungsländern ihnen selbst zuzuschreiben. Wenn sie
jedoch zu den notwendigen Reformen
bereit sind, müssen wir im Westen mit
kreativen Ansätzen zur Bewältigung
des Schuldenproblems und mit dem Maß
an Investitionen reagieren, das viele
Länder zunächst gescheut haben, jetzt
aber dringend empfehlen. Wenn es uns
nicht gelingt, angemessen auf die
Schuldenkrise zu reagieren, könnte
sich der Trend zu Demokratie in den
Entwicklugnsländern als kurzlebig erweisen. Darüber hinaus könnten einige der noch im Entstehen begriffenen
Nationalstaaten der Dritten Welt in
ihre ethnischen oder regionalen Bestandteile zerfallen, während die gut
bewaffneten die Lösung ihrer Probleme
im Inland durch Aktionen im Ausland
anstreben könnten. Und es könnte geschehen, daß die Instabilität in den
Entwicklungsländern bis vor unsere
Türschwelle in Europa und den Vereinigten Staaten exportiert wird.
Schließlich gibt es noch eine
weitere Reihe von Problemen, mit denen wir uns auf unserem Weg ins nächste Jahrhundert konfrontiert sehen,
deren Lösung die Fähigkeiten der Vereinigten Staaten oder jedes anderen
Staates übersteigt und die daher einen kollektiven Ansatz erfordern. Es
handelt sich hierbei um Probleme wie
die Verbreitung von Waffen, internationalen Drogenschmuggel, Terrorismus
und die Gefährdung der Umwelt. Diese
Probleme machen nicht an Grenzen halt
und es gibt keine nationalen oder
rein unilateralen Lösungen für sie.
Wenn Michail Gorbatschow seine
Aussage ernst meint, daß wir unsere
ideologischen Differenzen und den militärischen Wettstreit beilegen müssen, um uns der fundamentalen Bedrohung des Überlebens auf unserem Planeten zuwenden zu können, so hat er
in den Vereinigten Staaten einen bereitwilligen Partner. Aber die Mehrzahl der von mir genannten Probleme die in den kommenden Jahren voraussichtlich die internationale Tagesordnung beherrschen werden - können

- 6 -

�nicht allein im Rahmen der Ost-WestBeziehungen gelöst werden.
Nehmen
wir zum Beispiel Probleme wie Umweltverschmutzung und die Verbreitung von
Waffen. Wir in den Industrienationen
befinden uns heute in der peinlichen
Lage, die Entwicklungsländer bitten
zu müssen, auf Methoden der Wirtschaf tsentwicklung zu verzichten, die
wir selbst vor nicht allzu langer
Zeit praktiziert haben und die zum
Teil für unseren heutigen Wohlstand
verantwortlich sind.
Ebenso bitten
wir viele dieser Nationen, auf die
Produktion von Waffen zu verzichten,
die wir selbst besitzen und die in
einer gefährlichen und unberechenbaren Welt zu unserer Sicherheit beitragen.

tionären Veränderungen, die heute die
Welt erfassen, sind umkehrbar und
können nicht allein durch die Bemühungen der Vereinigten Staaten weitergeführt werden. Sie können jedoch
fortgeführt und die bestehenden Gefahren zu Chancen gemacht werden,
wenn die westlichen Demokratien ihre
Verpflichtung zu einem kollektiven
und kooperativen Ansatz bei der Bewältigung der Hauptprobleme erneuern,
mit denen wir uns konfrontiert sehen.
Und dafür ist an erster Stelle die
amerikanische FUhrungsrolle erforderlich.

Zweifelsohne ist die Zusammenarbeit zwischen Ost und West zur Behebung vieler unterschwelliger politischer und regionaler Spannungen unabdingbar, die die Wurzel grenzüberschreitender Probleme wie Terrorismus
und Verbreitung von Waffen sind. Die
Herausforderung, die Drogenkartelle
zu zerschlagen und insbesondere die
Gefährdung der Umwelt zu beseitigen,
hat jedoch eine internationale Dimension und macht gemeinsame Bemühungen
der Nationen erforderlich, die zur
Mobilisierung der zu ihrer Lösung
notwendigen Ressourcen wohlhabend genug sind.
Ich hatte nicht die Absicht, ein
düsteres Bild des internationalen Umfelds zu zeichnen, das uns im nächsten Jahrzehnt und im kommenden Jahrhundert erwartet. Die Zeit des Umbruchs, in der wir uns heute befinden, kann erfolgreich gemeistert werden, wenn wir der Tatsache Rechnung
tragen, daß wir uns anderen Herausforderungen als in den vergangenen 40
Jahren gegenübersehen.
Militärisch
gesehen sind wir heute stark. Wirtschaftlich gesehen sind wir heute
stark. Und es ist nur eine Frage der
Zeit, bis wir den Triumph demokratischer Werte in Ländern beobachten
können, in denen dies noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wäre.
Aber die positiven und sogar revolu- 7-

* * * * *

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Dokumentation

**

20. September 1989

35

US-HANDELSPOLITIK SETZT GROSSE HOFFNUNGEN IN URUGUAY-RUNDE
- Rede der US-Handelsbeauftragten In London LONDON - (AD) - Der US-Handelsbeauftragten Carla Hills zufolge ist eine
tiefgreifende Reform des Welthandelssystems erforderlich, um zu verhindern,
daß regionale Handelsblöcke gebildet werden und die verschiedenen Staaten sich
in zerstörerische Handelskriege drängen lassen. Diese Reform sollte in der
derzeitigen Uruguay-Runde multilateraler Handelsgespräche errreicht werden,
erklärte Frau Hills am 14. September 1989 in London. Aus diesem Grund bilde
die Runde "für die Vereinigten Staaten die höchste Priorität im Bereich des
Handels".
Nachfolgend
Wortlaut.

veröffentlichen wir die Rede der US-Handelsbeauftragten im

Der Handel ist mit London untrennbar verbunden. Seit Jahrhunderten gehören sie zusammen wie eine
steife Brise und die Segel eines
Schoners.
Ein offener Handel ist
Eckpfeiler Ihres Wohlstands.

Ich bin heute hierher gekommen,
um Ihnen zu versichern, daß die Handelspolitik der Bush-Administration
vom Geist Humes, Smiths und Ricardos
geleitet und dem Ausbau des offenen
Handels verpflichtet ist.

Drei berühmte Briten - David
Hume, Adam Smith und David Ricardo sind die geistigen Helden derjenigen
unter uns, die heute das freie Handelssystem verteidigen und ausbauen
möchten. Dieses System besteht noch,
aber es unterliegt schweren Belastungen - es wird von Regierungen auf die
Probe gestellt, die das freie Spiel
der Marktkräfte behindern, den Handel
verzerren und den Wettbewerb hemmen.

Zu Beginn dieses Jahres hat Präsident Bush eine umfassende Überprüfung des Welthandelssystems und unserer Handelspolitik vorgenommen. Ich
möchte Ihnen kurz die Ergebnisse unserer Erörterungen schildern und Ihnen insbesondere die Ziele der amerikanischen
Handelspolitik,
unsere
Strategie zu deren Verwirklichung und
die zentrale Bedeutung der UruguayRunde für diese Politik erläutern.

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�Die amerikanische Handelspolitik für
die neunziger Jahre

schlossenen Maßnahmen zugrunde, darunter:

Ich versichere Ihnen, daß wir eine klare Vision der von uns angestrebten Welt haben: Eine Welt, in
der die Unternehmer und nicht Regierungsbürokraten bestimmen, wie industrielle und landwirtschaftliche Unternehmen
miteinander
konkurrieren
und die Staaten Handel treiben.

Unsere Verhandlungen im Stahlund Schiffbaubereich, die auf
den Abbau staatlicher Subventionen und die Öffnung der Märkte
zielen.

Die Politik der Bush-Administration ist auf die Öffnung der Märkte
nicht auf deren Abschottung gerichtet, auf die Schaffung eines kontinuierlich
wachsenden
Welthandelssystems, das auf klaren und durchsetzbaren Regeln beruht.
Der Präsident hat zur Umsetzung
dieser Vision eine dreifache Strategie entwickelt, die von uns mit aller
Energie durchgeführt wird:
Erstens, wir verpflichten uns und wir fordern unsere Handelspartner zu einer ebensolchen Verpflichtung auf - zum erfolgreichen Abschluß der Uruguay-Runde
multilateraler
Handelsgespräche
in der für Dezember 1990 gesetzten Frist.
-

Zweitens, wir werden - auf eine
Art und Weise, die vollständig
mit
unseren
Zielen
in
der
Uruguay-Runde übereinstimmt - bilaterale und regionale Initiativen zur Marktöffnung weiterverfolgen.
Schließlich werden wir die Stärke
unseres Binnenmarkts zur Förderung
unserer
Ziele
in
der
Uruguay-Runde einsetzen.

Unsere eindeutige und dauerhafte
Unterstützung der Schaffung eines
Binnenmarkts durch die Europäische Gemeinschaft (EG) und unsere
Forderung
an
diese, die
Schranken nicht nur innerhalb Europas sondern auch zwischen Europa und seinen Handelspartnern abzubauen.
Unsere Durchführung des Handelsgesetzes von 1988 in einer Weise,
die den Welthandel von staatlicher Einmischung befreit.
Unser Besuch in Mexiko im vergangenen Monat, in dessen Verlauf
wir die Kreativität der Regierung
Salinas begrüßt haben, mit der
Zölle und Handelsschranken abgebaut werden und eine Umstrukturierung der mexikanischen Volkswirtschaft vorgenommen wird.
Unser für den nächsten Monat vorgesehener Besuch in der Pazifikregion, um die Entwicklung zu
marktwirtschaftlichen
Handelsund
Investitionsregelungen
in
dieser Region zu stärken.
Unser anhaltender Widerstand gegen protektionistischen Druck in
unserem eigenen Land, darunter
Versuche, ausländische Investitionen zu begrenzen.

Manchmal müssen wir die Regierung
auch drängen, wettbewerbsfeindliche
Praktiken zu beseitigen, die ebenfalls den Handel einschränken können.
Unsere gemeinsame Initiative
mit Japan gegen strukturelle Hemmnisse zum Beispiel zielt darauf ab,
sichtbare und "unsichtbare" Hemmnisse, die den Wettbewerb in beiden Ländern stark einschränken, zu beseitigen.
- 2-

Das grundsätzliche Ziel unserer
Strategie besteht darin, den Staat
aus der Wirtschaft zu verdrängen:
aus der Stahlproduktion, aus dem Verkauf von Getreide, aus der Viehmast,
dem Schiffbau und den vielen anderen
Bereichen, in denen der Staat den
Handel verzerrt. Dieses Ziel liegt
allen unseren in jüngster Zeit be-

�Die Uruguay-Runde
Jede dieser Maßnahmen zur Marktöffnung betrifft bestimmte Probleme.
Sie allein werden jedoch die so dringend benötigte durchgreifende Reform
des Welthandelssystems nicht bewirken
können.

ternationalen Regeln für fairen Wettbewerb nicht zufriedenstellend abgedeckt. Und wenn Regeln unzureichend
sind oder gar nicht existieren, werden aus Handelsstreitigkeiten Handelskriege, werden Exporteure behindert und bedienen sich ineffiziente
Industrien aus staatlichen Quellen.
Die Kosten sind schwindelerregend:

Seit dem Zweiten Weltkrieg hat
das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen (GATT) - die wichtigste Plattform für internationale Handelsgespräche - sieben erfolgreiche Runden
zur Senkung von Zöllen zwischen den
bedeutenden Handelsnationen der Welt
gefördert.
Diese Runden haben zum
Abbau von Hemmnissen und Ausbau des
Handels geführt. Als Ergebnis sind
unsere Volkswirtschaften in den vergangenen vier Jahrzehnten schneller
gewachsen als in jedem vergleichbaren
Zeitraum der Weltgeschichte.

Die Europäer gaben letztes Jahr
nahezu 120 Milliarden Dollar zur
Stützung der Landwirtschaft aus,
die Vereinigten Staaten fast 75
Milliarden.
Das sind pro Kopf
300 bis 400 Dollar jährlich.
In der EG wurden zusätzlich 50
Milliarden Dollar für Subventionen an europäische Stahlunternehmen,
Schiffbau
und
andere
Branchen verschwendet. Das sind
weitere 150 Dollar pro Jahr, die
jedem Verbraucher aus der Tasche
gezogen werden.

Das GATT fördert auch weiterhin
den Ausbau des Handels, und es hat
eine wachsende Mitgliederzahl unterschiedlicher Volkswirtschaften aufgenommen. Am schwersten wiegt jedoch
die Tatsache, daß es eine verbreitete
Akzeptanz, wenn auch nicht immer die
Einhaltung, gewisser Grundprinzipien
hervorgebracht hat - etwa die nationale Behandlung -, die den offenen
Handel unterstützen.
Das Problem besteht jedoch darin,
daß das Handelssystem den GATT-Rahmen
sprengt. Während die Zölle gesenkt
wurden, haben die nichttarifären Handelshemmnisse zugenommen.
Überdies
sind vom GATT kaum oder garnicht abgedeckte Bereiche wie etwa Landwirtschaft
oder
geistiges
Eigentum,
Dienstleistungen und Investitionen,
heute von erheblich größerer Bedeutung als früher.
Um es griffig zu formulieren:
Das GATT gleicht einem Zwei-ZimmerBungalow
auf
einem
unbezahlbaren
Grundstück: Die Vorteile einer Renovierung überwiegen deren Kosten bei
weitem. Insgesamt werden über 1 Milliarde Dollar aus dem Handel mit Gütern und Dienstleistungen von den in-

Der unzureichende Schutz geistigen Eigentums kostet amerikanische Software-Entwickler, Arzneimittelfirmen und andere Exporteure jährlich über 40 Milliarden
Dollar.
Ihre europäischen Konkurrenten verlieren nochmals etliche Milliarden. Diese Piraterie blutet die Produktivität des
Ruhrgebiets ebenso aus wie die
des Silicon Valley.
Dies kann nicht so weitergehen.
Die Runde ist unsere beste Chance zu
kontrollieren, was sonst bald außer
Kontrolle geraten könnte.
Aus diesem Grund hat Präsident
Bush die - im Jahr 1986 in Punta del
Este in Uruguay eröffnete - UruguayRunde zur höchsten Priorität der Vereinigten Staaten im Bereich des Handels erklärt.
Gegenwärtig arbeiten
100 Staaten in Genf am Ausbau des
GATT, an seiner Stärkung als Institution, der Ausdehnung seines Geltungsbereichs auf die Landwirtschaft und
seiner Ausweitung auf neue Problembereiche wie etwa Dienstleistungen,
geistiges Eigentum und Investitionen.

- 3 -

�Meine Botschaft an Europa ist
einfach - und dringend. Wir müssen
nach ehrgeizigen Ergebnissen streben. Wenn wir uns nur mit Randsymptomen beschäftigen, werden wir uns
auf eine risikoreiche Politik und
Handelsblöcke einstellen müssen. Zu
lange schon haben wir auf Veränderungen im Welthandel nur reagiert. Die
Runde ist für dieses Jahrhundert die
letzte Chance zum Handeln:
Zum Handeln in der Landwirtschaft.
Das Ziel der Vereinigten
Staaten ist die vollständige Beseitigung aller den Handel verzerrenden
Maßnahmen, wobei den Landwirten eine
Frist zur Anpassung an die Marktkräfte eingeräumt wird. Im vergangenen
Monat haben wir vorgeschlagen, alle
nichttarifären Handelshemmnisse - wie
Quoten und variable Abgaben - in Zölle umzuwandeln, die offen sichtbar
sind und damit leichter reduziert
werden können.
Noch diesen Monat
werden wir in Genf einen umfassenden
Vorschlag
präsentieren,
demzufolge
die Landwirte anbauen können, was sie
möchten und wann sie möchten und womit sie ein angemessenes Einkommen
ohne staatliche Einmischung erzielen
können. Unseres Erachtens wird die
Runde ohne eine grundlegende Reform
im Agrarbereich scheitern. Von einer
solchen Reform werden wir alle profitieren: Eine Reform könnte drei Millionen neue Arbeitsplätze in Europa
schaffen, das amerikanische Haushaltsdefizit um 37 Milliarden Dollar
senken und die Reallöhne in Japan um
2,5 Prozent erhöhen.
Zum Handeln, um den Marktzugang
für Industrieprodukte sicherzustellen. Die Vereinigten Staaten fordern
ihre Handelspartner auf, eine künftige Welt ohne Zölle ins Auge zu fassen. Wir sind heute dazu bereit, mit
anderen zusammenzuarbeiten, um dies
in Schlüsselberelchen schon in der
jetzigen Runde zu erreichen.
Zum Handeln, um die Rechte an
geistigem Eigentum zu schützen. Wir
haben im vergangenen Jahr einen weitreichenden Vorschlag unterbreitet.
- 4

Die Unterhändler erarbeiten zur Zeit
ein Abkommen, daß in der Praxis folgende Regelungen enthalten soll:
a)

Patentschutz für pharmazeutische,
chemische und andere Produkte,

b) Urheberrechtsschutz für Tonträger
und Computersoftware,
c) Schutz von Betriebsgeheimnissen
für Herstellungsverfahren und Daten sowie
d) wirksame Strafverfolgung, um die
Fälschung von Warenzeichen und
das Raubkopieren urheberrechtlich
geschützter Materialien wie Bücher, Filme und Tonaufzeichnungen
zu beenden.
Zum Handeln, um sicherzustellen,
daß internationale Regeln für fairen
Wettbewerb auf Dienstleistungen Anwendung finden. Britische und französische Versicherungsgesellschaften,
amerikanische Reiseveranstalter und
andere Dienstleistungsfirmen müssen
im Ausland Filialen eröffnen können
und wie ortsansässige Firmen behandelt werden. Wir werden unsere Vorstellungen zu einem umfassenden Abkommen im Oktober auf den Tisch legen.
Zum Handeln, um Beschränkungen
von Auslandsinvestitionen abzubauen.
Amerikanische und japanische Automobilhersteller, deutsche Investitionsgüterproduzenten und andere Unternehmen müssen in Übersee investieren
können ohne dazu gezwungen zu werden,
einen inländischen Partner zu beteiligen, einen bestimmten Prozentsatz
ihrer Produktion zu exportieren, im
Inland hergestellte Teile zu verwenden oder irgendeine von einem Dutzend
anderer
Investitionsbedingungen
zu
erfüllen. Ich war gerade in Genf, wo
unsere Berater aus dem Privatsektor
und ich zwei Tage damit verbracht haben, den von uns im Juli unterbreiteten Vorschlag zu den Investitionen zu
erörtern.
Zum Handeln, um den Handel verzerrende Subventionen abzubauen. Ich

�Zum Handeln, um den Handel verzerrende Subventionen abzubauen. Ich
habe die amerikanische Initiative zu
Stahl und Schiffbau erwähnt, aber das
Problem geht über diese beiden Bereiche hinaus.
Subventionen zerstören
die Wirtschaft und runieren die öffentlichen Haushalte. Wir können Arbeitnehmern und Regionen effektiver
helfen ohne auf wettbewerbsfeindliche
Subventionen
zurückzugreifen.
Die
Vereinigten Staaten werden zum Jahresende einen ehrgeizigen Plan zur
Begrenzung von Subventionen vorlegen.
Und zum Handeln, um Streitigkeiten zu beenden. Wir benötigen neue
Mechanismen, um unsere Differenzen
beizulegen bevor der unvermeidliche
Streit zu einem bedauerlichen Krieg
eskaliert. Wenn wir Handelspartnern
neue Vorstellungen
zur Erörterung
vorlegen, so durchlaufen diese sämtliche Instanzen von der Schlichtung
zur "Berufungsüberprüfung" bis zu einem
richtigen
"GATT-Gerichtshof".
Was auch immer das Endergebnis sein
mag, wir benötigen ein System, das
schnell, fair und effektiv ist.
Die Zeit ist kurz, die Aufgabe
gewaltig. Bis zum Ende dieses Jahres
müssen die Staaten alle verbleibenden
Vorschläge in jeder der 15 Verhandlungsgruppen auf den Tisch legen.
Die Vereinigten Staaten haben zahlreiche Vorschläge unterbreitet. Wir
werden die noch ausstehenden bis zum
Jahresende vorlegen. Bis Mitte des
Jahres 1990 werden sich die Staaten
darum bemühen, in jedem Bereich Vereinbarungen zu erzielen. Danach müssen wir diese Vereinbarungen bis zum
Treffen der GATT-Minister in Brüssel
im November 1990 in einem Paket verankern.

Schlußbemerkungen
Europa und die Vereinigten Staaten haben bei der Förderung der Freiheit in der ganzen Welt Hand in Hand
zusammengearbeitet.
Ob bei Rede-,
Religions- oder politischer Freiheit

- wir haben für das Recht der Menschen überall gekämpft, ihre eigene
Wahl zu treffen.
Die Wahlfreiheit ist das unauslöschliche Bindeglied zwischen unserem politischen und unserem ökomischen System.
Politische Freiheit
und wirtschaftliche Freiheit sind interdependent. Jeder sollte das Recht
haben, zu entscheiden, wie, wann und
wo er Güter und Dienstleistungen frei
auf einem fairen Markt kaufen oder
verkaufen möchte.
Das ist Wettbewerb: die grundlegende Stärke unserer beiden Nationen. David Ricardo
bezeichnete dies im Jahr 1817 als die
Freiheit zu tun, was jeder von uns am
besten kann.
Darum geht es in der UruguayRunde - Wettbewerb. Deshalb ist sie
der Mittelpunkt unserer Handelspolitik und der Schlüssel zur Zukunft des
Welthandels. Wenn die Runde erfolgreich sein soll, so müssen unseres
Erachtens
bestimmte
Vereinbarungen
erzielt werden:
Eine
grundlegende
Agrarhandels,

Reform

des

die Ausdehnung der GATT-Regeln
auf die "neuen Bereiche" Dienstleistungen,
Investitionen
und
geistiges Eigentum,
erweiterter Marktzugang
Warenhandel,
-

für

den

Beseitigung
handelsverzerrender
Subventionen und
ein faires und wirksames Schlichtungsverfahren bei Streitfällen.

Die Vereinigten Staaten streben
keinen unfairen Vorteil an, aber wir
werden nicht einseitig abrüsten. Wir
streben offene Märkte nicht zum alleinigen Vorteil amerikanischer Unternehmer an.
Wir engagieren uns
vielmehr voll und ganz dafür, unsere
Stärke zur Öffnung der Märkte für alle, die auf diesen Märkten konkurrie-

- 5 -

�ren möchten, einzusetzen.
Wir waren zum Beispiel erfolgreich bei der Öffnung des japanischen
Rindfleischmarkts, von der die australischen
Viehzüchter
mindestens
ebenso profitiert haben wie unsere.
Insbesondere für die weniger entwickelten Länder muß die von uns angestrebte Offenheit gelten, damit sie
ebenfalls zu Märkten für unsere Produkte werden können und an der dem
Welthandelssystem innewohnenden Verantwortung teilhaben.
Wir streben
also an, was wir schon immer angestrebt haben - Freiheit und Fairneß,
für Landwirte und Industriearbeiter
in der ganzen Welt.
Jeder Zyklus diplomatischer Bemühungen fügt der Geschichte ein eigenes Kapitel hinzu.
Unseres sollte
unseren Wagemut und nicht unsere Ängste widerspiegeln, unser Vertrauen
und nicht unsere Unsicherheit. Das
Handelssystem, das diese Qualitäten
am besten verkörpert, ist dasjenige,
das am meisten zu ihrer Entwicklung
beiträgt. Wenn die Uruguay-Runde Erfolg hat, werden wir ein Kapitel angefügt haben, das der vor 40 Jahren
geleisteten Arbeit würdig ist - ein
Kapitel, das von Hoffnung und Wohlstand für die nächste Generation erfüllt ist.

* * * * *

- 6

�;eos&gt;

VON

AMERIKA DIENST
Dokumentation

4

35

20. September 1989

BAKER:

NEUE US-POSITION ZU MOBILEN RAKETEN

- Erklärung des amerikanischen Außenministers -

WASHINGTON - (AD) - Außenminister Baker zufolge werden die Vereinigten
Staaten nicht länger darauf bestehen, daß ein Vertrag über die Verringerung
strategischer Rüstungen (START) ein Verbot mobiler Interkontinentalraketen
(ICBMs) enthält. In der am 19. September 1989 bei einer Pressekonferenz abgegebenen Erklärung unterstrich der Außenminister, die neue Position der Vereinigten Staaten ziele darauf ab, bis zu seinem vorgesehenen Treffen mit dem sowjetischen Außenminister Schewardnadse "den Ball ins Rollen zu bringen".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung des Außenministers im Wortlaut ,

Die
START-Verhandlungen
finden
vor dem Hintergrund
tiefgreifender
Veränderungen
in
der
Sowjetunion
statt.
Wir können Fortschritte erkennen, aber wir sind uns auch der
Herausforderungen und des Drucks bewußt, denen sich die Sowjets ausgesetzt sehen.
Dafür gibt es keine Patentlösungen. Keiner von uns kann ihre Probleme für sie lösen. Da sie die Lektion der - wie Generalsekretär Gorbatschow es bezeichnete - "Ära der Stagnation" gelernt haben, wissen die
Sowjets, daß es an ihnen ist, die erforderlichen grundlegenden Strukturreformen durchzuführen.
Gorbatschow
hat es als "Revolution" bezeichnet
und wir stimmen mit dieser Charakterisierung Uberein.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Die Frage lautet also: Was können und sollten wir tun? Die Antwort
darauf ist, daß wir Punkte von beiderseitigem
Nutzen
finden sollten,
Vorteile,
die
ihnen
helfen
und
gleichzeitig unseren Interessen dienen. Dieser Ansatz erfordert sicherlich von beiden Seiten eine gewisse
Kreativität.
Meines Erachtens wird das Ministertreffen dieser Strategie Rechnung
tragen.
Wir befassen uns jetzt mit
einer erwetterten Tagesordnung - die,
wenn Sie mir diese Bemerkung gestatten, auf unseren Vorschlag hin bei
früheren Treffen zwischen uns erweitert wurde.
Ich möchte kurz unser
Vorgehen erläutern, das unserer Ansicht nach zu unserem beiderseitigen
Vorteil dient.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Zunächst muß fairerweise gesagt
werden, daß die Sowjets sich am besten auf Reformen im Inland konzentrieren können, wenn das internationale Umfeld stabil und positiv gestaltet ist. Und das ist einer der
Gründe, warum wir sie gedrängt haben,
regionale Konflikte mit uns gemeinsam
zu lösen.
Sie könnten dadurch Milliarden Dollar sparen, die sie immer
noch
zur
Unterstützung
derjenigen
aufwenden, die den Konflikt schüren in Mittelamerika, Kambodscha, Afghanistan, Kuba, Äthiopien und anderen
Regtonen der Welt -, was unseres Erachtens eine unhaltbare Situation ist.
Zweitens könnte Rüstungskontrolle
den
Sowjets
reale
wirtschaftliche
Vorteile verschaffen, wenn sie positiv auf unsere Initiative zu den konventionellen Streitkräften reagieren.
Meiner Ansicht nach liegt es an Ihnen, jetzt t^inen Schritt zu tun - und
wir hoffen, daß sie ihn tun werden.
Darüber hinaus können meiner Ansicht nach beim bevorstehenden Ministertreffen Fortschritte im gesamten
Spektrum
der
Rüstungskontrolltheraen
erzielt werden.
Wir werden Vorschläge unterbreiten, die darauf abzielen, den nun 15
Jahre währenden Stillstand bei Atomtests zu durchbrachen und damit den
Weg für die Ratifizierung von zwei
Verträgen im nächsten Jahr zu ebnen.
Im Bereich der chemischen Waffen
können wir uns meiner Ansicht nach
berechtige Hoffnungen auf ein Abkommen über den Austausch von Daten über
den Bestand an chemischen Waffen machen, das einen ersten praktischen
Schritt
zu
echter
Kontrolle
und
letztlich einem vollständigen Verbot
dieser Waffen bedeuten könnte.
Bei den START-Verhandlungen erwarten wir eine positive Reaktion der
Sowjets auf unsere Initiativen zur
Verifizierung
und
Stabilisierung.
Wie Präsident Bush bereits bei der
Ankündigung dieser Initiativen andeutete, würde ein Abkommen in diesem

Bereich natürlich eine spätere Ratifizierung erleichtern.
Ich vermute,
daß das Thema START auch in dem angekündigten Schreiben zu den Rüstungskontrollverhandlungen
breiten
Raum
einnehmen
wird,
das
Außenminister
Schewardnadse eigenen Aussagen zufolge mitbrigen wird.
Obwohl w" r gehofft hatten, dieses Schreiben noch
vor dem Ministertreffen zu erhalten,
damit wir an den in dieser Woche angesprochenen Themen arbeiten können,
wissen wir eine Antwort zu schätzen,
wann immer sie uns erreicht.
Um den Ball jedoch jetzt ins Rollen zu bringen, gebe ich hiermit bekannt, daß wir vorbehaltlich der Zustimmung des Kongresses zur Finanzierung unserer mobilen ICBMs unsere
Forderung eines Verbots mobiler ICBMs
im Rahmen des START-Vertrags aufgehoben haben. Wir werden unsere STARTUnterhändler in Genf anweisen, die
entsprechenden Details für die auf
mobile ICBMs angewandten Obergrenzen
sowie wirksame Verifizierugsmaßnahmen
auszuarbeiten.
Drittens können wir einen konstruktiven
Beitrag
zu
Perestrojka
leisten, wenn wir die sich abzeichnenden Reformprozesse in Polen und
Ungarn unterstützen. In dieser Woche
werde ich Außenminister Schewardnadse
unsere Absicht bekanntgeben, uns maßgeblich an den Bestrebungen dieser
beiden Länder zur Selbsthilfe zu beteiligen.
Und schließlich können unsere Bemühungen
zur
Institutionalisierung
des Dialogs mit der Sowjetunion über
das Thema Menschenrechte und Erweiterung unserer gemeinsamen
Maßnahmen
zur Bewältigung grenzüberschreitender
Probleme wie Umweltfragen
Glasnost
unterstützen, indem sie eine pluralistische Gesellschaft in der Sowjetunion fördern.
Ich werde Außenminister Schewardnadse eine Liste möglicher
Umweltinitiativen
überreichen
und hoffe, daß wir eine Vereinbarung
über eine Erklärung zu den Menschenrechten, der Rechtsstaatlichkeit und
anderen Themen erzielen.

- 2 -

�Wir versuchen den Geist der Offenheit zwischen der Sowjetunion und
den Vereinigten Staaten zu ermutigen
und hoffen, daß unser Treffen in Wyoming von diesem Geist getragen sein
wird.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

35

20. September 1989

DIE VERHANDLUNGEN ÜBER CHEMISCHE WAFFEN
Übersicht über die Bestrebungen zum Verbot chemischer Waffen -

(Die nachfolgende Übersicht mit dem Titel "Die Verhandlungen über chemische
Waffen im Rahmen der Genfer Abrüstungskonferenz" wurde im September 1989 von
der amerikanischen Delegation bei der Internationalen Konferenz von Regierungen und Industrieunternehmen j*egen chemische Waffen veröffentlicht, die vom
18. bis 22. September 1989 stattfindet.)

Das Kernstück
der Politik der
Vereinigten
Staaten
zu
chemischen
Waffen besteht in dem Ziel, einen
Vertrag über das vollständige Verbot
chemischer Waffen abzuschließen. Ein
Verbot wäre die beste Antwort auf die
durch den illegalen Einsatz und die
Verbreitung
chemischer Waffen
entstandene Bedrohung.
Um wirksam sein
zu können, müßte der Vertrag weltweite Gültigkeit besitzen und wirksam
verifizierbar
sein.
Solange
die
weltweite Ächtung chemischer Waffen
nicht verwirklicht ist, behalten die
Vereinigten Staaten sich die Option
zur Aufrechterhaltung eines wirksamen
Abschreckungspotentials und das Recht
auf einen Vergeltungsschlag mit diesen Waffen für den Fall vor, daß ein
anderes Land gegen uns oder unsere
Verbündeten chemische Waffen einsetzt.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Hintergrund
Seit 1981 haben die Vereinigten
Staaten aktiv an den Verhandlungen
über chemische Waffen bei der 40 Nationen umfassenden Genfer Abrüstungskonferenz
teilgenommen.
Im April
1984 unterbreitete der damalige Vizepräsident Bush der Genfer Abrüstungskonferenz einen umfassenden Vertragseatwurf, der ein Verbot der Entwicklung, Beschaffung, Produktion, Lagerung, des Transports und Einsatzes
chemischer
Waffen
vorsieht.
(Das
Genfer Protokoll aus dem Jahr 1925
verbietet nur den Ersteinsatz chemischer Waffen in einem Krieg.)
Seit
dieser Zelt dient der amerikanische
Vertragsentwurf als Grundlage für die
Verhandlungen über chemische Waffen.
Alle 40 bei der Genfer Abrüstungskon-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�ferenz verhandelnden Nationen haben
ein Dokument erarbeitet, das mehrere
Elemente des amerikanischen Vertragsentwurfs einschließlich dem Prinzip
der Offenheit enthält.

Hindernisse
Das
wirksame,
verifizierbare,
weltweite Verbot chemischer Waffen
stellt eine einzigartige Herausforderung für die Rüstungskontrolle dar.
Zahlreiche Länder haben Zugang zu
Technologie und Chemikalien (sogenannten chemischen Grundstoffen), die
für die Herstellung chemischer Waffen
erforderlich sind. Viele Länder besitzen darüber hinaus eine hochentwickelte
kommerzielle
Chemieindustrie, die problemlos für die Herstellung chemischer Waffen umgewandelt werden könnte.
Obwohl bei den Genfer Verhandlungen Einigung zu einer Reihe kontroverser Punkte erzielt wurde, sind
weite Teile des Vorschlags noch ungelöst. Diese umfassen die Gewährleistung der wirksamen Verifizierung,
Überwachung der kommerziellen Chemieindustrie, um sicherzustellen, daß
sie keine chemischen Waffen herstellt, Entwurf des Organisationsrahmens, in dem die Bedingungen des Abkommens ausgeführt würden, Erarbeitung von Einzelheiten, wie die Vernichtung der Lager und Produktionsstätten chemischer Waffen vorgenommen
werden könnte sowie Schutz der im
Verlauf von Inspektionen gewonnenen
Daten.

Offenheit und Verifizierung
Die Vereinigten Staaten haben der
Förderung der für ein wirksames Verbot erforderlichen Offenheit den Weg
geebnet, indem sie umfassende Informationen über die Zusammensetzung und
den Standort der amerikanischen Lager
und
Produktionsstätten
chemischer
Waffen zur Verfügung gestellt haben.
Als Teil der Verifizierungsmaßnahmen
haben die Vereinigten Staaten seit

langem auf kurzfristig anberaumten,
obligatorischen
Ad-hoc-Inspektionen
vor Ort als einem Mittel zur Verifizierung der Einhaltung eines Abkommens über chemische Waffen bestanden.
Einschließlich der Sowjetunion akzeptieren jetzt die meisten Länder dieses Prinzip.
Einzelheiten wie die
Inspektionsverfahren und der Schutz
sicherheitsempfindlicher Anlagen, die
keine chemischen Waffen herstellen,
müssen noch abgesprochen werden.
Darüber hinaus muß das Problem
erörtert werden, wie angegebene Lager
und
Produktionsstätten
aufgespürt
werden können.
Routineinspektionen
militärischer und ziviler Anlagen,
die im Rahmen eines Abkommens über
chemische Waffen angegeben worden
sind, werden die Inspektionsmaßnahmen
ergänzen. Da die Vereinigten Staaten
ein weltweites Verbot chemischer Waffen anstreben, müßte ein internationales Gremium zur Durchführung und
Überwachung des Verbots geschaffen
werden.
Die Teilnehmer der Genfer Abrüstungskonferenz haben sich auf Bestimmungen zur Überwachung und Verifizierung solcher Anlagen von der Bekanntgabe bis zur letztlichen Vernichtung geeinigt. Diese Bestimmungen beinhalten
systematische VorOrt-Inspektionen, die an die kontinuierliche Überwachung mit von den internationalen Inspektoren vor Ort angebrachten Geräten gekoppelt sind.
Einzelne Kriterien und die zur Durchführung dieser Bestimmungen erforderlichen Verfahren müssen noch ausgearbeitet werden.
Einmal vollständig,
stellen sie einen wirksamen Mechanismus zur Vertrauensbildung und Verifizierung dar.

Vernichtung
Waffen

der

Lager

chemischer

Im Rahmen des Abkommens würden
die Lager chemischer Waffen mit Ablauf einer zehnjährigen Übergangsperiode ab dem Datum des Inkrafttretens
eines Abkommens über chemische Waffen

- 2 -

�vernichtet sein. Die Reihenfolge und
das Verhältnis, in dem die Lager chemischer Waffen zerstört würden, müssen noch endgültig ausgearbeitet werden. Ferner werden Maßnahmen zur Gewährleistung der Sicherheit der jeweiligen Nation während der Übergangsperiode bei der Genfer Abrüstungskonferenz angesprochen.

renz vorgelegt, die über die Einbeziehung des Vorschlags in einen Vertragsentwurf über chemische Waffen
befindet. Darüber hinaus haben die
Vereinigten Staaten einen bilateralen
Datenaustausch über chemische Waffen
mit der Sowjetunion erörtert, der aus
amerikanischer Sicht eine vertrauensbildende Maßnahme zur Unterstützung
eines möglichen weltweiten Verbots
dieser Waffen darstellen würde.

Zerstörung
der
Produktionsstätten
für chemische Waffen
Schlußfolgerung
Der Entwurf des Abkommens fordert
die Zerstörung der Produktionsstätten
für chemische Waffen in einer Art und
Weise, mit der sichergestellt wird,
daß weder das Gerät noch die Gebäude
jemals wieder verwendet oder aufgebaut werden können. Einzelheiten der
angewandten Zerstörungsmethoden und
-techniken werden ausgehandelt und
variieren je nach Aufbau der Anlage,
Art der produzierten chemischen Waffen und ihrer Trägersysteme.

Die amerikanisch-sowjetischen bilateralen Konsultationen über chemische
Waffen
Zur Erleichterung multilateraler
Verhandlungen über chemische Waffen
haben die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion in Genf 12 DJskussionsrunden auf Expertenebene zur Erörterung der technischen Details und Einzelheitpn eines Vertrags über chemische Waffen abgehalten.
Diese Gespräche haben Fortschritte beim Verbot chemischer Waffen zum Ziel. Am
1. August 1989 haben die Vereinigten
Staaten und die Sowjetunion sich auf
Verfahren und Modalitäten zur Durchführung kurzfristig anberaumter Adhoc-Inspektionen geeinigt.
Die Arbeit an anderen gemeinsamen Papieren
einschließlich der Reihenfolge, in
der chemische Waffen nach Inkrafttreten eines Vertrags über chemische
Waffen vernichtet werden sollen, wird
fortgesetzt. Wenn beide Seiten ihre
Zustimmung gegeben haben, wird die
vorgeschlagene Reihenfolge der Vernichtung der Genfer Abrüstungskonfe-

Ein Ende der Verhandlungen ist
unmöglich vorherzusagen. Die Vereinigten Staaten werden darauf bestehen, einen guten Vertrag auszuhandeln
- gleichgültig, wie lange es dauern
wird. Sie werden jedoch ihre Sicherheit oder die ihrer Verbündeten nicht
aufs Spiel setzen, indem sich übereilt ein Verbot beschließen, das die
nationale Sicherheit aller Vertragsparteien nicht verbessert.

Teilnehmerstaaten
stungskonferenz

der

Genfer

Ägypten
Äthiopien
Algerien
Argentinien
Australien
Belgien
Brasilien
Bulgarien
Bundesrepublik Deutschland
Burma
Deutsche Demokratische Republik
Frankreich
Großbritannien
Indien
Indonesien
Iran
Italien
Japan
Jugoslawien
Kanada
Kenia
Kuba
Marokko
Mexiko
Mongolei

- 3 -

Abrü-

�Niederlande
Nigeria
Pakistan
Peru
Polen
Rumänien
Schweden
Sri Lanka
Tschechoslowakei
Ungarn
UdSSR
Venezuela
Vereinigten Staaten von Amerika
Volksrepublik China
Zai're

Beobachterstaaten bei der Genfer
rtistungskonferenz
Bangladesch
Chile
Dänemark
Finnland
Griechenland
Heiliger Stuhl (Vatikan)
Irak
Irland
Jordanien
Katar
Li byen
Malaysia
Neuseeland
Nordkorea
Norwegen
Oman
Österreich
Portugal
Schweiz
Senegal
Simbabwe
Spanien
Südkorea
Syrien
Türkei
Tunesien
Vietnam

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

'%r,oN **

35

20. September 1989

INDUSTRIE UND REGIERUNG BEKÄMPFEN CHEMISCHE WAFFEN GEMEINSAM
- Von Richard Clarke und Will Carpenter -

(Richard Clarke ist der Leiter der amerikanischen Delegation bei der Internationalen Konferenz von Regierungen und Industrieunternehmen gegen chemische
Waffen, die vom 18. bis 22. September 1989 in Canberra stattfindet und Will
Carpenter Vertreter der Industrie in der amerikanischen Delegation und Vizepräsident der Monsanto Agricultural Company.)

Die in dieser Woche in Canberra
(Australien) veranstaltete Konferenz
gegen chemische Waffen bietet eine
weitere Gelegenheit, die ausgesprochen enge Zusammenarbeit zwischen Regierung und Chemieindustrie der Vereinigten Staaten bei der Eindämmung
der Verbreitung dieser heimtückischen
Waffen und letzlich ihrer vollständigen Verbannung unter Beweis zu stellen.
In keinem anderen Bereich von
Rüstungskontrolle und Sicherheitspolitik arbeiten Regierung und Industrieunternehmen so effektiv zusammen.
Im vergangenen Jahrzehnt haben
wir einen beschleunigten Prozeß der
Mißachtung internationaler Normen gegen den Einsatz chemischer Waffen beobachtet.
Wer kann jemals die ihm
letzten Jahr im Fernsehen gezeigten

United States Information Service
Embassy of the United States of America

schrecklichen
Bilder
unschuldiger
Frauen
und
Kinder
vergessen, die
durch
den weitverbreiteten
Einsatz
chemischer Waffen im Krieg zwischen
Iran und Irak vom plötzlichen Tod ereilt wurden?
Der Bestand an chemischen Waffen
nimmt rasch zu. Unseren Schätzungen
zufolge sind heute rund 20 Nationen
im Besitz dieser Waffen.
Die Welt
befindet sich in einem Wettlauf um
den Besitz chemischer Waffen.
Dies
muß ein Ende haben. Die Länder und
Völker der Dritten Welt sind von der
gefährlichen
Verbreitung
chemischer
Waffen am meisten betroffen.
Die Vereinigten Staaten arbeiten
gemeinsam mit zahlreichen anderen Nationen an der Erstellung eines umfas-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�senden, wirksam verifizierbaren und
wirklich weltweiten Vertrags über das
Verbot von Entwicklung, Produktion,
Transport, Lagerung und Einsatz chemischer Waffen. Darüber hinaus sehen
die Vereinigten Staaten in der Durchführung eines Vertrags über das Verbot chemischer Waffen die beste Lösung des gefährlichen Problems ihrer
Verbreitung. Im Jahr 1984 hat der
damalige Vizepräsident Bush einen
Vertragsentwurf bei der Genfer Abrüstungskonferenz eingebracht, und die
Verhandlungen stützen sich auf diesen
Text. Es ist eine schwierige Aufgabe, da die Verifizierung eines solchen Vertrags - sicherzustellen, daß
andere ihn nicht umgehen - absolut
notwendig und äußerst schwierig ist.

Verstärkte Exportkontrollen
Zur Kontrolle des Exports von
Grundstoffen für chemische Waffen
(solche Chemikalien, die zur Produktion todbringender chemischer Wirkstoffe verwendet werden) hat die amerikanische Regierung mit uneingeschränkter Unterstützung der Industrieunternehmen
weitreichende
Exportrestriktionen verhängt. Für amerikanische Industrieunternehmen sind
diese Bestimmungen aufgrund ihres lobenswerten Ziels mehr als gerechtfertigt: doppelt verwendbare Chemikalien dürfen nur für legitime Zwecke exportiert werden. Die Regierung arbeitet mit den Industrieunternehmen
zusammen, um sicherzustellen, daß
diese Kontrollen effektiv durchgeführt werden und konsultiert die Industrieunternehmen
regelmäßig,
um
festzustellen, ob zusätzliche Kontrollen erforderlich sind.
Bedauerlicherweise haben die Kontrollen die Beschaffung von Chemikalien durch solch problematische Länder wie Syrien, Libyen, Iran und Irak
nicht verhindert.
Die Länder, die
auf ihren Besitz besonders erpicht
sind, werden immer geschickter im Umgehen der Kontrollen. Um die Aussage
von Reginald Bartholomew, dem Unterstaatssekretär
im
Außenministerium

vor dem amerikanischen Senat im vergangenen Juni zu zitieren: "Wir haben es den potentiellen Verbreitern
und anderen erschwert, in den Besitz
von Grundstoffen für chemische Waffen
zu gelangen. Aber", warnte er, "Länder, die beabsichtigen, solche Chemikalien zu beschaffen, können dies immer noch tun."

Verschärfte Inspektionsverfahren
Die Zusammenarbeit zwischen Regierung und Industrieunternehmen ist
für das erfolgreiche Verbot chemischer Waffen unabdingbar. Unsere Zusammenarbeit erstreckt sich auf die
Gewährleistung, daß mit Inkrafttreten
eines Vertrags über das Verbot chemischer Waffen durch Inspektionen der
Chemieindustrie festgestellt wird, ob
illegale Aktivitäten stattfinden
ohne die lebenswichtigen Unternehmensinteressen zu gefährenden.
Im vergangenen Februar haben die
amerikanische Regierung
und Industrieexperten beispielsweise gemeinsam im Rahmen eines 14 Nationen umfassenden Versuchs zur Erprobung von
Inspektionsverfahren für Chemieunternehmen eine Inspektion der AKZO-Chemieanlage in West Virginia durchgeführt. Dieses Experiment dient als
Grundlage für eine realistische Datenbank für zukünftige multilaterale
Verifizierungsexperimente und für einen Vertrag über das Verbot chemischer Waffen.
Die Chemieindustrie der Vereinigten Staaten sammelt derzeit Daten
über mehrfach verwendbare Chemikalien, die potentiell als chemische Waffe eingesetzt werden können. Diese
Bestrebungen werden den amerikanischen Behörden dabei behilflich sein,
die illegale Umwandlung dieser Chemikalien aufzudecken.
Darüber hinaus
könnten sie dazu beitragen, die Wirkung von Exportkontrollen und eines
Verbots chemischer Waffen an sich abschließend zu beurteilen.
Die Unterstützung seitens der In-

�dustrie hat positive Auswirkungen auf
die Genfer Verhandlungen gehabt und
zu Fortschritten in mehreren Problembereichen wie Handhabung vertraulicher Daten, Durchführung von Betriebsinspektionen sowie die Bestimmung der Materialien, die in Kontrollmaßnahmen einbezogen werden sollen, geführt.

Weitergabe von Daten
Die amerikanische Regierung und
die Industrieunternehmen stellen sich
gegenseitig Informationen über Chemikalien zu Verfügung, die unseres Erachtens nicht in den freien Handel
mit Ländern gelangen sollten, die
Terrorismus offen unterstützen oder
gutheißen. Bisher haben wir gemeinsam an der Überwachung des Exports
von 40 Chemikalien gearbeitet, die
wir und eine Reihe der Handelspartner
auf eine Liste gesetzt haben.

eines Verbots chemischer Waffen erfordert eingehende Inspektionen einiger Chemieanlagen und bedarf daher
beispielloser Zusammenarbeit zwischen
Regierung und Industrieunternehmen.
Ein Teil unserer Bemühungen besteht
in der Erarbeitung wirksamer Verifizierungsmaßnahmen, um sicherzustellen, daß alle Vertragsparteien darauf
vertrauen können, daß dieser Vertrag
eingehalten wird.
Wir erarbeiten
neue Wege, um die Einhaltung zu gewährleisten, die voraussetzen, daß
die Industrieunternehmen sich in noch
höherem Maße selbst überwachen.
Die Chemieindustrie wird zum Beispiel weiterhin ihre Kunden überprüfen, um sich zu vergewissern, daß die
Käufer mit Einsatz, Handhabung und
Lagerung dieser Chemikalien vertraut
und sie für legitime Zwecke bestimmt
sind. Ebenso wie andere Industrieprogramme werden diese Bestrebungen
die Arbeit an einem internationalen
Vertrag erleichtern.

Die amerikanische Regierung ist
damit befaßt, andere Länder davon zu
überzeugen, ihre Chemieexporte so
sorgfältig zu überwachen wie wir.
Amerikanische Chemieproduzenten stellen amerikanischen Regierungsbehörden
freiwillig Informationen über verdächtige Aufträge für sensitive Materialien und Technologien zu Verfügung. Der amerikanische Verband der
Chemieproduzenten
arbeitet an der
Formalisierung dieses Verfahrens, indem er ein Informations- und Referenzsystem aufbaut, anhand dessen Unternehmen die Regierungsbehörden zu
bestimmten
Aufträgen
konsultieren
können und das diesen Behörden gestattet, die Chemieproduzenten bezüglich bestimmter "unerwünschter Käufer" zu warnen.

Chemieunternehmen mit Betrieben
in mehreren Ländern haben das größte
Interesse an einem wirksamen weltweiten Verbot chemischer Waffen. Eine
Welt ohne chemische Waffen würde
freie Märkte für den Handel mit Chemikalien ohne Einschränkungen fördern
und erweitern.
In gleicher Weise
wollen die Industrieunternehmen gewährleisten, daß ihre Betriebe über
jeden Verdacht erhaben sind und auch
ihre Kunden die internationalen Normen einhalten. Die führenden Organisationen der Chemieindustrie unterstützen unsere Unterhändler in Genf
in jeder Hinsicht einmütig bei ihrer
Arbeit an einem umfassenden, wirksam
verifizierbaren und wirklich weltweiten Verbot chemischer Waffen.

Ergänzung der Verifizierungsmaßnahmen des Vertrags

* * * * *

RUstungskontrollmaßnahmen sollten
nur dann ratifiziert werden, wenn sie
verifizierbar
sind.
Alles andere
würde den gesamten Rüstungskontrollprozeß gefährden. Die Verifizierung
- 3 -

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

V,oN &amp;

35

20. September ]989

DIE VERNICHTUNG CHEMISCHER WAFFEN
- Übersicht über das Programm der Vereinigten Staater -

(Die folgende Übersicht über das Programm der Vereinigten Staaten zur Vernichtung chemischer Waffen wurde im September von der amerikanischen Delegation
bp' der Internatioalen Konferenz von Regierungen und Industrieunternehmen geveröffentlicht, die vom 18. bis 22. September 1989 in
;&gt;/n chemische Waffen
Canberra stattfindet.)

Die Vereinigten Staaten von Amerika sind das einzige Land, das sich
öffentlich
zur
Vernichtung
eines
Großteils ihres Bestands an chemischen Waffen bis zu einem bestimmten
Zeitpunkt verpflichtet haben. In dem
am 8. November 1985 in Kraft getretenen öffentlichen Gesetz 99-145 ist
verankert, daß der Verteidigungsminister die Vernichtung des gesamten
amerikanischen Bestands an unitären
todbringenden chemischen Wirkstoffen
und Munition vornehmen wird. Dem Gesetz zufolge muß der Bestand an unitären Wirkstoffen bis 30. April 1997
vernichtet sein.
Das Gesetz findet
darüber hinaus auch auf in Europa gelagerte unitäre chemische Waffen der
Vereinigten Staaten Anwendung.
Wir
beabsichtigen, die in Europa gelagerten chemischen Waffen vor 1992 zum

Johnston Atoll
zu verlagern,
termingemäß ab.

im Pazifischen
Das Programm

Ozean
läuft

Die Vereinigten Staaten haben im
Jahr 1970 mit der systematischen Vernichtung ihrer unitären Senfgaswirkstoffe
durch
Verbrennen
begonnen.
1973 wurde das Programm auf die Vernichtung von Nervengas durch Neutralisation erweitert.
Millionen Pfund
beider Wirkstoffe wurden im Rocky
Mountain Arsenal in Colorado vernichtet. Zu diesem Zeitpunkt waren diese
größtenteils
veralteten
Waffen
26
Jahre alt. Seit 1979 ist eine kleine
Pilotanlage zur Vernichtung unitärer
chemischer Waffen im Tooele Army Depot in der Nähe von Salt Lake City
(Utah) in Betrieb (diese Anlage wurde
im Jahr 1983 von den Teilnehmerstaa-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�ten der Genfer Abrüstungskonferenz
und 1987 von sowjetischen Experten
besichtigt).
In der Anlage in Tooele können
Vernichtungstests an allen Arten von
todbringenden Wirkstoffen und Munition vorgenommen werden. Die dort verwendete Technologie ist erfolgreich
in anderen Vernichtungsanlagen angewandt worden. Anhand der in den Anlagen in den Rocky Montains und in
Tooele gemachten Erfahrungen haben
die Vereinigten Staaten eine Vernichtungsanlage in Pine Bluff (Arkansas)
entworfen, die im Mai 1988 in Betrieb
genommen wurde. In Pine Bluff wird
heute BZ vernichtet, ein bewußtseinsverändernder
halluzinogener
Wirkstoff.
Bis Oktober dieses Jahres
wird der gesamte Bestand der Vereinigten Staaten an diesem Wirkstoff
vernichtet sein. In der Zwischenzeit
ist die erste, in jeder Hinsicht mit
modernster
Technologie
ausgestatte
Vernichtungsanlage für chemische Waffen der Welt auf dem Johnston Atoll
gebaut worden, die bis Ende des Jahres in Betrieb genommen wird.

Vereinigten Staaten ca. 15 Millionen
Pfund an chemischen Waffen vernichtet
haben.
Umweltverträgliche Methoden
zur Vernichtung von Nervengas sind
teuer und zeitaufwendig.
Auch bei
Senfgas ergeben sich Schwierigkeiten.
Die jährlichen Lagerungskosten für
den Bestand an unitären chemischen
Waffen belaufen sich auf rund 63,8
Millionen Dollar, wovon ein Großteil
für Sicherheitsmaßnahmen aufgewendet
wird.
Schätzungen der US-Army zufoge
wird dieses Programm ungefähr 3 Milliarden Dollar kosten. Es wird im
Einklang mit strengsten Umweltvorschriften und unter Einhaltung der
Sicherheitserfordernisse
durchgeführt.
Als Folge dieses Programms
werden die Vereinigten Staaten einen
sehr viel geringeren Bestand an chemischen Waffen haben, der nur noch
aus binären chemischen Waffen besteht, die entschieden sicherer zu
handhaben und zu lagern sind.

* * * * *

Am 23. Februar 1988 hat die USArmy ein Entscheidungsprotokoll veröffentlicht, in dem die Vernichtung
des Bestands an unitMren chemischen
Waffen der Vereinigten Staaten in den
acht Lagern in den Vereinigten Staaten und in der Vernichtungsanlage für
chemische Waffen auf dem Johnston
Atoll im Pazifischen Ozean gefordert
wird. Die Standorte in den Vereinigten Staaten sind: Aberdeen Proving
Ground in der Nähe von Edgewood (Maryland), Anniston Army Depot bei Anniston
(Alabama),
Lexington
Blue
Grass Army Depot bei Richmond (Kentucky), Newport Army Ammunition Plant
bei Newport (Indiana), Pine Bluff Army Ammuniton Plant, Pueblo Army Depot
Activity in der Nähe von Pueblo (Colorado) , das Tooele Army Depot und
die Umatilla Army Depot Activity bei
Hermiston (Oregon).
Am 4. April 1989 hat Botschafter
Friedersdorf die Genfer Abrüstungskonferenz darüber informiert, daß die
- 2 -

�v^°S^&lt;

AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

20. September 1989

35

DAS AMERIKANISCHE FORSCHUNGSPROGRAMM ZUR BIOLOGISCHEN VERTEIDIGUNG
- Eine Übersicht des US-Informationsamts -

Hintergrund
Im Jahr 1969 haben die Vereinigten Staaten einseitig und bedingungslos auf Programme zur Entwicklung und
Herstellung biologischer Waffen und
Wirkstoffe verzichtet. Die Vernichtung aller derartigen Bestände wurde
angeordnet. Im Jahr 1970 wurde dieses einseitige Verbot auf Toxine (von
lebenden Organismen produzierte giftige Chemikalien) ausgeweitet.
Im Jahr 1972 unterzeichneten die
Vereinigten Staaten die Konvention
über biologische Waffen (BWC). Dieser von 111 Staaten unterzeichnete
Vertrag untersagt Entwicklung, Produktion, Lagerung, Besitz sowie die
Lieferung von biologischen Wirkstoffen oder Toxinen an andere Staaten.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Die Vereinigten Staaten standen im
Kampf für ein weltweites Verbot biologischer Waffen, der zur Konvention
über biologische Waffen führte, an
vorderster Front. Die BWC trat im
Jahr 1975 in Kraft.
Das schon während des Zweiten
Weltkriegs ins Leben gerufene amerikanische Forschungsprogramm zur biologischen Verteidigung (BDRP) wurde
nach dem im Jahr 1969 erklärten Verzicht auf biologische Waffen fortgeführt - jedoch als rein auf Verteidigung ausgerichtetes Programm und nach
der Unterzeichnung der BWC im Jahr
1972 im Einklang mit Artikel I der
BWC, der den Besitz geringfügiger
Mengen biologischer Wirkstoffe und
Toxine zu "prophylaktischen, schützenden oder anderen friedlichen Zwek-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�ken" gestattet.
Zum Zeitpunkt der Umsetzung der
Konventton über biologische Waffen
waren alle von der BWC verbotenen militärischen
Bestände
biologischer
Wirkstoffe und Toxine, Waffen, Ausrüstung oder Trägersysteme der Vereinigten Staaten bereits einseitig zerstört worden. Die zuvor für biologische Waffen oder Toxine benutzten
amerikanischen Einrichtungen wurden
für andere Zwecke umgerüstet.
So
sind beispielsweise die militärischen
Einrichtungen von Fort Detrick (Maryland) und Pine Bluff Arsenal (Arkansas), die in der Vergangenheit biologische Zwecken dienten, heute dem
US-Gesundheitsmini sterium unterstellt.
Seit dem Inkrafttreten der BWC im
Jahr 1975 hat kein Land die Vereinigten Staaten jemals beschuldigt, Programme zur Entwicklung offensiver
biologischer Waffen durchzuführen.

Die gegenwärtige Situation
Das Forschungsprogramm zur biologischen
Verteidigung
konzentriert
sich heute wie in den vergangenen 20
Jahren ausschließlich auf defensive
Systeme. Seine Ziele sind die Entwicklung
medizinischer
Schutz- und
Behandlungsmöglichkeiten (Impfstoffe,
Medikamente), von Schutzkleidung, Dekontamlnierungsverfahren und verbesserten Aufspürfähigkeiten auf dem Gefechtsfeld.
In den Jahren 1980 und 1986 gab
es zwei Konferenzen zur Überprüfung
der BWC, die nächste ist für 1991
vorgesehen.
Bei beiden Konferenzen
haben die Vereinigten Staaten bekräftigt, daß sie alle Bestimmungen der
Konvention
vollständig
einhalten.
Insbesondere bei der zweiten Konferenz forderten die Vereinigten Staaten einen jährlichen Informationsaustausch über die Forschungsmaßnahmen
aller Parteien, der so offen wie möglich sein sollte.
Darunter sollte
auch das BDRP fallen. Die Vereinigten Staaten betonen seit jeher ihren

Wunsch, Programme weiterzuführen, in
deren Rahmen Forscher aus verschiedenen Ländern in den Laboratorien anderer Staaten arbeiten können.

Die Verbreitung biologischer Waffen
Trotz amerikanischer Bemühungen
enthält die Konvention über biologische Waffen keine Verifikationsregelung. Bei der Unterzeichnung der BWC
im Jahr 1972 wurde vier Staaten der
Besitz biologischer Waffen unterstellt. Amerikanische Regierungsvertreter gehen davon aus, daß heute
mindestens zehn Staaten nachweislich
oder vermutlich biologische Waffenprogramme unterhalten.
Noch im Jahr 1988 hatte die Administration dem Kongreß berichtet, sie
sei zu der Überzeugung gelangt, daß
die Sowjetunion ein Programm zur offensiven
biologischen
Kriegführung
unterhält.
In diesem Zusammenhang
warten die Vereinigten Staaten immer
noch auf eine zufriedenstellende amtliche Erklärung zu dem beispiellosen
Ausbruch von Milzbrand im Jahr 1979,
von dem Hunderte von Menschen in
Swerdlowsk betroffen waren. Die Sowjetunion behauptet, der Ausbruch
dieser Krankheit habe auf dem Verzehr
von verseuchtem Fleisch beruht. Dies
Angelegenheit falle daher in den Bereich des öffentlichen Gesundheitswesens, und es bestehe keinerlei weitergehende Verpflichtung zu Konsultationen gemäß der BWC. Die Vereinigten Staaten verweisen darauf, daß die
Mehrheit der Infizierten über die
Atemwege und nicht über den Darmbereich von Milzbrand befallen wurden.
Die Vereinigten Staaten nehmen an,
daß die Sowjets außer Milzbrand Tularämie, Pest und Cholera für Zwecke
der biologischen Kriegführung entwikkelt haben.

Programmumfang
Die Vereinigten Staaten wurden
sich nur langsam der Tatsache bewußt,
daß sich eine wachsende Zahl von Län-

- 2 -

�dem mit offensiv ausgerichteten Programmen zur biologischen Kriegführung
beschäftigen.
Nachdem die Beweise
für die zunehmende Zahl von Ländern,
die offensive biologische Waffen entwickeln, unübersehbar geworden waren,
beschlossen die Vereinigten Staaten
eine erhebliche Aufstockung der Mittel für das BDRP, um dieser wachsenden Bedrohung gerecht zu werden. Wie
in jedem Fall, wenn man praktisch bei
Null beginnt und die für ein Projekt
zur Verfügung stehenden Mittel rasch
erhöht, erscheint der prozentuale Zuwachs als sehr hoch.
Der für Verhandlungspolitik zuständige
Unterabteilungsleiter
im
US-Verteidigungsministerium,
Jim
Hinds, hat am 17. Mai 1989 vor dem
Ausschuß des Senats für Regierungsangelegenheiten eindeutig festgestellt,
daß "es die anhaltende Entwicklung
dieser Waffen durch andere erforderlich macht, daß die Vereinigten Staaten defensive Fähigkeiten beibehalten, um den Einsatz biologischer Waffen gegen unsere Streitkräfte zu verhindern. ... Dies zwingt uns dazu,
wirksame Forschungsprogramme zu Verteidigungszwecken weiterzuführen, mit
denen wir unsere Streitkräfte immunisieren, behandeln und defensiv ausrüsten können, falls sie auf einem biologisch verseuchten Gefechtsfeld operieren müssen."

Defensive Forschung
Viele Wissenschaftler beteiligen
sich an der medizinischen Forschung
im Rahmen des BDRP. Ihre Erkenntnisse werden häufig in Fachzeitschriften
veröffentlicht. Das BDRP unterliegt
keinerlei Geheimhaltung.
Der Kongreß, die Vereinten Nationen, Aufsichtsbehörden, Wissenschaftler aus
der ganzen Welt, Bürgerinitiativen
und die Medien haben jederzeit Zugang
zu Informationen über das BDRP.
Das einzige mit dem BDRP in Verbindung stehende und der Geheimhaltung unterliegende Element sind die
Mittel und Quellen, mit deren Hilfe

die Vereinigten Staaten Informationen
darüber sammeln, welche Länder biologische Waffen entwickeln und wie ausgefeilt diese Waffen sind.
In diesem Jahrhundert wurden fast
unweigerlich
tödlich
verlaufende
Krankheiten wie Pocken erfolgreich
ausgemerzt. Andere, nur gelegentlich
tödlich verlaufende Krankheiten wie
Polio und Röteln werden zunehmend unter Kontrolle gebracht. Das Bindeglied bei der Ausrottung und/oder
Kontrolle dieser Krankheiten ist die
Verwendung kleiner Mengen des die
Krankheit auslösenden Stoffs - unter
streng kontrollierten Bedingungen -,
um Gegenmittel, Impfstoffe oder ein
anderes Schutzsystem zu entwickeln
und erproben.
Diese wissenschaftlich-medizinische Methode liegt auch
dem Teil des BDRP zugrunde, der sich
mit Giften und Toxinen beschäftigt.
Ein kritischer Einwand zum BDRP
lautet, es gäbe keine eigentliche Unterscheidung zwischen offensiver oder
defensiver Forschung zu biologischen
Waffen. Diese Behauptung läßt einige
Realitäten außer acht. Abgesehen von
der Grundlagenforschung ist die gesamte Methodologie bei der Art von
Arbeiten, wie sie für offensive im
Vergleich zu defensiven biologischen
Waffen durchgeführt würden, grundsätzlich verschieden und für jeden
qualifizierten Wissenschaftler offensichtlich. Von Anbeginn basiert defensive Forschung auf anderen Postulaten und Hypothesen als Forschung
mit offensiven Zielsetzungen. Diese
grundverschiedenen Ansätze sind unter
Wissenschaftlern,
insbesondere
bei
den zahlreichen Wissenschaftlern aus
aller Welt, die regelmäßig BDRP-Einrichtungen
besuchen,
wohlbekannt.
Wenn das Ziel des amerikanischen BDRP
tatsächlich darin bestünde, offensive
Systeme zu entwickeln, wäre dies jedermann aufgrund der offenkundigen
Bemühungen ersichtlich, die zur Verstärkung von Virulenz oder toxischer
Wirkung sowie zur Herstellung der
enormen Mengen notwendig sind, die
weit über den zur Produktion von
Impfstoffen benötigten liegen.

- 3 -

�Neue Entwicklungen
Die jüngsten Entwicklungen in der
Gentechnik haben Einhaltung und Verifizierung der BWC erheblich kompliziert. Das Aufspüren von genetisch
veränderten
Substanzen
ist
sehr
schwierig.
Aufgrund der wachsenden
Bedeutung der Gentechnologie in der
Weltwirtschaft ist es leider für viele Staaten auch leichter geworden,
von der Konvention verbotene tödliche
Substanzen herzustellen.
Diese neue und erschreckende Realität der Gentechnik stellt das Forschungsprogramm zur biologischen Verteidigung vor große Herausforderungen. Es müssen jetzt noch energischere Bemühungen unternommen werden,
um die amerikanischen Streitkräfte
vor dem Einsatz und möglichen Mißbrauch dieser Technik zu schützen.

* * * * *

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                <text>&lt;strong&gt;1. Ozeanographie&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Salzdome im Golf von Mexiko&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vertikale Strömungen im Pazifik entdeckt&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aluminaut - Tauchboot für ozeanographische Forschung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Biologische Wüste im Pazifik&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mohole-Projekt im Dienste der biologischen Vorzeitforschung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hellfarbige Triftkörper markieren Strömungsverlauf&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Farbphotos für die Schiffahrt&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Entwicklungshilfe&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erziehung als Schlüssel zum Fortschritt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Die Bedeutung des Ausbaus der Erziehungssysteme in Entwicklungsländern&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Philip H. Coombs, Unterstaatssekretär für Erziehung und Kultur im US-Außenministerium&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Von Kunst und Künstlern&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Musica Nova in USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Norman Smith&lt;/em&gt;</text>
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Dokumentation

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19

20. Oktober 1976

Inhalt
INFORMATION
Walter J. Stoessel, Jr.
Der neue amerikanische Botschafter in Bonn

HINTERGRUNDMATERIAL
Militärische Stärke und Entspannung
Von James H. Schlesinger
US-Wähler stimmen auch über Einwegflasche und Kernenergie ab
- 35 Einzelstaaten verbinden Präsidentschafts- und Kongreßwahlen mit
Volksabstimmungen -

WIRTSCHAFT
Die amerikanische Rohstoffpolitik nach UNCTAD IV
Von J. Robert Vastine
Stellvertretender Unterstaatssekretär im US-Finanzministerium

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Kontrolle für Fluorkohlenwasserstoffe
USA wollen Anwendung begrenzen

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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19/1976

WALTER J. STOESSEL, JR.
Der neue amerikanische Botschafter in Bonn

- (AD) - BONN - Der neue Botschafter der Vereinigten Staaten in der
Bundesrepublik Deutschland, Walter J. Stoessel, Jr., ist Berufsdiplomat und
war zuletzt, von Januar 1974 bis September 1976, US-Botschafter in Moskau.
Am 24. Januar 1920 in Manhattan im Staate Kansas geboren, erwarb Stoessel
1941 an der Stanford University in Kalifornien den Grad eines Bachelor of A^ts
und trat im darauffolgenden Jahr in den Auswärtigen Dienst der Vereinigten
Staaten ein. Er erhielt nach kurzer Einweisung seine erste Auslandsberufung
nach Caracas, Venezuela. Der zweite Weltkrieg unterbrach seine Diplomatenlaufbahn vorübergehend: von 1944 bis 1946 leistete er Kriegs- und Wehrdienst
bei der US-Marine.
Nach Kriegsende und dem Ausscneiden aus der Marine kehrte Stoessel in
das Außenministerium zurück, das ihn 1947 für zwei Jahre nach Moskau entsandte,
wo er zunächst das Konsulat leitete und später in der Politischen Abteilung
der Botschaft arbeitete. Im Anschluß an die Moskauer Tätigkeit studierte er
von 1949 auf 1950 am Russischen Institut der New Yorker Columbia-Universität.
Die Jahre 1950 bis 1952 leitete er ein politisches Ressort bei der Amerikanischen
Hochkommission für Deutschland in Bad Nauheim. Im weiteren Verlauf des letzteren
Jahres, übernahm er die Leitung des Rußland-Büros in der Zentrale in Washington
- 1-

�Washington - eine Funktion, die er bis zu seiner Abstellung als Referent
des außenpolitischen Beraters des Präsidenten im Jahre 1956 ausübte.
Noch im gleichen Jahr erfolgte jedoch Stoessels Versetzung an die Botschaft in Paris, an der er bis 1959 in der Politischen Abteilung tätig war.
Anschließend erhielt er Gelegenheit, sein politisches Wissen am Institut für
Außenpolitische Fragen der Harvard-Universität (Harvard Center for International
Affairs) weiter zu vertiefen.

Von Harvard zurück, stand er 1960 bis 1961 an

der Spitze des Exekutivsekretariats des State Department.

Im Jahre 1961 wurde

Stoessel dem Hauptquartier des Alliierten Oberbefehlshabers in Europa (SHAPE)
in Paris als politischer Berater zugeteilt.
Von dort aus ging Stoessel 1963 als Gesandter und stellvertretender
Missionschef an die amerikanische Botschaft in Moskau. Zwei Jahre darauf,
1965, wurde Stoessel zum Stellvertretenden und 1972 - nach fast vierjährigem
Wirken als Botschafter in Polen von 1968 bis 1972 - zum Unterstaatssekretär
für Europäische Angelegenheiten und Leiter der Europa-Abteilung im US-Außenministerium berufen. Im Januar 1974 schließlich kehrte er wiederum nach Moskau
zurück, um das Amt des Botschafters der Vereinigten Staaten in der Union der
Sozialistischen Sowjetrepubliken zu übernehmen - den letzten Posten vor seiner
Berufung nach Bonn, wo er am 20. Oktober 1976 die Nachfolge Botschafter Martin J.
Hillenbrands antrat.
Walter John Stoessel, Jr., ist verheiratet mit der ehemaligen Mary
Ferrandou.

Das Ehepaar hat drei Töchter.

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19/1976

MILITÄRISCHE STÄRKE UND ENTSPANNUNG
Von James H. Schlesinger

Dr. Schlesinger, ehemals Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten, ist gegenwärtig Mitarbeiter des Center for Foreign
Policy Research (Außenpolitisches Forschungszentrum) der Johns Hopkins University in
Baltimore, Maryland.

Das Ziel der Außenpolitik der Vereinigten Staaten, aus dem sich jeweils
die Verteidigungserfordernisse herleiten, bleibt weiterhin der Schutz und die
Bewahrung unserer sozialen Ordnung in einer feindseligen Umwelt.
Die internationale Verantwortung der Vereinigten Staaten ergibt sich aus
der Notwendigkeit der Erhaltung der eigenen Freiheit wie der unserer Verbündeten.
Sie bestimmt unsere Außenpolitik und damit indirekt auch unsere Verteidigungsstrategie sowie auch den Aufbau unserer Streitkräfte.
Angesichts der Machtverhältnisse sind die Vereinigten Staaten seit 1945
das einzige Gegengewicht zur Sowjetunion.

Diese Erkenntnis bildet seither den

unwandelbaren Kern der amerikanischen Außenpolitik.

Ohne eine Stärkung der

amerikanischen Präsenz und das verbindende Element des amerikanischen Verteidigungsbeitrags würde das Atlantische Bündnis zerfallen.
- 1 -

Amerikas Verbündete, die

�die europäischen Demokratien, sähen sich dann gezwungen, sich mit der Sowjetunion zu arrangieren.

Amerikas europäische Verbündete, kleine und mittelgroße

Staaten, könnten sich ohne Rückendeckung durch eine Supermacht der Sowjetunion
in nichts widersetzen.
Die politische und militärische Stabilität sind in einer Welt fortgesetzter
Feindseligkeiten engstens miteinander verknüpft.

Amerikas militärische Ent-

scheidungen bezüglich Strategie und Truppendislozierungen müssen deshalb stets
in einem vernünftigen Verhältnis zu den Zielsetzungen der amerikanischen Außenpolitik stehen.
Wenngleich das Militär für Amerika unentbehrlich ist, stellt es doch nicht
die einzige Stütze seiner Außenpolitik dar.

Die Vereinigten Staaten suchen

vielmehr das internationale Gleichgewicht auch durch Verhandlungen zu gewährleisten - insbesondere durch Vereinbarungen über die Beschränkungen der Rüstungen.

Diese Bestrebungen und die Hoffnungen, die sie verkörpern, dürfen wir nie

aufgeben.

Trotz der entmutigenden Charakteristika der sowjetischen Doktrin ver-

folgen die Vereinigten Staaten gegenüber der Sowjetunion seit 1933 eine Politik
der Entspannung - worunter sie allerdings in sinnvollen Verhandlungen erzielte
Regelungen verstehen.

Selbst in der Periode, die wir heute als den Höhepunkt

des Kalten Krieges betrachten, wurde die Entspannungspolitik unter Begriffen
wie "Geist von Genf" oder "Geist von Camp David" fortgeführt.

Und in jüngster

Zeit schließlich sprach man von Detente - bis diese Bezeichnung offiziell aufgegeben wurde.
Wenn wir davon ausgehen, daß die Vereinigten Staaten in dem heutigen internationalen ideologischen Konflikt der fortschrittliche Partner sind, dann haben
sie die moralische Verpflichtung, immer verhandlungsbereit zu sein und selbst
die Initiative zu solchen Verhandlungen zu ergreifen.

Es gilt die Hoffnung

aufrechtzuerhalten, daß Spannungen, die aus einer Mischung von Ideologie und
Macht entstehen, allmählich oder letztlich doch abklingen.
darf nicht in Illusionen ausarten.

Die Hoffnung aber

Wenngleich wir immer auf einen vernünftigen

Ausgleich bedacht sein wollen, bedeutet das keineswegs, daß wir uns unrealistischen

�unrealistischen Forderungen beugen sollten.
Die planmäßige Aufrechterhaltung der militärischen Macht seitens der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten seit etwa Ende der vierziger Jahre hat
ein effektives Fundament für die Abschreckung geschaffen, die einen unmittelbaren militärischen Angriff ausschließen dürfte. Militärische Macht kann letztlich nicht mehr ausrichten, als vor einem Angriff abzuschrecken. Sie kann beispielsweise nicht subversiver Bestrebungen Herr werden. Sie kann nicht direkt
mit Problemen des inneren politischen Zerfalls fertig werden, wenngleich die
indirekten Auswirkungen jener Aura der Stärke, die militärische Macht zu verbreiten vermag, geeignet scheinen, das Vertrauen und den Zusammenhalt von Ländern, die sich einem gemeinsamen politischen Druck ausgesetzt sehen, zu verändern. Unter dem Schatten einer feindseligen Militärmacht besteht die Gefahr,
daß die politische Selbständigkeit und das politische Verständnis und Vertrauen
allmählich schwinden. In Westeuropa beispielsweise dürfte die Aufrechterhaltung
des militärischen Gleichgewichts für die Aufrechterhaltung des Vertrauens der
westeuropäischen Länder von ebenso großer Wichtigkeit sein wie die Abschreckung
vor einem direkten militärischen Angriff.
Das wichtigste Charakteristikum militärischer Macht ist, daß ihre Existenz
allein die Notwendigkeit ihrer Anwendung von vornherein ausschließt. Militärische
Macht sollte unter allen Umständen dort für angebracht angesehen werden, wo ihre
alleinige Existenz schon dazu beiträgt, den Frieden zu erhalten. Bedauerlicherweise nimmt man in demokratischen Ländern kaum Kenntnis von der Funktion, die
nicht angewandte militärische Macht vielfach zu haben pflegt. Die sich daraus
ergebende Erosion schwächt die Abschreckungswirkung und zieht im höchsten Maße unerwünschte politisch-militärische Konsequenzen nach sich.
Im Kern bedeutet die Abschreckung die Entwicklung von strategischen Maßnahmen und Streitkräften, die im Falle eines direkten militärischen Angriffs
eine glaubwürdige Vergeltung gestatten.

Die Notwendigkeit einer solchen vor-

bedachten Gegenschlagkapazität, die ebenso glaubwürdig wie wirksam sein muß,
ist ein häufig mißverstandener Aspekt jeder erfolgversprechenden Verteidigungs-

�Verteidigungsposition.

Ohne eine glaubwürdige Gegenschiagkapazitat wird die

Abschreckung zur reinen Fassade.

Sollte die Abschreckung versagen, gäbe es

ohne eine solche vorbedachte Gegenschiagkapazitat keine wirksame Methode der
Erwiderung - damit könnte in Zeiten der Spannung ein Angriff geradezu attraktiv
erscheinen.
In den letzten Jahren herrscht weithin und verständlicherweise die allerdings irrige Auffassung, die Entspannung könnte irgendwie zu einem Ersatz für
die auf ausreichende militärische Kapazität gestützte Abschreckung werden.
Diese Auffassung tritt glücklicherweise mehr und mehr in den Hintergrund.

Es

liegt auf der Hand, daß die Aussichten auf Entspannung vom Gleichgewicht der
Macht abhängen.
täre Begriffe.

Abschreckung und Entspannung sind notwendigerweise komplemenEs ist in der Tat eine Ironie, daß die Aufrechterhaltung der

amerikanischen Verteidigungsstärke zur Abstützung der Entspannung ebenso notwendig ist wie zu unserer Absicherung für den Fall ihres Scheiterns.
Heute beurteilt man die Detente - oder welches Wort man immer dafür setzen mag - in den Vereinigten Staaten mit größerem Realismus (mancherorts auch
mit einem unangemessenen Grad der Desillusionierung). Vor einigen Jahren noch
herrschte eine euphoristische Betrachtungsweise der Detente vor; man glaubte,
sie schließe die Möglichkeit von Konflikten aus, und die Vereinigten Staaten
könnten deshalb einseitig abrüsten. Die amerikanischen Vorstellungen von
einer "Verminderung der Spannungen" waren jedoch nur sehr schwer mit dem
offen verkündeten sowjetischen Dogma in Einklang zu bringen, demzufolge die
Detente "die Intensivierung der ideologischen Auseinandersetzung" erforderlich
mache.
Für die Sowjets ist Detente, und das ist typisch, mit der Leninschen
"friedlichen Koexistenz" gleichzusetzen, die wiederum nichts anderes als eine
- schmackhaftere - Taktik in fortgesetztem Klassenkampf ist. Nach sowjetischer
Auffassung ist der Fortschritt in der Detente durch eine Reihe von Meilensteinen
gekennzeichnet, die die fortgesetzte Veränderung der "Korrelation der Streitkräfte" zugunsten der Sowjetunion und zuungunsten des Westens markieren. Wenn die

�i
die Sowjets mithin von der Intensivierung der ideologischen Auseinandersetzung
sprechen, ist es ihnen bitter ernst.

Der Westen aber war sicherlich schlecht

darauf vorbereitet, diese Realitäten zu begreifen.
Die Erfahrungen der letzten drei Jahre machen deutlich, daß sich die Vorstellungen von Detente an einer realistischen Einschätzung von sowjetischen Auffassungen und taktischen Maßnahmen orientierer, niissen.Das Vorgehen der Sowjetunion
seit 1973, als Mitgarant der Pariser Verträge über die Feuereinstellung in
Vietnam,im Nahost-Krieg von 1973, im Anschluß an die Konferenz von Helsinki
und in Angola - das alles beweist nur die Kluft, die zwischen den besänftigenden Worten der Sowjets (die wir nur allzu gern geglaubt hätten) und ihrer rauhen Handlungsweise (die zur Kenntnis zu nehmen uns so sehr widerstrebt) besteht.
Schließlich aber hat man diese Kluft doch erkannt. Detente wurde
wiederholt neu definiert - und zwar noch vor der Zeit, zu der dieses Wort aus
dem offiziellen Vokabularium gestrichen worden ist. Die allzu ansprechende
Vorstellung vergangener Jahre, die Sowjetunion sei auf die eine oder andere Art
und Weise zu einer Macht des Status quo geworden, hat man inzwischen aufgegeben.
Der Glaube, die Detente werde eine Beendigung des weiteren Ausbaus der sowjetischen Rüstung mit sich bringen, ist dahingeschwunden und machte der Erkenntnis
Platz, daß das Wettrüsten weitergeht. Auch der Glaube, daß Verhandlungen allmählich an die Stelle von Konfrontationen treten werden, gehört der Vergangenheit an. Das Gebiet, das der Detente vorbehalten sein sollte, hat man seither
ständig verengt. Heute geht die offizielle Auffassung von der Politik der Detente,
wiewohl längst nicht mehr mit jenem Wort umschrieben, nur noch dahin, daß sie
die Vermeidung eines Krieges mit Kernwaffen, das Streben nach Vereinbarungen
zur Beschränkung der Kernwaffen und die Einengung der weltweiten sowjetischen
Macht bedeutet.
Ganz offensichtlich liefen die Versuche, das Konzept der Detente zu dehnen
und zu beugen letztlich darauf hinaus, daß die Detente heute, was politische
Maßnahmen angeht, nur noch herzlich wenig bedeutet: eine Reihe veränderlicher
Formeln.

Detente erweist sich damit als ein Begriff allumfassender Art, mit
- 5 -

�mit der man immer gerade das abdeckt, was man gerade als den jeweiligen
Stand in den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen empfindet.

Historisch

gesehen hat Detente im Laufe der Jahre von der gegenseitigen Aussöhnung bis
zum Kernwaffenalarm im arabisch-israelischen Krieg von 1973 so gut wie alles
bedeutet.

Wenn aber Detente so gut wie alles bedeuten kann, bedeutet sie

in Wirklichkeit so gut wie gar nichts.
Detente hat mithin ihren

spezifischen Charakter eingebüßt.

Sie bedeutet

nicht mehr länger dauerhafte Entspannung, sondern lediglich den Willen zur
Vermeidung eines Krieges mit Kernwaffen.
auf Detente.

Dieser aber beschränkt sich nicht

Die Vermeidung eines Krieges war vielmehr auch das Ziel, und

zwar das erfolgreich verwirklichte Ziel, in der Zeit des Kalten Krieges.

Sie

hängt im Grunde genommen aber nicht so sehr von Verhandlungen als von der Aufrechterhaltung einer angemessenen Abschreckungsmacht ab.

Was bleibt, ist mit-

hin die Hoffnung auf weitere Verhandlungen und die Bereitschaft, sie zu führen.
Breschnew hat auf dem jüngsten kommunistischen Parteitag einmal mehr betont, daß die Detente keineswegs die Gesetze des Klassenkampfes aufhebt. Mit
anderen Worten legt die sowjetische Doktrin auch weiterhin den Nachdruck auf
die Rivalität zum Westen und die Konfrontation mit ihm - wenngleich sie dieser
Rivalität nicht gestatten wird, in einen direkten militärischen Zusammenprall
der beiden Supermächte auszuarten.
Die Vereinigten Staaten werden sich gezwungen sehen, ihre eigenen Vorschläge und politischen Maßnahmen auf das zu beschränken, was angesichts der
sowjetischen Einstellung und Taktik innerhalb des größeren Rahmens möglicher
Verhandlungsgegenstände zwischen den Sowjets und den Vereinigten Staaten als
wirklich verhandlungswürdig anzusehen ist. Traurig! Wenn aber die Politik die
Kunst des Möglichen ist, so gilt dies für die Außenpolitik, die Rüstungsbeschränkung und die Detente nicht minder.
Die sowjetische Gesellschaft wird auch weiterhin ernstliche Schwächen
zeigen - auf wirtschaftlichem und auch auf politischem Gebiet. Trotz der
Strenge ihrer Lehre, kann die Sowjetunion nicht verbergen, daß der revolutio-

�revolutionäre Eifer erheblich nachläßt.

Das Ende aber der ideologischen Aus-

einandersetzung ist noch nicht abzusehen.

Und so ist demzufolge auch der

Friede in des Wortes eigentlicher Bedeutung noch weit.
Die Vereinigten Staaten haben eben erst eine relativ schwierige Periode
ihrer Geschichte durchgestanden. Noch besteht in weiten Kreisen ein Gefühl
der Verbitterung und des Mißtrauens.
Vietnam hat Amerika in so starkem Maße
angerührt, daß viele Amerikaner darüber zu vergessen scheinen, ein wie totalitäres System in der Sowjetunion herrscht. Seit jedoch die sowjetische Unterdrückung, und seit Solschenizyn und Sacharow in den Mittelpunkt des Interesses gerückt sind, haben sich die Verhältnisse von Grund auf gewandelt: wir
wurden uns des totalitären Charakters des Sowjetstaates erneut bewußt. Wie
groß auch immer die Ungerechtigkeit innerhalb der amerikanischen Gesellschaft
oder die Schwäche der staatlichen Politik in unserem Lande sein mag, ein
Archipel Gulag wird es bei uns nie geben.
Zweifelsohne ist die Zivilisation des Westens einschließlich.der der Vereinigten Staaten in eine Periode politischer und moralischer Krisen eingetreten.
Diese Krisen können aber auch ein Zeichen potentieller Gesundheit sein. Es
gibt bestimmt keine Zwangsläufigkeit des Verfalls*und es gibt auch keine
Spenglersehe Schicksalshaftigkeit.

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19/1976

US-WÄHLER STIMMEN AUCH ÜBER EINWEGFLASCHE UND KERNENERGIE AB
- 35 Einzelstaaten verbinden Prä'sidentschafts- und Kongreßwahlen
mit Volksabstimmungen -

- (AD) - Am 2. November werden alle amerikanischen Wähler über den künftigen Präsidenten und Vizepräsidenten sowie über ihren Kongreßabgeordneten
entscheiden. Viele werden darüber hinaus ihren Senator (der Senat wird zu
einem Drittel neu gewählt) und ihren Gouverneur (die Gouverneurswahl steht in
14 Staaten an) bestimmen müssen. Und schließlich steht eine Vielzahl öffentlicher Ämter - vom Hundefänger über den Sheriff bis zum Bezirksrichter - zur
Wahl. Aber in 35 Staaten der Union kann der Wähler auch direkt zu einzelstaatlichen und kommunalen Gesetzesvorhaben entscheidend Stellung nehmen. In weiteren acht Staaten kann das Referendum auf Kreis-und Kommunalebene benutzt
werden.
Es ist nicht möglich, eine genau Zahl dieser einzelstaatlichen, regionalen
und kommunalen Volksabstimmungen anzugeben, aber man rechnet mit etwa 300 einzel
staatlichen und rund 15 000 kommunalen Themen zur Abstimmung. Diese Themen
reichen vom Verbot der Einwegflasche über die Einführung des Zahlenlottos bis
zum Streit über Kernkraftwerke.
Drei der heißesten Eisen sind Kernkraftwerke, Faustfeuerwaffen und Stromtarife.
Nachdem

�I
Nachdem die Gegner der Kernenergie im Juni bei einem Referendum in
Kalifornien eine Niederlage erlitten, haben sie jetzt das Thema auf die Stimmzettel in sieben Einzelstaaten setzen können:
Missouri, Montana und Washington.

Arizona, Colorado, Ohio, Oregon,

Erste Meinungsumfragen lassen erkennen, daß

die Gegner der Kernkraftwerke in drei Staaten - Washington, Oregon und Colorado in der überhand sind.

Die meisten der Bürgerinitiativen fordern ein Verbot

für die Errichtung weiterer Kernkraftwerke - es sei denn mit Auflagen, die
wiederum von der Atomindustrie als unannehmbar und unerfüllbar bezeichnet werden.
Von großer Bedeutung dürfte auch der Ausgang einer Initiative von rund
150 000 Bürgern und Bürgerinnen in Massachusetts sein, die in ihrem Staat ein
Referendum über den Besitz von Faustfeuerwaffen durchgesetzt haben.

Zum ersten

Mal in der amerikanischen Geschichte ist diese umstrittene Frage damit dem
Wähler zur Entscheidung vorgelegt worden.

Sollte die Initiative in Massachusetts

Erfolg haben, dann ist mindestens in 20 weiteren Staaten der Union mit ähnlichen
Bemühungen zu rechnen.
Der in Massachusetts zur Abstimmung gestellte Antrag sieht vor, daß die
Besitzer von Faustfeuerwaffen, d.h. Schußwaffen mit einer Länge des Laufes von
weniger als 40 cm, sechs Monate Zeit hätten, diese Waffen abzugeben. Ausgenommen bleiben Polizei, Waffenmuseen und lizenzierte Waffenhersteller. Man schätzt
die Zahl der unter ein etwaiges Verbot fallenden Waffen auf rund 400 000. Da
dem Bürger für die abgegebenen Waffen eine Entschädigung gezahlt werden soll,
würde das den Staat 25 bis 40 Millionen Dollar kosten.
Ein weiteres umstrittenes Thema, für das in Massachusetts eine wichtige
Vorentscheidung fallen wird, ist der Stromtarif. Bisher mußten Privathaushalte
und Kleinbetriebe - wegen der geringeren Abnahmemengen - einen höheren Tarif
zahlen als Großbetriebe. Nach dem jetzt zur Abstimmung vorliegenden Antrag
sollen alle Bezieher von Elektrizität mit ganz wenigen Ausnahmen den gleichen
Tarif zahlen. Das würde in der Praxis bedeuten, daß die Stromrechnung für
Privathaushalte und Kleinbetriebe zwischen 15 und 40 Prozent niedriger und für
- 2 -

�für die Industrie um 20 bis 30 Prozent höher würde.
In den Vereinigten Staaten gibt es drei Formen der "direkten Demokratie"
durch das Referendum:
1. Die gesetzgebende Körperschaft eines Einzelstaates kann ein Gesetz freiwillig der Wählerschaft zur Billigung vorlegen;
2. die Verfassung eines Einzelstaates kann die Vorlage bestimmter Gesetze
- meist Gesetze über den Schuldenplafond - zur Billigung durch den Wähler verlangen; und
3. Bürger können auf dem Wege der Petition ein Referendum - meist mit der
Absicht, eine Gesetzesaufhebung oder -änderung herbeizuführen - verlangen. Die
Verfahren für ein solches "Initiativreferendum" variieren von Einzelstaat zu
Einzelstaat.
Das Referendum geht auf die "Bürgerversammlung" in Neuengland zurück.
Nachdem die Zahl der Bürger, sprich Wähler, für solche Versammlungen einfach
zu groß wurde, schlug man den Weg des Referendums mit Hilfe des Stimmzettels
ein, um einen direkten Einfluß auf die Gesetzgebung nehmen zu können.
Es gibt Argumente für und gegen diese Praxis der Demokratie. In den Vereinigten Staaten behielt sie bisher immer die Oberhand, da sich ein gesundes
Mißtrauen gegen staatliche Institutionen und starker Bürgersinn als tragende
Kraft im politischen Leben durchgesetzt haben. In diesem Zusammenhang ist auch
festzustellen, daß der einzelne Abgeordnete im Kongreß viel stärker von seinen
Wählern "kontrolliert" wird als ein Parlamentarier in Europa.
Das Argument, das Referendum zerstöre die republikanische Staats- und Regierungsform, wurde schon 1903 vom Obersten Gerichtshof des Staates Oregon zurückgewiesen, der feststellte, daß der repräsentative Charakter der Regierung
dabei durchaus erhalten bliebe; "das Volk hat sich lediglich einen größeren An-

�Anteil an der gesetzgeberischen Macht vorbehalten."
Das Ergebnis einiger der jetzt anstehenden Referenden wird sicherlich
weit über den kommunalen oder einzelstaatlichen Bereich hinaus Beachtung finden.

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DIE AMERIKANISCHE ROHSTOFFPOLITIK NACH UNCTAD IV
Von J. Robert Vastine
Stellvertretender Unterstaatssekretär im US-Finanzministerium

J. Robert Vastine hat am Haverford College
und an der Johns Hopkins-Universität Volkswirtschaft und Politische Wissenschaften
studiert und vor seiner Berufung in das
Finanzministerium für den Senatsausschuß
für Regierungstätigkeiten gearbeitet. Im
Ministerium ist er für Fragen der Handelsund Rohstoffpolitik zuständig.

Seit etwa zwei Jahren sind in den Vereinigten Staaten intensive interministerielle Bestrebungen im Gange, die wirtschaftlichen Probleme zwischen Nord
und Süd gründlich zu analysieren und eine entsprechende amerikanische Politik
festzulegen. Wir haben uns dabei von einer Reihe fundamentaler Grundsätze und
Überlegungen leiten lassen:
Erstens, wirtschaftliches Wachstum wird letztlich von den Anstrengungen und
dem Können der Entwicklungsländer selbst abhängen, mit denen sie ihre menschlichen
und materiellen Hilfsquellen einsetzen.

Die Industrieländer können den Entwick-

lungsländern dabei durch eine konstruktive Politik des Handels und der technischen
und finanziellen Unterstützung wesentlich helfen.

Aber diese Hilfe wird nur dann

auf die Dauer wirken, wenn sie mit einer gesunden Politik der Entwicklungsländer
selbst einhergeht.
Zweitens,

�Zweitens, die zentrale Antriebskraft der wirtschaftlichen Entwicklung ist
die Investition.

Investitionskapital in internationalem Maßstab ist jedoch nur

begrenzt verfügbar.

Die Entwicklungsländer sollten das benötigte Investitions-

kapital dadurch anziehen, daß sie die Bedingungen für Privatinvestitionen verbessern.
Drittens, das Funktionieren freier und fairer Märkte ist die wirksamste
Methode zur Steigerung der Produktion, zur Verbesserung der Produktivität und
zur Anregung des Wachstums.

Wir sollten die Leistungsfähigkeit

der internatio-

nalen Märkte verbessern, statt sie durch neue Beschränkungen und Kontrollen - sei
es von Regierungsseite oder privater Seite - zu behindern.
Viertens, wir müssen uns bei der Behandlung der Probleme der Entwicklungsländer vor bequemen Verallgemeinerungen hüten.

Jedes Entwicklungsland, jeder

Rohstoff, jeder Industriezweig hat seine eigenen Probleme.

Wir müssen das Pro-

blem der Schulden oder der Zahlungsbilanz eines Entwicklungslandes, die Marktstrukturen eines bestimmten Rohstoffs, den Investitionsbedarf eines speziellen
Industriezweiges jeweils von Fall zu Fall behandeln.
Im Sinne dieser Prinzipien haben wir immer wieder betont, daß wir bereit
sind, uns gemeinsam mit den Entwicklungsländern darum zu bemühen:
- daß genügend Investitionskapital für die Entwicklung von Rohstoffen in
die Entwicklungsländer fließt;
- daß die Gesamtexporterträge der Entwicklungsländer - vor allem jener,
die nur wenige Rohstoffe exportieren - stabilisiert werden;
- daß den im Rahmen multilateraler Handelsgespräche verarbeiteten Erzeugnissen von Entwicklungsländern - unter Gewährleistung einer zuverlässigen Versorgung für den Verbraucher - der Zugang zu den Märkten erleichtert wird; und
- daß die Bedingungen für den Handel und die Investitionen in einzelnen
Rohstoffen verbessert und exzessive Preisschwankungen gedämpft werden - immer

�immer auf der Basis einer Analyse der Investitions-, Produktions- und Marktbedingungen in jedem einzelnen Fall.

Wir haben bereits eine Reihe von Schritten zur Erreichung dieser Ziele
unternommen.
Was die Investitionen angeht, so haben wir einige bedeutsame Vorschläge gemacht.

Der wichtigste davon ist die Schaffung einer Internationalen Rohstoffbank

(International Resource Bank - IRB) zur Förderung und Erleichterung direkter Privatinvestitionen in die Rohstoffentwicklung - vor allem Mineralien und Energie
- in den Entwicklungsländern.

Die Vereinigten Staaten bemühen sich auf interna-

tionaler Ebene nachdrücklich um die Realisierung ihres Vorschlages.

Wir haben

ferner eine Erhöhung des Einlagekapitals der Internationalen Finanzierungsgesellschaft (International Finance Corporation - IFC) der Weltbank um 480 Millionen
Dollar vorgeschlagen.

Damit könnte die IFC ihre Förderungstätigkeit für Privat-

investitionen in Entwicklungsländern vervierfachen.

Und schließlich haben die

USA die Schaffung eines Internationalen Investitionstreuhandfonds zur Förderung
der Privatinvestitionen in den Entwicklungsländern vorgeschlagen.
Was die Stabilisierung der Exporterlöse angeht, so haben die Vereinigten
Staaten und andere Mitglieder des Internationalen Währungsfonds (IWF) den wichtigen Vorschlag zur Liberalisierung der bestehenden IWF-Bestimmungen über den
Finanzausgleich und zur Bereitstellung eines Teils des neuen IWF-Treuhandfonds
für Vorzugsanleihen und Zuwendungen an die ärmsten Entwicklungsländer verwirklicht, die unter Ertragsschwankungen bei Rohstoffen zu leiden haben.

Die revi-

dierte Finanzausgleichsfazilität des IWF hat bereits in diesem Jahr Sonderziehungsrechte (SDR) in Höhe von 1,7 Milliarden bewilligt - verglichen mit dem bisherigen
Jahresmaximum von 300 Millionen Sonderziehungsrechten und der Gesamtsumme von
1,2 Milliarden SDR von 1966 bis 1975.

Allein Entwicklungsländer haben in diesem

Jahr 1,1 Milliarden SDR gezogen.
Was den Zugang zu den Märkten anbetrifft, so haben wir die Ernsthaftigkeit
unserer Bemühungen unter Beweis gestellt.

Bereits am 1. Januar 1976 hat der Prä-

sident neue Zol1 Präferenzen bekanntgegeben, die 2700 Produkte aus 130 Ländern

- 3 -

�Ländern - 1975 im Werte von 2,5 Milliarden Dollar - umfassen.

Wir sind auch

bereit, den Entwicklungsländern bei multilateralen Handelsverhandlungen Sonderkonditionen einzuräumen.
Hinsichtlich der Rohstoffmärkte schließlich haben die USA die Schaffung
von Erzeuger-Verbraucher-Foren vorgeschlagen, wo diese für wichtige Rohstoffe
noch nicht existieren.
zustandezubringen.

So hoffen wir, demnächst ein solches Gremium für Kupfer

Wir sind bereit, mit Erzeugern und Verbrauchern eines jeden

Rohstoffs über eine Ausweitung der Märkte und eine Stabilisierung der Erträge
zu sprechen.
Die Vereinigten Staaten werden sich in den kommenden Monaten aktiv an der
Erörterung der Rohstoffprobleme beteiligen, so unter anderem auf der Konferenz
über Internationale Wirtschaftliche Zusammenarbeit (CIEC) in Paris und selbstverständlich im Rahmen der UN-Konferenz über Handel und Entwicklung (UNCTAD).
Die im Mai in Nairobi auf der UNCTAD IV verabschiedete Resolution sieht
eine Serie von Konferenzen über 18 einzelne Rohstoffe vor, die - bis Ende 1978 zu formellen Rohstoffabkommen oder anderen Maßnahmen führen sollen. Die USA
haben ihre Absicht kundgetan, sich daran zu beteiligen - allerdings unter bestimmten Bedingungen. Die Vereinigten Staaten betrachten diese Konsultationen
als eine Gelegenheit, die tatsächlichen Probleme jedes einzelnen Rohstoffes
zwischen Erzeugern und Verbrauchern zu erörtern. Wir wollen uns an den Bemühungen
beteiligen, die Märkte zu stärken und zu verbessern. Wenn die Probleme geklärt
sind, dann woller. wir mit anderen Beteiligten entscheiden, welche Maßnahmen zu
ihrer Lösung geeignet sind und getroffen werden sollen. In manchen Fällen mögen
sich formelle Abkommen als richtig erweisen - dann werden sich die USA selbstverständlich beteiligen - in anderen mag sich herausstellen, daß formelle Abkommen nicht geeignet sind.
Auf der UNCTAD kam man ferner überein, daß vorbereitende Gespräche für
eine Konferenz über die Einrichtung eines gemeinsamen Fonds zur Finanzierung
von Stützvorräten abgehalten werden sollen. Diese Konferenz soll bis März 1977

�1977 unter Dach und Fach sein.

Die Vereinigten Staaten haben auch hinsichtlich

dieses Teils der Resolution ernsthafte Einwände geltend gemacht.

Wir stehen

auf dem Standpunkt, daß ein solcher gemeinsamer Fonds nicht notwendig ist und
nicht funktionieren wird.

Nach unserer Auffassung muß zunächst einmal festge-

stellt werden, ob für einen bestimmten Rohstoff überhaupt eine Preisstabilisierung
notwendig ist, und wenn ja, ob Stützvorräte dafür die geeignete Methode wären.
Erst dann können Entscheidungen über die Finanzierung getroffen werden.

Die USA

werden sich zwar an den Vorgesprächen beteiligen - aber ohne Verpflichtung einer
Teilnahme an der Konferenz selbst.
Wir sind der Ansicht, daß eine generelle vorherige Verpflichtung zur Finanzierung die Anlage von unnötigen Stützvorräten begünstigen würde. Die technischen
Probleme und die Kosten von Stützvorräten, die groß genug sind, um einen echten
Markteinfluß auszuüben, wiederum sind nach unserer Auffassung so groß, daß solche Stützvorräte bei den meisten der 18 Rohstoffe eine zweifelhafte Angelegenheit
sind. Es wäre praktisch eine Verschwendung, Milliarden von Dollar des ohnehin
knappen Weltkapitals für eine so fragwürdige Sache stillzulegen. Und das in
einer Zeit, in der dieses Kapital so dringend für wichtige Entwicklungsprojekte
benötigt wird.
Auch die Anlage von wirtschaftlichen - im Gegensatz zu strategischen - Vorräten scheint uns fragwürdig.

Diese Vorräte wären zur Sicherung der Versorgung

im Falle einer Unterbrechung aus nicht strategischen Gründen, d.h. bei einem
Embargo oder einer Naturkatastrophe gedacht.

Hier erhebt sich die Frage, wann

solche Vorräte am günstigsten angelegt werden könnten, wann man sie freigeben
soll und welchen Umfang sie haben sollten.

Die große Gefahr ist, daß die Anlage

solcher Vorräte zu schweren Verzerrungen eines normalen Marktes führen.

Die USA

haben hier während des Korea-Krieges schlechte Erfahrungen gemacht.
Nach unserer Auffassung liegen auch noch keine ausreichenden Analysen hinsichtlich des notwendigen Umfangs solcher Vorräte vor, und man ist sich auch
noch nicht darüber im klaren, welche Rohstoffe in die Vorratsliste aufgenommen
werden sollten.
Wir
- 5 -

�Wir sind also, zusammengefaßt, der Ansicht, daß die Frage der wirtschaftlichen Vorratshaltung noch sehr viel eingehender geprüft werden muß, ehe eine
Entscheidung getroffen werden kann.
Nach unserer Auffassung sollte man sich hier sehr viel stärker auf die Vorratshaltung der Privatindustrie und auf die privaten Märkte verlassen.

Die Pri-

vatindustrie hat ihre Fähigkeit unter Deweis gestellt, ausreichende Vorräte an
wichtigen Rohstoffen zu halten.

Wir wollen dieser Privatinitiative sicherlich

nicht in den Arm fallen, indem wir der Regierung die Last der Lagerhaltung aufbürden.

- 6 -

�4-amerika dienst
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53

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19/1976

KONTROLLE FÜR FLUORKOHLENWASSERSTOFFE
USA wollen Anwendung begrenzen

BRÜSSEL - (AD) - Die Vereinigten Staaten haben erste Schritte unternommen,
um die Anwendung von Fluorkohlenwasserstoffen unter Kontrolle zu stellen.
gab Rüssel

Dies

E. Train, der Leiter der US-Umweltschutzbehörde EPA, auf der Oktober-

tagung 1976 der CCMS-Gruppe in Brüssel bekannt. CCMS, das Komitee der NATOMitgliedstaaten für "Aufgaben der Modernen Gesellschaft", befaßt sich u.a. mit
Problemen der Umweltverschmutzung und der Entwicklung internationaler Programme
für sachgerechte Lösungen.
Fluorkohlenwasserstoffe sind jene geruchlosen, farblosen und unbrennbaren
Verbindungen, die als Kältemittel in Kühl Systemen bei verschiedenen Produktionsverfahren der chemischen Industrie, als Reinigungsmittel und - dies ist heute
das eigentliche Problem - als Treibmittel in Spraydosen überall auf der Welt in
großen Mengen angewandt werden.

Die Weltproduktion für alle Verwendungszwecke

liegt bei etwa 1,3 Millionen Tonnen.

Davon entfallen ca. 44 Prozent auf die USA,

37 Prozent auf Westeuropa, 11 Prozent auf die Sowjetunion und osteuropäische
Länder.
Am Boden und in den unteren Luftschichten sind die nach ihrer Freisetzung
aus Spraydosen gasförmigen Treibmittel (sie machen den größten Teil der Fluorkohlenwasserstoff-Produktion aus) chemisch inaktiv.

-1 -

Das ändert sich jedoch,

�jedoch, wenn sie in die Stratosphäre gelangen.

Dort werden sie unter dem Ein-

fluß des energiereichen Ultraviolettlichts der Sonne in mehr oder weniger stark
reaktionsfähige Einzelkomponenten aufgespalten.

Eine der Komponenten ist Chlor,

das Ozon angreift und überdies in zahlreichen Wechselreaktionen die Neubildung
von Ozon wesentlich verzögert. Ähnliche Wirkungen zeigen bestimmte Bestandteile
von Flugzeugabgasen.

Deshalb stehen zahlreiche Wissenschaftler dem überschall-

Flugverkehr äußerst skeptisch gegenüber, weil sich dieser in viel größeren Flughöhen als bisher, d.h. im unteren Bereich der Ozonschicht, abspielen wird.
Eine "Verdünnung" der natürlichen Ozonschicht durch derartige Chemikalien
könnte aber letztlich Mensch, Tier und Pflanze auf der Erde gefährden.

Denn

Ozon in der Stratosphäre ist in seiner natürlichen Konzentration ein Schutzschirm
gegen zu hohe Einstrahlung des Ultraviolettlichts der Sonne. Zwar braucht der
Organismus sogar eine geringe Dosis ultravioletter Strahlung zur Regelung biologischer Prozesse wie Wachstum, Bildung von Vitamin D oder Aufbau von Hautpigmenten.

Würde jedoch das zwischen 12 000 und 50 000 m Höhe in der Erdatmosphäre

angereicherte Ozon übermäßig stark abgebaut, wäre mit einer Häufung von Verbrennungen, Hautkrebs, Augenerkrankungen und wohl auch genetischen Schäden zu rechnen.
Die Meinungen über das Ausmaß möglicher Schäden gehen auseinander. Jedoch
sollten, so erklärte Rüssel E. Train in Brüssel, vorsorglich Maßnahmen ergriffen
werden, die zumindest zum Verzicht auf die nicht unbedingt notwendige Anwendung
von Fluorkohlenwasserstoffen, z.B. als Treibmittel, führen. Einige amerikanische
Firmen haben bereits freiwillig eine Umstellung bei Spraydosen vorgenommen. Auf
Grund der bisher vorliegenden Ergebnisse einer Reihe von Studien, die in den USA
durchgeführt wurden bzw. weiterhin durchgeführt werden, ist die US-Regierung entschlossen, auf die allmähliche Einschränkung der Anwendung von Fluorkohlenwasserstoffen hinzuwirken.
Wie Berichte z.B. der Amerikanischen Nationalen Akademie der Wissenschaften
und der britischen Regierung zeigen, sei es, so Train, noch nicht zu spät, um vorsorgliche Maßnahmen auf nationaler und internationaler Basis zu treffen.
es müsse gehandelt werden, ehe sich die Situation zur Krise ausweite.

Aber

Der Schutz

�Schutz der Ozonschicht sei ein weltweites Problem und verlange weltweite Zusammenarbeit.

Als Chef der US-Umweltschutzbehörde beabsichtigt Rüssel E. Train,

Vertreter der Hauptproduzenten von Fluorkohlenwasserstoffen für April 1977 zu
einer Konferenz nach Washington einzuladen,auf der geeignete Kontrollmaßnahmen
besprochen und koordiniert werden sollen.

Als nächster Schritt sei, wie der

norwegische Delegierte Erik Lykke auf der CCMS-Tagung in Brüssel erklärte, ein
internationaler Vertrag über den Schutz der Stratosphäre nicht nur gegen Fluorkohlenwasserstoffe, sondern auch gegen künftige Flotten von Überschallflugzeugen
und ähnliche Entwicklungen erforderlich.
Train meinte, daß angesichts der wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die ein
sofortiges Verbot der Anwendung von nicht unbedingt notwendigen Aerosolen, insbesondere von Treibmitteln auf der Basis von Fluorkohlenwasserstoffen, bewirken
würde, der Industrie eine mindestens zweijährige Frist für Umstellungsmaßnahmen
einzuräumen sei. Dennoch sei es ratsam, so früh wie irgend möglich aktiv zu
werden. Weitere wichtige Informationen über den Gesamtkomplex seien von der
Tagung des Umweltgremiums der Vereinten Nationen (UNEP) im Februar 1977 in
Washington zu erwarten, auf der die neuesten wissenschaftlichen Ergebnisse zur
Frage der Gefährdung der Ozonschicht erörtert werden.
Daß z.B. zwischen der Häufigkeit von Hautkrebs (sowohl bei der bösartigen
Form des Melanoms als auch der relativ gut zu beherrschenden Form des Basalioms)
eine direkte Relation zur Einwirkung von ultravioletter Strahlung besteht, hat
kürzlich eine Studiengruppe des Nationalen Krebsforschungsinstituts der USA
(Bethesda, Maryland) nachgewiesen: Von Einfluß sind die Dauer der Exposition
und die - nach Jahreszeit, Breitengrad und Meereshöhe - regional unterschiedliche Intensität der UV-Strahlung.

Jedoch scheinen auch Klima, Beruf, Aufent-

halt im Freien, Häufigkeit des Wechsels zwischen verschiedenen Regionen und
rassische Zugehörigkeit eine Rolle zu spielen.

An den zehn Meßplätzen innerhalb

der USA zwischen Ost und West, Süd und Nord wurde die intensivste UV-Einstrahlung
(mit 60 % der gesamten Tagesmenge) zwischen 10 und 14 Uhr festgestellt.

Die im

Hinblick auf eine mögliche Schwächung der Ozonschicht durchgeführte Studie wird
noch über einige Jahre fortgesetzt.
Luftverschmutzung

�Luftverschmutzung
Wie auf der Brüsseler CCMS-Tagung weiter berichtet wurde, ist inzwischen
in zwei Dritteln der überwachten Ballungszentren mit mehr als 600 000 Einwohnern
die Luftverschmutzung zurückgegangen.

Die Beobachtungsprogramme in den NATO-

Ländern sind aus einer der ersten CCMS-Pilotstudien hervorgegangen, in der es um
die Entwicklung von optimalen Methoden zur Messung der Luftverschmutzung ging.
In drei Großstädten, nämlich St. Louis (Miss., USA), Frankfurt am Main und
Ankara, der Hauptstadt der Türkei, wurden aufeinander abgestimmte Beobachtungen
angestellt.

Heute zeigt sich, daß im Gegensatz zu den anderen Großstädten in

Ankara die Partikelanzahl in der Luft leicht zugenommen hat.

Als Ursachen für

die verbesserte Luftqualität in der Mehrzahl der Beobachtungsgebiete werden
u.a. die Ausrüstung von neuen Fabrikanlagen mit modernen Apparaturen, die
Schliessung veralteter Anlagen, strengere Kontrollbestimmungen, z.T. aber auch
Auswirkungen von Energiekrise und wirtschaftlicher Rezession vermutet.
Der Vertreter Norwegens verwies darauf, daß gewisse Schadstoffe wie
Schwefeldioxid in internationaler Zusammenarbeit bekämpft werden müßten. Schäden durch Schwefeldioxid aus Heizkraftwerken mit Kohle- und ölfeuerung werden,
wie norwegische Wissenschaftler an Wald- und Fischbeständen ermittelten, häufig
Hunderte von Kilometern von Industriebetrieben und Kraftwerken entfernt verursacht. Norwegen hofft, daß man sich auf der Helsinki-Folgekonferenz im Jahr
1977 in Belgrad über die Einberufung einer Sachverständigenkonferenz einigt,
auf der die Harmonisierung der Maßnahmen in Ost- und Westeuropa zur Kontrolle
der Emission bestimmter Schadstoffe behandelt wird.

+ + + + +

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Walter J. Stoessel, Jr.&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Der neue amerikanische Botschafter in Bonn&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Militärische Stärke und Entspannung&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von James H. Schlesinger&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Wähler stimmen auch über Einwegflasche und Kernenergie ab&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- 35 Einzelstaaten verbinden Präsidentschafts- und Kongresswahlen mit Volksabstimmungen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die amerikanische Rohstoffpolitik nach UNCTAD IV&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von J. Robert Vastine&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Stellvertretender Unterstaatssekretär im US-Finanzministerium&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kontrolle für Fluorkohlenwasserstoffe&lt;br /&gt;&lt;em&gt;USA wollen Anwendung begrenzen&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>20. Oktober 1982

41

INHALT

DOKUMENTATION
Gedanken über das NATO-Bündnis
- Ansprache von US-Botschafter Burns vor der Kommandeurtagung
in Hagen US-Botschafter Bennett:

Zur Lage des NATO-Bündnisses

- Rede vor dem Weltpolitischen Rat von Cincinnati USA lehnen UN-Ausschluß Israels ab
- Erklärung des US-Außenministers -

HINTERGRUNDMATERIAL
Jugendaustausch-Programm findet begeisterte Unterstützung
- Von unserer Korrespondentin Dian J. McDonald -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Weltraum-Service
- US-Raumtransporter COLUMBIA nimmt Routinebetrieb auf
BERICHTIGUNG

Um Uber/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�41

20. Oktober 1982

GEDANKEN ÜBER DAS NATO-BÜNDNIS
- Ansprache von US-Botschafter Burns vor der Kommandeurtagung in Hagen

HAGEN - (AD) - Der amerikanische Botschafter in der Bundesrepublik
Deutschland, Arthur F. Burns, hat vor der Kommandeurtagung der Bundeswehr in
Hagen am 20. Oktober 1982 zu "Gedanken über das NATO-Bündnis" gesprochen. Die
Rede hat folgenden Wortlaut:
Ich freue mich sehr über Ihre Einladung, vor einer so illustren Zuhörerschaft zu sprechen.

Und ich bin besonders dankbar, wenn Sie meine An-

wesenheit hier als einen Ausdruck der hohen Achtung betrachten, die mein Land
der Bundeswehr entgegenbringt.
Im vergangenen Jahr haben schrille Stimmen in Ihrem und in meinem Lande
übertriebene Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Lassen Sie mich daher gleich
zu Beginn sagen, welch hohe Wertschätzung meine Regierung dem deutschen Beitrag zu unserer gemeinsamen Verteidigung beimißt.
Als amerikanischer Botschafter hatte ich reichlich Gelegenheit, die hervorragende Leistungsfähigkeit Ihrer Streitkräfte, den hohen Stand der Einsatzbereitschaft Ihrer Reserven und die Vielzahl von Einrichtungen kennenzulernen, die die Bundesrepublik verbündeten Truppen zur Verfügung stellt. Ich

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Ich bin mir ferner der anderen Opfer bewußt, die von deutscher Seite gebracht
werden, um amerikanische Soldaten und Flieger zu unterstützen - nicht zuletzt Ihrer jüngsten Entscheidung, im Fall

eines Kriegsausbruchs 90 000

Reservisten zur Unterstützung amerikanischer Kampfeinheiten abzustellen.
Und ich brauche wohl kaum hinzuzufügen, daß meine Regierung die Tatsache
zu würdigen weiß, daß im Falle eines Krieges in Europa der überwiegende
Teil der Land-, Luft- und Seestreitkräfte der NATO - zumindest zu Anfang europäische Kräfte wären.
Aber bedauerlicherweise muß ich hinzufügen, daß viele.viefleicht die meisten Amerikaner sich des eindrucksvollen Ausmaßes der europäischen - vor
allem deutschen - Zusagen für die NATO nicht bewußt sind, genauso, wie nur
zu viele Europäer über die amerikanischen Anstrengungen in ihrem Sinne
außerhalb des NATO-Gebietes recht wenig wissen. Hauptsächlich wegen solcher
Unkenntnis auf beiden Seiten haben wir tendenziöse Debatten über Verteilung der Verteidigungslasten, militärische Strategie, Rüstungskontrolle,
Ostpolitik, Entspannung und eine Vielzahl anderer politischer und wirtschaftlicher Fragen erlebt.
Ein besonders lästiger Aspekt der transatlantischen Mißverständnisse
ist der, daß zahlreiche Regierungsvertreter wie auch ein Großteil der Öffentlichkeit nicht der unterschiedlichen Betrachtungsweise genügend Gewicht beimessen, mit der die Vereinigten Staaten und ihre NATO-Verbündeten an die
Weltprobleme herangehen.
Ich denke jetzt nicht an die Ursachen flüchtiger Reibungen, die immer
wieder auftreten, für ein paar Wochen oder Monate die Schlagzeilen beherrschen und dann zu jedermanns Erleichterung wieder verschwinden. Solche
vorübergehenden Meinungsverschiedenheiten - so lästig sie sein mögen bringen unseren Ländern oft gegenseitig heilsame Lehren, so wie ein reinigendes Gewitter unter Eheleuten oft den Zusammenhalt der Familie stärkt.
Im Falle

�Im Falle der Verbündeten im Nordatlantikvertrag würde ich unter der
Kategorie "vorübergehende Meinungsverschiedenheiten" einreihen: die Debatte
über die Wiederbewaffnung Deutschlands in den fünfziger Jahren; die Debatte
über die Multilaterale Streitmacht in den sechziger Jahren; die Kontroverse
über das "Jahr Europas" in den siebziger Jahren; und ich hoffe, daß wir in
nicht allzu ferner Zukunft als Beispiel für die achtziger Jahre die gegenwärtige Kontroverse über die sibirische Gasleitung anführen können.
Beispiele, wie ich sie erwähnt habe, sind leichter in den Griff zu bekommen als die Unterschiede in der Betrachtungsweise»von der ich gerade gesprochen habe. Statt kostbares politisches Kapital auf Irritationen zu verschwenden, die, wie man annehmen darf, vorübergehender Natur sind, sollten
wir uns auf die grundlegenden Unterschiede der amerikanischen und der europäischen Betrachtungsweise konzentrieren. Denn unsere vorrangige Zielsetzung
muß immer sein, auf eine konstruktive Anpassung unserer grundlegenden nationalen Interessen hinzuarbeiten.
Es gibt zumindest zwei solcher grundlegenden Unterschiede: Erstens,
die Vereinigten Staaten gehen mit einer globalen Betrachtungsweise an Weltprobleme heran - im Gegensatz zu der weitverbreiteten regionalen Sicht unserer europäischen Partner. Zweitens, die Ost-West-Beziehungen werden auf
beiden Seiten des Atlantik unterschiedlich betrachtet.
Aufgrund dieser Unterschiede in der Betrachtungsweise geraten wir hier
und da in wichtigen politischen Fragen in Gegensatz: Wie etwa bezüglich der
Art und Schwere der sowjetischen Bedrohung; der richtigen Antwort auf sowjetische Aggression, wie in Afghanistan oder Polen; der Grundsätze für den
Handel mit dem Osten; der besten Mittel und Wege, um Ländern der Dritten
Welt wirtschaftliche und politische Unterstützung zu gewähren; sowie der richtigen Antwort des Bündnisses auf Bedrohungen seiner Sicherheit außerhalb des
NATO-Gebietes, wie etwa im Persischen Golf.
Es mag

- 3 -

�Es mag unseren beiden Nationen helfen, die großen Unterschiede in der
Betrachtungsweise, von denen ich gesprochen habe, zu überwinden, wenn wir
ihre Ursprünge besser erkennen. Wollen wir daher ein wenig

innehalten und

diese Unterschiede näher untersuchen.
Da ist zunächst die Frage einer globalen gegenüber einer regionalen Betrachtungsweise internationaler Angelegenheiten. Wir Amerikaner haben keine
Schwierigkeiten, die Tendenz der Europäer zu verstehen, sich in erster Linie
um die Ereignisse in ihrem eigenen Umfeld zu kümmern. Trotzdem sind wir oft
beunruhigt über ein - wie wir es sehen - Zögern der Europäer, sich den
Auswirkungen von Ereignissen zu stellen, die außerhalb Europas geschehen.
Auf die eine oder andere Weise werden die Amerikaner immer wieder gedrängt,
"ja das Boot nicht umzukippen", wenn wir auf gefährliche Abenteuer aufmerksam machen, die die Sowjetunion oder ihre Stellvertreter in anderen Teilen
der Welt unternehmen - wie in Afghanistan, Südostasien, Polen, Teilen Afrikas
und Mittelamerika.
Tatsächlich

haben uns unsere europäischen Verbündeten immer

wieder davon in Kenntnis gesetzt, daß sie außerhalb Europas keine aktive
militärische Rolle spielen können, und daß die weltweite Krisenbeherrschung
deshalb das Aufgabengebiet der Vereinigten Staaten bleiben müsse. Aber wenn
wir dann im Einklang mit dieser großen

Verantwortung etwas tun, um der

sowjetischen Aggression zu begegnen, dann werden wir gerne für das kritisiert, was wir tun, oder dafür, wie wir das tun, oder beides.
Wenn wir beispielsweise an den Fall Afghanistan denken. Die Entscheidung
Amerikas, als Antwort auf die sowjetische Invasion Afghanistans die Sommerolympiade 1980 zu boykottieren, wurde von Europäern weitgehend als sinnloser
Symbolismus kritisiert - obwohl in aller Fairness hinzugefügt werden muß, daß
die Bundesrepublik Deutschland eines der wenigen Länder war, die sich unserem
Boykott anschlössen.
In der Folge

�In der Folge unternahmen die Vereinigten Staaten Schritte, um der
generell instabilen Lage in Südwestasien zu begegnen,

den lebenswichti-

gen Zugang Amerikas und Europas zu den Ölquellen zu schützen. Wir erhöhten unsere Flottenpräsenz im Indischen Ozean und stellten eine schnelle
Einsatzstreitmacht auf, deren Aufgabe darin besteht, sofort auf solche
Bedrohungen zu reagieren, sollten sie in dieser Region auftreten. Aber
während die Vereinigten Staaten zunächst kritisiert wurden, sie würden
auf Afghanistan symbolisch reagieren, - obwohl doch eine direkte militärische Antwort unsererseits

unmöglich war - fanden wir uns dann

der Kritik ausgesetzt, weil wir militärische Vorsichtsmaßnahmen trafen, um
vor einer weiteren Aggression abzuschrecken. Unsere militärischen Initiativen wurden von einigen Leuten als Provokation gegenüber Moskau bezeichnet, und von anderen wurden sie kritisiert, weil wir bereit seien,
der NATO zugesagte amerikanische Streitkräfte außerhalb des NATO-Gebietes
einzusetzen - und damit die Bedrohung Europas selbst zu erhöhen.
Wenn Amerikaner kritisiert werden, weil sie sich für fundamentale
westliche Interessen außerhalb Europas einsetzen, wie etwa im Persischen
Golf und dann feststellen, daß die Europäer, wenn es ihnen paßt, aus ihrem
kontinentalen Schneckenhaus herauskommen, wie im Falle El Salvador, dann
ist es nicht verwunderlich, daß sich viele Amerikaner fragen, was eigentlich die Europäer nun wirklich von ihnen erwarten.
Die Hauptursache dieser amerikanisch-europäischen Dissonanz läßt sich
meiner Meinung nach in unserer jeweiligen nationalen Geschichte finden.
Die Vereinigten Staaten von Amerika traten in das Zwanzigste Jahrhundert
als eine zwar immer mächtiger werdende, aber doch regionale Macht ein,
und die Warnung George Washingtons vor "verstrickenden Bündnissen" war
noch immer die Maxime unserer Außenpolitik.
Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges betrachteten die Amerikaner
Großbritannien, Frankreich und Deutschland als die führenden Militärmächte
der Welt. Die meisten meiner Landsleute hätten die Möglichkeit, daß die

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�daß die Vereinigten Staaten die europäischen Mächte in dieser Rolle ablösen oder ihr Schicksal durch "verstrickende Bündnisse" mit dem Schicksal
Europas verbinden könnten, mit großem Mißtrauen betrachtet. Die Eile, mit
der wir nach dem Ersten Weltkrieg und erneut nach dem Zweiten Weltkrieg unsere Streitkräfte demobilisiert haben, ist in diesem Zusammenhang bezeichnend. Zwischen 1145 und 1948 ging die Zahl der Amerikaner in Uniform von
fast 12 Millionen auf bloße 1,3 Millionen zurück.
Vor diesem Hintergrund dürfte auf der Hand liegen, daß die derzeit
recht weitverbreitete Kritik der Europäer an den Vereinigten Staaten als
aggressive Supermacht der Harmonie im Bündnis auf zweierlei Weise schaden
muß: Erstens, diese Kritik beunruhigt viele Amerikaner, die sich verwundert
fragen, warum die Europäer den Supermachtstatus gerade der Nation schmälern
wollen, die zweimal herbeieilte, um die Freiheit in Europa wiederherzustellen. Zweitens, diese ablehnende Haltung gegenüber der Supermacht dient dazu,
die Enttäuschung vieler Amerikaner angesichts der mühsamen Rolle in der Welt
zu nähren, die augenscheinlich oft nur widerwillig von unseren Verbündeten
unterstützt wird.
Ich neige zu dem Schluß, daß die Ursachen hinter dieser Debatte global
kontra regional besser verständlich werden, wenn wir uns vor Augen halten,
daß genau in dem Zeitraum, da sich die Amerikaner ohne Begeisterung einer
Weltrolle anpaßten und gerne ruhigere Zeiten gehabt hätten, sich die Westeuropäer mit dem Verlust einer Weltrolle abfinden mußten, der sie mit Nostalgie nachtrauerten. Man kann sich nur schwer ein reicheres Feld von
gelegentlichen Mißverständnissen und gekränkten Gefühlen selbst unter Nationen vorstellen, die fest in einem Bündnis zussammengeschlossen sind.
Die drastische Veränderung der Weltmachtverhältnisse, von denen ich
gerade gesprochen habe, hatten eine direkte Auswirkung auf das zweite Gebiet des großen Mißverstehens: die Ost-West-Beziehungen.
Die Vereinigten

�Die Vereinigten Staaten haben erst seit dem Zweiten Weltkrieg Rußland
größere Bedeutung als militärische Bedrohung beigemessen. Selbst in den Tagen der "roten Gefahr" in den zwanziger Jahren wurde die

Bedrohung durch

Sowjetrußland, über die amerikanische Führer nachzudenken begannen, politisch
und nicht militärisch gesehen.
Die gewaltige politische, militärische und wirtschaftliche Macht, die
die Länder Westeuropas in den Augen Amerikas darstellten, zusammen mit der
Tatsache, daß wir und die Russen durch den halben Erdball getrennt waren,
ließ den Gedanken einer militärischen Bedrohung der Vereinigten Staaten
durch die Sowjets weit hergeholt erscheinen. Wir gingen damals davon aus,
daß Westeuropa willens sein werde, einem sowjetischen Expansionismus zu begegnen - und zwar weitgehend in der gleichen Weise, wie die Westeuropäer
heute von den Vereinigten Staaten erwarten, daß sie diese Rolle erfüllen.
So sah man fast bis Mitte der vierziger Jahre die Hauptgefahr für
Amerika aus Übersee aus Westeuropa selbst kommen und nicht aus Osteuropa.
Bis zu unserem Sezessionskrieg wurden die Briten als Hauptbedrohung angesehen, und später wurde diese Rolle dann den Deutschen, nicht den Russen,
zugeschrieben.
Es ist eine unausweichliche Tatsache, daß die Länder Westeuropas, bis
sie durch Fehleinschätzung und Selbsttäuschung Europa in den Zweiten Weltkrieg stürzten, durchaus in der Lage waren, ein Gegengewicht gegen die politische und militärische Rolle der Sowjetunion zu bilden. Am Ende dieses Krieges fanden sich jedoch die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion in Mitteleuropa unmittelbar von Angesicht zu Angesicht gegenüber, während die meisten
anderen Länder auf dem Kontinent machtlos waren. Dann entwickelte sich ein
zweites Element, das eine entscheidende Auswirkung auf das Ost-West-Verhältnis hatte - die Kernwaffen.
Ich brauche vor dieser Zuhörerschaft nicht näher auf die Rolle der Kernwaffen für die Gestaltung der politischen wie auch der militärischen Aspekte

- 7 -

�militärischen Aspekte Nachkriegseuropas einzugehen. Vor 1940 hätten wahrscheinlich die meisten Amerikaner - und ich vermute auch die meisten Europäer - unter

dem Begriff "Ost-West-Beziehungen" die Beziehungen zwischen

den westlichen Nationen und etwa China und Japan verstanden. Der Gedanke,
daß eine Bruchlinie durch das Herz Europas verlaufen könnte, wäre absurd
erschienen.
Als jedoch der Krieg zu Ende war, erhielt der Begriff "Ost-West-Beziehungen" rasch eine neue Bedeutung. Mit den heraufkommenden Kernwaffen
und dem Obergewicht der Macht in den Händen der Vereinigten Staaten und
der Sowjetunion nahm die neugeborene Ost-West-Konfrontation eine weltweite Dimension an - die sie noch heute besitzt« Und genau hier finden wir
das Bindeglied zwischen der Ost-West-Konfrontation auf der einen und der
Debatte global kontra regional im Bündnis auf der anderen Seite.
Mehr als alle anderen Verbündeten neigen wir Amerikaner dazu, die
sowjetische Macht auf einen weltweiten Maßstab übertragen zu sehen und zu
fürchten. Sowjetische Truppen und ihre Stellvertreter tragen heute eine
militante Außenpolitik in der ganzen Welt vor. Aber nicht nur das: Sowjetische Flotten patroullieren in den Gewässern vor den amerikanischen Küsten
im Osten, Westen und in der Karibik und sowjetische Flugzeuge testen unsere
Luftverteidigung.
Ob man mag oder nicht - und wir Amerikaner mögen es nicht besonders nur die Vereinigten Staaten können in einem vergleichbaren Maße antworten.
Wir sind und bleiben das Gegengewicht.
Das ist also der Punkt, an dem die beiden grundlegenden Unterschiede
in der Betrachtungsweise der Europäer und der Amerikaner - nämlich Ost-WestBeziehungen und globale kontra regionale Strategie - zusammenkommen. Amerikaner können Ost-West-Beziehungen nicht regional sehen; sie sind notwendigerweise global. Wir sind durch kulturelle und politische Bindungen mit
Europa verbunden. Wir stellen uns nicht gerne vor, uns in eine Festung
-- 8 -

�eine Festung Amerika zu verwandeln. Und wir befürchten, daß Westeuropa,
wenn sich die Vereinigten Staaten in ein regionales Schneckenhaus zurückziehen und sich auf den amerikanischen Kontinent beschränken würden, keine
andere Wahl hätte, als seine eigene Weltanschauung an die der benachbarten
Supermacht - der Sowjetunion - anzupassen.
Ich möchte als nächstes auf einen damit zusammenhängenden Unterschied
in der Betrachtungsweise eingehen, der gegenwärtig die Länder des Bündnisses beunruhigt, nämlich unsere unterschiedlichen Auffassungen von Entspannung.
Angesichts des europäischen Unbehagens über eine mögliche Preisgabe
der Entspannung im Rahmen der amerikanischen Außenpolitik scheint es mir
nützlich, darauf hinzuweisen, daß vor einem Jahrzehnt viele Europäer in
gleicher Weise besorgt waren, daß die Beziehungen zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion zu eng würden.
Wie Christoph Bertram, der angesehene frühere Direktor des Internationalen Instituts für Strategische Studien in London, kürzlich bemerkte, "sind
die Europäer besorgt, wenn die sowjetisch-amerikanischen Beziehungen reibungslos verlaufen, weil dies eine'Verständigung über unsere Köpfe hinweg'
bedeuten könnte... Aber sie sind noch mehr besorgt, wenn die sowjetischamerikanischen Beziehungen in Schwierigkeiten sind, und das ist durchaus
verständlich: Die Auswirkungen sind in Europa am direktesten spürbar."
Die Neigung in Europa, so fährt Bertram fort, "besteht oft darin, sich
nicht der westlichen gegen die östliche Supermacht anzuschließen, sondern
sich über beide (Supermächte) als Störenfriede der Entspannung in Europa
zu ärgern."
Niemand kann bestreiten, daß die Bundesrepublik Deutschland ein größeres Interesse am Erhalt der Entspannung hat als die Vereinigten Staaten.
Wenn man einen typischen Bundesbürger bitten würde, die Vorzüge der Ostpolitik

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�der Ostpolitik und der Entspannung aufzuzeigen, dann könnte er auf die
Normalisierung in und um Berlin verweisen, auf verbesserte persönliche Kontakte zwischen Bürgern beider deutscher Staaten, auf die Rückführung von
einer Viertelmillion Deutschstämmiger aus Osteuropa während der letzten
s jchs Jahre, auf stärkere wirtschaftliche Verbindungen zwischen West- und
Osteuropa - kurz auf eine ganze Reihe von Entwicklungen, die dem Aufblühen
der Entspannung in den siebziger Jahren zugeschrieben werden können.
Wenn man auf der anderen Seite den amerikanischen Durchschnittsbürger
fragen würde, irgendwie zu erklären, wie die Entspannung sein Leben berührt
habe, dann würde es ihm schwerfallen, darauf zu antworten. Von einem rein
innenpolitischen Standpunkt ist es für Amerikaner schwer, ein überzeugendes Argument für die Entspannung zu finden. Und nicht nur das: Wenn Amerikaner sich der internationalen Szene zuwenden, dann bringen sie unausweichlich Enttäuschung darüber zum Ausdruck, daß Ihre Erwartungen bezüglich der
Politik der Entspannung nicht erfüllt worden seien - daß die Unterdrückung
der Menschenrechte in der Sowjetunion und ihren Vasallenstaaten nicht
geringer geworden sei, während die sowjetische Aufrüstung und das politische
Abenteurertum der Sowjets auf der ganzen Erde praktisch zugenommen habe.
Lassen Sie uns, verehrte Zuhörer, nicht vor dem Eingeständnis zurückschrecken, daß hier ein großer Unterschied in der Auffassung besteht. Meine
Regierung hat Zweifel an den Vorteilen der Entspannung bekommen. Ihre Regierung auf der anderen Seite sieht weiterhin einen Nutzen darin.
Diese beiden Standpunkte widersprechen sich nicht notwendigerweise,
aber wenn unsere beiden Länder damit leben wollen, dann müssen wir übertrieben extreme Positionen vermeiden. Wie Präsident Reagan im Juni in Berlin
erklärte: "ein einiges, entschlossenes westliches Bündnis steht bereit, sich
wenn notwendig zu verteidigen, aber wir sind ebenso bereit, mit dem Sowjetblock friedlich zusammenzuarbeiten, wenn die Führer des Ostens bereit sind,
dasselbe zu tun."
Wir dürfen

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�Wir dürfen nicht zulassen, daß anhaltende Unterschiede in der Betrachtungsweise unter Verbündeten, wie ich sie aufgezeigt habe, die alles überragende Tatsache verdunkeln, daß die NATO über 30 Jahre lang den Frieden,
die Sicherheit, die Freiheit und das Wohlergehen ihrer Mitglieder gewährleistet hat. Wir dürfen uns vor einer Gegenüberstellung unserer Unterschiede
nicht fürchten. Im Gegenteil,

wir müssen sie erkennen und mit ihnen fertig

werden, wenn das Bündnis überleben und stark bleiben soll.
Vielleicht können wir mit der Einsicht beginnen, daß unterschiedliche
Betrachtungsweisen keinen Unterschied der moralischen oder politischen oder
philosophischen Werte bedeuten. Die NATO wurde im Jahre 1949 als ein defensives Militärbündnis gegründet, das die Vereinigten Staaten, Kanada und die
Demokratien Westeuropas verpflichtet, der sowjetischen Aggression in Europa
entgegenzutreten. Die NATO hätte jedoch während ihrer langen Geschichte nicht
lebensfähig bleiben können, wenn ihre Zielsetzung ausschließlich militärisch
gewesen wäre.
Nein, meine Herren, der Grund für das Oberleben und die Lebenskraft
des Bündnisses entspringt einer Tatsache, die über allen anderen Tatsachen
steht, - daß sie nämlich

auf den grundlegenden moralischen und politischen

Werten beruht, die Westeuropa mit den Vereinigten Staaten und Kanada gemeinsam hat, und für diese Werte eintritt. Wenn diese gemeinsamen Werte fehlen
würden, dann könnten wir in einer bedrohlichen Katastrophe schon nach einer
Stunde feststellen, daß der politische Wille zum Widerstand gegen nackte
Aggression,fehlt. Dann wäre die NATO wirklich die leere Muschel, als die sie
von einigen unzureichend informierten Kritikern bereits dargestellt wird.
Sicherlich ist die Zeit reif für einige Anpassungen der nationalen Haltungen auf beiden Seiten des Atlantik. Wollen wir doch vor allem nicht vergessen, daß die eigentliche Aufgabe der internationalen Diplomatie darin
besteht, unterschiedliche Vorstellungen und Interessen einander anzupassen, und dieses wesentliche Ziel wird am besten ohne die Fanfare der Publizität erreicht. Das recht unpassende Spektakel verschiedener nationaler
- 11 -

�verschiedener nationaler Sprecher nach Versailles in diesem Jahr, als Erklärungen abgegeben wurden, wer auf den Gipfeltreffen "gewonnen" und wer
"verloren" hat, darf sich nicht wiederholen.
Zweitens sind im Interesse der Harmonie im Bündnis bessere Konsultationsverfahren unter den NATO-Ländern notwendig. Obwohl zwar recht häufig Treffen
von Mitgliedern der außenpolitischen und verteidigungspolitischen Institutionen der NATO-Länder stattfinden, so sind sie doch nicht gründlich oder
rechtzeitig genug gewesen - vielleicht sogar nicht häufig genug -, um gelegentliche, schwere Mißverständnisse zu vermeiden. Als Neuling im diplomatischen Beruf wundere ich mich andauernd über die exzentrischen Auffassungen,
die einige der höchsten Vertreter von NATO-Staaten gelegentlich über die Interessen oder Zielsetzungen ihrer Schwesterregierungen zum Ausdruck bringen.
Drittens müssen wir uns nachdrücklicher als bisher mit Elementen der
Außenpolitik des Westens befassen, die nicht zusammenpassen. Auf der einen
Seite haben die NATO-Länder Jahr für Jahr gewaltige Mittel für unsere gemeinsame Verteidigung gegen die sowjetische Bedrohung aufgewandt. Gleichzeitig
jedoch haben wir im Westen, zum Teil durch Privatbanken und zum Teil durch
Regierungseinrichtungen, während des letzten Jahrzehnts gewaltige Summen
Geldes an die Sowjetunion und ihre Satelliten verliehen. Gelegentlich wurde
dies sogar zu subventionierten Zinssätzen getan. Angesichts des Vorrangs,
den die Sowjetunion ihren militärischen Einrichtungen einräumt, haben die
finanziellen Mittel, die wir ihr so freigebig zur Verfügung gestellt haben,
indirekt dazu beigetragen, ihre ohnehin gewaltige militärische Position zu
stärken. Und, was die Dinge noch verschlimmert, die Sowjetunion ist in ungerechtfertigtem Maße in der Lage gewesen, von ihrem Import an Technologie
und militärisch nutzbaren Produkten aus westlichen Ländern zu profitieren.
Diese Tatsachen sind durch die amerikanische Regierung nachdrücklich hervorgehoben worden, und sie werden von unseren Verbündeten heute besser verstanden als noch vor einem Jahr. Glücklicherweise gibt es neben den jüngsten Differenzen über die sibirische Erdgasleitung einige ermutigende Anzeichen, daß sich in Bälde eine übereinstimmendere Politik des Westens

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�des Westens gegenüber dem Osten herausbilden und daß die NATO selbst
direkter in die Abstimmung der Wirtschaftspolitiken gegenüber Osteuropa
einbezogen werden dürfte.
Viertens haben die Vereinigten Staaten seit einigen Jahren die Ausweitung der NATO-Interessen über das im Vertrag formell festgelegte Gebiet
hinaus angestrebt. Diese Bemühungen stießen gewöhnlich auf beträchtlichen
Widerstand in Europa - zumindest teilweise, weil andere NATO-Länder es unerwünscht fanden, in Aktivitäten hineingezogen zu werden, die die Aufmerksamkeit von ihren zentraleren Anliegen ablenken könnten. In jüngster Zeit
sind zumindest einige unserer Verbündeten zu der Einsicht gelangt, daß Entwicklungen außerhalb des NATO-Gebietes wirklich so große Auswirkungen für
die Sicherheit des Bündnisses haben könnten, daß die Unterstützung der Vereinigten Staaten durch sie gerechtfertigt wäre. Die Taten sind jedoch hinter den Worten zurückgeblieben. Und deshalb bleibt dies ein Thema, das die
ernsteste Aufmerksamkeit der NATO-Länder verdient.
Fünftens haben die weltweiten wirtschaftlichen Schwierigkeiten der
letzten zwei oder drei Jahre unvermeidlicherweise die Spannungen im Bündnis
verschärft. Das Gespenst des Protektionismus erhebt wieder sein häßliches
Haupt in Westeuropa und in Nordamerika. Es liegt eindeutig im dauerhaften
Interesse eines jeden Mitgliedslandes des Bündnisses, nicht nur protektionistische Mittel und Wege im eigenen Bereich zu vermeiden, sondern auch auf
wirtschaftlichem und finanziellem Gebiet enger mit seinen Verbündeten zusammenzuarbeiten. Eine starke und gesunde internationale Wirtschaft ist für
die weitere politische und militärische Lebenskraft der NATO von absolut
fundamentaler Bedeutung.
Sechstens nutzen wir, obwohl die kombinierte Stärke unserer Länder
gewaltig ist, unsere Aktivposten nicht in bestmögliche

Weise, um die Ziele

des Bündnisses zu erreichen. In einem seltenen Beispiel praktischer Einstimmigkeit hat der Senat der Vereinigten Staaten Anfang dieses Jahres eine

- 13 -

�Jahres eine Resolution verabschiedet, in der die Schaffung eines umfassenden Systems für eine wirksamere Zusammenfassung der gewaltigen finanziellen,
technologischen und industriellen Ressourcen der NATO gefordert wird. In
Zeiten wirtschaftlicher Schwierigkeiten für alle unsere Länder sind die
Hindernisse vor einem solchen Ziel groß, aber wir müssen es in Zukunft besser machen, wenn wir in der Lage sein wollen, uns ausreichend zu verteidigen.
Die Zeit erlaubt mit nicht, noch tiefer auf diese Überlegungen über
das NSTO-Bündnis einzugehen. Aber ich möchte diese Zuhörerschaft nicht verlassen, ohne ein Thema zu wiederholen, das ich immer wieder hervorgehoben
habe, seit ich meine Pflichten als Botschafter in Bonn übernahm - nämlich
daß wir in unseren NATO-Ländern, vor allem in Ihrem Lande und in dem meinigen, mehr tun müssen, um unseren jungen Menschen zu lehren, daß unsere gemeinsamen moralischen und politischen Werte eine große Bedeutung für ihre
eigene Zukunft und die Zukunft ihres Landes haben.
Es scheint mir, daß einige unserer jungen Bürger auf beiden Seiten des
Atlantik gelegentlich ein fast perverses Vergnügen daran finden, die Differenzen zwischen unseren Nationen zu übertreiben. Wenn sie die Werte, die
uns in der NATO miteinander verbinden,

herabwürdigen oder gänzlich ab-

lehnen, dann erfüllt mich das mit Traurigkeit. Diese Werte sind keine abstrakten Vorstellungen. Die Freiheit des einzelnen und die Herrschaft des
Rechts sind unbezahlbare Realitäten. Sie sind uns von unseren Vorfahren
unter gewaltigen Opfern an Blut und Gut weitergegeben worden. Leider
setzen viele junge Menschen in Europa und Amerika heute diese Werte als
selbstverständlich voraus - nicht nur, weil sie niemals ohne sie gelegt
haben, sondern auch, weil sie niemals wirklich herausgefordert worden sind,
zu ihrer Erhaltung beizutragen - ja, wenn notwendig, für sie zu kämpfen.
Es ist unsere gemeinsame Pflicht als Eltern, Lehrer, Politiker, und
als Bürger, dafür zu sorgen, daß die demokratischen Werte, die uns in der
nordatlantischen Partnerschaft verbinden, von jenen geschätzt werden, die in
unsere Fußstapfen treten und die einmal die Führer unserer jeweiligen Gesell -

- 14

�jeweiligen Gesellschaften sein werden. Ein gründliches Verständnis dessen,
was es bedeutet, in einer Demokratie zu leben - nicht nur ihrer Segnungen,
sondern auch ihrer Pflichten - ist wesentlich, wenn Bürger an die Werte, die
die Demokratie repräsentiert, glauben und sie erhalten sollen. Diese Werte
sind eigentlich der Mörtel, der unser Nordatlantisches Bündnis zusammenhält.
Darum ist ein Großteil meiner Energie als Botschafter daraus ausgerichtet,
die Chancen für junge Menschen in Ihrem Lande und dem meinigen zu verbessern,
dem Leben und der Kultur des jeweils anderen Landes ausgesetzt zu werden.
Ich hege die Hoffnung, daß in den kommenden Monaten und Jahren Amerikaner und Europäer - besonders die Bürger Ihres Landes und des meinigen, - die
großen Worte vermeiden werden, die auch die Leidenschaften anfachen; daß guter Wille und Vernunft vorherrschen werden, wenn es gilt, unsere Betrachtungsweisen und unsere Interessen einander anzupassen; und daß wir nie vergessen
werden, daß, solange die Nationen des Westens zusammenstehen, unsere westliche Zivilisation gesichert bleiben wird.

_ 15 _

�20. Oktober 1982

41

US-BOTSCHAFTER BENNETT: ZUR LAGE DES NATO-BONDNISSES
- Rede vor dem Weltpolitischen Rat von Cincinnati -

CINCINNATI - (AD) - Der Ständige Vertreter der Vereinigten Staaten im
Nordatlantikrat, Botschafter Tapley Bennett, hat sich am 14. Oktober 1982
mit einer Reihe kritischer Fragen befaßt, denen sich die Nordatlantikpaktorganisation gegenwärtig gegenübersieht.
von Cincinnati.

Er sprach vor dem Weltpolitischen Rat

Die wichtigsten Teile seiner Rede haben folgenden Wortlaut:

Ist das Bündnis in Unordnung?
Das atlantische Bündnis ist in diesem Jahr 33 Jahre alt geworden, und
es wird ihm gegenwärtig genauso viel Aufmerksamkeit zuteil wie zu irgendeiner anderen Zeit seines Bestehens. Besorgte Beobachter fragen, ob das
Bündnis sich überlebt, ob es seine Relevanz für die Sicherung unserer Art
zu leben verloren habe.

Bei vielen wird die Frage laut, ob die Verbündeten

nicht mehr Kraft und Anstrengung auf Familienstreitigkeiten verwenden als
auf die Abwehr der sehr realen Gefahren, denen wir uns alle gegenübersehen.
Die gegenwärtigen Kommentare bezüglich der NATO sind dergestalt, daß man sich

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�man sich sehr wohl fragen kann, wieviele Bürger der 16 Mitgliedstaaten noch
eine klare Vorstellung davon haben, warum das Bündnis ins Leben gerufen wurde,
wie es um die Allianz heute steht oder warum man bereit sein sollte, für das
Bündnis persönliche Opfer zu bringen.
Fragen und Zweifel dieser Art haben nicht immer einheitliche Konturen.
In vielen Fällen sind das grelle Scheinwerferlicht der Medien und die schrillen Schlagzeilen aus den verkehrten Gründen auf die NATO gerichtet.

Wir soll-

ten sorgfältig unterscheiden zwischen Problemen im Bereich der öffentlichen
Vorstellungskraft einerseits und andererseits der tatsächlichen Meinungsverschiedenheiten unter den Verbündeten, wie spezifische Probleme anzupacken
seien.
Wir müssen uns auch darüber im klaren sein, welches denn nun die eigentliche Arbeit der NATO ist. Seit ihrer Gründung im Jahr 1949 hat sich die
zentrale Zielsetzung der NATO niemals geändert: die Bewahrung des Friedens
in Freiheit durch Abschreckung und zwar durch die Mobilisierung einer ausreichenden Stärke, um eine expansionistische Sowjetunion abzuschrecken, die
eine imperialistische Herrschaft anstrebt und gegenwärtig ihre militärische
Macht in einem weltweiten Umfang zur Darstellung bringt, über eine Generation
lang hat unsere Abschreckungspolitik den Frieden im Kernstück Europas und des
atlantischen Gebietes bewahrt. Die NATO hat sich als die effektive Friedensbewegung unserer Zeit erwiesen.
Wir sind eine Organisation souveräner Gleicher. Die NATO ist kein
Bündnis, das im Gleichschritt nach einem einzigen Trommelschlag marschiert.
Wir haben uns aus unserem eigenen souveränen Willen heraus verbündet - nicht
unter Zwang, wie es in dem sowjetischen Imperium der Fall ist mit dem Warschauer
Pakt, der durch das eiserne Diktat Moskaus geleitet wird. Wir müssen Vielfalt
erwarten. Solange die Mitgliedstaaten der NATO der Entscheidung der Bevölkerung im eigenen Lande unterliegen und nicht dem autokratischen Machtspruch
von Herrschern, die den Ansichten ihrer Bürger gegenüber immun sind, solange
wird es Prüfung und Kontrolle und Debatten geben. Wir im Westen singen nicht

- 2 -

�singen nicht immer in der gleichen Tonlage, und trotzdem haben wir über 30
Jahre lang eine beständige Harmonie erzielt.
Sicherlich haben wir unsere Meinungsverschiedenheiten - und einige davon sind ernst:

Erdgasröhren, Stahlimporte, Getreideembargos, die richtige

Zuteilung nationaler Ressourcen für die Verteidigung beispielsweise.

Einige

der Differenzen hinsichtlich unserer Vorstellungen und Ansätze rühren aus
einfachen geographischen Fakten her.

Die Einwohner Berlins oder eines Dorfes

zehn Meilen von der Grenze der Tschechoslowakei entfernt mögen sich unmittelbarer bedroht fühlen als ein Mensch, der im Ohio-Tal lebt, obwohl in Wahrheit
alle unter der gleichen strategischen Bedrohung leben.
Was jedoch die wahre Natur der Bedrohung angeht, der sich der Westen
gegenübersieht,gibt es in den Gremien des Bündnisses keine Meinungsunterschiede.
Die Anerkennung der Notwendigkeit einer angemessenen Verteidigung des Westens
ist unser gemeinsamer Nenner...

Das ständige Bemühen um Obereinstimmung ist

das Kennzeichen unseres demokratischen Bündnisses.

Von Anfang an hat es sich

mit großen und kleinen Fragen gleichermaßen befaßt - von der politischen Handhabung der Ost-West-Beziehungen und der Aufrechterhaltung einer wirksamen Abschreckung bis hinunter zu unklaren bürokratischen Anliegen.

Die Rolle der Kernwaffen
Im Mittelpunkt der gegenwärtigen Besorgnisse und Kontroversen steht die
Rolle der Kernwaffen bei der Bewahrung des Friedens und der Freiheiten des
Westens.

Diese Frage, mit all ihren moralischen und technischen Implikationen,

bereitet den Politikern Sorgen seit der Feuerball sich im Jahr 1945 nach der
ersten Kernexplosion über Alamagordo erhob.
Die selbsternannten Friedensbefürworter

haben kein Monopol für die

nukleare Angst. Wir alle teilen die Angst vor einer ungezügelten Kernkraft,
und vielleicht keiner mehr als jene die Entscheidung treffenden Politiker, die
in der Lage sind, dieses schreckliche Potential voll zu erkennen.
- 3 -

Aber nach-

�Aber nachdem die Kernwaffen nicht mehr aus der Welt zu schaffen sind, stellt
sich die Frage: Wie kann die Nuklearwaffen-Kapazität des Ostens und des
Westens am wirksamsten ausgeglichen werden, um zur Wahrung des Friedens beizutragen?
Eine kluge und einsichtsvolle Politik der Vereinigten Staaten und der
NATO hat sich der nuklearen Kräfte bedient, um sie mehr als eine Generation
lang für die Interessen des Friedens zu nutzen. Ja, wir sind schon zu abhängig von der nuklearen Abschreckung geworden.

In einer kürzlich vorgenommenen,

nüchternen Bewertung der Strategie und Ziele der NATO kam General Bernard W.
Rogers, der frühere Stabschef der US-Armee und jetzige NATO-Oberbefehlshaber
in Europa, zu folgender Feststellung:

"Die NATO hat ihre Verteidigung auf

die nukleare Antwort ausgerichtet, weil unsere Länder nicht bereit waren, die
Kosten einer glaubwürdigen konventionellen Kapazität zu zahlen...

Unsere Bür-

ger müssen die Implikationen einer niedrigen Nuklearschwelle der NATO verstehen, wenn sie die Opfer aufbringen sollen, die für eine Verbesserung der Sicherheitsvorkehrungen bis zu dem Punkt nötig sind, an dem wir eine vernünftige
Aussicht auf eine erfolgreiche konventionelle Verteidigung haben würden..."
Glücklicherweise werden hier in den USA und in den mit uns verbündeten
Ländern Maßnahmen getroffen, um dieses Ungleichgewicht zu korrigieren. Wir
akzeptieren nicht das Ergebnis einer sorglosen und sich irrenden Politik der
letzten 15 Jahre. Wir vernachlässigten unsere konventionelle Verteidigung, während die Sowjetunion die Periode der Entspannung dazu benutzte, ihre Streitkräfte auf eine Höhe und Kapazität zu bringen, die weit über die Erfordernisse
einer Macht hinausgehen, die sich ausschließlich zur Selbstverteidigung verpflichtet hat. Wir haben nicht sorgfältig genug zugehört, als Breschnew 1967
erklärte: "Die Entspannung beseitigt auch nicht im geringsten... die Gesetze
des Klassenkampfes." Die sowjetische Aufrüstung geht heute unbarmherzig
weiter, und wir im Westen müssen das Spiel des Aufholens spielen.
Lassen Sie mich noch ein Wort zu jenen sagen, die ihre Besorgnis über
die Kernwaffen dadurch zum Ausdruck bringen, daß sie ein Einfrieren der nuklearen Rüstung verlangen, wordurch unser Land und seine Verbündeten in eine1 Po- 4 -

�eine Position der Unterlegenheit gebracht und damit jeder Druck auf die Sowjets
beseitigt würde, über sinnvolle Rüstungsverminderungen zu verhandeln.

Es

scheint mir, daß jene besorgten Bürger es uns übrigen schuldig sind, ihre
Energie und Entschlossenheit auf die Unterstützung der Anstrengungen zu verwenden, die konventionelle Verteidigung des Bündnisses zu stärken und damit
praktische Schritte zur Beseitigung der nuklearen Lasten zu ergreifen, die
wir alle tragen.

Es genügt einfach nicht, mit frommklingenden Worten gegen

dieses oder jenes Verteidigungsprogramm zu sein.
nicht selbstverständlich.

Der Frieden ist nun einmal

Man muß arbeiten - und schwer arbeiten -, um eine

vernünftige und wirksame Verteidigung zum Schutz der Werte zu erreichen, die
wir alle hochhalten.

Jenen, die das Geld für andere Zwecke ausgeben wollen,

möchte ich sagen, daß ohne die Basis der nationalen Sicherheit kein anderer
Sektor unseres nationalen Lebens bestehen könnte.

Wenn die Sicherheit ver-

wirkt ist, dann ist auch alles andere verloren.
Unter den NATO-Verbündeten besteht heute völlige Übereinstimmung darüber, daß verstärkte konventionelle Streitkräfte und modernisierte nukleare
Mittelstrecken- und strategische Systeme notwendig sind, um die Situation auszugleichen, die durch ein jahrzehntelanges Anwachsen der sowjetischen Verteidigungsprogramme entstanden ist.

Während dieses Zeitraums unternahm der Westen

Anstrengungen, um die Ost-West-Spannungen abzubauen, aber die Sowjetunion übertraf die Vereinigten Staaten allein auf dem Gebiet der strategischen Streitkräfte um 130 Milliarden Dollar.

Bemühungen um die Abrüstung
Zur gleichen Zeit, da der Westen seine Stärke wiederaufbaut, führen die
Vereinigten Staaten ernsthafte Verhandlungen mit der Sowjetunion über eine
Rüstungsverminderung.

In Genf laufen die START-Gespräche bezüglich der stra-

tegischen Kernwaffen, und gleichzeitig finden seit November vergangenen Jahres
getrennte Verhandlungen bezüglich der sowjetischen Mittelstreckenraketen statt,
die das Territorium unserer westeuropäischen Verbündeten bedrohen.

In Wien

haben die westlichen Unterhändler einen Vertrag unterbreitet, der die Anzahl

�die Anzahl der konventionellen Streitkräfte der NATO und des Warschauer Paktes
vermindern und ausgleichen würde.
Die Vereinigten Staaten haben sich zu wirklichen Rüstungsreduzierungen
verpflichtet - nicht zu Gesprächen nur um der Gespräche willen. Präsident
Reagan hat den Sowjets ein tiefgreifendes Abkommen über die strategischen
Rüstungen vorgeschlagen und eine bisher noch nicht dagewesene Null-Lösung bei
den Mittelstreckenraketen gefordert. Gemäß dieser Null-Lösung würde die NATO
auf die Dislozierung von 572 landgestützten Marschflugkörpern und PERSHING IIRaketen in Westeuropa verzichten, wenn die Sowjetunion ihre SS 20-, SS 4- und
SS 5-Raketen abbaut, die zusammengenommen mit mehr als 1000 bereits montierten nuklearen Gefechtsköpfen bestückt sind und mit ihrer gewaltigen Nukleardrohung ganz Europa abdecken. Die amerikanischen Vorschläge sind faire, ernstgemeinte und neue Ansätze für die Erreichung eines verminderten Niveaus der
Gefahr. Sie haben die Zustimmung unserer überaus besorgten Verbündeten. Sie
verdienen die ganze Unterstützung der Öffentlichkeit, und sie sind eine ernsthafte und positive Antwort seitens der sowjetischen Unterhändler wert. Die
westlichen Verhandlungsführer in Genf und Wien müssen durch Entschlossenheit
und Einigkeit des Westens unterstützt werden.
Im Westen befinden wir uns in der paradoxen Situation, daß wir heute
rüsten müssen, damit wir morgen abrüsten können. Wenn wir bei der Erreichung
der Rüstungsverminderung, die wir alle wünschen, erfolgreich sein wollen, dann
müssen wir in den Verhandlungen ein ausgleichendes Gegengewicht militärischer
Trümpfe zum Anbieten haben. Die Sowjets sind uns in bestimmten wesentlichen
Waffenkategorien heute voraus, und sie würden überaus erfreut sein, wenn sie
diesen Vorteil "einfrieren" könnten. Niemand hat dies deutlicher zum Ausdruck
gebracht, als der sowjetische Verhandlungsführer in Genf der kürzlich sagte:
"Man muß verstehen, daß wir Sowjets weder Idealisten noch Philanthropen sind."
Es entspricht nicht der Praxis sowjetischer Unterhändler, etwas für
nichts zu geben. So ist die Sowjetunion beispielsweise erst nach der Entscheidung der NATO vom Dezember 1979, mit dem Programm für Mittelstreckenraketen
als Gegengewicht zu den sowjetischen SS 20-Raketen voranzuschreiten, schließ

�voranzuschreiten, schließlich bereit gewesen, an den Verhandlungstisch zu
kommen.

Wenn die Entscheidung vom Dezember 1979 nicht verwirklicht würde,

dann wäre dies ein entscheidend wichtiges Versagen der westlichen Entschlossenheit ;es würde dem Westen ernsthafte Nachteile einbringen und jeden Anreiz für
die Sowjets beseitigen, über eine Verminderung der uns alle bedrohenden Raketen zu verhandeln.

Die Frage des Nicht-Ersteinsatzes
In gleicher Weise ist der kürzliche Vorschlag, die Vereinigten Staaten
sollten eine Politik des Nicht-Ersteinsatzes nuklearer Waffen proklamieren,
sehr gegen die westlichen Interessen gerichtet.

Zunächst einmal muß der Aus-

gangspunkt für eine Debatte über die Strategie des Bündnisses darauf beruhen,
wie man am wirksamsten den Ausbruch eines Krieges bei gleichzeitiger Sicherung
unserer Freiheit verhindern kann.

Würde eine solche Politik dazu beitragen,

den Krieg zu verhindern, oder würde sie ihn wahrscheinlicher machen?
Die meisten erfahrenen Beobachter sind der Meinung, daß eine solche Politik des Westens angesichts des ungeheuren Übergewichts der sowjetischen Stärke
auf dem Gebiet der konventionellen Rüstung eine offene Einladung an die Sowjets
zu konventioneller Aggression darstellen würde.

Ein Verzicht auf nukleare Ab-

schreckung würde, wie ihre Befürworter erkennen, einen massiven Ausbau der
konventionellen Streitkräfte der NATO erforderlich machen - einen Ausbau von
einer Größenordnung, die vermutlich die finanziellen Ressourcen übersteigen
würde, die unsere Wähler zu unterstützen bereit sind, insbesondere in diesen
Zeiten der weitverbreiteten wirtschaftlichen Schwierigkeiten.

Sollte die NATO

ihre Ziele bei der konventionellen Stärke nicht erreichen, würde dies die
Glaubwürdigkeit des Vorschlages unterminieren.
Andererseits würde - von der finanziellen Last einmal ganz abgesehen der Verzicht auf eine mögliche nukleare Option den Sowjets die Wahl der Strategie überlassen.

Er würde ihnen gestatten, ihr Risiko zu begrenzen - ob nun

im Hinblick auf einen allgemeinen Angriff auf den Westen oder hinsichtlich
- 7 -

�oder hinsichtlich eines mehr begrenzten Schrittes gegen Berlin oder die türkischen Meerengen.
Wi

Er würde die Schwelle der militärischen Aktionen senken.

wir in Afghanistan erlebt haben, hat die sowjetische Bereitschaft zu mi-

litärischen Aktionen in den letzten Jahren zugenommen, wenn die Risiken geringer erscheinen.
Wenn wir schon über die Frage des Nicht-Ersteinsatzes sprechen sollen,
warum dann nicht gleich über alle Waffen sprechen?

Wie Verteidigungsminister

Weinberger ausgeführt und wie auch der norwegische Außenminister kürzlich in
einer Rede in Oslo unterstrichen hat, in der er sich gegen den gegenwärtigen
Nicht-Ersteinsatz-Vorschlag wandte, hat die NATO mit Nachdruck erklärt, daß
sie nicht als erste Gewalt irgendwelcher Art anwenden werde.

In der Erklärung

von Bonn, die die Chefs der verbündeten Regierungen am 10. Juni dieses Jahres
abgaben, wird unmißverständlich dargelegt, daß die NATO ihre Waffen - nuklear
wie konventionell - nicht zum Einsatz bringen wird, es sei denn
auf einen Angriff.

als Reaktion

Und um Verteidigungsminister Weinberger zu zitieren:

"Die

nukleare Abschreckung mag eine unpopuläre Vorstellung sein, aber man kann doch
nicht die Tatsache übersehen, daß sie funktioniert hat."

Die Natur der Bedrohung
Ob die sowjetische Politik ihren Ursprung hat in einem Gesamtplan, der
darauf abzielt, ihr System weltweit auch Andersdenkenden aufzuerlegen, ob sie
einem opportunistischen Angriff auf Ziele entspringt, die sich gerade günstig
ergeben, oder ob sie letztlich herrührt aus dem historischen paranoischen Argwohn der Russen hinsichtlich aller Dinge jenseits ihrer Grenzen, braucht uns
hier nicht im einzelnen zu beschäftigen. Aber selbst wenn die wohlwollendste
Auslegung der jüngsten sowjetischen Maßnahmen angewendet würde, müßte man doch
nach der Gefahr fragen, die davon für Afghanistan ausgeht - jenem unglücklichen
Land, das von etwa 100 000 sowjetischen Soldaten mit Blut durchtränkt wird...
Und man könnte auch nach der Gefahr für die polnischen Gewerkschaftler fragen,
die nach einer lebenswerteren Gesellschaftsform streben, während sie gleichzeitig den imperialistischen Forderungen der Sowjetunion an ihre Gesellschaft
- 8 -

�ihre Gesellschaft entgegentreten.
Wir müssen uns mit den sowjetischen Kapazitäten befassen.

In dem Jahr-

zehnt nach Vietnam haben die Vereinigten Staaten die Wehrpflicht aufgegeben
und die Höhe ihrer Verteidigungsausgaben sowie den ganzen Umfang der Verteidigungseinrichtungen verkleinert.

In einer Zeit, die durch die Bemühungen

des Westens um eine Verminderung der Spannungen gekennzeichnet war, hat die
Sowjetunion allein im Hinblick auf die strategischen Streitkräfte 130 Milliarden Dollar mehr aufgewandt als die USA.

In diesem Zeitraum hat die Sowjet-

union allein zehn Versionen von drei neuen ballistischen Interkontinentalraketen disloziert, während die Vereinigten Staaten keine neuen Nuklearsysteme
disloziert haben und dies auch nicht tun werden, bis die MX-Rakete später in
diesem Jahrzehnt zur Verfügung steht. Während die Vereinigten Staaten kein
neues mit ballistischen Raketen bestücktes Unterseeboot gebaut haben, hat die
Sowjetunion 60 neue oder verbesserte strategische U-Boote in Dienst gestellt.
Und im Rahmen eines Raketenprogramms, das trotz der Erklärung Breschnews vom
vergangenen Frühjahr bezüglich eines einseitigen Moratoriums fortgesetzt wird,
verfügen die Sowjets jetzt über mehr als 1000 nukleare Gefechtsköpfe für Mittelstreckenraketen, womit sie Ziele in ganz Europa treffen können.
hat demgegenüber

Der Westen

keine vergleichbare Kapazität und wird sie auch nicht haben

- es sei denn, es kommt bei einem Mißerfolg in Genf zu der geplanten Dislozierung von PERSHING

II und landgestützten Marschflugkörpern Mitte der achtziger

Jahre.
Im Zuge des Anwachsens der sowjetischen Streitkräfte um ein Drittel auf
4,8 Millionen Soldaten - mehr als das Doppelte der unsrigen - und der Erhöhung
der Militärausgaben der Sowjetunion um mehr als 50 Prozent sowie der Entsendung
einer modernen Kriegsmarine in Gewässer, in denen sich bisher die sowjetische
Flotte nicht befand, zeigte Moskau eine immer stärker werdende Neigung, seine
neue militärische Stärke für politische Ziele einzusetzen, entweder direkt
oder durch Stellvertreter, von Mittelamerika bis nach Polen und weiter bis nach
Südostasien, von Afghanistan bis nach Äthiopien und Angola.
Aber so

�Aber so breitangelegt die sowjetische Bedrohung ist, sie ist im wesentlichen eindimensional.

Wir müssen uns über eines im klaren sein:

Der kom-

munistische Staat zeigt sich als ein gewaltiger Fehlschlag außer auf einem
Gebiet

- einem wichtigen Gebiet:

dem Gebiet der militärischen Macht.

Auf

diesem Felde hat sich die Sowjetunion zu einer Supermacht entwickelt - und zu
einer gefährlichen, die gekennzeichnet ist durch das Fehlen einer jeden wirklichen Zurückhaltung in bezug auf ihre totalitäre Macht, sofort und unvermittelt zuzuschlagen, wenn sie sich aufgrund ihrer gewaltigen inneren Belastungen dazu gezwungen fühlt.

Wir sehen uns einem System mit einer im Sterben lie-

genden Ideologie gegenüber, einem riesigen Land, das nicht in der Lage ist,
sich selbst zu ernähren, einer Regierung, die niemals legitime Mittel zur Nachfolge entwickelt hat, die an die Stelle der Abhängigkeit von mörderischen Intrigen in düsteren Kremlkorridoren treten könnten, um die Staatsmacht weiterzugeben, der Führung eines Bündnisses unterdrückter und unzuverlässiger Satelliten.

Sechseinhalb Jahrzehnte nach einer Revolution, die Brot und Freiheit

versprach, hat das sowjetische Volk weder das eine noch das andere.

Das

sowjetische System produziert Panzer (leider mit Hilfe westlicher Technologie),
aber keine Lebensmittel.
heit.

Es produziert Mauern und Flüchtlinge, aber keine Frei-

Ja, wer kann an dem Ausgang wirklich freier Wahlen auch nur zweifeln,

sollten sie in Staaten abgehalten werden können, die unter der Herrschaft des
Kreml stehen?

Hoffnungen für die Zukunft
Ich habe keine Zweifel daran, daß die Völker der Sowjetunion und ihrer
Satelliten sich nicht weniger nach Frieden sehnen, als wir es hier im Westen tun.
Wir können die Sowjets nicht dazu zwingen, entweder Idealisten oder Philanthropen
zu sein, aber wir können fordern, daß sie Realisten sind. Wir können dies tun
- und dies geschieht ja auch seitens unserer Verbündeten und der USA -, indem
wir die notwendige Verteidigung aufbauen, während wir gleichzeitig verhandlungsfähige und echte Vorschläge für eine Rüstungsverminderung auf den Tisch legen.
+ + + + +
- 10 -

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1 P^^jil'/I'IT'TIT VILI C*Jil
United States Information Service
Embassy of the United States of America

20. Oktober 1982

41

USA LEHNEN UN-AUSSCHLUSS ISRAELS AB
- Erklärung des US-Außenministers -

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten haben unterstrichen, daß
sie sich aus der Vollversammlung der Vereinten Nationen zurückziehen und
ihre Zahlungen an die Vereinten Nationen einstellen würden, sollte ein Vorschlag über einen Ausschluß Israels aus dieser Organisation zur Verabschiedung
gelangen.
In einer am 16. Oktober 1982 vom amerikanischen Außenministerium veröffentlichten Erklärung stellte Außenminister Shultz zudem fest, die amerikanische Reaktion würde auch gegenüber der Internationalen Fernmeldeunion (ITU),
einer Sonderorganisation der Vereinten Nationen, dieselbe sein, da auf deren
Vollversammlung in Nairobi derzeit ein ähnlicher Schritt in Erwägung gezogen
wird.
Der Ausschluß Israels aus diesen Organisationen, so erklärte Shultz,
"stünde im Gegensatz zu den Prinzipien der Vereinten Nationen", und die Vereinigten Staaten betrachteten diese Drohungen "mit großer Besorgnis".
Der Text

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Telex: 8-85432

�Der Text der Erklärung hat folgenden Wortlaut:
Es gab in jüngster Zeit in der Vollversammlung der Vereinten Nationen
in New York und auf der Generalkonferenz der Internationalen Fernmeldeunion
in Nairobi Vorschläge gegen die weitere Beteiligung Israels an diesen Organisationen.

Die Vereinigten Staaten betrachten diese Drohungen mit großer

Besorgnis.
Der Ausschluß Israels aus der Vollversammlung oder der Internationalen
Fernmeldeunion würde unter diesen Umständen im Gegensatz zu den Prinzipien
der Vereinten Nationen stehen.

Im Fall der Vollversammlung wäre dies eine

eindeutige Verletzung der Charta der Vereinten Nationen.

Ein solcher Schritt

zerstörte die eigentliche Zielsetzung der Vereinten Nationen - die Beilegung
von Streitigkeiten zwischen Staaten -, indem weiterer Konflikt und weitere Uneinigkeit geschaffen würden.

Dies würde dem gesamten System der Vereinten

Nationen einen schweren Schaden zufügen und uns allen schaden.
Der Ausschluß Israels aus den Organen der Vereinten Nationen wäre zugleich ein schwerer Rückschlag für den Fortschritt in Richtung auf einen Frieden im Nahen Osten, dem sich die Vereinigten Staaten und praktisch alle Mitglieder der Vereinten Nationen verpflichtet haben.

Es wäre eine tragische

Ironie, wenn Schritte dieser Art gegen Israel gerade zu einem Zeitpunkt Erfolg hätten, da es neue Hoffnung auf Fortschritt im Nahen Osten gibt.
Die Vereinigten Staaten haben stets deutlich gemacht, daß jeder Angriff
auf Israels Recht zur Beteiligung in welcher Organisation der Vereinten Nationen
auch immer im Erfolgsfall ernste Konsequenzen für unsere eigene weitere Beteiligung und unsere Unterstützung haben würde. Als Beweis für unsere Entschlossenheit zur Begegnung solcher Schritte zogen wir unsere Delegation aus der Konferenz der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) nach einer ungerechtfertigten Zurückweisung der israelischen Akkreditierung am 24. September ab, kündigten eine Überprüfung unserer Beteiligung an der IAEA an und suspendierten
unsere Beteiligung an einer ganzen Reihe von Aktivitäten der Behörde.
Bis ein

�Bis ein Ergebnis unserer Überprüfung vorliegt, werden wir keine weiteren
Zahlungen an die IAEA vornehmen.
Sollte es zu ähnlichen Schritten auch bei anderen Organisationen der
Vereinten Nationen kommen, werden wir dieselben Maßnahmen auch dort ergreifen.
Sollte Israel von der Vollversammlung ausgeschlossen werden, würden die
Vereinigten Staaten ihre Beteiligung in der Versammlung einstellen und Zahlungen an die Vereinten Nationen zurückhalten, bis Israels Recht auf Beteiligung wiederhergestellt ist.
Wir würden auch unsere Delegation von der Generalversammlung der Internationalen Fernmeldeunion in Nairobi zurückziehen, sollte Israel ausgeschlossen werden,und würden weitere Zahlungen an diese Organisation zurückhalten.
Die ITU, die IAEA und andere technische Sonderorganisationen dürfen nicht
durch solche politische Angriffe auf die Rechte der Mitgliedstaaten untergraben oder zerstört werden.
Wir vertrauen darauf, daß die Mehrheit der Mitgliedstaaten der Vereinten
Nationen und aller ihrer Einrichtungen die ernsten Gefahren aller weiterer Angriffe auf Israels Recht auf Beteiligung an den Körperschaften der Vereinten
Nationen erkennt

und sich dafür einsetzt, daß diese Initiativen abgewendet

werden.

- 3 -

�20. Oktober 1982

41

JUGENDAUSTAUSCH-PROGRAMM FINDET BEGEISTERTE UNTERSTÜTZUNG
- Von unserer Korrespondentin Di an J. McDonald -

WASHINGTON - (AD) - Die Initiative Präsident Reagans für einen internationalen Jugendaustausch entwickelt sich zu einem "ungemein großzügigen
Programm", das schon jetzt auf eine positive, ja, begeisterte Reaktion seitens der anderen Teilnehmerstaaten blicken kann.
Charles Z. Wick, Direktor des US-Informationsamtes (USIA) und persönlicher Repräsentant des Präsidenten für Organisation und Durchführung des
neuen Austauschprogramms, kam am 13. Oktober 1982 im Verlauf eines Fernsehinterviews zu dieser Beurteilung.
Im Rahmen dieses Jugendaustausches sollen in den kommenden drei Jahren
insgesamt rund 40 000 Jugendliche zwischen 15 und 19 Jahren aus den auf dem
Versai11 er Gipfeltreffen vertretenen Staaten an dieser Aktion teilnehmen dies würde einen Anstieg um 25 000 junge Teilnehmer bedeuten. Dabei werden
sowohl Schüler den regelmäßigen Schulbetrieb miterleben, als auch Jugendliche, die bereits im Arbeitsleben stehen, Erfahrung in Unternehmen und land-

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�und landwirtschaftlichen Betrieben sammeln. In bestimmten Fällen kann der
Aufenthalt auch das erste Studienjahr an der Universität einschließen.
Die amerikanische Regierung hat für die nächsten drei Jahre für das
Projekt 10 Millionen Dollar bereitgestellt, und auch die Beiträge aus dem
Privatbereich sollen sich auf rund 15 Millionen Dollar belaufen.
Wick erklärte, die langfristige Zielsetzung der Initiative bestehe
darin, die Möglichkeiten zu vergrößern und zu verbessern, die ein Austauschprogramm für das gründlichere

Verständnis zwischen Staaten und Menschen

bietet.
Wie Wick ausführte, können die 15- bis 19jährigen Schüler, die in die
Vereinigten Staaten kommen, mit ihrer auf diese Weise stark verbesserten
Kenntnis

des Englischen auch später zu Studium und Forschung in die USA

zurückkehren.
Das Programm selbst besteht aus einem einjährigen Aufenthalt bei einer
amerikanischen Familie, wodurch dem Besucher die Gelegenheit geboten wird,
über Sitten und Gebräuche in den USA und über den Pluralismus der amerikanischen Gesellschaft mehr zu erfahren.
Wick verwies darauf, daß das Austauschprogramm hauptsächlich von Privatorganisationen durchgeführt wird, die bereits ihre Fähigkeit unter Beweis
gestellt haben, Gastfamilien für ausländische Besucher und junge Bewerber
für Auslandsprogramme auszuwählen. Hierzu gehören die Programme des
"American Field Service", "Experiment in International Living", "Friendship
Force", sowie "People-to-People International".
Die Initiative des Präsidenten strebt des weiteren an, die Unterstützung
in den amerikanischen Gemeinden für den internationalen Austausch zu fördern,
mehr amerikanische Familien dazu zu bringen, ausländische Studenten aufzunehmen und zu freiwilligen Anstrengungen von Gesellschaften und Privatorganisationen anzuregen.

F,-n

�Ein aus Führungskräften amerikanischer Unternehmen bestehender Präsidialrat wurde ins Leben gerufen, um die Unterstützung durch den Privatsektor noch weiter zu beleben.
Beim US-Informationsamt wurde ein Büro für Jugendaustausch mit dem notwenigen Personal ausgestattet, das über Mittel verfügen wird, die im Rahmen
der Initiative gemeinnützigen Organisationen zukommen sollen.
Für den Erfolg der Initiative des Präsidenten ist es notwendig, daß die
Gemeinden in den Vereinigten Staaten bereit sind, mehr Austauschschüler aufzunehmen. Um dieses Ziel zu erreichen, führt die Charles F. Kettering-Stiftung ein Projekt mit 19 amerikanischen Städten durch, um herauszufinden, wie
die Gemeinden am besten auf diese internationalen Austauschprogramme reagieren können. Die Kettering-Stiftung beabsichtigt die Veröffentlichung eines
Handbuchs - gestützt auf die Erfahrungen mit den Gemeinden des Projektes -,
durch das sich all jene Gemeinden informieren können, die sich an der
Initiative des Präsidenten beteiligen wollen.

- 3 -

�41

20. Oktober 1982

WELTRAUM-SERVICE
US-Raumtransporter COLUMBIA nimmt Routinebetrieb auf
Von G. Weiss

(AD) — Mit dem fünften Flug der COLUMBIA, der für den 11.-16. November 1982 vorgesehen ist, beginnt der Routineeinsatz des ersten wiederverwendbaren Raumtransporters der Welt. Das neuartige amerikanische Fluggerät steht
für Dienstleistungen besonderer Art zur Verfügung - etwa als Transportmittel
für Satelliten, die bisher zum Start eigene, nicht wiederverwendbare Trägerraketen benötigten, oder als Forschungs- und Experimentierstation für Untersuchungen außerhalb des Einflußbereichs der an der Erdoberfläche herrschenden Schwerkraft. Es dient als Observatorium für die Fernerkundung der Erde,
für die Beobachtung der Gestirne und des kosmischen Raums (unbeeinträchtigt
von möglichen Störungen durch die Erdatmosphäre), und es wird fliegender Inspektions- und Wartungsbetrieb für Satelliten sein, die die Erde umkreisen.
Zivile und militärische Stellen, Unternehmen der Wirtschaft und Forschungsinstitute innerhalb wie außerhalb der Vereinigten Staaten geben ihre Aufträge zur Mitnahme von Nutzlasten, die dann während des Fluges von besonders ausgebildeten Wissenschaftlern und "Missionsspezialisten" betreut werden. Viele Versuchsanordnungen arbeiten jedoch vollautomatisch, so daß sich

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�daß sich eine Wartung erübrigt. Entsprechend geringer sind die Gebühren,
die der Auftraggeber für den Weltraumservice zu bezahlen hat.
Hauptaufgabe beim Flug STS-5 wird es sein, zwei kommerzielle Nachrichtensatelliten in den Weltraum mitzunehmen und in der Umlaufbahn der
COLUMBIA in knapp 300 km Höhe abzusetzen. Von dort aus steigen die unbemannten Geräte, die je 3,5 Tonnen Masse haben, mit der Schubkraft eigener
Bordtriebwerke zum vorgesehenen Standort auf. Er liegt im sogenannten geostationären Orbit, 36 000 km über der Erde. Außerdem hat die COLUMBIA u.a.
drei Experimente amerikanischer Oberschüler, sowie einen Spezialbehälter
mit der deutschen Versuchsausrüstung MAUS an Bord. Auftraggeber ist das
Bundesministerium für Forschung und Technologie. Bei dem Experiment, einer
Entwicklung von Dr. Günter Otto von der Deutschen Forschungs- und Versuchsanstalt für Luft- und Raumfahrt (DFVLR) in Porz b. Köln, handelt es sich um
ein Spezialgebiet der Materialforschung (MAUS ist die Abkürzung für "materialwissenschaftliches autonomes Experiment unter Schwerelosigkeit"). Man will
herausfinden, wie sich die beiden unterschiedlichen Metalle Gallium und
Quecksilber beim Aufheizen bis auf 220 Grad Celsius und anschließender Abkühlung verhalten - d.h. wie sie sich unter "Mikrogravitation" (hundertprozentig ist die Schwerkraft auch im Weltraum nicht ausgeschaltet) miteinander vermischen und beim Abkühlen entmischen. Der Ablauf des Experiments
wird auf einem Röntgenfilm festgehalten. Seine Auswertung nach der Rückkehr
ermöglicht die Rekonstruktion der Verteilung der Metallpartikel in den verschiedenen Mischungsphasen an Hand von Schwarz und Weiß sowie der Graustufen auf dem Film.
Die Testflüge des Raumtransporters sind seit Juli 1982 abgeschlossen.
Dennoch wird das bevorstehende Unternehmen wiederum völlig neuartige Erfahrungen bringen: Zum ersten Mal befinden sich vier Mann an Bord, während die
Besatzung bisher aus jeweils nur zwei Mann bestand. Chefpilot Vance D. Brand
und Kopilot Robert F. Overmyer sind für den flugtechnischen Teil, die Wissenschaftsastronauten Joseph Allen und William Lenoir für die Nutzlasten
verantwortlich. Die beiden letztgenannten "Mission Specialists" werden die

- 2 -

�werden die ersten Astronauten sein, die an Bord der Raumfähre Arbeiten
außerhalb der schützenden Druckkabine ausführen. Sie tun dies, wie bei
Außenbordmanövern üblich5 im Weltraumanzug. Bei diesem handelt es sich
um eine Neuentwicklung, die leichter ist und mehr Bewegungsfreiheit gibt
als der Druckanzug, den die APOLLO-Astronauten auf dem Mond trugen.
In jedem Anzug ist ein Lebenserhaltungssystem eingebaut, über Funk
stehen die Wissenschaftsastronauten mit den Piloten in ständiger Verbindung. Die Dauer eines Außenaufenthalts ist auf jeweils sechs Stunden
begrenzt, weil dann wichtige Komponenten des Lebenserhaltungssystems fast
aufgebraucht sind. Allen und Lenoir werden am vierten Flugtag den Druckanzug anlegen. Ehe sie jedoch die offene Ladebucht, in der sie eine Reihe von
technisch-praktischen Versuchen ausführen, betreten, atmen sie ca. dreieinhalb Stunden lang den reinen Sauerstoff aus dem Lebenserhaltungssystem ein.
Dem Körper soll Zeit gegeben werden, sich von der Normalluft der Druckkabine
des Raumflugzeugs, die nahezu identisch ist mit der Luftzusammensetzung an
der Erdoberfläche, auf Sauerstoffatmung umzustellen.
Während ihres dreistündigen Außenaufenthalts sind sie an 15 m langen
Sicherheitsleinen mit dem Raumflugzeug verbunden, damit sie, was ja im
schwerelosen Zustand denkbar wäre, nicht abdriften können. Sie werden u.a.
Werkzeugsätze und technische Hilfen ausprobieren, wie sie bei künftigen
Einsätzen z.B. für die Wartung und Bedienung von Nutzlasten oder zur Reparatur von Satelliten gebraucht werden, die man zu diesem Zweck aus dem
Orbit an Bord holt.
Lenoir wird alles, was sein Kollege Allen in den drei Stunden tut, mit
einer auf seinem Helm befestigten Kamera filmen. Beide haben "Weltraumspaziergänge" und das Arbeiten im Druckanzug in einem riesigen Wassertank im
Raumfahrtzentrum von Houston geübt. Inwieweit Schwerelosigkeit unter Wasser
scheinbar ähnlichen Bedingungen im Weltraum entspricht, wollen sie nun
selbst beurteilen. Künftige

Astronauten sollen die Gewißheit haben, daß

beim Unterwassertraining die tatsächlichen Bedingungen im Weltraum gut
simuliert werden.

_ C0LUMBIA

als

�- COLUMBIA als Startbasis Das Verfahren wurde bisher noch nie praktiziert - nämlich ein bemanntes Raumfahrtgerät als Basis für den Start von Erdsatelliten zu benutzen.
Die beiden Nachrichtensatelliten, die vor dem COLUMBIA-Start als Fracht mit
in der Ladebucht des Raumtransporters verstaut wurden, sind Eigentum der
amerikanischen Firma "Satellite Business Systems" und des kanadischen Unternehmens "Telesat Canada". Sie tragen die Bezeichnungen SBS-3 (dritter
Satellit der Firma "Satellite Business Systems"

für geschäftliche Kommu-

nikation) und ANIK-C. ANIK-C ist der erste von drei Nachrichtensatelliten,
die für den inländischen Fernmeldedienst in Kanada bestimmt sind. Beide Firmen zahlen an die NASA j«j acht Millionen Dollar an Gebühr für den Start der
Satelliten, die bei der "Hughes Aircraft Company" in Kalifornien gebaut wurden.
Acht Stunden nach dem Start der COLUMBIA in Kap Canaveral steigt SBS-3
langsam aus der geöffneten Ladebucht, nachdem der Satellit in seinem Transportbehälter auf einem Drehtisch in Rotation versetzt und durch einen Federmechanismus gelöst wurde. Er vollführt 50 Umdrehungen pro Minute, was zur
Drallstabilisierung ausreicht und das Einsteuern des Geräts auf den vorgesehenen "Standort" im 36 OOO-km-Orbit in der richtigen Achsenposition erleichtert. Zehn Jahre soll er funktionsfähig bleiben.
Das gleiche Verfahren wird am zweiten Flugtag zum Start von ANIK-C
angewandt, In beiden Fällen muß ca. 40 Minuten zuvor Astronaut Overmyer
den Raumtransporter in eine Position manövrieren, von der aus der in den
Weltraum zu entlassende "Fluggast" nach Zünden seines eigenen Triebwerks
über eine stark elliptische Transfer-(Übergangs-) Bahn sein Standortgebiet
erreicht. Dies spielt für die Benutzung des Satelliten innerhalb des dafür
vorgesehenen Sende- und Empfangsgebietes eine sehr große Rolle. Die 36 000km-Bahn erlaubt die "Stationierung", weil ein Satellit in dieser Höhe mit
derselben Geschwindigkeit um die Erde kreist, in der sich ein darunter liegender Punkt auf, der Erdoberfläche mit der Erddrehung weiterbewegt. Der Sa-

�Der Satellit scheint deshalb für den Benutzer auf der Erde stillzustehen
und steht Tag und Nacht zur Verfügung.
Ca. 15 Minuten nach dem Absetzen eines Satelliten werden an der COLUMBIA
kleine Düsentriebwerke aktiviert, um zwischen beiden mindestens 12 bis 16 km
Sicherheitsabstand zu schaffen. Denn jeder der beiden Nachrichtensatelliten
(Höhe jeweils 6 m, Durchmesser knapp 2 m) hat etwa 2500 kg Festtreibstoff
für den Aufstieg sowie - für kleine Korrekturmanöver in der Umlaufbahn 150 kg von dem Flüssigtreibstoff Hydrazin an Bord.
- Kein Schichtdienst Die vier Astronauten haben nicht vor, Schichtdienst zu leisten. Vielmehr wollen sie zur gleichen Zeit schlafen, arbeiten, die Mahlzeiten einnehmen. In der Raumfähre gibt es keine eigenen Schlafquartiere. Aber Vance Brand
meint, "Wir werden schon ein bequemes Plätzchen finden". Allerdings werde es
bei vier Leuten an Bord "zum Gedränge am Fenster" kommen, und am Wasserhahn
werde man wohl oder übel anstehen müssen. "Aber wir sind ja nicht gezwungen,
auf dem Fußboden zu bleiben." Man könne in der Kabine umherschweben, das
schaffe Platz für die andern.
Mit einer Anzahl von Experimenten, die die NASA mit auf den Weg gibt,
werden Untersuchungen aus der Zeit der Testflüge fortgesetzt. Sie gelten vor
allem den unter verschiedenen Bedingungen innen und außen auftretenden Temperaturen, der Frage des günstigsten Heizsystems, der Aufheizung in der
Start- und Landephase, den Flugeigenschaften und dem Leistungsvermögen
des Raumtransporters sowie den Umweltbedingungen für die Nutzlasten in der
Ladebucht.
Zum ersten Mal soll die Weltraumfähre vollautomatisch landen. In 6100
Metern Höhe schalten die Flugastronauten auf Automatik um. Jedoch beobachten
Vance Brand und

Robert Overmyer sehr genau die Anzeigeinstrumente. Sollten

- 5 -

�Sollten dabei irgendwelche unerwarteten Probleme auftreten, würde Brand
sofort wieder auf manuelle Steuerung gehen und das Raumflugzeug landen.
Dem Flugplan zufolge soll die COLUMBIA am 11. November 1982 um 13:19
Uhr MEZ in Kap Canaveral starten und am 16. November 1982 um 15:32 Uhr im
Flughafenbereich Edwards Air Force Base in Kalifornien zur Erde zurückkehren. Anschließend wird sie vorübergehend aus dem Verkehr gezogen, weil für
ihren nächsten Einsatz mit dem in Bremen gebauten Weltraumlaboratorium
(SPACELAB)an Bord Umbauten notwendig sind. Dies wird dann der neunte Flug
eines amerikanischen Raumtransporters sein. Für die Flüge sechs, sieben
und acht (STS-6 im Januar 1983) ist CHALLENGER, die zweite Raumfähre der
USA, vorgesehen.

+ + + + +

�BERICHTIGUNG
In Amerika Dienst Nr. 35 vom 8. September 1982
ist

unter der Überschrift:

DOKUMENTATION
Reagan fordert Neubeginn im Nahen Osten
- Fernsehrede des US-Präsidenten vom 1. September 1982 auf Seite 7 durch einen übermittlungsfehler ein Absatz ausgelassen
worden.
Nach dem zweiten Absatz ..., "daß sie diese Tatsache anerkennen."
muß es heißen:
"Ich habe den heroischen Überlebenskampf Israels persönlich verfolgt
und unterstützt, seit der Staat Israel vor 34 Jahren gegründet wurde. In
den Grenzen vor 1967 war Israel an seiner engsten Stelle kaum zehn Meilen
breit. Der größte Teil der israelischen Bevölkerung lebte im Bereich der
Artillerie feindlicher arabischer Armeen. Ich denke nicht daran, Israel zu
bitten, wieder unter solchen Umständen zu leben."
Hier wieder aufnehmen:
"Der Krieg im Libanon..."

+ + +

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gedanken über das NATO-Bündnis&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ansprache von US-Botschafter vor der Kommandeurtagung in Hagen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Botschafter Bennett: Zur Lage des NATO-Bündnisses&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede vor dem Weltpolitischen Rat von Cincinnati -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA lehnen UN-Ausschluss Israel ab&lt;br /&gt;- Erklärung des US-Außenministers -&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Jugendaustausch-Programm findet begeisterte Unterstützung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von unserer Korrespondentin Dian J. McDonald -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Weltraum-Service&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- US-Raumtransporter COLUMBIA nimmt Routinebetrieb auf -&lt;/em&gt;</text>
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Herausgeber. U.S. Information Service
Embassy QÜb© United States of America
^

Z12462C
42

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20. Oktober 1993

DIPLOMATIE

USA SOLLTEN PRÄVENTIVE DIPLOMATIE
PRAKTIZIEREN
Erklärung Christophers bei Einweihung
des Ausbildungszentrums

HAITI

UNO ENTSCHLOSSEN ZU FORDERUNG
DER DEMOKRATIE AUF HAITI
Ansprache von Botschafterin
Albright im UN-Sicherheitsrat

SOMALIA

DIE AMERIKANISCHE POLITIK
IN SOMALIA
Bericht des Weißen Hauses

PORTRAT

RICHARD C. HOLBROOKE
Porträt des neuen US-Botschafters in Bonn

AUSTAUSCHPROGRAMME

AMERIKANISCHE AUSTAUSCHPROGRAMME
BESCHLEUNIGEN REFORMEN IN DER
EHEMALIGEN SOWJETUNION
Große Fortschritte in drei Jahrzehnten

LITERATUR

DIE WERKE VON TONI MORRISON
Nobelpreisträgerin für Literatur

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-33923 72
Fax:0228-33 41 02

�DIPLOMATIE
20. Oktober 1993

USA SOLLTEN PRÄVENTIVE
DIPLOMATIE PRAKTIZIEREN
Erklärung Christophers bei Einweihung des Ausbildungszentrums
WASHINGTON - (AD)-Außenminister Christopher erklärte am 13. Oktober 1993, die Vereinigten Staaten sollten
in der Zeit nach dem Kalten Krieg eine "präventive Diplomatie" praktizieren, weil sie ihnen den Spielraum
verschaffe, "mehr Mittel für die drängenden Herausforderungen der innenpolitischen Erneuerung freizusetzen".
"Wir können nicht jede Krise vorhersehen", erklärte er bei der Einweihung des Nationalen Ausbildungszentrums
für auswärtige Angelegenheiten des Außenministeriums in Arlington (Virginia). "Nachhaltige präventive
Diplomatie kann jedoch Probleme antizipieren oder lösen - oder regionale Konflikte entschärfen - bevor sie eine
Krise auslösen."
Christopher stellte fest, daß die Sicherheit während des Kalten Krieges hauptsächlich auf den militärischen
Fähigkeiten der USA zur Abschreckung beruhte und fuhrfort: "Jetzt ist die Zeit gekommen, in der die Diplomatie
-unterstützt von einer glaubwürdigen Militärmacht - im Namen eines starken und sicheren Amerika neuen Einf lu ß
gewinnen kann."
Das neue Ausbildungszentrum wird jährlich etwa 15.000 Studenten aus 47 mit auswärtigen Angelegenheiten
befaßten Regierungsbehörden der Vereinigten Staaten ausbilden. Es wird 300 Kurse anbieten, darunter 63
Sprachkurse, Landeskunde, Management und Verwaltung, Ökonomie und Politik, Informationssysteme und
Sicherheit in Übersee.
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text der Rede von Außenminister Christopher.

Minister Rogers, Minister Vance, Minister ShuKz, Minister wird dieses Zentrum über alles verfügen, mit AusnahEagleburger, Kongreßabgeordneter Moran, Kongreß- me einer Fußballmannschaft.
abgeordneter Wolf, verehrte Kollegen.
Diese Zeremonie ist als öffentliches Ereignis bezeichDieses Zentrum ist ein stolzes Symbol für die überpar- net worden, ich kann mich jedoch des Gefühls nicht
teiliche Zusammenarbeit, die Amerika so gut gedient erwehren, daß es eher wie ein Familientreffen ist. Wir
hat. Die Pläne für dieses Gebäude wurden vor mehr sind zwar eindeutig eine gemischte Gruppe, werden
als einem Jahrzehnt entworfen. Jeder nachfolgende aber durch ein einzigartiges und machtvolles Band
Außenminister hat zu diesem Projekt beigetragen, mit verbunden - wir widmen unser Leben ganz oder teilUnterstützung von Persönlichkeiten wie den Kongreß- weise den außenpolitischen Interessen Amerikas.
abgeordneten Moran und Wolf. Die Unterstützung für
diese Einrichtung im gesamten politischen Spektrum Wir teilen jedoch mehr als nur gemeinsame Erfahrunreflektiert den breiten Konsens, auf dem die Führungs- gen. Wir sind durch unser gemeinsames Engagement
für die fundamentalen Ziele der amerikanischen Aurolle Amerikas basiert.
ßenpolitik miteinander verbunden: Die Sicherheit unserer
In diesem außergewöhnlichen Zentrum sollen jedes Nation zu gewährleisten, ihren wirtschaftlichen WohlJahr 15.000 Studenten in 250 Unterrichtszimmern und stand zu fördern und ihre demokratischen Werte zu
insgesamt 600 Räumen ausgebildet werden. Sie schützen. Die Interessen und Ideale des amerikanikommen aus 47 Regierungsbehörden der Vereinigten schen Volkes waren immer das Kernstück der ameriStaaten und werden 300 Kurse, darunter 63 verschie- kanischen Diplomatie.
dene Sprachkurse belegen können. Soweit ich weiß,
AMERIKA DIENST 42

Seite 1

�Es ist einfach, sich über Karrierediplomaten lustig zu
machen. Die Karikaturisten statten sie schon seit
Jahren mit lustigen gestreiften Hosen aus. Sie putzen
uns heraus um uns anschließend bloßstellen zu können.
Wenn die Nation jedoch in Schwierigkeiten gerät,
wendet sie sich Persönlichkeiten wie Chip Bohlen,
Ellsworth Bunker und Phil Habib zu. Sie wendet sich
an Menschen, deren Namen an den Wänden am
Eingang "C" des Außenministeriums aufgeführt sind die ihr Leben im Dienst für dieses Landes ließen. Und
sie wendet sich an Menschen wie Bob Oakley, den wir
um die Verstärkung unserer diplomatischen Bemühungen zur Beendigung des Blutvergießens in Somalia gebeten haben.
Wir können uns glücklich schätzen, daß die Vereinigten Staaten solch hervorragende Politiker haben. Ich
grüße die vier heute anwesenden Außenminister.

hoffnungsvollen Wendepunkt, an dem wir heute stehen.
Die Clinton-Administration ist die erste Regierung, die
nach dem Ende des Kalten Krieges an die Macht kam.
Wir haben die Chance - und die Verantwortung - die
amerikanische Diplomatie in einer nicht von der Konfrontation der Supermächte belasteten neuen Welt
umzugestalten.
Dieser historische Moment erfordert eine neue Diplomatie, die neue Prioritäten fördert, die den Gefahren
und Chancen des Zeitalters nach dem Kalten Krieg
Rechnung tragen. Aus diesem Grund macht Präsident
Clinton die Wirtschaftspolitik zum Zentrum unserer
Außenpolitik, aus diesem Grund setzt er die Nichtverbreitung auf die Tagesordnung der neunziger Jahre für
die Rüstungskontrolle, verpflichtet Amerika zu einer
Erweiterung der demokratischen Werte, stellt globale
Fragen in den Mittelpunkt der amerikanischen Außenpolitik, beispielsweise den Umweltschutz und die
Bekämpfung der Bevölkerungsexplosion.

Bill Rogers war der Vorreiter bei den historischen
Veränderungen unserer Beziehungen zur Sowjetunion. Er trug zu dem Waffenstillstand im Nahen Osten Diese neuen Prioritäten reflektieren eine breitere Debei. Und er begann die Umstrukturierung des Außen- finition unserer nationalen Sicherheit - und sie werden
ministeriums, auf der wir heute aufbauen.
eine erweiterte Rolle für die Diplomatie unserer Nation
erfordern.
Ich hatte die Ehre, als Stellvertreter von Cyrus Vance
tätig sein zu dürfen. Er spielte eine Schlüsselrolle beim Mehr als zwei Jahrhunderte lang war die Diplomatie
Abschluß des Panamakanal-Vertrages und bei der ein lebenswichtiges Instrument unserer nationalen
Normalisierung unserer Beziehungen zu China. Durch Sicherheit. Aber die Sicherheit während des Kalten
seine zentrale Rolle bei der Aushandlung des Abkom- Krieges basierte hauptsächlich auf unserer Fähigkeit
mens von Camp David stellte er die Weichen für das zur Eindämmung der sowjetischen Macht und zur
letzten Monat geschlossene historische Abkommen Abschreckung eines Krieges. Jetzt ist die Zeit gekomzwischen Israel und der PLO.
men, in der die Diplomatie - unterstützt von einer
glaubwürdigen Militärmacht - im Namen eines starken
Allein das Inhaltsverzeichnis der Memoiren von Ge- und sicheren Amerika neuen Einfluß gewinnen kann.
orge Shultz - ich versichere Ihnen, George, ich habe
weiter gelesen - zeugt von seinen Zeitalter: Der Nahe In diesem großartigen neuen Ausbildungszentrum
Osten, die Sowjetunion, Mittelamerika, der INF-Ver- möchte ich ohne Umschweife über den Wert der
trag. George Shultz hat sich diesen Fragen mit Integri- Diplomatie sprechen. Unsere Nation gibt nicht viel für
tät und Offenheit gewidmet. George Shultz war auch Diplomatie aus - nicht viel verglichen mit den daraus
ein großer Fürsprecher der im Auswärtigen Dienst resultierenden Gewinnen oder anderen Ausgaben.
tätigen Männer und Frauen - was dieses Zentrum Wir wenden nur 1 Prozent der Bundesausgaben für
internationale Angelegenheiten auf, wozu nicht nurdie
beweist, für das er den Grundstein legte.
Betriebskosten des Außenministeriums zählen, sonLarry Eagleburger, ein ehemaliger Student am Foreign dern auch Auslandshilfe und Beiträge fürdie Vereinten
Service Institute, ist einerdertalentiertesten, erfahren- Nationen.
sten und sachlichsten Karrierediplomaten. Larry erkannte ganz offensichtlich die Prioritäten des Zeital- Diejenigen von uns, die die Außenpolitik der Vereinigters nach dem Kalten Krieg. Seine "Bill of Rights" für ten Staaten durchführen, posaunen für gewöhnlich
die Wirtschaft hilft dem Außenministerium bei der nicht den Gegenwert aus, den die Nation für ihr Geld
Förderung des amerikanischen Handels in Übersee. erhält. Wir wollen Leben retten und fühlen uns unbeEr wußte auch, wie er die Besten des Auswärtigen haglich, unsere diplomatischen Erfolge gegen eingeDienstes einsetzen und zu herausragenden Leistun- sparte Dollars aufzurechnen. Dennoch haben wir
gen anregen und diese fördern konnte.
nützliche Mittel um auszudrücken, wie effektiv - und
kostengünstig - unsere Diplomatie sein kann. BetrachDie von diesen vier herausragenden Männern unter- ten Sie einen Moment lang mehrere bemerkenswerte
nommenen Bemühungen - sowie jene der engagierten Kosten-Nutzen-Rechnungen.
Frauen und Männer, die sie unterstützen - schufen die
Grundlage, auf der wir die Außenpolitik der Zukunft Vergleichen Sie einen Beitrag zu konkreten Verbesseaufbauen. Gemeinsam brachten sie uns zu diesem rungen im Gazastreifen und in Jericho mit dem Preis
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AMERIKA DIENST 42

�nigten Staaten entschlossen, den Iran von der Beschaffung oder Entwicklung von Atomwaffen abzuhalten. In demselben Tenor arbeiten wir mit den Vereinten Nationen und der Internationalen AtomenergieOrganisation zusammen, um die Wiederbeschaffung
von Massenvernichtungswaffen durch den Irak zu
verhindern. Darüber hinaus üben wir zusammen mit
Obwohl der Tribut für den jüngsten Durchbruch den anderen Staaten Druck auf Nordkorea aus, Mitglied
Israelis und der PLO gebührt, belohnt dieses histori- des Nichtverbreitungsvertrags zu bleiben - und die
sche Abkommen auch zwei Jahrzehnte kontinuierli- Bestimmungen über nukleare Sicherheit einzuhalten.
cher überparteilicher diplomatischer Investitionen der Und wir haben Sanktionen gegen China und Pakistan
Vereinigten Staaten. Jetzt müssen wir diesen Wende- nach dem Transfer von ballistischen Raketenteilen
punkt unumkehrbar machen, während wir mit den verhängt.
Parteien in der Region und der internationalen Staatengemeinschaft darauf hinarbeiten, die Vorteile des Vergleichen Sie als weiteres Beispiel den Preis von
Friedens unwiderstehlich zu machen.
Programmen zur Eindämmung des Bevölkerungswachstums und Bekämpfung der Umweltverschmutzung mit
Wir wollen den Kreis des Friedens erweitern - und die dem Elend einer der Umwelt abträglichen Entwicklung
Kräfte der Gewalt und des Hasses isolieren - ob sie - oder mit der Geißel von Hungersnöten und den
versuchen, die Suche nach Frieden in der Region zu Kosten für Flüchtlingshilfe. Wenn wir diese Probleme
unterbrechen, ihre Nachbarstaaten durch Aggression ignorieren, werden sie wieder auftreten - verschärft,
zu destabilisieren oder unschuldige Menschenleben teurer und manchmal als Bedrohung unserer Sicherdurch Terrorakte zu vernichten.
heit.

eines andauernden Konflikts im Nahen Osten. Das ist
ein Grund, warum die Vereinigten Staaten heute ein
vollwertiger Partner für Frieden sind - und warum wir
vor zwei Wochen erfolgreich die Konferenz der Geberländer zur Unterstützung von Aussöhnung und Wiederaufbau in der Region veranstaltet haben.

Vergleichen Sie die Kosten für die Unterstützung von
Reformen in Ru Bland mit dem Preis, den wir bezahlen
würden, wenn Rußland zur Diktatur zurückkehren
würde. Darum ist Präsident Clintons strategische
Partnerschaft mit Rußland und Präsident Jelzin die
klügste - und billigste - Investition, die wir in unsere
Sicherheit tätigen können.
Unsere Einsparungen bei Verteidigungsausgaben -

und die Zunahme unserer Exporte dank des Zugangs
zu dem riesigen russischen Markt - können quantifiziert werden. Was wir jedoch nicht mit Zahlen belegen
können, ist ebenso wertvoll: Die Sicherheit, die das
Ende der Konfrontation zwischen Supermächten unserem Volk gibt, und unsere neue Fähigkeit zur Zusammenarbeit mit Rußland, um für beide Nationen
bedeutende Fragen anzusprechen.
Nächste Woche werde ich nach Rußland und in die
anderen Staaten der Region reisen, um unsere Unterstützung für kontinuierliche demokratische und marktwirtschaftliche Reformen zu untermauern. Ebenso
wie andernorts ist in Rußland die Förderung von
Demokratie vielleicht die beste präventive Diplomatie
überhaupt. Vom Baltikum bis zur Ukraine und Zentralasien sind die Vereinigten Staaten bereit, ihre guten
Dienste zum Abbau der Spannungen und zur Lösung
von Konflikten einzusetzen. Wir arbeiten ferner mit
Rußland und den anderen Nuklearstaaten bei der
Zerlegung der strategischen Atomwaffenarsenale
zusammen und ermutigen die Nichtverbreitung.

Aus diesem Grund arbeiten wir auf die Verringerung
des Bevölkerungswachstums hin, und darum sind die
Vereinigten Staaten führend - und nicht ein Nachzügler
- bei globalen Umweltfragen. Als Teil dieses Engagements haben wir die Verträge über die Artenvielfalt und
die Erderwärmung unterzeichnet. Ich hoffe, daß meine Amtszeit als Außenminister von der unmißverständlichen Betonung dieser vordringlichen globalen
Anliegen gekennzeichnet sein wird.
All diese Kosten-Nutzen-Rechnungen demonstrieren
den Wert präventiver Diplomatie. Wir können nicht
jede Krise vorhersehen. Nachhaltige präventive Diplomatie kann jedoch Probleme antizipieren oder lösen oder regionale Konflikte entschärfen - bevor sie eine
Krise auslösen. Und erfolgreiche präventive Diplomatie kann uns den Spielraum verschaffen, mehr Mittel
für die drängenden Herausforderungen der innenpolitischen Erneuerung freizusetzen.
Die Erfordernisse der präventiven Diplomatie stellen
die Diplomaten vor neue Herausforderungen. Die
Männer und Frauen, die zum nationalen Ausbildungszentrum für auswärtige Angelegenheiten kommen,
werden neue Qualifikationen erlangen und sich auch
auf die neuen Prioritäten dieses neuen Zeitafters
konzentrieren.

Die neue Konzentration auf Wirtschaftsfragen findet in
unserer Ausbildung und unseren politischen Initiativen
ihren Niederschlag. Diplomatie für globale Wettbewerbsfähigkeit wird im Ausbildungszentrum in Kursen
Nehmen wir eine andere Kosten-Nutzen-Rechnung. und Partnerschaften mit dem Privatsektor umgesetzt,
Vergleichen Sie die Ausgaben für diplomatische Aktio- die unser Verständnis der Weltwirtschaft vertiefen.
nen zur Verhinderung der Verbreitung von Nuklear- Die auf diesem Campus ausgebildetenMänner und
waffen mit dem Potential für Erpressung durch verbre- Frauen werden als Verfechter des Exports daraus
cherische Staaten. Aus diesem Grund sind die Verei- hervorgehen. Sie werden lernen, nicht nur unsere

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�Werte, sondern auch unsere Exporte, nicht nur unsere Ob sie in Washington oder Warschau sind - sie dienen
physische Sicherheit, sondern auch unser Recht auf einer Außenpolitik, die unsere Interessen verstärkt
geistiges Eigentum zu fördern.
und unsere Werte widerspiegelt. Mit Hilfe dieses
hervorragenden neuen Zentrums werden wir sicherDie Ausbildung in diesem Zentrum wird so gegliedert stellen, daß Amerika weiterhin die besten Diplomaten
sein, daß sie die Betonung der Clinton-Administration der Welt haben wird.
auf sich überschneidende globale Fragen widerspiegelt. Umwelt, Bevölkerung, Flüchtlinge und Drogen, Ich bin sehr dankbar, heute hier anwesend sein zu
internationale Kriminalität und Terrorismus werden dürfen, wenn die neuen Angehörigen des Auswärtigen
integraler Bestandteil des Lehrplans sein. Die Ausein- Dienstes der Vereinigten Staaten ihren Amtseid ableandersetzung mit diesen globalen Problemen wird gen. Dieser Eid wird den Angehörigen derverschiedeunsere Fähigkeit zur Zusammenarbeit mit unterschied- nen Behörden des Auswärtigen Dienstes von Molly
lichen internationalen Institutionen und Kulturen testen Raiser, der Protokollchefin des Außenministeriums,
- sowie unsere Fähigkeit, in Disziplinen tätig zu wer- abgenommen. Diese neuen Bediensteten sind die
den, die nicht immer in die Domäne von Diplomaten künftigen Berater unserer Botschafter.
fallen.
Es ist mir eine Ehre, Direktor Larry Taylor die amerikaDiesesZentrum steht für eine wichtige neue Investition nische Flagge überreichen zu dürfen. Diese Flagge ist
in die Menschen, die unsere Diplomatie durchführen. unter der Obhut des Kurierdienstes des Au ßenministeSeit zwei Jahrhunderten haben Amerikaner diese Form riums rund um die Welt gereist. Diese Reise symboöffentlicher Dienstleistungen gewählt, weil sie der dau- lisiert die Verbindung zwischen diesem Zentrum und
erhaften Zielsetzung der Außenpolitik unserer Nation den Amerikanern, die auf der ganzen Welt tätig sind tief verpflichtet sind. Wir können den Wert ihrer Arbeit ebenso wie dieses Zentrum als Verbindung zwischen
nicht mit Geld aufwiegen. Wir können jedoch voller dem amerikanischen Volk und seinen Vertretern im
Vertrauen sagen, daß das Engagement, die Kompe- Ausland dienen wird.
tenz, das Urteilsvermögen und der Mut amerikanischer Diplomaten die Stärke der Vereinigten Staaten
unter Beweis stellen und sie ergänzen.

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* * *

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AMERIKA DIENST 42

�HAITI
20. Oktober 1993

UNO ENTSCHLOSSEN ZU FÖRDERUNG
DER DEMOKRATIE AUF HAITI
Ansprache von Botschafterin Albright im UN-Sicherheitsrat
VEREINTE NATIONEN - (AD) - Die Maßnahmen des UN-Sicherheitsrates als Reaktion auf die Situation in Haiti
sollten keinen Zweifel an der Entschlossenheit der Vereinigten Staaten und der internationalen Staatengemeinschaft lassen, die aufkeimende haitianische Demokratie zu schützen, erklärte UNO-Botschafterin Madeleine
Albright.
In ihrer Ansprache nach dem einstimmigen Beschluß des Sicherheitsrates vom 16. Oktober 1993, erneut
Sanktionen gegen die haitianischen Militärbehörden durchzusetzen, äußerte Albright: "Der Verlauf der
Ereignisse auf Haiti in den vergangenen Tagen war zutiefst enttäuschend für uns alle. Die Verantwortlichen
haben sich selbst und ihrem Land einen schlechten Dienst erwiesen. Diese Konfrontation war nicht nötig."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache von Botschafterin Albright im Wortlaut.

Herr Präsident, bei unserer heutigen Zusammenkunft den von ihnen eingeschlagenen verhängnisvollen Kurs
sind wir von Trauer, Zorn und Entschlossenheit erfüllt. neu zu überdenken.
Vor fünf Tagen verletzten die Militärmachthaber Haitis
das im vergangenen Juli in New York geschlossene
feierliche Abkommen zur friedlichen Beilegung der
Regierungskrise in ihrem Land. Bewaffnete Demonstranten schufen mit Unterstützung der Polizei und des
Militärs eine unerträgliche Situation in Port-au-Prince.
Die kanadischen und amerikanischen Truppen der
UN-Mission konnten unter diesen Bedingungen in
Haiti nicht an Land gehen. Diese Mitarbeiter - die in
Friedenszeiten auf Ersuchen der haitianischen Regierung entsandt wurden - waren nicht zum Kampf ausgerüstet und hatten keinen Wunsch nach Konfrontation.
In Ermangelung des wiederholt vom haitianischen
Militär versprochenen sicheren Umfelds weigerten wir
uns, dieses Personal an Land gehen zu lassen.
Da die haitianischen Militärmachthaber das in New
York geschlossene Abkommen verletzten, beschloß
der Sicherheitsrat am 13. Oktober einstimmig die
erneute Verhängung der Wirtschaftssanktionen, einschließlich eines Verbots der Einfuhr von Erdöl und
Erdölprodukten nach Haiti. Als Demonstration unseres fortgesetzten Wunsches nach Kooperation statt
Konfrontation haben wirdie haitianischen Militärs auch
dazu aufgefordert und ihnen eine Chance gegeben,

AMERIKA DIENST 42

Vor zwei Tagen wurde unsere Aufforderung mit Revolverschüssen beantwortet. Guy Malary, der mutige
neue Justizminister Haitis, wurde kaltblütig auf offener
Straße ermordet. Dies war ein Akt äußerster Feigheit.
Die für dieses abscheuliche Verbrechen Verantwortlichen haben ihr Land und ihre Landsleute verraten.
Zum zweiten Mal binnen vier Tagen kommt heute der
Sicherheitsrat zusammen, um seine Verpflichtung zu
dem in New York geschlossenen Abkommen und der
friedlichen Rückkehr des gewählten Präsidenten JeanBertrand Aristide zu bekräftigen. Gemeinsam haben
wir die Notwendigkeit unverzüglichen und entschlossenen Handelns erkannt. Die Resolution, über die wir
heute abstimmen, fordert alle Staaten zur Zusammenarbeit auf um sicherzustellen, daß keine Schiffe unter
Verletzung der bisher verhängten Sanktionen in Haiti
ankommen.
Wir sind uns mit Bedauern bewußt, daß dieser nicht
von uns, sondern von den haitianischen Militärmachthabem eingeschlagene Kurs für die große Mehrheit
der haitianischen Bürger zusätzliches Leiden bedeuten kann, deren einziger Wunsch Frieden, Freiheit und
wirtschaftliche Chancen ist. Es läuft all unseren

Seite 1

�Wünschen zuwider, daß solche Härten auferlegt werden sollten. Wir finden jedoch Trost in unserem
Wissen, daß der Zweck dieser Sanktionen letztlich in
der Milderung der Härten und der Befreiung Haitis aus
dem Würgegriff besteht, in dem es jetzt von einer
kleinen Gruppe mutwilliger, irregeleiteter Männer
gehalten wird.

Konfrontation war nicht nötig. Der Mord ist sinnlos.
Das Leiden dauert zu lange an. Aber unsere Trauer
und unser Schock verstärken nur unsere Entschlossenheit und die Entschlossenheit freier Menschen auf
der ganzen Welt, die Krise in Haiti zu beenden und dies
auf eine Art und Weise zu tun, die den Grundstein für
sozialen und wirtschaftlichen Fortschritt legt, der von
einer demokratischen Regierung geschützt wird.

Die Wirtschaftssanktionen - zu deren Verhängung
dieses Gremium jetzt entschlossen ist - werden nicht Abschließend möchte ich denjenigen, die weiterhin die
vor Montag in Kraft treten. Wir werden an das haitia- Rückkehr von Demokratie in die krisengeschüttelte
nische Militär appellieren, an diesem Wochenende Nation Haiti zu vereiteln suchen, folgendes sagen:
unverzüglich Schritte zu unternehmen, um seine Ver- Nach den heutigen Maßnahmen des Sicherheitsrats
pflichtung zu dem New Yorker Abkommen zu bekräf- sollte kein Zweifel an der Entschlossenheit der Vereitigen. Sie haben immer noch Zeit, den Willen ihres nigten Staaten und der internationalen StaatengeVolkes und der internationalen Staatengemeinschaft meinschaft bestehen. Meine Regierung wird ihre
zu befolgen.
diplomatische und militärische Macht einsetzen um
sich zu vergewissern, daß die Sanktionen greifen und
Herr Präsident, der Verlauf der Ereignisse auf Haiti in um sicherzustellen, daß diese Sanktionen die aufkeiden vergangenen Tagen war zutiefst enttäuschend für mende Demokratie in Haiti schützen.
uns alle. Die Verantwortlichen haben sich selbst und
ihrem Land einen schlechten Dienst erwiesen. Diese

* *

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AMERIKA DIENST 42

�SOMALIA
20. Oktober 1993

DIE AMERIKANISCHE POLITIK IN SOMALIA
Bericht des Weißen Hauses
Der nachfolgende Bericht wurde am 13. Oktober 1993 vom Weißen Haus an den Kongreß übermittelt.

Einleitung
Die Vereinigten Staaten sind nach Somalia gegangen,
um zur Beendigung einer der großen Tragödien unserer Zeit beizutragen. Bis Ende 1992 waren über
300.000 Somalis aufgrund der durch Anarchie und
Bürgerkrieg verursachten Hungersnot und Krankheiten gestorben. Unter ihnen war fast die Hälfte aller
Kinder in Somalia. Weitere 2 Millionen Somalis drohten zu verhungern. Ihr Leiden wurde durch eine
Handvoll somalischer Banditen und Kriegsherren verschlimmert, die Lieferungen von Nahrungsmitteln und
anderen Hilfsgütern an ihre eigenen Landsleute verhinderten. Der Tradition unseres Landes folgend,
handelten die Vereinigten Staaten mit überparteilicher
Unterstützung, um dieser menschlichen Katastrophe
ein Ende zu setzen.
Infolgedessen ordnete Präsident Bush im November
1992 die Entsendung amerikanischer Truppen nach
Somalia an, um zur Schaffung eines sicheren Umfelds
für die Verteilung der Hilfsgüter beizutragen. Dies ist
nach wie vor die Hauptaufgabe der amerikanischen
Truppen bei der gesamten Operation.
Am 4. Februar 1993 verabschiedete der Senat die
Gemeinsame Resolution 45 mit der Authorisierung der
amerikanischen Operation in Somalia. Am 25. Mai
stimmte das Repräsentantenhaus der Gemeinsamen
Resolution 45 mit Zusatzartikeln zu, womit die Operation für die Dauer von 12 Monaten genehmigt wurde.
Am 4. Mai 1993 übernahmen die Vereinten Nationen
die Verantwortung fürdie von uns ausgeführten Aufgaben. Ungefähr 25.000 Soldaten aus rund 30 Nationen
wurden als unser Ersatz stationiert, und die ClintonAdministration zog über 20.000 Soldaten aus Somalia
ab.
Heute sind die amerikanischen Streitkräfte weiterhin in
Somalia stationiert, um zur Schaffung eines sicheren
Umfelds für die Lieferung von Nahrungsmitteln und

AMERIKA DIENST 42

anderen humanitären Hilfsgütern beizutragen. Obwohl die Hungersnot in Somalia weitgehend beendet
wurde, besteht noch beträchtlicher Bedarf an ausländischer Hilfe. Nahezu 1 Million Menschen hängen
vollständig von Hilfslieferungen ab. Das im Wiederaufbau begriffene einheimische Nahrungsmittelsystem
ist noch instabil und würde erneut zusammenbrechen,
wenn die Friedenstruppen vorzeitig abziehen und der
Bürgerkrieg Wiederaufflammen würde.
Trotz des Eindrucks, die Somalis lehnten das Engagement der Vereinigten Staaten und der Vereinten Nationen ab, sind sich die meisten objektiven Beobachter
einig, daß die überwältigende Mehrheit der Somalis
dankbar für unsere Präsenz ist und unseren Verbleib
wünscht. Im Fernsehen wurden Bilder kleiner Gruppen von Somalis übertragen, die den Tod von Amerikanern feierten, aber nicht die Tausenden, die bei einer
Zusammenkunft in derselben Stadt am nächsten Tag
um sie trauerten. Mit Ausnahme des Anführers eines
Unterclans und seiner bewaffneten Anhänger haben
die Clanführer, Ältesten, Frauengruppen und die meisten anderen organisierten Fraktionen gebeten, daß
wir sie nicht wieder den Männern mit den Gewehren
und dem Bürgerkrieg überlassen.
Die Mission des amerikanischen Militärs
Aufgabe der Mission
Die Mission des amerikanischen Militärs in Somalia
besteht in Unterstützung bei der Schaffung eines
sicheren Umfelds für den freien Fluß humanitärer
Hilfslieferungen, indem den UNO-Truppen und den
amerikanischen Kampfeinheiten die militärischen logistischen Dienste der Vereinigten Staaten zur Verfügung gestellt werden, um als Interimsschutztruppe die
Vereinten Nationen in Notfällen zu ergänzen. Dies war
und ist die Mission unserer Streitkräfte. Zu keinem
Zeitpunkt wurden die amerikanischen Streitkräfte mit
M issionen wie etwa dem "Aufbau von Nationen" beauftragt.

Seite 1

�Beider Durchführung ihrer Mission haben die amerika- In Kürze werden sich also rund 8.000 amerikanische
nischen Streitkräfte jetzt vier Aufgaben:
Soldaten in Somalia befinden, die von anderen vor der
Schutz der amerikanischen Truppen in Somalia Küste und in der Nähe unterstützt werden.
und ihrer logistischen Stützpunkte.

Kommando und Kontrolle

Die entscheidenden Straßen und Kommunikationsverbindungen offen zu halten und zu sichern, die fürdie Lieferung von Nahrungsmitteln
und Nachschub durch die Vereinten Nationen
und die Hilfsorganisationen sowie fürdie Freizügigkeit der Menschen im ganzen Land unabdingbar sind, damit nicht erneut Hungersnöte
und Anarchie entstehen.

Das gesamte amerikanische Militärpersonal untersteht amerikanischem Kommando. Darüber hinaus
unterstehen die amerikanischen Kampftruppen der
operativen Kontrolle der Vereinigten Staaten.

Weiterhin Druck auf diejenigen auszuüben, die
unsere Hilfslieferungen unterbunden und Amerikaner angegriffen haben.
Durch diesen Druck und die Präsenz unserer
Streitkräfte mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Abkommen unter den Somalis in
Zusammenarbeit mit anderen zu erzielen, damit
sie nach unserem Abzug ihre Probleme selbst
lösen und überleben können.
Umfang der stationierten US-Streitkräfte
Vor dem 7. Oktober hatten die Vereinigten Staaten
ungefähr 4.500 Soldaten in Somalia stationiert: 2.800
Logistiker, 1.300 Soldaten der Schnellen Eingreiftruppe und 466 Ranger. Während dieser Bericht erstellt
wird, bereiten sich zusätzliche amerikanische Streitkräfte auf die Verlegung nach Somalia vor oder sind
bereits auf dem Weg dorthin. Aus diesem Grund sind
die in dem Bericht verwendeten Zahlen ziemlich genaue Schätzungen.

Die Logistikeinheiten, die die Militärpräsenz der Vereinten Nationen insgesamt unterstützen, sind dem
UNO-Kommandeur für operative Kontrolle durch den
Stellvertretenden UNOSOM-Kommandeur, Generalmajor Thomas Montgomery von der US-Armee, zugeteilt. Das bedeutet, daß der UNO-Kommandeur ihnen
für in schriftlicher Form ausdrücklich vereinbarte Zwecke
Anweisungen bei ihrer logistischen Mission zur Unterstützung der UNO-Einheiten erteilen kann. Diese
Einheiten haben keine Kampffunktion.
Der Kommandeur der amerikanischen Streitkräfte in
Somalia ist Generalmajor Thomas Montgomery von
der US-Armee. Er erstattet dem Oberbefehlshaber
des U.S. Central Command, General Joseph Hoar
vom Marineinfanteristenkorps der Vereinigten Staaten, Bericht.
Darüber hinaus ist Generalmajor Montgomery Stellvertretender Kommandeur aller dem UNOSOM-Verbandskommando von anderen Nationen zugeteilten
Streitkräfte. Generalleutnant Cevik Bir von der Türkischen Armme ist der Kommandeur des UNOSOMVerbandskommandos.
Die amerikanische Politik

In Somalia verfolgen die Vereinigten Staaten ein
Die amerikanischen Streitkräfte zur Unterstützung der humanitäres Ziel. Wir streben die Ausübung bestimmOperation Somalia können in vier Kategorien unterteilt ter Funktionen zur Unterstützung der UNO-Bestrebunwerden:
gen insgesamt an, um dem somalischen Volk zu
helfen, damit der Bürgerkrieg mit seinen BegleiterDie von den Vereinigten Staaten entsandten
scheinungen Anarchie und Hungersnot nach dem Abzug
Logistik- und Unterstützungseinheiten zur Under internationalen Präsenz nicht wiederauflebt.
terstützung der U NO-Operation. Sie belaufen
sich auf rund 3.000 Soldaten.
Die Administration sieht das Problem Somalias primär
als humanitäres und politisches an, nicht als militäriDie Einheiten der US-Armee, die amerikani- sches. Wir unterstützen aktiv die Bestrebungen des
sches Personal schützen und eine Funktion als somalischen Volkes zur Herbeiführung einer politiVerbandsschutz ausüben, um den UNO-Ein- schen Lösung in Zusammenarbeit mit den Vereinten
heiten behilflich zu sein. Mit den ungefähr 3.000 Nationen und anderen. Die weite Verbreitung von
Kampftruppen der Armee wird ihre Zahl in Kürze Waffen und ihr beabsichtigter Einsatz für persönliche
5.000 Mann betragen.
und politische Gewinne erfordert jedoch eine starke
Die Marineinfanteristen an Bord der vor der internationale Sicherheitspräsenz während die humaKüste liegenden Schiffe als Ersatz für den Ver- nitäre und politische Lage in Angriff genommen wird.
bandsschutz der Amerikaner. Die Zahl wird sich Nach den verstärkten Gewaltakten gegen Amerikaner
bald auf 3.600 belaufen.
und Angehörige der UNO-Friedenstruppen hat der
Präsident vor kurzem eine Reihe von Schritten zur
Die Luftkampfunterstützungseinheiten an Bord beschleunigten Beendigung der amerikanischen Milides Flugzeugträgers Lincoln u nd die in der Nähe tärmission und zur Stärkung der Mission der Vereinten
stationierten luftgestützten Artillerieplattformen Nationen angeordnet.
der US-Luftwaffe. Diese Einheiten werden über
60 Kampfflugzeuge bereitstellen.
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AMERIKA DIENST 42

�Schutz der amerikanischen Streitkräfte

Streitkräfte aus anderen Ländern haben die Truppenreduzierungen der Vereinigten Staaten mehr als ausFeindlich gesinnte Fraktionen in Mogadischu haben
geglichen und werden immer noch nach Somalia vervor kurzem wieder schwere Waffen in die Stadt gelegt. Die indische Armee ist dabei, eine Brigade von
bracht und diese Waffen zunehmend gegen Amerikaüber 4.000 Mann nach Somalia zu entsenden. Pakiner und UNO-Vertreter eingesetzt. Soldaten aus den
stan hat die Verlegung einer weiteren 1.500 Mann
Vereinigten Staaten, Pakistan, Italien, Nigeria, Marokstarken Brigade bekanntgegeben, womit sich die Zahl
ko, Frankreich, der Türkei und Malaysia wurden getöseiner Streitkräfte in Somalia auf nahezu 6.000 Soldatet. Zur Verbesserung der Sicherheit sind die Vereinigten erhöht. Auch Ägypten entsendet zusätzlich zu den
ten Staaten mit der Aufstockung ihrer Streitkräfte
bereits stationierten Streitkräften eine 1.500-Mannbefaßt, wie im vorhergehenden Kapitel beschrieben.
Brigade. Die nepalesische Armee beabsichtigt die
Entsendung mehrerer hundert höchstqualifizierter leichBeschleunigter politischer Weg
ter Infanteriekommados nach Mogadischu.
Am 8. Oktober 1993 entsandte der Präsident Botschafter Robert Oakley, der unter zwei US-Administra- Mit diesen Schritten wird ein solcher Zeitrahmen den
tionen in Somalia im Amt war, um zusammen mit den UN-Operationen auch genügend Zeit und Möglichkeiafrikanischen Politikern den Prozeß zu einer politi- ten einräumen, den Übergang zu einer effektiven
schen Lösung zu beschleunigen. Der Präsident ent- Operation ohne amerikanische Militäreinheiten abzuschied, daß der politische Prozeß erweitert würde, schließen. Die Vereinigten Staaten bieten den Somawenn die militärischen Bestrebungen der Vereinten lis ferner eine vernünftige Chance zur Überwindung
Nationen entpersonifiziert würden und sich weniger der Hemmnisse fürden friedlichen Prozeß der nationaauf die Gefangennahme von Mohammed Aidid kon- len politischen Aussöhnung.
zentrierten. Gleichzeitig hat der Präsident keine der
Nach dem 31. März 1994 werden keine amerikanimilitärischen Optionen ausgeschlossen.
schen Militäreinheiten in Somalia verbleiben, mit der
Präsident Meles von Äthiopien, der designierte Vertre- möglichen Ausnahme von rund zwei- bis dreihundert
ter der Organisation für Afrikanische Einheit (OAE) für Soldaten, die Unterstützung und Schutz für das ameSomalia, hat zugestimmt, zusammen mit Präsident rikanische Verbindungsbüro leisten. Der Abzug des
Issaias von Eritrea und anderen neue diplomatische amerikanischen Miltärs hängt nicht vom erfolgreichen
Schritte zu unternehmen, um den Somalis bei der Abschluß der von den Somalis oder den Vereinten
Rückkehr auf den Kurs der friedlichen politischen Nationen unternommenen Schritte ab.
Aussöhnung behilflich zu sein. Präsident Meles und
andere afrikanische Politiker werden versuchen, eine Vermißtes amerikanisches Personal
somalische Lösung zu erleichtern, und nicht eine von Die Vereinigten Staaten bemühen sich darum, daß
außen aufgezwungene. Weder die Vereinigten Staa- ihre vermißten oder festgenommenen Soldaten gut
ten noch die Vereinten Nationen wollen ein politisches behandelt und so bald wie möglich freigelassen werErgebnis in Somalia diktieren. Wir werden eine soma- den. Zu diesem Zweck werden eine Reihe von Schritlische Lösung fürdie Probleme Somalias unterstützen. ten unternommen. Einer davon war die an das Internationale Komitee vom Roten Kreuz gerichtete Bitte,
Beendigung der amerikanischen Militärmission
Besuche bei amerikanischen Militärangehörigen zu
Die Vereinigten Staaten hatten zu einem früheren veranlassen. Der erste Besuch dieser Art bei einem
Zeitpunkt zusammen mit den Vereinten Nationen die amerikanischen Soldaten hat bereits stattgefunden.
Reduzierung der Anzahl amerikanischer Logistiker Weitere Schritte werden in die Wege geleitet. Die
von rund 3.000 auf 1.400 Mann bis Anfang 1994 und Vereinigten Staaten koordinieren ihre Bemühungen
den Abzug der verbleibenden amerikanischen Lo- mit den Vereinten Nationen, die einen festgenommegistikeinheiten vor Anfang 1995 geplant. Jetzt beab- nen nigerianischen Soldaten vermissen.
sichtigen die Vereinigten Staaten die raschere Übergabe ihrer logistischen Mission an die Streitkräfte Amerikanische Interessen - eine Chance für den
anderer Nationen und an zivile Auftragsnehmer, die Frieden
bis zum 31. März 1994 abgeschlossen sein soll. Die Die diplomatischen und militärischen Bestrebungen
Vereinigten Staaten werden solche Funktionen wie die der Vereinigten Staaten in Somalia basieren auf der
Verteilung von Nahrungsmitteln und Brennstoff an humanitären Besorgnis über eine der schrecklichsten
zivile Auftragsnehmer vergeben. Die Vereinigten Staaten menschlichen Katastrophen in der jüngsten Geschichwerden ferner den Vereinten Nationen bei der Be- te. Solche humanitären Bestrebungen spielen seit
schaffung eigener ziviler Auftragsnehmer behilflich langem eine wichtige Rolle in der amerikanischen
sein. Darüber hinaus wollen wir zusammen mit den Außenpolitik.
Vereinten Nationen nichtamerikanische Einheiten
ausmachen, die die jetzt von den amerikanischen Die Frage, wie wir unsere Mission in Somalia beenden,
militärischen Logistikern ausgeübten Funktionen über- berührt wichtige nationale Interessen der Vereinigten
nehmen. Nach dem 31. März 1994 werden keine Staaten. Alle amerikanischen Militäreinheiten, mit
amerikanischen Kampftruppen in Somalia verbleiben. Ausnahme einiger hundert Nichtkombattanten UnterAMERIKA DIENST 42

Seite 3

�stützungspersonal werden bis zum 31. März 1994
abgezogen. Die Vereinigten Staaten dürfen Somalia
nicht auf eine Art und Weise verlassen, die die Gefahr
für Amerikaner auf der Welt erhöht, die substantiellen
Errungenschaften der amerikanischen Streitkräfte in
Somalia unterminiert oder die Aussichten auf internationale Lastenteilung in der Zukunft schwer beeinträchtigt.
Die Vereinigten Staaten haben sich gegenüber der
UNO verpflichtet, logistische Unterstützung für den
Großteil der ungefähr 30 an UNOSOM II teilnehmenden Nationen bereitzustellen. Alternative Vereinbarungen könnten bis zu sechs Monaten dauern. Die
UNO und die vielen Nationen, die auf unser Ersuchen
Soldaten in Somalia stationierten, haben sich auf
unsere Schnelle Eingreiftruppe verlassen, um den
angegriffenen UN-Streitkräften zu Hilfe zu kommen.
Ausreichende Alternativen zur Bewältigung der jüngst
angestiegenen Sicherheitsbedrohung können nicht
schnell umgesetzt werden.
Der friedliche politische Prozeß benötigt auch eine
gewisse Zeit, um Erfolg zu haben. Diejenigen Somalier, die ihn ablehnen, sollten nicht die Gelegenheit erhalten, das Ende der UN-Präsenz abzuwarten. Vielmehr muß eine neue Struktur geschaffen und eingesetzt werden, während eine starke Truppenpräsenz
zur Gewährleistung der Sicherheit vorhanden ist. Femer
besteht eine direkte Beziehung zwischen Fortschritten
bei der politischen Versöhnung und der Fähigkeit der
UN-Streitkräfte, nach Abzug der amerikanischen Truppen zu operieren. Falls eine tragfähige politische
Lösung erreicht wird, werden mehr Nationen bereit
sein, ihre Teilnahme an der UN-Friedensmission auch
nach März 1994 fortzusetzen.
Das Engagement der Vereinigten Staaten ist nicht
unbefristet. Wir können jedoch gute Chancen für die
Somalis, die uns unterstützenden Nationen und die
Vereinten Nationen schaffen. Die Eröffnung dieser
Chance für den Frieden und der wirksame Abschluß
der amerikanischen Mission wird am besten durch
einen überlegten, stufenweisen Rückzug der amerikanischen Streitkräfte über einen Zeitraum von sechs
Monaten erreicht. Ein überstürzter Rückzug aus Somalia
würde folgende Risiken beinhalten:
Vermißte Amerikaner. Im Falle unseres sofortigen Abzugs würden wir vermißte oder gefangengenommene amerikanische Soldaten zurück- und ihrem Schicksal überlassen und unsere Fähigkeit einschränken, sie wiederzufinden.
Jagd auf Amerikaner. Wenn wir uns zurückziehen würden, nachdem es Opfer unter den Amerikanern gegeben hat, käme dies einer Einladung an unsere Gegner, Terroristen und Verbrecher auf der ganzen Welt gleich, um einer
Änderung der amerikanischen Politik willen
amerikanische Staatsbürger umzubringen. Auf
einer Welt, in der Amerikaner in einer potentiell
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feindlichen Umgebung operieren müssen und
viele uns nichts Gutes wünschen und nicht vor
der Anwendung von Gewalt zurückschrecken,
dürfen wir nicht eine solche Botschaft aussenden.
Lastenteilung. Es liegt in unserem Interesse,
andere Nationen für die Entsendung von Truppen und Bereitstellung von Geldern zu gewinnen, damit sie zusammen mit uns oder anstelle
von uns Aufgaben übernehmen, wenn dies unter
den gegebenen Umständen den amerikanischen
Interessen dient. Wenn wir Somalia abrupt
verließen, würden wir unseren Beziehungen zu
den 30 anderen Staaten schaden, die auf direktes Ersuchen der Vereinigten Staaten Truppen
nach Somalia entsandt haben. Viele dieser
Länder haben ebenfalls bei der Durchführung
dieser humanitären Mission schwerwiegende
Verluste hinnehmen müssen, einschließlich der
Pakistaner, der Nigerianer und anderer. Wenn
die Vereinigten Staaten ihren Verpflichtungen in
Somalia nicht nachkommen, werden diese und
andere Nationen bei künftigen Unternehmungen einer Koalition nicht zur Teilnahme geneigt
sein, weil sie uns für unentschlossen und unzuverlässig halten.
Abzug anderer Nationen. Werden die Streitkräfte anderer Nationen ohne maßgebliche
logistische Unterstützung und Schutz in Somalia zurückgelassen, sehen sich viele von ihnen
veranlaßt, das Land zu verlassen. Die Logistiker der Vereinigten Staaten stellen in Somalia
Unterstützung in Form von Material für mehr als
25.000 Soldaten aus der ganzen Wert zur Verfügung. Die Schnelle Eingreiftruppe der Amerikaner ist die einzige Streitmacht in dem Land,
die jetzt in der Lage ist, anderen angegriffenen
Truppen unverzüglich zu Hilfe zu kommen. Ein
sofortiger amerikanischer Rückzug, der den
Vereinten Nationen keine Zeit für die Beschaffung von Ersatz für diese Fähigkeiten der
Amerikaner gibt, würde andere Kontingente ebenfalls zum Verlassen des Landes vor Abschluß
ihrer Mission zwingen.
Erneute Hungersnot. Da es bei der politischen
Aussöhnung noch keine angemessenen Fortschritte gegeben hat, würde der vorzeitige Abzug
der Vereinigten Staaten u nd vieler anderer internationaler Kontingente beinahe mit Sicherheit
zu einem erneuten Bürgerkrieg und damit erneut zu Anarchie und Hungersnot führen. Die
Bilder verhungernder Kinder und eines zerstörten Landes würden uns wieder verfolgen. Die
Errungenschaften der zahlreichen amerikanischen und internationalen Truppen, die in Somalia
gedient und Opfer gebracht haben, wären verloren und ihre Bemühungen großenteils vergeblich.
AMERIKA DIENST 42

�Die Vereinten Nationen
Die amerikanische Militärmission ist Bestandteil einer
umfassenderen UNO-Mission. Als führendes Mitglied
der Vereinten Nationen leisten wir auch einen Beitrag
zu anderen Aspekten der UNO-Mission.
Die UNO-Mission umfaßt drei Aspekte: Sicherheit,
humanitäre Hilfe und Wiederaufbau sowie politische
Versöhnung.
Sicherheit
Die UNITAF-Operation unter Führung der Vereinigten
Staaten hat im Mai große Teile Somalias der militärischen Kontrolle der UN-Streitkräfte unterstellt. Belgien befehligt die UN-Truppen im Süden, einschließlich des Hafens von Kismayu. Frankreich führt die
Streitkräfte im Inneren, um Baidoa herum, an. Pakistanische, nigerianische und ägyptische Streitkräfte gehören
zu den größeren Kontingenten in Mogadischu. Weitere große Kontingente kommen aus Italien und Indien.
Auch afrikanische Staaten leisten Unterstützung im
Rahmen von UNOSOM. Wichtige und wirksame Einheiten wurden von mehreren afrikanischen Staaten
entsandt, darunter Botswana, Nigeria, Simbabwe,
Tunesien, Marokko und Ägypten.
Die Vereinten Nationen arbeiten am Wiederaufbau
einer somalischen Polizei und eines Justizwesens,
das allmählich in einigen Gebieten eine sicherheitspolitische Rolle übernehmen kann. Bereits 5.000 somalische Polizisten sind an ihre Arbeit zurückgekehrt. Im
Rahmen des UNOSOM Justice Program werden sie
ausgebildet und ausgerüstet. Hilfszusagen kommen
aus Deutschland, Japan, den Niederlanden, Italien
und Ägypten. Die Vereinigten Staaten haben 2 Millionen Dollar für Polizeigehälterund nahezu 25 Millionen
Dollar für Ausrüstung aus dem Verteidigungsministerium zugesagt. Auch stellen wir 6 Millionen Dollar für
das Justice Program bereit.

Obwohl die Bestrebungen der Vereinten Nationen
erfolgreich die Zahl der von Hilfsleistungen Abhängigen reduziert hat, ist das heimische System für die
Nahrungsmittelversorgung weiterhin instabil. Es ist
abhängig vom sicheren Nachschub von Materialien
wie Düngemitteln und Samen sowie dem Zugang zu
Städten mit einem Markt. Ein erneuter Bürgerkrieg
würde viel davon schnell zerstören und Hunderttausende würden wieder von Hilfsleistungen abhängig.
Es wurden jedoch auch einige ausgesprochene Erfolge erzielt. Im Frühjahr 1993 wurden nahezu 70 Prozent der somalischen Kinder geimpft - doppelt so viele
wie 1989 - und in den meisten Dörfern ist jetzt eine
medizinische Grundversorgung vorhanden. Vor einem Jahr waren keine Schulen in Betrieb. Heute sind
234 geöffnet. Noch wichtiger ist, daß die Hungersnot
der Bevölkerung beendet wurde. In Baidoa litten
beispielsweise 60 bis 70 Prozent der Kinder unter - in
den meisten Fällen schwerwiegender - Unterernährung. Jetzt ist diese Zahl auf 10 bis 20 Prozent
gesunken. Die Anzeichen für Fortschritte häufen sich,
und die humanitäre Herausforderung verlagert sich
jetzt auf die Rehabilitation.
Die Vereinten Nationen unternehmen Schritte, um die
Abhängigkeit Somalias von ausländischer Hilfe zu
reduzieren. Die Weltbank hat sich bereit erklärt, als
Beauftragter der UNOSOM für die Koordination der
Hilfe und längerfristige Planung tätig zu werden. Die
Weltbank veranstaltet am 22. Oktober zwei Konferenzen der Geberländer.
Die politische Mission

Nahezu 300.000 städtische Arme sowie weitere 700.000
Vertriebene sind vollkommen abhängig von der internationalen humanitären Hilfe. Monatlich sind über
18.000 Tonnen Nahrungsmittel erforderlich.

Die Vereinten Nationen haben zwei Konferenzen in
Addis Abeba organisiert, wo die führenden somalischen Politiker zusammentrafen, um den Bürgerkrieg
zu beenden und nach Wegen für den friedlichen Aufbau einer Regierung zu suchen. Diese Konferenzen
führten zu einem Abkommen über einen Waffenstillstand und die Abrüstung schwerer Waffen unter internationaler Kontrolle. Die Anführer der bekanntesten
somalischen Clans und Gruppen einigten sich auch
auf die Gründung von Bezirks- und Regionalräten, die
auf die Schaffung eines nationalen Übergangsrates
hinausliefen und zu einer nationalen somalischen
Regierung führen sollten.

Zusätzlich befinden sich zur Zeit mehr als 545.000
somalische Flüchtlinge in Kenia, Äthiopien, Jemen und
Dschibouti, die von internationaler Hilfe abhängig sind
und bei der Rückkehr in ihre Heimat der Hilfe bedürfen.
Diese Somalier wollen nach Hause zurückkehren, um
am politischen und wirtschaftlichen Wiederaufbau ihres Landes teilzunehmen, sobald dies sicher genug ist.
Ebenso wichtig ist es, die Einrichtung quasi dauerhafter großer Flüchtlingslager zu verhindern, die die
Nachbarstaaten destabilisieren und deren Finanzierung sich die internationale Gemeinschaft der Geberländer kaum leisten kann.

Obwohl Mohammed Aidid Teilnehmer dieser Konferenzen und Abkommen war, entschied er offensichtlich, daß dieser Prozeß seine Chance zunichte machte, die Kontrolle über das Land zu übernehmen. Nachdem
er im Bürgerkrieg eine Partei angeführt hatte, die die
nationalen Institutionen in Mogadischu einnehmen wollte,
heuerte er später hauptsächlich Streitkräfte aus seinem eigenen Clan an, wozu er das durch den Schmuggel der Droge Kath erworbene Geld nutzte. Vor Beginn
der US-Intervention verhinderten diese Truppen, daß
die internationalen Hilfslieferungen den Hafen und den
Flughafen von Mogadischu verlassen konnten. Im

Humanitäre Hilfe

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Seite 5

�Juni brachen Aidids Truppen den Waffenstillstand und Gruppenführer unterstützen weiterhin den friedlichen
das Abkommen über die Abrüstung.
Prozeß der politischen Aussöhnung, um die Struktur
einer neuen nationalen Regierung festzusetzen. Die
Seitdem ist der nationale politische Aussöhnungsproderzeitigen diplomatischen Bestrebungen der Präsizeß ins Stocken geraten. Dennoch wurde die Einrichdenten Meles und Issaias sowie der Vereinten Natiotung von Bezirks- und Regionalräten fortgesetzt. Mehr
nen erhöhen die Aussichten auf eine friedliche politials 30 Bezirksräte sind geschaffen worden und weitere
sche Lösung in beträchtlichem Maße.
40 befinden sich im Aufbau. Die wichtigsten Clan- und

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AMERIKA DIENST 42

�PORTRAT
20. Oktober 1993

RICHARD C. HOLBROOKE
Porträt des neuen US-Botschafters in Bonn

BONN - (AD) - Am 19. Oktober 1993 überreichte Richard C. Holbrooke Bundespräsident Richard von Weizsäcker
sein Beglaubigungsschreiben. Er löst Robert M. Kimmitt ab.

Richard Holbrooke blickt auf eine vielseitige Karriere
als Berufsdiplomat, Zeitschriftenredakteur, Autor, ein
Direktor des Peace Corps und Investmentbanker zurück. Zuletzt war er einer der Geschäftsführer der New
Yorker Börsenmaklerfirma Lehman Brothers.

genheiten der Präsidentschaftswahlkampagne Carter-Mondale.

In Anschluß daran nahm Botschafter Holbrooke ein
Forschungsstipendium an der Woodrow Wilson School
in Princeton an. 1970 wurde der Direktor des Peace
Corps in Marokko. 1972 trat Holbrooke aus dem
Auswärtigen Dienst aus und wurde geschäftsführender Redakteur der vierteljährlich erscheinenden
Zeitschrift Foreign Policy, eine Position, die er bis
1976 bekleidete. Von 1974-75 war er darüber hinaus
Berater der Kommission des Präsidenten zur Organisation der Regierung für die Ausführung der Au ßenpolitik und freiberuflicher Redakteur von Newsweek.
1976 koordinierte er die nationalen Sicherheitsangele-

mittee for New York City und des Economic Club of
New York. Bevor er sein jetziges Amt übernahm, war
er Direktor des Council on Foreign Relations, der
Amerikanisch-Chinesischen Gesellschaft, des Nationalen Ausschusses für amerikanisch-chinesische
Beziehungen sowie des International RescueCommittee und schrieb Beiträge für Japan Daily Digest. Er
ist Koautor von "Counseltothe President", den Memoiren von Clark Clifford, sowie von zahlreichen Artikeln
und Kolumnen zur Außenpolitik.

Im Jahr 1977 ernannte Präsident Carter ihn zum
Abteilungsleiter für ostasiatische und pazifische Angelegenheiten im Außenministerium - eine Position, die
Er begann seine berufliche Laufbahn im Auswärtigen er bis 1981 innehatte. Während dieser Zeit nahmen
Dienst 1962 unmittelbar nach seinem Abschluß an der die Vereinigten Staaten unter anderem volle diplomaBrown University. Nach dem Vietnamesisch-Studium tische Beziehungen zu China auf. 1981 wurde Holwurde er nach Vietnam entsandt. In den folgenden brooke Direktor von Public Strategies, einer Konsulsechs Jahren war er in einer Reihe von Positionen tingfirma mit Sitz in der Bundeshauptstadt Washington
tätig, die mit Vietnam in Verbindung standen - erst im sowie Berater von Lehman Brothers. Seine BeratertäMekongdelta als Provinzvertreter des Amts für inter- tigkeit wurde allmählich zur Position eines Geschäftsnationale Entwicklung (AID), dann als Mitarbeiter der führers ausgebaut.
Botschafter Maxwell Taylor und Henry Cabot Lodge.
1966 wurde er wieder ins Weiße Haus versetzt und Er war ferner Mitglied der Carnegie Commission on
arbeitete im Vietnam-Stab von Präsident Johnson. America and a Changing World (unter dem Vorsitz von
Von 1967-69 schrieb er einen Band der Pentagon- Winston Lord) sowie Vorsitzender und wichtigstes
Papiere, war persönlicher Referent der Staatssekretä- Gründungsmitglied der überparteilichen Kommission
re im Außenministerium Nicholas deB. Katzenbach zur, Erneuerung der Regierung, die 1992 von der
und Elliot Richardson und gleichzeitig Mitglied der Carnegie-Stiftung und dem Institut für Weltwirtschaft
amerikanischen Delegation bei den Pariser Vietnam- gefördert wurde.
Friedensgesprächen, die nacheinander von Avereil Botschafter Holbrooke ist Mitglied des Internationalen
Harriman und Henry Cabot Lodge geleitet wurden.
Instituts für Strategische Studien, des Citizens Com-

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Botschafter Holbrooke wurde am 24. April 1941 in New
York geboren. Er erhielt ein Bakkalaureat an der
Seite 1

�Brown University. Am 30. Juni 1993 wurde er von US-Senat bestätigt und legte am 23. September 1993
Präsident Clinton zum Botschafter der Vereinigten seinen Amtseid als Botschafter ab.
Staaten von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland ernannt, am 16. September 1993 einstimmig vom Botschafter Holbrooke hat zwei Söhne.

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�AUSTAUSCHPROGRAMME
20. Oktober 1993

AMERIKANISCHE AUSTAUSCHPROGRAMME
BESCHLEUNIGEN REFORMEN IN DER
EHEMALIGEN SOWJETUNION
Große Fortschritte in drei Jahrzehnten

St. Louis - (AD) - Amerikanischen Regierungsvertretem zufolge haben die Ende der fünfziger Jahre geschaffenen Bildungs- und Kulturaustauschprogramme zum Zusammenbruch des Kommunismus beigetragen und beschleunigen jetzt den Reformprozeß in
der ehemaligen Sowjetunion.
Bei einer vom 15. bis 16. Oktober 1993 in St. Louis
(Missouri) veranstalteten Wirtschaftskonferenz erklärten die Regierungsvertreter, die Austauschprogramme der vergangenen Jahre hätten amerikanische Naturund Wirtschaftswissenschaftler mit ihren Kollegen aus
Ru ßland und den anderen neuen unabhängigen Staaten zusammengebracht und damit einen entscheidenden Transfer von Fähigkeiten gestattet sowie dauerhafte Beziehungen geknüpft.

einschließlich Sozial-, Natur- und Wirtschaftswissenschaften.
Solche Programme hätten "sehr tiefgreifende Auswirkungen auf diese Gesellschaften gehabt, die über den
beruflichen Bereich hinausgehen", stellte Matuszewski fest. "Wir sehen die Auswirkungen jetzt in der Welt
nach 1991, in der zahlreiche Teilnehmer dieser Programme hochrangige Ämter in ihren Reformregierungen übernommen haben.
"Viele sind heute Stellvertretender Ministerpräsident,
Minister verschiedener Ressorts, Universitätsrektor,
Institutsleiter und Naturwissenschaftler", fügte er hinzu. "Zahlreiche andere leiten bereits Unternehmen,
die jetzt in der ehemaligen Sowjetunion gegründet
werden."

An der vom US-Informationsamt (USIA) mitveranstalteten Konferenz nahmen Politiker und Unternehmer
aus den Vereinigten Staaten und den neuen Republiken der ehemaligen Sowjetunion teil, um engere
Geschäftsverbindungen herzustellen.

Über 9.000 Teilnehmer aus den Vereinigten Staaten
und den neuen unabhängigen Staaten haben allein im
Haushaltsjahr 1993 von den USIA-Austauschprogrammen profitiert, von denen zahlreiche auf Universitätsund beruflicher Ebene durchgeführt wurden. Die
Daniel Matuszewski, Präsident der internationalen Austauschprogramme variierten von Kurzbesuchen
Kommission für Forschung und Austausch erklärte in von ein bis drei Wochen bis zu Programmen zur
einem Interview, die Vielfalt der von USIA und anderen Erlangung eines akademischen Grades.
Bundesbehörden geförderten Austauschprogramme
habe große Fortschritte bewirkt, deren Wert weit über Der Direktor des US-Informationsamts, Joseph Duffey, gab bekannt, das Amt werde bald eine Stelle
die bescheidenen Kosten hinausgehe.
einrichten, an der Studenten und Berufstätige aus
Dank solcher Programme, so Matuszewski, die von anderen Ländern Näheres über die Austauschprobeispielloser Zusammenarbeit zwischen Regierung gramme von USIA sowie anderer staatlicher Behörden
und Privatsektor gekennzeichnet seien, erhielten erfahren können.
Tausende Wissenschaftler aus Rußland, der Ukraine,
dem Baltikum und aus Zentralasien eine rund einjäh- Richhard Gephardt, Führer der Mehrheitsfraktion im
rige Ausbildung in den Vereinigten Staaten. Dadurch Repräsentantenhaus, verglich die heutigen Programwürden ihnen berufliche Kontakte und Verbindungen me mit einer Reihe von Austauschprogrammen, die
in einem breiten Spektrum von Disziplinen eröffnet, nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges Teil des

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Seite 1

�Marshallplans waren. Durch diese Austauschprogramme lebten und arbeiteten Europäer in den Vereinigten Staaten, damit sie aus erster Hand Zeuge des
freien Unternehmertums werden konnten.

Das Handelsministerium hat ferner eine Stelle eingerichtet, die handelspolitische Informationen über die
neuen unabhängigen Staaten zur Verfügung stellt. Im
Rahmen dieses unter dem Namen BISNIS bekannten
Service werden wöchentlich etwa 1.000 Telefonanrufe
"Diese Männer und Frauen wurden Missionare", er- von amerikanischen Unternehmen beantwortet, die
klärte er. "Sie wußten, daß Demokratie und Kapitalis- Exporte im Wert von über 100 Millionen Dollar direkt
mus funktionieren, weil sie es mit eigenen Augen auf diese von dem Service bereitgestellten Informatiogesehen und nicht, weil sie etwas darüber gelesen nen zurückführen.
hatten."
Zusätzlich wurden durch das Programm von KonsorGephardt stellte fest, zur Zeit seien in Ru ßland und den tien amerikanischer Unternehmen in den neuen unabneuen unabhängigen Staaten nicht so sehr Philoso- hängigen Staaten (Consortia of American Business in
phen oder Wirtschaftswissenschaftler gefragt, son- the NIS - CABNIS) insgesamt neun Stipendien in Höhe
dern Geschäftsleute.
von je 500.000 Dollar an amerikanische Unternehmensgruppen vergeben, um in der ehemaligen So"Da Privatisierung und die Einführung derfreien Marktwjetunion eine Handelsvertretung zu eröffnen und dort
wirtschaft so entscheidend für die politischen ReforGeschäfte zu tätigen.
men sind,... müssen sich unsere Austauschprogramme auf die Geschäftswelt konzentrieren", äußerte er Botschafter Thomas Simons, dem Koordinator der
und fügte hinzu, die amerikanischen Unternehmen amerikanischen Hilfe für die neuen unabhängigen
müßten den Menschen der ehemaligen Sowjetunion Staaten, zufolge sind solche Programme nicht dasselihre Türen öffnen, "um sie in unseren Fabriken auszu- be wie die Auslandshilfeprogramme.
bilden, in unsere Praktiken der Unternehmensführung
einzuweisen und von ihnen etwas über das neue "Dies ist eine echte Investition in eine bessere Zukunft,
Marktpotential in ihrer Heimat zu erfahren".
denn diese Länder sind nicht unterentwickelt, sie haben
sich falsch entwickelt", stellte er fest. "Sie haben eine
Der amerikanische Handelsminister Ronald Brown gut ausgebildete Bevölkerung, ziemlich viel Infrastrukerklärte, seine Behörde weite ihr Programm für die tur sowie enormes Humankapital und natürliche ResAusbildung von Praktikanten in amerikanischen Unter- sourcen. Was sie brauchen ist eine Übergangshilfe,
nehmen (Special American Business Internship Trai- die diese Ressourcen zum Tragen bringt und ihr Poning - SABIT) aus, um 500 Geschäftsleuten und Wis- tential für eine gleichwertige Partnerschaft in einer
senschaftlern aus Ru ßland und den neuen unabhängi- größeren, offeneren und besseren internationalen
gen Staaten die Gelegenheit zu einem Praktikum in Gemeinschaft entfaltet."
Unternehmen in den Vereinigten Staaten zu geben,
um Praktiken der Unternehmensführung zu erlernen.

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AMERIKA DIENST 42

�LITERATUR
20. Oktober 1993

DIE WERKE VON TONI MORRISON
Nobelpreisträgerin für Literatur
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen Artikel über die diesjährige Nobelpreisträgerin für
Literatur, Toni Morrison. Das Zitat aus dem Roman Solomons Lied geben wir mit freundlicher Genehmigung
des Rowohlt Taschenbuch Verlags wieder. Copyright (c) Rowohlt (1986).

Die letzten Worte von Sula - der unverbesserlichen
Protagonistin in Toni Morrisons 1974 erschienenem
Roman mit demselben Titel - auf dem Totenbett stehen vielleicht nicht für Morrisons persönliche Philosophie, beschreiben jedoch zweifelsohne die Auswirkung ihrer Werke auf die Weltliteratur.
Morrison, die seit 1989 Geisteswissenschaften an der
Princeton University lehrt, wurde am 7. Oktober mit
dem Nobelpreis für Literatur 1993 ausgezeichnet. Sie
ist die erste schwarze Amerikanerin und die achte
Frau, der diese Auszeichnung zuerkannt wird, seit sie
1901 erstmals verliehen wurde. Bisher haben zehn
Amerikaner den Preis gewonnen. Pearl S. Bück war
1938 die erste amerikanische Frau, die diesen Preis
erhielt. Morrison ist die einzige weitere Amerikanerin,
der diese höchste Auszeichnung für einen Schriftsteller zuteil wurde.
Die 1931 als Chloe Anthony Wofford geborene Morrison hat sechs Romane, eine Kurzgeschichte, ein
Theaterstück und zahlreiche kritische Essays geschrieben. Carolyn Denard, die Morrison für die hochgelobte
1993er Ausgabe von Black Women in America: An
Historical Encyclopedia porträtierte, bezeichnet sie
als "eine der prominentesten Schriftstellerinnen unserer Zeit".
In der Laudatio anläßlich der Verleihung des Nobelpreises stellte die Schwedische Akademie fest, ihre
Romane hätten den "Glanz der Poesie" - eine Charakterisierung, die die Schriftstellerin bereits früher in
Frage gestellt hat. "Werke können nicht nur oder
ausschließlich poetisch sein", erklärte sie 1981 in
einem Interview mit Paul LeClair, "denn das liefe
meinem Anliegen, meinem Publikum zuwider."

"Ich denke lange und intensiv darüber nach, was meine
Romane bewirken sollten", äußerte Morrison gegenüber LeClair. "Sie sollten die Rollen verdeutlichen, die
unklar geworden sind, sie sollten die Dinge der Vergangenheit ausmachen, die nützlich sind sowie die
Dinge, die nicht nützlich sind, und sie sollten Nährstoff
sein."
"In all ihren Werken", schreibt Denard, "ist es das
Anliegen Morrisons, eine besondere, klärende Sichtweise zu vermitteln, um sich die Vergangenheit vor
Augen zu führen und sie zu einem nützlichen Mechanismus für das Überleben in der Welt von heute zu
machen."
Dieses Mittel funktioniert gut in Morrisons drittem
Roman, Solomons Lied (Song of Solomon). In dieser
Geschichte begibt sich der Protagonist Macon "Milchmann" Dead III. auf die Suche nach Gold und Vergeltung und findet sich schließlich in den Höhlen von
Virginia wieder, wo er statt eines lange verlorenen
Familienschatzes die ruhmreiche Verbindung zu seinen Vorfahren durch die Mythen, Lieder und Legenden
entdeckt, die sein Urgroßvater Solomon dort hinterlassen hatte. Die Legende über seinen Urgroßvater, der
fliegen konnte, und der in der Tat der Sklaverei "entflog", erfüllt Milchmann mit Liebe, Stärke und einem
dringend benötigten Gefühl für seine eigene Identität:
"'Er konnte fliegen! Hörst du? Mein Urgroßdaddy
konnte fliegen!' ... Er peitschte mit den Fäusten ins
Wasser, sprang dann kerzengerade in die Höhe, als
könnte er ebenfalls abheben... 'Der brauchte kein
Flugzeug! Hob einfach ab; hatte die Nase voll. Bis
obenhin! Keine Baumwolle mehr! Keine Ballen mehr!
Keine Befehle mehr! ... Der ist geflogen, Baby.'"

Aber welchem Anliegen?

AMERIKA DIENST 42

Seite 1

�Obwohl die Schwedische Akademie Morrison für ihre
Erforschung "der Sprache selbst, einer Sprache, die
sie von den Fesseln der Rasse befreien will" würdigte,
hat sie sich selbst stets als "Schriftstellerin einer Minderheit" gesehen, die ihre Erfahrung als Quelle der
Stärke und des Wissens benutzt.

Menü ist immer noch dasselbe. Der Friseurladen in
Maine wäre immer noch derselbe Friseurladen wie in
Ohio, dort würde dieselbe Art von Leuten herumsitzen.
Sie kochen etwas anders, aber ich weiß, welche
Sprache sie sprechen", stellte sie fest.

Weitere Romane von Morrison sind Sehr blaue Augen (The Bluest Eye), die Geschichte einer jungen
Schwarzen, die langsam wahnsinnig wird, weil sie
Liebe und Akzeptanz mit einer Rasse gleichsetzt, die
nicht ihre eigene ist. Sula, ein Roman über eine Frau,
die an keinen sozialen Anstandskodex gebunden ist,
eine Ausgestoßene, die ironischerweise das Gute in
ihren Mitmenschen weckt. Teerbaby (Tarbaby), die
Diese Weiterentwicklung, so Denard, ist am offen- Geschichte einer Beziehung zwischen zwei Schwarsichtlichsten in Morrisons Roman Menschenkind zen - einem Jet-set-Mannequin und einem Vagabun(Beloved), für den sie 1987 den Pulitzerpreis gewann. den - die zum Scheitern verurteilt ist, weil sie nicht
Die Geschichte beruht auf dem Leben einer entlaufe- erkennen, daß sie beide Opfer rassischer Ausbeutung
nen Sklavin aus Kentucky, die ihre eigenen Kinder sind und Jazz, das vom Leben der Schwarzen in den
tötet, um sie vor der Sklaverei zu bewahren. "Sie Städten während der zwanziger und dreißiger Jahre
schreibt nicht einfach nur über die Auswirkungen der handelt.
Sklaverei auf die Rechte und Pflichten einer liebenden
Mutter, sondern versucht durch die Charakterisierung Zu ihrer Arbeitsmethode äußerte Morrison gegenüber
von Sethe (der Mutter), die volle Bedeutung der Skla- Täte: "Ich kenne bereits die Geschichte, wenn ich an
verei und ihre Konsequenzen für den Menschen zu einem Buch arbeite. Das ist nicht schwierig. Jeder
verstehen", schreibt Denard.
kann sich eine Geschichte ausdenken. Aber den
Charakteren Leben einzuhauchen, ihnen Raum zu
Und die Leserschaft? Morrison äußerte 1977 gegen- lassen, sie zu Menschen zu machen, die ich mag, das
über Paula Giddings in einem Interview, die Men- ist hart. Ich habe nur die 26 Buchstaben des Alphaschen, bei denen sie eine Bestätigung ihrer Arbeit bets, ich habe keine Farben und keine Musik. Ich muß
finde, seien nicht die leidenschaftlichen Leser, son- meine Fertigkeiten nutzen, damit der Leser die Farben
dern "die Schwarzen in meinen Büchern, die keine sehen und die Töne hören kann."
Bücher lesen".
"Meine Geschichten fallen mir ein wie Klischees",
"Würde Pilate (die mystische, exzentrische alte Tante, erklärt sie. "Ein Klischee ist ein Klischee, weil es die
die in Solomons Lied Milchmann den Weg zu den Sache wert ist. Sonst wäre es in Vergessenheit
Höhlen weist) ihr Geographiebuch niederlegen und geraten. Ein gutes Klischee kann niemals überstrapa'Solomon' aufschlagen, würde sie dann 'aha' sagen ziert werden, es ist immer noch geheimnisvoll. Die
oder nicht? Wenn es ihr gefällt, gefällt es mir auch", so Konzepte von Schönheit und Häßlichkeit sind für mich
Morrison.
geheimnisvoll. Viele Menschen schreiben darüber.
In einem Interview mit Claudia Täte im Jahr 1986 Während ich darüber nachdenke, versuche ich, in sie
erklärte Morrison: "Wenn ich die Welt sehe, wahrneh- einzudringen und ihre Bedeutung zu erfassen, die
me und darüber schreibe, ist es die Welt der Schwar- Auswirkungen auf das Handeln der Menschen zu
zen. Das heißt nicht, daß ich nicht über Weiße verstehen."
Denard führt Morrisons Meinung über diese Rolle an:
"Ein solcher Schriftsteller muß vier Phasen durchlaufen: Eine Zeit des Ärgers, eine Zeit der Selbstfindung,
eine Zeit des feierlichen Einbringens der Kultur und
schließlich das Erreichen einer 'Konzeption von ethnischer Erfahrung'."

schreiben würde. Aber ich weiß einfach, daß bei der
Entwicklung der verschiedenen Themen, über die ich
schreibe, die von mir erfundenen Schwarzen diejenigen sind, die diese Themen für mich am besten
personifizieren."
"Die Schwarzen nehmen ihre Kultur mit, wohin sie
auch gehen. Als ich über Maine schrieb, waren die
Schwarzen in Maine den Schwarzen in Ohio sehr
ähnlich. Man kann den Teller wechseln, aber das

*

Seite 2

"Das Problem, mit dem ich als Autorin konfrontiert bin,
besteht darin, meinen Geschichten eine Bedeutung zu
verleihen", legte Morrison dar. "Man kann wunderbare, interessante Personen haben, eine faszinierende
Geschichte, aber sie handelt von gar nichts. Sie hat
keine wirkliche Substanz. Ich kann beim Schreiben
alle möglichen Fehler machen, aber ich möchte immer,
daß meine Bücher von etwas handeln, das mir wichtig
ist, und die heutzutage wichtigen Themen sind dieselben, die schon immer von Bedeutung waren."

* * * *

AMERIKA DIENST 42

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