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                <text>&lt;strong&gt;1. Die Vereinten Nationen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der große Steuerungsmechanismus unserer Zeit&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von William R. Frye&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Der Einwanderer ist willkommen&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Vorschläge Präsident Eisenhowers zur Liberalisierung der amerikanischen Einwanderungsgesetze&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von John Kerigan&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Das schöne Bild&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der neue Band "U.S, Camera 1957" in New York erschienen&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Anhang&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Henry Cabot Lodge Jr. antwortet Kusnetzow&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut einer Erklärung von Henry Cabot Lodge vom 12. Februar 1957 vor dem Lenkunausschuss der UN-Generalversammlung&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of Amenci

20. Februar 1980

12

INHALT

INFORMATION
Langfristige nukleare Entsorgung
- Präsident Carter kündigt Sonderprogramme an Pressekonferenz Präsident Carters vom 13. Februar 1980
- Auszüge
DOKUMENTATION
Erklärung des amerikanischen Außenministers vor der Vollversammlung
des IOC
USA würdigen Schlußbericht der Brandt-Kommission
- Presseverlautbarung der IDCA HINTERGRUNDMATERIAL
Sowjetische Beschuldigungen gegen die USA "vollkommen aus der Luft
gegriffen"
Die Bedeutung wissenschaftlicher Ost-West-Kontakte
- USICA-Interview mit Dr. Philip Handler, Präsident der Nationalen
Akademie der Wissenschaften WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Lizenz für akustisches Mikroskop an Fa. Leitz

Um Übcr/cnJung von
Belegexemplaren wird
gebeten

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Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Information
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

20. Februar 1980

12

LANGFRISTIGE NUKLEARE ENTSORGUNG
Präsident Carter kündigt Sonderprogramme an

- (AD) - In einer dem amerikanischen Kongreß am 12. Februar 1980
unterbreiteten Botschaft kündigte Präsident Carter ein umfassendes
Sondierungs- und Forschungsprogramm zur nuklearen Entsorgung für Abfälle
aus Atomkraftwerken und der militärischen Forschung an, das vorläufig auf
fünf Jahre befristet ist. Bundesregierung und Einzelstaaten sollen eng
zusammenarbeiten, um in den Vereinigten Staaten geeignete unterirdische
Lagerstätten zu finden, wo radioaktive Abfälle völlig isoliert von Menschen
und den von ihnen benutzten Dingen und Materialien deponiert werden können.
Präsident Carter hofft, daß bis Mitte der achtziger Jahre mehrere
in Frage kommende Lagerstätten ausfindig gemacht werden und Mitte der neunziger Jahre betriebsbereit sind.

"Mein Hauptziel im Zusammenhang mit der

nuklearen Entsorgung ist es, die Gesundheit und Sicherheit aller Amerikaner
zu schützen - jetzt genauso wie in der Zukunft", erklärte der Präsident.
Die Verantwortung für die Lösung des Problems dürfe nicht künftigen Generationen zugeschoben werden.
Die

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�Die bisherigen Bemühungen der Regierung um die Beseitigung radioaktiver Abfälle und die nukleare Entsorgung waren nach Ansicht Präsident
Carters "vom technischen Standpunkt aus gesehen nicht ausreichend".

Um-

weltschutzverbände und andere öffentliche Interessengruppen bezeichneten
den Plan des Präsidenten als "den ersten Schritt in Richtung auf ein
vernünftiges" nukleares Entsorgungsprogramm.

Nukleare Abfälle wurden

bisher in Zwischenlagern deponiert.
Kernstück des Carter-Planes ist ein umfassendes geologisches Forschungsund Explorationsprogramm, in dessen Verlauf zahlreiche unterirdische
Gesteinsarten und verschiedene Regionen untersucht werden sollen. Gesteinstypen vulkanischen Ursprungs wie Basalt und Tuff würden ebenso einbezogen wie Salzstöcke und andere Salzablagerungen, Granit, Schiefer- und
Tonschichten.

Die Formationen müssen isoliert sein von Quellen für

Grundwasser, frei von Rissen, über die Wasser einsickern könnte, und sie
dürfen sich nicht in erdbebengefährdeten Zonen befinden.
"Von der Idee langfristiger oberirdischer Lagerung halten wir nichts",
meinte Stuart Eizenstat, Berater Präsident Carters, nach der Ankündigung
des Programms. Dem Kongreß liegen z.Zt. mehrere Vorschläge über eine
langfristige oberirdische Lagerung vor, über die noch nicht entschieden
wurde.
Präsident Carter betonte, daß die Suche nach unterirdischen Lagerstätten mit einem Höchstmaß an Gründlichkeit erfolgen müsse, denn die
Eignung eines möglichen Deponieortes kann nur mit Hilfe detaillierter und
zeitraubender standortspezifischer Analysen sowie genauer Untersuchung
des geologischen Umfeldes ermittelt werden. Außerdem müßten Anlage und
Ausbau einer Lagerstätte "sorgfältig Schritt für Schritt" durchgeführt
werden.
Das

�Das bisher einzige Projekt für die unterirdische Lagerung radioaktiver
Abfälle - die Pilotanlage zur Abfall Isolierung bei Carlsbad, New Mexiko wird, wie Präsident Carter ankündigte, nicht weitergeführt.

Jedoch wird

der Standort als Entsorgungszentrum zusammen mit zehn weiteren möglichen
unterirdischen Deponieplätzen in den USA weiterhin geprüft.

Neben der

Durchführung geologischer Untersuchungen wird das amerikanische Energieministerium auch Forschungsprojekte auf dem Gebiet anderer Entsorgungstechniken wie z.B. der chemischen und metallurgischen Behandlung oder
dem absolut lecksicheren "Einpacken" von radioaktivem Material erheblich
ausweiten. "An diesem ergänzenden Forschungs- und Entwicklungsprogramm"
so Präsident Carter, "sollen sich die besten Naturwissenschaftler,
Ingenieure und Spezialisten anderer Gebiete...von den Universitäten,
der Industrie und von staatlichen Instituten beteiligen."

Mittlerweile wurde der Kongreß ersucht, die Genehmigung zum Ankauf,
Bau oder zur Verbesserung von Anlagen zu erteilen, wo verbrauchter Kernbrennstoff amerikanischer Herkunft "und eine begrenzte Menge verbrauchten
Kernbrennstoffs ausländischer Herkunft für den Fall gelagert werden kann,
daß damit den Zielen unserer Nonproh'ferationspol itik gedient wird", solange keine Endlagerstätten dafür vorhanden sind.

Die Vorschläge des

Präsidenten basieren auf den Ergebnissen zweijähriger Untersuchungen
einer Studiengruppe aus Vertretern von öffentlichkeit, Industrie, Bürgerinitiativen, einzelstaatlichen und kommunalen Behörden, Kongreß sowie
von Wissenschaftlern aller Fachgebiete, die die nukleare Entsorgung überprüften .

Angesichts des wachsenden öffentlichen Interesses an der Mitwirkung
bei Entscheidungen über die nukieare Entsorgung schuf der Präsident einen
"Planungsrat der Einzelstaaten", cem d^e Gouverneure der amerikanischen
Bundesstaaten angehören.

Er soll dazu beitragen, "unserer gemeinsamen

Verantwortung für den Schutz der öffentlichen Gesundheit und Sicherheit
gerecht zu werden".

Außerdem wies Präsident Carter sämtliche Ministerien

- 3 -

�;

•&gt;

i

Ministerien und Behörden an, alle Mechanismen zu verbessern, um die
Beteiligung und Unterrichtung der Öffentlichkeit hinsichtlich aller
Aspekte des nuklearen Entsorgungsprogramms zu gewährleisten.
In einer nach der Ankündigung des Programms einberufenen Pressekonferenz wiesen Stuart Eizenstat, Wissenschaftsberater Dr. Frank Press
und Dr. John Deutch, Leiter der Forschungsabteilung im amerikanischen
Energieministerium,.darauf hin, daß die Atommüll-Frage "ein zähes Problem
sei und man noch einen langen Weg zu gehen habe.

+ + + + +

- 4-

�3

CO

I

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

12

20. Februar 1980

PRESSEKONFERENZ PRÄSIDENT CARTERS VOM 13. FEBRUAR 1980
- Auszüge -

WASHINGTON

- (AD) - Präsident Jimmy Carter hat auf seiner Presse-

konferenz am 13. Februar 1980 vor allem zu Fragen Stellung genommen, die
sich mit der Lage der amerikanischen Geiseln in Teheran sowie mit der
durch den sowjetischen Einmarsch in Afghanistan hervorgerufenen weltpolitischen
Situation befaßten.

Ein Teil der Pressekonferenz war auch innenpolitischen

Problemen sowie Wahl kämpfthemen gewidmet.
Nachstehend geben wir die wichtigsten Fragen und Antworten zu den
außenpolitischen Themen wieder.
Der Präsident eröffnete die Pressekonferenz mit folgender Erklärung:
Seit dem Tage, an dem unsere Botschaft in Teheran besetzt wurde, hatten
wir zwei Ziele: das erste, die Sicherheit und Freilassung der als Geiseln
festgehaltenen Amerikaner und das zweite, den Schutz unseres nationalen
Interesses in diesem kritischen Gebiet der Welt. Seit jenem Tag haben wir

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�wir jede Möglichkeit zur Erreichung dieser Ziele verfolgt.

Nichts ist

bei der Suche nach einer Lösung unversucht geblieben.
Während der letzten Wochen sind unsere Bemühungen und Aktivitäten
außerordentlich

Jelikat und intensiv geworden.

Kürzlich gab es einige

positive Zeichen, aber die Erfahrung hat uns gelehrt, uns vor jedem übermäßigen Optimismus zu hüten.

Seit Mitte November haben wir und Vertreter

des Iran mit dem Generalsekretär der Vereinten Nationen, Waldheim, seinen
Vorschlag erörtert, eine Untersuchungskommission nach Teheran zu entsenden.
Wir würden Schritte der Vereinten Nationen unterstützen, die zu der Freilassung der Geiseln führen könnten, wenn diese Schritte mit unseren
eigenen Zielen und unseren wesentlichen internationalen Grundsätzen
vereinbar sind.

Eine geeignete Kommission mit einer sorgfältig fest-

gelegten Zielsetzung wäre ein Schritt zur Lösung dieser Krise.
Ich weiß, daß Sie und das amerikanische Volk verstehen werden, daß
es mir zu diesem kritischen Zeitpunkt nicht möglich ist, über irgendwelche
spezifischen Bemühungen zu sprechen oder ausführlicher zu ihnen Stellung
zu nehmen, die vielleicht im Gange sind oder über Vorschläge, die zur
Beendigung der Krise nützlich sein könnten. Ich danke Ihnen
FRAGE: Herr Präsident, wenn die Krise in Afghanistan eine so reale
und so schwerwiegende ist, wie Sie gesagt haben, daß sie es sei, haben
die Vereinigten Staaten dann überhaupt die militärische Kapazität, um mit
ihr fertig zu werden, ohne Kernwaffen einzusetzen?
ANTWORT:

Es ist eine große Krise, die durch die sowjetische Invasion

in Afghanistan ausgelöst wurde und zwar aus mehreren Gründen.

Vor allem

ist dies ein entscheidend wichtiges Gebiet der Welt, für uns, für unsere
Verbündeten und für andere Länder.

Zweidrittel aller ölexporte in die gesamte

Welt kommen aus dem Gebiet um den Persischen Golf.

Zum anderen ist es ein

außerordentlich unbeständiger, sich rasch wandelnder und instabiler Teil

- 2 -

�Teil der Welt.

Dirttens, haben die Sowjets im Verlauf einer Reihe von

Jahren eine stetige militärische Aufrüstung betrieben, die uns Sorge
bereitet hat, und auf die wir, seitdem ich im Amt bin, reagiert haben.
Und viertens, haben die Sowjets in einer beträchtlichen Abweichung von
allem, was sie seit dem Zweiten Weltkrieg bisher getan haben, nunmehr
gezeigt, daß sie gewillt sind, ihre Streitkräfte über ihre eigenen Grenzen
hinaus zu einer massiven Invasion Afghanistans einzusetzen.
Die von mir ergriffenen Gegenmaßnahmen auf diese Schritte sind zweckmäßig und, wie ich glaube und hoffe, angemessen. Wir müssen die Sowjetunion
durch friedliche Mittel überzeugen, daß sie nicht ungestraft in ein
unschuldiges Land einfallen kann, und die Sowjets müssen die Konsequenzen
aus ihren Aktionen tragen.

zur
von
uns
daß
daß
für

Alles, was wir getan haben, war ein Beitrag zur Stabilität, zur Mäßigung,
klaren Linie, zur Festigkeit und zum Frieden. Wir haben unsere Aktionen
uns aus getroffen und wir haben unsere Verbündeten und andere gebeten, sich
anzuschließen in der Verurteilung der Sowjetunion und in der Forderung,
sich die Sowjets aus Afghanistan zurückziehen, und sie zu überzeugen,
jedesweitere Abenteusr
von ihrer Seite schwerwiegende Konsequenzen
die Sowjetunion haben würde
FRAGE:

akzeptabel?

Nochmal zu Afghanistan, was für eine Regierung wäre für Sie
Die Russen haben gesagt, daß, wenn sie abziehen, sie -

darauf deutet es hin - ein Marionettenregime hinterlassen würden.

Würden

Sie auf einem neutralen Regime bestehen, oder welche Aktion werden Sie unternehmen?
ANTWORT:

Was wir vor allem haben wollen, ist ein sowjetischer Rück-

zug und die Verpflichtung, die verifiziert und durchgeführt werden könnte,
daß die Sowjets nicht in ein anderes Land einfallen werden oder ihre Streitkräfte über ihre eigenen Grenzen hinaus wieder einsetzen, um den Frieden

- 3 -

�Frieden zu erschüttern.

Wir möchten ein neutrales Land.

Wenn es dazu

einer Übergangsphase bedarf, in welcher eine neutrale und verantwortliche
Regierung, die für das afghanische Volk akzeptabel ist, eingesetzt werden
könnte, dann könnte vielleicht eine von den Vereinten Nationen aufgestellte
Friedenstruppe - vielleicht aus moslemischen Truppenteilen oder anderen
gebildet - während dieser Übergangsphase eingesetzt werden, aber meine
Haupterwägung ist, sicherzustellen, daß die Sowjets erkennen, daß ihre
Invasion nicht akzeptabel ist, und so viel Unterstützung wie nur möglich bei
den anderen Ländern der Welt aufzubieten, um eine weitere Bedrohung des
Friedens und einen Anlaß zum Krieg zu verhindern.
•
•

Ich glaube, durch Stärke können wir den Frieden erhalten, aber wir
müssen entschlossen sein, wir müssen konsequent bleiben und unsere Maßnahmen
müssen den Charakter einer langfristigen, vorhersehbaren Aktion haben, die
von der Sowjetunion klar verstanden wird.
FRAGE: Herr Präsident, Sie fordern eine Steigerung der Ausgaben für
die militärische Verteidigung um fünf Prozent. Einige Mitglieder des
Kongresses haben gemeint, daß das angesichts der sowjetischen Invasion in
Afghanistan zu wenig sein könnte. Würden Sie einen Plan des Kongresses
unterstützen, sogar bis zu einer Verdopplung der derzeitigen fünfprozentigen
Steigerung für die militärischen Ausgaben zu gehen?
•

ANTWORT: Seit meinem ersten Amtsjahr als Präsident hat bei uns eine
kräftige und ständige Steigerung der Verteidigungsausgaben stattgefunden,
denn ich erkannte bei meinem Amtsantritt einige Schwächen in unserem
Verteidigungspotential. Um ganz genau zu sein, möchte ich hinzufügen, daß
Präsident Ford mit diesem Ausbau kurz vor Ende seiner Amtszeit begonnen
hat. Ich habe ihn fortgesetzt.
Meiner Meinung nach hat der Militärhaushalt, den wir dem Kongreß in
den letzten Wochen vorgelegt haben, den angemessenen Ausgabenumfang. ^r_

- 4 -

�Er ist sehr sorgfältig angepaßt an das Tempo, mit dem wir Waffen kaufen
und entwickeln können, und genau an die Fernziele der Dislozierung unserer
Truppen, der Mobilität unserer Truppen und der Wechselbeziehung mit unseren
Verbündeten angeglichen.
Ich sage damit nicht, daß ich nicht mit weiterer Feinabstimmung oder
anderen Modifikationen des Haushalts einverstanden wäre. Aber ich würde
mich sehr energisch jeder Anstrengung widersetzen, den Verteidigungshaushalt - wie dies erst kürzlich vorgeschlagen wurde - stärker zu kürzen
als es mein Vorschlag vorsieht.
FRAGE:

Herr Präsident, Sie haben gesagt, die Sowjets müßten dazu

gebracht werden, einen Preis für ihre Invasion Afghanistans zu bezahlen;
und ihr Berater sagte, daß unser Boykott der Olympischen Spiele nicht als
Strafe gedacht sei. Wie erklären Sie den Gegensatz, der zwischen diesen
beiden Standpunkten zu bestehen scheint?
ANTWORT: Wir hegen nicht den Wunsch, die Olympischen Spiele als Mittel
der Strafe zu verwenden, nur legen die Sowjets auf die Abhaltung der
Olympischen Spiele in der Sowjetunion einen so hohen Wert. In ihrem eigenen
Propagandamaterial erheben sie den Anspruch, daß die Bereitschaft des
Internationalen Olympischen Komitees, die Spiele in Moskau stattfinden
zu lassen, eine Bestätigung der Außenpolitik und der friedliebenden Natur
der Sowjetunion sei. Meiner Meinung nach ist es für jede Nation unverantwortlich, Athleten unter dem Schutz der Spiele in die Hauptstadt eines
Landes zu senden, wenn dieses Land, das Gastgeberland, sich aktiv an der
Invasion eines anderen Landes und der Unterdrückung unschuldiger Menschen
beteiligt. Und daher glaube ich aus diesem Grund nicht, daß wir verpflichtet
sind, unsere Athleten nach Moskau zu schicken.
Ich möchte wiederholen:

Falls die Sowjetunion ihre Truppen nicht bis

zum 20. dieses Monats aus Afghanistan zurückzieht, werden weder ich, noch

- 5 -

�noch das amerikanische Volk, noch der Kongreß es unterstützen, daß eine
Olympiamannschaft diesen Sommer nach Moskau geschickt wird.
FRAGE:

Herr Präsident, falls die Sowjets womöglich ihre Truppen

zwischen dem 20. Februar und dem 24. Mai aus Afghanistan abziehen sollten,
wenn die Olympischen Komitees ihre Entscheidungen bekanntgeben:

Besteht dann

die Möglichkeit, daß Sie vielleicht Ihre Meinung ändern und es unterstützen,
daß ein amerikanisches Team nach Moskau geschickt wird?
ANTWORT:
FRAGE:

Ich glaube nicht an die erstere Möglichkeit.
Herr Präsident, wie Sie wissen, haben die Franzosen nicht

zugestimmt, noch in diesem Monat in Rom zu einer Außenministerkonferenz
zusammenzutreffen.

Die Westdeutschen haben dem Olympiaboykott nicht zuge-

stimmt und es gab, glaube ich, einige Unzufriedenheit über die Reaktion
Ihrer Regierung auf die Japaner. Waren Sie völlig mit der japanischen,der
französischen und der westdeutschen Reaktion auf Ihren Appell nach Bestrafung und Sanktionen gegen die Sowjetunion zufrieden?
ANTWORT:

Ja, im allgemeinen war ich sehr damit zufrieden.

Es gibt

zwischen all unseren Hauptverbündeten ein bemerkenswertes Maß an Einmütigkeit über den Ernst der sowjetischen Bedrohung in Afghanistan und
die Maßnahmen, die ergriffen werden müssen, um dieser Bedrohung zu begegnen
und eine weitere Aggression der Sowjetunion zu verhindern.
Es gibt feine Unterschiede. Die Länder sind unterschiedlich, sie
haben unterschiedliche Perspektiven, sie haben unterschiedliche Regierungsformen. Manche haben Koalitionsregierungen, wo der Regierungschef einen
Außenminister hat, der eine andere Partei vertritt und so weiter. Es
gibt Zeiten, da wir zum Beispiel gereizt und ungehalten über die Franzosen
sind. Und es gibt Zeiten, da die Franzosen gereizt und ungehalten über
uns sind.
Die
6 -

�Die kürzliche Meinungsverschiedenheit über den genauen Zeitpunkt und
die Zusammensetzung sowie die beizubehaltende Verschwiegenheit auf dem
Außenministertreffen war bedauerlich. Meine Haltung dazu ergab sich aus
einem Telefongespräch mit Bundeskanzler Schmidt, nachdem dieser sich
mehrere Tage lang mit Präsident Giscard d'Estaing getroffen hatte. Ich war
der Ansicht, daß Zeitpunkt und Ort von ihnen vereinbart worden waren und
daß ich ihrer Bitte entsprach. Es war jedoch nicht die gleiche Ansicht,
die die Franzosen hatten. Unsere Kommunikation war unzureichend.
Aber diese Meinungsverschiedenheit ist nur geringfügig im Vergleich
zu den großen Übereinstimmungen, auf die wir die gegenwärtige und die
zukünftige Politik zwischen den Verbündeten der Vereinigten Staaten gründen.
FRAGE: Herr Präsident, Sie haben einmal gesagt, es sei für Sie nicht
sicher, ob amerikanische Soldaten jemals für die Verteidigung Jugoslawiens
eingesetzt werden sollten. Marschall Tito ist schwer krank. Ist dies
angesichts Afghanistans immer noch Ihre Meinung?
ANTWORT: Wir haben mit der Führung Jugoslawiens sehr eingehende
Gespräche geführt, unter anderem auch mit Marschall Tito bei seinem Besuch
vor nicht allzu langer Zeit. Nach dem Gesamtbild, das sie uns dabei übermittelten, und das ich als ein genau zutreffendes akzeptiere, ist Jugoslawien
ein auf seine Unabhängigkeit stolzes, mutiges und gut ausgerüstetes Land,
das sich selbst verteidigen kann.
Wenn wir dazu aufgefordert werden, dem jugoslawischen Volke in der
Zukunft irgendwelche Hilfe zu leisten, würden wir dies sehr ernsthaft
in Erwägung ziehen und überlegen, was nach unserer Meinung für sie und für
uns das Beste wäre.
Ich habe in jüngster Zeit mehrfach mit führenden Männern Europas
über die Notwendigkeit gesprochen, unsere Bindungen mit Jugoslawien zu

- 7 -

�zu verstärken und seine Blockfreiheit zu schützen, so daß es von der
Sowjetunion weder beherrscht noch erfolgreich bedroht werden kann.

Wir

werden das, was immer notwendig ist tun, um diese Ziele zu erreichen, aber
den aktuellen Notwendigkeiten und den spezifischen von Jugoslawien selbst
ausgehenden Anforderungen entsprechen.
•

Ich danke Ihnen!

+ + + + +

�V# J

M 1 •1H|
3

Dokumentation
International Communication Agency
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20. Februar 1980

12

ERKLÄRUNG DES AMERIKANISCHEN AUSSENMINISTERS
VOR DER VOLLVERSAMMLUNG DES IOC

LAKE PLACID - (AD) - Der amerikanische Außenminister Cyril Vance
begründete in einer Erklärung vor der Vollversammlung des Internationalen
Olympischen Komitees (IOC) am 9. Februar 1980 in Lake Placid, warum sich
die amerikanische Regierung gegen die Olympischen Sommerspiele in Moskau
ausgesprochen hat. "Wir wollen nicht, daß die olympische Bewegung Schaden
erleidet. Wenn jedoch die Grundprinzipien der Olympischen Spiele ignoriert
werden, dann wird die Zukunft der Spiele selbst aufs Spiel gesetzt." Die
Erklärung hat folgenden Wortlaut:
"Im Auftrag Präsident Carters und als ehrenamtlicher Vizepräsident
des amerikanischen olympischen Komitees habe ich die Ehre, dieses hochgeschätzte Komitee in den Vereinigten Staaten und in Lake Placid willkommen
zu heißen und die Sportler aus der ganzen Welt zu den Olympischen Winterspielen 1980 zu begrüßen.
Während

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Telex:08-85432

�Während wir heute abend hier zusammentreffen, sieht sich die Welt einer
schweren Bedrohung des Friedens gegenüber, die für die olympische Bewegung
eine Frage von fundamentaler Bedeutung aufwirft.
Seit ihren Anfängen im alten Griechenland symbolisieren die Olympischen
Spiele einige der vornehmsten Prinzipien der Menschheit.

Unter ihnen steht

der Friede an erster Stelle.
Bei den Spielen der Neuzeit spiegelt sich dieses Prinzip in den
Eröffnungsfeiern wider, wenn man Tauben aufsteigen läßt, um den Frieden zu
symbolisieren.
Die Spiele im Altertum wurden im Stadtstaat von Elis abgehalten.
Mit ihnen setzte ein "Götterfrieden" ein.

Während dieser Zeit des Friedens

war ein offener Krieg gegen oder durch den gastgebenden Stadtstaat verboten.
Nach Auffassung meiner Regierung wäre es eine Verletzung dieses
fundamentalen olympischen Prinzips, olympische Spiele in einem Land durchzuführen oder zu besuchen, das zur Zeit in einen aggressiven Krieg
verwickelt ist und das sich geweigert hat, der Forderung der Weltgemeinschaft
nach Beendigung seiner Aggression und Zurückziehung seiner Streitkräfte
zu entsprechen.
Lassen Sie uns über die grundlegende Frage klar sein, vor der wir
stehen.
Es geht hier nicht um die Frage, ob die Mannschaft eines Staates aus
politischen Gründen von den Wettkämpfen ausgeschlossen werden sollte. Wir
heißen jede Mannschaft willkommen, die dieses Komitee zu diesen Winterspielen eingeladen hat.

Die

�Die Frage, vor der wir jetzt stehen, ist gänzlich anderer Art.

Es

geht darum, ob die Spiele in einem Land abgehalten werden sollten, das
selbst einen schwere Bruch des internationalen Friedens begeht.

Dies

zu tun, wäre nach unserer Überzeugung völlig unvereinbar mit dem Sinn
der Olympischen Spiele.

Es ist unmöglich, diese Entscheidung von ihren politischen Konsequenzen
abzutrennen.

Die Olympischen Spiele in einem Land abzuhalten, das gegen

ein anderes Krieg führt, heißt, den olympischen Mantel über die Aktionen
dieses Landes decken.

Wir sehen bereits, wie das Land, das als Gastgeber für die Sommerspiele ausgewählt wurde, seine Wahl als eine Anerkennung der "Richtigkeit
(seiner) Außenpolitik" und seiner "gewaltigen Verdienste...im Kampf für
den Frieden" bezeichnet.
Die unausweichliche Tatsache ist, daß den Kämpfen der Nationen und
Völker um die Erhaltung ihrer Unabhängigkeit - um die Erhaltung des
Friedens jetzt und für die Zukunft - entgegengetreten wird und man sie
herabsetzt, wenn die Olympischen Spiele in einem Land stattfinden, das
wegen fortgesetzter Aggression von der überwältigenden Mehrheit der UNVollversammlung verurteilt wurde.

Die Verantwortung für diese Angelegenheit sollte nicht auf die
Sportler abgewälzt werden.

Damit würde man sie lediglich zwingen, eine

Last zu tragen, die eigentlich den Führern der olympischen Bewegung
zukommt.

Niemand wünscht, daß unsere Sportler darunter leiden. Aber

wir dürfen auch nicht zulassen, daß sie ausgenutzt werden.

Über die Auswirkungen dieser Entscheidungen auf den internationalen
Frieden hinaus sollten wir uns auch Gedanken machen über die sich daraus
ergebenden Konsequenzen für die olympische Bewegung.
Die
- 3 -

�Die Vereinigten Staaten sind tief überzeugt vom Wert der Olympischen
Spiele und den Prinzipien, die sie tragen. Wir sind außerordentlich stolz
auf unsere Sportler und auf die Sportler der anderen Nationen, die lang
und hart trainiert haben. Wir wollen nicht, daß die olympische Bewegung
Schaden leidet.
Wenn jedoch die Grundprinzipien der Olympischen Spiele ignoriert werden,
dann wird die Zukunft der Spiele selbst aufs Spiel gesetzt.
In der ganzen Welt findet sich eine breite und wachsende Opposition
bei den Regierungen und den Menschen, die Spiele durchzuführen - so als
sei nichts geschehen.

Das zu tun, würde das Interesse und die Unterstützung

durch breite Kreise der Öffentlichkeit gefährden, auf denen diese und
künftige Olympiaden beruhen.
Vorzuziehen wäre es, die Spiele in diesem Sommer von Moskau an einen
anderen Ort oder an mehrere zu verlegen. Sicherlich gibt es bei der Durchführung Schwierigkeiten, aber diese könnten überwunden werden. Auch für
ein Absagen der Spiele existieren bereits Präzedenzfälle. Oder aber es
wäre möglich, die Spiele durch eine einfache Änderung der Regeln für ein
oder mehrere Jahre aufzuschieben.
Lassen Sie mich die Position meiner Regierung klarstellen: wir werden
uns der Teilnahme einer amerikanischen Mannschaft an jeglichen olympischen
Spielen in der Hauptstadt eines Landes widersetzen, das gewaltsam in ein
anderes Land einfällt.
Diese Position ist fest.

In ihr finden die tiefen Überzeugungen des

amerikanischen Kongresses und des amerikanischen Volkes ihren Ausdruck.
Um solche Probleme in Zukunft zu vermeiden, treten wir für die
Schaffung einer ständigen Heimstatt für die olympischen Winter- und

�und Sommerspiele ein.
Ich weiß, daß dieses hochgeschätzte Gremium sorgfältig die jetzt vor
ihm '»egenden Fragen abwägen wird.

Indem wir d^e Prinzipien der olympisch

Spiele hochhalten, wenn sie gefährdet sind, wenden wir Sinn und Bedeutung
der Olympischen Spiele für die künftigen Zeiten bewahren,

+ + + + +

�3
I 3

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

20. Februar 1980

12

USA WORDIGEN SCHLUSSBERICHT DER BRANDT-KOMMISSION
_ Presseverlautbarung der IDCA -

WASHINGTON - (AD) - Der engste Berater Präsident Carters für
Entwicklungspolitik und Direktor der amerikanischen Behörde für internationale
Zusammenarbeit bei Entwicklungsprojekten (International Development
Cooperation Agency - IDCA), Thomas Ehrlich, hat den am 12. Februar 1980
veröffentlichten Bericht der Brandt-Kommission über die Nord-Süd-Situation
"eine überaus wichtige Darstellung der drängendsten Bedürfnisse der
Entwicklungsländer" genannt, die die "wohlerwogene Aufmerksamkeit" der
ganzen internationalen Gemeinschaft erfordern.
Die Pressemitteilung, die von der IDCA am 13. Februar herausgegeben
wurde, hat folgenden Wortlaut:
Thomas Ehrlich, der Direktor der amerikanischen Behörde für internationale Zusammenarbeit bei Entwicklungsprojekten kündigte heute (13.
Februar) an, daß die Behörde, die vor einiger Zeit geschaffen wurde, um
die Entwicklungspolitik der amerikanischen Regierung darzulegen und die
Aktivitäten in diesem entscheidenden Bereich amerikanischer Außenpolitik

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Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�Außenpolitik zu koordinieren, die Führung bei den zwischenbehördlichen
Anstrengungen übernehmen wird, den Bericht der Brandt-Kommission zu
analysieren, der gestern (12. Februar) vorgelegt wurde.
Die 18-köpfige Kommission unter Führung des ehemaligen Bundeskanzlers
Willy Brandt wurde vor zwei Jahren eingesetzt, um sich mit Nord-SüdFragen zu beschäftigen.

Sie bestand aus Persönlichkeiten aus Industrie-

und Entwicklungsländern.
Mr. Ehrlich, der engste Berater des Präsidenten für amerikanische
Entwicklungspolitik, stellte fest, daß der Bericht (Bericht der unabhängigen
Kommission über internationale Entwicklungsfragen, "Nord-Süd:

ein Über-

lebensprogramm") "eine überaus wichtige Darstellung der drängendsten
Bedürfnisse der Entwicklungsländer (ist), Bedürfnisse, die die wohlerwogene Aufmerksamkeit der ganzen internationalen Gemeinschaft erfordern.
•

Der Brandt-Bericht enthält eine Fülle von Empfehlungen, und niemand
kann Übereinstimmung bei allen erwarten", stellte er fest. "Aber als ein
Bericht, der von Persönlichkeiten sowohl aus Industrie- als auch aus
Entwicklungsländern erarbeitet wurde, sollte er einen starken Anstoß
für Länder aus Nord und Süd darstellen, um in gemeinsamer Anstrengung
zur Förderung der Entwicklung zusammenzuarbeiten.
Beim ersten Durchlesen war ich erfreut zu sehen, daß der Bericht
besondere Aufmerksamkeit für die am wenigsten entwickelten Länder fordert
und der Beseitigung des Hungers in der Welt bis zum Ende dieses Jahrhunderts sowie den besonderen Problemen der Entwicklungsländer, die durch
den raschen Anstieg der ölpreise entstanden sind Priorität einräumt,"
fügte Ehrlich hinzu.
•

Der Bericht der Brandt-Kommission drängt auf ein Notprogramm in
den nächsten Jahren, das vier grundlegende Elemente enthalten würde:

�i

würde:

erhöhter Transfer von Entwicklungshilfe; eine neue internationale

Energiestrategie; ein weltweites Nahrungsmittel Programm und Beginn einiger
langfristiger Reformen, deren das Weltwirtschaftssystem bedarf.
Der IDCA-Direktor stellte fest, daß man zwar im Kreis der amerikanischen
Regierung bisher noch keine Gelegenheit gehabt habe, den Brandt-Bericht in
seinen Einzelheiten zu analysieren, aber "Anstrengungen unternommen werden,
die Empfehlungen in ihrem ganzen Umfang zu prüfen."
Die IDCA, die der amerikanischen Regierung als Sammelpunkt für
Wirtschaftsfragen dient, die die Entwicklungsländer berühren, wurde am
1. Oktober 1979 gegründet. Sie besteht aus der Behörde für internationale
Entwicklung, der Gesellschaft für Privatinvestitionen in Übersee und einem
geplanten Institut für wissenschaftliche und technologische Zusammenarbeit.
Außerdem ist die IDCA verantwortlich für Entwicklungsfragen, die sich bei
der amerikanischen Beteiligung an internationalen Organisationen stellen,
einschließlich der Entwicklungsprogramme der Vereinten Nationen. Mit
dem Finanzministerium teilt es sich in die Verantwortung für die amerikanische
Beteiligung an den Multilateralen Entwicklungsbanken und mit dem Landwirtschaftsministerium die Verantwortung für die Lenkung des amerikanischen
Programms "Lebensmittel für den Frieden". (PL 480).

+ + + + +

- 3 -

�12

20. Februar 1980

SOWJETISCHE BESCHULDIGUNGEN GEGEN DIE USA
"VOLLKOMMEN AUS DER LUFT GEGRIFFEN"

WASHINGTON - (AD) - Die jüngsten sowjetischen Erklärungen, die den Vereinigten Staaten die Schuld für die Invasion Afghanistans durch die Sowjetunion in die Schuhe zu schieben trachten, dienen nur dem Zweck, "die internationale Kritik zu entschärfen", die gegenwärtig allenthalben geübt wird, erklären offizielle amerikanische Regierungsstellen.

Die Sowjets behaupten, daß

"eine Einmischung von außen her" durch die Vereinigten Staaten und andere Länder den Einmarsch der Sowjetunion rechtfertige.
Es wird amerikanischerseits betont, daß die sowjetische "Desinformierungskampagne" voll von "falschen Rechtfertigungsgründen für die sowjetische Aggression und die hieraus resultierende Krise in den Ost-West-Beziehungen sei.
Die russische Propagandakampagne ist nach Auffassung amtlicher Washingtoner
Kreise in Entgegnung der Verurteilung eingeleitet worden, die die Invasion in
Afghanistan weltweit erfahren hat.

Ein

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�Ein Beispiel für die sowjetische Kampagne ist ein Leitartikel, der am
29. Januar in der Prawda erschienen und als bezahlte Anzeige der sowjetischen
Presseagentur Nowosti auch in der Washington*
schen Tageszeitungen veröffentlicht wurde.

Post und in anderen ausländi-

In dem Leitartikel wird unter an-

derem behauptet, die seitens der Sowjetunion geleistete "Hilfe" sei "in Antwort auf ein Ersuchen der legitimen Führung Afghanistans erfolgt" und diene
dem Zweck, das Land vor einer "Bedrohung von außen her" zu schützen.
Amerikanische Regierungsvertreter ziehen die sowjetische Behauptung in
Zweifel, daß sie auf ein Hilfeersuchen einer legitimen afghanischen "Führung"
geantwortet hätten.

Präsident Taraki, so betonen sie, "wurde Mitte September

durch einen Gewaltstreich gestürzt.
dazu auffordern können.

Sein Nachfolger Amin hätte die Sowjets

Aber wenn er dies getan, hätte, hätte er es sicherlich

nicht in der Absicht getan, seine eigene Exekution zu beschleunigen."
Man weist in Washington in diesem Zusammenhang darauf hin, daß Präsident
Babrak Karmal in Afghanistan erst nach dem Coup und dem Beginn der Invasion
eingetroffen ist. "Die erste Ankündigung, daß Babrak Amin ersetzt habe, erfolgte von Sendern in der Sowjetunion, die Frequenzen benutzten, die den Eindruck erwecken sollten, daß es sich um Radio Kabul handelte. Obwohl der Sender Kabul einem Angriff sowjetischer Streitkräfte ausgesetzt war, setzte er
seine normale Sendefolge mindestens eineinhalb Stunden über den Zeitpunkt hinaus fort, an dem die besagten Ankündigungen erstmals zu hören waren," betonte
ein Sprecher in Washington.
Bezugnehmend auf die Behauptung der Prawda, Afghanistan sehe sich einer
"Bedrohung von außen" ausgesetzt, die von Lagern in Anrainerstaaten ausgeht,
wo ausländische Berater afghanische Flüchtlinge militärisch ausbilden, betonen amerikanische Regierungskreise, daß weit über 500 000 Afghanen, darunter
zahlreiche Frauen und Kinder, in Folge politischer Unterdrückung und religiöser Verfolgung aus ihrer Heimat geflohen sind und Zuflucht in Pakistan gesucht haben.
"Wenngleich
- 2 -

�"Wenngleich nicht zu leugnen ist, daß Flüchtlinge aus solchen Lagern nach
Afghanistan zurückgekehrt sein mögen, um dort zu kämpfen," betont man amerikanischerseits, "stellen diese Lager keineswegs militärische Ausbildungsbasen
und auch keine Bedrohung Afghanistans oder der Sicherheit der Sowjetunion dar."

Die Sowjets behaupten auch, die Vereinigten Staaten verstärkten ihre Streitkräfte im Gebiet des Persischen Golfs als ein Teil ihrer Anstrengungen, "eine
amerikanische militärische Überlegenheit herzustellen."

Amerikanischerseits

hält man dem entgegen, den Sowjets müsse aus öffentlichen und vertraulichen
Äußerungen bekannt sein, daß die amerikanischen Streitkräfte im Indischen Ozean
nicht gegen die Sowjetunion aufgeboten wurden und aufgeboten sdhd, und daß
die Vereinigten Staaten niemals die Absicht hatten, sich in Afghanistans innere Angelegenheiten einzumischen.

"Unsere Entscheidung, eine Streitmacht für rasche Reaktionen zu bilden
und uns um den Zugang zu militärischen Anlagen im Nahen Osten für die Verwendung in einem Ernstfalle zu bemühen, wurde vielmehr in Erwiderung

auf die Be-

drohung unternommen, die die Sowjetunion für die leichtverletzlichen Staaten
in diesem Raum darstellt.

Nicht die Sowjetunion zu bedrohen, sondern zu dem

Zweck wurden diese Maßnahmen ergriffen, daß wir eine Position erlangen, unsere
Interessen wie auch die unserer Verbündeten und Freunde gegen den sowjetischen
Expansionismus verteidigen zu können."

In Klarstellung der amerikanischen Haltung unterstrich Präsident Carter,
daß die Vereinigten Staaten als "die andere Supermacht der Erde".eine "Verantwortung tragen", starke Maßnahmen zu ergreifen, um der Sowjetunion die
Kosten ihres Verhaltens wie auch die Entschlossenheit und die Willensstärke
des amerikanischen Volkes klar vor Augen zu führen.

Regierungssprecher in Washington weisen darauf hin, die sowjetischen
Maßnahmen in Afghanistan seien in klarer Verletzung des Völkerrechts wie auch
der Charta der Vereinten Nationen erfolgt, die die Androhung oder die Verwendung von Gewalt gegen die territoriale Integrität oder politische Unabhängigkeit eines jeden Landes verbieten.
- 3 -

In
-~

�In ähnlicher Weise, so wird betont, stellt das sowjetische Vorgehen
eine direkte Verletzung der Bestimmungen des 1978 abgeschlossenen sowjetischafghanischen Vertrages der Freundschaft, guten Nachbarschaft und Zusammenarbeit dar, der von der "Achtung der natioanlen Souveränität" und "der gegenseitigen Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten des anderen" spricht.
Der Versuch, die Schuld an der Zunahme der internationalen Spannungen
den Vereinigten Staaten in die Schuhe zu schieben und letztere als Grund der
Rechtfertigung der sowjetischen Invasion in Afghanistan auszugeben, "kann
nur als eine den Eigenihteressen dienende Verdrehung der Wahrheit angesehen
werden, die die Aufmerksamkeit von der wahren Ursache der derzeitigen Spannungen ablenken soll:

die brutale und zynische sowjetische Aggression gegen

ein blockfreies Land," betont man offiziellerseits in USA.
In dem Leitartikel der Prawda wird die Behauptung aufgestellt, die CarterAdministration messe dem Vertrag zwischen den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion über die Begrenzung der strategischen Waffen (SALT II) "geringstmögliche Dringlichkeit" bei.
Dagegen machen amerikanische Regierungskreise deutlich, daß der Präsident
erst kürzlich die Verpflichtung der Vereinigten Staaten gegenüber SALT bekräftigt und dessen zunehmende Bedeutung in einer Zeit der Spannung festgestellt
hat. "Die Vereinigten Staaten haben die Absicht zum Ausdruck gebracht, auch
weiterhin keinerlei Schritte zu unternehmen, die nicht mit der Bestimmung
des SALT I-Zwischenabkommens in Einklang stehen und nichts zu tun, was Ziel
und Zweck des SALT II-Vertrags vereiteln könnte," stellen diese Kreise
fest.
Sie weisen darauf hin, daß es eine allgemein bekannte Tatsache sei, daß
die NATO-Entscheidung über die Modernisierung der nuklearen Mittel Streckensysteme (TNF) vom 12. Dezember 1979 vor dem Hintergrund der anhaltenden und
bedeutsamen Ausweitung der sowjetischen Mittel Streckenkapazitäten stattfand,
die gegen Europa gerichtet sind. Insbesondere die Dislozierung der SS-20,

- 4 -

�SS-20, einer mobilen Rakete mit Mehrfachgefechtsköpfen, die eine stark verbesserte Zielgenauigkeit hat, stelle eine wesentliche Verstärkung der sowjetischen
Kapazität dar. Gegenwärtig habe die NATO dieser Kapazität nichts Gleichwertiges
entgegenzusetzen.
Gleichzeitig wird betont, daß die NATO-Entscheidung ausdrücklich das Interesse der Verbündeten unterstreicht, Begrenzungen bei Mittel Streckenwaffen in
Europa durch Rüstungskontroll Verhandlungen mit der Sowjetunion zu erzielen.
Das am 12. Dezember 1979 von den Außen- und Verteidigungsministern der NATO
veröffentlichte gemeinsame Kommunique betonte die "große Bedeutung" von Rüstungskontrolle "als Beitrag zu einer stabileren militärischen Beziehung zwischen Ost
und West und zur Förderung des Entspannungsprozesses." Die Minister sprachen
sich für die Einbeziehung bestimmter amerikanischer und sowjetischer weiterreichender TNF-Systeme ("long-range Theater Nuclear Systems") in die laufenden
Rüstungskontroilanstrengungen aus, um ein stabileres Gesamtgleichgewicht bei
geringerem Umfang der Anzahl von Kernwaffen auf beiden Seiten zu erzielen.
Amerikanische Regierungskreise erwähnen besonders, daß die "kollektive
Natur" der NATO-Entscheidung "in sich selbst den sowjetischen Vorwurf widerlegt, sie seien in irgendeiner Weise den NATO-Verbündeten durch die Vereinigten
Staaten aufgezwungen worden."
Unter Hinweis auf die sowjetische Beschuldigung, die Regierung Carter
habe "die berüchtigte China-Karte" ausgespielt, stellen diese Kreise weiter
fest, daß die Reise von Verteidigungsminister Harold Brown vom 6. - 13. Januar
1980 "schon lange vor der sowjetischen Invasion in Afghanistan geplant und eine
ganz natürliche Folge des Prozesses der Normalisierung der amerikanischchinesischen Beziehungen war."
"Dieser Besuch richtete sich nicht gegen die Sowjetunion",so wird erklärt, "sein Zweck war vielmehr die Errichtung einer normalen Beziehung
schen den Verteidigungssystemen beider Länder.

- 5-

zwi-

Dennoch gab die Tatsache, daß

�daß die sowjetische Invasion unmittelbar vor dem Besuch stattfand, diesem
zusätzliche Bedeutung."

Diese Kreise stellen fest, daß die Chinesen, "eben-

so wie die meisten Staaten der internationalen Gemeinschaft" die amerikanischen Bedenken hinsichtlich der Bedrohung des Friedens teilen, den die
sowjetischen Schritte darstellen.

+ + + + +

�31
I a

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

20. Februar 1980

12

DIE BEDEUTUNG WISSENSCHAFTLICHER OST-WEST-KONTAKTE
- USICA-Interview mit Dr. Philip Händler, Präsident
der Nationalen Akademie der Wissenschaften -

- (AD) - Den grundsätzlichen Standpunkt seines Landes zum wissenschaftlichen Austausch zwischen Ost und West angesichts der weltpolitischen
Spannungen hat der Präsident der amerikanischen Nationalen Akademie der
Wissenschaften (NAS), Dr. Philip Handler, in einem Interview mit dem
Korrespondenten des US-Amtes für Internationale Kommunikation (USICA),
Michael Saks, dargelegt. Dr. Handler ist der Leiter der amerikanischen
Delegation auf dem Hamburger Wissenschaftsforum der 35 Staaten, die 1975
die Schlußakte der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa KSZE - unterzeichnet haben, das am 18. Februar 1980 begann und bis zum
2. März dauert. Der Leiter der amerikanischen Delegation machte folgende
Ausführungen:
FRAGE:

Wie beurteilen Sie als Leiter der amerikanischen Delegation

betiWissenschaftsforum der KSZE in Hamburg die Bedeutung dieser Tagung für
die Vereinigten Staaten?
ANTWORT

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Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�ANTWORT:

Zum einen erfüllen wir mit unserer Teilnahme eine Verpflichtung.

Mit der Unterzeichnung der Schlußakte von Helsinki erklärten wir uns bereit,
an einer Reihe von Sonderkonferenzen teilzunehmen, zu denen das Wissenschaftsforum gehört.

Das ist keine bilaterale Konferenz zwischen den Vereinigten

Staaten und der Sowjetunion, sondern eine Tagung von Delegierten aller
35 Signatarstaaten.

Und was immer vorübergehend unsere Beziehungen zu

irgendeinem der Länder beeinflußt, sollte nicht darüber entscheiden, ob
wir zu einer großen multinationalen Tagung mit alten Freunden oder BeinaheFreunden gehen.
FRAGE:

Ist der eigentliche Wert der Konferenz eher wissenschaftlicher

oder politischer Natur?
ANTWORT:

Wahrscheinlich ist sie mehr von politischer als von wissen-

schaftlicher Bedeutung, aber sicherlich trifft in Wahrheit beides zu
- in dem Sinne nämlich, als das primäre Programm

von Anfang an eine Erörterung

der Mittel und Wege zur Förderung verstärkter Kommunikation und eines
verstärkten Austausches in bezug auf Wissenschaftsfragen unter allen
Signatarmächten, und natürlich ganz besonders über die Ost-West-Grenzen
hinweg war.

Das ist noch immer ein vernünftiges Ziel, auch wenn im

gegenwärtigen Augenblick die Beziehungen zur Sowjetunion vor allem durch
Afghanistan belastet sind.
Es sind Delegierte von all den anderen osteuropäischen Nationen
anwesend, und unter den gegenwärtigen Umständen ist es wichtiger denn je,
daß wir Beziehungen zu den anderen osteuropäischen Nationen unterhalten,
die so herzlich wie nur irgend möglich sind.

Kommunikation und Austausch

in den Wissenschaften sind dafür besonders gut geeignet und erleichtern sie.
FRAGE:

Es gab in den Vereinigten Staaten Stimmen, diese Konferenz

zu boykottieren.

Wie stehen Sie dazu?
ANTWORT

�ANTWORT:

Wenn der Boykott ein Mittel ist, einer der 35 Nationen

unsere Besorgnisse zum Ausdruck zu bringen, so verstehe ich nicht, weshalb
wir nicht gehen sollten, um mit den anderen 34 zu reden. Außerdem halte
ich dies für eine viel zu gute Gelegenheit, als daß sie versäumt werden
dürfte, um unserem Lande eine Chance zu geben, Auge in Auge mit der gesamten
Delegation der Sowjetunion dieser die wahre Tiefe der Sorge der amerikanischen
Wissenschaftlergemeinschaft kundzutun.
ihrer Regierung zur Kenntnis bringen.

Die Russen können dann das Gehörte
Wenn wir jedwede Kommunikation

abschneiden, verlieren wir unser Blickfenster zur Gemeinschaft der sowjetischen
Wissenschaftler.

Wir würden dann die einzigen offenen Kommunikations-

kanä'le verschließen.

Das hätte meines Erachtens katastrophale Folgen.

Reden mag wertlos erscheinen.

Aber wir müssen es weiterhin versuchen,

denn irgendwo in der Zukunft lauert das Gespenst des Atomkrieges; und
diesen mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln zu verhindern, ist
gewiß jede Mühe wert.

Deshalb sollten diejenigen von uns, die dank

wissenschaftlicher Austauschprogramme bis zu einem gewissen Grade Zugang
zu sowjetischen Ohren haben, diese Chance nutzen.
Wir sind beunruhigt, daß jene Personen in der Sowjetunion, die
Sektionen von Amnesty International und Organisationen zur Beobachtung der
Einhaltung des Abkommens von Helsinki geschaffen haben, sich nicht mehr
in der Lage sehen, diese lebensfähig zu erhalten. Sie wurden belästigt,
gestoppt, und einige wurden sogar wegen dieser Aktivitäten eingesperrt.
Wir beabsichtigen darüber mit der sowjetischen Delegation ein ernstes Wort
zu reden.
Und wir haben in die Waagschale zu werfen, daß der wissenschaftliche
Austausch des Westens voll und ganz von der freiwilligen Mitarbeit und dem
begeisterten Einsatz seiner Wissenschaftlergemeinschaft abhängt.

Wenn diese

unterbunden werden, kann weder die NAS noch der Kongreß der Vereinigten Staaten
ein Austauschprogramm zuwege bringen.

Und sie sind dabei, unterbunden

- 3 -

^

�zu werden.

Durch die jüngsten Ereignisse im Zusammenhang mit Andrej

Sacharow ist dies sehr, sehr nahe gerückt.
FRAGE:

Wie ist die Reaktion der amerikanischen Wissenschaftler auf

die Verhaftung und Verbannung Dr. Sacharows?
ANTWORT: Sie sind offensichtlich sehr beunruhigt. Sacharow ist eine
überaus ungewöhnliche Persönlichkeit. Man nannte ihn "das Gewissen der
Menschheit". Vielleicht ist er das. Es waren Russen, die ihn mir als
einen "lebenden Heiligen" beschrieben. Er war ein wahrhaft großer
theoretischer Physiker; seine Leistungen sind über jeden Zweifel erhaben.
Es beunruhigt uns sehr, daß ein Mann, dessen Schriften - so unangenehm
sie auch für die regierenden Kreise in der Sowjetunion sein mögen - voll
und ganz dem Wohl der Menschheit gelten, aus eben diesem Grunde eingekerkert
werden soll. Ich bin in der Tat besorgt, daß die gegenwärtige Situation
nicht lange währen wird. Ich kann mir nicht vorstellen, daß er sich in
Gorki nicht äußert und untätig ist. Er wird sicherlich in naher Zukunft
etwas sagen oder tun, was die sowjetische Regierung als Provokation betrachtet,
und ich weiß nicht, was dann geschehen wird.
FRAGE: Welches sind einige der Fragen, die unsere Delegierten wahrscheinlich ihren sowjetischen Kollegen stellen wollen?
ANTWORT: Ich glaube, daß die Fragen, die wir stellen wollen, weniger
wichtig sind als die Sorgen, mit denen wir kommen. Wir haben ein Paket
maßvoller, konstruktiver Vorschläge über erweiterten Austausch in ganz
Europa im Rahmen des wissenschaftlichen Porgramms dabei. Das bedeutet
beispielsweise Austausch im Zusammenhang mit Nahrungsmittel Versorgung,
Verbesserung des öffentlichen Gesundheitswesens, mehr Erkenntnissen über
die Ursachen von Krebs und Herzerkrankungen und Austausch im Zusammenhang
mit neuen Methoden, um der Ausbreitung von Viruskrankheiten Einhalt zu gebieten.
Die

�Die amerikanischen Wissenschaftler sind außerdem über Prozesse einer
Kommunikation sowohl mit Westeuropa als auch Osteuropa ehrlich besorgt.
So haben wir beispielsweise mit Großbritannien, Frankreich und der Bundesrepublik Deutschland keine offiziellen Austauschprogramme.

Wir verlassen

uns auf freiwillig unternommene Aktionen der Gemeinschaft der Wissenschaftler.
Aber die Mittel, mit denen solche Verfahrensweisen gewöhnlich unterstützt
wurden, sind spärlicher geworden.

Ich muß leider sagen, daß unser Austausch

mit dem Westen abgenommen hat. Wir wissen vielleicht weniger darüber, was
in bestimmten Laboratorien in Frankreich, Deutschland und Schweden geschieht,
als was in der Sowjetunion passiert.
FRAGE: Welche Vorteile ergaben sich nach Ihrer Ansicht für die
Vereinigten Staaten in den letzten 20 Jahren aus deren Austauschprogramm
mit der Sowjetunion?
ANTWORT: Sicherlich ist der politische Vorteil am höchsten zu bewerten. Es gab eine Reihe anderer greifbarer Entwicklungen wie z.B. die
Zusammenarbeit in der nuklearen Fusionsforschung. Auch die Zusammenarbeit
in der Raumfahrt fing gerade an, bei der Planetenforschung konkrete
Ergebnisse zu zeitigen und die landwirtschaftliche Forschung war sehr
erfolgreich.
FRAGE: Wie beurteilen Sie Auswirkungen der sowjetischen Invasion in
Afghanistan und der Verbannung Sacharows auf die amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen im Wissenschaftsbereich?
ANTWORT:

Ich glaube, wir müssen hier zwischen dem Verhalten der

amerikanischen Regierung als dem einer Regierung und den amerikanischen
Wissenschaftlerkreisen eine Trennung machen.

Unsere Regierung gibt der

Sowjetunion ihr Mißfallen hinsichtlich Afghanistan deutlich zu erkennen.
Ganz

- 5 -

�Ganz abgesehen von der Einschränkung der Getreideverkäufe hat unsere
Regierung beschlossen, den wissenschaftlichen Austausch auf Einzelbesuche
in beiden Richtungen zu begrenzen.

Alle die großen, bilateralen Konferenzen,

die vorgesehen waren, sind auf unbestimmte Zeit verschoben.

Der große

Tunnel für die MHD-Maschine, der hier von der Fa. Westinghouse gebaut wurde
und sich auf dem Weg in die Sowjetunion befand, wird jetzt zurückgehalten.
Und alle übrigen offen sichtbaren Aspekte des Austauschprogramms der
amerikanischen Regierung sind blockiert.
In unseren Programmen an der Nationalen Akademie der Wissenschaften
haben wir im wesentlichen die gleiche Entscheidung getroffen.

Wir unter-

halten eine Reihe bilateraler Seminare, obgleich unser Programm vornehmlich
darin besteht, einzelnen Wissenschaftlern Gastaufenthalte zu ermöglichen.
Wir sagten, daß wir im wesentlichen dasselbe wie die Regierung tun
würden.

Wir wären mit Besuchsreisen einzelner Wissenschaftler in beiden

Richtungen einverstanden.

Und ob sich dann der eine oder andere Amerikaner

dafür entscheidet, nicht zu gehen, muß er mit seinem eigenen Gewissen ausmachen.

Wir haben die Abhaltung der großen bilateralen Seminare, für die wir

verantwortlich sind, zunächst verschoben.
FRAGE:

Welchen Umfang wird nach Ihrer Meinung der wissenschaftliche

Austausch zwischen den Vereinigten Staaten und osteuropäischen Ländern
künftig haben?
ANTWORT: Wir erwarten jetzt, daß er planmäßig weitergeht. Wenn die
Dinge so laufen, wie wir es in der Akademie und in der Regierung gerne
sähen, würden diese Austauschvorhaben in keiner Weise von unserem Verhältnis
zur Sowjetunion beeinflußt.
FRAGE:

Mit welchen osteuropäischen Ländern außerhalb der Sowjetunion

haben wir die aktivsten Austauschprogramme?
ANTWORT
- 6 -

�ANTWORT:

Der Austausch über die Nationale Akademie der Wissenschaften

mit der Tschechoslowakei, mit Ungarn und Polen hat etwa die gleichen Größenordnung.

Mit Jugoslawien ist er etwas umfangreicher als mit den erstgenannten

Ländern, mit Rumänien und Bulgarien etwas geringer.
wir ein Austauschprogramm mit Ostdeutschland.

Vor kurzem begannen

Wir nahmen die Gespräche mit

den Ostdeutschen darüber bereits auf, als es noch keine diplomatischen
Beziehungen zwischen unseren Ländern gab.
Das Programm der Akademie mit den Sowjets reicht bis 1958 zurück- es
begann fast zwei Jahrzehnte früher als das Regierungsprogramm.
Wir brachten im Jahr 1972 Gespräche mit den Chinesen und Austauschprogramme in Gang, also weit vor der Änderung in den Beziehungen der beiden
Regierungen. Diese Art von Erörterungen und Aktivitäten haben sicherlich
den Weg geebnet.

+ + + + +

- 7 -

�3
I 3
12

UUi//cn/choft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America
20. Februar 1980

LIZENZ FÜR AKUSTISCHES MIKROSKOP AN FA. LEITZ

- (AD) - Die Stanford-Universität (Kalifornien, USA) vergab an die
Fa. Ernst Leitz in Wetzlar die Lizenz zum Bau des sog. akustischen Mikroskops.
Wie Niels J. Reimers, der an der Stanford-Universität für TechnologieLizenzabkommen zuständig ist, dazu erklärte, wurden nunmehr die Voraussetzungen
geschaffen, das in fünfjähriger Gruppenarbeit entwickelte Ultraschallmikroskop auf den Markt zu bringen. Die Entwicklungen standen unter der
Leitung von Prof. Calvin F. Quate vom Department für angewandte Physik und
Elektrotechnik.
Die Arbeitsweise des Instruments beruht auf dem Prinzip, Objekte, die
mit bloßem Auge nicht wahrnehmbar sind, mit Schallwellen sehr hoher
Frequenz - 500 Millionen bis 1 Milliarde Schwingungen in der Sekunde abzutasten, die am Objekt entstehenden Echosignale mittel eines piezoelektrischen Transducers in elektrische Signale umzuwandeln und auf einem
Bildschirm sichtbar zu machen. (Zum Vergleich: Das menschliche Ohr
vermag "normale" Schallwellen mit etwa 20 bis 20 000 Schwingungen pro
Sekunde zu erfassen.)
Mit

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Telex:08-85432

�Mit der Stanford-Entwicklung erhielt die Ultraschall-Technik nicht
nur Eingang in einen Bereich der Mikroweit, der bisher dem optischen
Mikroskop vorbehalten war, sondern sie vermochte diesen sogar zu erweitern.
Denn durch die Sondierung mit Ultraschall wellen werden in zahlreichen
Fällen Details erkennbar, die bei der Betrachtung unter dem Lichtmikroskop
überhaupt nicht in Erscheinung treten.

So werden u.a. an biologischen

Präparaten wie Zellen, ja sogar bei Komponenten des Zellkerns innere
Strukturen sichtbar und in mehrtausendfacher Vergrößerung abgebildet.

Man

hofft, mit der Zeit die Technik so zu verbessern, daß auch die lebende Zelle
der mikroskopischen Ultraschall-Untersuchung zugänglich wird.
Wie Prof. Quate erklärte, sind "einige Substanzen durchlässig für
Lichtwellen, nicht aber für akustische Wellen.

Bei anderen Substanzen,

z.B. bei einem metallischen Film, ist es genau umgekehrt.

So lassen sich

mit dem Schallstrahl des akustischen Mikroskops Schichten durchdringen, die
optisch nur schwer oder überhaupt nicht zu untersuchen sind".

Das Ultra-

schallmikroskop erlaubt außerdem die Prüfung bestimmter Eigenschaften
des Objekts, die das optische Bild niemals wiedergeben könnte.

Das kommt

daher, daß z.B. die Dichte, Elastizität und Viskosität des Probenmaterials
die auftreffenden Schallwellen auf typische Weise verändern, was deren
Echos und damit die Wiedergabe des Objekts auf dem Bildschirm beeinflußt.
Dr. Werner A. Noli von der Fa. Leitz rechnet mit der Anwendung des
akustischen Mikroskops vor allem auf dem Gebiet der industriellen Werkstofftechnik, der Elektronik und der biologischen Forschung. In Wetzlar,
am Sitz des Unternehmens mit einer 128jährigen Tradition für den Bau
optischer Geräte, leitet K. Heitmann das gesamte Projekt. Ein Prototyp des
Instruments dürfte nach Meinung Heitmanns in etwa einem Jahr fertiggestellt
sein. Einige Komponenten sollen in den Vereinigten Staaten hergestellt
werden; Verhandlungen mit amerikanischen Elektronik-Firmen über diesen
Plan sind noch im Gange.

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�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Langfristige nukleare Entsorgung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Präsident Carter kündigt Sonderprogramme an -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Pressekonferenz Präsident Carters vom 13. Februar 1980&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung des amerikanischen Außenministers vor der Vollversammlung des IOC&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA würdigen Schlussbericht der Brandt-Kommission&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Presseverlautbarung der IDCA -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sowjetische Beschuldigung gegen die USA "vollkommen aus der Luft gegriffen"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Bedeutung wissenschaftlicher Ost-West-Kontakte&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- USICA-Interview mit Dr. Philip Handler, Präsident der Nationalen Akademie der Wissenschaften -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Lizenz für akustisches Mikroskop an Fa. Leitz</text>
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                    <text>20. Februar 1985
INHALT

»

INFORMATION
USIA-DIREKTOR LÄ'PT SOWJETS ZU INFORMATIONSAUSTAUSCH EIN
- Schreiben Wicks an Samjatin DOKUMENTATION
Strategische Verteidigung und Rüstungskontrolle
- Rede von Unterstaatssekretär Richard Burt HINTERGRUND
Vereinigte Staaten treten für weltweite Achtung der Menschenrechte ein
- Bericht des US-Außenministeriums zur Lage der Menschenrechte Sicherheit für Europa: Stockholm im zweiten Jahr
- Von James Goodby
Botschafter und Leiter der amerikanischen Delegation auf der KVAE in
Stockholm WISSENSCHAFT UND TECHNIK
USA und UdSSR setzen wissenschaftliche Zusammenarbeit in der
Klimaforschung fort
Maßnahmen zum Schutz der Ozonschicht
- UN-Expertengruppe l e g t Konventionsentwurf vor -

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel

: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�20. hebruar iya5

8

USIA-DIREKTOR LÄEDT SOWJETS ZU INFORMATIONSAUSTAUSCH EIN
- Schreiben Wicks an Samjatin -

WASHINGTON

-(AD)

-Der

Direktor

des

amerikanischen

Informationsamtes

(USIA), Charles Z. Wick, hat in einem Schreiben an den Leiter der Internationalen Informationsabteilung der KPDSU, Leonid Samjatin, die Sowjetunion zu einem gegenseitigen Zugang zum Fernsehen eingeladen. Wick stellte sich im "National Press Club" in Washington am 12. Februar 1985 der
internationalen Presse und gab auch den Inhalt des Schreibens bekannt,
das vom 25. Januar datiert. Darin hatte Wick die Kritik an seinem Amt zurückgewiesen, die Samjatin in einem Artikel der sowjetischen 'Viteraturnaja Gaseta" geäußert hatte, und betont, daß solche Angriffe positiveren
amerikanisch-sowjetischen Beziehungen "sicherlich nicht dienlich" seien.
Viel nützlicher sei ein positiver Dialog, wie er beispielsweise über das
vom

US-Informationsamt

betriebene

weltweite

Satelliten-Fernsehprogramm

"Worldnet" geführt werden könne. Wick hat die Sowjetunion eingeladen,
sich an diesem internationalen Programm, das auch Themen aus Wissenschaft
und Kultur behandelt, zu beteiligen. Der USIA-Direktor verwies auf Fragen
von sowjetischen TASS-Kprrespondenten auf die Ausgewogenheit der Bericht-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�der Berichterstattung

seines Amtes, das beispielsweise neben der Bot-

schaft über die Lage der Nation des Präsidenten auch die Kritik der Demokraten im Kongreß veröffentlicnt habe.

Das Schreiben von USXA-Direktor Wick hat folgenden Wortlaut:

Sehr geehrter Herr Samjatin,

in den letzten Monaten haben sowjetische Medien eine Keine von Angriffen gegen die öffentliche Diplomatie der Vereinigten Staaten und gegen das amerikanische Informationsamt (USiA), vor allem gegen die Stimme
Amerikas und unser neues Worldnet-Satelliten-Fernsehprogramm gerichtet.
Ihr Artikel in der Literaturnaja Gaseta ("Engpass der Konfrontationen und
Horizonte der Zusammenarbeit" vom 28. November 1984) faßt die meisten
dieser Behauptungen zusammen und ist typisch für die dahinter stehende
Geisteshaltung. Ich fühle mich veranlaßt, jetzt auf die anhaltende Flut
der Angriffe zu antworten, weil in einer Zeit, in der unsere beiden Regierungen

dabei

sind,

lebenswichtige

Fragen

ernsthaft

zu

sondieren,

solche Angriffe positiveren Beziehungen sicherlich nicht dienlich sind.

Meine Hoffnung geht dahin, einen konstruktiven Dialog zustande zu
bringen. Um diesen Dialog einzuleiten, macne ich zwei konkrete Anyebote.
Als erstes möchte ich Sie bitten, Ihren Einfluß geltend zu machen, um
Sendemedien

für

eine

weitere

gegenseitige

Verständigung

nutzbar

zu

machen. In dieser Hinsicht schlage ich vor, daß Sie mit dem sowjetischen
Fernsehen vereinbaren, die Ansprache eines unserer führenden Politiker zu
übertragen, wofür im Gegenzug das amerikanische Fernsehen einen ihrer
führenden Politiker zu Worte kommen lassen könnte. Dafür gibt es einen
Prasezenzfall: Breschnew und Nixon haben vor einigen Jahren solche Reden
mit beachtlicher positiver Wirkung gehalten.

Zweitens schlage ich vor, daß wir den Dialog fortsetzten, indem Sie
und andere sowjetische Regierungsvertreter und Journalisten an dem Worldnet-Programm teilnehmen, das Sie so sehr kritisieren. Wir könnten gemein-

�könnten gemeinsam einen ein- bis zweistündigen Satelliten-Fernsehdialog
im Worldnet-Programm planen, in dessen Rahmen sowjetische Journalisten
leitende amerikanische Regierungsvertreter zu Fragen gemeinsamen Interesses interviewen. Gleichzeitig sollten Sie mit amerikanischen Medien ein
ähnliches Programm planen, in dessen Rahmen amerikanische Journalisten
frei und spontan leitende sowjetische Regierungsvertreter befragen. Gerade zu einem so wichtigen Zeitpunkt in unseren Beziehungen könnten solche
Vorhaben dazu beitragen, die Kommunikation vernünftiger und wechselseitiger zu gestalten.

Im übrigen bin ich über Ihre ungerechtfertigte Kritik an Worldnet und
an unserem Amt nicht überrachst. Ich habe eigentlich damit gerechnet. Sie
sollten jedoch erkennen, dati unser t_and nicht, wie Sie das tun, behauptet, gegensätzliche Ideen würden unser System "untergraben". So erlaubt
unsere Gesellschaft ohne Einschränkung sowjetischen Sprechern, ihre Auffassungen im amerikanischen Fernsehen und in den Druckmedien darzulegen.
In dieser Hinsicht darf ich feststellen, daß sowjetische Journalisten und
sowjetische Regierungsvertreter irn wahrsten Sinne des Wortes dutzendemal
im Jahr im amerikanischen Fernsehen interviewt

werden. Es ist jetzt

sicherlich die Zeit für größere Gleichheit in der Behandlung gekommen.

Wenn die Vereinigten Staaten vertrauensvoll gegensätzliche Meinungen
tolerieren können, ohne eine "Schwächung" des Systems zu befürchten, warum sollte dann die sowjetische Regierung so restriktiv handein - selbst
bis zu dem Punkt der Stoerung unserer Sendungen in direkter Verletzung
mehrerer internationaler Abkommen, deren Signaturstaat die Sowjetunion
ist? Warum wollen Sie keine größere unabhängige, öffentliche Nachfrage
nach Entscheidungen und Politik ihrer Regierung zulassen.' Warum sollte es
umgekehrt nicht amerikanischen Regierungsvertretern

erlaubt sein, ihre

Auffasssung im sowjetischen Fernsehen und in den sowjetischen Medien darzulegen? Unsere Gesellschaft ist noch nie vor einer fairen Herausforderung davongelaufen, und wir erwarten eine friedlichen Wettbewerb der
Ideen mit der UDSSR.

Ihr Artikel ist der Beweis für die Notwendigkeit eines solchen ver-

�solchen vernünftigen und offenen Dialoyes. Beschuldigungen wie "Wellenpiraterie"; "Rundfunkkrieg", "subversive Zwecke" und "Fernsehpropaganda-Aggression" verschärfen nur die "£ngpässe" und "Konfrontationen". Wenn das
zu einer Zeit geschieht, in der die Führer unserer beiden Länder nach
Mitteln und Wegen suchen, um über bedeutsame Rüstunyskontroilanstrenyungen zu sprechen und über Mittel und Wege, um die

Beziehungen zu stabili-

sieren, dann sind Ihre Angriffe höchst unglücklich. Jeder, der sich über
die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen Sorgen macht, hat sicherlich
ein Recht darauf, größere Zurückhaltung und Genauigkeit zu erwarten.

Auch wenn ich in diesem Schreiben nicht versuchen will, auf die vielen Fehler und Unrichtigkeiten in Ihrem Artikel einzugehen, so möchte ich
doch die Rolle und die Aufgabe des amerikanischen Informationsamtes, vor
allem der Stimme Amerikas und des Worldnet-Programms, richtigsteilen.

USIA gibt sich nicht mit falschen Darstellungen der sowjetischen Aussenpolitik ab, wie Sie behaupten. Seine Hauptaufgabe besteht darin, Amerika der Welt bekanntzumachen und den Menschen in der ganzen Welt die
amerikanische Außen- und Innenpolitik zu erläutern. Wenn wir das tun,
dann bringen wir gute und schlechte Nachrivhten.

Die Stimme Amerikas ist eine hervorragende Quelle von Nachrichten und
Informationen über die Vereinigten Staaten - unsere Politik, Gesellschaft, Kultur und Wertvorstellungen. Durch Gesetz der Vereinigten Staaten ist die Stimme Amerikas verpflichtet, "richtige, objektive und umfassende" Informationen zu liefern, sich an die Wahrheit zu halten und als
eine "konsequent zuverlässige und sachkundige Nachrichtenquelle" zu fungieren. Über lüO Millionen Menschen in der Welt hören jede Woche die
Stimme Amerikas - alle tun dies freiwillig und manche riskieren dabei die
eigene Sicherheit.

Wenn wir unsere Sendeanlage modernisieren und verbessern und eine
größere Hörerschaft ansprechen wollen, dann besteht unser Ziel darin, einem größeren Teil der Weltöffentlichkeit zu ermöglichen, das zu erfahren,
was in den Vereinigten Staaten vorgeht, um sie besser in die Lage zu ver- 4 -

�zu versetzen, sich ein unabhängiges Urteil über diese Vorkommnisse zu
bilden.
Worldnet ist ein modernes Fernsehsystem, das Washington über Satelliten mit amerikanischen Botschaften, Informationzentren und einer Reihe
von Studios in aller Welt verbindet. Worldnet wird den Lmpfängerländern
nicht aufgezwungen. Den Journalisten in den teilnehmenden Ländern ist es
freigestellt, das Programm auszuwählen, über das sie senden oder schreiben wollen - oder auch gar nicht.

Worldnet versetzt Journalisten im Ausland in die Laye, hochgestellten
amerikanischen Regierungsvertretern über Satellit spontan direkte Fragen
zu stellen. Ihre Vertreter von TASS, Prawda und anderen

sowjetischen Pu-

blikationen sind bei offiziellen amerikanischen Pressekonferenzen willkommen. Sie sind dies aucn als Beobachter in unserem Worldnet-Studio.

Die Zulassung eines freien Informationsflußes liegt im besten Interesse unserer beiden Gesellschaften und ist eine notwendige Antwort auf
unsere Zeiten. Die irreversible Revolution auf dem Gebiet des Fernmeldewesens, die eine sofortige und umfassende Verbreitung von Nachrichten erlaubt, wird es immer schwerer machen, den Zugang der Menschen zu den Informationen einzuengen.

Alle Länder sollten das letztlich begrüßen. Mißverständnisse und Unwissenheit dienen nur dazu, Spannungen in den internationalen Beziehungen
zu verschärfen. Unsere VöJker müssen mehr über einander erfahren. Wir
Amerikaner haben uns fest vorgenommen, den Völkern der Sowjetunion - und
der Weltgemeinschaft - ein genaues Bild der Vereinigten Staaten zu liefern. In ähnlicher Weise hoffen wir, das Verständnis unseres Volkes für
die UDSSR vertiefen zu können.

ich hoffe, daß Sie sowjetischen Journalisten und Fernsehkommentatoren
ermöglichen werden, aktiv und schon sehr bald an Worldnet-Interviews mit
führenden amerikanischen Politikern teilzunehmen, die in der UUSSR ausgestrahlt werden. Umgekehrt sollten amerikanische Journalisten eine gleiche
Gelegenheit erhalten, Ihre führenden Politiker für Sendungen in den USA
- 5 -

�den USA interviewen zu können. Dieser direkte Dialog würde die "Horizonte
der Zusammenarbeit" ausweiten, auf die Sie in Ihrem Artikel nicht näher
eingingen. Aber auch Sie müssen sich dafür einsetzen.
Ich sehe Ihrer Antwort auf mein Angebot entgegen, daß wir Fernsehinterviews mit führenden amerikanischen und sowjetischen Politikern austauschen und daß sowjetische Journalisten und Regierungsvertreter an einem
Worldnet-Dialog mit führenden amerikanischen Kegierungsvertretern

über

Fragen von beiderseitigem Intersse teilnehmen können.
gez. Charles Wick

- 6 -

�20. rebruar lyöi

8

STRATEGISCHE VERTEIDIGUNG UND RÜSTUNGSKONTROLLE
- Rede von Unterstaatssekretär Richard Burt -

Brüssel -(AD)- Am 13. Februar 1^83 hielt der Unterstaatssekretär für
europäische Angelegenheiten im amerikanischen Muldenministerium, Richard
Burt, vor dem belgischen Königlichen Institut für Internationale Beziehungen in Brüssel eine Rede, in der er u.a. auf Unstimmigkeiten in der
sowjetischen Argumentation gegen die Strategische Verteidigungsinitiative
(Strategie Defense Initiative = SDI) der Vereinigten Staaten hinwies und
die Rolle der Weltraumwaffen bei den kommenden amerikanisch-sowjetischen
Rüstungskontrollverhandlungen in Genf erörterte. Burts Rede hat folgenden
Wortlaut:
Ich meine, dald dies der richtige Zeitpunkt ist, um über Fragen des
Bündnisses, der Rüstungskontrolle und der Sicherheitspolitik zu sprechen,
und zwar nicht nur deshalb, weil wir uns hier in Brüssel befinden und
weil wir alle wissen, daß in Belgien eine sehr lebhafte Debatte über diese Fragen im Gange ist, sondern auch, weil wir mitten in der Endphase unserer Vorbereitungen für eine neue, wichtige Verhandlungsrunde mit den
Sowjets stehen, die in Genf stattfinden wird.
Ich meine

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Ich meine daher, daß wir alle ein wenig Zeit darauf verwenden sollten, einmal eine Bestandsaufnahme vorzunehmen, und daß ich im besonderen
ein wenig Zeit darauf verwenden sollte, zu erläutern, wie wir in Washington an diesen Prozeß herangehen und welche Art von Gesprächen und Konsultationen wir innerhalb des Bündnisses führen. Ich hoffe auch, daß ich Gelegenheit haben werde, Ihnen zuzuhören, Ihre Fragen zu beantworten und
Ihre Ansichten zu diesen wichtigen Fragen zu hören.

Da die Verhandlungen, die im März in Genf beginnen werden, in aller
Munde sind, möchte ich gern zunächst einige Worte dazu sayen. Diese neuen
Verhandlungen werden sehr umfassend sein. Die Spannbreite der Kernwaffenfragen, die zu behandeln sein werden, wird größer sein als jemals zuvor.
Es wird nicht mehr einfach nur um Mittelstreckenwaffen, sondern auch um
strategische bzw. Interkontinentalwaffen und Weltraumsysteme gehen.

Diese neuen Verhandlungen werden komplex sein. Noch bevor wir am Verhandlungstisch Platz genommen haben, sind zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion eindeutige Meinungsunterschiede über die Beziehung, in der diese Themenbereiche untereinander stehen, zu Tage getreten.
Je weiter die technische Entwicklung voranschreitet, desto komplexer wird
darüberhinaus jeder dieser Themenbereiche. Die Auswirkungen der Verhandlungen werden sich nicht nur auf unmittelbare Probleme erstrecken - wobei
z.B. die wachsende nukleare Bedrohung des Bündnisses durch die Sowjets,
etwa durch die fortwährende Aufstellung neuer SS-2ü-Raketen, zu nennen
wäre -, sondern auch auf längerfristige Fragen. Die Verhandlungen könnten
sehr wohl Auswirkungen auf die Entwicklung der internationalen Sicherheitslage in den neunziger Jahren und bis ins 21. Jahrhundert hinein haben. Wir sehen uns daher bei diesen Verhandlungen Schwierigkeiten von
ganz neuer Tragweite gegenüber.

Es gibt politische Probleme, besonders für uns, denn wenn wir mit der
Sowjetunion verhandeln, werden sowohl die Sowjets als auch wir bestrebt
sein, die Unterstützung des gleichen Publikums, nämlich der öffentlichen
Meinung des Westens, zu gewinnen. Die öffentliche Meinung des Westens
bildet das Publikum, an das sich sowohl Moskau als auch das Bündnis wenden werden.
Ungeachtet dieser

�Ungeachtet dieser politischen Probleme und der technischen Komplexität der Materie darf ich Ihnen versichern, daid Präsident Reagan der ehrlichen Überzeugung ist, daü diese neuen Verhandlungen uns die seit vielen
Jahren beste Chance bieten, bezüglich einer erheblichen Verminderung der
strategischen Kernwaffen wie auch im Hinolick auf die Herstellung staDi• lerer strategischer Verhältnisse zwischen der NATO und dem Warschauer
Pakt echte Fortschritte zu erzielen.

Der Gegenstand meiner Darlegungen neute abend ist eigentlich ganz
einfach. Es geht mir darum zu erläutern, warum wir den kurzfristigen Verlauf dieser Verhandlungen nicht vorhersagen können. Von einem sind wir
jedoch fest überzeugt: Wenn das NATO-Bündnis einmütig an einer schlüssigen und widerspruchsfreien Verhandlungsposition festhält, dann haben wir
im Westen guten Grund, den kommenden Verhandlungen in Genf mit Optimismus
entgegenzusehen.

Ob bei den neuen Verhandlungen in Genf Erfolge erzielt werden können
- seien es Erfolge im Hinblick auf eine Einigung auf den verschiedenen
Verhandlungsgebieten oder Erfolge im Hinblick auf die Herstellung eines
umfassenderen politischen Verständnisses zwischen Ost und West -, wird
letztendlich von der Geduld, dem Realismus und der Stärke der transatlantischen Partnerschaft abhängen.

Wir in Washington sind zu der Auffassung gelangt, daU wir in diese
Verhandlungen mit ehrgeizigen kurz- wie langfristigen Zielen hineingehen
sollten. Das heiüt, wir sind bereit, in Genf eine flexible Haltung einzunehmen.

Die Grundstrategie der Vereinigten Staaten für Genf wird darin bestehen, sich zunächst darauf zu konzentrieren, dem Verfall des ABM-Vertrags
von 1972 Einhalt zu gebieten. Darin besteht unsere Strategie im Bereich
der Defensivsysteme - dem Verfall dieses Vertrags Einhalt zu gebieten. Im
Bereich der nuklearen Üffensivwaffen werden wir uns nauptsächlich um eine
drastische Verringerung der bestehenden Arsenale bemühen, d.h., um eine
Verringerung sowohl der strategischen Systeme interkontinentaler Reichweite als auch der Mittelstrecken- oder INF-Systeme, wie z.ä.
- 3 -

der sowje-

�der sowjetischen SS-zt) und der landgestützten Marschflugkörper und Pershing-II-Raketen der Vereinigten Staaten.

Bis Mitte oder Ende der neunziger Jahren könnte es möglich sein, in
Zusammenarbeit mit den Sowjets im Bereich der Offensivwaffen das strategische Gleichgewicht auf ein sehr viel niedrigeres Niveau zu bringen,
während gleichzeitig beide Seiten mehr Nachdruck auf strategische üefensivsysteme legen. Wie Präsident Reagan in der jüngeren Vergangenheit in
einer Reihe von Erklärungen klargestellt hat, besteht sein Fernziel in
der völligen Beseitigung aller Kernwaffen. Er ist sich jedoch völlig darüber im klaren, daß, wie auch der Vorsitzende Ihres Instituts in seinen
einleitenden Worten ausführte, heute und in der überschaubaren Zukunft
die nukleare Abschreckung ihre Bedeutung behalten wird.

Unsere Position für benf ist also aus einer kurz- wie auch aus einer
langfristigen Perspektive zu sehen. Kurzfristig geht es darum, durch eine
Verminderung der nuklearen Offensivwaffen die Abschreckung zu festigen
und den ABM-Vertrag zu stabilisieren. Langfristig geht es darum, den Prozeu der Verminderung der nuklearen Offensivwaffen immer weiter voranzutreiben, bis er hoffentlich zu einer vollständigen Beseitigung dieser
Waffen führt, und gleichzeitig die Möglichkeit eines gemeinsam zu vollziehenden Übergangs zu einem Konzept zu prüfen, innerhalb dessen strategische Defensivsysteme eine sehr viel größere Rolle spielen würden.
Indem sich die Sowjetunion mit neuen Verhandlungen einverstanden erklärt hat, hat sie die Vorbedingungen fallengelassen, die sie nach ihrem
Auszug aus den Verhandlungen Ende 1983 erhoben hatte. Wir begrüßen das.

Ich meine, es ist wichtig, sich zu vergegenwärtigen, dau die Sowjetunion erst im Juni letzten Jahres erklärt hat, sie sei zu Verhandlungen
über eine Entmilitarisierung des Weltraums bereit, ohne mit einer Rückkehr zu den INF- und START-Verhandlungen einverstanden zu sein. Die Sowjets sagten auch, dau die Vereinigten Staaten einem Moratorium für die
Erprobung von Antisatellitenwaffen zustimmen müßten, wenn Gespräche über
Weltraumfragen in Gang kommen sollten; dies sei eine Vorbedingung.

Sie haben
- 4 -

�Sie haben diese Bedingungen fallengelassen, und wie ich schon sagte,
halten wir dies für ein positives Zeichen. Was jedoch die Verminderung
der strategischen Waffen oder der L^F-Systeme angeht, so haben sie sachlich noch nichts neues geboten. Die Sowjets haben vielmehr versucht, den
Schwerpunkt der neuen Verhandlungen gänzlich auf die sogenannten Weltraum-Angriffswaffen zu verlagern, unter denen sie in allererster Linie
die Strategische Verteidigungsinitiative

tSül) der Vereinigten Staaten

verstehen.

Ich möchte zur SDI einige Worte sagen. Ich meine, daß es an der Zeit
ist, daß die Amerikaner und Europäer offen über die SDI sprechen, um dieses Thema endlich zu entmystifizieren. In den letzten Monaten haben sich
um die SDI einige Legenden gerankt, die meines Erachtens einer genauen
Überprüfung bedürfen.

Die erste dieser Legenden besagt, daß die Vereinigten Staaten durch
dieses Forschungsprogramm - das mit dem ABM-Vertrag von 1972 völlig im
Einklang steht - irgendwie die Militarisierung des Weltraums einleiten
oder vorantreiben wollen. Tatsächlich ist das genaue Gegenteil der Fall.
Es war die Sowjetunion, die den ersten Schritt zur Militarisierung des
Weltraums tat, als sie im Jahre 1957 die erste Interkontinentalrakete der
Welt erprobte, die durch den Weltraum flog. Indem die Sowjetunion in den
sechziger Jahren ein sogenanntes Flugkörpersystem zum Bombenwurf mit partieller Umlaufbahn ^Fractional Ürbital dombardment System) erprobte und
stationierte, setzte sie den Prozeß der Militarisierung

des Weltraums

fort. Indem die Sowjetunion ferner das einzige einsatzfähige Antisatellitensystem der Welt erprobte und stationierte, blieb sie an der Spitze der
Entwicklung auf diesem Gebiet. Ich meine, es ist auch wichtig, sich daran
zu erinnern, daß die Sowjetunion das einzige Land ist, das über ein einsatzbereites ABM- oder Raketenabwehrsystem gegen Ziele im Weltraum verfügt. Man kann deshalb einfach nicht glaubwürdig behaupten, daß die Vereinigten Staaten diejenigen seien, die einen neuen Rüstungswettlauf im
Weltraum auslösten.

Eine zweite Legende, die richtiggestellt werden muß, besagt, daß die
Vereinigten Staaten, vor allem aber die Sowjetunion, ähnliche und einan- 5 -

�und einander entsprechende strategische Doktrinen entwickelt hätten, die
auf der Strategie der "Beiderseitig

Garantierten Zerstörung"

(Mutual

Assured Destruction) beruhen. Wenn man jedoch einfach nur die Fachliteratur, die militärischen Übungen und die militärische Ausrüstung der Sowjets betrachtet, dann wird eines ganz klar: daü die Sowjetunion die Bedeutung der strategischen Verteidigung schon immer verstanden und begriffen hat.
Die Sowjetunion besitzt mehr als 10 U00 Abschußgeräte für Boden-LuftRaketen und damit Möglichkeiten der Luftverteidigung, die auch die Verteidigung gegen Bomber einschließen. Wie ich bereits Demerkte, verfügen
die Sowjets darüberhinaus über das einzige einsatzfähige ABM-System der
Welt, das - wo sonst - um Moskau herum in Stellung gebracht ist. Sie haben ferner eine umfassende Zivilverteidigung zum Schutz ihres zivilen und
militärischen Führungspersonals, und sie betreiben mit großem Nachdruck
ein Forschungs- und Entwicklungsprogramm in technologischen Bereichen wie
z.B. denen der Laser und der aufgeladenen Partikel.
Wir haben unlängst versucht, uns einen Eindruck von den sowjetischen
Rüstungsausgaben während der letzten lü bis 15 Jahre zu verscnaffen und
sind zu dem Schluß gekommen, daß die Sowjets volle 40 Prozent ihrer Gesamtausgaben im Bereich der strategischen Rüstung für üie strategische
Verteidigung aufgewandt haben. Es mutet daher etwas merkwürdig an, daß
die Sowjetunion in dem Augenblick, wo die Vereinigten Staaten ein Forschungsprogramm zur Untersuchung von Möglichkeiten der strategischen
Verteidigung in die Wege leiten, den Vorwurf erheben, daß wir Abkommen
unterminieren, die die strategische Stabilität berühren.
Eine letzte Legende, die mir erwähnenswert erscheint, besagt, daß ein
Forschungsprogramm zur Untersuchung der Möglichkeiten einer strategischen
Verteidigung zu einer Abkoppelung der Vereinigten Staaten von ihren europäischen Verbündeten führen könne. Präsident Reagan hat jedoch mit aller
Deutlichkeit gesagt, daß für den Fall, daß eine Entscheidung über die
Einführung neuer strategischer Defensivsysteme getroffen werden sollte was nicht mehr in diesem Jahrzehnt, sondern frühestens in den neunziger
Jahren der Fall sein würde -, diese Systeme nicht nur den Schutz der Ver-

�der Vereinigten Staaten, sondern auch den Europas übernehmen würden.

Wichtiger ist jedoch meines Erachtens, daß wir uns fragen, ob die
Glaubwürdigkeit der von den Vereinigten Staaten gewährleisteten erweiterten Abschreckung durch eine strategische Verteidigung wahrscheinlich erhöht oder wahrscheinlich vermindert werden würde, L S geht, mit anderen
Worten, darum, ob die Vereinigten Staaten dann ein glaubwürdigerer Verbündeter und ein verläßlicherer Partner wären, wenn sie gegenüber einem
sowjetischen Angriff mehr oder weniger verwundbar wären. Ich meine, daß
sehr viel dafür spricht, daß eine umsichtig geplante strategische Verteidigung, wenn sie sich denn als machbar erweisen sollte, eher die Einigkeit und Solidarität des Bündnisses erhöhen als einen Abkoppelunyseffekt
hervorrufen würde.

Um aber noch einmal auf die Verhandlungen zurückzukommen, so werden
die Sowjets mit Sicherheit versuchen, die Frage der Weltraumwaffen in
Genf in den Mittelpunkt zu rücken, und sie werden zweifelsohne Vorschläge
unterbreiten, in denen ein glattes Verbot von Forschungsarbeiten gefordert ist, wobei sie ebenso gut wie wir wissen werden, daß ein solches
Verbot weder praktizierbar noch verifizierbar wäre. Wie Herr Gromyko mit
aller Deutlichkeit gesagt hat, werden sie sich außerdem auf den Standpunkt stellen, daß es ein Abkommen in einem der drei Verhandlungsbereiche
- INF, START und Weltraum- bzw. Defensivwaffen - nur dann geben wird,
wenn auch in den übrigen beiden Übereinstimmung hergestellt werden kann.
Die Sowjetunion wird auf diese Weise versucnen, die Verhandlungen über
START und INF gewissermaßen zu Faustpfändern zu machen, die nur durch
amerikanische

Zugeständnisse im Bereich der Weltraumsysteme

ausgelöst

werden könnten.

Was uns angeht, so werden wir in allen drei Verhandlungsbereicnen
Fortschritte anstreben. Wir sehen überhaupt keine Veranlassung, die Verwirklichung eines beiden Seiten zum Vorteil gereichenden Abkommens - sagen wir über INF - so lange zu blockieren, bis wir uns in allen drei Bereichen geeinigt haben. Auf jeden Fall werden sich die Sowjets darüber
klar werden müssen, wie ernsthaft sie in den drei Verhandlungsbereichen
in Genf nach Maßgabe einer politischen Definition ihrer Interessen ver- 7 -

�Interessen verhandeln wollen.

Wir im Westen - und das halte ich für einen entscheidenden Punkt müssen daher die Sowjets davon überzeugen, daü sie ihre Rüstungskontrollziele gegenüber den Vereinigten Staaten und deren Verbündeten nur durch
guten Willen und beiderseitig akzeptable Verhandlungslösungen, nicht aber
durch eine politische Einschüchterungskampagne und Friedenspropaganda erreichen können.

Um es etwas unumwundener auszudrücken: Wir wollen hoffen, daü die Sowjets aus der INF-Affaire die Lehre gezogen haben, daü sie nicht auf den
Straüen Europas das erreichen können, was sie lieber am Verhandlungstisch
zu Genf zu erreichen versuchen sollten.

All dies ist keine leichte Aufgabe für das Bündnis. Sie wird, wie ich
bereits sagte, viel Energie und Geduld erfordern. Das schlechteste, was
das Bündnis tun könnte, wäre jedoch, den Sowjets umsonst zu geben, worüber sie am Konferenztisch verhandeln sollten, d.h., durch Haushaltsentscheidungen im Kongreu in Washington oder durch Parlamentsentscheidungen
hier in Europa faktisch einseitige Zugeständnisse zu machen.

Ich bin sicher, daü ich die Auffassungen Präsident Reagans wiedergebe, wenn ich sage, daü wir der Verwirklichung beider Elemente des NATODoppelbeschlusses von 1979 auch weiterhin eine vorrangige Bedeutung beimessen, d.h., sowohl den Verhandlungen über eine ausgewogene und verifizierbare Verminderung der INF-Systeme als auch der Durchführung der beschlossenen Pläne zur Aufstellung solcher Systeme.
Bei den früheren Verhandlungen hat die Sowjetunion niemals wirklich
versucht auszuloten, wie flexibel der letzte Vorschlag war, den wir vor
ihrem Auszug eingebracht hatten. Ich meine den Vorschlag, den wir im September 1983 auf den Tisch gelegt haben. Zu dem Zeitpunkt waren die Sowjets augenscheinlich zu Gefangenen ihrer eigenen politischen Kampagne
geworden, deren Ziel es war, den Beginn der INF-Stationierung der i4AT0 zu
verhindern.
Ich möchte
- 8 -

�Ich möchte heute abend ganz deutlich sagen, daß die Vereinigten Staaten bereit sind, bei den neuen Verhandlungen, aufbauend auf dem Vorschlag
vom September 1983, in ernsthafter und kreativer Weise auf ein l\€-Abkommen hinzuarbeiten. Wir sind der Meinung, daß den Sowjets der Anreiz zu
einem flexiblen und kreativen üialog über die Verringerung ihres SS-2uPotentials offensichtlich genommen würde, wenn sich der Westen einseitig
entschlösse, die Stationierung neuer INF-Systeme zu verschieben, denn unseres Erachtens ist Solidarität im Bündnis für die neuen Verhandlungen,
die im nächsten Monat in Genf beginnen, von außerordentlicher Bedeutung.

Die Frage der Konsultationen gewinnt zunehmend an Bedeutung. Dies bestätigt die Notwendigkeit, einen effektiven Mechanismus der Erörterung
von Fragen der Rüstungskontrolle aufrechtzuerhalten, wie wir ihn gemeinsam entwickelt haben.

Ich möchte schlichtweg sagen, daß wir uns, was Konsultationen angeht,
unserer Verantwortung und unseren Verpflichtungen bewußt sind. Wir fühlen
uns zu engen und fortwährenden Konsultationen mit all unseren Bündnispartnern verpflichtet. Wir werden diese Konsultationen sowohl bilateral
als auch .nultilateral durch die Institutionen des Bündnisses fortsetzen.

Wie Sie wissen, hatten wir heute in Evere eine Zusammenkunft im Rahmen der Sonderberatungsgruppe. Ich glaube, ich spreche im Namen aller
Mitglieder dieser Gruppe, wenn ich sage, daß wir gute Gründe zu haben
glauben, bezüglich eines Erfolgs in Genf optimistiscn zu sein, wenn es
uns gelingt, diesen Prozeß der engen Konsultationen fortzusetzen und den
allgemeinen Zusammenhalt zu wahren.

Ich glaube, daß wir möglicherweise nicht nur bei der Rüstungskontrolle vor einem neuen Anfang stehen, und daß durchaus Aussichten auf echte
Rüstungsverminderungen, auf eine Erhöhung der strategischen Stabilität
und auf solidere Ost-West-Beziehungen bestehen, wenn wir geduldig und einig sind.

* * » * *

- 9-

�2Ü. Februar 19Ö5

VEREINIGTE STAATEN TRETEN FÜR VELTVEITE ACHTUNG ÜER MENSCHENRECHTE EIN
- Bericht des US-Au3enministeriums zur Lage der Menschenrechte -

Washington -(AD)- In ihrem j ä h r l i c h e n Bericht zur Lage der Menschenrechte v e r p f l i c h t e t sich die Regierung der Vereinigten Staaten erneut zum
Eintreten

für

diese Rechte und s t e l l t

fest,

daß weltweit

selbst i n Ländern, i n denen sie nicht v o l l v e r w i r k l i c h t

-

und zwar

sind -

"die Gül-

t i g k e i t eines i n t e r n a t i o n a l e n Menschenrechtskatalogs" zunehmend anerkannt
werde.
Der nach einzelnen Ländern gegliederte Bericht für 1964 wurde vom USAußenministerium am 13. Februar 1965 v e r ö f f e n t l i c h t . Darin heißt es unter
anderem: "Die Resonanz, die unsere Jahresberichte über die Lage der Menschenrechte i n den einzelnen Staaten f i n d e n , äußert

sich

zunehmend

in

konstruktiven Reaktionen oder zumindest i n einer Bereitschaft des j e w e i l s
betroffenen Landes, über die

Lage der Menschenrechte

innerhalb

seiner

Grenzen zu sprechen."
I n der Einführung zu dem Bericht wird erneut u n t e r s t r i c h e n , daß " s i c h
die Vereinigten Staaten nach wie vor der Sache der F r e i h e i t und der L i n -

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�der Linderung menschlichen Leids v e r p f l i c h t e t

fühlen" und daß das Z i e l

der Menschenrechtspolitik der Reagan-Administration d a r i n bestehe, "prakt i s c h etwas f ü r das Vohlergehen der Menschen zu bewirken". Ferner
b e t o n t , daß die Menschenrechte schon s e i t

der Gründung der

wird

Vereinigten

Staaten "kein bloßes Anhängsel unserer A u ß e n p o l i t i k , sondern deren Endziel bilden".
Das US-Außenministerium i s t g e s e t z l i c h v e r p f l i c h t e t , dem Kongreß j e des Jahr einen Bericht über die Lage der Menschenrechte i n a l l den Ländern vorzulegen, die von den Vereinigten Staaten H i l f s l e i s t u n g e n empfangen oder M i t g l i e d der Vereinten Nationen s i n d . Das Dokument befaßt

sich

im einzelnen mit 164 Staaten. Im folgenden geben wir die Kernaussagen e i niger dieser Länderberichte wieder:
Sowjetunion: Das sowjetische Verhalten im Bereich der Menschenrechte
e n t s p r i c h t nicht den gemeinhin anerkannten i n t e r n a t i o n a l e n Maßstäben. Auf
Versuche, von dem Recht auf F r e i h e i t der Meinungsäußerung Gebrauch zu machen, r e a g i e r t das Regime üblicherweise mit der Einkerkerung der

betref-

fenden Personen . . . Die Mißhandlung p o l i t i s c h e r Gefangener hat eine lange
T r a d i t i o n und dauerte auch 1984 an. Unzureichende Lrnährung, Bekleidung
und Unterbringung, schwere körperliche A r b e i t , unbefriedigende

medizini-

sche Versorgung, I s o l a t i o n , lange Verhöre und Drohungen gegen die F a m i l i en von Gefangenen sind v e r b r e i t e t e Erscheinungen . . .

Die Verfolgung von

Menschen, die versuchten, sich außerhalb des Rahmens der vom Staat beherrschten Organe zu a r t i k u l i e r e n , nahm 1984 zu. Zu den Festgenommenen
und I n h a f t i e r t e n zählen u.a. Personen, die f ü r die Menschenrechte,
r e l i g i ö s e n Überzeugungen, den Frieden sowie f ü r mehr k u l t u r e l l e

ihre

und po-

l i t i s c h e Rechte f ü r die ethnischen Minderheiten e i n t r a t e n . Mehrere Menschenrechtskämpfer, die i n psychiatrische K l i n i k e n oder A r b e i t s l a g e r

ge-

schickt worden waren, starben dort . . . Die Auswanderung jüdiscner Bürger
wurde von den Behörden weiter beschränkt

. . . Die sowjetische Besatzungs-

herrschaft i n Afghanistan dauert ebenso an wie die sowjetische

Unterstüt-

zung der vietnamesischen Besatzungsherrschaft i n Kambodscha. Es g i b t Beweise d a f ü r , daß die Sowjetunion f ü r den Einsatz chemischer

Kampfstoffe

i n Afghanistan, Laos und Kambodscha die Verantwortung t r ä g t .

Polen: Im

�Polen: Im Jahr 1984 kam es zu zwei besonders bemerkenswerten E r e i g nissen. Das erste war die von der polnischen Regierung verfügte w e i t r e i chende Amnestie f ü r p o l i t i s c h e Gefangene, das zweite die p o l i t i s c h m o t i v i e r t e Entführung und Ermordung von Pater Jerzy Popieluszko, einem katholischen P r i e s t e r ,

der a k t i v

f ü r die Menschenrechte eingetreten war und

enge Beziehungen zu der Gewerkschaft " S o l i d a r i t ä t " unterhalten hatte

...

Ungeachtet des angeblichen Strebens der polnischen Regierung nach einer
nationalen Aussöhnung bleiben ernste Menschenrechtsprobleme bestehen. Die
Regierung i s t
trolle

entschlossen, a l l e

unabhängigen Vereinigungen unter

zu bekommen, und hat daher im Verlaufe

der

letzten

drei

KonJahre

nicht nur die Gewerkschaft " S o l i d a r i t ä t " verboten, . . . sondern auch andere Organisationen und Gewerkschaften, so u.a. die der Studenten, S c h r i f t s t e l l e r , J o u r n a l i s t e n und Filmschaffenden, a u f g e l ö s t , umgeformt oder zur
Unterwerfung gezwungen. Nur wenigen I n s t i t u t i o n e n , insbesondere aber der
Katholischen K i r c h e , i s t es gelungen, i h r e Selbstständigkeit

zu bewahren

und vom Recht der Redefreiheit Gebrauch zu machen . . . A l l e Medien unterliegen der Zensur durch die Regierung . . .

Die Versammlungsfreiheit

wird

sehr weitgehend beschnitten . . .

Republik

Südafrika:

Uas Apartheidsystem

Grundlage der südafrikanischen Gesellschaft

bildet
...

nach

wie

vor

die

I n Südafrika wurde 1984

der allmähliche Reformprozad, der schon s e i t einigen Jahren zu beobachten
ist,

ebenso f o r t g e f ü h r t

wie die Verwirklichung einer

neuen Verfassung,

die erstmalig den Mischlingen und den Südafrikanern a s i a t i s c h e r

Herkunft

eine begrenzte Vertretung im Parlament zugesteht. 1984 kam es aber auch
zu einem weitgehenden Boykott der nach der Verfassung abgehaltenen Wahlen
sowie zu schweren, durch p o l i t i s c h e und w i r t s c h a f t l i c h e Mißstände ausgelösten Unruhen i n den städtischen Gebieten
mit verschärfter Unterdrückung

...

Die Regierung

reagierte

...

Kambodscha: Das Grundübel, auf das gegenwärtig die Mehrzahl der Menschenrechts Verletzungen i n Kambodscha zurückzuführen i s t , besteht i n der
Besetzung des Landes durch zumindest zehn vietnamesische

heeresdivisio-

nen, die das Marionettenregime des häng Samrin an der Macht halten
Auch 1984 kam es i n Kambodscha wiederum zu systematischen

...

Verletzungen

der Menschenrechte, da Vietnam das von ihm abhängige Regime gegen den
- 3 -

�gegen den Willen der Bevölkerung nur gewaltsam an der Macht h a l t e n konnte
. . . Militärische
Gewaltakte

und p a r a m i l i t ä r i s c h e

sowohl

seitens

Vietnams

Aktionen und damit

als

auch

seitens

einhergehende

der

Khmer-Wider-

standsgruppen haben nach Umfang und H e f t i g k e i t zugenommen.
Afghanistan: üie Sowjets versuchen nicht nur, Afghanistan im s t r a t e gischen Sinne zu beherrschen, sondern auch, die t r a d i t i o n e l l moslemische
Gesellschaft dieses Landes nach sowjetischem Muster umzuformen, üie Tatsache, daß das Werkzeug Moskaus, die m a r x i s t i s c h - l e n i n i s t i s c h e Demokratische Volksrepublik Afghanistan, i n der Bevölkerung nur eine schmale Basis
h a t , und die Entschiedenheit des Widerstandes haben die herrschende Part e i und i h r e Anhänger veranlaßt,
sich an der Macht zu h a l t e n . . .

sich b r u t a l e r M i t t e l

zu bedienen, um

Im Jahr 1984 wurden die i n den s t ä d t i -

schen Gebieten bestehenden Spannungen durch systematische Verletzung der
Unantastbarkeit

der Wohnung und der Person durch die

Geheimpolizei des

Regimes weiter angeheizt . . . Außerhalb von Kabul, d . h . , i n den Gebieten,
i n denen die Macht des Regimes begrenzt i s t ,

werden die Menschenrechte

nach wie vor von sowjetischen und von unter sowjetischer Führung stehenden S t r e i t k r ä f t e n i n einem Umfang v e r l e t z t , der i n der jüngeren Geschichte Afghanistans seinesgleichen sucht.
I r a n : Das westliche Verständnis von der F r e i h e i t des Individuums wird
vom herrschenden Regime n i c h t g e t e i l t . Meinungen, die von den p o l i t i s c h e n
und r e l i g i ö s e n Anschauungen der Führung abweichen, werden unterdrückt

...

Die Lage der Menschenrechte im I r a n i s t zwar immer noch durch schwerwiegende Verletzungen derselben gekennzeichnet, hat sich aber i n den l e t z t e n
beiden Jahren immerhin verbessert, insbesondere nachdem Ayatollah Khomein i im Dezember 1982 zu Fragen der Menschenrechte Stellung genommen hatte
. . . Es kommt zwar auch w e i t e r h i n zu v i e l e r l e i Arten von Menschenrechtsverletzungen, aber während der unmittelbar

auf die Revolution

Phase haben sich die Bedingungen dennoch verbessert, und der

folgenden

institutio-

nelle Rahmen zur Korrektur e i n i g e r dieser Verstöße besteht inzwischen

...

Wie schon im Jahr 1983, so war auch im Jahr 1984 eine geringere Anzahl
von vom Regime veranlaßten Hinrichtungen und Inhaftierungen zu verzeichnen, a l s i n den Vorjahren. Dennoch h a l t e n die Menschenrechtsverletzungen,
so u.a. w i l l k ü r l i c h e Verhaftungen, F o l t e r und standrechtliche
- 4 -

hinrichtun-

�standrechtliche

Hinrichtungen, weiter an . . . L S g i b t zahlreiche

konkrete

Hinweise f ü r die Verwicklung des Irans i n t e r r o r i s t i s c h e Machenschaften
i n verschiedenen Teilen der Welt üzw. f ü r die Unterstützung solcher Machenschaften durch den I r a n .
Libyen: S e i t der Machtübernahme Uadhafis im Jahre 1969 i s t es um die
Lage der Menschenrechte i n Libyen schlecht

bestellt.

Die Berichte

über

Folterungen und andere Menschenrechtsverletzungen häuften s i c h , uro zwar
insbesondere nach dem Putschversuch vom 8. Mai 1984, der eine Säuberungswelle nach sich zog, die i n i h r e n Ausmaßen wie i n i h r e r B r u t a l i t ä t

bei-

s p i e l l o s war. Im Rahmen dieser Säuberung kam es u.a. zu ö f f e n t l i c h e n Hinrichtungen durch den Strang und zu standrechtlichen Lxekutionen. B e r i c n ten zufolge wurden Tausende von Libyern v e r h a f t e t ; v i e l e von ihnen wurden
gefoltert.
A r g e n t i n i e n : Im Jahre 198a bestanden i n Argentinien nur i n sehr geringem Umfang Menschenrechtsprobleme. Soweit sie a u f t r a t e n , ergaben sie
sich zumeist aus dem Problem, wie die Aburteilung und Bestrafung d e r j e n i gen zu handhaben s e i , die f ü r die Menschenrechtsverletzungen i n der zweiten (-elfte der siebziger Jahre die Verantwortung tragen . . . Im Jahre 1984
konnten i n Argentinien die drastischen Verbesserungen der Lage der Menschenrechte weiter g e f e s t i g t werden, die i n f o l g e des e r f o l g r e i c h e n Übergangs von einer M i l i t ä r r e g i e r u n g zu einer aus f r e i e n Wahlen hervorgegangenen Z i v i l r e g i e r u n g im Jahre 1983 e r z i e l t

wurden . . .

Auch den Rechten

des Individuums wurde mehr Achtung entgegengebracht.
Chile: Die Menschenrechtsbedingungen i n Lhile leiden i n starkem Mauie
unter dem Terrorismus der extremen Linken wie auch unter der Tatsache,
daß F o r t s c h r i t t e i n Richtung auf eine Demokratisierung ausgeblieben sind.
Der allgemeine Trend b e i den Menschenrechten b l e i b t zwiespältig . . .

Fort-

s c h r i t t e i n Richtung auf einen p o l i t i s c h e n Machtwecnsel blieben im Jahre
1984 i n Chile aus, während g l e i c h z e i t i g der Terrorismus und die p o l i t i s c h
m o t i v i e r t e Gewalt zu einem ernsten Problem wurden . . . Die Maßnahmen, die
von der Regierung im Rahmen des Ausnahmezustands e r g r i f f e n wurden, f ü h r ten zu zahlreichen Verstößen gegen i n t e r n a t i o n a l anerkannte Menschenrechte und zu einer allgemeinen Verschlechterung der Lage derselben.
Kuba: Die
- 5 -

�Kuba: Die p l ö t z l i c h e Freilassung einer Anzahl p o l i t i s c h e r

befangener

im Jahre 1984 erbrachte eine Bestätigung der Annahme, da(3 die kubanische
Regierung auch w e i t e r h i n gegen grundlegende Menschenrechte v e r s t ö ß t , dab
Angeschuldigten e i n ordentliches ö f f e n t l i c h e s

Gerichtsverfahren

vorent-

halten wird und daß es zu Folterungen und anderen unmenschlichen P r a k t i ken kommt . . . Rede- oder P r e s s e f r e i h e i t g i b t es i n Kuba n i c h t , die R e l i gionsausübung u n t e r l i e g t

strengen Beschränkungen, und einige Kubaner wa-

ren so v e r z w e i f e l t zum Verlassen i h r e s Landes entschlossen, dai3 sie das
Risiko eingingen, von den kubanischen hachmannschaften erschossen zu werden, a l s sie versuchten, auf das Gelände ausländischer Botschaften i n Havanna zu gelangen. Kuba weigert s i c h , V e r t r e t e r n ausländischer Menschenrechtsorganisationen den Besuch des Landes zu g e s t a t t e n , und b e s t r e i t e t
auch w e i t e r h i n die Tatsache, daiö es die meisten grundlegenden Menschenrechte i n f l a g r a n t e r Weise v e r l e t z t .

E l Salvador: Die neue Regierung bemüht s i c h a k t i v darum, den Gewaltakten der extremen Rechten wie der extremen Linken e i n Ende zu setzen,
Recht und Gesetz Geltung zu verschaffen, innerhalb eines demokratischen,
verfassungsmässigen Rahmens einen Dialog mit der bewaffneten Linken herbeizuführen und unter Beibehaltung der sozialen Reformen das Wirtschaftswachstum wiederanzukurbeln . . . Die Lage der Menschenrechte i n E l Salvador
l e i d e t i n starkem Maiie unter dem fortdauernden Bürgerkrieg . . .

Verletzun-

gen der Menschenrechte

Frage.

bleiben i n E l Salvador eine zentrale

vergangenen Jahr konnten jedoch erhebliche

Fortschritte

. . . Die Behandlung von l-äftlingen und die Beachtung der

erzielt

Im

werden

Rechtsvorschrif-

ten im Hinblick auf ihre Inhaftierung haben sich d e u t l i c h verbessert; die
Zahl der glaubwürdigen Anschuldigungen wegen Folterungen hat s i c h v e r r i n gert

. . . Bei Menschenrechtsverletzungen spielen allgemeine Unzulänglich-

k e i t e n des Rechtssystems eine wesentliche Rolle . . . Die Regierung Duarte
bemüht s i c h , solche Unzulänglichkeiten abzustellen.
Nicaragua: Auch im Jahre 1984 wurden t e r r o r i s t i s c h e Gruppen i n anderen Ländern der Region, insbesondere i n E l Salvador, von der nicaraguanischen Regierung u n t e r s t ü t z t
sich die

sandinistische

antisandinistische

...

Während des gesamten Jahres 1984 fand

Regierung zunehmend i n einen Bürgerkrieg

Guerilleros

verwickelt
- 6 -

...

Berichten

zufolge

geyen
wurden

�zufolge wurden Personen, die im Verdacht standen, den G u e r i l l e r o s geholfen zu haben, von S i c h e r h e i t s k r a f t e n der Regierung g e f o l t e r t und hinger i c h t e t , während die Regierung g l e i c h z e i t i g die G u e r i l l e r o s beschuldigte,
Z i v i l i s t e n umgebracht oder e n t f ü h r t zu haben . . .
fuhr

die Regierung

fort,

die

sandinistische

kehrend des Jahres 1984

Kontrolle

der

nicarayuani-

schen Gesellschaft zu s t r a f f e n und die verbleibenden Kräfte der Opposit i o n einzuschüchtern.

- 7 -

�20. hebruar 1965

SICHERHEIT FÜR EUROPA: STOCKHOLM IM ZWEITEN JAHR
- Von James Goodby (Botschafter und Leiter der amerikanischen Delegation auf der
KVAE in Stockholm)
Mit freundlicher Genehmigung der NATO Review

Als ich im Juni vorigen Jahres im NATO-Brief über die Konferenz über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maünahmen und Abrüstung in Europa (KVAE)
geschrieben habe, dauerte diese gerade sechs Monate. "Die 35 Staaten der
Stockholmer Konferenz", so berichtete ich damals, "beginnen einen Prozeß,
Schritt für Schritt darüber zu entscheiden, was sie aus diesem neuen Forum machen wollen."
Es scheint mir jetzt , da die KVAE in ihr zweites Jahr eintritt, an
der Zeit, darüber zu berichten, wie sich dieser Entscheidungsprozeü entwickelt hat, und etwas über die Zukunftsaussichten dieser Konferenz zu
sagen.

Zwei Wochen vor dem Ende der vierten und letzten Verhandlungsrunde im
Jahr 1984 überschritt die Stockholmer Konferenz einen wichtigen Punkt:

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D 5300 Bonn 2
Telex: £-85432

�wichtigen Punkt: Sie kam über eine Arbeitsstruktur überein, um endlich
einen detaillierten und konkreten Meinungsaustausch in Gang zu bringen.
Technisch gesehen, war diese Verfahrensentscheidung ein kleiner Schritt,
aber ein solcher Schritt ist normalerweise der Vorläufer ernsthafter
Verhandlungen und läutet manchmal einen Erfolg von Verhandlungen ein obwohl man das für die KVAE nicht unbedingt annehmen kann. Aber diese
Verfahrenseinigung ist zumindest ein Hinweis, daß 19Ö5 ein Jahr werden
könnte, in dem wir alle mit der Sowjetunion in ein intensives Gespräch
eintreten, das sich mehr und mehr zu echten Verhandlungen entwickeln
könnte.

Arbeitsgruppen

Die Lösung der Frage einer Arbeitsstruktur für die Stockholmer Konferenz zeichnete sich bereits im Juli vorigen Jahres ab, als die Schweden
die Einsetzung von zwei Gruppen vorschlugen, von denen sich die erste mit
Maßnahmen auf dem Gebiet der Vorankündigung und Beobachtung von militärischen Aktivitäten außerhalb der Standorte und die zweite mit allen anderen Vorschlägen befassen sollte. Die schließlich mit Hilfe der finnischen
Delegation erzielte Einigung behält diesen Aufbau in zwei Gruppen bei und
weist formlos die der Konferenz vorliegenden verschiedenen Vorschläge jede Woche mit einem bestimmten Zeitrahmen zur Erörterung zu. Daraus wird
die immer wieder betonte westliche Bereitschaft ersichtlich, über alle
Vorschläge zu sprechen. Es heiüt jedoch auf gar keinen Fall, daß damit
alle Vorschläge angenommen würden oder geeignet wären, zum Thema der Konferenz gemacht zu werden.

Die Teilnehmer an der Konferenz sind sicn ausdrücklich schriftlich
darüber einig geworden, daß die Behandlung eines Vorschlages in einer Arbeitsgruppe nicht das Recht jeder Delegation präjudiziert, selbst zu prüfen, ob ein Vorschlag dem Mandat von Madrid entspricht - also mit jenem
Dokument konform gent, in dem die Beteiligten die eigentliche Aufgabe der
Verhandlungen in Stockholm festgelegt haben. Die Konferenz tritt jetzt in
eine Phase der detaillierten Behandlung von Vorschlägen im Hinblick da-

�Hinblick darauf ein, ob sie eine echte Chance haben, schließlich zum allgemeinen Konsens zu führen. Wenn sich dieser Prozeß als erfolgreich erweist, dann wird die nächste Phase darin bestehen, über den Wortlaut der
verschiedenen Bestimmungen zu verhandeln, die in das Abschlußdokument der
Konferenz aufgenommen werden.

Diese neue Vereinbarung dürfte sachliche Erörterungen erleichtern,
aber sie ist noch keine Gewähr für einen Fortschritt. Wenn die Sowjetunion die Arbeitsgruppen nur dazu benutzt, um Ideen in den Vordergrund zu
schieben, über die in Stockholm nicht verhandelt werden kann, dann wird
diese neue Struktur nicht mehr Erfolg bringen als die formelle Plenarsitzung. Die ersten Hinweise in den Erörterungen der Arbeitsgruppen lassen
erkennen, daß diese Struktur einen informelleren und nützlicheren Dialog
gefördert hat, in dessen Verlauf Positionen der Sowjets und anderer Delegationen an den Tag treten, die wir bisher nicht gekannt haben. Aber die
Hinweise deuten auch auf eine schwierige und langwierige Debatte hin, bevor

die

Konferenz

die

Phase

der

detaillierten

Verhandlungen

üüer

allgemein vereinbarte Ideen erreicht.

Bekräftigung der Ziele von Stockholm

Die Übereinkunft über eine verbesserte Verhandlungsstruktur ist das
einzige nach außen sichtbare Ergebnis eines Jahres, das durch Stillstand
gekennzeichnet war und nach den Worten mehr als eines Beobachters nicht
mehr brachte als "einen Dialog der Taubstummen". Aber das vergangene Jahr
brachte auch einen Prozeß der Debatte und des Gesprächs in den Plenarsitzungen über die Natur dieser KVAE und ihrer Rolle in den Sicherheitsfragen Europas. Aus diesen Gesprächen wurde die neue Unterstützung für einfache Aufgabenstellung

des Madrider Mandats

deutlich: Der

Zweck der

Stockholmer Konferenz besteht darin, praktische Vereinbarungen und Verfahren festzulegen, um die Zusammenarbeit aller beteiligten Staaten auf
militärischem Gebiet zu stärken und damit das Risiko einer militärischen
Konfrontation in Europa zu verringern. Man war sich weitgehend, wie es
der norwegische Außenminister Johan Jörgen Holst so elegant formulierte,
- 3 -

�elegant formulierte, darüber einig, daß "Vertrauensbildende Maßnahmen als
Element in einem Prozeß des friedlichen Wandels der politischen Nachkriegsordnung in Europa in Richtung auf eine offenere, gerechtere und
kooperativere Ordnung betrachtet werden sollten".

Diese Schlußfolgerung mag selbstverständlich klingen, vor allem da
die Konferenz schließlich ein sorgfältig ausgehandeltes Mandat als Richtschnur ihrer Arbeit hat. Aber als die Stockholmer Konferenz Anfang vorigen Jahres in Gang kam, war das keineswegs so selbstverständlich. Damals
brachten die Sowjets eine ganze Anzahl von Vorschlägen ein, die kaum etwas mit der praktischen Aufgabe der Vertrauensbildung zu tun hatten und
noch weniger mit einer "gerechteren und kooperativeren Ordnung in Europa". Einige dieser Vorschläge gehörten zu ihrem bekannten Propaganda-Inventar der sogenannten "politischen Vorschläge". Manche Vorschläge liefen
quer zu nützlicher und vielversprechender Arbeit, die anderswo geleistet
worden war. Viele standen auf jeden Fall kaum im Einklang mit dem Mandat
von Madrid - selbst bei großzügigster Auslegung. Und schließlich waren
die meisten dieser Vorschläge eindeutig zum Nachteil des Westens. Wäre
die Stockholmer Konferenz dem ursprünglich von den Sowjets ins Auge gefaßten Weg gefolgt, dann hätte sie sicherlich kaum eine Chance zu fruchtbringender Arbeit gehabt. Eine so nach den Interessen der Sowjetunion
ausgerichtete Konferenz hätte nur als ein "Apparat" dienen können, "um
die politische und strategische Ordnung in Europa nach dem Krieg zu gunsten der Sowjets zu verändern", wie Pierre Lellouche vom Französischen
Institut für Internationale Beziehungen warnte. Mit Beginn des Jahres
1985 sieht es jedoch so aus, als ob die Stockholmer Konferenz eine gute
Chance hätte, dem nützlichen Zweck zu dienen, den viele - im Osten wie im
Westen und im neutralen Lager - wünschen; dem Zweck nämlich, wie es Präsident Reagan im vorigen Jahr ausdrückte, "Maßnahmen zu ergreifen, die
wirksame Hindernisse aufrichten gegen die Anwendung von Gewalt in Europa".

Der Schwerpunkt des Konzepts
Eine kurze Untersuchung der Vorschläge, über die in Stockholm gespro- 4 -

�Stockholm gesprochen wird, läßt die allgemeine Richtung erkennen. Insgesamt wurden im Jahre 1984 fünf Vorschlagspakete eingereicht. Neben den
Vorschlägen des Nordatlantischen Bündnisses kam jeweils ein Paket von Rumänien, den neutralen und blockfreien Staaten, der Sowjetunion und von
Malta.

Am 24. Januar 1984 unterbreiteten die 16 Mitglieder des Atlantischen
Bündnisses einen Sechspunkte-Vorschlag für sich gegenseitig verstärkende
vertrauensbildende

Maßnahmen:

Austausch

militärischer

Informationen,

jährlicher Austausch von Vorankündigungen militärischer Aktivitäten, Ankündigung von militärischen Tätigkeiten, Beobachtung bestimmter militärischer Tätigkeiten, Einhaltung und Verifizierung, Entwicklung von Nachrichtenverbindungen. Dieser Maßnahmenkatalog dient dem Zweck, praktische
Vereinbarungen zu treffen, die die militärische Lage in Europa vorhersehbarer und stabiler gestalten würden, weil die Absichten deutlicher würden, die hinter militärischen Aktivitäten auf dem Kontinent stehen. Nach
Auffassung der Verbündeten werden diese Vereinbarungen verhindern, dau
Krisen aus Fehlberechnung oder Fehleinschätzung entstünden, und selbst
wenn es zu solchen Krisen kommen sollte, dazu beitragen, sie leichter zu
bewältigen.

Das Vorschlagspaket Rumäniens war aus mehreren Gründen interessant.
Es enthielt Elemente, die mit den politischen Vorschlägen der Sowjets
verwandt waren, aber auch interessante Gedanken über Vertrauensbildung,
die dazu angetan waren, die bereits in der Schlußakte von Helsinki enthaltenen Maßnahmen zu verstärken.

Die von den neutralen und blockfreien Ländern unterbreiteten Vorschläge verdienen besondere Aufmerksamkeit, denn sie haben wesentlich
dazu beigetragen, den Kernpunkt der Konferenz zu bestimmen. Neun der
zwölf Vorschläge der Neutralen und Blockfreien ähnelten denen der Verbündeten sehr stark. So werden beispielsweise Ankündigung, Beobachtung und
Informationsaustausch gefordert. Die drei anderen gehen sogar noch über
die Forderungen des Bündnisses hinaus, indem sie bestimmte Begrenzungen
oder Einschränkungen für die Dislozierung von Streitkräften verlangen.
- 5 -

�Streitkräften verlangen Damit haben die neutralen und blockfreien Länder
eine

"Grauzone" aufge- zeigt, die zwischen der stabilisierenden Wirkung

der Vorschläge des Bündnisses und den Rüstungsabbauzielen traditioneller
Abrüstungsbemühungen

liegt. Ihre Einstellung

verdient - und erhält -

ernsthafte Aufmerksamkeit.

Einer der eigenen Vorschläge der Sowjetunion sieht ebenfalls vertrauensbildende Maßnahmen einer Art vor, die gewisse Ähnlichkeiten zwischen diesem Vorschlag und den Auffassungen anderer Delegationen erkennen
läßt. Aber die Sowjetunion scheint noch immer Vorbehalte gegenüber der
Vorstellung einer "Entmystifizierung" militärischer Tätigkeiten in Europa
zu hegen. Die Sowjets beschuldigen den Westen weiterhin, nur Maßnahmen
vorzuschlagen, die der Spionage gegen sie dienen und dem Westen unfaire
militärische Vorteile verschaffen würden. Die Sowjets scheinen einige
Probleme mit der Idee der Zusammenarbeit zu haben, der Idee also, die im
Mittelpunkt des Helsinki-Prozesses steht, von dem Stockholm nur ein Teil
ist. Die Notwendigkeit der Zusammenarbeit wurde, was nicht überraschend
ist, bereits in dem Gründungsdokument des ganzen Prozesses der Schlußakte
von Helsinki von 1975 festgelegt, in der von der Befürchtung gesprochen
wird, die aus einer Situation entstehen könnte, in der die Teilnehmerstaaten keine klaren und rechtzeitigen Informationen über die Natur solcher Aktivitäten hätten. Wenn die Sowjetunion nicht in die Richtung gehen
kann, die die Logik dieser Erklärung aufzeigt, dann sind die Aussichten
für die Stockholmer Konferenz trübe. Allerdings beginnt aber in den Arbeitsgruppen erst jetzt der Prozeß der eingehenden Prüfung und des detaillierten Vergleichs bestimmter

vertrauensbildender Maßnahmen. Viel-

leicht wird die konkrete Natur dieser Beratungen einen Dialog ermutigen,
der sich auf reale statt imaginäre Fragen konzentriert.

Die bisherigen Erörterungen lassen erkennen, das sich trotz der sowjetischen Vorbehalte das reale, handfeste Ziel, praktische Maßnahmen zu
ergreifen , um das Risiko eines Krieges zu verringern, der Unterstützung
der meisten Teilnehmerstaaten an der Stockholmer Konferenz erfreut. Man
könnte sogar mit einem Hauch von Optimismus sagen, daß der Rahmen für ein
Abkommen bereits in Sicht ist. Präsident Reagen hat in seiner Rede vor

�Rede vor dem irischen Parlament am 4. Juni 1984 wegweisend erklärt, daß
die Vereinigten Staaten bereit seien, über das Interesse der Sowjets an
einer Gewaltverzichtserklärung

zu sprechen, wenn die Sowjetunion über

praktische Maßnahmen verhandle, die diesem Prinzip des Gewaltverzichts
konkrete Bedeutung gäben. Obwohl jedoch viele Delegationen in Stockholm
sich für dieses Konzept ausgesprochen haben, ist diese Einladung zu Verhandlungen auf wenig Gegenliebe seitens der Sowjetunion gestoßen. Da alle
Elemente eines Abkommens auf der Basis der vom Präsidenten umrissenen
Vorstellungen in den Gedanken anzutreffen sind, die

die Sowjets selbst

entwickelt haben, so ist es vielleicht nicht unlogisch davon auszugehen,
daß für den Fall, daß Moskau bereit ist, in Stockholm zielbewußt zu verhandeln, die Umrisse dieser Verhandlungen weitgehend dem ähneln werden,
was der Präsident im Juni aufgezeigt hat.

Stockholm in größeren Zusammenhang
Die Stockholmer Konferenz findet natürlich nicht im luftleeren Raum
statt, sondern wird, wie die meisten Verhandlungen, von der internationalen politischen Großwetterlage beeinflußt. Sie unterliegt auch der institutionalisierten Verknüpfung zwischen der Sicherheit und all den anderen
Aspekten der Schlußakte von Helsinki, die alle auf der Folgekonferenz in
Wien im Jahr 1986 überprüft werden sollen. In seiner Rede vom 4. Juni
sprach Präsident Reagan von seinem Wunsch, auf Gebieten gemeinsamen Interesses Vertrauen und Zutrauen zu den Sowjets zu schaffen, indem "wir in
unseren bilateralen Beziehungen auf breiter Front voranschreiten". Hier
in Stockholm und im Helsinki-Prozeß im allgemeinen hat die Sowjetunion
die Chance und die Möglichkeit, sich dem Westen in dem Bemühen anzuschließen, den gegenwärtigen toten Punkt in den Ost-West-Beziehungen zu
überwinden. Die Stockholmer Konferenz ist bereits zu einem wichtigen Teil
des Prozesses des Dialogs geworden und ist durchaus in der Lage, einen
konkreten Beitrag zur Zusammenarbeit und Sicherheit in Europa zu leisten.
Aus der heutigen Beobachtungsposition heraus können wir das deutlicher
sehen als noch vor sechs Monaten.
Zusammenfassung
- 7 -

�Zusammenfassung

Die Verbündeten haben im Jahre 1984 sehr gut zusammengearbeitet, um
ihre Position zu halten und zusammen mit anderen einen praktischen, sachlichen und geschlossenen Verhandlungskurs zu entwickeln. Im Jahre 1985
werden die Verbündeten bereit sein, die Maßnahmen, die sie der Konferenz
vorgeschlagen haben, im Detail weiterzuentwickeln. Sie haben auf die Gedanken anderer gehört und geantwortet, und sie werden dies selbstverständlich weiterhin tun. Es muß jedoch jetzt die Zeit kommen, jene Gedanken ad acta zu legen, die keine Unterstützung finden, und jene Ziele zu
verfolgen, die erreichbar und in jedermanns Interesse sind. Je früher
dieser Zeitpunkt eintritt, desto früher kann die entscheidende Phase der
Stockholmer Konferenz beginnen.

Die Übereinkunft über die Arbeitsstruktur bedeutet, dau die Konferenz
in eine neue Phase ihrer Arbeit tritt: Das könnte sich sogar als Wendepunkt erweisen. Es liegt jedoch auf der Hand, daß die vor uns liegenden
Hindernisse für die Verhandlungen gewaltig

sind und nicht leicht und

rasch zu überwinden sein werden. Trotzdem besteht jetzt die Chance, in
einen flexiblen Verhandlungsprozeß des Gebens und Nehmens einzutreten,
wie ihn Präsident Reagan anläßlich der Eröffnung der dritten Sitzungsperiode der Stockholmer Konferenz forderte. Ein wichtiger "Ausgangspunkt"
für Verhandlungen wurde bereits von vielen Delegationen entdeckt: Heute
steht den Unterhändlern eine Struktur zur Verfügung, die den detaillierten Vergleich von Vorschlägen und den Beginn der Überbrückung von Gegensätzen erlaubt.
Zu Ende des ersten Jahres der Stockholmer Konferenz darf man fairerweise sagen, daß die praktische Tagesordnung des Westens eine ganz wesentliche Unterstützung findet, während man sehr wenig Verständnis hat
für die Propaganda und die Schlagworte, zu denen die Sowjets immer wieder
greifen. Für die Mehrzahl der Teilnenmer bietet Stockholm die einmalige
Gelegenheit, etwas zu erreichen, was anderswo nicht zu erreichen ist,
- 8 -

�zu erreichen, nämlich ein Netz von kooperativen Vereinbarungen, die den
Interessen von Frieden und Stabilität dienen. Selbst ein bescheidener
Fortschritt in diese Richtung wäre wichtig. Welche Ergebnisse andere Verhandlungen über den Abbau des Rüstungsstandes auch haben mögen, Europa
wird noch auf lange Zeit ein Mittelpunkt

beträchtlicher militärischer

Macht und konkurrierender politischer und strategischer Interessen bleiben. Das Atlantische Bündnis tritt für eine Verringerung der Rüstungen
ein und unterstützt nachdrücklich alle Bemühungen, ein solches Ergebnis
auf dem Verhandlungswege zu erreichen. In Stockholm hoffen die Verbündeten, daß sie zeigen können, daß der Sicherheit auch durch die Zusammenarbeit in einem System gedient werden kann, das der Anwendung von militärischer Gewalt zur politischen Einschüchterung entgegenwirkt und das potentiellen Krisen Einhalt gebietet, bevor sie zu Konfrontationen oder gar zu
einem Krieg führen, den niemand will.

•

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•

*

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*

•

- 9-

*

�Uli//en/chofl
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

2u. Februar 1985

USA UND UDSSR SETZEN WISSENSCHAFTLICHE ZUSAMMENARBEIT IN DER
KLIMAFORSCHUNG FORT

-(AD)- Amerikanische und sowjetische Wissenschaftler unterzeichneten am
5. Februar 1985 in Washington ein Protokoll, in dem die Zusammenarbeit
zwischen beiden Ländern auf dem Gebiet der Klimaforschung

befürwortet

wird. Die vom amerikanischen Amt für Meere und Atmosphäre (NOAA) veröffentlichte Presseverlautbarung hat folgenden Wortlaut:

"Ein Protokoll über die Fortsetzung der wissenschaftlichen Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion in der Klimaforschung im Jahr 1985 wurde am 5. Februar unterzeichnet. Das für dieses
Jahr vorgesehene Programm ist Teil der amerikanisch-sowjetischen Vereinbarung über Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Umweltschutzes.

Das Protokoll trägt die Unterschriften von Dr. Alan D. Hecht, des Direktors der Abteilung Nationales Klimaprogramm im NOAA, und von Dr. Victor G. Bolderyrew, des Leiters für Analyse und Vorhersage der natürlichen
Umwelt (UdSSR).
Zu den Höhepunkten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel : 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Zu den Höhepunkten der Aktivitäten im Jahr 198i&gt; zählen Konferenzen
und ein Austausch von Experten für Klimamodelle, Palaoklimatologie (Untersuchung klimatischer Verhältnisse in früheren Erdzeitaltern), für Spurengase und Aerosole sowie für solare Schwankungen.
Die feierliche Unterzeichung wurde in Washington am Hauptsitz der amerikanischen Umweltschutzbehörde (EPA) in Anwesenheit von Lee M. Thomas,
geschäftsführender £PA-Administrator, und Anthony J. üalio, geschäftsführender NOAA-Administrator, vorgenommen. Sie war der Abschluß eines zweiwöchigen Besuchs einer sechsköpfigen sowjetischen Delegation, der ersten
Zusammenkunft der gemeinsamen Arbeitsgruppe seit Dezember 1983."

* * * * *

�8

zu. Februar l*üi&gt;

MASSNAHMEN ZUM SCHÜTZ DER OZONSCHICHT
- UN-Expertengruppe legt Konventionsentwurf vor -

-(AD)- Die Vorbereitungen für die erste internationale Konvention zum
Schutz der atmosphärischen Qzonschicht wurde kürzlich in uenf von einer
Expertengruppe der Vereinten Nationen abgeschlossen. Die endgültige Formulierung des Wortlauts bleibt den Delegierten einer Diplomaten-Konferenz
vorbehalten, die im März .1985 im Rahmen des UN-Umweltprogramms (UNEP)
nach Wien einberufen wird. Botschafter Richard Beneüick, Beauftragter des
amerikanischen Außenministeriums für Umwelt und Gesundheit, ist zuversichtlich, daß die Konvention zusammen mit einem Protokoll, das die Anwendung von Fluorchlorkohlenwasserstoffen strikt auf ihren unbedingt notwendigen Einsatz begrenzen soll, angenommen wird.

Diese chemischen Verbindungen zerstören mit der Zeit die Ozonschicht
in der Lufthülle, die die Erde gegen schädliche Ultraviolettstrahlung abschirmt. Bei mehr als einem Drittel der Fluorchlorkohlenwasserstoffe, die
in die Stratosphäre gelangen, handelt es sich um Treibgase aus Sprühdosen. Die Vereinigten Staaten und Kanada haben, wie Benedick in einem In-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�einem Interview erklärte, schon in den siebziger Jahren von sich aus
Schritte zur Verringerung der Emission solcher Verbindungen unternommen.
Vor allem als Treibgas durften sie in diesen Ländern seitdem nicht mehr
verwendet werden. Das jetzt ausgearbeitete Protokoll, das die USA, Kanada, die Schweiz und Australien üefürworten, hätte Benedick zufolge ähnliche Auswirkungen in der übrigen Welt. Denn die Anwendung von Fluorchlorkohlenwasserstoffen für Zwecke, bei denen diese Stoffe nicht unbedingt erforderlich sind, würde dann auf 20 Prozent und weniger reduziert,
ihre Produktion würde drastisch eingeschränkt. Dieses Protokoll sei weit-

,

aus wirksamer als jenes, für das sich die Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaft einsetzten, sagte Benedick. Der EG-Entwurf fordere nur

&gt;

die Verringerung der Emissionen um ein Drittel, und eine Produktionsbegrenzung träte erst in etwa 20 Jahren in Kraft.

Die "Weltweite Rahmenkonvention für den Schutz der Ozonschicht" würde, wie Benedick hervorhob, zusammen mit dem Protokoll den ersten gemeinsamen Schritt in den auf internationaler Ebene unternommenen Anstrengungen bedeuten, um das Ausmaß des Abbaus der Ozonschicht in der Erdatmosphäre zu verringern. Der Konventionsentwurf appelliert an die künftigen
Unterzeichnerstaaten, "angemessene Maßnahmen zum Schutz der menschlichen
Gesundheit und der Umwelt gegen schädliche Auswirkungen zu ergreifen,
welche sich aus menschlichen Aktivitäten ergeben bzw. ergeben können Aktivitäten, durch die die Ozonschicht bestimmt oder mit hoher Wahrscheinlichkeit verändert würde".

Eine verstärkte Einstrahlung von ultraviolettem Licht führt zu Liesundheitsschädigungen beim Menschen; u. a. tritt Hautkrebs häufiger auf.
Aber sie dürfte auch die Produktivität von Nutzpflanzen vermindern, die
Lebenskraft anderer Organismen und die Qualität von Materialien aller Art
beeinträchtigen. Die Konvention besagt, daß "angemessene Maidnahmen" auch
systematische Forschung und Informationsaustausch über die Auswirkungen
menschlicher Aktivitäten auf die Ozonschicht sowie internationale Zusammenarbeit in der Formulierung von Bestimmungen zur Verminderung solcher
Aktivitäten umfassen sollen.
* * * * *

- 2-

I

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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

20. Februar 1991

GOLFKRIEG

DIE BEITRAGE DES AUSLANDS ZUR
OPERATION WÜSTENSCHILD
Eine Übersicht des Weißen Hauses
WIE DER IRAK SEINE KRIEGSMASCHINERIE
AUFBAUTE
Hintergrundinformation zu Iraks Militärpolitik

WIRTSCHAFT

BUSH: "EINDEUTIG" REZESSION IN DEN USA
Wirtschaftsbericht des Präsidenten

AIRBUS

DER HINTERGRUND DER AMERIKANISCHDEUTSCHEN MEINUNGSVERSCHIEDENHEITEN
ÜBER DEN AIRBUS
Eine Übersicht der US-Handelsbeauftragten

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�GOLFKRIEG
20. Februar 1991

WIE DER IRAK SEINE KRIEGSMASCHINERIE
AUFBAUTE
Hintergrundinformation zu Iraks Militärapparat

WASHINGTON - (AD) - Obwohl Informationen über
alle Aspekte der irakischen Wirtschaft, insbesondere
die Militärausgaben, in Bagdad streng geheimgehalten werden, zeichnet sich in der internationalen Presse
ein Bild über das irakische Beschaffungsmuster von
Kriegsmaterial ab.

In dem Bericht vom 11. Februar stellte Time femer fest,
"1988 wurde der Krieg beendet, aber Saddam Hussein
hatte noch nicht genug. Mit Blick auf Iran und Israel
hortete er weiterhin Waffen und gab in den 18 Monaten
nach dem Waffenstillstand 2 Milliarden Dollar dafür
aus."

"Saddam Hussein war bereits im Jahr 1971 entschlossen, den Irak zu einer regionalen militärischen Supermacht zu machen, und in seiner damaligen Funktion
als Vizepräsident hat er in zahlreichen Ländern verdeckte Beschaffungseinrichtungen mit Konten bei einer
Schweizer Bank gegründet, die durch die Abschöpfung von 5 Prozent der florierenden Öleinnahmen des
Irak finanziert
wurden", berichtete
das
Nachrichtenmagazin Time in seiner Ausgabe vom 11.
Februar 1991.

In einer Analyse berichteten die Korrespondenten des
Wall Street Journal Geraldine Brooks und Tony Horwitz
am 23. April 1990: Obwohl seit dem Waffenstillstand
zwischen Irak und Iran 20 Monate vergangen sind, gibt
es schätzungsweise noch rund 1 Million Iraker in
Uniform, und der Präsident in Khakiuniform schafft
weiterhin Waffen in einem Ausmaß an, das unter
anderen Staatschefs der Welt seinesgleichen sucht."

Diese Behauptung wird durch Daten des Stockholmer
Internationalen Friedensforschungsinstituts SIPRI
untermauert, die belegen, daß der Irak in den achtziger
Jahren die höchsten Militärausgaben im Nahen Osten
hatte, die 1984 mit 33,3 Milliarden Dollar - rund 30
Prozent des Bruttosozialprodukts des Landes - ihren
Höchststand erreichten.
"Die Aufwendungen ... die den Irak zur viertgrößten
Militärmacht der Welt machten, beliefen sich auf über
55 Milliarden Dollar für konventionelle Rüstungskäufe", stellte Time fest und fügte hinzu, "weitere 15
Milliarden flössen in verdeckte Käufe von Material zur
Entwicklung chemischer und biologischer Waffen."
Einer Analyse der New Yorker Newsday vom August
vergangenen Jahres zufolge unterhielt der Irak bei
Ausbruch des Golfkriegs ein 1 Million Mann starkes
Heer mit 5 500 Panzern, eine Luftwaffe von 40 000
und eine Marine von 5 000 Mann. Andere Quellen
schätzen die irakische Truppenstärke mit 1 200 000
Aktiven und 650 000 Reservisten auf 1 850 000 Soldaten.
AMERIKA DIENST 7

"Der Irak war in den vergangenen fünf Jahren der
größte Waffenimporteur, dessen Beschaffung über 9
Prozent der Rüstungskäufe weltweit ausmachten. Die
Einkaufsliste rangiert von modernsten Flugzeugen bis
hin zu experimenteller Raketentechnologie und dem
offensichtlichen Versuch, sich in die Reihen der Nationen mit Nuklearwaffen einzugliedern", so der Artikel im
Wall Street Journal.
Bei der Rüstungsmesse in Bagdad im April 1990
enthüllten die Iraker ein breites Spektrum neuer Technologien, einschließlich des Panzers Löwe von Babylon - ein im Irak montierter sowjetischer T-72 mit von
den Irakern entwickelten Systemen - sowie mehrere
offensichtlich nach sowjetischem Muster gebaute
Raketen, berichtete Associated Press.
Anderen Quellen zufolge umfaßte die irakische Luftwaffe bei Ausbruch des Golfkonflikts 500 bis 550
Kampfflugzeuge, darunter 70 MiG-21 und 70 MiG23BN, 25 MiG-25, 18 MiG-29 und eine unbekannte
Zahl F-7-Jagdflugzeuge chinesischer Bauart, 80 J-7Jagdflugzeuge, 30 Mirage F-1, eine unbekannte Zahl
kleiner in Brasilien gebauter Tucano-Jagdflugzeuge,

Seite 1

�Geschwader mit Tu-22 und Tu-16 Bombern sowie 18
bis 30 MiG-29-Jagdbombern. Berichten zufolge verfügen die Iraker über 40 Mi-24-Angriffshubschrauber,
100 Mi-8-Hubschrauber und Mannschaftstransporthubschrauber. Bei Kriegsausbruch hatte der Irak 300 000
Tonnen an Munitionsvorräten gelagert, so der Washington Post-Korrespondent Jackson Diehl unter
Berufung auf israelische Quellen.

NBC am 20. Januar 1991. Von den Waffen im Wert
von Hunderten Millionen Dollar, die Cardoen an den
Irak verkauft hat, waren - so die Behörden - wenige so
wichtig für Saddam Hussein wie ein kleines, vom
amerikanischen Militär entwickeltes, als Leitschaufel
bezeichnetes Gerät, das Artilleriegranaten und Bomben genau über den Köpfen der gegnerischen Truppen
zündet.

Als der Irak den Iran am 22. September 1980 angriff,
"besaß er bereits eine von der Sowjetunion gelieferte
ballistische Raketenstreitmacht, einschließlich rund
30 FROG-7-Raketenabschußvorrichtungen, 12 bis 36
SCUD-B-Abschußvorrichtungen und mindestens dreimal soviele Raketen beider Typen", stellte SIPRI in
seinem Jahresbericht 1989 fest.

Im Jahr 1984 gründete Saddam Hussein unter dem
Namen CONSEN ein Waffenbeschaffungsnetz mit
Sitz in der Schweiz, um eine ballistische Rakete - die
Condor II - aus Argentinien zu beschaffen. "Die
irakische Rüstungsindustrie ist heute ziemlich modern
und Saddam Hussein zweifelsohne zum Bau seiner
Rakete entschlossen", erklärte Hans-Heino Kopietz,
ein Nahostexperte beim Londoner Internationalen Institut
für Strategische Studien gegenüber Associated Press
in einem im Januar gesendeten Telephoninterview.
"Unseren Erkenntnissen zufolge sind die Iraker fähig,
die Condor II zu bauen, aber es fehlt ihnen noch ein
zuverlässiges Lenksystem. Sie haben versucht, dies
von den Deutschen zu bekommen", stellte Kopietz vor
einem Jahr fest.

Darüber hinaus beschaffte der Irak sich Berichten
zufolge SS-12-Raketen und rüstete die SCUD-B-Rakete
zur al-Hussein auf. Der SIPRI-Bericht stellt jedoch
fest, daß der Irak mit einer Luftwaffe von über 500
Kampfflugzeugen, einschließlich 9 Tu-22-Überschallbombern, 80 Su-20, 70 MiG-23BN und über 135
Mirage F-1 -Jagdbombern "nicht auf seine ballistischen
Raketen angewiesen ist".
Obwohl die irakischen SCUD-Raketen von der Sowjetunion beschafft wurden, verfügt der Irak heute wahrscheinlich über die technische Fähigkeit, sie im Land
aufzurüsten.
Die irakischen Waffengeschäfte im internationalen
Waffenhandel waren nicht auf Regierungstransfers in
Milliarden-Dollar-Höhe und legale Waffenverkäufe
internationaler Unternehmen begrenzt.
Saddam
Husseins militärische Ambitionen umspannten vier
Kontinente sowie ein komplexes Netz von Mittelsmännern, Firmen und Zweigstellen internationaler Unternehmen sowie verdächtiger Waffenlieferanten.
Zu den irakischen Lieferanten zählten der chilenische
Unternehmer Carlos Cardoen, der während des iranisch-irakischen Kriegs Streubomben an Bagdad verkauft hatte.
Nach dem Krieg wendete sich Bagdad dem Journalisten des Londoner The Independent Tim Kelsey
zufolge "an Cardoen als Verbindungsmann für die
Lieferung von in Südafrika gebauten 155mm-Haubitzen, die chemische Granaten abschießen können,
und zu Beginn des Jahres soll der Irak Cardoen
angeblich gebeten haben, modernste Raketenlenksysteme in seinem Auftrag zu beschaffen."
"Cardoen wird amerikanischen Behörden zufolge als
Saddam Husseins wichtigster Lieferant gestohlener
amerikanischer Militärtechnologie eingestuft", erklärt
der NBC-Reporter Brian Ross in der Sendung Expose,
einem wöchentlichen Nachrichtensonderprogramm der

Im Dezember 1990 gab der Irak bekannt, er habe eine
48 Tonnen schwere 3-Stufenrakete abgeschossen,
die einen Satelliten ins All befördern könne und zwei
Boden-Boden-Raketen mit einer Reichweite von 1 240
Meilen gezündet habe. Obwohl amerikanische Regierungsvertreter den Abschuß vom 5. Dezember bestätigen, gaben sie nicht bekannt, um welchen Raketentyp es sich handelte.
Amerikanische Militärs haben erklärt, unter den ersten
Zielen amerikanischer Bomber im Irak seien zwei von
Cardoen gelieferte Fabriken nördlich von Bagdad
gewesen, die zur Massenproduktion von Leitschaufeln, Bombenzündern und Streubomben - alle auf
gestohlener amerikanischer Technologie basierend gebaut wurden. Beide Fabriken wurden den amerikanischen Militärs zufolge ebenso wie die Raketenerprobungseinrichtung zerstört.
Während eines Besuchs in Saudi-Arabien am 10.
Februar erklärte Verteidigungsminister Richard Cheney, die Koalitionsstreitkräfte hätten die irakischen
Produktionseinrichtungen für nukleare, biologische und
chemische Waffen größtenteils zerstört.
Cheney betonte jedoch: "Ich bin von der ernormen
Stärke des irakischen Militärs beeindruckt - der Größe
des Heeres, der riesigen Anzahl von Panzern, den
gehärteten Flugzeugschutzbauten, den umfangreichen
Fernmeldesystemen."
"Diese Streitmacht ist eindeutig für größere Gefechte
ausgelegt - mit weit über die bei der Annexion Kuwaits
hinausgehenden Fähigkeiten", erläuterte Cheney.
* *

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AMERIKA DIENST 7

�GOLFKRIEG
20. Februar 1990

DIE BEITRÄGE DES AUSLANDS ZUR OPERATION
WÜSTENSCHILD
Eine Übersicht des Weißen Hauses

WASHINGTON - (AD) - Die nachfolgend veröffentlichte Übersicht über die Beiträge des Auslands zu den Kosten
der Vereinigten Staaten für die Operation Wüstenschild im Kalenderjahr 1990 wurde am 13. Februar 1991 vom
Weißen Haus herausgegeben.
Der Umfang der Kooperation und der von den Koalitionspartnern übernommenen Verantwortung ist
bemerkenswert. Die Beiträge unserer Partner zu den
Kosten für die Operation Wüstenschild (siehe Tabelle)
sind eindeutiger Beleg für die Solidarität und Geschlossenheit der Koalition.
Im Jahr 1990 betrug der Gesamtumfang der Beteiligung 9,7 Milliarden Dollar oder 88 Prozent der Kosten
von 11,1 Milliarden Dollar, die den Vereinigten Staaten
seit der irakischen Besetzung Kuwaits am 2. August
1990 bis Ende des Jahres entstanden sind.
Kuwait, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen
Emirate decken 62 Prozent der Kosten ab, Deutschland, Japan und Korea übernehmen 26 Prozent.
Über 70 Prozent der ausländischen Beteiligung wurde
bar geleistet, der Rest wurde unter Berücksichtigung
der Wünsche des US-Kommandobereichs Mitte als
Sachleistungen zur Verfügungen gestellt.
Sachleistungen der Golfstaaten sind Nahrungsmittel.
Treibstoff, Wasser, Nutzung von Einrichtungen und
Transport amerikanischer Truppen.
Die Japaner stellten teils durch den Erwerb amerikanischer Produkte, als Sachleistungen Ausrüstung, Computer, Fahrzeuge und Baumaschinen - zur Verfügung.

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Von Deutschland wurde Ausrüstung, wie etwa ABCSpürfahrzeuge und Schwerlasttransporter bereitgetellt.
Bis zum 7. Februar 1991 wurden 7,1 Milliarden der 9,7
Milliarden Dollar an Mitteln aus dem Ausland in Empfang genommen, davon 5,3 Milliarden in bar. Die noch
ausstehenden 2,6 Milliarden Dollar werden voraussichtlich bald eingehen, vor allem in Form von Rückerstattungen in bar.
Zum Beispiel wird die noch von Saudi-Arabien ausstehende 1 Milliarde Dollar die Kosten des Transports seit
Beginn der zweiten Stationierung (8. November 1990)
decken. Das Verteidigungsministerium wird SaudiArabien bald eine Kostenaufstellung vorlegen, damit
die Saudis eine Erstattung vornehmen können.
Die noch ausstehenden saudischen Leistungen werden die am Kriegsschauplatz anfallenden Ausgaben
für Nahrungsmittel. Baumaterial. Treibstoff und anderen Nachschub decken, sobald das Verteidigungsministerium die Kosten erstellt hat.
Der US-Kommandobereich Mitte hat Deutschland,
Japan und Korea über die noch benötigten Sachleistungen informiert. Diese Länder haben sich zur
Lieferung des Nachschubs bereiterklärt, die im Augenblick erfolgt.

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�Operation Wüstenschild
Ausländische Beiträge an Kosten der Vereinigten Staaten1
(in Millionen US-Dollar)
Eingänge
Beiträge

in bar2

Länder des GKR

6 845

4 136

971

5 107

1 738

Saudi-Arabien

3 339

766

854

1 620

1 7193

Kuwait

2 506

2 500

6

2 506

0

VAE

1 000

870

111

981

193

Deutschland

1 072

272

568

840

2324

Japan

1 7405

866

206

1 072

6684

Korea

806

50

11

61

194

3

0

3

3

0

9 740

5 324

1 759

7 083

2 657

Andere

Insgesamt

Sachleistungen

Insgesamt Außenstände

US-Anteil an den Gesamtkosten im Kalenderjahr 1990: 1 354
Gesamte Mehrkosten im Kalenderjahr 1990: 11 094

1

Zahlen der Haushaltsbehörde, Quellen: Beiträge für
August bis 31. Dezember - Verteidigungs-, Außenund Finanzministerium, Barzahlungen - Finanzministerium, Eingänge und Wert der Sachleistungen Verteidigungsministerium, Gesamtkosten für August
bis 31. Dezember - Verteidigungsministerium.
8

1 Milliarde Dollar wurde im Einklang mit dem Bewilligungsgesetz für das Haushaltsjahr 1991 aus dem Etat
für allgemeine Verteidigungsangelegenheiten an das
Verteidigungsministerium überschrieben.
' Erstattungen aus Saudi-Arabien und den Vereinigten
Arabischen Emiraten nach Rechnungsstellung des
Verteidigungsministeriums. Die in bar erfolgte Rückerstattung der Saudis umfaßt den Transport bis ein-

schlie ßlich Dezember für die zweite Stationierung und
am Kriegsschauplatz anfallende Ausgaben für Nahrungsmittel, Baumaterial, Treibstoff und Nachschub.
4

Sachleistungen aus Deutschland, Japan und Korea.
Auftragserteilung ist erfolgt und Ankunft der Waren
steht unmittelbar bevor.
5

Japan stellt anderen Streitkräften der Koalition 260
Millionen Dollar von seinem Gesamtbeitrag von 2
Milliarden Dollar zur Verfügung.

• Korea stellt von seinem Gesamtbeitrag von 95 Millionen 15 Millionen Dollar für andere Streitkräfte der
Koalition bereit.

* * * *

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AMERIKA DIENST 7

�Wl R T S C H A F T
20. Februar 1991

BUSH: "EINDEUTIG" REZESSION IN DEN USA
Wirtschaftsbericht des Präsidenten
WASHINGTON -(AD) - Präsident Bush zufolge sind die Vereinigten Staaten eindeutig in eine Phase der
Rezession eingetreten, die kurzfristige Konjunkturabschwächung sei jedoch kein Anzeichen langfristiger
Probleme.
Bush prognostiziert bis Mitte 1991 einen wirtschaftlichen Aufschwung mit niedrigeren Inflationsraten und
Zinssätzen.
Diese Fakten sind in dem Jahreswirtschaftsbericht des Präsidenten enthalten, den er dem Kongreß am 12.
Februar 1991 zusammen mit dem Jahresbericht der Wirtschaftsberater übermittelt hat.
Nachfolgend veröffentlichen wir den Wirtschaftsbericht des Präsidenten im Wortlaut.

Vor etwa acht Jahren begann der längste Wirtschaftsaufschwung der Vereinigten Staaten in Friedenszeiten. Zu Beginn der neunziger Jahre war die Arbeitslosenquote auf ein seit Anfang der siebziger Jahre
einmaliges Niveau gesunken, und die Inflationsrate
blieb verglichen mit den siebziger Jahren relativ niedrig und bemerkenswert stabil. Über 20 Millionen neuer
Arbeitsplätze wurden dank unserer dynamischen und
vielseitigen Marktwirtschaft - der größten und produktivsten der Welt - geschaffen. Einige Industriezweige
und Regionen erlebten einen rascheren Zuwachs an
Arbeitsplätzen als andere, was den sich abzeichnenden Bedürfnissen und Wünschen der amerikanischen
Bevölkerung und dem rapiden technologischer Fortschritt Rechnung trug. Wie in Zeiten eines Wirtschaftsaufschwungs üblich, variierte die Wachstumsrate der
Produktion des Landes von Jahr zu Jahr.
Die Ereignisse des Jahres 1990 haben uns daran
erinnert, daß selbst eine gesunde Wirtschaft Schocks
und kurzfristige Einbrüche erleben kann. Anfang August
annektierte und besetzte der Irak den kleinen, schutzlosen Nachbarstaat Kuwait und bedrohte Saudi-Arabien. Auf den Weltmärkten stiegen die Ölpreise beträchtlich, und das Vertrauen der Unternehmen und
Verbraucher schwand. Diese Schocks trafen eine
Volkswirtschaft, die bereits aus mehreren Gründen ein
langsameres Wachstum zu verzeichnen hatte, einschließlich weltweitem Anstieg der Zinssätze, ange-

AMERIKA DIENST 7

spannten Kreditkonditionen sowie der sich abschwächenden Wirkung des von der Bundesbank 1988 erfolgreich unternommenen Versuchs, eine Beschleunigung der Inflation abzuwenden. Im vierten Quartal des
Jahres 1990 stagnierte die Produktion der Vereinigten
Staaten, und es wurde deutlich, daß die Wirtschaft in
eine Rezession eingetreten war. Ich wei ß, daß sich die
Menschen in einigen Regionen des Landes ernsthaften wirtschaftlichen Schwierigkeiten gegenübersehen.
Diese vorübergehende Unterbrechung des Wirtschaftswachstums der Vereinigten Staaten signalisiert keine
Schwächung dergrundlegenden langfristigen Lebensfähigkeit der amerikanischen Volkswirtschaft. In der
Tat waren im Jahr 1990 bedeutende wirtschaftliche
Leistungen zu verzeichnen. Obwohl zahlreiche Experten zuvor eine wachsende Inflation vorausgesagt hatten, stieg der Inflationssockel nicht an und zeigte bis
Ende des Jahres einen eindeutigen Rückgang. Niedrige Inflationsraten sind für eine Senkung der Zinssätze und starkes Wirtschaftswachstum unabdingbar.
Das Handelsdefizit der Vereinigten Staaten nahm im
dritten aufeinanderfolgenden Jahr ab. und die amerikanischen Unternehmen waren auf den Weltmärkten
nach wie vor konkurrenzfähig. Die Exporte amerikanischer Produkte erzielten im Jahr 1990 ein ungekanntes Hoch und überstiegen die aller anderen Länder.
Die Produktivität der amerikanischen Fertigungsindustrie nahm weiterhin in beeindruckendem Maße zu.

Seite 1

�Einige Regionen und Industriezweige konnten einen
relativ starken Zuwachs an Arbeitsplätzen verzeichnen.
Die Wirtschaftspolitik meiner Regierung zielt sowohl
auf eine Abschwächung der derzeitigen Flaute als
auch auf die Gewährleistung einer soliden Gesundung
und höchstmöglichen kontinuierlichen Wirtschaftswachstums ab. Da diese Maßnahmen glaubwürdig und
systematisch sind, bauen sie Unsicherheiten ab und
ebnen den Weg zu größerem Wachstum mit anhaltenden Bestrebungen zur Schaffung neuer Arbeitsplätze.
In Anbetracht dieser Maßnahmen wird die derzeitige
Rezession erwartungsgemäß leicht und verglichen mit
früheren kurz sein.
Den Prognosen zufolge wird sich das Wirtschaftswachstum bis Mitte dieses Jahres erholen. Die Inflationsrate und Zinssätze werden voraussichtlich sinken. Mit der Verabschiedung meiner wachstumsfördernden Maßnahmen werden die wirtschaftliche
Gesundung und der nachfolgende Aufschwung erwartungsgemäß stark und anhaltend sowie von kontinuierlichen Fortschritten beim Abbau der Inflation begleitet sein.
Für den weiteren Verlauf der neunziger Jahre ist es
wichtig, sich das einfache Geheimnis des wirtschaftlichen Erfolgs der Vereinigten Staaten in den achtziger
Jahren vor Augen zu führen: eine Regierungspolitik,
die dem Privatsektor gestattete, als Motor für Wirtschaftswachstum zu dienen. Darüber hinaus müssen
wir uns daran erinnern, daß Wirtschaftswachstum der
entscheidende Faktor für den langfristigen Erfolg eines jeden Landes, die Hauptursache für einen höheren
Lebensstandard und der Schlüssel zur Erfüllung der
Bedürfnisse und Wünsche der amerikanischen Bevölkerung ist.
Der Wachstumsprozeß beinhaltet zwangsläufig Veränderungen. Technologischer Fortschritt, Verlagerungen der Bedingungen auf den Weltmärkten sowie
der sich wandelnde Geschmack und demographische
Verschiebungen haben wichtige neue Industrien geschaffen und das Schicksal bestehender Industriezweige drastisch beeinflußt. Die Lektion der Geschichte liegt auf der Hand. Versuche, spezielle
Interessen durch eine Blockierung des natürlichen,
vom Markt gesteuerten Laufs der Wirtschaft - durch
Regulierung, Subventionen oder Protektionismus - zu
schützen, verringern die Flexibilität der Wirtschaft und
beeinträchtigen ihre Fähigkeit zu Wachstum und
Schaffung von Arbeitsplätzen. Wachstum und Wohlstand werden durch Stärkung und Erweiterung der
Marktkräfte gefördert und nicht, indem die freie Wahl
der Arbeitnehmer, Verbraucher und Unternehmer durch
das Diktat der Regierung ersetzt wird.
Der Weg zum Wachstum
Das im vergangenen Herbst verabschiedete Haushaltsgesetz bietet einen festen und glaubwürdigen
Seite 2

mittelfristigen Rahmen für die Steuerpolitik. Es verbessert die Fähigkeit des Steuersystems, die Auswirkungen der derzeitigen Rezession bei gleichzeitiger
Bereitstellung starker Kontrollen zum Abbau der Staatsausgaben als Prozentsatz unseres Bruttosozialprodukts (BSP) abzuschwächen. Ein Hauptgrund, warum
das Haushaltsdefizit in diesem Jahr - vor einem darauffolgenden kontinuierlichen Rückgang - voraussichtlich
steigen wird, ist die Aufstockung der Zahlungen an die
von der aktuellen Konjunkturabschwächung Betroffenen sowie die auf langsameres Wachstum der Einkommen zurückzuführenden geringeren Steuereinnahmen. Die automatische Reaktion auf die Rezession wird dazu beitragen, diese Auswirkungen abzufedern.
Ich habe mich zur Aufrechterhaltung eines Steuersystems verpflichtet, das starkes Wirtschaftswachstum
fördern wird. Mein Vorschlag, die Kapitalertragssteuer
zu senken, würde der Wirtschaft den erforderlichen
Auftrieb verleihen und sie in den kommenden Jahren
auf einen geradlinigen Kurs von Wirtschaftswachstum
und Schaffung von Arbeitsplätzen führen. Ein niedriger Kapitalertragssteuersatz würde unternehmerische
Aktivitäten ermutigen, die bei der Schaffung neuer
Arbeitsplätze, neuer Produkte und neuer Produktionsmethoden eine entscheidende Rolle spielen. Sie würde
den Hang zur Schuldenfinanzierung verringern und
dadurch die von den amerikanischen Unternehmen,
ihren Arbeitnehmern und Aktionären getragenen finanziellen Risiken schmälern.
Die Inflationskontrolle der Bundesbank im gesamten
Verlauf der jüngsten langen Expansion hat die erforderliche Glaubwürdigkeit geliefert, um die derzeitige
Konjunkturabschwächung maßgeblich aufzufangen,
ohne wachsende Inflationserwartungen auszulösen.
Das Vorgehen der Bundesbank in den vergangenen
Monaten wird ferner dazu beitragen, die angespannten Kreditmarktkonditionen zu mildern, die der Wirtschaft hinderlich waren. Es ist unabdingbar, daß die
Bundesbank das für die Aufrechterhaltung kontinuierlichen Wachstums notwendige Geld- und Kreditvolumen beibehält, insbesondere in Zeiten einer wirtschaflichen Flaute. Bei Vermeidung unnötiger Risiken sollten gesunde Banken meines Erachtens häufiger besser abgesicherte Kredite vergeben.
Eine umfassende Bankenreform wird dazu beitragen,
die angespannten Kreditkonditionen durch Abbau
unnötiger Restriktionen im Bankensektor zu lockern.
Gesündere Sparinstitutionen sind für ein solides Finanzsystem unabdingbar. Die Aufhebung von Restriktionen bei Banktransaktionen zwischen den einzelnen Bundesstaaten und den Möglichkeiten von
Banken, sich mit Handels- oder anderen Finanzfirmen
zusammenzuschließen, werden die Wettbewerbsfähigkeit der Banken erhöhen. Diese Veränderungen
werden die Chancen der Banken erweitern, Kapital
anzuziehen und das Risiko einer Verknappung der
Kreditvergabf verringern.
AMERIKA DIENST 7

�Gelegentlich wird von einigen das Argument vorgebracht, die Regierung sollte aut die jüngsten Ölpreissteigerungen durch Regulierung der Energiemärkte
reagieren. Sie wären gut beraten, sich an die Lektionen der siebziger Jahre zu erinnern, als staatliche
Eingriffe die Auswirkungen von zwei Ölkrisen noch
verschärfte und die Amerikaner zwang, viele Stunden
in langen und unnötigen Schlangen vor den Tankstellen zu warten. Andauernde Unsicherheit über die
Energiepreise machen es zwingend erforderlich, daß
sich die Energiepolitik der Vereinigten Staaten sowohl
kurz- als auch langfristig auf die Flexibilität und Effizienz gründet, die nur gut funktionierende Märkte
bieten können.
Die nationale Energiestrategie meiner Regierung fordert den Abbau unnötiger Hemmnisse für die Marktkräfte, so daß umfangreiche Energievorräte zu vernünftig kalkulierten Preisen weiterhin Wirtschaftswachstum fördern können. Darüber hinaus enthält die Strategie Initiativen zur Verbesserung gesicherter Energievorräte für die Vereinigten Staaten und ihre Freunde und Verbündeten, um wirtschaftliche Energiesparmaßnahmen und den Einsatz alternativer Brennstoffe
zu ermutigen sowie die Belastung der Energienutzung
für die Umwelt zu mildern.
Unterstützung langfristigen Wachstums
Die Bundesregierung kann Wirtschaftswachstum weder
zwingend vorschreiben noch wirksam dirigieren, aber
sie kann und sollte Bedingungen schaffen, die marktgesteuertes Wachstum ermutigen. Das macht den
Abbau von Hemmnissen bei Spartätigkeit, Investitionen, Erwerbstätigkeit und Innovationen erforderlich.
Mit der Ermutigung von Wachstum muß die Aufrechterhaltung und Erweiterung der Rolle der Marktkräfte
einhergehen, die damit die Flexibilität der Wirtschaft
verbessern. Versuche, den Markt zu beeinflussen und
staatliche Unterstützung auf bestimmte Firmen, Industrien oder Technologien unter dem Vorwand der
Wachstumsförderung zu lenken, sind unweigerlich
kontraproduktiv.
Das im vergangenen Jahr verabschiedete mehrjährige
Maßnahmenpaket zum Defizitabbau - das größte und
umfassendste Paket dieser Art in der amerikanischen
Geschichte - wird das Haushaltsdefizit verglichen mit
den Sockelprognosen über die nächsten 5 Jahre hinweg um rund 500 Milliarden Dollar abbauen. Diese
beträchtliche Verringerung der Regierungsanleihen
wird die nationale Sparrate erhöhen und die zur Finanzierung Arbeitsplätze schaffender Investitionen in neue
Produktionskapazitäten und Technologien verfügbaren Mittel aufstocken.
Meine Regierung bleibt der Verabschiedung zusätzlicher Maßnahmen zur Verringerung der Kapitalkosten
und Ermutigung von Unternehmertum, Spartätigkeit,
Investitionen und Innovationen unerschütterlich verpflichtet. Ich habe den Kongreß erneut gebeten, den

AMERIKA DIENST 7

Steuersatz auf langfristige Kapitalerträge zu senken
und den Steuerfreibetrag für Forschung und Entwicklung festzuschreiben. Um die private Spartätigkeit zu
ermutigen, enthält meine Haushaltsvorlage erneut
Familiensparkonten und kostenfreie Auszahlungen aus
der Rentenversicherung für erstmalige Hauseigentümer. Meine Regierung bittet um umfangreichere
Unterstützung des Staates für Forschungen, die dem
ganzen Land zugute kommen, und wir werden die
Ergebnisse staatlich geförderter Forschung dem Privatsektor besser zugänglich machen, so daß sie schneller vermarktet werden können.
Starkes Wirtschaftswachstum wird weiterhin eine
gesunde Infrastruktur des Verkehrswesens erfordern.
Die Vorschläge meiner Regierung zur Umstrukturierung des Autobahnprogramms konzentrieren sich auf
ein neues nationales Autobahnnetz, das zu diesem
Ziel wesentlich beitragen würde.
Wirtschaftswachstum erfordert qualifizierte und anpassungsfähige Arbeitskräfte ebenso wie Kapital und
neue Technologie. Qualitativ hochwertige Ausbildung
ist der Schlüssel zur Steigerung der Leistungsfähigkeit
der amerikanischen Erwerbsbevölkerung.
Meine
Regierung engagiert sich stark, um das amerikanische
Bildungswesen zum besten zu machen, so daß amerikanische Arbeitnehmer weiterhin effektiv mit ihren
Kollegen in anderen Ländern konkurrieren können.
Um dieses Ziel zu erreichen, müssen die Grund- und
weiterführende Schulausbildung drastisch verbessert
werden. Mehr Geld bedeutet nicht mehr Qualität Amerika liegt mit seinem Bildungsetat bereits mit an
oberster Stelle. Erforderlich ist eine grundlegende
Reform.
Die Regierungspolitik sollte darauf abzielen, Kontrolle
in die Hände des einzelnen und der Familien zu legen
und ihnen die Mittel und Anreize zur Verbesserung
ihres Lebens zu geben. Das hei ßt, Studenten und ihre
Familien sollten die Wahl haben, zwischen unterschiedlichen Schulen zu entscheiden, und qualifizierten Akademikern dürfen keine unnötigen Hindernisse
in den Weg gelegt werden, wenn sie einen Lehrberuf
ergreifen wollen. Meine Regierung strebt die Verabschiedung eines neuen Gesetzes zur Verbesserung
der Qualität des Bildungswesens (Educational Excellence Act) an, das die freie Wahl der Ausbildung
fördert, ferner alternative Ausbildungsgänge für Lehrer
und Schulleiter, Auszeichnungen für hervorragende
Lehrer und solche Schulen, die Leistungen ihrer Schüler anheben sowie neue Ansätze für Mathematik und
naturwissenschaftliche Fächer.
Das Einwanderungsgesetz von 1990, die erste tiefgreifende Reform legaler Einwanderung in den letzten
25 Jahren, wird den Umfang der Einwanderungen
insbesondere qualifizierter Arbeitnehmer erheblich
erhöhen. Diese neuen Arbeitnehmer werden ihren
Beitrag zum Wirtschaftswachstum der Vereinigten

Seite 3

�Staaten leisten und ebenso zur sozialen und kulturellen Vielfalt des Landes beitragen.
Das Gesetz über behinderte Amerikaner stellt die
wichtigste Ergänzung zu den Bürgerrechten in den
vergangenen 25 Jahren dar. Es sieht vor, daß mehr
behinderte Bürger in die Wirtschft integriert werden
und ihr eigenes Leben verbessern, indem sie zur
wirtschaftlichen Stärke des Landes beitragen.
Im letzten Jahr wurden wichtige Gesetze verabschiedet, die dem einzelnen mehr Kontrolle und mehr Chancen
einräumen. Die Erweiterung der Steuerfreibeträge,
die neuen Krankenversicherungsbeiträge und andere
Bestimmungen zur Kinderbetreuung in der Gesetzgebung von 1990 werden das Geld für Kinderbetreuung
direkt in die Hände der Eltern und nicht mehr der
Verwaltungen legen. Mit der Initiative zur Förderung
des Erwerbs von Hauseigentum (Homeownershipand
Opportunity for People Everywhere - HOPE) im Rahmen des Gesetzes zur Förderung von Wohneigentum
(National Affordable Housing Act) wird die Zahl der
Hauseigentümer steigen, und mehr Familien werden
Verantwortung in ihren Gemeinden übernehmen. Meine
Regierung unterstützt einhellig die Erweiterung von
MEDICAID, um mehr schwangeren Frauen und Kindern in Familien mit geringem Einkommen eine Krankenversicherung zur Verfügung zu stellen.
Aber es gibt noch mehr zu tun. Meine Regierung wird
weiterhin die Einführung von Gewerbegebieten anstreben, um Unternehmertum und Investitionen zu
fördern und in strukturschwachen Regionen Arbeitsplätze zu schaffen. Wir werden Initiativen vorschlagen, die Kindersterblichkeit, Vorsorgemaßnahmen und
Ernährung in den Vordergrund stellen, um die Gesundheit derjenigen zu erhöhen, die am wenigsten für sich
selbst sorgen können.
Flexibilität und staatliche Eingriffe
Die bemerkenswerte Flexibilität der amerikanischen
Wirtschaft, die ihre Grundlage in freien Märkten hat, ist
eine wichtige nationale Errungenschaft. Eine flexible
Wirtschaft kann die Auswirkungen negativer Entwicklungen, wie etwa drastische Ölpreissteigerungen,
auffangen und sich Innovationen und andere neue
Möglichkeiten zunutze machen. Tatsächlich ist die
Reaktionsfähigkeit der Wirtschaft auf neue Chancen
eine wichtige Triebfeder für Innovation und Quelle
einer dynamischen Wirtschaft.
Staatliche Eingriffe reduzieren im allgemeinen die
Flexibilität der Wirtschaft und sollten deshalb nur eine
untergeordnete Rolle spielen. Wo sie erforderlich sind,
sollten entsprechende Programme streng auf ihre
Rentabilität hin untersucht werden, sich im öffentlichen
Interesse die Macht der Marktkräfte zunutze machen
und diese Kräfte nicht verzerren oder schmälern.
Aus der Sparbankenkrise, auf die meine Regierung
unmittelbar reagiert hat, sollte nicht die Lehre gezogen

Seite 4

werden, daß Wettbewerb und Innovation mit Sicherheit und Stabilität des Finanzsektors unvereinbar sind.
Diese Erfahrung zeigt vielmehr, daß schlecht erarbeitete Vorschriften, unzureichende Anleitung und eine
Beschränkung der risikomindernden Diversifizierung
zusammenwirken und ein Verhalten hervorbringen
können, mit dem das Vertrauen der Gläubiger erschüttert und den Steuerzahlern unnötige Lasten aufgebürdet werden.
Wir können und müssen die Sicherheit und Funktionsfähigkeit unseres Bankwesens gewährleisten und
weiterhin den vollen Schutz für gesicherte Einlagen
übernehmen, gleichzeitig aber zur Verbesserung der
Effizienz und Förderung von Innovation Wettbewerb
zulassen. Mit den Vorschlägen meiner Regierung zu
einer umfassenden Reform des Vorschriftenkatalogs
für Banken werden wir dieses Ziel erreichen. Darüber
hinaus werden diese Reformen die Fähigkeit amerikanischer Banken steigern, auf den Weltmärkten der
Finanzdienstleistungen zu konkurrieren.
Die im vergangenen Jahr verabschiedeten Landwirtschaftsgesetze enthielten wichtige Ansätze für eine
marktorientierte Agrarpolitik und bedeuteten eine Abkehr
von staatlicher Dominanz dieses lebenswichtigen und
entwicklungsfähigen Sektors. Den Landwirten wird
größere Flexibilität bei Anbauentscheidungen zugestanden, mit der sowohl ihr Einkommen stabil bleibt als
auch das Geld des Steuerzahlers gespart wird.
Marktorientierte Initiativen können auch eine Schlüsselrolle in der Umweltpolitik spielen. Im Jahr 1989 hat
meine Regierung eine umfassende Gesetzgebung zur
Bekämpfung der Luftverschmutzung vorgeschlagen.
Dieser Vorschlag hat uns aus einem Patt herausgeführt, das seit über zehn Jahren Maßnahmen des
Kongresses blockiert hat, und im vergangenen Jahr
wurde ein bahnbrechendes Gesetz zur Luftreinhaltung
verabschiedet - die wichtigste Gesetzgebung dieser
Art in der Geschichte des Landes. Das Kernstück
dieses Gesetzes ist ein innovatives, marktorientiertes
Programm zur Kontrolle - mit dem geringstmöglichen
Kosten für die Wirtschaft - der Emissionen, die sauren
Regen verursachen. Alle Bestimmungen dieses
Gesetzes werden durchgeführt, um unnötige Belastungen für amerikanische Arbeitnehmer und Firmen
zu vermeiden.
Wirtschaftswachstum und Umweltschutz sind vereinbar, aber nur wenn umweltpolitische Ziele das Ergebnis einer sorgfältigen Rentabilitätsanalyse widerspiegeln und wenn Umweltbestimmungen eine maximale
Flexibilität garantieren, um diese Ziele mit den geringstmöglichen Kosten zu verwirklichen. Meine Regierung wird sich weiterhin von den Verpflichtungen
einer weltpolitischen Rolle leiten lassen, und wir wollen
sowohl die Umwelt schützen als auch ein Wirtschaftswachstum beibehalten, das allen Kindern auf der Welt
die Möglichkeit einräumt, ein besseres Leben zu leben
als ihre Eltern.

AMERIKA DIENST 7

�Eine Führungsrolle in der Weltwirtschaft

*.

In der gesamten Nachkriegszeit haben die Vereinigten
Staaten die Welt in ein System freien Handels und
offener Märkte geführt. Die Vorzüge weltweiter wirtschaftlicher Integration und umfangreicheren Welthandelswaren im In- und Ausland erheblich. Amerikanische Firmen bringt der Zugang zu den Weltmärkten
Vorteile, amerikanische Arbeitnehmer profitieren von
ausländischen Investitionen in Amerika, und amerikanische Verbraucher können Waren und Dienstleistungen aus der ganzen Welt kaufen. Wettbewerb und
Innovation wurden stimuliert, und Unternehmen konnten ihre Effizienz steigern, indem sie Zweigstellen auf
der ganzen Welt eröffneten. Der überaus große
Wohlstand und die Lebensfähigkeit marktorientierter
Volkswirtschaften - und der Untergang des sozialistischen Modells - weisen den Weg für Fortschritt und
Wachstum in der Zukunft.
Meine Regierung wird weiterhin starken Druck ausüben, damit es offene Märkte in allen Ländern - einschließlich unserer eigenen Nation - gibt, und wir
werden uns weiterhin dem Protektionismus widersetzen. Protektionistische Handelsschranken legen einer
großen Gruppe Belastungen auf, damit den Interessen
weniger gedient ist und reduzieren lediglich die Wettbewerbsfähigkeit des Landes. Staatliche Versuche,
die Entscheidungen internationaler Märkte zu übergehen und den Handel oder Investitionsfluß zu dirigieren,
mindern unweigerlich die Flexibilität der Wirtschaft und

schrauben den Lebensstandard herunter.
Als wichtigstes Ziel in der Handelspolitik verfolgt meine
Regierung weiterhin den erfolgreichen Abschluß der
Uruguay-Runde des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT). Erfolge in der Uruguay-Runde
würden Agrarmärkte öffnen, Zölle auf viele Produkte
verringern oder abschaffen, das GATT-System stärken und es auf wichtige neue Bereiche erweitem, wie
etwa Dienstleistungen, Investitionen und geistiges
Eigentum - wichtige Faktoren für die Lebensfähigkeit
der amerikanischen Wirtschaft. Diese Verbesserungen würden die Fähigkeit der Weltwirtschaft maßgeblich erhöhen, den Lebensstandard in den Vereinigten
Staaten und auf der ganzen Welt anzuheben. Andererseits würde ein Scheitern die Spannungen im Handel
steigern und könnte zu einer destruktiven neuen Runde
des Protektionismus führen.

Handels zu bereiten. Wir haben unsere Absicht zur
Aufnahme von Verhandlungen über eine Freihandelszone mit Mexiko bekundet. Meine Initiative zur Förderung der Privatwirtschaft in allen Ländern Amerikas
verspricht Wachstum und Wohlstand auf dem ganzen
Kontinent anzukurbeln, indem sie Schranken für Handel
und Investitionen aufhebt. Diese Initiative zielt ebenfalls darauf ab, offiziell die Schulden von Ländern zu
reduzieren, die umfangreiche Wirtschaftsreformen
durchführen und gründet sich damit auf die anhaltende
Unterstützung meiner Regierung für einen Schuldenabbau.
Amerika bleibt ein Symbol der Hoffnung für Menschen
auf der ganzen Welt. Unser Land gibt nach wie vor ein
leuchtendes Beispiel dafür, daß politische Demokratie
und freie Märkte sich gegenseitig verstärken und
zusammen zu Freiheit und Wohlstand führen. Die
Länder auf diesem Kontinent und die aufstrebenden
Demokratien Osteuropas unternehmen energische
Schritte, um Amerikas Beispiel zu folgen. Die Herausforderungen, die sich diesen Ländern bei der tiefgreifenden Umstrukturierung ihrer Volkswirtschaft stellen,
sind enorm. Meine Regierung wird ihre einhellige
Unterstützung und Hilfe für ihre lebenswichtigen und
historischen Betrebungen fortsetzen.
Ausblick
In meinem Wirtschaftsbericht des vergangenen Jahres habe ich erklärt, daß ich voller Hoffnung und
Optimismus in die neunziger Jahre blicke. Trotz der
wirtschaftlichen Ereignisse des Jahres 1990 besteht
guter Grund zu Hoffnung und Optimismus, da unser
Land in das nächste Amerikanische Jahrhundert eintritt.
Im Sinne gesunder wirtschaftspolitischer Prinzipien ist
meine Regierung bestrebt, die bestmögliche Rate für
dauerhaftes Wirtschaftswachstum zu erzielen. An
diesen Prinzipien müssen wir weiterhin festhalten,
wenn wir die Auswirkungen der gegenwärtigen Rezession mindern und die Basis des starken Wachstums in
den kommenden Jahren stärken wollen. Wirtschaftswachstum ist nach wie vor der Schlüssel zur Anhebung
des Lebensstandards aller Amerikaner, zur Schaffung
von Arbeitsplätzen und zur Aufrechterhaltung von
Amerikas wirtschaftlicher Führungsrolle.

Darüber hinaus hat meine Regierung Schritte unternommen, um den Weg für einen Kontinent des freien

*

AMERIKA DIENST 7

*

Seite 5

�AIRBUS
20. Februar 1991

DER HINTERGRUND DER AMERIKANISCH-DEUTSCHEN
MEINUNGSVERSCHIEDENHEITEN ÜBER DEN AIRBUS
Eine Übersicht der US-Handelsbeauftragten
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine vom Büro der US-Handelsbeauftragten am 14.
Februar 1991 herausgegebene Übersicht zum Hintergrund der amerikanischen Vorbehalte gegen die von der
Bundesregierung gewährten Beihilfen zur Absicherung von Wechselkursrisiken bei Airbus-Verkäufen.

Der deutsche Plan zur Absicherung gegen Wechselkursschwankungen wurde im November 1988 angekündigt. Zu jenem Zeitpunkt ersuchte die US-Regierung die Regierung der Bundesrepublik Deutschland,
das Programm nicht zu verwirklichen. Trotzdem
genehmigte die EG-Kommission im Jahr 1989 ein
umfassendes finanzielles Sanierungskonzept für die
Deutsche Airbus und ihr Stammunternehmen Messerschmidt-Bölkow-Blohm (MBB), das heute Teil der
Deutschen Aerospace, eines Tochterunternehmens
von Daimler-Benz ist. Diesem Plan zufolge werden
Verluste, die dem hohen Wert der D-Mark gegenüber
dem US-Dollar zugeschrieben werden, von der Bundesregierung ausgeglichen.
Der Subventionskodex verbietet es Regierungen
ausdrücklich, Exportsubventionen zu gewähren, darunter auch direkte Bargeldzahlungen sowie Programme zur Absicherung von Wechselkursrisiken, ohne
dafür angemessene Versicherungsprämien zu verlangen. Angesichts der Kommissionsentscheidung für
das deutsche Wechselkurskonzept hielten die Vereinigten Staaten im Mai 1989 gemäß dem Abkommen
über Interpretation und Anwendung der Artikel VI, XVI
und XXIII des GATT (des "Subventionskodex") Konsultationen mit der Europäischen Gemeinschaft ab,
um gegen die deutsche Handlungsweise Beschwerde
einzulegen. Bei diesen Konsultationen und zusätzlichen Treffen, die seither mit Vertretern der Europäischen Gemeinschaft und den Regierungen der Bundesrepublik Deutschland und anderer interessierter
Mitgliedstaaten stattfanden, haben die Vereinigten
Staaten wiederholt deutlich gemacht, daß sie den
deutschen Plan zur Absicherung von Wechselkursrisiken, für den keinerlei Versicherungsprämien verlangt
werden, als staatlichen Eingriff betrachten, der gemäß

AMERIKA DIENST 7

Artikel 9 sowie der Erläuternden Liste von Exportsubventionen des Subventionskodex ausdrücklich verboten ist.
Als durch dieses Verfahren keine beiderseitig akzeptable Lösung erreicht werden konnte und die Bundesregierung an die Verwirklichung ihres Plans ging, unterbreiteten die Vereinigten Staaten im Dezember 1989
die Angelegenheit dem Subventionskodex-Ausschuß
zur "Schlichtung". Der Ausschuß, dem alle Unterzeichnerstaaten des Kodex angehören, führte im Januar
1990 mit allen Parteien ein Schlichtungsverfahren
durch.
Nach dem Treffen des Kodexausschusses im Januar
1990 versuchten die Vereinigten Staaten und die EG,
die Angelegenheit im Rahmen einer umfassenden
Beilegung der seit langem bestehenden amerikanischen Vorbehalte gegen die übermäßige Subventionierung des Airbus durch dessen Partnerunternehmen
und die Europäische Gemeinschaft zu lösen.
Die Vereinigten Staaten hatten gehofft, künftige Subventionen für den Airbus durch eine auf dem Verhandlungsweg herbeigeführte Regelung in geordnete Bahnen zu lenken und ihre nachteiligen Auswirkungen
drastisch zu reduzieren. Die Vereinigten Staaten
bedauern, daß dieses Ziel nicht erreicht wurde. Jüngste amerikanische Vorschläge zur Überbrückung der
unterschiedlichen Haltungen sind von den Europäern
zurückgewiesen worden.
In der Zwischenzeit hat die Bundesregierung gemäß
dem Garantiekonzept im Jahr 1990 390 Millionen DM
an Daimler-Benz ausgezahlt. Darüber hinaus wurde
unlängst verdeutlicht, daß das deutsche Programm
umfassender war als bisher bekannt und sich sowohl

Seite 1

�13,5 Milliarden Dollar oder sogar auf 19,4 Milliarden,
wenn man die bei den Regierungen aufgelaufenen
Zinsen einrechnet. Dies ist das Ergebnis einer im
September 1990 fertiggestellten privaten Studie, die
vom US-Wirtschaftsmini9terium in Auftrag gegeben
wurde. Dieselbe Untersuchung kam zu dem Schluß,
daß sämtliche bis heute abgewickelte Airbus-Programme unwirtschaftlich waren, das heißt, daß sie
nicht den für ein privates Unternehmen notwendigen
Ertrag erbracht haben und die amerikanische Industrie
dadurch geschädigt wurde.

auf Zulieferfirmen als auch auf die Deutsche Airbus
selbst bezog. Die deutschen Wechselkursbeihilfen
allein belaufen sich durchschnittlich auf etwa 2,5 Millionen Dollar für jeden im Jahr 1990 ausgelieferten Airbus. Diese Summe wird zusätzlich zu den 5,8 Milliarden Dollar geleistet, die in den vergangenen 20 Jahren
bereits von der Bundesregierung für das Airbus-Programm bereitgestellt wurden.
Die gesamten staatlichen Subventionen für alle Airbus-Partnerunternehmen belaufen sich bis heute auf

* *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 7

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Stromversorgung aus dem Reaktor&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Argonne National Laboratory nimmt neue Anlage in Betrieb&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Die Wissenschaft notiert&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Hormonhaushalt und Krebserkrankungen&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Störungen im biochemischen Gleichgewicht&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Lebendige Musik bleibt das stärkste Erlebnis&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Jugendorchester und Jugendkonzerte in Amerika&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Aus dem kulturellen Leben&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ein neuer O'Neill&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Körperbehinderte stellen aus&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Graphiken 1400-1800&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Liste der Gedenktage im April 1957&lt;/strong&gt;</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

zu. März l*8i&gt;

12

INHALT

DOKUMENTATION
Shultz sieht Chancen für Dialog auf höchster Ebene
- Pressekonferenz des US-Autenministers Sowjets arbeiten intensiv an strategischen Defensivtechnologien
- Pressekonferenz von Botschafter Nitze -

Sowjets stellen weitere SS-20 auf
- Pressekonferenz von Unterstaatssekretär Richard Burt -

H1NTERÜRUNDMATER1AL
Hoffnung auf bessere amerikanisch-sowjetische Beziehungen
- Pressekonferenz von US-Vizepräsident Bush in Moskau
Das nordamerikanische Luft- und Weltraumverteidigungssystem (NORAD)
- Kurzinformation * * * * *

Um Über/cndung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 B o n n 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�12

20. März 1985

SHULTZ SIEHT CHANCEN F"ÜR DIALOG AUF HÖCHSTER EBENE
- Pressekonferenz des US-Außenministers -

WASHINGTON - (AD) - In einer Erklärung zu Beginn seiner Pressekonferenz am 15. März 1985 in Washington betonte Außenminister George Shultz,
für die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion bestünde "eine Gelegenheit für einen Dialog auf hoher Ebene, um die einzelnen Probleme anzugehen und zu konkreten Ergebnissen zu gelangen."

Zu den Problemen gehören dem Außenminister zufolge die Verringerung
der Rüstungen, die regionalen Meinungsverschiedenheiten, bilaterale Fragen sowie das Thema der Menschenrechte.

"In jedem dieser Bereiche gibt

es Meinungsverschiedenheiten - objektiv unterschiedliche Wertvorstellungen, wie auch Interpretationen des nationalen Interesses -, die nur schwer
beizulegen sein werden."

Die Erklärung

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432*

�Die Erklärung des Außenministers hat folgenden Wortlaut:

Ich war gerade beim Präsidenten und habe ihm über des Vizepräsidenten
und meine Reise nach Moskau sowie über unser Treffen mit Generalsekretär
Gorbatschow Bericht erstattet.

Der Präsident hatte uns eine klare, konstruktive Botschaft mit auf
den Weg gegeben.
Augenblick

Er ist der Meinung, daß dies ein potentiell bedeutsamer

für die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen ist.

Er hat

seine zweite Amtszeit begonnen und seine politischen Vorstellungen sind
überzeugende Wirklichkeit geworden; wir und die Sowjets sitzen in Genf
wieder am Verhandlungstisch; und jetzt gibt es in Moskau diese neue Füh-

i.

rung.

Deshalb haben die beiden Regierungen nun eine Gelegenheit für einen
Dialog auf hoher Ebene, um die einzelnen Probleme anzugehen und zu konkreten Ergebnissen zu gelangen.

Der Präsident ist auch weiterhin bereit,

diesen Prozeß mit Energie und Realismus zu verfolgen.

Hierzu hat er uns

angewiesen, dem Generalsekretär eine freimütige Beurteilung der vor uns
liegenden Hindernisse und Möglichkeiten zu unterbreiten.

Die Themenbereiche selbst sind wohlbekannt: Dazu gehören die Verringerung

der

Rüstungen,

regionale

Meinungsverschiedenheiten,

bilaterale

Fragen sowie die Menschenrechte.
. In jedem dieser Bereiche gibt es Meinungsverschiedenheiten - objektiv
unterschiedliche Wertvorstellungen wie auch Interpretationen des nationalen Interesses -, die nur schwer beizulegen sein werden."
i

Der Präsident hat die feste Absicht, in allen Bereichen auf konstruktivere Beziehungen hinzuarbeiten.

- In Genf ist oberstes Ziel, so bald wie möglich zu einem Abkommen hinsichtlich starker Verringerungen bei den nuklearen Offensivwaffen zu
gelangen.

Außerdem möchten wir mit den Sowjets einen längerfristigen
- 2-

�einen längerfristigen Dialog darüber beginnen, welchen Beitrag die
strategischen

Verteidigungen

Beziehungen leisten könnten.

hinsichtlich

stabilerer

militärischer

Wir sehen auf keiner Seite Hindernisse,

warum wir bei diesen Gesprächen nicht zu einer konkreten Diskussion
kommen sollten.

- Präsident Reagan ist weiterhin der Meinung, daG wir zu einem besseren
Verständnis mit der Sowjetunion hinsichtlich der beiderseitigen Notwendigkeit gelangen

sollten, zu friedlichen Lösungen der Probleme

dieser Welt - insbesondere in Regionen der Krise und der potentiellen
Konfrontation - zu kommen.

- In Widerspiegelung seiner eigenen tiefen 'Überzeugung wie auch jener
des amerikanischen Volkes und des Kongresses sähe der Präsident auch
gerne Fortschritte im Bereich der Menschenrechte.

Er hofft, daß ein

weiterer Dialog und vertrauliche Diplomatie sowie eine tiefere sowjetische Einsicht in die positiven Auswirkungen, die Fortschritte
gerade auf diesem Gebiet auch in anderen Bereiche unserer Beziehungen
haben könnte, Ergebnisse zeitigen.

- Schließlich ist der Präsident bereit, eine Ausweitung der bilateralen
Zusammenarbeit in einer ganzen Bandbreite von Bereichen anzustreben:
Kontakte von Mensch zu Mensch, kultureller Austausch, Sicherheit des
Luftverkehrs, nichtstrategischer Handel und andere Themen des beiderseitigen Interesses.

Derzeit sind wir in einer ganzen Anzahl von Be-

reichen mitten im Gespräch mit den Sowjets.

Es gibt in den Vereinigten Staaten eine natürliche Tendenz, Wandel
optimistisch zu sehen - wir sind eine Nation von Optimisten und das ist
gut so. Wir neigen auch dazu, im Zweifel erst einmal für den anderen zu
sein - und auch das ist gut so.

In diesem Geist setzen wir auch das Ge-

spräch mit der Sowjetunion in mehreren Bereichen fort.
Aber zusammen mit unserem guten Glauben und unserer Hoffnung tragen
wir auch ein gesundes Maß an Realismus mit uns - ein Realismus, der sich

�der sich auf die historische Erfahrung gründet, daß sich unsere Erwartungen nicht immer erfüllt haben.
Wir und die Sowjetunion tragen ein gewaltiges Maß an Verantwortung
für die Aufrechterhaltung des Friedens und die Förderung eines besseren
Verständnisses. In den kommenden Monaten beabsichtigt der Präsident, alle -seine Bemühungen beiden Zielen zu widmen.

* * * # #

�20. März 1985

12

SOWJETS ARBEITEN INTENSIV AN STRATEGISCHEN DEFENSIVTECHNOLUÜiEN
- Pressekonferenz von Botschafter Nitze -

Washington -(AD)- Am 14. März 198i&gt; äußerte sich Botschafter Paul Nitze, der Sonderberater des amerikanischen Präsidenten für Fragen der Rüstungskontrolle, im Gespräch mit Journalisten zur Strategischen Verteidigungsinitiative der Vereinigten Staaten und zu verschiedenen Fragen der
Rüstungskontrolle. Wir geben den Wortlaut des Gesprächs, das am 16. März
von der "Stimme Amerikas" ausgestrahlt wurde, im folgenden in Auszügen
wieder:

FRAGE; Botschafter Nitze, Präsident Reagan hat klargestellt, daß man
über

die

von

ihm

vorgeschlagene

Strategische

Verteidigungsinitiative

(SD1) zwar sprechen, aber nicht verhandeln könne. Die Sowjets haben darauf erwidert, indem sie erklärt haben, daß sie auf eine Weiterführung der
amerikanischen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten im Rahmen der SDI mit
einer erheblichen Vergrößerung ihres Potentials an Offensivwaffen reagieren würden ... Es wird vielfach angenommen, daß damit die Sackgasse für
die gerade anlaufenden Verhandlungen schon vorgezeichnet sei. Gibt es irgendwelche Gründe für die Annahme, daß eine der beiden Seiten sich in
grundlegenden Verhandlungspositionen noch bewegen kann oder wird, nachdem
sich beide durch so viele öffentliche Erklärungen festgelegt haben ?
ANTWORT: ...

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432"

�ANTWORT: ... Bei der SDI handelt es sich um ein Forschungsprogramm.
Der Sinn der in ihrem Rahmen durchzuführenden Forschungsarbeiten besteht
darin, Defensivsysteme zu entwickeln, mittels derer die Wiedereintrittsflugkörper ballistischer Raketen bekämpft werden können. Da die SDI ein
Forschungsprogramm ist, steht sie auch völlig im Einklang mit dem ABMVertrag. Die Sowjets stimmen mit uns darin überein, daß es nicht möglich
ist, ein Abkommen auszuhandeln, mittels dessen sich Forschung begrenzen
ließe. Wirkliche Probleme würden erst dann auftauchen, wenn diese Forschungsarbeiten zu kosteneffektiven und überleuensfähigen Waffensystemen
führten, in diesem Falle würden die Vereinigten Staaten bestrebt sein,
mit der Sowjetunion darüber zu verhandeln, wie solche Systeme bei den
Streitkräften beider Seiten in einer Art und Weise eingeführt werden
könnten, die die beiderseitige Sicherheit erhöhen würde. Das wäre nicht
destabilisierend, sondern von Vorteil für alle und auch von Nutzen für
den Frieden.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind wir bereit, diese Fragen mit der Sowjetunion zu erörtern, obwohl wir noch gar nicht wissen, wie solche Waffensysteme genau aussehen würden, ich wiederhole: Forschung als solche
ist nichts, worüber man verhandeln kann; das war noch nie möglich. Die
Sowjets schlagen auch gar nicht vor bzw. haben nie vorgeschlagen, daß man
die Forschung vertraglich begrenzen sollte. Was mit solchen Waffensystemen getan werden könnte, falls sie tatsächlich entwickelt würden und
machbar erschienen, ist bereits durch den ABM-Vertrag festgelegt, und wir
schlagen vor, an dem Vertrag festzuhalten und mit den Sowjets zu erörtern, wie solche Systeme bei den Streitkräften beider Seiten eingeführt
werden könnten. ...

FRAGE: Herr Botschafter, man fragt sich vielfach, ob eine Bewilligung
der Mittel für die MX-Rakete durch den Kongreß Auswirkungen auf die Verhandlungen in Genf haben würde. ...

ANTWORT: ... Ich habe bei meiner Anhörung (vor dem Kongreß) gesagt,
daß zwischen der Bereitschaft und Entschlossenheit der Vereinigten Staaten zur Aufrechterhaltung eines angemessenen Abschreckungspotentials und
der Möglichkeit

eines sinnvollen Rüstungskontrollabkommens

ein klarer

�ein klarer Zusammenhang besteht ... Als ich gefragt wurde, welche unmittelbaren Auswirkungen sich ergeben würden, sagte ich, daß meines trachtens keine unmittelbare Reaktion erfolgen würde ... Langfristig gesehen
wäre es jedoch sehr schädlich und sogar verheerend für uns, wenn die Mittel für die MX nicht bewilligt würden.

FRAGE: Könnte es nicht sein, daß in dem Falle, daß man eine Ablehnung
der MX durch den Kongreß als Kompromiß der Vereinigten Staaten verstünde,
dies die Sowjets veranlassen würde, ihrerseits Kompromisse zu machen ... V

ANTWORT: Sie erinnern sich sicherlich noch an Harold Brown, der unter
der Carter-Administration Verteidigungsminister war. Ihm wurde einmal eine ähnliche Frage gestellt, und er sagte daraufhin: "Wir haben die Erfahrung gemacht, daß die Sowjets aufrüsten, wenn wir aufrüsten, aber auch
dann aufrüsten, wenn wir nicht aufrüsten." Wir haben bisher noch nicht
erlebt, daß die Sowjets einseitige Rüstungsverminderungen des Westens honoriert hätten. ...
FRAGE: Wenn die Vereinigten Staaten mit der Forschung und Entwicklung
im SDI-Bereich weitermachten und schließlich auch zur Aufstellung solcher
Systeme übergingen, würden die Sowjets dann im Gegenzug nicht einfach ihr
eigenes Offensivpotential

umstrukturieren, beispielsweise

durch seege-

stützte Marschflugkörper ?

ANTWORT: ... Es ist richtig, daß Marschflugkörper eine andere Art von
Waffen darstellen als die Wiedereintrittsflugkörper ballistischer Raketen. Die gegenwärtig gefährlichsten NuklearSysteme, d.h., die, die am
ehesten das Vergeltungspotential der anderen Seite außer Gefecht setzen
könnten, sind jedoch die Wiedereintrittsflugkörper der ballistischen Raketen. Sie haben eine kürzere Flugzeit, eine hohe Treffsicherheit und eine große Zerstörungskraft. Daher bilden die ballistischen Raketen heute
die Hauptgefahr, und ein Abwehrsystem gegen sie würde somit der Hauptgefahr begegnen. Das bedeutet jedoch nicht, daß man alle Gefahren aus der
Welt geschafft hätte, wenn man dieser einen erfolgreich begegnen könnte.
•*•

Ich glaube,

�Ich glaube, es wird oft nicht erkannt, daß die Sowjetunion den Defensiv- und den Offensivwaffen immer das gleiche Maß an Aufmerksamkeit geschenkt hat. Nach unseren Schätzungen haben die Sowjets ungefähr jeweils
die Hälfte ihrer Ausgaben für die strategische Rüstung auf Defensiv- und
auf Offensivsysteme verwandt. ... Sie betreiben schon seit langem Forschungsarbeiten im Bereich neuer Verteidigungstechnologien. ... Bei unseren Forschungsarbeiten handelt es sich also keineswegs um eine einseitige
Angelegenheit. Die Sowjets arbeiten sogar schon länger an diesen Dingen
als wir. Sie sind heute die einzigen, die ein effektives ABM-System (Raketenabwehrsystem) haben ... Lin einsatzfähiges ASAT-System (Antisatellitensystem) besitzen sie ebenfalls schon. Wir dagegen haben zum gegenwärtigen Zeitpunkt weder ein ABM- noch ein einsatzfähiges ASAT-System. Wir
sind erst dabei, ein Forschungsprogramm zur Entwicklung eines solchen Systems einzuleiten. Ich glaube, es ist wichtig für den Westen, keine Lage
entstehen zu lassen, in der nur die Sowjetunion solche Abwehrsysteme besitzt. Die Sowjets verfügen auch über ein sehr starkes Üffensivpotential.
Ihre Möglichkeiten zum Linsatz von Kernwaffen gegen militärische Ziele
sind heute umfassender als die unsrigen. Wenn man dies in Zusammenhang
mit ihrer überlegenen Abwehr sieht, dann kommt man zu dem Schluß, daß wir
vor einer Lage stehen, in der wieder ein besseres Gleichgewicht hergestellt werden muß. Genau das versuchen wir. Wir können das teilweise erreichen, indem wir selbst nachziehen. Ls wäre jedoch besser, wenn man
sich auf eine echte Verminderung der Offensivwaffen sowie auf eine Begrenzung der Defensivwaffen verständigen könnte.

FRAGL: Herr Botschafter, Sie haben die Bedingungen für die Einführung
von SDI-Systemen genannt: Sie müssen überlebensfähig und kosteneffektiv
sein ... Man hat zuweilen gesagt, daß diese Bedingungen extrem streng und
eigentlich nicht zu erfüllen seien. ...

ANTWORT: ... Wenn ich "überlebensfähig" sage, dann spreche ich nicht
von einem perfekten Abwehrsystem, ich meine vielmehr, daß die Bestandteile eines solchen Abwehrsystems ein vernünftiges Maß an Überlebensfähigkeit besitzen sollten ... Wenn dies nicht der Fall wäre, dann könnte ein
Angreifer seinen ersten Schlag gegen die verwundbaren Teile des Systems
richten, die gesamte Abwehr außer Gefecht setzen und sich dann anschlie- 4 -

�dann anschließend den eigentlichen Zielen zuwenden. Zweitens muß man sicherstellen, daß die Bestandteile eines solchen Systems insgesamt kosteneffektiver sind als Offensivwaffen. Mit anderen Worten: Wenn eine zahlenmäßige Vermehrung der Offensivsysteme billiger wäre, bestünde für die andere Seite ein Anreiz, genau dies zu tun. Man kann die andere Seite hiervon nur abbringen, wenn es möglich ist, die üefensivsysteme so zu konzipieren, daß die Kosten einer Verstärkung des Defensivpotentials geringer
sind als die Kosten einer Verstärkung des Offensivpotentials. ...
FRAGE: Botschafter Nitze, welche Fragen stehen nach ihrer Meinung im
Mittelpunkt des Themenbereichs Mittelstreckensysteme ... i

ANTWORT: Die Hauptfrage, die wir bei den INF-Verhandlungen von 1981
bis zum sowjetischen Auszug im Jahre 1983 nicht lösen konnten, ergab sich
aus der sowjetischen Forderung, daß der OdSSR das Recht zugestanden werden müsse, eine große Anzahl von SS-20-Raketen zu behalten, während die
Vereinigten Staaten keine Pershing-il oder landgestützte Marschflugkörper
besitzen dürften ... D.h., der sowjetische Standpunkt lautete: Null für
die Vereinigten Staaten und eine hohe Zahl für die UdSSR. ...

Heute stellt sich die Frage etwas anders. Die NATO hat eine gewisse
Anzahl von Pershing-il und landgestützten Marschflugkörpern aufgestellt.
Die Sowjets hingegen haben im Rahmen dessen, was sie "Gegenmaßnahmen"
nennen, ebenfalls eine Reihe neuer Waffen aufgestellt. ... Sie haben Raketen der Typen SS-12" und SS-22 vorverlegt, solche des Typs SS-23 aufgestellt und einige ihrer Unterseeboote auf vorgeschobenere Positionen beordert, heute geben sie uns zu verstehen, daß nach ihrer Meinung beide
Seiten da stehenbleiben sollten, wo sie angelangt sind. D.h., wir sollen
bei etwas mehr als 100 INF-Raketen anhalten, während sie für sich das
Recht in Anspruch nehmen, alle ihre SS-2U zu behalten ... Das wäre sicherlich keine besonders gute Lösung. Es wäre eine recht einseitige Lösung. ... Wir liegen also ziemlich weit auseinander. ... Es muß daher intensiv verhandelt werden, insbesondere über diese Kernfrage: Null Waffen
gegen sehr viele. ...

Es würde mich überraschen, wenn sich (in Genf) in den nächsten Mona-

�nächsten Monaten viel ergäbe, was für die Öffentlichkeit sichtbar ist,
denn die Tagesgeschäfte bei den Verhandlungen in Genf müssen vertraulich
gehalten werden ... Das ist wichtig, wenn die Verhandlungen ernsthaft
sein sollen. ... Bei der früheren Verhandlungsrunde in Genf haben wir
über viele Punkte Klarheit herstellen und in sehr vielen Fragen Fortschritte erzielen können. ... Das wäre nicht zu schaffen gewesen, wenn
Botschafter Kwitsinsky oder ich jeden Tag nach unseren Sitzungen eine Erklärung vor der Presse abgegeben hätte. ... Man mub bei diesen Gesprächen
ein gewisses Maü an Vertraulichkeit

wahren, wenn man ernstzunehmende

Fortschritte erzielen will. ...

* * * * *

�20. März 19ö5

12

SOWJETS STELLEN WEITERE SS-2Ü AUF
Pressekonferenz von Unterstaatsseketär Richard Burt -

Brüssel -(AD)- Im Anschluß an eine Tagung der Sonderberatungsgruppe
(SCÜ) der NATO gab Unterstaatssekretär Kichard burt, Vorsitzender der
Gruppe und Leiter der Europaabteilung im amerikanischen Außenministerium,
am 9. März 1983 in Brüssel eine Pressekonferenz, auf der er u.a. mitteilte, daß sich die Zahl der sowjetischen SS-20-Raketen auf 414 erhöht habe.
Außerdem kündigte er für die am 12. März eröffneten RüstungskontrollVerhandlungen in Genf amerikanische Initiativen an. Wir geben im folgenden
die Eingangserklärung Burts und Auszüge aus den nachfolgenden Fragen und
Antworten im Wortlaut wieder.

BURT; Im Anschluß an die Zusammenkunft des Nordatlantikrats heute
morgen, bei der auch die Botschafter Kampelman, Tower und Glitman zugegen
waren, trat am Nachmittag die Sonderberatungsgruppe zusammen, um den iNFAspekt (INF = Intermediate-Range Nuclear Forces = Nukleare Mittelstrekkensysteme) der neuen Verhandlungsrunde zu erörtern, die morgen in Genf
von den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion eröffnet wird.

Gemeinsam mit

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432"

�Gemeinsam mit Botschafter Glitman habe ich den Mitgliedern der SCG
erläutert, in welcher Art und Weise die Vereinigten Staaten bei diesen
neuen Verhandlungen eine deutliche Verminderung und wenn möglich eine
völlige Beseitigung der LRiNF-Systeme (LRINF = Long-Range IntermediateRange Nuclear Forces = Nukleare Mittelstreckensysteme Größerer Reichweite) anstreben werden. Wir haben nochmals bestätigt, daß wir an den vom
Bündnis gesetzten Grundkriterien für ein faires und bedeutungsvolles Abkommen festhalten, gleichzeitig aber auch unsere Bereitschaft bekräftigt,
auf unseren früheren initiativen vom September 1983 aufzubauen, die ihnen
innewohnende Flexibilität zu nutzen und allen ernsthaften neuen Vorschlägen der sowjetischen Seite unsere Aufmerksamkeit zu schenKen. Wir haben
darüberhinaus nochmals die Zusicherung des Präsidenten unterstrichen, daß
unseren Unterhändlern Weisungen mit auf den Weg gegeben werden, die sie
in die Lage versetzen, "jeden erfolgversprechenden Weg zu Fortschritten
zu prüfen".

Die Mitglieder der SCG begrüßten die morgige Eröffnung der neuen Verhandlungsrunde und brachten ihre volle Unterstützung für die amerikanische Position zum Ausdruck. Sie vermerkten, daß die amerikanische Position in Genf reichlichen Spielraum für ernsthafte Verhandlungen über ein
faires und verifizierbares Abkommen bietet. Ferner äußerten sie die Auffassung, daß Fortschritte in Richtung auf ein INF-Abkommen möglich sind,
wenn die Sowjetunion eine vergleichbare Bereitschaft an den Tag legt, auf
die Anliegen des Westens einzugehen. Dementsprechend appellierte die SCG
an die Sowjetunion, bei den neuen Verhandlungen eine ernsthafte und entgegenkommende Haltung einzunehmen.

Abschließend bestätigte die SCG erneut ihre Unterstützung für beide
Aspekte - den rüstungs- und den rüstungskontrollpolitischen - des NATUDoppelbeschlusses aus dem Jahre 1979. Das Bündnis ist nach wie vor bereit, die Aufstellung von LRINF-Systemen im Rahmen eines fairen Rüstungskontrollabkommens abzuwandeln, anzuhalten, rückgängig zu machen oder auszusetzen. Wir waren uns darin einig, daß wir alle bereit sein müssen, bei
dem Ringen um ein solches Abkommen viel Geduld, Beharrlichkeit und Entschlossenheit zu zeigen.

FRAGE: Was
- 2 -

�FRAGE: Was wurde auf der Tagung hinsichtlich des Todes von Tschernenko gesagt ? War man der Meinung, daß dies Auswirkungen auf die Verhandlungen haben'könnte ?

ANTWORT: ... Wenn morgen die neue Verhandlungsrunde eröffnet wird,
wird alles seinen gewohnten Gang gehen. Wir haben uns an solche Zwischenfälle gewöhnt. Was Veränderungen in der sowjetischen Führung angeht, so
haben wir den Eindruck, daß die Sowjetunion in der Lage ist, die Regierungsgeschäfte weiterzuführen. Wir werden unsere Strategie, die auf ein
baldiges Abkommen gerichtet ist, nicht ändern ...

FRAGE: Gibt es Anzeichen für die Aufstellung neuer sowjetischer Raketen ... ?

ANTWORT; Wir beobachten einen stetigen Prozeß der Vermehrung von Raketen des Typs SS-20. Ich würde nicht sagen, daß er sich beschleunigt
hat. Während des vergangenen Jahres war jedoch ein stetiges Anwachsen der
Zahl dieser sowjetischen Waffen zu verzeichnen.

FRAGE: Können Sie uns die gegenwärtige Zahl von SS-20 nennen ... ?

ANTWORT: Wir können die Gesamtzahl der SS-20 heute mit 414 angeben.
•• •

FRAGE: Ist heute darüber gesprochen worden, ob die Gefahr besteht,
daß Gegensätze in der Frage der Weltraumwaffen Fortschritte in den Verhandlungen über INF blockieren könnten ?

ANTWORT: ... Einer der wichtigsten Aspekte der sowjetischen Strategie
besteht eindeutig

darin, die Strategische

Verteidigungsinitiative

der

Vereinigten Staaten dadurch unter Druck zu bringen, daß sie Fortschritte
bei den Verhandlungen in den anderen Bereichen von amerikanischen Zugeständnissen in diesem Bereich abhängig machen ... Diese Strategie wird
sich als Burierang erweisen, weil wir vorhaben, bei den Verhandlungen über
nukleare Offensivwaffen sowohl im Bereich der strategischen Waffen als
auch in dem der INF-Systeme die Initiative zu ergreifen ... Wir glauben,
- 3 -

�Wir glauben, daß wir auf diese Weise die Weltraum- und Defensivwaffen von
den Verhandlungen über Offensivwaffen abkoppeln können und daß sich von
daher der Drück der öffentlichen Meinung nicht gegen uns, sondern gegen
die Sowjets richten wird. Sie können die Strategische Verteidigungsinitiative des Präsidenten nicht zum Vorwand nehmen, um mit uns nicht ernsthaft über die Offensivwaffen zu verhandeln. ...

FRAGE: Bedeutet das, daß Sie neue Vorschläge und Ideen haben ... ?

ANTWORT; Wir haben eindeutig neue Ideen.
FRAGE; Können Sie uns von diesen einen Eindruck vermitteln 1

ANTWORT; Nein ... Wenn wir unsere Vorschläge öffentlich und im Detail
erläuterten, bevor wir sie mit den Sowjets erörtert haben, würde man uns
sofort beschuldigen, Propaganda zu betreiben ...

FRAGE; Handelt es sich bei diesen neuen Vorschlägen um Modifikationen
der Positionen, die Sie zuletzt, d.h., Ende 19Ö3 eingenommen hatten, oder
sind sie radikaler ?

ANTWORT; Ich glaube, man kann sagen, daß es sich um Modifikationen
handelt, da die Vorschläge von 1983 auf recht grundlegenden Prinzipien
beruhten. Beispielsweise haben wir gesagt, daß wir im INF-Bereich nichts
tun werden, was unsere konventionelle Verteidigung schwächt. Wir waren
übereingekommen, daß wir die französischen und britischen Waffen nicht in
die Verhandlungen einbeziehen würden und daß die INF-Systeme weltweit begrenzt werden müßten. Diese Grundsätze bilden auch weiterhin die Leitlinien unserer gesamten Verhandlungsposition ... Ich möchte jedoch hinzufügen, daß innerhalb der durch diese Grundsätze gesetzten Beschränkungen
unseres Erachtens eine Menge Spielraum für eine kreative Verhandlungsführung besteht, falls die Sowjets ihrerseits bereit sind, dabei mitzuwirken. ...

* * * * *

- 4-

�20. März 1985

12

HOFFNUNG AUF BESSERE AMERIKANISCH-SOWJETISCHE BEZIEHUNGEN
- Pressekonferenz von US-Vizepräsident Bush in Moskau -

MOSKAU - (AD) - Der amerikanische Vizepräsident George Bush, als
Leiter

der

amerikanischen

Delegation

zur Beisetzung

des verstorbenen

sowjetischen Staats- und Parteichefs Konstantin Tschernenko in Moskau,
erklärte dort auf einer Pressekonferenz am 13. März 1985 nach seinem
Treffen mit dem neuen Generalsekretär Michail Gorbatschow, die Vereinigten Staaten machten "sich große Hoffnungen, daß es in Genf Fortschritte
gibt und große Hoffnungen, daß es auch insgesamt zu einer Verringerung
der Spannungen kommt."

Die Pressekonferenz des Vizepräsidenten hat in Auszügen folgenden
Wortlaut:
FRAGE: 'Überbrachten Sie ein Schreiben von Präsident Reagan, in dem
Gorbatschow zu einem Gipfeltreffen in Washington eingeladen wird? Und

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�eingeladen wird? Uhd wenn ja: Wie war seine Reaktion? Und wie sind die
Aussichten?
ANTWORT: Ich habe ein Schreiben mitgebracht. Ich werde zwar nichts
über den Inhalt sagen, bin aber der 'Überzeugung, daß der Präsident den
Eindruck hat, ein Treffen wäre nützlich.

FRAGE: Es wird viel darüber geredet, daß nun eine Zeit der Entspannung oder doch zumindest der besseren Beziehungen zwischen Washington und
Moskau käme. Können Sie uns Ihr Urteil zu einer möglichen atmosphärischen
Veränderung geben?

ANTWORT: Ich glaube, beide Seiten hatten den Eindruck eines konstruktiven Gesprächs ohne Polemik. Wenn es innerhalb der letzten Jahre je einen Zeitpunkt gab, an dem ein Fortschritt möglich war, so scheint mir das
jetzt zu sein... Wir hegen große Hoffnungen, daß es in Genf Fortschritte
gibt und große Hoffnungen, daß es auch insgesamt zu einer Verringerung
der Spannungen kommt.

FRAGE: Sprachen

Sie über die Strategische

Verteidigungsoffensive?

Hatten Sie den Eindruck, die neue sowjetische Führung sähe darin ein
unüberwindbares Hindernis für gute Beziehungen?
ANTWORT: ... Wir hatten aus dem Gespräch insgesamt heraus nicht den
Eindruck, irgendetwas sei unüberwindbar.
FRAGE: Inwieweit wurde das Gespräch von Gorbatschow, inwieweit von
Gromyko gelenkt?

ANTWORT: Gorbatschow

lenkte- das' -Treffen und" tat dies mit großem

Selbstvertrauen und großer Sicherheit... natürlich beteiligten sich alle
an der Unterhaltung, aber eindeutig war Gorbatschow der Hauptgesprächspartner, voll Selbstvertrauen in seinen Erklärungen und er hinterließ einen sehr großen Eindruck.

...FRAGE: Welchen Eindruck hatten Sie von Gorbatschows Bereitschaft zu

�Bereitschaft zu einem Treffen mit Reagan?
ANTWORT: Ich kann dies wirklich nicht beantworten. Nicht, um Ihrer Frage
auszuweichen, sondern weil ich Ihnen einfach nichts sagen kann. Aber
wissen Sie, ich habe das sehr angenehme Gefühl - ich kenne den Präsidenten ja nun recht gut - daß es nützlich wäre und gut...

Wir hatten den Eindruck, vielleicht

etwas Fortschritt

gemacht zu

haben, und ich weiß, daß der Präsident dies genauso sehen würde.

* * * * *

- 3-

�20. März 1985

12

DAS NORDAMERIKANISCHE LUFT- UND WELTRAUMVERTEIDIGUNGSSYSTLM (NORAD)

- Kurzinformation -

Washington -(AD)- Die folgende, vom US-Informationsamt (USIA) herausgegebene Kurzinformation
bietet einen Überblick über das Nordamerikanische
Luft- und Weltraumverteidigungssystem (North American Aerospace Defense Command, abgekürzt NORAD).
Gegenwärtige Sachlage

Die Vereinigten Staaten und Kanada haben am Ib. März 1985 in Wuebec
ein neues Abkommen über die Modernisierung des nordamerikanischen Luftverteidigung s-, Warn- und Überwachungssystems unterzeichnet. Gemäß dem
Abkommen wird an der Peripherie des Kontinents ein Warnsystem aufgebaut
werden, um der unmittelbaren Bedronung zu begegnen, die sich aus der erhöhten Schlagkraft der Streitkräfte der Sowjetunion ergibt. Das System
wird in der Lage sein, feindliche Bomber und Marschflugkörper, die innerhalb der Atmosphäre in großer oder geringer Flughöhe in den nordamerikanischen Luftraum eindringen, zu orten und ihren Kurs zu verfolgen.

Überhorizont-Backscatter-Radars (OTH-B) mit großer Reichweite werden

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Reichweite werden einen Hauptbestandteil dieses Systems bilden. Sie werden auf dem Territorium der Vereinigten Staaten aufgestellt werden und
das östliche, westliche und südliche Vorfeld des nordamerikanischen Kontinents abdecken. Das Kernstück des neuen amerikanisch-kanadischen Verteidigung sabkommens bildet jedoch der Ersatz der veralteten Frühwarnkette
(Distant Early Warning [DEWJ radar line) von NORAD durch das Nordwarnsystem.

Eine Kette vorgeschobener Radarstationen wird sich von Nordalaska
über Nordkanada bis zur Küste von Labrador erstrecken. Im Gegensatz zu

*

der alten DEW-Kette, die von der amerikanischen Luftwaffe betrieben wird,
wird das Nordwarnsystem von Kanadiern bedient, befehligt und bemannt werden. Rund 6ü Prozent der Kosten für das neue Radarsystem werden die Vereinigten Staaten tragen; für die restlichen 40 Prozent kommt Kanada auf.

Bei dem alten DEW-System handelt es sich um eine 3 uUÜ Meilen lange
Kette von Radarstationen, die sich durch das Eis und die Tundra der Arktis zwischen Alaska und Grönland erstreckt. Sie war ursprünglich als erste Verteidigungslinie des nordamerikanischen Kontinents gedacht; der kanadische Teil wurde 1^56 fertiggestellt. Zwischen I9i&gt;9 und 1961 wurden
vier neue Stationen hinzugefügt, so daf3 die DEW-Kette danach bis Grönland
reichte. Ihre Hauptfunktion bestand darin, kernwaffentragende sowjetische
Bomber zu orten, sobald die angreifenden Maschinen über dem nördlichen
Horizont erschienen.

In der Erfassung von in geringer Höhe anfliegenden Objekten durch die
gegenwärtige DEW-Kette klaffen zahlreiche Lücken, die Leistung der Radars
ist schlecht, und der Betrieb und die Wartung des Systems sind kostspielig. Bei der Modernisierung der DEW-Kette geht es im Grunde um den Ersatz
von 31 veralteten Radarstationen (vier in Grönland, 21 in Kanada und
sechs in Alaska) durch 52 neue Radaranlagen.

Diese Radars werden den Luftraum tief genug abtasten können, um auch
technologisch fortgeschrittene, tieffliegende Bomber sowie Marschflugkörper, deren Flugbahn dem Geländerelief folgt, zu orten. Sie werden Informationen über den Kurs, die Flughöhe und die Geschwindigkeit einfliegen- 2 -

•

�Geschwindigkeit einfliegender Maschinen liefern. Von den 52 Kadars werden
39 unbemannte Stationen mit kurzer Reichweite sein. Bei den restlichen 13
handelt es sich um Anlagen mit großer Reichweite, die ein Bedienungspersonal von 23U Mann erfordern.

Weitere Schwerpunkte des gemeinsamen amerikanisch-kanadischen Programms zum Ausbau der Luftverteidigung des Kontinents sind die Abdeckung
Nordamerikas durch fliegende frühwarnssysteme (AWAuS) und die Errichtung
von vorgeschobenen Linsatzbasen und Ausweicheinsatzbasen für Kampf- und
AWACS-Flugzeuge.

Was ist NQRAü ?

Das Nordamerikanische Luftverteidigungssystem

wurde im August 1937

gegründet, als die Vereinigten Staaten und ihr NATO-Partner Kanada ihre
Luftverteidigungskräfte zusammenfaßten und sich somit die Verantwortung
für die strategische Verteidigung der Hemisphäre teilten. 1981 wurde der
Name in Nordamerikanisches Luft- und Weltraumverteidigungssystem abgeändert, um Veränderungen in der Aufgabenstellung von NORAD Rechnung zu tragen.
NORAü ist die erste binationale, alle Teilstreitkräfte einbeziehende
Militärorganisation auf dem Kontinent, L S bezeichnet auch das erste im
Frieden zwischen den Vereinigten Staaten und Kanada geschlossene Verteidigungsabkommen, in dessen Rahmen Streitkräfte beider Länder einem gemeinsamen Überbefehlshaber unterstellt werden.

Organisation

Nach dem amerikanisch-kanadischen NORAU-Abkommen aus dem Jahre 1957
ist der Oberbefehlshaber von NORAü immer ein amerikanischer Luftwaffengeneral, sein Stellvertreter hingegen ein kanadischer ueneral. Der NORADOberbefehlshaber ist über die Vereinigten Stabschefs der amerikanischen
Streitkräfte bzw. den Generalstabschef der kanadischen Streitkräfte den
Regierungen beider Länder verantwortlich. Dem NORAD-Oberbefehlshaber unterstehen gleichzeitig auch das amerikanische Oberkommando für die Luft-

�die Luft- und Weltraumverteidigung und das Oberkommando für den Weltraum.

Den sieben regionalen Kommandobereichen von NORAü (vier im Kernland
der Vereinigten Staaten, zwei in Kanada und einer in Alaska) sind jeweils
Radarsysteme und Abfangjäger zugeteilt. Diese regionalen Kommandobereiche
tragen die Verantwortung für die Luftraumüberwachung und -Verteidigung in
ihren jeweiligen Gebieten. Die Einsatz- und Operationszentrale von NORAD
ist unterirdisch in einem Berg, dem Cheyenne-Mountain-Komplex, in der Nähe von Colorado Springs untergebracht.

Finanzierung

Kanada kommt gegenwärtig für etwa zehn Prozent der direkten Kosten
von NORAD auf.

Auftrag
Der ursprüngliche Auftrag von NORAu war die Verteidigung des Kernlands der Vereinigten Staaten, Kanadas und Alaskas gegen Bomberangriffe.
Im Jahre 1981 definierten die Vereinigten Staaten und Kanada in einer gemeinsamen Erklärung den Luftverteidigungsauftrag von NORMO neu. im Rahmen
dieses neuen Ansatzes wird folgenden Aspekten besondere Beachtung geschenkt:

- der fortlaufenden Modernisierung

der sowjetischen Bomberflotte und

der Entwicklung von see- und luftgestützten Marschflugkörpern in der
Sowjetunion;
- der

Notwendigkeit

verläßlicher Frühwarnsysteme

zur Erfassung

von

Flugobjekten in der Atmosphäre;
- der Begrenzung des möglichen Schadens für das strategische Vergeltungspotential und die entsprechenden Kommandoeinrichtungen;
- der Beherrschung des Vorfeldes des nordamerikanischen Luftraums und,
falls notwendig,
- der Abwehr von Angriffen in der Atmosphäre.

Zu den Hauptaufgaben von NORAü gehört heute, 1. Ereignisse, die eine

�die eine feindliche Handlung beinhalten könnten, zu registrieren; 2. die
obersten Führungsstellen beider Länder über die Nationale Militärbefehlszentrale in Washington, D.C., bzw. über die Nationale Verteidigungsoperationszentrale des Hauptquartiers für die Landesverteidigung

in Ottawa,

Kanada, rechtzeitig, zuverlässig und unzweideutig vor einem Raketenangriff zu warnen und Art und Umfang eines solchen Angriffs korrekt zu bestimmen; 3. mit Mitteln der Weltraumüberwachung Satelliten in Erdumlaufbahnen zu orten, ihre Bahn zu verfolgen, sie zu identifizieren und zu katalogisieren; 4. im Frieden die Ausübung der Hoheitsrechte im amerikanischen und kanadischen Luftraum zu gewährleisten und eine begrenzte Verteidigung gegen Luftangriffe zu sichern.

Gliederung der Streitkräfte

Folgende Organisationen stellen Streitkräften für NORAD ab:

- Das Luftwaffenoberkommando der kanadischen Streitkräfte stellt annähernd 6 U00 Mann Militärpersonal und 2 000 Zivilbedienstete sowie Abfangjäger, Radarstationen und Befehlszentralen zur Verfügung.

- Das Oberkommando für den Weltraum der amerikanischen Luftwaffe stellt
die Raketenwarn- und Weltraumüberwachungssensoren, die Daten an NORAD
übermitteln, und leitet die Zentrale für Weltraumverteidigungsoperationen und andere Einrichtungen im Cheyenne-Mountain-Komplex.

- Das US-Oberkommando der Taktischen Luftstreitkräfte stellt Abfangjäger, Radaranlagen, Befehlszentralen

und

andere Einrichtungen

der

Luftverteidigung im Kernland der Vereinigten Staaten.

- Das Oberkommando der amerikanischen Luftstreitkräfte in Alaska unterhält LuftVerteidigungsverbände in Alaska.

- Die Fliegertruppen der Nationalgarde, der Marine und des Marinekorps
der Vereinigten Staaten stellen Abfangjäger.

- Das Oberkommando für das Fernmeldewesen der amerikanischen Luftwaffe

�amerikanischen Luftwaffe unterhält Hernmeldeeinrichtungen in den Vereinigten Staaten.

Streitkrä'fteumfang

Lage Anfang der sechziger Jahre: Zu dem Zeitpunkt, als das kontinentale Luftverteidigungspotential von NORAD seine größten Stärke erlangt
hatte, umfaßten die von den Vereinigten Staaten und Kanada abgestellten
Streitkräfte u.a.: 2 612 Abfangjäger, 439 Boden-Luft-Raketen

vom Typ

BOMARC, 274 Batterien mit Boden-Luft-Raketen vom Typ NIKE, 2ö6 Radaranlagen mit großer Reichweite, 81 Radaranlagen in der Frühwarnkette, 148 Vorpostenschiffe mit Radaranlagen zum Schließen von Lücken in der Sicherungskette, 68 Befehlszentralen und 77 Frühwarnflugzeuge vom Typ EC-121.
NORAü unterstanden insgesamt 2U7 0U0 Mann.

Die Lage 1984/85: Im Gegensatz dazu umfaßt das gegenwärtige NORAD-Arsenal: 34U Abfangjäger, keine Boden-Luft-Raketen, 83 Radaranlagen mit
großer Reichweite, 31 Radaranlagen in der Frühwarnkette zur Erfassung von
Bombern in mittlerer und großer Flughöhe, keine Vorpostenschiffe, 7 Befehlszentralen, keine EC-121 und Personal in Stärke von insgesamt 37 UOU
Mann. Dafür verfügt NORAD jedoch heute über 8 fliegende Frühwarnsysteme
(AWACS).

* * * * *

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Shultz sieht Chancen für Dialog auf höchster Ebene&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pressekonferenz des US-Außenministers -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sowjets arbeiten intensiv an strategischen Defensivtechnologien&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pressekonferenz von Botschafter Nitze -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sowjets stellen weitere SS-20 auf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pressekonferenz von Unterstaatssekretär Richard Burt -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Hoffnung auf bessere amerikanisch-sowjetische Beziehungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pressekonferenz von US-Vizepräsident Bush in Moskau -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das nordamerikanische Luft- und Weltraumverteidigungssystem (NORAD)&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Kurzinformation -&lt;/em&gt;</text>
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dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

^ . .

eti*
11

20. März 1991

NAHER OSTEN

BAKER: POSITIVE REAKTION AUF IDEEN
ZUM NAHEN OSTEN
Pressekonferenz des
US-Außenministers

OSTEUROPAHILFE

OSTEUROPAHILFE HAT HOHEN STELLENWERT FÜR VEREINIGTE STAATEN
Erklärung von Botschafter
Robert L. Barry

ABRÜSTUNG

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

LEHMAN: NOCH IMMER PROBLEME
BEI KSE
Rede des ACDA-Direktors
vor dem Kongreß

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�Frage: Haben Sie sich bei den Vorplanungen als
Initiator einzelner Punkte gesehen, oder wollen Sie
sich heraushalten und Zugeständnisse von anderer
Seite erbitten, ohne auf Einzelheiten einzugehen? Mit
anderen Worten, werden Sie einen Plan vorlegen?
Antwort: Wir haben mit diesen Ländern Einzelheiten
besprochen. Wir wollten insbesondere dort Ideen
vortragen. Wir wollten unsere Ideen auf sie wirken
lassen und ihre Ansichten und Ideen dazu hören, und
das ist auch geschehen. Der sicherste Weg, unsere
eigenen Bemühungen zunichte zu machen, bestünde
darin, auf zuviele Einzelheiten zu pochen, weil sich
damit unsere Gesprächspartner zu - unter Umständen
negativen und verfrühten - Reaktionen genötigt sähen.
Frage: Was werden Sie diese Woche tun? Damit
möchte ich sagen, werden Sie als ^nächstes für die
Vereinigten Staaten eine Initiative starten, oder werden Sie bis zum Ablauf einer Art von Frist warten, die
Sie den anderen Parteien gesetzt haben?
Antwort: Wir haben bereits mit einigen dieser Länder
Gespräche geführt, und wir werden dies in der kommenden Woche weiterverfolgen. Wir werden dies
primär telefonisch tun. Wir haben aber bereits darüber
gesprochen. Wenn Sie mich nun nach dem Wer,
Wann und Wo fragen, so kann ich darauf nicht eingehen.
Frage: Ich wollte Sie fragen, ob Sie bei diesen
Telefongesprächen Antworten erwarten, oder ob sie
sie auffordern werden, neue Ideen zu unterbreiten?
Antwort: In einigen Fällen werden wir möglicherweise
eine spezielle Frage ansprechen und fragen:

Was

halten Sie davon? Welchen Eindruck macht der
folgende Gedanke auf Sie? Stellen Sie sich vor, wir
würden X veranlassen, Y zu tun, würden Sie dann
bereit sein, Z zu tun? Etwa in der Art.
Frage: Herr Minister, Sie haben alle in der Region
aufgefordert, sämtliche Geiseln oder Gefangene oder
sterbliche Überreste zu übergeben, die sie vielleicht
noch haben oder die von der anderen Seite gewünscht
werden könnten. Hatten Sie Grund zu der Annahme,
es könnte in diesem Bereich Fortschritte geben?
Antwort: Sie wissen, wie sensibel diese Frage ist, und
ich möchte darauf auch bei einem Hintergrundgespräch nicht eingehen, da ich nichts tun möchte, das in
irgeneiner Weise mögliche Aussichten und Chancen
auf Verbesserungen in der Geiselfrage gefährden
könnte. Ich werde dazu also nicht weiter Stellung
nehmen.
Frage: In Ihrer Pressekonferenz gestern abend hatten
Sie so etwas jedoch angedeutet.
Antwort: Ich habe nichts derartiges angedeutet,
au ßer, da ß wir diese Frage mit versch iedenen Ländern
erörtert haben.

Seite 2

Frage: Herr Minister, ich möchte Sie nicht zu den
Geiseln befragen. Ich möchte eine Frage zum Iran
stellen. Haben die Vereinigten Staaten eine Initiative
gestartet, um irgendeine Art neuer Kontakte mit der
Regierung des Iran aufzunehmen und Gespräche zu
führen, sei es über Geiseln oder Terrorismus oder
andere Fragen - Sicherheit am Golf, Beziehungen zu
Saudi-Arabien. Stehen wir am Beginn eines Prozesses mit dem Iran, der zu einem Wandel in der seit
einem Jahrzehnt bestehenden Politik führen könnte?
Antwort: Ich möchte Ihnen Unsere Politik im Hinblick
auf den Iran folgendermaßen erläutern: Erstens sprechen wir mit dem Iran, wie Sie alle wissen, über dritte
Parteien. Diese Kommunikation wurde während dieser Krise und danach von beiden Seiten fortgesetzt.
Frage: Wann das letzte Mal?
Antwort: Lassen Sie mich zunächst meine Ausführungen zu unserer Politik beenden, danach können Sie
gerne weiterfragen. Wir haben der Regierung des Iran
verdeutlicht, daß wir zur Aufnahme offizieller Kontakte
bereit sind - zu offiziellen Regierungskontakten. Jeder
sinnvolle Dialog mit dem Iran müßte jedoch notwendigerweise auch die Frage unserer Geiseln im Libanon
sowie der staatlichen Förderung des Terrorismus einbeziehen. Dies ist unsere politische Haltung gegenüber dem Iran, und es würde mich überraschen, wenn
Sie darüber erstaunt wären. Wann wir ihnen das letzte
Mal eine Botschaft übermittelt haben oder eine Botschaft von ihnen erhalten haben, möchte ich jetzt nicht
erörtern.
Frage: Meine Frage lautet aber, ob wir am Beginn
eines Prozesses stehen. Jahrelang war es jedoch so,
daß die Vereinigten Staaten zum Telefonhörer griffen
und keine positive Antwort erhielten. Besteht auf
iranischer Seite irgendeine Neigung dazu, sich an
einem Prozeß zu beteiligen?
Antwort: Ich möchte dazu nicht weiter Stellung nehmen. Es tut mir leid.
Frage: Herr Minister, in Ihrer Eingangserklärung
haben Sie zwei Bereiche aufgeführt, zu denen Konsens bestanden habe - Rüstungskontrolle und den
Friedensprozeß. Zu Beginn waren Sie von vier Bereichen ausgegangen. Einer davon war die Frage der
Wirtschaftszusammenarbeit, der andere die Sicherheit am Golf. Wollten Sie damit sagen, der Konsens
habe größtenteils bei den zwei von Ihnen erwähnten
Bereichen bestanden...?
Antwort: Nein, wahrscheinlich haben Sie mich mißverstanden. Ich sprach über Sicherheit. Ich erklärte,
wir seien auf breite Unterstützung für unsere Gedanken über Sicherheit gestoßen. Breite Unterstützung
zur Sicherheit und einen Konsens, daß es jetzt an der
Zeit ist, Bemühungen bei der Rüstungskontrolle und
dem Friedensprozeß zu unternehmen. Breite Unter-

AMERIKA DIENST 11

�Stützung für die Sicherheit - unsere Gedanken zur
Sicherheit - und ein Konsens, daß in der Tat in den
beiden anderen Bereichen hier eine bedeutende Chance
besteht, eine Gelegenheit - ein Fenster der Gelegenheit. Sie haben dies bereits früher von mir gehört.
Frage: Herr Minister, Sie haben unverbindliche Pläne,
in naher Zukunft in die Sowjetunion zurückzukehren,
vielleicht in vier Wochen, jedenfalls haben wir das
gehört. Sie möchten dann über Rüstungskontrolle
sprechen.
Antwort: Nein, ich habe solche Pläne nicht.
Frage: Herr Minister, könnten Sie Ihre heutigen
Gedanken zum Irak etwas erläutern. Wir haben es hier
mit einem Land zu tun, bei dem es sich wirklich um eine
Art großen Libanon handelt und das nur von der
eisernen Faust Saddam Husseins zusammengehalten wurde. Was wird Ihrer Meinung nach geschehen,
wenn Saddam Hussein abgesetzt wird? Wie werden
wir dieses Land zusammenhalten?
Antwort: Erstens möchte ich sagen, daß wir und der
Rest der Koalition die Erhaltung der territorialen Integrität des Irak wünschen. Wir möchten keine Libanisierung des Irak. Ich kann Ihnen zur Zeit keine
Prognose über die zukünftige Lage geben. Im Hinblick
auf unsere Reaktionen auf die sich weiter entwickelnde Situation sind diese beiden Prinzipien sind für uns
jedoch vordringlich. Wir wünschen dort kein Machtvakuum, und wir haben dies seit Beginn der Krise erklärt.
Frage: Welches sind Ihrer Meinung nach die Konsequenzen, wenn Saddam Hussein es im Hinblick auf die
Erklärung des Präsidenten zum Einsatz chemischer
Waffen oder von Hubschraubern darauf ankommen
läßt...
Antwort: Sie erwarten von mir, daß ich Ihnen sage,
was wir tun werden, und das werde ich nicht tun. Ich

*

AMERIKA DIENST 11

habe das bereits gestern abend abgelehnt. Der Präsident hat es gestern abgelehnt.
Frage: Kann ich es anders formulieren? Vertrauen
Sie darauf, daß wir uns nicht in eine ungemütliche
militärische Situation verwickeln, wenn der Präsident
seine Warnung oder Drohung wahrmacht?
Antwort: Damit müßte ich sagen, welches die Folgen
wären, und dazu bin ich nicht bereit.
Frage: Herr Außenminister, dies ist ihr zweiter Versuch beim arabisch-israelischen Friedensprozeß.
Können Sie uns sagen, was Sie aus ihren bisherigen
Bestrebungen gelernt haben und ob Sie frühere Fehler
vermeiden konnten?
Antwort: Ich habe gelernt, wie hartnäckig dieses
Problem ist, und das habe ich bereits bei vielen Gelegenheiten erklärt. Ich - wir haben aus dem ersten
Unternehmen gelernt, daß noch andere Prinzipien
zum Tragen kommen, die da lauten, niemand kann
den Frieden zwischen Arabern und Israelis schaffen,
wenn beide Parteien ihn nicht wirklich wollen. Ich
denke, damit stellt sich die Situation jetzt etwas anders
dar, da in der Region erhebliche Veränderungen stattgefunden haben und wir damit vielleicht Gelegenheit
haben, als Katalysator zu fungieren. Aus den bei
dieser Reise geführten Gesprächen habe ich den
Eindruck gewonnen, daß es den Parteien um eine
echte Versöhnung geht und sie aktiv für den Frieden
arbeiten wollen. Es bleibt abzuwarten, ob sich dieser

Eindruck bestätigt. Das wird sich noch erweisen. In
den nächsten Wochen werden wir dazu die Probe
aufs Exempel machen, indem wir bestimmte Ideen
und Vorschläge unterbreiten. Dabei können wir
erkennen, ob alte Klischees durchbrochen und traditionelle, wenig flexible Positionen zurechtgerückt werden können, denn wenn das nicht geschieht, wird es
keinen Frieden geben.

* * *

*

Seite 3

�OSTEUROPAHILFE
20. März 1991

OSTEUROPAHILFE HAT HOHEN STELLENWERT
FÜR VEREINIGTE STAATEN
Erklärung von Botschafter Robert L. Barry
WASHINGTON - (AD) - Dem Sonderberater im US-Außenministerium, Botschafter Robert L. Barry, zufolge
haben Mittel- und Osteuropa trotz der Krise am Persischen Golf weiterhin "einen hohen strategischen
Stellenwert für die Vereinigten Staaten".

Bei einer Anhörung vor dem Unterausschuß des
Repräsentantenhauses für den Nahen Osten und Europa
erläuterte Barry am 14. März 1991 die Haushaltsvorlage der Bush-Administration, die im Haushaltsjahr 1992
Hilfen in Höhe von 470 Millionen Dollar für die Region
vorsieht. Davon entfallen 70 Millionen Dollar auf die
Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung
(EBWE) und 180 Millionen auf Programme im Rahmen
des Gesetzes zur Unterstützung der Osteuropäischen
Demokratien (Development for Eastern European
Democracies - SEED). Die verbleibenden 220 Millionen Dollar sollen für Programme ausgegeben werden,
die bereits im Haushaltsjahr 1991 aufgenommen wurden.
Insgesamt sei die Administration bestrebt, ihr Osteuropaprogramm flexibel zu gestalten und keine spezifischen Projekte festzulegen, die in bestimmten Ländern durchgeführt werden sollten, erklärte Barry. Dies
"steht im Einklang mit unserem Wunsch, keine Mittelzuweisung nach Ländern oder Programmen vorzunehmen".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung von
Botschafter Barry im Wortlaut.

Ich begrüße die Gelegenheit, Ihnen heute unser Hilfsprogramm für die Länder Mittel- und Osteuropas zu
erläutern. Wie der Präsident in seiner Rede vor dem
New York Economic Club am 7. Februar erklärte, "hat
sich unsere Administration verpflichtet, zu helfen und
dabei eine Führungsrolle zu spielen". Trotz der Krise
am Persischen Golf hatte die Hilfe für Mittel- und
Osteuropa in den vergangenen Monaten weiterhin
einen hohen strategischen Stellenwert für die Vereinigten Staaten.

AMERIKA DIENST 11

Die Vereinigten Staaten haben die Bildung des
Zentrums für Volkswirtschaften im Übergang
durch die OECD gefordert, um Unterstützung
für wirtschaftliche Reformen zu gewähren.
Darüber hinaus haben wir eine führende Rolle
bei der Schaffung des Programms "Partner im
Übergang" gespielt, das eine engere Beziehung
zwischen der OECD und den Ländern in der
Region vorsieht, in denen die Reformen am weitesten gediehen sind.
Die Vereinigten Staaten übernahmen die Führung dabei, andere IWF-Mitglieder davon zu
überzeugen, die Kreditpolitik des IWF zu modifizieren und dadurch den von der Golfkrise
geschädigten Ländern mehr Mittel zur Verfügung zu stellen. Aufgrund dieser Veränderungen steht der IWF kurz vor der Vergabe von bis
zu 7,5 Milliarden Dollar an fünf Länder Mittelund Osteuropas in der ersten Hälfte dieses
Jahres.
Und die Vereinigten Staaten bemühen sich an
führender Stelle darum, im Pariser Club eine
echte und substantielle Reduzierung der polnischen Schulden zu erlangen.
Amerikanische Maßnahmen im Haushaltsjahr 1991
Im Jahr 1991 setzen wir die vom Präsidenten 1989
festgelegte und vom Kongreß im Gesetz für die Unterstützung der Osteuropäischen Demokratien ausgearbeitete Strategie fort - mit dem Ziel, demokratische
Reformen und die Schaffung von Marktwirtschaften zu
fördern.

Seite 1

�Wie Sie wissen, wurde der Stellvertretende Außenminister Eagleburger vom Präsidenten zum Koordinator
der amerikanischen Regierungshilfe für Mittel- und
Osteuropa ernannt. Seine Stellvertreter sind der Stellvertetende Finanzminister Robson sowie der Vorsitzende der Wirtschaftsberatergruppe, Boskin. Die
laufende Koordinierung unserer Hilfsbemühungen wird
von meinem Büro wahrgenommen. Bei der Entwicklung der Gesamtstrategie und der Festsetzung von
Prioritäten arbeiten wir eng mit dem Amt für Internationale Entwicklung (Agency for International Development - AID) zusammen. Femer setzen wir die enge
Zusammenarbeit mit unseren Kollegen in der G-24
fort, um sicherzustellen, daß unsere Programme die
von anderen Geberländern durchgeführten ergänzen.
Aufgrund unserer Erfahrungen bei der Durchführung
des SEED-Gesetzes von 1989 bat die Regierung um
Flexibilität, die der Kongreß uns im Haushaltsjahr 1991
auch gewährt hat. Dies war unserer Ansicht nach
notwendig, weil sich die Politik in manchen Ländern
schnell wandelte und sich infolgedessen der Anspruch
auf US-Hilfe und die Fähigkeit zu ihrer Nutzung ständig
veränderte. Diese Flexibilität haben wir folgendermaßen genutzt:
Zunächst haben wir einige Schlüsselsektoren herausgegriffen, in denen die Vereinigten Staaten unserer
Meinung nach einen vergleichbaren Vorteil hatten und
bei denen uns die hilfebedürftigen Länder bekannt
waren. Beispielhaft für diese Sektoren sind die Ausbildung von Führungskräften, Privatisierung und Umstrukturierung der Unternehmen, Finanzdienstleistungen, kommunale und öffentliche Verwaltung sowie
Ausbildung von Parlamentariern.
Dann haben wir mit den Regierungen der Gastgeberländer den Dialog über ihre Prioritäten aufgenommen.
Dabei haben wir mehrere Wege eingeschlagen. Unsere
Botschaften haben die Gespräche eingeleitet und sind
nach wie vor unsere wichtigste Verbindung zu den
Empfängerstaaten. Die Koordinatoren haben sowohl
in den Ländern selbst als auch in Washington Vertreter
der Gastregierung an der Planung beteiligt. Darüber
hinaus haben wir mit den künftigen Koordinatoren in
den Empfängerländern korrespondiert. Mit diesen
Mitteln entwerfen wir kontinuierlich unsere Länderprogramme und entwickeln sie weiter. Sobald AID-Vertreter in diesen Ländern stationiert sind, werden diese
eine wichtige Rolle spielen.
Als erster Schritt erarbeiten wir mit den Regierungen
und unseren Botschaftern Entscheidungen über grundlegende Bestandteile des Programms - Projekte, die
für ein bestimmtes Land in Frage kommen. Diese
Länderprogramme umfassen eine große Bandbreite
von kleinen, sehr speziellen Projekten in Rumänien bis
zu Programmen in großem Umfang etwa für Polen. In
diesem Rahmen wird die tatsächlich zu leistende Hilfe
von der Nachfrage gesteuert. Im Bereich der Hilfe zur
Privatisierung können sich zum Beispiel Länder, die

Seite 2

den Weg zur freien Marktwirtschaft eingeschlagen
haben, im Rahmen des Projekts zur Privatisierung und
Umstrukturierung von Unternehmen das Know-how
aus den Vereinigten Staaten zunutze machen. Dieses
Projekt leistet praktische Hilfe in verschiedenen Bereichen der Privatisierung in einer Volkswirtschaft Buchhaltung, Revision, Rechtsberatung, Bankgeschäfte etc.
Wir gewähren keine genauen Mittel pro Land, außer
für bestimmte Programme wie etwa die Unternehmensfonds. Im allgemeinen werden solche Länder,
die Reformen am schnellsten verwirklichen, unsere
verschiedenen Projekte am besten nutzen können.
Damit werden zwei Bedingungen erfüllt: unsere Hilfe
kann besser auf die tatsächlichen Bedürfnisse der
Länder eingehen, und die Menschen in Mittel- und
Osteuropa werden zu schnelleren Reformbestrebungen ermutigt.
Gleichzeitig werden wir unsere politische Hilfe vorrangig in Ländern leisten, wo demokratische Reformen
am notwendigsten sind, etwa in Rumänien.
Leitlinien
Für das nächste Jahr planen wir, uns von den folgenden Prinzipien leiten zu lassen:
Wir werden den Schwerpunkt auf Projekte legen, die
schnell eingeleitet werden und unmittelbare Erfolge
zeitigen können.
Wir werden unsere Hilfe auf einen bestimmten Bereich
konzentrieren, in dem die Vereinigten Staaten einen
vergleichbaren Vorteil haben.
Wir werden allgemeine Programme einführen, die je
nach den Bedürfnissen einzelner Länder modifiziert
werden können.
Wir werden diese Programm möglichst von Washington aus organisieren.
Wir werden Ausbildungsprogramme eher in den
Empfängerländern als in den Vereinigten Staaten
durchführen, um rentabler zu arbeiten und eine Abwanderung von Arbeitskräften zu verhindern.
Wir werden den Schwerpunkt auf die Ausbildung von
Lehrern und das "Erziehen der Erzieher" legen.
Wir werden in größtmöglichem Umfang die Entwicklung des Privatsektors fördern und dort, wo private
Stellen bereits existieren, mit ihnen zusammenarbeiten.
Wir werden möglichst mit den neuen Institutionen
zusammenarbeiten und die Gründung weiterer Stellen
vermeiden.
Wir werden dauerhafte Beziehungen zwischen amerikanischen Institutionen und Organisationen in Mittelund Osteuropa herstellen, um die Präsenz der VereiAMERIKA DIENST 11

�nigten Staaten in der Region zu verstärken und nach
Abschluß unserer offiziellen Hilfsprogramme Kontinuität zu gewährleisten.
Wir werden Programme fördern, die primär auf die
Bedürfnisse der Menschen in Mittel- und Osteuropa
eingehen und nicht vordringlich amerikanischen Organisationen dienen.
Wir werden die Aktivitäten anderer Geberländer und
der internationalen Finanzinstitutionen berücksichtigen, damit unsere Programme die Arbeit der anderen
ergänzen und nicht duplizieren.
Ferner werden alle Programme darauf ausgerichtet
sein, daß unsere Programme Übergangscharakter
haben, und wir sollten Programme vermeiden, die eine
langfristige Finanzierung der Vereinigten Staaten erfordern.
Ausblick ins Haushaltsjahr 1992
Die Regierung hat 470 Millionen Dollar für das Haushaltsjahr 1992 gefordert und damit mehr als 1991.
Davon entfallen 70 Millionen auf die Europäische Bank
für Wiederaufbau und Entwicklung. Von den verbleibenden 400 Millionen sollen etwa 180 Millionen Dollar
in die Finanzierung von Programmen fließen, die mit
SEEDI eingeführt wurden. Dazu zählen die polnischund ungarisch-amerikanischen Unternehmensfonds
sowie die Programme für Umwelt und Energie. Mit

dem Rest von etwa 220 Millionen sollen die 1991
begonnenen Programme und unsere neuen Initiativen
fortgeführt werden.
Bei der Erörterung dieser neuen Initiativen möchte ich
zunächst diejenigen erwähnen, für die wir um die
Ermächtigung des Kongresses ersuchen. Es handelt
sich hierbei zum einen um die Befugnis, neue Unternehmensfonds ähnlich dem kürzlich für die Tschechoslowakei ins Leben gerufenen zu gründen. Der Vorstand des tschechoslowakisch-amerikanischen Unternehmensfonds kam am Freitag, dem 8. März 1991
zum ersten Mal zusammen, und wir gehen davon aus,
daß bis Ende dieses Monats 5 Millionen Dollar transferiert werden.
Darüber hinaus ersuchen wir um die Befugnis der
Legislative, das Pilotprogramm zur Kapitalbildung der
Entwicklungsgesellschaft OPIC dahingehend zu erweitern, daß auch Mittel- und Osteuropa einbezogen
werden. Sobald wir diese Befugnis erhalten haben,
wird das Pilotprogramm Teil eines größeren Projekts
bilden, das wir zur Förderung der amerikanischen
Beteiligung am Privatsektor in der Region erarbeiten.
Eine Initiative, die keiner Aufstockung der Mittel, sondern besonderer Befugnis bedarf, ist ein Zusatz zum
Handelsgesetz von 1974, der die Entbindung der
Tschechoslowakei und Ungarns von den Bestimmungen von Titel IV, einschließlich des Jackson-VanikZusatzes vorsieht. Dieser Punkt ist nicht Teil unseres

AMERIKA DIENST 11

Gesetzentwurfs zur Hilfe für Mittel- und Osteuropa,
sondern vielmehr ein Zusatz zum Handelsgesetz, und
wir werden mit den entsprechenden Ausschüssen
zusammenarbeiten, um das beste Vorgehen in dieser
Angelegenheit zu ermitteln. Wir bitten dringend um
Ihre Unterstützung dieser Initiative, dank der wir uneingeschränkte GATT-Beziehungen mit der Tschechoslowakei und Ungarn unterhalten könnten.
Neben diesen speziellen Befugnissen nimmt der
Gesetzentwurf der Administration alle Befugnisse von
SEED I auf und erweitert sie auf andere Länder in
Mittel- und Osteuropa. Er sieht die Unterstützung
mehrerer umfassender Kategorien vor und nimmt keine
Auflistung einzelner, in bestimmten Ländern durchzuführender Projekte vor. Dies steht natürlich im Einklang mit unserem Wunsch, keine Mittelzuweisung
nach Ländern oder Programmen vorzunehmen.
Auch einige der neuen Initiativen für 1991 benötigen
keine besondere Befugnis. Die Administration hat sich
beispielsweise zur Beteiligung an der G-24-Zusatzfinanzierung für die Tschechoslowakei und Ungarn
verpflichtet. In beiden Fällen hat der IWF die Notwendigkeit der Zusatzfinanzierung ausgemacht, um deren
Bereitstellung er die G-24 gebeten hat. Der IWF hat
diesen Bedarf auf 1 Milliarde Dollar für die Tschechoslowakei und 500 Millionen für Ungarn eingestuft. Der
Großteil dieser Mittel wird in Form von Anleihen und
Krediten, teils mit Zuschüssen vergeben. Der amerikanische Anteil erfolgt in Form von sektoralen Zuschüssen, die von der AID verwaltet werden - 15
Millionen für die Tschechoslowakei und 10 Millionen
für Ungarn. Darüber hinaus erwägen wir die Beteiligung an solchen Mechanismen für Bulgarien, das dem
IWF zufolge Bedarf an zusätzlicher Finanzierung in
Höhe von 800 Millionen Dollar hat.
Wie ich oben bereits erwähnt habe, entwickeln wir ein
Projekt, um den Transfer amerikanischer Technologie
und den amerikanischen Kapitalfluß nach Mittel- und
Osteuropa zu erleichtern und die Beteiligung kleiner
und mittlerer amerikanischer Firmen an diesem Markt
zu stimulieren. Dies wird wiederum Wirtschaftsreformen und die Entwicklung des Privatsektors in der
Region fördern. Dieses Projekt enthält eine Reihe von
Komponenten, die eine größere Beteiligung amerikanischer Firmen in der Region zum Ziel haben, insbesondere in den Schlüsselsektoren Landwirtschaft,
Wohnungsbau, Telekommunikation, Energie und
Umwelt.
Andere von uns in die Wege geleitete Initiativen, die
keiner besonderen Ermächtigung bedürfen, sind unsere regionalen Umwelt- und Energieprogramme. Diese
Programme sollen die Zusammenarbeit zwischen den
Ländern in der Region fördern. Wir haben die Regierungen Mittel- und Osteuropas davon in Kenntnis
gesetzt, daß wir bereit sind, Anträge zu regionalen
Vorschlägen zu erörtern, die zwei oder mehr Länder in
der Region in vorgesehene Lösungen wechselseitiger
Seite 3

�verfügen, die sich jetzt vollziehenden Übergangsreformen dauerhaft zu gestalten. Das soll jedoch nicht
hei ßen, daß die technische Hilfe, die wir als Regierung
zur Verfügung stellen können, unwichtig ist. Im Gegenteil - die technische Hilfe wird dazu beitragen, die
Natürlich werden wir die Projekte in anderen Bereichen Bedingungen zu schaffen, unter denen der Privatsekfortführen, wie etwa demokratische Initiativen, Woh- tor florieren kann. Herr Vorsitzender, ich danke Ihnen
nungsbau, Landwirtschaft, Gesundheitsfürsorge, für die Gelegenheit, heute hier sprechen zu dürfen und
Managementausbildung sowie Umstrukturierung des sehe der Zusammenarbeit mit Ihnen und dem AusArbeitsmarkts.
schuß in den kommenden Wochen und Monaten gerne entgegen, wenn wir die Verwirklichung unserer
Abschließend möchte ich betonen, daß die wahren Unterstützungsprogramme fortsetzen.
Retter Mittel- und Osteuropas die Privatunternehmer
sein werden, die über das Know-how und Kapital

Probleme einbeziehen. Viele dieser regionalen Projekte könnten zur Mitfinanzierung durch die EBWE,
IBWE und die Europäische Kommission in Betracht
kommen.

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Seite 4

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AMERIKA DIENST 11

�ABRÜSTUNG
20. März 1991

LEHMAN: NOCH IMMER PROBLEME BEI KSE
Rede des ACDA-Direktors vor dem Kongreß
WASHINGTON - (AD) - Dem Direktor des Amts für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA), Ronald Lehman,
zufolge ist der Vertrag über konventionelle Streitkräfte in Europa (KSE) noch immer mit "einigen Kernproblemen"
befrachtet.
Eines der beunruhigendsten dieser Probleme betrifft den Antrag der Sowjetunion, drei ihrer gepanzerten
Divisionen als Küsten Verteidigungskräfte der Marine zu reklassifizieren, erklärte Lehman vor dem Unterausschuß des Repräsentantenhauses für Rüstungskontrolle, internationale Sicherheit und Wissenschaft am 13.
März 1991.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Direktor Lehman im Wortlaut.

Herr Vorsitzender, wie immer ist es eine große Ehre
und ein Vergnügen, vor Ihnen und Ihren verehrten
Kollegen sprechen zu dürfen. Ich weiß das von dem
Ausschuß gezeigte starke Interesse an Rüstungskontrolle sowie die aktive Unterstützung des Amts für
Rüstungskontrolle und Abrüstung zu schätzen. Ebenso wie ich begrüßen andere ACDA-Vertreter jede
Gelegenheit zur Zusammenarbeit und Erörterung von
Rüstungskontrollproblemen mit Ihnen - sei es bei
inoffiziellen Zusammenkünften oder öffentlichen Anhörungen wie dieser.
So wichtig das vergangenen Jahr auch war - die
kommenden Monate werden von zentraler Bedeutung
für die Rüstungskontrolle sein. Der Abschluß der
bahnbrechenden KSE-Verhandlungen, die Unterzeichnung eines bilateralen Abkommens mit der Sowjetunion über die Zerstörung der C-Waffenbestände, die
Aussichten auf ein START-Abkommen und der erneute Auftrieb bei den Genfer Abrüstungsverhandlungen
illustrieren jüngste Fortschritte. Gleichzeitig unterstreichen die Entwicklungen in der Sowjetunion und
die ernüchternde Realität des Golf kriegs die Notwendigkeit, unsere Bemühungen zu den Fragen dieser
Veranstaltungen zu verdoppeln sowie aggressive Maßnahmen in anderen Bereichen zu verabschieden, insbesondere die Begrenzung des Transfers moderner
Technologien zur potentiellen Nutzung für Massenvernichtungswaffen oder von Trägersystemen größerer
Reichweite wie ballistische Raketen.
ACDA hat Ma ßgebliches zu den beachtlichen Entwicklungen des vergangenen Jahres beigesteuert. Wir
tragen weiterhin die Hauptverantwortung für die logistiAMERIKA DIENST 11

sche und substantielle Unterstützung unserer Ver handlungsdelegation. Darüberhinaus spielt das ACDA eine
Schlüsselrolle bei der Ausarbeitung von Maßnahmen,
die unsere internationalen Beziehungen fördern und
unsere nationalen Sicherheitsinteressen maximieren.
Im vergangenen Jahr haben wir bei ACDA lange und
hart gearbeitet, um Positionen zu entwickeln, die zu
den erwähnten Fortschritten geführt haben und Positionen zu verwirklichen, die den Abschluß neuer Abkommen zum Ziel hatten. Gleichzeitig waren wir
bemüht, die Verwaltungsverfahren innerhalb des ACDA
zu verbessern und insbesondere die Bestimmungen
des vom 101. Kongreß verabschiedeten Gesetzes
durchzusetzen, das gewisse Änderungen bei ACDAVerfahren vorsieht.
In meiner Anhörung heute morgen möchte ich zunächst eine Bilanz unserer Verhandlungen und Einhaltungsbestrebungen ziehen und dann die durchgeführten Verwaltungsreformen im einzelnen darlegen.
Abschließend möchte ich unseren Antrag zur Genehmigung der Gesetze für die kommenden zwei Jahre
erörtern.
Fortschritte bei der Rüstungskontrolle in sich
wandelnden Zeiten
Tiefgreifende Veränderungen beherrschen diese Zeiten. Bis zum 2. August 1990 bargen die Ereignisse auf
der Welt große Hoffnungen auf Frieden und die Tendenz zur Demokratie, insbesondere in einem Europa,
das lange in gegnerische, monolithische Blöcke geteilt
war. Die Aggression des Irak führte uns vor Augen,

Seite 1

�daß einige immer noch auf Gewalt zurückgreifen werden,
um ihre Ziele zu erreichen. Die Reaktion der von den
Vereinigten Staaten angeführten internationalen Koalition demonstriert unsere Kreativität und Entschlossenheit, die diplomatischen Mittel so gut wie möglich
auszuschöpfen und gleichzeitig die Tatsache zu bekräftigen, daß die zivilisierte Welt militärische Stärke
benötigt, um Aggression zu bekämpfen.
Seit August befindet sich das internationale Klima in
scharfem Kontrast zu dem der ersten Hälfte des Jahres 1990. Uns wurde vor Augen geführt, daß wir nicht
davon ausgehen können, die Ereignisse in Osteuropa
würden unweigerlich Freiheit und Demokratie mit sich
bringen. Dem Trend zur Demokratisierung in Osteuropa, der dazu beitrug, den Weg für Rüstungskontrollabkommen zu ebnen, die wenige zuvor für möglich
gehalten hatten, stehen jetzt ernsthafte Hindernisse
gegenüber, da das 'alte Denken' immer noch einige
Kreise in der Sowjetunion beherrscht und die Entwicklungen im Inland weiterhin von Unruhen gekennzeichnet sind. Letztlich können sich diese Ereignisse maßgeblich auf unsere Fähigkeit zum Abschluß der laufenden Verhandlungen auswirken.
Am 6. Februar 1991 erklärte Außenminister Baker vor
diesem Ausschuß:
"Wir sind besorgt über das Ausmaß, in dem das
sowjetische Außenministerium bei bestimmten Rüstungskontrollverpflichtungen nachhakt... Wir werden
dem Senat den KSE-Vertrag erst vorlegen, wenn die
gravierenden Probleme bei der sowjetischen Auslegung des Textes gelöst sind."
Obwohl KSE und START nicht formell gekoppelt sind,
erklärte Außenminister Baker auch, die Probleme mit
KSE "berühren den Nerv von Glaubwürdigkeit und
Vertrauen und erschweren den Abschluß anderer
Abkommen."
Trotz dieser Rückschläge wird Rüstungskontrolle
erwartungsgemäß weiterhin Kernstück der amerikanischen nationalen Sicherheitspolitik bleiben. Eine der
wichtigsten Prämissen der amerikanischen Sicherheitspolitik unter Präsident Bush lautet, daß Rüstungskontrolle dazu beitragen kann, die Symptome der
Konfrontation zu meistern, aber selbst keine Lösungen
für die zugrundeliegenden Spannungen aufzeigt. Die
derzeitigen Entwicklungen unterstreichen diese Regel.
Unsere Rüstungskontrollbestrebungen haben zur
Förderung politischen Wandels beigetragen und auf
Möglichkeiten aufgebaut, die diese gegenwärtigen
Veränderungen mit sich gebracht haben. Mit ihrer
Ratifizierung werden der KSE-Vertrag, das bilaterale
amerikanisch-sowjetische Abkommen über chemische
Waffen und der fast abgeschlossne START-Vertrag
den Höhepunkt der jahrzehntelangen Bestrebungen
zum Abbau der Bedrohung eines Krieges darstellen.

Der im November unterzeichnete KSE-Vertrag kodifiziert Reduzierungen der überwältigenden militärischen
Übermacht der Sowjetunion im konventionellen Bereich, die im kalten Krieg einen Schatten über Europa
geworfen hat. KSE wird den Abbau der Kernelemente
der konventionellen Streitkräfte von NATO und Warschauer Pakt auf gleiche Niveaus zur Folge haben. Er
wird die Bedrohung eines Überraschungsangriffs in
Europa und die Fähigkeit der Sowjetunion zu raumgreifenden Offensiven konventioneller Operationen
verringern. Man hofft, daß der Vertrag den Weg zu
einer auf Kooperation und nicht auf Konfrontation
aufgebauten neuen europäischen Sicherheitsarchitektur ebnen wird.
KSE ist jedoch derzeit von einigen Kernproblemen
belastet. Sie sind eine Mahnung, daß selbst sorgfältige Vertragsentwürfe die potentiellen Probleme mit
Verträgen nicht beheben können. Eines wurde in
Außenminister Bakers Rede vor dem Repräsentantenhaus speziell angesprochen: die sowjetische
Behauptung, die Reklassif izierung des Geräts von drei
gepanzerten Divisonen und anderem Gerät der Landstreitkräfte als Küstenverteidigungsstreitkräfte der Marine
falle unter die vereinbarten Obergrenzen nach Artikel
III. Die Sowjetunion steht mit dieser Argumentation
alleine da. Alle anderen KSE-Signatarstaaten, einschließlich der anderen Mitglieder des ehemaligen
Warschauer Pakts, weisen diese sowjetische Behauptung zurück. Zu den anderen Problemen zählen:
Daten, die zum Zeitpunkt der Unterzeichnung
ungenau waren, Unterschlagung von Zahlen bei
vertraglich begrenztem Gerät (treaty limited
equipment - TLE) im Gebiet vom Atlanitk bis
zum Ural (ATTU).
Beträchtliche Verlegungen von Gerät von der
Zone östlich des Urals vor der Unterzeichnung,
die zu Besorgnis über die Einhaltung des Abkommens durch die Sowjetunion Anlaß geben.
Diese Probleme führen uns vor Augen, daß die Hauptfunktion der Vertragsverifizierung letztlich darin besteht, strategische Warnung einer potentiellen Bedrohung unserer nationalen Sicherheit bereitzustellen.
Wirksame Verifizierungsmaßnahmen müssen mit
vernünftigen Einhaltungsmaßnahmen und Abkommen
einhergehen, die an sich schon stabilisierend wirken.
Der KSE-Vertrag hat eine Gemeinsame Konsultationsgruppe (Joint Consultative Group - JCG) gegründet, die sich mit den Problemen der Verifizierung und
Durchführung befassen soll. In der JCG sind Bestrebungen zur Lösung dieser Probleme im Gange. Aber
der Ball befindet sich eindeutig in der sowjetischen
Hälfte des Spielfelds. Die Sowjets sollten sich wohl
bewußt sein, daß die über zwei intensive Jahre hinweg
so vehement ausgehandelten Vertragsbestimmungen
durchgeführt werden müssen. Wir werden die Sowjetunion weiterhin drängen, den Vertrag im Hinblick auf

Statusbericht zu KSE
Seite 2

AMERIKA DIENST 11

�Artikel III und Daten einzuhalten. Wir werden dem
Kongreß regelmäßig über diese Bestrebungen Bericht
erstatten und den Vertrag vorlegen, wenn wir glauben,
die Ratifizierung sei angebracht.
Zum Zeitpunkt der Unterzeichnung des KSE-Vertrags
verabschiedete die 34 Nationen umfassende Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
(KSZE) ein neues Abkommen über Vertrauens- und
Sicherheitsbildende Maßnahmen (VSBM). Die KSZEStaaten haben darüber hinaus ein ehrgeiziges Programm zur zukünftigen Zusammenarbeit bei politischen, wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Fragen
dargelegt. Die VSBM-Verhandlungen, die letzten Monat
in Wien wiederaufgenommen wurden, werden mindestens bis zur KSZE-Folgekonferenz im März 1992
andauern. Dann werden wir und die anderen Teilnehmerstaaten entscheiden, wie wir mit den beiden Verhandlungsrunden weiterverfahren.
Verhandlungen mit der Sowjetunion
Die vergangenen Jahre waren von der Arbeit an nuklearer Rüstungskontrolle beherrscht. Die erfolgreichen INF-Verhandlungen haben einen wichtigen Präzedenzfall geschaffen, einschließlich des ersten Abkommens zur Zerstörung von Kernwaffen und einschneidender Vor-Ort-Verifizierungsmaßnahmen. Das
START-Abkommen wird auf diese Präzedenzfälle
aufbauen. Die Verifizierung stellt eine vordringliche
Herausforderung dar. Aus mehreren offenkundigen
Gründen wird die START-Verifizierung sich noch
schwieriger gestalten, da START unterschiedliche Arten
von Systemen an Land, in der Luft und auf See betrifft
und Reduzierungen statt der weltweiten Vernichtung
einzelner strategischer Systeme fordert.
Wir stehen jetzt kurz vor der Realisierung unserer im
Jahr 1982 festgesetzten grundlegenden START-Zielsetzungen wie etwa der Verbesserung von Stabilität
und Sicherheit durch gerechte und verifizierbare Verträge, mit denen die meisten destabilisierenden Nuklearsysteme beträchtlich abgebaut werden. Der sich
abzeichnende Vertrag würde die 50prozentige Reduzierung der sowjetischen schweren Raketengefechtsköpfe zur Folge haben und sich dem 50prozentigen
Abbau des Wurfgewichts ballistischer Raketen annähern. Wie bei INF und KSE akzeptieren die Sowjets
das Prinzip asymmetrischer Reduzierungen bei START.

sowie Nationale Technische Mittel (NTM). Verglichen
mit INF - einem Vertrag mit rund 20 Seiten Text und
etwa 100 Zusätzen - umfaßt START über 600 Seiten,
ist von entschieden größerer technischer Komplexität
und wird erwartungsgemäß sehr viel schwieriger zu
verifizeren sein. Man sollte sich vielleicht nochmals
vor Augen führen, daß START keine Vereinbarung
über Nullösungen ist, während das INF-Abkommen
das weltweite Verbot landgestützter ballistischer Raketen und Marschflugkörper mittlerer Reichweite zwingend vorschreibt. Selbst nach maßgeblichen und
stabilisierenden Reduzierungen wird START den
Vertragsparteien die Aufrechterhaltung und Modernisierung zahlreicher land-, luft- und seegestützter strategischer Waffen gestatten. Dies sind nur einige
Aspekte der Herausforderung an die Verifizierung von
START.
Die Fortschritte bei der Erarbeitung von Verifizierungsprotokollen zum Schwellenvertrag (TTBT) und dem
erst im vergangenen Jahr ratifizierten Vertrag über
Atomexplosionen zu friedlichen Zwecken (PNET) haben
auch START neuen Auftrieb verliehen. Das gemeinsame Verifizierungsexperiment bei Atomtests schuf
einen Präzedenzfall für die Erprobung von Abkommen
vor deren Unterzeichnung. Dazu zählen auch der
START-Ansatz zur Verifizierung sowie Stabilisierungsmaßnahmen mit einschlägigen Demonstrationen und
Vorführungen, die neben und in Einklang mit eher
traditionellen Ansätzen durchgeführt wurden.
So haben die Vereinigten Staaten und die Sowjets in
Zusammenhang mit START folgende Maßnahmen
vereinbart und durchgeführt:
Auf Gegenseitigkeit beruhende Demonstrationen der Verfahren, um die Zahl von Gefechtsköpfen auf ballistischen Raketen zu verifizieren.
Gegenseitige Vorführungen strategischer
Bomber, um die Verifizierung zu unterstützen.
Bei START werden wir also Verifizierungsregeln haben, die auf den Bestimmungen von INF auf bauen und
darüber hinausgehen. Und wie bei INF werden wir im
Rahmen des START-Regimes den Gesprächen über
dessen Durchführung in einer gemeinsamen Folgekommission eine bedeutende Rolle einräumen.

Nachdem ich all dies gesagt habe, muß ich an dieser
Stelle betonen, daß START nicht zum Tragen kommen wird, wenn wir nicht alle Pfeiler der strategischen
Triade modernisieren. START kann destabilisierende
Tendenzen im strategischen Gleichgewicht aufhalten
und den Anreiz zum Erstschlag verringern, wenn damit
die Verpflichtung zur Aufrechterhaltung einer lebensfähigen Abschreckungsstreitmacht einhergeht.

Nach seiner Verwirklichung wird START eine solide
Grundlage für weitere Fortschritte darstellen. Im Juni
1990 haben sich die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion darauf verständigt, daß dem weiteren
Abbau von Anreizen für einen Erstschlag sowie der
Konzentration von Gefechtsköpfen auf Interkontinentalraketen, insbesondere der mit Mehrfachgefechtsköpfen (MIRV) ausgerüsteten und schweren ICBMs,
in den Folgeverhandlungen große Bedeutung zukommt.

Der Nutzen von START wird ferner von vollständiger
Durchführung und strikter Einhaltung abhängen. START
beinhaltet zahlreiche Arten von Vor-Ort-Inspektionen

Ebenfalls entscheidend für die Stabilität nach START
wird neues Denken zu strategischen Verteidigungssystemen sein. Durch die Weiterverfolgung von SDI und

AMERIKA DIENST 11

Seite 3

�den Gesprächen über Verteidigung im Weltraum können die Abschreckung gestärkt und die Stabilität verbessert werden. Die Weiterverbreitung ballistischer
Raketen in der dritten Welt ist ein Hauptgrund dafür,
daß Präsident Bush das Programm der Strategischen
Verteidigungsinitiative neu orientiert hat und ihm neue
politische Impulse verleiht. Dem Präsidenten zufolge
"sind strategische Verteidigungssysteme sinnvoller
als je zuvor".
Unsere jüngsten Kriegserfahrungen mit Patriot-Raketen im Nahen Osten beweisen über alle begründeten
Zweifel hinaus, daß Verteidigungssysteme gegen
ballistische Raketen zur Stabilität beitragen können.
Die israelischen und saudiarabischen Zivilisten, deren
Leben durch Verteidigungssysteme gerettet wurde,
würden das soeben Gesagte zweifelsohne noch als
Untertreibung betrachten.
Wir werden die Sowjetunion drängen, dieser Tatsache
in den Verhandlungen über Verteidigung im Weltraum
Rechnung zu tragen und den ABM-Vertrag in einer
Weise zu modernisieren, die eine verantwortungsbewußte Stationierung defensiver Systeme gestatten
wird. In diesem Zusammenhang möchte ich darauf
verweisen, daß sich die Eignung dieser Systeme
wesentlich erhöht, da mit dem START-Vertrag die Zahl
dislozierter Gefechtsköpfe verringert wird. Beide
Gesprächsrunden gehen also Hand in Hand, um ein
neues strategisches Gleichgewicht zwischen offensiven und defensiven Fähigkeiten herzustellen. Dieses
Gleichgewicht wird weit stabiler sein als ein einzig und
allein auf die Androhung gegenseitiger Vernichtung
gestütztes.
Die Verhandlungen über START und Verteidigung im
Weltraum waren im vergangenen Jahr äußerst intensiv. Wir hatten gehofft, den Vertrag bis heute fertigzustellen. Die Verhandlungsdelegationen haben monatelang nahezu ohne Unterbrechung gearbeitet. Die
zusätzlichen Kosten dieser Bemühungen haben meinem Amt neue Lasten auferlegt, die im kommenden
Jahr auf die Tagesordnung gesetzt werden müssen.
Die Herausforderung im Nahen Osten
Die Fähigkeiten der Welt, Rüstungskontrollregime zu
entwickeln und durchzusetzen, werden im Nahen Osten
nach dem Krieg auf ihre schwierigste Probe gestellt.
"Selbst die konventionellen Arsenale mehrer Staaten
des Nahen Ostens stellen die der meisten europäischen Staaten bei weitem in den Schatten", erklärte
Außenminister Baker im Kongreß. Es sei an der Zeit,
so der Minister, "den Fluß von Rüstungsgütern in eine
Region zu reduzieren, die bereits übergerüstet ist".
Wir werden ein sorgfältiges Gleichgewicht schaffen
müssen, das sowohl der Verteidigung unserer Verbündeten in der Region als auch unserem Interesse an der
Eindämmung unbegrenzter Waffenlieferungen in die
Region Rechnung trägt. Der Außenminister hat darüber hinaus unsere Experten und die unserer Freunde

Seite 4

und Verbündeten aufgefordert, Mittel und Wege zur
Förderung der Stabilität im Nahen Osten zu entwikkeln, darunter:
Begrenzung der Beschaffung von Massenvernichtungswaffen und konventionellen Waffen
mit offensiven Fähigkeiten durch den Irak.
Effektive regionale vertrauensbildende Maßnahmen.
Weltweite Maßnahmen zur Stärkung der Rüstungskontrolle im Nahen Osten, einschließlich
der schnellen Verabschiedung der Konvention
über chemische Waffen sowie schärferer Kontrollen über den Fluß von Waffen und mehrfach
nutzbarer Technologie.
Die Nichtverbreitung von Atomwaffen
Die durch die Verbreitung von Atomwaffen in weitere
Staaten hervorgerufene Bedrohung wurde durch die
Golfkrise schlaglichtartig erhellt. Wir dürfen in unserer
Wachsamkeit gegenüber den Versuchen radikaler
Staaten, diese Fähigkeit zu erwerben, nicht nachlassen. Bei einem kürzlich veranstalteten Treffen aller
wichtigen Lieferanten von Nukleartechnik war man
sich über die Bedeutung strenger Kontrollen für Nuklearexporte einig und verständigte sich darauf, mit
den Vereinigten Staaten bei der Entwicklung eines
multilateralen Arrangements zusammenzuarbeiten, um
die Kontrollen auf nuklearfähige mehrfach nutzbare
Gegenstände auszuweiten.
Exportkontrollen sind zwar unerläßlich, aber wir müssen uns darüber hinaus bemühen, die Motivation von
Staaten fürden Erwerb von Atomwaffen zu verringern.
Die Vereinigten Staaten begrüßen die gemeinsame
Ankündigung der Präsidenten von Argentinien und
Brasilien, derzufolge sie noch in diesem Jahr beabsichtigen, ein Sicherheitsabkommen mit der IAEO
auszuhandeln, das alle ihre nuklearen Maßnahmen
umfassen und Schritte vorsehen soll, um dem Vertrag
von Tlatelolco seine volle Gültigkeit zu verschaffen.
Auch Südafrika unternimmt Schritte, um die Sicherheitsbestimmungen der IAEO vollständig einzuhalten
und dem NPT beizutreten. Wir werden weiterhin
bestrebt sein, vergleichbare Ergebnisse in Südasien,
der koreanischen Halbinsel und dem Nahen Osten zu
erzielen.
Raketen, chemische und biologische Waffen
Von 1984, als der damalige Vizepräsident Bush einen
Vertragsentwurf zum Verbot chemischer Waffen vorlegte, bis zum heutigen Tag ist die Zahl der Staaten, die
des Besitzes oder des Versuchs der Beschaffung
chemischer Waffen verdächtigt werden, von 5 auf über
20 gestiegen. Dazu gehört auch Libyen, das die
wahrscheinlich größte Chemiewaffenfabrik unter den
Entwicklungsländern errichtet hat.

AMERIKA DIENST 11

�Entsprechend verdoppeln die Vereinigten Staaten ihre
Bemühungen, um der Verbreitung chemischer Waffen
entgegenzutreten und ein verifizierbares, weltweites
Verbot zu erreichen. Das bilaterale amerikanischsowjetische Abkommen zum Abbau des Großteils der
Chemiewaffenbestände beider Staaten ist ein nützlicher Schritt in diese Richtung. Zur Zeit warten wir auf
eine Entscheidung der Sowjetunion über die Methode,
die sie zur Zerstörung anwenden möchte, sowie auf
die Vorlage des Zeitplans für diese Zerstörung und die
Übermittlung eines glaubhaften Programms, einschließlich angemessener Finanzierung, um ihre Ziele zu
verwirklichen. Wir gehen davon aus, daß wir aus
diesem Proze ß Lehren ziehen werden, die sich bei den
multilateralen Verhandlungen in Genf über eine Konvention über chemische Waffen (CWC) als ungemein
wertvoll erweisen werden.
Bei den multilateralen Gesprächen der Genfer Abrüstungskonferenz bleiben noch schwierige Fragen zu
lösen, insbesondere ein komplexes Verifizierungsregime, Verfügungen zur Sicherstellung der allgemeinen
Einhaltung der Konvention sowie Bestimmungen, Zielen
chemischer Angriffe beizustehen.
Im Gegensatz zu chemischen Waffen, sind biologische Waffen bereits durch ein internationales Abkommen verboten - die Konvention über biologische Waffen von 1972. Einige wichtige Staaten, darunter der
Irak, haben die Konvention zwar unterzeichnet, aber
nicht ratifiziert und andere, wie etwa die Sowjetunion,
haben sie verletzt. Bei einer im September stattfindenden Überprüfungskonferenz werden die Vereinigten
Staaten darauf drängen, die Konvention über biologische Waffen zu stärken.
Die Verbreitung ballistischer Raketen ist eine weitere
zunehmende Gefahr. Ich habe bereits über die Bedeutung gesprochen, die der Entwicklung von Verteidigungssystemen zukommt, die Raketen - selbst aus
Ländern der dritten Welt - abfangen können. An der
diplomatischen Front bemühen wir uns, das Regime
zur Kontrolle von Raketentechnologie (Missile Technology Control Regime - MTCR) auszubauen und
wirksamer zu gestalten. Das MTCR umfaßt alle Teilnehmerstaaten am Weltwirtschaftsgipfel, während
andere Staaten, darunter die UdSSR, ihr Interesse an
einem Beitritt oder ihre Bereitschaft zur Einhaltung
seiner Richtlinien erklärt haben. Das MTCR sieht
Maßnahmen wie etwa Exportkontrollen vor, um die
Verbreitung von Raketentechnik einzudämmen.
Im vergangenen November unterzeichnete Präsident
Bush eine Verfügung, um die amerikanischen Maßnahmen zur Verhängung von Sanktionen gegen Einzelpersonen oder Regierungen zu verstärken, die zur
Verbreitung chemischer und biologischer Waffen beitragen. Wir sind uns des beträchtlichen Interesses im
Kongreß an dieser Frage bewußt und sehen der
Zusammenarbeit mit dem Kongreß erwartungsvoll
entgegen, um ein tragfähiges Gesetz zu dieser Frage

AMERIKA DIENST 11

auszuarbeiten. In diesem Zusammenhang muß die
Exekutive ein gewisses Maß an Flexibilität besitzen,
wenn wir solchen Situationen Rechnung tragen wollen, in denen dem amerikanischen Interesse durch
blind verhängte Sanktionen kein Dienst erwiesen würde.
Ich bin zuversichtlich, daß mit gutem Willen und Zusammenarbeit Administration und Kongreß einen
Mechanismus finden können, in dem Ausnahmeregelungen zu unserem Vorteil genutzt werden können.
Die multilaterale Herausforderung
Wir stehen heute am Beginn eines Zeitalters, in dem
Versuche unternommen werden, bedeutende neue
multilaterale Rüstungskontrollabkommen zu schließen. Wir sind äußerst befriedigt über die Errungenschaften des KSE-Vertrags und der Vertrauens- und
sicherheitsbildenden Maßnahmen, die sich aus dem
KSZE-Prozeß ergeben haben. Mit ihrer Durchführung
werden KSE und VSBM zu einem Abbau des Mi ßtrauens beitragen, das den kalten Krieg in Europa charakterisierte. Rüstungskontrolle sollte jedoch nicht ausschließlich als eine Angelegenheit zwischen Ost und
West betrachtet werden. Rüstungskontrolle ist ein
wichtiges politisches Instrument für jeden, der Aggression eindämmen und eine neue, auf Zusammenarbeit
anstatt Konflikt gegründete Weltordnung fördern möchte.
Die Vereinigten Staaten werden in den kommenden
zehn Jahren eine Führungsrolle bei den Bemühungen
übernehmen, realistische und tragfähige internationale Abkommen zu entwickeln, um das Potential für
bewaffnete Konflikte zu verringern. Trotzdem ist in
diesem Zusammenhang auch ein Wort der Vorsicht
angebracht. Selbst wenn diese Erwartung erfüllt wird,
möchte ich allen Vorstellungen entgegentreten, verbesserte regionale und multilaterale Bemühungen zur
Rüstungskontrolle seien leicht zu erreichen. Es kann
als Axiom gelten, daß mit der arithmetischen Zunahme
der Zahl von Verhandlungsparteien die Schwierigkeiten bei der Erlangung einer Einigung überproportional
ansteigen.
Das Amt für Rüstungskontrolle und Abrüstung war und
wird bei diesen Bemühungen an vorderster Front
stehen. In den vergangenen Jahren hat sich unser
Mitarbeiterstab intensiv darum bemüht, Verhandlungspositionen zu entwickeln, Vereinbarungen mit unseren
Verhandlungspartnern zustandezubringen und neue
Bereiche für mögliche Abkommen zu sondieren. Darüber
hinaus sind wir führend daran beteiligt, bestehende
Verträge zu verifizieren und den Prozeß verwaltungsmäßig zu leiten, durch den wir unsere Forderung
geltend machen, daß ein Vertragspartner sich vollständig an die Vertragsbedingungen hält. Für uns war
dies sicherlich eine intensive und aufregende Zeit.
Verbesserung in der Verwaltung von ACDA
In diesem Zusammenhang legen wir den ACDA-Haushalt für die Jahre 1992 und 1993 vor. Als Teil dieses

Seite 5

�Verfahrens möchte ich mit Ihnen über unsere Bemühungen sprechen, die Bestimmungen aus dem letzten
Haushaltsgesetz zu verwirklichen.
Mit diesem Gesetz wurde das ACDA-Gesetz ergänzt,
um dem Stellvertretenden Direktor unmittelbare Zuständigkeit für die Verwaltung der Behörde, geheimdienstliche Maßnahmen, Sicherheit und für den Geheimschutz einzuräumen. Aufgrund dieser Ergänzung hat der Stellvertretende Direktor die persönliche
Verantwortung für die Verwaltung des ACDA sowie die
Oberaufsicht über seine Gutachter und Berater. Um
dem Stellvertretenden Direktor die Befugnis zum
Umgang mit Sicherheitsfragen zu geben, haben wir die
Befugnisse des Leiters der Sicherheitsabteilung erweitert und sowohl die Position als auch den Rang
angehoben. Er untersteht nun unmittelbar dem Stellvertretenden Direktor und gehört jetzt zum ersten Mal
vollständig dem ACDA an. Die Position war zuvor von
einem delegierten Beamten des Außenministeriums
besetzt.
Aufgrund der letztgenannten Veränderung strebt ACDA
auch bei den von uns vorgelegten Gesetzentwürfen
erstmals die Befugnis an, im Zuge von Untersuchungen Vereidigungen vorzunehmen. Bisher wurde diese
Befugnis vom Außenministerium durch seine Arbeitsgruppe im Sicherheitsbüro ausgeübt. Wir schlagen
einen Zusatzartikel für Paragraph 41 unseres Gesetzes (22 U.S.C. 2581) vor, um dem Direktor diese
Befugnis so einzuräumen, daß sie dem Leiter der
Sicherheitsabteilung übertragen werden kann.
Darüber hinaus haben wir die Sicherheit durch Einführung einer computergestützten Registratur verbessert, die einen besseren Nachweis über streng geheime und als vertraulich eingestufte Informationen zuläßt.
Paragraph 103 des Gesetzes 101-216 ergänzt das
Gesetz des ACDA, indem es die Funktionen der beiden Sonderbeauftragten neu definiert. Einer von ihnen
soll als Sonderbeauftragter bei den Verhandlungen
über Konventionelle Rüstungskontrolle fungieren und
der andere als Sonderbeauftragter und leitender wissenschaftlicher Berater des Direktors.
Angesichts der jüngsten Unterzeichnung des KSZEVertrags und der erwarteten Veränderungen in Umfang und Inhalt der Gespräche über konventionelle
Waffen nach der Helsinki-Konferenz 1992 prüfen wir
die langfristigen Bedürfnisse und Aufgaben eines
Sonderbeauftragten für konventionelle Rüstungskontrolle. Erwartungsgemäß wird ein Berater in einer
solchen Funktion diese Politik aktiv mitgestalten und
vertreten.
Das ACDA hat in diesem Jahr Schritte unternommen,
um die Rolle des Sonderbeauftragten und leitenden
wissenschaftlichen Beraters zu definieren und einen
geeigneten Bewerber für diese wichtigte Position einzustellen. Über seine beratende Funktion hinaus wird
Seite 6

der leitende wissenschaftliche Berater für die Organisation der internen Forschung bei ACDA verantwortlich sein, unsere Arbeitsgruppe für Analysen und das
externe Forschungsprogramm leiten und die interministerielle Forschung und Entwicklung zur Rüstungskontrolle koordinieren. Der Bewerber wird meiner
Ansicht nach eine wichtige Position unter den Beratern
für Rüstungskontrolle einnehmen.
Paragraph 104 des Gesetzes 101-216 fordert den
Direktor auf, zu untersuchen und zu berichten, ob es
zweckmäßig ist, eine Abteilung für Durchführung und
Einhaltung der Rüstungskontrolle zu schaffen. Das
Gesetz schlägt vor, daß diese Arbeitseinheit die Durchführung gegenwärtig bestehender und künftiger Rüstungskontrollabkommen organisieren und die Aktivitäten des Sonderausschusses zur Verifizierung und
des Ständigen Konsultativausschusses koordinieren
könnte. Es soll ferner umfassene Analysen und politische Positionen zur effektiven Lösung von Problemen mit der Einhaltung der Rüstungskontrolle erarbeiten.
Im Jahr 1990 hat ACDA das Aufgabenfeld seiner
Abteilung für Verifizierung und Aufklärung erweitert.
Als Teil der jetzigen Abteilung für Verifizierung und
Durchführung hat ACDA eine Unterabteilung für Einhaltung und Durchführung geschaffen. Diese Unterabteilung hat die Aufgabe, die Politik der Behörde zur
Durchführung gegenwärtig bestehender und künftiger
Abkommen auszuarbeiten und zu koordinieren. Fernersollen die Einhaltung bewertet sowie Untersuchungen und Arbeitspapiere zu diesem Thema erstellt
werden. Für den diesjährigen Haushalt werden wir
unter anderem Mittel zur Ergänzung der Ressourcen
von Abteilung VI fordern, um diese Aktivitäten zu
fördern.
In Paragraph 105 des Gesetzes 101-216 wird der
Präsident aufgefordert, eine Arbeitsgruppe ins Leben
zu rufen, um Verifizierungspläne für ein Abkommen
zur Reduzierung strategischer Waffen und andere
Rüstungskontrollabkommen zu entwerfen und die
Bedeutung solcher Abkommen für die Verifizierungsbestimmungen des INF-Vertrags zu bewerten.
Der Präsident hat zu bestimmten Themen Koordinierungsausschüsse (Policy Coordinating Committees PCC) ins Leben gerufen, unter anderem einen Ausschuß für Rüstungskontrolle. Ihm ist der Unterausschuß für Verifizierung und Einhaltung angegliedert,
der bei allen Verhandlungen, insbesondere denen
über strategische Waffen, für die Verifizierungspolitik
verantwortlich zeichnet. Darüber hinaus haben verschiedene Behörden die im INF-Vertrag geschaffenen
Präzedenzfälle geprüft. Ihre Ergebnisse - vor allem die
der Behörde für Vor-Ort-Inspektionen - sind im einzelnen aufgelistet und vielen Bereichen der Regierung
zugänglich gemacht worden.
Die interministerielle Entscheidungsfindung profitiert
beträchtlich von den Erfahrungen, die aus der DurchAMERIKA DIENST 1 I

�führung des INF-Vertrags gewonnen wurden. Erfolgreich bei INF eingeführte Bestimmungen finden auch
Eingang in viele anderen Abkommen, insbesondere
das im KSE-Vertrag ausgehandelte Verifizierungssystem, mit dem Zeichen gesetzt wurden.
Paragraph 105b des Gesetzes 101-216 weist ACDA
an, ausreichende Mittel für die Entwicklung und Erhaltung eines umfassenden Informationssystems über
Verifizierungskonzepte, Technologien und Systeme
bereitzustellen und Informationen über alle Aspekte
der Rüstungskontrollverifizierung und -Überwachung
für gegenwärtige und künftige Abkommen zu sammeln
und zu analysieren. Die im Rahmen dessen zusammengetragenen Informationen soll Forschung ebenso
unterstützen wie Aktivitäten der Verifizierung und
Überwachung und dem Kongreß im Jahresbericht der
Behörde vorgelegt werden.
Das ACDA führt den Vorsitz im Ausschuß zur Koordinierung der Rüstungskontrollforschung und hat die
wichtige Aufgabe, jährlich eine umfassende Liste privater und staatlicher Untersuchungen über Fragen der
Rüstungskontrolle und Abrüstung zusammenzustellen und zu verbreiten. In dieser Sammlung sind
Forschungsergebnisse und Analysen, wie sie das
Gesetz fordert, enthalten. Die Liste wird dem Kongreß
jedes Jahr im Juni vorgelegt.
Darüber hinaus leitet ACDA mit seinem Vizevorsitz in
der interministeriellen Arbeitsgruppe zur Verifizierungstechnologie und der nachrangigen Arbeitsgruppe über
chemische Waffen behördenübergreifende Bestrebungen zur Ermittlung des Bedarfs an Datenbanken, mit
denen die Verifizierung und Einhaltung der Rüstungskontrolle unterstützt werden soll. Die Rolle von ACDA
in dieser Arbeitsgruppe und die aktive Mitarbeit der
Behörde in der Arbeitsgruppe des Verteidigungsministeriums über Forschung und Entwicklung von Verifizierungstechnologie erlauben es der Behörde, die von
allen Regierungsbehörden durchgeführte Forschung
zur Verifizierung zu beobachten und zu unterstützen.
Sie sehen, Herr Vorsitzender, ACDA hat die Bestimmungen des Gesetzes 101-216 durchgeführt und andere
Verbesserungen zur Organisation der Behörde vorgenommen, mit denen unsere Fähigkeit erhöht wird, bei
Rüstungskontrollinitiativen der Regierung eine leitende Funktion zu übernehmen sowie technische Fachkenntnisse und Unterstützung zur Verfügung zu stellen. Ich habe ferner bereits darauf verwiesen, daß
diese Verbesserungen trotz ungewöhnlich vieler Verhandlungen und politischer Erwägungen durchgeführt
wurden, die alle - auch in Zukunft - von ACDA volle
Unterstützung verlangen.
Ausgabeermächtigungen für 1992 und 1993
Herr Vorsitzender, bei diesem Anlaß möchte ich dem
Unterausschuß den Antrag der ACDA für Ausgabeund andere Ermächtigungen im kommenden Zweijahreszeitraum unterbreiten. Das ACDA beantragt für
AMERIKA DIENST 11

das Haushaltsjahr 1992 die Ermächtigung, 47,4 Millionen Dollar zweckgebundene Mittel ausgeben zu dürfen. Für das Haushaltsjahr 1992 beantragen wir, daß
dieser Ausschuß uns ermächtigt, gemäß dem Haushaltsgesetz von 1989 (PL-101-5-8) Mittel in der erforderlichen Höhe ausgeben zu können. Ich habe mir die
Freiheit genommen, zu diesem Zweck einen Gesetzentwurf zu unterbreiten. Sie können ihm entnehmen,
daß er einen Zusatzartikel zu dem entsprechenden
Gesetz vorschlägt, damit die Regierung eine Entscheidung in dem oben beschriebenen Sinne fällen kann.
Wie Sie sehen, stellt dieser Antrag gegenüber dem
Finanzierungsansatz des Haushaltsjahrs 1991 (37,0
Millionen) eine Steigerung von 10,4 Millionen Dollar
oder 28 Prozent dar. Sie wissen auch, daß etwa 50
Prozent oder 23,5 Millionen Dollar des ACDA-Haushalts auf Personalkosten entfallen - Gehälter und
Sozialleistungen. Der Antrag sieht 252 Vollzeitstellen
sowie zusätzliche rückerstattungsfähige Stellen für
Mitarbeiter anderer Behörden vor, insbesondere aus
dem Außen- und Verteidigungsministerium. Mit der
Steigerung könnten 24 neue Stellen geschaffen, vorgeschriebene Erhöhungen von Gehältern und Sozialleistungen sowie andere Gehaltsanpassungen vorgenommen werden.
Ich mu ß die Bedeutung der erhöhten Ausgabeermächtigung ausdrücklich hervorheben. Seit mehreren Jahren
ist die Personaldecke der ACDA unverändert, obwohl
Tempo und Intensität der Rüstungskontroilaktivitäten
erheblich zugenommen haben. ACDAs wichtige Rolle
bei Washingtons Vorbereitungen für und Organisation
der laufenden Aktivitäten verschiedener Verhandlungsdelegationen hat uns schnell an die Grenzen unserer
Personalkapazitäten stoßen lassen. Die zusätzliche
Anforderung, den Verhandlungsdelegationen leitende
Mitarbeiter und Bürokräfte zur Verfügung zu stellen,
hat unsere Ressourcen erheblich belastet. Unsere
Personalsituation stellt sich so dar, daß jede vorgeschlagene Aufgabe nicht daraufhin abgeklopft wird,
wie unsere Leistungsfähigkeit zu steigern wäre, sondern wie der Schaden für ACDA am besten zu begrenzen ist. Jede Personalentscheidung bei ACDA erfordert, daß wir einer Stelle etwas wegnehmen, um es
einer anderen zu geben.
Um diese Situation noch komplizierter zu gestalten,
haben wir neue Aufgaben übernommen. Die Durchführung von Rüstungskontrollabkommen ist personalintensiv geworden. Das ACDA spielt bei der Durchführung von in verschiedenen Verträgen ausgehandelten Maßnahmen eine wichtige Rolle und ist für die Bewertung der Einhaltung von Vertragsbestimmungen
verantwortlich.
In den nächsten Jahren wird Rüstungskontrolle als
wichtiger Bestandteil unserer nationalen Sicherheitspolitik ingesamt eine große Rolle spielen. Wir müssen
unser Augenmerk auf Fragen der Weiterverbreitung
von Massenvernichtungswaffen richten. Wir müssen
Seite 7

�die sehr realen und stabilisierenden Beschränkungen
besser abstecken, die bei den Zahlen und Fähigkeiten
offensiver Waffen erreicht wurden. Wir müssen all
dies und noch mehr tun, um die Sicherheit der Vereinigten Staaten, ihrer Freunde und Verbündeten zu
verbessern. Damit wir unsere wichtige Rolle bei diesen Bestrebungen spielen können, muß ACDA unbedingt eine zusätzliche Ausgabeermächtigung erhalten.

die Austattung unserer Büros mit EDV, damit wir
innerhalb der Behörde und mit Genf unsere Vernetzung ausbauen können. Zusätzliche Ausgabensteigerungen für Dienstleistungen anderer Behörden, wie
Vermietung, Druck, Post sowie Wartung und Instandsetzung machen den Rest der vorgeschlagenen Erhöhung aus.

Mir ist bewußt, daß unser Antrag für die Ausgabeermächtigung im Haushaltsjahr 1992 erheblich über dem
Eine weitere wichtige Steigerung in unserem Haus- Stand des laufenden Jahres liegt. Aber angesichts des
haltsantrag betrifft die externe Forschung. Dieser zunehmenden Umfangs der Verhandlungsaktivitäten
Antrag entspricht einer Steigerung von über 1,7 Millio- mit der Sowjetunion und anderen Ländern sowie andenen Dollar gegenüber dem Ansatz von 241 000 Dollar ren Programmen, die ACDA - wie in diesem Vortrag
im Haushaltsjahr 1991. Darüber hinaus fordern wir bereits erläutert - unbedingt durchführen muß, kann
mehr Mittel - 220 000 Dollar für Ausgaben, die mit der ich Ihnen versichern: dieser Umfang der Finanzierung
Durchführung in Zusammenhang stehen und die not- ist für die Aufgaben unserer Behörde unabdingbar.
wendig sind, um Produktionsstätten für chemische
Waffen zu inspizieren und andere Maßnahmen durch- Ich möchte schließen, indem ich Sie, Herr Vorsitzenzuführen, die sich aus amerikanisch-sowjetischen der, bitte, unsere Bestrebungen zur Aushandlung und
Durchführung neuer Rüstungskontrollabkommen zu
Abkommen ergeben.
unterstützen und vom Kongreß die Ermächtigung zu
Das gestiegene Tempo der Rüstungskontrollaktivitä- erhalten, unsere Aktivitäten wie oben beschrieben
ten erfordert im Haushaltsjahr 1992 einen Zuwachs steigern zu können. Meine Mitarbeiter, die Mitglieder
von 640 000 Dollar für Reisekosten. Diese Mittel der Verhandlungsdelegationen und ich freuen uns, mit
werden auch die Abwertung des Dollar gegenüber diesem Unterausschuß an den entscheidenden Rüanderen Währungen auffangen. Darüber hinaus stungskontrollproblemen zusammenzuarbeiten, die sich
benötigen wir einen Zuwachs von 160 000 Dollar für uns heute stellen.
* * * *

Seite 8

*

AMERIKA DIENST 11

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                <text>&lt;strong&gt;1. Naher Osten&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Baker: positive Reaktion auf Ideen zum Nahen Osten &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Pressekonferenz des US-Außenministers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Osteuropa&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Osteuropahilfe hat hohen Stellenwert für Vereinigte Staaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung von Botschafter Robert L. Barry&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Abrüstung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Lehman: noch immer Probleme bei KSE&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des ACDA-Direktors vor dem Kongreß&lt;/em&gt;</text>
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dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C
06

20. März 1996

NAHER OSTEN

CLINTON VERPFLICHTET SICH DEM
STREBEN NACH FRIEDEN
Eröffnungsansprache des Präsidenten
beim Anti-Terror-Gipfel

AUSSENPOLITIK

NEUE SICHERHEITSPOLITISCHE
HERAUSFORDERUNGEN IN DER WELT
NACH DEM KALTEN KRIEG
Rede von Anthony Lake

DEMOKRATIE

UNTERSTÜTZUNG FÜR DEMOKRATIE UND
DIE NATIONALEN INTERESSEN DER USA
Rede des Stellvertretenden Außenministers

ABRÜSTUNG

LEDOGAR: ABSCHLUSS DES CTBT IN
DIESEM JAHR MÖGLICH
Rede beim UN-Seminar in Genf
VERHINDERUNG DER NUKLEAREN
ANARCHIE
Auszüge aus Harvard-Studie

WIRTSCHAFT

PRIVATSEKTOR MUSS BEI UMSCHULUNG
VON ARBEITSLOSEN BEHILFLICH SEIN
von Robert Reich

WAHRUNG

DIE NEUEN 100-DOLLAR-NOTEN
Versand an örtliche Banken

USIS Germany richtet Internet-Home Page ein.
Nähere Informationen entnehmen Sie
bitte dem folgenden Brief.

Um Übersendung von
Belegexemplaren
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Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel. 0228 - 339 23 72
Fax 0228 - 33 31 38
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�Liebe Amerika Dienst-Leser,
ich freue mich, Ihnen mitteilen zu können, daß das US-Informationsamt (U.S.
Information Service - USIS) auf dem World Wide Web des Internet eine Home Page
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Bundesrepublik Deutschland eingerichtet hat. Die Adresse (URL) für diese Leitseite
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Diese Seite enthält eine kurze Beschreibung der diplomatischen Vertretung der
Vereinigten Staaten in Deutschland und eine Liste hochrangiger Mitarbeiter sowie
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deutsch- und englischsprachige Texte, die unseres Erachtens für die Leser des
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Unsere neue Home Page verfügt auch über einen Briefkasten für elektronische Post,
über den Sie uns Ihren Kommentar oder Vorschläge zukommen lassen können. Ich
lade Sie ein, unsere neue Home Page aufzurufen und würde gerne von Ihnen hören,
ob sie für Sie interessant und nützlich ist.
Mit freundlichen Grüßen

Robert L. Earle
Gesandter-Botschaftsrat
für öffentliche Angelegenheiten

�NAHER

OSTEN
20. März 1996

Clinton verpflichtet sich dem Streben nach Frieden
Eröffnungsansprache des Präsidenten beim Anti-Terror-Gipfel

SCHARM EL SCHEICH - (AD) - "Wir, die wir uns heute in Ägypten versammelt haben, sind dem Streben nach
Frieden verpflichtet. Schon unsere Präsenz hier unterstreicht die Tiefe unseres Engagements", äußerte Präsident
Clinton in seiner Eröffnungsansprache beim Anti-Terrorismus-Gipfel am 13. März 1996.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Präsidenten im Wortlaut.

Als erstes möchte ich Präsident Mubarak für seine
außerordentlichen Anstrengungen in den vergangenen
beiden Wochen danken, dieses Treffen anzuberaumen
und uns hier willkommen zu heißen. Mein Dank geht
auch an Präsident Jelzin, der gemeinsam mit mir den
Friedensprozeß fördert, und an Sie alle, die kurzfristig
einen so weiten Weg zurückgelegt haben, um an
diesem äußerst wichtigen Treffen teilzunehmen.
Aus der ganzen Welt sind wir zur Sinaihalbinsel
gekommen, um eine einfache, einheitliche Botschaft zu
verkünden: Der Frieden wird obsiegen.
Dieses
Gipfeltreffen ist einzigartig in der Geschichte des
Nahen Ostens. Vor wenigen Jahren wäre es noch
undenkbar gewesen. Es steht als Beweis und Versprechen, daß diese Region für immer verändert ist.
Staats- und Regierungschefs aus Israel und der
arabischen Welt, aus Europa, Asien und Nordamerika
- 29 von uns - haben sich Seite an Seite der Unterstützung des Friedens verschrieben. Wir haben uns
schon früher versammelt, um neue Meilensteine auf
unserem Weg zu feiern, und heute stellen wir uns
gemeinsam denjenigen entgegen, die unsere Bestrebungen zunichte machen wollen. Wir sind hier, weil
wir wissen, was auf dem Spiel steht.
In den 18 Jahren, seit Ägypten und Israel das Wunder
von Camp David vollbrachten, haben Israelis und
Araber den Lauf der Geschichte in ihrem Land verändert. Schritt für Schritt haben sie mutig mit der
Vergangenheit gebrochen, die Waffen des Krieges
niedergelegt und einander die Hände gereicht. Aber
mit jedem Meilenstein auf dem Weg zu Frieden und
Fortschritt wurden die Feinde des Friedens rücksichts-

AMERIKA DIENST 06

loser und grausamer. Sie wissen, daß sie auf dem
Markt der Ideen nicht konkurrieren können, sie wissen,
daß sie nichts anzubieten haben außer Leid und
Verzweiflung. Und so greifen sie auf mörderische
Anschläge zurück, die ein Affront gegen die zivilisierte
Welt und die moralischen Grundsätze sind, die das
Kernstück der drei hier vertretenen Glaubensrichtungen bilden, wie Präsident Mubarak es so eloquent
formulierte.
In den belebten Straßen von Jerusalem, Ashqelon und
Tel Aviv verursachten Selbstmordkommandos eine
Welle des Terrors, um so viele Israelis wie möglich zu
ermorden. Männer und Frauen im Bus auf dem Weg
zur Arbeit, Familien, die für die Feiertage einkauften,
unschuldige Kinder in ihren Purim-Gewändern wurden
wegen des in ihren Adern fließenden Blutes ermordet.
Unser Mitgefühl gilt dem Volk Israels und allen Opfern
dieser Greueltaten, unter denen auch Palästinenser
und Amerikaner sind. Viele der heute hier vertretenen
Nationen haben den Alptraum des Terrors erlebt. Der
Tod unterscheidet nicht zwischen den Opfern der
Terroristen. In den vergangenen beiden Wochen
wurden die Verluste nicht nur von Israelis und Palästinensern, sondern auch von Amerikanern und Marokkanern verspürt.
Die hart erkämpften Errungenschaften des palästinensischen Volkes werden unterminiert. Die Händler des
Terrors wollen ihre Zukunft verspielen und ihre Träume
gegen Verzweiflung eintauschen. Und arabische
Mütter und Väter, die ein besseres Leben für ihre

Seite 1

�Kinder wünschen, erkennen, daß die Feinde des
Friedens auch sie ins Visier genommen haben.
Niemand sollte die Bedeutung unserer heutigen
Zusammenkunft unterschätzen.
Heute steht die
Trennwand nicht zwischen Arabern und Israelis. Sie
steht zwischen denen, die ein besseres Morgen
anstreben und denjenigen, die damit hadern; zwischen
denjenigen, die mit Haß und Terror handeln und
denjenigen, die auf den Frieden hinarbeiten.
An die Kräfte des Hasses und der Gewalt gewandt
sage ich, und wir alle sollten es sagen: Ihr tötet Euch
und andere mit dem Ziel, den Frieden zu töten, aber
wie Ihr heute seht, überlebt der Frieden. Und der
Frieden wird stärker werden. Ihr werdet keinen Erfolg
haben. Eure Zeit ist um. Ihr habt die Felder des
Hasses gepflügt, aber jetzt kommen wir, um Einheit
und neue Kraft zu ernten, um Euch zu besiegen und
um das Versprechen des Friedens und die Hoffnung
darauf am Leben zu erhalten.
Wir, die wir uns heute in Ägypten versammelt haben,
sind dem Streben nach Frieden verpflichtet. Schon
unsere Präsenz hier unterstreicht die Tiefe unseres
Engagements. Aber Worte und Gesten sind nicht
genug. Die Welt blickt auf uns, damit wir handeln, und
wir müssen unsere kollektive Entschlossenheit auf drei
spezifische Bereiche konzentrieren. Erstens müssen
wir unmißverständlich diejenigen verurteilen, die auf
Terror zurückgreifen. Gewalt hat keinen Platz in der
Zukunft, die wir alle für den Nahen Osten anstreben.
Zweitens müssen wir unsere gemeinsame Suche nach
einem umfassenden Frieden verstärken. Wir müssen
weitermachen, bis sich der Kreis des Friedens geschlossen hat. Und wir müssen darauf hinarbeiten,
den Menschen hier die Früchte des Friedens in ihren
Alltag zu bringen, denn wenn die Menschen ihre
Hoffnung auf Frieden verlieren, haben die Terroristen
Erfolg gehabt. Das wäre der grausamste Sieg, und wir
dürfen nicht zulassen, daß dies geschieht.

Seite 2

Drittens müssen wir aktiv mit allen uns zur Verfügung
stehenden Mitteln die Terroristen bekämpfen sowie
unsere Anstrengungen und unsere Stärke bündeln, um
ihre bösartigen Ziele zu vereiteln. Der PLO-Vorsitzende Arafat und die palästinensischen Behörden reagieren auf diese Herausforderung. Jeder von uns hier
muß das Seine beitragen, um ihnen bei ihrer Mission
zum Erfolg zu verhelfen. Wir wissen, daß wir keinen
"lOOprozentigen Erfolg garantieren können, aber wir
alle müssen den anderen und uns 100prozentige
Anstrengungen abverlangen.
Die uns konfrontierende Gefahr drängt, die Herausforderung ist klar, aber die Solidarität der Friedensstifter wird die Kräfte der Teilung besiegen, wenn wir
entschlossen sind, diese Solidarität zu bewahren.
Wir befinden uns heute nicht weit von dem Berg
entfernt, an dem Gott Moses das Evangelium gab, das
Gesetz der Menschheit, der Toleranz und des Glaubens, das uns heute leitet. Wir sind die Erben dieses
moralischen Vermächtnisses - seien wir Moslems,
Juden oder Christen. Wir kommen aus vielen Ländern
und haben unterschiedliche Traditionen, aber heute
sprechen wir alle die Sprache des Friedens.
In der Bibel steht geschrieben, daß Isaak, der Patriarch
der Juden, und Ismael, der Patriarch der Araber, sich
nur einmal trafen, als sie erwachsen waren. Sie
kamen beim Tode Abrahams zusammen, des gemeinsamen Vaters, des Vaters beider Völker. Heute haben
sich die Nachfahren von Isaak und Ismael im Geiste
der Wiedergeburt versammelt, um das gemeinsame
Versprechen eines Lebens in Frieden für alle Menschen in dieser Region zu bewahren. Diejenigen von
uns, die heute hierhin gekommen sind, um ihnen zur
Seite zu stehen, dürfen nicht zulassen, daß die Kräfte
der Vergangenheit ihnen die Zukunft verweigern, die
sie, die wir alle anstreben.
Möge unsere Sache heute vom Sinai aus weitergetragen werden, und wir werden den Kampf um Frieden
gewinnen. Ich danke Ihnen.

AMERIKA DIENST 06

�AUSSENPOLITIK
20. März 1996

Neue sicherheitspolitische Herausforderungen in der
Welt nach dem Kalten Krieg
Rede von Anthony Lake

WASHINGTON - (AD) - Wenn Diplomatie und die Macht des Beispiels der Vereinigten Staaten scheitern, müssen
sie zur Verteidigung ihrer nationalen Interessen auf das Beispiel ihrer Macht zurückgreifen, erklärte der Nationale
Sicherheitsberater der Vereinigten Staaten, Anthony Lake.
In seiner am 6. März 1996 an der George Washington University gehaltenen Rede umriß Lake mehrere
Prinzipien der amerikanischen Außenpolitik im Hinblick auf den Einsatz von Gewalt.
Nachfolgend veröffentlichen wir den vom Weißen Haus freigegebenen Text der Rede des Nationalen
Sicherheitsberaters im Wortlaut.

Heute möchte ich über die schwierigste Frage sprechen, mit der ein Präsident konfrontiert werden kann:
Den Einsatz von amerikanischer Gewalt im Ausland.
Dies ist ein guter Zeitpunkt, das zu erörtern. In sechs
Wochen werden die letzten der mehr als 20.000
amerikanischen Soldaten der UNO-Mission in Haiti
nach Hause zurückkehren. Eine ähnlich große Zahl
leistet in Bosnien Dienst, um den dort gewonnenen
Frieden sichern zu helfen. Beide Missionen sind
Antworten auf die schwierige Frage nach dem Wann
und insbesondere dem Wie eines Einsatzes von Gewalt.
Zunächst einmal möchte ich meine Gedanken in einen
größeren Zusammenhang einordnen.
Auf halbem Weg zwischen dem Ende des Kalten
Krieges und dem Beginn eines neuen Jahrhunderts
leben wir in einem Augenblick der Hoffnung. Unsere
Nation ist sicher. Unsere Wirtschaft ist stark. Auf der
ganzen Welt leben mehr Menschen in Frieden und
Freiheit als jemals zuvor.
Aber den Versprechungen dieses Augenblicks kommen auch seine Gefahren gleich - woran uns die
verzweifelten und verabscheuungswürdigen Taten der
Feinde des Friedens im Nahen Osten auf traurige
Weise erinnern. Alte Bedrohungen wie ethnisch oder

AMERIKA DIENST 06

religiös bedingte Gewalt und Aggression verbrecherischer Staaten haben neue und gefährliche Dimensionen angenommen. Und niemand ist immun gegenüber
einer Vielzahl von Zerstörern der Chancengleichheit:
Verbreitung von Massenvernichtungswaffen, Terrorismus, organisiertes Verbrechen, Drogenhandel,
Umweltzerstörung. Jeder einzelne könnte unsere
zunehmende Sicherheit unterminieren. Gemeinsam
verfügen sie über das Potential, ein entsetzliches
Chaos zu verursachen.
Angesichts der Versprechungen und der Probleme
unserer Zeit möchten einige - im linken und rechten
Lager sowie in beiden politischen Parteien - daß sich
Amerika von seinen Pflichten zurückzieht.
Einige verkünden, Amerika müsse engagiert bleiben,
verweigern uns dann aber die Instrumente und Mittel,
um ihrer Rhetorik zu entsprechen. Diese heimlichen
Isolationisten wollen uns an der Zusammenarbeit mit
anderen zur Teilung der Risiken und Kosten des
Engagements hindern. Sie möchten unsere diplomatische Bereitschaft zerstören und unsere Unterstützung
derjenigen kürzen, die um des Friedens willen Risiken
eingehen. Sie erkennen jedoch nicht, daß der weltweite Trend zu Demokratie und freien Märkten - und
den dadurch für unsere Menschen entstehenden
Chancen - weder unvermeidlich noch unumkehrbar ist.

Seite 1

�Er erfordert unsere Unterstützung, unsere Ressourcen
und unsere Führung.
Andere - nennen wir sie Neonichtwisser - argumentieren, daß es nach dem Sieg im Kalten Krieg sicher sei,
sich in eine Festung Amerika zurückzuziehen. Es ist
nicht die amerikanische Art, sich zurück- oder dem
Wettbewerb zu entziehen. Keine Mauer kann hoch
genug und kein Graben tief genug sein, um die
Bedrohungen für unser Wohlergehen abzuwehren oder um uns von der Weltwirtschaft zu isolieren. Wie
Präsident Clinton in seinem Bericht zur Lage der
Nation in diesem Jahr erklärte, müssen wir uns diesen
Herausforderungen jetzt stellen - oder später einen
weitaus höheren Preis für unsere Indifferenz zahlen.
Die Geschichte unseres Jahrhunderts belegt diese
Wahrheit sehr deutlich. Nach dem Ersten Weltkrieg
zog sich Amerika aus der Welt zurück und hinterließ
ein Vakuum, das von den Kräften des Hasses und der
Tyrannei gefüllt wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg
waren wir weiterhin engagiert, arbeiteten mit anderen
zusammen und übernahmen mit Geduld, Ausdauer
und Pragmatismus eine Führungsrolle. Und wir
beteiligten uns an der Schaffung der Institutionen, die
dem amerikanischen Volk bereits ein halbes Jahrhundert lang Sicherheit und Wohlstand beschert
haben.
In den letzten drei Jahren baute die Clinton-Administration auf diesem überparteilichen Vermächtnis
einer Führungsrolle auf - durch die Verringerung der
atomaren Bedrohung, die Förderung des Friedens, die
Ausbreitung der Demokratie, die Öffnung von Märkten.
Ich bin stolz auf die Ergebnisse - für unser eigenes
Volk und die Menschen auf der ganzen Welt.
Wir bleiben - trotz unserer Differenzen - in Rußland
und den anderen Staaten der ehemaligen Sowjetunion
engagiert, weil das im Interesse des amerikanischen
Volkes liegt. Es sind keine russischen Raketen mehr
auf unsere Städte und Bürger gerichtet. Die Ukraine,
Belarus und Kasachstan verzichten auf die nach dem
Zusammenbruch der Sowjetunion auf ihrem Territorium zurückgelassenen Nuklearwaffen. Wir sichern
Nuklearmaterial und zerstören Atomwaffen, damit sie
nicht in die falschen Hände gelangen. Und wir haben
eine Führungsrolle bei der Sicherung, Ausweitung und
Förderung von bahnbrechenden Abrüstungsabkommen übernommen: START I und START II, dem
Nichtverbreitungsvertrag, dem Vertrag über ein
umfassendes Atomtestverbot, der Chemiewaffenkonvention.
Wir übten auf Nordkorea beharrlich und geduldig
Druck aus. Jetzt hat es sein gefährliches Atomwaffenprogramm eingefroren.
Wir führen eine harte Kampagne zur Terrorismusbekämpfung mit strengeren Gesetzen, mehr Geldern,

Seite 2

Personal und Ausbildung für die Strafverfolgungsbehörden, Sanktionen gegen den Terrorismus fördernde Staaten und engere Zusammenarbeit mit ausländischen Regierungen. Die für den Bombenanschlag
auf das World Trade Center Verantwortlichen sind
hinter Gittern. Wir vereitelten Anschläge in New York
und auf unsere Flugzeuge. Wir spürten weltweit
Terroristen auf und brachten sie vor Gericht.
Wir schickten unsere Soldaten, Schiffe und Flugzeuge
an den Persischen Golf, als Saddam Hussein seine
Streitkräfte an die kuwaitische Grenze verlegte. Jetzt
sind Kuwait und die Energieversorgung der Welt
sicher.
In Haiti unterstützten wir die Diplomatie mit Macht.
Jetzt gibt es dort keine Diktatoren mehr. Haiti feierte
die erste demokratische Machtübergabe seiner
Geschichte, und es gibt keine Flüchtlingsströme mehr
an unseren Küsten.
Unsere Soldaten setzen sich in Bosnien für den
Frieden ein. Jetzt sind ihre Einsatzbereiche nicht
länger Felder des Todes. Ein gefährliches Feuer im
Herzen Europas lodert nicht mehr wie in den vergangenen vier Jahren. Die Menschen in Bosnien haben
ihre erste echte Chance für Frieden.
Wir stehen an der Seite derjenigen, die um des
Friedens willen Risiken auf sich nehmen - in guten und
in schlechten Zeiten.
In Nordirland wird durch die Entschlossenheit von
Premierminister Major und seinem Amtskollegen
Bruton der Friedensprozeß wieder auf den richtigen
Weg gebracht - mit einem festgesetzten Verhandlungsdatum und hoffentlich einem neuen Waffenstillstand.
Wir wissen, daß sich die Fanatiker im Nahen Osten
durch nichts davon abhalten lassen, die Hoffnung auf
Frieden zu zerstören. Wie Sie wissen, gab der
Präsident Anweisung für eine Reihe von Schritten, um
die Friedensstifter bei ihrem Kampf gegen den Terrorismus unserer vollständigen Unterstützung zu versichern.
Ferner dürfen wir nicht die enormen Fortschritte aus
den Augen verlieren, die zu einer umfassenden
Lösung gemacht wurden - oder die Tatsache, daß die
überwältigende Mehrheit der Menschen Frieden will.
Wir werden nicht ruhen, bis dieser Wunsch erfüllt ist.
Durch die Öffnung von Märkten im Ausland schlössen
wir einen guten Handel für Amerika ab. Derzeit
exportieren wir mehr denn je, und es wurden Hunderttausende von Arbeitsplätzen für Amerikaner geschaffen. Allein mit Japan hat diese Administration 20
separate Handelsabkommen abgeschlossen. Die
unter diese Abkommen fallenden Sektoren - von
Autoteilen bis zu medizinischem Gerät - konnten einen

AMERIKA DIENST 06

�80prozentigen Anstieg ihrer Exporte verzeichnen. Das
ist fast doppelt so viel wie die Exporte anderer Sektoren - die ebenfalls schnell ansteigen.
Keine dieser Errungenschaften war einfach oder
automatisch zu erzielen. Sie sind darauf zurückzuführen, daß wir ein starkes Militär beibehielten und
gleichzeitig unsere Bündnisse an neue Erfordernisse
anpaßten; daß wir gemeinsam mit anderen handelten,
wenn möglich, und im Alleingang, wenn nötig; daß wir
geduldig genug waren, um bei der Diplomatie zu
bleiben, aber bereit zum Einsatz von Gewalt blieben;
daß wir Isolationismus zurückwiesen, uns aber bewußt
waren, daß wir nicht der Weltpolizist sein können; daß
wir zu jedem Zeitpunkt unsere Interessen und Werte
zusammen einbrachten; daß wir immer dort handelten,
wo wir etwas bewirken konnten.

sten Mittel sind weiterhin die Diplomatie und Macht
unseres Beispiels. Bisweilen müssen wir aber auch
auf das Beispiel unserer Macht zurückgreifen. Keine
Frage ist wichtiger als das Wann und Wie ihres
Einsatzes. Aus unserer Erfahrung mit der Abwehr
traditioneller Aggression - wie im Persischen Golf - und
dem Umgang mit neuen Krisen - wie in Haiti und
Bosnien - haben wir einige Grundsätze für den Einsatz
von Gewalt aufgestellt, die ich gerne mit Ihnen erörtern
würde.
Zunächst möchte ich ein grundlegendes und dauerhaftes Prinzip erwähnen: Zur Verteidigung unserer
nationalen Interessen werden wir immer zum Einsatz
von Gewalt bereit sein. Bis sich die Natur des Menschen ändert, werden Macht und Gewalt weiterhin im
Zentrum internationaler Beziehungen stehen.

Manche beklagen sich mit etwas seltsamer Sehnsucht
nach dem Kalten Krieg, unserer Politik fehle ein
übergeordnetes Prinzip - daß sie nicht mit einem
kurzen Satz zusammengefaßt werden kann. Aber
obwohl wie in einem völlig veränderten internationalen
Umfeld operieren, hat Amerikas grundlegende Mission
Bestand. Dieselben Ideen, die vom Kommunismus
und davor vom Faschismus attackiert wurden, bleiben
auch heute noch Angriffsziel. Wir verteidigen heute
ebenso wie damals eine Idee, die viele Namen hat Toleranz, Freiheit, Staatsbürgerlichkeit, Pluralismus aber immer ein und dasselbe Gesicht: Das Gesicht der
demokratischen Gesellschaft.
Unsere besondere
Rolle in der Welt besteht heute wie damals in der
Verteidigung, Erweiterung und Stärkung der Gemeinschaft demokratischer Nationen.

Das wirft die Frage auf, worin genau diese Interessen
bestehen. Ich möchte sieben Umstände anführen,
unter denen - allein oder in Kombination - der Einsatz
von Gewalt oder Streitkräften erforderlich sein kann:

Bei der Fortsetzung dieser Mission nähern sich unsere
Interessen und Ideale einander an. Wir wissen aus
Erfahrung, daß Demokratien nur selten gegeneinander
Krieg führen oder die Rechte ihrer Bürger mißbrauchen. Sie sind bessere Handelspartner. Und jede ist
ein möglicher Verbündeter im Kampf gegen die Kräfte
des Hasses und der Intoleranz - mögen diese Kräfte
in Form von verbrecherischen Staaten, ethnisch oder
religiös bedingtem Haß oder mit Massenvernichtungswaffen handelnden Terroristen auftreten.

Zur Bewahrung, Förderung und Verteidigung
von Demokratie, die unsere Sicherheit erhöht
und unsere Werte verbreitet.

Wir haben die Gewißheiten und Vereinfachungen der
Vergangenheit hinter uns gelassen, was nicht unbedingt schlecht ist. Während des Kalten Krieges
konnten die Politiker jede Handlung mit einem Wort
rechtfertigen: Eindämmung. Wir machten die wichtigen Dinge richtig - unsere Politik der Eindämmung
führte zu unserem Sieg im Kalten Krieg. Aber selbst
die beste Politik kann zur schlimmsten Zwangsjacke
werden, wenn sie zu starr und rückbezüglich verfolgt
wird - wie wir in Vietnam sahen.
Jetzt haben wir die Chance, erneut über die besten
Wege zum Schutz und zur Förderung amerikanischer
Interessen und Ideale nachzudenken. Unsere wichtig-

AMERIKA DIENST 06

Zur Verteidigung gegen direkte Angriffe auf die
Vereinigten Staaten, ihre Bürger und Verbündeten.
Zur Abwehr von Aggression.
Zur Verteidigung unserer wichtigsten Wirtschaftsinteressen, denn auf diesem Gebiet
steht für die meisten Amerikaner bei unserem
internationalen Engagement am meisten auf
dem Spiel.

Zur Verhinderung der Weiterverbreitung von
Massenvernichtungswaffen, von Terrorismus,
internationalem Verbrechen und Drogenhandel.
Zur Bewahrung unserer Verläßlichkeit, denn
wenn unsere Partnerschaften stark sind und
das Vertrauen in unsere Regierung groß ist,
können wir andere eher zur Zusammenarbeit
mit uns bewegen.
Zu humanitären Zwecken, zur Bekämpfung
von Hungersnöten, Naturkatastrophen und
gravierenden Verletzungen der Menschenrechte.
Keine dieser Interessen an sich - mit offensichtlicher
Ausnahme eines Angriffs auf unsere Nation, unser
Volk und unsere Verbündeten - sollte automatisch zum
Einsatz von Gewalt führen. Aber je größer die Zahl
und das Gewicht der auf dem Spiel stehenden Inter-

Seite 3

�essen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, daß wir
Gewalt zum Einsatz bringen - nachdem alle friedlichen
Mittel probiert wurden und scheiterten und nachdem
wir Kosten und Nutzen der Mission in menschlicher
und finanzieller Hinsicht abgewogen haben.
In Haiti sahen wir, wie das Volk der Demokratie
beraubt wurde. Als in unserer Hemisphäre die Herrschaft der Brutalität Fuß faßte, ein Strom von Flüchtlingen an unsere Küsten kam, internationale Übereinkünfte ständig verletzt wurden und Bestrebungen zur
Überwindung der Pattsituation durch Verhandlungen
und Sanktionen scheiterten, war die Notwendigkeit
einer Intervention zwingend. In Bosnien fanden die
schlimmsten Greueltaten in Europa seit dem Zweiten
Weltkrieg statt, ein gefährliches Feuer wütete im
Herzen des Kontinents.
Unsere Verpflichtungen
gegenüber unseren Verbündeten in der NATO sowie
ein Friedensabkommen der Parteien erforderten, daß
wir handelten.
Mehr als das "Wann" eines Einsatzes von Gewalt
unterstreichen Haiti, Bosnien und einige andere
jüngste Interventionen die Grundsätze für das "Wie"
eines Einsatzes von Gewalt.
Erstens kann die Androhung eines Einsatzes von
Gewalt dasselbe Ergebnis erzielen wir ihre tatsächliche Anwendung - jedoch nur, wenn man diese Drohung auch auszuführen bereit ist. Die am besten
ausgebildete, am besten ausgerüstete und am besten
vorbereitete Streitmacht der Welt hat eine einzigartige
Fähigkeit, die Gedanken ihrer Gegner zu konzentrieren, ohne einen einzigen Schuß abzufeuern. Als
das Militärregime in Haiti erfuhr, daß das 82. Luftlandegeschwader im Anflug war, machte es den Weg frei.
Im Persischen Golf zog der Irak seine Truppen aus
Kuwait ab, sobald Präsident Clinton amerikanische
Streitkräfte in die Region entsandt hatte. Und durch
die Untermauerung der Diplomatie mit der Präsenz
amerikanischer Streitkräfte zur Abschreckung eines
Angriffs auf den Süden überzeugten wir Nordkorea,
sein gefährliches Nuklearwaffenprogramm einzufrieren.
Das zweite Prinzip lautet, daß der selektive aber
substantielle Einsatz von Gewalt manchmal angemessener ist als ihr massiver Einsatz - vorausgesetzt, die Streitmacht ist der Aufgabe gewachsen.
Präsident Clinton weigerte sich, unsere Truppen in
einen Bodenkrieg in Bosnien zu verwickeln, weil er
wußte, daß keine äußere Macht den Parteien den
Frieden aufzwingen konnte. Ein solcher Versuch hätte
uns in eine ähnliche Klemme gebracht wie damals der
Vietnamkrieg. Aber diesen Sommer überzeugten eine
Kombination aus schweren und kontinuierlichen
Luftangriffen der NATO, Gewinne der Bosnier und
Kroaten am Boden sowie unsere entschlossene
Diplomatie die bosnischen Serben, den Krieg zu
beenden und mit der Schaffung des Friedens zu

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beginnen. Jetzt sind unsere Soldaten nicht in Bosnien,
um Krieg zu führen, sondern um einen Frieden zu
sichern, den sie durch den sorgfältigen und wohldosierten Einsatz von Gewalt herbeiführten.
Der letzte Grundsatz lautet: Bevor wir unsere Truppen
in ein anderes Land schicken, sollten wir wissen, wann
und wie sie es wieder verlassen. Das hört sich einfach
und einleuchtend an. Aber sorgfältig definierte Abzugsstrategien für Interventionen im Ausland waren bis
jetzt kein Merkmal unserer Außenpolitik. Jetzt sind sie
es - was für Amerika und das Volk, dem wir helfen
wollen, sinnvoll ist.
Ich möchte kein engstirniger Prinzipienreiter sein und
eine Doktrin über eine Abzugsstrategie aufstellen. Bei
der Abschreckung von externer Aggression - wie im
Persischen Golf oder auf der koreanischen Halbinsel oder der Verteidigung unserer elementarsten Sicherheitsinteressen in einem Krieg sind Verpflichtungen mit einem offeneren Ende erforderlich. Unsere
Interessen bedingen jedoch in zunehmendem Maße,
daß unser Militär nach innenpolitischen Konflikten den
Frieden sichert. Für den Erfolg dieser Operationen
müssen genau darauf zugeschnittene Missionen und
klare Fristen für den Rückzug die Norm werden.
Der erste Schritt besteht darin, unseren Streitkräften
eine klare Aufgabe mit erreichbaren militärischen
Zielen zu geben - wie es Präsident Clinton in Haiti und
Bosnien getan hat. In Haiti sollten unsere Soldaten die
gewählte Regierung wieder an die Macht bringen und
ein Klima der Sicherheit wiederherstellen, damit
Zivilisten eine Polizeitruppe aufstellen, Wahlen abhalten und den Versöhnungsprozeß beginnen konnten.
In Bosnien überwachen unsere Soldaten die Durchsetzung der militärischen Seite des Abkommens von
Dayton - Truppenentflechtung, Bewahrung des
Waffenstillstands, Sicherung abgetretener Gebiete während die Zivilbehörden den Menschen in Bosnien
beim Wiederaufbau ihres Lebens und ihres Landes
behilflich sind. An beiden Orten sind unsere Truppen
gut ausgebildet, schwer bewaffnet und haben ganz
klare Einsatzregeln. Die Exekutive und der Kongreß
sind geeint in ihrer Verpflichtung zu den Zielen und
dem Erfolg des Militärs, wie es auch bei der Operation
Desert Storm der Fall war.
Vergleichen Sie diese Operationen mit Vietnam, dem
Libanon und Somalia. Dort waren keine klaren und
erreichbaren Missionen für unser Militär definiert. In
Vietnam machte unsere Gesellschaft unsere Soldaten
für eine Niederlage verantwortlich, die nicht ihre war.
Weil wir nicht die richtigen Fragen stellten und nicht
von Anfang an klare militärische Ziele steckten, zahlten
die Männer und Frauen unserer Streitkräfte einen
schrecklichen Preis - sowohl in Vietnam als auch bei
ihrer Rückkehr nach Hause. Wir dürfen sie nie wieder
in eine solche Lage bringen. Nie wieder.

AMERIKA DIENST 06

�Der nächste Schritt besteht darin, anhand der Ziele der
Mission Fristen für den Rückzug aufzustellen. In Haiti
informierte unser Militär den Präsidenten, daß unsere
Truppen ihre militärischen Aufgaben in anderthalb
Jahren abschließen könnten und in Bosnien in etwa
einem Jahr, was sie auch tun werden.
Die Festsetzung von Terminen ist aus folgenden
Gründen von großer Bedeutung:
Weder wir noch die internationale Staatengemeinschaft verfügen über die Verantwortung oder die Mittel,
alles Notwendige für den Wiederaufbau von Nationen
zu veranlassen. Hierfür gibt es viele Gründe.
Erstens bietet die Bereitstellung einer Sicherheitsdecke ohne deutlichen Hinweis darauf, daß sie
geliehen und nicht von Dauer ist, denjenigen, denen
wir helfen wollen, die bequeme Möglichkeit, sich ihrer
Verantwortung zu entziehen. Sie schafft unbegründete
Erwartungen, daß andere die harte Arbeit für sie
erledigen.
Zweitens. Durch die Übernahme von allzuviel Verantwortung für die Zukunft einer Nation entsteht die
Tendenz zur Unterminierung genau der Regierung, der
man zu helfen versucht. Je mehr Verantwortung wir in
Vietnam der schwachen Administration in Saigon
abnahmen, desto abhängiger wurde sie - und desto
offener für Vorwürfe, sie sei eine von Ausländern
abhängige Marionettenregierung. Wenn man nicht
ganz deutlich macht, daß eine Mission im Hinblick auf
Umfang und Dauer begrenzt ist, riskiert man den
Verlust von Legitimität der Regierung in den Augen
ihres eigenen Volkes.
Drittens. Eine zu lange andauernde Präsenz führt
letztlich zu Ressentiments gegenüber unserer Anwesenheit und bietet eine leichte Zielscheibe für Kritik,
wenn etwas schiefläuft. Diese Zielscheibe sind wir.
Durch die sorgfältige Definition der Mission und eine
klare Zielsetzung demonstrieren wir, daß unserer
einziges Ziel darin besteht, den Regierungen und
Völkern den für die Lösung ihrer Probleme nötigen
Freiraum zu geben. Diese Politik einer "harten Liebe"
mag einigen grausam, anderen wie ein Hasardspiel
vorkommen.
Betrachten Sie sich jedoch die Alternative: Völlig
sinnlose Bestrebungen zur Übernahme von Pflichten,
die nicht unsere sind, zur Schaffung von nicht tragfähigen Abhängigkeiten, anstatt den Nationen die
Chance zu geben, ihren Weg unabhängig zu gehen.
Es ist gefährlich und vermessen anzunehmen, wir
könnten andere Nationen wiederaufbauen. Aber wo
unsere eigenen Interessen auf dem Spiel stehen,
können wir den Nationen Hilfe zur Selbsthilfe geben und ihnen Zeit lassen, einen Anfang zu machen.

AMERIKA DIENST 06

Meines Erachtens können wir die Vorteile unserer
Doktrin für eine Abzugsstrategie in Haiti und Bosnien
sehen.
Als sie die Chance erhielten, konzentrierten sich die
Menschen in Haiti schnell auf Wahlen statt Waffen,
auf Handel statt Terror, auf Hoffnung statt Verzweiflung. In nur anderthalb Jahren hielten sie mit unserer
Hilfe Präsidentschafts-, Parlaments- und Kommunalwahlen ab, bildeten eine Polizeitruppe aus, verbesserten die Menschenrechtssituation erheblich und
begannen mit einer Umkehr des wirtschaftlichen
Abschwungs der Jahre des Staatsstreichs. Haiti ist
nach wie vor die ärmste Nation auf dem amerikanischen Kontinent. Es gibt keine Garantie dafür, daß
die Demokratie Fuß faßt oder die Wirtschaft prosperiert. Aber die Menschen in Haiti haben jetzt eine
echte Chance für den Aufbau einer besseren Zukunft
für sich und ihre Kinder - und für die amerikanischen
Streitkräfte, die wie versprochen abziehen werden,
wenn wir sagen "Mission erfüllt".
Dieselbe Logik gilt auch für Bosnien. Die Bosnier
verstehen, daß unser Militär ihnen die Chance gab, in
Frieden über ihre Zukunft zu entscheiden - ihre
eigenen Politiker frei zu wählen, ihre Straßen und
Schulen, Fabriken und Krankenhäuser wiederaufzubauen, Kinder wieder mit ihren Eltern zusammenund Familien in ihre Heimat zurückzuführen. Wenn am
Ende dieses Jahres unsere Truppen abziehen, haben
wir berechtigten Grund zu der Hoffnung, daß die
Menschen in Bosnien mehr Interesse am Frieden als
am Krieg haben - daß der Frieden sein eigenes Leben
und seine eigene Logik entwickelt.
Einen Punkt möchte ich jedoch eindeutig klarstellen:
Der Freiraum, den unser Militär in Haiti und Bosnien
schafft, muß mit dem Sauerstoff der Wiederaufbauhilfe
gefüllt sein. Was wir als zivile Umsetzung bezeichnen,
ist der lebenswichtige und notwendige Begleiter jeder
Friedenssicherungsoperation. Unsere Verbündeten
stimmen dem zu. Aus diesem Grund stellen sie
ungefähr 80 Prozent der zivilen Hilfe für Haiti und
Bosnien. Je eher die Menschen in Konfliktgebieten
wieder die Segnungen eines normalen Lebens
genießen, desto größer sind die Chancen, daß unsere
Truppen ein Vermächtnis von Frieden und Hoffnung
hinterlassen.
Aus diesem Grund sollte der Kongreß eine bescheidene Menge ausstehender Entwicklungshilfe für Haiti zur
Finanzierung der Grundschulbildung, für
Kinderbetreuung und Impfungen freigeben - und zwar jetzt.
Aus diesem Grund arbeiten wir mit dem Kongreß an
unserem Ersuchen für 200 Millionen Dollar zur Unterstützung des zivilen Wiederaufbaus in Bosnien Gelder zur Förderung von wirtschaftlicher Erholung
und von Reformen, zur Entsendung internationaler
polizeilicher Beobachter sowie zur Entschärfung von
Minen. Dieses Geld wird jetzt benötigt.

Seite 5

�In Haiti und Bosnien gleichermaßen tun unsere
Soldaten alles, was wir von ihnen erwarten - und mehr.
Wir sollten uns ein Beispiel an ihnen nehmen. Ihre
Missionen werden nur erfolgreich sein, wenn die zivile
Seite das Ihrige tut. Die für Hilfe und Wiederaufbau
erforderlichen Gelder zurückzuhalten, dient nicht
unseren Soldaten, dient nicht den Menschen, denen
wir zu helfen versuchen, und dient nicht den Interessen unserer Nation.
Eines der großen Privilegien meiner Arbeit besteht
darin, die Welt zu bereisen und den Respekt für
unsere Nation aus erster Hand zu erleben. Die
Menschen erwarten von uns die Übernahme einer
Führungsrolle - nicht nur wegen der Größe und Stärke
unseres Landes, sondern auch wegen dem, wofür wir
eintreten, sowie dem, wogegen wir einzutreten bereK
sind. Mehr als zu jedem anderen Zeitpunkt in der
Geschichte hat Amerika die einzigartige Möglichkeit,
etwas für sein eigenes Volk und für die Menschen auf
der ganzen Welt zu bewirken.
Es ist unsere Pflicht, diese Macht so klug wie möglich
einzusetzen - und uns dabei von unseren Interessen
und Idealen leiten zu lassen. Präsident Clinton hat be-

reits erklärt, daß wir nicht überall sein und alles tun
können. Aber wo diese Interessen und Ideale es
erfordern, und wo wir etwas bewirken können, dürfen
wir nicht zögern, eine Führungsrolle zu übernehmen.
Das haben wir in der Vergangenheit nicht getan und
werden es auch in Zukunft nicht tun.
Wir dürfen auch hier nicht zögern. Viele Anwesende
beginnen eine Karriere in der Außenpolitik. Ob Sie das
als Lehrer oder Forscher, Regierungsbedienstete oder
Journalisten tun - Sie werden die Chance haben, bei
den großen außenpolitischen Fragen unserer Zeit
mitzusprechen - mit Leidenschaft, mit Argumenten vor allem aber, mitzusprechen. Amerika muß Ihre
Stimmen hören. Es muß Ihre Begeisterung spüren.
Derzeit ist keine Frage grundlegender und kein
Resultat wichtiger als die Rolle Amerikas in der Welt.
Wir können nur Erfolg haben, wenn wir weiterhin
führen. Das ist die Lektion des sogenannten Amerikanischen Jahrhunderts. Wenn wir seinem Ruf folgen,
bleiben wir eine Kraft für Freiheit und Fortschritt auf der
ganzen Welt sowie für echte Sicherheit und Wohlstand
in unserem Land. Und auch das nächste Jahrhundert
wird ein Amerikanisches Jahrhundert.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 06

�DEMOKRATIE
20. März 1996

Unterstützung für Demokratie und die
nationalen Interessen der USA
Rede des Stellvertretenden Außenministers

WASHINGTON - (AD) - Der Stellvertretende Außenminister der Vereinigten Staaten, Strobe Talbott, forderte in
einer am 1. März 1996 gehaltenen Rede vor der Carnegie-Stiftung für internationalen Frieden, während der
schmerzlichen Übergangszeit zu Demokratie und offenen Märkten Geduld und Verständnis zu zeigen.
Nachfolgend veröffentlichen wir den Text der Rede des Stellvertretenden Außenministers im Wortlaut.

Vielen Dank Mort und Ihnen allen für die Gelegenheit,
heute hier sein zu dürfen. Mein Thema am heutigen
Nachmittag ist die Unterstützung von Demokratie als
Faktor der amerikanischen Außenpolitik sowie als
Mittel für die Förderung unserer nationalen Sicherheitsinteressen im Ausland. Natürlich ist das nicht der
einzige Faktor.
Demokratisierung ist Teil eines
umfassenderen, komplexeren, langgezogenen, oft
schmerzlichen und unberechenbaren Prozesses
politischer, sozialer und wirtschaftlicher Umgestaltung.
Dennoch ist sie auch ein wesentlicher Bestandteil
dieses übergeordneten Prozesses.
Isaias Berlin schrieb in seinem berühmten Essay über
Tolstoi über den Unterschied zwischen dem Fuchs,
"der über viele Dinge Bescheid weiß" und dem Igel,
"der über eine große Sache Bescheid weiß". Sir Isaias
unterschied zwischen denjenigen, die alles einem
einzigen universellen Organisationsprinzip unterordnen wollen einerseits und denjenigen, die den
ganzen Umfang menschlicher Erfahrungen und
Interessen einbeziehen - mit all seiner Unordnung,
Vielfalt und seinen inhärenten Widersprüchen.
Auf den ersten Blick erscheint die amerikanische
Außenpolitik im Zeitalter nach dem Kalten Krieg für den
Fuchs am besten geeignet. Anstatt uns auf ein
einziges, übergeordnetes Ziel zu konzentrieren beispielsweise die Eindämmung des sowjetischen
Kommunismus - werden wir jetzt mit einer Vielzahl
konkurrierender wirtschaftlicher und sicherheits-

AMERIKA DIENST 06

politischer Belange konfrontiert, die gleichzeitig unsere
aktive, ständige Aufmerksamkeit erfordern.
Um die offensichtlichsten und drängendsten zu
nennen: Unser Wohlstand hängt von unserer Fähigkeit
zur Schaffung von Chancen für internationalen Handel
und Investitionen ab. Unsere Gesundheit und Sicherheit sind abhängig von unserem Erfolg bei der
Bekämpfung transnationaler Bedrohungen wie Umweltzerstörung, Terrorismus und Weiterverbreitung
atomarer, chemischer und biologischer Waffen.
Unsere Sicherheit erfordert konstruktive Beziehungen
zu den anderen Großmächten - unseren langjährigen
Verbündeten in Westeuropa und Japan sowie unseren
ehemaligen Gegnern in Rußland und China. Gleichzeitig haben wir mit Bedrohungen durch verbrecherische und gescheiterte Staaten zu kämpfen sowie mit
regionalen Konflikten - vom Balkan über Zentralafrika
bis zum Persischen Golf und der koreanischen
Halbinsel.
Trotz alledem gibt es im Bereich der amerikanischen
Außenpolitik Platz für den Igel. Wir werden die von mir
gerade aufgezählten Ziele und auch andere fördern,
wenn wir Zusammenschlüsse von etablierten Demokratien sowie den Übergang zur Demokratie in Staaten
unterstützen, die Diktatur oder zivile Unruhen erlebt
haben. Mit anderen Worten: Wir müssen die Demokratie verteidigen, erhalten und fördern, wo immer das
möglich ist, selbst wenn wir mit einer Vielzahl anderer
Aufgaben konfrontiert sind.

Seite 1

�Das ist natürlich kein neues Thema der amerikanischen Außenpolitik. Weit gefehlt. Es ist althergebracht und überparteilich. Die Förderung der
Demokratie geht nicht nur auf Trumans logische
Begründung für den Marshallplan, Franklin Roosevelts
für Lend-Lease und Woodrow Wilsons für seine
Vierzehn Punkte zurück, sondern auch auf Henry
Clays American System und Thomas Paines aggressive Verteidigung von "The Rights of Man".
Als amerikanische Soldaten und Seeleute in diesem
Jahrhundert in zwei Weltkriegen kämpften, wußten sie,
daß sie die amerikanischen Ideale und Interessen
verteidigen würden. Beim Kalten Krieg ging es im
Grunde genommen ebenfalls nicht nur um das internationale Verhalten von Staaten, sondern in hohem
Maße auch um konkurrierende Visionen der Beziehungen zwischen dem einzelnen Bürger und seiner
Regierung.
Obwohl sich die NATO als erfolgreichstes Militärbündnis in der Geschichte erwiesen hat, ist sie auch das
erfolgreichste demokratische Bündnis. Und der Kalte
Krieg wurde schließlich beendet, weil es auf beiden
Seiten des ehemaligen Eisernen Vorhangs Verfechter
der Demokratie gab.
Heute gibt es weltweit mehr Unterstützung von
Demokratie an der Basis als zu jedem anderen
Zeitpunkt in der Geschichte des Menschen. Dies ist
teilweise auf das moderne Kommunikationswesen
zurückzuführen. Das kommunistische System der
ehemaligen Sowjetunion brach nicht nur zusammen,
weil es durch militärische Macht eingedämmt worden
war, sondern auch, weil es von Informationen und
Ideen durchdrungen und untergraben wurde. Selbst
die am stärksten gefestigten Grenzen wurden immer
durchlässiger - erst für das Radio, dann für das
Fernsehen und schließlich für interaktive Einflüsse wie
Telefax und elektronische Post. Im Gegensatz zu
George Orwells Vorhersage für 1984 wurde Big
Brother durch die technologische Entwicklung eher
geschwächt als gestärkt.
Der Zusammenbruch des Kommunismus sowjetischen
Stils bot den Vereinigten Staaten eine historische
Gelegenheit, eine weltweite Koalition zu bilden und
anzuführen, die auf demokratischen Prinzipien gründet
und diese fördert. Im Verlauf der letzten beiden
Jahrzehnte haben wir in dieser Hinsicht wirkliche
Fortschritte gemacht. Jimmy Carter institutionalisierte
die Förderung der Menschenrechte im Außenministerium durch die Einrichtung eines Büros für ihre Unterstützung und Verteidigung (übrigens unter der Aufsicht
des damaligen Stellvertretenden Außenministers
Warren Christopher).
Die Reagan-Administration
übernahm unter anderem eine Schlüsselrolle bei der
Absetzung von Ferdinand Marcos und öffnete fast auf
den Tag genau vor zehn Jahren - in der letzten
Februarwoche 1986 - der Macht des Volkes die Tür.

Seite 2

Unser Gastgeber, Mort Abramowitz, zählt zu denjenigen, denen das Verdienst gebührt, Cory Aquino und
alles, was sie vertritt, beharrlich unterstützt zu haben.
George Bush reagierte auf den Fall der Berliner Mauer
mit einer Reihe von Initiativen zur Gewährleistung
eines ungeteilten und freien Europas.
Eine Priorität der Präsidentschaft Bill Clintons ist die
Unterstützung politischer Reformen in ganz Zentralund Osteuropa und der ehemaligen Sowjetunion, wo
zwei Dutzend Länder mit unterschiedlichem Erfolg für
die Überwindung von jahrzehntelanger totalitärer
Herrschaft kämpfen. Ferner in Lateinamerika, Afrika
und Südasien, wo eine Generation junger Demokratien
sich um die Beseitigung des durch Militärregime,
Präsidenten auf Lebenszeit und andere Formen des
Despotismus verursachte Schäden bemüht; im Nahen
Osten, wo die Befürworter friedlichen politischen
Wandels sich denjenigen mutig entgegenstellen, die
auf Terrorismus und Mord zurückgreifen; in Ostasien
und im pazifischen Raum, wo die Bürger der jungen
Industrienationen in zunehmendem Maße ihre politischen Rechte geltend machen.
Wir tun das alles aus einem Grund, den Bill Clinton
bereits in seiner ersten Wahlkampfrede im Dezember
1991 an der Georgetown University anführte und
seitdem viele Male wiederholte: Die Förderung von
Demokratie ist ein Mittel zur Förderung amerikanischer
Interessen sowie amerikanischer Werte. Sie ist nicht
nur ein Thema der Moralpolitik, sondern auch der
Realpolitik. Warum? Weil Demokratien wahrscheinlich verläßlichere Partner in Handel und Diplomatie
sind und eher eine mit amerikanischen Interessen
vereinbare Außen- und Verteidigungspolitik verfolgen.
Die Wahrscheinlichkeit ist geringer, daß Demokratien
gegeneinander Krieg führen, Flüchtlingsströme
hervorrufen, Umweltkatastrophen verursachen oder
sich an terroristischen Aktivitäten beteiligen. Während
die Grenzen durchlässiger werden und ein Fluß von
Menschen, Technologien, Ideen, Waffen und Geld - sei
es schmutzig oder nicht - in beide Richtungen zu
beobachten ist, haben die Amerikaner ein zunehmendes Interesse daran, wie andere Gesellschaften auf
der ganzen Welt sich regieren - sei es gut oder
schlecht. Je größer und dichter geknüpft das Netz von
Demokratien ist, desto sicherer und wohlhabender sind
wir Amerikaner.
Die neuen Demokratien stellen für die amerikanische
Diplomatie jedoch eine besondere Herausforderung
dar. Unsere Erfahrung der letzten Jahre ist zwar in
vielerlei Hinsicht ermutigend, enthält aber auch viele
lebhafte Erinnerungen daran, daß demokratische
Politik oft schmutzig, unberechenbar und voller
Widersprüche - zwischen den Anforderungen für eine
Wahl und Wiederwahl einerseits und den Erfordernissen guter Regierungsführung und solider Staatskunst andererseits - ist. Das gilt selbst für Länder mit
einer langen Geschichte parlamentarischer Regierung

AMERIKA DIENST 06

�und etablierter Institutionen, einschließlich unseres
eigenen. Es ist daher wohl nicht erstaunlich, daß in
neuentstehenden Demokratien - in Ländern, wo die
Wunden des Bürgerkrieges noch schmerzen und das
Vermächtnis der Tyrannei noch groß ist - die Politik
besonders unbeständig sein kann. Die regierenden
Eliten des alten Systems und gewalttätige Splittergruppen suchen nach Wegen, die neue Ordnung zu
beherrschen - oder sich die alte Unordnung zunutze zu
machen. Neugewählte Politiker, die sich ihrer Macht
nicht sicher oder ihrer Unfehlbarkeit und Unersetzlichkeit allzu sicher sind, gehen manchmal hart gegen die
Opposition vor.
Demokratie ist abhängig von der Effektivität von
Institutionen wie einer unparteiischen Polizei, einer
unabhängigen Justiz sowie von ziviler Kontrolle
militärischer Institutionen, die in den Ländern, die
gerade erst ihre diktatorische Vergangenheit hinter
sich gelassen haben, entweder völlig fehlen oder
erbärmlich unzureichend sind. Zudem müssen die
institutionellen Reformen mit einer Veränderung der
öffentlichen Einstellung einhergehen, die bisweilen als
politische Kultur bezeichnet wird. Die Demokratie
hängt von der Bereitschaft ab, sich mit alten Feinden
zu versöhnen und abweichende Meinungen zu
tolerieren. Sie bedeutet den Bau von Brücken zwischen unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten
und Klassen.
Umgekehrt tendiert die Demokratie zum Zusammenbruch - beziehungsweise die im Übergang befindlichen
Staaten können sie nie verwirklichen - wenn die
Wählertreue übermäßig oder ausschließlich auf
ethnischer und Gruppenzugehörigkeit, religiöser oder
regionaler Loyalität gründet anstatt auf der Entscheidung für Parteien oder Kandidaten aufgrund ihres
Programms oder ihrer Politik. Wenn Gruppenzugehörigkeit zum Vorwand dafür wird, dem einzelnen Bürger
seine grundlegenden Rechte als Mensch und Staatsbürger zu verweigern, dann ist die Demokratie in
tödlicher Gefahr.
Ein weiterer Punkt: Alle Demokratien - und alle
Wahlen - stehen unter dem Slogan "Es ist die Wirtschaft, Du Dummkopf!". Und viele im Anfangsstadium
befindliche Demokratien haben mit großen wirtschaftlichen Nachteilen zu kämpfen. Armut, Unterentwicklung und wirtschaftliche Stagnation sollten nicht
zum Alibi für Tyrannei werden, aber es steht außer
Frage, daß sie Hindernisse für die Demokratie sind.
Diese Bedingungen sind jedoch oft in den Staaten
gegeben, die gerade erst die Diktatur hinter sich
gelassen haben. In einem Großteil Afrikas und Asiens
tragen sie die zusätzliche Last eines nicht tragfähigen
Bevölkerungswachstums.
Selbst bei einer wohlmeinenden, aufgeklärten politischen Führung ist es weniger wahrscheinlich, daß ein
erbärmlich armes Land eine demokratische Herrschaft

AMERIKA DIENST 06

aufrechthält. Ohne dauerhafte umfassende Wirschaftsentwicklung werden die Wähler wahrscheinlich
von der Politik und den Politikern und damit von der
Demokratie selbst enttäuscht.
Insbesondere in der postkommunistischen Welt ist das
Gefühl der Erleichterung und Befreiung angesichts des
Zusammenbruchs des alten, ineffektiven Befehlssystems einer weitverbreiteten Ablehnung der oft als
Unberechenbarkeit und Ungleichheit des Marktes
aufgefaßten Situation gewichen sowie der Unsicherheit
angesichts eines fehlenden Sicherheitsnetzes. Erst
seit kurzer Zeit wahlberechtigte Bürger neigen zu
unrealistisch hohen Erwartungen im Hinblick darauf,
was die von ihnen gewählten Politiker erreichen
können, wie lange sie dafür benötigen und wie groß
die damit einhergehenden Härten und der Schmerz
sind. Werden diese Erwartungen enttäuscht, werden
die Wähler anfällig für Demagogie und dumme, sogar
gefährliche Patentrezepte, die auf Sehnsucht nach der
Vergangenheit oder Angst vor der Zukunft gründen.
Aus all diesen Gründen haben wir es zu einer Priorität
der amerikanischen Außenpolitik gemacht, jungen
Demokratien während ihrer größten Schwächeperioden Beistand zu leisten. Wir taten das durch eine
Vielzahl von Mechanismen - einige bilateral, andere
multilateral - auf eine Art und Weise, die sich auf die
wirtschaftliche und politische Infrastruktur der im
Übergang befindlichen Länder konzentriert.
Ich
möchte Ihnen vier ganz unterschiedliche Beispiele
dafür nennen, wo das amerikanische Engagement
bereits förderlich war und weiterhin entscheidend ist.
Ich konzentriere mich absichtlich auf Fälle, die das mit
der Förderung von Demokratie einhergehende Dilemma und die Schwierigkeiten illustrieren sowie das
Gebot, diese Unterstützung fortzusetzen: Kambodscha, Haiti, Südafrika und Rußland.
Kambodscha hat unter äußerst schwierigen Umständen in kurzer Zeit einen langen Weg zurückgelegt.
Ich erinnere mich, Ende der siebziger Jahre Mort in
Bangkok besucht zu haben, und seine Frau Sheppy
verbrachte einen Großteil ihrer Zeit mit kambodschanischen Flüchtlingen an der Grenze. Kambodscha hat
bereits den Ausdruck "Felder des Todes" in unseren
Sprachschatz eingeführt, und in dem Land wurden die
schrecklichsten Massenmorde seit dem Holocaust
begangen.
Aber vor zweieinhalb Jahren war eine Mission der
Vereinten Nationen mit starker Unterstützung zunächst
der Bush- und dann der Clinton-Administration den
Kambodschanern dabei behilflich, die ersten freien,
fairen und umfassenden Wahlen in der Geschichte
ihres Landes abzuhalten. Über 90 Prozent der in
Frage kommenden Wähler beteiligten sich, und viele
von ihnen mußten buchstäblich Minenfelder überqueren, um zu den Wahlurnen zu gelangen. Seit jener
Wahl und der Gründung einer Koalitionsregierung ist

Seite 3

�die politische Gewalt drastisch zurückgegangen, rund
370.000 Flüchtlinge sind in ihre Heimat zurückgekehrt
und haben wieder ein normales Leben aufgenommen.
Dennoch - und Mort wird mir zustimmen - hat Kambodscha noch einen langen Weg vor sich. Das Land
leidet unter weitverbreiteter Korruption, einer personell
unzureichend besetzten und ausgebildeten Judikative
sowie inzwischen selteneren, aber anhaltenden
Überfällen der Roten Khmer. Und obwohl wir uns der
Notwendigkeit einer Aufrechterhaltung der politischen
Stabilität in einer prekären Situation bewußt sind, sind
wir auch besorgt über die andauernde Mißhandlung
rivalisierender Politiker und die Angriffe auf oppositionelle Zeitungen.
Vor den Kambodschanern liegt ein schwieriger Weg.
Sie werden es einfach nicht schaffen, wenn sie ihn
allein gehen müssen. Wir werden sie begleiten,
ebenso wie Japan und Australien - zwei der ältesten
Demokratien der Region - zusammen mit Frankreich der ehemaligen Kolonialmacht der Region.
Ein Handicap, das die Kambodschaner - und ihre
Freunde in der internationalen Staatengemeinschaft überwinden müssen, ist, daß Kambodscha in einer
äußerst unfreundlichen Nachbarschaft angesiedelt ist.
Von seinen vier südostasiatischen Nachbarn ist nur ein
Staat - Thailand - eine Demokratie. Laos und Vietnam
sind Anachronismen in der Hinsicht, daß sie sich
immer noch unter kommunistischer Herrschaft befinden. Das von einem brutalen Militärregime regierte
Burma ist einer der größter Exporteure illegaler Drogen
der Welt.
Im Gegensatz dazu lebt Haiti in einer guten Nachbarschaft, die natürlich auch unsere Nachbarschaft ist.
Noch vor 17 Jahren litten die meisten Nationen dieser
Hemisphäre unter irgendeiner Form der Diktatur.
Heute hat jede Regierung mit Ausnahme einer, mit der
wir uns im Augenblick stark befassen - Kuba - einen
Anspruch auf demokratische Legitimität.

in Port-au-Prince beiwohnen zu dürfen, der in einer
feierlichen Atmosphäre friedlich die Nachfolge eines
anderen antrat. Dies geschah zum ersten Mal in der
Geschichte Haitis. Im Gegensatz zu den Vorhersagen
vieler ist Jean-Bertrand Aristide jetzt aus dem Präsidentenpalast in Port-au-Prince ausgezogen. Er rief
eine private Stiftung ins Leben, die sich der Bekämpfung des Analphabetentums und der Förderung von
Demokratie verschrieben hat, weil er den Zusammenhang zwischen beidem versteht.
Aristides Streben nach Führung seines Volkes - wie er
es wiederholt formulierte - "aus dem Elend zur Armut
mit Würde" - findet auch in ganz Afrika seinen Widerhall. Es sind fast zwei Jahre vergangen, seit
Nelson Mandela den Amtseid als Südafrikas erster
öffentlich gewählter Präsident abgelegt hat. Dieses
Ereignis hatte Auswirkungen für die gesamte Region.
Nach Jahrzehnten des Kampfes gegen die Apartheid
konzentrieren heute die regionalen Politiker einen
Großteil ihrer Energien erneut auf die Stärkung der
demokratischen Herrschaft - nicht nur in ihren Staaten,
sondern auch durch eine "gutnachbarschaftliche
Politik", die wir aktiv unterstützen.
Aber selbst in Südafrika ist die harte Arbeit des
Aufbaus einer multiethnischen, multirassischen
Demokratie noch lange nicht beendet. Obwohl die
politische Gewalt im Land abgenommen hat, erreicht
die kriminelle Gewalt gefährliche Ausmaße. Die alte,
auf Apartheid gegründete und mit überflüssig gewordenen Büros für jede Rasse und jedes Homeland
durchsetzte Bürokratie verschwendet immer noch
enorme Ressourcen. Diese Ressourcen müssen
besser verwendet werden, damit die Regierung ihr
Versprechen von Arbeitsplätzen und Wohnungen
erfüllen kann.

Dieser Trend zu Demokratisierung in Lateinamerika

Ebenso wie die Zukunft Südafrikas dramatische
Auswirkungen auf alle anderen Länder in der Region
hat, wird auch das Schicksal der Demokratie in
Rußland weit über seine Grenze hinausreichende
Folgen haben - sicherlich für ganz Eurasien. Und es
wird auch tiefgreifende Auswirkungen für uns haben -

und der Karibik hat sich selbst verstärkt. Als die

für unsere Zukunft und unsere Sicherheit.

Demokratie in Guatemala im Juni 1993 bedroht war,
unternahmen die 34 Mitgliedstaaten der Organisation
Amerikanischer Staaten (OAS) unverzüglich und
einmütig Schritte, um einen Staatsstreich gegen den
Präsidenten abzuwehren. In den vergangenen Jahren
haben die OAS-Mitgliedstaaten auch unerläßliche
Unterstützung für die Demokratie in El Salvador, Peru,
Nicaragua, Surinam und die Dominikanische Republik
geleistet.

Die hohe Wahlbeteiligung bei den Parlamentswahlen
vom Dezember legt nahe, daß die Russen sich an die
Wahl ihrer Politiker gewöhnen. Aber während die
Präsidentschaftswahlen im Juni näherrücken, machen
sich beunruhigende Trends bemerkbar. Kommunisten
und Ultranationalisten erzielen gute Ergebnisse in
Meinungsumfragen und im Parlamentswahlkampf,
während die Reformer und Zentristen gespalten sind.

Haiti ist heute endlich Bestandteil dieses regionalen und zunehmend globalen - Konsenses. Im vergangenen Monat hatten meine Frau und ich die Ehre, als
Mitglieder der Delegation von Madeleine Albright der
Einführung eines demokratisch gewählten Präsidenten

Selbst wenn - oder vielleicht sollte ich sagen: Insbesondere weil - die Richtung der russischen Politik
unsicher ist, müssen die Grundlagen der amerikanischen Politik klar und beständig bleiben. Eine dieser
Grundlagen ist, daß wir die Demokratie in Rußland

Seite 4

AMERIKA DIENST 06

�ebenso unterstützen wie andernorts. Es ist nicht an
uns, die Politiker Rußlands zu wählen. Das war noch
nie so. Das russische Volk hat jetzt die Macht, das
selbst zu tun. Und das ist gut. Es ist und bleibt eine
grundlegende Prämisse der amerikanischen Politik,
daß die Wahlberechtigung der russischen Bürger wenn sie beibehalten wird - gut für das Land, die Welt
und die nationalen Interessen der Vereinigten Staaten
ist.
Ich möchte folgendes Argument vorbringen: Die
Schwierigkeiten, die Haiti, Kambodscha, Südafrika und
Rußland durchmachen, sollten uns auf keinen Fall von
der Unterstützung der Demokratie in diesen Ländern
oder andernorts abhalten. Ganz im Gegenteil. Wir
müssen den Mut unserer eigenen demokratischen
Überzeugungen haben. Die Freiheit der Entscheidung
und die Redefreiheit werden mit der Zeit diesen und
anderen neuen Demokratien zu einer bürgerlichen
Gesellschaft, Rechtsstaatlichkeit und den anderen
Eigenschaften von Staaten verhelfen, die als vollständig integrierte und konstruktive Mitglieder der
internationalen Staatengemeinschaft willkommen
geheißen werden.
Wir sollten dem Gedanken widerstehen und ihn
ablehnen, daß einige Rassen oder Kulturen für
Demokratie ungeeignet sind. Wir sollten uns vor
Stereotypen über den nationalen Charakter hüten,
insbesondere solchen, die - wenn sie zur Grundlage
unserer Politik werden - ganze Nationen zu Tyrannei,
Bürgerkrieg oder unendlichem Chaos aufgrund der
perversen Theorie verdammen würden, das sei das
Schicksal, das sie verdienen, oder das sei das ihren
Genen innewohnende Schicksal.
Die eher düsteren und warnenden Aspekte der von mir
zitierten vier Fälle sollten uns davon abhalten, von
einer "demokratischen Revolution" zu sprechen.
Demokratisierung ist per definitionem überhaupt nicht
revolutionär - sie ist evolutionär. Keine Gesellschaft
kann die Art ihrer Regierungsform über Nacht ändern.
Selbst mit Unterstützung der Vereinigten Staaten und
unserer demokratischen Verbündeten wird es in vielen
dieser Nationen Jahrzehnte oder sogar Generationen
dauern, diesen Übergang zu vollziehen. Zum Teil ist
das darin begründet, daß die Einführung einer echten
Demokratie mehr bedeutet als nur eine Verfassung zu
entwerfen und eine einzige Wahl, oder sogar zwei oder
drei fristgerecht abzuhalten. Unsere eigenen Gründerväter verstanden, daß das von ihnen im Jahr 1787 -11
Jahre nachdem wir die Unabhängigkeit erlangt hatten entworfene Stück Papier von der Rechtsstaatlichkeit
und der Garantie der Freiheiten des einzelnen abhing.
Und es lohnt, sich ins Gedächtnis zu rufen, daß die
Afroamerikaner den in der Bill of Rights enthaltenen
Schutz erst in den sechziger Jahren erhielten - nahezu
zwei Jahrhunderte zu spät. Mit anderen Worten:
Unsere eigene Erfahrung spricht für eine gewisse
Nachsicht mit anderen, die sich in den Frühstadien

AMERIKA DIENST 06

eines Experiments befinden, dessen Erfolg in unserem
Interesse liegt.
Unsere jüngste und derzeitige Erfahrung spricht auch
für ein grundlegendes Vertrauen, daß die Vorteile und
Macht der Demokratie die Unzulänglichkeiten und
Rückschläge überwinden werden. Führende Politiker und Apologeten - autoritärer Regime behaupten
manchmal, rückständige oder sich entwickelnde
Länder seien irgendwie "nicht bereit" für Demokratie.
Das vergangene halbe Jahrhundert hat uns jedoch
bewiesen, daß arme Nationen Demokratie ebenso
benötigen wie reiche, und sie brauchen sie aus
wirtschaftlichen und politischen Gründen. Selbst in
den ärmsten Ländern der Welt - von Haiti und Nicaragua bis zu Malawi, Albanien und Kambodscha - haben
demokratisch gewählte Führer eher als ihre autoritären
oder totalitären Vorgänger die Tendenz gezeigt, die
wirtschaftlichen und sozialen Maßnahmen zu ergreifen, die ihrem Volk am besten dienen. Weil sie
wissen, daß sie an der Wahlurne zur Rechenschaft
gezogen werden, lenken gewählte Führer eher die
Aufmerksamkeit auf die grundlegenden Bedürfnisse
ihrer Bürger. Der Harvard-Ökonom Amartya Sen
argumentierte anhand umfassender Statistiken, daß "in
einem Land mit einer demokratischen Regierungsform
und einer relativ freien Presse nie eine größere
Hungersnot stattgefunden hat".
Entsprechend haben vom Volk gewählte Regierungen
in weiter entwickelten Staaten von Argentinien über
Estland bis zu den Philippinen eher die Legitimität das heißt, die Unterstützung der Wähler - um schmerzliche aber notwendige wirtschaftliche Entscheidungen
zu treffen. Und an der Schwelle zum nächsten
Jahrhundert werden offene Gesellschaften am besten
vorbereitet sein, von den neuen Informationstechnologien zu profitieren: Im Zeitalter des Mikrochip und des
Modem wird die Wirtschaftsentwicklung scheitern,
wenn die Bürger mißtrauische, diktatorische Behörden
bekämpfen müssen, nur um ein Faxgerät besitzen,
Fotokopien eines Dokuments machen oder am Telefon
sprechen zu dürfen. Die Wahrheit wird immer offenkundiger, nicht nur für die Dissidenten und Reformer in
diesen Ländern, sondern auch für die zukünftigen
Mächte, oder zumindest die übernehmende Generation.
Ein abschließender Punkt: Was auch immer die
innenpolitischen Hindernisse für die Demokratisierung
sein mögen, das internationale Umfeld für den Prozeß
ist zunehmend günstig. Die Demokratisierung in
Rußland, Kambodscha, Haiti und Südafrika findet vor
dem Hintergrund von Globalisierung, Interdependenz
und der Kommunikationsrevolution statt - dem gleichen
Komplex von Trends, einige revolutionär, andere
evolutionär, die den Eisernen Vorhang niederrissen,
den Philippinen Machtbefugnis verliehen und die in
den achtziger Jahren die Oberste in Lateinamerika in
die Kasernen zurückschickten. Alle diese Fakten des

Seite 5

�internationalen Lebens werden weiterhin heilsame
Auswirkungen auf das nationale Leben von Ländern
haben, die mit dem Übergang zur Demokratie kämpfen.
Die Rolle der Vereinigten Staaten als Unterstützer und
Förderer dieses Prozesses wird auch in Zukunft
entscheidend sein - und uns auch in Zukunft Dividenden bringen. Wir profitieren nicht nur vom Erfolg der
Demokratie in anderen Ländern, sondern auch von
unserem eigenen Eintreten für die Sache der Freiheit.
Die Bilanz unseres Landes beim Verfechten demokratischer Ideale verleiht uns eine einzigartige Befugnis
und Glaubwürdigkeit in internationalen Angelegenheiten. Die Welt blickt weiterhin auf uns für eine Führungsrolle - nicht nur wegen unserer wirtschaftlichen
und militärischen Macht, sondern auch, weil wir am

besten sind, wenn wir die gleichen politischen Prinzipien im Ausland fördern und verteidigen, die wir hier zu
Hause wertschätzen. Kurzum: Unsere Außenpolitik
muß sich weiterhin auf unser Wesen als Gesellschaft
und unsere Interessen als Staat gründen. Das ist nicht
eine Frage der Nächstenliebe oder "Sozialarbeit" - es
ist eine Frage der Sicherung und Erweiterung der
internationalen Staatengemeinschaft, die unsere Werte
teilt und deren Interessen sich daher mit unseren
decken. Es ist eine Investition in unsere langfristige
Sicherheit. Die Losung der amerikanischen Außenpolitik sollte lauten: Geduld, Festigkeit und Konzentration. Wenn Tiere sprechen könnten, würden Sie das
von einem Igel hören.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

* * * * *

Seite 6

AMERIKA DIENST 06

�ABRÜSTUNG

20. März 1996

Ledogar: Abschluß des CTBT in diesem Jahr möglich
Rede beim UN-Seminar in Genf

GENF - (AD) - Die Vereinigten Staaten sind der Auffassung, daß der Vertrag über ein umfassendes
Atomtestverbot (Comprehensive Test Ban Treaty - CTBT) in diesem Jahr abgeschlossen werden kann, dies
jedoch "harte Arbeit, schwierige Entscheidungen ... und Kompromisse" erfordern wird, äußerte der amerikanische
Vertreter bei der Genfer Abrüstungskonferenz (Conference on Disarmament - CD), Stephen Ledogar, am 8. März
1996 in seinen Ausführungen bei einem von den Vereinten Nationen in Genf veranstalteten Seminar.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Botschafter Ledogar im Wortlaut.

Heute um Mitternacht hat die Genfer Abrüstungskonferenz die ersten sieben Wochen ihrer Sitzungsperiode 1996 hinter sich. Nahezu 30 Prozent des
Verhandlungsjahres sind verstrichen. Die drängende
Frage lautet: Wird die Konferenz den CTBT rechtzeitig
zur Vorbereitung einer Unterzeichnungszeremonie im
September vor Beendigung der Feierlichkeiten zum
50jährigen Bestehen der Vereinten Nationen abschließen können?

bin ich der Ansicht, daß dieser Weg zum Erfolg
unseres gemeinsamen Ziels führt und den gleichen
Ansatz beinhaltet, den die Konferenz 1992 zum
Abschluß der Chemiewaffenkonvention einnahm. Der
CTBT kann nur durch die Verdoppelung unserer
Anstrengungen, erneute Überprüfung der nationalen
Positionen, Einbeziehung der Probleme, Trennung des
Wichtigen vom Unwichtigen und Kompromisse Realität
werden.

Meine Antwort auf diese Frage ist JA. Wir können es
schaffen. Der CTBT kann in diesem Jahr abgeschlossen werden. Wie Australien bei der Plenarsitzung der CD in der vergangenen Woche erklärte, ist
der Abschluß des Vertrags jedoch nicht "unvermeidlich", oder wie wir in den Vereinigten Staaten sagen,
der CTBT ist nicht "sicher". Obwohl es zutrifft, daß die
Konferenz in den vergangenen Wochen eine zunehmende Dynamik entwickelt hat, insbesondere mit der
Vorlage von zwei Modell-Vertragstexten durch den Iran
und Australien, ist es hinreichend bekannt, daß bei
allen Verhandlungen dieser Größenordnung die Dynamik jeden Augenblick umschlagen kann. Positive
Dynamik kann von allen Parteien nur durch entschlossenes Engagement und Ausdauer bewahrt werden.

Der zweite Weg ist verhängnisvoll und voller böser
Omen. Die Konferenzteilnehmer könnten selbstzufrieden und faul werden. Noch schlimmer wäre,
wenn die Delegationen starrköpfig und gierig werden
und auf nationalen Positionen beharren, die keine
Chance haben, eine umfassende Verhandlung zu
überleben. Die Konferenzteilnehmer können der
Verhandlung auch neue Erfordernisse wie ein Junktim
zwischen dem CTBT und weiteren Verpflichtungen im
Bereich der nuklearen Abrüstung auferlegen. Meiner
Ansicht nach führt dieser letztere Weg zu Katastrophen
und Enttäuschungen.

Die Konferenz nähert sich rasch einem entscheidenden Punkt, einer Wegegabelung auf der Straße, die zu
zwei unterschiedlichen und entgegengesetzten Wegen
führt. Der erste Weg ist der schwierigere. Er erfordert
harte Arbeit, schwierige Entscheidungen, Opfer und ist
äußerst zeitaufwendig und arbeitsintensiv. Natürlich

AMERIKA DIENST 06

Viele haben über die Chance gesprochen, die dieses
Jahr für den Abschluß des CTBT besteht. Der lange
und etwas gewundene Weg zu einem CTBT ist in der
Tat hinreichend bekannt und dokumentiert, wie Dr.
Goldblats Hintergrundpapier über ein Atomtestverbot
anschaulich erörtert. In den vergangenen Jahrzehnten
haben sich mehrfach, wenn auch nur geringe Chancen
für den CTBT eröffnet, die jedoch kurz danach verstrichen waren. 1996 scheint das anders zu sein.

Seite 1

�Bei der UN-Generalversammlung im Dezember
vergangenen Jahres erklärte die internationale
Staatengemeinschaft, 1996 sei "das Jahr des CTBT",
und die UN-Mitgliedstaaten empfahlen einen Zeitplan
für unsere Verhandlungen. Bisher ist es kaum vorgekommen, daß so viele Länder - über 180 - sich
hinter ein gemeinsames Abrüstungsziel gestellt haben.
So bietet sich wieder einmal eine Chance für den
CTBT mit gerade genug Zeit in diesem Kalenderjahr
für den Abschluß und die Unterzeichnung des Vertrags. Dennoch belegt die Geschichte, wie schnell
sich die Dinge wandeln können. Vorsicht. Die sich
jetzt für den CTBT bietende Chance kann jeden
Augenblick verstreichen, und der entstehende Schaden ist sehr wahrscheinlich irreparabel.
Ich fordere meine Kollegen an diesem Tisch und die
Mitglieder der Presse auf, die Konsequenzen eines
nicht in diesem Sommer abgeschlossenen CTBT zu
prüfen. Die verpaßten Chancen könnten enorm sein.
Ich möchte Ihre Aufmerksamkeit auf einige lenken.
Der Direktor des Amts für Rüstungskontrolle und
Abrüstung (Arms Control and Disarmament Agency ACDA), John Holum, erklärte bei der Eröffnungssitzung der CD am 23. Januar, der CTBT würde den
Atomwaffenstaaten neue Beschränkungen auferlegen,
insbesondere bei der Entwicklung moderner neuer
Waffen. Er fügte hinzu, der CTBT würde die Entwicklung neuer militärischer Anwendungen im nuklearen
Bereich verhindern. Ich möchte Ihre Aufmerksamkeit
auch auf einen kürzlich erschienenen SIPRI-Artikel von
Eric Arnett lenken, in dem er die beträchtliche Anzahl
bestehender und möglicher Nuklearwaffenprogramme
erörtert, die durch einen CTBT begrenzt werden
könnten. Diese Begrenzung würde uneingeschränkt
auf die fünf Atomwaffenstaaten und die nuklearen
Schwellenländer Anwendung finden.
Der CTBT wird auch ein unerläßlicher Schritt sein,
wenn die endgültige Beseitigung von Atomwaffen je
erzielt werden soll. Wenn wir jetzt - wie einige vorschlagen - ein Junktim zwischen der CD und den
beiden Abrüstungszielen in demselben Vertrag
herstellen, nämlich der Einstellung von Atomwaffentests und anderen Atomexplosionen sowie kontinuierlichen Fortschritten bei der Beseitigung von Nuklearwaffen, werden wir sicherlich scheitern. Ich bin der festen
Überzeugung, daß diejenigen, die ein Junktim anstreben, diese Verhandlungen vereiteln wollen. Ich

* *

Seite 2

bitte Sie inständig, die Motive derjenigen in Frage zu
stellen, die ich als "Meister des Junktims" bezeichne.
Sind sie besorgt, daß der Vertrag vorzeitig ihre
bestehenden Nuklearprogramme einfriert? Oder sind
sie besorgt, daß sie ihre Arsenale nicht aufstocken
oder ihre existierenden Atomwaffen nicht modernisieren können?
Diejenigen, die behaupten, der CTBT sei nutzlos,
solange er nicht einen expliziten Bezug zu einem
zeitgebundenen Rahmen für die vollständige Beseitigung von Nuklearwaffen enthält, argumentieren
unlogisch und machen viel heiße Luft. Der CTBT ist
eine wichtige Rüstungskontrollmaßnahme. Warum
hätten seit Ende der fünfziger Jahre sonst so viele
Länder so große Anstrengungen dafür unternommen?
Warum würden die UN-Generalversammlung und die
Parteien des Nichtverbreitungsvertrags sonst den
Abschluß des CTBT im Jahr 1996 fordern?
Der CTBT verfolgte stets ein einziges Ziel: Die
Einstellung von Atomwaffentests und anderen Nuklearexplosionen für alle Zeiten. Dankenswerterweise
gehen mit diesem Vertrag noch andere Vorteile einher.
Zusätzlich zu den von mir bereits erwähnten wird der
CTBT auch effektiv zur Verhinderung der Weiterverbreitung von Nuklearwaffen mit allen ihren Aspekten,
zum Prozeß der nuklearen Abrüstung und daher zur
Verbesserung des internationalen Friedens und der
Sicherheit beitragen. Diese Worte sind nicht aus der
Luft gegriffen. Diese Worte entstammen dem Mandat,
das die CTBT-Verhandlungen seit 1993 leitet.
Die Atomwaffenstaaten geben mit der Unterzeichnung
des CTBT sehr viel auf. Wir vereinbaren, unserem
defensiven militärischen Einsatzkonzept zahlreiche
Beschränkungen aufzuerlegen. Offen gesagt waren
die Vereinigten Staaten nicht immer so großzügig bei
dieser Rüstungskontrollinitiative. Ich fordere meine
Verhandlungspartner auf, die Chance zu ergreifen,
bevor es zu spät ist. Obwohl es so aussieht, als hätten
wir das Verhandlungsjahr gerade erst begonnen, wird
die Zeit knapp. Die Zahl der Verhandlungstage im
Jahr 1996 ist stark begrenzt. Die Vereinigten Staaten
vertreten die Auffassung, daß der Erfolg in greifbare
Nähe gerückt ist, wir aber hart dafür arbeiten müssen.
Wir müssen denselben Weg verfolgen und das gleiche
Engagement an den Tag legen. Die Teilnehmer der
Konferenz - und nur sie - können das bewirken. Die
Entscheidung liegt bei uns.

* *

*

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�ABRÜSTUNG
20. März 1996

Verhinderung der nuklearen Anarchie
Auszüge aus Harvard-Studie

WASHINGTON - (AD) - Die neue Bedrohung eines nuklearen "Lecks" durch den Diebstahl und die Umleitung von
Nuklearmaterial nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion hat das Problem der Weiterverbreitung für die
Vereinigten Staaten und andere Nationen verändert, so die Schlußfolgerung einer vom Zentrum für Wissenschaft
und internationale Angelegenheiten der Harvard University veröffentlichten Studie.
Neben anderen Empfehlungen fordert der Bericht die Förderung von Programmen zur direkten Verbesserung der
nuklearen Sicherheit, den Aufbau konstruktiver Beziehungen zur russischen Regierung sowie die Erarbeitung und
Umsetzung eines langfristigen Plans für die Verwaltung von spaltbarem Material.
Die Autoren der Studie sind Graham T. Allison, Owen R. Cote, Jr., Richard A. Falkenrath und Steven E. Miller.
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus dem Bericht.

Das nukleare Leck

Sechs bekannte Vorfälle

Seit 1991 waren in der Presse zahlreiche Berichte
über den Diebstahl von Nuklearmaterial und Atomwaffen aus der ehemaligen Sowjetunion und den illegalen
Handel damit zu lesen. Über buchstäblich Hunderte
von Vorfällen wurde berichtet, aber in der Mehrzahl
waren es Falschmeldungen oder sie bezogen sich
nicht auf waffenfähiges Material. Dennoch geben die
Fakten aus mindestens vier Gründen Anlaß zu großer
Sorge. Erstens legt die große Anzahl realer oder
betrügerischer Bestrebungen zum Verkauf von
Nuklearmaterial in der früheren Sowjetunion die
weitverbreitete Erkenntnis nahe, daß solches Material
Marktwert hat. Zweitens weisen diese Fakten auf
beträchtliche Anstrengungen zur Erfüllung des Bedarfs
auf einem entstehenden nuklearen Schwarzmarkt hin.
Drittens ist es unwahrscheinlich, daß jeder Versuch
eines Nuklearschmuggels aufgedeckt und berichtet
wird. Per definitionem finden erfolgreiche Transaktionen auf dem Schwarzmarkt verdeckt und unbemerkt statt. Und viertens versteckt sich hinter der
großen Anzahl angeblicher Fälle eine kleine Zahl sehr
ernsthafter Vorfälle.

Seit 1992 wurden sechs Fälle von Diebstahl oder
illegalem Handel mit spaltbarem Material bekannt. Ein
Angestellter stahl Mitte 1992 ungefähr 1,7 kg hochangereichertes Uran (HEU) aus der Wissenschaftlichen Produktionsanlage Luch im russischen Podolsk.
Ein Kapitän der russischen Marine entwendete im
November 1993 rund 4,5 kg HEU aus einem U-BootTreibstofflager in Murmansk. Die deutsche Polizei
entdeckte im Mai 1994 per Zufall 5,6 Gramm superwaffenfähiges Plutonium in der Garage eines verdächtigten Banknotenfälschers in Tengen. Im Juni 1994
beschlagnahmte die bayerische Polizei in Landshut 0,8
Gramm HEU bei einem Scheingeschäft. Ein Scheingeschäft führte im August 1994 auch zur Beschlagnahme von einem halben Kilo beinahe waffenfähigem
Plutonium auf dem Münchner Flughafen. Und 2,7 kg
HEU wurden im Dezember 1994 in Prag beschlagnahmt. Um dies in einen Zusammenhang zu setzen:
Aus der ehemaligen Sowjetunion wurde mehr spaltbares Material gestohlen als die Vereinigten Staaten in
den ersten drei Jahren des Manhattan Project produzieren konnten.

AMERIKA DIENST 06

Seite 1

�Warum das Leck wahrscheinlich größer wird
Obwohl jedes Leck Anlaß zur Sorge gibt, hat ein
katastrophaler Zusammenbruch des russischen
Nuklearkomplexes, der eine enorme Menge von
Atomwaffen oder spaltbarem Material auf den internationalen Schwarzmarkt schwemmen würde, noch nicht
stattgefunden. Bedauerlicherweise gibt es eine Reihe
von Gründen für die Annahme, daß das atomare Leck
in Rußland weiterbestehen wird und leicht größer
werden kann: Die Ordnung der russischen Gesellschaft ist infolge sozialer und wirtschaftlicher Härten,
politischem Opportunismus und einer überhand
nehmenden Kriminalisierung empfindlich gestört. Der
weit verstreute russische Nuklearkomplex scheint sich
im endgültigen Stadium des wirtschaftlichen Niedergangs zu befinden. Das während der Sowjetära
entwickelte repressive innenpolitische Sicherheitssystem ist mehr oder weniger zusammengebrochen,
und die Integrität des noch vorhandenen ist fraglich.
Rußland hat kein nationales oder für die jeweiligen
Anlagen bestimmtes Inventursystem für den Bestand
an spaltbarem Material. Rußlands Nukleareinrichtungen verfügen über unzulängliche Sicherheitsvorkehrungen gegen Diebstahl - insbesondere Bedrohungen
von innen - und der Prozeß der Zerlegung der überschüssigen Gefechtsköpfe Rußlands übersteigt die
russischen Kapazitäten zur Lagerung der verbleibenden überschüssigen Waffenkomponenten. Angesichts
dieser Situation ist eine Ausweitung des nuklearen
Lecks wahrscheinlich, ernsthafte Vorfälle mit ausreichenden Mengen von spaltbarem Material sind eine
echte Möglichkeit, und das Risiko eines katastrophalen
Zusammenbruchs des russischen Überwachungssystems ist nach wie vor beunruhigend hoch.
Das nukleare Leck:
Die größte Bedrohung der nationalen Sicherheitsinteressen der USA
Das nukleare Leck ist heute und in absehbarer Zukunft
die ernsthafteste direkte Bedrohung elementarer
amerikanischer Interessen. Die durch den Zusammenbruch der Sowjetunion entstandene neue Bedrohung hat das Problem der Weiterverbreitung für die
Vereinigten Staaten (und andere ernsthaft mit Weiterverbreitung befaßte Länder) verändert. Um diese
Bedrohung richtig einschätzen zu können, müssen vier
vorherrschende Mythen über Nuklearwaffen und
spaltbares Material über Bord geworfen werden:
Erstens, daß der Bau einer Atomwaffe schwierig ist.
Zweitens, daß spaltbares Material zu gefährlich oder
zu schwer zu schmuggeln ist. Drittens, daß eine
Atomwaffe in die Vereinigten Staaten zu schmuggeln
eine Herausforderung ist und viertens, daß es keine
Nachfrage nach illegal beschafften Nuklearwaffen oder
spaltbarem Material gibt. Alle vier Annahmen sind
völlig falsch und zutiefst schädigend in dem Maße, in
dem sie die nationale Sicherheitspolitik eines Staates
leiten.

Seite 2

Die Verfügbarkeit von spaltbarem Material erleichtert die Herstellung von Atomwaffen
Die Verhinderung des Zugangs zu spaltbarem Material
ist das einzig verläßliche Mittel zur Verhinderung des
Zugangs zu Atomwaffen. Die Konstrukteure amerikanischer Waffen haben diese Binsenwahrheit seit
Anfang der siebziger Jahre wiederholt, als John
Foster, ein ehemaliger Direktor des Lawrence Livermore Nuklearwaffenlabors erklärte: "Das einzig
Schwierige bei der Herstellung einer Atombombe ist
die Bereitstellung von spaltbarem Material mit ausreichender Reinheit. Die Konstruktion der Bombe
selbst ist relativ leicht." Amerikanische Waffenkonstrukteure sind sich einig, daß die meisten Staaten und
viele Terrorgruppen eine einfache Nuklearwaffe bauen
könnten, wenn ihnen die ausreichende Menge von
spaltbarem Material zur Verfügung gestellt wird. Der
Zerfall der Sowjetunion und der darauf folgende
Zusammenbruch des Überwachungssystems für das
sowjetische nukleare Erbe hat einen schwachen Punkt
für den Transport von spaltbarem Material geschaffen,
da Staaten und wahrscheinlich sogar in Staaten
agierende Gruppen jetzt das kaufen oder stehlen
können, was sie vorher selbst herstellen mußten.
Der Transport ist leicht
Viele scheinen sich mit der Annahme zu beschwichtigen, daß die zur Herstellung von Waffen erforderliche
Menge spaltbaren Materials zu groß ist, um leicht
transportiert werden zu können, oder daß Nuklearschmuggler von den gesundheitlichen Gefahren
abgeschreckt würden, die mit der Handhabung
spaltbaren Materials einhergehen. Beide Ansichten
sind falsch. Die einfachste Bombenkonstruktion - wie
die über Hiroshima abgeworfene - erfordert wenig
mehr als 45 kg HEU. Eine etwas weiter entwickelte,
aber immer noch einfache Implosionswaffe kann mit
weniger als 9 kg Plutonium oder rund 18 kg HEU
gebaut werden. Solche Gewichte könnten physisch
von einer Person getragen werden und haben aufgrund der Dichte von spaltbarem Material einen sehr
geringen Umfang.
Im Gegensatz zur gängigen
Überzeugung kann waffenfähiges Material darüber
hinaus sicher gehandhabt werden: Plutonium ist
radioaktiv und emittiert Alphapartikel, aber diese
Partikel können die Haut nicht durchdringen. HEU ist
praktisch gar nicht radioaktiv.
Schmuggel in die Vereinigten Staaten ist leicht
Als die offenste Gesellschaft der Welt hat Amerika
außerordentlich durchlässige Grenzen. Die Menge an
Menschen und Gütern, die durch die legalen Einreiseorte in die Vereinigten Staaten kommt, ist enorm
und wird im großen und ganzen nicht kontrolliert.
Ferner müssen diejenigen, die Atomwaffen oder das
Material zu ihrer Herstellung in die Vereinigten Staaten
zu schmuggeln versuchen, nicht die legalen Ein-

AMERIKA DIENST 06

�reiseorte wählen. Das Aufspüren von Atomwaffen
oder spaltbarem Material durch Strafverfolgungsbeamte ist nicht leicht. Zum Aufspüren von Nuklearmaterial entworfene Technologien haben nur eine
äußerst geringe Reichweite und werden derzeit nur in
sicheren Lagereinrichtungen von wenigen speziellen
Suchteams verwendet. Und schließlich sind die
Möglichkeiten, solches Material in die Vereinigten
Staaten zu bringen, praktisch unbegrenzt. In Ermangelung der von den nuklearen Supermächten
bevorzugten interkontinentalen Trägersysteme würde
ein Terrorist oder verbrecherischer Staat mit an
Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auf unkonventionelle Abschußvorrichtungen wie ein Schiff in
einem Hafen, eine Autobombe oder ein Flugzeug
zurückgreifen. Da sie keinen Absender hinterlassen,
sind unkonventionelle Angriffe schwer abzuschrecken
oder zu vergelten.

dieser Angelegenheit auf dem Spiel stehen. Während
der ersten drei Jahre nach dem Zusammenbruch der
Sowjetunion wurden praktisch keinerlei Fortschritte zur
Reduzierung der Wahrscheinlichkeit erzielt, daß eine
Atomwaffe oder eine Menge spaltbaren Materials aus
Rußland herausgeschmuggelt würde. Im Jahr 1995
wurden nach der sowjetischen Ära einige hoffnungsvolle Schritte in wenigen Bereichen des nuklearen
Archipels unternommen. Dennoch waren die meisten
der relevanten Einrichtungen Ende 1995 nicht sicherer
als beim Zerfall der Sowjetunion. Und obwohl jetzt
mehrere wichtige Einzelerfolge der amerikanischen
Politik ausgemacht werden können, ist nicht genug
getan worden, um die generelle Anfälligkeit des
nuklearen Überwachungssystems Rußlands zu
beheben.
Viele amerikanische Programme, aber zu langsame
Fortschritte

Die Nachfrage besteht
Niemand kann bezweifeln, daß eine Nachfrage für
Nuklearwaffen besteht: Sie wurde von über einem
Dutzend Staaten demonstriert, angefangen mit den
Kombattanten im Zweiten Weltkrieg. Die Frage, die
einige jedoch stellen, lautet, ob es eine Nachfrage für
gestohlendes oder illegal beschafftes spaltbares
Material oder Atomwaffen gibt. Bisher gibt es wenig
konkrete Beweise für die Existenz dieser besonderen
Form von Nachfrage nach Nuklearwaffen. Der Mangel
an Beweisen hat wahrscheinlich mit der Tatsache zu
tun, daß die illegale Beschaffung erst seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion eine mögliche Verbreitungsoption war. Da es Staaten gibt, die für die
Beschaffung von Nuklearwaffen jahrelange Anstrengungen und Milliarden von Dollar zu investieren
bereit sind, ist es nicht plausibel, daß sie den Diebstahl
oder Kauf von spaltbarem Material oder sogar der
Waffen selbst ablehnen würden, wenn sich eine
Chance böte. Und obwohl es keine konkreten Beweise für die Nachfrage nach Nuklearwaffen unter
Terroristen oder anderen innerhalb von Staaten
agierenden Gruppen gibt, ist diese Tatsache kein
Grund zur Beruhigung: Spaltbares Material befand sich
noch bis vor einigen Jahren außerhalb der Reichweite
von Terroristen, das trifft jedoch nicht länger zu. Selbst
angesichts der größeren Verfügbarkeit von Nuklearwaffen durch das nukleare Leck bestätigen einige
Beobachter, daß Terroristen einfach uninteressiert an
der Beschaffung oder dem Einsatz von Nuklearwaffen
sind. Eine ähnliche Einstellung hatte man gegenüber
Terroristen und chemischen Waffen, bis Sarin in der
Tokioter U-Bahn ausströmte.
Die amerikanische Reaktion auf die Bedrohung des
nuklearen Lecks: Unzureichend
Die amerikanische Reaktion auf diese neue Bedrohung des nuklearen Lecks steht in keinem Verhältnis zu den Interessen der Vereinigten Staaten, die bei

AMERIKA DIENST 06

Im Rahmen der derzeitigen politischen Zwänge hat die
Clinton-Administration ein breites Spektrum innovativer
Programme eingeführt, mit denen die vielen unterschiedlichen nuklearen Probleme in der ehemaligen
Sowjetunion bewältigt werden sollen. Diese Programme fallen in drei grundlegende Kategorien: Programme, mit denen die Sicherheit von Nuklearwaffen und
-material in der früheren Sowjetunion direkt verbessert
werden soll; Programme, die eine permanente Verlegung von spaltbarem Material anstreben und Programme, die "Vertrauen durch Offenheit" aufbauen wollen,
indem sie die Transparenz der russischen und amerikanischen nuklearen Rüstungsindustrie verbessern.
Im Hinblick auf die Verbesserung der Sicherheit von
Nuklearmaterial hat es einige wichtige Errungenschaften gegeben, aber im allgemeinen erfolgten die
amerikanischen Bestrebungen in diesem Bereich
langsam und in kleinem Rahmen und haben wenig
Chancen, eine kurzfristige Reduzierung der gravierenden Bedrohung durch das nukleare Leck
herbeizuführen. Auch die Verhandlungen über eine
langfristige Verlegung von spaltbarem Material und
Transparenz sind extrem langsam vorangekommen.
Obwohl einige bescheidene Erfolge bei der Frage der
langfristigen Verlegung zu verzeichnen waren, wurden
die Verhandlungen über Transparenz im großen und
ganzen durch die russische Kompromißlosigkeit
vereitelt.
Warum die Fortschritte langsam waren
Die amerikanischen Bestrebungen zur Reduzierung
der Bedrohung des nuklearen Lecks wurden durch die
mangelnde
Kooperationsbereitschaft
Rußlands,
finanzielle Engpässe, politische Gegebenheiten und
vom Kongreß auferlegte rechtliche Einschränkungen,
die unterschiedlichen Prioritäten der Clinton-Administration selbst sowie die kärglichen Beiträge der
amerikanischen Verbündeten behindert. Die grundlegende Schwäche der Reaktion der Clinton-Administra-

Seite 3

�tion auf die Bedrohung des nuklearen Lecks war das
Fehlen konzertierter Bestrebungen auf hoher Ebene
zur Überwindung dieser Hindernisse, insbesondere
unter Einbeziehung der Zusammenarbeit mit der
russischen Regierung und der Überzeugungsarbeit im
Kongreß, der amerikanischen Öffentlichkeit und den
anderen modernen Industrienationen, daß eine
ehrgeizigere und besser finanzierte Kampagne gegen
die Bedrohung des nuklearen Lecks notwendig ist.
Empfehlungen
Zur Bekämpfung der Bedrohung durch das nukleare
Leck müssen die politisch Verantwortlichen Rußlands,
der Vereinigten Staaten und der anderen führenden
Industrienationen einen Weg zur Überwindung der
Hindernisse für schnellere Fortschritte finden, mit
denen sie sich in den vergangenen vier Jahren
konfrontiert sahen. Der Präsident und seine hochrangigen Mitarbeiter sollten auf breitester Ebene mehr Zeit
und Energie auf die Schaffung des politischen Spielraums verwenden, den die Administration benötigt,
wenn sie beim Schutz der Vereinigten Staaten gegen
künftige nukleare Bedrohungen Erfolg haben will. Da
die bereits erwähnten politischen Zwänge hauptsächlich von Moskau und dem Capitol Hill ausgehen, sollte
die Clinton-Administration ihre Bestrebungen darauf
konzentrieren. Die Vereinigten Staaten sollten sich
auch intensiver auf die Sicherstellung der Zusammenarbeit mit ihren Freunden und Verbündeten sowie
deren Unterstützung konzentrieren. In der Annahme,
daß solche Bestrebungen den zur Bekämpfung des
nuklearen Lecks erforderlichen politischen Spielraum
vergrößern, sollten die Vereinigten Staaten Programme einführen, die zu folgenden drei Zielsetzungen
beitragen können:

Sicherheitsanalyse aller amerikanischen und russischen Nukleareinrichtungen vorschlagen.
Aufbau konstruktiver Beziehungen zur russischen
Regierung, insbesondere Minatom
Rasche Fortschritte bei wichtigen Programmen zur
Verringerung der Bedrohung eines nuklearen Lecks
sind nur im Kontext starker, kooperativer Beziehungen
zur russischen Regierung und vor allem dem Überwachungssystem der weit verstreuten nuklearen Arsenale
möglich. Aus diesem Grund sollte die US-Regierung
größere Betonung auf die Definition und Förderung
nuklearer Sicherheitsprogramme legen, die den
institutionellen Interessen führender russischer
Vertreter und den amerikanischen nationalen Sicherheitsinteressen gleichermaßen dienen. Daher
sollten die Vereinigten Staaten
1.

den amerikanischen Plan zum Kauf von
russischem HEU in einer Weise umändern,
die Minatom bessere wirtschaftliche Anreize
zur Zusammenarbeit mit den Vereinigten
Staaten bietet,

2.

gemeinsame nukleare Technologieprojekte
zwischen Minatom und westlichen Firmen
finanzieren,

3.

die gemeinsame Beseitigung der Altlasten bei
wichtigen Nuklearwaffeneinrichtungen
in
beiden Ländern finanzieren,

4.

das Programm für Industriepartnerschaften
(Industrial Partnering Program - IPP) erweitern
- das erfolgreichste amerikanische Programm,
das die Konversion der russischen Atomwaffenindustrie für nichtmilitärische kommerzielle
Zwecke zum Ziel hat,

5.

den beiden russischen Städten, in denen noch
waffenfähiges Plutonium hergestellt wird,
kurzfristig eine alternative Energiequelle zur
Verfügung stellen, so daß die russische
Regierung ihre drei verbliebenen Plutonium
produzierenden Reaktoren stillegen kann.

Förderung von Programmen, die nukleare Sicherheit direkt verbessern
Die oberste Priorität der amerikanischen Nichtverbreitungspolitik muß in der Überzeugung Rußlands
bestehen, unverzüglich konkrete Schritte zur Verringerung der Wahrscheinlichkeit eines nuklearen Lecks in
absehbarer Zukunft zu unternehmen. Um das vordringliche Ziel der größtmöglichen Reduzierung der
Bedrohung des nuklearen Lecks in möglichst kurzer
Zeit zu erreichen, gibt es mindestens vier Programme,
die von den Vereinigten Staaten eingeführt oder mit
größerer Dringlichkeit verfolgt werden sollten. Erstens
sollten sie den Kauf von russischem HEU durch die
Vereinigten Staaten ausweiten und beschleunigen.
Zweitens sollte die amerikanische Regierung den Kauf
von Rußlands überschüssigem waffenfähigen Plutonium anbieten. Drittens sollten die Vereinigten Staaten
alles in ihrer Macht Stehende tun, um Sicherheitsverbesserungen in allen Nukleareinrichtungen der
ehemaligen Sowjetunion einzuführen oder zu beschleunigen. Und schließlich sollte die US-Regierung
Moskau eine gemeinsame Bestandsaufnahme und

Seite 4

Erarbeitung und Umsetzung eines langfristigen
Plans zur Verwaltung von spaltbarem Material
Schließlich sollten die Vereinigten Staaten in Zusammenarbeit mit Rußland und den anderen wichtigen
Atomwaffenstaaten einen langfristigen Plan zur
Handhabung des weltweiten Überschusses an
spaltbarem Material erarbeiten und die zur Umsetzung
dieses Plans erforderlichen Ressourcen bereitstellen.
Die langfristige Verwaltung von spaltbarem Material ist
eine Aufgabe globalen Ausmaßes, die auf der Grundlage von enger internationaler Zusammenarbeit und
Konsultationen durchgeführt werden könnte. Ange-

AMERIKA DIENST 06

�sichts ihres einzigartigen Status als nukleare Supermächte müssen die Vereinigten Staaten und Rußland
die Führungsrolle auf diesem Gebiet übernehmen. In
Anbetracht der Dringlichkeit der Bedrohung eines
nuklearen Lecks sollte eine langfristige Strategie zur
Handhabung von überschüssigem spaltbaren Material
zur Verstärkung der kurzfristigen Bestrebungen
entwickelt werden, ein nukleares Leck in der ehemaligen Sowjetunion zu verhindern. In diesem Zusammenhang sollten die Vereinigten Staaten
1.

ein Schritt für Schritt einzuführendes internationales Überwachungsregime für spaltbares
Material erarbeiten und einführen, das auf
bilateraler Basis mit Rußland beginnt und
allmählich multilaterale Kriterien annimmt,

2.

eine internationale Plutoniumbank oder ein
"Depot" als Interimlösung für die Verlegung
von Plutonium einrichten und

3.

die Führungsrolle bei konzertierten Bestrebungen der führenden Strafverfolgungsbehörden
und Nachrichtendienste der Welt übernehmen, um die zur effektiven und systematischen Bekämpfung von illegalem Handel mit
Nuklearmaterial erforderlichen Fähigkeiten
und Verfahren zu entwickeln sowie das Gerät
bereitzustellen - Bestrebungen, die kurz als
die Einrichtung einer "nuklearen Interpol"
bezeichnet werden.

* * *

AMERIKA DIENST 06

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�WIRTSCHAFT
20. März 1996

Privatsektor muß bei Umschulung
von Arbeitslosen behilflich sein
von Robert Reich

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen Artikel des Arbeitsministers Robert Reich, der
erstmals am 6. März 1996 in der Financial Times erschien.

Pat Buchanan könnte im Endspurt um die Präsidentschaft im November von der politischen Bühne
verschwinden. Aber sein Wahlkampf wird angeheizt
vom Ärger über den sinkenden Lebensstandard vieler
Amerikaner, der sich wahrscheinlich nicht so schnell
verbessert.
Seit Ende der siebziger Jahre hat sich das Gehaltsgefälle vergrößert und die Reallöhne sind gesunken.
Obwohl die Clinton-Administration den Zuwachs an
Arbeitsplätzen wiederhergestellt sowie das Defizit
abgebaut hat und die Durchschnittslöhne nicht weiter
fallen, bleibt die langfristige Herausforderung der
Wiederherstellung des Lohnwachstums bestehen.
Aber während Buchanan das richtige Thema anspricht,
sind seine Lösungen unverantwortlich und gefährlich.
Der Fehler liegt nicht bei den Einwanderern, der
Welthandelsorganisation, dem Nordamerikanischen
Freihandelsabkommen, von Sozialhilfe abhängigen
Müttern,
Gleichstellungsmaßnahmen,
korrupten
Unternehmen oder habgierigen Geschäftsführern. Er
liegt in den beiden riesigen Veränderungen der
Organisation der Wirtschaft.
Die erste Veränderung ist der enorme Druck, unter den
das alte Massenproduktionssystem, das gute Arbeitsplätze für die Mittelschicht bereitstellte, durch neue
Informationstechnologien sowie globalen Handel und
Investitionen geriet. Dies verursachte solche Verwerfungen in der Wirtschaft, daß sich Millionen von
Amerikanern auf der falschen Seite einer großen Kluft
wiederfanden.

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Im Gegensatz zur Meinung einiger Neo-Ludditen gibt
es im Ergebnis nicht weniger Arbeitsplätze. Es gibt
sehr viele neue Arbeitsplätze, aber die guten liegen auf
der anderen Seite der Kluft. Sie erfordern technisches
oder problemlösendes Geschick und die Fähigkeit,
ständig neue Qualifikationen zu erwerben. Maschinisten werden durch Operator von computergestützten
Werkzeugmaschinen ersetzt, Automechaniker von
Automobiltechnikern, die die elektronischen Spielereien der Autos von heute reparieren können, Büroangestellte durch Bürotechniker, die im Umgang mit
Computern für die Speicherung und Aktualisierung von
Daten geschult sind.
In jeder modernen Volkswirtschaft verlagert sich die
Nachfrage schnell zugunsten derjenigen mit solchen
Qualifikationen und zum Nachteil derjenigen ohne sie.
Die Einkommen der ersteren steigen, die der letzteren
fallen (oder - wie in einem Großteil Westeuropas - sie
sind arbeitslos).
Diejenigen, die in der alten Volkswirtschaft verhaftet
bleiben, wissen entweder nicht, welche Qualifikationen
erforderlich sind, können die Kosten für Weiterbildung
nicht aufbringen, fühlen sich zu alt, um zu lernen oder
haben nicht die Kraft, dorthin umzuziehen, wo gute
Arbeitsplätze zu finden sind. Infolgedessen erzielen
die meisten Amerikaner, die ihren Arbeitsplatz verlieren und einen neuen finden, nie wieder ihr vorheriges
Einkommen.
Die zweite große Veränderung ist, daß sich der
inhärente Sozialvertrag aufgelöst hat, der die Unternehmen mit ihren Arbeitnehmern verband. Vor dreißig
Jahren konnte eine Firma, die gesunde Profite erwirt-

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�schattete, ihren Angestellten sichere Arbeitsplätze mit
steigenden Gehältern und Sozialleistungen anbieten und die Gemeinden konnten mit kontinuierlichen
Steuereinnahmen rechnen.
Wenn die Konjunktur abflaute, konnten die Beschäftigten vorübergehend entlassen werden. Aber wenn sich
die Wirtschaft belebte, gab es wieder Arbeit. Der
Begriff "vorübergehende Entlassung" legte an sich
schon eine temporäre Trennung nahe. Die Gewerkschaften spielten eine wichtige Rolle bei der Bewahrung dieses Sozialvertrags, aber er wurde vornehmlich
durch die Erwartungen der Öffentlichkeit umgesetzt eine unausgesprochene aber weithin akzeptierte
Norm, daß es den Beschäftigten und Gemeinden
ebenfalls gut ging, wenn es einem Unternehmen gut
ging. Es erschien ungebührlich, daß eine Firma die
Früchte ihres Erfolges nicht teilen würde.
Diese Zeiten sind vergangen aufgrund des sich
intensivierenden Wettbewerbs um Investitionen.
Deregulierung hat Flug- und Telefongesellschaften,
Versorgungsunternehmen, Verteilernetze und Finanzmärkte gezwungen, die Bilanz im Auge zu behalten.
Die Informationstechnologie hat die Zeiten für Transaktionen zwischen Lieferanten und Kunden verringert.
Leichter Zugang zu den Kapitalmärkten hat mittelständischen Unternehmen die Eroberung von Marktanteilen der Großunternehmen gestattet.
Hinzu kommt die Bequemlichkeit, mit der riesige
Kapitalmengen jetzt mit einem Tastendruck auf dem
Personalcomputer bewegt werden können, und das
Ergebnis ist "elektronischer Kapitalismus" - ein weltweites System, um unverzüglich Finanzwerte dorthin
zu verlagern, wo sie die höchsten Erträge erwirtschaften.
Für immer verschwunden ist das Investitionssystem
gentlemanlike, das einst Geschäftsführern das Abwägen der Interessen von Aktionären gegen die der
Beschäftigten und Gemeinden gestattete. Heute
riskieren Geschäftsführer Ärger, wenn sie ihre Beschäftigten und Gemeinden nicht im Stich lassen,
sollte die Bilanz es erfordern - während diejenigen, die
es tun, Vergünstigungen und Börsenoptionen in
Millionenhöhe kassieren. Sogar der Ausdruck "vorübergehende Entlassung" hat nicht mehr die gleiche
Bedeutung wie früher.
Die meisten vorübergehenden Entlassungen sind
inzwischen von Dauer. Man braucht ein neues Wort
zur Beschreibung dieses Phänomens - vielleicht
"ausrangiert" anstatt "vorübergehend entlassen".
Diese Veränderung des impliziten Sozialvertrags
erschwert den Umgang mit dem stärker auf Konkurrenz ausgerichteten wirtschaftlichen Umfeld. Die
ausschließliche Konzentration moderner Unternehmen
auf die Maximierung von Aktionärsdividenden verrin-

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gert ihre Fähigkeit, der Erwerbsbevölkerung den
Übergang zu der neuen Wirtschaft zu erleichtern.
Einer Nation geht es insgesamt besser, wenn die
Arbeitgeber den Arbeitnehmern grundlegende oder
branchenspezifische Fähigkeiten vermitteln, die über
das für ihre derzeitige Arbeit Erforderliche hinausgehen. Volkswirtschaften als Ganzes sind flexibler und
produktiver, wenn die Arbeitgeber dafür sorgen, daß
nicht länger benötigte Arbeitskräfte für einen neuen
Arbeitsplatz ausgebildet werden und diesen erhalten.
Da jedoch die Aktionäre nicht in den vollen Genuß der
Früchte solcher Investitionen kommen, ist selbst der
fortschrittlichste Manager nur wenig geneigt, sie in dem
Ausmaß zu tätigen, das die Gesellschaft benötigt.
Was für ein einzelnes Unternehmen rational erscheinen mag, ist für die Gesellschaft irrational.
Nahezu drei Viertel des nationalen Outputs resultiert
von der menschlichen Arbeitskraft und nur ein Viertel
von Maschinen. Die Qualität des Arbeitskräftepotentials einer Nation ist der Motor für Wirtschaftswachstum; das physische Kapital ist das Fahrzeug.
Wenn einem großen Teil der Arbeitnehmerschaft die in
der neuen Wirtschaft benötigten Kenntnisse fehlen, ist
der Lebensstandard jedes einzelnen in Gefahr. Eine
Zunahme von Ungleichheit und Unsicherheit trägt auch
zu Kriminalität und einer Gefährdung der öffentlichen
Gesundheit bei.
Kann die Regierung die Lücke füllen? Nur teilweise.
Die Regierung kann zwar den Menschen bei der
Suche nach einem Arbeitsplatz helfen und ihnen im
Falle der Arbeitslosigkeit Unterstützung gewähren,
aber der massive Anstieg der öffentlichen Verschuldung in den letzten 15 Jahren erfordert Sparmaßnahmen. Wie Präsident Clinton bereits in seinem
Bericht zur Lage der Nation erklärte: "Das Zeitalter des
'Big Government' ist vorbei."
Natürlich kann die Regierung die ihr zur Verfügung
stehenden Mittel wirksamer einsetzen. Beispielsweise
hat die Administration Schritte unternommen, um die
Arbeitslosenversicherung, die während vorübergehender Entlassungen Einkommenshilfen gewährt, in ein
Wiederbeschäftigungssystem umzuwandeln, das den
Menschen schnell zu einem neuen Arbeitsplatz
verhelfen soll.
Der Präsident möchte die bundesstaatlichen Berufsausbildungsprogramme in Voucher umwandeln, die
arbeitslose oder schlecht bezahlte Arbeitnehmer in
Gemeindecolleges oder an technischen Schulen zum
Erwerb von Qualifikationen einlösen können. Ferner
schlug er beträchtliche Steuerfreibeträge vor, um
Familien für die Kosten eines Hochschulstudiums oder
einer Berufsausbildung zu entschädigen.

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�Aber der öffentliche Sektor kann diese Arbeit nicht
alleine leisten. Der Privatsektor muß mehr Verantwortung übernehmen, um den Amerikanern bei der
Überwindung der großen Kluft zwischen der alten und
der neuen Wirtschaft zu helfen.
Die Unternehmen benötigen Anreize für Projekte, die
nicht unbedingt die Dividenden der Aktionäre erhöhen,
aber der Gesellschaft als Ganzes zugute kommen.
Eine Möglichkeit (und dies ist weit von einem formalen
Gesetzesvorschlag entfernt) besteht in der Senkung
oder Abschaffung der Körperschaftssteuer für Unternehmen, die bestimmte Mindestanforderungen erfüllen
- beispielsweise die allgemeinen Kenntnisse von
Arbeitnehmern erhöhen, ihnen einen größeren Anteil
an den Gewinnen zukommen lassen und ihnen im
Falle einer Entlassung Umschulung sowie einen neuen
Arbeitsplatz anbieten.
Das ist eine bescheidene Maßnahme. Gemeinnützige
Unternehmen sind bereits von der Einkommensteuer
ausgenommen, und auch Handelsgesellschaften und
Einzelunternehmen erhalten Steuervergünstigungen.
Diese Unterschiede spiegeln Einschätzungen der
sozialen Vorteile und Pflichten wider, die von diesen
unterschiedlichen Organisationsformen herrühren.
Dieselbe Logik kann auf die Wirtschaft angewendet
werden: Die Verbesserung der Qualifikation und
Flexibilität der Arbeitskräfte hat soziale Vorteile, ihr
Fehlen verursacht der Gesellschaft Kosten. Bestimmte
Unternehmen sind zur Maximierung dieser Vorteile
und Minimierung dieser Kosten in der Lage - eher als
andere und zweifellos eher als die Regierung. Die
Gesellschaft sollte diese Unternehmen hierzu ermutigen und sie entsprechend belohnen.
Wer am Altar der freien Marktwirtschaft betet, braucht
nicht die Gotteslästerung zu fürchten. Unternehmen

*

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werden nicht aufgefordert, Arbeitnehmer zu behalten,
die insgesamt keinen Beitrag leisten oder in bestimmten Gemeinden zu bleiben, wenn es bessere Produktionsstandorte gibt. Es wäre ein einfaches Quidproquo; geringere oder gar keine Körperschaftssteuer
bei der Übernahme von mehr Verantwortung für die
sozialen Kosten und Vorteile des wirtschaftlichen
Wandels.
Wo können die verlorenen Einkünfte wiedergewonnen
werden? Eine mögliche Quelle wäre die Beendigung
der Vielzahl von Sondersubventionen und Steuerlükken für bestimmte Unternehmen, die der Öffentlichkeit
keine nennenswerten Vorteile bringen. Derartige
Unterstützung von Unternehmen beläuft sich Schätzungen der Denkfabriken des politischen Spektrums
zufolge in den Vereinigten Staaten jährlich auf über
100 Milliarden Dollar.
Manche werden andere Ideen dazu haben, wie
Unternehmen am besten auf die wachsende Ungleichheit und Unsicherheit reagieren, mit denen in der
alten Wirtschaft verhaftete Arbeitnehmer konfrontiert
sind. Aber die Diskussion über die angemessene
Rolle eines Unternehmens in diesem einzigartigen
Moment der Geschichte ist nicht weniger wichtig als
die derzeitige Diskussion über die Rolle der Regierung.
Wenn so viele trotz Rekordgewinnen und steigenden
Aktienkursen scheitern, gefährdet die mangelnde
Reaktionsfähigkeit des Privatsektors Wohlstand und
Stabilität. Wenn sich zu viele Menschen von den
Profiten des Wirtschaftswachstums ausgeschlossen
und von seinen Risiken und Kosten unverhältnismäßig
überlastet fühlen, werden sie letzten Endes eine Politik
unterstützen, die Wachstum der wirtschaftlichen
Sicherheit opfert - beispielsweise Protektionismus,
Kapitalkontrollen und unflexible Beschäftigungsvorschriften.

* * * *

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�WAHRUNG

20. März 1996

Die neuen 100-Dollar-Noten
Versand an örtliche Banken

WASHINGTON - (AD) - US-Finanzminister Rubin und
der Vorsitzende der Federal Reserve - des
amerikanischen Zentralbankrates - haben heute
bekanntgegeben, daß die neugestalteten 100-DollarNoten ab dem 25. März 1996 vom Bundeszentralbanksystem an Banken für öffentliche Gelder
ausgegeben werden.
An diesem Tag werden die 37 Büros und
Niederlassungen des Federal Reserve System weltweit
damit beginnen, die 1996er-Serie der 100-Dollar-Noten
an Banken für öffentliche Gelder in verschiedenen
Gegenden des Landes zu verschicken. Zusätzlich wird
die Zentralbank Banknoten an US-Banken senden, die
im Auftrag von ausländischen Banken für öffentliche
Gelder neue Banknoten bestellt haben.
Nach dem ersten Versand wird die Zentralbank
Bestellungen von 100-Dollar-Noten nur noch mit den
neuen Scheinen nachkommen und die von den Banken
bei der Zentralbank deponierten Gelder durch die neue
Serie der 100-Dollar-Noten ersetzen. Diese neuen
Banknoten werden bei einigen Banken für öffentliche
Gelder am 26. März erscheinen und für die meisten
Kunden ab Ende März oder Anfang April erhältlich sein.
Demzufolge werden die neuen 100-Dollar-Scheine
nicht sofort allen Banken für öffentliche Gelder und
deren Kunden zur Verfügung stehen.
Die alten Banknoten werden nicht aus dem Verkehr
gezogen oder entwertet. Die Banknoten der alten
Serie werden zusammen mit den neuen Geldscheinen
im Umlauf sein und immer gültiges Zahlungsmittel
bleiben.
"Banken für öffentliche Gelder haben uns geholfen,
eine Strategie zu entwickeln, um eine geordnete
Einführung der neuen Banknoten zu gewährleisten",
sagte der Vorsitzende Greenspan. "Wir haben hart
gearbeitet, Bargeldinstitutionen sowohl im Inland als
auch im Ausland über die neuen Eigenschaften der

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Banknoten und den Einführungsprozeß zu informieren,
und ich erwarte einen reibungslosen Ablauf."
Die neuen Banknoten haben einige Verbesserungen,
die den USA helfen, die Sicherheit der Währung gegen
Fälschung zu gewährleisten. Die 100-Dollar-Note ist
die erste Banknote, die neu gestaltet wurde. Die
kleineren Banknoten werden in Abständen von etwa
einem Jahr folgen.
"Diese Änderung wird gewährleisten, daß die USWährung die sicherste und geachtetste der Welt bleibt",
erklärte Rubin. "Die US-Regierung hat sich der
Erhaltung der Integrität und Sicherheit ihrer Währung
verschrieben. Die von uns entwickelten Eigenschaften
sorgen dafür, daß unsere Banknoten einen Vorsprung
vor den neuen und bestehenden Vervielfältigungstechnologien und deren Möglichkeiten zur Falschgeldherstellung behalten."
Die neugestaltete Währung ist fälschungssicherer bei
gleichzeitiger Bewahrung des traditionellen "amerikanischen" Aussehens.
Größe, Farbe, Papier sowie
historische Porträts und Darstellungen werden bei den
Banknoten der neuen Serie beibehalten.
Die offensichtlichste Änderung ist ein vergrößertes
Porträt von Benjamin Franklin, welches leicht aus der
Mitte verschoben ist. Die Banknote hat außerdem
folgende Kennzeichen:
Ein Wasserzeichen rechts des historischen
Porträts, das dieselbe Figur wie das Porträt
darstellt. Das Wasserzeichen ist nur sichtbar,
wenn die Banknote gegen das Licht gehalten
wird.
Einen Sicherheitsfaden, der unter ultraviolettem Licht rot leuchtet. Der Faden befindet
sich bei jedem Nennwert an einer anderen
Stelle.

Seite 1

�Changierende Druckfarbe. Die Notenwertzahl
in der unteren rechten Ecke auf der Vorderseite der Banknote wechselt bei seitlicher
Betrachtung von grün zu schwarz.

Richard Schmierer, Presseattache,
Amerikanische Botschaft Bonn
Tel.
0228-339 2131
FAX: 0228-333 318

Mikrodruck in den Zahlen in der unteren linken
Ecke der Banknote sowie auf dem Porträt von
Benjamin Franklin.

Walter Theurer, Pressesprecher,
Außenstelle
der Amerikanischen Botschaft Berlin

Konzentrische feine Linien im Hintergrund des
Porträts und auf der Rückseite der Banknote.
Diese Art des Drucks ist ebenfalls schwierig zu
kopieren.
Andere Kennzeichen zur Erkennung und Verarbeitung der Währung mit Hilfe von Maschinen.
Während die 100-Dollar-Note alle diese Kennzeichen
hat, können die kleineren Banknoten mit weniger
Kennzeichen ausgestattet sein.
Zusätzliche Informationen und Veröffentlichungen sind
von folgenden Stellen erhältlich:
Interaktives Faxsystem des US-Finanzministeriums unter 001 202 622-2040 (fragen
Sie nach Dokument #591 als kompletten Index
des erhältlichen Materials).
Fernsehstationen können durch einen Anruf
beim Bureau of Engarving and Printing unter
001 202 874-3019 eine Kopie des Originals
erhalten.
Internet-Adresse des US-Finanzministeriums:
http:/www.ustreas.gov/.

Weitere Informationen erhalten Sie bei:

Tel.

030-238 5174

FAX:

030-238 6214

Craig Springer, Direktor
Amerika Haus Frankfurt
Tel.
069 - 971 448 0
FAX: 069 - 720 205
Lee James Irwin, Direktor
Amerika Haus Hamburg
Tel.
040-450 104 0
FAX: 040 - 444 705
Sandra Kaiser, Direktorin
Amerika Haus Köln
Tel.
0221-209 010
FAX: 0221 - 255 543
Greg Lynch, Direktor
Amerika Haus Leipzig
Tel.
0341-213 8420
FAX: 0341-213 8432
William Graves, Direktor
Amerika Haus München
Tel.
089 - 552 537 0
FAX: 089 - 553 578
Richard Gilbert, Vanessa Anderson,
Mike Johnson
Global Information Center, London
Tel. 0044 171 831 6262

* * * * *

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                <text>&lt;strong&gt;1. Naher Osten&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton verpflichtet sich dem Streben nach Frieden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eröffnungsansprache des Präsidenten beim Anti-Terror-Gipfel&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Außenpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neue sicherheitspolitische Herausforderungen in der Welt nach dem Kalten Krieg&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Anthony Lake&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Demokratie&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Unterstützung für Demokratie und die nationalen Interessen der USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Stellvertretenden Außenministers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Abrüstung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ledogar: Abschluss des CTBT in diesem Jahr möglich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede beim UN-Seminar in Genf&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Verhinderung der nuklearen Anarchie&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Auszüge aus Harvard-Studie&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Privatsektor muss bei Umschulung von Arbeitslosen behilflich sein&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Robert Reich&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Währung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die neuen 100-Dollar-Noten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Versand an örtliche Banken&lt;/em&gt;</text>
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20. April 1983

INHALT

DOKUMENTATION
Erklärung Präsident Reagans zum Bericht über den "Heißen Draht"
- Vorschläge des US-Verteidigungsministers zur Verringerung des
Atomkriegsrisikos USA streben friedliche Lösung in Mittelamerika an
- Erklärung von Unterstaatssekretär Enders vor Senatsausschuß

HINTERGRUNDMATERIAL
Die PERSHING II-Rakete
- Von Richard Burt Unterstaatssekretär für europäische Angelegenheiten im amerikanischen
Außenministerium
Fünfzig Jahre amerikanisch-sowjetischer Dialog
- Von Arthur Hartman, Botschafter der USA in Moskau Internationale Konferenz in Atlanta befaßt sich mit Bekämpfung des
Drogenmißbrauchs

Um Übei/endung von
ßckgcKcmploren
wird gebeten

P&lt;
D 5300 Bo

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

17

20. April 1983

ERKLÄRUNG PRÄSIDENT REAGANS ZUM BERICHT ÜBER DEN "HEISSEN DRAHT"
- Vorschläge des US-Verteidigungsministers
zur Verringerung des Atomkriegsrisikos -

WASHINGTON - (AD) - Anläßlich der Veröffentlichung eines Berichts des
amerikanischen Verteidigungsministeriums über Maßnahmen zur Verbesserung der
Kommunikation ziwschen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion unterstrich
Präsident Reagan in einer diesbezüglichen Erklärung am 12. April 1983, daß diese Vorschläge "in vollem Einklang mit unserem Ziel einer Verringerung der Gefahr
eines Nuklearkrieges" stehen.
Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Ich stelle mit Genugtuung die Fertigstellung des Berichts des Verteidigungsministers über direkte Kommunikationsverbindungen und andere Maßnahmen
zur Erhöhung der Stabilität fest.

Ich bin davon überzeugt, daß die Vorschläge

in diesem Bericht, der in Übereinstimmung mit dem Gesetz 97-252 erstellt wurde,
in vollem Einklang mit unserem Ziel einer Verringerung der Gefahr eines Nuklearkrieges stehen.
Der Bericht

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Der Bericht des Verteidigungsministeriums empfiehlt eine Reihe von neuen
Maßnahmen.

Von besonderer Bedeutung sind jene Maßnahmen, die vorgeschlagen

wurden, um die Fernmeldeverbindungen zu verbessern und Vertrauen zwischen den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion zu schaffen.

Dazu gehören die zusätz-

liche Ausstattung der direkten Fernmeldeverbindung (des Heißen Drahtes) mit
einer Hochgeschwindigkeits-Teletextanlage, die es ermöglichen würde, ganze Seiten von Texten, Karten und Graphiken zu übermitteln;

Errichtung einer gemein-

samen militärischen Fernmeldeverbindung in Form einer HochgeschwindigkeitsTeletextanlage zwischen dem nationalen militärischen Kommandozentrum

der Ver-

einigten Staaten und der entsprechenden sowjetischen Stelle; und schließlich
die Verbesserung der bestehenden diplomatischen Fernmeldekanäle mit Hilfe
rascherer Datenübertragung.

Der Bericht enthält außerdem einen Vorschlag für

ein,für alle Staaten offenes Abkommen, das von den Unterzeichnerstaaten verlangt, sich im Fall eines nuklearen Vorkommnisses, bei dem eine terroristische
Grippe beteiligt ist, zu konsultieren.
Die Empfehlungen des Verteidigungsministeriums vervollständigen die
Rüstungsverminderungsvorschläge, die die Vereinigten Staaten der Sowjetunion
bereits sowohl bei den Verhandlungen über eine Verringerung der strategischen
Rüstungen (START) als auch bei den Verhandlungen über nukleare Mittel Streckensysteme (INF) unterbreitet haben.
Die Initiativen vervollständigen ferner die Vertrauensbildenden Maßnahmen,
die die Vereinigten Staaten der Sowjetunion bei den START- und INF-Verhandlungen vorgeschlagen haben. Diese Maßnahmen würden die Gefahr verringern, daß
sich jemals ein Atomkrieg aus Zufall, falscher Beurteilung oder Fehlberechnung
ergeben könnte. Dazu gehören Vorschläge, wonach beide Seiten einander im voraus über alle Abschüsse von Interkontinentalraketen sowie unterseebootgestützten
und landgestützten Mittelstreckenraketen benachrichtigen sollen. Darüber hinaus
müßten alle Parteien größere militärische Manöver, bei denen Kernwaffen beteiligt sind, vorher ankündigen und Informationen in neuem Umfang und Detail über
ihre strategischen und ihre Mittelstreckenraketen austauschen. In den nächsten
Wochen werde ich den Empfehlungen des Berichts des Verteidigungsministeriums
mein ganzes Augenmerk schenken.
+ + + + +

- 2 -

�17

20. April 1983

USA STREBEN FRIEDLICHE LÖSUNG IN MITTELAMERIKA AN
Erklärung von Unterstaatssekretär Enders vor Senatsausschuß -

WASHINGTON - (AD) - Der Unterstaatssekretär für interamerikanische
Angelegenheiten im State Department, Thomas 0. Enders, hat am 12. April 1983
in einer längeren Erklärung vor dem Außenpolitischen Ausschuß des Senats betont, daß die Vereinigten Staaten ihre Bemühungen um eine friedliche Lösung
in Mittelamerika nicht aufgeben werden.

Bisher seien alle Versuche der USA,

aber auch anderer Staaten der Region, mit den Sandinisten in Nicaragua zu
einem Übereinkommen zu gelangen, fehlgeschlagen.
Die Ausführungen von Unterstaatssekretär Enders haben folgenden Wortlaut:
Seit dem Zusammenbruch des Somoza-Regimes und der Machtübernahme der
Sandinisten hat sich die amerikanische Politik gegenüber Nicaragua darauf
konzentriert, Nicaragua davon zu überzeugen:
- die Unterstützung für Aufstände in benachbarten Ländern aufzugeben;
- auf sein

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�- auf sein Streben nach einer beherrschenden Militärmacht in Mittelamerika
zu verzichten; und
- durch die Schaffung demokratischer Institutionen mit seiner eigenen Bevölkerung ins reine zu kommen.
Im Juni 1979 versprach die kurz vor der Machtübernahme stehende Junta
der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) förmlich, daß ihre Ziele demokratisch und friedlich seien.

Die Vereinigten Staaten, ja, die ganze interna-

tionale Gemeinschaft, akzeptierten dieses Versprechen und leiteten Programme
des friedlichen Wiederaufbaus ein, zu denen üblicherweise wesentliche Hilfszuwendungen außerhalb der jährlichen Haushaltszuweisungen gehören.
Im Verlauf der nächsten Monate wurde jedoch immer deutlicher, daß sich
die Sandinisten als die bewaffnete Vorhut einer mittel amerikaweiten

Bewegung

betrachteten.
Die neue Armee Nicaraguas, die Ejercito Populär Sandinista (EPS), wurde
1979 gegründet.

Bis Ende 1982 ist sie nach Auskunft ihres Befehlshabers

"viermal so groß und achtmal so stark geworden" wie die Guardia Nacional
Somozas.

Die EPS hat eine Stärke von schätzungsweise 20 000 Mann erreicht,

verstärkt durch Miliz und Reserven von rund 80 000 Mann.

In der genannten

Zeitspanne hat Nicaragua allein von der Sowjetunion militärisches Gerät und
Nachschub im Werte von schätzungsweise 125 Millionen Dollar erhalten.

Es be-

sitzt die bei weitem schwersten Panzer in ganz Mittelamerika, schwere Artillerie,Luftabwehrwaffen,Angriffshubschrauber, Raketenwerfer und Schnellboote.
Während die Piloten und Besatzungen in Bulgarien und anderen osteuropäischen
Staaten ausgebildet wurden, wurden in Nicaragua Flugplätze für moderne Düsenjäger gebaut.

Und, was noch wichtiger ist, eine große Zahl ausländischer Mi-

litär- und Sicherheitsberater kam ins Land.

Gegenwärtig dürften sich schät-

zungsweise rund 2000 Kubaner, 50 Sowjets, 35 Ostdeutsche und 50 Angehörige
der PL0 und Libyer zu Sicherheitsaufgaben in Nicaragua aufhalten.

Das ist

rund ein Berater auf 1000 Nicaraguaner.
Im Jahr

�Im Jahr 1980 brachten kubanische Agenten (so wie Castro 1978 in
Havanna die drei Hauptfraktionen der Sandinisten zusammengeführt hatte)
in Managua fünf Fraktionen der Guerilla aus El Salvador zusammen, arbeiteten einen Einigkeitspakt aus, führten dann einen gemeinsamen Befehls- und
Kontrollapparat im Gebiet von Managua ein und organisierten schließlich den
Nachschub und die Ausbildung auf nicaraguanischem Boden.

Seit diesem Zeit-

punkt kam der größte Teil der Waffen und Munition der Aufständischen in El
Salvador über Nicaragua herein.
In der Zwischenzeit errangen die Sandinisten ein Machtmonopol in Nicaragua selbst. Wahlen wurden lächerlich gemacht und verschoben.
ment der Anti-Somoza-Front nach dem anderen wurde ausgeschaltet.

Ein EleDie be-

rühmte Zeitung "La Prensa" wurde zensiert, unabhängige Rundfunk- und Fernsehstationen wurden eingeschränkt, die Gewerkschaften eingeschüchtert, der Privatsektor neutralisiert, die katholische Kirche wiederholten Provokationen und
Spaltungsversuchen unterworfen und die Miskitos und andere indianische Minderheiten in Nicaragua verfolgt.
Heute liegt die Südgrenze Nicaraguas 300 Meilen vom Panamakanal - getrennt nur durch Costa Rica, das seit fast 35 Jahren keine Armee mehr besitzt.
Seine Nordgrenze liegt 300 Meilen von Mexiko.

Dazwischen befinden sich zwei

Staaten, El Salvador und Guatemala - bereits von der Gewalt der Guerilla heimgesucht - und Honduras, dessen sich erst entwickelnde Demokratie unter täglichem Druck aus Nicaragua steht.
Man braucht nicht viel Phantasie, um zu begreifen, wie sich die sandinistische "Revolution ohne Grenzen" ausbreiten oder wie sich ihre Ausbreitung auf unsere Sicherheit auswirken könnte.
fließt durch die Karibik.

Die Hälfte unseres Handels

Und wir sind von der Stabilität unserer Nachbarn

abhängig, um das zu vermeiden, was unter bestimmten Umständen ein beispielloser Strom von Flüchtlingen nach Norden zu unserem Lande werden könnte.

Vor

allem heute, da eine sich in Schwierigkeiten befindliche Weltwirtschaft zur
Unruhe einlädt, müssen wir Demokratie und Stabilität in unserer unmittelbaren
Nachbarschaft sichern helfen.
Wir alle

�i

Wir alle haben ausbeuterische Diktaturen der Rechten wie der Linken erlebt:

Deutschland unter Hitler; die Sowjetunion unter Stalin und danach. Al-

lerdings gibt es eine Schule, die den Expansionismus linker Diktaturen auf einen
Druck von außen zurückführt.

Nach dieser Auffassung ist die Aggressivität der

Sowjetunion nichts weiter als eine Reaktion auf die Schaffung eines Netzes von
Bündnissen um sie herum:

Castro wurde durch die Konfrontation der USA zum

Kommunisten gemacht, und Vietnam wurde durch fremde Armeen radikalisiert.
Was auch für oder gegen diese Argumente sprechen mag, so möchte ich darauf hinweisen, daß der Fall Nicaragua genug Beweise liefert, um die gewöhnlich
aus dieser Behauptung resultierende Politik in Frage zu stellen - daß nämlich
linke Radikalisierung und Aggressivität durch politische Unterstützung und wirtschaftliche Hilfe seitens der Demokratien verhindert werden könne.
Nicaragua ist ein Land mit rund 2,5 Millionen Einwohnern. Seit 1979 hat
es von den Demokratien und multilateralen Einrichtungen 1,6 Milliarden Dollar
- oder 640 Dollar pro Mann, Frau und Kind - an Wirtschaftshilfe erhalten. Allein die Vereinigten Staaten stellten 125 Millionen Dollar zur Verfügung. Politisch haben solche demokratischen Staaten wie Mexiko sowie die Mitglieder
der Sozialistischen Internationale ständig Unterstützung geboten.
Und doch ist diese Zeitspanne durch den starken Aufbau der EPS, durch
die direkte Unterstützung von Gewalt in El Salvador und die Konsolidierung der
inneren Unterdrückung gekennzeichnet.
Es liegt auf der Hand, daß das konstruktive Engagement in Nicaragua
nichts bewirkt hat.
Bisher haben Verhandlungen auch nicht mehr bewirkt.
mühungen gegeben.

Es hat viele Be-

Einige davon dauern heute noch an.

Ich war an einem ersten solchen Versuch beteiligt und reiste im August
1981 nach Managua, um mir die Anliegen der Sandinisten anzuhören.
- 4 -

Sie sagten

�Sie sagten mir, daß sie sich an die Besetzung durch Soldaten des amerikanischen Marinekorps in den ersten Jahrzehnten dieses Jahrhunderts erinnerten;
daß sie eine amerikanische Invasion befürchteten und deshalb eine große Armee
brauchten; und daß wir verstehen müßten, daß die salvadorianischen Guerilleros
wichtig seien als ein "Schild", um Nicaragua zu schützen.
Wir sagten also:

In Ordnung, wollen wir uns euren Anliegen zuwenden.

Laßt uns ein zweiseitiges Nichtangriffsabkommen schließen.

Die Vereinigten

Staaten könnten ihren Einfluß geltend machen, um die in Amerika im Exil lebenden Nicaraguaner zu einer Mäßigung ihres Verhaltens zu bewegen.
Vereinigten Staaten könnten ihre Wirtschaftshilfe wieder aufnehmen.

Und die
Als Ge-

genleistung baten wir die Sandinisten, die Ausbildung und Versorgung der salvadorianischen Guerilla einzustellen, dem Pluralismus in ihrem eigenen Lande
eine Chance zu geben - wie sie das der OAS im Jahr 1979 versprochen hatten und ihre Aufrüstung zu begrenzen - vielleicht durch Abkommen mit anderen mittelamerikanischen Ländern.
Wir haben diese Vorschläge schriftlich unterbreitet.

Im Oktober 1981

lehnte Managua sie formell als "steril" ab. Gleichzeitig logen die Sandinisten
bezüglich der weiteren Belieferung der salvadorianischen Guerilla und erklärten, sie würden ihre Aufrüstung niemals einschränken.
Ein zweiter Vorschlag zu verhandeln fand im Frühjahr 1982 statt, dieses Mal auf Vorschlag des mexikanischen Präsidenten Lopez Portillo.
Wiederum unterbreiteten wir schriftlich konkrete Vorschläge; dieses Mal
in acht Punkten aufgegliedert und durch unseren Botschafter in Managua überreicht.

Und wieder gab es keine konkrete Antwortend man ging auf die Punkte

nicht ein.

Nicaragua antwortete lediglich, daß, bevor eine Antwort erfolgen

könne, ein Treffen auf höherer Ebene in Mexiko stattfinden müsse.

Dieses Mal

schien es uns, als ob die Sandinisten sich den Anschein geben wollten zu verhandeln, ohne aber wirklich zu verhandeln.
Wir beschlossen,

�Wir beschlossen, es ein drittes Mal zu versuchen.

Unter Führung von

Costa Rica kam im Oktober 1982 eine Gruppe demokratischer Staaten in San Jose
zusammen, um ein umfassendes Paket von Friedensvorschlägen für Mittelamerika
insgesamt auszuarbeiten.

Lassen Sie mich kurz auf diese Vorschläge eingehen,

weil sie weiterhin das Wesentliche dessen sind, was wir und die demokratischen
Nachbarn Nicaraguas zu erreichen versuchen.
Erstens, die San Jose-Gruppe kam überein, daß das Gebiet aus der Konkurrenz zwischen Ost und West herausgenommen werden sollte. Der Weg, um das
zu erreichen, bestand nach Auffassung der Demokratien darin, daß alle ausländischen Militärberater und Ausbilder aus Mittelamerika abgezogen werden - die
Kubas,die der Sowjetunion, die Bulgariens, die Ostdeutschlands,die der PLO
und die unsrigen.
Zweitens, die mittelamerikanischen Staaten müßten einen Weg finden, ohne
Furcht miteinander zusammenzuleben. Zu diesem Zweck schlug die San Jose-Gruppe
gegenseitige und verifizierbare Abkommen über ein Verbot der Einfuhr schwerer
Offensivwaffen, den Verzicht auf die Unterstützung von Aufständischen auf Nachbarterritorium und die Einrichtung einer internationalen Überwachung der Grenzen vor.
Drittens, jeder mittelamerikanische Staat müsse einen Weg finden, um
demokratische Institutionen zu schaffen, die oppositionellen Elementen offen
sind. Mittel amerikanische Demokratien, an der Spitze Costa Rica, sprachen
sich ganz besonders klar über die Notwendigkeit der Demokratisierung aus.
Nur so könnten sie darauf vertrauen, daß sie sich nicht irgendwann in der Zukunft einem aggressiven Nachbarn gegenübersähen, der nicht von den Grenzen
gezügelt würde, die die Demokratie auferlegt.
Als Vertreter der
Nicaragua zu treten, um
sätze eintreten würde.
Vorschläge ab - mit dem

San Jose-Gruppe versuchte Costa Rica, in Kontakt zu
es zu fragen, ob es in einen Dialog über diese GrundDie Sandinisten lehnten schon die Entgegennahme der
Argument, sie hätten an ihrer Formulierung nicht mitge-

- 6 -

�nicht mitgewirkt und sähen sich daher nicht verpflichtet, sich mit ihnen zu
befassen.
Daher wird jetzt ein vierter Versuch unternommen, um zu Verhandlungen
zu kommen.

Im Januar 1983 kamen Mexiko, Kolumbien, Venezuela und Panama auf

der Insel Contadora zusammen, um eine Bemühung um Vermittlung in dem Konflikt
Mittelamerikas zu unternehmen.

Honduras, Costa Rica und El Salvador antworte-

ten, indem sie vorschlugen, daß die fünf mittelamerikanischen Staaten - einschließlich Nicaraguas - in Anwesenheit der Contadora-Gruppe zusammenkommen
sollten.

Dies würde Nicaragua

in die Lage versetzen, an der Ausarbeitung

der Vorschläge teilzunehmen - was es in San Jose nicht konnte.

Und um die

Chancen, daß Nicaragua teilnehmen würde, so groß wie möglich zu gestalten,
schlugen sie vor, daß die Vereinigten Staaten nicht anwesend sein sollten.
Das würde auch allen Behauptungen die Spitze nehmen, daß die Konferenz von
den Vereinigten Staaten beherrscht wäre.
Aber Nicaragua ging auch darauf nicht ein. Stattdessen ging es vor
den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen und behauptete, es wolle mit den
Vereinigten Staaten und mit Honduras bilateral zusammenkommen, nicht regional.
Praktisch sagt Nicaragua, daß es die Beschuldigungen Nicaraguas gegen Honduras
und die Vereinigten Staaten erörtern will - aber nicht die Besorgnisse seiner
Nachbarn über die Militarisierung, Diktatur und Intervention Nicaraguas in
El Salvador.
Ich habe diese Geschichte einigermaßen ausführlich dargestellt, um
Ihnen einen Eindruck von den außergewöhnlichen Schwierigkeiten zu geben, die
damit verbunden sind, sich mit der Sandinisten-Führung auseinanderzusetzen.
Die Sandinisten haben ihre Geringschätzung gegenüber einem echten Dialog
- und echten Verhandlungen - ziemlich deutlich werden lassen.

Vor einem Monat

konnten wir sehen, wie sie den Papst in dem durchdachten Versuch der Einschüchterung unterbrachen; dem folgte ein Verbot der Ausstrahlung von Ostergottesdiensten durch die Sandinisten.

In der vergangenen Woche nannte Innen-

minister Tomas Borge in einem Interview mit dem kubanischen Fernsehen die
- 7 -

�Fernsehen die Themen, über die sein Land nicht verhandeln würde:

Er sagte,

Nicaragua werde nicht über die Prinzipien der sandinistischen Revolution diskutieren; es werde nicht in einen Dialog über die allgemeine Lage Mittelamerikas
eintreten; und es werde nicht über "Konterrevolutionäre" sprechen.

Man könnte

hinzufügen, daß die Sandinisten davor zurückscheuen, diese Fragen überhaupt offen anzugehen - weder mit dem eigenen Volk noch mit den Nachbarn Nicaraguas,
die in zunehmendem Maße besorgt sind.

Daher ist es eher traurig als überraschend,

daß Borge seinen kubanischen Fernsehzuschauern erklärt, das vorgeschlagene Treffen
der Außenminister Mittelamerikas sei "diplomatische Demagogie".
Trotz all dem werden wir nicht aufgeben.
kundig

Die Sandinisten sind offen-

noch nicht zu der Einsicht gelangt, daß sie entweder mit ihren Nach-

barn oder mit ihren inneren Kritikern zur Sache verhandeln müssen.

Vielleicht

glauben sie immer noch, daß sich etwas ändern wird, wenn sie nur geschickt genug
manövrieren, daß die Vereinigten Staaten dann ihre Unterstützung für die demokratischen Regierungen in Costa Rica, El Salvador und Honduras verringern oder
gar einstellen

und daß dann der Weg wieder offen sein wird für die "Revolution

ohne Grenzen". Wir müssen sie davon überzeugen, daß dies nicht der Fall ist,
daß die Vereinigten Staaten ihre Freunde in Mittelamerika nicht im Stich lassen
werden.

Gleichzeitig müssen wir auch weiterhin nach Wegen suchen und Möglich-

keiten vorschlagen, wie wir die alten Gegensätze überwinden können, bis die
Sandinisten uns ihre Bereitschaft anzeigen, zu einem fairen und ausgewogenen
Dialog zu kommen.
Inzwischen haben die Nicaraguaner die Sache in die eigene Hand genommen.
Die Unnachgiebigkeit der Sandinisten hat zu einem Aufruhr geführt, den die
Sandinisten selbst eine Bedrohung nennen.
Derzeit sind in Nicaragua mehrere tausend Guerillakämpfer aktiv. Enttäuschte Miskito-Indianer operieren in einem Großteil ihres Stammesgebietes
in den atlantischen Ebenen. In den östlichen und nördlichen Grenzgebieten
von Jinotega, Nueva Segovia, Madriz, Esteli und Zelaya greifen Streitkräfte
der Aufständischen Regierungsposten an und überfallen Militärkonvois. Auch
aus der Provinz Matagalpa, einem zentralen Kaffeeanbaugebiet, wird von
- 8 -

�wird von Guerillaaktivitäten berichtet.

In diesem Monat gab es zum ersten-

mal auch Berichte über bewaffnete Dissidentenbewegungen im Süden.

Wo immer

diese oppositionellen Gruppen auftauchen, scheinen sie lokale Unterstützung
zu erhalten und scheint ihre Zahl zuzunehmen.
Angesichts jüngster Beschuldigungen in den Medien werden Sie mich sofort fragen, ob diese Aufstände durch die Vereinigten Staaten bewirkt
unterstützt werden.

oder

Noch nie hat eine amerikanische Administration diese Art

von Behauptungen diskutiert - außer in den eigens zu diesem Zweck eingesetzten
Ausschüssen des Senats und des Repräsentantenhauses -, und auch diese wird es
nicht anders tun. Aber ich werde die nicaraguanischen Oppositionsbewegungen
beschreiben; dadurch sollte Ihnen deutlich werden, daß sie entstehen und zunehmen in Reaktion auf ernsteste Gründe zur Klage gegenüber den Sandinisten.
Wer sind diese Menschen, die es wagen, Managuas Ideologen herauszufordern?

Was wollen sie?

des gesagt werden:
und Seele.

Gestützt auf das, was wir wissen, kann hierzu folgen-

Es sind, dies ist das Wichtigste, Nicaraguaner mit Leib

Es gibt zwei Hauptgruppen.

Democratico Nacional (FDN).

Die eine, die größere, ist die Frente

Obgleich ihre Hauptstärke innerhalb Nicaraguas

liegt, hat die Unterdrückung durch die Sandinisten doch die meisten ihrer Führer
nach Honduras und Costa Rica vertrieben.

Das Direktorium der FDN besteht aus

Lucia Salazar, der Witwe von Jorge Salazar - einem Geschäftsmann, der sich
schon gegen Somoza gewandt hatte und der 1980 von den Sandinisten ermordet
wurde; Alfonso Callejas, einem ehemaligen Vizepräsidenten von Nicaragua, der
1978 in einem Versuch, Somoza aus dem Amt zu treiben, eindeutig mit diesem
brach; Edgar Chamorro, einer bislang unpolitischen Führungspersönlichkeit des
Privatsektors; Indalecio Rodriguez, ehemals Vizerektor der Mittelamerikanischen
Universität; Enrique Bermudez, früher Oberst der Nationalgarde, den Somoza
dadurch von Nicaragua fernhielt, daß er ihn von 1975 bis 1979 als Militärattache nach Washington schickte (und dem die Sandinisten selbst zugestanden,
er habe sich nicht an der Unterdrückung durch das Somoza-Regime beteiligt);
Marco Zeledon, einer geachteten Führungspersönlichkeit des Privatsektors, der
keinerlei Beziehungen zu den Somozas unterhielt; und Adolfo Calero, zeit seines
Lebens Gegner der Somozas und von Somoza 1978 ins Gefängnis gebracht.
Sie alle haben öffentlich erklärt, daß es ihr Ziel sei, die Demokratie

�die Demokratie nach Nicaragua zu bringen, nicht aber eine Rückkehr des Somozatums.

Soziologisch gesehen repräsentieren diese Personen die Angehörigen der

freien Berufe und der Lehrer sowie der kleinen Gewerbetreibenden und der Bauern.
Zu ihrer Gefolgschaft gehören enttäuschte Bauern, ehemalige Kleinbauern, MiskitoIndianer und andere Gruppen, die von den Ideologen Managuas vertrieben oder einfach unterdrückt wurden.

Unseren Schätzungen nach stehen in den Reihen der FDN

über tausend Guerillaangehörige; ehemalige Mitglieder der Nationalgarde - zum
größten Teil Unteroffiziere - führen viele dieser Guerilla-Einheiten an, die
meisten der Mitglieder stammen jedoch aus der Landbevölkerung oder sind ehemalige Kleinbauern.
Die Erklärungen der FDN bringen ihren Abscheu vor der Somoza-Vergangenheit zum Ausdruck und bekräftigen die nationalistischen und patriotischen Prinzipien von Sandino.

Ich bin sicher, daß sich dieser Ausschuß der Tatsache be-

wußt ist, daß die FDN am 13. Januar 1983 einen Friedensplan vorlegte, in dem
eine Einstellung der Feindseligkeiten vorgeschlagen wurde, falls unter anderem
die GRN bis September 1983 international überwachte Wahlen abhält, den Ausnahmezustand in Nicaragua beendet und die öffentliche Verwaltung von den parteilichen und ideologischen Aktivitäten trennt.
Die zweite Hauptgruppe, angeführt von Eden Pastora, der sich im Kampf
gegen Somoza hervorgetan hat, ist die ARDE - die Alianza Revolucionaria
Democratica. Zum Führungskreis der ARDE gehören so bekannte Leute wie das
ehemalige Junta-Mitglied der Nach-Somoza-Zeit Alfonso Robelo, der MiskitoIndianer-Führer Brooklyn Rivera und Fernando "Negro" Chamorro, der ebenfalls
gegen Somoza gekämpft hatte. Pastora, der der erste Vizeverteidigungsminister
der Sandinisten war, hat wiederholt auf den Betrug der Revolution hingewiesen,
die seiner Meinung nach von kubanischen Agenten verursacht wurde, um einen Ausverkauf an die Sowjetunion zu erzwingen. Die meisten ARDE-Erklärungen werden
in Costa Rica veröffentlicht. Der Friedensvorschlag der ARDE vom 2. Februar
fordert bis zum Juni 1983 Wahlen für eine Verfassungsgebende Versammlung, um
das Versprechen der sandinistischen Revolution einzuhalten.
Durch die
- 10 -

�Durch die Größe der Opposition, die ihr gegenübersteht, aus dem Gleichgewicht gebracht, hat die nicaraguanische Regierung versucht, ihre Opponenten
als "Somocistas" zu diskreditieren,und will sie dadurch mit den Verbrechen der
früheren Regierung in Verbindung bringen.

Der derzeitige Propagandaplan der

Sandinisten - wir haben das Memorandum der FSLN vom 24. März gesehen - weist
ihre politischen Kader an, "den amerikanischen Imperialismus" für die Probleme
des Landes verantwortlich zu machen, Adolfo Calero - eine Führungsperson der
Demokratisch-Konservativen Partei, mit dem sie zuvor noch verhandelt hatten und Alfonso Robelo - ein ehemaliges Mitglied ihrer eigenen Junta - als "Verräter" zu schmähen und die Opposition so darzustellen, als ziele diese gegen
Nicaragua - und nicht vielmehr gegen seine derzeitigen Herrscher.
Nun haben die Commandantes zwar bislang unsere Vorschläge nicht akzeptiert, aber ich würde sie doch gern darauf drängen - bevor sie zu weit gehen
und Calero von der FDN und Robelo von der ARDE "Verräter" nennen -, sich daran
zu erinnern, daß sie es im vergangenen Jahr auch nicht geschafft haben, ihr eigenes Volk davon zu überzeugen, daß Eden Pastora, ein Mann, der sich immer
noch stolz "einen echten Sandinisten" nennt, ein Verräter am nicaraguanischen
Volk oder an den ursprünglichen Idealen der sandinistischen Revolution sei.
Die Sandinisten behaupten, daß die einzige Alternative zu dem, was sie
geschaffen haben, "Somocismo" sei. Nichts könnte vereinfachter oder falscher
sein. Der "Somocismo" war eine ungemein personengebundene Diktatur alten Stils,
die mit Somoza starb. Sie könnte nicht wieder geschaffen werden, selbst wenn
es jemanden gäbe, der dies möchte. Die Sandinisten wissen, daß die meisten
Nicaraguaner die Demokratie, den Frieden und ein Ende des kubanischen Einflusses wollen. Tatsächlich ist dies auch das Programm, das dem nicaraguanischen Volk 1979 versprochen worden war. Und es ist das Programm, das die
Sandinisten heute immer wieder unter den Teppich zu kehren suchen, den sie
"Somocismo" nennen. Das Volk von Nicaragua kennt seine Geschichte. Auch
wir sollten es.
Noch ist

- 11 •)

:t

i

�Noch ist nicht klar, wie der Verlauf des Kampfes in Nicaragua sein wird.
Sicher ist nur:

Solange Nicaragua die legitime Opposition im Innern dazu

zwingt, zu Mitteln der Gewalt zu greifen, und solange es auch weiterhin seine
Nachbarn bedroht und destabilisiert, wird weder dieses Land selbst, noch Mittelamerika stabil werden.
Es ist vorstellbar, daß Kuba oder die Sowjetunion versucht sein könnten,
den Konflikt zu eskalieren, moderne Kampfflugzeuge oder sogar kubanische Kampftruppen herbeizuholen.

Es ist offenkundig, daß sich hieraus eine gefährliche

Lage entwickeln würde - unannehmbar nicht nur für Mittelamerika, sondern für
die amerikanischen Staaten insgesamt.

Wir haben Moskau und Havanna wissen las-

sen, wie gefährlich ein solcher Schritt sein würde.

Vorstellbar ist auch, daß

die Sandinisten in einem Versuch, die Aufmerksamkeit von ihren innenpolitischen
Problemen abzulenken, auf ihre Nachbarn
angreifen.

losschlagen und Costa Rica oder Honduras

Seit über einem Jahr bereits unternimmt Managua terroristische Ope-

rationen in San Jose

und läßt Guerillakämpfer in die nördlichen Provinzen von

Costa Rica einsickern.

Auch mit Honduras ist es bereits zu einer Reihe von

Grenzzwischenfällen gekommen.

Obgleich Journalisten, die das Gebiet bereist

haben, von keiner Aktivität auf honduranischer Seite berichten, hat Nicaragua
kürzlich seine militärischen Einheiten an der Grenze verstärkt.

Noch einmal:

Ich glaube, die Sandinisten begreifen, daß sie nichts durch einen Angriff auf
ihre Nachbarn gewinnen können.

Es ist auch wichtig zu betonen, daß alle Mittel

interamerikanischer Diplomatie, einschließlich natürlich derjenigen dieses
Landes, zur Verfügung stünden, um einen solchen Ausbruch zu verhindern.
Aber es gibt einen besseren Weg.
Verhandlung.

Und es ist der Weg über Dialog und

Wir fordern die Sandinisten auf, an das nicaraguanische Volk zu denken.
Trotz aller Auslandshilfe sind die Nicaraguaner in Stadt und Land viel schlechter gestellt als vor der Revolution.
und ihre Geistlichkeit.

Sie sind gegen den Druck auf ihre Kirchen

Sie mißtrauen dem sandinistischen Machtmonopol, und

sie haben eine Abneigung dagegen, denn sie haben schon zuvor unter einem solchen System gelebt.

Wir fordern
- 12 -

�Wir fordern die Sandinisten auf, sich Gedanken über den Aufruhr in
ihrem eigenen Land zu machen. Trotz (oder ist es wegen?) der Präsenz all
dieser bewaffneten Kubaner nimmt der Widerstand im Volk zu. Sie könnten
dann zu dem Schluß gelangen, daß der Dialog, den sie so viele Male zurückgewiesen haben, dem immer stärkeren Hader unter der Bevölkerung vorzuziehen ist.
Wir fordern die Sandinisten auf, über den Aufruhr nachzudenken, den sie
in El Salvador unterstützen. Wenn es dort legitimen Grund zur Klage gibt, so
kann dem durch demokratische Institutionen nachgegangen werden. Die internationale Gemeinschaft ist bereit und in der Lage, die Sicherheit und andere
Garantien für die Wahlen zu bieten, die auch dort die richtige Antwort wäre.
Alle Elemente der mittel amerikanischen Problematik stehen miteinander
in Beziehung. Gleich, wieviel Bodenreform, wie viele offene Wahlen oder
wieviel Verbesserung bei den Menschenrechten: Es wird kein Ende des Konflikts
in El Salvador geben, wenn Nicaragua ihn auch weiterhin schürt. Die Demokratie
wird in den Nachbarstaaten Nicaraguas nicht gedeihen, solange sie nicht auch
in Nicaragua praktiziert wird. Und Nicaragua wird nicht frei sein von der
Feindseligkeit
seines eigenen Volkes und seiner Nachbarn, solange es nicht
damit beginnt, sich um deren Sorgen hinsichtlich Demokratie und Sicherheit
zu kümmern.
Daher lautet die Antwort: Demokratisierung und Dialog zwischen den
Nachbarn. Ziel der amerikanischen Politik in diesem Gebiet ist es, Bedingungen zu schaffen, unter denen das Gebiet aus dem Ost-West-Konflikt herausgenommen werden kann, die Einfuhr von Offensivwaffen und die wechselseitige
Unterstützung für Aufruhr beendet wird und die demokratische Umwandlung der
Gesellschaften erreicht ist. Verhandlungen zwischen allen mittelamerikanischen
Staaten und Verhandlungen innerhalb der Länder könnten allen Gruppen die Möglichkeit bieten, an den Wahlurnen in einen Wettstreit einzutreten - und nicht
auf dem Schlachtfeld.
+ + + + +

- 13 -

�Hintergrundmateriell
United States Information Service
Embassy of the United States of America
20. April 1983

17

DIE PERSHING II-RAKETE
- Von Richard Burt Unterstaatssekretä'r für europäische Angelegenheiten im
amerikanischen Außenministerium

(Nachdruck mit freundlicher Genehmigung
der Washington Post)

Die Vereinigten Staaten werden, wenn es bei den Genfer Verhandlungen
zu keinem R'üstungskontrollabkommen kommt, das einen solchen Schritt unnötig
machen würde, Ende dieses Jahres mit der Dislozierung einer neuen Mittelstrekkenrakete in Europa beginnen - der PERSHING II. Wie die landgestützten Marschflugkörper, deren Dislozierung ebenfalls für dieses Jahr vorgesehen ist, hat
die PERSHING II eine Reichweite, die für Ziele in der Sowjetunion ausreicht.
Die Dislozierung der PERSHING II-Raketen würde eine amerikanische Verpflichtung gegenüber unseren NATO-Verbündeten erfüllen, um auf die massive
Aufrüstung der Sowjets mit SS-20-Raketen zu antworten.

Sie wäre natürlich

nicht nötig, wenn die Sowjets das Angebot von Präsident Reagan akzeptieren

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�Reagan akzeptieren würden, diese ganze Klasse von Kernwaffen zu beseitigen.
Die Sowjetunion wünscht sich - wen wundert es - ein anderes Ergebnis:
möchte ihre Raketen behalten, und wir sollen keine dislozieren.

Sie

Die Sowjets

haben eine große politische und propagandistische Kampagne gestartet, um die
Dislozierung der PERSHING II zu verhindern.

Sie haben behauptet, diese Rakete

sei eine einmalig gefährliche Terrorwaffe; sie habe eine "Erstschlag"-Kapazität gegen die strategischen Streitkräfte der Sowjetunion; und die Sowjetunion müsse als Folge einer Dislozierung der PERSHING II eine Politik des
"Halt oder ich schieße" einführen.
Keine dieser Behauptungen hält einer ernsthaften Überprüfung stand.
Daß die Sowjetunion diese Art der

Argumentation gewählt hat, läßt je-

doch einiges davon erkennen, was sie von Westeuropa hält und in welches Verhältnis sie die Sicherheit Europas zur Sicherheit der Sowjetunion bringen
möchte.
Natürlich ist jede Nuklearrakete eine schrecklich zerstörerische Waffe, und deswegen müssen die angeblichen Besorgnisse der Sowjets über die
PERSHING II in die richtige Perspektive gerückt werden. Diese amerikanische
Rakete hat weit weniger Zerstörungskraft als die SS-20. Sie hat eine sehr
viel kürzere Reichweite: 1800 km gegenüber 5000 km. Sie ist nur mit einem
Gefechtskopf bestückt, verglichen mit den drei Gefechtsköpfen der SS-20.
Dieser eine Gefechtskopf der PERSHING II hat weniger Zerstörungskraft als
ein einziger der drei der SS-20. Die PERSHING II fliegt nicht schneller
als die SS-20. Sie könnte Ziele in der Sowjetunion nicht schneller erreichen,
als landgestützte Raketen der Sowjets heute Ziele irgendwo in Westeuropa
oder seegestützte Raketen der Sowjets heute Ziele in den Vereinigten Staaten
erreichen können. Und schließlich würde es nach Abschluß der amerikanischen
Dislozierungen nur 108 PERSHING II-Raketen mit 108 Gefechtsköpfen geben.
Heute aber gibt es schon 351 SS-20-Raketen mit 1053 Gefechtsköpfen, und die
Zahl wächst ständig weiter. Die PERSHING II hat also keinesfalls etwas einmalig Bedrohendes an sich.
Die sowjetische

�Die sowjetische Behauptung, die PERSHING II stelle eine Erstschlag-Bedrohung dar, entbehrt noch mehr der Grundlage. Rund 90 Prozent der strategischen Streitkräfte der Sowjetunion werden sich außerhalb der Reichweite der
PERSHING II befinden und ebenso die in Moskau konzentrierten Befehls- und
Kontroll Zentren. Im übrigen sind die für die Dislozierung vorgesehenen 108
PERSHING II zahlenmäßig so wenige, wenn man sie mit den gegenwärtig dislozierten 2350 strategischen Raketen der Sowjets vergleicht, daß die Vorstellung,
man könnte die PERSHING II für einen Präventivschlag gegen die strategischen
Streitkräfte der Sowjetunion benutzen, einfach lächerlich ist.
Es fällt einem daher schwer, die sowjetische Drohung, man werde aufgrund der Dislozierungen von PERSHING II zu einer Politik des "Halt oder ich
schieße" übergehen, wirklich ernstzunehmen. Wenn man die viel größere Verwundbarkeit der amerikanischen Interkontinentalraketen gegenüber den sowjetischen strategischen Raketen bedenkt, dann kann man sich kaum vorstellen, daß
Amerikaner sehr viel Mitgefühl für die verhältnismäßig kleinen Erschwernisse
aufbringen werden, die sich für die strategischen Planer der Sowjetunion aus
der PERSHING II ergeben werden.
Die sowjetischen Argumente zielen jedoch auch gar nicht darauf ab, die
Amerikaner so weit zu bringen, die Produktion der PERSHING II einzustellen.
Ihre Argumente sollen vielmehr die Europäer so weit bringen, die Dislozierung
der Rakete zu verhindern. Man hat speziell die PERSHING II für diese Bemühung
ausgesucht, weil sie im Gegensatz zu den Marschflugkörpern, deren Aufstellung
für dieses Jahr in Italien und in Großbritannien und in den folgenden Jahren in
Belgien, den Niederlanden und in der Bundesrepublik Deutschland vorgesehen ist,
nur in einem Land, nämlich in der Bundesrepublik,disloziert werden soll. Wenn
es den Sowjets gelänge, die Dislozierung von PERSHING II in der Bundesrepublik
zu verhindern, dann hätten sie ein wesentliches Element des NATO-Doppelbeschlusses vom Dezember 1979 zu Fall und sich selbst in eine viel günstigere
Position gebracht, die Dislozierung der Marschflugkörper in den anderen der
genannten Länder, einschließlich der Bundesrepublik, zu blockieren.
Die Argumente
- 3 -

�Die Argumente der Sowjets gegen die PERSHING II und gegen das ganze
Konzept der INF-Dislozierung der NATO laufen im wesentlichen darauf hinaus,
daß es für sie unannehmbar ist, vor einer Bedrohung aus Westeuropa zu stehen,
die der entspräche, die für Westeuropa von ihnen ausgeht.

Für die Sowjets

sind der Bau und die Dislozierung neuer Raketen mit der Aufgabe, Ziele in ganz
Westeuropa von sowjetischem Boden aus zu treffen, aus ihrer Sicht eigentlich
mehr oder weniger eine Selbstverständlichkeit, mit der sich Westeuropa abfinden muß. Wenn die NATO darauf reagiert, indem sie Raketen vergleichbarer Kapazität in Westeuropa stationiert, dann ist das irgendwie eine "Provokation",
die die Sowjetunion nicht akzeptieren kann.

Westeuropa müsse einsehen, darauf

besteht die Sowjetunion, daß seine Sicherheit weniger wichtig ist als die der
Sowjetunion.

Im sowjetischen Denken ist die Sicherheit F.uropas der Sicherheit

der Sowjetunion ausdrücklich untergeordnet.
Die sowjetische Auffassung von europäischer Sicherheit macht die Reaktion
der Sowjets auf den NATO-Beschluß von 1979, amerikanische Mittelstreckenraketen in Europa zu dislozieren, eher verständlich. Das gegenwärtige Ziel der
sowjetischen Politik besteht darin, den geopolitischen Vorteil der UdSSR und
ihre regionale nukleare Überlegenheit zu nutzen, um Westeuropa einzuschüchtern und die Westeuropäer zu zwingen, sich sowjetischen Interessen unterzuordnen. Die Dislozierung von insgesamt 572 neuen amerikanischen Flugkörpern, die
in der Lage sind, begrenzte Teile der Sowjetunion zu erreichen, hat auf das
amerikanisch-sowjetische Kräfteverhältnis nur wenig Auswirkung, wenn man bedenkt, daß beide Seiten über 10 000 Gefechtsköpfe besitzen, die kurzfristig
auf jeden Ort des anderen Landes abgefeuert werden können. Wenn jedoch die
Macht Amerikas mit der Sicherheit Europas fest verknüpft wird, dann wird diese
Dislozierung die Sowjetunion daran hindern, Westeuropa als nukleare Geisel zu
benutzen und ihr Ziel zu erreichen, die Unterordnung der Sicherheit Europas
unter die Sicherheit der Sowjetunion zu erzwingen.
Das ist der Grund, warum die Sowjetunion so nachhaltig auf den NATOBeschluß von 1979 reagiert hat. Das ist der Grund, warum die Sowjetunipn
sich so sehr gegen die Dislozierung von 108 PERSHING II-Raketen gewandt hat,

- 4 -

�gewandt hat, was nicht einleuchtend ist und sonst unerklärlich wäre.

Das

ist der Grund, warum Führer des Westens aus der Erkenntnis der wirklichen
sowjetischen Beweggründe heraus so viel von ihrem eigenen politischen Kapital eingesetzt haben, um die 1979 vereinbarte Entscheidung aufrechtzuerhalten.
Die Sowjetunion versucht, ihre Auffassung von der Sicherheit Europas Europa
aufzuzwingen.

Die Führer Europas sind jedoch entschlossen, endweder durch

Rüstungskontrolle oder durch Dislozierung dafür zu sorgen, daß der Sicherheit Europas keine geringere Priorität eingeräumt wird als der Sicherheit
der einen oder anderen Supermacht.

+ + + + +

- 5 -

�17

20. April 1983

FÜNFZIG JAHRE AMERIKANISCH-SOWJETISCHER DIALOG
Von Arthur Hartman, Botschafter der USA in Moskau

Der folgende Artikel wurde am 11. April 1983
amerikanischen und westeuropäischen Korrespondenten in Moskau zur Verfügung gestellt;
vorher war er der sowjetischen Parteizeitung
"Prawda" als Leserbrief angeboten worden,
die ihn jedoch nicht veröffentlichte.

- (AD) - Der November dieses Jahres bringt für die Vereinigten Staaten
und die Sowjetunion einen bedeutsamen Meilenstein: den 50. Jahrestag der
Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern.
Dieses Jubiläum hat natürlich für die beiden Länder eine unterschiedliche
Bedeutung. Aber wenn dieser Jahrestag eines bedeutet, dann dies: fünfzig Jahre
Dialog. Seit einem halben Jahrhundert haben meine Regierung und die Regierung
der Sowjetunion die Bedeutung der Kommunikation zwischen unseren Völkern anerkannt.
In der jüngsten Vergangenheit ist mir klar geworden, welchen Wert die
Sowjetunion - oder doch zumindest ihre einflußreichsten Sprecher - darauf legt,
dem amerikanischen Volk ihre Ansichten zu unterbreiten.

In der Presse der

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Presse der Vereinigten Staaten, über unseren Rundfunk und über unser Fernsehen
hat eine veritable Reihe der bekanntesten sowjetischen Kommentatoren, Akademiker
und anderer Persönlichkeiten bewundernswerte Arbeit dabei geleistet, die
sowjetischen Standpunkte zu wichtigen bilateralen und internationalen Fragen
darzulegen.
Wir in den Vereinigten Staaten sind schon seit langem der Ansicht, daß
eine gut informierte Öffentlichkeit Voraussetzung für eine effektive Demokratie
und eine kluge Außenpolitik ist. Die Tatsache, daß sowjetische Repräsentanten
einen solchen freien Zugang zu den amerikanischen Medien haben, ist ein Beweis
für das Festhalten Amerikas am Ideal eines freien Gedankenaustausches.
In einem echten Dialog müssen natürlich beide Seiten - nicht nur eine zu Wort kommen.

Ich hoffe daher, daß ich durch Ihre Zeitung Gelegenheit

haben werde, einige der wichtigen Fragen anzusprechen, vor denen unsere beiden
Länder stehen, und den sowjetischen Lesern die amerikanischen Ansichten darzulegen - wie auch unsere Medien die Darlegung sowjetischer Ansichten für die
amerikanische Öffentlichkeit begrüßt haben.
Was erfahren wir Amerikaner, wenn wir sowjetischen Sprechern zuhören?
Vieles und manch Kritisches zu einem Bereich von Fragen, der zu weitgehend
ist, als daß man sich in einem einzigen Artikel damit befassen könnte. Ich
möchte mich daher mit drei wesentlichen Dingen befassen, die die sowjetische
Seite immer wieder zum Ausdruck bringt:
- Erstens, daß die Vereinigten Staaten nicht nur ihr Eintreten für den
Frieden aufgegeben hätten, sondern daß sie sich vielmehr aktiv auf den Krieg
vorbereiteten;
- Zweitens, daß die Vereinigten Staaten, um ihre militärischen Vorbereitungen zu rechtfertigen, die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen künstlich
verschlechterten, indem sie nichtrelevante Fragen ins Spiel brächten;
- Drittens, daß die amerikanischen Rüstungskontrollvorschlage nicht nur

�nicht nur nicht seriös, sondern auch darauf abgestellt seien, die Sowjetunion
zu einer einseitigen Abrüstung zu veranlassen.
Wenn man solche Ansichten hört, dann - das muß ich gestehen - ist es
überaus schwer, nicht zu dem Schluß zu gelangen, daß diejenigen, die so
etwas aussprechen, uns überhaupt nicht zuhören.

Lassen Sie uns doch einmal

die Tatsachen untersuchen.
Erstens, unsere Verpflichtung, den Frieden zu wahren.

So unangenehm

dies für einige auch sein mag: Die historischen Fakten zeigen, daß die
Vereinigten Staaten bei den Bemühungen, die Gefahr eines Krieges über dreißig
Jahre hinweg zu vermindern, immer an vorderster Front standen.
Schon 1946, als die USA zwar nicht über die gewaltige militärische
Überlegenheit verfugten, die erlangen zu wollen man uns heute beschuldigt, aber
doch über das absolute Monopol an Kernwaffen und Technologie, schlugen wir
im Rahmen des Baruch-Planes vor, daß alle Aspekte der nuklearen Entwicklung
unter internationale Aufsicht gestellt werden sollten.

Die Sowjetunion

wies diesen Vorschlag zurück, und eine große Gelegenheit, das nukleare Wettrüsten im Keime zu ersticken, war vertan.
Aber unsere Haltung hat sich auch in den folgenden Jahren nicht geändert.
In Genf und in Wien hat die Regierung Präsident Reagans eine ganze Reihe von
Initiativen ergriffen, die alle darauf abzielen, den sinnlosen nuklearen
Rüstungswettlauf zu stoppen und die Möglichkeit eines Konfliktes, nuklear
wie konventionell, entscheidend zu verringern.
Die Geschichte hat uns jedoch gelehrt, daß wir uns nicht ausschließlich
auf Verhandlungen verlassen können, um den Frieden zu bewahren.

Wir, wie

auch die Sowjetunion, mußten 1941 erfahren, daß militärische Schwäche oder was andere dafür fielten - der kürzeste Weg zum Krieg sein kann.

Daher

haben wir in der gesamten Nachkriegszeit die Maßnahmen ergriffen, die nach

- 3 -

�die nach unserer Ansicht notwendig waren, um vor Angriffen auf uns und unsere
Verbündeten abzuschrecken.

Die gegenwärtige Modernisierung unserer Streit-

kräfte, die die sowjetischen Sprecher angeblich so beunruhigt, rührt aus
dieser Auffassung her und - das darf ich hinzufügen - erfolgt nach einem
Jahrzehnt der amerikanischen Zurückhaltung hinsichtlich der Dislozierung
neuer Waffensysteme.
Abschreckung.

Unser Ziel ist - wie schon in der Vergangenheit - die

Präsident Reagan hat klargemacht, daß wir keine militärische

Überlegenheit gegenüber der Sowjetunion oder irgendeinem anderen Land anstreben.
Aber wir können es uns auch nicht erlauben, der Zweitbeste zu sein.
Zweitens, die Behauptung, die Vereinigten Staaten erhöhten künstlich
die Spannungen gegenüber der Sowjetunion.

Es kann kein Zweifel bestehen, daß

es bilaterale Spannungen gibt und daß diese in den letzten Jahren größer geworden sind.

Dies rührt zum Teil aus der Tatsache her, daß die USA und die

Sowjetunion auf internationalem Gebiet Rivalen sind und es für die absehbare
Zukunft auch bleiben werden.
Das ist keine Wahl, die wir getroffen haben, sondern es ist weitgehend
ein Abbild der unterschiedlichen Grundprinzipien, auf denen unsere beiden
Länder gegründet sind. Aber es hat doch Auswirkungen darauf, wie wir uns in
der Welt zueinander verhalten.
Wir erwarten nicht, daß die Sowjetunion in ihrer Haltung gegenüber den
Vereinigten Staaten ihre Prinzipien oder Interessen aufs Spiel setzt. Aber
genauso haben wir nicht die Absicht, die unsrigen aufs Spiel zu setzen.
Was nun die Prinzipien selbst angeht, so gibt es ein Gebiet, auf dem an
unserer Entschlossenheit kein Zweifel bestehen sollte: die Frage der Menschenrechte.

Wir hören häufig, daß unsere Menschenrechtspolitik eine Einmischung

in die inneren Angelegenheiten der Sowjetunion darstelle. Wir können eine
solche Charakterisierung nicht akzeptieren, die eine grobe Unkenntnis dessen
verrät,was die Vereinigten Staaten als Volk motiviert.
Aufgrund der
- 4 -

�Aufgrund der Bedeutung, die die Menschenrechte für uns haben - denn darauf
wurde ja unsere Republik 1776 gegründet ^sympathisieren wir natürlich in der
Sowjetunion und anderswo mit all jenen, denen ihre Rechte verweigert werden.
Wir unterstützen sie und werden es immer tun.
Aber es geht hier auch um einen gleichermaßen entscheidenden - und
vielleicht auch pragmatischeren - Punkt. Wenn ein Land seinen Bürgern
systematisch die ihnen im Rahmen internationaler Abkommen zustehenden Rechte
verweigert, dann stellt sich uns ernsthaft die Frage, was es dann mit der
Verläßlichkeit eines solchen Landes als internationaler Partner auf sich hat.
Wir drängen nur darauf, daß die Sowjetunion sich an ihre internationalen Verpflichtungen auf dem Felde der Menschenrechte hält.
Ähnlich ist die Situation im Hinblick auf die Vorstellung, die wir von
unseren Interessen haben. Es wird uns oft gesagt, wir sollten es nicht zulassen,
daß kleinere regionale Konflikte sich störend auf bilaterale Anstrengungen auf
so entscheidend wichtigen Gebieten wie der Rüstungskontrolle auswirken. Ein
solches Argument können wir ebenfalls nicht akzeptieren. Wenn wir aus der
jüngeren Geschichte etwas gelernt haben, dann dies, daß die Sicherheit die
gesamte weltpolitische Situation umfaßt.
Wenn wir sehen, daß sowjetische Truppen Afghanistan besetzen, um eine
Regierung zu unterstützen, die sich offensichtlich selbst nicht halten kann wenn wir sehen, daß die Vietnamesen in Kampuchea mit sowjetischer Unterstützung
eine ähnliche Rolle spielen - wenn wir sehen, wie den polnischen Arbeitern
die Rechte verwehrt werden, die ihnen zuvor durch die eigene Regierung zugestanden wurden - wenn eine große Demokratie in Asien (Japan) von der Sowjetunion mit nuklearer Vergeltung bedroht wird, weil dieses Land seine eigene
Sicherheit gewährleisten will, dann können wir nicht umhin, gewisse Rückschlüsse
hinsichtlich der Auswirkungen solcher Maßnahmen auf unsere eigene Sicherheit
zu ziehen, und wir müssen entsprechende Schritte ergreifen. Es ist doch nur
natürlich, daß wir bemüht sein sollten, solche Fragen in den amerikanisch-

- 5 -

�den amerikanisch-sowjetischen Dialog mit einzubeziehen.
Drittens, die Frage der Aufrichtigkeit unserer Haltung in der Rüstungskontrolle.

Wenn die amerikanische Haltung so hingestellt wird, als ziele sie

auf eine einseitige Abrüstung der Sowjetunion ab, so mag das als Technik in
der Debatte ganz wirkungsvoll sein, aber es führt einen nicht an die Wurzeln
des Problems heran.
Die Vorschläge Präsident Reagans in Genf andererseits spiegeln eine
ehrliche und vernünftige Haltung wider, mit der zwei grundlegende Ziele erreicht werder sollen: Die Wahrscheinlichkeit zu verringern, daß die eine oder
die andere Seite jemals versucht sein wird, als erste Kernwaffen einzusetzen,
und zum anderen, die nuklearen Arsenale abzubauen.
Wir möchten dies auf dreifache Weise erreichen:
Erstens haben wir vorgesch^gen, daß beide Seiten die Anzahl ihrer nuklearen Gefechtsköpfe auf Interkontinentalraketen um ein Drittel verringern.
Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion verfügen beide gegenwärtig über
ungefähr 7 000 solcher Gefechtsköpfe - die Sowjetunion hat tatsächlich einige
hundert mehr davon.

Die neue Höchstgrenze würde also 5 000 betragen.

Wir

konzentrieren uns auf diese Raketen, weil ihre hohe Geschwindigkeit sie für
Überraschungsangriffe besonders geeignet macht.
Zweitens haben wir vorgeschlagen, daß nicht mehr als die Hälfte der
5 000 verbleibenden Gefechtsköpfe auf landgestützte Interkontinentalraketen
montiert wird.

Auch hier ist unser Leitsatz wiederum, die Versuchung, einen

Erstschlag zu führen, zu verringern.

Wegen ihrer festen Stationierung sind

solche Raketen, was ihre Zerstörung durch einen Überraschungsangriff angeht,
besonders verwundbar.

Die Versuchung, sie für den Fall einer Angriffswarnung

einzusetzen, wäre also sehr stark, und das Risiko eines zufälligen und unbeabsichtigten Abschusses wird vergrößert.

Gleichzeitig machen ihre Zielge-

nauigkeit und ihre große Nutzlast sie zu idealen Waffen für einen Erstschlag.

- 6 -

�einen Erstschlag.

Dadurch, daß beide Seiten sich weniger auf derartige Systeme

stützen, würde unser Vorschlag die Möglichkeit eines Kriegsausbruches wesentlich
verringern.
Drittens haben wir die Beseitigung einer gesamten Kategorie von Waffen
vorgeschlagen, nämlich der landgestützten Mittelstreckenraketen.

Gegenwärtig

verfügt nur die Sowjetunion über solche Systeme, deren einziger Zweck trotz
aller gegenteiligen sowjetischen Behauptungen darin besteht, eine ganze Reihe
von Ländern an den Grenzen der Sowjetunion und darüber hinaus nuklear zu
bedrohen.

Da viele dieser Staaten Verbündete oder Freunde der USA sind, rufen

diese Systeme eine ernsthafte Gefahr der Eskalation auf eine strategische
Ebene hervor.
Die Vereinigten Staaten und ihre NATO-Verbündeten haben ihre Absicht klargemacht, das Gleichgewicht im Hinblick auf diese Streitkräfte in Europa wiederherzustellen. Sollte es notwendig sein, so sind wir darauf vorbereitet,
entsprechende eigene Streitkräfte zu dislozieren. Wir würden jedoch vorziehen - und das haben wir immer wieder erklärt -,daß das Problem durch ein
bilaterales Abkommen zur völligen Beseitigung dieser Systeme vom Antlitz der
Erde gelöst wird.
Ein sowjetischer Kommentator hat in einem vor kurzem in Amerika veröffentlichten Artikel erklärt, daß er - wenn er auch das Gegenteil lieber
hätte - wenig Hoffnung habe, im gegenwärtigen Zeitpunkt mit den USA ins Geschäft zu kommen. Wie ich schon vorher gesagt habe, kann man da nur sagen,
daß er nicht auf das gehört hat, was wir immer wieder erklären.
Wir sind bereit, unverzüglich und in günstigem Sinne auf positive Maßnahmen der Sowjetunion zu reagieren.

Das heißt keineswegs, wie manchmal

behauptet wird, daß wir auf einseitige Konzessionen aus sind.

Es heißt

allerdings, daß wir Beweise dafür sehen möchten, daß die Sowjetunion bereit
ist, sich uns bei der Suche nach gerechten beiderseitig akzeptablen Lösungen

- 7 -

�akzeptablen Lösungen der uns konfrontierenden Probleme anzuschließen.
Sollte es diese Beweise geben, dann würden diejenigen, die der Meinung
sind, es gäbe keine Möglichkeit für bilaterale Fortschritte, überrascht sein,
wie rasch sich ihre Ansichten als irrig erweisen.

+ + + + +

8 -

�17

20, April 1983

INTERNATIONALE KONFERENZ IN ATLANTA BEFASST SICH MIT BEKÄMPFUNG
DES DROGENMISSBRAUCHS

- (AD) - Eine Zusammenarbeit der Eltern und Angehörigen von Jugendlichen auf breiter internationaler Basis lasse am ehesten hoffen, junge Menschen vor der Drogengefahr schützen zu können.

Dies war das Fazit einer Kon-

ferenz über "Drogen und Jugend" vom 7, - 9. April 1983 in Atlanta (Georgia),
an der mehr als 500 Vertreter von Elternverbänden, Pädagogen, Juristen, Arzte,
Biochemiker, Psychologen und Sozial heifer aus den Vereinigten Staaten und 12
anderen Ländern teilnahmen,

Sie wurde von PRIDE veranstaltet ("Parents'

Resource Institute on Drug Education" - Institut für Elternberatung zur Bekämpfung des Drogenproblems).

Die 1977 gegründete Organisation versorgt

Elternvereinigungen mit den neuen Informationen, einschließlich der Erkenntnisse medizinischer Forschung, über Rauschgiftmißbrauch,

Mittlerweile haben

sich ihr mehr als 3000 Vereinigungen in allen 50 amerikanischen Bundesstaaten
angeschlossen.

Juan Negrete von der Weltgesundheitsorganisation der Vereinten Nationen
(WHO) gab in seinem Vortrag eine Zusammenfassung des WHO-Berichtes über Drogenabhängigkeit.

Er befaßt sich vor allem mit der Erforschung von Gesundheits-

schäden und Verhaltensänderungen als Folge des Marihuana-Konsums.

Robert

DuPont, Professor für Psychiatrie an der Georgetown Medical School (Washington),

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Telex: 8-85432

�Medical School (Washington), forderte, daß der Aktivierung der Eltern und
Angehörigen von Jugendlichen rund um die Welt zur Bekämpfung des Drogenmißbrauchs "höchste Priorität" eingeräumt werde.

Prof. DuPont ist Präsident

des Amerikanischen Rates für Marihuana und andere psychoaktive Drogen.
Drogenproblem sei "eine Weltseuche", erklärte er.

Das

Die Drogenchemie kenne

keine nationalen Grenzen.
PRIDE begann im Jahr 1977 damit, Eltern über die neuesten Erkenntnisse
zu den biologischen Auswirkungen von Marihuana und anderen Drogen auf Heranwachsende zu informieren und ihnen bei der Schaffung landesweiter Verbände
zu helfen, mit denen dem Druck und dem Einfluß jugendlicher Drogenabhängiger
auf ihre Altersgenossen begegnet werden sollte.

Diese Initiativen hätten,

so DuPont, "die Einstellung in den Vereinigten Staaten zu Drogen verändert
und die Nation in die Lage versetzt, sich mit der Rauschgiftseuche gründlich auseinanderzusetzen."
Wegen ständig wachsender Anfragen aus anderen Ländern zur Vermittlung
einschlägiger Informationen und der Bitte um Unterstützung bei der Inangriffnahme von Projekten durch Elternverbände erhielt die diesjährige PRIDE-Konferenz ausgesprochen internationalen Charakter. Nach Ansicht DuPonts komme
"die größte Bedrohung im kommenden Jahrzehnt... wahrscheinlich von Entwicklungsländern". Diese seien unglaublich anfällig und besäßen nur eine sehr
begrenzte Fähigkeit, das Problem überhaupt anzupacken. In vielen Ländern der
Dritten Welt gebe es keine Regelung des Verkehrs mit Arzneimitteln und keine
Möglichkeit zur Kontrolle verschreibungspflichtiger Präparate wie Valium, von
Schlafmitteln oder von Stimulanzien. Sie werden wie jede andere Ware frei
verkauft.
Beispielhaft für Information, Erziehung und Vorbeugung gegen die Drogen-r
gefahr seien Schweden und Norwegen, erklärte Prof. DuPont. Dies sei vor allem Nils Bejeret zu verdanken. Bejeret ist Professor für Sozialmedizin am
Karolinska-Institut in Stockholm. Er habe in zahlreichen Artikeln und wissenschaftlichen Arbeiten zum Drogenmißbrauch Wege zu dessen Kontrolle und zu

- 2 -

�und zu wirksamer Vorbeugung aufgezeigt.
Nach Ansicht von Keith Manatt Schuchard, Mitbegründerin und Forschungsdirektorin von PRIDE, sei der illegale Drogenhandel als die nahezu "größte
finanzielle Operation in der Welt einzuschätzen - größer als das öl- und größer als das Autogeschäft".
ziellen

Er entwickle sich jetzt zur wichtigsten finan-

Basis für den internationalen Terrorismus, geheime Waffenlieferungen

und Gewaltakte in der ganzen Welt.

Dennoch könne die Elternbewegung gegen

diese Macht wirksam werden, erklärte Frau Schuchard, weil ihr die Kraft des
Naturinstinkts innewohne, den Nachwuchs vor Schaden zu bewahren.

Diese Kraft

sei in jeder menschlichen Gemeinschaft lebendig.
In 15 Arbeitsgruppen wurden Sonderthemen wie die Behandlung Abhängiger,
Gruppenführung, Gesetzesvollzug oder Ideenaustausch unter Elternverbänden erörtert. Neueste Literatur, Filme und anderes Informationsmaterial stand den
Teilnehmern zur Verfügung.

- 3 -

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                    <text>AMERIKA DIENST
'VON

4

20. April 1938

16

INHALT

DOKUMENTATION
USA verdeutlichen Iran den Preis seines unverantwortlichen Handelns
- Ansprache Präsident Reagans zu den Aktionen im Golf Nach Abzug der Sowjets können Afghanen ihr Schicksal selbst in die
Hand nehmen
- Erklärung von Außenminister George Shultz Von den Garantiemächten eingegangene Verpflichtungen sind
"symmetrisch"
- Erklärung der Vereinigten Staaten zur Afghanistan-Übereinkunft -

WIRTSCHAFT
Baker optimistisch über Aussichten für Weltwirtschaft
- Erklärung vor Interimsausschuß des IWF -

HINTERGRUNDMATERIAL
DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
Bush erläutert seine "zentralen Prinzipien" für die Außenpolitik
- Rede vor Zeitungsredakteuren -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Investitionen in die Zukunft
- Präsident Reagan fordert Bewilligung ausreichender Forschungsmittel -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
VON

**

Dokumentation
20. April 1988

16

USA VERDEUTLICHEN IRAN DEN PREIS SEINES UNVERANTWORTLICHEN HANDELNS
- Ansprache Präsident Reagans zu den Aktionen im Golf -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan zufolge haben die Vereinigten Staaten
am 18. April 1988 einen Schlag gegen zwei militärische Ziele des Iran im Golf
ausgeführt, um "klarzustellen, daß die Iraner sich keinen Illusionen über den
Preis ihres unverantwortlichen Handelns hingeben".
Reagan bezeichnete die Aktion der Vereinigten Staaten als "adäquate Antwort auf den jüngsten militärischen Einsatz des Iran gegen amerikanische
Schiffe in internationalen Gewässern und die fortgesetzten militärischen und
terroristischen Angriffe gegen eine Reihe nicht kriegführender Staaten".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung im Wortlaut:

Heute hat unsere Marine eine adäquate Antwort auf den jüngsten militärischen Einsatz des Iran gegen amerikanische Schiffe in internationalen
Gewässern und die fortgesetzten militärischen und terroristischen Angriffe gegen eine Reihe nicht kriegführender Staaten erteilt.
Nach der
Zerstörung der beiden militärischen
Plattformen des Iran, die nach unserer Warnung von ihrer Besatzung geräumt wurden, versuchten einige iranische
Schiffe
und Boote unsere
Schiffe und Flugzeuge anzugreifen.
Dabei wurden drei iranische Schiffe
und mindestens zwei Boote versenkt
oder sehr schwer beschädigt.
Wir haben diesen Schlag ausgeführt, um klarzustellen, daß die
Iraner sich keinen Illusionen über

United States Information Service
Embassy of the United States of America

den Preis ihres unverantwortlichen
Handelns hingeben.
Wir zielen auf
die Abschreckung - nicht die Provokation - zukünftiger iranischer Angriffe ab. Sie müssen wissen, daß wir
unsere Schiffe schützen werden, und
wenn sie uns bedrohen, müssen sie dafür zahlen. Ein normaleres Verhältnis zum Iran Ist wünschenswert, und
wir sind dazu bereit. Aber ein solches Verhältnis ist so lange nicht
möglich, wie der Iran neutrale Schiffe angreift, seine Nachbarn Dedroht,
den Terrorismus unterstützt und die
Beendigung des blutigen Krieges mit
dem Irak verweigert.

* * * * *

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Dokumentation

4

20. April 1988

16

NACH ABZUG DER SOWJETS
KÖNNEN AFGHANEN IHR SCHICKSAL SELBST IN DIE HAND NEHMEN
- Erklärung von Außenminister George Shultz GENF - (AD) - "Jetzt sind für die afghanische Bevölkerung - von sowjetischen Streitkräften befreit - die Voraussetzungen für die Gestaltung ihrer
eigenen Zukunft und für die Rückkehr der Flüchtlinge in ihre Heimat geschaffen
worden," erklärte Außenminister George Shultz im Anschluß an die Unterzeichnung des Afghanistan-Abkommens im Palast der Nationen am 14. April 1988.
Shultz verlieh der amerikanischen Hoffnung Ausdruck, daß die Sowjetunion "ihren Beitrag zu diesem Prozeß leisten wird, indem sie die Waffenlieferungen an
ihr Vasallenregime in Kabul beendet". Amerikanische Regierungsvertreter haben
den Sowjets gegenüber erklärt, daß es "im Einklang mit unseren Verpflichtungen
als Garantiemacht unser Recht ist, dem Widerstand militärische Hilfe zukommen
zu lassen. Wir sind bereit, dieses Recht auszuüben, werden aber Zurückhaltung
mit ebensolcher Zurückhaltung beantworten."
Nachstehend geben wir die Erklärung des Außenministers zum Auftakt einer
Pressekonferenz in Genf wider:
Heute ist Geschichte gemacht worden. Seit mehr als acht Jahren hat
die afghanische Bevölkerung unter einem brutalen Krieg gelitten, der ihr
unermäßlichen Tod, Vertreibung und
Zerstörung gebracht hat. Die Gemeinschaft der Völker war seit langem bestrebt, den Grund für dieses Leid zu
beseitigen: die sowjetische militärische Besetzung Afghanistans. Diese
Bemühungen haben zum Erfolg geführt,
und die Sowjetunion hat sich nun zur
Einhaltung fester Termine für den Beginn und die Beendigung ihres Truppenabzugs verpflichtet.
Diese Leistung spiegelt hauptsächlich den Mut und die Entschlossenheit der afghanischen Bevölkerung
wider, die zur Wiedererlangung ihrer
nationalen Unabhängigkeit einen hohen

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Preis bezahlt hat. Fast eine Million
kostbare Menschenleben sind für diese
Sache geopfert worden, und viele Millionen Afghanen haben Jahre im Exil
verbracht.
Ihre Errungenschaften jedoch werden die Sicherheit der gesamten
Menschheit erhöhen, denn ihr heldenhafter Kampf erinnert uns zu Recht
daran, daß eine bedeutende Macht ihren Willen nicht mit Waffengewalt
selbst dem kleinsten Land aufzwingen
kann, wenn sein Volk in seinem Widerstand vereint ist. Jetzt sind für
die afghanische Bevölkerung - von sowjetischen Streitkräften befreit
die Voraussetzungen für die Gestaltung ihrer eigenen Zukunft und zur
Rückkehr der Flüchlinge in ihre Heimat geschaffen worden. Alle Betrof-

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�fenen sind aufgefordert, den Afghanen
bei ihren Bemühungen zur Bildung einer Regierung behilflich zu sein, die
den Willen des afghanischen Volkes
zum Ausdruck bringt. Das derzeitige
Regime in Kabul erfüllt diese Voraussetzung nicht, und wir können es
nicht als legitim ansehen.
Wir begrüßen heute auch die Beständigkeit Pakistans bei seiner Unterstützung für die Sache der Afghanen. Auf zuvorkommende Weise hat es
Millionen afghanischer Flüchtlinge in
seinem Land aufgenommen; es hat sich
um deren Bedürfnisse gekümmert und
ihnen grundlegende Unterstützung gewährt - oft angesichts der Androhung
von
Zwangsmaßnahmen,
militärischer
Übergriffe und terroristischer Aktionen. Und es hat bei den Genfer Gesprächen energisch und gewissenhaft
den Frieden verfolgt. Ich gratuliere
dem pakistanischen Volk, Präsident
Zia-ul-Haq,
Premierminister
Junejo
und Staatsminister Noorani für ihren
Anteil an diesem großen Werk. Ich
zolle Pakistans Engagement, Mut und
Entschlossenheit meine Hochachtung.
Für die Gemeinschaft der Völker
beweist die heutige Errungenschaft,
daß gemeinsames Vorgehen zu Ergebnissen führt. Die wiederholten Aufforderungen der Vollversammlung der Vereinten Nationen zum Abzug der sowjetischen Truppen und die scharfsinnigen und nachdrücklichen Bemühungen
des Generalsekretärs der Vereinten
Nationen und seines persönlichen Vertreters haben Früchte getragen. Wieder einmal ist die Bedeutung der Vereinten Nationen und der Prinzipien
ihrer Charta bei der Beilegung internationaler Konflikte bestätigt worden. Ganz besonders loben möchte ich
die Geduld und Ausdauer von Diego
Cordovez. Als persönlicher Vertreter
des Generalsekretärs hat er bei diesen Verhandlungen eine Schlüsselrolle
eingenommen.
Ferner begrüßen wir die Entscheidung der sowjetischen Führung, die zu
dieser großen Leistung beigetragen
hat.
Die Anwesenheit sowjetischer

Truppen in Afghanistan war ein Affront gegen die Gemeinschaft der Völker und eine große Belastung für die
sowjetisch-amerikanischen
Beziehungen.
Die gewissenhafte Ausführung
der in dem heute unterzeichneten Abkommen enthaltenen Abzugsverpflichtungen wird sehr dazu beitragen, die
Atmosphäre in unseren bilateralen Beziehungen und zur Lösung anderer regionaler Konflikte zu verbessern.
Die Vereinigten Staaten fühlen
sich an diese Vereinbarung gebunden,
weil wir glauben, daß es den Weg zur
Wiederherstellung der Kontrolle der
Afghanen über ihr Land ebnen wird.
Wir haben die Sache der Afghanen entschlossen unterstützt und dies wird
auch in Zukunft so bleiben. Unsere
humanitäre Hilfe an die Afghanen werden wir aufrechterhalten.
Und wir
werden alles in unser Macht Stehende
tun, um zu einer Aussöhnung und einem
Wiederaufbau in Afghanistan beizutragen.
Wir hoffen, daß die Sowjetunion
ihren Beitrag zu diesem Prozeß leisten wird, indem sie die Waffenlieferungen an ihr Vasallenregime in Kabul
beendet. Wir haben den sowjetischen
Führern gegenüber erklärt, daß es im
Einklang mit unseren Verpflichtungen
als Garantiemacht unser Recht ist,
dem Widerstand militärische Hilfe zukommen zu lassen. Wir sind bereit,
dieses Recht auszuüben, werden aber
Zurückhaltung mit ebensolcher Zurückhaltung beantworten."
Heute
haben
wir
den
ersten
Schritt hin zu einer sichereren Zukunft für das afghanische Volk getan.
Aber es bleibt noch viel zu tun, und
wir können nicht ruhen, bis die Versprechungen dieses Tages in vollem
Umfang erfüllt sind. Zunächst müssen
die sowjetischen Truppen vollständig
abgezogen werden.
Zweitens müssen
alle Betroffenen große Anstrengungen
zur Förderung der Wiederansiedlung
und des Wiederaufbaus zu unternehmen.
Und gleichzeitig muß eine Regierung
errichtet werden, welche den legitimen Willen des afghanischen Volkes

- 2 -

�widerspiegelt.
Die Versprechungen von heute müssen zum Erfolg von morgen führen. In
Zusammenarbeit mit den Behörden der
Vereinten Nationen und den vielen
Freunden Afghanistans sind wir bereit, unseren Beitrag hierzu zu leisten.

* * * * *

- 3-

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20. April 1988

16

VON DEN GARANTIEMÄCHTEN EINGEGANGENE VERPFLICHTUNGEN SIND "SYMMETRISCH"
- Erklärung der Vereinigten Staaten zur Afghanistan-Übereinkunft -

GENF - (AD) - Anläßlich der feierlichen Unterzeichnung der politischen
Beilegung des Afghanistan-Konflikts am 14. April 1988 in Genf haben die Vereinigten Staaten in ihrer Funktion als Garantiemacht eine offizielle Erklärung
abgegeben, mit der erneut bekräftigt wird, "die von den Garantieraächten eingegangenen Verpflichtungen sind symmetrisch".
Die einseitige Erklärung setzt die Sowjetunion davon in Kenntnis, daß sich
die Vereinigten Staaten im Einklang mit ihrer Verpflichtung als Garantiemacht
das Recht vorbehalten, den Vertragsparteien in Afghanistan militärische Unterstützung zu gewähren.
Nachfolgend bringen wir die Erklärung im Wortlaut.
Die Vereinigten Staaten haben
sich bereiterklärt, die Aufgabe einer
Garantiemacht
bei der politischen
Beilegung des Afghanistan-Konflikts
zur Beendigung des Blutvergießens in
diesem von Zerstörung heimgesuchten
Land zu übernehmen und die Rückkehr
von Millionen afghanischer Flüchtlinge in ihr Land zu veranlassen.
Mit der Übernahme der Funktion
einer Garantiemacht geben die Vereinigten Staaten folgende Erklärung
ab:
- Die in Absatz 5 und 6 des Dokuments über die gegenseitigen Beziehungen festgelegten Verpflichtungen zum Truppenabzug sind für
die Beilegung des Konflikts insgesamt von zentraler Bedeutung.

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Die Einhaltung dieser Verpflichtungen ist unabdingbar für die
Verwirklichung
dieser
Übereinkunft, das heißt, der Beendigung
ausländischer
Intervention
in
Afghanistan und der Wiederherstellung der Rechte des afghanischen Volkes durch die Ausübung
der Selbstbestimmung, wie sie in
der Charta der Vereinten Nationen
und den Resolutionen der Vollversammlung der Vereinten Nationen
zu Afghanistan gefordert werden.
Die von den Garantiemächten eingegangenen Verpflichtungen sind
symmetrisch. In diesem Zusammenhang haben die Vereinigten Staaten die Sowjetunion davon In
Kenntnis gesetzt, daß sich die
Vereinigten Staaten im Einklang

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�mit ihren Verpflichtungen als Garantiemacht das Recht vorbehalten, den Vertragsparteien in Afghanistan militärische Unterstützung zu gewähren. Sollte die Sowjetunion bei der Bereitstellung
von Militärhilfe für die Vertragsparteien in Afghanistan Zurückhaltung üben, werden sich die
Vereinigten Staaten entsprechend
zurückhalten.
- Die Übernahme der Aufgabe einer
Garantiemacht bei der Beilegung
des Konflikts beinhaltet für die
Vereinigten Staaten
in keiner
Weise die Anerkennung des derzeitigen Regimes in Kabul als rechtmäßige Regierung Afghanistans.

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Wirtschaft

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20. April 1988

16

BAKER OPTIMISTISCH ÜBER AUSSICHTEN FÜR WELTWIRTSCHAFT
- Erklärung vor Interimsausschuß des IWF WASHINGTON - (AD) - Dem amerikanischen Finanzminister James Baker zufolge
gibt es "berechtigten Anlaß zum Optimismus" im Hinblick auf die wirkliche
Stärke der Weltwirtschaft. In einer Ansprache vor dem Interimsausschuß des
Internationalen Währungsfonds (IWF) nahm Baker am Morgen des 14. April 1988 zu
den Perspektiven für die Weltwirtschaft, IWF-Quoten und der Zuteilung von Sonderziehungsrechten Stellung.
Seine Ausführungen haben folgenden Wortlaut:
Die Perspektiven für die Weltwirtschaft, IWF-Quoten und die Zuteilung
von Sonderziehungsrechten
Seit unserem Treffen im vergangenen September haben wir berechtigten Anlaß zum Optimismus in bezug auf
die wirkliche Stärke unserer Volkswirtschaften und die positive Rolle
des Koordinierungsprozesses, an dem
die wichtigsten Industriestaaten beteiligt sind.
- Die scharfen Kurseinbrüche an den
Aktienmärkten im Oktober haben
uns alle mit Sorge erfüllt. Tatsächlich wuchs jedoch das Bruttosozialprodukt in den Industriestaaten in der zweiten Hälfte des
Jahres 1987 schneller als in der
ersten. Die wirkliche Stärke un-

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seres Wirtschaftswachstums wurde
eindeutig
unterschätzt.
Heute
stellen wir einen neuen Optimismus im Hinblick auf die Wachstumsaussichten für 1988 fest.
- Mit dieser Leistung der Industriestaaten wurde ein Umfeld geschaffen, in dem das Welthandelsvolumen um fast fünf Prozent anstieg, dem höchsten Prozentsatz
seit 1984. Insbesondere die Exporte der Nichtölförderländer in
der Dritten Welt nahmen im vergangenen Jahr volumenmäßig um
zehn Prozent zu. Dieser Anstieg
trug zu einem realen Wachstum ihres Bruttosozialproduktes um 4
1/2 Prozent bei.
- Zusätzlich hat in den größten In-

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�dustriestaaten
die
Reduzierung
des
außenwirtschaftlichen
Ungleichgewichts begonnen. In den
Vereinigten Staaten nahmen die
Exporte in den vier Quartalen des
Jahres 1987 real um 18 Prozent
zu, während die Importe um nur
sieben Prozent anstiegen.
Des
weiteren erwarten wir dieses Jahr
einen Rückgang des nominalen Handelsdefizits in Dollar und des
Zahlungsbilanzdefizits der Vereinigten Staaten. Die heute morgen veröffentlichten Handelszahlen dürfen nicht isoliert betrachtet werden. Wie bereits gesagt, sollte den jeweiligen Monatszahlen nicht zuviel Bedeutung
beigemessen werden.
Die monatlichen Handelszahlen sind naturgemäß Schwankungen unterworfen.
Wichtig ist jedoch die Tatsache,
daß wir auf dem Weg verringerter
Ungleichgewichte
vorankommen.
Die Exporte befinden sich weiterhin stark im Aufwind; sie liegen
22 Prozent höher als im vergangenen Jahr und nehmen doppelt so
schnell wie die Importe zu.
- Auch in anderen Ländern werden
weiterhin Fortschritte erzielt.
Der japanische Handelsüberschuß
als Teil des Bruttosozialproduktes erreichte 1986 seinen Zenith
und ist seither stetig gesunken;
der Überschuß der Bundesrepublik
Deutschland hat sich vergangenes
Jahr stabilisiert und wird 1988
voraussichtlich
abnehmen.
Es
gibt mehrere Gründe für dieses
positive Wirtschaftswachstum bei
niedriger Inflation sowie für den
sich abzeichnenden Erfolg bei der
Anpassung
der
außenwirtschaftlichen Ungleichgewichte.
Einer
ist die unseren Volkswirtschaften
innewohnende Stärke. Ein zweiter
basiert auf den im Zusammenhang
mit der stärkeren Koordinierung
der Weltwirtschaft in den führenden Industriestaaten ergriffenen
Maßnahmen.
Die
Vereinbarungen
der G-7 haben den Rahmen für
wichtige Bemühungen und positive
Ergebnisse abgesteckt:
- 2 -

- Die Vereinigten Staaten haben ihr
Defizit im Bundeshaushalt im vergangenen Haushaltsjahr um 71 Milliarden Dollar gesenkt.
Diese
Abnahme ist gleichbedeutend mit
zwei Prozent des Bruttosozialproduktes.
Das allgemeine Defizit
in den Staatsausgaben - einschließlich der Einzelstaaten und
Gemeinden - fiel im Haushaltsjahr
1987 auf lediglich 2 1/4 Prozent
des Bruttosozialproduktes.
- Die vom Präsidenten und der Führung beider Häuser des Kongresses
Ende vergangenen Jahres erzielte
Haushaltsvereinbarung ist ein bedeutender Schritt zur Sicherstellung einer weiterhin zurückhaltenden Ausgabenpolitik.
- Wie der vom Präsidenten im Februar eingebrachte Haushaltsentwurf
deutlich macht, erwarten wir des
weiteren zusätzliche Verringerungen des Defizits in den kommenden
Jahren, wobei das Defizit im Bundeshaushalt bis zum Haushaltsjahr
1990 auf weniger als zwei Prozent
des Bruttosozialproduktes fallen
soll. Außerdem haben wir - trotz
starken politischen Drucks - erfolgreich protektionistische Maßnahmen vermieden.
- Japan hat eine Wirtschaftspolitik
verfolgt, die auf die Aufrechterhaltung starken Binnenwachstums
und die weitere Öffnung seiner
Märkte für Importwaren ausgerichtet ist.
t

- Großbritannien führt eine einschneidende Steuerreform durch,
zu der auch eine erhebliche Senkung der Spitzensteuersätze gehört.
- Die
Bundesrepublik
Deutschland
hat besondere Investitionshilfen
verabschiedet und die Formulierung ihres bedeutenden mittelfristigen Steuerreformprogramms abgeschlossen.
Meiner Meinung nach sollten die

»

�ersten Auswirkungen dieser und anderer koordinierter
Bemühungen eine
Grundlage für die weitere Verringerung außenwirtschaftlicher Ungleichgewichte auf vertretbare Niveaus mit
geringem Inflationsanstieg liefern.
Die Binnennachfrage in den Vereinigten Staaten wuchs vergangenes Jahr
langsamer als das Bruttosozialprodukt
während die Exporte rapide anstiegen.
Dagegen nimmt in Japan auch weiterhin
die Binnennachfrage schneller zu als
das Bruttosozialprodukt. Das gleiche
gilt für die Bundesrepublik Deutschland.
Diese Entwicklungen leisten
einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung der außenwirtschaftlichen Ungleichgewichte.
Seit Beginn dieses Jahres hat es
beim Wert des Dollar gegenüber anderen führenden Währungen kaum Veränderungen gegeben. Die allgemein größere Wechselkursstabilität spiegelt eine bessere Koordination von Maßnahmen
sowie den anhalten Anpassungsprozeß
wider. Gestern brachten die Minister
und Notenbankchefs der Gruppe der
sieben führenden Industriestaaten ihre Entschlossenheit
zum Ausdruck,
auch weiterhin ihre Wirtschaftspolitik zu koordinieren, um die grundlegenden Komponenten zu stärken und dadurch die Bedingungen für die Wechselkursstabilität zu verbessern. Zusätzlich verständigten sie sich auf
eine weitere enge Zusammenarbeit auf
den Devisenmärkten.
Im Hinblick auf die mittelfristige Perspektive erkennen wir alle die
Notwendigkeit für weitere Maßnahmen
zur Aufrechterhaltung des Wachstums,
Reduzierung der außenwirtschaftlichen
Ungleichgewichte und Bereitstellung
eines günstigeren Umfelds für die
Entwicklung der Weltwirtschaft sowie
weiterer Fortschritte beim internationalen Schuldenproblem.
Wie Sie,
Herr Vorsitzender, schon festgestellt
haben, erfordert diese mittelfristige
Perspektive, daß wir unser Augenmerk
erneut auf die strukturellen Veränderungen in unseren Volkswirtschaften
richten.

In den Vereinigten Staaten wurden
wir durch den Anstieg der Sparquote
auf 4 3/4 Prozent im vierten Quartal
des
vergangenen
Jahres
ermutigt.
Dies ist ein Anstieg gegenüber 3 1/2
Prozent zu Beginn des Jahres 1987 und
4 1/4 Prozent im Jahr 1986. Die betrieblichen Ersparnisse, die in den
Vereinigten Staaten 80 Prozent aller
privaten Ersparnisse ausmachen, sollten mit der verbesserten Wettbewerbsposition amerikanischer Unternehmen
ebenfalls zunehmen.
Die europäischen Staaten haben
Fortschritte bei der Auflockerung der
Arbeits- und Kapitalmärkte sowie beim
Abbau staatlicher Vorschriften für
Unternehmen erzielt. Es muß jedoch
noch viel mehr getan werden, um das
Beschäftigungsniveau
zu heben und
stärkeres nichtinflationäres Wachstum
zu bewirken.
Japan hat bei der Schaffung von
mehr Wettbewerb und Effizienz auf den
Kapitalmärkten
beachtliche
Fortschritte erzielt. Es besteht jedoch
zusätzlicher
Handlungsbedarf,
um
stärkeren Zugang des Auslands zu japanischen Märkten sicherzustellen und
um die verbleibenden Verkrustungen
auf diesen Märkten zu verringern.
Eine Reihe junger Industriestaaten erzielt gegenwärtig Zahlungsbilanzüberschüsse.
Auch sie müssen
mehr beitragen, um ihre Märkte zu
öffnen und zuzulassen, daß sich die
wirkliche Stärke ihrer Währungen umfassender widerspiegelt.
Zusätzlich zu diesen Aufgaben ist
die Bewahrung eines offenen internationalen Handelssystems ein entscheidender Faktor in der eng verflochtenen Welt von heute. Um eine größere
Liberalisierung des Handels - insbesondere bei Agrarprodukten - zu erreichen, unterstützen wir energisch
die Uruguay-Runde multilateraler Verhandlungen.
Wir fühlen uns verpflichtet, auf eine erfolgreiche Runde hinzuarbeiten. Alle Länder sind
jedoch für den endgültigen Erfolg der
Runde verantwortlich, nicht nur die

�•

Industriestaaten.
Wie Sie wissen, trafen sich gestern die Minister der G-7. Wir haben den Koordinierungsprozeß vorangetrieben, indem wir einen mittelfristigen Rahmen entwickelt haben, um
die Beständigkeit der Politik zu
stärken und die mittelfristigen Ziele
abzustecken. Dann konzentrierten wir
uns auf die Indikatoren für die kurzfristige Leistung, die uns als Instrumente für eine Bestandsaufnahme
der von uns auf dem Weg zu unseren
gemeinsamen Zielen gemachten Fortschritte dienen sollen.
Im Zuge dieses Koordinierungsprozesses sind wir ferner übereingekommen, in die Reihe bereits bestehender
Indikatoren einen Warenpreisindikator
als zusätzliches Instrument zur Analyse aufzunehmen.
Wir engagieren uns nach wie vor
uneingeschränkt für die Stärkung des
Koordinierungsprozesses der Weltwirtschaftspolitik.
In diesem Zusammenhang spielt der Fonds bei der Unterstützung der multilateralen Überwachung eine bedeutende Rolle.
Wir
fordern den Fonds auf, die Wirtschaftsindikatoren vermehrt für die
jeweiligen Länder sowie für die Perspektiven der Weltwirtschaft zur Anwendung zu bringen. Fortschritte auf
dieser Ebene können und werden in anderen Bereichen erzielte Fortschritte
verfestigen.

Quoten des Internationalen Währungsfonds
Im Rahmen der Neunten Allgemeinen
Überprüfung der Quoten stimmt das Direktorium derzeit über einen Resolutionsentwurf
zur Verlängerung des
überprüfungszeitraums bis zum 30. April 1989 ab. Die Vereinigten Staaten
unterstützen diese Resolution. Diese
Verlängerung erscheint angebracht, da
dem IWF zur Wahrnehmung seiner Verantwortlichkeiten zahlreiche Ressourcen zur Verfügung stehen.

Im Zusammenhang mit den einschneidenen
Haushaltskürzungen
muß
unsere erste Priorität bei multilateraler Unterstützung jetzt eine generelle Kapitalaufstockung der Weltbank
sein.
Ich möchte ferner Ihre Aufmerksamkeit auf die rapide zunehmenden
Rückstände an dem IWF zustehenden
Zahlungen lenken.
Dies könnte die
Kreditgeber dazu veranlassen, bei der
Bereitstellung
neuer
Kapitalmittel
für den Fonds eher zurückhaltend vorzugehen.
Es sind bereits Schritte
unternommen worden, um die finanzielle Position des IWF zu gewährleisten,
aber es bleibt noch sehr viel mehr zu
tun.
Wir fordern die sich im Zahlungsrückstand
befindlichen
Mitglieder
auf, jede nur mögliche Anstrengung
zur unverzüglichen Erfüllung ihrer
Verpflichtungen zu unternehmen, und
bitten die übrigen Mitglieder, aktiv
an der Lösung dieses Problems mitzuarbeiten.
Angesichts der Tragweite dieses
Problems sollte die Generaldirektion
unseres Erachtens nach dem nächsten
Interimsausschuß einen Bericht über
diesen Sachverhalt vorlegen, in dem
Schritte entsprechend der Aufgabe des
Fonds als Währungsinstitution aufgezeigt werden, um die bestehenden
Rückstände auszugleichen und zukünftige zu vermeiden.

Zuteilung der Sonderziehungsrechte
Im Hinblick auf die Sonderziehungsrechte sind wir nach wie vor
nicht der Auffassung, daß die in den
Artikeln des Abkommens festgelegten
Kriterien für die Zuweisung - insbesondere die langfristige weltweite
Notwendigkeit einer Aufstockung der
bestehenden Reserven - erfüllt worden
sind. Daher stehen wir einer Zuteilung weiter ablehnend gegenüber.
*****

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Hintergrundmaterial

'^rlo^

20. April 1988

16

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988

BUSH ERLÄUTERT SEINE "ZENTRALEN PRINZIPIEN" FÜR DIE AUSSENPOLITIK
- Rede vor Zeitungedakteuren - (AD) - Der folgende Beitrag ist Teil einer Serie, in der das US-Informationsamt (USIA) die Ansichten der Präsidentschaftskandidaten zu außenpolitischen Angelegenheiten und anderen Fragen internationalen Interesses beleuchtet. Der republikanische Kandidat George Bush hat am 15. April 1988 in einer
von uns nachfolgend im Wortlaut abgedruckten Ansprache vor der Amerikanischen
Gesellschaft der Zeitungsredakteure einige "zentrale Prinzipien" erläutert,
die seiner Meinung zufolge "an der Schwelle zu den neunziger Jahren und zum
21. Jahrhundert" die amerikanische Politik leiten sollten.

Ich möchte hier unaufgefordert
eine politische Prognose wagen: die
Wirtschaft blüht und wird weiter blühen, und bei der Wahl in diesem
Herbst wird es kein wichtigeres Thema
geben als die Außenpolitik.
Das bedeutendste Anliegen eines
jeden Präsidenten ist die nationale
Sicherheit der Vereinigten Staaten
und die Förderung des Friedens in der
ganzen Welt. Darüber hinaus impliziert die steigende Bedeutung des
Welthandels eine weitere Zunahme der
Verflechtung von Außen- und Wirtschaftspolitik.
An der Schwelle zu den neunziger
Jahren und zum 21. Jahrhundert sollte
die
Außenpolitik
der
Vereinigten
Staaten meiner Meinung nach von eini-

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gen zentralen
werden:

Prinzipien

geleitet

- Erstens müssen wir aus einer Position der Stärke handeln. Wir
haben das historische INF-Abkommen durch den Wiederaufbau des
amerikanischen
Verteidigungspotentials erreicht, indem wir auf
die sowjetische Raketenaufrüstung
in Europa reagiert und am Verhandlungstisch unnachgiebig auf
verifizierbaren
und
asymmetrischen Reduzierungen der Waffen
bestanden haben.
Im Jahr 1983 reiste ich nach Europa, um angesichts gewalttätiger
Proteste der sogenannten Friedensbewegung
die
Stationierung
unserer
Pershing II-Raketen dort zu verteidi-

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�gen. Die politisch Verantwortlichen
in Europa und letztlich auch die Öffentlichkeit erkannten die moralische
Stärke unserer Haltung, die auf unserem Vorschlag zur vollständigen Abschaffung dieser Waffen gründete.

tischen.
Wir müssen - im In- und
Ausland - eine Kraft für offene Märkte bleiben und dürfen uns nicht hinter
protektionistischen
Schranken
verkriechen, die Zeugnis von unserer
Unfähigkeit zum Wettbewerb ablegen.

Als ich zu einem späteren Zeitpunkt desselben Jahres wiederum nach
Europa reiste, griffen Demonstranten
unseren Konvoy mit Steinen und Flaschen an. Ein junger Mann durchbrach
die Polizeiabsperrung. Ich kann mich
noch genau an sein haßerfülltes Gesicht erinnern, als er mit seiner
Jacke voller Steine auf das Auto einschlug, in dem Bundeskanzler Kohl und
ich saßen.

Ich möchte auf einige Bereiche
näher eingehen, denen wir in den
neunziger Jahren unsere Aufmerksamkeit zuwenden müssen. Wenn diese Bereiche vernachlässigt werden, könnten
sie für die Vereinigten Staaten zu
einer Quelle von Spannungen und Ärgernissen
werden;
feinfühlig
und
sachkundig
behandelt, könnten sie
aber ebensosehr einen neuen Triumph
für Amerika bedeuten.

Hätten wir auf diejenigen in den
Vereinigten Staaten und im Ausland
gehört, die erklärten, die Antwort
bestehe im Einfrieren der nuklearen
Potentiale, wären in Europa 1 000 sowjetische Gefechtsköpfe festgeschrieben worden, während die NATO keinen
einzigen besaß.
Nur durch unsere
Entschlossenheit zur Schaffung eines
Gegengewichts zu dem sowjetischen Monopol wurden Fortschritte in Genf erzielt.

Zunächst möchte ich mich Mexiko
zuwenden. Man kann nicht so lange in
Texas leben wie ich, ohne ein besonderes Gefühl für unseren stolzen und
sehr unabhängigen südlichen Nachbarn
zu bekommen. Das rasche Wachstum der
hispanischen Bevölkerung und die Verbreitung seiner Kultur im Südwesten was sogar auf meine Familie zutrifft
- hat diesen Schmelztiegel Amerika
erheblich bereichert.

Prinzip Nummer zwei:
Die Vereinigten Staaten müssen sich weiterhin in der Welt engagieren. Wenn wir
diejenigen unterstützen wollen, die
nach Frieden und Demokratie streben und dies müssen wir meiner Meinung
nach -, dann können wir dies nicht
mit Worten allein tun.
Die Sowjets haben sich bereitgefunden, aus Afghanistan abzuziehen
und ihre grausame und barbarische Invasion dieses Landes zu beenden, weil
die Vereinigten Staaten willens waren, sich dort weiterhin zu engagieren - den heroischen Mudjahedin Waffen zu liefern. Als Ergebnis haben
wir einen großen Triumph für die
Freiheit errungen.
Prinzip Nummer drei:
Die Vereinigten Staaten können sich aus der
weltwirtschaftlichen Arena ebenso wenig zurückziehen wie aus der poli-

Wir haben seit langem ein enges,
nahezu brüderliches Verhältnis zu unserem anderen Nachbarn Kanada, das
mit einem Freihandelsabkommen besiegelt wurde, das meines Erachtens nach
als eine der bedeutendsten Leistungen
unserer Administration gelten wird.
Dasselbe Verhältnis möchte ich
mit Mexiko anstreben - ein Verhältnis
wirtschaftlichen Wettbewerbs, strategischer Zusammenarbeit und gegenseitigen Vertrauens - eine Beziehung,
die unseren Unterschieden gerecht
wird, und uns dennoch unseren gemeinsamen Zielen näherbringt - mehr Wohlstand und Freiheit des Einzelnen.
Im vergangenen Jahr habe ich mich
in Loreto privat - ohne Protokollführer - mit Präsident De la Madrid zu
einem fruchtbaren und offenen vierstündigen Gedankenaustausch getroffen, und ich hoffe, bald mit dem Sieger
der
mexikanischen
Präsident-

- 2 -

,
i

�schaftswahl im Juni zusammenzukommen.
Meine Berater haben bereits mit
Vertretern des führenden Kandidaten
Saunas Gespräche über die Zukunft
geführt. Ich bin von seinem Wirtschaftsprogramm "Die Modernisierung
Mexikos" beeindruckt.

«

'

Als Präsident werde ich mich für
die Schaffung einer Mexiko, Kanada
und die Vereinigten Staaten umfassenden Freihandelszone einsetzen.
Die
Bildung eines solchen Nordamerikanischen Bundes würde Jahre in Anspruch nehmen, meiner Ansicht nach
aber allen - Kanadiern, Mexikanern
und Amerikanern - Vorteile bringen,
weil damit das Wirtschaftswachstum
auf dem ganzen Kontinent angekurbelt
würde.
Wir teilen mit Mexiko eine Vielzahl gemeinsamer Interessen - das
Verbot von Drogen, die Bewältigung
der Verschuldung Mexikos wie auch Belange, die Einwanderung, Energiepolitik, Umwelt und Handel betreffen aber kein Problem ist wichtiger als
unsere eigene nationale Sicherheit.
Bei unserer langen und durchlässigen
SUdgrenze zu Mexiko müssen wir alles
tun, um Demokratie und freies Unternehmertum in Mexiko zu untermauern.

,

Demokratie ist auch im Lateinamerika auf dem Vormarsch. Seit unserer
Amtsübernahme haben die folgenden
Länder einen Wandel von der Militärherrschaft zur Demokratie erfahren:
Argentinien, Ecuador, Peru, Honduras,
Grenada, El Salvador, Basilien, Uruguay und Guatemala. Neunzig Prozent
der Bevölkerung Lateinamerikas leben
jetzt in einer Demokratie.
Dieses politische Entwicklungsmuster deutet darauf hin, daß nach
einem Abtritt der jetzigen Regierungen in Chile und Paraguay für diese
Länder die Möglichkeit bestehen könnte, sich der Demokratie in erheblichem Maße anzunähern.
Wir müssen
zusammenstehen und
diese oftmals schwachen Demokratien

schützen - wie in dem Fall, wenn ein
Land wie Nicaragua die "Revolution
ohne Grenzen" ausruft und dann eine
Armee unvergleichlichen Ausmaßes aufstellt, oder wenn Kuba den Versuch
unternimmt, das kleine Land Grenada
zu zerrütten - und dennoch die Narben
der Vergangenheit mit Gefühl behandeln.
Im Augenblick unternehmen wir Anstrengungen zum Schutz der zivilen
Herrschaft in Panama gegen Noriega.
Bis jetzt hat er dem von uns ausgeübten wirtschaftlichen Druck standgehalten, und ich kann Ihnen auch den
Grund dafür nennen: aus verschiedenen gut unterrichteten Quellen verlautet, daß er Unterstützung im Umfang von Millionen Dollar aus Libyen
bezieht.
Wir unterstützen die Demokratie
in Panama, wie wir das in ganz Lateinamerika tun. Noriega muß gehen,
und Noriega wird gehen.
Ich möchte jetzt über Asien sprechen, wo wir weiterhin die Vorteile
des nach dem Krieg erfolgten Wiederaufbaus in Japan genießen, unsere
Verteidigung Südkoreas und die Erneuerung unserer Verbindungen mit China,
wo ich 1974 und 1975 diente.
Die Vereinigten Staaten unterhalten seit den Tagen von Sun Jat-sen
und dem Vertrag von Portsmouth von
1910 sowohl zu China als auch zu Japan die besten Beziehungen. Und unsere stille Diplomatie in Südkorea
scheint dieses Land einer echten Demokratie nähergebracht zu haben.
Aber angesichts der enormen Handelsungleichgewichte macht sich in
den Vereinigten Staaten zunehmend Besorgnis über das sogenannte "Trittbrettfahren" der Japaner im Verteidigungsbereich breit.
Ich erwarte von diesem wohlhabenden Land, daß es alles im Rahmen seiner Verfassung mögliche zu seiner eigenen und der Verteidigung der übrigen Welt tut. Ich bin jedoch nicht

- 3 -

�•t
der Auffassung, daß man Japan nicht
zu einem Ausbau seiner nationalen
Verteidigung drängen sollte.
Mehr
als 40 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg reagieren Japans Nachbarn noch
immer empfindlich auf die Wiederbewaffnung Japans.
Stattdessen fordere ich die Japaner und Koreaner auf, uns bei der Unterstützung von Freiheit und Fortschritt in anderer Weise zur Seite zu
stehen...
zum Beispiel auf den
Philippinen. Dort befinden sich die
wichtigsten amerikanischen Stützpunkte im Pazifik - Clark Air Force und
Subic Bay - und die Verhandlungen
über die Zukunft dieser Stützpunkte
sind gerade erst aufgenommen worden.
Präsidentin Aquino und ihre Regierung sehen sich mit einer außerordentlich schwierigen Wirtschaftslage
und gefährlichen Aufruhrern konfrontiert. Hier besteht Bedarf für vermehrte Hilfe aus dem Ausland, und
wenn solche Hilfe von Korea und Japan
gewährt würde, könnte sie zur Festigung unserer eigenen Position beitragen - einer Position, die nicht nur
zur Gewährleistung der Freiheit auf
den Philippinen beiträgt, sondern
auch der ASEAN-Länder und unserer
Freunde im Pazifik.
Das ist die Art der Lastenteilung, wie sie mir vorschwebt - nicht
nur eine Aufrechnung der Kosten nach
dem Motto "wie Du mir, so ich Dir",
sondern auf Gedankenaustausch und geteilte Verantwortung gegründete wechselseitige und gemeinsame Anstrengungen, die zur Stärkung der freien Welt
insgesamt beitragen.
Wir müssen vermehrte Anstrengungen unternehmen, unsere Freunde in
der Welt davon zu überzeugen, daß die
amerikanischen Stützpunkte sich dort
befinden, um die lebenswichtigen Interessen der freien Welt zu schützen.
Ich reagiere verärgert, wenn einige
Elemente in befreundeten Ländern gedankenlos unsere Stützpunkte als Bedrohung der Souveränität jenes Landes
angreifen. All dies spielt dem Iso-

lationismus im eigenen Land
Hände.

in die

Ich möchte mich jetzt dem Subkontinent zuwenden ... Die Sowjets haben
ihr Versprechen zum Abzug der Truppen
aus Afghanistan gegeben, bisher ist
es aber nur eine Versprechen: Der
Beweis muß erst noch erbracht werden.
Die nächste Herausforderung an
uns wird darin liegen, mit den Ländern der Region und anderen zusammenzuarbeiten, um sicherzustellen, daß
der sowjetische Truppenabzug von Wiederaufbau und Entwicklung gefolgt
ist, so daß dieser Region endlich eine Chance zu Frieden und Freiheit geboten wird.
Der Schlüssel hierzu liegt darin,
alles in unserer Macht stehende zu
tun, um die Beziehungen zwischen zwei
unserer guten Freunden zu verbessern
- Indien und Pakistan - Bestrebungen,
die wir in den vergangenen sieben
Jahren vorangetrieben haben.
Die Stabilität des Subkontinents
wird durch den atomaren Wettbewerb
zwischen diesen beiden Ländern bedroht.
Indien hat einen atomaren
Sprengsatz
gezündet
und
Pakistan
steht kurz davor.
Ich glaube, es
liegt im Interesse keines dieser Länder, diese Richtung weiterzuverfolgen.
Bei einer Reise nach China im
Jahr 1985 habe ich dieses Thema mit
Deng Xiaoping erörtert, der unsere
Bemühungen bei der Begrenzung nuklearer Waffen uneingeschränkt unterstützt.
Die Spirale des nuklearen
Wettrüstens muß ein Ende haben. Die
Inder haben ursprünglich ihre nuklearen Kapazitäten als Reaktion auf die
der Chinesen entwickelt. Jetzt argumentieren die Pakistan!, sie müssten
mit den Indern gleichziehen.
Da
regionale
Spannungen
dem
Wunsch jedes Landes nach Waffen zugrundeliegen, werde ich als Präsident
alles in meiner Macht stehende tun,
Islamabad und Neu Dehli zu einem bilateralen Abkommen zu bewegen, das

- 4 -

�1
jegliche Weiterentwicklung nuklearer
Waffen dort in überprüfbarer Weise
eindämmen würde.
Die Eindämmung der Verbreitung
nuklearer Waffen muß in der amerikanischen Außenpolitik absoluten Vorrang haben - denn es scheint ziemlich
klar zu sein, daß solche Waffen eher
in einem regionalen Konflikt oder bei
einem terroristischen Anschlag verwendet werden, als in einer Auseinandersetzung zwischen den Supermächten.

i

Als Präsident werde ich auf grössere Fortschritte auf diesem Gebiet
und mehr Unterstützung für die Internationale Atomenergiebehörde (IAEO)
drängen, wobei das Interesse des Präsidenten an der Eindämmung dieser Bedrohung auf jede erdenkliche Art und
Weise deutlicher sichtbar werden soll.
Die IAEO genießt mein rückhaltloses Vertrauen und ich begrüße deren
Bemühungen, aber zur Kontrolle der
Weiterverbreitung müssen wir auf eine
größere Zahl von Vor-Ort-Inspektionen
und
internationalen
Vereinbarungen
hinarbeiten.
Innenpolitisch
werde
ich darauf bestehen, daß unsere Sicherheitsvorkehrungen
gegen
den
Transfer von nuklearer Technologie
rigoros durchgesetzt und regelmäßig
überprüft werden.
Lassen Sie mich nun auch etwas zu
Südafrika sagen. Wir haben dort ein
klares Ziel: die vollständige Beendigung der Apartheid. Um dieses Ziel
zu erreichen, müssen wir meines Erachtens unser Engagement beibehalten.
Wir haben es mit Wirtschaftsanktionen und der Zurückziehung von Anlagekapital versucht, und beides hat
nichts genutzt. Ich bin nicht für
einen Abbruch der diplomatischen Beziehungen. Auch eine Abkehr von den
Sullivan-Prinzipien durch einen vollständigen
Kapitalabzug
unterstütze
ich nicht. Kapitalabzug hat schwarzen Arbeitern schon schwer geschadet
- dies sind die Menschen, denen wir
eigentlich helfen wollen.

Für eine steigende wirtschaftliche Entwicklung in Südafrika wären
dagegen mehr ausgebildete Arbeiter
aus der schwarzen Bevölkerung nötig.
Nur diese Arbeiter, von denen viele
bei amerikanischen Firmen beschäftigt
sind, haben gerade begonnen, ein wenig von der ihnen zustehenden Freiheit zu genießen.
Ich werde aktiv darauf hinarbeiten, Südafrika
dazu zu bewegen,
Nelson Mandela - ohne Bedingungen freizulassen.
Ich werde Mandela dazu ermuntern,
etwas zu tun, wozu er bisher nicht
bereit war: der Gewalt eine Absage
zu erteilen und auf dem Pfad der Gewaltlosigkeit zu wandeln, den auch
Gandhi und Martin Luther King beschritten haben.
Ich werde einen sofortigen Dialog
zwischen der Regierung Südafrikas und
Mandela sowie den anderen verantwortlichen Führern der Schwarzen anregen,
einschließlich
dem
Zulu-Häuptling
Buthelezi, Bischof Tutu sowie den anderen religiösen Führern.
Einfache Antworten auf das Problem Südafrika gibt es nicht. Als
Präsident werde ich an der Beendigung
der dortigen Apartheid arbeiten. Ich
werde mich ebenfalls darum kümmern,
daß unsere eigenen strategischen Interessen durch die Entstehung eines
radikalen
prosowjetischen
Regimes
nicht beeinträchtigt werden.
Unser
Ziel muß lauten: friedlicher Wandel
auf der Basis von Gleichheit zwischen
den Rassen und Demokratie.
Wenn wir Amerikas Stärke und
weltweites Engagement aufrechterhalten, können wir mehr als lediglich
ein Beispiel oder eine Anregung für
andere sein - wir können Triebfeder
für Wandel und Freiheit sein, in Südamerika, in Asien, in Afrika und in
der ganzen Welt.
überall sind Frieden und Demokratie auf dem Vormarsch, und der Kollektivismus tritt immer mehr zurück.

- 5 -

�Unsere Aufgabe in den vor uns liegenden Jahren muß darin bestehen, diesen
Trend zu fördern - für unsere eigenen
Interessen und weil es die richtige
und moralische Handlungsweise ist.
Dies sind die Vereinigten Staaten
von Amerika - das freieste, gerechteste und freigebigste Land, das es
je auf Erden gab. Darin wollen wir
nicht nachlassen.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

20. April 1988

16

INVESTITIONEN IN DIE ZUKUNFT
- Präsident Reagan fordert Bewilligung ausreichender Forschungsmittel -

- (AD) - Als eine "unverzichtbare Investition in die Zukunft" bezeichnete
Präsident Ronald Reagan die Bereitstellung ausreichender Mittel für die Grundlagenforschung. In einer landesweit übertragenen Rundfunkansprache appellierte er an den amerikanischen Kongreß, trotz der angespannten Haushaltslage das
vorgelegte Programm zu bewilligen.

Als wichtigste Projekte bezeichnete er neben der Raumstation den
Supraleiter-Großbeschleuniger,
um
dessen Standort sich derzeit mehrere
Bundesstaaten bewerben und die Weiterentwicklung der Supraleitertechnik. Durchbrüche seien auch in der
Biotechnik zu erwarten, die Medizin,
Landwirtschaft und Umweltschutz zu
revolutionieren versprächen.
Gegenwärtig sei man dabei, der
von Bundesbehörden geförderten Forschung
einen größeren Rahmen zu
schaffen. In Zusammenarbeit mit Universitäten seien 14 ingenieurwissenschaftliche
Zentren
speziell
für
Grundlagenforschung in Verbindung mit
Technologien geschaffen worden, die
sich noch in der Entwicklung befinden.
Die Errichtung weiterer zehn

United States Information Service
Embassy of the United States of America

bis 15 Zentren für Forschung und
Technik auf dem Gebiet der Naturwissenschaft sei geplant.
All diese
Zentren würden eng mit der Industrie
zusammenarbeiten, damit Entdeckungen
schneller als bisher in neue, bessere
und international wettbewerbsfähige
Produkte umgesetzt werden können.
"Wissenschaft ist gewachsen und
mit ihr die Faszination, die sie für
uns alle besitzt", sagte der Präsident. "Aber um in der Wissenschaft
tätig zu sein, müssen mehr und mehr
nationale und sogar multinationale
Mittel in Anspruch genommen werden".
Das Problem heute besteht darin, daß
Wissenschaft auf lokaler Ebene "keine
Wählerschaft" besitze und die Unterstützung seitens der Bundesregierung
wegen der beschränkten Haushaltmittel

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�in Gefahr sei. Der Präsident verwies
auf die immensen Beiträge amerikanischer Forscher zum heutigen Stand
der Wissenschaft. Nach 1945 wurden
mehr Amerikaner mit Nobelpreisen ausgezeichnet als in europäischen Länder
und Japan zusammen. Darüber hinaus
habe man in den USA für die Grundlagenforschung mehr als in anderen Ländern getan - für Forschungen, von denen zunächst niemand sagen könne, was
oder ob überhaupt etwas dabei herauskomme.
Daß durch sie jedoch wichtige
neue Gebiete für die Praxis erschlossen werden, zeigt zum Beispiel die
moderne Lasertechnik.
Reine Forschung, mit Regierungsgeldern finanziert, führte zur Entwicklung des ersten Lasers. Heute, keine drei Jahrzehnte später, werden Laserstrahlen
auf den verschiedensten Gebieten, von
der Mikrochirurgie bis zur Übertragung unvorstellbarer Mengen von Informationsdaten benutzt. Eines Tages
könnten sie sogar ballistische Raketen überflüssig machen. Fernsehen,
Nachrichten- und Computertechnik wären ohne Grundlagenforschung nicht
auf ihrem heutigen Entwicklungsstand.
Und dabei sei - um einen Ausspruch
Albert Einsteins zu zitieren - "Phantasie wichtiger als Wissen". Auch
seL, so Reagan, in der Forschung eines sicher: "Wenn wir es nicht tun,
werden es andere tun, und wir fallen
zurück."
Einer Erhebung der Nationalen
Wissenschaftsstiftung (NSF - National
Science Foundation) zufolge dürften
in den Vereinigten Staaten im Jahr
1988 die Aufwendungen für Forschung
und Entwicklung 132 Milliarden Dollar
betragen, wovon 65 Milliarden aus
staatlichen Quellen kommen. Auf die
Grundlagenforschung entfallen 15 Milliarden Dollar, auf angewandte Forschung 27 Milliarden Dollar und auf
Entwicklung
90 Milliarden Dollar.
Für zwei Drittel der Grundlagenforschung kommt die Bundesregierung auf;
mehr als die Hälfte dieser Bundesmittel geht an Universitäten und Colleges. Angewandte Forschung wird zu

I

52 Prozent von der Industrie, zu 42
Prozent von der Bundesregierung finanziert.
Statistische Angaben über die Anzahl praktizierender Wissenschaftler
und Ingenieure reichen nur bis zum
Jahr 1986, jedoch dürfte die Tendenz
weiterhin steigend sein.
Von den
insgesamt 4,6 Millionen Wissenschaftlern und Ingenieuren waren 2,2 Millionen Wissenschaftler und 2,4 Millionen Ingenieure. 15 Prozent aller
in diesen Berufen Beschäftigten waren
Frauen (d.h. sechs Prozent mehr als
1976).
Unter den Wissenschaftlern
war jeder vierte, unter den Ingenieuren jeder 25. weiblich. Die Beschäftigungsrate in diesen Berufen stieg
von 1976 bis 1986 um 7,1 Prozent an,
bei allen übrigen Tätigkeiten dagegen
nur um 2,1 Prozent. Was die Fachgebiete angeht, so lagen bei den Wissenschaftlern die Schwerpunkte bei
Computerspezialisten (mit 562 600),
Sozialwissenschaften
(427 800) und
Geisteswissenschaften (411 800). Bei
den Ingenieuren standen Elektrotechnik und Elektronik an erster Stelle,
gefolgt von Maschinenbau sowie Hochund Tiefbau.

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA verdeutlichen Iran den Preis seines unverantwortlichen Handelns&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache Präsident Reagans zu den Aktionen im Golf &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nach Abzug der Sowjets können Afghanen ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung von Außenminister George Shultz&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Von den Garantiemächten eingegangene Verpflichtungen sind "symmetrisch"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung der Vereinigten Staaten zur Afghanistan-Übereinkunft&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Baker optimistisch über Aussichten für Weltwirtschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung vor Interimsausschuß des IWF&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Wahlen in Amerika 1988&lt;br /&gt;Bush erläutert seine "zentralen Prinzipien" für die Außenpolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede vor Zeitungsredakteuren&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Investitionen in die Zukunft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Präsident Reagan fordert Bewilligung ausreichender Forschungsmittel&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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