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dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

18. November 1992

46
^

CLINTON-KONGRESS

CLINTON UND KONGRESS VERSPRECHEN
RASCHE MASSNAHMEN FÜR WIRTSCHAFTSAUFSCHWUNG
Führende Politiker sprechen von
neuem Geist der Zusammenarbeit

UMWELT

GLOBALE UMWELTFRAGEN VORRANGIG
IN CLINTONS PLAN
Gravierende Unterschiede
zur Bush-Administration

US-AUSSENPOLITIK

CLINTON DEFINIERT AUSSENPOLITISCHE
PRIORITÄTEN
Rüstungskontrolle, Nahost,
Wirtschaftswachstum
DER PRIMAT DER WIRTSCHAFT
von C. Fred Bergsten

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�CLINTON - KONGRESS
18. November 1992

CLINTON UND KONGRESS VERSPRECHEN RASCHE
MASSNAHMEN FÜR WIRTSCHAFTSAUFSCHWUNG
Führende Politiker sprechen von neuem Geist der Zusammenarbeit
WASHINGTON - (AD) - Der gewählte Präsident Clinton und die demokratische Führung des Kongresses
haben enge Zusammenarbeit zugesagt, um die schwache amerikanische Konjunktur wieder auf Kurs zu
bringen.

engagierten sich gemeinsam für "unsere Priorität Nr. 1
- die Schaffung von Arbeitsplätzen, Anhebung der
Einkommen, den Aufschwung unserer Wirtschaft und
die langfristige Wettbewerbsstärke der amerikanischen
Wirtschaft."

Bei einer ungewöhnlichen gemeinsamen Pressekonferenz in Little Rock skizzierten sie am 16. November
1992 Pläne, um sich nach dem Amtsantritt der neuen
Administration im Januar rasch den verflochtenen
Problemen zu widmen, die von der Schaffung von
Arbeitsplätzen über den Defizitabbau bis zur Kostendämpfung im Gesundheitswesen reichen.

"Wir werden zusammenarbeiten, um die Kosten im
Gesundheitswesen unter Kontrolle zu bringen und
allen Bürgern eine medizinische Grundversorgung zu
garantieren", erklärte Clinton. "Wir werden zusammenarbeiten, um dieses Defizit verantwortungsbewußt und diszipliniert abzubauen."

Während des Wahlkampfs versprochene Schritte zur
Verbesserung der Steuergerechtigkeit durch die Verlagerung der Belastungen von Bürgern mit mittlerem
Einkommen auf die Wohlhabenden werden Clinton
zufolge ebenfalls Teil dieses Pakets sein.
Die Unterrichtung der Öffentlichkeit folgte einem längeren Arbeitsessen am vorausgegangenen Abend,
bei dem der gewählte Präsident gemeinsam mit dem
gewählten Vizepräsidenten Gore als Gastgeber für
den Sprecher des Repräsentantenhauses, Thomas
Foley, den Vorsitzenden der Mehrheitsfraktion im Senat,
George Mitchell und den Vorsitzenden der Mehrheitsfraktion im Repräsentantenhaus, Richard Gephardt,
auftrat.
Clinton erklärte, dieses Treffen sei nach Jahren häufig
von Streit gekennzeichneter Beziehungen zwischen
einem republikanischen Präsidenten und einem demokratischen Kongreß ein Vorzeichen für "eine neue
Ära der Zusammenarbeit und des Handelns in unserer
Bundeshauptstadt".
"Ich möchte keine Fortsetzung des Kalten Krieges
zwischen dem Kongreß und dem Weißen Haus", erklärte Clinton. "Die Pennsylvania Avenue (die Straße
zwischen dem Capitol und dem Weißem Haus) wird
wieder in beiden Richtungen befahrbar sein."
Unter Hinweis auf "eine neue Ethik geteilter Verantwortung" stellte er fest, er und die Kongreßführung
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Sprecher Foley teilte den Reportern mit, die Führung
des Repräsentantenhauses werde, um unverzügliche
Maßnahmen zur Verwirklichung des Programms des
neuen Präsidenten vorzubereiten, die Kammer
rascher konstituieren "als jemals in der jüngeren Geschichte". Dies werde es dem Parlament gestatten,
Clintons vorrangige Gesetzesvorhaben zu behandeln,
sobald dieser am 20. Januar 1993 in sein Amt eingeführt werde "oder sogar schon kurz davor". Die neue
103. Legislaturperiode des Kongresses beginnt am 5.
Januar.
Auf die Frage eines Reporters bekräftigte Clinton, er
wolle zwar rasch handeln, fühle sich jedoch nicht
verpflichtet, Ziele zu definieren, die während der ersten
100 Tage seiner Administration verabschiedet werden
müßten. Diese Formulierung bezog sich auf die Präsidentschaft Franklin Roosevelts, der einen Großteil
seines New Deal zur Bekämpfung der Großen Depression in den ersten 100 Tagen seiner Amtszeit durchsetzte.
Obwohl viele seiner Vorschläge frühzeitig vorgelegt
werden, könne er nicht mit Sicherheit sagen, welche in
100 Tagen verabschiedet und welche nicht verabschiedet werden", erklärte Clinton. "Ich habe kein
Programm, das sagt, in 100 Tagen werden wir dies tun
und in 200 Tagen jenes. Ich werde nur so hart arbeiten
wie ich kann und so viel so rasch verwirklichen wie ich
kann."

Seite 1

�Auf die Frage, ob er von einigen jüngeren günstigen
Wirtschaftsberichten dazu veranlaßt worden sei, das
von ihm angestrebte Programm zur konjunkturellen
Erholung zu reduzieren, stellte Clinton fest, er habe
"nichts gesehen, was mich bisher davon überzeugt
hat, daß wir weniger tun sollten als ich während des&lt;
Wahlkampfs empfohlen habe".
Der gewählte Präsident erklärte, er sehe noch keine
Beweise für eine langfristige Stärkung der Produktionsbasis oder einen bedeutenden Anstieg des Vertrauens der Verbraucher. Die rasche Verwirklichung
von Wahlkampfversprechen "würde das Vertrauen der
Verbraucher dramatisch steigern". Dazu würde auch
beitragen zu demonstrieren, daß "wir ernsthaft einen
aggressiven Versuch anstreben, um den amerikanischen Produktionssektor im Einklang mit unseren
Verpflichtungen zum Ausbau des Handels wiederzubeleben".
Clinton betonte die Verflechtung der wirtschaftlichen
Probleme und argumentierte, eine integrierte Lösung
sei erforderlich.

fahren vorbehaltlich der mehrheitlichen Überstimmung
durch den Kongreß genehmigen würde, sei "zumindest ein guter Ausgangspunkt für eine Diskussion".
Die allgmeine Kompromißbereitschaft und das gemeinsame Engagement von Clinton und den Fraktionsführern im Kongreß wurde durch Kommentare
des Vorsitzenden der Mehrheitsfraktion im Repräsentantenhaus Gephardt unterstrichen. "Die Botschaft
dieser Zusammenkunft ist eindeutig und klar. Die PattSituation ist behoben, und Kooperation und Teamwork
haben begonnen", stellte er fest.
Im Hinblick auf die Außenpolitik erinnerte Clinton die
Journalisten daran, daß Präsident Bush noch bis zum
20. Januar 1993 im Amt ist. Er bekräftigte, daß er jede
Entscheidung von Bush unterstützen werde, den Stabschef des Weißen Hauses James Baker erneut in den
Nahen Osten zur weiteren Förderung des Friedensprozesses zu entsenden. Diese Entscheidung, so
unterstrich er, sei das Privileg des Präsidenten.

Der gewählte Präsident stellte fest, abgesehen von
militärischer Intervention biete sich eine Reihe von
"Ich glaube nicht, daß man das Defizit senken kann, Optionen bei den Bestrebungen zur Beendigung der
ohne das Wirtschaftswachstum wiederherzustellen", menschlichen Tragödie im ehemaligen Jugoslawien
erklärte er, "... und ich glaube nicht, daß man das an. "Ich möchte keine dieser Optionen ausschließen",
Wachstum wiederherstellen oder das Defizit reduzie- so Clinton. "Ich möchte diese Optionen zur Verfügung
ren kann, wenn man die Kosten im Gesundheitswesen haben."
nicht unter Kontrolle bringt." Die gesundheitspolitische
Komponente und die enormen Kosten in Verbindung Clinton deutet an, die endgültige Anerkennung der
mit der Krise der Spar- und Darlehensbanken sind "die Regierung von Vietnam durch die Vereinigten Staaten
wichtigsten außer Kontrolle geratenen Elemente" im hänge von der vollständigen Aufklärung des Schicksals der Amerikaner durch diese Regierung ab, die
Haushalt, stellte Clinton fest.
immer noch als Kriegsgefangene und Vermißte wähZum Thema Steuern erklärte Clinton, er sei weiterhin rend des Vietnamkriegs geführt würden.
der Ansicht 'Vir sollten aufgrund der Rückläufigkeit
des derzeitigen Steuersystems einige Erleichterungen "Meines Erachtens wird das amerikanische Volk
unweigerlich auf den umfassendsten und in gutem
gewähren".
Glauben unternommenen Bestrebungen bestehen, um
"Wenn wir dafür eine Lösung finden können, würde ich vor der Anerkennung eine weitestgehende Offenlegern einen Plan vorlegen, der im Einklang mit dem gung des Schicksals der Kriegsgefangenen und Versteht, was ich während des Wahlkampfs empfohlen mißten zu erhalten. Dies ist stets meine Position
habe, ein gewisses Maß an Steuergerechtigkeit zu gewesen, und ich beabsichtige nicht, sie zu ändern",
gewähren, auf dem wir einen langfristigen Plan zum stellte er fest.
Abbau des Haushaltsdefizits aufbauen können", erklärte er. Die Entwicklung eines gerechteren Steuer- Clinton wurden eine Reihe von Fragen zu seinem im
systems werde das amerikanische Volk "wesentlich Wahlkampf gegebenen Versprechen gestellt, das Verbot
eher dazu veranlassen, das Argument zu akzeptieren, für Homosexuelle zum Dienst im amerikanischen Milidaß wir alle Opfer bringen und langfristig Beiträge tär aufzuheben. Clinton erwiderte, er habe keinen
Zeitplan zur Verwirklichung seiner Absicht erstellt,
leisten müssen".
einen Präsidialerlaß entsprechenden Inhalts zu verClinton und die Parlamentarier verwiesen darauf, man künden und wolle zunächst Konsultationen mit Vertrehabe Fortschritte bei einem Thema erzielt, das seit tern des Militärs zu diesem Thema aufnehmen.
langem zwischen dem Kongreß und der Exekutive
umstritten ist: der Vorschlag, dem Präsidenten das Clinton fügte hinzu, er erwarte die Einführung eines
Recht einzuräumen, durch die Anwendung eines "sehr strengen Verhaltenskodex" in Zusammenhang
"selektiven Vetos" bestimmte vom Kongreß verab- mit der Aufhebung des Verbots für Homosexuelle und
die unverzügliche Entlassung aus dem Militärdienst
schiedete Ausgaben abzulehnen.
oder andere entsprechenden Sanktionen für diejeniEr erklärte, ein von Foley bei dem Abendessen unter- gen, die ihn nicht einhalten.
breiteter Kompromißvorschlag, der ein solches VerSeite 2

AMERIKA DIENST 46

�Auf die Frage, ob seine Meinungsverschiedenheiten
mit dem Vorsitzenden des Streitkräfteausschusses
des Senats, Senator Sam Nunn, Nunn als möglichen

Kandidaten für das Amt des Verteidigungsministers
ausschließen würden, erwiderte der gewählte Präsident, dies sei nicht der Fall.

* * * *

AMERIKA DIENST 46

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Seite 3

�UMWELT
18. November 1992

GLOBALE UMWELTFRAGEN VORRANGIG
IN CLINTONS PLAN
Gravierende Unterschiede zur Bush-Administration
WASHINGTON - (AD) - Während seines Wahlkampfs
hat der inzwischen gewählte Präsident Bill Clinton
einen U mweltplan mit vier Zielen u mrissen, von denen
eines in "der internationalen Führungsrolle für eine
gesundere globale Umwelt" besteht.
Nach seiner Entscheidung für Senator AI Gore Jr. als
Vizepräsidentschaftskandidaten - einen Protagonisten
für Umweltfragen im Kongreß, derüberdie Notwendigkeit umfassender neuer globaler Programme geschrieben hat - war es nicht überraschend, daß Clinton
seinen Umweltvorschlägen einen prominenten Platz in
internationalen Belangen eingeräumt hat.
Ferner überraschte es nicht, daß sich seine Positionen
in mehreren Bereichen deutlich von denen Präsident
Bushs unterscheiden.
Der vielleicht gravierendste Unterschied besteht in
Clintons Unterstützung zur Stabilisierung der Emissionen von Treibhausgasen, die zur Erderwärmung führen und tiefgreifende Klimaveränderungen bewirken
können. Ebenso wie Westeuropa und Japan setzte er
sich für einen Vertrag ein, der die Emissionen von
Kohlendioxid - dem wichtigsten Treibhausgas - bis
zum Jahr 2000 auf dem Niveau von 1990 begrenzt.
"Diese Nation sollte ihre Position als die verbleibende
Supermacht und größter Erzeuger von C0 2 (Kohlendioxid) der Welt nutzen, um die Führungsrolle bei der
Verringerung von Emissionen zu übernehmen", stellte
er in einer Erklärung fest, mit der ihm und Präsident
Bush während des Wahlkampfs von der League of
Conservation Voters gestellte Fragen beantwortet
wurden. Die League ist der politische Arm von 20
Umweltorganisationen. Sie unterstützte während der
Wahlkampagne keinen Kandidaten, ihre Vertreter
sprachen sich jedoch eindeutig für Clinton aus. Einige
ihrer Unterorganisationen unterstützten ihn offiziell.
Die Vereinigten Staaten waren das einzige Industrieland, das bindende Verpflichtungen zur Stabilisierung
der Emissionen von Kohlendioxid in einem Vertrag
über die Erderwärmung ablehnten. Die Oppostion der

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Bush-Adminstration führte zur Unterzeichnung eines
Vertrags im Juni, der indirekt ein freiwilliges Stabilisierungsziel setzt.
Bei der Beanwortung einer anderen Frage ging Clinton
jedoch noch weiter und forderte Kohlendioxidreduzierungen unter die Niveaus von 1990. Er bekräftigte, er
werde "20- bis 30prozentige Verringerungen ernsthaft
in Erwägung ziehen".
Deutschland, Dänemark, Australien und Neuseeland
sind der League zufolge die Verpflichtung zu solchen
Reduzierungen bis zum Jahr 2005 eingegangen.
Vertreter der Bush-Administration haben das Argument vorgebracht, die Wissenschaftler seien nicht
sicher, bis zu welchem Grad und wann eine Erwärmung in bestimmten Regionen erfolgen würde. Die
Ungewißheit rechtfertige die Verweigerung von Maßnahmen, die zu einer Störung der Volkswirtschaften
führen würden, so die Argumentation der Administration.
Kohlendioxid wird bei der Verbrennung von solchen
fossilen Brennstoffen wie Kohle und Öl freigesetzt.
Vertretern der Administration zufolge würden Begrenzungen des Einsatzes dieser Brennstoffe den Betrieb
von Autos, Lastwagen, Fabriken und Elektrizitätswerken betreffen, die den Motor einer Industriewirtschaft
darstellen.
Ebenso wie Gore in einem wenige Monate vor den
Novemberwahlen veröffentlichten Buch argumentierte auch Clinton, eine wärmere Erde könne das Überleben des Menschen bedrohen. "Der potentielle Schaden für den Nahrungsmittelkorb der Wert wäre extrem
nachteilig für die Vereinigten Staaten und verheerend
für die Entwicklungsländer", stellte Clinton fest.
Der gewählte Präsident schlägt eine Reduzierung durch
energiesparendere Autos, Lastwagen und Gebäude,
Förderung von Wiederaufforstungsprogrammen - weil
auch Bäume Kohlendioxid absorbieren - und Steuerändeurungen vor, um vom Einsatz von fossilen Brenn-

Seite 1

�Stoffen zu entmutigen und zur Verwendung erneuerbarer Energien wie Solarenergie zu ermutigen.
Steueranreize sollten für Investitionen in Technologie
für erneuerbare Energien entwickelt werden, erklärte
Clinton. "Wir müssen weniger auf importiertes öl
zurückgreifen und mehr auf billiges und reichlich vorhandenes Erdgas sowie auf Forschung und Entwicklung erneuerbarer Energieressourcen'', stellte er fest.

Das ist nicht genau das, wofür Umweltschützer gekämpft haben. Sie unterstützten Gesetze, die vom
Kongreß abgelehnt wurden, vor allem aufgrund der
Oppostion von Präsident Bush, die bis zum Jahr 2001
die Norm von 5,2 Litern für bestimmte Automobilhersteller gesetzlich vorgeschrieben hätten.

Weniger Verschmutzung könnte auch erreicht werden, wenn die amerikanischen Fabriken und Bürogebäude so energiesparend gemacht würden wie diejeFerner sollte auch die Besteuerung von Kohlendioxid- nigen in Europa, fuhr Clinton in Beantwortung des
emissionen sondiert werden, solange die industrielle Fragenkatalogs der League fort.
Wettbewerbsfähigkeit der Vereinigten Staaten nicht
beeinträchtigt wird und die Verbraucher nicht höhere Ebenfalls im Gegensatz zur Bush-Administration stellBenutzergebühren zahlen müßten, fügte er hinzu.
te Clinton als Antwort auf eine weitere Frage der
League fest, er unterstütze die Wiederaufnahme der
Eine weitere in Erwägung zu ziehende Option sei die Beitragszahlungen an den Bevölkerungsfonds der
Schaffung eines Bonus- und Tauschsystems für Koh- Vereinten Nationen. Er werde ferner die Weiterleitung
lendioxidemissionen, so Clinton. Für Unternehmen amerikanischer Hilfsmittel an die geplante internatiowürden Emissionsnormen festgelegt und diejenigen, nale Elternföderation gestatten.
die Emissionen unter die Normen reduzieren oder
einen Ausgleich schaffen, würden einen Bonus erhal- "Einzelpersonen und Familien sollten das Recht, die
ten. Ein solcher Bonus könnte mit anderen Unterneh- Informationen und Mittel haben, um sich für oder
men getauscht werden, die ihre Normen nicht erfüllen gegen Kinder zu entscheiden", so Clinton.
oder mit Firmen, die neue Anlagen bauen.
Er würde jedoch Ländern wie China weiterhin finanzielDie Bush-Administration hat ein dem von Clinton vor- le Unterstützung verweigern, die "Programme erzwungeschlagenen Tauschsystem vergleichbares einge- genen Schwangerschaftsabbruchs" unterhalten.
führt, jedoch nur für Schwefeldioxidemissionen, einen
Ihm zufolge werde er internationale Bestrebungen zur
Hauptbestandteil des sauren Regens.
Bereitstellung von Kontrazeptiva für diejenigen förClintons Vorschlag zu Enegieverbrauchsnormen für dern, die dies wünschen. Er verweigerte jedoch eine
Autos und Lastwagen stand ebenfalls in eindeutigem genaue Angabe des Betrags, den er für diese Zwecke
zur Verfügung stellen würde.
Gegensatz zu Präsident Bushs Position.
In Beantwortung einer von der League gestellten Frage erklärte Clinton, er unterstütze Gesetze, mit denen
die Hersteller gezwungen würden, energiesparendere
Autos zu produzieren, die die gegenwärtige Norm von
8,6 Litern pro 100 Kilometer unterschreiten. Ihm
zufolge sollte das "Ziel" von 5,2 Litern pro 100 Kilometer "in nationalen Gesetzen verankert" werden.

"Die Bevölkerungsexplosion stellt die größte Bedrohung des Ökosystems und der Lebensqualität der
Erde dar. Große Anstrenungen sind jetzt zur Kontrolle
des Bevölkerungswachstums erforderlich oder wir
können davon ausgehen, daß das Bevölkerungsniveau der Welt zwei- oder dreimal so hoch werden wird
wie die derzeitigen 5,2 Milliarden", stellte Clinton fest.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 46

�US-AUSSENPOLITIK
18. November 1992

CLINTON DEFINIERT AUSSENPOLITISCHE PRIORITÄTEN
Rüstungskontrolle, Nahost, Wirtschaftswachstum
WASHINGTON - (AD) - Der gewählte Präsident Bill Clinton hat am 12. November 1992 die wichtigsten
außenpolitischen Prioritäten für seine ersten 100 Tage im Weißen Haus definiert. Er erklärte, er suche einen
Außenminister, der sich der Verpflichtung der Vereinigten Staaten zu "Kontinuität" und "Veränderungen" bewußt
sei.
Zunächst veröffentlichen wirdie Erklärung, die der gewählter Präsident Bill Clinton zu Beginn seiner Pressekonferenz abgab, im Wortlaut:
Ich habe bereits - vor allem in den vergangenen drei
Tagen - mehrere Stunden mit Senator Gore, Warren
Christopher und anderen zusammengearbeitet, um
die potentiellen Kabinettsmitglieder zu erörtern. Ich
habe mit Senator Gore und anderen Mitarbeitern enorm
viel Zeit auf die Diskussion dessen verwandt, was wir
von diesen Ressorts erwarten. Meines Erachtens
standen die gewählten Präsidenten in der Vergangenheit zu häufig unter Zeitdruck, die Kabinettsposten zu
besetzen, bevor sie entschieden, ob diese Ministerien
Ich weiß, daß einige von Ihnen an den Ernennungen einen anderen Kurs als bisher verfolgen sollten und
auf Kabinettsebene interessiert sind, muß Ihnen je- ohne vielleicht in Betracht zu ziehen, ob diese Resdoch sagen, daß ich heute nichts bekanntgeben kann. sorts dies in Einklang bringen können.
Ich möchte Sie jedoch wissen lassen, was ich beabsichtige und I hnen einige der Kriterien erläutern, die ich Lassen Sie mich Ihnen ein Beispiel dafür nennen.
für die Besetzung dieser Positionen aufgestellt habe.
Ich habe zumindest in meinen Geschichtsbüchern
An oberster Stelle steht das uneingeschränkte Enga- gelesen, daß einigen Kabinettsmitgliedern ein höherer
gement der Kandidaten für den öffentlichen Dienst. Rang als anderen eingeräumt wird. Ich weiß nicht, wo
Morgen werde ich einen Verhaltenskodex für Regie- sie die Ministerien für Handel und Energie in dieser
rungsvertreter bei diesem Übergang veröffentlichen, Hinsicht einordnen würden, aber aufgrund der von mir
und in den nächsten Tagen werden wir einen Sittenko- dargelegten Wirtschaftspolitik und der Dinge, die wir
dex formulieren, dessen Befolgung die für die Clinton- meiner Ansicht nach vollbringen müssen, um die WirtGore-Administration Designierten zustimmen müssen, schaftslage dieses Landes zu ändern, sind dies äußerst wichtige Ernennungen. Wie die Amtsinhaber die
um in einem hohen Regierungsamt tätig zu sein.
Aufgaben dieser Ministerien erfüllen, wird den Erfolg
Darüber hinaus habe ich dem amerikanischen Volk oder das Scheitern der wirtschaftlichen Bestrebungen
versprochen, daß mein Kabinett mehr von Amerika dieser Administration ebenso bestimmen wie das von
widerspiegeln wird als das der bisherigen Administra- den anderen Hauptakteuren in der Wirtschaft Volltionen . Wie ich bereits gesagt habe, kann und mu ß die brachte.
große Vielfalt dieser Nation eine Quelle der Stärke
sein, während wir die vor uns liegenden Herausforde- Daher habe ich geraume Zeit mit der Prüfung potentielrungen in Angriff nehmen.
ler Namen verbracht. Ich beabsichtige, sehr viel mehr
Zeit damit zu verbringen. Ich bin hier persönlich

"Ich möchte bekanntgeben, daß der Übergangsprozeß termingerecht verläuft. Die von uns heute veröffentlichten Ernennungen werden der Übergangsphase in L'rttle Rock und Washington Dynamik verleihen.
Sie stehen für mein Engagement, die qualifiziertesten
und unterschiedlichsten Männer und Frauen mit umfassender Erfahrung zu versammeln, von denen einige im Wahlkampf aktiv waren, andere erst jetzt auf
unserem Weg in die Regierung zu uns stoßen.

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Seite 1

�außerordentlich engagiert und denke, wir werden die
Ernennungen zum richtigen Zeitpunkt und in der geeigneten Form vornehmen.

Clinton skizzierte seine Kriterien für die Auswahl eines
Außenministers mit den Worten, er suche jemanden,
"der sich unserer Verpflichtungen zu Kontinuität und
Wandel bewußt ist und auch, daß die Pfeiler unserer
nationalen Sicherheits- und Außenpolitik grundsätzlich aus einer anderen - aber weiterhin sehr starken Verteidigung bestehen sollten".

Ferner möchte ich feststellen, daß Senator Gore und
ich die während des Wahlkampfs entstandene Partnerschaft fortgesetzt haben. Er hat heute den ganzen
Tag mit mir zusammengearbeitet, und dies ist vielleicht einmalig, abergutfürdieses Land. Ich denke, es Clinton unterstrich ferner die Bedeutung "eines Engawird uns bei unserem weiteren Weg stärken und gements für weltweites Wachstum und die wirtschafthelfen.
liche Regeneration" in den Vereinigten Staaten sowie
der Erfüllung der amerikanischen Pflicht als einziger
Ich habe noch ein anderes Versprechen gemacht, das verbleibender Supermacht auf der Welt, Demokratie
ich heute bekräftigen möchte - daß ich beabsichtige, und Freiheit zu unterstützen und die Verbreitung von
über die Parteigrenzen hinweg Beamte zusammenzu- Massenvernichtungswaffen einzudämmen.
bringen, die uns dabei behilflich sein sollen, unsere
Nation in den kommenden vier Jahren zu leiten. Wenn "Ich möchte jemanden, der dies in meinen Augen
wir unsere Ziele erfüllen wollen, die Wirtschaft wieder- versteht und diese Fragen den Menschen in der ganzubeleben und eine neue Weltordnung für die Verei- zen Welt vermitteln kann, die sich mit ihnen auseinannigten Staaten in der Zeit nach dem Kalten Krieg zu dersetzen", erklärte der gewählte Präsident.
entwerfen, müssen wir einen Großteil unserer bisherigen Vorurteile über Bord werfen. Und ich habe vor, Mit dem Hinweis, dieselben Eigenschaften erwarte er
mich umzusehen und bin bereits dabei, mich vehe- von seinem künftigen nationalen Sicherheitsberater
ment nicht nur unter Menschen verschiedener rassi- stellte Clinton fest, seines Erachtens hätten die Berascher und ethnischer Herkunft und Männern und Frau- ter Präsident Bushs "in diesem Bereich sehr gute
en, sondern auch unter Menschen mit unterschiedli- Teamarbeit geleistet. Und das möchte ich auch. Es ist
chem politischen Hintergrund umzusehen, die unser für mich äußerst wichtig, einen nationalen Sicherheitsgemeinsames Ziel der Wiederherstellung des Wirt- berater, einen Verteidigungsminister und einen Ausschaftswachstums, Schaffung von Arbeitsplätzen sowie senminister auszuwählen, die bei dieser TagesordEinkommensverbesserungen und Stärke für dieses nung zusammenarbeiten können."
Land teilen".
Clinton versprach ferner, die Innenpolitik zu seiner
In der ersten Pressekonferenz nach seiner Wahl zum ersten Priorität zu erheben und rasch SteuervergünstiPräsidenten stellte Clinton fest, seine außenpoliti- gungen und Ausgabenprogramme vorzuschlagen, die
schen Prioritäten umfaßten "die Verabschiedung ei- zur Schaffung von Arbeitsplätzen führen.
nes auf mehrere Jahre angelegten Plans für den Der gewählte Präsident verwies darauf, seine VorVerteidigungshaushalt, der die Verteidigung dieses schläge in den ersten 100 Tagen würden sowohl ein
Landes als stärkste der Welt erhält und die Notwendig- "kurzfristiges Wirtschaftsprogramm" als auch ein länkeit des Abbaus berücksichtigt".
gerfristiges Engagement zur Erhöhung der amerikaniDen Reportern erklärte Clinton in Little Rock (Arkansas), er wolle "unsere andauernden Bemühungen zur
Reduzierung von Kernwaffen mit Rußland und anderen Atommächten" fortsetzen und sich nachdrücklich
darum bemühen, der "Verbreitung von nuklearen,
biologischen und chemischen Massenvernichtungswaffen" Einhalt zu gebieten.

schen Produktivität und Reduzierung des Haushaltsdefizits umfassen.
Zu seinen ersten Gesetzesvorhaben wird eine Steuergutschrift für Investitionen gehören, "um dem Privatsektor Anreize zur Investition in neue Anlagen und
Ausrüstung zu geben und um seine Kapazität für
Einstellungen zu erhöhen".

Der Gouverneur von Arkansas betonte ferner, er wolle Clinton verwies auf die Studie einer unabhängigen
"den Nahost-Friedensprozeß auf Kurs halten" und Beratungsfirma, derzufolge die Steuergutschrift für
alles in seiner Macht Stehende tun, "um zu gewährlei- Investitionen allein im Jahr 1993 500.000 Arbeitsplätze
sten, daß es keinen Bruch der Kontinuität gibt".
in der Privatwirtschaft schaffen wird.
Er führte die Notwendigkeit an, "das weltweite Wirt- Ein zweiter Vorschlag zielt auf die Beschleunigung von
schaftswachstum im Hinblick auf die Lösung ausste- Investitionen in die Infrastruktur des Landes ab, etwa
hender Probleme mit Mexiko zu stärken, die ausste- in das Verkehrswesen.
henden Probleme in Europa hoffentlich zu lösen und
eine auf Zusammenarbeit mit den anderen Wirtschafts- Clintons Plan hat die Besorgnis ausgelöst, die zusätzmächten gegründete Strategie zu betreiben, um das lichen Investitionsausgaben würden das bereits hohe
Weltwirtschaftswachstum zu fördern".
Haushaltsdefizit weiter steigern. Der gewählte Präsi-

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AMERIKA DIENST 46

�dent hielt dem entgegen, ein "diszipliniertes" Wirtschaftsprogramm, das eine "stufenweise" Reduzierung des Defizits umfasse, werde einen wesentlichen
Anstieg bei den Infrastrukturinvestitionen ermöglichen
und gleichzeitig "den Märkten im In- und Ausland ein
eindeutiges Signal (senden), daß wir dieses Defizit
abbauen werden".
"Ich gehe davon aus, daß wir diesen Haushart nicht
ausgleichen können, wenn wir nicht mehr Wachstum
bekommen als wir derzeit haben", fügte er hinzu.
Clinton warnte, für die Wirtschaftsprobleme des Landes gebe es keine kurzfristigen Lösungen. "Ich erwarte, da ß der Schwerpunkt auf diesen Wirtschaftsproblemen bleibt", erklärte er. "Meines Erachtens versteht
das amerikanische Volk, daß es sich hierum langfristige Probleme handelt und es keine Wunder über Nacht
geben wird."
Zu Clintons weiteren wichtigen kurzfristigen Prioritäten
zählen ein Plan zur Bewältigung der Kostenexplosion
im Gesundheitswesen, ein Plan für politische Reformen und ein Programm für einen nationalen sozialen
Dienst, der es Studenten gestatten wird, beim Staat
einen Kredit zur Finanzierung des Studiums aufzunehmen und als Gegenleistung den Gemeinden für ein bis
zwei Jahre in Bereichen wie Bildung, Polizei und
Gesundheitswesen zur Verfügung zu stehen.
Er werde ein "Wirtschaftsteam von Weltklasseformat"
zusammenstellen, das ihm bei seinen wirtschaftlichen
Vorhaben behilflich sein solle, erklärte Clinton. Darüber hinaus stellte der gewährte Präsident fest, er werde
den fortdauernden erheblichen Finanzproblemen der
Spar- und Darlehensbanken und dem Zustand des
Bankensystems besondere Aufmerksamkeit schenken.

Bei der Skizzierung der künftigen Politik seiner Administration auf der koreanischen Halbinsel verlieh Clinton der Hoffnung Ausdruck, daß "das koreanische Volk
eines Tages in einer demokratischen und freien Gesellschaft wiedervereinigt sein wird". Darüber hinaus
hoffe er, daß die Vereinigten Staaten "weiterhin eine
Kraft für die Sicherheit Südkoreas sein können" und
Nordkorea keinen Erfolg bei der Entwicklung einer
"realen nuklearen Fähigkeit" haben werde.
Auf die Frage, wie rasch er Maßnahmen zur Erfüllung
seines Versprechens ergreifen werde, Homosexuellen den Militärdienst zu gestatten, erklärte Clinton: "Ich
werdedazu Maßnahmen ergreifen... Ichbemühemich
dabei, dies auf eine Art und Weise zu tun, die für das
Management der gesamten nationalen Sicherheit und
die militärischen Interessen des Landes am geeignetsten ist."
"Was ich tun möchte", stellte Clinton fest, "ist, eine
geeignete Antwort zu finden, die sich eindeutig auf die
Tatsache konzentriert, daß wir Menschen haben, die
homosexuell sind und unserem Land hervorragend
gedient haben... Das Thema sollte 'Führung' heißen hat irgend jemand irgend etwas getan, das ihn disqualifizieren würde? ... Was ich in geeigneter Weise und
unverzüglich zu tun gedenke, ist, eine Gruppe von
Leuten zusammenzustellen, die mich beraten sollen,
wie wir dies am besten tun können. Aber ich werde
meine Position dazu nicht ändern."
Auf die Frage, ob er mit der Art und Weise zufrieden
sei, in der Präsident Bush mit den Nachforschungen
des US-Außenministeriums während des Wahlkampfs
in bezug auf sein (Clintons) Vorleben umgegangen ist,
erklärte der gewählte Präsident, er sei froh, daß Elizabeth Tamposi, die Abteilungsleiterin im US-Außenministerium, die mit der Untersuchung von Clintons Reisepaßunterlagen vor dem Wahltag in Verbindung
gebracht wird, "ihre Stellung etwa sechs Wochen
vorzeitig verlassen mußte. Ich war der Ansicht, daß
dies eine geeignete Maßnahme war."

Auf die Frage nach der derzeitigen amerikanischen
Politik gegenüber haitianischen Flüchtlingen erklärte
Clinton, er werde diese Politik als Präsident ändern
und bekräftigte seine Ansicht, daß Bootsflüchtlinge
aus Haiti nicht zurückgeschickt werden sollten, bevor Tamposi wurde am 10. November entlassen, nachsie Gelegenheit zu einer Anhörung bekommen hätten. dem bekanntgeworden war, daß Vertreter ihrer Dienst"Meines Erachtens besteht ein legitimer Unterschied stelle auch die Reisepaßunterlagen des unabhängizwischen politischen und Wirtschaftsflüchtlingen", stellte gen Präsidentschaftskandidaten Ross Perot wieder
er fest. "Aber wir sollten ein Verfahren haben, in hervorgeholt hatten.
dessen Rahmen diese Haitianer eine Chance erhal- "Sollte ich jemanden dabei erwischen, daß er während
ten, ihren Fall vorzutragen. Meines Erachtens war es meiner Präsidentschaft das Außenministerium auf diese
ein Fehler ... sie unter den Umständen nach Haiti Weise benutzt, werden Sie nicht bis nach dem Wahltag
zurückzuschicken, die im vergangenen Jahr vorherrsch- darauf warten müssen, daß er geht", unterstrich Clinten. Ich werde dieses Verfahren deshalb modifizie- ton. "Ich möchte mit Ihnen nicht über die Ereignisse
ren."
der Vergangenheit sprechen. Die Wahl ist vorbei... Ich
Clinton ging nicht näher darauf ein, wie dies getan möchte Sie nur wissen lassen, daß das Außenministewerden solle, sondern erklärte: "Ich kann Ihnen sagen, rium dieses Landes nicht mit Bill Clintons Politik sein
Spiel treiben wird, und wenn ich irgend jemanden dabei
daß ich die Politik ändern werde."
erwische, werde ich ihn am nächsten Tag feuern."
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�US-AUSSENPOLITIK
18. November 1992

DER PRIMAT DER WIRTSCHAFT
von C. Fred Bergsten
Kernstück jeder effektiven amerikanischen Außenpolitik muß dem Autor zufolge eine substantielle Verbesserung der Leistungsfähigkeit und internationalen Wettbewerbsfähigkeit der amerikanischen Wirtschaft sein. Der
Verfasser untersucht die beherrschenden Fragen in der internationalen Wirtschaft und weist auf den
möglicherweise zu erwartenden politischen Kurs hin.
C. Fred Bergsten ist Direktor des Institute for International Economics und Vorsitzender des vom Kongreß ins
Leben gerufenen Competitiveness Policy Council. Von 1977-81 war er Leiter der Abteilung für internationale Angelegenheiten im US-Finanzministerium und von 1969-71 hochrangiger Mitarbeiter des Nationalen
Sicherheitsrats. Zu seinen 19 Büchern zählt America in the World Economy: A Strategy for the 1990s
(1988).
Nachdruck mit folgendem Zusatz gestattet: Copyright (c) 1992 Carnegie Endowment for International Peace.
Nachdruck mit Genehmigung der Zeitschrift Foreign Policy, Sommer 1992.
Die amerikanische Außenpolitik ist von Ungewißheit
gekennzeichnet. Mit dem Zusammenbruch des
Kommunismus und dem Zerfall der Sowjetunion sind
die Grundsätze, die das Verhalten in der Vergangenheit prägten, verschwunden oder rasch im Schwinden
begriffen. Ein Ersatz ist noch nicht gefunden und
vereinbart worden. Entscheidungen über einzelne
Probleme werden ad hoc und ohne Kontext getroffen.
In den vergangenen 50 Jahren wurden die internationalen Beziehungen im allgemeinen und die amerikanischen auswärtigen Interessen im besonderen von vier
Grundkonzepten definiert:
Das erste war die Dominanz von Sicherheitsfragen. Militärische Fähigkeit bildete das zentrale
Element für das internationale Engagement der
Vereinigten Staaten. Die meisten weltweiten
Wirtschaftsinitiativen der Vereinigten Staaten,
insbesondere diejenigen, mit denen versucht
werden sollte, in den frühen Nachkriegsjahren
systematische Strukturen zu schaffen, wurden
primär durch Sicherheitsanliegen motiviert.

Drittens enthielt die bipolare Rivalität eine wichtige ideologische Dimension. Amerika setzte
sich für Demokratie und Kapitalismus ein. Die
UdSSR verkörperte totalitäre Politik und Kommandowirtschaft unter dem Banner des Kommunismus.
Viertens schuf jede Supermacht ein Bündnissystem zur Unterstützung ihrer Ziele. Die Vereinigten Staaten gingen auf ehemalige Gegner
zu, um die NATO und den amerikanisch-japanischen Sicherheitsvertrag zu erarbeiten, und sie
bauten multilaterale Organisationen auf, um
ihre Ziele zu fördern. Die UdSSR schuf den
Warschauer Pakt. Jede Supermacht war bestrebt, so viele Länder wie möglich an ihren
Block zu binden. Die universellen Organisationen, die beide Gruppen umfaßten - insbesondere die Vereinten Nationen-.traten auf der Stelle,
da die Hauptgegner Aktionen blockierten, die
ihrem jeweiligen Rivalen nützen konnten.

Mit dem Ende des Kalten Krieges müssen die politischen Entscheidungsträger in den Vereinigten StaaDas zweite elementare Konzept war die Bipola- ten die Richtlinien, von denen die Weltpolitik künftig
rität. Die Weltordnung (oder -Unordnung) ba- geleitet wird, neu bewerten und diese Parameter mit
sierte auf der Existenz von zwei militärischen den amerikanischen Interessen verknüpfen. Die ausSupermächten und deren Beziehungen zu ein- wärtigen Herausforderungen von heute werden der
ander. Das internationale Umfeld wurde weitge- amerikanischen Öffentlichkeit verdeutlicht und auf eine
hend von dem Kampf zwischen den Vereinigten Art und Weise bewältigt werden müssen, die breite
Staaten und der Sowjetunion definiert.

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�Unterstützung hervorbringt. Dabei wäre es vernünftig,
erneut ein zentrales Thema zu artikulieren, das bereitwillig aufgenommen und akzeptiert wird.

Die amerikanische Außenpolitik wird auch von einem
äußeren Umfeld geformt werden, das sich stark in
Richtung Wirtschaft verschoben hat. Selbst während
des Kalten Krieges setzten die meisten Staaten wirtTraditionelle sicherheitspolitische Fragen wie Nicht- schaftliche Anliegen auf ihrer au ßenpolitischen Tagesverbreitung und regionale Konflikte werden sicherlich ordnung ganz oder fast an die erste Stelle. Japan
ihre Bedeutung beibehalten. Aggressive Länder wer- entschied sich dafür, die meisten Entwicklungsländer
den abgeschreckt und gegebenenfalls abgewehrt wurden aufgrund der Umstände ebenfalls dazu gewerden müssen. Darüber hinaus werden die Vereinig- zwungen. Die europäischen Verbündeten Amerikas
ten Staaten - wie beim gegenwärtig stattfindenden und einige wenige Länder wie Südkorea und Taiwan,
Übergang in Osteuropa und der ehemaligen Sowjet- die mit einzigartigen Bedrohungen ihrer Sicherheit
union - ihre elementaren Werte wie Demokratie und konfrontiert waren, konzentrierten erhebliche Mittel
Menschenrechte in der ganzen Welt verbreiten wollen. auf die militärische Einsatzbereitschaft, betonten wirtSolche "neuen globalen Probleme" wie Umwelt,
schaftliche Anliegen jedoch wesentlich stärker als die
Wanderungsbewegungen und Flüchtlingsströme,
Vereinigten Staaten.
Bevölkerungswachstum, Waffentransfer und Drogenhandel gewinnen ständig an Bedeutung. Die anhalten- Mit der Beseitigung der Hauptbedrohung für den
de und sogar verstärkte Unterstützung der Entwick- Weltfrieden wird sich der Vorrang, den die meisten
lung ärmerer Länder muß ebenfalls auf der Tagesord- Länder wirtschaftlichen Fragen einräumen, erheblich
nung stehen.
verstärken. Diese Tendenz wird - zumindest in den
nächsten Jahren - durch die weltweite KonjunkturDie zentrale Aufgabe bei der Entwicklung einer neuen schwäche noch verschärft werden, während die Vereiamerikanischen Außenpolitik besteht darin, Prioritä- nigten Staaten mit ihren tiefgreifenden Strukturprobleten zu setzen und zentrale Themen auszuwählen. men kämpfen, die westeuropäischen Staaten ihre
Diese Entscheidungen müssen sich aus den nationa- Inflationsraten und Haushaltsdefizite reduzieren, um
len Interessen der Vereinigten Staaten herleiten, die sich für die Wirtschafts- und Währungsunion zu qualisich stark auf den wirtschaftlichen Bereich verlagert fizieren und sich Japan an Arbeitskräftemangel und
haben. Der Anteil des Handels an der amerikanischen das Zerplatzen seiner finanziellen Luftblase anpaßt.
Wirtschaft ist seit 1960 um das Zweieinhalbfache Das Ergebnis wird ein noch stärkerer Wettbewerb um
gestiegen. Aus- und Einfuhren von Waren und Dienst- Märkteund Investitionen auf der ganzen Welt sein. Die
leistungen erreichen nahezu ein Viertel des gesamten Aussichten auf eine weltweite Verknappung von SparBruttoinlandsprodukts. Die Vereinigten Staaten sind einlagen würde - falls es erneut zu stärkerem Wirtheute ebenso wie die Europäische Gemeinschaft (EG) schaftswachstum käme - den Kampf um Kapital verfeals Gruppe und Japan stark vom Handel abhängig. Als stigen und sogar noch verschärfen. Wenn die Urugrößter Schuldner der Welt und Land mit anhaltend guay-Runde des Allgemeinen Zoll- und Handelsabhohen Außenhandelsdefiziten bauen die Vereinigten kommens (GATT) fehlschlagen sollte, was hauptsächStaaten darüber hinaus auf beträchtliche Kapitalzu- lich aufgrund der mangelnden europäischen Bereitflüsse aus dem Ausland.
schaft zur Reform der Agrarpolitik der Fall wäre, würde
sich der europäisch-amerikanische Handelskonflikt zu
Überdies ist die amerikanische Wirtschaft inzwischen den bereits bestehenden japanisch-amerikanischen
erheblich von exportgestütztem Wachstum abhängig: Spannungen gesellen. Damit würde ein ZweifrontenDie jährliche Handelsbilanz hat sich seit 1987 real um krieg im Handel drohen, der die Vorrangstellung der
über 120 Milliarden Dollar verbessert. Sie hat 1990 die Wirtschaft noch schärfer akzentuieren würde.
Hälfte des US-Wirtschaftswachstums hervorgebracht
und 1991 die Rezession um die Hälfte vermindert. Die Selbst die bereits angeführten "nichtökonomischen"
von den achtziger Jahren übernommenen massiven Fragen sind von wesentlichen wirtschaftlichen InhalHaushaltsdefizite schließen einen bedeutenden Ein- ten geprägt. Konflikte am Persischen Golf, der instasatz der Steuerpolitik zur Ankurbelung der Konjunktur bilsten aller Regionen, konzentrieren sich häufig auf
aus. Der erforderliche Defizitabbau wird die Wirtschaft Erdöl. Das Wachstum in der Dritten Welt ist für den
tatsächlich für einige Zeit belasten. Die Brüchigkeit Absatz amerikanischer Exporte ebenso wichtig wie für
des Finanzsystems und der Überhang privater Schul- humanitäre Impulse. Die Bevölkerungsexplosion wird
den begrenzen die Auswirkungen einer lockereren letztlich nur durch raschere wirtschaftliche EntwickGeldpolitik, wie die magere Reaktion auf die wiederhol- lung eingedämmt werden können. Es wird klar, daß
ten und beträchtlichen Zinssenkungen durch die Bun- die Schädigung der Umwelt große wirtschaftliche Kosten
desnotenbank verdeutlicht. Die Vereinigten Staaten verursachen kann. Waffenlieferungen werden mindetreten also in ein Jahrzehnt ein, in dem die normaler- stens ebensosehr von wirtschaftlichen wie von sicherweise für die Förderung der Inlandsnachfrage zur heitspolitischen Interessen motiviert. Die außenpolitiVerfügung stehenden politischen Werkzeuge nicht sche Tagesordnung der Zukunft kehrt wiederholt zur
vorhanden sind, und sie werden sich bis weit in die Wirtschaft zurück.
neunziger Jahre auf ausländische Märkte stützen
müssen.
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�Der Primat wirtschaftlicher über sicherheitspolitischen
Fragen wird einen zweiten grundlegenden Wandel
herbeiführen: Drei ungefähr gleich starke wirtschaftliche Supermächte (Tripolarität) werden zwei ungefähr
gleich starke militärische Supermächte (Bipolarität) im
Zentrum des Weltgeschehens ablösen. Die Europäische Gemeinschaft hat bereits eine größere Volkswirtschaft als die Vereinigten Staaten und wird im Hinblick
auf Weltwirtschaftsfragen zunehmend als einheitliche
Kraft auftreten. Japan ist bereits das größte Gläubigerland der Welt und bei zahlreichen Technologien
führend. Seine Volkswirtschaft wird in absoluten Dollarzahlen zu Beginn des nächsten Jahrzehnts ebenso
stark sein wie die der Vereinigten Staaten (wenn sie
gegenüberden 2-2,5 Prozent Wachstum der Vereinigten Staaten jährlich um 4 Prozent wächst und der
Wechselkurs des Yen zum Dollar auf 100:1 steigt). Die
Vereinigten Staaten, Japan und die EG hängen etwa
gleich stark von internationalem Handel und Kapitalströmen ab - niemand könnte also einen Handelskrieg
in der Annahme führen oder begrüßen, daß andere
mehr verlieren würden. Zwischen den drei großen
Wirtschaftsräumen herrscht bereits in den wichtigsten
Kriterien, die den globalen Status bestimmen, ein
Gleichstand.

osteuropäischen Mitgliedstaaten des ehemaligen
Warschauer Pakts unterzeichnen bereits Assoziierungsabkommen mit der EG und werden vermutlich
innerhalb eines Jahrzehnts Mitglieder werden. Die
baltischen Staaten und mehrere andere Republiken,
die aus der Asche der Sowjetunion emporgestiegen
sind, streben ähnliche Arrangements an. Rußland
selbst könnte sich in absehbarer Zukunft mit Westeuropa assoziieren. Die NATO erarbeitet bereits neue
Modelle der Zusammenarbeit mit den ehemaligen
Gegnern.

In Asien würde die Einführung des von Malaysia vorgeschlagenen Ostasiatischen Wirtschaftsausschusses
die erste moderne panasiatische Gruppierung darstellen. Sie könnte frühere Gegner - insbesondere China,
möglicherweise aber auch Vietnam und Nordkorea einbeziehen, ebenso wie Rußland in die europäischen
Abkommen eingebunden werden könnte. Ähnliche
Muster werden aufgrund der jüngsten explosionsartigen Zunahme subregionaler Pakte in Lateinamerika,
wie etwa der gemeinsame Markt (Mercosur) in Südamerika und der wiederbelebte Andenpakt erkennbar.
Diese lateinamerikanischen Bemühungen werden teilweise von dem Wunsch motiviert, sich für spätere
Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten über eine
Drittens wird die ideologische Konfrontation des Kalten Erweiterung der Nordamerikanischen FreihandelszoKrieges zwischen Kapitalismus und Kommunismus ne (North American Free Trade Area - NAFTA) zu
wahrscheinlich vom Wettbewerb zwischen alternati- einer Freihandelszone für die westliche Hemisphäre
ven Versionen der Marktwirtschaft abgelöst werden. zu qualifizieren, beziehungsweise die Position für dieIn der japanischen "nichtkapitalistischen Marktwirt- se Verhandlungen zu stärken.
schaft" verfolgen die Unternehmen die Interessen der
Angestellten, Lieferanten und Gemeinden stärker als All diese Veränderungen sind äußerst wünschensdie der Aktionäre und haben deshalb Leitungssyste- wert. Selbst Handelskriege sind weit weniger bedrohme, die sich von denen amerikanischer Firmen we- lich als ein nuklearer Holocaust. Die Konkurrenz
sentlich unterscheiden. Klar ist, daß Japan die Pro- zwischen Demokratien mit Marktwirtschaften ist der
duktion im Gegensatz zum Verbrauch erheblich höher Konfrontation mit einem unversöhnlichen ideologischen
einschätzt als die Vereinigten Staaten. Der Staat spielt Gegner, dessen Ziel die Weltherrschaft ist, bei weitem
beim japanischen Modell sicherlich eine wesentlich vorzuziehen. Der Wandel in der Szenerie stellt einen
stärkere Rolle als beim angelsächsischen. Westliche historischen Triumph der Vereinigten Staaten und
Beobachter untersuchen das japanische und andere ihrer Verbündeten dar.
asiatische Modelle sehr aufmerksam, um herauszufinAber die Welt geht nun zu neuen Herausforderungen,
den, was man daraus zur Verbesserung der Wirtzu neuen Machtkonfigurationen und sogar zu neuen
schaftsleistung des Westens lernen könnte.
Bedrohungen über. Es gibt keine Zeit, um sich in den
Die Sozialleistungssysteme des kontinentalen Euro- Erfolgen der jüngsten Vergangenheit zu sonnen. Die
pas bieten eine weitere Alternative zum amerikani- Vereinigten Staaten müssen die neuen Realitäten
schen Modell. Der Staat spielt bei der Leitung wenn verstehen und darauf reagieren, wenn sie ihre nationanicht sogar Verdrängung privater Aktivität eine we- len Interessen effektiv verfolgen und eine neue, gesentlich stärkere Rolle. Banken haben erheblich mehr schlossene Außenpolitik gestalten wollen.
Einfluß auf die Unternehmensleitung, insbesondere in
Amerikanische Aufgaben, amerikanische DilemDeutschland.
mas
Der vierte mögliche Wandel betrifft die Bündnisarran- Die amerikanische Außenpolitik muß in diesem neuen
gements. Das Regime bilateraler und multilateraler Zeitalter drei Hauptziele verwirklichen, von denen jedes
Gruppierungen aus der Zeit des Kalten Krieges, das für die Vereinigten Staaten ein großes Dilemma darauf die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion aus- stellt. Am wichtigsten werden Bestrebungen zur Vergerichtet war und sich bis nach Vietnam oder Kuba wirklichung amerikanischer Wirtschaftsziele sein. Es
erstreckte, weicht sehr verschiedenen und in einigen ist unmöglich, sich ein wohlhabendes Amerika oder ein
Fällen natürlicheren regionalen Gruppierungen. Die Amerika, das die Führungsrolle in der Welt auf rechter-

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�hält, ohne eine Außenpolitik vorzustellen, die die wirtschaftlichen Interessen des Landes effektiv unterstützt.

ben, weil für die Schwäche der Binnenwirtschaft zunehmend äußere Faktoren sowie das Scheitern der
eigenen Unterhändler verantwortlich gemacht werden. Ebenso, wie die Gewerkschaften in den sechziDie Wirtschaftsziele der Vereinigten Staaten konzen- ger und siebziger Jahren die liberale Handelskoalition
trieren sich darauf, durch die Erlangung und Bewah- verließen, als sie zu dem Schluß kamen, freier Handel
rung offener Märkte für internationalen Handel und liege nicht länger in ihrem Interesse, werden die UnterInvestitionen den Lebensstandard des Durchschnitts- nehmer und andere Gruppen, die das weltweite Engaamerikanersund die Konkurrenzfähigkeit der amerika- gement der Vereinigten Staaten unterstützt haben,
nischen Wirtschaft anzuheben. Trotz seiner Größe eine zunehmend ambivalente Haltung einnehmen kann der amerikanische Markt nicht vollständig wett- oder sogar die Seiten wechseln -, wenn Washington
bewerbsfähig und effizient sein, wenn seine Unterneh- nicht nachdrücklich genug für ihre finanziellen Interesmen und Arbeitskräfte nicht durch die Verfügbarkeit sen eintritt. Die neue amerikanische Außenpolitik wird
ausländischer Produkte und Dienstleistungen ständig sowohl ein starkes wirtschaftliches Fundament im
Impulse erhalten. Darüber hinaus können amerikani- Inland als auch erfolgreiche Wirtschaftsinitiativen im
sche Unternehmen und Arbeitnehmer ohne Zugang zu Ausland benötigen.
wichtigen Auslandsmärkten auch nicht ihr vollständiges Potential entfalten, da die Weltwirtschaft viermal Eine zweite kritische Aufgabe der amerikanischen
so groß ist wie ihre eigene. Wegen ihrer Auswirkungen Politik wird darin bestehen, reibungslose Beziehungen
auf die US-Handelsbilanz, die Wettbewerbsposition zwischen den wirtschaftlichen Supermächten aufrechteinzelner amerikanischer Industriezweige und die zuerhalten, ebenso wie sie früher bestrebt war, die
binnenwirtschaftlichen Maßnahmen der Handelspoli- Spannungen mit derSowjetunionzu begrenzen. Dafür
tik müssen die innere und die äußere Liberalisierung gibt es sowohl positive als auch negative Gründe.
Hand in Hand gehen - da die faire Behandlung ameri- Positiv ist, daß alle Länder (zumindest zusammengekanischer Exporte durch andere unerläßlich ist, um es nommen) von einem offenen Welthandel und Investiden Vereinigten Staaten zu ermöglichen, ihren eige- tionsklima Vorteile haben. Daher erfordert ein Maxinen Markt offenzuhalten.
mum an Wohlstand für die Menschen auf der ganzen
Welt, einschließlich der Amerikaner, eine gezielte
Die Wiederherstellung der Wettbewerbsstärke Ameri- Zusammenarbeit zwischen den großen Industrienatiokas ist darüber hinaus entscheidend für den globalen nen. Jetzt können sie anstelle des verlustbringenden
Status des Landes. Japan konnte während des Kalten Sicherheitsspiels aus dem Zeitalter des Kalten Krieges
Krieges als "wirtschaftlicher Gigant und politischer dem gewinnbringenden Spiel der Weltwirtschaft PrioZwerg" beschrieben werden, aber die Vereinigten rität einräumen.
Staaten müssen in den kommenden Jahren verhindern, daß für sie der umgekehrte Fall eintritt. Von Gleichzeitig dürfen die unvermeidbaren Kontroversen
Bundeskanzler Helmut Kohl wird berichtet, er habe über Wirtschaftsfragen und anderes nicht in schädlierklärt, "wir wissen, wer die Medaillen bei den Olympi- che Konflikte unter relativ Gleichgestellten ausarten schen Spielen der Wirtschaft im Jahr 2000 gewinnen die Vereinigten Staaten könnten hierbei zu den Verliewird, aber wir wissen nicht, welche Länder Gold, Silber rern gehören. Darüber hinaus ist es gar nicht so
und Bronze nach Hause bringen werden". Die unein- undenkbar, daß Spannungen zwischen den Wirtschaftsgeschränkte amerikanische Beteiligung an den ele- giganten zu größeren Konflikten ausarten könnten. Es
mentaren globalen Entscheidungen, wenn nicht sogar gibt viele historische Beispiele für das Scheitern interdie amerikanische Fähigkeit, weiterhin eine Führungs- nationaler Systeme dabei, dem Status und den legitirolle auszufüllen, steht auf dem Spiel - wie es die Briten men Bestrebungen aufsteigender Mächte Rechnung
dieses Jahrhundert bereits in den Jahrzehnten ihres zu tragen.
Niedergangs erfahren mußten.
Außerdem ist es, wie schon Flora Lewis, Kolumnistin
Aber ebenso, wie das Interesse der Vereinigten Staa- der New York Times in ihrer Abhandlung in der
ten an der Verwirklichung ihrer Wirtschaftsziele enorm Ausgabe von Foreign Policy vom Winter 1991/92
zugenommen hat, ist die Fähigkeit des Landes, dies zu scharfsinnig feststellte "ein einzigartiges Phänomen
tun, aufgrund des Aufstiegs der neuen wirtschaftlichen (dieses) Zeitalters, daß die wirtschaftliche und die
Supermächte und anderer äußerst wettbewerbsfähi- militärische Macht nicht in denselben Händen liegen" ger Länder (wie der asiatischen Schwellenländer) jäh ganz im Gegensatz zu früheren Zeiten in der Geschichte. In der Frühjahrsausgabe 1992 von Foreign
gesunken.
Policy stellte Yoichi Funabashi, Kolumnist von Asahi
Dies ist das erste Dilemma, vor dem die US-Außenpo- Shimbun, fest, daß die Kontroversen zwischen den
litik heute steht: Die Vereinigten Staaten werden in Vereinigten Staaten und Japan sich bereits jenseits
internationalen Wirtschaftsverhandlungen zunehmend wirtschaftlicher Fragen auf politischer Ebene abspielals Fordernder auftreten, jedoch weniger in der Lage ten. Ein übereilter miitärischer Rückzug der Vereinigsein, ihre Ziele zu erreichen. Dies wird es in der Folge ten Staaten aus Europa und Asien könnte sogar andeextrem erschweren, eine aktive Außenpolitik zu betrei- re Wirtschaftsmächte dazu bringen, mehr Geld für ihr
Se'rte 4

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�Militär auszugeben und das Risiko zukünftiger Konfrontationen weiter zu erhöhen.
Natürlich sind Kontroversen über Wirtschaftsfragen
zwischen Europa, Japan und den Vereinigten Staaten
nichts Neues. Ihr Charakter und vielleicht auch ihre
Bedeutung werden jetzt jedoch ganz anders beschaffen sein. Der Beginn eines Mächtegleichgewichts
zwischen den dreien bedeutet, daß Washington nicht
länger aufgrund seiner überlegenen Wirtschaftsmacht
das Sagen hat. Aber weder Japan noch Westeuropa
können die Vereinigten Staaten als methodisch vorgehenden Schiedsrichter wirtschaftlicher Streitigkeiten
ersetzen, und die drei haben weder gemeinsam gehandelt, um das zu tun, noch diese Befugnis einer der
internationalen Organisationen übertragen. Folglich
gibt es keinen verläßlichen Mechanismus für die friedliche Beilegung von Streitigkeiten zwischen den Wirtschaftsmächten.
Noch wichtiger ist, daß, wie ich schon in der Ausgabe
vom Sommer 1990 von Foreign Affairs voraussagte,
die führenden Politiker Amerikas, Europasund Japans
nicht länger, wie es während des Kalten Krieges der
Fall war, gezwungen sind, dem Erhalt ihrer Allianzen
übergroße Bedeutung einzuräumen und folglich Konflikte über Wirtschaftsfragen und anderes zu unterdrücken. Ohne die Sicherheitsfrage, die sie aneinander bindet, können wesentlich schneller ernste Antagonismen zwischen den Wirtschaftsmächten entstehen. Eswäre wirklich eine IroniederGeschichte, wenn
sich die marxistische Prophezeiung eines unvermeidlichen Konfliktes zwischen den kapitalistischen Nationen als Ergebnis des Zusammenbruchs des marxistischen politischen Systems bewahrheiten würde.
Trotzdem muß die Eindämmung der Gefahr eines
Konfliktes zwischen den Wirtschaftsmächten die Eindämmung eines militärischen Risikos aus der Zeit des
Kalten Krieges als primäre Aufgabe der amerikanischen Außenpolitik ersetzen.
Es gibt natürlich eine immanente Spannung zwischen
der Verteid igung der amerikanischen Wirtschaftsinteressen und der Pflege guter Beziehungen zwischen
den Wirtschaftsgiganten. Eine aggressive Verfolgung
ihrer nationalen Wirtschaftsinteressen wird die Vereinigten Staaten oft zum Gegner der EG oder Japans
oder manchmal beider machen und somit die Beziehungen zwischen den dreien in Gefahr bringen. Das ist
das zweite Dilemma, dem sich eine auf Wirtschaftsfragen konzentrierte amerikanische Außenpolitik gegenübersieht.
Ein drittes wichtiges Ziel der amerikanischen Außenpolitik in der Zeit nach dem Kalten Krieg wird die
Förderung kollektiver Sicherheitsvorkehrungen sein.
Die Vereinten Nationen stellten im Golfkrieg einen
Rahmen für die Allianz gegen den Irak zur Verfügung
und die UNO (sowie einige regionale Organisationen)
wird immer wieder mit schwierigen und kostspieligen
Missionen zur regionalen Friedenssicherung betraut.
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Vereinbarungen zur kollektiven Sicherheit werden wahrscheinlich im Mittelpunkt der Sicherheitspolitik der
Vereinigten Staaten stehen.
Wie schon während des Golfkrieges wird sich die Welt
wahrscheinlich weiterhin auf die militärische Stärke
Amerikas stützen wollen, wenn regionale Instabilität
eine bewaffnete Antwort erfordert. Die Vereinigten
Staaten müssen jedoch weiterhin darauf drängen, daß
auch andere Länder ihre Streitkräfte einsetzen und
daß die anderen Wirtschaftsmächte neben den direkt
betroffenen Ländern, die sich das leisten können,
einen Großteil der Rechnungen bezahlen.
"Kollektive Führung''während des Golfkrieges bedeutete, daß die Vereinigten Staaten die Führung übernahmen und das Geld einsammelten - die Einnahmen
überstiegen ihre marginalen militärischen Kosten, und
die Vereinigten Staaten erzielten aus dem Konflikt
einen wirtschaftlichen Gewinn. Infolgedessen wurde
in einigen Hauptstädten, vor allem in Tokio und Bonn,
ein neuralgischer Punkt berührt. In Zukunft wird die
Aufteilung der Lasten und der damit verbundenen
Pflichten organisiert werden müssen, um in allen beteiligten Ländern die politische Unterstützung zu gewährleisten.
Aber die unvollständige Überlappung zwischen den
führenden Ländern im Bereich von Wirtschaft und
Sicherheit machen dies sehr schwierig. Eine erweiterte Rolle der UNO in Sicherheitsfragen verleiht den
Mitgliedern des Sicherheitsrates - China, Frankreich,
Rußland, Großbritannien und den Vereinigten Staaten
- entscheidende Befugnisse. Die größten Geldgeber
werden jedoch Japan und die EG (wobei Deutschland
eine Schlüsselrolle spielt) sein, und man kann von
ihnen Geld wohl nur erwarten, wenn ihre Ansichten in
Entscheidungen zu Sicherheitsfragen ihren Niederschlag finden. Das dritte Dilemma der amerikanischen
Außenpolitik besteht darin, wie bei diesem ungleichen
Einfluß auf Sicherheits- und Wirtschaftsfragen ein
Ausgleich geschaffen werden kann.
Beim Entwurf einer neuen Außenpolitik werden die
Vereinigten Staaten folglich drei verwandte Ziele ansteuern und drei Dilemmas überwinden müssen. Sie
werden ihre eigenen Wirtschaftsinteressen trotz einer
starken Verringerung ihrer relativen Wirtschaftsmacht
fördern müssen. Sie müssen freundschaftliche Beziehungen zwischen den wirtschaftlichen Supermächten
pflegen und mit ihnen zusammenarbeiten, um eine
offene, global orientierte Weltwirtschaftsordnung zu
schaffen, während sie ihre enger gefaßten Wirtschaftsinteressen im Inland verfolgen. Und sie werden neue
Systeme kollektiver Sicherheit benötigen, die von den
Beiträgen verschiedener Ländergruppierungen in den
Bereichen Politik und Wirtschaft abhängen.
Solche Ziele standen bisher nicht an der Spitze der
Tagesordnung in Washington - oder auch nur in ihrer
Nähe. Einige dieser Ziele sind in der Vergangenheit

Seite 5

�mit einer Begründung verfolgt worden, die im Kampf
des Kalten Krieges wurzelt. Jetzt ist zweifellos ein
neuer Ansatz vonnöten.

eigenen Weg - ohne die Vereinigten Staaten - zu
gehen. Ende der siebziger Jahre schuf die EG das
Europäische Währungssystem vor allem, um der aufgrund der durch die Orientierung am Dollar geschaffeEine neue Außenpolitik
nen Instabilität zu entgehen. In jüngster Zeit trug die
scheinbare Unfähigkeit der Vereinigten Staaten, den
Eine Politik, die den Wirtschaftsinteressen der VereiIWF und die Weltbank zu unterstützen, zum Wunsch
nigten Staaten dient und neue Wirtschafts- und Sicherder Europäer nach einer alternativen Organisation bei
heitssysteme schafft, hätte fünf Hauptbestandteile:
- der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung
-, bei der sie eine vorherrschende Rolle
Die grundlegende Reform der Institutionen im
spielen
und
die sie zur Unterstützung der WirtschaftsInland, um die Wettbewerbsfähigkeit der amerireformen
in
Osteuropa
und der früheren Sowjetunion
kanischen Wirtschaft, auch im Welthandel und
nutzen
können.
Japans
stillschweigende Billigung des
im Finanzsektor, zu verbessern.
von Malaysia vorgeschlagenen Ostasiatischen WirtDie schrittweise Truppenreduzierung der Verei- schaftsausschusses, der die Vereinigten Staaten
nigten Staaten zur Minimierung der Aufrüstungs- ausschließt, steht zweifelsohne in Zusammenhang mit
japanischen Zweifeln über die zukünftige Stärke und
anreize für die neuen Wirtschaftsmächte.
Politik der Vereinigten Staaten.
Die Pflege enger bilateraler Beziehungen mit
den wichtigsten Wirtschaftsmächten, allen vor- Umden erforderlichen wirtschaftlichen Aufschwung zu
an Westeuropa und Japan, aber auch Saudi erlangen, wird man auf drei Ebenen handeln müssen,
Arabien und anderen, die für die Weltwirtschaft wie es kürzlich in dem ersten Jahresbericht des
von Bedeutung sind.
Competitiveness Policy Council an den Präsidenten
und den Kongreß beschrieben wurde, einer überparDie Verabschiedung einer Reihe von Initiativen, teilichen nationalen Kommission, deren zwölf vom
mit denen die Vereinigten Staaten, ein sich ver- Präsidenten, dem Senat und vom Repräsentanteneinendes Europa und Japan (die Gruppe der haus ernannte Mitglieder aus Vertretern von WirtDrei oder G-3) erneut eine offene, auf gemein- schaft, Gewerkschaften, Regierung und der Öffentsamen Rechten und Pflichten basierende Welt- lichkeit bestehen. Bedeutsame Veränderungen in der
wirtschaft schaffen würden.
makroökonomischen Politik werden notwendig sein,
um
die Spar- und Investitionsraten des Landes zu
Die Institutionalisierung eines Systems kollektierhöhen,
die für die Steigerung des nationalen Produkver Sicherheit, hauptsächlich durch die Vereintivitätszuwachses
entscheidend sind, der zur Zeit jedoch
ten Nationen, das politische, militärische, wirtder
bei
weitem
niedrigste aller Industrieländer ist.
schaftliche und finanzielle Vereinbarungen
Daher
muß
das
Haushaltsdefizit
durch eine sorgfältig
umfassen würde.
geplante Kombination von Kürzungen im VerteidiDas Kernstück jeder wirksamen amerikanischen gungshaushalt und bei gesetzlich festgelegten AusgaAu ßenpolitik mu ß eine substantielle Verbesserung der ben sowie durch die Spartätigkeit fördernde SteuererLeistung und internationalen Wettbewerbsfähigkeit der höhungen in einen Überschuß umgewandelt werden.
amerikanischen Wirtschaft bilden. Ganz oder teilwei- Auch werden wohl grundlegende Änderungen im Steuse aufgrund ihrer verschlechterten Wirtschaftslage ersystem nötig sein, um Anreize zu größererSpar- und
sind die Vereinigten Staaten gefährlich nahe daran, bei Investitionstätigkeit zu geben. (Die Vereinigten Staaeiner wachsenden Zahl globaler Fragen keine ernst- ten sind bereits das größte Schuldnerland der Welt und
hafte Rolle mehr spielen zu können, ganz zu schwei- es wäre unsicher und unklug, zur Finanzierung der
gen von einer führenden Rolle. Beispiele hierfür sind Innpolitik weiterhin Anleihen im Ausland aufzunehdie Unterstützung von Wirtschaftsreformen und De- men.)
mokratie in Osteuropa und der ehemaligen Sowjetunion, die Energiepolitik und das damit einhergehende Strukturreformen sind zur Stärkung der amerikaniProblem der Erderwärmung und sogar die Aktivitäten schen Bildungs- und beruflichen Ausbildungssysteme,
ihrer "eigenen" internationalen Finanzinstitutionen zur Reduzierung der Kosten im Gesundheitswesen
(Internationaler Währungsfonds und Weltbank). Wich- sowie zur Verbesserung der Unternehmenskontrolle
tiger noch ist, daß die Unterstützung im Inland für eine und Kommerzialisierung von Technologie notwendig.
aktive Außenpolitik schwinden wird, wenn die Wirt- Durchdachte sektorspezifische innenpolitische Maßschaftslage trotz großen internationalen Engagements nahmen können der Entwicklung von Schlüsselindustrien förderlich sein, wie es in der Vergangenheit im
weiterhin so schlecht bleibt.
Hinblick auf die Landwirtschaft, die zivile LuftfahrtinduEine weitere Erosion der wirtschaftlichen Position strie und zahlreiche andere im Zusammenhang mit der
Amerikas wird bei anderen wichtigen Ländern zuneh- Verteidigung stehende Produkte der Fall war. Eine
mende Erbitterung und sogar Verachtung hervorrufen. umfassende, diese drei Elemente beinhaltende WettDieser beunruhigende Trend wird sie ermutigen, ihren bewerbsstrategie, einschließlich staatlicher Hilfe für

Seite 6

AMERIKA DIENST 46

�diejenigen, die unter dem Prozeß der erforderlichen
Anpassung leiden, kann eine Alternative zu Protektionismus oder einer gelenkten Handelspolitik bieten, die
die amerikanische Konkurrenzfähigkeit eher untergraben würden, anstatt sie zu fördern. Solch eine Strategie würde nicht nur die wirtschaftliche Stärke Amerikas
wiederherstellen, sondern könnte auch eine offene
Weltwirtschaft aufrechterhalten helfen und das Dilemma lösen, gleichzeitig die amerikanischen Wirtschaftsinteressen verfolgen und Konflikte mit anderen wirtschaftlichen Supermächten begrenzen zu wollen. Die
Strategie ist sowohl aufgrund außenpolitischer Überlegungen als auch aus "rein wirtschaftlichen" Gründen
erforderlich.
Das zweite Element einer neuen Außenpolitik besteht
darin, das Tempo und die Verteilung des amerikanischen Truppenabbaus zu mäßigen. Erneute militärische Aufrüstung in Europa und insbesondere Japan
würde beträchtliche Unsicherheit hervorrufen, aber es
gibt wenige Beispiele in der Geschichte, daß Wirtschaftsmächte die Verantwortung für ihre eigene Sicherheit scheuten. Diejenigen, bei denen das der Fall
war, - wie heute beispielsweise Kuwait und Saudi
Arabien - mußten häufig Hilfe von außen in Anspruch
nehmen. Deutschland und Japan haben sich während
der Nachkriegszeit nur aufgrund ihrer einzigartigen
historischen Umstände auf andere verlassen.
Die Vereinigten Staaten werden eine Zeitlang einen
"relativen Vorteil" bei der Gewährung von militärischem Schutz sowohl atomarer als auch konventioneller Art für andere Länder haben. Es ist wohl kaum
irrational von den Vereinigten Staaten, nachdem sie
Billionen von Dollar investiert haben, einen solchen
Vorteil zu schaffen und ihre Mittel so einzusetzen, daß
ihren wirtschaftlichen und den für ihre weitere Sicherheit wichtigen Zielen gedient ist. Die beste Art und
Weise, das zu tun, ist die Beibehaltung einer angemessenen Militärpräsenz im Übersee und einer angemessenen allgemeinen Verteidigungsfähigkeit, um die neuen
Supermächte von Aktionen abzuhalten, die zu Reibungen führen könnten. Glücklicherweise wollen die
meisten Europäer und Asiaten, einschließlich der wirtschaftlichen Supermächte, daß die amerikanischen
Streitkräfte in ihrem Land bleiben. Es ist auch kostengünstiger, die amerikanischen Truppen im Ausland zu
stationieren, anstatt zu Hause, vor allem in Japan, wo
die japanische Regierung den Großteil der Kosten
trägt.

ren Einsatz entweder alleine oder zusammen mit anderen
treffen, wobei sie zweifellos das Vetorecht behalten
würden.
Es zeichnet sich wiederum ein schwieriger Handel ab.
Beim Verteidigungshaushalt sind große Einschnitte
notwendig, um das Haushaltsdefizit in einen Überschuß umzuwandeln. Die Freisetzung von hochqualifiziertem Humankapital und Finanzmitteln wird zur
Wiederherstellung der wirtschaftlichen Stärke der
Vereinigten Staaten beitragen. Amerikas Wirtschaftsund umfassendere Sicherheitsinteressen würden jedoch durch übermäßige Kürzungen gefährdet, und
daher müssen die Maßnahmen ein sorgfältiges Gleichgewicht bewirken.
Das dritte Element der außenpolitischen Strategie der
Vereinigten Staaten sollte die Pflege enger bilateraler
Beziehungen zu den wichtigsten Wirtschaftsmächten
sein. Die Beziehungen zu Japan dürfen sich nicht
soweit verschlechtem, daß man sich einhellig aus dem
Dollargeschäft zurückzieht, was sowohl die Inflation
als auch die Zinssätze in den Vereinigten Staaten in die
Höhe schnellen ließe und Technologien der Spitzenklasse den Zugang zum amerikanischen Markt verwehren würde. Die Beziehungen zu Saudi Arabien
müssen Washingtons Fähigkeit erhalten, auf dieses
Land zur Sicherung angemessener ölvorräte zu vernünftigen Preisen zurückgreifen zu können.
Es sollte relativ einfach sein, solche Beziehungen
aufrechtzuerhalten, denn weder Japan noch Saudi
Arabien haben andere Freunde in der Welt, an die sie
sich wenden können. Diejenigen im Land, die gegen
Japan eingestellt sind und die Araber ablehnen, sprechen sich gegen solche Beziehungen aus, aber für
eine auf die Wirtschaft konzentrierte Außenpolitik sind
sie entscheidend. Der von den Vereinigten Staaten
gewährte militärische Schutz dieser Staaten gegen
Bedrohungen der Sicherheit wäre ein essentieller
Bestandteil dieses Handels.

Mit Europa, das wirkliche Alternativen zu engen Beziehungen mit den Vereinigten Staaten hat, ist das Problem viel komplizierter. Europa räumt seinen Nachbarn im Osten bereits Vorrang ein und leitet Initiativen
zur Erweiterung seiner Bindungen zu Asien in die
Wege, wodurch die seichteste Stelle der tripolaren
Beziehung vertieft werden soll. Zumindest ist es
unumgänglich, daß die Vereinigten Staaten Europa
und Asien nicht ermutigen, sich gegen sie zu verDie Tatsache, daß die Vereinigten Staaten in militäri- schwören, was aufgrund einer ganzen Reihe von
scher Hinsicht die Führungsrolle innehaben und ihre Ereignissen geschehen könnte: eine deutliche EntVerbündeten um Beteiligung an den Kosten bitten, scheidung für Protektionismus im Kongreß, eine weimacht sie ebensowenig zu den "Söldnern des 21. tere Aushöhlung der amerikanischen Wirtschaft und
Jahrhunderts" wie ihr Drängen darauf, daß andere den insbesondere die Auffassung, daß dieses Land "nie
Golfkrieg finanzieren sollten. Die Vereinigten Staaten sein Haus in Ordnung bringen wird", oder ein überwürden ihre eigenen nationalen Interessen verfolgen, stürzter Abzug der amerikanischen Truppen aus dem
indem sie Truppen im Ausland stationieren. Sie wür- Ausland. Eine jede dieser Entwicklungen würde natürden weiterhin alle wichtigen Entscheidungen über ih- lich den Einfluß der Vereinigten Staaten auf entscheidende zukünftige Probleme weiter schwächen.
AMERIKA DIENST 46

Seite 7

�Die größte Herausforderung für eine neue amerikanische Außenpolitik ist die Notwendigkeit, im Bereich
von Wirtschaft und Sicherheit Systeme kollektiver
Führung aufzubauen. Dies ist für künftige amerikanische Interessen von entscheidender Bedeutung, da
die Vereinigten Staaten nicht länger eine beherrschende Position haben, die amerikanische Öffentlichkeit
nicht mehr alles im Alleingang tun will und daraus die
Notwendigkeit entsteht, sowohl die Kosten als auch
die Pflichten zu teilen. Die Schaffung und Aufrechterhaltung solcher Systeme wird Jahre geduldigen Anspornens seitens Vereinigten Staaten und die Bereitschaft der anderen wichtigen Länder erfordern, die
neuen Regime einzuführen und eine gleichberechtigte
Rolle bei ihrer Handhabung zu akzeptieren.

weitere Option bestünde in der Globalisierung fester,
jedoch anpassungsfähiger Wechselkurse wie den vom
Europäischen Währungssystem seit Ende der siebziger Jahre verabschiedeten.

Am Anfang der wirtschaftlichen Bestrebungen muß
eine politische Erklärung stehen, die dem neuen internationalen Umfeld Rechnung trägt und die Schaffung
einer kollektiven Führungsstruktur zum Ziel hat. Eine
solche Erklärung würde feststellen, daß der Kalte
Krieg unter anderem die erneute Überprüfung der
Wirtschaftsinstitutionen fordert, die während der Periode der militärischen Konfrontation und amerikanischen Hegemonie gegründet worden waren. Sie
würde berücksichtigen, daß die bestehende Wirtschaftsordnung seit einiger Zeit im Zerfall begriffen ist, wie wir
anhand der internationalen Währungsinstabilität seit
dem Zusammenbruch der festen Wechselkurse von
1971 - 73 und der Aushöhlung der internationalen
Handelspolitik im vergangenen Jahrzehnt beobachten
konnten, als 20 der 24 Länder in der Organisation für
Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sich
praktisch in Richtung auf gelenkten Handel zubewegten. Sie würde die Ansicht verwerfen, daß "internationale Zusammenarbeit die Verfolgung innenpolitischer
Ziele" gefährdet, mit der Feststellung, das erstere
helfe nahezu immer dem letzteren, ausgenommen
kurzfristig.

Die verantwortlichen Minister könnten den Prozeß in
die Wege leiten, indem sie die Uruguay-Runde - wenn
sie immer noch unbeendet ist - zu einem raschen,
weitreichenden und erfolgreichen Abschluß bringen.
Der Agrarhandel müßte mit zusätzlichen Konzessionen der EG und Japans liberalisiert werden. Ebenso
würde der Textilhandel Konzessionen seitens der
Vereinigten Staaten und Europa verlangen. Der Handel
mit Dienstleistungen müßte mit Konzessionen von den
Vereinigten Staaten und Japan liberalisiert werden,
wobei keiner der wichtigen Sektoren ausgenommen
werden dürfte. Die Entwicklungsländer müßten das
Recht auf geistiges Eigentum anerkennen und der
Marktzugang für Waren und Dienstleistungen müßte
überall verbessert werden.

Die Eindämmung der Konfliktrisiken unter den wirtschaftlichen Supermächten muß an die Stelle der
Eindämmung des militärischen Risikos des Kalten
Krieges als Hauptzweck der amerikanischen Außenpolitik treten.
Die Staats- und Regierungschefs könnten dann ihre
Regierungsvertreter anweisen, anhand der neuen
Regeln und institutionellen Arrangements die Arbeit
aufzunehmen. Beispielweise würden die Finanzminister mit der Schaffung stabilerer Währungsvereinbarungen beauftragt, die anhaltendes weltweites Wachstum untermauern und die enormen Handelsungleichgewichte verhindern würden, die - wie Mitte der achtziger Jahre und jetzt mit einem erneut schnell zunehmenden Gesamtüberschuß der Japaner - schwerwiegende wirtschaftliche Verwerfungen bewirken und
Anreize für Protektionismus bieten. Ein mögliches
Arrangement wären Zielzonen für die stärksten Währungen, die sich auf die von der G-7 im Jahr 1987
verabschiedeten Referenzbereiche gründen. Eine
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Im Handelsbereich sollte das Ziel der Vereinigten
Staaten in der Wiederbelebung eines offenen und
global orientierten internationalen Systems bestehen.
Eine eindeutige Präferenz für ein solches Regime
anstatt regionaler Blöcke sollte zum Ausdruck kommen. Regionale Arrangements wie EG und NAFTA
sollten nur gefördert werden, wenn sie die standardisierten GATT-Kriterien der Nichtdiskriminierung erfüllen und Ergänzungen statt Alternativen zu einem global orientierten System darstellen.

Die Uruguay-Runde - so ehrgeizig sie zu sein scheint
- wird jedoch zahlreiche Fragen ungelöst lassen, von
denen die Welthandelspolitik geplagt ist. Die Minister
sollten deshalb unverzüglich die neue Tagesordnung
in Angriff nehmen und damit dem für gewöhnlich
stattfindenden Rückfall in Protektionismus im Anschluß
an die Runde vorbauen. Zu diesen Themen zählen
das Junktim zwischen Handel und Umweltpolitik,
Harmonisierung oder zumindest eine gewisse Annäherung des nationalen Wettbewerbs- und Steuerpolitik, Vereinbarungen über ausländische Direktinvestitionen und vielleicht neue Normen für die Einwanderung. Über Geld und Handel hinaus könnte die neue
Führung ferner die Erarbeitung kollektiver Ansätze
zum andauernden Energieproblem der Welt, zu
Umweltproblemen (insbesondere Erderwärmung) und
zum Waffenhandel anstreben.
In all diesen Bereichen würde die G-3 (oder im Augenblick die G-7) als inoffizieller Lenkungsausschuß operieren, um positive Reaktionen zu kanalisieren. Sie
würde weder neue Institutionen schaffen noch Entscheidungen für die bestehenden Organisationen diktieren. Sie würde andere wichtige Länder konsultieren, deren Ansichten in ihre eigenen Pläne zur Erlangung eines globalen Konsenses integrieren und versuchen, die neuen Ansätze in den globalen Institutionen
durchzuführen.

AMERIKA DIENST 46

�Die G-3 würde jedoch der Tatsache Rechnung tragen,
daß ihre Mitglieder - die Vereinigten Staaten, Japan
und eine erweiterte EG - rund zwei Drittel der Weltproduktion ausmachen. Sie muß schlicht und einfach die
Hauptverantwortung für das Funktionieren des Systems übernehmen, um sowohl den wirtschaftlichen
Fortschritt der Welt zu fördern als auch ihre Mitglieder
vor dem Auseinanderdriften zu bewahren. Sie könnte
gegebenenfalls im Verlauf des Prozesses Absprachen
in Problembereichen treffen, wie sie dies so erfolgreich
beim Bonner Gipfel von 1978 getan hat. Weil "die
Mäuse zertrampelt werden, wenn Elefanten kämpfen",
wären die kleineren und Entwicklungsländer die Hauptnutznießer, wenn eine effektive G-3-Führung eine
offenere und wohlhabendere Weltwirtschaft hervorbringen könnte.
Die hier vorgeschlagenen neuen Systemarrangements
werden den Vereinigten Staaten die beste Chance zur
Lösung des Dilemmas zwischen Verfolgung ihrer eng
defininierten Wirtschaftsinteressen und Verhinderung
eines konstanten Konflikts und eventuell drastischer
Verschlechterung der Beziehungen mit den anderen
wirtschaftlichen Supermächten einräumen. Es wird
immer gewisse Spannungen zwischen wichtigen
Handels- und Finanzpartnern geben, aber solche
Spannungen können endemisch werden, wenn es
sektorspezifischen Konflikten gestattet wird, die Wirtschaftsbeziehungen zu dominieren und sie nur auf
einer Ad-hoc-Basis behandelt werden. Dieses Muster
zeichnet sich zwischen Japan und den Vereinigten
Staaten ab - wofür Präsident Bushs Reise nach Tokio
im Januar 1992 und ihre Folgen symptomatisch sind nach ihrer anfänglich gesunden Konzentration auf
makroökonomische Themen in den Jahren 1985 bis
1987 und strukturelle Hemmnisse von 1989 - 90. Nur
die neuen Systemmechanismen, die Konflikte in von
ausgehandelten Regeln geleitete Verfahren kanalisieren, können Wirtschaftsprobleme lösen und gleichzeitig Schuldzuweisungen und die Suche nach einem
Sündenbock verhindern. Die japanisch-amerikanischen Beziehungen müssen insbesondere kooperative Systemverwaltung hervorheben, um sowohl die
sektorspezifischen Konflikte des Landes in den richtigen Kontext zu bringen und Techniken zu deren Lösung mit weniger Schärfe anzubieten. Die Vereinigten
Staaten haben die Welt in kluger Weise bei der Gründung multilateraler Institutionen für die erste Nachkriegszeit geführt. Unter den heutigen schwierigen
Umständen müssen sie wiederum die Führungsrolle
übernehmen - dieses Mal mit der Erarbeitung kollektiver Führungstechniken zur Wiederbelebung der Institutionen, um ihre eigene Hegemonie zu ersetzen.

diese untereinander und sind daher in der besten
Position, die neuen internationalen Arrangements zu
befürworten und durchzusetzen, die ihre Interessen
schützen. Es liegt im Interesse der Vereinigten Staaten, so bald wie möglich neue Regime bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung ihrer einzigartigen Position zu
scharfen. Der Positivsaldo des Ergebnisses sollte die
anderen entscheidenden Länder ebenfalls dazu veranlassen.
Das abschließende Element der amerikanischen
Außenpolitik sollte eine Initiative zur kollektiven Sicherheit sein, bei der gemeinsame Aktionen - sei es die
Durchführung einer erforderlichen Intervention oder
die Abschreckung von Weiterverbreitung und regionalen Konflikten - das Kernstück bilden. Auch hier sollten
die bestehenden Institutionen das zentrale Instrument
sein: die UNO und in gewissem Maße regionale
Organisationen. Eine institutionelle Erneuerung würde jedoch benötigt, um die wirtschaftlichen Supermächte in den inoffiziellen Lenkungsausschuß einzubeziehen, der die Führung übernehmen würde. Wie
von dem Politologen Joseph Nye und seinen Kollegen
in ihrem Bericht an die Trilaterale Kommission vom Juli
1991 vorgeschlagen, ist der vielversprechendste Ansatz
die Schaffung einer politischen "P-7" einschließlich
Japans und Deutschlands (bis die EG bei Sicherheitsfragen gemeinsam handeln kann) zusammen mit den
fünf derzeitigen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrats
(der "P-5"), die Konsultationen führen, bevor offizielle
kollektive Sicherheitsentscheidungen getroffen würden. Eine weniger formelle Variante - die bereits bei
der Lage in Kambodscha durch eine "P-10" Anwendung gefunden hat - ist die Gründung von Ad-hocKonsultativgruppen für jede Krise, denen stets die
wirtschaftlichen Supermächte angehören. Ein solches
Regime würde unabhängig von der genauen Technik
das Gefälle zwischen den Ländern beheben, das jetzt
Sicherheits- und Wirtschaftsfragen dominiert.

Es ist von entscheidender Bedeutung festzustellen,
daß nur die Vereinigten Staaten und Japan anfänglich
Teilnehmer der Wirtschafts- und sicherheitspolitischen
Lenkungsgruppen wären. Die EG kann noch bis auf
weiteres nicht als eine Einheit bei Sicherheitsfragen
fungieren. Obwohl Japan an den inoffiziellen P-7Konsultationen über Sicherheit beteiligt würde, ist es
nicht Ständiges Mitglied des Sicherheitsrats. Daher
wären die Vereinigten Staaten das einzige Mitglied
aller Komponenten des Prozesses und würden eine
einzigartige Rolle als "Lenker der Lenker" übernehmen. Davon würde ihr Status als einzige Supermacht
- sowohl in militärischer als auch wirtschaftlicher Hinsicht - profitieren. Darüber hinaus würden die Vereinigten
Staaten in die Lage versetzt, wirtschafts- und
Dank solcher Reformen werden die Vereinigten Staasicherheitspolitische
Themen in ihren bilateralen Beten ferner am besten zur Lösung des Dilemmas in der
ziehungen
zu
Japan
und den wichtigsten europäiLage sein, ihre nationalen Wirtschaftsziele trotz der
schen
Ländern
miteinander
zu verknüpfen und damit
Abnahme ihrer relativen Wirtschaftsmacht zu erlanihren
relativen
Vorteil
über
die
beiden Hemisphären
gen. Die Vereinigten Staaten haben sehr viel engere
hinweg
zu
maximieren.
Beziehungen mit Europa und Japan unterhalten als

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�Alternative Wege

Sollte sich die Welt in feindliche Blöcke aufteilen,
würden die Vereinigten Staaten versuchen, ebenso
Angesichts des Vorrangs von Wirtschaftsproblemen Arrangements für das Pazifische Becken zu entwickund der zunehmenden Dominanz der drei wirtschaftli- eln wie ihre Initiativen zur westlichen Hemisphäre zu
chen Supermächte werden globale Wirtschafts- (und verfolgen, indem sie auf die WirtschaftskooperationsSicherheits-) arrangements voraussichtlich einen von gruppe für Asien und den Pazifik aufbauen. Solche
zwei Wegen einschlagen. Der erste besteht in kollek- Bestrebungen könnten jedoch rasch durch die gleiche
tiver Führung durch die führenden Mächte, die inoffi- Rivalität mit Japan vereitelt werden, die die G-3-Koozielle Lenkungsausschüsse im bestehenden interna- peration in erster Linie verhinderte und zu einem
tionalen Rahmen - wie hier vorgeschlagen - leiten, um weiteren Dilemma führte: entweder einem Scheitern
ein kollektives Sicherheitsregime zu schaffen und eine der gesamten Kooperationsbestrebungen im Pazifioffene Weltwirtschaft wiederzubeleben. Der andere schen Becken oder einer Version, die Japan auszuWeg führt zu regionalen Blöcken, die zunehmend schließen versuchen und damit die gefährlichen natiorestriktiv und exklusiv würden. Solche Blöcke würden nalistischen Reaktionen in diesem Land verstärken
sich zu Anfang in einer wirtschaftlichen Hemisphäre würde.
hauptsächlich als Reaktion auf Mängel des globalen
Wirtschaftssystems entwickeln, die Geschichte belegt Die Devolution der Weltwirtschaft in feindliche Blöcke
jedoch, daß sie leicht in politische und sogar militäri- wäre für die Vereinigten Staaten außerordentlich rissche Bereiche ausufern können. Diese Tendenzen kant, und die amerikanische Au ßenpolitik sollte alles in
könnten durch einen verfrühten Rückzug der Vereinig- ihrer Macht Stehende tun, um dies zu verhindern.
ten Staaten aus ihrer globalen Sicherheitsrolle be- Gemeinsame Initiativen zur Organisation kollektiver
schleunigt werden - eine nur zu plausible Aussicht Sicherheit (durch die P-7) und globale Wirtschaftsarangesichts der innenpolitischen Wirtschaftsbedürfnis- rangements (durch die G-3) sind weit besser. Regiose der Vereinigten Staaten und der Unsensibilität nale Arrangements würden immer noch gebildet, aber
anderer Länder - wie der in der Uruguay-Runde vertre- diskriminierender und feindlicher Wettbewerb könnte
tenen - gegenüber dem Junktim zwischen Wirtschafts- verhindert werden, da ihre Beziehungen durch wirksaund militärischen Problemen in der amerikanischen me globale Vereinbarungen geregelt sind. In der Tat
Innenpolitik.
sollte eine neue kollektive Führung auf globaler Ebene
die Wert sicher für einen konstruktiven Regionalismus
Eine Welt der Blöcke würde fundamentalen amerikani- machen.
schen Interessen zuwiderlaufen. Europa und Japan
sind mit Abstand die größten Volkswirtschaften der Wenn die Vereinigten Staaten ihre WettbewerbsfähigWelt außerhalb der Vereinigten Staaten, und jede keit wiederherstellen, indem sie die innenpolitischen
gravierende Auflösung der Bindungen mit ihnen würde Reformen am Kern der vorgeschlagenen Strategie
die amerikanischen Bestrebungen zur raschen Expan- durchführen, würden jene kollektiven Arrangements
sion von Exporten und Anziehung ausländischer Inve- die vehemente Verfolgung der Wirtschaftsinteressen
stitionen nachhaltig lähmen.
der Vereinigten Staaten trotz ihres relativen wirtschaftlichen Niedergangs erleichtern. Auf internationaler
Darüber hinaus wäre der "natürliche Block" der Verei- Ebene würden die Arrangements ein neues Bindeglied
nigten Staaten die westliche Hemisphäre. Japan schaffen, um die Verbündeten zusammenzuhalten
würde Asien dominieren und die EG die Vorherrschaft und dem Risiko neuer Wirtschaftskonflikte vorzugreiin Osteuropa, einschließlich eines Großteils der ehe- fen, die zu noch größerer Feindseligkeit führen könnmaligen UdSSR und des Nahen Ostens, übernehmen. ten. Sie würden ferner ein wirksames SicherheitsregiObwohl Lateinamerika eindeutig auf dem Weg der me zur Verfügung stellen, das neue Saddam Husseins
Erholung ist, während ein Land nach dem anderen abschrecken oder einschränken sollte.
beginnt, sich der Früchte der schmerzhaften Reformbestrebungen der achtziger Jahre zu erfreuen, befin- Solch eine ehrgeizige "neue Weltordnung" wird nur
det sich jeder Staat in der Region noch in einem relativ entstehen, wenn die Vereinigten Staaten ihre Außenfrühen Stadium der Modernisierung und ist ein Netto- politik diesem Ziel widmen. Die Verabschiedung dieschuldner. Eine Wirtschaftsgruppierung in der westli- ser Strategie wird ein schwieriges psychologisches
chen Hemisphäre - wie von Bush in seiner Initiative zur Umdenken der Amerikaner erfordern: Sie werden
Förderung der Privatwirtschaft in allen Ländern Ame- schmerzliche, umfassende Anstrengungen zur Wierikas vorgeschlagen - könnte der gesamten Region bei derherstellung ihrer Wettbewerbsfähigkeit unternehder Verbesserung ihrer Wettbewerbsfähigkeit behilf- men und gleichzeitig eine kollegialere Rolle beim glolich sein, würde jedoch die globale Position der Verei- balen Management akzeptieren müssen. Die große
nigten Staaten kaum stärken, wenn dynamischere wirtschaftliche Interdependenz des Landes wird es
Bereiche den anderen Supermächten überlassen ihm jedoch nicht gestatten, sich aus der Welt zurückwürden.
zuziehen, trotz der Bitten einiger weniger, die lauten:

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AMERIKA DIENST 46

�"Komm nach Hause, Amerika". Die einzige echte
Alternative ist ein verzweifelter Versuch zur Aufrechterhaltung der Hegemonie. Der im März 1992 durchgesickerte strategische Plan des Pentagon zieht diesen
Kurs in Erwägung, und die Politik der amtierenden
Bush-Administration scheint ihn zu verfolgen: Den
Versuch, den Großteil der Entscheidungsgewalt zu
behalten - zumindest bei Sicherheitsfragen - während
man andere auffordert, die Rechnung zu begleichen.
Objektive globale und innenpolitische Gegebenheiten
werden einen solchen Kurs jedoch schlicht und einfach
nicht gestatten. Neue kollektive Arrangements auf der
Grundlage der Wiederbelebung der amerikanischen
Binnenwirtschaft bieten die einzig konstruktive Möglichkeit.
Die Verlagerung zu Tripolarität hat sich auf der wirtschaftlichen Bühne bereits vollzogen, wo die EG und
Japan eindeutig ein Veto gegen amerikanische Initiativen einlegen können. Doch selbst in den dortigen
Volkswirtschaften hat noch keine Verlagerung zu
positiver kollektiver Führung stattgefunden. Ein deutlicher Indikator ist das kontinuierliche Scheitern der
Uruguay-Runde, ein weiterer die Fehlschläge der G-7,
eine mögliche weltweite Rezession abzuwenden sowie
das erneute Auftreten von Handelsungleichgewichten,
insbesondere der japanische Überschuß.
Dennoch ist die G-7 (oder deren Vorläufer) auf regelmäßiger Basis sieben Jahre und auf unregelmäßiger
fast zwei Jahrzehnte lang zusammengekommen. Sie
hatte spektakuläre Erfolge zu verzeichnen wie das
Bonner Gipfelpaket von 1978 und das Plaza-Abkommen von 1985 sowie Perioden anhaltender Fortschritte wie bei den festen Wechselkursen in den sechziger
Jahren und dem Schuldenproblem der Dritten Welt.
Die beiden vorherigen multilateralen Handelsabkommen, die Kennedy-Runde der sechziger und die Tokioter Runde der siebziger Jahre wurden vornehmlich von
den Vereinigten Staaten und Europa ausgearbeitet.
Es besteht also Grund zu der Hoffnung, daß kollektive
wirtschaftliche Führung erzielt werden kann, wenn die
Vereinigten Staaten andere überzeugen können, daß
sie bereit sind, sowohl den Entscheidungsprozeß als
auch die Kosten zu teilen.
Die uneinheitliche Bilanz von G-7, Internationalem
Währungsfonds (IWF) und GATT deckt jedoch die
Schwächen der derzeitigen Institutionen auf. Die G-7
hat kein institutionelles Gedächtnis. Bei der Eindämmung der enormen Währungsschwankungen und
Handelsungleichgewichte Anfang der achtziger Jahre
*

AMERIKA DIENST 46

*

erwies sie sich als völlig unfähig. Sie hat sich über
Gebühr auf Befürworter wie James Baker, Kiichi Miyazawa und Gerhard Stoltenberg verlassen, die gemeinsam die Plaza- und Louvre-Wechselkursstrategien in
den achtziger Jahren duchführten. Der IWF bietet den
erforderlichen institutionellen Rahmen, aber die G-7
hat sich für eine drastische Beschneidung seiner
Kompetenzen entschieden, statt ihn zur Verfolgung
der entscheidenden Fragen der Weltwirtschaft zu
benutzen. Dem GATT ist es nicht gelungen, zentrale
Themen des Welthandels - Landwirtschaft, Dienstleistungen und geistiges Eigentum - in seine Domäne zu
ziehen. Nach jeder Verhandlungsrunde verfällt es in
Untätigkeit und gestattet neue protektionistische Aktivitäten wie im gesamten Verlauf der achtziger Jahre.
Sehr viel systematischere Arrangements werden zur
Erlangung positiverund berechenbarer Ergebnisse erforderlich sein.
Kollektive Sicherheitszusammenarbeit ist ein alter
Gedanke - jedoch einer, mit dem die Vereinigten
Staaten und andere wenig Erfahrung haben. Er wurde
erst mit dem Ende des Kalten Krieges möglich, und
bisher war der Golfkrieg sein wichtigster Test. Glücklicherweise werden Sicherheitsarrangements per se
weniger häufig erprobt als Wirtschaftsarrangements.
Bestrebungen zum Aufbau einer globalen Sicherheitsstruktur könnten rechtzeitig Früchte tragen, um die
nächste größere Krise zu bewältigen.
Die hier vorgeschlagene Strategie reagiert auf die
Hauptinteressen der Vereinigten Staaten in einer Welt
nach dem Kalten Krieg, in der Wirtschaftsfragen Vorrang vor Sicherheitsanliegen eingenommen haben,
die letzteren jedoch nach wie vor wichtig sind und
ebenfalls angesprochen werden müssen. Sie trägt der
Tatsache Rechnung, daß die Vereinigten Staaten wie
alle Länder in einer außerordentlich interdependenten
Weh pluralistischer Machtverhältnisse leben, in der sie
bereits einen Großteil der echten Souveränität über
ihre eigenen Angelegenheiten verloren haben. Sie
konzentriert sich auf Beziehungen zwischen den drei
wirtschaftlichen Supermächten. Sie geht davon aus,
daß Wettbewerb in der neuen Welt zwischen unterschiedlichen marktorientierten Wirtschaftsmodellen
stattfindet, statt antithetischer Ideologien mit einer
stark militärischen Komponente. Es ist eine Strategie,
die sowohl die zentralen internationalen Bedürfnisse
der Vereinigten Staaten in der Ära nach dem Kalten
Krieg erfüllen als auch die Grundlage für Frieden und
Wohlstand auf der Welt bis weit ins 21. Jahrhundert
legen könnte.
* *

Seite 11

�</text>
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dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

25. November 1992
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0\ ^
CLINTON-KONGRESS
•_

^

FRAKTIONSFUHRER DER DEMOKRATEN UND
REPUBLIKANER BEGRÜSSEN CLINTON IM
KAPITOL
Clinton verspricht Zusammenarbeit
mit dem Kongreß

CLINTON-AUSSENPOLITIK

CLINTONS INTERESSE AN AUSSENPOLITIK BEGANN IM COLLEGE
Georgetown, Oxford als
prägende Erfahrungen

GATT

BUSH GIBT EINIGUNG MIT EG ÜBER
AGRARHANDELSFRAGEN BEKANNT
Erklärung des Präsidenten
USA, EG ERZIELEN EINIGUNG ZU
WESENTLICHEN FRAGEN DER
URUGUAY-RUNDE
Gemeinsame Erklärung der
USA-EG-Kommission
USA UND EG VERKÜNDEN DURCHBRUCH
BEI WELTHANDELSGESPRÄCHEN
Beschleunigung der Verhandlungen erwartet

JUGOSLAWIEN

VERBRECHEN IN JUGOSLAWIEN WERDEN
GESÜHNT
Rede von Botschafter Blackwell

PORTRAT

HILLARY CLINTON WIRD "SPRACHROHR'
FÜR KINDER SEIN
Die Frau des gewählten Präsidenten ein Porträt
TIPPER GORE IST TREIBENDE KRAFT
DER NATIONALEN ELTERNBEWEGUNG
Die Gattin des gewählten Vizepräsidenten
- ein Porträt

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�CLINTON/KONGRESS
25. November 1992

FRAKTIONSFÜHRER DER DEMOKRATEN UND
REPUBLIKANER BEGRÜSSEN CLINTON IM KAPITOL
Clinton verspricht Zusammenarbeit mit dem Kongreß
WASHINGTON - (AD) - Der künftige Präsident Clinton der Exekutive, von denen ein Großteil der Reaganhat auf dem Capitol Hill verkündet, daß er bei der und Bush-Administrationen gekennzeichnet war, im
Lösung der Wirtschaftsprobleme des Landes mit dem Verschwinden begriffen seien. "Wenn Sie genau
Kongreß zusammenarbeiten will und erhielt nicht nur aufpassen, können Sie heute schon spüren, wie sich
von den Mitgliedern seiner eigenen Partei, sondern die festgefahrene Situation lockert", stellte dergewählauch von den Fraktionsführem der republikanischen te Vizepräsident fest.
Oppositionspartei erste Zusicherungen.
Clinton sprach von 'beispiellosen" Problemen der Nation,
Am 19. November, dem letzten Tag seines zweitägi- die mit den Gegebenheiten des Zeitalters nach dem
gen Besuchs in der Bundeshauptstadt Washington, Kalten Krieg zu tun hätten, in dem "wir uns darum
traf sich Clinton im Kapitol zu mehreren Gesprächen, kümmern müssen, wie wir mit der Weltwirtschaft Schritt
teils auch unter vier Augen, mit führenden Parlamen- halten oder in manchen Fällen auch nicht".
tariern, die über das Schicksal der von ihm vorgeschlaClinton zufolge erfordert die Lösung der wirtschaftligenen Programme entscheiden werden.
chen Probleme die Zusammenarbeit beider Parteien
Auf einer am Nachmittag nach einer Reihe von Ge- und er versprach den Republikanern "eine offene Tür
sprächen anberaumten Pressekonferenz erläuterte und regelmäßige Gespräche".
der gewählte Präsident nochmals seine Prioritäten
nach der Vereidigung am 20. Januar 1993: Wirt- Die Fraktionsführer der Republikaner ihrerseits schieschaftswachstum, Abbau des Haushaltsdefizits, Ko- nen die Angebote des gewählten Präsidenten zu
stenkontrolle und Kostendeckung im Gesundheitswe- begrüßen.
sen, sein Vorschlag eines Dienstes an der Allgemein- Dole, der einige Tage zuvor angekündigt hatte, daß er
heit für Collegestudenten und politische Reformen.
vielleicht während Clintons "Flitterwochen" mit dem
Clinton erschien auf der in der historischen Standbildgalerie des Kapitals stattfindenden Pressekonferenz
zusammen mit seinem gewählten Vizepräsidenten
Gore, dem Sprecher des Repräsentantenhauses
Thomas Foley, Senator George Mitchell und dem
Mitglied des Repräsentantenhauses Richard Gephardt,
den demokratischen Fraktionsführern des Senats und
des Repräsentantenhauses sowie deren Amtskollegen aus dem republikanischen Lager, Senator Robert
Dole und dem Mitglied des Repräsentantenhauses
Robert Michel.

Kongreß die Rolle der Anstandsdame übernehmen
werde, prophezeite, "es wird viele Bereiche geben, bei
denen wir einer Meinung sind".
"Sie sind Demokraten, wir sind Republikaner, aber es
liegt in unserem gemeinsamen Interesse, das Land
weiterzubringen, uns um Arbeitsplätze, die Wirtschaft,
das Gesundheitswesen, den Abbau des Haushaltsdefizits zu kümmern... Daher vermute ich, daß viele
Gemeinsamkeiten gefunden werden", fügte er hinzu.

Michel stellte fest, Clinton werde sich "dem Dilemma
gegenübersehen, die Wirtschaft anzukurbeln, ohne
Clinton verlieh seiner Hoffnung Ausdruck, bis zu seiner das Problem des Haushaltsdefizits zu verschärfen,
Amtseinführung die Einzelheiten seines Wirtschafts- dem wir uns gegenübersehen". Ihm zufolge bieten
förderungsprogramms ausgearbeitet zu haben, um diese Bestrebungen die Chance zusammenzuarbeirechtzeitig eine Rede zur Lage der Nation halten zu ten, und "wir alle werden das im Interesse unseres
können, die "den Konsens, welchen Kurs wir einschla- Landes tun müssen".
gen müssen", reflektiere.
Nach der offiziellen Pressekonferenz machte Michel
Er betonte die Rolle, die er Gore beim Aufbau einer vor Reportern noch einige Ausführungen und stellte
funktionierenden Partnerschaft mit dem Kongreß ein- fest, daß viele Mitglieder des Repräsentantenhauses
räumen will, und Gore selbst äußerte die Vermutung, "das Haushaltsdefizit sehr ernst nehmen." Es werde
daß derartige Konflikte zwischen der Legislative und
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�seiner Ansicht nach für sie von höchster Priorität sein,
"eine ordnungsgemäße Ausgabenreduzierung durchzusetzen", gleichzeitig aber exzessive Kürzungen der
Verteidigungsausgaben zu verhindern.
Der allgemeine Eindruck des guten Einvernehmens
zwischen den beiden Parteien wurde sogar durch
Newt Gingrich, dem abwesenden, an zweiter Stelle in
der Rangfolge der Republikaner liegenden Mitglied
des Repräsentantenhauses gefördert, der normalerweise den Demokraten mit offener Feindseligkeit
begegnet. Gingrich brachte einen von ihm an Clinton
geschriebenen Brief in Umlauf, in dem er sich für seine
Abwesenheit entschuldigte, und versprach, sich an
den "gemeinsamen Anstrengungen" zur Lösung der
Probleme des Landes zu beteiligen.
Clinton betrat auf seiner Pressekonferenz wenig Neuland,
gab aber zu spezifischen Fragen folgende Kommentare ab:
Explodierende Kosten im Gesundheitswesen,
sowohl im öffentlichen als auch im privaten
Bereich, sind ein entscheidendes Element bei
den wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Landes und "niemand glaubt ernsthaft, daß wir
jemals das Defizit unter Kontrolle bringen können, bis wir ein System einführen, das (sie)...
unter Kontrolle bringt''. Er wird an der Entwicklung eines überparteilichen Vorschlags arbeiten, der eine Kontrolle der Kosten vorsieht und
gleichzeitig allen Amerikanern eine Grundversorgung anbietet.
Er räumt der Verwirklichung des anstehenden
Nordamerikanischen Freihandelsabkommens
(NAFTA) mit Kanada und Mexiko höchste Priorität ein. Clinton, der früher gesagt hatte, daß
einige Punkte des NAFTA-Entwurfs zu UmweRund Arbeitsfragen noch geprüft werden müßten, wiederholte "es gebe noch einiges andere
zu tun", bevor der Vertrag in Kraft gesetzt werden könne, fügte jedoch hinzu: "Ich freue mich
auf die Zusammenarbeit mit Präsident Salinas
(Mexiko) in diesem Bereich, die sicherlich erfolgen wird."

Auf Präsident Bushs "sehr aggressive Politik"
zur Erweiterung des Handels mit Lateinamerika
angesprochen, antwortete er: "Ich werde wahrscheinlich noch aggressiver sein." Er hofft auf
ein Handelsabkommen mit Chile und "mehr
Handel mit Argentinien".
Die Vereinigten Staaten haben "ein großes Interesse daran, China nicht zu isolieren, darauf
hinzuwirken, daß China weiter eine Marktwirtschaft entwickelt". Aber gleichzeitig "müssen
wir darauf bestehen, daß ... in den Bereichen
Menschenrechte und Menschenwürde Fortschritte gemacht werden". Er habe "in den letzten
Monaten Anzeichen dafür gesehen, daß eine
starke Hand unserer Regierung dazu beitragen
kann, das zu erreichen", da die Bush-Administration "aus welchem Grund auch immer...
gegenüber von Strafgefangenen hergestellten
Waren und unfairen Handelspraktken eine härtere
Gangart einschlug".
Er will die amerikanische Politik bei Waffenverkäufen als Teil einer entschiedenen, mit anderen Nationen zu koordinierenden Anstrengung
überprüfen, "um die Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und die Ansammlung
von Waffen in den Händen derjenigen zu verhindern, die zu ihrem Einsatz entschlossen sind".
Während die Politik der Bush-Administration,
Flüchtlinge aus Haiti abzuschieben, zu undifferenziert war, ist eine vernünftige Unterscheidung zwischen Wirtschafts- und politischen
Flüchtlingen legitim. "Es wäre meiner Ansicht
nach äußerst unklug, wenn irgend jemand denken
würde, ich würde eine Politik der wahllosen
Massenmigration befürworten... Es geht hier
darum, den Haitianern die Chance zu geben,
aus triftigen Gründen eine Zeitlang in diesem
Land Asyl zu beantragen, bis auf Haiti wieder
eine demokratisch gewählte Regierung eingesetzt worden ist", stellte Clinton fest.
Clinton befürwortet weiterhin, den District of
Columbia zum Bundesstaat zu erklären und
geht davon aus, daß ein entsprechender Gesetzesvorschlag im Kongreß eingebracht wird.

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�CLINTON/AUSSENPOLITIK
25. November 1992

CLINTONS INTERESSE AN AUSSENPOLITIK
BEGANN IM COLLEGE
Georgetown, Oxford als prägende Erfahrungen
WASHINGTON - (AD) - Der gewählte Präsident Bill
Clinton hatte stets ein starkes Interesse an auswärtigen Angelegenheiten, und er hat sein Studium und
seine Karriere so angelegt, ihn darauf vorzubereiten,
eine internationale Führungsrolle zu spielen, behaupten einige Personen, die ihn seit seiner Universitätszeit
kennen.
Kommilitonen von der School of Foreign Service der
Georgetown University sowie ehemalige Rhodes-Stipendiaten, die Ende der sechziger Jahre mit ihm in
Oxford studiert haben, sind sich darin einig, daß Clinton immer ein reges Interesse an der Welt insgesamt
und an der amerikanischen Rolle darin gehabt hat.
In einem Interview mit der Washington Post stellte
Clinton fest, er habe sich für das Studium an der
Georgetown University in der Bundeshauptstadt
Washington entschieden, weil "ich erkannte, daß die
Welt immer kleiner wurde und jeder, der den Lauf der
Ereignisse in jedem beliebigen Teil der Welt beeinflussen wollte, auch den Rest davon verstehen müßte".
Georgetown "war die einzige Universität, an der er sich
bewarb", erklärt Tom Campbell, der dort vier Jahre
lang das Zimmer mit Clinton teilte. "Er fragte seine
Studienberaterin an der High School in Hot Springs
(Arkansas), wohin er gehen solle, um Außenpolitik zu
studieren, und sie verwies ihn an die School of Foreign
Service in Georgetown."
Obwohl Clinton aus einer Kleinstadt im Süden kam,
war er "stets sehr kosmopolitisch und in seinem Denken immer sehr zukunftsorientiert", erläutert Campbell, der heute Pilot bei einer Fluggesellschaft ist. "Er
paßte perfekt zu Georgetown."
In Georgetown war Clinton Sprecher im 1. und 2.
Studienjahr seines Jahrgangs und bewarb sich im
letzten Studienjahr erfolglos um das Amt des Präsidenten des Studentenrats. "Bei allem stand er stets an
der Spitze seines Jahrgangs", so Campbell.

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Clintons Interesse an internationalen Angelegenheiten "war bereits sehr stark ausgeprägt, als ich ihn traf,
erklärt der Romanschriftsteller Thomas Caplan, der
ebenfalls in Georgetown das Zimmer mit Clinton teilte.
Die von Clinton ausgewählten Kurse "waren sehr stark
auf die Wert ausgerichtet", erläutert Caplan. "Der
Mann hat stets die größte Neugier und das stärkste
Interesse an der Welt gezeigt... Erglaubt.daßdiesein
großartiges Land ist, das in einer größeren Welt existiert... Er gehört nicht zu denen, die eine scharfe
Trennungslinie zwischen Innen- und Außenpolitik ziehen, weil sie sehr stark miteinander verbunden sind gewiß im Hinblick auf wirtschaftliche und moralische
Fragen."
Campbell erinnert sich daran, wie Clinton mit einem
Zimmergenossen, der zeitweise für den Vorsitzenden
des Streitkräfteausschusses des Senats arbeitete,
"endlos" Außenpolitik diskutierte, insbesondere den
Vietnamkrieg.
Damals arbeitete Clinton nebenbei als Assistent für
den Gouverneur von Arkansas, J. William Fulbright,
damals Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses.
Fulbright war der Initiator des nach ihm benannten
internationalen Austauschprogramms, das 1946 vom
Kongreß verabschiedet wurde.
Clinton nahm sich den Senator als Vorbild, so Campbell. "Fulbright kam aus einer kleinen Stadt in Arkansas, erhielt seine Ausbildung an der Ostküste, war
Rhodes-Stipendiat und kam dann nach Arkansas zurück
und wurde erfolgreich."
Fulbright, jetzt 87, wehrt seinen Einfluß auf Clinton
bescheiden ab, fügt jedoch hinzu, Clinton sei "ein sehr
fähiger Mann - besser als das, was wir als Präsidenten
gewohnt sind".
"Er ist sehr intelligent, jung, tatkräftig, hat eine reizende
Gattin und sollte ein Erfolg sein. Das amerikanische
Volk hat großes Glück, einen Mann seiner Qualitäten

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�in dieser Position zu haben. Meiner Prognose zufolge
wird er sehr gute Arbeit leisten."
Seitdem er seinen Posten als Senator im Jahr 1974
aufgegeben hat, ist Fulbright Sozius einer Washingtoner Rechtsanwaltskanzlei.
Als Rhodes-Stipendiat verbrachte Clinton zwei Jahre
in Oxford und bereiste ganz Europa. Die Zeit in Oxford
"war für uns alle eine wundervolle Erfahrung. Wir
waren ein Gruppe von hart arbeitenden, zielstrebigen,
disziplinierten Studenten", stellt John Isaacson fest,
der sich zusammen mit Clinton am College der Universität eingeschrieben hatte.
"Es war eine Zeit, in der wir lernen konnten, was wir
wollten. Man hatte eine Tendenz, das zu lesen, was
man früher nicht gelesen hätte, zu reisen und eine
andere Kultur kennenzulernen", erklärt Isaacson,
Gründer und Leiter einer Personalberatung für Managementpositionen.

Clinton "ist jemand, der in der Tat sehr viel mehr über
internationale Angelegenheiten - insbesondere Europa und Asien - weiß als man erwarten würde, weil wir
uns in unserer Jugend vor allem damit auseinandersetzten, wie sich die Vereinigten Staaten in die Weltordnung einfügen", erklärt Isaacson. "Clinton studiert
und engagiert sich für die Welt entschieden intensiver,
als sich die meisten bewußt sind."
"Bill hat genau dasselbe wie ich in Oxford getan - wir
haben unermüdlich gelesen", stellt Richard Stearns
fest, ebenfalls Rhodes-Stipendiat, mit dem Clinton
einige Monate das Zimmer teilte. "Er erzählte mir, er
habe während seines ersten Jahres dort nahezu 300
Bücher gelesen."

Stearns und Clinton reisten zusammen nach Deutschland, Österreich und Spanien. "Bill beschrieb es als
eine intellektuelle Odyssee", so Stearns. "Wir erkannten beide, daß der Spanische Bürgerkrieg sehr viel
komplexer war, als wir zunächst angenommen hatten",
erklärt Sterns, der heute beigeordneter Richter
Im außenpolitischen Bereich "verfügten wir über beam
höchsten
Gerichtshof von Massachusetts ist.
scheidenes Wissen, aber einige von uns, insbesondere Strobe Talbott (jetzt Redakteur von Time Maga- Clinton erklärte dem American Oxonian, einer Vierzine) hatten wirklich fundierte Kenntnisse", fügte Isaac- teljahresschrift für ehemalige Rhodes-Stipendiaten,
son hinzu. Er verwies darauf, daß Talbott, mit dem die Zeit in Übersee habe seine - während seiner Arbeit
Clinton während der Semesterferien die Sowjetunion fürden Auswärtigen Ausschuß unter Fulbright gebildebesuchte, Nikita Chruschtschows Memoiren während te - Meinung bestätigt, "daß Amerika sich für die übrige
seiner Zeit in Oxford übersetzte.
Welt engagieren muß. In diesem Sinne bin ich zum
Internationalisten geworden."

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�GATT
25. November 1992

BUSH GIBT EINIGUNG MIT EG ÜBER
AGRARHANDELSFRAGEN BEKANNT
Erklärung des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush hat bekanntgegeben, daß die Vereinigten Staaten und die Europäische
Gemeinschaft sich über ein Paket von Agrarhandelsmaßnahmen geeinigt haben, das seiner Ansicht nach zu
einem erfolgreichen Abschluß der Uruguay-Runde des GATT führen wird. Nachfolgend veröffentlichen wir die
Erklärung des Präsidenten vom 20. November 1992 im Wortlaut.
Ich begrüße Minister Madigan und Botschafterin Carla
Hills. Meine heutige Ankündigung bezieht sich auf
beider Arbeit. Es ist mir eine große Freude, bekanntgeben zu können, daß die Vereinigten Staaten und die
Kommission der Europäischen Gemeinschaften übereinstimmend ein Agrarhandelspaket angenommen haben, das den baldigen erfolgreichen Abschluß der
Welthandelsgespräche ermöglichen sollte.

zur Verfügung stehen, von denen einige äu ßerst technisch sein können. Sie wissen, wie stolz ich auf die von
ihnen geleistete Arbeit bin. Ich war Zeuge, wie sie hier
in Amerika und im Ausland dieses Abkommen ausgearbeitet haben. Das hat sehr lange gedauert, aber es
steht auf einer soliden Grundlage.

Zusätzlich haben wir Lösungen zur Beilegung unserer
Differenzen über Ölsaaten und andere Agrarfragen
gefunden und damit einen möglichen Handelskrieg
verhindert, was von sehr großer Bedeutung ist.

Der nächste Schritt wird dann für die Vereinigten
Staaten, die EG und alle anderen Verhandlungspartner in der Uruguay-Runde darin bestehen, mit der
Bereitschaft an den Verhandlu ngstisch in Genf zurückzukehren, die für den erfolgreichen Abschluß dieser
Verhandlungen nötige Flexibilität zu zeigen.

Der Weg hin zu dem heute erzielten Ergebnis war lang
und schwierig. Ich erinnere mich an die ausführlichen
Diese Welthandelsgespräche, die sogenannte Uru- und häufig lebhaften - diese Bezeichnung habe ich
guay-Runde des GATT, sind wesentlich für die Ankur- bewu ßt gewählt - Debatten über Landwirtschafts- und
belung des Wirtschaftswachstums und die Schaffung andere Handelsfragen auf dem Weltwirtschaftsgipfel
von Arbeitsplätzen in unserem Land, ja auf der ganzen in Houston im Jahr 1990 und auf jedem der nachfolWelt. Ich hege die Hoffnung, daß der heute erzielte genden Gipfel. Jetzt bin ich voll und ganz davon
Durchbruch die laufenden Verhandlungen zwischen überzeugt, daß die geleistete Arbeit die Sache wert
allen GATT-Mitgliedern in Genf auf breiter Front in war. Heute Morgen sprach ich mit Premierminister
Bewegung bringen wird, so daß wir zu dem schon so John Major und hatte die Gelegenheit, ihm für seine als
lange angestrebten umfassenden, weltweiten und gegenwärtiger Präsident der EG gespielte Schlüsselrolle zu danken.
ausgewogenen Abkommen gelangen können.

Besonders freue ich mich darüber, daß Botschafterin
Hills und Minister Madigan heute bei uns sind, denn sie
haben mit ihrer hervorragenden Arbeit zur Erzielung
dieses historischen Ergebnisses beigetragen. Auch
möchte ich ihre hier anwesenden Mitarbeiter begrüßen. Sie werden heute zur Beantwortung von Fragen

Ich möchte nochmals unsere Partner bei diesen Anstrengungen grüßen. Und besonders grüße ich das
au ßergewöhnlich effektive Team, das mit seiner Arbeit
diesen Erfolg möglich gemacht hat.

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�GATT
25. November 1992

USA, EG ERZIELEN EINIGUNG ZU WESENTLICHEN
HANDELSFRAGEN DER URUGUAY-RUNDE
Gemeinsame Erklärung der USA-EG-Kommission
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir den Wortlaut einer am 20. November 1992 herausgegebenen gemeinsamen Erklärung der Kommission der Europäischen Gemeinschaften und der Vereinigten
Staaten, in der die zwischen ihnen erzielte Einigung zu Agrarfragen, Marktzugang und Dienstleistungsproblemen bei den Handelsgesprächen der Uruguay-Runde bekanntgegeben wird.
Die Vereinigten Staaten und die Kommission der
Europäischen Gemeinschaften beabsichtigen, einen
erfolgreichen Abschlu ß der Uruguay-Runde anzustreben. Als Ergebnis unserer Erörterungen vertreten wir
die Auffassung, daß wir die erforderlichen Fortschritte
erzielt haben, um Einigung zu den wesentlichen Fragen zu gewährleisten, die Fortschritte in Genf blockieren - vor allem in den Bereichen Landwirtschaft, Dienstleistungen und Marktzugang. Ein erfolgreiches Ergebnis wird sich positiv auf das Handels- und Wirtschaftswachstum der Volkswirtschaften der Welt auswirken.

Wir stimmen voll u nd ganz überein, da ß ein wirksames
Abkommen über Agrarreformen die Beteiligung aller
Länder an den Verhandlungen erfordert.
Die Vereinigten Staaten und die EG-Kommission haben
sich auf eine Lösung der Kontroverse über Ölsaaten
geeinigt.

Im Hinblick auf Marktzugang haben die Vereinigten
Staaten und die EG-Kommission die Basis zur Erlangung eines ehrgeizigen Ergebnisses gefunden, das
ihre jeweiligen Zielsetzungen folgendermaßen erfüllt:
Unsere Unterhändler kehren nach Genf zurück, um Die detaillierten Verhandlungen über bestimmte Sekgemeinsam auf den Aufbau eines umfassenden, glo- toren oder Produkte werden fortgesetzt, um Fortschritbalen und ausgewogenen Pakets hinzuarbeiten, das te zum Abschlu ß eines substantiellen und ausgewogewir beide bei diesen Verhandlungen anstreben. Wir nen Pakets zu ermöglichen. Die Senkung von Zöllen
beabsichtigen, mit GATT-Direktor Dunkel bei endgül- wird mit so wenigen Ausnahmen wie möglich maxitigen Vereinbarungen über alle im Entwurf der "Schluß- miert, einschließlich einer beträchtlichen Reduzierung
akte" dargelegten Bereiche zusammenzuarbeiten, die hoher Zölle, der Harmonisierung von Zöllen auf äuer im vergangenen Dezember vorgelegt hat, sowie ßerst niedriger Ebene und der Beseitigung von Zöllen
beimAbschlußderVerhandlungenüberMarktzugang, in Schlüsselbereichen. Es besteht die Aussicht, daß
die unserer einhelligen Meinung nach integralen Be- das in Montreal festgesetzte Ziel erheblich überschritstandteil der Gesamtergebnisse der Uruguay-Runde ten werden kann. Die Beteiligung dritter Länder - nicht
nur der Entwicklungsländer, sondern auch anderer
bilden.
Industrienationen - sowie die Behebung nichttarifärer
Verzerrungen
wird als von entscheidender Bedeutung
Im Bereich Landwirtschaft haben wir unsere Differenerachtet
und
beide
Parteien werden ihre Bestrebunzen über die Hauptbestandteile im Hinblick auf inländigen
fortsetzen,
während
der kommenden Wochen in
sche Stützungsmaßnahmen, Exportsubventionen und
Genf
weiterhin
die
bestmöglichen
Ergebnisse in dieser
Marktzugang so beigelegt, daß es dem GeneraldirekHinsicht
zu
erzielen.
tor möglich sein sollte, die Verhandlungen zu einem
erfolgreichen Abschluß zu bringen. Wir werden Generaldirektor Dunkel über unsere Fortschritte informieren Darüber hinaus wurden im Bereich staatlicher Beund mit ihm zusammenarbeiten, um eine umfassende schaffung wesentliche Fortschritte im Hinblick auf die
Vereinbarung in Genf sicherzustellen. Wir haben Erweiterung der Abdeckung erzielt. Die Unterhändler
unsererseits unsere Unterhändler angewiesen, die der Vereinigten Staaten und der EG wurden angewiedetaillierten Verhandlungen zu unseren jeweiligen sen, die Einzelheiten der Erweiterung der Abdeckung
Terminplänen zu rasch wie möglich abzuschließen. und der Verbesserungen des Kodex auszuhandeln.

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�Bei Dienstleistungen stimmen wir überein, daß die
Angebote zu Marktzugang integralen Bestandteil des
ehrgeizigen Ergebnisses bilden müssen, das wir anstreben. Wir haben jetzt einen gemeinsamen Ansatz
zu Finanzdienstleistungen vereinbart. Darüberhinaus
haben wir Verbesserungen unserer jeweiligen Angebote erörtert und uns auf die größtmögliche Liberalisierung mit minimalen Ausnahmen geeinigt, in der Erwartung, daß die anderen Teilnehmer der Verhandlungen
ihre Angebote entsprechend verbessern werden.
Wir sind voller Erwartung, daß der von uns erzielte
Durchbruch die Patt-Situation der Verhandlungen
beheben und den zum Abschluß der Runde erforderlichen Auftrieb verleihen wird. Wir ermutigen unsere

Verhandlungspartner, die notwendige Flexibilität an
den Tag zu legen, um diese Verhandlungen zu beenden.
Beim Wirtschaftsgipfel in München im Juli dieses
Jahres forderten die Staats- und Regierungschefs der
G-7 den Abschluß der Uruguay-Runde bis Ende dieses Jahres. Die Zeit ist knapp, aber die Unterhändler
kehren nach Genf in dem Vertrauen zurück, daß
substantielle Fortschritte erzielt werden können, um
die Verpflichtung der Staats-und Regierungschefs der
G-7 zu erfüllen, vorausgesetzt, die anderen Länder
sind zur Zusammenarbeit mit uns bereit, um ein ehrgeiziges und weitreichendes Ergebnis dieser wichtigen Gespräche sicherzustellen.

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�GATT
25. November 1992

USA UND EG VERKÜNDEN DURCHBRUCH BEI
WELTHANDELSGESPRÄCHEN
Beschleunigung der Verhandlungen erwartet
WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten und Dabei werden die Staaten generell aufgefordert, ihre
die Europäische Gemeinschaft haben ihre gröbsten gesamten inländischen Stützungsmaßnahmen für die
Differenzen über die Reform des Welthandels mit Landwirtschaft in einem Zeitraum von sechs Jahren
Agrarprodukten beigelegt und damit den Weg für den um 20 Prozent zu verringern - auf ein Niveau, das von
Abschluß der Uruguay-Runde weltweiter Handelsge- den Vereinigten Staaten durch das Landwirtschaftsgespräche geebnet.
setz von 1990 bereits erreicht wurde.
Der durch gravierende Meinungsverschiedenheiten
über Ölsaaten verschärfte Disput über Agrarsubventionen zwischen den Vereinigten Staaten und der EG
hatte in den vergangenen beiden Jahren alle wirklichen Fortschritte bei den Welthandelgesprächen blokkiert. An den Verhandlungen, die neben der Landwirtschaft Bereiche wie Dienstleistungen, Investitionen,
geistiges Eigentum und Textilien umfassen, nehmen
über 100 Staaten teil.
Bei der Bekanntgabe der Einigung über Ölsaaten und
die umfassenderen Fragen in der Uruguay-Runde
zwischen der EG und den Vereinigten Staaten verlieh
Präsident Bush am 20. November 1992 der Erwartung
Ausdruck, dies werde es den Ländern ermöglichen,
bei den Welthandelsgesprächen auf dem Weg zu
einem erfolgreichen Abschluß Fortschritte zu erzielen.
"Diese Welthandelsgespräche ... sind wesentlich für
die Ankurbelung des Wirtschaftswachstums und die
Schaffung von Arbeitsplätzen in unserem Land, ja auf
der ganzen Welt", erklärte Bush.
"Unseres Erachtens ist dies ein sehr, sehr gutes Abkommen für die landwirtschaftlichen Erzeuger in den
Vereinigten Staaten", erläuterte der amerikanische
Landwirtschaftsminister Edward Madigan im Anschluß
an Bushs Erklärung vor Reportern.
Obwohl nur vage Einzelheiten der Vereinbarungen zu
den umfassenderen Problemen veröffentlicht wurden,
scheinen diese im allgemeinen dem von Arthur Dunkel, dem Generaldirektor des Allgemeinen Zoll- und
Handelsabkommens (GATT), vor fast einem Jahr
skizzierten Plan zu folgen.

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Ferner wird eine 36prozentige Reduzierung der für
Exportsubventionen aufgewendeten Mittel sowie eine
21 prozentige mengenmäßige Reduzierung subventionierter Exporte gefordert, gemessen am Durchschnittsniveau der im Basiszeitraum von 1986-90 bereitgestellten Exportsubventionen.
Um dieses Ziel zu erreichen, müßte die EG ihre
Exportsubventionen gemessen an den Ausgaben in
den Jahren 1991 und 1992 um 38 Prozent senken, da
diese wesentlich höher liegen als im Basiszeitraum
von 1986-90, stellte Madigan fest.
Madigan zufolge sollten es die Bestimmungen über
Exportsubventionen den landwirtschaftlichen Erzeugern in den Vereinigten Staaten gestatten, viele in den
vergangenen Jahren infolge der europäischen Subventionen verlorengegangene M ärkte zu rückzugewinnen.
Ein entscheidendes drittes Element der Landwirtschaftsverhandlungen im Rahmen der Uruguay-Runde Beschränkungen des Marktzugangs - wurde von
Madigan nicht erwähnt. Amerikanischen Vertretern
zufolge sollen diese Woche weitere Einzelheiten der
Einigung veröffentlicht werden.
Die US-Handelsbeauftragte Carla Hills erklärte - ebenfalls vor Reportern - am 20. November, das von den
Europäern angestrebte Konzept des "Ausgleichs"
(rebalancing) sei in der Vereinbarung nicht enthalten.
Diesem Konzept zufolge hätten die Europäer die
Subventionen bei einer Produktart erhöhen können,
solange der Gesamtumfang der Subventionskürzungen eingehalten würde.

Sehe 1

�"Nachdem wir die Probleme im Bereich Landwirtschaft
aus dem Weg geräumt und sie zumindest in das
multilaterale Forum in Genf verlagert haben, besitzen
wir jetzt eine optimale Chance zur Erlangung eines
multilateralen Abkommens, das tiefgreifende positive
Auswirkungen auf alle unsere Volkswirtschaften im
Welthandelssystem haben könnte", erklärte Hills.
Bush verwies auf eine Unterredung mit dem britischen
Premierminister John Major, in der er ihm dafür dankte,
daß er die Gespräche vorwärts gebracht habe. Major
hatte entscheidend dazu beigetragen, dem französischen Widerstand gegen landwirtschaftliche Reformen entgegenzutreten.

"Ich hoffe, daß zwischen Montag, dem 23. (November)
und dem Beginn der Weihnachtsferien aggressive
Verhandlungen stattfinden", erklärte Hills. "Mit gutem
Willen und Energie von allen Seiten können in diesen
drei Wochen enorme Fortschritte erzielt werden."
"Wir haben sicherlich eine gute Ausgangsposition",
erklärte Hills.
Hills zufolge haben sich die beiden Seiten ferner über
die Vorgehensweise bei mehreren Teilbereichen der
Uruguay-Runde verständigt, darunter die Senkung
von Zöllen, Regeln für staatliche Beschaffungen und
die Einbeziehung von Finanzdienstleistungen in die
Welthandelsgespräche.

Der Präsident forderte alle Staaten auf, mit der Bereitschaft an den Verhandlungstisch in Genf zurückzukehren, "die für den erfolgreichen Abschluß dieser
Verhandlungen nötige Flexibilität zu zeigen".

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�JUGOSLAWIEN
25. November 1992

VERBRECHEN IN JUGOSLAWIEN WERDEN GESÜHNT
Rede von Botschafter Blackwell
WARSCHAU - (AD) - Diejenigen, die "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" im ehemaligen Jugoslawien
begangen haben, "werden zur Verantwortung gezogen, egal wie lange dies dauert und wie schwierig diese
Aufgabe auch sein mag", erklärte der amerikanische Vertreter bei der UN-Menschenrechtskommission
(UNHRC), Botschafter Kenneth Blackwell, am 17. November 1992.
Blackwell, der kürzlich aus Bosnien-Herzegowina zurückgekehrt war, wo er 19 Intemierungszentren in 13
Städten besucht hatte, sprach beim Seminar über Toleranz der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit
in Europa (KSZE).
Obwohl die internationale Staatengemeinschaft mehr tun müsse, um zu versuchen, den Konflikt im ehemaligen
Jugoslawien zu beenden, betonte Blackwell, daß "der Versuch, ethnische Kriegführung nach deren Ausbruch
zu beenden, der ineffektivste Weg ist, um das Problem in den Griff zu bekommen". Die amerikanische Erfahrung
habe ihn davon überzeugt, daß Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und der Schutz der Menschenrechte des
einzelnen der beste Weg seien, "um zu verhindern, daß ethnische Spannungen zu Gewaltanwendung entarten",
erklärte Blackwell.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede Botschafter Blackwells im Wortlaut.
Herr Vorsitzender, wir treffen in einer Zeit zusammen,
in der auf diesem Kontinent, an einem Ort namens
Jugoslawien, Akte unsäglichen Grauens stattfinden.
Ich brauche vor diesem Publikum den widerlichen
Katalog der Verbrechen gegen die Menschlichkeit
nicht im einzelnen zu erläutern, die jenes Land und das
Leben aller Menschen befleckt haben, ob sie dort
leben oder nicht - ein weiteres Beispiel aus einer
langen Reihe von Gesellschaften, in denen unzureichend bekämpfte und im Lauf der Zeit verfestigte
Intoleranz zum Wahnsinn geführt hat.

den, um dem Alptraum im ehemaligen Jugoslawien ein
Ende zu setzen. Den Umständen nach wäre dies
selbstgefällig. Was immer wir unternommen haben,
es ist offensichtlich nicht genug. Und wir alle, in
unseren Regierungen, in den Vereinten Nationen, in
der Europäischen Gemeinschaft und nicht zuletzt in
der KSZE müssen unsere Maßnahmen und unsere
Verpflichtungen erneut unter die Lupe nehmen, um zu
sehen, was wir zusätzlich tun können - denn wir
können mehr tun, und wir müssen mehr tun.

Dies ist nicht nur eine Frage, die das ehemalige
Jugoslawien
betrifft, so schrecklich die Lage dort auch
Ich bin kürzlich aus Bosnien-Herzegowina zurückgeist.
Seit
dem
Ende des Kalten Krieges wurden die
kehrt, wo ich 19 Intemierungszentren in 13 Städten
Schranken,
die
ethnische Konflikte gezügelt hatten, an
besucht habe, und ich glaube deshalb, daß ich zuminallzu
vielen
Orten
- und nicht nur in Europa - weggedest einen Teil dieses Wahnsinns aus eigener Ansprengt.
Diese
Entwicklung
bedroht die Ausbreitung
schauung erlebt habe. Meine Regierung hat den
der
Demokratie,
die
durch
das
Ende des Kalten Krieges
Vereinten Nationen gerade ihren dritten Bericht über
auf
der
ganzen
Welt
ausgelöst
wurde.
die dortige Situation zugeleitet, und dieses Gremium
hat erst vor wenigen Wochen seinen eigenen Bericht
veröffentlicht. Niemand sollte sich täuschen: Diejeni- Das Versprechen "nie wieder" ist zu einer Art Klischee
gen, die diese Verbrechen begangen haben, werden geworden - nie wieder eine Situation zuzulassen, wie
zur Verantwortung gezogen, egal wie lange dies dau- sie das ehemalige Jugoslawien und Somalia erfaßt hat
ert und wie schwierig diese Aufgabe auch sein mag. oder andere Regionen, über deren Lage zu wenig
berichtet wurde, etwa der Sudan und Liberia. Aber das
Ich beabsichtige heute nicht, diese Berichte detailliert ist es, wonach wir weiterhin streben müssen. Es gibt
zu erläutern oder die Maßnahmen aufzuführen, die keine andere Option.
von meiner und anderen Regierungen ergriffen wurAMERIKA DIENST 47

Seite 1

�I

Diese Aufgabe ist in allen Gesellschaften erforderlich,
auch in meiner - und es ist eine Aufgabe, bei der alle
Regierungsstellen gefordert sind, nicht nur auf nationaler Ebene. Ich hatte die Ehre, 12 Jahre als Bürgermeister und Ratsmitglied in Cincinnati (Ohio) tätig zu
sein - einer größeren, ethnisch vielfältigen Stadt im
Mittelwesten. Ich neige also dazu, diese Dinge ebenso
aus einem praktischen wie aus einem theoretischen
Blickwinkel zu betrachten. Sicherlich ist es für jeden
politischen Entscheidungsträger - ob er eine Nation,
einen Bundesstaat oder wie ich eine Stadt führt wichtig, sein Amt als eine Art Kanzel (mit den Worten
von Präsident Theodore Roosevelt) zu benutzen, um
Toleranz und Verständnis zwischen den ethnischen
Gruppen zu fördern. Ebenso entscheidend ist es
jedoch, energisch zu handeln, die Institutionen der
Regierung einzusetzen, um die Förderung von ToleManch einer vertritt die Ansicht, das Trennende sei in ranz zur ersten Aufgabe jeder Institution, jedes Proeinigen Ländern so stark, daß kein Rechtssystem und gramms und besonders jeder Ernennung zu machen.
kein Regierungsmodell Gewalt und Chaos abwenden Diese Spitzenbeamten stehen im Licht der Öffentlichkönnten.
keit und müssen durch ihr Beispiel führen.

Der Versuch, ethnische Kriegführung nach deren
Ausbruch zu beenden, ist der ineffektivste Weg, um
das Problem in den Griff zu bekommen. Der Kampf für
Toleranz und Verständnis zwischen ethnischen Gruppen muß ein Lebensstil sein, keine Anleitung zum
Handeln, wenn bereits zuviel Blut vergossen wurde,
als daß die Welt dies weiterhin ignorieren könnte.
Die amerikanische Erfahrung hat mich davon überzeugt, daß Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und der
Schutz der Menschenrechte des einzelnen, etwa des
Rechts auf friedliche Versammlung und das Recht auf
freie Rede, der beste Weg sind, um alle Bürger zu
schützen, einschließlich der Angehörigen von Minderheiten, und um zu verhindern, daß ethnische Spannungen zu Gewaltanwendung entarten.

Ich aber bin der Überzeugung, daß eine solche Haltung gefährlich und defätistisch ist. Obwohl Zeitungen
und Fernsehberichte häufig anderes aussagen, gibt es
viele Beispiele für Länder mit zahlreichen ethnischen
Gruppen, die Rivalität und Konflikte erfolgreich bewältigt haben. Der Grund: Die Menschenrechte des
einzelnen werden geschützt und freie Institutionen
können gedeihen. Nehmen Sie zum Beispiel die
Schweiz. Bürger, die deutsch, französisch, italienisch
und rätoromanisch sprechen, haben sicherlich kein
utopisches Paradies des Verständnisses geschaffen.
Aber sie leben in Frieden, weil Demokratie und Freiheiten des einzelnen institutionalisiert sind und praktiziert
werden.

Ich habe nicht die Zeit, um viele Beispiele zu nennen.
Eines jedoch möchte ich anführen - die Verbrechensbekämpfung. Obwohl in meinem Land die Polizei
eindeutig der Kontrolle ziviler Behörden unterliegt und
obwohl jeder Polizeibeamte denselben Gesetzen unterworfen ist wie alle anderen Bürger, hat es Fälle
gegeben, in denen intolerante Handlungen einiger
weniger Polizeibeamter größere städtische Unruhen
auslösten. Dies könnte im vergangenen Mai in Los
Angeles im Fall Rodney King so gewesen sein, mit
dem Sie sicherlich alle vertraut sind.

Ich sage "könnte", denn trotz des Spruchs der Geschworenen in diesem Fall ist immer noch ein VerfahEs gibt zahlreiche weitere Fälle, in denen ethnische ren vor einem Bundesgericht im Hinblick auf die mögliche
Gruppen friedlich Seite an Seite miteinander leben, Verletzung von Rodney Kings Bürgerrechten anhänetwa in Schweden und Finnland - und nicht nur in gig. Es wäre jedoch nicht statthaft, wenn ich diesen
Europa. Nehmen Sie zum Beispiel die Karibik. Auf speziellen Fall vor dem Urteilsspruch kommentieren
Jamaica, in Trinidad und Tobago und auf Barbados würde. Aber ich möchte betonen, daß jede Stadt und
leben Schwarze und Südasiaten ebenso wie andere jeder Staat aggressive Programme einführen könnte,
Gruppen und bauen seit der Erlangung der Unabhän- um die für die Verbrechensbekämpfung Zuständigen
gigkeit eine wachsende demokratische Tradition auf. für die besonderen Probleme ethnischer Minderheiten
Ahnliche Beispiele gibt es in anderen Regionen. Es zu sensibilisieren, auf diese Gemeinden zuzugehen
trifft einfach nicht zu, daß ethnische Gruppen nicht und die Art von Personalpolitik zu verankern, die
harmonisch zusammenleben können, wenn die Rech- sowohl die Vielfalt der Gemeinde als auch schärfste
te jedes einzelnen - der Angehörigen von Minderheiten Normen ethisch einwandfreien Verhaltens widerspieund der Mehrheit gleichermaßen - geschützt werden gelt.
und wenn die Regierungen rechenschaftspflichtig sowie Die Verbrechensbekämpfung ist nur ein Beispiel, das
institutionelle Kontrollen und Ausgleichsmechanismen im Hinblick auf die Rolle besonders wichtig ist, die
fest verankert sind.
Vorfälle zwischen Polizeibeamten und Bürgern bei der
Es ist lebenswichtig, nicht nur diese Maßnahmen zu
ergreifen, die zur Schaffung eines Klimas der Toleranz
beitragen und friedliche M ittel zur Beilegung von Streitfällen bereitzustellen, sondern auch, die politische
Kultur und die politischen Institutionen zu fördern, mit
denen die Neigung zu Intoleranz bewältigt und eingedämmt werden kann.

Seite 2

Auslösung städtischer Unruhen im Lauf der Jahre
gespielt haben. Es gibt aber noch weitere, die ich
Ihnen im einzelnen erläutern könnte - die Bedeutung,
die insbesondere in den ersten Schulklassen der Einbeziehung der Toleranzförderung in Lehrpläne zukommt, die Notwendigkeit des Engagements der verschiedenen Gruppen auf allen Regierungs- und Ent-

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�scheidungsebenen sowie - an vielleicht wichtigster
Stelle - die Notwendigkeit, eine möglichst breite politische Beteiligung sicherzustellen. Einigen dieser Ziele
könnte durch Bürgerräte und lokale Kommissionen,
die sich der Kontaktpflege widmen, sehr gut gedient
werden. Beide Mechanismen können Maßnahmen
zur frühzeitigen Warnung, Prävention und Konfliktlösung bereitstellen. Diese beiden gemeindeorientierten Mechanismen können dazu beitragen, eine politische Kultur zu bewahren, die Vielfalt schätzt. Sie
können durch Informationskampagnen deutlich machen, daß eine unterschiedliche Volkszugehörigkeit,
Rasse, Religion oder ein anderes Herkunftsland kein
Defizit im Wesen eines Menschen oder eine Rechtfertigung ist, um die Würde eines Menschen anzutasten.
Die Entscheidungsträger auf Gemeindeebene müssen darüber hinaus nationale Bürgerrechtsgesetze
uneingeschränkt unterstützen, die dazu dienen, Diskriminierung abzuschrecken und in auftretenden Diskriminierungsfällen Abhilfezu schaffen. Viele Städte in
den Vereinigten Staaten haben die nationalen Bürgerrechtsgesetze um Bürger- und Menschenrechtsgesetze auf Staats- und Gemeindeebene ergänzt. Wiederum liegt es in der Verantwortung von Gemeindevertre* *

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tem zu gewährleisten, daß diese Gesetze eingehalten
und befolgt werden. Die Förderung von Toleranz muß
sowohl von unten nach oben als auch von oben nach
unten wahrgenommen werden.
Die Welt nähert sich dem 21. Jahrhundert mit der
Demokratie als Sieger, zumindest im Kampf um die
Köpfe von Männern und Frauen. Aber eine Schlacht
muß noch gewonnen werden, die so alt ist wie die
Geschichte selbst - der Kampf gegen Bigotterie, Rassismus und ethnischen Haß. Während die ideologischen Kämpfe, die dieses Jahrhundert so entstellt
haben, in der Vergangenheit verblassen, sollten wir
uns in diesem Gremium erneut verpflichten, die Institutionen und Verfahren zu stärken, die wir zur Konfliktverhütung geschaffen haben. Gleichzeitig sollten wir
jedoch aggressiv nach neuen Wegen suchen, damit
die KSZE eine dynamische praxisorientierte Kraft wird,
die Toleranz in ganz Europa zum Lebensstil macht.
Dies ist die elementare Antwort auf die Situation in
Jugoslawien, die bleibende Lehre aller Jugoslawien
unserer Vergangenheit und der moralische Imperativ
zur Verhütung aller Jugoslawien, die noch kommen
könnten.
*

*

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�PORTRAT
25. November 1992

HILLARY CLINTON WIRD
"SPRACHROHR FÜR KINDER" SEIN
Die Frau des gewählten Präsidenten - ein Porträt
WASHINGTON - (AD) - Hillary Clinton weckt Hoffnungen bei vielen amerikanischen Frauen, die Beruf und
Mutterschaft unter einen Hut bringen müssen und
davon ausgehen, daß sie ihren Einfluß als First Lady
benutzen wird, um sich für arbeitende Mütter und die
Kinder einzusetzen.
"Wie wir unsere Kinder behandeln, sollte Dreh- und
Angelpunkt unseres nationalen Programms sein", hat
Frau Clinton wiederholt festgestellt. "Ich möchte ein
Sprachrohr für die Kinder sein."
Die 45jährige Ehefrau des gewählten Präsidenten ist
als stark und entschlossen, intelligent, selbstbewußt,
abenteuerlustig, verspielt, als harte Rechtsanwältin,
liebende Mutter, loyale Freundin und Mensch charakterisiert worden, auf dessen Urteil ihr Mann, Bill Clinton, am meisten vertraut.

die Seele einer Aktivistin und wird sich eine politische
Rolle entweder im Bildungswesen oder im Bereich
Kindererziehung sichern wollen".
In Arkansas leitete Frau Clinton eine Kommission,
deren Ziel die Verbesserung der Schulen des Bundesstaates war. Zu jener Zeit legte ihr Mann, derdamalige
Gouverneur, einen - später verabschiedeten - auf den
Empfehlungen der Kommission fußenden Gesetzentwurf vor, der unter anderem die Überprüfung der
Fachkenntnisse von Lehrern vorsah.
Ein Korrespondent, der Bill Clinton während des
Wahlkampfs begleitete, stellte fest, die Frau des
gewählten Präsidenten sei seine "engste Vertraute,
und er verläßt sich auf ihr Urteil mehr als auf das jedes
anderen Menschen". Sie machte Vorschläge, half bei
der Abfassung von Reden und kritisierte seine Auftritte
bei den Fernsehdebatten der Präsidentschaftskandidaten.

Politische Experten spekulieren heftig darüber, ob sie
in der Clinton-Administration eine politische Rolle spielen wird, sind sich jedoch in der Vorhersage einig, daß Hillary Clinton stand im Wahlkampf jedoch auch im
sie als First Lady ihren eigenen besonderen Stil ent- Mittelpunkt von Kontroversen. "Selten wurde die Frau
eines Präsidentschaftskandidaten von der politischen
wickeln wird.
Opposition so eingehend unter die Lupe genommen
In den frühen sechziger Jahren schrieb Hillary Clinton und kritisiert", schrieb das Nachrichtenmagazin Time
als Teenager einen Brief an die Nationale Luft- und zwei Monate vor der Wahl.
Raumfahrtbehörde NASA, in dem sie mitteilte, sie
wolle Astronautin werden. Sie erinnert sich an das Die Konservativen porträtierten Frau Clinton als radiAntwortschreiben der NASA, in dem stand: "Wir kale Feministin, und sie wurde Zielscheibe von Attaknehmen keine Bewerbungen von Mädchen für die ken in den Medien und in Reden, die beim WahlparteiTätigkeit als Astronaut an." Das, so erklärte sie, hat tag der Republikaner gehalten wurden. Sie hielt dem
"mich auf die Palme gebracht".
entgegen, ihre Ansichten seien häufig falsch dargestellt worden, insbesondere die zu den Rechten von
Die Zeiten haben sich geändert. Seit 1983 schickt die Kindern.
NASA Frauen ins Weltall. Und jetzt bekommen die
Vereinigten Staaten zum ersten Mal eine First Lady, Darüber hinaus waren ihr einige ihrer eigenen Bemerdie an der gleichen Universität (Yale) studiert hat wie kungen abträglich. Als man sie kritisierte, weil sie
ihr Mann und die für berufliche Leistungen bekannt ist, während der Tätigkeit ihres Mannes als Gouverneur
die denen ihres Gatten ebenbürtig sind. Die Frau des von Arkansas ihre Karriere als Rechtsanwältin aktiv
gewählten Präsidenten wird zu den 100 besten Rechts- weiterverfolgte, antwortete Hillary Clinton: "Wahranwälten des Landes gezählt.
scheinlich hätte ich zu Hause bleiben, Plätzchen bakken und Kaffeekränzchen veranstalten sollen." Diese
In einem unlängst veröffentlichten Artikel über die Bemerkung wurde weithin verbreitet, nicht jedoch der
künftige First Lady stand zu lesen, Hillary Clinton "hat
AMERIKA DIENST 47

Seite 1

�Rest ihrer Äußerungen - daß sie sich bemüht habe,
Frauen eine freie Entscheidung zu ermöglichen, "ob
sie vollzeitig berufstätig sein, sich ganz der Rolle als
Mutter widmen oder irgendeine Kombination aus beidem anstreben mochten".

Ein Beitrag in Time vermerkte Frau Clintons "im Lauf
der Jahre gewachsene Spiritualität... Sie führt ihre
liebsten Schriften (aus der Bibel)... stets mit sich. Vor
dem Zubettgehen beten sie und Bill regelmäßig mit
Chelsea."

Mit dem Herannahen des Wahltages wurde Frau Clinton vorsichtiger in ihren Äußerungen, da sie sich
bewußt wurde, daß ihre Bemerkungen aus dem Zusammenhang gerissen werden konnten. Sie machte
klar, daß sie ihre Rolle als Frau von Bill Clinton, als
Mutter ihrer 12jährigen Tochter Chelsea und als Karrierefrau hoch einschätzte.

Caputo zufolge gibt Frau Clinton derzeit keine Interviews. "Sie nimmt sich Zeit, um über ihre Rolle und
darüber nachzudenken, welchen Ansatz sie wählen
soll, und sie verbringt eine besonders intensive Zeit mit
ihrer Familie."

Wie auch immer ihre Rolle als First Lady aussehen
wird, so ein Kolumnist in der Baltimore Sun, viele
"Das amerikanische Volk lernt sie nur besser kennen", Menschen sind der Meinung, es wäre "eine furchtbare
erklärte ihre Pressesprecherin Lisa Caputo. Caputo Verschwendung von Intelligenz", wenn es Hillary Clinfügte dem jedoch hinzu, daß "nicht genug über die ton nicht gestattet würde, einen wichtigen Beitrag zu
spirituelle Seite" Frau Clintons und ihre Fähigkeit gesagt den für sie wichtigen Problemen zu leisten.
worden sei, die Anforderungen von Karriere und Familie
zu meistern, die von so vielen amerikanischen Frauen
heute erfüllt werden müssen.
* * * *

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*

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�PORTRAT
25. November 1992

TIPPER GORE IST TREIBENDE KRAFT
DER NATIONALEN ELTERNBEWEGUNG
Die Gattin des gewählten Vizepräsidentschaftskandidaten - ein Porträt
WASHINGTON - (AD) - Tipper Gore hat sich in den
Vereinigten Staaten einen Namen gemacht, lange
bevor ihr Mann vom demokratischen Präsidentschaftskandidaten Bill Clinton als Kandidat für die Vizepräsidentschaft ausgewählt wurde und lange bevor sie
gemeinsam den Sieg bei den allgemeinen Wahlen in
den Vereinigten Staaten errungen haben.
Tipper Gore, deren richtiger Name Mary Elizabeth
lautet, ist eine treibende Kraft der nationalen Elternbewegung, die um den Gewalt und Sexualität verherrlichenden, potentiell negativen Einfluß von Rockmusik
besorgt ist.

sie nie getan hat -, verwenden einige Schallplattenfirmen jetzt freiwillig Aufkleber, die vor Sexualität und
Gewalt verherrlichenden Texten warnen.
Einem Sprecher des Eltern-Musikzentrums zufolge
hat die Recording Industry Association of America,
eine Dachorganisation der Schallplattenindustrie, Gore
für ihr eingehaltenes Versprechen gelobt, die Zensur
nicht zu fördern.

In der Clinton-Administration wird ihre Kampagne weitere
Unterstützung finden. Der gewährte Präsident Bill
Clinton hat erklärt, er fühle sich durch manche Fernsehprogramme "abgestoßen" und seinem Wunsch
Gore hat einen Magister in Psychologie, ist Mutter von Ausdruck verliehen, daß Hollywood eine Führungsrolvier Kindern und zusammen mit Susan Baker, der le bei der "Entglorifizierung von gedankenlosem Sex
Gattin des ehemaligen Außenministers James Baker, und Gewalt" übernimmt. Und die zukünftige First Lady
Mitbegründerin des Eltern-Musikzentrums - einer na- Hillary Clinton, Rechtsanwältin und vehemente Vertionalen Anlauf stelle, die Informationen darüber bereit- fechterin der Rechte von Kindern, hat ebenfalls ihre
stellt, wie die Botschaft der Popmusik Kinder und Unterstützung für Gores Bestrebungen zugesagt.
Erwachsene beinflußt.
Die 44 Jahre alte Tipper Gore hat jedoch immer wieder
festgestellt,
"es treffe sie", wenn gesagt würde, sie
In einem 1987 veröffentlichten Buch beschreibt Gore,
hasse
Rockmusik.
Sie hält dem stolz entgegen, daß
was sie zur Gründung des Zentrums motivierte. Sie
sie
in
ihrer
Jugend
Schlagzeug
gespielt hat und in ihrer
erinnert sich daran, wie sie ihrer 11 Jahre alten Tochter
High-School-Zeit
in
den
sechziger
Jahren Mitbegründas Prince-Album "Purple Rain" kaufte und schockiert
derin
der
"Wildcats"
war,
einer
nur
aus Mädchen
über die sexuell äußerst freizügigen Texte der Lieder
bestehenden
Rockband.
war. Sie sah sich dann das Rock-Video-Kabelprogramm von MTV an und glaubte, ihren Augen nicht
Entertainment Weekly zitiert Gore mit den Worten:
trauen zu können.
"Ich wollte Schlagzeug spielen, bekam mit 14 Jahren
"Diese Bilder erschreckten meine Kinder und mich", eines geschenkt und fing einfach an, zu Hause zu
schreibt sie. "Der offenkundige Sex und die Gewalt üben... Ein Jahr später gründete ich die nach dem Auto
waren zuviel für uns." In ihrem Buch schlägt sie vor, die meiner Mutter - einem schwarzen Buick Wildcat Eltern sollten sich mit der Musik und den Videos benannten Wildcats."
befassen, denen ihre Kinder ausgesetzt werden.
Frau Gore, deren Gatte seit 1984 Senator von TennesTipper Gore hielt Vorträge über dieses Thema, trat im see ist, hat sich auch zum Sprachrohr von DrogenbeFemsehen auf und sagte in von Senator John Danforth kämpfungskampagnen gemacht und die Unterhaltungsanberaumten Senatsanhörungen aus, dessen Gattin industrie beschuldigt, Gewalt, Drogen und Sex zu
verherrlichen.
Mitglied des Eltern-Musikzentrums ist.
Ihre Kampagne beginnt, sich bezahlt zu machen.
Obwohl zahlreiche Vertreter der Musikindustrie Gore
zunächst beschuldigten, für Zensur einzutreten - was
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Bei der internationalen Konferenz von PRIDE (Parents' Resource Institute on Drug Education - Elterninstitut zur Drogenaufklärung) im März 1991 war es
Seite 1

�Gore, die langjährige Aktivistin gegen die Darstellung
von Gewalt und Drogenmißbrauch in den Medien, die
als Mutter von vier Kindern erklärte, sie sei "sehr
ärgerlich, daß meine Kinder und Ihre Kinder sich den
Gefahren stellen müssen, mit denen wir uns jetzt
aufgrund der Drogenepidemie konfrontiert sehen...
Unser Land wird mit chemischen Waffen bedroht, und
wir müssen diesen Krieg mit Entschlossenheit, Stärke
und den richtigen Waffen bekämpfen."
Gores Freunde haben sie als jemand bezeichnet, den
sie um die Integrität, den Weitblick, das Mitgefühl und
Verständnis beneiden. Sie erinnern sich beispielsweise an eine Episode Anfang der achtziger Jahre. Frau

Gore kam von einem M ittagessen mit ihren Kindern auf
dem Kapital zurück. Wenige Häuserblocks entfernt
sah sie eine Frau in Lumpen, die mit sich selbst sprach.
Die Kinder wollten die Frau mit nach Hause nehmen.
Tipper Gore erklärte ihnen, das ginge nicht, aber kurz
darauf organisierte sie die Familienfürsorge für Obdachlose, die sich dem Sammeln von Spenden verschrieben hat und Menschen zusammenbringt, die zur
Unterstützung der Bedürftigen bereit sind.
"Wie jeder andere habe ich meine Augen von den
Obdachlosen abgewandt", stellte sie in der Washington Post fest. "Meine Kinder haben mein Herz berührt
und mir die Augen geöffnet."

* * * * *

Seite 2

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                <text>&lt;strong&gt;1. Clintons-Kongress&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Fraktionsführer der Demokraten und Republikaner begrüßen Clinton im Kapitol&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Clinton verspricht Zusammenarbeit mit dem Kongreß&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Clinton-Außenpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clintons Interesse an Außenpolitik begann im College&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Georgetown, Oxford als prägende Erfahrungen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. GATT&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush gibt Einigung mit EG über Agrarhandelsfragen bekannt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA, EG erzielen Einigung zu wesentlichen Fragen der Uruguay-Runde&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Gemeinsame Erklärung der USA-EG-Kommission&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA und EG verkünden Durchbruch bei Welthandelsgesprächen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Beschleunigung der Verhandlungen erwartet&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Jugoslawien&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Verbrechen in Jugoslawien werden gesühnt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Blackwell&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Porträt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Hillary Clinton wird "Sprachrohr" für Kinder sein&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Die Frau des gewählten Präsidenten - ein Porträt&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tipper Gore ist treibende Kraft der nationalen Elternbewegung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Die Gattin des gewählten Vizepräsidenten - ein Porträt&lt;/em&gt;</text>
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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

2. Dezember 1992

48

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USA/DEUTSCHLAND/EUROPA

DIE VEREINIGTEN STAATEN, DIE WIEDERVEREINIGUNG DEUTSCHLANDS UND DIE
ÜBERWINDUNG DER TEILUNG EUROPAS
Rede von Botschafter Kimmitt in Dresden

CLINTON/AUSSENPOLITIK

CLINTON VOR AUSSENPOLITISCHEN
HERAUSFORDERUNGEN
Experten beraten den künftigen
Präsidenten

VERTEIDIGUNG

US-STREITKRÄFTE: KLEINER
ABER STARK UND EINSATZBEREIT
Keine einschneidenden Veränderungen
von Clinton erwartet

SOMALIA

DIPLOMATIE KONZENTRIERT SICH
AUF SICHERE NAHRUNGSMITTELLIEFERUNGEN NACH SOMALIA
Vereinigte Staaten nicht
für Machtübernahme der UNO

RASSENBEZIEHUNGEN

BERUFLICHE GLEICHSTELLUNG UND
DIE AMERIKANISCHE WELTANSCHAUUNG
von Seymour Martin Lipset

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�USA/DEUTSCHLAND/EUROPA
2. Dezember 1992

DIE VEREINIGTEN STAATEN, DIE WIEDERVEREINIGUNG DEUTSCHLANDS UND DIE
ÜBERWINDUNG DER TEILUNG EUROPAS
Rede von Botschafter Kimmitt in Dresden
DRESDEN - (AD) - In einer Rede vor Gästen der Herbert Quandt Stiftung im Dresdener Schloß forderte USBotschafter Robert M. Kimmitt am 23. November 1992 Amerikaner und Europäer auf, die wirtschaftlichen und
kulturellen Dimensionen der amerikanisch-europäischen Beziehungen zu vertiefen und gleichzeitig auf neue
Arten von Sicherheitsanliegen zu reagieren.
Kimmitt verwies auf die Bedeutung, die der kontinuierlichen Pflege der bestehenden Bindungen zwischen
Deutschland und den USA zukomme und ging danach auf die Bemühungen von Deutschen und Amerikanern
ein, durch Kulturprogramme und Austauschmaßnahmen das Wissen über sein Land in den neuen Ländern zu
vertiefen. "Seit ich amerikanischer Botschafter in Deutschland geworden bin, ist mir bewußt geworden, daß
unsere Beziehungen zunehmend auf den persönlichen Bindungen ruhen werden, die zwischen den Menschen
unserer beiden Länder geknüpft wurden." Austauschprogramme wie das Fulbright Programm und das Programm für junge Führungskräfte ermöglichten es jungen Deutschen, selbst etwas über sein Land und die
Geschichte der deutsch-amerikanischen Beziehungen zu lernen und sich ihre eigene Meinung darüber zu bilden,
was gemeinsam in der Zukunft getan werden könne. "In dieser Zeit wirtschaftlicher Schwierigkeiten für unsere
beiden Länder müssen wir unter Einsatz all unserer Kreativität eine Partnerschaft der öffentlichen und privaten
Unterstützung für diese Aktivitäten entwickeln, die von lebenswichtiger Bedeutung sind."
Zu den US-Investitionen in den neuen Bundesländern erklärte Kimmitt: "Nach unseren Berechnungen sind über
180 amerikanische Firmen im Osten aktiv. ... Die in den fünf neuen Bundesländern tätigen amerikanischen
Firmen haben insgesamt über 5 Milliarden D-Mark investiert und 38.000 Arbeitsplätze geschaffen oder erhalten.
...Verstärkte wirtschaftliche Aktivitäten amerikanischer Unternehmen in den neuen Bundesländern stellen
dringend erforderliche Investitionen zur Verfügung - und verstärken darüber hinaus die Kontakte zwischen
unseren Völkern.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Botschafter Kimmitt im Wortlaut.

Sehr geehrter Herr Präsident,
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
Graf von der Goltz,
verehrte Frau Quandt,
sehr geehrte Damen und Herren,
ich freue mich, heute hier auf Einladung der Quandt
Stiftung in diesem historischen Dresdener Schloß zu
Ihnen sprechen zu können. Ich finde es beeindrukkend, daß die Münchener Stiftung eines führenden
deutschen Unternehmens den amerikanischen Botschafter nach Dresden eingeladen hat, um über die
deutsch-amerikanischen Beziehungen zu sprechen.
Welch besseres Beispiel könnte es für das Zusammenwachsen von Deutschen, die lange getrennt wa-

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ren, für die Bindungen zwischen Amerikanern und
Deutschen sowie für unsere gemeinsamen Interessen
geben?
Seit zweiundzwanzig Jahren hat sich die Herbert Quandt
Stiftung intensiv mit den Ideen auseinandergesetzt,
die die Denkweise von Menschen beeinflussen und was ebenso wichtig ist - die Art und Weise, in der sie
miteinander umgehen. "Was können wir wissen?",
"Was können wir erhoffen?", "Was können wir tun?" dies sind philosophische Fragen, die jahrhundertelang
eine Herausforderung für die Menschheit darstellten,
und dies ist der philosophische Leitfaden, mit dessen
Hilfe Sie im Lauf der Jahre so erfolgreich Menschen
aus unterschiedlichen Nationen zusammengeführt

Seite 1

�haben. Ich beglückwünsche Sie zu den Beiträgen, die
Sie zum besseren Verständnis zwischen den Völkern
geleistet haben und wünsche Ihnen bei Ihrer wichtigen
Arbeit anhaltenden Erfolg für die Zukunft.

als "neue Weltordnung" bezeichnen würden auf der
Grundlage von Zusammenarbeit zwischen den Nationen, Selbstbestimmung und öffentlicher Prüfung zugänglicher Diplomatie.

Im vergangenen Jahr organisierte die Quandt Stiftung
ein Treffen an der Georgetown University in Washington, um die Zukunft der Vereinigten Staaten und Europas in einer "neuen Weltordnung" zu erörtern. Während dieser Veranstaltung gab der Präsident der
Georgetown University, Leo J. O'Donovan, eine Erklärung ab, die einen Kontext für das liefert, worüber ich
heute sprechen möchte. Reverend O'Donovan sagte,
daß "wir von einem Zeitalter großer Konfrontation zu
einem Zeitalter großer Hoffnung übergehen, aber ebenso
von einem Zeitalter erheblicher Stabilität und Klarheit
in den internationalen Beziehungen zu einem Zeitalter,
das komplexer und häufig weniger berechenbar sein
wird".

Zum Nachteil von Europäern und Amerikanern gleichermaßen begingen die Vereinigten Staaten an diesem Punkt in der Geschichte einen entscheidenden
Fehler, indem sie zu einer engstirnigen Kirchturmpolitik zurückkehrten, anstatt eine weltweite Führungsrolle zu übernehmen, die nach dem Krieg so verzweifelt
benötigt wurde. Die folgenden Ereignisse erwiesen
sich als katastrophal - eine weltweite Wirtschaftskrise
und ein zweiter Weltkrieg folgten.

Diese Erklärung hat unmittelbare Auswirkungen auf
die deutsch-amerikanischen Beziehungen, weil sich
unser Verhältnis in einer Übergangsphase befindet.
Für die Vereinigten Staaten und Deutschland enthält
diese Übergangsphase besondere Aspekte, die sich
sowohl aus der einzigartigen Partnerschaft ergeben,
die wir während der vergangenen 47 Jahre unterhielten, als auch aus dem Gewicht unserer beiden Länder
in der ganzen Welt.
Amerikanische Perspektiven und Ziele
Zunächst möchte ich Ihnen meine eigenen Ansichten
zu einigen derprägenden Erfahrungen der Vereinigten
Staaten vermitteln. Die Gründer meines Landes, die in
europäischer Politik sehr bewandert waren, warnten
vor unserer Verstrickung mit europäischen Mächten,
deren Streitigkeiten unserem Land lediglich unerwünschte und unnötige Unannehmlichkeiten bereiten würden.
George Washington riet in seiner Abschiedsrede den
Vereinigten Staaten, "sich von dauerhaften Bündnissen mit jedem Teil der ausländischen Welt fernzuhalten". Präsident Thomas Jefferson warnte vor verstrikkenden Bündnissen. Beider Rat wurde im gesamten
ersten Jahrhundert der amerikanischen Geschichte
befolgt.
Das zwanzigste Jahrhundert leitete jedoch ein neues
Zeitalter in den europäisch-amerikanischen Beziehungen ein, ein Zeitalter, in dem der atlantische Ozean
nicht mehr ausreichte, um die Vereinigten Staaten von
den Konflikten zu isolieren, die auf dem europäischen
Kontinent stattfanden. Der Erste Weltkrieg zog amerikanische Armeen zum ersten Mal in eine Schlacht auf
dem Kontinent hinein.
Die erste Nachkriegszeit
Am Ende dieses verheerenden Krieges forderte
Woodrow Wilson in seinen revolutionären Vierzehn
Punkten einen Frieden ohne Sieg, einen Frieden, der
die Grundlagen für etwas schaffen sollte, das wir heute
Seite 2

Die zweite Nachkriegszeit
Am Ende des Zweiten Weltkrieges war die amerikanische Politik zunächst wieder von dem Instinkt geleitet,
nach Hause zurückzukehren. Glücklicherweise behielten klügere, vorausschauende Entscheidungsträger wie George Marshall, John J. McCIoy und andere
die Oberhand, Männer, die die historischen Fehler, die
Amerika 1918 begangen hatte, im Hinblick auf die
Zukunft nicht wiederholen wollten. Dank ihrer Führung
trafen die Vereinigten Staaten am Ende des Zweiten
Weltkrieges die richtige Entscheidung - sie blieben in
Europa und beteiligten sich am Wiederaufbau der
zerstörten Volkswirtschaften und Gesellschaften ihrer
ehemaligen Verbündeten und Gegner. Unser Ziel
bestand darin, stabile demokratische Nationen zu
schaffen, mit denen die Vereinigten Staaten produktive, harmonische Beziehungen unterhalten und mit
denen sie zusammenarbeiten konnten, um für den
Weltfrieden einzutreten.
Die politisch Verantwortlichen in Amerika gingen gleichzeitig davon aus, daß ein integrierteres Europa stabil
und friedlich sein werde, was zweifellos im Interesse
der Vereinigten Staaten lag. Deshalb haben die Vereinigten Staaten von den Anfängen der Montanunion
über die Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft bis zur Schaffung des Binnenmarktes am
Ende dieses Jahres die Integration Europas stets aus
ganzem Herzen unterstützt und gefördert.
Ebenso uneingeschränkt haben wir die Vereinigung
Deutschlands unterstützt und auf das Ende der Teilung Europas gehofft. In dem gesamten Zeitabschnitt
nach dem Zweiten Weltkrieg betrachteten die Amerikaner die Teilung Deutschlands und die Spaltung
Europas als künstliche und nicht aufrechtzuerhaltende
Trennungen. Unser Wunsch wares, beide Spaltungen
friedlich zu überwinden und Freiheit für alle Betroffenen sicherzustellen.
Vom Atlantik bis zum Pazifik haben sich Amerikaner
am 3. Oktober 1990 mit Deutschland gefreut, als die
polrtische Vereinigung schließlich besiegelt wurde.
Aber: So schwierig politische Gleichberechtigung für
alle Deutschen zu erringen war - die Verwirklichung
wirtschaftlicher Chancengleichheit wird noch schweAMERIKA DIENST 48

�rer zu erreichen sein. Der Mut und die Energie, mit
denen der Wiederaufbau- und Aussöhnungsprozeß
durchgeführt wird, verdienen die Unterstützung des
amerikanischen Volkes heute ebenso wie der politische Prozeß nach dem Fall der Mauer im Jahre 1989.
Die dritte Nachkriegszeit
Mit dem Fall der Berliner Mauer und dem Ende des
Kalten Krieges sind wir in die dritte Nachkriegszeit
dieses Jahrhunderts eingetreten. Über eines sollten
wir uns im klaren sein: Diese dritte Nachkriegszeit ist
von ebenso entscheidender Bedeutung wie die ersten
beiden. Wiederum müssen wir die richtigen Entscheidungen treffen und die richtigen Verpflichtungen eingehen. Wir müssen aus den tragischen Fehlschlägen
der Vergangenheit ebenso wie aus unseren großen
Erfolgen lernen und den richtigen Kurs einschlagen.
Die vier Jahre von 1990 bis 1994 werden für unsere
Zukunft genauso wichtig sein wie es die vier Jahre von
1945 bis 1949 nach dem Zweiten Weltkrieg für die
Gestaltung jener Nachkriegszeit waren. Wir müssen
jetzt die Fundamente errichten, die unseren Kurs im
21. Jahrhundert bestimmen werden, in dem die nationalen Interessen der Vereinigten Staaten ebenso
untrennbar mit dem Europa der Zukunft verbunden
sein werden wie mit dem Europa der Zeit nach dem
Zweiten Weltkrieg.
Das andauernde amerikanische Engagement in Europa geht mit dem Prozeß der europäischen Integration
Hand in Hand. Wir bitten lediglich darum, daß Europa
auf einer Grundlage der Weltoffenheit zusammenfindet, die bestehenden Institutionen fördert anstatt von
ihnen wegzuführen, insbesondere von der NATO.
Das Atlantische Bündnis der Zukunft
Die Vereinigten Staaten und ihre NATO-Partner wurden in der Vergangenheit durch die gemeinsame
Bedrohung ihrer Sicherheit zusammengeführt. Dieser
von der sowjetischen Bedrohung geschaffenen Verbindung lag jedoch eine Bindung zugrunde, die auf den
politischen Werten beruhte, die wir gemeinsam hatten
und die zu verteidigen wir bereit waren. Heute, am
Ende des Kalten Krieges, erkennen wir, wie sehr uns
diese Werte einander nähergebracht haben - und wie
wichtig der Schutz dieser Werte nach wie vor ist. Wie
die jüngsten Ereignisse auf brutale Weise unterstrichen haben, sind wirtrotzdem weiterhin mit Bedrohungen unserer Sicherheit konfrontiert. Der effektivste
Weg, um diese in den Griff zu bekommen, führt über
erprobte Institutionen - wie die NATO -, die den neuen
Umständen angepaßt sind.

stark ist. Die amerikanische Beteiligung an der NATO
verkörpert unsere Verpflichtung zur europäischen
Sicherheit.
Wenn wir die Lage in Europa heute, nur wenige Monate nach dem Zusammenbruch des sowjetischen Imperiums betrachten, werden wir von der Realität ernüchtert, daß ein Zeitalter ewigen Friedens und fortwährender Sicherheit noch nicht in Sicht ist. Während die
Bedrohung der Ost-West-Konfrontation im Verschwinden begriffen ist, sind regionale Konflikte - und potentielle Konflikte - als neue und ernste Herausforderung
auf den Plan getreten. Viele Fragen in Zusammenhang mit der Zukunft der transatlantischen Beziehungen drehen sich um diese Sorgen. Wenn die Grundlagederamerikanischen Präsenz in Europa nicht mehr
vorwiegend der Schutz vor einer sowjetischen Bedrohung ist, wie sollte sie dann beschaffen sein? Wenn
Europa sein Sicherheitskonzept neu definiert, wird es
dann überhaupt eine amerikanische Präsenz geben?
Falls ja, welches sind die allseits akzeptablen Bedingungen dafür?
Die Vereinigten Staaten betrachten die NATO weiterhin als Eckpfeiler der transatlantischen Beziehungen.
Diejenigen, die dieses erfolgreichste Sicherheitsbündnis der Geschichte als Relikt des Kalten Krieges betrachten, übersehen den entscheidenden Punkt.
Der Nordatlantikvertrag erwähnt weder die Sowjetunion noch den Kalten Krieg, und er hat auch kein
"Verfallsdatum". Das Geniale ist seine Flexibilität.
Innerhalb seiner Struktur kann die euroatlantische
Gemeinschaft eine Sicherheitspolitik entwickeln, die
vom Charakter der Bedrohung - ob global oder regional
- unabhängig ist. Die NATO hat sich bereits bewährt,
und sie wird es uns gestatten, uns einer Vielzahl
unbekannter, selbst überraschender Bedrohungen
unterschiedlichsten Ausmaßes anzupassen.
Die NATO kann ihre Glaubwürdigkeit jedoch nur
bewahren, indem sie sich den neuen Bedingungen der
vergangenen zwei Jahre anpaßt. Vieles von dem, was
wir tun, wird von der künftigen Gestalt des ehemaligen
sowjetischen Imperiums abhängen. Wenn unabhängige und demokratische Gesellschaften in der Region
feste Wurzeln schlagen, dann sollte die Evolution der
NATO dieses Niveau größerer europäischer Stabilität
widerspiegeln. Ein perfektes Beispiel ist der Nordatlantische Kooperationsrat, in dem sich die NATO bemüht,
ehemalige Gegner im Osten beim Prozeß der Stärkung demokratischer Institutionen und der Entwicklung neuer sicherheitspolitischer Maßnahmen zu unterstützen.

Um es nochmals zu betonen: Unser Ziel ist ein
stärkeres Europa und eine stärkere NATO. Besonders
Die Erfahrung, zweimal in europäische Konflikte hin- in dieser Zeit unmittelbar nach dem Kalten Krieg
eingezogen worden zu sein, überzeugte das amerika- müssen wir Nullsummenanalysen als vereinfachend
nische Volk, daß seine Sicherheit mit der Europas und gefährlich zurückweisen, die davon ausgehen,
verflochten ist - eine Überzeugung, die nach wie vor eine stärkere europäische Sicherheitsidentität könne
Sicherheit

AMERIKA DIENST 48

Seite 3

�nur auf Kosten der NATO entwickelt werden. Wir
können beides haben. Die Vereinigten Staaten werden in Europa militärisch präsent bleiben, solange
unsere Anwesenheit erwünscht ist. Die Stärke unsererhier stationierten Truppen wird vonden Erfordernissen unseres Auftrages und den Dimensionen der
militärischen Pflichten abhängen, die wir mit unseren
Verbündeten teilen.

zusätzlich 4 Billionen Dollar erwirtschaftet werden.
Diese Summe ist fast so hoch wie das gesamte
jährliche Bruttosozialprodukt der Vereinigten Staaten.
In einer Zeit, in der die Wiederherstellung soliden
Wirtschaftswachstums für alle Länder - einschließlich
der Dritten Weh und der ehemaligen Sowjetunion - die
wichtigste Priorität ist, stellt dieses Abkommen genau
den richtigen Schritt im richtigen Moment dar.

In dieser dritten Nachkriegszeit des Jahrhunderts
benötigen wir darüber hinaus ein wesentlich klareres
Verständnis unserer Sicherheitsinteressen. Wir sind
nicht länger mit einem einzigen eindeutig definierten
Gegner konfrontiert. Wie die Ereignisse im ehemaligen Jugoslawien auf brutale Weise unterstreichen,
erfordern andere Sicherheitsanliegen unsere Aufmerksamkeit. Ferner sind die wirtschaftlichen, umweltpolitischen, wissenschaftlichen und kulturellen Dimensionen unserer Beziehungen erheblich wichtiger geworden. Deshalb müssen wir uns in dieser Nachkriegsperiode darum bemühen, unsere Beziehungen zu vertiefen und erweitern, um diese zusätzlichen Dimensionen
einzubeziehen und gleichzeitig auf neue Arten von
Sicherheitsanliegen reagieren. Es sind diese anderen
Dimensionen unserer Beziehungen, denen ich mich
nun zuwenden möchte.

Kulturelle Bindungen
Ich möchte mich jetzt der Bedeutung der kulturellen
Bindungen zwischen unseren beiden Ländern zuwenden. Die Übergangsphase in unseren Beziehungen
erfordert Verständnis und ein gemeinsames Gefühl
der Verpflichtung auf beiden Seiten des Atlantiks. In
diesem Zusammenhang ist eine Dimension der transatlantischen Beziehungen, die bei der Konzentration
auf unsere dringenderen Anliegen leicht übersehen
werden kann, die persönliche und kulturelle Dimension.

Im Jahre 1946 brachte ein prominenter amerikanischer Senator, William Fulbright, das in der Folgezeit
bedeutendste Gesetzeswerk im Bereich der internationalen Kulturbeziehungen in der amerikanischen
Geschichte ein - das Fulbright-Hays-Gesetz, mit dem
ein internationales akademisches Austauschprogramm
Wirtschaft
ins Leben gerufen wurde. Fulbright ging davon aus,
Der Handel spielt in unseren Beziehungen eine zuneh- daß junge Menschen, denen ein Studium im Ausland
mend wichtige Rolle. Zwei der wichtigsten Bindeglie- geboten würde, andere Nationen schließlich nicht mehr
der zwischen den Vereinigten Staaten, Deutschland nur als abstrakte Gebilde betrachteten.
und ganz Europa sind die sich selbst verstärkenden
In einer Rede über die deutsch-amerikanischen BezieBande des Handels und der Investitionen.
hungen hat Bundeskanzler Kohl in Heidelberg im Juni
Wir freuen uns darüber, daß die Unterhändler der dieses Jahres ebenfalls festgestellt, daß die FreundEuropäischen Gemeinschaft und der Vereinigten Staa- schaft zwischen unseren beiden Nationen nicht nur im
ten in der Lage waren, die noch zwischen uns beste- Verstand, sondern auch in den Herzen der Menschen
henden Meinungsverschiedenheiten - insbesondere verankert bleiben und wissenschaftliche und kulturelle
im Bereich der Landwirtschaft - auszuräumen, die so Zusammenarbeit gleichberechtigt neben die politische
lange einen erfolgreichen Abschluß der Uruguay-Runde und wirtschaftliche Zusammenarbeit gestellt werden
verhindert haben. Darüber hinaus begrüßen wir die muß.
Einigung beim Thema Ölsaaten, die einen Handelskrieg abwendet, der in niemandes Interesse gelegen Seit ich amerikanischer Botschafter in Deutschland
geworden bin, ist mir bewußt geworden, daß unsere
hätte.
Beziehungen zunehmend auf den persönlichen BinDiese Leistung wurde durch Kreativität, enorme Ge- dungen ruhen werden, die zwischen den Menschen
duld und die Bereitschaft aller betroffenen Parteien unserer beiden Länder geknüpft wurden. Diese durch
errungen, im Interesse freieren Handels mit seinem akademische Austauschprogramme, Tourismus,
Wohlstand hervorbringenden Potential für alle erheb- Konferenzen, wissenschaftliche Zusammenarbeit und
liche Zugeständnisse zu machen. Diese Übereinkunft künstlerische Veranstaltungen geschaffenen Bande
verschafft uns die Möglichkeit, die von allen Teilneh- werden eine noch wichtigere Dimension unserer künfmerstaaten des Münchner Gipfels eingegangene tigen Beziehungen sein.
Verpflichtung zu erfüllen, bis zum Jahresende ein
Abkommen im Rahmen der Uruguay-Runde zu schlie- Diese Bindungen müssen kontinuierlich gepflegt und
vertieft werden. Jede nachfolgende Generation muß
ßen.
sich erneut zur Bewahrung und Stärkung dieser Bande
Die Handelsbeauftragte der Vereinigten Staaten, Carla verpflichten, damit sie sich nicht auflösen. Diese
Hills, hat geschätzt, daß in den ersten zehn Jahren Aufgabe ist jetzt von besonderer Bedeutung, weil die
nach der erfolgreichen Beendigung der Uruguay-Runde Generationen der Nachkriegszeit sowohl in Deutschweltweit Waren und Dienstleistungen im Wert von land als auch in Amerika in einflußreiche Positionen

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AMERIKA DIENST 48

�gelangen, und ihr Bild voneinander wurde in den
turbulenten sechziger und siebziger Jahren geformt.
Und, wie Sie hier in Dresden nur allzugut wissen, sind
diese Bemühungen wichtig für die Deutschen aller
Altersstufen in den neuen Bundesländern, die von der
persönlichen Dimension der deutsch-amerikanischen
Beziehungen noch nicht profitieren konnten.
Das amerikanische Engagement für die neuen
Bundesländer
Der erste Schritt in dem Prozeß der Stärkung dieser
Bindungen muß darin bestehen, das von uns bereits
zwischen den westlichen Bundesländern und den
Vereinigten Staaten aufgebaute Netz von Kontakten
auf die fünf neuen Länder auszudehnen - ein Prozeß,
den wir schon vordem Oktober 1990 begonnen haben.
Unsere Kontakte in dieser Region wurden von der
ehemaligen Regierung sehr eingeschränkt, und es
bleibt noch viel zu tun, um die Isolierung von den
Vereinigten Staaten zu überwinden, der die Bürger
dieses Gebietes über Jahrzehnte hinweg unterworfen
waren.
Mit großer Freude konnte ich im Januar dieses Jahres
in Neubrandenburg eine erhebliche Erhöhung des
amerikanischen Beitrages für mehrere Austauschprogramme - darunter das Fulbright-Programm - um
insgesamt über eine Million Dollar bekanntgeben, damit
die Austauschprogramme mit Menschen in den fünf
neuen Bundesländern erweitert werden können.
Im Juni dieses Jahres haben wir ein neues Amerika
Haus in Leipzig eröffnet, das den Bedürfnissen der
Menschen in Sachsen und Thüringen dienen und die
Arbeit des Amerika Hauses in Berlin ergänzen soll.
Unser Programm für junge Führungskräfte, in dessen
Rahmen viele von Ihnen zum ersten Mal mit den
Vereinigten Staaten bekanntgemacht wurden, wird
erweitert. Allein dieses Programm hat es nahezu
17.000 jungen deutschen Akademikern ermöglicht,
die Vereinigten Staaten aus erster Hand kennenzulernen. Seit der Wiedervereinigung haben über 150
Deutsche aus den neuen Bundesländern von diesem
Programm profitiert.

ten für Englischunterricht, der von seinem Berliner
Büro aus in den neuen Ländern Unterstützung leistet.
Zwei wertere amerikanische Spezialisten sind an den
Universitäten in Greifswald und Chemnitz tätig.
Mit der Schließung einiger unserer militärischen Stützpunkte in Westdeutschland werden Bibliotheken auf
Universitätsniveau an ostdeutsche Institutionen übergeben. Fast 300.000 Bücher in englischer Sprache
wurden seit Beginn dieses Programms überreicht,
darunter 20.000 Bände an die Sächsische Landesbibliothek und 10.000 an die Universität Dresden. Ich
kann mir keinen besseren Weg denken, um Schwerter
zu Pflugscharen zu machen, als eine ganze Bevölkerung mit Büchern auszustatten, aus denen sie lernen
und gewinnen kann.
Unser Ziel bei all diesen Maßnahmen liegt auf der
Hand - die Deutschen, insbesondere die jungen Deutschen, in diesem Teil des Landes zu befähigen, dasselbe zu tun, was ihre Mitbürger im Westen tun können, nämlich selbst etwas über unser Land und die
Geschichte der deutsch-amerikanischen Beziehungen zu lernen und sich ihre eigene Meinu ng darüber zu
bilden, was wir gemeinsam in der Zukunft tun können.
Die amerikanischen Investitionen in den neuen
Bundesländern
Ebenso haben amerikanische Investitionen den neuen
Bundesländern ihren Stempel aufgedrückt. Eines
meiner persönlichen Ziele als Botschafter besteht darin,
das Land so viel wie möglich zu bereisen, insbesondere die neuen Bundesländer. Neben zahlreichen Reisen nach Berlin habe ich die fünf neuen Länder achtzehnmal besucht, umdie Priorität zu verdeutlichen, die
wir dem deutschen Vereinigungsprozeß und neuen
amerikanischen Investitionen in Ostdeutschland beimessen.

In einer Rede in Berlin hat Au ßenminister Baker im Juni
1991 erklärt: "Ich zweifle nicht daran, daß dieser Teil
Deutschlands in nicht allzu femer Zukunft eines der
wirtschaftlichen Zugpferde Europas sein wird. Andern
Tag, so glaube ich, werden Amerikaner und Deutsche
gemeinsam an diesem Werk beteiligt sein." Heute sind
Deutsche und Amerikaner in vielen Unternehmen in
Bundeskanzler Kohl und Präsident Bush haben kürz- Ostdeutschland bereits gemeinsam an diesem Werk
lich die Gründung der RIAS Kommission bekanntge- beteiligt. Nach unseren Berechnungen sind über 180
geben, die sich dem Ausbau von Kontakten und Stu- amerikanische Firmen im Osten aktiv. Heute nachmitdien zwischen Medienzentren und Rundfunkjoumali- tag habe ich eine dieser Firmen - Spezialtechnik Dressten in den fünf neuen Ländern und deren amerikani- den - besucht, die im Mai dieses Jahres von General
schen Kollegen widmen wird. Dies, so glauben wir, ist Atomics in San Diego übernommen wurde. Die naheeine Reaktion auf die veränderten Bedürfnisse des zu 1.400 Beschäftigten dieses Unternehmens sind an
Publikums, die der RIAS - Radio im Amerikanischen der Konversion der Rüstungsindustrie beteiligt. Sie
Sektor - während des Kalten Krieges so gut erfüllt hat. verarbeiten Munitionsbestände unter anderem zu
Rollstühlen, Erdbaugeräten und umweltverträglichen
Wir haben unsere Seminare für Englischlehrer und Produkten.
Amerikanistikstudien in den fünf neuen Bundesländern erheblich erweitert, insbesondere im Bereich der Die in den fünf neuen Bundesländern tätigen amerikaunmittelbaren Unterstützung von Universitäten und nischen Firmen haben insgesamt über 5 Milliarden Dpädagogischen Hochschulen. Wir haben einen Exper- Mark investiert und fast 38.000 Arbeitsplätze geschafAMERIKA DIENST 48

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�fen oder erhalten. Zwei weitere amerikanische Unternehmen, die zum Energiesektor gehören, sind an
Investitionen interessiert, mit denen die Gesamthöhe
der amerikanischen Investitionen mehr als verdoppelt
werden könnte.

reit, mehr zu tun als Besorgnis auszudrücken. Investitionen und die Schaffung von Arbeitsplätzen in den
neuen Bundesländern, zu denen unsere Firmen Beiträge erbringen, sind Teil der Lösung, weil sie an den
Wurzeln der gegenwärtigen Schwierigkeiten ansetzen. Verstärkte kulturelle Aktivitäten und persönliche
Verstärkte wirtschaftliche Aktivitäten amerikanischer Kontakte sind ebenfalls lebenswichtig, und wir haben
Unternehmen in den neuen Bundesländern stellen unser Budget für solche Maßnahmen in den neuen
dringend erforderliche Investitionen zur Verfügung - Bundesländern erhöht. Wir sind zuversichtlich, daß
und verstärken darüber hinaus die Kontakte zwischen Deutschland wegen der grundsätzlichen Stärke seiner
unseren Völkern. Mit dem Abzug beträchtlicher ame- demokratischen Werte diese Probleme lösen wird rikanischer Truppenverbände aus Deutschland wer- und damit weiter die Toleranz und den Respekt für
den die von ihnen geknüpften persönlichen Kontakte, muftikulturelle Werte ausbauen wird, die in einer pulwie ich hoffe, durch Kontakte zwischen Deutschen und sierenden, lebendigen Demokratie so wichtig sind.
amerikanischen Geschäftsleuten und deren Familien
abgelöst. Ich habe die Hoffnung, daß jeder heimkeh- Die vor uns liegende Herausforderung
rende G.l. tatsächlich oder im Geiste durch einen
Deutschen, der hier für eine amerikanische Firma Sowohl die deutsche als auch die amerikanische
arbeitet, oder von einem Amerikaner, der für ein deut- Regierung waren in der Vergangenheit die Hauptförsches Unternehmen in den Vereinigten Staaten arbei- derer von Austauschprogrammen in Kultur und Biltet, ersetzt wird. Deutsche Firmen werden besonders dungswesen, und sie werden sich auch in Zukunft aktiv
wegen ihrer Betonung von Aus- und Fortbildung be- für diese Maßnahmen engagieren. Wenn wir unsere
wundert und sind sicherlich in den Vereinigten Staaten heutige Lage jedoch realistisch betrachten, müssen
willkommen. BMW ist das jüngste einer langen Reihe wir uns vor Augen führen, daß die staatlichen Mittel
führender deutscher Unternehmen, die in den Verei- künftig mehr als wir uns dies wünschen begrenzt sein
nigten Staaten investieren, und ich begrüße beson- werden.
ders die Entscheidung, sich in South Carolina niederIm vergangenen Jahr hat das US-Außenministerium
zulassen.
ohne Erhöhung seines Haushalts 20 neue Botschaften
in den neuen unabhängigen und souveränen Staaten
Die gemeinsame Erfahrung
eröffnet. Die Budgets für unsere bestehenden KulturHier und in den Vereinigten Staaten vernehme ich programme geraten stärker unter Druck, während wir
starke Besorgnis über extremistische Gewalttaten im versuchen, die heutigen Austauschprogramme in Kultur
Deutschland von heute. Manchmal wird die Frage und Bildungswesen auf diese neuen Gebiete auszugestellt: "Wird Deutschland zu den dunklen Tagen dehnen. Ich werde energisch dafür eintreten, unsere
seiner Vergangenheit zurückkehren?" Meines Erach- in Deutschland bestehenden Programme zu erhalten,
tens ist es an der Zeit, daß wir unseren Kopf gebrau- aber Einsparungen sind unvermeidlich. Angesichts
chen anstatt unsere Hände zu ringen. Wenn ich meine der Kosten der Vereinigung bin ich sicher, daß sich
eigenen Erfahrungen als Maßstab für die Beurteilung auch die Programme der Bundesregierung im kultureldieser Frage anlege, so ist den Deutschen in Ost und len Bereich Engpässen ausgesetzt sehen.
West gleichermaßen bewußt, daß Demokratie kein
Geschenk ist, das gegeben oder empfangen wird, Die Aktivitäten von Organisationen wie der Herbert
sondern ein Gesellschaftsvertrag, der geschaffen und Quandt Stiftung zur Unterstützung des internationalen
ständig bekräftigt werden muß. Die Deutschen verste- Verständnisses durch Austauschprogramme werden
hen Goethes Satz sehr wohl, daß die Freiheit stets in Zukunft noch wichtiger sein als in der Vergangenheit. Ihr Bertrag zu den historischen Ereignissen,
aufs neue errungen werden muß.
deren Zeuge wir in Europa gewesen sind, mag vielWir unterstützen voll und ganz die Bemühungen leicht niemals ermessen werden, aber eines ist sicher:
Deutschlands, unverwandt auf dem Weg der Demo- Sie haben die Herausforderungen des Kalten Krieges
kratie und der Marktwirtschaft voranzuschreiten, auf angenommen und diejenigen unterstützt, die weiter
einem Weg, den der Ostteil des Landes heute erst die Frage stellten, "Was können wir wissen?" und "Was
antritt. Aus unserer eigenen nationalen Erfahrung können wir tun?" Neue Völker haben ihre Freiheit
wissen wir, daß Nationen nicht einfach erfunden wer- errungen und können nun dieselben Fragen stellen.
den, sondern wachsen. Die amerikanische Demokra- Auch sie müssen ermutigt und in ihrem Streben nach
tie ist organisch gewachsen und hat sich im Verlauf Wissen unterstützt werden.
unserer über zweihundertjährigen Geschichte fortwährend verändert und weiterentwickelt, während wir Ich bin hier, um Ihre Hilfe zu erbitten. In dieser Zeit
wirtschaftlicher Schwierigkeiten für unsere beiden Länder
vormals benachteiligte Gruppen integriert haben.
müssen wir unter Einsatz all unserer Kreativität eine
Gemeinsam mit den anderen Freunden und Verbün- Partnerschaft der öffentlichen und privaten Unterstütdeten Deutschlands sind die Vereinigten Staaten be- zung für diese Aktivitäten entwickeln, die von lebensSeite 6

AMERIKA DIENST 48

�Beginn der neuen Administration einer eingehenden Prüfung unterzogen werden.

wichtiger Bedeutung sind. Wir haben 40jährige Erfahrung bei der Erarbeitung von Programmen, die Zehntau sende Deutsche und Amerikaner zusammengeführt haben. Nur indem wir diese Erfahrung mit Mitteln
des Privatsektors kombinieren, können wir gewährleisten, daß dieses Vermächtnis an die nächste Generation weitergegeben werden kann. Ich bin hier, um
jeden von Ihnen zu bitten, alles in seiner Macht Stehende zu tun, um dieses Vermächtnis lebendig zu erhalten. Es ist die Pflicht von uns allen, Bereiche zu
identifizieren, in denen wir bei der Vertiefung des
deutsch-amerikanischen Verständnisses zusammenarbeiten können und dann unsere Ärmel hochkrempeln, um dieses Werk zu vollenden.
Diese Art von Erfahrung aus erster Hand führt gemeinsam mit soliden Amerikanistikprogrammen deutscher
Universitäten zu dem tieferen Verständnis von unserem Land, das produktive Zusammenarbeit und dauerhafte Bündnisse hervorbringt. Ich begrüße wärmstens
die Initiativen der Quandt Stiftung zur Förderung von
Amerikanistikprogrammen und damit zusammenhängenden Aktivitäten in den neuen Bundesländern. Die
Qualität der bestehenden Programme der Stiftung ist
wohlbekannt und verspricht hervorragende Ergebnisse in diesem Teil Deutschlands. Besonders erfreut bin
ich darüber, daß die Stiftung es amerikanischen Dozenten und Fachleuten ermöglicht, die neuen Bundesländer zu besuchen und engere Beziehungen zwischen den akademischen Institutionen hier und in den
Vereinigten Staaten herzustellen.
Die neue Administration
Abschließend möchte ich die jüngsten Wahlen in den
Vereinigten Staaten kommentieren.
Wie Präsident Bush möchte auch ich Gouverneur
Clinton zu seinem Wahlsieg gratulieren. In einem
weiteren Beispiel der von Präsident Bush so bezeichneten "Majestät der Demokratie" hat das amerikanische Volk gesprochen, und es findet zur Zeit ein
reibungsloser Übergang statt.
Gouverneur Clinton hat am Tag nach seiner Wahl
erklärt, er beabsichtige, Kontinuität in der amerikanischen Außenpolitik anzustreben: "Auch wenn Amerikas Regierungen wechseln", stellte er fest, "Amerikas
fundamentale Interessen verändern sich nicht." Aber
eine kontinuierliche Außenpolitik ist keine identische
Außenpolitik, und von seinen Erklärungen im Wahlkampf wissen wir, daß es Unterschiede geben wird.
Erstens werden aufgrund der Tatsache, daß
Gouverneur Clinton der Innenpolitik Vorrang
einzuräumen gedenkt, alle Teile des Haushalts
für die nationale Sicherheit - Verteidigung,
Auslandshilfe und Aktivitäten im Ausland - zu
* *

AMERIKA DIENST 48

Zweitens hat Gouverneur Clinton bereits erklärt, er werde den amerikanischen Verteidigungshaushalt etwas weiter kürzen als Präsident Bush vorgeschlagen hat. Obwohl er klargestellt hat, daß er eine schlagkräftige Streitmacht in Europa beibehalten möchte, haben
seine Berater Zahlen zwischen 75.000 und
100.000 genannt anstatt der von Präsident Bush
vorgeschlagenen 150.000. Sie haben femer im
Kongreß erhobene Forderungen aufgegriffen,
wonach unsere europäischen Verbündeten einen
größeren Teil der Lasten übernehmen sollen.
Drittens hat Gouverneur Clinton ein auf freiem
und fairem Handel basierendes offenes Welthandelssystem unterstützt. Er hat dem Wort
"fair" jedoch erhebliches Gewicht beigemessen
und insbesondere eine höhere Besteuerung
ausländischer Firmen in den Vereinigten Staaten vorgeschlagen.
Diese Auszüge aus den Wahlkampf reden des gewählten Präsidenten Clinton stellen die allgemeinen Richtlinien der neuen Außenpolitik der USA dar. Wie diese
Außenpolitik in ihren Einzelheiten durchgeführt wird,
obliegt selbstverständlich dem neuen Präsidenten sebst
nach der Amtsübernahme am 20. Januar.
Schlußbemerkung
Von heute bis zum Mittag des 20. Januar werde ich eng
mit Vertretern der Bundesregierung zusammenarbeiten, um diese und andere noch ausstehende Probleme
in unseren bilateralen Beziehungen zu behandeln. Ob
und für wie lange ich dies noch nach dem 20. Januar
tun werde, liegt bei dem neuen Präsidenten.
Wie auch immer meine Zukunft aussehen mag, eines
ist sicher: Ich gedenke, mich den Rest meines Lebens
- in und außerhalb der Regierung - für engere Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland einzusetzen. Ich werde dies großenteils deshalb
tun, weil ich dieses Land, seine Menschen und seine
Kultur liebe. Ich tue dies jedoch umso mehr, als engere
deutsch-amerikanische Beziehungen für den künftigen Frieden und Wohlstand in unseren beiden Ländern, in Europa und der ganzen Welt lebenswichtig
sind. Es ist mein brennender Wunsch, daß unsere
Kinder eines Tages Grund haben, uns dafür zu danken, die Grundlagen für ebenso solide und produktive
Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und
Deutschland geschaffen zu haben wie unsere Eltern
es für uns taten. Ich freue mich, mit Ihnen zusammen
auf dieses gemeinsame Ziel hinzuarbeiten.
Ich danke Ihnen.
*

*

Seite 7

�CLINTON/AUSSENPOLITIK
2. Dezember 1992

CLINTON VOR AUSSENPOLITISCHEN
HERAUSFORDERUNGEN
Experten beraten den künftigen Präsidenten
im Verteidigungssektor Tätigen abstimmen, ohne ihnen ein Vetorecht gegen seine Entscheidungen einzuräumen, in der Öffentlichkeit klar darlegen, was getan
werde - einschließlich der Rückschläge und Risiken und sich vor allem der multilateralen Unterstützung
versichern. Falls Gewaltanwendung erforderlich sei,
Dies war das Fazit der eintägigen, am 24. November sollten der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen und
1992 im US-Außenministerium abgehaltenen Konfe- wenn möglich andere im bedrohten Gebiet ansässige
renz mit dem Thema "Die au ßenpolitischen Prioritäten regionale Organisationen Maßnahmen ergreifen.
Amerikas in einer neuen Welt", an der renommierte
amerikanische Experten und ausländische Delegierte Der künftige Präsident müsse erneut bekräftigen, daß
teilnahmen. Gemeinsamer Veranstalter der Konfe- die Vereinigten Staaten - falls erforderlich - auch
renz waren die Carnegie Endowment for International militärische Gewalt anwenden, er müsse jedoch - so
Peace und die American Foreign Service Association. Halperin - auch verstehen, daß das Unterstützung im
In- und Ausland erfordere. Jegliche militärische
Die angesprochenen Themen reichten von Welthan- Gewaltanwendung müsse an die Darlegung eines
del und Wirtschaftsfragen bis zu Umweltproblemen, Konzepts einer neuen Weltordnung gebunden sein.
Flüchtlingsströmen, gemeinsamer Sicherheit, der
Nichtverbreitung von Atomwaffen, Menschenrechten, Paula Dobriansky, Leiterin der Abteilung für politische
der Stärkung internationaler Organisationen und dem und programmatische Fragen des US-Informationsamtsund ehemalige hochrangige MenschenrechtsexAufbau der Demokratie.
pertin im US-Außenministerium, stand auf der KonfeMort Halperin, ehemaliger hochrangiger Berater Hen- renz dem Gremium für Menschenrechte, humanitäre
ry Kissingers im Nationalen Sicherheitsrat unter Präsi- Angelegenheiten, Völkerrecht und Aufbau der Demodent Richard Nixon, Vorsitzender der amerikanischen kratie vor.
Bürgerrechtsvereinigung (American Civil Uberties Unbn)
und führender Mitarbeiter der Carnegie-Stiftung gab "Die Förderung der Demokratie wird in absehbarer Zeit
einen Überblick über die potentiellen militärischen und unsere vorrangige Herausforderung sein", äußerte
Dobriansky auf der Schlußsitzung. Die Vereinigten
politischen Probleme Clintons.
Staaten haben zwar eine wichtige Rolle zu spielen und
"Es wird ihm meiner Ansicht nach so gehen wie all können ihre einzigartigen Erfahrungen anderen zuunseren Präsidenten der Nachkriegszeit, die entdeckt gänglich machen", erklärte sie, "wir müssen jedoch
haben, daß die Welt sie nicht in Ruhe läßt", stellte immer davon ausgehen, daß man Demokratie nicht
Halperin fest.
einfach von einem Land in ein anderes verpflanzen
kann".
Zu den Brennpunkten, mit denen Clinton sich Halperin
zufolge möglicherweise konfrontiert sehen wird, gehö- Sie stellte fest, "kollektives Engagement bei der Förderen der Irak, das ehemalige Jugoslawien, Somalia und rung von Demokratie sei garantiert" und fügte hinzu,
Haiti.
daß muftilaterale und regionale Organisationen wie die
Vereinten Nationen, die Konferenz über Sicherheit und
Er erklärte, beim Umgang mit potentiellen BedrohunZusammenarbeit in Europa (KSZE) sowie die Organigen müsse der gewählte Präsident die eindeutige sation Amerikanischer Staaten (OAS) in dieser HinUnterstützung des Kongresses erhalten, sich mit den sicht eine wichtige Rolle zu spielen hätten.
WASHINTON - (AD) - Obwohl der gewählte Präsident
Bill Clinton sich auf die Wiederbelebung der Binnenwirtschaft konzentrieren will, sieht er sich bereits mit
einer Reihe außenpolitischer Herausforderungen
konfrontiert.

AMERIKA DIENST

Seite 1

�"Fürdie Förderung der Demokratie ist die Rechtsstaatlichkeit von Bedeutung", betonte Dobriansky. Dies
beinhalte eine unabhängige Judikative, rechtmäßige
Verfahren, den Schutz von Minderheiten sowie die
Respektierung der Menschenrechte, der eingegangenen Vertragsverpflichtungen und der Souveränität
anderer Staaten.
"Im Verlauf unserer Sitzung wurde festgestellt, daß
das US-Informationsamt immer die Demokratie gefördert hat", erklärte sie. "Seine Aufgabe war stets die
Verbreitung demokratischer Werte und Ideen. Aus
diesem Grunde wurde darauf hingewiesen, daß das
US-Informationsamt gut als führende Organisation für
die Förderung der Demokratie im Ausland geeignet
sei.
"Darüber hinaus wurde dringend empfohlen, daß eine
organisationsübergreifende, dem Amt unterstellte
Arbeitsgruppe für die Bemühungen der Vereinigten
Staaten zum Aufbau der Demokratie auf der ganzen
Welt und deren bessere Koordinierung ins Leben gerufen wird", äußerte Dobriansky. Die Bestrebungen
um den Aufbau der Demokratie würden als ein "langfristiger evolutionärer Prozeß" betrachtet, "ein Prozeß,
der für die Vereinigten Staaten eine lohnende, wenn
nicht entscheidende Investition in den Weltfrieden und
die globale Sicherheit darstellt".

Ellen Frost, renommierte Mitarbeiterin des Institute for
International Economics und ehemalige hochrangige
Beamtin im Verteidigungsministerium, warnte auf der
Schlußsitzung der Konferenz, daß Clinton sich im
Bereich der Wirtschaft einer "sehr düsteren Lage auf
der Welt" gegenübersehen könnte.
"Es ist nicht allzu schwierig vorherzusagen, daß sich
der künftige Präsident Clinton im nächsten Jahr einigen äußerst schwierigen wirtschaftspolitischen Problemen stellen muß. Beispielsweise könnten wir mühelos
prognostizieren, daß das Paket (binnenwirtschaftlicher) Anreize erst mit Verzögerung Ergebnisse zeitigen, der Dollar fallen und teurere Importe zum ersten
Mal seit den letzten Tagen der Carter-Administration
wirklich zu höherer Inflation führen würden", stellte sie
fest.
•

Frost fügte hinzu: "Wir können nicht länger unsere
Binnenwirtschaft von der Weltwirtschaft gesondert
betrachten. Handel und Wirtschaftswachstum sind
untrennbar verbunden. Wir müssen uns vor Augen
führen, daß im Jahr 1991 die Hälfte des in den Vereinigten Staaten zu verzeichnenden Wachstums auf
Exporte zurückzuführen ist; in den letzten vier Jahren
waren das ungefähr 30 Prozent."
Frost betonte, das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen (GATT) und die Uruguay-Runde seien zwar
"im Kern politisch", stellten aber in der Tat das Welthandelssystem dar und müßten gestärkt werden.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 48

�VERTEIDIGUNG
2. Dezember 1992

US-STREITKRÄFTE: KLEINER ABER
STARK UND EINSATZBEREIT
Keine einschneidenden Veränderungen von Clinton erwartet
WASHINGTON - (AD) - Obwohl die Vereinigten Staaten in den kommenden Jahren ihre Verteidigungsausgaben
senken und weniger Truppen im Ausland stationieren werden, verpflichten sie sich nach wie vor, die für den
Schutz ihrer Interessen und der ihrer Verbündeten sowie die Förderung internationaler Stabilität erforderliche
militärische Fähigkeit beizubehalten.
Besorgnisse, die Vereinigten Staaten könnten einer isolationistischen Strömung folgen, entbehren jeglicher
Grundlage. Vor über zwei Jahren hat die Bush-Administration eine energisch betriebene amerikanische
Verteidigungsstrategie nach dem Ende des Kalten Krieges eingeführt, und es steht nicht zu erwarten, daß die
neue Clinton-Administration diese in ihrer Substanz verändert.
Sie wird sich teilweise deshalb nicht verändern, weil der gewählte Präsident seine Haltung zu wichtigen
verteidigungspolitischen Fragen bereits angedeutet hat und weil die Militärbürokratie, die den Präsidenten berät
und die Strategie mitgestaltet hat, grundsätzlich dieselben Verpflichtungen befürworten wird. Beim kontinuierlichen Abbau von Streitkräften und Haushalt werden Truppenstärke und Dollarausgaben verändert werden - der
auf fünf Jahre angelegte Haushaltsplan Clintons liegt jedoch nur fünf Prozent unter den Ansätzen Bushs.
Der gewählte Präsident Bill Clinton ist sich - wie auch seine Vorgänger - bewußt, daß die Welt "immer noch ein
gefährlicher Ort ist". Militärische Macht "ist weiterhin bedeutsam", so erklärt er, "und ich bin der Aufrechterhaltung einer starken und einsatzbereiten Verteidigung verpflichtet. Ich werde diese Stärke gegebenenfalls
einsetzen, um unsere vitalen Interessen zu verteidigen." So unterstützt er die Entscheidung Bushs, den
irakischen Kurden und Schiiten Luftunterstützung zu gewähren ebenso wie die Fortsetzung der NahostFriedensgespräche. Darüber hinaus befürwortet er eine stärkere Unterstützung demokratischer Regime in
Lateinamerika.
Diejenigen, die versuchen könnten, "ihre Ziele mit Macht und Gewalt" zu verwirklichen, sollten Clinton zufolge
wissen, daß seine Administration "die militärische Stärke aufrechterhalten wird, die wir zur Verteidigung unseres
Volkes ... und unserer Werte benötigen".

ken, wann immer eine Krise ausbricht, die eine amerikanische Reaktion notwendig macht. "Wir müssen in
Der strategische Rahmen, der von zivilen und militäri- der Lage sein, rasch und in ausreichender Stärke
schen Entscheidungsträgem formuliert wurde, deutet Macht nach Europa, dem Nahen Osten und Asien zu
darauf hin, daß die Vereinigten Staaten ein klares verlagern, um jeden möglichen Aggressor zu besieZukunftskonzept haben. Dazu gehört die weitere gen, der durch unsere Vomepräsenz nicht abgeschreckt
Vornestationierung amerikanischer Streitkräfte in wurde", erklärt der Vorsitzende der Vereinigten StabsRegionen von vitalem nationalem Interesse für die chefs (JCS), Colin Powell.
Vereinigten Staaten, die sich 40 Jahre lang bewährt
Aber Powell, der auch in der Clinton-Administration im
hat.
Amt bleiben wird, da seine Amtszeit als JCS-VorsitDie amerikanischen Interessen werden die andauern- zender bis zum September 1993 läuft, verweist darauf,
de Präsenz von Truppen in entscheidenden Regionen daß sich die amerikanische Militärstrategie nicht länwie Europa, dem Nahen Osten und Ostasien ebenso ger auf die Annahme stützt, in Europa könne es
erfordern wie die Fähigkeit, diese Präsenz zu verstär- kurzfristig zum Ausbruch eines größeren Krieges
Der strategische Rahmen

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�kommen. Dies, so erklärt er, habe "tiefgreifende
Auswirkungen darauf, wie wir unsere Streitkräfte in
Europa und in den Vereinigten Staaten planen und
strukturieren".

Andauerndes Engagement

Cheney zufolge könnte die Zukunft auch davon abhängen, wie andere Nationen die amerikanische Fähigkeit
zum raschen Streitkräfteaufwuchs sowie zur effektiven Abschreckung oder Abwehr eines Angriffs einschätzen. Die Bewahrung einer weltweiten amerikanischen Präsenz mit der Fähigkeit zur raschen Reaktion,
so Cheney, "wird absolut entscheidend für die Bewältigung künftiger Krisen und die Abschreckung künftiger Aggressoren sein". Daß Clinton Verbesserungen
der militärischen Luft- und Seetransportfähigkeiten
hohe Priorität einräumt, weist darauf hin, daß diese
Erfordernis ernst genommen wird.

Wolfowitz zufolge sind das amerikanisch-japanische
und das amerikanisch-südkoreanische Bündnis ebenso wie die NATO in Europa "Eckpfeiler der Stabilität in
diesen Regionen der Wert". Auch Clinton befürwortet
die Aufrechterhaltung eines starken Engagements für
die NATO.

Das Thema Engagement durchzieht den von Präsident Bush erstmals im August 1990 dargelegten politischen Kurs wie ein roter Faden. Paul Wolfowitz,
Verteidigungsminister Cheney zufolge wird die künfti- Staatssekretär im Verteidigungsministerium, hat es
ge Stabilität von der Bereitschaft der Vereinigten Staa- folgendermaßen formuliert: "Meines Erachtens sind
ten abhängen, Streitkräfte im Ausland zu stationieren wir nicht der Weltpolizist. Wir müssen mit anderen zuund im Inland eine qualitativ hochwertige Truppe bei- sammenarbeiten, und immer mehr Völker... wollen mit
zubehalten. Die wachsende Stärke der amerikani- uns zusammenarbeiten... Es ist beeindruckend, wie
schen Verbündeten jedoch, so fügt er hinzu, "wird es viele der Demokraten auf der Wert, einschließlich in
ihnen ermöglichen, mehr Verantwortung für unsere Moskau, uns weiterhin an der Macht und in der Welt
gemeinsamen Sicherheitsinteressen zu übernehmen". engagiert sehen wollen. Wir sind in der Tat eines der
wenigen Völker, denen jeder vertraut."
Zwischen den Lagern von Bush und Clinton hat es
Meinungsverschiedenheiten über die Zahl amerikani- Die amerikanische Militärpräsenz in Europa "unterscher Truppen gegeben, die in Europa stationiert mauert die Stabilität" dort, steift Powell fest. In
bleiben sollen. Clinton geht davon aus, daß 100.000 Südwestasien hält sie "den Tyrannen in Schach", geausreichen, während Bush 150.000 beibehalten woll- währleistet die Einhaltung der UNO-Sanktionen und
te. Darüber hinaus bestehen unterschiedliche Mei- bietet Stabilität. Im Pazifischen Becken, so Powell, ist
nungen über den Gesamtumfang der Streitkräfte bis das "amerikanische Engagement ein Sicherheitsschild
zum Jahr 1997, aber die Differenzen sind marginal: für uns und unsere zahlreichen Freunde in der ReClinton würde die von Bush angestrebte Zahl von 1,6 gion". Die US-Präsenz in all diesen Regionen ist "ein
Millionen um weitere 200.000 verringern.
strategischer Imperativ", erklärt er.

Obwohl der Umfang der US-Streitkräfte aufgrund des
Fehlens einer vorhersehbaren weltweiten Bedrohung
schrumpfen wird, bleiben die Vereinigten Staaten in
der Lage, gegebenenfalls ihre Streitkräfte rasch wiederaufzubauen: durch Aufstellung neuer Kampfeinheiten, Mobilisierung von Soldaten und Aktivierung der
rüstungsindustriellen Basis in großem Stil.

Das System amerikanischer Bündnisse ist "ein entscheidender Bestandteil der künftigen Verteidigung",
so der Sprecher des Pentagon, Pete Williams. "Wir
geben Kollektivismus nicht auf, stellt er fest. Die
Bewahrung und Erweiterung enger Zusammenarbeit
mit Verbündeten und Freunden zur Erlangu ng gemeinsamer sicherheitspolitischer Ziele bleibt weiterhin eine
amerikanische Forderung.

Zalmay Khalilzad, Referatsleiter für politische Planung
im US-Verteidigungsministerium, steift fest, die Verteidigungsplanung der Vereinigten Staaten habe sich
von der Reaktion auf die bisher von der Sowjetunion
ausgehende Bedrohung - die "unmittelbarer und apoUnd während die Rüstungskontrollabkommen der letz- kalyptischer und in gewisser Hinsicht berechenbarer
ten Jahre eindeutige und substantielle Reduzierungen war - auf die regionalen Herausforderungen verlagert,
der strategischen Kernwaffen bedeuten werden, ha- mit denen wir uns aller Voraussicht nach in der Zukunft
ben sich die Vereinigten Staaten weder von der Not- konfrontiert sehen - Herausforderungen, die sehr viel
wendigkeit abgewendet, ein modernes, zuverlässiges multidimensionaler und weniger berechenbar sind".
strategisches Abschreckungspotential beizubehalten,
darunter eine Triade luft-, land- und seegestützter In Zukunft erwartet das Pentagon, daß kleinere NatioRaketen, noch von der Erfordernis, Verteidigungssy- nen moderneres konventionelles militärisches Gerät
steme gegen begrenzte Angriffe mit ballistischen und Massenvernichtungswaffen besitzen werden. Dies
Raketen zu entwickeln. Obwohl er das Ziel der Stra- könnte bedeuten, daß die Dritte Welt über einstmals
tegischen Verteidigungsinitiative (SDI) unterstützt, Supermächten vorbehaltene militärische Fähigkeiten
möchte Clinton die strukturelle Orientierung von SDI verfügen wird.
von Weltraumsystemen wegverlagern und in dem auf Die Strategie der Vereinigten Staaten ist darauf ausgefünf Jahre veranschlagten Haushalt etwa 20 Milliarden
richtet, so Khalilzad, "Trends zu antizipieren und zu
Dollar streichen.
fördern, die unsere Sicherheit und die unserer Freunde
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�verbessern". Das entstandene neue Sicherheitsumfeld bietet laut Khalilzad eine Chance, "alte Feindschaften in kooperative Beziehungen umzuwandeln
und gleichzeitig die Fähigkeit beizubehalten, feindlich
gesinnte, nichtdemokratische Mächte davon abzuhalten, regionale Hegemonialmächte zu werden".

anderer demokratischer Werte sowie dem Übergang
von offensiven zu defensiven militärischen Doktrinen
und Einsatzkonzepten gerecht zu werden.
Unterschiedliche militärische Rollen

Während Clinton sich anschickt, 1993 die Verantwortung
des Oberbefehlshabers zu übernehmen, sieht er
Darüber hinaus werden sich Khalilzad zufolge mehr
sich
laut
Libby an "der Schwelle eines neuen ZeitalChancen zur Lösung der sicherheitspolitischen und
wirtschaftlichen Probleme durch "neue oder wiederbe- ters", in dem wahrscheinlich "gegenläufige Trends und
lebte internationale Organisationen'' bieten. Die erwei- große Unsicherheiten die neuen Demokratien schwäterte Rolle der Vereinten Nationen und die zunehmen- chen, entscheidende Regionen destabilisieren, Agde Prominenz der Internationalen Atomenergie-Orga- gression freisetzen oder gefährliche militärische Technisation sind zwei Beispiele. Die Vereinigten Staaten nologien - einschließlich nuklearer, biologischer oder
ziehen es vor, die internationalen Herausforderungen chemischer Waffen und modernster Trägersysteme der Zukunft "durch kollektive Aktionen anzusprechen, in unverantwortliche Hände gelangen werden".
aber wir müssen die Fähigkeit beibehalten, gegebenenfalls zum Schutz unserer Interessen unabhängig Clinton hat die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen und der dazugehörigen Trägersysteme als eine
zu handeln", stellt er fest.
"der gravierendsten Bedrohungen" der internationalen
Äußerungen des Abteilungsleiters für Politik im Vertei- Sicherheit ausgemacht. Das ihm unterstehende
digungsministerium, I. Lewis Libby, zufolge strebt die amerikanische Militär soll erwartungsgemäß jedoch
amerikanische Strategie "eine Verstärkung und Erwei- auch weiterhin Terrorismusbekämpfung, Unterbindung
terung des Systems von Sicherheitsarrangements an, des Drogenhandels, Abrüstungsbestrebungen sowie
das demokratische und gleichgesinnte Nationen in die Bereitstellung humanitärer Hilfe weltweit unterstütgemeinsamer Verteidigung gegen Aggression verbin- zen.
det, Kooperation aufbaut, die Renationalisierung sicherheitspolitischer Maßnahmen vermeidet und Sicherheit zu geringeren Kosten und mit niedrigeren
Risiken für alle bereitstellt".
Es liegt im Interesse der Vereinigten Staaten, "lange
bestehende Bündnisse" in die Zukunft zu übertragen,
stellt der Regierungsvertreter fest, und gleichzeitig
Rußland, die Ukraine und andere Staaten der ehemaligen Sowjetunion sowie Mittel- und Osteuropas in eine
"Friedenszone" einzubeziehen. Das US-Verteidigungsministerium beabsichtigt, seiner Rolle durch die Erweiterung von Kontakten auf militärischer Ebene, Förderung demokratischer ziviler Kontrolle des Militärs und

*

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*

Die Strategie der Zukunft läßt sich in einem relativ
einfachen, vielleicht von Powell am besten formulierten Konzept zusammenfassen, der sie als "Beruhigung für u nsere Freunde und Abschreckung für unsere
potentiellen Gegner" bezeichnet.
Eine solche Führungsrolle, so Powell, impliziert das
weitere Engagement der Vereinigten Staaten . Obwohl historische Veränderungen in der Militärstrategie
und Truppenstruktur vorgenommen werden können,
steift er fest, "ziehen wir ganz entschieden einen
Rückzug aus der Welt nicht in Betracht". Die Struktur
der Zukunft wird Powell zufolge wahrscheinlich "ein
Konzert der Macht anstelle eines Gleichgewichts der
Macht" sein.
*

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�SOMALIA
2. Dezember 1992

DIPLOMATIE KONZENTRIERT SICH
AUF SICHERE NAHRUNGSMITTELLIEFERUNGEN
NACH SOMALIA
Vereinigte Staaten nicht für Machtübernahme der UNO
WASHINGTON - (AD) - Das amerikanische Außenministerium betonte am 30. November 1992, daß die
Debatten der Vereinten Nationen über Somalia sich
darauf konzentrieren, Möglichkeiten der sicheren
Nahrungsmittelversorgung für die 1,5 Millionen vom
Hungertod bedrohten Menschen zu finden und nicht
auf eine Machtübernahme der UNO in dem von Hunger und Bürgerkrieg erschütterten Land.
Die allgemeine Lage in Somalia hat sich noch verschlechtert, da sich befehdende Kriegsherren und
bewaffnete Banden die Mitarbeiter der Hilfsorganisationen an der Bereitstellung von Nahrungsmitteln und
humanitärer Hilfe für die Notleidenden in verschiedenen Teilen des Landes hindern.

Sterberate stieg weiter und es wurde uns immer klarer,
daß es uns unter den gegebenen Bedingungen nicht
gelingen würde, alle Notleidenden mit Nahrungsmitteln zu versorgen."
Auf Seiten der Vereinigten Staaten und vieler anderer
Regierungen "wächst die Erkenntnis, daß in bestimmtem Maße Militär eingesetzt werden muß, um die für
Nahrungsmittellieferungen nötige Sicherheit zu gewährleisten", erklärte Boucher, lehnte es jedoch ab,
Einzelheiten des Angebots von Eagleburger bekanntzugeben. Presseveröffentlichungen ist zu entnehmen, die Vereinigten Staaten seien bereit, bis zu
30.000 Soldaten zur Verfügung zu stellen.

"Im Mittelpunkt aller Bemühungen stehen NahrungsSchätzungsweise 300.000 Menschen sind schon mittellieferungen", hob Boucher hervor. In ganz Somalia
gestorben und weitere 1,5 Millionen vom Hungertod haben wir uns mit den drei wichtigsten Aspekten der
bedroht, erklärte Sprecher Richard Boucher auf einer jetzigen Situation dort befaßt, die ganz offensichtlich
Pressekonferenz. "Wir sind daran interessiert, mit den miteinander verbunden sind. Der erste umfaßt NahUN-Organisationen zusammenzuarbeiten, um siche- rungsmittel- und humanitäre Hilfe, der zweite Sicherre Hilfslieferungen zu gewährleisten. Viele Menschen heit, der dritte politische Stabilität oder eine politische
sind gerade jetzt der Ansicht, daß militärische Aktio- Lösung. Wir waren in jedem dieser drei Bereiche tätig,
nen welcher Art auch immer erforderlich seien. Wir um mit der Situation fertigzuwerden.
wollen im Rahmen der UNO tätig werden", betonte er.
"Wir befürworten nicht, daß die Vereinten Nationen auf
"Wir verfolgen nicht die Absicht, eine Regierung einzu- die eine oder andere Art die Macht in Somalia übernehsetzen oder die Machtstrukturen des Landes zu verän- men", äußerte der Sprecher. "Wir vertreten die Andern, sondern wollen lediglich die Sicherheit der sicht, daß die Vereinten Nationen in der Lage sind, den
humanitären Hilfslieferungen gewährleisten", erklärte Menschen in Somalia beim Aufbau einer zivilen Verwaltung in ihrem Land behilflich zu sein.
Boucher.
Der amtierende Au ßenminister Eagleburger flog letzte
Woche nach New York, um mit UN-Generalsekretär
Boutros-Ghali über die Möglichkeiten eines Einsatzes
von amerikanischem Militär zur Sicherung der Hilfslieferungen nach Somalia zu sprechen.

"Am wichtigsten wäre eine funktionierende Verwaltungsstruktur zur Bereitstellung von Nahrungsmitteln
und Hilfe, und die UNO könnte in diesem Bereich eine
große Hilfe sein", stellte er fest. "Aber es läge bei den
Vereinten Nationen und den Vertretern Somalias, im
Hinblick darauf Entscheidungen über künftige Maßnahmen zu treffen."

"Wir mußten verschieden Möglichkeiten in Betracht
ziehen", antwortete Boucher auf die Frage, was Eagleburger zu dem Angebot eines Einsatzes von US- Boucher antwortete den Fragestellern, es würden
Truppen veranlasse. Die Situation in Somalia "hat sich "verschiedene Möglichkeiten in Erwägung gezogen",
ganz offensichtlich verschlechtert", stellte er fest. "Die konnte jedoch keine Einzelheiten nennen. Er betonte
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Sehe 1

�nochmals, daß man sich vor allem auf eine Stabilisie- Im Hinblick auf einen möglichen Einsatz amerikanirung der Sicherheitslage konzentriere, damit die Hilfs- scher Truppen bei erweiterten Hilfslieferungen für
lieferungen die Notleidenden erreichten.
Somalia äußerte Boucher, die Führungsmodalitäten
könnten zusammen mit den Vereinten Nationen ausDer Sprecher bezeichnete die Vereinten Nationen gearbeitet werden. In einem Fernsehinterview am 28.
deutlich als den "besten Koordinator" für alle Aktivitä- November 1992 erklärte Eagleburger, die Truppen
ten mit dem Ziel einer wirksamen Hilfe für Somalia und sollten amerikanischem Kommando unterstehen aber
äußerte, jetzt müsse Boutros-Ghali den einzuschla- unter dem Mandat der Vereinten Nationen operieren.
genden Kurs empfehlen.
Der Sprecher stellte fest, eine Anzahl führender PoliDie Vereinigten Staaten sprechen mit den anderen tiker Somalias hätte in der Presse die Möglichkeit
Mitgliedern des Sicherheitsrates, um deren Ansichten amerikanischer Hilfe zur Sicherung der Hilfsmaßnahzu sondieren, und nachdem der Generalsekretär seine men begrüßt.
Empfehlungen gegeben hat, "wird es eingehendere
Beratungen geben", so Boucher.
Boucher gab bekannt, zwischen dem 25. und dem 29.
November hätten amerikanische Militärflugzeuge bei
"Ich bin sicher, daß es viele Länder gibt, die mit uns 62 Einsätzen 724 Tonnen humanitäre Hilfsgüter an
zusammen das Ziel verfolgen, den Menschen in Somalia Ziele in Somalia und Kenia geliefert. Seit August
Nahrungsmittel und Hilfe zu gewährleisten", erklärte wurden Boucher zufolge von amerikanischen Milrtärer, hielt es jedoch für 'Verfrüht", vorzuschlagen, was und Zivilflugzeugen 23.042 Tonnen Hilfsgüter beförandere Länder vielleicht im Zusammenhang mit einem dert.
spezifischen UNO-Plan unternehmen möchten.
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�RASSENBEZIEHUNGEN

GLEICHSTELLUNG UND DIE
AMERIKANISCHE WELTANSCHAUUNG
von Seymour Martin Lipset
Dem Verfasser zufolge sollte zur Vertiefung des nationalen Konsenses über Bürgerrechte und Gerechtigkeit
zwischen den Rassen in den Vereinigten Staaten Gleichstellung als Maßnahme einer Überprüfung unterzogen
werden. In dem nachfolgenden Artikel nimmt der Autor eine Übersicht über die Geschichte der Gleichstellung
vor und erörtert die Bedeutung von Gleichheit, wie sie von den unterschiedlichen Gruppen der amerikanischen
Gesellschaft gesehen wird.
Trotz der großen Bürgerrechtstriumphe der sechziger Jahre steht die Rassenpolitik wieder im Mittelpunkt des
amerikanischen Lebens. Was jedoch Lipsets Argumentation zufolge ein Konflikt zwischen Schwarzen und
Weißen zu sein scheint, ist vielmehr eine Kontroverse zwischen der amerikanischen Öffentlichkeit und der
politischen Elite des Landes über die wahre Bedeutung der Gleichheit.
Seymour Martin Lipset, Forscher am Wilson Center und der Hoover Institution, ist Hazel Professor of Public
Policy an der George Mason University. Derzeit ist er gewählter Präsident der American Sociological
Association, war jedoch unter anderem auch Präsident der American Political Science Association. Sein
jüngstes Buch hat den Titel Continental Divide: The Values and Institutions of the United States and
Canada (1990). Copyright (c) 1992 by Seymour Martin Lipset.
Nachdruck dieses Artikels gestattet mit folgendem Zusatz: Copyright (c) 1992 Seymour Martin Lipset mit
freundlicher Genehmigung von Wilson Quarterly.
Keine Errungenschaft der amerikanischen Politik im
zwanzigsten Jahrhundert ist von größerer Bedeutung
als die Erlangung eines nationalen Konsenses über
Bürgerrechte. Dieser Konsens wurde im vergangenen
Vierteljahrhundert von einer Bürgerrechtsbewegung
errungen, die die Amerikaner schließlich zu einer
Konfrontation mit der tiefen Kluft zwischen der Behandlung von Schwarzen und den egalitären Werten
zwang, die sie in ihrer nationalen Weltanschauung
nährten.

Gleichstellung wurde 1965 im Geiste der ersten Bürgerrechtsrevolution geboren. Bald danach wurde sie
in ein System rassischer Bevorzugung umgewandelt,
und heute polarisiert Gleichstellung die Rassenpolitik
in den Vereinigten Staaten zunehmend. Die Seiten mit
den Leitartikeln und Kommentaren strotzen vor Auseinandersetzungen mit und Analysen von Gleichstellung. In der Wahlkampagne von 1990 um das Gouverneursamt von Kalifornien konzentrierte sich der Republikaner Pete Wilson beim Kampf gegen Diane Feinstein auf die "Quotenfrage". Im gleichen Jahr gewann
In den vergangenen Jahren haben die Protagonisten Senator Jesse Helms die Wiederwahl in North Carolider Bürgerrechtsbewegung jedoch den Schwerpunkt na mit Hilfe der Quotenfrage, und in Louisiana benutzvonderVerwirklichunggleicherChancenauf die Erlan- te das ehemalige Mitglied des Ku-Klux-Klan David
gung substantieller Gleichheit durch bevorzugte Be- Duke sie, um eine Mehrheit der Stimmen von Weißen
handlung verlagert. Dadurch hat sich die Lage zuge- auf sich zu vereinigen, obwohl er die Kandidatur um
spitzt, weil die meisten Amerikaner, einschließlich einen Senatssitz verlor. Sein gescheiterter Wahlzahlreicher Schwarzer, diese Verlagerung nicht zu- kampf für das Gouverneursamt im vergangenen Herbst
sammen mit den Anführern der Bewegung vollzogen wurde ein nationales Drama. Als der Kongreß 1991 die
haben. Der Grund hierfür ist nicht schwer zu finden: Sitzungsperiode aufnahm, war der erste von der
Während die Bürgerrechtsbewegung der sechziger demokratischen Führung im Repräsentantenhaus
Jahre von den Amerikanern forderte, einem einzigen, eingebrachte Gesetzentwurf die von ihren Gegnern
unanfechtbaren Ideal gerecht zu werden, löst sie heute als "Quotengesetz" bezeichnete Bürgerrechtsgeseteinen Konflikt zwischen zwei wesentlichen amerikani- zesvorlage. Selbst als eine Version dieses Gesetzentschen Werten aus: Egalitarismus und Individualis- wurfs im November als Gesetz verabschiedet wurde,
mus.
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�hielt die Kontroverse über seine Bedeutung und Auswirkungen an.

Diese Version von Gleichheit ist eines der fünf miteinander verbundenen Elemente der amerikanischen
Weltanschauung: Freiheit, Individualismus, PopulisHäßliche politische Kampagnen und noch häßlichere mus (die Herrschaft des Volkes) und laissez faire. Im
Rassenzwischenfälle allerorts von Bensonhurst bis Europa der Zeit von de Tocqueville, mit seinem VerLos Angeles erwecken manchmal den Eindruck, daß mächtnis des Feudalismus, waren die Gesellschaften
in den Vereinigten Staaten ein Wiederaufflammen von in strenge soziale Schichten eingeteilt. Die entstehenRassismus zu beobachten ist. Der alte Konsens de Arbeiterklasse im Europa des 19. Jahrhunderts sah
zugunsten von Bürgerrechten und Chancengleichheit das Klassensystem daher als unveränderlich an und
besteht jedoch nach wie vor. Amerikaner, einschließ- strebte durch den Sozialismus Gleichheit der Ergeblich zahlreicher Wei ßer aus dem Süden, lehnen die Art nisse als Gruppe an. In Amerika - oder zumindest im
von Rassendiskriminierung kategorisch ab, die in die- weißen Amerika - der reinsten bürgerlichen und klassem Land noch vor wenigen Jahrzehnten an der sisch liberalen Gesellschaft der Welt, wird Klasse
Tagesordnung war. Eine 1991 von Gallup für News- behandelt als eine wirtschaftliche Konstruktion, und
week durchgeführte Meinungsumfrage belegte, daß die Lösung für Ungleichheit wird als wirtschaftliche
"72 Prozent der Schwarzen und 52 Prozent der Wei- Chance gesehen.
ßen aussagten, sie würden es vorziehen, in einer
rassisch 'halb und halb' gemischten Nachbarschaft zu In den späten zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts,
leben - dieser Prozentsatz liegt auf beiden Seiten als sich die ersten Anzeichen des Sozialismus in
höher als noch vor drei Jahren." Über zwei Drittel der Europa noch kaum bemerkbar machten, entstanden in
Weißen und vier Fünftel der Schwarzen behaupten, New York, Philadelphia und anderen amerikanischen
"sehr viele Angehörige der anderen Rasse gut zu Städten Arbeiterparteien. Aber die Arbeiter waren
kennen". Verschwindend wenig Weiße (6 Prozent) keine Sozialisten, sie glaubten an Privateigentum und
geben an, sie würden sich 'bei gemeinsamer Arbeit mit wollten, daß die Menschen sozialen Aufstieg anstrebAngehörigen einer anderen Rasse oder einem einer ten. Die New Yorker Partei lehnte die zu jener Zeit von
anderen Rasse angehörigen Vorgesetzten unbehag- zahlreichen egalitären Reformern befürwortete Idee
lich fühlen."
von Gemeinschaftsschulen (das heißt, öffentlichen
Schulen) ab und schlug statt dessen die Gründung
Gleichzeitig befürworten die meisten Amerikaner gewisse staatlich finanzierter Internate vor. Der Argumentation
Formen von Kompensation, um Schwarzen und ande- der Arbeiter zufolge bestand der einzige Weg zur
ren benachteiligten Gruppen zu Leistungen entspre- Schaffung der sprichwörtlichen gleichen Chancen darin,
chend der von der Gesellschaft festgelegten Wettbe- die Jugendlichen aller Schichten 24 Stunden lang in
werbsebene zu verhelfen: Head Start und andere einer Gemeinschaft zu erziehen.
spezielle Bildungsprogramme, staatliche Unterstützung für College-Studenten, berufliche Ausbildung Die amerikanische Betonung des Individualismus wurde
und Enwicklung des Gemeinwesens. Eine große früh durch das religiöse Engagement für die "nonkonMehrheit der Weißen und rund die Hälfte aller Schwar- formistischen" protestantischen Sekten bekräftigt, die
zen ziehen jedoch eine Grenze bei bevorzugter Be- wie in Europa und andernorts Voluntarismus im Hinhandlung, der Aussetzung von Normen und Einfüh- blick auf den Staat und eine persönliche, nicht durch
rung von Quoten oder anderen Hilfsmitteln, die Bürger hierarchisch organisierte Kirchen vermittelte Bezieauf der Grundlage ihrer Gruppenzugehörigkeit begün- hung zu Gott betonen. Die Hinwendung der Amerikastigen.
ner zu Liberalismus und dem Markt begünstigte ferner
einen unterschiedlichen Ansatz zur Gleichheit. Der
Wenn die meisten Amerikaner eine solche Vorzugsbe- Markt fordert eine Leistungsgesellschaft und die Abhandlung ablehnen, wer befürwortet sie dann? Wie es lehnung von Nepotismus und anderer Formen der
scheint, kommt die Unterstützung vornehmlich von Begünstigung. Die Einstellung der am besten qualifieinem Teil der nationalen Führungsschicht. In der Tat zierten Person, sei sie schwarz oder weiß, Jude oder
wurde diese Politik praktisch ausschließlich von politi- NichtJude, gebürtiger Amerikaner oder im Ausland
schen und sozialen Eliten - Republikanern und Demo- geboren, ist der beste Weg, wirtschaftlichen Ertrag zu
kraten gleichermaßen - gegen den Wunsch der Mehr- maximieren.
heit der amerikanischen Öffentlichkeit entworfen und
wird weiterhin von ihnen gefördert. Die Kontroverse Die Auswirkungen der Unterschiede zwischen Europa
über Vorzugsbehandlung ist in Wirklichkeit weniger ein und Amerika wurden von dem Politologen Walter Dean
Konflikt zwischen Wei ßen u nd Schwarzen als vielmehr Burnham präzise formuliert: "Kein Feudalismus, kein
zwischen Menschen und ihren politisch Verantwortli- Sozialismus - mit diesen vier Worten kann man die
grundlegenden soziokulturellen Realitäten zusammenchen.
fassen, die der amerikanischen Wahlpolitik im InduVor über 150 Jahren beobachtete Alexis de Tocquevil- striezeitalter zugrundeliegen."
le, daß die amerikanische Version von Egalitarismus
die Gleichheit von Chancen und Respekt betonte, statt Eine andere Realität ist jedoch unleugbar: Schwarze
die Gleichheit von Ergebnissen oder Bedingungen. stehen für die schreckliche Ausnahme der gemeinsaSeite2

AMERIKA DIENST 48

�men amerikanischen Erfahaing. Sie verbrachten ihre
ersten zweieinhalb Jahrhunderte in diesem Land als
Sklaven und weitere 100 Jahre nach dem Bürgerkrieg
als streng getrennte Gruppe der unteren Gesellschaftsschicht - soziale Arrangements, die in beiden Fällen
sehr viel deutlicher hierarchisch und vererbt waren als
irgend etwas im europäischen Feudalismus. Die
Behandlung der Schwarzen durch die weißen Amerikaner konzentrierte sich auf Gruppenkriterien, auf die
Definition und Behandlung von Menschen nicht aufgrund ihrer persönlichen Verdienste, sondern wegen
ihrer Abstammung, ihrer Rasse und ihrer ethnischen
Identifizierung.

ropäisches Land kann damit Schritt halten. Nur 31
Prozent der Franzosen und 30 Prozent der Westdeutschen können beispielsweise auf den Besuch einer
Fachhochschule, einer Universität oder anderen Bildungsinstitution nach dem Gymnasium verweisen.

Die Vereinigten Staaten geben proportional sehr viel
mehr öffentliche Gelder für das Bildungswesen aus als
jedes europäische Land, wohingegen Europa mehrfür
Sozialhilfe aufwendet. 1985 beliefen sich die Ausgaben für das Bildungswesen in den Vereinigten Staaten
auf 6,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Der Durchschnitt von 17 westeuropäischen Ländern lag bei 5,1
Prozent. Seit 1981 wurde ein Fünftel des amerikaniDie Betonung von Gruppencharakteristika ermutigt schen Bruttoinlandsprodukts für Sozialausgaben beGruppenlösungen. In Europa förderte die Bedeutung reitgestellt (einschließlich Bildung), verglichen mit mehr
der eigenen Position Klassenbewußtsein bei der unte- als einem Viertel in den 24 Industrienationen der
ren Gesellschaftsschicht und in gewissem Maße einen Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Sinn von noblesse oblige unter den Privilegierten. Entwicklung.
Sowohl die auf die Unterschicht gegründete sozialdemokratische Linke als auch konservative Politiker der Die Bedeutung, die Amerikaner kulturell bedingt aufOberschicht wie Disraeli in Großbritannien und Bis- Leistung legen, steht außer Frage. Die meisten
marck in Deutschland befürworteten staatliche Bestre- Amerikaner sind der Auffassung, daß es harte Arbeit
bungen zur Verbesserung des Loses der weniger statt "Glückstreffern oder Hilfe von anderen" ist, was
Wohlhabenden ohne notwendigerweise ihre Position den Menschen zum sozialen Aufstieg verhilft. Vom
in der sozialen Ordnung zu verändern: Sozialhilfe, Nationalen Meinungsforschungszentrum (National
sozialer Wohnungsbau, Beschäftigung im öffentlichen Opinion Research Center - NORC) von 1983 bis 1990
Dienst, staatliche Gesundheitsfürsorge. Europas durchgeführte Umfragen belegen die einhellige ZuSozialdemokraten waren seit den dreißiger Jahren stimmung von rund zwei Dritteln der Befragten, daß
häufig an der Regierung und haben sehr viel zur "man durch harte Arbeit vorankommt". 88 Prozent
Verbesserung des Lebens der Arbeiter getan. In den gaben an, "Ehrgeiz" sei unabdingbar oder sehr wichtig
meisten Ländern haben sie jedoch weder die Gymna- "für den sozialen Aufstieg im Leben". Die große
sien der Elite abgeschafft noch die Möglichkeiten zur Mehrheit der Amerikaner, einschließlich der meisten
Universitätsausbildung für die Jugendlichen der Arbei- Schwarzen, sind der Meinung, daß die Vereinigten
Staaten immer noch ein Land der Chancen sind, eine
terklasse maßgeblich verbessert.
Leistungsgesellschaft in Theorie und Praxis. Auf die
Im Gegensatz dazu haben die Amerikaner immer 1988 gestellte Frage, ob sie eine gute Chance zur
mehr Betonung auf die Erweiterung der Chancen des Verbesserung ihres Lebensstandards hätten, gaben
einzelnen durch Bildung gelegt. Seit Anfang des 19. 71 Prozent der Amerikaner NORC eine positive AnJahrhunderts standen die Vereinigten Staaten welt- wort. Im Gegensatz dazu vertraten nur 43 Prozent der
weit im Hinblick auf den Prozentsatz der Bevölkerung Italiener, 36 Prozent der Deutschen und Engländer
an führender Stelle, der die Grundschul- und High- und nur 23 Prozent der Holländer diese Ansicht. Und
School-Ausbildung abschließt. Horace Mann und obwohl bereits sehr viel mehr Amerikaner aufs College
andere Bildungsreformer der dreißiger und vierziger gehen als Menschen in jedem anderen Land, sind
Jahre des 19. Jahrhunderts, die für das Konzept der nahezu zwei Drittel (65 Prozent) der Auffassung, daß
Gemeinschaftschule warben, bestanden darauf, daß die Chancen für weiterführende Studien noch weiter
die Schulen für alle - reich und arm, Kinder von verbessert werden sollten. Verglichen damit haben
Einwanderern und gebürtigen Amerikanern - aber nicht nur 55 Prozent der Briten und 31 Prozent der Deutfür die Schwarzen offen sein sollten. Solche Reformer schen dieses Gefühl.
lehnten das europäische, nach Schichten unterteilte
Bildungssystem ab und verhöhnten die deutschen Die meisten weißen Amerikaner sind heute der ÜberGymnasien, die französischen Lycees, und die engli- zeugung, daß die erfolgsorientierte Ethik der Nation
schen "öffentlichen" Schulen, die höchstens die ober- auch auf Schwarze und Frauen Anwendung findet.
Und obwohl sie den Versprechungen Amerikas versten 10 Prozent der Bevölkerung ausbildeten.
ständlicherweise ambivalent gegenüberstehen, haDie transatlantischen Unterschiede sind heute bei den ben sich die meisten Schwarzen auch dem Glauben
weiterführenden Studien am offenkundigsten. Seit verschrieben, daß harte Arbeit und Bildung ihnen zu
1987 haben 65 Prozent aller 20-24jährigen Amerika- sozialem Aufstieg verhelfen. Eine 1991 von Gallup
ner an irgendeiner Form von Ausbildung nach der durchgeführte Meinungsumfrage gelangte zu dem
weiterführenden Schule teilgenommen. Kein westeu- Schluß, daß "69 Prozent der Weißen und 68 Prozent

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�der Schwarzen erklären, Afroamerikaner sollten ihre
Energie mehr auf die Verbesserung (ihrer) Ausbildung
konzentrieren".
Die Situation der Schwarzen hat die Werte der Nation
von Anfang an vor eine Herausforderung gesteht. "Ich
zittere um mein Land, wenn ich daran denke, daß Gott
gerecht ist", schrieb Thomas Jefferson 1781. Sollte
sich das Land über die Frage der Sklaverei spalten,
berichtete ein Freund von George Washington 1791,
"war Washington entschlossen, zu handeln und sich
den Nordstaaten anzuschließen". Jefferson sah voraus, daß das in seinen eingängigen Worten enthaltene Versprechen, "alle Menschen sind gleich geschaffen", dauerhafte Auswirkungen auf die amerikanische
Politik haben und letztlich die Sklaverei unterminieren
würde.
Der Logik von Jeffersons Beobachtungen folgend,
stellte der schwedische Soziologe Gunnar Myrdal 1944
in An American Dilemma fest, daß weiße Amerikaner, einschließlich der meisten Südstaatler, fest an
diese Weltanschauung glaubten, selbst wenn sie diese mit "Jim Crow" und anderen Rassentrennungspraktiken zutiefst verletzten. Er gelangte zu der Schlußfolgerung, die Überzeugung sei so stark, daß die Weißen
nachgeben müßten, wenn die Schwarzen sich zur
Verteidigung ihrer Rechte organisieren würden. Die
politischen Erfolge der Bürgerrechtsbewegung in den
sechziger Jahren bewiesen, daß Myrdal recht hatte.
Aber mit ihrem politischen Einlenken stimmte die weiße männliche politische Elite nicht nur der Erweiterung
der Rechte des einzelnen für die Schwarzen zu, sondern auch der Gruppenrechte, die in der Geschichte
ihresgleichen suchen.
Gleichstellung erlebte in den Vereinigten Staaten zweimal
eine Wiedergeburt und bei ihrer ersten während der
Kennedy-und Johnson-Administrationen spiegelte sie
einen mehr oder weniger traditionellen amerikanischen
Ansatz zum Problem der Ungleichheit wider. Die
vielleicht beste Erklärung der Logik dieser Vielfalt von
Gleichstellung wurde von Präsident Lyndon Johnson
in einer Rede vor der Howard University im Jahr 1965
angeboten:

ten, die auf das Baby, das Kind und schließlich
den Mann einwirken.
LBJs Lösung war der Krieg gegen die Armut, zu dem
höhere Ausgaben für das Bildungswesen durch Programme wie Head Start, Erweiterung der Hilfe für
Familien mit unterhaltspflichtigen Kindern sowie eine
Reihe anderer Initiativen zählten. Diese Bestrebungen
wurden durch Gesetze gestützt, die Abbau von Diskriminierung am Arbeitsplatz, in Wohngebieten, Schulen
und nicht zuletzt Bereichen wie Club-Mitgliedschaften
zum Ziel haben, die soziale Beziehungen betreffen.
Die Gewährung der uneingeschränkten politischen
Staatsbürgerschaft für Schwarze durch das Wahlrechtsgesetz von 1965 sowie spätere Gesetze und
Rechtsentscheidungen hatten zur Folge, daß Schwarze ebenso wie Weiße ihre legitimen Rechte als einzelner in den Gerichten und Verwaltungstribunalen durchsetzen konnten.
Die Gleichstellung wurde einer tiefgreifenden Veränderung unterzogen - mit deren Konsequenzen wir
noch heute zu kämpfen haben - als die politisch
Verantwortlichen zu der Überzeugung gelangten, daß
der erste Ansatz zu langsam Wirkung zeigte. Ironischerweise wurde die Veränderung von der konservativen Nixon-Administration durchgeführt. Es war keine
Reaktion auf spezifische, von den Schwarzen oder der
amerikanischen Linken geäußerte Bedürfnisse, sondern schien eine Innovation von Teilen der weißen
Elite zur Erfüllung der Ziele der Bürgerrechtsbewegung zu sein.
Im Oktober 1969 gab Nixons Arbeitsminister George
Shultz einen Verwaltungserlaß bekannt, mit dem eine
Quote für die Einstellung von schwarzen Lehrlingen für
Staatsaufträge der Bauindustrie von Philadelphia festgesetzt wurde, deren Arbeitgeber und Gewerkschaften zusammenarbeiteten, um Schwarzen die Arbeit zu
verwehren. Diese Politik wurde rasch auf andere
Städte und schließlich auf andere Gebiete ausgedehnt. Rückblickend erinnert sich Laurence Silberman, der als Shultz' Rechtsberater den Schriftsatz
verfaßt hatte, mit dem der Philadelphia-Plan gemäß
dem rechtmäßigen Verfahren im Rahmen des Fünften
Verfassungszusatzes gerechtfertigt wurde, daß er und
seine Kollegen durch die Doppeldeutigkeit des Gleichstellungserlasses der Johnson-Administration beunruhigt waren. Und weil sie sich "unbehaglich mit dem
Bild fühlten, das die Partei von Abraham Lincoln entwickelt hatte", schrieb der später von Reagan zum
Richter ernannte Silberman, "und vor allem, weil die
Republikaner bestrebt waren, die Berufschancen für
Schwarze zu verbessern, leiteten wir eine - wie ich
inzwischen erkannt habe - im Grunde ungesunde
Politik in die Wege."

Man nimmt nicht einen Menschen, der jahrelang
in Ketten gefesselt war und befreit ihn, stellt ihn
an die Startlinie eines Rennens und sagt dann:
"Du bist frei, um mit all den anderen zu konkurrieren", und gibt sich dann immer noch dem
berechtigten Glauben hin, man sei völlig fair
gewesen... Männer und Frauen aller Rassen
werden mit denselben Fähigkeiten geboren.
Fähigkeiten sind jedoch nicht nur das Produkt
der Geburt. Fähigkeiten werden von der Familie
und der Nachbarschaft, von der Schule, die man
besucht und der Armut oder dem Reichtum der Das neue Gleichstellungsverfahren wurde vom PräsiUmgebung gefördert oder verkümmern. Sie denten des Bundesrechnungshofes der Vereinigten
sind ein Produkt von hundert unsichtbaren Kräf- Staaten Eimer Staats (der von Johnson ernannt wor-

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�den war), der nationalen Gewerkschaftsführung und
der Mehrzahl der Demokraten im Kongreß aufs Schärfste abgelehnt. Clarence Mitchell von der nationalen
Vereinigung zur Förderung Farbiger (National Association forthe Advancement of Colored People) verurteilte es als einen "direkt vom Schreibtisch des Präsidenten kommenden kalkulierten Versuch, die Koalition zwischen Negern und den Gewerkschaften aufzubrechen. Der Großteil des sozialen Fortschritts in
diesem Land hat sich aus diesem Bündnis ergeben."
Im Namen der Administration kritisierte George Shultz
die Anführer der Bürgerrechtsbewegung, weil sie den
Quotenplan nicht unterstützten.
Gegner wandten ein, die Antidiskriminierungsklausel
des Bürgerrechtsgesetzes von 1964, Titel VII, verurteile ausdrücklich "berufliche Diskriminierung". Staats
zitierte Senator Hubert Humphreys Versprechen, daß
kein Bestandteil des Gesetzes "weder der (Gleichstellungs-) Kommission noch einem Gericht die Macht
verleihen wird, die Einstellung, Entlassung oder Beförderung von Beschäftigten zur Erfüllung einer'Rassenquote' oder Herstellung eines Rassengleichgewichts
zu fordern", sowie die Zustimmung seiner liberalen
Fraktionsführer im Senat, daß "die Hautfarbe... bei der
Entscheidung über Einstellung oder Beförderung keine Rolle spielen wird". Im Dezember 1969 lehnte der
Kongreß jedoch einen Zusatz zu einem Bewilligungsgesetz ab, der Quoten ausdrücklich verboten hätte.
Die Republikaner stimmten mit 124 zu 41 gegen das
Verbot, wohingegen die Demokraten mit 115 zu 84
dafür stimmten. "Die Demokraten orientieren sich an
der Sache - wir am Arbeitsplatz", erklärte Nixon. Binnen Kürze sollten die Parteien ihre Rolle wechseln.

folgerung, daß die Juden zwar viel Diskriminierung
erdulden mußten, jedoch alles, was sie benötigten, um
zu Wohlstand zu gelangen, ein Ende der Diskriminierung und die Anwendung von Kriterien der Leistungsgesellschaft auf sie selbst sei. Nachdem ihnen das
gelungen war, machten die jüdischen Organisationen
die amerikanische Weltanschauung zu ihrem Fetisch
und bestanden darauf, daß alle Minderheiten und
Einwanderer nur die gleiche Behandlung benötigten.
Die Sehwarzenführer argumentierten daraufhin, sie
könnten zu Recht Gruppenrechte für sich beanspruchen, teils als Wiedergutmachung für 350 Jahre beispielloser Ausbeutung durch die weiße Gesellschaft.
Schließlich, so erklären sie heute, hat der Kongreß
Amerikaner japanischer Ab stammung fürihre Inhaftierung während des Zweiten Weltkriegs entschädigt und
die deutsche Bundesregierung an die Juden und Israel
Reparationszahlungen geleistet.
Lange vor der Gleichstellung wichen die Amerikaner
darüber hinaus bei der Behandlung von Kriegsveteranen vom Prinzip der Leistungsgesellschaft ab. Als
Entschädigung für ihren Dienst wurden die Veteranen
bei den Einstellungsverfahren im öffentlichen Dienst
bevorzugt und erhielten besondere Unterstützung bei
der Finanzierung ihrer weiterführenden Studien und
Hypotheken.

In vieler Hinsicht waren die Vereinigten Staaten jedoch
niemals eine perfekte Leistungsgesellschaft. Auf dem
Arbeitsmarkt und in anderen Bereichen tendiert man
dazu, Verwandte, Freunde und Angehörige der eigenen ethnischen, religiösen, kommunalen oder kulturellen Gruppen zu begünstigen. Und Universitäten obwohl in ihren Werten ausdrücklich am Prinzip der
Nixon und seine Nachfolger- Republikaner und Demo- Leistungsgesellschaft und Universalität orientiert kraten gleichermaßen - erweiterten die "kommunalen bevorzugten schon immer die Kinder ehemaliger StuRechte" allmählich auf andere Minderheiten und Frau- denten und Fakultätsmitglieder, ganz zu schweigen
en. Solche Gesten wußte die amerikanische Öffent- von Sportlern und deren Zulassungspraktiken. Sie
lichkeit jedoch kaum zu schätzen.
vergeben femer besondere Begabten- und Forschungsstipendien, die auf Bewerber besonderer regionaler,
Meinungsumfragen haben wiederholt belegt, daß die ethnischer oder religiöser Abstammung sowie nach
überwältigende Mehrheit der Weißen - Männer wie Geschlecht begrenzt sind - obwohl einige dieser Prakauch Frauen - und häufig über 50 Prozent der Schwar- tiken jetzt verboten wurden. Die Schwarzen waren in
zen sie ablehnen.
hohem Maße von diesem Netz an Privilegien ausgeschlossen.
Zahlreiche amerikanische Eliten scheinen das Gefühl
zu haben, daß die individualistische Betonung der Frauen und die Angehörigen der meisten anderen
amerikanischen Weltanschauung einer Überholung Minderheiten benötigten lediglich echte Chancengleichbedarf. Von den vielen während der sechziger Jahre heit und keine besonderen Hilfen, um sich einen Platz
für sie vorgebrachten Argumenten wurde das bemer- in der amerikanischen Gesellschaft zu sichern. Dies
kenswerteste von einem schwarzen Gelehrten, Harald ist Juden, "konfuzianischen" Asiaten und Indem im
Cruse, in The Crisis of the Negro Intellectual (1967) Durchschnitt tatsächlich besser gelungen als alteingeangeführt. Angesichts der Unterdrückung der Vergan- sessenen weißen Amerikanern mit ähnlichen Qualifigenheit und der andauernden Diskriminierung, so kationen und Bildungsabschlüssen. Rund 40 Prozent
argumentierte er, müssen die Schwarzen als einzigar- der Amerikaner mexikanischer Herkunft sind heute als
tige nationale Minderheit anerkannt werden. Sie ver- Angestellte oder in anderen gehobenen Positionen
dienen femer über die von anderen Minderheiten und tätig, obwohl die meisten noch nicht einmal in den
nichtschwarzen Armen angestrebten Rechte hinaus- Vereinigten Staaten geboren wurden. Jedenfalls erhegehende Gruppenrechte. Cruse verglich die Situation ben Einwanderer im allgemeinen keine Ansprüche
der Schwarzen mit der der Juden anhand der Schluß- gegenüber der amerikanischen Gesellschaft. Was
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�auch immer ihre Handicaps sein mögen - unzureichen- Meinungsforschungsinstitut Gallup stellte zwischen
de Bildung, Mangel an Qualifikationen, Unerfahrenheit 1977 und 1989 fünfmal dieselbe Frage:
mit den städtischen Gepflogenheiten -, sie wurden
Einige Leute sagen, um die bisherige Diskriminicht von der amerikanischen Gesellschaft verursacht.
nierung zu kompensieren, sollten Frauen und
Schwarze erheben eindeutig Ansprüche gegenüber
Angehörige von Minderheiten bei der Vergabe
dieser Gesellschaft. Wie ich bereits 1963 in The First
von Arbeits- und Studienplätzen bevorzugt
New Nation schrieb: "Vielleicht besteht die wichtigste
behandelt werden. Andere sagen, daß die
Tatsache, die im Hinblick auf die heutige Lage des
anhand von Prüfungsergebnissen gezeigte
amerikanischen Negers erkannt werden muß, darin,
Qualifikation entscheidend sein sollte. Welche
daß Gleichheit nicht ausreicht, um seine EinbezieMeinung entspricht am ehesten Ihrer eigenen?
hung in die Gesellschaft als Ganzes zu gewährleiIn jeder Untersuchung erklärten 10 bis 11 Prozent, daß
sten." Die Frage ist, was wird ausreichen ?
Minderheiten bevorzugt behandelt werden sollten,
Ein neuerer Vorschlag wird von Lawrence Fuchs von während 81, 83 oder 84 Prozent antworteten, die
der Brandeis University in seinem Buch The Ameri- Qualifikation sollte der entscheidende Faktor sein. Als
can Kaleidoscope (1990) gemacht. Er befürwortet die Antworten im Jahr 1989 nach Rassenzugehörigkeit
ein System der Vorzugsbehandlung am Arbeitsplatz, der Befragten aufgeschlüsselt wurden, ergab sich,
die je nach Art des Arbeitsplatzes variiert. Fuchs daß Schwarze etwas mehr zur Vorzugsbehandlung
verweist darauf, daß in vielen - wenn nicht allen - neigten als Weiße (14 zu 7 Prozent). Eine Mehrheit der
Tätigkeiten die Arbeitgeber hauptsächlich die entspre- Schwarzen (56 Prozent) befürwortete "durch Testerchenden Fähigkeiten erwarten und keine außerge- gebnisse erwiesene Qualifikation". Es ist festzustelwöhnlichen Leistungen. Rechte nach Dienstalter, len, daß Frauen ebenso antworteten wie Männer: 10
Gesetze, die ein obligatorisches Rentenalter verbieten Prozent unterstützten eine Vorzugsbehandlung, wähsowie die Unkündbarkeit von Schullehrern sind unter rend 85 Prozent die Qualifikation als entscheidendes
der Voraussetzung gerechtfertigt, daß die allgemeinen Kriterium wünschten.
Fähigkeiten eine ausreichende Qualifikation für die
Beschäftigung darstellen. Aus diesem Grund, so Im Auftrag der Times Mirror Corporation stellte Gallup
behauptet Fuchs, können Bemühungen zur Erhöhung in den Jahren 1987 und 1990 die folgende, teilweise
der Zahl von Minderheiten angehörenden Arbeitneh- veränderte Frage: "Wir sollten alles tun, um die Lage
mern, bei weniger anspruchsvollen Tätigkeiten - der Schwarzen und anderen Minderheiten zu verbes"Feuerwehrleute, Maschinisten, Computer-Bediener sern, auch wenn dies bedeutet, ihnen eine Vorzugsbesowie Anwärter für die Zahntechnikerschule" - ver- handlung zu gewähren." Diese Formulierung wurde
nünftigerweise zahlenmäßige Ziele umfassen. Damit stärker unterstützt. 24 Prozent stimmten in beiden
werde erlaubt, daß beider Vergabe von Arbeitsplätzen Jahren zu, während sie von 71 bis 72 Prozent abge"Rassenzugehörigkeit als einer von vielen Faktoren lehnt wurde. Schwarze waren mit 32 zu 18 Prozent
einbezogen..." wird. Er vertritt jedoch die Ansicht, daß eherdafür, aber auch hier ist bemerkenswert, daß über
für Bereiche, in denen hochqualifizierte Leistungen zwei Drittel der Schwarzen eine Vorzugsbehandlung
äußerst wichtig sind - Lehre und Forschung, Medizin, ablehnten. Neben vier Fünftel der befragten RepubliSport, Verkehrsfliegerei und Unternehmensleitung - kanerlehnten auch zwei Drittel der Demokraten Präfeweder Quotenregelungen noch eine besondere Vor- renzen ab. Ein relativ hoher Anteil derjenigen, die sich
zugsbehandlung gelten sollten, abgesehen von be- als "überzeugte Liberale" bezeichneten, nämlich 43
sonderen Einstellungs- und Ausbildungsmaßnahmen. Prozent, befürwortete die Vorzugsbehandlung, aber
dieser Personenkreis repräsentierte lediglich 10 ProWelche Vorzüge die Unterscheidung von Fuchs auch zent der Befragten.
bieten mag, Menschen die in diesen weniger gehobenen Bereichen arbeiten, akzeptieren eine solch herab- Im vergangenen Frühjahr stellte eine Newsweeksetzende Einschätzung ihres Werts nicht. In Mei- Gallup-Erhebung die Frage im Hinblick auf Personen
nungsumfrage auf Meinungsumfrage wird deutlich, mit gleicher Qualifikation: "Sind Sie der Ansicht, daß
daß weiße Arbeiter keinen Grund sehen, warum auf aufgrund der Diskriminierung von Schwarzen in der
Leistung basierende Normen und allgemeingültige Vergangenheit qualifizierte Schwarze bei der Vergabe
Regeln nicht auf sie angewendet werden sollten. von Studien- oder Arbeitsplätzen gegenüber gleich
Tatsächlich ist bei Mitgliedern der weißen Elite, die qualifizierten Weißen bevorzugt werden sollten?" Nur
sich ihrer wirtschaftlichen Verhältnisse und ihres ge- 19 Prozent der Weißen bejahten dies, während 72
sellschaftlichen Status wesentlich sicherer sind, mehr Prozent mit nein antworteten. Bei den Schwarzen
Unterstützung (oder zumindest Akzeptanz) für beson- jedoch sprach sich eine Mehrheit von 48 Prozent dafür
aus, während 42 Prozent verneinten.
dere Präferenzen anzutreffen.
Die Masse der Bevölkerung ist jedoch stets gegen eine Die Vorzugsbehandlung schneidet etwas besser ab,
Vorzugsbehandlung benachteiligter Gruppen. Das wenn sie als Kompensation fürfrühere Diskriminierung
gerechtfertigt wird, wenn Qualifikationen nicht als AI-

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�temative bezeichnet werden, wenn sie auf Schwarze
begrenzt und überdies nur auf Arbeitgeber angewendet wird, die in der Vergangenheit Diskriminierung
praktiziert haben. Die nationale Erhebung der New
York Times stellte im Mai und Dezember 1990 die
Frage: "Glauben Sie, daß heute Schwarze an solchen
Arbeitsplätzen bevorzugt eingestellt oder befördert
werden sollten, an denen sie in der Vergangenheit
diskriminiert wurden?" Beide Male antworteten rund
ein Drittel mit Ja. Kleine Mehrheiten von 51 bis 52
Prozent jedoch lehnten selbst unter diesen Bedingungen eine Bevorzugung ab.

•

Im Juni 1991, als die Debatte über das von den
Republikanern als Quotengesetz attackierte Bürgerrechtsgesetz stattfand, fiel die Unterstützung für Präferenzen auf 24 Prozent, während die Ablehnung auf
61 Prozent stieg. Einen Monat später kam eine von
USA Today durchgeführte Umfrage unter Schwarzen,
die deren Reaktion auf die Nominierung von Clarence
Thomas für das Oberste Bundesgericht untersuchen
sollte, zu dem Ergebnis, daß sie Quoten ablehnten.
Die Frage lautete: "Thomas hat erklärt, daß rassenabhängige Einstellungsquoten und andere gesetzliche
Gleichstellungsmaßnahmen die Aufstiegschancen von
Schwarzen schädigen. Er betont statt dessen die
Selbsthilfe. Stimmen Sie dem zu oder nicht?" Mit 47
Prozent stimmten mehr Schwarze Thomas zu als mit
37 Prozent gegenteiliger Auffassung waren, während
14 Prozent mit "weiß nicht" antworteten.
Sowohl Weiße als auch Schwarze werden jedoch eine
als "Gleichstellungsmaßnahme" bezeichnete Politik
unterstützen, wenn sie ausdrücklich keine Quoten
vorsieht, wie eine vom Wall Street Journal bei NBC
News in Auftrag gegebene Meinungsumfrage im Juli
1990 herausfand. Zwei Drittel der Weißen (66 Prozent) und 84 Prozent der Schwarzen beantworteten
die folgende Frage positiv: "Sind Sie im großen und
ganzen für oder gegen Gleichstellungsprogramme für
Schwarze in der freien Wirtschaft, falls es keine starren
Quoten gibt?"
Amerikaner unterscheiden nachdrücklich zwischen
Kompensationsmaßnahmen und Vorzugsbehandlung.
Um auf Lyndon Johnsons Bild vom gefesselten Läufer
zurückzukommen: Sie sind bereit, mehr zu tun als nur
die Fesseln abzunehmen. Sie werden bestimmte
Ausbildungsprogramme und finanzielle Hilfen unterstützen, mit denen die vormals Gefesselten zu denjenigen aufschließen können, die aufgrund von früheren
unfairen Vorteilen vorne liegen. Aber sie ziehen die
Grenze, wenn die Ergebnisse des Wettbewerbs schon
im voraus bestimmt werden sollen.
In gewissem Maß findet die Unterscheidung zwischen
"Kompensationsmaßnahmen" und "Vorzugsbehandlung" ihre Entsprechung bei der Unterscheidung, die
zwischen "Chancengleichheit" und "Ergebnisgleichheit" getroffen wird. Kompensationsmaßnahmen werden
wahrscheinlich als Möglichkeit betrachtet, um die
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Chancengleichheit zu verbessern. Da Schwarze in der
Vergangenheit diskriminiert wurden, ist es fair, sie
besonders zu berücksichtigen, damit sie in Zukunft
bessere Chancen haben. Vorzugsbehandlung andererseits klingt in den Ohren der meisten Weißen vielleicht wie eine Bemühung, das Ergebnis des Konkurrenzprozesses vorwegzunehmen.
Die nachhaltigste Unterstützung der Vorzugsbehandlung scheint von den liberalen Intellektuellen zu kommen, den hochgebildeten fünf oder sechs Prozent der
Bevölkerung, die nach dem College eine Universität
besucht haben, und denen, die im College Geisteswissenschaften studiert haben. (Die Universitäten selbst
fordern weiterhin Quoten oder besondere Präferenzen, die den an Universitäten stärker als in anderen
Lebensbereichen in Amerika ausgeprägten Liberalismus widerspiegeln. Es überrascht daher nicht, daß die
umfassendste Anwendung von Quoten im höheren
Bildungswesen in den Geisteswissenschaften und den
"weichen" Sozialwissenschaften angetroffen werden
kann, den am meisten nach links tendierenden Disziplinen). Starke Unterstützung gibt es darüber hinaus
bei der politischen Elite, besonders den Demokraten
und auch vielen Republikanern (hier jedoch nicht bei
zahlreichen prominenten Amtsträgern). Die Demokraten im Kongreß unterstützen diese Maßnahmen immer
stärker, eine Veränderung, die aus der Tatsache resultieren könnte, daß der Anteil demokratischer Abgeordneter, die aufgrund ihrer Stimmabgabe als liberal eingestuft werden können, seit den sechziger Jahren
stetig zugenommen hat.
Führende demokratische Politiker entfernen sich immer
weiter von der öffentlichen Meinung, und es schadet
ihnen. Die Republikaner, deren Einführung von Quoten längst in Vergessenheit geriet, verfechten heute
nachdrücklich die Normen der Leistungsgesellschaft.
Die Demokraten stehen vor einem Dilemma: Wie
sollen sie auf den Druck von Bürgerrechtsgruppen und
Intellektuellen einerseits reagieren und andererseits
verhindern, daß die Identifizierung der Partei mit Quoten
ihre traditionelle Basis unter den Weißen der Arbeiterschicht und des Südens entfremdet? Lyndon Johnson
sah dieses Problem bereits 1965 voraus, als er in
privaten Gesprächen über Bürgerrechte im Weißen
Haus feststellte: "Wir müssen sie als Sache des
Rechts fordern, aber darüber hinaus müssen wir erkennen, daß wir damit die Demokratische Partei zerstören werden."
Genau dies geschieht heute. Einer Mitte 1991 von
CBS News für die New York Times durchgeführten
Erhebung zufolge erklärten 56 Prozent der Amerikaner, die Demokratische Partei "kümmert sich mehr um
die Bedürfnisse und Probleme der Schwarzen", während nur 15 Prozent dies von den Republikanern
behaupteten. Wichtiger könnte das Ergebnis sein,
daß bei derselben Fragestellung im Hinblick auf "die
Bedürfnisse und Probleme der Weißen" 45 Prozent
antworteten, die Republikanische Partei kümmere sich
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�mehr um sie, während nur 19 Prozent dies den Demokraten zubilligten und 14 Prozent angaben, beide
Parteien kümmerten sich gleich stark um beide Rassen.

steht. So forderten Mitarbeiter des Urban Institute
unlängst gleich qualifizierte Weiße und Schwarze auf,
sich in Chicago und Washington für Arbeitsplätze in
Fabriken, Dienstleistungsunternehmen, Einzelhandel
und Büros zu bewerben. Die Weißen wurden in 20
Gleichstellungsmaßnahmen werden häufig als umge- Prozent der Fälle beim Vorstellungsgespräch besser
kehrte Diskriminierung betrachtet. Viele weniger behandelt, Schwarze in sieben Prozent. Die Weißen
wohlhabende Weiße glauben, daß die Zahl der ihnen hatten eine bessere Einstellungschance. Eine Erzur Verfügung stehenden Arbeitsplätze infolge einer kenntnis ist ermutigend: In drei Viertel der VorstelBevorzugung von Schwarzen geschrumpft ist. Zwei in lungsgespräche gab es keinerlei Diskriminierung. Die
den Jahren 1985 und 1987 von Stanley Greenberg für Wahrscheinlichkeit, daß Schwarze auf dem Arbeitsdie Analysis Group der Demokratischen Partei Michi- markt für Arbeiter von Rassismus betroffen sind, ist
gan durchgeführte Untersuchungen deuten darauf hin, jedoch immer noch höher als die, daß Weiße umgedaß die negative Reaktion auf Gleichstellungspro- kehrter Diskriminierung ausgesetzt werden.
gramme eine wichtige Rolle beim Bruch weißer männlicher Fabrikarbeiter mit der Partei gespielt hat: "Zum Wenn Weiße das Ausmaß umgekehrter Diskriminiegroßen Erstaunen und Entsetzen Greenbergs und rung überschätzen, so unterschätzen Weiße und
seiner Auftraggeber", so stellte ein Autor fest, "trat die Schwarze gleichermaßen das Ausmaß der von SchwarWut von Weißen über Gleichstellungsprogramme in zen in den vergangenen Jahrzehnten erzielten wirtbeiden seiner Berichte als Hauptanliegen der Wähler schaftlichen Fortschritte. Das allgemeine Unwissen
zutage. Demokratische Wahlkampfthemen wie 'Fair- über den Erfolg der Schwarzen basiert teilweise auf
neß', 'Gleichheit', und 'Gerechtigkeit' wurden - nicht der Abneigung führender Schwarzer, dies zuzugeben.
ohne Berechtigung - als Codewörter für Quoten ver- Mitte der achtziger Jahre gaben drei Fünftel der fühstanden."
renden Schwarzen in Meinungsumfragen an, die
Schwarzen bewegten sich rückwärts, während zwei
Nationale Meinungsumfragen belegen dieselbe Be- Drittel in einem repräsentativen Querschnitt der Schwarsorgnis. In zwei Erhebungen, die eine vom Institute for zen erklärten, sie machten Fortschritte. (Die UnterSocial Research der University of Michigan im Jahr stützung der optimistischen Haltung ging in den letzten
1986, die andere vom NORC im Jahr 1990 durchge- Jahren der Reagan-Ära etwas zurück. Anfang Juli
führt, antworteten große Mehrheiten von Weißen, es 1990 berichtete eine von ABC News für das Wall
sei "sehr wahrscheinlich" (28 Prozent in beiden Umfra- Street Journal durchgeführte Meinungsumfrage, 60
gen) oder "ziemlich wahrscheinlich" (48 und 42 Pro- Prozent aller Schwarzen erklärten, im Vergleich zu 10
zent), "daß ein Weißer einen Arbeitsplatz oder eine Jahren vorher gehe es Schwarzen in Amerika "besBeförderung nicht erhält, während statt dessen ein ser", während 29 Prozent meinten, es gehe ihnen
gleich oder weniger qualifizierter Schwarzer dies er- "schlechter").
hält". Zwei Fünftel der in der Studie von 1986 befragten
Weißen glaubten, sie oder ein Familienmitglied wür- Die Weigerung einiger führender Schwarzer, die Besden das Opfer von Diskriminierung am Arbeitsplatz serung einzuräumen, ist verständlich. Je schlechter
werden. Ein Bericht über eine von der Leadership die Dinge erscheinen und je größer die Kluft zwischen
Conference on Civil Rights in Auftrag gegebene Erhe- ihnen und anderen zu sein scheint, desto höhere
bung aus dem Jahr 1991 kommt zu dem Schluß, "eine Forderungen können sie stellen. Doch trägt die stänerhebliche Zahl von Wählern gehe davon aus, daß dige Wiederholung der Behauptung, es seien nur
Bürgerrechtsgesetze unfaire Vorteile schaffen, die auf wenige Fortschritte erzielt worden, auch zur Verfestidem Arbeitsmarkt Rang- oder Klassenprivilegien ein- gung des Arguments bei, staatliche Bemühungen zur
führen".
Begünstigung von Schwarzen funktionierten ohnehin
nicht, es gebe der Situation der Schwarzen innewoh"Weiße Amerikaner... betrachten sich nicht als Rassi- nende Faktoren, die Schwarze daran hinderten, vorsten oder Gegner von Chancengleichheit und grund- wärtszukommen. Und viele Schwarze und Weiße
sätzlicher Fairneß", bemerkt der Kolumnist William neigen dazu, dieses Argument zu verinnerlichen. Das
Raspberry. "Was sie ablehnen, sind Bemühungen, NORC fand heraus, daß von 1985-89 durchschnittlich
Minderheiten Vorzugsbedingungen zu gewähren... Wie 62 Prozent der Weißen und 36 Prozent der Schwarzen
könnten wir von ihnen erwarten, ein Produkt zu kaufen, der These zustimmten, die im Durchschnitt schlechtedas wir (die Schwarzen) 400 Jahre lang zu beseitigen ren Arbeitsplätze, geringeren Einkommen und schlechversucht haben: gesetzlich verankerte, rassisch be- tere Wohnsituation von Schwarzen gegenüber Weigründete Vorteile?"
ßen seien darauf zurückzuführen, daß "die meisten
Schwarzen einfach nicht die Motivation oder WillensFehleinschätzungen haben viel mit der Polarisierung
kraft (haben), um sich von der Armut zu befreien". Eine
von Rassenpolitik zu tun. Die besten Forschungser- von der Washington Post bei ABC News im Oktober
gebnisse belegen beispielsweise, daß in der Realität 1989 in Auftrag gegebene Umfrage kam zu dem
beim Konkurrenzkampf um weniger anspruchsvolle Ergebnis, daß 60 Prozent der Weißen und Schwarzen
Arbeitsplätze wenig umgekehrte Diskriminierung beSeite 8

AMERIKA DIENST 48

�dem Satz zustimmten: "Wenn Schwarze sich stärker der Schwarzen seit dem 2. Weltkrieg analysieren,
bemühen würden, könnte es ihnen genausogut gehen kamen 1986 zu dem Schluß, daß "das wirklich Wichwie den Weißen."
tige der letzten vierzig Jahre das Entstehen einer
schwarzen Mittelschicht ist", die "als Gruppe... zahlenSolche Überzeugungen untermauern rassistische Kli- mäßig größer ist als die der armen Schwarzen".
schees und schwarzen Selbsthaß. Anfang Januar
1991 veröffentlichte das NORC die Ergebnisse einer Die Mehrheit der Schwarzen hat eine feste Arbeit und
Erhebung des Jahres 1990. Sie belegen, daß die gehört entweder zur Mittelschicht oder könnte als
meisten Weißen der Ansicht sind, Schwarze seien solider Teil einer Arbeiterschicht mit sicherem Arbeitsweniger intelligent, fauler, gewalttätiger und neigten platz bezeichnet werden. Sie sind verheiratet oder
eher dazu, auf Dauer Sozialhilfe in Anspruch zu neh- haben eine stabile, langfristige Beziehung. Das Einmen als Weiße und mehrere andere ethnische Grup- kommen von verheirateten Schwarzen beträgt 77
pen.
Prozent des Einkommens vergleichbarer Weißer; vor
20 Jahren waren es nur 60 Prozent. Der Anteil der
Der Schaden wird durch die unbarmherzige Konzen- Schwarzen, die ihre High School-Ausbildung abbretration der Nachrichtenmedien auf die sozio-pathologi- chen, ist von 31 Prozent im Jahr 1970 auf 18 Prozent
schen Zustände in den Ghettos noch verstärkt, die den im Jahr 1988 gefallen, während sich der der Weißen
Eindruck erweckt, die meisten Schwarzen lebten im (14 Prozent) nicht geändert hat.
Elend. Soziologen schätzen jedoch, daß die Unterschicht bei Schwarzen und Weißen gleichermaßen Diese drastischen sozialen und wirtschaftlichen Änderelativ klein ist. William Julius Wilson, der als Soziolo- rungen haben zu einer wachsenden Differenzierung
ge besondere Aufmerksamkeit auf diese Frage gerich- innerhalb der Gemeinschaft der Schwarzen geführt.
tet hat, rechnet heute ein Sechstel der 30 Millionen Ein Gremium der Nationalen Akademie der WissenSchwarzen in den Vereinigten Staaten zu den Ghetto- schaften stellte im Jahr 1989 fest, daß Männer schwarArmen, wie er sie zu bezeichnen pflegt. (Dabei handelt zer Hautfarbe im Alter von 25 bis 34 Jahren mit
es sich um Menschen, die in "Gebieten mit extremer zumindest teilweiser Collegeausbildung Anfang der
Armut leben, in denen 40 Prozent der Bevölkerung arm achtziger Jahre 80 bis 85 Prozent dessen verdienten,
sind"). Eine Arbeitsgruppe des Urban Institute schätzt was ihre Kollegen weißer Hautfarbe bekamen. Andedie Unterschicht als noch geringer ein: zwei oder drei rerseits hatte ein Viertel ihrer schwarzen Peer-group
Millionen Menschen im Jahr 1980, davon zwei Drittel nicht einmal ihre High School-Ausbildung abgeschlosSchwarze und ein Fünftel Hispanier.
sen und war so zu einem Leben am Rande der
Gesellschaft verurteilt.
Inzwischen ist der Gesamtanteil der in Armut lebenden
Schwarzen, von denen viele nicht von den pathologi- Die Autoren vertreten die Ansicht, daß die beiden
schen Problemen der unterprivilegierten Klasse be- größten Gruppen innerhalb der Sozialstruktur der
troffen sind, drastisch gesunken. Während es viele Schwarzen zur Zeit "eine von alleinerziehenden MütDiskussionen über die Definition von Armut gibt, ist laut tern dominierte Unterschicht und eine vor allem aus
statistischen Erhebungen der Prozentsatz der in Armut Familien, in denen beide Elternteile präsent sind,
lebenden Schwarzen von 55 Prozent im Jahr 1959 auf bestehende Mittelschicht" seien. Das Problem besteht
33,5 Prozent im Jahr 1970 gesunken. 1990, in einem darin, daß die meisten schwarzen Erwachsenen in
von Rezession gekennzeichneten Jahr, betrug er 31,9 einer intakten Familie und stabilen wirtschaftlichen
Prozent.
Verhältnissen leben, daß das bei den meisten schwarzen
Kindern jedoch nicht der Fall ist. Sie sind die NachDer "invisible man", um Ralph Ellisons Buchtitel anzu- kommen einer großen Zahl alleinerziehender schwarführen, der unsichtbare Mann der 90iger Jahre, ist der zer Mütter. Der Anteil der schwarzen Kinder alleinererfolgreiche schwarze Vorstädter der Arbeiter- und ziehender Mütter betrug 1960 noch 23 Prozent, 1969
Mittelschicht. Der neue "invisible man", der in intakten dann 28 Prozent, stieg 1980 auf 45 Prozent und liegt
Familien außerhalb dertraditionellen Wohngebiete der heute bei 62 Prozent. Das Leben in einem solchen
Schwarzen lebt, hat nicht die Erfahrung der in Ghettos Haushalt ist häufig mit einem Leben in Armut gleichzulebenden Schwarzen und wird von den meisten Wei- setzen. Im Jahr 1988 betrug die Armutsquote für
ßen ignoriert. In den 70iger Jahren erhöhte sich die Familien Alleinerziehender mit Kindern 56,3 Prozent,
schwarze Vorstadtbevölkerung vor allem aufgrund der die für schwarze Familien, in denen beide Elternteile
Abwanderung aus den Innenstädten um 70 Prozent. präsent sind, 12,5 Prozent.
In den 80iger Jahren stieg die Zahl der schwarzen
Vorstadtbewohner von 5,4 Millionen auf 8,2 Millionen. Es besteht allgemein der Eindruck, daß ein exploZwischen 1986 und 1990 waren 73 Prozent des Bevöl- sionsartiger Anstieg illegitimer Kinder unter der schwarkerungswachstums bei den Schwarzen in den Vor- zen Bevölkerung der Grund für die zunehmende Verstädten zu verzeichnen.
armung der schwarzen Kinder ist. Christopher Jencks
von der Northwestern University kalkuliert hingegen,
Die Wirtschaftswissenschaftler James P. Smith und daß der Anteil der unehelich geborenen schwarzen
Finis R. Welch, die die Veränderungen der Situation Kinder während dieser Jahre nur von 23 auf 29 Prozent
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�angestiegen wäre, wenn schwarze Frauen im Jahr
1987 genausoviele Kinder bekommen hätten wie 1960.
Der Prozentsatz ist viel höher, da verheiratete Schwarze jetzt weniger Kinder bekommen.

impliziere, daß "ein Achtel der Dichter, bedeutenden
Politiker, Gelehrten, Autoren und Philosophen" Schwarze sein sollten. Douglass betonte, daß "natürliche
Gleichheit ganz verschieden von praktizierter Gleichheit ist, und ... obwohl die Menschen potentiell gleich
Welche Gründe die Armut unter Kindern auch haben sind, die Umstände eine Zeitlang die auffallendsten
mag, Gleichstellungsprogramme sind kein Heilmittel. Ungleichheiten verursachen können". Bei anderer
Vorzugsbehandlung oder Quotenregelungen sind für Gelegenheit wandte sich Douglass gegen "spezielle
den im Ghetto in Armut lebenden unehelich geborenen Anstrengungen" für freigelassene schwarze Sklaven
jungen Schwarzen, der eine minderwertige Erziehung und argumentierte, sie könnten "zur Aufrechterhaltung
erhält, kaum eine Hilfe. William Julius Wilson schreibt, genau der Vorurteile dienen, die unbedingt abgedaß dadurch wahrscheinlich eher "Familienmitglieder schafft werden sollten".
der bevorzugtesten Minderheitsgruppen..." begünstigt
werden, "(die) am besten qualifiziert für gehobene Von Thomas Jeffeison bis Hubert Humphrey haben
Positionen sind - wie beispielsweise besserbezahlte die Linken in Amerika sich für eine reale ChancenStellen, Zugang zum College, Beförderungen etc. Wenn gleichheit eingesetzt. Es war wirklich eine Ironie, daß
folglich die bevorzugte Auswahl für solche Positionen Richard Nixon, der am meisten von den Demokraten
nicht aufgrund der tatsächlichen Benachteiligung ein- geschmäht wurde, eine Situation schuf, die sie auf die
zelner, sondern aufgrund von Rasse oder der Zugehö- falsche Seite der Angelegenheit stellte.
rigkeit zu einer ethnischen Gruppe geschieht, dann
werden diese Maßnahmen die Chancen der Privile- Um wieder einen nationalen Konsens über Bürgergierteren erhöhen, ohne die Probleme der wirklich rechte und Rassengerechtigkeit zu schaffen, sollten
Programme zur Bekämpfung der Diskriminierung von
Benachteiligten anzugehen."
Minderheiten neu ausgerichtet und nicht aufgegeben
Der Konflikt zwischen verschiedenen Versionen von werden. Quoten und Vorzugsbehandlung werden
Gleichheit, zwischen dem Schwergewicht auf dem nicht den schlecht Ausgebildeten und Unqualifizierten
einzelnen und der Gruppe, wird hier und im Ausland zu einem guten Arbeitsplatz verhelfen. Erfolg in der
weitergehen. Aufgrund der Gruppenzugehörigkeit zu postindustriellen Gesellschaft erfordert eine gute Bileiner Kaste oder Sprache organisierte Gesellschaften dung und Ausbildung. Eine Ausweitung und bedeuten- in Indien, Pakistan und Kanada- haben tiefverwurzel- de Verbesserung der Ausbildung in den Ghettos, der
te Quotenregelungen für bestimmte Gruppen, die sich frühzeitige Einsatz von Förderprogrammen, finanzielwahrscheinlich kaum ändern werden. Aber das Schei- le Anreize für Schüler, Lehrer und erfolgreiche Schulen
tern verschiedener Schattierungen des Sozialismus sowie eine Ausweitung der Ausbildungsprogramme
und die steigende Akzeptanz des Marktes als die sind ein Schritt in die richtige Richtung. Solche ProQuelle von Wirtschaftswachstum - nicht nur in Europa, gramme sollten allen weniger Privilegierten ungeachsondern auch in Lateinamerika und Afrika - deutet tet ihrer rassischen und ethnischen Zugehörigkeit
darauf hin, daß in vielen Ländern der Welt neue angeboten werden.
Betonung auf eine wettbewerbsorientierte LeistungsDie ganze Gesellschaft kann auch aus der Erfahrung
gesellschaft und Individualismus gelegt wird.
mit Schwarzen im Militärdienst lernen, wo ihnen eine
Führende Bürgerrechtler, Liberale und Demokraten Berufsausbildung und die Möglichkeit einer festen
schwimmen gegen einen starken Strom. Zu Hause Anstellung und eines beruflichen Aufstiegs angeboten
stehen die Meinung der Weißen und, wie wir gesehen wurde. Diese Leistung ist ein Argument für einen
haben, sogar die Gefühle vieler Schwarzer, gegen sie. großangelegten Dienst an der Allgemeinheit. Wenn
ShelbySteele, ein schwarzer Autor, der früher in Jesse alle jungen Amerikaner ermutigt werden, sich freiwillig
Jacksons Regenbogenkoalition aktiv war, kommt zu für den Dienst an der Allgemeinheit zu melden, dann
dem Schluß, daß "Gleichstellungsprogramme eher können diejenigen mit unzureichender Ausbildung und
schlecht als gut sind und daß Schwarze ... dadurch Fähigkeiten eine Berufsausbildung erhalten, während
jetzt mehr verlieren als gewinnen könnten." Er lehnt sie sie und ihre Altersgenossen beim Wiederaufbau der
ab, da sie über "die harte Arbeit hinausgehen, ein zuvor nationalen Infrastruktur und bei der Leistung sozialer
unterdrücktes Volk so weit zu entwickeln, daß es eine Dienste mithelfen können.
angemessene eigene Vertretung erhält...". Er fürchtet, aufgrund solcher Programme festgelegte Quoten Die Abwendung von spezieller Vorzugsbehandlung
unterminierten die Moral der Schwarzen und trügen zu muß nicht, ja darf nicht bedeuten, daß man das Engaeiner "Vergrößerung der Selbstzweifel" bei, da sie gement der Nation für die Gewährleistung von Chanimplizierten, erfolgreiche Schwarze hätten sich ihre cengleichheit für benachteiligte Bürger aufgibt. Der
Positionen nicht selbst verdient. Mehr als ein Jahrhu n- Gedanke der Rechte des einzelnen bleibt ein integraler
dert zuvor, im Jahr 1871, stellte der gefeierte schwarze Bestandteil der amerikanischen Weltanschauung und
Abolitionist Frederick Douglass viele ähnliche Behaup i li lyeieUitigkeit aufgrund von Rasse und kastenartige
I eiluny stehen dazu in krassem Widerspruch. Wir sind
tungen auf. Er macht die Idee von Rassenquoten als
"in der Praxis absurd" lächerlich und stellte fest, es immer noch mit dem amerikanischen Dilemma konSeite 10

AMERIKA DIENST 48

�frontiert, undesstelltfürunseinemoralischeVerpflichtung dar, sicherzustellen, daß die Rasse weder eine
Behinderung noch einen Vorteil darstellt. Bis schwärze Amerikaner voll in die Wirtschaft und Gesellschaft

unserer Nation integriert sind, sollten wir, um Jeffersons Worte zu gebrauchen, einen gerechten Gott
fürchten,

* * * * *

AMERIKA DIENST 48

Seite 11

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                <text>&lt;strong&gt;1. USA/Deutschland/Europa&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Vereinigten Staaten, die Wiedervereinigung Deutschlands und die Überwindung der Teilung Europas&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Kimmitt in Dresden&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Clinton/Außenpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton vor außenpolitischen Herausforderungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Experten beraten den künftigen Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Verteidigung&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;US-Streitkräfte: kleiner aber stark und einsatzbereit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Keine einschneidenden Veränderungen von Clinton erwartet&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Somalia&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Diplomatie konzentriert sich auf sichere Nahrungsmittellieferungen nach Somalia&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Vereinigte Staaten nicht für Machtübernahme der UNO&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Rassenbeziehungen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Berufliche Gleichstellung und die amerikanische Weltanschauung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Seymour Martin Lipset&lt;/em&gt;</text>
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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

9. Dezember 1992

49

SOMALIA

STARKE AMERIKANISCHE STREITMACHT
NACH SOMALIA ENTSANDT
Fernsehansprache von Präsident Bush
CLINTON UNTERSTÜTZT BUSHS
ENTSCHEIDUNG ZU SOMALIA
Erklärung des gewählten Präsidenten
OPERATION RESTORE HOPE
Übersicht des US-Außenministeriums

GATT

WIE DIE USA UND EUROPA DAS
GATT-AGRARABKOMMEN ERZIELTEN
Rede von Botschafter Dobbins

MENSCHENRECHTE

SERBISCHE FÜHRUNG FÜR MENSCHENRECHTSVERLETZUNGEN VERANTWORTLICH
Erklärung von Botschafter Abram
WEITERE GREUELTATEN IM EHEMALIGEN
JUGOSLAWIEN DOKUMENTIERT
Vierter US-Bericht für Vereinte Nationen

AUSSENPOLITIK

, RASSENBEZIEHUNGEN

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

CLINTONS GRUNDKONZEPTE BEREITS
DEUTLICH SICHTBAR
Rede von Botschafter Seitz

DIE BEKÄMPFUNG VON HASSVERBRECHEN
IN AMERIKA
von Michele St. George

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�SOMALIA
9. Dezember 1992

STARKE AMERIKANISCHE STREITMACHT
NACH SOMALIA ENTSANDT
Fernsehansprache von Präsident Bush
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush hat am 4. Dezember 1992 die Entsendung "einerstarken amerikanischen
Streitmacht" nach Somalia angeordnet, um die multinationalen militärischen Bemühungen der Vereinten
Nationen zur Lieferung von Nahrungsmitteln, Medikamenten und humanitärer Hilfe an vom Hungertod bedrohte
Somalier zu unterstützen.
"Unsere Mission verfolgt ein begrenztes Ziel - Nachschubrouten zu öffnen, Nahrungsmittellieferungen auf den
Weg zu bringen und Vorbereitungen zu treffen, damit eine UN-Friedenstruppe diese Lieferungen weiter
aufrechterhalten kann", erklärte Bush in einer landesweit übertragenen Fernsehansprache aus dem Weißen
Haus.
"Dieser Einsatz hat kein offenes Ende", fügte er hinzu. "Wir werden keinen Tag länger bleiben, als absolut
erforderlich."
Bush verwies darauf, daß die Vereinigten Staaten bereits rund 180.000 Tonnen Nahrungsmittel geliefert hätten
- über die Hälfte der aus aller Welt geschickten Nahrungsmittel. Diesen Sommer sei jedoch "das Verteilungssystem zusammengebrochen", und "die Sicherheitslage hat sich verschlechtert". Die Vereinten Nationen sind
Bush zufolge "an der Stationierung der von ihnen zunächst zugesagten Truppen gehindert worden. In vielen
Fällen werden mit Hilfsflügen eingetroffene Nahrungsmittellieferungen geplündert, Nahrungsmittelkonvois
entführt und Helfer angegriffen, und es gab Artillerieangriffe auf Schiffe, die ihnen das Anlegen unmöglich
machten."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung des Präsidenten im Wortlaut.

Heute möchte ich zu Ihnen über die Tragödie in
Somalia und über eine Mission sprechen, die das
Leiden lindern und Leben retten kann. Jeder Amerikaner hat die schockierenden Bilder aus Somalia gesehen. Das Ausmaß des Leidens dort ist schwer vorstellbar. Bereits über eine Viertelmillion Menschen, soviele
wie in Buffalo (New York) leben, sind in Somalia bereits
den Hungertod gestorben. In den kommenden Monaten könnten bis zu fünfmal soviele, eineinhalb Millionen
Menschen, verhungern.

chen. Lastwagenkonvois aus den Häfen Somalias
wurden blockiert. Es gelang nicht, die Hungernden im
Innern Somalias ausreichend mit Nahrungsmitteln zu
versorgen.

Im August trafen wir deshalb zusätzliche Maßnahmen.
In Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen entsandten wir die US-Luftwaffe, um Nahrungsmittel in
die Städte einzufliegen. Bis heute haben amerikanische Piloten über 1.400 Flüge durchgeführt und über
17.000 Tonnen Nahrungsmittelhilfe geliefert. Und als
Viele Monate lang engagieren sich die Vereinigten die Vereinten Nationen die Entsendung einer Truppe
Staaten bereits aktiv an den massiven internationalen von 3.500 Mann zum Schutz der Hilfsoperation genehHilfsbemühungen, um das Leiden in Somalia zu lin- migten, flogen wir die ersten ein - 500 Soldaten aus
dem. Insgesamt haben die Vereinigten Staaten Somalia Pakistan.
200.000 Tonnen (1 Tonne = 907,185 kg, Anm. d. Red.)
Nahrungsmittel nach Somalia geliefert, über die Hälfte In den folgenden Monaten hat sich die Sicherheitslage
der aus aller Welt geschickten Nahrungsmittel. Diesen verschlechtert. Die Vereinten Nationen sind an der
Sommer ist das Verteilungssystem zusammengebro- Stationierung der von ihnen zunächst zugesagten
Truppen gehindert worden. In vielen Fällen werden mit
AMERIKA DIENST 49

Seite 1

�Hilfsflügen eingetroffene Nahrungsmittellieferungen
geplündert, Nahrungsmittelkonvois entführt und Helfer angegriffen, und es gab Artillerieangriffe auf Schiffe, die ihnen das Anlegen unmöglich machten.

Indem ich diese Maßnahme ergreife, möchte ich betonen, ich bin mir darüber im klaren, daß die Vereinigten
Staaten allein nicht alle Mißstände auf der Weh beheben können. Aber wir wissen auch, daß einige Krisen
auf der Welt nicht ohne amerikanisches Engagement
Es gibt keine Regierung in Somalia. Recht und Ord- beigelegt werden können, daß amerikanisches Hannung sind zusammengebrochen - es herrscht Anar- deln häufig als Katalysator erforderlich ist, um die
chie.
internationale Staatengemeinschaft zu breiterem
Engagement zu veranlassen. Nur die Vereinigten
In einem Bild kommt die ganze Geschichte zum AusStaaten haben den weltweiten Aktionsradius, um eine
druck. Stellen Sie sich vor, wie an einem Dock in
große Sicherheitsstreitmacht an einem solch entfernMogadischu eine Lagerhalle praktisch bis zum Bersten
ten Ort so rasch und effizient zu stationieren und damit
mit 7.000 Tonnen Nahrungsmitteln gefüllt ist, während
Tausende Unschuldiger vor dem Tod zu bewahren.
weniger als einen Kilometer entfernt Somalier verhungern, weil das Hilfspersonal den Spießrutenlauf durch Wir werden jedoch nicht allein handeln. Ich erwarte
in der Stadt marodierende bewaffnete Banden nicht Streitkräfte aus etwa einem Dutzend Länder, um mit
bestehen kann.
uns gemeinsam diese Mission durchzuführen. Wenn
Angesichts dieser Bedingungen forderten die Hilfsgruppen, mit der Entsendung von Truppen die Sicherheit zu gewährleisten, damit sie die Menschen verpflegen können. Heute ist klar, daß militärische Unterstützung erforderlich ist, um die sichere Lieferung von
Nahrungsmitteln zu gewährleisten, die von den Somaliern zum Überleben benötigt werden.
Es war diese Lage, die uns dazu veranlaßte, den
Vereinten Nationen zu erklären, daß die Vereinigten
Staaten bereit wären, mehr Hilfe für die Sicherung der
Hilfslieferungen zur Verfügung zu stellen. Gestern
abend hat der UN-Sicherheitsrat einstimmig und nach
den unermüdlichen Bemühungen von Generalsekretär Boutros-Ghali das Angebot der Vereinigten Staaten begrüßt, eine Koalition anzuführen, um die Nahrungsmittellieferungen zu ermöglichen.
Nach Konsultationen mit meinen Beratern, mit führenden Politikern in der ganzen Welt sowie der Führung
des Kongresses habe ich Generalsekretär BoutrosGhali heute mitgeteilt, daß die Vereinigten Staaten
dem Ruf antworten werden. Ich habe Verteidigungsminister Cheney angewiesen, eine starke amerikanische Streitmacht nach Somalia zu entsenden. Während ich spreche, befindet sich eine amphibische Eingreiftruppe der Marineinfanterie, die ständig auf See
stationiert ist, vor der Küste von Mogadischu. Diese
Truppe wird von Einheiten der 1. Marineexpeditionsstreitmacht aus Camp Pendieton (Kalifornien) und der
10. Gebirgsjägerdivision aus Fort Drum (New York)
verstärkt.
Diese und andere amerikanische Streitkräfte werden
bei der Operation Restore Hope Hilfe leisten. Sie sind
die besten Amerikas. Sie werden diese Mission mit
Mut und Mitgefühl erfüllen, und sie werden erfolgreich
sein.
Die Bevölkerung Somalias, insbesondere die Kinder
Somalias, benötigen unsere Hilfe. Wir können ihre
Leiden lindern. Wir müssen ihnen helfen, zu leben.
Wir müssen ihnen Hoffnung geben. Amerika muß
handeln.
Seite 2

wir sehen, wie Somalias Kinder verhungern, dann
schmerzt dies ganz Amerika. Wir haben auf vielerlei
Weise zu helfen versucht. Täuschen Sie sich nicht:
Wir und unsere Verbündeten werden jetzt sicherstellen, daß die Hilfe durchkommt.
Wir und unsere Koalitionspartner werden folgende
Maßnahmen ergreifen: Erstens werden wir in den am
härtesten betroffenen Teilen Somalias ein sicheres
Umfeld schaffen, damit per Schiff gelieferte Nahrungsmittel auf dem Landweg zu den Menschen im Landesinnem transportiert werden können, das durch die
Hungersnot verwüstet ist.
Zweitens werden wir unsere Truppen nach der Schaffung dieses sicheren Umfelds abziehen und den Sicherungsauftrag wieder einer regulären Friedenstruppe der Vereinten Nationen übergeben. Unsere Mission verfolgt ein begrenztes Ziel - Nachschubrouten zu
öffnen, Nahrungsmittellieferungen auf den Weg zu
bringen und Vorbereitungen zu treffen, damit eine UNFriedenstruppe diese Lieferungen weiter aufrechterhalten kann. Dieser Einsatz hat kein offenes Ende.
Wir werden keinen Tag länger bleiben als absolut
erforderlich. Ich möchte eindeutig feststellen, daß
unsere Mission humanitär ist, aber wir werden es nicht
tolerieren, daß bewaffnete Banden ihre eigenen Bürger ausplündern und sie zum Hungertod verurteilen.
General Hoar und seine Truppen haben die Vollmacht,
alle erforderlichen militärischen Maßnahmen zu ergreifen, um das Leben unserer Soldaten und das
Leben der Somalier zu schützen.
Die gesetzlosen Elemente in Somalia müssen verstehen, daß dies eine ernste Angelegenheit ist. Wir
werden unseren Auftrag erfüllen. Wir haben nicht die
Absicht, mit Kampftruppen in Somalia zu bleiben, aber
wir sind entschlossen, das Richtige zu tun, um ein
Umfeld sicherzustellen, das die Lieferung von Nahrungsmitteln an die vom Hungertod bedrohten Menschen in Somalia ermöglicht.

AMERIKA DIENST 49

�Dem Volk von Somalia verspreche ich: Wir planen
nicht, politische Resultate zu diktieren. Wir respektieren Ihre Souveränität und Unabhängigkeit. Aufgrund
meiner Gespräche mit anderen politisch Verantwortlichen der Koalition kann ich mit vollem Vertrauen
feststellen: Wir kommen nur aus dem einen Grund in
Ihr Land, die Verpflegung der Hungernden zu gewährleisten.
Den Männern und Frauen unserer Streitkräfte möchte
ich sagen: Wir bitten Sie, einen schwierigen und
gefährlichen Auftrag zu erfüllen. Als Oberbefehlshaber versichere ich Ihnen, Sie werden bei der Verwirklichung dieser Aufgabe unsere volle Unterstützung
haben, und wir werden Sie so bald wie möglich wieder
nach Hause bringen.
*

AMERIKA DIENST 49

Ich möchte mit einer Botschaft an die Familien der
Männer und Frauen schließen, die an dieser Mission
teilnehmen. Ich verstehe, daß es schwer ist, ihre
geliebten Angehörigen abreisen zu sehen, sie auf den
Weg zu schicken und dabei zu wissen, daß sie die
Feiertage nicht zu Hause verbringen werden. Die von
ihnen durchgeführte humanitäre Mission steht jedoch
in der besten Tradition unserer Streitkräfte. Jedem
Matrosen, Soldaten und Marineinfanteristen, der an
dieser Mission beteiligt ist, möchte ich sagen, daß Sie
eine von Gott gestellte Aufgabe erfüllen. Wir werden
nicht scheitern. Ich danke Ihnen, und möge Gott die
Vereinigten Staaten von Amerika segnen.

* * *

*

Seite 3

�SOMALIA
9. Dezember 1992

CLINTON UNTERSTÜTZT BUSHS ENTSCHEIDUNG
ZU SOMALIA
Erklärung des gewählten Präsidenten
LITTLE ROCK - (AD) - Derkünftige Präsident Bill Clinton erklärte am 4. Dezember 1992, er befürworte Präsident
Bushs Entscheidung, amerikanische Streitkräfte "als Unterstützung der klar umrissenen humanitären Mission
der Vereinten Nationen" nach Somalia zu entsenden.
"Die Behinderung von Hilfssendungen und insbesondere die Plünderung von lebensrettenden Nahrungsmittellieferungen muß unterbunden werden", stellte er in einer von seinem Büro veröffentlichten Erklärung fest.
"Das Mandat unserer Streitkräfte und Koalitionspartner besteht in der Herstellung eines sicheren Umfelds zur
Rettung von Menschenleben, und ich beglückwünsche Präsident Bush zu der von ihm übernommenen Führungsrolle bei dieser entscheidenden humanitären Bestrebung."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung von Clinton im Wortlaut.

Gestern abend haben die Vereinten Nationen einen
wichtigen Schritt zur Milderung des Leidens der somalischen Bevölkerung unternommen. Mit der einstimmigen Enscheidung zum Einsatz aller erforderlichen
Mittel zur Schaffung eines sicheren Umfelds für humanitäre Hilfsoperationen in Somalia hat die internationale Staatengemeinschaft ihre Entschlossenheit unter
Beweis gestellt, nicht tatenlos zuzusehen, während
bewaffnete Banditen den Hungertod von Millionen
Menschen erzwingen, die zu Schachfiguren in einem
politischen Machtkampf geworden sind.
Und heute hat Präsident Bush bewiesen, daß das
amerikanische Volk seinen Teil dazu beitragen wird,
dieses tragische Elend zu einem Ende zu bringen. Ich
befürworte Präsident Bushs Entscheidung, amerikanische Streitkräfte als Unterstützung der klar umrissenen humanitären Mission der Vereinten Nationen nach
Somalia zu entsenden. Die Behinderung von Hilfssendungen und insbesondere die Plünderung von lebensrettenden Nahrungsmittellieferungen muß unterbun-

den werden. Das Mandat unserer Streitkräfte und
Koalitionspartner besteht in der Herstellung eines sicheren Umfelds zur Rettung von Menschenleben und
ich beglückwünsche Präsident Bush zu der von ihm
übernommenen Führungsrolle bei dieser entscheidenden humanitären Bestrebung.
Ich bin von den Aktionen der Administration unterrichtet und heute morgen von der Entscheidung des
Präsidenten zum Einsatz amerikanischer Streitkräfte
in Kenntnis gesetzt worden. Ich bin ebenfalls zur
Gewährleistung des Erfolgs dieser wichtigen Mission
entschlossen und werde diese entscheidende internationale Bestrebung genau verfolgen.
Ich möchte auch ein Wort an die Männer und Frauen
der Streitkräfte richten, die die bevorstehenden Feiertage vielleicht fem der Heimat verbringen werden. Die
Vereinigten Staaten stehen hinter Ihnen und unterstützen diesen wichtigen Auftrag. Sie erfüllen uns mit
Stolz. Möge Gott Sie schützen.

* * * *

AMERIKA DIENST 49

*

Seite 1

�SOMALIA
9. Dezember 1992

OPERATION

RESTORE

HOPE

Übersicht des US-Außenministeriums
Die folgende Übersicht über die Hilfsoperation der Vereinigten Staaten in Somalia, Operation Restore Hope,
wurde am 4. Dezember 1992 vom US-Außenministerium veröffentlicht.

Die Vereinigten Staaten haben angeboten, eine unter
der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen stehende Koalition von Streitkräften zu leiten, um Nahrungsmittellieferungen und humanitäre Hilfe für Somalia zu
sichern.
Folgende Ereignisse führten diese Entscheidung herbei:
Obwohl die Vereinigten Staaten und andere Geberländer auf internationaler Ebene genügend Nahrungsmittel zur Beendigung der Hungersnot in Somalia zur
Verfügung stellten, verhinderten weitverbreitete Plünderungen, Kämpfe zwischen rivalisierenden Gruppen
und der völlige Zusammenbruch aller Ebenen der
Regierung, daß die Nahrungsmittel zumindest die
Hälfte der Bevölkerung erreichten.
Es wird geschätzt, daß mehr als 250.000 Menschen
verhungert oder an Krankheiten gestorben sind, die
mit dem Hunger in Verbindung stehen. Das Zentrum
für Seuchenbekämpfung schätzt, daß in Somalia jeden Tag 3.000 Menschen sterben. Eineinhalb Millionen Menschen sind in großer Gefahr.
In den letzten anderthalb Jahren haben die Vereinigten
Staaten für Hilfsmaßnahmen in Somalia 200 Millionen
Dollar und mehr Nahrungsmittel als jedes andere Land
zur Verfügung gestellt.
Diese Summe beinhaltet 125 Millionen Dollar für
Nahrungsmittelhilfe, 40 Millionen Dollar für medizinische Hilfe, zusätzliche Ernährung, Rehabilitationsmaßnahmen und Unterstützung unserer Nothilfe-Luftbrücke sowie 34 Millionen Dollar für direkte Flüchtlingshilfe.
Im August begannen die Vereinigten Staaten und
andere Länder eine großangelegte Luftbrücke, um die
Gebiete des Landes mit den meisten Notleidenden zu
erreichen. Da mit Hilfe der Luftbrücke nur Nahrungsmittel zur Deckung des Bedarfs von 20 Prozent der
AMERIKA DIENST 49

gefährdeten Bevölkerung transportiert werden können, ist sie als eine Übergangsmaßnahme bis zur
Aufstellung umfangreicher Lastwagenkonvois gedacht.
Bis heute wurden im Rahmen dieser Luftbrücke mit
1.400 Flügen 21.000 Tonnen Lebensmittel geliefert.
Die UNO entwarf einen Plan zur Entsendung von
3.500 Friedenstruppen zum Schutz und zur Bewachung der Lastwagenkonvois in Somalia. Ende September flogen die Vereinigten Staaten die ersten 500
pakistanischen Soldaten nach Mogadischu, jedoch
wurden diese seit ihrer Ankunft von überlegenen regionalen Gruppen an der Ausführung ihres Auftrags gehindert.
Die Vereinigten Staaten und die Vereinten Nationen
kamen zu der Erkenntnis, daß die 3.500 Mann starke,
zur Friedenssicherung stationierte Truppe die Verteilung von Nahrungsmitteln nicht sichern konnte.
Angesichts dieser Tatsache beschloß der Präsident
die Entsendung einer viel größeren militärischen Einheit nach Somalia. Da die Vereinigten Staaten als
Leiter einer solchen Mission gut geeignet sind, machte
er den Vereinten Nationen den Vorschlag, daß die
Vereinigten Staaten eine militärische Koalition beteiligter Länder in Somalia zur Sicherung von Nahrungsmittel- und anderen Hilfslieferungen an die Notleidenden
führen sollten.
Der Auftrag der Koalition ist begrenzt und präzise: die
für die Lieferung von Hilfsmitteln an die Bevölkerung
Somalias notwendige Sicherheit sowie eine Atempause für die Friedenstruppen der UNO und den Beginn
politischer Versöhnung zu gewährleisten.
Die militärischen Ziele zur Durchführung dieses Auftrags leiten sich aus den unmittelbaren Schwierigkeiten bei den Hilfsmaßnahmen ab: Die Notwendigkeit
der Sicherung von Häfen, Flughäfen und Lieferwegen
sowie der Lagerung und Verteilung von Hilfsgütern.
Seite 1

�Diese Ziele können und sollten in naher Zukunft erreicht werden. Sobald das geschehen ist, können die
Truppen der Koalition aus Somalia abziehen und ihre
Sicherheitsfunktion an eine vollständig besetzte UNFriedenstruppe übergeben.

Der Präsident ist sich der Gefahr für die amerikanischen Truppen im Falle von Kampfeinsätzen wohl
bewußt, entschied jedoch, daß die Risiken angesichts
der Natur und der Ziele des Auftrags akzeptabel seien.
Wiederum werden wir jetzt und in Zukunft von dem
Wunsch geleitet, dem Hungertod so vieler Menschen
in Somalia ein Ende zu bereiten.

Die Vereinigten Staaten haben kein anderes Ziel außer
der Teilnahme an den Maßnahmen, zu denen die
Resolution ermächtigt. Die in Somalia stationierten Abgesehen von dem rein humanitären Aspekt der
US-Streitkräfte werden nicht länger als nötig in diesem Anstrengungen der Koalition zeigt sich auch die uneinLand bleiben.
geschränkte Unterstützung für die UNO bei ihrem
Bemühen, den Gefahren für den Weltfrieden und die
Die Vereinigten Staaten haben sich mit zahlreichen Stabilität zu begegnen.
potentiellen Koalitionsteilnehmern in Verbindung gesetzt und bereits bedeutende Zusicherungen für Trup- Es wäre wünschenswert, dies im Fall einer ernsten
pen und finanzielle Unterstützung erhalten.
Notlage immer zu tun, aber der Krieg im ehemaligen
Jugoslawien zeigt, daß das nicht möglich ist.
Wir freuen uns auf einen baldigen Übergang zu einer
wirksamen UNO-Friedenstruppe.
In Somalia haben wir ein klar definiertes Ziel - die
Sicherung von Häfen und Verteilungszentren im LanJe schneller den Streitkräften von außerhalb die Schaf- desinneren u nd der Nahrungsmitteltransport zwischen
fung eines sicheren Umfelds gelingt, desto eher kann ihnen-, was unserer Meinung nach mit akzeptablen
die Bevölkerung Somalias mit dem Wiederaufbau ihrer Risiken und innerhalb einer begrenzten Zeit erreicht
eigenen Gesellschaft beginnen.
werden kann.
Wir sind uns sehr wohl bewußt, daß eine militärische
Intervention kein Ersatz für politische Versöhnung ist,
und daß diese Aufgabe fest in der Hand der somalischen Bevölkerung liegen muß.

Obwohl wir uns in Zukunft möglicherweise humanitären Krisen, ähnlich der in Somalia, gegenübersehen
werden, müssen wir jede Situation neu einschätzen
und bewerten. Wir sind davon überzeugt, daß wir in
Somalia die richtige Entscheidung getroffen haben.

* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 49

�GATT
9. Dezember 1992

WIE DIE USA UND EUROPA DAS
GATT-AGRARABKOMMEN ERZIELTEN
Rede von Botschafter Dobbins
BRÜSSEL - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die vom Vertreter der Vereinigten Staaten bei den Europäischen Gemeinschaften, Botschafter James F. Dobbins, am 2. Dezember 1992 bei der Konferenz des United
Parcel Service gehaltene Rede mit dem Titel "Mythos und Realität: Wie Europa und die Vereinigten Staaten das
Abkommen über Agrarhandel im Rahmen des GATT erzielten und seine Bedeutung für Europa" im Wortlaut.
Im Juni dieses Jahres erzielte die Europäische Gemeinschaft Einigung über eine weitreichende Reform
ihrer Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP). Vor zwei
Wochen vereinbarten die Vereinigten Staaten und die
Gemeinschaft einen gemeinsamen Ansatz zu den
ausstehenden Themen der Uruguay-Runde - einschließlich Marktzugang, Dienstleistungen, staatliche Beschaffung und Landwirtschaft. Obwohl das Abkommen
umfangreich war, konzentrierte sich die Aufmerksamkeit vornehmlich auf die Bestimmungen zum Agrarsektor. Infolgedessenkonnten wir ein Wiederaufleben
der Debatte über die künftige Richtung der Agrarpolitik
der Gemeinschaft in Europa beobachten.

In der Tat waren die Vereinigten Staaten wie die
meisten anderen GATT-Mitglieder seit einem Jahr
bereit, ein Abkommen im Rahmen der Uruguay-Runde
auf der Grundlage eines von GATT-Direktor Dunkel
vorbereiteten Kompromißtextes abzuschließen, der
für die meisten GATT-Teilnehmerstaaten akzeptable
Bestimmungen zum Agrarsektor enthielt. Es war
einzig und allein unter allen GATT-Mitgliedern die
Europäische Gemeinschaft, die darauf bestand, dieser Text sei inakzeptabel. Es war die Europäische
Gemeinschaft, die den Abschnitt Landwirtschaft als
das Element - das einzige Element - ausmachte, das
Neuverhandlungen erforderte.

Im Verlauf der Debatte verbreiteten sich eine Reihe
von Mißverständnissen. Beispielsweise wurde behauptet, es seien die Vereinigten Staaten gewesen,
die den Bereich Landwirtschaft für eine Sonderbehandlung ausgeklammert hätten, sie hätten von allen
Verhandlungspartnern der Gemeinschaft im Landwirtschaftssektor die höchsten Forderungen gestellt, das
Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten und der
Gemeinschaft verlange unverhältnismäßige Opfer von
Europa und Europa ändere seine Agrapolitik, um die
amerikanischen Forderungen zu erfüllen.

Generell war es die Europäische Gemeinschaft, die
konsequent gedrängt hat, der Agrarhandel sollte nicht
wie andere Sektoren behandelt werden. Es war daher
die Europäische Gemeinschaft, die den Agrarbereich
für eine Sonderbehandlung bestimmt hat und der es
jetzt gelungen ist, die Unterstützung der Vereinigten
Staaten für diese Bestrebungen zu gewinnen.

Weil das Ergebnis dieser Debatte von solch grundlegender Bedeutung für die Zukunft der Gemeinschaft,
die Aussichten für die atlantische Zusammenarbeit
und den Wohlstand von Europäern und Amerikanern
gleichermaßen ist, müssen solche Mißverständnisse
aus dem Weg geräumt werden. Ich möchte daher jede
dieser Behauptungen im einzelnen prüfen.

Tatsächlich hat sich die Gemeinschaft nicht für die
Aushandlung der Agrarbestimmungen der UruguayRunde auf bilateraler Ebene mit den Vereinigten Staaten entschieden, weil die Vereinigten Staaten die
höchsten Forderungen unter den EG-Nachbarstaaten
stellten, sondern weil die Vereinigten Staaten der
führende Partner sind, dessen Interessen denen der
Gemeinschaft am nächsten liegen, selbst im Hinblick
auf die Landwirtschaft.

Mythos Nr. 1: Im vergangenen Jahr haben die Vereinigten Staaten den Agrarbereich zum besonderen
Schwerpunkt in der Runde bestimmt.

AMERIKA DIENST 49

Mythos Nr. 2: Die Vereinigten Staaten stellen unter
den Haupthandelspartnem der Gemeinschaft im Agrarbereich die höchsten Forderungen.

Seite 1

�Isoliert wie die Gemeinschaft vor einem Jahr in ihrer
Ablehnung des Dunkel-Textes war, hätten die EGNachbarstaaten eine Veränderung seiner Agrarbestimmungen über multilaterale Verhandlungen in Genf
anstreben können. Als Alternative hätte sich die
Gemeinschaft an andere GATT-Mitgliedstaaten wenden können, insbesondere die Entwicklungsländer
und die "Cairns-Gruppe" führender Agrarexporteure
wie Australien, Kanada und Argentinien, um deren Unterstützung zu gewinnen. Diese Länder bestanden jedoch auf einer noch weiterreichenden Liberalisierung
des Agrarhandels als die Vereinigten Staaten. Statt
dessen entschied sich die Gemeinschaft, mit den
Vereinigten Staaten zu verhandeln und ihre Unterstützung für die Abänderung des Dunkel-Textes zu gewinnen.

Abkommens gegen Anrufung der GATT-Schlichtungsgremien geschützt sind.
Das Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten
und der EG fordert eine 21prozentige mengenmäßige
Kürzung der subventionierten Exporte. Dies sind drei
Prozent weniger als die im Dunkel-Text enthaltenen 24
Prozent, 15 Prozent weniger als die von den Vereinigten Staaten vor einem Jahr angestrebten 36 Prozent
und 79 Prozent weniger als die von den Vereinigten
Staaten für die ersten fünf Jahre der Verhandlungen
befürwortete und von den meisten anderen GATTMitgliedstaaten immer noch bevorzugte vollständige
Beseitigung von Exportsubventionen.

Seit dem Ende des Basiszeitraums von 1986 -1990,
aus dem sich die 21 prozentige Kürzung ableitet, wurden
die Subventionsprogramme der Vereinigten StaaDie Gemeinschaft blickte zwecks Unterstützung auf
ten
in
rascherem Tempo erweitert als die der Gemeindie Vereinigten Staaten, weil sowohl die Vereinigten
schaft.
Das bedeutet, die amerikanischen SubventioStaaten als auch Europa ihren Agrarbereich schützen.
nen
müssen
jetzt sehr viel drastischer gekürzt werden
Nach der Gemeinschaft sind die Vereinigten Staaten
als
die
der
Gemeinschaft.
weltweit der zweitgrößte Subventionierer der Landwirtschaft. Die Reform der GAP hat die amerikaniVerglichen mit dem Umfang der von den Vereinigten
schen und europäischen Praktiken einander nähergeStaaten in diesem Herbst zum Verkauf im Haushaltsbracht. Am 20. November 1992 vereinbarten die
jahr 1993 angebotenen subventionierten Exporte werden
Vereinigten Staaten und Europa ihre Zusammenardie Vereinigten Staaten im Verlauf der ersten sechs
beit, um das GATT-Regime zu Landwirtschaft in EinJahre des GATT-Abkommens ihre subventionierten
klang mit der Struktur der amerikanischen und europäischen Agrarpolitik zu bringen. Die Vereinigten Exporte von Weizen um 54 Prozent, Gerste um 78
Staaten und die Europäische Gemeinschaft arbeiten Prozent, Reis um 95 Prozent, von Pflanzenölen um 84
jetzt zusammen, um die anderen GATT-Mitgliedstaa- Prozent und von Geflügelfleisch um 52 Prozent reduten von der Annahme dieses zurückgeschraubten zieren müssen.
Agrarabkommens zu überzeugen und konstruktive Im Verhältnis zu den während des Haushaltsjahres
Angebote zu Marktzugang und Dienstleistungen zu 1992 subventionierten amerikanischen Exporten werunterbreiten.
den die Kürzungen geringer ausfallen, sind jedoch
immer noch höher oder vergleichbar mit denen der
Mythos Nr. 3: Das Agrarabkommen zwischen den Gemeinschaft und belaufen sich auf Kürzungen von 32
Vereinigten Staaten und der Europäischen Gemein- Prozent bei Weizen, 75 Prozent bei Gerste, 90 Prozent
schaft im Rahmen des GATT erfordert von der Ge- bei Reis und 69 Prozent bei Pflanzenölen. Anhand von
meinschaft größere Opfer als von den Vereinigten Prognosen des Europäischen Bauernverbandes für
Staaten.
subventionierte Agrarexporte der Gemeinschaft im
Tatsächlich zielt das Abkommen zwischen den Verei- laufenden Jahr müßte die EG im Vergleich Reduzienigten Staaten und der EG darauf ab, auf beiden rungen von 39 Prozent bei Weizen, 9 Prozent bei
Seiten bereits getroffene Entscheidungen und den Gerste, 49 Prozent bei Reis und 39 Prozent bei Geflübereits in die Wege geleiteten Abbau des Schutzes zu gelfleisch vornehmen. Wie Sie sehen, sind die ameriberücksichtigen. Keine Seite wird daher ihre beab- kanischen Kürzungen bei subventionierten Exporten
sichtigten Binnensubventionsprogramme über das vergleichbar, wenn nicht einschneidender als die der
bereits entschiedene Maß hinaus anpassen müssen, Europäischen Gemeinschaft.
und die Kürzungen der Vereinigten Staaten bei sub- Mythos Nr. 4: Europa ändert seine Agrarpolitik unter
ventionierten Exporten sind vergleichbar, wenn nicht dem Druck der Amerikaner.
sogar höher als die der Gemeinschaft.
Tatsächlich stand für Europa die GAP-Reform an
Im Rahmen des Abkommens zwischen den Vereinig- erster und ein GATT-Abkommen an zweiter Stelle.
ten Staaten und der Europäischen Gemeinschaft wird Dies trifft sowohl im Hinblick auf den Zeitpunkt als auch
das in der GAP-Reform enthaltene System direkter die den beiden Zielen eingeräumte Priorität zu. Die
Beihilfen für die Landwirte nicht begrenzt. Der Ge- Vereinigten Staaten haben bei der Erarbeitung der
meinschaft steht es vollständig frei, diese direkten GAP-Reform keine Rolle gespielt. Sobald die EntZahlungen auf einer von ihr bestimmten Ebene und für scheidung für eine Reform gefallen war, stellte die
einen von ihr bestimmten Zeitraum festzusetzen. Ebenso Gemeinschaft wiederholt klar, daß das einzige für
wichtig ist, daß diese Subventionen für die Dauer des Europa akzeptable GATT-Abkommen eines ist, das
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AMERIKA DIENST 49

�internationale Lösungen für bereits für eigene Zwecke
von der Gemeinschaft getroffene Entscheidungen
enthält.
17 europäische Kommissare aus allen 12 Ländern
haben den EG-Mitgliedsregierungen Zahlen vorgelegt, die belegen, daß die Einigung zwischen den
Vereinigten Staaten und der EG zum Agrarsektor den
bereits von der EG getroffenen Entscheidungen zur
GAP-Reform vergleichbar ist und den Mitgliedsregierungen versichert, daß bei einem GATT-Abkommen
über die auf jeden Fall zur Durchführung der GAPReform benötigten Disziplinen keine weiteren erforderlich seien.

sie für europäische Landwirte enthalten können, seien
auf amerikanischen Druck zurückzuführen, wäre ein
fadenscheiniges Zurückschrecken vor der Verantwortung.

Den europäischen Staats- und Regierungschefs obliegt die Verpflichtung, ihren Wählern diese Realitäten
zu erläutern. Die europäischen Politiker haben die
Verpflichtung, die Verantwortung für den von ihnen
eingeschlagenen Kurs und die von ihnen geschlossenen Vereinbarungen zu übernehmen. Die politisch
Verantwortlichen auf beiden Seiten des Atlantiks teilen
die Verantwortung, Appelle zu fremdenfeindlichem
Nationalismus, die Suche nach ausländischen Sündenböcken und den Gebrauch ketzerischer Rhetorik
In Europa ist man mit den von der EG im vergangenen zu vermeiden.
Juni getroffenen Entscheidungen zur GAP-Reform
nicht vollständig zufrieden. Das Landwirtschaftsab- Die Europäische Gemeinschaft sieht sich heute mit
kommen zwischen den Vereinigten Staaten und der einer umfangreichen und dringlichen internen TagesEG bietet eine Chance zur Wiedereröffnung dieser ordnung konfrontiert - Ratifizierung des MaastrichtDebatte und vielleicht zur Revision dieser Entschei- Vertrags, Ankurbelung von Wirtschaftswachstum,
dungen. Daran ist im Prinzip nichts verkehrt. Politik Festsetzung von Haushaltsprioritäten, Beistand für
dreht sich schließlich um die ewige Wiederherstellung ihre ärmeren Mitglieder und Eröffnung von Verhanddes Gleichgewichts gegenläufiger Interessen. Demo- lungen über die Erweiterung. Die atlantische Gemeinkratie tut dies in einer offenen und unvoreingenomme- schaft - Europa und die Vereinigten Staaten - sehen
nen Weise, die es den Wählern gestattet, die Themen sich einer sehr viel beängstigenderen Tagesordnung
und damit einhergehenden Geschäfte zu verstehen. gegenüber - Konsolidierung der Demokratie in der
gesamten ehemals kommunistischen Welt, BeendiDie erneute Debatte über Agrarpolitik in Europa spielt gung des Blutvergießens in Jugoslawien, Frieden im
die Interessen der großen, effizienten Landwirte ge- Nahen Osten zu schaffen und die Hungersnot in Afrika
gen die der kleinen, ineffizienten aus. Sie stellt die zu mildern.
Interessen hoher Haushaltsabgaben denen der Nutznießer umfangreicher Subventionen gegenüber. Sie Unter diesen Umständen ist es von Bedeutung, daß
wägt die Interessen von Nettoexporteuren gegen die die europäische Öffentlichkeit ein genaues Gefühl
von Nettoimporteuren ab. Nur ganz am Schlu ß und als erhält, wie die Vereinigten Staaten und die EuropäUnwichtigstes stellt sie die Interessen der europä- ische Gemeinschaft zu dem Agrarabkommen im Rahischen Landwirte denen der übrigen Welt gegenüber. men des GATT gelangt sind und welche Auswirkungen
Die europäischen Landwirte können nur auf Kosten es für Europa hat. Sie müssen sich bewußt werden,
des europäischen Steuerzahlers und der europäischen daß die Verantwortung für die Aushandlung eines
Verbraucher geschützt werden. Kein für die EG noch GATT-Abkommens den zur Europäischen Kommisso günstiges Abkommen kann diese grundlegende sion entsandten EG-Mitgliedsregierungen obliegt, daß
Last verlagern. Wie groß diese Last sein und wie sie es die Gemeinschaft war, die den Agrarbereich für eine
innerhalb Europas verteilt werden sollte, ist ein Thema, Sonderbehandlung ausklammerte, die Gemeinschaft
über das die europäischen Politiker uneingeschränkte die Unterstützung der Vereinigten Staaten für dieses
Ziel gesucht und inzwischen erhalten hat, der GemeinKontrolle und Verantwortung haben.
schaft die Aushandlung eines Arrangements mit den
Die Besorgnis der ländlichen Bevölkerung Europas Vereinigten Staaten gelungen ist, das die GATT-Regeln
richtet sich vornehmlich auf das Hauptziel der GAP- in Einklang mit der Agrarpolitik der Gemeinschaft
Reform - daß Europa, wie von Jacques Delors im bringen wird, dieses Abkommen die amerikanischen
vergangenen Jahr formuliert, "weniger produzieren, und europäischen Programme in vergleichbarer Weiweniger exportieren und mehr importieren" sollte. Dieses se beeinflussen wird und - vor allem - die bevorstehenAnliegen konzentriert sich ebenfalls auf die techni- den Veränderungen in der Struktur der europäischen
schen Mittel, mit denen die Gemeinschaft dieses Ziel Agrarsubventionen - Preisreduzierungen, direkte
verwirklichen will - niedrigere Preise, direkte Zahlun- Zahlungen und obligatorischer Verzicht - ausschließgen und obligatorischen Verzicht. Diese Entscheidun- lich im Interesse der Europäer als Reaktion auf zwingen wurden aus europäischen Gründen von europä- gende haushalts- und umweltpolitische Erwägungen
ischen Regierungen ohne die Beteiligung anderer und ohne Beteiligung der Vereinigten Staaten oder
Regierungen getroffen. Den Eindruck zu erwecken, einer anderen Regierung eines Nichtmitgliedstaates
diese Entscheidungen und die möglichen Opfer, die vorgenommen wurden.

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Seite 3

�Das Agrarabkommen mit den Vereinigten Staaten im
Rahmen des GATT hatte seinen Preis. Der Preis war
die einjährige Verzögerung bei der Erlangung eines
neuen globalen Handelsabkommens, ein Jahr, in dem
Europa enger an den Rand einer Rezession gerückt
ist, von der viele annehmen, sie könnte die schlimmste
in der europäischen Erfahrung nach dem Zweiten
Weltkrieg sein.
Schätzungen zufolge wird das jetzt vorliegende Welthandelsabkommen allein bei Fertigwaren eine Zunahme der Weltproduktion im Wert von über 5 Billionen
Dollar in den nächsten zehn Jahren zur Folge haben.
Die Vereinigten Staaten würden ein Fünftel dieser
Erhöhung erhalten - 1 Billion Dollar und die Europäische Gemeinschaft sogar noch mehr -1,4 Billionen

Seite 4

Dollar. Dies ergibt eine durchschnittliche Erhöhung
des Einkommens jeder europäischen Familie von 16.000
Dollar über einen Zeh njahreszert räum hinweg. Derauf
die Liberalisierung des Handels mit Dienstleistungen
und geistigem Eigentum zurückzuführende Nutzen für
Europa wird ebenso dramatisch sein.
Ein Abkommen dieser Dimension ist in greifbare Nähe
gerückt. Es kann binnen Wochen abgeschlossen
werden. Wenn wir diese Gelegenheit nicht ergreifen,
wird sie sich uns in den nächsten Jahren nicht wieder
bieten - Jahre, in denen die Gemeinschaft vielleicht
keine weiteren Fortschritte zu einer Europäischen
Union erzielt, Jahre, in denen Europa und die Vereinigten Staaten vielleicht der dringenden Herausforderung
der Welt nach dem Kalten Krieg nicht gerecht werden.

AMERIKA DIENST 49

�MENSCHENRECHTE
9. Dezember 1992

SERBISCHE FÜHRUNG FÜR
MENSCHENRECHTSVERLETZUNGEN
VERANTWORTLICH
Erklärung von Botschafter Abram
GENF - (AD) - Die am 1. Dezember 1992 von der UN-Menschenrechtskommission angenommene Resolution
gibt - so der amerikanische Botschafter Morris Abram - "der serbischen Führung die Hauptschuld" an den im
ehemaligen Jugoslawien angewandten "verabscheuungswürdigen" Praktiken.
"Es wird nicht das serbische Volk als Ganzes verantwortlich gemacht", erklärte Abram, Ständiger Vertreter der
Vereinigten Staaten bei den Vereinten Nationen in Genf auf einer am 1. Dezember 1992 anberaumten
Pressekonferenz.
Abrams wies vorder Erläuterung der Resolution bei der Sitzung der UN-Menschenrechtskommission darauf hin,
es würde einen "entsetzlichen Präzedenzfall" schaffen, wenn die Welt nicht auf die Vorgänge im ehemaligen
Jugoslawien reagieren würde.
Nachfolgend veröffentlichen wir Abrams einleitende Erklärung auf der Pressekonferenz im Wortlaut.

Eine Rekordzahl von Staaten hat sich dem Antrag der zudenken, inwieweit diese ethnischen Säuberungen
Türkei und der Vereinigten Staaten auf dieses Treffen Völkermord sind. Ich freue mich darüber, daß im
angeschlossen: 44 aller im Menschenrechtsausschuß Bericht des Sonderberichterstatters, den wir außerorvertretenen Staaten. Die Resolution, die ich heute dentlich schätzen, gestern drei auch in der Resolution
nachmittag im Namen der Türkei und der Vereinigten angesprochene wichtige Themen erwähnt werden.
Staaten vorstellen werde, wird von 48 Staaten unter- Folglich gab es ohne einen Versuch zur vorherigen
stützt, von denen 27 der Menschenrechtskommission Absprache - und ohne die Möglichkeit hierzu - in
angehören. Ich weiß nicht, ob es in der Geschichte unserer Resolution Übereinstimmung im Hinblick auf
Vergleichbares gibt, aber ich bin sicher, daß das eine drei gestern vom Sonderberichterstatter erörterte
außergewöhnlich hohe Zahl ist.
Themen.
Ich möchte gerne kurz auf die Resolution zu sprechen
kommen. Sie enthält eine entschiedene Verurteilung
der im ehemaligen Jugoslawien angewandten Praktiken. Die Verantwortung - die Hauptverantwortung trägt ihrzufolge die serbische Führung. Ich möchte
das hier ganz deutlich sagen: Nicht das serbische Volk
als Ganzes wird für die Vorgänge verantwortlich gemacht.
Ich bin sicher, mein Land stimmt mit mir überein, daß
es keine Sprachregelung gibt, die ein ganzes Volk
verurteilt. Wir weisen hauptsächlich der serbischen
Führung die Schuld zu.

Die Resolution fordert, wie es auch der Sonderberichterstatter tat, die Schließung der Lager - dieser Gefangenenlager, dieser stinkenden Löcher. Sie fordert, wie
auch der Sonderberichterstatter, die Schaffung von
Hilfskorridoren. Und sie fordert, ebenso wie der Sonderberichterstatter, die Errichtung von Sicherheitszonen zum Schutz von Vertriebenen. Au ßerdem geht die
heute nachmittag vorzustellende Resolution weiter als
der Sonderberichterstatter in seinem gestrigen Bericht. Wir müssen daran denken, daß es sich hier um
seinen gewohnheitsmäßigen Bericht handelt. Wir in
unserer Resolution, die wie gesagt so viele Mitglieder
In der Resolution wird das Ende einer der verabscheu- inzwischen unterstützen, fordern Zusammenarbeit
ungswürdigsten Praktiken der letzten 50 Jahre gefor- zwischen dem Sonderberichterstatter und der Experdert, die der ethnischen Säuberung. Nichts daran ist tenkommission. Und wir fordern, daß die Expertensauber. Allen Staaten wird empfohlen, darüber nach- kommission - die manchmal zu Recht Kommission für

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Seite 1

�Kriegsverbrechen genannt wird - angemessen mit
Mitarbeitern und Mitteln ausgestattet wird. Unsere
Resolution proklamiert das Prinzip von Nürnberg. Das
heißt, daß Verbrechen gegen die Menschlichkeit und
Kriegsverbrechen nicht damit gerechtfertigt werden
können, daß man sich auf höheren Befehl beruft.
In unserer Resolution wird noch etwas anderes gefordert: die Untersuchung der Massengräber. Wir unterstützen weitere politische Verhandlungen im Rahmen
der internationalen Jugoslawienkonferenz, der die
ehemaligen Außenminister Vance und Owen Vorsitzen, von denen man in meinem Land die höchste
Meinung hat. Auch bitten wir den Sonderberichterstatter, in seiner Arbeit fortzufahren, und ermutigen ihn,
denn er leistet unserer Meinung nach ausgezeichnete
Arbeit. Ich möchte noch hinzufügen, daß die Weltgeschichte vielleicht etwas anders verlaufen wäre, wenn
wir in den vierziger Jahren einen solchen Sonderberichterstatter gehabt hätten. Um unter Beweis zu
stellen, daß die Vereinigten Staaten nicht nur mit
Worten Zuspruch bekunden, unterstützen wir die Arbeit
des Sonderberichterstatters mit 500.000 Dollar.
In unserer Resolution fordern wir den Generalsekretär
zur Gewährleistung der uneingeschränkten Zusammenarbeit aller mit diesem Thema befaßten UN-Gremien auf. Wie bei anderen Problemen - vielleicht
jedoch bei diesem noch mehr als sonst - wollen wir
einmütige Vereinte Nationen. Und wir bitten die Generalversammlung und den Generalsekretär um die
Bereitstellung angemessener Ressourcen.
Ich bin nicht hier um zu behaupten, dies sei eine
perfekte Resolution. Sie ist ausgewogen. Es besteht
die Möglichkeit, daß jemand einen Vorschlag unterbreitet, der eine leichte Verbesserung darstellt. Was
wir jedoch in stundenlangen, von unseren wichtigsten
Unterhändlern geführten Verhandlungen und in uneingeschränkter Konsultation angestrebt haben, ist eine
Resolution, die größtmögliche Unterstützung genießt.
Weil dies unseres Erachtens ein Thema ist, bei dem
die Menschenrechtskommission so einmütig wie möglich
sein sollte, um die maximale Wirkung zu erzielen.
Zweifelsohne müssen wir Geschlossenheit demonstrieren und wenn nicht mehr, so belegt diese Resolution mit ihrem Wortlaut zumindest die Geschlossenheit
der internationalen Staatengemeinschaft bei der Verurteilung dessen, was nicht einmal eine Flugstunde
von hier geschieht.

*

Seite 2

Dies ist die zweite, im Rahmen der Resolution des
Wirtschafts- und Sozialausschusses genehmigte
außerordentliche Sitzung, und es erfüllt mich mit Stolz,
feststellen zu können, daß mein Land diese beiden
Sitzungen gefordert hat - die ursprüngliche außerordentliche Sitzung über das ehemalige Jugoslawien -,
und gemeinsam mit der Türkei haben wir diese hier
anberaumt.
Warum ist dies letztlich wichtig? Wie Sie wissen, sind
seit der letzten Sitzung hundert Tage verstrichen. Die
Lage hat sich nicht zum Besseren gewendet, aber
zumindest haben wir die Arbeit eines Sonderberichterstatters vorliegen sowie das von der Menschenrechtskommission genehmigte und von dem Ernannten
geprüfte Instrument. Niemand kann jetzt Ignoranz
vortäuschen. Ich habe gerade General Taylors Buch
über die Nürnberger Prozesse gelesen und wie häufig
wird dort gesagt: "Nun, ich wußte einfach nicht, was
vorging." Sie können das jetzt nicht behaupten und
schon gar nicht hundert Tage nach der letzten Sitzung
der Menschenrechtskommission und nach den Berichten des Sonderberichterstatters.
Wir mußte diese verabscheuungswürdigen Taten als
solche bezeichnen, wir mu ßten mit dem Finger zeigen,
und wir mu ßten es in Genf tun. Denn dies ist der Sitz
so vieler Organisationen der Vereinten Nationen, die
sich ebenso wie diese mit einer Krise befassen. Die
Menschenrechtskommission, das Menschenrechtszentrum, der Hohe Flüchtlingskommissar - der infolgedessen überlastet ist - sind hier ansässig, die Kommission
für Kriegsverbrechen hält hier ihre Sitzungen ab, die
Minister Vance und Owen treffen sich hier, und der
Treuhänder der Genfer Konvention - das IKRK - befindet sich, auch wenn es kein Mitglied der Vereinten
Nationen ist, auf der gegenüberliegenden Straßenseite und leistet hervorragende Arbeit.
Ich möchte Ihnen erklären, warum das hiesige Geschehen meines Erachtens absolut entscheidend ist.
Wenn solche Dinge mitten im Herzen Europas, 50
Jahre nach dem Holocaust, geschehen können, und
die Welt darauf nicht so reagiert, wie sie muß, dann
schaffen wir einen entsetzlichen Präzedenzfall. Und
aus diesem Präzedenzfall läßt sich sehr einfach für alle
Übeltäter der Welt, die es immer gibt, ableiten: die
Welt ist abgestumpft gegenüber den Ereignissen. Diesen
Eindruck dürfen wir nicht vermitteln. Aus diesem
Grund ist das heutige Handeln der Kommission unserer Meinung nach so wichtig, und der Ruf danach von
solcher Bedeutung.

* * *

*

AMERIKA DIENST 49

�MENSCHENRECHTE
9. Dezember 1992

WEITERE GREUELTATEN IM EHEMALIGEN
JUGOSLAWIEN DOKUMENTIERT
Vierter US-Bericht für Vereinte Nationen
GENF - (AD) - Vorsätzliche Tötung, Folterung von Gefangenen, gezielte Angriffe auf Nichtkombattanten,
mutwillige Verwüstung und Zerstörung von Eigentum sowie gewaltsame Massenvertreibung und Deportation
von Zivilisten gehören zu den gegenwärtig im ehemaligen Jugoslawien begangenen Menschenrechtsverletzungen, stellt ein neuer Bericht der Vereinigten Staaten fest.
Dieser vierte amerikanische Bericht über schwere Verletzungen der Genfer Konventionen im ehemaligen
Jugoslawien wurde am 7. Dezember 1992 den Vereinten Nationen übergeben.
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus diesem Bericht, wobei stellvertretend für die Vielzahl der
Greueltaten einige wenige Beispiele herausgegriffen wurden.
Vorsätzliche Tötung
25. September
Ein 48jähriger bosnischer Muslim wurde am 25. oder
26. September in seinem Heimatort Bijelijina auf der
Straße festgenommen und in ein Internierungslager in
Klis bei Batkovic gebracht. Die Einrichtung in Klis, die
früher zur Lagerung landwirtschaftlicher Produkte benutzt
worden war, wurde von Männern in grünen Uniformen
bewacht.

schlagen wurde, kehrte nicht mehr zurück, nachdem
er eines Abends in ein benachbartes Gebäude abgeführt worden war. Der Zeuge gab an, ein alter Gebäudereiniger habe ihm versichert, auch der dritte Mann
sei an den Schlägen gestorben.
21. Juli-4. August

Ein 36jähriger bosnischer Muslim befand sich in seinem Dorf Ribvanovici bei Prijedor, als die serbische
Armee am 21. Juli alle Dörfer in diesem Gebiet umzingelte und alle männlichen Erwachsenen gefangenDer Zeuge beschrieb, wie drei "reiche Männer" ausge- nahm - ein Vorfall, über den bereits früher berichtet
sondert und mißhandelt wurden. Man schlug sie mit wurde.
Fäusten und Gewehrkolben und trat auf sie ein. Es
handelte sich um einen Nachbarn, der mit Gold und Die serbischen Soldaten schlugen mit ihren Gewehren
Schmuck handelte, einen Kaffeehändler und einen auf die Gefangenen ein. Ein Mann begann zu weinen
weiteren Mann, den der Zeuge nicht kannte.
und wurde deshalb von den Soldaten erschossen. Die
Hälfte der Männer, darunter der Zeuge, wurden mit
In der zweiten Nacht, dieder Zeuge im Lager verbrach- Bussen in das Lager Keraterm in Prijedor und danach
te, beobachtete er, wieder Kaffeehändler und mehrere nach Omarska sowie zum Schluß nach Trnopolje
andere zu unterschiedlichen Zeiten aus ihrem Gebäu- gebracht. Der Zeuge weiß nicht, was mit den Zurückde zu einer benachbarten Einrichtung gebracht wur- gebliebenen geschah.
den. Während ihrer Abwesenheit vernahm er zahlreiche Schreie. Die anderen kehrten schließlich zurück, Nach einem Tag in Trnopolje wurde der Zeuge wieder
der Kaffeehändler jedoch nicht. Der Zeuge erfuhr in das Lager Omarska gebracht, wo er 15 Tage lang in
später, daß seine Leiche kurz darauf seiner Familie das "weiße Haus" gesteckt wurde. Er wurde in einem
übergeben worden war.
Raum mit Dutzenden von Männern eingesperrt, von
denen er viele aus seinem Dorf kannte. Er gab an,
In der fünften Nacht, die der Zeuge im Lager verbrach- jeden Tag seien Gefangene in eines von fünf Verhörte, erlitt der Goldhändler ein ähnliches Schicksal. Er zimmern gebracht worden, wo man sie mit Eisenstanerlag seinen Verletzungen. Der andere "reiche" Mann, gen und Holzknüppeln geschlagen habe.
der zusammen mit den weiteren Opfern häufig geAMERIKA DIENST 49

Seite 1

�Der Mann seiner Schwester wurde auf diese Weise
totgeprügelt. Man hatte ihn in einer Nacht so schwer
geschlagen, daß ein Teil seiner Stirn fehlte, den man
offenbar mit einer Eisenstange abgeschlagen hatte.
Bald darauf starb er.

Der Zeuge gab weiterhin an, die Zahl der in Kotor
Varos Getöteten sei nahezu unvorstellbar hoch gewesen. Allein am 11. Juni lagen 300 - 400 Leichen auf der
Straße. Er und mehrere andere Gefangene mußten
die Leichen in schwarze Nylonsäcke legen. Diese
Säcke wurden danach mit einem Bulldozer in ein
nahegelegenes Massengrab transportiert, dessen Lage
er detailliert beschrieb. Er berichtete, an jenem Tag
selbst über 70 Leichen in Säcke gesteckt zu haben und
schätzte, daß mindestens 1.000 Menschen in diesem
Grab begraben wurden.

Der Zeuge beobachtete einmal durch das Fenster, wie
Wächter Gefangene aus dem "weißen Haus" herausholten, sie aufforderten wegzulaufen und sie dann auf
der Flucht in den Rücken schössen. Er berichtete, daß
erden Lärm von zahlreichen Exekutionen gehört habe,
die er jedoch nicht habe sehen können, da sie hinter
dem Gebäude oder in einem in der Nähe befindlichen Folterung von Gefangenen
roten Gebäude stattfanden.
August - September
Jede Nacht wählten die Wächter zwei Gefangene aus,
die die Toten begraben mußten. Der Zeuge wurde Ein amerikanischer Chirurg aus Kalifornien verbrachte
eine Nacht zur Mithilfe gezwungen und sah elf Leichen. Ende August bis Anfang September zwei Wochen in
Er gab an, die Wächter hätten die Körper kreuzweise Bosnien-Herzegowina (einschließlich eines Aufentin einer Grube aufgeschichtet. Etwa um den 4. August halts im Kosevo-Krankenhaus von Sarajevo), um
urologische Eingriffe vorzunehmen.
wurde er aus Omarska verlegt.

Der Arzt gab an, Freischärler von Muslims und Mujaheddin - darunter einige aus Afghanistan und SaudiEin 24jähriger bosnischer Muslim aus Kotor Varos Arabien - hätten an bosnisch-serbischen Soldaten
wurde als Zivilist festgenommen und vom 11. Juni bis regelmäßig primitive, entstellende Beschneidungen
zum 10. Oktober an mehreren Orten in Kotor Varos ohne medizinische Betreuung durchgeführt, und er
interniert. Er beschrieb, wie er mehrmals heftig und habe einen 18jährigen bosnisch-serbischen Soldaten
sadistisch geschlagen wurde, erzwungene sexuelle behandelt, der so brutal beschnitten wurde, daß schließAkte unter männlichen Gefangenen beobachten mußte lich das gesamte Glied habe amputiert werden müsund mit vorgehaltener Waffe gezwungen wurde, an sen.
einer Massenvergewaltigung und Ermordung einer
11. Juni-10. Oktober
muslimischen Frau teilzunehmen.
11. Juni-10. Oktober

An einem Tag wurden der Zeuge und 11 weitere
Gefangene gezwungen, an der Vergewaltigung der
Frau eines muslimischen Polizisten teilzunehmen. Er
rief aus: "Sie taten alles. Man kann sich nicht vorstellen oderglauben, was sie taten. Sie sind Tiere!" Ergab
an, die Frau sei eine Woche später an ihren Verletzungen gestorben.
In den ersten acht Tagen seiner Internierung sei ein
serbisches Fernsehteam aus Banja Luka eingetroffen
und habe ihn beschuldigt, während seiner Dienstzeit
als Soldat der kroatischen Streitkräfte Frauen geschlagen und Föten umgebracht zu haben. Er wurde
gezwungen, ein Geständnis vorzulesen, in dem er
diese Taten zugab, da ihm ein Hauptmann der serbischen Armee drohte, andernfalls würden seine Eltern
und Familienangehörigen umgebracht.

Ein 24jähriger bosnisch-muslimischer Agrartechniker
aus Kotor Varos wurde als Zivilist verhaftet und an
verschiedenen Orten in Kotor Varos interniert.
Zwölf serbische Soldaten in Uniformen mit weißen
Adlern verhafteten den Zeugen am 11. Juni in seinem
Haus und schlugen in seinem Hof auf ihn ein, bevor sie
ihn zur Koza Proletaria-Pelzfabrik verschleppten, wo
er befragt und weiter geschlagen wurde.
In der Pelzfabrik steckte ein Wächter ein Gewehr in
den Mund des Zeugen und hob ihn hoch. Ein anderer
Wächter zog ihm mit einer Zange zwei Zähne des
Oberkiefers. Seinen Aussagen zufolge wurden er und
100 andere Männer acht Tage lang geschlagen und zu
sexuellen Handlungen untereinander gezwungen.

Er wurde später in ein Hinterzimmer im Osnovi Sud dem städtischen Gerichtsgebäude - gebracht, wo er
Der Zeuge wurde später in einen Raum auf der Rück- dreieinhalb Monate festgehalten wurde. Er sagte aus,
seite des städtischen Gerichtsgebäudes verlegt, wo 170 Männer seien dort unter extrem schlechten Bedinihm zufolge drei Männer in seinen Armen an Schlägen
gungen interniert.
und Verletzungen starben: Enver Beharic, Mato Vatelj
und Smajo Celinac. Er benannte diese Männer und Sein Raum war nur 2,5x3,5 Meter groß und dennoch
behauptete, ihre Körper seien nach ihrem Tod ver- waren manchmal bis zu 70 Männer dort eingepfercht.
stümmelt worden. Alle drei wurden zwischen dem 13. Die serbischen Wächter spielten laute Musik, während
und 15. August getötet.
sie die Gefangenen in den Nachbarräumen und im Hof

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�schlugen. Der Raum war ekelhaft dreckig. Sie aßen
verdorbene, verschimmelte Lebensmittel und hatten
keinen Zugang zu Toiletten. Zu einem Zeitpunkt litten
10 bis 15 Männer unter Durchfall. Die Haut der
Gefangenen verfärbte sich aufgrund der Gelbsucht
gelblich. Der Zeuge verbrachte über drei Monate unter
solchen Bedingungen, ohne jemals ein Bad nehmen
oder seine Kleider waschen zu können.
Am 10. Oktober wurden der Zeuge und zwei weitere
Muslims gegen einen Serben ausgetauscht. Drei
serbische Wärter, die er wiedererkannte, brachten ihn
in den Hof des Gerichtsgebäudes, wo sie wild auf ihn
einschlugen, dann seinen Arme und Beine wie bei
einen Schaf zusammenbanden und ihn zwangen zu
blöken. Später banden sie ihn an einen Jeep und
fuhren zum Krankenhaus, wobei der Zeuge hinter dem
Landrover herlaufen mußte. Am Krankenhaus angekommen, zwangen sie ihn zu kriechen, zu blöken und
Gras zu essen und befahlen ihm dann, das Gras zu
erbrechen, weil es serbisches Gras sei.
Ein Wächterbrachte stark säurehaltiges Gewehrreinigungsöl und zwang den Zeugen, einen halben Liter
davon zu trinken. Sofort bekam er Magenkrämpfe. Ein
zweiter Wächter rollte seinen Ärmel hoch und drückte
acht Zigarretten auf seinem Arm aus. Kurz danach
wurde er muslimischen Streitkräften im Dorf Vecic
übergeben.
Gezielte Angriffe auf Nichtkombattanten
18. November
Am 18. November bombardierten bosnische Serben
die Hauptverkehrsstraße von Norden nach Süden in
der Nähe der Stadt Mostar. Aufgrund dessen mußten
ein UN-Nahrungsmittelkonvoi und seine Eskorte spanischer Friedenstruppen den Versuch aufgeben,
Nahrungsmittel und Baumaterial nach Sarajevo zu
bringen.

matischen Gewehren auf einen britischen Konvoi, der
versuchte, Routen für UN-Hilfskonvois in der Nähe von
Tuzla ausfindig zu machen, und trafen einen britischen
Landrover. "Zum ersten Mal sind wir direkt unter
Beschuß geraten, und zum ersten Mal haben wir
zurückgeschossen", stellt ein Sprecher des britischen
Verteidigungsministeriums fest.
Mutwillige Verwüstung und Zerstörung von Eigentum
25. Mai
Ein 43jähriger Muslim aus Hambarine beobachtete
von einem nahegelegenen Hügel, wie serbische Artillerie am 25. Mai das Nachbardorf Kozarac zerstörte.
Die Artillerieeinheit unterstand der sogenannten Miliz
"Weißer Adler", deren Kommandeur und Führer der
Panzereinheit er identifizierte.
17. Mai
Kozarac im bosnischen Krajina wurde im Mai von
serbischen Streitkräften dem Erdboden gleichgemacht.
April - Oktober
Seit Ausbruch des Krieges im April haben Freischärler
der Serbischen Demokratischen Partei (SDS) von den
Sarajevo umgebenden Hügeln die Stadt bombardiert,
in der sich praktisch nichts befindet, was als militärisches Ziel bezeichnet werden könnte. Bei dem Angriff
auf die Stadt wurden Krankenhäuser, Schulen, Wohnhäuser, Moscheen, Kirchen und zahlreiche andere
zivile Einrichtungen zerstört.
Herbst 1991

Im Herbst 1991 räumten die serbischen Streitkräfte
Vukovar und mehrere andere umliegende Städte im
Ostsektorder UNO-Schutzzone (UN Protected Area UNPA) in Kroatien und hinterließen ein Bild wie Berlin
im Jahr 1945. Praktisch alle Wohn- und Geschäftsge16. November
bäude, Kulturstätten und religiöse Einrichtungen waren geplündert oder schwer beschädigt. GetreideaufIm Nordosten von Bosnien stationierte serbische Artil- züge, Kräne im Hafen entlang des Flusses, Fabriken
lerie feuerte 100 Granaten auf Zupanja und die umlie- und Apartment-Hochäuser wurden praktisch nutzlos
genden Dörfer in Kroatien. Zwei Menschen kamen und unbewohnbar gemacht.
ums Leben, darunter ein zweijähriges Kind, ein weiteres Kind wurde verletzt. Berichten zufolge wurden auch Erzwungene Massenvertreibung und Deportation
die Häuser schwer beschädigt.
von Zivilisten
7. - 8. November

November

Am 8. November stoppten bosnische Serben Hilfskonvois auf der Straße nach Mostar. Ein von Briten
eskortierter Konvoi der UNO-Friedenstruppen UNPROFOR wurde von Streitkräften des Kroatischen
Verteidigungsrates (HVO) 10 Kilometer nördlich von
Mostar aufgehalten.

Anfang November 1992 begannen serbische Militärbehörden mit der erzwungenen Mobilisierung von
Kroaten und Muslims im Gebiet von Banja Luka und
holten 50 bis 200 dieser Wehrpflichtigen aus den
Vororten von Gornji Seher und Debeljaci, weil es
einem serbischen Regierungsvertreter zufolge "dort
zuviele Muslims gibt".

Am 7. November feuerten bosnische Serben 200
Salven aus Maschinengewehren, Mörsern und autoAMERIKA DIENST 49

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�26. Mai

Darüber hinaus wurden alle Haushalte in der Gegend
zur Aufnahme einer großen Zahl von Bewohnern aus
Eine 35jährige muslimische Frau, die in Tmopolje Kozarac gezwungen. Ihre Familie nahm 38 dieser
wohnte, lange bevor die Stadt zu zweifelhaftem Ruhm Flüchtlinge auf.
als Ort eines brutalen Intemierungslagers gelangte,
war am 26. Mai zugegen, als Tausende Kinder und Viele der Flüchtlinge, auch die in ihrem Haus, wurden
ältere Muslims aus der nahegelegenen Stadt Kozarac schließlich in Güterwaggons - rund 100 pro Waggon nach deren Zerstörung durch serbische Artillerie auf in weiter entfernt gelegene Einrichtungen abtransporLastwagen und Traktoren verladen wurden. Die neu- tiert. Am 8. Juli kamen Soldaten ins Haus und erklärangekommenen Flüchtlinge wurden auf dem Gelände ten, das gesamte Dorf werde "ethnisch gesäubert".
der örtlichen Grundschule untergebracht.
Sie und ihre Familie wurden gezwungen, ihr Haus zu
verlassen. Drei Tage später wurden sie und ihre
Der muslimischen Frau und anderen Bewohnern der Kinder zusammen mit anderen in einen Bahnwaggon
Stadt wurde gestattet, ihnen Lebensmittel durch den gepfercht und in der Nähe eines von Muslims kontrolum das Gelände errichteten Zaun zu reichen. Wäh- lierten Gebiets zum Aussteigen gezwungen, von wo
rend der ersten fünf Tage waren es die einzigen sie ihre Flucht ins Ausland antraten.
Lebensmittel, die die Neuankömmlinge erhielten.
* * * *

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*

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�US-AUSSEN

POLITIK
9. Dezember 1992

CLINTONS GRUNDKONZEPTE BEREITS
DEUTLICH SICHTBAR
Rede von Botschafter Seitz
LEEDS - (AD) - Der gewählte Präsident Clinton "hat bereits mehrere Grundkonzepte seiner künftigen
Administration verdeutlicht", erklärte der amerikanische Botschafter im Vereinigten Königreich, Raymond G. H.
Seitz, am 30. November 1992 bei einem Vortrag in Leeds.
"Als wichtigste Priorität betrachtet er rasche Impulse für unsere Wirtschaft sowie eine längerfristige Strategie zur
Behebung unserer eher strukturellen wirtschaftlichen Mängel", stellte Seitz fest.
Ein weiteres Konzept gehe davon aus, "daß die Kreativität und Sicherheit unserer Demokratie unauflöslich mit
dem Schicksal der Demokratie im Ausland verbunden ist", während das dritte Konzept dem Botschafter zufolge
darin besteht, "daß im Inland vielleicht die Betonung auf Wandel gelegt wird, im Ausland jedoch auf Kontinuität.
Die grundlegenden Interessen eines Landes verändern sich nicht mit der jeweiligen politischen Jahreszeit."
Der Präsident "hat ferner verdeutlicht, daß er keine Zeit für eine neoisolationistische Alternative hat. Dies ist
einfach für einen amerikanischen Präsidenten keine realistische Option", erklärte Seitz.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Botschafter Seitz im Wortlaut.
Ich freue mich, diese Montague-Burton-Gedächtnisvorlesung in Leeds 50 Jahre nach der Antrittsrede
meines Vorgängers John Winant halten zu können.
Ich mag Symmetrie.

Armee, die über vier Jahrzehnte lang im Zentrum
Europas gestanden hatte, strömte plötzlich zurück in
ihr weit entferntes Heimatland. Ohne diesen Stützpfeiler fiel die Berliner Mauer. Weder Tumult noch Haß
folgten, als sich Deutschland in voller Souveränität
Überall im England dieses Jahres 1992 sind Men- vereinigte. Die alte Spaltung Europas war ausgelöscht
schen von beiden Seiten des Atlantiks bei Wiederse- und neues Licht erhellte die Düsternis Osteuropas.
henstreffen und Gedenkfeiern zusammengekommen, Unterjochte Staaten verspürten die Freude der lange
um den 50. Jahrestag der Ankunft der ersten amerika- verzögerten Freiheit.
nischen Truppen in diesem belagerten Land zu begehen. Tausende und Abertausende folgten, und so Die Europäische Gemeinschaft handelte ehrgeizige
begann ein großes und gemeinsames Unternehmen Pläne aus, um die Integration ihrer Mitgliedstaaten zu
unserer beiden Nationen, zu nächst die große Schlacht stärken. All die degenerierten Strukturen der alten
zu gewinnen und dann deren Vermächtnis, den langen Sowjetunion brachen zusammen, und viele etablierte
Frieden, zu bewahren.
Institutionen des Westens dehnten als institutionelle
Sicherheitsnetze auf die eine oder andere Weise ihre
In seinem Vortrag machte sich Winant Gedanken Tätigkeit nach Osten aus. Die Vereinigten Staaten
darüber, wie seine Welt der Kriegszeit in solche Dun- schlössen zwei Abkommen mit Moskau, die Europa
kelheit gestürzt worden sei, was er als diese "Revolte praktisch denuklearisierten und das atomare Armaggegen die Zivilisation" in einer "Welt verringerter Hoff- gedon in das Alte Testament der Weltpolitik verbannnungen" bezeichnete. Er war der Meinung, die Welt ten.
selbst sei aufgrund von Zynismus und Vernachlässigung gescheitert, hoffte jedoch, der Krieg sei ein Darüber hinaus endeten schwelende Bürgerkriege,
Vorspiel zur Erlösung. Einige seiner Anliegen sind es die in einer Welt der Rivalität zwischen den Superwert, heute erneut betrachtet zu werden.
mächten überleben konnten, mit politischen - wenn
auch unsicheren - Regelungen in Afghanistan und
Vor nicht viel mehr als einem Jahr strotzte die westli- Angola, Kambodscha und Mittelamerika. Der Sicherche Welt vor Erfolg in ihren gemeinsamen Unterneh- heitsrat der Vereinten Nationen erhielt einen neuen
mungen. Eine massive und bedrohliche sowjetische
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�Charakter als Friedensbewahrer, Schlichter und Legitimitätsträger. Und als der Irak aus den Wüsten des
Nahen Ostens zuschlug und sich einen kleinen Nachbarstaat gewaltsam einverleibte, erklärte die internationale Staatengemeinschaft, daß diese Art von Verhalten nicht toleriert werden könne und keinen Bestand haben werde. Sodann sammelte eine Koalition
von westlichen und arabischen Staaten unter der
Schirmherrschaft der Vereinten Nationen ihre Streitkräfte, um den Aggressor zu vertreiben. Im Sog dieser
großen Ereignisse setzten sich Palästinenser und
Juden zusammen, um miteinander zu sprechen.

über nationale und internationale Ziele zu sprechen,
und ein gemeinsames Vokabular zur Beschreibung
unserer kollektiven Rolle in dieser neuen Welt muß
noch entwickelt werden. Ferner sind wir auch noch
nicht in der Lage, die neuen Ziele und die neuen
Grenzen unserer gemeinsamen Institutionen zu artikulieren.
Schließlich sind diese ihrem Charakter nach internationalen und demokratischen Institutionen eines der
Unterscheidungsmerkmale unseres Zeitalters. Trotzdem scheinen wir gerade in dem Moment, in dem wir
uns auf ihre Lebens- und Anpassungsfähigkeit stützen
sollten, ins Stocken zu geraten. Gerade im Augenblick
unseres Erfolges scheint der Westen jetzt unter einer
Art institutioneller Melancholie zu leiden.

Beim Londoner Weltwirtschaftsgipfel vor gerade 16
Monaten untersuchten unsere verantwortlichen Politiker diese aussichtsreiche Lage und verliehen ihrer
Zuversicht Ausdruck, daß die wirtschaftliche Verzweiflung, die den Großteil der Welt erfaßt hatte, bald Wenn man nur die Staaten betrachtet, aus denen die
weichen und ein neues Regime des internationalen Gruppe der Sieben besteht, kann man ein Gefühl
Handels und verstärkter finanzieller Stabilität einleiten umfassender institutioneller Funktionsstörung ausmawerde, das uns bald in ein Zeitalter beispiellosen chen.
Wohlstandes führen würde.
In Japan hat die erdrückende Dominanz der LiberaldeWelch erstaunliche Welt zog da an unseren Augen mokratischen Partei zu einer in Fraktionen gespaltenen Regierung geführt, wobei ein politischer Entscheivorüber.
dungsträger nach dem anderen in einem Verwirrspiel
Es war bemerkenswert, vielleicht sogar einmalig, daß von Skandalen oder Korruption von der Bühne tausolch ein tiefgreifender, grundlegender Wandel ohne melt. Zum ersten Mal in seiner langen Nachkriegsgedie Heraufbeschwörung eines Krieges errungen wer- schichte unterliegt das japanische Wirtschaftswunder
den konnte. Europa hatte sich selten - wenn überhaupt schweren Erschütterungen. Vor einem Monat veröf- ohne einen militärischen Konflikt so grundsätzlich fentlichte ein aktiver Offizier der Japanischen Selbstneu konstituiert. Unter all den dramatischen Merkma- verteidigungsbehörde, wie die Armee dort bezeichnet
len dieses historischen Zeitabschnitts war seine Fried- wird, einen Artikel in einem renommierten Magazin, in
lichkeit vielleicht das bemerkenswerteste. Die Struk- dem er die Meinung vertrat, ein Staatsstreich sei die
turen der Spaltung, der Aggression und Unterdrük- einzige Lösung für die demokratische Krise Japans.
kung wurden hinweggefegt. Ohne vorhergehende Das ist ein absurder Vorschlag - und wird auch in Japan
Zerstörung erhielten wir eine Chance für die Zukunft. so eingeschätzt -, aber wenn ein einzelner isolierter
Offizier unter solchen Umständen einen solchen
Heute sind wir vielleicht ernüchterter als in jenen Gedanken auch nur äußert, ist dies ein Schock.
berauschenden Tagen. Wir haben gesehen, daß auf
Veränderungen nicht automatisch Ordnung folgt und Vor einem Monat stimmten die Kanadier in allen zehn
die bloße Niederlage des Kommunismus nicht aus- Provinzen mit überwältigender Mehrheit gegen ein
reicht. Warum sollten wir auch annehmen, daß sich Referendum, das von der Bundesregierung und allen
unsere Generation von allen vorhergehenden unter- Provinzregierungen unterstützt worden war und als
scheidet, daß wir auf irgend eine Weise klüger und neuester und vielleicht letzter Versuch galt, die Verfasweniger anfällig für Fehleinschätzungen und Torheiten sungsspannungen in diesem großen Land beizulegen.
sind oder auf irgend eine Weise freier von den Leiden- Aber die vorgeschlagene Lösung wurde kategorisch
schaften und Vorurteilen, die so häufig den Glanz abgelehnt. Im großen und ganzen besteht dieser Zwist
Europas erstickt haben? Sich vorzustellen, eine über Binationalität und Zweisprachigkeit in Kanada
Generation könne sich innerhalb ihrer Grenzen von bereits seit langer Zeit. Neu ist die Unfähigkeit seiner
der Vergangenheit emanzipieren, wäre eine gefährli- staatlichen und verfassungsmäßigen Institutionen,
che Einbildung, die wir uns kaum leisten können.
akzeptable Alternativen zu entwickeln, und das gescheiterte Referendum hat eine unheilverkündende
Es ist eine Ironie, daß der Erfolg langer gemeinsamer Kluft zwischen Gewählten und Wählern gezeigt.
Bemühungen nun zu einer Erschütterung des Vertrauens gerade in die Institutionen geführt hat, die uns Die Vereinigten Staaten leiden nicht unter einer institudiesen Erfolg überhaupt beschert haben. Das Ende tionellen Krise von Regierung oder Verfassung. Aber
des Kalten Krieges kam so plötzlich und so umfas- unser Wahlprozeß, der zu Beginn dieses Monats
send, daß wir durch das entstandene Vakuum die endlich seinen Abschluß fand, enthüllte eine weitverOrientierung verlieren. Es ist für unsere politischen breitete Unzufriedenheit und Frustration im Hinblick
Entscheidungsträger heute wesentlich schwieriger, offen auf ein politisches System, das als unfähig angesehen

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�wurde, auf die Anliegen der Wähler einzugehen. Es
bestand ein greifbares Mißtrauen gegenüber dem
politischen Establishment als Ganzem, und so konnte
eine Figur wie Ross Perot schlicht behaupten, das
Land sei erledigt und funktioniere nicht mehr - eine
Botschaft, die sogar noch mehr Resonanz fand als
sein bereits hoher Stimmenanteil andeutet. Zum ersten Mal nach langer Zeit wurde es als Nachteil angesehen, ein Amt innezuhaben, und die Wähler hatten
offenkundig genug von institutionellen Kleinkriegen
und der augenscheinlichen Ineffektivität, die aus der
Tatsache herrührte, daß das Weiße Haus in den
Händen der einen Partei und der Kongreß in den
Händen der anderen war.
Und nun zu Europa.
In Deutschland kann man die enormen wirtschaftlichen, politischen und sozialen Belastungen kaum
überschätzen, die der deutschen Vereinigung so rasch
folgten. Niemand hat bisher das Ausmaß und die
tiefgreifenden Konsequenzen dessen so recht begriffen, was zweifellos die bedeutsamste Entwicklung in
der Nachkriegsgeschichte Europas darstellt. Sowohl
die jüngsten finanziellen Unruhen in Europa als auch
der ehrgeizige Charakter von Maastricht lassen sich
auf dieses grundlegende Ereignis zurückführen. Hier
besteht schließlich eine immense Macht inmitten des
europäischen Kontinents, dessen territoriale Grenzen
keine Tradition haben und dessen widersprüchliche
Geschichte sowohl Stolz als auch Schande enthält und
der in seine relativ neuen Strukturen eine völlig entfremdete Masse von 17 Millionen Menschen integrieren muß, die seit den dreißiger Jahren keinen Hauch
von Demokratie oder freiem Unternehmertum erlebt
haben. Und in dieses belastende Gemisch ergießt
sich nun ein wachsender Strom von Flüchtlingen, der
Ausschreitungen von Skinheads auslöst und beunruhigende Erinnerungen weckt. Europa erklärt Deutschland, daß die Flüchtlinge Deutschlands Problem sind,
und die deutschen politischen Parteien streiten über
die Änderung des Grundgesetzes, wenn diese so
offenkundig erforderlich ist.

Und zuletzt zu Großbritannien. Nachdem ich eine
Theorie entwickelt habe, wäre es verlockend, einige
verzerrte Reflexionen über das Vereinigte Königreich
anzustellen, damit sie mit akademischer Makellosigkeit in diese Argumentationskette hineinpassen. Man
muß jedoch Bemerkungen über Direktverwaltung und
den unbarmherzigen Eigensinn Nordirlands, die sporadische Unzufriedenheit Schottlands und die Schadenfreude der Sensationspresse über die königliche
Familie sowie die Qualen der Church of England außer
acht lassen. Dies sind schwierige Probleme, deren
Wurzeln jedoch unabhängig vom gegenwärtigen Kontext
bestehen. Die Institutionen und die etablierte Verfassung Großbritanniens funktionieren selbst unter schwierigen Bedingungen. Das ist vielleicht eine prosaische
Beobachtung, die es jedoch in schweren Zeiten wert
ist, gemacht zu werden.
Dieser Überblick von Staat zu Staat ist weder vollständig noch widerspruchsfrei, und das sollte er auch nicht
sein. Man muß jeder Theorie mit Mißtrauen begegnen,
die versucht, alles miteinander zu verbinden. Es sollte
jedoch festgestellt werden, daß die Unzufriedenheit
und Desillusionierung in all diesen Ländern in gewissem Maß eine Erschütterung des Vertrauens in die
etablierten verfassungsmäßigen oder institutionellen
Prozesse und herkömmlichen Handlungsweisen darstellen.
Was auf nationaler Ebene demonstriert werden kann,
ist im internationalen Rahmen noch offenkundiger.
Die G-7 selbst, die als informelles Forum zur Erarbeitung breiter Leitlinien für unser wirtschaftliches Wohlergehen gedacht war, hat ihre Geschlossenheit vermissen lassen. Obwohl unsere Konjunkturflaute offensichtlich ist, scheint wenig internationale Koordination zu bestehen, um die Hauptprobleme zu behandeln, wobei zum Beispiel die Deutschen die Zinsen in
die Höhe treiben und die Amerikaner ihre senken,
während andere Währungen praktisch zwischen diesen zwei Stühlen sitzen. Wirtschaftsgipfel sind zu
extravaganten Phototerminen geworden, die inhaltsleere Kommuniques hervorbringen.

Selbst wenn man die erschreckende Mißwirtschaft in
Italien, diesem so talentierten Land, außer acht läßt,
stellen dort die zersetzende Herausforderung durch
die Mafia im Süden sowie der Aufstieg der Lombardischen Liga im Norden nicht nur die Autorität der
Regierung, sondern auch das Konzept der Staatlichkeit an sich in Frage.

Die Verwundbarkeit des EWS trat im August und
September und erneut in diesem Monat zutage, als
offenkundig wurde, daß die meisten nationalen Regierungen der Aufgabe nicht gewachsen sind, halbfeste
Wechselkurse angesichts des modernen Phänomens
verzögerungsloser Währungsspekulationen zu verteidigen, die leicht eine Billion Dollar täglich übersteigen
Auch Frankreich ist Mitglied dieses wankenden Clubs. können.
Die lähmenden Auswirkungen von Bauern auf den
Barrikaden, die vor dem Maastricht-Referendum zum Darüber hinaus standen wir diesen Monat am Rand
Ausdruck gebrachten Phobien, die beunruhigende einer Krise im internationalen Handelssystem, das seit
Anziehungskraft von Jean-Marie Le Pen und die Aus- dem Inkrafttreten des Allgemeinen Zoll- und Handelssicht auf eine schwierige Regierung der"Cohabitation" abkommens nach dem Krieg so viel zum Wohlstand
im nächsten Frühjahr deuten zusammengenommen beigetragen hat. Über diesen Zeitraum hinweg haben
auf ein Charakteristikum hin, das dem Gallier eigent- sich in dem System jedoch ernsthafte Verzerrungen
entwickelt, insbesondere in der Landwirtschaft, und
lich völlig fremd ist: Selbstzweifel.
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�die bestehenden Spielregeln haben den am schnellsten wachsenden Teil des internationalen Handels
nicht erfaßt, insbesondere im Dienstleistungsbereich.
Die Uruguay-Runde von Verhandlungen sollte diese
Probleme korrigieren, und es wurden große Fortschritte erzielt. Heute befinden wir uns jedoch an einem
Punkt, wo die gesamte Wirtschaft zusammenbrechen
könnte, wenn die Unterhändler ihre Differenzen nicht
bald beilegen. Die Chance zu einer Ausweitung des
Handels könnte vertan werden, und - schlimmer noch
- das Scheitern der Uruguay-Runde würde sicherlich
zu verstärkten nationalistischen Vergeltungsmaßnahmen im Handel sowie zu Protektionismus und Bilateralismus führen. Damit wäre die Integrität des internationalen Systems selbst gefährdet.
Europa ist der am meisten institutionalisierte Kontinent
- angesichts seiner Geschichte eine begrüßenswerte
Entwicklung. Aber auch hier sehen wir, wie Institutionen in gewisser Weise aus den Fugen geraten. Der
Maastrichter Vertrag folgt weiterhin einem gefahrvollen Kurs der Referenden und Ratifizierungen, und
obwohl ihm wahrscheinlich doch Erfolg beschieden
sein wird, hat der Prozeß die Skepsis der europäischen Öffentlichkeit im Hinblick auf Richtung und
Voraussetzungen der europäischen Strukturen offengelegt.
Dieser europäische Kontinent ist voller Sicherheitsstrukturen und -plane - NATO, Westeuropäische Union,
KSZE, deutsch-französisches Korps -, aber trotzdem
sind wir alle mehr oder weniger verwirrt von der tückischen Brutalität des Zerfalls Jugoslawiens, und wir
besitzen auch keine klare Vorstellung davon, wie wir
auf andere lauernde Gefahren ethnischer Konflikte
reagieren sollen.

Was geschah mit dem gestern noch existierenden
Vertrauen?
Unser kollektiver Kater war nach den Strapazen des
Kalten Krieges und dem Überschwang nach seinem
Ende wahrscheinlich unvermeidbar. Mit einem Gegner waren wir besser in der Lage, unsere Werte,
unsere Ziele und unser moralisches Zentrum zu definieren. Es war eine Zeit großer Ereignisse, die mit
großartigen Strategien verbunden waren, und als diese Zeit vorüber war, bot das kurzlebige Konzept vom
Ende der Geschichte eine Verlockung. Die sonnigen
Höhen lockten. Aber natürlich geht die Geschichte
nicht zu Ende, und die Höhen unterliegen ebenso
vielen meteorologischen Schwankungen wie das Tiefland.
Wir entdecken, daß Frieden nicht der natürlichen
Ordnung entspricht, sondern statt dessen einen Akt
des politischen Willens darstellt. Neue Herausforderungen treten auf - die sich kreuzenden Ströme von
Flüchtlingen und Vertriebenen, die zahlreichen Ausbrüche ethnischer Konflikte, die Verbreitung schrecklicher Waffen, die Verschlechterung der Umwelt sowie
der Zerfall von Souveränität - und intuitiv wissen wir,
daß wir neue Energie sammeln müssen. Trotzdem
sind die Strategien, die aus gemeinsamen Zielen
erwachsen sollten, noch nicht völlig hervorgetreten,
und diese sich entwickelnden Probleme passen auch
nicht reibungslos in unsere etablierten Institutionen.

Die verschwommene Qualität des aktuellen Geschehens wird durch einen konjunkturellen Einbruch noch
verschlimmert, der auf die eine oder andere Weise alle
unsere Länder zu betreffen scheint. Die Aussichten
auf reales und dauerhaftes Wachstum scheinen nicht
länger gewiß zu sein, und der Aufschwung scheint eine
langwierige Angelegenheit zu werden. BinnenwirtIch beabsichtige nicht, ein Bild vom Zustand des schaftliche Probleme erhalten neue Dringlichkeit, und
Westens zu malen, das nur in düsteren Farben schwelgt. die Politik wird rauher. Natürlich wenden sich die
Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwick- Staaten, da sie zunächst mit innenpolitischen Problelung, zum Beispiel, ist eine Institution, die mit neuen men beschäftigt sind, nach innen, und da ein gemeinMitteln für bestimmte Ziele ins Leben gerufen wurde. samer Rahmen fehlt, blicken die Staaten vorsichtiger
Die NATO erneuert ihre Organisation und ihren Auf- ins Ausland.
trag, und es gibt konkurrierende Visionen von der
Zukunft der Europäischen Gemeinschaft, wenn auch Ich beschreibe all dies aus dem Kontext heraus, denn
keinen Konsens.
in diese verwirrte Welt hinein haben die Amerikaner
nun einen neuen Präsidenten gewählt. Mr. Clinton
Bei den Vereinten Nationen herrscht ein neuer Geist geht im Januar mit 43 Prozent der Stimmen nach
der Zusammenarbeit, der häufig das ursprüngliche Washington, der geringsten Mehrheit in einem ViertelVersprechen der Charta widerspiegelt. Ebenso gilt jahrhundert und etwa dem gleichen Stimmenanteil,
jedoch, daß die UNO eine schwerfällige Organisation wie ihn die Tories hierzulande im April erzielten. Zwar
bleibt, der es an Mitteln und Autorität fehlt und die sind der Senat u nd das Repräsentantenhaus ebenfalls
bereits unter der Vielzahl der Anforderungen wankt.
in demokratischer Hand, aber nahezu ein Viertel des
Kongresses besteht aus neuen Gesichtern.
Obwohl die Beschreibung unausgewogen sein mag,
ist es meines Erachtens trotzdem angemessen, diese Der künftige Präsident wird ein Haushaltsdefizit von
Melancholie, die sich in unsere nationalen und interna- über 300 Milliarden Dollar und eine nationale Schuld
tionalen Angelegenheiten eingeschlichen hat sowie von rund vier Billionen Dollar erben. Er wird einer
die mit ihr einhergehenden institutionellen Funktions- Bevölkerung dienen, die wegen unserer sich häufenstörungen zu bemerken.
den Probleme - Bildungs- und Gesundheitswesen,
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�Infrastruktur und Verbrechen - ungeduldig ist, deren
Mehrheit sich bereits übermäßig besteuert fühlt und
deren Mittelschicht sieht, daß ihr reales mittleres Einkommen auf dem Stand von 1979 verharrt. Es ist ein
Land, das an seinem eigenen politischen Prozeß zweifelt
und nicht weiß, wie seine faire Rolle und Verantwortung in dieser neuen Welt aussehen sollte und das
unsicher ist, ob sein soziales Gefüge die konkurrierenden Forderungen und kulturellen Empfindlichkeiten
seiner vielfältigen Bevölkerung verkraften kann. Man
fragt sich in der Tat, warum jemand Präsident werden
möchte.
Trotz all dieser Beschränkungen und Herausforderungen besteht jedoch ein Gefühl, daß in unserer diesjährigen Wahl etwas Bedeutsames geschehen ist, daß
eine neue Generation in Amerika herangewachsen ist,
daß ein Wachwechsel stattfindet und der Aufstieg
dieser neuen Generation mit dem Beginn einer neuen
Ära zusammenfällt, die nach neuen Ideen und neuen
Maßnahmen verlangt. Dies ist es letztlich, was die
Amerikaner am Besten tun - alte Zweifel und vergangenen Pessimismus hinter sich zu lassen und sich statt
dessen zu regenerieren, neue Energien zu sammeln
und sich zu erneuern.

Der gewählte Präsident hat auch deutlich gemacht,
daß er keine Zeit für eine neoisolationistische Alternative hat. Dies ist einfach für einen amerikanischen
Präsidenten keine realistische Option. Beispielsweise
müssen die Vereinigten Staaten, solange Atomwaffen
existieren und ungeachtet der noch so günstigen
Umstände verbreitet werden, die Grundlagen für das
Überleben ihrer Nation sichern - das ist eine noch aus
dem Kalten Krieg stammende harte Realität.
In Europa werden die Vereinigten Staaten daher ihre
umfassenden Sicherheitsinteressen weiterverfolgen,
die seit der Zeit der Konflikte Mitte dieses Jahrhunderts
ihre Politik bestimmt haben.
Zunächst einmal impliziert dies eine aktive
Unterstützung für den Prozeß von Wandel und
Reformen in den Republiken der ehemaligen
Sowjetunion, insbesondere in Rußland. Sollte
die Reform dort scheitern, wird wieder ein dunkler Schatten auf unsere Welt fallen.
Gleichzeitig dürfen wir keine Mühe scheuen, um
den politischen und wirtschaftlichen Wandel in
Osteuropa sicherzustellen. Ein nur zum Teil
demokratisches Europa ist ein gefährliches
Europa.

Die Politik unserer Präsidenten hat in diesem gesamten Jahrhundert stets betont, daß Wandel für sich
Wir werden weiterhin den Prozeß der europäigenommen schon einen Wert darstellt - die Neue
schen Integration unterstützen, vorausgesetzt,
Freiheit, der New Deal, die Neue Grenze, die Neue
es ist ein offener Prozeß. Wir können nicht ein
Weltordnung und der von Clinton vorgeschlagene Neue
spezielles Rezept oder einen Zeitplan anbieten,
Bund. Unsere Kultur dreht sich wie unsere Musik um
und wir sollten dies auch nicht tun. Wir betrachdas "movin" on" (Nachvornegehen). Die Geschichte ist
ten die Europäische Gemeinschaft nicht als
dazu da, zu informieren und nicht, gefangenzuneheinziges Instrumentfürdie europäische Integramen. Eine Nation ist kein Opfer, und die Lage kann
tion. Wir wären bestürzt, wenn Europa wieder in
verbessert werden. Deshalb besteht Clintons erste
konkurrierende Nationalismen zurückfallen
Aufgabe darin, eine Erneuerung unseres Selbstverwürde.
trauens einzuleiten und dieselbe Energie und Entschlossenheit in unsere Beziehungen mit anderen Wir Amerikaner müssen unser Engagement bekräftieinzubringen.
gen, in europäischen Angelegenheiten eine aktive
Rolle zu spielen. Die Struktur und das Niveau unserer
Gouverneur Clinton hat bereits mehrere Grundkon- Truppenstationierung hier sollte mit dem Kongreß
zepte seiner künftigen Administration vorgestellt. entschieden und dann von der politischen TagesordErstens, daß die Fähigkeit der Vereinigten Staaten, nung genommen werden. Ich zweifle nicht daran, daß
auf internationaler Ebene eine führende Rolle zu spie- die andauernde Präsenz amerikanischer Truppen in
len, zunächst einmal von ihrer wirtschaftlichen Lebens- Europa für die Sicherheit des Kontinents und daher
fähigkeit im Inland anhängt. Als wichtigste Priorität auch für unsere eigene Sicherheit unabdingbar ist.
betrachtet er rasche Impulse für unsere Wirtschaft
sowie eine längerfristige Strategie zur Behebung unserer Unsere Tagesordnung geht weit über Europa hinaus.
eher strukturellen wirtschaftlichen Mängel. Zweitens, Die Aussicht auf ein Machtvakuum und einen Konflikt
daß die Kreativität und Sicherheit unserer Demokratie in Asien sind vielleicht noch besorgniserregender, und
unauflöslich mit dem Schicksal der Demokratie im Europa muß sich bewußt sein, daß die Vereinigten
Ausland verbunden ist. Wenn im Ausland die Demo- Staaten auch eine pazifische Macht sind. Die Kontukratie geschwächt wird, wird sie auch zu Hause ge- ren einer politischen Lösung im Nahen Osten, wo wir
schwächt. Drittens, daß im Inland vielleicht die Beto- so zwingende Interessen haben, werden gerade erst
nung auf Wandel gelegt wird, im Ausland jedoch auf erkennbar, aber ohne die Beteiligung Dritter sind FortKontinuität. Die grundlegenden Interessen eines Landes schritte praktisch unmöglich. Südafrika nähert sich
ändern sich nicht mit der jeweiligen politischen Jahres- schnellen Schrittes einer Lösung, eine Ordnung im
zeit.
umfassenden zentralasiatischen Komplex ist noch lange
nicht in Sicht und so weiter.

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�Die politische Tagesordnung ist wohlbekannt, aber Bill
Clinton hat auch deutlich gemacht, daß das traditionelle Sicherheitskonzept neu definiert und um eine wirtschaftliche Komponente erweitert werden muß, die
der Verteidigungskomponente angemessener ist. Diese
beiden Komponenten waren immergetrennt, aber eine
solche Teilung ist nicht länger vertretbar. Echte Sicherheit umfaßt beide, und die Stärke und Partnerschaft der einen Komponente beeinflußt unausweichlich die Lebensfähigkeit und Dauerhaftigkeit der anderen. An festgesetzten Regeln orientierter Handel und
an abgestimmten Zielen orientierte wirtschaftliche
Zusammenarbeit sind drängendere Erfordernisse im
Bereich der Sicherheit geworden.
Die Institutionen zur Regelung all dieser Angelegenheiten sind vorhanden: NATO, KSZE, G-7, GATT,
OECD, die Vereinten Nationen etc. Jede hat auf ihre
eigene Art ihren Wert bewiesen und jede verfügt auf
ihre eigene Art über die Flexibilität und Anpassungsfähigkeit, die Probleme einer neuen Ordnung zu bewältigen. Insofern als diese Institutionen nicht mehr richtig
funktionieren, reflektieren sie die weitverbreitete Teilnahmslosigkeit, die zur Zeit bei internationalen Angelegenheiten zu beobachten ist. Ich bin der Ansicht,
daß eine starke Führungsrolle Amerikas für fast all
diese Institutionen unerläßlich und die sicherste Garantie für friedlichen Wandel ist.
Wir leben in einer paradoxen Welt. Unsere Interessen
und Aktivitäten sind in ihrer Reichweite globaler und
weniger voneinander zu trennen als je zuvor, während
gleichzeitig lokale Konflikte und Instabilität eine neue
Intensität haben, die die bestehende Ordnung zu zersplittern und zerstören droht. Gemeinsame Ziele,
gemeinsame Strategien, gemeinsame Politik und
gemeinsame Energie müssen erneut unsere Institutionen erfüllen, nicht etwa, weil Gemeinsamkeit an sich
ein Vorzug ist, sondern weil man sich den internationalen Herausforderungen in unserem Jahrtausend per
definitionem nur gemeinsam stellen kann.

Noch eine Bemerkung zum Schluß. Unsere Welt im
nächsten Jahrhu ndert wird vielleicht einem erfahrenen
Historiker vertrauter sein als einem zufälligen Beobachter. Ohne die übergreifende bipolare Struktur einer
um zwei ideologisch motivierte Supermächte herum
organisierten Welt werden wir uns jetzt vielleicht in
einer Welt wiederfinden, in der die Staaten lediglich
den eigenen Vorteil suchen, in der sich die Schwachen
ducken und die Starken aufgrund ihrer Stärke ihre
Interessen geltend machen, einer Welt, in der engstirnige Tyrannen ihren wichtigtuerischen Ambitionen frönen
und die vier apokalyptischen Reiter sich frei bewegen
können, einer Welt, die von Intoleranz verpestet ist,
einer Welt der Drohungen und Klischees, in der es
keine Strafe und keine Belohnung gibt, weil wir alle mit
unserem eigenen kleinlichen Streben beschäftigt sind
und die Welt unaufmerksam und gleichgültig betrachten.
Das ist eine Welt des Mächtegleichgewichts, eine Welt
ohne Inspiration oder eine moralische Dimension.
Wir im Westen dürfen das meiner Meinung nach nicht
akzeptieren. Dadurch würde die Arbeit der letzten
fünfzig Jahre verhöhnt. Demokratie, Freiheit, Gerechtigkeit, Ehrlichkeit, Integrität und all die unantastbaren
Werte unserer Zivilisation können bestehen bleiben,
weil wir sie für gut und daher unteilbar halten.
Wenn man all die Schichten abschält, die historisch
gesehen die Beziehung zwischen dem Vereinigten
Königreich und den Vereinigten Staaten bereichert
haben, dann kommt man zum Kern - der moralischen
Tiefe. Sie ist elementarer Bestandteil all dessen, was
wir gemeinsam oder alleine in unseren jeweiligen
Verfassungen und Institutionen erreicht haben. Sie ist
nie gefeit vor dem Verfall, vor dem John Winant
warnte. Sie muß jeden Tag wieder ergänzt und
erneuert werden, am besten von allen statt im Alleingang. Es ist uns gelungen, über den großen Ozean
hinweg ein Gerüst für unser Gewissen zu schaffen,
und an diesem moralischen Rahmen müssen wir unser
Tun und Handeln in der Welt orientieren.

* * * * *

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�RASSENBEZIEHUNGEN
9. Dezember 1992

DIE BEKÄMPFUNG VON HASSVERBRECHEN
IN AMERIKA
von Michele St. George
In dem nachfolgenden Beitrag erörtert die Verfasserin Strafverfolgungs- und Erziehungsprogramme zur
Bekämpfung von "Haßverbrechen" in den Vereinigten Staaten, die auf kulturellen, ethnischen oder religiösen
Unterschieden basieren. Dazu führt die in Campo (Kalifornien) lebende freiberufliche Autorin einige Beispiele
an.
Eine neue Welle der Gewalt hat die Amerikaner schokkiert. Aufgrund des jüngsten Anstiegs der Zahl von
Übergriffen und Belästigungen, die sich gegen Menschen unterschiedlicher kultureller, ethnischer oder
religiöser Zugehörigkeit richteten, schrillten im ganzen
Land die Alarmglocken.

neuerung (Center for Democratic Renewal - CDR),
einer nationalen Clearingstelle für Informationen über
Haßverbrechen und Reaktionen darauf. "Wir benötigen eine umfassende Dokumentation von Haßverbrechen in jedem Bundesstaat der Vereinigten Staaten
und eine Aufstockung der Finanzmittel für das Bundesmeldegesetz für Haßverbrechen (Hate Crime
In der Erkenntnis, daß solche feindseligen Akte dem Statistics Act) sowie die Strafverfolgung und die poligesellschaftlichen Gefüge schweren Schaden zufü- zeiliche Ausbildung, damit Polizeibeamte mit den Opfern
gen, entwickeln Gruppen, die sich mit zwischenmen- von Haßverbrechen richtig umgehen. Wir benötigen
schlichen Beziehungen beschäftigen, Mittel, um dem eine Strafverschärfung auf Bundesstaatsebene für
vielfarbigen Geflecht der amerikanischen Gesellschaft solche Personen, die Haßverbrechen begehen", erein Muster der Toleranz hinzuzufügen. Soziologen läutert Levitas. "Wir benötigen mehr Geld und Pround Analytiker untersuchen Wege, um die effektive gramme im Bereich der Hilfe für Opfer. An vorderster
Funktion der Gesellschaft mit ihrer großen Vielfalt von Stelle benötigen wir jedoch ein auf junge Leute zugeRassen, Sprachen und Religionen, Kulturen und Lebens- schnittenes massives Bildungsprogramm, um zu verstilen zu gewährleisten, während Polizei und Justiz suchen, die negativen Tendenzen in der Einstellung
Ausbildungsmaßnahmen sowie die Strafverfolgung im anderen Rassen gegenüber umzukehren. Im ganzen
Hinblick auf die neue juristische Kategorie der Haßver- Land werden sehr innovative und wertvolle Maßnahbrechen intensivieren.
men getroffen, um darauf zu reagieren."
Haßverbrechen können Einschüchterungsversuche wie
etwa Eierwürfe, brennende Kreuze oder Hakenkreuzschmierereien sowie Gewaltakte wie Verprügeln und
Mord umfassen. Der Definition des US-Justizministeriums zufolge sind Haßverbrechen Straftaten, "in denen
Vorurteile aufgrund von Rasse, Religion, sexueller
Neigung oder ethnischer Zugehörigkeit beweiskräftig
zum Ausdruck kommen". Diese Verbrechen umfassen Mord, Totschlag und Vergewaltigung ebenso wie
"schwere Körperverletzung, einfache Körperverletzung,
Einschüchterung, Brandstiftung sowie Zerstörung,
Beschädigung oder Verwüstung von Vermögensgegenständen".

Die formalisierte Berichterstattung über Haßverbrechen hat mit der 1990 erfolgten Verabschiedung des
Bundesmeldegesetzes für Haßverbrechen durch den
Kongreß gerade erst begonnen. Das Justizministerium muß nun eine Jahresstatistik über Haßverbrechen führen, die es Gesetzgebern und Justizbehörden
gestattet, das Ausmaß des Problems einzuschätzen
und effektive Gegenmaßnahmen zu planen.

Alle Gruppen, die im letzten Jahrzehnt ethnische und
religiös motivierte Gewalt beobachtet haben, berichten von einer Zunahme dieser Aktivitäten in jüngster
Zeit. So gibt das Klanwatch Project des Southern
Poverty Law Center an, daß im Jahr 1991 eine Rekord"Fürdiese Verbrechen benötigen wireine Kombination zahl weißer rassistischer Gruppen aktiv war. Die Zahl
von Ansätzen", erklärt Daniel Levitas, geschäftsfüh- organisierter Haßgruppen wie der Ku-Klux -Klan und
render Direktor des Zentrums für Demokratische Er- neonazistische Gruppen, darunter Skinheads, stieg
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�sprunghaft von 273 im Jahr 1990 auf 346 im Jahr 1991,
ein Zuwachs um 27 Prozent. Klanwatch meldet darüber hinaus einen jährlichen Anstieg der Gesamtzahl
von Haßverbrechen von Mord bis zu brennenden
Kreuzen. So wurde von Klanwatch ein Anstieg der
durch Rassenhaß motivierten Morde von 20 im Jahr
1990 auf 25 im Jahr 1991 festgestellt. Im gleichen
Zeitraum stieg die Zahl der Kreuzbrände auf 101.
Dazu stellt der Leiter von Klanwatch, Danny Welch,
fest: "Haßgruppen leben von Streit und Gewalt. Obwohl
die meisten Haßverbrechen nicht von organisierten
weißen Rassisten begangen werden, füllen sich mit
der wachsenden Zahl von Gewalttaten auch die Reihen von Haßgruppen."
Der Antidiffamierungsliga (Anti-Defamation League ADL) von B'nai B'rith zufolge erreichte die Zahl antisemitischer Vorfälle in den Vereinigten Staaten 1991 den
neuen Rekordstand von 1.879, was einen 11prozentigen Anstieg und die höchste Zahl in den 13 Jahren
darstellt, in denen diese Statistik geführt wurde. Das
Antidiskriminierungskomitee der Amerikaner arabischer
Herkunft (American Arab Anti-Discrimination Committee - ADC) berichtet, daß sich die Zahl der Angriffe auf
Amerikaner arabischer Herkunft im Jahr 1991 gegenüber dem Vorjahr auf 119 verdreifachte, was hauptsächlich auf den Golfkrieg zurückgeführt wird. Gruppen von Amerikanern asiatischer Herkunft, darunter
das Komitee gegen antiasiatische Gewalt (Committee
Against Anti-Asian Violence) und die Liga amerikanischer Bürger japanischer Abstammung (Japanese
American Citizens League) haben ebenfalls über einen Anstieg der gegen Amerikaner aus Asien und von
den pazifischen Inseln gerichteten Verbrechen berichtet, der großenteils auf der sich verschärfenden wirtschaftlichen Lage und damit zusammenhängender
antiasiatischer Rhetorik beruht.

Ausmaß annimmt. Vielleicht niemals zuvor in der
Geschichte stand eine Gesellschaft im Hinblick auf
Heterogenität auf engstem Raum vor einer solchen
Herausforderung. Obwohl rund 80 Prozent der amerikanischen Bevölkerung weiß oder kaukasisch sind,
umfassen die grö ßten Städte des Landes das breiteste
Spektrum.
In Dade County (Florida) werden im viertgrößten
Schulbezirk des Landes Schüler aus 123 Ländern
unterrichtet. In New York hat eines von vier Kindern
unter 10 Jahren einen eingewanderten Elternteil, der
nicht Englisch spricht.
Los Angeles, das Jahr für Jahr über 300.000 Neubürger aufnimmt, wurde von Bürgermeister Tom Bradley
als "ethnisch vielfältigste Stadt der Welt" bezeichnet.
Noch vor zehn Jahren war Los Angeles weiß und im
großen und ganzen homogen. Heute sind 40 Prozent
der Bewohner lateinamerikanischer und 37 Prozent
angelsächsischer Herkunft, 23 Prozent sind Schwarze
oder Asiaten. Los Angeles hat die höchste Zahl von
Koreanern, Chinesen, Taiwanesen und Filipinos im
ganzen Land. In den Schulen der Stadt werden
nahezu 100 Sprachen gesprochen. Ein pakistanischer
Einwanderer nannte Los Angeles einmal "die erste
echte Weltstadt Amerikas".

Übervölkerte Städte führen zu Konkurrenz um die
verfügbaren Arbeitsplätze und Wohnungen. Haß gedeiht
in schweren Zeiten und veranlaßt Beobachter zu der
Furcht, in den Vereinigten Staaten könnte eine Periode
wachsender durch Haß verursachter Gewalt angebrochen sein. Susan Olzak, eine Soziologin von der
Stanford University, die Computer und mathematische
Modelle einsetzt, um die Dynamik der Rassenbeziehungen zu untersuchen, geht davon aus, daß ethnische Gewalt ansteckend ist. "Es könnte sein, daß
dieser Wettbewerbsdruck und diese Spannungen bis
Die nationale Arbeitsgruppe der Homosexuellen und zu einer gewissen Schwelle ansteigen, und wenn dann
Lesbierinnen (National Gay and Lesbian Task Force) in New York oder Cedar Rapids (Iowa) oder New
gibt an, daß gegen Homosexuelle gerichtete Vorfälle in Orleans ein Funken entzündet wird, werden im ganzen
städtischen Zentren der Vereinigten Staaten seit 1988 Land die Flammen auflodern", erklärt sie.
um 161 Prozent zugenommen haben. Allein in fünf
Großstädten wurden insgesamt 1.822 Vorfälle regi- Die Leiterin des Nationalen Instituts gegen Vorurteile
striert. "Es gibt eine gewalttätige Gegenreaktion ge- und Gewalt (National Institute against Prejudice and
gen Homosexuelle und Lesbierinnen", erklärt Levitas. Violence - NIAPV), Adele Terrell, ist der Meinung, daß
"Dafür gibt es eine Reihe von Faktoren, insbesondere Minderheiten und Einwanderer in wirtschaftlich schwiedie Hysterie im Hinblick auf AIDS sowie die Sichtbar- rigen Zeiten häufig als Sündenböcke herhalten müskeit der homosexuellen und lesbischen Gemeinde, da sen, da Arbeiter den Verlust ihrer Arbeitsplätze auf
sich diese Gruppen zunehmend organisieren und an Einwanderung und Gleichstellungsprogramme zurückführen. "Die historischen Ursachen der durch Haß
die Öffentlichkeit treten."
motivierten Gewalt sind dieselben wie die Ursachen
Das CDR geht davon aus, daß lediglich 10 Prozent der von heute", stellt sie fest. "Die demographischen
Haßverbrechen in den Vereinigten Staaten überhaupt Gegebenheiten verändern sich, und damit verändern
den Sicherheitsbehörden gemeldet werden. Vorfälle sich auch die Zielgruppen, aber die Ursachen bleiben
wie verbale Belästigungen oder Drohungen werden für die gleichen."
gewöhnlich überhaupt nicht angezeigt.
Olzak von der Stanford University bemerkt, daß EinDie Zunahme des Hasses findet in einer Zeit statt, in wanderer im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert
der die Vielfalt in den Großstädten ein einzigartiges zunächst häufig mit Gewalt konfrontiert waren. AsiaSeite2

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�tische Einwanderer waren ebenso wie Gruppen süd-,
ost- und mitteleuropäischer Einwanderer die Zielscheibe. "Die vielleicht schwächste Gruppe - diejenige, die
am wenigsten in der Lage ist, sich zu wehren - wird am
wahrscheinlichsten das Ziel von Aggression sein",
erläutert sie.

zusammen, um zu versuchen, Programme - etwa zur
Konfliktschlichtung - in den frühen Schulklassen einzuführen."

In Baltimore (Maryland) und mehreren anderen Großstädten werden Grundschulkinder als "Konfliktloser"
ausgebildet, die bei Auseinandersetzungen auf dem
"Meines Erachtens sollte das gesamte Phänomen der Spielplatz oder anderen Streitigkeiten unter Aufsicht
Haßverbrechen eigentlich in einen wesentlich umfas- Schlichtungssitzungen abhalten. "Konfliktschlichtung
senderen historischen und politischen Kontext einge- ist eine Sache des Lernens. Und dann hofft man, daß
ordnet werden", erklärt Levitas. "Dieses Problem ist sie in Gruppenkonflikten sowie später auch in anderen
darüber hinaus auch nicht auf die Vereinigten Staaten Konflikten angewandt wird", meint Terrell.
beschränkt. Wir stellen fest, daß dies in ganz Europa
und der ehemaligen Sowjetunion geschieht. Men- Margot Stern Strom, geschäftsführende Direktorin des
schen gehen einander an die Gurgel, und überall gibt Erziehungsprogramms "Der Geschichte und uns selbst
es Morde aufgrund von ethnischen Auseinanderset- entgegentreten" (Facing History and Ourselves) ist der
zungen sowie fiktiven Vorstellungen von rassischer Ansicht, daß die Schulbildung gegen das Haßvirus
vorbeugen kann. Ihr Schulbildungsprogramm in Los
oder ethnischer Überlegenheit."
Angeles über die Wurzeln von Rassismus und AntiseDas Zentrum für Demokratische Erneuerung berich- mitismus untersucht mit Hilfe von Ärzten, Juristen,
tet, die meisten Experten für durch Haß gegen be- Dichtem und Polizeibeamten Ausgangsmaterialien der
stimmte Gruppen motivierte Gewalt seien der Mei- Vorurteile wie beispielsweise Werbefilme des Ku Klux
nung, daß von Mitgliedern organisierter Haßgruppen Klans und Hitler-Propaganda, damit die Schüler die
wie des Ku-Klux-Klan relativ wenige Straftaten verübt Ursachen des Hasses verstehen. Wenn sie sich
würden, während die große Mehrzahl von auf eigene zusätzlich noch mit dem Leben wenig bekannter HelFaust handelnden Einzelpersonen, insbesondere jun- den aus schwierigen Zeiten befassen, lernen sie zu
gen Leuten, begangen werden. Viele dieser Personen würdigen, was der einzelne in der Gesellschaft erreifühlen sich durch die gewalttätige Rhetorik weißer chen kann, erklärt sie.
rassistischer Organisationen und das Versagen von
Entscheidungsträgern auf nationaler und Gemeinde- "Ein Zweig unserer Pädagogikabteilung hat das neue,
ebene, die sich nicht energisch genug gegen Haßgrup- wirksame Programm 'Erziehung zur Toleranz' (Teaching Tolerance) ins Leben gerufen, so Angie Lowry,
pen und Haßverbrechen aussprechen, ermutigt.
Programmdirektorin von Klanwatch. "Wir arbeiten
Prosecutor, eine Zeitschrift für Staatsanwälte, hat überwiegend mit weiterführenden Schulen, um die
berichtet, etwa die Hälfte der wegen Haßverbrechen Kinder schon frühzeitig zu erreichen und sie über die
Festgenommenen sei zwischen 16 und 25 Jahren alt. Unterschiede zwischen ihren Klassenkameraden zu
Die Verhaftungsunterlagen dokumentieren, daß 70 unterrichten."
Prozent der aufgrund von Vorurteilen gegen bestimmte Gruppen in den vergangenen zehn Jahren in New Die Antidiffamierungsliga unterstützt auch das ProYork begangenen Verbrechen von Jugendlichen unter gramm "Eine Welt der Unterschiede" (World of Difference), das die Bewußtmachung von Vorurteilen zum
20 verübt wurden.
Ziel hat und mehr als 100.000 Lehrer von Grund- und
Die Beteiligung Jugendlicher an Haßverbrechen weist weiterführenden Schulen, 20.000 Studenten und ProExperten zufolge frühzeitigen Erziehungsmaßnahmen fessoren an Colleges und Universitäten und mehr als
eine Schlüsselrolle zu, um die Saat des Hasses im 2.000 ehrenamtliche Jugendarbeiter erreichte.
Keim zu ersticken, bevor sie Wurzeln schlagen kann.
"'Eine Welt der Unterschiede' ist ein umfassendes
Terrell vom NIAPV gibt an, viele amerikanische Kinder Programm. Es erzieht zur Vielfalt", erklärt Myrna
wüchsen von direkten Kontakten mit unterschiedli- Shinbaum, Direktorin der Öffentlichkeitsabteilung der
chen Menschen isoliert auf. Aufgrund des Fehlens ADL. Sie stellt fest, daß die ADL nicht nur Antisemitisdirekter persönlicher Erfahrungen würden sie über mus, sondern allen Arten von Vorurteilen entgegenwirandere Gruppen durch Phantasiegeschichten, Witze, ken will. "Wir bei der ADL waren immer der Ansicht,
Klischees und die Medien erfahren.
daß die beste Möglichkeit, den Antisemitismus zu
bekämpfen und die amerikanischen Juden zu schüt"Wir arbeiten zur Zeit mit dem Gemeindekontaktdienst zen, in der Förderung der Demokratie in Amerika liegt",
(Community Relations Service) des US-Justizministe- äußert sie. "Wenn alle in Sicherheit leben, dann leben
riums zusammen", erklärt sie. "Wir veranstalten Aus- auch die Juden in Sicherheit. Wir denken nicht, daß
bildungsseminare, führen Untersuchungen und Kon- der Antisemitismus abgeschafft wird, aber wir wollen
sultationen an Colleges durch, die Lehrkörper, Verwal- das Leben eines jeden verbessern, existierende Vortungsfachleute, Studenten und bisweilen die umlie- urteile aufzeigen und ihnen so gut wie möglich entgegenden Gemeinden einbeziehen. Darüber hinaus genwirken."
arbeiten wir mit Lehrer- und Schulleiterverbänden
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Seite 3

�Das ADL-Programm "Eine Welt der Unterschiede"
wird auch am Arbeitsplatz, der raschem Wandel unterliegt, erfolgreich eingesetzt. Experten zufolge wird zur
Jahrhundertwende die Mehrheit der Arbeitskräfte aus
Frauen, Farbigen und anderen, nicht in die klischeehaften institutionellen Muster passenden Menschen
bestehen. Von den 25 Millionen Menschen, die im
Laufe der kommenden 12 Jahre eine Erwerbstätigkeit
aufnehmen , werden 85 Prozent Frauen, Angehörige
von Minderheiten und Immigranten sein. Im Hinblick
auf die Zukunft suchen Unternehmen und Regierungsbehörden nach Möglichkeiten, bei ihren Angestellten
Fähigkeiten zur Konfliktlösung und Verständnis für
Vielfalt zu entwickeln.
Laut Shinbaum haben mehr als 50.000 Angestellte
und Führungskräfte an dem Ausbildungsprogramm
"Eine Welt der Unterschiede" teilgenommen, und es
besteht ständige Nachfrage nach dem Programm.
"Wir können mit der großen Zahl von Nachfragen gar
nicht Schritt halten", erklärt sie.

ihr Verständnis untereinander gefördert wird und sie
ihre Unterschiede schätzen lernen. Im Balboa-Park
von San Diego wurde eine sogenannte "Freiheitsfeier"
mit Musik, Tänzen und Gerichten von Latein- und
Afroamerikanern, Laoten, Filipinos, Vietnamesen,
Kambodschanern, Chinesen, Indianern und Bewohnern der Pazifischen Inseln abgehalten. Patty Brooks,
die zu den Organisatoren der Veranstaltung gehörte,
erklärte: "Wir wollten Menschen mit verschiedenem
kulturellen Hintergrund und Erbe unsere Unterschiede
und Gemeinsamkeiten vor Augen führen."
Das Justizwesen ist ebenfalls für die Abschreckung
von Haßverbreitern von Bedeutung, soShinbaum. "Im
Bereich der Gesetzgebung haben wir beispielhafte
Gesetze gegen Haßverbrechen vorgelegt, die jetzt
von der Bundesregierung und den Bundesstaaten,
Städten und Gemeinden im ganzen Land erlassen
werden", hebt sie hervor.

Die Gruppe North Carolina gegen rassische und religiöse Gewalt (North Carolinians Against Racist and
Das Untemehmensprogramm umfaßt Präsentationen, Religious Violence - NCARRV), die landesweit als
Gruppendiskussionen und interaktive Gruppenübun- Modell im Kampf gegen die Aktivitäten weißer Rassigen, damit Vielfalt am Arbeitsplatz verständlich wird sten betrachtet wird, hilft den Opfern als Teil eines
und Freude bringen kann. Eine solcher Übungen ist laufenden Programms der Überwachung, Erziehung,
ein kurzer Wissenstest, bei dem die Teilnehmer inner- Organisation und Forschung. "Wir leiten Schulungshalb einer Minute je fünf Namen berühmter Männer, zentren für Rechtshilfe für Verbrechensopfer in den
Frauen, Schwarzer, Asiaten, gebürtiger Amerikaner, Gemeinden, die leicht Zielscheibe von Gruppen weiJuden, Homosexueller und verschiedener anderer ßer Rassisten werden können", bemerkt Linda WilKategorien niederschreiben müssen. Diese Übung liams, Gemeindepädagogin und Abteilungsleiterin. "Wir
zeigt die großen Wissenslücken der Teilnehmer über sagen den Menschen, welche Rechte sie haben, und
andere ethnische, sexuelle oder religiöse Gruppen was sie tun können, wenn etwas geschieht - beispielsweise beim Anzünden von Kreuzen -, welche rechtliauf.
chen Schritte unternommen werden und wie man mit
Ein leitender Angestellter kommentierte: "Bei diesem der Polizei zusammenarbeitet", erklärt sie.
Programm wurde niemandem die Schuld für etwas
gegeben. Es half uns zu verstehen, wie jeder bewußt In einem Bericht der NCARRV-Gruppe wird festgeoder unbewußt, abhängig von seinem Bewußtsein stellt, daß Maßnahmen der Bundesregierung und der
gegenüber anderen, seine Mitmenschen diskriminie- Gerichte zu Fortschritten beim Kampf gegen intoleren kann."
ranzbedingte Gewalt im Staat geführt haben. Im Jahr
1991 wurde ein Zusatzartikel zur Verfassung angeDie Gemeinde insgesamt anzusprechen ist eine ande- nommen, der es Richtern gestattet, bei ihren Urteilsre Möglichkeit, die Menschen über Intoleranz und ihre sprüchen rassische, religiöse oder ethnische EinschüchGefahren aufzuklären, behauptet Kelly Mitchell Clark, terung mit einzubeziehen. Ein weiteres neues Gesetz
die Hauptorganisatorin des Watchcare-Netzwerkes bezeichnet "ethnische Einschüchterung" als ein Vervon The Women's Project, einer Gruppe von Aktivi- brechen.
sten, die die Allgemeinheit in die Vorbeugung gegen
Haßverbrechen einbeziehen will. "Wir ermuntern die Beobachter fürchten, die strafrechtliche Verfolgung
Menschen zu so unterschiedlichen Aktionen wie dem von Haßverbrechen habe vielleicht einen Rückschlag
Schreiben von Leserbriefen, der Teilnahme an öffent- erlitten, als in einer Entscheidung des Obersten Bunlichen Protesten auf den Hauptstraßen oder einem desgerichts (R.A.V. ./. St. Paul, 1992) die RechtsgülAnti-Rassismus-Sonntag, an dem Prediger aus ihrer tigkeit eines Erlasses aus St. Paul (Minnesota), der
Gemeinde sich gegen Intoleranz aussprechen", sagt das Anzünden von Kreuzen als ein Haßverbrechen besie. Die jeweilige Gemeinde bestimmt, was getan zeichnete, aufgehoben wurde.
werden soll. Manchmal werden Pressekonferenzen
gegeben oder die Rede eines weißen Rassisten wird Der Erlaß von St. Paul zu vorurteilsbedingten Verbrechen verbietet die Zurschaustellung eines Symbols,
gestört."
das bekanntlich "Ärger, Aufruhr oder Ressentiments
Einige Gemeinden unterstützen multikulturelle Feste, aufgrund von Rasse, Hautfarbe, Glauben, Religion
um verschiedene Gruppen zusammenzubringen, damit oder Geschlecht weckt". Das Oberste Bundesgericht
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�entschied, daß der Erlaß selektiv die Redefreiheit auf
der Grundlage des Inhalts der Äußerung unterband,
was eine Verletzung der im Ersten Zusatzartikel zur
Verfassung dargelegten Rechte sei.
Mitglieder des Ku-Klux-Klans und neonazistischer
Gruppen durften immer schon aufgrund der im Ersten
Zusatzartikel zur amerikanischen Verfassung enthaltenen Redefreiheit und des Rechts auf friedliche Versammlung Märsche abhalten oder Schriften veröffentlichen. Jedoch ist solchen Gruppen die Anstiftung zur
Gewalt verboten.

bestimmte Klasse geschützter Personen spezifizieren
und Strafen für vorurteilsbedingte Verbrechen vorsehen, werden das nicht überleben."
Levitas vertritt die Ansicht, daß diese richterliche Entscheidung "dem Erlaß neuer Gesetze Einhalt gebieten
wird, denn nur sehr wenige Menschen werden neue
Gesetze schreiben. Dem Obersten Bundesgericht
werden zahlreiche neue Fälle vorgelegt werden."

Zivilprozesse werden manchmal anstelle von strafrechtlicher Verfolgung als juristisches Heilmittel gegen
das KrebsgeschwürderHaßverbrechen eingesetzt. In
Obszönität, Diffamierung und "Kampfwörter sind nicht North Carolina ermöglicht ein neuer Zusatzartikel es
vom Ersten Zusatzartikel geschützte Kategorien von der Kommission für zwischenmenschliche BeziehunÄußerungen. "Kampfwörter" werden als beleidigende gen (Human Rotations Commission), im Namen der
und zur Gewalt anstiftende Äu ßerungen definiert. Das Opfer rassischer, religiöser oder ethnischer EinschüchOberste Bundesgericht entschied im Fall St. Paul, daß terung einen Zivilprozeß anzustrengen. Das Southern
die Bundesstaaten den Gebrauch von "Kampfwörtern" Poverty Law Center half den Opfern von Haßverbregesetzlich regeln dürfen, jedoch nicht aufgrund der chen auch, indem es Millionen von Dollar teure Zivilprozesse im Namen der Opfer führte und gewann. Die
darin enthaltenen Botschaft.
Bereitschaft der Jury, den Opfern von Ungerechtigkeit
Obwohl einige Strafverfolgungsbehörden und Bürger- hohe Schadensersatzsummen zuzubilligen, hat zur
rechtsvereinigungen in anderen Bundesstaaten der Auflösung einiger Gruppen von Ku-Klux-Klan-AnhänAnsicht sind, daß ihre eigenen Gesetze über Haßver- gern oder Neonazis geführt, denen aufgrund der hobrechen aufgrund unterschiedlicher Formulierungen hen Kosten der Wiedergutmachung das Geld für ihre
nicht von der Entscheidung des Obersten Bundesge- Aktivitäten ausgegangen ist.
richts betroffen sind, sind andere wiederum beunruhigt. "Man weiß es noch nicht, aber ich bin der Ansicht, Das vielfältige Mosaik der amerikanischen Geselldaß die Auswirkungen letztlich verheerend sein wer- schaft stellt für die Nation eine ständige Herausfordeden", so Levitas vom CDR. "Gesetze der Bundesstaa- rung dar, insbesondere in den Innenstädten, wo Toleten, die Schutz vor einem Verstoß gegen die Bürger- ranz in Zukunft lebenswichtig sein wird. Obwohl die
oder Verfassungsrechte bieten, werden wahrschein- Zahl derjenigen, die Haßverbrechen begehen, verhältlich überleben", vermutet er, "aber Gesetze, die eine nismäßig klein ist, wächst die Zahl der Friedensstifter
und Erzieher.
* *

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                <text>&lt;strong&gt;1. Somalia&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Starke amerikanische Streitmacht nach Somalia entsandt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Fernsehansprache von Präsident Bush&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Clinton unterstützt Bushs Entscheidung zu Somalia&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des gewählten Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Operation Restore Hope&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Übersicht des US-Außenministeriums&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. GATT&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wie die USA und Europa das GATT-Agrarabkommen erzielten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Dobbins&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Menschenrechte&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Serbische Führung für Menschenrechtsverletzungen verantwortlich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung von Botschafter Abram&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Weitere Gräueltaten im ehemaligen Jugoslawien dokumentiert&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Vierter US-Bericht für Vereinte Nationen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Außenpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clintons Grundkonzepte bereits deutlich sichtbar&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Seitz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Rassenbeziehungen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Bekämpfung von Hassverbrechen in Amerika&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Michele St. George&lt;/em&gt;</text>
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dienet

U.S. Information Service
Embassy ofibg Uni ted States of America
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16. Dezember 1992

50

5300
KSZE

EAGLEBURGER FORDERT ENERGISCHERE
MASSNAHMEN IM EHEMALIGEN
JUGOSLAWIEN
Rede bei KSZE-Außenministertreffen

MENSCHENRECHTE

BUSH: IM BEREICH MENSCHENRECHTE
BLEIBT NOCH VIEL ZU TUN
Proklamation des Präsidenten
MENSCHENRECHTSPOLITIK MUSS
IDEALISMUS UND REALITÄT VERBINDEN
von Paul Wolfowitz
ENGAGEMENT FÜR MENSCHENRECHTE
SCHWERPUNKT DER BEMÜHUNGEN
IN SOMALIA
Rede von Staatssekretär Kanter

SERBIEN

KOSTEN DER SERBISCHEN UND
MONTENEGRINISCHEN POLITIK
EXTREM HOCH
Ansprache von Robert Rackmales

PORTRÄT

LANGJÄHRIGER PERSÖNLICHER FREUND
ALS CLINTONS STABSCHEF
Thomas F. "Mack" McLarty
BENTSEN ALS FINANZMINISTER
NOMINIERT
Langjähriges Senatsmitglied hat
starke wirtschaftliche Interessen

bitte wenden
Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�PORTRÄT

CLINTON ERNENNT PARTEIVORSITZENDEN
DER DEMOKRATEN ZUM HANDELSMINISTER
Porträt von Ron Brown
DESIGNIERTER ARBEITSMINISTER LEGT
BETONUNG AUF AUS- UND FORTBILDUNG
Porträt von Robert Reich
CLINTON SIEHT HERAUSFORDERUNGEN
FÜR DESIGNIERTE GESUNDHEITSMINISTERIN
Porträt von Donna Shalala
PANETTA ZUM DIREKTOR DER HAUSHALTSBEHÖRDE ERNANNT
Renommierter Experte im Kongreß
CLINTON BERUFT HANDELSEXPERTIN ALS
WICHTIGSTE WIRTSCHAFTSBERATERIN
Erste Frau als Vorsitzende des Rats
der Wirtschaftsberater
RUBIN IN WIRTSCHAFT UND POLITIK
GLEICHERMASSEN ERFAHREN
Wirtschaftsberater Robert Rubin
UMWELTSCHUTZGRUPPEN BEGRÜSSEN
BROWNERS NOMINIERUNG
Clinton ernennt Leiterin des EPA

�KSZE
16. Dezember 1992

EAGLEBURGER FORDERT ENERGISCHERE
MASSNAHMEN IM EHEMALIGEN JUGOSLAWIEN
Rede bei KSZE-Außenministertreffen
STOCKHOLM - (AD) - US-Außenminister Eagleburger hat erklärt, die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) müsse "energischere Maßnahmen beschließen, um zu beginnen, eine unerträgliche Situation" im ehemaligen Jugoslawien "zu revidieren".
Beim Treffen des KSZE-Ministerrats in Stockholm stellte Eagleburger am 14. Dezember 1992 fest, eine mögliche
Maßnahme sei es, Personen, die Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen haben, namentlich zu
identifizieren und zu gewährleisten, daß sie persönlich zur Verantwortung gezogen werden.
Im Hinblick auf die ehemalige Sowjetunion müsse die KSZE "eine effektivere Rolle dabei spielen, durch
Überwachung der Wahrung der Menschen- und Minderheitenrechte... die aktuellen und potentiellen ethnischen
Konflikte zu behandeln".
"Nur, wenn wir den Willen aufbringen, unser neues ungeteiltes und freies Europa sowohl einzeln als auch kollektiv
zu verteidigen", erklärte Eagleburger, "können wir sicherstellen, daß die Demokratie sich gegen Aufruhr als
kennzeichnendes Merkmal des Zeitalters nach dem Kalten Krieg durchsetzen wird."
Nachfolgend veröffentlichen wir Eagleburgers Rede im Wortlaut.

Wir kommen heute hier in Stockholm zusammen,
nachdem wir die Schwelle zu einem neuen Zeitalter
bereits längst überschritten haben. Bisher hat dieses
neue Zeitalter noch keinen Namen. Wir beschreiben
es vorläufig lediglich als Negation dessen, was ihm
vorausging - als Zeitalter nach dem Kalten Krieg.
Ironischerweise sind wir, die den Namen nicht kennen
können, den die Geschichte dieser Zeit einmal geben
wird, diejenigen, deren Handlungen seine spätere
Bezeichnung am meisten bestimmen werden. In der
Tat liegt es in unserer Macht, zu entscheiden, ob die
Historiker dies als ein Zeitalter der Demokratie oder als
Zeitalter des Aufruhrs bezeichnen werden.

daß wir uns in einer Übergangsphase zwischen einer
alten Ordnung befinden, die tot oder im Sterben begriffen ist, und einer neuen, die noch in den Geburtswehen
liegt.

Glücklicherweise hat die internationale Staatengemeinschaft zumindest die Entschlossenheit bewiesen, für
eine zivilisiertere Weltordnung zu handeln, als sie mit
den Notlagen in Kuwait und Somalia konfrontiert wurde. Die bedeutsamere und vor allem schwieriger zu
bewältigende Herausforderung, der wir uns noch stellen müssen, ist die Notwendigkeit, neue internationale
Strukturen zu entwickeln, um die weltweiten Veränderungen in dieser neuen Ära zu bewältigen. Kurzum:
Mit dem Niedergang des Kommunismus ist zumindest Dies ist eine Zeit für den Aufbau von Institutionen, die
klar, wo die Bestrebungen der Menschheit liegen: Sie der Periode nicht unähnlich ist, die unmittelbar auf den
sind allgemein auf die Freiheit und damit auf die Zweiten Weltkrieg folgte.
Demokratie gerichtet. Ebenso klar ist jedoch, daß der
Zusammenbruch des statischen internationalen Sy- Während jedoch die Nachkriegsinstitutionen über Jahre
stems des Kalten Krieges eine weltweite Dynamik des - sogar Jahrzehnte - hinweg entwickelt wurden, zeigt
Wandels freigesetzt hat, die - ungezügelt - diese das anhaltende Gemetzel im ehemaligen JugoslaBestrebungen überwältigen und auf lange Sicht Insta- wien , da ß wir den Luxu s von Zeit nicht besitzen und wir
bilität androhen könnte. Die irakische Besetzung in der Tat das Rennen gegen die Zeit, die Kräfte des
Kuwaits, der Hunger in Somalia und "ethnische Säube- Hasses und des Zerfalls verlieren könnten, die die
rungen" auf dem Balkan verdeutlichen die Tatsache, neue demokratische Ordnung in Europa bedrohen.

AMERIKA DIENST 50

Seite 1

�Jugoslawien ist eine schockierende Mahnung, daßdie
Barbarei in unserer Mitte existiert und wir das neue
Europa weder zivilisiert noch sicher nennen können,
bevor wir nicht solidere Mechanismen entwickelt haben, um diese und ähnliche Krisen in den Griff zu
bekommen.

Demgemäß möchte ich die folgenden Themen als
vordringlich für die Tagesordnung dieses Treffens
vorschlagen.

Erstens sollten wir auf den Beschlüssen von Helsinki
aufbauen und eine KSZE-Strategie entwickeln, die
agiert und nicht reagiert, die frühe Warnzeichen für
Wenn wir jedoch ehrlich sind, werden wir tiefer schür- Instabilität entdeckt und präventive diplomatische
fen und das ehemalige Jugoslawien als Spiegel unse- Maßnahmen ergreift. Wir müssen frühzeitig genug
rer eigenen düsteren Seite erkennen - ein Spiegel bestrebt sein, den Ausbruch von Konflikten zu verhindessen, was auch aus uns werden könnte, wenn wir dern, denn andernfalls werden wir uns - wie im Falle
dem ethnischen Haß und der Intoleranz gegenüber der Jugoslawiens - in einer Lage befinden, in der wir
Vielfalt erliegen würden, die wir dieses Jahr auch in ständig auf neue Schrecken reagieren.
Westeuropa und Nordamerika erlebt haben. Jugoslawien sollte uns bewußt machen, daß unsere Hoffnun- Die KSZE hat diese Lektion gelernt und mehrere
gen auf ein Leben in einer friedlicheren und zivilisierte- Beobachtermissionen auf dem Balkan und in der
ren Welt unauflöslich mit der Art und Weise verbunden ehemaligen Sowjetunion stationiert, darunter im Kosovo, in der Wojwodina, dem Sandschak, in Mazedonien
sind, wie wir uns im eigenen Land verhalten.
und Georgien. Wir begrü ßen die Arbeit dieser MissioGenau aus diesem Grund ist die KSZE heute in der Tat nen.
von solch entscheidender Bedeutung. Sie bringt unsere
Überzeugung zum Ausdruck, daß ein wahrhaft demo- Letztlich werden wir jedoch an den Ergebnissen
kratisches Europa ein friedliches Europa sein wird, gemessen, und meines Erachtens haben wir das
daß ein Europa, das seine Geschichte ethnischen Potential der KSZE für präventive Diplomatie bei den
Hasses überwindet, seine unendliche Geschichte aktuellen Krisen noch nicht vollständig ausgeschöpft.
mörderischer Auseinandersetzungen nicht wiederho- Besonders auf dem Balkan müssen wir energischere
len muß. Die KSZE verkörpert das revolutionäre Maßnahmen beschließen, um zu beginnen, eine unerKonzept, demzufolge sich Sicherheit in Zukunft mehr trägliche Situation zu revidieren.
aus der Wahrung von Menschenrechten und demoWir müssen die Personen namentlich identifikratischen Prinzipien als aus vergangenen Mechaniszieren, die im ehemaligen Jugoslawien Verbremen des Kräftegleichgewichts ableitet.
chen gegen die Menschlichkeit begangen haben und gewährleisten, daß sie persönlich zur
Die KSZE mu ß jedoch mehr sein als nur das Gewissen
Verantwortung
gezogen werden - genau wie
Europas, wenn sie ihrem ehrgeizigen Ziel gerecht
dies
mit
Hitlers
Komplicen
in Nürnberg geschah.
werden möchte. Gemeinsam mit den anderen Säulen
der politischen und Sicherheitsarchitektur Europas
Wir müssen die KSZE-Missionen erweitern, um
muß die KSZE angesichts wachsender Instabilität in
die Durchführung von UN-Sanktionen zu unterihrer Arbeit effektiver und lösungsorientierter werden.
stützen und damit den Druck auf diejenigen zu
verstärken, die den Krieg weiter anheizen.
Unser Treffen in Helsinki hat gerade diese Rolle der
KSZE bekräftigt und ihr eine Vielzahl von Instrumenten
Wir müssen unsere Anstrengungen verdoppeln,
gegeben, um die Arten von destabilisierenden Verändas Übergreifen des Krieges auf benachbarte
derungen zu bewältigen, mit denen wir konfrontiert
Regionen und Länder zu verhindern - insbesonsind. Wie die sich verschlechternde Lage in Jugosladere dadurch, daß wir hier und jetzt eine umwien demonstriert, wurden diese Instrumente bedaufangreiche Mission im Kosovo zusagen. Laserlicherweise weder vollständig weiterentwickelt, noch
sen Sie mich in diesem Zusammenhang festhaben wir sie so gut oder so unmittelbar eingesetzt, wie
stellen, daß die Vereinigten Staaten ihrerseits
wir es hätten tun können. Unser heutiges Ziel muß
auf vordringlicher Basis einen Beitrag zu dieser
deshalb darin bestehen, den Schwerpunkt der KSZE
erweiterten Mission leisten werden.
auf die Wurzeln der Instabilität in Europa zu legen und
die Organisation zu ermutigen, einen aktiveren Ansatz
Schließlich müssen wir, wenn wir unsere Unterzur Problemlösung zu wählen. Sicherlich gibt es auch
stützung für die Schaffung sicherer Gebiete in
Fragen struktureller Reformen und Ressourcen, mit
Bosnien für die Hunderttausenden von Opfern
denen wir uns ebenfalls beschäftigen müssen. Vor
der "ethnischen Säuberung" erklären, sicherallen Dingen sind der politische Wille und die Fühstellen, daß diese humanitären Bemühungen
rungskraft aller Mitgliedstaaten erforderlich, das genicht mißbraucht werden, um die Ergebnisse
samte Potential der KSZE-Mechanismen auszuschöpdieser abscheulichen Politik zu verfestigen.
fen.

Seite 2

AMERIKA DIENST 50

�Die KSZE muß ferner eine effektivere Rolle dabei
spielen, durch Überwachung der Wahrung der Menschen- und Minderheitenrechte in allen Staaten der
GUS und durch die Beschleunigung von Konfliktverhütungsmissionen an Orten wie Georgien und Moldawien die aktuellen und potentiellen ethnischen Konflikte zu behandeln. Die uneingeschränkte Unterstützung
der Minsk-Gruppe durch alle KSZE-Staaten ist unerläßlich, um den Frieden in Nagorny-Karabach zu sichern. Natürlich muß die internationale Staatengemeinschaft ihre Strategien zur Verhütung, Eindämmu ng und Beendigu ng solcher Konflikte an d ie speziellen Bedingungen in den einzelnen Regionen anpassen. Alle Bemühungen sollten jedoch im Rahmen der
KSZE-Prinzipien und des politischen Engagements
der KSZE stattfinden. Deshalb sollten wir bereit sein,
verantwortungsbewußte Friedenssicherungsbemühungen Rußlands und anderer GUS-Staaten unter dem
Dach der KSZE zu unterstützen.

terten Arten aktiveren politischen Engagements werden von uns allen zusätzliche Leistungen in Gestalt
von Finanzmitteln, Ausrüstung und Personal erfordern. Einige, und ich zögere nicht, die Vereinigten
Staaten hier einzubeziehen, haben bisher erhebliche
Mittel zugesagt. Aberwir alle können mehr tun. Wenn
die KSZE ihre Missionen erfüllen soll, muß unsere
Übereinstimmung im Hinblick auf Rechte durch einen
Konsens über die Pflichten untermauert werden.

Abschließend möchte ich meine Ansicht bekräftigen,
daß es - so wichtig unsere Bemühungen zur Stärkung
dieser Organisation auch sein mögen - letztlich Aufgabe der Mitgliedstaaten selbst ist, die schwere Arbeit
der Verteidigung des Friedens unserer demokratischen Ordnung zu leisten. Es obliegt jedem einzelnen
unter uns, die Normen der KSZE für das politische
Verhalten innerhalb unserer Grenzen aufrechtzuerhalten. Und es ist unsere kollektive Aufgabe, die KSZEMechanismen zur Konfliktverhütung und zum KrisenZweitens müssen wir die KSZE organisatorisch an- management zu unterstützen, die ich heute hier erörpassen, um eine wirksame Reaktion auf die Herausfor- tert habe.
derungen der Konfliktverhütung und des Krisenmanagements zu gewährleisten. In ihrer jetzigen Verfas- Wir können nicht erwarten, daß unsere Probleme von
sung ist die KSZE kaum in der Lage, die gegenwärti- einem deus ex machina gelöst werden. Weder die
gen Herausforderungen - geschweige denn die dro- Vereinigten Staaten noch die KSZE selbst können
henden - administrativ in den Griff zu bekommen. diese Rolle spielen - obwohl ich garantieren kann, daß
Benötigt werden ein Verwaltungschef für die verschie- die Vereinigten Staaten mit ihren europäischen Partdenen KSZE-Institutionen, ein zwischen den Konfe- nern zusammenarbeiten werden, um der KSZE zum
renzen hochrangiger Vertreter tagendes Gremium zur Erfolg zu verhelfen. Am wichtigsten ist jedoch, daß wir
Bewältigung der Tagesgeschäfte sowie mehr admini- die Vision, den Mut und die Solidarität bewahren, mit
strative Geschlossenheit und Fähigkeiten. Ich bin denen sowohl die demokratischen Nationen des
gewiß, daß diese Ziele ohne Schwächung der Stärken Westens als auch die Völker, die im Osten nach
der KSZE - Kreativität, Flexibilität und politische Re- Freiheit strebten, die gewaltigen Gefahren und Herchenschaftspflicht - erlangt werden können. Wir müssen ausforderungen des Kalten Krieges überwanden. Wenn
sicherstellen, daß die Organisationen weiterhin frei wir etwas in diesem Jahrhundert gelernt haben, dann
das, daß weder Frieden noch Freiheit ohne Opfer
von bürokratischen Schwächen bleibt.
bewahrt werden können. Nur, wenn wir den Willen
Schließlich müssen wir uns darüber im klaren sein, aufbringen, unser neues ungeteiltes und freies Europa
daß weder die gestärkte Rolle der KSZE noch die von sowohl einzeln als auch kollektiv zu verteidigen, könmir skizzierten institutionellen Reformen etwas bewir- nen wir sicherstellen, daß die Demokratie sich gegen
ken werden, wenn die Mitglieder nicht ein mit Ressour- Aufruhr als kennzeichnendes Merkmal des Zeitalters
cen untermauertes Engagement unter Beweis stellen. nach dem Kalten Krieg durchsetzen wird.
Die Konfliktverhütungsmissionen und die von mir erör* *

AMERIKA DIENST 50

*

Seite 3

�MENSCHENRECHTE
16. Dezember 1992

BUSH: IM BEREICH DER MENSCHENRECHTE
BLEIBT NOCH VIEL ZU TUN
Proklamation des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush hat erklärt, daß trotz "großer Fortschritte" im Bereich der Menschenrechte "noch vieles zu tun bleibt, um die friedliche Beilegung von Konflikten, die Schaffung stabiler demokratischer
staatlicher Institutionen sowie die allgemeine Einhaltung internationaler Menschenrechtsabkommen zu fördern".
Anläßlich der Proklamierung des 10. Dezembers als Tag der Menschenrechte, des 15. Dezembers als Bill-ofRights-Tag und der am 10. Dezember beginnenden Woche als Woche der Menschenrechte verwies Bush darauf,
die Vereinigten Staaten würden "nicht hinnehmen", daß der Konsens über internationale Menschenrechtsnormen "von denjenigen ausgehöhlt wird, die vorgeben, ihr besonderer wirtschaftlicher, sozialer oder politischer
Kontext entbinde sie von ihrer Verpflichtung zum Schutz der Rechte des einzelnen".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Proklamation des Präsidenten im Wortlaut.

Diese Woche gedenken wir der Ratifizierung unserer bestehen geblieben - ein Maßstab, an dem wir die
Bill of Rights am 15. Dezember 1791. Dabei danken Rechtmäßigkeit amerikanischer Gesetze und Instituwir nicht nur für das fortbestehende, gesetzlich veran- tionen messen.
kerte Vermächtnis der Freiheit unseres Landes, sondern wir feiern auch ihre Rolle bei der Förderung der Im Lauf der Zeit hat sich die Bill of Rights auch als
Eckpfeiler erwiesen: Heute erkennen wir dieses große
Menschenrechte auf der ganzen Welt.
Dokument als Grundlage neuerer Urkunden der Freiheit
an, darunter die Allgemeine Deklaration der
Unsere Bill of Rights garantiert neben anderen GrundMenschenrechte,
die von der Generalversammlung
freiheiten die Religions-, Rede-und Pressefreiheit. Sie
der
Vereinten
Nationen
am 10. Dezember 1948 verabbekräftigt das Recht der Menschen, Waffen zu besitschiedet
wurde.
zen und zu tragen. Sie stellt sicher, daß niemand ohne
ordentliches Gerichtsverfahren des Lebens, der Freiheit oder des Eigentums beraubt werden darf und In der Erkenntnis, daß die Wahrung "der allen Angehögarantiert das Recht des Bürgers auf Sicherheit vor rigen der menschlichen Familie zukommenden Würde
unangemessener Durchsuchung oder Festnahme ihrer sowie ihrer gleichen und unveräußerlichen Rechte die
Person, Häuser, Papiere und Effekten. Die Bill of Grundlage für Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden bilRights etabliert ferner grundsätzliche Regeln der Fair- det", bekräftigten die Unterzeichner der Deklaration,
neß im Rechtssystem unseres Landes, darunter das daß "jedermann das Recht auf Leben, Freiheit und
Recht auf ein Geschworenenverfahren, den Beistand Sicherheit seiner Person" habe. Die Unterzeichner
eines Anwalts und die Freiheit vor grausamer und erklärten ebenso, "alle Menschen sind vordem Gesetz
außergewöhnlicher Bestrafung. Schließlich behält die gleich und haben ohne Unterschied Anrecht auf gleiBill of Rights den Bundesstaaten beziehungsweise chen Schutz durch das Gesetz". Sie vereinbarten,
dem Volk solche Befugnisse vor, die nicht von der Meinungs-, Gewissens- und Religionsfreiheit für alle
Verfassung auf die Bundesregierung übertragen wer- Menschen zu respektieren, ohne Ansehen von Rasse,
Nationalität, Geschlecht oder Glauben und erklärten,
den.
"jedermann hat das Recht, sei es direkt oder durch
In den vergangenen 200 Jahren wurden unserer Ver- Vermittlung von frei gewählten Vertretern, sich an
fassung siebzehn Zusätze hinzugefügt, aber die Bill of öffentlichen Angelegenheiten seines Landes zu beteiRights ist als leuchtendes Symbol unserer Freiheit ligen". Diese Grundsätze wurden erneut im Jahr 1975

AMERIKA DIENST 50

Seite 1

�bekräftigt, als die Vereinigten Staaten, Kanada und 33
europäische Staaten in Helsinki gemeinsam die Schlußakte der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa unterzeichneten.

Absage, Menschenrechtsabkommen unter Berufung
auf besondere sozioökonomische Bedingungen oder
religiöse und kulturelle Traditionen zu verwässern oder
zu verzerren. Nachdem wir so lange für die Anerkennung eines internationalen Maßstabs für die Menschenrechte gekämpft haben, der in grundlegenden
Normen von Moral und Gerechtigkeit verwurzelt ist,
werden wir nicht hinnehmen, daß dieser Konsens von
denjenigen ausgehöhlt wird, die vorgeben, ihr besonderer wirtschaftlicher, sozialer oder politischer Kontext
entbinde sie von ihrer Verpflichtung zum Schutz der
Rechte des einzelnen. Die für Juni 1993 anberaumte
Weltmenschenrechtskonferenz wird den Vereinigten
Staaten eine weitere Gelegenheit verschaffen, um die
Allgemeingültigkeit der Menschenrechte und die
gemeinsame Pflicht aller Regierungen zu bekräftigen,
sie zu bewahren.

Obwohl wir im Hinblick auf die in Helsinki vorgesehenen und bei KSZE-Folgekonferenzen in Kopenhagen,
Genf und Moskau bekräftigten Ziele große Fortschritte
gemacht haben, wissen wir, daß immer noch vieles zu
tun bleibt, um die friedliche Beilegung von Konflikten,
die Schaffung stabiler demokratischer staatlicher Institutionen sowie die allgemeine Einhaltung internationaler Menschenrechtsabkommen zu fördern. Als wir im
Jahr 1789 für unsere Verfassung eine Bill of Rights
vorschlugen, stellte James Madison klug fest, ein
solches Dokument werde die Demokratie stärken,
indem es eine Tyrannei der Mehrheit verhindere, in der
der Wille einer großen Zahl von Bürgern gegen die
Rechte weniger gerichtet werden könnte.
Aus diesem Grund proklamiere ich, George Bush,
Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, kraft
Das Wiederaufleben ethnisch begründeter Gewalt und der mir durch die Verfassung und die Gesetze der
bitterer nationalistischer Rivalität hat die Dringlichkeit Vereinigten Staaten verliehenen Autorität, hiermit den
des Schutzes von Minderheitenrechten unterstrichen. 10. Dezember 1992 zum Tag der Menschenrechte und
Wie sie dies in der Vergangenheit bereits konsequent den 15. Dezember 1992 zum Bill-of-Rights-Tag und
getan haben, fordern die Vereinigten Staaten alle fordere alle Amerikaner auf, die am 10. Dezember
Unterzeichnerstaaten der Schlußakte von Helsinki und 1992 beginnende Woche als Woche der Menschender Allgemeinen Deklaration der Menschenrechte auf, rechte zu begehen. Ich appelliere an alle Amerikaner,
ihre feierliche Verpflichtung zum Schutz der Rechte diese Woche mit geeigneten Feiern und Aktivitäten zu
des einzelnen unabhängig von Rasse, Nationalität würdigen.
oder Glauben zu erfüllen.
Zum Zeugnis dessen habe ich am diesem achten Tag
In der Erkenntnis, daß weiterhin nicht nur in den des Dezembers im Jahr des Herrn neunzehnhundertRegionen, die Teil der KSZE sind, sondern auch in undzweiundneunzig und im Jahr zweihundertundsiebanderen Regionen der Welt schwere Menschenrechts- zehn der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten hierauf
verletzungen begangen werden, erteilen die Vereinig- meine Unterschrift geleistet.
ten Staaten darüber hinaus jeglichem Versuch eine
* * * * *
•

Seite 2

AMERIKA DIENST 50

�MENSCHENRECHTE
16. Dezember 1992

MENSCHENRECHTSPOLITIK MUSS IDEALISMUS
UND REALISMUS VERBINDEN
von Paul Wolfowitz
Der Verfasser ist Staatssekretär im Verteidigungsministerium. Der nachfolgende Artikel gründet sich auf seinen
Vortrag über internationale Angelegenheiten mit dem Titel "Alte Ideen und neue Realitäten: Die Verwirklichung
der Ziele Amerikas in der Welt nach dem Kalten Krieg", den er am 3. Dezember 1992 an der Yale University
gehalten hat.

Im Licht der idealistischen Traditionen der amerikanischen Außenpolitik ist die Förderung demokratischer
Werte ein wiederkehrendes Thema in unserer Geschichte. Es hat sich jedoch insbesondere unter den
letzten drei Präsidentschaften zu einem expliziten
außenpolitischen Ziel entwickelt. Präsident Carter
legte besondere Betonung auf Menschenrechte in der
amerikanischen Außenpolitik. Präsident Reagan weit davon entfernt, das Thema Menschenrechte außer
acht zu lassen - förderte aktiv Demokratie an so
unterschiedlichen Orten wie El Salvador und Korea,
Chile und den Philippinen sowie - historisch am bedeutendsten und augenf ällisgsten - in der Sowjetunion. In
der Tat verpflichtete er die Vereinigten Staaten zur
Unterstützung von Freiheit und Demokratie innerhalb
der Grenzen des ehemaligen sowjetischen Blocks in
einer verglichen mit den bisherigen Präsidenten beispiellosen Weise und mit einer Zuversicht, die jetzt
erstaunlich weitblickend erscheint. Reagan erklärte
zum Beispiel: "Der Westen wird den Kommunismus
nicht eindämmen, sondern überwinden. Er wird sich
nicht damit aufhalten, ihn öffentlich zu brandmarken,
sondern ihn als ein bizarres Kapitel in der Geschichte
der Menschheit verwerfen, dessen letzte Seiten immer
noch geschrieben werden." Er machte solche Feststellungen bereits 1981, was dazu führte, daß nicht nur
seine Kritiker, sondern auch einige seiner Anhänger
seinen Realitätssinn in Frage stellten. Heute, da jeder
behauptet, niemand habe diese Entwicklungen vorhergesehen, zollen ihm wenige Tribut für seine Prognosen.

tisch gewählten Regierung in Panama zur Macht verhalfen und den neuen Demokratien Mittel- und Osteuropas sowie der ehemaligen Sowjetunion lebenswichtige Hilfe gewährten.

Als jemand mit der festen Überzeugung, daß dieser
demokratische Fortschritt sowohl die amerikanischen
Interessen als auch Ideale fördert, war es für mich ein
Privileg, in diesem Prozeß während der Reagan- und
Bush-Administrationen eine Rolle spielen zu können,
insbesondere im Hinblick auf die amerikanische Politik
in Ostasien und den aufstrebenden Demokratien im
ehemaligen sowjetischen Imperium. In den vergangenen vier Jahren haben meine Erfahrungen meine
Überzeugung noch untermauert, daß die eng definierte "realistische" Perspektive, derzufolge die amerikanische Außenpolitik sich ausschließlich darauf konzentrieren sollte, wie andere Regierungen die amerikanischen Interessen berühren statt vielmehr darauf, wie
sie ihr eigenes Volk behandeln, tatsächlich nicht so
realistisch ist wie sie zu sein vorgibt. Zum einen
ignoriert sie die Tatsache, daß eine so eng gefaßte
Außenpolitik sich niemals der uneingeschränkten
Unterstützung der amerikanischen Bevölkerung erfreuen und daher niemals über die Stärke verfügen
wird, die sich aus breiter innenpolitischer Unterstützung ableitet. Noch wichtiger ist, sie ignoriert die
Realität, daß die Rolle der Vereinigten Staaten als
Vorreiter der Demokratie uns weltweit Freunde gewonnen hat, demokratische Länder sich als diejenigen
erwiesen haben, die ihre Interessen am ehesten als
deckungsgleich mit unseren ansehen und daher die
Präsident Bush hat das Engagement für Menschen- verläßlichsten Verbündeten sind, und die Ziele der
rechte und Demokratie mit Maßnahmen und Aktionen Demokratie im ehemaligen sowjetischen Imperium für
fortgeführt, die das kommunistische Nicaragua zur die Sicherheit der Vereinigten Staaten unkalkulierbare
Veranstaltung von Wahlen veranlaßten, der demokra- Vorteile hervorgebracht haben.

AMERIKA DIENST 50

Seite 1

�Eine rein "idealistische'' Sicht wäre mir jedoch ebenso
ungemütlich, die den Schluß nahelegt, unsere Menschenrechtspolitik sollte nicht an den von ihr erzielten
Ergebnissen, sondern an der Reinheit unserer Intentionen gemessen werden. Dieser Sichtweise zufolge
wäre eine Politik hochherziger Proteste und kategorischer Weigerung, sich mit Regierungen zu befassen,
die unseren Standard nicht erfüllen, offenkundig einer
vorzuziehen, die unter Einsatz weniger antiseptischer
Mittel zu einer echten Verbesserung der Menschenrechtssituation führt.

klasse hervorbringen, die eine mächtige Kraft für den
demokratischen Wandel darstellen werde. Er hatte
absolut recht, als erdie engen amerikanischen Verbindungen zum koreanischen Militär aufrechterhielt und
unmißverständlich die amerikanische Verpflichtung
für die Sicherheit Südkoreas bekräftigte, weil dies
unter anderem unsere Fähigkeit maximierte, das Militär von einer Intervention zur Unterbrechung des
demokratischen Prozesses abzuhalten.

Viele kritisierten diesen Ansatz. Sie waren der Meinung, wir sollten die südkoreanische Regierung verurEine wirklich effektive Menschenrechtspolitk (und dies teilen und isolieren, wenn ihre politisch Verantwortliist meines Erachtens ein grundlegender Punkt) muß chen westliche Forderungen im Hinblick auf die Besich auf die realistischen Chancen konzentrieren, handlung von Dissidenten nicht erfüllten. Präsident
systemimmanente politische Veränderungen zu för- Reagan hat die Einzelfälle nicht ignoriert. Tatsächlich
dern und ihre Methoden anpassen - sei es anhand von nutzte er seinen Einfluß, um die koreanische RegieÖffentlichkeitsarbeit oder vertraulicher Diplomatie, rung zu bewegen, Kim Dae Jungs Todesurteil im Jahr
Zuckerbrot und Peitsche im wirtschaftlichen und mili- 1981 umzuwandeln und ihm später zu gestatten, aus
tärischen Bereich, spezifischem Druck oder Vertrauen seinem Exil in den Vereinigten Staaten nach Korea
auf langfristige Tendenzen - im Einklang mit ihrer zurückzukehren. Er befürwortete jedoch eine breitere
Analyse dieser Möglichkeiten.
Perspektive zur Frage der Menschenrechte und konzentrierte sich auf die wesentlich größeren FortschritFühren Sie sich den wichtigen Fall Südkorea vor te, die durch grundlegende politische Veränderungen
Augen. Dieses Land hat in den vergangenen 10 erzielt werden konnten, anstatt durch die Behandlung
Jahren bemerkenswerte Fortschritte zur Demokratie von Einzelfällen.
erzielt, obwohl diese Fortschritte nicht annähernd so
häufig in den Schlagzeilen waren wie die mehr drama- Ich habe mich mit solchen Einzelfällen befaßt, und sie
tischen Revolutionen. Südkorea steht jedoch vor der sind wichtig. Einzelne Erfolge bringen ein hohes Maß
zweiten freien Präsidentschaftswahl, in der dieses Mal an persönlicher Befriedigung, aber sie sind kein Ersatz
das Feld von zwei Kandidaten angeführt wird, die unter für die harte Arbeit und Geduld, die erforderlich sind,
dem alten Militärregime Dissidenten waren. Ich habe um die zugrundeliegenden politischen Kräfte zu beeinKim Dae Jung, einen dieser Kandidaten, zum ersten flussen. Diese Art von Erfolg stellt sich langsamer ein,
Mal getroffen, als er für eine unsichere Zukunft - und wenn sie es tut, ist es wesentlich schwieriger, die
einschließlich möglicher Inhaftierung -1985 aus sei- Verdienste daran jemandem zuzuordnen, doch ist sie
nem Exil in den Vereinigten Staaten nach Korea zu- wesentlich bedeutsamer.
rückkehrte. Unser nächstes Zusammentreffen erfolgte vor nur wenigen Monaten, als er mich als einer der Eine Politik zur Förderung systematischen demokratiführenden Kandidaten für die nächste demokratisch schen Wandels sollte anhand gewisser Richtlinien
gewählte Präsidentschaft der Republik Korea im angestrebt werden. Ich biete dazu vier Faustregeln an.
Pentagon besuchte.
Regel 1: Obwohl Reden allein gewiß nicht ausreichen,
Der Fortschritt, der sich im Gegensatz zwischen die- ist es wichtig, eindeutig über die von uns befürworteten
sen beiden Ereignissen manifestiert, resultierte nicht Prinzipien zu reden. Als Präsident Reagan 1984 nach
primär aus unseren Bemühungen für Kim Dae Jung - Beijing reiste, bekräftigte er in seiner Hauptrede das
obwohl wir solche Bemühungen unternahmen und Engagement der Vereinigten Staaten für Demokratie,
dabei erfolgreich waren -, sondern aus der von uns obwohl er sich einer offenen Kritik an China enthielt.
verfolgten Strategie zur Förderung grundsätzlicher Die Botschaft wurde jedoch deutlich sichtbar - sichtbar
Veränderungen im politischen System Südkoreas, genug, um die Chinesen zu veranlassen, die geplante
Veränderungen, die nicht nur Kim Dae Jung, sondern Liveübertragung der Rede zu zensieren. Dieser Akt
der Zensur an sich hat jedoch eine eindringlichere
dem gesamten koreanischen Volk zugute kamen.
Botschaft ausgesandt als ein direkter scharfer Angriff
Als Präsident Reagan vor zehn Jahren nach Südkorea auf die chinesische Politik bewirkt hätte und hat - als
reiste, wurde er kritisiert, weil er dieses Land trotz Nebeneffekt - der Rede des Präsidenten unter der
seiner zweifelhaften Menschenrechtsbilanz besuchte. chinesischen Elite eine breite Leserschaft gesichert.
Aber Präsident Reagan hatte recht, als er sich darauf
konzentrierte, den koreanischen Präsidenten Chun Regel 2: Ein Schlüssel zur Maximierung des amerikazur Erfüllung seiner Verpflichtung zu bewegen, nach nischen Einflusses liegt darin, daß die amerikanische
einer Amtszeit im Jahr 1988 den friedlichen Macht- Regierung mit einer einheitlichen Stimme spricht. Es
wechsel durchzuführen, und als er davon ausging, das ist schwierig, die Auswirkungen der amerikanischen
Wirtschaftswachstum Koreas würde eine neue Mittel- Politik gegenüber dem Schah in seinen letzten zwei
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�Regierungsjahren einzuschätzen, weil verschiedene
Vertreter der Carter-Administration völlig unterschiedliche Ansichten zum Ausdruck brachten und es den
Anschein hatte, daß sie am einen Tag den Schah
unterstützten und ihm am nächsten in den Rücken
fielen. Das Ergebnis einer solchen Praxis besteht
darin, überhaupt keine Politik zu haben, oder - noch
schlimmer - diejenigen zu ermutigen, die unseren
Einfluß untergraben wollen, damit wir uns auf die
Formulierung konzentrieren, die ihnen am nützlichsten
ist.

einen Putsch unterstützen sollten. Wir förderten zwar
die demokratische Bewegung auf den Philippinen,
aber diese Art von Ratschlägen war nicht nur eine
grobe Überschätzung unseres Einflusses - hätte Marcos
von Präsident Reagan eine solche Auffordern ng erhalten, hätte er sie sofort zurückgewiesen -, sondern
übersah auch auf gravierende Weise die Bedeutung,
die eine wirklich philippinische Lösung sowohl für die
Vereinigten Staaten als auch für die Philippinen hat.

Einflusses ist die Stärkung der bedeutenden prodemokratischen Kräfte, die in anderen Ländern bereits tätig
sind, anstatt anderen unsere eigenen Lösungen aufzuoktroyieren. Im letzten Jahr von Marcos als Präsident der Philippinen bestanden viele amerikanische
Beobachter darauf, daß Präsident Reagan Marcos zur
Abdankung bewegen sollte, oder die Vereinigten Staaten einen Nachfolger ernennen und in seinem Namen

Wir mußten sehr vorsichtig sein, um die philippinischen Institutionen nicht zu destabilisieren, während
wir Druck auf Marcos ausübten. Statt dessen konzentrierten wir unseren Druck auf Marcos vor allem darauf,
ihn zu einer Änderung seiner Politik zu bewegen, die
genau jene Institutionen schwächte, indem die Armee
politisiert, der Wahlprozeß korrumpiert und die ökono-

Regel 4: Wenn wir auf andere Regierungen Druck
ausüben, damit sie einen Wandel herbeiführen, dann
Wir haben versucht, im Zeitraum von 1982 -1986 aus müssen wir uns auch die wirklichen Alternativen vor
diesen Erfahrungen zu lernen - der Periode, die zu der Augen halten. Das kann man auch durch eine Paraph"People's Power-Revolution auf den Philippinen führ- rasierung des Hippokratischen Eides ausdrücken: "Vor
te. Zu jener Zeit war ich im Außenministerium als allem darf man nichts verschlimmern."
Leiter der Ostasienabteilung verantwortlich für die
Koordinierung unserer Philippinenpolitik auf hoher Wir müssen daran denken, daß nicht jeder Wandel
Ebene. Im großen und ganzen hatten wir - und zwar zum Besseren führt, selbst bei unerwünschten Regiin nicht geringem Maß dank der Führungsrolle von men. Was den Iranern nach dem Sturz des Schahs
Außenminister Shultz - Erfolg dabei, eine einheitliche passierte, sollte hier als Warnung dienen. Die RegieBotschaft der Unterstützung demokratischer Refor- rung des Schahs hatte sich sicher der Menschenmen auf den Philippinen und der Ablehnung einer Art rechtsverletzungen schuldig gemacht, aber das nachvon Destabilisierung zu vermitteln, die einertotalitären folgende Regime läßt ihn im Vergleich richtig gütig
kommunistischen Revolution zur Macht verholten haben erscheinen. Zweifellos ist sein Sturz auf sein eigenes
Versagen zurückzuführen. Aber der von den Vereinigkönnte.
ten Staaten in dem Glauben an die Möglichkeit einer
Bedenken Sie, daß ich von einer einheitlichen Stimme besseren Alternative ausgeübte Druck, der sein Regigesprochen habe. Es ist nicht nur hoffnungslos, zu me schwächte, war auf tragische Weise fehlgeleitet
erwarten, daß die amerikanische Regierung mit einer und zu siegesgewiß.
Stimme spricht, es ist noch nicht einmal notwendigerweise eine gute Sache. Tatsächlich gibt es Zeiten, in Wenn der auf eine Regierung ausgeübte Druck im
denen Spannungen zwischen Exekutive und Legisla- Hinblick auf eine Änderung ihrer Menschenrechtspolitive nützlich sein können, wenn diese beiden Teile der tik zu stark ist, können die führenden Politiker dadurch
Regierung ein Stück nach dem Muster "guter Polizist, isoliert und zu noch repressiveren Maßnahmen veranböser Polizist" spielen. Es gab eine Reihe von Anläs- laßt werden. Was noch schlimmer ist: Ein derartiger
sen, bei denen wir Präsident Marcos warnten, wenn er Druck könnte nicht nur zu einer Schwächung des
nicht mit uns zusammenarbeite, würde es unmöglich, Regimes führen, sondern auch die für einen langfristinoch einschneidendere Optionen des Kongresses gen politischen Prozeß notwendigen Institutionen
abzuwenden. Dieses Spiel ist jedoch nicht mehr untergraben.
nützlich, wenn der Kongreß die Außenpolitik praktisch
Bei der Entwicklung der amerikanischen Politik gegenübernimmt und die Exekutive der Glaubwürdigkeit
über den Philippinen haben wir oft an die iranische
beraubt, indem er eine Lage schafft, in der wir nicht
Parallele gedacht und uns gefragt, ob Druck auf das
eine, sondern zwei - oder vielleicht 536 - AußenpolitiMarcos-Regime nicht das Risiko beinhaltete, daß alles
ken haben. Auch ist es von Nachteil, wenn der
noch viel schlimmer wird. Insgesamt waren wir davon
Kongreß so scharfe Kritik an der Exekutiven übt, daß
überzeugt, daß eine lebensfähige Alternative zu Marim Ausland die Freunde der Demokratie entmutigt und
cos existierte, daß eine Fortsetzung seiner Herrschaft
die Feinde der Demokratie in dem Gefühl ermutigt
die Philippinen in der Tat auf einen Weg führen würde,
werden, der Präsident oder seine Administration beder das größte Risiko eines Sieges des Kommunismus
fürworteten die undemokratische Seite der Angelebeinhaltete - angesichtsderverabscheuungswürdigen
genheit.
Menschenrechtspraktiken der Neuen Volksarmee wirkRegel 3: Eine der größten Quellen amerikanischen lich entsetzliche Aussichten.

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�mie von Vetternwirtschaft bestimmt wurde. Wir mußten gegen ständige Bemühungen des Kongresses
angehen, die Unterstützung für das philippinische Militär
einzustellen, während wir gleichzeitig seine Reform
förderten. Wir erkannten, daß eine Berufsarmee auf
den Philippinen ein entscheidendes Hindernis für einen kommunistischen Sieg und das für eine erfolgreiche Demokratie benötigte Bollwerk war.
Das Beispiel China veranschaulicht viele dieser Punkte, die meiner Meinung nach für eine realistische Politik
der Unterstützung von Freiheit und Demokratie von
zentraler Bedeutung sind. Vielleicht handelt es sich
hier auch um das wichtigste und schwierigste Beispiel
für eine solche Politik. Wir werden unseren Einfluß
durch eine Förderung dessen, was die chinesischen
Kommunisten ängstlich die "friedliche Revolution" Chinas
nennen, verstärken - das heißt, seine allmähliche
Annahme der politischen und wirtschaftlichen Ideen
des Westens - und nicht durch eine internationale
Isolierung Chinas. Wir sollten alles in unserer Macht
Stehende tun, um die Kräfte in der chinesischen
Gesellschaft einzubeziehen und zu stärken, die friedlichen Wandel ermutigen, einschließlich des sich so
schnell entwickelnden neuen Unternehmertums.
Die wirtschaftliche Dynamik, die einen Großteil Ostasiens gewandelt hat, zeigt auch in China ihre Wirkung. Durch die Forderung nach zunehmendem Handel
und seine Unterstützung, durch Kontakte mit der westlichen Welt auf den Gebieten Wissenschaft und Bildung, eine Dezentralisierung der politischen Macht
und verstärkte Aufklärung der chinesischen Bevölke-

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rung über die Welt außerhalb ihres Landes sowie ihre
Funktionsweise stellt dieser Prozeß für uns eine sehr
mächtige Kraft dar. Die Zurücknahme der Meistbegünstigungsklausel für China würde genau dieser
Evolution, die wir ermutigen sollten, außerordentlich
schaden; dies ist eine Waffe mit nur einem Schuß
Munition und würde wenig bewirken außer den Amerikanern die Genugtuung zu verschaffen, ihrem Mißfallen über die Menschenrechtspraktiken in China Ausdruck zu verleihen. Es gibt jedoch eine andere Möglichkeit, das zu tun: Wir sollten bei ernsteren Angelegenheiten unsere Stimme erheben und unseren Einflußgeltend machen, beispielsweise bei der Unterstützung der demokratischen Initiativen von Hongkongs
neuem Gouverneur Chris Patten, China an seine Verpflichtung "ein Land, zwei Staatssysteme" für die Zeit
nach Beendigung der britischen Herrschaft im Jahr
1997 zu erinnern oder so China zum Gewaltverzicht
gegen Taiwan zu bewegen. In dieser Hinsicht ist die
jüngste Erklärung des künftigen Präsidenten Clinton,
er schätze den durch die amerikanische Politik herbeigeführten Fortschritt und halte eine Isolation Chinas
nicht für die richtige Antwort, ein begrüßenswertes
Zeichen.
Es ist leicht zu verkünden, daß wir für die Menschenrechte eintreten, und wir können unseren moralischen
Bedenken durch symbolische Schritte Ausdruck verleihen. Eine ernstzunehmende Menschenrechtspolitik
erfordert jedoch einen verantwortungsvollen Umgang
mit unserem Einfluß und die Bereitschaft, selbst in
Ländern engagiert zu bleiben, in denen Menschenrechtsverletzungen zu beobachten sind.

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�MENSCHENRECHTE
16. Dezember 1992

ENGAGEMENT FÜR MENSCHENRECHTE
SCHWERPUNKT DER BEMÜHUNGEN IN SOMALIA
Rede von Staatssekretär Kanter
WASHINGTON - (AD) - Die Führungsrolle der Vereinigten Staaten bei der humanitären Hilfsaktion in Somalia
ist einem hohen Vertreter des US-Außenministeriums zufolge das jüngste Beispiel des amerikanischen
Engagements für die Menschenrechte.
"Das Ausmaß unseres Engagements für die Verteidigung der Menschenrechte in Somalia könnte nicht
offenkundiger sein", erklärte der für politische Angelegenheiten zuständige Staatssekretär Arnold Kanteram 10.
Dezember 1992 anläßlich eines Seminars zum Tag der Menschenrechte.
Kanter verwies darauf, daß einige der schwersten Menschenrechtsverletzungen, die gegenwärtig auf der Welt
begangen werden, von Konflikten ausgingen, die durch ein Wiederaufflammen des Nationalismus, von
ethnischem Haß, zivilen Unruhen und Anarchie hervorgerufen würden.
Nachfolgend veröffentlichen wir Kanters Rede im Wortlaut.
I. Warum wir hier sind
Abteilungsleiter Dennis, verehrte Gäste, meine Damen und Herren, es ist mir eine Ehre, mit ihnen
gemeinsam den Tag der Menschenrechte zu begehen. Sie fragen vielleicht, welche Vorteile ein solcher
Gedenktag mit sich bringt? Warum sind wir heute hier
versammelt?

und diejenigen zu bestrafen, die ihre Pflicht zur
Einhaltung internationaler Normen menschlicher Anständigkeit nicht erfüllen.

Wir sind hier versammelt, um den Männern und Frauen, die ihr Leben der Unterstützung der Menschenrechte widmen, zu sagen: Wir würdigen Ihr Engagement, wir sind dankbar für Ihre unermüdlichen Bemühungen, und wir respektieren Sie als Vorbilder für
Um es schlicht auszudrücken, wir sind heute hier, um unsere gemeinsame Achtung der Menschenwürde.
eine Botschaft auszusenden:
Den internationalen Organisationen, die sich für die
an diejenigen, die des Rechts auf Rede- oder Menschenrechte einsetzen, sage ich: Wir würdigen
Versammlungsfreiheit beraubt sind,
Ihre Sachkenntnis, ihren Mut und Einfallsreichtum.
Ihre Arbeit richtet die Besorgnis und Aufmerksamkeit
an diejenigen, die die Regierung, die über sie
der internationalen Staatengemeinschaft auf diejeniherrscht, nicht selbst wählen können,
gen, die sonst leiden - und oft nicht überleben - würden.
an diejenigen, die Opfer von Folter, Terror und
Den privaten gemeinnützigen Organisationen und
ethnischer Säuberung sind,
Institutionen, die Briefe schreiben, Telegramme senan diejenigen, die sich bemühen, ihren Mitmen- den, Wahlen beobachten und organisieren, möchte ich
schen zu helfen, und diejenigen, die deren Qualen sagen: Sie vereinigen in beispiellosem Maß unsere
humanitären Impulse mit den technischen Fähigkeiverursachen.
ten, die den Traum von Freiheit und Demokratie WirkDaß die Vereinigten Staaten ihr historisches lichkeit werden lassen.
Engagement als weltweite Führungsmacht für
die Förderung und den Schutz der Menschen- Und den Ländern, die - wie das unsere - danach
trachten, im Hinblick auf die Menschenrechte und
rechte erneuern,
häufig unvollkommen das Beste zu tun, sage ich: Wir
ihre Entschlossenheit bekräftigen, die zu unter- applaudieren Ihren Bemühungen und respektieren
stützen, die die Rechte und Menschlichkeit ihrer Ihre Entschlossenheit.
Bürger wahren
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�II. Was wir bisher erreicht haben

Einklang mit Artikel 21 der Allgemeinen Deklaration
voll und ganz der Ansicht, daß alle Menschen das
Heute begehen wir den 44. Jahrestag der Allgemeinen Recht haben, sei es direkt oder durch Vermittlung von
Deklaration der Menschenrechte. Darüber hinaus frei gewählten Vertretern, sich an öffentlichen Angelekönnen wir die Tatsache feiern, daß Akzeptanz und genheiten ihres Landes zu beteiligen. Um dieses
Wahrung der Menschenrechte heute wesentlich ver- Zieles willen
breiteter sind als vor 44 Jahren. Dies ist das Ergebnis
vieler Faktoren - der unermüdlichen Bemühungen von
haben wir uns für freie und faire Wahlen in
Menschen wie Ihnen, des Wiederaufbaus Europas,
Namibia, Pakistan, El Salvador und schon bald
der modernen Kommunikationsmittel und der Bildung,
in Kenia eingesetzt, indem wir Ländern juristiprimär jedoch des durchschlagenden Erfolges, der in
sche und technische Hilfe geleistet haben, die
politischen Systemen zum Ausdruck kommt, die die
auf der ganzen Welt Fortschritte auf dem Weg
Rechte des einzelnen achten - und des völligen Scheizur Demokratie machen.
terns derjenigen, die dies nicht geleistet haben. In
Wir stellen den nichtstaatlichen OrganisatioLateinamerika und Afrika haben wir erlebt, wie Diktanen, die zur Abhaltung und Beobachtung dieser
turen der Demokratie gewichen sind, und gerade erst
Wahlen mit dem Ziel beitragen, deren Freiheit
haben wir gesehen, wie der Zusammenbruch der
und Fairneß zu gewährleisten, finanzielle Mittel
Sowjetunion und ihrer Herrschaft über Osteuropa den
zur Verfügung.
Widerstand gegen die Wahrung der Menschenrechte
und Demokratie dort geschwächt hat, wo er einst am
Wir liefern Hilfe in Länder, die demokratische
stärksten ausgeprägt war.
Verhältnisse anstreben. So werden zum Beispiel durch das Freedom Support Act über 400
Darüber hinaus haben wir gesehen, daß MenschenMillionen Dollar an Hilfe für die Republiken der
rechte nicht länger als Luxus betrachtet werden, den
ehemaligen Sowjetunion bereitgestellt. Diese
sich nur die Reichen leisten können oder der nur im
Unterstützung wird ihnen dabei helfen, den
Westen geschätzt wird. Das Grundprinzip der MenÜbergang zu friedlicheren, demokratischen und
schenrechte - die Wahrung der gleichen und unveräumarktorientierten
Ländern zu bewältigen.
ßerlichen Würde aller Menschen - ist allgemeingültig.
Um die Wahrung der Rechtsstaatlichkeit zu fördern,
stellen wir weltweit Ländern Hilfe zur Verfügung, um
den Zugang des einzelnen Bürgers zu juristischen
Wir begrüßen diese wachsende Akzeptanz der Men- Leistungen zu verbessern, ihr Rechtssystem zu reforschenrechte, und ich erneuere an diesem Ort heute mieren und ihnen dabei zu helfen, die Bedeutung
unser Versprechen, bei ihrer Förderung weiterhin eine ordentlicher Verfahren sowie des Schutzes der Rechte
Führungsrolle zu spielen. Die Menschenrechte waren aller Bürger, einschließlich von Minderheiten, zu verein Kernstück der amerikanischen Außenpolitik und stehen.
werden dies auch bleiben. Dies ist so, weil die Menschenrechte in unseren Werten und unserer Geschich- Der Aufbau von Marktwirtschaften
te verwurzelt sind und weil eine Welt, die diese Rechte
Vom Marshallplan nach dem Zweiten Weltkrieg bis
respektiert, im Interesse der Vereinigten Staaten liegt.
zum Freedom Support Act von 1992 haben die VereiDie Würde und Gleichberechtigung des einzelnen, das nigten Staaten dazu beigetragen, stabile, marktorienRecht eines Volkes auf Bestimmung seiner Regierung tierte Volkswirtschaften aufzubauen, die eine Grundlaund das Recht auf faire Behandlung vor dem Gesetz ge für die Entwicklung demokratischer Werte und der
sind Eckpfeiler der amerikanischen Republik. Als Menschenwürde bereitstellen. Wenn die Regierung
Amerikaner halten wir diese Wahrheiten für selbstver- die Produktionsmittel einer Gesellschaft kontrolliert,
ständlich. Darüber hinaus glauben wir, daß Regierun- wird der einzelne unserer Ansicht nach weniger Freigen, die ihren Bürgern gestatten, frei zu sprechen und heit haben, seine Meinung zu sagen - aus Angst,
sich zu versammeln, ihre Führung zu wählen und vor seinen Arbeitsplatz zu verlieren. Wo wirtschaftliche
dem Gesetz mit Würde und Anstand behandelt zu Freiheit Wurzein schlägt, wird unserer Überzeugung
werden - selbst in Zeiten innenpolitischer Krisen -, nach politische Freiheit erblühen. Dieses Jahr haben
stabiler, friedlicher und wohlhabender sind und weit die Vereinigten Staaten wie in den letzten Jahrzehnten
weniger dazu neigen, Konflikte mit ihren Nachbarn zu mehr als jede andere Nation Milliarden Dollar für die
Erleichterung dieser entscheidenden Aufgabe zur
entfachen.
Verfügung gestellt. Die Administration und der KonDie Förderung von Demokratie und Rechtsstaat- greß haben zusammengearbeitet und über 10 Milliarden Dollar zur Erreichung unserer Ziele in den Bereilichkeit
chen wirtschaftliche Entwicklung und humanitäre
Die Fördeoing demokratischer Werte und der Rechts- Hilfe bewilligt. Ich möchte hier kurz einige der wichtigstaatlichkeit sind elementare Prioritäten unserer welt- sten Elemente ansprechen:
weiten außenpolitischen Bemühungen. Wir sind im
III. Das amerikanische Engagement für die Menschenrechte

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AMERIKA DIENST 50

�Wir stellen Geldmittel bereit, um mehr als 70
Ländern zu umfassendem umweltverträglichen
Wirtschaftswachstum zu verhelfen.
Durch unsere technische Hilfe wird die Entwicklung des Privatsektors und die Weiterentwicklung demokratischer Institutionen ermöglicht.

zungen der Menschenrechte - sei es Folter,
politische Einschüchterung oder Verschwinden
- , wo immer sie auch begangen werden. Mit
Hilfe von Informationen aus vielen Organisationen, deren Vertreter hier anwesend sind, ist es
uns allein in den letzten vier Jahren gelungen,
die Freilassung von Hunderten von Gefangenen aus über 20 Ländern zu bewirken.

Wir zahlen großzügige Beiträge an multilaterale
Entwicklungsbanken, auf bilateraler Ebene durch Und wir verhängen Sanktionen gegen MenschenrechtsWirtschaftsförderungsprogramme sowie Millio- verletzer - so wie wir es mit dem Iran, Libyen, Südafrinen Dollarfreiwilliger Zuschüsse an UNO-Orga- ka, Serbien und Montenegro, Somalia und China genisationen wie zum Beispiel UNICEF und das tan haben.
Entwicklungsprogramm UNDP.
Wo wir nun schon bei China sind, mu ß offen auch eine
Die Bestrafung der Menschenrechtsverletzer
Warnung ausgesprochen werden. Menschenrechte
Die Vereinigten Staaten arbeiten auf allen Ebenen der stehen an erster Stelle unserer außenpolitischen Ziele
Diplomatie, bi- und multilateral an der Aufdeckung von und das wird auch so bleiben. Aber weder sie noch ein
Menschenrechtsverletzungen, erregen die Aufmerk- anderer Punkt können der einzig entscheidende Faksamkeit der Völkergemeinschaft und fordern bei Ver- tor unserer Politik gegenüber einem Land sein. Nachstößen von dem jeweiligen Land wenn möglich einen dem wir alle Zeugen der brutalen Mißachtung der
fundamentalen Menschenrechte auf dem Platz des
Preis.
Himmlischen Friedens waren, haben wir von allen
Unsere Jahresberichte über Menschenrechte in Ländern der Wert Chinas Menschenrechtsverletzunjedem Land der Welt veröffentlichen Informatio- gen gegenüber die härteste Position eingenommen.
nen über die Situation in den jeweiligen Län- Unser Sanktionsprogramm ist nach wie vor das widerdern, sind für unsere eigene Entscheidungsfin- standsfähigste der Wert. Wir glaubten jedoch damals
dung von Bedeutung und stärken die weltweiten - und ich glaube das auch heute noch - daß wir unsere
Ziele zunichte machen würden, wenn wir eine Politik
Verhaltensregeln.
der Isolation oder Konfrontation verfolgen würden, um
Wir richten im Rahmen internationaler Organi- Chinas Verhalten zu beeinflussen. Wir haben in unsesationen die weltweite Aufmerksamkeit auf rem Dialog mit China über die Menschenrechte Fortunerhörte Menschenrechtsverletzer. Die Verei- schritte gemacht - wir erreichten die Freilassung von
nigten Staaten haben dieses Jahr mit Erfolg politischen Gefangenen und ermöglichten es denjeniResolutionen in der Generalversammlung des gen, die es wünschen, zu emigrieren - aber bei weitem
UNO-Sicherheitsrats unterstützt, um Menschen- nicht so vielen wie wir gerne sähen.
rechtsverletzungen in Kuba und im Sudan aufWir täuschen uns nicht über die erzielten Fortschritte,
zuzeigen.
sondern geben zu, daß sie nicht ausreichen. Es steht
Die Vereinigten Staaten haben entschieden das weiterhin an erster Stelle unserer politischen TagesPrinzip unterstützt, daß jeder, der sich Men- ordnung, in China auf allen Ebenen auf die Achtung der
schenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen Menschenrechte zu dringen. Gleichzeitig verfolgen
schuldig macht, einzeln zur Rechenschaft gezo- wir die erfolgreiche Politik, durch Engagement in China
gen werden muß. Aus diesem Grunde haben einen Wandel herbeizuführen. Die von uns ermutigte
wir internationale Bemühungen zur Gründung wirtschaftliche Liberalisierung und Reform in China
einer UNO-Expertenkommission zu den Greu- hat ein unwiderstehliches Drängen auf Wandel nach
eltaten im ehemaligen Jugoslawien angeführt. sich gezogen. Jeder, der einmal in Südchina und
Und wir haben dem UNO-Generalsekretär vier Zeuge der dort stattfindenden Umgestaltung war, weiß,
Berichte über die dortigen Menschenrechtsver- daß wir Erfolg haben.
letzungen vorgelegt, alle mit dem Ziel, die Täter
dieser barbarischen Verbrechen vor Gericht zu Die Förderung von Frieden und Stabilität
bringen.
Das sich am stärksten entfaltende Gebiet unserer
In anderen Teilen der Welt stellen wir ganz oder Menschenrechtspolitik ist das der humanitären Hilfe.
teilweise unsere Hilfe an die Länder ein, in Einige der schwerwiegendsten Menschenrechtsverdenen gravierende Menschenrechtsverletzun- letzungen in der heutigen Welt rühren von Konflikten
gen zu beklagen sind, beispielsweise Indone- aufgrund von wiederauflebendem Nationalismus, ethnischem Haß oder mangelnder bürgerlicher Ordnung
sien, Togo, Kamerun und Kenia.
und Anarchie her. Die Vereinigten Staaten haben eine
Wir erheben regelmäßig auf höchster Regie- Reihe bedeutsamer Anstrengungen unternommen, um
rungsebene Einspruch gegen ernsthafte Verlet- Frieden und Stabilität auf der Welt zu fördern und bei

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Seite 3

�der Verhinderung und Lösung dieser Konflikte zu
helfen - Konflikte, die das Recht der Menschen auf
Leben und ihre Niederlassungsfreiheit in ihrem Heimatland bedrohen.

Leben gekommen. Jedes vierte somalische Kind unter
fünf Jahren mußte bei der Hungersnot sein Leben
lassen. Wir haben das Leiden im Fersehen gesehen:
Kinder mit hervortretenden Augen und aufgeblähten
Bäuchen, Dörfer mit Menschen, die eher Skeletten
Präsident Bush hat zur Unterstützung der inter- gleichen als Menschen. Wir sahen uns mit dem
nationalen Maßnahmen zur Friedenssicherung möglichen Tod von einer Million oder mehr Menschen
bekanntgegeben, daß die Vereinigten Staaten konfrontiert. Und warum? Weil Kriegstreiber, Verbredie Agenda für den Frieden des Generalsekre- cher und jugendliche Banditen zufrieden sind, ihre
tärs unterstützen und unser nationales Engage- Nachbarn und die Hilfe für sie vor unseren Augen
ment für die Erweiterung unserer Fähigkeiten verfaulen zu sehen?
zur Friedenserhaltung und die der Vereinten
Nationen eindeutig dargelegt. Wir haben die Aufgrund unseres Mitgefühls für das somalische Volk
Friedensbemühungen der Vereinten Nationen und unseres Entsetzens über diesen enormen Verlust
von Zypern über den Libanon bis nach Kambod- an Menschenleben haben wir eine Mission zur Rettung
scha und dem ehemaligen Jugoslawien ent- Somalias vor dem Verhungern in die Wege geleitet.
schieden unterstützt, ebenso wie die regionalen Das Ausmaß unseres Engagements zur Verteidigung
Maßnahmen zur Friedenssicherung der KSZE, der Menschenrechte in Somalia könnte nicht offenkundiger - oder wertvoller sein. Wir versprechen mehr als
WEU, NATO und anderer.
Nahrungsmittel und Geld, wir entsenden 28.000
Wir leisteten Hilfe zur Förderung der Stabilität in Amerikaner unter Einsatz aller erforderlichen Mittel,
den von Drogenhändlern und Terroristen heim- um Somalia vor dem Verhungern zu retten. Kontingesuchten Ländern.
gente aus Afrika, Lateinamerika, dem Nahen Osten
und Asien werden sich beteiligen. Ihr Auftrag ist rein
Wir unterstützen die Bestrebungen der UNO zur humanitär: die Hilfslieferungen sicherzustellen und
Ächtung von Ländern wie Irak und Libyen, deren den Weg für die UN-Friedenstruppen sowie den ProAktionen ihre Nachbarstaaten destabilisieren zeß der politischen Aussöhnung zu bereiten.
und unser Gefühl grundlegender menschlicher
Würde verletzen.
Wir können keine größere Verpflichtung zur VerteidiWir stellen Millionen Dollar an Katasfrophenhilfe gung der Menschenrechte eingehen als das Leben
für von künstlich verursachten und Naturkata- unserer jungen Soldaten zur Rettung des Lebens
strophen betroffene Menschen zur Verfügung - anderer aufs Spiel zu setzen.
von den nahezu 20 Millionen aufgrund der Dürre
im südlichen Afrika vom Hungertod Bedrohten
bis zu den Bestrebungen, die Flüchtlinge und
Vertriebenen im ehemaligen Jugoslawien und
nördlichen Irak mit Nahrungsmitteln, Kleidern,
Decken und Unterkunft zu versorgen.

Schlußbemerkung

Als Regierung und als Volk sind wir stolz auf die
amerikanische Führungsrolle und die Bilanz der Vereinigten Staaten bei der Verwirklichung von Menschenrechten. Unser Engagement gründet sich auf starke
überparteiliche Unterstützung, die vor allem die offene
Wir liefern massive Hilfe an die Opfer von Rechts- Geisteshaltung der Amerikaner widerspiegelt.
verletzungen. Allein in diesem Jahr werden die
Vereinigten Staaten durch den Bewilligungs- Die Tatsache, daß ein Großteil der Welt in jüngster Zeit
fonds für Migration und Flüchtlingshilfe sowie in eine Phase zunehmender ethnischer Gewalt und
den Nothilfefonds des Präsidenten nahezu 700 Bürgerkriege getreten zu sein scheint, stellt für uns
Millionen Dollar an Hilfe für die Opfer politischer, eine Herausforderung dar. Wir gedenken daher des
gesellschaftlicher und religiöser Verfolgung Tags der Menschenrechte als Ausdruck unserer Verbereitstellen.
pflichtung zur Bewältigung dieser Herausforderung.
Wir wollen nicht auf das zurückblicken, was wir geleiSomalia
stet haben, sondern nach vorne auf das, was wir tun
können und müssen, um wachsenden Respekt für
Das jüngste und vielleicht anschaulichste Beispiel des
Menschenrechte und das menschliche Leben zu föramerikanischen Engagements für Menschenrechte ist
dern. Es ist eine Herausforderung, zu deren Bewältidie von uns übernommene Führungsrolle bei der Hilfe
gung sich die Vereinigten Staaten - als unabdingbarer
für Somalia. Dort werden wir Zeuge einer MenschenTeil unserer Au ßenpolitik - verpflichtet haben. Und es
rechtstragödie monumentalen Ausmaßes. Über 250.000
ist eine Herausforderung, die wir - obwohl wir bezüglich
Somalier sind an Unterernährung oder durch hungerder Mittel oder Strategien unterschiedlicher Meinung
bedingte Krankheiten gestorben. 30.000 Menschen sind - gemeinsam angehen werden.
vornehmlich Zivilisten - sind bei den Kämpfen ums
* * * * *

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�SERBIEN
16. Dezember 1992

KOSTEN DER SERBISCHEN UND
MONTENEGRINISCHEN POLITIK EXTREM HOCH
Ansprache von Robert Rackmales
BELGRAD - (AD) - Der amerikanische Geschäftsträger Robert Rackmales sprach am 8. Dezember 1992 vor
dem Institut für Weltpolitik und -Wirtschaft über "Die Aussichten für die Beziehungen zwischen Belgrad und
Washington".
Nachfolgend veröffentlichen wir seine Ausführungen im Wortlaut.

In nur wenigen Wochen werden die neuen Regierungen in Belgrad und Washington mit Entscheidungen
konfrontiert, die für unsere künftigen Beziehungen von
lebenswichtiger Bedeutung sind. Diese Beziehungen
befinden sich offensichtlich in einer Krise, und ich
werde gleich einige meiner Ansichten darüber darlegen, wie diese Krise entstand. Es ist jedoch nicht mein
Ziel, eine weitere Diskussion über die Geschichte zu
beginnen und darüber zu debattieren, wer was hätte
tun können, und wann man die in einem Großteil des
ehemaligen Jugoslawiens stattfindende schreckliche
Tagödie hätte verhindern können. Es wird bereits auf
übertriebene, um nicht zu sagen besessene Art und
Weise immer wieder über vergangene Missetaten der
anderen gesprochen. Das mag im Moment vielleicht
Genugtuung bereiten, lenkt jedoch ab von dem für die
Einschätzung der gegenwärtigen Situation des Landes und die Entwicklung einer Politik zur Erreichung
einer Zukunft in Sicherheit und Wohlstand für die
Bürger notwendigen nüchternen Nachdenken.
Vor dieser Zuhörerschaft brauche ich nicht darauf
hinzuweisen, daß eine Zukunft in Sicherheit und
Wohlstand fürdie Bürgervon Serbien und Montenegro
wohl kaum erreichbar ist, wenn das jetzige Ausmaß an
Isolierung von der Völkergemeinschaft und Konfrontation mit ihr bestehen bleibt, geschweige denn, wenn es
verstärkt wird. Ich kenne bereits viel zu viele Familien,
deren jüngere Mitglieder in anderen Ländern ein produktiveres Leben führen wollen. Wenn dieses Land
erfolgreich sein soll, kann es sich nicht leisten, einige
der fähigsten Mitglieder der kommenden Generation
zu verlieren. Wir wissen, daß ein Land lange Zeit in
fast völliger Isolation überleben kann - Libyen, Burma
oder Albanien vor dem Jahr 1990 sind Beispiele hierfür. Ich kann jedoch nicht glauben, daß diese Länder
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attraktive Modelle für ein Volk darstellen, das sich
seiner aktiven Einbeziehung in das politische, wirtschaftliche und kulturelle Leben der Region und Europas rühmte. Es ist eine traurige Ironie der jetzigen
Situation, daß diejenigen, die in den Jahren nach 1948
mutig die ihnen auferzwungene Isolation durchbrachen, in Osteuropa die ersten waren, die ihre Grenzen
öffneten und Beziehungen zu Organisationen wie der
OECD anknüpften, jetzt stärker isoliert sind als jemals
vor 1948.
Unglücklicherweise hat eine anhaltende Kampagne in
den staatlichen Medien viele wohlmeinende Menschen
hier davon überzeugt, daß Belgrads Isolation einfach
auf die böswilligen Motive anderer Länder, natürlich
einschließlich der Vereinigten Staaten, zurückzuführen ist. Ich werde Ihre und meine Zeit nicht mit einer
detaillierten Widerlegung der wilden Anschuldigungen
verschwenden, wie unserem angeblichen Interesse
an der Errichtung eines islamischen Fundamentalistenstaates in Bosnien, um uns bei den islamischen
Staaten beliebt zu machen, oder den üblichen
Falschmeldungen über die vorgebliche Macht der albanischen oder kroatischen Lobbyisten im amerikanischen Kongreß oder die paranoiden Fantasien über
obskure internationale Verschwörungen. Tatsächlich
ist es ganz offensichtlich, daß diejenigen, die derartigen Unsinn venbreiten, normalerweise die zynische
Absicht verfolgen, ihre politischen Förderer von der
Verantwortung für die jetzige Situation des Landes zu
befreien. In diesem Sinne erkenne ich die Verantwortung, die Frage anzusprechen, die mir öfter als jede
andere gesteift wird: Warum behandeln die Vereinigten Staaten, die in zwei Weltkriegen unser Verbündeter waren, Serbien und Montenegro jetzt als Gegner
und verhängen Sanktionen und andere StrafmaßahSehe 1

�men gegen sie? Ich stelle fest, daß genau diese Frage
am Ende von Dr. Petkovics kürzlich veröffentlichter
Untersuchung über 100 Jahre der Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Jugoslawien gestellt wird, und daß sie eine ernstzunehmende Antwort
verdient.

Monate nach Unterzeichnung der Charta von Paris
erkannte die Welt folglich mit wachsender Ungläubigkeit und Bestürzung, daß eine neue und verhängnisvolle Bedrohung der friedlichen demokratischen Ordnung in Europa aufgetaucht war - eine Bedrohung, die
den faschistischen Bewegungen der zwanziger und
dreißiger Jahre besorgniserregend ähnlich war. Genau
Diese Antwort muß mit einer Untersuchung der Natur wie diese vermischte die neue Bedrohung Elemente
und der Ziele der Allianz, die im Zweiten Weltkrieg des übertriebenen Nationalismus, der Verherrlichung
gegen Faschismus und Aggression kämpfte, eingelei- militärischer Stärke, des Vertrauens in paramilitäritet werden. Nachdem die Vereinigten Staaten und ihre sche und kriminelle Organisationen, die weitverbreitewestlichen Verbündeten Zeugen des Scheiterns ihrer te Ausnutzung von Angst und Einschüchterung, die
Anstrengungen waren, die Welt trotz des unglaubli- Verteufelung von Gegnern, die besessene Beschäftichen Leids und der Opfer des Ersten Weltkrieges für gung mit tatsächlicher oder eingebildeter Ungerechtigdie Demokratie zu sichern, sahen sie die Notwendigkeit gegen die eigene Gruppe sowie die Ausnutzung
keit, ein Gerüst von Werten und Prinzipien bekanntzu- von Propaganda, um die eigenen Anhänger von der
geben, die als ihre fundamentalen Kriegsziele und als Weltmeinung zu isolieren und sie gegen Kritiker im InCharta für die Nachkriegszeit dienen sollten. Der erste und Ausland zu mobilisieren.
fundamentale Ausdruck dieser Ziele war die am 14.
August 1941 von Präsident Roosevelt und Premiermi- Keines dieser Phänomene war einzigartig für Serbien
nister Churchill bekanntgegebene Atlantikcharta. In oder das ehemalige Jugoslawien. Das Anwachsen
diesem Dokument stellten die Verbündeten fest, daß von extremistischen nationalistischen Bewegungen,
sie nach der endgültigen Zerschlagung des Naziter- die aus Haß gegründet wurden und zu Gewalttätigkeit
rors "einen Frieden, der allen Nationen die Mittel an die neigen, ist in großen Teilen Europas zu beobachten Hand gibt, ein Leben in Sicherheit zu führen", suchten von Frankreich über Deutschland bis Rußland. Aber
und allen Menschen "ein Leben befreit von Angst und während die Regierungen dieser Länder versucht haben,
Not" ermöglichen wollten. Im letzten Absatz der Atlan- diese antidemokratischen Bewegungen zu bekämptikcharta werden "alle Nationen der Welt aus realisti- fen, hat die Regierung Serbiens, gelinde gesagt, eine
schen und geistigen Motiven" dazu aufgerufen, "auf freundliche Umgebung für diejenigen geschaffen, die
Gewalt zu verzichten."
Verbrechen begingen, die die Menschheit schockierten. Diese Verbrechen wurden unter dem Banner der
An diese Prinzipien, die in der Charta der Vereinten "Selbstbestimmung" begangen, haben aber tatsächNationen weiter kodifiziert wurden, dachten die Alliierlich nichts mit diesem Konzept zu tun.
ten direkt nach dem Krieg, als die Sowjetunion mit Hilfe
von Gewaltanwendung und Einschüchterung die Völ- Aus Zeitgründen kann ich nicht auf Einzelheiten der
ker Osteuropas unterwarf. Die westliche Antwort Serie tragischer Ereignisse eingehen, die in dem entbestand nicht nur in der erforderlichen Eindämmung setzlichen, noch andauernden Blutbad in Bosniender sowjetischen Militärmacht und ihres politischen Herzegowina ihren Höhepunkt fanden. Es gibt ganz
Einflusses, sondern auch in der noch deutlicheren offensichtlich große Unterschiede zwischen dem Urteil
Formulierung von Prinzipien und Normen demokrati- der Völkergemeinschaft über diese Ereignisse und
schen Verhaltens als Grundlage einer Ordnung in dem vieler hier lebender Menschen. Ich sagte bereits
Europa für die Zeit nach dem Kalten Krieg. Jetzt ist zu Anfang meiner Ausführungen, daß es wenig hilfdeutlich geworden, daß die KSZE-Schlußakte in der reich ist, wenn hier eine Debatte über die in der ersten
Nachkriegsgeschichte Europas einen viel größeren Hälfte dieses Jahres stattgefundenen Ereignisse
Wendepunkt darstellte, als man sich bei ihrer Unter- angeregt wird, bei denen alle Parteien Fehler gemacht
zeichnung im Jahr 1975 bewu ßt war. Ihre Bestimmun- haben. Es ist jedoch meine Pflicht, die drei Hauptgrüngen zu Menschenrechtsfragen (an deren Formuliede zu nennen, warum in den Augen der meisten
rung ich in meiner Eigenschaft als Mitglied der KSZEMenschen auf der Welt die Hauptlast der VerantworArbeitsgruppe Anfang der siebziger Jahre in Washing- tung für die Tragödie von Bosnien-Herzegowina bei
ton in geringem Ausmaß mitgewirkt habe) spielten den Serben liegt.
eine bedeutende Rolle als stimulierende Kraft für den
Erstens wurden die frühesten Gewalttaten (vor ihrer
Demokratisierungsprozeß in Osteuropa und schließlich in der Sowjetunion selbst. Der Sieg dieser Kräfte Aufdeckung) von paramilitärischen Einheiten aus Serbien
in den Jahren 1989,1990 und 1991 führte zum ersten und Montenegro begangen, die gegen Nichtserben
Mal seit 1945 zu der realen Hoffnung, daß sich Europa Akte der Gewalt und der Einschüchterung begingen.
Der Krieg brach nicht spontan aus sondern wurde,
kurz vor einem neuen, beispiellosen Zeitalter der Sicherheit, demokratischen Freiheiten und friedlichen ohne daß eine nennenswerte Bedrohung der Sicherheit der serbischen Bevölkerung vorlag, von außen
Zusammenarbeit befand. Die Unterzeichnung der
Charta von Paris im Jahr 1991 war ein Symbol für diese bewußt angezettelt.
Hoffnungen.

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AMERIKA DIENST 50

�Zweitens hat der Krieg zwar zu Grausamkeiten gegen
unschuldige Opfer aus allen drei ethnischen Gruppen
geführt, aber die größte Greueltat - der systematische
Beschuß und die Aushungerung großer Städte durch
ihre Belagerung - wurde von serbischen Truppen
begangen, die als einzige die Mittel und den Willen
haben, solche Verbrechen gegen die Menschlichkeit in
großem Ausmaß zu begehen. Genau diese Verbrechen haben mehr als alles andere die Welt zum
Handeln veranlaßt. Mehr als in jedem anderen Krieg
in diesem Jahrhundert sind vor allem die Zivilisten das
Hauptziel militärischer Aktionen, was eine Verhöhnung der Genfer Konventionen darstellt.
Drittens wurde die Politik der Vertreibung unschuldiger, aus einer anderen ethnischen oder religiösen
Gruppe stammender Zivilisten aus ihren Häusern, die
sogenannte "ethnische Säuberung", von den serbischen Truppen in Bosnien in einem Ausmaß betrieben, das alles seit den Zeiten des Nationalsozialismus
in Europa Geschehene in den Schatten stellt. Niemand hat ethnische Säuberung "erfunden" - leider war
sie schon seit Menschengedenken ein brutaler Bestandteil unserer Geschichte. Im gegenwärtigen Krieg
waren die Serben Opferderselben Praxis. Aber nichts,
was die anderen Konfliktparteien taten, kommt der
systematischen, von offizieller Seite begonnenen
Kampagne der ethnischen Säuberung gleich, die von
den bosnisch-serbischen Truppen - bei Beginn des
Konfliktes in Zusammenarbeit mit der jugoslawischen
Armee - durchgeführt wurde.
All dies bedeutet nicht, daß wir den Leiden der zahlreichen serbischen Kriegsopfer gegenüber gleichgültig
oder unsensibel sind. Die von den Vereinigten Staaten
für internationale Organisationen wie den Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen (UNHCR) oder
UNICEF bereitgestellten über 140 Millionen Dollar an
humanitärer Hilfe wurden in nichtdiskriminierender Weise
an alle verteilt, auch die serbischen Flüchtlinge und alle
betroffenen ethnischen Gruppen in den Kriegszonen
von Bosnien-Herzegowina. Tragischerweise behinderten die bosnisch-serbischen Streitkräfte selbst am
häufigsten die Hilfskonvois, die den belagerten Städten Hilfe bringen wollten, und zwangen damit den
UNHCR zu einem Zeitpunkt, jegliche Hilfe für Ostbosnien einzustellen. Im Gegensatz zu der Empörung, die
die Blockade der Hilfslieferungen weltweit auslöste,
legten die offiziellen Medien hier Indifferenz gegenüber dem Leiden der NichtSerben an den Tag - eine
Tatsache, die wenig zur Verbesserung des Images
von Serbien in der Welt beigetragen hat.
Die Serben dürfen nicht für Maßnahmen verantwortlich gemacht werden, die ohne ihre Zustimmung durchgeführt und mutwillig von den offiziellen Medien verzerrt werden. Ihr Interesse am Wohlergehen ihrer
Mitbürger in Bosnien-Herzegowina ist natürlich und
legitim. Selbst die offiziellen Medien können inzwischen die Tatsache nicht mehr verschleiern, daß die

AMERIKA DIENST 50

Politik der Gewaltanwendung und ethnischen Säuberung die Zukunft aller Völkergemeinschaften in diesem
Land untergraben hat. Alle Berichte über das Leben in
"befreiten" Städten wie Foca und Visegard bestätigen
die Aussicht auf langfristige Armut und Elend. Die
beste Hilfe, die Serben ihren Brüdern in BosnienHerzegowina anbieten können, ist, darauf zu bestehen, daß die verheerende Politik aufgegeben wird, die
ihrem Volk nur Elend beschert hat.
Blickt man über die vordringlichen Themen der Krise in
Bosnien-Herzegowina hinaus, so hängt die Wiedereinnahme des rechtmäßigen Platzes von Serbien und
Montenegro in der Weh und die Wiederherstellung der
traditionell freundschaftlichen Beziehungen zu den
Vereinigten Staaten auch von einer amtierenden
Regierung ab, die zu bindenden Verpflichtungen in der
Lage ist, auf deren Einhaltung man vertrauen kann.
Offen gesagt, berechtigt die Bilanz der vergangenen
18 Monate nicht zur Hoffnung. Die Beispiele nichteingehaltener Zusagen, leerer Deklarationen, von Erinnerungslücken und des Umschreibens der Geschichte
können hier nicht alle aufgezählt werden. Ich möchte
feststellen, daß die Bundesregierung von Dobrica Cosic
und Milan Panic diese Mängel zu Recht in der Erkenntnis des Schadens zu beheben versucht hat, den unseriöses Verhalten gegenüber der übrigen Welt auf den
internationalen Stand von Serbien und Montenegro
hat. Obwohl es ihr gelungen ist, eine Tür zu der
internationalen Staatengemeinschaft offen zu halten,
reichten ihre Bestrebungen jedoch angesichts der
verfestigten Opposition nicht aus, mit der sie sich
konfrontiert sahen.
Nehmen Sie beispielsweise den Vanceplan. Diesem
Abkommen stimmten führende Politiker in Belgrad unter ihnen der serbische Präsident Milosevic, die
Präsidentschaft von Restjugoslawien und der damalige ranghöchste Offizier der jugoslawischen Bundesarmee, General Kadijevic, - vor nahezu einem Jahr zu.
Ungeachtet dieser Unternehmungen ist die Bilanz der
Einhaltung durch Belgrad eine Kette gebrochener
Versprechen. Die Stationierung der UNO-Schutztruppe UNPROFOR wurde genehmigt, andere zentrale
Aspekte wurden jedoch verzögert oder niemals erfüllt:
Der Abzug der letzten Einheiten der jugoslawischen Armee aus Kroatien dauerte bis zum
Herbst. Präsident Cosic wurde dafür von eben
denjenigen hart kritisiert, die vor fast einem Jahr
Cyrus Vance ihr Wort dafür gegeben hatten.
Weder die Demobilisierung noch Entwaffnung
der serbischen Miliz in den von der UNO geschützten Gebieten hat stattgefunden. Belgrader Behörden haben ihre Hände angesichts
dieses Problems in Unschuld gewaschen und
jede Verantwortung für Waffen weit von sich
gewiesen, mit denen die Serben vor Ort von der
jugoslawischen Armee ausgerüstet wurden.

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�In serbisch kontrollierten Gebieten Kroatiens
wurde die "ethnische Säuberung" fortgesetzt.
Sowohl Serben als auch Nichtserben sind Opfer
der Gesetzlosigkeit. Das örtliche Rechtssytem
ist seiner Funktion enthoben.
Heute ist die Mißachtung der Rechtsstaatlichkeit nicht
nur ein Problem in den von der UNO geschützten
Gebieten, sondern bereitet auch Serbien und Montenegro zunehmend Anlaß zur Sorge. Bewaffnete paramilitärische Einheiten und Banden haben Gemeinden
in Wojwodina und Sandschak terrorisiert und dennoch
sehen sich die Gericht außerstande, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Im Kosovo ist es
praktisch unmöglich, von Gesetz zu sprechen, wenn
der Notstand herrscht. Die Welt und besonders mein
Land können nicht verstehen, wie es internationalen
Kriminellen gestattet wird, die persönlich für die Ermordung unbewaffneter Zivilisten in Kroatien und ähnliche
Greueltaten in Bosnien verantwortlich sind, sich frei zu
bewegen, sich als Geschäftsleute auszugeben - oder
sich sogar als Kandidaten für das Parlament aufstellen
zu lassen. Die ins Ausland vermittelte Botschaft lautet:
Hier wird Gewehren die Vorherrschaft über das Gesetz eingeräumt. Um Präsident Cosic zu zitieren: Die
den Paramilitärs gegebene freie Herrschaft bedroht
jeden in den beiden Republiken Lebenden - und ich
möchte hinzufügen, ungeachtet seiner Nationalität.

Bosnien-Herzegowina führte am 30. Mai 1992 zur
Verhängung von Sanktionen durch die Vereinten
Nationen. Die Profite aus Handel, technischer Hilfe zur
Umstrukturierung der Wirtschaft sowie des Finanzflusses - für die Entwicklung und letztlich den Wohlstand
von Serbien und Montenegro entscheidend - sind
eingefroren.
Es steht außer Frage, daß diese Sanktionen in Kraft
bleiben werden, bis die Bedingungen von Resolution
752 des UN-Sicherheitsrats und der nachfolgenden
Resolutionen erfüllt sind. Wie wir kürzlich beobachten
konnten, veranlaßten Beweise für die Verletzung der
Übergangsbestimmungen für Sanktionen die Vereinten Nationen am 16. November zu einer weiteren
Verschärfung des Sanktionsregimes. Gegebenenfalls
werden weitere Schritte unternommen.
Am 22. September entschied die UN-Generalversammlung, daß die "Föderative Republik Jugoslawien" nicht
die Fortsetzung der "Sozialistischen Republik Jugoslawien" ist und die FRJ als neues Land einen Antrag auf
Mitgliedschaft in der UNO und ihren Organisationen
stellen muß. Diese Entscheidung wird weitgehend
angewandt: von der OECD bis zu Weltbank und IWF,
von der Internationalen Zivilluftfahrt-Organisation bis
zum GATT.

Seit Verhängung der Sanktionen habe ich eine Reihe
von
der Regierung und den Oppositionsparteien vorAll dies hat jedoch auch Auswirkungen auf die Position
gelegter
"Wirtschaftsprogramme" gesehen. Sie waren
von Serbien und Montenegro im Ausland. Das Prosich
in
einem
einig: Der Unmöglichkeit der Verwirkliblem, auf das ich mich beziehe, ist umfassender als die
chung
eines
rationalen
wirtschaftlichen Entwicklungsoffizielle Duldung von Kriminellen. Zeitweise ist es für
programms
solange
die
Sanktionen in Kraft sind. Der
ausländische Beobachter unklar, ob ein institutionaliPreis
für
Serbien
und
Montenegro für die aktuelle
siertes Regierungssystem - wie das Konzept von der
Politik
ist
die
internationale
Isolation und kontinuierliKSZE verstanden wird - hier überhaupt existiert. Selbst
che
Dezimierung
der
Wirtschaft.
als Serbien und Montenegro sich in diesem Frühjahrzu
einer Föderation zusammengeschlossen haben, mißInternational bleibt der Handel eingefroren.
achteten die Regierungen der Republiken die Autorität
Ausländische Investitionen fließen in andere
des Staates weiterhin. Die Besetzung des HauptquarLänder. Wissenschaftliche und akademische
tiers der Bundespolizei durch die serbische RepublikAustauschprogramme gehören der Vergangenpolizei in Mißachtung der Gerichtsbeschlüsse ist nur
heit an.
ein Beispiel für die Bereitschaft der Behörden der
Republik, ihre eigenen Regeln aufzustellen. Obwohl
Im Inland sind die Volkswirtschaften von Serdie Bundesverfassung die Bundesregierung mit der
bien und Montenegro bereits schwer angeschlaFührung der auswärtigen Angelegenheiten für die beiden
gen, nicht nur durch die Sanktionen, sondern
Republiken beauftragt, gibt es keine einheitliche Auauch aufgrund jahrzehntelanger Planwirtschaft
ßenpolitik. Zumindest im Falle Serbiens ertaubt die
und sozialistischer Selbstverwaltung. InsbeVerfassung der Republik darüber hinaus den serbisondere die derzeitige Politik der serbischen
schen Behörden ausdrücklich, die ihnen nicht genehRegierung ist ein Rückschritt und verschleiert
men staatlichen Maßnahmen zu ignorieren. Ein solnur vorübergehend die Auswirkungen der Sankches System ist bestenfalls verwirrend und untergräbt
tionen und einer anachronistischen Volkswirtdie Fähigkeit jedes politisch Verantwortlichen, eine
schaft. Im nächsten Jahr werden nur weitere
ernsthafte Außenpolitik zu betreiben und die Welt
massive Arbeitslosigkeit, Produktionsrückgang
davon zu überzeugen, daß er Verpflichtungen eingeund galoppierende Inflation zu beobachten sein.
hen kann.
Bisher wurden die Auswirkungen der Sanktionen
Das Fehlen einer effektiven, verantwortungsbewuß- besonders aufgrund der laschen Durchsetzung teilten staatlichen Autorität und die Unterstützung der weise umgangen und durch die Vergabe neugedruckRegierungsvertreter der Republik für den Krieg in ter Dinarscheine an Arbeiter (die häufig nicht arbeiten),

Seite 4

AMERIKA DIENST 50

�Bauern und Rentner verdeckt. Wir alle wissen jedoch,
daß es so etwas wie ein kostenloses Mittagessen nicht
gibt. Die Hyperinflation wird noch mehr Dinare verschlingen, bis der Wert des Dinars völlig vergeudet ist.
Wie werden die ohnehin untätigen Arbeiter dann bezahlt? Jugoslawiens neuester Dinar hat bereits seit
Juni dieses Jahres 85 Prozent an Wert verloren.
Es ist ein Fehler anzunehmen, Serbien und Montenegro könnten das Ende der Sanktionen abwarten, die
UNO würde allmählich ermüden und die Blockade
aufheben. Das wird sie nicht tun. Die Sanktionen
wurden gerade verschärft und werden gegebenenfalls
weiter verschärft.

und Femsehanbietern auf ausgewogener und bezahlbarer Grundlage Frequenzen zugänglich machen. Sie
kann sicherstellen, daß private Publikationen Zugang
zu Verbrauchsmaterial, Geräten und einem zuverlässigen Verteilungssystem erhalten. Darüber hinaus
darf die Regierung nicht wegsehen, wenn Journalisten
von radikalen Politikern bedroht werden und Firmen
von Werbemaßnahmen oder Geschäften mit unabhängigen Medien entmutigt werden.

Kurzum, Objektivität bedeutet, daß man unter Nutzung so vieler Quellen wie möglich alle verfügbaren
Informationen offenlegt und nicht nur eine Seite der
Geschichte präsentiert. Objektive Medien unterscheiden eindeutig zwischen Tatsache und Meinung. DieEs ist auch ein Fehler, sich in dem Glauben zu wiegen, ser Maßstab muß auf sämtliche gesendeten Informaeine Umgehung der Sanktionen würde irgendwie tionen angewendet werden, nicht nur auf die Abendermöglichen, daß das Leben weitergeht wie bisher. nachrichten. Medien, die dies nicht tun, produzieren
Selbst vor den Sanktionen wurden 10 bis 20 Prozent Propaganda, keine Nachrichten.
des serbischen Handels auf dem "grauen" Markt abgewickelt - außerhalb des Gesetzes. Wie hoch ist der Genau dies bedeutet Ausgewogenheit in der BerichtProzentsatz heute? 30? 40 oder noch höher? Wieviel erstattung über Wahlen. Es bedeutet nicht, einer
Wirtschaft außerhalb des Gesetzes - mit Schwarz- Gruppe oder politischen Partei einen kurzen Abschnitt
märkten, offizieller Korruption und Schutzbanden - am Ende der Nachrichten zu widmen. Ich fürchte, die
wollen Serbien und Montenegro dulden? Haben sie Medien in Serbien und Montenegro - besonders die
einmal Fuß gefaßt, sind Kriminelle und Korruption offiziellen Medien - erfüllen die Kriterien für Objektivität
außerordentlich schwer wieder zu beseitigen. Die und Fairneß bei weitem nicht.
Folge einer auf das reine Überleben ausgerichteten
Volkswirtschaft wird letztlich Armut und wachsende Zuschauer von TV Belgrad hatten keine ausgewogene
Kriminalität sein, wenn organisierte Banden die lukra- Erklärung, warum UNO-Resolution 787 zur Verschärtiven Schwarzmärkte übernehmen und sich bei Regie- fu ng der Sanktionen verabschiedet wurde. TV Belgrad
rungsvertretern einschmeicheln, die sie mit Konzes- räumte Radovan Karadzic und Ratko Mladic lange
Sendezeit ein, um ihre Meinung zu den Vorgängen in
sionen belohnen können.
Bosnien kundzutun. Über die Ansichten der anderen
Der freie Informationsfluß ist eine weitere grundlegen- Konfliktparteien oder der Mitgliedstaaten des UN-Side Komponente des KSZE-Prozesses und eines der cherheitsrats, die für die Resolution gestimmt hatten,
Schlüsselelemente einer funktionierenden Demokra- wurde jedoch kaum berichtet.
tie. In der Tat wird die Fairness der Wahlen vom 20.
Dezember bereits aufgrund der restriktiven Medien- Auch die westlichen Medien begehen Fehler. Die
landschaft in Serbien und Montenegro in Zweifel gezo- westlichen Medien sind jedoch ebenso wenig in einer
gen. In seiner Beurteilung der Lage vor den Wahlen für antiserbischen Verschwörung miteinander verbunden
den Zeitraum Mitte November stellte das Internationa- wie all die Länder der Vereinten Nationen, die für die
le Republikanische Institut (IRI) fest: "Nach Ansicht Verhängung der Sanktionen stimmten. Wenn die
der Fernseh- und Sonderinformationsprogramme ist Medien nicht immer völlig objektiv sind, so sind sie
das IRI der Überzeugung, daß die serbischen und doch grundsätzlich ehrlich. Wenn sie mehr über
montenegrinischen elektronischen Medien nach wie serbische Angriffe und Beschießungen sowie, ja, über
vor als massive Propagandamaschinerie dienen. Dem Greueltaten berichten, so informieren sie über das,
IRI liegen Beweise dafür vor, daß die Fernsehnach- wozu sie Zugang haben und was sie selbst sehen und
richten in der Woche vor der Entsendung der Untersu- erfahren können. Was sie sehen und erfahren, ist das,
chungsmission vom 17.-22. November auf das Ni- worüber sie berichten.
veau einer Vorwahlmanipulation durch die Regierungspartei gesunken war." Es bedarf kaum besonderer Was können die politisch Verantwortlichen in Serbien
Erwähnung, daß die Fortsetzung solcher Praktiken und Montenegro tun, um die Isolation und internationaalle Bemühungen untergraben wird, die Wert davon zu le Verurteilung zu überwinden, die künftige Generatioüberzeugen, die bevorstehenden Wahlen seien frei nen gefährdet?
und fair.
Erfüllung der bei der Londoner Konferenz getroffenen Vereinbarungen sowie Einsatz des
Was zur Korrektur dieses entstellten Bildes erforderpolitischen, moralischen und wirtschaftlichen
lich ist, sind radikale Veränderungen der MediengesetEinflusses, den Belgrad besitzt, um zu gewährze und -politik. Dazu kann die Regierung mehrere
leisten, daßdie Führung der bosnischen Serben
Schritte unternehmen. Sie kann privaten Rundfunkdasselbe tut.
AMERIKA DIENST 50

Seite 5

�Dem seibischen und montenegrinischen Volk
die Wahrheit sagen. Solange Serben und Montenegriner ein ehrliches Bild dessen entbehren,
was in Bosnien-Herzegowina geschieht, wird es
schwierig sein, die katastrophale Politik zu ändern.
Wahrung der Rechtsstaatlichkeit in Serbien und
Montenegro. Solange es paramilitärischen
Kräften und gewöhnlichen Verbrechern gestattet wird, den Durchschnitt sbürgerstraflos einzuschüchtern und zu terrorisieren, wird die Bereitschaft und Fähigkeit Belgrads, das Völkerrecht
einzuhalten, in Zweifel gezogen.
Herstellung von Chancengleichheit für die Wahlen
am 20. Dezember, indem faire Behandlung der
Opposition in den staatlich kontrollierten Medien gewährleistet wird, die heute gegen sie

eingestellt sind, und indem man dem serbischen
Volk die Chance gibt, in einem echten demokratischen Prozeß für die Kandidaten seiner Wahl
zu stimmen.
Zusammenfassend ist festzustellen, daß die Zukunft
der Beziehungen zwischen Belgrad und Washington
vor allem von der Bereitschaft der von den Wählern
dieses Landes am 20. Dezember bestimmten Entscheidungsträger abhängt, sich erneut die Werte zu
eigen zu machen, für die wir gemeinsam gegen den
Faschismus gekämpft haben, sich wieder der Welt der
neunziger Jahre anzuschließen und politische Maßnahmen aufzugeben, die drohen, uns über ein halbes
Jahrhundert zurückzuwerfen und die Bemühungen
einer ganzen Generation hier zunichte zu machen, die
die Chance verdient, ein besseres Leben aufzubauen.

* * * *

Seite 6

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AMERIKA DIENST 50

�PORTRAT
16. Dezember 1992

LANGJÄHRIGER PERSÖNLICHER FREUND
ALS CLINTONS STABSCHEF
Thomas F. "Mack" McLarty

WASHINGTON - (AD) - Mit der Ernennung von Thomas F. "Mack" McLarty zu seinem Stabschef hat der
künftige Präsident Bill Clinton einen langjährigen Freund,
erfolgreichen Geschäftsmann und Politiker ausgewählt,
um die Aufsicht über seine Mitarbeiter zu führen und
seine Zeit im Weißen Haus zu organisieren.

Seine Wahl als Abgeordneter des Kongresses von
Arkansas im Jahr 1969 machte den 23jährigen zum
jüngsten Volksvertreter in der Geschichte des Bundesstaates. Teilweise aufgrund des Einflusses seiner
Familie wurde McLarty, als er Ende zwanzig war, in
den Vorstand des Erdgasunternehmens Arkla Inc. in
Lousiana gewählt. McLarty beschloß schließlich, ganz
McLarty, 46, ist für sein freundliches Wesen und seine bei Arkla zu arbeiten. Ihm gelang schnell der Aufstieg
gesellschaftlichen Fähigkeiten bekannt, und politische innerhalb des Unternehmens, und 1985 wurde er
Analytiker prophezeien, daß er seine eigene Persön- dessen Vorsitzender. Presseberichten zufolge ist
lichkeit und seine Vorrechte denen Clintons unterord- McLarty jetzt Millionär.
nen wird. Auch nimmt man an, daß McLarty Clinton
verschiedene Ansichten vorlegen wird, anstatt auf Ebenso wie Clinton engagierte sich McLarty im politiseiner eigenen zu bestehen.
schen Leben von Arkansas. Er war Parteivorsitzender
der Demokraten in Arkansas, war während Clintons
McLarty, der Clinton schon seit seiner Kindheit kennt, Wahlkampagnen für das Amt des Gouverneurs als
erklärte, es werde seine Aufgabe sein, dem neuen Schatzmeister tätig und beriet auch andere Politiker
Präsidenten die Wahrheit zu sagen. Und erversprach, aus Arkansas.
Clinton gegenüber "immer direkt (ehrlich) zu sein", um
sicherzustellen, daß Clinton als Führer der Nation nicht Zu seiner neuen Rolle merkte McLarty an: "Ich habe
isoliert wird.
mein Leben im Herzen des Landes (außerhalb Washingtons) verbracht... aber durch meine Erfahrung
McLarty und Clinton besuchten zusammen in Hope, als... Geschäftsmann, in der Legislative des BundesArkansas, den Kindergarten. McLartys Familie war staates und als ehemaliger Parteivorsitzender kenne
wohlhabend und besaß die örtliche Autohandelsnie- ich Washington gut und weiß, wie der Verwaltungsapderlassung von Ford, Clintons weniger begüterter Stief- parat dort funktionieren muß."
vater die von Buick. Ihre Freundschaft blieb auch
bestehen, als sie erwachsen waren und dauert bereits McLarty lebt gegenwärtig mit seiner Frau Donna in
ihr ganzes bisheriges Leben.
Little Rock, Arkansas. Sie haben zwei Kinder.
Nachdem er seinen Abschluß an der University of
Arkansas gemacht hatte, baute McLarty den Autohandel der Familie zu einem der größten Transportunternehmen der Region aus.
* * * * *

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�PORTRAT
16. Dezember 1992

BENTSEN ALS FINANZMINISTER NOMINIERT
Langjähriges Senatsmitglied hat starke wirtschaftliche Interessen

WASHINGTON - (AD) - Der gewählte Präsident Clinton hat Senator Lloyd Bentsen als Chef des Finanzministeriums nominiert. Dies ist zweifellos der wichtigste
wirtschaftspolitische Posten in der amerikanischen
Regierung.
Durch die Entscheidung für Bentsen, der seit 22 Jahren Mitglied des Senats ist, scheint Clinton die Aussichten zu verbessern, seine wirtschaftspolitischen
Programme im Kongreß durchzusetzen und eine seit
vier Jahren andauernde Pattsituation in Schlüsselbereichen der Steuer- und Ausgabenpolitik zu beenden.
Bei der Ankündigung der Nominierung für das Finanzressort erklärte Clinton am 10. Dezember 1992, Bentsen zeichne sich besonders dadurch aus, daß er den
Respekt der amerikanischen Finanzwelt genieße und
gleichzeitig Mitgefühl für die finanziell weniger Begünstigten zeige.

Er verwies auf seine Frustration darüber, daß die
Bemühungen zur Verabschiedung eines harten Gesetzes zur Verbrechensbekämpfung, einer Wahlkampfreform und eines Steuergesetzes, das wirtschaftliche
Anreize zur Schaffung von Arbeitsplätzen und Ankurbelung der Konjunktur einbezog, am Veto von Präsident Bush scheiterten.
Der in Texas geborene Bentsen bringt in seine Position
eine umfassende Kenntnis des Kongresses sowie
langjährige Erfahrung in der Beschäftigung mit
Steuer-, Handels- und Gesundheitspolitik ein.
Er war 1970 nach einem Sieg über George Bush in den
Senat eingezogen.

Es wird erwartet, daß die Nominierung Bentsens, der
für seine staatsmännische Haltung im Finanzausschuß
des Senats und seine Leistungen als Kandidat der
Demokratischen Partei für das Amt des Vizepräsiden"Wenn man in der amerikanischen Politik die Worte ten im Jahr 1988 gerühmt wurde, den Finanzmärkten
Statur, Würde und Respekt ausspricht, denkt man an die Sicherheit vermittelt, daß die wirtschaftspolitischen
den Namen Lloyd Bentsen", erklärte Clinton. "Ich hatte Schaltstellen des Landes in guten Händen sind und
ihre Interessen berücksichtigt werden.
ihn seit langem für diese Position im Sinn."

Bentsen, der Clintons wichtigster wirtschaftspolitischer In den Jahren seiner Tätigkeit als Vorsitzender des
Sprecher sein wird, teilte Reportern nach der Ankündi- Finanzausschusses des Senats, des Gemeinsamen
gung mit, die nächste Administration erbe ein doppel- Steuerausschusses, als Mitglied des Gemeinsamen
tes Defizit sinkender Investitionen und unausgegliche- Wirtschaftsausschusses sowie des Senatsausschusner Haushalte.
ses für Handel, Wissenschaft und Verkehr hat Bentsen
die Interessen der Wirtschaft stärker unterstützt als die
"Wir sind entschlossen, beide auf ein normales Maß zu meisten anderen demokratischen Parlamentarier.
begrenzen", erklärte Bentsen. "Was es (das amerikanische Volk) fordert, sind keine Wunder, sondern Als eines der wohlhabendsten Mitglieder des Senats
Fortschritte, und die wird es bekommen."
mit einem Nettoeinkommen von über 10 Millionen
Dollar, das er aus Beteiligungen an Immobilien, RanAuf den kritischen Hinweis, seine Berufung bringe ches, Landwirtschaft, Bergbau, öl und Gas bezieht,
einen Ansatz des "business as usual" in die Clinton- war Bentsen ein energischer Befürworter von SteuerAdministration, erwiderte Bentsen: "Ich habe all diese erleichterungen für Immobilieninteressen sowie ölGeschichten über meine Position als Insider gehört. und Gasproduzenten.
Ich möchte Ihnen sagen, daß ich mich seit zwölf
Jahren wie ein Au ßenseiter fühle und der Pattsituation Obwohl er die Senkung der Kapitalertragsteuer theoüberdrüssig bin."
retisch befürwortet, lehnte Bentsen eine solche Redu-

AMERIKA DIENST 50

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�zierung ab, als Präsident Bush sich weigerte, diese mit unterstützt, obwohl er der Meinung war, es müsse
einer Steuererhöhung für Besserverdienende zu ver- mehr getan werden, um damit zusammenhängende
knüpfen.
Arbeits- und Umweltfragen zu behandeln.
Darüber hinaus hat er sich für eine Anhebung der Von politischen Aktionskomitees wurde Bentsens
Summe eingesetzt, die Einzelpersonen auf steuerfreie Unterstützung bestimmter politischer Programme weder
Rentenkonten einzahlen können sowie dafür, die von Liberalen noch von Konservativen als besonders
Verwendung dieser Mittel für die Finanzierung von prägnant eingestuft.
Ausbildung und Wohneigentum zu gestatten.
Obwohl Bentsens Ausscheiden aus dem Senat ClinEr hat eine Reduzierung der Sozialversicherungssteu- tons Unterstützung im Finanzausschuß schwächen
er mit dem Argument abgelehnt, sie werde das Defizit könnte, hat der als wahrscheinlicher Nachfolger Bentsteigern und die Anhebung anderer Steuern erfordern. sens als Ausschußvorsitzender angesehene Senator
Daniel Patrick Moynihan bereits erklärt, seine wichtigBentson spielte gemeinsam mit dem für das Amt des ste Priorität werde es sein, "das Programm des PräsiDirektors der Haushaltsbehörde nominierten Leon denten durch den Kongreß zu bringen".
Panetta eine Schlüsselrolle bei der Erarbeitung des
1990 verabschiedeten auf fünf Jahre angelegten Pakets Die Gouverneurin von Texas, Ann Richards, hat die
zum Defizitabbau um 500 Milliarden Dollar.
Besorgnis geäußert, Bentsens Ausscheiden könnte
den Republikanern eine Chance eröffnen, einen Sitz
"Mehr als die meisten Demokraten im Kongreß ver- im US-Senat zu erringen.
traut er auf den Markt und militärische Stärke ... aber
er ist ebenso stark davon überzeugt, daß die Armen Der 71jährige Bentsen wurde zum ersten Mal 1948 in
und Hilflosen Schutz und Beistand vom Staat benöti- den Kongreß gewählt, schied jedoch nach sechs Jahren
gen", schrieb das National Journal in seiner letzten aus, um ein Versicherungsunternehmen in Houston
Zweijahresanalyse der Kongreßmitglieder.
aufzubauen. Erverbrachte 16 Jahre als Unternehmer
in Houston und wurde vor seinem Sieg bei der SenatsIn Handelsfragen war Bentsen eines der einflußreich- wahl von 1970 Präsident von Lincoln Consolidated,
sten Kongreßmitglieder. Er ist grundsätzlich Befür- einer Finanzholding.
worter des freien Handels, hat jedoch Besorgnis über
japanischen Protektionismus geäußert. Er hat das Er wurde am 11. Februar 1921 in Mission (Texas)
Handelsgesetz Super 301 unterstützt, das amerikani- geboren und schloß im Jahr 1942 sein Jurastudium an
sche Regierungsvertreter für Handelsfragen auffor- der juristischen Fakultät der University of Texas ab.
dert, einseitige Maßnahmen gegen als unfair angese- Danach trat er in die US-Armee ein. Im Zweiten
hene Handelspartner zu verhängen.
Weltkrieg wurde er als B-24-Pilot und Staffelkommandeur zum Major befördert. Er wurde mit dem DistinBentsen hat ein Junktim zwischen Auslandshilfe und guished Flying Cross ausgezeichnet.
Handel befürwortet, die Initiative für das Karibische
Becken durch den Kongreß geleitet und das Nordame- Mit seiner Frau Beryl Ann, geb. Longino, die auch als
rikanische Freihandelsabkommen (NAFTA) energisch B.A. bekannt ist, hat er zwei Söhne, Lan und Lloyd III.
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AMERIKA DIENST 50

�PORTRAT
16. Dezember 1992

CLINTON ERNENNT PARTEIVORSITZENDEN
DER DEMOKRATEN ZUM HANDELSMINISTER
Porträt von Ron Brown

WASHINGTON - (AD) - Ron Brown hat dazu beigetragen, die Demokratische Partei im Präsidentschaftswahlkampf 1992 hinter Bill Clinton zu vereinen. Jetzt
möchte Clinton, daß Brown Wirtschaft und Regierung
zur Bewältigung einer weiteren großen Herausforderung, dem internationalen Wettbewerb, vereint.

Darüber hinaus wird er für die erfolgreiche Organisation des demokratischen Konvents für Clinton in New
York verantwortlich gemacht, wobei er die erforderlichen Kompromisse mit so unterschiedlichen führenden Persönlichkeiten der Partei wie Jackson, dem
Clinton-Gegner Jerry Brown aus Kalifornien und Gouverneur Mario Cuomo aus New York aushandelte.

Der von Clinton für das Amt des Handelsministers
berufene 51jährige Brown wird vom Wall Street Jour- Ferner wird ihm Anerkennung gezollt, weil er die
nal als "der Washingtoner Insider schlechthin" be- Bemühungen der Demokratischen Partei bei Finanzierung, Forschung und Strategie reformierte, die zum
zeichnet.
Wahlsieg Clintons im November beitrugen.
Er war 11 Jahre als Rechtsanwalt fürdie Bürgerrechtsorganisation National Urban League tätig und diente Seit 1982 ist Brown als Lobbyist für die wichtige in
darüber hinaus als mit der ständigen Vertretung beauf- Washington ansässige, für Unternehmen tätige Antragter Anwalt und Stabsdirektor für Senator Edward waltskanzlei Patton, Boggs and Blow tätig, bei der er
Kennedy sowie als juristischer Chef berater des Justiz- Teilhaber ist.
ausschusses des Senats.
Wenn es Opposition gegen seine Berufung für das
Brown unterstützte Kennedys erfolglose und entzwei- Handelsressort geben sollte, dann wäre dies eine
ende Bewerbung gegen den Amtsinhaber Präsident mögliche Quelle. Zu seinen Klienten zählten Japan Air
Jimmy Carter um die Präsidentschaftsnominierung Lines, 21 japanische Elektronikfirmen sowie die eheder Demokratischen Partei im Jahr 1980. Seither hat malige Regierung Haitis unter Jean-Claude "Baby
sich Brown jedoch häufig um die Einheit der Partei Doc" Duvalier.
bemüht.
Brown erklärte am 12. Dezember 1992 während der
Der Nachrichtenagentur Reuter zufolge erklärte sich Pressekonferenz in Little Rock, bei der Clinton seine
Brown 1988 nur auf Drängen von Parteifunktionären, Berufung bekanntgab, er werde seine Erfahrung eindie darauf bedacht waren, Konflikte mit dem Präsi- setzen, um das Handelsministerium zu motivieren,
dentschaftskandidaten Michael Dukakis zu entschär- Clintons Ziel der wirtschaftlichen Erneuerung zu verfen, bereit, den Auftritt seines Mitstreiters für die Bür- wirklichen.
gerrechte, Jesse Jackson, beim demokratischen Par"Das wird Teamarbeit sein", stellte Brown in einer
teikonvent zu organisieren.
vorbereiteten Erklärung fest. "Die Erhöhung der ExDem 1989 zum Vorsitzenden des Nationalen Aus- porte, Förderung neuer Technologien, Unterstützung
schusses der Demokraten gewählten Brown wird das der wirtschaftlichen Entwicklung - all dies erfordert
Verdienst zugeschrieben, Clinton während des Vor- integriertes, behördenübergreifendes Handeln, das
wahlkampfs um die Nominierung 1992 vor möglichen die alten Grenzen zwischen Wirtschaft, Gewerkschafschädlichen Auseinandersetzungen innerhalb der ten und Regierung überschreitet."
Partei bewahrt zu haben.
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AMERIKA DIENST 50

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�PORTRAT
16. Dezember 1992

DESIGNIERTER ARBEITSMINISTER LEGT
BETONUNG AUF AUS- UND FORTBILDUNG
Porträt von Robert Reich

WASHINGTON - (AD) - Obwohl der vom künftigen
Präsidenten Clinton für das Amt des Arbeitsministers
nominierte Robert Reich viel über Arbeitsfragen publiziert hat, ist er kein Wirtschaftswissenschaftler.
Aber Reich - Dozent an der Harvard University, profilierter Autor, prominenter Fernsehkomentator, Verfasser von Leitartikeln und Mitbegründer des Economic
Policy Institute - ist ein langjähriger Freund von Bill
Clinton.
Seit sie sich als Rhodes-Stipendiaten an der Oxford
University kennenlernten und gemeinsam die juristische Fakultät von Yale besuchten, haben Clinton und
Reich kontinuierlich über Wirtschaft und Politik diskutiert.
Clinton hat Reich zum Leiter der Wirtschaftsgruppe
des Übergangsteams ernannt. Obwohl bisherige
Arbeitsminister nicht viel zur Wirtschaftspolitik zu sagen
hatten, könnte Reich aufgrund seiner langen Verbindung zu Clinton einen Unterschied bewirken.
Aus Reichs Sicht erfordert die zunehmend grenzenlose Weltwirtschaft mit multinationalen Unternehmen,
die ihre Produktion in den Ländern ansiedeln, wo sie
die profitabelsten Möglichkeiten vorfinden, eine neue
amerikanische Beschäftigungspolitik.
Reich zufolge werden Arbeitsplätze im Fertigungsbereich in andere Länder verlagert. Obwohl die Zahl der
Arbeitsplätze im Dienstleistungssektor zunimmt, werden die Gehälter aufgrund der Einwanderer niedriggehalten.

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AMERIKA DIENST 50

Was die Vereinigten Staaten benötigen, so Reich, sind
mehr Wissenschaftler, Ingenieure, Berater, KünstlerMenschen, die er als symbolische Analytiker bezeichnet, die ihr Wissen und ihre Kreativität dazu verwenden, den Wert von Waren und Dienstleistungen zu
steigern, die andere Menschen produzieren. Sie lösen
die großen Probleme und werden gut bezahlt.
Amerikanische und ausländische Firmen werden sich
nur dann in den Vereinigten Staaten ansiedeln, wenn
sie gut ausgebildete Arbeitskräfte und hochentwickelte Technologie sowie ein ausgebautes Straßen- und
Kommunikationsnetz vorfinden.
Um die Zahl der symbolischen Analytiker aufzustokken, erläutert Reich, sind bessere Aus- und Fortbildung erforderlich als die meisten der privilegierten
Amerikaner heute erhalten sowie ausreichende Ernährung und Gesundheitsfürsorge für Kinder, um eine
solche Ausbildung zu gewährleisten.
"Statt die Rentabilität der unter ihrem Banner segelnden Unternehmen zu erhöhen oder die weltweite Beteiligung ihrer Bürger zu erweitern, besteht die wirtschaftliche Rolle einer Nation darin, den Lebensstandard ihrer Bürger durch eine Aufstockung dessen zu
verbessern, was sie zur Weltwirtschaft beitragen",
schrieb Reich in seinem 1991 veröffentlichten Buch
The Work of Nations.
Zur Zeit ist Reich Dozent für Politologie an der John F.
Kennedy School of Government der Harvard University. Unter der Ford-Administration war Reich persönlicher Referent des Stellvertretenden Justizministers
und während der Carter-Administration Leiter für politische Planung der staatlichen Handelskommission.

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�PORTRAT
16. Dezember 1992

CLINTON SIEHT HERAUSFORDERUNGEN FÜR
DESIGNIERTE GESUNDHEITSMINISTERIN
Porträt von Donna Shalala
WASHINGTON - (AD) - Der gewählte Präsident Bill Clinton vertraut darauf, daß Donna E. Shalala, die er als
nächste Gesundheitsministerin (Secretary of Health and Human Services - HHS) nominiert hat, das Fachwissen besitzt, um sich nach ihrem Amtsantritt im Januar einer Reihe beängstigender Herausforderungen zu stellen
und diese in den Griff zu bekommen.

In einer Pressekonferenz am 11. Dezember 1992
bezeichnete Clinton eine vollständige Reform des
amerikanischen Gesundheitswesens, die Beschäftigung mit der eskalierenden AIDS-Krise des Landes
sowie die Erweiterung des Head-Start-Programms,
das darauf abzielt, Vorschulkindern aus einkommensschwachen Familien eine ausreichende Ernährung
und Bildungschancen zu garantieren, als vordringlichste dieser Herausforderungen.
Gleichzeitig, so betonte der gewählte Präsident, wird
kein Ministerium der Bundesregierung stärker dazu
angehalten werden, das Anwachsen des US-Haushaltsdefizits in den nächsten vier Jahren eindämmen
zu helfen.

Als Zeugnis für ihren Erfolg bei der Leitung der sechstgrößten Universität des Landes wurde ihr im Jahr 1992
von der amerikanischen Gesellschaft für öffentliche
Verwaltung der Preis für Verdienste um den öffentlichen Dienst sowie vom amerikanischen Politologenverband der jährlich vergebene Preis für besondere
Forschungsleistungen in Urbanistik verliehen. Zuvor
war sie vom Wirtschaftsmagazin Business Week
bereits zu einer der fünf besten Verwaltungsfachleute
im höheren Bildungswesen und von Ladies Home
Journal zu einer der 50 einflußreichsten Frauen in den
Vereinigten Staaten erklärt worden.
Vor ihrer Tätigkeit bei der University of Wisconsin in
Madison war die designierte Ministerin sieben Jahre
lang Rektorin des zur City University of New York
gehörenden Hunter College.

"Alle Berge, die Donna Shalala in der Vergangenheit
erstiegen hat, sind nichts im Vergleich zu der Aufgabe,
vor der sie nun steht", erklärte Clinton.
Darüber hinaus war sie von 1972 - 79 au ßerordentliche
Professorin für Politologie und Pädagogik an der CoShalala, die zur Zeit Professorin für Politologie und lumbia University, von 1970 - 72 Professorin für PoliRektorin der University of Wisconsin in Madison ist, tologie am Bemard M. Baruch College (ebenfalls Teil
verwies darauf, daß sie als Kind und junge Erwachse- der City University of New York) sowie von 1965 - 70
ne stets davon geträumt hatte, einen wichtigen Beitrag Leiterin des Fachbereichs Urbanistik und später Assizum Aufbau einer besseren Wert zu leisten.
stentin des Dekans der Syracuse University.
"Diesen Traum habe ich immer noch", erklärte sie.

Kurz nach ihrem Collegeexamen im Jahr 1962 reagierte
Seitdem sie 1988 in Madison als erste Frau die Leitung Shalala auf den Appell Präsident John F. Kennedys
einer großen Universität des Mittelwestens übernahm, an die Jugend Amerikas und trat in den Entwicklungshat sich Shalala auf die Verbesserung der Collegeaus- dienst Peace Corps ein. Sie ging zwei Jahre in den
bildung, die Anwerbung und Beibehaltung hervorra- Iran, wo sie Englischunterricht gab und bei der Gegender Dozenten, Mitarbeiter und Studenten, die meindeentwicklung half.
Modernisierung der Forschungseinrichtungen und Während der Carter-Administration war sie erneut im
Verbesserung der Chancen für Frauen und Angehöri- öffentlichen Dienst tätig und von 1977 - 80 als Abteige von Minderheiten konzentriert.

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�lungsleiterin im Ministerium für Wohnungsbau und
Stadtentwicklung (HUD) für politische Konzepte und
Forschung zuständig.
~. ^ . „ L . « L . .
. ,.
....
Die 51 jahnge Shalala wurde als Tochter libanesischer
Eltern am 14. Februar 1941 in Cleveland (Ohio) gebo-

ren. Nach dem Besuch öffentlicher Schulen erhielt sie
1962 am Western College for Women (Oxford, Ohio)
ihr Bakkalaureat. 1968 legte sie an der Syracuse
University ihre Magisterprüfung ab und promovierte
^^ 1 g 7 0 i n Soziologie

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AMERIKA DIENST 50

�PORTRAT
16. Dezember 1992

PANETTA ZUM DIREKTOR DER
HAUSHALTSBEHÖRDE ERNANNT
Renommierter Experte im Kongreß

WASHINGTON - (AD) - Mit der Ernennung von Leon
Panetta zum Direktor der US-Haushaltsbehörde hat
sich derkünftige Präsident Clinton für einen in Finanzfragen äußerst versierten Experten des Landes entschieden.
Panetta, 54, seit 1977 Mitglied des Repräsentantenhauses, war seit 1979 für zunächst 6 Jahre im Haushaltsausschuß des Hauses tätig. 1989 trat er die
Nachfolge seines Kollegen im Repräsentantenhaus,
William Gray, als Vorsitzender dieses Gremiums an.

Zwei Jahre später arbeitete er am Entwurf eines Abkommens mit der Reagan-Administration mit, das zu
Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen in den
Haushaltsjahren 1988 und 1989 führte - ein Pakt, den
Reagan später öffentlich brandmarkte, weil er sich zu
stark auf die Steuerseite stützte.

Panetta genießt den Ruf, Meister des unergründlichen
Haushaltsverfahrens zu sein. Und obwohl er au ßergewöhnlich geschickt in der Erfassung der kleinsten
Details ist, vermittelt er eine deutliche Sicht des Gesamtbildes. Bei der Übernahme des Ausschu ßvorsitEr war einer der Unterhändler des Kongresses in den zes stellte er fest: "Mit dem Haushalt geben Sie eine
langen und häufig kontroversen Haushaltsdebatten Erklärung ab, wo die Nation steht und in welche
der Bush-Administration im Herbst 1990, die zu einem Richtung Sie sie dirigieren wollen."
auf fünf Jahre befristeten Haushaltsplan führten, der
zumindest im Augenblick noch in Kraft ist.
Obwohl er wortgewandt für die Reduzierung des enormen Haushaltsdefizits eintritt, bewirkte Panetta doch Diese Vereinbarung sollte Präsident Bush in ernsthaf- unterstützt von der Bush-Administration - einen Sinte politische Schwierigkeiten bringen, da sie eine Abkehr neswandel im Kongreß, der einen ausgeglichenen
von seinem Wahlkampfversprechen des Jahres 1988 Haushalt durch ein Änderung der amerikanischen
"keine neuen Steuern" während seiner Amtszeit be- Verfassung zwingend vorschreiben wollte.
deutete.
Er verwarf diesen Ansatz als Trick und brachte eine
Im Rahmen der Bestimmungen des Etats können die eigene Gesetzesvorlage ein, die einen ausgeglicheGesetzgeber zumindest theoretisch keine neuen nen Etat bis zum Haushaltsjahr 1998 durch die KomAusgaben vorschlagen ohne ausgleichende Kürzun- bination von schrittweisen Ausgabenkürzungen in
gen bei anderen Programmen oder Steuererhöhungen Gesamthöhe von 725 Milliarden Dollar und Steuererzu deren Finanzierung. Obwohl der Mechanismus höhungen über diesen Zeitraum hinweg zum Ziel hat.
weit davon entfernt ist, perfekt zu funktionieren, erklä- Sein Gesetzentwurf lag dem Repräsentantenhaus
ren Panetta und andere an der Erarbeitung des Pakts jedoch noch nicht vor, als sich der Kongreß im Oktober
Beteiligte, das Defizitproblem wäre - so gravierend es vertagte.
ist - ohne diese Vereinbarung um etliche Millionen
Dollar schlimmer.
Panetta gelingt es, seine Konzentration auf Haushaltsfragen durch die Fähigkeit auszugleichen, sich über
Die zähen Verhandlungen von 1990 waren nicht das sich selbst und die Probleme lustig zu machen. Eine
erste Mal, bei dem Panetta sich in den Mittelpunkt der geistreiche Bemerkung, die mit Gelächter quittiert
Haushaltserörterungen stellte: 1985 war er ein Prota- wird, ist Standard bei seinen häufigen Pressekonfegonist bei der Aushandlung des Gramm-Rudman- renzen.
Haushaltsausgleichsgesetzes zwischen Repräsentantenhaus, Senat und dem damaligen Präsidenten Ronald Unter seinen Kollegen auf dem Capitol Hill ist er sehr
Reagan.
beliebt - ein Bonus, der der Clinton-Administration
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�zugute kommen wird, wenn sie ihre Programme durch
den Kongreß bringen will.

Schutz der Küstengewässer vor öl- und Erdgasbohrungen stark gemacht.

Inzwischen als gemäßigter bis liberaler Demokrat
eingeschätzt, begann Panetta seine politische Laufbahn als Republikaner.

Als Sohn italienischer Einwanderer wurde Panetta in
Monterey (Kalifornien) geboren, dem Wahlkreis, den
er heute vertritt. Er machte 1960 seinen Abschluß an
der University of Santa Clara und legte 1963 dort sein
Juraexamen ab. Von 1964 bis 1966 diente er in der
US-Armee.

Er war juristischer Assistent von Thomas Küchel,
einem republikanischen Senator aus Kalifornien und
danach Leiter des US-Büros für Bürgerrechte unter
der Nixon-Administration. 1970 wurde er aus diesem
Amt entlassen, nachdem er sich über die seines Erachtens zu langsamen Bestrebungen der Administration zur Beseitigung der Rassentrennung beschwert
hatte, und wechselte im Jahr darauf die Partei.

Nach seiner Tätigkeit für Küchel und das Büro für
Bürgerrechte war Panetta persönlicher Referent des
New Yorker Bürgermeisters John Lindsay und praktizierte dann als Rechtsanwalt, bis er sich 1976 für den
Kongreß aufstellen ließ.

Obwohl Haushaltspolitik Panettas Stärke im Kongreß
Panetta und seine Frau Sylvia haben drei Söhne. Die
ist, war er aktives Mitglied des LandwirtschaftsausFamilie wohnt weiterhin in Kalifornien. Panetta fliegt
schusses, schützte die Interessen der Agrar- und für gewöhnlich am Wochenende nach Hause. WähFertigungsindustrie in seinem vorwiegend ländlichen rend der Arbeitswoche in Washington wohnt er zusamWahlbezirk, der sich von der kalifornischen Küste ins men mit drei Kongreßabgeordneten in einem StadtInland erstreckt. Er hat sich für Umweltthemen wie den haus auf dem Capitol Hill.

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�PORTRAT
16. Dezember 1992

CLINTON BERUFT HANDELSEXPERTIN ALS
WICHTIGSTE WIRTSCHAFTSBERATERIN
Erste Frau als Vorsitzende des Rats der Wirtschaftsberater

WASHINGTON - (AD) - Die vom künftigen Präsidenten Clinton getroffene Wahl für den Posten des Vorsitzenden des Rats der Wirtschaftsberater (CEA) läuft
den traditionellen Mustern für diesen Posten des
Chefberaters in Wirtschaftsfragen zuwider.
Die Professorin für Volks- und Betriebswirtschaft an
der University of California (Berkeley), Laura D'Andrea
Tyson, ist bekannter für ihre Werke über Handels- und
Investitionsprobleme als über umfassendere makroökonomische Fragen, auf die sich die meisten ihrer
Vorgänger spezialisiert hatten.
"Laura Tysons wegbereitende Arbeiten über internationale Wettbewerbsfähigkeit und Handel, Produktions- und Technologiefragen haben unser Verständnis dessen verbessert, was die Vereinigten Staaten
zum wirtschaftlichen Erfolg in der neuen Weltwirtschaft benötigen", erklärte Clinton bei der Bekanntgabe dieser Berufung am 11. Dezember 1992. "Als
Vorsitzende des Rats der Wirtschaftsberater wird sie
in die wirtschaftlichen Analysen dieselbe Integrität
einbringen wie Leon Panetta und Alice Rrvlin in den
Haushaltsprozeß. Darüber hinaus wird sie eine beeindruckende Arbeitsbilanz in speziellen ökonomischen
Bereichen mitbringen, die meines Erachtens außerordentlich wichtig ist."

strie unterstützt Tyson darüber hinaus Gesetze, die es
den Vereinigten Staaten erlauben würden, einseitige
Maßnahmen gegen Länder zu ergreifen, denen unfaire Handelspraktiken unterstellt werden.
"Bisweilen hat man nur die Wahl zwischen Untätigkeit
einerseits und bilateralen Abmachungen oder einseitigen Handlungen andererseits", schrieb sie in ihrem
Buch. "Unter gewissen Umständen sind die Kosten
der Untätigkeit für das wirtschaftliche Wohlergehen
der Vereinigten Staaten unannehmbar hoch."
Reportern teifte Tyson am 11. Dezember mit, die
traditionelle Rolle des CEA, den Präsidenten in makroökonomischen und technischen Fragen zu beraten, werde nach wie vor von übergeordneter Bedeutung sein.
Darüber hinaus gab sie jedoch zu verstehen, daß ihre
Arbeit über Industriepolitik und Wettbewerbsfähigkeit
eine wichtige Rolle in der Tätigkeit des CEA spielen
werde.

"In den letzten Jahren ... hat die Wirtschaftswissenschaft zu erkennen begonnen, daß ein gesundes
makroökonomisches Umfeld keine Garantie für die
langfristige Gesundheit der amerikanischen Wirtschaft
darstellt", erklärte sie. "Wir benötigen sicherlich eine
Tyson wird die erste Frau in der Position eines Vorsit- gesunde Haushaltspolitik. Wir benötigen gewiß eine
gesunde Geldpolitik. Aber wir brauchen auch andere
zenden des CEA sein.
Dinge. Wir benötigen ein faires und vertretbares
In ihrem neuesten Buch "Who's Bashing Whom?" Krankenversicherungssystem. Wir benötigen eine
(etwa: "Wer schlägt auf wen ein?") setzt sich Tyson für erstklassige nationale Infrastruktur. Wir benötigen
engere Beziehungen zwischen Wirtschaft und Regie- eine starke Produktionsbasis. Wir brauchen wettberung ein, um der japanischen und deutschen Konkur- werbsfähige amerikanische Unternehmen. Wir brauchen neue Technologien, um unsere Unternehmen
renz entgegenzutreten.
wettbewerbsfähiger zu machen und unsere Umwelt zu
Als Befürworterin verstärkter Steuergutschriften und verbessern sowie die wichtigsten Umweltherausfordeöffentlicher Technologiefinanzierung für Branchen wie rungen der Zukunft in den Griff zu bekommen. Wir
die Halbleiter-, Flugzeug- und Supercomputerindu- benötigen ein offenes Welthandelssystem."

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�Clinton erklärte, wegen des Primats der Wirtschaft
werde dem Rat der Wirtschaftsberater in seiner Administration eine zentralere Rolle zukommen als in jeder
Administration seit Präsident Kennedy in den frühen
sechziger Jahren.
Ihm zufolge hat Tyson sowohl "einen außerordentlichen analytischen Ruf... (als auch) die Fähigkeit, die
zugrundeliegenden politischen und globalen Realitäten zu verstehen, die unsere Wettbewerbsfähigkeit als
Amerikaner beeinflussen".

Neben ihrem jüngsten Bush über Wettbewerbsfähigkeit hat Tyson zahlreiche Arbeiten über die Volkswirtschaften in Osteuropa und Japan vorzuweisen.
Tyson erwarb ihr Bakkalaureat am Smith College und
promovierte am Massachusetts Institute of Technology in Volkswirtschaft.

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�PORTRAT
16. Dezember 1992

RUBIN IN WIRTSCHAFT UND POLITIK
GLEICHERMASSEN ERFAHREN
Wirtschaftsberater Robert Rubin

WASHINGTON - (AD) - Der vom künftigen Präsidenten Bill Clinton ausgewählte Direktor des neuen Nationalen Wirtschaftsrates ist Berichten zufolge ein Mann, der das Funktionieren der Weltmärkte versteht und auch die
Politik liebt.

Am 10. Dezember 1992 kündigte Clinton an, er habe
Robert Rubin, 54jährigen Vorsitzenden der gigantischen Investmentgesellschaft an der Wall Street,
Goldman, Sachs &amp; Company, als Wirtschaftsberater
des Präsidenten ausgewählt. Rubin soll den neuen
Wirtschaftsrat, dem Clinton selbst Vorsitzen wird,
koordinieren und leiten.
Rubin, der bereits während der Wahlkampagne für
Clinton als Wirtschaftsberater tätig war, hat Berichten
des Wirtschaftsmagazins Business Week zufolge auf
jedem Finanzmarkt - vom Wertpapier- bis zum Rohstoffmarkt - gearbeitet.

Rubin wird als langjähriger Freund von Robert Strauss
bezeichnet, dem ehemaligen Bundesvorsitzenden der
Demokratischen Partei, gegenwärtigen amerikanischen
Botschafter in Rußland und früheren Handelsbeauftragten.
Rubin, der schon lange politisch aktiv ist, hat nicht nur
für Clinton, sondern auch für die ehemaligen Präsidentschaftskandidaten der Demokraten Walter Mondale und Michael Dukakis Geldmittel aufgebracht.
Laut Business Week ist Rubin ein Freund von Mario
Cuomo, Gouverneur des Bundesstaates New York,
und David Dinkins, Bürgermeister von New York City.

Rubin bestand die Abschlußprüfung an der Havard
University 'summa cum laude', besuchte die London
School of Economics, machte einen Abschluß in Jura
an der Yale University, war zwei Jahre als Jurist tätig
und begann 1966 bei Goldman. Ende der siebziger
Jahre war er für die Börsengeschäfte des UnternehEs wird berichtet, die beiden hätten dem Unternehmen mens verantwortlich.
durch Diversifizierung neue Märkte erobert, in der
Rohstoffabteilung durch Devisengeschäfte Erfolg gehabt
und ihre Investitionen bis nach Mexiko, Rußland und
Spanien ausgedehnt.

In ihrer Ausgabe vom 23. November pries die Zeitschrift die "geschäftstüchtige Strategie" von Rubin und
Stephen Friedman - beide seit 1990 Mitvorsitzende
von Goldman - zur Erzielung hoher Bruttogewinne der
Gesellschaft im Jahr 1991.

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�PORTRAT
16. Dezember 1992

UMWELTSCHUTZGRUPPEN BEGRÜSSEN
BROWNERS NOMINIERUNG
Clinton ernennt Leiterin der EPA

WASHINGTON - (AD) - Carol Browner, die ehemalige
parlamentarische Direktorin von einem der stärksten
Verfechter des Umweltschutzes im amerikanischen
Senat - dem jetzt gewählten Vizepräsidenten AI Gore
- wurde vom künftigen Präsidenten Clinton als Leiterin
des höchsten Postens für Umwehfragen der Vereinigten Staaten nominiert.

und innovative Führungskraft bei der Verwirklichung
von Fortschritten im Umweltbereich" ist.
Michael McCIoskey, Vorsitzender des Sierra Club,
einer der größten Umweltschutzgruppen, stellte in
einer Erklärung fest: "Ihre Ernennung ist eine
100prozentige Abkehr von der Polititk der Reaganund Bush-Administrationen, die Sonderinteressen über
die der amerikanischen Mittelschicht stellten."

In den vergangenen zwei Jahren leitete die 36jährige
die Abteilung für Umweltfragen des Staates Florida.
Davor war sie anderthalb Jahre als Leiterin des Mitar- Ihm zufolge hat sie als Leiterin des Umweltschutzambeiterstabs von Senator Gore tätig, der mit der Formu- tes von Florida Wiederverwertung der Verbrennung
von Abfall Vorrang eingeräumt und den Kampf zur
lierung von Gesetzesvorlagen betraut ist.
Erhaltung der Feuchtgebiete und zum Schutz der
Ihre Nominierung als Leiterin des Umweltschutzamtes Küsten vor öl- und Erdgaserschließungen angeführt.
(Environmental Protection Agency - EPA) wurde von
Umweltschutzgruppen begrüßt, die der Bush-Admini- Kurz nachdem sie im Jahr 1979 ihr Juraexamen abgelegt hatte, wurde Browner die mit der ständigen Vertrestration äußerst kritisch gegenüberstanden.
tung beauftragte Anwältin eines Ausschusses des
"Die Gemeinde der Umweltschützer nimmt ihre Ernen- Parlaments von Florida. 1983 zog sie als Stellvertrenung positiv auf, erklärte ein Sprecher des Fonds zur tende Direktorin von Citizen Action - einer BasisorgaVerteidigung der Umwelt, als er um eine Stellungnah- nisation - nach Washington.
me dieser gemeinnützigen Gruppe gebeten wurde.
"Ihre Tätigkeit in Senator Gores Büro wird geschätzt", 1986 wurde Browner M itarberterin von Senator Lawton
Chiles und trat drei Jahre später dem Mitarbeiterstab
stellt er fest.
des Senatsausschusses für Energie und Rohstoffe
Der Geschäftsführer des Fonds, Fred Krupp, bezeich- bei, bevor sie zu Gores Stab überwechselte.
nete es als "ausgezeichnete Entscheidung", da sie
unter Beweis gestellt habe, daß sie eine "talentierte Browner ist verheiratet und hat einen fünfjährigen
Sohn.
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AMERIKA DIENST 50

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                <text>&lt;strong&gt;1. KSZE&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eagleburger fordert energischere Maßnahmen im ehemaligen Jugoslawien&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede bei KSZE-Außenministertreffen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2.Menschenrechte&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush: im Bereich Menschenrechte bleibt noch viel zu tun&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Proklamation des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Menschenrechtspolitik muss Idealismus und Realität verbinden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Paul Wolfowitz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Engagement für Menschenrechte Schwerpunkt der Bemühungen in Somalia&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Staatssekretär Kanter&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Serbien&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kosten der serbischen und montenegrischen Politik extrem hoch&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache von Robert Rackmales&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Porträt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Langjähriger persönlicher Freund als Clintons Stabchef&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Thomas F. "Mack" McLarty&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bentsen als Finanzminister nominiert&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Langjähriges Senatsmitglied hat starke wirtschaftliche Interessen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Clinton ernennt Parteivorsitzenden der Demokraten zum Handelsminister &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt von Ron Brown&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Designierter Arbeitsminister legt Betonung auf Aus- und Fortbildung &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt von Robert Reich&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Clinton sieht Herausforderungen für designierte Gesundheitsministerin &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt von Donna Shalala&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Panetta zum Direktor der Haushaltsbehörde ernannt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Renommierter Experte im Kongreß&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Clinton beruft Handelsexpertin als wichtigste Wirtschaftsberaterin&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erste Frau als Vorsitzende des Rats der Wirtschaftsberater&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rubin in Wirtschaft und Politik gleichermaßen erfahren&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wirtschaftsberater Robert Rubin&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Umweltschutzgruppen begrüßen Browners Nominierung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Clinton ernennt Leiterin des EPA&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>ciniGrikci
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America
^HON

^

51

23. Dezember 1992
;8^'

, t , S v'

NAKR

EAGLEBURGER FORDERT KOOPERATION
VON NAKR UND NATO BEI FRIEDENSSICHERUNG
Erklärung bei NAKR-Ministertreffen

GATT

AMERIKANISCHER VERHANDLUNGSFÜHRER
DRÄNGT AUF ENDE DES PATTS BEI
GATT-GESPRÄCHEN
Erklärung von Rufus Yerxa

WIRTSCHAFT

WIRTSCHAFTSGIPFEL KONZENTRIERTE
SICH AUF LANGSAMERES WACHSTUM
UND INVESTITIONEN
Auszüge der Redebeiträge

PORTRAT

ANGESEHENER BÜRGERMEISTER ALS
WOHNUNGSBAUMINISTER NOMINIERT
Porträt von Henry Cisneros

BURGERRECHTE

DAS GESETZ, DAS AMERIKA VERÄNDERTE
von Jeannye Thornton-Hencke

THEMENINDEX

DER AMERIKA DIENST
2. Halbjahr 1992

Mit dieser letzten Ausgabe des Jahres 1992
wünscht die Redaktion des Amerika Dienst allen
Beziehern ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest
und ein friedliches und erfolgreiches neues Jahr
Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�NAKR
23. Dezember 1992

EAGLEBURGER FORDERT KOOPERATION VON
NAKR UND NATO BEI FRIEDENSSICHERUNG
Erklärung bei NAKR-Ministertreffen
BRÜSSEL - (AD) - Die Einigung über ein Programm kooperativer Vorbereitungen für Friedenssicherungsoperationen sollte dem amerikanischen Außenminister Eagleburger zufolge ein Ziel des Nordatlantischen Kooperationsrats (NAKR) und der NATO sein.
Beim Außenministertreffen des NAKR verwies Eagleburger am 18. Dezember 1992 in Brüssel darauf, man
betrachte es innerhalb der NATO als 'besonders wichtig, daß wir innerhalb des NAKR bei Planung, Ausbildung
und anderen Vorbereitungen für Friedenssicherungsoperationen eng zusammenarbeiten".
"Dies ist nicht nur wichtig zur Gewährleistung größerer Effektivität und der breitestmögliehen Beteiligung an
Friedenssicherungsoperationen", erklärte Eagleburger. "Es ist darüber hinaus lebenswichtig, mit den NAKRStaaten die Art von Partnerschaft und gewohnheitsmäßiger Zusammenarbeit ins Leben zu rufen, die innerhalb
der NATO traditionelle Feinde zu echten Freunden und Verbündeten gemacht hat."
Nachfolgend veröffentlichen wir Eagleburgers Erklärung im Wortlaut.

Das heutige Treffen markiert auf internationaler Ebene
das Ende meiner sehr kurzen Tätigkeit als Au ßenminister. Nachdem ich fast 35 Jahre mit dem Kalten Krieg
zu tun hatte, freut es mich besonders, die internationale Bühne vor dieser ersten institutionellen Gründung
der Zeit nach dem Kalten Krieg zu verlassen, einer
Organisation, die unsere Hoffnungen verkörpert, die
Spaltung zwischen Ost und West, die nach wie vor das
grausamste Erbe des Kalten Krieges ist, zu überwinden.
Wir treffen in einem Moment zusammen, in dem der
Frieden des neuen Europas an zahlreichen Fronten
bedroht ist - in Bosnien, Nagorny-Karabach und andernorts. Es ist, als ob Europa zwischen dem Traum
von einer demokratischen Zukunft und dem Alptraum
seiner nationalistischen und intoleranten Vergangenheit gefangen wäre.
Es wäre unrealistisch gewesen anzunehmen, daß wir
über Nacht eine neue Sicherheitsarchitektur aufbauen
könnten, um die neue und zerbrechliche Ordnung vor
den alten und mächtigen Kräften zu schützen, die wir
heute am Werk sehen. Aber wir haben erfolgreich den
Grundstein zu einem wirklich europaweiten Sicherheitssystem gelegt, indem wir sowohl die NATO erneuert als auch den Nordatlantischen Kooperationsrat
geschaffen haben. Diese beiden Institutionen können
AMERIKA DIENST 51

uns im Lauf der Zeit gemeinsam dabei helfen, in
unserem gesamten gemeinsamen demokratischen
Raum zu erlangen, was die NATO innerhalb ihres
Territoriums verwirklicht hat - den Krieg zwischen und
unter ihren Mitgliedstaaten undenkbar zu machen.
In diesem ersten Jahr haben wir einen soliden Anfang
gemacht. Der NAKR hat sich als nützliches Forum des
Dialogs über drängende Sicherheitsfragen etabliert
und ein Programm der Zusammenarbeit bei Fragen
eingeleitet, die von der Konversion der Rüstungsindustrie bis zur Umwelt reichen. Der NAKR erweist sich
als wertvolles Instrument, um den ehemaligen Warschauer-Pakt-Staaten zu helfen, mit ihrer Hinwendung
zu Demokratie und freier Marktwirtschaft den Übergang zu friedensmäßigen Einsatzkonzepten und sicherheitspolitischen Maßnahmen zu vollziehen.
Wenn jedoch der NAKR gemeinsam mit der NATO
beginnen soll, sein wahres Potential als Eckpfeiler
eines europäischen Sicherheitssystems zu entfalten,
muß er eine substantielle Tagesordnung im Hinblick
auf die wirklichen Sicherheitsherausforderungen entwickeln, vor denen das neue Europa heute steht.
Glücklicherweise haben wir uns auf die meisten Aspekte eines neuen Arbeitsplans verständigt, der unsere
Zusammenarbeit weiterbringen und uns in diese Richtung führen wird. Ich muß jedoch leider feststellen,
Seite 1

�daß wir keine Einigung über ein Programm zur Zusam- menarbeiten, um Bedrohungen des Friedens und der
menarbeit in dem Bereich erzielt haben, der für unsere Stabilität auf diesem Kontinent entgegenzutreten, wo
gemeinsame Sicherheit in den kommenden Jahren am immer sie auftreten.
entscheidendsten sein wird: der Friedenssicherung.
Deshalb hoffen wir, daß wir uns heute darauf verstänInnerhalb der NATO haben wir die Friedenssicherung digen können, ein konkretes und detailliertes Prozur Unterstützung der KSZE und der Vereinten Natio- gramm von Maßnahmen in den NAKR-Arbeitsplan
nen als eines der wichtigsten Elemente unserer Stra- aufzunehmen, die den Weg für gemeinsame Planung,
tegie definiert, um die Instabilitäten der Zeit nach dem Ausbildung und sogar gemeinsame Manöver für FrieKalten Krieg in den Griff zu bekommen. Bei der denssicherungsoperationen ebnen werden. Und wir
Unterstützung solcher Friedenssicherungsoperationen hoffen deshalb auch, da ß die einzige Nation, die bisher
möchten wir eng mit Nichtmitgliedstaaten der NATO nicht bereit war, einer solchen Zusammenarbeit zuzuzusammenarbeiten - insbesondere, wie das Bündnis stimmen, erkennt, daß wir vorwärts gehen müssen.
gestern eindeutig festgestellt hat, mit unseren Part- Das heißt, wir wünschen uns die Teilnahme aller
nern im NAKR.
Mitgliedstaaten des NAKR bei diesem wichtigen Vorhaben.
Unseres Erachtens ist es besonders wichtig, daß wir
innerhalb des NAKR bei Planung, Ausbildung und Der Eckpfeiler der amerikanischen Außenpolitik war
anderen Vorbereitungen für Friedenssicherungsope- während des Großteils meines Lebens - und in der Tat
rationen eng zusammenarbeiten. Dies ist nicht nur während meiner gesamten diplomatischen Laufbahn wichtig zur Gewährleistung größerer Effektivität und die Tatsache, daß die Vereinigten Staaten die untrennder breitestmöglichen Beteiligung an Friedenssiche- bare Verbindung zwischen ihrer Sicherheit und der
rungsoperationen. Es ist darüber hinaus lebenswich- Europas anerkannten. Ohne das amerikanische
tig, mit den NAKR-Staaten die Art von Partnerschaft Engagement wären wederdie Befreiung Westeuropas
und gewohnheitsmäßiger Zusammenarbeit ins Leben vom Würgegriff Hitlers noch der erfolgreiche Widerzu rufen, die innerhalb der NATO traditionelle Feinde stand gegen Stalins imperialen Kommunismus im
zu echten Freunden und Verbündeten gemacht hat. Anschluß an den Zweiten Weltkrieg möglich gewesen.
Und mit der Verfestigung solcher Gewohnheiten und Aufgrund des amerikanischen Engagements hier sind
Muster der Zusammenarbeit könnte ein Beitrag zur sowohl Europa als auch die Vereinigten Staaten heute
Umgestaltung der Zusammensetzung des Bündnis- frei und sicher.
ses selbst geleistet werden.
Eine neue Führungsgeneration wird in meinem Land
Darüber hinaus gehen wir davon aus, daß uns die nun die Amtsgeschäfte übernehmen, und dies geZusammenarbeit zwischen dem Bündnis und dem schieht genau in einem Augenblick, in dem die Welt
NAKR bei der Friedenssicherung dabei helfen wird, die selbst sich verändert hat. Die Vereinigten Staaten
Art von Krisen und Konflikten zu überwinden, denen werden unterder neuen Führung in Theorie und Praxis
wir in den kommenden Jahren unvermeidlich ausge- dem Bündnis mit unseren demokratischen Partnern in
setzt sein werden. So ist zum Beispiel die Krise im Europa und der Idee verpflichtet bleiben, daß unsere
ehemaligen Jugoslawien, über die die NATO gestern Sicherheit ein und dasselbe und unteilbar ist. Aber
sowohl ihrer starken Besorgnis als auch ihrer Bereit- heute, in dieser Zeit des Übergangs, ist es mehr denn
schaft zum Handeln Ausdruck verliehen hat, gleicher- je entscheidend, daß unser Engagement auf Gegenmaßen eine Herausforderung für Mitteleuropa und die seitigkeit gegründet und unsere Partnerschaft ebenRepubliken der ehemaligen Sowjetunion. Wenn die bürtig bleibt und daß sich die Institutionen, die die
Sicherheitsinteressen Europas im Osten und Westen transatlantischen politischen und Sicherheitsbeziehunwirklich unteilbar werden sollen - wie dies meines gen verkörpern, wirklich anpassen, um den radikal
Erachtens der Fall sein mu ß -, werden wir alle handeln neuen Herausforderungen gerecht zu werden, mit
müssen, als ob dies der Fall wäre, indem wir zusam- denen uns das Zeitalter nach dem Kalten Krieg konfrontiert.
* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 51

�GATT
23. Dezember 1992

AMERIKANISCHER VERHANDLUNGSFÜHRER
DRÄNGTAUF ENDE DES PATTS BEI
GATT-GESPRÄCHEN
Erklärung von Rufus Yerxa
GENF - (AD) - Der amerikanische Chefunterhändler bei den Welthandelsgesprächen der Uruguay-Runde hat
erklärt, eine Einigung sei vor dem Jahresende inzwischen unmöglich geworden, die Bemühungen für eine
Lösung müßten jedoch andauern.
Der Stellvertretende US-Handelsbeauftragte Rufus Yerxa erklärte vor dem Verhandlungsausschu ß Handel der
Uruguay-Runde am 18. Dezember 1992, man solle "die wahren Ursachen der Verzögerung und der Meinungsverschiedenheiten ausfindig machen" und sie mit "echten Verhandlungen und nicht mit Scheingefechten oder
dem Verstecken hinter anderen" angehen, um die Gespräche erfolgreich abzuschließen.
"Zweifellos möchten wir alle Erfolg haben", stellte Yerxa fest. "Die Frage lautet, ob wir einen Weg finden können."
Nachfolgend veröffentlichen wir Yerxas Erklärung im Wortlaut.

Herr Vorsitzender, die Vereinigten Staaten kommen
zu diesem Treffen mit Enttäuschung darüber, daß die
Umstände und Ereignisse uns zu wenig Zeit belassen,
um bis zum Jahresende einen politischen Konsens
über die Uruguay-Runde zu erzielen. Wir sind jedoch
nach wie vor der Überzeugung, daß die Bemühungen
zur Erlangung der erforderlichen Reform des internationalen Handelssystems andauern müssen.
Es wird eine Menge "Stammtischgespräche" von
Personen außerhalb des Verhandlungsprozesses
darüber geben, was falsch gelaufen ist und wer daran
die Schuld trägt. Einige werden zweifeltos Schuldzuweisungen vornehmen, während wir alle die Welt
davon zu überzeugen versuchen, daß unsere jeweilige
Regierung nicht für diese unglückliche Lage verantwortlich gemacht werden kann. Dies ist zu erwarten.
Wenn wir aber wirklich entdecken, was für den Abschluß der Uruguay-Runde erforderlich sein wird, wird
es für uns entscheidend sein, die wahren Ursachen der
Verzögerung und der Meinungsverschiedenheiten
ausfindig zu machen. Nur dann können wir beginnen,
sie systematisch und mit Realismus anzugehen. Heute
ist nämlich offenkundig, daß es weiterer harter Verhandlungen - echter Verhandlungen und nicht Scheingefechten oder dem Verstecken hinter anderen

AMERIKA DIENST 51

bedarf -, um das durchgreifendste Handelsabkommen
in der Geschichte zu einem erfolgreichen Abschlu ß zu
bringen. Es wird nicht mit Patentrezepten oder Tricks
zu lösen sein, die niemand unter uns im eigenen Land
verkaufen könnte, sondern nur mit einem vollständig
ausgehandelten Schlußdokument, dem alle Teilnehmer verpflichtet sind.
Eines unserer größten Hindernisse war die Tatsache,
daß unvorhergesehene Umstände zu einem solch
späten Start der Auf nähme der wirklichen Verhandlungen über Marktzugang geführt haben. Dies hat zweifellos die Gesamtfortschritte in Genf beeinträchtigt.
Ich freue mich, feststellen zu können, daß die Europäische Gemeinschaft nun einen Zeitplan für die Agrarverhandlungen vorgelegt hat, obwohl ich bereits sagen
kann, daß Elemente ihres Angebots weitere Probleme
aufwerfen, die die Verhandlungen verlängern werden.
Unglücklicherweise war es unmöglich, über Marktzugang im Agrarbereich zu verhandeln, bevor die Gemeinschaft ihre internen Probleme beigelegt hatte.
Diese Lösung wurde gerade erst erzielt. Einige möchten Sie vielleicht davon überzeugen, daß zwischen der
Vorlage am 17. Dezember und einer Frist bis zum 22.
Dezember genug Zeit für den Abschluß einer politischen Vereinbarung auf der Grundlage dieser neuen

Seite 1

�Vorlage bleibt, aber ich stelle die Logik dieser Behauptung in Frage. Überdies sind andere wichtige Teilnehmer immer noch nicht in der Lage, umfassende Angebote im Agrarbereich zu präsentieren.

lungsausschusses Handel (TNC) nicht das Klima für
Fortschritte in den Bereichen 3 und 4 geschaffen.
Einige Teilnehmer meinen, wir sollten dieses Problem
lösen, indem wir den Zuschlag erteilen und den Entwurf der Schlußakte verabschieden. Das ist unrealiWas jetzt erforderlich - und in der Tat überfällig ist -, ist stisch. Viele Delegationen haben substantielle, intereine bedeutsame Verhandlungsrunde über das Paket pretative und Entwurfsprobleme zur Sprache gebracht,
zum Marktzugang im Agrarbereich. Ohne Fortschritte die sie behandelt sehen möchten. Natürlich möchten
in diesem Bereich werden viele Teilnehmer einem viele in diesem Raum Schuldzuweisungen vornehGesamtabkommen schlicht die politische Zustimmung men, damit jemand anders den schwarzen Peter dafür
verweigern. Wenn die Positionen gewisser Teilneh- zugeschoben bekommt, daß Bereiche außerhalb der
mer in diesem Prozeß die Oberhand gewinnen, wer- Landwirtschaft angesprochen wurden. Das wahre
den die Bedingungen des Marktzugangs im Agrarbe- Problem ist jedoch die Weigerung, die Notwendigkeit
reich darüber hinaus nach dem Abschlu ß der Uruguay- anzuerkennen, an die schwierige und sensible AufgaRunde noch restriktiver ausfallen. Ein solches Ergeb- be der Fertigstellung des Textes zu gehen.
nis können wir weder akzeptieren, noch liegt es im
besten Interesse der meisten Länder.
Beim TNC-Treffen am 13. Januar verwies die EG auf
ihre Probleme mit den Agrarteilen des Textes, den wir
Bei Industrieprodukten waren die Teilnehmer bisher übrigens zu akzeptieren bereit waren. Beim gleichen
noch nicht in der Lage, ein Paket zum Marktzugang Treffen erklärten die Vereinigten Staaten, "wir finden,
auszuhandeln, das den Zielen aller Rechnung trägt daß gewisse andere Textpassagen Defizite aufweiund ein Maximum an Liberalisierung gewährleistet. sen" und stellten fest, daß "in einigen Fällen der Text
Einige möchten sich rasch auf ein Mindestpaket ver- beim Abbau von Schranken, bei der Festsetzung von
ständigen. Wir haben andererseits kein Geheimnis rigorosen Normen oder der Gewährleistung starker
aus der Notwendigkeit gemacht, ein Paket zu erhalten, Disziplinen und Mittel gegen unfaires Verhalten nicht
das zahlreiche zollfreie Sektoren einbezieht, darunter weit genug geht". Wir erklärten den Parteien, daß wir
Elektronik, Holz, Papier, nichteisenhaltige Metalle und alle bereit sein müssen, unsere verbleibenden Meiviele andere. Wir sind bereit, unseren Beitrag zu einem nungsverschiedenheiten beizulegen, da wir andernsolchen Paket zu leisten, auch im Bereich der Spitzen- falls ein Scheitern riskierten.
zollsätze, die alle weiterhin auf dem Verhandlungstisch liegen. Wir werden die gegenwärtig bestehende In den nächsten 10 Monaten stellten wir jedoch fest,
Blockade bei den Zöllen auf Industrieprodukte ohne daß es unmöglich war, multilaterale Verhandlungen
eine Verpflichtung aller Seiten, für das Schlußpaket über Probleme zu führen, die für uns von Bedeutung
einen Maximalansatz - anstatt eines Minimalansatzes waren. Statt dessen war es erforderlich, zu sehen, ob
- zu wählen, nicht beseitigen.
wir zugunsten zahlreicher betroffener Agrarexporteure den Bedenken der EG im Bereich Landwirtschaft
Einige mögen auf die unlängst erfolgte Vorlage eines entgegenkommen könnten. Sie alle kennen die Geüberarbeiteten Angebots der Europäischen Gemein- schichte dieses Dramas, und ich werde nicht weiter
schaft verweisen. Dieses Angebot ist jedoch im we- darauf eingehen. Es soll ausreichen, anzumerken,
sentlichen ein Schnappschuß des Verhandlungspro- daß hier in Genf ein stillschweigendes Einverständnis
zesses, der die Notwendigkeit weiterer Verhandlun- darüber herrschte, daß wir einen solchen Durchbruch
gen illustriert, wenn wir ein Paket zum Marktzugang im Agrarbereich benötigten. Dies sollte jedoch nievollenden möchten. Die Vereinigten Staaten sind mandes Urteil erschüttert haben, daß ein konzentrierbereit, ein ähnliches Angebot in Form eines "Statusbe- ter und intensiver Prozeß zur Lösung der Probleme in
richts" zu Beginn der nächsten Woche vorzulegen. anderen Bereichen des Entwurfs erforderlich ist. Der
Wenn wir dies tun, werden wir jedoch andere darauf TNC war nicht in der Lage, einen solchen Prozeß zu
hinweisen, daß wir nur durch das Engagement, über entwickeln und ihm genug Zeit einzuräumen, um die
politisch sichere Positionen hinauszugehen und eine Aufgabe zu bewältigen. Die Vereinigten Staaten haben
maximale Öffnung der Märkte zu erzielen, das erfor- seit Mitte November ein vollständiges Team entsandt,
derliche Signal geben können, daß das Paket über daß genau für diese Verhandlungen bereitsteht. Wir
Industriezölle schließlich doch Gestalt annimmt.
sind weiterhin willens, dieses schwierige Unterfangen
durchzuführen. Eine Reihe von Vorschlägen liegen
Diese bedauerlichen und unvorhergesehenen Verzöheute auf dem Verhandlungstisch. Unsere Gespräche
gerungen bei der Erlangung echter, greifbarer Ergebder letzten Tage bestätigen, daß in einigen Fällen die
nisse beim Marktzugang haben uns daran gehindert,
Unterhändler Sprachregelungen vorgelegt haben, die
den erforderlichen Schwung zu gewinnen, um unsere
anscheinend bereits seit einiger Zeit in ihren GesäßtaDifferenzen über den Entwurf der "Schlu ßakte" auszuschen angewärmt wurden, da sie nur auf den richtigen
räumen. Tatsächlich haben die Bereiche 1 und 2
Moment warteten.
entgegen dem Plan des Vorsitzenden des Verhand-

Seite 2

AMERIKA DIENST 51

�Die Realität ist einfach: Wir waren nicht in der Lage,
die Schlußabmachung auszuhandeln. So soll es denn
sein. Zumindest wissen wir jetzt, wo die wirklichen
Differenzen liegen, die uns alle von einer fröhlichen
Unterzeichnungszeremonie trennen. Was wir alle jetzt
tun müssen, ist, in den kommenden Wochen unsere
informellen Kontakte untereinander zu intensivieren,
um zu sehen, wie wir unsere Meinungsverschiedenheiten beilegen können. Zweifellos möchten wir

alle Erfolg haben. Die Frage lautet, ob wir einen
Weg finden können.
Herr Vorsitzender, wir freuen uns darauf, unsere
Gespräche im neuen Jahr in einer erneuerten Atmosphäre der Hoffnung ebenso wie mit einem nüchternen
Realitätssinn im Hinblick auf die vor uns liegenden
Aufgaben wiederaufzunehmen.

*

AMERIKA DIENST 51

*

Seite 3

�WIRTSCHAFT
23. Dezember 1992

WIRTSCHAFTSGIPFEL KONZENTRIERT SICH AUF
LANGSAMES WACHSTUM UND INVESTITIONEN
Auszüge der Redebeiträge
LITTLEROCK-(AD)-Beidem vom künftigen Präsidenten Clinton am 14. und 15. Dezember 1992 anberaumten
"Wirtschaftsgipfel" zogen Wirtschaftswissenschaftler Bilanz der amerikanischen und internationalen Wirtschaftslage, erörterten die wesentlichen Probleme und unterbreiteten Vorschläge zu deren Lösung. Die
Veranstaltung wurde landesweit im Fernsehen übertragen.
Nachfolgend veröffentlichen wir kurze Auszüge aus den Redebeiträgen von zwölf Teilnehmern.
Robert Solow, Nobelpreisträger und Professor am
Massachusetts Institute of Technology

schnittsfamilie verbessert sich nur langsam - und ein
zunehmendes Gefälle - das bedeutet, der Lebensstandard vieler Familien wird niedriger statt höher. Die
Wir leben mit den Folgen vierjähriger Stagnation, einzige Lösung für das Produktivitätsproblem sind
erwarten das Ende einer Rezession, die nicht aufhören Investitionen in moderne Industrieausrüstung, Forwill. Jeder sucht nach Anzeichen für eine Gesundung schung und Entwicklung, die Verkehrs- und Kommuniwie Landwirte nach Regen Ausschau halten...
kationsinfrastruktur sowie Aus- und Fortbildung.
Die einzige Lösung für das langfristige Problem sind
mehr Investitionen aller Art. Es gibt jedoch nichts
Lähmenderes für Unternehmensinvestitionen als eine
Volkswirtschaft, die stagniert und ihre vorhandenen
Produktionskapazitäten nicht nutzt. Hätte 1991 und
1992 eine normale Erholung stattgefunden, hätte die
amerikanische Industrie zusätzliche Investitionen in
neue Betriebe und Ausrüstung in Höhe von mindestens 100 Milliarden Dollar getätigt, und wir wären
mindestens 100 Milliarden Dollar näher an einer effizienten Industriebasis, die technologisch auf dem
neuesten Stand ist...

Aus- und Fortbildung sind von zweifacher Bedeutung.
Sie dienen einem doppelten Zweck, denn sie sind die
einzige uns zur Verfügung stehende realistische Chance
zur Verbesserung der Einkommensmöglichkeiten der
Armen, damit auch sie von steigenden Einkommen
profitieren können.

Schließlich lautet die vordringlichste Aufgabe, einen
starken Aufschwung herbeizuführen. Dies ist nicht nur
unabdingbar, weil es das einzige ist, was wir tun
können, um in den nächsten drei oder vier Jahren
Ergebnisse zu zeitigen. Ohne einen starken Aufschwung erhalten wirauch nicht die benötigten InvestiIn den vergangenen 15 Jahren hat sich in der amerika- tionen, und die langfristigen Probleme werden gravienischen Wirtschaft eine wichtige Entwicklung vollzo- render und schwieriger zu beheben.
gen... Die Kluft zwischen Reichen und Armen ist
größer geworden als zuvor... Die 20 Prozent der Alan Blinder, Professor für WirtschaftswissenFamilien mit den niedrigsten Einkommen im Jahr 1992 schaften, Princeton University
hatten absolut niedrigere Einkommen als die 20 Prozent der Familien im Jahr 1977. Die nächsten paar Ich möchte heute morgen hier ein sehr einfaches
Prozent konnten ihren Stand gerade halten. Rund 40 Thema anschneiden - nämlich, daß die unzureichenProzent der Familien konnten zwischen 1977 und den Investitionen in unser Humankapital, die Qualität
1992 geringe Zuwächse verzeichnen, aber nur die unserer Arbeitskräfte, einen Großteil des vor uns lieoberen 20 Prozent der Familien haben wirklich dazu- genden Problems darstellen und eine Behebung dieser Situation einen wesentlichen Teil der Lösung
gewonnen...
ausmacht. Aus diesem Grund wurde im WahlkampfDie zwei grundlegenden langfristigen Probleme unse- programm die Betonung vornehmlich auf den Menrer Volkswirtschaft sind schwacher Produktivitätszu- schen gelegt - und dies war meines Erachtens durchwachs - das heißt, der Lebensstandard der Durch- aus angemessen.
AMERIKA DIENST 51

Seite 1

�Was ist also das Problem?... In der Tat gibt es zwei
Probleme. Das erste ist der absolut erschreckende
Rückgang des Produktivitätszuwachses... Der zweite
Teil des Problems ist... der unzumutbare Anstieg des
Einkommensgefälles...

Es wurde bereits eine Vielzahl von Projekten ausgemacht, die sich potentiell außerordentlich bezahlt
machen. Zum Beispiel können sich die Einnahmen
aus dem Bundesautobahnnetz auf 30 bis 40 Prozent
belaufen. Auch zunehmende Ausgaben wie etwa für
die Flugsicherung und die Rollbahnen können sich äuDie erste Reaktion der Vereinigten Staaten auf das ßerst bezahlt machen. Die Fakten belegen ferner die
Problem des Produktivitätsrückgangs hat das Pro- Bereitschaft der Bevölkerung, für höhere staatliche Inblem des Einkommensgefälles noch verschlimmert. vestitionen zu bezahlen. Wann immer sie über AusgaIch beziehe mich hier natürlich auf die angebotsorien- ben für Brücken, Wasser- und Abwassersysteme,
tierte Wirtschaft oder eine Wirtschaftsentwicklung von Straßen oder Umweltprojekte abstimmen sollen, sind
oben nach unten mit Sickereffekt - wie immer Sie es sie für gewöhnlich zu einem sehr hohen Prozentsatz
bezeichnen wollen. Ich möchte betonen, daß die dem für die Vorschläge.
Programm zugrundeliegende Logik absolut schlüssig
war. Diese Denkweise war nicht irreführend. Steuer- Michael Porter, Professor für Betriebswirtschaft,
anreize für Spareinlagen und Investitionen verschaf- Harvard University
fen - wenn sie funktionieren - dem Land mehr Kapital,
Arbeitnehmer mit mehr Kapital sind produktiver und Das herkömmliche Paradigma war eines, bei dem sich
produktivere Arbeitnehmer verdienen besser. Das Erfolg auf den Zugang zu Rohstoffen, Arbeitskräften
und wissenschaftlichen Erkenntnissen gründete. Das
war die Logik.
herkömmliche Paradigma war eines, in dem UnternehWenn man jedoch das nackte Gerüst der Logik mit auf men sich großer, auf dem Binnenmarkt erwirtschafteForschung, Erkenntnisse und nicht zuletzt gesunden ter Kostenersparnisse durch optimale BetriebsvergröMenschenverstand gegründeten Zahlen versieht, sum- ßerung erfreuen konnten und florierten. Mit diesem
miert sich das bedauerlicherweise zu keinem sehr alten Paradigma sind wir gut gefahren. Dieses alte
großen Sickereffekt. ..Während der Zeit derangebots- Paradigma wurde jedoch durch ein neues ersetzt - die
orientierten Wirtschaft nahmen die Reallöhne um rund Globalisierung des Wettbewerbs und den technologiein Viertelprozent pro Jahr in einem Zeitraum von 11 schen Fortschritt.
Jahren zu. Das ist eine nationale Tragödie.
Heute sind Rohstoffe auf Weltmärkten frei verfügbar.
Glücklicherweise gibt es eine alternative Strategie zur Heute können Firmen arbeitskräfteintensive AktivitäWirtschaftsentwicklung von oben nach unten, nämlich ten an jeden Ort der Welt verlagern, um von niedrigeeine von unten nach oben. Die Logik entspricht genau ren Lohnkosten zu profitieren. Heute sind wissender schlüssigen Logik des Sickereffekts. Das heißt, schaftliche Erkenntnisse leicht zu beschaffen... Alles
wenn man die Verbesserung der Qualität der Erwerbs- befindet sich heute im freien Fluß.
bevölkerung anstrebt und damit Erfolg hat, erhöht sich
die Produktivität des Kapitals in unserer Volkswirt- Heute ist das alte Paradigma durch ein neues ersetzt
schaft, vermehrt sich das Einkommen der Kapitaleig- worden - durch internationalen Wettbewerb. Und
ner und es gibt nichts, was Investitionen mehr ankur- dieses Paradigma gründet sich auf Dynamik, die
Fähigkeit von Unternehmen zu Innovation und höchbelt als höhere Kapitalerträge...
ster Modernisierung, um konkurrenzfähig zu sein. Dieses
Alicia Munnell, Vizepräsidentin und Forschungs- neue Paradigma bedeutet, daß Nachteile in Vorteile
umgewandelt werden können. Japan hat sehr hohe
direktorin, Bundeszentralbank von Boston
Energie- und Grundstückskosten. Durch Innovation
Jüngste Forschungen belegen, daß die öffentliche haben die Japaner diese Nachteile in energiesparende
Infrastruktur zum Produktivitätszuwachs des Privat- Produkte und raumsparende Produktionstechniken
sektors beiträgt. Betrachten Sie sich beispielsweise umgekehrt wie "just-in-time". Mit dem neuen Paradigdie einzelnen Bundesstaaten im Hinblick auf ein be- ma sind Kostenersparnisse durch optimale Betriebsstimmtes Niveau von Privatkapital und Arbeitskräften, vergrößerungen veraltet und werden durch dynamiso produzieren Bundesstaaten mit einer besseren schere Konkurrenten ersetzt...
öffentlichen Infrastruktur mehr Waren und Dienstleistungen. Studien haben ferner ergeben, daß Ausga- Die Frage ist, was geschieht, wenn sich Unternehmen
ben für die Infrastruktur im Gegensatz zur herkömmli- entwickeln. Und hier wird die gesamte amerikanische
chen Meinung von Ökonomen Privatinvestitionen nicht Industrie investitionsmäßig einfach dramatisch überverdrängen, sondern sie vielmehr stimulieren. Zusam- treffen. Die Graphik zeigt, daß wir bei Anlage- und
mengenommen belegen die Fakten, daß Investitionen Ausrüstungsinvestitionen übertroffen werden. In diein die Infrastruktur den wirtschaftlichen Kuchen in sen Bereichen investieren wir bedeutend weniger als
Zukunft vergrößern können...
unsere großen internationalen Konkurrenten...

Seite 2

AMERIKA DIENST 51

�Wir können in den Vereinigten Staaten unsere Probleme mit fehlenden Privatinvestitionen nicht durch verstärkte staatliche Investitionen lösen. Dafür haben wir
einfach ein zu großes Haushaltsdefizit. Es gibt keine
Möglichkeit für die Bundesregierung,... jemals genug
Geld in das System zu pumpen, um fehlende Privatinvestitionen auszugleichen.
Was bedeutet das? Es bedeutet zweierlei. Erstens
müssen wir unsere Probleme direkt auf dem Sektorder
Privatinvestitionen angehen. Wir müssen sie auf
direktem Weg lösen. Zweitens dürfen wir die knappen
Mittel unseres Landes nicht um ihrer selbst willen
nutzen, sondern müssen mit ihrer Hilfe Anreize schaffen und größere Investitionen im Privatsektor herbeiführen. Staatliche Investitionen können kein Ersatz für
Privatinvestitionen sein, sondern sollten letztere auslösen und ergänzen.
Rüdiger Dornbusch, Professor für Wirtschaftswissenschaften am Massachusetts Institute of Technology
Europa hat zwei Probleme. Eines davon ist Deutschland. Die Bundesbank ist ständig auf die Inflation
fixiert. Das ist einerseits richtig, denn die Inflationsrate
steigt; andererseits wären andere Möglichkeiten der
Inflationsbekämpfung - Zurückhaltung bei Lohnerhöhungen und Maßnahmen im Bereich der Haushaltspolitik - vielleicht besser. Tatsache ist jedoch, daß
Deutschlands Geldpolitik ganz Europa in ihren Sog
gezogen hat, und daß dort ein Wandel nicht so schnell
zu erwarten ist...
Wenn die Inflation in Deutschland weiterhin ein Problem bleibt, wenn sich die anderen Länder weiterhin an
die Deutsche Mark klammern, weil sie keine Alternative dazu sehen, dann wird es in Europa sicherlich
Nullwachstum und vielleicht sogar eine Rezession
geben. Eine europäische Rezession ist jedoch keine
Lösung, denn Osteuropa braucht Märkte, Osteuropa
braucht Reformen, und wenn die Westeuropäer das
Gefühl haben, daß sich die Wirtschaftslage verschlechtert, dann verschlimmert das nur die Aussichten für die
Weltwirtschaft.

kommt jetzt vielleicht zu spät und reicht zur Lösung des
japanischen Problems nicht aus. Sehr wenig Wachstum im kommenden Jahr, vielleicht Nullwachstum oder
sogar eine Rezession - so sind die Aussichten wahrscheinlich für Japan...
Wenn es aus Europa und Japan schlechte Nachrichten gibt, so trifft das auch auf Lateinamerika zu. Das
Wachstum ist auf 1,5 bis 2 Prozent gesunken, und in
Mexiko werden die Probleme immer größer, da die
Währung dort derart überbewertet ist, daß die Regierung das Wachstum bremsen muß. In Argentinien
sind die Reformen ins Stocken geraten, weil die überbewertete Währung plötzlich viele positive Ereignisse
der letzten Jahre wieder in Frage stellt. In Venezuela
ist der Populismus die Regel, und in Brasilien erweist
sich der neue amtierende Präsident schon vor Ende
des ersten Monats seiner Amtszeit als ein Populist.
Lateinamerika, das in den letzten Jahren aufgrund der
zunehmenden Liberalisierung seiner Volkswirtschaften ein wichtiger Markt war, könnte in den nächsten
Jahren für uns zu einem Problemgebiet und weniger zu
einer Quelle des Wachstums werden.
Zum Schluß äußerst schlechte Nachrichten aus der
ehemaligen Sowjetunion... das Chaos in Rußland, die
bevorstehende Hyperinflation, fehlende Fortschritte
im Bereich der marktwirtschaftlichen Reformen, immer offensichtlicheres Fehlen politischer Stabilität...
all das bedeutet, daß es für die Weltwirtschaft weniger
Gewißheit und folglich eine weniger stabile Weltwirtschaft gibt.
Jeffrey Garten, Professor für Finanz- und Wirtschaftswissenschaften an der Business School
der Columbia University

Die Aussichten für die europäische Wirtschaft sind
düster... Aber neben der wirtschaftlichen gibt es eine
soziale Situation, die meiner Meinung nach außer
Kontrolle zu geraten droht. Das große Problem sind
die Flüchtlinge, nicht nur aus Osteuropa, sondern auch
aus Nordafrika. In ganz Europa sind wir Zeuge heftiger
Reaktionen von Bürgern, die um ihre Arbeitsplätze
fürchten, sich über steigende Mieten Sorgen machen,
über all die drängenden Probleme, die dieser breite
Neben dem drängenden Problem der deutschen Infla- Zustrom von Menschen mit sich bringt...
tion existiert das noch viel gravierendere Problem, daß
Europa sein Ziel verliert. Maastricht, ein geeintes Das Wechselkurssystem Europas steht kurz vor dem
Westeuropa, war in den Zeiten des Kommunismus Zusammenbruch. Angesichts der wirtschaftlichen
und der Mauer eine außergewöhnliche Idee, die je- Umstände überrascht es nicht, daß in Europa der Ruf
doch heute wenig Sinn hat...
nach Protektionismus lauter wird... Da das europäische Wechselkurssystem kurz vor dem ZusammenIn Japan sieht es ebenso schlecht aus... Die Ge- bruch steht, wird das Finanzsystem der Welt sich
schäftswelt ist angesichts der schwindenden Nachfra- enormen Unsicherheiten gegenübersehen...
ge und der steigenden Lagerbestände wie gelähmt,
alle Banken sind bankrott und die Regierung ist prak- Meiner Ansicht nach müssen wir so eng wir können mit
tisch hilflos... Man versucht jetzt, dem Problem im den Europäern und Japanern zusammenarbeiten, um
Bereich der Haushaltspolitik beizukommen, aber das ... sie zu ermuntern, keine deflationäre, wie das jetzt
Paket, das nun vom Parlament angenommen wurde, der Fall ist, sondern eine wachstumsorientierte Politik

AMERIKA DIENST 51

Seite 3

�zu verfolgen... In Ländern wie Deutschland oder
Japan gibt es ein so großes Führungsvakuum, die
Politiker verfolgen meiner Meinung nach keine klare
Linie, und das ist für die Vereinigten Staaten wirklich
eine gute Gelegenheit.

Nachricht sind neu entstehende Märkte, insbesondere
in Lateinamerika. Die Märkte der Entwicklungsländer
haben dieses Jahr fast drei Viertel zum Exportwachstum der Vereinigten Staaten beigetragen. Allein die
Exporte nach Lateinamerika stiegen 1991 um 18 Prozent und steigen fast dreimal so schnell wie die ameIch denke, wir müssen die Uruguay-Runde so bald wie rikanischen Exporte in die ganze Welt. Das ist fast
möglich zu einem Abschlu ß bringen. Ich wei ß, daß das viermal so schnell wie der Anstieg bei Exporten in die
kein perfektes Abkommen ist. Es wird niemals ein Europäische Gemeinschaft und siebenmal so schnell
perfektes Abkommen geben. Aber ein Abschluß der wie der Anstieg bei Lieferungen in alle EntwicklungsUruguay-Runde würde auf der ganzen Welt das Ver- länder.
trauen in die Wirtschaft stärken, es wäre für das
Welthandelssystem wie ein Schuß Adrenalin...
Der Handel mit Lateinamerika reicht jedoch nicht aus.
Der Handel mit dieser Region ist nur ein relativ kleiner
Larry Summers, Chefökonom der Weltbank
Teil unseres gesamten Handels. Die schnelle Wachstumsrate unserer Exporte nach Lateinamerika kann
Das einzige, was schneller gesunken ist als der Output
wegen der erneuten enormen Außenhandelsdefizite
in Osteuropa und der früheren Sowjetunion sind Schätvieler dieser Länder nicht aufrechterhalten werden.
zungen über den Wohlstand dieser Länder, nachdem
Darüber hinaus hält die Schwäche der größten Volkswestliche Wirtschaftswissenschaftler die Möglichkeit
wirtschaft der Region, Brasilien, weiter an, und am
bekommen hatten, die Vorgänge dort zu untersuchen.
Horizont türmen sich dunkle Wolken auf in dem Maße,
Nach den neuesten Schätzungen beträgt der Lebensin dem die Unzufriedenheit mit dem langsamen Anstandard dort ein Achtel des Lebensstandards in den
wachsen wirtschaftlicher Vorteile für die einkommensVereinigten Staaten.
schwächeren Gruppen in jener Region steigt.
Die sozialen Indikatoren sind noch schlechter. Aufgrund der Umweltprobleme und der Probleme im James Tobin, Nobelpreisträger, Yale University
Gesundheitssektor ist die Lebenserwartung der Män- Das Problem (der amerikanischen Wirtschaft) ist ein
ner in Osteuropa und der ehemaligen Sowjetunion in Problem der Nachfrage, das heißt, es wird nicht genug
den letzten 25 Jahren um mehr als zwei Jahre gesun- ausgegeben - von Konsumenten, Ausländern, die
ken...
unsere Produkte kaufen, Regierungen, die Waren und
Dienstleistungen erwerben, Unternehmern, die InveMutige Reformen sind hierauf die einzige Antwort und
stitionen tätigen. Besteht also Anreiz zur Schaffung
die einzige Aussicht auf Erfolg. Manche, die sich die
der Arbeitsplätze, die wir bis 1996 benötigen? Meines
wirklich desolate Wirtschaftslage in Osteuropa und der
Erachtens ja. Der Arbeitsmarkt ist aus vielerlei Grünehemaligen Sowjetunion anschauen, sind der Meiden schwächer, als die Arbeitslosenquote vermuten
nung, sie erfordere langsamere, schrittweise Reforläßt. Zahlreiche Arbeitnehmer wurden unfreiwillig auf
men oder eine andere Lösung. Das stimmt nicht. Es
Kurzarbeit gesetzt, obwohl sie lieber Vollzeit arbeiten
ist offenkundig, daß das Fehlen von Reformen, nicht
würden...
jedoch ihre Ergebnisse, das Problem sind. Eine fünfzigprozentige Verringerung des Handels innerhalb der Eine Frage lautet, warum kann die Bundeszentralbank
ehemaligen Sowjetunion, ein Verteidigungssektor, der diese Aufgabe nicht alleine bewältigen? Nun, wir
früher ein Fünftel der sich im freien Fall befindlichen haben gestern vom Bankrott der Banken gehört und
Wirtschaft ausmachte, eineduich ständige Subventio- sehen, daß es die Bundeszentrabank mehr oder weniger
nen hervorgerufene Hyperinflation - das und nicht die aufgegeben hat, irgend etwas zur Ankurbelung der
Reformbemühungen sind die Gründe für den Verfall Nachfrage in die Wege zu leiten, obwohl sie eine
der Wirtschaft.
Spanne von 300 Punkten zwischen den Zinssätzen hat
- den aktuellen Zinssätzen für kurzfristige Anlagen und
Paula Stern, Präsidentin der Stern Group
Null. Vielleicht hat die Bundeszentralbank während
Der anhaltende starke Anstieg der Exporte und die der jüngsten Konjunkturflaute zu spät zu wenig unterVerringerung des amerikanischen Haushaltsdefizits nommen, so daß sie die Erwartungen von Wirtschaft
sind jetzt großen Bedrohungen ausgesetzt. Diegrößte und Unternehmen nicht erfüllen konnte. Aus diesem
Gefahr für die Exporte der Vereinigten Staaten ist die Grund benötigt das Land kurzfristig gewisse Steueranwirtschaftliche Verlangsamung in den meisten Indu- reize. Praktisch jeder Konjunkturaufschwung seit dem
strieländern... Das hat zur Folge, daß unsere wichtig- Zweiten Weltkrieg erfolgte mit Hilfe steuerlicher Anreisten Exportmärkte stagnieren und eine Belastung für ze und Sie erinnern sich vielleicht, daß der Aufschwung
der achtziger Jahre dank der Steuersenkungen und
eine mögliche binnenwirtschaftliche Erholung sind.
militärischen Aufrüstung der Reagan-Administration
Zusätzlich stellt die gegenwärtige Unterbewertung des mit den massivsten steuerlichen Anreizen gestützt
Yen eine Gefahr für den Handel der Vereinigten Staa- wurde, die je in Friedenszeiten gewährt wurden.
ten dar. Das war die schlechte Nachricht. Die gute
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AMERIKA DIENST 51

�Im Augenblick ist Inflation unwahrscheinlich, nicht
existent, und wir sind weit von einer Überschwemmung der Kapitalmärkte entfernt. Wegen dieser Tatsachen gibt es keinen besonderen Grund, sich mit der
Expansion der Wirtschaft zurückzuhalten.

nehmensexpansion aufrechtzuerhalten. Ein Programm
in Höhe von 20 bis 30 Milliarden Dollar für kurzfristige
Steueranreize sollte meiner Meinung nach abgeschlossen und wie benötigt Anfang 1993 gesetzlich verankert
werden, allerdings mit einer Option, es auf Eis zu
legen, wenn der derzeitige wirtschaftliche Aufschwung
Sie als Mitglieder der neuen Administration wollen die zu viel Auftrieb erhält.
Bundeszentralbank auf Ihrer Seite haben, damit sie
einen gesunden Aufschwung bewirkt, und ich hoffe, Die Kriterien der bei diesen steuerlichen Anreizen
daß das Finanzministerium unter dem neuen Minister verwendeten Maßnahmen sollten meines Erachtens
aufhören wird, Obligationen mit langer Laufzeit zu doppelte Aufgaben erfüllen oder in dem Sinn wirksam
übertrieben hohen langfristigen Zinssätzen herauszu- werden, daß es Maßnahmen sind, die kurzfristiges
geben.
Wachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen
ankurbeln, gleichzeitig jedoch die mögliche Produktion
Die Steuerpolitik zur wirtschaftlichen Gesundung hebt langfristig erhöhen. Zu Möglichkeiten für diese doppelzwangsläufig das Defizit vorübergehend an. Wir lügen te Aufgabenstellung oder wirksamen Maßnahmen dieser
uns selbst in die Tasche, wenn wir davon ausgehen, es Art zählen: Ausgaben für die Infrastruktur von Stragäbe steuerliche Anreize, die nicht dieses Ergebnis ßen, Autobahnen, Gebäuden, Flughäfen, Schienenzeitigen. Meines Erachtens mu ß man die kurzfristigen und Telekommunikationsnetzen sowie steuerlich
steuerlichen Anreize mit glaubwürdigen Maßnahmen absetzbare Kredite für Investitionen in Gerät. All diese
zum Abbau des Defizits verbinden, die später so weit Maßnahmen können kurzfristig die Schaffung von
wie möglich schrittweise eingeführt und wirksam wer- Arbeitsplätzen und Wachstum fördern, längerfristig
den - seien es Steuererhöhungen oder Ausgabenredu- jedoch zu potentieller Produktion beitragen. Steuerlich
zierungen. Wir wissen ferner alle, daß eine der Not- absetzbare Kredite für Investitionen würden pro Dollar
wendigkeiten bei jedem Plan zum Defizitabbau langfri- den größten Gewinn erzielen, wenn sie für produktives
stig in der Lösung der Probleme im Gesundheitswesen Gerät getätigt und aufgestockt werden können oder
besteht.
erstattungsfähig sind. Andere Möglichkeiten sind
Maßnahmen wie Inflationsindexierung der KapitalerAngesichts der heutigen flauen Konjunktur wären fisträge, steuerlich absetzbare Kredite für Forschung und
kalische Sparmaßnahmen kontraproduktiv und würEntwicklung, Aus- und Fortbildungsprogramme sowie
den die Investitionen in Betriebe, Ausrüstung, TechnoAnreize für mittelständische Unternehmen.
logie und Humankapital für die Zukunft eher verringern... Die Clinton-Administration hat die Chance, die Kurzfristige steuerliche Anreize können als Versichefür eine kurzfristige Gesundung erforderlichen steuer- rung dafür angesehen werden, daß die Wirtschaft auf
lichen Anreize zur Verfügung zu stellen, indem sie Dauer ihre Flaute hinter sich lä ßt oder als jetzt getätigte
Anleihen aufnimmt und Ausgaben tätigt, die ständige Anzahlung für die zum Wiederaufbau der KapitalreserProduktivitätszuwächse aufgrund von Investitionen in ven des Landes, Anhebung des ProduktivitätswachsInfrastruktur und Bildungswesen zur Folge haben, was tums, Verbesserung der Bildungschancen sowie Aufin bemerkenswertem Gegensatz zu den Zielen steht, stockung der zur potentiellen Produktion erforderlifür die in den achtziger Jahren Defizite angehäuft chen langfristigen Maßnahmen. Um stimulierend zu
wurden.
wirken, bringen diese Maßnahmen zwangsläufig eine
vorübergehende geplante Erhöhung des HaushaltsAllen Sinai, führender Wirtschaftswissenschaftler
defizits mit sich.
der Anlagefirma Boston Company
Wie kann das für die Schaffung neuer Arbeitsplätze Es sollten jedoch größere Anstrengungen unternomerforderliche schnellere Wachstum bewirkt werden? men werden, um Maßnahmen zum Anstieg des WachsLetztlich ist es die langfristige potentielle Produktion - tums ohne Erhöhung des Haushaltsdefizits auszumadas maximal oder optimal erreichbare Wachstum für chen. Einige Möglichkeiten wären: Verbesserte Vordie Wirtschaft - die angehoben werden muß. Diese schriften für Bankanleihen zur Ankurbelung des WachsRate beträgt unseren Schätzungen zufolge jetzt nur tums bei geringen Kosten für den Etat, eine Verlagerund 2 oder 2,5 Prozent pro Jahr- entschieden weniger rung bei Finanzierungen durch das Finanzministerium
als der Trend der Vorkriegszeit von 3 Prozent und von Obligationen mit langer Laufzeit, um die Zinskomehr sowie realen Begrenzungen bei der Schaffung sten für Finanzierungen der Bundesregierung zu reduzieren, größere Effizienz und verringerte Kosten für
von Arbeitsplätzen auf kurze und lange Sicht.
das Angebot von Dienstleistungen im GesundheitsweKurzfristig ist wahrscheinlich eine bescheidene Dosis sen, neue Finanzierungsmechanismen für Infrastruksteuerlicher Nettoanreize erforderlich, um Wachstum turprogramme wie neue steuerfreie Bürgschaften oder
und die Schaffung von Arbeitsplätzen als Teil der Anlagegesellschaften, die von der Bundesregierung
Aufgabe anzukurbeln, das potentielle Wachstum gestützte oder durch sie versicherte Bürgschaften herlangfristig zu steigern und die aufstrebende Unter- ausgeben.
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�Würden Investitionen in kurzfristiges Wachsum dem
längerfristigen Ziel der Reduzierung des Haushaltsdefizits zuwidertaufen? Nicht zwangsläufig. Es muß
festgestellt werden, daß schnelleres Wachstum zu
zusätzlichen Steuereinnahmen und niedrigeren Ausgaben des Staates für Arbeitslosenhilfe führt. Steuerliche Maßnahmen, die Defizite und Wachstum steigern, machen sich daher von selbst bezahlt, wenn
auch nicht in vollem Umfang. Wenn die Maßnahmen
wirksam sind, auf kurze Sicht Wachstum und die
Schaffung von Arbeitsplätzen anheben sowie langfristig die potentielle Produktion steigern, würde das
Potential der Wirtschaft verbessert, höhere Steuereinnahmen bei gleichzeitiger Vollbeschäftigung zu bewirken.

Daher würde man mit einem wirtschaftlichen Anreiz
dieser Höhe meiner Ansicht nach kein Risiko eingehen. Andere bevorzugen jedoch vielleicht geringere
Anreize.
Auf lange Sicht sollte dies bewirkt werden, indem man
die für die langfristige Reduzierung des Haushaftsdefizits notwendigen Schritte ankündigt und - soweit
möglich - einleitet. Und Allen Sinai hat schon darauf
hingewiesen, daß das für später geplante Steuererhöhungen miteinschließen könnte - beispielsweise bei
der Benzin- und Kohlesteuer. Das würde unter anderem auch alle zusätzlichen Kürzungen im Verteidigungshaushalt miteinbeziehen, die noch über die von
Präsident Bush vorgeschlagenen hinausgehen und
denen die neue Administration zustimmen müßte.

Senator Bentsen, Vorsitzender des Finanzausschusses des Senats und designierter Finanzminister

Ich denke, mit diesem dualen Programm wären wir
unserem Land und dem Ausland gegenüber glaubwürdig. Letzteres hat ein ebenso großes Interesse wie wir
Wir sprechen jetzt über ein Wachstum von ungefähr 3 an einem Wachstum in der Weltwirtschaft und der
Prozent, was nicht besonders hoch, aber auch nicht Vermeidung einer internationalen Stagnation oder
schlecht ist. Ein Großteil dessen geht mit einem 2,5- Rezession, das heißt, niedrigen Zinssätzen in Europa
prozentigen Produktivitätszuwachs und daher netto und Japan sowie in den Vereinigten Staaten.
mit einer sehrgeringen Erhöhung der Zahl von Arbeitsplätzen einher. Ich wüßte gerne, was Sie von kurzfri- Henry Aaron, Direktor der wirtschaftswissenschaftstigen Anreizen, insbesondere ihrer Höhe und Dauer, lichen Abteilung der Brookings Institution, einer
privaten Forschungsinstitution in Washington
halten.

Herr Sinai sprach darüber, hier eine Option offenzulassen, um diesen Anreiz abschwächen zu können, wenn
die Wachstumsrate überß Prozent steigt. Ich verbinde
das jedoch mit dem Problem, daß wir meines Erachtens die G-7 stärken müssen, die Vereinigten Staaten
hierbei eine führende Rolle spielen sollten und wir eine
Geldpolitik ausarbeiten wollen, die eine Rezession in
Europa und in diesem Land verhindert sowie für uns
alle von Vorteil sein würde. Daher müssen wir glaubwürdig sein, wenn wir Deutschland und Japan klarmachen wollen, daß wir gleichzeitig im Bereich der Steuerpolitik verläßlich sind.

Zunächst einmal möchte ich einige kurze Anmerkungen zu dem vorgeschlagenen Paket schneller Anreize
machen. Sie haben wahrscheinlich bis heute immer
die Haltung eingenommen, es sei klug und weise, die
wirtschaftliche Entwicklung am Jahresende abzuwarten. Betrachten Sie das Bruttosozialprodukt im vierten
Quartal des Jahres, die Arbeitslosenquote im Dezember sowie andere Indikatoren. Meines Erachtens ist
das ein vernünftiger Kurs. Vielleicht ist ein Anreiz
notwendig, aber wenn die Wirtschaft andauernde
Anzeichen von Erholung zeigt, sollte er äußerst klein
gehalten und möglicherweise immer weiter reduziert
werden.

Herr Dr. Tobin, ich würde gerne von Ihnen hören, was
sie über die Höhe und die Dauer dieses Anreizes Jetzt möchte ich mich dem Thema der langfristigen
Defizitreduzierung widmen, die öfters mit einer Krankdenken.
heit verglichen wird. Meines Erachtens ist das ein
James Tobin
treffender Vergleich, denn es ist eine langwierige,
kräftezehrende Krankheit. Heute liegt das EinkomIch würde für zwei Jahre Anreize in Höhe von ungefähr men jedes Amerikaners - Erwachsener oder Kind - im
einem Prozent des Bruttoinlandsprodukts befürworten Durchschnitt 1.000 Dollar unter dem Einkommen, das
- das wären um die 60 Milliarden Dollar pro Jahr. Man er ohne das Haushaltsdefizit der letzten 10 Jahre
könnte die Summe im zweiten Jahr etwas senken, gehabt hätte. Es wird sich jährlich um weitere 1.000
wenn das angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung Dollar verringern, wenn das Haushaltsdefizit weiterhin
des Jahres 1993 wünschenswert erscheint. Wenn so hoch bleibt. Und das Volksvermögen wird, wenn
man jetzt noch den Multiplikatoreffekt der aus dem das Defizit ein weiteres Jahrzehnt bestehen bleibt,
Anreiz resultierenden Aufwendungen miteinbezieht, 2.500 Milliarden Dollar geringer ausfallen...
dann kommt man auf ungefähr 1,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts jährlich. In meinen Ausführungen Ich spreche hier nicht über wirtschaftswissenschaftlihabe ich bereits darauf hingewiesen, daß wir eine che Abstraktionen, sondern überdie tägliche mühevolLücke von fünf bis sechs Prozent schließen wollen. le Arbeit der amerikanischen Arbeiter und Geschäfts-

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�leute. Wenn unser Haushaltsdefizit lediglich ein abstrakter Begriff bleibt, eine für die menschliche Vorstellungskraft zu große Zahl, eine mit menschlichem Vertust
und menschlicher Frustration, die es unweigerlich mit
sich bringt, unverbundene Größe, dann werden wir
niemals wirklich damit fertig werden können...
Eine im Verlauf dieser Konferenz angesprochene
Möglichkeit ist meiner Ansicht nach nicht hilfreich. Ein
Investitionshaushalt ändert nicht die zentralen haushaltspolitischen Tatsachen. Wenn in der Wirtschaft
Vollbeschäftigung oder nahezu Vollbeschäftigung
herrscht und die Regierung Anleihen aufnimmt, wird
Geld von Privatinvestitionen für die private Spartätigkeit abgezweigt. Die Privatwirtschaft in den Vereinigten Staaten leidet zur Zeit nicht unter einem Überangebot von Privatkapital... Die Vereinigten Staaten benötigen mehr, nicht weniger Investitionen.. Das impliziert
meines Erachtens, daß künftig alle Staatsausgaben
entweder durch Kürzungen in anderen Ausgabenbereichen oder durch Steuererhöhungen, nicht jedoch
durch weitere Verschuldung finanziert werden sollten.
Wenn die Bundesregierung Anleihen für Infrastrukturausgaben oder ähnliches aufnimmt, kann die Privatwirtschaft entweder im Land weniger investieren oder
muß im Ausland mehr Geld leihen. In beiden Fällen
werden die amerikanischen Bürger dann um die Investitionserträge gebracht, entweder weil keine Investitionen getätigt werden, oderweil die Erträge an ausländische Besitzer fließen...

Wachstum förderlicher, wenn die Regierung für das,
was sie kauft, auch zahlt...
Die Erfahrung mit Investitionshaushalten scheint all
dem zu widersprechen, aber die Erfahrung der Bundesstaaten in diesem Bereich ist meiner Meinung nach
äußerst irreführend. Effektenbewertungsgesellschaften bestrafen die Bundesstaaten, die mit ihrem Investitionshaushalt M i ßbrauch treiben, schnell und hart. Die
Bundesregierung unterliegt keiner solchen Disziplin.
Auf Bundesebene sind die Möglichkeiten, Mißbrauch
zu treiben, unbegrenzt und gefährlich. Ich kann mir
praktisch keine Tätigkeit der Bundesregierung vorstellen, die geschickte Rechtsanwälte nicht als Investitionen bezeichnen könnten...
Wir müssen uns die Notwendigkeit einer Reduzierung
des Defizits immer klar vor Augen halten, da sie eine
wichtige und - falls wir uns gerechterweise alle daran
beteiligen - auch durchführbare Aufgabe ist. Einige der
beliebtesten Patentrezepte sind meines Erachtens
irreführend. Wir können und müssen, wie hier bereits
betont wurde, die Kosten im Gesundheitswesen reduzieren. Aber strukturell sinnvolle Kürzungen erfordern
Zeit. Ich denke, im ersten Jahr werden die Ersparnisse
recht gering sein, aber bis zum Jahr 2000 sind große
Einsparungen möglich.

Das erhöhte Wachstum wird spontan zu einigen zusätzlichen Einnahmen führen, aber die Früchte der
wachstumssteigernden Maßnahmen werden nur klein
Wenn bei einem Investitionshaushalt auf Defizite ver- sein und langsam reifen. Insbesondere unter den
ursachende Ausgaben verzichtet wird, hat das eine Befürwortern dieser Idee wurden - aus meiner Sicht narkotisierende Wirkung: Es ist Kapital, also können die wachstumsfördernden Effekte von Investitionen in
wir Geld aufnehmen, um es zu bezahlen. Natürlich die Infrastruktur stark übertrieben. Diese Wirkungen
sind Geldanleihen manchmal berechtigt, beispielswei- sind in vielen Fällen kleiner als die von Privatinvestitiose um die Wirtschaft während einer Rezession anzu- nen, die sie - wenn durch Anleihen finanziert - verdränkurbeln. Aber normalerweise sind sie zur Finanzie- gen würden, und ich möchte betonen, daß es praktisch
rung staatlicher Aktivitäten nicht gerechtfertigt, es sei nur in sehr wenigen Fällen möglich sein wird, sie
denn, es gibt stichhaltige Beweise, daß die staatlichen schnell genug herbeizuzaubern, um etwas gegen die
Investitionen viel produktiver sind als die Privatinvesti- jetzige Rezession zu unternehmen.
tionen, die sie ersetzen. Aber selbst dann wäre es dem
* * * * *

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�PORTRAT
23. Dezember 1992

ANGESEHENER BÜRGERMEISTER ALS
WOHNUNGSBAUMINISTER NOMINIERT
Porträt von Henry Cisneros

WASHINGTON - (AD) - Die Berufung von Henry
Cisneros zum Minister für Wohnungs- und Städtebau
(HUD) trägt dazu bei, das Versprechen des gewählten
Präsidenten Clinton einzulösen, in seinem Kabinett für
Vielfalt zu sorgen.
Cisneros, der für seine achtjährige Dienstzeit als Bürgermeister von San Antonio (Texas) Anfang der achtziger Jahre viel Beifall erhielt, ist jedoch bei weitem
mehr als lediglich der erste in Clintons Kabinett aufgenommene Hispanier.

Mondales im Jahr 1984. Mondale entschied sich
schließlich in dem erfolglosen Wahlkampf für Geraldine Ferraro.
Der Name Cisneros gehörte wiederum zu einem der
ersten, die auftauchten, als es um die mögliche Nachfolge von Lloyd Bentsen als Senator für Texas ging,
nachdem Clinton Bentsen zuvor als Finanzminister
nominiert hatte.

Neben seinem politischen Geschick hat sich der designierte Wohnungsbauminister im akademischen BeBei der Bekanntgabe dieser Berufung bezeichnete reich bereits auf dem Gebiet städtischer AngelegenClinton Cisneros am 17. Dezember 1992 als "einen der heiten, für das er im HUD zuständig sein wird, profiliert.
talentiertesten Staatsdiener unserer Zeit". Mit ihm an Nach dem Abschluß seines Grundstudiums an der
der Spitze des Ressorts, das sich mit ihren besonde- Texas A&amp;M University 1968 erwarb er an derselben
ren Problemen beschäftigt "werden die Städte Ameri- Universität 1970 den Magister im Fach Stadtplanung.
kas die Stimme und die Vision haben, die sie benötigen Darüber hinaus wurde ihm 1973 an der Harvard Uniund verdienen", erklärte der künftige Präsident.
versity ein Magister im Fach öffentliche Verwaltung
verliehen. 1976 promovierte er in derselben Disziplin
Aussagen zur Person von Cisneros neigen für ge- an der George Washington University.
wöhnlich zu solchen Superlativen. Während er noch
Bürgermeister von San Antonio war, betonte das bio- Er hatte ein White-House-Stipendium, lehrte am Colgraphische Jahrbuch Current Biography Yearbook von lege und war Mitglied des Stadtrats von San Antonio,
1987 seinen Erfolg bei "der weitgehenden Entschär- bevor er zur ersten von vier zweijährigen Amtszeiten
fung der aus der traditionellen ethnischen Polarisie- als Bürgermeister von San Antonio gewählt wurde.
rung zwischen den Stadtbewohnern angelsächsischer
und lateinamerikanischer Herkunft herrührenden Als er 1988 bekanntgab, daß er nicht für eine fünfte
Spannungen und beim Aufbau einer breiten Koalition Amtszeit kandidieren werde, äußerte Cisneros den
des Wandels durch die schiere Kraft seiner persönli- Wunsch, in der Privatwirtschaft tätig zu werden und
chen Ausstrahlung und geistigen Fähigkeiten, seines sich mehr um familiäre Belange zu kümmern, insbepolitischen Scharfsinns und unermüdlichen Engage- sondere die medizinischen Probleme seines jungen
ments sowie seiner strategischen Vision für die zehnt- Sohnes. Nur wenige Wochen darauf kursierten Berichte über eine außereheliche Beziehung mit einer
größte Gemeinde der Vereinigten Staaten".
Wahlkampfhelferin - Berichte, die er schließlich bestäSolche Einschätzungen sowie seine prominente Stel- tigte.
lung als erster hispanischer Bürgermeister einer großen amerikanischen Stadt machten ihn - im Alter von Später versöhnte er sich mit seiner Frau, Mary Alice,
nur 37 Jahren - zum starken Bewerber um die Position die mit ihm gemeinsam bei der Bekanntgabe seiner
des Vizepräsidentschaftskandidaten auf der Liste Walter Nominierung am 17. Dezember in Little Rock auftrat.

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Seite 1

�Nach dem Ausscheiden aus dem Amt gründete der
ehemalige Bürgermeister die Cisneros Asset Management Company, ein Vermögensverwaltungsunternehmen, und moderierte ein Kommentarprogramm für
den Rundfunk, das von 40 Stationen im ganzen Land
ausgestrahlt wurde. Er war Mitglied des Vorstands der
Zentralbank von Dallas.

Bevor er zur Bekanntgabe seiner Nominierung nach
Little Rock flog, deutete Cisneros in einem Gespräch
in einer Grundschule von Dallas ehrgeizige Pläne für
dasHUDan. Er erklärte, erfühlesich "verpflichtet, dies
zu mehr als einem nur für Wohnungsbau zuständigen
Ressort zu machen, nämlich zu einem Ministerium für
Lebensqualität in den Gemeinden".

* * * *

*

•

Seite 2

AMERIKA DIENST 51

�BURGERRECHTE
23. Dezember 1992

DAS GESETZ, DAS AMERIKA VERÄNDERTE
von Jeannye Thornton-Hencke
Die in New York lebende Jeannye Thornton-Hencke ist Mitherausgeberin eines wöchentlich erscheinenden
landesweiten Nachrichtenmagazins. Nachfolgend veröffentlichen wir einige redaktionell bearbeitete Auszüge
aus einem von ihr verfaßten Artikel - einer umfassenden Darstellung des epochalen Bürgerrechtsgesetzes von
1964. Thornton-Henckes Beitrag wurde bereits 1989 geschrieben. Erwähnenswert ist, daß seither das
Bürgerrechtsgesetz des Jahres 1992, mit dem die in den amerikanischen Gesetzen verankerten Bürgerrechtsbestimmungen weiter gestärkt wurden, vom Kongreß verabschiedet und von Präsident Bush durch seine
Unterschrift in Kraft gesetzt wurde.

In der Geschichte der Vereinigten Staaten gibt es
nichts, was sich an Mut und Dramatik, an Momenten
ungeahnten Schreckens und größter Hoffnung sowie
im Hinblick auf die Tatsache, wie eine einzelne Ära und
ein einzelnes Gesetz die amerikanische Gesellschaft
umgestaltet haben, mit der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung der sechziger Jahre und dem Bürgerrechtsgesetz von 1964 messen kann.
Selbst heute noch, nach 25 Jahren, beleuchten die
Bilder aus jener Zeit frappierende Gegensätze in der
amerikanischen Gesellschaft und im menschlichen
Verhalten. Schwarz und weiß, nackte Gewalt und
mutige Gewaltlosigkeit, Wut und Nachsicht, Würde
und Entmenschlichung. Solche Kräfte trafen aufeinander und kulminierten in dem so bezeichneten "Gesetz,
das eine Nation veränderte".
Das am 2. Juli 1964 verabschiedete Gesetz war nicht
das erste amerikanische Bürgerrechtsgesetz. Solche
Gesetze gehen bis auf das Jahr 1866 zurück, und erst
wenige Jahre vor dem Gesetz von 1964 hatte der
Kongreß 1957 und 1960 Bürgerrechtsgesetze verabschiedet. Diese beiden Gesetze waren jedoch "äußerst schwach und unwirksam", wie der Washingtoner
Anwalt Joseph Rauh erklärt, der eine wichtige Rolle bei
der Formulierung des Gesetzes von 1964 spielte.
"Keines hatte mehr als nur symbolische Bedeutung.
Beide Gesetze boten wenig Durchsetzungsmöglichkeiten und leisteten fast nichts, um die tatsächlichen
Lebens- und Arbeitsbedingungen Schwarzer in Amerika zu verändern."

Abschnitten wurde versucht, "die letzten Relikte" von
Diskriminierung zu beseitigen. Behandelt wurden das
Wahlrecht, öffentliche Unterkünfte, öffentliche Einrichtungen und öffentliche Schulen. Es wurde auf Dauer
eine Bürgerrechtskommission eingesetzt, um die Durchführung der Bürgerrechtsgesetze zu überwachen, es
behandelte die Fragen staatlicher Hilfe, Beschäftigung, Statistiken, Gerichte und beratende Dienstleistungen und garantierte das Recht auf ein Geschworenenverfahren in Fällen von Störung der Rechtspflege,
die sich aus Bestimmungen des Gesetzes ergeben.
Mit der Unterzeichnung des Gesetzes wurde Diskriminierung in öffentlichen Unterkünften verboten. Schwarzen durfte auf Reisen die Übernachtung in Hotels und
Raststätten nicht mehr versagt werden. Auch durfte
ihnen der Zugang zu Theatern oder anderen Unterhaltungsstätten, zu Restaurants oder öffentlichen Toiletten nicht länger verweigert werden und es war untersagt, ihnen dort bestimmte Plätze zuzuweisen.
Fortan konnte schwarzen Kindern und ihren Eltern der
Besuch städtischer Parks oder Schwimmbäder nicht
mehr verwehrt werden. Das Gesetz garantierte ihnen
nun gleichen Zugang und gleiche Leistungen in allen
öffentlichen Einrichtungen. Mit einer besonders wichtigen Bestimmung autorisierte das Gesetz überdies die
Regierung der Vereinigten Staaten, allen Schulbezirken, in denen die Rassentrennung aufgehoben werden
sollte, technische und finanzielle Hilfe zur Verf ügu ng zu
stellen.

Das Bürgerrechtsgesetz von 1964 war sicherlich mehr
Was das Bürgerrechtsgesetz von 1964 so bemerkens- als ein Gesetz, das lediglich ein Büro zur Schlichtung
wert und so wirksam machte, war sein umfassender von Rassenauseinandersetzungen im US-JustizminiCharakter. Auf seinen 27 Seiten und in 11 Titeln" oder sterium schuf oder die Regierung ermächtigte, denje-

AMERIKA DIENST 51

Seite 1

�nkjen, die Diskriminierung praktizierten, staatliche Gelder
vorzuenthalten. Mit dem Gesetz wurde kühn und
durchgreifend versucht, den großen Widerspruch in
Amerika grundsätzlich und unumkehrbar auszuräumen: ein Land, das auf Freiheit, Gleichheit, Chancen
und Gerechtigkeit für alle beruhte, diese Rechte aufgrund der Hautfarbe jedoch 300 Jahre lang verweigert
hatte.

rechtsgesetzes präzisiert, der Diskriminierung am
Arbeitsplatz untersagt. Dazu Berry: "Einer Studie
zufolge haben Frauen und Angehörige von Minderheiten seither Milliarden Dollar an Arbeitsplätzen verdient,
die sie ohne diese Bestimmungen nicht bekommen
hätten."

Die Rechtsanwältin und Chef lobbyistin der Nationalen
Vereinigung zur Förderung Farbiger (National Association for the Advancement of Cobred People - NAACP),
Arthea Simmons, stellt fest, daß das Bürgerrechtsgesetz neben seiner Funktion als Grundlage des Wahlrechts und von Gesetzen gegen Diskriminierung im
Wohnungswesen im Jahr 1972 Basis für ein Gesetz
gegen die Diskriminierung von Behinderten und alten
Menschen war sowie für weitere Schutzmaßnahmen
gegen unfaire Praktiken bei Wohnungsvermietung und
im Bildungswesen.

Trotz des Vermächtnisses des Bürgerrechtsgesetzes
gibt es auch heute noch vereinzelt Diskriminierung in
den Vereinigten Staaten. "Heute, 25 Jahre danach,
sind wir immer noch nicht frei von Diskriminierung",
erklärt Althea Simmons von der NAACP, "aber wir
haben die Instrumente, um dagegen zu kämpfen."

Die heutigen Erfolge von Schwarzen und anderen
lassen es kaum noch als vorstellbar erscheinen, wie
Während das Bürgerrechtsgesetz von 1964 viel für die anders Amerika vor 25 Jahren aussah - wie schlecht
schwarzen Amerikaner geleistet hat, half es auch die Lage der Schwarzen war, welche Fortschritte sie
vielen anderen, darunter den Hispaniern sowie ande- seither gemacht haben und wie kurz diese Zeitspanne
ren rassischen oder ethnischen Minderheiten, Behin- gewesen ist.
derten, Homosexuellen und Lesbierinnen sowie den
Frauen. Tatsächlich hat jede Gruppe, die protestierte Als Martin Luther King beim Marsch auf Washington
und weitere bürgerliche Freiheiten forderte, von der 1963 seine berühmte Rede mit dem Titel "Ich habe
schwarzen Bürgerrechtsbewegung gelernt und das einen Traum" hielt, sprach er von seinen Hoffnungen
Bürgerrechtsgesetz als Sprungbrett benutzt, um wei- auf ein besseres Amerika. "Ich habe einen Traum",
tere Gesetze oder Schutzgarantien zu fordern. "Es ist erklärte er, "daß meine vier kleinen Kinder eines Tages
das Modell für Antidiskriminierungsgesetzgebung nicht in einem Land leben werden, in dem sie nicht nach ihrer
nur für Schwarze, sondern auch für Frauen, Behinder- Hautfarbe, sondern nach ihrem Charakter beurteilt
te und Senioren. Es hat einen Maßstab dafür gesetzt, werden."
wie die anderen (Gesetze) geschrieben werden sollten", erklärt die Rechtsanwältin und Juraprofessorin Heute würden die meisten Amerikaner wahrscheinlich
Mary Frances Berry, die Mitglied der US-Bürgerrechts- sagen, daß Kings Traum der Realität näher liegt als
jemals zuvor. Schwarze, die dereinst hauptsächlich zu
kommission ist.
niederen, schlechtbezahlten Arbeiten verurteilt waren,
sind
heute in allen Bereichen des öffentlichen und
Rauh fügt hinzu: "Das Bürgerrechtsgesetz leitete eine
privaten
Sektors und allen Berufssparten anzutreffen.
juristische Revolution ein. Dieses Gesetz und die
Nachdem
man ihnen einst das Wahlrecht verweigerte,
beiden anderen Gesetze, denen es den Weg ebnete werden
sie
heute in Tausende von Staats- und komdem Wahlrechtsgesetz von 1965 und dem Gesetz
munalen
Ämtern
gewählt. Nachdem man sie einst in
gegen Diskriminierung im Wohnungswesen von 1968
den
Geschäften
entwürdigender Behandlung unter-, stellten gemeinsam das Rechtssystem dieses Lanwarf,
besitzen
sie
heute selbst Geschäfte aller Art.
des auf den Kopf. Vor diesen Gesetzen gab es ein
Nachdem
man
sie
einst von bestimmten Schulen
Rechtssystem, das die Rassentrennung unterstützte.
ausschloß,
besuchen
sie heute die prestigeträchtigDurch das Verbot der Rassentrennung verursachten
sten
Universitäten
der
Vereinigten Staaten.
diese Gesetze eine juristische Revolution in Amerika.''

Für Amerikaner, seien sie schwarz oder weiß, die sich
an die Rassentrennung erinnern und sich die schlimmen Unruhen jener Zeit vor Augen führen, stellt das
Bürgerrechtsgesetz von 1964 einen eindeutigen historischen Wendepunkt dar - einen Punkt, an dem die
Vereinigten
Staaten einen aufrichtigen Versuch unterDas wichtigste Merkmal von Titel VII des Bürgernahmen,
ihre
Widersprüche und ihre Einschränkunrechtsgesetzes von 1964, in dem es um Beschäftigung
gen
zu
beseitigen.
Alle Amerikaner, Schwarze und
geht, ist die Gleichstellungsvorschrift für Angehörige
Weiße,
haben
davon
profitiert.
von Minderheiten und Frauen, erklärt Berry. Die
Rechte von Frauen wurden in dem Teil des Bürger* * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 51

�THEMENINDEX
23. Dezember 1992

DER AMERIKA DIENST
2. Halbjahr 1992
Nachstehend eine Liste der Themen, die im Amerika Dienst (2. Halbjahr 1992) erschienen sind. Angegeben
ist jeweils die Nummer der Ausgabe, in der das betreffende Thema behandelt wird.

THEMA

NUMMER DER AUSGABEN

AIDS

26,30

Flüchtlinge

32, 33, 41

Abtreibung

27

Flüchtlingshilfe

31

Auslandshilfe

40

Fulbright

35

Aussenpolitik

49
GATT

45, 47, 49, 51

GUS-Hilfe

43,44

Irak

35,43

Jugoslawien

35, 36, 39, 47

KSZE

28,31,39,50

Kongress

42

Menschenrechte

37, 49, 50

NAFTA

30, 33, 35

NAKR

51

NATO

39

Nichtverbreitung

29

B-Waffen

37

Bildungswesen

34

Bosnien

33

Bosnien/Serbien

32

Bürgerrechte

51

Bush/Baker

33

C-Waffen

36

Chemische Waffen

30,31,41

Clinton-Aussenpolitik

47,48

Clinton-Kongress

46,47

Deutschland-USA

36

Einwanderung

28,30

Erdgipfel

30

AMERIKA DIENST 51

Seite 1

�Porträt

27. 28. 29, 45,
47, 50, 51

Präsident Clinton

44

Problems of Communism

32

Rassenbeziehungen

48,49

Russland

44

Rüstungskontrolle

29,31

START

26, 40, 44

Serbien

50

Somalia

34, 36, 38, 49

Soziales

26

Übergangsteam

45

Umwelt

26, 32, 42, 46

UN-Generalversammlung

41

UN-Sanktionen gegen Irak

30

UNO
US-Aussenpolitik

44.46

US-Kongress

40

USA-Deutschland

26,39

USA/Deutschland/Europa

48

USA-Unabhängigkeitstag

27

Verteidigung
Vietnam

44

Vizepräsident Gore

44

Wahlen '92

26, 27, 28, 29, 30,
33, 34, 37, 38, 39,
40, 41,42,43,45

Weltpolitik

26

Weltwirtschaftsgipfel

27, 28

Willy Brandt

41

Wirtschaft

37, 38, 44, 51

* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 51

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                <text>&lt;strong&gt;1. NAKR&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eagleburger fordert Kooperation von NAKR und NATO bei Friedenssicherung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung bei NAKR-Ministertreffen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. GATT&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikanischer Verhandlungsführer drängt auf Ende des Patts bei GATT-Gesprächen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung von Rufus Yerxa&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wirtschaftsgipfel konzentrierte sich auf langsameres Wachstum und Investitionen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Auszüge der Redebeiträge&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Porträt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Angesehener Bürgermeister als Wohnungsbauminister nominiert&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt von Henry Cisneros&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Bürgerrechte&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das Gesetz, das Amerika veränderte&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Jeannye Thornton-Hencke&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Themenindex&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Der Amerika Dienst&lt;br /&gt;&lt;em&gt;2. Halbjahr 1992&lt;/em&gt;</text>
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dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

6. Januar 1993

c f&gt;fytCCJ

Etnboss

53OO Bonn ^

START II

DER START-II-VERTRAG
Eine Übersicht des Weißen Hauses

PORTRAT

WARREN CHRISTOPHER:
DER "VOLLBLUTDIPLOMAT"
Porträt des designierten Außenministers
INNENMINISTERIUM VOR WICHTIGEN
HERAUSFORDERUNGEN
Porträt von Bruce Babbitt

VERTEIDIGUNGSEXPERTE ZUM NEUEN
CHEF DES PENTAGON BERUFEN
Porträt von Les Aspin
ANTHONY LAKE BRINGT DREISSIGJÄHRIGE ERFAHRUNG IN DER
AUSSENPOLITIK MIT
Porträt des designierten
Nationalen Sicherheitsberaters
ERSTE FRAU AN DER SPITZE DES
JUSTIZMINISTERIUMS
Porträt von Zoe Baird
DESIGNIERTER HANDELSBEAUFTRAGTER
IST ÄUSSERST KONKURRENZORIENTIERT
Porträt von Mickey Kantor
O'LEARY SOLL ENERGIEMINISTERIUM
NEUEN KURS GEBEN
Clinton wünscht Betonung
alternativer Energieträger

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�PORTRÄT

EHEMALIGER BÜRGERMEISTER VON
DENVER ZUM VERKEHRSMINISTER BERUFEN
Porträt von Federico Pena
LÄNDLICHE ENTWICKLUNG SCHLÜSSEL
FÜR ESPYS ERFOLG
Porträt des designierten
Landwirtschaftsministers
ERNENNUNG EINES LANDESWEIT
GESCHÄTZTEN BILDUNGSPOLITIKERS
ZUM ERZIEHUNGSMINISTER
Porträt von Richard Riley
IM AUSLAND GEBORENE AMERIKANERIN
ZUR UNO-BOTSCHAFTERIN BERUFEN
Porträt von Madelaine Albright
MILITÄR- UND SICHERHEITSEXPERTE
NEUER LEITER DER CIA
Porträt von R. James Woolsey

�START

II
6. Januar 1993

DER START-II-VERTRAG
Eine Übersicht des Weißen Hauses
Die folgende Übersicht zum am 3. Januar 1993 in Moskau von den Präsidenten Bush und Jelzin unterzeichneten START-Il-Vertrag wurde am 1. Januar 1993 vom Weißen Haus veröffentlicht.
Am 3. Januar 1993 werden Präsident George Bush
und Präsident Boris Jelzin den Vertrag zwischen den
Vereinigten Staaten von Amerika und der Russischen
Föderation über die Weitere Reduzierung und Begrenzung Strategischer Offensivwaffen unterzeichnen. Der
häufig als START II bezeichnete Vertrag wird die von
den beiden Präsidenten beim Washingtoner Gipfeltreffen am 17. Juni 1992 unterzeichnete Gemeinsame
Vereinbarung kodifizieren.
Der Vertrag wird die destabilisierendsten strategischen
Waffen - schwere ballistische Interkontinentalraketen
(ICBMs) und ICBMs mit Mehrfachgefechtsköpfen
(MIRVed ICBMs) - beseitigen und die in beiden Ländern stationierten Bestände an strategischen Nuklearwaffen um zwei Drittel der gegenwärtigen Niveaus
drastisch reduzieren.
Der Vertrag umfaßt ein Protokoll über die Beseitigung
oder Konversion von schweren ICBMs und schweren
ICBM-Silos, ein Protokoll über die Vorführung und
Inspektion schwerer Bomber sowie eine Regierungsvereinbarung über die Zuordnung.
Beziehung zum START-Vertrag
Der neue Vertrag baut auf dem am 31. Juli 1991
zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion unterzeichneten START-Vertrag auf, fordert jedoch
sehr viel einschneidendere Reduzierungen der strategischen Nuklearstreitkräfte. Alle START-Regelungen
bleiben bestehen, sofern sie in dem neuen Vertrag
nicht ausdrücklich geändert wurden. Aufgrund der
engen Beziehung zwischen den beiden Verträgen
kann START II nicht vor dem START-Vertrag in Kraft
treten. Darüber hinaus soll er während der gesamten
Dauer von START in Kraft bleiben.
Zentrale Obergrenzen
Der Vertrag wird gleiche Obergrenzen für die Anzahl
strategischer Nuklearwaffen festsetzen, die von beiAMERIKA DIENST 1

den Seiten disloziert werden können. Die Obergrenzen werden für zwei Phasen definiert: Phase I soll
sieben Jahre nach Inkrafttreten des START-Vertrags
und Phase II bis zum Jahr 2003 abgeschlossen sein.
Phase II kann bis Ende des Jahres 2000 beendet
werden, wenn die Vereinigten Staaten zur Finanzierung der Beseitigung strategischer Offensivwaffen in
Rußland beitragen können.
Der Vertrag wird Reichweiten für einige der zentralen
Obergrenzen festsetzen.
Phase I
Bis zum Ende der ersten Phase muß jede Seite die
Gesamtzahl ihrer stationierten strategischen nuklearen Gefechtsköpfe auf 3.800-4.250 reduziert haben.
Dies beinhaltet sowohl die Anzahl der auf dislozierten
ICBMs und unterseebootgestützten ballistischen
Raketen (SLBMs) befindlichen Gefechtsköpfe als auch
die Zahl der Gefechtsköpfe, mit denen schwere Bomber mit nuklearem Auftrag ausgerüstet sind.
Von der Gesamtzahl von 3.800-4.250 Gefechtsköpfen
dürfen sich nicht mehr als 1.200 auf stationierten
MIRVed ICBMs, nicht mehr als 2.160 auf dislozierten
SLBMs und nicht mehr als 650 auf schweren ICBMs
befinden.
Phase II
Bis zum Ende der zweiten und letzten Phase muß jede
Seite die Gesamtzahl ihrer stationierten strategischen
nuklearen Gefechtsköpfe auf 3.000-3.500 reduziert
haben. Von diesen dürfen sich keine auf MIRVed
ICBMs einschließlich schwerer ICBMs befinden. Daher
müssen alle MIRVed ICBMs von den dislozierten
Streitkräften beider Seiten beseitigt werden. Mit nur
einem Gefechtskopf bestückte ICBMs sind erlaubt.
Auf SLBMs dürfen sich nicht mehr als 1.700-1.750
stationierte Gefechtsköpfe befinden.
Bezüglich
MIRVed SLBMs besteht kein Verbot.
Seite 1

�Vergleich zwischen den zentralen Obergrenzen
von START und START-II
Der nachfolgende Vergleich zwischen den vom STARTVertrag und vom START-Il-Vertrag festgesetzten
zentralen Obergrenzen stellt sichfolgendermaßendar:

ten um bis zu jeweils vier Gefechtsköpfe pro
Rakete reduzieren. Es besteht keine Gesamtobergrenze bei der Anzahl von Gefechtsköpfen,
die verringert werden können.
Eine Obergrenze von 105 ICBMs von einem
dieser Typen kann um bis zu jeweils fünf Gefechtsköpfe reduziert werden. Eine solche ICBM
darf nur in Silos stationiert werden, in denen sie
zum Zeitpunkt der Unterzeichnung des STARTVertrags disloziert war.

Bei der Gesamtzahl der strategischen Gefechtsköpfe sieht der START-Vertrag eine Obergrenze von 6.000 anrechnungsfähigen Gefechtsköp-fen vor. Phase I von START II geht von
3.800 bis 4.250 tatsächlichen Gefechtsköpfen
aus. Diese Zahl soll schließlich in Phase II von Daher können die mit drei Gefechtsköpfen bestückte
START II auf 3.000 bis 3.500 begrenzt werden. amerikanische Minuteman-Ill-ICBM und die russische
SS-17-ICBM mit vier Gefechtsköpfen sowie 105 der
Für Gefechtsköpfe auf ballistischen Raketen mit sechs Gefechtsköpfen ausgerüsteten russischen
legt der START-Vertrag eine Obergrenze von SS-19-ICBM auf einen einzigen Gefechtskopf redu4.900 fest, während bei START II in beiden ziert werden, um der Forderung nach Beseitigung aller
Phasen keine spezifischen Grenzen definiert MIRVed ICBMs gerecht zu werden. Die amerikanisind.
sche ICBM Peacekeeper und die russische schwere
ICBM SS-18 sowie die SS-24-ICBM, die alle mit jeBallistische Interkontinentalraketen mit Mehrweils 10 Gefechtsköpfen bestückt sind, und die verfachgefechtsköpfen (MIRVed ICBMs) werden
bleibenden SS-19-ICBM müssen im Einklang mit den
von START nicht erfaßt, während START II,
START-Verfahren beseitigt werden.
Phase I, eine Obergrenze von 1.200 festlegt
und START II, Phase II, deren völlige Abschaf- Beseitigung von Raketensystemen
fung vorsieht.
Im START-Vertrag können stationierte SLBMs und die
Gefechtsköpfe auf seegestützten ballistischen meisten dislozierten ICBMs der Anrechnungsfähigkeit
Raketen (SLBMs) sind im START-Vertrag nicht entweder durch Zerstörung ihrer Abschußvorrichtunenthalten. START II, Phase I, legt eine Ober- gen (Silos für stationäre ICBMs, mobile Abschußvorgrenze von 2.160 fest, die in START II, Phase II, richtungen für mobile ICBMs und Abschußbereiche
auf 1.700-1.750 gesenkt wird.
auf Unterseebooten für SLBMs) oder durch Umrüstung dieser Abschußvorrichtungen enthoben werBei Gefechtsköpfen auf schweren ICBMs sieht
den, so daß sie nur einen anderen Typ einer erlaubten
START eine Obergrenze von 1.540 vor. Diese
Rakete tragen können. Die einzige Ausnahme ist die
wird in START II, Phase I, auf 650 reduziert. In
SS-18. Im START-Vertrag muß die Forderung nach
Phase II von START II sollen diese vollständig
der Beseitigung der 154 stationierten SS-18 durch die
abgeschafft werden.
Zerstörung, nicht die Umrüstung der Silos, erfüllt werden.
Bei Gefechtsköpfen auf mobilen ICBMs setzt
der START-Vertrag eine Obergrenze von 1.100 In dem neuen Vertrag behalten diese Regeln im allgefest, die in beiden Phasen von START II ihre meinen ihre Gültigkeit. Die wesentliche Ausnahme ist
wiederum die SS-18. 90 SS-18-Silos können umgerüGültigkeit behält.
stet werden, um eine Rakete mit einem Gefechtskopf
zu
tragen, der Rußland zufolge ein SS-25-Typ sein
Die Gesamtzahl der strategischen nuklearen
wird.
Der Vertrag schreibt spezifische Verfahren einTrägersysteme ist in START mit 1.600 festgeschließlich
Vor-Ort-Inspektionen vor, um sicherzustelsetzt. Diese Zahl gilt ebenfalls für beide Phasen
len,
daß
diese
umgerüsteten Silos nie wieder zum
von START II.
Abschuß einer schweren ICBM in der Lage sein werReduzierung der Anzahl von Gefechtsköpfen pro den. Die verbleibenden 64 SS-18-Silos, die GegenRakete
stand dieses Vertrages sind, müssen zerstört werden.
Der Vertrag erlaubt eine Reduzierung der Anzahl von
Gefechtsköpfen auf bestimmten ballistischen Raketen. Eine solche Reduzierung ("downloading") ist in
einer sorgfältig strukturierten Weise mit einer Modifizierung der im START-Vertrag vereinbarten Regeln
gestattet:

Im Gegenzug für das Recht zur Beibehaltung von bis
zu 90 umgerüsteten SS-18-Silos wird der Vertrag
erfordern, daß alle stationierten und nichtstationierten
SS-18-Raketen und Behälter bis spätestens zum 1.
Januar 2003 beseitigt werden. Dies ist eine wesentliche Abweichung vom START-Vertrag. Generell strebte der START-Vertrag nicht die Zerstörung von RakeJede Seite darf zusätzlich zu der amerikani- ten an. Im START-Il-Vertrag hat die russische Seite
schen Minuteman IM und der russischen SS-N- jedoch der Beseitigung aller stationierten und nichtsta18 zwei bestehende Typen ballistischer Rake- tionierten SS-18-Raketen zugestimmt. Damit wird ein

Seite 2

AMERIKA DIENST 1

�seit langem bestehendes Ziel der amerikanischen Vertrag nie als luftgestützte atomare MarschflugkörSeite verwirklicht - die vollständige Beseit igu ng schwe- per großer Reichweite anzurechnen waren, jetzt für
konventionelle Aufgaben umgerüstet werden können.
rer ICBMs.
Solche Bomber werden bei den durch den Vertrag
Schwere Bomber
festgelegten Obergrenzen für Gefechtsköpfe nicht mit
angerechnet. Sie werden von den für Nuklearwaffen
Im START-Vertrag unterliegen nukleare schwere
ausgerüsteten schweren Bombern getrennt stationiert,
Bomber einer flexibleren Zählweise als ballistische
lediglich für Aufgaben nichtatomarer Natur genutzt
Raketen. Jeder schwere Bomber, der nur Kurzstrekund sich sichtlich von den anderen schweren Bombern
kenraketen oder Freifallbomben tragen kann, zählt als
desselben Typs unterscheiden, die nicht für konventioein Gefechtskopf. Die zum Tragen von luftgestützten
nelle Zwecke umgerüstet werden. Solche schweren
atomaren Marschflugkörpern großer Reichweite
Bomber können nach dreimonatiger Benachrichtigung
(ALCMs) ausgerüsteten amerikanischen schweren
wieder für atomare Zwecke genutzt werden, dürfen
Bomber zählen jeder wie zehn u nd die zum Tragen von
danach jedoch nicht wieder für konventionelle Aufgaatomaren Marschflugkörpern großer Reichweite ausben umgerüstet werden.
gerüsteten sowjetischen schweren Bomber jeder wie
acht Gefechtsköpfe.
Verifizierung
Im START-Il-Vertrag werden die schweren Bomber
gemäß der Zahl der Atomwaffen - seien es luftgestützte Marschflugkörper großer Reichweite, Kurzstrekkenraketen oder Freifallbomben -fürdie sie tatsächlich
ausgerüstet sind, gezählt. Diese Zahl wird in der
Regierungsvereinbarung über die Anrechnungsfähigkeit im Vertrag spezifiziert und bei einer einmaligen
Vorführung und routinemäßigen Vor-Ort-Inspektion
bestätigt.
Neu am START-Il-Vertrag ist ferner die Bestimmung,
daß bis zu 100 schwere Bomber, die unter dem START-

Das umfassende Verifizierungssystem des STARTVertrages wird unter dem neuen Vertrag weiterhin
gültig sein. Zusätzlich wird der START-Il-Vertrag
einige neue Verifizierungsmaßnahmen umfassen, wie
die Beobachtung der Konversion der SS-18-Silos sowie
die Beseitigungsverfahren, Vorführung und Inspektion
aller schweren Bomber zur Bestätigung der Waffenladungen und die Vorführung der schweren Bomber, die
für konventionelle Zwecke umgerüstet werden, um
ihre sichtbaren Unterschiede zu bestätigen.

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�PORTRAT
6. Januar 1993

WARREN CHRISTOPHER:
DER "VOLLBLUTDIPLOMAT"
Porträt des designierten Außenministers
WASHINGTON - (AD) - Der als "Vollblutdiplomat"
bezeichnete Warren Christopher wird allgemein respektiert und ist bekannt für einen Führungsstil, der
von Ruhe und Rationalität anstatt Zwang und Einschüchterung geprägt ist.

Die amerikanische Außenpolitik sei dann am besten,
wenn sie von Überparteilichkeit gekennzeichnet sei
und Maßnahmen fördere, über die sich beide politischen Parteien einig seien, wie etwa bei den NahostFriedensgesprächen und der Hilfsaktion in Somalia.

Der neu gewählte Präsident Bill Clinton erklärte zur
Wahl des 67jährigen Rechtsanwalts, altgedienten Diplomaten und geschickten Verhandlungsführers als
Außenminister, er habe immer stärker "auf sein Urteilsvermögen zu vertrauen gelernt... Er ist ein Freund,
den ich in meiner Nähe haben möchte."

Darüber hinaus machte er deutlich, daß Außen- und
Innenpolitik "gleichzeitig und nicht nacheinander behandelt werden" müßten.

Clinton bezeichnete Christopher als "eine Person mit
unvergleichlichem Urteilsvermögen" und verwies darauf, er habe niemand anderen kennengelernt, der
"bessere Urteilskraft oder ein breiteres Spektrum einschlägiger Erfahrungen vorzuweisen hatte". Er habe
nur deshalb auch mit anderen Kandidaten für den
Posten des Außenministers gesprochen, weil er nicht
geglaubt habe, er werde Christopher überzeugen
können, ihn anzunehmen.
Christopher war bisher Leiter von Clintons Übergangsteam und hatte sich selbst deshalb als Kandidat für
einen Kabinettsposten ausgenommen.
Mit dem Hinweis auf Christophers "hervorragende
Dienste unter früheren Administrationen" erklärte Clinton, er habe "exzellente Arbeit" geleistet, als er die
Freilassung der amerikanischen Geiseln im Iran im
Jahr 1981 aushandelte. Er würdigte darüber hinaus
Christophers Bemühungen während der Carter-Administration, China in die Völkergemeinschaft einzugliedern.
In einer kurzen Erklärung nach der Bekanntgabe seiner Nominierung verwies Christopher darauf, mit dem
Ende des Kalten Krieges sei die Welt in "ein neues und
bei weitem komplizierteres Zeitalter" mit einem "neuen
Spektrum von Gefahren" eingetreten, zu denen ethnische und religiöse Rivalitäten sowie die Verbreitung
von Massenvernichtungswaffen gehörten.

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Christoper weigerte sich jedoch, vor seiner Bestätigungsanhörung im US-Kongreß Fragen zu bestimmten außenpolitischen Themen zu beantworten.
Christopher ist zur Zeit von seiner Tätigkeit bei O'Melveny und Myers, einer Anwaltskanzlei in Los Angeles
mit über 500 Rechtsanwälten, beurlaubt.
Er war Stellvertretender Außenminister in der CarterAdministration, Stellvertretender Justizminister in der
Johnson-Administration und Verhandlungsführer der
Kennedy-Administration bei Handelsgesprächen.
Carter charakterisierte Christopher als Regierungsvertreter, der ihn mehr als jeder andere beeindruckt
habe, und der ehemalige Präsident verlieh ihm am 16.
Januar 1981 die Medal of Freedom - die höchste zivile
Auszeichnung der Vereinigten Staaten.
Nach seiner Vereidigung als Stellvertretender Außenminister am 26. Februar 1977 erwarb sich Christopher
den Ruf einer raschen Auffassungsgabe in der Au ßenpolitik und spielte eine entscheidende Rolle als Chefunterhändler der Administration bei den Verträgen
über den Panamakanal.
Im Außenministerium wurde er zum Koordinator von
Carters Menschenrechtspolitik im Ausland sowie zum
Vorsitzenden einer interministeriellen Kommission
ernannt, die die Menschenrechtsbilanz für jedes Land
getrennt beurteilte.
Ende 1980 bediente sich Christopher einer intensiven
Reisediplomatie und flog nach Algerien, um die Freilassung der amerikanischen Botschaftsgeiseln im Iran
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�auszuhandeln. Die Geiseln wurden erst kurz nach der York Times folgendermaßen zitiert: "Christopher ist
Amtseinführung Ronald Reagans im Januar 1981 frei- keiner, der Geschäfte macht oder manipuliert. Er ist
mehr als eine politische Figur. Er ist ein Mann der Tat,
gelassen.
nicht der Worte... Ich würde ihm jedes Geheimnis
Christopher wurde von Clinton gebeten, ein Team zu anvertrauen. Clinton weiß, was er mit Warren alles
leiten, dessen Aufgabe die Überprüfung der Liste erreichen kann."
möglicher Vizepräsidentschaftskandidaten war und
das ihm helfen sollte, einen Kandidaten auszuwählen. Der am 27. Oktober 1925 in Scranton (North Dakota)
Dieser Prozeß führte schließlich zur Wahl des Sena- geborene Christopher schloß 1945 an der University of
tors aus Tennessee, AI Gore, der sich als starke Southern California seine Collegeausbildung ab. Von
Ergänzung der demokratischen Liste erwies.
Juli 1943 bis September 1946 war er in der Marinereserve und kam als Leutnant zur See auf dem pazifiChristopher übernahm unlängst den Vorsitz der Bür- schen Kriegsschauplatz zum Einsatz. Von 1946 bis
gerkommission, die das Verhalten der Polizei von Los 1949 besuchte er die juristische Fakultät der Stanford
Angeles während und nach der auf einem Videofilm University und leitete dort die Zeitschrift Law Review.
aufgezeichneten Mißhandlung von Rodney King durch
Polizeibeamte im Jahr 1991 untersuchte. Die Kom- Nach seinem Ausscheiden aus der Regierung im Jahr
mission wurde gegründet, als der Freispruch der 1981 kehrte Christopher zu O'Melveny and Myers
Beamten von den meisten der ihnen zur Last gelegten zurück - einer Anwaltskanzlei, mit der er nahezu sein
Anklagepunkten im Frühjahr 1992 in Los Angeles zu ganzes Berufsleben verbunden war, außer während
seiner Regierungstätigkeit. In den vergangenen 11
schweren Ausschreitungen führte.
Jahren war Christopher Vorsitzender der UnternehBürgermeister Tom Bradley ernannte Christopher in mensleitung und damit in der Praxis für die Tagesgedas Gremium, dasspäteralsChristopher-Kommission schäfte zuständig.
bekannt wurde. Diese empfahl tiefgreifende Reformen innerhalb der Polizei, und die Wähler von Los Als ehemaliger Präsident des Anwaltsvereins im LandAngeles sprachen sich in einem Volksentscheid für die kreis Los Angeles war Christopher 1959 SonderberaReformen aus.
ter des kalifornischen Gouverneurs Edmund Brown.
Er war Direktor des Los Angeles World Affairs Council
Bryce Nelson, Professor für Publizistik an der Univer- und Mitglied der Trilateral Commission. Von 1961 -65
sity of Southern California, der während der Polizeibe- war er Sonderberater von Staatssekretär George Ball
fragung Christophers Sprecher war, wird in der New für auswärtige Wirtschaftsprobleme.
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�PORTRAT
6. Januar 1993

INNENMINISTERIUM VOR WICHTIGEN
HERAUSFORDERUNGEN
Porträt von Bruce Babbitt
oder der scheidende Senator Tim Wirth für den Posten
an der Spitze des Innenministeriums berufen wird.
"Unsere Botschaft war eindeutig: Im Innenministerium
sind Führungsqualitäten erforderlich, und es werden
Menschen wie Babbitt oder Wirth gebraucht", erklärte
Umweltschützer sind einer Meinung mit ihm, was einer eine Sprecherin des Sierra Club am 24. Dezember
der Gründe dafür ist, daß sie seine am 24. Dezember 1992.
1992 vom künftigen Präsidenten Clinton verkündete
Nominierung umgehend billigten. Das Innenministe- Um das Treffen hatten Umwettschützer gebeten, da
rium ist für die Nationalparks und das an Farmer und sie über einige andere, in den Medien genannte KanBergarbeiter verpachtete, dem Staat gehörende Land, didaten für das Amt nicht glücklich waren.
für die Beziehungen zu den Stämmen der UreinwohDer 54jährige Babbitt stammt aus dem Westen der
ner und die Überwachung privater Bergwerksbetriebe
Vereinigten Staaten, was eine bedeutende Qualifikazuständig.
tion für den Posten des Innenministers ist. Bergbau-,
Ein weiterer Grund ist, daß sie einander gut kennen - Wasserversorgungs- und Erschließungsprojekte sowie
Babbitt ist zur Zeit Präsident der League of Conserva- Nationalparks sind überwiegend im Westen konzention Voters, dem politischen Arm einer Koalition füh- triert und für die regionale Beschäftigung, die Bilanzen
render Umweltschutzgruppen in den Vereinigten Staa- verschiedener großer Unternehmen sowie den Nachschub von Nahrungsmitteln und Mineralien auf Bunten.
desebene lebenswichtig.
Jay Hair, Präsident der National Wildlife Federation,
nannte Babbitts Nominierung eine "ausgezeichnete" Er wurde 1977 Gouverneur von Arizona, als der damalige
Entscheidung. Er erklärte, "Babbitt teilt die Sorgen der Amtsinhaber starb. 1978, dem Jahr, in dem Clinton
Mehrheit der Amerikaner, daß wir uns stärker um das zum Gouverneur von Arkansas gewählt wurde, geuns anvertraute, im Staatsbesitz befindliche Land und wann Babbitt seine Wiederwahl. Während seiner
Amtszeit brachte er ein Gesetz über die Grundwasserdie Natur kümmern müssen."
versorgung ein, indem er Konflikte zwischen Farmern,
Babbitt, ehemaliger Gouverneur des Bundesstaates Bergleuten und Stadtbewohnern löste.
Arizona, ist der letzte in einer Reihe "grüner" Nominierungen für die zukünftige Administration von Clinton Babbitt, Clinton und andere gewählte Beamte wie
und Vizepräsident Gore. Carol Browner, die zur Leite- Senator Gore, die 1982 wiedergewählt worden waren,
rin des Umweltschutzamtes (Environmental Protec- gründeten den Demokratischen Führungsrat (Demotion Agency - EPA) berufene ehemalige Assistentin cratic Leadership Council), um die Demokratische
Gores, wurde von Umweltschutzgruppen für ihre Ar- Partei stärker ins Zentrum zu rücken.
beit als Beamtin für Umweltfragen in Florida gelobt.
Hazel O'Leary, die designierte Energieministerin, er- 1988 beteiligte sich Babbitt am Rennen um das Amt
klärt, die Prioritäten des Energieministeriums sollten des Präsidenten, verlor aber in mehreren Vorwahlen
bei der Förderung von Energieeinsparung und der der Demokraten und mußte ausscheiden.
Nutzung alternativer Energieträger liegen.
1960 legte er sein erstes Examen an der University of

WASHINGTON - (AD) - Der ehemalige Gouverneur
Bruce Babbitt ist dafür bekannt, daß er das Innenministerium, an dessen Spitze er berufen wurde, ein
"Durcheinander" nannte.

Am 23. Dezember 1992 trafen sich mehrere Führer
von Umweltschutzgruppen mit Beamten von Clintons
Übergangsteam, um darauf zu drängen, daß Babbitt
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Notre Dame mit Geologie im Hauptfach ab. Als
Marshall-Stipendiat konnte er an der University of
Newcastle in Großbritannien Geophysik studieren und
machte dort 1962 seinen Magister.
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�Nach einer Reise nach Lateinamerika schrieb er sich
an der juristischen Fakultät der Harvard University ein,
nahm an Demonstrationen der Bürgerrechtsbewegung teil und machte 1965 seinen Abschluß.
1974 gewann er die Wahl zum Justizminister des
Bundesstaates Arizona mit einem Wahlprogramm,
das auf die Beseitigung der Korruption in der Regierung und die strafrechtliche Verfolgung von Grundstücksbetrügereien abzielte.

In Zeitungsinterviews sprach Babbitt kürzlich über die
Bedeutung internationaler Zusammenarbeit im Kampf
gegen weltweite Umweltprobleme. Ihm zufolge müssen die Entwicklungsländer ihre Volkswirtschaften
modernisieren, aber sie lehnen Ratschläge der Industrieländer ab, die selbst nicht genug zur Bekämpfung
ihrer eigenen Umweltprobleme unternehmen.

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AMERIKA DIENST 1

�PORTRÄT
6.Januar 1993

VERTEIDIGUNGSEXPERTE ZUM NEUEN
CHEF DES PENTAGON BERUFEN
Porträt von Les Aspin
WASHINGTON - (AD) - Der vom neugewählten Präsidenten Clinton für den Posten des Verteidigungsministers nominierte Les Aspin hat erklärt, er werde sich
bemühen, trotz der Reduzierung der amerikanischen
Streitkräfte in "der neuen postsowjetischen Welt nach
dem Kalten Krieg" deren hohe Qualität und technologische Überlegenheit zu bewahren.

Kuwait nicht ändern würden und unterstützte 1991
energisch die Bemühungen der Bush-Administration,
den Irak aus Kuwait zu vertreiben.
Während seiner Tätigkeit im Streitkräfteausschuß des
Repräsentantenhauses hat er eine Reihe großer und
teurer Waffensysteme abgelehnt, darunter den B-2
Tarnbomber. Andererseits unterstützte er einen Finanzierungskompromiß für die Interkontinentalrakete
MX. Er interessiert sich brennend für Rüstungskontrolle und ist als Gegner einer weltraumgestützten
Strategischen Verteidigungsinitiative bekannt. Er war
bestrebt, Versuche der Administration zur Neuinterpretation des amerikanisch-sowjetischen ABM-Vertrags von 1972 zu vereiteln.

In dem neuen Zeitalter hat sich, wie Aspin in einer
kurzen Erklärung nach der Bekanntgabe seiner Nominierung am 22. Dezember 1992 feststellte, die Definition der amerikanischen nationalen Sicherheit verändert und erweitert. Dazu gehören ihm zufolge mögliche Bedrohungen seitens regionaler Mächte sowie
Gefahren, die sich aus der weiteren Verbreitung von
Kernwaffen ergeben und "die Möglichkeit einer Umkehr der Reformen in der ehemaligen Sowjetunion, die In der Ausgabe 1992 von Politics in America heißt es,
Aspin habe sich besonders verteidigungspolitischen
unermeßliche Folgen hätte".
Themen wie konventionellen Waffen und MilitärpersoAspin verwies femer darauf, daß die neue Definition nal sowie "der sinkenden Abhängigkeit von Kernwafder nationalen Sicherheit auch die wirtschaftliche fen als Mittel gegen eine schwindende sowjetische
Komponente umfasse. Das Verteidigungsministerium Bedrohung" gewidmet.
könne zur Wiederbelebung der amerikanischen BinAspin lehnte das militärische Engagement der Vereinenwirtschaft beitragen.
nigten Staaten in Vietnam ab und befürwortete die
Clinton erklärte, er habe Aspin als seinen wichtigsten Unterstützung der Contras in Nicaragua im Jahr 1986.
zivilen Militärberater berufen, weil dieser "die Einzel- In jüngster Zeit kritisierte er die langsame Reaktion der
heiten der Verteidigungspolitik meisterhaft beherrscht". republikanischen Administration auf die VeränderunTatsächlich hat Aspin im Repräsentantenhaus an gen im Osten und den Niedergang des Kommunismus
führender Stelle daran mitgewirkt, den Umfang des in Osteuropa sowie das abnehmende Einvernehmen
Verteidigungshaushalts festzulegen. Während des zwischen den Vereinigten Staaten und der SowjetuniPräsidentschaftswahlkampfs trug er wesentlich zur on.
Gestaltung der militärpolitischen Haltung Clintons bei.
Der gewählte Präsident erklärte, Aspin sei "Experte in Der im Jahr 1985 zum Vorsitzenden des StreitkräfteVerteidigungsfragen", und diese Einschätzung wird ausschusses des Repräsentantenhauses ernannte
von Vertretern der Rüstungsindustrie, Militärs, Vertei- Aspin hat sich unermüdlich dafür eingesetzt, seinem
Ausschuß eine Rolle bei der Gestaltung der Verteididigungsfachleuten und Politikern allgemein geteilt.
gungspolrtik zu sichern. Aspin hat seither die Position
In den vergangenen beiden Jahrzehnten hat der des Ausschußvorsitzenden behalten - mit Ausnahme
gemäßigte Demokrat den Kurs der amerikanischen von zwei Wochen im Jahr 1987, als er vorübergehend
Verteidigungspolitik maßgeblich beeinflußt. Aspin kam durch ein Mißtrauensvotum von dieser Funktion entbereits frühzeitig zu dem Schluß, daß internationale bunden wurde, das durch seinen Hang zu AlleingänWirtschaftssanktionen die irakischen Bestrebungen in gen motiviert war.

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Seite 1

�Aspin errang 1970 zum ersten Mal in Wisconsin ein
Mandat für den US-Kongreß und wurde sofort Mitglied
im Streitkräfteausschuß. Er hatte zuvor bereits zwei
Jahre im Pentagon als einer der "Wunderknaben" des
damaligen Verteidigungsministers McNamara gearbeitet und 1966-68 in der Armee gedient. In seinen
ersten Jahren im Kongreß gab er bis zu 60 Pressemitteilungen monatlich zu verteidigungspolitischen Fragen heraus.

gungsministeriums gegenüber Homosexuellen zu
ändern, und Aspin hat erklärt, die Frage müsse "äußerst sorgfältig und offen" erörtert und gelöst werden.
Es sei "eine gute Sache", da ß das Thema "unmittelbar"
behandelt werden wird.
Der 1938 in Milwaukee (Wisconsin) geborene Aspin
erhielt im Jahr 1960 einen B.A. in Geschichte an der
Universität Yale, im Jahr 1962 seinen M.A. in Volkswirtschaft, Politologie und Philosophie an der Universität Oxford und promovierte 1965 am Massachusetts
Institute of Technology in Volkswirtschaft.

Die New York Times beschreibt Aspin als jemanden,
der "in großen, analytischen Konstrukten und Szenarien denkt, als ob die Welt ein gigantisches Puzzle sei
und seine Arbeit darin bestehe, zu versuchen, die Er begann seine politische Laufbahn als Mitarbeiter
Einzelteile in verschiedenen Kombinationen zusam- des ehemaligen Senators William Proxmire. Später
wurde er Mitarbeiter des Vorsitzenden des Rats der
menzufügen".
Wirtschaftsberater in der Kennedy-Administration.
Ein Thema, dem er sich frühzeitig wird stellen müssen, Darüber hinaus lehrte er zwei Jahre lang an der
ist die Politik der Streitkräfte, Homosexuelle vom Dienst Marquette University in Wisconsin Volkswirtschaft bevor
auszuschließen. Der gewählte Präsident Clinton hat er in den Kongreß gewählt wurde.
im Wahlkampf versprochen, die Politik des Verteidi*

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�PORTRAT
6.Januar 1993

ANTHONY LAKE BRINGT DREISSIGJAHRIGE
ERFAHRUNG IN DER AUSSENPOLITIK MIT
Porträt des designierten Nationalen Sicherheitsberaters
WASHINGTON - (AD) - Der vom künftigen Präsidenten Clinton für den Posten des Nationalen Sicherheitsberaters - eine der wichtigsten außenpolitischen Positionen in der amerikanischen Regierung - nominierte
Anthony Lake bringt umfassende Erfahrung für diese
Tätigkeit mit. Der 53jährige trat bereits 1962 in den
auswärtigen Dienst ein und ist seither in außenpolitischen Kreisen aktiv.

auf Kambodscha durch die Nixon-Administration und
schrieb später ein kritisches Buch über Kissingers
Haltung gegenüber Afrika.
1977 wurde Lake unter der Carter-Administration Leiter des politischen Planungsstabs des Außenministeriums. In dieser Stellung war er unmittelbar Außenminister Cyrus Vance unterstellt und wurde Zeuge der
bürokratischen Manöver zwischen Vance und Carters
Nationalem Sicherheitsberater, Zbigniew Brzezinski.

Wie Clinton gehört auch Lake zu der von Kennedys
Präsidentschaft Anfang der sechziger Jahre sowie
durch den Vietnamkrieg geprägten idealistischen Als Ronald Reagan 1981 Präsident wurde, zog sich
Generation. Lakes Idealismus trat offen zutage, als er Lake in das akademische Leben zurück und wurde
1970 von seinem Posten als Referent Henry Kissin- Professor am Amherst College in Massachusetts.
gers zurücktrat, um gegen die Ausweitung des Viet- 1984 wechselte erzürn Mount Holyoke College, wo er
namkrieges auf Kambodscha durch die Nixon-Admini- Seminare über den Vietnamkrieg, Revolutionen in der
Dritten Welt und amerikanische Außenpolitik abhielt.
stration zu protestieren.
Im Präsidentschaftswahlkampf 1992 war er einer der
Lakes umfassende Erfahrung im Außenministerium wichtigsten außenpolitischen Berater des Kandidaten
sowie seine wesentliche wissenschaftliche Beschäfti- Clinton. (Clinton und Lake hatten 1972 im Wahlkampf
gung mit internationalen Angelegenheiten sollten ihm des Präsidentschaftskandidaten George McGovern
dabei helfen, eine profunde Kenntnis von den Realitä- zusammengearbeitet.) Lake ist darüber hinaus ein
alter Freund von Warren Christopher, der von Clinton
ten der Macht in diese Stellung einzubringen.
zum Außenminister berufen wurde.
Der 1939 in New York geborene Lake schloß sein
Studium an der Harvard University mit einem B.A. ab Zu den Veröffentlichungen Lakes gehören The 'Tar
und studierte danach zwei Jahre lang Volkswirtschaft Baby' Operation: American Policy Toward Souan der Cambridge University in England. Er promo- thern Rhodesia, (1976); Third World Radical Regivierte an der Woodrow Wilson School of Public and mes : U.S. Policy Under Carter and Reagan, (1985);
International Affairs in Princeton.
Somoza Falling: A Case Study of Washington at
Work, (1990). Darüberhinaus war er an derGründung
1962 trat Lake in den auswärtigen Dienst ein und der einflußreichen Fachzeitschrift Foreign Policy
wurde nach Vietnam entsandt, wo er persönlicher beteiligt.
Referent des damaligen Botschafters Henry Cabot
Lodge wurde. Der bereits frühzeitig als besonders Lake wurde in der Presse als "kreativer und einfallsreitalentiert geltende Lake stieg rasch auf und wurde cher Denker" bezeichnet. Er gilt als fähige Integra1969 Referent Henry Kissingers. In dieser Funktion tionsfigur in der Bürokratie, und es wird angenommen,
begleitete er den Außenminister bei seinem ersten daß er eine Stärkung der Vereinten Nationen als
Geheimtreffen mit nordvietnamesischen Unterhänd- multilaterales Instrument zur Beilegung internationaler
lern in Paris. 1970 hatte er eine scharfe Auseinander- Konflikte befürwortet.
setzung mit Kissinger über die Ausweitung des Krieges
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�PORTRAT
6. Januar 1993

ERSTE FRAU AN DER SPITZE
DES JUSTIZMINISTERIUMS
Porträt von Zoe Baird
WASHINGTON - (AD) - Zoe Baird, die designierte
Justizministerin des künftigen Präsidenten Clinton, ist
die erste Frau, die je an der Spitze des Justizministeriums stand.
Baird, ranghöchste Abteilungsleiterin und Justiziarin
der Versicherungsgesellschaft Aetna Life and Casualty Company ist die fünfte Frau, die eine Spitzenposition in der Clinton-Administration erhält.
Als Clinton ihre Ernennung verkündete, stellte er fest,
daß das Justizministerium in den letzten Jahren 'bewegte
Zeiten" durchlebte, daß die "entschlossene, verläßliche und talentierte" Baird das Ministerium jedoch "neu
beleben" und zur Sicherung der fundamentalen "Rechte aller" Amerikaner einsetzen werde.

Ministeriums und anschließend des Weißen Hauses
tätig, wo sie mit dem damaligen Stellvertretenden
Außenminister Warren Christopher zusammenarbeitete, der am 22. Dezember 1992 von Clinton für den
Posten des Außenministers nominiert wurde. Baird
konzentrierte sich auf in Zusammenhang mit der Freilassung der im Iran gefangengehaltenen Amerikaner
stehende Rechtsangelegenheiten.
Im Jahr 1990 trat sie Aetna als Abteilungsleiterin und
Justiziarin bei. Im April letzten Jahres wurde sie zur
ranghöchsten Abteilungsleiterin berufen und steht zur
Zeit an der Spitze von 400 Rechtsanwälten.
Im Juni wählte die Wirtschaftszeitschrift Business
Week sie zu einer der 50 führenden Geschäftsfrauen
und bezeichnete säe als "strategische Aktivistin", die
"an allen wichtigen politischen Entscheidungen bei
Aetna mitwirkt und die Haltung des Versicherungsunternehmens gegenüber öffentlichen Angelegenheiten,
wie beispielsweise Gesundheitsfürsorge beeinflußt".

Baird ist zwar die erste Vertreterin ihres Geschlechts,
die für dieses Amt nominiert wird, Clinton prognostizierte jedoch, sie werde "einer der besten" Justizminister in der Geschichte der Nation werden. Er fügte
hinzu, sie sei eine fähige, ideenreiche Kämpfernatur,
die "kein Blatt vor den Mund nehme", wenn sie ein Ziel Baird war von 1986-90 als Beraterin und leitende
Angestellte bei der General Electric Company tätig
erreichen wolle.
und von 1981 -86 Sozius bei der Anwaltskanzlei O'MelEinem Mitglied von Clintons Übergangsteam zufolge veny and Myers in der Bundeshauptstadt Washington.
äußerten sich diejenigen, die Baird kennen, mit "überschwenglicher Begeisterung" über sie. "Sie vermute- Die in Brooklyn, (New York), geborene Baird erhielt
ten, sie würde Rechtsberaterin im Weißen Haus, und 1974 an der University of California in Berkeley den
als die Nachricht kam, wurde gesagt, das sei 'eine akademischen Grad eines Bachelor und legte 1977 an
Wucht'". Hillary Clinton sei von ihr sehr beeindruckt dieser Universität ihr juristisches Staatsexamen ab.
gewesen, als sie sich kürzlich trafen.
Baird lebt mit ihrem Ehemann Paul Gewirtz, einem
Die 40jährige Baird war unter der Carter-Administra- Verfassungsrechtler der Yale University, und ihrem
tion als Beraterin in der Rechtsberatungsabteilung des Sohn Julian in New Haven, (Connecticut).
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�PORTRAT
6.Januar 1993

DESIGNIERTER HANDELSBEAUFTRAGTER IST
ÄUSSERST KONKURRENZORIENTIERT
Porträt von Mickey Kantor
WASHINGTON - (AD) - Mickey Kantor, vom künftigen
Präsidenten Clinton als Handelsbeauftragter nominiert, kann auf keine große Erfahrung im Au ßenhandel
verweisen, ist jedoch mit Konkurrenzkampf vertraut.
"Ich kann es nicht ausstehen zu verlieren," wurde
Kantor in einem Artikel der Washington Post vom
Juni zitiert. "Ich bin der schlechteste Verlierer, den Sie
je in Ihrem Leben getroffen haben. Ich werde wütend."
Der 53jährige Syndikus aus Los Angeles, der Clintons
Präsidentschaftswahlkampf leitete, war in seiner Jugend als fanatischer Baseballspieler in Nashville
(Tennessee) bekannt. Zeitungsberichten zufolge genießt
er jedoch auch den Ruf eines Mannes, der Menschen
in einer Krise zusammenführen und die Dinge wieder
ins Lot bringen kann.
Anfang 1992 war Kantor Mitglied der Kommission, die
im Anschluß an die durch den Freispruch von Polizisten ausgelösten Unruhen mit der Empfehlung von
Reformen für die Polizei von Los Angeles beauftragt
wurde. Eine Videoaufzeichnung belegte, wie die Polizisten einen Schwarzen zusammenschlugen.
Als gegen den Bürgermeister von Los Angeles, Tom
Bradley, ein Ermittlungsverfahren wegen angeblichen
Mißbrauchs seiner persönlichen Finanzen anberaumt
wurde, wandte er sich für seine Verteidigung an Kantor.
Kantor ist das Verdienst zuzuschreiben, daß Clintons
Wahlkampftruppe wieder an einem Strang zog, als die
Meinungsumfragen nach Berichten über Clintons nicht
geleisteten Wehrdienst und angebliche Affären um 20
Prozentpunkte sanken.
"Mickey weiß, wo's lang geht", stellt Sargent Shriver
fest, der Kantor mit der Leitung seines Wahlkampfes
als Vizepräsidentschaftskandidat des Demokraten
George McGovern im Jahr 1972 beauftragte." Shriver
lernte Kantor bereits in den sechziger Jahren kennen,
als Kantor seine Karriere als Armenanwalt begann, der
die Rechte von Wanderarbeitern schützte.

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"M ickey stand an vorderster Stelle im Kampf gegen die
Armut", so Shriver, der das Programm für Präsident
Johnson organisierte. "Und statt nur den Mund aufzureißen und zu theoretisieren, krempelte er die Ärmel
hoch und leistete die Arbeit, die getan werden mußte."
In der Carter-Administration war Kantor zusammen
mit Hillary Clinton im Vorstand der Legal Services
Corporation, der amerikanischen Regierungsbehörde,
die den Armen Rechtsbeistand leistet.
Seit jener Zeit sind Kantor und die Clintons befreundet.
Ein weiterer langjähriger Freund ist Warren Christopher, der vom künftigen Präsidenten Clinton als Außenminister nominiert wurde.
Kantor hat auch seine Kritiker, vor allem den ehemaligen Gouverneur von Kalifornien, Jerry Brown, einen
vehementen Gegner während der Vorwahlen zur
Präsidentschaftswahl 1992. Brown hatte Kantor zum
Leiter seiner gescheiterten Wahlkampagne zur Präsidentschaftswahl 1976 eingesetzt, in diesem Jahr sah
er in ihm jedoch einen der "zynischen Politiker", die ihm
zufolge die amerikanische Demokratie zerstören.
"Er ist auch nur einer der Politiker, die von Idealismus
geleitet beginnen und als Lobbyisten enden, die den
Mächtigen schöntun", erklärte Brown im Juni in einem
Interview mit der New York Times.
Kantors Kanzlei vertritt einige sehr mächtige Unternehmen wie etwa Litton Industries, Lockheed, Martin
Marietta, General Electric, United Air Lines, Atlantic
Richfield und Chemical Banking.
Auch einige Umweltschützer könnten über Kantors
Nominierung nicht allzu beglückt sein. 1988 leitete
Kantor eine mehrere Millionen Dollar teuere Kampagne im Namen von Armand Hammer und seiner Firma
Occidental Petroleum für ein Referendum des Bundesstaates zu Ölbohrungen vor der kalifornischen
Küste.

Seite 1

�In einem Artikel in der Los Angeles Times vom Mai
wies Kantor Kritik bezüglich eines angeblichen Interessenkonflikts zwischen seiner Tätigkeit als Syndikus
und der Lokalpolitik von Los Angeles zurück.

Ansichten zur Handelspolitik - zum Handelsbeauftragten zu ernennen. Mit der Entscheidung für ihn umging
der gewählte Präsident zwischenzeitlich die eingehend in der Presse kommentierte Kontroverse zwischen den Befürwortern von freiem und den Verfech"Es besteht immer ein potentieller Konflikt, wenn Sie so tern von gelenktem Handel. Jede Seite verbreitete
aktiv sind wie viele Rechtsanwälte in dieser Stadt... Gerüchte über den potentiellen Kandidaten der andeMan muß lernen, den Kopf dafürhinzuhalten", stellte er ren Seite für dieses Amt.
fest.
Kantor machte seinen Abschluß an der Vanderbilt
Darüberhinaus hat er seiner Meinung nach Prinzipien, University und der juristischen Fakultät der Georgedenn er gab die Vertretung für eine Fluggesellschaft town University und diente dann vier Jahre als Offiauf und wies ein führendes Agraruntemehmen als ziers-anwärter in der US-Marine. Seine erste Frau
möglichen Mandanten ab, weil die Fälle seinen Nach- starb 1978 bei einem Flugzeugabsturz, sein 17jähriger
forschungen zufolge den Gewerkschaften schadeten. Sohn 10 Jahre später bei einem Autounfall. Kantorund
Clinton könnte einen weiteren Grund dafür gehabt seine zweite Frau, mit der er seit 10 Jahren verheiratet
haben, Kantor - einen Mann ohne weithin bekannte ist, haben eine Tochter.
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�PORTRAT
6.Januar 1993

O'LEARY SOLL ENERGIEMINISTERIUM
NEUEN KURS GEBEN
Clinton wünscht Betonung alternativer Energieträger
WASHINGTON (AD) - Als leitende Angestellte und
Befürworterin alternativer Treibstoffe ist Hazel O'Leary genau die Persönlichkeit, die der neu gewählte Präsident Clinton an der Spitze eines aktiveren Energieministeriums zu sehen wünscht.

Ministerium sei in der Vergangenheit von Nuklearfragen beherrscht gewesen. Es werde jedoch "eine
wichtige Aufgabe derkünftigen Energieministerin sein,
die Prioritäten des Energieressorts neu festzulegen",
erklärte er.

Etwa zwei Drittel des Haushalts von 18,8 Milliarden
Dollar für dieses Ressort sind für die Entwicklung von
Kernwaffen und die Beseitigung von Umweltschäden
bestimmt, die deren Produktion hinterläßt. O'Leary hat
jedoch bereits Erfahrung mit der wirtschaftlichen Nutzung der Kernenergie gesammelt, da das Energieversorgungsunternehmen Northern States Power Company, in dem sie als Vorstandsmitlied für den Bereich
Unternehmenspolitik zuständig war, drei Kernkraftwerke betreibt. In dieser Funktion hat sie die Bundesregierung aufgefordert, ihre Bemühungen zur Einrichtung eines Endlagers für nukleare Abfälle aus privaten
Kernkraftwerken zu beschleunigen.

"In unserem Wahlkampf haben Senator Gore und ich
deutlich gemacht, wo unsere Prioritäten liegen: stärkere Berücksichtigung amerikanischen Erdgases,
Verbesserung der Energieausnutzung, verstärkte
Entwicklung alternativer Energiequellen, eine stärkere
Verpflichtung, eine gute Energiepolitik und eine gute
Umweltpolitik zu einer guten Wirtschaftspolitik für die
Vereinigten Staaten zu machen", stellte Clinton fest.

Obwohl Umweltschutzgruppen über dieses Amt nicht
sehr glücklich sind, betonen sie - ebenso wie Clinton
bei einer Pressekonferenz am 21. Dezember 1992 -,
daß O'Leary sich nachdrücklich für Energiesparmaßnahmen sowie den Einsatz von Erdgas und anderen
Brennstoffen als Ersatz für Erdöl einsetzt.

Bei der Pressekonferenz verwies O'Leary darauf, sie
selbst fahre ein mit Erdgas betriebenes Auto. Anfang
Dezember war sie von dem Energieversorgungsunternehmen, für das sie tätig ist, zur Vorstandsvorsitzenden des Erdgasbereichs ernannt worden und sollte
diese Position im Januar übernehmen.
Vordem Eintritt in dieses Unternehmen im Jahr 1989
hatte sie als Beraterin in Energiefragen und Mitarbeiterin im Energiebereich Erfahrungen in zwei Administrationen gesammelt.

O'Leary schloß 1959 ihr Studium an der Fisk University
"Wir können sie nicht danach (der Position zu atomaab und legte im Jahr 1966 ihr Juraexamen an der
ren Abfällen) beurteilen, da wir nicht wissen, wie sie
Rutgers University ab. Anschließend war sie als
dabei Einfluß genommen hat. Wir hören nur, daß sie
Staatsanwältin im Justizministerium des Staates New
in dem Unternehmen als Vermittler tätig war", erklärte
Jersey und danach im Büro des Staatsanwalts eines
eine Sprecherin des Sierra Club, einer der größten
Verwaltungsbezirks von New Jersey tätig.
Umweltschutzorganisationen der Vereinigten Staaten,
in einem Interview am 22. Dezember.
Nach einer Tätigkeit für ein Buchhaltungsunternehmen in der Bundeshauptstadt Washington wurde sie
"Wir kennen sie nicht sehr gut, aber wir sehen der
von Präsident Ford in die Federal Energy AdministraZusammenarbeit mit ihr gern entgegen, weil wir erwartion sowie von Präsident Carter in das 1977 gegründeten, daß sie die Energiepolitik von Clinton und Gore
te Energieministerium berufen.
durchführen wird", stellte die Sprecherin fest.
Das Ministerium hat heute rund 20.000 Mitarbeiter
Bei der Pressekonferenz am 21. Dezember, in deren
sowie weitere 140.000 Beschäftigte, die in von UniverRahmen er die Berufung der 55jährigen O'Leary als
sitäten und Privatunternehmen betriebenen Fabriken
Energieministerin ankündigte, bekannte Clinton, das
und Laboratorien arbeiten.

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�1980 heiratete die designierte Energieministerin John
O'Leary, der im folgenden Jahr O'Leary Associates,
eine internationale Beratungsfirma für Energiefragen,

gründete. Sie war Abteilungsleiterin und Justiziarin
des Unternehmens. Ihr Ehemann ist 1987 verstorben,

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�PORTRAT
6.Januar 1993

EHEMALIGER BÜRGERMEISTER VON DENVER ZUM
VERKEHRSMINISTER BERUFEN
Porträt von Federico Pena
WASHINGTON - (AD) - Die Nominierung von Federico
Pena als Verkehrsminister bringt einen zweiten Hispano-Amerikaner in das Kabinett des künftigen Präsidenten Clinton und unterstreicht dessen Versprechen,
seine Administration werde "aussehen wie Amerika".
Wie sein bereits früher als Leiter des Ressorts für
Wohnungs- und Städtebau nominierter Freund Henry
Cisneros war Pena Bürgermeister einer Großstadt - in
seinem Fall von Denver in Colorado. Wie Cisneros ist
er gebürtiger Texaner.
Der 45jährige Pena leitet Clintons Übergangsteam im
Bereich Verkehrswesen.
Der designierte Minister war zwei Amtszeiten lang
Bürgermeister von Denver. Er wurde im Jahr 1983
zum ersten hispanischen Oberhaupt der Stadt gewählt
und setzte sich 1987 in einer hart umkämpften Wiederwahlkampagne durch. Nach dem Ausscheiden aus
dem Amt eröffnete er die Investmentberatungsfirma
Pena Investment Advisors, Inc.
Sein Interesse an Verkehrsfragen wird von dem neuen, 3 Milliarden Dollar teuren Flughafen von Denver
symbolisiert, der im kommenden Herbst eröffnet werden soll. Die Pläne für diese Einrichtung wurden in
seiner Amtszeit konzipiert.
Pena hat angedeutet, er befürworte für Fragen wie die
Verkehrsplanung regionale Ansätze. Er erklärte Teilnehmern an einem öffentlichen Forum in Denver im
vergangenen Jahr, daß die Stadt "einiges an Macht
abgeben und einige Juwelen teilen muß ... und die
Vororte bereit sein müssen, einen gewissen Ausgleich
zu leisten".

"Mindestens müssen wir einen städtischen Verkehrsdistrikt schaffen, der sich mit Schnellverkehrstechnologien beschäftigt... sowie eine städtische Wasserbehörde", stellte er fest.
Im vergangenen Juli nahm er eine nebenberufliche
Tätigkeit als Rechtsberater der Kanzlei Brownstein
Hyatt Farber &amp; Strickland in Denver mit der Aufgabe
auf, Klienten in Fragen der Wirtschaftsbeziehungen zu
Mexiko und Kanada zu beraten.
Noch zwei Wochen vor seiner Nominierung beharrte
Pena darauf, geschäftliche und familiäre Erwägungen
würden ihn daran hindern, eine langfristige Tätigkeit in
Washington auszuüben.
Die Funktion als Leiter der Verkehrsgruppe sei seine
Art, einen Beitrag zu leisten, erklärte er gegenüber der
Zeitung Rocky Mountain News am 9. Dezember
1992. "Es ist eine kurzfristige Investition meiner Zeit,
und es beeinträchtigt nicht meine Geschäfte in Denver. Ich kann meine Firma jedoch nicht verlassen und
eine Dauerstellung annehmen", stellte er damals fest.
Der in Laredo (Texas) am 15. März 1947 geborene
Pena erhielt 1969 an der University of Texas den Grad
eines Bachelor und legte dort drei Jahre später sein
juristisches Examen ab.
Bis zu seiner Bewerbung um das Amt des Bürgermeisters war er Sozius in der Kanzlei Pena &amp; Pena. Von
1979 bis 1983 war er Abgeordneter im Parlament von
Colorado. Im Jahr 1981 wurde er zum herausragenden jungen Abgeordneten der Demokraten gewählt.
Pena heiratete im Jahr 1988 Ellen Hart. Das Ehepaar
hat zwei Töchter, die zweijährige Nelia und die im
vergangenen Februar geborene Cristina Lucila.

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�PORTRAT
6.Januar 1993

LÄNDLICHE ENTWICKLUNG SCHLÜSSEL
FÜR ESPYS ERFOLG
Porträt des designierten Landwirtschaftsministers
WASHINGTON - (AD) - Der vom künftigen Präsidenten Clinton als Landwirtschaftsminister auserkorene
Kongreßabgeordnete Mike Espy aus Mississippi gilt
als führende Persönlichkeit der neuen Generation
schwarzer Politiker, deren Engagement für Programme zur wirtschaftlichen Entwicklung ihnen den Respekt schwarzer und weißer Wähler gleichermaßen
eingetragen hat.

Um einige der von der Kommission vorgeschlagenen
Wirtschaftsprogramme zu verwirklichen, war Espy mit
an der Gründung des House Delta Caucus beteiligt,
einer überparteilichen Gruppe von Abgeordneten aus
sieben Bundesstaaten, deren Vorsitzender er heute
ist.

Der in Yazoo City (Mississippi) geborene 39jährige
"linke" Demokrat war Mitglied des Landwirtschaftsausschusses, des Haushaltsausschusses sowie des
Sonderausschusses "Hunger" des Repräsentantenhauses. Er unterstützte das Recht der Frau auf
Schwangerschaftsabbruch, befürwortete die Todesstrafe und setzte sich für zusätzliche Mittel für Bildungs- und Wohnungswesen sowie für einen Abbau
des Haushaltsdefizits ein.

die Vergabe von zwei nichtgebundenen Bundeszuschüssen für zwei neue Verarbeitungsbetriebe.

Als Mitglied des Landwirtschaftsausschusses hatte
Espy darüber hinaus Erfolg mit einem Zusatz zum
Espy wurde im Jahr 1986 in das US-Repräsentanten- Landwirtschaftsgesetz von 1990, der weitere technihaus gewählt und war damit der erste schwarze Abge- sche Hilfe und Bildungsmöglichkeiten für Bauernfamiordnete des Bundesstaates Mississippi seit der Re- lien aus Minderheiten vorsah.
construction-Zeit im Anschluß an den Amerikanischen
Espy hat sich führend für die Welsindustrie eingesetzt.
Bürgerkrieg. Er wurde dreimal wiedergewählt. Als
Der Großteil der Welszucht des Landes findet sich in
einziges schwarzes Kongreßmitglied vertritt er einen
seinem Wahlkreis. Dazu zählen 34.000 Hektar an
ländlichen Wahlbezirk, und er gehört zu der Handvoll künstlich angelegten Teichen für die Welszucht. Espy
Abgeordneter, die nahezu ebenso viele weiße wie trug dazu bei, die US-Armee davon zu überzeugen, die
schwarze Wähler repräsentieren.
Welsankäufe zu erhöhen. Darüber hinaus erreichte er

Espy wurde jedoch hauptsächlich deshalb wiedergewählt, weil er sich auf Fragen der wirtschaftlichen
Entwicklung konzentrierte, die über Parteigrenzen
hinausgehen und den einkommensschwachen Wählern seines ländlichen Wahlkreises auf den Nägeln
brennen, einer Region, die sich über das Delta des
Mississippi sowie einen kleinen Teil des Mississippi
Valley mit der Stadt Vicksburg erstreckt.
In seiner ersten Amtszeit war Espy führend an der
Erarbeitung eines Gesetzes beteiligt, mit dem die
Lower Mississippi Delta Commission eingerichtet wurde,
die innerhalb von zwei Jahren Ideen zur Bekämpfung
der Armut in Mississippi und anderen Bundesstaaten
der Region erarbeiten sollte.
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Vor der Wahl 1990 wurde Espy jedoch kritisiert, weil er
erklärt hatte, er wolle neutral bleiben, um die Beilegung
eines Streiks von Angehörigen einer Fischverarbeitungsfirma zu erleichtern, die sich gegen Löhne wandten, die unter der Armutsgrenze lagen. Später unterstützte er dann die Arbeiter, und der Streik wurde
schließlich beigelegt.
Espy wurde darüber hinaus wegen seiner Unterstützung der Vereinigung der amerikanischen Waffenbesitzer (National Rifle Association - NRA) kritisiert, die
1989 eine Kampagne startete, um das negative Image
dieser Lobby gegen die Kontrolle des Verkaufs von
Schußwaffen zu verbessern. Als Teil der Kampagne
trat Espy in Werbeanzeigen der NRA in landesweit
verbreiteten Magazinen auf. Die Anzeige schockierte
viele Demokraten, aber Espy, der seit 1974 Mitglied
der NRA ist, betrachtete die Anzeige "als Erklärung
meiner Unabhängigkeit".
Espy wurde in den Kongreß gewählt, nachdem er 1984
bis 1985 als Abteilungsleiter im Justizministerium von

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�Mississippi tätig war. Davor war er Anwalt bei den
Central Mississippi Legal Services und Abteilungsleiter in der Verwaltung des staatlichen Landbesitzes
gewesen.

Espy erhielt 1975 einen B.A. von der Howard Universrty in der Bundeshauptstadt Washington und legte
1978 an der juristischen Fakultät der University of
Santa Clara in Kalifornien sein Juraexamen ab. Er ist
geschieden und hat zwei Kinder.

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�PORTRAT
6. Januar 1993

ERNENNUNG EINES LANDESWEIT GESCHÄTZTEN
BILDUNGSPOLITIKERS ZUM ERZIEHUNGSMINISTER
Porträt von Richard Riley
WASHINGTON - (AD) - Der ehemalige Gouverneur
von South Carolina und designierte amerikanische
Erziehungsminister, Richard Riley, ist ein landesweit
anerkannter führender Politiker im Bereich der Bildungsreform, der ein Modellprogramm entwickelte,
das von seinem Bundesstaat eingeführt wurde.

Andere im Erziehungsbereich Tätige bezeichneten
Riley als gewissenhaften, hart arbeitenden, ruhigen
und bescheidenen Bildungsgouvemeur. Auch sagen
sie voraus, daß Riley einen nationalen Bildungsplan für
landeseinheitliche Prüfungen und Maßstäbe unterstützen wird.

Clinton versicherte, "keine Angelegenheit ist für mich
wichtiger als Erziehung und Bildung", und erklärte vor
Reportern, Riley sei sein Partner und oft sein Mentor
bei Bildungsfragen gewesen, nachdem sie beide im
Jahr 1978 zu Gouverneuren gewählt worden waren.
Er fügte hinzu, Riley sei "in vielerlei Hinsicht von der
ganzen Nation um sein Paket von Bildungsreformen in
South Carolina beneidet worden".

Bei der Annahme seiner Ernennung betonte Riley, "es
gibt keine Möglichkeit, die Erziehungsprobleme einfach mit dem Schwenken eines Zauberstabes zu lösen. Wir müssen weiterhin Anstrengungen unternehmen..., auf positive Art und Weise einen grundlegenden Wandel herbeizuführen."

Riley, 59, wurde in Greenville (South Carolina) geboren und wohnt zur Zeit in Columbia (South Carolina).
"Dieses Reformprogramm umfaßt Maßnahmen für Erstudierte an der Furman University und legte im Jahr
Kinder im Vorschulalter, höhere Anforderungen an 1960 an der University of South Carolina sein juristiSchüler und Studenten, die Möglichkeit, die Arbeitsbe- sches Staatsexamen ab. Nachdem er bei der Marine
dingungen von Lehrern zu verbessern sowie mehr gedient und als Rechtsberater im Rechtsausschuß
finanzielle Mittel für Colleges und Universitäten", stell- des Senats gearbeitet hatte, wurde er 1962 in das
Repräsentantenhaus von South Carolina und 1966 in
te der gewählte Präsident fest.
den Senat dieses Bundesstaates gewählt. 1978 geJedoch wurde -so Clinton - das Programm für South wann er die Gouverneurswahlen in South Carolina und
Carolina am bekanntesten aufgrund der Unterstüt- 1982 die Wiederwahl für dieses Amt.
zung an der Basis, die es erhielt - Menschen mit ganz
unterschiedlichem Hintergrund unterstützten den Plan Nachdem er die Residenz des Gouverneu rs verlassen
- und "da es einfache, klare und unmißverständliche hatte, war Riley vier Jahre lang Mitglied der Nationalen
Beurteilungsbehörde, die die Richtlinien für im VerantZeichen für den Fortschritt setzte".
wortungsbereich des Kongresses liegende landesweiClinton erklärte, das System von South Carolina sei te Eignungsprüfungen im Bildungsbereich festlegte.
"das erste und wohl das beste System um festzustellen, ob esden Menschen heute besser als früher geht". Seit 1987 ist Riley als Rechtsanwalt in South Carolina
Das sollte ihm zufolge "das elementare Kriterium all tätig. In Clintons Übergangszeit leitete er die Suche
unserer Anstrengungen im Bildungs- und Erziehungs- nach Kandidaten für den Kabinettsmitgliedern unterbereich und auf vielen anderen Gebieten sein".
stellte Posten sowie für andere hochrangige Regierungsämter.
Gene Wilhoit, geschäftsführender Direktor der Nationalen Vereinigung der Schulbehörden der Bundes- Riley und seine Frau Ann haben vier Kinder.
staaten wies darauf hin, daß Riley die "einzigartige
Fähigkeit" besitze, "verschiedene Bereiche zusam- Riley leidet unter einer schmerzhaften Knochenkrankmenzubringen und aus jeder Gruppe das Beste her- heit, Spondylitis, die zu einer Deformierung seiner
Wirbelsäule führte. Aus diesem Grund kann Riley
auszuholen".
nicht seinen Kopf drehen, ohne dabei auch seinen

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�Körper zu bewegen. Seine Freunde behaupten, sein
Kampf gegen diese Krankheit sage viel über seine
Bildung und Disziplin aus.
Als Erziehungsminister wird Riley an der Spitze eines
Ministeriums stehen, das für jegliche staatliche Unterstützung im Erziehungswesen zuständig ist, einschließlich der für die weiterführende Bildung gewährten
Darlehen, der Vorschulprogramme und der Erwachsenenbildung und Fortbildung. Auch unterstützt das
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Ministerium Schulbezirke, in denen Militärpersonal
ansässig ist, und gewährt Gelderfürdie Erziehung von
Wanderarbeitern und Indianern sowie Programme für
behinderte Kinder.
Clinton zufolge kann der Erziehungsminister "einen
Ansporn zu Kreativität und Wandel geben und zwar auf
eine Art und Weise, die Erziehung überall in Amerika
zu dem aufregenden Unternehmen macht, das es sein
sollte".
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�PORTRAT
6. Januar 1993

IM AUSLAND GEBORENE AMERIKANERIN
ZUR UNO-BOTSCHAFTERIN BERUFEN
Porträt von Madeleine Albright
WASHINGTON - (AD) - Vorbehaltlich der Bestätigung
von Madeleine Korbel Albright als amerikanische Botschafterin bei den Vereinten Nationen durch den Senat
wird sie nicht nur die erste Inhaberin dieses Amtes
sein, die nicht in Amerika geboren wurde, sondern
auch eine Familienodyssee beenden, die vor ungefähr
40 Jahren begann.
"Ich möchte unterstreichen, daß es für mich eine
besondere persönliche Ehre ist, dieses Amt ausüben
zu dürfen", erklärte Albright, nachdem der designierte
Präsident Clinton ihre Nominierung verkündet hatte.
Ihr Vater, Joseph Korbel, ein tschechoslowakischer
Diplomat, vertrat sein Land als Vorsitzender eines
Sonderausschusses der Vereinten Nationen, als die
Kommunisten im Jahr 1948 in Prag die Macht übernahmen. Nach Beendigung seiner Arbeit bat er die
amerikanische Regierung um Asyl.
"Durch die Großzügigkeit des amerikanischen Volkes
genossen die Mitglieder unserer Familie das Privileg,
als freie Amerikaner aufzuwachsen", so Albright. "Daher
können Sie sich wohl vorstellen, mit welch großem
Stolz es mich erfüllt, bei den Vereinten Nationen hinter
dem Namensschild mit der Aufschrift 'Vereinigte Staaten von Amerika' sitzen zu dürfen."
Die 55jährige Albright ist als Intellektuelle und Aktivistin der Demokratischen Partei bekannt, die in ihrem
Backsteinhaus in Georgetown Gesprächsrunden über
außenpolitische Fragen veranstaltet.
Die Expertin für russische und osteuropäische Angelegenheiten ist Professorin für internationale Politik an
der Georgetown University und Direktorin von deren
Programm "Frauen im auswärtigen Dienst". Auch ist
sie Vorsitzende des Center for National Policy, einer
demokratisch orientierten "Denkfabrik" zur Förderung
der Beschäftigung mit innenpolitischen und internationalen Fragen.

und arbeitete für Zbigniew Brzezinski, einen ihrer
ehemaligen Professoren. Zuvor war sie Rechtsberaterin des demokratischen Senators Edmund Muskie.
Albright erhielt 1968 ihren M.A. in Öffentlichem Recht
und Staatswissenschaft an der Columbia University,
wo sie 1976 auch promovierte. 1959 hatte sie im
Wellesley College ihr Examen in Politologie mit Auszeichnung bestanden.
Sie ist Vorsitzende von Clintons Übergangsteam im
Nationalen Sicherheitsrat und war bei den letzten drei
Wahlen hochrangige außenpolitische Beraterin der
Präsidentschaftskandidaten der Demokraten. Sie ist
eine wichtige Beraterin des ehemaligen tschechoslowakischen Präsidenten Vaclav Havel und seiner
Regierung.
Neben der englischen Sprache beherrscht sie Tschechisch, Französisch, Polnisch und Russisch in Wort
und Schrift.
Albright hat drei Töchter und ist von dem Journalisten
und Zeitungserben Joseph Albright geschieden.
Clinton nannte Albright "eine Expertin für Osteuropa
und die ehemalige Sowjetunion betreffende Fragen"
und erklärte, sie werde "den Nationen des ehemals
kommunistischen Ostblocks in einer schwierigen Zeit
besonderes Verständnis entgegenbringen. Ich freue
mich auf die Zusammenarbeit mit ihr, um die Demokratie und den wirtschaftlichen Fortschritt in diesen Ländern zu fördern."
Albright zufolge hält Clinton die Vereinten Nationen für
ein Forum der Zusammenarbeit "auf der Suche nach
Frieden und Sicherheit", wobei die Vereinigten Staaten
nicht als Weltpolizist, sondern als der erste unter
gleichberechtigten Partnern den Kurs festlegen und
die Lasten aufteilen."

"Als wir über diesen Posten sprachen, erklärte er,
Unter der Carter-Administration war sie im Weißen seiner Meinung nach solle die UNO den Frieden nicht
Haus als Mitglied des Nationalen Sicherheitsrates tätig nur sichern, sondern auch schaffen, und nicht nur bei

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�der Lösung von Konflikten, sondern auch bei ihrer
Verhinderung tätig sein. Es wäre für jeden Amerikaner
eine Ehre, die Vereinigten Staaten bei den Vereinten

Nationen zu vertreten, wenn der Präsident eine Politik
unterstützen will, mit der etwas erreicht werden kann",
äußerte sie.

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�PORTRAT
6.Januar 1993

MILITÄR- UND SICHERHEITSEXPERTE
NEUER LEITER DER CIA
Porträt von R. James Woolsey
WASHINGTON - (AD) - Der vom künftigen Präsidenten Clinton als Leiter des amerikanischen Nachrichtendienstes CIA nominierte R. James Woolsey ist Fachmann für Militär-und Rüstungskontrollfragen sowie für
nukleare Strategie.
Als Vertrauter des gegenwärtigen Nationalen Sicherheitsberaters Brent Scowcroft besitzt Woolsey umfassende Kenntnis der militärischen Nachrichtendienste
und von Angelegenheiten der nationalen Sicherheit.
Im Falle seiner Bestätigung durch den Senat wird er als
Leiter der Central Intelligence Agency sowohl Erfahrung als auch Kontinuität gewährleisten.
Bei seiner Nominierung am 22. Dezember 1992 stellte
Clinton fest, daß Woolsey, der als politisch gemäßigt
gilt, von Republikanern und Demokraten gleichermaßen geschätzt werde. Er erinnerte daran, daß die
Bush-Administration Woolsey berufen habe, um den
historischen Vertrag über die konventionellen Streitkräfte in Europa auszuhandeln, während Präsident
Carter ihn als Staatssekretär ins Marineministerium
geholt habe.

Der 51jährige Woolsey wird von Mitarbeitern als zu
Sarkasmus neigender, selbstkritischer Mensch beschrieben, der einen lebendigen Sinn für Humor und
die Gabe besitzt, stark divergierende Meinungen in
sinnvollen Analysen zusammenzufassen. Er ist seit
langem mit nachrichtendienstlichen Aufgaben befaßt
und hat präzise Vorstellungen von den erforderlichen
Veränderungen. Es wird erwartet, daß er sich weniger
auf die Sammlung nachrichtendienstlicher Informationen als auf die rasche Verarbeitung und Analyse der
angehäuften Daten konzentrieren wird.
"Jim wird Wert darauf legen, daß die Analytiker sich
den Blickwinkel der Menschen zu eigen machen, deren Verhalten sie beurteilen und prognostizieren
möchten", erklärte der ehemalige hochrangige CIAVertreter George A. Carver, Jr.
Ein anderer mit Woolseys Ansichten vertrauter Kollege stellt hingegen in Frage, daß er kühne und durchgreifende Veränderungen bei der Behörde durchsetzen wird. "Er ist ein ungeheuer kompetenter Mann,
aber er wird kein Porzellan zerbrechen", meint dieser.

Mit dem Ende des Kalten Krieges, so Clinton, müsse
sich die CIA "neuen Herausforderungen" anpassen.
Er prognostizierte, daß Woolseys analytischer Scharfsinn, seine Fähigkeit und Ehrlichkeit "der CIA gute
Dienste dabei erweisen" werden, der neuen Administration "präzise, vollständige, politisch unvoreingenommene" Informationen zu liefern und "ehrlich zu
bekennen, welche Informationen fehlen".

Woolsey leitete im vergangenen Sommer eine von
CIA-Direktor Robert Gates eingesetzte Arbeitsgruppe, die Vorschläge zur Zukunft der Satellitenaufklärung unterbreiten sollte. Ein CIA-Sprecher erklärte,
der Bericht sei "von den Nachrichtendiensten und dem
Kongreß wohlwollend aufgenommen" worden. Woolsey traf Clinton vor etwa einem Jahr und beriet den
künftigen Präsidenten gemeinsam mit anderen gemäßigten Verteidigungsexperten im Wahlkampf.

In einer vor mehreren Wochen vor dem World Affairs
Council gehaltenen Rede hatte Woolsey erklärt, "diese
sich jetzt abzeichnende Welt ... (erscheine) zunehmend als noch todbringendere Version der alten Welt,
die vor 1914 existierte, als ein Spektrum nationalistischer Gefühle den Holocaust des Ersten Weltkrieges
hervorbrachte". Darüber hinaus forderte er einen
neuen Ansatz zur kollektiven Sicherheit unter der
Schirmherrschaft der Vereinten Nationen.

In seiner 22jährigen Laufbahn in Washington diente
Woolsey in vier Administrationen, beginnend mit der
von Präsident Nixon. Von 1968-70 war er Mitarbeiter
des Nationalen Sicherheitsrats, von 1970-73 Berater
des Streitkräfteausschusses des Senats sowie von
1977-79 Staatssekretär im Marineministerium unter
Präsident Carter. Auf dem letztgenannten Posten
führte er die Aufsicht über die nachrichtendienstlichen

AMERIKA DIENST 1

Seite 1

�Operationen der Marine und "war eingehend mit den
Einzelheiten der Beschaffung nachrichtendienstlicher
Informationen betraut", wie ein Kollege feststellte.
Präsident Reagan berief Woolsey als Delegierten zur
besonderen Verwendung bei den amerikanisch-sowjetischen Gesprächen über die Reduzierung strategischer Waffen (START) sowie den Gesprächen über
Kern- und Weltraumwaffen (NST) von 1983-86. Darüber hinaus war er Chefberater von Scowcroft in einer
Kommission, die den Weg für den Bau der MX-Rakete
sowie die Entwicklung einer kleineren MidgetmanRakete ebnete. Von 1989-91 war er Präsident Bushs
Botschafter und US-Vertreter bei den Verhandlungen
über den KSE-Vertrag.

"Er hat hervorragende Arbeit dabei geleistet, KSE über
äußerst schwierige Hürden hinwegzuhelfen", so Jack
Mendelsohn, Leiter der privaten Rüstungskontrollvereinigung (Arms Control Association). "Es war eine
unglaublich positive Leistung."
Der in Tulsa (Oklahoma) geborene Woolsey schloß
1963 sein Studium an der Stanford University mit
einem B. A. ab. Er und ein weiterer Mann aus Oklahoma, der demokratische Senator David Boren, der
heute Vorsitzender des Geheimdienstausschusses
des Senats ist, erhielten 1965 Rhodes-Stipendien.
Woolsey legte 1968 sein Juraexamen an der Yale
University ab.
Der Hauptmann i.R. und seine Frau Suzanne Haie
haben drei Söhne.

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AMERIKA DIENST 1

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                    <text>cimerikci
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U.S. Information Service
Embassy oftoe&lt;ÜtöftedStates of America
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13. Januar 1993

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MILITÄRMACHT

AMERIKANISCHE MILITÄRMACHT MUSS
FRIEDEN FÖRDERN
Rede von Präsident Bush vor Militärakademie

AUSSENPOLITIK

EAGLEBURGER SIEHT FORTSCHRITTE,
WARNT VOR KÜNFTIGEN HERAUSFORDERUNGEN
Rede vor dem Council on Foreign Relations

CHEMISCHE WAFFEN

DIE KONVENTION ÜBER CHEMISCHE
WAFFEN
Eine Übersicht des Weißen Hauses

BOSNIEN

ERMORDUNG DES BOSNISCHEN VIZEPREMIERS ALS "KALTBLÜTIGEN
MORD" BEZEICHNET
Völlige Verachtung der UNO durch
bosnische Serben

IRAK

VEREINIGTE STAATEN FORDERN IRAK
AUF, WARNUNG DER UNO ERNST ZU
NEHMEN
Einsatz von Gewalt nicht ausgeschlossen

SOMALIA

AMERIKANISCHE STREITKRÄFTE
BESCHLAGNAHMEN WAFFEN AUF MARKT
IN MOGADISCHU
Führer der Bürgerkriegsparteien
unterzeichnen Abkommen nicht

PORTRAT

CLINTON WÄHLT ERFAHRENEN MANN
FÜR VETERANENMINISTERIUM AUS
Porträt von Jesse Brown

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�MILITÄRMACHT
13. Januar 1993

AMERIKANISCHE MILITÄRMACHT MUSS
FRIEDEN FÖRDERN
Rede von Präsident Bush vor Militärakademie
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush bot seinem Nachfolger am 5. Januar 1993 eine Reihe von Richtlinien
für den Einsatz amerikanischer Streitkräfte im Ausland an und betonte die Notwendigkeit, Flexibilität zu zeigen
und gegebenenfalls auch im Alleingang zu handeln.
Bush erklärte vor dem Kadettenkorps der Militärakademie, gerne würde er sagen, "mit dem Ende des Kalten
Krieges wird die Inanspruchnahme der Vereinigten Staaten abnehmen. Das kann ich jedoch nicht." Der
Präsident sagte eine von Gewalt, Chaos, Aggression und Terrorismus gekennzeichnete Welt für den Fall
voraus, daß die Vereinigten Staaten sich in den Isolationismus zurückziehen würden.
"Es ist die Rolle der Vereinigten Staaten", stellte er fest, "ihre moralischen und materiellen Ressourcen zur
Förderung eines demokratischen Friedens einzusetzen".
Washington soll sich ihm zufolge zwar um internationale Unterstützung für die amerikanischen Aktionen
bemühen, diese dürfe aber keine "Vorbedingung ...sein. Manchmal muß eine Großmacht im Alleingang handeln."
Er äußerte, die Vereinigten Staaten sollten ihre Militärmacht einsetzen, wenn sie im Inland dafür Unterstützung
erhielten, die Aufgaben klar umrissen und die Kriterien für den Abzug bereits im voraus festgelegt seien.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Präsident Bush im Wortlaut.
Jeder Präsident erfüllt verschiedene Funktionen. Er ist
das Sprachrohr der Nation und spricht zu ihr. Er ist
verpflichtet, die Gesetze getreulich in die Tat umzusetzen. Und er muß führen.

nigten Staaten abnehmen. Das kann ich jedoch nicht.
Wir alle würden wohl zugeben, daß das Ende des
Kalten Krieges ein Segen ist. Es ist eine äußerst
vielversprechende Zeit. Nie zuvor gab es so viele
demokratische Regierungen. Was vor zwei oder drei
Keine Funktion des Präsidenten ist jedoch meines Tagen in Moskau geschah, wäre in den Tagen des
Erachtens wichtiger als seine Rolle als Oberbefehlsha- Kalten Krieges nicht möglich gewesen. Dank historiber der Streitkräfte. Denn in dieser Eigenschaft wird scher Verträge, wie der gerade mit Rußland abgeder Präsident mit Entscheidungen konfrontiert und hat schlossene START-Il-Vertrag, ist die Wahrscheinlichsolche zu fällen, die auf die eine oder andere Weise keit eines atomaren Holocaust enorm gesunken.
das Leben jedes einzelnen in diesem Land sowie in
vielen anderen Ländern der Welt berühren.
Das bedeutet jedoch nicht, daß das Gespenst des
Krieges nun verschwunden wäre und wir mit keinen
Ich hatte zahlreiche Gelegenheiten, diese wichtigste Bedrohungen mehr rechnen müssen. Wir sehen bealler Rollen des Präsidenten auszuüben. In den letzten reits beunruhigende Anzeichen dafür, wie diese neue
vier Jahren waren die Männer und Frauen, die stolz Welt aussehen könnte, falls wir passiv und distanziert
und mutig die Uniformen der Streitkräfte der Vereinig- sind. Wir würden das Risiko des Entstehens einer
ten Staaten getragen haben, aufgerufen, sich dem neuen Welt auf uns nehmen, die von Gewalt und
Übel entgegenzustellen - und sie haben die ihnen Chaos gekennzeichnet ist, in der Diktatoren und Tyauferlegte Aufgabe ehrenvoll und professionell erfüllt. rannen ihre Nachbarn bedrohen, von MassenvernichIch wünschte, ich könnte sagen, solche Forderungen tungswaffen strotzende Waffenlager anlegen und das
gehören der Vergangenheit an und mit dem Ende des Wohlergehen ihrer eigenen Bürger - Männer, Frauen
Kalten Krieges wird die Inanspruchnahme der Verei- und Kinder - au ßer acht lassen. Und wir würden einen

AMERIKA DIENST 2

Sehe 1

�entsetzlichen Anstieg des internationalen Terrorismus sollte auch gar nicht so sein. Wir würden uns erschöpbeobachten, womit amerikanische Bürger sich in grö- fen und dabei die wertvollen Mittel verschwenden, die
ßerer Gefahr befänden als je zuvor.
wirfürdie Lösung der Probleme bei uns und in anderen
Ländern benötigen, die wir nicht ignorieren dürfen.
Wir können und dürfen nicht zulassen, daß das geschieht. Es muß unser Ziel sein, die sich nach dem Nach dem Kalten Krieg, in einer Welt, in der wir die
Ende des Kalten Krieges ergebende einzigartige Ge- einzige verbleibende Supermacht sind, ist es jedoch
legenheit zu ergreifen: Darauf hinzuarbeiten, dieser die Rolle der Vereinigten Staaten, ihre moralischen
neuen Welt eine neue Weltordnung zu geben, mit und materiellen Ressourcen zur Förderung eines
demokratischen, toleranten Regierungen, die wirtschaft- demokratischen Friedens einzusetzen. Es liegt in
lichen Freiraum im Inland haben und allgemein der unserer Verantwortung und es ist unsere Chance, die
friedlichen Lösung der unvermeidbaren Differenzen Führungsrolle zu ergreifen. Es gibt niemanden sonst,
ohne Androhung oder Anwendung von Gewalt ver- der das tut.
pflichtet sind.
Eine Führungsrolle kann nicht einfach geltend geLeider hat sich nicht jeder diesen Prinzipien verschrie- macht oder gefordert werden. Man muß sie unter
ben. Es gibt immer noch führende Politiker, die die Beweis stellen. Das erfordert, daß man hehre Ziele
grundlegenden Menschenrechte nicht anerkennen und formuliert, andere von deren Wert überzeugt und
sichungeacht et der damit verbundenen menschlichen seinen Teil zu den gemeinsamen Anstrengungen beiOpfer Land zu eigen machen. Nein, eine Völkerge- trägt. Führung erfordert Zeit, Gedult und Arbeit.
meinschaft, die im Einklang mit diesen fortdauernden
Prinzipien lebt, die Amerika schon vor so langer Zeit für Ein Teil dieser Arbeit muß hier zu Hause geleistet
so viele Menschen zu einem Land der Hoffnung wer- werden. Der Kongreß hat eine verfassungsmäßige
den ließen, entsteht nicht einfach so. Man muß daran Rolle zu spielen. Führung bedeutet infolgedessen
auch, mit dem Kongreß - und dem amerikanischen
arbeiten.
Volk - zusammenzuarbeiten, um die für die Erfüllung
Vor zweihundert Jahren warnte ein anderer scheiden- der militärischen Verpflichtungen der Vereinigten Staader Präsident vor den Gefahren sogenannter "verstrik- ten notwendige Unterstützung im Inland zu erhalten.
kender Bündnisse". Er schlug den zum damaligen
Zeitpunkt in der Geschichte richtigen Kurs ein. Was Genau das hat unsere Administration, die Bushjedoch zur Zeit von Präsident Washington "verstrik- Administration, versucht. Als Saddam Hussein in
kend" war, ist heutzutage lebenswichtig. Aus diesem Kuwait einmarschierte, waren es die Vereinigten StaaGrund sprach ich vor einigen Wochen vor Texas A&amp;M ten, die den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zum
von der Torheit des Isolationismus and der morali- Handeln veranlaßten und die dann die erfolgreiche
schen, wirtschaftlichen und strategischen Bedeutung Koalition auf dem Schlachtfeld mobilisierten. In Somalia
des Engagements der Vereinigten Staaten in interna- war die Situation ähnlich: Die Vereinigten Staaten
tionalen Angelegenheiten. Wir müssen uns engagie- betonten, wie wichtig es ist, die wachsende Tragödie
ren, wenn eine neue Weltordnung - die stärker im abzumildern, und anschließend organisierten wir
Einklang mit unseren Werten steht und sich mit unse- humanitäre Hilfsmaßnahmen, um den Menschen
ren Interessen deckt - entstehen soll. Noch wichtiger Hoffnung, Nahrungsmittel und Frieden zu bringen.
ist jedoch, daß wir eine führende Rolle übernehmen.
Manchmal erfordert wirkliche Führung die Bereitschaft
Eine Führungsrolle kann verschiedene Formen an- zum Einsatz militärischer Gewalt. Und diese kann den
nehmen. Es kann sich um politische oder diplomati- nützlichen Hintergrund für die Diplomatie bilden, sie
sche, wirtschaftliche oder militärische, moralische oder ergänzen oder gegebenenfalls zeitweise eine Alternageistige Führung handeln. Eine Führungsrolle kann tive hierzu darstellen.
jede dieser Formen annehmen oder eine Kombination Als Oberbefehlshaber der Streitkräfte habe ich die
dessen sein.
schwierige Entscheidung für den Einsatz militärischer
Gewalt getroffen. Ich entschied, wir dürfen nicht
zulassen, daß Saddams Streitkräfte Kuwait verwüsten
und diese wichtige Region mit vorgehaltener Waffe in
Schach halten. Damals war ich der Ansicht - und bin
es auch heute noch - daß der Einstz militärischer
Gewalt zur Durchsetzung der Resolutionen des UNOSicherheitsrates im Interesse der Vereinigten Staaten
und der Völkergemeinschaft lag. Die Notwendigkeit
des Einsatzes von Gewalt ergab sich auch nach dem
Nein, die Vereinigten Staaten sollten nicht nach der Golfkrieg, als wir den Völkern sowohl im Norden als
Rolle des Weltpolizisten streben. Hierfür finden wir auch im Süden des Irak zu Hilfe kamen. Und wie Sie
weder im In- noch im Ausland Unterstützung. Und das alle sicher wissen, entschied ich vor kurzem, daß nur

Führung sollte nicht mit Unilateralismus oder Universalismus verwechselt werden. Wir müssen nicht auf
jede gewalttätige Ausschreitung reagieren. Die Tatsache, daß Amerika handeln kann, bedeutet nicht, daß
es dazu verpflichtet ist. Der Sinn einer Nation für
Idealismus muß nicht mit ihren Interessen kollidieren.
Und Prinzipien können kein Ersatz für kluges Handeln
sein.

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AMERIKA DIENST 2

�der Einsatz von Gewalt die menschliche Tragödie in
Somalia eindämmen könnte.
Die Vereinigten Staaten sollten nicht tatenlos zusehen, wenn so viele Menschenleben auf dem Spiel
stehen und ein begrenzter Einsatz amerikanischer
Streitkräfte, verstärkt durch die Streitkräfte anderer
Länder und mit voller Ermächtigung der Vereinten
Nationen dazu führt, daß man unverzüglich einen
dramatischen Unterschied bewirkt - und das ohne allzu
große Risiken und Kosten. Die Operationen "Provide
Comfort" und "Southern Watch" im Irak und die Operation "Restore Hope" in Somalia sind der Beweis für
die Richtigkeit des selektiven Einsatzes von Gewalt für
ausgewählte Zwecke.
Manchmal ist die Entscheidung, keine Gewalt einzusetzen, sich zurückzuhalten, ebenso schwierig wie die
Entscheidung, unsere Soldaten in die Schlacht zu
schicken. Im ehemaligen Jugoslawien entstand eine
solche Situation. Wir alle wissen, daß dort wichtige
humanitäre und strategische Interessen auf dem Spiel
stehen. Aber bis heute hat sich nicht gezeigt, daß ein
begrenzter Einsatz militärischer Gewalt von seifen der
Vereinigten Staaten oder ihrer traditionellen Freunde
und Verbündeten die angesichts der Natur und der
Komplexität der Situation erwünschten Auswirkungen
haben würde.

In ähnlicher Weise können wir nicht immer im voraus
sagen, welche Interessen den Einsatz militärischer
Gewalt erfordern. Die relative Bedeutung der einzelnen Interessen ist hier nicht hilfreich: Militärische
Gewalt ist vielleicht nicht der beste Weg, etwas Lebenswichtiges zu schützen, während der Einsatz von Gewalt
vielleicht die beste Möglichkeit ist, wichtige, aber eben
nicht lebenswichtige Interessen zu schützen.
Die Warnung vor der vergeblichen Suche nach starren, schnell verfügbaren Regeln für den Einsatz militärischer Gewalt impliziert nicht, daß wir uns bei unserer
Entscheidungsfindung nicht an einige Prinzipien halten. Solche Leitlinien können nützlich für die Entscheidung über den Umfang unserer Streitkräfte und in der
Tat bei ihrer Strukturierung sein und uns beim Nachdenken über diese Schlüsselfrage helfen.
Der Einsatz militärischer Gewalt als politische Maßnahme ist sinnvoll, wenn viel auf dem Spiel steht, der
Einsatz von Gewalt wirksam sein kann, andere politische Maßnahmen sich als unwirksam erweisen, ihre
Anwendung in bezug auf Umfang und Zeit eingeschränkt ist und wenn die möglichen Vorteile die
möglichen Kosten und Opfer rechtfertigen.

Wenn wir sicher sind, daß der Einsatz von Gewalt
sinnvoll ist, müssen wir mit der größtmöglichen Unterstützung handeln. Die Vereinigten Staaten können
Unsere Einschätzung der Situation im früheren Jugo- und sollten eine führende Rolle spielen, aber wir wollen
slawien könnte sich sehr wohl ändern - falls und je mit anderen zusammen handeln, falls möglich mit den
nachdem wie sich die Situation dort ändert. Es könnte Vereinten Nationen oder anderen multinationalen
immer mehr auf dem Spiel stehen; der Konflikt könnte Gruppierungen. Die Vereinigten Staaten können und
sich ausweiten. Tatsächlich bewerten wir unsere sollten entsprechend unserem Wohlstand und unserer
Optionen ständig neu und führen Gespräche mit ande- Stärke an dem gemeinsamen Unternehmen beteiligt
ren über mögliche Schritte zur Eindämmung der Kämpfe, sein. Aber auch andere sollten einen militärischen
zum Schutz der Bestrebungen im humanitären Be- Beitrag leisten, sei es durch die Bereitstellung von
reich und um Serbien um die Früchte seiner Aggres- Kampf- oder Unterstützungstruppen, Zugang zu Einrichtungen oder Militärstützpunkten oder Überflugrechsion zu bringen.
te. Und in ähnlicher Weise sollten andere einen
Militärische Gewalt sollte nie leichtfertig oder allge- wirtschaftlichen Beitrag leisten. Man kann nicht erwarmein als Werkzeug eingesetzt werden. Unter man- ten, daß die Vereinigten Staaten die ganze finanzielle
chen Umständen ist sie vielleicht notwendig, unter Last einer Intervention tragen, wenn für andere Natioanderen kontraproduktiv. Ich weiß, daß viele Men- nen ebenfalls viel auf dem Spiel steht.
schen gerne ein Patentrezept finden würden - das
einfach anzuwenden ist und genau vorschreibt, wann Der Wunsch nach internationaler Unterstützung darf
und wo wir mit militärischer Gewalt intervenieren soll- jedoch nicht die Vorbedingung für das Handeln sein.
ten. Jeder, der nach etwas wissenschaftlich Fundier- Manchmal muß eine Großmacht im Alleingang hantem sucht, wird eine Enttäuschung erleben. In der deln. Ich habe die äußerst schwierige Entscheidung
komplexen neuen Welt kann es nicht ein einziges, getroffen - ich könnte vielleicht sagen, auf Anraten
einfaches Rezept für den Einsatz von Gewalt geben. unserer ausgezeichneten Militärs, die jeder der hier
Die Frage einer militärischen Intervention erfordert Anwesenden so gut kennt - in Panama militärische
unweigerlich Urteilskraft, denn jeder Fall ist auf seine Gewalt einzusetzen, als das Leben von Amerikanern
Weise einzigartig. Hier starre Kriterien anzulegen und die Sicherheit der Kanalzone von Geächteten
würde unweigerlich zu Fehlern führen, die amerikani- bedroht wurde, die im Angesicht von freien Wahlen die
sche Interessen und Menschenleben bedrohen wür- Macht an sich rissen. Und in ähnlicher Weise haben
den. Und das würde auch den potentiellen Störenfrie- wir schnell gehandelt, um die Demokratie auf den
den einen Plan für ihre eigenen Aktionen liefern. Es Philippinen zu schützen.
könnte unseren Freunden und Verbündeten signalisieren, daß man sich auf unsere Unterstützung nicht In jedem Fall eines Einsatzes von Gewalt ist es jedoch
unabdingbar, eine eindeutige und durchführbare Misverlassen kann.
AMERIKA DIENST 2

Seite 3

�sion, einen realistischen Plan zur Verwirklichung des
Auftrags und ebenso realistische Kriterien für den
Abzug der amerikanischen Streitkräfte zu haben, sobald
die Mission erfüllt ist. Nur wenn wir uns diese Prinzipien vor Augen führen, kann das potentielle Opfer
erklärt und gerechtfertigt werden. Wir dürfen niemals
vergessen, daß der Einsatz von Gewalt nicht irgendeine politische Abstraktion, sondern eine reale Verpflichtung unserer Väter und Mütter, Söhne und Töchter,
Brüder und Schwestern, Freunde und Nachbarn ist.
Wir müssen ihn unter humanitären Bedingungen betrachten.
Um jedoch überhaupt eine Wahl zu haben, müssen
uns geeignete Streitkräfte zur Verfügung stehen, die
auf ein breites Spektrum von Eventualfällen einschließlich der Friedenssicherung zugeschnitten sind. Die
Bestrebungen zur Verwirklichung einer neuen Weltordnung erfordern in der Tat ein modernes, fähiges
Militär und in einigen Bereichen mehr statt weniger
Verteidigungsausgaben.

Es ist auf schlu ßreich, sich vor Augen zu führen, warum
dies so ist. Im Grunde ihres Herzens gründet sich eine
Freiwilligenarmee auf eine Entscheidung - Sie alle
wissen das -, die freie, von jungen Männern und
Frauen getroffene Entscheidung, den Streitkräften
beizutreten und die Entscheidung reiferer Männer und
Frauen, bei den Streitkräften zu bleiben. Die Institution
der Streitkräfte ist außerdem an der Verpflichtung
gereift, vorzügliche Leistungen zu erbringen und zu
fördern. Es ist eine Leistungsgesellschaft in Aktion.
Rasse, Religion, Wohlstand, Herkunft zählen nicht. In
der Tat bietet das Militär zahlreiche Beispiele für die
übrige Gesellschaft, indem es beweist, was getan
werden kann, um die Geißel des Drogenhandels zu
bekämpfen, die Schranken der Rassendiskriminierung niederzureißen und Frauen gleiche Chancen
anzubieten.
Dies ist nicht nur eine Folge der Auswahl. Es spiegelt
auch das Engagement des Militärs für Aus- und Fortbildung wider. Wie Sie wissen, spricht man von der
Konversion der Rüstungsindustrie, dem Prozeß, mit
dem die Rüstungsindustrie für zivile Zwecke umgerüstet wird. Nun, die Konversion beim Militär dauert seit
Jahren an. Es ist der konstante Prozeß der Aus- und
Weiterbildung, den das Militär so ausgezeichnet meistert, der es dem einzelnen gestattet, mit dem neuesten Stand der Technologie vertraut zu sein, herausforderndere Verwendungen anzunehmen und sich auf
ein Leben als Zivilist vorzubereiten.

Als Präsident habe ich erklärt, daß mir die Entsendung
von Streitkräften aufgrund der Wahrung amerikanischer Interessen im Ausland möglich war, weil frühere
Präsidenten - und ich möchte hier meinen Vorgänger
Ronald Reagan besonders hervorheben - und frühere
Verteidigungsminister ein starkes Militär beibehalten
haben. In diesem hehren Vertrauen erfüllt es mich mit
Stolz, meinem Nachfolger, dem neugewählten Präsidenten Clinton, ein einzigartiges Militär übergeben zu
können. Wir haben nur die Besten.
Aus dieser Kultur von Leistung und Konkurrenzkampf
sind Hunderttausende höchst qualifizierter Männer
Und dennoch muß man sich vor Augen führen, daß - und Frauen mit echtem Selbstvertrauen hervorgeganso wichtig diese Faktoren auch sein mögen - jedes gen. Sie verfügen über eine spezielle Mischung von
Militär mehr ist als nur die Summe seiner Waffen oder Disziplin, eine Bereitschaft, Führung zu akzeptieren
der Stand seiner Technolgie. Was Streitkräfte wirklich und das Vertrauen - die Bereitschaft - Verantwortung
effektiv macht, ist die Qualität ihrer Führung, die Qualität zu übernehmen. Zusammengenommen bieten Disziihrer Ausbildung, die Qualität ihrer Menschen.
plin und Vertrauen die Grundlage für den Erfolg und
dafür, gute Arbeit zu leisten.
Wir haben im Ausland nicht zuletzt wegen unserer
Menschen in Uniform Erfolg gehabt. Die Männer und Es gibt keine höhere Berufung, keine ehrenwertere
Frauen in unseren Streitkräften haben ihre Fähigkeit Entscheidung als die von den heute hier Anwesenden
zur Bewältigung der Herausforderungen einer moder- getroffene. Den Streitkräften beizutreten heißt bereit
nen Kriegführung unter Beweis gestellt. Und gleichzei- zu sein, für Ihr Land und Ihre Mitmenschen das höchtig haben die amerikanischen Soldaten ihren Auftrag ste Opfer zu bringen.
stets mit der Tugend der Fürsorge und Freundlichkeit
versehen - sei es auf dem Schlachtfeld im Irak oder in Was Sie getan haben, was Sie tun, übermittelt eine
einem kleinen Dorf in Somalia. Wer wird jemals die wichtige Botschaft, die - so fürchte ich - inmitten der
völlig verängstigten irakischen Soldaten vergessen, heutigen, häufig materialistischen, egozentrischen Welt
die sich den amerikanischen Truppen ergaben? Ich manchmal verloren geht. Es ist von Bedeutung, sich
nicht, das weiß ich. Und wer wird vergessen, wie der zu erinnern, zu demonstrieren, daß es einen höheren
amerikanische Soldat den Arm ausstreckte und sagte: Zweck des Lebens neben dem eigenen Ich gibt. Ich
"Jetzt ist alles in Ordnung." Oder den jungen Marinein- spreche von Familie, Gemeinschaft und Idealen. Ich
fanteristen in Somalia, der mit Tränen in den Augen spreche von Pflicht, Ehre, Vaterland.
den zerbrechlichen Arm eines abgemagerten Kindes
Es gibt viele Formen, einen Beitrag für dieses Land zu
hielt.
leisten, des Dienstes an der Öffentlichkeit. Ja, es gibt
Es kann kein Zweifel daran bestehen: Die Freiwilligen- die Regierung. Es gibt Freiwilligenverbände - ich
armee ist eine der wirklichen Erfolgsgeschichten des spreche gerne von den Tausend Punkten des Lichts heutigen Amerikas.
Beispiele, wie Amerikaner einander helfen. Die tägliSeite 4

AMERIKA DIENST 2

�chen Aufgaben erfordern Taten - in unseren Klassenzimmern, Krankenhäusern, Städten, Bauernhöfen. Sie
alle können eine Form des Dienstes repräsentieren
und tun dies auch. Egal in welcher Form - Dienste
nutzen unserer Gesellschaft und adeln den Gebenden. Es ist ein in Ehren gehaltenes amerikanisches
Konzept, das wir weiterhin praktizieren und an unsere
Kinder weitergeben sollten.

18. Geburtstag. Als die Begrüßungszeremonie endete, fuhr ich nach Boston und schrieb mich als Gefreiter
bei der Marine ein. Und ich habe es nie bereut.
Auch Sie haben sich eingeschrieben. Auch Sie werden es nie bereuen. Und ich beglückwünsche Sie
dazu.
Aufgrund der in den vergangenen Jahren und heute
noch erbrachten Opfer sollten Sie in der glücklichen
Lage sein, diese Phase Ihrer Ausbildung abzuschließen. Ein halbes Jahrhundert ist vergangen, seit ich
von der Schule abging, um den Steitkräflen beizutreten. Ein halbes Jahrhundert ist seit jenem Tag vergangen, an dem Stimson von der Herausforderung sprach,
eine neue Welt zu schaffen.

Dies wollte ich bei dieser Gelegenheit vermitteln. Sie
beginnen Ihren Dienst am Vaterland, und ich nähere
mich dem Ende meines Dienstes. Vor einem halben
Jahrhundert, im Juni 1942, befanden wir uns - wie
General Graves erwähnte - im Krieg, und ich machte
gerade meinen Schulabschlu ß. Der Redner an jenem
Tag in Andover war der damalige Kriegsminister, Henry
Stimson. Und seine Botschaft war eine des Dienstes
Auch Sie werden in eine neue Weh eintreten, eine sehr
an der Öffentlichkeit, jedoch etwas verschlüsselt: die
viel bessere Welt als die ich kennengelernt habe - eine
Bedeutung, die Schule zu beenden, bevor man für sein
Welt mit dem Potential, noch viel besser zu sein. Dies
Vaterland in den Krieg geht.
ist die Herausforderung, dies ist die Chance Ihres
Ich habe seinen Worten aufmerksam zugehört, seinen Lebens. Ich beneide Sie darum und wünsche Ihnen
Rat jedoch nicht angenommen. Jener Tag war mein viel Glück...
* * * * *

AMERIKA DIENST 2

Seite 5

�Internationales Besucherprogramm — Im Rahmendes Internationalen Besucherprogramms gibt die Regierung der Vereinigten Staaten ausgewählten Teilnehmern aus allen Bereichen der
Gesellschaft die Möglichkeit, eine einmonatige beruflich orientierte Reise in die Vereinigten Staaten zu unternehmen. Im Laufe
der letzten Jahre ist die Zahl der Teilnehmer aus den neuen
Ländern bedeutend angestiegen: Von 35 im Jahr 1991 auf 45 im
Jahr 1992. Für 1993 rechnet man mit 57.
Studentenberatung — Das US-Informationsamt hat aufgrund
der Bedeutung, die persönlichen Kontakten zwischen jungen
Menschen für die Völkerverständigung beigemessen wird, besonderen Wert auf die Förderung von Studentenaustauschprogrammen zwischen amerikanischen und ostdeutschen Universitäten gelegt. In Leipzig, Berlin, Bonn und Hannoverarbeiteten
Mitglieder des US-Informationsamtes mit verschiedenen Universitäten in den neuen Bundesländern an der Weiterentwicklung und Ausweitung von studentischen Austauschprogrammen zusammen. Im Einklang mit dieser Initiative haben private
amerikanische Verleger und solche des US-Informationsamtes
vielen Universitäten im Osten Bücher und andere Materialien mit
praktischen Informationen über amerikanische Universitäten,
Austauschprogramme und die Kosten eines Studiums in den
Vereinigten Staaten gestiftet.

nen der englischen Sprache zu geben, indem es bei der Aufstellung eines Netzes von fähigen Englischlehrern auf allen Ebenen
des Erziehungssystems behilflich ist. Ein Unterrichtsbeauftragter des US-Informationsamtes vom Amerika Haus Berlin besuchte in den letzten zwei Jahren mehr als zwei Dutzend Institutionen, um Lehrern und Professoren bei der Verbesserung ihrer
Fähigkeiten behilflich zu sein und sie mit den neuesten Entwicklungen auf dem Gebiet des Englischunterrichts vertraut zu
machen. Auch hat das US-Informationsamt zahlreichen Institutionen in den neuen Bundesländern Materialien für den Englischunterricht zur Verfügung gestellt.
Programme und Redner — Ausstellungen, Vorführungen und
Vorträge im kulturellen Bereich sowie renommierte amerikanische Redner haben zu einer verstärkten amerikanischen
Präsenz in den neuen Bundesländern beigetragen und den
Bundesbürgern im Osten eine Vielzahl von Aspekten der Gesellschaft und Kultur Amerikas zugänglich gemacht. Aufführungen
berühmter amerikanischer Künstler und Tanztruppen - einschließlich einer Tournee der Susan Marshall Dance Company
in Ostdeutschland im Jahr 1992, einer der führenden postmodernen Tanztruppen der Vereinigten Staaten - haben den Menschen in den neuen Bundesländern eine Begegnung aus erster
Hand mit der amerikanischen Kultur verschafft. Die vielen hochrangigen amerikanischen Redner, die mit Unterstützung des
US-Informationsamtes die neuen Bundesländer besuchten,
führten Gespräche über die deutsch-amerikanischen Beziehungen, die Umwelt, Stadtplanung, neue Technologien, Erhaltung von Geschichtsdenkmälern, die multikulturelle Gesellschaft in den Vereinigten Staaten und andere wichtige Themen
und trugen damit zu einer verbesserten Kommunikation und
Verständigung zwischen Amerika und den neuen deutschen
Bundesländern bei.

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Weitere Informationen sind bei den folgenden Stellen erhältlich:

Botschafter Robert M. Kirnmitt überreicht Bücherspende an
Regionalbibliothek Neubrandenburg
Bücherspenden — Das US-Informationsamt reagierte auf die
Schwierigkeiten, denen sich die Bibliotheken und Lehrinstitute in
den neuen Bundesländern gegenübersehen, indem es die ehemals in den westlichen Bundesländern stationierten amerikanischen Streitkräfte um Spenden von durch ihren Abzug verfügbaren Büchern und Informationsmaterialien an ostdeutsche
Institutionen bat. Bis Ende 1992 spendete das amerikanische
Militär verschiedenen Stadt- und Universitätsbibliotheken in den
neuen Bundesländern nahezu 300.000 Bücher, wodurch diese
ihre Sammlungen zu amerikanischer Geschichte, Gesellschaft
und Kultur beträchtlich erweitern konnten.
Englischunterricht — Das US-Informationsamt bemüht sich,
den neuen Bundesbürgern verstärkt die Möglichkeit zum Erler-

Amerika Haus Leipzig
Wilhelm-Seyfferth-Straße4
0-7010 Leipzig
Amerika Haus Berlin
Hardenbergstraße 22-24
1000 Berlin 12
U.S. Foreign Commercial Service
Wilhelm-Seyfferth-Straße 4
0-7010 Leipzig
U.S. Foreign Commercial Service
Neustädtische Kirchstraße 4-5
0-1080 Berlin
U.S. Embassy Office
Neustädtische Kirchstraße 4-5
0-1080 Berlin
U.S. Embassy
Deichmanns Aue 29
5300 Bonn 2

Tel: (0341)21178 65
Fax: (0341)2117855
Tel: (030)310001-1
Fax: (030)317945
Tel: (0341) 211 79 28
Fax: (0341)21179 27
Tel: (030) 238 51 74
Fax: (030)238 62 96
Tel: (030)238 5174
Fax: (030) 251 02 37
Tel: (0228) 339-1
Fax: (0228)334102

DESIGN &amp; PRINTING USIS BONN 1993

...die fünf
neuen Bundesländer
und Amerika

�ENGAGEMENT DER VEREINIGTEN STAATEN
IN DEN FÜNF NEUEN BUNDESLÄNDERN
HANDEL
Handel und Investitionen sind die wichtigsten Aspekte beim
Wiederaufbau in den neuen Bundesländern, und amerikanische
Unternehmen waren mit Unterstützung der deutschen und der
US-Regierung bereits in diesem Bereich tätig. Seit der Vereinigung haben sie in den neuen Bundesländern Investitionen im
Wert von mehr als 5 Milliarden DM getätigt, womit nahezu
40.000 Arbeitsplätze geschaffen oder erhalten werden. Amerikanische Unternehmen sind auf den Gebieten Verkauf und
Investitionen in den neuen Bundesländern führend.
Im Osten sind große und kleine Tochtergesellschaften amerikanischer Unternehmen in vielen Geschäftsbereichen tätig,
u.a. in der Nahrungsmittel-, Automobil-, Computer- und der Verarbeitenden Industrie, auf dem Immobilienmarkt, in der pharmazeutischen Industrie, im Telekommunikationsbereich und im
Dienstleistungssektor.

KULTURELLE BINDUNGEN
Nachfolgend einige Beispiele für das wirtschaftliche Engagement amerikanischer Unternehmen in den östlichen Bundesländern:
• Coca-Cola investiert 750 Millionen DM und schuf
2.750 neue Arbeitsplätze;
• Esso kündigte an, daß es Ende 1992 55 Tankstellen betrieb
und 100 Millionen DM investiert hatte;
• Ford investierte in Zusammenarbeit mit ortsansässigen Händlern 500 Millionen DM und schuf 5.000 Arbeitsplätze;
• General Motors tätigte mit 1 Milliarde DM in seinem Opel-Werk
in Eisenach die größte amerikanische Investition in den neuen
Ländern;
• McDonald's gab den Plan bekannt, Ende 1993 26 Schnellrestaurants zu betreiben - eine Gesamtinvestition von nahezu
125 Millionen DM in den nächsten Jahren.

LANDWIRTSCHAFT
Die amerikanische Regierung und Landwirtschaftsvereinigungen des Privatsektors beteiligen sich aktiv an der landwirtschaftlichen Entwicklung in den neuen Bundesländern. Mit Hilfe des
Foreign Agricultural Service des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums hat die US-Regierung verschiedenen staatlichen und privaten Organisationen im Osten Information und
Beratung zu landwirtschaftlichen Verwaltungspraktiken zur Verfügung gestellt. Zusätzlich knüpften zahlreiche amerikanische
Landwirtschaftsvereinigungen in den östlichen Bundesländern
berufliche und geschäftliche Beziehungen an. Die amerikanische Sojabohnenvereinigung und der US Dairy Genetics Council erarbeiten beispielsweise mit kleinen und großen Viehzuchtbetrieben Möglichkeiten zur Verbesserung der Futterqualität und
der Erbanlagen von Tieren. Der Verband der amerikanischen
Sperrholzindustrie arbeitet mit Hausbauern aus dem Osten an
der Verwendung von Holzeinfassungen beim Hausbau.

Deutsche Arbeiter montieren Autos im Opel-Werk in Eisenach
Zur Unterstützung der amerikanischen Exporteure und Investoren in den neuen Ländern fördert der Foreign Commercial Service
der US-Regierung (der 1990 in Berlin und 1992 in Leipzig neue
Niederlassungen aufgemacht und damit seine Aktivitäten im
Osten erweitert hat) die Teilnahme amerikanischer Unternehmen an Messen, Handelsmissionen, Konferenzen und Seminaren mit dem Ziel, deutsche Behörden mit amerikanischen Produkten und Technologien vertraut zu machen und die Partnerschaft zwischen deutschen und amerikanischen Unternehmen
bei der Entwicklung wirtschaftlicher Aktivitäten im Osten zu verbessern. Wichtig sind hierbei die Bereiche Recycling, Beseitigung von Altlasten, Entsorgung von Sondermüll, Kapitalbeschaffung, Stromerzeugung und Franchising.

ZUSAMMENARBEIT IM POLIZEIWESEN
Die Polizei- und Sicherheitskräfte in den neuen Bundesländern
passen sich an die als Folge der Vereinigung geänderten gesellschaftlichen Gegebenheiten an. Zusätzlich zu der im Rahmen
des deutschen Polizeiwesens stattfindenden Ausbildung unterstützt die amerikanische Regierung die Behörden auf Bundes-,
Landes- und Gemeindeebene durch vom FBI organisierte Sonderprogramme bei der erforderlichen Ausbildung. Das umfaßt
Schulungen für ausgewählte Strafverfolgungsbeamte in der FBIAkademie in der Nähe der Bundeshauptstadt Washington sowie
von Mitgliedern der amerikanischen Strafverfolgungsbehörde in
Zusammenarbeit mit dem Bundesinnenministerium vor Ort abgehaltene Übungstreffen in den neuen Bundesländern.

Seit der Vereinigung Deutschlands hat das US-Informationsamt
(United States Information Service - USIS) bei der Wiederanknüpfung von Beziehungen zwischen Amerikanern und Bürgern
der fünf neuen Bundesländer eine wichtige Rolle gespielt:

Amerikanisches Generalkonsulat
und Amerika Haus Leipzig
Amerika Haus Leipzig — Am 30. Juni 1992 eröffnete das
US-Informationsamt in Leipzig das erste Kulturinstitut in den
neuen Bundesländern. Der amerikanische Botschafter Robert
M. Kimmitt weihte das Amerika Haus Leipzig in einer Feierstunde, der 400 hochrangige Gäste beiwohnten, ein und unterstrich
die Bedeutung, die die Vereinigten Staaten den kulturellen
Beziehungen zu den neuen Bundesländern beimessen. Das
Amerika Haus Leipzig und seine althergebrachte Schwesterinstitution, das Amerika Haus Berlin, fördern kulturelle Austauschprogramme in den neuen Bundesländern und verfügen über
eine für die Öffentlichkeit zugängliche Bibliothek mit einer großen Sammlung englischsprachiger Bücher und Zeitschriften
über alle Aspekte des Lebens und der Gesellschaft in Amerika.
Austauschprogramme — Akademische und berufliche Austauschprogramme sind wahrscheinlich die wichtigste Möglichkeit, die Völkerverständigung zu verbessern, und das USInformationsamt hat eine Vielzahl solcher Austauschaktivitäten
in den neuen Bundesländern entwickelt. Hierzu gehören das
Fulbright-Programm, die RIAS-Kommission und das Parlamentarische-Patenschafts-Programm (PPP), ein vom amerikanischen Kongreß und dem Deutschen Bundestag durchgeführtes
Jugendaustauschprogramm:
• Seit der Vereinigung ist die Zahl der am Fulbright-Programm
teilnehmenden Professoren und Studenten aus den östlichen
Bundesländern von 12 im Jahr 1991 auf 39 im Jahr 1992
angestiegen. Für 1993 wird ein Anstieg auf 99 erwartet
• Kürzlich wurde die RIAS-Kommission gegründet, um die
Tradition von RIAS im Rundfunkwesen durch die Finanzierung
von Ausbildungsprogrammen für Journalisten, mit besonderer
Ausrichtung auf Journalisten aus den neuen Bundesländern,
weiterzuführen.
• Seit der Vereinigung wurde das PPP allein im Jahr 1992 um
ungefähr 100 Teilnehmer aus Ostdeutschland erweitert

�AUSSENPOLITIK
13. Januar 1993

EAGLEBURGER SIEHT FORTSCHRITTE, WARNT VOR
KÜNFTIGEN HERAUSFORDERUNGEN
Rede vor dem Council on Foreign Relations
WASHINGTON - (AD) - Außenminister Eagleburger zufolge besteht die wichtigste außenpolitische Herausforderung für die Vereinigten Staaten heute darin, den Wesensgehalt der Demokratien, der den Sieg im Kalten Krieg
gesichert hat, zu bewahren und zu stärken.
In einer Rede vor dem Council on Foreign Relations stellte Eagleburger am 7. Januar 1993 fest, daß wir "uns
inmitten einer globalen Revolution befinden, einer Zeit der Veränderungen und Instabilität, deren einzige
Parallelen in der Neuzeit die Französische und die Russische Revolution sind".
Eagleburger nannte Jugoslawien und Somalia als Paradebeispiele für den Zusammenbruch des nach dem
Zweiten Weltkrieg entstandenen postkolonialen Staatensystems. Dadurch seien viele Nationen "zunehmend
unfähig, grundlegende staatliche Funktionen zu erfüllen, ihre inneren Angelegenheiten zu kontrollieren oder
partikularistischen und separatistischen Tendenzen innerhalb ihrer Grenzen zu widerstehen".
Nachfolgend veröffentlichen wir Eagleburgers Rede im Wortlaut.

Im September 1989 habe ich eine Rede gehalten, in
der ich die einzigartigen und schwierigen Herausforderungen erörterte, mit denen die Außenpolitik der Vereinigten Staaten beim Übergang von einer bipolaren
zu einer multipolaren Welt unweigerlich konfrontiert
sein würde. Mein guter Freund Peter Tarnoff beeilte
sich daraufhin, mich in der New York Times ins Gebet
zu nehmen, weil ich eine Nostalgiefürden Kalten Krieg
gezeigt hätte. Damals habe ich diese Charakterisierung bestritten. Heute jedoch, Peter, muß ich ein
Geständnis machen: Ich hege inzwischen wirklich
nostalgische Gefühle für den Kalten Krieg - und ich
vermute, Sie könnten sich dieses Gefühl bald selbst zu
eigen machen.
Tatsache ist, daß es mir damals unmöglich war, vorauszusehen, wie turbulent das neue Zeitalter in Wirklichkeit werden würde. Heute jedoch ist überreichlich
klar, daß wir uns inmitten einer globalen Revolution
befinden, einer Zeit der Veränderungen und Instabilität, deren einzige Parallelen in der Neuzeit die Französische und die Russische Revolution sind. Überall wird
der Status quo in Frage gestellt. So hat das Ende der
durch den Kalten Krieg hervorgerufenen scharfen
Trennung der Welt in zwei von Supermächten geführte
Blöcke zu einem weit offeneren internationalen System geführt, in dem Saddam Husseins Invasion in
Kuwait nur das ungeheuerlichste Beispiel des wesent-

AMERIKA DIENST 2

lich größeren Potentials für globale Anarchie bietet,
das heute besteht.
Darüber hinaus befindet sich das nach dem Zweiten
Weltkrieg entstandene postkoloniale Staatensystem
selbst im Zusammenbruch, während viele Nationen
zunehmend unfähig sind, grundlegende staatliche
Funktionen zu erfüllen, ihre inneren Angelegenheiten
zu kontrollieren oder partikularistischen und separatistischen Tendenzen innerhalb ihrer Grenzen zu widerstehen. Hier sind Somalia und Jugoslawien die augenfälligsten, jedoch bei weitem nicht die einzigen Beispiele für diese Tendenz zur Zersplitterung.
Gemeinsam mit der Erfüllung der M ission der Vereinigten Staaten im Kalten Krieg stellen diese Veränderungen die Vereinigten Staaten vor die existentielle Notwendigkeit, ihren Platz und ihre Ziele in der Wert neu zu
definieren. Einige betrachten den jüngsten weltweiten
Aufschwung der Demokratie als prägendes Charakteristikum dieses Zeitalters, und sie gehen davon aus,
daß das Endedes Kalten Krieges esfürdie Vereinigten
Staaten sowohl sicher als auch erforderlich gemacht
habe, zugunsten der Demokratie eine Außenpolitik
Wilsonscher Prägung zu betreiben. Andere betrachten die Welt als voll von einzigartiger Gefahr und
Unordnung und meinen, da die Vereinigten Staaten
nicht mehr dieselbe politisch und wirtschaftlich domi-

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�nierende Rolle spielen können wie in der Vergangenheit, müßten sie weiterhin nationale Sicherheit und
internationale Stabilität als ihre höchsten außenpolitischen Ziele verfolgen.
Ich werde die Debatte zwischen den Anhängern des
Idealismus und der Realpolitik heute abend nicht entscheiden. Ich möchte jedoch untersuchen, wie die
Bush-Administration einige der Herausforderungen
bewältigt hat, mit denen sie in den vergangenen vier
Jahren konfrontiert war. Ich tue dies nicht nur, um - zu
meiner, wenn nicht zu Ihrer Zufriedenheit - zu demonstrieren, wo wir mit Erfolg einen Grundstein für die
amerikanische Außenpolitik im Zeitalter nach dem
Kalten Krieg gelegt haben, sondern auch, damit ich
einige der Lehren beschreiben kann, die meines Erachtens aus unserer Erfahrung gezogen werden sollten.

Reich, das ohne bösartige und gewalttätige Zuckungen zusammengebrochen ist. Niemand erwartete
darüber hinaus, daß die Kommunistische Partei ihr
Machtmonopol im Inland sowie die imperiale Vorherrschaft im Ausland kampflos preisgeben würde. Es war
durchaus vorstellbar, daß das Ableben der Sowjetunion von Bürgerkrieg, Krieg in Europa und vielleicht
sogar dem Risiko eines weltweiten nuklearen Schlagabtauschs begleitet würde.

Daß dies nicht der Fall war, ist meines Erachtens
teilweise der geschickten, wenn auch bisweilen mißverstandenen Diplomatie George Bushs zuzuschreiben. Selbst heute noch argumentieren seine Kritiker,
der Präsident habe beim Umgang mit der ehemaligen
Sowjetunion ständig den Ereignissen hinterhergehinkt
- mit seiner späten und lauwarmen Unterstützung
Gorbatschows, seiner späten und unauffälligen Reaktion auf den Zusammenbruch der sowjetischen KonViele haben behauptet, wir hätten es überhaupt nicht trolle über Osteuropa und seiner späten Lösung von
geschafft, einen neuen Grundstein zu legen - daß Gorbatschow und Hinwendung zur Sache der demounsere Außenpolitik grundsätzlich reagierend und dem kratischen Reformen in Rußland und Unabhängigkeit
Status quo ungebührlich verhaftet gewesen sei und in den Republiken. An jedem Punkt wurde dem
daß es ihr an strategischer Logik oder demokratischer Präsidenten ungebührliche Anhänglichkeit an den Status
Vision gefehlt habe. Wie Sie erwarten werden, stimme quo und ungenügender Eifer für die amerikanischen
ich dem nicht zu. Ich glaube, daß diese Administration Ideale vorgeworfen.
drei einzigartige Herausforderungen erfolgreich bewältigt hat:
Was jedoch hat der Präsident zu erreichen versucht?
Sein erster Ansatz bestand darin, Gorbatschow dazu
die friedliche Beendigung des Kalten Krieges,
aufzufordern, dem neuen sowjetischen Denken bei
die Auseinandersetzung mit der durch das Ende Fragen von regionalen Auseinandersetzungen bis zur
des Kalten Krieges hervorgerufenen Instabilität Rüstungskontrolle praktischen Inhalt zu verleihen. Als
später die Revolution begann, ganz Osteuropa zu
und
erfassen, arbeitete er im Stillen daran, Gorbatschow
den Beginn des Baus einer neuen Architektur und seine Generäle davon zu überzeugen, daß der
Westen nicht danach trachten werde, ihre Probleme
für die neue Weltordnung.
auszunutzen, und daß die Sowjetunion in einem
Man könnte es uns vielleicht ankreiden, daß wir uns demokratischen Europa eine neue Art von Sicherheit
dafür entschieden haben, unsere Vision mehr in Taten genießen könnte, wenn friedliche Normen akzeptiert
als in Worten zum Ausdruck kommen zu lassen. Ich würden. Und später drängte er sowohl die Zentralrebin jedoch voll und ganz davon überzeugt, daß die gierung als auch die Unabhängigkeitsbewegungen zur
Bilanz dessen, was wir getan haben und wie wir es Vorsicht, was ihm innenpolitische Kritik eintrug. Damit
getan haben, so beschaffen ist, daß unsere Nachfol- entzog er jedoch dem rechten Flügel in der Sowjetuniger erfolgreich darauf aufbauen können, wenn auch on jeglichen Vorwand, um Gorbatschow in ihre Bemüsie einer Welt gegenübertreten, die auf viele Jahre hungen zur Zerstörung des Reformprozesses einzuhinaus weiterhin instabil und unberechenbar sein wird. beziehen.
Ich möchte mich nun dieser Bilanz zuwenden - der
Bilanz dessen, wie wir die drei bereits erwähnten
Herausforderungen bewältigt haben.

Erfolgreiche Diplomatie ist eine Frage des Urnings
ebenso wie der Substanz. Letz lieh wird die Geschichte
George Bush an den Ergebnissen seiner Bemühungen messen - an seiner Beherrschung von Timing und
Die erste Herausforderung: Beendigung des KalSubstanz -, insbesondere gegenüber den zahlreichen
ten Krieges
alternativen Szenarien, die sich hätten ereignen könHeute nehmen wir als gegeben hin, was Experten und nen. Die Geschichte wird feststellen, daß während
Historiker noch vor nur einem Jahrzehnt für unglaub- seiner Amtszeit die friedliche demokratische Revolulich gehalten hätten, nämlich, daß die Preisgabe Ost- tion in Osteuropa, die Vereinigung Deutschlands und
europas durch die Sowjetunion und die Auflösung der die Einbeziehung eines vereinigten Deutschlands in
UdSSR selbst so rasch, so gründlich und vor allem so die NATO, das Ende von regionalen Konflikten, besonfriedlich erreicht werden konnte. Inder Geschichtegibt ders in Mittelamerika, das Anhalten und später der
es - wenn überhaupt - nur wenige Beispiele für ein Abbau des nuklearen Wettrüstens sowie schließlich

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AMERIKA DIENST 2

�der friedliche Zusammenbruch eines Regimes stattfanden, das sowohl den gewaltigsten totalitären Apparat in der Geschichte und mit seinem nuklearen Potential das Schicksal der Welt beherrschte. Dies ist ein
Vermächtnis, das an sich schon Präsident Bush zu
einem der größten Diplomaten unserer Nation qualifizieren würde.

entgegenzutreten. Was hätte sie ihm antworten sollen? Daß wir eine halbe Million Soldaten um die halbe
Erdkugel schicken können und der Kongreß mit ganz
knapper Mehrheit letzten Endes dem Plan des Präsidenten zustimmen würde, diese Truppen in die Schlacht
zu schicken?

Ich möchte hier keine billigen Argumente anführen,
sondern einen wichtigen Punkt eindeutig klarstellen.
Zweifelsohne haben wir Fehler begangen und - zusammen mit allen anderen - die irakische Invasion
Aber die Geschichte forderte diesen Präsidenten fer- nicht vorhergesehen. Was wir jedoch nicht wußten
ner dazu auf, sich den zahlreichen Herausforderungen und was Saddam Hussein unter Beweis stellen mußte,
einer zerfallenden Weltordnung zu stellen, zunächst war, daß das Ende des Kalten Krieges die internatioam Persischen Golf und später in Afrika und auf dem nalen Spielregeln verändert hatte und regionale MächBalkan.
te jetzt eine Aggression aufgrund der Annahme in
Erwägung ziehen konnten, daß die Supermächte nicht
Wiederum hat er sich einigen zufolge auch dieser
länger ihre Manövrierfähigkeit einschränken konnten.
Herausforderung weitgehend entzogen. In einigen
Was Saddam Hussein nicht wu ßte und Präsident Bush
Kreisen wird sogar behauptet, die Administration trage
beweisen mußte, war, daß das amerikanische Volk selbst einen Teil der Verantwortung für die Invasion in
Kuwait, indem sie den irakischen Diktator "verhät- wenn nicht sogar die gesamte politische Klasse - nicht
schelt" habe, sowie für den tragischen Bürgerkrieg im länger unter dem Vietnam-Syndrom litt.
ehemaligen Jugoslawien, indem sie es versäumt habe, Letztlich war es die doppelte Leistung von Präsident
die verschiedenen Republiken in ihrenmStreben nach Bush, Saddam von der Einführung der Gesetze des
Unabhängigkeit zu unterstützen. Wie bei unserer Dschungels als internationaler Verhaltensnorm in der
Haltung zu Gorbatschow gehe ich jedoch davon aus, Zeit nach dem Kalten Krieg abzuhalten und ein Modell
daß die Diplomatie des Präsidenten mißverstanden für kollektive Reaktionen auf internationale Akte von
und in einigen Fällen absichtlich verzerrt wurde.
Aggression zu erarbeiten. Damit demonstrierte er, wie
absolut entscheidend amerikanische Diplomatie und
Beispielsweise waren unsere Bestrebungen, Saddam
die amerikanische Bereitschaft für den Einsatz von
Hussein mit diplomatischen Mitteln zu beeinflussen,
Gewalt für die Aussichten auf Stabilität in der ansonoffenkundig nicht erfolgreich - diese Bestrebungen
sten chaotischen Zeit nach dem Kalten Krieg ist.
waren meines Erachtens jedoch die erforderliche
Voraussetzung für unseren letztlichen Erfolg. Tatsa- Der Präsident wurde auch für seine Entscheidung zur
che ist, daß es vor der Invasion am 2. August weder Beendigung der Kampfhandlungen zu dem von ihm
einen Konsens für multilaterale Wirtschaftssanktionen gewählten Zeitpunkt angegriffen. George Bush vernoch für ein militärisches Vorgehen gegen den Irak stand jedoch eine andere Realität der Zeit nach dem
gab. Es war Saddam Hussein selbst, der diesen Kalten Krieg - das heißt, weil er persönlich und geKonsens durch seinen Einmarsch in Kuwait hervor- zwungenermaßen eine internationale Koalition der
brachte. Bis zu jenem Augenblick erachteten unsere Streitkräfte vereinigte, mußte erdie Ansichten unserer
arabischen Freunde Vergeltungsmaßnahmen als beteiligten Verbündeten berücksichtigen und hatte vor
ungerechtfertigt und auch provokativ und wären Sad- allem die Verpflichtung, sich innerhalb des Rahmens
dam zu Hilfe geeilt, wenn wir ihn zu isolieren oder der UN-Resolutionen zu bewegen. Darüber hinaus,
bestrafen versucht hätten. Daher war es eben dieser und dies ist vielleicht am wichtigsten, verstand er, daß
Diplomatie zu verdanken, für die der Präsident jetzt ihm angesichts der präzisen Definition des Zwecks
kritisiert wird und die Ursache seiner Glaubwürdigkeit unserer Mission die Verpflichtung - gegenüber dem
in der arabischen Welt war, daß wir die Unterstützung amerikanischen Volk und der Zukunft - zum Abzug der
gewinnen konnten, ohne die wir Kuwait nicht hätten amerikanischen Streitkräfte oblag, sobald die Mission
befreien können.
erfüllt war.

Die zweite Herausforderung: Eine sich zersplitternde Welt

Ich bin ferner der Überzeugung, daß der Eindruck
behoben werden muß, wir hätten Saddam Hussein
kurz vor dem 2. August von der Invasion Kuwaits
abschrecken können. Das Problem war Saddams
Ansicht, wir müßten uns noch von der Schande und
dem Schatten des Vietnamkriegs befreien. Er machte
dies unserer Botschafterin gegenüber äußerst deutlich, indem er ihr erklärte, wir hätten seiner Meinung
nach nicht den Mumm, ihm auf dem Schlachtfeld

AMERIKA DIENST 2

Ein zweiter Beweis der heute vorherrschenden globalen Unordnung ist die Ausweitung althergebrachter
Stammes-, ethnischer und religiöser Rivalitäten zu
Konflikten. Dies ist im ehemaligen Jugoslawien am
offenkundigsten. Wir müssen uns jedoch vor Augen
führen, daß Jugoslawien nur die augenfälligste Manifestation dessen ist, was sich heute vielerorts vollzieht
und wahrscheinlich das internationale Umfeld auf vielleicht Jahrzehnte hinaus charakterisieren wird.

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�Für viele ist Jugoslawien ein weiteres Beispiel dafür,
wie die Politik der Administration den Ereignissen
hinterherhinkt und sich nicht mit den amerikanischen
Idealen deckt. Ich persönlich bin nicht der Ansicht, daß
Gewalt unter allen Umständen hätte vermieden werden können. Ich bin jedoch nach wie vor der Überzeugung, daß die einseitigen und unkoordinierten Unabhängigkeitserklärungen der Republiken, die wir erfolglos ablehnten, unweigerlich zum Bürgerkrieg führten.
Damals wie heute bestand die einzige Alternative zu
ewigem Blutvergießen für die Parteien darin, die Trennung voneinander auf dem Verhandlungsweg bei gleichzeitiger Garantie der Respektierung von Pluralismus
und der Rechte von Minderheiten innerhalb ihrer Grenzen
herbeizuführen. Die einzig verantwortungsbewußte
Politik fürdie Vereinigten Staaten war diejenige, die wir
befolgten: die Entmutigung unilateraler Akte, die auf
die Vermeidung solcher Verhandlungen und Garantien abzielten. Wie der Präsident zu Recht in seiner
verspotteten und mißverstandenen Rede in Kiew feststellte, bestand unsere Politik nicht in der Unterstützung "derjenigen, die auf ethnischen Haß gegründeten
selbstmörderischen Nationalismus fördern".

vernachlässigt haben. Meines Erächtens werden sie
jedoch eine solide Grundlage in vielen wichtigen Bereichen vorfinden.
Zu diesen Bereichen institutioneller Kreativität zähle
ich die folgenden:
1.

Europa, wo wir versuchen, die demokratische
Staatengemeinschaft zu erweitern, indem wir
dazu beitragen, die ehemals kommunistischen
Nationen in sichere und stabile freie Marktwirtschaften umzugestalten. Hier haben wir zwei
innovative institutionelle Strukturen geschaffen
- den G-24-Prozeß, mit dem wir die Hilfe für
Mittel- und Osteuropa koordiniert haben und
den Nordatlantischen Kooperationsrat, mit dem
wir versuchen, im Lauf der Zeit die sicherheitspolitischen Beziehungen zwischen beiden Hälften Europas zu stärken. Ich möchte die neue
Administration auffordern, auf diese noch in den
Kinderschuhen steckende Struktur aufzubauen.

2.

Nordamerika, wo wir versuchen, die kontinentale Basis unserer Nation durch die Schaffung
eines Binnenmarktes zu konsolidieren, der die
Vereinigten Staaten, Mexiko und Kanada verbindet - das Nordamerikanische Freihandelsabkommen. Unser Erfolg bei dieser Bestrebung
wird in sicherheitspolitischer Hinsicht Dividenden abwerfen und den Volkswirtschaften aller
drei Nationen nutzen.

Natürlich wirft all dies die Frage auf, was wirtun sollten,
wenn die irrationalen Kräfte der Geschichte und des
Hasses über unsere Appelle zur Vernunft dominieren,
wie es heute in Jugoslawien, in einigen Teilen der
ehemaligen Sowjetunion, in Somalia und andernorts
der Fall ist.
Es gibt keine einfachen Antworten. Wie der Präsident
in dieser Woche in West Point erklärte, wird es Zeiten 3.
geben, in denen unsere lebenswichtigen Interessen
auf dem Spiel stehen und wir intervenieren müssen wie wir dies am Golf getan haben. Es wird Zeiten
geben, in denen eine menschliche Tragödie uns zum
Eingreifen zwingt, vorausgesetzt, wir können die Kosten
gegenüber dem amerikanischen Volk rechtfertigen wie wir es in Somalia und im Namen der Kurden im
Nordirak getan haben. Und es wird Zeiten geben, in
denen weder die Kraft amerikanischer Ideen noch die
Macht amerikanischer Waffen einen Unterschied für
die Menschen bewirken können, die wirklich nicht zu 4.
einer friedlichen Koexistenz bereit sind.
Die dritte Herausforderung: Aufbau einer neuen
Weltordnung
Die vielleicht grundlegendste Kritik an der Au ßenpolitik
der Bush-Administation lautet, da ß sie zu stark auf sich 5.
verändernde Ereignisse mit wenig Augenmerk für die
längerfristigen Erfordernisse eines neuen Zeitalters
reagiert hat. Ich bin jedoch der Meinung, daß wir in der
Tat das Verdienst füruns in Anspruch nehmen können,
das in die Wege geleitet zu haben, was die lange Arbeit
des fürdie Schaffung einer neuen Weltordnung erfor- 6.
derlichen Aufbaus eines internationalen Rahmens sein
wird und sein soll. Unsere Nachfolger werden an Orten
Aufbauarbeit leisten müssen, die wir übersehen oder

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Lateinamerika, wo diese Administration unsere
kontinenteübergreifenden Beziehungen in vielleicht dem besten Zustand in diesem Jahrhundert hinterläßt. Präsident Bushs Initiative zur
Förderung der Privatwirtschaft in allen Ländern
Amerikas wurde auf dem gesamten Kontinent
als ein historischer Wendepunkt und eine Chance willkommen geheißen, Demokratie in ganz
Nord- und Südamerika in einem System freier
Märkte zu konsolidieren.
Asien, wo wir die asiatisch-pazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit in die Wege geleitet haben,
um unser Engagement für die dynamischste
Wirtschaftsregion der Welt zu erweitern und wo
wir die Entwicklung einer globalen Partnerschaft
mit Japan begonnen haben.
Der Nahe Osten, wo wir auf den Sieg der
Koalition im Golfkrieg aufgebaut haben, um die
ersten direkten Verhandlungen zwischen Israel
und den arabischen Nachbarländern in die Wege
zu leiten.
Und schließlich das breite Spektrum transatlantischer Themen, wo wir versuchen, die Tagesordnung der Zeit nach dem Kalten Krieg von
weltweitem Freihandel bis zu den GATT-Ver-

AMERIKA DIENST 2

�handlungen und durch Verhandlungen über die
Kontrolle der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen voranzubringen.

i

ner Amtszeit und bezahlte dafür oft einen hohen politischen Preis. Aufgrund seines Bestrebens, mit den
Regierungen zusammenzuarbeiten und Einfluß auf
sie auszuüben, die seine Kritiker bestrafen und isolieDas Vermächtnis Präsident Bushs
ren wollten - ich denke hier insbesondere an die
Volksrepublik China - gelang es ihm, eine internationaIch bin mir bewußt, daß ich keineswegs ein unbeteiligle Koalition unter der Schirmherrschaft der Vereinten
ter Beobachter bin. Aber ich denke, daß die gerade
Nationen zu bilden, die sich mit den bedeutenden
von mir gezogene Bilanz eine angesichts großer GeBedrohungen des Friedens und der Stabilität auf der
fahren und Herausforderungen bedeutsame Leistung
Welt befaßten, einschließlich des erfolgreichen Krieges
ist. Auch bin ich überzeugt, daß die Außenpolitik
gegen Saddam Hussein.
Präsident Bushs besser war als die Summe ihrer
Einzelteile und dahinter eine Strategie lag, die wir Drittens war die Außenpolitik der Administration von
verstehen müssen, weil sie der vollkommen geänder- der Verpflichtung gekennzeichnet, die Macht der Verten internationalen Situation, mit der wir uns jetzt einigten Staaten - sowohl im militärischen als auch im
konfrontiert sehen, auf einzigartige Weise angepaßt diplomatischen Bereich - zu nutzen, um die langfristige
ist. Zusammenfassend würde ich dieses Vermächtnis Vision des Präsidenten von einer neuen Weltordnung
folgendermaßen beschreiben:
in die Tat umzusetzen. Die Bilanz der letzten vier Jahre
zeigt, daß wir nicht einmal nahe daran sind, die neue
Erstens war die Außenpolitik Präsident Bushs von
Weltordnung zu verwirklichen - nicht angesichts der
Pragmatismus und Flexibilität gekennzeichnet. In
gegenwärtig frei wütenden zerstörerischen Kräfte. Das
dieser Hinsicht haben wir uns oft eines Ad-hoc-AnsatAusmaß jedoch, in dem wir diese Kräfte in Schach
zes schuldig gemacht. Ein gewisses Maß einer Adhalten konnten, war hauptsächlich das Ergebnis der
hoc-Haltung ist eine Tugend, kein Laster, wenn man es
amerikanischen Bereitschaft zu handeln, Ad-hocmit einer von Krisen und Chaos gekennzeichneten
Koalitionen zu bilden und mit dem Aufbau der InstituWelt zu tun hat, in der man unmöglich vorhersagen
tionen einer besseren und sichereren Welt zu beginkann, was in einem halben Jahr sein wird. Es ist eine
nen.
Tatsache, daß wir uns auf lange Sicht in einer postrevolutionären Übergangzseit befinden werden, die von Prognose
uns die Fähigkeit erfordert, schnell auf die Ereignisse
zu reagieren. Unter diesen Umständen sind ein guter Abschließend möchte ich einige persönliche AnmerInstinkt von ebenso unschätzbarem Wert wie ein guter kungen über den vor uns liegenden Weg machen und
Plan.
darüber, was meiner Ansicht nach unsere Prioritäten
und Ziele sein sollten.
Zweitens hat sich der Präsident dem Prinzip und der
Anwendung der Diplomatie verpflichtet. Er hat viel Ich halte die Bewahrung und Stärkung des Wesensgebesser als seine Kritiker verstanden, daß das Ende halts der Demokratien, der den Sieg im Kalten Krieg
des Kalten Krieges bedeutete, daß die Vereinigten gesichert hat, für unsere wichtigste außenpolitische
Staaten nicht länger wie zur Zeit der Blockteilung Herausforderung. In meiner Rede in Georgetown im
entweder die Feinde oder die Verbündeten beherr- Jahr 1989 habe ich bereits darauf hingewiesen, daß es
schen können. Wenn wir unseren Weg gehen und schwieriger sein wird, diesen Wesensgehalt zu beandere dazu bringen wollen, unsere Last mit uns zu wahren, wenn die ihm innewohnenden Zentrifugalkräfteilen - so wie es das amerikanische Volk sicher te der Multipolarität zusammenwirken, um uns auseinwünscht -, müssen wir in immer stärkerem Maße die anderzutreiben. Wenn wir aber eine Rückkehr zu der
Ansichten und Interessen anderer in Betracht ziehen. für die Zeit vor dem Kalten Krieg charakteristischen
Und wir werden manchmal Ad-hoc-Bündnisse mit gefährlichen Politik des Gleichgewichts der Kräfte
gleichgesinnten Nationen schließen müssen, wie es vermeiden wollen, müssen wir die wirtschaftlichen,
die neuen, oft einzigartigen Umstände erfordern mögen. politischen und militärischen Bindungen zwischen den
Mit anderen Worten: Wir werden die Kunst des Demokratien des Westens sowie die im Laufe der
Kompromisses und somit die Kunst der Diplomatie letzten 50 Jahre geschaffenen multilateralen Institutiopflegen.
nen stärken. Gelingt uns die Stärkung dieser kollektiven Bindungen und Institutionen nicht, werden wir nie
Das ist eine Kunst, die für uns nicht einfach zu pflegen in der Lage sein, den jetzt jenseits des Westens
ist. Es ist unsere nationale Tugend, daß wir uns nur mit entstehenden Instabilitäten zu begegnen.
einer Au ßenpolitik wohlfühlen, die in den Werten unserer politischen Tradition verwurzelt ist; es ist unser In dieser Hinsicht hinterlassen wir der nächsten Adminationales Laster, in der Außenpolitik eine Tendenz nistration verschiedene ungelöste Aufgaben: Den
hin zu Moralismus zu zeigen und eine Art moralischer Aufbau umfassenderer und dauerhafter politischer
Hybris, die die Handlungen anderer nur durch das Beziehungen mit Japan, die Gewährleistung, daß die
Prisma unserer eigenen Verhaltensregeln sieht. Prä- Europäische Gemeinschaft ihre Einheit nicht auf Kosten
sident Bush widerstand dieser Tendenz während sei- der Vereinigten Staaten fördert sowie die Wahrung
AMERIKA DIENST 2

Seite 5

�eines offenen Welthandelssystems durch den erfolgreichen Abschluß der GATT-Verhandlungen und die
frühzeitige Ratifizierung des Nordamerikanischen
Freihandelsabkommens.

eine Weltmacht, wir schlössen uns der Welt im Namen
einer Mission an, die wir jetzt weitgehend beendet
haben. Heute sehen wir uns einer von zunehmender
Unsicherheit gekennzeichneten internationalen Lage
gegenüber und uns wird immer stärker bewußt, daß
Die zweite vor uns liegende Herausforderung ist die unsere Rolle und unser Ziel sich angesichts dieses
Ausweitung des Wesensgehalts der Demokratien, um veränderten Umfelds ändern müssen. Wir wissen
die ehemals kommunistische Welt miteinzubeziehen aber nicht, wie diese Änderungen auszusehen haben.
sowie die Nationen, die sich unsere politischen und
wirtschaftlichen Werte zu eigen gemacht haben. Auf Wir halten uns jedoch vielleicht nicht ausreichend vor
diesem Gebiet stimmen unsere Interessen und unsere Augen, daß diese Unsicherheit sowohl normal als
Ideale vollkommen überein. Unsere Sicherheit ist auch gesund ist. Während wir unseren alltäglichen
besonders eng mit der Reform in Eurasien verbunden, Geschäften im Bereich der Außenpolitik nachgehen,
der am stärksten bewaffneten Region der ganzen entdecken wir unser Ziel neu - und dies gilt auch auf
Welt, die zweimal in diesem Jahrhundert die Quelle absehbare Zukunft. Es erübrigt sich zu sagen, daß wir
globaler Konflikte war. Aus diesem Grunde ist es unsere eigenen Ideen vorbringen und unser Denken
ermutigend, daß der künftige Präsident die Unterstüt- von dem Wunsch beeinflußt ist, diese Ideale zu förzung der Demokratie in Rußland und in ganz Mittel- dern. Die wachsende Einsicht jedoch, daß unsere
und Osteuropa zu einer seiner höchsten Prioritäten Mittel und unsere Macht begrenzt sind, zwingt uns zu
erklärt hat.
entscheiden, was im Bereich der Außenpolitik für uns
wichtig ist und folglich inmitten vielfältiger Interessen
Schließlich müssen wir uns mit den vielfältigen Übeln und Prioritäten einen Sinn für Hierarchie zu entwickeln.
befassen, die die sogenannte Dritte Welt befallen
haben -die Probleme der Armut, Verschuldung, Unter- All das ist äußerst positiv. Ich sehe viele Beweise
entwicklung und Überbevölkerung, die die Gefahr eines dafür, daß die Amerikaner die Lektionen des 20.
weltweiten Chaos beinhalten und daher unsere eigene Jahrhunderts gelernt haben und verstehen, daß die
Sicherheit und unseren Wohlstand bedrohen. Zu den Zeit unserer eigentlichen Vorherrschaft vorüber ist und
Aufgaben der nächsten Administration wird die Ent- unser Schicksal jetzt und auf immer mit dem verknüpft
wicklung weltweiter Nichtverbreitungssysteme und ist, was jenseits unserer Grenzen geschieht. Abzuverstärkter friedenserhaltender und friedenschaffen- warten bleibt nicht so sehr, ob wir weiterhin die Last
der Fähigkeiten der Vereinten Nationen gehören.
einer weltweiten Führungsrolle tragen können, die
notwendigerweise uns auferlegt wird, sondern vielIch habe meine Ausführungen mit dem Hinweis auf die mehr, ob wir im nächsten Jahrzehnt die neuen Herauszur Zeit in unserem Land stattfindende Debatte über forderungen des Zeitalters nach dem Kalten Krieg mit
das Ziel der amerikanischen Außenpolitik begonnen. der Klugheit und Charakterstärke behandeln, die insMir scheint, daß wir jetzt an einem wichtigen Wende- gesamt gesehen unser Vorgehen auf internationaler
punkt in unserer Geschichte angelangt sind. Wir Ebene während des letzten halben Jahrhunderts
haben nie eine normale Haltung gegenüber unserer kennzeichneten. Ich jedenfalls bin stolz auf die Rolle,
Außenpolitik angenommen, zumindest in dem Sinne, die George Bush bei der Planung eines neuen von
wie andere Länder das tun. Seit unsere Nation exi- Amerika einzuschlagenden Kurses gespielt hat. Und
stiert, haben wir der Welt jenseits unserer Küsten ich bin stolz darauf, an diesem Abenteuer teilgenommeistens den Rücken zugekehrt. Danach wurden wir men zu haben.
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AMERIKA DIENST 2

�CHEMISCHE

WAFFEN
13. Januar 1993

DIE KONVENTION ÜBER CHEMISCHE WAFFEN
Eine Übersicht des Weißen Hauses
WASHINGTON - (AD) - Die nachfolgende Übersicht zur Konvention über chemische Waffen (CWC), die am 13.
Januar 1993 in Paris unterzeichnet wird, wurde am 5. Januar 1993 vom US-Amt für Rüstungskontrolle und
Abrüstung (ACDA) veröffentlicht.

Das Ziel der amerikanischen Rüstungskontrollpolitik
zu chemischen Waffen (CW) besteht im Abschluß
eines Vertrags über das Verbot chemischer Waffen.
Ein solches Verbot steht seit August 1968 auf der
Tagesordnu ng der Genfer Abrüstungskonferenz (CD).
Am 18. April 1984 legten die Vereinigten Staaten einen
Vertragsentwurf zur Verwirklichung dieses Ziels vor.
Australien unterbreitete daraufhin am 19. März 1992
einen Vertragsentwurf mit Kompromißlösungen zu
ausstehenden Fragen als Grundlage für einen unverzüglichen Abschluß der Verhandlungen der Genfer
Abrüstungskonferenz. Am 22. Juni 1992 veröffentlichte der Vorsitzende des Ad-hoc-Ausschusses zu chemischen Waffen, Adolph Ritter von Wagner aus Deutschland, den Entwurf eines "endgültigen Textes des Vorsitzenden" einer Konvention über chemische Waffen
zur Erörterung bei der Genfer Abrüstungskonferenz.
Dieser Entwurf enthielt einvernehmliche Kompromißvorschläge sowie den vom Vorsitzenden selbst vorgeschlagenen Wortlaut zu anhängigen Problemen. In
dem Bestreben, den Anliegen einiger Nationen gerecht zu werden, unterbreitete der Vorsitzende Wagner am 7. August 1992 eine Reihe von Änderungen
zum Konventionsentwurf. Am 7. September 1992
vereinbarte die Genfer Abrüstungskonferenz, den
Entwurf der Konvention über chemische Waffen (CWC)
den Vereinten Nationen zur Genehmigung vorzulegen. Die Zustimmung der Vereinten Nationen, mit der
die CWC unterschriftsreif wurde, erfolgte am 30.
November 1992.

zubehalten, oder chemische Waffen an irgend
jemanden direkt oder indirekt weiterzugeben,
chemische Waffen einzusetzen,
militärische Vorbereitungen zum Einsatz chemischer Waffen vorzunehmen und
irgend jemandem behilflich zu sein, ihn zu
ermutigen oder zu veranlassen, sich an Aktivitäten zu beteiligen, die den Signatarstaaten im
Rahmen dieser Konvention untersagt sind.
Darüber hinaus verpflichten sich alle Signatarstaaten
im Einklang mit den Verfügungen der Konvention:
die in ihrem Besitz oder an irgendeinem Ort
unter ihrer Gerichtsbarkeit oder Kontrolle befindlichen chemischen Waffen zu zerstören,
alle chemischen Waffen zu zerstören, die sie
auf dem Territorium eines anderen Signatarstaates zurückgelassen haben und
alle in ihrem Besitz oder an irgendeinem Ort
unter ihrer Gerichtsbarkeit oder Kontrolle befindlichen Produktionsanlagen für chemische
Waffen zu zerstören.
Schließlich verpflichten sich alle Signatarstaaten,
Reizstoffe nicht als Mittel der Kriegführung einzusetzen.

Mit ihrem Inkrafttreten wird die Konvention über chemi- Die Konvention über chemische Waffen sieht sowohl
sche Waffen die Herstellung, Beschaffung, Lagerung Routine- als auch Ad-hoc-lnspektionen zur Verifizierung der Einhaltung der Konvention vor.
und den Einsatz chemischer Waffen verbieten.
In der Konvention verpflichtet sich jeder Signatarstaat, Routineinspektionen der bekanntgegebenen Anlagen,
die sowohl peinlich genau als auch kurzfristig anbeunter allen Umständen niemals:
raumt durchgeführt werden, sind von der Konvention
chemische Waffen zu entwickeln, herzustellen, zwingend vorgeschrieben. Zu "bekanntgegebenen
anderweitig zu beschaffen, zu lagern oder bei- Anlagen" zählen alle staatlichen ChemiewaffeneinAMERIKA DIENST 2

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�richtungen und zivile chemische Anlagen, die bestimmte Chemikalien verwenden, die zur Herstellung
chemischer Waffen eingesetzt oder konvertiert werden könnten. Diese Einrichtungen müssen einem
internationalen Gremium mit Inkrafttreten des Vertrags bekanntgegeben werden.
Ad-hoc-lnspektionen können bei jeder Einrichtung
durchgeführt werden, in dereine Vertragspartei illega-

le Aktivitäten vermutet. Diese Inspektionen erfolgen
kurzfristig anberaumt und erlauben den Inspektoren
gemäß dem Prinzip des verwalteten Zugangs die
Besichtigung des Standorts sowie Ermittlungen, ob
verbotene Aktivitäten stattfinden oder nicht. Die Inspektionen werden vom Internationalen Technischen
Sekretariat durchgeführt, und die Inspektoren legen
dem Exekutivrat einen Bericht über die Ergebnisse
ihrer Inspektion vor.

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�BOSNIEN
13. Januar 1993

ERMORDUNG DES BOSNISCHEN VIZEPREMIERS
ALS "KALTBLÜTIGEN MORD" BEZEICHNET
Völlige Verachtung der UNO durch bosnische Serben
WASHINGTON - (AD) - Das US-Außenministerium
hat die Ermordung des bosnischen Vizepremierministers Hakija Turajlik als "kaltblütigen Mord" verurteilt
und erklärt, dieser Akt in der vergangenen Woche
unterstreiche die "völlige Verachtung der Vereinten
Nationen" durch die bosnischen Serben.
"Wir haben die Ermordung bedauert und verurteilt",
erklärte Sprecher Richard Boucher bei einer Pressekonferenz am 11. Januar 1993.
Es wurde zur Kenntnis genommen, daß sich der
Führer der bosnischen Serben, Radovan Karadzic, in
Genf für die Ermordung entschuldigt und diese als
"einen unglücklichen Vorgang" bezeichnet habe.
Boucher stellte jedoch fest: "Offen gestanden sind wir
der Ansicht, daß Glück dabei keine Rolle gespielt hat.
Es handelte sich um einen kaltblütigen Mord von
Soldaten, die unter seinem Kommando standen."
Turajlik war am 8. Januar von einem bosnisch-serbischen Soldaten erschossen worden, während er sich
in einem Wagen der UN-Schutztruppe (UNPROFOR)
auf der Straße zum Flughafen von Sarajevo befand.
Boucher erklärte, die Erschießung habe nach einer
längeren Diskussion zwischen Vertretern der UNPROFOR und serbischen Truppen stattgefunden.

dert wird", äu ßerte Boucher vor Reportern. Er verwies
darauf, daß der UN-Sicherheitsrat die Ermordung erörtert
und am 8. Januar dazu eine Erklärung abgegeben
habe.
Trotz der Ermordung, so Boucher, hätten alle Parteien
in dem bitteren Konflikt, der das ehemalige Jugoslawien zerrissen hat, am 10. Januar in Genf die Gespräche über die Zukunft von Bosnien-Herzegowina unter
der gemeinsamen Schirmherrschaft der Vereinten
Nationen u nd der Eu ropäischen Gemeinschaft wiederaufgenommen.
Die Präsidenten von Bosnien, Serbien/Montenegro
und Kroatien nahmen gemeinsam mit dem Führer der
bosnischen Serben, Karadzic, und dem Führer der
bosnischen Kroaten, Mate Boban, an der Sitzung teil.
Auch der serbische Präsident Slobodan Milosevic
habe am 11. Januar zum ersten Mal an den Gesprächen teilgenommen, stellte er fest.

Die Parteien halten bilaterale Gespräche über drei von
den Vorsitzenden der Konferenz, dem Sonderbeauftragten der UNO, Cyrus Vance, und dem Sonderbeauftragten der EG, Lord David Owen, vorgeschlagene
Vertragsentwürfe ab. Die drei Entwürfe beinhalten
Vorschläge für eine Verfassung, eine Landkarte mit
den künftigen Verwaltungsgebieten und ein Militärab"Die bosnischen Serben hatten kein Recht, den Mann- kommen.
schaftstransportwagen der UNPROFOR zu stoppen
oderzu belästigen", stellte Boucherfest. "Niemand hat "Wir ermutigen alle Parteien, sich ernsthaft um die
das Recht, einen unschuldigen Zivilisten zu erschie- Herbeiführung einer Einigung im Einklang mit den
ßen, der unter dem Schutz der Vereinten Nationen Prinzipien der UNO-Resolutionen, den Vereinbarunsteht. Wir gehen davon aus, daß dies eine völlige gen der Londoner Konferenz und den Prinzipien der
Verachtung der Vereinten Nationen seitens der bosni- KSZE zu bemühen", erklärte Boucher.
schen Serben zeigt."
Boucher äußerte, es sei "zu früh", um über "das
Die Vereinigten Staaten erwarten, daß Karadzic und Endergebnis" der Verhandlungen zu spekulieren und
die bosnischen Serben "dies untersuchen, die Verant- verwies darauf, Außenminister Eagleburger habe
wortlichen für diesen abscheulichen Mord bestrafen vergangenen Monat in Genf erklärt, es gebe "eine
und sicherstellen, daß die UNPROFOR nicht an der Menge Leute, die für ihre Handlungen" in dem bitteren
Ausübung internationaler humanitärer Pflichten gehin- Konflikt "Rechenschaft ablegen müssen".

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�Der Sprecher betonte die Notwendigkeit einer politischen Lösung der Krise und stellte fest, die betreffenden Personen sollten mit Vance und Owen "voll und
ganz zusammenarbeiten'', um dies zu erlangen.

und die Unabhängigkeit von Bosnien-Herzegowina
anerkennen" und es den Menschen wieder erlauben
muß, in Bosnien in Frieden zu leben. "Es ist von der
internationalen Staatengemeinschaft reichlich demonstriert worden, daß das Ziel einer politischen Lösung
"Wir sind in der Tat der Auffassung, daß ein Wandel im nicht darin besteht, die Resultate der ethnischen
serbischen Verhalten erforderlich ist", erklärte Bou- Säuberung zu ratifizieren", erklärte Boucher.
cher. Er erinnerte die Reporter daran, daß die Vereinten Nationen harte Sanktionen gegen Serbien ver- Der Sprecher hatte "an diesem Punkt keine Reaktion"
hängt hätten und diese Sanktionen weiter durchführ- auf Fragen über Bemerkungen des französischen
ten und verschärften, "um zu gewährleisten, daß für Außenministers Roland Dumas vom Wochenende,
die Art von Verhalten, das die Serben in Bosnien wonach Frankreich gegebenenfalls allein handeln werde,
unterstützt haben, ein Preis zu zahlen ist".
um Gefangene aus Lagern und anderen Internierungseinrichtungen in Bosnien zu befreien.
Er bekräftigte die von den Vereinigten Staaten vertretene klare Haltung, daß eine Lösung "die Souveränität
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�IRAK
13. Januar 1993

VEREINIGTE STAATEN FORDERN IRAK AUF,
WARNUNG DER UNO ERNST ZU NEHMEN
Einsatz von Gewalt nicht ausgeschlossen
WASHINGTON - (AD) - Die Warnung des UN-Sicherheitsrats im Hinblick auf die anhaltenden Verletzungen
seiner Resolutionen durch den Irak könnte als Grundlage für Maßnahmen der UNO oder der Koalition
gegen den I rak dienen, erklärte das US-Au ßenministerium am 12. Januar 1993. Dabei könne ein Einsatz von
Gewalt nicht ausgeschlossen werden.

Der Sicherheitsrat habe die irakischen Aktionen als
"eindeutige Mißachtung" seiner Autorität und als "direkte Herausforderung" der Irak-Kuwait-Beobachtermission (UNIKOM) bezeichnet.

Am vergangenen Wochendende hatte die Regierung
in Bagdad einem Flugzeug mit UNO-Waffenexperten
die Landung verweigert, deren Auftrag die Beseitigung
Der Sicherheitsrat warnte den Irak am 11. Januar vor der irakischen Massenvernichtungswaffen ist. Darüschwerwiegenden Konsequenzen, falls er weiterhin ber hinaus verlegte sie Luftabwehrraketen in die FlugUNO-Flüge verhindere oder in die von der UNO über- verbotszone am 32. Breitengrad.
wachte neutrale Zone zwischen dem Irak und Kuwait
Der Sprecher des Weißen Hauses, Marlin Frtzwater,
eindringe.
erklärte in einem Femsehinterview am 12. Januar, "wir
Joseph Snyder, ein Sprecher des Ministeriums, ver- sind äußerst besorgt überdiesen dritten Vorfall, weil er
wies darauf, die Erklärung des Sicherheitsrats lege ein Muster des Betruges gegenüber den UN-Resolu"die Grundlage für Maßnahmen des Rats oder der tionen fortsetzt, das wir in den vergangenen Monaten
Mitgliedstaaten, die im Einklang mit Resolution 678 beobachtet haben". Dies sei eine "Angelegenheit
(die den Waffenstillstand am Persischen Golf zum extremer Besorgnis".
Inhalt hat) mit Kuwait zusammengearbeitet haben",
um auf die irakischen Verletzungen "zu reagieren". Snyder verwies darauf, daß der irakische Präsident
"Der mögliche Einsatz von Gewalt ist nicht ausge- Saddam Hussein bei zahlreichen Gelegenheiten versucht habe, die UN-Resolutionen zu umgehen. Die
schlossen", fügte er hinzu.
Verurteilung des Iraks durch den Sicherheitsrat am 11.
Januar
habe die Ansicht der internationalen StaatenSnyder erinnerte daran, daß am 11. Januar und erneut
am 12. Januar etwa 200 Iraker - "in Zivilkleidung" - die gemeinschaft aktenkundig gemacht, daß die Aktionen
von der UNO überwachte neutrale Zone zwischen dem des Iraks unannehmbar seien.
Irak und Kuwait betreten und "Lagerhäuser ausgeräumt sowie Güter ohne Erlaubnis der UNO abtransportiert" haben.
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�SOMALIA
13. Januar 1993

AMERIKANISCHE STREITKRÄFTE BESCHLAGNAHMEN
WAFFEN AUF MARKT IN MOGADISCHU
Führer der Bürgerkriegsparteien unterzeichnen Abkommen nicht
MOGADISCHU - (AD) - Mitglieder amerikanischer
Streitkräfte haben auf einem großen Waffenmarkt in
der somalischen Hauptstadt Hunderte von Waffen beschlagnahmt. Die Operation fand drei Tage nach einer
ähnlichen Aktion auf einem kleineren Markt im nördlichen Teil Mogadischus statt.
Ein US-Militärsprecher teilte am 11. Januar mit, die
Einsatztruppe sei noch dabei, die Waffen zu zählen
und zu sortieren, jedoch seien fünf oder sechs große
Depots beschlagnahmt worden. Augenzeugenberichten zufolge wurde eine große Menge Munition entdeckt, und nach Abschluß der Operation wurden mehrere
Laster zum Abtransport der Waffen benötigt.
Die als "Operation Nußknacker" bezeichnete Razzia
begann kurz nach Tagesanbruch, als 900 Marinesoldaten das Gebiet um den Baraka-Markt abriegelten
und Geschäfte, Warenhäuser und Fahrzeuge nach
schweren Waffen durchsuchten, die die ausländischen
Streitkräfte für gefährlich und für den persönlichen
Schutz nicht notwendig halten. Dem US-Militärsprecher Michael Hagee zufolge lief die Operation ohne
Zwischenfälle ab, und in einigen Fällen halfen ortsansässige Somalis den Truppen sogar, indem sie ihnen
die Waffenverstecke zeigten.

Die von den Amerikanern angeführten ausländischen
Streitkräfte haben sich in den letzten Tagen aggressiver um eine Entwaffnung der gewalttätigen Elemente
der Bevölkerung bemüht. Den Behörden zufolge
stehen jetzt die zur Durchführung solcher Operationen
notwendigen Streitkräfte zur Verfügung, da ein Teil der
US-Kampftruppen aus dem Inneren Somalias zurückgezogen wurde, nachdem dort Tausende von Soldaten aus anderen Ländern stationiert worden waren.
Mittlerweile ist auf dem umstrittenen Gebiet im nördlichen Mogadischu wieder Ruhe eingekehrt, nachdem
Parteienkämpfe am 10. Januar Berichten der örtlichen
Krankenhäuser zufolge die schwersten Opfer seit
Wochen gefordert hatten.
Die in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba zusammengetroffenen Führer der somalischen Bürgerkriegsparteien unterzeichneten nicht wie vorgesehen
am 11. Januar das Waffenstillstandsabkommen, sondern stritten über Einzelheiten einer bevorstehenden
Nationalen Versöhnungskonferenz.
Nach Berichten zeigen die Vereinten Nationen und die
äthiopische Regierung, die die einwöchigen Gespräche gefördert hatten, nun Ungeduld mit den Somalis
und erwarten von ihnen endlich eine Einigung.

"Die Operation heute morgen Verlief äußerst erfolgreich, ganz reibungslos", erklärte Hagee. "Es befanden sich 900 Marinesoldaten auf dem Gebiet. Wir
riegelten es schnell ab, stürmten die fünf oder sechs
Waffenlager und zogen uns zurück, ohne daß es
Verluste gegeben hätte. Ich würde eine derartige
Aktion als äußerst erfolgreich bezeichnen."

Anstatt wie geplant am 11. Januar voller Freude an
einer Unterzeichnungszeremonie teilzunehmen, zogen sich die Führer der 14 somalischen Bürgerkriegsparteien in Addis Abeba zu einer weiteren Runde des
Feilschens über die Einzelheiten einer Waffenruhe
und einer Nationalen Versöhnungskonferenz zurück.

Die Razzia folgte auf eine ähnliche Aktion vom 8.
Januar auf einem kleineren Markt im Norden Mogadischus, bei der 250 Angriffswaffen und ein Dutzend gepanzerte Fahrzeuge beschlagnahmt wurden. Oberst
Hagee teilte am 11. Januar mit, am Wochenende
hätten zwei weitere Aktionen zur Beschlagnahme von
Waffen stattgefunden, in deren Verlauf zwei Dutzend
Waffen ergriffen wurden.

Am 8. Januar unterzeichneten sie zwar ein vorläufiges
Abkommen zu diesen Fragen, eine endgültige Übereinstimmung hing jedoch von ihrer Fähigkeit ab, bis
zum 11. Januar sämtliche Einzelheiten auszuarbeiten.
Einige Teilnehmer ließen verlauten, die Gespräche
könnten am 12. Januar fortgesetzt werden. Angeblich
hatten sich die Führer der Bürgerkriegsparteien nach
sich am 10. Januar bis spät in die Nacht hinziehenden
Debatten über alle Punkte einer Waffenruhe geeinigt,

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�aber am nächsten Morgen wurden - was typisch für die Versöhnungskonferenz teilnehmen soll. Dort sollen
Verhandlungen ist - Einwände laut.
die Parteiführer ejne nationale Charta entwerfen und
eine somalische Übergangsregierung einsetzen.
In der vorläufigen Einigung über die Waffenruhe werden alle Stammesführer aufgefordert, ihre Waffen bis General Aideed, der Führer einer Koalition, die das
zur Einsetzung einer legitimen somalischen Regierung südliche Mogadischu und die südlichen Landesteile
einer Überwachungsgruppe für das Waffenstillstands- kontrolliert, will angeblich, daß nur die Hauptmilizionäabkommen auszuhändigen. Alle bewaffneten Grup- re an der Nationalen Versöhnungskonferenz teilnehpen sollen zur Auslieferung ihrer Waffen gezwungen men. Andere wiederum wollen keine Splitterpartei
werden, und somalische Zivilisten müssen ihre Waffen ausschließen. Am Wochenende unternahm die äthioregistrieren lassen.
pische Regierung einen Schlichtungsversuch, und
Präsident Meles Zenawi übte Berichten zufolge Druck
Die Entwaffnung soll am 1. März vollzogen sein. Auch auf bestimmte Parteiführer wie General Aideed aus,
einigten sich die Parteien, ihre Milizen in von den damit diese sich der Meinung der Mehrheit anschlösgrößeren Städten entfernten Lagern zu stationieren sen.
und alle politischen Gefangenen freizulassen. Es war
nicht sofort klar, was der Inkraftsetzung des Waffen- Die größeren und kleineren somalischen Parteien haben
stillstands im Wege stand, aber angeblich sprach sich sich seit der Amtsenthebung des ehemaligen PräsiGeneral Mohamed Farah Aideed gegen die UNO- denten Mohamed Siad Barre vor zwei Jahren gestritÜberwachungsgruppe für das Waffenstillstandsabkom- ten und bekämpft. Ihre tiefverwurzelte und bisweilen
men aus.
mörderische Rivalität stürzte Somalia in einen Bürgerkrieg und verschlimmerte noch den Hunger, der bis
Den Führern der somalischen Bürgerkriegsparteien heute mehr als 300.000 Opfer gefordert hat.
gelang auch keine Einigung darüber, weranderfürden
15. März in Addis Abeba anberaumten Nationalen

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�PORTRAT
13. Januar 1993

CLINTON WÄHLT ERFAHRENEN MANN FÜR
VETERANENMINISTERIUM AUS
Porträt von Jesse Brown
WASHINGTON - (AD) - Der vom künftigen Präsidenten Clinton für die Spitze des Veteranenministeriums
ausgewählte Jesse Brown bringt in dieses Amt 25jährige
Erfahrung bei der Vertretung der Interessen ehemaliger Soldaten mit.

Er trat 1963 in das Marine Corps ein und wurde 1965
in Vietnam verwundet. Die Verwundung seines rechten Armes hatte dessen teilweise Lähmung zur Folge.

Brown wurde zum Fürsprecher der Rechte von Veteranen und trat 1967 als Berater in den DAV ein. Seine
Jesse Brown, der am 17. Dezember 1992 für das Amt dort gesammelten Erfahrungen veranlaßten ihn schließnominiert wurde, ist selbst Kriegsinvalide und Ge- lich, ein umfassendes und fortbestehendes Aus- und
schäftsführer des Verbandes amerikanischer Kriegs- Fortbildungsprogramm für die Mitarbeiter des DAV zu
invaliden (Disabled American Veterans - DAV). In konzipieren.
dieser Funktion vertritt er die Interessen des DAV mit
seinen 1,3 Millionen Mitgliedern gegenüber dem Kon- Im Jahr 1973 zog Brown nach Washington um, wo er
Leiter der nationalen Beratungsstelle des DAV wurde.
greß und dem Weißen Haus.
1976 wurde er Leiter des nationalen BeschwerdeausIn Zusammenarbeit mit 400 DAV-Mitarbeitern in 70 schusses des DAV. Im Jahr 1981 wurde ihm die
über das ganze Land verteilten Büros liefert er politi- Leitung der Anspruchsabteilung in der Zentrale des
sche Leitlinien für die Gestaltung von Bundesgesetzen DAV in Washington übertragen. Zwei Jahre darauf
und Verwaltungsvorschriften, die unmittelbar das Leben wurde er zum stellvertretenden Leiter der Organisation
amerikanischer Kriegsinvaliden sowie das ihrer Fami- ernannt.
lienangehörigen und Hinterbliebenen beeinflussen.
Brown ist lebenslanges Mitglied des Ortsvereins ChiDer 48jährige Brown wurde in Chicago (Illinois) gebo- cago des DAV und hat als Vizepräsident des Vietnam
ren und schloß sein Studium am Chicago City College Civic Council gedient. Darüber hinaus war er Mitglied
mit Auszeichnung ab. Darüber hinaus besuchte er die der Behindertenkonferenz des Weißen Hauses sowie
Roosevelt University in Chicago sowie die Catholic des vom Bürgermeister von Chicago eingesetzten
Ausschusses für Beschäftigung von Behinderten.
University in der Bundeshauptstadt Washington.

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Embassy of the United States of America

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20. Januar 1993

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VERBÜNDETE ENTSCHLOSSEN, EINHALTUNG
DER UNO-RESOLUTIONEN ZU ERZWINGEN
Bush und Fitzwater zu Operation der Alliierten

CLINTON: BEZIEHUNGEN HÄNGEN VON
SADDAM HUSSEINS VERHALTEN AB
Stellungnahme des neuen Präsidenten

AMTSEINFÜHRUNG

AMTSANTRITTSREDE TONANGEBEND
FÜR ADMINISTRATION
Seit über 200 Jahren dieselben Themen

THEMEN BEI DER AMTSEINFÜHRUNG
GEBEN EINBLICK IN CLINTONS POLITIK
Zusammenhang mit Regierungsstil

AUSSENPOLITIK

WIRTSCHAFT, VERTEIDIGUNG,
DEMOKRATIE IM MITTELPUNKT
AMERIKANISCHER POLITIK
Anhörung des neuen
Außenministers Christopher

MARTIN LUTHER KING

MARTIN LUTHER KINGS TRAUM
LEBT WEITER
Erklärung seiner Witwe bei
Diplomatenempfang

bitte wenden

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�MENSCHENRECHTE

JAHRESBERICHT ZUR WELTWEITEN
MENSCHENRECHTSSITUATION
Erfaßt 189 Länder und zeigt
Verletzungen auf

UMWELT

1993 JAHR DES ENGAGEMENTS
FÜR DIE UMWELT
Äußerungen Clintons deuten
auf Veränderungen hin

PASSIVRAUCHEN

US-STUDIE: 3.000 MENSCHEN
STERBEN PRO JAHR INFOLGE
VON PASSIVRAUCHEN
Kinder besonders betroffen

�IRAK

20. Januar 1993

VERBÜNDETE ENTSCHLOSSEN, EINHALTUNG DER
UNO-RESOLUTIONEN ZU ERZWINGEN
Bush und Fitzwater zu Operation der Alliierten

WASHINGTON - (AD) - In einer Würdigung des erfolgreichen Schlages der Streitkräfte der alliierten Koalition
gegen den Irak am 13. Januar 1993 erklärte Präsident Bush, "wir sind entschlossen, Saddam Hussein zur
Einhaltung der Resolutionen der Vereinten Nationen zu zwingen".
Vor Reportern im Oval Office des Weißen Hauses erläuterte der Präsident, die Operation sei durchgeführt
worden, da sich der irakische Präsident nicht an die Resolutionen des UN-Sicherheitsrats gehalten und weil
Saddam Hussein in nicht annehmbarer Art und Weise irakische Raketen verlegt habe.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Stellungsnahme des Präsidenten im Wortlaut.
Sie wollten eine Frage zu der Militäraktion stellen. Ich weiterhin darauf bestehen, daß er sich an diese Resomöchtedazu nursagen, daßdieamerikanische Militär- lutionen hält. Wir haben gehandelt, und ich hoffe, das
koalition mit starken Verbündeten wiederum hervorra- wird ihn überzeugen, daß er es tun muß. Ich bin
gende Arbeit geleistet hat. Unsere Flugzeuge sind alle ebenso zuversichtlich, daß Präsident Clinton nach
sicher zurückgekehrt. Ich habe bisher noch keine dem 20. Januar dieselbe Haltung einnimmt.
Beurteilung der Schäden oder Ergebnisse der Einsätze erhalten. Aber sie taten das Richtige, und die Frage:... haben Sie irgendwelche Vorbehalte, dies so
Koalition hat richtig gehandelt. Und wie ich bereits kurz vor dem Ende Ihrer Amtszeit zu tun?
früher erklärt habe, sind wir entschlossen, Saddam Bush: Nein, absolut nicht. Ich bin bis zum 20. Januar
Hussein zur Einhaltung der Resolutionen der Verein- Präsident, und ich werde die Außenpolitik bestimmen
ten Nationen zu zwingen. Und wir meinen es sehr und diese Art von Entscheidungen treffen, solange ich
ernst damit.
Präsident bin. Wir werden das neue Team vollständig
auf
dem Laufenden halten. Und ich bin der AuffasIch kann voller Vertrauen sagen - und das ist meines
sung,
daß es dies sehr großzügig und wohlwollend
Erachtens sehr wichtig -, daß Gouverneur Clinton, der
kommentiert
hat. General Scowcroft steht in nahezu
neugewählte Präsident der Vereinigten Staaten, dertäglichem
Kontakt
mit dem Übergangsteam, das sich
selben Auffassung ist. Ich habe vor dieser Operation
mit
nationaler
Sicherheit
befaßt. Ich weiß ferner, daß
mit ihm gesprochen, und er hat mir dies mitgeteilt. Ich
Dick
Cheney
ebenso
wie
Larry Eagleburger konstrukhabe auch diesbezügliche Erklärungen aus Lrttle Rock.
tive
Treffen
mit
den
neuen
Leuten hatte. Wir werden
Es handelt sich hier um eine sehr wichtige Botschaft,
sie
weiterhin
sehr
gut
informieren.
nicht nur an unsere Koalitionsstreitkräfte, sondern
auch an Saddam Hussein, der die Resolutionen verletzt hat, daß wir voll und ganz beabsichtigen, in der
Zukunft ebenso zusammenzuarbeiten wie in der Vergangenheit.

Ich habe überhaupt keine Vorbehalte. Man muß tun,
was getan werden mu ß. Das sollte völlig außer Frage
stehen.

Frage: Glauben Sie, es wird funktionieren?

Frage: Wie ist es zu dieser Aktion gekommen, gab es
irgendwelche bestimmten Handlungen Saddams, die...

Bush: Man müßte zunächst feststellen, was 'funktioBush: Es war seine Weigerung, sich an die Resolutionieren' bedeutet, aber ich bin zuversichtlich und werde
nen zu halten und dann seine Bewegungen dieser
AMERIKA DIENST 3

Seite 1

�Raketen auf eine Art und Weise, die für die Koalition
der Vereinten Nationen unannehmbar war.

angegriffen. Bisher vorliegende Informationendeuten
darauf hin, daß der Auftrag erfüllt wurde.

Frage: Sind Sie bereit, den Befehl zu geben, weitere
Ziele zu...

Diese Aktion wurde im Anschluß an die Warnung der
Koalition vom 6. Januar 1993 eingeleitet. Dieser
Aufforderung zufolge sollte der Irak binnen 48 Stunden
Schritte unternehmen, um sicherzustellen, daß seine
Flugzeuge und Boden-Luft-Raketen keine Bedrohung
für die Flugzeuge der Koalition darstellen, die südlich
des 32. Breitengrades mit dem Auftrag operieren, die
Einhaltung der Resolutionen des UN-Sicherheitsrats
durch den Irak zu überwachen.

Bush: Ich werde bis zum 20. Januar ebenso handeln
wie in den vergangenen vier Jahren. Das heißt, ich
werde nicht dazu Stellung nehmen, was wir tun könnten oder nicht, aber ich gehe davon aus, daß Saddam
Hussein wohl bald verstehen sollte, daß wir meinen,
was wir sagen, und daß wir dem Nachdruck verleihen.
Ich habe nicht die Absicht, diesen Ansatz in den letzten
sechs oder sieben Tagen meiner Präsidentschaft zu Nach anfänglichem Einlenken im Hinblick auf die
ändern.
B edingungender Warnung vom 6. Januar verletzte der
Irak ihre Verfügungen und die Koalition handelt, um ein
Ich danke Ihnen. Ich bin sehr stolz auf die Piloten und Umfeld wiederherzustellen, das keine Bedrohung für
diejenigen, die die Piloten unterstützt haben. Wieder- die Flugzeuge der Koalitionsstreitmacht darstellt. Alle
um sehen wir, welche hervorragende Ausbildung wir Forderungen der Demarche vom 6. Januar bezüglich
haben und was für engagierte junge Leute dort drau- der potentiellen Bedrohung von Flugoperationen der
ßen sind. Ich muß sagen, daß ich mir Sorgen gemacht Koalitionsstreitmacht südlich des 32. Breitengrades
habe, als ich von vorzeitigen Veröffentlichungen dazu sind nach wie vor gültig. Wir werden weiterhin die
hörte, denn ich zögere immer und würde niemals das Aktivitäten der Iraker einer genauen Prüfung unterzieLeben eines jungen Fliegers durch vorzeitig durchge- hen. Es werden keine weiteren Warnungen ausgesickerte Informationen gefährden. Glücklicherweise sprochen, wenn der Irak erneut die Konditionen der
führten diese vorzeitigen Veröffentlichungen nicht dazu, Warnung vom 6. Januar verletzt.
daß einer unserer Piloten sein Leben verlor.

In gleicher Weise sollte die Regierung des Irak sich
bewußt
sein, daß die andauernde Mißachtung der
In einer Pressekonferenz zu den Angriffen der KoaliResolutionen
des UN-Sicherheitsrats und entspretionsstreitmacht gegen irakische Boden-Luft-Raketen
chende
Demarchen
der Koalitionsstreitmacht nicht
und der dazugehörigen Infrastruktur erklärte der Spretoleriert
werden.
Die
US-Regierung
stehtvoll und ganz
cher des Weißen Hauses Marlin Fitzwater: "Wir werhinter
den
vom
Präsidenten
des
UN-Sicherheitsrats
den weiterhin die Aktivitäten der Iraker einer genauen
Prüfung unterziehen" und fügte hinzu, Präsident Bush am 8. und 11. Januar abgebenen Erklärungen, die den
hat "die Entsendung einer Eingreiftruppe nach Kuwait Irak des tatsächlichen Bruchs der Resolution 687 des
verfügt, um unser anhaltendes Engagement für die UN-Sicherheitsrats und der Waffenstillstandsbedingungen beschuldigte und vor ernsthaften KonsequenSicherheit und Unabhängigkeit zu unterstreichen".
zen für die irakischen Aktionen warnte. Wir sind bereit,
Nachfolgend veröffentlichen wir die von Fitzwater zusammen mit unseren Koalitionspartnern zusätzlianläßlich der Pressekonferenz abgegebene Stellung- che militärische Aktionen zu unternehmen, wenn der
Irak weiterhin den Willen der internationalen Staatennahme:
gemeinschaft verspottet und nach wie vor seine interDie Vereinigten Staaten und ihre Koalitionspartner nationalen Verpflichtungen mißachtet. Im Einklang mit
haben heute militärische Aktionen gegen den Irak der obengenannten Stellungnahme hat der Präsident
unternommen. Flugzeuge der Koalitionsstreitmacht die Entsendung einer Eingreiftruppe nach Kuwait verhaben um 19.15 Uhr MEZ heute abend Boden-Luft- fügt, um unser anhaltendes Engagement für die SiRaketen und dazugehörige Infrastruktur im Südirak cherheit und Unabhängigkeit zu unterstreichen.
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AMERIKA DIENST 3

�IRAK
20. Januar 1993

CLINTON: BEZIEHUNGEN HÄNGEN VON
SADDAM HUSSEINS VERHALTEN AB
Stellungnahme des neuen Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Dem neuen Präsidenten Clinton zufolge sind veränderte Beziehungen zwischen den
Vereinigten Staaten und dem Irak während seiner Amtszeit möglich, wenn der irakische Präsident Saddam
Hussein sein Verhalten revidiert und die Bedingungen der Resolution des UN-Sicherheitsrats für den Waffenstillstand am Persischen Golf vollständig einhält - er ist jedoch aufgrund des bisherigen Verhaltens des irakischen
Diktators höchst skeptisch diesbezüglich.

Bei einer Pressekonferenz am 14. Januar 1993 betonte Clinton, es gebe keine Unterschiede zwischen seiner Politik im Hinblick auf den Irak und derjenigen der
Bush-Administration und fügte hinzu, er beabsichtige
keine "Normalisierung" der Beziehungen zu Saddam
Hussein.
Clinton widerlegte den Eindruck eines Journalisten,
der aufgrund eines an diesem Tag in der New York
Times veröffentlichten Interviews mit dem neugewählten Präsidenten zu der Schlußfolgerung gelangt war,
Clinton könne sich "normale" Beziehungen zu dem
irakischen Revolutionsführer vorstellen, wenn dieser
die UN-Resolutionen einhalte.
"Ich wurde gefragt, ob die Welt mit Saddam Hussein im
Irak leben kann. Ich habe geantwortet, daß ich ihn
anhand seinen Verhaltens beurteilen werde - wie ich
bereits mehrfach gesagt habe", stellte Clinton fest.
"Genau dies hat auch die Bush-Administration getan.
Ihre Position lautete: 'Wir können die Beziehungen
zum Irak nicht normalisieren, solange er dort ist.'"
"Die Bush-Administration hat den Irak jedoch nicht
jeden Tag bombardiert. Der Entschluß zur Bombardierung erfolgte, weil Saddam Hussein die Waffenstillstandsvereinbarungen der Vereinten Nationen gebrochen hat. Das ist meine Position. Ich werde mein
künftiges Vorgehen von seinem Verhalten abhängig
machen. Ich beabsichtige keine Normalisierung der
Beziehungen zu ihm."

"Aufgrund seines Verhaltens kann ich mir solche
Gegebenheiten nicht vorstellen."
In dem Interview mit der New York Times deutete
Clinton seine Bereitschaft zu veränderten Beziehungen zu Saddam Hussein an, warnte den irakischen
Revolutionsführer jedoch, seine Entschlossenheit nicht
in Frage zu stellen, auf die vollständige Einhaltung der
UN-Resolutionen zu drängen.
Der neue Präsident erklärte, sollte Saddam Hussein je
neben ihm sitzen, würde er ihm sagen: "Wenn Sie
andere Beziehungen zu uns wünschen, können Sie
mit der Einhaltung der UN-Forderungen beginnen und
Ihr Verhalten ändern."
Clinton stellte in seinem Interview ferner fest, er sei
"nicht besessen" von Saddam Hussein, sondern
"besessen von den in diesen UN-Vereinbarungen
festgelegten Verhaltensnormen, und wenn wir auf
einem Sofa säßen, würde ich ihn zu einer Änderung
seines Verhaltens auffordern."
Der neue Präsident verwies mit den Worten "es war
das richtige Vorgehen" auf seine Unterstützung von
Präsident Bushs Entscheidung, am 13. Januar einen
Luftangriff gegen irakische Ziele in die Wege zu leiten.
Clinton fügte jedoch hinzu, seiner Auffassung nach
"haben wir in den vergangenen anderthalb Jahren
unterschiedliche Signale" an den Irak gesendet.

Clinton wartet Saddam Husseins Reaktion auf die
Auf die Frage, ob er sich Umstände einer Normalisie- Militärmission der Verbündeten ab und erklärte: "Wir
rung oder sogar Verbesserung der Beziehungen zu werden beobachten, was in den nächsten Tagen
Bagdad während seiner Amtszeit mit Saddam Hussein geschieht und sehen dann weiter."
an der Macht vorstellen könne, antwortete Clinton:
AMERIKA DIENST 3

Seite 1

�Clinton zufolge schließt er künftige Militäraktionen
nicht aus, einschließlich gegebenenfalls der Wiederaufnahme des Landkrieges gegen den Irak, um die
Einhaltung der UN-Resolutionen zu erzwingen.
Er betonte, die "Hauptsache ist, daß wir weder ihm
noch sonst irgend jemanden den kleinsten Eindruck
vermitteln, wir seien wankelmütig".
Clinton stellte ferner fest, "anhand der uns vorliegenden Beweise ginge es dem irakischen Volk besser,
wenn es eine andere Führung hätte". Es "ist jedoch
nicht meine Aufgabe, seinen Herrscher auszuwählen",
fügte er hinzu. "Ich habe immer gesagt: Ich bin ein
Baptist, ich glaube an Bekehrungen auf dem Sterbebett.' Wenn er andere Beziehungen zu den Vereinigten Staaten und den Vereinten Nationen wünscht,
muß er nur sein Verhalten ändern."
Wenn Saddam Hussein "nurdie Hälfte, oder sogar nur
ein Drittel seiner Zeit damit verbrächte, sich um das
Wohlergehen seines Volkes zu kümmern, die er für
den Zustand seiner Boden-Luft-Raketen aufbringt und
ob er Bush durch die Verletzung des Waffenstillstandsabkommens verärgern kann ... wäre er ein
besserer Herrscher und es ginge ihm langfristig sehr
viel besser", erklärte Clinton.
Clinton warnte Saddam Hussein vordem Versuch, ihn
auszunutzen oder seine Verpflichtung zur vollständigen Einhaltung der UN-Resolutionen zu unterschätzen. Als Präsident, so Clinton, "erwarte ich ... in
vielfältiger Hinsicht von zahlreichen Menschen im Inund Ausland auf die Probe gestellt zu werden. Ein Teil
meiner Aufgabe besteht in der Bewältigung dieser
Probe... Ich werde zu meinem Amtseid stehen und
nicht von meiner Position oder meinen Überzeugungen abweichen. Es handelt sich hier um Bestrebungen
der Vereinten Nationen, bei denen große Solidarität

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herrscht... Wir können uns ein Scheitern dieses Unternehmens nicht leisten, nur weil die Vereinigten Staaten
nicht entschlossen genug sind."
In Kommentaren zu anderen außenpolitischen Themen forderte Clinton eine eindeutige Reaktion des
Westens auf die "ethnische Säuberung" in BosnienHerzegowina und warnte, der bosnische Konflikt berge
"potentielle Auswirkungen" auf Mitteleuropa und die
Republiken der ehemaligen Sowjetunion.
Er betonte, er würde Kriegsverbrecher im Stil der Nürnberger Prozesse befürworten, um diejenigen zur Rechenschaft zu ziehen, die Verbrechen gegen die Menschlichkeit im ehemaligen Jugoslawien begangen haben.
Und "es gibt andere Dinge, die wir tun können", so
Clinton, "Ich möchte meine Optionen nicht vorwegnehmen, indem ich sie diskutiere, bevor ich eine Entscheidung treffe."
Im Hinblick auf Somalia stellte Clinton fest, er sei nie
der Ansicht gewesen, die amerikanischen Streitkräfte
würden Somalia bis zum 20. Januar verlassen, wie die
Bush-Administration anfänglich gehofft hatte. Er unterstrich jedoch sein Engagement für die internationale
humanitäre Mission zur Sicherstellung der Nahrungsmittellieferungen an die hungernde Bevölkerung des
Landes.
Clinton erklärte, er wisse nicht, wie lange die amerikanischen Streitkräfte noch in Somalia bleiben würden.
"Meines Erachtens werden jedoch noch mehrere
Wochen vergehen", stellte er fest, "und wir müssen
eine multinationale Friedenstruppe schaffen, die kleiner ist, die wir - vielleicht von der Küste aus - unterstützen. Ich bin immer noch der Überzeugung, daß die
Mission im großen und ganzen erfü llt werden kann. Ich
habe keinen Grund zu der Annahme, daß dies nicht
möglich ist."

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AMERIKA DIENST 3

�AMTSEINFÜHRUNG
20. Januar 1993

AMTSANTRITTSREDE TONANGEBEND
FÜR ADMINISTRATION
Seit über 200 Jahren dieselben Themen
WASHINGTON - (AD) - Wenn Bill Clinton am 20.
Januar 1993 nach seiner Vereidigung als 42. Präsident
der Vereinigten Staaten von Amerika seine Amtsantrittsrede hält, wird die Welt auf Hinweise auf die
künftige Politik dieser Nation und ihre Beziehungen zu
anderen Ländern warten.

im Jahre 1793 bis zu den 8.495 Worten der von William
Henry Harrison 1841 gehaltenen Rede.

Seit der ersten Amtsantrittsrede, die George Washington im Jahre 1789 hielt, sind die Präsidenten reden ihm
zufolge "peinlich genau untersucht und aufbewahrt
worden".

Die Ausstellung in der Library of Congress ist noch bis
zum 21. Februar 1993 geöffnet. Sie umfaßt Auszüge
aus verschiedenen Amtsantrittsreden, unter anderem
den folgenden:

"Die Einheit der Nation durchzieht alle diese Reden wie
ein roter Faden. In den Amtsantrittsreden werden die
Bürger aufgefordert, ihre parteipolitischen Differenzen
zu vergessen und sich zu vereinigen." "Ein zweites
Thema ist die Tatsache, daß wireine von Gott geleitete
Nation sind, ein drittes unsere Verantwortung für die
Bewahrung dieses einzigartigen demokratischen
Systems."

Thomas Jefferson, 1801: "Manchmal wird gesagt, der
Mensch könne nicht einmal übersieh selbst herrschen.
Wie kann er dann über andere herrschen?"

"Amtsantrittsreden können ganz wesentlich den Ton
für die neue Administration angeben", erklärte David
Mason, Politologe der Heritage Foundation. Ein Beispiel hierfür ist die 1961 von John F. Kennedy gehalte"Die Amtsantrittsreden waren oftmals tonangebend für ne Rede, dessen Äußerung "Fragen Sie sich nicht,
die neue Administration", erklärte Andrew Cosentino, was Ihr Land für Sie tun kann - fragen Sie sich, was Sie
Direktor einer Ausstellung in der Library of Congress fürlhr Land tunkönnen" fürdas stand, was ererreichen
wollte.
über Amtseinführungen von Präsidenten.

Cosentino zufolge wiesen die Amtsantrittsreden seit
Beginn des 20. Jahrhunderts eine "zunehmende
Bewegung hin zu einem internationalen Blickwinkel
auf".
Zusammengenommen sind diese Ansprachen "eine
Chronik dieses Landes, von seinen frühesten Tagen
bis in die Gegenwart", so Senator Wendell Ford,
Vorsitzender des aus beiden Häusern des Kongresses
zusammengesetzten Ausschusses für die Amtsantrittsfeierlichkeiten, derfürdie Vereidigungszeremonie
verantwortlich ist.
Die Länge derartiger Ansprachen reichte von 135
Worten bei George Washingtons zweitem Amtsantritt

Abraham Lincoln, 1865, während des amerikanischen
Bürgerkrieges: "Mit Bosheit gegenüber niemanden,
mit Nächstenliebe gegenüber allen, mit Entschiedenheit und dem uns von Gott gegebenen Bewußtsein für
das Richtige wollen wir nach der Vollendung des von
uns begonnenen Werkes streben, um die Wunden
unserer Nation zu verbinden und ... einen gerechten
und dauerhaften Frieden unteruns selbst und mit allen
Nationen zu schaffen und in Ehren zu halten."
Franklin Delano Roosevelt, 1933, während der Weltwirtschaftskrise: "Zunächst einmal möchte ich hier
meiner festen Überzeugung Ausdruck verleihen, daß
das einzige, vor dem wir Angst haben müssen, die
Angst selbst ist - namenloses, unbegründetes, unberechtigtes Entsetzen, das die zur Umwandlung von
Rückschritten in Fortschritte notwendigen Anstrengungen lahmlegt."

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AMERIKA DIENST 3

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�AMTSEINFÜHRUNG
20. Januar 1993

THEMEN BEI DER AMTSEINFÜHRUNG
GEBEN EINBLICK IN CLINTONS POLITIK
Zusammenhang mit Regierungsstil
WASHINGTON - (AD) - Nach der Geschichte zu
urteilen werden die vom 17. bis zum 21. Januar dieses
Jahres stattfindenden Feierlichkeiten aus Anlaß der
Amtseinführung des neuen Präsidenten Bill Clinton
einen Einblick in den Stil und die Methoden der künftigen Regierungsführung im Weißen Haus geben, so
ein Experte für Amtseinführungen in den Vereinigten
Staaten.

seiner ersten Amtseinführung 1801 begann Jefferson
Brooks zufolge seine Reise jedoch nicht in Monticello,
da er bereits in Washington wohnte.

Bei seiner Amtseinführung 1801 "ging Jefferson einfach zu Fuß von seiner Pension hinüber zum Kapitol zu
den Amtsantrittsfeierlichkeiten", stellte Brooks fest.
"Als die Feierlichkeiten vorbei waren, ging er zurück zu
seiner Pension und aß zu Abend. Als die anderen
Die Feierlichkeiten bei der Amtseinführung und die Pensionsgäste ihn fragten, ob er, da er nun Präsident
Amtsantrittsrede eines neuen Präsidenten "sind für die der Vereinigten Staaten sei, am Kopfende der Tafel
kommende Administration tonangebend", erklärte sitzen wolle, sagte er sehr höflich 'Nein, ich setze mich
kürzlich Philip Brooks, Historiker beim amerikanischen an meinen gewohnten Platz'".
Nationalarchiv (National Archives). "Es tauchen immer
wieder bestimmte Themen auf, die einen Hinweis Jefferson "wollte die Idee in die Tat umsetzen, daß
darauf geben, wie die Administration in den nächsten seine Administration volksnaher sein und viel mehr
vier Jahren ihre Aufgabe angehen wird", erklärte er Zusammenhalt zeigen solle als die vorherige", so
während einer Pressekonferenz mit anschließendem Brooks.
Interview.
Clintons Busreise wird mit der Zeremonie "Ruf nach
Brooks, der zur Zeit dem Ausschuß für die Amtsan- Versöhnung" vor dem Lincoln-Denkmal enden, was
trittsfeierlichkeiten angehört, informiert den Ausschuß Brooks zufolge ebenfalls sehr viel historische Symbound die Medien über frühere Amtsantritte und stellt für lik enthält.
das Nationalarchiv Daten über Clintons Amtsantritt
Abraham Lincoln, der 16. Präsident der Vereinigten
zusammen.
Staaten, war das erste amerikanische StaatsoberEs ist ihm zufolge "von höchster Bedeutung", daß haupt, das der Republikanischen Partei angehörte.
Clinton beschloß, die letzte Etappe seiner langen Aus diesem Grunde "verknüpft die Zeremonie vordem
Reise in die Präsidentschaft mit einer Busfahrt in die Lincoln-Denkmal zwei große Strömungen der politiBundeshauptstadt Washington einzuleiten, die in schen Tradition Amerikas", so Brooks. Ihm zufolge
Charlottesville, Virginia, in Monticello, dem Heim des trug auch Lincoln entscheidend zur nationalen Versöhdritten amerikanischen Präsidenten Thomas Jeffer- nung und dem "Venbinden der Wunden der Nation"
son beginnt. Jefferson, der Verfasser der Unabhän- nach dem amerikanischen Bürgerkrieg bei.
gigkeitserklärung, wird oftmals als Gründer der DemoNach der Zeremonie vor dem Lincoln Memorial werkratischen Partei bezeichnet.
den Clinton und der neue Vizepräsident Gore mit ihren
Dieser Aspekt der geplanten Amtsantrittsfeierlichkei- Familien über die Memorial Bridge zur Zeremonie
ten unterstreicht die Bedeutung, die Clinton den "Jef- "Glocken der Hoffnung" gehen, in deren Verlauf unter
fersonschen Wurzeln eines Großteils der politischen anderem eine Nachbildung der Freiheitsglocke läuten
Tradition in Amerika" beimißt, so Brooks. Der Reise- wird. In diesem Moment werden - so Brooks - in ganz
weg des Busses ähnelt stark der Route, die der dama- Amerika, in amerikanischen Militäreinrichtungen in
lige Vizepräsident Jefferson im Jahre 1800 bei seiner Übersee und sogar im Space Shuttle "Endeavor" gleichReise in die Bundeshauptstadt Washington nahm. Bei zeitig die Glocken läuten.
AMERIKA DIENST 3]

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�Auch die Wahl der Memorial Bridge zum Überqueren
des Potomac, des Flusses, der die Grenze zwischen
der Bundeshauptstadt Washington und der ehemaligen Hochburg des Südens, Virginia, darstellt, enthält
Brooks zufolge "ebenfalls sehr viel Symbolik". Sie
wurde zum Gedenken an die Opfer des amerikanischen Bürgerkrieges konstruiert und ist das Symbol
der Versöhnung zwischen den Nord- und den Südstaaten. Die Brücke verbindet das Lincoln-Denkmal
mit Custis Lee Mansion, dem Wohnhaus des berühmten Generals der Konföderierten, Robert E. Lee. Lincoln und Lee waren "die zwei Hauptfiguren" der beiden
Seiten im Bürgerkrieg.

der Rolle eines gewählten Führers der Exekutive ohne
monarchische Züge, der - so Brooks - eine "sehr
heikle" Aufgabe hatte, Vorsicht walten lassen. Während Washington "nicht vornehm tat, was zur damaligen Zeit für einen amerikanischen Bürger auch nicht
angemessen gewesen wäre", zeigte er "große Würde"
und verhielt sich so, wie es dem Amt des Präsidenten
geziemt, so Brooks.

Die Amtsantrittsreden der Präsidenten deuten oft an,
worauf die neue Administration in ihrer Politik Wert
legen wird, erklärte Brooks und verwies insbesondere
auf die Amtsantrittsreden der ehemaligen Präsidenten
Woodrow Wilson 1913, Franklin Roosevelt 1933, Harry
Die Tradition der Amtsantrittsfeierlichkeiten wurde im Truman 1949, John F. Kennedy 1961 und Ronald
Jahr 1789 von George Washington, dem ersten Präsi- Reagan 1981. Diese Reden legten laut Brooks "die
denten der Vereinigten Staaten begonnen.
von ihnen vorgeschlagene Tagesordnung und ihre
philosophischen Standpunkte" dar, die sie ins Weiße
Washington war sich bewußt, daß er einen histori- Haus brachten.
schen Präzedenzfall schuf, und mußte beim Entwurf

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AMERIKA DIENST 3

�AUSSENPOLITIK
20. Januar 1993

WIRTSCHAFT, VERTEIDIGUNG, DEMOKRATIE IM
MITTELPUNKT AMERIKANISCHER POLITIK
Anhörung des neuen Außenministers Christopher
WASHINGTON - (AD) - "Wirtschaftswachstum, militärische Stärke und Unterstützung der Demokratie" werden
dem neuen Außenminister Warren Christopher zufolge einander verstärkende Säulen der amerikanischen
Außenpolitik während der Clinton-Administration sein.
"Eine pulsierende Wirtschaft wird die Stellung Amerikas im Ausland stärken und uns gleichzeitig erlauben, ein
starkes Militär beizubehalten, ohne innenpolitische Erfordernisse zu opfern", erklärte Christopher bei der
Anhörung zu seiner Bestätigung vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats am 13. Januar 1993.
"Darüber hinaus", so stellte er fest, "können wir alte Bedrohungen befrieden, neue verhindern und neue Märkte
für amerikanischen Handel und amerikanische Investitionen schaffen, wenn wir anderen helfen, auf den Ruinen
der Diktatur eine Demokratie zu errichten."
Christopher verwies ferner darauf, da ß es auch während des Anpassungsprozesses der Vereinigten Staaten an
die neuen Bedingungen auf der ganzen Welt "von Nutzen ist, die grundsätzliche Kontinuität in der amerikanischen Au ßenpolitik zu unterstreichen". Er stellte dazu fest: 'Trotz eines Wechsels der Administration wird unsere
Politik in vielen spezifischen Fällen konstant bleiben und danach streben, auf den Leistungen unserer Vorgänger
aufzubauen."
Nachfolgend veröffentlichen wir Christophers Eingangserklärung vor dem Ausschuß im Wortlaut.

Herr Vorsitzender, es ist mir eine große Ehre, zu Ihnen
als der vom designierten Präsidenten Clinton für das
Amt des Außenministers nominierte Kandidat sprechen zu dürfen. Es ist ein weiter Weg von Scranton
(North Dakota) mit seinen 300 Einwohnern, wo ich
geboren wurde und aufgewachsen bin, bis zu diesem
Anhörungssaal, und ich bin tief bewegt, unter diesen
Umständen hier anwesend zu sein.

kundungen erhalten. Freunde verweisen auf die schwärenden Konflikte dieser neuen Welt und betonen unsere eigenen begrenzten Mittel. Sie erklären mir, ich
hätte eine wichtige aber unerfreuliche Aufgabe übernommen.

Ich weiß ihre Besorgnis zu schätzen, aber ich bestreite
ihre Beurteilung. Ich bin der Ansicht, daß wir an einem
Punkt mit einzigartigen Aussichten angekommen sind.
Sie und die Mitglieder dieses Ausschusses haben im Das prägende Element dieses Zeitalters ist der Wanvergangenen Jahrzehnt einen führenden und klugen del, und ich gehe davon aus, daß viele dieser VeränBeitrag zur Außenpolitik unseres Landes geleistet. Ich derungen zu unseren Gunsten ausfallen. Der Kalte
möchte zu Beginn sagen, daß ich einem engen und Krieg ist vorbei. Vierzigjährige Bemühungen für kollekvon Zusammenarbeit geprägten Verhältnis zu Ihnen tive Sicherheit und Menschenwürde haben sich ausentgegensehe. Darüber hinaus erwarte ich Ihre Fra- gezahlt. Millionen, die unter dem unwürdigen Joch des
gen und werde versuchen, sie mit der rückhaltlosen Kommunismus lebten, sind frei. Die Welle demokratiOffenheit zu beantworten, für die Diplomaten so be- scher Bestrebungen wächst von Tibet bis Mittelamerika. Freiere Märkte erweitern den Umfang des Wohlrühmt sind.
standes. Der nukleare Alptraum nimmt ab - und ich
In den drei Wochen, seit der neugewählte Präsident möchte die Präsidenten Bush und Jelzin zu ihren
Clinton mich bat, sein Außenminister zu werden, habe erfolgreichen Verhandlungen über den START-Il-Vertrag
ich etwa ebensoviele Mitleids- wie Glückwunschbe- beglückwünschen. Wir haben heute die Chance, eine

AMERIKA DIENST 3

Seite 1

�neue Strategie zu schaffen, um die Ressourcen der
Vereinigten Staaten auf etwas anderes zu konzentrieren als die Konfrontation der Supermächte.
Weder der neugewählte Präsident Clinton noch ich
haben irgendwelche Illusionen bezüglich der Gefahren, die in vielen Veränderungen dieses Zeitalters
lauern. Das Ende des Kalten Krieges hat viele seit
langem schwelende Konflikte bloßgelegt. Die blutigen
Resultate treten im ehemaligen Jugoslawien und
andernorts zutage. Auch an rücksichtslosen und
expansionistischen Diktatoren wird es diesem Zeitalter nicht mangeln, Saddam Hussein hat diese Tatsache bestätigt. Es ist jedoch ebenfalls zutreffend, daß
wir heute vergleichsweise mächtiger und physisch
sicherer sind. Während wir also im Hinblick auf die
Gefahren dieses Zeitalters wachsam sind, nehmen wir
es dennoch mit einem unterschwelligen Gefühl des
Optimismus in Angriff.
Seit den späten vierziger Jahren hat unser Land nicht
mehr vor der Herausforderung gestanden, eine völlig
neue Außenpolitik für eine Welt zu gestalten, die sich
grundlegend verändert hat. Wie unsere damaligen
Vorgänger müssen wir eine neue Strategie zum Schutz
amerikanischer Interessen entwickeln, indem wir die
Grundlagen für eine gerechtere und stabilere Welt
legen. In dieser Strategie müssen die grundsätzlichen
Veränderungen zum Ausdruck kommen, die dieses
neue Zeitalter charakterisieren:
Das Aufbrechen seit langem unterdrückter ethnischer, religiöser und regionaler Konflikte, besonders im ehemals sowjetischen Block;

ziel unserer Außenpolitik machen. Zweitens müssen
wir unsere militärische Stärke bewahren, während wir
unsere Streitkräfte neuen militärischen Herausforderungen anpassen. Drittens müssen wir unsere Au ßenpolitik an dem Ziel orientieren, die Verbreitung der
Demokratie und Marktwirtschaft im Ausland zu fördern.
Während wir uns neuen Bedingungen anpassen, ist es
von Nutzen, die grundsätzliche Kontinuität in der
amerikanischen Au ßenpolitik zu unterstreichen. Trotz
eines Wechsels der Administration wird unsere Politik
in vielen spezifischen Fällen konstant bleiben und
danach streben, auf den Leistungen unserer Vorgänger aufzubauen. Beispiele dafür sind der Friedensprozeß im Nahen Osten, die entschlossene Durchsetzung
der UN-Sanktionen gegen den Irak, die Ratifizierung
und Durchführung des START-Il-Vertrags sowie die
anhaltende Notwendigkeit für amerikanische Macht,
eine Rolle bei der Förderung von Stabilität in Europa
und dem Pazifik zu spielen.
Herr Vorsitzender, wenn ich mit der Erlaubnis des
Ausschusses einen Augenblick von meinem Text
abweichen darf, so möchte ich meinen vorbereiteten
Äußerungen ein paar Worte hinzufügen.
Der Irak verletzt weiterhin die Resolutionen des UNSicherheitsratsund stellt den Willen und die Stärke der
internationalen Staatengemeinschaft auf die Probe.
Ich sage mit großer Entschlossenheit, Saddam sollte
nicht eine Sekunde lang daran zweifeln, daß wir, die
neue Administration, diese Probe bestehen werden.

eine weltweite demokratische Revolution, die
von neuen Informationstechnologien angetrieben wird, die die Macht von Ideen verstärkt;

Präsident Clinton wird auf der bedingungslosen Einhaltung der UN-Resolutionen bestehen. Wir haben
wiederholt klargestellt, wir stehen Schulter an Schulter
mit der gegenwärtigen Administration in unserer Entschlossenheit zu gewährleisten, daß Saddam Hussein
die unbeugsame Haltung der Vereinigten Staaten nicht
erneut falsch einschätzt.

neue und alte Herausforderungen im Bereich
Menschenrechte, darunter der Schutz ethnischer Minderheiten ebenso wie politischer Dissidenten;

Herr Vorsitzender, ich wollte aufgrund meiner Entschlossenheit, die - wie ich weiß - auch Präsident
Clinton in dieser Frage hat, heute morgen von meinem
Text abweichen.

der internationale Charakter von Handel und
Kapital;

das Aufkommen neuer sicherh«itspolitischer
Bedrohungen, insbesondere Terrorismus sowie die Verbreitung modemer Waffen und Massenvernichtungsmittel;

Obwohl in unserer Außenpolitik ein hohes Maß an
Kontinuität herrscht, erbt unsere neue Administration
jedoch die Aufgabe, eine Strategie für die amerikanische Führungsrolle nach dem Kalten Krieg zu definieren. Wir können es uns nicht leisten, uns von einer
globale Herausforderungen, darunter ÜberbeKrise zur nächsten zu hangeln. Wir benötigen eine
völkerung, Hunger, Dürre, Flüchtlinge, AIDS,
neue Diplomatie, die danach strebt, Krisen wie im Irak,
Drogenhandel und weltweite Bedrohungen der
in Bosnien und Somalia vorherzusehen und zu verhinUmwelt.
dern, anstatt sie nur zu bewältigen. Unsere UnterstütUm unsere außenpolitischen Ziele und Institutionen zung von demokratischen Institutionen und Menschendiesen Veränderungen anzupassen, hat der neuge- rechten kann zur Entschärfung politischer Konflikte
wählte Präsident Clinton betont, daß unsere Bemü- beitragen. Unsere Unterstützung für umweltverträglihungen auf drei Säulen ruhen müssen: Erstens müssen che Entwicklung und weltweiten Umweltschutz kann
wir die wirtschaftliche Sicherheit Amerikas zum Haupt- ferner dazu beitragen, menschliches Leid in einem

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AMERIKA DIENST 3

�Ausmaß zu verhindern, das unsere Intervention erfordert. Wir können nicht jede Krise vorhersehen. Präventive Diplomatie kann uns jedoch die Freiheit verschaffen, mehr Zeit und Bemühungen auf die Probleme zu verwenden, mit denen wir im Inland konfrontiert
sind.
Es reicht nicht aus, eine neue Strategie zu artikulieren.
Darüber hinaus müssen wir sie dem amerikanischen
Volk gegenüber rechtfertigen. Heute können es sich
die Gestalter der Außenpolitik nicht mehr leisten, die
Öffentlichkeit zu ignorieren, denn es besteht die echte
Gefahr, daß die Öffentlichkeit die Au ßenpolitik ignorieren wird. Das zentrale Ziel der Eindämmung sowjetischer Macht muß durch komplexere Rechtfertigungen
ersetzt werden, die in das neue Zeitalter passen. Wir
müssen zeigen, daß in diesem Zeitalter Außenpolitik
nicht länger nur das Ausland betrifft.

mente einschließlich der neuen GATT-Vereinbarung
und des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens
nutzen, das den Interessen amerikanischer Firmen,
Arbeitnehmern und Gemeinden dient.
In dem Bereich, in dem wirtschaftlicher Wettbewerb
ideologische Rivalitäten überlagert, ist es an der Zeit
für die Diplomatie, Zugang für amerikanische Unternehmen zu expandierenden Weltmärkten zu gewährleisten. Das bedeutet nicht, daß unsere Handelsziele
andere wichtige Anliegen wie Nichtverbreitung, Menschenrechte und umweltverträgliche Entwicklung in
der Dritten Welt übertrumpfen werden. Zu lange
haben wir jedoch Wirtschaftspolitik zum armen Vetter
der Außenpolitik gemacht. In all die Länder des
ehemaligen Ostblocks - Nationen, deren Volkswirtschaften und Märkte sich an der Schwelle zu Wachstum befinden - haben wir beispielsweise jahrelang nur
einen Angehörigen des auswärtigen Dienstes entsandt, um amerikanischen Unternehmen behilflich zu
sein. Im Falle Rußlands bedeutet dies einen Handelsvertreter für eine Nation mit 150 Millionen Menschen.
Andere Wirtschaftsmächte wie etwa Deutschland und
Japan stellen sehr viel mehr Personal für die Förderung ihrer Firmen, Industrien und wirtschaftlichen
Belange ab.

Praktikerder Staatskunst vergessen bisweilen, daßihr
Endziel darin besteht, das tägliche Leben des amerikanischen Volkes zu verbessern. Sie nehmen an, die
Außenpolitik sei zu komplex, um die Öffentlichkeit an
ihrer Gestaltung zu beteiligen. Das ist eine kostspielige Täuschung. Von Vietnam bis zu Iran-Contra
waren wir zu häufig Zeugen der katastrophalen Folgen
einer Außenpolitik, die von Experten ohne angemessene Offenheit oder Konsultation mit der Öffentlichkeit Die Clinton-Administration beabsichtigt, unsere Diplound deren Vertretern im Kongreß erdacht wurde.
matie zum Zugpferd der Bedürfnisse und Chancen
amerikanischer Industrien und Arbeitnehmer zu maDas Außenministerium kann sich weniger denn je ein chen. Wir werden uns nicht schämen, unsere hohe
Klienteldenken leisten, eine Krankheit, die von unge- Diplomatie mit unseren Wirtschaftszielen zu verbinbührlicher Rücksichtnahme auf die möglichen Reak- den. Wir werden unsere Missionen im Ausland bitten,
tionen anderer Länder geprägt ist. Ich bin seit langem mehr zu tun, um entscheidende Informationen über
der Ansicht, das Außenministerium benötige eine Marktchancen und Handelsschranken zu sammeln
"Amerikaabteilung". Diese Administration wird eine und aktiv amerikanischen Unternehmen behilflich zu
haben - und ich werde ihr Leiter sein.
sein, die im Ausland tätig werden wollen.
Ich werde heute nicht versuchen, die Außenpolitik der
nächsten vier Jahre in die Zwangsjacke irgendeiner
maßgeschneiderten Doktrin zu packen. Dennoch
müssen die Aktionen der Vereinigten Staaten in der
Welt von konsequenten Prinzipien geleitet sein. Wie
ich bereits festgestellt habe, gibt es meines Erachtens
drei Prinzipien, die Leitlinie für die Außenpolitik in
diesem neuen Zeitalter sein sollten.
Erstens müssen wir die wirtschaftliche Sicherheit der
Vereinigten Staaten mit derselben Energie und denselben Mitteln fördern, die wir zur Führung des Kalten
Krieges aufgewendet haben. Die neue Administration
wird in Kürze ein Wirtschaftsprogramm vorlegen, das
amerikanischen Unternehmen und Arbeitnehmern zu
Gewinnen auf den Weltmärkten verhelfen, unsere
Abhängigkeit von ausländischen Anleihen abbauen
und unsere Fähigkeit verbessern soll, unsere Verpflichtungen gegenüberdem Ausland wahrzunehmen.
Trotz unserer wirtschaftlichen M isere sind wir nach wie
vor die größte Handelsnation der Welt, ihr größter
Markt und führender Exporteur. Aus diesem Grund
müssen wir alle uns zur Verfügung stehenden Instru-

AMERIKA DIENST 3

Zweitens müssen wir eine starke Verteidigung aufrechterhalten, während wir unsere Streitkräfte an neue
und andauernde Sicherheitsherausforderungen anpassen. Als Ergebnis der Ende der siebziger Jahre
von Präsident Carter in die Wege geleiteten und unter
den Präsidenten Reagan und Bush fortgesetzten
Bestrebungen erbt unsere Administration die beste
Kampfstreitmacht der Welt. Aber die Welt hat sich
verändert.
Wir sehen uns mit einem Paradoxon konfrontiert: Der
Zusammenbruch der Sowjetunion versetzt uns in die
Lage, unsere Streitkräfte des Kalten Krieges zu reduzieren. Er hinterläßt jedoch auch die amerikanische
Macht als wichtigsten Halt für eine instabile Welt. Unsere Fähigkeit zur Bewältigung des Übergangs zu
einem stabileren System internationaler Beziehungen
wird von unserer durch glaubwürdige Stärke gestützten unermüdlichen Diplomatie abhängen. Der neugewählte Präsident und der designierte Verteidigungsminister Aspin haben umrissen, wie wir unsere Streitkräfte an die neuen Aufgaben anpassen müssen. Ich
stimme mit der Erklärung des künftigen Präsidenten
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�Clinton überein, daß "wir beschließen, stets abzuschrecken, manchmal zu kämpfen und immer zu
gewinnen".

und die Institutionen der kollektiven Sicherheit - insbesondere die Vereinten Nationen - zu ermutigen, einen
größeren Teil der internationalen Arbeit zu übernehmen, um Aggression abzuschrecken, das Leiden zu
Ich habe einen Großteil meines Lebens mit der Prak- mildern und den Frieden zu bewahren. In diesem
tizierung unterschiedlicher Formen von Diplomatie, Zusammenhang werden wir mit Generalsekretär
Verhandlungen und Problemlösungen verbracht - von Boutros-Ghali und den Mitgliedern des Sicherheitsrats
dem Bemühen umdie Freilassung der amerikanischen zusammenarbeiten, um zu gewährleisten, daß den
Geiseln im Iran über die Reaktion auf städtische Unru- Vereinten Nationen die Mittel zur Durchführung dieser
hen und Brutalität der Polizei bis zur Tätigkeit als Aufgaben zur Verfügung stehen.
Rechtsanwalt über vier Jahrzehnte hinweg. Ich habe
argumentiert - und bin immer noch dieser Überzeu- Die Vereinten Nationen haben sich in jüngster Zeit sehr
gung -, daß Diplomatie ein vernachlässigter Imperativ vielversprechend bei der Schlichtung von Konflikten
ist. Meines Erachtens müssen wir neue Techniken zur und der Erfüllung ihres Versprechens der kollektiven
Beilegung von Streitfällen und Formen internationaler Sicherheit verhalten - in Namibia, Kambodscha, El
Schlichtung auf die Konflikte anwenden, von denen die Salvador und andernorts. Die Vereinten Nationen
Welt heimgesucht wird.
können jedoch kein wirksames Instrument zur Teilung
unserer globalen Last sein, wenn wir nicht die Last
Aus Erfahrung weiß ich auch, daß Nationen nicht auf ihrer Unterstützung teilen. Ich werde auf die Begleider Grundlage des guten Willens allein verhandeln. chung unserer ausstehenden Verpflichtungen hinarSie verhandeln auf der Grundlage von Interessen und beiten.
daher der Berechnung von Macht. Wenn ich über
unsere Erfahrungen im Kalten Krieg nachdenke, ist es Wenn unsere vitalen Interessen auf dem Spiel stehen,
offenkundig, daß sich unser Erfolg aus unserer Fähig- werden wir uns letztlich immer unsere Option vorbekeit ableitete, Diplomatie und Macht gleichermaßen halten, im Alleingang zu handeln. Wie der neugewähleinzusetzen - sowohl bei der Modernisierung unserer te Präsident festgestellt hat, sollte unser Motto in
Streitkräfte als auch den Verhandlungen über Rü- diesem Bereich lauten: "Gemeinsam können wir,
stungskontrolle, der Befürwortung von Menschenrech- allein müssen wir handeln".
ten sowie verdecktem und offenen Widerstand gegen
Eines unserer wichtigsten Sicherheitsprobleme in diesem
sowjetischen Expansionismus.
Zeitalter wird die Verbreitung todbringender - nukleaIn den kommenden Jahren werden sich die Amerika- rer, chemischer, biologischer und verbesserter konner mit beunruhigenden Fragen über den Einsatz von ventioneller - Waffen und deren Trägersysteme sein.
Gewalt konfrontiert sehen - Entscheidungen darüber, Der Golfkrieg hat das Problem eines fanatischen
ob man bei Grenzstreitigkeiten, Bürgerkriegen, offen- Aggressors schlaglichtartig beleuchtet, der Massenkundiger Invasion und in Fällen möglichen Genozids vernichtungswaffen entwickelt oder einsetzt. Wir müssen
intervenieren soll. Ob man für Zwecke eingreifen soll, unbeirrt mit anderen Nationen zusammenarbeiten, um
die sich maßgeblich vom herkömmlichen Auftrag unserer die Weiterverbreitung durch verbesserte NachrichtenStreitkräfte unterscheiden, wie Friedenssicherung, dienste, Exportkontrollen, Anreize, Sanktionen und
Friedensschaffung, humanitäre Hilfe, Evakuierung von gegebenenfalls den Einsatz von Gewalt zu entmutiAmerikanern im Ausland sowie Bestrebungen zur gen. Insgesamt gesehen wird diese Administration der
Bekämpfung von Drogenhandel und Terrorismus. Verhütung der Weiterverbreitung hohe Priorität einObwohl es kein Patentrezept für solche Entscheidun- räumen, während wir in eine zunehmend gefährliche
gen gibt, bin ich der Auffassung, daß der umsichtige Periode eintreten.
und sorgfältige Einsatz von Gewalt unter bestimmten
Umständen - und die glaubwürdige Drohung damit Drittens wird unsere neue Diplomatie die weltweite
generell - für den Erfolg unserer Diplomatie und Au- Revolution für Demokratie ermutigen, die unsere Welt
ßenpolitik unabdingbar ist. Obwohl am Rande immer umgestaltet. Die Förderung von Demokratie bedeutet
Meinungsverschiedenheiten bestehen werden, kön- keinen Kreuzzug, um die Welt nach unseren Vorstelnen - und müssen - wir meines Erachtens einen lungen neu zu schaffen. Vielmehr kann und sollte die
überparteilichen Konsens erzielen, bei dem diese Fragen Unterstützung von Demokratie und Menschenrechten
bezüglich des Einsatzes von Gewalt nicht länger wie im Ausland ein zentrales strategisches Dogma bei der
Verbesserung unserer eigenen Sicherheit sein.
bisher unsere Nation sparten.
Demokratische Bewegungen und Regierungen werWir können jedoch nicht auf jeden Alarm reagieren. Ich den nicht nur eher Menschenrechte und die Rechte
möchte dem amerikanischen Volk versichern, daß wir von Minderheiten schützen, sondern sind auch eher
sein Blut und Hab und Gut nicht dem Zugriff der zur friedlichen Lösung ethnischer, religiöser und terriübrigen Welt überlassen. Wir können nicht jede Krise torialer Konflikte geneigt und verläßliche Partner bei
zu einer Entscheidung zwischen Untätigkeit und Diplomatie, Handel, Rüstungsvereinbarungen und
amerikanischer Intervention werden lassen. Es wird Umweltschutz.
die Politik dieser Administration sein, andere Nationen
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AMERIKA DIENST 3

�Ein strategischer Ansatz zur Förderung von Demokratie erfordert, daß wir all unsere Mittel koordinieren,
einschließlich Handel, wirtschaftlicher und militärischer
Hilfestellung sowie Schuldenerlaß. Indem sie internationale und regionale Institutionen in die Arbeit der
Förderung von Demokratie einbeziehen, können die
Vereinigten Staaten ihre begrenzten Ressourcen
bestmöglich einsetzen und den Anschein vermeiden,
andere dominieren zu wollen. Im Informationszeitalter
kommt der Öffentlichkeitsarbeit besondere Bedeutung
zu - und aus diesem Grund werden wir die Gründung
von Radio Free Asia unterstützen, um sicherzustellen,
daß die Bevölkerung aller asiatischen Nationen Zugang zu unzensierten Informationen über ihre Gesellschaft und die Welt erhält.

und die Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Unternehmen verbessern können.
Die Clinton-Administration wird Amerika wieder an die
vorderste Front der globalen Anstrengungen zur Erzielung eines umweltverträglichen Wachstums stellen
und folglich werden wir unseren Kindern eine bessere
Welt hinterlassen. Wir sind der Ansicht, daß eine gute
Umwertpolitik eine Voraussetzung und nicht ein Hindernis für Wirtschaftswachstum ist.

Diese drei Säulen unserer Außenpolitik - Wirtschaftswachstum, militärische Stärke und Unterstützung für
die Demokratie - verstärken sich gegenseitig. Eine
pulsierende Wirtschaft wird die Stellung Amerikas im
Ausland stärken und uns gleichzeitig erlauben, ein
Demokratie kann nicht von oben nach unten aufge- starkes Militär beizubehalten, ohne innenpolitische
zwungen, sondern muß von unten nach oben aufge- Erfordernisse zu opfern. Darüber hinaus können wir
baut werden. Unsere Politik sollte geduldige, dauer- arte Bedrohungen befrieden, neue verhindern und
hafte Bestebungen ermutigen, anderen beim Aufbau neue Märkte für amerikanischen Handel und amerikader Institutionen behilflich zu sein, die Demokratie nische Investitionen schaffen, wenn wir anderen helermöglichen - politischen Parteien, freien Medien, fen, auf den Ruinen der Diktatur eine Demokratie zu
Gesetzen zum Schutz von Eigentum und Rechten des errichten.
einzelnen, einer unparteiischen Judikative, GewerkIch möchte kurz darauf zu sprechen kommen, wie
schaften und Freiwilligenverbänden, die zwischen dem
dieser strategische Ansatz sich auf die wichtigsten
einzelnen und dem Staat stehen. Amerikanische
Herausforderungen im Sicherheitsbereich in den neunPrivatorganisationen und Bürgerinitiativen sind besonziger Jahren auswirkt. Es gibt nichts Wichtigeres, als
ders gut für Hilfe geeignet. In diesem Zusammenhang
Rußland bei seiner Demilitarisierung, Privatisierung,
werden wir unverzüglich die Gründung des Bürgerwirtschaftlichen Wiederbelebung und dem Aufbau
korps Demokratie in die Wege leiten, um erfahrene
repräsentativer politischer Institutionen zu helfen. Die
Amerikaner in Kontakt mit Vertretern der Basisdemomutigen wirtschaftlichen und politischen Reformen
kratie im Ausland zu bringen und die überparteiliche
Präsident Jelzins sind unsere größte Hoffnung für die
Nationale Stiftung für Demokratie zu unterstützen.
Reduzierung des immer noch beträchtlichen Arsenals
atomarer
und konventioneller Waffen in Rußland und
Darüber hinaus müssen wir unsere institutionellen
anderen
Staaten
der ehemaligen Sowjetunion, und
Kapazitäten verbessert, um den Menschen rechtzeitidas
wiederum
erlaubt
uns eine Senkung unserer Verge und wirksame Hile zu leisten, die mit dem Aufbau
teidigungsausgaben.
Ein Zusammenbruch der russivon Demokratie und freien Märkten kämpfen. Zu
schen
Wirtschaft,
die
im letzten Jahr um 20 Prozent
diesem Zweck müssen wir das Amt für internationale
schrumpfte,
könnte
die
Demokratie auf fatale Weise in
Entwicklung (Agency for International Development Verruf
bringen
nicht
nur
in den Augen der Russen,
AID) einer Überholung unterziehen. Das Amt muß
sondern
auch
in
den
Augen
ihrer Nachbarn. Unsere
weniger Aufgaben übernehmen, den Umfang seiner
Administration
wird
zusammen
mit den G-7-Partnem
Aktivitäten einschränken und seine Bürokratie abbaudie
Unterstützung
für
Rußlands
Wirtschaftsreformen
en. Aus aufgeklärtem Eigeninteresse wie auch aus
erhöhen.
Diese
Hilfe
muß
an
Rußlands
Bereitschaft
Mitgefühl müssen wir Lehren aus den bisherigen Erfolgebunden
sein,
die
fürden
Übergang
von
einerzentragen und Mißerfolgen des AID ziehen, um seinen
len
Planwirtschaft
zu
einer
stärker
marktorientierten
künftigen Bestrebungen Nachdruck zu verleihen.
Wirtschaft erforderlichen schwierigen aber notwendiBei all dieser Arbeit müssen wir gewährleisten, daß gen Schritte zu gehen.
den mit der Durchführung der Außenpolitik unseres
Landes Beauftragten die erforderlichen Ressourcen Auch werden wir direkter und technischer Hilfe für die
zur Bewältigung dieser Aufgabe zur Verfügung ste- Bemühungen Rußlands zum Abbau seiner Waffen
hen. Ich möchte mit Ihnen zusammenarbeiten, um und zur angemessenen Entsorgung seiner nuklearen
sicherzustellen, daß sie übergeeignete Einrichtungen, Materialien, zur Bereitstellung von Arbeitsplätzen für
Ausbildung, Informationssysteme und Sicherheit ver- Verteidigungsfachleute im zivilen Sektor sowie zur
fügen. Femer müssen wir die Organisation unseres Unterbringung seiner aufgelösten Streitkräfte hohe
Außenministeriums und die Formulierung unserer Priorität einräumen. Wir müssen den demokratischen
Außenpolitik einer Oberprüfung unterziehen. In den Reformern in Rußland klarmachen, daß ihnen die
kommenden Wochen beabsichtige ich eine Abspek- demokratischen Nationen zur Seite stehen und ihnen
kung des Außenministeriums , damit wir nationale die von anderen Ländern bei der Lösung ähnlicher
Grenzen überschreitende Themen leichter bewältigen Probleme gemachte Erfahrung zur Verfügung steht.
AMERIKA DIENST 3

Seite 5

�Wir sollten ebenfalls eine ähnliche internationale Aktion zur Unterstützung der Ukraine, der anderen Mitglieder der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten, des
Baltikums und der Länder Mittel- und Osteuropas ins
Leben rufen.

heit verstärkt gerecht zu werden, beispielsweise bei
der Unterstützung friedenserhaltender Missionen von
Kambodscha bis Somalia. Jetzt mu ß Japan mehr tun,
um auch seiner wirtschaftlichen Verantwortung zu
entsprechen: Handelsschranken schneller abbauen
und seine Wirtschaft der Konkurrenz öffnen. Ein Drittel
In Europa bleiben wir weiterhin der NATO, dem erfolg- oder mehr der gesamten weltwirtschaftlichen Aktivitäreichsten militärischen und politischen Bündnis der ten entfallen auf Japan und die Vereinigten Staaten.
Geschichte verpflichtet, obgleich wir der Entwicklung Das verpflichtet unsere beiden Länder, gegenseitige
neuer Sicherheitsvorkehrungen zur Einbeziehung der Beschuldigungen zu vermeiden und dem Entstehen
aufstrebenden Demokratien des Ostens Rückendek- regionaler Handelsblöcke, die die Aussichten auf weltkung geben. Unsere Administration wird die Bemü- weites Wachstum schmälern würden, entgegenzuwirhungen der KSZE zur Unterstützung der Menschen- ken. Wir haben jedoch auch die Verpflichtung gegenrechte, der Demokratie, freier Wahlen und der histori- über den Unternehmen und ihren Arbeitern in Amerika,
schen Reintegration der Nationen Ost- und Westeuro- sicherzustellen, daß sie ebensolchen Nutzen aus dem
pas fördern. Auch kann ich Ihnen versichern, daß Wachstum der japanischen Wirtschaft ziehen wie die
diese Administration lebhafte Anstrengungen unter- Japaner es viele Jahrzehnte lang aus der Stärke und
nehmen wird, um in einer konzertierten Aktion mit Offenheit der amerikanischen Wirtschaft getan haben.
unseren europäischen Verbündeten und internationalen Gremien das Gemetzel in Bosnien zu beenden - ein In Südkorea wird unsere militärische Präsenz so lange
Gemetzel, das Tausende von Menschenleben gefor- aufrechterhalten, wie Nordkorea für diese Nation eine
dert hat und die Gefahr einer Ausbreitung auf dem Bedrohung darstellt. Und auf dem asiatischen Subganzen Balkan beinhaltet. Europa und die ganze kontinent umfassen unsere Interessen den Kampf
internationale Staatengemeinschaft müssen wirklichen gegen die Verbreitung von Atomwaffen, die Wiederwirtschaftlichen und militärischen Druck auf die serbi- herstellung des Friedens in Afghanistan, das Ende der
sche Führung ausüben, damit diese ihre grausame die Demokratie gefährdenden ZwistigkeKen zwischen
Politik der ethnischen Säuberung beendet.
Bevölkerungsgruppen in Indien sowie den Schutz der
Menschenrechte und freie Wahlen in Burma, Pakistan
In Asien werden wir mit zahlreichen Herausforderun- und andernorts.
gen und Chancen konfrontiert, insbesondere - wie der
neue Präsident Clinton während des Wahlkampfs Im Nahen Osten müssen wir den Elan der laufenden
betonte - mit einer komplizierten Mischung alter und Verhandlungen über den Frieden und regionale Franeuer Kräfte, die uns zum Überdenken unserer Politik gen erhalten. Es ist das große Verdienst von Präsident
gegenüber China zwingt. Einerseits gibt es eine Bush und dem früheren Außenminister Baker, daß sie
blühende Wirtschaft, die in zunehmendem Maße auf die Araber und die Israelis an den Verhandlungstisch
den Prinzipien der Marktwirtschaft beruht und vielen gebracht haben, und die Clinton-Administration verMillionen chinesischer Bürger ein nie dagewesenes pflichtet sich, auf der Grundlage dieses historischen
Maß an Wohlstand und ein Verlangen nach wirtschaft- Durchbruchs weiterzuarbeiten. Unsere auf Demokralichen und politischen Reformen gibt. Andererseits tie konzentrierte Politik unterstreicht unser besondekönnen wir die ständigen Berichte über den Export res Verhältnis mit Israel, der einzigen Demokratie der
gefährlicher Militärtechnologie aus China in Konfliktre- Region, mit dem wir eine starke und lebhafte strategigionen, über die weitverbreitete Verletzung der Men- sche Beziehung aufzubauen verpflichtet sind. Wir sind
schenrechte oder mißbräuchliche Handelspraktiken, auch der Überzeugung, daß Amerikas unerschütterlidie zu einem Handelsungleichgewicht in Höhe von 17 ches Engagement für das Existenzrecht Israels in
Milliarden Dollar zwischen unseren Ländern beigetra- sicheren Grenzen für einen gerechten und dauerhafgen haben, nicht ignorieren. Unsere Politik wird auf die ten Frieden von entscheidender Bedeutung ist. Wir
Förderung einer friedlichen Evolution in China vom werden auch in Zukunft das weite Feld der HerausforKommunismus zur Demokratie durch Ermutigung der derungen dieser Region in Zusammenarbeit mit Israel
Kräfte der wirtschaftlichen und politischen Liberalisie- und unseren arabischen Freunden angehen.
rung in diesem großen Land abzielen.
Wir werden im gesamten Nahen Osten und am PersiAnderswo in Asien entwickeln sich die Pazifikanrainer- schen Golf auf neue Rüstungskontrollabkommen hinstaaten zu einem globalen Zentrum für wirtschaftliche arbeiten, insbesondere was MassenvernichtungswafDynamik. 1991 belief sich unser transpazifischer fen anbelangt. Wir werden dem Iran und dem Irak
Handel auf über 316 Milliarden Dollar, was unseren gegenüber, die entschlossen scheinen, in der ganzen
Handel mit Westeuropa mit einem Volumen von 221 Region und sogar außerhalb Gewalt und Aufruhr zu
Milliarden gering erscheinen ließ. Besondere Auf- säen, wachsam sein. Auch in dieser Region werden
merksamkeit müssen wir Japan widmen. Dieses Land wir für Wirtschaftsreformen, dem Volk verantwortliche
hat kürzlich wichtige Schritte unternommen, um seiner Regierungen und größere Respektierung der Meninternationalen Verantwortung im Bereich der Sicher- schenrechteeintreten. Nach einem Jahrzehnt, indem

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AMERIKA DIENST 3

�mehr als 1.000 Amerikaner von internationalen Terroristen getötet, verwundet oder entführt wurden, geben
wir den Terroristen oder den Staaten, die die Verbrechen gegen die Menschlichkeit unterstützen, keinen
Pardon.
Nirgendwo war der Marsch gegen Diktatoren und für
die Demokratie so dramatisch wie in unserer Hemisphäre. Es liegt in unserem eigenen Interesse, den
Ländern Lateinamerikas bei der Konsolidierung eines
Jahrzehnts harterkämpften Fortschritts behilflich zu
sein. In den letzten Jahren, als sich in dieser Region
die Demokratie ausbreitete und die Marktwirtschaften
liberalisiert wurden, haben sich unsere Exporte nach
Lateinamerika verdoppelt. In enger Zusammenarbeit
mit unseren Partnern in dieser Hemisphäre - Kanada
und Mexiko - sollten wir Mittel und Wege suchen, um
die Freihandelsabkommen auf die lateinamerikanischen Nationen auszudehnen, die ihre Wirtschaft und
ihr politisches System öffnen. Gleichzeitig erwarten
wir eine weitere Verständigung im Hinblick auf das
Nordamerikanische Freihandelsabkommen, so wie
bereits von Präsident Clinton skizziert. Auch müssen
wir die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) zu
einem wirksameren Forum zur Lösung unserer regionalen Probleme machen. Auf Haiti unterstützen wir
entschieden die von den Vereinten Nationen und der
OAS unternommenen internationalen Anstrengungen
zur Wiederherstellung der Demokratie. Wir werden
das Embargo gegen Kuba fortsetzen, um weiterhin
Druck auf das Castro-Regime auszuüben. In El Salvador und Nicaragua fördern wir entschlossen die nationale Versöhnung und die volle Inkraftsetzung der
Friedensabkommen. In den Andenstaaten muß die
Macht der Drogenbarone gebrochen werden, damit
ihre und unsere Bürger von dem verderblichen Einfluß
des Drogenhandels befreit werden.
In Afrika fordert die neue Generation ebenfalls die aus
pluralistischen Demokratien und offenen Wirtschaftssystemen resultierenden Chancen. Die Menschen
dort verdienen unser Verständnis und unsere Unterstützung. Wir müssen ihre Bemühungen zum Aufbau
von Institutionen fördern, die die Afrikaner in die Lage
versetzen, die reichhaltigen Ressourcen des Landes
zu entwickeln und sie zu nutzen, mit ihren wirtschaftlichen, sozialen und umweltpolitischen Problemen fertig
zu werden und die unterschwelligen Gründe für die
politische Instabilität anzugehen. Wir werden uns in
Zusammenarbeit mit dem Kongreß ebenso engagieren, unseren Hilfsprogrammen für das Ausland eine
neue Richtung zu geben, um umwertverträgliches
Wachstum und privates Unternehmertum in Afrika zu
fördern. In Südafrika werden wir aktiv denjenigen den
Rücken stärken, die - seien es Schwarze oder Weiße
- die Demontage der verhaßten Maschinerie der Apartheid anstreben und mit Entschlossenheit am Aufbau

*

AMERIKA DIENST 3

einer aus vielen Rassen bestehenden Demokratie
arbeiten.
An dem Tag, an dem mich der neue Präsident Clinton
zum Außenminister nominierte, habe ich bereits darauf hingewiesen, daß während meines Jurastudiums
General George Marshall und Dean Acheson meine
beiden Vorbilder waren. Es ist für mich eine große
Ehre, die Chance zur Ausübung des Amtes zu erhalten, das sie und so viele andere bewunderte Staatsmänner unserer Nation innehatten. Marshall und
Acheson waren Visionäre, die bei Anbruch des Kalten
Krieges erkannten, daß Amerika nicht sicher sein
kann, wenn es sich von der restlichen Welt abschottet.
Der Triumph der Freiheit in diesem großartigen Kampf
ist das Vermächtnis ihrer aktiven Außenpolitik, die
anderen unsere Werte vermittelte und unsere Interessen schützte.
Heute sehen wir uns, ebenso wie Marshall und Acheson zu ihrer Zeit, einem neuen Zeitafter und der
Herausforderung gegenüber, eine neue Außenpolitik
zu entwickeln, deren Aktivismus in den fortdauernden
Interessen Amerikas begründet sein muß. Sie muß
eine realistische Einschätzung der uns bedrohenden
Gefahren enthalten und von unseren gemeinsamen
demokratischen Überzeugungen geleitet sein. Und
damit sie im Ausland respektiert werden kann, mu ß sie
auf einen stabilen Konsens der beiden Parteien hier in
Amerika gründen.
Letztendlich wird die heute von mir skizzierte Sicherheitsstrategie daran gemessen werden, welchen Nutzen sie dem amerikanischen Volk bringt. Ihr Wert wird
nicht an ihrer theoretischen Eleganz, sondern an ihren
Ergebnissen gemessen. Wenn sie unseren Menschen mehr Wohlstand bringt und ihre Sicherheit im
Ausland erhöht, wenn sie den stabilisierenden und
adelnden Einfluß demokratischer Institutionen und
freierer Märkte erweitert, wenn sie bei der Erhaltung
unserer Umwelt für unsere Kinder hilft - wenn sie
derartiges erreicht, dann sind wir unserer Verantwortung gegenüber unserer Generation gerecht geworden, ebenso wie Marshall, Acheson und die anderen
Architekten der Nachkriegszeit der ihren gerecht wurden.
Sie waren es, die die hohen Maßstäbe anlegten, an die
wir uns jetzt bei der Neudefinition der Erfordernisse
einer weltweiten Führungsrolle der Vereinigten Staaten halten wollen. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit beiden Parteien im Kongreß zum Aufbau
eines neuen Rahmens für diese Führungsrolle, eines
Rahmens, innerhalb dessen es gesunde Diskussionen
geben wird, innerhalb dessen wir aber auch einen
starken Konsens erreichen können, der uns bei der
gemeinsamen Verfolgung unserer nationalen Interessen im In- und Ausland dienlich ist.

* * * *

Seite 7

�MARTIN

LUTHER

KING
20. Januar 1993

MARTIN LUTHER KINGS TRAUM LEBT WEITER
Erklärung seiner Witwe bei Diplomatenempfang
WASHINGTON - (AD) - Obwohl das häufig durch rassisch und ethnisch begründete Animositäten verursachte
Leid in vielen Teilen der Welt die Hoffnungen von_Dr. Martin Luther King auf eine bessere Zukunft überlagert haben
mag, ist seine Witwe, Coretta Scott King, der Überzeugung, daß "Dr. Kings Traum nie gestorben ist".
Bei einem diplomatischen Empfang im US-Au ßenministerium am 11. Januar 1993 betonte Frau King, sein Traum
sei "immer als helles Licht am Ende des Tunnels zugegen gewesen und hat Hoffnung auf ein besseres Amerika
und eine bessere Welt ausgestrahlt".
Sie verwies darauf, daß die Erinnerung an sein Leben und seinen Tod den Menschen überall "die Möglichkeit
bietet, seinen Lebensentwurf erneut zu studieren, Unzulänglichkeiten zu sehen und rechtzeitig die neuen
Maßnahmen zu planen, die notwendig sind, um seinen Traum von einer besseren Nation und einer besseren
Welt zu verwirklichen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die kurze Ansprache von Frau King im Wortlaut.
Herr Außenminister, Mitglieder des diplomatischen
Korps, verehrte Gäste,
ich möchte dem Minister für seine Großzügigkeit bei
der Ermöglichung dieses Empfangs danken.
Wir haben uns hier versammelt, um den 64. Geburtstag von Dr. Martin Luther King, Jr. und den achten
gesetzlichen Feiertag zu seinen Ehren zu begehen.
1993 wird ein Jahr der Jahrestage sein, darunter der
25. Jahrestag seiner Ermordung, der 30. Jahrestag
des Marschs auf Washington, der 30. Jahrestag der
Kampagne in Birmingham, der 25. Jahrestag der
Gründung des King-Zentrums in Atlanta sowie der 10.
Jahrestag der Unterzeichnung des Gesetzes, mit dem
ein bundesweiter gesetzlicher Feiertag geschaffen
wurde. Am Neujahrstag haben wir den 130. Jahrestag
der von Präsident Lincoln erlassenen Emanzipationserklärung gewürdigt.

er Aktionen und ehrenamtlicher Tätigkeit zugunsten
der Ziele, fürdie Dr. King sein Leben gab. Kein anderer
gesetzlicher Feiertag bietet ein größeres Potential
dafür, so viele Menschen unterschiedlicher ethnischer,
kulturellerund wirtschaftlicher Herkunft zusammenzuführen, um gemeinsame Probleme zu lösen und dies
in einem solch lebendigen Geist internationaler Brüder- und Schwesterlichkeit zu tun.
Traurigerweise wird Dr. Kings Traum heute in so vielen
Teilen unseres Landes und der Welt von einem Alptraum des Leides und unkontrollierbarer Ausbrüche
rassischer und ethnischer Animositäten abgelöst. Wir
brauchen nur das ehemalige Jugoslawien zu betrachten, die Republiken der früheren Sowjetunion, den
Sudan oder Somalia, Westjordanland und unsere
eigenen Städte.

Im vergangenen Jahr haben Sie, Herr Minister, eine
ähnliche Versammlung hervorragender PersönlichkeiSie und ich haben erlebt, wie der gesetzliche Feiertag ten daran erinnert, daß "unsere neue Weltordnung auf
zu Ehren Kings ein mächtiges Werkzeug wurde, um zerbrechlichen Fundamenten ruht". Wie recht Sie
Dr. Kings Traum zu verwirklichen. Unter der sorgfälti- hatten. Von Rußland bis Südafrika kämpft die Demogen Leitung der Kommission zur Begehung des King- kratie gegen den Strom. Das Amerika von heute ist
Feiertags wurde er zu einer Gelegenheit der rassen- eine Nation, in der Rasse gegen Rasse, Kultur gegen
übergreifenden und interkulturellen Zusammenarbeit Kultur, Klasse gegen Klasse, ethnische (Gruppe) gegen
und gemeinsamen Aktion in Städten, Bundesstaaten ethnische (Gruppe) steht. Amerika ist eine gespaltene
und sogarvielen anderen Ländern. Er wurde zu einem Nation, die sich in einer Welt befindet, die ebenfalls
Anlaß für Bildungs- und Fortbildungsmaßnahmen im über Rassen und ethnischer Zugehörigkeit zerbricht.
Hinblick auf Dr. Kings Überzeugungen und Methoden Trotz alledem ist Dr. Kings Traum nie gestorben. Er ist
sowie zu einer Gelegenheit schöpferischer, gewaltfreiAMERIKA DIENST 3

Seite 1

�immer als helles Licht am Ende des Tunnels zugegen
gewesen und hat Hoffnung auf ein besseres Amerika
und eine bessere Welt ausgestrahlt.
Martin Luther King Jr. glaubte daran, daß Gott weiterhin durch die Geschichte wirkt "um Seine Wunder zum
Ausdruck zu bringen". Dr. King betrachtete die Geschichte als Werk unserer Beziehung zu Gott, von
Furcht bis zu Haß, von Egoismus bis zu Gemeinschaft,
von Bösem zu Gerechtigkeit, von der Ferne zu Gott
und dem Mitmenschen hin zur Vereinigung mit Gott
und den Mitmenschen.
Dr. King glaubte daran, daß die Geschichte keine
Probleme aufwirft ohne schließlich auch Lösungen
hervorzubringen. In seinem Buch "Why We Canl
Wart" schrieb Dr. King, "die Desillusionierten, die Unterprivilegierten und die Enterbten scheinen in Zeiten
tiefer Krisen eine Art von Genius aufzubringen, der es
ihnen ermöglicht, die geeigneten Waffen zu ersinnen
und zu ergreifen, um ihr Schicksal zu bestimmen.
Genau dies war die friedliche Waffe gewaltfreier direkter Aktionen."
Dr. King glaubte daran, daß die Geschichte seiner
Generation ein "unbeschreiblich wichtiges Schicksal"
auferlegt hatte, "einen Prozeß der Demokratisierung
zu vollenden, der unsere mächtigste Waffe für die
Anerkennung und Nachahmung der Welt war". Er
glaubte daran, daß künftige Generationen im Rückblick auf seine Zeiten der turbulenten, spannungsgela-

denen Tage erkennen würden, wie Gott durch die
Geschichte zur Rettung der Menscheit wirkte.
Martin Luther King Jr. hatte mehr als einen Traum. Er
hatte ein Programm und einen Plan für revolutionären
sozialen Wandel, der alle Völker einbezog, niemanden
ausschloß und Wirkung bei Institutionen und Nationen
zeitigte. Er hinterließ uns einen Konstruktionsplan,
dem wir folgen sollten. Jeder King-Feiertag bietet uns
die Möglichkeit, seinen Lebensentwurf erneut zu studieren, Unzulänglichkeiten zu sehen und rechtzeitig
die neuen Maßnahmen zu planen, die notwendig sind,
um seinen Traum von einer besseren Nation und einer
besseren Welt zu verwirklichen.
Dr. King hat gesagt, es gebe "diejenigen, die Geschichteschreiben. Es gibt diejenigen, die Geschichte
machen. Es gibt diejenigen, die Geschichte erfahren."
Einige von uns werden die Geschichte unserer Zeit
schreiben. Wir alle werden diese Geschichte machen
und erfahren. Wir sollten diesen Moment nutzen, um
die Dinge für uns, unsere Kinder und andere wirklich zu
verbessern. Es ist nicht zu spät. Durch unsere
Handlungen sollten wir es künftigen Historikern ermöglichen, ein großartiges Kapitel über unsere guten
Taten und Leistungen zu schreiben, das ein dauerhaftes und unbeugsames Engagement für den Plan, das
Programm und den gewaltfreien Lebensentwurf Dr.
Kings widerspiegelt - sogar bis ins nächste Jahrhundert hinein.

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AMERIKA DIENST 3

�MENSCHENRECHTE
20. Januar 1993

JAHRESBERICHT ZUR WELTWEITEN
MENSCHENRECHTSSITUATION
Erfaßt 189 Länder und zeigt Verletzungen auf
WASHINGTON - (AD) - Der am 19. Januar veröffentlichte Jahresbericht der Vereinigten Staaten zu r Situation der Menschenrechte ist Teil des von der Vertreterin des Außenministeriums Patricia Dennis als "Doppelansatz" der Vereinigten Staaten im Bereich der
Menschenrechtspolitik bezeichneten Vorgehens.

beleuchten. Dadurch können ihr zufolge die Staaten
bei der "Entwicklung eines weltweiten Konsenses"
über die Praktiken einiger Länder helfen und den
moralischen Druck auf Wandel verstärken.

Dennis, Abteilungsleiterin für Menschenrechtsfragen
und humanitäre Angelegenheiten im Außenministerium, ist der Ansicht, ihr Land habe sowohl die "Fähigkeit als auch das Bedürfnis", diese Bemühungen zu
unternehmen, und hofft, daß dies auch in Zukunft so
bleibt.

Ermutigung der Demokratie, da "Menschenrechte in einem demokratischen Land eher
beachtet werden",

Sie fügte hinzu, der Bericht sei nun "die Grundlage für
viele Länder zur Beurteilung ihres Verhaltens gegenEin Ansatz besteht darin, so Dennis in einem Interview über anderen Staaten".
mit dem US-Informationsamt am 15. Januar 1993, in
Einzelfällen von Unterdrückung zu helfen. Dies um- Dennis betonte, die Bestrebungen der Vereinigten
faßt sowohl die Unterstützung des einzelnen bei der Staaten zur Verbesserung der Menschenrechtslage
Durchsetzung seiner Rechte als auch enorme huma- seien ein anhaltendes Bemühen der amerikanischen
nitäre Bestrebungen wie die gegenwärtig von den Diplomaten bei ihrem täglichen Umgang mit den MitVereinigten Staaten in Somalia unternommene. Der gliedern ihrer Gastgeberregierungen.
andere Ansatz beinhaltet, die Menschenrechtsbilanz Ihr zufolge konzentrierten sich unter der Bush-Adminianderer Regierungen auf der ganzen Welt zu verbes- stration die spezifischen Bestrebungen im Bereich der
sern - dies ist das Ziel des Jahresberichts.
Menschenrechte auf folgendes:

Sie erklärte, der Menschenrechtsbericht für 1992 erfasse 189 Länderund vergleiche die Menschenrechtsbilanz ihrer Regierungen anhand von international
anerkannten Normen, einschließlich der Allgemeinen
Deklaration der Menschenrechte. Der ursprünglich
vom Kongreß zur Erfassung der Menschenrechtssituation in den Ländern, die Hilfe von den Vereinigten
Staaten erhalten, zwingend vorgeschriebene Bericht
erfaßt jetzt alle Mitglieder der Vereinten Nationen.

Förderung der Rechtstaatlichkeit, "damit sie als
Rahmen für die Lösung schwieriger Probleme
dient", sowie
Förderung der Rechte des einzelnen, um "sicherzustellen, daß die Menschen dieselben
Freiheiten genießen, die" in der amerikanischen
Verfassung und der Bill of Rights verankert
sind".

Die für die Erstellung dieses Dokuments notwendigen
Informationen werden von amerikanischen Botschaften, internationalen nichtstaatlichen Organisationen,
nationalen Menschenrechtsgruppen und anderen
Quellen gesammelt.

Dennis nannte das internationale Hilfsprogramm für
Somalia ein Beispiel für das Engagement im Bereich
der Menschenrechte nicht nur von amerikanischer,
sondern von multilateraler Seite. Das zur Zeit in
Somalia laufende humanitäre Hilfsprogramm ist ihr
zufolge ein Meilenstein bei den "Bemühungen der
internationalen Staatengemeinschaft, eine Vielzahl von
Menschenrechtsverietzungen zu bewältigen".

Laut Dennis hatte der Jahresbericht den "unerwarteten" Vorteil, Menschenrechtsverletzungen vor dem
"Gerichtshof der Weltmeinung" schlaglichtartig zu

"Eine multilaterale Anstrengung erfordert stets mehr
Zeit als eine unilaterale", fügte sie hinzu. Durch
Projekte wie das jetzt in Somalia laufende wird die

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�internationale Staatengemeinschaft besser auf den
künftigen Umgang mit einer bestimmten Situation
vorbereitet.

In Afrika gibt es Dennis zufolge "eine gehörige Portion
Optimismus über die Konsolidierung der Demokratie
und demokratische" Prinzipien.

Dennis verglich auch die Umstände in Somalia mit den
ganz anders gearteten in Bosnien-Herzegowina, wo
"es viele neue Probleme im Bereich der Menschenrechte gibt und wir (die Völkergemeinschaft) viel Zeit
benötigen werden, um den effektiven Umgang damit
zu erlernen".

Sie erklärte, ethnische und religiöse Uneinigkeit sei
ebenfalls "eine treibende Kraft" hinter Menschenrechtsverletzungen in einigen Ländern, insbesondere in den
Staaten der früheren Sowjetunion, in denen es nicht
länger ein Unterdrückungsregime gibt, das die historisch bedingten politischen und wirtschaftlichen Feindseligkeiten unter Kontrolle hält.

Im Rückblick auf die Ereignisse des Jahres 1992
nannte die Abteilungsleiterin des US-Außenministeriums auch positive Entwicklungen: mehr demokratische Regierungen, die Konsolidierung demokratischer
Regime in Lateinamerika und der fortdauernde,
"wenngleich zögernde" Fortschritt bei Menschenrechtsfragen in den Staaten der ehemaligen Sowjetunion.
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In den Vereinigten Staaten ist man der Meinung, daß
durch die Anwendung rechtsstaatlicher Prinzipien die
grundlegenden Überzeugungen und Wertesysteme
der Menschen geändert werden können, um solche
Konflikte aus der Welt zu schaffen.

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�UMWELT
20. Januar 1993

1993 JAHR DES ENGAGEMENTS FÜR DIE UMWELT
Äußerungen Clintons deuten auf Veränderungen hin
WASHINGTON - (AD) - Die Vereinten Nationen beginnen, eine als "umweltverträgliche Entwicklung" bezeichnete Vision mit Inhalt zu füllen, und der neue
Präsident Clinton hat versprochen, die Vereinigten
Staaten zur führenden Kraft bei diesen Bemühungen
zu machen.

verlagern. Der Hauptteil von dessen Budget in Höhe
von 18,8 Milliarden Dollar wird für die Produktion von
Kernwaffen sowie Forschungsprojekte ausgegeben,
die sich beispielsweise mit der Verbesserung des
Wirkungsgrades von Kohle- und Kernkraftwerken
befassen.

Diese Vision erhielt beim einzigartigen Erdgipfel vom
vergangenen Juni in Rio de Janeiro Unterstützung, an
dem mehr Regierungschefs - etwa 120 der 179 Länder, die Mitglied der Vereinten Nationen sind - teilnahmen als bei irgendeiner früheren Versammlung.

Eine Studie des Energieministeriums kam im Dezember zu dem Schluß, daß sich die staatlichen Subventionen der Energiewirtschaft auf 5 bis 10 Milliarden
Dollar belaufen, was von der jeweiligen Definition des
Begriffs Subvention abhängt. Umweltgruppen sind
seit den Wahlen im November besonders aktiv mit
Forderungen, mehr für die Erforschung der Sonnenenergie und des Einsatzes von Erdgas anstatt für die
Kernenergie auszugeben.

Ihre Arbeit wurde von der Generalversammlung der
Vereinten Nationen fortgesetzt, und Ende 1992 hatte
sie eine Kommission für umweltverträgliche Entwicklung eingesetzt, die das ehrgeizigste jemals entwickelte Programm zum weltweiten Umweltschutz bei gleich- Ein Grund für die nachhaltige Unterstützung von Clinzeitiger Förderung der Entwicklung in der Dritten Welt ton und Gore durch diese Gruppen bestand in ihrer
beaufsichtigen soll.
Überzeugung, daß beide die Vereinigten Staaten in
eine Zukunft umweltverträglicher Entwicklung führen
In den Vereinigten Staaten wählten die Stimmberech- würden. Umweltschützer erklären, daß sie von Steltigten Bill Clinton zum Präsidenten, der im Wahlkampf lungnahmen Clintons und seiner Kabinettsmitglieder
unter anderem versprochen hatte, daß "die Vereinig- nach den Wahlen nicht enttäuscht worden seien. Seine
ten Staaten die Führungsrolle bei der Förderung Wahl für die Spitzenposition im Umweltbereich, die
umweltverträglicher Entwicklung übernehmen werden". Leitung des EPA, ist Carol Browner, die in Florida
Sein Vizepräsidentschaftskandidat AI Gore war einer bereits in der Umweltbehörde tätig und zuvor Assistender führenden Umweltschützer im amerikanischen tin im Senatsbüro von Gore war.
Senat gewesen und hatte sich häufig für die Notwendigkeit eines Abkommens mit der Dritten Welt ausge- Bei den Vereinten Nationen hat die Generalversammsprochen, um die Entwicklung anzukurbeln und gleich- lung im Dezember die "Agenda 21" verabschiedet, ein
zeitig die Umwelt zu schützen.
800seitiges Umweltschutz- und Entwicklungsprogramm,
das beim Erdgipfel ausgehandelt worden war. AmeriBis Ende 1992 hatte der neugewählte Präsident Clin- kanische Regierungsvertreter haben die Agenda 21
ton ein Kabinett zusammengestellt, in dem die Belan- als "außergewöhnliches Dokument" bezeichnet, weil
ge der Umwelt sehr gut vertreten zu sein scheinen. es nahezu alle Umweltprobleme aufführt und VorSeine Kandidaten für die Leitung des Bundesamts für schläge zu deren Überwindung enthält.
Umweltschutz (EPA) sowie die Ressorts für Energie
und Inneres sind als Befürworter des sparsamen Eine der in Agenda 21 enthaltenen Fragen, die beim
Umgangs mit natürlichen Ressourcen, verstärkter Erdgipfel und von der Generalversammlung besonEnergieausnutzung und des größeren Einsatzes er- ders eingehend diskutiert wurde, war die Macht der
neuerbarer Energieträger wie der Sonnenenergie Kommission für umweltverträgliche Entwicklung.
bekannt.
"Die Versammlung hat entschieden, daß der KommisClinton und die von ihm für das Energieministerium sion von den Regierungen auf freiwilliger Basis Infornominierte Hazel O'Leary erklärten bei einer Presse- mationen geliefert werden", erläuterte ein UN-Vertrekonferenz, sie wollten die Prioritäten des Ministeriums ter kürzlich in einem Interview. Der Grund für die
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�Freiwilligkeit der Berichte besteht ihm zufolge darin,
daß es ohne vereinbarte Definition von umweltverträglicher Entwicklung keine Möglichkeit gibt, den Fortschritt auf dem Weg zu diesem Ziel zu messen.

zum Jahr 2000. Eine zwischenstaatliche Wissenschaftlergruppe hat davor gewarnt, daß sich die Welt
erheblich erwärmen werde, falls Gase wie etwa Kohlendioxid, das durch die Verbrennung von Stoffen wie
Kohle, Öl und Holz produziert wird, nicht kontrolliert
werden. Eine Erwärmung könnte zu drastischen Klimaveränderungen führen, stellte die Gruppe fest.

"Was für ein Land umweltverträglich ist, mag für ein
anderes Land unterschiedlich sein. Es gibt keine
eindeutig definierten Normen dessen, was umweltverträgliche Entwicklung ist," erklärte er.
Der Vertrag wurde von Kontroversen begleitet, weil
sich die Vereinigten Staaten als einziges wichtiges
Die Hunderte nichtstaatlicher Organisationen, die beim Industrieland weigerten, sich auf ein rechtlich bindenErdgipfel vertreten waren, hatten mit dem Argument des Ziel für das Ausmaß der Treibhausgasemissionen
obligatorische Jahresberichte von jedem Land gefor- festzulegen. Die Bush-Administration bestand darauf,
dert, daß Fortschritte danach beurteilt werden könn- daß es zu viel wissenschaftliche Ungewißheit gebe,
ten, wie nah jedes Land an die Verwirklichung der um die Reduzierung des Einsatzes von Brennstoffen
Hunderte von Zielen herankäme, die in Agenda 21 zu rechtfertigen, auf die sich die Vereinigten Staaten
formuliert sind. Darüber hinaus wollten sie der Kom- und andere Industriestaaten so weitgehend stützen.
mission die Befugnis verleihen, Umweltprobleme an
jedem Ort der Welt zu untersuchen.
Darüber hinaus wurde die Bush-Administration beim
Erdgipfel scharf kritisiert, weil sie sich weigerte, einen
Die Entwicklungsländer wehrten sich jedoch erfolg- Vertrag zum Schutz von Weltregionen zu unterzeichreich gegen vorgeschriebene Berichte und erweiterte nen, die besonders reich an Tier- und Pflanzenarten
Vollmachten der Kommission. Ferner stießen sie auf sind.
wenig Widerstand mit der Forderung, daß die Kommission den Umfang der Hilfe beobachten solle, die von Amerikanische Regierungsvertreter hielten dem entden Industriestaaten an die Entwicklungsländer verge- gegen, der Vertrag schütze nicht die Rechte der Unterben wird, um diesen bei der Überwindung von Umwelt- nehmen, die mit den genetischen Ressourcen in dieproblemen zu helfen.
sen biologisch reichen Gebieten Produkte entwickelten.
In einem Kompromiß wurde Bürgerinitiativen das Recht
eingeräumt, an den Sitzungen der Kommission teilzu- Beim Rückblick auf den Erdgipfel erklärte der Leiter
nehmen und unabhängig von der Haltung der jeweili- des EPAunterder Bush-Administration, William Reilly,
gen Regierung Berichte über Probleme in einem Land im Dezember 1992, er habe den Punkt markiert, an
einzureichen.
dem die Umwelt mit den wichtigsten Themen verflochten wurde, mit denen Entwicklungs- und IndustriestaaDie Führung des Ausschusses soll bei einem organi- ten konfrontiert sind. "Er zeigte, daß Umweltfragen in
satorischen Treffen Anfang Februar am New Yorker Zusammenhang mit Bereichen wie Handel, Energie,
Sitz der Vereinten Nationen gewählt werden. Die Landwirtschaft und wirtschaftlicher Entwicklung beMitgliedschaft wurde auf 53 Regierungen begrenzt, die handelt werden müssen", schrieb er.
auf Rotationsbasis mitarbeiten werden.
Umweltfragen sind in den Vereinigten Staaten sicherDas erste inhaltliche Treffen der Kommission zur lich mit Handelsproblemen verknüpft worden. Die
Erörterung der Verwirklichung von Agenda 21 wird Bush-Administration hat im Oktober ein Freihandelswahrscheinlich im Mai oder Juni stattfinden. Danach abkommen mit Mexiko und Kanada zustandegebracht,
wird erwartet, daß die Kommission jährlich zusam- das von Reilly als "grünstes" jemals ausgehandeltes
mentritt.
internationales Handelsabkommen bezeichnet wurde.
Die Generalversammlung hat darüber hinaus begonnen, eine Forderung des Erdgipfels nach einem Vertrag auszugestalten, um die Ausbreitung der Wüsten
in unter Dürre leidenden Ländern zu bekämpfen,
besonders in Afrika. Sie beschloß einmütig, einen
zwischenstaatlichen Ausschuß zu schaffen, der im
Februar die Verhandlungen aufnehmen soll.

Der neue Präsident Clinton erklärte jedoch während
des Wahlkampfs, er sei etwas besorgt über die Auswirkungen des vorgeschlagenen und vom Kongreß noch
nicht verabschiedeten Abkommens auf die Umwelt.
Nahezu alle Umweltgruppen haben sich einer Kampagne gegen die Verabschiedung angeschlossen und
behaupten, das Abkommen werde in Mexiko Verschmutzungsreservate schaffen.

Darüber hinaus genehmigte sie die Einrichtung einer
multidisziplinären Expertengruppe, um den Unterhänd- Sie sind der Ansicht, amerikanische Unternehmen
lern bei technischen Fragen zu helfen.
würden nach Mexiko abwandern, um den strengen
Umweltschutzbestimmungen in den Vereinigten StaaÜber 150 Länder unterzeichneten beim Erdgipfel eiten zu entgehen. Vertreter der Administration haben
nen umfassenden aber nicht bindenden Vertrag zur
versucht, dieses Argument mit dem Hinweis zu widerBegrenzung der Treibhausgasemissionen, die Wärme
legen, das vorgesehene Abkommen gestatte es jedem
auf der Erde zurückhalten, auf das Niveau von 1990 bis
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�der drei Länder, in einem Verfahren zur Beilegung von Vertreter des Außenministeriums stellten unlängst fest,
Streitigkeiten Probleme zur Sprache zu bringen.
sie erwarteten, daß die neue Clinton-Administration
dem Anfang Januar bereits vereidigten neuen KonDie Vereinigten Staaten haben im Jahr 1992 drei greß erneut ein solches Gesetz vorlegen werde.
weitere wichtige internationale Umweltverträge unterzeichnet oder Maßnahmen zu ihrer Verwirklichung Ebenso verabschiedete der Senat im August einen
ergriffen. Zunächst verständigten sich Vertreter der Vertrag, der die Ausfuhr von Sondermüll in andere
Vereinigten Staaten und 92 anderer Länder im Novem- Länder streng regeln würde, aber den beiden Häusern
ber darauf, den stufenweisen Abbau des Einsatzes des Kongresses gelang es nicht, die Durchführungsvon Chemikalien zu beschleunigen, die die schützen- gesetze zu verabschieden.
de Ozonschicht in der Atmosphäre angreifen. Sie
vereinbarten, den Einsatz von Fluorchlorkohlenwas- Ein wichtiger Bestandteil dieses Vorhabens, das dem
serstoffen (FCKW) und Kohlentetrachlorid bis zum 1. Kongreß erneut vorgelegt werden müßte, um die
Januar 1996 einzustellen, vier Jahre schneller als im amerikanischen Gesetze dem Vertrag anzupassen, ist
die Definition von Haushaltsabfällen und der nach ihrer
ursprünglichen Zeitplan vorgesehen.
Verbrennung zurückbleibenden Asche als SonderDie Nutzung mehrerer anderer Chemikalien wird eben- müll.
falls wesentlich schneller eingestellt als zunächst vorgesehen, da sie alle die Ozonschicht schädigen, die In vieler Hinsicht erfüllen die amerikanischen Bestimden Menschen vor Hautkrebs und Starerkrankungen mungen den Vertrag jedoch bereits. So darf Sondermüll zum Beispiel nicht in andere Länder transportiert
schützt.
werden, es sei denn, die Regierung des jeweiligen
Ein Dauerfonds wird ferner den Entwicklungsländern Landes erteilt eine schriftliche Genehmigung für deren
helfen, Ersatzstoffe für ozonschädigende Stoffe zu Einfuhr.
erwerben oder herzustellen. Die Industriestaaten haben
für die Jahre 1993 und 1994 113 Millionen Dollar für Nahezu alle Transporte von Sondermüll gehen heute
zur Entsorgung oder Wiederverwertung nach Kanada,
diesen Fonds zugesagt.
beziehungsweise ausschließlich zur WiederverwerZweitens hat der amerikanische Senat im Oktober den tung nach Mexiko. Die Vereinigten Staaten unterhalVertrag zum Verbot von Bergbau und Bohrungen in ten Abkommen mit Kanada und Mexiko, in denen
der Antarktis für zumindest die nächsten 50 Jahre diese Lieferungen geregelt werden. Vertreter der
sowie zur strengen Regulierung weiterer Maßnahmen Administration haben erklärt, sie planten keine Ververabschiedet, mit denen das empfindliche Ökosy- handlungen über neue bilaterale Abkommen.
stem dort geschädigt werden könnte.
Als er im Dezember 1992 auf die Entwicklung der
Die Bush-Administration hat jedoch erklärt, sie könne amerikanischen Umweltpolitik im Lauf der Jahrzehnte
den Ratifizierungsprozeß nicht abschließen, solange sowie während seiner vier Jahre als Leiter des EPA
der Kongreß kein Gesetz verabschiedet hat, das dem zurückblickte, stellte Reilly fest, die Vereinigten StaaPräsidenten die Befugnis zur Durchführung der Ver- ten hätten weiterhin die weltweit strengsten Bestimtragsbestimmungen verleiht. Ein solches Gesetz ge- mungen und weniger Umweltbelastungen als je zuvor.
langte im Kongreß nie zur Abstimmung, weil einige
seiner Ausschüsse mit der Administration Meinungs- Am wichtigsten, so Reilly, ist die Tatsache, daß der
verschiedenheiten darüber hatten, welche Bundesbe- Umweltschutz verbessert wurde, während die Konjunktur einen Aufschwung erlebte. Er trat vehement
hörden welche Programme durchführen sollten.
dafür ein, die Entwicklungsländer sollten nicht befürchten, die Eindämmung der Umweltverschmutzung und
der Schutz der Umwelt würden ihr Wirtschaftswachstum gefährden.
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�PASSIVRAUCHEN
20. Januar 1993

US-STUDIE: 3.000 MENSCHEN STERBEN PRO
JAHR INFOLGE VON PASSIVRAUCHEN
Kinder besonders betroffen
WASHINGTON - (AD) - Das US-Amt für Umweltschutz (Environmental Protection Agency - EPA) ist zu
der Schlu ßfolgerung gelangt, daß pro Jahr bis zu 3.000
Nichtraucher an Lungenkrebs sterben können, weil sie
den Rauch derjenigen einatmen, mit denen sie zusammenleben oder -arbeiten.
Der Leiter des EPA, William Reilly, erklärte bei einer
Pressekonferenz am 7. Januar 1993, "Rauchen stellt
nicht nur eine Gesundheitsgefahr für Raucher dar,
sondern auch ein beträchtliches Risiko für Nichtraucher, insbesondere Kinder, die dem Rauch ausgesetzt
sind."

geschädigt worden zu sein, nun, da sie mit einem
umfangreichen, 530 Seiten starken Bericht bewaffnet
sind. Ein Vertreter des EPA stellte in einem Interview
im Anschluß an die von Reilly und Sullivan gegebene
Pressekonferenz fest, die Möglichkeit solcher Prozesse könnte sich als der Hauptgrund privater Arbeitgeber
und Restaurants für ein Rauchverbot erweisen.

Vertreter von Philip Morris USA, einem führenden
Zigarettenhersteller, erklärten anläßlich der von ihnen
am 6. Januar 1993 veranstalteten Pressekonferenz,
die EPA-Studie erbringe keinen "überzeugenden Beweis"
für ein erhöhtes Krebsrisiko aufgrund von Passivrauchen. Sie argumentierten ferner, die jüngsten und
Louis Sullivan, Gesundheitsminister und Arzt, trat umfassendsten Studien über die Auswirkungen von
gemeinsam mit Reilly bei der Pressekonferenz auf und Zigarettenrauch seien vom EPA nicht berücksichtigt
gab die Einführung einer Kampagne bekannt, mit der worden.
die Öffentlichkeit ermutigt werden soll, ein Rauchverbot in Betrieben, Büros und Restaurants aufgrund des In Beantwortung einer bei der Pressekonferenz mit
"Giftes" von Zigarettenrauch aus zweiter Hand zu Sullivan gestellten Frage erwiderte Reilly, Wissenfordern.
schaftler hätten 30 Berichte aus allen Ländern der Welt
studiert und seien zu der Schlußfolgerung gelangt,
Wie bei früheren Regierungsstudien, bei denen eine Passivrauchen würde Krebs erzeugen. EPA analyVerbindung zwischen Rauchen und Lungenkrebs sierte 11 amerikanische sowie sechs in Japan, vier in
hergestellt wurde, widersprach die Tabakindustrie China, vier in Hongkong, zwei in Griechenland, zwei in
vehement den Schlußfolgerungen, wohingegen nicht- Schweden und jeweils eine in England und Schottland
staatliche Gesundheitsorganisationen die Bundes- und erstellte Studien.
kommunalen Regierungen drängten, strengere Maßnahmen gegen Rauchen in öffentlichen Gebäuden zu Dr. Sullivan fügte hinzu, die von Philip Morris zitierte
ergreifen.
umfangreiche Studie sei vor nur sieben Monaten fertiggestellt worden und damit habe nicht genügend Zeit
Dieser seit vier Jahren erarbeitete jüngste Bericht hat zur Verfügung gestanden, um sie in der EPA-Studie zu
soviel Staub aufgewirbelt, daß einige seiner Erkennt- berücksichtigen. Dennoch stünden ihre Erkenntnisse
nisse zwei Tage vor seiner Veröffentlichung an Zeitun- voll und ganz im Einklang mit denen der anderen 30
gen durchsickerten und die Zigarettenhersteller und hinzugezogenen Studien, so Dr. Sullivan.
Gesundheitsorganisationen Pressekonferenzen veranstalteten, bei denen der Bericht einen Tag vor seiner "Ich kenne keinen Industriezweig, der so wenig glaubHerausgabe verurteilt, beziehungsweise gelobt wur- würdig ist wie die Zigarettenindustrie", stellte er fest.
de.
Dem EPA-Bericht zufolge sterben in den Vereinigten
Eine Besorgnis der Zigarettenhersteller ist die Mög- Staaten rund 434.000 Menschen pro Jahr an durch
lichkeit einer zunehmenden Anzahl von Prozessen Rauchen verursachtem Krebs, Herzkrankheiten und
von Personen, die behaupten, durch Passivrauchen Erkrankungen der Atemwege. "Rauchen ist die füh-

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�rende vermeidbare Todesursache in unserer heutigen
Gesellschaft", erklärte Reilly in seiner Eröffnungsansprache.
Ungefähr 140.000 dieser Todesfälle sind diesem Bericht zufolge auf Lungenkrebs zurückzuführen. Rund
3.000 sind Nichtraucher, die Tabakrauch inhalieren.
Sowohl der von Zigaretten aufsteigende als auch der
von Rauchern ausgeatmete Rauch enthält eine aus
über 4.000 Bestandteilen bestehende komplexe Mischung, die "zahlreiche bekannte oder vermutete
menschliche Karzinogene und toxische Wirkstoffe
enthält", stellt der Bericht fest.
Passivrauchen hat besonders negative Auswirkungen
auf Kinder, so der Bericht, und trägt zu 150.000 bis
300.000 Fällen von Erkrankungen der Atemwege jährlich bei wie Lungenentzündung, Bronchitis und Bronchiolitis unter weniger als 18 Monate alten Kindern.
Dies hat Schätzungen des Berichts 7.500 bis 15.000
stationäre Aufenthalte pro Jahr zur Folge.

Reilly bezeichnete diese Behauptung "als völlig unzutreffend". Die Studie über Herzkrankheiten sei noch im
Durchführungsstadium und nicht zur Veröffentlichung
bereit, erklärte er und fuhr fort, "wir verfügen über
entschieden bessere und überzeugendere Daten zu
Lungenkrebs als zu Herzkrankheiten".
Michael Eriksen, Leiter des Büros für Rauchen und
Gesundheit der amerikanischen Gesundheitsämter,
äußerte in einem Interview nach der von Reilly und
Sullivan gegebenen Pressekonferenz, der Prozentsatz der Raucher sei in den letzten 30 Jahren auf den
niedrigen Stand von 25 Prozent der Bevölkerung
gesunken.
In Osteuropa beträgt der Anteil der Raucher an der
Bevölkerung derzeitig 70 bis 80 Prozent. In den
Entwicklungländern liegt der Prozentsatz niedriger, ist
jedoch im Ansteigen begriffen.
"China hat die größten Probleme aufgrund seiner
riesigen Bevölkerung und der steigenden Zahl der
Raucher. Im Fernen Osten hat Rauchen den Tod von
Millionen Menschen zur Folge", erklärte er.

Darüber hinaus stellt der Bericht fest, daß Passivrauchen die Kondition von 200.000 bis 1 Million astmathischer Kinder verschlechtert.
Nur wenige Industrienationen - die Vereinigten Staaten, Großbritannien und Australien - haben Eriksen
Der Bericht ging nicht auf das Verhältnis zwischen zufolge wirksame Antiraucherprogramme in die Wege
Passivrauchen und Herzkrankheiten ein. Einigen Artikeln geleitet. Noch weniger Länder hätten begonnen, sich
von Nachrichtenagenturen zufolge wurde eine solche über die Auswirkungen des Passivrauchens GedanStudie von EPA-Vertretern unterdrückt, weil das EPA ken zu machen. Frankreich bilde eine Ausnahme,
zu dem Schluß gelangt war, Passivrauchen bewirke seine Bestimmungen zum Schutz der Nichtraucher
über zehnmal mehr Todesfälle wegen Herzkrankhei- hätten jedoch noch keine Wirkung gezeigt, bemerkte
ten als aufgrund von Lungenkrebs.
Eriksen.

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                <text>&lt;strong&gt;1. Irak&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Verbündete entschlossen, Einhaltung der UNO-Resolutionen zu erzwingen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Bush und Fitzwater zu Operation der Allierten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Clinton: Beziehungen hängen von Saddam Husseins Verhalten ab&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Stellungnahme des neuen Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Amtseinführung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amtsantrittsrede tonangebend für Administration&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Seit über 200 Jahren dieselben Themen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Themen bei der Amtseinführung geben Einblick in Clintons Politik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Zusammenfassung mit Regierungsstil&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Außenpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wirtschaft, Verteidigung, Demokratie im Mittelpunkt amerikanischer Politik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Anhörung des neuen Außenministers Christopher&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Martin Luther King&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Martin Luther Kings Traum lebt weiter&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung seiner Witwe bei Diplomatenempfang&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Menschenrechte&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Jahresbericht zur weltweiten Menschenrechtssituation &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erfaßt 189 Länder und zeigt Verletzungen auf&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Umwelt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;1993 Jahr des Engagements für die Umwelt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Äußerungen Clintons deuten auf Veränderungen hin&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;7. Passivrauchen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Studie: 3000 Menschen sterben pro Jahr infolge von Passivrauchen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Kinder besonders betroffen&lt;/em&gt;</text>
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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America
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Sonderdienst
21.Januar 1993

AMTSEINFÜHRUNG

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

PRÄSIDENT CLINTON: USA MUSSEN
WEITERHIN HERAUSFORDERUNGEN
IM AUSLAND BEWÄLTIGEN
Rede des neuen Präsidenten
bei seiner Amtseinführung

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�AMTSEINFÜHRUNG
21.Januar 1993

PRÄSIDENT CLINTON: USA MÜSSEN WEITERHIN
HERAUSFORDERUNGEN IM AUSLAND BEWÄLTIGEN
Rede des neuen Präsidenten bei seiner Amtseinführung
WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton hat am 20. Januar 1993 seinen Mitbürgern erklärt, daß die Vereinigten Staaten weiterhin "Herausforderungen im Ausland ebenso wie im Inland bewältigen" und weiterhin "die Welt
führen müssen, zu deren Entstehung wir so sehr beigetragen haben".
In seiner Rede anläßlich der Amtseinführung erklärte der neue Präsident auf den Stufen des Kapitols, es gebe
heute "keine klare Trennung mehr zwischen Außen- und Innenpolitik - die Weltwirtschaft, die Umwelt, die AIDSKrise der Welt, das weltweite Wettrüsten betreffen uns alle."
Clinton verwies darauf, daß die Vereinigten Staaten bei Herausforderungen ihrer vitalen Interessen "wenn
möglich mit friedlicher Diplomatie und wenn nötig mit Gewalt" reagieren würden. "Die mutigen Amerikaner, die
am Persischen Golf, in Somalia und andernorts stehen, sind Zeugnis unserer Entschlossenheit."
Nachfolgend veröffentlichen wir Clintons Rede zur Amtseinführung im Wortlaut.

Meine Mitbürger,
heute feiern wir das Mysterium der amerikanischen
Erneuerung. Diese Zeremonie findet mitten im Winter
statt. Aber mit den Worten, die wir sprechen und mit
den Gesichtern, die wir der Welt darbieten, erzwingen
wir den Frühling - einen Frühling, der in der ältesten
Demokratie der Welt wiedergeboren wird und der die
Vision und den Mut hervorbringt, um Amerika neu zu
erfinden.
Als unsere Gründerväter kühn der Welt die Unabhängigkeit Amerikas und Gott dem Allmächtigen unsere
Ziele erklärten, wußten sie, daß Amerika, um Bestand
zu haben, sich verändern mußte. Verändern nicht um
der Veränderungen willen, sondern verändern, um
Amerikas Ideale - das Leben, die Freiheit und das
Streben nach Glück - zu bewahren. Obwohl wir nach
der Musik unserer Zeit marschieren, ist unser Auftrag
zeitlos. Jede Generation muß definieren, was es
heißt, Amerikaner zu sein.

Heute stellt sich eine im Schatten des Kalten Krieges
aufgewachsene Generation neuen Pflichten in einer
Wert, die vom Sonnenschein der Freiheit erwärmt,
aber immer noch von altem Haß und neuen Plagen
bedroht wird.
Aufgewachsen in beispiellosem Wohlstand erben wir
eine Wirtschaft, die immer noch die stärkste der Wert
ist, aber von Konkursen, stagnierenden Einkommen,
wachsender Ungleichheit und tiefen Gräben zwischen
unseren Bürgern geschwächt wird.
Als George Washington zum ersten Mal den Eid
leistete, den ich gerade zu haften geschworen habe,
verbreiteten sich Nachrichten nur langsam zu Pferde
über Land und per Schiff über die Meere. Heute
werden die Bilder und der Ton dieser Feier unverzüglich zu Milliarden Menschen auf der ganzen Welt übertragen.

Kommunikation und Handel haben globalen Charakter, Investitionen sind mobil, die Technologie grenzt an
Stellvertretend für mein Land beglückwünsche ich Zauberei und der Ehrgeiz für ein besseres Leben ist
meinen Vorgänger für das halbe Jahrhundert seines überall anzutreffen. Wir verdienen unseren LebensunDienstes an Amerika, und ich danke den Millionen terhalt im Amerika von heute in friedlichem WettbeMännern und Frauen, deren Standhaftigkert und Opfer werb mit Menschen auf der ganzen Welt.
über Depression, Faschismus und Kommunismus triumphierten.

SONDERDIENST 1

Seite 1

�Grundlegende und mächtige Kräfte erschüttern unsere Welt und gestalten sie neu, und die drängende
Frage unseres Zeitalters lautet, ob wir den Wandel zu
unserem Freund und nicht zu unserem Feind machen
können.

Dies wird nicht leicht sein, es wird Opfer erfordern.
Aber es kann getan werden und zwar auf faire Weise.
Dies sind nicht Opfer um ihrer selbst willen, sondern
um unseretwillen, denn wir müssen für unsere Nation
sorgen, wie eine Familie für ihre Kinder sorgt.

Diese neue Welt hat bereits das Leben von Millionen
Amerikanern bereichert, die in der Lage sind, in ihr zu
konkurrieren und zu gewinnen. Wenn jedoch die
meisten Menschen für weniger mehr arbeiten, wenn
andere überhaupt nicht arbeiten können, wenn die
Kosten des Gesundheitswesens Millionen ruinieren
und viele unserer Unternehmen - große und kleine - in
den Bankrott zu treiben drohen, wenn die Furcht vor
Verbrechen gesetzestreue Bürger ihrer Freiheit beraubt und wenn Millionen armer Kinder sich das Leben,
das wir sie zu führen auffordern, noch nicht einmal
vorstellen können, haben wir den Wandel nicht zu
unserem Freund gemacht.

Unsere Gründerväter betrachteten sich im Lichte der
Nachwelt. Wir können nicht weniger tun. Jeder, der
jemals beobachtet hat, wie die Augen eines Kindes
langsam vom Schlaf überwältigt werden, weiß, was
Nachwelt ist. Nachwelt ist die Welt, die noch kommen
wird - die Welt, für die wir unsere Ideale aufrechterhalten, von der wir unseren Planeten geliehen haben und
für die wir eine geheiligte Verantwortung tragen.

Von unserer Revolution über den Bürgerkrieg und die
Große Depression bis zur Bürgerrechtsbewegung hat
unser Volk die Entschlossenheit aufgebracht, aus diesen
Krisen die Pfeiler unserer Geschichte zu bauen.

und sie vergessen darüber die Menschen, die uns mit
ihren Mühen und ihrem Schweiß hierhin entsandt
haben und die uns bezahlen.

Wir müssen tun, was keine Generation zuvor tun
mußte. Wir müssen mehr in unser Volk, seine Arbeitsplätze und seine Zukunft investieren und gleichzeitig
unsere massive Verschuldung abbauen. Und wir
müssen dies in einer Welt tun, in der wir um jede
Chance konkurrieren müssen.

Um Amerika zu erneuern, müssen wir Herausforderungen im Ausland ebenso wie im Inland bewältigen.
Es gibt keine klare Trennung mehr zwischen Außenund Innenpolitik - die Weltwirtschaft, die Umwelt, die
AIDS-Krise der Welt, das weltweite Wettrüsten betreffen uns alle.

Wir müssen tun, was Amerika am besten leistet: mehr
Chancen für alle bieten und von allen mehr Verantwortung fordern.

Es ist Zeit, mit der schlechten Gewohnheft zu brechen,
etwas
ohne Gegenleistung zu erwarten, von unserer
Wir wissen, daß wir uns harten Wahrheiten stellen und
Regierung
und voneinander. Laßt uns alle mehr
energische Schritte unternehmen müssen. Dies haVerantwortung
übernehmen, nicht nur für uns selbst
ben wir jedoch nicht getan. Statt dessen haben wir uns
und
unsere
Familien,
sondern für unsere Gemeinden
treiben lassen, und dieses Treibenlassen hat unsere
und
unser
Land.
Ressourcen erschöpft, unsere Wirtschaft zerrüttet und
unser Vertrauen erschüttert.
Um Amerika zu erneuem, müssen wir unsere Demokratie
neu beleben.
Zwar sind unsere Herausforderungen furchteinflößend,
doch dasselbe gilt auch für unsere Stärken. Die Diese schöne Hauptstadt ist, wie jede Hauptstadt seit
Amerikaner sind seit jeher ein ruheloses, suchendes dem Anbruch der Zivilisation, häufig ein Ort der Intriund hoffnungsvolles Volk gewesen. Unserer heutigen gen und Berechnung. Mächtige Personen schachern
Aufgabe müssen wir die Vision und den Willen derje- um Positionen und machen sich endlos Sorgen darünigen hinzufügen, die vor uns waren.
ber, wer in und wer out ist, wer oben und wer unten ist,

Die Amerikaner haben Besseres verdient. In dieser
Stadt
sind heute Menschen versammelt, die es besser
Thomas Jefferson glaubte daran, daß wir von Zeit zu
machen
möchten. Und deshalb sage ich Ihnen allen
Zeit dramatische Veränderungen benötigen, um die
heute,
laßt
uns beschließen, unsere Politik zu reforFundamente unserer Nation zu bewahren. Meine
mieren,
damit
Macht und Privilegien nicht länger die
Mitbürger, dies ist unsere Zeit. Wir müssen sie nutzen.
Stimme des Volkes ersticken. Laßt uns persönliche
Um unsere Demokratie soll uns nicht nur die ganze Vorteile zur Seite schieben, damit wir den Schmerz
Welt beneiden, unsere Demokratie muß auch die fühlen und die Versprechungen Amerikas sehen.
Lokomotive unserer Erneuerung werden. Amerika hat
keine Schwächen, die nicht durch Amerikas Stärken Laß uns beschließen, unsere Regierung zu einem Ort
dessen zu machen, was Franklin Roosevelt als "kühbehoben werden könnten.
nes, andauerndes Experiment" bezeichnet hat, zu
So geloben wir heute, daß die Ära des Stillstands und einer Regierung für unser Morgen und nicht für unser
des Dahintreibens vorüber ist und ein neues Zeitalter Gestern.
der amerikanischen Erneuerung begonnen hat.
Laßt uns diese Hauptstadt den Menschen zurückgeUm Amerika zu erneuern, müssen wir kühn sein.
ben, denen sie gehört.

Seite 2

SONDERDIENST 1

�Heute ist nach dem Ende einer alten Ordnung die neue
Welt freier aber weniger stabil. Der Zusammenbruch
des Kommunismus hat alte Animositäten und neue
Gefahren heraufbeschworen. Sicherlich müssen die
Vereinigten Staaten weiterhin die Welt führen, zu
deren Entstehung wir so sehr beigetragen haben.

Meine amerikanischen Mitbürger, auch Sie müssen
das Ihre zu unserer Erneuerung beitragen.

Ich rufe eine neue Generation junger Amerikaner auf,
sich ein Jahr in den Dienst an der Allgemeinheit zu
stellen - ihren Idealen gemäß Kindern in Not zu helfen,
Hilfsbedürftigen beizustehen, unsere zerrissenen
Während Amerika Aufbauarbeit im Inland leistet, werden Gemeinden wiederzusammenzufügen. Esgibt soviel
wir weder vor den Herausforderungen dieser neuen zu tun - in der Tat genug für Millionen anderer, die im
Welt zurückweichen, noch versäumen, ihre Chancen Geiste noch jung genug sind, um sich ebenfalls in den
zu ergreifen. Gemeinsam mit unseren Freunden und Dienst an der Allgemeinheit zu stellen.
Verbündeten werden wir danach streben, den Wandel
Wenn wir anderen dienen, erkennen wir eine einfache,
zu gestalten, damit er uns nicht überwältigt.
aber machtvolle Wahrheit: Wir brauchen einander.
Wenn unsere vitalen Interessen herausgefordert oder Und wir müssen uns umeinander kümmern.
der Wille und das Gewissen der internationalen Staatengemeinschaft mißachtet werden, werden wir han- Heute feiern wir nicht nur Amerika, sondern engagiedeln - wenn möglich mit friedlicher Diplomatie und ren uns erneut für die Amerika innewohnende Idee:
wenn nötig mit Gewalt. Die mutigen Amerikaner, die
Eine Idee, die während der Revolution geboren
am Persischen Golf, in Somalia und andernorts stewurde und im Laufe von zwei Jahrhunderten der
hen, sind Zeugnis unserer Entschlossenheit.
Herausforderungen erneuert wurde;
Unsere größte Stärke ist jedoch die Macht unserer
Ideen, die in vielen Ländern immer noch neu sind. Wir
sehen, wie sie auf der ganzen Welt aufgenommen
werden, und wir freuen uns darüber. Unsere Hoffnungen, unsere Herzen, unsere Hände sind auf seiten
derjenigen auf allen Kontinenten, die Demokratie und
Freiheit aufbauen. Ihre Sache ist die Sache Amerikas.

Eine Idee, die mit dem Wissen einhergeht, daß
wir nur durch das Schicksal zu den Glücklichen
oder den weniger Glücklichen gehören;

Das amerikanische Volk hat den Wandel bewirkt, den
wir heute feiern. Sie haben in einem unmißverständlichen Chor Ihre Stimmen erhoben. Sie haben in
historischen Zahlen Ihre Stimmen abgegeben. Und
Sie haben das Gesicht des Kongresses, der Präsidentschaft und des politischen Prozesses selbst verändert.

Eine Idee, die von der Überzeugung geleitet ist,
daß Amerikas lange heroische Reise immer
nach oben führen muß.

Ja, meine amerikanischen Mitbürger, Sie haben den
Frühling erzwungen.
Jetzt müssen wir tun, was die Jahreszeit gebietet.
Dieser Arbeit wende ich mich nun zu, mit der ganzen
Autorität meines Amtes. Ich bitte den Kongreß, sich
mir anzuschließen. Aber kein Präsident, kein Kongreß, keine Regierung kann diese Mission allein in
Angriff nehmen.

Eine Idee, die durch den Glauben veredelt wird,
daß unsere Nation aus ihrer enormen Vielfalt die
größtmögliche Einheit erlangen kann;

Mitbürgerinnen und Mitbürger, an der Schwelle des 21.
Jahrhunderts wollen wir mit Energie und Hoffnung, mit
Glauben und Disziplin neu beginnen und arbeiten, bis
unsere Arbeit getan ist. In der Bibel steht geschrieben:
"Laßt uns nicht müde werden das Gute zu tun, denn
wenn wir darin nicht nachlassen, werden wir ernten,
sobald die Zeit dafür gekommen ist".
Vom Gipfel des Hügels, auf dem wir freudig feiern,
vernehmen wir den Aufruf zum Dienst aus dem Tal.
Wir haben die Trompeten gehört. Die Wachablösung
hat stattgefunden. Und jetzt muß jeder von uns auf
seine Weise und mit Gottes Hilfe der Aufforderung
Folge leisten.
Ich danke Ihnen und möge Gott Sie schützen.

* * * *

SONDERDIENST 1

*

Seite 3

�</text>
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