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Dokumentation

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36

ig. September

1973

Inhalt
DOKUMENTATION
Shultz fordert Abbau aller Handelsschranken
Wortlaut der Rede des US-Finanzministers auf der GATT-Ministertagung
in Tokio

WIRTSCHAFT
T o k i c ) - K o n f e r e n z l ä ß t e r f o l g r e i c h e V e r h a n d l u n g e n i n Genf
Von J o h n H o l " a y

erwarten

S t e i n r e c h n e t m i t A u s g l e i c h d e r U S - Z a h l u n g s b i l a n z noch i n d i e s e m J a h r
Von J c h n Holway
US-Landwirtschaftsministerium

rechnet für

1974 m i t noch h ö h e r e n

Ernteerträgen
- Auszüge aus dem neuesten Erntebericht -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Zielsichere Umweltpolitik in den USA
Vierter Jahresbericht des Präsidialbeirats für Umwelthygiene
veröffentlicht
Lebenswichtiger Gewässerschutz
ENVITEC 73 informiert über Verfahren der Wasserreinhaltung
Von G. Weiss
Polarimeter spürt Luftverschmutzer auf

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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36/1973

SHULTZ FORDERT ABBAU ALLER HANDELSSCHRANKEN
Wortlaut der Rede des US-Finanzministers auf der GATT-Ministertagung
in Tokio

TOKIO - (AD) - Der amerikanische Finanzminister George P. Shultz hat am
12. September bei der Eröffnung der GATT-Ministertagung den Abbau aller Handels
schranken, der landwirtschaftlichen wie der industriellen, gefordert und die
Mitarbeit der Vereinigten Staaten bei diesen gemeinsamen Bemühungen zugesagt.
Die Rede des amerikanischen Finanzministers hat folgenden Wortlaut:

"Dies ist eine historische Konferenz, und ich habe die Ehre, an ihr teilnehmen zu dürfen. Wir sind hier, um den ersten offiziellen Schritt in Richtung
auf eine wesentliche Ausweitung und Verbesserung der weltweiten Handelsbeziehungen zu tun. Diese Verhandlungen basieren auf dem, was in der Vergangenheit, in der Kennedy-Runde und zuvor, erreicht worden ist. Sie sind gleichzeitig ein kühner Schritt, der über das in der Vergangenheit Erreichte hinausgeht. Unsere derzeitigen Verhandlungen haben einen weiter gesteckten Rahmen,
sind in ihren Zielen ehrgeiziger und werden von den wirtschaftlichen und politischen Realitäten geleitet.

Bevor ich nach Tokio kam, wurde mir gesagt, daß dieses Treffen Anlaß für
zahlreiche Reden zugunsten eines offenen Welthandels sein werde. Ich glaube,
daß dies der Fall sein wird, und ich halte es für ganz richtig, daß dies so
ist. Wenn wir jetzt einen Weg der Verhandlungen einschlagen, die viele Monate

- 1 -

�Monate dauern und sich mit äußerst komplexen Details befassen werden, dann
sollten wir uns die Prinzipien vor Augen halten, die unseren Bemühungen zu
Grunde liegen. So klar uns diese Prinzipien auch erscheinen mögen, der Weg,
sie in die Praxis umzusetzen, war stets schwierig und ist bei weitem noch
nicht abgeschlossen.

Das grundlegende Prinzip, das uns hier zusammenführt, ist ganz einfach
und bedarf keiner großen Erwähnung. Wenn immer es einen freiwilligen Warenaustausch gibt, haben beide Seiten - der Käufer und der Verkäufer - etwas zu gewinnen. Ist dies nicht der Fall, dann wird die eine oder die andere Seite den
Warenaustausch ablehnen. Dieses Prinzip gilt genauso, ob die beiden Parteien
aus verschiedenen Ländern kommen, oder ob sie aus dem gleichen Land stammen.
Hindernisse, die Regierungen dem Handel in den Weg legen, binnen- wie außenwirtschaftliche, hindern die Menschen daran, miteinander Geschäfte abzuschließen,
die für alle Beteiligten von Nutzen sein würden.

Es geht um mehr als nur darum, daß ein Land nur die Güter, die es im
Augenblick am billigsten herstellt, gegen die Waren, die andere Länder heute
am billigsten erzeugen, exportiert. Ein offener Handel zwingt uns alle, rationeller zu arbeiten, und spornt uns hierzu an. Der Sog des ausländischen
Wettbewerbs zwingt die Unternehmer aller Länder dazu, mehr Neuerungen einzuführen, größere Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen zu machen und sich
stärker den Wünschen der Verbraucher anzupassen.

Unsere Generation hat mehr Grund, sich dem Zwang dieser Vorstellungen zu
beugen, als irgend eine andere Generation vor uns. Wir haben den größten und
umfassendsten wirtschaftlichen Fortschritt in der Geschichte der Welt erlebt.
Dieses Zusammenfallen von Entwicklungen ist natürlich kein Zufall. Die Ausweitung der internationalen Gütererzeugung hat zur Expansion des Handels beigetragen, aber die Expansion des Handels hat ebenfalls zur Ausweitung der
internationalen Gütererzeugung beigetragen. Ein besserer Zugang zu den Märkten
hat die Spezialisierung der Gütererzeugung gefördert, und damit auch die bessere
Nutzung der Hilfsquellen jedes einzelnen Landes. Der Wettbewerbsdruck ausländischer Firmen hat den technologischen Fortschritt und die Initiative der
Wirtschaft belebt.

_n

�Als Folge einer offeneren Weltwirtschaft sind die wirtschaftlichen Möglichkeiten für die Bürger aller Länder wesentlich größer geworden und ist der
Lebensstandard überall auf der Welt gestiegen. Ein freierer Handel hat zu höheren Reallöhnen für die Arbeitnehmer und einem größeren Güterangebot für die
Verbraucher geführt.

Eine der jüngsten Entwicklungen in der Wirtschaftspolitik ist für uns
alle eine heilsame Lehre. Die Regierungen in vielen Teilen der Welt, zum Beispiel in Australien, Japan, Kanada, einigen europäischen Ländern und den Vereinigten Staaten, sahen sich aus binnenwirtschaftlichen Gründen gezwungen,
ihre Zölle oder Quoten einseitig abzubauen, ohne entsprechende Konzessionen
der anderen Länder zu fordern. Wenn auch die Umstände in jedem einzelnen
Falle verschieden waren, so zeigt dies doch, daß wir nicht jeden Abbau eigener
Beschränkungen als Konzession anderen gegenüber betrachten sollten, die nur
dann von Wert ist, wenn von den anderen eine noch größere oder eine zumindest
gleich große Konzession gemacht wird. Die allgemeinen Prinzipien, die als
Richtlinien für unsere Arbeit dienen, besagen, daß der Abbau unserer eigenen
Handelsschranken genauso ein Gewinn für uns ist wie ein Abbau der Handelsschranken anderer.

Natürlich gibt es Einschränkungen für die grundlegende Vorstellung von
einer Handelsliberalisierung. Die Teilnehmer an dieser Konferenz, die Regierungen angehören oder im politischen Leben stehen, sind sich dieser Einschränkung besonders bewußt. Ein wesentlicher Abbau der Handelsschranken kann
zu örtlichen und vorübergehenden Schwierigkeiten führen, die nicht ignoriert
werden dürfen, so groß die Vorteile auf lange Sicht und ganz allgemein auch
sein mögen. Ein vorübergehender Schutz führt manchmal zu einer Leistungsfähigkeit, die sonst nicht zu erreichen gewesen wäre. Andere Vorbehalte müssen ebenfalls bedacht werden.

Diese Einschränkungen sind ein Beweggrund für Abstufung, Selektivität und
Gegenseitigkeit. Zweifellos wird ein großer Teil der Zeit in den jetzt beginnenden Verhandlungen solchen Einschränkungen gewidmet sein. Aber lassen Sie
uns, wie wir in den Vereinigten Staaten sagen, das Ziel, nämlich die Liberali- 3-

�Liberalisierung und Ausweitung des Handels, nicht aus den Augen verlieren und
versuchen, die Probleme in einer mit dem großen Ziel am besten zu vereinbarenden
Weise zu lösen.

Ich sehe eine Reihe wichtiger Aufgaben für diese Verhandlungen. Wenn ich diese
jetzt aufführe, so besagt das nicht, daß damit der gesamte Rahmen von Fragen
umrissen ist, die in diesen Verhandlungen behandelt werden sollen, noch besagt
dies, daß diese Fragen zwangsläufig Tagesordnungspunkte der Verhandlungen sein
müssen.

Richtlinien und Verfahren

Die zentrale Aufgabe dieser Verhandlungen ist, wie ich dies sehe, Richtlinien und Verfahren zu erarbeiten, die die Beseitigung der Handelsschranken
gestatten und den Regierungen die Möglichkeit belassen, ihren binnenwirtschaft- .
liehen Verantwortungen nachzukommen. Zahlreiche, immer noch den Welthandel behindernde Handelsschranken sind die Folge von Bemühungen einzelner Regierungen,
eine Vielzahl unterschiedlicher binnenwirtschaftlicher, sozialer und politischer
Ziele zu erreichen. Wir müssen die Maßnahmen erarbeiten, durch die diese Handelsschranken beseitigt oder abgebaut werden können. Da nationale Erfordernisse und
politische Präferenzen häufig voneinander abweichen, müssen wir Regeln entwickeln, die jeder einzelnen Regierung genügend Spielraum für die Formulierung
und Verfolgung ihrer eigenen Politik geben. Gleichzeitig müssen wir die Länder
dazu ermutigen, politische Maßnahmen zu erarbeiten, die Störungen der wirtschaftlichen Interessen anderer Länder auf ein Minimum reduzieren.

In einer interdependenten Welt wird die von einer Regierung zur Durchführung
ihrer Aufgaben verfolgte Politik zwangsläufig ab und zu in Konflikt mit der von
anderen Regierungen verfolgten Politik geraten. Wir werden uns daher auf die
Verfahren und Vereinbarungen konzentrieren müssen, die solche Konflikte auf
ein Minimum reduzieren und etwa sich ergebende Streitfälle beilegen. Unsere
gemeinsamen Institutionen wie das GATT haben diese Aufgabe gut versehen. Diese
Institutionen werden immer älter und wenn sie auch strukturell gesund sein

�sein mögen, so ist es doch wichtig, daß wir unsere jüngsten Erfahrungen bei
der Behandlung von Handelsproblemen genau prüfen, um festzustellen, wo Bestimmungen und Verfahren auf den neuesten Stand gebracht und verbessert werden
können.

Schutz vor Marktstörungen verursachenden Importen
Unsere jüngsten Erfahrungen zeigen, daß wir unä besonders mit den Bestimmungen und Verfahren zur Lösung von Problemen befassen müssen, die durch
Marktstörungen verursachende Importe hervorgerufen werden. Jedes hier vertretene Land hat es schon einmal für notwendig befunden, vorübergehend den Import einzuschränken, um der einheimischen Industrie ausreichend Zeit zu Anpassungen zu geben. Häufig haben die solche Maßnahmen betreffenden derzeitigen
Bestimmungen und Verfahren sich als unzulänglich erwiesen, und die Regierungen
mußten inoffizielle Vereinbarungen ausarbeiten. Obwohl solche Vereinbarungen
sich als zweckdienlich erwiesen haben, so konnten sie doch nicht alle Probleme
beseitigen, und oftmals führten sie zu unnötigen internationalen Reibungen.
Es ist an der Zeit, daß wir dieser Frage offen ins Auge sehen und gemeinsam
ein für alle akzeptables Schutzsystem ausarbeiten.

Lebensmittel
Ein weiteres Gebiet, auf dem gemeinsame Maßnahmen wünschenswert wären,
ist die Landwirtschaft. Die derzeitigen Verknappungen landwirtschaftlicher Erzeugnisse und die Gefahr, daß solche Verknappungen sich in der Zukunft wiederholen werden, verleiht der Notwendigkeit, ein rationelleres Verfahren für die
Erzeugung von und den Handel mit Agrarerzeugnissen auszuarbeiten, große Dringlichkeit. Wenn wir diesen Anlaß dazu nutzen, die Möglichkeiten für den Welthandel auf diesem Sektor auszuweiten, dann können wir für alle mehr Lebensmittel
zu niedrigeren Preisen verfügbar machen.

Es

- 5-

�Es sind verschiedene Anregungen unterbreitet worden, wie dies erreicht
werden könnte. Wir sind bereit, jeden ernsthaften Vorschlag zu prüfen.

Im vorigen Jahr haben wir es erlebt, wie der Welthandel mit Agrarerzeugnissen dazu beitragen kann, Lebensmittelverknappungen zu vermeiden, die anderenfalls kritisch gewesen wären. Der Rückgang der Weltgetreideernte wurde für viele
Länder dadurch gemildert, daß sie, vor allem aus den Vereinigten Staaten, Getreide importieren konnten. Trotz ungünstiger Witterung und geringerer Ernteerträge in unserem Land konnten wir den Ländern in allen Teilen der Welt, zum
Teil auf Kosten eines starken Abbaus unserer eigenen Vorräte, wesentlich größere
Mengen an Agrarprodukten und Futtermitteln zur Verfügung stellen.

Unsere Weizenexporte im Finanzjahr 1972/73 stellten sich auf 32 Millionen
metrische Tonnen. Das ist fast die doppelte Menge, die im Finanzjahr 1971/72
exportiert wurde,und macht rund 75 Prozent der amerikanischen Ernteerträge
aus. Die Futtergetreideexporte stiegen stark von 21 auf 35 Millionen Tonnen an.
Und die Sojabohnenexporte erhöhten sich auf 14 Millionen Tonnen, was eine Zunahme um zwei Millionen Tonnen gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Über die Hälfte
unserer Sojabohnenernte wurde exportiert - ja, der gesamte Mehrertrag unserer'
Sojabohnenernte ging im letzten Erntejähr in den Export.

Zwar wurden unsere Vorräte stark abgebaut, doch rechnen wir mit einer ausgezeichneten Futtergetreideernte und einer Rekordsojabohnenernte in diesem Jahr,
so daß wir im Finanzjahr 1973/74 die Auslandsnachfrage bei diesen Agrarprodukten
bei einem Exportniveau, das selbst den Rekordstand des vorangegangenen Finanzjahres übersteigt, befriedigen können. Wir rechnen ferner damit, daß unsere
Weizenexporte nahe an den sehr hohen Stand des letzten Jahres kommen und den
vernachlässigten Weltbedarf decken werden. Wir haben Millionen von Hektar Land
wieder in die Bestellung genommen und 1974 werden die Anbaubeschränkungen für
alles Land, das in Reserve gehalten wurde, fallen. Wir haben bewiesen, daß die
Vereinigten Staaten in der Not wirklich ein zuverlässiger Lieferant sind - und
daß auf ihr absatzorientiertes System Verlaß ist.
Das

�*

Das Meistbegünstigungsprinzip

Ich möchte mich jedoch jetzt einer Entwicklung zuwenden, die für die
Vereinigten Staaten eine Quelle wachsender Besorgnis bildete. In den letzten
Jahren haben wir eine Tendenz festgestellt, von dem Gedanken eines einheitlichen Welthandelssystems abzugehen, in dem alle Länder gleich behandelt werden.
Das Meistbegünstigungsprinzip bildete einen Eckpfeiler unseres weltweiten
Handelssystems. Jetzt erleben wir, daß dieses Prinzip immer stärker mißachtet
wird. In einer Zeit, da der Kreis der am Welthandelssystem beteiligten Länder
ständig zunimmt, müssen wir uns erneut zu den Idealen einer einheitlichen,
nicht-diskriminierenden Handelsordnung bekennen.

Ich möchte in diesem Zusammenhang betonen, daß wir weiterhin die zahlreichen regionalen Bemühungen unterstützen, eine politische und wirtschaftliche
Integration zu erreichen. Dies ist dort sinnvoll, wo Nachbarländer mit einer
gemeinsamen Tradition feststellen, daß sie wirtschaftlich in wachsendem Maße
miteinander verflochten sind. Wir müssen jedoch darauf bestehen, daß solche
Bemühungen nicht das weltweite System untergraben dürfen, das wir gemeinsam
aufgebaut haben und das uns so große Vorteile gebracht hat. Es ist daher wichtig,
daß di'e regionalen Gruppierungen angehörenden Länder sich so organisieren, daß
sie als Einheit wirksam die Verpflichtungen erfüllen können, die sie selbst
einzeln als Länder eingegangen sind.

Unterstützung der Entwicklungsländer

Wir unterstützen die Bemühungen, den Entwicklungsländern besonderen Zugang
zu Auslandsmärkten zu geben. Unseres Erachtens werden solche Vereinbarungen
sowohl den Industriestaaten als auch den Entwicklungsländern Vorteile bringen.
Wir sind uns ferner darüber im klaren, daß es weder angebracht noch wünschenswert ist, wenn wir darauf bestehen, daß diese Länder die gleichen Pflichten
auf sich nehmen, die wir von den Ländern erwarten, die bereits ein relativ
hohes Maß an wirtschaftlicher Entwicklung erreicht haben. Gleichzeitig erwarten wir jedoch dem Entwicklungsstand eines Landes angemessene Zusagen und
- 7-

�»

I
•und eine Mitbeteiligung an der Verantwortung für ein wirksames Funktionieren
des weltweiten Systems. Keine internationale Maßnahme kann Erfolg haben, wenn
nicht die, die daraus Nutzen ziehen, auch zu ihr beitragen. Und das System
als ganzes kann nicht funktionieren, wenn nicht alle Länder zu seiner Effektivität beitragen.

Der Zusammenhang von Währung und Handel

Zum Schluß möchte ich noch ein Wort zu dem Zusammenhang zwischen unseren
Bemühungen hier und den Bemühungen um eine Reform des internationalen Währungssystems sagen. Wir sind uns darüber klar, daß zwischen Währungs- und Handeisfragen ein Zusammenhang besteht. Ein Hauptziel eines internationalen Währungssystems ist einerseits die Erleichterung des Handels. Dieses Ziel wird ernstlich gefährdet, sobald die Beziehungen auf dem Währungsssektor nicht stabil
sind. Auf der anderen Seite ist es genauso logisch, daß der Anpassungsprozeß
auf dem Währungssektor weniger wirksam und weniger nachgiebig ist, wenn der
Handel durch direkte Maßnahmen eingeschränkt wird und nur langsam, partiell
und verzerrt auf die Kräfte des monetären Anpassungsprozesses reagieren kann.

Kurz gesagt, Maßnahmen auf einem Gebiet können auf anderen Gebieten erzielte Lösungen zunichte machen, doch sollte dies nicht zugelassen werden.
Aus diesem Grunde ist eine gleichzeitige Verbesserung aller Elemente des
internationalen Wirtschaftssystems notwendig.

Obwohl konkreter Fortschritt auf einem Gebiet der Verhandlungen nicht als
Faustpfand für spezifische Verhandlungen auf einem anderen Gebiet benutzt
werden sollte, wird der Erfolg auf dem einen Gebiet letztlich auch vom Erfolg
auf dem anderen anhängen.
Wo in spezifischen Fällen Überschneidungen vorkommen, sollte die auf einem
Gebiet geleistete Arbeit die Arbeit auf den anderen Gebieten ergänzen und sie
nicht zunichtemachen.
Verhandlungsmandat

�Verhandlungsmandat der Vereinigten Staaten
Meine Regierung hält es für wichtig, daß die durch diese Verhandlungen
gegebenen Möglichkeiten genutzt werden und ist bestrebt, dynamisch mitzuarbeiten. Zur Durchführung der ausgehandelten Veränderungen und zur Bekräftigung unseres Bekenntnisses zu den grundlegenden Zielsetzungen bedarf es natürlich der Unterstützung, des Rates und der Zustimmung unseres Kongresses. Präsident Nixon hat dem Kongreß im April dieses Jahres sein Gesetz für eine Reform
des Handels unterbreitet. Dieses Gesetz ist im Haushaltsausschuß des Repräsentantenhauses eingehend und sehr konstruktiv geprüft worden und wird im Kongreß
wahrscheinlich noch einige Monate lang erörtert werden. Die maßgebenden demokratischen und republikanischen Ausschußmitglieder haben in der letzten Woche
ihre 'Hoffnung und Auffassung bekundet, daß wir die Behandlung des Gesetzes
bis zum 1. Oktober abgeschlossen haben werden1. Sie erklären ferner: 'Unseres
Erachtens wird der Ausschuß ein Gesetz vorlegen, daß einen ausreichenden Rahmen
für umfassende Verhandlungen mit dem Ziel gibt, die Handelsschranken zu beseitigen und den Welthandel wesentlich auszuweiten. Wir hoffen und wünschen,
daß der Kongreß dieses Gesetz in absehbarer Zeit verabschieden wird, um diese
Verhandlungen zu erleichtern.'

Die Tatsache, daß unser Handelsgesetz noch vom Kongreß geprüft wird, beeinträchtigt unsere aktive und volle Teilnahme an dieser Phase nicht. Die Verhandlungen, die auf dieser Konferenz beginnen, werden sich am Anfang darauf
konzentrieren, den dann kommenden detaillierten Verhandlungsprozeß vorzubereiten. Wir stehen weiterhin zu der Zusage, mit der substantiellen Arbeit in
diesen Verhandlungen Ende Oktober dieses Jahres zu beginnen und diese Arbeit
intensiv, kontinuierlich und ohne Verzögerung fortzusetzen.

Ich möchte Ihre Aufmerksamkeit auf die Tatsache lenken, daß die Haltung
des Kongresses gegenüber diesen Verhandlungen - und damit auch das Mandat, das
er unseren Unterhändlern geben wird - davon beeinflußt sein wird, wie wir in
den kommenden Monaten einige der noch offenen Fragen mit unseren Handelspartnern
lösen werden. Wir haben bereits kürzlich befriedigende Abkommen mit einigen
unserer wichtigen Handelspartner über die Beseitigung seit langem bestehender

- 9 -

�bestehender Handelsbeschränkungen erzielt, die mit dem GATT nicht zu vereinbaren sind. Dies war eine sehr positive Entwicklung und zeigt den amerikanischen
Beobachtern eindeutig, daß das GATT funktioniert. Trotzdem stehen zur Zeit
noch einige andere Fragen an. Wir betrachten die Lösung dieser Fragen als Beweis dafür, daß wir darauf bauen können, daß die internationale Völkergemeinschaft ein Abkommen über eine offenere und bessere Welthandelsordnung erreichen
kann. Wir wissen, daß es unbedingt notwendig ist, dem Kongreß zu beweisen, daß
Grund für solches Vertrauen besteht.

Die Haltung der Vereinigten Staaten

Kurz gesagt, die Haltung der Vereinigten Staaten wird, was diese Verhandlungen anbetrifft, auf folgenden Gedanken basieren:

1. Wir wollen die Möglichkeiten für den Welthandel ausweiten und sind bereit, voll an den gemeinsamen Bemühungen um die Beseitigung oder die Reduzierung
aller Handelsschranken, der landwirtschaftlichen wie auch der industriellen,
mitzuarbeiten.

2. Wir streben ein Abkommen an, das allen Beteiligten Vorteile bringt und
von allen anerkannt wird. Dies bedingt, daß das Abkommen vom Standpunkt jedes
einzelnen Teilnehmerlandes ausgewogen ist. Wir sind jedoch der Ansicht, daß es
nicht notwendig ist, auf einer Ausgewogenheit jeder einzelnen Komponente

jedes

Abkommens zu bestehen, da dadurch das, was erreicht werden kann, in einem unerwünschten Maße beschränkt werden würde.

3. Unseres Erachtens sollte der zollfreie Handel wesentlich ausgeweitet
und der Durchschnittszoll bei den noch verbleibenden zollpflichtigen Waren erheblich gesenkt werden.

4. Wir betrachten es als ein Hauptziel dieser Verhandlungen, möglichst
viele nicht-tarifären Handelsschranken zu beseitigen, und diejenigen, die nicht
beseitigt werden können, so weit wie möglich abzubauen.
5. Der
- 10 -

�5. Der Abbau der Schranken für den Agrarhandel ist ein Hauptziel, und
die diesbezüglichen Verhandlungen sollten zusammen mit den Verhandlungen
über Industrieerzeugnisse vorangehen. Wir sollten vereinbaren, daß in solchen
Fällen, in denen wir binnenwirtschaftliche Maßnahmen zur Unterstützung unserer
eigenen Farmer für notwendig erachten, diese Maßnahmen nicht den Landwirten
anderer Länder schaden dürfen.

6. Unseres Erachtens wird eine maximale Liberalisierung des Handels erreicht, wenn wir Übereinstimmung über ein multilaterales Schutzsystem erzielen
können, das den Regierungen geeignete Maßnahmen gestattet, wenn eine zu schnelle
Ausweitung der Importe die einheimische Produktion einer bestimmten Industrie
zu zerrütten droht. Gleichzeitig werden wir jedoch sicherstellen, daß solche
Maßnahmen nicht umfassender sind und länger dauern, als dies für den binnenwirtschaftlichen Anpassungsprozeß notwendig ist.

7. Wir stehen besonderen Verfahren oder Vereinbarungen aufgeschlossen gegenüber, die dazu benutzt werden, gemeinsame Verhandlungsziele zu erreichen.

8. Wir wünschen, daß die Verhandlungen sofort beginnen und schnell voranschreiten und verpflichten uns zu einer optimalen Mitarbeit, damit dieses Ziel
erreicht wird.

Gehen wir ans Werk!

Wir erwarten, daß der Ausschuß für Handelsverhandlungen (TNC) eine wichtige
Rolle dabei übernehmen wird, diese Verhandlungen in Richtung auf das gewünschte
Ziel zu lenken. Wir hoffen, daß der Ausschuß mit seiner Arbeit so bald wie möglich beginnt, Verfahren für die Untergruppen festlegt und dafür sorgt, daß diese
sofort kontinuierlich und wirksam die Arbeit an den wesentlichen Punkten der
Verhandlungen aufnehmen. Wir hoffen, daß die teilnehmenden Regierungen sich auf
die Verhandlungspläne konzentrieren, die grundlegende analytische Arbeit, die
möglichst bald getan werden muß, aufnehmen und mit diesem Prozeß im Ausschuß
nicht später als am 1. November beginnen werden. Sobald ein Anfang gemacht ist,
- 11 -

�I
ist, sollten wir die Arbeit ernsthaft und kontinuierlich fortführen, damit das
Ziel, 1975 zum Abschluß zu kommen,erreicht werden kann.

Unseres Erachtens bildet die vom Vorbereitungsausschuß im Juli ausgehandelte
Deklaration eine gesunde Basis für die Aufnahme solcher Verhandlungen. Sie gibt
uns nützliche politische Richtlinien, denen unsere Unterhändler folgen sollen.
Wir wissen, daß hinsichtlich der Deklaration einige Meinungsverschiedenheiten
bestehen, die sich auf ganz spezifische Punkte des Inhalts oder des Schwerpunkts
beziehen. Die Deklaration setzt jedoch einen Rahmen, um ein für uns alle wünschenswertes Ergebnis zu erreichen. Diese Deklaration in eine Änderung unserer Handelsbeziehungen umzusetzen, ist die Aufgabe, vor der wir während dieser Verhandlungen
stehen werden.

Der Fortschritt, den wir uns alle bei diesen Verhandlungen wünschen, kann
nur durch gemeinsame Anstrengungen erreicht werden, zu denen alle von uns auf
geeignete Weise beitragen müssen und aus denen wir alle entsprechende Vorteile
ziehen werden. Diese Deklaration von Tokio soll als Ausgangsbasis und Ansporn
dienen. Die Vision von der Zukunft, die in der Vergangenheit die Völker angespornt hat, große Ziele zu erreichen, soll auch uns bei den gemeinsamen Bemühungen leiten, eine dauerhafte Handelsordnung zu errichten, die zur internationalen Eintracht und Prosperität für uns und für die künftigen Generationen
beitragen wird."

+ + + + +

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36/1973

TOKIO-KONFERENZ LÄSST ERFOLGREICHE VERHANDLUNGEN I N GENF ERWARTEN

Von John Holway

TOKIO - (AD) - Der von allen Teilnehmerstaaten der GATT-Ministertagung
in Tokio gezeigte "gute Wille" läßt nach amerikanischer Auffassung auf einen
erfolgreichen Verlauf der Gespräche in Genf schließen, wo Ende Oktober die
eigentlichen Verhandlungen über einen weltweiten Abbau aller Handelsschranken
beginnen werden.

Diesen Optimismus in Kreisen der amerikanischen Delegation begründete
der Sonderbeauftragte Präsident Nixons für Handelsverhandlungen, Botschafter
William Eberle, damit, daß sich Presseberichte aus allen Teilen der Welt
nicht bewahrheitet haben. Danach hätten die Verhandlungen in diesem Herbst
noch nicht beginnen können und einzelne Regierungen einen Aufschub gewünscht.
Vielmehr, so erklärte Eberle nach Abschluß der Konferenz, hätten die Finanzminister Frankreichs, der USA, Japans sowie zahlreicher anderer Länder und
auch die EWG feste Zusagen gemacht, daß die bevorstehenden Verhandlungen den
richtigen Verlauf nehmen und Fortschritte erzielen könnten.

Aber auch die inoffiziellen Kontakte der Minister außerhalb des Konferenzsaales, so betonte der Botschafter, hätten die Aussichten auf einen erfolgreichen
Verlauf der kommenden Verhandlungen verbessert. Sollten sich im Zuge dieser Ende
Oktober beginnenden Verhandlungen Probleme ergeben, so könnten die Minister auf
politischer Ebene miteinander sprechen, "und ich glaube, das ist äußerst wichtig."
Der
- 1 -

�i
Der nächste Schritt liegt nach Ansicht Eberles jetzt bei dem in Tokio
eingesetzten Ausschuß für HandelsVerhandlungen, der am 24. Oktober oder kurz
danach in Genf zusammentritt, um mit der analytischen Arbeit zu beginnen, die
den eigentlichen Verhandlungen vorangehen muß. Natürlich, so fügte Eberle hinzu, bestehe auch die Gefahr, daß bei den Genfer Gesprächen erneut Spannungen
entstünden. Er erachte dieses Risiko aber angesichts der von den Ministern
in Tokio gegebenen Zusagen für gering. Der in der japanischen Hauptstadt manifestierte politische Wille berechtige zu der Hoffnung, daß die bevorstehenden
Verhandlungen einen guten Verlauf nehmen und erfolgreich sein werden.

Natürlich, so fuhr Eberle fort, gebe es nationale Maßnahmen, die international

Spannungen auslösen könnten. Der Botschafter erwähnte in diesem Zu-

sammenhang die amerikanischen Gegenzölle bei Erzeugnissen, die zu ungewöhnlich
niedrigen Preisen in die USA eingeführt werden, weil sie von den betreffenden
Exportländern subventioniert sind. Diese Frage sollte in einem multilateralen
Rahmen behandelt und mit den Handelspartnern der USA erörtert werden. Das sei
in jedem Fall einseitigen Maßnahmen, die nur zu Vergeltungsschritten führen
würden, vorzuziehen.

Die amerikanische Verhandlungsdelegation wird im Oktober in Genf zu einem
Zeitpunkt eintreffen, da

das neue amerikanische Handelsgesetz vom Kongreß

sicherlich nocht nicht verabschiedet sein wird und auch die Europäische Gemeinschaft noch über kein

Verhandlungsmandat verfügen dürfte. Dies habe jedoch,

so betonte Eberle, während der organisatorischen und analytischen Phase der
Konferenz nichts zu besagen, da die echten Verhandlungen mit Vorschlägen und
Gegenvorschlägen erst danach beginnen könnten.

Im Gegensatz zur Kennedy-Runde haben sich die USA dieses Mal bereit erklärt, allen Vorschlägen über eine Harmonisierung der Zölle sowie deren Auswirkungen zu prüfen, so daß bereits vor den eigentlichen Verhandlungen gemeinsame
statistische Unterlagen erarbeitet sind, auf denen dann die Verhandlungen aufbauen können. Diese Vorbereitungen, so sagte Eberle, brauchten allerdings
Zeit, doch sollte es trotzdem möglich sein, wie beabsichtigt, die Verhandlungen
1975 zum Abschluß zu bringen. Für die USA würde dies bedeuten, daß das Ende
- 2-

�Ende der Verhandlungen nicht mit dem nächsten amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf zusammenfallen würde.

Bei der Kennedy-Runde fand der größte Teil der harten Verhandlungen in
den letzten acht Monaten statt. Dieses Mal werden die Unterhändler über zwei
Jahre Zeit haben, um die neue Verhandlungsrunde zu einem erfolgreichen Abschluß
zu bringen. Seit der Kennedy-Runde hat sich der Welthandel mehr als verdoppelt.
Aber in diesen Verhandlungen wurde auf den Gebieten des Agrarhandels und der
nicht-tarifären Handelsschranken nicht viel erreicht. Dieses Mal nun werden
die Unterhändler gerade diese beiden Probleme besonders eingehend erörtern.

Aber auch den Problemen der Entwicklungsländer soll weit mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. Nach Ansicht Eberles werden die Verhandlungen gerade
für diese Länder "einige wesentliche Verbesserungen" bringen. Sie dürften
sowohl von den Sonderpräferenzen der Industriestaaten als auch von dem allgemeinen Abbau der Zollschranken zwischen allen Ländern profitieren.

Erstmalig werden die Vereinigten Staaten bei den bevorstehenden Verhandlungen einen eigenen Präferenzplan für die Entwicklungsländer vorlegen. Dadurch
könnten nach Ansicht Eberles die Präferenzschemen Japans, Europas und anderer
Industriestaaten verbessert werden. Aber auch die Beseitigung der nicht-tarifären Handelsschranken dürfte für die Entwicklungsländer besondere Bedeutung
haben. Und das Gleiche gilt, wie Eberle betonte, für die Verhandlungen über eine
Angleichung der Hygienebestimmungen und der Verpackungsnormen sowie für die
Fragen, die den Entwicklungsländern den Export ihrer Erzeugnisse in die Industriestaaten erleichtern könnten.

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STEIN RECHNET MIT AUSGLEICH DER US-ZAHLUNGSBILANZ NOCH IN DIESEM JAHR
Von John Holway

TOKIO - (AD) - Der Vorsitzende des Wirtschaftsbeirats Präsident Nixons,
Dr. Herbert Stein, rechnet mit einem Ausgleich der amerikanischen Zahlungsbilanz noch vor Ende dieses Jahres. Im letzten Jahr hatte die Zahlungsbilanz
dei USA ein Defizit von rund 7 Milliarden Dollar aufgezeigt.

Gleichzeitig, so betonte Stein am 12. September vor Korrespondenten,
werde die Inflationsrate in den USA bis zum zweiten Halbjahr 1974 "sehr deutlich" zurückgehen. Die derzeitige Inflationsrate in den USA von rund 8 Prozent
sei nur vorübergehend. Eine Rückkehr zu "den goldenen Zeiten der sechziger
Jahre" mit einer Inflationsrate von 1,5 Prozent sei allerdings wenig wahrscheinlich. Doch dürfte mit einem Rückgang auf 3 bis 3,5 Prozent zu rechnen sein.
Diese Rate sei nach amerikanischen Maßstäben zwar immer noch hoch, liege jedoch niedriger als in irgend einem anderen Lande.

Für seine Voraussage führte Stein vier Gründe an. Einmal werde die Rekordernte in diesem Jahr zu einer Steigerung des Lebensmittelangebots führen und
einen Druck auf die Preise ausüben. Zweitens werde der Wert des Dollar wieder
steigen, der bereits etwa 60 Prozent des Verlustes seit Jahresbeginn aufgeholt
habe. Drittens werde sich der Boom in den USA abkühlen. Und viertens werde sich
der Wirtschaftsaufschwung in Japan, der Bundesrepublik und anderen Industriestaaten verlangsamen.

Stein
- 1 -

�Stein gab zu, daß eine Gefahr bestehe, daß sich der Wirtschaftsaufschwung
zu schnell verlangsame und in eine Rezession übergleiten könnte. Doch bestehe
aller Grund zur Annahme, daß dies vermieden werden könne. Die Wirtschaft verhalte sich vorsichtiger als bei früheren KonjunktüraufSchwüngen und die Währungsprobleme würden sorgfältiger als bei früheren derartigen Entwicklungen
gehandhabt. Die Regierung sei jedoch auf der Hut und werde das Steuer rechtzeitig herumwerfen, falls die Entwicklung den falschen Weg einschlagen sollte.

Stein stimmte zu, daß der US-Dollar noch immer unterbewertet sei. So
lange die amerikanische Zahlungsbilanz noch ein kleines Defizit aufweise, werde
auch der Druck auf den Dollar fortbestehen. Dies werde sich jedoch ändern, sobald die amerikanische Zahlungsbilanz den erwarteten Überschuß aufweise. Es
lasse sich im Augenblick schwer sagen, so fuhr Stein fort, welches der richtige
Wechselkurs für den US-Dollar - oder auch für irgend eine andere Währung - sei.
Daher seien die Vereinigten Staaten an einem Währungssystem interessiert, in
dem eine Anpassung von Wechselkursen möglich ist.

In Gesprächen während der GATT-Tagung betonte Stein

gegenüber japanischen

Regierungsvertretern und Wirtschaftsexperten, daß die Vereinigten Staaten nicht
die Absicht hätten, im Rahmen ihrer Bemühungen um eine Eindämmung der Inflation
Handelsrestriktionen zu benutzen. Vielmehr, so sagte Stein, kämpften die USA
gegen den Preisauftrieb mit einer Liberalisierung ihrer Handelspolitik an.
Genauso würden die USA auch keinen Druck auf den Dollarkurs ausüben, um auf
diese Weise der amerikanischen Wirtschaft einen Auftrieb zu geben und die Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten abzubauen. Vielmehr werde versucht,
den Wirtschaftsboom durch eine Hochzinspolitik und andere Maßnahmen abzukühlen,
obwohl die amerikanische Arbeitslosenquote immer noch bei 4,7 Prozent liege.

Zu den bereits wieder aufgehobenen Beschränkungen für den Export von Sojabohnen meinte Stein, angesichts des äußerst starken Anstiegs der Lebensmittelpreise in den USA hätten ungewöhnliche, aber sehr gemäßigte und zeitlich begrenzte Maßnahmen ergriffen werden müssen. Die Vereinigten Staaten seien beispielsweise das einzige Land der Welt, das noch frei Getreide exportiere. Die
Sojabohnenexporte hätten zu Ende des ErnteJahres reduziert werden müssen, da
- 2-

�da mehr exportiert als geerntet worden sei, doch diese Kontrollen hätten lediglich zwei oder drei Monate gedauert und es würden immer noch mehr Sojabohnen
exportiert als je zuvor. Die Vereinigten Staaten hätten alleine den Proteinmangel der übrigen Welt ausgleichen müssen, und aus diesem Grunde - und nicht
als Maßnahme zur Bekämpfung der Inflation - seien die Beschränkungen vorgenommen
worden. Bei ihren Bemühungen um eine Eindämmung der Inflation, so fuhr Stein
fort, hätten die USA ihre Beschränkungen abgebaut. So seien zum Beispiel die Importkontrollen für Milch, Fleisch und Käse verringert worden, und es werde gegenwärtig geprüft, ob die Einfuhrbeschränkungen bei Käse völlig fallen könnten.
Die Inflation in den USA könne nur durch eine Liberalisierung des Handels bekämpft werden.
Stein unterstrich erneut, daß die Prosperität der Vereinigten Staaten und
ein starker US-Dollar für die übrige Welt genauso wichtig wie für die USA selbst
seien. Die amerikanische Regierung müsse gemäßigte und verantwortungsbewußte
Maßnahmen ergreifen. Die Vereinigten Staaten betrachteten die Wirtschaft als
einen sehr wichtigen Teil ihrer Beziehungen zur übrigen Welt und hätten weniger
als irgend ein anderes Land der Welt ihre Außenwirtschaftspolitik zur Erreichung
binnenwirtschaftlicher Ziele manipuliert. Ziel der amerikanischen Wirtschafts-,
Währungs- und Auslandshilfepolitik in den letzten 20 Jahren sei es gewesen,
nicht etwas für die eigene Wirtschaft, sondern vielmehr etwas für die übrige
Welt zu tun.

Abschließend betonte Stein, die Vereinigten Staaten hätten gerade im letzten
Jahr - ebenso wie zahlreiche andere Länder - festgestellt, daß die Inflation
ein weltweites Problem ist und die einzelnen Länder nur begrenzt allein dagegen
ankämpfen könnten. Daher seien die USA an der Möglichkeit gemeinsamer Anstrengungen interessiert, um so die weltweite Inflation einzudämmen und die einzelnen
Regierungen vermehrt in die Lage zu versetzen, der Inflation im eigenen Lande
Herr zu werden.

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36/1973

US-LANDWIRTSCHAFTSMINISTERIUM RECHNET FÜR 1974 MIT NOCH HÖHEREN
ERNTEERTRÄGEN
- Auszüge aus dem neuesten Erntebericht -

WASHINGTON - (AD) - Mit Ernteerträgen, die noch erheblich über der diesjährigen Ernte liegen werden, rechnet das amerikanische Landwirtschaftsministerium
für 1974.

Wie der Unterstaatssekretär im US-Landwirtschaftsministerium, Carroll
Brunthaver, und der Leiter des Amtes für Agrarwirtschaft, Donald Paarlberg,
am 17. September vor der Presse betonten, stützen sich ihre Voraussagen vor
allem auf die geplante Ausweitung der Anbauflächen. Änderungen auf Grund der
Wetterbedingungen, der Verfügbarkeit von Dünger und Treibstoff sowie der veränderten Wirtschaftssituation lägen allerdings durchaus im Bereich des Möglichen. Bei den meisten Agrarerzeugnissen, vor allem bei Sojabohnen, müsse auch
für 1974 mit steigenden Exporten gerechnet werden, lediglich bei Mais und
Futtergetreide dürften die Ausfuhren zurückgehen. Eine Stellungnahme über die
künftige Entwicklung der Agrarprexse lehnten beide ab, doch dürften ihrer Ansicht nach die Preise bei Weizen wie auch bei Sojabohnen nachgeben.

Die wichtigsten Teile des auf der Pressekonferenz veröffentlichten Ernteberichts des Landwirtschaftsministeriums der USA haben folgenden Wortlaut:

"Die
- 1 -

�"Die Ernteaussichten bei Futtergeteide, Sojabohnen, Weizen und Baumwolle
haben sich im August noch verbessert, so daß sich die angespannte Versorgungslage im Erntejahr 1973/74 etwas entspannt hat. Bei Reis wird der Nachfragedruck trotz der wesentlich höheren diesjährigen Ernte anhalten. Dieser neue
Erntebericht enthält zum Teil auch Voraussagen für die Ernte im kommenden Jahr
und für das Erntejahr 1974/75. Die gesetzlichen Beschränkungen lassen allerdings
die Veröffentlichung von Ernteschätzungen bei Baumwolle nicht zu. Bei Reis ist
das Programm für 1974 noch nicht bekannt gegeben worden. Bei den Angaben für
1974 handelt es sich um sehr grobe Schätzungen. Sie sollen im wesentlichen auf
die erwarteten Veränderungen hinweisen. Diese Schätzungen können sich durchaus
noch ändern, sobald weitere Informationen verfügbar werden. Ein zur Veröffentlichung am 21. Dezember vorgesehener Bericht wird eine offizielle Schätzung
der mit Winterweizen bestellten Anbauflächen enthalten. Über die Anbaupläne
bei den anderen wichtigen Agrarprodukten wird Anfang 1974 berichtet werden.
Weizen:
Die Weizenernte 1973, die nahezu eingebracht ist, hat einen Rekordertrag
von 46 Millionen Tonnen erbracht, aber die Vorräte sind um 10 Prozent niedriger
als vor einem Jahr und haben auf Grund der geringen Überhangsbestände aus der
alten Ernte den niedrigsten Stand seit 1967 erreicht. Der Gesamtverbrauch im
Erntejähr 1973/74 wird zwar etwas niedriger als im vorangegangenen Erntejähr
sein, aber die Erträge der letzten Ernte übersteigen, so daß die Überhangsbestände im kommenden Sommer weiter auf etwa 8 Millionen Tonnen zurückgehen
dürften. Anbaufläche und Ernteerträge werden 1974 weiter zunehmen, einen Ausgleich schaffen und so zu einem Ansteigen der Vorräte über den derzeitigen
Stand führen. Vorausgesetzt, daß sich der Verbrauch wenig ändert, dürften die
Überhangsbestände dann um rund 2,7 Millionen Tonnen höher liegen.

Futtergetreide:
Die Besserung der Ernteaussichten bei Mais und Hirse im letzten Monat hat
die angespannte Marktlage bei Futtergetreide etwas verbessert. Obwohl die Vorräte zu Beginn des ErnteJahres 1973/74 wesentlich niedriger sind, dürften die
besseren Ernteaussichten das Gesamtangebot etwa auf dem Stand des ErnteJahres
- 2-

�Erntejahres 1972/73 halten. Da der Verbrauch sich wahrscheinlich ungefähr auf
der Höhe des Vorjahres halten wird, dürften die Bestände zu Ende des Erntejahres 1973/74 eher niedriger sein. Der Export dürfte etwas zurückgehen, aber
der Verbrauch auf dem Binnenmarkt dürfte - angesichts der höheren Viehhaltung weiter steigen. Die Anbauflächen dürften im nächsten Jahr erheblich zunehmen, so
daß die Vorräte im darauffolgenden Jahr zunehmen werden.

Sojabohnen:
Die Überschußbestände bei Sojabohnen betrugen am 1. September 1973 rund
1,7 Millionen Tonnen. Die Ernte ist sehr gut verlaufen und die Gesamtvorräte
im Erntejahr 1973/74 werden um rund 23 Prozent höher liegen als im Vorjahr. Obwohl Weiterverarbeitung und Export um rund 15 Prozent höher sein werden als im
Vorjahr, dürften die Überhangbestände am 1. September 1974 mit schätzungsweise
5,4 Millionen Tonnen dreimal so hoch liegen wie dieses Jahr.

Der Verbrauch von Sojabohnenschrot auf dem Binnenmarkt und der Exportbedarf werden im Erntejahr 1973/74 steigen. Die Exportzahlen auf der Tabelle geben
die Exportabsichten für Sojabohnenschrot wieder und tragen der voraussichtlichen
Weltmarktsituation bei Proteinen sowie dem Verhältnis zwischen Sojabohnenschrot
und Sojabohnenöl Rechnung.

Die Überhangbestände bei Sojabohnenöl (roh und verarbeitet) sind am 1. Oktober 1973 sehr gering. Die vermehrte Gewinnung von Sojabohnenöl im Erntejähr
1973/74 sollte jedoch eine Zunahme des inneramerikanischen Verbrauchs auf den
normalen Stand von 136 080 Tonnen gestatten. Angesichts einer erwarteten stärkeren
internationalen Konkrrenz, unter anderem auch durch Sojabohnenöl, das aus exportierten amerikanischen Sojabohnen gewonnen worden ist, und eines Rückgangs des
Exportförderungsprogramms der amerikanischen Regierung nach Pl-480 dürften die
Ausfuhren von Sojabohnenöl im Erntejahr 1973/74 mit 453 600 Tonnen um rund
90 720 Tonnen niedriger liegen als im Erntejähr 1972/73.

Die

- 3-

�Die 1974 mit Sojabohnen bestellten Flächen werden voraussichtlich etwas
niedriger sein, da die Anbauflächen bei Mais und Baumwolle wesentlich erhöht
werden dürften und normale Wetterbedingungen im kommenden Jahr vorausgesetzt
werden.

Baumwolle:

Obwohl sich die Ernteaussichten gegenüber dem Vormonat verbessert haben,
dürfte der Ernteertrag gegenüber 1972 um rund 6 Prozent zurückbleiben. Der Gesamtverbrauch wird mengenmäßig etwas höher als im Erntejahr 1972/73 liegen.
Der verstärkte Export wird den geringeren Bedarf der einheimischen Fabriken
mehr als ausgleichen. Damit dürften die Überhangbestände im Sommer nächsten
Jahres etwas unter dem Stand von 3,8 Millionen Ballen am 1. August 1973 liegen.

Reis:
Die Septemberschätzungen der Reisernte 1973 liegen mit 4,4 Millionen
Tonnen um 16 Prozent höher als die Vorjahresernte. (Diese Schätzungen berücksichtigen etwaige Schäden des Wirbelstumes Delia Anfang September nicht.) Die
höheren Ernteerträge werden nicht nur die Vorräte auffüllen, die zu Beginn
des neuen Erntejahres auf den niedrigsten Stand seit 1962 abgesunken waren,
sondern auch zu einem vermehrten Angebot führen. Aber die internationale Versorgungslage ist die angespannteste seit Jahren. Die amerikanischen Vorräte
dürften im Sommer 1974 leicht ansteigen."

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36/1973

ZIELSICHERE UMWELTPOLITIK IN DEN USA
Vierter Jahresbericht des Präsidialbeirats für Umwelthygiene
veröffentlicht

- (AD) - Der vierte Jahresbericht des US-Präsidialbeirats für Umwelthygiene, der am 17. September 1973 veröffentlicht wurde, dokumentiert, daß
man in den Vereinigten Staaten nach der Schaffung von Rahmenrichtlinien für
den Umweltschutz an die Feinarbeit gegangen ist. Der 500 Seiten starke Report
bringt nichts sensationell Neues, gibt jedoch eine wertvolle und kritische
Übersicht über die Fortschritte wie die Schwierigkeiten, die sich im Verlauf
der letzten zwölf Monate ergaben. Gleichzeitig zeigt er auf, an welcher Stelle
und in welcher Weise die Strategie geändert werden muß, um die bereits definierten Ziele des Umweltschutzes auch wirklich zu erreichen.

Für den gesamten Komplex "Umweltschutz" beginnt jetzt eine neue Phase.
Der erste Abschnitt, in dessen Verlauf vor allem die Öffentlichkeit auf die
Probleme aufmerksam gemacht und zu einem entsprechenden Verhalten veranlaßt
werden mußte, ist erfolgreich abgeschlossen. Viele der Gesetze und Vorschriften,
die der Präsidialbeirat für Umwelthygiene (CEQ) in seinem ersten Bericht im
Jahr 1970 empfahl, sind inzwischen rechtskräftig geworden. Aus dem neuen
-vierten - Jahresbericht geht auch hervor, daß sich seit dem ersten "Tag
der Erde" am 22. April 1970 die Zahl der Umweltschutzorganisationen in den
Vereinigten Staaten verdoppelt und ihr Einfluß beträchtlich zugenommen hat.
Die

- 1 -

�I
Die großen Anstrengungen der Vereinigten Staaten im Umweltschutz wirken
- und auch das geht aus dem Bericht hervor - weit über die Grenzen der USA
hinaus. Das gilt natürlich in erster Linie für Projekte, die internationale
Zusammenarbeit erfordern oder interantionalen Erfahrungs • und Meinungsaustausch ratsam erscheinen lassen. Beispiele für gemeinsame Aktionen sind die
CCMS-Projekte der NATO, für die zu lösenden Aufgaben die MeeresVerschmutzung,
die Abfallbeseitigung und die Umweltprobleme im Zusammenhang mit der Energieproduktion. In dem Begleitschreiben zu dem Bericht an den Kongreß der Vereinigten
Staaten erklärt Präsident Nixon unter anderem: "Unsere Aktivität blieb nicht
auf die Lösung eigener Umweltprobleme beschränkt. Wir haben in der Gemeinschaft
der Völker eine starke Führungsrolle übernommen, um Antworten auf Umweltfragen
zu finden und internationale Anstrengungen zu fördern, durch die Probleme gelöst werden sollen, die an nationale! Grenzen nicht haltmachen ... Dank amerikanischer Initiative

ist es in den letzten Jahren gelungen, die Umweltsituation

zu verbessern ..."

Zum ersten Mal wird die Lage der Städte ausführlich in einem gesonderten
Kapitel behandelt. Es sei nicht zu erwarten, daß "unsere Städte in der Mehrzahl
niedergerissen oder völlig neu noch zu unseren Lebzeiten wieder aufgebaut
werden. Vielmehr sollten wir das Alte mit dem Neuen in einer Weise verbinden,
die den Charakter und die besondere Note unserer Städte bewahrt und die in
ihnen vorhandenen Elemente als Leitlinien für künftigen Fortschritt und künftige
Veränderungen nutzen."
Das Kapitel über "Internationale Aktion für den Umweltschutz" erwähnt
u.a. die für Oktober vorgesehene Konferenz der zwischenstaatlichen beratenden
Organisation für die Seeschiffahrt (IMCO), auf der Kontrollen für das Ablassen
von öl und anderer Schmutz- und Schadstoffe von Schiffen behandelt werden. Im
gleichen Kapitel wird der Sorge Ausdruck gegeben, daß wegen der in zahlreichen
Ländern in Kraft getretenen Gesetze gegen Luft- und Wasserverschmutzung ein
Teil der Abfallstoffe, die früher an Ort und Stelle in die Luft und einheimische
Gewässer eingeleitet wurden, jetzt im Meer beseitigt werden könnten.

Ein

- 2-

�Ein weiteres Kapitel ist dem Thema "Internationaler Handel und Umweltpolitik" gewidmet. Es macht auf die Gefahr aufmerksam, daß Subventionen, die
eine Regierung als Hilfe an die Industrie gibt, um Umweltschutzausrüstungen
zu installieren, die Handelsbilanzen verzerren könnten. Solche Subventionen
dürften nicht dazu führen, die echten Produktionskosten zu verschleiern.

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36/1973

LEBENSWICHTIGER GEWÄSSERSCHUTZ
ENVITEC 73 informiert über Verfahren der Wasserreinhaltung
Von G. Weiss

- (AD) - Amerika läßt sich die Programme für den Gewässerschutz und die
Abwasserreinigung einiges kosten. Die Bundes-Umweltschutzbehörde EPA z.B.
stellte im Finanzjahr 1973, das am 30. Juni zu Ende ging, den Bundesstaaten
und einigen Großstädten die Rekordsumme von 3,1 Milliarden Dollar zur Verfügung, damit diese etwa 3500 Kläranlagen bauen bzw. ausbauen. Die größten Anteile erhielten New York (81,9 Millionen Dollar) und Detroit (80,2 Millionen
Dollar).

Die amerikanische Industrie investierte im Jahr 1972 rund 2,04 Milliarden
Dollar auf dem Sektor "Abwasserbehandlung". Das Fünffache wäre allerdings nach
einer Erhebung von McGraw-Hill erforderlich, um die vorhandenen Anlagen so auszurüsten, daß den gegenwärtigen Umweltschutz-Bestimmungen Genüge getan werden
kann. Dennoch gibt es ermutigende Anzeichen dafür, daß Seen und Flüsse in
Amerika bereits sauberer geworden sind. Aber viele Probleme der Wasserverschmutzung sind eben noch immer unbewältigt.

Den neuen Umweltschutzbestimmungen zufolge müssen ca. 30 000 Industrieunternehmen und 22 000 städtische Betriebe die in Gewässer eingeleiteten Abwassermengen verringern. Die überaus aktive EPA hofft, im Jahr 1976 von den

- I -

�den meisten Flüssen und Seen "relative Sauberkeit" melden zu können. Bei dem
bereits als "biologisch tot" erklärten Erie-See z.B. sind jetzt schon Anzeichen
vorhanden, daß sich die Situation verbessert. Allerdings dürfte es im Einzugsbereich der Abwässer mancher Ballungszentren - u.a. im Räume Boston - noch bis
Mitte der achtziger Jahre dauern, bis die Belastung der Gewässer mit Schmutzund Schadstoffen und mit überwärmtem Kühlwasser auf einen erträglichen und vertretbaren Grad zurückgeht. Nur dann ist auf die Dauer auch dafür gesorgt,
daß die Trinkwasserversorgung und die Abwehr von Krankheits- und Seuchengefahr
gesichert werden können.
Das Einleiten von stark radioaktiven Stoffen oder solchen für chemische
oder biologische Waffen ist schon seit 1970 verboten. Für blei- und quecksilberhaltige Abfälle gibt es seit 1972 strenge Mengenbegrenzungen. Ab Januar 1974
unterliegt auch das Einleiten anderer toxischer Stoffe strikter Kontrolle. Ein
Stoff gilt als toxisch, wenn er Tod, Krankheit, Verhaltensanomalien, Krebs,
Erbänderungen, physiologische Fehlsteuerungen oder physische Anomalien beim
Menschen und bei anderen Lebewesen direkt oder indirekt hervorruft. Dabei ist
die EPA gehalten, bei der Festsetzung der Maximalwerte einen weiten SicherheitsSpielraum zu berücksichtigen. Das kann z.B. auch bedeuten, daß sie notfalls
jegliches Einleiten eines toxischen Abwassers, gleich welcher Menge, untersagt.

Die amerikanische Umweltschutzbehörde gibt gleichzeitig Informationen
über die "bestpraktizierbaren" und die "bestverfügbaren" Verfahren zur Wasserreinhaltung heraus. Die Angaben basieren auf einer Anzahl verschiedener Faktoren, u.a. Kosten für die Reinigungstechnik, Alter der Industrieausrüstungen,
Art des Reinigungsverfahrens und ökologischen Auswirkungen außerhalb des WasserBereichs. Darüber hinaus wird die EPA künftig auf Maßnahmen verweisen, durch
die das Einleiten von Industrieabwässern völlig ausgeschaltet werden kann.
Dies ist ein Ziel, das 1983 im ganzen Land verwirklicht werden und auch die
Nachbehandlung von Abwässern aus städtischen Kanalisationen einbeziehen soll.

Schon jetzt sind die Gewässerschutzbehörden der einzelnen Bundesstaaten
verpflichtet, einzelnen Verschmutzern strengere Kontrollen aufzuerlegen, wenn

�\
f

wenn sich herausstellt, daß die "bestpraktizierbaren" und "bestverfügbaren"
Verfahren unter bestimmten Umständen nicht ausreichen, um die Einhaltung der
maximalen Belastungswerte zu gewährleisten. Deshalb müssen die Bundesstaaten
täglich Belastungsmaxima, einschließlich Wärme, festsetzen, die das Leben in
der Natur, vor allem den Fischbestand, nicht beeinträchtigen. Spätestens im
Oktober 1973 gibt die EPA Detaillisten der Schadstoffe bekannt, für die tägliche Maximalmengen festgesetzt werden. Die Bundesstaaten wiederum haben der
EPA bis April 1974 Aufstellungen mit den zulässigen Tagesbelastungswerten für
die einzelnen Gwässer zur Genehmigung vorzulegen.

Die von der EPA revidierten Kriterien für die Wasserqualität, die noch
vor Ende 1973 in Kraft treten sollen, berücksichtigen die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Auswirkungen von Schmutz- und Schadstoffen auf
Oberflächen- und Grundwasser, auf Gesundheit und Allgemeinwohl, auf Plankton,
Fischarten, Krustentiere, frei lebende Tiere, Pflanzen, Ufer- und Küstengebiete, Naturschönheiten und Erholungsgebiete. Sie enthalten u.a. Informationen
über die Konzentration und Verdünnung von Belastungsstoffen durch biologische,
physikalische und chemische Prozesse. Darüber hinaus sollen Hinweise gegeben
werden, was in den Vereinigten Staaten zu tun sei, um die chemische, physikalische und biologische Integrität der Gewässer incl. Grundwasser und Meer,
wiederherzustellen, den Fisch- und Tierbestand zu schützen und die Wasserqualität so zu überprüfen, daß von der Verfahrensseite her das Menschenmögliche
für einen wirksamen Schutz getan werden kann.

Die amerikanische Industrie hat zahlreiche Verfahren erarbeitet und Ausrüstungen entwickelt, die bei den Programmen für die Reinhaltung der Gewässer
eine wichtige Rolle spielen. Anläßlich der internationalen Messe ENVITEC 73
in Düsseldorf (8. - 14. Oktober 1973) werden einige davon im Rahmen einer USGemeinschaftsausstellung demonstriert. So zeigt u.a.:

Bio-Pure (Boise, Idaho) ein nach einem aeroben Verfahren arbeitendes
Hausabwasser-Aufbereitungsgerät sowie ein Mengenregulierverfahren.
Ionics, Inc.

- 3-

�Ionics, Inc. (Watertown, Mass.) ein neuartiges Sauerstoffbedarfs-Meßgerät zur Bestimmung des Gesamtionenbedarfs sowie ein Gerät zur Ermittlung
der Kohlenstoffkonzentration.
•

i

Martek Instruments, Inc. (Newport Beach, Kalifornien) tragbare Feldinstrumente für Wasseranalysen die nach den Spezifikationen für Laborgeräte
gebaut sind.
r

Scientific Industries, Inc. (Mineola, N.Y.) Kontrollinstrumente zur Überwachung der Luftverschmutzung sowie weitere Systeme für Immissions- und Emissionsmessungen.

Sigmamotor, Inc. (Middleport, N.Y.) drei Arten von bewährten Probennehmern - Sammelprobennehmer (bei 9,5 oder 19 Litern Behältergröße), Einzelprobennehmer (24 Flaschen von je 450 ccm) und Proportionalprobennehmer.

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36/1973

POLARIMETER SPÜRT LUFTVERSCHMUTZER AUF

- (AD) - Der Raum Los Angeles ist berüchtigt für Luftverschmutzung.
Diese ist allerdings nicht allein auf die Mengen der in die Luft geblasenen
Abgase und Rauchpartikel von Autos, Industriebetrieben und Heizanlagen zurückzuführen. Vielmehr nimmt die Situation erst infolge der dort herrschenden
besonderen meteorologischen Bedingungen häufig unerträgliche Formen an. Wegen
dieser Gegebenheiten sind schon seit Jahren die Umweltschutzbestimmungen in
Kalifornien und speziell in diesem Gebiet strenger als in anderen Bundesstaaten
der USA. Gegenwärtig werden weitere drastische Maßnahmen, u.a. Einschränkungen
in bezug auf den Autoverkehr, vorbereitet.

Die wissenschaftlichen Informationen über die Prozesse, die zu der gefürchteten Smogbildung führen, sind jedoch noch immer recht unzulänglich.
Dr. Jacob C. Kuriyan, Professor für Meteorologie an der Universität Kalifornien
in Los Angeles, versucht nun seit einigen Monaten, mit Hilfe eines Spezialinstruments, eines sog. Polarimeters, mehr darüber in Erfahrung zu bringen.
An Bord eines Helikopters kreuzt er in 1500 m Höhe zwischen Meer und Gebirge
über der Stadt, die weit über 100 km Ausdehnung hat. Das 15 kg schwere Polarimeter, das von der Raumfahrtfirma TRW, Inc., entwickelt wurde, mißt sowohl
die Intensität des Lichts als auch seine Polarisierung, d.h. die durch die
Streuung in der Atmosphäre bewirkte Orientierung der Lichtwellen.
Den

- 1 -

^

�»

Den Messungen liegt die Tatsache zugrunde, daß ein großer Teil der
Strahlungsenergie, die die Erde von der Sonne aufnimmt, wieder in die Atmosphäre sowohl an deren natürlichen Molekülen als auch an den durch menschliche
Aktivität eingebrachten Molekülen und Partikeln gestreut wird. Mit den Polarimeter-Messungen lassen sich jederzeit und überall die Mengen und die Größe
von Schmutzpartikeln in der Luft ermitteln und sogar zu ihrer Quelle zurückverfolgen. Das Instrument gibt auch dem Wissenschaftler eine Möglichkeit,
herauszufinden, wie atmosphärische Partikel als Kondensationskeime zur Wolkenbildung und zu Regen führen.

Die Intensität und die Streuung der Sonnenstrahlung beeinflussen die
gesamten Zirkulationsvorgänge in der Erdatmosphäre. Kuriyan verweist darauf,
daß es mit der Polarisationsforschung möglich sei, mehr über die Mechanismen
der Erwärmung und Abkühlung auf der Erde und die sie begleitenden Wetterveränderungen zu erfahren. Ein besonderer Vorteil der Polarimetrie ist die dabei
praktizierte Fernmeßtechnik, bei der das Prüfobjekt nicht beeinflußt oder verändert wird. Da dieses Verfahren theoretisch auch von Satelliten aus angewandt
werden kann, zieht die NASA gegenwärtig ein entsprechendes Experiment zur
Überwachung von Luftverschmutzung für einen künftigen unbemannten Satelliten
in Erwägung. Prof. Kuriyan hat dafür bereits ein verbessertes Polarimeter vorgeschlagen, das keine beweglichen Teile besitzt und wartungsfrei arbeitet.
Mit derartigen Instrumenten ließe sich sogar die Atmosphäre von anderen Planeten unseres Sonnensystems untersuchen.

Auf der "Internationalen Konferenz über Strahlung und Fernerkundung der
Atmosphäre" (28. - 30. August 1973 an der Universität Kalifornien in Los
Angeles, Kalifornien) wurde in Anwesenheit von 150 Wissenschaftlern der USA,
der Bundesrepublik, Japans, der Niederlande, aus Jugoslawien und der Sowjetunion der gegenwärtige Stand der Polarimetrie und ihre Bedeutung für die Lösung von Umweltproblemen erörtert.

+ + + + +

- 2-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Shultz fordert Abbau aller Handelsschranken&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut der Rede des US-Finanzministers auf der GATT-Ministertagung in Tokio&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Tokio-Konferenz lässt erfolgreiche Verhandlungen in Genf erwarten&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von John Holway&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Stein rechnet mit Ausgleich der US-Zahlungsbilanz noch in diesem Jahr&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von John Holway&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Landwirtschaftsministerium rechnet für 1974 mit noch höheren Ernteerträgen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus dem neuesten Erntebericht -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zielsichere Umweltpolitik in den USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Vierter Jahresbericht des Präsidialbeirats für Umwelthygiene veröffentlicht&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Lebenswichtiger Gewässerschutz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;ENVITEC 73 informiert über Verfahren der Wassereinhaltung&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von G. Weiss&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Polarimeter spürt Luftverschmutzer auf</text>
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                    <text>19. September 1984

38

INHALT

DOKUMENTATION
Ziel der NATO: Abschreckung vor einem Krieg
- Schreiben Reagans an den US-KongreQ Nukleares Gleichgewicht weiter gestört
- Schreiben Präsident Reagans an den Kongreß Shultz: Die internationale Dimension des Drogenhandels
- Rede des US-Außenministers vor der Handelskammer in Miami Auch Menschenrechte zentraler Punkt der Stockholmer Konferenz
- Presseerklärung von Botschafter Kampelman HINTERGRUNDMATERIAL
Afghanistan: Katastrophale Zustände auch im medizinischen Bereich
- Bericht eines amerikanischen Arztes WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Strahlentherapie zur Vorbeugung gegen Abstoßungsreaktion
Niereninsuffizienz-Komplikation bei schwerer Lebererkrankung
- Frühsymptome in Standardtests oft nicht zu erkennen -

Um Übcr/cndung von
Belegexemplaren
uiifd gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

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V

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

38

19. September 1984

ZIEL DER NATO: ABSCHRECKUNG VOR EINEM KRIEG
-Schreiben Reagans an den US-Kongreß-

Washington - (AD) - In einem Schreiben vom 12. September 1984 an den
Sprecher des amerikanischen Repräsentantenhauses und den Senatspräsidenten, das einen Bericht des Präsidenten über die Verbesserung der konventionellen Verteidigungskapazitäten der NATO begleitete, betonte Präsident
Reagan, Hauptziel der Nordatlantischen Verteidigungsgemeinschaft sei es,
"sicherzustellen, daö es in Europa nie zu einem Krieg kommt."

Das Schreiben des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

Entsprechend Abschnitt 1104(b) des Wehrbewilligungsgesetzes für das
Haushaltsjahr 1984 (P.L. 98-94) enthält dieser Bericht meine Vorstellungen und Empfehlungen hinsichtlich der Verbesserung der konventionellen
Verteidigungskapazitäten der NATO. Diese Vorstellungen und Empfehlungen
berücksichtigen

die

Ergebnisse

des Berichts von Verteidigungsminister

Weinberger über die "Verbesserung der konventionellen Kapazitäten der
NATO".

Ich

habe

diesen

Bericht

überprüft

und

unterstütze

seine

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�unterstütze seine Empfehlungen. Er ist das Ergebnis sorgfältiger Analyse
und enthält eine offene Beurteilung der bisherigen Leistungen der NATO
sowie der weiteren Notwendigkeiten für die Zukunft.

Nur wenige werden nicht der Meinung sein, daß die dringende Notwendigkeit besteht, die konventionellen Streitkräfte der NATO zu verstärken,
um Abschreckung und Verteidigung zu verbessern. Die Qualität der Ausrüstung der NATO sowie Bereitschaft und Fähigkeiten der Streitkräfte, die
diese Ausrüstung bedienen, haben im Lauf der letzten Jahre beträchtlich
zugenommen. Absolut gesehen sind die Verteidigungskapazitäten der NATOStreitkräfte heute erheblich größer als vor drei oder vier Jahren. Allerdings ist der Maßstab für Angemessenheit bei Abschreckung und Verteidigung keine statische oder absolute Fähigkeit, sondern eine dynamische Beziehung zu der Bedrohung, vor der diese Verteidigung steht. Die Bedrohung
durch den Warschauer Pakt hat qualitativ und quantitativ nur noch stärker
zugenommen und dadurch für die NATO die Notwendigkeit mit sich gebracht,
umso wirksamer und leistungsfähiger zu sein.

Bei der Analyse der Notwendigkeiten im Bereich der Verbesserung der
konventionellen Streitkräfte müssen wir uns der Tatsache bewußt sein, daß
es nicht Hauptziel der NATO ist, einen Krieg auszutragen und zu gewinnen,
sondern sicherzustellen, daß es in Europa nie zu einem Krieg kommt. Weitere Verbesserungen bei den konventionellen Kapazitäten würden ein vitales Element der Gesamtabschreckung verstärken und den Druck auf frühzeitige Eskalation in Richtung nuklearer Konfrontation verringern. Gleichzeitig können aber - wie die Schlußfolgerung des Berichts des Verteidigungsministeriums belegt - die konventionellen Streitkräfte die nukleare
Dimension der Abschreckung nicht gänzlich ersetzen. Die NATO muß auch
weiterhin eine glaubwürdige nukleare Abschreckung aufrecherhalten, wie
dies in dem Bericht von Verteidigungsminister Weinberger hinsichtlich der
Nuklearsituation der NATO dargelegt wird.

Die Strategie der NATO muß sich auf die geographischen und politischen Realitäten der NATO gründen sowie auf die Tatsache, daß die NATO
als Verteidigungsbündnis zu Beginn eines Konflikts auf die Initiative

�die Initiative verzichtet. In diesem Zusammenhang bieten die flexible
Antwort und die Vorneverteidigung die einzig lebensfähige Abschreckungsund Verteidigungsstrategie des Bündnisses. Aufgabe der NATO ist es, bei
der Bereitstellung der Streitkräfte und der Doktrin zur Unterstützung der
Strategie noch besser zu werden.

Die Vereinigten Staaten können auf das Beispiel unserer Führung über
die letzten Jahre hinweg stolz sein. Wir müssen auch weiterhin jene Programme verfolgen, mit denen wir bereits begonnen haben, und dabei gleichzeitig nach noch wirksamerem Möglichkeiten Ausschau halten, um die konventionelle Verteidigung zu verstärken. Von entscheidender Bedeutung für
unsere Bemühungen ist die Unterstützung des Kongresses bei Bereitstellung
der Mittel für Operationen und Unterhaltung, für Bereitschaft, Verbesserungen und neue Ausrüstung, für Forschung und Entwicklung und andere Verteidigungsprogramme. Dennoch: Die Vereinigten Staaten können das Loch
nicht alleine stopfen. Alle Mitglieder des Bündnisses müssen sich an der
Verbesserung der konventionellen Streitkräfte beteiligen. Die Verbündeten
sind sich der Notwendigkeit bewuüt und müssen nunmehr die zusätzlichen
Opfer bringen, die nötig sind, um die militärischen Kapazitäten der NATO
noch weiter zu verbessern. Die jüngste Debatte im amerikanischen Senat
wird jene Verbündeten stärken, die den Versuch machen, ihren Anteil der
Lasten auf sich zu nehmen. Wir werden auch weiterhin alle Verbündeten dazu anspornen, noch bessere Beiträge zur Verteidigung der NATO zu leisten.

Der Bericht von Verteidigungsminister Weinberger sowie die davon

un-

abhängige Beurteilung des NATO-Oberbefehlshabers nennen die wichtigsten
Bereiche, die einer Verbesserung bedürfen. Ich stimme ihren Empfehlungen
zu. Wir müssen unsere Bemühungen sorgfältig ausbalancieren - sowohl jene
im Programmbereich (etwa die Bereitschaft) als auch die der verschiedenen
Aufgabenstellungen

(etwa die Verteidigung gegen eine erste Angriffswel-

le).

sicherstellen,

Wir

müssen

daß

die

Verteidigungsbemühungen

und

-mittel die bestmögliche Verteidigung mit sich bringen. Wir müssen die
Verwendung der Mittel so lange einer kritischen Prüfung unterziehen, bis
wir damit zufrieden sein können, daß sie die bestmögliche Verteidigungskapazität produzieren. Niemand kann sich Entwicklungsprogramme leisten,

�Entwicklungsprogramme

leisten, die durch ihre Duplizität Verschwendung

mit sich bringen; und niemand kann Programme verfolgen, die nur begrenzte
militärische

Notwendigkeit

haben. Kurz:

Wir müssen eine militärische

Strategie und eine Investitionsstrategie

haben. Und

diese

Strategien

sollten unsere eigenen Programme wie auch diejenigen unserer Verbündeten
beinhalten - in engerer Integration und Kooperation als bisher.

Die grundlegende und unausweichliche Voraussetzung für amerikanische
Zusammenarbeit und Führung besteht darin, daü eine starke NATO-Verteidigung in unserem innersten nationalen Selbstinteresse liegt und wir ganz
einfach allein nicht Erfolg haben können. Die Pläne und Programme des
derzeitigen amerikanischen Verteidigungshaushaltes und fünfjährigen Verteidigungsplanes unterstützen diese Zielsetzungen. Während wir auch weiterhin die Pläne einer Prüfung unterziehen und die Anforderungen modifizieren werden, um sie neuen Möglichkeiten und Bedürfnissen anzupassen,
ist eine fortdauernde Bereitschaft des Kongresses, die notwendigen Verteidigungsprogramme zu unterstützen, von entscheidender Bedeutung, wenn
wir die konventionelle

Verteidigung

der NATO verbessern wollen. Kein

Plan, ganz gleich, wie wohlerwogen er auch sein mag, kann Erfolg bringen,
wenn die zu diesem Erfolg notwendigen Mittel unzureichend und einander
widersprüchlich sind. Wir und unsere Verbündeten haben die Probleme der
konventionellen

Verteidigung

der

NATO

erkannt

und

haben

die

ersten

Schritte in Richtung auf eine Gesundung getan. Nunmehr müssen wir unsere
Bemühungen noch beschleunigen.

Um die zur Ergänzung bestehender oder zum Austausch überholter Pläne
notwendigen Veränderungen durchzusetzen, bedarf es mutigen Denkens und
mutiger Führung. Wir werden auch weiterhin unsere NATO-Verbündeten hinsichtlich neuer und besserer Möglichkeiten zur Verwendung der Verteidigungsmittel eng und regelmäßig konsultieren und dies auch mit dem amerikanischen Kongreß tun. Es gibt für keines der bestehenden Probleme eine
Sofortlösung. Lösungen wird es nur über einen langfristigen Einsatz geben. Dennoch müssen wir anfangen, uns auf den rechten Weg zu machen, wie
er in dem Bericht von Minister Weinberger vorgezeichnet wird.

Die amerikanischen

Programme

�Die amerikanischen Programme betonen die Notwendigkeit, die strategischen Transportkapazitäten bereitzustellen, um die Streitkräfte vor Ort
rasch ergänzen zu können und die dünnen strategischen Reserven aufzufüllen, die SACEUR zur Verfügung stehen. Wir arbeiten mit den Verbündeten
daran, um sicherzustellen, daß Europa in der Lage ist, diese Verstärkungen zu empfangen und sie dorthin zu bringen, wo sie am wirkungsvollsten
eingesetzt werden können. Wir haben die Notwendigkeit betont, die Mittel
für das vielleicht

nicht

so attraktive, aber

äußerst

kostenwirksame

Infrastrukturprogramm zu erhöhen. So können zum Beispiel durch die Bereitstellung von Hangars und anderen unterstützenden Anlagen für Flugzeuge die Uberlebensfähigkeit und somit die Möglicheiten unserer Luftwaffe erheblich verbessert werden.

Um die Abschreckung und die Verteidigung der NATO zu erhöhen, muß das
Bündnis auch bereit sein, ganz neue Richtungen einzuschlagen und bestehende Projekte zu modifizieren. "Die Nutzung neuer Technologien" ist ein
gutes Beispiel für solch neue Richtungen. Durch diese Initiative, von den
Vereinigten Staaten Mitte 1982 vorgeschlagen, wurden bereits Projekte für
beschleunigte Entwicklung ausgewählt. Auch wenn es noch mehrere Jahre
dauern wird, bis diese Initiative direkt zu den Verteidigungskapazitäten
der NATO beiträgt, so stellt diese Bemühung doch einen wichtigen ersten
Schritt dabei dar, den größten Vorteil des Westens ins Spiel zu bringen:
seine technologische Basis.

Kurzum:

Wir

müssen

die Abschreckungskapazität

des konventionellen

Teils der Abschreckungstriade der NATO dadurch verbessern, daß wir Bereitschaft und Ausdauer erhöhen. Längerfristig gesehen, müssen wir die
notwendigen Mittel bereitstellen, um alle Elemente einer wirksamen Verteidigung zu ermöglichen. Dies macht es erforderlich, daß die Öffentlichkeit in allen NATO-Staaten sich deutlich der Natur und des Umfangs
der Bedrohung bewußt ist, vor der wir alle stehen.

Ich ersuche den Kongreß, sich dem bedeutsamen Unterfangen der Stärkung

der

konventionellen

Verteidigung
- 5 -

der

NATO

anzuschließen.

�i mIER1Kb

1DlEl11SO
V

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

17. September 1984

38

NUKLEARES GLEICHGEWICHT WEITER GESTÖRT
Schreiben Präsident Reagans an den Kongreß -

Washington -(AD)- In einem Begleitschreiben zu einem Bericht über
Strategie und Streitkräfteplanung der NATO im Bereich der taktischen Nuklearwaffen, der am 12. September 1984 dem Sprecher des amerikanischen
Repräsentantenhauses und dem Präsidenten des Senats zugeleitet wurde,
stellte Präsident Reagan fest, daß sich das militärische Kräftegleichgewicht zwischen Ost und West seit 1975 stetig zuungunsten der NATO verschoben habe. Das Schreiben hat folgenden Wortlaut:
Der vorliegende Bericht, der in Zusammenhang mit Abschnitt 110i&gt;(b)
des Wehrbewilligungsgesetzes für das Haushaltsjahr 1984 (P.L. 98-94) zu
sehen ist, gibt meinen Standpunkt zu den Fragen wieder, die im Bericht
des Verteidigungsministeriums über die Strategie und Streitkräfteplanung
der NATO im Bereich der taktischen Nuklearwaffen abgehandelten sind. Der
Bericht, den ich Ihnen hiermit zuleite, ist der erste von vieren, deren
Vorlage im Wehrbewilligungsgesetz für das Haushaltsjahr 1984 gefordert
wird. Er enthält eine Analyse einiger Kernprobleme, die sich im Rahmen
der Verteidigungspolitik der Vereinigten Staaten und der NATO stellen.

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�NATO stellen. Das Gewicht dieser Probleme ergibt sich sowohl aus der Natur der Waffen, um die es dabei geht, als auch aus der Tatsache, daß den
Atomwaffen im Abschreckungskonzept der NATO ein hoher Stellenwert zukommt.

Ich habe Verteidigungsminister Weinbergers sehr ausführlichen Bericht
über das nukleare Konzept der NATO geprüft und stehe voll und ganz hinter
den dort ausgesprochenen Empfehlungen. Ich suche daher dringend um die
Unterstützung des Kongresses nach, die zur Umsetzung der innerhalb des
Bündnisses getroffenen Vereinbarungen über den Ausbau der nichtstrategischen Nuklearstreitkräfte der NATO unabdingbar ist.

Seit der Vorlage des letzten Berichts im Jahre 1975 hat sich die militärische Bedrohung, der sich das Bündnis gegenübersieht, nicht vermindert. Sowohl die Vereinigten Staaten als auch die Europäer haben in den
letzten Jahren beim Ausbau ihrer konventionellen Streitkräfte wie beim
Ausbau ihrer nichtstrategischen Nuklearwaffen erhebliches geleistet. Dennoch hat sich das numerische Kräftegleichgewicht weiter zuungunsten der
NATO verschoben. Nach wie vor geht es uns nicht darum, mit dem Warschauer
Pakt Waffe um Waffe oder Gefechtskopf für Gefechtskopf gleichzuziehen,
sondern lediglich darum, ihm Streitkräfte gegenüberzustellen, die stark
genug sind, um eine glaubwürdige Abschreckung und Verteidigung zu gewährleisten. Dieses Ziel kann die NATO erreichen, indem sie ihre Streitkräfte
weiter ausbaut, d.h., sowohl deren konventionelle als auch deren nukleare
Komponente weiter modernisiert, und indem sie von den ihr zur Verteidigung zur Verfügung stehenden Ressourcen wirksamer Gebrauch macht. Währenddessen werden wir auch weiterhin auf Rüstungskontrollabkommen hinarbeiten, die verifiziertbar sind, den Interessen aller Seiten gerecht werden und der NATO helfen können, auf einem niedrigeren Rüstungsniveau ein
höheres Maß an Stabilität und Sicherheit zu erlangen.

Im Oktober 1983 beschloß die Nukleare Planungsgruppe der NATO, im
Rahmen einer Überarbeitung ihres nuklearen Konzepts für ganz Europa zusätzlich zu den bereits im Jahre 1980 abgezogenen 1 000 Gefechtsköpfen im
Verlaufe der nächsten fünf oder sechs Jahre weitere 1 400 Gefechtsköpfe
abzuziehen. Diese Entscheidung wurde auf der Grundlage einer NATO-Studie
- 2 -

�einer NATO-Studie getroffen, die innerhalb des Bündnisses breite Zustimmung gefunden hatte. Auf dieser Studie fußt ganz wesentlich auch der Bericht des Verteidigungsministeriums der Vereinigten Staaten. Die Empfehlungen und mittelfristigen Maßnahmen, die in dem Bericht des Verteidigungsministeriums umrissen werden, stehen daher mit den Auffassungen unserer Verbündeter in vollem Einklang.

Mir ist bewußt, daß im Kongreß die Auffassung besteht, daß wir mehr
für den Ausbau unserer konventionellen Streitkräfte tun sollten. Ich
möchte jedoch beim Ausbau unserer militärischen Machtmittel in beiden Bereichen ein ausgewogenes Konzept wählen. Ein Bericht des Verteidigungsministeriums, in dem die Erfordernisse und Pläne im Bereich der konventionellen Rüstung im einzelnen untersucht werden, liegt Ihnen vor. Ich werde
darlegen, wie einige der dort ausgesprochenen Empfehlungen meines Erachtens kurzfristig verwirklicht werden können. Es ist richtig, daß wir mit
dem Ausbau unserer konventionellen Streitkräfte fortfahren müssen. Es ist
jedoch wichtig, daß wir, während wir uns den Problemen des konventionellen Bereichs widmen, nicht die Tatsache aus den Augen verlieren, daß ein
glaubwürdiges, überlebensfähiges und stabiles nukleares

Potential der

NATO auch eine ganz erhebliche und wesentliche Stärkung ihrer konventionellen

Verteidigung

bedeutet

und

daß

solche

Nuklearstreitkräfte

glaubwürdigste Abschreckungsmittel gegen einen Angriff

mit

das

chemischen

Waffen bilden, das wir zur Zeit besitzen.

Ich unterstütze insbesondere diejenigen Empfehlungen, die eine Verbesserung der Überlebensfähigkeit der Nuklearstreitkräfte der NATO zum
Gegenstand haben. Durch damit in engem Zusammenhang stehende Verbesserungen im Sicherheitsbereich kann darüberhinaus die Sicherheit unserer
Waffen im Frieden wesentlich erhöht werden. Die Durchführung

solcher

Verbesserungen hat für mich einen hohen Stellenwert. Ich werde unseren
Verbündeten nahelegen, diesen Problemen ein ähnliches Maß an Aufmerksamkeit zu widmen. Im Rahmen mehrerer NATO-Organisationen versuchen wir, unsere Verbündeten von der Notwendigkeit von Verbesserungen zu überzeugen
und sie zur Mitarbeit zu bewegen.
In

- 3 -

Montebello

�In Montebello kamen die Verteidigungsminister des Bündnisses überein,
den Bestand an Nuklearwaffen in Europa weiter zu verringern, so daß er
auf den niedrigsten Stand seit 20 Jahren gebracht wird. Gleichzeitig
herrschte unter den Verbündeten Übereinstimmung darüber, daß die NATO bestimmte Modernisierungsprogramme durchführen muß, um zu gewährleisten,
daß auch dieser verkleinerte Bestand an Nuklearwaffen immer noch ein hinreichendes und glaubwürdiges Abschreckungspotential darstellt. Ich unterstütze sowohl die Entscheidung über den Umfang des Bestandes an Nuklearwaffen als auch die Modernisierungsprogramme, die die Aufrechterhaltung
eines glaubwürdigen Abschreckungspotentials sicherstellen werden. Die gegenwärtig laufenden amerikanischen Rüstungsprogramme und der Wehretat geben uns die Mittel zur Ausführung dieser Entscheidungen an die Hand. Ich
bitte Sie, durch Ihre Unterstützung dazu beizutragen, daß dies zeitgerecht und in einer geregelten Art und Weise geschehen kann. Der Bericht
des Verteidigungsministeriums gibt die bestehenden Notwendigkeiten korrekt wieder und umreißt die Maßnahmen, die wir treffen werden, um ihnen
zu genügen. Das im gleichen Zusammenhang stehende Erfordernis der Verbesserung unserer Zielerfassungs- und Fernmeldeeinrichtungen ist in dem Bericht ebenfalls zufriedenstellend dokumentiert.
Wie ich bereits erwähnte, bilden die Nuklearstreitkrä'fte der NATO zur
Zeit das wirksamste Instrument der Abschreckung gegen einen Einsatz chemischer Waffen durch die Sowjets. Hier müssen wir eine noch bessere
Grundlage für die Abschreckung schaffen. Die Vereinigten Staaten sollten
daher ein begrenztes, aber modernes Potential an chemischen Waffen aufbauen, das als direktes Abschreckungsmittel gegen den Einsatz solcher
Waffen durch die Sowjets dienen kann. Im Verteidigungshaushalt und in den
Rüstungsprogrammen

der

Vereinigten

Staaten

ist

für

die

notwendigen

Schritte zur Entwicklung eines solchen Abschreckungspotentials Vorsorge
getroffen.

Die NATO-Verbündeten sind sich der Notwendigkeit einer Modernisierung
der Nuklearstreitkräfte und einer Verbesserung ihrer Uberlebensfähigkeit
und Sicherheit bewußt. Die Vereinigten Staaten werden in dieser Hinsicht
auch weiterhin die treibende Kraft bleiben und ihre Verbündeten dazu anhalten, bei zukünftigen Rüstungsprogrammen ihren Teil der Aufgabe zu
- 4 -

�Aufgabe zu erfüllen. Im Einklang mit dem Doppelbeschluß über nukleare
Mittelstreckenwaffen von 1979 treibt die NATO die Stationierung solcher
Waffen weiter voran, da ein zufriedenstellendes Abkommen über Rüstungsverminderungen, oie solche Stationierungen

überflüssig

machen würden,

bislang nicht ausgehandelt werden konnte. Mir liegt selbstverständlich
nach wie vor an einer Lösung durch ein faires und verifizierbares Abkommen. Wie ich schon oft betont habe, befürworten die Vereinigten Staaten
jederzeit entsprechende Verhandlungen ohne Vorbedingungen. Bis eine solche Verhandlungslösung herbeigeführt werden kann, müssen die Vereinigten
Staaten jedoch die Mittel bereitstellen, die erforderlich sind, um sicherzustellen, daß die Schlagkraft des nuklearen Potentials der NATO
nicht soweit absinkt, daß die Abschreckung fragwürdig wird.

Alle konventionellen, chemischen und atomaren Waffen der NATO stehen
unwandelbar im Dienste des einen Zieles des Bündnisses: der Gewährleistung von Abschreckung und Verteidigungsfähigkeit. Wenn wir die Abschrekkung aufrechterhalten und weiterhin in Frieden und Freiheit leben wollen,
müssen wir mit dem Ausbau unserer Streitkräfte über ihr ganzes Spektrum
hinweg fortfahren. Der Bericht von Verteidigungsminister Weinberger über
das nukleare Konzept der NATO skizziert sowohl die gegenwärtige Lage als
auch einen gangbaren Weg zur dauerhaften Weiterentwicklung dieses Konzepts. Ich stehe voll hinter seinen Empfehlungen.

- 5 -

�19. September 1984

38

SHULTZ: DIE INTERNATIONALE DIMENSION DES DROGENHANDELS
Rede des US-Außenministers vor der Handelskammer von Miami -

MIAMI -(AD)- In einer Rede vor der Handelskammer von Miami in Florida
ging der amerikanische Außenminister George Shultz am 14. September 1984
auf die Problematik des weltweiten Drogenhandels ein und forderte zu
durchgreifenden Maßnahmen im internationalen wie im nationalen Rahmen
auf: "Unser Erfolg im Kampf gegen den internationalen Rauschgifthandel
hängt von einem Erfolg unserer Kampagne gegen den Drogenmißbrauch hier in
den Vereinigten Staaten ab...Wir können nicht etwas predigen, was wir
selbst nicht praktizieren."
Die Rede hatte folgenden Wortlaut:
Ich spreche heute über ein Problem, das direkt oder indirekt das
Wohlergehen aller Amerikaner beeinflußt. Dieses Problem sind die Drogen.
Und ich möchte insbesondere die gewaltige internationale Dimension des
Problems diskutieren sowie das, was wir tun, um es anzugehen.
Sie alle wissen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Sie alle wissen sehr genau, was die Drogen für unsere Städte und un- sere
Gesellschaft bedeuten. In Miami, in New York, in Chikago, Detroit, Los
Angeles und Washington - ja, praktisch in fast allen amerikanischen
Städten - werden wir Zeuge des Drogenproblems auf unseren Straßen und hören darüber täglich in unseren Medien.
Wir sehen, wie es Jagd auf die Jugend unseres Landes macht. Wir sehen, wie es Familien und Gemeinschaften unterhöhlt. Wir sehen das Verbrechen, das daraus erwächst - die Morde, die Überfälle und die organisierten Verbrechensringe, die daraus ein so lukratives Geschäft gemacht
haben.
Wir sehen, wie dadurch willkürlich Leben zerstört wird - von reich
und arm, von schwarz und weiß, von jung und alt. Wir können die Kosten
des Drogenmißbrauchs auf vielfältige Weise messen - an verlorengegangener
Produktivität, an steigenden Gesundheits- und Sozialkosten und - am tiefgreifendsten - an der sinnlosen Vergeudung von Menschenleben.
Wir sehen das Drogenproblem in seiner ganzen Ungeheuerlichkeit, und
manchmal fragen wir uns, wie wir es überhaupt in den Griff bekommen. Ich
will hier nicht vor Sie treten und Ihnen sagen, es gäbe leichte Lösungen.
Und natürlich können Lösungen auch nicht allein über den Weg der
staatlichen Maßnahmen gefunden werden. Drogenmißbrauch ist eines der
zähen Symptome eines tieferen sozialen und kulturellen Phänomens: Der
Schwächung der traditionellen Werte von Familie, Gemeinschaft und Glaube,
worunter wir in der westlichen Gesellschaft schon seit einiger Zeit leiden.
Unsere Gründerväter schufen ein Regierungssystem, das die Rechte und
Freiheiten des Einzelmenschen schützen konnte, aber sie waren der tiefen
Überzeugung, daß es noch eines anderen bedurfte, um die geistige Gesundheit der Nation zu schützen. Das mit Sorgfalt errichtete Bauwerk einer
freien Gesellschaft mußte verfestigt werden durch eine dauerhafte öffentliche und private sittliche Gesinnung- Und die Gründer waren zugleich da-

�waren zugleich davon überzeugt, daß Bewahrung einer solchen Gesinnung in
erster Linie nicht Aufgabe der Regierung sei, sondern unserer erzieherischen, religiösen und sozialen Institutionen, unserer Familien und unserer Gemeinden.

Wenn wir also die Drogenprobleme der Nation betrachten, so müssen wir
uns stets daran erinnern, daß auch die Regierung nicht alle Antworten auf
alle Fragen bereithalten kann. Die von staatlichen Stellen entwickelten
technischen Lösungen können nicht für sich allein diese Schwachstelle in
der moralischen Struktur unserer Gesellschaft reparieren. Wir müssen in
unserem öffentlichen Leben den Glauben in Familie, Kirche und Gemeinschaft wiederherstellen, der die Demokratie über zwei Jahrhunderte lang
stark machte.
Ich glaube, daß eine solche geistige Genesung im Gange ist. Der Glaube an diese Institutionen kehrt zurück. Und wir können das sogar in der
gewandelten Einstellung der Nation gegenüber dem Drogenproblem erkennen.
Heute herrscht über ganz Amerika hinweg zunehmend Übereinstimmung dahingehend, daß Drogenmißbrauch nicht modisch, sondern unmoralisch ist. Wir
weisen die fatalistische Einstellung zurück, daß es den Drogenmißbrauch
als nationales Phänomen immer geben wird. Eltern, gemeindliche Organisationen, erzieherische und religiöse Institutionen schenken dem Aufruf von
Präsident Reagan Aufmerksamkeit, "an der Schlacht gegen den Drogenmißbrauch teilzunehmen."

Die Strategie der Bundesregierung

Natürlich muß die Regierung energisch und entschlossen ihr Teil beitragen. Wie Sie wissen, hat diese Administration die Verringerung des
nationalen Drogenmißbrauchs zu einer ihrer Prioritäten erklärt. Wir haben
hart daran gearbeitet, neue Möglichkeiten zu finden, um das Problem in
allen seinen Aspekten anzugreifen. Präsident Reagan hat den Drogenmißbrauch als "eines der ernstesten Probleme, vor denen die Vereinigten
Staaten stehen", bezeichnet. Und unter seiner Leitung hat diese Administration eine umfassende Strategie der Bundesbehörden zur Verhinderung
des Drogenmißbrauchs und des Drogenhandels erstellt. Diese Strategie ent-

�Diese Strategie enthält fünf zentrale Komponenten, die das Problem an jedem Glied der Kette angehen, die vom Anbau bis zum Verbrauch von Drogen
reicht. So haben wir umfangreiche Programme für folgendes erstellt:
Erstens: Vorkehrungsmaßnahmen, zu denen etwa die Aufklärung unserer
Jugend hinsichtlich der Gefahren der Drogen gehört;
Zweitens: Entzugsmaßnahmen und Behandlung von Drogenabhängigen;
Drittens: Forschung mit dem Ziel des Einblicks in Ursachen und Folgen
von Drogenmißbrauch;
Viertens: Antidrogengesetze zwecks Zerschlagung von Drogenringen und
Verbot von Drogenabgabe, bevor diese an den Konsumenten gelangen;
Fünftens: Internationale Zusammenarbeit zur Kontrolle von Produktion
und Transport von Drogen.
Diese Fünf-Punkte-Strategie stellt in ihrer Summe einen energischen
Schritt dar, um dieses so vielgestaltige Problem anzugehen. Und jeder Weg
wird mit Tatkraft und Entschlossenheit verfolgt.
Sie alle sind sich dessen bewußt, was diese Administration getan hat,
um die inländischen Aspekte unseres Drogenproblems in den Griff zu bekommen. Die Frau des Präsidenten hat es sich zur persönlichen Aufgabe gemacht, unsere Jugend über die Gefahren der Drogen aufzuklären, und diese
ihre wertvollen Bemühungen haben dieser Dimension der nationalen Verhütung gewaltigen Auftrieb gegeben. Vizepräsident Bush spielt eine führende
Rolle bei der Verbesserung unserer Bemühungen, hier im Inland die entsprechenden Drogen zu verbieten.
Wie Sie wissen, leitet er die diesbezügliche Einsatzgruppe Südfloridas sowie das System zur Überwachung unserer Grenzen hinsichtlich Drogenschmuggels ("National Narcotics Border Interdiction System"). Diese sowie
andere Bemühungen haben bereits ermutigende Resultate in bezug auf den
- 4 -

�»

in bezug auf den inländischen Aspekt des Problems gezeitigt. Es dürfte
offenkundig sein, daß die Nachfrage zur Schaffung des Angebots beiträgt,
und wir können nicht erwarten, die Herausforderung des Drogenmißbrauchs
in den Griff zu bekommen, wenn wir nicht alles in unserer Macht Stehende
tun, um die Nachfrage nach Drogen hier im Inland zu verringern.

Die internationale Dimension

Es ist allerdings auch klar, daß wir mit der Herausforderung des Drogenmißbrauchs hier im Lande selbst nicht fertigwerden können, wenn nicht
zugleich das weltweite Netz der Drogenproduktion und des Drogenhandels
angegriffen wird. Sie sollten daher wissen , daß das Problem des Drogenmißbrauchs nicht nur eine der obersten Prioritäten der Innenpolitik dieser Administration ist. Es ist auch eine der obersten Prioritäten unserer
Außenpolitik.

Jedes Jahr schmuggeln Drogenhändler vier metrische Tonnen Heroin, 70
metrische Tonnen Kokain und 15 000 metrische Tonnen Marihuana in dieses
Land. Diese Drogen kommen aus der ganzen Welt: aus Kolumbien, Peru, Bolivien, Mexiko, Belize, Jamaika, Pakistan, Afghanistan, Iran, Thailand und
Birma.

Wenn erst einmal in diesen Ländern die Ernte vorüber ist, wird diese
oft zur Weiterverarbeitung an andere Orte verfrachtet, um dann in Drogenform erneut zu lokalen Anbietern in Westeuropa, in den Vereinigten Staaten und in der gesamten übrigen industrialisierten Welt zu gelangen.

Geld aus dem Drogenhandel wird auf den internationalen Finanzmärkten
reingewaschen. Mittelsmänner werden angeheuert, um die Drogen an Zoll und
Küstenwache vorbeizuschmuggeln. Es ist dies eine reibungslose und immer
effizientere Operation - eine internationale Bemühung im wahrsten Sinn
des Wortes.

Unsere Besorgnis über die wachsenden Netze des Drogenhandels haben
zweierlei Gründe. Ich habe bereits die schwerwiegenden Auswirkungen auf
- 5 -

�Auswirkungen auf unser Volk genannt. Aber sie stellen auch in anderer
Hin- sieht eine Bedrohung der amerikanischen Interessen dar. Tatsache
ist, daß es sich hier um ein Beispiel für ein umfassenderes und relativ
neuartiges außenpolitisches Problem handelt, vor dem heute die zivilisierte Welt steht. Sie sind Teil eines Trends hin zu internationaler
Rechtlosigkeit, der sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten auf bedenkliche Weise verstärkt hat.
Dieser Trend geht auf die Tage zurück, als noch das Piratentum auf
den Meeren herrschte und als die zivilisierten Nationen der Welt entweder
nicht fähig oder nicht willens waren, es systematisch zu bekämpfen. Die
modernen Formen der Piraterie sind der Drogenhandel, der Terrorismus und
ähnliche Arten ungesetzlichen Handelns.
Es ist nicht überraschend, daß es eine Menge Beweise dafür gibt, daß
alle diese unterschiedlichen Arten von Ungesetzlichkeit miteinander in
Verbindung stehen.
Gelder aus dem Drogenschmuggel unterstützen Terroristen. Terroristen
bieten den Drogenschmugglern Hilfe. Das organisierte Verbrechen arbeitet
Hand in Hand um eigenen Profites willen mit diesen anderen Verbrechern.
Und am beunruhigendsten dürften wohl die zunehmenden Beweise dafür sein,
daß sogar einige aus den unterschiedlichsten Gründen darin verwickelt
sind.
Es gibt nachweislich Verbindungen zwischen dem Drogenschmuggel, dem
Terrorismus und einigen kommunistischen Regierungen - ich werde noch
darauf zurückkommen.
Die zivilisierte Welt steht daher nicht nur vor separaten und isolierten Vorfällen der Gewalt und des Verbrechertums, sondern vor einem
systematischen, weltweiten Problem von wachsender Dimension. Und dieses
weltweite Problem stellt eine beispiellose - und vorsätzliche - Herausforderung der Weltordnung dar, die wir Amerikaner und alle anderen zivilisierten Nationen anstreben: Eine Weltordnung, die sich auf Gerechtigkeit und die Herrschaft des Gesetzes gründet.
Neue Probleme erfordern

�Neue Probleme erfordern neues Denken, neue Werkzeuge, neue Methoden.
Sie können auf mich zählen, daß das Außenministerium sich dieser Anstrengung verpflichtet fühlt. Wir arbeiten eng mit den Bundesstellen für die
Drogenfahndung zusammen, um neue Möglichkeiten zu finden, mit dem wachsenden Drogenproblem im internationalen Bereich fertigzuwerden. Und wir
tun dies nicht nur, um mit dem Elend des Drogenmißbrauchs in unserem Land
selbst fertigzuwerden, sondern auch, um gegen die wachsende Gefahr internationaler Rechtlosigkeit anzukämpfen.
Inangriffnahme des Problems
Um dem internationalen Drogenhandel entgegentreten zu können, bedarf
es vor allem der internationalen Zusammenarbeit zwischen den Ländern, die
unsere Besorgnis über diese wachsende Bedrohung unserer Gesellschaften
teilen.

Während der Amtszeit der Reagan-Administration ist weit mehr zur Förderung der internationalen Zusammenarbeit getan worden, als dies je vorher der Fall war.
Im September 1981 hat Präsident Reagan unsere Zielsetzung dargelegt;
er trat für eine Außenpolitik ein, "die mit allem Nachdruck unerlaubte
Drogen verbietet und ausrottet, wo immer sie angebaut, weiterverarbeitet
oder weitergeleitet werden."
Amerikanische Regierungsvertreter auf höchster Ebene, darunter Präsident Reagan, Vizepräsident Bush und auch ich, unsere Botschafter sowie
hochrangige Beamte des amerikanischen Außenministeriums haben immer wieder gegenüber führenden ausländischen Persönlichkeiten die Bedeutung unterstrichen, die wir ihrer Zusammenarbeit in der Drogenfrage beimessen.
Wir haben mit größtem Nachdruck bilaterale Abkommen über Erntekontrolle, Ausrottung und Verbot mit Ländern angestrebt, in denen Drogen
angebaut, verschifft und verbraucht werden. Und auch im Rahmen der Ver-

�der Vereinten Nationen haben wir energisch internationale Anstrengungen
unterstützt, um den Drogenfluß einzudämmen und die Erzeugung zu reduzieren.

Zahlreiche Länder, die wie wir über dieses Problem besorgt sind,

haben bedeutsame Schritte unternommen. In Kolumbien hat ein mit Flugzeugen durchgeführtes Vernichtungsprogramm, mit dem am 5. Juli begonnen wurde, mehr als 4 200 Morgen an Marihuana zerstört - ein wirklich bedeutsamer Durchbruch auf dem Gebiet der weltweiten Kontrolle. Mit diesem ersten
Schritt allein konnten Marihuanamengen im Wert von nahezu 3 Milliarden
Dollar von unseren Straßen ferngehalten werden - und das kolumbianische
Programm hat gerade erst seinen Anfang genommen.
In Peru haben die dortigen Behörden trotz der Drohungen von Terroristen an die 5000 Morgen von Cocasträuchern vernichtet, die für die Kokainerzeugung verwendet werden; ja, die Regierung hat kürzlich sogar Militäreinheiten in die cocaerzeugende Region entsandt.

Wir arbeiten mit

anderen südamerikanischen Ländern zusammen, um die Ausdehnung der Drogenerzeugung auf neue Anbaugebiete zu verhindern.
In Asien hält die pakistanische Regierung ihr Verbot der Ausweitung
des Anbaus von Klatschmohn auf zusätzliche Gebiete in der nordwestlichen
Grenzprovinz weiterhin aufrecht, und sie hat darüber hinaus von wesentlich vermehrten Beschlagnahmen von Heroin im ersten Quartal 1984 berichtet. Und allein in diesem Monat haben pakistanische Behörden 163 kg
Opium und 20 kg Heroin bei einem Schlag gegen ein Heroin-Laboratorium
beschlagnahmt.
Die thailändische Regierung hat ebenfalls ihre Verpflichtung zur
Kontrolle des Opiumanbaus in Dörfern verstärkt, die Entwicklungshilfe
erhalten. Die Regierung von Birma untersucht gemeinsam mit uns systematischere Methoden der Vernichtung.
Alles in allem werden wir im Rahmen weltweiter Drogenkontrollprogramme im Jahre 1985 über 100 Millionen Dollar ausgeben. Wir wissen um
die Schwierigkeiten, die es bei der Reduzierung des Ernteergebnisses
gibt. In manchen Herstellerländern ist die Drogenerzeugung zu einem
- 8 -

�zu einem wichtigen Faktum des täglichen Lebens geworden.

Es gibt Teile der Welt, wo Opium und Coca zu jahrhundertealten Traditionen geworden sind, und natürlich haben viele Nationen in wachsendem Maße eigene Suchtprobleme, die die Drogenproduktion fördern.

Und

schließlich sind zahlreiche Länder einfach zu arm, um wirksame Kontrollund Ausrottungsprogramme in Angriff nehmen zu können.

Unsere internationale Drogenpolitik ziehlt darauf ab, diese Hindernisse zu überwinden.

Wir gewähren in diesem Jahr 18 Regierungen bilate-

rale Unterstützung, deren Fachwissen oder Ressourcen nicht ausreichen, um
mit dem Problem einer Erntereduzierung fertigzuwerden.

Wir haben über

den Fonds der Vereinten Nationen für Kontrolle des Drogenmißbrauchs sowie
über andere internationale Gremien die multilaterale Unterstützung gefördert.
Das amerikanische Außenministerium hat mit der Drogenfahndung, den
Zollbehörden und der Küstenwache zusammengearbeitet, um Vertreter ausländischer Regierungen auf dem Gebiete der Drogenkontrolle, der Drogenfahndung und des Drogenverbots auszubilden.

Seit 1971 naben wir Mittel zur Verfügung gestellt, mit deren Hilfe 25
000 ausländische Fahndungsbeamte ausgebildet wurden, und 1985 werden wir
weitere Gelder bereitstellen, um zusätzliche Beamte in 30 verschiedenen
Ländern auszubilden.

Wir waren ferner bestrebt, ausländischen Regierun-

gen dabei zu helfen, ihre Öffentlichkeit auf die Gefahren des Drogenmißbrauchs für ihre Gesellschaften aufmerksam zu machen.

Aber die schwerste Aufgabe, vor der wir bis vor kurzem standen, lag
darin, andere Länder davon zu überzeugen, daß der Drogenhandel ein internationales Problem darstellt, welches internationale Anstrengung erforderlich macht.

über lange Jahre hinweg sahen ausländische Regierungen in den Drogen
ein ausschließlich amerikanisches Problem.
- 9 -

Inzwischen hat sich diese

�sich diese Einstellung geändert.
In Kolumbien, um nur ein Beispiel zu nennen, hat der Gesundheitsminister erklärt, daß Drogenabhängigkeit die größte gesundheitliche Bedrohung für die kolumbianische Jugend darstellt, und die Drogenfahndung des
Landes hat mit lobenswertem Nachdruck reagiert.
Im März entdeckte die kolumbianische Polizei große und komplizierte
Kokainaufbereitungsanlagen, die im Dschungel des Amazonas verborgen waren.

In einem Falle wurden zehn Tonnen Kokain und Kokaingrundstoffe im

Straßenverkaufswert von über 1 Milliarde Dollar vernichtet.
Die kolumbianische öffentliche Meinung war schockiert über die Entdeckung dieser Drogenlager, von denen einige Seite an Seite mit Guerillalagern operierten. Sie war empört über die dann folgende Ermordung des
kolumbianischen Justizministers, die offensichtlich von den Drogenhändlern befohlen worden war. Der kolumbianische Staatspräsident Betancur
hat einen rücksichtslosen Krieg gegen den Drogenhandel angeordnet.
Andere Länder sind mühsam zu der Erkenntnis gelangt, daß die Drogen
auch ihr Problem sind und daß die Staatengemeinschaft nur durch internationale Zusammenarbeit hoffen kann, das internationale Drogennetz zu
bekämpfen.
Die führenden Politiker anderer Andenstaaten sowie Argentiniens, die
im vergangenen Monat in Quito zusammentrafen, haben gegenüber Vizepräsident Bush ihre tiefe Besorgnis hinsichtlich der Probleme zum Ausdruck
gebracht, die durch die Drogenproduktion und den Drogenhandel in ihrer
Region verursacht werden.
Ermutigt durch die Dringlichkeit ihres Appells und durch ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit reagieren wir mit spezifischen Vorschlägen zur
Stärkung der regionalen Zusammenarbeit bei der Drogenfahndung, bei der
Nachrichtenübermittlung und beim Informationsaustausch.

- 10 -

Mehrere

wichtige

�Mehrere wichtige und zugleich schmerzliche Entwicklungen haben zu
dieser wachsenden internationalen Erkenntnis beigetragen.

In Westeuropa sowie in den Ländern, wo Drogen produziert werden, ist
die Drogenabhängigkeit im Begriff, alarmierende Proportionen anzunehmen.
Das Verbrechen, das unvermeidlicherweise den wachsenden Drogenmißbrauch
begleitet, ruft die Verärgerung der Öffentlichkeit selbst in jenen Ländern hervor, die aus Tradition dem Gebrauch von Drogen tolerant gegenüberstehen.

Und in einigen Ländern ist die gestiegene Korruption, die

aus der Suche nach Einflußnahme seitens des organisierten Verbrechens und
der Hauptdrogenschmuggler resultiert, zu einem nationalen Unglück geworden, das die Stabilität und das Überleben der Regierungen selbst bedroht.

Der Drogenhandel stellt eine besondere Bedrohung für die demokratischen Länder in der Entwicklungswelt dar.

Wo demokratische Institutionen

und Rechtssysteme noch in den Kinderschuhen stecken, können Korruption
und Verbrechen aufgrund von Drogenhandel für die jeweilige Regierung zu
einem Problem werden, das nicht in den Griff zu bekommen ist.

Die Wahl,

vor der diese Regierungen stehen, kann dann darauf hinauslaufen, entweder
auf undemokratische Maßnahmen zurückzugreifen oder aber vor den Verbrechern zu kapitulieren.

In jedem Fall wäre das Resultat der Verlust des

Vertrauens der Öffentlichkeit in die demokratischen Institutionen.

Ge-

wählte Politiker wie jene in Bolivien, Kolumbien und Peru sind sich der
Gefahren bewußt, die der Drogenhandel für die Demokratie sebst mit sich
bringt.

Zu all dem kommt, daß der Drogenhandel die Integrität internationaler
Finanzzentren unterminiert.

Schätzungen zufolge kann der Drogenhandel

sehr wohl 80 Milliarden Dollar jährlich umfassen, und das Drogengeld wird
häufig durch sonst respektable Finanzinstitutionen reingewaschen - darunter Bankzentren im Karibischen Becken, in Europa sowie in Hongkong und
Singapur.

Und schließlich werden - wie ich schon erwähnt habe - die internationalen Besorgnisse noch durch die Erkenntnis vermehrt, daß Drogenhänd- 11 -

�daß Drogenhändler, Terroristen und kommunistische Revolutionäre in immer
stärkerem Maüe bei ihren getrennten destruktiven Maönahmem gemeinsame
Sache machen. Ich möchte gerne einige Augenblicke darauf verwenden, ausführlicher darzulegen, welche Erkenntnisse wir im Hinblick auf diese beunruhigende Wechselbeziehung gewonnen haben.
Die Verbindungen zum Terrorismus und zu kommunistischen Untergrundaktivitäten
Die Welt hat seit Jahren guten Grund zu der Annahme, daß die Drogenschmuggler sich der Hilfe einiger Regierungen erfreuen, d.h., daß man
ihnen Geldmittel und Schutz, Unterschlupf und Unterstützung beim Einschleusen von Drogen in die Vereinigten Staaten und andere Länder gewährt. Das kommunistische Kuba gehört zu den Hauptverdächtigen.
Im Laufe der Jahre verdichtete sich der Verdacht gegen Kuba, bis
schließlich im November 1982 vor einem Schwurgericht in Miami gegen vier
hochrangige kubanische Regierungsbeamte wegen Unterstützung eines kolumbianischen Drogengroßhändlers Anklage erhoben wurde. Die Mittäter Kubas
im lateinamerikanischen Drogenhandel wurde durch diesen Fall in erschrekkender Eindringlichkeit beleuchtet.
Die Ermittlungen in dieser Sache ergaben, daß der kubanische Botschafter in Kolumbien einen kolumbianischen Drogenschmuggler namens Jaime
Guillot Lara angeworben hatte. Der Botschafter bot ihm die Hilfe seines
Landes beim Einschleusen von Drogen in die Vereinigten Staaten an. Das
Umladen von Drogen auf Boote, mit denen sie nach Miami weitergeleitet
wurden, ging im Schutze der kubanischen Hoheitsgewässer vor sich. Kubanische Behörden erhielten Anweisung, Guillot und seine Leute in Frieden
zu lassen, während sie ihren Geschäften nachgingen. Als Gegenleistung
erhielt die kubanische Regierung Zahlungen in harter Währung in Höhe von
mehreren Hunderttausend Dollar.
Bei diesem abgefeimten Geschäft ging es jedoch noch um etwas anderes. Guillot revanchierte sich für die Hilfe, die ihm bei seiner Dro- 12 -

�seiner Drogenschieberei gewährt worden war, indem er sich an Waffenlieferungen für die M-19, eine in Kolumbien aktive Terroristengruppe, beteiligte.

Man hatte schon lange etwas derartiges vermutet und erlangte

schließlich auch Gewißheit.
schmugglern, um

Terroristen

Kuba bediente sich der Hilfe von Drogenund

kummunistische

Untergrundkämpfer

mit

Waffen zu versorgen, und Kuba ist nicht das einzige Land, das in diese
dunklen Geschäfte verstrickt war.

Später ergaben sich Beweise dafür, daß auch das sandinistische Regime
in Nicaragua in den Rauschgiftschmuggel verwickelt war.

Um ihm sicheres

Geleit durch Mittelamerika zu verschaffen, bekam Guillot vom nicaraguanischen Botschafter in Mexiko ein nicaraguanisches Visum.
offenbar auf Ersuchen eines M-19-Führers hin.

Dies geschah

Ermittlungen, die von der

amerikanischen Drogenfahndung in der jüngsten Zeit geführt wurden, haben
das Ausmaß der fortdauernden Verwicklung der Sandinisten aufgedeckt.

Am 17. Juli erhob die amerikanische Regierung vor dem Bezirksgericht
in Miami Anklage gegen zwei Kolumbianer und einen nicaraguanischen Regierungsbeamten - Frederico Vaughan, ein Mitarbeiter

des Innenministers

Tomas Borge - wegen Besitzes, illegaler Verbreitung und Einfuhr von Kokain.

Zwischen März und Juli 1984 hatten sich diese Personen zusammen-

getan, um eine Ladung von rund 1500 kg Kokain aus Kolumbien über Nicaragua in die Vereinigten Staaten zu schmuggeln.

Der Mitarbeiter des nica-

raguanischen Inneministers Tomas Borge half am 4. Juni bei der Verladung
des Kokains in ein Flugzeug, mit dem es in die Vereinigten Staaten weitertransportiert werden sollte.

Den Drogenhändlern wurde gestattet, ihr

Flugzeug auf dem militärischen Teil des

Flughafens von Managua abzustel-

len, und wir besitzen Fotos, auf denen sandinistische Soldaten zu sehen
sind, die den Schmugglern bei der Verladung des Kokains in die Maschine
zur Hand gehen.

Diese Tatsachen legen den Schluß nahe, daß nicht nur

Vaughan, sondern auch noch andere nicaraguanische Regierungsbeamte an
diesem Rauschgiftgeschäft beteiligt waren.

Die Mittäterschaft kommunistischer Regierungen im Drogenhandel ist
für die Länder der freien Welt ein Anlaß zu ernster Besorgnis.
- 13 -

All dies

�All dies ist eingebettet in den größeren Zusammenhang der Mißachtung des
Völkerrechts durch kommunistische Staaten, die, wie wir gesehen haben,
auch den internationalen Terrorismus und andere Formen organisierter Gewalt gegen rechtmäßige Regierungen unterstützen. Die Verflechtung von
Drogenhandel, Terrorismus und Kommunismus ist auch nicht auf Lateinamerika beschränkt. Solche Verbindungen wurden auch in Italien und in der
Türkei beobachtet, obwohl die Regierungen dieser beiden Staaten mit aller
Härte und bemerkenswertem Erfolg dagegen vorgegangen sind. Ähnliche Netze gibt es immer noch in Birma und in Thailand. Außerdem liegen uns Indizen für eine bulgarische Beteiligung an illegalen Waffen und Rauschgif tgeschäften vor.
Wir können nur mutmaßen, was kommunistische Regierungen veranlaßt,
sich am Drogenhandel zu beteiligen.

Daß Kuba und Nicaragua ein zerrüt-

tetes Wirtschaftssystem haben und für die Einfuhr wichtiger Güter dringend harte Devisen benötigen, ist bekannt.

Außerdem haben wir erlebt,

wie Kuba sich der Hilfe von Rauschgiftschmugglern bediente, um kommunistische Untergrundkämpfer und Terroristen mit Waffen zu versorgen. Man
kann

sich

auch

unschwer

vorstellen, daß die Einschleusung

riesiger

Rauschgiftmengen in die Länder des Westens im Rahmen des allgemeineren
Ziels der Kommunisten zu sehen ist - das Gefüge der demokratischen Gesellschaft des Westens zu schwächen.
Ich will keineswegs sagen, daß die Drogenprobleme in unserem Land
überwunden oder auch nur wesentlich vermindert wären, wenn es uns gelingen würde, der kommunistischen Unterstützung des internationalen Rauschgifthandels Einhalt zu gebieten. Das Problem reicht darüber eindeutig
weit hinaus. Aber die freie Welt kann bei der Suche nach einer Lösung
für das Problem des Drogenmißbrauchs die Rolle, die kommunistische Regierungen in diesem Zusammenhang spielen, nicht ignorieren. Ich meine, daß
die Implikationen der Beteiligung dieser Regierungen an dieser Art von
internationalem Rechtsbruch über das Drogenproblem hinausweisen. Wenn
wir wirklich eine weltweit gültige Ordnung auf der Grundlage von Recht
und Gesetz schaffen wollen, dann dürfen die zivilisierten Nationen regierungsamtliche Unterstützung für Rechtsbrecher keinesfalls tolerieren.
Die
_ 14 _

Leistungen

�Die Leistungen der Reagan-Administration

Wir sehen uns bei der Bewältigung dieses Problems einer Vielzahl von
Hindernissen gegenüber, haben in den vergangenen Jahren aber dennoch
erhebliche Fortschritte gemacht.

Unsere Politik in der Frage des in-

ternationalen Rauschgifthandels beruht auf vier Grundprinzipien:

- Erstens:

Länder, in denen Rauschgift erzeugt bzw. über deren Ho-

heitsgebiet es transportiert wird, müssen zu der ihnen durch internationale Verträge auferlegten Verpflichtung

zur

Unterbindung

des

Anbaus von Rauschgiftkulturen und des Drogenschmuggels stehen.

-

Zweitens:

Die Völkergemeinschaft

muß den Ländern helfen, die

selbst nicht die Mittel besitzen, um die erforderlichen Maßnahmen
ergreifen zu können.

- Drittens:

Der Schwerpunkt muß weltweit bei der Erfassung und Un-

terbindung des Anbaus von Rauschgiftkulturen liegen.

Wie sich ge-

zeigt hat, bilden Maßnahmen gegen den Drogendhandel für sich genommen
keine Lösung.

- Viertens:

In den Herkunftsländern, die unserer Unterstützung be-

dürfen, müssen unsere wirtschaftlichen Hilfsprogramme im Rahmen der
Rauschgiftbekämpfung

an

Abkommen

zur

Eindämmung

des

Anbaus

von

Rauschgiftkulturen geknüpft werden.

Unser Ziel muß darin bestehen, die Rauschgifterzeugung in allen geographischen Regionen gleichzeitig unter Kontrolle zu bekommen.

Frühere

Mißerfolge haben uns gelehrt, daß sich Märkte verlagern können, wenn es
darum geht, eine Nachfrage zu befriedigen.

Es nützt nichts, wenn wir uns

immer nur auf einige wenige Regionen gleichzeitig konzentrieren.

Als

beispielsweise mit unserer Hilfe die Herstellung von Heroin in der Türkei
heruntergedrückt wurde, stieg die Produktion in Mexiko, so daß der Ausfall wettgemacht wurde.

Es ist daher wesentlich, wirklich in internatio- 15 -

�in internationalem Maßstab vorzugehen, und zwar in allen Herkunftsländern
gleichzeitig. Genau darauf arbeiten wir hin.
Als die gegenwärtige Administration im Jahr 1981 die Amtsgeschäfte
übernahm, hatten sich Birma, die Türkei und Mexiko verpflichtet, gegen
den Anbau von Rauschgiftkulturen vorzugehen. Dank der Bemühungen der
gegenwärtigen Administration unseres Landes und dank der wachsenden Besorgnis der politisch Verantwortlichen in den Herkunftsländern haben inzwischen auch Pakistan, Kolumbien, Belize, Peru und Bolivien solche Verpflichtungen auf sich genommen.
In Pakistan, das auf der Liste der Herkunftsländer von Heroin ganz
oben steht, konnte man bereits durchschlagende Erfolge beobachten. Dank
der außergewöhnlichen Anstrengungen der pakistanischen Regierung und
dank der Hilfe der Vereinigten Staaten konnte die Erzeugung von Rohopium
in Pakistan von einem enorm hohen Niveau von 800 Tonnen im Jahr 1979 auf
weniger als 60 Tonnen im Jahr 1983 heruntergedrückt werden. In Mexiko
konnte der Ausstoß an weiterverarbeitetem Heroin, der früher mit 7,5 Tonnen im Jahr einen erheblichen Umfang hatte, auf 1,4 Tonnen im Jahr 1983
gedrosselt werden.

Was zu tun bleibt
Vieles ist schon erreicht worden, aber unser Kampf hat erst begonnen. Vor uns liegt noch ein langer Weg. Einige Länder haben noch nicht
genug unternommen, um den Anbau von Rauschgiftkulturen auf ihrem Gebiet
zu unterdrücken. Wir müssen eine engere Zusammenarbeit anstreben und gegen den Anbau in allen Herkunftsländern wirksamer vorgehen. Es besteht
immer noch eine Überschußproduktion, die die Nachfrage nach Rauschgiften
nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern in der ganzen Welt weit
übersteigt. Wir wissen, daß das internationale Drogennetz verzweigter,
leistungsfähiger und ausgfeilter ist als je zuvor. Der Drogenmarkt verlagert sich ständig und paßt sich so jeder neuen Methode an, die wir zu
seiner Bekämpfung entwickeln. Es ist den Drogenschmugglern gelungen,
- 16 -

�Drogenschmugglern gelungen, neue Mittel und Wege zu finden, um ihr Geschäft unseren verstärkten Gegenmaßnahmen zu entziehen.

Schließlich haben wir die Erfahrung gemacht, daß einige kommunistische Länder den Drogenhandel nach wie vor für ihre eigenen Zwecke einsetzen und daher an seinem Weiterbestehen interessiert sind.

Das inter-

nationale Drogenproblem bildet deshalb eine wachsende Herausforderung für
unsere Nachrichtendienste, deren Aufgabe es ist, zuverlässige Schätzungen
des Umfangs der Rauschgiftproduktion zu liefern und die Verbindungen zwischen Drogenhandel, Terrorismus und kommunistischen Untergrundaktivitäten
aufzuspüren.

Wir machen aber Fortschritte.

Wir verfolgen eine Politik, die alle

Aspekte dieses internationalen Problems abdeckt - den Anbau von Rauschgif tkulturen, die Herstellung und Verteilung der Drogen, den Weg, den die
Profite nehmen und die Folgewirkungen für unser eigenes Land wie für andere Staaten.

Außerdem haben wir umfassende internationale Mittel zur

Unterdrückung des Rauschgifthandels entwickelt.

Ich glaube, daß dank unserer diplomatischen Bemühungen und unserer
Programme wie auch dank der Tatsache, daß sich die Anbauländer der verheerenden Auswirkungen des Drogenhandels zunehmend bewußt werden, die
Aussichten im Hinblick auf eine wirksame Unterdrückung des Rauschgiftgeschäfts besser geworden sind.

Ob die bemerkenswerten Erfolge, die

bereits erzielt werden konnten, wieder gefährdet werden, hängt jedoch
auch davon ab, wie die Vorgänge in den Vereinigten Staaten selbst im
Ausland wahrgenommen werden.

Unser Erfolg im Kampf gegen den interna-

tionalen Rauschgifthandel hängt in stärkerem Maße, als vielen Menschen
bewußt ist, von einem Erfolg unserer Kampagne gegen den Drogenmißbrauch
hier in den Vereinigten Staaten ab.

Es wird schwer sein, andere Länder

von der Notwendigkeit zu überzeugen, dem Anbau von Rauschgiftkulturen
Einhalt zu gebieten, wenn sie den Eindruck gewinnen, daß wir unserer eigenen Verantwortung, das Drogenproblem in unserem Land in den Griff zu
bekommen, nicht gerecht werden.
selbst nicht praktizieren.

Wir können nicht etwas predigen, was wir

Deshalb ist das, was wir hier in unserem ei- 17 -

�unserem eigenen Lande tun, so wichtig für den Erfolg unserer gesamten Bemühungen.

Die Vertreter der Obrigkeit in jeder Gemeinde überall in unse-

rem Lande müssen verstehen, daß die Wirksamkeit von außenpolitischen Anstrengungen zur Bekämpfung des Drogenhandels eindeutig mit der Wirksamkeit des Programms zur Bekämpfung des Drogenmißbrauchs in unserem Lande
selbst verknüpft ist.

Ferner muß uns klar sein, daß der Erfolg unserer

diesbezüglichen Kampagne letztlich davon abhängt, ob es uns gelingt, die
Nachfrage nach Drogen in den Vereinigten Staaten zu vermindern.
Indem wir unsere Anstrengungen landesweit verdoppeln, geben wir den
Menschen in anderen Ländern und ihren Regierungen zu verstehen, daß wir
in den Vereinigten Staaten entschlossen sind, unser eigenes Drogenproblem
in den Griff zu bekommen. Präsident Reagan hat die letzte Septemberwoche
landesweit zur Woche der Aufklärung über den Drogenmißbrauch und seine
Bekämpfung erklärt. Der Präsident ist entschlossen, bei diesen Anstrengungen die Führung zu übernehmen, da das Rauschgiftproblem eine direkte
Bedrohung der außen- wie innenpolitischen Werte und Ziele unseres Landes
darstellt.
Wir stellen uns dieser Bedrohung und machen dabei erhebliche
Fortschritte. Es wird einiger Zeit und harter Arbeit bedürfen, bis sich
der Erfolg einstellt. Aber wir schaffen eine Grundlage für die Zukunft
- für eine Zukunft, in der es nicht nur weniger Drogenmißbrauch in unserem eigenen Lande geben sollte, sondern auch eine Welt, in der es für
Rechtsbrecher keinen Platz und keine Nachsicht mehr gibt. In diesem
Kampf brauchen wir landesweit die breite Unterstützung aller Amerikaner.

- 18 -

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

19. September 1984

38

AUCH MENSCHENRECHTE ZENTRALER PUNKT DER STOCKHOLMER KONFERENZ
- Presseerklärung von Botschafter Kampelman -

STOCKHOLM - (AD) - In der Eröffnungserklärung auf einer Pressekonferenz am 14. September 1984 in Stockholm betonte Botschafter Kampelman,
der die amerikanische Delegation auf der Madrider KSZE-Folgekonferenz geleitet hatte, daß noch immer die "humanitären Dimensionen des HelsinkiProzesses verbessert werden müssen".
Die Eröffnungserklärung von Botschafter Kampelman hat folgenden Wortlaut:
Es ist nur zu passend, daß wir hier am Ort der Konferenz über Vertrauens- und sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa (KVAE)
zusammentreffen - einer Konferenz, um deren Zustandekommen wir uns im
Rahmen der Schlußakte von Helsinki auf dem Madrider Folgetreffen drei
Jahre lang bemühten. Als Leiter der amerikanischen Delegation in Madrid
freue ich mich außerordentlich, daß die Stockholmer Konferenz nunmehr

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Konferenz nunmehr stattfindet.

Meine Anwesenheit in Schweden ist Beweis für Präsident Reagans Verpflichtung gegenüber dem Helsinki-Prozeß und seine tiefe Besorgnis hinsichtlich der Verschlechterung der Menschenrechtslage in der Sowjetunion.
Der Präsident hat mich gebeten, mehrere europäische Staaten aufzusuchen,
um die schwerwiegenden Folgen zu besprechen, die mit dieser Verschlechterung für uns alle einhergehen. Es ist nur angemessen, daß eine solche
Aufgabe mich nach Schweden bringt, einem freien und demokratischen Land,
das den Werten der Menschenwürde verpflichtet und die Heimat von Raoul
Wallenberg ist, der für viele von uns ein herausragendes Beispiel für
jene ist, die sich um das Wohlergehen anderer sorgen.

Und es ist nur angemessen, daß ich zur Frage der Menschenrechte am
Ort einer Konferenz spreche, die sich mit der Bildung von Vertrauen zwischen den Staaten beschäftigt. Keine andere Entwicklung untergräbt so
sehr unser Vertrauen in die Intentionen der Sowjetunion wie ihre so
offensichtliche Verachtung gegenüber den humanitären Verpflichtungen, die
sie 1975 eingegangen ist, als sie die Schlußakte von Helsinki unterzeichnete.

Präsident Reagan erklärte kürzlich, "es gibt einige, die nur zu bereitwillig zu sein scheinen, angesichts der sowjetischen Übertretungen
ein Auge zuzudrücken, offenkundig in der Absicht, den Dialog zwischen
West und Ost zu verbessern. Aber diejenigen, die die standhafte Unterstützung von Freiheit und Demokratie verurteilen, sind keine Freunde des
Friedens, der menschlichen Freiheit oder des sinnvollen Dialogs". Ja,
diejenigen, die sich wirklich um den Frieden bemühen, sind Menschen wie
Dr. Andrei Sacharow, Bürger und Gewissen dieser Welt, dessen Verpflichtung zur Menschenwürde ihm die Verleihung des Friedensnobelpreises einbrachte.
Dem tragischen Schicksal von Dr. Sacharow

und

seiner Frau Elena

Bonner ist die Aufmerksamkeit der gesamten zivilisierten Welt zuteil

- 2 -

�Welt zuteil geworden. Es ist nur ein Beispiel für die vielen tausenden
anderer menschlicher Tragödien, die Folge der verstärkten Unterdrückung
sind, die wir mit großer Sorge in der Sowjetunion feststellen. Diese Verletzungen der Schlußakte von Helsinki untergraben nicht nur das Vertrauen
in die Integrität der Verpflichtungen, die die sowjetische Regierung eingegangen ist, sondern sie bedeuten auch einen unnötigen Rückschlag für
das Verlangen nach gegenseitigem Verständnis und dauerhaftem Frieden, wie
dies durch den Prozeß von Helsinki in Aussicht gestellt wurde. Die 35
Staaten, die die Schlußakte von Helsinki unterzeichneteN, verpflichteten
sich dazu, "die Menschenrechte und die Grundfreiheiten für alle zu achten". Wir müssen uns fragen, ob ein Staat, der bereit ist, internationale
Vereinbarungen in seinem Handeln gegenüber seinen eigenen Bürgern zu verletzen, das Vertrauen verdient, er werde auch den Abkommen entsprechen,
die sein Verhalten anderen Staaten gegenüber anbelangt.

Die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten erstreben angesichts
dieses untergrabenen Vertrauens auf der Stockholmer Konferenz die Verabschiedung

konkreter,

praktischer,

vertrauensbildender

Maßnahmen,

die

nicht von Vertrauen allein abhängen, sondern die durch verifizierbare Zusammenarbeit im Sicherheitsbereich Vertrauen schaffen können. Wir hoffen,
daß, langfristig gesehen, die Stockholmer Konferenz ein Abkommen in Europa bringen kann. Wir sind jedoch davon überzeugt, daß die humanitären Dimensionen des Helsinki-Prozesses verbessert werden müssen, wenn unsere
Völker, die jene Abkommen mit großer Freude aufnahmen, mit dem zufrieden
sein sollen, was wir zu erreichen hoffen. Das ist die Essenz des Gleichgewichtes, zu dem man in Helsinki und in Madrid nach schwierigen Verhandlungen gelangte.

Die Regierungen müssen eines begreifen: Wir dürfen nie vergessen, daß
jene Versprechungen, zu denen wir nach langer Arbeit in Abkommen und Erklärungen gelangt sind, von Taten begleitet sein müssen, die in Einklang
mit solchen Verpflichtungen stehen. Und wir dürfen außerdem bei unserer
täglichen gemeinsamen Arbeit, bei der es um wichtige Fragen der Diplomatie und der internationalen Beziehungen geht, nicht vergessen, daß es
auch die tägliche Realität für diejenigen gibt, die der Grundfreiheiten

- 3 -

�der Grundfreiheiten ermangeln, weil ihre Regierungen nicht in der Lage
waren, den Abkommen zu entsprechen, die sie in anderen diplomatischen Foren ausgehandelt hatten. Unsere Verpflichtung

gegenüber dem Helsinki-

Prozeß zwingt uns dazu, uns an diese menschliche Dimension zu erinnern.
Die Vereinigten Staaten hoffen zutiefst, daß bald die Zeit kommen
wird, da das echte und sinnvolle Vertrauen, nach dem den Unterzeichnern
der Schlußakte von Helsinki der Sinn stand, Früchte tragen wird. Diese
Verpflichtungen zeigen uns die klare Richtung hin auf Frieden, Zusammenarbeit und Sicherheit, die wir für uns selbst und für kommende Generationen wollen.

- 4 -

�Hintergrund
materiell
United States Information Service
Embassy of the United States of America

19. September 1984

38

AFGHANISTAN: KATASTROPHALE ZUSTÄNDE AUCH IM MEDIZINISCHEN BEREICH
-Bericht eines amerikanischen Arztes-

Washington -(AD)- Der amerikanische Arzt Dr. Robert Simon, Gründer
des World Medical Corps, zeichnete am 12. September 1984 im Kapitol in
Washington vor Reportern und Mitarbeitern des amerikanischen Kongresses
ein Bild von der medizinischen Lage in Afghanistan, die er "eindeutig die
bedenklichste auf der ganzen Welt heute" nannte.

Dr. Simon, der einzige amerikanische Arzt, der seit der sowjetischen
Invasion Afghanistans 1979 in diesem Land tätig ist und seither Hunderte
von Zivilisten behandelt hat, die Opfer sowjetischer Waffen waren, kam in
die Vereinigten Staaten, um Gelder für etwas zu sammeln, was er als "die
nahezu irreversible gesundheitliche Tragödie für das aghanische Volk" bezeichnete. Dabei wiederholte er seine bereits am 24. Juli dieses Jahres
erhobenen Vorwürfe, daß die sowjetischen Streitkräfte in Afghanistan mit
Absicht auch zivile medizinische Versorgungseinrichtungen bombardieren.

Dem müsse, so Dr. Simon, endlich Einhalt geboten werden: "Wir sind
eine rein ärztliche Organisation. Wir haben öffentlich angekündigt, daß

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�angekündigt, daß wir es gerne sehen würden, wenn die Sowjetunion diese
Hospitäler einer Inspektion unterziehen würde. Wir werden uns um Afghanen
kümmern; und wir werden uns um sowjetische Soldaten kümmern. Wir werden
uns um jeden kümmern, der zu uns kommt. Alles bei uns ist rein medizinisch."

Allerdings ist er in dieser Hinsicht pessimistisch: "Wir erwarten
keine Antwort. Denn das Ziel des Terrors ist ein ganz einfaches - man
will

die

Zivilbevölkerung

mit

Mitteln

der Angst

unterdrücken."

Und

weiter: "Wir würden natürlich auch gern helfen, ohne daß wir von den
MIG-Flugzeugen bombardiert werden."

Dr. Simon zeigte seiner Zuhörerschaft Diapositive, die er während
seines Aufenthaltes in Afghanistan aufgenommen hatte und die Kinder und
alte Menschen zeigen, die von den Bomben, den Raketen und den Minen der
Sowjets verstümmelt wurden und denen durch Dr. Simon und seinen Mitarbeitern oft geholfen werden konnte.

Für viele andere der Verwundeten aber fehlt meist jede Hilfe: "Seit
1979 sind rund eine Million Afghanen umgekommen. Viele Tausende hätten
aber nicht sterben müssen. Aber wenn man in Afghanistan verwundet wird
und sich nicht nahe der Grenze zu Pakistan befindet, so wird man sterben."

Seit 1979 sei die medizinische Versorgung vor allem auch deshalb
immer schlechter geworden, weil durch die sowjetische Invasion des Landes
das Rote Kreuz und andere internationale Hilfsorganisationen im medizinischen und humanitären Bereich von dort vertrieben wurden. Außerdem wurden
auch die meisten ausländischen Journalisten des Landes verwiesen, wodurch
es möglich wurde, daß die Grausamkeiten und Verletzungen des Völkerrechts
durch die Sowjets weitgehend im Dunkeln verbleiben und der Welt draußen
nicht bekannt werden.: "Sie haben um Afghanistan einen Eisernen Vorhang
gezogen."

Eine

der

Beispiel der

Verletzungen

des Völkerrechts

"erzwungene künstliche

ist

nach

Dr.

Nahrungsmittelmangel",

Simon
zu dem

zum
es

durch die Flächenbombardierung von Anbaugebieten durch die Sowjets kommt,
- 2 -

�Sowjets kommt, sowie die Hungersnot, die die große Zahl der Flüchtlinge
begleitet, die vor der Invasion fliehen. "Vier oder fünf Millionen Menschen sind Flüchtlinge. Es ist dies das größte Flüchtlingsproblem der
Welt."

Eine weitere Verletzung der Menschenrechte ist das Legen von Minen,
durch die bereits viele Kinder getötet wurden. Dabei handelt es sich, wie
Dr. Simon erklärt, um Minen in Form von Spielzeug, von Schmetterlingen
und von Bleistiften, die dazu dienen, Zivilisten zu töten.

"Wenn wir nicht sofort etwas dagegen unternehmen, wird dieses Volk
bald ausgerottet sein. In zwei oder drei Jahren wird die Situation irreversibel sein."

Die Lage werde auch durch die Tatsache verschärft, daß die Patienten
oder deren Angehörige immer wieder darauf beharren, auf die eine oder
andere Art für die ärztliche Behandlung zu bezahlen.

In Verbindung mit dem "Ausschuß für ein freies Afghanistan" bemüht
sich nunmehr Dr. Simon darum, die Aufmerksamkeit der Medien auf Afghanistan zu ziehen und Mittel für medizinische Einrichtungen im Lande dort zu
beschaffen.

Paul

Simon,

Angehöriger

des

amerikanischen

Repräsentantenhauses

(nicht mit Dr. Simon selbst verwandt) hat eine Resolution im Kongreß eingebracht, die die Reagan-Administration auffordert, die Höhe der Hilfsmittel für die Mujahedin einer Prüfung zu unterziehen. Elf Mitglieder des
Kongresses haben Resolutionen eingebracht, durch die sowjetische Flächenbombardements verurteilt werden sollen. Mehrere verwundete Afghanen, die
größerer chirurgischer Eingriffe bedürfen, wurden im vergangenen August
zu staatlichen amerikanischen Krankenhäusern in der Nähe von Washington
gebracht, und Mitarbeiter des Kongresses betonen, daß weitere Transporte
zu privaten amerikanischen Kliniken möglich seien.

* * * * *

- 3-

�38

19. September 1984

STRAHLENTHERAPIE ZUR VORBEUGUNG GEGEN ABSTOSSUNGSREAKTION

- (AD) - Mit der voroperativün Bestrahlung aller Lymphknotenregionen
(TLI = Total Lymphoid Irradiation) ist bei Empfängern einer Fremdniere
eine drastische Einschränkung der Medikamente zur Unterdrückung von Abstoßung sreaktionen möglich. Es handelt sich dabei um eine Form der
Strahlentherapie, die ursprünglich zur Behandlung der Lymphogranulomatose
(Hodgkinsche Krankheit) entwickelt wurde.
Über das neue Verfahren, das noch als Experiment gilt, berichteten
Dr. Samuel Strober (Klinikum der Standord-Universität) und Dr. Barry
Levin (Pacific Medical Center, San Francisco) auf einem von der "Transplantation Society" Ende August 1984 in Minneapolis veranstalteten internationalen Kongreß. Bei 14 der 19 Patienten, die für die Studie ausgewählt wurden, blieb nach der strahlentherapeutischen Vorbereitung auf die
Nierenübertragung die im ersten Jahr nach der Operation gewöhnlich auftretende Krise immunbiologischer Reaktionen aus. Erfahrungen über einen
längeren Zeitraum liegen noch nicht vor. Jedoch bezeichneten die beiden

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�die beiden Wissenschaftler das Verfahren bei Nirentransplantationen als
äußerst vielversprechend.

Der Effekt von TLI, eine Abstoßungsreaktion zu

verhindern, halte lange Zeit an, so daß die Abhängigkeit von massiven immunsuppressiven Medikamenten nicht mehr gegeben sei.
Immunbiologische Reaktionen des Empfängerorganismus gegen das fremde
Organ stellen eine besondere Barriere dar.

Gelingt es nicht, sie unter

Kontrolle zu bekommen, wird das implantierte Organ nicht angenommen und
ist verloren.

Aus diesem Grund werden nach herkömmlicher Technik immun-

suppressive Medikamente gegeben - z. B. Cyclosporin, Azathioprin (Imuran)
und Prednison in hohen Dosen.

Diese können jedoch bei Langzeitanwendung

schwere und problematische Nebenwirkungen haben.
Wie Strober und Levin erläuterten, konnte unter TLI auf Cyclosporin
und Azathioprin völlig verzichtet werden. Die Patienten erhielten lediglich Prednison - und dies in so niedriger Dosierung, daß sie dem natürlichen Cortisonspiegel sehr nahe kam. Für Diabetiker, von denen sich einige unter den Empfängern einer neuen Niere befanden, sei dieser Umstand
sehr wichtig, weil hohe Prednisondosen ihre Krankheit komplizierten.
Mit den Bestrahlungen beginne man bereits einige Monate vor der
Transplantation. Dabei werden jeweils die Hauptregionen des Lymphgewebes, einschließlich Thymusdrüse und Milz, niedrigdosierter Röntgenstrahlung ausgesetzt. Gesamtdosis: 2000 rad. Durch die Bestrahlung werde
die Aktivität des Immunsystems unterdrückt, jedoch die Fähigkeit des Organismus zur Abwehr von Infektionen nicht ernsthaft beeinträchtigt, erklärte Strober. Nach der Operation erhalte der Patient eine einmalige
Gabe von Antithymozytenglobulin in hoher Dosierung, dann jedoch nur noch
Prednison in kleinen Mengen, sofern es nicht zu einer Abstoßungsreaktion
komme, die Nebenwirkungen der TLI-Therapie - Übelkeit, Müdigkeit und Absinken des Spiegels bestimmter Blutkomponenten - seien gewöhnlich begrenzt und vorübergehender Natur. Als häufigste Komplikation seien Infektionen mit Herpesviren beobachtet worden, jedoch seien diese normalerweise mit entsprechender antiviraler Therapie schnell zu beherrschen. Bei
- 2

�beherrschen.

Bei einem der 19 Patienten, die in der Studie zusammenge-

faßt wurden, sei dies allerdings nicht gelungen.

Er bekam eine Herpes-

infektion, gleichzeitig entwickelte sich eine Abstoßungsreaktion;
Patient verstarb.

* * * * *

- 3 -

der

�38

19. September 1984

NIERENINSUFFIZIENZ-KO^LIKATION BEI SCHWEFER LEBERERKRANKUNG
- Frühsymptome in Standardtests oft nicht zu erkennen -

- (AD) - Bei Patienten mit einer Lebererkrankung im fortgeschrittenen
Stadium, insbesondere bei Personen, die Alkohol in übermäßigen Mengen
konsumiert haben, treten häufig die klassischen Frühsignale für ein Nierenversagen nicht in Erscheinung. Wie Dr. Maxine Papadakis und Dr. Allen
Arieff vom "Veterans Administration Medical Center" in San Francisco auf
einer Tagung der "American Society of Nephrology" in Washington berichteten, gaben die routinemäßig vorgenommenen Labortests bei der Aufnahme von
13 leberkranken Patienten zur stationären Behandlung keinerlei Hinweise
auf eine Funktionsstörung der Nieren. Aber bereits kurze Zeit danach kam
es zu schwerer Niereninsuffizienz. Dieses "hepatorenale Syndrom" ist eine Komplikation, deren Ursachen noch nicht eindeutig geklärt sind. Es
wird u.a. auf diagnostische Verfahren, aber auch auf Nebenwirkungen bestimmter Lebertherapien zurückgeführt.
Ihre Beobachtungen nahmen Papadakis und Arieff zum Anlaß, auf die
Notwendigkeit hinzuweisen, Patienten mit schweren Erkrankungen der Leber

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�der Leber besonders sorgfältig auf die Funktionsfähigkeit der Nieren zu
untersuchen.

Insuffizienzen treten häufig früher auf, als man bisher an-

genommen habe, jedoch fehlten oft die üblichen ersten Symptome.

Gegen-

wärtig gebe es für das hepatorenale Syndrom so gut wie keine Behandlungsmöglichkeit.

Dies sei einer der Gründe, so die beiden Internisten, daß

in den Vereinigten Staaten Leberzirrhose und ihre Komplikationen bei Männern über 50 Jahre als Todesursache an fünfter Stelle stehen.

Jedoch sei

der Arzt durch eine exakte Bestimmung der Nierenfunktion bei Patienten
mit Lebererkrankung im fortgeschrittenen Stadium in der Lage, Therapien
zu meiden oder abzuändern, die das Risiko eines völligen Nierenversagens
vergrößern könnten.

* • * #

*

;
1

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ziel der NATO: Abschreckung vor einem Krieg&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Schreiben Reagans an den US-Kongress -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nukleares Gleichgewicht weiter gestört&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Schreiben Präsident Reagans an den Kongress -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Shultz: Die internationale Dimension des Drogenhandels&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des US-Außenministers vor der Handelskammer in Miami -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auch Menschenrechte zentraler Punkt der Stockholmer Konferenz&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Presseerklärung von Botschafter Kampelman -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Afghanistan: Katastrophale Zustände auch im medizinischen Bereich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Bericht eines amerikanischen Arztes -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Strahlentherapie zur Vorbeugung gegen Abstoßungsreaktion&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Niereninsuffizienz-Komplikation bei schwerer Lebererkrankung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Frühsymptome in Standardtests oft nicht zu erkennen -&lt;/em&gt;</text>
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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

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19. September 1990

GOLFKRISE

BUSH: EINMALIGES AUSMASS DER
ZUSAMMENARBEIT GEGEN DEN IRAK
Pressekonferenz mit regionalen Medienvertretern
VEREINIGTE STAATEN BEFRIEDIGT ÜBER
WELTWEITEN DRUCK AUF IRAK
Pressekonferenz von US-Außenminister Baker
DEMOKRATEN UNTERSTÜTZEN BUSHS
POLITIK GEGENÜBER DEM IRAK
Erklärung von Richard Gephardt

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 23 66
Telex: 8-85432

�GOLFKRISE
19. September 1990

BUSH: EINMALIGES AUSMASS DER
ZUSAMMENARBEIT GEGEN DEN IRAK
Pressekonferenz mit regionalen Medienvertretern
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush zufolge steht der irakische Diktator Saddam Hussein gegen ein
"Ausmaß an weltweiter Zusammenarbeit... das einfach einmalig ist".
Vor regionalen Medienvertretern erklärte Bush am 17. September 1990, daß Angehörige von Streitkräften "aus
vier Kontinenten Verteidigungsstellungen bezogen haben", um weitere irakische Aggressionen abzuschrecken.
Darüber hinaus habe der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen den Irak erneut für sein kriegerisches Verhalten
gerügt.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Pressekonferenz des Präsidenten in gekürzter Fassung.

Bush: Ich möchte zunächst eine Erklärung abgeben
und werde dann gerne Ihre Fragen beantworten.
Ich habe gerade von Verteidigungsminister Cheney
und Roger Porter erfahren, daß Sie sowohl die internationale Lage als auch Haushaltsfragen erörtert haben.
Wenn Sie gestatten, möchte ich dazu noch ein oder
zwei Anmerkungen machen und danach auf Ihre Fragen eingehen. Wie ich dem amerikanischen Volk und
dem Kongreß bereits am Dienstag (11. September) in
meiner Ansprache vor beiden Häusern erklärt habe, ist
das Ausmaß der weltweiten Zusammenarbeit gegen
die irakische Aggression einfach einmalig. Über 20
Nationen haben sich uns angeschlossen. Bis heute
haben auf Bitten König Fahds von Saudi-Arabien
Streitkräfte aus vier Kontinenten Verteidigungsstellungen bezogen.
In den vergangenen Tagen haben wir gehört, daß
Großbritannien eine ganze Panzerbrigade - die berühmten Wüstenratten - entsenden wird. Frankreich
hat angekündigt, daß es auch eine bedeutende Landstreitmacht entsenden wird. Japan und die Bundesrepublik Deutschland haben erklärt, sie würden Milliardenbeträge für die multilateralen Bemühungen und
damit zusammenhängende Maßnahmen aufbringen,
um wirtschaftliche Einbußen der am stärksten betroffenen Staaten zu mildern - für die Staaten, die die
UNO-Sanktionen befolgen. Am vergangenen Wo-

AMERIKA DIENST 37

chenende hat der UNO-Sicherheitsrat Saddam Hussein für das empörende Eindringen in diplomatische
Vertretungen in Kuwait erneut scharf verurteilt.
Damit die Vereinigten Staaten ihre Pflichten im Ausland erfüllen können, müssen die Vereinigten Staaten
stark und vital bleiben. Wie ich bereits in der vergangenen Woche sagte, sind unsere weltweite Führungsrolle und unsere Stärken im Innern miteinander verknüpft und verstärken einander. Deshalb habe ich ein
großes Interesse an den gegenwärtig stattfindenden
Haushaltsverhandlungen und fordere die Unterhändler von Kongreß und Administration auf, ihre Anstrengungen zur Erlangung eines Haushaltsabkommens zu
verdoppeln.
Ich stelle mir einen wachstumsorientierten Haushalt
vor - auch diesen Punkt habe ich in meiner Rede im
Kongreß vergangene Woche betont. Einen Haushalt,
der Anreize wie die Senkung der Kapitalertragsteuer
enthält, die meiner festen Überzeugung nach zur
Schaffung neuer Arbeitsplätze beiträgt. Darüber hinaus muß der Kongreß echte Ausgabenkürzungen
verfügen. Nicht diese Art von oberflächlichen Kürzungen, mit denen die Ausgaben nie in dem Maß gesenkt
werden, wie es auf dem Papier steht. Der Kongreß
muß sicherstellen, daß eine Reform des Haushaltsverfahrens stattfindet. Sein Fünfjahresplan muß sich als
absolut durchsetzbar erweisen.

Seite 1

�Schließlich muß der Kongreß einen mehrjährigen
Verteidigungshaushalt beschließen, der den Bedürfnissen dieses Landes gerecht wird. Nicht nur in bezug
auf die Verbesserung der Ost-West-Beziehungen,
sondern auch angesichts unserer umfassenderen
Pflichten in anderen Teilen der Welt - Pflichten, die uns
die Golfkrise erneut vor Augen geführt hat.

hende Beziehungen, und meines Erachtens stellen
sich die französische Regierung und der französische
Präsident die Frage: Warum um alles in der Welt
benimmt er sich so? Es besteht also eine Ungewißheit, auf die er vielleicht angespielt hat. Ich hatte
jedoch nicht das Gefühl, daß keine Chance mehr für
eine friedliche Lösung besteht.

Ich habe bereits früher eine klare Entscheidung über
ein umfassendes 500-Milliarden-Dollar-Paket zur
Reduzierung des Haushaltsdefizits mit oder ohne ein
Haushaltsabkommen bis zum 28. September gefordert. Unser Land ist nur noch 13 Tage von den
drastischen Konsequenzen der Zwangskürzungen
entfernt, die erforderlich werden, wenn der Kongreß
bis dahin keinen Haushalt vorlegen kann.

Frage: Haben die Äußerungen von General Dugan
Sie in eine schwierige Verhandlungsposition gegenüber dem Irak gebracht, und wieviel Schaden hat er
angerichtet?

Wir in der Administration sind bereit, unseren Teil
beizutragen. Ich bin zuversichtlich, daß der Kongreß
seinen Teil beitragen wird. Ich habe mit Freude
festgestellt, daß wir in den jüngsten Haushaltsgesprächen Fortschritte erzielt haben, aber es ist jetzt wirklich
an der Zeit, zu einer Übereinkunft zu kommen. Ich
denke, daß wir dies dem amerikanischen Volk schulden. An beiden Fronten geschieht also eine ganze
Menge. Das sind die Ausführungen, die ich machen
wollte. Ich werde jetzt gerne ein paar Fragen beantworten.
Frage: Um auf das Thema Irak zurückzukommen nach dem Eindringen in die Residenz des französischen Botschafters am Freitag (14. September) wurde
der französische Präsident Mitterrand mit den Worten
zitiert: "Der Irak gibt keine Anzeichen, die auf die
Vermeidung eines militärischen Konflikts hinauslaufen." Der französische Präsident will damit anscheinend sagen, daß unsere Chancen, eine bewaffnete
Auseinandersetzung durch Gespräche zu vermeiden,
immer geringer werden. Könnten Sie dazu bitte Stellung nehmen?
Antwort: Ich habe gestern (16. September) von Camp
David aus mit ihm gesprochen. Es war ein gutes
Gespräch. Wie ich bereits andeutete, befinden wir uns
bei den meisten Aspekten dieses Problems in Übereinstimmung. Wir waren sehr dankbar, daß Frankreich
Maßnahmen ergriffen hat. Ich hatte bereits ein paar
Tage zuvor mit ihm telefoniert, um ihm unser Mitgefühl
zu dem Übergriff auf die Botschaft mitzuteilen. Ich
muß sagen, daß er mir bei den zwei Kontakten in den
vergangenen beiden Wochen nicht das Gefühl vermittelte, er habe die Hoffnung auf eine friedliche Lösung
aufgegeben.
Wenn man aber dann Aktionen sieht, wie die gegen die
französische Botschaft, dann fragt man sich, welche
Motive dahinterstehen. Historisch gesehen, unterhielt
Frankreich ziemlich enge Beziehungen zum Irak. Man
hat dort jedoch keine Terrorhandlungen oder einige
der Geschehnisse im iranisch-irakischen Krieg gutgeheißen. Aber Frankreich hat dort seit langem beste-

Seite 2

Antwort: Nein, das ist nicht der Fall. Ich habe dazu
nichts zu sagen, außer, daß ich unseren Verteidigungsminister uneingeschränkt unterstütze. Er wird
bei einer in wenigen Minuten stattfindenden Pressekonferenz mehr über die Einzelheiten sagen können.
Meines Erachtens können wir dies zum gegenwärtigen
Zeitpunkt jedoch noch nicht abschließend beurteilen.
Frage: Dazu noch eine Zusatzfrage. Sind unsere
Truppen heute aufgrund dieser Äußerungen stärker in
Gefahr?
Antwort: Ich würde nicht sagen, daß wir heute
weniger gut in der Lage sind, unsere Truppen in SaudiArabien zu schützen. Wir werden das tun, und ich bin
darüber nicht besorgt.
Frage: Sind Sie der Ansicht, daß das amerikanische
Volk die Politik in der Golf krise ebenso stark unterstützen würde wie zu Beginn, wenn Tausende dabei
umkämen, was ja im Falle von Kämpfen wahrscheinlich wäre?
Antwort: Das weiß ich nicht. Ich tendiere jedoch zu
der Überzeugung, daß wir einen sehr guten Anfang
gemacht haben. Ich meine, daß Ihre Hypothese
darauf anspielte. Ich möchte jedoch keine Vorhersage
darüber wagen, wie das amerikanische Volk darauf
reagieren würde.
Ich bin alt genug, um mich an einen ganz klaren Fall zu
erinnern, unter anderen Umständen und zu einer anderen
Zeit - den Zweiten Weltkrieg. Viele der hier Anwesenden sind zu jung, um sich an die Auswirkungen zu
erinnern, die dieser Krieg auf die amerikanische öffentliche Meinung hatte. Es gab jedoch viel Leid und
Trauer. Jeder identifizierte sich mit den Familien, die
Angehörige verloren hatten. Aber das Land blieb
ziemlich geschlossen.
Zum jetzigen Zeitpunkt gehe ich davon aus, daß das
amerikanische Volk angesichts dieser Aggression eine
außergewöhnliche Geschlossenheit zeigt. Es wäre
jedoch zu hypothetisch, wenn ich Aussagen machen
würde, die darüber hinaus gehen.
Frage: Es wird auch der Gedanke ins Spiel gebracht,
daß die amerikanische Öffentlichkeit lang andauernde
Pattsituationen traditionell nicht unterstützt. Wird die

AMERIKA DIENST 37

�Unterstützung allmählich geringer werden, wenn sich
dies zu einem langen Sitzkrieg entwickelt?
Antwort: Ich weiß es nicht. Ich lese eine Menge
Prognosen von Leuten, die das behaupten, aber ich
hoffe, daß das nicht geschieht. Aber auch dies ist ein
wenig hypothetisch, denn man muß auch immer berücksichtigen, was sonst noch geschieht. Aber was
heißt zu lange? Ich denke über diese Fragen nach,
aber ich kann es nicht definieren. Ich möchte, daß
diese Soldaten so bald wie möglich da herauskommen. Ich möchte, daß sie alle da heraus kommen. Und
doch kann ich nicht sagen, wann das der Fall sein wird.
Was wir versuchen, sind diese umfassenden weltweiten Bemühungen auf der diplomatischen Seite. Und
ich möchte, daß das funktioniert. Man hat ja verschiedene interessante Gesprächspartner - Regierungschefs, die einem auf verschiedene Art und Weise
erklären, wie effektiv die Sanktionen ihrer Meinung
nach sein werden. Einige sind absolut davon überzeugt, daß diese Sanktionen nicht nur funktionieren,
sondern kurzfristig sehr effektiv sein werden. Andere
meinen, es werde länger dauern. Ich glaube jedoch, es
wäre nicht gut, mich in eine solche Debatte einzulassen, weil ich selber nicht genau sagen kann, wie lange
diese Art von Unterstützung anhalten wird.
Frage: Das Wall Street Journal hat kürzlich berichtet, daß sich noch am Tage vor der irakischen Invasion
in Kuwait Mitglieder Ihrer Administration hinter den
Kulissen gegen einen Gesetzentwurf des Kongreßabgeordneten Howard Berman gewendet hätten, der die
Iraker auf die Finger geschlagen hätte - darin wurden
Sanktionen wegen ihres zunehmend aggressiven
Verhaltens vorgeschlagen. Dieser Gesetzentwurf und
weitere Beispiele der Unterstützung des Irak durch die
Administration - bedauern Sie diese Dinge angesichts
der Invasion?
Antwort: Sicherlich, im Lichte dieser Invasion. Es
bestanden jedoch Gründe zu der Annahme, daß dieses Verhalten durch verbesserte Beziehungen mit
dem Westen modifiziert würde. Angesichts der Invasion bedaure ich es natürlich. Wenn jeder im nachhinein urteilen könnte, dann würde jeder über viele Dinge
anders urteilen. Aber ich bin nicht sicher, daß das die
Absicht Saddam Husseins zur Annexion Kuwaits
geändert hätte.

Frage: Aber wenn Saddam Hussein nicht zurechnungsfähig ist, kann er dann überhaupt logisch oder
rational auf das Embargo reagieren?
Antwort: Das ist eine gute Frage. Und ich weiß nicht,
wie man darauf antworten sollte, weil er eindeutig
irrational handelte, wenn er geglaubt hat, sich damit
den Zorn der Vereinigten Staaten und 20 anderer
Länder - tatsächlich der ganzen Welt in den Vereinten
Nationen - zuzuziehen.
Aber ich bin davon überzeugt, daß die Sanktionen in
gewissem Sinne greifen. Ich kann Ihnen nicht definitiv
sagen, wie effektiv sie in diesem Augenblick sind. Wir
wollen sie in jedem Fall strenger anwenden, gemeinsam mit anderen Ländern, um diesem Ansatz die
bestmögliche Erfolgschance zu sichern, und dann
werden wir weitersehen. Es könnte ihm außer Kontrolle geraten, weil niemand seiner Wirtschaft den absoluten Stillstand bescheren will. Und Sie sollten daran
denken, daß 90 Prozent seiner Deviseneinkünfte aus
dem Ölgeschäft stammen, und das hat sich noch
verschärft. Tatsächlich denke ich, daß es keine Ausnahmen dazu gibt.
Frage: Sind Sie der Ansicht, daß vielleicht ein Luftembargo Saddam Hussein dazu bringen kann, rationaler
auf die Sanktionen zu reagieren?
Antwort: Ich kann Ihnen nicht mit Sicherheit sagen,
wieviel auf dem Luftweg geliefert wird. Wir wollen auf
jeden Fall die UNO-Sanktionen verschärfen, so daß
überhaupt nichts geliefert wird. Das ist relativ schwierig, wenn Sie an die Überflüge denken und daran, daß
einige Länder eher bereit sind als andere, die Sanktionen zu umgehen. Aber ich weiß, daß Francois Mitterand dazu Stellung genommen hat, und das verstehe
ich. Ich bin bereit, mit jedem zusammenzuarbeiten,
um diese zusätzliche Hürde bei den Sanktionen aufzustellen.
Frage: Dazu noch eine Frage: Denken Sie, daß Ihre
Botschaft an das irakische Volk dort Auswirkungen auf
die öffentliche Meinung hat? Berichten zufolge hatten
die Trickfilme mehr Zuschauer.

Frage: Unterlag die amerikanische Politik einer Fehleinschätzung?

Antwort: Es war eine gute Übung für die Demonstranten, die aufgefordert worden waren zu demonstrieren,
bevor sie gehört hatten, was ich sagen wollte. Es hielt
sie in Bewegung, und sie schrien gegen die Vereinigten Staaten. Wenn ihnen das geholfen hat, ihre
Frustrationen loszuwerden, umso besser.

Antwort: Ich glaube nicht, daß dies auf einer Fehleinschätzung durch die amerikanische Politik beruhte.
Ich glaube, es wurde durch eine Fehleinschätzung von
Saddam Hussein verursacht. Und ich denke, daß die
Bevölkerung der Vereinigten Staaten das voll und
ganz versteht.

Was damit objektiv bewirkt wurde, ist eine Botschaft an
die anderen arabischen Länder, daß nicht Saddam
Hussein und der Rest der arabischen Welt gegen die
Vereinigten Staaten kämpft, sondern daß es um etwas
anderes geht. Wenn das auch nur zwei irakische
Bürger hören, war es die Mühe wert. Wer weiß? Die

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Seite 3

�Wahrheit ist gut, und es ist gut, ihr im Irak Gehör zu
verschaffen. Sie bekommen so wenig davon. Meiner
Ansicht nach war es der Mühe wert. Und es wurde mir
berichtet, daß die Reaktion in anderen Bereichen ganz
gut war. Es ist noch zu früh, um Beurteilungen
abzugeben. Aber ich denke, sie waren vielleicht ein
bißchen in Sorge darüber, weil die Demonstranten mit
ihren fertigen Schildern - zumindest nach meinen
Informationen - bereits zu ihrem Sammelpunkt marschierten, bevor sie überhaupt wu ßten, was ich sagen
wollte. Woher wollten sie wissen, was ich sagen
wollte?
Frage: Sind Sie im Hinblick auf die Frage der nationalen Einheit als Reaktion auf die Golfkrise besorgt, daß
die politischen Auseinandersetzungen über den Haushaltsgipfel sich verselbständigen?
Antwort: Nein. Das ist eine gute Frage. Ich sehe
dafür überhaupt keine Anzeichen. Und das ist meiner
Ansicht nach sehr gut.. Es eint Liberale, Konservative,
Demokraten und Republikaner. Die Unterstützung ist
vorhanden, und ich sehe keine Anzeichen dafür, daß
Äußerungen über den Gipfel, beim Gipfel oder im
Rahmen der Gipfeltreffen die Unterstützung zum Beispiel im Kongreß oder im amerikanischen Volk beeinträchtigt haben. Und ich denke, das darf auch nicht
geschehen.
Frage: Wie denken Sie über Irans scheinbar enge
Beziehungen zum Irak und deren Auswirkungen auf
die Lage im Golf?
Antwort: Der Iran hat fast alles, was er wollte, vom
Irak bekommen. Das hat jedoch nicht Saddam Husseins Position im Irak gefestigt. Hunderttausende
Menschen mußten auf beiden Seiten ihr Leben lassen.
Und der Sieg geht jetzt an den Iran.
Wir erhielten indirekt die Zusage vom Iran, daß sie die
Einhaltung und Durchführung dieser Sanktionen wünschen. Bis ich sehe, daß der Iran diese Sanktionen
verletzt, werde ich nicht glauben können, daß sie
geheime Verbindungen zur Umgehung der Sanktionen eingegangen sind.
Frage: Auch nicht aufgrund der Erklärung iranischer
Geistlicher, der Fundamentalisten, daß jetzt die Zeit
gekommen ist, um einen Heiligen Krieg gegen die
Vereinigten Staaten zu führen?
Antwort: Niemand hat behauptet, daß zwischen
einzelnen Gruppen im Iran und den Vereinigten Staaten Harmonie und Freundlichkeit aufkommen werden.
Aber lesen Sie seine Worte aufmerksam. Experten
haben mich darauf aufmerksam gemacht, daß er nicht
zum Djihad aufgerufen hat. Aber man muß es sehr
sorgfältig analysieren. Es wird Gruppierungen innerhalb des Iran geben, die sich weiterhin allen Verbesserungen in den Beziehungen zwischen Iran und den
Vereinigten Staaten widersetzen werden, und wir
verstehen das.
Seite 4

Aber das wichtigste ist meiner Ansicht nach im Augenblick, daß der Iran das tut, wozu er sich öffentlich
bekannt hat, und das ist die Einhaltung der internationalen Sanktionen. Das haben sie in der Öffentlichkeit
bekanntgegeben.
Frage: Sie haben mit Befriedigung darauf verwiesen,
daß unsere Freunde und Verbündeten auf der ganzen
Welt uns im Golf helfen, und auch jene Länder, die ihre
Verfassung daran hindert - wie Deutschland und Japan - Soldaten zu entsenden, haben Geld bewilligt.
Zur gleichen Zeit sind die Kostenvoranschläge für
unsere Präsenz ebenso schnell gestiegen wie die Zahl
unserer Soldaten, und Verteidigungsminister Cheney
hat darauf verwiesen, daß die Stationierungen noch
nicht beendet sind. Sollten wir als Steuerzahler nicht
besorgt darüber sein, daß für die Krise am Persischen
Golf gewissermaßen ein Blankoscheck ausgestellt
wurde?
Antwort: Wissen Sie, was ich darüber denke? Ich
denke, das amerikanische Volk will, daß ich genau das
tue, was wir gegenwärtig tun sollten, um unsere vier
Ziele dort zu erfüllen. Und wenn das hei ßt, wir müssen
andere um Hilfe bitten, um bestimmte Aspekte auf eine
Weise abzudecken, die Lasten verteilt, werden wir das
tun. Aber meiner Ansicht nach hat das amerikanische
Volk Vertrauen in die von uns getroffenen Entscheidungen, und ich denke nicht, daß es alle Bemühungen
zunichte machen will, auch wenn die Haushaltslage
gegenwärtig kompliziert ist.
Frage: Die Bürgermeister von Großstädten haben
über eine Friedensdividende gesprochen. Es könnte
sich dabei um ein Phantom handeln.
Antwort: Ich war immer der Ansicht, es handele sich
hierbei um ein Phantom, weil ich nicht die Meinung
vertrete, daß man eine Dividende haben kann, wenn
man mit Verlust arbeitet. Und wir haben ein ungeheures Defizit. Ich hoffe also, sie haben die Annahme
aufgegeben, es stehe viel Geld zum Ausgeben zur
Verfügung. Aber ich denke, ein Bürgermeister einer
Gro ßstadt würde sich hier ungeachtet der Schwere der
Probleme in seiner Stadt neben mich stellen und
erklären, daß wir die militärischen Bestrebungen nicht
verringern wollen. Wenn wir schon Menschen dorthin
entsenden, sollten wir das tun, was notwendig ist, um
ihnen volle Unterstützung zu leisten. Genau so würden sie reagieren.
Frage: Zu Beginn der Krise wurden Forderungen laut,
sie sollten die Ölreserve für strategische Zwecke
anzapfen, um den Ölpreis niedrig zu halten. Wie soll
Ihrer Ansicht nach diese Ölreserve angemessen genutzt werden, und sind Sie zufrieden mit ihrem jetzigen
Stand?
Antwort: Wenn es echte Engpässe bei einem Produkt gibt oder ein bestimmtes Ereignis auf einen
Engpaß schließen läßt, sollte die ölreserve für strate-

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�gische Zwecke genutzt werden. Meiner Meinung nach
besteht zum gegenwärtigen Zeitpunkt kein solcher
Engpaß.
Es heißt, daß eine demonstrative, wenn auch nicht
umfassende Nutzung dieser Reserve einen Markt
beruhigen könnte, der starken Schwankungen unterworfen ist. Wir würden dazu sagen, die Spekulanten,
die mit dem Ölpreis bis in den Oktober hinein spekulieren, sollten das auf eigenes Risiko tun. Und man
könnte das Argument vorbringen, was ich auch in
meiner Regierung und im Kongreß höre, daß das
Anzapfen einer kleinen Menge Spekulationen in Zukunft vorbeugen könnte. Dieses Argument entbehrt
nicht einer gewissen Logik. Aber der Grund, warum wir
nicht auf die Ölreserve für strategische Zwecke zurückgegriffen haben, ist, daß wir keinen Engpaß sehen. Wenn es ihn geben würde, dann zu einer Zeit, in
der wir über ausreichende Vorräte verfügen.
Sie sehen also, daß die Fluktuation nicht von den
Kräften des Marktes oder Angebot und Nachfrage
diktiert wird, sondern von Spekulationen, was in Zukunft sein könnte, und ich denke, das würde sich auch
nicht durch Rückgriffe auf die Ölreserve für strategische Zwecke regeln lassen. Es gibt andere Umstände,
unter denen man eindeutig darauf zurückgreifen müßte.
Ich denke, wenn wir Saudi-Arabien unverteidigt gelassen hätten und wenn Saddam Hussein Panzer von
Kuwait City an die südliche Grenze entsandt und damit
etwa Dharan eingeschlossen hätte, wäre damit eine
Situation geschaffen, wo die Vorräte auf dem Markt
noch einige Tage ausreichen würden, aber es wäre ein
echter Notfall. In einem solchen Fall würde jeder
Präsident auf die Ölreserve für strategische Zwecke
zurückgreifen.

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Frage: Wer trifft die Entscheidung, wie Truppen aus
anderen Ländern in Saudi-Arabien stationiert werden?
Wo die Syrer stationiert werden? Die Ägypter? Franzosen? Briten? Wird es ein einziges Kommando
geben?
Antwort: Angesichts der Größenordnung der USStreitkräfte gibt es aktive Konsultationen mit unserem
dortigen Oberbefehlshaber General Schwarzkopf. Wir
haben diesem Offizier nicht das Recht entzogen,
Kontrolle über US-Streitkräfte auszuüben, und das
haben die Franzosen - die noch nicht in vollem Umfang
dort stationiert sind -, die Briten oder andere auch nicht
getan. Aber es findet eine enge Koordinierung mit dem
Gastgeberland statt.
Aber ich möchte die Bedeutung von General Schwarzkopf bei der Streitkräftestationierung auch nicht herunterspielen. Sicherlich kann er die Wüstenratten nicht
an einen bestimmten Punkt befehligen. Aber in enger
Zusammenarbeit mit seinem Amtskollegen bei den
britischen Streitkräften sind all diese Punkte durch
eingehende Konsultationen geklärt worden, im Einklang mit einem Gesamtplan, den wir mit den Befehlshabern der Streitkräfte in der Region erarbeitet haben.
Es handelt sich hierbei also um koordinierte Bestrebungen. Und ich möchte nicht zögern, den Eltern oder
Familien der Kinder dort zu sagen, wenn etwas geschehen sollte, das Kampfhandlungen erfordert, wird
die Kommandostruktur reibungslos und einwandfrei
funktionieren. Wir werden auch nicht abwarten müssen, bis jemand anders die Entscheidungen trifft, ob
eine Provokation vorliegt.

Seite 5

�GOLFKRISE
19. September 1990

VEREINIGTE STAATEN BEFRIEDIGT ÜBER
WELTWEITEN DRUCK AUF IRAK
Pressekonferenz von US-Außenminister Baker
BONN - (AD) - Bei einer Pressekonferenz auf dem Flughafen Köln/Bonn erklärte US-Außenminister Baker am
15. September 1990, seinen Reisen in den Nahen Osten und Europa sei ein hohes Maß an Erfolg beschieden
gewesen. Sie haben Baker zufolge das Ziel verfolgt, mehr multinationale Unterstützung dafür zu gewinnen, den
Irak zum Abzug aus Kuwait und zur Wiedereinsetzung der rechtmäßigen Regierung zu zwingen. "Die einfache
Aussage, wir sind mit den Ergebnissen der Reise zufrieden, wäre ... eine Untertreibung", erklärte Baker.
Baker erörterte die finanziellen und militärischen Zusagen, die er auf seinen Reisen erhielt und verwies darauf,
Saddam Hussein sei nunmehr signalisiert worden, daß "seine Isolierung und der auf ihn ausgeübte Druck"
zunehmen werden.
Der US-Außenminister hatte zum Zeitpunkt seiner Pressekonferenz gerade Gespräche mit Bundeskanzler
Helmut Kohl und Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher abgeschlossen. Er berichtete von der Zusage
Deutschlands, 3,3 Milliarden DM an wirtschaftlicher und finanzieller Hilfe zur Verfügung zu stellen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Pressekonferenz im Wortlaut.

Meine Damen und Herren, wie Präsident Bush eindeutig erklärt hat, wollen wir diesen Konflikt vorzugsweise
mit diplomatischen Mitteln lösen. Dazu benötigen wir
weiterhin die internationale Solidarität. Der einmalige
internationale Konsens muß beibehalten, und Sanktionen müssen in vollem Umfang durchgeführt werden.
Darüber hinaus muß die Verantwortung gerecht aufgeteilt werden.
Unsere Reise hatte zum Ziel, den internationalen
Konsens zu stärken und Maßnahmen zu seiner Erhaltung zu ergreifen. Darüber hinaus wollten wir Saddam
Hussein signalisieren, da ß seine Isolierung und der auf
ihn ausgeübte Druck eher zu- als abnehmen wird.
Die einfache Aussage, wir sind mit den Ergebnissen
der Reise zufrieden, wäre meines Erachtens eine
Untertreibung. Wir haben finanzielle Zusagen erhalten, mit denen die Belastung derjenigen Länder verringert wird, die bei der Durchführung der Sanktionen
einen sehr hohen Preis zahlen. Ihre Handlungsweise
läßt sich deshalb eher aufrechterhalten.
Wir haben von den Ländern der Region ebenso wie
von unseren europäischen Verbündeten einmalige
militärische Zusagen erhalten - Soldaten, Schiffe,
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Flugzeuge und andere Unterstützung. Und mit dieser
Unterstützung sind auch politische Verpflichtungen
eingegangen worden - Verpflichtungen, kein Ende der
Krise zu akzeptieren, das nicht Iraks bedingungslosen
Abzug und die Wiedereinsetzung der rechtmäßigen
Regierung Kuwaits vorsieht sowie Verpflichtungen,
weitere Schritte in Erwägung zu ziehen.
Die internationale Staatengemeinschaft hat dem Begriff
"geteilte Pflichten" echte Bedeutung verliehen. Wir
vermitteln gemeinsam den Eindruck, daß in diesem
neuen Zeitalter eine Teilung der Pflichten über Bündnisse hinaus stattfindet, alte Freunde und andere
Staaten einbezieht.
Um Ihnen einen Eindruck davon zu vermitteln, wie die
internationale Staatengemeinschaft diesen einmaligen Konsens verwirklicht und weiterhin Druck auf
Saddam Hussein ausübt, möchte ich Ihnen kurz die
mir gegebenen Zusagen darlegen.
Wir waren natürlich zuerst in den Golf Staaten - wo die
Führungen Saudi-Arabiens, Kuwaits und der Vereinigten Arabischen Emirate für das laufende Jahr ingesamt 12 Milliarden Dollar an Beiträgen zugesagt haben.
Seite 1

�Damit wird sowohl ein Zuschuß zu den Verteidigungsausgaben der Vereinigten Staaten als auch Wirtschaftshilfe für die wichtigen Anrainerstaaten - insbesondere
Ägypten und die Türkei - geleistet, ferner andere
wichtige Länder, die Truppen bereitstellen oder von
den durch die irakische Agression entstandenen wirtschaftlichen Erschütterungen stark betroffen sind.
Wir haben soeben unsere Gespräche mit den Spitzen
der Bundesregierung beendet, und wie ich Ihnen bereits vor dem Haus des Bundeskanzlers andeutete,
hat die Bundesregierung für das laufende Jahr 1990
Wirtschaftshilfe und Zuschüsse zu den Militärausgaben im Umfang von 3,3 Milliarden DM bewilligt, eine
Maßnahme und eine Verpflichtung, die wir als sehr
positiv und sehr großzügig betrachten und mit der wir
sehr zufrieden sind.
Die Europäische Gemeinschaft wird erwartungsgemäß bald ihr Engagement durch ihre Beiträge und die
ihrer Mitgliedstaaten bekunden.
Wie Sie wissen, hat uns die italienische Regierung in
Rom erklärt, den Anrainerstaaten zunächst 145 Millionen Dollar an bilateraler Wirtschaftshilfe gewähren zu
wollen.
Damit betragen die von uns erhaltenen Zusagen einschließlich der Unterstützung zu den US-Verteidigungsausgaben und Wirtschaftshilfe an die Anrainerstaaten
insgesamt über 16 Milliarden Dollar. Wenn Sie dazu
noch den Beitrag Japans von 4 Milliarden Dollar zählen, ergibt sich ein Gesamtbetrag von mehr als 20
Milliarden Dollar.
Ich möchte in diesem Zusammenhang kurz auf die
militärischen Angebote eingehen. Wie Sie wissen,
wird Großbritannien zusätzlich zu den dort bereits
befindlichen Flugzeugen und Schiffen der Royal Navy
Bodentruppen in Form einer Panzerbrigade und eines
dritten Tornadogeschwaders nach Saudi-Arabien
entsenden. Frankreich hat heute erklärt, eine leichte
Panzerbrigade und darüber hinaus Kampfflugzeuge
zu entsenden. Das geschieht zusätzlich zu Kampfhubschraubern und Kommandos, die bereits in der
Region sind und zusätzlich zu der bereits erheblichen
Präsenz der französischen Marine im Golf.
Kanada hat gestern angekündigt, zusätzlich zu den
beiden bereits entsandten Zerstörern ein Geschwader
von CF-18-Flugzeugen zu entsenden, Italien schickt
ein Geschwader von 8 Tornados und eine weitere
Fregatte zusätzlich zu den anderen bereits entsandten
Schiffen. Wie Sie von meinem Besuch in Ägypten
wissen, wird das Land zwei Divisionen in Saudi-Arabien stationieren. Unser Aufenthalt in Damaskus hat
deutlich gemacht, daß Syrien mindestens eine Streitmacht in Divisionsstärke entsenden wird.
Die Ihnen hier dargelegte Zusammenfassung zeigt
eindeutig, daß die ganze Welt auf eine nie dagewesene Art und Weise auf die irakische Aggression reagiert.
Seite 2

Diese Sache ist einmalig und vermittelt meiner Ansicht
nach eine klare Botschaft. Sie lautet, daß die Welt
diese Aggression nicht tolerieren wird.
Frage: Herr Außenminister (unverständlich) des
massiven Einsatzes von Ländern auf der ganzen Welt
macht der Irak weiter. Er hat Botschaften besetzt. Ist
dieses Problem ohne Krieg zu lösen?
Antwort: Nun, ich habe ganz am Anfang meiner
Erklärung bekundet, daß wir es eindeutig vorziehen,
dieses Problem ohne Krieg zu lösen. Wir stellen uns
eine diplomatische, politische und friedliche Lösung
vor. Ich habe aber auch zu Beginn meiner Ausführungen erklärt, daß dies von einer strengen Durchführung
der Sanktionen und der Aufrechterhaltung dieses einmaligen Konsenses abhängt. Mir scheint jedoch aus
den dargelegten Fakten eindeutig hervorzugehen, daß
wir uns in diese Richtung bewegen.
Frage: (Unverständlich). Wenn Sie eine militärische
Entscheidung treffen müßten, wie wird sich diese
logistisch darstellen, wenn so viele Streitkräfte beteiligt
sind?
Antwort: Viele Streitkräfte sind bereits dort. Inzwischen sind 26 Nationen in der Region - mit Schiffen,
Flugzeugen oder Bodentruppen - präsent, und die
Führungs- und Kommunikationsmodalitäten müssen
auf dem Boden organisiert werden. Im Hinblick auf die
frühzeitig dort eingetroffenen Streitkräfte sind diese
Führungs- und Kommunikationsmodalitäten verwirklicht worden. Was diejenigen betrifft, die noch dort
eintreffen werden, so wird sich dies finden.
Frage: Haben Sie mit Assad die Integration seiner
Streitkräfte erörtert?
Antwort: Ich habe weder mit Präsident Mubarak noch
mit Präsident Aassad die Einzelheiten der Führungsund Kommunikationsmodalitäten erörtert. Das fällt in
den Zuständigkeitsbereich der Militärs untereinander,
wenn sie dort mit den Bodentruppen zusammentreffen.
Frage: Herr Außenminister, Präsident Mubarak hat
vergangenen Samstag andeuten wollen, obwohl Ägypten, Saudi-Arabien und einige andere Länder den
diplomatischen Weg einschlagen wollen, könne dies
nicht immer so weitergehen. Haben Sie einen bestimmten Zeitrahmen, innerhalb dessen Saddam
Hussein zeigen muß, daß er die Sanktionen spürt und
eine Lösung auf dem Verhandlungswege anstrebt?
Wie sieht dieser Zeitrahmen in etwa aus?
Antwort: Wir haben von Anfang an erklärt, daß es
keinen solchen Zeitrahmen gibt, aber ich muß Ihnen
sagen, daß ich persönlich der Ansicht bin, die Dinge
nehmen den richtigen Kurs. Wenn Sie die Unterstützung aus allen Teilen der Welt betrachten, in Form
politischen Engagements, militärischer und wirtschaftlicher Zusagen, scheinen die Dinge den Verlauf zu

AMERIKA DIENST 37

�nehmen, wie ihn diejenigen, die diese Aggression
umkehren wollen, anstreben.
Frage: Herr Außenminister, wir haben zunehmend
Grund zu der Annahme, daß der Iran nunmehr eine
Reihe von Schritten entgegen dem internationalen
Konsens - zumindest symbolisch - unternimmt, die
dem Irak dienen. Es gibt Gerüchte, das Land hätte auf
dem Weltmarkt mehr Nahrungsmittel und Getreide
erwerben wollen, als es benötigt. Können Sie uns
etwas dazu sagen, oder sind Sie der Ansicht, daß sie
eventuell mit dem Konsens brechen wollen, und wie
stehen Sie dazu ...?
Antwort: Ich habe bereits klar zum Ausdruck gebracht, daß wir das Embargo genau beobachten. Wir
glauben, daß es grundsätzlich greift. Wir waren uns
aber immer im klaren, daß es Schlupflöcher gibt. Das
traf von Anfang an zu, aber es greift unserer Ansicht
nach. Wir haben erklärt, daß die Erklärungen der
iranischen Regierung weiterhin die Invasion verdammen, den Abzug den Iraks fordern und darauf hinweisen, daß die iranische Regierung die UNO-Resolutionen einzuhalten gedenkt.
Frage: Sie haben viel Zeit und Mühe darauf verwandt,
um Unterstützung zu bitten und Druck auf Saddam
Hussein auszuüben. Könnten Sie uns sagen, ob bei
Ihren Zusammentreffen auch die Möglichkeit diplomatischer Lösungen zur Sprache kam?
Antwort: Wir haben darüber gesprochen, daß eine
friedliche und politische Lösung vorzuziehen ist. Wir
müssen jedoch von Anfang an klar definieren, was wir
damit meinen. Wir meinen damit nicht, daß Umfang
und Tragweite der einstimmig verabschiedeten Resolutionen des UNO-Sicherheitsrats preisgegeben, verwässert oder in irgendeiner Form verringert werden.
Eine conditio sine qua non ist also der Rückzug des
Irak und die Wiedereinsetzung der legitimen Regierung von Kuwait. Alle Regierungen, mit denen wir
gesprochen haben, sind ausnahmslos und uneingeschränkt unserer Meinung.
Frage: Sind Sie der Ansicht, daß es noch zu früh und
weiterer Druck erforderlich ist, bevor er vielleicht Fühler
ausstrecken kann oder die Möglichkeit eines Rückzugs, eines Auswegs anbietet?
Antwort: Ich glaube, niemand kann mit Sicherheit
voraussagen, welche Maßnahmen er ergreift. Es ist
wohlbekannt, daß er ziemlich unberechenbar ist, und
die Ereignisse in Kuwait sind dafür ein schlagender
Beweis.
Frage: Sie werden in etwa einer Woche an der
Generalversammlung der Vereinten Nationen teilnehmen. Wegen des Zeitpunkts wird dies für Sie eine
ungewöhnliche Möglichkeit sein, Leute zu treffen, mit
denen Sie sich auf einer solchen Reise vielleicht nicht
treffen können. Denken Sie zur Zeit an Schritte, die
nach Ansicht der Vereinigten Staaten von den VereinAMERIKA DIENST 37

ten Nationen entweder im Rahmen der Generalversammlung oder im Sicherheitsrat unternommen werden sollten...?
Antwort: Nein, wir werden mit unseren Partnern im
UNO-Sicherheitsrat in enger Verbindung bleiben.
Darüber hinaus werden wir weiterhin in engem Kontakt
mit einer ganzen Reihe anderer UNO-Mitgliedstaaten
stehen. Gegenwärtig denken wir nicht an bestimmte
Schritte, obwohl ich in den vergangenen Tagen einige
Dinge genannt habe, die zu einem künftigen Zeitpunkt
vielleicht erwogen werden sollten.
Frage: Herr Minister, wenn man die enormen Anstrengungen betrachtet, die Sie und andere investiert
haben, um an diesen Punkt zu gelangen, wie lange läßt
sich dies vernünftigerweise aufrechterhalten? Wie Sie
im Verlauf dieser Reise angedeutet haben, gehen
einige der Leute, mit denen Sie gesprochen haben,
davon aus, daß sich dies nicht langfristig aufrechterhalten läßt und daß langfristig - oder selbst kurzfristig
- eine Militäraktion erforderlich ist. Wie lange können
Sie solch enorm konzentrierte Anstrengungen aufrechterhalten, wie Sie sie bisher zustande gebracht
haben?
Antwort: Angesichts einiger der eingegangenen
Verpflichtungen - politischer, militärischer und wirtschaftlicher Art -, über die ich Ihnen gerade berichtet
habe, können wir sie weitaus länger aufrechterhalten,
als viele zu Anfang dachten. Ich bin offengestanden
der Meinung, daß sich die Dinge zugunsten derjenigen
entwickeln, die eine Umkehrung der Aggression erwirken möchten. Und ich gehe davon aus, daß sich die
Dinge zugunsten derjenigen entwickeln, die eine friedliche und politische Lösung wünschen. Aber wir haben
andere Optionen nicht ausgeschlossen und werden
dies auch nicht tun.
Frage: Entnehmen Sie den während Ihrer Reise von
den NATO-Staaten getroffenen Maßnahmen sowie
Ihren Gesprächen mit NATO-Vertretern, daß es in der
NATO einen Einstellungswandel gegenüber einem
Engagement bei Ereignissen in der dritten Welt gibt?
Das ist ja bis jetzt von den Franzosen blockiert worden,
aber die Franzosen selbst sind plötzlich ungemein
aktiv.
Antwort: Würde ich jetzt mit ja antworten, so würden
morgen die Schlagzeilen lauten "NATO-Verantwortung außerhalb des Bündnisgebiets". Ich werde also
dazu nicht Stellung nehmen.
Frage: Das haben Sie gerade getan.
Antwort: Nein, das habe ich nicht getan. Ich gehe
nämlich davon aus, daß viele NATO-Mitglieder der
Ansicht sind, daß die NATO außerordentlich gut und
effektiv funktioniert hat, indem sie sich an ihr Mandat
hielt und daß eine Erweiterung dieses Mandats ziemlich umfangreiche Debatten und Konsultationen voraussetzen würde. Ich werde Ihnen nicht sagen, daß
Seite 3

�dies niemals geschehen kann, aber darauf wurde ja
bereits angespielt. Ich kann Ihnen jedoch nicht mitteilen, daß ich dies zum jetzigen Zeitpunkt als Bestrebung innerhalb des Bündnisses empfinde.

andere Maßnahme, an die ich mich gegenwärtig nicht
erinnere. Ich habe jedoch dazu Stellung genommen
und möchte Sie auf das Protokoll verweisen. Ich
stimme dem also nicht zu.

Frage: Ein Schiff mit Nahrungsmitteln ist gegenwärtig
auf dem Weg in den Irak, mit Nahrungsmitteln, die
unter Aufsicht der Vereinten Nationen verteilt werden
sollen. Der Irak sagt, er werde die Verteilung von
Nahrungsmitteln durch eine internationale Behörde
nicht erlauben. Wenn es wirklich zu einer Krise kommt,
bei der Menschen verhungern, sollten Nahrungsmittel
dann nicht auf jeden Fall verteilt werden?

Frage: Behaupten Sie denn, daß die Berichte unzutreffend sind, daß April Glaspie Saddam Hussein nicht
den Eindruck vermittelt hat, wir betrachteten dies als
innerarabische Angelegenheit und daß sie nicht die
Sprachregelung verwendet hat, wie berichtet wurde?
Wollen Sie sagen, daß sie nicht auf Ihre Anweisung hin
gehandelt hat, oder wollen Sie sagen, daß sie Ihren
Anweisungen folgte und daran nichts Schlechtes war?

Antwort: Nun, es gibt eine Ausnahme aus humanitären Gründen. Meines Wissens ist diese Schiffsladung
mit Nahrungsmitteln aufgrund von Maßnahmen des
Sanktionsausschusses der Vereinten Nationen unterwegs. Die Aktion des Sanktionsausschusses ist jedoch auf Lieferung und Verteilung unter internationaler
Aufsicht beschränkt, und meines Erachtens sollte das
Mandat des Sanktionsausschusses geachtet und befolgt
werden. Ich möchte nicht auf hypothetische Fragen
antworten - was geschieht, wenn der Irak daran festhält, keine internationale Aufsicht zu gestatten, ob wir
dann trotzdem Nahrungsmittel liefern werden. All dies
ist Spekulation, wir sind noch nicht soweit.

Antwort: Ich möchte nur sagen, daß die Andeutung,
die Vereinigten Staaten hätten direkt oder indirekt zu
der irakischen Aggression gegen Kuwait beigetragen,
absurd ist. Zum Inhalt diplomatischer Korrespondenz
gebe ich keinen Kommentar ab.

Frage: Unsere Botschafterin in Bagdad, April Glas
pie, ist zu Hause in Washington wegen eines Fernschreibens und ihres Gesprächs mit Saddam Hussein
eine Woche vor der Invasion ins Kreuzfeuer der Kritik
geraten. Sie soll dort unabsichtlich den Eindruck
erweckt haben, daß sich die Vereinigten Staaten einer
irakischen Invasion in Kuwait nicht in den Weg stellen
würden. Ich bin sicher, Sie haben die Berichte gesehen und frage Sie nun, wie Sie darauf reagieren?
Antwort: Meine Reaktion ist identisch mit der des
Weißen Hauses. Meiner Ansicht nach ist die Frage
absurd. Botschafter Glaspie ist eine engagierte Beamtin, die hervorragende Arbeit für ihr Land geleistet hat,
und ich meine, es ist einfach lächerlich, in irgendeiner
Weise zu behaupten, die Vereinigten Staaten hätten
zu der irakischen Invasion in Kuwait beigetragen.
Frage: Man könnte die Frage etwas anders formulieren. Würden Sie nicht zustimmen, daß es vor der
Invasion am 2. August Punkte gab, daß das Wirtschaftsministerium und verschiedene Teile der Regierung - vielleicht sogar Teile des Außenministeriums nicht eine solch harte Haltung gegenüber Saddam
Hussein einnahmen, wie dies später der Fall war?
Antwort: Ich glaube nicht, und ich habe dies vor dem
Kongreß erklärt, und Sie waren ja dort möglicherweise
anwesend. Ich habe drei bestimmte Maßnahmen
angeführt, die wir noch vor den ersten Anzeichen eines
militärischen Aufmarschs getroffen hatten. Wir hatten
Exportkontrollen für den Irak eingeführt. Wir hatten
Schritte eingeleitet, um den Transport oder Export
dieses Ofens zu untersagen, und da war noch eine
Seite 4

Frage: Haben Sie im Rahmen Ihrer Gespräche der
vergangenen 11 Tage irgendwelche Länder- die Europäer, die Bundesrepublik Deutschland, die EG oder
sonst jemanden - gebeten, Hilfsmittel für Syrien ebenso wie für die Türkei Und Ägypten abzuzweigen?
Antwort: Nein, das habe ich nicht getan, weil ich
zunächst prüfen und herausfinden möchte, ob wir
angesichts der Tatsache, daß dieses Land auf der
Terrorismusliste steht, eine solche Maßnahme im
Rahmen geltenden Rechts treffen können. Und zweitens, ob dies als eine politische Angelegenheit ein
Schritt ist, den wir tun sollten. Ich habe mit den Sowjets
über Transportmöglichkeiten für die syrische Division
gesprochen.
Frage: Herr Außenminister, in Ihrer Rede bei der
NATO schlugen Sie vor, daß die NATO-Staaten den
Ländern Osteuropas helfen sollten, die ähnlich wie
Ägypten und die Türkei wirtschaftlich betroffen sind.
Haben Sie diesen Punkt während Ihrer Reise energisch verfochten und ist ein Teil dieser von Ihnen
erwähnten 20 Milliarden Dollar für Polen, Ungarn oder
andere Staaten vorgesehen?
Antwort: Keiner der von mir erwähnten Beiträge ist
bisher für diese Länder vorgesehen, aber ich denke,
ein Teil dieser Gesamtsumme ist noch nicht verplant.
Wir haben über die Schwierigkeiten gesprochen, die
sich für einige der Staaten Mittel- und Osteuropas aus
der Einhaltung der Sanktionen ergeben.
Frage: Während Ihrer gesamten Reise haben Sie zumindest bis heute - kein einziges Mal Jordanien als
einen der Anrainerstaaten genannt, die von dieser
Hilfe profitieren sollen. Ganz gewiß nicht in Zusammenhang mit den arabischen Staaten, die Sie besucht
haben. Betrachten die Vereinigten Staaten Jordanien
in diesem Sinne als Anrainerstaat, der Hilfe verdient,
was ist unsere Haltung? Warum wurde das Land von
der Liste entfernt?

AMERIKA DIENST 37

�Antwort: Die Vereinigten Staaten sind der Auffassung, daß sich Jordanien in einer besonder schwierigen Lage befindet. Wir gehen davon aus, daß Jordanien aufgrund seiner geographischen Lage Nachteile
entstehen. Wir betrachten Jordanien als hilfswürdig,
wenn das Land weiterhin die Sanktionen befolgt und
die volle Durchsetzung der Resolutionen des UNOSicherheitsrats verlangt. Für Jordanien wurden Hilfsmittel der Europäischen Gemeinschaft, insbesondere
aus der Bundesrepublik Deutschland, sowie Mittel aus
Japan vorgesehen.

Antwort: Ich weiß es nicht. Wir müssen abwarten.
Wir haben früher bereits erklärt, daß die Haltung der
Sowjetunion in dieser Angelegenheit von uns und allen
anderen beteiligten Länder begrüßt wurde. Die Sowjets haben öffentlich erklärt, daß sie nur unter dem
Kommando der Vereinten Nationen Truppen in die
Region entsenden würden. Und das haben sie uns
auch in vertraulichen Gesprächen erklärt. Ich meine
also, daß wir abwarten müssen. Die Sowjets haben
jedoch politisch mit uns zusammengearbeitet, und
offengestanden können wir nicht mehr verlangen.

Frage: Wie beurteilen Sie die Chancen für eine
Beteiligung der Sowjetunion an den militärischen
Bemühungen zu Lande - entweder durch Streitkräfte
oder vielleicht Transportmittel?

Frage: Haben Sie um Hilfe beim Luft- und Seetransport gebeten, und haben sie darauf geantwortet?

*

AMERIKA DIENST 37

Antwort: Nur, daß sie darüber nachdenken würden.

* * *

*

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�GOLFKRISE
19. September 1990

DEMOKRATEN UNTERSTÜTZEN BUSHS POLITIK
GEGENÜBER DEM IRAK
Erklärung von Richard Gephardt
WASHINGTON - (AD) - Die demokratische Mehrheit im amerikanischen Kongreß hat am 11. September erklärt,
sie unterstütze die Politik Präsident Bushs gegenüber der Aggression des Iraks. Der Vorsitzende der
demokratischen Fraktion im Repräsentantenhaus stellte in diesem Zusammenhang fest: "Der Präsident hat um
unsere Unterstützung gebeten. Er hat sie." Man könne und werde es "den Invasionstruppen eines fanatischen
Regimes nicht gestatten, die Hälfte der Erdölreserven zu kontrollieren, die für die Weltwirtschaft lebenswichtig
sind".
Die Erklärung von Gephardt hat folgenden Wortlaut.

Ich bin gebeten worden, die Antwort der Demokraten
auf die Ansprache des Präsidenten bekanntzugeben.
Heute abend in dieser Krise sind wir jedoch weder
Republikaner noch Demokraten. Wir sind nur Amerikaner, und darauf sind wir stolz.
Der Präsident hat um unsere Unterstützung gebeten.
Er hat sie. Die Bemühungen werden nicht leicht sein.
Sie schließen Lasten und mutige Taten ein, und dies
vielleicht in größerem Ausmaß, als wir uns das heute
vorstellen können. Das Ende des "langen Kampfes im
Zwielicht", wie Kennedy es nannte, hat der Dunkelheit
von Aggressionen und Konflikten kein Ende gesetzt.
Als Amerikaner treten wir jedoch mit einem bemerkenswerten Maß an Entschlußkraft und Zuversicht in
diese neue Welt ein. In unserem eigenen Land sind
das Gefühl der Geschlossenheit und das Fehlen einer
breiten Opposition gegen diese Aktion am Persischen
Golf Beweise für unsere machtvolle, instinktive Überzeugung, daß diese Sache es wert ist, sich dafür
einzusetzen und zu kämpfen.
Wir setzen uns ein - und werden gegebenenfalls
kämpfen -, weil ein lebenswichtiges nationales Interesse auf dem Spiel steht. Wir können und werden es den
Invasionstruppen eines fanatischen Regimes nicht
gestatten, die Hälfte der Erdölreserven zu kontrollieren, die für die Weltwirtschaft lebenswichtig sind.
Und doch geht es hier um mehr als um nationale
Interessen, so wichtig diese auch sein mögen. Die

AMERIKA DIENST 37

amerikanische Außenpolitik hatte stets eine moralische Komponente, und das muß auch in Zukunft der
Fall sein. Bisweilen wurde dies als Schwäche kritisiert,
aber in Wahrheit ist es unsere größte Stärke. Wenn
unsere Politik einen moralischen Kern hat, erlangen
wir dadurch eine unerschütterliche Entschlossenheit,
die sich auf die Tatsache gründet, daß wir für etwas
einstehen, an das wir glauben.
Wir stehen deshalb heute nicht einfach wegen des Öls
am Golf oder um Emire und Könige zu retten, sondern
um die unerläßlichen Grundwerte einer stabileren und
menschenwürdigeren Welt zu verteidigen. Wir verteidigen Grundrechte - von Familien auf Unverletzlichkeit
der Wohnung, von Nationen auf Sicherheit innerhalb
ihrer Grenzen, von Einzelpersonen auf Freizügigkeit
und Reisen ohne Furcht.
Der Tyrann, der Kuwait verwüstet hat, hat auch seine
eigenen Bürger mit Giftgas ermordet, er hat Pläne zur
Beschaffung von Atomwaffen geschmiedet, Völkermord gegen eine Minderheit begangen und jetzt Tausende von Männern, Frauen und Kindern als Geiseln
genommen.
Ihm auf dem Bildschirm zuzuschauen, wie er die Köpfe
von als Geiseln genommenen Kindern streichelt, erschüttert und empört uns.
Fest, eindeutig und umißverständlich müssen wir
Saddam Hussein sagen: Laß unsere Menschen gehen. Laß Kuwait gehen. Und wenn Sie einen Krieg

Seite 1

�vom Zaun brechen, sollen Sie wissen, daß wir ihn bis
zum Ende führen werden.
Wir haben in der Vergangenheit bereits erfahren, daß
die großen Konflikte, die sich auf die gesamte Welt
ausbreiten, aus kleinen, ungeahndeten Aggressionen
entstehen. Hätte die zivilisierte Welt weggeschaut,
dann hätte die irakische Kriegsmaschinerie die gesamte arabische Halbinsel überrollen können. Es
wäre nur eine Frage der Zeit gewesen, bis der Irak
ballistische Raketen mit chemischen, biologischen und
nuklearen Gefechtsköpfe besessen hätte, die Israel,
Ägypten und selbst Europa erreichen können.
Jetzt aber haben auch andere Staaten rechtzeitig
gehandelt. Zu ihnen gehört die Sowjetunion, ein Land,
das wir in den Jahren des kalten Krieges nicht oft
gelobt haben. Vom Gipfel in Helsinki, auf dem Präsident Gorbatschow und Präsident Bush ihre gemeinsame Entschlossenheit bekundeten, konnten wir über
den heute auf den Nahen Osten fallenden Schatten
des Krieges hinweg eine neue Weltordnung erblicken,
in der die Starken zusammenarbeiten, um Aggressionen abzuschrecken und aufzuhalten.
Genau dies war Franklin Roosevelts und Winston
Churchills Vision vom Frieden für die Nachkriegszeit.
Ihre Hoffnung, die in nahezu fünfzig Jahren des kalten
Krieges in den Hintergrund getreten war, ist in dieser
neuen, nachkommunistischen Ära zu neuem Leben
erwacht.
Die Vereinigten Staaten sind weiterhin die führende
Kraft - die einzige Macht, die in der Lage ist, eine große
und weltweite Allianz von der Größenordnung aufzubieten, wie wir sie bei der Operation Wüstenschild
erleben. Es reicht jedoch nicht aus, wenn andere
Staaten unser Engagement teilen. Sie müssen auch

die Lasten teilen.
Wenn Bangladesh Truppen bereitstellt, um dem Verderben Einhalt zu gebieten, so sollten unsere mächtigen und wohlhabenden Verbündeten dasselbe tun.
Wenn Japan, die Bundesrepublik Deutschland und
andere NATO-Länder wesentlich stärker vom ö l des
Nahen Ostens abhängig sind als wir, dann können und
sollten sie zur Verteidigung ihrer eigenen vitalen Interessen am Persischen Golf beitragen.
Wenn Länder wie Ägypten an unserer Seite stehen
können, wenn junge Amerikaner an der Frontlinie nur
wenige Meilen von der Bedrohung durch Giftgas entfernt stehen, dann ist das Mindeste, was Japaner und
Deutsche tun können, uns zu unterstützen - und nicht
nur mit Worten. Sie müssen auf unsere möglichen
Opfer an Menschenleben zumindest mit eigenen finanziellen Opfern reagieren.
Wir stehen dort, weil es richtig ist. Es ist jedoch ebenso
richtig, unseren Freunden zu sagen, daß auch sie sich
internationaler Verwerflichkeit und Aggression in den

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Weg stellen müssen. Die Vereinigten Staaten werden
ihren Teil dazu beitragen - und wir werden auch darauf
bestehen, daß andere Länder ihren Anteil an diesem
Kampf tragen.
Wir haben unsere Aufgabe noch nicht erfüllt, aber wie
machtvoll sind die Anzeichen für den Anbruch einer
neuen Welt. Heute erleben wir, wie ägyptische und
saudische Soldaten ungarische Gasmasken tragen
oder russische Gewehre, wie sie neben dem Gefreiten
aus Pittsburgh in der Wüste stehen, der in Israel
hergestellte ABC-Schutzkleidung trägt. Die Infamie
Saddam Husseins hat uns in der Tat zu Vereinten
Nationen gemacht.
Damit die Vereinigten Staaten aber letztlich ihrer
Führungsrolle in der Welt gerecht werden können,
müssen wir unsere Wirtschaft in Ordnung bringen.
Denn, wie ein anderer Präsident uns einmal in Erinnerung rief: "Wir können nicht im Ausland stark sein,
wenn wir zu Hause schwach sind."
Seit über einem Jahrzehnt gibt es in den Vereinigten
Staaten keine tragfähige Energiepolitik. Es ist an der
Zeit, für Energiesicherheit zu sorgen - mehr Produktion
und mehr Energieeinsparung, mehr Unterstützung für
neue Brennstoffe. Unser Ziel kann jedoch nicht darin
bestehen, die Vereinigten Staaten reif für den Isolationismus zu machen. Stattdessen müssen wir die
Fähigkeit der Vereinigten Staaten sicherstellen, in
Übersee zu handeln, ohne größere Schäden durch ein
ölembargo zu erleiden. Unser Land muß nicht auf
Dauer mit der Wahl konfrontiert sein, einer Aggression
entgegenzutreten oder lange Schlangen an den Tankstellen zu erdulden.
Wirtschaftliche Stärke erfordert darüber hinaus Maßnahmen gegen das Haushaltsdefizit. Um dem Präsidenten bei der Erarbeitung eines Haushalts zu helfen,
haben wir Demokraten Kürzungen bei bestimmten
Inlandsprogrammen angeboten, während wir gleichzeitig versuchen, die wichtigsten zu schützen. Aber wir
werden niemals die Sache der Arbeitnehmerfamilien
aufgeben. Sie haben am wenigsten von den achtziger
Jahren profitiert, und sie sollten nicht diejenigen sein,
die in den neunziger Jahren am meisten opfern müssen. Sie zahlen bereits an den Staat, ihre Schüler- und
Studentendarlehen wurden bereits gekürzt, und ihre
Söhne und Töchter sind am Persischen Golf in Gefahr.
Auch Präsident Bushs Verpflichtung zur Erhöhung von
Steuern muß mit dem Maßstab der Fairneß betrachtet
werden. Die arbeitende Bevölkerung, die von den
Steuererleichterungen der Vergangenheit fast keine
Vorteile hatte, darf nicht aufgerufen werden, den
Löwenanteil an den Steuererhöhungen von heute zu
tragen. Ebenso wie wir die reichen Nationen auffordern, ihren fairen Anteil zur Abschreckung der Aggression beizutragen, müssen wir die reichen Amerikaner
auffordern, ihren fairen Anteil zu tragen, um eine
Rezession abzuwenden und unsere Schulden zu senken.

AMERIKA DIENST 37

�Darüber hinaus müssen wir energisch an die Gestaltung der Verteidigungspolitik herangehen, die wir heute
benötigen - eine Politik, die zeitgemäßer und reaktionsfähiger ist.
Wir können und werden uns die Systeme leisten, die
für eine Operation im Stile von Wöstenschild entscheidend sind: Panzer, präzisionsgesteuerte Raketen und
schneller Seetransport.
Aber Krieg der Sterne, der B-2 Bomber und die MXRakete sind kostspielige Systeme, die für den kalten
Krieg geplant waren, den wir bereits gewonnen haben.
Wir können und müssen den Teil des PentagonHaushalts reduzieren, der lediglich ein Schattenboxen
mit der Vergangenheit darstellt.
Für uns alle gilt heute abend jedoch die größte Sorge
den grundsätzlichsten Realitäten - den Hunderten von
amerikanischen Familien, die einen Angehörigen haben,
der als Geisel festgehalten wird, den 100 000 jungen
Amerikanern in Uniform: Töchtern, Söhnen, Ehemännern, Ehefrauen und Freunden, die so rasch nach
Saudi-Arabien entsandt wurden. Bei einer Reise in
dieses Land konnte ich vor wenigen Tagen selbst
feststellen, wie sie den weglosen Wüstensand zu einer
Frontlinie der internationalen Verteidigung machten.
Ich sprach mit einem Soldaten, der mir beschrieb, wie
Telefonleitungen in der saudischen Sonne zerschmolzen. Piloten erzählten mir, daß die Temperaturen im
Cockpit bis zu 60 Grad Celsius erreichen.
Ein anderer junger Mann wollte eigentlich am nächsten
Sonntag heiraten. Diese Hochzeit muß warten. Bevor
er seiner Braut zuprostet, muß er jeden Tag über 20

*

AMERIKA DIENST 37

*

Liter Wasser trinken, nur um in der unbarmherzigen
Hitze zu überleben.
Keiner von den jungen Soldaten, mit denen ich sprach,
hatte Zweifel an seinem Auftrag. Sie stellen sich auf
Probleme wie das Eindringen von Sand in Maschinen
oder Getriebe mit jener bemerkenswerten amerikanischen Improvisationsgabe ein und reagieren auf
Rückschläge mit ihrem unverwüstlichen amerikanischen Humor. Am meisten machen sie sich darüber
Sorgen, daß ihre Familien sich Sorgen machen.
Randy King aus Arkansas überreichte mir eine hingekritzelte Botschaft für seine Mutter: "Mir geht's gut.
Keine Probleme. Schreib bitte. Ich liebe Dich, Randy."
Und Ronald Lloyd aus Idaho sprach für die meisten
Soldaten, als er mich bat, seiner Familie auszurichten,
sie solle "Briefmarken und Plätzchen schicken - und
von beidem jede Menge".
Ihr Mut gebietet unsere Unterstützung. Wir werden als
eine unteilbare Nation hinter ihnen stehen.
Wir werden andere Länder dazu auffordern, mit ihrer
Entschlossenheit und Opferbereitschaft gleichzuziehen.
Wir werden versuchen, diese Krise auf friedlichem
Wege zu bewältigen, aber ohne Beschwichtigungspolitik.
Und wenn unsere Soldaten kämpfen müssen, dann
werden wir sicherstellen, daß sie gewinnen.

Heute abend gilt unsere gemeinsame Entschlossenheit und unser Gebet ihnen und unserem Land.

*

*

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                <text>&lt;strong&gt;1. Leben in den USA&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Halloween - Nacht der Hexen und Geister&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Zum 31. Oktober 1962&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Von Kunst und Künstlern&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikaner entdecken den Reiz der bunten Bühnen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Norman Smith&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Kulturnachrichten&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Off-Broadway bringt Frankreich-Importe&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dartmouth College weiht neues Kunstzentrum ein&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Euripides, Ibsen, Shakespeare nud Camus&lt;br /&gt;im amerikanischen Fernsehen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Die Wissenschaft notiert&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Armada der Ozeanographen&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Forschungsschiffe aus 20 Ländern auf Entdeckungsfahrt im Indischen Ozean&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"heiße" Strahlen von den Sternen der Milchstraße&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Einfaches Verfahren zur quantitativen Bestimmung von Beryll&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Katastrophen in der Welt des mikroskopisch Kleinen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Phasenumwandlung unter Druck - direkt beobachtet&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rote Blutzellen unbegrenzt haltbar gemacht</text>
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                    <text>und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

19. Oktober 19ß3

42

INHALT

DOKUMENTATION
Burt:

Sowjets betreiben Angstkampagne im Westen

- Ansprache

des US-Unterstaatssekretärs in Oslo

HINTERGRUNDMATERIAL
Was die Grünen über Amerika nicht vergessen sollten
- Von James Reston -

INFORMATION
William Clark zum Innenminister nominiert
•

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ii

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•

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- Von unserem Korrespondenten Alexander Sullivan Reagan ernennt Robert McFarlane zum neuen nationalen
Sicherheitsberater

i
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
• •

•

"'•

•

LASER-Therapie bai Gefäßerkrankungen

Um Übei/enduna von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�I

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

19. Oktober 1983

42

BURT: SOWJETS BETREIBEN ANGSTKAMPAGNE IM WESTEN
• Ansprache des US-Unterstaatssekretä'rs in Oslo -

OSLO - (AD) - Der Unterstaatssekretär für europäische Angelegenheiten
im amerikanischen Außenministerium, Richard Burt, wies in einer Rede vor Angehörigen des norwegischen Außenministeriums in Oslo am 11. Oktober darauf
hin, daß die Sowjets in der Frage der nuklearen Mittel Streckensysteme (INF)
eine "Angstkampagne

betreiben, die hauptsächlich auf die Einschüchterung

der öffentlichen Meinung im Westen abzielt."

Diese Kampagne solle selbst

gutwilligen Menschen suggerieren, eine Dislozierung von INF-Systemen durch
den Westen bedeute ein Ende der Entspannung,
Die Ausführungen des Unterstaatssekretärs haben folgenden Wortlaut:
Ich sollte vielleicht zunächst in allgemeineren Begriffen über das Verhältnis tischen Ost und West und das amerikanisch-sowjetische Verhältnis
sprechen, das heute in aller Munde ist. Wenn wir uns dem Ende des Jahres
1983 nähern, dann spitzen sich unsere Erörterungen zwangsläufig auf die Frage der nuklearen Mittel Streckensysteme (INF) und auf die Genfer Verhandlungen
zu, und ich bin gerne bereit, heute darüber zu sprechen.
Aber ich

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Aber ich glaube, es ist manchmal wichtig, sich darüber klar zu werden,
daß die INF-Verhandlungen und das INF-Problem nicht das ganze Ost-West-Verhältnis ausmachen.
vergessen dürfen.

Es gibt andere Fragen, die wichtig sind und die wir nicht
Und es ist meiner Meinung nach sehr wichtig, daß wir, da

die Zeit nicht stehen bleibt und wir einen Dialog mit der Sowjetunion führen,
eine ausgewogene Tagesordnung haben und daß wir mit den Sowjets über eine
ganze Vielfalt unterschiedlicher Fragen sprechen.

Und das ist genau das, was

wir in der Reagan-Administration versuchen»
Ich weiß sehr gut, was die Sowjetunion in den letzten drei Jahren zu Leuten, die Moskau besuchen, oder in Seminaren, wo sowjetische Publizisten wie
Herr Arbatow die Gelegenheit haben, zu westlichen Zuhörern zu sprechen, über
die Reagan-Administration gesagt haben.

Die Sowjets pflegen zu sagen, daß

man mit der Reagan-Administration keinen Dialog führen könne; daß wir nicht
an Gesprächen interessiert seien.

Sie behaupten, wir seien an militärischer

Überlegenheit interessiert, und sie - die Sowjets - seien bereit, das Ende
der Reagan-Administration abzuwarten, bis in Washington eine Gruppe von Leuten am Ruder sei, mit denen man reden könne; die vernünftig seien - anders
als diese ganz und gar unvernünftigen Menschen, wie etwa ich.
Ich glaube, es wäre daher ganz nützlich, in wenigen Minuten das darzulegen, was wir in der Reagan-Administration getan haben, um einen Dialog
mit der Sowjetunion herzustellen, und auch einige der Probleme, auf die wir
gestoßen sind. Eine der Schwierigkeiten - und das ist eine strukturelle
Schwierigkeit des Gesprächs mit den Sowjets - ist die, daß die Sowjets normalerweise ihre eigene Tagesordnung haben für das, worüber sie reden wollen,
und häufig sind sie nicht bereit,über irgend etwas anderes zu sprechen.
Was diese Administration - die Reagan-Administration - schon sehr früh
in unseren Gesprächen mit den Sowjets versucht hat, und vor allem durch unsere Gespräche mit dem Außenminister - zuerst durch Außenminister Alexander
Haig und dann durch George Shultz mit Andrei Gromyko - war, nicht nur die
Fragen von Interesse für die Sowjets aufzugreifen - die meist bilateraler

�meist bilateraler Natur sind:

Wie etwa der Handel mit moderner Technologie

und Getreide, den die Sowjetunion für ihre eigenen Zwecke nutzen kann, gefördert werden könnte - oder Rüstungskontrolle.

Wir versuchten vielmehr, über

regionale Probleme zu sprechen, die uns angehen.

Wir wollten über Afghanistan

sprechen, und warum es notwendig ist, daß die Sowjetunion dort eine Streitmacht von 100 000 sowjetischen Soldaten hält. Wir wollten über das südliche
Afrika sprechen.

Wir wollten fragen, warum die Sowjetunion einer Lösung der

Namibia-Frage im Wege steht, die dem Lande die Unabhängigkeit geben und zum
Abzug der kubanischen Truppen aus Angola führen würde.
über Mittelamerika sprechen.

Und wir wollten auch

Wir waren bereit, unsere Politik dort darzule-

gen, aber wir wollten wissen, warum die sowjetischen Waffenlieferungen an
Kuba um 200 Prozent gestiegen sind und wie das mit dem angeblichen sowjetischen
Wunsch nach Stabilität in Mittelamerika und in der Karibik vereinbar sei.
Wir wollten also auch über regionale Probleme sprechen, weil, wenn man
auf die Erfahrungen der letzten 15 Jahre zurückblickt - eine Periode, die wir
gerne als Entspannung bezeichnen - dies, ganz offen gesagt, eine Periode war,
in der Abkommen erreicht wurden.
Bei vielen Gelegenheiten gab es die regionale Aktivität der Sowjets die Darstellung sowjetischer Militärmacht, entweder durch Stellvertreter
wie die Kubaner

oder direkt durch eigene Streitkräfte oder durch Freunde

und Verbündete wie Vietnam in Südostasien.

Das hat eine Reaktion hervorge-

rufen - eine innenpolitische Reaktion in den Vereinigten Staaten.

Und das

erschwerte es uns, Unterstützung für andere Gebiete der Konsultation - außerhalb der Rüstungskontrolle - zu finden.

Und wir waren auch daran interes-

siert - das wird manchmal vergessen -, über die Menschenrechte zu sprechen.
Es ist für westliche Demokratien, wie ich meine, wohl sehr schwer, die systematische Verletzung der Menschenrechte in der Sowjetunion einfach zu übersehen.

Das heißt keineswegs, daß wir die Legitimität der Sowjets in Frage

stellten, und es bedeutet auch nicht, daß wir das politische System in der
Sowjetunion stürzen wollen.

Aber es ist schwer, die Tatsache zu ignorieren,

daß ein Land, das die Schlußakte von Helsinki unterzeichnet hat, dann die

- 3 -

�dann die Menschen ins Gefängnis wirft, die die Einhaltung dieser Übereinkommen in der Sowjetunion überwachen wollen.

Es ist schwer, zu ignorieren,

daß Mitglieder der sowjetischen Friedensbewegung in psychiatrische Kliniken
gesperrt werden.

In den Vereinigten Staaten gibt es auf jeden Fall Leute,

die an der Menschenrechtssituation in der Sowjetunion interessiert sind, und
über diese Dinge müssen wir mit den Sowjets sprechen.
So wichtig die Rüstungskontrolle also ist - und sie ist sehr wichtig -,
so wollte ich Ihnen doch zu Beginn klarmachen, daß wir in unserem Dialog mit
der Sowjetunion über mehr sprechen müssen als Rüstungskontrolle. Und wenn
wir einen echten Dialog aufrechterhalten wollen - einen Dialog, in dem wir
Fortschritte erzielen können -, dann müssen wir auch diese anderen Fragen anschneiden und erörtern. Das ist genau das, was wir während der letzten zwei
Jahre getan haben. Während des letzten Jahres gab es schließlich Anzeichen,
daß ein gewisser Fortschritt einsetzen würde. Sie kennen sicherlich die Tatsache, daß die Gruppe der Pentecostalisten, die sich mehrere Jahre lang im
Untergeschoß der amerikanischen Botschaft aufhielt, im letzten Jahr freigegeben wurde und die Sowjetunion verlassen durfte. Das war ein positives Zeichen.
Sie kennen sicherlich die Tatsache, daß wir eine schwierige Lage anpackten
und mit der Sowjetunion über ein neues Getreideabkommen verhandelten. Und das,
so meine ich, ging auf die sowjetischen Anliegen auf dem Gebiet der Wirtschaft
und des Handels ein. Aber um ganz frei und offen zu Ihnen zu sein, während
der letzten drei Monate etwa ist alles sehr viel schwieriger geworden. Zum
Teil hat das, dessen bin ich sicher, mit dem Zwischenfall mit dem koreanischen
Linienflugzeug zu tun, der nicht nur in den Vereinigten Staaten und in anderen
Ländern eine starke innenpolitische Reaktion hervorrief, sondern auch die
Sowjets offensichtlich in die Defensive versetzte. Sie scheinen jetzt eine
sehr negative Einstellung gegenüber den Besorgnissen der öffentlichen Meinung
der Welt eingenommen zu haben. Sie weigern sich nicht nur, sich für diese
Aktion zu entschuldigen, sondern sie würden, wie der sowjetische Außenminister
auf der Abschlußsitzung der KSZE-Folgekonferenz in Madrid in seiner Ansprache
erklärte, es wieder tun, wenn wieder die gleichen Umstände einträten.

Aber natürlich

�Aber natürlich hat nach meiner Ansicht die gegenwärtige sowjetische
Haltung auch wesentlich mit INF zu tun.

Und hier, so meine ich, müssen wir

sorgfältig überlegen, wie wir das sowjetische Verhalten einschätzen und beurteilen wollen.

Ich bin der festen Überzeugung, daß die Sowjetunion eine

Angstkampagne betreibt, die hauptsächlich auf die Einschüchterung der öffentlichen Meinung im Westen abzielt.

Und diese Angstkampagne bezweckt nichts

anderes, als die Menschen im Westen - ehrliche und gutwillige Menschen im
Westen - davon zu überzeugen, daß die Dislozierung von INF-Systemen durch
den Westen das Ende der Entspannung bedeute; daß es den Beginn einer neuen
Periode der Krise und Konfrontation in den Ost-West-Beziehungen bedeute.
Das ist der Hauptzweck dieser Angstkampagne gegen die Dislozierung.
Welche Formen hat diese Angstkampagne angenommen?

Die Sowjets haben

gedroht, daß sie vor oder während der Dislozierung den Verhandlungstisch
verlassen könnten.

Das ist meiner Meinung nach eine merkwürdige Drohung.

Es ist eine merkwürdige Drohung, denn die Vereinigten Staaten haben über
zwei Jahre lang - mit Unterstützung ihrer Verbündeten - unter dem ständigen
drohenden Schatten der Dislozierung der SS-20 verhandelt.

Während der Ver-

handlungen wurde jede Woche durchschnittlich eine neue SS-20 aufgestellt.
Wir haben jedoch niemals angedroht, den Verhandlungstisch zu verlassen.

Es

ist also zumindest ungewöhnlich, daß die Sowjetunion mit einiger Glaubwürdigkeit vorbringen könnte, daß sie den Verhandlungstisch verlassen würde,
wenn die Vereinigten Staaten mit der Dislozierung beginnen würden.
Bedeutet das, daß die Sowjets ihn nicht verlassen werden?

Ich weiß

es nicht. Aber ich bin der Überzeugung, daß sie, wenn sie sich entschließen
sollten, den Verhandlungstisch zu verlassen, wieder zurückkehren werden.
Wir unsererseits - seitens des Bündnisses - sind bereit

weiterzuverhandeln.

Wir haben in gutem Glauben verhandelt, während die Zahl der SS-20 sich mehr
als verdoppelte.

Wir werden weiterhin verhandeln, in der Hoffnung, daß wir

ein Abkommen erreichen, ehe die Dislozierungen beginnen - und auch wenn sie beginnen, werden wir weiterhin verhandeln.
als er im Juni in Norwegen war:

Wie Vizepräsident Bush gesagt hat,

"Was wir einbringen, kann auch herauskommen."

Mit anderen Worten, wir wären absolut bereit, ein Abkommen auszuhandeln, das
- 5 -

�auszuhandeln, das nachher den Abzug von INF-Systemen vorsieht, falls die Dislozierung notwendig wird.
Aber die sowjetische Angstkampagne hat nicht nur die Form der Androhung
angenommen, den Verhandlungstisch zu verlassen.

Sie hat auch die Form ange-

nommen, anzudrohen oder anzudeuten, daß Gegendislozierungen vorgenommen werden
könnten.

Der erste Punkt, der zu Gegendislozierungen anzumerken wäre, ist

der, daß sie völlig unnötig sind.

Die Sowjetunion hat bereits überrüstet.

Die Sowjetunion besitzt bereits Tausende nuklearer Gefechtsköpfe, die sie gegen Ziele in Europa einsetzen kann.

Und, offen gesagt, eines der verwir-

rendsten Dinge für uns ist die Frage, warum die Sowjetunion dieser Überfülle
an militärischer Kapazität braucht?
Ich halte es für wichtig, auf einige wenige wesentliche Tatsachen hinzuweisen. Erstens, es ist keineswegs so, daß die Sowjetunion mit der Modernisierung oder Dislozierung von Kurzstreckensystemen in Osteuropa beginnen könnte, wenn der Westen disloziert. Sie hat nämlich bereits damit begonnen. Die
Sowjetunion hat seit Jahren Kernwaffen mit kürzerer Reichweite in Osteuropa
stationiert. Die Sowjets haben Kernwaffen in Osteuropa gelagert. Und sie
haben bereits damit begonnen, sie durch neuere Systeme, wie die SS-21, zu
ersetzen. Man kann also nur sehr schwer argumentieren, die Sowjets würden
etwas anderes tun, als sie es ohnehin bereits tun, wenn die Vereinigten Staaten mit der Dislozierung beginnen. Das Problem, vor dem die Sowjetunion
steht, ist, daß die Androhung von Gegendislozierungen an Glaubwürdigkeit verlieren könnte, weil sie auf militärischem Felde ohnehin bereits so viel tut.
Es ist einigermaßen schwer, ein Gebiet zu finden, auf dem die Sowjets nicht
bereits etwas unternehmen.
Ich glaube nicht, daß die Welt ein gefährlicherer Ort sein wird, wenn
die Vereinigten Staaten gezwungen wären, Ende dieses Jahres mit der INF-Dislozierung zu beginnen. Ich bin überzeugt, daß wir ein INF-Abkommen erreichen
werden. Wir hoffen, daß wir es vor Beginn der Dislozierung erreichen. Und
wenn nicht, dann sollten wir uns bemühen, nach Beginn der Dislozierungen zu

- 6 -

�Dislozierungen zu einem Abkommen zu gelangen.

Ich bin überzeugt, daß die

Sowjets, wenn wir im Bündnis eine feste kollektive Haltung bewahren, wenn
wir ruhig und fest auftreten, schließlich nach Genf kommen und bereit sein
werden, ernsthaft zu verhandeln aus der Einsicht heraus, daß dort der Ort
ist, um das Problem der Rüstungskontrolle in Europa anzupacken.

+ + + + +

- 7 -

�19. Oktober 1983

WAS DIE GRÜNEN ÜBER AMERIKA NICHT VERGESSEN SOLLTEN
- Von James Reston -

Übersetzung eines Artikels aus
"The New York Times"
Copyright 1983 The New York Times
Company.

WASHINGTON - (AD) - Amerika und die Bundesrepublik haben keine leichten
Tage

vor sich - und dazu gehören zwei wichtige Themen:
Für die kommende Woche plant die Führung der westdeutschen "Friedensbe-

wegung", bis zu zwei Millionen Menschen auf die Straßen zu bringen, um gegen
die Stationierung amerikanischer Marschflugkörper und PERSHING II-Atomraketen
in ihrem Land zu protestieren.
Und am 21. November wird der Bundestag darüber abstimmen, ob er diese
Anstrengungen zur Herstellung eines Gleichgewichts atomarer Macht in Europa
billigen oder zurückweisen soll.
Bundespräsident Carstens war in Washington und sagte zu allen, man solle
sich nur keine Sorgen machen.

Er sprach vor beiden Häusern des Kongresses,

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�des Kongresses, traf sich während eines Frühstücks im Watergate-Hotel mit
der Presse und ludt zu einem vollendeten Diner ein, für das Wild und andere
Delikatessen aus der Bundesrepublik eingeflogen wurden; auch Vizepräsident
Bush nahm teil.
Die Presse machte sich weder Sorgen, noch schenkte sie dem allem überhaupt viel Aufmerksamkeit.

Nicht so das Weiße Haus und Larry Eagleburger im

Außenministerium, der sich hier schon seit Jahren als Katastrophenbewältiger
betätigt.
Bitten aus Bonn und von anderen Regierungen entsprechend, erweiterte
Präsident Reagan zum drittenmal seine Vorschläge für einen Nuklearkompromiß
mit den Sowjets in Genf - obgleich es bislang aus Moskau dafür nichts weiter
als ein "Njet" gab.

Und auch die Führung der westdeutschen "Friedensbewegung"

hatte keinerlei Anerkennung dafür übrig, daß Präsident Reagan diesen Versuch
unternahm und dafür noch nicht einmal das leiseste Echo von Jurij Andropow
erhielt.
Man würde gerne wissen, ob die Grünen in der Bundesrepublik etwas von
den amerikanischen Bemühungen wissen, die Kernwaffen zu kontrollieren oder
wenn möglich sogar abzuschaffen- Sie sollten sich darüber informieren und
einmal über die geographische Lage Washingtons nachdenken. In dieser Stadt
gibt es zwei Anhöhen, nicht nur eine: die politische - das ist der Kapitolhügel - und auch eine geistige, beherrscht von der "Washington Cathedra!".
Und vergangenen Sonntag wurde dort, wie üblich, für den Frieden gebetet,
Mr. Bush selbst auf der Kanzel: für die Nationen dieser Welt, für ihre
Völker und ihre Führungen, dafür, daß Gerechtigkeit und wahrer Friede zwischen ihnen erwachsen möge, daß Nachsicht und Geduld sich unter ihnen breitmache - Erhöre uns, 0 Herr!
Die Grünen brauchen uns in Amerika keine Lektion über Frieden, Barmherzigkeit und Versöhnung zu erteilen.
In uns

- 2 -

�In uns allen steckt ein kleiner "Grüner". Aber Amerika hat den MarshallPlan zum Wiederaufbau Europas nicht verabschiedet und hat nicht 300 000 seiner
Soldaten schon seit zwei Generationen zwischen der Nordsee und der Elbe stationiert, um sich sagen zu lassen, daß sie irgendwie nicht unsere gemeinsame
Zivilisation verteidigen würden, sondern eine Gefahr für den Frieden wären.
Sollte Amerika je zu der Überzeugung gelangen, dies sei die Einstellung
Europas - daß Europa zwar amerikanische Truppen wolle, aber nicht bereit sei,
ihnen die Waffen zu geben, um sich und ihre Verbündeten zu verteidigen -,
dann würde Amerika sicher nicht damit einverstanden sein, seine Truppen dort
als Geiseln einer überlegenen sowjetischen Raketenmacht zu belassen.
Dieser Punkt muß gegenüber den Freunden Amerikas in der westdeutschen
Friedensbewegung vorgebracht werden. Zweimal, 1914 und 1939, hat Europa uns
erklärt, daß die Weltkriege hätten verhindert werden können, wenn Amerika
sich nur rechtzeitig für die Verteidigung der westlichen Zivilisation engagiert hätte.
Nun, nachdem wir uns verpflichtet haben, erklärt man Amerika - zumindest viele Leute in Europa tun das -, daß es bei dem gegenwärtigen Konflikt
nicht um die Verteidigung der Zivilisation oder einer Lebensphilosophie
geht, sondern lediglich um den Machtkampf zwischen zwei schwerfälligen Giganten.
Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein. Die Vereinigten
Staaten sind kein imperialistisches Land. Wenn überhaupt, dann sehnen sie
sich - wie die Grünen in Westdeutschland - nach Isolation und nach der nicht
erreichbaren Traumwelt eines perfekten Friedens.
Jedes Land träumt den Traum einer perfekten Sicherheit.

Ohne Zweifel er-

träumt Westdeutschland den Tag, da die geteilte Nation wiedervereint sein wird.
Wenn Amerika am Mississippi geteilt wäre, mit einer feindseligen Macht am
westlichen Ufer, dann würde es nicht schlafen, bis es wiedervereint wäre.

- 3 -

Wir verstehen

�Wir verstehen die Träume der Grünen, aber es gibt keine perfekte Sicher
heit.

Es gibt nur das ständige Bemühen - mit Freunden auf unserer Seite,

wobei wir unser Bestes tun und zu begreifen suchen, wohin es geht und wer
zu uns steht.
Als wir Bundespräsident Carstens und seinen Mitarbeitern zuhörten,
hatten wir das Gefühl - wie das schon bei Bundeskanzler Kohl und Bundeskanzler Schmidt vor ihm der Fall war -, daß sie den tragischen Bürgerkrieg
des Westens in den letzten beiden Weltkriegen verstanden haben und entschlossen sind, nicht nur ihr Land, sondern auch unsere gemeinsame Zivilisation zu verteidigen.
Aber irgendwie sind sie sich auch darüber im klaren, daß die vielleicht intelligentesten und idealistischsten Mitglieder unserer Gesellschaften - in der Bundesrepublik wie in den Vereinigten Staaten - in der
Auseinandersetzung um die nukleare Bedrohung keine andere als eine ideale
Lösung tolerieren können.
Man hat Verständnis.

Aber die Demonstrationen und die Entscheidung

des Bundestages werden uns viel darüber sagen, ob das Bündnis Bestand haben
kann.

Oder ob - sollte dies nicht der Fall sein - die isolationistischen

Impulse in Amerika, die unter der Oberfläche schwelen, die westliche Welt
erneut teilen werden.

+ + + + +

- 4 -

�19. Oktober 1983

42

WILLIAM CLARK ZUM INNENMINISTER NOMINIERT
Von unserem Korrespondenten Alexander Sullivan

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan nominierte am 13. Oktober 1983
seinen Berater für nationale Sicherheit, William Clark, zum neuen Innenminister.
Diese Ankündigung war für Washington und für fast das gesamte Weiße
Haus eine Überraschung.

Sollte Clark vom Senat bestätigt werden, würde er

James Watt in dessen Eigenschaft als Verantwortlicher unter anderem für die
Nationalparks, Naturschutzgebiete und die Entwicklung der Energiequellen vor
den Küsten Amerikas nachfolgen.
Clark, kalifornischer Rancher und früher Richter am Kassationsgericht
von Kalifornien, diente als Berater des Präsidenten für Fragen der nationalen Sicherheit

und Direktor des Nationalen Sicherheitsrates und war vor-

her Stellvertretender Außenminister.
Der Präsident

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Telex: 8-85432

�Der Präsident gab seine Absicht zur Nominierung Clarks zum Innenminister selbst bekannt, um zu verhindern, daß dies erst, wie in Washington
nicht selten der Fall, über die Bürokratie "durchsickert".
Der Stellvertretende Pressesprecher des Weißen Hauses, Larry Speakes,
wies Presseberichte zurück, wonach eine Kluft zwischen Clark und Außenminister Shultz bei der Entscheidung des Präsidenten eine Rolle gespielt habe.
Entschieden sei auch noch nicht, wer die Stelle Clarks einnehmen werde;
Clark werde in seiner derzeitigen Funktion ohnehin noch tätig sein, bis er
vom Senat als Innenminister bestätigt werde.
Speakes erklärte, Clark sei vor zwei Jahren nach dem Rücktritt von
Richard Allen als Berater für nationale Sicherheit "in einer kritischen
Zeit an eine wichtige Stelle getreten".

Damals habe Reagan eine Reorgani-

sation der Arbeitsweise des Sicherheitsrates gewünscht.

Zwei Jahre später

habe Clark nunmehr den Eindruck, "die Richtung des Apparates des Nationalen
Sicherheitsrates ist nunmehr die vom Präsidenten gewünschte."
Präsident Reagan erklärte, er habe Clark zum Innenminister vorgeschlagen, da er ihn seit langem kenne, sie zusammen im Dienste des Bundesstaates
Kalifornien gestanden hätten und Clark als Rancher aus dem Westen mit den
Problemen des Innenministeriums vertraut sei und mit solchen auch fertigwerden könne.

+ + + + +

�19. Oktober 1983

42

REAGAN ERNENNT ROBERT MCFARLANE ZUM NEUEN NATIONALEN SICHERHEITSBERATER

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat am 17. Oktober 1983 den bisherigen amerikanischen Sonderbeauftragten für den Nahen Osten, Botschafter Robert
McFarlane, zu seinem neuen Berater für Fragen der nationalen Sicherheit ernannt.

McFarlane tritt die Nachfolge von William Clark an, der in der vori-

gen Woche zum neuen Innenminister der USA berufen worden war.
McFarlane war schon unter drei amerikanischen Präsidenten im Weißen Haus
mit Sicherheitsfragen betraut. Bevor ihm Präsident Reagan im Juli dieses
Jahres die schwierige Aufgabe eines Sonderbeauftragten für den Nahen Osten
übertrug, war er seit Januar 1982 Stellvertreter von Sicherheitsberater Clark.
Bei der Bekanntgabe der Ernennung sagte Präsident Reagan vor Pressevertretern, er halte McFarlane in "idealer Weise" für den neuen Posten qualifiziert. Der amerikanische Präsident würdigte die Verdienste seines neuen
Sicherheitsberaters und betonte, McFarlane habe "sein äußerstes Vertrauen
und seine Achtung" gewonnen. Er bringe für sein neues Amt "einen reichen
Schatz an Erfahrung und Können" mit sich. Reagan sagte, er habe mit McFarlane
einen Mann gefunden, der mehr als nur Erfahrung einbringe. Er habe für den
zu besetzenden Posten eine Persönlichkeit gesucht von "kühnem Urteilsvermögen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
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Telex: 8-85432

�"kühnem Urteilsvermögen

- jemanden, der die Aufgaben des Nationalen Sicher-

heitsrates in wirksamer Weise lösen kann.

Er (McFarlane) teilt meine Ansich-

ten hinsichtlich der Notwendigkeit eines starken Amerikas und einer wirksamen
überparteilichen Außenpolitik, die sich auf Frieden durch Stärke gründet."
Der neue Sicherheitsberater dankte Präsident Reagan für das ihm ausgesprochene Vertrauen.

Er sagte, er werde alles tun, um die Ziele Reagans hin-

sichtlich der nationalen Sicherheit der USA verwirklichen zu helfen.

Er sei

der festen Überzeugung, daß Präsident Reagan "uns auf einen Kurs gebracht hat,
der beweisen wird, daß...

der Westen seine Interessen klar definieren, sie

verteidigen und aufzeigen kann, daß Freiheit, Demokratie und freies Unternehmertum die Hoffnung der Zukunft sind."
McFarlane hat Konteradmiral John Poindexter zu seinem Stellvertreter
als Direktor des Sicherheitsstabes ernannt.

Die Verbindung zwischen den bei-

den geht auf die Zeit zurück, als sie vor 25 Jahren die amerikanische Marineakademie besuchten.

Konteradmiral Poindexter hatte auch schon Clark in dessen

Eigenschaft als Sicherheitschef beraten.

Ein Verfechter der "Teamarbeit"
Der neue Sicherheitsberater gilt als ein Verfechter der "Teamarbeit".
Er bewies dies, als er in den vergangenen Monaten unermüdlich daran arbeitete,
die im Nahen Osten engagierten Parteien zu einer friedlichen Lösung des LibanonKonfliktes zu bewegen. Er legte dabei die Fähigkeit an den Tag, diese Parteien
zu einer Zusammenarbeit zu bringen und sich über eine relativ akzeptierbare
Waffenruhe zu einigen.
McFarlane ist 46 Jahre alt und gilt als ruhig und besonnen. Er hat im
amerikanischen Marinekorps gedient, war Oberstleutnant, absolvierte die amerikanische Marineakademie und studierte internationale Beziehungen in Genf.
Bevor er dem Stab des Nationalen Sicherheitsrates unter Kissinger im Jahr 1973

- 2 -

�im Jahr 1973 beitrat, war er als Berater des Weißen Hauses für juristische
Fragen tätig.

1977 und 1978 führte er an der National Defense University in

Washington Forschungsaufgaben durch und gehörte dann dem Stab des Militärausschusses des amerikanischen Senats an.

Im Januar 1981, als Präsident Reagan

sein Amt übernahm, wurde McFarlane Rechtsberater des amerikanischen Außenministeriums.

In dieser Eigenschaft lernte er William Clark kennen, der da-

mals Stellvertretender Außenminister war.
In Washington ist man überzeugt, daß McFarlane aufgrund seiner Erfahrung unverzüglich den vielfältigen Bereich der nationalen Sicherheitsfragen
in den Griff bekommen wird, einschließlich des Nahen Ostens und des Problems
der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen.

+ + + + +

- 3

�19. Oktober 1983

42

LASER-THERAPIE BEI GEFÄSSERKRANKUNGEN

- (AD) - Als "verheißungsvoll" bezeichnen Kardiologen des Klinikums der
Stanford-Universität (Stanford, Kalifornien) erste Ergebnisse der Anwendung
von LASER-Strahlen zur Behandlung bestimmter Erkrankungen des Gefäßsystems.
Seit März 1983 führen sie erste klinische Versuche durch, um mit einem von
ihnen als LASER-Angioplastie bezeichneten Verfahren bei Patienten blockierte
Blutgefäße im Bein wieder durchgängig zu machen. Dr. Robert Ginsburg, Assistenzprofessor für Medizin an der kardiologischen Abteilung, gab bekannt,
daß der erste wissenschaftliche Bericht über Durchführung und Ergebnisse des
Verfahrens in Kürze veröffentlicht werde. Er ist von Dr. Ginsburg, Dr. Diana
Guthaner, Dr. R. Scott Mitchell und Dr. Norman Shumway verfaßt.
Die Autoren beschreiben u.a. den Fall eines 62jährigen Patienten, bei
dem chirurgische Eingriffe zur Behandlung der schweren Durchblutungsstörungen im linken Bein infolge von verbreiteten Cholesterinablagerungen versagt
hatte und weitere Operationen nicht möglich gewesen seien.

Vor der nun

drohenden Amputation versuchten die Ärzte, mit Hilfe der LASER-Angioplastie
vielleicht doch noch die Durchblutung zu verbessern.

Es gelang.

"Dies ist

die einzige Patientengruppe, bei der wir das Verfahren gegenwärtig anwenden",

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D 5300 Bonn 2
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�gegenwärtig anwenden", sagt Ginsburg.

Krämpfe und Schmerzen im Bein berei-

teten solchen Patienten große Beschwerden.

Mit der LASER-Angioplastie biete

sich jetzt eine Methode, "dem Patienten eine gewisse Erleichterung zu bringen, ohne daß er ein besonderes Risiko eingehen muß". Starkes Rauchen und
Diabetes seien zwei der häufigsten Ursachen für solche schweren Durchblutungsstörungen.

Der an die Stanford-Klinik überwiesene Patient war, wie Prof.

Ginsburg berichtet, voll darüber informiert worden, daß das Verfahren noch
nicht routinemäßig angewandt, sondern erst klinisch erprobt werde.
Einen Tag nach der Behandlung konnte er nach Hause entlassen werden und
benötigte nur noch Aspirin als Medikament.
hatten befriedigende Ergebnisse:

Bisherige Kontroll Untersuchungen

Der sog. Ruheschmerz und nächtliche Schmer-

zen waren nicht mehr aufgetreten, allerdings kam es.nach längerem Gehen (über
ca. 250 bis 300 m) zu einer gewissen Ermüdung des Beines. Ginsburg verweist
darauf, daß noch sehr viel mehr grundlegende und klinische Daten erforderlich
seien, ehe man das Verfahren allgemein einführen und routinemäßig anwenden
könne.
Es stelle

eine Ergänzung zur Bypass-Operation und zum Ballonkatheder

dar, der bereits weite Verbreitung gefunden habe, um Blutgefäße wieder besser
durchgängig zu machen und Ablagerungen in ihrer Höhe zu verringern oder in
ihrer Form zu verändern, erklärte Ginsburg.

Im Gegensatz dazu werde die Ab-

lagerung unter der Einwirkung von LASER-Energie aufgelöst,

"LASER-Angioplastie

ist nicht dafür gedacht, die anderen Verfahren zu ersetzen, sondern die Wahlmöglichkeiten im Einzelfall zu vergrößern und damit allgemein die Erfolgsaussichten einer Behandlung zu verbessern".
Für November ist ein internationales Symposium über "Neuerungen in der
Behandlung von Herz- und Gefäßkrankheiten" vorgesehen, das Prof. Ginsburg
leiten wird. Dabei wird der Einsatz von LASER-Energie sowohl zur Beseitigung
von Ablagerungen als auch zur Koagulation behandelt, um beispielsweise den
Austritt von Blut aus undichten Gefäßen zu stoppen. Damit wurde neben der
Anwendung bei bestimmten Augenkrankheiten, Magen- und Darmerkrankungen, Ohren-

�Darmerkrankungen, Ohren- und Kehl köpferkrankungen, in der Dermatologie, Gynäkologie, Neurochirurgie und sogar Onkologie (Geschwulstbehandlung) ein weiteres Gebiet für LASER in der Medizin eröffnet, allerdings noch nicht erschlossen.
Welche LASER-Art, welches Energieniveau, welche Wellenlänge und welches
leitende Material jeweils verwendet werden, hängt von den Erfordernissen der
Behandlung ab.

Die Kardiologen entschlossen sich für den Argon-LASER auf-

grund der guten Absorption der Substanz durch rotes Pigment wie z. B. Hämoglobin, die relativ einfache Leitbarkeit durch winzige Glasfasern und die Verfügbarkeit der Instrumente auf dem Markt.

Die Fasern werden durch einen Kathe-

der unter Röntgenkontrolle zur Blockierungsstelle geführt, was man am StanfordKlinikum für vorteilhafter als jene Methoden hält, mit deren Entwicklung sich
Forscherteams an anderen amerikanischen Instituten befassen.

Zu den Vorteilen

der LASER-Anwendung zähle, wie Ginsburg erklärte, die Möglichkeit, Menge und
Richtung der zur Behandlung eingesetzten Energie exakt zu steuern, chirurgische Eingriffe zu vermeiden und relativ unzugängliche Partien im menschlichen Körper zu erreichen.

Zur Absicherung gegen eine unbeabsichtigte Ver-

letzung der Gefäßwand (bzw. eine Perforation) verwendeten Ginsburg und Mitarbeiter bei ihren klinischen Versuchen bisher einen mit einem Ballon ausgerüsteten Katheter, damit im Fall einer Perforation der Gefäßwand die Leckstelle mit dem Ballon vorübergehend abgedichtet werden kann.
Ober die längerfristigen Auswirkungen von LASER-Energie auf Gefäßwandungen und atherosklerotische Läsionen wisse man jedoch, wie Ginsburg betont,
noch sehr wenig.

Auch habe man noch nicht das ideale System zur Abgabe der

Energie am Schadensort gefunden - insbesondere bei sehr kleinen oder stark
gewundenen Arterien.

Sobald diese Probleme gelöst seien, könne man daran

gehen, das Verfahren zur Korrektur bestimmter Herzdefekte bei Babies und bei
Unregelmäßigkeiten des Herzschlages bei Erwachsenen anzuwenden.

+ + + + +

- 3 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Burt: Sowjets betreiben Angstkampagne im Westen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ansprache des US-Unterstaatssekretärs in Oslo -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Was die Grünen über Amerika nicht vergessen sollten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von James Reston -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;William Clark zum Innenminister nominiert&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von unserem Korrespondenten Alexander Sullivan -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan ernennt Robert McFarlane zum neuen nationalen Sicherheitsberater&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;LASER-Therapie bei Gefäßerkrankungen</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
VoN^

19. Oktober 1988

38

INHALT

DOKUMENTATION
Yeutter; Amerika muß Handelshemmnisae für Hochtechnologie
bekämpfen
- Rede vor Vertretern der Halbleiterindustrie -

HINTERGRUNDMATERIAL
DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988

Bush und Dukakis bekennen sich zu politischen Unterschieden
- Artikel über das letzte Fernsehduell der Präsidentschaftskandidaten

WIRTSCHAFT

Warum das Händeringen ein Ende haben muß
- Von Clayton Yeutter und Richard Lyng -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
'VON

Dokumentation

^

19. Oktober 1988

38
YEUTTER:

AMERIKA MUSS HANDELSHEMMNISSE FÜR HOCHTECHNOLOGIE BEKÄMPFEN
- Rede vor Vertretern der Halbleiterindustrie -

WASHINGTON - (AD) - In seiner Rede vor der "Dataquest"-Konferenz der Halbletterindustrie in San Diego erklärte der amerikanische Handelsbeauftragte
Clayton Yeutter, die Vereinigten Staaten müßten gegen Länder vorgehen, die
Entwicklungen im Bereich der Hochtechnologie in wettbewerbsverzerrender Art
uni Weise fördern und dürften sie nicht etwa nachahmen. Er verwies auf Erfolge seiner Behörde bei der Bekämpfung ausländischer Subventionen, staatlicher
Unterstützung und Marktzugangsbeschränkungen beim Handel mit Hochtechnologie,
erklärte aber, "es muß noch viel mehr getan werden. Wir dürfen nicht der Versu:hung erliegen, mit unseren Handelspartnern in einen eskalierenden Krieg
st'indig zunehmender staatlicher Einmischung in den Handel mit Hochtechnologie
ei lzutreten".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede im Wortlaut:

Es ist mir eine Ehre und ein Vergnügen, heute an der "Dataquest "-Konferenz in San Diego teilnehmen zu
körnen. Da es sich hier um eine Zusammenkunft von Hochtechnologie-Experten handelt, möchte ich diese Gelegenheit ergreifen, um auf einige
der wichtigsten Probleme einzugehen,
di&lt;! insbesondere beim Handel mit
Hochtechnologie auftreten.
Der Bereich der Hochtechnologie
ist eine der schwierigsten Herausforderungen in der Handelspolitik. Das
sclwindelerregende Tempo, in dem sich
di2
Technologie
weiterentwickelt,
stallt Wirtschaftspolitiker vor neue
Herausforderungen. Und auf der ganze I Welt sind Regierungen an der Entwitklung der Hochtechnologie auf eine
Art und Weise beteiligt, die den

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Wettbewerb
verzerrt
schafft, die unserer
dringend bedürfen.

und
Probleme
Aufmerksamkeit

Diese Probleme nehmen in unterschiedlicher Form Gestalt an - als
Subventionen,
verschiedene
Formen
zielgerichteter
staatlicher
Unterstützung, als restriktive Maßnahmen
zur Einschränkung des Marktzugangs
und unfaire oder nicht wettbewerbsfähige Marktpraktiken. Aber sie haben
Beispielcharakter und spiegeln die
starke Einflußnahme von Regierungen
In den Handel mit Hochtechnologie in
der Vergangenheit wie auch heute wider.
Wir unternehmen sowohl auf bilateraler als auch auf multilateraler
Ebene erhebliche Anstrengungen, um

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�dieses Problem in den Griff zu bekommen. Wir haben bereits Erfolge erzielt, es muß aber noch viel mehr getan werden. Die Bedeutung dieser Anstrengungen darf nicht unterschätzt
werden. Es wird von ihren Ergebnissen abhängen, ob der Handel mit Hochtechnologieerzeugnissen von der Kreativität der Ingenieure und Unternehmer und den Wettbewerbskräften freier
Märkte oder von den "bodenlosen Tascnen" der jeweiligen nationalen Finanzministerien
und
bürokratischer
Akrobatik geprägt sein wird.
Im Vorfeld ist dazu meiner Ansicht nach der Hinweis wichtig, daß
die bei Hochtechnologiefirmen stattfindende staatliche Einmischung sich
nur wenig von den Erfahrungen unterscheidet, wie sie in anderen Industriezweigen - wie etwa in der
Stihl-, Agrar- und Automobilindustrie
- gemacht wurden.
Das heißt, die
sich in den Industriezweigen der
Hochtechnologie ergebenden Probleme
im Handel spiegeln oftmals Probleme
wider, die bereits in anderen Industriezweigen aufgetaucht sind.
Einzelne Faktoren machen jedoch
den Hochtechnologiebereich sehr anfällig für verzerrende Handelspraktlkei. Wie Sie wissen, betreiben solche Unternehmen in hohem Maße Forschung und Entwicklung, und ihre Produkte haben vielfach eine kurze Lebensdauer. In dieser kurzen Lebensdauer der Produkte müssen die Firmen
nicht nur ihre Herstellungskosten und
einen vernünftigen Gewinn, sondern
auch Mittel für weitere Forschung und
Entwicklung erwirtschaften. Wenn ein
Unternehmen der Hochtechnologie einmal durch unfaire Praktiken ausländischer Regierungen aus einer Position technischer und finanzieller
Wettbewerbsfähigkeit
herauskatapultiert wird, kann der Niedergang eines
solchen Unternehmen rasant erfolgen nn i endgültig sein. Die Kosten für
einen Wiedereintritt in den Markt wären unerschwinglich und einmal brachliegende
hochspezialisierte
technische Fähigkeiten sind nicht leicht
wiederzubeleben.

Ich möchte auch hinzufügen, daß
die mit der Hochtechnologie verknüpften Überlegungen zum nationalen Prestige die Handelsprobleme, von denen
diese Industriezweige betroffen sind,
noch hartnäckiger erscheinen lassen.
Zu jener Zeit, als die amerikanische Technologie eine unangefochtene Vormachtstellung innehatte, konnten wir es uns vielleicht leisten,
die Einmischung ausländischer Regierungen zu ignorieren.
Aber diese
Zeit ist vorbei.
Die Einmischung
ausländischer Regierungen hat unseren
Zugang zu ausländischen Märkten eingeschränkt und die Entwicklung leistungsfähiger
Konkurrenten
begünstigt, die auf offenen Märkten Marktanteile erobern.
Und das Problem
löst sich nicht von selbst.
Wir sollten einige der Maßnahmen
betrachten, die uns Sorge bereiten.
Marktzugang
Hindernisse gegen den Marktzugang
können so direkt und verbreitet sein
wie Zölle - und in zahlreichen Entwicklungsländern wie auch in einigen
Industrienationen bilden Zölle nach
wie vor ein wichtiges Hindernis gegen
den Handel mit Hochtechnologie. Oder
es gibt wie in Japan eine komplexe
Mischung aus nichttarifären Hemmnissen, staatlicher Lenkung und "Kauft
japanische Produkte"-Kampagnen.
Zu
den Hindernissen im Bereich der Telekommunikation zählen formelle und informelle Bestimmungen mit dem Tenor
"Kauft einheimische Erzeugnisse" in
Beschaffungsverträgen der jeweiligen
Ministerien für Post und Fernmeldewesen. In allen Fällen verzerren diese
Handelshemmnisse den freien Markt,
schädigen
ausländische
Lieferanten
und einheimische Benutzer von Hochtechnologieerzeugnissen.
Durch die
Schaffung eines gesicherten Marktes
im Inland können Zugangsbeschränkungen auch dazu führen, daß Unternehmen
mit einer gesicherten Verkaufsgrundlage auf dem geschlossenen Markt die
Preise unterbieten.

- 2 -

�Bedauerlicherweise hat der japanische Erfolg bei der Entwicklung einer sehr konkurrenzfähigen Hochtechno Logieindustrie
und
gleichzeitigen
Importbeschränkungen bei anderen Ländern zu der Annahme geführt, die japanische Methode sei das Patentrezept
für Wettbewerbsfähigkeit
in diesem
Bereich.
Als vorzügliches Beispiel e*ner
Regierung,
die sich
fehlgeleiteter
Einmischung dieser Art bedient, kann
Brasilien mit einem Paket von Zugangsbeschränkungen, Subventionen und
nachlässigem Schutz geistigen Figentuns dienen, die zusammen eine umfasse ide Politik für die Hochtechnologie
bi den. Das Land schlägt in den Bere Lehen "Informatik" und Telekoirmunika ion eine Politik ein, mit der Impo te substituiert und in brasilianische! Hand befindlicher Besitz gefö dert werden.
Brasiliens Sonderst »b für Informatik kann den Iwport
vo l Hechtechnologieerzeugnissen verbieten, wenn ein ähnliches Produkt
von einem brasilianischen Unternehmen
in Brasilien hergestellt wird.
Impo te der meisten Digitalrechner und
ähnlicher Produkte - einschließlich
Mii.ro- und Minicomputern, Geräte der
Te:ekommunikation,
Faseroptik
und
So tware - können vom brasilianischen
Ma--kt verbannt werden, und das ist in
de- Vergangenheit auch geschehen.
Als
Ergebnis
dessen
sind
die
Preise für Computer in Brasilien etwa
dreimal so hoch wie auf dem Weltmarkt, und modernste Computer sind
nu:
als
Schmuggelware
erhältlich.
Da:; schadet dem brasilianischen Verbraucher, den brasilianischen Unternehmen, die «it Computern arbeiten
wie auch den Vereinigten Staaten und
anderen
ausländischen
Firmen,
die
Ho&lt;:htechnologieerzeugnisse in Brasilien absetzen wollen.

Staatliche Subventionen und PCrder•intel "
Die Vereinigten Staaten erkennen
di&lt; legitime Rolle an, die einer Re-

gierung bei der Förderung der Grundlagenforschung
und
der Entwicklung
von Technologie für die Landesverteidigung zukommt, haben selbst aber von
der Entwicklung
rein
kommerzieller
Technologie Abstand genommen. Im Gegensatz dazu haben Regierungen auf
der ganzen Welt die Entwicklung und
Vermarktung
von
Hochtechnologieerzeugnissen zur grundlegenden nationalen Zielsetzung erhoben.
Staatliche Subventionen und Fördermittel
beschränkten
sich
dabei
nicht allein auf Forschung und Entwicklung. Hierfür liefert Airbus Industries ein gutes Beispiel. Die Regierungen von Großbritannien, Frankreich, der Bundesrepublik Deutschland
und Spanien haben beschlossen, daß
ihre Länder auf nationaler Ebene in
der
zivilen
Luftfahrt
tätig
sein
sollten.
Um dieses Ziel zu erreichen, haben diese drei Regierungen
dem
Airbus-Konsortium
umfangreiche
finanzielle
Unterstützung
gewährt.
Diese Unterstützung erfolgte in Form
staatlicher
Finanzierung
von
Forschung und Entwicklung für die Luftfahrt und durch umfangreiche staatliche Kredite, mit denen Verluste bei
der Flugzeugproduktion abgedeckt werden sollten.
Bei der Kreditvergabe
waren die RUckzahlungszeiträume und
-bedingungen für Airbus sehr großzügig
bemessen.
Als
Folge
dieser
staatlichen Unterstützung konnte Airbus seine Anteile am Weltmarkt erheblich steigern und zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten für amerikanische Unternehmen werden.
In Japan prüft die Regierung routinemäßig
vielversprechende
neue
Technologien
und
finanziert
Forschungs- und
Entwicklungsprogramme,
die japanische Firmen zusammenführen,
damit der kommerziellen Nutzung dieser Technologien Vorschub geleistet
wird.
Das bekannteste Beispiel dieser Aktivitäten liefert das Projekt
VLSI (Integration in großem Umfang Very Large Scale Integration), das
japanische Unternehmen Ende der siebziger Jahre
in die
DRAM-Industrie
(Dynamische Speicher mit wahlfreiem

- 3 -

�Zugriff - Dynamic Random Access Memory) katapultierte, aber darüber hinaus werden zahlreiche Projekt" durchgeführt, die uns Anlaß zu großer Besorgnis bieten. Die japanische Regierung unterstützt wichtige kommerzielle Forschungs- und Entwicklungsprogramme für Supraleiter, Optoelektr&gt;nik,
Galliumarsenid,
keramische
Werkstoffe, neue Computergenerationen
un 1 Software.
In den aufstrebenden Industrieländern haben Regierungen die Beteiligung an Hochtechnologiefirraen zur
nationalen Priorität erklärt. Es ist
vo1 besonderer Bedeutung, daß die
jü igstr Entwicklung der Halbleiterpr xiukt ion in einer Reihe von asiatischer Entwickjungs]ändern in nahezu jedem Falle auf Anstrengungen der
Re;ienng zurückzuführen •'st.
In einigen Fällen wurden staatli herseits industrielle Strukturen
ge.örd*rt, die zu Verzerrungen beim
Ha idel geführt haben. Bisweilen resultiert dies aus Haltungen und Gesetzen zur Durchsetzunp von Antitrjst-hestimmungen, die sich stark
vo) den in den Vereinigten Staaten
an .ewatidten unterscheiden. In Japan
ha Jen ::um Beispiel dfe Hersteller von
Fernsehgeräten von den späten fünfzige - bi; zu den fruhtn siebziger Jahre i b(i der Festsetzung der Preise
un ! Produktionsquoten zusammengearbeitet. Dieses Verhalten verhinderte
dei Zugang neuer Konkurrenten zum
Ma kt und führte zum Dumping japanischer Fernsehgeräte in den Vereinijten Staaten. Die Preise außerhalb
Japans fielen auf ein Niveau, durch
da &gt; die meisten amerikanischen Produ:enten vom Markt verdrängt wurden.
Auch die Struktur der japanischen
Halbleiterindustrie hat zu den Hände Isprcblemen beigetragen, mit denen
wi • in diesem Bereich zu kämpfen habe i. Sie ist viel stärker konzentriert und vertikal integriert als
di ? amerikanische Industrie, und aufgrjnd der weitverzweigten KeiretsuIn lustriegruppierungen in Japan bestehen Verbindungen zwischen Halblei-

terherstellern, Benutzern und Vertreibern sowie Finanzinstitutionen,
die dort wesentlich weitreichender
sind als alles, was in unserem Land
existiert.
Diese Struktur fördert
eine Haltung des "kauft japanisch"
und
erleichtert
Dumping-Praktiken,
indem sie eine indirekte Subventionierung aus anderen Produktlinien
oder langfristige Finanzierung von
Bemühungen zur Marktdurchdringung ermöglicht.

Der Schutt geistigen Eigentums
Eine Aufzählung der Probleme im
Handel mit Hochtechnologie wäre unvollständig, ohne den Schutz geistigen Eigentums zu erwähnen. Im vergangenen Jahr schätzte die Welthandelsorganisation, daß amerikanische
Firmen weltweit aufgrund von Verletzungen des Schutzes geistigen Eigentums bis zu 60 Milliarden Dollar pro
Jahr verlieren. Einige Länder - besonders Entwicklungsländer - gestatten die unerlaubte Nachahmung von Innovationen mit dem Argument, dies sei
eine wirksame Methode zur Entwicklung
ihrer nationalen Industrien. In anderen Ländern bestehen Gesetze über
das geistige Eigentum an Büchern, die
einfach nicht durchgesetzt werden.

Die Reaktion der Vereinigten Staaten
Ich habe soeben eine ziemlich beängstigende Reihe von Problemen im
Hochtechnologiebereich
aufgezählt.
Ich möchte nun darüber sprechen, was
wir zu deren Lösung getan haben oder noch tun müssen.
Zunächst müssen wir ein Klima des
Wettbewerbs schaffen. Wenn wir unsere Unternehmen mit hohen Steuern, unnötigen Vorschriften und anderen Beschränkungen
belasten, denen ihre
ausländischen Konkurrenten nicht unterliegen, werden sie kaum Erfolgschancen haben. Aus diesem Grund ist
die Beibehaltung der von Präsident
Reagan durchgeführten Steuersenkungen, Reformen der Besteuerung und des

�staatlichen
wichtig.

Vorschriftenwesens

so

Als nächstes mlissen wir in der
Wi tschaft ein stabiJes internationale:. Umfeld mit vernünftigen Wechselkursparitäten sicherstellen. Die von
de
gegenwärtigen Administration in
den vergangenen drei Jahren durchgeführte internationale wirtschaftliche
Zusammenarbeit hat Wechselkursparitäten zur Folge gehabt, die amerikanische Firmen außergewöhnlich konkurrenzfähig machen, i nd wir stellen
hei te fest, daß sich diese Bemühungen
langsam auszahltn.
Unser Handelsdefi. it ist seit dem dritten Quartal
19 6 real um übe- 40 Prozent gesunken.
Es reicht jedoch nicht aus, lediglich die makroökonomischen Faktoren zu behandeln.
Die Bundesregierung (sowie die Regierungen der Einze Staaten und Gemeinden) mUssen alle: in ihrer Macht Stehende tun, um
da:; Wettbewerbflumfelc; zu verbessern,
einschließlich Unterstützung von Forschung, Entwicklung und Bildung sowie
Beseitigung
von
Antitrust-Beschränkungen, die amerikanische Firmen dabe
behindern könnten, auf dieselbe
Ar
und Weise zusammenzuarbeiten wie
in e Konkurrenten.
Präsident Reagans
In tiative
zur
Wettbewerbsfähigkeit
aun dem Jahre i987 wurde entworfen,
um diese Faktoren zu behandeln. Vielen seiner Empfehlungen wurde im Allgeneinen Handels- und Wettbewerbsgesetz des Jahres 1938 Gesetzeskraft
ve liehen, aber es gibt noch eine
Re he anderer Empfehlungen, die wir
uns als Nation zu eigen machen können
und sollten.

Ein Blick auf das Chaos im Welthandel mit Agrarprodukten ist in dieser Hinsicht
sehr '..struktiv.
In
diesem
Bereich
ist die staatliche
Einmischung so sehr außer Kontrolle
geraten, daß das überleben der Bauern
nicht von ihrer Wettbewerbsfähigkeit,
sondern von den Launen staatlicher
Maßnahmen und Programme abhängt. Und
den
Verbrauchern
und
Steuerzahlern
werden die Taschen geleert.
Nein, die Antwort besteht nicht
darin, sich den Sündern anzuschliessen, sondern sie zu bekehren.
Wie
stellen wir das an? Zuallererst müssen wir aggressiv gegen die unfairen
Handelspraktiken anderer Staaten vorgehen.
Diese
Administration
hat
durch die Anwendung der ihr in Abschnitt 301 verliehenen Vollmachten
und eine Reihe anderer ihr zur Verfügung stehender Mittel energisch die
Beseitigung unfairer Handelspraktiken
und Schranken gegen unsere Exporte
angestrebt.
Diese Bemühungen werden
fortgesetzt.
Das neue Handelsgesetz
wird dazu beitragen, sicherzustellen,
daß die nächste Administration diese
aggressive Handelspolitik weiterverfolgt, hoffentlich
ohne
Hinwendung
zum Protektionismus.
Insbesondere im Hochtechnologiebereich sind wir schon tätig geworden:

Wir dürfen jedoch nicht der Versuchung erliegen und mit unseren Hände, spartnern in einem eskalierenden
Kr eg mit ständig zunehmender staatlicher Einmischung in den Handel mit
Ho( htechnologie einzutreten.
Es ist
schwer, auf staatliche Interventionen
nicht unsererseits mit Engagement für
industriepolitische Programme zu reagieren, aber eine solche Haltung würde letztlich seibstzerstörerisch wirken.
- 5 -

- Wir haben selbst einen Fall gemäß
Abschnitt 301 in bezug auf Marktzugang, geistiges Eigentum
und
Investitionsaspekte der Informatikpolitik in Brasilien eingeleitet. Obwohl die Ergebnisse unserer Gespräche mit Brasilien meiner Ansicht nach immer noch weit
von einer befriedigenden Lösung
entfernt
sind, haben wir beim
Schutz geistigen Eigentums Fortschritte
feststellen
können.
Überdies hat unser Vorgehen gegen
Brasilien
meiner
Ansicht
nach
dort zunehmend zu der Einsicht
geführt, daß eine solche Politk
kontraproduktiv Ist.
- Wir haben bilaterale Verhandlungen und Konsultationen mit Japan,

�Korea
und
vielen
europäischen
Ländern aufgenommen, um die Liberalisierung ihrer Regelungen im
Telekommunikationsbereich zu fördern. Diese Bemühungen haben positive
Ergebnisse
gezeitigt.
Insbesondere im Licht der Telekommunikationsverfügungen
des
Handelsgesetzes müssen und sollten wir in den nächsten Jahren
noch stärkere Fortschritte machen.
- Wir haben energische Anstrengungen unternommen, um mit den europäischen Regierungen Einvernehmen
über Disziplin im Bereich staatlicher
Unterstützung
der Flugzeugindustrie zu erzielen.
Wir
streben
eine Verpflichtung
an,
derzufolge sie finanzielle Hilfen
für den Airbus zu marktüblichen
Konditionen bereitstellen würden
- kein unvernünftiger Vorschlag.
Bit
jetzt
sind die Ergebnisse
dieser Bemühungen noch nicht sehr
positiv.
Wir werden uns bald
eingehend mit den uns in dieser
Frage zur Verfügung stehenden Optionen bescl äftigen müssen - insbesondere, falls die Regierungen
der am Airhus-Programm beteiligten Länder weitere Unterstützung
bereitstellen.
- Durch
bilaterale
Verhandlungen
unter Zuhilfenahme von Abschnitt
301 sowie unseres GSP-Programms
(Generalized
System of Preferences - Allgemeines Meistbegünstigungssystem)
haben
wir
beträchtliche Erfolge bei der Verbesserung des Schutzes geistigen
Eigentums in einer Reihe von Ländern
erzielt,
darunter
Korea,
Taiwan, Singapur, Indonesien und
Chile.
- Mit Hilfe der von Abschnitt 301
und unseren Antidumpinggesetzen
bereitgestellten Machtmittel haben wir das
amerikanisch-japanische
Halbleiterabkommen
geschlossen.
Aufgrund der Zusammensetzung dieses Forums möchte
ich näher auf diese Vereinbarung
eingehen.
Wie Sie wissen, soll

dieses Abkommen ein Dumping von
Halbleitern verhindern und Zugang
zum
japanischen
Halbleitermarkt
herstellen.
Nach
einem
schwierigen
Beginn
sind die Antidumping-Bestimmungen des
Abkommens
ausgesprochen
erfolgreich
gewesen.
Das
Dumping
japanischer
Halbleiter in den Vereinigten Staaten
und auf anderen Weltmärkten wurde gestoppt. Leider haben die Japaner die
Marktzugangsbestimmungen
nicht
entsprechend eingehalten.
Als Ergebnis
dessen haben die Vereinigten Staaten
aufgrund
von
Vertragsverletzungen
Sanktionen in Höhe von 185 Millionen
Dollar gegen Japan verhängt.
Ähnliche, wegen der Verletzung der Antidumping-Bestimmungen
des
Abkommens
gleichzeitig
verhängte
Sanktionen
wurden nach der Einstellung dieser
Praxis aufgehoben.
Beim Marktzugang machte der amerikanische
Anteil
am
japanischen
Halbleitermarkt
im zweiten
Quartal
dieses Jahres nur 10,2 Prozent aus.
Ungeachtet erheblicher Verschiebungen
bei den Wechselkursen ist dieses Ergebnis nicht besser als der höchste
seit 1970 von amerikanischen Unternehmen in Japan erzielte Marktanteil.
Ein zehnprozentiger Marktanteil steht
nicht im Einklang mit der erwiesenen
Wettbewerbsfähigkeit
amerikanischer
Halbleiterhersteller
auf
anderen
Weltmärkten und erfüllt nicht die Erwartungen der amerikanischen Regierung bezüglich des Marktzugangs.
Trotz unserer Enttäuschung über
die bis heute erzielten Ergebnisse
beim Marktzugang sind wir der Ansicht, daß Fortschritte möglich sind,
wenn die Regierung Japans und die japanischen
Halbleiteranwender
zwei
Dinge tun: Erstens müssen sie erkennen, daß das Ziel dieser Vereinbarung
darin besteht, den ausländischen Anteil am japanischen Halbleitermarkt
den wirtschaftlichen Grundbedingungen
anzupassen und zweitens die notwendigen
marktwirtschaftlichen
Schritte
unternehmen, um dieses Ziel zu erreichen. Diese Schritte würden den Weg

�für die Art konkreter Verbesserungen
bei der ausländischen Beteiligung am
japanischen Markt ebnen, die eine
Aufhebung der Sanktionen gestatten
würden.

wird - meiner Ansicht nach weiterhin
Bestand und müssen verwirklicht werden.

Die Uruguay-Runde
Ich bin mir darüber im klaren,
daß bezüglich dieses Abkommens heftige Kritik im Inland geäußert wurde
- angeheizt durch den rapiden Anstieg
der DRAM-Preise im vergangenen Jahr und erneut Bedenken über die mögliche
Manipulation der DRAM-Produktion und
-Lieferungen durch japanische Unterne lmen laut wurden. Im Hinblick auf
diesen letzten Punkt hat die amerikanische Regierung stets Produktionskoitrollen seitens der japanischen
Regierung abgelehnt und wir werden
solche Kontrollen oder die willkürliche Zuteilung von DRAMs oder andere i Halbleiter-Produ&lt;cten nicht dulden. In der Tat gründete sich die
Entscheidung des Präsidenten, die gege I Japan verhängten AntidumpingSa lktionen aufzuheben, auf die vom
jaianischen Ministerium für internationalen Handel und Industrie (MITI)
abgegebene Erklärung, die japanische
Haibleiterproduktion

werde

keinerlei

Koitrollen unterworfen. Bei den Konsultationen im August hat unsere Regierung dieses Thema mit der japanischen Regierung erörtert und zusätzliche Informationen über die japanische DRAM-Produktion und deren
Exporte gefordert. Dies ist ein Problem, das wir weiterhin sorgfältig im
Auge behalten werden.
Bezüglich der angeblichen Mängel
dieses Abkommens möchte ich nur feststellen, daß wir die gemeinsam von
den
amerikanischen
Verbänden
der
Elektronik- und dem Halbleiterindustrie (AEA und SIA) entwickelten Verbesserungsvorschläge objektiv überprüfen werden. Das Halbleiter-Abkommen versucht, einige höchst schwierige Probleme in den Griff zu bekommen.
Obwohl es nicht perfekt sein mag, haben einige seiner Zielsetzungen - zu
verhindern, daß ein lebenswichtiger
amerikanischer Industriezweig durch
eine Kombination von Dumping und eingeschränkten
Marktzugang
zerstört

Während unsere bilateralen Bemühungen zum Abbau unfairer Handelspraktiken
unvermindert
fortgesetzt
werden, müssen wir im Auge behalten,
daß den Bedürfnissen amerikanischer
Unternehmen langfristig am besten mit
einer soliden Grundlage weltweit respektierter und durchsetzbarer internationaler
Handelsbestimmungen
gedient ist, die nicht nur die traditionellen Problembereiche des GATT
abdecken, sondern auch neue Bereiche
wie geistiges Eigentum, Dienstleistungen und Investitionen umfassen.
Aus diesem Grund haben wir unnachgiebig auf die Eröffnung der UruguayRunde der Handelsgespräche gedrängt,
die jetzt bereits eine Zwischenbilanz
ziehen kann.
Die Uruguay-Runde ist sehr viel
umfassender und ehrgeiziger als jede
vorherige Runde multilateraler Handelsgespräche. Unsere Hauptziele bei
der Uruguay-Runde - Stärkung des
GATT-Systems, Verbesserung der internationalen Bestimmungen in solch traditionellen Bereichen wie Subventionen, Schutzmaßnahmen und Landwirtschaft, weitere Liberalisierung des
Handels sowie die Erarbeitung einer
gemeinsamen GATT-Diszlplin bei den
sogenannten neuen Bereichen wie geistigem Eigentum, Investitionen und
Dienstleistungen - liegen im Interesse aller Sektoren der amerikanischen
Wirtschaft. Ich dränge auf Ihre uneingeschränkte Unterstützung unserer
gemeinsamen Bestrebungen zur Verwirklichung dieser Ziele.
Ferner möchte ich einige Bereiche
der Runde erwähnen, die für die Hochtechnologieindustrie von besonderem
Interesse sind.

- 7 -

- Subventionen:
Exportsubventionen für Industrieprodukte sind im
Rahmen des GATT verboten, aber

�die Bestimmungen, die bei Subventionen im Inland Anwendung finden
- die zweifelsohne die gleiche
verzerrende Wirkung haben können
wie Exportsubventionen
- sind
sehr dehnbar.
Die Vereinigten
Staaten haben einen umfassenden
Vorschlag zur Verbesserung der
Disziplin bei Inlandssubventionen
und zur Schaffung eines wirksamen
Mechanismus zur Klärung internationaler Konflikte über die Anwendung von Subventionen unterbreitet. Diesem Vorschlag wurde
bis heute weder die Aufmerksamkeit noch die Unterstützung zuteil, die er verdient.
In der zweiten Hälfte der Uruguay-Runde werden wir uns verschärft darum bemühen müssen, in
diesem Bereich ernsthafte Verhandlungen in die Wege zu leiten.
Dabei müssen wir sorgfältig zwischen legitimer staatlicher Unterstützung für Forschung, Entwicklung
und
technologischen
Fortschritt einerseits und übertriebenen und verzerrenden Programmen andererseits unterscheiden.
- Geistiges Eigentum:
Unser vorrangiges Ziel in diesem Bereich
besteht in der Erarbeitung eines
internationalen
Abkommens
über
eine Reihe von Normen zum Schutz
des geistiges Eigentums sowie
wirksamer Mechanismen zu deren
Durchsetzung.
Die
Europäische
Gemeinschaft, Japan und die meisten
anderen
Industrienationen
stehen den Vereinigten Staaten
bei der Unterstützung diese Konzepts zur Seite. Einige Entwicklungsländer lehnen diese Bestrebungen ab, aber wir erwarten, daß
es uns schließlich gelingen wird,
ein GATT-Abkommen über den Schutz
geistigen Eigentums auszuhandeln.
Solch ein Abkommen sollte wirksame Mechanismen zur Beilegung von
Konflikten enthalten und strengere
internationale
Normen
zum
Schutz geistigen Eigentums definieren als derzeit in den meisten

Ländern üblich.
- Investitionen:
Zahlreiche Vorschriften zur Regelung von Investitionen, wie zum Beispiel der
Investitionsumfang im Inland und
Bestimmungen über die Exportleistung haben erhebliche Auswirkungen auf den Handel. Diese müssen
vom GATT anerkannt und eine wirksame Disziplin muß zu deren
Durchsetzung erarbeitet werden.
- GATT-Verhaltenskodizes:
Staatliche Beschaffungspraktiken und
Vorschriften
zur Regelung der
Normen können Auswirkungen auf
den Handel mit Hochtechnologiegütern haben. Sie können zur Abschottung von ausländischen Märkten angewandt werden, wie dies in
der Vergangenheit der Fall war.
Wir streben eine Überarbeitung
des staatlichen Beschaffungskodex
im Rahmen des GATT an, um die
staatlichen
Einkaufsabteilungen
abzudecken, die bisher von den
Bestimmungen des Kodex über offene, transparente und dem Wettbewerbsprinzip unterliegende Ausschreibungen ausgenommen waren.
Wir drängen insbesondere die Europäische
Gemeinschaft,
das
Transportwesen und die für schweres elektrisches und Telekommunikationsgerät
zuständigen
Einkaufsabteilungen
der
Disziplin
des Kodex zu unterwerfen. Sollte
uns dies gelingen, würden sich
den
amerikanischen
Unternehmen
zum ersten Mal lukrative staatliche Märkte eröffnen. Wir versuchen ferner, den GATT-Normenkodex zu verbessern, um sicherzustellen, daß die einzelnen Länder
diese Normen nicht als Handelshemmnis anwenden.
Abbau von Zöllen und nichttarifären Maßnahmen (NTMs): Seit seiner Gründung im Jahr 1947 waren
die größten Erfolge des GATT beim
weltweiten Abbau der Zollschranken zu verzeichnen, und im Verlauf der jetzigen Runde werden
sich weitere Gelegenheiten zum

�Abbau von Zöllen ergeben. Insgesamt gesehen stellen Zölle nicht
mehr das wichtigste Hemmnis gegen
den
Marktzugang
von
amerikanischen
Hochtechnologieexporten
dar, aber in bestimmten Fällen,
wie beispielweise in zahlreichen
Entwicklungsländern,
können
sie
ein Haupthindernis für den Handel
sein.
Um zu gewährleisten, daß
diese Verhandlungen tatsächliche
Verbesserungen für den Zugang zu
ausländischen Märkten zur Folge
haben, befürworten wir die vollständige
Einbeziehung
der Verhandlungen über Zölle und spezifische
nichttarifäre
Maßnahmen
für einzelne Produkte.

rikanischer
Unternehmen
gerechtfertigt scheint und mögliche Vorfälle
wie Produktionskontrollen
oder die
benachteiligende Zuteilung von Halbleitern sorgfältig im Auge behalten.
Abschließend möchte ich eine persönliche Bemerkung hinzufügen.
Ich
freue mich ganz besonders Über die
Möglichkeit,
den
Herausforderungen
begegnen zu können, die sich unserer
Halbleiterindustrie stellen.
Es ist
von vorrangiger Bedeutung, daß unser
Land
eine
konkurrenzfähige
industrielle
Grundlage
im Bereich der
Hochtechnologie - einschließlich einer
starken
Halbleiterindustrie
aufrechterhält.
Ich werde Ihre zukünftigen Erfolge mit großem Interesse beobachten.

Sc hlußbemerkung
Die Herausforderungen, mit denen
wir uns durch staatliche Interventionen des Auslands konfrontiert sehen,
sollten nicht unterbewertet werden.
Gleichzeitig ist sich unsere Regierung langfristig gesehen sehr wohl
der Gefahren für unsere Wettbewerbsfähigkeit bewußt, die durch eine solche Einmischung entstehen und begegnet diesen Praktiken mit einer Vielzahl von Ansätzen, die immer größere
Wirkung zeitigen.
Das neue Handelsgesetz ist uns beim Abbau unfairer
Handelspraktiken behilflich.
Gleichzeitig
werden wir
unsere
Bestrebungen
bei den
Verhandlungen
der Uruguay-Runde fortsetzen, um eine
wirksame
GATT-Disziplin
gegen handelsverzerrende Praktiken zu erarbeiten und die wichtigsten Handelshemmnisse anzubauen, denen sich amerikanische Unternehmen - einschließlich
der Hochtechnologie-Firmen - gegenüber sehen.
Und schließlich werden wir unseren bestehenden Abkommen Geltung verschaffen.
Im Rahmen des amerikani seh-japanischen
Halbleiter-Abkommens werden wir beispielsweise unvermindert auf den Anteil des japanischen
Halbleitermarktes
drängen,
der für die Wettbewerbsfähigkeit ame-

- 9 -

�AMERIKA DIENST
w^;
VON

Hintergrundmaterial

&amp;

19. Oktober 1988

38

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
BUSH UND DUKAKIS BEKENNEN SICH ZU POLITISCHEN UNTERSCHIEDEN
Artikel über das letzte Fernsehduell der Präsidentschaftskandidaten

WASHINGTON - (AD) - Bei ihrer zweiten und letzten Fernsehdebatte im Rahmen
des Präsidentschaftswahlkampfes 1988 bekräftigten Vizepräsident Bush und der
Gouverneur von Massachusetts, Michael Dukakis, am 13. Oktober ihre stark unterschiedlichen Auffassungen zu außen-, verteidigungs- und innenpolitischen
Fragen.

Der
republikanische
Präsidentschaftskandidat Bush und sein demokratischer Gegenspieler Dukakis bekundeten auf dem Campus der University of California in Los Angeles ihre stark divergierenden Meinungen bis
zur Uneinigkeit darüber, worum es bei
der diesjährigen Wahl eigentlich geht.
Bush erklärte bei der Sendung den
etwa 100 Millionen Zuschauern, die
wichtigste Frage laute, mit welchem
Konzept das Land regiert werden kann.
Dukakis zufolge liegt hingegen in
kompetentem Management der Schlüssel
für eine effiziente Regierung. Bush
erhob den Vorwurf, die Verweise auf
Kompentenz lenkten von der wenig beliebten "liberalen" Politik Dukakis
ab.
Dukakis verwies darauf, seine
Erfahrungen als Leiter der Exekutive

United States Information Service
Embassy of the United States of America

eines Bundesstaates böten ihm bessere
Voraussetzungen
zur Führung eines
Landes als Bush, der Präsident Reagan
als Stellvertreter gedient habe.
"Wir wollen Etiketten vermeiden",
erklärte Dukakis. Aber Bush, dessen
Wahlkampf bis jetzt in hohem Maße davon gekennzeichnet ist, daß er seinen
Gegenspieler als zu linksgerichtet
für den größten Teil der Amerikaner
bezeichnet, weigerte sich, das Argument zurückzunehmen.
"Sein linkes
politisches
Programm
gefällt
mir
nicht", erklärte Bush.
Dukakis konzentrierte sich auf
Bushs Unterstützung für Reagans Politik der hohen Verteidigungsausgaben
und behauptete, das Land könne sich
die massiven Ausgaben des Pentagon

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�der vergangenen sieben Jahre nicht
weiterhin leisten. Er erklärte, effizientes Management sei erforderlich, um in den nächsten Jahren bei
den Verteidigungsaufwendungen solide
Entscheidungen
treffen zu können.
"Ich bin darauf vorbereitet, sie zu
treffen," erklärte der Gouverneur zu
diesen Entscheidungen. "Der Vizepräsident ist es nicht."
"Unseren Ausgaben sind Grenzen
gesetzt", sagte Dukakis.
Er fügte
jedoch hinzu, daß er sich nicht der
Modernisierung amerikanischer Kernwaffen widersetzen werde und eine
Aufrüstung bei konventionellen Waffen
stattfinden sollte.
Bush wies darauf hin, der Verteidigungshaushalt enthalte "keine Verschwendung" und erhob den Vorwurf,
Dukakis gefährde die Sicherheit der
Vereinigten Staaten und des Westens,
indem er die Streitkräfte beschränke,
ohne die Maßnahmen der Sowjetunion zu
berücksichtigen.
"Man nimmt keine
einseitigen Kürzungen in der naiven
Hoffnung vor, daß sich die Sowjets
gut benehmen", erklärte der Vizepräsident.
Bush erklärte, "Liberalen" wie
Dukakis wäre es sicherlich nicht gelungen, genügend militärische Stärke
der Vereinigten Staaten aufzubauen,
um den INF-Vertrag erfolgreich auszuhandeln und stellte fest, Dukakis habe zeitweise das Einfrieren der Kernwaffenpotentiale befürwortet.
In seinen abschließenden Bemerkungen fügte Bush jedoch hinzu, als
Präsident wolle er Verhandlungen über
ein Verbot chemischer und biologischer Waffen führen.
Beide Kandidaten verurteilten das
im Jahr 1979 als Reaktion auf die sowjetische Invasion in Afghanistan gegen Moskau verhängte Getreide-Embargo. Keiner der Kandidaten gab einen
Kommentar zum amerikanischen Haushalts- und Handelsdefizit ab.
Auch zu der gesamten Bandbreite

von innenpolitischen Themen äußerten
die Kandidaten keine neuen Ansichten.
Bush unterstrich erneut, daß er praktisch jegliche Indikation für eine
Abtreibung ablehnt. Dukakis erklärte, die Entscheidung für eine Abtreibung liege einzig und allein bei der
Frau selbst. Bush zufolge werden zum
Teil so schreckliche Verbrechen begangen, daß die Todesstrafe in gewissen
Fällen
gerechtfertigt
ist.
Dukakis erklärte, die Todesstrafe
würde Verbrechen nicht abschrecken
und solle daher abgeschafft werden.
Bush verwies darauf, daß der Präsident nur solche Richter ans Oberste
Bundesgericht
berufen sollte, die
eine enge Auslegung der Gesetze vertreten, im Gegensatz zu rechtlichem
Aktivismus, wie er durch eine großzügige Auslegung der Gesetze gekennzeichnet ist. Dukakis zitierte die
gescheiterte Berufung von Robert Bork
als Beispiel für eine solche Berufung.
Zum Thema Steuern bekräftigte
Bush, die wirtschaftliche Expansion
der Reagan-Ära könne nur durch die
vollständige Absage an jede Art von
Steuererhöhungen, die eine Lähmung
der Wirtschaftsaktivitäten zur Folge
haben würden, aufrechterhalten werden. Dukakis griff Bushs Plan zur
Senkung der Kapitalertragssteuer für
höhere Einkommensschichten heftig an.
Dukakis kritisierte die Bestrebungen
der Reagan-Bush-Administration, die
Ausgaben für den Umweltschutz zu kürzen. Bush bekräftigte, er halte sich
gerne in der freien Natur auf und
verurteilte die starke Verschmutzung
des Bostoner Hafens, die er Dukakis
anlastete.
Die Kandidaten waren entgegenkommender und weniger auf Konfrontation
aus als bei ihrer ersten Fernsehdebatte vor drei Wochen. Bezüglich der
Außen- oder
Innenpolitik
eröffnete
keiner der beiden neue Perspektiven
oder geriet bei der Beantwortung von
Fragen ins Stocken. Dukakis gelang
es nicht, den "klaren Sieg" zu erringen, den er den meisten Beobachtern
zufolge benötigte, um den Vorsprung,
den er zunächst gegenüber Bush in den

- 2 -

�Meinungsumfragen zu verzeichnen hatte, wieder aufzuholen.
Würden heute Wahlen abgehalten,
läge Bush der Mehrzahl der Demoskopen
zufolge in der Wählergunst etwas vorne. Sein Vorsprung bei den Wählerstimmen - nach der "winner-take-all"Methode wird der Kandidat mit allen
Stimmen eines Staates belohnt - wäre
jedoch sehr viel größer.
Ein Journalist schnitt kurz die
Möglichkeit einer weiteren Debatte
an. "Keine weiteren Debatten", erwiderte Bush. "Ich habe meine Positionen klar umrissen."
Die Wahlkampftruppe von Dukakis
war bestrebt, zusätzliche Fernsehdebatten der Präsidentschafts- und Vizepräsidentschaf tskandidaten durchzuführen.

* * * * * *

•

- 3-

�AMERIKA DIENST
'VON

Wirtschaft

4

38

19. Oktober 1988

WARUM DAS HANDERINGEN EIN ENDE HABEN MUSS
Von Clayton Yeutter und Richard Lyng

(Clayton Yeutter ist Handelsbeauftragter und Richard Lyng Landwirtschaftsminister der Vereinigten Staaten. Der folgende Artikel erschien am 12. Oktober 1988 in der Financial Times.)

- (AD) - Eine unsolide Landwirtschaftspolitik gefährdet alle: reiche und arme Nationen, Exporteure und
Importeure, Bauern, Verbraucher und
Steuerzahler.
Die Bauern werden von ihrem Land
vertrieben, Nahrungsmittel werden in
falschen Mengen und am falschen Ort
produziert, der Verbraucher ißt weniger gut als er sollte, und der Steuerzahler zahlt die Rechnung für all
diese Verzerrungen. Die Industrienationen sind mit Haushaltskrisen konfrontiert während die Entwicklungsländer mit den Budgets der Großen
einfach nicht konkurrieren können.
Diese
beängstigende
Situation
wurde von Regierungen herbeigeführt,
und es sind Regierungen, die sie lö-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

sen müssen. Alle führenden Handelsnationen sind daran mitschuldig, und
alle müssen sich an der Lösung des
Problems beteiligen.
Das geeignete Forum, um diesem
Wahnsinn ein Ende zu bereiten, ist
die Uruguay-Runde
des Allgemeinen
Zoll- und
Handelsabkommens
(GATT).
Alle haben im Jahr 1986 zu Beginn der
Uruguay-Runde in Punta del Este dem
Versuch einer weltweiten Reform der
Landwirtschaft zugestimmt. Wir führen jedoch immer noch eine heftige
Debatte darüber, wie weitgehend und
wie rasch diese Reform stattfinden
soll - eine Frage, die im Dezember
beim Treffen der Handelsminister des
GATT in Montreal behandelt werden muß.
Dieses

umstrittene

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Problem wur-

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�zeit in dem Versuch einiger Länder,
ihren Bauern Vorteile gegenüber deren
Konkurrenten zu verschaffen. Letztere haben natürlich auf die gleiche
Weise reagiert, und damit wurde der
Welt eine eskalierende Spirale staatlicher Einmischung beschert - zu hohen Kosten für Steuerzahler, Konsumenten oder beide zusammen und häufig
mit wenigen oder gar keinen langfristigen Vorteilen für die Bauern.
In vielen Staaten halten Einfuhrbeschränkungen und Preissubventionen
die Preise für landwirtschaftliche
Produkte im Inland künstlich hoch und
stimulieren dadurch zu Überproduktion. Bei Auftreten von Überschüssen
werden Exportsubventionen benutzt, um
diese auf den Weltmarkt zu werfen,
wodurch es den Bauern in anderen Ländern unmöglich gemacht wird, ihren
Lebensunterhalt zu verdienen. Jedes
Land, das sich weigert, diese Torheit
mitzumachen, verliert Marktanteile.
Nahezu jede Regierung unterhält
in der einen oder anderen Weise verzerrende landwirtschaftliche Programme. Unsere europäischen Kollegen haben wiederholt erklärt, daß es beim
Handel mit Agrarprodukten keine Engel
gibt. Wir teilen diese Meinung. Die
Frage ist jedoch: Wie kommen wir dem
Himmel ein Stück näher?
Einige unter uns haben von Zeit
zu Zeit den Versuch unternommen, im
Alleingang Reformen anzustreben, und
haben dafür mit dem Verlust von
Marktanteilen bezahlt. Die Vereinigten Staaten haben zum Beispiel in den
vergangenen Jahren fast 30 Millionen
Hektar
landwirtschaftlicher
Anbaufläche stillgelegt und zusätzlich die
Garantiepreise gesenkt. Die EG hat
ihre eigene "Erhaltungsreserve" verabschiedet, jedoch auf wesentlich
niedrigerem Niveau von ca. einer Million Hektar.
Die Haushaltsdiziplin
der Gemeinschaft im Jahr 1988 ist
ebenfalls ein Schritt in die richtige
Richtung. Obwohl diese Disziplin bescheiden ist, stellt sie doch eine
erhebliche politische Errungenschaft
dar. Die Gemeinschaft hat zumindest

die Tendenz zu immer umfangreicheren
staatlichen Interventionen in der europäischen Landwirtschaft verlangsamt.
Diese Maßnahmen waren sowohl für
die EG als auch für die Vereinigten
Staaten schwierig.
Ihre Schwierigkeit besteht darin, daß Politiker
verständlicherweise zögern, auf vermeintliche wirtschaftliche Vorteile
zu verzichten, wenn andere nicht zu
dem gleichen Schritt bereit sind.
Einseitige Abrüstung ist wirtschaftlich wie militärisch unattraktiv.
Aus diesem Grunde müssen wir die Verzerrungen in der Landwirtschaft multilateral bekämpfen. Wir müssen Lösungen finden, die allseits akzeptabel sind - Lösungen, die niemandem
einen unfairen Vorteil anderen gegenüber verschaffen.
Sollten wir die Motivation zur
Auffindung solcher Lösungen haben?
Ganz sicher sollten wir das. Eine
jüngste Studie des Center for International Economics in Canberra belegt, daß allen ungeheure Vorteile
sicher sind, wenn wir dieses weltweite Problem lösen können. Dieser Untersuchung zufolge würden durch die
Liberalisierung der Landwirtschaft in
der Europäischen Gemeinschaft insgesamt weitere drei Millionen Arbeitsplätze geschaffen werden, der japanische Arbeitnehmer könnte eine 2,5prozentige Steigerung seines Reallohnes verzeichnen, für das Realeinkommen der Entwicklungsländer bedeutete
dies eine jährliche Zuwachsrate von
26 Milliarden Dollar und das amerikanische Haushaltsdefizit könnte um
37 Milliarden Dollar abgebaut werden.
Ist das etwa nicht lohnenswert?
Da wir alle unter dem heute herrschenden Chaos leiden, die Verantwortung dafür in staatlicher Intervention zu suchen ist und da Reformen
auf multilateraler Ebene stattfinden
müssen, vertreten die Vereinigten
Staaten die Auffassung, daß die Uruguay-Runde der Handelsverhandlungen
ein geeigneter Ort zur Entwicklung
von Lösungen ist und die grundlegende
Zielsetzung darin bestehen sollte,

- 2 -

�alle Nationen von der schnellstmöglichen Beseitigung ihrer handelsverzerrenden Politik zu überzeugen. Unsere Vorschläge zielen darauf ab, daß
dies bis zum Jahr 2000 geschehen soll.
Unser Vorschlag ist von denjenigen als unrealistisch bezeichnet worden, deren Ansicht zufolge Regierungen sich nicht völlig aus der Landwirtschaft heraushalten können oder
sollen. Aber die Kritiker haben absichtlich oder versehentlich - unseren Ausführen keine Aufmerksamkeit
geschenkt.
Die Vereinigten Staaten
haben niemals vorgeschlagen, daß Regierungen sich vollständig aus der
Landwirtschaft zurückziehen sollten.
Wir wollen ganz einfach, daß Regierungen nicht weiter den Handel verzerren und Uberschußproduktion stimulieren, die niemand kaufen will.

menden Zwischenbilanz weitere Impulse
für diese Aufgabe zu gewinnen. Was
die Welt jetzt braucht, sind Engagement und Taten am Verhandlungstisch.
Wenn das gelingt, können wir weltweit
einen dramatischen Durchbruch in der
Landwirtschaftspolitik erzielen. Genau das macht die politische FUhrungskraft aus.

Ist es unbillig, dies bis zum
Jahr 2000 versuchen zu wollen? Unserer Ansicht nach nicht. Die wirtschaftlichen Gründe für eine Reform
könnten nicht zwingender sein - der
Widerstand
ist politischer Natur.
Man kann nur hoffen, daß Steuerzahler
und Verbraucher ihre Politiker entrüstet befragen, warum sie den Markt
bis ins nächste Jarhundert hinein zu
verzerren gedenken? Warum können sie
nicht ihre politische Führungsrolle
dafür einsetzen, um dieses Problem in
den nächsten zehn Jahren zu lösen?
Was ist der Grund für ihr Zögern?
Und wie kann die augenblickliche Lage
gegenüber den Entwicklungsländern der
Welt verteidigt werden, die unter
diesen Verzerrungen am meisten leiden?
Die Vereinigten Staaten engagieren sich in der Landwirtschaft unwiderruflich für multilaterale Verhandlungen. Wir haben einen klaren Vorschlag - mit vernünftigem Konzept und
ebensolchen Grundsätzen - auf dem
Verhandlungstisch.
Jetzt ist es an
der Zeit, zu verhandeln und nicht,
die Hände zu ringen.
Es ist von entscheidender Bedeutung, bei der im Dezember in Montreal
im Rahmen der Uruguay-Runde vorzuneh- 3 -

* * * * * *

�</text>
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dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

19. Oktober 1994

41

USA-IRAK

WARNUNG DER USA AN DEN IRAK
Rede von Botschafterin Albright

KRIEGSVERBRECHEN

INTERNATIONALES TRIBUNAL FORDERT
AUSLIEFERUNG DES KRIEGSVERBRECHERS
Der Fall Dusan Tadic

LANDMINEN

VERBOT VON LANDMINEN GEFORDERT
Bericht der Vereinten Nationen

FULBRIGHT

AUSTAUSCHPROGRAMME ALS BESTANDTEIL
DER AMERIKANISCHEN AUSSENPOLITIK
Rede von Botschafterin Hunt

LITERATUR

ANNIE PROULX EIN AMERIKANISCHES ORIGINAL
von Alice Steinbach

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-33 41 02

�USA-IRAK
19. Oktober 1994

WARNUNG DER USA AN DEN IRAK
Rede von Botschafterin Albright
VEREINTE NATIONEN - (AD) - Die Botschafterin der Vereinigten Staaten bei den Vereinten Nationen,
Madeleine Albright, warnte den Irak am 15. Oktober 1994, ihr Land werde "alle angemessenen Maßnahmen
ergreifen", wenn der Irak seine Nachbarn bedroht oder sich weigert, seine Truppen von der irakischkuwaitischen Grenze abzuziehen.
Albright erklärte in ihrer Rede nach der einstimmigen Annahme einer Resolution durch den UN-Sicherheitsrat,
die den Abzug der irakischen Truppen fordert, sie wolle "diesem Rat versichern, daß meine Regierung im
Einklang mit den Resolutionen des Rates und mit Artikel 51 der Charta der Vereinten Nationen alle
angemessenen Maßnahmen ergreifen wird, falls sich der Irak nicht an die Bestimmungen dieser Resolution
hält."
(Artikel 51 betrifft das Recht auf Selbstverteidigung im Fall eines bewaffneten Angriffs.)
Der Sicherheitsrat führte aus, der Irak müsse alle Anfang dieses Monats in den Süden des Landes entsandten
militärischen Einheiten wieder zurück an ihre ursprünglichen Positionen bringen. Ferner darf der Irak diese
Einheiten nicht nochmals im Süden stationieren oder andere Schritte unternehmen, um in der Nähe von Kuwait
seine militärischen Fähigkeiten zu verbessern.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Botschafterin Albright im Wortlaut.

Herr Präsident, wir alle kennen die Warnung Santayanas, wer die Vergangenheit vergißt, ist dazu
verdammt, sie nochmals zu durchleben. Im vergangenen August vor vier Jahren war die Welt
Zeuge einer Reihe erschreckender Ereignisse: In
der irakischen Propaganda und öffentlichen Erklärungen wurde der Irak als Opfer einer internationalen Verschwörung dargestellt, Kuwait und insbesondere die führenden Politiker des Landes
wurden Opfer gehässiger Angriffe, Eliteeinheiten der
republikanischen Garde wurden in Sammelgebieten
an der Grenze zu Kuwait zusammengezogen,
logistische Komponenten dieser Einheiten wurden so
aktiviert, daß man keinen Drill vermutete. Am 2.
August 1990 überschritt die irakische Armee die
Grenze und fiel in Kuwait ein.
Anfang vergangener Woche veröffentlichte der
Revolutionäre Kommandorat des Irak eine kriegerische Erklärung, in der mit einem Ende der Zusammenarbeit mit der Sonderkommission der Vereinten
Nationen gedroht wird und Kuwait sowie die Mit-

AMERIKA DIENST 41

glieder des Sicherheitsrats beschuldigt werden, "so
viele Iraker wie möglich umbringen zu wollen".
Gleichzeitig bewegten sich die irakischen Republikanischen Garden, einschließlich vieler der bereits 1990
eingesetzten Einheiten, auf die kuwaitische Grenze
zu. In der vergangenen Woche wurden diese Einheiten an genau denselben Sammlungspunkten wie
1990 zusammengezogen. Ebenso wie 1990 waren
Munition, Kommunikationseinrichtungen und logistische Unterstützung integraler Bestandteil dieser
Mobilisierung.
Die Wachsamkeit des UN-Sicherheitsrats, effektive
Einsatzbereitschaft der Koalition und allzuoft erlebte
Unzuverlässigkeit des Irak stellten sicher, daß die von
Santayana ausgesprochene Warnung nicht auf diese
Kammer zutrifft: Wir sind entschlossen - und haben
auch dementsprechend gehandelt - sicherzustellen,
daß sich dieses Kapitel der Geschichte nicht wiederholt.

Seite 1

�Die Stationierung irakischer Truppen an der Grenze
zu Kuwait ist ein offenkundiger Versuch des Irak,
den UN-Sicherheitsrat so einzuschüchtern, daß er
über seine Bedingungen für eine Aufhebung des
Erdölembargos verhandelt. Der Sicherheitsrat läßt
sich durch diese Taktik nicht einschüchtern. Eine
solch provokative und dumme Handlung war nicht
notwendig. Wenn Saddam Hussein das unseres
Erachtens Erforderliche getan hätte - eine Befolgung
aller Resolutionen des Sicherheitsrats und Demonstration der "friedlichen Absichten" des Irak - wäre
diese Lockerung der Sanktionen mit der Zeit von
selbst erfolgt. Durch diese Aktion führte der Irak
jedoch selbst Rückschritte herbei. Kann irgend
jemand ernsthaft glauben machen, daß diese
Handlung typisch für eine Nation ist, die ihre friedlichen Absichten demonstrieren möchte? Würde
irgend jemand diese vom Irak gestellten Bedingungen gutheißen, wieder in die Gemeinschaft verantwortungsbewußter Nationen aufgenommen zu
werden?
Die größte Ironie an der Sache ist, daß diese Aktion
von manchen auf die Ungeduld des Irak angesichts
des Leidens seiner Bevölkerung zurückgeführt und
als Wunsch interpretiert wird, sich von dem Würgegriff der Sanktionen zu befreien. Die irakischen
Behörden verfügen jedoch über genug Geld, eine
der weltweit größten Armeen zu unterhalten und
über genug Geld, für miliärische Operationen zu
zahlen, sei es zur Unterdrückung der in den südlichen Sumpfgebieten lebenden Araber oder zur
Bedrohung Kuwaits. Es sollte jetzt allen klargeworden sein, daß die irakische Regierung die Verantwortung für das Leiden ihrer Bevölkerung trägt.
Die irakischen Truppen wurden erneut, wenn auch
auf doppeldeutige Weise, zusammengezogen - auf
eine Art, die stark dem doppelzüngigen Ansatz
ähnelt, den der Irak bei seinen diplomatischen
Antworten an die UNO in den vergangenen vier
Jahren wählte. Trotz der Behauptung, die irakischen
Truppen seien vollständig abgezogen worden, wurde
eine Division der Republikanischen Garde zum nur
eine Stunde von der kuwaitischen Grenze entfernten
Nasariyah verlegt. Wieder einmal scheint der Irak
nichts gelernt und alles vergessen zu haben. Und
Saddam Hussein scheint die Entschlossenheit dieser
Kammer im Zusammenhang mit der Bedrohung
Kuwaits testen zu wollen.
Aus diesem Grund ist die heute von uns angenommene Resolution so entscheidend. Die darin enthaltene Botschaft ist klar. Der Irak muß alle im Süden
des Landes stationierten Einheiten zu ihren ursprünglichen Standorten zurückverlegen. Er darf
keinerlei Aktionen zur Verbesserung seiner militärischen Fähigkeiten im südlichen Irak unternehmen.

Seite 2

Der Irak darf nie erneut sein Militär einsetzen, um
seine Nachbarn oder die UNO-Operationen im Irak zu
bedrohen. Ferner muß er mit der Sonderkommission
der Vereinten Nationen (UNSCOM) zusammenarbeiten. Da die irakische Regierung nicht glaubwürdig ist, muß sie an ihren Taten, nicht an ihren
Worten gemessen werden. Wir können nicht zulassen, daß die Androhung nicht provozierter Aggression
erneute Aggression hervorbringt.
Die Geschichte des Irak unter der Führung Saddam
Husseins ist eine lange Liste gebrochener Verpflichtungen. Hätten wir Saddam irgendwann beim Wort
genommen, er würde die ihm auferlegten Bedingungen einhalten, und in unserer Wachsamkeit nachgelassen, würden wir heute hier vielleicht eine andere
Art von Diskussionen führen, womöglich darüber, wie
eine zweite irakische Invasion in Kuwait verhindert
werden kann. Welches Motiv, Ziel und welchen
Anspruch Saddam auch gehabt haben mag - nur die
internationale politische und militärische Reaktion hat
diese feindliche Aktion im Keim erstickt.
Warum sollte es mehr als vier Jahre nach der irakischen Invasion in Kuwait so schwierig für den Irak
sein, Resolution 833 des Sicherheitsrats zu befolgen
und die kuwaitisch-irakische Grenze anzuerkennen?
Ich möchte Sie daran erinnern, daß der Irak 1991
zusagte, er akzeptiere Resolution 687 des Sicherheitsrats und erkenne die kuwaitischen Grenzen an.
Dennoch weigerte er sich in den vergangenen drei
Jahren konsequent, den Namen "Kuwait" auszusprechen, und bezeichnete das Land immer als "19.
Provinz" des Irak. Die Ereignisse der letzten Woche
lassen wohl keinen Zweifel daran, daß die irakischen
Versprechungen wertlos sind.
Aus diesem Grund überzeugt uns die jüngste Erklärung des Irak nicht, er sei bereit zur Anerkennung
der Souveränität und Grenzen Kuwaits. Wenn diese
Behauptung irgendeinen Wert haben soll, müssen ihr
eindeutige Taten folgen. Der Irak muß die Souveränität, territoriale Integrität und Grenzen Kuwaits auf
dieselbe Art und Weise anerkennen, auf die er der
Annexion Kuwaits Ausdruck verlieh: Mit einer vom
Revolutionären Kommandorat und dem irakischen
Parlament ratifizierten Erklärung, die im nationalen
Amtsblatt veröffentlicht und diesem Sicherheitsrat
offiziell übermittelt wird.
Wir möchten die Tatsachen klarstellen. Sprecher der
irakischen Regierung bemühen sich übereinstimmend, Wahrheit als Lüge und Lüge als Wahrheit zu
definieren. Sie werden keinen Erfolg haben. Wenn
der Irak eine Aufhebung der Sanktionen anstrebt,
kann er das durch die Befolgung der Resolutionen
des Sicherheitsrats erreichen. Wenn die führenden
irakischen Politiker sich Sorgen über das Elend des

AMERIKA DIENST 41

�irakischen Volkes machen, sollten sie sich der
existierenden humanitären Ausnahmeregelungen
bedienen und die Einschüchterungskampagne gegen
die Bevölkerung im Norden und Süden des Landes
einstellen. Sollte die Regierung in Bagdad der
Ansicht sein, unsere Wachsamkeit im Süden bedeute, wir würden militärische Bewegungen im Norden
des Landes nicht beachten, hat sie sich geirrt.
Diese einstimmige Abstimmung sollte eine deutliche
Botschaft sein.
Herr Präsident, der Irak sollte gewarnt sein und
wirklich verstehen, daß er die Unerschütteriichkeit,
Einigkeit und Entschlossenheit dieses Rates und der

internationalen Staatengemeinschaft nicht unterschätzen darf, weiteren Herausforderungen für
Frieden und Sicherheit in Kuwait, in der Region und
der Welt zu begegnen.
Abschließend möchte ich diesem Rat versichern, daß
meine Regierung alle angemessenen Maßnahmen
ergreifen wird, falls der Irak die Bestimmungen dieser
Resolution und die mit allen anderen relevanten
Resolutionen einhergehenden Verpflichtungen nicht
einhält.
Vielen Dank, Herr Präsident.

* * * * *

AMERIKA DIENST 41

Seite 3

�KRIEGSVERBRECHEN
19. Oktober 1994

INTERNATIONALES TRIBUNAL FORDERT
AUSLIEFERUNG DES KRIEGSVERBRECHERS
Der Fall Dusan Tadic
GENF - (AD) - Das Internationale Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien gab am 14.
Oktober bekannt, daß es bei der Bundesregierung
wahrscheinlich die Auslieferung eines derzeit in der
Bundesrepublik inhaftierten bosnischen Serben
beantragen wird, der Kriegsverbrechen begangen
haben soll.
Bei seiner ersten öffentlichen Anhörung am 4.
November 1994 wird das Tribunal entscheiden, ob
es die Bundesregierung um die Übertragung der
Zuständigkeit an das Tribunal im Falle von Dusan
Tadic ersucht.
Der diesbezügliche Antrag wird einer Pressemitteilung des Internationalen Kriegsverbrechertribunals
vom 14. Oktober 1994 zufolge vom Oberstaatsanwalt des Tribunals, Richter Richard Goldstone,
einer Kammer von drei Richtern vorgelegt.
Der Sprecher des Tribunals Christian Chartier
beschrieb Tadic als den möglicherweise "schlimmsten Fall" des Tribunals. Vorliegende Beweismittel
deuten darauf hin, daß Tadic "tief verstrickt" in die
brutale Kampagne der ethnischen Säuberung von
NichtSerben in der Region Prijedor nach der Besetzung des Gebiets durch die Serben ist, äußerte
Chartier in einem Telefoninterview aus Den Haag,
dem Sitz des Tribunals.
Tadic wurde jeden Tag in den berüchtigten, von den
Serben geführten Lagern in der Nähe von Prijedor
gesehen, und Augenzeugen berichten, sie hätten ihn
bei der Ermordung von mindestens 10 Gefangenen
beobachtet.
Manchmal in militärischer, manchmal in ziviler
Kleidung wurde Tadic dabei beobachtet, wie er
Nichtserben aus ihren Häusern in der Nähe von
Prijedor vertrieb, dem Gebiet, "in dem die ganze
Geschichte der ethnischen Säuberungen erstmals
der Welt vor Augen geführt wurde", so Chartier.
Nach seiner Festnahme im Februar 1994 in München befindet sich Tadic zur Zeit in Deutschland in

AMERIKA DIENST 41

Haft und ist Gegenstand andauernder Ermittlungen
durch die Bundesregierung und das Tribunal.
In seinem Antrag auf Übertragung der Zuständigkeit
an das Tribunal argumentiert der Staatsanwalt, die
Ermittlungen des Tribunals beinhalteten "zusätzliche,
angeblich von Tadic begangene Vergehen, die nicht
Bestandteil der Ermittlungen durch die Bundesregierung sind".
Der Staatsanwalt stellt ferner fest, daß seine eigenen
Ermittlungen "auch Aussagen zahlreicher zusätzlicher
Augenzeugen außerhalb Deutschlands" enthalten und
auf "potentielle Mittäter" verweisen könnten, die nicht
unter die deutsche Gerichtsbarkeit fallen.
Die von Dusan Tadic angeblich begangenen Taten
"wären eine klare Verdeutlichung des Plans für die
weitverbreitete und systematische Verfolgung der
Zivilbevölkerung in der Region (im allgemeinen als
'ethnische Säuberung' bezeichnet)", heißt es in dem
Antrag.
Der Staatsanwalt wird den Vorschlag unterbreiten,
jeder offizielle Antrag auf Übertragung der Zuständigkeit solle beinhalten, daß Deutschland Tadic weiterhin
in vorläufigem Gewahrsam hält", bis das Tribunal
einen Haftbefehl ausgestellt hat.
Wenn das Tribunal einen Haftbefehl für Tadic ausstellt, würde er in einen besonderen Zellentrakt des
Tribunals überstellt, der zur Zeit in einem holländischen Gefängnis eingerichtet wird. Chartier zufolge
können in dem Zellentrakt bis zu 25 Personen
gleichzeitig untergebracht werden.
Auf die Frage, wann der Prozeßtermin anberaumt sei,
erklärte Chartier, eine solche Vorhersage sei unmöglich. Er erläuterte, die andauernden Ermittlungen
gegen Tadic seien voraussichtlich langwierig und
gründlich, weil sie eine der brutalsten Episoden der
ethnischen Säuberungen zum Inhalt hätten und weil
andere Kriegsverbrecher von den Ergebnissen
betroffen sein könnten.

Seite 1

�Zusätzlich zu Deutschland sind in weiteren drei
Ländern - der Schweiz, Österreich und Dänemark vermeintliche Kriegsverbrecher in Haft, fügte Chartier
hinzu. Das Tribunal hat die Entscheidung getroffen,
einen derzeit vor einem dänischen Gericht verhandelten Fall nicht zu übernehmen, weil der Verdäch-

tigte nicht Gegenstand andauernder oder voraussichtlicher Ermittlungen des Tribunals ist.
Der Staatsanwalt hat noch keine Stellungnahme im
Hinblick auf die Fälle in Österreich und der Schweiz
vorgenommen.

* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 41

�LANDMINEN
19. Oktober 1994

VERBOT VON LANDMINEN GEFORDERT
Bericht der Vereinten Nationen
VEREINTE NATIONEN - (AD) - Der einzige Weg,
der zerstörerischen Kraft von über 110 Millionen, in
mehr als 64 Ländern verteilten, nicht explodierten
Landminen Einhalt zu gebieten, ist den Vereinten
Nationen zufolge ein Verbot dieser tödlichen Waffen.
In einem Anfang Oktober der UN-Generalversammlung vorgelegten Bericht wird festgestellt, "Landminen sind womöglich eine der am stärksten verbreiteten, tödlichsten, dauerhaftesten Arten von
Zerstörung, mit denen wir je konfrontiert wurden, und
wir kämpfen derzeit vergeblich um einen Schutz
unschuldiger Zivilisten vor ihren Auswirkungen".
"Selbst bei einer bedeutenden Verstärkung der
Bestrebungen zu ihrer Entschärfung und vorhersagbarer technologischer Fortschritte wird es unmöglich sein, das globale Problem der Landminen
zu lösen, wenn ihre Weiterverbreitung nicht gestoppt
wird", so der Bericht. "Die beste und effektivste
Methode hierzu ist das vollständige Verbot von
Herstellung, Einsatz und Verlegung aller Landminen.
Die Mitgliedstaaten werden gebeten, die Verhängung
eines solchen Verbots als dringliche Angelegenheit
zu erörtern."
Im vergangenen Jahr forderte die UN-Generalversammlung ein Moratorium für den Export von gegen
lebende Ziele gerichteten Landminen. Ferner bat sie
UN-Generalsekretär Boutros Boutros-Ghali, einen
Bericht über diese Initiative vorzulegen und andere
Maßnahmen zu empfehlen, die zur Exportbeschränkung dieser Waffen ergriffen werden könnten.
Die Botschafterin der Vereinigten Staaten bei den
Vereinten Nationen, Madeleine Albright, legte bei der
49. Generalversammlung die amerikanischen Prioritäten dar und erklärte: "Wir werden ein multilaterales Regime zur Kontrolle der Weiterverbreitung von
gegen lebende Ziele gerichteten Landminen fordern
sowie ein Moratorium über den Export dieser kostengünstigen aber tödlichen Waffen."

AMERIKA DIENST 41

Die Generalversammlung soll sich ab dem 25.
Oktober 1994 mit diesem Thema befassen.
Von allen Folgen eines Konflikts stellen Landminen
den Vereinten Nationen zufolge die am stärksten
verbreitete und bösartigste Gefahr dar. Zusätzlich zu
den schätzungsweise 110 Millionen bereits existierenden Minen werden jedes Jahr zwischen zwei und fünf
Millionen weiterer Landminen verlegt.
Die Minen haben noch lange Zeit nach Beendigung
des Konflikts tödliche Wirkung. Sie zielen darauf ab,
zu töten, zu verletzen, bewegungsunfähig zu machen,
in Kriegszeiten die Saat der Unsicherheit und des
Chaos zu säen und erfüllen ihre tödliche Mission so
lange, bis sie gefunden und entschärft werden. Sie

machen keinen Unterschied zwischen Soldaten und
Zivilisten, zwischen Panzern oder Traktoren, so der
Bericht der Vereinten Nationen.
Dem Internationalen Komitee des Roten Kreuzes
zufolge werden jeden Monat mehr als 800 Menschen
von Landminen getötet und Tausende weiterer
verstümmelt.
Landminen fordern nicht nur von den betroffenen
Staaten, sondern von der gesamten internationalen
Staatengemeinschaft einen enormen Tribut. Eine
Landmine, die ihrem Verkäufer drei Dollar einbringt,
verursacht der internationalen Staatengemeinschaft
Kosten zwischen 300 und 1.000 Dollar jährlich. Allein
die Entschärfung der derzeit 110 Millionen weltweit
vergrabenen Landminen würde ungefähr 33 Milliarden Dollar kosten.
1993 stellte die internationale Staatengemeinschaft
ungefähr 70 Millionen Dollar zur Entschärfung von
ungefähr 100.000 Landminen zur Verfügung. Während desselben Zeitraums wurden jedoch ungefähr
zwei Millionen neuer Minen verlegt, wodurch die
internationale Staatengemeinschaft jährlich ein
"Entschärfungsdefizit" sowie 1,4 Milliarden Dollar
weiterer Kosten hat.

Seite 1

�Schätzungen von Experten zufolge werden ungefähr
40 bis 50 Jahre benötigt, um die Minen zu beseitigen.
Dem Bericht der Vereinten Nationen zufolge enthalten diese Kosten nicht die Programme zur Behandlung von Minenopfern.
Schätzungen der Vereinten Nationen zufolge verursacht jedes überlebende Opfer von Landminen
während seines Lebens Kosten von nahezu 3.000
Dollar für chirurgische Eingriffe und Prothesen unter
Einsatz von örtlich ausgebildetem Personal. Zur Zeit
beläuft sich die Zahl amputierter Minenopfer auf
ungefähr 250.000. Medizinische Versorgung und
weitere Unterstützung der Opfer könnten die internationale Staatengemeinschaft derzeit weitere 750
Millionen Dollar kosten, und es wird erwartet, daß
sich die Zahl der Opfer monatlich um ungefähr 800
erhöht.
"Dieses riesige humanitäre Problem", so der Bericht,
"kann nur durch die Einrichtung eines wirksamen
Kontrollregimes gelöst werden, das Produktion,
Einsatz und Verlegung aller Landminen strenge Beschränkungen auferlegt."
Der Bericht empfiehlt femer die Ausweitung des
Entschärfungsprogramms der Vereinten Nationen,
großzügige Finanzierung eines freiwilligen Treuhandfonds für Maßnahmen zur Beseitigung von Landminen und Hilfe für einzelne Länder bei der Entwicklung ihrer eigenen Minenräumprogramme.
1992 stellten die Vereinigten Staaten ein unilaterales
Moratorium für den Export von Minen auf. Die
Produktion in den Vereinigten Staaten ist jedoch
geringfügig. Trotz des internationalen Vertrags von
1980 über die Beschränkung des Einsatzes von
Landminen werden diese von 35 Ländern hergestellt

*

Seite 2

*

und exportiert. Führend sind dem Bericht zufolge
China, Rußland und Italien.
"Natürlich bin ich mir bewußt, daß ein einseitiges
Exportmoratorium einer Nation keine Lösung ist",
äußerte Senator Patrick Leahy 1993 vor der Generalversammlung. "Ziel des amerikanischen Moratoriums ist es, als Katalysator konzertierter internationaler Aktionen zur Beendigung dieses sinnlosen Gemetzels an Unschuldigen zu dienen."
Folgende Länder sind am stärksten von dem Problem
der Landminen betroffen: Afghanistan mit 9 bis 10
Millionen Minen, Angola mit 9 bis 15 Millionen, Irak
mit 5 bis 10 Millionen, Kuwait mit 5 Millionen, Kambodscha mit 8 bis 10 Millionen, westliche Sahara mit
1 bis 2 Millionen, Mosambik mit 1 bis 2 Millionen und
Somalia, Bosnien-Herzegowina und Kroatien mit je
einer Million.
Weitere betroffene Länder sind Armenien, Aserbaidschan, Kolumbien, El Salvador, Äthiopien, Georgien,
Guatemala, Honduras, Iran, Laos, Liberia, Myanmar,
Nicaragua, Peru, Ruanda, Sudan, Uganda, Vietnam
und Jemen. Australien und die Antarktis sind vielleicht die einzigen Länder ohne Minenfelder.
Die Konvention von 1980 über "Verbote oder Beschränkungen beim Einsatz bestimmter konventioneller Waffen mit außergewöhnlich verletzenden oder
wahllosen Auswirkungen" und ein damit in Verbindung stehendes Protokoll über den Einsatz von
Minen, versteckten Sprengladungen und anderer
Vorrichtungen traten im Dezember 1983 in Kraft. Sie
verbieten den Einsatz von Landminen gegen Zivilisten, den Abwurf von Minen durch Flugzeuge, falls
über die Abwurfstellen nicht Buch geführt wird und
fordern, daß über jegliche Verlegung von Minen
Protokoll geführt wird. Die Verträge wurden jedoch
nur von 36 Nationen ratifiziert.

*

*

AMERIKA DIENST 41

�FULBRIGHT
19. Oktober 1994

AUSTAUSCHPROGRAMME ALS BESTANDTEIL
DER AMERIKANISCHEN AUSSENPOLITIK
Rede von Botschafterin Hunt
WIEN - (AD) - In einer Rede vor der Fulbright Alumni Association erklärte die Botschafterin der Vereinigten
Staaten in Österreich, Swanee Hunt, Austauschprogramme auf den Gebieten Bildung und Kultur seien ein
ernsthaftes Anliegen und wichtiger Bestandteil der amerikanischen Außenpolitik.
"Vieles hat sich nach dem Ende des Kalten Krieges verändert. Die Ost und West trennende Mauer ist gefallen.
Anstelle von neuen Mauern zwischen den Nationen bauen wir Brücken, deren Seile und Stahlträger
Austauschprogramme wie das Fulbright-Programm sind."
Hunt zufolge können wir es uns "nicht länger leisten, Innen- und Außenpolitik voneinander zu trennen. Sie sind
die beiden Pfeiler, die diese Brücken tragen." Die Botschafterin ging anschließend auf viele Aspekte der Innenund Außenpolitik Präsident Clintons ein und beschrieb ihre Auswirkungen auf die amerikanisch-europäische
Partnerschaft.
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text der Rede von Botschafterin Hunt.

Es ist mir eine Ehre, heute vor solch einer Gruppe
renommierter Intellektueller sprechen zu dürfen.
Das erinnert mich daran, was John F. Kennedy
einmal bei einem Abendessen im Weißen Haus zu
Ehren mehrerer Nobelpreisträger äußerte: "Meines
Erachtens handelt es sich heute um die außergewöhnlichste Vereinigung von Talent und menschlichem Wissen im Weißen Haus, vielleicht mit
Ausnahme der Zeit, als Thomas Jefferson hier allein
sein Abendessen einnahm."
Diese außergewöhnliche Ansammlung von Talent
und menschlichem Wissen heute abend ist durch ein
Band verknüpft - das Fulbright-Programm. Dieses
Austauschprogramm existiert seit nahezu 50 Jahren.
Es bestand während des gesamten Kalten Kriegs.
Seit dem Ende des Kalten Kriegs hat sich viel
verändert.
Fulbright-Stipendiaten kommen aus
vielen neuen Ländern und gehen in viele neue
Länder. In zahlreichen Staaten ist jegliche Art von
Austausch viel freier geworden.
Immer mehr Fulbright-Stipendiaten kommen in die
Vereinigten Staaten, um dort zu lehren und zu
lernen. Ich hoffe, daß Sie das Beste mit zurück
nach Hause nehmen, das Amerika zu bieten hat.

AMERIKA DIENST 41

Einige Dinge sollten sie jedoch besser zurücklassen.
Erinnern Sie sich an Henry Kissingers Beschreibung
der Fakultätsstreitigkeiten auf dem Campus? Die
Kämpfe sind so intensiv - weil so wenig auf dem
Spiel steht.
Ich sollte es wissen. Ich bin seit 10 Monaten Botschafterin und war 20 Jahre lang an der Universität.
Ich muß darauf hinweisen, daß diejenigen, die aufs
College gehen und es nie verlassen, als Professoren
bezeichnet werden. Aber Sie sind mehr als Professoren. Sie sind Fulbright-Wissenschaftler. Und Sie
wissen, wie die Definition von Wissenschaft lautet:
Der Versuch, ein Thema erschöpfend zu behandeln,
indem zuerst der Leser zur Erschöpfung getrieben
wird.
Ich hoffe, Sie heute abend nicht zur Erschöpfung zu
treiben - zumindest nicht mit weiteren Anekdoten.
Austauschprogramme in den Bereichen Bildung und
Kultur - wie das Fulbright-Programm - sind ein
ernsthaftes Anliegen. Sie sind ein wichtiger Bestandteil der amerikanischen Außenpolitik. Während neue
Technologien wie Satellitenfernsehen und weltweite
Computernetze die entferntesten Teile der Erde
erreichen, wird Kommunikation ein unerläßliches
Element der nationalen Sicherheit. Das US-Informa-

Seite 1

�tionsamt (United States Information Agency - USIA),
das für die Verwaltung des Fulbright-Programms
verantwortlich ist, bezeichnet das als "Öffentlichkeitsarbeit".
Beim Fulbright-Programm geht es um kulturübergreifende Kommunikation. Selbst die alten Römer
kannten ihren Wert. Der Schriftsteller Quintilian
erklärte: "Es ist wichtig, nicht nur verstanden zu
werden, sondern auch nicht mißverstanden zu
werden." Das war nie wichtiger als heute. Aber es
birgt auch Schwierigkeiten.
Beispielsweise verfügen die Vereinten Nationen
angeblich über Computer, die Übersetzungen von
einer Sprache in eine andere anfertigen können.
Wenn die übersetzten Passagen wieder in die
Originalsprache zurückübersetzt werden, kämen im
Idealfall die ursprünglichen Worte heraus. Sprache
ist jedoch nicht wie Mathematik. Man ließ einen
Computer einen gängigen englischen Satz ins
Russische und wieder zurück ins Englische übersetzen. Eingegeben wurde: "Aus den Augen, aus
dem Sinn." Die Rückübersetzung lautete: "Unsichtbarer Wahnsinn."
Man könnte den Kalten Krieg als unsichtbaren
Wahnsinn bezeichnen, aber wir verloren ihn zweifellos niemals aus den Augen, aus dem Sinn. Vieles
hat sich nach dem Ende des Kalten Krieges verändert. Die Ost und West trennende Mauer ist
gefallen. Anstelle von neuen Mauern zwischen den
Nationen bauen wir Brücken, deren Seile und
Stahlträger Austauschprogramme wie das FulbrightProgramm sind.
Wir können es uns auch nicht länger leisten, Innenund Außenpolitik voneinander zu trennen. Sie sind
die beiden Pfeiler, die diese Brücken tragen. Am
heutigen Abend möchte ich Ihnen zuerst eine Idee
von den innenpolitischen Herausforderungen der
Clinton-Administration vermitteln und mich danach
der Außenpolitik widmen.
Ich werde Ihnen eine Geschichte erzählen. Nicht
weit von mir entfernt, in Denver, lebt ein kleiner
Junge namens Joey. Er ist sieben Jahre und ein
kluges Kind, mußte aber in der Schule bereits eine
Klasse wiederholen. Er ist hyperaktiv - ein Problem
der Disziplin - und kann sich anscheinend nicht
konzentrieren. Vielleicht liegt es an seinem Leben
zu Hause. Er hat eigentlich gar keins. Er hat zu
Hause keinen Vater und weiß überhaupt nicht, wer
sein Vater ist. Seine Mutter, die gerade erst 20
geworden ist, weiß ebenfalls nicht, wer sein Vater
ist. Sie war 13 Jahre als, als Joey geboren wurde.

Seite 2

Joey lebt mit seiner Mutter, seiner Großmutter,
seinem kleinen Bruder und ständig wechselnden
Besuchern. Sie sind von staatlicher Hilfe abhängig.
Sie haben kaum genug Geld zum Leben, und obwohl
Joey noch so jung ist, mußte er bereits feststellen,
daß die wohlhabendsten Menschen in seiner Nachbarschaft die Drogenhändler sind.
In Joeys Zuhause spielt Bildung keine Rolle. Es gibt
dort keine Bücher, vielleicht weil seine Mutter Analphabetin ist. Joey hätte an einem staatlichen
Programm teilnehmen können, das Kinder auf die
Schule vorbereitet, aber das Geld der Bundesregierung reichte einfach nicht aus, um ihn mit einzubeziehen. Das ist vielleicht die größte Tragödie. Wenn
in Joey nicht bald ein Interesse an Bildung geweckt
wird, wird er nie etwas lernen - und wahrscheinlich
den Rest seines Lebens in Armut verbringen.
Joeys Geschichte ist typisch für die Tragödien, die
einen Teil der amerikanischen Gesellschaft zerstören.
Derzeit leben 25 Prozent der amerikanischen Kinder
in Armut.
Die Clinton-Administration arbeitet Tag und Nacht,
um Menschen wie Joey aus dieser Hoffnungslosigkeit
und Hilflosigkeit herauszuhelfen. Wir tun das auf
unterschiedliche Weise, indem wir die Wirtschaft auf
eine solide Grundlage stellen: Steuererhöhungen für
den reichsten Prozentsatz der Bevölkerung, Umlenkung der staatlichen Ausgaben, Abbau des
Haushaltsdefizits. Dies war ein notwendiger erster
Schritt. Ohne eine gesunde, wachsende Wirtschaft,
die gute Arbeitsplätze bereitstellt, sind andere Reformen nicht möglich.
Die Administration bekämpft auch direkt die Art von
sozialen Problemen, für die der Fall Joey stellvertretend ist. Wir wissen, daß Bildung und Ausbildung
die Schlüssel zu unserer Zukunft sind. Eine der
ersten Handlungen der Administration bestand in der
Verlängerung der Finanzierung des schulischen
Vorbereitungsprogramms, das auch Joey hätte helfen
können. Wir müssen den Teufelskreis der Armut
durchbrechen, die Wurzeln des Übels bekämpfen, die
Gesundheitsfürsorge ausweiten und unsere Menschen auf die Arbeitsplätze der Zukunft vorbereiten.
Wir haben einen dramatischen und erfolgreichen
Anfang gemacht. Ein Dutzend verschiedener Initiativen sind vom Kongreß gebilligt worden und
haben Gesetzeskraft erlangt. Präsident Clinton
steuert die Vereinigten Staaten in die richtige Richtung, um auch für die Zukunft Wohlstand und die
weltweite Führungsrolle unseres Landes sicherzustellen.

AMERIKA DIENST 41

^
t

�Was haben innenpolitische Reformen mit weltweiter
Führungsrolle zu tun? Sehr viel. Die Vereinigten
Staaten können nicht im Ausland stark sein, wenn
sie nicht im Inland stark sind. Es stimmt, daß der
Präsident innenpolitischen Angelegenheiten enorme
Energie und Aufmerksamkeit widmet. Wahr ist aber
auch, daß er die Außenpolitik nicht vernachlässigt.

beträchtlich erhöht. Die Wirtschaftsreformen mit
Schwerpunkt auf der Privatisierung werden schnell
vorangetrieben. Wir unterhalten neue Beziehungen
zu einem demokratischen, nicht feindlich gesinnten
Rußland. Anstatt ärgerlich mit dem Schuh auf den
Tisch zu hauen, klopfen wir uns freundschaftlich auf
den Rücken.

Nun zum zweiten Pfeiler unserer Brücke, der Außenpolitik. Seit dem Ende des Kalten Krieges hat sich
unsere Politik gegenüber Europa auf die amerikanisch-russischen Beziehungen, nukleare Sicherheit,
Toleranz zwischen den Rassen, freien Handel und
die Partnerschaft für den Frieden konzentriert. Ich
möchte heute abend kurz auf jeden dieser Punkte
eingehen.

Die Präsidenten Jelzin und Clinton haben auf ihrem
jüngsten Treffen viele Fragen erörtert. In diesem Teil
Europas haben wir ein besonderes Anliegen: Die
Kontrolle über die Atomwaffen der ehemaligen
Sowjetunion, ihre Bestandteile und Materialien. Die
Presseberichte über das Auftauchen kleiner Mengen
atomwaffenfähigen Materials auf dem europäischen
Schwarzmarkt waren äußerst alarmierend. Noch
schlimmer ist, daß einige taktische Nuklearwaffen so
klein sind, daß sie im Kofferraum eines Wagens
untergebracht werden können.

Die Unterstützung der Reformen in Rußland ist
Präsident Clintons oberstes außenpolitisches Ziel.
Er ist gerade zum fünften Mal innerhalb von zwei
Jahren mit Präsident Jelzin zusammengetroffen.
Diese Treffen haben bereits so oft stattgefunden,
daß sie Routine zu sein scheinen.
Was für ein Kontrast zu den amerikanisch-russischen Gipfeltreffen aus der Zeit des Kalten Krieges,
von denen viele hier in unserer Residenz in Hiezing
stattfanden. (Es waren hochdramatische Veranstaltungen). Die Welt hing bei jeder Äußerung an
unseren Lippen. Es schien um Leben und Tod zu
gehen, und das war in der Tat so. All das ist jetzt
anders. Die beiden Präsidenten sprechen jetzt nicht
über die Vermeidung von Krieg, sondern über den
Aufbau einer besseren Zukunft. Man muß sich an
diesen Wandel erst einmal gewöhnen. Schließlich
haben wir den Großteil unseres Lebens mit der
Angst gelebt, die gesamte Menschheit könnte durch
einen Knopfdruck ausgelöscht werden.

r

Während des Kalten Krieges war das Kernstück der
amerikanisch-sowjetischen Beziehungen die "Risikoverringerung". Wir glaubten den Worten Andrei
Sacharows, der äußerte: "Die Verringerung des
Risikos der Vernichtung der Menschheit durch einen
Atomkrieg hat absolute Priorität."
Die sicherheitspolitische Situation ist jetzt vollkommen verändert. Die Vereinigten Staaten reduzieren
beschleunigt ihr Nuklearwaffenarsenal. Halten Sie
sich das vor Augen. In den letzten Jahren haben wir
die Anzahl nuklearer Gefechtsköpfe um die Hälfte
reduziert, das gesamte Atomwaffenarsenal um
ungefähr 60 Prozent und die Zahl unserer nichtstrategischen Atomwaffen um nahezu 90 Prozent.
Rußland hat ebenfalls enorme Fortschritte gemacht.
Seit der Belagerung des russischen Weißen Hauses
vor einem Jahr hat sich die politische Stabilität

AMERIKA DIENST 41

Die Herausforderung ist enorm. Rußland besitzt ein
großes und vielfältiges Atomwaffenarsenal, das auf
über 100 Orte in der gesamten Sowjetunion verteilt
ist. Viele dieser Waffen haben veraltete Sicherheitsvorrichtungen. Sie müssen schnell zerlegt werden.
Der Rest muß sicher gelagert werden.
Unter der Führung Präsident Clintons haben wir
bereits mehrere Programme ins Leben gerufen, um
die Kontrolle über diese Materialien zu verbessern.
Unsere beiden Länder werden schon bald Informationen austauschen und die Atomwaffenlager des
jeweils anderen Landes besuchen. Vor wenigen
Jahren wäre das noch undenkbar gewesen.
Dasselbe gilt auch für die Ereignisse vor einem
Monat in Totskoye, im entlegendsten Teil Rußlands.
Amerikanische Truppen hielten ein gemeinsames
Manöver mit russischen Streitkräften ab. Das Manöver fand auf demselben Übungsplatz statt, auf dem
die Sowjets in den fünfziger Jahren überirdische
Atomtests durchführten. Die Streitkräfte hatten sich
früher am Fulda Gap, der innerdeutschen Grenze
gegenübergestanden. Damals hielten sie Manöver
ab, um im Kriegsfall gegeneinander zu kämpfen.
Jetzt üben sie, um sich gemeinsam für den Frieden
einsetzen zu können.
Das alles ist sehr ermutigend. Wir dürfen jedoch
nicht vergessen, daß das Ende des Kalten Krieges
nicht alles verändert hat. Auf diesem Kontinent
finden noch Kämpfe statt, nicht länger zwischen
Totalitarismus und Demokratie, sondern zwischen
Integration, Toleranz und Einbeziehung einerseits und
Zersplitterung, Intoleranz und Ausgrenzung andererseits.
Europas langfristige sicherheitspolitische
Herausforderungen entstehen jetzt ebenso aus

Seite 3

�internem ethnischem Haß wie aus externer militärischer Aggression.
Ethnischer Haß trägt in vielen Ländern zu innenpolitischer Instabilität bei. Die Angst vor Ausländern ist
im Innersten der Menschen verwurzelt. Sie hat Einwanderung zu einem Wahlkampfthema werden
lassen.
Das ist verständlich. Wenn die Welt wie ein Schiff
ist, drohen Bewegungen von Menschenmassen, es
zum Kentern zu bringen. 125 Millionen Menschen jeder fünfte Mensch auf der Erde - haben ihr Heim
entweder als Flüchtling oder als Migrant verlassen.
Ein plötzlicher Anstieg der Flüchtlingszahlen kann
Nachbarländer überwältigen, wie es bei den nach
Zaire fliehenden Ruandern der Fall war. Ein stetiger
Flüchtlingsstrom kann Ressentiments hervorrufen,
wie gegenüber den Ausländern in Deutschland. Die
neue Weltordnung droht zu einer Weltunordnung zu
werden - einem chaotischen Fluß desorientierter
Migranten.
Nationalismus, ethnischer Haß und Intoleranz sind
mächtige, gefährliche Kräfte. Sie verursachen den
größten Ausbruch von Gewalt und Blutvergießen in
Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Wir
können es uns nicht leisten, dem untätig zuzuschauen. Wenn diese Gewalt nicht eingedämmt wird,
könnte sie sich verbreiten. Die Tragödie in Bosnien
könnte der Vorläufer einer neuen, schreckenerregenden Ära sein, die von Massenmigration, Fremdenfeindlichkeit und wirtschaftlicher Erschütterung
gekennzeichnet ist.
Wir sollten die von Nelson Mandela vor einigen
Tagen bei den Vereinten Nationen geäußerten
Worte im Gedächtnis behalten: "Bei allem, was wir
tun ... müssen wir sicherstellen, daß Hautfarbe,
Rasse und Geschlecht nur ein Geschenk Gottes an
jeden einzelnen darstellen und nicht ein unauslöschliches Zeichen oder Merkmal, das einem Menschen
einen besonderen Status verleiht. Wir müssen auf
den Tag hinarbeiten, an dem ... wir einander als
gleichberechtigte menschliche Wesen sehen und
behandeln und als Teil einer Nation, die durch ihre
Vielfalt geeint, statt zerrissen wird.
Der Krieg im ehemaligen Jugoslawien hat uns
gelehrt, daß wir frühzeitig handeln müssen, um
Konflikte einzudämmen, die andernfalls außer
Kontrolle geraten könnten. Europa hat in diesem
Jahrhundert zweimal solche Konflikte erlebt - und die
Vereinigten Staaten waren zweimal darin verwickelt.
Wir haben daraus eine Lektion gelernt: Daß wir uns
nicht aus Europa zurückziehen können. Der Preis
war zu hoch. Wir beschlossen vielmehr, beteiligt zu
bleiben und am Wiederaufbau Europas teilzuneh-

Seite 4

men. Zwischen 1948 und 1953 erhielt allein Österreich durch den Marshallplan 962 Millionen Dollar gemessen am heutigen Geldwert nahezu 50 Milliarden Schilling. Das Geld war gut angelegt.
Zu Hause habe ich die Videoserie von Hugo Portisch
über die zweite österreichische Republik. Die Bilder
von Wien im Jahr 1945 haben mich stark bewegt:
Die Stadt lag in Schutt und Asche, die Menschen
zogen in Scharen zum Fluß, um Wasser zu holen
und drängten sich um die Lebensmittelausgaben.
Wieviel hat sich hier in kurzer Zeit verändert! Ein
Freund erzählte mir, wie er in einem Restaurant
seinen Ausweis vorlegen mußte, nur um ein Messer
und eine Gabel zu bekommen. Jetzt zückt man
einfach die Kreditkarte - und leidet nur, wenn man die
monatliche Abrechnung erhält.
Österreich steht für die Art von Wohlstand, Stabilität
und Demokratie, die wir im gesamten ehemaligen
Ostblock anstreben. Zur Erreichung dieses Ziels
müssen wir mehr anbieten als nur Ratschläge und
Hilfe. Wir müssen auch die Hindernisse für aus
diesen Ländern stammende Waren und Dienstleistungen abbauen.
Ich weiß, daß das erschreckend klingt. Farmer und
Landwirte in den Vereinigten Staaten hatten aus
demselben Grund große Vorbehalte gegen das
Nordamerikanische Freihandelsabkommen. Es ist
jedoch sinnvoll. Nur Handel, nicht Hilfe kann die
Einführung von Demokratie und Marktwirtschaft in
diesen Staaten sicherstellen.
Wir müssen jedoch nicht nur unsere Handelsbeziehungen neu überdenken, sondern auch die Bedeutung der europäischen Sicherheit neu definieren. Es
ist an der Zeit, "die neue europäische Sicherheitsarchitektur" auf einer festen Grundlage der Zusammenarbeit und Integration zu bauen. Zu diesem
Zweck gestalten wir die NATO, das erfolgreichste
politische und militärische Bündnis der Geschichte,
um. Unter der Führung Präsident Clintons hat die
NATO die Partnerschaft für den Frieden geschaffen.
Bob Hunter, der Botschafter der Vereinigten Staaten
bei der NATO, erzählt davon, wie die Partnerschaft
für den Frieden erfunden wurde - am Tisch seiner
Residenz in Brüssel während eines Wochenendseminars vorfast 13 Monaten. Viele Menschen mußten
harte Arbeit leisten, um die Partnerschaft für den
Frieden ins Leben zu rufen. Aber halten Sie sich vor
Augen, wie weit sie bereits gediehen ist. Nahezu ein
Jahr nach diesem Wochenendseminar trafen viele
dieser Menschen im polnischen Poznan zu einer
"Cooperative Bridge" genannten Übung zusammen.
900 Soldaten aus 13 Ländern nahmen daran teil. Sie

AMERIKA DIENST 41

�schienen der Routine des Soldatenlebens zu folgen,
aber sie machten in Wirklichkeit Geschichte.
Die Partnerschaft für den Frieden funktioniert.
Mehrere Länder, die bereits Mitglieder der Partnerschaft geworden sind, möchten jetzt vollwertige
Mitglieder der NATO werden. Und das wird auch
wahrscheinlich geschehen. Wie Präsident Clinton im
Sommer in Warschau äußerte, ist es eine Frage des
Wann und Wie, nicht ob die NATO neue Staaten
aufnimmt.

Die europäisch-amerikanische Partnerschaft besteht
jedoch aus mehr als nur der Partnerschaft für den
Frieden. Wir haben ein reiches gemeinsames Erbe
an Menschen, Ideen und Kultur. Wir haben in den
letzten 50 Jahren zusammen viel erreicht. Es bleibt
jedoch noch viel zu tun, und zahlreiche Herausforderungen liegen vor uns.
Die Welt ist zu klein, Europa und Amerika sind zu
eng verbunden, als daß wir uns jetzt voneinander
abwenden könnten. Unsere Länder sind durch
zahllose Brücken miteinander verbunden. Das
Zeitalter der Mauern gehört der Vergangenheit an.

* * *

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Seite 5

�LITERATUR
19. Oktober 1994

ANNIE PROULX - EIN AMERIKANISCHES ORIGINAL
von Alice Steinbach
BALTIMORE - (AD) - E. Annie Proulx, eine bescheidene Schriftstellerin mittleren Alters, Gewinnerin
verschiedener Literaturpreise, einschließlich des Pulitzerpreises und des PEN/Faulkner Awards, wird als
einzigartige literarische Stimme gewürdigt, die "die Wahrheit über die menschliche Seele" sagt.
Veröffentlichung und Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von The Baltimore Sun. Copyright (c) 1994
The Baltimore Sun Company.
Alice Steinbach ist als Journalistin bei The Sun tätig

Die Schriftstellerin E. Annie Proulx, die im vergangenen Jahr fast jeden großen Literaturpreis gewann,
wurde gerade gefragt, wie man sich als literarisches
Gegenstück der Popsängerin Whitney Houston fühle.

Namen haßt sie) Proulx, die allein in der kleinen,
ländlichen Stadt Vermont in Vershire lebt.
"Es hat mein altes, ruhiges Leben völlig durcheinandergebracht", sagt sie über die mit ihrer neuen

"Du liebe Güte!", ruft sie und bricht angesichts der

Berühmtheit einhergehende Publicity.

bloßen Vorstellung einer solch seltsamen Verbindung in Gelächter aus. Aber trotz ihres Amüsements versteht Annie Proulx den Vergleich zwischen
ihrer Person und der Sängerin, die für ihren Song "I
Will Always Love You" zahlreiche Auszeichnungen
erhielt.

Stille gewöhnt, an ununterbrochene und stetige
Versunkenheit in die Arbeit und an sehr konzentriertes Arbeiten." Sie macht eine Pause und stößt
einen kleinen Seufzer aus. "Es ist schrecklich, aber
es hört nicht auf, und daher muß ich lernen, damit zu
leben."

Sie versteht ihn aus folgendem Grund. Während nur
eines Jahres gewann Proulx fünf große Preise,
einschließlich des Pulitzerpreises 1994 für Literatur,
für zwei Romane - im übrigen die einzigen Romane,
die sie geschrieben hat.

Aber die Frau, die auf die Nachricht, ihr werde der
Pulitzerpreis verliehen, mit der Aussage reagierte, sie
müsse ihre Teppiche saugen, es sei eine staubige
Jahreszeit, räumt ein, sie sei nicht allzu traurig über
die Ereignisse, die ihr Leben veränderten. Lächelnd
stellt sie fest: "Es gefällt einem natürlich nicht, daß
man bei der Arbeit unterbrochen wird, aber gleichzeitig ist man sehr froh. Und es macht auch großenteils
viel Spaß. Es macht einfach Spaß."

Das ist keine schlechte Leistung für eine Frau, deren
erster Roman, Postcards, 1991 erschien, als die
Autorin 56 Jahre alt wurde. Für Postcards wurde
ihr der PEN/Faulkner Award verliehen - als erster
Frau, die jemals diesen begehrten Preis erhielt. Ihr
zweiter, 1993 veröffentlichter Roman, The Shipping
News, brachte ihr den Pulitzerpreis für Literatur, den
National Book Award und den Heartland Prize der
Chicago Tribüne ein sowie den internationalen
Literaturpreis der Irish Times.
Was für ein gutes Jahr das war. Und was für ein
einschneidendes Jahr im Leben von Annie (vergessen Sie das E. - es steht für Edna, und diesen

AMERIKA DIENST 41

"Ich bin an

Unerwartete Äußerungen - so ist Annie Proulx. Es
macht also einfach Spaß. Das kommt unerwartet,
weil ihre Romane, besonders Postcards, etwas
Existentialistisches haben. In dem Buch zeigt beispielsweise die Hauptfigur, Loyal Blood, eine Einstellung zum Leben, die Proulx' eigene Ansichten
widerzuspiegeln scheint: "Das Leben verstümmelt
uns auf verschiedene Weise", erklärt Blood, "aber
meiner Ansicht nach holt es jeden ein. Es holt einen
immer wieder ein, und eines Tages gewinnt es."

Seite 1

�Während ihres jüngsten Besuchs in Washington
zeigte Proulx kaum ihre melancholische Seite. Sie
lacht - was sie häufig tut - auf die Frage, ob sie sich
wünsche, die Anerkennung sei früher erfolgt.
"Manchmal wünsche ich mir das schon, besonders
wenn Fotografen dabei sind. Ich denke mir dann:
Warum konnte all das denn nicht geschehen, als ich
jung und hübsch war?"

Bibliotheken, afrikanisches Kunsthandwerk, Cidre und
Salatsorten für Dutzende von Zeitschriften". Erst vor
sechs Jahren fing sie an, ganztags zu schreiben. Sie
hatte schon immer Prosa und Gedichte geschrieben,
aber die Notwendigkeit, "etwas auf den Tisch zu
bringen", hatte sie davon abgehalten, diese Tätigkeit
ausschließlich auszuüben; als sie es schließlich tat,
zweifelte sie wie die meisten Schriftsteller an ihrem
Talent.

Sie kann anfänglich allerdings einschüchternd
wirken. Dies ist teilweise darauf zurückzuführen,
daß ihr der Ruf vorauseilt, sie sei brilliant und
bestimmten - persönlichen - Fragen von Journalisten
gegenüber intolerant. Und teilweise, weil jeder
Leser ihrer Bücher sofort erkennt, daß Annie Proulx
selbstbewußt ist. Das ist eine gefährliche Eigenschaft, die ihr die Freiheit gibt, die Wahrheit zu
sagen - wie Thoreau es tat - zumindest die Wahrheit, wie sie sie sieht.

"Sie war zuerst sehr schüchtern, nicht persönlich
schüchtern - sie hat eine gute, starke Persönlichkeit sondern in literarischer Hinsicht", erklärt der Schriftsteller Edward Hoagland, einer ihrer Freunde. "Sie
zögerte, sich um ein Stipendium zu bemühen, weil
sie Angst hatte, nicht gut genug zu sein. Aber ich
drängte sie dazu. Und sie bekam es." Er macht eine
Pause. "Meines Erachtens hat sie jetzt ein sehr
gesundes Selbstbewußtsein."

Es ist eine der Eigenschaften, die ihr den PEN/Faulkner Award einbrachten, so der Romanschriftsteller Frederick Busch, einer der drei Schiedsrichter
bei diesem Wettstreit. "Wir gaben ihr den Preis, weil
sie ein absolut amerikanisches Original ist", erklärt
er. "Sie hatte eine einzigartige Stimme, die von
niemandem geprägt wurde... Als Leser ist man
davon überzeugt, daß sie die Wahrheit über die
menschliche Seele sagt."

Diese Art von gesundem Selbstbewußtsein gestattet
ihr, Bücher mit detaillierten Beschreibungen wie der
Geschichte der Elektrizitätsversorgung ländlicher
Gebiete, Uranabbau, Schiffsbau, Reparaturarbeiten
am Haus und der Knüpftechnik zu veröffentlichen.
Es käme ihr eigenen Angaben zufolge nie in den
Sinn, sich zu fragen, ob die Elektrizitätsversorgung
ländlicher Gebiete vielleicht ein Thema ist, über das
ihre Leser in einem Roman nichts lesen wollen.

Und es ist klar, daß Proulx, trotz ihrer Abneigung
gegenüber Fragen über ihre Vergangenheit, ein
Leben gelebt hat, das die Konfrontation mit einer
Vielzahl menschlicher Gefühle erforderte. Sie wurde
in Connecticut als Älteste von fünf Töchtern geboren
und zog in ihrer Kindheit infolge der Beschäftigung
ihres Vaters in der Textilbranche von Bundesstaat zu
Bundesstaat. Anfang der fünfziger Jahre brach sie
ihre Ausbildung am Colby College ab, "um zwei
entsetzliche Ehen, New York, den Fernen Osten und
die Armut einer alleinerziehenden Mutter mit zwei
Kindern zu erleben".

Sie lacht. "Deswegen gefällt mir das Thema ... Ich
liebe Unbekanntes und Seltsames und vertiefe mich
gerne darin. Für mich ist es langweilig, über etwas
zu schreiben, das man schon kennt."

1963 ging sie an die University of Vermont, machte
ihren Abschluß mit Auszeichnung und promovierte
1975 an der Montrealer Sir George Williams University in Geschichte mit Schwerpunkt Wirtschaftsgeschichte der Renaissance, Nordkanada und das
traditionelle China. Zu dieser Zeit hatte sie bereits
eine dritte Ehe und eine dritte Scheidung hinter sich
gebracht (und einen dritten Sohn geboren, aber sie
äußert zu diesem Kapitel ihrer Vergangenheit keine
Einzelheiten).
Als alleinerziehende Mutter brachte Proulx ihre drei
Söhne als freiberufliche Schriftstellerin durch. Von
1975 bis 1988 "schrieb sie Artikel über das Wetter,
Äpfel, Kanufahrten, Berglöwen, Mäuse, Kochkunst,

Seite 2

Tatsächlich lautet ihrer Meinung nach der schlechteste Rat, den man einem Schriftsteller geben kann:
'"Schreib über das, was Du kennst.' Und meines
Erachtens sind schlechte Ratschläge verantwortlich
für die entsetzlichen, in sich versponnenen Romane,
mit denen der Markt derzeit überschwemmt wird. Mir
erscheint es langweilig, über das zu schreiben, was
man kennt. Und ich sehe absolut keine Notwendigkeit und habe absolut kein Interesse daran, über mich
selbst oder mein Leben zu schreiben. Das kenne ich
ja. Ich interessiere mich für eine Geschichte. Mir
gefällt das Unbekannte, und ich erschaffe gerne auf
dem Papier eine Figur und lebe eine Zeitlang sehr
intensiv deren Leben."
Ihr Freund Robert F. Jones sieht dennoch die Annie,
die er kennt, in einigen ihrer Charaktere. "Ihre
weiblichen Figuren haben die direkte Vision, innere
Stärke und vernünftige Einstellung, die Annie zu
eigen sind." Und in ihrem ruhelosen männlichen
Protagonisten, Loyal Blood, sieht Jones "Annies
Wunsch, so weit und so oft wie möglich in der Welt
herumzureisen, um zu sehen, wie sie funktioniert."

AMERIKA DIENST 41

&lt;

I

j

l

�Das wirft eine interessante Frage auf: Warum, wird
Proulx gefragt, hat sie bei beiden Romanen eine
männliche Hauptfigur gewählt? "Vielleicht hat es
damit zu tun, daß ich in einer Familie mit fünf Töchtern aufwuchs", mutmaßt sie. "Ich vermißte eigentlich die Männer. Und meines Erachtens sind Männer ein ausgezeichnetes Thema. Für mich ist es
interessanter, über Männer zu schreiben und etwas
über ihren Charakter herauszufinden - über ihre
Gedanken und ihr Inneres."
Und woher bezieht sie ihre Kenntnisse über die
Gefühle und Gedanken der Männer? Proulx' Augen
hinter ihrer schmucklosen Brille nehmen durch ihren
stetigen Blick gefangen. "Ich vermute", äußert sie
und macht nach jedem Wort eine Pause,"- und das
mag meinerseits voreilig erscheinen - daß Männer
menschlich sind." Dann lacht sie. "Ich habe wirklich
das Gefühl, daß Männer im Innersten in vielen,
wenn auch nicht in allen Fällen, wie Frauen funktionieren."
Offensichtlich gelang ihr die Darstellung des männlichen Blickwinkels bei Quoyle, der Hauptfigur in The
Shipping News. "Ich kann Ihnen gar nicht sagen,
wieviele Männer zu mir kamen und sagten: 'Dieser
Quoyle, das bin ich. Quoyle ist wie ich.' Und das
waren sehr erfolgreiche, bedeutende Männer, die
sich im Innersten wie Quoyle fühlen, dieser ungeschickte, stotternde, drittklassige Dummkopf."
Ihre Annahme, Männer und Frauen seien "menschlich" und hätten dasselbe "Gefühl der Unsicherheit"
zeugt von dem, was sie als ihren "Mangel an Geschlechtsbewußtsein" bezeichnet. Die Tatsache,
daß sie als erste Frau den PEN/Faulkner Award
(unter den früheren Kandidatinnen waren Cynthia
Ozick und Anne Tyler) erhielt, hat für sie keine
besondere Bedeutung. "Ich halte das einfach nicht
für wichtig. Ich neige dazu, keine scharfe Trennlinie
zwischen dem Verhalten von Männern und Frauen
zu sehen."
Sie interessiert sich jedoch für den Feminismus.
"Auf jeden Fall. Ich gestatte mir jedoch nicht den

*

AMERIKA DIENST 41

Luxus einer politischen Haltung. Das entspricht nicht
meiner Natur. Ich bin von Berufs wegen eine Beobachterin. Ich bin keine Feministin, und ich bin
keine Gegnerin des Feminismus."
Dennoch ist sie etwas beunruhigt über ein kürzlich
veröffentlichtes Buch, Failing at Falrness, das sich
mit dem Problem der unfairen Behandlung von
Mädchen in der Schule befaßt. "Als ich dieses Buch
letzte Woche las, bekam ich ein sehr ungutes Gefühl.
Immer wieder dachte ich: 'Was stimmt nicht mit
diesen Mädchen ohne Rückgrat, die sich so behandeln lassen?' Hier wird ein Mythos geschaffen. Was
mir daran nicht gefällt, ist wohl die Tatsache, daß
Mädchen als 'Mädchen' abgestempelt werden - daß
ein Mädchen ein Ding, anstatt einer ausgeprägten
Persönlichkeit ist."
Es ist jedoch nicht der Stil von Annie Proulx, darüber
zu urteilen. Sie fällt keine Urteile. "Ich bin ausgebildete Historikerin", erklärt sie. "Und ich habe wohl
eine objektivere Einstellung." Selbst in ihrer Kindheit
mit allen Umzügen zu neuen Schulen und an neue
Orte sei sie immer schon Zuschauerin gewesen, die
Neue, die kommt und beobachtet. Neben dieser Idee
einer beobachtenden Natur werden Proulx' Werke
vom Thema Wandel dominiert. Es dominiert auch
ihre Gedanken. "Wandel ist Teil meines Lebens.
Und natürlich hat mein siebenjähriges Geschichtsstudium das noch verstärkt. Darum geht es beim
Studium der Geschichte - um Übergang. Zumindest
für mich. Das bestärkte erneut die Anziehung, die
Veränderungen auf mich haben."
Mit ihrem plötzlichen Erscheinen als Stern im Literatenhimmel kann Annie Proulx einen anderen Übergang beobachten und absorbieren. Zur Zeit denkt sie
jedoch über einen neuen Roman nach, der Accordion Crimes heißen soll.
"Es geht darin über die zweite und dritte Generation
von Amerikanern und ihren Sinn für ethnische Identität, der in Akkordionmusik eingebettet ist", erzählt
Proulx und kann dabei ihre Begeisterung kaum
kontrollieren. "Es wird sehr viel Spaß machen."

* * *

*

Seite 3

�</text>
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T»1j

BfSTI

Information
%ind
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

19. November 1980

51

INHALT

INFORMATION
Fachgruppen für die Regierungsü'bernahme gebildet
- Reagan ernennt weitere Mitarbeiter für die Übergangszeit

DOKUMENTATION
Erklärung des amerikanischen Chefdelegierten _i_n Madrid
- Griffin B. Bell legt amerikanische Haltung zur
KSZE-Folgekonferenz dar -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Saturnsystem - Eine Welt voller Rätsel
- Unerklärliche Strukturen - Kleinmonde als "Ordnungshüter1
für Ringmaterie? -

Um Übcr/cndung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 0 3 0 0
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Tel: 0228-89 32 40
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Information
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

19. November 1980

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FACHGRUPPEN FÜR DIE REGIERUNGSÜBERNAHME GEBILDET
Reagan ernennt weitere Mitarbeiter für die Übergangszeit -

WASHINGTON - (AD) - Die für die Regierungsübernahme eingesetzte Arbeitsgruppe des neugewählten amerikanischen Präsidenten Ronald Reagan hat die Bildung von fünf Fachgruppen bekanntgegeben, die jeweils für eine Reihe sachlich
in einem Zusammenhang stehender Ministerien und Behörden zuständig sind.
Die fünf Bereiche sind: Nationale Sicherheit, Ressourcen und Entwicklung, Soziales, Wirtschaft sowie Recht und Verwaltung. Eine Sondereinheit
der Übergangsmannschaft wird die Berichte der Gruppen entgegennehmen und auswerten. Die einzige Stelle, die vom designierten Präsidenten ermächtigt worden ist, in der Übergangszeit für den Regierungswechsel verantwortlich zu
zeichnen,ist das "Office of Executive Branch Management" - Amt für die Verwaltung der Exekutive. Dies teilte das Amt des Pressesekretärs Reagans am 12,
November 1980 auf der ersten Pressekonferenz im neubezogenen Übergangshauptquartier mit.

Nationale

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Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Nationale Sicherheit
Für den Bereich "Nationale Sicherheit" ist Dr. David M. Abshire zuständig.

Dieser Bereich umfaßt das Außenministerium, das Verteidigungsministerium,

das Zentralamt für Nachrichten und Abwehr (CIA), die Behörde für Internationale Entwicklungszusammenarbeit, das Amt für Rüstungskontrolle, das Amt für
Internationale Kommunikation (USICA), die Verwaltung für Kriegsteilnehmer, die
Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (Weltbank), die Gesellschaft für Privatinvestitionen in Übersee, die Kommission für die Regelung
ausländischer Ansprüche sowie der Ausschuß für Internationale Rundfunk- und
Fernsehsendungen.
Dr. Abshire, 54, ist Leiter des Zentrums für Strategische und Internationale Studienan der Georgetown-Universität, das er selbst 1962 mitgegründet
hat. Er ist ein bekannter Publizist, der noch heute an der von ihm gegründeten Zeitschrift "Washington Quarterly" mitarbeitet und drei Bücher veröffentlicht hat.
Von 1970 - 73 war Dr. Abshire Unterstaatssekretär im amerikanischen
Außenministerium; er ist Mitglied der Kongreßkommission für die Organisation
der Regierung auf dem Gebiet der Außenpolitik und war der erste Vorsitzende
des Ausschusses für Internationale Rundfunk- und Fernsehsendungen.
Dr. Abshire stammt aus Chattanooga, Tennessee; er hat die Amerikanische
Militärakademie absolviert und an der Georgetown-Universität zum Dr. phil.
promoviert.

Ressourcen und Entwicklung
Für den Bereich "Ressourcen und Entwicklung" wurde Richard Fairbanks eingesetzt.

Dieser Bereich umfaßt das Landwirtschaftsministerium, das Energie-

ministerium, die Energie-Aufsichtskommission, das Innenministerium, die Umweltschutzbehörde, die Nuklear-Aufsichtskommission, das AIaska-Erdgas-Transport- 2 -

§

�Transportsystem, die Warenhandelskommission, die Landwirtschaftskreditbehörde,
die Tennesseetal-Behörde (TVA), die Gesellschaft für künstliche Brennstoffe,
das Büro für die Verhandlungen über den Status von Mikronesien und das Bundesamt für Luft- und Raumfahrt (NASA).
Richard Fairbanks, 39, stammt aus Indianapolis, Indiana, und hat mit Auszeichnung seine Studien an der juristischen Fakultät der Columbia-Universität
und an der Yale-Universitä't abgeschlossen.
Er ist Partner der Washingtoner Rechtsanwaltsfirma Beveridge, Fairbanks
und Diamond.

Drei Jahre lang gehörte er dem Innenpolitischen Beirat des

Weißen Hauses an, wo er für Bodenschätze, Energie und Umwelt zuständig war.
Fairbanks arbeitete ferner für das Bundesamt für Umweltschutz und gehörte dem
Bürgerbeirat Präsident Fords für Umweltqualität an.

Soziales
Für den Bereich "Soziales" wurde Elizabeth Hanford Dole berufen. Dieser
Bereich umfaßt das Erziehungsministerium, das Ministerium für Gesundheit und
Sozialwesen, das Ministerium für Wohnungsbau und städtische Entwicklung, das
Gremium "Action", die Verwaltung für Gemeindeangelegenheiten, den Bundesrat
für ältere Menschen, die Verwaltung der Nationalen Kreditunion.
Elizabeth Hanford Dole, 44, ist mit Senator Robert Dole aus Kansas, Vizepräsidentschaftskandidat der Republikanischen Partei im Jahr 1976, verheiratet.
Sie war Vorsitzende der Vereinigung der Wähler für Reagan-Bush und aktiv am
Wahl kämpf beteiligt.

Von 1973 bis 1979 gehörte sie der Bundeshandelskommission

an,und von 1969 bis 1973 war sie Stellvertretende Sonderberaterin des Präsidenten für Verbraucherangelegenheiten.

Sie besitzt den akademischen Grad eines

Bachelor of Arts der Duke-Universität, eines Master of Education der HarvardUniversität und hat ein Jura-Studium an der Harvard-Universität abgeschlossen.
Sie gehört ferner dem Aufsichtsrat der Duke- und der Harvard-Universität an und
ist Mitglied zahlreicher Gremien und Kommissionen.
Wirtschaft

�Wirtschaft
Für den Bereich "Wirtschaft" wurde Stanton D. Anderson berufen.

Dieser

Bereich umfaßt das Handelsministerium, das Finanzministerium, das Verkehrsministerium, den Rat für Lohn- und Preisstabilität, das Amt des Sonderbeauftragten für Handelsverhandlungen, den Währungsbevollmä'chtigten, die ExportImport-Bank, den Aufsichtsrat der Bundeshypothekenbank, das Bundesamt für
Klein- und Mittelbetriebe, die Internationale Handelskommission, die Bundesdepositenversicherungsgesellschaft, die Bundesbank (Bundesreservesystem), den
Bundesausschuß für Verkehrssicherheit, die Regionalen Entwicklungskommissionen,
den Ausschuß für Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen, das Arbeitsministerium,
die Bundesbehörde für Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen, den Bundesdienst
für Vermittlung und Aussöhnung, den Nationalen Vermittlungsausschuß, die Kommission für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz und die Bundesspar- und
Kreditversicherungsgesellschaft.
Stanton D. Anderson, 40, ist Manager der internationalen Anwaltsfirma
Surrey und Morse.

Von 1973 bis 1975 war er Stellvertretender Unterstaats-

sekretär im amerikanischen Außenministerium und davor zwei Jahre lang Sonderberater des Präsidenten.
Im Wahl kämpf fungierte Anderson als Berater des Reagan-Bush-Komitees.
Anderson hat ein Jurastudium an der Willamette-Universität mit Auszeichnung abgeschlossen und an der juristischen Zeitschrift dieser Universität gearbeitet.

Davor hatte er das Westmont-College besucht und sich als Basket-

ballspieler in Amerika einen Namen gemacht.

Ferner war er Mitglied der Korn-

mission des Präsidenten für Personal fragen gewesen.

Recht und Verwaltung
2.

Für den Bereich "Recht und Verwaltung" wurde Loren A. Smith ernannt.
Dieser Bereich umfaßt das Justizministerium, die Allgemeine Verwaltung, das

�das Personalamt, die U.S.-Eisenbcthngesellschaft, den Ausschuß für die Zivilluftfahrt, die Bundesfernmeldekommission, die Bundeshandelskommission, die
Kommission flir den zwischenstaatlichen Handel (Handel zwischen den Einzel Staaten der USA), die Börsenaufsichtskommission, die Bundesschiffahrtskommission,
das Verbrauchsgüteraufsichtsamt, das Bundesamt für Notstandsplanung, die Natonale Stiftung der Wissenschaften, die Beratungskommission für zwischenstaatliche Beziehungen, den Amerikanischen Postdienst (Bundespost), die Bundeswahlkommission, die Kommission zum Schutz besonderer Verdienste, das SmithsonianInstitut, die National Stiftung für die schönen Künste, die National Stiftung
für die Humanwissenschaften, den Beirat für die Erhaltung historischer Werte,
die Posttarifkommission, die Bürgerrechtskommission, die Kommission für die
Gleichheit der Beschäftigungschancen sowie verschiedene weitere Ausschüsse
und Kommissionen.

Smith, 35, war zwei Mal Chefberater des Reagan-Wahl kämpfausschusses gewesen, und zwar 1976, als Reagan in der Nominierung der Republikanischen Partei
gegen Gerald Ford unterlag, und erneut 1980, als Reagan die Nominierung erreichte.

Seine juristische Ausbildung erhielt Smith an der Northwestern University
in Evanston, Illinois, und er spezialisierte sich bald auf Verfassungsrecht.
Derzeit hat er eine Professor für Verfassungsrecht an der Universität von
Delaware in Wilmington inne.

Smith war als Mitarbeiter des Sonderberaters

im Weißen Haus und auch für die Bundesfernmeldekommission tätig gewesen und
hat zahlreiche juristische Artikel veröffentlicht.

Office of the Executive Branch Management

In das Amt für die Verwaltung der Exekutive, das»wie gesagt»für den Regierungswechsel verantwortlich zeichnet, hat Reagan eine Reihe erfahrener
Mitarbeiter berufen.

William E. Timmons, 49, wurde zu einem der Stellvertreten-

den Direktoren dieses Amtes ernannt.

Er ist von seiner Beraterfirma, Timmons

and Company, Inc., beurlaubt und war Reagans Manager auf dem Parteikonvent in
- 5-

�in Detroit.

Timmons war als Berater im Senat, Repräsentantenhaus und Weißen

Haus tätig gewesen.
Frank A. Whetstone, 66, wurde zum Ersten Berater des Amtes berufen.
Whetstone hat eine eigene Firma für Bürobedarf und ist an zahlreichen Unternehmen in Montana beteiligt.

Er ist seit langem in der Republikanischen

Partei aktiv und hat die Wahl kämpfe von Dewey, Taft, Nixon, Goldwater und
Reagan unterstützt.
Stanley Ebner, 46, wurde zum Koordinator des Amtes ernannt.

Ebner ist

Vizepräsident einer großen Firma und war bereits als Berater für das Justizministerium und das Weiße Haus tätig.

Er hat an der Yale-Universität studiert.

John M. Nugent, 36, hat den Posten des persönlichen Assistenten von
Timmons erhalten.

Er ist Vizepräsident von Timmons and Company und war be-

reits für die Bundesenergiebehörde tätig.

13 Teams für die Ministerien
Das Übergangshauptquartier Reagans hat ferner die Ernennung von 13 Teams
für die Überleitung in den Ministerien bekanntgegeben.

Dazu gehören unter

anderem:
Für das Außenministerium ist Robert E. Neumann, Vizepräsident des Zentrums
für Strategische und Internationale Studien an der Georgetown-Universität zuständig. Neumann war früher amerikanischer Botschafter in Afghanistan und in
Marokko.
Zuständig für das Verteidigungsministerium ist William Van Cleave, Professor für Internationale Beziehungen an der Universität von Südkalifornien
und Mitglied der amerikanischen SALT-Delegation von 1969 bis 1971.

�Für das Finanzministerium ist Gerald Parsky, Sozius der Anwaltsfirma
Gibson, Dünn und Crutcher in Los Angeles, zuständig.

Von 1974 bis 1977 war

Parsky Unterstaatssekretär für Internationale Angelegenheiten im Finanzministerium.
Für das Energieministerium zuständig ist Michel Halbouty, Geologe und
Erdölfachmann.

Er ist Spezialist für die Salzlager im Golf von Mexiko, Gast-

professor an der Technischen Hochschule von Texas und Vorsitzender der Stiftung für Geowissenschaften und Bodenschätze.
Richard Lyng, Unternehmensberater, ist für das Landwirtschaftsministerium
zuständig.

Er hatte unter Präsident Nixon einen Posten in diesem Ministerium

inne und war von 1973 bis 1979 Präsident des amerikanischen Fleischinstituts.
Zum Direktor des Büros für die Beziehungen zum Kongreß wurde Tom Korologos,
Vizepräsident von Timmons and Company und Rechtsberater der Nixon- und FordAdministration, ernannt; zu seinem Stellvertreter Paul A. Russo.

- 7 -

�1

II
I 3

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

19, November 1980

51

ERKLÄRUNG DES AMERIKANISCHEN CHEFDELEGIERTEN IN MADRID
- Griffin B. Bell legt amerikanische Haltung zur
KSZE-Folgekonferenz dar -

MADRID - (AD) - Griffin B. Bell, der Leiter der amerikanischen Delegation,
die in Madrid am Folgetreffen der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit
in Europa (KSZE) teilnimmt, legte in seiner Rede am 13. November 1980 die amerikanische Haltung dar.
Seine Erklärung hat folgenden Wortlaut:
Herr Vorsitzender:

Es ist nur zu angemessen, daß dieses zweite Folge-

treffen der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa im demokratischen Spanien stattfindet.

Seit den Tagen der Königin Isabella hat Spanien

in Europa eine bedeutsame Rolle gespielt, und eswaren die Erkundungsfahrten
des Kolumbus, der unter der spanischen Krone segelte, die die Verbindung zwischen der Alten und der Neuen Welt herstellten - eine Verbindung, der auf unserer Konferenz Rechnung getragen wird.

Und es ist ebenfalls angemessen, daß

die spanische Delegation von Javier Ruperez, meinem hervorragenden Kollegen
geleitet wird, denn wir erinnern uns noch gut an die aktive und konstruktive

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�konstruktive Rolle, die er bei den Verhandlungen über die Schlußakte von
Helsinki spielte.

Um die Anschauung meiner eigenen Delegation bezüglich

dieses historischen Dokumentes zum Ausdruck zu bringen, kann ich nichts Besseres tun, als die Worte seiner Majestät, Juan Carlos, des spanischen Königs,
zu zitieren.

Er sagte:

"Die Hauptthemen des internationalen guten Einver-

nehmens spiegeln sich in dem grundlegenden Dokument dieser Konferenz, der
Helsinki-Schlußakte des Jahres 1975 wider, im Hinblick nämlich auf Sicherheit
und Zusammenarbeit, auf Akte der Menschlichkeit, das Recht ungehinderter Kommunikation und auf die umfassende Aufrechterhaltung der Rechte des einzelnen
und der Gesellschaft."
Die Vereinigten Staaten verpflichten sich in vollem Umfang dem Prozeß,
der mit der Unterzeichnung der Schlußakte durch die Staatsoberhäupter unserer
35 Staaten einsetzte.

Wir sind diesem Prozeß verpflichtet, weil wir glauben,

daß er die solideste Grundlage darstellt, auf der wir unsere gegenseitigen
Beziehungen entfalten und stärken können. Auch unterstützen wir diesen Prozeß, weil er sich auf Prinzipien gründet, deren Wertbeständigkeit und Wahrheit durch unsere eigene Erfahrung im Verlauf unserer eigenen Geschichte als
unabhängiger Nation geprüft und bestätigt wurden.

Lassen Sie mich einige

Beispiele anführen:
- Die Schlußakte fordert Achtung vor der souveränen Gleichheit aller
Staaten. Dieses Prinzip war ein Prüfstein unserer geschichtlichen
Anfänge als Nation, denn wir mußten kämpfen, um unsere Souveränität
und nationale Identität zu etablieren und zu erhalten.
- Die Schlußakte proklamiert das Prinzip der Selbstbestimmung der Völker
- ein Prinzip, das unserer amerikanischen Revolution zugrundeliegt.
Ja, es paßt in dieses Bild, daß ein amerikanischer Präsident von visionärer Kraft, Woodrow Wilson, dieses Prinzip nach dem Ersten Weltkrieg verfocht, und daß seine Anstrengungen bei der Gründung mehrerer
der Staaten halfen, die jetzt auf dieser Konferenz vertreten sind.
Und es paßt dazu, daß mein Land heute an vordersten Stelle derjenigen

- 2 -

�derjenigen zu finden ist, die nach Selbstbestimmung dort rufen, wo
sie ignoriert oder verweigert wird.
- Schließlich beinhaltet die Schlußakte in ihrem eigentlichen Wesen das
hohe Prinzip der Menschenrechte und grundlegenden Freiheiten, ein Prinzip, das sich im Laufe der europäischen Aufklärung entwickelt hat, das
genährt wurde von so hervorragenden Denkern wie Locke und Voltaire,
und dem Thomas Jefferson mit jenen Worten unserer Unabhängigkeitserklärung seine Stimme geliehen hat, die lauten:
achten wir als selbstverständlich:

"Folgende Wahrheiten er-

daß alle Menschen gleich geschaffen

sind; daß sie von ihrem Schöpfer mit gewissen, unveräußerlichen Rechten ausgestattet sind; daß dazu Leben, Freiheit und das Streben nach
Glück gehören."
Lassen Sie daher niemanden an der Treue der Vereinigten Staaten zu den
Verpflichtungen zweifeln, die wir in Helsinki übernommen haben. Wir können
uns von diesen Verpflichtungen ebenso wenig abwenden, wie wir uns von unserem
eigenen Erbe als Nation abwenden können.
Die KSZE ist mehr als ein Dokument.
Prozeß

Sie ist ein dynamischer und positiver

- ein Prozeß, der langsam, aber sicher die Barrieren niederreißt, die
sich auf der Höhe des Kalten Krieges herausbildeten;
- ein Prozeß, der Menschen über die Trennungslinie zwischen Ost und West
hinweg zusammenführt;
- ein Prozeß, der den Austausch von Gedanken und Informationen sowie zunehmende wirtschaftliche Kontakte erleichtert;
- ein Prozeß, der jeden von uns dazu aufruft, die Verpflichtungen zu erfüllen, die wir in Helsinki eingegangen sind, und der jeden von uns dazu auf-

- 3 -

�aufruft, zu überprüfen, inwieweit diese Verpflichtungen erfüllt werden.
Dieses Treffen hier in Madrid ist die zweite bedeutsame Zusammenkunft
seit jenem historischen Tag in Helsinki«
Folgekonferenz sagen.

Lassen Sie mich ein Wort zur ersten

Das Treffen in Belgrad verdeutlichte, daß die KSZE ein

kontinuierlicher Prozeß ist, denn es bestätigte, daß die Staaten, die die
Schlußakte unterzeichnet haben, in regelmäßigen Abständen zusammenkommen können, um zu untersuchen, wie die gegenseitigen Verpflichtungen gewürdigt und
erfüllt werden.

Solch regelmäßige Prüfungen des Geleisteten sind notwendig.

Ohne sie müßte das große Unterfangen von Helsinki ein statisches, aber kein
dynamisches Konzept bleiben.

Es war daher für meine Regierung ein ermutigen-

des Zeichen, daß die Belgrader Konferenz - auch wenn die Diskussionen dort
manchmal schwierig, immer allerdings offen waren - übereinstimmend das Abhalten
eines ähnlichen Treffens in Madrid als nächsten wichtigen Schritt des HelsinkiProzesses vorsah.

Wir können nur hoffen, daß dieser Prozeß andauert und alle

Staaten zu der Erkenntnis gelangen, daß starke und zuversichtliche Regierungen
eine klare Sprache nicht zu fürchten brauchen - wer sie auch immer sprechen
mag.
Aufgrund unserer Überzeugung, daß die KSZE-Konferenz ein positiver
Prozeß und unabdingbar für die Förderung der Sicherheit und Zusammenarbeit
in Europa ist, wird meine Regierung vomanstehen, um durch ihre Mitarbeit
sicherzustellen, daß dieses Treffen in Madrid den KSZE-Prozeß auch weiterhin
stärkt.

Wir sind nicht um der Konfrontation und Polemik willen hier, sondern

um der konstruktiven Zusammenarbeit willen.
.

Herr Vorsitzender, alle um diesen Tisch herum werden während der nächsten
Wochen oft hören, daß die Worte der Schlußakte über die Menschenrechte und
die menschlichen Kontakte auf unterschiedliche Weise interpretiert werden müssen, wenn man sie an die verschiedenen Gesellschaftssysteme anlegt. Dieses
Argument ist falsch - und verletzt zutiefst den Geist unseres Unterfangens.
Die Männer und Frauen, die Bürger unserer Länder sind, besitzen die Menschenrechte nicht deshalb, weil sie diesem oder jenem Gesellschaftssystem ange-

�Turbulente Saturn-Atmosphäre
Ähnlich wie bei Jupiter, dem größten Planeten unseres Sonnensystems,
zeigt auch die Atmosphäre des schnell rotierenden, senfgelb erscheinenden
Saturn Wirbelbildungen und Turbulenzen.

VOYAGER näherte sich der Wolken-

obergrenze bis auf 124 000 km, um Fotos von dem gebänderten Gasball zu machen
und mit einem Infrarot-Instrument auf der sonnennahen und sonnenabgewandten
Seite die Wärmewerte an der Oberfläche zu erfassen.

Wie Jupiter, den VOYAGER 1

im März 1979 besuchte - und bei dieser Gelegenheit sogar aktive Vulkane auf
einem seiner Monde beobachtete -, gibt auch Saturn mehr Wärmeenergie ab, als
er von der Sonne empfängt.
Saturn, der zweitgrößte Planet, ist doppelt so weit von der Sonne entfernt wie Jupiter. So erhält er nur den vierten Teil der Sonnenenergie im
Vergleich zu seinem größeren Bruder und nur den hundertsten Teil des Sonnenlichts, das die Erde bekommt. Die Temperaturen sind entsprechend niedrig
- und das bedeutet, daß chemische und physikalische Prozesse äußerst langsam ablaufen. Möglich, daß auch die Wolkenbildung in tieferen Schichten der
Atmosphäre erfolgt und eine Dunstschicht darüber lagert, wie sie VOYAGER am
Saturnmond Titan entdeckte. Deshalb wohl leuchten die Saturn-Wolken weniger
hell als die des Jupiter.

Reigen der Monde
Während die so vielfach gegliederte "Scheibe" des Ringsystems nach bisheriger Kenntnis etwa 142 000 km weit in den Raum hinausreicht - vom Planetenmittelpunkt aus gerechnet -, hat das Mondsystem eine Ausdehnung bis nahezu
13 Millionen Kilometer.

Der äußerste Trabant, Phoebe, umkreist den Saturn in

12,96 Millionen km Entfernung.
Erde-Mond.

Das entspricht etwa dem 34-fachen Abstand

Dem Zentralkörper am nächsten ist, soweit man heute sagen kann,

der von VOYAGER entdeckte kleine Mond S-15.
Zwischen

�Zwischen dem 11. und 13. November passierte die VOYAGER-Sonde die Monde
Titan - größter und gleichzeitig einziger Mond im Sonnensystem mit einer
Atmosphäre -, Rhea, Dione und Iapetus.

Phoebe, Tethys, Mimas und Enceladus

folgten, ehe VOYAGER die Ringscheibe von Süd nach Nord durchstieß.
Das Bild von Titan ist das eines in eisiger Kälte existierenden Körpers.
Wolken aus Stickstofftröpfchen in einer hauptsächlich aus Stickstoff bestehenden Atmosphäre, über der eine wenig durchsichtige "Dunstglocke" liegt, liefern
Nachschub für riesige Seen, ja Meere von flüssigem Stickstoff auf der eisigen
Oberfläche.

Nahe der Obergrenze der Titanatmosphäre, die VOYAGER in etwa

4000 km Abstand passierte, wurden minus 98 Grad Celsius gemessen; tiefer in
der Atmosphäre, unterhalb der Wolken, waren es minus 203 Grad Celsius. Neben Verbindungen wie Acethylen und Methan erfaßte das Infrarotspektrometer
u.a. ein Spektrum, das dem von Zyanwasserstoff entspricht.
gilt als ein Baustein komplexer organischer Moleküle.
Meßdaten erst noch gründlich überprüft werden.
sphärischen Druck und die Tiefe der Gashülle.

Diese Verbindung

Allerdings müssen die

Gleiches gilt für den atmoSie läßt den Trabanten in

seinem 1,2 Millionen km weiten Orbit um den Saturn orangerot leuchten.
Die Wissenschaftler schließen nicht aus, daß der Druck an der Oberfläche
mindestens ähnlich, vielleicht sogar doppelt so groß ist wie das an der Erdoberfläche.

Und sie haben errechnet, daß die Wolken in der Titanatmosphäre

in den 4,6 Milliarden Jahren seit Entstehung dieses Mondes
an komplexen Kohlenwasserstoffen abgeschneit haben könnten.

bis zu 30 kg/qcm
Diese Verbindungen

würden inzwischen eine mehrere hundert bis tausend Meter dicke Schicht an der
Oberfläche bilden.

Carl Sagan beschrieb Titan als einen Ort, wo über Mil-

liarden Jahre komplexe organische Moleküle produziert worden sind, die sich
wegen der tiefen Temperaturen nur sehr langsam wieder zersetzen.

Dennoch -

ein "unwahrscheinlicher Ort" für die Entwicklung von Leben.
"Im Saturn-Orbit haben wir es mit Monden zu tun, wie wir sie noch nie
gesehen haben", sagte ein Geologe.

Sie bestehen vor allem aus Eis und machen

nur äußerst langsam ablaufende Veränderungsprozesse durch.

Art und Ursachen

solcher Prozesse müssen, sobald die Analysen der VOYAGER-Daten vorliegen, ein-

�eingehend erörtert werden.
Geradezu dramatisch wurde es im Beobachtungszentrum in Pasadena, als die
Monde Rhea (Durchmesser:
Monitoren erschienen:

1500 km) und Dione (Durchmesser:

1100 km) auf den

Ihre eisige Oberfläche zeigte Merkmale, die entstehen

könnten, wenn flüssige Massen aus dem Innern an die Oberfläche dringen und
dort "gefrieren".

Auf dem Mond Tethys (Durchmesser:

1020 km) war ein ca.

100 km breiter und mehrere hundert Kilometer langer Graben zu erkennen - und
entlang dieses Grabens eine deutliche Schichtbildung, wie von übereinanderliegenden Eisplatten.

Die Rückseite dagegen zeigte ein ganz anderes Gesicht

- sie ist übersät von Kratern. Auf dem Mond Enceladus (Durchmesser: 520 km)
waren rißähnliche und lineare Zeichnungen erkennbar, während die Oberfläche
von Mimas umgepflügt und zernarbt von Kratern erscheint.

+ + + + +

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�1
I

a

Uliz/en/chofl
und Technik
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19. November 1980

51

SATURNSYSTEM - EINE WELT VOLLER RÄTSEL
Unerklärliche Strukturen - Kleinmonde als "Ordnungshüter"
für Ringmaterie?

- (AD) - Wie schon so oft in der Geschichte der instrumentellen Weltraumforschung werfen auch die Ergebnisse des jüngsten Unternehmens, des Besuchs der amerikanischen Raumsonde VOYAGER 1 beim Planeten Saturn, sehr viel
mehr neue Probleme auf, als sie offene Fragen beantworten.

Daß beispiels-

weise die Struktur der Saturn-Ringe komplexer ist, als aufgrund der Beobachtungen von stationären Observatorien aus angenommen werden konnte, zeigten
schon im August/September 1979 die Fotos und Meßdaten der amerikanischen
Sonde PIONIER 11. Diese Sonde hatte jenseits der (von innen nach außen) mit
"C", "B" und "A" bezeichneten Ringe - die manche Astronomen um einen innersten
Ring "D" und einen äußeren Ring "E" ergänzt sehen wollten - einen schmalen
äußeren "F"-Ring sowie zwischen den beiden Saturn-Trabanten Rhea und Titan
einen dünnen "G"-Ring entdeckt.

Für die Existenz des "D"- und "E"-Rings da-

gegen brachten die PIONIER-Beobachtungen keine Bestätigung.
Völlig verändert aber ist nun das Saturn-Bild seit dem Vorbeiflug von
VOYAGER 1 am 12. November 1980. Schon im letzten Teil der 2,1 Milliarden
Kilometer weiten Wegstrecke (am 5. September 1977 war die Sonde von J&lt;a£

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�Kap Canaveral aus gestartet worden) begann VOYAGER Fotos vom Planeten, seinen
Monden und dem Ringsystem zu senden.

Die NASA-Forscher rätselten, was es mit

den eigenartigen dunklen "Fingern" im hellen "B"-Ring auf sich haben könnte.
Diese seltsame Zeichnung war zum ersten Mal auf den VOYAGER-Fotos in Erscheinung getreten.

Wie Speichen eines Rades erstreckten sich manche der dunklen

Gebilde sogar über die ganze Breite des "B"-Gürtels - über 25 000 km.

Der

Astronom Dr. Bradford A. Smith, Leiter des VOYAGER-Fotoprogramms, meinte zunächst:

"Wir haben keine Ahnung, worum es sich dabei handeln könnte - sind

es Lücken, blicken wir an diesen Stellen in den schwarzen Weltraum hinaus?
Oder sehen wir dunkle Materie im hellen Ring?"

Inzwischen weiß man etwas mehr.

Denn als die beiden VOYAGER-Bordkameras

in Nahaufnahme die Ringe von unten, gegen das Sonnenlicht fotografierten,erschienen die "Speichen" heller als die sie umgebende Ringmaterie.

So könnte

es sich vielleicht um sehr feine Partikel handeln, die über der Bahnebene der
Ringe liegen, oder um Materie mit anderen Reflexionseigenschaften.

Keine Er-

klärung gibt es bisher dafür, daß die dunklen "Finger" in ihrer Ausrichtung
unverändert erhalten bleiben, obgleich ja Materie an dem dem Planeten näheren
Innenrand eine größere Rotationsgeschwindigkeit haben müßte als an der
"Fingerspitze" im Außenbereich des "B"-Rings, übrigens wurde bei dieser Aufnahmeserie der VOYAGER-Sonde die Existenz der Ringe "D" und "E" bestätigt.

Ein Rätsel besonderer Art ist die "Stickerei" und "Verzwirnung" mit
serpentinenartig gewundenen Fäden in einigen Ringen, insbesondere in dem erst
vor einem Jahr entdeckten "F"-Ring.

Hier hat es den Anschein, als würde die

Materie beim Umlauf um den Zentralkörper Saturn den physikalischen Gesetzen
nicht gehorchen.

Aber so etwas gibt es nicht in der Natur.

Vielmehr scheinen,

so spekuliert der Astrophysiker Carl Sagan, Kräfte am Werk zu sein, "die wir
noch nicht kennen, die der menschliche Geist einfach noch nicht wahrgenommen
oder begriffen hat... Sicherlich handelt es sich bei den Saturn-Ringen um
dynamische, veränderliche Objekte, die von der Gravitationskraft bewegt werden.
Vermutlich erfahren wir mehr, wenn im August 1981 die Sonde VOYAGER 2 am Saturn
ankommt.

Die Formationen dürften sich verändert haben.

Aber zu sagen, was

hier vor sich geht, wird sehr schwierig sein - eine Unmenge von mathematischen

- 2 -

�mathematischen Berechnungen sind jetzt zu bewältigen,"

Hunderte von Einzel ringen
Fünf Ringe waren bekannt, als VOYAGER 1 im August dieses Jahres (bei
15,4 km/sec Fluggeschwindigkeit) die ersten Aufnahmen vom Saturn, seinem Ringsystem und seinen Trabanten zur Erde übermittelt. Wegen der Entfernung von
1,5 Milliarden Kilometern brauchte jedes Funksignal zwischen Sonde und Erdstation 90 Minuten. Die Nahaufnahmen am Saturn im November aber - die Sonde
operierte bei nunmehr 25,6 km/sec Fluggeschwindigkeit allein 23 Stunden lang
innerhalb bzw. unterhalb des Ringsystems - brachten als eine der vielen Überraschungen viele Hunderte, vielleicht sogar mehr als 1000 Einzelringe zutage.
Selbst die bisher als "leer" angesehenen Bereiche sind angefüllt mit Materie
- so wurden allein in der sogenannten Cassini-Teilung zwischen den "B"- und
"A"-Ringen 20 Ringe gefunden. Alles in allem hat man es mit flachen Materialansammlungen unterschiedlicher Zusammensetzung, unterschiedlicher Partikelund Trümmergröße, unterschiedlicher Rotationsgeschwindigkeit, unterschiedlicher Ausdehnung und Dichte zu tun. Zwei Ringe wurden entdeckt, die nicht
kreisförmig um den Zentralkörper, sondern exzentrisch schwingen.

Die Wissenschaftler haben Theorien, aber noch keine guten Erklärungen
dafür, wie die Trennung und Struktur der Saturnringe aufrechterhalten wird.
Möglicherweise tragen beispielsweise die erst Ende Oktober 1980 entdeckten
beiden Monde S-13 und S-14 dazu bei, die Bandstruktur des "F"-Rings und die
Abgrenzung des "A"-Rings zu erhalten. Insgesamt 15 Trabanten des Saturn sind
jetzt bekannt - allein drei wurden durch VOYAGER 1 gefunden. S-13 (Durchmesser: 600 km) umkreist den Planeten in 141 000 km Abstand vom Mittelpunkt,
S-14 (Durchmesser: 500 km) in 138 600 km und S-15 (Durchmesser: 100 km)
in 138 200 km Entfernung.
Während S-13 und S-14 Bahnen zu beiden Seiten des "F"-Rings folgen, umkreist S-15 den Saturn unmittelbar außerhalb des "A"-Rings. Nach Meinung von
Bradford Smith und Edward Stone erfüllen diese Monde die Funktionen von "Schä-

�"Schäferhunden

für die beiden Ringe, indem sie durch komplizierte Energie-

austauschprozesse Materie innerhalb ihrer Ringgrenzen halten.
Untersuchungen von der Erde aus haben ergeben, daß die "A"-Ringmaterie
in der Hauptsache aus Eis, mit Staub vermischt, besteht.
man die Ringpartikel als "staubige Schneebälle".

Deshalb bezeichnet

Wenn ein solcher Schneeball

die äußere "A"-Ringgrenze überspringt und in den Orbit des langsamer rotierenden
Mondes S-15 gelangt, verliert er an Geschwindigkeit.

Sobald aber seine Rota-

tionsgeschwindigkeit gebremst ist, fällt er wieder in den niedrigeren Orbit
des "A"-Rings zurück.

Die zwei anderen neuen Monde, S-13 und S-14, halten

vielleicht auf ähnliche Weise Materieklumpen innerhalb des schmalen, fadenähnlich gewundenen "F"-Rings auf ihrer Bahn.
Die Wissenschaftler sind außerdem der Ansicht, daß auch zwischen den
beiden Trabanten S-10 und S-ll, die im Jahr 1966 entdeckt wurden, ein Energieaustausch stattfindet. Sie umkreisen den Saturn in 149 000 km Entfernung,
aber nur 50 Kilometer voneinander getrennt. In zwei Monaten - im Januar 1981 müßte sich den Berechnungen zufolge ihr Abstand weiter verringern. Dann könnte
der Trabant, der schneller umläuft, dem Saturn also etwas näher ist, in einen
höheren Orbit gehoben und somit abgebremst werden. Der langsamer umlaufende
Mond dagegen wird in einen niedrigeren Orbit gedrückt und gewinnt an Rotationsgeschwindigkeit. Dies könnte eine Erklärung dafür sein, daß die Monde nicht
miteinander kollidieren oder sich überholen, sondern stattdessen Umlaufbahn
und Rotationsgeschwindigkeit immer wieder tauschen. Sie sind 70 bzw. 130 km
lang und haben eine narbige Oberfläche, sind übersät mit Kratern und strahlenähnlicher Zeichnung. Deshalb vermutet Smith, daß sie Teile eines Mondes sind,
der auseinandergebrochen ist. Dennoch kann die "Schäferhund"- und Energieaustausch-Theorie allein die Vielfalt der Ringunterteilung nicht erklären.
Denn nach Meinung der Forscher sind die Strukturen innerhalb der '^"-RingGrenzen dem zentralen Planetenkörper zu nahe, als daß sich dort kleine Monde
- etwa durch Materiezusammenballung - bilden und halten könnten. Was also
ist es, das die vielen Einzelringe trennt und auseinanderhält?

Turbulente

�angehören.

Sie besitzen Menschenrechte, weil sie Menschen sind.

Diese Rech-

te rühren, nach den Worten der Schlußakte, von der eingeborenen Würde der
menschlichen Person her und sind von entscheidender Bedeutung für seine freie
und vollständige Entfaltung»

Um es anders auszudrücken, möchte ich eine Geschichte erzählen, die mit
dem großen russischen Schriftsteller Leo Tolstoi und unserem amerikanischen
Präsidenten Abraham Lincoln zu tun hat.

Tolstoi war ein Bewunderer Lincolns,

und er liebte es, den einfachen Leuten seines Gutes diese Größe Lincolns zu
erklären.

Lincoln, sagte Tolstoi, war ein großer Mann, weil jede seiner Hand-

lungen in Menschlichkeit, Wahrheit, Gerechtigkeit und Mitleid wurzelte.

Diese

Beschreibung, so scheint mir, umreißt die Prinzipien, auf denen sich die Menschenrechte in der Schlußakte gründen.

Die Schlußakte selbst sagt uns, welches diese Rechte sind.

Sie umfassen

die Gedankenfreiheit, die Gewissensfreiheit und die Freiheit der Religion und
des Glaubens.

Sie beinhalten die Freiheit, seine bürgerlichen, politischen,

wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und anderen Rechte und Freiheiten wirkungsvoll auszuüben.

Sie umfassen das Recht, einen religiösen Glauben nicht

nur zu praktizieren, sondern auch gemäß den Forderungen des eigenen Gewissens
öffentlich zu bekennen.

Und sie sind zusammengenommen ein wesentlicher Faktor

für Frieden, für Gerechtigkeit und für freundschaftliche Beziehungen und Zusammenarbeit zwischen Staaten.

Regierungen können sie in Abrede stellen -

aber sie können sie weder ändern, reduzieren noch zerstören.

Die Prinzipien, die ich noch einmal wiederholt habe, stammen aus der
Schlußakte, aber nicht nur aus der Schlußakte.

Es sind Prinzipien, die mehr

als 2000 Jahre unserer Geistesgeschichte und unserer politischen Geschichte
zusammenfassen - von Aristoteles' Plan für einen gerechten Staat zu Tom Paines
ungestümer Verteidigung der politischen Freiheit, und zur Beredtsamkeit eines
Dag Hammarskjoeld für die Sache der Menschenwürde.

Diese Prinzipien sprechen

von unserem gemeinsamen Erbe, Sie sprechen durch die Stimme jener Patrioten,
die von allen unseren Nationen verehrt werden.
und zu allen Bürgern unserer Länder.

Sie sprechen zu uns allen hier

Die Frage, die uns die Geschichte bei

- 5-

�bei unserem Bemühen stellen wird, wird lauten, inwieweit

wir diesen Prinzi-

pien gemäß gehandelt haben - ob wir die Sache der Menschenrechte und der
menschlichen Freiheit gefördert haben oder ob sie durch uns einen Rückschlag
erlitt.
Es ist eine Frage, die zunächst einmal jeder einzelne sich selbst stellen muß.

Das haben wir in den Vereinigten Staaten getan - und werden es auch

weiterhin tun.

Ich glaube, daß die Leistungen der Vereinigten Staaten bei

der Anwendung dieses Prinzips etwas sind, worauf wir stolz sein können.

Wir

sind eine freie Gesellschaft - frei genug, um unsere Unzulänglichkeiten einzugestehen und besorgt genug, um eine Korrektur zu versuchen.

Das Maß, in dem

wir unsere Verpflichtungen gemäß der Helsinki-Schlußakte erfüllt haben, ist
ein offenes Buch, in dem jeder lesen kann. Wir sind bereit, aus den Prüfungen, den Vorschlägen und der Kritik zu lernen.

Und dies sollte niemanden

überraschen, denn das allererste Dokument unserer Republik, unsere Unabhängigkeitserklärung, die am 4. Juli 1776 unterzeichnet wurde, spricht davon,
daß wir "der Meinung der Menschheit" eine "geziemende Rücksichtnahme" schuldig sind.
Aber genauso, wie die gemäß der Schlußakte eingegangenen Verpflichtungen
einen jeden von uns dazu auffordern, sorgfältig die Liste der eigenen Leistungen zu überprüfen, so erwarten sie von jedem von uns auch, sorgfältig die
Liste der Leistungen der anderen zu prüfen. Diese Liste weist seit unserem
Treffen in Belgrad eine Reihe heller Punkte auf - besonders in dem Bereich
größerer Freizügigkeit über internationale Grenzen hinweg. Lassen Sie mich
einige Beispiele nennen: Eine Reihe von Ländern, darunter Rumänien, die
Deutsche Demokratische Republik, die Tschechoslowakei, Polen und Bulgarien,
haben große Anstrengungen unternommen, um die besonders schweren Fälle derer
ihrer Bürger zu lösen, die mit ihren woanders lebenden Familien zusammengeführt werden wollen.
- In mehreren Ländern, wie etwa Ungarn, der Deutschen Demokratischen
Republik und in Polen, gab es Bemühungen, um herauszufinden, wie Kirche und
Staat besser miteinander auskommen können - in Einklang mit der Verpflichtung

�Verpflichtung der Schlußakte, die Glaubensfreiheit auszuweiten.
- 1979 konnten über 50 000 Bürger deutscher Abstammung aus Osteuropa
zu ihren Verwandten nach Westeuropa ausreisen.
- Es gab in einigen Ländern ermutigende Fortschritte in der Schaffung
offener und vielgestaltigerer Gesellschafts- und Wirtschaftssysteme.
- Mehrere Länder haben Studien über ihre eigenen Leistungen bei der Anwendung der Schlußakte in der Absicht angefertigt, ihre Pflichten noch besser
zu erfüllen.

Wir hoffen, daß dieser Trend sich fortsetzt.

- Es gab auch im Sicherheitsbereich der KSZE einigen Erfolg, wurden doch
vertrauensbildende Maßnahmen durchgeführt.

Zudem wurden Fortschritte bei der

wirtschaftlichen, technischen und wissenschaftlichen Zusammenarbeit erzielt,
vor allem durch die Unterzeichnung des grenzüberschreitenden Abkommens über
Luftverschmutzung im vorigen Jahr.

Sowohl im Wirtschafts- als auch im Sicher-

heitsbereich war der Fortschritt bescheiden - doch hat die Schlußakte als
Katalysator für einfallsreiche Überlegungen gedient, die auf ehrgeizigere
Schritte hindeuten, sobald es die Umstände erlauben.
- Schließlich blieb die Lage in und um die geteilte Stadt Berlin relativ
ruhig.

Es ist für die europäische Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa

von grundlegender Bedeutung, daß Berlin auch weiterhin alle Vorteile der
Schlußakte und des Viermächte-Abkommens genießt.
Herr Vorsitzender, wie ermutigend diese Beweise des Fortschritts auch
sind, so gibt es doch eine dunklere Seite der Leistungsbilanz, die es ebenfalls zu überdenken gilt.

In dieser Hinsicht muß ich zuallererst die Invasion

des unabhängigen Staates Afghanistan durch die Streitkräfte der Sowjetunion
erwähnen -, Streitkräfte, die sogar noch dort stehen, während wir hier zu unserem Treffen zusammenkommen.

Ich werde nicht all die Bestimmungen der Schluß-

akte - ja, der Charta der Vereinten Nationen und anderer feierlicher überein-

- 7 -

�übereinkommen - zitieren, die diese Invasion verletzt.

Noch werde ich mich

dabei aufhalten, die durchsichtigen Erklärungen zurückzuweisen, die die
sowjetische Führung für ihre Schritte angeboten hat.

Ich will nur sagen,

daß die sowjetische Invasion einen dunklen Schatten über die Ost-West-Beziehungen wirft, den kein Treffen, keine Erklärung, ja, nichts außer dem völligen Rückzug der sowjetischen Truppen vertreiben kann.
Wäre dies der einzige Fall, in dem die Verpflichtungen der Schlußakte
seit unserem letzten Zusammentreffen ignoriert wurden, so wäre unsere Aufgabe
hier ernst genug.

Aber das ist nicht der Fall,, Wie ich Bei spiele des Fort-

schritts aufgezählt habe, muß ich die Aufmerksamkeit auf die traurige Liste
der andauernden Verweigerung der Menschenrechte lenken, die während der letzten
drei Jahre von den Regierungen einiger der Signatarstaaten begangen wurde,
- In der Sowjetunion wurden in direkter Umgehung der Schlußakte westliche
Radiosendungen - einschließlich solcher der BBC, der Deutschen Welle, der
Stimme Amerikas, des Radios Freies Europa und des Radio Liberty - gestört.
- In der Deutschen Demokratischen Republik hat eine neue und sträfliche
Erhöhung des geforderten Währungsumtausches für westliche Besucher die Möglichkeit für Westdeutsche, besonders für die Älteren und die Armen, ihre Familien und Freunde im Osten zu besuchen, drastisch vermindert,
- In der Sowjetunion ist die Rate jüdischer Auswanderung, die 1979 einen
ermutigenden Höchststand erreicht hatte, 1980 um 50 Prozent gesunken, während
gleichzeitig Bedrohung und Verweigerung von Ausreisegenehmigungen weitergehen
wie zuvor.
- In der Tschechoslowakei haben die mutigen Mitglieder der Gruppe
Charta '77,- geschaffen, um die Einhaltung der Helsinki-Schlußakte zu überwachen - fortgesetzte Bedrohung und wiederholte Verhaftung zu erleiden.

Wäh-

rend ich hier spreche, sitzt Vaclav Havel, ein Sprecher dieser Gruppe, eine
vierjährige Haftstrafe unter grausamen Bedingungen ab,
- Und

�- Und 1976 bildeten 11 Männer und Frauen, Bürger der Sowjetunion und
langjährig

in der sowjetischen Menschenrechtsbewegung tätig, die Moskauer

Kontrollgruppe, um die Verwirklichung der Menschenrechtsverpflichtungen gemäß
Prinzip VII der Schlußakte und gemäß sowjetischem Gesetz zu überwachen. Ähnliche Gruppen tauchten in der Ukraine, in Litauen, Georgien und Armenien auf.
Die sowjetischen Behörden reagieren, indem sie diese tapferen Menschen einer
brutalen Unterdrückung unterwerfen.

Von den 71 Personen, die den sowjetischen

Kontrollgruppen der Helsinki-Abkommen angehörten, wurden 24 angeklagt und
schuldig gesprochen, 19 von ihnen verbüßen derzeit insgesamt 156 Jahre in Arbeitslagern oder sind im Exil.

Elf weitere stehen unter Hausarrest.

Neun

andere verbüßten bereits frühere Strafen, als sie sich den Helsinki-Gruppen
anschlössen.

Sieben sind ausgewandert, zwei wurden ihrer Staatsbürgerschaft

während einer Auslandsreise beraubt, einer wurde gegen einen sowjetischen
Spion ausgetauscht und einer ist gestorben.

Ich möchte nur ein paar Mitglieder dieser bemerkenswerten Gruppe nennen,
aber sie stehen stellvertretend für all jene in der Sowjetunion, die für die
Rechte kämpfen, die ihnen in der sowjetischen Verfassung und in der Schlußakte
von Helsinki versprochen wurden.

Die ganze Welt kennt Professor Juri Orlow,

den Physiker - einen mutigen Mann, stets in vorderster Reihe, Gründer der
Helsinki-Gruppe.

Die Welt weiß auch am Anatoli Scharanski, vorgeblich der

Spionage angeklagt in einem Versuch, die jüdische Auswanderungsbewegung einzuschüchtern.

Orlow wurde am 18. Mai 1978 zu sieben Jahren Zwangsarbeit und

fünf Jahre Exil verurteilt.

Scharanski wurde am 14. Juli 1978 zu drei Jahren

Gefängnis und zehn Jahren Zwangsarbeit verurteilt.

Mitglieder der anderen,

von mir erwähnten Gruppen, hat ein ähnliches Schicksal ereilt.

In der Ukraine

und in Litauen wurden Mykola Rudenko und Viktoras Petkus ebenfalls zu langen
Freiheitsstrafen verurteilt, weil sie die Erfüllung von Verpflichtungen der
Schlußakte erstrebten.

All jene, die frei sind, haben die unvermeidbare

Pflicht, ihre Stimme für sie und für die vielen anderen zu erheben.

Schließlich möchte ich jetzt von einem edlen und leidenschaftlichen
Humanisten sprechen, von einem Mann, der sein Leben der Hilfe Armer und Unter-

- 9-

�Unterdrückter gewidmet hat. Hören Sie seine Worte:

"Trotz allem, was ge-

schehen ist, fühle ich, daß die Fragendes Krieges und des Friedens und der
Abrüstung von so entscheidender Bedeutung sind, daß ihnen sogar unter den
schwierigsten Umständen absolute Priorität eingeräumt werden muß.

Es ist un-

abdingbar, daß alle zur Verfügung stehenden Mittel eingesetzt werden, um
diese Fragen zu lösen und das Fundament für einen weiteren Fortschritt zu legen.

Am drängendsten davon sind Schritte, um einen Atomkrieg zu verhindern,

der die größte Gefahr darstellt, vor der die moderne Welt steht."
Herr Vorsitzender, könnte irgendjemand nicht mit diesen Worten übereinstimmen?

Können wir uns nicht alle in dem Gedanken vereinen, den sie aus-

drücken?

Erkennen wir nicht alle, daß dieser Gedanke ins Zentrum der drän-

gendsten Ansprüche und Sehnsüchte der Menschheit zielt?

Am 22. Januar dieses

Jahres wurde der Schreiber dieser Sätze in die geschlossene Stadt Gorki in
der Sowjetunion verbannt.
Als Andreij Sacharow verbannt wurde, wurden einige unserer tiefsten
Hoffnungen auf einen Geist der Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa mit
ihm verbannt.
Es gibt Leute, die behaupten, daß Vorfälle dieser Art die Wertlosigkeit
der Schlußakte beweisen.

Meine Regierung widerspricht dem entschieden.

Die Tatsache, daß ein Prinzip verletzt wurde, macht dieses Prinzip nicht
wertloser oder vermindert unsere Verpflichtung, umfassendere Erfüllung der
Schlußakte zu erstreben.

In diesem Geist werden die Vereinigten Staaten alle

Anstrengungen im Sinne der Schlußakte unternehmen, um bei der Schaffung eines
sichereren, freiereren und besseren Leben für eine Milliarde Menschen mitzuhelfen, die in den hier vertretenen Staaten leben. Aber die KSZE-Konferenz
kann für diesen Zweck die Mittel und Wege nur dann bereitstellen, wenn ihre
Bestimmungen ernstgenommen werden - und unsere Bürger sehen, daß sie ernstgenommen werden.

Daher wird mein Land auch weiterhin in klaren Worten gegen

die Verletzung der Menschenrechte seine Stimme erheben.

Wir rufen Sie alle

auf, dasselbe zu tun und einzusehen, daß wir von unseren Bürgern nicht er-

�erwarten können, Vertrauen in künftige Verpflichtungen zu haben, wenn wir
Verpflichtungen aus der Vergangenheit mißachten.
Herr Vorsitzender, unsere Erwartungen für das gegenwärtige Treffen sind
bescheiden,,

Die von mir erwähnten Ereignisse haben ein internationales

Klima geschaffen, das für die ehrgeizigen Schritte in den von der Schlußakte
abgedeckten Bereichen nicht günstig ist. Es wäre zwecklos, so zu tun, als
könne die KSZE-Konferenz irgendwie vom Gesamtzustand der Ost-West-Beziehungen
isoliert werden.

Ja, ein solcher Anschein könnte nur die Bedeutung der Ver-

pflichtungen schmälern, die in Helsinki eingegangen wurden.
Aber wir sehen einige Möglichkeiten des Fortschritts. So haben zum
Beispiel wir und unsere Verbündeten intensiv an der Entwicklung vertrauensbildender Maßnahmen gearbeitet, die für ganz Europa militärisch bedeutsam,
verifizierbar und anwendbar sind. Wir hoffen, daß unsere Erwägungen zu solchen Maßnahmen auf diesem Treffen den Weg in Richtung auf eine sicherere Zukunft für uns alle weisen werden. Wir sind voll und ganz bereit, gemeinsam
mit Ihnen an der Verwirklichung des ganzen Potentials vertrauensbildender
Maßnahmen zu arbeiten - nur fordern wir, daß man sich auf konkrete Schritte
konzentriert und leere Deklarationen unterläßt.
Herr Vorsitzender, ich komme zum Schluß! Präsident Carter hat mich
gebeten, Ihnen die folgende Botschaft zu überbringen. Er entbietet den Delegierten dieses historischen Überprüfungstreffens seine besten Grüße. Für den
Präsidenten ist die KSZE ein einzigartiges und wertvolles Forum, das alle
Staaten Europas, die Vereinigten Staaten und Kanada in einer gemeinsamen Anstrengung vereint, die Welt von den künstlichen Hindernissen gegen die freie
Ausübung der Menschenrechte und die Freizügigkeit von Menschen und Ideen
über internationale Grenzen hinweg zu befreien. Es ist seine feste Überzeugung, daß es unser gemeinsames Ziel sein muß, den Helsinki-Prozeß zu bewahren
und zu stärken bis zu dem Tag, da seine Bestimmungen in vollem Umfang verwirklicht und endlich echte Sicherheit und Zusammenarbeit zwischen unseren Staaten erreicht sind.
+ + + + +

- 11 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Fachgruppen für die Regierungsübernahme gebildet&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Reagan ernennt weitere Mitarbeiter für die Übergangszeit -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung des amerikanischen Chefdelegierten in Madrid&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Griffin B. Bell legt amerikanische Haltung zur KSZE-Folgekonferenz dar -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Saturnsystem - Eine Welt voller Rätsel&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Unerklärliche Strukturen - Kleinmonde als "Ordnungshüter" für Ringmaterie? -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
VON

^

41

1 9 . November 1987

I N H A L T

DOKUMENTATION
Ist die NATO noch zettgemäß?
- Rede des amerikanischen Botschafters Richard R. Burt -

Shultz:

USA müssen Frieden in Nicaragua 'jede Chance* geben

- Ansprache von Außenminister Shultz vor der OAS -

WIRTSCHAFT
Länderbericht über das voraussichtliche Volumen des Handels mit der
Bundesrepublik Deutschland im Jahr 1987
- Herausgegeben vom Büro des US-Handelsbeauftragten -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
AIDS-Frühbehandlung mit Interferon
- Neue Therapien in der Erprobung -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
r/

L?

""*•"

Dokumentation

\A

19. November 1987

41

IST DIE NATO NOCH ZEITGEMXSS?

MÜNCHEN - (AD) - In einer Ansprache am 16. November 1987 vor. der HannsSeidel-Stiftung in München bekräftigte Botschafter Richard Burt, daß zahlreiche Bundesbürger sowohl auf der linken wie der rechte Seite des politischen
Spektrums bedauerlicherweise die falsche Lehre aus dem bevorstehenden amerikanisch-sowjetischen Abkommen über Mittelstreckenraketen (INF) ziehen.
"In
Wahrheit aber ist diese Übereinkunft nicht ein Sieg für Gorbatschow, sondern
für die NATO. Sie ist zustande gekommen, weil das Bündnis den Mut hatte, den
Doppelbeschluß zu verabschieden, weil es unter äußerst schwierigen Bedingungen
die Stationierung der LRINF vorantrieb und angesichts sowjetischer Drohungen
fest zusammenhielt.
Die richtige Lehre aus den INF-Verhandlungen lautet,
Festigkeit und Zusammenhalt sind eine Voraussetzung für den Umgang mit den
Sowjets."
Nochfolgend veröffentlichen wir den Text der Rede im Wortlaut:
Kaum eine Institution der Gegenwart ist je so eingehend untersucht
worden wie die NATO. Zeit ihres Bestehens wurden unter Politikern, Wissenschaftlern und Kommentatoren immer
wieder Themen wie "Befindet sich die
NATO in einer Krise" oder "Ist die
NATO in Auflösung begriffen?" diskutiert.
Die Kritik scheint in den
letzten Jahren an Umfang zugenommen
zu haben. Viele behaupten, der Nutzen der NATO als Instrument kollektiver Sicherheit habe sich überlebt und
sie könne keinen Beitrag mehr zur Lösung der Art von Problemen leisten,

United States Information Service
Embassy of the United States of America

mit denen sich die meisten ihrer Mitgliedsstaaten in den neunziger Jahren
konfrontiert sehen werden.
Gedanken, die NATO liege in den
letzten Zügen oder etwa, sie sei
nicht mehr zeitgemäß, möchte ich entschieden entgegentreten.
Ich kann
innerhalb des Bündnisses weder bedeutende strukturelle Probleme ausmachen
noch erkenne ich irgendwelche tragfähigen Alternativen. Damit möchte ich
natürlich nicht bestreiten, daß es
Probleme
gibt.
Tatsächlich
sieht
sich die NATO gegenwärtig einer Reihe

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�großer Herausforderungen ausgesetzt,
die teils von innen, teils von außen
an sie gestellt werden.
Die bedeutendste Herausforderung
von außen besteht in der geschickten
sowjetischen
Diplomatie.
Unter
Gorbatschow decken sich die Grundzüge
sowjetischer
Strategie
mit
der
Breschnews, insbesondere die Ausdehnung sowjetischer politischer Hegemonie auf ganz Europa durch die Abkoppelung Westeuropas von den Vereinigten Staaten. Was sich hingegen verändert hat, ist die sowjetische Taktik. In einer Zeit, in der Rüstungskontrolle in praktisch allen westlichen Staaten einen wichtigen innenpolitischen Stellenwert einnimmt, ist
die neue sowjetische Führung darum
bemüht, ihre Ziele jetzt durch Rüstungskontrolle zu erreichen, statt
durch die fortgesetzte Aufrüstung ihrer Streitkräfte.
Durch die Denuklearisierung
Europas
meinen
Gorbatschow und seine Berater, diese
Abkoppelung mit Hilfe ihrer konventionellen Überlegenheit erzielen zu
können.
Eine große Herausforderung, die
von innen an das Bündnis gestellt
wird, liegt im zunehmenden Kirchturmdenken in Europa und dem Unilateralismus in den Vereinigten Staaten.
In Europa befürwortet manch einer die
"Europäisierung"
dieses
Kontinents,
die eine verringerte Rolle der Vereinigten Staaten, atomwaffenfreie Zonen und Denuklearisierung impliziert.
Es werden Argumente vorgebracht wie
etwa, Europa dürfe nicht Gefahr laufen, zum Schlachtfeld der Supermächte
zu werden.
Das Spiegelbild dieses
Trends ist die wachsende Frustration
über die Europäer in den Vereinigten
Staaten, die wiederum Vorschläge zum
Abzug amerikanischer Truppen und Diskussionen über die Reduzierung der
amerikanischen Nuklearpräsenz in Eu-

ropa zur Folge hat. Weitere Herausforderungen lassen sich in der wachsenden Popularität der Rüstungskontrollrhetorik und in dem - besonders
in Europa - weitverbreiteten Glauben
erkennen, Rüstungskontrolle sei ein
Allheilmittel für Sicherheitsprobleme.
Kurzum: der in den fünfziger und
sechziger Jahren erarbeitete und in
den siebziger Jahren zunehmenden Belastungen
ausgesetzte
atlantische
Konsens ist nun in den achtziger Jahren in Gefahr. Von beiden Enden des
politischen Spektrums wird Druck auf
ihn ausgeübt.
Dies ist aus der gegenwärtigen
Debatte über den bevorstehenden INFVertrag klar ersichtlich.
Die von
vielen Europäern zum Ausdruck gebrachten Ansichten und Befürchtungen
haben, so scheint mir, weniger mit
dem Vertrag an sich zu tun als mit
den Lehren, die aus ihm zu ziehen
sind. viele Deutsche, sowohl aus dem
linken wie dem rechten Lager, ziehen
leider die falschen Lehren.
Erstens sind viele der Ansicht,
wir verdankten dieses Abkommen Generalsekretär Gorbatschow, und Glasnost
und Perestroika
trügen hier erste
Früchte. In Wahrheit aber ist diese
Übereinkunft
nicht
ein
Sieg
für
Gorbatschow, sondern für die NATO.
Sie ist zustande gekommen, weil das
Bündnis den Mut hatte, den Doppelbeschluß zu verabschieden, weil es unter äußerst schwierigen Bedingungen
die Stationierung der LRINF vorantrieb
und
angesichts
sowjetischer
Drohungen
fest
zusammenhielt.
Die
richtige Lehre aus den INF-Verhandlungen lautet, Festigkeit und Zusammenhalt sind eine Voraussetzung für
den Umgang mit den Sowjets.
in der Tat ist das vielleicht
wichtigste Resultat der INF-Verhand-

- 2 -

�lungen, daß der einseitigen Abrüstung
des Westens damit ein Ende bereitet
werden sollte. Wie sich die meisten
von Ihnen erinnern werden, gab es Anfang der achtziger Jahre eine ausgedehnte Debatte in den NATO-Ländern,
ob das Bündnis pershing II-Raketen
und Marschflugkörper stationieren und
damit eine glaubwürdige Verhandlungsposition in Genf schaffen solle, oder
ob wir die Bedrohung durch die SS-20
außer acht lassen, einseitig auf die
Stationierung verzichten und hoffen
sollten, daß die Sowjets auf die
gleiche Weise reagierten.
Der verlauf der INF-Verhandlungen hat eindeutig die Gültigkeit des ersten Arguments bestätigt. Es ist jetzt erwiesen, daß der wirksame Weg zur Rüstungskontrolle am Verhandlungstisch
zu finden ist und daß wir, um bei
Verhandlungen
mit
der
Sowjetunion
Fortschritte zu erzielen, starke und
energische Verteidigungsanstrengungen
aufrechterhalten müssen.
Der zweiten, oft im linken Lager
aus der Erfahrung mit INF gezogenen
falschen Lehre zufolge bedeutet dieses Abkommen einen Wendepunkt in der
Entwicklung
westlicher
Strategien,
einen ersten Schritt auf dem Weg zum
atomwaffenfreien Europa und zum Verzicht auf nukleare Abschreckung. ich
möchte eindeutig klarstellen, daß die
Vereinigten Staaten nicht die Absicht
hegen, diesen Weg einzuschlagen.
In
absehbarer Zukunft wird das Bündnis
weiterhin auf seine Strategie der
flexiblen Reaktion bauen, deren wesentlicher Bestandteil die nukleare
Abschreckung bleibt.
Nach dem Abschluß eines Vertrages über Mittelstreckenraketen
bleibt
immer
noch
eine erhebliche Anzahl und Vielfalt
nuklearer Trägersysteme der vereinigten Staaten - Flugzeuge, Raketen und
Schiffe - für die Verteidigung Europas erhalten.

Die dritte falsche Lehre, die
häufig im rechten Lager aus den Erfahrungen mit INF gezogen wird, besagt, die Abschaffung amerikanischer
LRINF sei der erste Schritt zu einem
Rückzug der Amerikaner aus Europa.
Nichts könnte weniger der Wahrheit
entsprechen. Die Vereinigten Staaten
werden ihre Truppen nicht aus Europa
abziehen. Trotz der Vorschläge einiger Politiker in Washington unterstützt die amerikanische Öffentlichkeit - wie jüngste Meinungsumfragen
bestätigt haben - einhellig unser Engagement und die starke amerikanische
Präsenz in Europa. Wichtig ist, daß
durch europäische Furcht vor einem
amerikanischen
Truppenabzug
nicht
Geister gerufen werden, die man nicht
wieder los wird.
Die
Christlich
Soziale
Union
tritt seit langem für ein starkes
Bündnis
und
gesunde
amerikanischdeutsche Beziehungen ein.
Sie sind
in
der
Vergangenheit
stets
gute
Freunde Amerikas gewesen und werden
dies, wie ich glaube, auch weiterhin
sein. In den vor uns liegenden Monaten müssen wir gemeinsam eine Aufgabe
angehen, die für die künftige Solidität des Bündnisses von existentieller
Bedeutung ist, das heißt, wir müssen
sicherstellen, daß die Öffentlichkeit
aus den Erfahrungen mit INF die richtigen Lehren zieht.
Nur wenn wir
dieses ziel mit Erfolg erreichen,
können wir eine feste Grundlage für
weitere Bemühungen zur Stärkung des
Bündnisses errichten.
Kritiker
des
Bündnisses
von
rechts und von links verweisen auf
einige
anhaltende
reale
Probleme.
Europäische Kritiker äußern zu Recht,
die Vereinigten Staaten hätten manchmal versäumt, Konsultationen mit ihren europäischen Partnern abzuhalten
und auch nicht immer die Ansichten
der Europäer in ihrer ganzen Band-

�breite berücksichtigt.
Amerikanische
Kritiker haben wiederum recht mit ihrem Hinweis darauf, die Europäer hätten es unterlassen, die weltweite
Verantwortung zu übernehmen, die ihrer wirtschaftlichen Bedeutung entspricht.

Abzug von 100 000 amerikanischen Soldaten aus Europa in andere Gebiete
läßt sich nicht verwirklichen.
Dieser Ansatz würde keinesfalls die Europäer zu vermehrten Verteidigungsanstrengungen
anregen, sondern genau
das Gegenteil bewirken.

Trotzdem sollten wir uns bei der
Beurteilung der Probleme und Herausforderungen, mit denen sich die NATO
heute konfrontiert
sieht, folgende
Schlüsselfrage stellen: Gibt es als
tragfähige Alternative eine übergreifende Struktur, mit der die Sicherheit des Westens gleichermaßen garantiert werden kann?
Meine Antwort
darauf ist ein klares "Nein".

Was kann und soll nun unternommen
werden, um den wahren Herausforderungen entgegenzutreten, die sich der
NATO stellen?
Die Lösung liegt meiner Ansicht nach nicht in der Erfindung eines großartigen neuen Modells.
Vielmehr sollten wir unseren Völkern
gewisse
Grundprinzipien
vor
Augen
führen, die das Bündnis untermauern
und uns dieser Prinzipien - so kraftvoll und überzeugend wir dies vermögen - versichern.
Ich würde diese
fünf Grundsätze folgendermaßen definieren:

Es sind in der Tat von verschiedenen Seiten Alternativen zur gegenwärtigen Struktur gefordert worden.
Aber diese sind entweder politisch
unrealistisch oder nicht funktionsfähig, wenn es darum geht, die Sicherheit Europas zu garantieren.
Zum
Beispiel könnte die Alternative einer
völlig unabhängigen europäischen Verteidigungsgemeinschaft - deren Kernstück
die europäische
Abschreckung
und eine politische Struktur zur Kontrolle
dieser
Abschreckung
bilden
würde
- langfristig machbar sein,
aber sicherlich nicht zum gegenwärtigen Zeitpunkt. Desgleichen würde ein
entmilitarisiertes
Europa
Traum
manches
europäischen
Linken
- im
Schatten
sowjetischer
Militärmacht
nicht lange überleben. Aus ähnlichen
Gründen würde eine politische Verständigung mit der Sowjetunion nicht
die Sicherheit Europas garantieren.
Eine
Variante
wie
etwa
Helmut
Schmidts Vorschlag, in Europa die
Rolle der Amerikaner von Frankreich
übernehmen zu lassen, ist ebensowenig
durchführbar.
Frankreich ist weder
bereit noch in der Lage, solch eine
Verantwortung
zu
tragen.
Auch
Zbigniew
Brzezinskis Vorschlag zum

- Erstens ist das Engagement der
Vereinigten Staaten auf dem Kontinent
sowohl
im Hinblick auf
Truppen als auch
Nuklearwaffen
jetzt und in Zukunft entscheidend.
Für die Glaubwürdigkeit
der Strategie des Bündnisses muß
dieses
Engagement
ein
wesentlicher Bestandteil sein und nicht
nur Zeichen setzen.
- Zweitens wird nukleare Abschrekkung
stets unverzichtbarer
Bestandteil der Strategie des Bündnisses sein.
Das bedeutet, daß
die Präsenz amerikanischer Nuklearwaffen auf europäischem Boden
ebenso
wie
die
Beibehaltung
schlagkräftiger
strategischer
Streitkräfte
in
Mitteleuropa
durch
die
Vereinigten
Staaten
weiterhin ein wesentliches Element der westlichen
Sicherheit
bilden, auch bei unseren gegenwärtigen Bestrebungen zum Abbau
von Nuklearwaffen durch ausgehandelte Abkommen.

�- Drittens muß sich das Bündnis zur
Aufrechterhaltung
der
Strategie
der flexiblen Reaktion auf ausreichende konventionelle Streitkräfte
stützen
können.
Angesichts des derzeitigen Kräfteverhältnisses
ist eine gemeinsame
Anstrengung zur Behebung des bestehenden
konventionellen
Ungleichgewichts - sei es durch
Verstärkung der Streitkräfte oder
Rüstungskontrolle oder eine Kombination der beiden - unerläßlich.
- viertens muß es innerhalb des
Bündnisses
zu
einer
gerechten
Verteilung der Lasten kommen, die
nicht einfach in Zahlen gegeneinander aufgerechnet werden können.
Lasten nichtfinanzieller Art, wie
zum Beispiel die Dichte der stationierten
Streitkräfte
sowie
Häufigkeit und Umfang von Übungen
sollten ebenfalls berücksichtigt
werden.
Auch in bezug auf Verantwortlichkeiten
außerhalb
des
Bündnisgebietes muß in der NATO
eine
Lastenverteilung
erfolgen.
In
diesem
Zusammenhang
sollte
nicht unerwähnt bleiben, wie sehr
die amerikanische Regierung die
Entscheidung der Bundesregierung
zu schätzen weiß, als Ausgleich
für die Aktivitäten der Amerikaner und der anderen Bündnispartner im Persischen Golf Schiffe
der Bundesmarine ins Mittelmeer
zu entsenden.
- Fünftens und letztens muß das
Prinzip des gleichmäßig verteilten Risikos innerhalb des Bündnisses
aufrechterhalten
werden.
Von keinem Mitglied des Bündnisses oder einer Gruppe von Bündnispartnern
kann die Übernahme
erheblich größerer Risiken verlangt werden, als sie die anderen
NATO-Partner erwartungsgemäß tragen müssen.
Das Territorium der

europäischen Verbündeten darf weder als ausschließlicher Kriegsschauplatz
für einen nuklearen
oder konventionellen Konflikt in
Erwägung
gezogen
werden,
noch
darf es einen Automatismus geben,
der zur raschen und unvermeidlichen Eskalation eines strategischen Krieges in Mitteleuropa
führen würde.
Die Lösung besteht meiner Meinung
nach daher nicht darin, die bestehende Struktur der NATO zu ersetzen,
sondern sie vielmehr zu verstärken,
indem
diese
fünf
Grundsätze
als
Richtlinien Anwendung finden.
Wenn
wir in eine Welt nach INF eintreten,
werden wir unser besonderes Augenmerk
darauf richten müssen, daß uns die
zur Durchführung dieser Strategie erforderlichen Streitkräfte garantiert
zur Verfügung stehen.
Von
vordringlichster
Bedeutung
könnte sein, daß wir zu einer Zeit,
in der ein Abkommen über die Beseitigung nuklearer Waffen in greifbare
Nähe gerückt zu sein scheint, sicherstellen müssen, daß das Bündnis über
ausreichende
konventionelle
Streitkräfte verfügt.
Der Verstärkung der
konventionellen
Streitkräfte
sollte
höchste Priorität beigemessen werden.
Gleichzeitig müssen wir die Gewähr
dafür bieten, daß das Bündnis im Einklang mit dem Beschluß von Montebello
ein angemessenes Arsenal moderner nuklearer Fähigkeiten kürzerer, mittlerer und längerer Reichweite beibehält.
Der zur Verhandlung stehende
INF-Vertrag enthält keinerlei Verfügungen, die uns von der Aufrechterhaltung eines solchen Arsenals abhalten würden.
Ferner müssen wir einen umfassenden und einheitlichen Ansatz zur Rüstungskontrolle erarbeiten, der sich
mit den von mir formulierten fünf

- 5 -

�Grundsätzen deckt.
insbesondere im
Hinblick auf konventionelle Rüstungskontrolle sollten sich die Bestrebungen des Bündnisses auf die Hauptursache der Unsicherheit auf dem europäischen Kontinent - die Invasionsfähigkeit des Warschauer Pakts - konzentrieren.
Dieser Ansatz hat drei
eindeutige
Implikationen.
Erstens
müssen wir unsere Aufmerksamkeit auf
die bedrohlichsten Elemente der Militärmacht des warschauer Pakts lenken,
das heißt, die gepanzerten Streitkräfte
der
Sowjetunion.
Zweitens
müssen die Reduzierungen einschneidend und stark asymmetrisch vorgenommen werden. Und drittens dürfen Reduzierungen
des Westens nicht auf
amerikanische
Streitkräfte
konzentriert sein, da die anhaltende Präsenz amerikanischer Truppen auf europäischem Boden für die Verteidigung
Europas ebenso entscheidend ist wie
die Präsenz der amerikanischen Nuklearwaffen hier.
Zusammenfassend kann man sagen,
daß uns die NATO in den etwas mehr
als 40 Jahren seit ihrer Gründung gute Dienste geleistet hat und von einer alternativen Sicherheitsstruktur
für den Westen keine Rede sein kann.
Die vor uns liegende Aufgabe besteht
daher vielmehr in der Stärkung der
uns zur Verfügung stehenden Struktur
und in der Verbesserung unserer Strategie.
Unter den Teilnehmern dieser
Konferenz befinden sich einige der
engagiertesten Verfechter des Atlantischen Bündnisses und der deutschamerikanischen Beziehungen im besonderen. Wir freuen uns, daß Sie uns
in der vor uns liegenden Zeit mit Rat
und Unterstützung zur Seite stehen
werden.

* * * * *

�18. November 1987

41

SHULTZ:

USA MÜSSEN FRIEDEN IN NICARAGUA "JEDE CHANCE" GEBEN

- Ansprache von Außenminister Shultz vor der OAS -

WASHINGTON - (AD) - Vor der Generalversammlung der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) erklärte Außenminister Shultz am 10. November 1987, die
Reagan Administration stelle bis nächstes Jahr keine weitere Unterstützung für
die Widerstandskämpfer in Nicaragua bereit.
"Das heißt nicht, daß wir die Hände in den Schoß legen, wenn die Sandinisten den militärischen Sieg zu erlangen suchen", fuhr Shultz fort.
"Wir
werden die Widerstandskämpfer angesichts hochentwickelter sowjetischer Waffen
und kubanischer Berater nicht ohne die erforderlichen Mittel sich selbst überlassen" .
Nachfolgend bringen wir die Ausführungen von Außenminister shultz im Wortlaut.
Herr Präsident, sehr geehrte Kollegen, Delegationsleiter, Herr Generalsekretär,
Herr
stellvertretender
Generalsekretär, meine Damen und Herren.
Der Charta der Organisation Amerikanischer Staaten zufolge ist es
der
"historische Auftrag Amerikas,
allen Menschen ein freies Land zu
bieten".
Der
demokratische
Wandel, der
sich
jetzt
in unserer
Hemisphäre
vollzieht, verleiht unserem gemeinsa-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

men Auftrag neues Leben. Der brasilianische Präsident Sarney hat diesen
Wandel als das "erstaunlichste und
bewegendste politische Ereignis der
jüngsten Jahre bezeichnet".
Präsident Reagan zitiert es als "eines des
stolzesten Kapitel in der Geschichte
der Menschheit".
Zweifelsohne sollte dieser demokratische Wandel auch ein Augenblick
des Triumphes für unsere regionalen
Organisationen sein.
So sollte es sein, aber

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

dem

ist

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�nicht so. Oder zumindest noch nicht.
Viele
unserer Mitgliedsländer
sind
demokratischer als je zuvor.
Aber
einige sind noch immer undemokratisch, und einige wenige sind mit System undemokratisch. Und überall auf
der Welt versuchen wir immer noch,
den durch geringes Wirtschaftswachstum und ungleich verteilte Entwicklungen entstandenen menschlichen Problemen Herr zu werden.
Beide Probleme - die politischen
wie die wirtschaftlichen - sind gravierend.
Beide tragen zu Spannungen
bei, die Einfluß auf die internationale
Sicherheit
haben.
In meinen
heutigen Ausführungen möchte ich diese beiden Problemkreise ansprechen.

Ankurbelung von Wirtschaftswachstum
und sozialer Entwicklung
Ich setze großes Vertrauen in eine bessere wirtschaftliche
Zukunft
für Lateinamerika. Die von uns seit
1982 gemeinsam unternommenen Anstrengungen stärken mein Vertrauen.
Dieses ist die fünfte Generalversammlung, an der ich als Außenminister
teilnehme. Seit den Tagen der Krise
im Jahr 1982 haben sich die Wirtschaftsstatistiken
über
die . Jahre
hinweg konstant verbessert.
Seit dem im Jahr 1985 in Seoul
ins Leben gerufenen Programm für anhaltendes Wachstum haben wir große
Anstrengungen unternommen.
Das Gesamtwirtschaftswachstum beläuft sich
jetzt ohne Unterbrechungen im dritten
Jahr auf über 3 Prozent - im Jahr
1986 erreichte es fast 4 Prozent.
Die Interamerikanische Entwicklungsbank berichtet, daß das Jahr 1986 für
zwei
Drittel ihrer
Mitgliedsländer
einen besseren Verlauf nahm als 1985.
Andere Indikatoren sind ebenfalls positiv: Die Exporterlöse steiqen wei- 2

terhin an, die Importe erholen sich,
die Lage auf dem Rohstoffmarkt verbessert sich, das reale Pro-Kopf-Einkommen ist angestiegen, es gibt Anzeichen für eine Erholung der Kapitalflucht, und die
Inflationsraten
sind niedrig.
Erneute Kreditvergabe und Hilfsleistungen an die Region seitens der
internationalen Finanz- und Entwicklungsinstitutionen beliefen sich im
Jahr 1986 auf mehr als 9 Milliarden
Dollar.
Im Verlauf der vergangenen
zwei Jahre sind über 9 Milliarden
Dollar an ausstehenden Handelsschulden
zurückgeflossen.
Das amerikanische Defizit im Handel mit Lateinamerika und der Karibik beläuft sich
weiterhin auf 15 Milliarden Dollar
jährlich. Auch dadurch ist ein wichtiger Beitrag zu den Wachstumsaussichten für Lateinamerika insgesamt
geleistet worden.
Als Antwort auf die besonderen
Probleme im Karibischen Becken haben
die Vereinigten
Staaten seit 1981
mehr als 7 Milliarden Dollar an bilateraler Wirtschaftshilfe zur Verfügung gestellt.
Dies ist fünf mal
mehr als die 1,4 Milliarden Dollar an
militärischer Hilfe, die wir zur Wahrung
lebenswichtiger
Sicherheitsinteressen ausgegeben haben. Selbst in
Fällen, in denen wir uns auf verfügbare offizielle Hilfsleistungen konzentriert haben, bleiben wir tragfähigen
Entwicklungen
verpflichtet.
Wir sind uns bewußt, daß solche Entwicklungen sich nur auf einen starken
Privatsektor gründen können und nicht
auf
langfristige
Abhängigkeit
von
ausländischer
Hilfe.
Entsprechend
haben wir versucht, einen Anreiz für
Investitionen zu schaffen, indem wir
im Rahmen der Initiative Karibisches
Becken eine Lockerung des Handels bewirkt haben. Das fruchtbare Ergebnis
war eine mehr als 30prozentiqe Zu-

�wachsrate bei amerikanischen Importen
nicht herkömmlicher Produkte aus den
Ländern des Karibischen Beckens in
den vergangenen drei Jahren bis 1986.
Weltweit liegt das Pro-Kopf-Einkommen jedoch noch weit unter dem Niveau, das erreicht worden war, bevor
die Finanzflüsse im Jahr 1982 zum
Problem wurden.
zusätzlich
trüben
die
derzeitigen
Entwicklungen
das
wirtschaftliche Bild. Wir müssen alles in unserer Macht stehende tun, um
dies zu beheben. Der starke Abwärtstrend der Zinssätze hatte die lateinamerikanischen Forderungen für geleistete Dienste um ca. 5 Milliarden
Dollar pro Jahr verringert, aber die
Zinssätze sind wieder im Ansteigen
begriffen.
In den vereinigten Staaten unternehmen wir vermehrte Anstrengungen, um unserer Haushaltsdefizit unter Kontrolle zu bringen.
Unter Präsident Reagan haben wir protektionistischen
Maßnahmen
vehement
widerstanden, dennoch üben die Verfechter des Protektionismus weiterhin
starken Druck aus.
Wir sind entschlossen, ein offenes Handelssystem
aufrechtzuerhalten.
Wir werden uns
weiterhin gegen solche Maßnahmen wehren und dafür benötigen wir Ihre Hilfe.
Wir sind der Überzeugung, daß die
internationalen
FinanzInstitutionen
der Weltbank und des Internationalen
Währungsfonds eine Schlüsselrolle bei
der Förderung des Wachstums übernehmen müssen.
Daher haben wir unsere
Zustimmung zur Teilnahme an den Verhandlungen über eine Kapitalaufstokkung der Weltbank gegeben.
Darüber
hinaus haben wir einen neuen ausländischen Reservefonds für den internationalen Währungsfonds vorgeschlagen, durch den unvorhergesehene Entwicklungen
wie geringere Rohstoffpreise, ein vermindertes Exportvolumen und höhere Zinssätze aufgefangen

werden.
Eine starke Weltwirtschaft erfordert anhaltende Wirtschaftsreformen.
Wie Ihnen sicherlich bekannt sein
wird, haben wir von den führenden
Überschußländern verstärkte Maßnahmen
erwartet.
Die Märkte geben einen
Hinweis darauf, daß die Vereinigten
Staaten zu lange die Lokomotive des
Weltwirtschaftswachstums
waren
und
sich in Wirklichkeit etwas übernommen
haben.
Auch hier ist Ihre aktive
Teilnahme vonnöten. sie können dazu
beitragen, unsere Handelspartner, von
der Bedeutung einer Verringerung ihrer Handelsüberschüsse zu überzeugen.
Sie können auch helfen, indem Sie mit
stärkerer Entschlossenheit die Wirtschaftsreformen durchführen, die für
zukünftiges
Wachstum
erforderlich
sind.
Wir alle, die wir in dieser
Hemisphäre leben, müssen an der Ankurbelung unserer Sparraten und der
Investitionstätigkeit
arbeiten
und
uns vor allem zu vermehrter Zusammenarbeit verpflichten, um die notwendigen Bedingungen zu schaffen, die bis
in die neunziger Jahre und darüber
hinaus anhaltendes Wachstum und den
Aufschwung
der Demokratie
sichern,
von dem Lateinamerika in den achtziger Jahren gekennzeichnet war.

Die Übereinkunft von Guatemala
Ich möchte mich jetzt der von
fünf unserer Mitgliedsstaaten ergriffenen Initiative zuwenden, in Mittelamerika Frieden durch Demokratie zu
schaffen.
Meine Regierung ist der
festen Überzeugung, daß das Guatemala-Abkommen entschiedenen Fortschritt
herbeiführen kann.
Unsere Organisation sollte keine Mühe scheuen, den
mittelamerikanischen Mitgliedsstaaten
bei ihren Bestrebungen zur Erlangung
des Friedens behilflich zu sein.

- 3 -

�Die Hand in Hand gehenden Forderungen der Übereinkunft von Guatemala
- Demokratie und nationale Aussöhnung
- fügen sich zu dem einzigen Weg zusammen, durch den dem Blutvergießen
ein Ende bereitet, uneingeschränkte
Teilnahme
am politischen Geschehen
und der Abbau des Ost-West-Konflikts
in der Region gewährleistet werden
können.
Die Verleihung des diesjährigen
Friedensnobelpreises an den Präsidenten
eines
unserer
Mitgliedsländer
spiegelt diese Realität wider.
Wir
beglückwünschen
Präsident
Arias.
Seine Auszeichnung ist gleichzeitig
die Anerkennung seiner fortgesetzten
Bemühungen, den demokratischen Wandel
der Region und den jahrelangen Kampf
des mittelamerikanischen Volkes und
der demokratischen Führung zu Ende zu
bringen.
Die Durchführung des GuatemalaAbkommens erweist sich als relativ
kompliziert, aber die ihm zugrunde
liegende Vision ist in Wirklichkeit
sehr einfach. Es ist die Vision eines auf Freiheit und Demokratie gegründeten regionalen Friedens.
Der
Demokratisierungsprozeß
muß
Pressefreiheit,
uneingeschränkten
politischen Pluralismus sowie freie Wahlen und die Aufhebung des Ausnahmezustands
beinhalten.
Wie
Präsident
Reagan vor dem Ständigen Rat der OAS
formulierte,
ist
"Demokratie
der
Grundpfeiler" der Übereinkunft von
Guatemala.
Parallel zu diesem Demokratisierungsprozeß muß ein Prozeß der nationalen Aussöhnung einhergehen.
jede
Regierung sollte alle eforderlichen
Schritte unternehmen, um einen wirksamen,
ausgehandelten
Waffenstillstand mit den bewaffneten Oppositionsgruppen zu erzielen und in einen
fruchtbaren Dialog mit ihren poli-

tischen
Gegener
einzutreten.
Zur
weiteren
Förderung
des
nationalen
Aussöhnungsprozesses muß jede Regierung außerdem ein Amnestiegesetz zur
"Gewährleistung der Unverletzlichkeit
des Lebens und der Freiheit in allen
ihren Formen" verabschieden.
Gleichzeitig mit der Einhaltung
dieser Verpflichtung zur Demokratisierung
und
nationalen
Aussöhnung
verpflichten sich die Unterzeichnerstaaten, Streitkräften, die
andere
Staaten destabilisieren, die Benutzung
ihres nationalen
Territoriums
für militärische Zwecke zu verweigern.
Ferner werden dritte Parteien
aufgerufen, ihre Unterstützung irregulärer Truppen aufzugeben, mit Ausnahme der Fälle, in denen sie für die
Umsiedlung der Kombattanten und die
freiwillige Rückkehr der Flüchtlinge
erforderlich ist.
Schließlich, und dies ist von
vorrangiger Bedeutung, ist die Übereinkunft von Guatemala nicht eine
Reihe
isolierter
unilateraler
Verpflichtungen:
Sie ist, wie in der
Übereinkunft
zu lesen steht, "ein
harmonisches und unteilbares Ganzes".
Sie ist ein Ganzes, das vollständig
von der gleichzeitigen Verwirklichung
gegenseitiger
Verpflichtungen
abhängt.
Damit das Abkommen Wirkung
zeitigen kann, müssen alle Seiten ihre Verpflichtungen erfüllen. Der Erfolg fordert einen ernstzunehmenden
Zeitplan für den Fortschritt und das
Bewußtsein darüber, welcher Preis für
ein Scheitern zu zahlen ist.

Sicherheitsbelange
Die Übereinkunft von Guatemala
behandelt strategische Sicherheitsbelange nicht ausdrücklich. Die sowjetischen und kubanischen militärischen
Verbindungen mit Nicaragua - mili-

�tärische Einrichtungen, Berater, unterschiedliche Hilfsleistungen, hochentwickelte Waffengattungen
- sind
Themen von lebenswichtigem und unmittelbarem
Interesse
für
uns.
Der
Frieden erfordert, daß wir uns mit
diesen Themen befassen. Ein vernünftiges Gleichgewicht unter den Streitkräften Mittelamerikas ist unabdingbar für anhaltenden Frieden.
Diese grundlegenden Sicherheitsziele in Mittelamerika erfahren in
den Vereinigten Staaten starke Unterstützung durch beide Parteien. Unsere beiden großen Parteien wünschen
ein demokratisches Nicaragua, das weder eine militärische Bedrohung für
seine Nachbarn noch eine Plattform
für der Sicherheit der Hemisphäre abträgliche, feindliche sowjetische und
kubanische Aktivitäten darstellt.
Politische Demokratie in Nicaragua würde sich größtenteils mit diesen Sicherheitsbelangen befassen, da
keine wirklich demokratische Regierung ihre Nachbarn angreifen oder die
Benutzung ihres Territoriums für militärische zwecke durch die Sowjetunion gestatten würde.
Wir sind also wieder bei der
grundlegenden Frage angelangt, die in
der Übereinkunft von Guatemala ausdrücklich
angesprochen
wird:
Wie
kann Demokratie in Nicaragua erzielt
werden?

Gebrochene Verprechen
Der Kampf für Demokratie in Nicargua ist nicht neu.
Im Jahr 1979
stimmte die Organisation Amerikanischer
Staaten
mit
überwältigender
Mehrheit - in eben diesem Saal - für
die Ablösung der Somoza-Diktatur und
forderte die "Wahrung der Menschenrechte aller Nicaraguaner ohne Aus-

nahme" sowie
wie möglich".

"freie

Wahlen

so

bald

Diese Forderung war Bestandteil
langwieriger
Verhandlungen
zwischen
den Regierungen auf unserem Kontinent
und der politischen Koalition, die
das Somoza-Regime bekämpfte.
In Besprechungen, Dokumenten und selbst in
vor dieser Organisation abgegebenen
Erklärungen bekräftigten die im Exil
lebenden
Juntamitglieder
und
ihre
Vertreter die Verpflichtung zu einer
pluralistischen Demokratie, gemischten Wirtschaft und einer blockfreien
Außenpolitik.
Einige
der
Regierungsvertreter
des heutigen Nicaragua trugen dazu
bei, diese politische
Vereinbarung
auszuhandeln.
Dennoch
bestätigen
eben diese politisch Verantwortlich
jetzt ihr absolutes Recht zur Gründung eines leninistischen Parteienstaates,
der
die
Wirtschaft
beherrscht und eine Verbindung mit dem
sowjetischen Block eingegangen ist.
Vor dem Sturz des Somoza-Regimes
haben die Sandinisten den Nicaraguanern wiederholt versichert, sie würden die Grundrechte und -freiheiten
aller
Nicaraguaner
schützen.
Die
wichtigsten dieser Zusagen finden ihren Niederschlag in einem Dokument
namens
"Gesetzesentwurf
über
die
Rechte und Sicherheiten der Nicaraguaner", das zum Grundgesetz der neuen nicaraguanischen Regierung werden
sollte.
Der Entwurf wurde noch zur
Amtszeit Somozas verbreitet, erhielt
dann am 21. August 1979 als Dekret
Nr. 52 Gesetzeskraft und stellt ein
umfassendes und feierliches versprechen der FSLN an das nicaraguanische
Volk dar.
Artikel 1 des Gesetzes garantiert
dem Volk von Nicaragua das "Recht auf
freie und vollständige Selbstbestim-

- 5 -

�mung zur Schaffung seiner politischen
Bedingungen".
Artikel
4 erklärt,
"Ausländer dürfen sich nicht in die
politischen Angelegenheiten des Landes einmischen". Es hat sich jedoch
gezeigt, daß das heute bestehende politische System von der kleinen, zur
Elite der sandinistischen Partei zählenden Minderheit und mit Hilfe Tausender Kubaner und anderer Ausländer
aus dem Ostblock bestimmt wird.
Den Artikeln 22, 23 und 25 des
Gesetzes kommt im Hinblick auf die
Aussichten einer Einhaltung der Übereinkunft von Guatemala besondere Bedeutung zu. Sie gewähren das Recht
auf
friedliche
Zusammenkünfte
und
Versammlungsfreiheit,
ferner
das
Recht, sich zu organisieren und politischen Parteien beizutreten, an öffentlichen Aktivitäten teilzunehmen,
Gesuche für die Abschaffung von Mißständen einzureichen, zu wählen und
bei Wahlen zu kandidieren.
Es hat
sich jedoch gezeigt, daß die Sandinisten noch fünf Jahre nach der Entmachtung Somozas keine Wahlen zuließen, und wenn, dann nur unter Bedingungen, die dazu angetan waren,
ein vorgefertigtes Ergebnis hervorzubringen.
Diese Tatsachen
liefern erheblichen Grund zur Skepsis darüber, ob
die Regierung von Nicaragua unter dem
Friedensvertrag die Absicht hegt, ihren Verpflichtungen nachzukommen. Es
bedeutet, daß die Leistungen der nicaraguanischen Regierung zur Erfüllung ihrer jüngst eingegangenen Verpflichtungen zur Freiheit nicht an
dem gemessen werden können, was einzelnen Bürgern - wie bekannt diese
auch sein mögen - widerfährt.
Es
müssen weitreichende und dauerhafte
Reformen
durchgeführt
werden,
um
sicherzustellen, daß dieses Mal Fortschritte für die Demokratie echt und
unwiderruflich sind.

Nationale Aussöhnung
Am Tag, an dem 'La Prensa' die
Wiederaufnahme ihres Erscheinens gestattet wurde (1. Oktober), forderte
sie in ihrem Leitartikel "völlige Amnestie, Aussöhnung durch einen Dialog
mit den bewaffneten Rebellen und uneingeschränkte Aufhebung des Ausnahmezustandes, unter dem sich das Land
seit 1982 befindet".
Diese drei Maßnahmen - ein ausgehandelter Waffenstillstand, vollständige Amnestie und die Aufhebung des
Ausnahmezustandes - sind unabdingbar,
wenn die heute bewaffneten Feinde ihre Differenzen als politische Rivalen
beilegen wollen. Diese Schritte würden möglicherweise die meisten Nicaraguaner - Flüchtlinge und politische
Exilanten,
junge
Widerstandskämpfer
und junge Männer, die für die Armee
der Sandinisten verpflichtet wurden davon überzeugen, daß sie wirklich in
ihre Heimat zurückkehren und an der
demokratischen Politik ihrer Länder
teilnehmen können.
Vollständig
und
gerecht
angewandt, könnten diese Maßnahmen einen
Teil der Skepsis darüber abbauen, ob
Präsident Ortega wirklich die Widerstandsbewegung und die Oppositionsparteien an einem Prozeß beteiligen
will, der zu Aussöhnung und unwiderruflicher
demokratischer
Öffnung
führt. Das ist die grundlegende Prüfung.
Die
Erklärung
Präsident
Ortegas vom 5. November, er werde
sich zu indirekten Gesprächen mit der
Widerstandsbewegung
bereiterklären,
ist ein begrüßenswerter Fortschritt.
Wir begrüßen jeden noch so zaghaften
Schritt der nicaraguanischen Regierung, der darauf abzielt, die Kampfhandlungen und die ihnen zugrundliegenden Konflikte zu beenden. je direkter die Verhandlungen, umso größer
die Wahrscheinlichkeit eines Fort6 -

�Schritts.
Die Präsidenten Duarte und Cerezo
haben bereits in ihren jeweiligen
Ländern mit den Führern der Rebellen
direkte
Verhandlungen
aufgenommen.
Die Mitte Oktober in Spanien abgehaltenen Verhandlungen stellen seit mehr
als einer Generation die ersten offiziellen Kontakte zwischen der guatemaltekischen Regierung und den Guerillas dar.
In El Salvador fanden
häufiger - wenn auch mit Unterbrechungen - Dialoge statt, und die Regierung hat mit den Guerillas zwei
gemischte
Kommissionen
gebildet.
Eine von ihnen soll einen Waffenstillstand aushandeln, die andere Gespräche über Anmestie und nationale
Ausöhnung führen.
Die bis heute erzielten Ergebnisse lassen vermuten, daß die marxistisch-leninistischen Kräfte möglicherweise noch nicht bereit sind, Frieden
zu schließen. Bei der Eröffnungsversammlung der salvadorianischen Kommission für den Abschluß eines Waffenstillstands verweigerten die Guerilla-Führer Diskussionen über die
Bedingungen eines Waffenstillstandes.
Zu einem späteren Zeitpunkt lehnten
sie es ab, an Gesprächen zur Aussöhnung teilzunehmen, die für den 30.
Oktober in Mexiko City angesetzt waren,
in ähnlicher Weise wiesen die
guatemaltekischen Rebellen die Einladung der Regierung Cerezo zur Teilnahme am politischen Prozeß zurück.
Um die Übereinkunft von Guatemala
in Wort und Tat zu verwirklichen,
müssen Präsident Ortega und die Widerstandsbewegung auf eine Art und
Weise miteinander verhandeln, bei der
diese Bereiche direkt
angesprochen
werden.
Ein wirksamer Waffenstillstand kann nicht nur von einer Seite
ausgerufen
werden; diejenigen, die
auf beiden Seiten kämpfen, müssen

sich darüber einigen, was geschehen
soll. Dadurch würden die politischen
Führer in die Lage versetzt, vertrauensbildende Maßnahmen auszuarbeiten,
mit deren Hilfe der vollständigen und
friedlichen
politischen
Wiedereingliederung aller Nicaraguaner in ein
freies Nicaragua der Weg bereitet
werden könnte.
Eine vollständige Amnestie
ist
für einen jeden solchen Prozeß unabdingbar. Im September hat die Nationale
Konferenz der
(römisch-katholischer) Bischöfe Nicaraguas Amnestie
als Maßnahme definiert, mit der "beiden Seiten (geholfen werden soll),
die in der Vergangenheit an ihren
Brüdern begangenen Vergehen zu vergessen". Jede Amnestie muß auch auf
politische Gefangene, aktive Mitglieder der Widerstandsbewegung und jene,
die lieber aus ihrer Heimat geflohen
sind als daß sie unter einem totalitären Regime leben wollten, anwendbar
sein.
Die
Erklärung
Präsident
Ortegas vom 5. November, daß die Sandinisten bereit seien, etwa 1 000 politische
Gefangene
zu
begnadigen,
während Tausende hinter Gittern bleiben müssen, ist kaum ein Anfang.
Die Führer des demokratischen Widerstands
in Nicaragua
haben
die
Übereinkunft
von Guatemala
begrüßt
und Schritte zu deren Einhaltung unternommen.
Sie haben ihre Bereitschaft
erklärt, einen Waffenstillstand auszuhandeln und die jüngsten
Vorschläge aus Managua als nützlichen
Ansatzpunkt begrüßt. Wir alle müssen
hoffen, daß Präsident Ortegas jüngster Vorschlag sich als aufrichtig
erweisen und zum logischen nächsten
Schritt führen wird - direkten Verhandlungen von genau der Art, wie sie
die Präsidenten Cerezo und Duarte geführt haben.

- 7 -

�Amerikanische Unterstützung für den
Frieden
Die
Regierung
der
Vereinigten
Staaten ist davon überzeugt, daß die
militärischen und politischen Erfolge
der nicaraguanischen Widerstandsbewegung
dazu
beigetragen
haben, dem
Frieden eine Chance einzuräumen. Wir
sind ferner der Überzeugung, daß die
Sandinisten ohne diesen Druck nicht
die von ihnen am 5. November angekündigten Schritte unternommen hätten.
Wir haben auch Verständnis dafür, daß
Frieden ein Prozeß ist. Als wir also
gebeten wurden, uns bis zum 5. November nicht um erneute Hilfe für die
Widerstandsbewegung zu bemühen - und
dem "Frieden eine Chance zu geben" haben wir unsere aktiven diplomatischen Bemühungen fortgeführt, diesen Forderungen aber Beachtung geschenkt.
Heute kann ich Ihnen mitteilen,
daß wir bis zum nächsten Jahr keine
weitere Militärhilfe für die Widerstandsbewegung fordern werden.
Das
heißt nicht, daß wir die Hände in den
Schoß legen, wenn die Sandinisten einen militärischen Sieg zu erlangen
suchen. Wir werden die Widerstandskämpfer
angesichts
hochentwickelter
sowjetischer Waffen und kubanischer
Berater nicht ohne die erforderlichen
Mittel sich selbst überlassen.
Wir
werden nicht zulassen, daß der Friedensprozeß zu einem Schutzschild für
die physische Ausrottung des nicaraguanischen Widerstandes wird.
Wir
werden
vielmehr
dem
Frieden
jede
Chance geben.
Wie
Präsident
Reagan
vor
dem
Ständigen Rat erklärte, wird die Hilfe der Vereinigten Staaten "weitergeführt, bis die Sandinisten in ihren
Verhandlungen mit den Freiheitskämpfern ein Abkommen über einen Waffenstillstand schließen und die Demokra-

tie vollständig in Nicaragua verankert ist".
Die Form unserer Hilfe
wird von den Gegebenheiten bei der
Durchführung
der
Übereinkunft
von
Guatemala abhängen. Wenn es unseren
Hoffnungen gemäß funktioniert, werden
die Hilfsleistungen der friedlichen
Wiedereingliederung des Widerstandes
in ein freies Nicaragua zufließen;
wenn nicht, werden sie zur Weiterführung des Kampfes bis zu seinem Erfolg
Verwendung finden.
in den vor uns liegenden Wochen
und Monaten werden die Vereinigten
Staaten das Abkommen von Guatemala
auch auf andere Art und Weise unterstützen.
Präsident Reagan hat die
Delegationsleiter dieser Versammlung
gestern davon informiert, daß ich zu
gemeinsamen Gesprächen mit den Außenministern aller fünf Staaten Mittelamerikas, einschließlich des Vertreters der Sandinisten, bereit sein
werde, wenn unter der Vermittlung
Kardinal Obandos ernsthafte Verhandlungen zwischen den Sandinisten und
den Freiheitskämpfern geführt werden.
Vor und während eines solchen
Treffens werden wir natürlich weiterhin enge Konsultationen mit den mittelamerikanischen Demokratien und dem
nicaraguanischen
Widerstand
darüber
weiterführen, wie diese multilateralen Verhandlungen am besten zur nationalen Aussöhnung in Nicaragua beitragen könnten.

Die Rolle der OAS
Der OAS und ihren Mitgliedern
fällt im Hinblick auf Nicaragua eine
besondere Verantwortung zu.
Dieses Mal müssen wir im Gegensatz zu 1979 sicherstellen, daß die
für die Demokratie eingegangenen Verpflichtungen eingehalten werden. Die

�Menschen in Mittelamerika müssen weiterhin die Hauptrolle spielen.
Die
Übereinkunft von Guatemala ist ihr
Werk. Sie sind näher mit dem Problem
konfrontiert und auf direktere Art
und Weise beteiligt. Aber diese Organisation, die sich mit den Jahren
große Sachkenntnis über die Region
erworben hat, sollte eine wichtige
Quelle der Unterstützung sein.
Die Erhaltung des Friedens erfordert Beteiligung und Sachkenntnis in
der Region selbst.
Dieses Prinzip
einer
Vormachtstellung
der
Region
wird ausdrücklich in Artikel 23 der
OAS-Charta erwähnt, in dem die Mitgliedsstaaten
aufgefordert
werden,
Maßnahmen innerhalb der Region zu ergreifen, ehe sie sich mit strittigen
Fragen an die Vereinten Nationen wenden.
Es findet seinen Niederschlag
ebenfalls in Artikel 52 der Charta
der vereinten Nationen, in dem alle
Mitglieder
aufgerufen werden, jede
nur mögliche Anstrengung zu unternehmen, um Streitigkeiten mittels regionaler Organisationen zu lösen, bevor
sie dem Sicherheitsrat zur Kenntnis
gebracht werden.
Der Generalsekretär dieser Organisation ist Mitglied der durch die
Übereinkunft von Guatemala eingesetzten Kommission für Verifizierung und
Folgemaßnahmen.
Es werden große Anstrengungen und ein ernsthaftes Engagement aller Mitglieder der Organisation und auch des Generalsekretärs
und seiner Mitarbeiter nötig sein,
wenn sich diese Kommission an einem
gerechten und strukturierten Prozeß
beteiligen will, mit dessen Hilfe im
Rahmen
der
Übereinkunft
erzielte
Fortschritte gemessen werden sollen.
Mir ist bewußt, daß manche Beobachter sich fragen, ob multilaterale
Organisationen in der Lage sind, bei
den Problemen der Hemisphäre, denen

höchste
Priorität
zukommt,
eine
Schlüsselrolle zu spielen. wir sind
der Ansicht, daß die OAS dies unter
Beweis gestellt hat. Die OAS hat bei
der
Überwachung der
Menschenrechte
Hervorragendes geleistet, am offensichtlichsten durch ihre Aktivitäten
und eindrucksvollen Berichte der Interamerikanischen
Menschenrechtskommission. Sie hat den demokratischen
Prozessen durch die Beobachtung von
Wahlen und andere technische Hilfsleistungen große Unterstützung erwiesen.
Sie hat versucht, den Ländern
zu helfen, die ihre Rechtssysteme
verbessern wollten.
Sie ist neue
Verpflichtungen im Kampf gegen den
Drogenmißbrauch
und
den
illegalen
Rauschgifthandel in dieser Hemisphäre
eingegangen,
insbesondere
mit
dem
erst letztes Jahr in Rio de Janeiro
vereinbarten Anti-Drogen Aktionsprogramm.
Und natürlich kann die OAS
zahlreiche Erfolge bei ihren Aktivitäten zur Friedenssicherung vorweisen, von denen viele in Mittelamerika
stattfanden.
Es trifft zu, daß die finanzielle
Lage der OAS nicht gut ist.
Das
spiegelt
zum Teil die umfassenden
wirtschaftlichen
und
finanziellen
Schwierigkeiten der Mitgliedsstaaten
wider. Wir haben dieses Problem bei
unserem Zusammentreffen in Cartagena
im Jahr 1985 besprochen. Nach diesem
Treffen habe ich Präsident Reagan empfohlen, wir sollten die Zustimmung
des Kongresses einholen, um unseren
vollen Anteil an diese Organisation
zu zahlen, was die Vereinigten Staaten seit mehreren Jahren unterlassen
haben.
Der Präsident hat dem zugestimmt.
Dann hat der Kongreß seine
Zustimmung erteilt, konnte aber angesichts der angespannten Haushaltslage
keine Mittel bereitstellen. Wir werden es weiter versuchen.

- 9 -

�Das amerikanische
Außenministerium hat in den vergangenen drei Jahren einschneidende Haushaltskürzungen
erfahren. Im vergangenen Jahr mußten
wir schwierige Anpassungen vornehmen,
die im Vergleich zu dem, was uns bevorsteht,
geringfügig
erscheinen
könnten.
Im kommenden Jahr müssen
wir noch größere Anpassungen vornehmen.
Diese drastische Kürzung der
finanziellen
Mittel
für auswärtige
Angelegenheiten hat uns unter anderem
dazu gezwungen, unser Angebot, bei
dieser Generalversammlung als Gastgeber
zu
fungieren,
zurückzuziehen.
Ich möchte wiederholen, was ich dem
Generalsekretär damals erklärt habe.
Diese Entscheidung ändert nichts an
unserem entschlossenen Engagement für
die Organisation amerikanischer Staaten.
Ich habe bereits in Cartagena
auf unseren Wunsch hingewiesen, daß
diese Organisation eine Kraft von
entscheidender Bedeutung sein muß.

Die neue Solidarität
Mit dem Erstarken der Demokratie
in dieser Hemispäre ist ein neues
Phänomen zutage getreten, eine neue
Solidarität unter den demokratischen
Staaten sowie unter Gruppen und Einzelpersonen, die der Demokratie verpflichtet sind. Die Zunahme bei der
Anzahl demokratisch gewählter Staatsund Regierungschefs in Süd- und Mittelamerika sowie in der Karibik hat
auch zu einer verbesserten Kommunikation und Kooperation zwischen diesen
geführt. Wenn die Demokratie in einem Land unter Druck gerät, dann beeilen sich die demokratischen Politiker in der ganzen Hemisphäre, ihre
demokratischen Kollegen zu unterstützen.
Diese neue demokratische Solidarität tritt ebenso offensichtlich unter einfachen Bürgern zutage. Mit- 10

glieder politischer Parteien, Gewerkschafter, Bürgerrechtler und andere
vereinen sich über die Grenzen hinweg, um Erfahrungen auszutauschen und
sich gegenseitig
in ihrem Streben
nach demokratischen Regierungsformen
zu unterstützen. Wir haben ihnen gegenüber eine feierliche Verpflichtung
zur Bereitstellung des von ihnen geforderten politischen und wirtschaftlichen Rahmens - einer verantwortlichen, dem Volk gegenüber rechenschaftspflichtigen
Regierung
und
wirtschaftlichen Chancen für alle.
Zusätzlich hat die Geschichte der
letzten 25 Jahre eindeutig gezeigt,
daß unsere Sicherheit und die Sicherheit aller freien Länder in ganz Amerika durch die Konsolidierung solcher
Regierungen gestärkt wird, die auf
ein demokratisches Mandat gegründet
sind, die Pflichten und schwierige
Entscheidungen
anerkennen,
denen
freie und souveräne Nationen unterworfen sind und die frei sind, ihre
eigenen Interessen zu verfolgen. Da
wir ebenfalls Demokratien sind, deckt
sich die Mehrzahl unserer Interessen;
wenn dies nicht der Fall ist, dann
können wir unserer Meinung nach die
Reife, den politischen Willen und die
Differenziertheit aufbringen, um unsere Meinungsverschiedenheiten in befriedigender Weise zu lösen.
Die vielversprechenden Aussichten
einer durch gemeinsame demokratische
Überzeugungen und Praktiken verbundenen Hemisphäre werden von uns hoch
eingeschätzt. Deshalb werden wir unermüdlich an der Verwirklichung dieses Ziels arbeiten. Wir werden durch
das ermutigt, was wir sehen.
Mehr
und mehr sprechen die Premierminister
der Karibik und die Präsidenten Lateinamerikas miteinander und mit uns
in Nordamerika die gleiche Sprache.
Es ist die Sprache der Demokratie.
Wir alle werden die gegen Monatsende

�in Haiti und Surinam stattfindenden
Wahlen genau beobachten, um festzustellen, daß sie wirklich den Willen
des Volkes widerspiegeln.
Und wir
werden weiterhin die Bemühungen zum
Wiederaufbau demokratischer Ordnungen
in Chile, Panama und Paraguay beobachten.
Heute befindet sich Mittelamerika
an einem besonders wichtigen Scheideweg.
Ein regionaler Rahmen für die
Verwirklichung der Demokratie ist von
den politischen Führern Mittelamerikas selbst entwickelt und vereinbart
worden.
Sie sind nicht davon überzeugt, daß das nicaraguanische Volk
zu einem Leben unter einer totalitären Regierung
verdammt
ist.
Wir
stimmen ihnen zu.
Sie sehen keinen
Grund für die Bevölkerung der mittelamerikanischen Demokratien, eine Zukunft dauernder Unsicherheit hinzunehmen. Wir stimmen ihnen zu.
Sie
sehen keinen Grund für Mittelamerika,
eine Zukunft großer, die spärlichen
Mittel aufsaugender Armeen hinzunehmen, eine Zukunft ständiger Wachsamkeit an den Staatsgrenzen, dauernder
Furcht, Überwachung und Zweifel. Wir
stimmen ihnen zu.

nen helfen, nur um zu gestatten, daß
sie gleich wieder zugeschlagen würde.
Wir müssen unsere vereinte Macht einsetzen, um die Diplomatie der Demokratie in Nicaragua zu unterstützen,
denn
unsere
Sicherheitsinteressen,
unsere moralischen Werte und unsere
politischen Ziele werden alle Teil
dieses Ergebnisses sein.
So wie wir uns dem 500. Jahrestag
der Entdeckung der neuen Welt durch
die alte nähern, haben wir eine historische Chance, eine Erklärung zur
Zukunft dieser Hemisphäre abzugeben,
eine Warnung an die Diktatoren auszusprechen, daß sie in diesem Teil der
Welt nicht willkommen sind und daß
sie in der Tat auf verlorenem Posten
stehen werden.
Nur dann werden wir behaupten
können, daß wir unserer Verpflichtung
als Mitglieder dieser großen Organisation Genüge getan haben, den Menschen ein Land der Freiheit zu bieten: der Freiheit für alle Menschen
in all unseren Ländern.

In dem Kampf, der heute diejenigen Nicaraguaner, die an die Demokratie glauben, von denen scheidet, die
von Totalitarismus und Diktatur überzeugt sind - nicht nur in Nicaragua,
sondern als Ideal für die gesamte Hemisphäre -, müssen wir an der Seite
der Demokraten stehen.
Die Sicherheit Mittelamerikas - und letztlich
die Sicherheit aller Demokratien
hängt davon ab.
Wir in der Organisation Amerikanischer Staaten tragen eine ganz besondere Verantwortung.
Nach den Ereignissen des Jahres 1979 wäre es
doppelt verantwortungslos, wenn wir
die Tür der Demokratisierung zu öff- 11 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Wirtschaft
19. November 1987

41

LXNDERBERICHT ÜBER DAS VORAUSSICHTLICHE VOLUMEN DES HANDELS
MIT DER BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND IM JAHR 1987
- Herausgegeben vom Büro des US-Handelsbeauftragten -

WASHINGTON - (AD) - Das Büro des Handeslbeauftragten der Vereinigten Staaten hat kürzlich den Länderbericht 1987 über das voraussichtliche Volumen des
Handels mit der Bundesrepublik Deutschland veröffentlicht.
Dieser Bericht
soll wesentliche, im Ausland bestehende Handelshemmnisse für amerikanische Exporte aufdecken sowie bisherige und zukünftige Maßnahmen zum Abbau dieser
Hemmnisse und zur Verbesserung des Handelsumfelds erläutern.
Im Rahmen der Bemühungen, das Bewußtsein für Handelshemmnisse zu schärfen,
aufgrund derer amerikanische Exporteure in bestimmten Bereichen der deutschen
Wirtschaft nur schwer konkurrieren können, erscheint uns die Veröffentlichung
des nachfolgenden Berichts nützlich.

Die Vereinigten Staaten sind der
größte, nicht zur Europäischen Gemeinschaft (EG) zählende Handelspartner der Bundesrepublik Deutschland.
Die Vereinigten Staaten haben im Jahr
1986 mehr als 10 Prozent des gesamten
Exportvolumens
der
Bundesrepublik
aufgenommen, und stellen 6,5 Prozent
der Gesamtimporte.

ist
der
teil
mit

Die
Bundesrepublik
Deutschland
der drittgrößte
Handelspartner
vereinigten Staaten und ihr Anam gesamten bilateralen Handels
den vereinigten Staaten beträgt

United States Information Service
Embassy of the United States of America

mehr als 6 Prozent. Der Handel zwischen beiden Ländern belief sich im
Jahr 1986 auf 36,5 Milliarden Dollar.
Das amerikanische Handelsdefizit
mit der Bundesrepublik ist seit 1981
stetig angestiegen. Im Jahr 1986 betrug es 15,7 Milliarden Dollar, gegenüber 12,3 Milliarden im Jahr 1985.
Das Volumen amerikanischer Exporte in
die
Bundesrepublik
Deutschland erreichte im Jahr 1980 mit 10,6 Milliarden Dollar seinen Höchststand und
stagnierte 1985 bei etwa 9 Milliarden
Dollar.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Im Jahr 1986 erhöhten sich die
amerikanischen
Exporte
jedoch
auf
10,4 Milliarden Dollar. Gleichzeitig
nahmen die Importe in die Vereinigten
Staaten stetig zu.
Sie stiegen im
Jahr 1986 auf 26,1 Milliarden Dollar,
gegenüber
21,2 Milliarden im Jahr
1985.
Zu den wichtigsten Exportgütern der Vereinigten Staaten für die
Bundesrepublik
Deutschland
zählten
1986
Büromaschinen,
Flugzeuge
und
Computer.
Hauptimportwaren
in die
Vereinigten Staaten waren Fahrzeuge,
Industriemaschinen und Motoren.
Amerikanische Direktinvestitionen
in der Bundesrepublik Deutschland beliefen sich zum Ende des Jahres 1986
auf 20,3 Milliarden Dollar. Im Vergleich dazu hatten deutsche Investitionen in den Vereinigten Staaten
einen Gesamtumfang von 17,4 Milliarden Dollar.

1. Normen, Prüfung, Kennzeichnung
und Zulassung
A.

Beschreibung

Die
Bundesrepublik
Deutschland
hat in den Jahren 1986 und 1987 jeweils eine überarbeitete Verordnung
für medizinische Geräte herausgegeben,
über diese Verordnungen wurden
Hersteller und andere Interessenten
nicht gemäß dem Normenkodex des Allgemeinen
Zoll- und
Handelsabkommens
(GATT) unterrichtet.
Eine der überarbeiteten Bestimmungen bezieht sich
auf mehr als 100 private bundesdeutsche Normen, die auf ähnliche Weise
ohne
Berücksichtigung
nicht-bundesdeutscher Interessen erarbeitet wurden.
B.

nische Exporte medizinischer Geräte
(einschließlich
Bildgeräte) in die
Bundesrepublik Deutschland auswirken.
Die
Exporte amerikanischer medizinischer Ausrüstung in die Bundesrepublik erreichten 1986 einen Gesamtumfang von 263 Millionen Dollar.
C.

Bisherige und zukünftige Maßnahmen

Die Vereinigten Staaten haben in
diesem Bereich eng mit der heimischen
Industrie
zusammengearbeitet.
Sie
erheben weiterhin Einspruch dagegen,
daß es die Bundesrepublik Deutschland
unterlassen hat, das GATT von der
Veröffentlichung von Richtlinien für
medizinische Geräte zu unterrichten.
Im Juni 1986 haben die Vereinigten
Staaten
der
Bundesrepublik
Deutschland einen Fragenkatalog mit
der Bitte um Klärung der Verordnungen
über medizinische Geräte übermittelt.
Die Antwort der Bundesrepublik vom
Oktober 1986 warf zusätzliche Fragen
des Verbandes der Hersteller von Gütern
für
die
Gesundheitsfürsorge
(Health Industry Manufacturers Association - HIMA) und des Verbandes der
Hersteller von elektrischen Geräten
(National
Electrical
Manufacturers
Association - NEMA) auf.
Im Juni
1987 wurde ein weiterer Fragenkatalog
an
die
Bundesrepublik
Deutschland
übersandt.
Amerikanische Firmen bewerten gegenwärtig
die
Auswirkungen
neuer
deutscher
Vorschriften,
die
sich
nachteilig auf die Exporte einiger
Geräte auswirken könnten. Diese Bewertung wird in Abstimmung mit amerikanischen Durchführungs- und Handelsbehörden vorgenommen.

Voraussichtliche Auswirkungen
2.

Die
überarbeiteten
könnten sich nachteilig

Verordnungen
auf amerika-

Staatliche Beschaffung

Beschaffung gemäß staatlichen Rieht-

�ternehmen.
Diese Unternehmen haben
keine großen
Dampfgeneratoren
oder
Stromtransformatoren
aus
den
Vereinigten Staten bezogen.

linien
A.

Beschreibung

Eine erhebliche Anzahl bundesdeutscher Ausschreibungen, die unter
den
staatlichen
Beschaffungskodex
fallen, entsprechen nicht den Anforderungen des Kodex, von minidestens
30 Tagen Frist zwischen Veröffentlichung
und endgültigem
Abgabetermin
des Angebots. Im Jahr 1986 entsprachen 65 von 370 Ausschreibungen (18
Prozent)
nicht
den
Anforderungen.
Von verkürzten Abgabeterminen waren
eine große Bandbreite von Produkten
betroffen, einschließlich Zubehör für
LebensmittelVerpackungen,
Industriekühlschränke, Dieselkraftstoff, Magnetplatten, Druckund Verpackungsmaschinen.
B.

Voraussichtliche Auswirkungen

Amerikanische
Unternehmen
sind
bei diesen Produkten weltweit führend. Wenn sie am Wettbewerb beteiligt werden, könnte Ihnen ein bedeutender
Marktanteil
der
staatlichen
Beschaffung zukommen. Dennoch liegen
die
voraussichtlichen
Auswirkungen
unter 5 Millionen Dollar pro Jahr.
C.

Bisherige und zukünftige Maßnahmen

Sofern erforderlich, tragen die
Vereinigten Staaten dem Bundesministerium für Wirtschaft die Probleme
der verkürzten Abgabefrist bei Ausschreibungen vor.

Elektrisches Großgerät
A.

Beschreibung

Regierungsstellen
(auf Bundes-,
einzelstaatlicher und kommunaler Ebene) sind zu etwa 66 Prozent Kapitaleigner deutscher Stromversorgungsun-

Deutsche Versorgungsbetriebe nehmen ihre Beschaffung im allgemeinen
aus einer Liste "in Frage kommender
Lieferanten" für bestimmte Ausschreibungen vor. Ausländische Firmen kommen weder für Dampfturbinen noch für
große
Stromtransformatoren
in
Betracht.
B.

voraussichtliche Auswirkungen

Die genaue Einschätzung der Gesamtauswirkungen
dieser
Handelsschranke
bereitet
Schwierigkeiten.
Dennoch könnten amerikanische Lieferanten in diesem Sektor Zuschläge erhalten, wenn ihnen der Wettbewerb erlaubt wäre. Der Umfang des deutschen
Marktes
für
Turbogeneratoren
und
Transformatoren wird auf etwa 350
Millionen Dollar im Jahr geschätzt.
C.

Bisherige und zukünftige Maßnahmen

Die Vereinigten Staaten versuchen
jetzt
die
Bevozugung
inländischer
Produkte abzubauen und verhandeln erneut über den GATT-Kodex zur staatlichen Beschaffung. Die zweite Phase
dieser Verhandlungen über eine Erweiterung des Kodex auf neue Bereiche
wurde zu Beginn des Jahres 1987 aufgenommen.
Die Vereinigten Staaten drängen
die Bundesrepublik weiterhin, Behörden, die in beträchtlichenm Umfang
elektrisches Großgerät erwerben, in
den Kodex aufzunehmen. Vom Kodex erfaßten Behörden ist es nicht erlaubt,
Produkte
anderer Unterzeichner
des
Kodex zu benachteiligen.
Die Sonderkommission des Präsidenten hat Einlassungen der amerika-

- 3 -

�nischen Industrie über unfaire Handelspraktiken in diesem Sektor geprüft.
Die Regierung wertet gegenwärtig diese Vorwürfe unterstützendes
statistisches Material der Industrie
aus, um herauszufinden, wie dieser
Problemkreis mit den westeuropäischen
Ländern und Japan in Zukunft behandelt werden soll. Die Regierung wird
im Herbst 1987 weitere Maßnahmen in
Erwägung ziehen.

3.

Andere Handelhemmnisse

Staatliche Unterstützung für Verkehrsflugzeuge:
Subventionen
für
Entwicklung und Produktion, Kaufanreize, übermäßiger Druck auf die Auswahl der Verkäufer und die Beschaffung bei den nationalen Fluggesellschaften.

A.

Beschreibung

Im Juni 1987 erklärte die Bundesrepublik Deutschland, sie würde 1,65
Milliarden Dollar zur Förderung der
Programme für die Verkehrsflugzeuge
Airbus A 330 und A 340 bereitstellen.
Dieser Betrag wurde zusätzlich zu den
früher bereits für Luftfahrtprogramme
des Airbus-Konsortiums aufgewendeten
Milliarden Dollar gewährt.
Die mit diesen Programmen geförderten Flugzeuge stehen in direktem
Wettbewerb mit Flugzeugen von Boeing
und McDonnell Douglas.
Der Airbus
A 330 und A 340 konkurrieren mit der
Boeing 767 und anderen Typen sowie
mit der MD-11 von McDonnell Douglas.
Unzureichende Informationen über
die wirtschaftliche Analyse hinter
diesen Entscheidungen zur Förderung,
die Bedingungen für die Bereitstellung dieser Starthilfe und ihre Rückzahlung an die Regierung erschweren

Schätzungen, ob bei der Vergabe der
Subventionen eine Rückzahlung ernsthaft erwartet wurde. Die Vereinigten
Staaten stellen in Frage, daß diese
Programme auf der Grundlage normaler
Kriterien wirtschaftlich existenzfähig sind und im Einklang mit den Verpflichtungen
des
GATT-Luftffahrtabkommens stehen.
Bisher gewährte finanzielle Förderung
der
Bundesrepublik
an
den
deutschen Partner von Airbus Industries, die
Deutsche
Airbus
(eine
Tochtergesellschaft
von
Messerschmidt-Boelkow-Blohm oder MBB, die
ganz in deren Eigentum steht) konzentrierte sich auf die Entwicklungsphase einzelner Luftfahrtprogramme.
Am
3. Juni 1987 erklärte die Bundesrepublik Deutschland jedoch, sie würde
die Garantieleistungen für Schulden
im Gegenwert
von
1,06
Milliarden
Dollar nachkommen, die MBB bei der
Finanzierung der Produktionsphase für
den Airbus A 300 und A 310 gemacht
hatte.
Die Tilgung der durch Produktionskosten
entstandenen
Schulden
mittels
Subventionen
bedeutet
eine
eindeutige Abkehr von in der Vergangenheit üblichen Praktiken.
Obwohl
die Bundesrepublik erklärte, MBB würde die Schulden durch die Verkäufe
des Airbus A 300 und A 310 zurückzahlen, ist es höchst zweifelhaft, ob es
überhaupt zu genügend Verkäufen kommt.
Zusätzlich zu diesen Subventionen
für den Airbus besteht Grund zu der
Annahme,
daß
die
Bundesrepublik
Deutschland und andere Ländervertreter des Airbus-Konsortiums unter Zuhilfenahme
politischer
und
wirtschaftlicher Anreize Einfluß auf Verkäufe an Drittländer genommen haben,
um
dem
Airbus
gegenüber
amerikanischen Flugzeugen einen Vorteil zu
verschaffen.

- 4 -

�Die amerikanische Luftfahrtindustrie hat ferner die Beschuldigung
vorgebracht, daß staatliche Interventionen bezüglich der Entscheidungen
über die Auswahl der Anbieter von
Airbus-Bauteilen sowie Entscheidungen
über die Beschaffung von Triebwerken
und Flugzeugen durch nationale und
andere europäische Fluggesellschaften
amerikanische Exporte geschädigt hätten.
Die vereinigten Staaten
daß solche Praktiken nicht
GATT-Luftfahrtabkommen
im
stehen.
B.

glauben,
mit dem
Einklang

Voraussichtliche Auswirkungen

Schätzungen
der
amerikanischen
Flugzeugindustrie
zufolge
hat
die
Einführung des A 320 sie den Verkauf
von mehr als 150 Verkehrsflugzeugen
gekostet.
Geht man davon aus, daß
die amerikanischen Hersteller diese
Verkäufe getätigt hätten und unter
Berücksichtigung
des
von
amerikanischen Lieferanten zum A 320 beigesteuerten Wertanteils, hatten diese
Subventionen bis zum heutigen Tage
Auswirkungen im Umfang von ca. 3 Milliarden
Dollar
möglicher
amerikanischer Verkäufe.
Obwohl Berechnungen über die Auswirkungen
der Airbus-Programme auf
den
amerikanischen
Beschäftigungsmarkt
im einzelnen
nicht
möglich
sind, werden ca. 50 000 amerikanische
Arbeitsplätze
verloren gehen, wenn
die Airbus-Industries ihr Ziel von
600 Verkaufseinheiten des A 320 bis
1998 erreichen.
Zuverlässige Schätzungen über den durch andere AirbusProgramme verursachten Verlust amerikanischer Arbeitsplätze stehen nicht
zur Verfügung.
Das offensichtliche
Erlassen der staatlich garantierten
Darlehen für den A 300 und A 310
führt jedoch zu einer Erhöhung jedes

einzelnen Elements bei den Subventionen
dieser
Unterstützungsprogramme
und ihrer handelsverzerrenden Auswirkungen.
Ferner scheinen die aggressiven
Verkaufspraktiken
der
Airbus-Industrie bei zahlreichen Verkaufswettbewerben zu einem Druck auf die Preise
geführt zu haben.
Eine anhaltende
Gewinnspannenerosion könnte langfristig einschneidende Auswirkungen auf
die amerikanische Industrie haben.
Es gibt Beweise dafür, daß staatliche Interventionen für den Airbus
seitens der Bundesrepublik und anderer Länder bei Verkaufswettbewerben
in Drittländern und Europa und bei
Entscheidungen im Hinblick auf Bezugsquellen
für
Einzelteile
und
Triebwerke
beträchtliche
Umsatzverluste der amerikanischen Flugzeugindustrie ausgelöst haben. Fortgesetzte politische und wirtschaftliche Interventionen
zugunsten
des
Airbus
könnten weitere Umsatzverluste amerikanischer Flugzeughersteller, Exportrückgänge sowie Importerhöhungen zur
Folge haben.
C.

Bisherige und zukünftige Maßnahmen

Die Vereinigten Staaten haben die
besonderen Praktiken der Airbus-partnerregierungen zum ersten Mal im Oktober 1984 im GATT-Flugzeugausschuß
angesprochen.
Die Vereinigten Staaten haben weiterhin gefordert, daß
Flugzeugsubventionen dem GATT-Subventionsausschuß zur Kenntnis gebracht
werden, wie dies in den generellen
Vereinbarungen und dem Subventionskodex vorgesehen ist.
Als Konsequenz
der
zunehmenden
Besorgnis über Aktionen, die aus der
Sicht der Administration nicht im
Einklang
mit
den
Verfügungen
des
Flugzeugabkommens
stehen,
beraumte

- 5 -

�die Sonderkommission des Präsidenten
im Herbst 1985 eine Überprüfung zum
Thema Airbus an. Der Rat für Wirtschaftpolitik (EPC) leitete auf Empfehlung
der Sonderkommission
eine
Reihe von Maßnahmen zur Behebung der
Situation in die Wege.
Als Ergebnis wurden im Frühjahr
1986 informelle Gespräche auf höchster Ebene zwischen den vereinigten
Staaten
und
der
Bundesrepublik
Deutschland,
Frankreich
und
Großbritannien aufgenommen. Das Ziel war
die
Erarbeitung
einer
gemeinsamen
Auslegung der einzelnen Artikel des
Flugzeugabkommens,
insbesondere
von
Artikel 4, der staatlichen Druck und
staatliche
Anreize behandelt
sowie
von Artikel 6 über staatliche Subventionen und Fördermittel. Obwohl diese Gespräche auch nützlich waren, war
das Ergebnis aus der Sicht der Vereinigten
Staaten
unbefriedigend.
Daraufhin besuchte eine amerikanische
Delegation auf politischer Ebene die
Hauptstädte der drei Airbus-Partnerländer im Februar 1987 zur Erörterung
der einzelnen Regierungsinterventionen, die zu einer Verzerrung des
Markts
für kommerzielle Transportflugzeuge führen könnten.
Im Anschluß daran traf der Rat
für Wirtschaftspolitik folgende Entscheidungen: 1.) Den amerikanischen
Handelsvertreter durch die Einberufung einer Sondersitzung des Flugzeugausschusses unverzüglich zur Klärung und Unterstützung der Schlüsselverfügungen
des
Flugzeugabkommens
aufzufordern;
2.) Das amerikanische
Handelsministerium
zur
Durchführung
einer Studie über die Unternehmen des
Airbus-Industriekonsortiums
anzuweisen, einschließlich erhaltener Unterstützungen,
Programmkosten,
Preisfestsetzung der Airbus-Produkte sowie
deren Auswirkungen auf die amerikanische Industrie und 3.) die Handels- 6

behörden zur Überwachung derzeitiger
Airbus-Verkaufskampagnen auf unfaire
Praktiken aufzufordern.
Im Einklang mit dem Kabinettsbeschluß berief der amerikanische Handelsbeauftragte
im März 1986 eine
Sondersitzung
des GATT-Flugzeugausschusses zur Erörterung der amerikanischen Besorgnis über Artikel 4 und
6 ein. Seit damals sind eine Reihe
intensiver informeller Gespräche und
Konsultationen mit der EG-Kommission
und den Airbus-Partnerländern anberaumt worden.
Am 23. Juli 1987 überprüfte der
GATT-Flugzeugausschuß den Stand dieser Bemühungen offiziell. Obwohl im
Hinblick auf die Auslegung des Wortlauts von Artikel 4 im großen und
ganzen
Übereinstimmung
herrschte,
konnten bei der Auslegung der Verfügungen von Artikel 6 nur geringe
Fortschritte erzielt werden.
Die Vereinigten
Staaten
stehen
mit den anderen Parteien weiterhin
zur Erarbeitung einer ausgehandelten
Beilegung ihrer Differenzen in Verbindung.
Der Rat für Wirtschaftspolitik wird das Ergebnis dieser Bemühungen, die Studie des Handelsministeriums sowie die jüngsten Marktentwicklungen daraufhin überprüfen, ob
weitere
Schritte
zur
Verringerung
oder Beseitigung der handelsverzerrenden Auswirkungen der von den Airbus-Partner regier ungen
ergriffenen
Maßnahmen erforderlich sind.
Zugang zum Telekommunikationsmarkt
A.

Beschreibung

1.)

Beschaffung

Die Deutsche Bundespost erwirbt
ca. 60 Prozent des Fernmeldegeräts
für die Bundesrepublik.
Die Bundes-

�post legt bei allen Ausschreibungen,
die
technische Sachkenntnis erfordern, ein selektives Ausschreibungsverfahren zugrunde.
Nur gut eingeführte Unternehmen können an der Ausschreibung teilnehmen.
Die vorgehensweise der Bundespost
benachteiligt ausländische Unternehmen
ohne
Herstellungseinrichtungen
oder sonstige bedeutende technische
Repräsentanz in der Bundesrepublik.
Solche Unternehmen sind von der Teilnahme an der Entwicklung neuer Gerätespezifikationen ausgeschlossen oder
kommen nicht als Gerätelieferanten,
insbesondere
für Schalt- und Ubertragungsgeräte, in Frage.
Die
Bundespost
hat
sich
verpflichtet, ab 1985 10 Prozent der Beschaffung von Endgeräten dem internationalen Wettbewerb zu öffnen.
2.)
Normen, Prüfung,
Zulassung

Kennzeichnung,

Die deutschen Bestimmungen über
den Anschluß von Geräten an das Netz
sind sehr viel strenger als die in
den vereinigten Staaten angewandten.
Zahlreiche deutsche Normen und Vorschriften erstrecken sich bis auf das
Design und schließen Spezifikationen
ein, die über diejenigen hinausgehen,
die zur Verhinderung einer "Beschädigung des Netzes" erforderlich sind.

kanischen System ist das Verfahren
der Bundespost wie folgt:
1.)
im
Ausland
erstellte Prüfdaten
werden
nicht anerkannt; 2.)
Eigenzulassung
durch den Hersteller ist nicht gestattet;
3.)
erfordert die erneute
Zulassung nach geringfügigen Veränderungen am zugelassenen Gerät und 4.)
erlegt
unnötige
Wartungs- und
Installationsbestimmungen auf.
3.)

Dienstleistungen

Privatunternehmen können über das
öffentlich geschaltete Netz erweiterte Dienstleistungen anbieten, dürfen
diese
erweiterten
Dienstleistungen
jedoch ohne vorherige Genehmigung der
Bundespost nicht über geleaste Leitungen anbieten.
Der Weiterverkauf
geleaster Leitungskapazität ist nicht
gestattet.
Privatunternehmen können
erweiterte Dienstleistungen im Rahmen
des
öffentlich
geschalteten
Netzes
über
geleaste
Leitungen
anbieten.
Dies erhöht jedoch die Kosten des Anbieters
dieser
Dienstleistung
beträchtlich (verglichen mit den Kosten
von zum Pauschalpreis geleasten Leitungen) und können die angebotene
Dienstleistung unrentabel machen.

Dem von der Bundespost angewandten Verfahren zur Normenfestsetzung
mangelt es an Transparenz.
Anbieter
haben wenig Möglichkeiten, auf den
Entwurf der Normen und Vorschriften
Einfluß zu nehmen.

Privatunternehmen
beschweren
sich, daß sie der Bundespost eine detaillierte Beschreibung der jeweils
angebotenen
Dienstleistung
vorlegen
müssen.
Sie haben die Befürchtung,
die Bundespost könnte sich entscheiden,
eine
solche
Dienstleistung
selbst anzubieten und damit privaten
Wettbewerb ausschalten.
Die Bundespost bietet bereits bestimmte Dienstleistungen an, die Privatunternehmen
nicht auch anbieten dürfen.

Die Verfahrensweisen der Bundespost zur Prüfung, Zulassung sowie den
Anschluß von Endgeräten beschränken
den amerikanischen Zugang zum deutschen Markt. Im Gegensatz zum ameri-

Obwohl die Bundespost mengenabhängige Tarife für geleaste Leitungen
eingeführt hat, bevorzugen amerikanische
Unternehmen
kostenabhängige
Pauschaltarife.
Durch mengenabhängi-

- 7 -

�ge Tarife werden privater Initiativen
zur
Einführung
neuer
verbesserter
Dienstleistungen beträchtlich verringert.
In Zusammenhang mit der für das
Jahr 1988 geplanten Einführung des
neuen ISDN-Systems (integrated Services Digital Network) entwickelt die
Deutsche Bundespost gegenwärtig eine
neue Tarifstruktur.
Die neue Regelung bietet keine Garantie dafür, daß
die Bundespost sich selbst die gleichen Tarife in Rechnung stellen wird
wie ihren privaten Wettbewerbern.

B.

sich
Telekommunikationsexperten
aus
beiden Ländern zu informellen technischen Gesprächen mit dem ziel, in
Zusammenhang mit dem Marktzugang stehende Belange anzusprechen.
Diese
Gespräche
konzentrierten
sich vor allem auf drei Gebiete: 1)
Einweisung in die spezifischen Kriterien des bundesdeutschen Telekommunikationssystems; 2) Vorbringen amerikanischer
Sorgen
über
fehlenden
Marktzugang;
3)
Erläuterung
des
durch Deregulierung in den Vereinigten Staaten geschaffenen flexibleren
und wettbewerbsfähigeren Telekommunikationssystems.

Voraussichtliche Auswirkungen

Der Markt für Telekommunikationsausrüstungen
in der
Bundesrepublik
Deutschland wurde im Jahr 1986 auf
ein Gesamtvolumen von 4,9 Milliarden
Dollar geschätzt. Bis 1988 wird ein
Umfang von 5,7 Milliarden Dollar erwartet.
Im Jahr 1986 erreichten die
Exporte der Vereinigten Staaten in
die Bundesrepublik ein Gesamtvolumen
von
109
Millionen
Dollar.
Eine
durchgreifende
Liberalisierung
der
Haltung der Bundespost im Hinblick
auf Beschaffung, Normen und Dienstleistungen würde den größten Telekommunikationsmarkt Europas für amerikanische Unternehmen öffnen.

Insbesondere haben die Vereinigten Staaten die Bundesrepublik dringend ersucht, bei der Öffnung ihres
Marktes in sechs wichtigen, vom amerikanischen
Wirtschaftsminister
im
Juli 1986 definierten Bereichen Fortschritte zu machen. Die Vereinigten
Staaten sind gegenwärtig damit befaßt, die Marktzugangsgespräche vom
Juni 1987 auszuwerten, um die nächsten Schritte zu erwägen.
Im Rahmen dieser Gespräche erklärte die Bundesrepublik ihre Absicht, in folgenden Einzelbereichen
eine Lockerung durchzuführen:
1.)

C.

Bisherige und zukünftige Maßnahmen

Die Vereinigten Staaten haben mit
Vertretern
der
Bundesrepublik
Deutschland vier Gesprächsrunden über
das Problem des Marktzugangs abgehalten - die letzte fand im Juni 1987
statt.
Im Juni 1986 fanden außerdem
Konsultationen mit deutschen Vertretern über die zum 1. Januar 1988 zusammen mit der Einführung von ISDN in
Kraft tretende Telekommunikationsordnung (TKO) statt. Zusätzlich trafen

Beschaffung

Die
Bundesrepublik
Deutschland
hat sich verpflichtet, seit 1985 10
Prozent der Beschaffungen im Fernmeldebereich dem internationalen Wettbewerb zu öffnen.
internationale Ausschreibungen
werden
im offiziellen
Mitteilungsblatt der Europäischen Gemeinschaft veröffentlicht.
Einer Erklärung der Bundesrepublik Deutschland zufolge "haben alle
potentiellen und qualifizierten Lieferanten Zugang zu (mit der Ausarbei-

�tung von Spezifikationen beschäftigten) Arbeitsgruppen".
Die Bundesrepublik hat die EG außerdem aufgefordert, ihre Zustimmung zu einer Ausdehnung
der
GATT-Richtlinien
für
staatliche Beschaffungen auf die Beschaffung
von Fernmeldegerät durch
die
Post- und
Fernmeldeverwaltungen
zu geben.
Inzwischen ist die Deutsche Bundespost dabei, ihre Spezifikationen
für
Nebenstellenvermittlungsanlagen zu überarbeiten, um Beschränkungen bezüglich der Zahl von
Anschlüssen pro Anlage aufzuheben.

2.)
Normen, Prüfung,
Zulassung

Kennzeichnung,

Durch bilaterale Kontakte ermutigen die Vereinigten Staaten die Bundesrepublik Deutschland, ihre Prüfund zulassungsverfahren für Endgeräte
zu lockern.
Die Bundesrepublik ist
gegenwärtig damit befaßt, ihre Zulassungsverfahren
in
einer
einzigen
Richtlinie zusammenzufassen, mit der
ein Recht auf Zulassung geschaffen
und
ein Einspruchsverfahren
eingeführt wird.

schlag über die Anerkennung von Prüfdaten, die Straffung der Zulassungsverfahren und Transparenz bilateraler
oder
regionaler
Normenabkommen
für
die
mögliche
Zustimmung
in
der
Uruguay-Runde berücksichtigen wird.
3.)

Dienstleistungen

Mitte des Jahres 1986 hat die
Bundesrepublik ihre Forderung aufgehoben, wonach 50 Prozent der Informationsverarbeitung
dem
Binnenmarkt
vorbehalten sein sollen. Die Bundespost
hat
bereits
mengenabhängige
Preise für geleaste Leitungen eingeführt.
Die Vereinigten Staaten fordern die Bundespost auf, zu einem
kostenabhängigen Tarifsystem zurückzukehren und Beschränkungen für geleaste Leitungen aufzuheben, die an
das
geschaltete Netz
angeschlossen
sind.

Die Bundesrepublik hat ferner ihre Bereitschaft
zum
Ausdruck
gebracht, die Anerkennung von in den
Vereinigten Staaten erstellten Prüfdaten für die Typenzulassung in Erwägung zu ziehen.
Dies gilt für bestimmte, in einer Typenzulassungsdirektive der EG aufgeführte Produkte.
Die Bundespost hat außerdem angeboten, für amerikanische Anbieter ein
Seminar
über deutsche Vorschriften
für das Fernmeldewesen und durchgeführte Liberalisierungsmaßnahmen abzuhalten.
Die
Bundesrepublik
Deutschland
ist ferner im Normenausschuß des GATT
vertreten, der einen von den Vereinigten
Staaten
vorgelegten
Vor- 9 -

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Wissenschaft und Technik
18. November 1987

41

AIDS-FRÜHBEHANDLUNG MIT INTERFERON
- Neue Therapien in der Erprobung -

WASHINGTON - (AD) - Der natürliche Wirkstoff Interferon, der versuchsweise
in der Krebstherapie angewandt wird, könnte auch für die Behandlung von AIDSKranken Bedeutung gewinnen. Diese Ansicht vertrat Dr. Anthony Fauci, der Direktor des Nationalen
Instituts für Allergie
und
Infektionskrankheiten
(Bethesda, Maryland), auf der Jahrestagung der Internationalen Gesellschaft
für Interferonforschung Anfang November 1987 in Washington.
Interferon ist
ein in der menschlichen Zelle gebildetes Glykoprotein, das die Vermehrung von
Viren, aber auch von einer Anzahl anderer Krankheitserreger, im Organismus
hemmt. Dank biotechnischer Verfahren kann Interferon inzwischen synthetisiert
werden, so daß es in ausreichenden Mengen verfügbar wäre.

Wie Fauci berichtete, habe man
sowohl bei AIDS-infizierten Personen,
die
noch
keine
Krankheitssymptome
zeigten, als auch bei AIDS-Patienten
mit
Kaposi-Sarkom
beobachtet,
daß
Alpha-Interferon
die
HIV-Vermehrung
hemmt (HIV - "Human Immunodeficiency
Virus", d.h. immunschwäche auslösendes Virus).
Bei
50 Prozent der
asymptomatischen Probanden, also Patienten
ohne
Krankheitssymptomen,
seien nach 12wöchiger Behandlung keine HIV-Viren mehr nachweisbar gewesen.
Bei Patienten mit den für das
Kaposi-Sarkom typischen Hautgeschwü-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

ren brachten Injektionen mit AlphaInterferon
die
Oberflächenläsionen
zum Verschwinden.
Auch kam es bei
mindestens 50 Prozent der mit Interferon behandelten Personen zu einer
Rückbildung von Tumoren.
Nach bisherigen Erfahrungen sei
aber nur dann mit der Rückbildung der
häufig in Verbindung mit AIDS auftretenden
Kaposi-Tumoren
zu
rechnen,
wenn noch ein hoher T-Lymphozytenspiegel vorhanden sei, sich die AIDSInfektion somit noch in den ersten
Stadien befinde. Personen mit einem

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�niedrigen
T-Lymphozytenspiegel
reagierten wenig oder gar nicht auf die
Behandlung, sagte Fauci. Deshalb sei
der frühzeitige Beginn der Therapie
auf jeden Fall vor dem Zusammenbruch
des Immunsystems des Körpers überaus
wichtig.
Die Zerstörung der T-Lymphozyten
(spezielle
Gruppe
weißer
Blutkörperchen) durch AIDS-Viren sei
einer der Vorgänge, die zur Schwächung der Abwehrkraft gegen Krankheitskeime aller Art führten.
Laborstudien hatten bereits gezeigt, daß Interferon die Vermehrung
von AIDS-Viren und deren Fähigkeit
zur Zellzerstörung zu hemmen vermag.
Beim Vergleich der Zellkulturen von
Patienten mit Kaposi-Sarkom aus Gruppen, die nach verschiedenen Verfahren
behandelt wurden, wurde festgestell,
daß im etwa gleichen Infektionsstadium bei Personen unter InterferonTherapie die Virusaktivität wesentlich geringer war als bei Patienten,
die kein Interferon erhielten.

sich noch in der Erprobung. Es habe
den Anschein, so Fauci, daß Trimetrexat das Leben vieler AIDS-Opfer um
Jahre verlängern könne.
Und im Gegensatz zu den beiden anderen Medikamenten, die derzeit zur Behandlung
von Pneumocystis
carinii
angewandt
werden, sei seine Toxizität sehr viel
geringer und durch Änderung der Dosierung
leicht
regulierbar.
Nach
Meinung von Dr. Carmen Allegra, unter
deren Leitung die NCI-Studie durchgeführt wird, eignet sich das Präparat
zur Behandlung praktisch aller AIDSPatienten, was man von den übrigen
bisher verfügbaren Medikamenten nicht
sagen könne.

Körpereigene Auslösersubstanzen für
Virusaktivität?

Allerdings ist auch Alpha-Interferon nicht frei von Nebenwirkungen.
Es kann Fieber, Müdigkeit und Appetitlosigkeit
hervorrufen.
Jedoch
halten die Wissenschaftler angesichts
des Allgemeinzustandes von AIDS-Kranken Auswirkungen dieser Art für nicht
allzu besorgniserregend.

Neben Interferon, das in allen
Körperzellen gebildet wird und von
allen sogenannten Zytokinen bisher am
besten erforscht ist, gibt es noch
zahlreiche ähnliche Stoffe. Sie werden von speziellen Zellgruppen abgesondert. Bei immunologischen Prozessen verschiedenster Art treten sie in
Erscheinung, geben stimulierende oder
dämpfende Signale an andere Zellen
weiter. Allerdings tappt die Wissenschaft in bezug auf ihre Wirkungsmechanismen noch weitgehend im Dunkeln.

Dr. Fauci referierte ferner über
die
versuchsweise
Anwendung
von
Trimetrexat zur Bekämpfung einer der
häufigsten
opportunistischen
Infektionen bei AIDS-Kranken, nämlich der
parasitären
Lungenentzündung
Pneumocystis carinii.
Auf sie entfällt
der weitaus größte Anteil der Todesursachen bei Menschen, die an der unheilbaren Krankheit leiden. Das Präparat wurde von Forschern des Nationalen Krebsinstituts der Vereinigten
Staaten (NCI) ursprünglich für die
Krebstherapie entwickelt und befindet

Dr. James curran, der Direktor
für AIDS-Programme bei den Zentren
für Krankheitsüberwachung in Atlanta
(Georgia), vermutet, daß eines dieser
Zytokine eine Schlüsselrolle bei der
Aktivierung
von AIDS-Viren
spielen
könnte. Denn eine schlüssige Antwort
auf die Frage, weshalb AIDS-Viren
fünf bis sieben oder noch mehr Jahre
latent im menschlichen Körper verbleiben, ohne aktiv zu werden, gebe
es bisher nicht.
Auf einer Tagung
der "Association of American Medical
Colleges" in Washington berichtete er

- 2 -

�am 9. November 1987 über Laborversuche, die erstmals hätten erkennen
lassen, wie Zytokine (Proteinsubstanzen) aus dem Immunsystem des Körpers
die Ausbreitung von Viren in Gang
setzen können, die zur AIDS-Erkrankung führen.

ner tatsächlichen Infektion sei die
Gefahr größer, daß latente AIDS-Viren
aktiviert werden.

So wurde durch in vitro-Experimente
("im
Reagenzglas")
demonstriert, daß z.B. andere Virusinfektionen wie Hepatitis und Herpes das
AIDS-Virus
zu aktivieren vermögen.
Dies
lasse
vermuten,
daß
es
im
menschlichen Organismus - falls ein
ähnliches Phänomen existiert - vielleicht Faktoren gäbe, die das Tempo
der
virenvermehrung
gegenüber
der
Zerstörung des Immunsystems regulieren können. Jedoch sei noch keineswegs klar, ob einer der Faktoren, die
als Aktiviator der AIDS-Viren in frage kommen, in irgendeiner Weise besser kontrollierbar wäre als das AIDSVirus selbst. Auf jeden Fall sollte
man sich mit diesem Forschungsgebiet
gründlich befassen, meinte Curran.

* * * * * *

Dr. Fauci, der an den Studien und
der Abfassung des Berichtes selbst
beteiligt war, hatte bereits früher
gefordert,
HlV-infizierte
Personen
gegen andere Infektionen so gut wie
nur irgend möglich zu schützen. Denn
Neuinfektionen wären gleichbedeutend
mit weiteren Reizfaktoren für ihr Immunsystem und könnten die Produktion
von Zytokinen auslösen.
Er hob jedoch
hervor, daß
nach
bisherigem
Kenntnisstand gewöhnliche Infektionen
wie Schnupfen oder Erkältungskrankheiten AIDS nicht zum Ausbruch brächten, da sie normalerweise keine massive Reaktion des Immunsystems verursachten. Auch sollte niemand vor einer Schutzimpfung, z.B. gegen Hepatitis, zurückschrecken, da eine Hepatitis-Infektion vermutlich gravierendere Folgen hätte als immunologische
Prozesse nach einer Impfung. Bei ei- 3 -

�</text>
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