<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<itemContainer xmlns="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5" xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance" xsi:schemaLocation="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5 http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5/omeka-xml-5-0.xsd" uri="https://www.amerikahaus-archiv.de/items/browse?output=omeka-xml&amp;page=92&amp;sort_field=added" accessDate="2026-11-04T12:36:25+00:00">
  <miscellaneousContainer>
    <pagination>
      <pageNumber>92</pageNumber>
      <perPage>10</perPage>
      <totalResults>2223</totalResults>
    </pagination>
  </miscellaneousContainer>
  <item itemId="2253" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2264">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/8743746c89eda3eebe80cbdfd2295bd2.pdf</src>
        <authentication>2b910f86cc15854aee2fae96ee71b8ae</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="11502">
                    <text>cimerikci
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

26

I.Juli 1992
t**»**

uo*'-'»

Aue 29

5300Bo" n &lt; :

USA-DEUTSCHLAND

GENERALKONSULAT UND AMERIKA HAUS
IN LEIPZIG ERÖFFNET
Rede von Botschafter Kimmitt

START

BAKER: START KANN "NUKLEARE UHR"
ZURÜCKDREHEN
Rede des Außenministers vor dem auswärtigen
Ausschuß des Senats

WELTPOLITIK

GUTES WIRTSCHAFTLICHES EINVERNEHMEN
ZWISCHEN NATIONEN UNABDINGBAR FÜR
WELTFRIEDEN
Rede von Botschafter Seitz

SOZIALES

SOZIALGESETZGEBUNG SPIEGELT PRINZIPIEN
DER GRÜNDERVÄTER WIDER
Großer Anteil des US-Haushalts
entfällt auf Sozialausgaben

UMWELT

DAS MEINUNGSBILD ZU UMWELTFRAGEN IN
22 LÄNDERN
Ergebnisse amerikanischer Meinungsumfragen

AIDS

AIDS HINDERNIS FÜR ENTWICKLUNG
Auszüge aus dem AIDS-Jahresbericht des USAID

WAHLEN '92

POLITISCHE PARTEIEN VERLIEREN
DIE UNTERSTÜTZUNG DER WÄHLER
Stimmung begünstigt unabhängige Kandidaten

THEMENINDEX

DER AMERIKA DIENST
I.Halbjahr 1992

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�USA-DEUTSCHLAND
I.Juli 1992

GENERALKONSULAT UND AMERIKA HAUS
IN LEIPZIG ERÖFFNET
Rede von Botschafter Kimmitt
LEIPZIG - (AD) -Anläßlich der Eröffnung des Amerikanischen Generalkonsulats undAmerika Hauses in Leipzig
hielt Botschafter Robert M. Kimmitt am 30. Juni 1992 folgende Ansprache, die wir im Wortlaut veröffentlichen.

Herr Ministerpräsident Dr. Biedenkopf,
Herr Ministerpräsident Dr. Vogel,
Herr Oberbürgermeister Dr. Lehmann-Grube,
meine Damen und Herren,
die Eröffnung unseres Generalkonsulats und Amerika
Hauses in Leipzig bedeutet mehr als eine offizielle
Ankündigung, daß die Vereinigten Staaten nach über
50 Jahren hier wieder der Öffentlichkeit zugänglich
sind. Sie ist Ausdruck der Verpflichtung des amerikanischen Volkes gegenüber dem deutschen Volk, daß
wir seine Zukunft aktiv mitgestalten möchten.
Meine Herren Ministerpräsidenten und Herr Oberbürgermeister, durch Ihre Anwesenheit fühlen wir uns
sehr geehrt. Jeder einzelne von Ihnen ist mit seinen
Bemühungen entscheidend an der demokratischen
Umgestaltung Sachsens und Thüringens beteiligt. Ihre
Teilnahme an dieser Zeremonie und Ihre Unterstützung für unsere Bemühungen sind uns besonders
wichtig.
Mit der Einrichtung dieses Generalkonsulats und Amerika
Hauses verbinden wir jedoch noch ein weiteres Motiv.
Wir möchten, daß die Menschen in Sachsen und
Thüringen uns besser kennen- und verstehen lernen.
Wir sind uns der Tatsache bewußt, daß das Image
Amerikas, das den Menschen der ehemaligen Warschauer-Pakt-Staaten vermittelt wurde, nicht gerade
schmeichelhaft war.
Ich behaupte nicht, mein Land sei perfekt. Aber unsere
Ambitionen und Ideale sind perfekt, und Amerika hat
seinen Anspruch auf Führerschaft stets auf Ideen und
Ideale gegründet, nicht auf wirtschaftliche Stärke oder
militärische Macht.
Amerika ist ein Land der Widersprüche. Das ist
vielleicht unvermeidbar, wenn man seine Größe, Offenheit und das dort herrschende Maß individueller
AMERIKA DIENST 26

Freiheit betrachtet. Es ist möglich, Tausende von
Fakten über das Land zu kennen, und es dennoch nicht
zu verstehen.
Um den Menschen in Sachsen und Thüringen ein
Fenster nach Amerika und seinen Menschen zu geben, haben wir dieses Generalkonsulat und das Amerika
Haus eröffnet. In gewisser Weise stehen diese für den
amerikanischen Geist - einen Geist, der viel mit dem
gemein hat, was gegenwärtig in Mittel- und Osteuropa
stattfindet.
Amerika hat eine lange Tradition der "Frontier", der
Suche nach neuen Herausforderungen und der Hilfe
für andere. Wir möchten Teil der Handlung sein, wo
immer sie sich abspielt und wie sie auch beschaffen
sein mag. In dieser Tradition richten wir diesen Außenposten an der "Frontier" von Mitteleuropas neuer Zukunft
ein, als praktische Antwort auf die dramatischen und
positiven Veränderungen in dieser Region in den vergangenen drei Jahren.
Dies ist Teil eines kontinuierlichen Engagements, das
wir seit dem Zusammenbruch des Kommunismus
entwickelt haben. Dazu möchte ich Ihnen einige
weitere Beispiele aufzählen:
In den vergangenen zwei Jahren haben wir
knapp fünfzig Stipendien an Persönlichkeiten
aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur
in Sachsen und Thüringen für Reisen in die
Vereinigten Staaten vergeben. Ich freue mich
besonders, daß viele dieser Stipendiaten zur
heutigen Eröffnung gekommen sind.
Wir haben veranlaßt, daß Gastprofessoren an
den hiesigen Universitäten lehren und über ein
Dutzend Wissenschaftler aus Leipzig ein Jahr
an amerikanischen Universitäten verbringen
können.
Seite 1

�Wir haben amerikanische Universitäten zur
Aufnahme neuer direkter Verbindungen mit den
Universitäten in dieser Region ermutigt. Mit Unterstützung des Freedom Forum und des US-Informationsamts arbeitet die Ohio University an
der Erweiterung von Austauschprogrammen und
der Zusammenarbeit mit der Universität Leipzig. Und ich freue mich, daß Professor Ralph
Izard von der Ohio University heute abend hier
anwesend ist.

I

|n Zusammenarbeit mit örtlichen kulturellen
Institutionen und Organisationen hat das Amerika Haus Hunderte von Ausstellungen, Filmvorführungen und Literaturlesungen gefördert.
Wir haben auch Fortbildungsseminare für über
300 Englischlehrer abgehalten.
In diesem Amerika Haus haben wir eine öffentliche Bibliothek mit über 5.000 Bänden eingerichtet. Besucher haben darüber hinaus Zugang zu den Büchern aller Amerika Häuser in
Deutschland mit insgesamt über 30.000 Bänden und in Kürze wird das Amerika Haus über
eine On-Iine-Computerverbindung mit Zugang
zu über 500 Datenbanken in den Vereinigten
Staaten verfügen.
Aus dem Westen Deutschlands abziehende
amerikanische Militäreinheiten haben acht Bibliotheken in Sachsen und Thüringen über
100.000 englischsprachige Bücher gespendet.
Die heutige offizielle Eröffnung des Amerika Hauses
wird die Fortsetzung - und Erweiterung - dieser Bemühungen erleichtern und zum besseren Verständnis
Amerikas hier im Osten beitragen.
Darüber hinaus bestehen zahlreiche private Initiativen, die die deutsch-amerikanischen Beziehungen mit
Leben und Wärme erfüllen. Als ein herausragendes
Beispiel möchte ich die nennenswerte Spende der
"American Women's Group" in Bonn an das Kinderheim der Stadt Ermlitz bei Leipzig erwähnen.
Schließlich ist es besonders wichtig, das intensive
Engagement amerikanischer Firmen in Thüringen und
Sachsen gebührend hervorzuheben. Ihre Präsenz ist
ein konkreter Ausdruck des Engagements des amerikanischen Volkes zur aktiven Mitwirkung an der Zukunft Deutschlands. Diese Firmen können darüber

hinaus eine wichtige Rolle bei der Schaffung eines
gesamteuropäischen Marktes und der Umstrukturierung der Volkswirtschaften in Mittel- und Osteuropa
spielen.
Um die geschäftlichen Aktivitäten amerikanischer
Unternehmen in den neuen Ländern besser fördern zu
können, haben wir in diesem Gebäude ein Büro des
Auswärtigen Handelsdienstes der Vereinigten Staaten
eingerichtet.
Die Investitionen amerikanischer Firmen belaufen sich
heute auf über drei Milliarden D-Mark und haben in den
neuen Ländern mehr als 25.000 Arbeitsplätze gesichert oder neu geschaffen. Einhundertfünfzig amerikanische Firmen sind heute in den neuen Ländern
tätig, von Görlitz bis Eisenach, von dem amerikanischen Großunternehmen General Motors/Opel, bis zu
kleinen Betrieben wie McCain-Brehmer-Buchbindereimaschinen. Auch amerikanische Firmen knüpfen in
wachsendem Maße an die hiesigen Traditionen des
Osthandels an: So hat die Chrysler-Vertretung in
Leipzig ihre Tätigkeit bereits in Richtung Baltikum und
Rußland ausgedehnt.
Freie Menschen in unserer Welt mögen unterschiedliche Meinungen vertreten, aber sie können diese Meinungsverschiedenheiten im Geiste gegenseitiger
Achtung und des "Give and Take" austragen. Mit der
Eröffnung dieses Generalkonsulats machen wir gleichzeitig ein Fenster zwischen unseren beiden Gesellschaften auf.
Und durch dieses Fenster werden Sie auf ein Amerika
blicken, das selbst eine pluralistische multikulturelle
Gesellschaft ist. Es ist diese Eigenschaft Amerikas, so
vielfältig und vielschichtig zu sein, die es uns leichter
macht, anderen Völkern und Kulturen die Hand zu
reichen. So verstehen wir uns in unseren Beziehungen
zu anderen als Bestandteile gemeinsamer Bindungen
freier Völker, die im Interesse von Frieden und Wohlstand handeln und wandeln.
Bevor die Bindungen jedoch fester geknüpft werden
können, muß zunächst dieses Band zerschnitten werden.
Erlauben Sie mir deshalb, mit dem feierlichen Akt der
Zerschneidung des Bandes das Generalkonsulat und
Amerika Haus Leipzig für eröffnet zu erklären.
Ich darf also Sie, meine Herren Ministerpräsidenten
und Herrn Oberbürgermeister einladen, mit mir das
Band zu zerschneiden.

* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 26

�START
I.Juli 1992

BAKER: START KANN "NUKLEARE UHR"
ZURÜCKDREHEN
Rede des Außenministers vor dem auswärtigen Ausschuß des Senats
WASHINGTON - (AD) -Außenminister Bakerforderte am 23. Juni 1992 den Senat zur Ratifizierung des Vertrags
über die Verringerung strategischer Rüstungen (START) mit der Begründung auf, diese Vereinbarung sei
"entscheidend für die Beendigung des nuklearen Rüstungswettlaufs".
"In sehr realer Weise ist START ein Mittel, mit dem wir anfangen können, die nukleare Uhr zurückzudrehen - da
er sowohl strategische Stabilität als auch Berechenbarkeit fördert", erklärte Baker in seinen Ausführungen vor
dem auswärtigen Ausschuß des Senats.
Baker warnte, bei einer Nichtratifizierung von START würde das neue, am 16. Juni 1992 erzielte russischamerikanische Abkommen zum drastischen Abbau von Nuklearwaffen auf bisher undenkbare Niveaus "bedeutungslos, unsere Sicherheit weniger gewährleistet und die Aussichten für einen erneuten nuklearen Wettbewerb
sowie zunehmende Verbreitung von Kernwaffen wahrscheinlicher".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Außenminister Baker im Wortlaut.

Vor einer Woche haben Präsident Bush und Präsident
Jelzin das nukleare Zeitalter revolutioniert. Im Rosengarten des Weißen Hauses gaben sie bekannt, daß
Rußland und die Vereinigten Staaten im Verlauf der
nächsten zehn Jahre Nuklearwaffen auf bisher undenkbare Niveaus drastisch reduzieren werden. Mit
diesem Abkommen werden ICBMs mit Mehrfachgefechtsköpfen - die einer Hydra gleichenden Monster,
die unsere strategischen Beziehungen zu destabilisieren drohten - beseitigt. Während wir die Nuklearwaffen
auf das zur Gewährleistung unserer Sicherheit erforderliche Niveau reduzieren, werden sich Rußland und
die Vereinigten Staaten zusammen mit ihren Verbündeten und Freunden auch für einen - so hoffen wir konstruktiven Dialog zur Erarbeitung eines Konzepts
für die Stationierung eines weltweiten Schutzsystems
gegen begrenzte Angriffe mit ballistischen Raketen
auf unsere Völker, Freunde und Verbündeten engagieren.
Historiker können zu Recht den vergangenen Dienstag als das Ende des Kalten Kriegs des Wettbewerbs
mit Nuklearwaffen bezeichnen. Die Geschichte des
Endes des Rüstungswettlaufs ist jedoch erst vollendet,
wenn Sie eines der wichtigsten letzten Kapitel abgeschlossen haben: wenn Sie ihre verfassungsmäßige
Pflicht erfüllen und Ihre Zustimmung zu der Ratifizierung des Vertrags über die Verringerung strategischer
Rüstungen (START) geben.
AMERIKA DIENST 26

Ich nehme an, Sie stimmen mir zu, daß START
entscheidend für die Beendigung des nuklearen Rüstungswettlaufs ist. Zum ersten Mal seit Anbruch des
Atomzeitalters haben wir uns auf echte zahlenmäßige
Verringerungen unserer Nuklearwaffen geeinigt, statt
nur Begrenzungen für ihre Zuwachsrate zu setzen. In
sehr realer Weise ist START ein Mittel, mit dem wir
anfangen können, die nukleare Uhr zurückzudrehen da er sowohl strategische Stabilität als auch Berechenbarkeit fördert.
Und während er das Ende des Kalten Kriegs festschreibt, spricht START auch die vielleicht wichtigste
Herausforderung für die Sicherheit unserer Zeit an Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen - denn er ist ein
rechtlich bindendes Protokoll.
Darüber hinaus schreibt er diese Errungenschaften
mit dem umfangreichsten und tiefgreifendsten Verifikationsregime aller Zeiten fest und institutionalisiert
durch seine rechtlich bindenden Verfügungen eine
sicherere Welt.
Mit der Ratifizierung von START wird die Grundlage für
eine sicherere Welt gelegt und die Aussicht auf einen
Atomkrieg für immer ausgeschlossen. Sollte START
jedoch nicht ratifiziert werden, wäre das Abkommen
vom vergangenen Dienstag bedeutungslos, unsere
Sicherheit weniger gewährleistet und die Aussichten
für einen erneuten nuklearen Wettbewerb sowie zuSeite 1

�nehmende Verbreitung von Kernwaffen wahrscheinlicher. Denn wie Präsident Bush und sein Amtskollege
Jelzin eindeutig klargestellt haben, geht das neue
Abkommen für weitere Reduzierungen davon aus,
daß der START-Vertrag - mit seinem effektiven Verifikationsregime - ratifiziert und durchgeführt wird. Und
natürlich werden wir so schnell wie möglich das
Abkommen der vergangenen Woche in einem Vertrag
kodifizieren.
Heute möchte ich mit Ihnen, Herr Vorsitzender, kurz
die wesentlichen Bestimmungen des Vertrags erörtern, die Bedeutung des Protokolls erläutern und darlegen, wie die START-Ratifizierung ein entscheidender Schritt zum Aufbau des demokratischen Friedens
ist, den wir mit Rußland und den anderen neuen
unabhängigen Staaten anstreben.
START: Verankerung von Stabilität und Berechenbarkeit
Eines der grundlegenden Ziele von START ist die
Verringerung des Risikos eines Atomkriegs durch die
Verbesserung von Stabilität und Berechenbarkeit,
insbesondere in Krisenzeiten.
Als erstes wird START das Risiko eines Atomkriegs
durch den Abbau der strategischen Streitkräfte in
stabilisierender Art und Weise verringern. Um die im
Rahmen von START vorgenommenen Reduzierungen im Zusammenhang zu sehen, muß man sich
folgendes vor Augen führen: Um die Begrenzungen
von START zu erfüllen, muß während der ersten
sieben Jahre der Durchführung durchschnittlich alle 68
Stunden ein ICBM-Trägersystem, eine SLBM-Abschußvorrichtung oder ein schwerer Bomber aus den ehemaligen sowjetischen Arsenalen zerstört werden.
Das Abkommen der vergangenen Woche zur Beseitigung aller ICBMs mit Mehrfachgefechtsköpfen ist der
logische Höhepunkt eines von START eingeleiteten
Prozesses zur Beseitigung von Waffen, deren Verletzbarkeit und Wirksamkeit das Risisko mit sich brachten,
beide Seiten an den Rand einer Auseinandersetzung
zu treiben. Die Abschaffung dieser Waffen, die man im
Ernstfall einsetzen müßte, bevorder Gegner sie zerstören würde, beseitigt praktisch jeden Grund für einen
Erstschlag in einer Krise.
Schwere mit Mehrfachgefechtsköpfen bestückte ICBMs
wurden zum Symbol der sowjetischen Bedrohung.
Heute hat das demokratische Ru ßland der endgültigen
Verschrottung aller ICBMs mit Mehrfachgefechtsköpfen bis spätestens 2003 zugestimmt - und hoffentlich
bis zum Jahr 2000, falls dies technisch und mit Hilfe der
Vereinigten Staaten finanziell bewerkstelligt werden
kann.
Strategische Stabilität wird durch die Berechenbarkeit
verstärkt, die START mit den Bestimmungen zu Offenheit und Transparenz zwingend vorschreibt. START
institutionalisiert die umfassendsten je ausgehandelSeite 2

ten Regime zu Notifizierung, Inspektion, Überwachung
und Datenaustausch. Die Verwirklichung dieser Regime
wird bisher undenkbare militärische Transparenz und
Offenheit schaffen. Diese Regime sind ferner eine
entscheidende Voraussetzung für das Abkommen der
vergangenen Woche.
Ich möchte betonen, daß eine solche Transparenz und
Offenheit durch die Forderungen des Vertrags sichergestellt wird. Beispielsweise wird mit der Ratifizierung
von START die historische Neigung der Sowjets zu
Geheimhaltung telemetrischer Daten beendet, weil
START die Verschlüsselung dieser Daten zwingend
aufhebt. Eine - einst undenkbare - große Leistung des
Vertrags ist, daß er den Parteien mit nur wenigen
Ausnahmen uneingeschränkten Zugang zur Telemetrie der anderen Seite gewährt. Dieser Zugang gestattet uns eine sorgfältigere Überwachung von Raketentests als je zuvor und hilft uns, die Begrenzungen des
Vertrags für Raketen-Gefechtsköpfe und Wurfgewicht,
das Verbot neuer Typen schwerer ICBMs und anderer
Bestimmungen zu verifizieren. Darüber hinaus erhalten wir jedes Jahr Pläne für die Beseitigung strategischer Offensivwaffen auf dem Territorium der ehemaligen Sowjetunion. Und wir werden kontinuierlich über
die Bewegungen und Disposition dieser strategischen
Offensivwaffen informiert.
Herr Vorsitzender, mit der Verwirklichung des STARTVertrags gewährleisten wir das Recht zum grundlegenden Gleichstand der Streitkräfte. Die generellen
Obergrenzen von START finden gleichermaßen auf
die Streitkräfte der Vereinigten Staaten und der ehemaligen Sowjetunion Anwendung, während sie die
Flexibilität und Zusammensetzung der Streitkräfte
aufrechterhalten. Gleichzeitig verhindert der Vertrag
nicht die Entwicklung und Stationierung nichtnuklearer
Technologien wie konventioneller Marschflugkörper,
deren Wirksamkeit und Wert für unsere Streitkräfte im
Golfkrieg unterstrichen wurde.
Das START-Protokoll
Ich möchte mich nun dem Protokoll zum STARTVertrag zuwenden, das wir in Lissabon unterzeichnet
haben. Nach dem Zerfall der Sowjetunion erkannte
dieser Ausschuß, daß die Frage, wer genau unser
Vertragspartner sein würde, ein entscheidendes Problem für START war.
Bei mehreren Diskussionen habe ich Sie der festen
Überzeugung des Präsidenten und meiner selbst versichert, daß die vier neuen Staaten mit strategischen
Offensivwaffen und erklärten vertragsrelevanten Einrichtungen auf ihrem Territorium - Belarus, Kasachstan, Rußland und die Ukraine - rechtlich verpflichtet
werden müssen, den START-Vertrag zu befolgen und
zu verwirklichen. Gleichzeitig wollten wir die sichere
Kommando- und Verfügungsgewalt über die Nuklearstreitkräfte der ehemaligen Sowjetunion gewährleisten und sicherstellen, daß das Entstehen neuer Staa-

AMERIKA DIENST 26

�ten in Eurasien nicht auch zu einer Vermehrung neuer
Nuklearmächte führen würde. Das Protokoll leistet all
dies und noch mehr.
Das Protokoll verpflichtet Belarus, Kasachstan, Rußland und die Ukraine rechtlich, als Vertragsparteien
den START-Vertrag zu befolgen und zu verwirklichen.
Mit dem Protokoll fördert die Ratifizierung und Umsetzung des START-Vertrages jetzt unsere grundlegenden Ziele der Nichtverbreitung. Es gewährleistet, daß
die Zahl der Kernwaffenstaaten trotz des Zerfalls der
Sowjetunion nicht zunimmt.
Das Protokoll erweitert deshalb die Rolle des Vertrags,
indem es Belarus, Kasachstan und die Ukraine verpflichtet, dem Nichtverbreitungsvertrag als Nichtkernwaffenstaaten beizutreten. In Zusammenhang mit
den rechtlich bindenden Verpflichtungen, die in Zusatzschreiben der Staatschefs jedes dieser Staaten
niedergelegt sind, bedeutet die Durchführung des
START-Vertrags, daß sieben Jahre nach dem Inkrafttreten keine Kernwaffen oder stationierten strategischen Offensivwaffen in Belarus, Kasachstan und der
Ukraine zurückbleiben werden. Diese Streitkräfte
stellen gegenwärtig ein Viertel der erklärten strategischen nuklearen Gefechtsköpfe des ehemaligen
sowjetischen Militärs.
Belarus, Kasachstan und die Ukraine haben START
als Mittel betrachtet, um kernwaffenfreie Zonen auf
ihren Staatsgebieten einzurichten, ihr Ansehen als
souveräne, unabhängige Staaten zu festigen und der
Welt zu zeigen, daß sie verantwortungsbewußt handeln können und deshalb die vollständige Einbeziehung in die internationale Staatengemeinschaft verdienen. In diesem Sinne hoffe ich, daß der Ausschuß
- ebenso wie der Präsident es getan hat - die Regierungen von Belarus, Kasachstan und der Ukraine zu den
wichtigen Verpflichtungen beglückwünschen wird, die
sie im Interesse des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit eingegangen sind. Durch ihren Verzicht
auf den Besitz von Kernwaffen haben sie ein Beispiel
gesetzt, das andere Staaten befolgen sollten.
Damit dient START als konkretes Beispiel für unsere
Entschlossenheit, unsere Vepflichtungen gemäß Artikel VI des Vertrags über die Nichtverbreitung von
Kernwaffen (NPT) zu erfüllen. Dieser Artikel fordert
jede Vertragspartei auf, Verhandlungen über wirksame Maßnahmen anzustreben, die die Einstellung des
nuklearen Rüstungswettlaufs sowie die nukleare Abrüstung zum Ziel haben.
START und ein demokratischer Frieden
Herr Vorsitzender, der START-Vertrag ist ein Produkt
des Kalten Krieges, aber er ist keineswegs ein Relikt.
Statt dessen ist START ein Tor zu diesem neuen
Zeitalter der Zusammenarbeit, das dazu beitragen
wird, die militärischen Überreste des Kalten Krieges zu

AMERIKA DIENST 26

kontrollieren und zu zerstören. Diese Bemühungen
ergänzen die gegenwärtig stattfindenden Anstrengungen zum Aufbau von Demokratie und freien Marktwirtschaften in den neuen unabhängigen Staaten und zur
Schaffung eines demokratischen Friedens mit ihnen.
Das Inkrafttreten des START-Vertrages ergänzt ferner unsere neuen, praktischen Schritte, um Belarus,
Kasachstan, Rußland und der Ukraine dabei zu helfen,
Kernwaffen unbrauchbar zu machen und zu demontieren. Es steht im Einklang mit unseren Bemühungen,
internationale Wissenschaftszentren in Rußland und
der Ukraine einzurichten, die Waffenspezialisten in der
ehemaligen Sowjetunion dazu ermutigen werden, ihre
Talente für friedliche Zwecke einzusetzen anstatt ihre
todbringenden Fähigkeiten meistbietend im Ausland
anzubieten. Kollektiv werden diese Bemühungen
praktische Vorteile nicht nur bei der Beseitigung der
Folgen des Kalten Krieges zeitigen, sondern uns auch
dabei helfen, einige der drängendsten Herausforderungen zu behandeln, die sich aus dem Ende des
Kalten Krieges ergeben.
Und während er einen Rahmen für die nächsten Schritte zu noch einschneidenderen Reduzierungen liefert,
gewährleistet der Vertrag darüber hinaus, daß erhebliche Kürzungen schon heute beginnen, da Rußland
und die Vereinigten Staaten noch die Kodifizierung der
vergangene Woche erzielten Übereinkunft anstreben.
Ich hoffe, Sie werden jeder Versuchung widerstehen,
die Ratifizierung von START bis zur schriftlichen Niederlegung des Vertrags über die Beseitigung von
Mehrfachgefechtsköpfen zu verzögern. Wir müssen
START jetzt in die Tat umsetzen.
Schließlich möchte ich einen zusätzlichen Aspekt der
Verwirklichung von START hinzufügen, der mit unseren vier Vertragspartnern zu tun hat. Obwohl kontinuierliche bedeutsame Fortschritte beim Aufbau demokratischer Regierungen in Belarus, Kasachstan, Rußland und der Ukraine und bei der Entwicklung stabiler
Beziehungen zwischen ihnen erzielt werden, besteht
aufgrund der enormen wirtschaflichen Belastung für
diese Staaten und Gesellschaften Unsicherheit über
die Zukunft.
Wenn Sie über diese Ungewißheit besorgt sind, ratifizieren Sie START. START liefert eine rechtlich bindende Grundlage, die stabilisierende Veränderungen
festschreibt. Mit der Durchführung von START besitzen wir ein mächtiges Instrument, um den Wandel
unter nahezu allen Umständen sicher zu bewältigen
und zu gewährleisten, daß unsere Interessen geschützt werden. Ohne START jedoch werden wir der
bereits bestehenden erheblichen wirtschaftlichen und
politischen Unsicherheit noch strategische Unsicherheit hinzufügen und damit nicht nur den Staaten der
ehemaligen Sowjetunion, sondern - schlimmer noch auch dem amerikanischen Volk einen Bärendienst
erweisen.

Seite 3

�Zusammenfassung
Kurzum, Herr Vorsitzender, START ist ein gutes
Abkommen - tatsächlich sogar ein historisches. Ebenso wichtig wie die Begrenzungen, die Zeitpläne und die
Verifizierungsregeln ist jedoch der Geist, der unseren
Beziehungen zu den neuen unabhängigen Staaten der
ehemaligen Sowjetunion zugrundeliegt.
Sie haben in der vergangenen Woche gesehen, wie
Boris Jelzin diesen Geist verkörpert: Es ist der Geist
des neuen, demokratischen Rußland. Es ist ein Geist,
der Millionen vom Kommunismus Versklavten und
Verarmten die Hoffnung auf Freiheit und Wohlstand
bringt. Und es ist der Geist, der uns die Hoffnung
verleiht, daß wir einen echten demokratischen Frieden
aufbauen können - auf der Grundlage gemeinsamer
Werte, nicht des Gleichgewichts des Schreckens - für
uns und für künftige Generationen von Amerikanern.
Denn, wie Präsident Bush einmal so treffend erklärt

hat: "Demokraten im Kreml können unsere Sicherheit
auf eine Weise sicherstellen, wie es Atomraketen
niemals vermochten."
Durch START und das Freedom Support Act können
wir zur Gewährleistung dieser Sicherheit beitragen und zur Förderung dieses Geistes.
Herr Vorsitzender, Mitglieder des Ausschusses: Wir
stehen an einem historischen Wendepunkt. Mit dem
START-Vertrag beginnen wir, ein tragisches 40jähriges Kapitel des nuklearen Wettlaufs zu beenden. Und
mit dem Freedom Support Act können wir beginnen,
ein weiteres Kapitel zu aufzuschlagen - ein Kapitel der
Partnerschaft und Freundschaft mit Rußland und den
unabhängigen Staaten.
Ich bitte den Senat, seine feierliche Pflicht zu erfüllen
und die Geschichte durch umgehende Verabschiedung von beiden vorwärts zu bewegen.

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 26

�WELTPOLITIK
I.Juli 1992

GUTES WIRTSCHAFTLICHES EINVERNEHMEN
ZWISCHEN NATIONEN UNABDINGBAR
FÜR WELTFRIEDEN
Rede von Botschafter Seitz
LONDON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die vom amerikanischen Botschafter in Großbritannien,
Raymond G H . Seitz, am 22. Juni 1992 vor der London School of Economics gehaltene Rede im Wortlaut.

Einer der bemerkenswertesten Aspekte der Jahre seit
Beendigung des Zweiten Weltkriegs ist die Verbreitung internationaler Organisationen und Institutionen.
Einige entstanden unmittelbar nach dem Krieg, um
sich mit den verheerenden Konsequenzen dieses
schrecklichen Konflikts zu befassen. Einige wurden
später ins Leben gerufen und hatten eher regionalen
CharaMer, jedoch eine ähnliche Struktur zur Verbesserung der Beziehungen zwischen den Nationen.
Diese Institutionalisierung internationaler Angelegenheiten könnte sich als eine der dauerhaftesten Entwicklungen der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts erweisen. Insgesamt gesehen, ist sie einzigartig in unserem Zeitalter. Nach früheren Kriegen
wurden Imperien und Bündnisse häufig neu strukturiert, aber echte Institutionen gab es wenige. Das
europäische Konzert im neunzehnten Jahrhundert war
alles andere als symphonisch. Der Völkerbund war
von Anfang an hohl und endete als Farce.
Ich weiß nicht genau, warum unsere Nachkriegsgeneration sich als so geschickt beim Aufbau von Institutionen erwiesen hat. Vielleicht sitzt im tiefsten Inneren
der Seele des Menschen der konstante, pochende
Drang nach Besprechungen. Mit modernen Kommunikationsmitteln und Flugreisen ist dies heute in einer
nie dagewesenen Weise möglich.
Die größten 25 Flughäfen der Welt fertigen eine halbe
Milliarde Passagiere pro Jahr ab. Der amerikanische
Außenminister scheint die Hälfte seiner Zeit im Flugzeug zu verbringen, und Douglas Hurd müßte Ehrenpräsident des britischen Vielfliegerclubs sein. Um in
Washington oder Brüssel zu leben, bedarf es einer
besonderen Toleranz für Wagenkolonnen und Verkehrsstaus, da die Staats- und Regierungschefs der
Welt diese Städte konstant besuchen.
AMERIKA DIENST 26

Woodrow Wilson war der erste Präsident, der während
seiner Amtszeit amerikanischen Boden verließ. In
diesem Sommer werden sich der amerikanische Präsident und der britische Premierminister im Verlauf von
sechs Wochen viermal sehen - in Washington, in Rio,
in München und Helsinki.
Vielleicht spiegelt die Gründung internationaler Institutionen den Fortschritt der Demokratie auf der Welt
wider - so unterschiedlich oder stockend er auch sein
mag. Per definitionem fordert Demokratie, daß Menschen zusammenkommen, diskutieren, Kompromisse
schließen. In Demokratien gleich welcher Couleur
spielen die Regierungsbehörden heute eine größere
Rolle in unserem täglichen Leben als je zuvor und es
überrascht nicht, daß dieses innenpolitische Phänomen international Niederschlag findet. Und weil die
meisten dieser internationalen Organisationen demokratischen Charakter haben, sind sie solider, anpassungsfähiger und dauerhafter.
Viele dieser Institutionen reflektieren die in der Vergangenheit gezogenen Lehren. Wir haben beispielsweise
gelernt, daß wirkliche Sicherheit nicht leicht teilbar ist
und besser kollektiv als individuell gewährleistet wird.
Dies ist zweifelsohne die der NATO zugrundeliegende
Erkenntnis. Wechselseitige Sicherheit ist eine umfassend in die amerikanische Außenpolitik eingegangene
Lehre, und während wir jetzt vielleicht den Umfang
unseres internationalen Engagements anpassen, ist
es wenig wahrscheinlich, daß wir die Lektion als nicht
länger anwendbar verwerfen. Intuitiv hege ich den
Verdacht, daß dieser neue Multilateralismus der Sicherheit nicht zufällig mit einem anderen herausragenden Charakteristikum unseres Zeitalters zusammenfällt - der Entwicklung von Nuklearwaffen - das den
gesunden Menschenverstand der gemeinsamen Verteidigung unterstrichen hat.
Seite 1

�Andere auf die Stärkung des geographischen oder
historischen Zusammenhalts ausgerichtete Organisationen haben ihre eigenen Sekretariate und Tagesordnungen geschaffen: die Organisation für Afrikanische
Einheit OAU und die Organisation Amerikanischer
Staaten OAS, die Arabische Liga und das Commonwealth.
Die Zunahme internationaler Institutionen ist bei dem
globalen Streben nach internationalem Wohlstand
ebenso offenkundig. Hier können wir am besten
sehen, wie die internationalen Handels- und Finanzsysteme Früchte tragen, die aus den Ruinen des
Zweiten Weltkriegs enstanden sind. Die BrettonWoods-Abkommen, die Weltbank, der Internationale
Währungsfonds, das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen haben der Weltwirtschaft ein gemeinsames Vokabular verliehen. Andere Organisationen mit
begrenzterer Mitgliederzahl und enger umrissener
Zielsetzung wie etwa die OECD, der Verband Südostasiatischer Nationen ASEAN, die Karibische Gemeinschaft CARICOM und die Wirtschaftsgemeinschaft westafrikanischer Staaten ECOWAS sind vertraute Abkürzungen auf der internationalen Bühne. Mit
der Gründung der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung EBWE gibt es jetzt vier regionale
Entwicklungsbanken mit einem Gesamtkapital von 75
Milliarden Dollar.
Spezialisierte Behörden wie die Internationale Zivilluftfahrt-Organisation in Montreal und die Internationale
Seeschiffahrts-Organisation in London oder die Internationale Atomenergie-Organisation in Wien regeln im
Stillen bestimmte Bereiche der Wirtschaftstätigkeit auf
internationaler Ebene und im Einklang mit einer Reihe
vereinbarter internationaler Regeln. Es scheint, daß
die Welt - was ein Engländer in seinen kühnsten
Träumen nicht zu hoffen gewagt hätte - plötzlich klubfähig geworden ist.
Das geschieht nicht ohne Probleme. Die Europäische
Gemeinschaft hat versucht, ihre internen Wirtschaftsangelegenheiten zum grö ßeren Nutzen aller Mitglieder
zu harmonisieren, und ihr politisches Prgramm hat
versucht, die Bedeutung nationaler Grenzen zu verwässern, die historisch gesehen dem europäischen
Kontinent soviel Kummer bereitet haben. Aber die
Vermischung verschiedener Souveränitäten kann eine
brüchige Legierung hervorbringen. Die Formel muß
genau richtig und die Temperatur entsprechend reguliert sein. Demokratien erfordern strukturelle Elastizität bei solchen Experimenten.
Ob Maastricht die richtige Formel ist oder nicht, müssen die EG-Mitgliedstaaten herausfinden. Als umfassenden Vorschlag haben die Vereinigten Staaten jedoch stets den Prozeß der europäischen Integration
unterstützt, in welcher Form und in welchem Tempo er
auch vereinbart werden kann, vorausgesetzt, der Prozeß
berücksichtigt die Interessen anderer fair und offen.

Seite 2

So wie die Dinge jedoch liegen, steht die Europäische
Gemeinschaft bereits als die abenteuerlustigste dieser
neuen Organisationen da.
Während die Gemeinschaft nun ihren Weg durch all
diese Probleme sucht, hoffe ich, daß sie sich nicht allzu
sehr verzettelt oder nur mit sich selbst beschäftigt,
insbesondere bei den Themen, die von der britischen
Präsidentschaft angeschnitten wurden, wie etwa eine
Erweiterung der EG.
All diese Organisationen entstanden in einer Welt, die
durch den Kalten Krieg tief gespalten war. Einige
waren ein Ausdruck dieses Kampfes, andere gediehen
ihm zum Trotz. Aber alle entwickelten sich in einer
Welt mit einem mehr oder weniger gemeinsamen
Rahmen.
Obwohl er Gefahren und Schwächen barg, hatte der
Kalte Krieg den perversen Effekt, gemeinsame Bezugspunkte zu schaffen, eine Methode der Auswertung, und-zumindest für die Vereinigten Staaten-eine
Analyse für das erforderliche Vorgehen vorzunehmen.
Marktwirtschaften bildeten ein Gegengewicht zu Planwirtschaften und Demokratien zu totalitären Regimen.
Darüber hinaus förderte der Kommunismus seine eigene
ideologische Universalität in dem Wissen, wie sehr die
Menschheit versucht ist, Schlangengift als Heilmittel
für alle Gebrechen zu kaufen. Weil die Spaltung so tief
war, vereinfachte sie die Strukturen der Politik und trug
zur Erklärung ansonsten komplexer Gegebenheiten
der Welt bei.
All dies ist jetzt Vergangenheit. Der Kommunismus
löste sich dank seiner eigenen moralischen Korruption
und Unfähigkeit auf. Aber während wir triumphierend
den Kalten Krieg hinter uns ließen, gaben wir auch das
Grundmuster unserer Denkweise auf. Selbst das
Grundvokabular der Vergangenheit - Begriffe wie "die
Sowjetunion" und "Neutralität", "blockfrei" und "Dritte
Welt" - bedarf der Überarbeitung. Statt Klarheit haben
wir Doppeldeutigkeit und eine einigende Bedrohung
wurde durch eine verschwommenere Welt ersetzt, die
vielleicht für uns eine weniger unmittelbare Bedrohung
birgt, jedoch auch weniger sicher und berechenbar ist.
Die alte Welt enthielt eine perverse Ordnung, in der
wenige Regeln als verläßlich angesehen werden konnten und praktisch unveränderlich waren. Darüber
hinaus hatte die alte Welt eine eindeutig moralische
Dimension, die in vertrauten Begriffen artikuliert wurde, und uns wie auch immer ein Gefühl der Verantwortung und des Pflichtbewußtseins verlieh.
Der Zusammenbruch des alten Gefüges vollzog sich
so plötzlich und vollständig, daß die Staubwolken die
Zukunft vernebeln. In den Vereinigten Staaten, die
sich inzwischen seit langem an ein umfassendes
Engagement in den entferntesten Bereichen internationaler Angelegenheiten gewöhnt haben, produzieren

AMERIKA DIENST 26

�die Ministerien und renommierten Denkfabriken gedankenschwere Studien und gelehrte Artikel als hastiges Gerüst für ein schwankendes internationales
Gebäude.
Mit dem Ende des Kalten Kriegs haben wir einen
Kontext verloren und noch keinen angemessenen
Ersatz gefunden. Man kann ohne Übertreibung sagen,
daß wir alle entschlossen sind, das Ende des Kalten
Kriegs nicht zu einer Rückkehr zu vergangenen Zeiten
werden zu lassen - was Yogi Berra, der große Philosoph des amerikanischen Baseball als "neues Dejavu-Erlebnis" bezeichnet hat. Nur Narren würden eine
Rückkehr zu der Vorkriegszeit des konkurrierenden
Nationalismus, geizigen Protektionismus und des
Aufstiegs eines totalitären Imperialismus wünschen,
als wäre der Kalte Krieg ein Irrweg gewesen, von dem
wir keine dauerhaften Lehren oder einen Nutzen ziehen können.
Und hier möchte ich zu der Vielzahl internationaler
Institutionen zurückkommen, die während des Kalten
Kriegs entstanden und eines der großen Vermächtnisse dieser Ära sind. Während wir versuchen, den
Globalismus neu zu definieren und seine plötzliche
Abwesenheit auszugleichen, könnte es sich als nützlich erweisen, hier zu beginnen.
Der erste Gedanke gilt den Vereinten Nationen, einer
anfänglich so vielversprechenden Institution, die durch
die Dichotomie des Kalten Kriegs so rasch frustriert
wurde. Trotz ihrer über Jahrzehnte hinweg offenkundigen Mängel haben sich die Vereinten Nationen als
das einzige Forum der Welt mit anerkannter Legitimität
zur Beilegung von Konflikten erwiesen, zumindest
dann, wenn sich die Parteien geeinigt haben, daß eine
Beilegung wünschenswert ist. Und während Vasallentum der Großmächte in internationalen Angelegenheiten jetzt weniger charakteristisch ist, hat sich der
Handlungsspielraum für UN-Aktionen erweitert.
Dies konnten wir in Angola, Nicaragua und Afghanistan und dem riskanten Unternehmen in Kambodscha
beobachten. Auch der Wegfall sowjetischer Vasallen
hat somit den Weg für die freimütige Reaktion auf die
irakische Invasion in Kuwait bereitet. Selbst wo Staaten dem Willen der internationalen Meinung widerstanden haben, hat die UN durch konzertierte Sanktionen
- gegen Libyen, Jugoslawien und erneut den Irak rasch Druck ausgeübt, obwohl es nicht sicher ist, ob er
den gewünschten Effekt hat. Zumindest herrscht in
den Vereinten Nationen ein neuer Geist, eine neue
Bereitschaft zu handeln und ein neues Potential.
Dennoch bestehen weiterhin strukturelle Mängel.
Friedenssicherung ist ein teures Unterfangen, und die
Außenstände bei den Vereinten Nationen belaufen
sich bereits auf 1 Milliarde Dollar - mein Land ist einer
der Delinquenten, obwohl wir mit 30 Prozent der
Rechnung für die Friedenssicherung bei unseren

AMERIKA DIENST 26

Verpflichtungen aufholen. Während sich der Verantwortungsbereich der UN erweitert, werden unsere
Ressourcen jedoch knapper.
Die Frage ist angebracht, ob die ständige Mitgliedschaft im Sicherheitsrat die Realitäten der neuen Welt
in angemessener Weise widergibt. Es scheint widersprüchlich, von Japan größere Verantwortung für die
Verwaltung des internationalen Systems zu erwarten,
wenn ihm ein ständiger Sitz in diesem zentralen Rat
verweigert wird. Und wenn Deutschland aufgenommen würde, wäre es merkwürdig, daß Europa vier
ständige Sitze zugeteilt würden.
Die Vereinten Nationen werden sich weiterhin mit der
Frage beschäftigen, wie ihr Mandat die inneren Angelegenheiten eines Staates beeinflussen kann oder
sollte und, falls ja, nach welchen Normen und unter
welchen Umständen es einzusetzen ist. In diesem
Bereich wurden einige wichtige Fortschritte erzielt,
insbesondere bei der vorherrschenden Meinung, daß
Souveränität nicht länger automatisch Immunität
gewährt, wenn die Menschenrechte von Einzelpersonen oder Minderheiten auf ungeheuerliche Art und
Weise verletzt werden.
Dies ist unsicheres Terrain, aber in dieser turbulenten
neuen Welt ist es ebenso wahrscheinlich, daß Konflikte und Auseinandersetzungen im Inland dem Charakter nach ebenso mörderisch sind wie grenzüberschreitende. Die Formalität einer Grenze wird wahrscheinlich für das Problem der Ordnung ebenso wenig Relevanz besitzen wie die technische Unterscheidung
zwischen Vertriebenen und Flüchtlingen zunehmend
als künstlich erscheint. Während wir unseren Weg in
die neue Welt ertasten, wird die institutionelle Anpassungsfähigkeit der Vereinten Nationen entscheidend
für eine neue Ordnung sein.
Mit dem Ende des Kalten Krieges müssen auch die
Sicherheitsarrangements, die uns in der Vergangenheit solch gute Dienste geleistet haben, einer tiefgreifenden Umstrukturierung unterzogen werden. Der
Warschauer Pakt allerdings ist ohne Salut abgetreten.
Für den Westen ist Sicherheit heutzutage wesentlich
schwieriger zu definieren. Die monolithische Bedrohung der Vergangenheit ist zerbrochen, und mit ihr ist
auch die schreckliche Aussicht auf einen nuklearen
Holocaust verschwunden, die während des Kalten
Krieges wie ein Damoklesschwert über uns schwebte.
Das vergangene Woche zwischen Präsident Bush und
Präsident Jelzin vereinbarte Rüstungskontrollabkommen bedeutet eine echte strategische Revolution.
In den Vereinigten Staaten findet bereits eine Debatte
über unser künftiges sicherheitspolitisches Profil statt.
Extreme Optionen werden mit Publizität bedacht, aber
diese liegen außerhalb der Bereiche, in denen Entscheidungen gefällt werden. Der Präsident hat einen

Seite 3

�vernünftigen Plan vorgelegt, um unsere Streitkräftestruktur in den nächsten fünf Jahren um 25 Prozent zu
verringern, und ein Großteil dieses Abbaus ist bereits
im Gange. Jede Woche verlassen eintausend amerikanische Soldaten Europa. Im Pazifik wurde der
Luftwaffenstützpunkt Clark geräumt, und Subic Bay
wird nächstes Jahr endgültig geschlossen. Wir sind
jedoch ein Land der zwei Ozeane, und der grö ßere Teil
dieser Reduzierungen wird auf unsere Landstreitkräfte
entfallen, während die globale Reichweite unserer
Marine und Luftwaffe aufrechterhalten wird.
Während wirdieses Unterfangen fortsetzen, ist uns ein
sicherheitspolitisches Thema bewußt geworden, das
allen unseren Diskussionen gemeinsam zu sein scheint,
nämlich, daß die amerikanische Präsenz in Übersee
stets eine Art von unausgesprochener Stabilität geliefert hat, die nicht von einer äußeren Bedrohung abhing
und daß eine anhaltende amerikanische Präsenz selbst
auf reduziertem Niveau wünschenswerter Bestandteil
der demokratischen Ordnung in einer Periode ist, in
der die Machtverhältnisse so sehr im Fluß sind und in
der sich die Beziehungen zwischen den Ländern verlagern.
Diese Botschaft vernehmen wir sowohl in Europa als
auch in Asien. Da regionale Sicherheitsbeziehungen
in der neuen Welt noch nicht fest verankert sind,
werden die Vereinigten Staaten als eine Art Sicherheitskompaß betrachtet, der allein durch seine Anwesenheit in einer fließenden Periode des Wandels Stabilität und Zusammenhalt bieten kann. Dies ist eine
Rolle, die unserer Öffentlichkeit schwer zu vermitteln
und gegenüber unserem Kongreß schwer zu rechtfertigen ist.
Ebenso besteht jedoch in Amerika selbst keine Neigung dazu, den Weltpolizisten zu spielen, der die
internationalen Gassen auf Wacht gegen die neuen
Hooligans und Wegelagerer unserer Zeit patrouilliert.
Es gibt eine weitverbreitete Annahme, demzufolge die
Vereinigten Staaten als verbleibende Supermacht der
Welt heute mehr Spielraum für einseitiges Handeln zur
Erlangung sicherheitspolitischer Ziele haben. Meines
Erachtens trifft jedoch eher das Gegenteil zu, nämlich,
daß multilaterales Vorgehen verstärkt zur Vorbedingung amerikanischen Handelns wird, sei es nun von
den Vereinten Nationen, regionalen Organisationen
oder Ad-hoc-Koalitionen sanktioniert wie im Falle des
Golfkrieges. Alleingänge werden für Amerika weniger
und nicht mehr Anziehungskraft haben.
Mit der Entwicklung alternativer aber ergänzender
Sicherheitssysteme baut Europa bereits auf einer starken
institutionellen Basis für diese neue Welt auf und
scheint auf dem richtigen Weg zu sein, um einen
multilateralen Ansatz in der Sicherheitspolitik zu gewährleisten. Die NATO, die für eine fortdauernde
amerikanische Präsenz entscheidend bleibt, hat ihren
Aktionsradius durch den neuen Kooperationsrat mit

Seite 4

den ehemaligen Warschauer-Pakt-Staaten nach Osten
erweitert. Die Westeuropäische Union wird mit Substanz angefüllt, damit ein gänzlich europäischer Mechanismus unabhängig funktionieren kann, ohne
die Grundfesten der NATO auszuhöhlen. Das konzeptionell verschwommenere deutsch-französische Korps
könnte ebenfalls hier eingepaßt werden. Und die neu
vereinbarten Beziehungen zwischen der NATO und
der KSZE mögen zwar noch genauerer Definition
bedürfen, aber sie sind ein bemerkenswerter Schritt
zur Anpassung der europäischen Sicherheitsinstitutionen an das Umfeld nach dem Kalten Krieg.
Diese Weiterentwicklung von Organisationen deutet
darauf hin, daß Europa zumindest ein Spektrum von
Sicherheitsinstrumenten zur Verfügung stehen wird,
das in flexiblen Kombinationen eingesetzt werden kann,
um speziellen Erfordernissen gerecht zu werden, entweder der Friedensbewahrung oder sogar der Schaffung von Frieden innerhalb und außerhalb Europas.
Aber während wir all diese glänzenden neuen Utensilien auf den europäischen Sicherheitstjsch legen, bedarf
es lediglich eines Blicks über die Schulter auf die
Brutalität und Barbarei in Bosnien, um sich zu fragen,
ob diese Institutionen bereits gerüstet sind, um die Art
von Konflikten effektiv zu lösen, mit denen Europa in
den kommenden Jahren voraussichtlich konfrontiert
sein wird.
Kein Ereignis hat das Ende des Kalten Krieges so
dramatisch unterstrichen wie der Beitritt der Bestandteile der ehemaligen Sowjetunion zu den internationalen Finanzinstitutionen. Von allen internationalen
Gremien, die in unserer Generation geschaffen wurden, sind die Weltbank und der Internationale Währungsfonds entscheidende Mittel zur Überwindung der
zahlreichen Teilungen der Vergangenheit. Dauerhafte
politische Reformen in den riesigen Gebieten der
eurasischen Landmasse werden in starkem Maß vom
Erfolg ihrer wirtschaftlichen Umgestaltung abhängen.
Bank und Fonds sind nie zuvor auf Herausforderungen
von solchen Dimensionen oder Erwartungen solchen
Ausmaßes gestoßen.
Doch die internationalen Finanzinstitutionen geraten
häufig in eine ausweglose Situation: was wirtschaftlich
erforderlich ist, wird politisch nicht umgesetzt, und was
politisch umgesetzt wird, kann wirtschaftlich unzureichend sein. Besonders der IWF sieht sich häufig dem
klassischen Dilemma von Botschaft und Überbringer
ausgesetzt, und dies könnte sich auch wiederum im
Osten erweisen. Tatsache ist, wenn Regierungen eine
Verzögerungstaktik anwenden, verschieben sie lediglich die Anpassungen, die unvermeidlich so oder so
kommen müssen. Angesichts des durch den Zusammenbruch der Sowjetunion geschaffenen enormen
Vakuums hat der IWF seinen Wirkungsbereich mit
echter Flexibilität und Phantasie erweitert, aber letzten
Endes ist es doch der politische Wille in den neuen
Republiken, der über ihre Zukunft entscheidet.

AMERIKA DIENST 26

�Ebenso wichtig ist es, daß diese Finanzinstitutionen
nicht zu einem Vehikel für eine Art internationaler
Sozialhilfe werden oder Gremien, die lediglich als
Kanäle für den ewigen Transfer von Ressourcen betrachtet werden. Für reich und arm gleichermaßen
besteht der Weg nach vorn in dauerhafter Entwicklung
und Wachstum. Weder auf nationaler noch auf internationaler Ebene gibt es einen erfolgreichen Ersatz für
den Privatsektor, und die Rolle dieser Institutionen
muß darin bestehen, schwache Volkswirtschaften zu
stabileren Wachstumsmustern hinzuführen - durch
Zahlungsbilanzhilfe, Schuldenmanagement und Strukturkredite - und nicht zu einem System bodenloser
Abhängigkeit.
Und damit kommen wir zu einer der bemerkenswertesten Maßnahmen der Globalisierung in der Nachkriegszeit. Zwischen 1960 und 1990 stieg die Weltproduktion um das Dreifache. Die Vermögenswerte der
führenden 100 multinationalen Unternehmen belaufen
sich auf rund 3,2 Billionen Dollar, und sie beschäftigen
etwa 14 Millionen Menschen. Die führenden fünfzig
internationalen Banken halten insgesamt Vermögenswerte von etwa 10 Billionen Dollar, und der Wert des
Welthandels ist von rund 60 Milliarden Dollar im Jahr
1950 auf nahezu 3,5 Billionen Dollar im Jahr 1990
gestiegen. Telekommunikation und Informationstechniken haben ein neues ineinandergreifendes weltweites Netz geschaffen, und heute gibt es eine sichtbare
Gemeinschaft des weltweiten Finanzwesens und
weltweit operierender Unternehmen, in denen die
Nationalität aus unternehmerischer Sicht keine Rolle

spielt.
Das Verhältnis zwischen Handel und Wachstum und
die rapide Internationalisierung der Märkte könnten
nicht drastischer vor Augen geführt werden. Allein für
die Vereinigten Staaten ist das Exportvolumen seit
Mitte der achtziger Jahre um 13 Prozent jährlich gestiegen. Dreißig Prozent unserer landwirtschaftlichen
Produkte und 20 Prozent unserer Industrieerzeugnisse gehen heute nach Übersee. Wir sind heute die
größte Handelsnation der Welt.
Dieses Phänomen ist zum größten Teil der vielleicht
zähesten aller internationalen Institutionen zu verdanken: dem GATT. Seit seiner Gründung im Jahr 1947
sind die Durchschnittszölle von rund 40 Prozent auf 5
Prozent gesunken. Von den zahlreichen im Lauf der
Jahrzehnte quälend ausgehandelten Runden ist keine
lebenswichtiger oder ehrgeiziger als die laufende
Uruguay-Runde.
Ihr Ziel ist nicht allein der weitere Abbau existierender
Schranken, sondern die Einbeziehung jener expandierenden Sektoren des Handels unter dieses multilaterale Dach der Handelsregeln, die aus dem System
herausgefallen sind, was insbesondere auf Dienstleistungen zutrifft, sowie Ausgleich oder Beseitigung von
Verzerrungen im internationalen Handel, die grund-

AMERIKA DIENST 26

sätzlich innenpolitischer Natur sind, insbesondere der
Agrarsubventionen. Die Verantwortung liegt hier im
großen und ganzen bei den Vereinigten Staaten, der
Europäischen Gemeinschaft und Japan, die zusammengenommen zwei Drittel des Bruttosozialprodukts
der Welt und 61 Prozent des Welthandels repräsentieren.
Bei einem Scheitern der Uruguay-Runde würde eine
besondere Gelegenheit für überproportionales Wachstum der Weltwirtschaft verpaßt. Noch schwerer wiegt,
daß die Welt sich dann sicherlich auf den abschüssigen Weg von Gegenmaßnahmen und Vergeltung
begeben würde, da die Staaten dann einseitige Maßnahmen zur Bewältigung multilateraler Probleme ergreifen würden. Kein einzelner Schritt könnte mehr als
eine erfolgreiche Uruguay-Runde leisten, um die Vielzahl der Themen positiv zu beeinflussen, die heute die
Kommentarseiten unserer Zeitungen beherrschen:
Wachstum in den Entwicklungsländern, Sicherstellung politischer Reformen im Osten, der Umgang mit
der Umwelt, Aufrechterhaltung der Verteidigungshaushalte, Beendigung der weltweiten Rezession und so
weiter. Die Uruguay-Runde bietet eine Gelegenheit,
die nicht von äußeren Faktoren abhängt. Sie ist für
unsere politischen Entscheidungsträger in greifbare
Nähe gerückt.
Wenn wir diese reichhaltige institutionelle Landschaft
betrachten, müssen wir sorgfältig die Möglichkeit eines Bruchs zwischen unseren gemeinsamen sicherheitspolitischen und unseren gemeinsamen ökonomischen Zielen beachten. Während des Kalten Krieges
wurden Wirtschaftsinteressen häufig zugunsten dringenderer sicherheitspolitischer Fragen verdrängt oder
letzteren untergeordnet. Heute jedoch ist Wohlstand
zu einer vordringlichen Definition von Sicherheit geworden.
Wenn wir auf der einen Seite danach streben, Einflußbereich und Legitimität unserer multilateralen Sicherheitsinstitutionen, beispielsweise in der NATO oder
der UNO - zu erweitern und auf der anderen Seite
einseitige Vorteile in Handelsfragen suchen - zum
Beispiel im GATT oder in separaten Sonderabkommen -, werden wir wahrscheinlich das Fundament
eines neuen internationalen Rahmens untergraben.
Die natürliche Spannung zwischen multilateraler Sicherheits- und einseitiger Wirtschaftspolitik kann nicht
schadlos fortbestehen.
Die internationalen Institutionen, die seit dem Kriege
enstanden sind, geben uns ein Forum zur Aussöhnung
dieser Interessen oder zumindest zur Bewältigung von
Meinungsverschiedenheiten. Sie sind kein Ersatz für
nationales Interesse oder nationale Bestrebungen.
Sie sind nicht perfekt und können im großen und
ganzen nicht mehr zum Ausdruck bringen als den
kollektiven Willen der beteiligten Staaten. Bisweilen
können sie zu überheblich und zu isoliert von der

Seite 5

�Öffentlichkeit sein, der zu dienen sie geschaffen wurden, und manchmal können sie eine Entschuldigung
für Untätigkeit sein.
Und doch ist dieses institutionelle Phänomen ein
besonderes Merkmal unserer Zeit. Gemeinsam kön-

nen diese Organisationen als Gegengewicht zu der
beunruhigenden Wiederkehr politischer Zersplitterung
und ethnischen Chauvinismus' dienen. Gemeinsam
können sie Normen für eine bessere, sicherere Welt
s c n a f fen, u n d gemeinsam können sie zwischen uns
u n d e j n e m w e j t e r e Deja-vu-Erlebnis stehen.

* * * * *

Seite 6

AMERIKA DIENST 26

�SOZIALES
I.Juli 1992

SOZIALGESETZGEBUNG SPIEGELT PRINZIPIEN
DER GRÜNDERVÄTER WIDER
Großer Anteil des US-Haushalts entfällt auf Sozialausgaben
WASHINGTON - (AD) - "Folgende Wahrheiten erachten wir als selbstverständlich: daß alle Menschen gleich
geschaffen sind; daß sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten ausgestattet sind; daß
dazu Leben, Freiheit und das Streben nach Glück gehören..."

Diese von Thomas Jefferson so beredt in der Unabhängigkeitserklärung vom 4. Juli 1776 zum Ausdruck
gebrachten Konzepte gehörten zu den Leitprinzipien
der Amerikanischen Revolution.
In den folgenden Jahren wurden sie zum integralen
Bestandteil amerikanischen Lebens und amerikanischer Kultur. Es war die Achtung solcher Prinzipien,
die der Abschaffung der Sklaverei, dem Verbot der
Kinderarbeit und sowohl der Gewerkschafts- als auch
der Bürgerrechtsbewegung den Weg bereiteten.
Heute finden die von Jefferson dargelegten Ideale
darüber hinaus in einem breiten Spektrum von Sozialversicherungsprogrammen ihren Niederschlag, die
gemeinsam ein Sicherheitsnetz schaffen, das die meisten Amerikaner vor den von Präsident Franklin Roosevelt so genannten "Risiken und Wechselfällen des
Lebens" schützt.
Viele dieser Programme entstammen dem historischen Sozialversicherungsgesetz von 1935, das auf
dem Höhepunkt der Großen Depression von Roosevelt und dem Kongreß verabschiedet wurde, um Arbeitnehmer oder deren Familien vor Einkommensverlust aufgrund von unverschuldeter Arbeitslosigkeit,
Eintritt in den Ruhestand, Invalidität oder Tod abzusichern.
Zu den Programmen, die seit damals erfolgreich fortgesetzt wurden, gehören die Renten- und Berufsunfähigkeitsversicherung, die Arbeitslosenversicherung für
diejenigen, die ohne eigenes Verschulden ihren Arbeitsplatz verlieren, Zuschüsse für Einkommensschwache, Senioren und Behinderte, die keinen Rentenanspruch vorweisen können sowie die Hilfe für Familien
mit unterhaltsberechtigten Kindern.

AMERIKA DIENST 26

Roosevelt war zu Recht davon ausgegangen, daß
diese Programme dazu beitragen würden, die Auswirkungen künftiger Rezessionen abzuschwächen, indem sie amerikanischen Arbeitnehmern und deren
Familien eine Grundversorgung zur Verfügung stellten, die "die Höhen und Tiefen von Inflation und
Deflation ausgleichen" würde.
Allein die Ausgaben für die Rentenversicherung betragen heute 25 Prozent des Bundeshaushalts. Im Jahr
1992 werden schätzungsweise 41 Millionen Amerikaner Rentenversicherungszahlungen in Gesamthöhe
von 285 Milliarden Dollar erhalten.
Die meisten amerikanischen Arbeitnehmer, die arbeitslos werden, können Arbeitslosengeld beantragen, das für gewöhnlich ein Drittel bis die Hälfte ihres
letzten Einkommens beträgt und bis zu 26 Wochen
lang gezahlt wird. In Zeiten außergewöhnlich hoher
Arbeitslosigkeit können diese Leistungen abhängig
vom Ausmaß der Arbeitslosigkeit im Heimatstaat oder
am Wohnort des Arbeitslosen um weitere 13 bis 26
Wochen verlängert werden.
Im Jahr 1991, dem letzten statistisch vollständig erfaßten Jahr, erhielten schätzungsweise 10,4 Millionen
Amerikaner Arbeitslosengeld in Gesamthöhe von 25,3
Milliarden Dollar.
Zuschüsse für Einkommensschwache (SSI) werden in
Form fester monatlicher Bargeldleistungen für Kinder
und Erwachsene gewährt, die arbeitsunfähig oder
blind sind und festgelegte Einkommens- und Vermögensgrenzen nicht überschreiten.
Im Jahr 1991 erhielten etwa 4,9 Millionen Amerikaner
SSI-Leistungen des Bundes in Gesamthöhe von über
15,7 Milliarden Dollar, während die einzelnen Bundes-

Seite 1

�Staaten weitere Dienstleistungen und Bargeldzahlungen von rund 3,8 Milliarden Dollar gewährten.
Hilfe für Familien mit unterhaltsberechtigten Kindern
(AFDC), allgemein als "Sozialhilfe" ("Weifare") bezeichnet, unterstützt Familien, in denen ein Elternteil
verstorben ist, die Familie verlassen hat, arbeitsunfähig geworden ist oder - in rund der Hälfte der 50
Bundesstaaten - arbeitslos geworden ist.
Im Jahr 1991 erhielten etwa 12,5 Millionen Amerikaner
AFDC-Leistungen im Gesamtwert von 20 Milliarden
Dollar. Darin sind Lebensmittelmarken, medizinische
Leistungen und Wohngeld nicht enthalten.
Weitere amerikanische Sozialhilfeprogramme haben
ihre Wurzeln in Präsident Johnsons "Krieg gegen die
Armut" Mitte der sechziger Jahre. Zu dieser Kategorie

gehören die Krankenversicherung für Senioren und
Behinderte (Medicare), die Krankenversicherung für
Einkommensschwache (Medicaid), Sozialwohnungen
für Einkommensschwache, Head Start, das Vorschulkindern aus Familien, in denen das Einkommen unter
der vom Bund jedes Jahr festgelegten Armutsgrenze
liegt, nahrhafte Mahlzeiten und Betreuung zur Verfügung stellt sowie kostenlose oder preisreduzierte
Frühstücks- und Mittagsmahlzeiten für Kinder, die
öffentliche Schulen besuchen.
Das US-Gesundheitsministerium schätzt, daß im Jahr
1991 etwa 35 Millionen Amerikaner Medicare-Leistungen im Gesamtwert von 113 Milliarden Dollar in Anspruch nahmen. Im selben Jahr erhielten 27,5 Millionen Medicaid-Leistungen im Gesamtwert von 89 Milliarden Dollar.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 26

�UMWELT
1. Juli 1992

DAS MEINUNGSBILD ZU UMWELTFRAGEN
IN 22 LÄNDERN
Ergebnisse amerikanischer Meinungsumfragen
WASHINGTON - (AD) - Die nachfolgend veröffentlichte Zusammenfassung gibt einen Überblick über Ergebnisse von Meinungsumfragen, die im Auftrag von Gallup von Januar bis März 1992 in 22 Ländern durchgeführt
wurden.
Besorgnis über Umwelt am größten in Rußland
und Polen
Die Besorgnis über Umweltprobleme wurde in nahezu
jedem Land von wirtschaftlichen Sorgen übertreffen.
Eine Ausnahme bilden die Niederlande, in denen
umweltpolitische Anliegen überwogen.
Gallup stellte Teilnehmern in jedem Land acht getrennte Fragen, um die unterschiedlichen Facetten ihrer
Besorgnis über Umweltprobleme zu messen. So
bewerteten in Rußland und Polen vier Fünftel der
Befragten die Umwelt in ihrem Land als "schlecht" und
gaben an, dies habe nachteilige Auswirkungen auf ihre
Gesundheit. Dagegen hatte nurein Fünftel der Befragten in Dänemark, Norwegen und Finnland diese Besorgnis.

Amerikaner brachten mehr Besorgnis über die Umwelt
zum Ausdruck als die Bürger der meisten anderen
untersuchten Industriestaaten oder die Befragten in
einigen Entwicklungsländern. (US-Öffentlichkeit: 46
Prozent gaben an, die Umwelt ihres Landes sei "schlecht",
67 Prozent erklärten, Umweltprobleme wirkten sich
zumindest "ziemlich stark" auf ihre Gesundheit aus.)
Wasserverschmutzung und Verlust von Regenwäldern gelten als Hauptprobleme
Gallup bat die Teilnehmer in jedem Land, die Bedeutung von sieben "die Welt als Ganzes" betreffenden
Umweltproblemen zu gewichten. Nachfolgend der
Durchschnittsprozentsatz aller 22 Länder derjenigen,
die mit "besonders schwerwiegend" antworteten:
Umweltprobleme der Welt

Insgesamt ist die Besorgnis über Umweltprobleme
innerhalb der untersuchten ehemaligen kommunistischen Länder (Rußland, Polen, Ungarn) größer als in
acht Entwicklungsländern (Brasilien, Chile, Indien,
Mexiko, Philippinen, Südkorea, Türkei und Uruguay)
and wesentlich stärker als in 11 Industriestaaten
(Vereinigte Staaten, Dänemark, Deutschland, Finnland, Großbritannien, Irland, Japan, Kanada, Niederlande, Norwegen, Schweiz), in denen Gallup Umfragen durchführte.
So gaben in den ehemaligen kommunistischen Staaten 83 Prozent der Befragten an, die Umwelt in ihrem
Land sei "sehr schlecht" oder "ziemlich schlecht",
während in den Entwicklungsländern 54 Prozent und in
den Industriestaaten 30 Prozent diese Meinung vertraten. In den ehemals kommunistischen Staaten meinten darüber hinaus 75 Prozent, Umweltprobleme wirkten sich "sehr stark" oder "ziemlich stark" auf ihre
Gesundheit aus, während dies nur auf 63 Prozent in
den Entwicklungsländern und 39 Prozent in den Industriestaaten zutraf.
AMERIKA DIENST 26

Durchschnittswert für
22 Länder
(% "besonders schwerwiegend")

Verlust von Regenwäldern und Dschungeln 68%
Verschmutzung von Flüssen, Seen
und Meeren

66%

Luftverschmutzung und Smog

62%

Zerstörung der Ozonschicht

62%

Verlust von Tier- und Pflanzenarten

57%

Treibhauseffekt

53%

Bodenerosion, Landverschmutzung
und Verlust von Ackerflächen

52%

Seite 1

�Die als besonders schwerwiegend eingestuften Probleme unterschieden sich je nach Art des Landes, in
dem die Erhebung durchgeführt wurde.
So wurde in den Industriestaaten der Schwund der
Regenwälder als wichtigstes Problem betrachtet, gefolgt von Wasserverschmutzung und dem Abbau der
Ozonschicht. In den Entwicklungsländern gab die
Mehrheit an, das schwerwiegendste Problem sei die
Luftverschmutzung, während der Schwund der Regenwälder und die Wasserverschmutzung auf den
Plätzen zwei und drei folgten. In den ehemals kommunistischen Staaten wiederum stand an erster Stelle die
Wasserverschmutzung, gefolgt von Luftverschmutzung und dem Schwund der Regenwälder.
Industrie- und Entwicklungsländer werden gleichermaßen verantwortlich gemacht
Die Bürger reicher und armer Länder vertraten keine
gegensätzlichen Meinungen zu der Frage wer "mehr
für die heutigen Umweltprobleme der Welt verantwortlich ist". Nahezu keine der von Gallup befragten
Bevölkerungsgruppen wies die Schuld hauptsächlich
der "anderen Seite" zu.
In lediglich einem von acht untersuchten Entwicklungsländern, nämlich der Türkei, vertrat eine
Mehrheit der Befragten die Meinung, die Industriestaaten seien hauptsächlich für die weltweiten Umweltprobleme verantwortlich. In sechs Entwicklungsländern
wurden Entwicklungsländer und Industriestaaten
überwiegend als "gleich verantwortlich" betrachtet. In
Südkorea hielt die Mehrheit die Entwicklungsländer
selbst für verantwortlich.
In fünf von elf untersuchten Industriestaaten
(Dänemark, Deutschland, Finnland, den Niederlanden
und Norwegen) machte die Öffentlichkeit hauptsächlich die Industriestaaten für die heutigen Umweltprobleme der Welt verantwortlich. In den anderen sechs
Industriestaaten (darunter die Vereinigten Staaten)
wies die Öffentlichkeit den Industriestaaten und den

*

Seite 2

Entwicklungsländern ein gleiches Maß an Schuld zu.
Insgesamt waren die Befragten in den Industriestaaten eher als die in anderen Ländern bereit, die Industriegesellschaften für weltweite Umweltprobleme
verantwortlich zu machen.
Unterschiedliche Meinungen über die erforderlichen Maßnahmen zum Schutz der Umwelt
Es überrascht nicht, daß der Abbau der Schulden von
den Entwicklungsländern stärker unterstützt wurde als
von den Industrienationen. Gleichzeitig "befürwortete"
eine eindeutige Mehrheit in den meisten Entwicklungsund Industrieländern "stark" die Bereitstellung von
Informationen zu Umweltschutz und Familienplanung
in sich entwickelnden Gesellschaften. Die ehemaligen
kommunistischen Länder waren dem Informationsaustausch zu Familienplanung am wenigsten geneigt.
In allen Ländern wurden die Befragten um ihre Stellungnahme zu unterschiedlichen Aktionen der Industrienationen zum Schutz der Umwelt in den Entwicklungsländern gebeten.
Folgende Maßnahmen der Industrienationen zum Schutz
der Umwelt in den Entwicklungsländern wurden "stark
befürwortetet": Bereitstellung von Ausbildungsmaterial: in den Industrienationen von 61 %, in den Entwicklungsländern von 75%, in den ehemaligen kommunistischen Ländern von 56%. Bereitstellung von Geräten und Technologie zur Kontrolle der Umweltverschmutzung: in den Industrienationen von 53%, in den
Entwicklungsländern von 73%, in den ehemaligen
kommunistischen Ländern von 62%. Bereitstellung
von Informationen über Familienplanung zur Verringerung der Geburtenrate: in den Industrienationen von
57%, in den Entwicklungsländern von 61%, in den
ehemaligen kommunistischen Ländern von 33%. Erlaß von Schulden der Entwicklungsländer und Verwendung dieser Gelder zum Schutz der Umwelt: in
den Industrienationen von 34%, in den Entwicklungsländern von 64%, in den ehemaligen kommunistischen
Ländern von 44%.

* * *

*

AMERIKA DIENST 26

�AIDS
I.Juli 1992

AIDS HINDERNIS FÜR ENTWICKLUNG
Auszüge aus dem AIDS-Jahresbericht des USAID
WASHINGTON - (AD) - Dem US-Amt für Internationale Entwicklung (USAID) zufolge ist das HIV-Virus, das
AIDS-Erkrankungen verursacht, zur Pandemie geworden und zeitigt die schwersten Auswirkungen in den
Entwicklungsländern.
In einem am 19. Juni 1992 veröffentlichten Bericht des USAID an den Kongreß wird festgestellt, AIDS sei "nicht
nur eine massive Herausforderung an das öffentliche Gesundheitswesen, sondern auch eine ernste Bedrohung
kontinuierlicher sozialer und wirtschaftlicher Entwicklung".
Der Bericht prognostiziert, daß bis zum Jahr 2000 40 Millionen Menschen mit dem Hl V-Virus infiziert sein werden,
über dreimal soviel wie die 12 Millionen Infizierten des Jahres 1991.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Zusammenfassung des USAID-Berichts im Wortlaut.
Vor einem Jahrzehnt praktisch unbekannt, hat sich
HIV/AIDS heute zur Pandemie entwickelt. Die Entwicklungsländer sind davon am stärksten betroffen. In
zahlreichen Entwicklungsländern ist AIDS nicht nur
eine massive Herausforderung an das öffentliche
Gesundheitswesen, sondern auch eine ernste Bedrohung kontinuierlicher sozialer und wirtschaftlicher
Entwicklung.

das USAID weltweit voraussichtlich 400 Millionen Dollar
für HIV/AIDS-Präventionsmaßnahmen ausgeben.
Die in den vergangenen vier Jahren vor Ort durchgeführten USAID-Maßnahmen und Forschungsarbeiten
haben gezeigt, daß für die Reduzierung der Verbreitung von HIV durch Geschlechtsverkehr erforderliche
Verhaltensänderungen durch geeignete Interventionen verwirklicht werden können.

HIV-Infektionen und AIDS-Fälle
(geschätzte Gesamtzahl in Millionen)
1989 1991 2000 (Prognose)
HIV-Infektionen

6,0

12,0 40,0

AIDS-Fälle

0,6

2,0 10,0

a) nur Erwachsene, alle anderen Zahlen beziehen sich
auf Erwachsene und Kinder.
Das USAID engagiert sich seit 1987 für die Prävention
und Kontrolle von HIV/AIDS. Es hat bei der HIV-AIDSPrävention in über 70 Entwicklungsländern Pionierarbeit geleistet und dort über 700 Interventionsmaßnahmen eingeleitet.
Seit 1987 hat das USAID rund 358 Millionen Dollar für
Maßnahmen zur AIDS-Prävention durch bilaterale Hilfe,
Unterstützung des globalen AIDS-Programms der
Weltgesundheitsorganisation sowie Unterstützung für
basisorientierte und andere Nichtregierungsorganisationen ausgegeben. In den nächsten fünf Jahren wird

AMERIKA DIENST 26

Schätzungsweise 12 Millionen Erwachsene etwa einer von 250 Erwachsenen weltweit - sind
mit HlV-infiziert. Eine Million neuer Infektionen
sind im vergangenen Jahr aufgetreten.
Bis zum Jahresende wird die Gesamtzahl neuer
HIV-Infektionen nahezu zwei Millionen erreichen. Das bedeutet, daß in den nächsten 24
Stunden 5.000 Personen mit HIV infiziert werden, 150.000 in diesem Monat.
Auf Frauen entfällt heute ein Drittel aller HIVInfektionen. Verheiratete und unverheiratete
Frauen aller sozioökonomischen Schichten
werden durch sexuelle Kontakte mit einem infizierten Partner immer häufiger selbst mit dem
HIV-Virus infiziert.
Menschen in den Entwicklungsländern werden
schon bald nahezu 90 Prozent der weltweiten
HIV-Infektionen repräsentieren. Achtzig Prozent dieser Infektionen werden sexuell übertragen.

Seite 1

�I. Auswirkungen in der Dritten Welt
HIV/AIDS greift den Kern der Gesellschaft an, indem
es Menschen auf der Höhe ihrer produktiven Jahre
befällt. Das UN-Entwicklungsprogramm hat berichtet,
daß die Epidemie in den am stärksten betroffenen
Ländern "entscheidende Teile der Erwerbsbevölkerung dezimieren, die Handlungsfähigkeit des Staates
aushöhlen, zu sozialen und bürgerlichen Unruhen
führen sowie jeden Teilbereich der Wirtschaft einschließlich von Landwirtschaft und Verkehrswesen
beeinträchtigen könnte".
Kein Gesundheitssystem in der Dritten Welt ist
derzeit in der Lage, die notwendige medizinische Betreuung für die konstant eskalierende
Zahl von Menschen zu verwalten oder finanzieren, die an AIDS und mit AIDS zusammenhängenden Krankheiten leiden.
HIV-Infektionen schwächen das Immunsystem
und erhöhen das Risiko der Erkrankung an
anderen ansteckenderen Infektionskrankheiten,
wie etwa der Tuberkulose. In zahlreichen Entwicklungsländern erreicht die steigende Zahl
klinischer Tuberkulosefälle bereits epidemische
Ausmaße, die mit HIV/AIDS vergleichbar sind.
Über 50 Prozent der HlV-infizierten Erwachsenen leben im Afrika südlich der Sahara, nahezu
25 Prozent in Asien und rund 17 Prozent in
Lateinamerika und der Karibik.
Afrika
Im Afrika südlich der Sahara sind über sechs Millionen
Erwachsene oder einer/eine von 40 Männern und
Frauen HlV-infiziert. Bis zum Ende des Jahrzehnts
wird sich die Sterbequote bei Erwachsenen in einigen
Gebieten erwartungsgemäß verdreifachen.
Bis zu 8 Millionen HlV-infizierte Kleinkinder könnten
bis zum Jahr 2000 in Afrika zur Welt kommen, und
dadurch könnten Forschritte bei der Bekämpfung der
Kindersterblichkeit verringert oder zunichte gemacht
werden. Zehn Millionen nichtinfizierte Kinder werden
bis zum Jahr 2000 einen oder beide Elternteile durch
HIV/AIDS verlieren.
In diesem Jahrzehnt werden die Folgen von HIV/AIDS
besonders stark in den städtischen Gebieten Ost- und
Zentralafrikas zutage treten, wo bis zu 33 Prozent aller
Erwachsenen bereits infiziert sind oder noch infiziert
werden. In einigen städtischen Großkliniken sind bis
zu 80 Prozent aller stationären Patienten HlV-infiziert,
über das Doppelte des Prozentsatzes im Jahr 1990.
Bis zum Ende des Jahrzehnts könnte sich die Erwachsenensterblichkeit in diesen Gebieten verdreifachen.
Die Emährungs- und Landwirtschaftsorganisation der
Vereinten Nationen schätzt, daß 25 Prozent der Farmen in den am stärksten betroffenen Ländern Afrikas

Seite 2

südlich der Sahara wegen der Dezimierung der Bevölkerung durch HIV/AIDS aufgegeben werden müssen.
Asien

,

Eine Million Erwachsene in Süd- und Südostasien sind
HlV-infiziert, und es wird erwartet, daß sich die Infektionsrate bis 1995 verdreifachen wird. Ohne effektive
Interventionen werden Jahr für Jahr bald schätzungsweise mehr Asiaten als Afrikaner angesteckt werden.
In Thailand, Indien und auf den Philippinen besteht
eine fest verankerte kommerzielle Sexindustrie. In
großen Städten werden Prostitutierte regelmäßig von
einer großen Zahl einheimischer und ausländischer
Kunden aufgesucht. Damit steigt das Risiko der
regionalen und internationalen Verbreitung des HIVVirus. Schätzungsweise 20 Prozent der 300.000 in
Bombay tätigen Prostituierten sind HlV-infiziert.
Thailand gibt an, 30 Prozent der 800.000 Prostituierten
des Landes seien infiziert. Dasselbe gelte für 3 Prozent der 20-21 jährigen Männer, die für den Militärdienst rekrutiert werden sowie 1 Prozent der Frauen,
die medizinische Betreuung bei Schwangerenberatungsstellen in Anspruch nehmen. Thailändische
Prognosen gehen von 4 Millionen HIV-Infektionen bis
zum Ende des Jahrzehnts aus.
Lateinamerika und Karibik
Die Zahl der HIV-Infektionen in Lateinamerika und der
Karibik übersteigt heute eine Million, darunter 10.000
infiziert geborene Kleinkinder. Diese Zahl ist doppelt
so hoch als vor einem Jahr geschätzt wurde.
Schätzungen zufolge sind bis zu 60 Prozent der Prostituierten in Haiti infiziert, und Untersuchungen haben
bei mehreren hundert Prostituierten in Honduras eine
HIV-Verbreitung von bis zu 35 Prozent festgestellt.
II. Rolle/Reaktion von USAID
Das USAID steht seit jeher an vorderster Front der
weltweiten Schlacht gegen die Krankeit. Dies wurde
auf zweifache Art und Weise geleistet: Hilfe durch
USAID-Missionen in Ländern mit hohen und wachsenden HIV-Infektionsraten sowie durch Unterstützung
des und Abstimmung mit dem globalen Programm
gegen AIDS der Weltgesundheitsorganisation (WHO/
GPA).
Im Jahr 1986 rief die WHO mit Hilfe der Vereinigten
Staaten das Sonderprogramm zu AIDS ins Leben, um
Möglichkeiten zur Bewältigung der wachsenden Bedrohung zu sondieren. Das Programm wurde im Jahr
1988 zum WHO/GPA mit dem Mandat erweitert, eine
weltweite Strategie technischer und finanzieller Unterstützung zur Bekämpfung der Krankheit zu entwickeln.
Das USAID war und ist ein konsequenter Förderer und
Partner der WHO/GPA-Bemühungen. Über die Finanzierung hinaus ist das USAID ein aktives Mitglied im

AMERIKA DIENST 26

�Verwaltungsausschuß des WHO/GPA und wichtiger
Teilnehmer im WHO/GPA-Lenkungsausschuß.
Das USAID hat Computermodelle zur Untersuchung und Beobachtung der Epidemie entwikkelt.
Das USAID unterstützt ein auf drei Jahre angelegtes Projekt des Peace Corps, um afrikanischen Ländern bei der Planung und Durchführung von HIV/AIDS-Informationsmaßnahmen zu
helfen, die sich auf Jugendliche innerhalb und
außerhalb der Schulen, Ärzte und Pflegepersonal, Frauen mit hohem Risiko und die Öffentlichkeit im allgemeinen konzentrieren.

den Sexualpartnern auf, die keine Kondome benutzen
und mit einer anderen Geschlechtskrankheit infiziert
sein können oder einen infizierten Partner haben.
IV. Die Ergebnisse
In den vergangenen vier Jahren hat das USAID die
Erfahrung gemacht, daß HIV/AIDS verhindert werden
kann, daß sich informierte Menschen dafür entscheiden, mit Risiken behaftete Verhaltensweisen einzuschränken und daß eine starke nationale Führung für
den Erfolg solcher Programme unabdingbar ist.
USAID-Untersuchungen vor Ort zeigen, daß
eine Verstärkung von Kommunikationsprogrammen gepaart mit auf bestimmte Gruppen ausgerichteten Informationsmaßnahmen sowie aggressiven Kampagnen zur Verbreitung von
Kondomen erfolgreich waren. Interventionsprogramme in Afrika, Asien, Lateinamerika und
der Karibik haben Millionen von Männern und
Frauen erreicht. Weitere Millionen müssen noch
erreicht werden.

Inzwischen werden drei Ziele als grundlegend angesehen, um die Ausbreitung von HIV/AIDS zu verlangsamen, und diese Ziele bilden die Grundlage aller Präventivmaßnahmen des USAID in den nächsten fünf
Jahren.
Diese Ziele sind:
Reduzierung der Zahl von Sexualpartnern;

Maßnahmen zur Förderung der Verwendung
von Kondomen waren in zahlreichen Ländern
Afrikas und Lateinamerikas erfolgreich. Kondomlieferungen des USAID nach Afrika erreichten im Jahr 1991 über 130 Millionen Stück, ein
Anstieg um nahezu 400 Prozent seit 1987 - über
500 Millionen Kondome wurden bisher allein
nach Afrika geliefert.

Verbesserung von Diagnose, Behandlung und
Prävention sexuell übertragener Krankheiten;
größere Verfügbarkeit und Anwendung von
Kondomen.
III. Die Lehren
Wegen des Fehlens eines wirksamen, bezahlbaren
und allgemein verfügbaren Impfstoffs müssen sich
künftige HIV/AIDS-Präventionsprogramrne auf Strategien konzentrieren, die wirksam zum Abbau der
sexuellen Übertragung von HIV/AIDS beitragen. Zu
diesen Strategien zählen: eine Reduzierung der Zahl
von Sexualpartnern, verbesserte Diagnose, Behandlung und Prävention sexuell übertragener Krankheiten
sowie größere Verfügbarkeit und Anwendung von
Kondomen.

Dieser Anstieg geht direkt mit einer gestiegenen Nachfrage einher. Aufgrund des Erfolges einer Reihe
sozialer Vermarktungsprogramme in mehreren Entwicklungsländern gehen derzeit viele politische Entscheidungsträger auf lokaler Ebene dazu über, die
energische Vermarktung von Kondomen zu unterstützen.
Die Investitionen des USAID in HIV/AIDS-Präventions- und Kontrollmaßnahmen werden sich
in den nächsten fünf Jahren mehr als verdoppeln.

Groß angelegte, umfassende Interventionsprogramme, die von den politisch Verantwortlichen, dem Privatsektor und anderen Nichtregierungsorganisationen
uneingeschränkt unterstützt werden, haben in Ländern mit hohen oder rasch ansteigenden HIV-Raten
den größten Effekt. Sorgfältig ausgerichtete Programme für besondere Zielgruppen können am effektivsten
in Ländern mit niedrigen HIV-Raten sein.

Technische Präventionsprogramme allein können die HIV/AIDS-Flut nicht eindämmen. Starke staatliche Unterstützung innerhalb der Entwicklungsländer ist unerläßlich. Das USAID
wird seine Unterstützung von Bemühungen
fortsetzen, um zu der starken politischen Führung zu ermutigen, die für erfolgreiche HIV/
AIDS-Präventionsprogramme erforderlich ist.

Die meisten durch Geschlechtsverkehr übertragenen
Infektionen treten bei Menschen mit häufig wechseln-

* * * *

AMERIKA DIENST 26

*

Seite 3

�WAHLEN '92
I.Juli 1992

POLITISCHE PARTEIEN VERLIEREN DIE
UNTERSTÜTZUNG DER WÄHLER
Stimmung begünstigt unabhängige Kandidaten
WASHINGTON - (AD) - Die beiden wichtigsten Parteien, Demokraten und Republikaner, haben die politische Landschaft Amerikas seit so vielen Jahren definiert und gestaltet, daß sie fast als selbstverständlich
hingenommen wurden - bis zu diesem Jahr.
Zumindest auf der Ebene der Präsidentschaftswahlen
sind viele Wähler nicht zufrieden mit den Kandidaten
beider Parteien oder der von ihnen wahrgenommenen
Parteipolitik, und sie sehen sich nach Alternativen um,
erklärt der bekannte Politikwissenschaftler Richard
Smolka von der American University.
"Deshalb hat der (bisher unerklärte und unabhängige)
Kandidat Ross Perot soviel Erfolg," erklärt Smolka,
verweist aber darauf, daß die Zahl der potentiellen
Perot-Wähler in den Vereinigten Staaten insgesamt
niedriger ist als die Zahl derjenigen, die sich als AntiDemokraten oder Anti-Republikaner bezeichnen.
Dies deutet Smolka zufolge darauf hin, daß die Rolle
der Parteien beim Prozeß der Auswahl des Präsidenten schwindet, was er auf verschiedene Faktoren
zurückführt, einschließlich der zurückgehenden Loyalität der Wähler, der stetig steigenden Zahl der Vorwahlen in den einzelnen Bundesstaaten und des Einflusses der Massenmedien.
Aber er verweist auch darauf, trotz der bei den Wählern
zu beobachtenden Illoyalität - und dem damit umschriebenen schwindenden Einfluß der Parteien, "trifft
dies nicht für Parteifunktionäre oder gewählte Vertreter in den Bundesstaaten und Kommunen zu". Bei
diesen Loyalen ist die Anbindung an ihre Partei so
stark wie eh und je. Als Beispiel führt er Kongreßabgeordnete an, die mit ihren Parteiführungen zugunsten
einer besonderen Sache stimmen, auch wenn dies
lokalen Interessen zuwiderläuft.
Die Unzufriedenheit der Wähler mit dem Kongre ß zeigt
sich dieses Jahr auch angesichts solcher Skandale
wie der Ausstellung zahlreicher ungedeckter Schecks
bei der Bank des Repräsentantenhauses. Im ganzen
Land, so Smolka, stehen amtierende Parlamentarier
unter stärkerem Konkurrenzdruck sowohl innerhalb
des Zweiparteiensystems als auch im Hinblick auf unAMERIKA DIENST 26

abhängige Kandidaten. Er erklärt jedoch: "Die Ironie
liegt darin, daß die daraus resultierende Spaltung der
Opposition dem Amtsträger entgegenkommt."
Smolka konstatiert, daß die Parteien als Institutionen
stark sind, weil sie in den Bundesstaaten über Millionen von Dollar verfügen, die sie für die Arbeit an der
Basis ausgeben können - um Berater einzustellen,
politische Anzeigen zu finanzieren und bei den Wahlkämpfen entstehende Reisekosten zu decken. Darüber hinaus verfügen sie über die Organisation, um
Kandidaten zu helfen. "Dies sind Kandidaten, die sich
der Partei bedienen und die nicht von der Partei
ausgesucht werden," erklärt Smolka. "In unserem
System gilt die Eigennominierung, womit es sich von
fast jedem anderen System auf der Welt unterscheidet."
Es ist diese Art System, die es einem unabhängigen
Kandidaten wie Perot gestattet, in einen Wahlkampf
einzutreten. Aber nicht allzuviele unabhängige Kandidaten sind insbesondere auf der Ebene der Bundesstaaten und Kommunen erfolgreich, erklärt Smolka,
weil sie nicht so gut organisiert sind wie die wichtigsten
Parteien.
Das Phänomen Perot könnte mehr beeinflussen als
lediglich die Wahlen 1992. "Es hängt viel davon ab,
welchen Erfolg er hat," erklärt Smolka. "Wenn er im
November über 5 Prozent der Wählerstimmen erlangt
- was augenblicklich als wahrscheinlich gilt - wird er
sich 1996 für Wahlmittel der Bundesregierung qualifizieren und damit für die Zukunft eine Basis schaffen."
Sobald sein Name auf einer Liste steht, mu ß Perot eine
Organisation gründen, auch wenn es sich dabei nur um
seinen eigenen Namen handelt, und diese Organisation hätte dann einen Anspruch auf Wahlmittel, auch
wenn sie später jemand anderes als Perot ins Rennen
schicken würde. "Der Bundeswahlausschuß würde
ihm oder jemand anderem die Mittel zur Verfügung
stellen", erklärt Smolka. "Die Chance besteht, und es
ist eine große Chance."
Auf nationaler Ebene, so Smolka, ist es noch nicht sehr
lange her, daß Parteiführer sich in "rauchgeschwänSeite 1

�gerten Hinterzimmern" hinter verschlossenen Türen
trafen und den Präsidentschaftskandidaten oder
zumindest die Delegierten für den nationalen Nominierungskonvent eines Bundesstaates auswählten. Das
hat sich jedoch geändert, da immer mehr Bundesstaaten Vorwahlen abhielten und Delegierte für die Konvente auswählten, die sich zu einem bestimmten Kandidaten bekannten, den die Partei nicht vorschreiben
konnte. Im Hinblick auf die Aufstellung von Namen auf
Listen oder die Auswahl von Delegierten für die Konvente gehen die Bundesstaaten oder Parteien jedoch
nicht einheitlich vor, und Smolka erklärt, er betrachte
die unterschiedlichen Prozesse als "nicht fair den
Wählern oder Kandidaten gegenüber".

Die Wurzeln der demokratischen Partei gehen zurück
ins frühe 19. Jahrhundert, zu den Präsidenten Thomas
Jefferson und Andrew Jackson, und ein Großteil der
gegenwärtigen Sozialgesetze und der Unterstützung
für Arbeitnehmer und Minderheiten verdanken wir Franklin D. Roosevelt.
Abraham Lincoln war 1860 der erste republikanische
Präsident, und traditionell hat seine Partei mehr Unterstützung von Landbesitzern und wohlhabenderen
Bürgern erfahren. Die republikanische Partei wurde
1964 neu organisert und vom konservativen Flügel
übernommen, als Barry Goldwaterden moderat liberalen Nelson Rockefeiler bei der Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten schlug. Goldwater verlor,
bereitete aber den Weg für die späteren Erfolge der
Konservativen mit Ronald Reagan.

Bei den Konventen wird nicht mehr viel entschieden,
und dieses Jahr haben die Fernsehgesellschaften
angekündigt, sie würden ihre Berichterstattung reduzieren und nicht mehr rund um die Uhr live berichten.
Smolka verweist darauf, daß die Parteien ihre Konvente als "gigantische nationale Versammlungen betrachten, aber die Medien sind nicht daran interessiert, auf
diese Weise über sie zu berichten."

Die Illoyalität läßt sich Smolka zufolge bis in die Nachkriegszeit zurückverfolgen, als der Republikaner Dwight
Eisenhower parteiübergreifenend an die Wähler appellierte und ins Jahr 1964, als die Demokraten aus
dem Süden von Lyndon Johnson zu Goldwater überliefen.

Da das Femsehen bei den Wahlkämpfen eine immer
größere Rolle spielt, sind die Kandidaten in der Lage,
an den Parteiführern vorbeizugehen und sich direkt an
die Wähler zu wenden. Parteisprecher erhalten
Sendezeit, um ihre Meinung zu verkünden, erklärt
Smolka, aber sogar in diesen Fällen haben die Fernsehkommentatoren das letzte Wort mit ihrer Analyse
des Ausgesagten. "Aber dies geschieht nicht nur im
Fall der politischen Parteien", so Smolka. "Die Regierung, die Kirche, alle Institutionen sind solchermaßen
betroffen."

Heute, so Smolka, erklären beide Parteien den Wunsch
nach einer breit gefächerten Wählerschaft, sprechen
aber nach wie vor dieselben Gruppen an. Und beide
haben ein Problem, bei Verfechtern einer kontroversen einzelnen Sache anzukommen. Smolka zieht als
Beispiel die Abtreibung heran, von der er sagt, "sie
steht nicht im Zusammenhang mit anderen wirtschaftlichen oder politischen Problemen, ist aber ein großes
Thema, und beide Parteien verlieren darüber Wähler".
Die Verfechter von "Pro life" erklären, keine Kandidaten unterstützen zu wollen, die "Pro choice" sind und
umgekehrt.

Das Fernsehen hat in diesem Jahr einen neuen Aspekt
in den Präsidentschaftswahlkampf gebracht, da die
Kandidaten tagsüber in Talkshows auftreten. Dies
bietet "einen weiteren Zugang", so Smolka, aber für
"ein anderes Publikum". Er erklärt, "viele Menschen,
die man auf diese Weise erreicht, sehen sich keine
Nachrichten an" und umgekehrt sehen viele, die die
Nachrichten anschauen, keine Talkshows.

Im Hinblick auf die Zukunft der politischen Parteien in
den Vereinigten Staaten erklärt Smolka: "Es ist schwierig zu sehen, wie sie sich schärfere ideologische
Konturen geben könnten. Sie müssen sich unter den
Wählern eine breite Basis schaffen." Aber trotz aller
Kritik an ihnen sind sie Smolka zufolge flexibel genug,
um auf interne Meinungsverschiedenheiten zu reagieren, und es ist unwahrscheinlich, daß sie in Amerika
von der Bildfläche verschwinden.

In Wirklichkeit sind die beiden wichtigsten Parteien auf

nationaler Ebene kaum mehr als Dachorganisationen
der Organisationen auf Bundesstaatsebene.

* *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 26

�THEMENINDEX
I.Juli 1992

DER AMERIKA DIENST
I.Halbjahr 1992
Nachstehend eine Liste der Themen, die im Amerika Dienst (1. Halbjahr 1992) erschienen sind. Angegeben
ist jeweils die Nummer der Ausgabe, in der das betreffende Thema behandelt wird.

THEMA

NUMMER DER AUSGABEN

Amerika Heute

7

Atomtests

24

Außenpolitik

17

Bericht zur Lage der Nation

4

Demographie

22

Deutsch-Amerikanische Beziehungen 3
Drogen

EBWE

1,2,8

15

Einwanderer6
Erdgipfel

24

Flüchtlinge

12

Fulbright-Stiftung

14

GATT

1

GUS

6, 7, 14

GUS-Handel

17

AMERIKA DIENST 26

Seite 1

�GUS-Hilfe

4,6,9,15,21,
Sonderdienst, 2.April

GUS-Nuklearwaffen

12

GUS-Wissenschaftler

10,11

Gesundheitswesens
Golfkrieg

3,16

Handel

1,5,9,15

Haushalt

5

IWF

17

Jugoslawische Republiken

14

KSZE

13,14,19, 21

Kolumbus

8

Kongreß

23,24

Landwirtschaft

13

Lastenteilung

14

Libyen

4,13

Martin Luther King

2,3

Menschenrechte

5,8

Minderheiten

18

Mittel-/Osteuropa

11

NAKR

10

NATO

23,24

Nichtverbreitung

15

Porträt

1,4,9

RIAS Berlin Kommission

20

Rassenbeziehungen

21

Rüstungskontrolle

16

Seite 2

AMERIKA DIENST 26

�Senioren

23

Sicherheit

14

Soziales

5

Sozialpolitik

20, 21, 22, 23

UNO

13

US-Außenpolitik

2, 11, 13, 22

US-Weltrolle

18, 23

USA-Deutschland

8, 16, 18, 21

USA-Europa

10, 19, 24

USA-GUS

8,22

USA-Rußland

25

Umwelt

1,6,7 ,9, 13, 18, 19,20,22

Unruhen in Los Angeles

18, 19, 25

VII.Korps

12

VSBM

10

Vereinte Nationen

5

Verteidigung

5

Wahlen '92

"
2, 3,7 ,8, 9, 10,11,12,
15,16

18, 19, 20,21 ,22,23,
Wehrkundetagung

6

Weiterverbreitung

3, 13

Weltwirtschaft

2

Wirtschaft

17

AMERIKA DIENST 26

Seite 3

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11497">
                <text>01.07.1992</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11498">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11499">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11500">
                <text>Amerikadienst 01.07.1992</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11501">
                <text>&lt;strong&gt;1. USA-Deutschland&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Generalkonsulat und Amerika Haus in Leipzig eröffnet&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Kimmitt&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. START&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Baker: START kann "Nukleare Uhr" zurückdrehen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Außenministers vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Weltpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gutes wirtschaftliches Einvernehmen zwischen Nationen unabdingbar für Weltfrieden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Seitz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Soziales&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sozialgesetzgebung spiegelt Prinzipien der Gründerväter wider&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Großer Anteil des US-Haushalts entfällt auf Sozialausgaben&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Umwelt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das Meinungsbild zu Umweltfragen in 22 Ländern&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ergebnisse amerikanischer Meinungsumfragen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. AIDS&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;AIDS Hindernis für Entwicklung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Auszüge aus dem AIDS-Jahresbericht des USAID&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;7. Wahlen '92&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Politische Parteien verlieren die Unterstützung der Wähler&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Stimmung begünstigt unabhängige Kandidaten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;8. Themenindex&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Amerika Dienst&lt;br /&gt;&lt;em&gt;1. Halbjahr 1992&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2254" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2265">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/209299672294b23a9d916e784f1ae876.pdf</src>
        <authentication>1e2755d0c87c1bbf21d32de1b54e9608</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="11508">
                    <text>^ o s ^

^ r o M

amcrika
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

.&lt;&gt;

^

27

8. Juli 1992

WELTWIRTSCHAFTSGIPFEL

%p
.
,&amp;
^

BAKER: LAGE IN BOSNIEN ÄUSSERST
WICHTIG FÜR G-7
Erklärung in München
G-7 INTENSIVIEREN GESPRÄCHE
ZUR URUGUAY-RUNDE
Regierungsvertreter haben weiterhin
Vorbehalte
STAATS- UND REGIERUNGSCHEFS DER G-7
KÖNNTEN HILFE FÜR RUSSLAND
BESCHLEUNIGEN
Offizielle Umschuldung geplant

USA - UNABHÄNGIGKEITSTAG

BUSH: AMERIKANISCHE REVOLUTION
BEEINFLUSST DIE WELT WEITERHIN
Botschaft des Präsidenten zum
Unabhängigkeitstag

ABTREIBUNG

OBERSTES BUNDESGERICHT BESTÄTIGT UND
BEGRENZT RECHT AUF SCHWANGERSCHAFTSABBRUCH
Recht auf Schwangerschaftsabbruch von
Gesetzen der Bundesstaaten abhängig
DIE ENTSCHEIDUNG DES OBERSTEN
GERICHTSHOFS ZUM RECHT AUF
SCHWANGERSCHAFTSABBRUCH
Amerikanische Pressestimmen

WAHLEN '92

NATIONALE POLITISCHE KONVENTE
von Marc Leepson

PORTRÄT

THORNBURGHS ERSTE HERAUSFORDERUNG
BEI DER UNO - DER ETAT
Porträt des neuen Stellvertretenden
Generalsekretärs

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�WELTWIRTSCHAFTSGIPFEL
8. Juli 1992

BAKER: LAGE IN BOSNIEN ÄUSSERST
WICHTIG FÜR G-7
Erklärung in München
MÜNCHEN - (AD) - Die G-7-Staaten nehmen "die Bedeutung der Nichteinmischung" bei der Lieferung
humanitärer Hilfe nach Bosnien-Herzegowina "sehr ernst", wo Menschen "hungern und anderer lebensnotwendiger Dinge beraubt werden", erklärte US-Außenminister Baker am 7. Juli 1992 in München.
Bei einer Pressekonferenz verwies Baker femer auf frühere Diskussionen über Bosnien, bei denen auch "die
Möglichkeit weiterer Aktionen der Vereinten Nationen" erörtert wurde, "die den Einsatz aller erforderlichen Mittel
erlauben würden, um zu gewährleisten, daß die humanitären Bemühungen durchgeführt werden können".
Auf die Frage, ob die Vereinigten Staaten eventuell bereit seien, Luftwaffen- und Marineeinheiten für die Öffnung
eines Landkorridors zur Lieferung humanitärer Hilfsgüter bereitzustellen, entgegnete Baker, Präsident Bush
habe "nichts ausgeschlossen", während einige Regierungsvertreter erklärt hätten, der "Einsatz von Landtruppen" sei unwahrscheinlich.
In seiner Eingangserklärung zum Wirtschaftsgipfel verwies Baker darauf, die Vereinigten Staaten seien "erfreut"
über die Vereinbarung zwischen dem Internationalen Währungsfonds und Ru ßland über die erste Kredittranche
von 1 Milliarde Dollar.
Bushs Treffen mit dem russischen Präsidenten Jelzin am 8. Juli werde "ein starkes Signal der Ermutigung für
die demokratischen Reformkräfte in der gesamten ehemaligen Sowjetunion" aussenden, erklärte Baker.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Eingangserklärung des amerikanischen Außenministers im Wortlaut.

Zunächst möchte ich feststellen, daß ich von dem
morgigen Treffen mit Präsident Jelzin, dem ersten
demokratisch gewählten Präsidenten Rußlands, ein
starkes Signal der Ermutigung für die demokratischen
Reformkräfte in der gesamten ehemaligen Sowjetunion erwarte.
Präsident Jelzin unternimmt mutige Anstrengungen.
Die Geschichte wird vielleicht einmal urteilen, daß das
Entstehen der Demokratie in Rußland eines der größten Ereignisse unseres Zeitalters ist. In diesem Zusammenhang waren wir erfreut über die Vereinbarung
zwischen dem IWF und Rußland über eine erste
Kredittranche von 1 Milliarde Dollar.
Dies ist besonders wichtig, weil es den Weg für weitere
Mittel der Weltbank und eine, wie wir hoffen, großzügige Umschuldung des Pariser Clubs ebnet.
Neben makroökonomischen Fragen erörterten wir mit
Präsident Jelzin in Washington - und wir werden dies
auch hier in München ansprechen - die Notwendigkeit
rascher Fortschritte, um dort die Elemente einer PriAMERIKA DIENST 27

vatwirtschaft zu verankern. Aus diesem Grund ist
unsere technische Hilfe so bedeutsam, und deshalb
sind wir so sehr darum bestrebt, daß das Freedom
Support Act vom Kongreß verabschiedet wird.
Darüber hinaus möchte ich feststellen, daß wir die
Frage der Sicherheit von Kernkraftwerken äußerst
ernst nehmen. Die G-7 hat einen Aktionsplan entwikkelt, zu dem erhebliche bilaterale Hilfe der Vereinigten
Staaten und anderer gehört, um unmittelbaren Erfordernissen der Betriebssicherheit gerecht zu werden.
Wir haben uns darauf verständigt, unsere Bemühungen in diesem Bereich durch den G-24-Prozeß zu
koordinieren.
Zweitens haben die Staats- und Regierungschefs der
G-7 die sich abzeichnende wirtschaftliche Erholung
zur Kenntnis genommen, waren sich jedoch gleichzeitig darin einig, daß Wirtschaftswachstum zu wichtig ist,
um die ersten positiven Anzeichen bereits als selbstverständlich zu betrachten. Sie sind besorgt darüber,
daß zu viele Menschen noch Arbeit suchen. Wir sind

Seite 1

�erfreut über die Tatsache, daß in der vergangenen
Woche weitere positive Maßnahmen angekündigt
wurden. Insbesondere wird Japan noch dieses Jahr
wichtige haushaltspolitische Schritte zur konjunkturellen Belebung einleiten.

sens, wenn Polen wieder mit dem Internationalen
Währungsfonds ins Reine gekommen ist. Der Präsident ist entschlossen, sich weiterhin für den Erfolg von
Demokratie und freier Marktwirtschaft in Polen zu
engagieren.

Der neue am 1. Juli angekündigte Haushalt der Bundesrepublik Deutschland betont die Zurückhaltung bei
den Ausgaben, die den Weg für eine positivere Stimmung auf den Finanzmärkten ebnen sollte. Die italienische Regierung bemüht sich um ein neues Haushaltspaket, und unser Diskontsatz wurde gerade erst
auf 3 Prozent gesenkt.

Fünftens bringen wir unsere Ideen im Hinblick auf die
Uruguay-Runde vor, um zum Abschluß der Verhandlungen beizutragen. Und obwohl ich der Überzeugung
bin, daß wir seit dem vergangenen Jahr substantielle
Fortschritte erzielt haben, erweisen sich die letzten
Schritte häufig als die schwierigsten. Und meines
Erachtens ist es eine Tatsache, daß die Aufmerksamkeit in Europa seit dem dänischen Referendum zum
Abschluß der Vereinbarungen des Maastrichter Vertrags abgelenkt wurde. Wir hoffen, daß sich dies
ändert und wir weiter vorankommen.

Der Präsident erörterte darüber hinaus mit seinen
Amtskollegen die Bedeutung, die der amerikanischen
Fähigkeit zur mittel- und langfristigen Steigerung des
Wirtschaftswachstums zukommt. Er betonte seine
Programme im Bildungsbereich, zur Umschulung von
Arbeitnehmern sowie zur Schaffung eines konstruktiven Umfelds in unseren Städten durch Maßnahmen
zur Bekämpfung von Drogenmißbrauch und Verbrechen.
Der Präsident erläuterte, wie sich diese Elemente in
eine Strategie einfügen, die darauf gegründet ist, unsere
Gesellschaft verstärktem Wettbewerb und größerer
Wahlfreiheit zu öffnen, während sich staatliche Programme gleichzeitig darauf konzentrieren, den Menschen bei der Anpassung an Veränderungen zu helfen.
Drittens hatten wir hier in München mehrere Diskussionen über Jugoslawien. Wir haben die Notwendigkeit
betont, die humanitäre Reaktion auf die Tragödie in
Bosnien mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln
fortzusetzen. Wir haben über die Bedeutung von
Sofortmaßnahmen gesprochen, um die Ausbreitung
des Konflikts zu verhindern und Sanktionen durchzusetzen, damit Serbien erkennt, daß seine Aktionen
unannehmbar bleiben.
Darüber hinaus haben wir die Notwendigkeit eines
verantwortungsbewußten Handelns seitens Kroatiens
erörtert, wenn dieses Land in die internationale Staatengemeinschaft aufgenommen werden möchte.
Schließlich haben wir die Möglichkeit einer künftigen
umfassenderen internationalen Konferenz angesprochen, um ungelöste Fragen zu behandeln, die sich aus
der Jugoslawienkrise ergeben.
Viertens waren wir erfreut über die Unterstützung, die
dem von Präsident Bush aus Warschau mitgebrachten
Vorschlag entgegengebracht wurde, den polnischen
Stabilisierungsfonds für andere Reformmaßnahmen
verfügbar zu machen, beispielsweise eine Exportfinanzierungsfazilität und Unterstützung des Bankwe*

Seite 2

Sechstens haben wir unterstrichen, wie wichtig es ist,
die Integration der Entwicklungsländer in die Weltwirtschaft sicherzustellen. Unsere Betonung lag auf dem
Bereich Handel, obwohl wir auch die Rolle der Auslandshilfe berücksichtigen. Wir haben über die zur
Verschuldung ergriffenen Maßnahmen gesprochen
und insbesondere unseren beträchtlichen Schuldenerlaß gegenüber den weniger entwickelten Ländern
hervorgehoben.
Darüber hinaus haben wir das Augenmerk auf die
durch die Dürre im südlichen Afrika verursachten äußerst
gefährlichen Bedingungen gelenkt und die anderen
Länder aufgefordert, dem Hilfsappell der Vereinten
Nationen Folge zu leisten. Bis jetzt haben die Vereinigten Staaten die Hauptlast bei der Bewältigung dessen
getragen, was eine schreckliche humanitäre Tragödie
werden könnte.
Zusammenfassend möchte ich feststellen, daß erstens unsere Aktionen in Rußland und Polen unser
kontinuierliches Engagement zur Verbreitung und
Gewährleistung der Demokratie in Teilen der Welt
demonstrieren, wo wir es vor nur wenigen Jahren nicht
für möglich gehalten hätten.
Zweitens ist das Engagement des Präsidenten für
Wirtschaftswachstum im In- und Ausland von Bedeutung, weil es die Schaffung des Wohlstands zum Ziel
hat, den unser Volk benötigt. Und unsere Wirtschaft
funktioniert nur als Teil der globalen Wirtschaft.
Und drittens sind wir uns der Notwendigkeit kollektiver
Aktionen im ehemaligen Jugoslawien bewußt, um die
andauernden Gefahren für unschuldige Männer, Frauen und Kinder zu beseitigen. Natürlich müssen die
Europäer die größere Rolle spielen, aber wir können
als Katalysator wirken und lebenswichtige Unterstützung leisten, um eine effektive internationale Reaktion
sicherzustellen.

*

AMERIKA DIENST 27

�WELTWIRTSCHAFTSGIPFEL
8. Juli 1992

G-7 INTENSIVIEREN GESPRÄCHE
ZUR URUGUAY-RUNDE
Regierungsvertreter haben weiterhin Vorbehalte
MÜNCHEN - (AD) - Die Vertreter der führenden Industrienationen und ihre hochrangigen Berater haben
den Gesprächen in dem Versuch Auftrieb verliehen,
die andauernde Patt-Situation der Uruguay-Runde
über globale Handelsgespräche zu durchbrechen.

rangiger Vertreter der Vereinigten Staaten fest. "Wir
sind ziemlich optimistisch, daß mit politischem Willen
hier die Fortschritte erzielt werden können, die den
Weg zu einem Abkommen der Uruguay-Runde ebnen."

Vertreter der Vereinigten Staaten, Deutschlands und
der Europäischen Gemeinschaft erklärten am 6. Juli
1992 zu Beginn des 18. jährlichen Weltwirtschaftsgipfels der führenden Industrienationen gegenüber Journalisten, daß die Differenzen teilweise beigelegt worden und sie bereit seien, das Thema hier voranzubringen. Am 1. Juli übernahm Großbritannien den Vorsitz
des Europarats.

Andere Regierungsvertreter waren vorsichtiger - in
Erinnerung daran, daß die Bestrebungen bei den
letzten beiden Gipfeltreffen in Houston und London
nicht den erwarteten Abschluß der Uruguay-Runde
hervorgebracht hatten.

"Die verbleibenden Meinungsverschiedenheiten im
Agrarbereich sind relativ begrenzt und könnten überwunden werden", stellte ein hochrangiger britischer
Vertreter fest.
Regierungsvertretern zufolge bedeutet dies jedoch
nicht, daß es hier in München zu einem Abschluß
kommt, sondern vielmehr haben die politisch Verantwortlichen das Gefühl, das weltweite Handelsabkommen sei von solcher Bedeutung für das Weltwirtschaftswachstum, daß sie etwas unternehmen müssen, um die Verhandlungen wieder auf den Weg zu
einem eventuellen Abschluß zu einem späteren Zeitpunkt zu bringen.
Der amerikanische Finanzminister Nicholas Brady
erklärte in einer Pressekonferenz am Ende der Gespräche des ersten Tages, man habe die Handelsprobleme intensiv erörtert und es herrsche das Gefühl vor,
"den Worten müssen jetzt Taten folgen".
"In den Korridoren finden zahlreiche Gespräche statt",
fuhr Brady fort, räumte jedoch ein, er wäre überrascht,
wenn in den nächsten zwei oder drei Tagen spezifische Vereinbarungen getroffen würden.
"Unseres Erachtens stehen wir kurz vor einem Abkommen, obwohl zwischen den Vereinigten Staaten und
einigen ihrer Partner noch tiefgreifende Meinungsverschiedenheiten bestehen", stellte ein anderer hoch-

AMERIKA DIENST 27

"Es besteht immer Grund zur Hoffnung", erklärte Jacques Delors, der Präsident der EG-Kommission. "Aber
dies ist nicht der Ort für Verhandlungen."
Der amerikanische Außenminister James Baker stellte auf die Frage nach Fortschritten bei den globalen
Handelsgesprächen fest, diese seien "bescheiden"
gewesen. "Manchmal ist es schwierig, diese letzte
kleine Kluft zu überbrücken, und das ist es, was wir im
Augenblick versuchen", fügte ein anderer amerikanischer Regierungsvertreter hinzu. "Wir sind früher
enttäuscht worden, und deshalb möchte ich unsere
Erwartungen nicht zu hoch schrauben."
Entscheidend für diese Bestrebungen könnte ein Treffen zwischen Präsident Bush und Delors am 7. Juli
sein. Erwartungsgemäß nimmt daran auch Frans
Andriessen, der EG-Kommissar für auswärtige Angelegenheiten und Chefunterhändler der EG bei der
Uruguay-Runde teil.
"Offensichtlich ist das eine Gelegenheit für ziemlich
substantielle Diskussionen zwischen den Vereinigten
Staaten und den EG-Unterhändlern", stellte ein amerikanischer Regierungsvertreter fest.
Bush hat vor Beginn des Wirtschaftsgipfels mehrere
bilaterale Gespräche geführt, darunter ein Abendessen mit dem französischen Präsidenten Mitterrand.
Die Vereinigten Staaten und Frankreich hatten häufig
Kontroversen über Subventionen für die Landwirtschaft - das Thema, das für die derzeitige Patt-Situation der Uruguay-Runde verantwortlich ist.

Seite 1

�Einem amerikanischen Regierungsvertreter zufolge
haben die beiden Präsidenten die Uruguay-Runde
erörtert, und das Treffen sei generell "nützlich und die
Atmosphäre ... ziemlich gut gewesen".
Am 6. Juli traf Präsident Bush mit dem italienischen
Präsidenten Giulio Andreotti und später mit Bundeskanzler Kohl, dem Gastgeber des diesjährigen Gipfels
zusammen.
Außenminister Baker führte am 6. Juli Gespräche mit
seinem britischen Amtskollegen Douglas Hurd und mit
EG-Kommissar Andriessen.
Einem amerikanischen Regierungsvertreter zufolge
haben die Vereinigten Staaten bereits ein beträchtliches Maß an Flexibilität in Bereichen bewiesen, die für
die Europäische Gemeinschaft problematisch sind.
Er stellte fest, die Vereinigten Staaten warteten noch
immer auf eine Reaktion auf ihre am 28. Mai vorbrachten Ideen zu Fragen wie Verbesserung des Marktzugangs, Exportsubventionen und die sogenannte "Friedensklausel ", die sich mit Handelsbeziehungen befaßt
und einer Einigung bei der Uruguay-Runde folgen
würde.

Einzelheiten dieser Vorschläge wurden bisher nicht
veröffentlicht.
Er fuhr fort, eine Hauptsorge der EG seien Inlandssubventionen aufgrund der Notwendigkeit, einen Weg
zum Schutz der direkten Zahlungen an die Landwirte
zu finden, die ein Schlüsselelement der jüngsten Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik der EG sind.
"Wir haben unsere Bereitschaft erklärt, Wege der
Zusammenarbeit mit ihnen zu sondieren, mit denen
dieses spezielle Programm vor den Disziplinen der
Uruguay-Runde geschützt werden kann", stellte der
Regierungvertreter fest.
Zu der Friedensklausel erläuterte er: "Natürlich wollen
wir nicht ein Abkommen der Uruguay-Runde abschließen und uns dann sofort in eine Reihe von Handelskonflikten stürzen."
Er lehnte jedoch eine Stellungnahme dazu ab, was die
Vereinigten Staaten - wenn überhaupt - anbieten könnten,
um ihre Beschwerden gegenüber der Europäischen
Gemeinschaft im Handelsbereich abzubauen.

* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 27

�WELTWIRTSCHAFTSGIPFEL
8. Juli 1992

STAATS- UND REGIERUNGSCHEFS DER G-7
KÖNNTEN HILFE FÜR RUSSLAND BESCHLEUNIGEN
Offizielle Umschuldung geplant
MÜNCHEN - (AD) - Vertreter der wichtigsten Industriestaaten gehen davon aus, daß ein Abkommen zwischen
dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und Rußland den Weg für die Beschleunigung der westlichen Hilfe
für das Land bereiten wird.
Staatssekretär David Mulford vom US-Finanzministerium erklärte am 6. Juli 1992 vor Reportern in München, obwohl noch keine endgültige Entscheidung
gefallen sei, könne das Abkommen mit dem IWF zu
einer Umschuldung der russischen Auslandsschulden
führen.

Darüber hinaus erklärte Mulford, dies würde auch auf
die vor dem 1. Januar 1991 aufgelaufenen Schulden
zutreffen - also identisch mit dem gegenwärtigen
Schuldenerleichterungsabkommen sein, das die G-7
vergangenes Jahr mit der ehemaligen Sowjetunion
ausgearbeitet hat.

Die Hilfe für Rußland ist eines der Hauptthemen beim
diesjährigen Weltwirtschaftsgipfel, auf dem die Staatsund Regierungschefs der Vereinigten Staaten, Deutschlands, Japans, Frankreichs, Großbritanniens, Italiens
und Kanadas nach Wegen suchen, um den Reformprozeß in Rußland vor dem Scheitern zu bewahren.

IWF-Direktor Michel Camdessus, der gerade aus
Moskau eingetroffen war, informierte die Staats- und
Regierungschefs der G-7 am 6. Juli. Ohne unverzügliche Maßnahmen ist Rußland Camdessus zufolge mit
der Aussicht konfrontiert, daß steigende Preise und
wachsende Haushaltsdefizite die Fortschritte bedrohen, die das Land bereits erzielt hat.

Dieser Prozeß wurde am 5. Juli 1992 unterstützt, als
Rußland und der IWF Einigung über die erste Phase
von Wirtschaftsreformen erzielten. Die Vereinbarung
wird Rußland Zugang zu IWF-Krediten in Höhe von 1
Milliarde Dollar sowie nach Erarbeitung eines umfassenderen Abkommens mit dem Fonds die Aussicht auf
weitere Kredite verschaffen.
Mulford zufolge könnte diese Vereinbarung darüber
hinaus eine Beschleunigung der bilateralen Hilfe im
Rahmen des multilateralen Hilfspakets von 24 Milliarden Dollar zur Folge haben, das bereits für Rußland
ausgearbeitet wurde.
Er verwies darauf, daß von den 24 Milliarden Dollar 11
Milliarden in Form bilateraler Hilfe wie etwa Exportkredite und Nahrungsmittelkredite geleistet würden. Von
dieser Summe seien bereits rund 5 bis 6 Milliarden
Dollar ausgezahlt worden, erklärte Mulford.
Wenn es zu einer Umschuldung komme, so werde
diese "wahrscheinlich ziemlich gängigen Charakter
haben... was eine Streckung auf zehn Jahre mit einem
Zahlungsaufschub von vier oder fünf Jahren bedeuten
würde".

AMERIKA DIENST 27

Die neuen in drei Stufen zu verwirklichenden Verpflichtungen sollten verhindern, daß wachsender inflationärer Druck die Wirtschaftsreformen weiter aushöhlt.
Camdessus stellte fest, daß Rußland in den nächsten
Wochen seinen Wechselkurs weiter vereinheitlichen,
die Haushalts- und Geldpolitik straffen und seine Privatisierungsbemühungen fortsetzen werde.
In der zweiten Phase werde das Land seine haushaltsund währungspolitischen Reformen fortsetzen. Solche Reformen könnten durch eine weitere Aufstokkung von IWF-Mitteln unterstützt werden, erklärte
Camdessus. In der dritten Phase würde dann unter
der Voraussetzung, daß die währungs- und haushaltspolitischen Maßnahmen fest verankert sind, der Stabilisierungsfonds für den Rubel in Höhe von 6 Milliarden
Dollar freigegeben, so Camdessus.
Amerikanische Vertreter verwiesen darauf, daß sich
die sieben Staats- und Regierungschefs wahrscheinlich auf die Notwendigkeit koordinierter Maßnahmen
verständigen würden, um das Problem der Sicherheit
von Kernreaktoren sowjetischen Typs zu behandeln,

Seite 1

�die in Osteuropa, den baltischen Staaten, der Ukraine
und Rußland betrieben werden.
Die Vereinigten Staaten haben bereits etwa 40 Millionen Dollar in diesem Bereich zur Verfügung gestellt
und werden voraussichtlich in den kommenden zwei
Jahren insgesamt etwa 100 Millionen Dollar zusagen,
erklärte ein US-Vertreter. Darüber hinaus könnte im
gleichen Zeitraum die G-7-Hilfe insgesamt 450 Millionen Dollar erreichen, während die Länder, in denen
diese Reaktoren betrieben werden, weitere 200 Millionen Dollar beisteuern würden.
Der US-Vertreter verwies ferner darauf, daß weiterhin
Meinungsverschiedenheiten darüber bestehen, ob die
Hilfe bilateral oder multilateral sein und von internationalen Organisationen wie der in London ansässigen
Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung koordiniert werden sollte.
Darüber hinaus werde über ein umfassenderes langfristiges Programm zur Modernisierung alter oder zum
Bau neuer Kernkraftwerke diskutiert werden. Eine
Vereinbarung zu dieser Frage sei beim Gipfel jedoch
unwahrscheinlich.
Die Gespräche konzentrierten sich am ersten Tag des
Gipfels hauptsächlich auf Möglichkeiten zur Ankurbelung des weltweiten Wirtschaftswachstums. US-Finanzminister Nicholas Brady erklärte, das Schlußkommunique werde ziemlich eindeutig feststellen, daß
sich die Länder über die Bedeutung einig sind, die der
Ankurbelung des weltweiten Wirtschaftswachstums
zukommt.

Brady prognostizierte für die Vereinigten Staaten einen Anstieg um 2,5 bis 3 Prozent im Jahr 1992 - im 2.
Quartal möglicherweise etwas weniger als die 2,7
Prozent im ersten Quartal, während das Wachstum im
zweiten Halbjahr wieder stärker zunehmen werde.
Vor dem Treffen hatte Japan erklärt, es werde zusätzliche steuerliche Anreize in Erwägung ziehen während
die Bundesrepublik Deutschland weitere Maßnahmen
zum Abbau ihres Haushaltsdefizits zugesagt hatte.
Obwohl die Vereinigten Staaten gehofft hatten, Deutschland werde in naher Zukunft seine Zinssätze senken,
deutete Brady an, er sei bereit, die deutsche Haltung
zu akzeptieren. "Sie haben gesagt, wir (Deutschland)
werden die Staatsausgaben senken, den Anstieg auf
2,5 Prozent begrenzen", erklärte Brady. "Meines
Erachtens bedeutet dies, daß die für die Währung
Verantwortlichen an einem gewissen Punkt folgen und
die Zinssätze senken können."
In jedem Falle stellte Deutschland klar, daß keine
Pläne zu einer Zinssenkung in naher Zukunft bestünden. Ein deutscher Vertreter verwies in diesem Zusammenhang auf die Besorgnis über die Inflationsrate, die zur Zeit 4,6 Prozent betrage. Dies könne nicht
hingenommen werden, und die Bundesregierung unterstütze die Haltung der Bundesbank, derzufolge eine
Zinssenkung zum jetzigen Zeitpunkt nicht gerechtfertigt sei.
Mulford erklärte, das Thema Wechselkurse sei angesprochen worden, aber die jüngsten Bewegungen
beim Wert des Dollar stünden mit der Senkung der
Leitzinsen in den USA letzte Woche in Zusammenhang und seien "normal".

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 27

�USA-UNABHÄNGIGKEITSTAG
8. JulM992

BUSH: AMERIKANISCHE REVOLUTION
BEEINFLUSST DIE WELT WEITERHIN
Botschaft des Präsidenten zum Unabhängigkeitstag
WASHINGTON - (AD) - Die Ideen, die an diesem 4. Juli vor 216 Jahren von den Gründervätern Amerikas
niedergelegt wurden, haben "weiterhin tiefgreifende Auswirkungen auf die Welt", erklärte Präsident Bush in
seiner Ansprache im Weißen Haus zum Unabhängigkeitstag und fügte hinzu, die Vereinigten Staaten stünden
"als Modell für all die Menschen, die ein System der repräsentativen Demokratie und freien Marktwirtschaft
anstreben".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Botschaft des Präsidenten im Wortlaut.
Während wir Amerikaner diesen 216. Jahrestag der
Unabhängigkeit unserer Nation feiern, danken wir nicht
nur dem Vermächtnis der gesetzmäßig verankerten
Freiheit, sondern auch der kontinuierlichen Verbreitung demokratischer Ideale auf der Welt. Gesegnet
mit dem ungebrochenen Vermächtnis der Freiheit und
mit beispiellosem Frieden und Wohlstand stehen die
Vereinigten Staaten heute als Symbol für die Klugheit
ihrer Gründerväter - und als Modell für all die Menschen, die ein System der repräsentativen Demokratie
und freien Marktwirtschaft anstreben. Über 200 Jahre
nach der Unterzeichnung unserer Unabhängigkeitserklärung wissen wir, daß sich keine politische Überzeugung als richtiger oder mächtiger erwiesen hat als der
Glaube, "daß alle Menschen gleich geschaffen sind;
daß sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten ausgestattet sind; daß dazu Leben,
Freiheit und das Streben nach Glück gehören."
Bei dieser Gelegenheit gedenken wir jedoch auch der
Tatsache, daß die Freiheit und Sicherheit Amerikas
nicht immer als selbstverständlich angesehen wurden.
Als die Gründerväter unserer Nation einen "selbständigen und gleichberechtigten Rang" für dieses Land
anstrebten und die amerikanischen Kolonien zu freien
und unabhängigen Staaten erklärten, taten sie dies
ohne Erfolgsgarantie. Vor ihnen lag eine unsichere
Zukunft, und jeder war sich des großen Risikos bewußt, das er und seine Mitbürger mit der Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung eingingen. Heute
können wir uns das Gefühl der Beklommenheit vorstel-

len, das die Unterzeichner erfaßte, als sie ihr Leben, ihr
Vermögen und ihre heilige Ehre auf dieses Dokument
setzten.
Mit einer Hoffnung, die stärker als Furcht war und mit
einem Mut, der ihren großen Überzeugungen in nichts
nachstand, lösten unsere Vorfahren eine Revolution
der Ideen aus, die weiterhin tiefgreifende Auswirkungen auf die Welt hat. Der Unabhängigkeitstag ist daher
ein Zeitpunkt enormen Stolzes und der Inspiration für
alle Amerikaner.
In diesem Jahr haben wir zusätzlichen Grund zu feiern,
weil der Unabhängigkeitstag mit dem 500. Jahrestag
der ersten Reise von Christoph Kolumbus nach Amerikazusammenfällt. Auch die Fünfhundertjahrfeier der
Entdeckung Amerikas ruft uns den Mut vor dem Unbekannten ins Gedächtnis, und während wir auf die
Zukunft der Vereinigten Staaten blicken, sind wir ergriffen von dem Beispiel und den Leistungen der
zahlreichen Pioniere und Patrioten, die diesen Weg
vor uns gegangen sind. Die kontinuierliche Bewahrung unseres Friedens wird von uns nicht weniger
Arbeit und Entschlossenheit erfordern, und bei dieser
Gelegenheit möchte ich einen besonderen Gruß an
alle amerikanischen Soldaten auf der ganzen Welt
entbieten, die dazu beitragen, den Weg zu einer sichereren und friedlicheren Welt zu ebnen.
Barbara und ich möchten unseren Mitbürgern einen
friedlichen und vergnüglichen Unabhängigkeitstag
wünschen.

* * * * *

AMERIKA DIENST 27

Seite 1

�ABTREIBUNG
8. Juli 1992

OBERSTES BUNDESGERICHT BESTÄTIGT UND
BEGRENZT RECHT AUF SCHWANGERSCHAFTSABBRUCH
Recht auf Schwangerschaftsabbruch von Gesetzen der
Bundesstaaten abhängig
WASHINGTON - (AD) - Das Oberste Bundesgericht
hat am 29. Juni 1992 sein seit langem erwartetes Urteil
über das Recht auf Schwangerschaftsabbruch verkündet. Darin wird das Prinzip bekräftigt, daß die
Entscheidung über einen Schwangerschaftsabbruch
eher dem einzelnen als dem Staat zusteht, jedoch
unter Berücksichtigung der Vorschriften, die von jedem Bundesstaat im Rahmen seiner Pflicht zum Schutz
des gesellschaftlichen Interesses erlassen werden.
In dem mit 5 gegen 4 Stimmen gefällten Spruch
bestätigte der Oberste Gerichtshof das kontroverse
Urteil im Fall Roe./. Wade aus dem Jahr 1973, in dem
die Richter grundlegende Richtlinien aufstellten, denen die Bundesstaaten bei der Regelung des Rechts
auf Schwangerschaftsabbruch folgen mußten. Die
wichtigste dieser Regeln besagt, daß das Recht einer
Frau auf Schwangerschaftsabbruch in den ersten drei
Monaten der Schwangerschaft über jedes zwingende
gesellschaftliche Interesse des Staates hinausgeht
und es deshalb in den meisten Fällen außerhalb der
Macht des Staates liegt, ein Verbot auszusprechen.
Die Entscheidung vom 29. Juni bestätigte diese Haltung. Der Gerichtshof billigte jedoch den einzelnen
Bundesstaaten eine weitgefaßte Zuständigkeit zu, das
Recht auf Schwangerschaftsabbruch zu regeln - im
Gegensatz zu einem Verbot -, was zu erheblicher
Verwirrung bei der gesamten Kontroverse führen könnte,
da jeder Staat versuchen wird, das richterliche Mandat
nach eigenem Ermessen zu interpretieren.
Das Gericht bestätigte ein Gesetz des Staates Pennsylvania, das Schwangerschaftsabbrüche auch in den
ersten drei Monaten einschränkt. Zur Unterstützung
des Gesetzes von Pennsylvania wird in der richterlichen Entscheidung festgestellt, daß Gesetze oder
Verfügungen zur Frage des Schwangerschaftsabbruchs
in Zukunft genauester juristischer Prüfung unterzogen

AMERIKA DIENST 27

würden, wenn sie "die Entscheidung zum Schwangerschaftsabbruch erheblichen Einschränkungen" unterwerfen.
Das nahezu uneingeschränkte Recht auf Schwangerschaftsabbruch in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten wird deshalb der Interpretation unterer Instanzen bedürfen, um zu entscheiden, was der Oberste Gerichtshof mit Begriffen wie "erhebliche Einschränkungen" gemeint hat.
In seinem mit 5 gegen 4 Stimmen gefaßten Verdikt
machte das Oberste Bundesgericht fast das Urteil im
Fall Roe ./. Wade rückgängig. Der abweichende
Richter Antonin Scalia schrieb für sich, den Vorsitzenden Richter William Rehnquist und die Richter Byron
White und Clarence Thomas, daß "die Bundesstaaten,
wenn sie dies wünschen, den Schwangerschaftsabbruch auf Verlangen gestatten können, jedoch verpflichtet die Verfassung sie nicht dazu".
Die Richter Harry Blackmun und John Paul Stevens
stimmten dafür, im Einklang mit Roe ./. Wade das
Gesetz von Pennsylvania insgesamt zu verwerfen.
Das Urteil war letztlich ein von den Richtern Sandra
Day O'Connor, Anthony Kennedy und David Souter
zustandegebrachter Kompromiß. Sie erläuterten, daß
das Gesetz von Pennsylvania verfassungsgemäß sei,
auch wenn das Recht auf Schwangerschaftsabbruch
bestehen bleibt. "Obwohl Abtreibung ein Verhalten ist,
folgt daraus nicht, daß der Staat das Recht hat, sie
unter allen Umständen zu ächten," schrieben die drei
Richter in ihrem Votum.
Die drei gingen davon aus, daß die grundlegende
juristische Lehre die Achtung von Präzedenzfällen
erfordert - einschließlich Roe./. Wade. In einer öffentlichen Verhandlung erklärte Souter, daß "die Aufhebung von Roe ./. Wade die Legitimität des Gerichts
untergraben würde".
Seite 1

�Und da die dem Obersten Bundesgericht vorliegende
Frage das Ausmaß betraf, in dem das Recht auf
Schwangerschaftsabbruch verfassungsmäßig zulässig ist, war das Ergebnis der Abstimmung der kleinste
gemeinsame Nenner der Mehrheitsentscheidung. Das
bedeutet, daß O'Connor, Kennedy und Souter ihr
Votum mit dem von Blackmun und Stevens bündelten,
um eine Mehrheitsentscheidung herbeizuführen, die
das Grundrecht - jedoch kein absolutes Recht - auf
Schwangerschaftsabbruch bestätigt.
Der Supreme Court bestätigte äußerst kontroverse
Elemente des Gesetzes von Pennsylvania, darunter
die folgenden:
Der Staat kann verlangen, daß Frauen über
Alternativen zum Schwangerschaftsabbruch
sowie über die Entwicklung des Fötus informiert
werden.

Der Oberste Gerichtshof verwarf jedoch eine Bestimmung des Gesetzes, derzufolge Frauen verpflichtet
gewesen wären, ihre Ehemänner von dem Entschluß
zum Schwangerschaftsabbruch zu informieren.
Über den unmittelbaren Urteilsspruch hinaus waren
die Einzelheiten des Gesetzes von Pennsylvania nie
das wichtigste Anliegen in diesem Fall. Zur Debatte
stand vielmehr, ob das Oberste Bundesgericht das
uneingeschränkte Recht auf Abtreibung bestätigen
oder ob es den Bundesstaaten die Mittel geben würde,
um Schwangerschaftsabbrüche in den ersten drei
Monaten in irgendeiner Weise zu regeln. In diesem
Sinne betrachten die Gegner der Abtreibung die Entscheidung des Obersten Bundesgerichts als Sieg.
In New York begrüßte Präsident Bush in einer von
Pressesprecher Marlin Fitzwater verbreiteten Erklärung das Urteil.

Frauen können gezwungen werden, mindestens
einen Tag nach der Beratung zu warten, bevor
ihnen der Schwangerschaftsabbruch gestattet
wird.

"Ich begrüße die Entscheidung des Obersten Bundesgerichts, mit der die meisten der vernünftigen Einschränkungen des Rechts auf Schwangerschaftsabbruch durch den Staat Pennsylvania aufrechterhalten
werden", erklärte Bush. "Das Gesetz von PennsylvaVon Ärzten kann verlangt werden, vollständige nia unterstützt die Werte der Familie in einer AngeleUnterlagen über Schwangerschaftsabbrüche zur genheit, die vielleicht die schwierigste Frage ist, mit der
möglichen Veröffentlichung aufzubewahren.
eine Familie konfrontiert werden kann. Meine eigene
Position zum Schwangerschaftsabbruch ist wohlbeUnterhaltsberechtigten, unverheirateten Mädkannt und bleibt unverändert. Ich lehne Abtreibung in
chen unter 18 kann das Recht auf einen Schwanallen Fällen außer Vergewaltigung, Inzest oder Gefahr
gerschaftsabbruch ohne die Zustimmung eines
für das Leben der Mutter ab", stellte der Präsident fest.
Elternteils oder eines Richters verweigert werden, der entschieden hat, daß das Mädchen reif
genug ist, um selbst zu entscheiden.
* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 27

�ABTREIBUNG
8. Juli 1992

DIE ENTSCHEIDUNG DES OBERSTEN GERICHTSHOFS
ZUM RECHT AUF SCHWANGERSCHAFTSABBRUCH
Amerikanische Pressestimmen
WASHINGTON - (AD) - Zahlreiche amerikanische Zeitungen haben zur Entscheidung des Obersten Gerichtshofs zum Abtreibungsrecht vom 29. Juni 1992 Stellung genommen. Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge
aus einigen dieser Kommentare.
The Philadelphia Inquirer
Mit einer knappen Mehrheit hat das Oberste Bundesgericht klugerweise gegen die Aufhebung eines von
ihm erstmals vor 19 Jahren verkündeten verfassungsmäßigen Rechts entschieden: das Recht einer Frau
auf Abtreibung. Das hat bei zahlreichen Abtreibungsgegnern Stöhnen hervorgerufen. Mit mehr Stimmen
hat das Gericht jedoch auch die meisten Artikel eines
im Bundesstaat Pennsylvania gültigen Gesetzes bestätigt, die Schwangerschaftsabbrüche erschweren.
Also schäumen auch die Aktivisten auf der anderen
Seite.

war, jetzt aber ist). Richter Harry Blackmun, Verfasser
von Roe, würdigte Richterin O'Connor und ihre Koautoren - die Richter Anthony Kennedy und David Souter
- für die gestrige Begründung, der sich er und Richter
John Paul Stevens anschlössen. Ebenso wie für uns
und zahlreiche andere Befürworter von Roe ist für ihn
sehr viel beunruhigender als die Schwächung des
Rechtes einer Frau auf Schwangerschaftsabbruch in
dieser Begründung die Tatsache, daß vier der neun
Mitglieder des Obersten Gerichtshofs gestern erklärten, sie würden Roe nicht revidieren: Sie würden
diesen Beschluß zu Fall bringen.
The New York Times

Als traditionelle Befürworter des Rechts auf Abtreibung und Kritiker der lästigen Einschränkungen auf
Bundesstaatenebene sind wir dennoch der Auffassung, daß es eine gute Entscheidung war - und bewundern die aufrichtige Denkweise, die darin Eingang
gefunden hat. Die Mehrheit lie ß keinen Zweifel an ihrer
Überzeugung, daß Schwangerschaftsabbruch ein
Grundrecht ist - und bleiben sollte. Dies ist der Kern
der Entscheidung, und das ist überraschend. Sie hing
von den drei von Ronald Reagan und George Bush
ernannten Richtern ab. Und weil diese drei Richter
gemeinsam unterstrichen, wie unklug es sei, in den
von Roe ./. Wade geschaffenen Präzedenzfall einzugreifen - wie Richter David Souter gestern vom Richtersitz aus betonte - kann dieser Eckpfeiler des Beschlusses mit der Zeit nur stärker werden.
The Baltimore Sun
Diese Entscheidung war unvermeidlich. Richterin
Sandra O'Connor, eine der Verfasserinnen der Begründung, hat seit zehn Jahren eine Analyse der
ungebührlichen Belastung so überzeugend befürwortet, daß einige Richter bei niedrigeren Instanzen dies
als geltendes Recht angenommen haben (was es nicht

AMERIKA DIENST 27

Das Oberste Bundesgericht hat gestern die Freiheit für
amerikanische Frauen - und wegen dreier Moderator,
die Ehre für sich selbst - bewahrt.
Seine Entscheidung zur Abtreibung hat den gestrigen
Tag nicht zu einem Glückstag gemacht. Die Entscheidung wird es den Bundesstaaten gestatten, insbesondere armen Frauen neue Lasten aufzuerlegen. Der
Gerichtshof ist weiterhin so gespalten, daß das Abtreibungsrecht jetzt voll und ganz von dem nächsten
Richter abhängen wird. Aber selbst wenn - durch die
Bestätigung des Falles Roe ./. Wade, der Entscheidung, die das Recht einer Frau auf die Kontrolle des
Schicksals ihrer Reproduktion anerkannte - hat das
gegenwärtige Oberste Bundesgericht einigermaßen
vernünftig entschieden.
USA Today
Weder ein totaler Sieg, noch eine totale Niederlage für
keine Seite. So wird dieser erbitterte alte Kampf
darum, wann eine Frau den Abbruch ihrer Schwangerschaft beschließen kann, auf die Bundesstaaten verlagert.

Seite 1

�Sie wären klug beraten, Roe./. Wade aufrechtzuerhalten und nicht weiter auszuhöhlen, trotz der Einladung
des Obersten Gerichtshofes, daran herumzubasteln.
Das Oberste Bundesgericht hat das Gesetz des Bundesstaates Pennsylvania gebilligt, das forciert, daß
Frauen vor einer Abtreibung über Alternativen unterrichtet werden und 24 Stunden warten sollen, Minderjährige die Erlaubnis ihrer Eltern oder eines Richters
einholen müssen und Kliniken detaillierte Aufstellungen über jeden Schwangerschaftsabbruch, wenn auch
ohne die Namen der Patienten, führen müssen.
All diese Verfügungen sind eine gefährliche Invasion,
die Mißbrauch Tür und Tor öffnet. Die Geschichte
lehrt, daß mindestens einige Staaten von ihrer neuen
Macht zur Bestrafung Gebrauch machen werden oder versuchen, Abtreibung zu verbieten.
The Washington Times
Der zweifelhafte Eingriff, der den Weg ebnet, den
Willen des Volkes derartig zu unterlaufen - nämlich,
daß die Möglichkeit der Abtreibung sich aus dem vom
Obersten Bundesgericht in anderen Fällen formulierten Recht auf Schutz der Intimsphäre ableitet - ist nach
wie vor so ungeprüft und unhaltbar wie als der Oberste
Gerichtshof im Fall Roe das Urteil fällte und die Gesetze der Bundesstaaten zur Abtreibung im Jahr 1973
völlig entkernte. Die Formulierung von O'Connor,
Kennedy und Souter über "eine Begrenzung der Fehlerquote, die glaubhaft früheren Gerichtsentscheidungen zugeschrieben werden kann", ist aufschlußreich.
Sie scheint die Unterscheidung zwischen der tatsächlichen Menge an Fehlern, die das Gericht gemacht hat,
*

Seite 2

und der Fehlerquote vorherzusehen, die ein Gericht
zugestehen kann. Worin besteht dieser Unterschied?
Zweifelsohne werden Versuche der Bundesstaaten
zur Verabschiedung von Abtreibungsgesetzen jetzt
und in Zukunft zahlreiche Möglichkeiten für die solipsistischen, wenn nicht sogar Salomonischen Gedankengänge des Obersten Bundesgerichts zu diesem
Thema bieten.
The Washington Post
Jetzt ist klar, daß es eine mächtige Mitte im Obersten
Bundesgericht gibt, die Präzendenzfälle und soziale
Stabilität zu schätzen weiß. Einerseits sind die Richer
Blackmun und Stevens nicht die stärksten Anhänger
von Roe. Andererseits würden der Gerichtspräsident
und die Richter White, Scalia und Thomas diese
Entscheidung zu Fall bringen und alle Bestimmungen
den Bundesstaaten überlassen. Aber die abschließende Begründung wurde von den Richtern O'Connor,
Kennedy und Souter verfaßt, die über die Verdienste
dieses Falls hinausgingen, um die Bedeutung zukünftiger Präzedenzfälle zu bekräftigen, die Stabilität sicherzustellen und die Achtung vor dem Rechtssystem
zu bewahren. Diese Richter verwiesen auch auf
gesellschaftliche Veränderungen seit 1973 - insbesondere im Hinblick auf den Eintritt der Frauen ins Berufsleben - die ernsthafte Rückschläge erleiden könnten,
wenn das Recht auf Abtreibung nicht geschützt würde.
Unabhängig von ihrer persönlichen Einstellung zur
Abtreibung stimmen sie zu, daß es ihre Pflicht als
Richter ist, "die Freiheit aller zu definieren, nicht ihren
eigenen Moralkodex zwingend vorzuschreiben."

*

AMERIKA DIENST 27

�W A H L E N '9 2
8. Juli 1992

NATIONALE POLITISCHE KONVENTE
von Marc Leepson
Vom 13.-17. Juli 1992 werden die Demokraten ihren Wahlparteitag (Konvent) in New York veranstalten, während
der Wahlparteitag der Republikaner vom 17. - 20. August 1992 in Houston (Texas) stattfinden wird. In dem
nachfolgenden Artikel erläutert der Verfasser die Geschichte und heutige Rolle der nationalen politischen
Konvente, auf denen Demokraten und Republikaner ihre Kandidaten für die Ämter von Präsident und
Vizepräsident nominieren, die Wahlkampfplattform verabschieden und die internen Richtlinien für die nächsten
vier Jahre festlegen.
Der Autor lebt in Washington und ist als freier Schriftsteller tätig. Er war Mitarbeiter bei Editorlal Research
Reports der Zeitschrift Congressional Quarterly sowie Kolumnist und Mitherausgeber des Magazins American Politics.
Den Höhepunkt der alle vier Jahre stattfindenden
Wahlkämpfe um die Nominierung der Präsidentschaftskandidaten bilden jeweils die nationalen Wahlparteitage der beiden großen Parteien. Diese lebhaften Versammlungen wählen die Kandidaten für die Ämter von
Präsidenl und Vizepräsident und verabschieden darüber hinaus die Wahlkampfplattformen ihrer Parteien.
Die Konvente werden im Sommer von Wahljahren,
mehrere Monate vor den eigentlichen Präsidentschaftswahlen im November veranstaltet. Im Jahr 1992 wird
der nationale Konvent der Demokraten vom 13.-16.
Juli 1992 im New Yorker Madison Square Garden
stattfinden, wo schon in den Jahren 1976 und 1980
demokratische Wahlparteitage abgehalten wurden.
Der nationale Konvent der Republikaner wird vom 17.
- 20. August 1992 im berühmten Astrodome von Houston
stattfinden, jener gigantischen. Sporthalle in George
Bushs Wahlheimat Texas.
Die 'grelle Show'
Der amerikanische Journalist und Satiriker H. L. Mencken
(1880-1956) nannte sie einmal "so faszinierend wie
eine Erweckungsversammlung oder eine Hinrichtung...
eine so grelle und ausgelassene, so melodramatische
und obszöne, so unvorstellbar amüsante und absurde
Show, daß man ein ganzes großartiges Jahr in einer
einzigen Stunde durchlebt.*' Der britische Historiker
und Beobachter der amerikanischen Politszene, Sir
Denis William Brogan, bezeichnete sie als "unvollkommenes Organ der repräsentativen Regierung", das
trotzdem "ein unerläßlicher Teil des amerikanischen
Systems ist", der "weit mehr gute als schlechte Dienste
geleistet hat".
AMERIKA DIENST 27

Menckens "grelle Show" und Brogans "unvollkommenes Organ" ist seit 160 Jahren eine amerikanische
politische Institution. Es sind die alle vier Jahre stattfindenden nationalen politischen Konvente, auf denen
die beiden großen dominierenden Parteien der Vereinigten Staaten, Demokraten und Republikaner, ihre
Kandidaten für die Ämter von Präsident und Vizepräsident nominieren, ihre nationalen Wahlkampfplattformen verabschieden und die Richtlinien festlegen, die
für den Umgang innerhalb der Partei in den nächsten
vier Jahren gelten sollen.
Die amerikanische Verfassung enthält keinerlei Hinweis auf die nationalen politischen Konvente. Auch der
amerikanische Kongreß hat niemals ein Gesetz verabschiedet, um solche Institutionen ins Leben zu rufen.
Der nationale politische Konvent ergab sich aus dem
Prozeß zur Nominierung von Präsidentschaftskandidaten. Der nationale Konvent entstand im Jahr 1831
als die Anti-Masonic Party (wörtlich: Anti-FreimaurerPartei, Anm. d. Red.), eine kurzlebige kleine Partei, die
sich gegen die Eliten wandte, in Baltimore (Maryland)
den ersten Konvent veranstaltete. Im nächsten Jahr
hielt die Demokratische Partei - die im Jahr 1792
gegründet und in den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts umbenannt wurde - ebenfalls in Baltimore
ihren ersten nationalen Konvent ab.
Bei diesem ersten Wahlparteitag einer großen Partei
nominierten die Demokraten mit einer Zwei-DrittelMehrheit der Delegierten Andrew Jackson aus Tennessee als ihren Präsidentschaftskandidaten sowie
Martin Van Buren aus New York als ihren Kandidaten
für das Amt des Vizepräsidenten. Der erste nationale
Seite I

�Konvent der Republikanischen Partei fand erst im Jahr
1856 in Philadelphia statt - zwei Jahre nachdem die
Partei von einer Gruppe ehemaliger Demokraten und
Whigs gegründet wurde. Dabei wurden John C. Freroorrf aus Kalifornien für das Amt des Präsidenten und
William I... Dayton aus New Jersey für das Amt des
Vizepräsidenten nominiert.
Die frühen Konvente
Diese frühen Versammlungen waren relativ kleine
Veranstaltungen. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts
zoqen die nationalen Konvente lediglich wenige hundert Delegierte und sehr wenige Zuschauer an. So
nahmen an dem ersten Nominierungskonvent der
Anti-Fieimauier-Partei nur 116 Delegierte aus 13
Bundesstaaten teil. Die Delegierten der frühen Konvente wurden auf unterschiedliche, zumeist informelle
Art und Weise bestimmt. In vielen Fällen wählten die
Parteibosse schlicht vertrauenswürdige Parteimitglieder als Delegierte aus. Einige Staaten entsandten eine
große Zahl Delegierter, die eine wesentlich geringere
Zahl von Stimmen abgaben. Andere Staaten entsandten einen oder zwei Delegierte, die 10, 15 oder noch
mehr Stimmen abgaben. Die Zahl der Stimmen jedes
Staates wurde nach dessen Stärke im Wahlmännergremium festgelegt (der Anzahl von Senatoren und
Abgeordneten dieses Staates im Kongreß).
Der zufällige Charakter der Delegiertenauswahl führte
häufig zu hitzigen Debatten über die Vollmachten der
Delegierten, Parteiplattformen und die Nominierungen
selbst. Regelmäßig kam es zu bitteren Auseinandersetzungen über die Vollmachten der Delegierten. Zu
den umstrittensten zählte ein Kampf, der während des
Konvents der Demokraten im Jahr 1860 ausbrach, als
mehrere Dutzend Delegierte aus Protest gegen die
Ablehnung der Sklaverei den Saal verließen. Eine
Auseinandersetzung ergab sich, als die Delegierten
später versuchten, sich erneut der Versammlung
anzuschließen. Beim republikanischen Wahlparteitag
des Jahres 1912 fand ein wütender Streit über die
Vollmachten von Delegierten statt, die den amtierenden Präsidenten William Howard Taft und den ehemaligen Präsidenten Theodore Roosevelt unterstützten.
Denkwürdige Auseinandersetzungen über Punkte der
Wahlkampfplattform fanden auf zahlreichen Konvenion statt, darunter die knappe Annahme einer energischeren Haltung zu den Bürgerrechten beim demokratischen Konvent von 1948. Viele von Streit erfüllte,
zeitraubende Nominierungsschlachten wurden auf
Konventen ausgefochten. Beim nationalen republikanischen Konvent von 1880 etwa waren 36 Wahlgänge
erforderlich, um James A. Garfield zum Präsidentschaftskandidaten der Partei zu küren. Im Jahr 1924
waren die Demokraten bis zum 103. Wahlgang nicht in
der Lage, einen Präsidentschaftskandidaten zu nominieren, als sie sich schließlich für John W. Davis als
ihren Fahnenträger entschieden.

Seite 2

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die Auswahl
der Delegierten schrittweise strengeren Kriterien unterworfen, was auf die Einführung der Präsidentschaftsvorwahlen zurückzuführen ist. Die erste Vorwahl fand
im Jahr 1904 in Florida statt. Acht Jahre später führten
12 weitere Staaten die Vorwahl ein, in der Delegierte
direkt von den Wählern im gesamten Bundesstaat
gewählt werden. Zunächst wurde in den Vorwahlen
lediglich ein Bruchteil der Delegierten des Bundesstaates gewählt, während die restlichen Delegierten
von der Parteiführung des Bundesstaates bestimmt
wurden. Heute jedoch werden praktisch alle Delegierten für die nationalen Konvente bei Vorwahlen sowie
bei Parteiversammlungen in den Bundesstaaten ausgewählt, bei denen führende Parteimitglieder auf
Gemeinde- und Bundesstaatsebene zusammentreten
und beschließen, wer sie bei den nationalen Konventen vertreten wird.
Der letzte Konvent, auf dem öffentlich ausgetragene
bittere Auseinandersetzungen über Vollmachten, Regeln
und Plattformen stattfanden, war der tumultartige
nationale Wahlparteitag der Demokraten in Chicago
im Jahr 1968 - ein Konvent, bei dem weniger als die
Hälfte der Delegierten in Vorwahlen gewählt und lediglich rund ein Drittel der Delegierten auf einzelne Kandidaten festgelegt waren. Der auf dem Höhepunkt der
nationalen Debatte über den Vietnamkrieg abgehaltene Konvent entwickelte sich "zu einem der ungewöhnlichsten Wahlparteitage in der politischen Geschichte
Amerikas", schrieb Theodore White in The Making ot
the President, 1968. Der Konvent wurde von emotionalen, bitteren Debatten über Delegierte, Verfahrensregeln und vor allem die Position der Wahlkampfplattform zum Vietnamkrieg erschüttert. Ein von Senator
Eugene McCarty unterstützter Minderheitsantrag, der
eine unverzügliche Einstellung der Kampfhandlungen
forderte, wurde mit knapper Mehrheit abgelehnt. Das
Chaos beim Konvent selbst wurde auf den Straßen
von Chicago noch übertroffen, wo sich AntikriegsDemonstranten blutige Straßenschlachten mit der Polizei
lieferten.
Die Konvente von heute
Seit 1968 wurden die nationalen politischen Konvente
sowohl größer als auch von der nationalen Parteiführung strenger an die Zügel genommen. Die Zahl der
Delegierten geht mittlerweile in die Tausende - so
waren beim demokratischen Konvent des Jahres 1988
über 4.100 Delegierte anwesend, während es bei den
Republikanern 2.300 waren. Die schärfere Kontrolle
durch die Parteiführung bedeutete, daß entzweiende
öffentliche Auseinandersetzungen über Plattformen,
Vollmachten und sogar die Kandidaten selbst praktisch beseitigt wurden.
In den vergangenen 20 Jahren hat ein "fundamentaler
Wandel im Charakter des nationalen politischen Konvents" stattgefunden, erklärte Rhodes Cook, ein leitender Mitarbeiter des Congresslonal Quarterly, der als
AMERIKA DIENST 27

�{Berichterstatter an jedem nationalen Konvent seit 1976
teilgenommen hat. Konvente "waren einmal der Ort,
an dem über Nominierungen wirklich entschieden wurde",
stellte Cook fest, weil sie praktisch die einzigen Orte
waren, an denen die nationalen Parteiführer "zusammentrafen oder miteinander als Gruppe kommunizierten". Die Konvente waren ihm zufolge "nationale
Versammlungen, auf denen die Parteien über jeden
Kandidaten und ihre Positionen zu Fragen der Tagespolitik gründlich diskutierten".
Heute ist die Situation jedoch ganz anders. "Praktisch
alle diese Bereiche - die Nominierung, die Plattform,
die Richtlinien, die Vollmachten - die bei den Konventen alten Stils fast unweigerlich Potential für Konflikt
und Wettbewerb bargen, werden heute vorher geregelt", erklärte Cook. Heute bildet der nationale politische Konvent "den Höhepunkt des Nominierungsprozesses. Es ist ein Übergang vom Nominierungsprozeß zum allgemeinen Wahlkampf, weil die Vorwahlen
und Wahlversammlungen im allgemeinen die Delegierten zur Stimmabgabe für den Kandidaten verpflichten, der die Vorwahl gewinnt oder bei der Wahlversammlung die meisten Stimmen auf sich vereinigt."
In Anbetracht der rund 40 Präsidentschaftsvorwahlen
heute stellt Cook fest: "Wenn sie gewinnen wollen,
müssen sich die Kandidaten praktisch in allen Wahlen
stellen. Die Entscheidung wird fast unweigerlich bei
den Vorwahlen getroffen. Der Parteikonvent ist heute
also vielmehr ein Ratifizierungsprozeß dessen, was
zuvor in den Vorwahlen und Wahlversammlungen
stattgefunden hat, als eine Entscheidung."
Die letzte große umstrittene Nominierungsschlacht
fand 1976 statt, als der amtierende Präsident Gerald
Ford die Nominierung der Republikanischen Partei
knapp gegen seinen Rivalen Ronald Reagan gewann.
Aber vier Jahre später, 1980, nominierten die Republikaner Reagan, der dann für zwei Amtsperioden gewählt wurde. Der Kampf zwischen Ford und Reagan
im Jahr 1976 war, so Cook, eher die Ausnahme denn
die Regel dessen, was wir im letzten Vierteljahrhundert
beobachtet haben."
Die einzelnen Tage der Parteikonvente
Trotz der Tatsache, daß die Parteikonvente sehr viel
besser organisiert sind als in der Vergangenheit und
stärker kontrolliert werden, um peinliche Auseinandersetzungen im Saal zu vermeiden, erscheinen sie dennoch
manchmal chaotisch und wie ein Zirkus. Ein Grund
dafür ist die Größe des Spektakels. Die riesigen
Hallen, in denen die Parteikonvente stattfinden, wimmeln von Zehntausenden Delegierten, Parteifunktionären, Journalisten und Beobachtern. Die Säle sind
mit zahlreichen amerikanischen Fähnchen, rot-weißblauen Flaggen, Wahlkampfpostern, Bannern und
Wimpeln geschmückt. Es werden unzählige Reden
gehalten, und es finden lärmende Sympathiekundgebungen für die Kandidaten statt. Der ganze Rummel

AMERIKA DIENST 27

vollzieht sich unter dem wachsamen Auge der nationalen Massenmedien.
Wie verwirrend ist der Parteikonvent selbst? Der
Historiker Daniel Boorstin bot in seinem 1962 verfaßten Buch The Image eine Darstellung aus erster Hand
von der "Enttäuschung", die er bei seinem ersten
nationalen Parteitag empfand, der Zusammenkunft
der Demokratischen Partei im International Amphitheatre von Chicago. "Wir fühlten uns verwirrt durch
die Ereignisse, die in den Sälen stattfanden", stellt
Boorstin fest, der mit seinen drei jungen Söhnen an
dem Parteikonvent teilnahm. "Zusammen mit den
anderen 'wirklichen Zuschauern' verbrachten wir unsere Zeit vor den Fernsehmonitoren, die das Veranstaltungskomitee dort wohlüberlegt aufgestellt hatte.
Diese Fernsehapparate zeigten uns genau dieselben
Bilder, die wir in unserem Wohnzimmer gesehen hätten. Die unglücklichen Delegierten unten im Saal ...
müssen ohne die Hilfe der Fernsehmonitore konfuser
als wir über das gewesen sein, was vor sich ging."
Der erste Tag des Konvents besteht aus dem am
wenigsten verwirrenden Ereignis - der programmatischen Rede - die für gewöhnlich vom besten Redner
der Partei gehalten wird. Diese Rede soll die Parteimitglieder in eine kämpferische Stimmung für die bevorstehende Wahl bringen. Der Hauptredner rühmt darin
die Verdienste seiner Partei und und attackiert die
Opposition mit flammenden Tiraden.
Am zweiten Tag des Parteikonvents nimmt der Vollmachtenprüfungsausschuß die Arbeit auf und entscheidet über die Delegierten, denen ein Sitz zugeteilt
wird und die abstimmen dürfen. An diesem Tag
verabschiedet der Konvent auch seine Plattform, in
der im Detail die Haltung der Partei zu allen wichtigen
innen- und außenpolitischen Fragen dargelegt wird.
Seit der peinlichen öffentlichen Auseinandersetzung
über die Plattform der Demokraten bei ihrem Parteikonvent im Jahr 1968 werden heute die meisten Themen der Wahlplattformen der Demokratischen und der
Republikanischen Partei Wochen vor Beginn der
Konvente ausgearbeitet.
Am dritten Tag des Konvents beginnen die Delegierten
mit der eigentlichen Nominierung der Kandidaten. Der
Gewinner muß eine einfache Stimmenmehrheit auf
sich vereinigen. Das Verfahren beginnt, wenn der
Vorsitzende die namentliche Abstimmung aller Delegationen in alphabetischer Reihenfolge von Alabama
bis Wyoming ankündigt. Der Vorsitzende der jeweiligen Delegation nominiert wiederum einen Kandidaten
oder überläßt es einem anderen Staat, die Nominierung vorzunehmen. Die Nominierungen beginnen mit
äußerst ethusiastischen Lobreden auf den Kandidaten
in den schillernsten Farben. Die Nominierungsansprachen werden von lautstarken Kundgebungen gefolgt,
die nichts oder nur wenig dazu beitragen, die Stimmabgabe der Gegner zu beeinflussen.

Seite 3

�Die Kandidaten selbst glänzen durch Abwesenheit.
Aber in diesem Zeitalter der direkten Kommunikation
stehen die Kandidaten und ihre Gegner in engem
Kontakt zu ihren Verbündeten im Saal. Vor dem
Medienzeitalter erschienen die Kandidaten nicht einmal bei den Parteikonventen. Der Sieger konnte seine
Nominierung bei einer Zeremonie annehmen, die für
gewöhnlich Wochen nach dem Ende des Konvents
abgehalten wurde. Der erste Kandidat, der einem
Parteikonvent seine Zustimmung übermittelte, war
Franklin D. Roosevelt, der die Annahme beim Demokratischen Nationalen Parteikonvent im Jahr 1932
persönlich bekanntgab - acht Jahre nach der ersten
Radioübertragung eines Parteikonvents.

Eine weitere kontroverse Entscheidung für den Vizepräsidenten war, als der amtierende Präsident Franklin D. Roosevelt Senator Harry S. Truman aus Missouri beim Demokratischen Nationalen Parteikonvent 1944
zu seinem Vizepräsidentschaftskandidaten wählte. Die
Entscheidung paßte vielen Vorsitzenden der Demokratischen Partei nicht. Zum einen hatte Roosevelt
bereits einen Vizepräsidenten - Henry A. Wallace - der
Anhänger in der Partei hatte. Zum anderen wurde
Truman allgemein als Unbekannter mit wenig innenpolitischer Erfahrung angesehen. Darüber hinaus wußte
Präsident Roosevelt um seine schwere Erkrankung
und die Wahrscheinlichkeit, daß der von ihm gewählte
Vizepräsident bald Präsident würde.

Fernsehübertragungen begannen 1940. Seit dieser
Zeit endete jeder Parteikonvent mit der Zustimmungsrede des Vizepräsidentschafts- und Präsidentschaftskandidaten. Nach den erforderlichen lautstarken Beifallskundgebungen aus dem Saal stellen sich die erfolglosen Kandidaten, ihre Familienangehörigen und
die Parteivorsitzenden für gewöhnlich zu den Nominierten und deren Familien auf dem Podium in einer
laiidesweit übertragenen Show, bei der die Einheit der
Partei demonstriert wird.

Roosevelt entschied sich fürTruman am Tag nachdem
er für eine nie dagewesene vierte Amtszeit nominiert
wurde. Truman und die Parteivorsitzenden erfuhren
von der Neuigkeit in dem sprichwörtlichen verrauchten
Hinterzimmer - in diesem Fall Suite 506 im Blackstone
Hotel von Chicago. "Der Raum war überfüllt. Jeder
verdammte politische Chef des Landes war da... und
ein halbes Dutzend Gouverneure. Und alle sagten:
"Harry, wir wollen, daß Du Vizepräsident wirst", erklärte Truman der mündlich überlieferten Geschichte Piain
Speaking von Merle Miller zufolge. Truman lehnte ab,
änderte jedoch seine Meinung, nachdem Präsident
Roosevelt aus San Diego im Hotel angerufen hatte.

Der Vizepräsident
Der Kandidat für die Vizepräsidentschaft wird nicht von
den Delegierten des Parteikonvents gewählt. Das ist
die Aufgabe des neu ernannten Präsidentschaftskandidaten, der seinen Kandidaten für die Vizepräsidentschaft am vierten und letzten Tag des Konvents wählt.
Die Entscheidung für den Vizepräsidentschaftskandidaten wird für gewöhnlich getroffen, um die unterschiedlichen Fraktionen der Partei zu vereinigen und
die Wahlliste des Präsidenten geographisch auszugleichen. Gelegentlich - wie es 1988 der Fall war, als
George Bush Senator Dan Quayle aus Indiana wählte
- ist die Entscheidung des Präsidenten umstritten.

"Sagen Sie ihm, wenn er die Demokratische Partei
mitten im Krieg (dem Zweiten Weltkrieg) spalten und
vielleicht diesen Krieg verlieren will, ist dies seine
Sache", zitierte Truman Roosevefts Telephongespräch
Bob Hannegan gegenüber, dem Vorsitzenden des
nationalen Komitees der Demokraten.
"Nun, ich bin ungefähr fünf Minuten herumgegangen",
erinnerte sich Truman, um eine Entscheidung zu treffen. "Schließlich sagte ich, 'In Ordnung Bob, wenn es
das ist, was der alte Mann wünscht, werde ich es tun.'"

* * * *

Seite 4

*

AMERIKA DIENST 27

�PORTRAT
8. Juli 1992

THORNBURGHS ERSTE HERAUSFORDERUNG
BEI DER UNO - DER ETAT
Porträt des neuen Stellvertretenden Generalsekretärs
VEREINTE NATIONEN - (AD) - Der Stellvertretende
Generalsekretär der Vereinten Nationen, Dick Thornburgh, berußt die Herausforderungen der neuen Position, bei der er letztlich für den Ausgleich des Hauhalts
der Vereinten Nationen verantwortlich ist.
Der ehemalige amerikanische Justizminister, der sein
Amt als Stellvertretender Generalsekretär der Vereinten Nationen für Verwaltung und Management am 1.
März 1992 angetreten hat, sieht seine Tätigkeit als
einen wichtigen Bildungsprozeß, der gleichzeitig
"besonderes Einfühlungsvermögen verlangt, um den
Blickwinkel der Menschen zu verstehen, die aus unterschiedlichen Kulturen und Regierungsformen hierherkommen".
Thomburgh bringt zu den Vereinten Nationen das
Finanzwissen mit, das er während zweier Amtsperioden als Gouverneur von Pennsylvania erwarb, wo er
für seine Kontrolle des Haushalts und Diversifikation
der Volkswirtschaft des Bundesstaates gelobt wurde.
Als Leiter der kürzlich neu organisierten Verwaltungsabteilung der Vereinten Nationen umriß er drei Ziele:
Bewältigung der Außenstände, Deckung der Kosten
für laufende Operationen auf einer realistischen Grundlage und Schaffung größerer Stabilität für die Zukunft.
In einem vor kurzem gegebenen Interview erklärte
Thornburgh ferner, er werde "alles Erforderliche" tun,
um die Zustimmung zu den Initiativen von Generalsekretär Boutros-Ghali zu gewinnen und nicht davor
zurückschrecken, den Finanzausschuß der Generalversammlung in seinen Räumen aufzusuchen, um
sich die Unterstützung der Diplomaten zu sichern. "Die
Delegationen spielen bei der Verteilung der Mittel
dieser Organisation eine äußerst wichtige Rolle", stellte er fest.
In den vier Monaten seit Aufnahme seiner jetzigen
Tätigkeit hat Thornburgh versucht, "alle möglichen
Lobbyisten" zu treffen, einschließlich Botschaftern und
Delegierten, Vertretern der UNO-Ausschüsse, Mitarbeitern der Vereinten Nationen sowie der UNO-Büros
in Genf und Wien sowie "zahlreiche ehemalige Kollegen und Freunde in der US-Regierung".
AMERIKA DIENST 27

Thornburgh, 59, hat sein Ingenieurstudium an der
Universität Yale abgeschlossen und sein Juraexamen
an der University of Pittsburgh abgelegt. Er war
Direktor des Instituts für Politologie an der John F.
Kennedy School of Government der Harvard University.
Als Gouverneur von Pennsylvania wurde Thornburgh
für seine effiziente Verwaltung der Regierung des
Bundesstaates gelobt. Während seiner Amtszeit wurden
die Steuern gesenkt, die Verschuldung abgebaut und
15.000 unnötige Stellen in der Regierungsbürokratie
abgeschafft. Seine Programme für die Reform des
Sozial- und Bildungswesens sowie die Verbesserung
des Verkehrsnetzes des Bundesstaates fanden landesweit Beachtung und bei einer 1986 von Newsweek
durchgeführten Meinungsumfrage über die Gouverneure des Landes wurde Thornburgh als der effektivste Gouverneur eines "großen Bundesstaates" genannt.
"Es ist erfrischend, wieder in einer Organisation zu
arbeiten, die ihren Haushalt jedes Jahr ausgleichen
muß", erklärte Thornburgh. "Als Gouverneur von
Pennsylvania mußte ich jedes Jahr meinen Haushalt
ausgleichen...
Wir können hier keine Defizite ansammeln, und deshalb müssen wir auf die eine oder andere Weise für die
wahrgenommenen Dienste bezahlen. Obwohl dies ein
gesundes Arbeitsumfeld ist, legt es sicherlich denjenigen unter uns große Lasten auf, die für diese Tätigkeit
verantwortlich sind."
Die neue Verwaltung von Boutros-Ghali ringt mit einem kritischen Mangel an Geldmitteln zu einer Zeit, in
der große Anforderungen an die Weltorganisation
gestellt werden, und als Haushaltsmanager des Generalsekretärs ist Thornburgh damit beauftragt, die riesige Organisation funktions- und reaktionsfähig zu erhalten.
Thornburgh räumte ein, daß die Finanzlage der Vereinten Nationen "bestenfalls prekär" ist und noch durch
die Tatsache verschärft wird, daß die Organisation in
den vergangenen Jahren in der Lage war, von den
Seite 1

�Haushaltsmitteln zur Friedenssicherung "informell...
zu borgen", um die regulären Ausgaben bestreiten zu
können.
"Aufgrund des außergewöhnlichen Zuwachses und
Bedarfs an Mitteln für Operationen zur Friedenssicherung ist das in diesem Jahr höchst unwahrscheinlich,
und wenn sich die Bedingungen nicht ändern, besteht
die Aussicht, daß wir gegen Ende des Jahres am
Rande einer Schließung stehen", stellte er fest.
"Wir sind realistisch. Wir wissen, daß die weltweite
Wirtschaftslage zur Zeit nicht gerade förderlich ist, um
die Mitgliedstaaten zu veranlassen, ihren internationalen Verpflichtungen Priorität einzuräumen. Darüber
hinaus wissen wir, daß insbesondere bei der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten, vor allem Rußland und
der Ukraine - beides wichtige Beitragszahler - dieses
Jahr sehr geringe Aussichten auf Leistung ihrer Beiträge bestehen."
Die Vereinten Nationen hätten jedoch "eine Reihe von
Alternativempfehlungen erarbeitet. ... Es ist wichtig,
daß die Mitgliedstaaten angesichts eines finanziellen
Desasters nicht den Eindruck bekommen, daß ... wir
mit business as usual weitermachen", erklärte Thornburgh.
Ebenso wichtig sei es, "das positive Gefühl der Mitgliedstaaten zu stärken, die die Vereinten Nationen
unterstützen, indem wir ihnen mehr Sicherheit verschaffen, daß ihre Beiträge effizient eingesetzt werden", stellte er fest.
Der Generalsekretär hat die Zahl von Spitzenpositionen in der UNO von 30 auf acht reduziert. Die zweite
* *

Seite 2

Phase der Umstrukturierung wird Thornburgh zufolge
darin bestehen, ähnliche Reduzierungen in verschiedenen UN-Abteilungen vorzunehmen, nachdem eine
Überprüfung von Stellen durchgeführt wurde, die sicherstellen soll, daß die Stelleninhaber gemäß den
sich rasch verändernden Bedürfnissen der Organisation eingesetzt werden.
Diese Finanzkrise "kommt zu einem sehr geeigneten
Zeitpunkt", erklärte er und verwies darauf, daß mit dem
Ende des Kalten Kriegs und dem neuen Umfeld, das
für eine Rückkehr zu den Grundprinzipien der UNCharta entstanden sei, heute neue Chancen bestehen, um Fragen in Zusammenhang mit Friedensschaffung und Friedenssicherung, der wirtschaftlichen und
sozialen Entwicklung, der Umwelt sowie den Menschenrechten auf eine Art und Weise zu behandeln,
die in der Vergangenheit nicht möglich war.
Um dies zu leisten, werden die Vereinten Nationen
Thornburgh zufolge einige alte Abteilungen zusammenlegen und konsolidieren sowie neue einrichten
müssen. Darüber hinaus prognostiziert er, daß sich
zahlreiche Abteilungen mit Wirtschafts- und Sozialfragen beschäftigen werden.
"Wir alle haben die Neigung, Veränderungen abzulehnen, aberich bin der Meinung, daß breite Übereinstimmung darüber besteht, daß sich die Rolle der Vereinten Nationen in diesem Jahrzehnt und in der Zukunft
unweigerlich verändern wird", erklärte er. "Überdies
gehe ich davon aus, daß die meisten Mitgliedstaaten
die Initiative und die Prioritäten akezptieren, die der
Generalsekretär beschrieben hat."

* *

*

AMERIKA DIENST 27

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11503">
                <text>08.07.1992</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11504">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11505">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11506">
                <text>Amerikadienst 08.07.1992</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11507">
                <text>&lt;strong&gt;1. Weltwirtschaftsgipfel&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Baker: Lage in Bosnien äußerst wichtig für G-7&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung in München&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;G-7 intensivieren Gespräche zur Uruguay-Runde&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Regierungsvertreter haben weiterhin Vorbehalte&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Staats- und Regierungschefs der G-7 könnten Hilfe für Russland beschleunigen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Offzielle Umschuldung geplant&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. USA - Unabhängigkeitstag&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush: amerikanische Revolution beeinflusst die Welt weiterhin&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Botschaft des Präsidenten zum Unabhängigkeitstag&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Abtreibung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Oberstes Bundesgericht bestätigt und begrenzt Recht auf Schwangerschaftsabbruch&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Recht auf Schwangerschaftsabbruch von Gesetzen der Bundesstaaten abhängig&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs zum Recht auf Schwangerschaftsabbruch&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Amerikanische Pressestimmen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wahlen '92&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nationale politische Konvente&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Marc Leepson&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Porträt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Thornburghs erste Herausforderung bei der UNO - der Etat&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt des neuen Stellvertretenden Generalsekretärs&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2255" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2266">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/2ebbcf703c82324fed61f84e1db1b959.pdf</src>
        <authentication>f5d033f82fe0f9a7096747e70879ce5f</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="11514">
                    <text>amcrika
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United^pfetes of America
.&lt;*
.r.

K*°&gt;A

28

15. Juli 1992
* * * * * *

WELTWIRTSCHAFTSGIPFEL

PRESSEKONFERENZ VON PRÄSIDENT BUSH
Residenz München

KSZE

BUSH: KSZE MUSS HILFE FÜR BOSNIEN
SICHERSTELLEN
Rede beim KSZE-Gipfel in Helsinki

WAHLEN '92

PARTEIKONVENT DER DEMOKRATEN BEGINNT
AM 13. JULI
Partei zur Nominierung Clintons entschlossen

MODERATE KONTROLLIEREN PARTEITAG DER
DEMOKRATEN
Amerikanische Pressestimmen

DER DEMOKRATISCHE VIZEPRASIDENTSCHAFTSKANDIDAT AL GORE
Amerikanische Pressestimmen

PORTRAT

CLINTON WÄHLT PROTAGONISTEN DES
UMWELTSCHUTZES ALS VIZEPRÄSIDENTSCHAFTSKANDIDATEN
Porträt von Senator Albert Gore aus Tennessee

EINWANDERUNG

AMERIKANER DISKUTIEREN EINWANDERUNGSPOLITIK IHRES LANDES
Beleben Immigranten oder sind sie eine Last?

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�WELTWIRTSCHAFTSGIPFEL
15. Juli 1992

BUSH: KONSENS ZUR STÄRKUNG DES WELTWEITEN
WIRTSCHAFTSWACHSTUMS ERZIELT
Die Pressekonferenz des Präsidenten in München
in wesentlichen Auszügen
MÜNCHEN - (AD) - Bei seiner Pressekonferenz zum Abschlu ß des Weltwirtschaftsgipfels der sieben führenden
Industriestaaten hat Präsident Bush am 8. Juli 1992 insbesondere fünf Leistungen der Konferenz gewürdigt: den
"Konsens zur Stärkung des weltweiten Wirtschaftswachstums", weitere Hilfen für Polen durch den Währungsstabilisierungsfonds, um die marktwirtschaftlichen Reformen dort zu unterstützen, die "uneingeschränkte
Unterstützung" für Präsident Jelzins Reformprogramm, die Bekräftigung des Engagements, um die Sicherheit
von Kernreaktoren sowjetischer Bauart zu verbessern und schließlich "eine Reihe von Schritten im Hinblick auf
Jugoslawien, sowohl zur Milderung des schrecklichen Leidens in Bosnien als auch zur Eindämmung der
Ausbreitung ethnischer Konflikte".
Nachfolgend veröffentlichen wir wesentliche Auszüge aus der Pressekonferenz von Präsident Bush im Wortlaut.

Präsident Bush: Ich habe die vergangenen drei Tage
mit der Erörterung der Pflichten und Chancen verbracht, die wir bei der Ermutigung von stärkerem
Wirtschaftswachstum in unseren Ländern und in der
Tat auf der ganzen Welt haben. Darüber hinaus haben
wir auch die kontinuierliche Entwicklung politischer
Reformen in den aufstrebenden Demokratien sowie
regionale politische Themen diskutiert, einschließlich
Jugoslawiens.
Ich möchte fünf Leistungen des Münchner Weltwirtschaftsgipfels nennen: Es ist uns gelungen, einen
Konsens zur Stärkung des weltweiten Wirtschaftswachstums zu erzielen. Die Vereinigten Staaten befinden sich auf dem Weg der wirtschaftlichen Erholung.
Japan, Deutschland und Italien haben in den vergangenen Tagen Maßnahmen zur Verbesserung ihres
Wachstums ergriffen. Die Vereinigten Staaten haben
ihre Zinssätze gesenkt. Diese Maßnahmen werden
zur weiteren Gesundung unserer Volkswirtschaften
beitragen.
Die amerikanischen Exporte in einer wachsenden
Weltwirtschaft werden die Zahl amerikanischer Arbeitsplätze erhöhen. Wir werden mit Polen an neuen
Verwendungsmöglichkeiten des Währungsstabilisierungsfonds zusammenarbeiten, die Marktreformen
unterstützen, sobald Polen mit dem IWF Einigung
bezüglich eines Programms erzielt. Meines Erachtens

AMERIKA DIENST 28

ist dies eine außerordentlich wichtige Ermutigung für
Polen und Ausdruck unseres Vertrauens auf Polens
Verpflichtung zu Marktreformen.
Wir haben unsere uneingeschränkte Unterstützung für
Präsident Jelzins Reformprogramm zum Ausdruck
gebracht. Sie ist ein Tribut an seine Führung und
Vision bei dem Unterfangen, dieses große Land in die
demokratische, marktorientierte Staatengemeinschaft
einzubringen.
Wir haben unser Engagement für die Zukunft sicherer
Kernkraftwerke mit der Zustimmung zu koordinierten
kooperativen Bestrebungen mit Osteuropa und der
ehemaligen Sowjetunion unter Beweis gestellt, um die
Sicherheit von Kernreaktoren sowjetischer Bauart zu
verbessern.
Und schließlich unternehmen wir eine Reihe von Schritten
im Hinblick auf Jugoslawien, sowohl zur Milderung des
schrecklichen Leidens in Bosnien als auch zur Eindämmung der Ausbreitung ethnischer Konflikte.
Mit mehr Wachstum werden wir neue Arbeitsmarktchancen im Inland schaffen. Darüber hinaus werden
wir in der Lage sein, den aufstrebenden Demokratien
bei der Einführung florierender Marktwirtschaften
behilflich zu sein, die für ihre politische und wirtschaftliche Entwicklung so lebenswichtig sind.

Seite 1

�Zum Thema Handel hatten wir einen offenen Meinungsaustausch. Wir sind uns alle der Tatsache
bewußt, daß der Abschluß der Uruguay-Runde dem
Weltwirtschaftswachstum durch die Erweiterung des
Handels für alle Länder - Industrienationen wie Entwicklungsländer gleichermaßen - entschiedenen Auftrieb verleihen wird. Und wir haben im vergangenen
Jahr hart an der Sondierung konstruktiver Lösungen
für schwierige Probleme gearbeitet.
Es ist nur natürlich, daß das Vorgehen so kurz vor dem
Ende schwieriger wird. Aber ich werde darauf beharren, weil die Vorteile des Erfolgs enorm sind. Und alle
Gipfelteilnehmer erwarten bis zum Ende dieses Jahres eine Einigung.
Eines hat sich eindeutig in unseren Erörterungen
abgezeichnet: Der Triumph der Ideale von Demokratie
und freien Marktwirtschaften auf der ganzen Welt
bedeutet, daß Unterscheidungen zwischen innenpolitischen und internationalen wirtschaftlichen Maßnahmen zunehmend an Bedeutung verlieren. Dies gilt
insbesondere für die Vereinigten Staaten, wo über 70
Prozent des Wachstums in den vergangenen fünf
Jahren auf Exporte zurückzuführen ist. Und zweifelsohne ist Amerikas Wohlergehen eng mit einer gesunden Weltwirtschaft verbunden. Dieser Gipfel und wie
wir unsere Verpflichtungen in die Praxis umsetzen,
betreffen jeden Amerikaner.

Hinsicht ermutigen. Meines Erachtens ist einer der
schnellsten Wege zur Gesundung der russischen
Wirtschaft Fortschritt im Energiesektor mit sehr viel
zügigeren Privatinvestitionen.
Frage: Herr Präsident, haben Sie Ihrer Meinung nach
dem amerikanischen Volk und dem Kongreß gegenüber die zukünftige Rolle der NATO im Hinblick auf
Europa und die Welt nach dem Kalten Krieg ausreichend definiert? Heißt das, amerikanische Truppen
müssen je nach Anweisung der NATO in jeden ethnischen Konflikt und jeden Bürgerkrieg eingreifen - und
sollten wir dies tun?
Antwort: Nein, das heißt nicht, daß amerikanische
Truppen zu jedem Konflikt entsandt werden. Aus
unserer Sicht, und ich glaube aus dem Blickwinkel der
meisten wenn nicht aller Teilnehmer ist die NATO der
wesentliche Garant der europäischen Sicherheit. Es
liegt meiner Meinung nach im nationalen Interesse der
Vereinigten Staaten eine starke Präsenz aufrechtzuerhalten, eine starke amerikanische Präsenz in der
NATO. Und ich glaube nicht, daß irgendjemand von
einer Entsendung amerikanischer Truppen ausgeht,
wenn hier oder dort Krawalle oder Konflikte entstehen.

Nun bin ich gerne bereit, auf Ihre Fragen einzugehen.

Jugoslawien ist ein gutes Beispiel. Wir sind daran
interessiert, dort zu helfen, aber ich habe mich nicht zur
Entsendung amerikanischer Truppen nach dort verpflichtet, und niemand geht davon aus, daß NATOTruppen auf den Schauplatz verlegt werden.

Frage: Herr Präsident, in Washington haben Sie ihre
Unterstützung der Idee zum Ausdruck gebracht, die G7 mit Einbeziehung Rußlands zu einer G-8 zu machen.
Ist das vom Tisch gewischt oder...

Frage: Was verstehen Sie unter einem Garant der
Sicherheit? Jemand hat gesagt, Sie warten auf die
Neuformierung der Roten Armee. Was soll das heißen?

Antwort: Ich dachte, ich habe gesagt, wir nehmen zu
diesem Thema eine offene Haltung ein.

Antwort: An diesem Scheideweg ist der Feind die
Unberechenbarkeit. Und eine starke NATO hat den
Frieden bewahrt, seit über 40 Jahren zur Bewahrung
des Friedens in Europa beigetragen und kann ihn in
den nächsten 40 Jahren bewahren. Das ist es, was ich
meine.

Frage: Jemand hat gefragt: "Unterstützen Sie das?",
und Sie haben geantwortet: "Das ist richtig."
Antwort: Nun, ich denke, Sie müssen sich die Erklärung als Ganzes betrachten, aber es wird in Erwägung
gezogen. Ru Bland hat letztes Jahr teilgenommen und
nimmt dieses Jahr teil. Diese Frage wird erst heute
nachmittag erörtert. Aber zweifellos unterstütze ich
Präsident Jelzins Anwesenheit hier. Die Weltwirtschaft ist von einem großen Gefälle gekennzeichnet.
Und vielleicht gelangt man zu dem Schluß, sieben plus
eins ist die Antwort. Wir müssen jedoch zunächst
abwarten und sehen, wie die Verhandlungen laufen.
Frage: Sind Sie besorgt über die Rückschläge in
Rußland im Energiebereich und bei der Inflationsbekämpfung? Sind Sie zufrieden mit den Fortschritten
des wirtschaftlichen Reformpakets in diesem Land?
Antwort: Ich glaube nicht, daß Rußland mit den
Fortschritten seiner Wirtschaftsreformen zufrieden ist.
Und eben die Wirtschaftsreformen wollen wir in jeder

Seite 2

Frage: Herr Präsident, jedes Jahr, oder zumindest in
den vergangenen Jahren, sind wir zu diesen Gipfeltreffen gereist und uns wurde ein Handelsabkommen
versprochen. Das haben Sie auch dieses Jahr getan.
Warum sollte sich dieses Jahr unterscheiden, insbesondere, da Sie anscheindend von der Presse solchen
Widerstand erfahren haben? Hat Präsident Mitterrand
Ihnen gegenüber Verspechungen zur Behandlung dieses
Problems gegeben, sobald sein Referendum abgeschlossen ist?
Antwort: Meines Erachtens herrscht allgemein das
Gefühl vor, daß das Referendum den Franzosen
Probleme verursacht. Ich weiß nur, daß wir am Ball
bleiben. Wir sind jetzt zu einem Abschluß bereit. Ich
habe eindeutig klargestellt - ungeachtet einiger gegenteiliger politischer Kommentare in den Vereinigten

AMERIKA DIENST 28

�Staaten - daß die Maßnahmen nicht der Bereitschaft
zu Fortschritten der Vereinigten Staaten zuwiderlaufen. Und das haben wir auch hier deutlich gemacht.
Aber ich bin enttäuscht.
Wir sind nicht in der Annahme hierhergekommen, daß
dies das Forum sei, in dem die GATT-Runde zum
Abschluß gebracht werden könnte. Wenn ich dieses
Gefühl gehabt hätte, hätten Sie wahrscheinlich unsere
äußerst fähigen Unterhändler hier gesehen. Es gibt
jedoch politische Realitäten, die es dem einen oder
anderen Land erschweren, ein Abkommen zu erzielen.
Ich wei ß nur, daß wir dies unabhängig von den Wahlen
in den Vereinigten Staaten weiterhin vorantreiben. Es
liegt in unserem Interesse. Und dies ist die einzig
richtige Antwort.
Frage: Wie weit ist Präsident Mitterrand Ihnen gegenüber mit Zusicherungen gegangen, daß er sich nach
Beendigung des Referendums der Sache annehmen
wird?
Antwort: Ich möchte nicht dazu Stellung nehmen, wie
weit er gegangen ist. Ich glaube einfach, daß nach
dem Referendum die Bereitschaft der Franzosen größer
sein wird.
Frage: Herr Präsident, mirscheint, man könnte dieses
Abschlußkommunique lesen und logischerweise zu
dem Schluß gelangen, daß Polen und Rußland mehr
von dem Wirtschaftsgipfel profitiert haben als die
Vereinigten Staaten. Wo ist die Substanz für die
amerikanische Wirtschaft?

Antwort: Erstens sollten diese Gipfeltreffen nicht als
etwas angesehen werden, aus dem man mit einer acht
Punkte umfassenden Tagesordnung hervorgeht oder
so ähnlich. Darum geht es hier nicht. Es gibt eine
Weltwirtschaft. Und wenn wir Verpflichtungen zum
Wachstum eingehen, profitieren davon nicht nur die G7 plus 1, sondern alle. Und daher möchte ich feststellen, während wir zusammen mit den Europäern Fortschritte machen, sei es im Hinblick auf Jugoslawien
oder das Weltwirtschaftswachstum, liegt dies im Interesse der Vereinigten Staaten von Amerika. Man kann
die internationale Wirtschaft nicht von der Binnenwirtschaft trennen.
Frage: Ich wollte Ihnen eine Frage zu Boris Jelzin
stellen - Ihre jüngste Meinung über ihn. Er ist hier
gestern zum Abendessen hereingeplatzt. Er beschwerte sich über den 24-Milliarden-Dollar-Fonds, daß ihm
der IWF mehr Restriktionen auferlegt, daß Rußlands
Souveränität beleidigt wird. Sehen Sie ihn als wirklich
verläßlichen Partner oder eher als einen Querschläger?
Antwort: Ich betrachte ihn als sehr mutige Führungspersönlichkeit, die gegen ziemlich gro ße Schwierigkeiten versucht, ein autoritäres kommunistisches System
zu reformieren und in eine Marktwirtschaft umzuwandeln. Und ich kann die Frustration verstehen, die er
AMERIKA DIENST 28

fühlen muß und von Zeit zu Zeit zum Ausdruck bringt
- wo ist ein Stück von dem Kuchen für uns, was bringt
es uns? Aber ich denke, er weiß auch, wenn er vom
IWF Rat zu wirklichen Reformen erhält, mu ß er diesen
befolgen. Es kann schon sein, daß er frustriert ist.
Andererseits unterstützen ihn alle bei diesem Treffen
der G-7 und das, was er versucht. Und ich möchte
nochmals auf den Teil Ihrer Frage eingehen, wo Sie
sagen, er sei hereingeplatzt. Der Tisch war auch für
ihn gedeckt, und er wurde herzlich willkommen geheißen. Meines Erachtens war das keine faire Beurteilung einer mutigen Führungspersönlichkeit.
Frage: Halten Sie die Charakterisierung, er sei wie ein
Elefant im Pozellanladen, für unzutreffend?
Antwort: Nun, diese Charakterisierung habe ich
bisher noch nicht vernommen. Aber der Mann ist stark,
und er ist hart, und er ist engagiert. Das konnte ich bei
meinen verschiedenen bilateralen Zusammentreffen
mit ihm feststellen. Er bemüht sich sehr, und er
genießt unseren Respekt. Er hat mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen, wie wir alle wissen. Aber er hat
ein gutesjungesTeam um sich, und das sollte man ihm
hoch anrechnen. Kosirew und Gaidar - insbesondere
letzterer im Finanzwesen. Und wir unterstützen ihn
hier. Meines Erachtens hat er sich hier sehr sehr gut
verhalten.
Frage: Herr Präsident, es hat zahlreiche Spekulationen darüber gegeben, daß die Führungsrolle der
Vereinigten Staaten in der Welt und vielleicht sogar die
des amerikanischen Präsidenten mit dem Ende des
Kalten Krieges etwas geschwächt wurde angesichts
der Schwierigkeiten, die bei allen Volkswirtschaften,
auch Ihrer eigenen, auftreten. Sind Sie der Meinung,
daß bei Treffen wie diesem die Beziehungen zwischen
Ihnen und Ihren Amtskollegen anders sind als früher?
Und falls ja, wie?
Antwort: Nein, ich habe nicht diesen Eindruck.
Frage: Gehen Sie davon aus, daß es die derzeitige
Wirtschaftslage der Vereinigten Staaten schwieriger
für Sie macht, das Wort zu ergreifen und Ihre Ansichten deutlich zu machen?
Antwort: Nein, denn wenn Sie sich die Volkswirtschaften weltweit ansehen, dann haben zahlreiche
Volkswirtschaften auf der Welt die gleichen Probleme.
Ich kann dies also nicht bestätigen. Seit Operation
Wüstensturm habe ich einen ganz anderen Eindruck.
Frage: Die Vereinigten Staaten haben beim Gipfel
einen Vorschlag unterstützt, der in Helsinki vorgelegt
werden soll und vorsieht, daß die NATO bei der
Friedenssicherung an Orten wie Jugoslawien eingesetzt wird. Die Vereinigten Staaten haben 200.000
Mann bei der NATO. Zuvor haben Sie gesagt, die
Vereinigten Staaten würden keine Truppen an Orte
wie Jugoslawien entsenden. Wie können wir es ver-

Seite 3

�meiden, mit amerikanischen Truppen an der Friedenssicherung teilzunehmen, wenn die NATO diese Rolle
wahrnimmt?
Antwort: Nun, wenn die NATO eine Rolle wahrnimmt,
dann werden sich die Vereinigten Staaten von Amerika
natürlich daran beteiligen. Aber im Hinblick auf Jugoslawien besteht unsererseits ein Interesse daran,
humanitäre Unterstützung dorthin zu liefern, und ich
habe keine Pläne, uns in eine Kampfsituation in Jugoslawien zu verwickeln. Wir haben Marinestreitkräfte,
wir haben Luftstreitkräfte, und wir sind selbstverständlich ein wichtiger und entscheidender Teil der NATO.
Aber nichts davon sollte so interpretiert werden, daß
ich amerikanische Truppen für Kampfeinsätze zusage. Ich sage einfach nicht, was wir in dieser Frage
unternehmen werden.
Ich habe mir heute Colins (Powell, Anm. d. Red.)
Erklärung angesehen, und er hat meines Erachtens
die Haltung der Administration sehr gut dargelegt. Das
Ziel der Lieferung humanitärer Hilfe ohne die zugrundeliegende politische Problematik lösen zu wollen. Ich
glaube also, Sie eilen im Hinblick auf die Erwägungen
der NATO-Rolle für Jugoslawien derzeit den Ereignissen voraus.
Frage: Sie haben in den Vereinigten Staaten mehrere
Male erklärt, die USA seien heute die unbestrittene
Führungsmacht der freien Welt. Meines Erachtens
werden viele dem zustimmen, aber trotzdem haben wir
Schwierigkeiten dabei, unser nationales Interesse in
Bereichen wie dem Handel zur Geltung zu bringen.
Und bei diesen Konflikten in Jugoslawien und in Südafrika scheint unsere Führungsrolle nicht respektiert
zu werden, und demokratische Werte werden nicht
beachtet. Ich frage mich, wie Sie dies wohl interpretieren?

Sie, daß Sie das politische Problem in Jugoslawien
nicht behandeln können. Was kann die neue Weltordnung den Menschen des ehemaligen Jugoslawien
bieten...
Antwort: Ich habe nicht gesagt, daß wir politische
Probleme nicht behandeln können, ich habe vielmehr
gesagt, wir werden keine Truppen der Vereinigten
Staaten einsetzen, um die politischen Probleme zu
lösen. Das ist etwas ganz anderes. Wir unternehmen
energische diplomatische Bemühungen. Wir haben
zunächst an der humanitären Frage gearbeitet und
dann - in solchen Konfliktsituationen - versucht man,
seine besten diplomatischen Bemühungen einzubringen. In diesem Fall arbeitet man mit den Europäern
zusammen. Man unterstützt Lord Carrington, man
unterstützt Cyrus Vance bei seiner Mission für die
Vereinten Nationen, man unterstützt die G-7-Nachbarn Jugoslawiens. Es geht also nicht darum, jedes
mal Truppen zu entsenden, wenn eine solche Situation
entsteht.
Schauen Sie kurz auf die Länder, die heute vom Joch
des Weltkommunismus und der ehemaligen Sowjetunion befreit sind. Und wenn ich Ihrer Frage bis zur
logischen Konsequenz folgen würde, dann wäre die
einzige Lösung für die Probleme in Aserbaidschan und
Armenien oder auf der Krim oder wo immer sonst die
Entsendung amerikanischer Truppen. Und das entspricht nicht der Art und Weise, in der wir unsere Politik
betreiben. Das ist nicht der Weg, um den Frieden zu
erhalten.
Frage: Zurück zu Herrn Jelzin. Wirtschaftsexperten
geben sich zunehmend alarmiert über die 24 Milliarden
Dollar, die insgesamt ziemlich erbärmlich sind angesichts der enormen Aufgaben und Risiken. So hat
Deutschland bereits über 100 Milliarden Dollar für die
Umgestaltung Ostdeutschlands aufgebracht, nur um
dort Stabilität zu bewahren. Sind Ihrer Meinung nach
24 Milliarden Dollar ausreichend?

Antwort: Ich stimme Ihrer Bewertung der amerikanischen Führungsrolle nicht zu, und meiner Meinung
nach würde niemand in der G-7 damit übereinstimmen. Wir arbeiten im Konzert mit unseren Verbündeten. Wir haben eine Weltwirtschaft, und kein einzelnes
Land kann ein Problem allein lösen. Seit ich Präsident
bin, war ich der Überzeugung, daß wir multilateral
vorgehen müssen, wenn dies in unserem Interesse
liegt und zum besten Ergebnis führt, und daran werde
ich mich weiterhin halten.

Antwort: Ich weiß nicht, ob es auf der Welt genug
Geld gibt, um die Probleme der russischen Wirtschaft
sogleich zu lösen. Meines Erachtens ist es eine erhebliche Verpflichtung. Aber sie muß von einer Fortsetzung des energischen Reformprogramms in Rußland
begleitet sein. Und das wird rascher zum Erfolg führen
als alles andere.

Ich akzeptiere diese Einschätzung also nicht. Eine
Sache, die während unserer ganzen Anwesenheit hier
von allen begrüßt wurde, ist die bedeutende Reduzierung der Kernwaffen. Und dies wird hier allgemein als
wichtige Leistung der Führungsrolle der Vereinigten
Staaten von Amerika und Rußlands angesehen. Ich
habe also die Art von Unterton nicht feststellen können, von dem Sie gesprochen haben.

Wir haben vor diesem Treffen über die Kapitalmenge
gesprochen, die seit unserem Amtsantritt, seit dem
Brady-Plan und der Initiative zur Förderung der Privatwirtschaft in den Ländern Amerikas nach Südamerika
geflossen ist. Es ist erstaunlich, wie viele Milliarden
Dollar in diese Länder geflossen sind, als diese ihre
Volkswirtschaften reformiert haben - einige stecken
zur Zeit noch in diesem Reformprozeß.

Frage: Sie haben erklärt, daß Sie am Persischen Golf
für Prinzipien in den Krieg gezogen sind und daraus
eine neue Ordnung entstanden ist. Und heute sagen

Und darin liegt auch die Antwort für Rußland. Das läßt
sich nicht einfach durch einen Kredit des IWF erreichen. Aber man muß dort das Reformprogramm

Seite 4

AMERIKA DIENST 28

�fortsetzen, das Jelzin und Gaidar sehr mutig eingeleitet haben. Und darauf müssen sie aufbauen und noch
rascher mit privaten Investitionen fortfahren. Es gibt
zahlreiche Dinge, die sie tun können und sollten, um
die Dynamik des Privatsektors einzubeziehen. Und
darin liegt letztlich die Antwort. Das wird nicht durch
eine Kapitalspritze der internationalen Finanzinstitutionen bewirkt.
Frage: Herr Präsident, die Interessen der europäischen Bauern scheinen auf diesem Gipfel ziemlich
effektiv verteidigt worden zu sein. Warum geraten die
Interessen der amerikanischen Arbeitnehmer und
Landwirte bei Handelsgesprächen ständig ins Hintertreffen?
Antwort: Ich bin nicht der Meinung, daß die amerikanischen Bauern verloren haben. Wir werden kein
Abkommen verabschieden, das der amerikanischen
Landwirtschaft schadet. Und meines Erachtens geht
niemand davon aus, daß wir dies tun werden.
Was meinen Sie mit "ständig ins Hintertreffen geraten"
- vielleicht ist mir etwas entgangen?
Frage: Jedes Jahr wird uns versprochen, daß bis zum
Jahresende ein GATT-Abkommen zustande kommen
wird - jedes Jahr, seit Sie Präsident sind. Und jedes
Jahr kommt keines zustande. Gibt es Grund zu der
Annahme, daß eines verabschiedet wird...
Antwort: Aber ein schlechtes Abkommen wäre nichts,
für das der amerikanische Bauer dankbar sein würde.
Wir werden ein gutes Abkommen erzielen, und es wird
der Landwirtschaft zugute kommen, weil wir mit allen
überall konkurrieren können. Und das ist die Grundlage der Verhandlungen. Ich glaube also nicht, daß der
amerikanische Landwirt ins Hintertreffen gerät, wenn
man nicht überhastet ein Abkommen verabschiedet,
*

AMERIKA DIENST 28

*

das vielleicht nicht gut ist. Man bemüht sich weiter, bis
man ein gutes Abkommen erreicht hat. Und das ist es,
was wir zu tun versuchen.
Frage: Ist der Status quo für die amerikanischen
Landwirte akzeptabel?
Antwort: Der Status quo ist besser als ein schlechtes
Abkommen, aber er ist nicht so gut wie ein gutes
GATT-Abkommen. Und das ist die Antwort. Im
Hinblick auf Ihre Frage glaube ich nicht, daß der
amerikanische Bauer ständig übers Ohr gehauen wird.
Was er will, ist Zugang zu den Märkten, weil wir wissen,
daß wir konkurrieren können. Und das ist die Art von
Abkommen, die wir zu erlangen entschlossen sind.
Und es sollte ein faires Abkommen sein, und es wird
ein faires Abkommen sein.
Frage: Könnten Sie mir etwas über die Atmosphäre
bei diesem und anderen Treffen sagen? Mit Ausnahme von Premierminister Major hat jeder seine eigenen
innenpolitischen und Wahlprobleme. Wird dieses Thema
zwischen Ihnen erörtert und bemitleiden Sie sich
gegenseitig? Wie würden sie es beschreiben?
Antwort: Das ist eine sehr interessante Frage. Und
eines, was man von diesem Gipfel lernt, ist, daß nicht
nur in den Vereinigten Staaten eine solche Stimmung
der Unruhe herrscht. Es ist sehr interessant, wenn
man mit diesen Staats- und Regierungschefs spricht,
nicht nur von der wirtschaftlichen Seite, sondern auch
von der politischen Seite. Und wir sprechen darüber.
Und jeder hat meines Erachtens dasselbe Vertrauen

wie ich, daß mit dem Wachstum der Weltwirtschaft ein
Großteil dieser Unzufriedenheit verschwinden wird.
Ein Großteil ist wirtschaftlich begründet - nicht alles,
einiges ist schlicht apolitisch. Ja, wir hatten interessante Diskussionen über dieses Thema.

*

*

Seite 5

�KSZE
15. Juli 1992

BUSH: KSZE MUSS HILFE FÜR
BOSNIEN SICHERSTELLEN
Rede bei KSZE-Gipfel in Helsinki
HELSINKI - (AD) - Präsident Bush zufolge muß die Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
(KSZE) "dafür sorgen", daß humanitäre Hilfe die leidende Bevölkerung von Bosnien-Herzegowina erreicht und
daß die UN-Sanktionen eingehalten werden "egal, was dafür erforderlich ist".
In seiner Rede beim Gipfeltreffen der KSZE-Staaten am 9. Juli 1992 in Helsinki fügte der Präsident hinzu, daß
die KSZE alles in ihrer Macht Stehende zur Verhinderung der weiteren Ausbreitung des Konflikts tun und sich
dafür einsetzen sollte, "die Waffen durch einen Waffenstillstand an allen Fronten zum Schweigen zu bringen".
Bush nannte ein Fünfpunkteprogramm, um die KSZE in Jugoslawien und anderen Krisenherden effektiver zu
machen:
Veränderungen zur Demokratie sollten unumkehrbar gemacht werden;
diejenigen, die KSZE-Normen verletzen, sollten dafür zur Rechenschaft gezogen werden;
die Wurzeln von Konflikten sollten behandelt werden;
Mechanismen für die Schlichtung von Streitfällen sollten gestärkt werden;
die KSZE sollte eine euro-atlantische Friedenssicherungsfähigkeit haben.
Nachfolgend veröffentlichen wir Bushs Rede im Wortlaut.
Zunächst möchte ich Präsident Koivisto und der Regierung sowie dem Volk von Finnland für ihre Gastfreundschaft danken. Es ist angemessen, daß wir
erneut in Helsinki zusammentreffen, der Stadt, deren
Name während des Kalten Krieges zum Symbol für
Hoffnung und Entschlossenheit wurde. Als wir uns im
Jahr 1990 in Paris trafen, erklärten wir den Kalten Krieg
für beendet. Aber selbst dann erfaßten wir nicht, was
uns erwartete. Seit 1990 ist ein ungeheures Imperium
zusammengebrochen, eine Vielzahl neuer Staaten
wurde geboren, und auf dem Balkan tobt ein brutaler
Krieg.
Unsere Welt hat sich bis zur Unkenntlichkeit verändert.
Aber unsere Grundsätze haben sich nicht gewandelt.
Sie haben sich als richtig erwiesen. Mit unseren
Prinzipien als Kompaß müssen wir uns als Gemeinschaft bemühen, den Wandel zu einer friedlichen
Ordnung zu kanalisieren, die dieses Jahrhundert bisher nicht hervorgebracht hat.
Die Vereinigten Staaten haben die KSZE als Instrument zur Förderung der Menschenrechte stets unterstützt. Während des Kalten Krieges betrachteten wir
die Verweigerung von Menschenrechten als HauptAMERIKA DIENST 28

quelle der Konfrontation, die Europa entstellte und
einen Weltkrieg heraufzubeschwören drohte. Und
heute ist es eine neue Ideologie: Intoleranter Nationalismus bringt neue Spaltungen hervor, neue Verbrechen, neue Konflikte.
Weil wir davon ausgehen, daß der Schlüssel zur
Sicherheit in dem neuen Zeitalter darin besteht, einen
demokratischen Frieden zu schaffen, erkennen die
Vereinigten Staaten für die KSZE eine unverzichtbare
Rolle. Und deshalb möchte ich ein Fünfpunkteprogramm vorschlagen, um die KSZE effektiver zu machen.
Erstens sollten wir uns dafür engagieren, den demokratischen Wandel unumkehrbar zu machen. Wir
dürfen uns von den um uns herum stattfindenden
Unruhen nicht so weit lähmen lassen, daß wir unsere
historische Aufgabe aus dem Blickfeld verlieren, die
große Befreiung der vergangenen drei Jahre zu vollenden. Wir sollten die KSZE einsetzen, um demokratische Verfahrensweisen in diesen Gesellschaften zu
fördern, in denen Menschen über Generationen hinweg von den Stiefeln des Staates unterdrückt wurden.

Seite 1

�Wir sollten die Aufffasung zurückweisen, daß die
Demokratie eine Büchse der Pandora geöffnet hat.
Die Demokratie ist nicht die Ursache dieser Probleme,
sondern vielmehr das Mittel, mit dem die Menschen
ihre Differenzen beilegen und ihre Bestrebungen miteinander versöhnen können.

des Kalten Krieges immer noch schwer bewaffnet. Adhoc-Operationen hastig zusammengestellter Einheiten werden nicht ausreichen, und aus diesem Grund
betrachte ich das Angebot der NATO, einen Beitrag
zur Friedenssicherung durch die KSZE zu leisten, als
so wichtig.

Wir haben Beweise dafür. In diesem Saal befinden
sich die Staats- und Regierungschefs von Ländern, für
die die Demokratie sowohl Aggression als auch Bürgerkrieg undenkbar gemacht hat.

Wir haben gelernt, daß die Probleme Europas auch die
Probleme Amerikas sind. Seine Hoffnungen und
Bestrebungen sind auch die unsrigen. Und wegen der
NATO wird mein Land erhebliche militärische Fähigkeiten in Europa belassen, die zur Friedenssicherung
Und zweitens sollten wir uns alle darauf einigen, daß im Rahmen der KSZE beitragen könnten. Die Bewahwir für die in unseren feierlichen Erklärungen niederge- rung des Friedens in Europa ist jedoch nicht Aufgabe
legten Verhaltensnormen zur Rechenschaft gezogen der NATOallein. Wir begrüßen die Rolle der WEU, und
werden. Diejenigen, die KSZE-Normen verletzen, wir laden darüber hinaus jedes hier anwesende Land
müssen ausgesondert, kritisiert, isoliert und sogar mit ein, beim Aufbau einer neuen euro-atlantischen FrieSanktionen bestraft werden. Die heutige Abwesenheit densstreitmacht direkt mit der NATO zusammenzuarSerbiens sollte anderen in diesem Zusammenhang beiten.
eine eindeutige Warnung sein.
Ich muß diese Ausführungen mit einem weiteren Wort
Drittens sollten wir die KSZE darauf verpflichten, die zu dem Alptraum in Bosnien beschließen. Wenn
Wurzeln der Konflikte anzugehen. Die niederländi- unsere KSZE-Gemeinschaft irgendeinen echten Sinn
sche Initiative zur Einsetzung eines Hohen Kommis- in dieser neuen Welt haben soll, dann müssen wir bei
sars für nationale Minderheiten ist ein wichtiger Schritt unseren unmittelbaren Zielen einig sein. Erstens
zur Gewährleistung eines Frühwarnsystems. Es wird sollten wir dafür sorgen, daß Hilfsgüter dorthin gelanuns helfen zu handeln, bevor ein Konflikt ausbricht.
gen, egal, was dafür erforderlich ist. Und zweitens
sollten
wir dafür sorgen, daß die UN-Sanktionen eingeUnser Land, mein Land, hat ein KSZE-Projekt für
halten
werden,
koste es, was es wolle. Und drittens
Toleranz vorgeschlagen, das zu praktischer Zusamsollten
wir
alles
in unserer Macht Stehende tun, um
menarbeit bei der Bekämpfung von Diskriminierung
eine
Ausbreitung
dieses Konflikts zu verhindern. Vierund rassistischen Vorurteilen führen kann. Wir können
tens
sollten
wir
mit
einer Stimme fordern, die Waffen
nicht umhin, dies zur obersten Priorität zu erheben, da
durch
einen
Waffenstillstand
an allen Fronten zum
die sogenannte ethnische Säuberung von Muslimen in
Schweigen
zu
bringen.
Bosnien selbst während unseres Treffens andauert.
Und viertens sollten wir unsere Mechanismen zur
Beilegung von Streitfällen stärken. Die KSZE sollte ein
flexibles Angebot von Leistungen zur Schlichtung,
Aussöhnung und Vermittlung bereitstellen, damit
Konflikte abgewendet werden können. Ein baldiges
Folgetreffen sollte bestimmte Mittel zur Beilegung von
Streitfällen aufgreifen, darunter die amerikanische Idee,
derzufolge unsere Gemeinschaft darauf bestehen kann,
daß sich die Streitparteien der Schlichtung durch die
KSZE unterwerfen.
Und fünftens sollten wir hier und heute beschließen,
eine glaubwürdige euro-atlantische Friedenssicherungsfähigkeit zu schaffen. Diese Region ist aus den Tagen
* *

Seite 2

Ich möchte mit folgendem Gedanken schließen. Wir
wissen heute mehr über dieses neue Zeitalter, seine
Gefahren und auch über seine Möglichkeiten als bei
unserer letzten Zusammenkunft in Paris. Es besteht
immer noch übermäßig viel Unsicherheit, und doch
dürfen wir uns durch das Unbekannte nicht abschrekken lassen. Die von uns hier unternommenen Schritte
werden nur der Anfang sein, aber es sollten entschlossene erste Schritte zu einer echten Gemeinschaft der
Freiheit und des Friedens sein. Und um dieses Zieles
willen bin ich nach Finnland gekommen, um die uneingeschränkte Unterstützung der Vereinigten Staaten
von Amerika zuzusagen.

JL

JL

AMERIKA DIENST 28

�WAHLEN

'92
15. Juli 1992

PARTEIKONVENT DER DEMOKRATEN
BEGINNT AM 13. JULI
Partei zur Nominierung Clintons entschlossen
WASHINGTON - (AD) - Wenn die Demokratische
Partei vom 13. -16. Juli 1992 ihren nationalen Parteikonvent in New York veranstaltet, wird dabei nicht nur
der Gouverneur von Arkansas, Bill Clinton, als Präsidentschaftskandidat nominiert, sondern auch Tausenden von Delegierten die Chance gegeben, die Ziele
und Programme ihrer Partei zu definieren - und Millionen von Wählern die Gelegenheit, Partei, Programm
und Kandidaten zu beurteilen.
Die nationalen Nominierungskonvente der beiden großen
Parteien sind ein unabdingbarer Bestandteil des
amerikanischen Wahlprozesses. Ursprünglich bildeten sie den Rahmen für die Wahl des Präsidentschaftskandidaten , aber die wachsende Zahl der Vorwahlen in
den jeweiligen Bundesstaaten und die Wahlversammlungen der vergangenen Jahre haben dies geändert.
Heute ratifizieren die Delegierten nur den durch die auf
Bundesstaatenebene gewonnene Unterstützung bestimmten Präsidentschaftskandidaten. Sie sprechen
sich jedoch auch für den Vizepräsidentschaftskandidaten aus und verabschieden eine "Parteiplattform"
von Zielen, die ihr zukünftiges Programm darstellt.
Die Millionen von Zuschauern, die am Fernseher teilnehmen, sehen eine Parteiführung in Aktion, hören die
von den politisch Verantwortlichen als wichtig erachteten Themen, wie sie an deren Lösung herangehen
wollen sowie die Erläuterungen der Kandidaten, wohin
sie die Nation in den kommenden vier Jahren führen
wollen. Wenn die Demokraten in diesem Jahr zusammenkommen, werden einige Zuschauer zum ersten
Mal den Mann aus der Nähe sehen, den Clinton gerade
zu seinem Vizepräsidentschaftskandidaten ernannt
hat - Senator AI Gore aus Tennessee.
Traditionell versammelt sich die oppositionelle Partei
zuerst und veranstaltet ihren Parteikonvent in der
dritten Juliwoche, während die andere große Partei in
der dritten Augustwoche zusammenkommt. Für die
Republikaner bedeutet das vom 17. - 20. August 1992
in Houston.

AMERIKA DIENST 28

Beim Parteikonvent der Demokraten werden in diesem Jahr 4.288 Delegierte - die Hälfte davon Frauen anwesend sein, und am Eröffnungstag werden von
Senator Bill Bradley aus New Jersey, Gouverneur Zell
Miller aus Georgia und der ehemaligen Kongreßabgeordneten Barbara Jordan aus Texas drei programmatische Reden gehalten. Auch der nationale Vorsitzende der Demokratischen Partei, Ron Brown, die Vorsitzende des Parteikonvents, Gouverneurin Ann Brown
aus Texas und der Bürgermeister der gastgebenden
Stadt New York werden kurze Ausführungen machen.
Unter Verwendung neuer Technologien und Produktionstechniken werden die Demokraten eine Videowand mit 56 großen Fernsehmonitoren als Hintergrund des Podiums im Madison Square Garden, dem
berühmten Veranstaltungsort zahlreicher Sportereignisse installieren, an dem der Parteikonvent stattfindet. Das Programm umfaßt musikalische und tänzerische Darbietungen sowie Reden, da die Demokraten
wissen, daß die Zuschauer - sowohl die Teilnehmer
des Konvents als auch die am Fernseher zu Hause unterhalten werden möchten.
Am 14. Juli stimmt der Konvent über die Verabschiedung der vorgeschlagenen Parteiplattform ab und hört
den Ausführungen von Bürgerrechtler Reverend Jesse Jackson, Senator Jay Rockefeller aus West Virginia, Bürgermeisterin Sharon Pratt Kelly von Washington, D.C., und anderen zu.
Das Thema der diesjährigen Parteiplattform lautet "Ein
Neuer Bund mit dem amerikanischen Volk". Im Entwurf fordert sie eine "Revolutionierung der Regierung,
um den sturen Bürokraten und Eigeninteressen in
Washington Macht zu entziehen und sie wieder in die
Hand des Volkes zu legen". Der Vorschlag enthält
ferner den Aufruf zur Umstrukturierung der Streitkräfte, Wiederherstellung der amerikanischen Führungsrolle, Förderung der Demokratie, weltweiter Schutz
der Umwelt, eine Reform des Sozialwesens und die
freie Wahl auf Schwangerschaftsabbruch.

Seite 1

�Die Nominierung des Präsidentschaftskandidaten bildet am 15. Juli den Höhepunkt des Konvents. Der New
Yorker Bürgermeister Mario Cuomo, der beim Konvent
der Partei im Jahr 1984 die programmatische Rede
vortrug, wird Clinton offiziell nominieren - mit genügend vorgesehener Zeit für "spontane" Demonstrationen mit Luftballons, Trompeten, Konfetti und plakateschwenkenden Anhängern. Die Bundesstaaten werden in alphabetischer Reihenfolge aufgerufen und die
bevollmächtigten Delegierten geben ihre Stimme für
den Präsidenten ab.
Falls sich mehr als zwei Kandidaten zur Wahl stellen
und keiner die Mehrheit der Stimmen auf sich vereinigt,
findet eine zusätzliche Wahl statt. Aber da praktisch
alle Delegierten sich bereits vor dem Parteikonvent
aufgrund der Ergebisse der Vorwahlen in den Bundesstaaten und der Wahlversammlungen für einen Kandidaten verpflichtet haben, wurde in den letzten 40
Jahren keine zweite Stimmabgabe erforderlich.

betischer Reihenfolge. Der Parteikonvent endet mit
der Zustimmungsrede des Präsidentschafts- und Vizepräsidentschaftskandidaten.
Die nationalen Parteikonvente gehen auf das Jahr
1830 zurück, als der erste von einer längst nicht mehr
existierenden politischen Partei, den Anti-Masons,
abgehalten wurde. In jenen Tagen gab es keine guten
Kommunikations- und Transportmittel, und die Konvente wurden als einziger Weg erachtet, auf dem die
Parteifunktionäre ihre Meinugsverschiedenheiten
ausräumen, ihre Prinzipien darlegen und ihre Kandidaten wählen konnten.
Die Demokraten hielten ihren ersten Konvent 1832 ab
und nominierten erneut Andrew Jackson, der als der
siebte Präsident des Landes eine zweite Amtsperiode
antrat.

Die Republikaner veranstalteten ihren Gründungskonvent 1856 und nominierten John Freemont, der später
Im Rahmen des Programms am 15. Juli werden ferner den Präsidentschaftswahlkampf gegen den Demokraauch Senator Edward Kennedy und der ehemalige ten James Buchanan verlor. Aber vier Jahre später
Senator Paul Tsongas, beide aus Massachusetts, nominierten die Republikaner ihren ersten erfolgreichen Kanidaten, Abraham Lincoln, den 16. Präsidensprechen.
ten.
Die Nominierung des Vizepräsidentschaftskandidaten
findet am 16. Juli statt, dem letzten Tag des Parteikon- Alle späteren Parteikonvente haben Experten zufolge
vents, wieder mit Aufruf der Bundesstaaten in alpha- "politische Geschichte" gemacht.
* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 28

�WAHLEN

'92
15. Juli 1992

MODERATE KONTROLLIEREN PARTEITAG
DER DEMOKRATEN
Amerikanische Pressestimmen
WASHINGTON - (AD) - Zahlreiche amerikanische Zeitungen haben zur Demokratischen Partei am Vorabend
ihres nationalen Parteikonvents in New York Stellung genommen. Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus
einigen dieser Kommentare.

Thomas Edsall, Washington Post
"Parteivorsitzende und Moderate nutzen den Präsidentschaftswahlkampf von Clinton, um ihre Truppen
zu mobilisieren und diesen Parteitag zu dominieren",
stellt Edsall fest. "Davor fanden sie Organisation und
ideologische Führung im Demokratischen Führungsrat, einer in Washington ansässigen, größtenteils von
Geschäftsleuten mit Verbindung zur Demokratischen
Partei finanzierten Organisation."
Edsall zufolge gründen sich die Attacken der Zentristen auf den vom Bürgerrechtler Reverend Jesse
Jackson und anderen angeführten liberalen Flügel auf
die Überzeugung, daß die Interessen von Minderheiten - Schwarzen, Homosexuellen, Gewerkschaften,
Feministen - die Parteikonvente und Parteiplattformen
in einer Weise dominieren, die die Wähler der Mittelklasse entfremdet hat.

Unterstützung der Koalition von Arbeitern und Schwarzen sowie anderen Minderheiten ist, die ihren Kern seit
den Anfängen des New Deal" unter der Administration
von Präsident Franklin D. Roosevelt gebildet haben.
Jack Germind, Baltimore Sun
Germond stellt fest, daß sich zwar sowohl Clinton als
auch Gore für die Bürgerrechte engagieren, "die rein
aus Südstaatlem zusammengesetzte Liste jedoch auf
eine generelle Wahlstrategie deutet, die einigen Führern der Schwarzen" - insbesondere Jackson und dem
Kongreßabgeordneten aus New York, Charles Rangel, zufolge - "brennende Themen für die Schwarzen
und die Innenstädte nicht genügend berücksichtigt".

Er zitiert einen Anhänger des voraussichtlichen Präsidentschaftskandidaten der Partei, Gouverneur Bill Clinton aus Arkansas, mit den Worten: "Jetzt ist es an uns,
das Ruder der Regierung zu übernehmen und etwas
Besseres für unsere Kinder zu schaffen."

Jackson, der Clinton seit einigen Monaten offen kritisiert hat, unterstützte schließlich die Clinton-GoreListe zwei Tage vor der Eröffnung des Parteitages.
Obwohl Jackson dies laut Germond leugnet, wurde
ihm Berichten zufolge mit dem Verlust seines Sitzes
beim Parteikonvent gedroht, wenn er seine Unterstützung nicht im voraus publik machen würde. Jackson
wird programmgemäß am 14. Juli eine Rede vor dem
Parteitag halten.

Jules Witcover, Baltimore Sun

Kolumnist Carl Rowan

Clintons Entscheidung für Senator AI Gore aus Tennessee als seinen Präsidentschaftskandidaten, so
Witcover, "unterstreicht die Abkehr vom Liberalismus
des Nordens" der Demokratischen Partei.

Rowan, ein Schwarzer und ehemaliger Direktor des
US-Informationsamts erklärt, Kritik der Schwarzen an
der Liste der Demokraten sei "dumm und bedeutungslos". Wenn er in Clintons Haut stecken würde, so
Rowan, würde er 'Versuchen, die Demokratische Partei
aus dem Fegefeuer zu holen, und auch ich würde mich
für diese neue 'Südstaatentstrategie' entscheiden - die
sich auf den Appell zur Einheit der Rassen und nicht
auf das Schüren von Rassenhaß gründet".

Witcover zufolge will Clinton das Wohlergehen aller
Amerikaner verbessern, nicht nur der Armen. Er
verweist jedoch darauf, daß die Demokraten ihre traditionelle Rolle als Fürsprecher der Unterdrückten
beibehalten und die Partei "weiterhin ein Magnet für die
*

AMERIKA DIENST 28

* * *

*

Seite 1

�W A H L E N '92
15. Juli 1992

DER DEMOKRATISCHE
VIZEPRÄSIDENTSCHAFTSKANDIDAT AL GORE
Amerikanische Pressestimmen
WASHINGTON - (AD) - Eine Reihe von amerikanischen Zeitungen haben in Leitartikeln zu Bill Clintons
Entscheidung für den Senator aus Tennessee, AI Gore, als Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten Stellung
genommen. Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus einigen dieser Kommentare im Wortlaut.

The New York Times

The Washington Post

Als Gouverneur Bill Clinton gestern (9. Juli) Senator AI
Gore als seinen Vizepräsidentschaftskandidaten vorstellte, betonte Gore, es sei an der Zeit, daß eine neue
Generation von Führungskräften diejenigen ersetzten,
denen ihm zufolge Energie und Ideen ausgegangen
sind. Die demokratischen Kandidaten - beide Mittvierziger - geben in der Tat einen jugendlichen Kontrast zu
George Bush und Ross Perot ab, die beide über 60
Jahre alt sind. Noch wichtiger als jeder Altersunterschied sind jedoch die historischen Kräfte, die diese
jüngere Generation politischer Führungspersönlichkeiten geprägt haben, die nach dem Zweiten Weltkrieg
geboren und herangewachsen sind.

Es ist eine junge Liste, aber dies sind keine unerfahrenen Männer. Die Demokraten setzen besonders auf
die südliche Trumpfkarte, aber das hat für den Wahlausgang mindestens ebenso viele Vor- wie Nachteile.
Auf einer Reihe von Fachgebieten, von Rüstungskontrolle bis zu Umweltbedrohungen, werden die Referenzen Senator Gores die Liste stärken. Daran ist sicherlich nichts verkehrt. Die Demokraten bieten dem Land
eine gute Wahl.

Christian Science Monitor
Gore leistet einen wichtigen Eigenbeitrag für die
demokratische Liste. Er ist einer der originellsten
Köpfe im Senat. Er ist anerkannter Experte zu Umwelt- und Rüstungskontrollfragen und hat solide Referenzen in anderen außenpolitischen Bereichen - etwas, das Clinton fehlt. Als Befürworter des Golfkriegs
könnte Gore nachklingende Sorgen über eine angeblich "weiche" Haltung der Demokraten zur Verteidigung beschwichtigen. Und seine Frau, Tipper Gore,
setzt sich seit langem aktiv für die "Familienwerte" ein,
von denen Vizepräsident Quayle spricht.
Fürdie erste wahrhaft "präsidiale" Entscheidung, die er
zu fällen hatte - die Wahl eines Vizepräsidentschaftskandidaten, der zur Übernahme des höchsten Amts
qualifiziert ist - erhält Bill Clinton eine gute Note.

AMERIKA DIENST 28

The Baltimore Sun
Senator Gores Hauptvorteil ist wahrscheinlich seine
Erfahrung in den Bereichen nationale Sicherheit und
internationale Angelegenheiten als Mitglied des Streitkräfteausschusses. Wie die meisten Gouverneure hat
Clinton auf diesem Gebiet nicht sehr viel vorzuweisen.
Senator Gores weitere Stärke ist, daß er einer der
bekanntesten Protagonisten des Umweltschutzes und
ein Experte der damit in Zusammenhang stehenden
wissenschaftlichen und technologischen Themen ist.
Es ist möglich, daß seine Ansichten und die von Dan
Quayle zu diesen Fragen so unterschiedlich sind (wie
sie durch die führende Rolle des Vizepräsidenten bei
der Deregulierung im Wettbewerbsrat demonstriert
wird), daß ihre Debatten zu diesen Themen die Kampagne der Vizepräsidenten dominieren wird.
The Washington Times
Bill Clintons Entscheidung für Senator Albert Gore aus
Tennessee als seinen Vizepräsidentschaftskandidaten ist interessant. Sie ist ein Schlag ins Gesicht der

Seite 1

�herkömmlichen politischen Vernunft. Aber sie ist
gleichzeitig ein Schachzug von beachtlicher Schärfe.
Der erste über den Haufen geworfene Aspekt betrifft
die angebliche Notwendigkeit für ein regionales Gleichgewicht der Liste. Ebenso wie Clinton ist Gore ein
Südstaatler, und diejenigen, die erwartet hatten, daß
Clintons Kampagne die "Basis" des Gouverneurs aus
Arkansas verbreitem würde, sind enttäuscht, daß die
Wahl nicht auf jemanden wie Senator Harris Wofford
aus Pennsylvania oder den Abgeordneten des Repräsentantenhauses Lee Hamilton aus Indiana gefallen
ist. Ihre Besorgnis könnte sich jedoch in diesem
äußerst lebhaften politischen Jahr als unbegründet
erweisen. Die Kandidatur von Ross Perot hat die
Wahldynamik maßgeblich beeinflußt. In der Politik
des Präsidentschaftswahlkampfes kann die Republikanische Partei traditionell auf beträchtliche Vorteile
im Westen und Süden verweisen. Perot könnte jedoch
im Westen bewirken, daß Präsident Bush sich seines
Geldes wert erweisen muß. Wenn Bush sehr viel Zeit,
Energie und Geld darauf verwenden muß, dort an der
Spitze der Liste zu bleiben, könnte er für eine Herausforderung im Süden durch eine starke demokratische
Liste besonders empfindlich sein.

Dies sind Fortschritte, aber sie reichen nicht aus.
Diese weißen, männlichen Kandidaten werden noch
ansprechender aussehen, wenn sie Pläne darlegen,
Frauen und Minderheiten wichtige Jobs zu geben. Sie
könnten noch vor der Wahl Ministerposten vergeben.
Los Angeles Times
Was man auch immer über die Verbindung ClintonGore sagen mag - Gore genießt ein hohes Maß an
Vertrauen bei denen, die für ihn gearbeitet haben. In
dieser Hinsicht kommt er dem Modell dessen, wie ein
Kandidat für die Vizepräsidentschaft aussehen soll,
eindeutig näher als andere potentielle Kandidaten.
Mit der Wahl von Gore will Clinton offensichtlich ein
Zeichen setzen im Hinblick auf einen Wechsel zur
Nachkriegsgeneration. Clinton ist 45, Gore 44. (Clinton erklärte, in seiner Jugend Marihuana geraucht,
aber nicht inhaliert zu haben, während Gore ganz
einfach erklärte, in seiner Zeit am College Marihuana
geraucht zu haben und es klugerweise dabei beließ.)
The Philadelphia Inquirer

Wir nehmen an, niemand wird nach Luft schnappen
oder verständnislos mit den Achseln zucken angeUSA Today
sichts der Wahl von AI Gore, dem dynamischen In diesem unorthodoxen Präsidentschaftswahljahr hat hyperdynamischen? - Senator aus Tennessee, der
sich eines nicht geändert: Bis jetzt sind die Kandidaten jetzt Bill Clinton's Mitkandidat bei dem Unterfangen
weiß und männlich. Mit Bill Clintons Entscheidung für wird, die Demokraten aus dem Exil zurück ins Weiße
AI Gore als Vizepräsidentschaftskandidat beläuft sich Haus zu bringen.
die Zahl auf fünf Kandidaten, einschließlich des unabWir können - wenn überhaupt - an wenige denken, die
hängigen Ross Perot.
eine bessere Wahl wären als Mr. Gore, um der bereits
Nur Geraldine Ferraros Nominierung im Jahr 1984 überzeugenden Clinton-Kampagne zusätzliches
unterbricht das historische Muster...
Gewicht zu verleihen.
Eine Rekordzahl von Frauen und Minderheiten bewerben sich in diesem Jahr um ein Amt, daher werden die
künfitgen Präsidentschaftskandidaten mehr Entscheidungen treffen missen.

Tatsache ist, daß wir AI Gore kennen. Wir haben
vieles, für das er steht, bewundernd betrachtet. Und
wir sagen dazu folgendes. AI Gore, meine Damen und
Herren, ist kein Dan Quayle.

* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 28

�PORTRÄT
15. Juli 1992

CLINTON WÄHLT PROTAGONISTEN DES
UMWELTSCHUTZES ALS VIZEPRÄSIDENTSCHAFTSKANDIDATEN
Porträt von Senator Albert Gore aus Tennessee
WASHINGTON - (AD) - Albert Gore ist vielleicht am
besten bekannt für sein Engagement und die Fähigkeit, "beim Schutz der Umwelt eine führende Rolle zu

1987 beschrieb David Rogers Gore im Wall Street
Journal als "Vollblutpolitiker". Gore sei "absolut konkurrenzfähig, aber anscheinend blind gegenüber den

spielen", erklärte der Hoffnungsträger der Demokraten

ihn treibenden Ambitionen", stellte Rogers fest. "Als

für die Präsidentschaftswahlen, Bill Clinton, am 9. Juli
1992 zu seiner Entscheidung, den 44jährigen Senator
aus Tennessee zu seinem Vizepräsidentschaftskandidaten zu machen.

Nachkomme einer Politikerfamilie trägt erden Stempel
seines populistischen Vaters und führt seine Wahlkampagne mit einem von der Bildung der herrschenden Elite geschärften Intellekt."

Gore, der bereits seit 15 Jahren im Kongreß ist, hat
sich in den letzten zehn Jahren für die Bewältigung
unterschiedlicher Umweltprobleme engagiert - Erderwärmung, Abbau der Ozonschicht und Energieerhaltung. Als starker Verfechter des Umweltschutzes
leitete er eine Senatsdelegation beim jüngsten "Erdgipfel" der Vereinten Nationen in Rio de Janeiro.

Bei der Bekanntgabe seiner Entscheidung für den
Vizepräsidentschaftskandidaten lobte der Gouverneur
von Arkansas, Clinton, Gores Buch: Earth in the
Balance: Ecology and the Human Spirit, das sich
mit der Zukunft der menschlichen Rasse und der Erde
selbst auseinandersetzt. Das Buch wurde bereits
achtmal neu aufgelegt und war im Frühjahr Houghton
Millers Bestseller unter den Sachbüchern.

Zusätzlich zu seinem starken Interesse an Umweltschutz wird Gore - aufgrund seiner Tätigkeit in Senatsausschüssen - auch als Kenner der Verteidigungspolitik, Rüstungskontrolle und außenpolitischer Themen
angesehen. Er wurde 1976 erstmals ins Repräsentantenhaus gewählt und übte sein Amt dort bis 1984 aus,
als er in den Senat gewählt wurde.
Sein Familienname ist in der Politik des Staates Tennessee renommiert. Sein Vater, Albert Gore Sr., war
32 Jahre lang Mitglied des Repräsentantenhauses und
des Senats.
Gore werden eine Reihe von Qualitäten zugeschrieben, die ihn potentiell zu einem attraktiven Präsidentschaftskandidaten für die Demokratische Partei machen. Er sieht gut aus, ist wortgewandt und zu seinen
Stärken zählen der Militärdienst in Vietnam, ein berühmter politischer Name, ein makelloses Familienleben und eine - tiefe, jedoch nicht fanatische - religiöse
Überzeugung als bekennender Baptist.
Ein ehemaliger politischer Gegner sagte voraus, Gore
würde auf einer nationalen Liste aufgestellt, und der
konservative Kommentator John McLaughlin hat ihn
als "zu gut, um wahr zu sein" bezeichnet.

AMERIKA DIENST 28

Gore "hat mich gebeten, sein Engagement zu teilen,
nicht nur die Umwelt der Vereinigten Staaten, sondern
der Welt für künftige Generationen zu erhalten. Und
gemeinsam werden wir schließlich den Vereinigten
Staaten eine wirklich umweltbewußte Präsidentschaft
verleihen", verprach Clinton.
Im gesamten Verlauf seines öffentlichen Lebens hat
Gore Clinton zufolge "für das Gesundheitswesen und
Verbaucherschutz gekämpft und ist vielleicht Amerikas führender Verfechter der Entwicklung neuer Technologien - wie Faseroptik und Gentechnologie - zur
Schaffung der hochdotierten Arbeitsplätze, die Amerika beim Übergang ins 21. Jahrhundert benötigt."
Politische Experten betrachten die Wahl Gores als
kühnen Schachzug. Beide Männer sind Südstaatler ihre Bundesstaaten haben eine gemeinsame Grenze
- und werden als relativ vorsichtige gemäßigte Politiker
innerhalb der Demokratischen Partei angesehen. Und
beide sind jung - Clinton ist mit 45 ein Jahr älter als
Gore. "Das ist eine junge Liste, die eine neue Generation markiert", erklärte der Sprecher des Repräsentantenhauses, Thomas Foley, in Washington.

Seite 1

�Gore, der sich im Jahr 1988 erfolglos um die demokratische Nominierung als Präsidentschaftskandidat
beworben hatte, entschloß sich vergangenen Sommer, 1992 nicht erneut anzutreten. Dabei verwies er
auf den Wunsch, mehr Zeit mit seiner Familie zu
verbringen anstatt sich auf Wahlkampf reisen zu begeben. Sein junger Sohn Albert war gerade von einem
Auto angefahren und lebensgefährlich verletzt worden, hat sich seither aber erholt.
Gores Bewerbung um die Präsidentschaft vor vier
Jahren scheiterte nach einem schwachen Abschneiden in der Vorwahl des Staates New York, wo seine
Zustimmungsquote fiel, nachdem der Bürgermeister
von New York, Ed Koch, seine Angriffe auf Gores
Rivalen, den Bürgerrechtler Jesse Jackson, unterbrach, um Gore zu unterstützen. Anlysten zufolge
schadete diese Unterstützung Gore, da Kochs bittere
Attacken auf Jackson Schwarze und Liberale entfremdeten.
Gore wurde am 31. März 1948 in der Bundeshauptstadt Washington geboren, wo sein Vater im zehnten
Jahr als demokratischer Abgeordneter aus Tennessee
tätig war. Gore wuchs in der Hauptstadt auf, wo er die
exklusive St. Alban's Episcopal School für Jungen
besuchte. Er war ein ausgezeichneter Schüler und
Kapitän des Football-Teams.
Gore erwarb im Jahr 1969 ein Bakkalaureat in Staatswissenschaften an der Harvard University, seine
Examensarbeit hatte den Titel "Die Auswirkungen des
Femsehens auf die Führung der Präsidentschaft, 1947
-1969".
Im Vietnamkrieg war Gore Heereskorrespondent beim
20. Pionierbataillon, das außerhalb von Saigon stationiert war. Er sandte Kopien seiner Berichte nach
Hause zu seiner Frau, die sie an die Redaktion des
Tennessean, einer Zeitung in Nashville weiterreichte.
Diese veröffentlichte einige davon, und nach Beendigung seiner Dienstzeit im Jahr 1971 bot man Gore eine
Stelle als Reporter an. Im Jahr 1976 gab Gore seine
journalistische Laufbahn beim Tennessean und sein
Jurastudium an der Vanderbilt University auf, bewarb
sich um den einst von seinem Vater gehaltenen Sitz im
Kongreß - und gewann. Acht Jahre später gewann er

mit 61 Prozent der Stimmen den von dem republikanischen Fraktionsvorsitzenden im Senat, Howard Baker, freigemachten Senatorensitz des Staates Tennessee.
Sowohl als Abgeordneter als auch als Senator war
Gore seinen eigenen Worten zufolge ein "begeisterter
Gemäßigter".
"Ich glaube, daß die Leute den Liberalismus teilweise
diskreditiert haben, weil sie das Vertrauen in dessen
Kompetenz verloren haben", erklärte er, nachdem er
seine erste Kongreßwahl gewonnen hatte. "Sie haben
den Konservatismus diskreditiert wegen dessen offensichtlicher Gleichgültigkeit angesichts von Problemen
beispiellosen Ausmaßes. Es besteht das Gefühl, es
habe zu viel Philosophie und nicht genug gesunden
Menschenverstand gegeben."
Im Kongreß konzentrierte sich Gore besonders auf
Probleme des Gesundheitswesens. In seinem letzten
Jahr als Abgeordneter im Repräsentantenhaus unterstützte er das Gesetz über Organspenden und Transplantationen von 1984, das den Ver- oder Ankauf
menschlicher Organe zu Transplantationszwecken
untersagte und darüber hinaus jährlich 2 Millionen
Dollar bewilligte, um eine nationale Organbank aufzubauen.
Obwohl er sich gegen das freiwillige Schulgebet wandte, stimmte er dafür, Schülern eine Schweigeminute
zuzugestehen, die sie nach eigenem Ermessen nutzen können. Er lehnte das Verbot des Verkaufs von
Handfeuerwaffen über die Grenzen von Bundesstaaten hinweg ab und stimmte gegen die Finanzierung
von Schwangerschaftsabbrüchen aus Bundesmitteln.
Gore ist in die Antarktis gereist, um das Ozonloch zu
studieren und nach Brasilien, um sich über den Schwund
der Regenwälder zu informieren, der das Erdklima
beeinflussen könnte. Er schlug neue Erdbebenwarnsysteme vor und forderte, daß alle Verpackungsmaterialien biologisch abbaubar sein sollten. Er brachte im
Jahr 1989 ein Nationales Hochleistungscomputergesetz (National High Performance Computer Technology Act) ein und forderte alle Länder auf, den Einsatz
von FCKW vor dem Jahr 2000 zu beenden.

* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 28

�EINWANDERUNG
15. Juli 1992

AMERIKANER DISKUTIEREN EINWANDERUNGSPOLITIK IHRES LANDES
Beleben Immigranten oder sind sie eine Last?
WASHINGTON - (AD) - Historisch gesehen waren
Einwanderer die Quelle der Stärke, Vitalität und Vielfalt
der Vereinigten Staaten, aber einige Amerikaner bezweifeln die Fähigkeit der Nation, weiterhin all diejenigen mit offenen Armen zu empfangen, die sich "nach
freier Luft zum Atmen sehnen".

Damit könnten die Vereinigten Staaten "weiterhin ihrem Vermächtnis als Zufluchtsort gerecht werden" für
Menschen, die vor politischer Verfolgung flüchten bei
gleichzeitiger "Regulierung der Gesamtzahl, die im
Einklang mit unserem nationalen Interesse und Bedarf
steht".

Steven Moore, Direktor für Finanzwesen am Cato
Institute, einer Denkfabrik, die pro Einwanderung eingestellt ist und Dan Stein, Vorstandsmitglied des Verbands für die amerikanische Einwanderungsreform
(Federation for American Immigration Reform - FAIR),
einer nationalen Organisation, die auf schärfere Restriktionen drängt, haben vor kurzem im ausländischen Pressezentrum des US-Informationsamts USIA
in Washington die amerikanische Einwanderungspolititk diskutiert.

Steins "vernünftiger, verantwortungsbewußter Ansatz"
zu Milderung "außer Kontrolle geratener" Einwanderung beinhaltet verschärfte Kontrollen an den Grenzen, Bestrafung von Arbeitgebern, die illegale Arbeitskräfte einstellen, eine Obergrenze von 300.000 Zulassungen legaler Einwanderer pro Jahr, Schließung der
Schlupflöcher bei der Asylgesetzgebung sowie die
Abschaffung von Magneten im Beschäftigungs- und
Sozialwesen, die illegale Einwanderer anziehen.

Moore zufolge "belebt" die amerikanische Fähgikeit,
hart arbeitende, engagierte und von Unternehmergeist
geleitete Talente aus der ganzen Welt anzuziehen,
"kontinuierlich die Energien und Ambitionen des Landes".
"Es scheint unvorstellbar, daß der Wert des Einwanderungsprozesses, von dem Amerika seit über zwei
Jahrhunderten profitiert hat, jetzt in Frage gestellt und
bezweifelt werden soll", schrieb Moore in einem in
Business and Societey Review veröffentlichten Artikel.
Stein argumentiert jedoch folgenderma ßen: "Alles legt
den Schluß nahe, daß Einwanderung ... den wesentlichen nationalen Zielen zuwiderläuft, auf die sich
unser Land derzeit konzentrieren muß."
Ihm zufolge zieht das Land sehr viel mehr Menschen
an als es in der Lage ist, aufzunehmen und einzugliedern. Er schlägt vor, die Einwanderungsreform sollte
es der Regierung gestatten, die Zahlen zu regulieren
und mit Einwanderung in Zusammenhang stehende
Betrügereien zu unterbinden.

AMERIKA DIENST 28

Schätzungen des Cato Institute zufolge kommen jedes
Jahr 750.000 - 800.000 legale Einwanderer in die
Vereinigten Staaten, und zusammen mit den illegalen
beläuft sich die Gesamtzahl auf 1 bis 1,1 Millionen.
FAIR schätzt die Gesamtzahl auf 2 bis 3 Millionen.
"Das klingt so, als ob wir überschwemmt würden",
erklärt Moore. "Wir lassen mehr Einwanderer ins Land
als der Rest der Welt zusammengenommen, aber das
ist kein einmaliger Vorgang. Um die Jahrhundertwende kamen Millionen von Einwanderern nach Amerika."
Der Zuwachs von jährlich einer Million Einwanderern
hat laut Moore bei einer Gesamtbevölkerung von 250
Millionen keine großen Auswirkungen auf die Infrastruktur des Landes.
In einer von Moore im Jahr 1990 für das Hudson
Institute und das American Immigration Institute durchgeführten Erhebung gaben 80 Prozent von 38 befragten amerikanischen Wirtschaftswissenschaftlern an,
Einwanderer hätten "sehr günstige Auswirkungen für
das Wirtschaftswachstum des Landes in diesem Jahrhundert" gehabt, und nahezu zwei Drittel unterstützten
höhere Einwanderungsquoten als Weg, um "den
Lebensstandard in den Vereinigten Staaten zu heben".

Seite 1

�Moore zufolge füllen Einwanderer oft "wichtige Nischen" auf dem Arbeitsmarkt. Landwirtschaft, Viehzucht, Geflügelzucht und Textilindustrie werden "so
sehr von Einwanderern dominiert, daß sie ohne sie bis
heute geschrumpft oder sogar völlig verschwunden
wären", stellt er fest.
Stein dagegen meint, daß sich die amerikanische
Industrie und Volkswirtschaft erheblich verändert haben
und sich nicht länger auf einen unbegrenzten Nachschub ungelernter Arbeitskräfte stützen. "Wir bauen
keine Kohle mehr ab, und wir bauen keine Eisenbahnen (mehr)", führt er aus.
Stein verweist femer darauf, daß Einwanderer von
städtischen Ballungsgebieten im Ausland in städtische
Ballungsgebiete in den Vereinigten Staaten umziehen
und die Infrastruktur von Städten wie New York und
Miami unter der Belastung zusammenbricht. "Bildungswesen, Gesundheitswesen, Krankenhäuser und
Gefängnisse verschlechtern sich", erklärt er. "Städte
wie Los Angeles werden unregierbar."

"Städte florieren", setzt Moore dem entgegen. Er
behauptet, daß New York nur dadurch am Leben
erhalten wird, daß Einwanderer dort arbeiten und neue
Geschäfte gründen. Er stimmt mit Stein darin überein,
daß gebürtige Amerikaner die Städte verlassen und
führt aus, "der einzige Zuzug kommt von Einwanderern".
Stein geht davon aus, daß Amerikas Zukunft in flexiblen Systeminformationstechnologien liegt, die Konkurrenz mit Japan und Deutschland ermöglichen werden. Er nennt Japan als "bemerkenswertes Beispiel
mit einer gesunden und florierenden Volkswirtschaft
ohne bedeutende Einwanderung".
Moore verwirft das Argument für Beschränkungen als
Teil einer historischen Stimmung gegen die Einwanderung. "Da wir wissen, daß die Leute, die während der
vergangenen 200 Jahre diese Behauptung erhoben
haben, unrecht hatten, sollten wir dieser Behauptung
auch heute wenig Glauben schenken", erklärt er.

* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 28

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11509">
                <text>15.07.1992</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11510">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11511">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11512">
                <text>Amerikadienst 15.07.1992</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11513">
                <text>&lt;strong&gt;1. Weltwirtschaftsgipfel&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Pressekonferenz von Präsident Bush&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Residenz München&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. KSZE&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush: KSZE muss Hilfe für Bosnien sicherstellen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede beim KSZE-Gipfel in Helsinki&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wahlen'92&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Parteikonvent der Demokraten beginnt am 13. Juli&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Partei zur Nominierung Clintons entschlossen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Moderate kontrollieren Parteitag der Demokraten &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Amerikanische Pressestimmen&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der demokratische Vizepräsidentschaftskandidat Al Gore&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Amerikanische Pressestimmen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Porträt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton wählt Protagonisten des Umweltschutzes als Vizepräsidentschaftskandidaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt von Senator Albert Gore aus Tennessee&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Einwanderung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikaner diskutieren Einwanderungspolitik ihres Landes&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Beleben Immigranten oder sind sie eine Last?&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2256" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2267">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/e92e5f14aeed02fadc9245ece0f11b17.pdf</src>
        <authentication>16fde03c16f5f586b29b877e8e3f7253</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="11520">
                    <text>amcrika
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America
%rIOM ^
# *

22. Juli 1992

0, ^ / &gt;

V

*

NICHTVERBREITUNG

PRÄSIDENT BUSHS INITIATIVE ZUR
NICHTVERBREITUNG
Eine Übersicht des Weißen Hauses

BESTREBUNGEN ZUR NICHTVERBREITUNG
Eine Übersicht des Weißen Hauses

RÜSTUNGSKONTROLLE

USA UND RUSSLAND - KONSULTATIONEN
ÜBER GPS
Gemeinsame Erklärung

WAHLEN '92

ARBEITSPLÄTZE, KRANKENVERSICHERUNG,
REFORMEN VORRANGIG FÜR CLINTON
Rede beim Parteikonvent der Demokraten
DIE DEMOKRATEN VERSPRECHEN WIRTSCHAFTSWACHSTUM UND FÜHRUNGSKRAFT
Das Parteiprogramm der Demokraten
DEMOKRATEN SOLLEN WACHSTUM,
INVESTITIONEN FÖRDERN
Programmatische Rede von Barbara Jordan

PORTRAT

GENERAL SHALIKASHVILI WIRD
NEUER SACEUR
Porträt des Obersten Alliierten Befehlshabers Europa Tennessee

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�NICHTVERBREITUNG
22. Juli 1992

PRÄSIDENT BUSHS INITIATIVE
ZUR NICHTVERBREITUNG
Eine Übersicht des Weißen Hauses
WASHINGTON - (AD) - Die folgende Übersicht über Präsident Bushs Initiative zur Eindämmung der Verbreitung
von Massenvernichtungswaffen wurde am 13. Juli 1992 vom Weißen Haus veröffentlicht.

Der Präsident verwies am 13. Juli darauf, daß "die
potentielle Ausbreitung der Fähigkeit zur Herstellung
oder zum Erwerb von Massenvernichtungswaffen und
deren Trägersystemen eine zunehmende Bedrohung
für nationale Sicherheitsinteressen der Vereinigten
Staaten darstellt" und kündigte eine umfassende Initiative zur Stärkung amerikanischer Bestrebungen an,
die Verbreitung dieser Fähigkeiten einzudämmen und
vor jeglichem Einsatz dieser Waffen abzuschrecken.
Die Initiative will neue und bestehende Maßnahmen in
einem umfassenden Rahmen integrieren, der die USNichtverbreitungspolitik der nächsten Jahre leiten soll.
Leitlinien
Erstens werden die Vereinigten Staaten auf bestehenden globalen Normen gegen die Nichtverbreitung
aufbauen und sie, wo immer dies möglich ist, stärken
und erweitern.
Zweitens werden die Vereinigten Staaten besondere
Bestrebungen auf die Bereiche konzentrieren, in denen die Gefahren der Verbreitung nach wie vor akut
sind, insbesondere im Nahen Osten, dem Persischen
Golf, Südasien und der Halbinsel Korea.
Drittens ist die US-Nichtverbreitungspolitik um größtmögliche multilaterale Unterstützung bestrebt und will
gleichzeitig weiterhin eine Führungsrolle bei wichtigen
Fragen demonstrieren.
Viertens werden die Vereinigten Staaten das Thema
Verbreitung in der gesamten Bandbreite von Umfeldern ansprechen - Politik, Diplomatie, Wirtschaft,
Nachrichtendienste, regionale Sicherheit, Exportkontrollen sowie mit Hilfe anderer verfügbarer Instrumente.

AMERIKA DIENST 29

Politische Zielsetzungen
Material zur Kernspaltung
Herstellung von Material zur Kernspaltung. Die Vereinigten Staaten werden kein Plutonium oder angereichertes Uran für Atomexplosionen herstellen. Dieser
Schritt soll Länder in Spannungsregionen wie dem
Nahen Osten und Südasien zu ähnlichen Schritten
ermutigen, wie etwa in der Rüstungskontrollinitiative
für den Nahen Osten im Mai 1991 vorgeschlagen. Die
Vereinigten Staaten streben weitere multilaterale
Unterstützung für konkrete Maßnahmen an, um von
der Herstellung oder dem Erwerb von potentiell für
Waffen einsetzbarem Material in Südasien, der koreanischen Halbinsel und anderen Gebieten abzuschrekken, wo sie das Risiko der Weiterverbreitung erhöhen
würden.
Multilaterale Aktionen
Einhaltung internationaler Nichtverbreitungsnormen.
Die Vereinigten Staaten werden die Arbeit anderer
Länder an wichtigen internationalen Nichtverbreitungsnormen berücksichtigen, wenn sie ihre Kooperation
und Beziehungen beim Technologietransfer entwikkeln, und sie werden darüber hinaus Freunde und
Verbündete zu ähnlichen Ansätzen konsultieren.
Durchsetzung internationaler Nichtverbreitungsnonmen.
Die Vereinigten Staaten werden Freunde und Verbündete zu internationalen Maßnahmen konsultieren, die
gegen ernsthafte Verletzungen von Nichtverbreitungsnormen ergriffen werden, zum Beispiel den Transfer
jeglicher Einrichtungen zur Herstellung von Massenvernichtungswaffen oder anderer wichtiger Waffen,
die Verletzung von Sicherheitsmaßnahmen oder der
bestätigte Einsatz nuklearer, chemischer oder biologi-

Seite 1

�scher Waffen. Maßnahmen könnten Embargos oder
Inspektionen des UN-Sicherheitsrats umfassen, Hilfe
für Opfer von Angriffen solcher Waffen, Ausweisungsabkommen oder Einwanderungsbeschränkungen gegen
Personen, die wissentlich zur Verbreitung beigetragen
haben.
Unterstützung von Sonderinspektionen und der Zerstörung von Waffen. Die Vereinigten Staaten werden
in Konsultationen mit ihren Freunden und Verbündeten die Einführung multilateraler Finanzierungsbestrebungen erwägen, um gegebenenfalls Sonderinspektionen durchzuführen und einzelnen Ländern zu helfen, bestehende Waffenarsenale zu zerstören.
Harmonisierung von Exportkontrollen. Die Vereinigten Staaten werden abgestimmte NichtverbreitungsExportkontrollisten und deren Durchführung fördern,
femer ein Abkommen unter Lieferanten, ihre Exportbeschränkungsentscheidungen gegenseitig nicht zu
unterlaufen.
Regionale Bestrebungen
Zielgerichtete Ansätze. Die Vereinigten Staaten werden weiterhin besondere Bemühungen auf die Gefahren der Weiterverbreitung in Südasien, dem Persischen Golf, dem Nahen Osten und der koreanischen
Halbinsel konzentrieren, einschließlich Bestrebungen
für vertrauensbildende Maßnahmen, Inspektionsregime und andere wirtschaftliche, politische und sicherheitsrelevante Maßnahmen.
Die ehemalige Sowjetunion. Die Vereinigten Staaten
werden weiterhin mit den zuständigen Stellen in Rußland und den anderen neuen Staaten zusammenarbeiten, um folgende Ziele zu verwirklichen:
Durchführung aller relevanten internationalen
Abkommen wie des Nichtverbreitungsvertrages, der Konvention über biologische Waffen
und - wenn sie zur Unterschrift ansteht - der
Konvention über chemische Waffen.
Effektive interne Aufstellung und physischer
Schutz gegen Diebstahl oder Abzweigung von
nuklearem Material und Gerät.
Effektive Exportkontrollen für chemische, biologische, nukleare und Raketentechnologie im
Einklang mit bestehenden multilateralen Regimen, einschließlich angemessener Gesetze und
Vorschriften, ferner die Ausbildung von Exporteuren sowie Zollbeamten und Polizisten.

Schaffung von Möglichkeiten für Waffenspezialisten und Ingenieure zur Umleitung ihrer Talente in friedliche Unternehmen.
Erwägung von Ersuchen um Hilfe beim Abbau
oder der Zerstörung von russischen Einrichtungen für biologische Waffen oder Umwandlung
dieser Einrichtungen für die Herstellung von
Impfstoffen und anderen pharmazeutischen
Produkten, vorausgesetzt Rußland hält die
Konvention über biologische Waffen voll und
ganz ein.
Globale Normen
Konvention über chemische Waffen. Die Vereinigten
Staaten bestätigen ihren Einsatz für den Abschluß
einer Chemiewaffenkonvention noch in diesem Jahr
und fordern alle Nationen auf, sich zu engagieren, um
Erstunterzeichner zu werden.
Nichtverbreitungsvertrag und Tlatelolco. Die Vereinigten Staaten streben die unbegrenzte Verlängerung
des Nichtverbreitungsvertrages für 1995 und das volle
Inkrafttreten des Vertrages von Tlatelolco bis 1993 an.
Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO). Die
Vereinigten Staaten werden gemeinsam mit anderen
Ländern an der Stärkung der IAEO arbeiten und erforderliche Erhöhungen des Haushalts für Sicherungsmaßnahmen unterstützen.
Konvention über biologische Waffen. Die Vereinigten
Staaten werden weiterhin ebenso auf die allgemeine
Einhaltung der Konvention über biologische Waffen
drängen wie auf mehr Unterstützung für die von den
Parteien bei der Folgekonferenz 1991 vereinbarten
vertrauensbildenden Maßnahmen.
Kontrollregime für Raketentechnologie (MTCR). Die
Vereinigten Staaten wiederholen ihren Aufruf an die
Partner des Regimes, daß alle Regierungen die entsprechenden Richtlinien als Teil ihrer nationalen Politik
verabschieden sollten.
Nachrichtendienste
Nichtverbreitungszentrum. Die Nachrichtendienste,
einschließlich des neugeschaffenen Nichtverbreitungszentrums, werden die Unterstützung für internationale
Nichtverbreitungsregime erhöhen und eine Erweiterung des Stabes erfahrener, gut ausgebildeter Experten anstreben, die sich für die Mission der Nichtverbreitung engagieren.

Sichere Zerstörung nuklearer Gefechtsköpfe
und effektive Kontrolle von atomwaffenfähigem
Material.

Seite 2

AMERIKA DIENST 29

�NICHTVERBREITUNG
22. Juli 1992

BESTREBUNGEN ZUR NICHTVERBREITUNG
Eine Übersicht des Weißes Hauses
WASHINGTON - (AD) - Die folgende Übersicht über Bestrebungen zur Nichtverbreitung wurde am 13. Juli 1992
vom Weißen Haus veröffentlicht.

Nichtverbreitungsvertrag (NPT). Im vergangenen
Jahr haben China, Südafrika, Lettland, Litauen, Estland und weitere Länder die Mitgliederzahl (der Unterzeichnerstaaten) auf 149 erhöht. Frankreich wird in
Kürze ebenfalls beitreten. In dem in Lissabon unterzeichneten START-Protokoll haben sich Belarus,
Kasachstan und die Ukraine bereit erklärt, dem NPT
als Nicht-Atommächte beizutreten.
Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO).
Die IAEO bekräfigte ihre Befugnis, "besondere Inspektionen" bei allen nicht ausgewiesenen nuklearen Einrichtungen durchzuführen. Argentinien und Brasilien
haben seit langem besetzte Positionen aufgegeben
und umfangreichen lAEO-Kontrollen zugestimmt. Nach
jahrelangem Zögern hat Nord-Korea eingewilligt, die
NPT-Bestimmungen hinsichtlich eines lAEO-Kontrollabkommens zu ratifizieren und lAEO-Kontrollen akzeptiert.
Gruppe der Lieferanten von Atommaterial (NSG).
Im April 1992 haben die 27 Lieferanten von Atommaterial zugestimmt, die Nuklearexportkontrollen auszuweiten auf Mehrzweckausrüstung und umfassende
lAEO-Kontrollen als Bedingung für vorhandenes bedeutendes nuklearfähiges Material zu fordern.
Kontrollregime für Raketentechnologie (MTCR).
Das MTCR erweiterte seine Mitgliederzahl auf 22,
brachte seine Liste der Güter, die unter Exportkontrolle
stehen, auf den neuesten Stand und beschloß seine
Arbeit auf alle Raketen auszuweiten, die in der Lage
sind, als Träger von Massenvernichtungswaffen zu
fungieren. China, Argentinien und Israel haben zugesagt, die MTCR-Richtlinien einzuhalten.
Initiative zurerweiterten Kontrolle der Verbreitung
(EPCI). Im Rahmen dieser Initiative haben die USA
ihre Exportkontrollen ausgeweitet auf alle 50 bekannten Grundstoffe für chemische Waffen, auf zur Herstellung chemischer und biologischer Waffen in Frage
kommende Mehrzweckausrüstung, auf komplette
AMERIKA DIENST 29

Chemiefabriken und auf die bekannte Unterstützung
chemischer und biologischer Waffen- oder Raketenprogramme.
Verstärkte nationale Exportkontrollen. Verschiedene Lieferanten haben ihre nationalen Exportkontrollgesetze und diesbezügliche Strafverfolgungsmaßnahmen verschärft. Einige Länder haben Gesetze und
Bestimmungen erlassen, die denen der ECPI entsprechen und die Mitarbeit ihrer Staatsbürger an nuklearen, biologischen, chemischen Programmen und an
Raketenprogrammen einschränken.
Australien-Gruppe. Die Australien-Gruppe erweiterte ihre Mitgliederzahl auf 22 Staaten. Sie folgte der
Vorgabe der USA bei der EPCI und erweiterte ihre
Exportkontrollen auf die 50 Grundstoffe zur Produktion
von Chemiewaffen und auf Mehrzweckausrüstung, die
zur Herstellung dieser Waffen verwendet werden kann.
Die Gruppe hat vor kurzem eine gemeinsame Kontrollliste erstellt mit biologischen Organismen, Toxinen
und Ausrüstung.
Initiative zur Rüstungskontrolle im Nahen Osten.
Im Mai 1991 hat Präsident Bush einen Abrüstungsprozeß initiiert mit den fünf führenden Lieferanten für
konventionelle Waffen: den USA, Großbritannien, Frankreich, Russland und China. Im Oktober kamen die fünf
überein, globale Richtlinien im Bereich konventionelle
Waffentransfers zu überwachen und einen Informationaustausch einzurichten. Im Mai 1992 beschlossen
die fünf vorläufige Richtlinien bezüglich des Exports
von Massenvernichtungswaffen. Im Rahmen des
Friedensprozesses im Nahen Osten kamen im Mai
1992 in Washington 23 Delegationen (darunter Israel
und 12 arabische Staaten) zusammen, um regionale
Sicherheit und Rüstungskontrolle zu diskutieren.
Vereinte Nationen. Die Sonderkommission der Vereinten Nationen und die IAEO haben im Irak 39 Inspektionen durchgeführt, zehntausende Teile chemischer
Munition zu zerstören begonnen, sie zerstörten AusrüSeite 1

�stung zur Raketenproduktion und 150 Raketen, legten
ein umfassendes Nuklearwaffenprogramm offen und
überwachten die Zerstörung von Fabriken zur Herstellung von Nuklearwaffen.

Lateinamerika. In Ergänzung zur Annahme umfassender lAEO-Schutzmaßnahmen erklärten sich Argentinien und Brasilien zusammen mit Chile bereit,
biologische und chemische Waffen in ihren Ländern zu
verbieten.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 29

�RÜSTUNGSKONTROLLE
22. Juli 1992

USA UND RUSSLAND KONSULTATIONEN ÜBER GPS
Gemeinsame Erklärung
WASHINGTON - (AD) - Hochrangige Delegationen der Vereinigten Staaten und Rußlands trafen am 13. und 14.
Juli 1992 in Moskau zu Konsultationen über die Einrichtung eines weltweiten Systems zum Schutz gegen
ballistische Raketen (Global Protection System Against Ballistic Missiles - GPS) zusammen. Nachfolgend
veröffentlichen wir den Text einer vom Außenministerium am 14. Juli 1992 veröffentlichten gemeinsamen
Erklärung.
Hochrangige Delegationen der Vereinigten Staaten
und Rußlands kamen am 13. und 14. Juli in Moskau zu
Konsultationen über die Einführung eines weltweiten
Systems zum Schutz gegen ballistische Raketen
zusammen.
Die Konsultationen waren das Ergebnis einer Vereinbarung der Präsidenten Bush und Jelzin beim Gipfel in
Washington. Beide Präsidenten kamen überein, daß
unsere beiden Länder gemeinsam mit den Verbündeten und anderen interessierten Staaten zusammenarbeiten sollten, um ein Konzept für ein solches weltweites Schutzsystem als Teil einer Gesamtstrategie zu
entwickeln, um der Verbreitung ballistischer Raketen
und Massenvernichtungswaffen entgegenzutreten.
Beide Präsidenten hatten vereinbart, bei ihren Erwägungen folgenden Bereichen Priorität einzuräumen:
der Möglichkeit, durch die Einrichtung eines
Frühwarnzentrums Frühwarninformationen über
ballistische Raketen auszutauschen;
der Möglichkeit zur Zusammenarbeit mit Teilnehmerstaaten bei der Entwicklung von Fähigkeiten und Technologien zur Verteidigung gegen ballistische Raketen und
der Entwicklung einer legalen Basis für Kooperation, einschließlich neuer Verträge und Abkommen sowie möglicher Modifizierungen bestehender Abkommen, die notwendig sind, um
ein weltweites Schutzsystem einzuführen.
Die Delegationen führten konstruktive und fruchtbare
Gespräche über alle relevanten Fragen. Sie vereinbarten, daß ihre beiden Länder in ein radikal verändertes Sicherheitsumfeld eintreten, gekennzeichnet von
Veränderungen im Charakter der Bedrohungen für die
AMERIKA DIENST 29

internationale Sicherheit, einschließlich der steigenden Bedrohung der Weiterverbreitung ballistischer
Raketen und Massenvernichtungswaffen an die internationale Staatengemeinschaft. Sie kamen femer
überein, daß sie auch mit anderen interessierten Staaten zusammenarbeiten müßten, um Lösungen für
diese neuen Herausforderungen zu finden, indem sie
die möglichen Vorteile eines weltweiten Systems zum
Schutz gegen ballistische Raketen erwägen und stimmen überein, daß es wichtig ist, die Rolle der Verteidigung beim Schutz gegen begrenzte Schläge ballistischer Raketen zu untersuchen.
Beide Seiten vertraten die Auffassung, daß ihre Gespräche eine vielversprechende Basis für künftige
Arbeit liefern. Im Hinblick darauf entschieden sie, drei
Arbeitsgruppen ins Leben zu rufen, in denen Spezialisten unverzüglich die Entwicklung des Konzepts eines
weltweiten Schutzsystems übernehmen.
Eine Arbeitsgruppe für das Konzept eines weltweiten
Schutzsystems würde die Struktur, Modalitäten und
Funktionen eines weltweiten Schutzsystems der Zukunft erwägen. Sie würde das Konzept des Systems
untersuchen und die Beziehungen zwischen seinen
Hauptelementen prüfen. Sie würde gegebenenfalls
Untergruppen bilden, einschließlich solcher zu Analysen und Konzepten, Frühwarnung und Kooperation im
Bereich der Verteidigung gegen taktische ballistische
Raketen.
Eine Arbeitsgruppe für Zusammenarbeit im Technologiebereich würde mögliche Forschungs-, Entwicklungsund Erprobungsprojekte sowie andere Formen technologischer Zusammenarbeit erwägen, die - möglicherweise in Kooperation mit anderen Ländern - zur
Realisierung des Konzepts des weltweiten Schutzsystems führen könnten. In der Arbeit dieser Gruppe
Seite 1

�sollte die Arbeit der Arbeitsgruppe für das Konzept
ihren Niederschlag finden.
Eine Arbeitsgruppe für Nichtverbreitung würde gemeinsame Bewertungen von Tendenzen bei der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen und ihrer
Trägersysteme durchführen sowie Mittel und Wege
der Stärkung gegenwärtiger internationaler Bestrebungen aufzeigen, um eine solche Verbreitung zu
verhindern und ferner künftige Initiativen in diesem
Bereich untersuchen.

Beide Seiten kamen überein, daß die Arbeitsgruppen
ihre ersten Treffen möglichst bald abhalten sollten.
Darüber hinaus vereinbarten sie, daß der hochrangig e n G m p p e n a c h w j e v o r e j n e R o „ e a)s L e n k u n g s a u s .
s c h u ß zufa(|en soNte
S i e w ü r d e s i c h r e g e |mäßig
Bereiche
anzusprechen,
die die Präsidentreffen u m
|
|
t e n B u s h u n d J e z i n j n i h r e r E r k ä r u n g v o m ^7 J u n i f u r
s i e festgelegt haben. Beide Seiten sind bemüht, den
Regierungen beider Länder frühzeitig einen Bericht
u b e r d e n s t a t u s d i e S e r Bestrebungen vorzulegen.

* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 29

�W A H L E N "9 2
22. Juli 1992

ARBEITSPLÄTZE, KRANKENVERSICHERUNG,
REFORMEN VORRANGIG FÜR CLINTON
Rede beim Parteikonvent der Demokraten
NEW YORK - (AD) - Der demokratische Präsidentschaftskandidat Bill Clinton hat betont, eine Administration
unter seiner Führung werde der Schaffung von Arbeitsplätzen, dem Gesundheitswesen, der Umwelt und
politischen Reformen Vorrang einräumen.
"Während wir den Kalten Krieg im Ausland gewonnen haben, verlieren wir die Schlachten um wirtschaftliche
Chancen und soziale Gereichtigkeit im Inland. Jetzt, da wir die Welt verändert haben, ist es an der Zeit, Amerika
zu verändern", erklärte Clinton in seiner Rede beim Nationalen Konvent der Demokratischen Partei am 16. Juli
1992, mit der er die Präsidentschaftskandidatur seiner Partei annahm.
Clinton kritisierte dabei die Wirtschaftspolitik von Präsident Bush und stellte fest: "Ein Präsident sollte eine starke
Kraft für den Fortschritt sein... George Bush, wenn Sie Ihre Macht nicht einsetzen wollen, um Amerika zu helfen,
treten Sie ab, denn ich werde es tun."
Nachfolgend veröffentlichen wir Clintons Rede im Wortlaut.
Gouverneur Richards, Vorsitzender Brown, Bürgermeister Dinkins, unser großartiger Gastgeber, verehrte Delegierte, meine amerikanischen Mitbürger. Ich
bin so stolz auf AI Gore. Er sagte, daß er heute abend
hierher gekommen ist, weil er immer schon einmal den
Einheizer für Elvis spielen wollte. Nun, ich habe mich
dieses Jahr aus einem Grund - und nur aus diesem
Grund - um die Präsidentschaft beworben. Ich wollte
bei diesem Konvent erneut dabei sein und diese Rede
beenden, die ich vor vier Jahren begonnen hatte.
Gestern abend hat uns Mario Cuomo gelehrt, wie eine
echte Nominierungsrede gehalten werden sollte. Er
hat darüber hinaus klargemacht, warum wir unser
Staatsschiff auf einen neuen Kurs steuern müssen.
Heute abend möchte ich zu Ihnen über meine Zukunftshoffnung sprechen, mein Vertrauen in das
amerikanische Volk und meine Vision von der Art von
Land, das wir - gemeinsam - aufbauen können.
Ich grüße die guten Männer, die während des Vorwahlkampfes meine Mitbewerber waren - Tom Harkin, Bob
Kerrey, Doug Wilder, Jerry Brown und Paul Tsongas.
Alles ist in einem Satz der von uns verabschiedeten
Plattform enthalten: "Die wichtigste Familienpolitik,
Städtepolitik, Arbeitsmarktpolitik, Minderheitenpolitik
und Außenpolitik, die Amerika haben kann, ist eine auf
Wachstum ausgerichtete, unternehmerische Volks-

AMERIKA DIENST 29

wirtschaft mit hochbezahlten und anspruchsvollen
Arbeitsplätzen."
Im Namen all der Menschen, die die Arbeit leisten,
Steuern zahlen, Kinder aufziehen und sich an die
Spielregeln halten - im Namen der hart arbeitenden
Amerikaner, die unsere vergessene Mittelschicht bilden, nehme ich mit Stolz Ihre Nominierung für die
Präsidentschaft der Vereinigten Staaten an.
Ich bin ein Produkt jener Mittelschicht, und wenn ich
Präsident bin, werden Sie nicht länger vergessen sein.
Wir treffen zu einem besonderen historischen Zeitpunkt zusammen, Sie und ich. Der Kalte Krieg ist
vorüber. Der Sowjetkommunismus ist zusammengebrochen. Und unsere Werte - Freiheit, Demokratie,
Rechte des einzelnen, freies Unternehmertum - haben
in der ganzen Welt triumphiert. Aber während wir den
Kalten Krieg im Ausland gewonnen haben, verlieren
wir die Schlachten um wirtschaftliche Chancen und
soziale Gereichtigkeit im Inland. Jetzt, da wir die Welt
verändert haben, ist es an der Zeit, Amerika zu verändern.
Den Kräften der Habgier und den Verteidigern des
Status quo habe ich eine Nachricht zu überbringen Ihre Zeit ist gekommen und zu Ende gegangen. Es ist
Zeit für einen Wandel in Amerika.

Seite 1

�Heute abend sind 10 Millionen unserer amerikanischen Mitbürger arbeitslos. Viele Millionen arbeiten
härter für geringeren Lohn. Der derzeitige Präsident
erklärt, die Arbeitslosigkeit steige immer ein wenig
bevor ein Aufschwung einsetze. Es ist jedoch nur noch
ein weiterer Arbeitsloser erforderlich, bevor ein echter
Aufschwung beginnen kann. Und, Herr Präsident,
dieser Mann sind Sie.
Bei dieser Wahl geht es darum, die Macht zurück in
Ihre Hände zu legen und die Regierung wieder auf Ihre
Seite zu bringen. Es geht darum, den Menschen an die
erste Stelle zu setzen.
Sie wissen es, ich habe es im ganzen Land verkündet.
Und wann immer ich dies tue, kommt jemand zu mir,
wie dieser junge Mann vergangene Woche bei einer
Gemeindeversammlung im Henry Street Settlement
auf der Lower East Side von Manhattan. Er sagte zu
mir: "Das klingt gut, Bill. Aber Sie sind Politiker.
Warum sollte ich Ihnen vertrauen?"
Heute abend will ich Ihnen so offen ich kann, erzählen,
wer ich bin, woran ich glaube und wohin ich Amerika
führen möchte.
Ich habe meinen Vater nie gekannt. Er wurde drei
Monate vor meiner Geburt auf dem Weg von Chicago
nach Arkansas zu meiner Mutter bei einem Autounfall
auf einer regennassen Straße getötet.
Danach mu ßte meine Mutter allein für uns sorgen. Wir
lebten bei meinen Großeltern, während sie zurück
nach Louisiana ging, um sich als Krankenschwester
ausbilden zu lassen.
Ich kann sie heute noch ganz genau mit den Augen
eines dreijährigen Kindes sehen, wie sie sich im Bahnhof niederkniete und weinte, als sie mich wieder in den
Zug zu meiner Großmutter in Arkansas setzte. Sie
stand diesen Schmerz durch, weil sie wußte, daß ihr
Opfer der einzigs Weg war, um für mich zu sorgen und
mir ein besseres Leben zu verschaffen.
Meine Mutter hat mich gelehrt. Sie lehrte mich, was
Familie, harte Arbeit und Opfer bedeuten. Sie blieb
über alle Tragödien hinweg standfest. Und sie hielt
unsere Familie, meinen Bruder und mich, durch harte

Zeiten zusammen. Als Kind sah ich jeden Tag, wie sie
das Haus verließ, um zur Arbeit zu gehen, zu einer
Zeit, als es nicht gerade leicht war, arbeitende Mutter
zu sein.
Als Erwachsener sah ich, wie sie gegen den Brustkrebs kämpfte. Und wieder lehrte sie mich eine Lektion
in Sachen Mut. Und immer, immer lehrte sie mich zu
kämpfen.
Deshalb werde ich kämpfen, um gut bezahlte Arbeitsplätze zu schaffen, damit Eltern es sich leisten können,
heute Kinder aufzuziehen. Deshalb werde ich mich
dafür engagieren, daß jeder Amerikaner den Krankenversicherungsschutz erhält, der das Leben meiner
Seite 2

Mutter rettete und daß die Krankenversicherung von
Frauen denselben Stellenwert erhält, wie die von
Männern. Deshalb werde ich dafür kämpfen, daß
Frauen in diesem Land Achtung und Würde zuteil wird,
ob sie nun zu Hause, außerhalb oder an beiden Stellen
arbeiten.
Sie möchten wissen, woher ich meinen Kampfgeist
nehme? Alles begann mit meiner Mutter. Mutter, ich
danke Dir, ich liebe Dich.
Wenn ich an Chancen für alle Amerikaner denke,
denke ich an meinen Großvater. Er hatte einen
Gemischtwarenladen in unserer Kleinstadt Hope.
Damals gab es noch keine Lebensmittelmarken. Wenn
also seine Kunden - ob sie nun Weiße oder Schwarze
waren -, die hart arbeiteten und ihr Bestes gaben, ohne
Geld in den Laden kamen, dann gab er ihnen auch so
etwas zu essen. Er schrieb nur an. Ich tat desgleichen.
Bevor ich groß genug war, um über die Ladentheke
sehen zu können, lernte ich von ihm, zu Leuten aufzublicken, auf die andere herabblickten.
Mein Großvater hatte lediglich die High School abgeschlossen - also eine einfache Schulbildung. Aber in
diesem Laden auf dem Lande lehrte er mich mehr über
Gleichheit in den Augen des Schöpfers als alle meine
Professoren in Georgetown, mehr über den wahren
Wert jedes einzelnen als alle Philosophen in Oxford,
mehr über die Notwendigkeit der Gleichheit vor dem
Gesetz als alle Juristen in Yale.
Wenn Sie wissen möchten, woher mein leidenschaftliches Engagement kommt, Menschen ohne Ansehen
der Rasse zusammenzuführen - alles begann mit
meinem Großvater.
Auch von einer anderen Person habe ich viel gelernt einer Person, die über zwanzig Jahre lang hart gearbeitet hat, um unseren Kindern zu helfen, die Zeit
geopfert hat, um sicherzustellen, daß unsere Schulen
sie nicht im Stich lassen. Jemand, der ein Jahr lang
unseren Staat bereist hat, um zu studieren, zu lernen
und zuzuhören, der zu Elternversammlungen, Konferenzen der Schulbehörde, Gemeindeversammlungen
gegangen ist und ein im gesamten Land anerkanntes
Schulreformpaket zusammengestellt hat. Und all dies
hat sie getan, während sie eine Karriere als herausragende Juristin aufbaute und eine wunderbare, liebevolle Mutter war. Diese Person ist meine Frau.
Hillary hat mich gelehrt. Sie lehrte mich, daß alle
Kinder lernen können und daß jeder von uns die Pflicht
hat, ihnen dabei zu helfen. Wenn Sie also wissen
wollen, warum ich mich so stark um unsere Kinder und
unsere Zukunft kümmere, so begann alles mit meiner
Frau. Ich liebe Dich.
Offengestanden, ich habe genug von Politikern in
Washington, die uns alle über "die Werte der Familie"
belehren wollen. Unsere Familien haben Werte. Aber
unsere Regierung nicht.
AMERIKA DIENST 29

�Ich möchte ein Amerika, in dem "Familienwerte" in
unserem Handeln zum Ausdruck kommen, nicht nur in
unseren Reden, ein Amerika, das jede Familie einbezieht, jede traditionelle Familie und jede Großfamilie,
jede Familie mit zwei Elternteilen, jede Familie mit
einem Eltemteil und jede Pflegefamilie - jede Familie.
Den Vätern in diesem Lande, die sich dafür entschieden haben, ihre Kinder im Stich zulassen, indem sie
ihre Unterhaltszahlungen einstellen, möchte ich eines
sagen. Übernehmen Sie Verantwortung für Ihre Kinder, oder wir werden Sie dazu zwingen, denn Kinder
werden nicht vom Staat aufgezogen, sondern von
ihren Eltern - und das sollten Sie tun.
Und jedem Kind im Land, das ohne einen Vater oder
eine Mutter aufwächst, möchte ich heute abend folgendes sagen. Ich weiß, wie Ihr Euch fühlt. Ihr seid
auch etwas ganz besonderes. Ihr bedeutet Amerika
etwas. Und laßt Euch von niemandem einreden, Ihr
könntet nicht werden, was ihr werden wollt. Und wenn
andere Politiker Euch das Gefühl geben, daß Ihr nicht
Teil ihrer Familie seid, kommt und seid Teil der unseren.
Mein größter Zorn darüber, was in den vergangenen
zwölf Jahren falsch gelaufen ist, rührt daher, daß
unsere Regierung den Kontakt zu unseren Werten
verloren hat, während unsere Politiker weiterhin lautstark über sie reden. Ich habe genug davon.

Ein Präsident sollte eine starke Kraft für den Fortschritt
sein. Aber jetzt weiß ich, wie Präsident Lincoln sich
gefühlt hat, als General McCIellan im Bürgerkrieg nicht
angreifen wollte. Er fragte ihn: "Wenn Sie ihre Armee
nicht benötigen, darf ich Sie vielleicht ausleihen?" Und
deshalb sage ich, George Bush, wenn Sie ihre Macht
nicht einsetzen, um Amerika zu helfen, treten Sie ab,
denn ich werde es tun.
Unser Land gerät ins Hintertreffen. Unser Präsident ist
in einer überkommenen Wirtschaftstheorie gefangen.
Seit der Amtszeit von Reagan und Bush sind wir bei
den Löhnen weltweit vom ersten auf den dreizehnten
Platz gefallen.
Vor vier Jahren hat der Kandidat Bush erklärt, Amerika
sei ein besonderer Ort, nicht nur "ein anderes angenehmes Land der Vereinten Nationen irgendwo zwischen Albanien und Zimbabwe". Jetzt, unter Präsident
Bush, hat Amerika eine unerfreuliche Wirtschaft irgendwo zwischen Deutschland und Sri Lanka. Und für
die meisten Amerikaner, Herr Präsident, ist das Leben
viel unsanfter als vor ihrem Amtsantritt.
Unser Land ist so schnell so tief gesunken, daß erst vor
ein paar Monaten der japanische Ministerpräsident
erklärt hat, er empfinde Mitgefühl mit den Vereinigten
Staaten. Mitgefühl. Wenn ich Ihr Präsident bin, wird
der Rest der Welt nicht mitleidig auf uns herabsehen,
sondern wieder respektvoll zu uns aufschauen.

Ich wurde in dem Glauben erzogen, daß der amerikanische Traum auf der Belohnung harter Arbeit basierte. Wir haben jedoch gesehen, wie die Leute in
Washington die amerikanische Ethik auf den Kopf
stellten. Zu lange wurden diejenigen, die sich an die
Spielregeln halten und ihren Glauben bewahren, übers
Ohr gehauen. Und diejenigen, die sich über die Regeln
hinwegsetzen und unsaubere Geschäfte machen,
wurden belohnt. Die Menschen arbeiten härter als
vorher, verbringen weniger Zeit mit ihren Kindern,
arbeiten abends oder an Wochenenden, anstatt zu
Schulversammlungen oder Sportveranstaltungen ihrer Kinder zu gehen. Und ihre Einkommen schrumpfen
weiter, während die Steuern immer noch steigen und
die Kosten für Krankenversicherung, Wohnungen und
Ausbildung jeden Rahmen sprengen. Gleichzeitig
versinken immer mehr unserer besten Leute in Armut,
obwohl sie wöchentlich 40 Stunden arbeiten.

Was tut George Bush im Hinblick auf unsere Wirtschaftsprobleme?

Unsere Menschen befürworten einen Wandel, aber die
Regierung steht dem im Wege. Sie wurde das Opfer
privilegierter Einzelinteressen. Sie hat vergessen, wer
hier wirklich die Rechnungen bezahlt. Sie nimmt mehr
Geld von Ihnen und gibt Ihnen dafür immer weniger
zurück. Wir müssen die völlig phantasielose Politik in
Washington überwinden und unserem Volk die Art von
Regierung geben, die es verdient - eine Regierung, die
für es arbeitet.

Wenn Sie genug von einer Regierung haben, die nichts
tut, um neue Arbeitsplätze zu schaffen, wenn Sie
genug von einem Steuersystem haben, das gegen Sie
gerichtet ist, wenn Sie genug von explodierenden
Schulden und sinkenden Investitionen in unsere Zukunft haben, oder wenn Sie, wie der verstorbene
Bürgerrechtler Fannie Lou Hamer, einfach genug davon
haben, immer genug davon zu haben, dann schließen
Sie sich uns an, arbeiten Sie mit uns zusammen,
gewinnen Sie mit uns, denn wir können das Land zu
dem machen, was es eigentlich sein sollte.

AMERIKA DIENST 29

Nun, er hat damals 15 Millionen Arbeitsplätze versprochen, und vierzehn Millionen davon stehen noch aus.
AI Gore und ich können das besser machen.
Er hat die Steuern derjenigen erhöht, die Lieferwagen
fahren und die Steuern der Menschen gesenkt, die in
Limousinen gefahren werden. Wir können das besser
machen.
Er hat versprochen, den Haushalt auszugleichen, hat
es aber nicht einmal versucht. Tatsächlich haben
seine dem Kongreß unterbreiteten Haushaltsvorlagen
die Schulden fast verdoppelt. Und was noch schlimmer ist, er hat Milliarden verschleudert und unsere
Investitionen in Bildung und Arbeitsplätze verringert.
Wir können das besser machen.

Seite 3

�George Bush spricht von einem guten Spiel. Aber er
hat keinen Spielplan, um Amerika wiederaufzubauen von den Städten über die Vorstädte bis zu den ländlichen Gebieten - damit wir in der Weltwirtschaft wieder
konkurrieren und erneut gewinnen können. Ich aber
habe einen.
Erschafft es nicht, daß die großen Versicherungskonzerne und Bürokratien die Gesundheitskosten kontrollieren und uns bezahlbare Gesundheitsvorsorge für
alle Amerikaner verschaffen, aber ich schaffe das.
Er führt nicht einmal die Empfehlungen seiner eigenen
AIDS-Kommission durch, aber ich werde das tun.
Er strafft nicht den Bundeshaushalt und verändert
seine Funktionsweise, baut 100.000 Bürokraten ab
und schickt 100.000 neue Polizisten auf die Straßen
der amerikanischen Städte, aber ich werde das tun.
Er hat niemals einen Regierungshaushalt ausgeglichen, aber ich habe das getan -11mal.
Er durchbricht nicht den Würgegriff, den Eigeninteressen auf unsere Wahlen und Lobbyisten auf unsere
Regierung ausüben, aber ich werde das tun.
Er gibt nicht Müttern und Vätern ganz einfach die
Chance, am Arbeitsplatz frei zu nehmen, wenn ein
Baby geboren wird oder ein Elternteil krank ist, aber ich
werde das tun.
Wir verlieren unsere Farmen immer schneller, und er
setzt sich nicht dafür ein, daß Farmen in der Familie
bleiben, aber ich werde das tun.
Er hat viel über Drogen gesprochen, aber er hat den
Menschen an der Front nicht geholfen, diesen Krieg
gegen Drogen und Verbrechen zu führen, aber ich
werde das tun.
Er übernimmt nicht die Führungsrolle beim Umweltschutz und der Schaffung von Arbeitsplätzen für die
Umwelttechnologie des 21. Jahrhunderts, aber ich
werde das tun.
Darüber hinaus hat er nicht AI Gore - aber ich.
Nur für den Fall, daß Sie es noch nicht bemerkt haben
- Gore schreibt man mit einem 'e' am Ende.
George Bush garantiert Frauen nicht das Recht auf
freie Wahl, ob sie ein Kind austragen wollen, aber ich
tue das.
Verstehen Sie mich richtig. Ich bin nicht für Abtreibung. Aber ich bin voll und ganz für das Recht auf freie
Wahl.
Meiner Ansicht nach sollte diese schwierige und schmerzliche Entscheidung bei den Frauen Amerikas liegen.

Seite 4

Ich hoffe, das Recht auf die Privatsphäre kann geschützt werden, und wir müssen dieses Problem nicht
mehr auf politischer Ebene diskutieren.
Aber ich bin alt genug, um mich daran zu erinnern, wie
es vor dem Urteil Roe ./. Wade war, und ich möchte
nicht in die Zeit zurückfallen, wo wir aus Frauen und
ihren Ärzten Verbrecher gemacht haben.
Arbeitsplätze. Bildungswesen. Gesundheitsfürsorge.
Dies sind nicht nur Lippenbekenntnisse. Sie sind mein
Lebenswerk.
Unsere Prioritäten müssen klar sein. Wir werden die
Menschen wieder an die erste Stelle setzen.
Aber Prioritäten ohne einen klaren Aktionsplan sind
nur leere Worte. Um unsere Worte in die Tat umzusetzen, müssen wir die Art und Weise grundlegend verändern, wie die Regierung funktioniert. Wenn wir das
nicht tun, verschwenden wir weiterhin Milliarden Dollar.
Die Republikaner führen seit Generationen ihre Kampagne gegen eine große Regierung. Aber haben Sie
bemerkt, daß sie diese große Regierung seit einer
Generation führen und überhaupt nichts verändert
haben. Sie wollen die Regierung nicht reparieren. Sie
wollen immer noch eine Kampagne dagegen führen,
und das ist alles.
Aber, meine demokratischen Parteifreunde, es ist an
der Zeit zu realisieren, daß auch wir uns verändern
müssen. Es gibt kein Regierungsprogramm für jedes
Problem. Wenn wir die Regierung einsetzen Wollen,
um den Menschen zu helfen, müssen wir sie wieder
zum Funktionieren bringen.
Weil wir uns, bei diesem Konvent und mit diesem
Programm, für diese Veränderungen einsetzen, sind
wir - um mit den Worten zu sprechen, die Ross Perot
heute gewählt hat - als Demokraten eine neubelebte
demokratische Partei.
Ich bin mir sehr wohl der Tatsache bewußt, daß all
diese Millionen Menschen, die sich für die Sache Ross
Perots eingesetzt haben, Mitglieder einer Armee von
Patrioten des Wandels sein wollten. Heute abend
sage ich ihnen: Schließen Sie sich uns an, gemeinsam
werden wir Amerika neu beleben.
Ich habe auch nicht alle Antworten. Aber ich wei ß, daß
die alten Methoden nicht mehr funktionieren. Eine
Wirtschaft, in der alles versickert, hat ganz sicherlich
versagt. Und große Bürokratien, sowohl private wie
auch staatliche, haben auch versagt. Deshalb benötigen wir einen neuen Ansatz für die Regierung. Eine
Regierung, die mehr Selbständigkeit und weniger
Anspruchsberechtigung bietet, mehr Wahlmöglichkeiten für junge Menschen in den öffentlichen Schulen
und mehr Wahlmöglichkeiten für ältere Mitbürger und
Menschen mit Behinderungen in ihrer langfristigen
Pflege.
AMERIKA DIENST 29

�Eine Regierung, die gestrafft ist, aber nicht geiziger.
Eine Regierung, die die Chancen erhöht und nicht
Bürokratie verstärkt. Eine Regierung, die versteht,
daß Arbeitsplätze aus dem Wachstum eines dynamischen Systems freien Unternehmertums entstehen.
Ich nenne diesen Ansatz einen neuen Bund - eine
noble Vereinbarung zwischen dem Volk und seiner
Regierung, nicht auf der Basis dessen, was jeder von
uns nehmen, sondern was jeder von uns unserer
Nation geben kann.

Aber Sie müssen das Ihrige dazu beitragen. Sie
müssen verantwortungsbewußt handeln. Amerikanische Firmen müssen wieder wie amerikanische Firmen handeln und Produkte, nicht Arbeitsplätze exportieren.

Wir bieten unseren Menschen eine neue Wahl auf der
Basis alter Werte. Wir bieten Chancen. Wir fordern
Verantwortung. Wir werden erneut das Gemeinwohl in
Amerika aufbauen. Die Wahl, die wir anbieten, ist nicht
konservativ oder liberal und in vieler Hinsicht nicht
einmal demokratisch oder republikanisch. Sie ist
anders. Sie ist neu. Und sie wird funktionieren.

Wir werden sagen: Jeder kann das Geld für einen
College-Besuch leihen, aber Sie müssen Ihren Teil
dazu beitragen. Sie müssen das Geld von Ihrem
Gehalt zurückzahlen oder - noch besser - indem Sie
nach Hause zurückgehen und Ihren Gemeinden dienen.

Sie wird funktionieren, weil sie ihre Wurzeln in der
Vision und den Werten des amerikanischen Volkes
hat. Von allem, was George Bush jemals gesagt hat
und womit ich nicht übereinstimme, beunruhigt mich
eins am meisten - wie er die amerikanische Tradition
verspottet und herabsetzt, eine bessere Zukunft zu
sehen und anzustreben. Er macht sich darüber lustig
als "diese Sache mit der Vision".
Aber erinnern Sie sich daran, was die Schrift sagt: "Wo
keine Vision ist, werden die Menschen zugrundegehen."
Ich hoffe, niemand in diesem Saal oder in unserem

geliebten Land geht ohne Vision in die Zukunft. Ich
hoffe, niemand versucht jemals, ein Kind ohne Vision
zu erziehen. Ich hoffe, niemand gründet jemals ein
Unternehmen oder baut Getreide an ohne Vision.
Denn wo keine Vision ist, werden die Menschen zugrundegehen.
Ein Grund, warum so viele Kinder an so vielen Orten in
diesem Land Probleme haben, liegt darin, daß sie so
wenig Möglichkeiten haben, so wenig Verantwortung,
eine so wenig liebende und fürsorgliche Umgebung,
daß sie sich einfach kein Leben vorstellen können, zu
dem wir sie auffordern.
Und deshalb sage ich erneut, wo keine Vision ist,
werden die Vereinigten Staaten zugrunde gehen. Wie
lautet die Vision unseres neuen Bundes?
Ein Amerika mit Millionen neuer Arbeitsplätze in Dutzenden neuer Industriezweige, die voller Vertrauen ins
21. Jahrhundert blicken. Ein Amerika, das Unternehmern und Geschäftsleuten sagt: Wir werden Euch
mehr Anreize und mehr Chancen als je zuvor zur
Entwicklung der Fähigkeiten Eurer Arbeitnehmer bieten und um die amerikanischen Arbeitsplätze und den
amerikanischen Wohlstand in der neuen Weltwirtschaft zu schaffen.

AMERIKA DIENST 29

Das ist es, worum es in unserem neuen Bund geht. Ein
Amerika, in dem die College-Türen wieder den Söhnen
und Töchtern von Stenographen und Stahlarbeitern
offenstehen.

Stellen Sie sich das einmal vor - Millionen energischer
junger Männer und Frauen, die ihrem Land dienen,
indem sie die Straßen bewachen, Kinder unterrichten,
sich um Kranke kümmern, mit älteren Menschen oder
Behinderten arbeiten, junge Menschen vom Drogenkonsum und dem Anschluß an Banden abhalten und
uns allen ein Gefühl neuer Hoffnung und unbegrenzter
Möglichkeiten vermitteln. Darum geht es in unserem
neuen Bund.
Ein Amerika, in dem Gesundheitsfürsorge ein Recht,
nicht ein Privileg ist. Ein Amerika, in dem wir zu allen
Menschen sagen: Ihre Regierung hat endlich den Mut,
den Profiteuren im Gesundheitswesen den Garaus
und Gesundheitsfürsorge für jede Familie erschwinglich zu machen.
Aber Sie müssen das Ihre dazu beisteuern - Vorsorge,
vorgeburtliche Diagnostik, Kinderimpfungen - die
Menschenleben retten, Geld sparen und Familien Leid
ersparen. Darum geht es in unserem neuen Bund.
Ein Amerika, in dem die Einkommen der Mittelklasse
und nicht deren Steuern steigen. Ja, ein Amerika, in
dem die wenigen Wohlhabendsten - die über 200.000
Dollar pro Jahr verdienen - aufgefordert werden, ihren
gerechten Anteil zu leisten.
Ein Amerika, in dem die Reichen nicht gemolken
werden, aber auch die Mittelklasse nicht zum Untergang verurteilt ist.
Verantwortung beginnt oben. Davon handelt unser
neuer Bund. Ein Amerika, in dem wir der bisher
gekannten Art der Sozialhilfe ein Ende bereiten. Wir
werden den Sozialhilfeempfängern sagen: Ihnen wird
- und Sie verdienen es - durch Aus- und Fortbildung,
durch Kinderbetreuung und medizinische Versorgung
die Chance geboten, sich davon zu befreien. Aber
wenn Sie arbeiten können, müssen Sie dies auch tun.
Denn Sozialfürsorge sollte eine zweite Chance sein,
nicht ein Lebensstil. Darum geht es in unserem neuen
Bund.

Seite 5

�Ein Amerika mit der stärksten Verteidigung der Welt,
gegebenenfalls zum Einsatz von Gewalt bereit und
willens. Ein Amerika an vorderster Front der weltweiten Bestrebungen zur Erhaltung und zum Schutz unserer
gemeinsamen Umwelt und bei der Förderung weltweiten Wachstums. Ein Amerika, das von Bagdad bis
Beijing keine Tyrannen duldet. Ein Amerika, das sich
zum Fürsprecher der Freiheit und Demokratie von
Osteuropa bis zum südlichen Afrika und auf unserem
Kontinent von Haiti bis Kuba macht.
Das Ende des Kalten Kriegs gestattet uns eine Kürzung unserer Verteidigungsausgaben bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung der stärksten Verteidigung der
Welt. Aber wir müssen jeden bei den Verteidigungsausgaben eingesparten Dollar für die Schaffung von
Arbeitsplätzen hier in unserem Land verwenden.
Ich weiß sehr wohl, daß die Welt ein starkes Amerika
benötigt, aber wir haben gelernt, daß die Stärke im
Inland beginnt.
Der neue Bund ist jedoch mehr als Chancen und
Pflichten für Sie und Ihre Familien. Er handelt auch von
unserer Gemeinschaft. Heute abend weiß jeder von
Ihnen in seinem tiefsten Inneren, daß wir zu sehr
gespalten sind. Es ist an der Zeit, Amerika zu heilen.
Und deshalb müssen wir jedem Amerikaner sagen:
Blicken Sie über die Klischees hinaus, die uns blind
machen. Wir brauchen einander - wir alle brauchen
einander. Wir haben keinen Menschen zu verschwenden. Und dennoch haben die Politiker den meisten von
uns zu lange gesagt, daß es uns gut geht, was wirklich
in Amerika im argen liegt, daran seien die anderen
schuld. Sie - die Minderheiten, die Liberalen, die
Armen, die Obdachlosen und die Behinderten, die
Homosexuellen. Wir sind an dem Punkt angelangt, an
dem wir beinahe nur noch den anderen die Schuld in
die Schuhe schieben. Dem und dem und dem.
Aber dies ist Amerika. Es gibt nicht "die anderen", es
gibt nur uns. Eine Nation unter Gott, unteilbar, mit
Freiheit und Gerechtigkeit für alle. Das ist unser
Versprechen der Loyalität, und das ist unser neuer
Bund.
Woher weiß ich, daß wir alle zusammenkommen und
diesen Wandel bewirken können? Weil ich es in
meinem eigenen Bundesstaat gesehen habe. In Arkansas arbeiten wir zusammen und erzielen Fortschritte. Nein, es gibt kein Wunder von Arkansas.
Aber es gibt viele erstaunliche Menschen. Und wegen
ihnen sind unsere Schulen besser, unsere Löhne
höher, unsere Fabriken besser ausgelastet, unser
Wasser sauberer und unser Haushalt ausgeglichen.
Wir kommen voran.
Ich wünschte, ich könnte dasselbe für Amerika unter
dem amtierenden Präsidenten sagen. Er hat das
reichste Land der Welt in den Niedergang geführt. Wir

Seite 6

haben einem der ärmsten Bundesstaaten in Amerika
zu Wohlstand verholten.
Und so sage ich zu allen in dieser Wahlkampfsaison,
die Arkansas kritisieren wollen: Kommt zu uns. Besonders, wenn Sie aus Washington sind, kommen Sie
uns besuchen. Zweifelsohne werden Sie uns mit
Problemen kämpfen sehen, die wir noch nicht lösen
konnten. Aber Sie werden auch zahlreiche Menschen
sehen, die Erstaunliches tun. Und Sie könnten vielleicht ein oder zwei Dinge lernen.
Letztlich, meine amerikanischen Mitbürger, fordert uns
dieser neue Bund nur auf, wieder Amerikaner zu sein.
Altmodische Amerikaner für eine neue Zeit. Chancen,
Verantwortung, Gemeinschaft. Wenn wir alle an einem Strang ziehen, wird Amerika Fortschritte machen.
Im gesamten Verlauf der Geschichte dieses Landes
konnten wir dies immer wieder beobachten: Wenn wir
geeint sind, kann man uns nicht aufhalten. Wir können
diesen Augenblick ergreifen, es aufregend, belebend
und heroisch machen, wieder Amerikaner zu sein. Wir
können unseren Glauben an den anderen und an uns
selbst erneuern. Wir können unser Gefühl für die
Einheit und die Gemeinschaft wiederherstellen. Wie
die Schrift lehrt, haben unsere Augen noch nicht
gesehen, unsere Ohren noch nicht gehört und unsere
Phantasie hat sich noch nicht vorgestellt, was wir
aufbauen können.
Aber ich kann dies nicht alleine leisten. Kein Präsident
kann das. Wir müssen es zusammmen tun. Es wird
nicht leicht sein und nicht schnell gehen. Wir sind nicht
über Nacht in diesen Schlamassel geraten, und wir
werden nicht über Nacht daraus hervorgehen. Aber
wir können es bewerkstelligen - mit Engagement,
Kreativität, Vielfalt und Dynamik. Wir können es
schaffen.
Ich möchte, daß jeder in diesem Saal Anwesende und
jeder in unserem Land sich uns anschließt bei dem
gro ßen neuen Abenteuer der Gestaltung einer kühnen
neuen Zukunft.
Als Teenager hörte ich John Kennedys Aufruf zur
Bürgerpflicht. Und dann, als Student in Georgetown,
wurde dieser Aufruf von einem Professor namens
Carroll Quigley erläutert, der uns erklärte, die Vereinigten Staaten seien die größte Nation in der Geschichte
der Welt, weil unser Volk stets an zwei Dinge geglaubt
habe - daß morgen besser als heute sein kann und
jeder von uns eine persönliche, moralische Verpflichtung habe, darauf hinzuarbeiten.
Diese Art der Zukunft wurde für mich mit der Geburt
unserer Tochter Chelsea Wirklichkeit. Während ich im
Kreißsaal stand, wurde ich von dem Gedanken überwältigt, daß Gott mir eine Gnade geschenkt hatte, die
mein eigener Vater nie kennengelernt hat - die Chance, mein Kind in den Armen zu halten.

AMERIKA DIENST 29

�In diesem Augenblick wird irgendwo in Amerika ein
Kind geboren. Wir sollten es zu unserer Sache machen, diesem Kind ein glückliches Zuhause, eine
gesunde Familie und eine hoffnungsvolle Zukunft zu
bieten. Wir sollten es zu unserer Sache machen, daß
dieses Kind eine Chance hat, die ganze Bandbreite der
von Gott gegebenen Fähigkeiten auszuschöpfen. Wir
sollten es uns angelegen sein lassen, daß dieses Kind
stark und sicher aufwächst, gewappnet für Herausforderungen, aber niemals allein kämpfend. Mit einer
Familie und Freunden und einem Glauben an Amerika
wird niemand ausgeschlossen oder zurückgelassen.

seine Kinder, seine Gemeinde und sein Land weitergibt. Wir sollten es uns angelegen sein lassen, diesem
Kind ein Land zu geben, das zusammenwächst, nicht
auseinanderfällt, ein Land unbegrenzter Hoffnungen
und endloser Träume, ein Land, das erneut seine
Menschen und die Welt inspiriert. Das sollten wir zu
unserer Sache, unseren Verpflichtungen, unseren neuen
Bünden machen.

Wir sollten es zu unserer Sache machen, daß dieses
Kind, wenn es über Fähigkeiten verfügt, etwas an

Möge Gott Sie und die Vereinigten Staaten schützen.

Meine amerikanischen Mitbürger, heute abend ende
ich mit dem Wort, mit dem alles für mich begann. Ich
glaube noch immer an etwas namens "Hoffnung".

* *

AMERIKA DIENST 29

*

Seite 7

�W A H L E N '9 2
22. Juli 1992

DIE DEMOKRATEN VERSPRECHEN WIRTSCHAFTSWACHSTUM UND FÜHRUNGSKRAFT
Das Parteiprogramm der Demokraten
NEW YORK - (AD) - Die Delegierten beim Parteitag der Demokraten stimmten am 14. Juli 1992 mit einer offenen
Abstimmung einem Parteiprogramm zu, das eine Wirtschaft verspricht, die Wachstum und Arbeitsplätze in den
Vereinigten Staaten schafft, die wirtschaftlichen Führungsrolle Amerikas in der Welt wiederherstellt und
Demokratie auf der ganzen Welt fördert.
Die Demokratische Partei nennt ihr Programm von Zielen und Hoffnungen "einen neuen Bund mit dem
amerikanischen Volk".
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus dem Parteiprogramm.
Das Parteiprogramm der Demokraten - "Ein neuer
Bund mit dem amerikanischen Volk"
I. Chancen
Die oberste Priorität unserer Partei sind bessere Chancen
- ein breit gefächertes, nichtinflationäres Wirtschaftswachstum und sich daraus ergebende Möglichkeiten.
Die Demokraten erachten 1992 nichts als so wichtig
wie eine Wirtschaft, die Wachstum und Arbeitsplätze
für alle bietet.
Investieren in Amerika. Der einzige Weg, um den
Grundstein für einen neuerlichen Wohlstand in Amerika zu legen, besteht in der Förderung sowohl öffentlicher wie privater Investitionen. Wir müssen das
Haushaltsdefizit beheben und die Investitionslücken
schließen. Unsere wichtigsten Konkurrenten investieren viel mehr als wir in Straßen, Brücken sowie in die
Informationsnetze und Technologien der Zukunft. Wir
werden Amerika wiederaufbauen, in dem wir mehr in
Verkehr, Umwelttechnologien, Konversion der Rüstungsindustrie und ein nationales Informationsnetz
investieren.
Zur Einleitung des Wirtschaftswachstums sollten der
Präsident und der Kongreß übereinkommen, daß
Einsparungen aus der Verteidigung produktiv im Inland reinvestiert werden, auch für Forschung, Ausund Weiterbildung und andere produktive Investitionen. Dies wird die mageren neun Prozent des nationalen Haushalts drastisch verbessern, die jetzt für die
Zukunft bereitgestellt werden. Wir werden einen
"Zukunftshaushalt" für Investitionen schaffen, der uns
reicher macht und der von den Teilen des Haushalts
AMERIKA DIENST 29

getrennt bleiben soll, aus denen die Vergangenheit
und die Zukunft bestritten wird. Für den Privatsektor
werden wir statt erheblicher Kapitalerträge für die
Reichen und Spekulanten Steuerfreibeträge für Investitionen und eine Reduzierung der Kapitalertragssteuer für geduldige Investoren in neue Technologien
und neue Unternehmen schaffen.
Unterstützung für Innovationen. Wir werden den Vorteil
abbauen, den Japan und Deutschland jetzt genießen,
die in höherem Maße als die Vereinigten Staaten in
neue Technologien investieren und auch über das
entsprechende Wachstum verfügen. Wir werden die
Steuerfrei betrage für Forschung und Entwicklung zu
einer Dauereinrichtung machen, die Grundlagenforschung in den wichtigsten Technologien für die Zukunft verdoppeln und eine Behörde für zivile Forschung gründen, um die Entwicklung in diesem Bereich zu beschleunigen.
Das Defizit. Die Behebung des Defizits erfordert faire
und gemeinsame Opfer aller Amerikaner zum Wohl
aller. In 12 Jahren der republikanischen Regierung hat
sich eine in 200 Jahren aufgebaute nationale Schuldenlast vervierfacht. Die steigenden Zinsen für diese
Schulden verschlingen nunmehr einen von sieben
Dollar Steuern. Statt der angebotsorientierten wirtschaftlichen Katastrophe der Republikaner werden
Investitionen, wirtschaftliche Umgestaltung und Wachstumsstrategie der Demokraten mehr Erträge aus einer
wachsenden Wirtschaft erzeugen. Darüber hinaus
müssen wir die Ausgaben angehen, indem wir alles auf
den Tisch legen, unproduktive Programme abschaffen, Einsparungen bei der Verteidigung erzielen, HilfsSeite 1

�Programme reformieren, um die explodierenden Kosten im Gesundheitswesen zu reformieren, die Ausgaben der Bundesregierung vier Jahre lang jährlich um 3
Prozent kürzen, Erhöhungen im "laufenden Haushalt"
auf die Zuwachsrate des durchschnittlichen amerikanischen Gehaltsniveaus begrenzen, strenge stufenweise Regeln für neue nichtinvestive Ausgaben anlegen und die Reichen zwingen, ihren gerechten Anteil
an den Steuern zu zahlen.
Umwandlung des Verteidigungsbereichs. Unsere
Wirtschaft benötigt sowohl die Menschen als auch die
Mittel, die am Ende des kalten Kriegs in der Verteidigung freiwerden. Wir werden den an diesem Kampf
Beteiligten helfen - den Männern und Frauen, die in
unseren Streitkräften dienten und in unserer Rüstungsindustrie arbeiten -, damit sie das Beste aus einem
neuen Zeitalter machen. Wir werden frühzeitig über
Programmänderungen informieren, um Gemeinden,
Unternehmen und Arbeitnehmern genug Zeit zur Planung zu geben. Wir werden unsere Veteranen ehren
und unterstützen. Ausscheidende Angehörige der
Streitkräfte, Arbeitnehmer in der Rüstungsindustrie
und in Zulieferbetrieben werden Umschulungen, Weiterbildung, Hilfe bei Stellensuche und Umzug, Regelungen für den vorzeitigen Ruhestand von Angehörigen der Streitkräfte und Anreize erhalten, um im zivilen
Bereich etwa als Lehrer oder bei der Polizei zu arbeiten. Umgewandelte nationale Labors und eine neue
Behörde für Forschung im zivilen Bereich werden dazu
beitragen, daß in der Rüstung tätige Wissenschaftler,
Ingenieure und Techniker an wichtigen zivilen Technologien arbeiten können. Kleine Rüstungsunternehmen
werden technische Hilfe sowie Zuschüsse und Kredite
für den Übergang erhalten, die ihnen den Eintritt auf
zivile Märkte erleichtern sollen. Von der Rüstungsindustrie abhängige Gemeinden werden ähnliche Hilfe
bei der Planung und Durchführung der Umstrukturierung erhalten. Wir werden unser ziviles Weltraumprogramm, insbesondere Umweltmissionen, stark unterstützen.
Die Städte. Die Demokraten werden eine neue Partnerschaft schaffen, um nach 12 Jahren der Vernachlässigung durch die Republikaner Amerikas Städte
wiederaufzubauen. Diese Partnerschaft mit den Bürgermeistern wird unter Berücksichtigung der sieben
von den Bürgermeistern unseres Landes vorgeschlagenen Initiativen zum Wirtschaftswachstum erfolgen.
Wir werden Arbeitsplätze schaffen, indem wir bedeutende Ressourcen investieren, um den Menschen
wieder Arbeit zu verschaffen und dabei mit einer
Initiative beginnen, die den Jugendlichen in den Städten Ferienjobs und Ausbildungsprogramme verschafft.
Wir unterstützen ein besseres Programm zur Entwicklung der Gemeinden und zielgerichtete finanzielle Hilfe
für Städte, die diese am dringendsten benötigen. Investitionen in öffentliche Versorgungsbetriebe und ein
Infrastrukturprogramm werden Arbeitsplätze schaffen
und unseren Städten, Vorstädten, ländlichen Gemeinden und dem ganzen Land Auftrieb geben. Wir werden
Seite 2

den Investitionsfluß zugunsten der Entwicklung der
Innenstädte und des Wohnungsbaus durch ausgewiesene Industriegebiete und Anreize für private und
öffentliche Rentengelder fördern, die in städtische und
ländliche Projekte investiert werden sollen. Während
wir gegen "Redlining" (die Praktik von Geldinstituten
und Versicherungen, Bewohnern heruntergekommener Stadtteile aus Risikogründen Kredite und Hypotheken zu verweigern) und Diskriminierung bei der Wohnungsvergabe scharf vorgehen, unterstützen wir ein
neubelebtes Gesetz über Investitionen in Gemeinden,
das Banken herausfordert, Unternehmern und Entwicklungsprojekten Kredite zu gewähren, ein nationales Netz von Gemeindeentwicklungsbanken, das in
Kleinbetriebe in den Städten und ländlichen Gebieten
investiert sowie die Kreditvergabe für Kleinstunternehmer für Bedürftige, die sich als Alternative zur Sozialhilfe selbständig machen wollen.
Landwirtschaft und der ländliche Raum. Eine ausreichende und dauerhafte Agrarwirtschaft kann durch
rentable und vernünftige Programme erzielt werden.
Es ist an der Zeit, die Partnerschaft zwischen Privatmann und Öffentlichkeit neu zu organisieren, um zu
gewährleisten, daß Bauern eine gerechte Entlohnung
für ihre Arbeit und Investitionen bekommen, damit
Verbraucher ernährungsphysiologisch wertvolle Lebensmittel erhalten und notwendige Investitionen in der
Grundlagenforschung, im Bildungswesen, bei der
Ansiedlung von Unternehmen im ländlichen Raum,
Marktentwicklung und Infrastruktur getätigt werden,
um ländliche Gemeinden zu erhalten.
Ein Leben lang lernen. Eine wettbewerbsfähige
amerikanische Wirtschaft erfordert die für die Weltmärkte am besten vorbereiteten und ausgebildeten
sowie die flexibelsten Beschäftigten. Es reicht nicht
aus, mehr für unsere Schulen auszugeben - wir müssen auf Ergebnissen bestehen. Wir sind gegen die
Bestrebungen der Bush-Regierung, das öffentliche
Schulwesen als den Eckpfeiler der Demokratie durch
Eintrittskarten für Privatschulen aushöhlen zu wollen.
Damit Kinder, die in die Schule kommen, lernfähig
sind, werden wir Programme für die Gesundheit und
Ernährung von Kindern ausbauen, allen berechtigten
Kindern das Programm "Head Start" zugänglich machen und allen Kindern qualitativ gute und bezahlbare
Kinderbetreuung garantieren. Wir bedauern die ungeheuren Ungleichheiten unter den öffentlichen Schulen
im ganzen Land und sind der Meinung, jedes Kind im
Land verdient die gleiche Chance auf eine Weltklasseausbildung. Die Umschichtung von Ressourcen
zugunsten diese Ziels muß Priorität haben. Wir unterstützen Bildungsreformen wie die Entscheidungsfindung einzelner Schulen und die freie Wahl der öffentlichen Schule sowie den starken Schutz gegen Diskriminierung. Wir unterstützen das Ziel einer Rate von 90
Prozent Schulabsolventen und Programme gegen
Schulabbruch. Wir werden in Technologie im Bildungswesen investieren und Weltklassestandards in
Mathematik, Naturwissenschaften und anderen BaAMERIKA DIENST 29

�sisfächern erreichen sowie effektive Tests über Fortschritte unterstützen, um dies zu erreichen. In Bereichen, in denen es keine anerkannten Berufsbildungsprogramme gibt, werden wir ein nationales Berufsbildungsprogramm einführen, um Schülern, die nicht
aufs College gehen, den Übergang von der Schule ins
Berufsleben zu erleichtem, damit sie Fähigkeiten erlernen können, die in gutbezahlte Stellen führen. In der
neuen Wirtschaft werden Chancen von lebenslangem
Lernen abhängen. Wir werden das Ziel verfolgen, daß
alle Amerikaner lesen und schreiben können. Wir
werden Unternehmen auffordern, in die Ausbildung
aller Beschäftigten zu investieren, nicht nur in die der
Geschäftsführung.
Ausbildungsförderungsgesetz. In den vergangenen
12 Jahren haben explodierende Kosten und sinkende
Einkommen der Mittelklasse eine Hochschulbildung
für Millionen von Amerikanern in unerreichbare Ferne
rücken lassen. Es ist an der Zeit, die Art und Weise der
Ausbildungsförderung für Studenten zu revolutionieren. Wir wollen das College für alle Studenten bezahlbar machen, die zu dessen Besuch qualifiziert genug
sind, ungeachtet des Familieneinkommens. Mit Hilfe
eines Ausbildungsförderungsgesetzes können alle Amerikaner Geld für das College leihen, solange sie bereit
sind, es über einen bestimmten Zeitraum zu einem
bestimmten Prozentsatz ihres Einkommens zurückzuzahlen oder durch einen sozialen Dienst abzuleisten.
Bezahlbare Krankenversicherung. Alle Amerikaner
sollten unbegrenzten Zugang zu qualitativ guter, bezahlbarer Gesundheitsfürsorge haben - nicht als Privileg, sondern als Recht. Dies erfordert scharfe Kontrollen der Kosten im Gesundheitsversicherung, die doppelt oder dreimal so schnell steigen wie die Inflationsrate, amerikanische Familien und Unternehmen terrorisieren und Millionen die Fürsorge versagen, die sie
benötigen. Wir werden eine in Amerika einmalige
Reform des Gesundheitswesens durchführen, um die
Kosten zu kontrollieren und Gesundheitsfürsorge
bezahlbar zu machen, Qualität und freie Wahl der
Kostenträger zu gewährleisten, alle Amerikaner abzudecken - ungeachtet von Vorbedingungen, um Verschwendung, Mi ßbrauch und Bürokratie abzuschaffen
sowie vordringliche und präventive Versorgung sicherzustellen - einschließlich der Impfung von Kindern und
Vorsorge vor Krankheiten wie Tuberkulose, die jetzt in
unseren Städten auf dem Vormarsch ist. Femer
müssen wir Aufklärung über das Verhältnis von Ernährung und Gesundheit leisten, den Zugang zur Behandlung psychischer Krankheiten ausweiten, ein Sicherheitsnetz durch die Unterstützung öffentlicher Krankenhäuser schaffen und die gesamte Bandbreite der
Wahlfreiheit bei der Fortpflanzung bieten - durch Aufklärung, Beratung, Zugang zu Verhütungsmitteln und
das Recht auf eine sichere, legale Abtreibung und
Erweiterung medizinischer Forschung. Darüber hinaus müssen wir mehr langfristige Versorgung leisten,
einschließlich der häuslicher Pflege. Die Beendigung
der Ausbreitung von Brustkrebs betrachten wir als
AMERIKA DIENST 29

wichtige Priorität, und wir werden die Forschung zu
Brustkrebs, Gebärmutterhalskrebs und Eierstockkrebs
sowie Unfruchtbarkeit und deren Behandlung und
anderen besonderen Gesundheitsbedürfnissen von
Frauen ausweiten. Gemeinsam müssen wir AIDS und
HIV-Erkrankungen den Krieg erklären, die Empfehlungen der Nationalen Kommission über AIDS verwirklichen und das Ryan White Care-Gesetz vollständig finanzieren, ferner zielgerichtete und ehrliche Vorsorgekampagnen durchführen, die Diskriminierung von
HlV-Infizierten bekämpfen, allen behandlungswilligen
Abhängigen eine Drogentherapie bieten, Zugang zu
qualitativ guter Versorgung sicherstellen, die klinische
Forschung für Behandlungen und Impfstoffe erweitern
und den Zulassungsprozeß für Arzneimittel durch die
FDA beschleunigen.
Energieeinsparung und umweltverträgliche Entwicklung. Wir widersprechen dem republikanischen Mythos, daß Energieeinsparung und Umweltschutz Feinde des Wirtschaftswachstums sind. Wir werden unsere Wirtschaft effizienter machen, indem wir weniger
Energie verbrauchen, unsere Abhängigkeit von ausländischem ö l verringern und weniger Abfall und Giftmüll produzieren. Wir werden eine koordinierte Verkehrspolitik verabschieden, mit einem starken Engagement für die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel,
effiziente Fahrzeuge mit alternativer Energie fördern,
unsere Nutzung sauberen Erdgases erhöhen, Technologie für saubere Kohleverbrennung unterstützen,
in Forschung und Entwicklung zu erneuerbaren Energiequellen investieren, Bestrebungen zur Verhinderung der Luft- und Wasserverschmutzung verstärken,
Anreize für die Erschließung nationaler Ol- und Gasvorkommen schaffen und auf nicht einnahmenabhängige Anreize drängen, die Umweltschutz belohnen, die
Verschmutzung der Umwelt verhindern und Recycling
fördern.
Bürgerrechte und Gleichberechtigung. Wir haben
keinen Amerikaner zu verschwenden. Die Demokraten werden weiterhin führend in dem Kampf sein,
sicherzustellen, daß kein Amerikaner diskriminiert oder
seiner Rechte beraubt wird aufgrund von Rasse,
Geschlecht, Sprache, nationaler Herkunft, Religion,
Alter, Behinderung, sexueller Orientierung oder anderen Merkmalen, die nichts mit seinen Fähigkeiten zu
tun haben. Wir unterstützen die Ratifizierung des
Zusatzartikels über Gleichberechtigung, Gleichstellung von Frauen, stärkeren Schutz des Wahlrechts für
rassische und ethnische Minderheiten, einschließlich
der Berücksichtigung anderer Sprachen beim Wahlvorgang sowie kontinuierlichen Widerstand gegen
diskriminierende Gruppen, die nur Englisch als Sprache befürworten. Wir werden die Attacke der BushRegierung auf die Durchführung von Bürgerrechten
abwehren und statt dessen daran arbeiten, die Maschinerie zur Durchführung von Bürgerrechten wiederaufzubauen und dauernd davon Gebrauch zu machen,
vergleichbare Mittel für Frauen unterstützen, Haßattacken scharf verfolgen, Rechtsberatung für Arme verSeite 3

�bessern, mit anderen Ländern auf eine Weise verkehren, daß keine Amerikaner gleich welcher Herkunft zu
Sündenböcken oder Opfern außenpolitischer Auseinandersetzungen werden, den bürgerrechtlichen Schutz
von Homosexuellen und Lesben leisten und der Diskriminierung durch das Verteidigungsministerium ein Ende
bereiten sowie die Ursprünge der amerikanischen
Kultur und unsere Vertragsverpflichtungen respektieren.
Staatenbünde und Territorien. Wir erkennen den
bestehenden Status des Staatenbundes von Purto
Rico und die starken Wirtschaftsbeziehungen zwischen den Menschen Puerto Ricos und den Vereinigten Staaten an. Wir versprechen das Recht der
Menschen des Staatenbundes Puerto Rico auf Wahlfreiheit zu unterstützen sowie gemeinsam mit dem USKongreß ihre Beziehungen zu den Vereinigten Staaten
entweder als verbesserter Staatenbund, als Staat oder
unabhängiges Land.
Wir unterstützen die faire Teilnahme Puerto Ricos an
Bundesprogrammen. Wir versprechen den Menschen
auf den amerikanischen Inseln Samoa, Guam, den
Northern Mariana Islands und den Virgin Islands gerechte und faire Behandlung durch die Politik der
Bundesregierung und Hilfe bei ihrer wirtschaftlichen
und sozialen Entwicklung. Wir respektieren ihr Recht
und das der Menschen von Palau, ihre künftigen
Beziehungen zu den Vereinigten Staaten frei zu entscheiden und bei sie betreffenden Fragen und politischen Maßnahmen konsultiert zu werden.
II. Verantwortung
Stärkung der Familie. Wir müssen auf nationaler
Ebene scharf gegen gleichgültige Eltern vorgehen, ein
effektives nationales System zur Unterstützung von
Kindern aufbauen und uns systematisch bemühen, die
Vaterschaft jedes Kindes festzustellen. Darüber hinaus müssen wir es Eltern durch gleichen Lohn für
gleiche Arbeit leierner machen, starke Familien aufzubauen. Arbeitsbefreiung aus familiären und medizinischen Gründen wird sicherstellen, daß sich Arbeitnehmer nicht zwischen Familie und Arbeit entscheiden
müssen. Wir unterstützen ein Programm zur Erhaltung der Familie, um den Mißbrauch von Kindern und
Ehefrauen durch Vorsorgemaßnahmen zu reduzieren
und Familien in Not Hilfe zu leisten. Wir befürworten
gute und bezahlbare Kinderbetreuungsmöglichkeiten
für berufstätige Eltern sowie einen fairen und gesunden Start für jedes Kind, einschließlich wichtiger Untersuchungen vor und nach der Geburt. Wir unterstützen
die Bedürfnisse unserer älteren Mitbürger nach einem
produktiven und gesunden Leben, einschließlich der
Bekämpfung von Hunger, Einkommensgefälle, Zugang zu Verkehrsmitteln und Verhinderung von Mißbrauch.
Reform der Sozialhilfe. Sozialhilfe sollte eine zweite
Chance sein, kein Lebensstil. Wir möchten den Kreislauf der Sozialhilfe durchbrechen, indem wir zwei
Seite 4

einfache Prinzipien zugrundelegen: niemand, der in
der Lage ist zu arbeiten, kann unbegrenzt Sozialhilfe
beziehen, und niemand, der arbeitet, sollte in Armut
leben. Wir werden weiterhin denjenigen helfen, die
sich nicht selbst helfen können. Wir werden den
Menschen, die Sozialhilfe beziehen, einen neuen
sozialen Vertrag anbieten. Wir werden in Bildung und
Weiterbildung investieren und die Kinderbetreuung
und Gesundheitsfürsorge leisten, die sie benötigen,
um zur Arbeit gehen und sich langfristig selbst helfen
können. Wir werden Ihnen die Hilfe leisten, die sie
benötigen, um den Übergang von der Sozialhilfe zur
Arbeit zu leisten und fordern, daß die Leute, die
arbeiten können, es innerhalb von zwei Jahren auch
tun, entweder im Privatsektor oder in der Gemeinde,
um dort zu helfen. Dies wird das Bündnis wiederherstellen, das Sozialhilfe ursprünglich sein sollte: ein
Versprechen der zeitweisen Hilfe für Menschen, die
harte Zeiten durchmachen müssen.
Wahlfreiheit. Die Demokraten stehen hinter dem
Recht jeder Frau auf Wahlfreiheit bei der Abtreibung,
im Einklang mit Roe ./. Wade, ungeachtet ihrer Zahlungsfähigkeit. Wir unterstützen ein nationales Gesetz
zum Schutz dieses Rechts. Es ist eine grundlegende
verfassungsmäßige Freiheit, daß jeder einzelne
Amerikaner - nicht die Regierung - am besten die
Verantwortung dafür übernehmen kann, die schwierigsten und persönlichsten Entscheidungen im Hinblick
auf die Fortpflanzung zu treffen. Das Ziel unseres
Landes muß darin bestehen, daß Abtreibung immer
weniger erforderlich wird, nicht schwieriger oder gefährlicher.
Verantwortung für die Umwelt. Für uns und die nachfolgende Generation müssen wir unsere Umwelt schützen. Wir werden unsere alten Wälder schützen, wichtige Lebensräume erhalten, eine echte Politik der
Nichtaufgabe von Feuchtgebieten verfolgen, unsere
Abhängigkeit von Giftstoffen reduzieren, die wichtigen
Ressourcen Boden, Wasser und Luft schützen, neue
Ölbohrungen vor unseren Küsten bekämpfen, femer
den Abbau von Mineralien sowie die Produktion in den
zahlreichen umweltgefährdeten Gebieten unseres
Landes. Darüber hinaus werden wir die Verschmutzung der Meere angehen, indem wir die Verklappung
von Öl und Giftmüll auf See reduzieren.

Unserer

Ansicht nach kann die Jugend Amerikas dem Land gut
dienen durch ein ziviles Schutzkorps. Zum Schutz der
Gesundheit aller Menschen werden wir die Umweltsünden in Bundeseinrichtungen beheben und darauf
bestehen, daß private Umweltsünder ihren Giftmüll
und ihre Altlasten beseitigen. Ferner werden wir
Verstöße gegen die Umwelt scharf verfolgen. Wir
werden Bestrebungen der Republikaner bekämpfen,
das Gesetz zur Luftreinhaltung unter dem Deckmantel
der Wettbewerbsfähigkeit zu zerstören. Wir werden
die Müllberge verringern und die Verwendung von
wiederverwerteten Materialien bei gleichzeitiger Eindämmung des Verpackungsmülls ermutigen. Um die
Fehler der Vergangenheit zu vermeiden, werden wir
AMERIKA DIENST 29

�aktiv Energiesparmaßnahmen, Recycling und Umweltschutzstrategien unterstützen.
III. Wiederherstellung des Gemeinwesens
Das besondere Talent der Vereinigten Staaten besteht
darin, eine Gemeinschaft gemeinsamer Werte zwischen Menschen mit bemerkenswertem und unterschiedlichem Hintergrund zu schaffen. Als Partei der
Vereinigung sind wir besonders stolz auf die Entstehung unseres Landes als größte und erfolgreichste
multiethnische und multirassische Republik der Welt.
Wir verurteilen Antisemitismus, Rassismus, Furcht vor
Homosexuellen, Bigotterie und Klischees jeglicher Art.
Wir müssen allen Amerikanern helfen, die Vielfalt
unseres kulturellen Erbes zu verstehen. Es ist jedoch
ebenso unabdingbar, daß wir die Bausteine erhalten
und an unsere Kinder weitergeben, die das Mosaik
zusammenhalten, während wir unser Land zu einem
Refugium der Freiheit und Chancen für alle machen.
Die Versäumnisse und Ausgabenprogramme der
Republikaner haben sich als ungeeignet für diese
Herausforderungen erwiesen. Die Demokraten werden einen neuen Kurs einschlagen, der sich auf Arbeit,
Familie und Verantwortung des einzelnen konzentriert
und die Amerikaner in die Lage versetzt, sich aus
Armut und Abhängigkeit zu befreien. Wir verpflichten
uns, die Institutionen der bürgerlichen Gesellschaft zu
fördern und besondere Betonung auf Bürgerinitiativen
zu legen, die Lösungen für die Probleme unserer
Nation anstreben.
Bekämpfung von Verbrechen und Drogenhandel. Um
den Gemeinden in den Vereinigten Staaten mehr
Gewicht zu verleihen, verpflichten sich die Demokraten, die Regierung wieder zum Hüter von Recht und
Ordnung in den von Verbrechen heimgesuchten
Gemeinden zu machen. Der einfachste und direkteste
Weg zur Wiederherstellung der Ordnung in unseren
Städten besteht darin, mehr Polizeistreifen einzusetzen. Die Polizei der Vereinigten Staaten befindet sich
in einem ungleichen Kampf gegen das Verbrechen:
seit 1951 hat sich das Verhältnis zwischen der Anzahl
von Polizeibeamten und der Verbrechensstatistik von
drei zu eins auf eins zu drei umgekehrt. Wir werden ein
Polizeikorps schaffen, dessen Angehörigen ein Collegebesuch als Gegenleistung für mehrere Dienstjahre
in der Polizeiwache eines Bundesstaates oder einer
Gemeinde nach Abschluß der Ausbildung ermöglicht
wird. Mit der Konversion der Rüstungs- zur zivilen
Industrie schaffen wir neue Arbeitsplätze im Bereich
der Strafverfolgung für diejenigen, die aus dem Militär
ausscheiden.
Wir werden Drogenberatung und Therapien für Drogenabhängige erweitem, Bestrebungen zur möglichst
frühzeitigen Aufklärung unserer Kinder über die Gefahren von Drogen- und Alkoholmißbrauch intensivieren und die Nachfrage von der Straßenecke bis zur

AMERIKA DIENST 29

Penthousesuite eindämmen, so daß die Vereinigten
Staaten mit 5 Prozent der Weltbevölkerung nicht länger 50 Prozent der illegalen Drogen der Welt konsumieren.
Waffen. Es ist an der Zeit, die Waffenläden in unseren
Städten zu schließen. Wir befürworten eine vernünftige Wartezeit für die Überprüfung des Kaufs von
Handfeuerwaffen ebenso wie Kontrollen für Angriffswaffen, um den Besitz, Verkauf, Import und die Herstellung dieser todbringenden Angriffswaffen zu verbieten. Wir unterstützen keine Bestrebungen, den
Gebrauch von Waffen für legitime Jagd- oder sportliche Zwecke einzuschränken.
Verbesserung der Lage der Armen und Ausweitung
der Mittelschicht. Wir müssen den im Gesetz zur
Unterstützung der Familie von 1988 festgelegten Kurs
von Subsistenz und Abhängigkeit zu Arbeit, Familie,
Eigeninitiative und Verantwortung weiterverfolgen. Wir
befürworten eine langsamere Abschaffung von Medicaid und anderen Sozialleistungen, um Arbeit zu
ermutigen; besondere Sparkonten zur Vermögensbildung einkommensschwacher Familien, faire Kreditvergabe, indexierte Mindestlöhne, ein erweitertes Job
Corps und ein Ende der Verfügungen im Sozialwesen,
die den Zerfall der Familien begünstigen und Einzelinitiative betrafen wie etwa die Obergrenze von 1.000
Dollar für persönliche Sparguthaben.
Einwanderung. Unsere Nation von Einwanderern ist
wiederholt durch neue Menschen, Ideen und Lebensweisen erneuert worden, die Teil des amerikanischen
Gefüges wurden. Die Demokraten unterstützen eine
Einwanderungspolitik, die Fairness, Nichtdiskriminierung und Familienzusammenführung fördert und in der
unsere verfassungsmäßigen Rechte wie Rede-, Koalitionsfreiheit und Freizügigkeit ihren Niederschlag finden.
Die Künste. Wir befürworten die öffentliche Unterstützung der Künste, einschließlich einer nationalen Stiftung für die Künste unabhängig von politischer Manipulation und fest in dem garantierten Recht auf Redefreiheit des Ersten Verfassungszusatzes verankert.
IV. Aufrechterhaltung unserer nationalen Sicherheit
Umstrukturierung unserer Streitkräfte
Wir konnten kein Ende der Gewalt, Aggression und
Konflikte beobachten, die eine Bedrohung der amerikanischen Interessen und unserer Hoffnung auf eine
friedlichere Welt darstellen können. Was die Vereinigten Staaten benötigen, ist nicht das Denken des Kalten
Krieges der Bush-Administration in kleinerem Rahmen, sondern eine umfassende Umstrukturierung des
amerikanischen Militärs zur Bewältigung der verbleibenden Bedrohungen.

Seite 5

�Militärische Stärke. Die Vereinigten Staaten sind die
stärkste Militärmacht der Welt und müssen es bleiben.
Eine Umstrukturierung der amerikanischen Streitkräfte nach dem Kalten Krieg wird maßgebliche Einsparungen über die von der Bush-Administration versprochenen hinaus bewirken, aber diese Umstrukturierung
muß verwirklicht werden, ohne eine Aushöhlung unserer Fähigkeit zur Bewältigung zukünftiger Bedrohungen unserer Sicherheit. Eine Militärstruktur der neunziger Jahre und darüber hinaus muß sich auf vier
Pfeiler gründen: Erstens eine überlebensfähige nukleare Streitmacht zur Abschreckung einer potentiellen Bedrohung, während wir unsere Nukleararsenale
durch Rüstungskontrollverhandlungen und andere
gegenseitige Maßnahmen abbauen. Zweitens konventionelle Streitkräfte, deren Aufgabe auf Machtprojektion verlagert wird, wo immer unsere vitalen nationalen Interessen bedroht sind. Das bedeuet die
Reduzierung unserer Streitkräfte in Europa bei gleichzeitiger Erfüllung unserer Pflichten in der NATO sowie
Stärkung unser schnellen Dislozierungsfähigkeiten,
um die neuen durch abtrünnige Diktatoren, Terroristen, internationale Drogenhändler und lokale bewaffnete Konflikte verursachten neuen Bedrohungen unserer Sicherheit zu bewältigen, die den Frieden ganzer
Regionen gefährden. Drittens Aufrechterhaltung der
zwei Qualitäten, die das amerikanische Militär zum
besten der Welt machen - die Überlegenheit unserer
Soldaten und unserer Technologie. Diese Qualitäten
sind lebenswichtig für die Verkürzung eines Konflikts
und Rettung des Lebens amerikanischer Bürger.
Viertens müssen die nachrichtendienstlichen Fähigkeiten umdirigiert werden, um sehr viel modernere,
rechtzeitige und genaue Analysen der wirtschaftlichen
und politischen Gegebenheiten zu erarbeiten, die neue
Konflikte schüren können.
Einsatz von Gewalt. Die Vereinigten Staaten müssen
gegebenenfalls zum entschlossenen Einsatz der Streitkräfte zur Verteidigung unserer lebenswichtigen Interessen bereit sein. Die Last der kollektiven Sicherheit
muß in einem neuen Zeitalter gerecht verteilt werden,
und wir sollten die multilaterale Friedenssicherung
durch die Vereinten Nationen und andere internationale Bestrebungen ermutigen.
Verhinderung und Eindämmung von Konflikten. Die
amerikanische Politik muß sich auf die Abwendung
militärischer Bedrohungen ebenso konzentrieren wie
auf deren Bewältigung. Zur Eindämmung der Verbreitung von nuklearen und anderen Massenvernichtungswaffen müssen wir eine Führungsrolle bei erneuten
internationalen Bestrebungen übernehmen, hart gegen Firmen vorzugehen, die mit Technologien zur
nuklearen und chemischen Kriegführung handeln, die
Internationale Atomenergie-Organisation stärken und
strenge Sanktionen gegen Regierungen durchsetzen,
die internationale Einschränkungen verletzen. Ein
umfassendes Testverbot würde unsere Fähigkeit zum
Verbot der Verbreitung von Nuklearwaffen in anderen
Ländern stärken, die die größte zukünftige Bedrohung
Seite 6

unserer Sicherheit darstellen könnte. Wir müssen auf
strikte internationale Einschränkungen der gefährlichen und unnützen Lieferungen konventioneller Waffen in Krisengebiete drängen. Eine amerikanische
Truppenpräsenz sollte so lange in Südkorea aufrechterhalten werden, wie Nordkorea eine Bedrohung für
Südkorea darstellt.
Wiederherstellung der amerikanischen Führungsrolle
Die Vereinigten Staaten können nicht stark im Ausland
sein, wenn sie schwach im Inland sind. Die Wiederherstellung der globalen wirtschaftlichen Führungsrolle
der Vereinigten Staaten muß zum zentralen Element
unserer nationalen Sicherheitspolitik werden. Die Stärke
von Nationen, die einst in militärischen Begriffen definiert wurde, wird jetzt auch an dem Geschick ihrer
Arbeitnehmer, der Phantasie ihrer Manager und der
Macht ihrer Technologien gemessen.
Handel. Unsere Regierung muß an der Erweiterung
des Handels arbeiten und gleichzeitig sicherstellen,
daß der Welthandel fair ist. Sie muß für die Wahrung
der amerikanischen Interessen kämpfen - Förderung
von Exporten, Erweiterung des Handels mit Agrarund anderen Produkten, Öffnung von Märkten für
wichtige Produkt- und Dienstleistungssektoren mit
unseren Hauptkonkurrenten und Erleichterung des
wechselseitigen Zugangs. Dazu sollten auch neue
Befugnisse gehören, um den Hebel bei den ernsthaftesten Problemen anzusetzen. Die US-Regierung
muß darüber hinaus die amerikanischen Gesetze gegen
unfairen Handel rigoros durchsetzen.
Handelsabkommen. Multilaterale Handelsabkommen
können unsere Wirtschaftsinteressen durch Erweiterung der Weltwirtschaft fördern. Sowohl bei der Aushandlung des Nordamerikanischen Freihandelsraums
(NAFTA) als auch beim Abschluß der GATT-Verhandlungen muß unsere Regierung sicherstellen, daß unsere
berechtigte Sorge über Umwelt-, Gesundheits-, Sicherheits- und Arbeitsnormen berücksichtigt wird. Die
amerikanischen Arbeitnehmer, deren Arbeitsplätze
betroffen sind, müssen in den Genuß wirksamer
Anpassungshilfen kommen.
Förderung der Demokratie
Die Unterstützung der Demokratie dient unseren Idealen und Interessen. Eine demokratischere Welt ist
friedlicher und stabiler. Eine amerikanische Politik des
Engagements für Demokratie muß folgende Punkte
ansprechen:
Aufstrebende Demokratien. Gemeinsam mit anderen
müssen wir eine Führungsrolle bei den internationalen
Hilfsbestrebungen für die aufstrebenden - und noch
auf schwachen Füßen stehenden - Demokratien in
Osteuropa und der ehemaligen Sowjetunion beim Aufbau
demokratischer Institutionen und freier Marktwirtschaften, Entmilitarisierung ihrer Gesellschaft und IntegraAMERIKA DIENST 29

�tion ihrer Volkswirtschaften in das internationale Handelssystem übernehmen. Im Gegensatz zur BushAdministration, die zu lange mit der Anerkennung der
neuen demokratischen Regierungen auf dem Baltikum und der Nationen der ehemaligen Sowjetunion
gewartet hat, müssen wir zusammen mit unseren
europäischen Verbündeten entschieden handeln, um
die Freiheit zu unterstützen, ethnische Spannungen
abzubauen und Aggression in den ehemals kommunistischen Ländern wie Bosnien-Herzegowina abzuwehren, die mit dem Übergang vom Kommunismus zur
Demokratie kämpfen. Während der Wind des Wandels auf dem Balkan weht, müssen die Vereinigten
Staaten die Sorgen Griechenlands im Hinblick auf die
Verwendung des Namens Mazedonien berücksichtigen. Und im Zeitalter nach dem Kalten Krieg sollten
unsere Auslandshilfeprogramme in Afrika, der Karibik,
Lateinamerika und andernorts darauf abzielen, Demokratien statt Tyrannen zu helfen.
Bürgerkorps Demokratie. Förderung demokratischer
Institutionen durch die Gründung eines Bürgerkorps
Demokratie, um amerikanische Freiwillige in Länder
zu entsenden, die rechtlichen, finanziellen und politischen Rat beim Aufbau demokratischer Institutionen
benötigen sowie Unterstützung von Gruppen wie der
National Endowment for Democracy, der Asia Foundation und anderen.
Handelsbedingungen mit China. Bevorzugte Handelsbedingungen für China werden von der Respektierung
der Menschenrechte in China und Tibet, besserem
Marktzugang für amerikanische Waren und verantwortungsbewu ßtem Verhalten bei der Verbreitung von
Waffen abhängig gemacht.
Südafrika. Aufrechterhaltung staatlicher und kommunaler Sanktionen gegen Südafrika zur Unterstützung
eines Verhaltenskodex für Investitionen, bestehender
Limits für das Absetzen von an Südafrika gezahlten
Steuern und diplomatischer Druck, bis dort eine unumkehrbare, vollständige und faire Einigung mit der schwarzen Mehrheit beim Aufbau einer demokratischen
Regierung mit uneingeschränkten Rechten für alle
Bürger erzielt worden ist. Wir bedauern die andauernde Gewalt, insbesondere im Boipatong Township und
sind besorgt über den Zusammenbruch der Verhandlungen. Die amerikanische Regierung sollte die Wiedereinführung staatlicher Sanktionen in Erwägung
ziehen. Die Demokratische Partei unterstützt die
Gründung eines südafrikanisch-amerikanischen Unternehmensfonds, der eine neue Interimregierung mit
öffentlichen und privaten Mitteln ausstattet, um bei der
Entwicklung der Demokratie in Südafrika behilflich zu
sein.
Frieden im Nahen Osten. Unterstützung des im Nahen
Osten stattfindenden Friedensprozesses auf der Grundlage der Vereinbarungen von Camp David. Direkte
Verhandlungen zwischen Israel, den arabischen Nachbarländern und den Palästinensern ohne auferzwunAMERIKA DIENST 29

gene Lösungen sind der einzige Weg zur Erlangung
dauerhafter Sicherheit für Israel und vollständigen
Friedens für alle Parteien in der Region. Das Ende des
Kalten Krieges hat keinen Einfluß auf das große Interesse der Vereinigten Staaten an unseren traditionell
besonderen Beziehungen mit Israel, gegründet auf
gemeinsame Werte, gegenseitiges Engagement für
Demokratie und ein strategisches Bündnis, das beiden
Nationen dient. Die Vereinigten Staaten müssen als
ernsthafter Vermittler im Friedensprozeß aktiv handeln. Sie dürfen nicht - wie es der Fall unter der jetzigen
Administration war - eine Seite in der Überzeugung
ermutigen, sie würden einseitige Konzessionen der
anderen Seite bewirken. Jerusalem ist die Hauptstadt
des Staates Israel und sollte eine ungeteilte Stadt
bleiben, zu der Menschen aller Glaubensrichtungen
Zugang haben.
Menschenrechte. Weltweites Eintreten für die Rechte
des einzelnen und Schutz ethnischer Minderheiten vor
repressiven Akten der Regierungen - vor Folter, politischer Gefangenschaft und allen Angriffen auf zivilisierte Normen der menschlichen Freiheit. Dies ist eine
stolze Tradition der Demokratischen Partei, die sich für
Freiheit in Südafrika eingesetzt hat und weiterhin die
Unterdrückung in Kuba ablehnt. Unsere Nation sollte
wieder einmal das Prinzip der Zuflucht für politisch
unterdrückte Menschen auf der ganzen Welt fördern,
seien es die haitianischen Flüchtlinge, sowjetischen
Juden bei Ersuchen um Hilfe der Vereinigten Staaten
bei der erfolgreichen Eingliederung in die israelischen
Gesellschaft oder Vietnamesen, die vor dem Kommunismus flüchten. Die erzwungene Rückführung eines
jeden, der vor politischer Unterdrückung flieht, ist ein
Verrat der amerikanischen Werte.
Humanitäre Bedürfnisse. Unterstützung bei der Bekämpfung von Armut und Krankheiten in den Entwicklungsländern einschließlich der verheerenden Hungersnot in Afrika. Wir dürfen den Ost-West-Konflikt
nicht durch einen Konflikt zwischen Norden und Süden
ersetzen, eine wachsende Kluft zwischen den Industrie- und Emtwicklungsländern. Unsere Entwicklungsprogramme müssen überarbeitet und umstrukturiert
werden, um sicherzustellen, daß ihr Nutzen tatsächlich denen zugute kommt, die Hilfe zur Selbsthilfe
benötigen. Es steht das Leben von Millionen Menschen auf dem Spiel, die hungern und nur allzu häufig
entwurzelt fern ihrer Heimat leben. Die Vereinigten
Staaten sollten spezifische Programme und einen
Zeitplan zur Bekämpfung weltweiter Hungersnöte
erarbeiten.
Zypern. Erneutes Engagement für eine Beilegung des
Zypernkonflikts im Einklang mit den UN-Resolutionen.
Dieses Ziel muß jetzt wieder auf die diplomatische
Tagesordnung der Vereinigten Staaten gesetzt werden.
Nordirland. Eine aktivere Rolle der Vereinigten Staaten bei der Förderung von Frieden und politischem
Seite 7

�Dialog angesichts der historischen Verbindungen
Amerikas zu den Menschen in Großbritannien und
Irland und im Einklang mit der Verpflichtung unseres
Landes zu Frieden, Demokratie und Menschenrechten weltweit, um der Gewalt ein Ende zu bereiten und
eine ausgehandelte Lösung in Nordirland zu erlangen.
Erhalt der Umwelt
Mit dem Abebben der Bedrohung eines nuklearen
Holocaust sieht sich die Welt durch zunehmende
Umweltprobleme bedroht.
Erwärmung des Erdklimas. Die Vereinigten Staaten
müssen eine Führungsrolle beim Kampf gegen die
Erwärmung des Erdklimas übernehmen und nicht als
Hemmschuh wirken. Wir sollten mit unseren europäischen Verbündeten gleichziehen und vereinbaren, die
für 1990 festgesetzten Obergrenzen von Kohlendioxidemissionen bis zum Jahr 2000 fortzuschreiben.

Abbau der Ozonschicht. Die Vereinigten Staaten
müssen weltweit eine Führungsrolle bei der Suche
nach Ersatzstoffen für FCKW und andere die Ozonschicht auflösende Substanzen einnehmen.
Artenvielfalt. Wir müssen aktiv am Schutz der Artenvielfalt unseres Planeten und dem Erhalt seiner Wälder arbeiten.
Entwicklungsländer. Wir müssen phantasievolle Wege
erarbeiten, um Regierungen und Unternehmen für die
Bestrebungen zu engagieren, die Entwicklungsländer
zum Erhalt ihrer Umwelt zu ermutigen.
Bevölkerungswachstum. Die Bevölkerungsexplosion
muß durch enge Zusammenarbeit mit anderen Industrie- und Entwicklungsländern sowie Privatorganisationen kontrolliert werden, um eine bessere Familienplanung zu finanzieren.

* * * * *

Seite 8

AMERIKA DIENST 29

�WAHLEN

'9 2
22. Juli 1992

DEMOKRATEN SOLLEN WACHSTUM,
INVESTITIONEN FÖRDERN
Programmatische Rede von Barbara Jordan
NEW YORK - (AD) - Die Demokratische Partei, so die ehemalige Kongreßabgeordnete Barbara Jordan aus
Texas, muß sich "von einer angeblich auf Steuern und Ausgaben fixierten Partei zu einer, die Investitionen und
Wachstum fördert", wandeln.
"Wir können die Richtung des Motors der amerikanischen Wirtschaft ändern und wieder wettbewerbsfähig
werden. Wir können diesen Wandel bewirken und stolz auf die Nation sein, die wir sind", erklärte Jordan in einer
der drei programmatischen Reden beim Parteikonvent der Demokratischen Partei am 13. Juli 1992.
Jordan, die bereits beim Parteitag des Jahres 1976 eine programmatische Rede gehalten hatte, stellte fest, der
amerikanische Traum sei nicht gestorben, sondern für zu viele Menschen - Minderheiten, Obdachlose,
Immigranten und Langzeitarbeitslose - in unerreichbare Ferne gerückt.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Barabara Jordan im Wortlaut.

Zu dieser Zeit, an diesem Ort und aus dem gleichen
Anlaß habe ich vor 16 Jahren eine programmatische
Rede beim Parteikonvent der Demokratischen Partei
gehalten. In aller Bescheidenheit möchte ich Sie daran
erinnern, daß wir in jenem Jahr -1976 - die Präsidentschaft gewonnen haben.
Warum sollten wir diese Leistung nicht im Jahr 1992
wiederholen? Wir können es schaffen. Was wir
Demokraten tun müssen, ist von unserem Sieg überzeugt sein. Er ist möglich. Wir können es schaffen.
Heute abend haben Sie sehr viel über Veränderungen
gehört. Jeder Redner hat etwas über den Wandel
gesagt. Auch ich möchte mit Ihnen einige Minuten
über Veränderungen sprechen. Aber ich möchte, daß
Sie auf den Titel meiner Ausführungen achten: 'Wandel
- Wohin?". Dieser bis jetzt rhetorische Wandel erfordert Substanz, wenn jeder von uns die öffentliche
Meinung erforscht.

Verlust des Arbeitsplatzes ist zu Langzeitarbeitslosigkeit geworden statt zu saisonbedingter Arbeitslosigkeit. Die öffentliche Meinung lautet: die politischen
Entscheidungsträger haben geringes Ansehen. Mißtrauen herrscht vor.
In einem solchen Umfeld ist es verständlich, daß
Wandel zum Schlagwort dieser Zeit wird. Was sind die
Katalysatoren, die den Wandel bewirken, über den wir
alle sprechen? Ich sage, diese Katalysatoren sind die
Demokratische Partei und unser Präsidentschaftskandidat.

Wie sieht die öffentliche Meinung aus? Im Land
scheint sich einen generelle Besorgnis über die Zukunft breit zu machen. Diese Befürchtungen höhlen
unseren Glauben an den anderen und an uns selbst
aus, unterminieren unser Vertrauen.

Uns allen sind Veränderungen vertraut. Vor zwanzig
Jahren haben wir nach der Watergate-Affäre das
gesamte Land verändert. Das haben wir vor zwanzig
Jahren getan. Wir wissen, wie wir Veränderungen
vornehmen müssen. Wir waren dieses Instrument des
Wandels. Wir wissen, was getan werden muß. Wir
wissen, wie es getan werden werden muß. Wirwissen,
daß wir Maßnahmen verwirklichen können, die das
Bildungswesen, Menschenrechte, Bürgerrechte, wirtschaftliche und soziale Chancen und die Umwelt
beeinflussen. Das sind die Maßnahmen, die in der
Demokratischen Partei verankert sind. Und da sie uns
innewohnen, werden sie nicht so leicht verschwinden.

Die Idee, daß das Amerika von heute morgen besser
sein wird, ist aus dem Gleichgewicht geraten. Sie ist
aus dem Gleichgewicht geraten aufgrund der Rezession und der Konjunkturschwäche unserer Wirtschaft.

Wir als Partei werden nichts tun, um unsere Existenz
zu unterminieren. Das werden wir nicht tun. Aber es
gibt bestimmte Dinge, die wir verändern sollten. Wir
müssen sie verändern. Aber die Tatsache, daß wir

AMERIKA DIENST 29

Seite 1

�Dinge verändern, sollte keine Befürchtungen in uns
auslösen, weil die Demokratische Partei lebendig und
gesund ist. Sie ist in der Tat lebendig und gesund. Wir
werden Veränderungen vornehmen, um der Gegenwart und der Zukunft Rechnung zu tragen, aber wir
werden nicht sterben. Wir werden uns ändern, aber
nicht sterben.
Warum sich nicht von einer angeblich auf Steuern und
Ausgaben fixierten Partei zu einer, die Investitionen
und Wachstum fördert, wandeln? Wandel. Veränderung. Wirtschaftswachstum ist ein Muß. Wir können
Wirtschaftswachstum bei gleichzeitiger Verbesserung
der Umwelt fördern und aufrechterhalten.
Wenn sich das Wirtschaftswachstum verbessert und
wir für unsere Luft, den Boden und das Wasser Sorge
tragen, wird dies unser aller Wohlergehen fördern.
Und wir können all dies leisten. Wenn ich dies sage,
meine ich zweifelsohne nicht den kaum verhohlenen
Rassismus und das elitäre Denken, die eine Art hierarchischer Wirtschaftsentwicklung wären. Ich möchte
Ihnen die Art der Wirtschaft erläutern, von der ich
spreche.
Ich spreche von einer Wirtschaft, in der eine schwarze
Jugendliche oder ein schwarzer Jungendlicher, die in
der Fifth Ward von Houston - meiner Heimatstadt -, in
South Central Los Angeles oder in den Kolonien im Tal
des Rio Grande geboren wurden, ich spreche von
einer Wirtschaft, in der diese Menschen eine öffentliche Schule besuchen und die Fähigkeiten lernen können,
dank derer sie im Leben weiterkommen können. Wir
müssen eine Wirtschaft schaffen, die nicht das Kind
des Wanderarbeiters zwingt, einen ganzen Tag die
Schule zu versäumen, damit er für weniger als den
Mindestlohn arbeiten gehen und die Familie sich dennoch nur eine Mahlzeit am Tag leisten kann. Das ist
der moralische Bankrott einer Wirtschaft mit Sickereffekt. Wandel. Veränderungen.
Wandel. Wir könnsi i die Richtung ändern - wir können
die Richtung des Motors der amerikanischen Wirtschaft ändern und wieder wettbewerbsfähig werden.
Wir können diesen Wandel bewirken und stolz auf die
Nation sein, die wir sind.
Freunde der Demokratischen Partei - der amerikanische Traum ist nicht tot. Er ringt nach Atem, aber er ist
nicht tot. Wir können dieser Aussage applaudieren
und wissen, daß keine Zeit zu verlieren ist, weil der
amerikanische Traum für zu viele Menschen in unerreichbare Ferne rückt - für zu viele schwarze und
braune Mütter und deren Kinder. Der amerikanische
Traum rückt für die Obdachlosen jeglicher Hautfarbe,
gleich welchen Geschlechts, in unerreichbare Ferne.
Und er ist unerreichbar für die Immigranten, die in
Slums ohne Wasser und Kanalisation leben
Der amerikanische Traum rückt für diejenigen in unerreichbare Ferne, die Arbeit haben - eine Arbeit, die
nicht mehr den Verdienst einbringt, dank dem sie leben
Seite 2

und weiterkommen können, weil Amerika es anscheinend besser beherrscht, Kriegsgerät zu produzieren,
das in Lagerhäusern verrostet als ordentliche Wohnungen. Er wird unerreichbar. Er rückt in weite Ferne.
Der amerikanische Traum entzieht sich den Arbeitern,
die auf unbestimmte Zeit arbeitslos sind, während ihre
Geschäftsführer einen Bonus nach Hause tragen, der
höher ist, als das, was der Arbeiter je in 10,20 oder 30
Jahren verdienen kann. Wir müssen die zerfallenden
Innenstädte zu Orten machen, in denen Hoffnung
wohnt.
Und während wir diesen Wandel in Angriff nehmen,
müssen wir bereit sein, Rodney Kings drängende
Frage zu beantworten: "Können wir es alle schaffen?"
Ich sage, wir beantworten diese Frage mit einem
eindeutigen "Ja".
Wir müssen diese gesundheitschädigende Umwelt
der achtziger Jahre ändern, diese Umwelt, die durch
Neid und Haß und Egoismus der Mega-Fusionen und
einen Schuldenüberhang charakterisiert war - verändern, aber wie? Wir müssen die Umwelt der achtziger
Jahre zu einer Umwelt machen, die durch Respektierung des öffentlichen Interesses, der Dienstleistungen, Toleranz und Liebe gekennzeichnet ist.
Wir sind eins, wir Amerikaner. Und wir weisen jeden
Eindringling zurück, der versucht, uns aufgrund von
Rasse oder Hautfarbe zu spalten. Wir respektieren
kulturelle Identität. Das haben wir stets getan. Und
werden es immer tun. Aber Separatismus ist nicht
erlaubt. Separatismus ist nicht der amerikanische
Weg. Wir dürfen nicht zulasssen, daß Ideen wie
politische Korrektheit uns spalten und uns veranlassen, hart erkämpfte Leistungen bei Menschen- und
Bürgerrechten umzukehren.
Fremdenfeindlichkeit hat in der Demokratischen Partei
keinen Platz. Wir versuchen, die Menschen zu vereinen, nicht sie zu trennen. Während wir die Menschen
vereinen, lehnen wir sowohl weißen als auch schwarzen Rassismus ab. Diese Partei wird Bigotterie - wie
auch immer bemäntelt - nicht tolerieren. Unsere
Stärke in diesem Land gründet sich auf seine Vielfalt.
Unsere Geschichte belegt diese Tatsache. E Pluribus
Unum - aus vielen eins. Das war eine gute Idee, als

dieses Land gegründet wurde und ist auch heute noch
eine gute Idee.
Aus den vielen eins. Das hat auch heute noch Gültigkeit. Wir müssen uns offen zu unserer Mitschuld am
Entstehen des unzumutbaren Haushaltsdefizits bekennen - zu unserer Mitschuld stehen - und, so schmerzlich es auch sein mag, der Tatsache Rechnung tragen,
daß wir bei der ernsthaften Bewältigung dieses Haushaltsdefizits auch die Frage der Ansprüche in Angriff
nehmen müssen. Das ist nicht leicht. Absolut nicht.
Aber wir müssen es tun. Wir müssen es tun, wegen der
Gerechtigkeit zwischen den Generationen, der Idee,
daß die geburtenstarken Jahrgänge - unsere Wähler AMERIKA DIENST 29

�und ihre Nachkommen das Recht auf eine sichere
Zukunft haben. Und dieses Recht haben sie.
Wenn wir jedoch die Sozialhilfeempfänger bitten, Opfer
zu bringen, muß Gerechtigkeit herrschen. Alle müssen Opfer bringen. Dieser Gedanke beinhaltet, daß
wir Opfer für Wirtschaftswachstum bringen, aber jeder
muß sich an diesem Opfer beteiligen, nicht nur einige
wenige. Es bedeutet, daß wir alle gleichermaßen
Opfer bringen. Gleichermaßen. Der Rentner mit
seinen festen Bezügen, der Tagelöhner, der Geschäftsführer, der College-Professor, der Kongreßabgeordnete - sie alle müssen um der Gerechtigkeit willen
Opfer bringen.

Zynikern. Und diese Zyniker verbreiten jetzt überall, es
mache keinen Unterschied, wer zum Präsidenten der
Vereinigten Staaten gewählt wird. Sie müssen diesen
Zynikern sagen, daß sie fortgesetzt einen Schwindel
propagieren. Es macht einen Unterschied, wer Präsident ist.
Ein demokratischer Präsident würde ein Oberstes
Gericht berufen, das die Freiheit schützt statt sie zu
behindern.
Ein demokratischer Präsident würde Prinzipien, Programme und politische Maßnahmen fördern, die uns
Hilfe zur Selbsthilfe ermöglichen.

Eine überfällige Veränderung, über die Sie vielleicht
schon viel gehört haben, findet bereits statt. Sie zeigt
sich in der Anzahl der Frauen, die jetzt die Institutionen
politischer Macht herausfordern, und diese Frauen
fordern die Zentren politischer Macht heraus, weil sie
von männlichen, weißen Politikern dominiert werden.
Und das ist falsch.

Es hat sich jedoch ein anderer Punkt auf der Tagesordnung ergeben. Charakter ist zu einem Punkt auf der
politischen Tagesordnung 1992 geworden. Die Charakterfrage ist berechtigt. Aber wenn Sie eine vernünftige Überprüfung der Charakterfrage vornehmen, werden
Sie feststellen, daß die gesamte Frage eher mit
Emotionen als mit Tatsachen zu tun hat.

Der Horizont der Geschlechtergleichheit ist für uns
unbegrenzt. Und was wir heute beobachten, ist ganz
einfach eine Generalprobe für den Tag, an dem wir bei
einem Konvent zusammenkommen um eine Frau als
Präsidentin zu wählen. Dieses Land kann kaum weiterhin funktionieren, indem es nur die Hälfte seiner
menschlichen Ressourcen nutzt, weniger als die Hälfte seiner kinetischen Energie und weniger als die
Hälfte seines Wissens.

Sie wissen, wie gefährlich es für uns ist, Entscheidungen auf der Basis von Emotionen statt von Vernunft zu
treffen. James Madison, der Begründer und Vater der
Verfassung, hat uns vor den Gefahren gewarnt, sich
auf Leidenschaft und nicht auf Vernunft zu verlassen.

Wir hatten im 19. Jahrhundert einen Besucher aus
Frankreich namens de Tocqueville. De Tocqueville
kam nach Amerika und wurde befragt. "Wenn ich
gefragt würde," so de Tocqueville, "auf welches einzelne Attribut ich den Wohlstand und die wachsende
Stärke des amerikanischen Volkes hauptsächlich
zurückführe, würde ich antworten: auf die Überlegenheit der Frauen." Nun, meine Herren, ich kann dazu
nur sagen, daß das 20. Jahrhundert nicht zu Ende
gehen wird, ohne daß die Präsenz von Frauen deutlich
spürbar würde.
Wenn wir diesen Konvent heute abend verlassen,
dann mit der Entschlossenheit, das amerikanische
Volk davon zu überzeugen, daß es uns vertrauen
kann. Die amerikanischen Wähler müssen davon
überzeugt werden, uns - den Demokraten - wieder die
Regierung anzuvertrauen. Das ist nicht leicht, aber wir
können das leisten. Wir können es vollbringen. Besorgnis und Ängste der Öffentlichkeit über die Zukunft
waren ein sehr fruchtbarer Boden für eine Reihe von

Der verstorbene Herausgeber einer Zeitung in Emporia, Kansas - William White - hat auch etwas über die
Vernunft gesagt. Es ist sehr, sehr zutreffend. Das
Zitat: "Die Vernunft hat den Menschen nie verlassen.
Nur Angst und Unterdrückung haben die Welt zugrunde gerichtet."
Vernunft und nicht Leidenschaft sollte unsere Entscheidungen leiten. Die Frage steht nach wie vor an wer kann dieses Land in diesem Augenblick unserer
Geschichte am besten führen?
Ich schließe meine Ausführungen mit einem Zitat von
Franklin Roosevelt, aus seiner Rede zum Amtsantritt
im Jahr 1933. Franklin Roosevelt hielt diese Rede vor
Menschen, die nach den schweren Tagen und der
Verzweiflung der Großen Depression Veränderungen
herbeisehnten. Er sagte folgendes:
"In jeder dunklen Stunde unseres nationalen Lebens
traf eine Führung der Offenheit und Dynamik auf das
Verständnis und die Unterstützung der Menschen, die
für den Sieg wichtig sind."
Angesichts der Elemente des nationalen Umfelds von
heute sind wir Amerikaner vielleicht - nur vielleicht bereit für ein zweites "Rendevous mit dem Schicksal".
* *

AMERIKA DIENST 29

*

Seite 3

�PORTRAT
22. Juli 1992

GENERAL SHALIKASHVILI WIRD NEUER SACEUR
Porträt des Obersten Alliierten Befehlshabers Europa
BRÜSSEL - (AD) - Generalleutnant John M. Shalikashvili wurde am 23. Juni 1992 zum Obersten Alliierten
Befehlshaber Europa und Oberbefehlshaber des Europäischen Kommandos der Vereinigten Staaten ernannt.
Nachfolgend veröffentlichen wir die vom Alliierten Befehlsbereich Europa (ACE) veröffentlichten biographischen
Daten von General Shalikashvili.

Am 27. Juni 1936 in Warschau (Polen) geboren, legte
General "Shali" Shalikashvili sein Examen in Maschinenbau an der Bradley University ab und beendete
sein Studium an der George Washington University
mit einem Magister in internationalen Angelegenheiten. Seine militärische Ausbildung absolvierte er unter
anderem am Naval Command and Staff College sowie
dem United States Army War College.
Nach Abschluß der Officer Candidate School im Jahr
1959 wurde er Leutnant der Artillerie. Die folgenden 16
Jahre diente er in unterschiedlichen Kommando- und
Stabspositionen in Alaska, den Vereinigten Staaten,
Deutschland, Vietnam und Korea. 1975 übernahm er
das Kommando des 1. Bataillons der 84. Feldartillerie
in Fort Lewis. Nach einem Kommando an und dem
Besuch des Army War College wurde er als Leiter der
Stabsabteilung Operationen der südeuropäischen
Einsatztruppe nach Vicenza (Italien) entsandt. Im
Anschluß an die Verwendung in Italien übernahm er
1979 das Kommando der Division Artillerie, 1. Panzerdivision in Deutschland. Nach seiner Rückkehr aus
Deutschland wurde er zum Leiter der politisch-militärischen Abteilung im Büro des Stellvertretenden Chefs
des Stabes Operation und Planung im Heeresministerium ernannt. Im Anschluß daran wurde er für die
Beförderung zum Brigadegeneral ausgewählt und
übernahm Aufgaben als Stellvertretender Direktor für

Strategie, Planung und Politik im Büro des Stellvertretenden Chefs des Stabes Operation und Planung.
1984 kehrte General Shalikashvili als stellvertretender
Divisionskommandeur und Kommandeur der Militärgemeinde Nürnberg zur 1. Panzerdivision nach Deutschland zurück. Für die Beförderung zum Generalmajor
vorgeschlagen, kehrte er als Stellvertreter des Leiters
der Stabsabteilung Operation und Planung (Gemeinsame Angelegenheiten) und als Direktor der Abteilung
Strategie, Planung und Politik ins Pentagon zurück.
Von Juni 1987 bis August 1989 war er Kommandeur
der 9. Infanteriedivison (motorisiert) in Fort Lewis,
Washingotn.
Im August 1989 wurde er für die Beförderung zum
Generalleutnant vorgeschlagen, kam erneut nach
Deutschland und übernahm das Amt als Stellvertretender Oberbefehlshaber der US-Armee in Europa
und 7. Armee. Unmittelbar vor seiner Verwendung als
Berichterstatter des Büros des Vorsitzenden der
Vereinigten Stabschefs diente General Shalikashvili
als Kommandeur der Nothilfeoperation Provlde Comfort, dank der Tausende kurdischer Flüchtlinge nach
Nordirak zurückgeführt werden konnten. Im August
1991 wurde er Stellvertreter des Vorsitzenden der
Vereinigten Stabschefs.
Er ist verheiratet und hat einen Sohn, der an der
Washington State University studiert.

* * * *

AMERIKA DIENST 29

*

Seite 1

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11515">
                <text>22.07.1992</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11516">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11517">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11518">
                <text>Amerikadienst 22.07.1992</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11519">
                <text>&lt;strong&gt;1. Nichtverbreitung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Bushs Initiative zur Nichtverbreitung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht des Weißen Hauses&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bestrebungen zur Nichtverbreitung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht des Weißen Hauses&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Rüstungskontrolle&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA und Russland - Konsultationen über GPS&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Gemeinsame Erklärung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wahlen '92&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Arbeitsplätze, Krankenversicherung, Reformen vorrangig für Clinton&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede beim Parteikonvent der Demokraten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Demokraten versprechen Wirtschaftswachstum und Führungskraft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Das Parteiprogramm der Demokraten&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Demokraten sollen Wachstum, Investitionen fördern&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Programmatische Rede von Barbara Jordan&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Porträt&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;General Shalikashvili wird neuer Saceur&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt des Obersten Allierten Befehlshabers Europa Tennessee&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2257" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2268">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/71f0222b51975afe08da11e87fac0aac.pdf</src>
        <authentication>cf878c036cafe8893b52905fea0854c3</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="11526">
                    <text>v«e2*?V

amcrika
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

29. Juli 1992

•n

-

1

&lt;&gt;.

UN-SANKTIONEN GEGEN IRAK

BUSH: IRAK MUSS FÜR UN-SANKTIONEN
ZUR VERANTWORTUNG GEZOGEN WERDEN
Erklärung des Präsidenten zu Drogenbekämpfung
in den USA und zur Lage im Irak

CHEMISCHE WAFFEN

LEDOGAR APPELLIERT AN ALLE STAATEN,
VERTRAG ÜBER C-WAFFEN ZU
VERABSCHIEDEN
Rede bei der Genfer Abrüstungskonferenz

ERDGIPFEL

BOHLEN ERLÄUTERT ERGEBNISSE
DES ERDGIPFELS VOR DEM KONGRESS
Rede von Abteilungsleiter Bohlen

NAFTA

ZOELLICK: NAFTA KANN ZU VERSTÄRKTEM
HANDEL MIT DEM PAZIFIK FÜHREN
Rede des Staatssekretärs beim ASEAN

WAHLEN '92

DIE TRADITION, EINEN "MANN DES VOLKES'
ZU WÄHLEN
Von Juliet Bruce
DIE EINFLUSSREICHE ARMEE - DIE ANATOMIE
EINER PRÄSIDENTSCHAFTSWAHLKAMPAGNE
Von Juliet Bruce

AIDS

US-REGIERUNG ERHÖHT AUSGABEN ZUR
BEKÄMPFUNG VON AIDS
Eine Übersicht zu Präventiv- und
Bekämpfungsmaßnahmen

EINWANDERUNG

EINWANDERUNGSQUOTE WÄRE LÖSUNG
FÜR FLÜCHTLINGSPROBLEME
Rede der Flüchtlingsbeauftragten vor
Senatsausschuß

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�UN-SANKTIONEN

GEGEN

IRAK
29. Juli 1992

BUSH: IRAK MUSS FÜR UN-SANKTIONEN
ZUR VERANTWORTUNG GEZOGEN WERDEN
Erklärung des Präsidenten zu Drogenbekämpfung
in den USA und zur Lage im Irak
WASHINGTON - (AD) - Bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus stellte Präsident Bush am 26. Juli 1992 fest,
Saddam Hussein habe sich dem Willen der Vereinten Nationen gebeugt und endlich die Inspektion des irakischen
Landwirtschaftsministeriums genehmigt, räumte jedoch ein, es sei zweifelhaft, ob nach dieser Verzögerung eine
"wirklich effektive Inspektion des Ministeriums noch möglich ist".
Bush bezeichnete Saddam Hussein als "Tyrannen, Diktator und brutalen Händler des Todes" und fügte hinzu,
Hussein stelle eine Bedrohung für das irakische Volk und für Frieden und Sicherheit in der Region dar.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Eingangserklärung des Präsidenten.
Ich möchte zwei kurze Erklärungen abgegeben.
Zusätzlich zu dem gestrigen Treffen mit unseren nationalen Sicherheitsberatern zur Situation im Irak - das
eingehend in der Presse kommentiert wurde - habe ich
heute ziemlich viel Zeit damit verbracht, eine Bilanz der
Drogenbekämpfung in unseren Gemeinden zu ziehen.
In Camp David hat mir Jim Burke, der Leiter des
Programms "Partnerschaftlich für ein drogenfreies
Amerika", einen detaillierten und ermutigenden Bericht über die von unserer Nation bei der Abkehr vom
Drogenkonsum erzielten Fortschritte unterbreitet. Es
passiert etwas. Die Vereinigten Staaten wenden sich
von Drogen ab, und zweifelsohne bleiben Probleme
bestehen, aber es werden eindrucksvolle Fortschritte
auf der Nachfrageseite der Gleichung gemacht, insbesondere bei unseren Jugendlichen.
Er und ich haben heute die Statistiken geprüft, die den
sich vollziehenden kulturellen Wandel belegen. Die
Jugendlichen lehnen Drogen ab. Einer Studie zufolge
hat sich der Drogenkonsum unter den 13- bis 17jährigen um 56 Prozent verringert, laut einer anderen um 48
Prozent.
Dies sind außerordentlich bedeutende Tendenzen,
und im Rahmen unserer Programme am Arbeitsplatz
sind deutliche Bestrebungen sichtbar. Praktisch 90
Prozent unserer führenden Unternehmen unterhalten
äußerst wirksame Programme und erweitem ein als
"Drogen funktionieren nicht" bezeichnetes Programm.
Unser Land hört die Botschaft. Mindestes 900 GeAMERIKA DIENST 30

meinden haben sich landesweit bei der Drogenbekämpfung zusammengeschlossen, und jeden Tag werden
neue Koalitionen gegründet.
Wir haben zwar immer noch ein ernsthaftes Drogenproblem in den Vereinigten Staaten mit schätzungsweise sechs Millionen Abhängigen. Das Drogenproblem steht in Zusammenhang mit allen anderen sozialen Fragen, mit denen wir uns als Nation auseinandersetzen. Wir müssen also noch mehr tun, ich war
jedoch mit Burkes Bericht im Auftrag des Programms
"Partnerschaftlich für ein drogenfreies Amerika" sehr
zufrieden.
Jetzt zum Irak. Die verspätete Ankündigung, daß der
Irak der Sonderkommission der Vereinten Nationen
die Inspektion des Landwirtschaftsministeriums in
Bagdad gestatten wird, ändert weder etwas an der
Tatsache, daß Saddam Hussein drei Wochen lang
Resolution 687 des UN-Sicherheitsrats offenkundig
verletzt hat. Noch ändert diese Ankündigung etwas
daran, daß der Irak die UN-Inspektoren bei der Ausübung ihres Mandats willkürlich und unbarmherzig
behindert und mißbraucht hat. Dieses Mandat lautet
unverzüglicher, ungehinderter, bedingungsloser und
uneingeschränkter Zugang zu allen Anlagen, deren
Inspektion die Vereinten Nationen für erforderlich
erachten.
Und jetzt hat Saddam Hussein wiederum nachgegeben, und obwohl er sich dem Willen der Vereinten
Nationen gefügt hat, bleibt die Frage offen, ob nach
Seite 1

�dieser Verzögerung eine wirklich effektive Inspektion
des Ministeriums noch möglich ist. Ein echter Test
seines Verhaltens werden künftige UN-Inspektionen
sein. Das bisher an den Tag gelegte Verhalten wird
nicht toleriert.

gen und das von den Besatzern gestohlene Eigentum
zurückzugeben.
Der Irak hat die Regierungsvereinbarung mit den
Vereinten Nationen nicht erneuert und UN-Beamten
und Vertreter der im Land tätigen humanitären Hilfsorganisationen weiter behindert.

Saddam Hussein hat seit langem willkürlich die Auflagen der Sonderkommission der Vereinten Nationen
nicht erfüllt und ihre Arbeit behindert. Seit über einem
Jahr macht er falsche Angaben über das Ausmaß der
irakischen Programme für Massenvernichtungswaffen und versucht sie vor den Vereinten Nationen und
der Internationalen Atomenergie-Organisation zu verbergen.

Saddam Hussein verfolgt noch immer gnadenlos das
irakische Volk in offenkundiger Verletzung von Resolution 688 des UN-Sicherheitsrats, einschließlich des
jüngsten Einsatzes von Düsenjägern gegen die Schiiten und der Aufrechterhaltung der Blockade gegen die
Kurden.

Das ist inakzeptabel. Der Irak muß und wird an den
Normen der vollständigen Einhaltung von Resolution
687 des Sicherheitsrats gemessen. Saddams Verletzung des in den Resolutionen des Sicherheitsrats der
Vereinten Nationen formulierten Willens der internationalen Staatengemeinschaft besteht in anderen wichtigen Bereichen fort.

Der Irak hat die Annahme der Resolutionen 706 und
712 des UN-Sicherheitsrats verweigert, mit denen der
Verkauf von Nahrungsmitteln - Verkauf von Rohöl im
Gegenzug für Nahrungs- und Arzneimittel - gestattet
würde und sich statt dessen für das unnötige Leiden
des irakischen Volkes entschieden, indem er Nahrungsmittel verweigert.

Der Irak hat die Mitarbeit in der irakisch-kuwaitischen
Grenzkommission verweigert. Der Irak hat sich geweigert, Rechenschaft über die während der Besetzung
der Emirate gefangengenommenen Kuwaiter abzule-

Die internationale Staatengemeinschaft kann die
anhaltende Mißachtung der Vereinten Nationen und
der Rechtsstaatlichkeit nicht tolerieren, denn es steht
für die Region, die Vereinten Nationen und die Welt
zuviel auf dem Spiel.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 30

�CHEMISCHE

WAFFEN
29. Juli 1992

LEDOGAR APPELLIERT AN ALLE STAATEN, VERTRAG
ÜBER C-WAFFEN ZU VERABSCHIEDEN
Rede bei der Genfer Abrüstungskonferenz
GENF - (AD) - Der amerikanische Chefdelegierte bei der Genfer Abrüstungskonferenz, Stephen Ledogar, hat
am 23. Juli 1992 alle Staaten aufgefordert, den vorliegenden Vertragsentwurf über chemische Waffen ohne
Veränderungen zu verabschieden.
Der 183seitige Vertragsentwurf untersagt Beschaffung, Entwicklung, Herstellung, Weitergabe und Einsatz von
chemischen Waffen weltweit und sieht die Zerstörung aller Bestände und vorhandenen Produktionseinrichtungen für C-Waffen innerhalb von 10 Jahren nach Inkrafttreten des Vertrags vor.
"Der Text... spiegelt das zerbrechliche und mühsam erlangte Gleichgewicht zwischen vielen unterschiedlichen
Positionen und zahlreichen verschiedenen Problemen wider", erklärte Ledogar vor der Konferenz. "Obwohl wir
in vielen Bereichen des Texts andere Regelungen vorziehen würden, sind wir nach eingehender Prüfung zu dem
Schluß gekommen, daß gewisse Opfer unsererseits notwendig sind, um ein Abkommen auf breiter Grundlage
zu erlangen und daß das verbleibende Gleichgewicht unsere Sicherheitsinteressen angemessen schützt."
Nachfolgend veröffentlichen wir Ledogars Rede im Wortlaut.

Vor langer Zeit, in einem internationalen Umfeld, das
von dem heute vorherrschenden grundverschieden
war, nahm diese Konferenz ihre Arbeit an einer Konvention zur vollständigen Beseitigung chemischer Waffen
auf der ganzen Welt auf. Diese Bemühungen waren
ungleichmäßig und - dem würden die meisten von uns
zustimmen - viel zu langsam, trotz der Leitung engagierter und talentierter Vorsitzender des Ad-hoc-Ausschusses und der harten Arbeit der Delegationen. Wir
alle haben unsere eigenen Ansichten zu den Gründen
für die schwere Geburt der C-Waffenkonvention. Um
diese Frage geht es jedoch heute nicht. Unter der
Führung unseres hervorragenden Kollegen, Botschafter von Wagner aus Deutschland, haben wir heute eine
ausgezeichnete Chance, diese Arbeit zu vollenden
und die C-Waffenkonvention der gesamten Staatengemeinschaft zur Unterzeichnung vorzulegen. Dies
wird die erste große Leistung dieses einzigartigen
multilateralen Verhandlungsgremiums für Rüstungskontrolle und Abrüstung sein.
In den kommenden beiden Wochen muß jeder Teilnehmer und Beobachter unserer Konferenz irgendwann entscheiden, ob er den letzten Vertragsentwurf
des Vorsitzenden akzeptieren kann.

AMERIKA DIENST 30

Stellvertretend für die Vereinigten Staaten möchte ich
hier erklären, daß unsere Antwort auf diese Frage "Ja"
lautet.
Wir können den Konventionsentwurf in Dokument CD/
CW/WP.400/REV.1 voll und ganz akzeptieren. Unser
Entschluß wurde nicht leicht gefaßt. In vielen wichtigen Bereichen wurden die von den Vereinigten Staaten erwünschten Positionen erheblich verwässert oder
überhaupt nicht aufgenommen. So gestattet es der
vor uns liegende Text beispielsweise nicht, daß ein
Staat, der mit C-Waffen angegriffen wird, mit chemischen Waffen zurückschlägt, auch wenn er solche
Waffen noch besitzt. Ferner darf kein Staat zu seiner
Sicherheit einen kleinen Vorrat von C-Waffen behalten, bis alle C-waffenfähigen Staaten dem Vertrag
beigetreten sind. Darüber hinaus sieht der Text keine
automatischen Verdachtsinspektionen vor, wenn ein
solches Ersuchen gestellt wird, und die Präsenz von
Beobachtern aus dem ersuchenden Staat ist auch
nicht gewährleistet. Der Text spiegelt nicht die amerikanische Position wider, daß die Zahl der von jedem
Staat zuzulassenden Verdachtsinspektionen begrenzt
werden sollte, daß Handelsbeschränkungen gegen
NichtUnterzeichner des Vertrags verhängt werden sollten

Seite 1

�und daß die Verantwortung für die Zerstörung aller CWaffen auf dem Hoheitsgebiet eines Staates voll und
ganz diesem Staat zukommen sollte.
Ich könnte noch eine lange Liste von Bereichen aufzählen, in denen der Text unsere bevorzugten Positionen nicht widerspiegelt. In einigen dieser Bereiche
haben die Vereinigten Staaten Zugeständnisse gemacht, um Fortschritte zu erleichtern. Tatsächlich
haben wir in den vergangenen Jahren eine ganze
Reihe von Konzessionen gemacht. In anderen Fällen
hat der Vorsitzende des Ad-hoc-Ausschusses, Botschafter von Wagner, einen anderen Ansatz vorgeschlagen, um ein kontroverses Problem zu lösen,
wenn die Positionen auch nach langen Debatten nicht
miteinander in Einklang gebracht werden konnten.
Tatsache ist, daß der dem Ad-hoc-Ausschuß vorliegende Text ein zerbrechliches und mühsam erlangtes
Gleichgewicht zwischen vielen unterschiedlichen
Positionen und zahlreichen verschiedenen Problemen
widerspiegelt. Obwohl wir in vielen Bereichen des
Texts andere Regelungen vorziehen würden, sind wir
nach eingehender Prüfung zu dem Schluß gekommen, daß gewisse Opfer unsererseits notwendig sind,
um ein Abkommen auf breiter Grundlage zu erlangen
und daß das verbleibende Gleichgewicht unsere Sicherheitsinteressen angemessen schützt.
Der Ad-hoc-Ausschuß hat die kontroversen Themen
erschöpfend erörtert. Ich bezweifle, daß deren weitere
Behandlung zu einem besseren Konglomerat von
Kompromissen führen wird. Im Gegenteil, die erneute
Behandlung eines kontroversen Problems könnte
vielmehr das zerbrechliche Gleichgewicht der Interessen und Positionen sprengen, wenn die Staaten wie-

*

Seite 2

derum versuchen, das Gleichgewicht zu ihren Gunsten zu verschieben. Wenn dies geschieht, kann ich
Ihnen versprechen, daß die Vereinigten Staaten bei
mehreren wichtigen Themen die von ihnen bevorzugten Positionen einbringen werden. Ich bin mir jedoch
ebenso der Tatsache bewußt, daß die neuerliche
Erörterung kontroverser Fragen den Abschluß der
Konvention noch in diesem Jahr zum Scheitern bringen könnte.
Die Vereinigten Staaten schließen weitere Änderungen des Textes nicht aus. Wir sind bereit, ernsthafte
Vorschläge von Delegationen zu Punkten in Erwägung
zu ziehen, die sie als grundlegend für ihre Interessen
betrachten. Wir unterstützen jedoch voll und ganz die
Position Botschafter von Wagners, daß Veränderungen am Vertragsentwurf nur durch Konsens erfolgen
können. Wir kennen keinen anderen Weg, um einen
Text zu erlangen, den alle Delegationen unterstützen
können.
Nach vielen Jahren der Verhandlungen sind wir nahe
daran, die Hoffnungen unserer Konferenz und das
Mandat des Ad-hoc-Ausschusses dieses Jahr zu erfüllen. Wir haben jedoch nur noch bis zum 7. August, um
die Arbeit am Text zu vollenden. Wir sind der Überzeugung, daß sorgfältige Prüfung durch die anderen Teilnehmer an den C-Waffenverhandlungen diese zu
derselben Schlußfolgerung veranlassen wird, die wir
gezogen haben. Wir fordern die anderen Teilnehmer
auf - sowohl Mitglieder als auch Nichtmitglieder -, die
ihre Position zum Text des Vorsitzenden noch nicht
bekanntgegeben haben, dies in dieser Woche zu tun.
Lassen Sie uns die vor uns liegende historische Chance ergreifen.

* * *

*

AMERIKA DIENST 30

�ERDGIPFEL
29. Juli 1992

BOHLEN ERLÄUTERT ERGEBNISSE DES
ERDGIPFELS VOR DEM KONGRESS
Rede von Abteilungsleiter Bohlen
WASHINGTON - (AD) - Nach dem Abschluß der Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung
(UNCED) müssen jetzt alle Länder konkrete Schritte zur Förderung umweltverträglicher Entwicklung unternehmen, erklärte der Abteilungsleiter im US-Außenministerium Curtis Bohlen am 21. Juli 1992 vor dem Ausschuß
für auswärtige Angelegenheiten des Repräsentantenhauses.
Bohlen erläuterte die wichtigsten Leistungen der am 14. Juni 1992 in Rio de Janeiro beendeten Konferenz und
verwies darauf, daß die Bush-Administration eine Arbeitsgruppe des Weißen Hauses ins Leben gerufen habe,
die sich mit der Verwirklichung der von den Vereinigten Staaten im Rahmen der in Rio unterzeichneten
Vereinbarungen eingegangenen Verpflichtungen befaßt.
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus dem vorbereiteten Redetext von Bohlens Anhörung vor dem
Kongreß.

Ich möchte heute die drei in Rio verabschiedeten
Vereinbarungen und unsere Pläne zu deren Durchsetzung zusammenfassen.
Rio-Deklaration
Eines der wesentlichen Ergebnisse der Konferenz war
die Rio-Deklaration über Umwelt und Entwicklung.
Beim letzten Treffen des UNCED-Vorbereitungsausschusses im April legte eine kleine Gruppe von rund 14
Ländern einschließlich der Vereinigten Staaten unter
dem Vorsitzenden Tommy Koh einen Kompromißentwurf vor. Dieser Text wurde in Rio wortgetreu verabschiedet.
Der Text enthält 27 allgemeine Prinzipien zu Umwelt
und Entwicklung. Zu den von den Vereinigten Staaten
vorgeschlagenen Prinzipien zählen Beteiligung der
Öffentlichkeit, Zugang zu Informationen sowie Umweltverträglichkeitsprüfungen. Andere Prinzipien fördern den globalen Schutz der Umwelt und die Integration von Umwelt und Entwicklung. Das Dokument
steht für einen hart erkämpften und erfolgreichen
Kompromiß unterschiedlicher nationaler Interessen,
gründet sich auf die Stockholmer Deklaration von 1972
und ist eine Erweiterung derselben.
Die Vereinigten Staaten haben zur Aufnahme in das
Protokoll eine Erläuterung unserer Interpretation des
sogenannten "Rechts" auf Entwicklung (Prinzip 3)
unterbreitet, die Verantwortung der Länder für UmAMERIKA DIENST 30

weltprobleme im einzelnen erläutert (Prinzip 7), Handelsmaßnahmen zum Umweltschutz dargelegt (Prinzip 12) und sich mit dem Problem der Unterdrückung
befaßt (Prinzip 23). Wir werden eine vollständige
Interpretation vorlegen, die auch Kommentare der
Dokumente zu den Waldprinzipien und der Agenda 21
für Ihr Protokoll enthält.
Waldprinzipien
Beim Gipfeltreffen derG-7 in Houston verkündeten die
Staats- und Regierungschefs ihr Ziel, zur Unterzeichnung in Rio ein internationales Waldabkommen oder
eine Konvention auszuhandeln. Aufgrund der Komplexität der anderen Verhandlungen im Zusammenhang mit der UNCED vereinbarte der Vorbereitungsausschuß die Erarbeitung nicht bindender Prinzipien
zur Verwaltung der Wälder, die als Ausgangspunkt für
eine Konvention dienen könnten. Dieser Ansatz wurde
beim G-7-Gipfel in London bekräftigt.
Die Konferenz verabschiedete eine Erklärung zu
Waldprinzipien, in der die Bedeutung von Wäldern und
die Notwendigkeit zu deren Schutz sowie von umweltverträglicher Verwaltung ihren Niederschlag finden.
Die Prinzipien unterstützten die Rolle von wirtschaftlichen Anreizen bei der Erhaltung von Wäldern und die
Notwendigkeit der Berücksichtigung anderer Faktoren
bei der Erarbeitung von Verwaltungsplänen und
Maßnahmen. Sie tragen ferner der Bedeutung aller
Arten von Wäldern als natürliche Lebensräume, ökoloSeite 1

�gische Systeme und Ressourcen Rechnung. Es wurde
keine Einigung bezüglich der Aushandlung einer rechtlich bindenden Waldkonvention erzielt, weil einige
Entwicklungsländer den Gedanken einer Waldkonvention vehement ablehnten.
In seiner Rede vor den Staats- und Regierungschefs
unterstrich Präsident Bush die Bedeutung der Wälder
für die von ihm kurz vor dem Erdgipfel angekündigte
Initiative für die Zukunft, einschließlich seines Vorschlags, die internationale Waldhilfe im kommenden
Jahr zu verdoppeln.
Agenda 21: eine Übersicht
Das dritte Dokument, das ich erläutern möchte, ist die
Agenda 21, die eine Vision der Zukunft enthält. Die
Agenda 21 war der größte Erfolg der Konferenz.
Die Agenda 21 umfaßt 40 Kapitel, die Nationen zu
einem Kurs für umweltverträgliche Entwicklung verpflichten. Das Dokument wurde von 170 Regierungen
ausgehandelt und im Konsens verabschiedet. Jedes
Kapitel stellt bestimmte Programmbereiche vor, die
einen gemeinsamen Ansatz zu Umwelt- und Entwicklungsproblemen bieten. Die Kapitel fassen die Erörterung von Themen und die vorgeschlagenen Maßnahmen zusammen. Beispielsweise integriert das Kapitel
zu Wäldern nationale Maßnahmen und internationale
Zusammenarbeit bei der Erhaltung und umweltverträglichen Entwicklung der Wälder.
Ich möchte die drei wichtigsten Kapitel der Agenda 21
- Ozeane, technologische Zusammenarbeit und Institutionen - kurz umrei ßen und dann auf andere wesentliche Leistungen der Agenda 21 in den Bereichen
Finanzwesen und Versteppung eingehen.
Agenda 21: Ozeane
Im Hinblick auf die Ozeane sind wir mit den Ergebnissen von Rio sehr zufrieden. Die amerikanische Führungsrolle bei allen vier Sitzungen des Vorbereitungsausschusses hat maßgeblich zum Erfolg des Ozeankapitels von Agenda 21 beigetragen. Unser Ziel bestand darin, auf dem in der UN-Seerechtskonvention
von 1982 dargelegten stabilen internationalen rechtlichen Rahmen aufzubauen und Prioritäten für die Zukunft
festzulegen.
Die Vereinigten Staaten drängten auf demokratische
Ansätze, um zu gewährleisten, daß die Rechte aller bei
der Entscheidungsfindung berücksichtigt werden. Die
Vereinigten Staaten waren in der Lage, ihre Erfahrungen bei der Durchführung von Vorschriften im eigenen
Land weiterzugeben, von denen zahlreiche in den
vergangenen Jahren unter Beteiligung dieses Ausschusses entwickelt wurden. Dazu gehören Gesetze
über die Behandlung küstennaher Gebiete, Schiffahrt,
den äußeren Festlandssockel, Energiegewinnung im
Meer, Entsorgung von Schadstoffen, Hochseefischerei, Meeressäugetiere, gefährdete Arten und Umwelt-

Seite 2

Verträglichkeitsprüfungen. Dies sind Gesetze, die für
uns heute selbstverständlich sind, aber von anderen
auf der ganzen Welt angestrebt werden, um unsere
Fortschritte beim Umweltschutz nachzuahmen.
Die Vereinigten Staaten haben erfolgreich den Einsatz
wirtschaftlicher Anreize als Weg gefördert, um industrielle und landwirtschaftliche Praktiken zu begrenzen, die das Ökosystem Meer verschmutzen, wobei
der Entwicklung von Strategien besonderes Augenmerk geschenkt wurde, die Meeresverschmutzung
aus Landquellen zu behandeln. Wir unterstützten in
Rio eine Vereinbarung, derzufolge die UNO eine internationale Konferenz über landgestützte Quellen der
Meeresverschmutzung veranstalten soll.
Im Ozeankapitel empfohlene Maßnahmen haben das
Ziel, zu gewährleisten, daß Populationen von Meereslebewesen in gesundem Umfang erhalten werden,
Populationen bedrohter Meeressäugetiere geschützt
werden und selektive Fischereiausrüstung verwendet
wird, die erhebliche Verschwendung oder Fangverluste vermeidet.
Das Kapitel bekräftigt die Seerechtskonvention, in der
die Rechte von Staaten und internationalen Organisationen niedergelegt sind, die Ausbeutung von Meeressäugetieren zu begrenzen oder verbieten. Es unterstreicht ferner die Pflicht der Internationalen Walfangkommission zur Regelung des Walfangs.
Das schwierigste Verhandlungsgebiet war die Hochseefischerei, insbesondere die Frage der Fischbestände. Beim Abschlußtreffen des Vorbereitungsausschusses hatten die Vereinigten Staaten den Vorsitz
einer Verhandlungsgruppe über lebende Meeresressourcen inne. Die Meinungsverschiedenheiten konzentrierten sich auf Fischpopulationen, die auch jenseits der exklusiven Wirtschaftszone von 200 Meilen
vorkommen. Dabei waren Kanada und die Europäische Gemeinschaft die Hauptgegner.
Die Verhandlungsgruppe schlug einen Kompromiß
vor, der vorsieht, daß eine zwischenstaatliche Konferenz über Hochseefischerei praktische Maßnahmen
zur Durchführung (nicht Neuverhandlung) der einschlägigen Bestimmungen der UN-Konvention von
1982 entwickelt (im Hinblick auf Populationen außerhalb der 200-Meilen-Zone und Fischarten mit großer
Wanderungsbewegung). Dieser Kompromiß wurde in
Rio verabschiedet.
Agenda 21: Technologische Zusammenarbeit
Technologische Zusammenarbeit war bei der UNCED
ein wichtiger Schwerpunkt der Vereinigten Staaten.
Das Kapitel über technologische Zusammenarbeit
beinhaltet amerikanische Bemühungen, die Konzepte
der technologischen Zusammenarbeit, eine bedeutsame Rolle der Privatwirtschaft und den Schutz der
Rechte an geistigem Eigentum zu unterstreichen.

AMERIKA DIENST 30

�Die Vereinigten Staaten haben schließlich mit Erfolg
betont, daß der Transfer umweltverträglicher Technologie ein Element innerhalb eines breiteren Rahmens
kooperativer Maßnahmen darstellt. Dieser Rahmen
umfaßt die Entwicklung von Informationsnetzen, den
Aufbau von Kapazitäten, Forschungszentren, Technologiebewertung und wirtschaftliche Partnerschaften.
Agenda 21: Institutionen
Die Vereinigten Staaten unterstützen die Ansicht, daß
die Integration von Umwelt und Entwicklung zur Erlangung umweltverträglicher Entwicklung ein Leitprinzip
der wirtschaftlichen und sozialen Aktivitäten der UNO
sein sollte, und bei den Treffen der Vorbereitungsausschüsse fürdie UNCED haben die Vereinigten Staaten
umfassende Vorschläge zur Reform der UNO vorgelegt.
Das Kapitel über die Reform internationaler Institutionen spiegelt einen Konsens wider, demzufolge die
UNCED von einer verstärkten behördenübergreifenden Koordinierung im System der Vereinten Nationen
gefolgt werden muß, verstärkten Rollen für das UNUmweltprogramm, das UN-Entwicklungsprogramm und
andere UN-Organisationen, von verstärkten regionalen Bemühungen, von nationalen umweltverträglichen
Entwicklungsprogrammen sowie von einer verbesserten Rolle für Nichtregierungsorganisationen bei UNDiskussionen und -Programmen.
Die Vereinigten Staaten begrüßten die in Rio getroffene Vereinbarung, zu empfehlen, daß die Generalversammlung der Vereinten Nationen eine UN-Kommission für umweltverträgliche Entwicklung ins Leben
rufen soll. Die Kommission, deren Sitz von der UNGeneralversammlung bestimmt wird, wäre ein hochrangiges Gremium des Wirtschafts- und Sozialrats.
Sein Zweck ist die Bereitstellung eines geeigneten
zwischenstaatlichen Forums für den Informationsaustausch über nationale und multilaterale Erfahrungen
bei der Durchführung oder Behandlung von Empfehlungen des Erdgipfels sowie die Erörterung von Möglichkeiten um den UNCED-Folgeprozeß zu verbessern. Die Kommission wird ferner die Bemühungen
des UNO-Systems zur Verwirklichung der Agenda 21
sowie die von unabhängigen Vertragsgremien gelieferten Informationen über die Umsetzung von Umweltkonventionen prüfen.
Andere wichtige Themen
Andere wichtige Themen waren die Finanzen und die
Forderung nach einer Konvention über die Ausbreitung der Wüsten.
Finanzen. Agenda 21 beinhaltet ein Kapitel über
finanzielle Mittel, das die Zustimmung aller Länder
fand. Das Kapitel reflektiert ein ausgewogenes Verhältnis zwischen dem Bedürfnis der Entwicklungsländer, die meisten Ressourcen intern zu mobilisieren
AMERIKA DIENST 30

und dem Bedarf nach zusätzlicher Hilfe aus externen
Quellen. Die Vereinigten Staaten haben die Bedeutung positiver nationaler Volkswirtschaften betont, femer
die Rolle des Privatsektors und die Notwendigkeit
innovativer Finanzierung wie Schuldenreduzierung im
Tausch gegen Umweltschutz. Das Kapitel über Finanzen verweist auf eine Reihe von Quellen und Mechanismen für die finanzielle Hilfe der Agenda 21, einschließlich der umstrukturierten Globalen Umweltfazilität.
Ausbreitung der Wüsten. Bei der letzten Vorbereitungskonferenz forderten die Entwicklungsländer eine
Konvention, um der fortschreitenden Ausbreitung der
Wüsten, das heißt der Bodenerosion durch Aktivitäten
des Menschen, Einhalt zu gebieten. Die Konferenz in
Rio kam überein, die Generalversammlung der Vereinten Nationen aufzufordern, bei ihrer 47. Sitzung einen
zwischenstaatlichen Verhandlungsausschuß zu gründen, um bis Juni 1994 eine Konvention zur Bekämpfung der Ausbreitung von Wüsten in Ländern - insbesondere in Afrika - zu erarbeiten, in denen große Dürre
herrscht oder sich die Wüste erheblich ausbreitet. Die
Vereinigten Staaten haben die Konvention unterstützt,
weil das Problem dringlich ist und die afrikanischen
Länder entschlossen sind, die Ausbreitung der Wüsten anzugehen.
Die nächsten Schritte
Präsident Bush hat erklärt, daß der Weg nach Rio zwar
wichtig war, aber "der Weg von Rio ist das, was zählt".
Es ist entscheidend, daß alle Länder Schritte unternehmen, um eine umweltverträgliche Entwicklung zu
fördern. Die Vereinigten Staaten arbeiten hart daran,
zu gewährleisten, daß die Ergebnisse der Konferenz
erfolgreich die Basis für ein neues Zeitalter globaler
Kooperation und Partnerschaft schaffen. Es steht
zuviel auf dem Spiel, als daß man es zulassen könnte,
die Agenda 21 auf die lange Bank zu schieben, ein
Schicksal, das zu viele Arbeitsprogramme der Vereinten Nationen in der Vergangenheit erlitten haben.
Präsident Bush und die anderen Staats- und Regierungschefs der G-7 haben vor zwei Wochen in München erklärt, daß der Erdgipfel ein Meilenstein war, um
das Bewußtsein über globale Umweltherausforderungen zu schärfen und den Prozeß der Schaffung einer
weltweiten Partnerschaft über Entwicklung und Umwelt zu beschleunigen. Sie forderten schnelle und
konkrete Maßnahmen zur Überprüfung der UNCEDVerpflichtungen im In- und Ausland.
Auf internationaler Ebene umfaßt dies die Zusammenarbeit mit anderen Ländern, um die in Agenda 21
vereinbarte Umstrukturierung und Reform des UNOSystems zu leisten. Auf nationaler Ebene bedeutet es
die Erstellung, Veröffentlichung und Durchführung
nationaler Aktionspläne für umweltverträgliche Entwicklung.

Seite 3

�Die Vereinigten Staaten gehen schnell vor, um sicherzustellen, daß wirüber die funktionierenden Mechanismen verfügen, um beiden Zielsetzungen gerecht zu
werden. Kurz nach der Konferenz rief das Wei ße Haus
eine parlamentarische Arbeitsgruppe zu UNCED ins
Leben, die der wichtigste Kanal zur Entwicklung interministerieller Initiativen und Maßnahmen im Nachgang zu der Konferenz sein soll. Der Arbeitsgruppe
obliegt die Koordinierung der Durchführung von in Rio
verabschiedeten Abkommen. Der Arbeitsgruppe
gehören an: das Außenministerium, Innenministerium, Ministerium für Landwirtschaft und Energie, das
Umweltschutzamt, hochrangige Beamte des Weißen

Hauses und des Präsidialamts sowie der Vorsitzende
des Rats für Umweltqualität.
Die interministerielle Koordinierung von UNCED-Themen wird auch auf unterer Ebene fortgeführt und zwar
mit Hilfe der erprobten interministeriellen Gremien, die
bei den Vorbereitungen zur UNCED hervorragende
Arbeit geleistet haben. Ich kann Ihnen versichern, daß
wir im Büro für Ozeane und internationale wissenschaftliche Umweltprobleme die erforderlichen Ressourcen zur Nachbereitung der UNCED bereitstellen
werden. Dies hat oberste Priorität. Ich bin sicher, daß
andere Behörden gleichziehen werden.

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 30

�NAFTA
29. Juli 1992

ZOELLICK: NAFTA KANN ZU VERSTÄRKTEM
HANDEL MIT DEM PAZIFIK FÜHREN
Rede des Staatssekretärs beim ASEAN
WASHINGTON - (AD) - Staatssekretär Robert Zoellick zufolge würde die Unterzeichnung des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (North American Free Trade Agreement - NAFTA) zu verstärktem Handel
zwischen den Vereinigten Staaten und dem Pazifik führen.
In einer Rede vor der "Sechs-plus-Sieben-Sitzung" des Verbands Südostasiatischer Nationen ASEAN erklärte
Zoellick am 24. Juli 1992 in Manila, ein konkurrenzfähigerer nordamerikanischer Markt wäre besser geeignet,
"den florierenden Handel mit dem pazifischen Becken aufrechtzuerhalten und zu verbessern. Wir beabsichtigen
nicht, eine große Insel zu sein - das läge nicht in unserem Eigeninteresse."
Amerikanische, mexikanische und kanadische Regierungsvertreter eröffneten am vergangenen Wochenende
die Endrunde der Gespräche zum NAFTA, das die Senkung der Handelsschranken zwischen ihren Ländern zum
Ziel hat. Regierungsvertretem zufolge wird NAFTA einen der reichsten Märkte der Welt mit über 360 Millionen
Verbrauchern und Produzenten sowie einer Jahresproduktion von mehr als 6 Billionen Dollar schaffen.
Zoellick fuhr fort, man müsse sich Gedanken über die Liberalisierung des Handels im gesamten pazifischen
Raum Gedanken machen.
"Mit den Abkommen zur Erleichterung von Handel und Investitionen sowie den bilateralen Investitionsverträgen
haben wir einen Anfang gemacht", so Zoellick. Ferner beabsichtigen wir, auf der erfolgreichen Reise unserer
Botschafter in die ASEAN-Länder aufzubauen, indem wir diese Bestrebungen wiederholen und die Botschafter
der ASEAN-Länder zu einem Besuch in die Vereinigten Staaten einladen. Und wir unternehmen Schritte zur
Integration unseres Privatsektors in diese kontinuierlichen Wirtschaftsaktivitäten.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Staatssekretär Zoellick im Wortlaut.
Außenminister Baker hat mich gebeten, die Verzögerung seiner Ankunft in Manila aufgrund der unerwarteten Entwicklungen bei den Nahost-Friedensgesprächen zu entschuldigen. Er sieht dem Zusammentreffen mit Ihnen im weiteren Verlauf der Konferenz jedoch
gerne entgegen. In der Tat unterstrich der Außenminister die Bedeutung, die er seiner Teilnahme an
diesem ASEAN-Treffen persönlich beimißt - Meinungen mit Parntern auszutauschen und Kollegen wiederzusehen, die Freunde geworden sind.

schichte hat dem Kommunismus den Bankrott erklärt:
als Wirtschaftssystem, Ideologie, als etwas Erstrebenswertes. In dieser Woche weilte der demokratische Außenminister Rußlands zu konstruktiven Gesprächen darüber hier in Manila, wie wir das tragische
Vermächtnis des Kommunismus überwinden und eine
neue Partnerschaft gründen können.
Die Asiaten haben den Aufstieg und Fall von Dynastien
miterlebt. Sie wissen, daß Imperien nicht gefahrlos
den Schauplatz der Geschichte verlassen.

In den vergangenen vier Jahren hatte auch ich das
Privileg, diesen Sitzungen beiwohnen zu können, und Aus diesem Grund räumt meine Regierung dem sicheich wei ß die Gelegenheit zu schätzen, wieder mit Ihnen ren Abbau des nuklearen Gleichgewichts des Schrekkens und der Verhinderung der Verbreitung von Maszusammenzusein.
senvernichtungswaffen höchste Priorität ein. Aus
Lassen Sie uns einen Augenblick innehalten und die diesem Grund haben wir versucht, in allen Teilen der
Bilanz dessen ziehen, was wir in etwas über 1000 Welt Gelegenheiten zur Entschärfung seit langem
Tagen gesehen und erreicht haben. Die schwere durch Kommunismus und Konflikt geschürter regionaler Gefahren zu ergreifen. Aus diesem Grund helfen
Prüfung des Kalten Krieges ging zu Ende. Die GeAMERIKA DIENST 30

Seite 1

�i

wir den politisch Verantwortlichen der neuen Demokratien dabei, ihre Länder aus der totalitären Dunkelheit und wirtschaftlichen Lähmung herauszuführen.
Die Asiaten - und Amerikaner - wissen auch, daß der
Kalte Krieg in Europa zu heißen Kriegen am Pazifik
eskalierte. Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg
führte eine Generation von Amerikanern Krieg in Nordasien, und die nächste Generation verblutete in Südostasien. In Anlehnung an Napoleons Worte möchte
ich folgendes sagen: Wenn die Gräber der Soldaten
einer Nation den Horizont ihrer Weltsicht markieren,
dann sollte niemand am Pazifik den Platz der Vereinigten Staaten in dieser Region in Zweifel ziehen.
Dennoch hat mein Land auch stets nach vorne geblickt. Dies trifft heute noch zu. Und es ist verständlich,
daß unsere Partner am Pazifik fragen werden, wie wir
unsere Beziehungen zur asiatisch-pazifischen Region
in diesem neuen Zeitalter sehen.
Ich möchte kurz unsere Haltung zu drei grundlegenden
Fragen erläutern.
Erstens Sicherheit. Die Vereinigten Staaten verpflichten sich zur Aufrechterhaltung einer kontinuierlichen
operativen und Abschreckungsfähigkeit in Asien. Das
bedeutet vorne stationierte Truppen, Flotten und Luftstreitkräfte. Es bedeutet ebenfalls unsere dauerhafte
Verpflichtung zum amerikanisch-japanischen Sicherheitsvertrag, die praktische, gegenseitig nützliche
Partnerschaft der beiden größten demokratischen
Mächte in der Region. Denn das Ende des Kalten
Krieges bedeutet nicht das Ende gefährlicher Diktatoren und Regime, der Androhung von Gewalt und
potentieller Konflikte. Nun, da die Irrtümer der universalistischen Ideologie des Kommunsmus enthüllt
wurden, sehen wir uns mit dem Wiederauftreten exklusiver Ideologien konfrontiert, die ethnische, nationale
und religiöse Gruppen gegeneinadner aufhetzen.
Niemand wünscht Pin Wiederaufleben der Unsicherheiten in dieser Region, die zu - selbst unbeabsichtigten - Bewegungen führen könnten, die das friedliche
Gleichgewicht aus dem Gefüge geraten lassen.
Wie die Vereinigten Staaten im Golfkrieg bewiesen
haben, werden wir nicht tatenlos zusehen, wenn neue
Tyrannen unsere nationalen Sicherheitsinteressen
bedrohen. Wir haben auch am Pazifik nationale Sicherheitsinteressen.
Natürlich werden wir unsere Streitkräfte in der Region
an die neuen Gegebenheiten anpassen. Wir haben
Ihnen unsere Pläne mitgeteilt, insbesondere unsere
ostasiatische strategische Initiative.
Wir haben unsere Bereitschaft unter Beweis gestellt,
diese Pläne gegebenenfalls wie in Korea anzupassen.
Wir haben unser Vertrauen in verbesserten Zugang zu
einer Reihe regionaler militärischer Einrichtungen sowie
unsere Erwartung erläutert, daß dieser Ansatz zu
einem stärkeren Gefühl gegenseitiger und geteilter
Seite 2

Verantwortung führen wird. Und wir haben kreative
multilaterale Antworten auf vielschichtige Sicherheitsprobleme wie etwa in Kambodscha begrüßt, unterstützt und - wie ich hoffe - sogar angeregt.
In der Welt nach dem Kalten Krieg müssen die Vereinigten Staaten weiterhin eine Führungsrolle übernehmen - vielleicht die einzige Führungsmacht mit wirklich
weltweitem Einfluß sein - aber wir werden versuchen,
dies im Wege der Partnerschaft zu tun. Wir müssen
uns aufeinander verlassen.
Aus diesem Grund sind wir besonders über die Entscheidung der Staats- und Regierungschefs der ASEANLänder vom Januar erfreut, regionale Sicherheitsfragen in unsere Beratungen aufzunehmen. Die ASEANInitiative bietet uns eine Gelegenheit zum Gedankenaustausch über die Herausforderungen, mit denen
sich die Region konfrontiert sieht. Es könnten sich
Möglichkeiten für Schritte zur Unterstützung der regionalen Sicherheit durch den Aufbau von Vertrauen und
Zuversicht bieten, beispielsweise Zusammenarbeit bei
Produktpiraterie und größere Transparenz bei Verteidigungsfragen. Mit der Zeit muß unser Dialog eine
präventive Diplomatie fördern, Mißtrauen beseitigen
und Mißverständnisse vor ihrer Eskalation klären.
Unser zweites aber ebenso wichtiges Interesse sind
unsere Wirtschaftsbeziehungen mit der asiatischpazifischen Region. In den frühen siebziger Jahren lag
unser Handelsvolumen mit der Region unter dem mit
Lateinamerika. Jetzt ist unser transpazifisches Handelsvolumen im Wert von über 300 Milliarden Dollar
pro Jahr mehr als 40 Prozent höher als unser transatlantischer Handel. Unser Handelsvolumen von 50
Milliarden Dollar mit den ASEAN-Ländern übersteigt
unser Handelsvolumen mit Deutschland. Wir exportieren mehr nach Singapur als nach Spanien oder Italien.
Aber die Asiaten sind sich der Wirtschaftszahlen sehr
wohl bewu ßt. Ich möchte mich daher nun den Anliegen
zuwenden.
Eine große Leistung des Kalten Krieges war der Wiederaufbau von Westeuropa und Japan - sie wurden
unsere Partner und Verbündeten. Jetzt befinden sich
auch andere - insbesondere Nationen in Asien und
Lateinamerika - auf dem Weg zum Wohlstand.
Offen gesagt ist die alte Nord-Süd-Logik ebenso veraltet wie die Teilung des Kalten Krieges zwischen pst
und West. In dieser Zeit nach dem Kalten Krieg sollten
wir die enormen Unterschiede zwischen den sogenannten Entwicklungsländern berücksichtigen. Wir
sollten auch bei der Schaffung eines besseren Lebens
für alle Mitbürger in unserem gemeinsamen Interesse
handeln. Es liegt in unserem gemeinsamen Interesse,
einen internationalen Wirtschaftsrahmen sicherzustellen, der sowohl Wachstum fördert als auch politsche
Unterstützung gewähren kann. Wir müssen den ASEANLändern und anderen die Möglichkeit bieten, von ihrem
relativen Vorteil zu profitieren. Gleichzeitig muß der
AMERIKA DIENST 30

�internationale Rahmen das nach außen gerichtete
Engagement der Vereinigten Staaten, der EG, Japans
und anderer Länder unterstützen, sowohl bei der
Zusicherung von offenem Zugang für ihre konkurrierenden Produkte, Dienstleistungen und Ideen als auch
durch Hilfestellung beim Übergang zur Wettbewerbsfähigkeit.
Natürlich wäre eine erfolgreiche Uruguay-Runde ein
Eckpfeiler dieses Systems. Wir wollen unabhängig
von unseren Wahlen dabei Fortschritte erzielen, weil
wir der Meinung sind, daß freie Märkte und Wettbewerbschancen wirtschaftlich und politisch sinnvoll sind.
Beim Gipfel in München haben die Vereinigten Staaten
auf zwei Vorschläge zur Landwirtschaft gedrungen,
um die EG zu veranlassen, den Umfang ihrer subventionierten Agrarexporte so zu reduzieren, wie es ein
Großteil der Welt anstrebt - und ich sollte hinzufügen,
daß der EG-Präsident Premierminister Major auch
energisch zum Handeln aufgefordert hat. Leider war
die Zeit für manche Maßnahmen noch nicht reif. Aber
wir haben im vergangenen Jahr mehr Fortschritte
erzielt als manche erkennen mögen. Wir haben nicht
die Absicht aufzugeben. Um jedoch letztlich erfolgreich zu sein, werden viele von Ihnen auch Ihre Angebote im Hinblick auf besseren Zugang zu Waren und
Dienstleistungen verbessern müssen.
In der Zwischenzeit erzielen wir allmählich Fortschritte
bei NAFTA, dem Nordamerikanischen Freihandelsabkommen. Meiner Ansicht nach kann NAFTA die Basis
für stärkere panpazifische Verbindungen sein. Starkes Wachstum in Nordamerika wird mehr Handel mit
Asien bedeuten. Die Tatsachen des Handels mit allen
drei nordamerikanischen Ländern bestätigen dies. Ein
konkurrenzfähigeres Nordamerika wird eher bereit sein,
unseren florierenden Handel mit dem Pazifik zu erhalten und zu stärken. Wir wollen keine große Insel sein;
das läge nicht in unserem Interesse.
Im Gegenteil müssen wir meiner Meinung nach ernsthaft erwägen, wie der Handel im gesamten pazifischen
Raum zu liberalisieren ist. Mit den Abkommen zur
Erleichterung von Handel und Investitionen sowie bilateralen Investitionsverträgen haben wir einen Anfang
gemacht. Darüber hinaus wollen wir auf der erfolgreichen Geschäftsreise unserer Botschafter in die ASEANLänder aufbauen, indem wir diese wiederholen und die
ASEAN-Botschafter einladen, eine ähnliche Reise in
die Vereinigten Staaten zu unternehmen. Femer
unternehmen wir Schritte zur Integration unseres Privatsektors in diese kontinuierliche Wirtschaftsdiplomatie.
Wir müssen weiterdenken. Angesichts der Entwicklung von AFTA und NAFTA müssen wir überlegen, wie
sie sich gegenseitig ergänzen können. Ich hoffe
femer, daß wir das Programm der Liberalisierung des
Pazifikhandels innerhalb der APEC fördern können.

AMERIKA DIENST 30

Die Kooperation zwischen den Vereinigten Staaten
und den ASEAN-Ländern war grundlegend dabei, aus
der Idee APEC eine Institution zu machen. In dieser
Hinsicht begrüße ich es, daß sich unter der Führungsrolle Thailands die Idee eines APEC-Sekretariats entwickelt hat.
Die Vereinigten Staaten bieten den größten vollständig
integrierten Markt der Welt. Wir möchten, daß dies ein
konkurrenzfähiger Weltmarkt ist, nicht der Teil eines
Blocks. Auf nationaler Ebene wird Präsident Bush auf
Initiativen im Bildungswesen, bei der Ausbildung von
Arbeitnehmern, in Forschung und Entwicklung sowie
in den Naturwissenschaften drängen, damit unsere
Bürger sowohl Chancen haben als auch Fähigkeiten
erwerben. Auf internationaler Ebene werden wir freien
Handel und offene Märkte an allen Fronten fördern global, regional und bilateral. Wenn einige Nein sagen,
werden wir uns diejenigen aussuchen, die sich unsere
Vision stärkeren Handels und besseren Wachstums
zu eigen machen. Wir wollen, daß ASEAN und APEC
in dieser Zukunft einen besonderen Platz einnehmen.
Unsere dritte fundamentale Verbindung mit Asien im
Zeitalter nach dem Kalten Krieg ergibt sich durch
unsere politischen Systeme und unsere Menschen.
1980, als ich in Hongkong lehrte, argumentierten meine
Studenten, Demokratie sei nicht der Normalfall in
Asien, und sie erklärten mir, Japan sei ein Einzelfall.
Was ist also in zwölf Jahren geschehen? Betrachten
Sie nur die Philippinen, wo gerade eine neue Regierung gewählt wurde. Betrachten Sie Korea, Taiwan,
die Mongolei - den zunehmenden Pluralismus in den
ASEAN-Ländern insgesamt. Und sogar in dem gequälten Land Kambodscha basieren unsere gemeinsamen Bestrebungen zum großen Teil auf der Herbeiführung politischer Legitimität durch freie Wahlen. Ich
erkenne, daß es Rückschläge geben wird. Der demokratische Prozeß mag neue Formen annehmen und
Ideen über den Standort des einzelnen, die Familie
und die Gemeinschaft widerspiegeln. Aber in den vergangenen 200 Jahren wurden diejenigen, die den Ruf
des Menschen nach Freiheit, Respekt und Selbstregierung nicht erkannt haben, letztlich hinweggefegt.
Aus diesem Grund ist es unser Ziel, daß dieses
Zeitalter nach dem Kalten Krieg ein Zeitalter demokratischen Friedens sein wird, auf der Basis einer gemeinsamen Verpflichtung für politische und wirtschaftliche
Freiheit. Vielleicht wird es sich als größte Ironie der
Geschichte erweisen, daß die Aufklärung zwei universalistische Theorien hervorgebracht hat, die Volksgruppen, Nationen und Regionen überwunden haben.
Eine von ihnen - der Marxismus - ist im Mülleimer der
Geschichte gelandet. Aber die andere - Demokratie
auf der Basis von Menschenrechten, Rechtsstaatlichkeit und Privateigentum - ist jetzt unsere größte Hoffnung für die Schaffung eines offenen, allumfassenden
und toleranten weltweiten Systems.

Seite 3

�Ich möchte mit einigen kurzen Kommentaren zu Themen schließen, von denen ich weiß, daß wir sie in
unseren folgenden Sitzungen eingehender behandeln
werden.
Lassen Sie mich mit Kambodscha beginnen. Unsere
multilateralen Bestrebungen zur Schaffung eines gerechten und dauerhaften Friedens in diesem gepeinigten Land sind Mittelpunkt der Kooperation zwischen
den Vereinigten Staaten und den ASEAN-Ländern.
Das im Oktober vergangenen Jahres in Paris unterzeichnete Friedensabkommen hat zumindest dem
kambodschanischen Volk echte Hoffnung vermittelt,
daß ihr langer Alptraum vorbei sein könnte.
Die ASEAN-Länder müssen in dem Schlichtungsprozeß weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Von der
Aufnahme von Flüchtlingen und Erleichterung ihrer
Rückführung zur Bereitstellung von Truppen für UNFriedensmissionen bleibt die Teilnahme der ASEANLänder für den Erfolg des kambodschanischen Friedensprozesses absolut entscheidend. In diesem
Zusammenhang freuen wir uns auch, auf die Rolle zu
verweisen, die Japan jetzt bei den Friedensmissionen
zu spielen bereit ist.
Die Beteiligung der ASEAN-Länder ist insbesondere
jetzt wichtig, da UN-Bestrebungen zur nationalen
Aussöhnung sowie freien und fairen Wahlen bedroht
sind. Die Haltung der Vereinigten Staaten ist klar: wir
engagieren uns voll und ganz für die vollständige
Durchführung des Pariser Abkommens. Weder die
internationale Staatengemeinschaft noch das kambodschanische Volk können sich mit weniger zufriedengeben. Wir dürfen nicht zulassen, daß Kambodschas nationale Tragödie wiederaufflammt.
Die Vereinten Nationen waren bestrebt, die berechtigten Interessen aller Parteien in Kambodscha zu berücksichtigen. Die vergangenen Monat in Tokio zugesagte großzügige H-ife der internationalen Staatengemeinschaft sollte an die Parteien gehen, die mit den
Übergangsbehörden der Vereinten Nationen kooperieren - aber nur an diese Parteien. Jede Seite, die
meint, diesen Friedensprozeß unterminieren zu müssen, wird sich diskreditieren und isolieren. Dies sollte
unsere gemeinsame Botschaft sein.

Darüber hinaus bin ich der Ansicht, daß es eine kluge
Entscheidung der ASEAN-Länder war, sich auf das
Problem der Spratly- Inseln zu konzentrieren, und ich
beglückwünsche die ASEAN-Minister zu den von ihnen veröffentlichten nützlichen Prinzipien. Der Diaiog,
den Indonesien auf den umkämpften Inseln fördert, ist
ein gutes Beispiel dafür, was man als Vorsorgediplomatie bezeichnen könnte. Wir hoffen und erwarten,
daß dieser Prozeß zu einer friedlichen Lösung von
Meinungsverschiedenheiten führt. Die Vereinigten
Staaten sehen ihrerseits keine Rechtfertigung für den
Einsatz militärischer Gewalt zur Lösung unterschiedlicher Territorialansprüche im Südchinesischen Meer.

Seite 4

Eine faire und dauerhafte Lösung dieses Problems
kann nur durch friedliche Verhandlungen zwischen
den betroffenen Parteien erfolgen, nicht durch einseitige Maßnahmen. An dieser Stelle möchte ich hinzufügen, daß die amerikanische Regierung nicht an den
Aktivitäten privater Firmen beteiligt ist, die in diesen
problematischen Bereichen tätig werden wollen.
Im vergangenen Jahr habe ich davor gewarnt, daß das
ungerechtfertigte und brutale Eingreifen des Militärs in
Burma sowohl einen Angriff gegen die zivilisierte Welt
als auch eine Quelle der Instabilität darstellt. Leider
hatte ich recht. Burma exportiert jetzt in ungeahntem
Ausmaß Leid und Tod über seine Grenzen hinaus.
Seit unserer letzten Zusammenkunft waren wir Zeuge
der schrecklichen Flucht von 270.000 moslemischen
Rohingya-Flüchtlingen nach Bangladesh und anderer
Flüchtlinge nach Thailand. Burma ist ferner eine
Hauptquelle des Heroins für Süchtige auf der ganzen
Welt; tatsächlich wird ein großer Teil dieser tödlichen
Droge von den Menschen in Südostasien konsumiert.
Ist es nicht an der Zeit, zu sagen, genug ist genug?
Wir wissen, daß das burmesische Militär gegenüber
der Aufmerksamkeit der Welt nicht immun ist. Der Rat
zur Wiederherstellung von Recht und Ordnung hat
einige positive Schritte unternommen. Aber ist es nicht
an der Zeit, daß wir gemeinsam der Militärregierung
erklären, sie müsse alle politischen Flüchtlinge - auch
Aung San Suu Kyi - freilassen und in einen echten
Dialog einbinden, um sobald wie möglich eine rechtmäßige Verfassung wiederherzustellen? Die UNHCRVertreter sollten die Rückkehr der Rohingya-Flüchtlinge in ihre Heimatregionen beobachten dürfen. Mit
solchen Schritten könnte Burma den - einzigen - Weg
beschreiten, um der internationalen Staatengemeinschaft beizutreten.
Manche Menschen bezweifeln die Macht einer weltweiten Verurteilung. Sie erklären, wir sollten die Welt
nehmen, wie sie ist und realistisch sein. Meine Antwort
darauf habe ich den Skeptikern vor zwei Wochen in
Helsinki gegeben. Dort habe ich frühere Gefangene
aus Gewissensgründen als Präsidenten und Premierminister neuer Demokratien gesehen. Wo immer sie
auch hingehen und was immer sie auch tun - ihre
Namen sind jetzt Synonyme für Mut und Überzeugung. Das trifft auch für den Namen Aung San Suu Kyi
zu. Wenn wir sie vergessen, vergessen wir unsere
Menschlichkeit.
Zum Schluß weise ich darauf hin, daß Laos und
Vietnam den Prozeß der Herstellung engerer Beziehungen zu den ASEAN-Ländern eingeleitet haben,
Beziehungen, aus denen die Region mit der Zeit gro ße
Vorteile ziehen könnte. Stärkere Beziehungen könnten zu einer Verminderung der Spannung in Südostasien beitragen und gleichzeitig wirtschaftliche und
politische Reformen erleichtern. Wenn sich dieser
Prozeß entwickelt, fordern wir Sie aber auf, sich an

AMERIKA DIENST 30

�unsere Kriegsgefangenen und Verschollenen zu erinnern. Für meine Regierung und die Menschen in
unserem Land gibt es kein wichtigeres Thema. Wir
werden die jungen Männer nicht vergessen, die stellvertretend für uns alle in diese Region, aber nicht mehr
nach Hause kamen. Wir bitten Sie um Ihre anhaltende
Unterstützung unserer Bestrebungen, die bestmögliche Aufklärung über unsere Landsleute zu erhalten.

Ich freue mich auf die Gespräche mit Ihnen in den
nächsten Tagen. Unser Programm ist nicht nur für
Südostasien wichtig, sondern auch für die neue Weltordnung, die wir partnerschaftlich mit Ihnen aufbauen
wollen. Ich danke Ihnen.

* * * *

AMERIKA DIENST 30

*

Seite 5

�WAHLEN

'92
29. Juli 1992

DIE TRADITION, EINEN "MANN DES VOLKES"
ZU WÄHLEN
von Juliet Bruce
In dem nachfolgenden Artikel erläutert die in Washington ansässige freie Autorin, warum Amerikaner gerne
"unpolitische" Politiker wählen.

Angesichts der monumentalen Probleme, denen ein
amerikanischer Präsident ausgesetzt ist, könnte es
schwer verständlich sein, daß sich Präsidentschaftskandidaten als gewöhnliche Bürger präsentieren und
Wahlkampfveranstaltungen mit ihren Ballons und lustigen Hüten, auf denen Elefanten oder Esel abgebildet sind, häufig wie Karnevalssitzungen erscheinen.
Diese Elemente des Wahlkampfs sind jedoch "eherne
Prinzipien" in der amerikanischen Politik, erklärt der
politische Analyst Jeff Greenfield.
Stephen Hess verweist in seinem Buch The Presidential Campaign auf das im amerikanischen Charakter
verwurzelte tiefe Mißtrauen gegenüber der Politik und
Politikern. Die Verfassungsväter waren Hess zufolge
schließlich keine Politiker. Sie waren Rechtsanwälte,
Kaufleute und Gutsbesitzer. Die Amerikaner haben
stets an den Mythos von Amerika als Nation von
"kleinen Landbesitzern" geglaubt - freiheitsliebenden,
unabhängigen Bürgern, die fleißig ihr Land bestellen.
"Wir gleichen diese Ambivalenz aus, indem wir 'unpolitische' Politiker wählen - Bürger, die für ein Amt
kandidieren, um uns zu vertreten und danach in unsere
Reihen zurückkehren," erklärt Hess.
Amerikaner haben es von Anfang an vorgezogen,
einen Mann zu wählen, den sie für grundsätzlich
anständig und ehrlich hielten, anstatt einen Mann, der
mit ihnen bei jedem Problem einer Meinung war,
schreibt Professor Robert A. Dinkin von der California
State University in seinem Buch Campaignlng In
America. In der Kolonialzeit (vor dem Ende der
Amerikanischen Revolution im Jahr 1781) hielten die
Menschen es für wichtig, die Männer persönlich zu
kennen, die sie als Vertreter in die Gemeindeparlamente wählten. Wahlkampf war eine Nachbarschaftsaktivität, zu der viel Händeschütteln gehörte, ohne daß
man jedoch aktiv um Stimmen warb. In einem Leitar-

AMERIKA DIENST 30

tikel aus dem Jahr 1753 hieß es: "Jemanden um seine
Stimme zu bitten, ist ein Eingeständnis des Kandidaten, daß er seinen eigenen Verdiensten mißtraut."
"Kandidaten waren bestrebt, Mitglieder der Wählerschaft einzeln zu treffen, in der Kirche, in Kneipen, bei
Gericht oder bei der Milizausbildung", schreibt Dinkin.
Zum Wahlkampf gehörten Essen und Unterhaltung für
die Wählerschaft, wobei erlesene Barbecues, Muschelessen, Hsch- und Schildkrötendiners sowie Fässer
voller Whisky als regelmäßige Begleiterscheinungen
von Wahltagen galten. Das Abschneiden eines Kandidaten bei den Wahlen stand häufig in Zusammenhang mit dem Umfang der von ihm gegebenen Feste.
Der fünfte Präsident, James Madison, verlor seine
erste Kongreßwahl, weil er versuchte, eine "enthaltsame" Kampagne ohne Whisky zu betreiben. "Alte
Gewohnheiten sind zu tief verwurzelt, um auf einmal
reformiert zu werden", räumte Madison seinem Gegner ein, "der alle Beeinflussungsmittel anwandte, die
dem Volk bekannt waren".
Die Bewerbung um die Präsidentschaft der neuen
Nation war jedoch ein wesentlich würdigeres Schauspiel. Es wurde als unziemlich angesehen, daß Kandidaten für ein solch hohes Amt Wahlkampf betrieben.
"Das Werben um Popularität hat häufig Tyrannen oder
Demagogen und mit Verwirrung und Blutvergießen
einhergehende Revolutionen hervorgebracht anstatt
Patrioten und gute Regierungen," schrieb ein Kandidat. Deshalb ist es nicht überraschend, daß der Held
des Revolutionskrieges, George Washington, angefleht werden mußte, seinen Altersruhesitz Mount Vernon in Virginia zu verlassen und im Jahr 1789 erster
Präsident des Landes zu werden. "Der Mann suchte
das Amt nicht," erklärte ein zeitgenössischer Beobachter. "Statt dessen suchte das Amt den Mann."

Seite 1

�In folgenden Wahlkampfschlachten, in denen es um
die grundsätzliche Philosophie und Struktur der neuen
Regierung ging, warb kein Kandidat aktiv um Stimmen.
Der dritte Präsident, Thomas Jefferson, blieb in seinen
Gärten von Monticello in Virginiadem Konflikt entrückt.
Seine "Kampagne", wenn man überhaupt von einer
solchen sprechen konnte, wurde von der Partei verbundenen Zeitungsredakteuren und Freunden durchgeführt, die Staatskomitees organisierten und Versammlungen ausrichteten, bei denen die Redner die
Vorzüge ihres Kandidaten erläuterten und Literatur
verteilten. Das Kabinett des vierten Präsidenten, John
Quincy Adams, bereiste das Land und hielt während
seiner Wiederwahlkampagne Reden zu seinen Gunsten.
Es war der siebte Präsident, Andrew Jackson aus
Tennessee, der den Präsidentschaftswahlkampf in
seiner heutigen Form einführte. Nachdem er 1824 die
Wahl infolge von Stimmenmanipulation im Wahlmännerkollegium (dem von der Verfassung für die offizielle
Wahl des Präsidenten vorgesehenen Gremium) verloren hatte, beschloß Jackson, sein Streben nach dem
Wei ßen Haus direkt dem Volk zur Entscheidung vorzulegen. Jackson führte den ersten koordinierten nationalen Wahlkampf, der von Berufspolitikern kontrolliert
wurde und bei dem sich ein Kandidat zum ersten Mal
aufmachte, um mit der Bevölkerung zusammenzutreffen. Drei Jahre lang bereiste Jackson die Vereinigten
Staaten, von den Städten bis zur Frontier und schüttelte die Hände gewöhnlicher Amerikaner. Jacksons
Wahlkampfmanager organisierten Veranstaltungen,
an denen Tausende von Menschen teilnahmen, die
tagelang mit Fuhrwerken oder zu Pferd unterwegs
gewesen waren. Bei diesen Veranstaltungen wurden
Fackelzüge, Musikkapellen, Reden, freier Whisky und
Barbecues eingesetzt. Wahlkampfhelfer verteilten
Flugblätter, Ansteckbänder und Buttons, Poster und
Flaggen.
"Die Wahl des Präsidenten schlug die Öffentlichkeit
völlig in ihren Bann", schreibt der in Dinkins Buch
zitierte Historiker Jules Abel. "Zeitgenössische Beobachter stellten fest, daß die karnevalistischen Veranstaltungen den Massen ein emotionales Ventil und
sogar eine Art von gemeinsamer Erholung boten zu
einer Zeit, in der sonst kaum etwas derartiges vorhanden war."
Ein mexikanischer Journalist beobachtete bei einem
Besuch zu jener Zeit: "Mit wenigen offiziellen Zeremonien scheinen die Amerikaner ein politisches Ritual
*

Seite 2

geschaffen zu haben, das den religiösen und königlichen Ritualen anderer Länder entspricht."
Mit dem Sieg von Andrew Jackson im Jahr 1828 hielt
der "gemeine Mann" im Weißen Haus Einzug. Seither
wandten sich Präsidentschaftskandidaten auf Reisen
zu Pferd, per Eisenbahn, Flugzeug oder durch die
elektronischen Medien persönlich an die Wähler. Und
jeder Präsidentschaftskandidat hat - unabhängig von
Herkunft oder Hintergrund - zu zeigen versucht, daß er
nicht Teil der Washingtoner Politelite sondern ein
gewöhnlicher Mensch ist, den das Gewissen dazu
veranlaßt hat, dem Privatleben eine Zeitlang den Rücken
zu kehren, um der Nation zu dienen.
Nach Jacksons Wahl fügten die Wahlkampfstrategen
eine neue Tradition hinzu, die bis heute Bestand hat:
das Verfassen einer Wahlkampfbiographie, die den
Kandidaten als Inbegriff des amerikanischen Ideals
eines selbstsicheren normalen Bürgers erscheinen
läßt, der es aus eigener Kraft zu etwas gebracht hat.
Diese Biographien betonen häufig die Härten der
Jugendzeit und vermeiden es, den gegenwärtigen
Status oder Reichtum des Kandidaten zu erwähnen.
So wurde Abraham Lincoln, bekanntlich ein Rechtsanwalt aus einer Kleinstadt in Illinois, unsterblich, weil er
in einem Blockhaus geboren wurde und in seiner
Jugend Holz hackte, um seinen Lebensunterhalt zu
verdienen. Die Kandidaten schienen bereit zu sein,
alles Erdenkliche zu tun, um zu beweisen, daß sie doch
nur "einfache Leute" seien. Regelmäßig wurden sie
beim Kühemelken, Holzhacken, Maisschälen oder bei
der Unterhaltung mit Arbeitern am Fließband photographiert. Franklin D. Roosevelt, dessen Familie tief in
der New Yorker Aristokratie verwurzelt war, gab sich
als ein Mann, der auf "der alten Familienfarm" aufgewachsen war. Jimmy Carter aus Georgia beschrieb
sich gern als "nur ein Erdnußfarmer", obwohl ihn seine
Farm und sein Lagergeschäft zu einer der reichsten
und mächtigsten Persönlichkeiten in seiner Region
gemacht hatten.
Stephen Hess zufolge brachte es Ronald Reagan auf
den Punkt, als er 1966 im Zuge seiner Bewerbung um
das Gouverneursamt in Kalifornien erklärte: "Ich bin
kein Politiker. Ich bin ein gewöhnlicher Bürger mit dem
tief verwurzelten Glauben, daß vieles von dem, was
uns Sorgen bereitet, von Politikern verursacht wurde.
Und es ist höchste Zeit, daß mehr gewöhnliche Bürger
den frischen Wind des gesunden Menschenverstandes bei diesen Problemen zur Geltung bringen."

*

AMERIKA DIENST 30

�W A H L E N '92
29. Juli 1992

DIE EINFLUSSREICHE ARMEE DIE ANATOMIE EINER PRÄSIDENTSCHAFTSWAHLKAMPAGNE
von Juliet Bruce
WASHINGTON - (AD) - In den Vereinigten Staaten müssen die Präsidentschaftskandidaten "ganze Armeen von
politischen Beratern, Strategen, Meinungsforschern, Spendensammlern, Redenschreibern, Spezialisten für
Medien und Direktwerbung, Pressereferenten...und Hunderttausende freiwilliger Helfer" um sich scharen, erklärt
die Autorin dieses Artikels zur Arbeit der Kampagnen.
Am 3. November 1992 - dem Wahltag - werden etwa
100 Millionen amerikanische Wähler eine Wahlkabine
betreten und die Vorhänge hinter sich zuziehen. Darin
werden sie gemeinsam entscheiden, ob sie wieder den
republikanischen Präsidenten George Bush ins Wei ße
Haus schicken oder ihn durch seinen demokratischen
Herausforderer ersetzen.
In diesem Zeitalter schwindender Parteiloyalität vergeben die Amerikaner ihre Stimme unabhängiger als zu
jeder anderen Zeit in der Geschichte des Landes, unter
Berücksichtigung, welcher Kandidat ihrer Meinung nach
sowohl dem Land als auch ihren persönlichen Interessen am besten dienen wird. Die Wähler bringen das
Wissen über die Leistungen der Kandidaten und ihre
Parteizugehörigkeit, ihre Meinungen zu bestimmten
Themen und ihr Verhalten im Wahlkampf in die Wahlkabine mit - wie jeder von ihnen seine Vision für das
Land ausgedrückt hat, ihren Umgang mit der Presse,
wie sie sich von Rückschlägen erholen. Politischen
Analysten zufolge ist es am wichtigsten, daß die Wähler
einen emotionalen Bezug zum Kandidaten haben, was
darauf hindeutet, ob der Kandidat eine bestimmte nicht
definierbare Qualität besitzt, eine "Aura der Kompetenz", die das Vertrauen der Wähler inspiriert und
somit ihre Unterstützung gewinnt.
Um dieses Vertrauen zu gewinnen, werden die Kandidaten der beiden wichtigsten Parteien bis zum Wahltag über 200 Millionen Dollar ausgegeben haben,
wobei etwa 92 Millionen durch öffentliche Mittel für die
Wahlen abgedeckt sind. Sie werden etwa 1,6 Millionen
Kilometer gereist sein, um über einen Zeitraum von
zwei oder drei Jahren hinweg Koalitionen besonderer
Interessengruppen und eine landesweite Wählerschaft

AMERIKA DIENST 30

aufzubauen, und sie werden wahre Armeen von politischen Beratern, Strategen, Meinungsforschern,
Spendensammlern, Redenschreibern, Spezialisten für
Medien und Direktwerbung, Pressereferenten, Logistikern, Mitarbeitern vor Ort und Tausende freiwilliger
Helfer um sich geschart haben. "An jedem Standard
gemessen ist der amerikanische Präsidentschaftswahlkampf die wichtigste demokratische Wahl der
Welt," schreibt der Präsidentschaftsforscher Richard
A. Watson. "In keinem anderen Land wählen so viele
Menschen einen einzigen Amtsträger. Kein anderer
politischer Wahlkampf dauert so lange, kostet so viel,
berührt so viele Menschen und erhält eine so umfangreiche Berichterstattung in den Medien wie die Wahl
des amerikanischen Präsidenten."
"Die Planung eines politischen Wahlkampfs ist einem
militärischen Schlachtplan gleichzusetzen," erklärt der
Präsidentschaftsforscher Stephen Hess von der Brookings Institution in Washington. "Der Name des Spiels
heißt Strategie."
Eine Person, die erwägt, die Präsidentschaft anzustreben, beginnt Jahre vorher mit dem Aufbau ihrer persönlichen Organisation. Kandidaten, die früher von
"Königsmachern" der Partei ausgewählt wurden, starten jetzt von ihren eigenen Machtzentren aus - in der
Regel aus einem Gouverneursamt, dem Senat oder
dem Amt des Vizepräsidenten. Ihre Wahlkampforganisation startet mit einem kleinen Zirkel von Mitarbeitern, Freunden und Familienmitgliedern und erweitert
sich auf Geldgeber, politische Berater, einen Pressesprecher sowie Geschäftsleute und Führungskräfte im
ganzen Land. Wenn der Kandidat gewinnt, wird diese
Gruppe die Basis seiner Regierung: das Kabinett, die

Seite 1

�Mitarbeiter im Weißen Haus, Botschafter, Leiter von
Bundesbehörden.
Der Wahlkampf beginnt offiziell mit den Vorwahlen in
den Bundesstaaten im Februar eines Wahljahres (ein
Prozeß, bei dem ein Kandidat der Partei ausgewählt
wird, um beim nationalen Parteitag im Sommer desselben Jahres bestätigt zu werden). Zu diesem Zeitpunkt
wird der "innere Zirkel" um eine Gruppe nichtpolitischer, professioneller Berater erweitert - Wahlkampfspezialisten, die die Kampagne organisieren, Experten für Direktwerbung, die mit ihren Appellen an einzelne Personen Millionen Dollar aufbringen und Medienfachleuten, die sich der Techniken der Werbung und
Öffentlichkeitsarbeit bedienen, um den Wählern den
Kandidaten "zu verkaufen".
In den Augen dieser Experten, so David Chagall, Autor
von The New Kingmakers, geht es beim Wahlkampf
nicht darum, die Probleme des Landes zu lösen - es
geht vielmehr darum, die Einstellungen der Wähler zu
beeinflussen. "Die Meinungsumfragen belegen, daß
Menschen andere Menschen wählen, nicht Themen,"
erklärt Joe Napolitan, der die Kampagnen für John F.
und Robert F. Kennedy leitete. "Ihnen kommt es
stärker darauf an, ob der Kandidat ehrlich und einfühlsam ist als darauf, ob sie mit ihm thematisch übereinstimmen. Themen haben bei Meinungsumfragen einen
sehr geringen Stellenwert. Man macht sich nicht so
viel Sorgen um die Positionen des Kandidaten wie um
die Meinung über seinen Charakter."
Im Hinblick darauf lehren die Berater die Kandidaten,
wie sie sich kleiden und welche Tonlage sie ihrer
Stimme geben sollten, wie man in klangvollen Sätzen
von etwa 8 Sekunden Länge spricht, provokante Fragen von Reportern abwehrt, kurz, wie man "präsidentenhaft" wirkt. Darüber hinaus arbeiten sie die Strategie für den Wahlkampf des Kandidaten und seine
Themen aus. Der Wahlkampf ist zu einer Wissenschaft gewordei i. Mit Hilfe vielfältiger Technologien computergestützten Datenbanken mit Millionen Namen, Karten, die jede Region und jeden Bezirk im Land
aufzeigen, bewerten und die Probleme jeder Region
offenlegen - streben die Wahlkampfmanager an, jeden
Aspekt eines Wahlkampfs, von der Planung bis zu den
Reden, zu kontrollieren. Während des erfolgreichen
Wahlkampfs von Jimmy Carter im Jahr 1976 benutzten seine Manager eine mathematische Formel, um
die genaue Zeit und den genauen Geldbetrag auszurechenen, die in jedem Staat ausgegeben würden. Die
Formel wurde präzise angewandt und brachte die
vorhergesehenen Ergebnisse hervor.
Eines der wichtigsten Mitglieder dieser professionellen
Gruppe ist der Forschungsberater oder Meinungsforscher. Mit Hilfe modernster Technologie bestimmt der
Meinungsforscher Gruppen potentieller Wähler und
prüft Trends in einzelnen Städten, Staaten und Regionen. Richard Wirthlin, der frühere Leiter der Forschung bei Präsident Reagan, begann die Masse der

Seite 2

Wechselbeziehungen, die er PINs oder Politisches
Informationssystem nennt, im Jahr 1970 zu sammeln.
Wirthlin sammelte Wählereigenschaften und politische Verhaltensmuster in einem Computerspeicher
und zog Verbindungen, die nicht unmittelbar augenfällig waren, aber Einsichten boten, die sich bei der
Planung von Reagans Strategie und Werbefeldzügen
als nützlich erwiesen. Meinungsforscher benutzen
darüber hinaus "Fokusgruppen" (in denen Bürger
zusammentreffen, um die Rede eines Kandidaten zu
beobachten und zu diskutieren), Augenscanner, Stimmenanalysen und Hauttests, um die Reaktion der
Wähler auf den Kandidaten und seine Haltung zu
einem Thema zu testen.
Der "Schlachtplan", ein formeller Entwurf, der im
Wahlkampfhandbuch dargelegt wird, das an jeden
Wahlkampfteilnehmer verteilt wird, erläutert das Thema der Kampagne - den Hauptgedanken, den ein
Wähler mit einem Kandidaten assoziiert. Die Themen
und Symbole eines Wahlkampfs werden als entscheidende Faktoren betrachtet, um eine Wahl zu gewinnen. Dem politischen Analysten Jeff Greenfield und
seinem Buch Playing To Win zufolge, "gibt es Symbole so lange wie es Präsidentschaftswahlkämpfe gibt".
Die Symbole des republikanischen Elefanten und des
demokratischen Esels verkörpern philosophische
Ansätze zur Regierung. "Ein scharfsinniger Politiker
nutzt diese Symbole effektiv," erklärt Greenfield, "und
ein Verlierer entscheidet sich dafür, sie zu ignorieren".
Im Medienzeitalter kann die kontinuierliche Wiederholung des zentralen Themas eines Kandidaten in Reden, Schlagzeilen, auf Anzeigentafeln und in Fernsehspots den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage
bedeuten. Chagall verweist auf die Kampagne zwischen Reagan und Carter 1980 als Beispiel dafür, wie
effektiv republikanische Strategen geworden sind, um
die Sorgen und Hoffnungen des amerikanischen Volkes zu artikulieren. Der amtierende Präsident Jimmy
Carter hatte entschieden, Amerika benötige eine geistige und moralische Verjüngungskur. Carters Wahlkampfthema lautete: "Wir können es besser machen."
Ronald Reagan, der als politischer Außenseiter angetreten war, um dem Normalbürger zu helfen, "die
Bürde der Regierung loszuwerden", wählte als Thema:
"In Amerika bricht ein neuer Morgen an." Die Umfragen zeigten, daß mehr Amerikaner das Gefühl hatten,
Amerika werde es mit Reagan im Amt besser gehen,
und er wurde klarer Sieger.
Die Wahlkampfbroschüre legt femer die während des
Wahlkampfes angewandten Strategien fest. Seit Mitte
der siebziger Jahre haben negative Wahlkampagnen Betonung der negativen Eigenschaften des Gegners
statt Konzentration auf die Stärken des Kandidaten
selbst - zur Verschlechterung des Wahlkampfes beigetragen, wie kritische Stimmen behaupten. Diese
Praxis wird häufig auf die zunehmende Macht der
Medienberater zurückgeführt. 1988 gab Bushs Mediendirektor Roger Ailes eine Reihe von FernsehAMERIKA DIENST 30

�Werbespots in Auftrag, in denen der demokratische
Präsidentschaftskandidat Michael Dukakis als schwach
bei Verteidigungsfragen, zu lasch bei der Verbrechensbekämpfung und als wahrscheinlicher Befürworter von Steuererhöhungen dargestellt wurde. Dukakis
verlor einen Vorsprung von 17 Punkten bei dem Versuch, sich gegen diese Behauptungen zu verteidigen.
Larry Sabato, Professor für Politologie an der University of Virginia in Charlottesville beschuldigt diese
Fachleute, den politischen Prozeß mit Methoden zu
schädigen, die beim Verkauf von Produkten angebrachter wären sowie Themen durch Image und Substanz durch Strategie zu ersetzen.
Greenfield ist anderer Meinung. "Mein Argument
lautet, daß die überwiegende Mehrheit der Kampagnen anhand von Themen entschieden werden, obwohl diese Themen gelegentlich als Personalpolitik
verbrämt werden."
"Der Wähler ist nicht dumm", bekräftigt Napolitan. Das
Femsehen gestattet den Wählern, den Kandidaten
über Monate hinweg aus der Nähe zu beobachten, was
es praktisch unmöglich macht, ein falsches Image
aufrechtzuerhalten.
Greenfield zufolge ist es naiv, auf einem höflichen
Wahlkampf zu beharren. "Es gibt keinen aufrichtigen
politischen Wahlkampf. Führen Sie sich die wörtliche
Bedeutung des Begriffs Kampf vor Augen: eine zur
Verfolgung eines bestimmten Ziels durchgeführte militärische Operation. Die Verpflichtung zum Sieg ist
total."
Kein Wahlkampf kann ohne die Hilfe von Freiwilligen
gelingen, unabhängig davon, wie geschickt seine Strategie ist. Freiwillige - Hunderttausende Männer und
Frauen, die dreieinhalb von vier Jahre völlig apolitisch
sind - trifft man auf jeder Ebene der Wahlkampagne.
Sie erledigen Telephonate, betreiben Forschung, verteilen Flugblätter, werben um Stimmen und registrieren Wähler. Amerikaner beteiligen sich aus vielerlei
Gründen am Präsidentschaftswahlkampf: aus Überzeugung für den Kandidaten oder wegen seiner Haltung zu einem bestimmten Thema, weil sie in die Politik
gehen wollen oder einfach, weil sie Teil der Geschichte
werden möchten. Was immer ihre Gründe sein mögen
- die meisten erinnnern sich an eine aufregende Zeit,
in der sie über sich selbst hinauswuchsen.
"Als ich ohne vorherige Wahlkampferfahrung freiwilliger Helfer in New Hampshire wurde, stellte ich fest,
daß ich nicht nur diejenigen mobilisierte, die ich mobilisieren wollte, sondern Presseerklärungen veröffentlichte, Informationen für die Reden des Kandidaten
sammelte, Reden redigierte, Sonderbroschüren und
Flugblätter verfaßte, Vorbereitungsarbeit leistete, den
Kandidaten auf dem Podium vorstellte und die Freiwilligen organisierte", stellt eine der Freiwilligen beim
jüngsten Wahlkampf, Sheila D. Collins, fest.

AMERIKA DIENST 30

In gewissem Sinne ist ein politischer Wahlkampf ein
Mikrokosmos der Demokratie, ein offenes Feld, auf
dem die herkömmlichen Schranken des Vorwärtskommens nicht exisitieren, so Jeff Greenfield. "Weil die
Vorlaufzeit so kurz ist, kommt praktisch unweigerlich
der Punkt, an dem ein völlig Unbekannter sich plötzlich
mit der Bewältigung einer Krise konfrontiert sieht, der
im Wahlkampfbüro nach einer Aufgabe suchend herumwanderte. Und ihm wird die Gelegenheit geboten,
sich zu beweisen." Greenfield schreibt aus persönlicher Erfahrung. Heute ein politischer Kommentator
von Fernsehnachrichtensendungen, war Greenfield
bei Robert F. Kennedys Präsidentschaftswahlkampf
des Jahres 1968 als Referent tätig und wurde zwei
Tage später zum wichtigsten Redenschreiber von
Kennedy. Bei einem politischen Wahlkampf sind es
"noch immer der familiäre Hintergrund, Wohlstand, die
richtigen Schulen und Freunde, die zählen", stellt
Greenfield fest. "Aber sie zählen bei weitem nicht so
viel wie Energie und Fähigkeiten."
Der politische Kolumnist der Washington Post, David
Broder, würdigt in seinem Buch The Party's Over die
wichtige Rolle von Freiwilligen in einem Präsidentschaftswahlkampf: Das organisatorische Geheimnis
von (John F.) Kennedys Politik war so einfach, daß es
häufig übersehen wurde - es war die Politik des persönlichen Engagements großen Stils."
Jeder Kandidat möchte zeigen, daß er viele Freiwillige
fürsich gewinnen konnte, weildies beweist, daß er "der
Mann des Volkes" ist und landesweit eine Welle von
Enthusiasmus hervorbringen kann. Tatsächlich gibt

es selten einen Kandidaten, der wirklich spontan Massen
von Freiwilligen für sich einnehmen kann. Ein solcher
Kandidat ist der charismatische Redner, der Kandidat,
der emotional oder politisch den richtigen Ton trifft,
oder der Außenseiter, der einer Lobby Gehör verschafft, die vorher ignoriert wurde. "Wenn dieser Nerv
einmal getroffen ist", schreibt Jane Dick in ihrem Buch
Volunteers and American Presidential Campaigns,
"kommen Gruppen auf lokaler Ebene spontan zusammen, über Nacht entwickeln sich Kommunikationsnetze, und bevor sich die Politiker dessen bewußt sind,
wurde eine Basisbewegung ins Leben gerufen."
Im gesamten Verlauf der amerikanischen Geschichte
haben spontane Freiwilligenbewegungen einen Kandidaten anscheinend aus dem Nichts ins Weiße Haus
katapultiert. Diese Bewegungen schienen mit Wendepunkten im Leben der Nation zusammenzufallen und
haben eine Aura von Mission um sich. 1856 beispielsweise, als die Nation auf den Bürgerkreig zusteuerte,
unterstützte eine riesige Freiwilligenbewegung einen
unbekannten aber wortgewandten jungen Rechtsanwalt aus Illinois mit Namen Abraham Lincoln. Vier
Jahre später wurde Lincoln zum Präsidenten gewählt,
und dank seiner moralischen Kraft und seinem Mut,
den Krieg zu erklären, wird ihm das Verdienst der

Seite 3

�Rettung der Union zugeschrieben. 1960 wurden
Hunderttausende durch den Idealismus von John F.
Kennedys "New Frontier" angesteckt. Zwanzig Jahre
später aktivierte Ronald Reagan die "Schweigende
Mehrheit" der Millionen Amerikaner, die sich aus dem
politischen Prozeß ausgeschlossen fühlten. In jüngster Zeit führte der erste afroamerikanische Präsidentschaftskandidat, Reverend Jesse Jackson, praktisch
ausschließlich dank der Unterstützung von Freiwilligen einen beeindruckenden Wahlkampf für die Nominierung durch die Demokratische Partei. "Was die
Presse und die breite Masse der politischen Analysten
in den meisten Fällen als Nachteil interpretierten,
erwies sich als einer der größten Vorteile der Wahlkampagne", schreibt Sheila Collins in The Rainbow
Challenge "Der Prozeß des Spendensammelns durch Kirchen, Studentenverbindungen, Fischbratstände, Kuchenverkauf, Modenschauen, Mittagessen und
Cocktailparties - bezog somit Hunderttausende in den
politischen Prozeß ein, die sich zuvor nie dafür engagiert hatten und somit an seinem Ergebnis interessiert
waren." Afroamerikanische Kirchen wurden die Organisationseinheiten des Wahlkampfes und "vereinigten
die Registrierung und Aufklärung von Wählern, Spendensammlung und Bekanntgabe der Wahlergebnisse
unter einem Dach". Jackson wurde von seiner Partei
nicht nominiert, seine Kampagne machte Afroamerikaner jedoch zu einer treibenden Kraft im Wahlkampf,
und viele der Freiwilligen aller Rassen lernten politische Fähigkeiten für künftige politische Schlachten.

Landesweit ist der Wahltag in den Vereinigten Staaten
durch eine gespenstische Ruhe nach dem Spektakel
und Lärm des Wahlkampfes gekennzeichnet - das
nationale Leben scheint zu ruhen während die Wähler
nacheinander die Wahlkabinen betreten. Am frühen
Abend prognostizieren die Fernsehgesellschaften den
Sieger.
In den folgenden Tagen werden die Wahlkampfbüros
abgebaut, und die Organisationen des Wahlsiegers
werden das Übergangsteam oder führen - im Falle
einer Wiederwahl - die Geschäfte des Landes fort. Die
Verlierer gehen häufig auf Vortragsreisen, um die
Wahlkampfschulden zu begleichen, oder - wie Greenfield beobachtet - "werden Professoren und studieren
die politischen Prozesse". Zahlreiche Freiwillige, vom
politischen Fieber infiziert, leiten Bürgerbefragungen
zu politischen Themen in die Wege wie etwa zu
Umwelt, Bildungs- oder Gesundheitswesen oder kandidieren für Ämter auf kommunaler, Bezirks- oder
Bundesstaatenebene oder für den Kongreß.
Für professionelle Berater endet der Wahlkampf nie.
Angesichts der Sitze im Kongreß, Gouverneurswahlen, Bürgermeisterwahlen in Großstädten und dem
nächsten Präsidentschaftswahlkampf in vier Jahren
gibt es immer neue Hoffnungsträger, neue Meinungsumfragen, neue Herausforderungen. Der renommierte Vorsitzende der Berater, Napolitan, stellt fest: "Ich
akquiriere nie Aufträge. Ich warte nur, daß das Telephon klingelt."

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 30

�AIDS
29. Juli 1992

US-REGIERUNG ERHÖHT AUSGABEN
ZUR BEKÄMPFUNG VON AIDS
Eine Übersicht zu Präventiv- und Bekämpfungsmaßnahmen
WASHINGTON - (AD) - Seit AIDS in den frühen
achtziger Jahren als schwere Bedrohung der Gesundheit erkannt wurde, haben amerikanische Regierungsbehörden große und ständig wachsende Summen für
Prävention und Eindämmung dieser Krankheit ausgegeben.
Neue vom National Aids Program Office herausgegebene Zahlen zeigen, daß die staatlichen Gesamtausgaben von 8 Millionen Dollar im Jahr 1982 auf 4,346
Milliarden Dollar im Jahr 1992 gestiegen sind.
Obwohl der Kongreß die Ausgabenpläne für das bis
zum 30. September 1993 laufende kommende Haushaltsjahr noch fertigstellen muß, ist der von der BushAdministration geforderte Betrag erneut sprunghaft
auf 4,917 Milliarden angestiegen.
Der bei weitem größte Anteil an dieser Gesamtsumme
- 2,069 Milliarden Dollar - wird für Maßnahmen des
staatlichen Gesundheitsdienstes (U.S. Public Health
Service) beantragt, der seit jeher im Kampf gegen
AIDS an vorderster Front steht. Andere wichtige
Anteile sind für Leistungen von Medicaid, Medicare
sowie Krankenversicherung und Berufsunfähigkeitsrenten, das Ministerium für Veteranen, das Verteidigungsministerium sowie das Amt für Internationale
Entwicklung (AID) vorgesehen.
Eine weitere Aufschlüsselung ergibt, daß von den für
Maßnahmen des staatlichen Gesundheitsdienstes
beantragten Geldern der größte Anteil -1,310 Milliarden Dollar - für die Erforschung von AIDS und seines
Verursachers HIV vorgesehen ist. Das ist mehr als die
zur Erforschung von Herzkrankeiten ausgegebene
Summe und nähert sich dem Umfang der Ausgaben
für Krebsforschung.
Weitere 419 Millionen Dollar sind beim Anteil des
staatlichen Gesundheitsdienstes für Präventivmaßnahmen eingeplant, 340 Millionen Dollar für die Behandlung von AIDS-Kranken. Die AIDS-Therapie bildet andererseits den Schwerpunkt des von der Bundesregierung beantragten Anteils an Medicare in Höhe

AMERIKA DIENST 30

von 1,290 Milliarden Dollar, während für diesen Zweck
bei Medicaid 385 Millionen Dollar vorgesehen sind.
Von den 443 Millionen Dollar, die dem Veteranenministerium für Maßnahmen in Zusammenhang mit AIDS
zugedacht sind, werden 404 Millionen für die Therapie
veranschlagt, während von den 94 Millionen Dollar im
Verteidigungshaushalt 61 Millionen diesem Zweck
zugute kommen sollen.
In der Sozialversicherung sind 510 Millionen Dollar
ausgewiesen, um durch AIDS verursachte Einkommensverluste aufzufangen.
Berichten des staatliche Gesundheitsdienstes sowie
des US-Gesundheitsministeriums zufolge gibt die
Regierung insgesamt mehr für AIDS aus als für jede
andere Infektionskrankheit: Die für Forschungs-,
Präventiv-, Therapie- und Aufklärungsprogramme im
Jahr 1992 bewilligte Summe lag 170 Prozent über den
Ausgaben von 1988. Bis zum Jahresende werden die
Gesamtausgaben seit Bekanntwerden der Krankheit
über 16 Milliarden Dollar erreichen.
Diese Ausgaben haben den Beamten des staatlichen
Gesundheitsdienstes zufolge dazu beigetragen, HIV
zu isolieren, zu bestimmen, wie es das Immunsystem
angreift, verbesserte Tests zu entwickeln, um die
Infektion aufzudecken und Fortschritte bei der Entwicklung neuer Behandlungsmethoden zu machen.
Darüber hinaus verweisen sie auf folgende Punkte:
Mit Hilfe von Forschung und Maßnahmenkoordinierung konnten neue Techniken entwickelt
und durchgeführt werden, um die Sicherheit der
Blutversorgung des Landes zu gewährleisten.
Neue Überprüfungsmethoden des Bundesgesundheitsamts haben die Zulassung neuer Drogentherapien und Behandlungsmethoden beschleunigt.
Femsehspots als Bestandteil einer Kampagne,
die auf ein besseres Verständnis von AIDS in
der Öffentlichkeit abzielt, sind seit 1987 über
Seite 1

�75.000mal gesendet worden, da die Femsehanstalten Sendezeit im Gegenwert von etwa 90
Millionen Dollar gespendet haben.
Was die amerikanischen Bestrebungen zum Umgang
mit der weltweiten Ausbreitung von AIDS betrifft, so
berichtet das Amt für Internationale Entwicklung über
seine Kooperation bei Bekämpfungsprogrammen in
über 70 Entwicklungsländern und die Einleitung von
über 700 Einzelaktivitäten zur Verhütung.

Priorität hatte die Hilfe des Amts bei der Entwicklung
von Computerdarstellungen, mit deren Hilfe der Verlauf der AIDS-Epidemie untersucht und vorhergesagt
werden kann. Zusammen mit dem Peace Corps
unterstützt es ein Dreijahresprojekt zur Hilfe für afrikanische Länder bei der Planung und Durchführung
eines AIDS-Aufklärungsprogramms, das sich an Jugendliche, Angestellte im Gesundheitswesen, stark
gefährdete Frauen und die Öffentlichkeit im allgemeinen richtet.

Seit 1986 hat das Amt Regierungsvertretern zufolge
249 Millionen Dollar bereitgestellt für Aktivitäten zur
AIDS-Bekämpfung - durch bilaterale Hilfe, Unterstützung des weltweiten AIDS-Programms der Weltgesundheitsorganisation sowie Unterstützung für Organisationen auf kommunaler Ebene und andere nichtstaatliche Organisationen.

Vertreter des Amts sehen für die nächsten fünf Jahre
drei Prioritäten bei ihrer Arbeit zur AIDS-Vorsorge: sie
wollen dazu beitragen, daß Personen die Zahl ihrer
Sexualpartner reduzieren, ferner die Diagnose, Behandlung und Verhütung von sexuell übertragbaren
Krankheiten verbessern und den Zugang zu und den
Gebrauch von Kondomen erhöhen.

Ferner wird berichtet, das Amt erwarte, im Laufe der
nächsten fünf Jahre weitere 400 Millionen Dollar in
ähnliche Aktivitäten zu investieren.

* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 30

�EINWANDERUNG
29. Juli 1992

EINWANDERUNGSQUOTE WARE LOSUNG
FÜR FLÜCHTLINGSPROBLEM
Rede der Flüchtlingsbeauftragten vor Senatsausschuß
WASHINGTON - (AD) - Eine festgesetzte Obergrenze von 132.000 Personen, die sich im Jahr 1993 dauerhaft
in den Vereinigten Staaten niederlassen können, würde "den Bedürfnissen der Flüchtlinge gerecht", erklärte die
Koordinatorin für Flüchtlingsangelegenheiten, Jewel Lafontant-Mankarious.
Bei der Vorlage von Präsident Bushs Vorschlag zur Aufnahme von Flüchtlingen in den Vereinigten Staaten im
kommmenden Haushaltsjahr erläuterte Lafontant-Mankarious am 23. Juli 1992 vor dem Rechtsausschuß des
Senats, daß im Rahmen der Initiative des Privatsektors - einem gemeinsamen Projekt privater und öffentlicher
Organisationen, bei dem die Grundkosten für die Aufnahme und Umsiedlung der Flüchtlinge vom Privatsektor
getragen werden - 10.000 Flüchtlinge aufgenommen würden, während die US-Regierung Programme für
122.000 Flüchtlinge finanzieren wird.
Lafontant-Mankarious machte folgende Feststellung zu den Flüchtlingen aus unterschiedlichen Teilen der Welt:
7.000 afrikanische Flüchtlinge werden im kommenden Jahr erwartet, von denen die meisten aus Äthiopien
und Somalia stammen.
Das vorgeschlagene Kontingent für die Aufnahme von Flüchtlingen aus Ostasien besträgt 52.000, von
denen die Mehrzahl Flüchtlinge aus Vietnam und Laos sind.
Haitianische und kubanische Flüchtlinge, die um politisches Asyl ersuchen, stellen die Hauptgruppe des
vorgeschlagenen Kontingents für die Aufnahme von Flüchtlingen aus Lateinamerika und der Karibik.
7.000 Flüchtlinge aus Irak, Iran und Afghanistan fallen unter die Gruppe der Flüchtlinge aus dem Nahen
Osten und Südasien.
Das vorgeschlagene Kontingent für Flüchtlinge aus der ehemaligen Sowjetunion beträgt 50.000. Dazu
zählen sowjetische Juden, evangelische Christen und religiöse Aktivisten aus der Ukraine. Unter den
Osteuropäern, denen die Niederlassung in den Vereinigten Staaten im nächsten Jahr gestattet wird, sind
ferner Flüchtlinge aus Albanien, Polen und Rumänien.
Nachfolgend veröffentlichen wir wesentliche Auszüge aus dem vorbereiteten Redetext von Jewel LafontantMankarious sowie einen kurzen Überblick zur US-Einwanderungspolitik im Jahr 1991.
Für das Haushaltsjahr 1993 schlägt der Präsident als
Reaktion auf die humanitären Bedürfnisse der Flüchtlinge die Festsetzung eines Kontingents von 132.000
Flüchtlingen vor, die sich dauerhaft in den Vereinigten
Staaten niederlassen können (122.000 werden von
der US-Regierung finanziert). Diese Zahl entspricht in
etwa der Gesamtzahl für das Haushaltsjahr 1992,
wenn man die aufgrund der verringerten Zulassungen
aus der ehemaligen Sowjetuniom im Haushaltsjahr
1992 erforderlichen Anpassungen berücksichtigt. Das
bereinigte Kontingent im Haushaltsjahr 1992 betrug
142.000 (ohne die Anpassung im Haushaltsjahr 1992

AMERIKA DIENST 30

hätte sich das Kontingent auf rund 131.000 belaufen).
Die vorgeschlagene Obergrenze für die Zulassung von
Flüchtlingen im Rahmen der von der US-Regierung
finanzierten Programme beträgt 122.000, einschließlich 7.000 aus Afrika (1.000 zusätzliche Personen
verglichen mit dem Haushaltsjahr 1992), 52.000 aus
Ostasien (dieselbe Zahl wie im Haushaltsjahr 1992,
einschließlich Vietnamesen mit einem amerikanischen
Eltemteil und deren Familien, die als Immigranten
gemäß einer bestimmten Gesetzesvorschrift einwandern, jedoch Leistungen im Rahmen der Flüchtlingshilfe erhalten), 1.500 aus Osteuropa (1.500 weniger),

Seite 1

�3.500 aus Lateinamerika und der Karibik (500 mehr),
7.000 aus dem Nahen Osten und Südasien (1.000
mehr) und 50.000 aus der ehemaligen Sowjetunion
(die bereinigte Gesamtzahl für das Haushaltsjahr 1992
betrug 61.000). Ebenso wie im vergangenen Jahr
enthält das Kontingent von 122.000 Flüchtlingen Raum
für 1.000 Flüchtlinge aus nicht näher definierten Ländern, die nach Konsultationen mit dem Kongreß im
Haushaltsjahr 1993 den Regionen mit dem größten
Bedarf an Hilfe zugeteilt werden. Ein Obergrenze von
10.000 wird für Zulassungen im Rahmen der Initiative
des Privatsektors (Private Sector Initiative - PSI) vorgeschlagen, bei der die Grundkosten für die Aufnahme
und Umsiedlung der Flüchtlinge vom Privatsektor
getragen werden.
Im folgenden möchte ich kurz die Überlegungen erläutern , die dem Vorschlag der Administration für regionale Zulassungskontingente zugrunde liegen.
Afrika
Das vorgeschlagene Zulassungskontingent für afrikanische Flüchtlinge beträgt 7.000. Die Zulassungsobergrenze im Haushaltsjahr 1992 lag bei 6.000 Flüchtlingen.
Nach dem Golfkrieg wurde die Bearbeitung von Flüchtlingsanträgen in Khartum Mitte 1992 wiederaufgenommen. Wir erwarten im Haushaltsjahr 1992 rund 1.500
Flüchtlinge aus Äthiopien von unserer Vertretung dort.
Angesichts des Flüchtlingsstroms aus Kenia hat die
Joint Voluntary Agency (JVA) in Nairobi ihre Programme auf Lager außerhalb von Nairobi ausgedehnt. Wir
gehen von 1.700 äthiopischen Flüchtligen und 1.600
Somalis von Nairobi im Haushaltsjahr 1992 aus. Die
JVA in Freetown hat eine vom Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen (UNHCR) zugeteilte
Gesamtzahl von 1.500 Liberianern abzufertigen, und
wir erwarten, daß rund 700 im Haushaltsjahr 1992
ankommen werden. Die Abreise von 500 Flüchtlingen
anderer Nationalitäten aus Nairobi und anderen mit der
Bearbeitung beauftragter Posten in Afrika sowie weltweit werden voraussichtlich die Aufnahme von 6.000
afrikanischen Flüchtlingen im Haushaltsjahr 1992 zur
Folge haben.
Im Haushaltsjahr 1993 wird sich die Situation leicht
ändern. Obwohl die Bearbeitung neuer Anträge von
Äthiopiern am 21. November 1991 ausgesetzt wurde,
erwarten wir, daß die Aufnahme von Äthiopiern im
Haushaltsjahr 1993 anhält, wobei rund 3.000 Flüchtlinge aus Khartum und 1.000 aus Nairobi und anderen
Ländern aufgenommen werden. Die Vereinigten Staaten werden weiterhin Anträge für unser begrenztes
liberianisches Programm zulassen. In dieser Gruppe
erwarten wir zusätzliche 500 Aufnahmen.
Die vorgesehene schrittweise Abschaffung dieser beiden
Programme geht bedauerlicherweise mit neuen Flüchtlingsströmen aus Somalia und Sudan einher. Wir
benötigen ferner Zulassungszahlen für andere afrikanische Nationalitäten. Daher erwarten wir im Haus-

Seite 2

haltsjahr 1993 ein Kontingent von 7.000 Personen für
Flüchtlinge aus Afrika.
Ostasien
Die vorgeschlagene Höchstzahl von Einwanderern
aus Ostasien beträgt im Haushaltsjahr 1993 52.000
Personen.
Im Haushaltsjahr 1992 gibt es eine einzige Höchstgrenze für Ostasien von insgesamt 52.000 Flüchtlingen. Erwartungsgemäß werden im Haushaltsjahr
1992 12.500 Erstasylsuchende und 39.500 Flüchtlinge im Rahmen des Orderly Departure Programs (ODP)
aus Vietnam in die Vereinigten Staaten einreisen können.
Im Haushaltsjahr 1993 werden diese Obergrenzen
angesichts der nicht vorhersehbaren Zahlen von Erstasylsuchenden erneut zu einer einzigen Obergrenze
von 52.000 für Ostasien verknüpft. Innerhalb dieser
Gesamtgrenze hat die Einhaltung amerikanischer
Verpflichtungen im Hinblick auf die Umsiedlung von
Erstasylsuchenden gemäß dem Umfassenden Aktionsplan (Comprehensive Plan of Action - CPA) Priorität. Im Haushaltsjahr 1993 wird voraussichtlich ein
Bedarf von etwa 12.000 Zulassungen für Erstasylsuchende bestehen. Über die Hälfte dieser Genehmigungen im Haushaltsjahr 1993 werden für Laoten aus
dem Hochland und die meisten anderen für Vietnamesen gewährt. Die Zahl der Genehmigungen nach dem
ODP könnte sich im Haushaltsjahr 1993 auf bis zu
40.000 Flüchtlinge belaufen.
Osteuropa
Im Haushaltsjahr 1992 betrug die Obergrenze der
Einwanderungsgenehmigungen 3.000, für das Haushaltsjahr 1993 wird eine Obergrenze von 1.500 vorgeschlagen. Angesichts der kontinuierlichen Veränderungen in Osteuropa im Laufe des Haushaltsjahrs
1992 wird der Umfang des Programms kleiner sein als
in den letzten Jahren. Im Haushaltsjahr 1992 waren
nur Staatsbürger aus Albanien, wo die demokratischen Veränderungen erst kürzlich erfolgt sind, antragsberechtigt. Dennoch werden angesichts der
stetigen Veränderungen in Albanien albanische Staatsbürger im Haushaltsjahr 1993 nicht mehr zugelassen
werden.
Die Tragödie des früheren Jugoslawien setzt sich fort.
Wir sind entschlossen, gemeinsam mit unseren europäischen Verbündeten, den Vereinten Nationen und
anderen internationalen Organisationen zusammenzuarbeiten, um den aus dem Konflikt hervorgegangenen Vertriebenen und Flüchtlingen zu helfen.
Die Empfänger von Visa im Jahr 1993 (das heißt
Ehepartner und Kinder von bereits eingewanderten
Flüchtlingen), vor allem aus Rumänien und Polen,
werden etwa 30 Prozent des verfügbaren Kontingents
ausmanchen. Die Bandbreite der Genehmigungen
wird diejenigen Rumänen und Albaner in Erstasylländern einschließen, die von der Einwanderungs- und
Einbürgerungsbehörde zugelassen wurden.

AMERIKA DIENST 30

�Lateinamerika und die Karibik

Naher Osten und Südasien

Die Obergrenze im Haushaltsjahr 1992 wurde auf
3.000 festgesetzt. Als Obergrenze der Genehmigungen wurde im Haushaltsjahr 1993 3.500 vorgeschlagen. Die Zahl von 3.500 wird vor allem für Genehmigungen in den Ländern Kuba und Haiti verfügbar sein
und ferner eine kleine Zahl von Härtefällen anderer
Nationalitäten berücksichtigen.

Die vorgeschlagene Obergrenze für Flüchtlinge aus
dem Nahen Osten und Südasien beträgt 7.000.

Aufnahme von Haitianern. Nach dem Staatsstreich in
Haiti im September 1991 stieg die Zahl der Haitianer,
die mit dem Schiff aus Haiti flohen und von der USKüstenwache abgefangen wurden, drastisch an. Viele
von ihnen galten als potentiell berechtigt für einen
Asylantrag und wurden in die Vereinigten Staaten
gebracht, um ihren Anspruch zu stellen. Im Februar
haben wir ein Programm zur Bearbeitung von Flüchtlingsanträgen eingeführt, um diejenigen in Haiti zu
erreichen, die berechtigten Anspruch auf den Flüchtlingsstatus haben. Am 24. Mai 1992 erklärte das
Weiße Haus, jeder Haitianer, der Verfolgung fürchten
müsse, könne sich in Haiti als potentieller Flüchtling
melden. Dabei werden Flüchtlinge aus den folgenden
Kategorien besonders berücksichtigt: ehemalige politische Gefangene; Menschenrechtsaktivisten; Personen, die aufgrund angeblicher oder tatsächlicher politischer Überzeugungen oder Aktivitäten unverhältnismäßig harter oder diskriminierender Behandlung ausgesetzt sind; Personen, die Verfolgung fürchten, weil
sie Führungspositionen in politischen oder religiösen
Organisationen einnahmen oder einnehmen; Personen, die Schlüsselpositionen in der Regierung Aristide
oder in Bereichen innehatten, die Ziel von Verfolgung
werden könnten, wie etwa Journalisten; Flüchtlinge,
die unmittelbar um ihr Leben fürchten müssen, Dissidenten und andere Flüchtlinge, denen die Besorgnis
der Vereinigten Staaten gilt. Diese Politik wird im
Haushaltsjahr 1993 fortgeführt.
Aufnahme von Kubanern, im Haushaltsjahr 1993
werden Kubaner ebenso wie in den Haushaltsjahren
1991 und 1992 nach den Prioritäten eins bis fünf
zulassungsberechtigt sein. Im Haushaltsjahr 1993 gilt
das Hauptaugenmerk Flüchtlingen aus den folgenden
Kategorien: Personen, die bereits politische Gefangene waren; Angehörige verfolgter religiöser Minderheiten; Menschenrechtsaktivisten; Zwangsarbeiter; Personen, die ihrer Berufsqualifikationen beraubt wurden
oder aufgrund ihrer angeblichen oder tatsächlichen
politischen oder religiösen Überzeugungen oder Aktivitäten andere unverhältnismäßig harte oder diskriminierende Behandlung fürchten müssen; Dissidenten
und andere Flüchtlinge, denen die Besorgnis der
Vereinigten Staaten gilt. In Drittländern werden Anträge von Kubanern vorrangig bearbeitet, wenn sie vor
dem 20. November 1987 aus Kuba geflohen sind.

AMERIKA DIENST 30

Dies ist eine Steigerung von 1.000 gegenüber dem im
Haushaltsjahr 1992 bewilligten Niveau. Obwohl die
US-Hilfe für die große Mehrheit der Personen, die
1990-91 aus dem Irak flohen, keine Umsiedlung umfaßte, ist der UNHCR der Auffassung, daß Mitglieder
bestimmter Gruppen erneute Zusammenstöße riskieren und hat um internationale Hilfe bei der Umsiedlung
gebeten. Infolgedessen haben wir zugestimmt, 1.500
Iraker in der Türkei mit zeitlich begrenzten Aufenthaltsgenehmigungen sowie 1.000 Iraker in Saudi Arabien
zu einem Interview zuzulassen. Wir erwarten im
Haushaltsjahr 1992 1.000 Genehmigungen für nichtkurdische Iraker und mit zusätzlichen Gruppen, die
möglicherweise im kommenden Jahr in Gefahr sein
werden, vielleicht sogar die Zulassung von 3.000 nichtkurdischen Irakern im Haushaltsjahr 1993, wenn ausreichende finanzielle Mittel und Zulassungskontingente verfügbar sind. Es hat sich jedoch als schwierig
erwiesen, den Zeitrahmen präzise abzustecken, in
dem die Genehmigungen für Iraker in den Erstasylländern der Region bearbeitet werden können.
Diese schwierige Situation der irakischen Kurden mit
Erstasyl in der Türkei seit 1988 wurde von der internationalen Staatengemeinschaft anerkannt. Im Januar
1991 leiteten die Vereinigten Staaten ein Programm
ein, um die Übersiedlungsanträge von bis zu 3.000
Einzelpersonen zu bearbeiten, von denen die meisten
Bindungen zu den Vereinigten Staaten haben. Im
Haushaltsjahr 1991 wurden davon 400 zugelassen,
und wir erwarten die Zulassung von jeweils weiteren
1.000 in den Haushaltsjahren 1992 und 1993.
In den letzten Monaten ist die Zahl der Anträge von
Iranern etwas zurückgegangen, und wir erwarten 2.000
iranische Einwanderer im Haushaltsjahr 1992. Aufgrund eines prognostizierten gleichbleibenden Antragsniveaus schätzen wir die Zahl der Zugänge im Haushaltsjahr 1993 ebenfalls auf 2.000.
Am 12. April 1991 haben die Vereinigten Staaten die
Neuanträge von Afghanen auf Personen beschränkt,
die unter Priorität eins fallen. Trotzdem werden auch
in den kommenden beiden Haushaltsjahren afghanische Einwanderer zugelassen. Im Haushaltsjahr 1992
werden schätzungsweise 1.500 und im Haushaltsjahr
1993 1.000 afghanische Einwanderer erwartet.
Die ehemalige Sowjetunion
Die vorgeschlagene Obergrenze für Einwanderer aus
der ehemaligen Sowjetunion beträgt für das Haushaltsjahr 1993 50.000 Personen. Im Haushaltsjahr
1992 war die Zahl der Einwanderer, die vor dem 2.

Seite 3

�September 1991 Bürger der Sowjetunion waren, auf
61.000 begrenzt. Bis zum 31. Mai 1992 wurden
nahezu 50.000 Flüchtlinge aus der ehemaligen Sowjetunion zugelassen. Wir erwarten, die im Rahmen
des diesjährigen Kontingents zulässige Zahl voll auszuschöpfen. Da im Haushaltsjahr 1993 die Obergrenze auf 50.000 festgelegt wurde, wird der Zuzug aus
dieser Region in einem Dreijahreszeitraum durchschnittlich 50.000 Personen pro Jahr erreichen.

Die für das Haushaltsjahr 1993 eingeplante Zahl von
50.000 Flüchtlingen aus der ehemaligen Sowjetunion
wird von Gruppen in Anspruch genommen werden, die
im Lautenberg-Zusatz definiert sind. Dies sind:
Sowjetische Juden, evangelische Christen, religiöse
Aktivisten aus der Ukraine sowie andere Einzelpersonen in besonderen Notlagen. Die große Mehrzahl der
gegenwärtig befragten Flüchtlinge aus der ehemaligen
Sowjetunion haben familiäre Bindungen in den Vereinigten Staaten.

* * * * *

Rekordzahl von Einwanderern im Jahr 1991
Tür zu Amerika weiter geöffnet denn je, behaupten
Experten
Zahlen der Einwanderungs- und Einbürgerungsbehörde (INS) im US-Justizministerium zufolge verlegte im
Jahr 1991 eine Rekordzahl von 1,8 Millionen Einwanderern auf legale Weise ihren Dauerwohnsitz in die
Vereinigten Staaten.
Die Bedeutung dieser Zahlen, so erklärte der Sprecher
der INS, Duke Austin, in einem Interview am 22. Juli
1992, bestehe darin, daß "die goldene Tür zu den
Vereinigten Staaten niemals weiter geöffnet war. Zu
oft hören wir den Aufschrei, sie werde geschlossen.
Sie war niemals weiter geöffnet. Unsere Einwanderungsgesetze sind niemals großzügiger gewesen."
Etwa 1,1 Millionen der neuen dauerhaft ansässigen
Personen waren Ausländer, die sich illegal in den
Vereinigten Staaten aufhielten und denen im Rahmen
der Amnestieregelung des Gesetzes zur Reform und
Kontrolle der Einwanderung (IRCA) von 1986 im Jahr
1991 die Aufenthaltsberechtigung zuerkannt wurde.
Achtzig Prozent davon stammten aus Mexiko. Der für
diese Regelung in Frage kommende Personenkreis
mußte bis zum 1. Januar 1982 in die Vereinigten
Staaten gekommen sein, fügte Austin hinzu.

Die verbleibenden 704.005 Einwanderer des Jahres
1991 waren nicht in den Vereinigten Staaten ansässig,
als ihnen die Einwanderung gestattet wurde, erklärte
er. Über ein Drittel der Neueinwanderer kamen aus der
westlichen Hemisphäre und 44 Prozent aus Asien.
Achtzehn Prozent der Einwanderer kamen aus Europa.
Insgesamt 56.839 Personen stammten aus der ehemaligen Sowjetunion und übertrafen damit die Zahl
jedes anderen Einzellandes in jüngster Zeit. Die INS
führt dies auf die politischen Umwälzungen sowie die
Lockerung der dortigen Reise- und Auswanderungsbestimmungen zurück.
Die Zahl der Personen, die im vergangenen Jahr als
Einwanderer in den Vereinigten Staaten aufgenommen wurden, lag Austin zufolge um 19 Prozent über
dem bisherigen Höchststand von 1990.
"Die schlechte Nachricht" im Hinblick auf das Einwanderungsproblem bestehe darin, so Austin, daß trotz
des Anstiegs der legalen Einwanderungen "viel zu
viele Personen weiterhin illegal ins Land kommen, was
eine Reaktion gegen den gesamten Einwanderungsprozeß zur Folge hat".

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 30

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11521">
                <text>29.07.1992</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11522">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11523">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11524">
                <text>Amerikadienst 29.07.1992</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11525">
                <text>&lt;strong&gt;1. UN-Sanktionen gegen Irak&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush: Irak muss für UN-Sanktionen zur Verantwortung gezogen werden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Präsidenten zu Drogenbekämpfung in den USA und zur Lage im Irak&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Chemische Waffen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ledogar appelliert an alle Staaten, Vertrag über C-Waffen zu verabschieden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede bei der Genfer Abrüstungskonferenz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Erdgipfel&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bohlen erläutert Ergebnisse des Erdgipfels vor dem Kongress&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Abteilungsleiter Bohlen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. NAFTA&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zoellick: NAFTA kann zu verstärktem Handel mit dem Pazifik führen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Staatssekretärs beim ASEAN&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Wahlen '92&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Tradition, einen "Mann des Volkes" zu wählen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Juliet Bruce&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die einflussreiche Armee - die Anatomie einer Präsidentschaftswahlkampagne&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Juliet Bruce&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. AIDS&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Regierung erhöht Ausgaben zur Bekämpfung von AIDS&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht zu Präventiv- und Bekämpfungsmaßnahmen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;7. Einwanderung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Einwanderungsquote wäre Lösung für Flüchtlingsprobleme&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede der Flüchtlingsbeauftragten vor Senatsausschuß&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2258" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2269">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/6bbc084c8c192f2dd69f42522a58f9d4.pdf</src>
        <authentication>78c61774f4a8f1501685b769508cfc37</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="11532">
                    <text>^Df^

amcrika
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

^r,oN ^
31

5. August 1992

&lt;~9&gt; ~

KSZE

^S&gt; rv

-

:.

,&lt;:
&amp;'
-'

KSZE IST VERFECHTER VON MENSCHENRECHTEN UND DEMOKRATISCHEN WERTEN
Präsident Bushs Proklamation
zu Menschenrechten

-

V

*r
FLUCHTLINGSHILFE

USA BEFÜRWORTEN MULTILATERALEN
HILFSPLAN FÜR FLÜCHTLINGE
Rede von Abteilungsleiter Bolton bei der
UNHCR-Konferenz

RÜSTUNGSKONTROLLE

LEHMAN: RÜSTUNGSVERTRÄGE VERSCHIEBEN MILITÄRISCHES KRÄFTEVERHÄLTNIS
Anhörung im Auswärtigen Unterausschuß
des Repräsentantenhauses

CHEMISCHE WAFFEN

CW-VERHANDLUNGEN BEI DER
ABRÜSTUNGSKONFERENZ
Eine Chronologie der ACDA

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�KSZE
5. August 1992

KSZE IST VERFECHTER VON MENSCHENRECHTEN
UND DEMOKRATISCHEN WERTEN
Präsident Bushs Proklamation zu Menschenrechten
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die von Präsident Bush am 28. Juli 1992 und vom
Weißen Haus am 29. Juli 1992 herausgegebene Proklamation zum Helsinki-Tag der Menschenrechte.

Vor nicht ganz zwanzig Jahren, am 1. August 1975,
verabschiedeten die Vereinigten Staaten und Kanada
zusammen mit 33 europäischen Nationen bei der
Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in
Europa (KSZE) die Schlußakte von Helsinki. Mit der
Bekräftigung der "engen Verbindung zwischen Frieden und Sicherheit in Europa und der Welt insgesamt"
vereinbarten die Signatarstaaten der Erklärung die
Achtung der Menschenrechte und Grundfreiheiten,
"einschließlich der Meinungs-, Gewissens- und Glaubensfreiheit für alle ohne Unterscheidung nach Rasse,
Geschlecht, Sprache oder Glauben". Die Teilnehmerstaaten sahen in der Achtung von Menschenrechten
den "unabdingbaren Faktor" für die Erlangung von
Frieden, Gerechtigkeit und Zusammenarbeit unter den
Nationen und vereinbarten die friedliche Schlichtung
von Konflikten untereinander auf der Grundlage des
Völkerrechts. Das erste seit 1975 in Helsinki abgehaltene KSZE-Gipfeltreffen in diesem Jahr bot einen
historischen Rahmen zur Erneuerung der Unterstützung der Vereinigten Staaten für eine starke euroatlantische Partnerschaft auf der Grundlage gemeinsamer Ziele und Werte.
Seit ihrer Gründung war die KSZE Verfechter von
Menschenrechten und demokratischen Werten. Ursprünglich 1975 in Helsinki niedergelegt, wurden diese
Normen in den Kopenhagener, Genfer und Moskauer
KSZE-Dokumenten und durch die Pariser Charta von
1990 für ein neues Europa verstärkt und bekräftigt, mit
der die Mitgliedstaaten den bestehenden KSZE-Prinzipien neue und tiefgreifende Verpflichtungen zu politischem Pluralismus und Rechtsstaatlichkeit hinzufügten. Mit der Pariser Charta wurden ferner neue KSZEInstitutionen wie das Konfliktverhütungszentrum in
Wien zur verbesserten Fähigkeit der Konferenz bei der
Förderung der friedlichen Beilegung von Konflikten
und der Entwicklung stabiler, demokratischer Regierungen gegründet.
AMERIKA DIENST 31

In den vergangenen zwei Jahren hat sich die Konferenz weiterentwickelt, um bei der Aufgabe einer Bewältigung der dramatischen Veränderungen behilflich
zu sein, die in der KSZE-Gemeinschaft durch den
Zusammenbruch des Kommunismus und das Ende
des Kalten Kriegs stattgefunden haben. Zusätzlich zur
Erweiterung ihrer Aktivitäten und Institutionen sowie
ihrer Mechanismen zur Förderung des internationalen
Dialogs und der Zusammenarbeit hat die KSZE neue
Mitglieder aus den aufstrebenden Staaten Mittel- und
Osteuropas sowie den 12 Staaten aufgenommen, die
an die Stelle der Sowjetunion getreten sind. Wir
begrüßen diese neuen KSZE-Teilnehmerstaaten und
die Verpflichtung zu Menschenrechten, für die ihre
Mitgliedschaft steht.
Obwohl insgesamt bei der Förderung von Menschenrechten insbesondere seit den demokratischen Revolutionen, die sich 1989 in Europa vollzogen haben,
große Fortschritte erzielt worden sind, machen heute
einige Staaten nur geringe Fortschritte, während andere erneut in ethnische Konflikte verfallen. Aus
diesem Grund hat das diesjährige Gipfeltreffen in
Helsinki unterstrichen, daß politische Stabilität und
dauerhafter Frieden nur auf echter Respektierung der
Menschenrechte basieren können, die die Grundlage
des KSZE-Konzepts internationaler Sicherheit und
Zusammenarbeit bilden. In Helsinki erschlossen die
Teilnehmerstaaten neues Terrain zur verbesserten
Fähigkeit der KSZE bei der Förderung von Menschenrechten, Bewältigung des Wandels und Konfliktverhütung. Zusätzlich zur Gründung des Büros eines Hohen
Kommissars für nationale Minderheiten, der bei der
Prüfung und Verhütung von Konflikten, die aus Spannungen zwischen ethnischen Gruppen oder Minderheiten resultieren, behilflich sein wird, sieht das Helsinki-Dokument ein erweitertes Büro für demokratische
Institutionen und Menschenrechte in Warschau vor.
Zur Förderung der gewaltfreien Beilegung von KonflikSeite 1

�ten sind im Dokument ferner offizelle Friedensmissionen zur Unterstützung politischer Lösungen niedergelegt, entweder durch die KSZE-Mitgliedstaaten direkt
oder mit Unterstützung anderer internationaler Organisationen wie NATO und Westeuropäische Union (WEU).
Noch heute sieht sich die euro-atlantische Gemeinschaft mit den Herausforderungen der Relikte des
Kalten Krieges konfrontiert. Die Völker in den neu
entstehenden Staaten Europas sehen sich vielen
Schwierigkeiten gegenüber bei ihrem Streben nach
Überwindung der tiefverwurzelten durch Jahrzehnte
sowjetischer Unterdrückung und kommunistischer
Herrschaft erzwungener politischer und wirtschaftlicher Probleme. In dieser Periode grundlegenden
Wandels bieten jedoch die in 1975 in der Schlußakte
von Helsinki niedergelegten und bei den KSZE-Folgetreffen bekräftigten Prinzipien eine kontinuierliche
Richtlinie für friedliche, kooperative Beziehungen zwischen Staaten und für das gerechte und demokratische Verhalten von Regierungen.
In Anerkennung der von der KSZE zur Erweiterung von
Menschenrechten und Entwicklung einer starken euroatlantischen Partnerschaft für Freiheit geleisteten
Beiträge hat der Kongreß mit der Gemeinsamen
Resolution 310 des Senats den 1. August 1992 zum
"Helsinki-Tag der Menschenrechte" erklärt und den

Präsidenten zur Verkündung einer Proklamation im
Gedenken an diesen Tag aufgefordert.
Aus diesem Grund erkläre ich, George Bush, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, hiermit den
1. August 1992 zum Helsinki-Tag der Menschenrechte
und bekräftige die Verpflichtung der Vereinigten Staaten zur Aufrechterhaltung der menschlichen Würde
und Freiheit - Prinzipien, die in der Schlußakte von
Helsinki verankert sind. Wenn wir Amerikaner diesen
Tag mit Programmen und Veranstaltungen feiern,
sollten wir uns all derjenigen mutigen Bürger und
Gruppen erinnern, die enorme Opfer zur Sicherung
des Friedens gebracht haben, dessen wir uns alle
erfreuen. Die von Gott gegebenen und in unserer
Unabhängigkeitserklärung bekräftigten und von unserer Verfassung garantieren unveräußerlichen Rechte,
um die zahlreiche Menschen auf der Welt noch kämpfen. Auf der vor 17 Jahren in Helsinki gelegten
Grundlage, die dort im vergangenen Monat verstärkt
wurde, wollen wir uns erneut verpflichten, Frieden und
Freiheit zum gemeinsamen Vermächtnis für uns alle
zu machen.
Zum Zeugnis dessen habe ich am achtundzwanzigsten Tag des Juli im Jahre des Herrn neunzehnhundertundzweiundneunzig und im zweihundertsiebzehnten Jahr der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten
von Amerika dieses Dokument unterzeichnet.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 31

�FLUCHTLINGSHILFE
5. August 1992

USA BEFÜRWORTEN MULTILATERALEN
HILFSPLAN FÜR FLÜCHTLINGE
Rede von Abteilungsleiter Bolton bei der UNHCR-Konferenz
GENF- (AD) - Der Abteilungsleiter im US-Außenministerium für internationale Organisationsfragen, John Bolton,
erklärte am 29. Juli 1992, die Vereinigten Staaten seien bereit, anderen Nationen bei der Erarbeitung eines
multilateralen Plans behilflich zu sein, um den rund 2,2 Millionen Flüchtlingen aus dem ehemaligen Jugoslawien
mehr humanitäre Hilfe leisten zu können.
In einer Rede bei der internationalen Konferenz des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen
(UNHCR) in Genf fügte Bolton hinzu: "Unseres Erachtens müssen die Nachbarstaaten und Länder im ehemaligen Jugoslawien" in Zusammenarbeit mit dem UNHCR und den Vereinten Nationen unter der Schirmherrschaft
des Stellvertretenden Generalsekretärs der Vereinten Nationen für humanitäre Angelegenheiten "die Führungsrolle bei der Erarbeitung und Durchführung dieses Plans übernehmen".
Mit dem Herannahen des Winters müssen die Geldgeber und der UNHCR "sich auf Unterkünfte konzentrieren".
In der Zwischenzeit, so Bolton, werden die Vereinigten Staaten die Dienste von Wohnungsexperten zur
Verfügung stellen, um eine Strategie zu entwicklen, die sich darauf konzentriert, die äußerst knappen Mittel für
die Verbesserung bestehender Quartiere zu verwenden und diese winterfest zu machen. Bis heute haben die
Vereinigten Staaten humanitäre Hilfe im Wert von rund 51 Millionen Dollar für Bosnien-Herzegowina bereitgestellt.
Bolton bekräftige darüber hinaus die Forderung der Vereinigten Staaten, daß alle Parteien in Bosnien
"unverzüglich einen Waffenstillstand einhalten, zu dem sie sich bei so zahlreichen Gelegenheiten verpflichtet
haben".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Abteilungsleiter Bolton im Wortlaut.
Wir kommen in einem kritischen Moment der europäischen Geschichte als Reaktion auf die größte Flüchtlingskrise in Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs zusammen. Unsere Antwort auf die dringenden
Bedürfnisse von rund 2,2 Millionen Flüchtlingen und
Umsiedlern in Jugoslawien und den benachbarten
Ländern ist ein Test der Fähigkeit der internationalen
Staatengemeinschaft, kollektiv, unverzüglich und effektiv zu handeln. Wir sind zusammengekommen, um
zu erörtern, wie wir den heimatlos gewordenen Zivilisten helfen können, die sich in außerordentlich schwierigen Umständen in ihren Ländern befinden und wie wir
am besten die Flüchtlinge schützen und versorgen
können, die bei der Flucht vor dem Kreuzfeuer des
Kampfes internationale Grenzen überschreiten.
Gleichzeitig versucht die internationale Staatengemeinschaft in anderen Foren - mit der EG und der
Unterstützung des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen - die erfoderliche politische Schlichtung zur

AMERIKA DIENST 31

Beendigung der Krise herbeizuführen, die den Flüchtlingen die Rückkehr in ihre Heimat ermöglichen wird.
In diesem Zusammenhang waren die Vereinigten
Staaten außerordentlich enttäuscht, daß der in dem
Londoner Abkommen vom 17. Juli 1992 vereinbarte
Waffenstillstand für Bosnien-Herzegowina nicht eingehalten wurde. Wir fordern erneut alle Seiten zur
unverzüglichen Erfüllung ihrer zahlreichen Verpflichtungen zu einem Waffenstillstand sowie zur uneingeschränkten Einhaltung der Resolutionen des UN-Sicherheitsrats auf. Wir fordern die Beendigung der
"ethnischen Säuberungsaktionen", die eine verabscheuungswürdige Ursache der Flüchtlingskrise sind sowie
eine verhängnisvolle Erinnerung an ein dunkles Kapitel der Vergangenheit Europas. Wir dürfen nicht
unwissentlich zulassen, daß unsere humanitären
Reaktionen zur Duldung oder Konsolidierung der Ziele
dieser völlig inakzeptablen Politik führen.

Seite 1

�Für diejenigen, die humanitäre Hilfe in Bosnien-Herzegowina zu leisten versuchen, ist die Situation gefährlich. Wir wissen die stillen und professionellen Heldentaten der Mitarbeiter der UN-Schutztruppe (United
Nations Protection Force - UNPROFOR) zu würdigen,
die ihr Leben riskieren, um verzweifelten Menschen
Hilfe zu bringen. Wir begrüßen die unermüdlichen
Bestrebungen von Frau Ogata und ihren Mitarbeitern,
diejenigen in der schwierigsten Notlage zu erreichen.
Wir wissen die kontinuierliche und mutige Arbeit des
Internationalen Komitees vom Roten Kreuz zu schätzen. Wir sind zutiefst dankbar für die von zahlreichen
nichtstaatlichen Organisationen zu diesen Bestrebungen geleisteten Beiträge. Wir sind uns der enormen
Last bewu ßt, die diese Aufgabe dem UNHCR und dem
gesamten UN-Nothilfeteam auferlegt.
Unserer Meinung nach sollte sich die internationale
Staatengemeinschaft auf Mechanismen einigen, um
den vordringlichsten Bedürfnissen der Flüchtlinge und
Vertriebenen Rechnung zu tragen. Die heutigen
Überlegungen müssen Wege einbeziehen, um die
Rechte von Minderheiten zu schützen, wenn eine
politische Einigung erzielt wird. Insbesondere sind wir
besorgt über die Zwangslage der vertriebenen Muslime. Diejenigen von uns, die Mitglieder der nordatlantischen Gemeinschaft sind und so oft die Führungsrolle bei der Verteidigung von Menschenrechten übernehmen, dürfen nicht die grundlegenden Rechte der
bosnischen Muslime ignorieren. In dieser Hinsicht
freuen wir uns, die Entscheidung des Justizministers
bekanntzugeben, daß Bosnier berechtigt sind, den
Status des temporären Schutzes in den Vereinigten
Staaten zu beantragen.
Unserer Ansicht nach liegt, unabhängig von der echten
Notwendigkeit eines Waffenstillstands, der Schlüssel
zur unmittelbaren Lösung der Krise in einem funktionsfähigen und einheitlichen multilateralen Plan, der sich
auf verschiedene wichtige Elemente konzentriert:
1.

vor allem Hilfsgüter in die Region zu schaffen,
auch wenn dabei Widerstände überwunden
werden müssen;

2.

UN-Koordinierung von Hilfe einzelner europäischer Länder und anderer Regierungen durch
den Stellvertretenden Staatssekretär des Generalsekretärs für humanitäre Angelegenheiten
und den UNHCR als federführende Behörde;

3.

Teilung der Kostenlast und gegebenenfalls der
zeitweisen Unterkunft und des Schutzes der
Menschen;

4.

Austausch von Informationen, Untersuchungen
und technischen Möglichkeiten, um die grundlegenden humanitären Bedürfnisse der Gefährdeten abzudecken;

5.

Denjenigen Ländern im ehemaligen Jugoslawien mu ß koordinierte, umfangreiche und effek-

Seite 2

tive Hilfe geleistet werden, die am meisten durch
Flüchtlinge belastet werden; und schließlich
6.

müssen Bedingungen geschaffen werden, unter denen Nachbarstaaten sich nicht gezwungen sehen, die Flüchtlinge aus dem ehemaligen
Jugoslawien daran zu hindern, in ihre Länder zu
kommen, um dort zeitweise Schutz und Obdach
zu suchen.

Wir müssen engagiert an der vordringlichen Erarbeitung eines solchen multilateralen Plans arbeiten.
Unseres Erachtens nach müssen die Nachbarstaaten
und Länder im ehemaligen Jugoslawien zusammen
mit dem UNHCR und dem Stellvertretenden Generalsekretär der Vereinten Nationen für humanitäre Angelegenheiten die Führungsrolle bei der Erarbeitung und
Durchführung dieses Plans übernehmen. Die Vereinigten Staaten sind bereit, dabei zu helfen.
Wir haben unsererseits bis jetzt insgesamt humanitäre
Hilfe im Umfang von etwa 51 Millionen Dollar geleistet.
Dazu zählt die Bereitstellung von Nahrungs- und Arzneimitteln, Unterstützung durch eine Luftbrücke und
direkte Beiträge an den UNHCR, UNICEF und das
IKRK. Wir werden weiterhin umfangreiche und kontinuierliche Unterstützung mit Ressourcen leisten, die
den dringendsten Bedürfnissen der Menschen Rechnung tragen, die durch diese große Tragödie unserer
Zeit entwurzelt wurden.
Wir haben das Konzept des temporären Schutzes und
der Hilfe für Flüchtlinge betont, weil unser Ziel darin
besteht, daß Flüchtlinge in ihre Heimatländer zurückkehren, sobald eine politische Einigung erzielt wurde
und die internationale Staatengemeinschaft sicher sein
kann, daß es ausreichende Mechanismen gibt, um die
Rechte von Minderheiten langfristig zu schützen. Auch
wenn wir daran arbeiten, Mechanismen für die zeitweisen Bedürfnisse der Bevölkerung im ehemaligen
Jugoslawien zu schaffen, darf die internationale Staatengemeinschaft nicht in ihren Bestrebungen nachlassen, eine politische Lösung herbeizuführen, die auf die
tieferen Ursachen dieser schrecklichen Tragödie eingeht.
Bei unserer Arbeit an einem Plan für humanitäre Hilfe
fordern wir alle Länder auf, ihre großzügigen Anstrengungen fortzusetzen und den Menschen im ehemaligen Jugoslawien Hilfe zu leisten, auch durch Konvois
und Luftbrücken humanitärer Hilfe und ihnen gegebenenfalls zeitweise Obdach und Schutz zu gewähren.
In dieser Hinsicht und vor allem im Hinblick auf den
herannahenden Winter müssen die Spender und der
UNHCR sich auf Unterkünfte konzentrieren. Ich freue
mich, ankündigen zu dürfen, daß wir die Dienste
mehrerer Teams von Wohnungsexperten anbieten
können, die an einer Strategie mitarbeiten werden, um
äußerst knappe Ressourcen auf den Ausbau und die
Winterfestigkeit bestehender Quartiere zu verwenden.
Mit jedem Tag wird diese Aufgabe vordringlicher.
AMERIKA DIENST 31

�Zum Schluß und um sicherzustellen, daß diese Bestrebungen und Ressourcen Früchte tragen, wiederhole ich unsere Forderung - die kollektive Forderung
derjenigen, die entsetzt sind über die Verschwendung
und das Leiden, die uns zusammengeführt haben daß alle Parteien in Bosnien-Herzegowina unverzüglich einen Waffenstillstand einhalten, zu dem sie sich
*

AMERIKA DIENST 31

bei zahlreichen Gelegenheiten verpflichtet haben. Sie
müssen sich voll und ganz an die Resolutionen des
Sicherheitsrats halten und mit dem EG-Präsidenten
kooperieren, um eine Konferenz zu organisieren, die
eine politische Einigung bei dieser schrecklichen Krise
bewirkt, die den Frieden in einem großen Teil Europas
gefährdet.

* * *

*

Seite 3

�RÜSTUNGSKONTROLLE
5. August 1992

LEHMAN: RÜSTUNGSVERTRÄGE VERSCHIEBEN
MILITÄRISCHES KRÄFTEVERHÄLTNIS
Anhörung im Auswärtigen Unterausschuß des Repräsentantenhauses
WASHINGTON - (AD) - Der Leiter des US-Amtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA) erklärte, wenn
Verträge zur Reduzierung strategischer, konventioneller und chemischer Waffen sowie Kernwaffen kurzer
Reichweite vollständig durchgeführt werden, "diese Ergebnisse zu einer Umwaldung des militärischen Kräfteverhältnisses führen, einem Merkmal der Konfrontation im Kalten Krieg".
Botschafter Ronald Lehman erläuterte vor einem Auswärtigen Unterausschuß des Repräsentantenhauses am
30. Juli 1992, es habe im Bereich der Rüstungskontrolle in den vergangenen fünf Jahren "unglaubliche
Leistungen" gegeben, und weitere Errungenschaften zeichneten sich ab.
Ein multilateraler Vertrag über ein Verbot chemischer Waffen wird Lehman zufolge möglicherweise bis Ende
dieses Jahres abgeschlossen und "Jahre der Verhandlungen über eine weltweite Chemiewaffenkonvention
beenden". Die Konvention, so Lehman, "würde eine wichtige internationale Norm gegen diese schrecklichen
Waffen liefern".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Anhörung von Botschafter Lehman in wesentlichen Auszügen.

Ergebnisse bei der Rüstungskontrolle
In den vergangenen Jahren haben die Vereinigten
Staaten eine Reihe ihrer langfristigen Rüstungskontrollziele verwirklicht, von denen viele als unerreichbar
galten. Seit mehr als einer Generation waren wir
bestrebt, die unsere Existenz als Nation bedrohenden
strategischen Nuklearwaffen der Sowjets zu reduzieren und das strategische Gleichgewicht stabiler zu
machen. Im letzten Jahr, nach zehn Jahren gewissenhafter Verhandlungen, wurde der START-Vertrag
geschlossen, das erste Abkommen, mit dem tatsächlich strategische Offensivwaffen reduziert wurden.
Diese Leistung, zusammen mit den durch die Veränderungen in der ehemaligen Sowjetunion gegebenen
Impulsen legten den Grundstein für eine Reihe neuer
Fortschritte bei der Rüstungskontrolle. Präsident Bushs
Initiative zu Nuklearwaffen von September 1991,
ermöglicht durch die tatsächlichen oder ermutigten
Veränderungen von INF, KSE und START, setzten
einen Prozeß der Reduzierung oder Eliminierung ganzer
Kategorien von nuklearen Kurzstreckenwaffen in Gang.
In jüngster Zeit baute im letzten Monat die Gipfelvereinbarung zwischen den Präsidenten Bush und Jelzin
über weitere wichtige Reduzierungen bei Nuklearwaffen auf dem START-Vertrag auf und wird die vollstän-

AMERIKA DIENST 31

dige Beseitigung landgestützter schwerer Interkontinentalraketen mit Mehrfachgefechtsköpfen erfordern.
Den Herausforderungen der Modernisierung von START
- um den veränderten geopolitischen Realitäten gerecht zu werden und angesichts der Auflösung der
Sowjetunion das Auftreten neuer Atommächte zu
verhindern - wurde erfolgreich in einem Protokoll zum
START-Vertrag Rechnung getragen, das die neuen
Staaten Belarus, Kasachstan, Rußland und die Ukraine zu Parteien dessen macht, was früher ein bilaterales Abkommen mit der Sowjetunion war. In rechtsverbindlichen Schreiben an Präsident Bush verpflichten
sich Belarus, Kasachstan und die Ukraine zur Zerstörung aller Nuklearwaffen und aller strategischen Offensivwaffen auf ihrem Territorium innerhalb der vom
START-Vertrag vorgeschriebenen Siebenjahresfrist.
Das START-Protokoll verpflichtet die drei nichtrussischen Staaten, so bald wie möglich dem Nichtverbreitungsvertrag als Nicht-Atommächte beizutreten.
Im konventionellen Bereich haben wir lange danach
gestrebt, das militärische Ungleichgewicht in Europa
aufzuheben, um die Aussicht eines konventionellen
Angriffs auf Westeuropa zu reduzieren, der einen
nuklearen Konflikt auslösen könnte. Auch dieses Ziel
wird durch den KSE-Vertrag erreicht, der Obergrenzen

Seite 1

�für Kategorien militärischen Geräts und für Waffen wie
Panzer, Artillerie und Kampfflugzeuge vorsieht, die für
eine Offensive am besten geeignet sind, und ebenso
durch das soeben unterzeichnete KSE-1A-Abkommen zur Begrenzung von Truppen.
In dem Bestreben zur Erhöhung von Transparenz und
Offenheit bei militärischen Aktivitäten in Europa wurden in den vergangene.! zwei Jahren in Wien zwei
Dokumente über Vertrauens- und sicherheitsbildende
Maßnahmen erzielt, ferner der Vertrag über Offene
Himmel, mit dem Transparenz bei militärischen Aktivitäten erzielt werden soll, indem ein Überfliegen des
gesamten Territoriums aller Parteien gestattet wird.
Unser Bestehen auf Inspektionsregimen hat zu einmaligen Bestimmungen für den Zugang zu Einrichtungen
in folgenden Verträgen geführt: INF, START, KSE,
Kernexplosionen zu friedlichen Zwecken und dem
Schwellenvertrag.
Unsere Bestrebungen zur Erlangung eines verfizierbaren Verbots über chemische Waffen haben ein
bilaterales Chemiewaffenabkommen zwischen den
Vereinigten Staaten und Rußland hervorgebracht, das
die Zerstörung des größten Teils unserer Chemiewaffenarsenale fordert. In diesem Jahr könnten wir Jahre
der Verhandlungen über eine weltweite Chemiewaffenkonvention beenden. Damit würde eine wichtige
internationale Norm gegen diese schrecklichen Waffen geliefert. Wenn diese Ergebnisse vollständig durchgeführt sind, werden sie zu einer Umwaldung des
militärischen Kräfteverhältnisses führen, einem Merkmal der Konfrontation im Kalten Krieg.
Ebenso wie die Beendigung des Kalten Krieges weder
das Ende großer nuklearer Arsenale noch das Ende
großer Armeen bedeutet hat, steht sie auch nicht für
das Ende regionaler, politischer, ethnischer und historischer Konflikte und ihres Potentials für großangelegte Gewalt. Mit dem Ende des Kalten Kriegs verdoppeln
wir unsere Bestrebungen im Hinblick auf die Verhinderung der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen.
Herausforderungen heute
Die geopolitische Landschaft setzt ihre tektonischen
Veränderungen fort. Die früher bipolare Konfrontation
der Supermächte wurde schnell von einem internationalen System abgelöst, das von regionaler Instabilität
gekennzeichnet ist, und eine neue Tagesordnung für
Rüstungskontrolle ist entstanden. Ganz oben auf
dieser Tagesordnung steht das Problem der Verbreitung, ein Thema, das nicht immer die ersten Seiten
eingenommen hat, aber seit langem ein wichtiger
Bereich des ACDA-Mandats war. Die Vereinigten
Staaten suchen die Verbreitung einzudämmen, indem
sie sowohl die Seite des "Angebots" als auch die der
"Nachfrage" angehen. Um das Angebot einzuschränken, ermutigen die Vereinigten Staaten Verpflichtungen der Händler zur Kontrolle von Exporten, die einer
Verbreitung Vorschub leisten könnten. Die Politik der
Vereinigten Staaten geht auf die Nachfrage ein, indem

Seite 2

sie bei der Lösung grundsätzlicher politischer Fragen
hilft, die Nationen dazu bewegen, sich Massenvernichtungswaffen zu beschaffen.
In einer Reihe von Länder Osteuropas, der ehemaligen Sowjetunion und Regionen wie Südasien, der
Halbinsel Korea und dem Nahen Osten ist das potentielle Risiko eines bewaffneten Konflitks nach wie vor
hoch. Die Erarbeitung angemessener und effektiver
Ansätze für regionale Rüstungskontrolle erlangt daher
größere Aufmerksamkeit und Priorität im amerikanischen Programm der nationalen Sicherheit. Eine
wichtige, vordringliche Sicherheitsfrage im Umgang
mit diesen regionalen Pulverfässern lautet, wie die
Verbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen einzudämmen sowie Mehrzwecktechnologie zu sichern ist, während man gleichzeitig
versucht, friedliche Lösungen für die zugrundeliegenden Ursachen regionaler Konflikte zu finden.
Präsident Bush hat kürzlich eine umfassende Initiative
angekündigt, um Nichtverbreitung auf globaler und
regionaler Ebene anzusprechen. Sie enthält Bestrebungen zur Stärkung globaler Nichtverbreitungsnormen, regionaler Rüstungskontrollinitiativen im Nahen
Osten, Südasien und der Halbinsel Korea sowie Schritte, die mit den Ländern der ehemaligen Sowjetunion
unternommen werden müssen, wie die Sicherheit der
Führungs- und Kontrolleinrichtungen bei Kernwaffen,
Methoden des sicheren Transports, der Lagerung und
Zerstörung von Kernwaffen, Wissenschafts- und
Technologiezentren für ehemalige sowjetische Wissenschaftler und die Zerstörung chemischer Waffen.
Sie umfaßt darüber hinaus eine Entscheidung, daß die
Vereinigten Staaten fortan kein Plutonium und hochangereichertes Uran zum Zweck von Kernexplosionen
herstellen. Diese Veränderung in der amerikanischen
Politik soll Länder im Nahen Osten und anderen Spannungsregionen, die im Hinblick auf die Weiterverbreitung Anlaß zur Sorge geben, ermutigen, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen und Entnuklearisierungsabkommen zu fördern, ähnlich dem, das mit Nord- und
Südkorea vereinbart wurde.
In einem weiteren Bestreben, ein Beispiel der Zurückhaltung im neuen internationalen Umfeld zu sein,
haben die Vereinigten Staaten kürzlich ihre Position zu
Atomtests neu bewertet. Im Einklang mit der Notwendigkeit, Sicherheit und Zuverlässigkeit zu gewährleisten, werden die Vereinigten Staaten ein Minimum an
Atomtests durchführen - nicht mehr als sechs pro Jahr
- von denen nicht mehr als drei über 35 Kilotonnen
umfassen. Unserer Meinung nach ist dies ein wichtiger Schritt, der voll und ganz im Einklang mit der
einzigartigen Führungsrolle der Vereinigten Staaten
steht.
Dieser neue politische Bedarf zusammen mit den
Durchführungs- und Verifizierungserfordernissen von
bereits erzielten Abkommen machen insgesamt das
amerikanische Rüstungskontrollprogramm vielseitiger.
Die Ratifizierung und das Inkrafttreten von START und
AMERIKA DIENST 31

�KSE werden zu einem Prozeß der langjährigen Durchführung und Verifizierung in einem Umfang führen, der
weit über alle bisherigen Erfahrungen der US-Regierung hinausgeht.
Die multilaterale Chemiewaffenkonvention mit ihren
begleitenden Durchführungs- und Verifikationsbestimmungen ist erwartungsgemäß bald unterschriftsreif.
Zukünftige ACDA-Aktivitäten
Noch während wir diese neuen Sicherheitsherausforderungen definieren, mit denen sich die Vereinigten
Staaten konfrontiert sehen, werfen einige die Frage
auf, ob Rüstungskontrollabkommen durch das Ende
des Kalten Krieges an Bedeutung verloren haben. In
der Tat wird Rüstungskontrolle nach wie vor ein Schlüsselelement unserer nationalen Sicherheitspoltik und
auswärtigen Beziehungen sein. Rüstungskontrolle
wird auch in Zukunft für uns von Bedeutung sein als
Instrument für Konfliktbewältigung und Abbau von
Bedrohungen - ebenso wie sie es in der Ära der OstWest-Konfrontation war, die wir hinter uns lassen.
In dem, was wir als den Ost-West-Zusammenhang
bezeichnet haben, hat sich zu Recht ein "spannendes
Drama "für zahlreiche unserer jüngsten Rüstungskontrollerfolge abgespielt. Solche Meilensteine werden
wiederkehren wenn wir die Konvention über chemische Waffen unterzeichnen. Es ist weiterhin unabdingbar, daß diese Abkommen vollständig verwirklicht
werden, und dies stellt eine große, kontinuierliche
Aufgabe dar. Darüber hinaus haben die Präsidenten
Bush und Jelzin einen neuen, kooperativeren Ansatz
zu Sicherheit und Stabilität entworfen. Beispielsweise
wird strategische Verteidigung als neue Domäne
kooperativer Entwicklung sondiert und verlagert damit
unsere traditionellen Rüstungskontrollprobleme bei der
strategischen nuklearen Stabilität auf einen sehr viel
vielversprechenderen Weg. Die Beziehungen zwischen offensiv und defensiv sind eine Quintessenz der

Rüstungskontrolle wie auch eine Angelegenheit der
nationalen Sicherheit.
Darüber hinaus könnte Rüstungskontrolle in der gesamten Bandbreite von Mitteln nationaler Sicherheit
und Außenpolitik bei der Bewältigung mit dem noch
Undefinierten Umfeld nach dem Kalten Krieg für uns an
Bedeutung gewinnen. In diesem neuen Umfeld sehen
wir uns mit den wichtigen Aufgaben konfrontiert, die
Verpflichtung zu demokratischen Institutionen zu unterstützen und beim Aufbau stabiler Sicherheitsregime
in Europa, dem Nahen Osten und Ostasien behilflich
zu sein.
Rüstungskontrolle wird aus verschiedenen Gründen
für unsere Beziehungen mit traditionellen Verbündeten und Freunden und unsere neuen Beziehungen mit
ehemaligen Gegnern lebenswichtig sein. Rüstungskontrolle wird sich als unschätzbar dabei erweisen, der
Welt bei der Eindämmung von Konflikten, Abbau des
Vernichtungspotentials, Stärkung der Rechtsstaatlichkeit und Untermauerung des Strebens nach Frieden zu
helfen.
Entsprechend benötigen wir innovative Ansätze zur
Rüstungskontrolle bei unserer nationalen Sicherheit
und Außenpolitik, während wir unsere Bestrebungen
gegen die Weiterverbreitung nuklearer, chemischer
und biologischer Waffen verdoppeln und neue Wege
suchen, der Verbreitung ballistischer Raketen Einhalt
zu gebieten. Die kombinierten Gefahren der Verbreitung von Fähigkeiten und Fachwissen der ehemaligen
Sowjetunion sowie die Bestrebungen solcher Staaten
wie Irak zur Entwicklung von Massenvernichtungswaffen werden unsere Erfindungsgabe über ein breites
Spektrum hinweg auf die Probe stellen. Rüstungskontrollinitiativen und Aufgaben in diesen neuen Bereichen von Herausforderungen sind entscheidend für
die zukünftige weltweite Führungsrolle beim Aufbau
globaler Sicherheit.
* *

AMERIKA DIENST 31

*

Seite 3

�CHEMISCHE

WAFFEN
5. August 1992

CW-VERHANDLUNGEN BEI DER
ABRÜSTUNGSKONFERENZ
Eine Chronologie des ACDA
WASHINGTON - (AD) - Die nachfolgend veröffentlichte Chronologie wurde am 22. Juli 1992 vom Amt für
Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA) herausgegeben. Sie trägt den Titel "Verhandlungen über chemische
Waffen bei der Abrüstungskonferenz".

Nachfolgend wird auf einige der Schlüsselereignisse
der Verhandlungen über chemische Waffen bei der
Abrüstungskonferenz (Conference on Disarmament CD) und ihren Vorläufern, der Konferenz des Abrüstungsausschusses und dem Abrüstungsausschuß
verwiesen, die uns an einen Punkt gebracht haben, an
dem die Unterzeichnung einer Chemiewaffenkonvention in diesem Jahr möglich erscheint.
15. März 1962
Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion unterbreiten Pläne für die allgemeine und vollständige Abrüstung beim 18-Nationen Abrüstungsausschuß, die
Bestimmungen für die Beseitigung chemischer und
biologischer Waffen umfassen.
15. August 1968
Chemische Waffen erscheinen auf der Tagesordnung
der Konferenz des Abrüstungsausschusses (Conference of the Committee on Disarmament - CCD) in
Genf.
27. Juni-3. Juli 1974
Beim Moskauer Gipfel vereinbaren die Vereinigten
Staaten und die Sowjetunion bilaterale Gespräche mit
dem Ziel der Erarbeitung eines gemeinsamen Vorschlags zum Verbot chemischer Waffen, der bei der
CCD unterbreitet werden soll.
17. März 1980
Beim Abrüstungsausschuß (CD) wird eine Ad-hocArbeitsgruppe über chemische Waffen ins Leben gerufen. (Der CD ist Nachfolger der CCD).

AMERIKA DIENST 31

4. Februar 1983
Vizepräsident Bush erklärt beim CD folgende Bedingungen der Vereinigten Staaten für ein verifizierbares
Verbot der Herstellung, Lagerung und Verbreitung
chemischer Waffen:
Offenlegung und systematische internationale
Vor-Ort-Inspektionen der Chemie waffenarsenale und Produktionseinrichtungen sowie Offenlegung der Pläne zur Zerstörung von Arsenalen;
systematische internationale Vor-Ort-Inspektion
bei der Zerstörung sowohl von Chemiewaffenarsenalen als auch von Produktionsstätten;
Offenlegung und Vor-Ort-Inspektionen des
Betriebs anderer Einrichtungen für die legale
Herstellung von Chemikalien, die ein besonderes Risiko darstellen, bei der Herstellung von
Chemiewaffen eingesetzt zu werden; und
einen multilateralen Mechanismus für den
Umgang mit Fragen der Einhaltung.
Juni 1983
Die Vereinigten Staaten legen bei der Abrüstungskonferenz ein Papier vor, aus dem hervorgeht, wie eine
Zerstörung der Arsenale verifiziert werden kann. Der
US-Ansatz kombiniert den umfangreichen Einsatz von
Vor-Ort-Instrumenten mit kontinuierlicher Beobachtung durch internationale Inspektoren.
23. August 1983
Die Vereinigten Staaten laden CD-Teilnehmer- und
Beobachterdelegationen zu einem Workshop auf der
Testeinrichtung zur Zerstörung chemischer Waffen in

Seite 1

�Tooele (Utah) ein. Die Sowjetunion und der Warschauer Pakt (außer Rumänien) lehnen die Einladung
ab.
14.-16. November 1983
Fünfzig Diplomaten aus 30 CD-Ländern nehmen am
Workshop zur Verifizierung chemischer Waffen in
Tooele (Utah) teil.
18. April 1984
Bei der Abrüstungskonferenz (der neuen Bezeichnung
für den Abrüstungsausschu ß) legt Vizepräsident Bush
einen Vertragsentwurf der Vereinigten Staaten vor,
der ein weltweites Verbot von Entwicklung, Erwerb,
Herstellung, Lagerung, Verbreitung und Einsatz chemischer Waffen vorsieht. Der Plan fordert systematische Vor-Ort-Inspektionen von Produktionseinrichtungen für Chemiewaffen, um die Einhaltung zu gewährleisten.

21.-23. Februar 1989
Die Vereinigten Staaten führen eine Probeinspektion
in einem privaten amerikanischen Chemiewerk durch.
Dies ist Teil eines Experiments zur Entwicklung von
Verfahren für ein Regime von Routineinspektionen,
das Vertrauen schaffen und Sicherheitsbedingungen
erfüllen würde, ohne die zivile Chemieindustrie erheblich zu beeinträchtigen.
Die Sowjetunion und andere CD-Mitglieder führen
daraufhin ähnliche Probeinspektion bei ihrer eigenen
Chemieindustrie durch.
7 . - 9 . Februar 1990
Die Außenminister Baker und Schewardnadse vereinbaren einen Aktionsrahmen, um die Verhandlung über
eine Chemiewaffenkonvention bei der Abrüstungskonferenz zu beschleunigen.

&gt;

I.Juni 1990
Die Sowjetunion lehnt den amerikanischen Vertragsentwurf sofort ab. Dennoch ist es im wesentlichen der
Entwurf von 1984, der die Diskussionsgrundlage der
Ad-hoc-Arbeitsgruppe der Abrüstungskonferenz bildet. Das Dokument, in das infolge der CD-Verhandlungen Veränderungen eingearbeitet wurden, wird
inoffiziell als "rolling text" bezeichnet.
10. Juli 1986
Die Vereinigten Staaten legen der Abrüstungskonferenz Informationen über ihre Chemiewaffenarsenale
und die Standorte dieser Arsenale vor - als erstes CDMitglied.
6. August 1987
Der sowjetische Außenminister hält eine Rede bei der
Abrüstungskonferenz und akzeptiert prinzipiell verbindliche Verdachtsinspektionen ohne Verweigerungsrecht. Er lädt die CD-Delegationen in die militärische
Einrichtung Schikani ein und spricht eine Einladung in
die im Bau befindliche Einrichtung zur Chemiewaffenzerstörung in der Nähe von Tschapajewk aus. Am 3.
und 4. Oktober 1987 besucht eine multilaterale CDDelegation die sowjetische CW-lnstallation in Schikani, um Munitionen und eine mobile Zerstörungsanlage
zu besichtigen.
28. Juli 1988
In einer Rede bei der Abrüstungskonferenz legt der
amerikanische Botschafter Max Friedersdorf den
Standort aller US-Produktionsstätten für Chemiewaffen offen und erläutert Pläne für deren Zerstörung bei
einem Chemiewaffenverbot. Die Vereinigten Staaten
fordern die Sowjetunion und andere Länder auf, dasselbe zu tun.

Seite 2

Beim Gipfel in Washington unterzeichnen die Präsidenten Bush und Gorbatschow das amerikanischsowjetische Abkommen über die Zerstörung und das
Herstellungsverbot chemischer Waffen sowie Maßnahmen zur Förderung der multilateralen Chemiewaffenkonvention (Multilateral Chemical Weapons Convention - CWC). Schlüsselbestimungen dieser wichtigen Vereinbarung sind:
die Einstellung der Herstellung von Chemiewaffen bei Inkrafttreten und die Zerstörung des
größten Teils der bekannten Arsenale bis Ende
1992. Bis zum Jahr 2002 soll ein Niveau von
5.000 Tonnen Kampfstoff erreicht sein;
Vor-Ort-Inspektionen während und nach dem
Prozeß der Zerstörung, um diese zu bestätigen,
und
Entwicklung und Einsatz sicherer und umweltverträglicher Zerstörungsmethoden.
13. Mai 1991
Präsident Bush kündigt eine neue Reihe von Schritten
an, um die Aussichten eines baldigen erfolgreichen
Abschlusses der Chemiewaffenkonvention zu stärken. Der Präsident erklärt, die Vereinigten Staaten
würden in dieser Hinsicht folgende Maßnahmen ergreifen:
offiziell dem Einsatz von Chemiewaffen aus
jedwedem Grund entsagen, einschließlich der
Vergeltung gegen einen Staat, mit Wirkung von
dem Zeitpunkt, da die Konvention in Kraft tritt
und vorschlagen, daß alle Länder dem folgen vorausgesetzt, die Sowjetunion ist ebenfalls
Vertragspartner;

AMERIKA DIENST 31

,

i

�sich bedingungslos für die Zerstörung all ihrer
Chemiewaffenarsenale innerhalb von zehn
Jahren nach Inkrafttreten einsetzen und vorschlagen, daß alle anderen Länder dasselbe
tun;
anderen technische Hilfe anbieten, damit sie
ihre Chemiewaffenarsenale effektiv und sicher
zerstören können;
die Festlegung eines Termins zum Abschluß
der Konvention fordern und empfehlen, daß die
Konferenz gegebenenfalls ständig tagt, um dieses
Ziel zu erreichen;
neue und effektive Verifizierungsmaßnahmen
für Inspektionsorte vorschlagen, an denen die
Herstellung oder Lagerung chemischer Waffen
vermutet wird;
vorschlagen, daß die Konvention von den Parteien verlangt, den Handel mit chemiewaffenfähigem Material mit Staaten zu verweigern, die
nicht Mitglieder der Konvention sind, um greifbare Vorteile für diejenigen Staaten zu erzielen,
die der Konvention beitreten und solchen strenge Strafen aufzuerlegen, die sie nicht unterstützen; und
bestätigen, daß die Vereinigten Staaten alle
erforderlichen Sanktionen für die Verletzung der
Konvention verhängen, insbesondere den Einsatz chemischer Waffen.

19. März 1992
Der australische Außenminister Garth Evans präsentiert einen Vertragsentwurf, der Kompromißlösungen
für ausstehende Probleme anbietet, als Basis für den
baldigen Abschluß der Abrüstungsverhandlungen. Die
Vereinigten Staaten begrüßen die australischen Bestrebungen und unterstützen den damit repräsentierten Prozeß. Der australische Text weicht in einer
Reihe wichtiger Bereiche von den amerikanischen
Positionen ab. Die Vereinigten Staaten bekunden
jedoch ihre Hoffnung, daß er zur Lösung anhängiger
Probleme beiträgt und einen Abschluß der Chemiewaffenkonvention 1992 zuläßt - wie es Präsident Bush
wiederholt gefordert hat.
22. Juni 1992
Der Vorsitzende des Ad-Hoc-Ausschusses über Chemiewaffen bei der Abrüstungskonferenz, der Deutsche Adolf von Wagner, veröffentlichte mit dem Ziel
einer Beschleunigung des Prozesses, den Entwurf
eines "Schlußtextes" zur Beurteilung. Dieser Entwurf
ist ein vollständiger Text, und er umfaßt durch Konsens erzielte Kompromisse ebenso wie die vom Vorsitzenden selbst vorgeschlagene Sprachregelung mit
Kompromissen bei ungelösten wichtigen Themen.
26. Juni 1992
Die zweite Sitzung der Abrüstungskonferenz schloß
mit einer Erörterung der Erklärungen des Vorsitzenden zum neuen Text.

15. Juli 1991

20. Juli 1992

Die Vereinigten Staaten, Großbritannien, Australien
und Japan legen bei der Abrüstungskonferenz gemeinsam einen Vorschlag über Verdachtsinspektionen vor, woraufhin die Vereinigten Staaten einen
Vorschlag über die Verfahrensweise bei Inspektionen
bekannter Einrichtungen unterbreiten.

Die Abrüstungskonferenz wird wiederaufgenommen.
23. Juli 1992
Die Vereinigten Staaten akzeptieren den Entwurf des
Vorsitzenden zu einer Chemiewaffenkonvention.
Bei ihrem Abschluß wird die Konvention über chemische Waffen die Herstellung, den Erwerb, die Lagerung und den Einsatz chemischer Waffen verbieten.

* * * * *

AMERIKA DIENST 31

Seite 3

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11527">
                <text>05.08.1992</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11528">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11529">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11530">
                <text>Amerikadienst 05.08.1992</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11531">
                <text>&lt;strong&gt;1. KSZE&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;KSZE ist Verfechter von Menschenrechten und demokratischen Werten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Präsident Bushs Proklamation zu Menschenrechten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Flüchtlingshilfe&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA befürworten multilateralen Hilfsplan für Flüchtlinge&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Abteilungsleiter Bolton bei der UNHCR-Konferenz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Rüstungskontrolle&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Lehman: Rüstungsverträge verschieben militärisches Kräfteverhältnis&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Anhörung im Auswärtigen Unterauschuß des Repräsentantenhauses&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Chemische Waffen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;CW-Verhandlungen bei der Abrüstungskonferenz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Chronologie der ACDA&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2259" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2270">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/ef083fec8a35bb377eed4da02667a3a5.pdf</src>
        <authentication>f6283c932eae5fa1aef78c3fecac49f1</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="11538">
                    <text>amcrika
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America
r,£i

,&lt;*»

&gt;soff

32

v»&gt;5D»•Si
fctf«

12. August 1992
Qö1^

% 0 ^

2

s^°

BOSNIEN/SERBIEN

USA FORDERN UNCHR-SONDERSITZUNG
ZUM EHEMALIGEN JUGOSLAWIEN
Berichte über massive
Menschenrechtsverletzungen

USA DRÄNGEN AUF VERABSCHIEDUNG
NEUER UN-RESOLUTION ZU BOSNIEN
Stellungsnahme des US-Außenministeriums

USA KUNDIGEN NEUE DIPLOMATISCHE
SCHRITTE GEGEN DAS EHEMALIGE
JUGOSLAWIEN AN
Rede des Stellvertretenden Außenministers

FLÜCHTLINGE

NEUE LÖSUNGEN FÜR FLÜCHTLINGSPROBLEMATIK ERFORDERLICH
von Lawrence Eagleburger

UMWELT

WELTKONGRESS DER GEOGRAPHEN KONZENTRIERT SICH AUF UMWELTPROBLEME
Mehr wissenschaftliche Forschung
prognostiziert

PROBLEMS OF COMMUNISM

PUBLIKATION ZUM KOMMUNISMUS
STELLT ERSCHEINEN EIN
Letzte Ausgabe von "Problems of Communism"
veröffentlicht

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�BOSNIEN/SERBIEN
12. August 1992

USA FORDERN UNCHR-SONDERSITZUNG
ZUM EHEMALIGEN JUGOSLAWIEN
Berichte über massive Menschenrechtsverletzungen
GENF - (AD) - Die Vereinigten Staaten fordern eine
Sondersitzung der UNO-Menschenrechtskommission,
um die "gefährliche Situation" im ehemaligen Jugoslawien zu erörtern, einschließlich der angeblich "massiven" Menschenrechtsverletzungen in Internierungslagern.

"Angesichts dieser Umstände ... ersuchen die Vereinigten Staaten um die Einberufung der Menschenrechtskommission in einer Dringlichkeitssitzung zum
frühestmöglichen Zeitpunkt, um die gefährliche Situation im ehemaligen Jugoslawien zu erörtern," schrieb
Abram.

Der Ständige Vertreter der Vereinigten Staaten bei den
Vereinten Nationen, Botschafter Morris B. Abram,
unterbreitete das Ersuchen am 5. August 1992 in
einem Schreiben an das UNO-Menschenrechtszentrum in Genf.

Die UNO-Menschenrechtskommission ist das wichtigste Element im System der Vereinten Nationen zur
Überwachung der Einhaltung internationaler Menschenrechtsnormen und insbesondere der Allgemeinen
Erklärung der Menschenrechte.

"Meine Regierung möchte Ihre Aufmerksamkeit auf
die gefährliche Verschlechterung der Menschenrechtssituation im früheren Jugoslawien richten," schrieb
Abram an den Stellvertretenden Generalsekretär für
Menschenrechte und Leiter der Genfer UNO-Vertretung, Antoine Bianca.

Die aus 53 Mitgliedern bestehende Kommission kommt
jährlich sechs Wochen im Februar und März zusammen, aber 1990 hat der Wirtschafts- und Sozialrat der
Vereinten Nationen (U.N. Economic and Social Council - ECOSOC), der die Arbeit der Kommission überwacht, neue Verfahren zur Einberufung einer Sondersitzung der Kommission verabschiedet, wenn die
Mehrheit der Mitglieder zustimmt.

"Berichte über Konzentrationslager geben Anlaß zu
großer Besorgnis über möglicherweise massive Menschenrechtsverletzungen," so Abram. "Berichten zufolge werden Bürger zusammengetrieben und standrechtlich erschossen. Dörfer werden zerstört und
Häuser dem Erdboden gleichgemacht."
Abram verwies ferner darauf, daß internationalen
Menschenrechtsorganisationen der Zugang zu den
Stätten der angeblichen Brutalität verwehrt wird.

Dies ist das zweite Mal, daß ein Ersuchen um eine
Sondersitzung einging. Das erste wurde im Juni von
der Arabischen Liga vorgebracht, als sie um eine
Sitzung über die israelisch besetzten Gebiete bat.
Diese Sitzung fand jedoch nicht statt, weil eine Abstimmung der Kommissionsmitglieder nicht die erforderliche Mehrheit von 27 Jastimmen erbrachte.

* * * * *

AMERIKA DIENST 32

Seite 1

�BOSNIEN/SERBIEN
12. August 1992

USA DRÄNGEN AUF VERABSCHIEDUNG NEUER
UN-RESOLUTION ZU BOSNIEN
Stellungnahme des US-Außenministerlums
WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten drängen auf die unverzügliche Verabschiedung einer neuen UN-Resolution, die "gegebenenfalls" die militärische Absicherung der Hilfslieferungen nach ganz
Bosnien-Herzegowina einschließlich der Internierungslagergestatten würde, erklärte das US-Außenministerium am 10. August 1992.

Woche wurden aus einigen Internierungslagern Folterungen und standrechtliche Erschießungen berichtet.

Der Stellvertretende Sprecher des amerikanischen
Außenministeriums, Richard Boucher, stellte bei einer
Pressekonferenz fest, die Vereinigten Staaten, Großbritannien und Frankreich hätten sich auf den Wortlaut
eines Resolutionsentwurfs geeinigt, der China und
Rußland, den anderen Ständigen Mitgliedern des
Sicherheitsrats, UN-Generalsekretär Boutros-Ghali
sowie den Mitgliedern des 15 Nationen umfassenden
Rats vorgelegt werden soll.

"Wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, um
dem IKRK Zugang zu verschaffen", erklärte der Stellvertretende Pressesprecher. "Wir bestehen weiterhin
darauf, daß alle an dem bosnischen Konflikt beteiligten
Parteien alle Internierungslager für Inspektionen des
IKRK öffnen und natürlich die dort möglicherweise
stattfindenden Menschenrechtsverletzungen beenden
müssen."

"Wir wollen sie so schnell wie möglich durchsetzen", so
Boucher.
Die Vorgehensweise bei den Vereinten Nationen ist
Teil breitgefächerter diplomatischer Bestrebungen der
Vereinigten Staaten zur Bewältigung der andauernden
Krise in Bosnien-Herzegowina.
Das wichtigste unmittelbare Ziel ist, wie Boucher betonte, dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz
(IKRK) Zugang zu den Gefangenenlagern in Bosnien
und anderen Teilen des ehemaligen Jugoslawiens zu
verschaffen, in denen Kampfhandlungen stattfinden.
Boucher verwies auf ein Schreiben der bosnischen
Serben an das Rote Kreuz mit der Bestätigung, dem
IKRK Zugang zu allen unter ihrer Kontrolle stehenden
Einrichrichtungen zu gewähren. Der Brief enthielt
jedoch keinen Hinweis auf die Bereitschaft der Serben,
die Einrichtungen dem IKRK zu übergeben. Die bosnischen Serben behaupten, dem IKRK würde die
Besichtigung von Omarska gestattet, einem der 12
Lager, die sich angeblich unter ihrer Kontrolle befinden
und eines der Lager, in dem Berichten zufolge Mißhandlungen stattgefunden haben. In der vergangenen

AMERIKA DIENST 32

In den letzten beiden Wochen gab es "sehr viel spezifischere Informationen und eindeutige Beschuldigungen, was in den Internierungslagern vor sich geht",
stellte Boucher fest.

"Wir haben keine Frist gesetzt", so Boucher. "Unseres
Erachtens sollte dies unverzüglich erfolgen, und darauf drängen wir."
Boucher zufolge erwarten die Vereinigten Staaten
auch, im Sicherheitsrat "rasch eine Resolution zu
Kriegsverbrechen voranzubringen". Mit einer solchen
Resolution würden alle Staaten aufgefordert, dem Rat
fundierte oder begründete Informationen zur Verfügung zu stellen.
Über 35 der 53 Mitgliedstaaten haben den amerikanischen Appell zur Einberufung der ersten Sondersitzung der UN-Menschenrechtskommission vom 13. bis
14. August 1992 in Genf unterstützt, bei der die Menschenrechtssituation im ehemaligen Jugoslawien erörtert werden soll, erklärte Boucher. John Bolton,
Abteilungsleiter im US-Au ßeministerium für internationale Organisationen wird bei der Sondersitzung den
Vorsitz der amerikanischen Delegation führen.
Andere amerikanische Initiativen werden bei der
Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in
Europa (KSZE) weiterentwickelt, einschließlich der
Aufforderung zu einer baldigen Dringlichkeitssitzung
des Ausschusses Hoher Beamten (AHB) der KSZE

Seite 1

�über die Entsendung eines Sonderberichterstatters in
das ehemalige Jugoslawien. Darüber hinaus befaßt
sich die KSZE mit den Befürchtungen, daß der bosnische Konflikt sich in andere Regionen des ehemaligen
Jugoslawiens und die Nachbarstaaten ausbreiten könnte.

richten zufolge verlief die Luftbrücke am 10. August mit
24 vorgesehenen Flügen reibungslos.

Im Zusammenhang mit den Bestrebungen zur Verabschiedung einer UN-Resolution über die militärische
Absicherung der Hilfslieferungen nach Bosnien erörtern NATO-Behörden, wie sie die Aktivitäten des UNGeneralsekretärs und anderer Organisationen am besten
unterstützen können. "Ich möchte nicht behaupten,
daß die NATO in irgendeiner Weise das einzige Organ
ist, aber zweifelsohne verfügt die NATO über sehr
große Fähigkeiten", erläuterte Boucher.

Der Stellvertretende Pressesprecher verwies darauf,
daß der Hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten
Nationen (UNHCR) am 8. August 1992 "Ermittlungsteams" nach Slowenien, Kroatien, Serbien, Montenegro und Mazedonien entsandt hat. "Diese Teams
werden eine Bedarfsermittlung in den Bereichen
medizinische Versorgung, Nahrungsmittel, Obdach
sowie der Kapazitäten vor Ort zur Durchführung der
humanitären Programme vornehmen", stellte er fest.
"Diese Ermittlung wird zu einem aktualisierten Stand
des finanziellen und personellen Bedarfs für die Hilfsprogramme im ehemaligen Jugoslawien führen."

Die von der UNO unterstützte Luftbrücke mit humanitären Hilfsgütern nach Sarajevo wurde am 8. August
mit 20 Flügen wiederaufgenommen. Mit 4 amerikanischen Flugzeugen wurden 235,6 Tonnen Hilfsgüter
eingeflogen, so Boucher. Am 9. August landeten 21
Maschinen - davon 3 amerikanische - mit 271,3 Tonnen Hilfslieferungen in Sarajevo, und vorläufigen Be-

Am Wochenende haben die Vereinigten Staaten Briefe an die politsch Verantwortlichen in Slowenien, Kroatien und Bosnien-Herzegowina mit dem Vorschlag der
unverzüglichen Herstellung uneingeschränkter diplomatischer Beziehungen geschickt. "Wir haben noch
keine Antwort erhalten, rechnen jedoch in Kürze damit",
erklärte Boucher.

* * * *

*

•

Seite 2

AMERIKA DIENST 32

�BOSNIEN/SERBIEN
12. August 1992

USA KÜNDIGEN NEUE DIPLOMATISCHE SCHRITTE
GEGEN DAS EHEMALIGE JUGOSLAWIEN AN
Rede des Stellvertretenden Außenministers
WASHINGTON - (AD) - Der Außenminister der Vereinigten Staaten von Amerika ad interim, Lawrence
Eagleburger, erläuterte am 5. August 1992 eine Reihe diplomatischer Initiativen der Vereinigten Staaten mit dem
Ziel, dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) Zugang zu den Gefangenenlagern in BosnienHerzegowina und Serbien zu verschaffen.
In seiner vorbereiteten Rede stellte Eagleburger fest, amerikanische Diplomaten im ehemaligen Jugoslawien
hätten der dortigen Führung gegenüber auf "unverzüglichem, ungehindertem und kontinuierlichem Zugang zu
allen Gefangenenlagern" für das IKRK beharrt.
Indem er auf die zunehmende Zahl von Berichten über Internierungslager verwies, fügte der Außenminister ad
interim hinzu, einige dieser Berichte deuteten mögliche Hinrichtungen, Folterungen und andere gravierende
Menschenrechtsverletzungen an.
Er unterstrich die diplomatischen Aktionen der Vereinigten Staaten, mit denen der Zugang zu Gefangenenlagern
für das IKRK durch die Parteien im ehemaligen Jugoslawien, die Vereinten Nationen, die UN-Menschenrechtskommission, die Europäische Gemeinschaft und den KSZE-Mechanismus unterstützt werden soll. Er verwies
ferner darauf, daß die Vereinigten Staaten Rußland gebeten haben, seinen Einfluß bei den Serben geltend zu
machen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Lawrence Eagleburger im Wortlaut.

In der vergangenen Woche wurde eine wachsende
Zahl von Berichten über Internierungslager in BosnienHerzegowina und Serbien vorgelegt, die auch die
Möglichkeit von Hinrichtungen, Folterungen und anderen gravierenden Menschenrechtsverletzungen andeuten. Diese Berichte umfassen Pressekonferenzen, Beschuldigungen und Gegendarstellungen der
Parteien sowie Berichte von anderen in der Region.
Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz hat neun
Einrichtungen besichtigt, in denen 4.300 Gefangene
registriert wurden. Das IKRK berichtete über äußerst
schwierige Haftbedingungen, konnte jedoch keine
Beweise für Konzentrationslager finden. Dennoch
liegen zahlreiche Berichte über andere Gefangenenlager vor, die das Rote Kreuz nicht besichtigen durfte,

Unverzügliches Handeln ist erforderlich, um die Wahrheit aufzudecken und eventuell verübte Grausamkeiten zu verhindern. Gestern morgen haben wir eine
Reihe von Schritten unternommen, um diesen Zugang
zu ermöglichen:

und in diesen fanden angeblich einige dieser Greueltafpn ststt

Europäischen Gemeinschaft innehat und damit

Obwohl unbestätigt, sind diese Berichte außerordentlieh beunruhigend. Es ist lebenswichtig daß absolut
alle Gefangnisse und Internierungslager für das Rote
Kreuz und andere neutrale Parteien geöffnet werden.

AMERIKA DIENST 32

"

.

.

Wir

haben

unsere diplomatischen Vertreter
angewiesen, sofort Kontakt zu hochrangigen
serbischen, bosnischen und kroatischen Regierungsvertretern aufzunehmen und darauf zu
bestehen, daß dem Internationalen Komitee
vom Roten Kreuz
unverzüglich, ungehindert
und kontinuierlich Zugang zu allen Intemierungsla ern
9
gewährt wird,

Wjr haben Großbritannien&gt; das den Vorsitz der

auch die anderen Mitglieder der EG gebeten,
ähnliche Maßnahmen zu ergreifen,
wir haben Rußland aufgefordert, seinen Einfluß
gegenüber Serbien zu diesem Zweck geltend zu
machen

Seite 1

�Wir haben um eine Stellungnahme des Sicherheitsrats gebeten und diese gestern abend
erhalten. Darin wurde diese Bitte befürwortet
und die für Menschenrechtsverletzungen Verantwortlichen daran erinnert, daß sie individuell
für Verletzungen der Genfer Konvention zur
Verantwortung gezogen werden können.
Heute haben wir eine außerordentliche Dringlichkeitssitzung der UNO-Menschenrechtskommission in Genf
gefordert, um die Situation im Detail zu prüfen, gravierende Menschenrechtsverletzungen zu erörtern und
auf den ungehinderten Zugang zu Internierunglagern
zu drängen. Wir blicken auf die Menschenrechtskommission in der Erwartung, daß sie ihr Mandat in diesem
Zusammenhang mit der Ernennung eines Sonderbeauftragten zwingend ausübt, dem Zugang zu den Lagern gewährt werden sollte, damit er diese Beschuldigungen prüfen und den Mitgliedern der Vereinten
Nationen seine Empfehlungen unterbreiten kann. Hierbei
handelt es sich um das erste Treffen dieser Art in der
Geschichte der Menschenrechtskommission. Wir haben
die Regierungen weltweit zur unverzüglichen Unterstützung dieses Appells gedrängt, noch bevor der
offizielle Vorschlag verteilt wurde, damit das Treffen so
bald wie möglich stattfinden kann. Der Vorschlag ist
jetzt in Genf unterbreitet worden und fordert die 53
Mitgliedstaaten bis 19.00 Uhr MESZ am Montag, den
10. August 1992 zu einer Stellungnahme auf. Wir
hoffen, noch vor diesem Zeitpunkt die erforderliche
Zusage von mindestens 27 Mitgliedern zu erhalten.

Beobachtern nach Rumänien erleichtern, um
sicherzustellen, daß die Auswirkungen der UNOSanktionen auf die serbische Wirtschaft so
verheerend wie möglich sind.
Wir erarbeiten eine Resolution des Sicherheitsrates, die Staaten und Organisationen zur
Sammlung fundierter Informationen bezüglich
"Kriegsverbrechen" auffordert und diese Informationen dem Sicherheitsrat zur Verfügung stellt.
Heute konnten wir Anzeichen beobachten, daß unsere
Bitten erhört werden.
In Belgrad hat Premierminister Panic unserem
Geschäftsträger versprochen, internationale Beobachter zur Besichtigung angeblicher Lager in
Serbien und Montenegro einzuladen. Panic
versicherte darüber hinaus seine Unterstützung
der Erklärung der UNO-Präsidentschaft, mit der
die Öffnung der von Serben und Bosniern unterhaltenen Lager gefordert wird.
Presseberichten zufolge hat die Führung der
sogenannten "Serbischen Republik Bosnien"
erklärt, sie sei zur Öffnung aller Einrichtungen
für internationale Inspektionen bereit.
Der bosnische Präsident Izetbegovic hat unserem Geschäftsträger in Belgrad gegenüber erklärt,
er habe den internationalen Beobachtern Zugang zu allen Einrichtungen in Bosnien angeboten.

Darüber hinaus unternehmen wir unverzüglich folgende Schritte:
Wir fordern die KSZE auf, den entsprechenden
Mechanismus der KSZE zur menschlichen
Dimension in Gang zu setzen, um den Prozeß
der Wahl eines Berichterstatters zu überwachen, der diese Beschuldigungen prüfen soll.
Wir unternehmen erneute Anstrengungen zur
verschärften Durchsetzung der Sanktionen
zusätzlich zu den Anfang dieses Monats in die
Wege geleiteten Bestrebungen, die Erfolge gezeitigt haben. Wir werden die Entsendung von

Präsident Tudjman hat unserem Generalkonsul
in Zagreb gestern versichert, er werde Kontakt
zu der kroatischen Führung in Bosnien aufnehmen, um deren uneingeschränkte Zusammenarbeit mit dem IKRK zu fordern.
Diese Versprechungen sind begrüßenswert, aber was
zählt, sind Taten. Wir können keine Entschuldigungen
wie in der Vergangenheit dulden, daß die Sicherheit
der IKRK-Delegationen nicht gewährleistet werden
könne, um deren wichtige Mission zu blockieren. Wir
werden darauf drängen, daß den Worten Taten folgen.

* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 32

�FLÜCHTLINGE
12. August 1992

NEUE LÖSUNGEN FÜR FLÜCHTLINGSPROBLEMATIK ERFORDERLICH
von Lawrence Eagleburger
Der Verfasser ist Stellvertretender Außenminister. DernachfolgendeArtikelistseinerjüngstenAnhörungvordem
Rechtsunterausschuß des Senats für Einwanderung und Flüchtlingsfragen entnommen.
Das Bild des Flüchtlings - einer Person, die der Verfolgung in die Freiheit zu entfliehen sucht - war eines der
mächtigsten Symbole der Ära des Kalten Krieges. Das
Ende des Kalten Krieges hat somit einen positiven
Effekt auf eine Reihe gravierender, traditioneller Flüchtlingsprobleme gehabt. Die freiwillige Rückkehr - die
wünschenswerteste und dauerhafteste Lösung für
Flüchtlinge - ist inzwischen für Hunderttausende Latein-amerikaner, Kambodschaner, Angolaner und Afghanen möglich geworden. Andernorts auf der Welt
besteht Grund zu der Annahme, daß ein Großteil der
16 Millionen Flüchtlinge in den nächsten Jahren in ihre
Heimat zurückkehren kann. Obwohl politische Lösungen in zahlreichen Bereichen noch viel zu wünschen
übrig lassen, fühlen wir uns ermutigt, daß die überwältigende Mehrheit der rückkehrenden Flüchtlinge die
Schwierigkeiten überwinden und den Wiederaufbau
ihrer vom Krieg zerstörten Heimat in Angriff nehmen
will.
Bedauerlicherweise hat das Ende des Kalten Kriegs
auch neue Probleme für bestimmte Teile der Welt mit
sich gebracht. Zwei erwähnenswerte Beispiele sind
Nagorny-Karabach und Bosnien-Herzegowina. Tragischerweise wurde in diesen Gebieten die Tyrannei des
Staates durch gewalttätige Manifestationen des lange
schwelenden ethnischen und religiösen Hasses ersetzt. Wir alle sind entsetzt über die Fernsehberichte
unschuldiger Menschen, die bei dem Versuch in Sarajevo Brot zu kaufen, ermordet werden - der Stadt, die
während der Olympiade 1984 für die Erlangung sozialer Harmonie angesichts der ethnischen Vielfalt gefeiert wurde. Nachdem ich amerikanischer Botschafter
im ehemaligen Jugoslawien war, bin ich zutiefst erschüttert, mitansehen zu müssen, daß blanker Wahnsinn und Chaos jetzt dort regieren, wo sehr wohl eine
der Erf olgsstories der Zeit nach dem Kalten Krieg hätte
stattfinden können.

AMERIKA DIENST 32

Es ist ebenso ironisch, daß der Berliner Luftbrücke
vergleichbare Szenen jetzt im Sarajevo des Jahres
1992 wiederholt werden. Wie 1948 muß die internationale Staatengemeinschaft nicht nur über das Wohlergehen des belagerten Volkes, sondern auch über die
Sicherheit derjenigen besorgt sein, die Hilfe anzubieten versuchen. Während damals die Motivation derjenigen, die die Hilfsbestrebungen zu vereiteln suchten,
Ideologie war, ist die Motivation heute Nationalismus
und jahrhundertealter Haß. Unter der Schirmherrschaft des UN-Sicherheitsrats und der ausgezeichneten Koordination des Hohen Flüchtlingskommissars
der Vereinten Nationen (UNHCR) beteiligen sich die
Vereinigten Staaten an multilateralen Bestrebungen,
damit die humanitäre Hilfe den Menschen in Sarajevo
zugute kommt.
Näher an unserer Heimat arbeiten wir seit dem Putsch
auf Haiti im September 1991 auf die Wiedereinsetzung
einer demokratischen Regierung in diesem Land hin.
In den vergangenen Monaten ist die Zahl der von der
amerikanischen Küstenwache aufgegriffenen Haitianerdrastisch angestiegen. Als temporäre Maßnahme
haben wir den US-Marinestützpunkt in Guantanamo
Bay auf Kuba als Auffanglager für Asylsuchende eingerichtet. Es wurde jedoch bald offenkundig, daß
Guantanamo selbst als Magnet wirkte und die Zahl der
haitianischen Auswanderer unsere Kapazität zu ihrer
Unterbringung auf dem Stützpunkt sprengte. Am 24.
Mai 1992 wurde die US-Küstenwache durch einen
Präsidialerlaß angewiesen, aufgegriffene Haitianer direkt
nach Haiti zurückzuschicken, wo die Bearbeitung von
Flüchtlingsanträgen erfolgen kann. Wir hegen weiterhin die Hoffnung, daß die einzelnen haitianischen
Fraktionen eine demokratische politische Lösung
aushandeln können.

Seite 1

�Die Vereinigten Staaten haben sowohl finanziell als
auch politisch bei der Rückführung von Flüchtlingen
eine aktive Rolle gespielt und werden dies auch in
Zukunft tun. Dennoch muß ein beträchtliches Maß an
internationaler Zusammenarbeit und Unterstützung
erfolgen, wenn diese Chancen nicht vergeudet werden
sollen. Wie wir in Südostasien im Rahmen des umfassenden Aktionsplans festgestellt haben, entscheidet
sich eine zunehmende Zahl von Asylsuchenden für die
Rückkehr in ihre Heimat, wenn deutlich wird, daß die
Umsiedlung in Drittländer keine Option für diejenigen
ist, denen der Flüchtlingsstatus nicht zuerkannt wird.
Wir haben ferner in Vietnam, im Irak und andernorts
die Erfahrung gemacht, daß die Nachbetreuung und
sorgfältige Berücksichtigung der Bedürfnisse der in
ihre Heimat Zurückgekehrten entscheidend ist. Beispielsweise ist die Räumung von Minen - obwohl
gefährlich und kostspielig - unabdingbar für die sichere
Rückkehr von Kambodschanern, Salvadorianern und
Angolanern. In Afghanistan müssen Straßen und
Bewässerungssysteme wiederaufgebaut werden. Und
nur durch Rehabilitierung und Entwicklung der wirtschaftlichen Infrastruktur kann Äthiopien auf die Repatriierung seiner Bürger hoffen und die erneute Auswanderung der rückkehrenden Flüchtlinge vermeiden, die
bei der nationalen Wirtschaftslage nicht überleben
können.
Wir haben auch gelernt, daß Zusammenarbeit zwischen Flüchtlings- und Entwicklungsbehörden erforderlich ist, wenn die Repatriierung erfolgreich sein soll.
Den Bedürfnisse der Rückkehrenden und der im Lande Umgesiedelten muß im Rahmen von nationalen
Wiederaufbau- und Entwicklungsprogrammen Rechnung getragen werden. In der Erkenntnis der Notwendigkeit zur Überbrückung der Kluft zwischen Repatriierung und Entwicklungshilfe in Mittelamerika wurde ein
Modell für die Reintegration nicaraguanischer und
anderer mittelamerikanischer Flüchtlinge geschaffen,
in das Erfahrungen mit Flüchtlingen und bei der Entwicklungshilfe Eingang gefunden haben. Der UNHCR
und das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) erarbeiten einen ähnlichen Ansatz für
Kambodscha.
Die internationale Staatengemeinschaft hat auch erkannt, daß die Antworten den Umständen angemessen sein müssen, die Flüchtlingsströme bewirken.
Nach dem Golfkrieg sahen sich die Vereinten Nationen
mit beträchtlichen Schwierigkeiten konfrontiert, eine
wirksame Reaktion auf einen Flüchtlingsstrom von
über einer Million Menschen binnen weniger Tage
hervorzubringen. Die Koordinierung zwischen den
UN-Behörden und nichtstaatlichen Organisationen
(NGOs) stellte ein größeres Problem dar. Glücklicherweise konnten das amerikanische Militär und unsere
Koalitionspartner die zur Rettung mehrerer hundert
Menschenleben erforderlichen Maßnahmen ergreifen,
während Konditionen zu ihrer Rückkehr in den Irak in
relativer Sicherheit geschaffen wurden.
Seite 2

Die aus der irakischen Flüchtlingskrise gelernten
Lektionen haben zu Verbesserungen der Reaktionsfähigkeit des UNHCR geführt. Pläne zur Sicherstellung,
daß UNHCR- und andere Mitarbeiter zur unverzüglichen Entsendung in einem Notfall zur Verfügung stehen, wurden in die Praxis umgesetzt. Entwürfe für
Abkommen wurden vorbereitet, um die effektive und
beschleunigte Beteiligung der NGOs zu ermöglichen
sowie ein Bestand von bei einer Flüchtlingskrise für
gewöhnlich benötigtem Material angelegt.
Ende letzten Jahres wurde im Zusammenhang mit den
Bestrebungen der Vereinigten Staaten und anderer
Länder zur Reform der Vereinten Nationen die Position
eines Stellvertretenden Generalsekretärs für humanitäre Hilfe und ein rotierender Nothilfefonds in Höhe von
50 Millionen Dollar geschaffen. Diese Initiativen tragen bereits im Hinblick auf den Strom somalischer
Flüchtlinge nach Kenia und burmesischer Rohingyas
nach Bangladesch Früchte wie auch bei der Krise im
ehemaligen Jugoslawien.
Die internationale Staatengemeinschaft wendet darüber hinaus ihre bisher gewonnenen Erfahrungen bei
der Verhinderung weiterer Flüchtlingskrisen an. Der
UNHCR und die Internationale Organisation für Migration (IOM) arbeiten mit den neuen Regierungen in
Osteuropa und der ehemaligen Sowjetunion bei der
Bereitstellung der erforderlichen technischen und juristischen Ausbildung zur Behandlung von Flüchtlingen,
Umsiedlern und Emigranten zusammen. Die Vereinigten Staaten fördern und beteiligen sich aktiv an diesen
multilateralen Aktivitäten.
Wir sind ferner der Überzeugung, unsere eigenen auf
nationaler Ebene mit ethnischer und kultureller Vielfalt
gewonnenen Erfahrungen sollten mit anderen geteilt
werden. Mit einer Reihe technischer Hilfsprojekte vor
Ort übertragen wir führenden Vertretern der neuen
Regierungen im ehemaligen Sowjetblock Aufgaben in
Institutionen des öffentlichen und privaten Sektors für
Flüchtlings- und Emigrationsfragen. Das Büro für
Menschenrechte und humanitäre Angelegenheiten des
US-Außenministeriums stellt rechtsstaatliche Ausbildung für Juristen aus Osteuropa und den neuen unabhängigen Staaten der ehemaligen Sowjetunion zur
Verfügung. Wir erinnern diese Regierungsvertreter
wiederholt daran, daß unsere bilateralen Beziehungen
von dem Maß abhängen, in dem die Menschenrechte
- insbesondere die von Minderheiten - in ihren Ländern
respektiert werden. In der Tat wurde das Thema der
internationalen Wanderbewegungen auf Drängen von
Außenminister Baker jetzt auf die Tagesordnung der
Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
(KSZE) gesetzt.
Wenn die derzeitigen Trends anhalten und vorbehaltlich unvorhergesehener Entwicklungen könnte die Zahl
der Personen, die sich ständig in den Vereinigten
Staaten niederlassen wollen, bis Mitte der neunziger
Jahre sinken. Der Vorschlag des Präsidenten für das
AMERIKA DIENST 32

�Haushaltsjahr 1993 bewilligt die Mittel für die Aufnahme von 122.000 Flüchtlingen - eine Reduzierung um
10.000 verglichen mit dem laufenden Haushaltsjahr.
Die Administration hat den Vorschlag unterbreitet, die
Zahl von 122.000 Zulassungen folgendermaßen aufzuschlüsseln: Ostasien (einschließlich vietnamesischer Einwanderer mit einem amerikanischen Elternteil): 52.000, ehemalige Sowjetunion: 50.000, Naher
Osten/Südasien: 7.000, Afrika: 7.000, Osteuropa:
1.500 und Lateinamerika/Karibik: 3.500. In dieser
Zahl ist ein Spielraum für 1.000 Personen aus Regionen enthalten, in denen sich die zugeteilten Kontingente als unzureichend erweisen könnten.
Unser Programm wird kurzfristig weiterhin zahlreiche
der durch den Kommunismus geschaffenen humanitären Probleme ansprechen. Ehemalige Gefangene in
Umerziehungslagern aus Vietnam und religiöse Minderheiten, denen lange das Recht zur Auswanderung
aus der Sowjetunion verweigert wurde, stellen eindeutig die große Mehrheit der im Haushaltsjahr 1993
aufzunehmenden Flüchtlinge. Wir hoffen jedoch, in
nicht allzuferner Zukunft unsere Verpflichtungen gegenüber diesen Gruppen zu erfüllen. Ist dieser Punkt
einmal erreicht, ginge der erste Weg zur Aufenthaltsberechtigung in den Vereinigten Staaten für Personen
aus Vietnam und der ehemaligen Sowjetunion über die
normalen Einwanderungkanäle.
Das Auf nahmeprogramm der Vereinigten Staaten zielt
auf Personen ab, deren humanitäre Bedürfnisse den
Vereinigten Staaten besondere Sorge bereiten und für

die eine Repatriierung oder lokale Integration keine
echte Option darstellt. In den vergangenen Jahren hat
die Einschätzung des UNHCR des weltweiten Bedarfs
für Umsiedlungsregionen einen kontinuierlichen Rückgang aufgewiesen. Obwohl die Vereinigten Staaten
ständig über 50 Prozent der vom UNHCR anerkannten
Flüchtlinge umsiedeln, arbeiten wir gemeinsam mit
dem UNHCR an der Verbesserung unserer Reaktionsfähigkeit auf Flüchtlinge in Hochrisikokategorien im
Einklang mit unseren eigenen Zielen und Engpässen.
Voraussichtlich werden neue und unvorhersehbare
Flüchtlingsprobleme auftreten - teils dramatisch wie
die Situation im ehemaligen Jugoslawien, teils langsam aber unaufhaltsam wie der Druck des Bevölkerungswachstums auf die soziale und politische Stabilität. Aus diesem Grund müssen wir uns vor Augen
führen, daß die Flüchtlingsproblematik mit dem Ende
des Kalten Kriegs nicht verschwinden wird. Sie wird
zweifelsohne weniger klar umrissen und nicht so leicht
an einer allgemeinen politischen Ursache festzumachen sein.
Wir müssen weiterhin Lösungen für Flüchtlingsprobleme erarbeiten. Im derzeitigen Umfeld - frei vom
Wettstreit der Supermächte - sind die Aussichten für
die Vereinten Nationen ausgezeichnet, die in ihrer
Charta vorgesehene Rolle für die Behandlung von
Flüchtlingen und anderer Themen von Besorgnis für
die internationale Staatengemeinschaft zu übernehmen. Die Vereinigten Staaten begrüßen die Gelegenheit, einen Beitrag zu diesen Bestrebungen zu leisten.

* *

AMERIKA DIENST 32

*

Seite 3

�UMWELT
12. August 1992

WELTKONGRESS DER GEOGRAPHEN KONZENTRIERT
SICH AUF UMWELTPROBLEME
Mehr wissenschaftliche Forschung prognostiziert
WASHINGTON - (AD) - Dem Leiter des US-Umweltschutzamtes EPA, William Reilly, zufolge planen die
Vereinigten Staaten vermehrte wissenschaftliche Forschung zur Unterstützung ihrer Umweltprogramme.
Bei einer Pressekonferenz am 10. August 1992 anläßlich des 27. Internationalen Kongresses der Geographen erklärte Reilly, er werde "im nächsten Monat"
eine Entscheidung über die Ernennung eines wissenschaftlichen Beraters treffen, der zu allen vom EPA
vorgeschlagenen Bestimmungen Stellung nimmt. Das
EPA benötige mehr mit der Verwaltung befaßte Wissenschaftler und er werde sein bestehendes Team um
sechs "Wissenschaftler von Weltrang" ergänzen, so
Reilly. Das EPA müsse mehr auf Fachwissen von
außen zurückgreifen, fügte Reilly hinzu, und daher
würden 35 Prozent der EPA-Forschungsprogramme
an Universitäten vergeben.
Reilly verwarf die Idee, die Vereinigten Staaten lägen
beim Transfer von Umwelttechnologien in die Dritte
Welt hinter Japan und den europäischen Nationen. Er
bekräftigte, daß amerikanische Technologien in den
Entwicklungsländern sehr gefragt seien, insbesondere im Hinblick auf Geräte wie Katalysatoren zur Abgasreduzierung, Filter für Kohlekraftwerke sowie Chemikalien und Schädlingsbekämpfungsmittel für die Landwirtschaft.
Reilly zufolge kontrollieren die Vereinigten Staaten 40
Prozent des auf 200 Milliarden Dollar geschätzten
Weltmarkts für Umweltgüter und fügte hinzu, die Entwicklungsländer müßten selbst mehr Umweltschutz
betreiben und sich nicht nur auf Auslandshilfe verlassen. Er zitierte Mexiko als gutes Beispiel eines Entwicklungslandes, das beim Umweltschutz auf eigene
Ressourcen zurückgreift.
In einer vom US-Landwirtschaftsministerium veranstalteten Podiumsdiskussion hatten die Experten zuvor
die Auswirkungen der Klimaveränderungen auf die
weltweite Nahrungsmittelproduktion dargelegt.
Martin Perry von der Oxford University erklärte, die von
50 Wissenschaftlern in 18 Ländern über 3 Jahre hinweg durchgeführte Studie belege eine Verringerung
der Nahrungsmittelproduktion in den in der Nähe des
AMERIKA DIENST 32

Äquators gelegenen Breitengraden und eine Aufstokkung in den "höheren Breitengraden" aufgrund der
durch die Erderwärmung herbeigeführte ngrößere Verdunstung in den wärmeren Ländern.
Parry fügte hinzu, Studien zufolge wird die gesamte
Nahrungsmittelproduktion der Welt negativ beeinf lu ßt,
und ihre Verfügbarkeit variiere von Region zu Region.
Industrienationen werden weniger betroffen sein als
die Entwicklungsländer, stellte er fest.
Robert Chen von der Brown University erklärte, die
sozialen Kosten der Anpassung an die veränderten
Umweltbedingungen werden die armen Länder stärker
treffen als die reichen.
Mohamed El-Ashry, Direktorder Abteilung Umwelt bei
der Weltbank verwies darauf, daß die von der Bank
geleitete Globale Umweltfazilität nach dem Erdgipfel in
Rio "zu einem entscheidenden Finanzierungsmechanismus für die Entwicklungsländer" bei der Verwirklichung der bei dem Gipfeltreffen vereinbarten Ziele
geworden ist.
Er erklärte, die Kredite der Bank zur Bewältigung
spezifischer Umweltprobleme expandierten und Gespräche mit den von Entwicklungsprojekten betroffenen Menschen seien eine Priorität.
El-Ashry bekräftigte die notwendige Unterstützung bei
der Schaffung eines Netzes von erstklassigen Forschungs- und Ausbildungszentren in den Entwicklungsländern.
Ihm zufolge würden solche Zentren "starke einheimische Kapazitäten für Wissenschaft und Technologie
zur Unterstützung umweltverträglicher Entwicklung"
freisetzen und den Entwicklungsländern helfen, "sich
effektiver an internationalen Diskussionen und Verhandlungen über die Umwelt zu beteiligen".
An dem Kongreß nehmen 3.000 Geographen aus 65
Ländern teil.
Seite 1

�PROBLEMS

OF

COMMUNISM
12. August 1992

PUBLIKATION ZUM KOMMUNISMUS
STELLT ERSCHEINEN EIN
Letzte Ausgabe von "Problems of Communism" veröffentlicht
WASHINGTON - (AD) - Der nachfolgende Artikel zieht eine Bilanz des 40jährigen Bestehens der Broschüre
"Problems of Communism".
Es begann 1952 während der Anfänge des Kalten
Kriegs und auf dem Höhepunkt des heißen Kriegs in
Korea. Nach 40jähriger Berichterstattung über die
kommunistische Welt stellt die vom US-Informationsamt USIA herausgegebene Broschüre "Problems of
Communism" jetzt ihr Erscheinen ein, da ihre Aufgabe
offenkundig erfüllt ist.
In einer Würdigung der Leistungen der Publikation
stellte der Direktor des US-Informationsamts, Henry
Catto, fest, obwohl "Problems of Communism zu Recht
seine Aufgabe als vollbracht erklären kann, steht die
Zeitschrift als Modell für seriöse wissenschaftliche
Analysen der Herausforderungen des nächsten Jahrhunderts".
Paula Dobriansky, Abteilungsleiterin für Maßnahmen
und Programme des Amts verwies auf die beachtliche
Leistung von "Problems of Communism", die darin
bestanden habe, daß die Broschüre nie polemisch,
vielmehr eine Publikation gewesen sei, "die nicht nur
aufgrund ihrer wissenschaftlichen Beiträge, sondern
auch wegen ihrer Objektivität hohes Ansehen genoß".
Vielleicht aus diesem Grund, so Dobriansky, hatte das
Magazin bei den politisch Verantwortlichen im In- und
Ausland großen Einfluß. Von besonderem Wert war,
daß es als "Indikator für Trends" in der kommunistischen Welt diente, fügte sie hinzu.
Wayne Hall, Herausgeber der Publikation seit 1986,
schloß sich Dobrianskys Darstellung an. Ihm zufolge
hat "Problems of Communism nie ermahnt oder vorgeschrieben, sondern vielmehr eine seriöse und nüchterne Analyse der Ereignisse in der kommunistischen
Welt vorgenommen." Die Herausgeber haben stets
versucht, "die Fallstricke beider Extreme zu vermeiden
- Verfechter des Kalten Kriegs oder Befürworter einer
reibungslosen Entspannung zu sein", fügte er hinzu.

AMERIKA DIENST 32

"Die Publikation hat den Lesern in aller Welt - in über
100 Ländern - demonstriert, daß sich die amerikanische Politik auf Analysen gründet statt auf automatische Reaktionen", stellte Hall fest. Weil diese Publikation im Gegensatz zu anderen Produkten des Amts
auch in den Vereinigten Staaten verbreitet wurde,
"mu ßte sie sich dem Test wissenschaftlicher und fachlicher Überprüfung in diesem Land stellen, und das hat
zu ihrem Erfolg beigetragen", so Hall.
Diese Ansicht wird auch von denjenigen geteilt, die
nicht zu USIA gehören. Blair Ruble, geschäftsführende Direktorin des Kennan Institute for Advanced Russian Studies, erklärte, "Problems of Communism war
das erste Forum, das die Gesichtspunkte von Spezialisten einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machte.
Die Broschüre hatte außerordentlich großen Erfolg."
Dennoch ist es Ruble zufolge bedauerlich, daß "Problems of Communism" zu diesem Zeitpunkt ihr Erscheinen einstellt, denn es gibt "viele gemeinsame
Probleme der nachkommunistischen Ära, die des
Studiums würdig sind. Das Journal war in einer guten
Position, hier als Motor zu dienen", stellte sie fest.
Dobriansky erklärte, US IA "engagiere sich bereits sehr
stark für die Herausforderung des Aufbaus von Demokratie und Unterstützung des freien Unternehmertums." Sie verwies darauf, daß Informationsgespräche im Foreign Press Center, Austauschprogramme,
Publikationen und andere Aktivitäten des Amts diese
Aufgabe erfüllen und "wir daran arbeiten, sie noch
effektiver zu machen". Dies geschieht unter anderem
mit Hilfe von Sondersendungen der Voice of America.
Die Publikation Freedom and Prosperity behandelt die
praktische Umsetzung von Demokratie und Marktwirtschaft, wie etwa die Förderung des Unternehmertums,
Anziehung von Auslandsinvestitionen und Schaffung
unabhänggier Medien.

Seite 1

�Hall erklärte, er bevorzuge keine speziellen Artikel, sei
aber sehr stolz auf die Analyse der ethnischen Spannungen in der ehemaligen Sowjetunion und Osteuropa
wie auch auf die Untersuchung der Zeitschrift zur
wachsenden dortigen Wirtschaftskrise in den ausgehenden Tagen des Kommunismus. Er erklärte, ebenso stolz darauf zu sein, daß die Zeitschrift eine Stimme
vieler Dissidenten gewesen sei, auch von Jiri Dienstbier, der 1968 unter Pseudonym einen Artikel über die
sowjetische Invasion der Tschechoslowakei verfasste. Über 20 Jahre später schloß sich Dienstbier
Vaclav Havels friedlicher Revolution an und wurde
Außenminister seines Landes.
Auf die Frage nach den Fehlschlägen der Zeitschrift
erklärte Hall: "Nun, wir alle haben den Zusammenbruch verpaßt." Aber er fügte hinzu: "Wir waren mit
vielen unserer Artikel auf dem richtigen Weg. Niemand
konnte vorhersehen, wann es zum Knall kommen
würde." Dobriansky erklärte dazu, die Zeitschrift habe
zwar nicht den Zeitpunkt vorausgesehen, an dem der
Kommunismus in der ehemaligen Sowjetunion und
Osteuropa zerfallen würde, aber "die Widersprüche im
System, die zu seinem Niedergang geführt haben",
prognostiziert. Die Politik der amerikanischen Regierung unter den Präsidenten Reagan und Bush half ihr
zufolge auch bei der Förderung des Zusammenbruchs.
Der Gründungsherausgeber der Zeitschrift war Abraham Brumberg, der sie 18 Jahre lang, seit ihrer Gründung vor 40 Jahren bis 1970, leitete. Unter seiner

Führung errang die Publikation ihren Ruf der Unabhängigkeit. Der Klappentext weist darauf hin, daß in
Beiträgen geäußerte Ansichten nicht unbedingt die
Politik der amerikanischen Regierung repräsentieren.
Am Anfang war seine Aufgabe keinesfalls leicht. Eine
Vorschrift des Amts verbot die Erwähnung von Marx,
Engels, Lenin und Stalin, ganz zu schweigen von
deren Zitaten. Schließlich befand man sich in den
frühen fünfziger Jahren. Aber in der Ausgabe zum 40.
Jahrestag schrieb Brumberg, daß er ganz einfach "die
Vorschriften mißachtet" habe. Letztlich "überwog der
gesunde Menschenverstand", fügte er hinzu.
Unter den Beiträgen in der letzten Ausgabe der Zeitschrift sind Artikel über Deutschland nach der Wiedervereinigung und den Verlauf der friedlichen Revolution
in der CSFR. Ferner gibt es einen Artikel über die Krise
des Autoritarismus in Nordafrika.
Hall zufolge sind zahlreiche Trugschlüsse über den
Kommunismus durch den Zusammenbruch der gescheiterten Ideologie zutage getreten. Einer der wichtigsten war seine Annahme, daß Menschen im wesentlichen von den Kräften der Geschichte geformt
werden, auf die sie nur geringen Einfluß und wenig
Kontrolle ausüben können. Die Ereignisse der letzten
Jahre beweisen das Gegenteil, erläuterte Hall. "Sie
zeigen, daß einzelne Menschen in der Geschichte
etwas bewirken können."

* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 32

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11533">
                <text>12.08.1992</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11534">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11535">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11536">
                <text>Amerikadienst 12.08.1992</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11537">
                <text>&lt;strong&gt;1. Bosnien/ Serbien&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA fordern UNCHR-Sondersitzung zum ehemaligen Jugoslawien&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Berichte über massive Menschenrechtsverletzungen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA drängen auf Verabschiedung neuer UN-Resolution zu Bosnien&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Stellungsnahme des US-Außenministeriums&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA kündigen neue diplomatische Schritte gegen das ehemalige Jugoslawien an&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Stellvertretenden Außenministers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Flüchtlinge&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neue Lösungen für Flüchtlingsproblematik erforderlich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Lawrence Eagleburger&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Umwelt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Weltkongress der Geographen konzentriert sich auf Umweltprobleme&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Mehr wissenschaftliche Forschung prognostiziert&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Problems of Communism&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Publikation zum Kommunismus stellt erscheinen ein&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Letzte Ausgabe von "Problems of Communism" veröffentlicht&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2260" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2271">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/63e7a3f2a506111dac0b224ab31984d3.pdf</src>
        <authentication>6884e6c30d871d5f11d04316a4de9808</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="11544">
                    <text>;£D

ST:

amcrika
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

^rioN

4

33

19. August 1992

BUSH/BAKER

BUSH GIBT BAKERS VERSETZUNG
INS WEISSE HAUS BEKANNT
Erklärung von Präsident Bush

BOSNIEN

MASSNAHMEN DER USA ZU BOSNIEN
Anhörung vor dem
Streitkräfteausschuß des Senats

FLÜCHTLINGE

ABRAM VERURTEILT "ETHNISCHE
SÄUBERUNG" IM EHEMALIGEN JUGOSLAWIEN
Rede des US-Vertreters
bei den Vereinten Nationen

NAFTA

BUSH: NAFTA WIRD ARBEITSPLATZE
SCHAFFEN UND WACHSTUM FÖRDERN
Erklärung von Präsident Bush zum NAFTA

USA, MEXIKO UND KANADA BEENDEN
NAFTA-VERHANDLUNGEN
Zustimmung des Kongresses
noch erforderlich
WAHLEN '92

DEBATTEN DER
PRÄSIDENTSCHAFTSKANDIDATEN
Kommission legt Zeitplan vor
DIE ROLLE VON MEINUNGSUMFRAGEN
IM WAHLKAMPF
von Clyde Linsley

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�BUSH/BAKER
19. August 1992

BUSH GIBT BAKERS VERSETZUNG
INS WEISSE HAUS BEKANNT
Erklärung von Präsident Bush
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush hat seinen engsten politischen Vertrauten am 13. August 1992 aus dem
US-Außenministerium ins Weiße Haus versetzt und James Baker mit der Leitung seiner Kampagne zur
Wiederwahl sowie der Erarbeitung eines Programms tür eine zweite Amtszeit beauftragt, die er nach einem Sieg
bei der Präsidentschaftswahl im November anzutreten hofft.
Wie seit Wochen erwartet, erklärte Bush, er habe Baker um seinen Rücktritt als Außenminister mit Wirkung vom
23. August 1992 gebeten, damit er sein höchster Berater und Stabschef des Wei ßen Hauses werden könne. Der
Stellvertretende Außenminister Lawrence Eagleburger wird ab diesem Zeitpunkt geschäftsführender Außenminister.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung von Präsident Bush im Wortlaut.

Ich habe Minister Baker um seinen Rücktritt als Außenminister gebeten, damit er mit Wirkung vom 23.
August 1992 mein Stabschef und höchster Berater des
Präsidenten werden kann. Er wird mir dabei behilflich
sein, auf den Anfängen aufzubauen, die wir bei der Erarbeitung eines umfassenden innen-, wirtschafts- und
au ßenpolitischen Programms für eine zweite Amtszeit
gemacht haben.
Wir befinden uns an einem Wendepunkt in der Geschichte Amerikas. In der Welt von heute sind diese
drei Bereiche zum Thema geworden. Wir müssen
sicherstellen, daß die Vereinigten Staaten unbestritten
sicher und stark im In- und Ausland sind. Und ich
möchte auch seinen Rat und seine Unterstützung,
während ich das Mandat des amerikanischen Volkes
anstrebe, dieses Programm in die Praxis umzusetzen.
Außenminister Baker hat unserem Land seit über 12
Jahren mit großer Energie, Intelligenz und persönlichem Engagement gedient. Ich möchte nicht allzuviel
Zeit auf die Aufzählung seiner zahlreichen Erfolge
verwenden. Ich überlasse diese Bilanz und andere
Aussagen den Annalen der Geschichte. Aber ich
möchte einige Worte über meinen Freund sagen.
Ich kenne Jim Baker seit 35 Jahren. Er ist ein engagierter Treuhänder des öffentlichen Interesses der Vereinigten Staaten. Ich weiß, daß die Amerikaner stolz

AMERIKA DIENST 33

sind, ihn im Fernsehen die Vereinigten Staaten vertreten zu sehen. Ich bin mir auch bewußt, daß sie seine
zahlreichen Fähigkeiten zu schätzen wissen. Und ich
weiß, daß sie seinem Urteil vertrauen. Er ist die Sorte
Mann, den man sich in seinem Team wünscht.
Als Au ßenminister hat Jim Baker die einzigartige Rolle
und Fähigkeiten der amerikanischen Macht aufgewertet. Er hat ferner die außergewöhnliche Anziehungskraft und den Appell amerikanischer Ideale verstanden
und nach ihnen gehandelt. Darüber hinaus war er
mutig, schnell, hartnäckig und hat Wichtiges geleistet.
Er ist neuen Möglichkeiten und Konstellationen in einer
Ära revolutionärer Veränderungen gegenüber aufgeschlossen. Er hat gehandelt, als andere noch um das
Verständnis rangen, und er hat Dinge vollbracht.
Er war entscheidend an unseren Bestrebungen beteiligt, eine beispiellose Koalition der Vereinten Nationen
gegen den Irak zustande zu bringen. Er hat große
Fortschritte bei der Umwandlung des Siegs auf dem
Schlachtfeld zu einem umfassenderen Frieden zwischen Israelis und Arabern erzielt. Und während
seiner Amtszeit haben wir unsere Beziehungen zur
Sowjetunion radikal umgestaltet und den Kalten Krieg
friedlich beendet. Er hat sowohl bei nuklearen als auch
konventionellen Waffen einschneidende Kürzungen
ausgehandelt. Und damit hat er zur Schaffung einer
bedeutend stabileren Sicherheitsstruktur beigetragen,

Seite 1

�auf der eine neue euro-atlantische Gemeinschaft und
der Schutz gegen die Geisel der Verbreitung aufbauen.
Durch sein Engagement für die Überwindung der
Teilung Europas hat er dazu beigetragen, den Weg zur
Vereinigung Deutschlands zu ebnen. Und er war
maßgeblich an der Niederschlagung der Kriege in
Mittelamerika beteiligt, indem er eine auf Demokratie
und die Macht der Wahlurne gegründete Politik aufbaute . Von Tokio bis Toronto ist Jim Baker für Leistung
bekannt. Er weiß um Veränderungen - wie kluge
Schritte von törichten zu unterscheiden sind. Er kennt
die amerikanische Regierung, da er an der Entwicklung und Verwirklichung innen-, wirtschafts- und außenpolitischer Maßnahmen beteiligt war.
Vielleicht am wichtigsten ist - er weiß, daß unser Volk
die Quelle der Stärke unseres Landes ist. Ich unternehme diesen Schritt in vollem Vertrauen, daß das
Außenministerium weiterhin von einer fähigen Führung geleitet wird. Larry Eagleburger, seit 30 Jahren
Veteran der amerikanischen Außenpolitik, ein Mann
der mir persönlich außerordentlich nahesteht, wird
geschäftsführender Außenminister. Er wird dieses
Amt mit Auszeichnung ausüben.
Ich möchte auch einige Worte über Sam Skinner
sagen. Ich möchte ihm für sein Engagement im
Weißen Haus während dieses turbulenten Jahres
danken. Er hat von Anfang an erkannt, welchen
Beitrag Jim Baker aufgrund meiner langen persönlichen Beziehung zu ihm hier leisten kann. Skinner und
ich haben diese Angelegenheit in der Tat seit einiger
Zeit erörtert, und er hat mich zu diesem Schritt ermutigt. Sam und ich haben beschlossen, daß er dieses

Seite 2

Revierement am besten durch die Übernahme der
Position des geschäftsführenden Vorstands des Nationalen Komitees der Republikaner abrunden kann,
und ich werde dem Komitee die Bestätigung der Ernennung empfehlen. Einige erinnern sich vielleicht an
die Rolle von Paul Laxalt - in engem Kontakt mit dem
Weißen Haus, äußerst hilfreich für das Komitee - es
gibt also einen Präzedenzfall.
Auch Sam Skinner ist seit über einem Jahrzehnt in
Politik und Regierung an meiner Seite. Er hat der
Öffentlichkeit mit Auszeichnung in Illinois gedient und
ist als außerordentlich effektives Mitglied meines
Kabinetts respektiert. Erinnern Sie sich daran, daß er
für die Verabschiedung des historischen Verkehrsgesetzes über die Modernisierung unseres Autobanhnetzes verantwortlich war - und ich schreibe ihm einen
Großteil des Verdienstes daran zu.
Persönlich weiß ich seine Bereitschaft zur Übernahme
dieser neuen Aufgabe zu schätzen, da wir nun in den
allgemeinen Wahlkampf eintreten. Ich bin überzeugt,
daß diese Ernennung die Struktur des Nationalen
Komitees der Republikaner stärken wird, und Sam
wird sehr eng mit Rieh Bond zusammenarbeiten können, der Vorsitzender bleibt.
Ich bin mir bewußt, daß zahlreiche Amerikaner heutzutage beunruhigt sind. Viele haben echte Sorgen,
andere Zweifel. Aber in den vergangenen vier Jahren
haben die Amerikaner Ergebnisse hervorgebracht, die
früher unvorstellbar waren. Und heute konzentrieren
wir unsere Aufmerksamkeit auf die Maßnahmen im Inund Ausland, die die Vereinigten Staaten an allen
Fronten unerreicht machen - wirtschaftlich stabil für
unsere Kinder und ein sicherer und besserer Ort zum
Leben.

AMERIKA DIENST 33

�BOSNIEN
19. August 1992

MASSNAHMEN DER USA ZU BOSNIEN
Anhörung vor dem Streitkräfteausschuß des Senats
WASHINGTON - (AD) - Dem Abteilungsleiter im US-Außenministerium für europäische und kanadische
Angelegenheiten, Thomas Niles, zufolge unternehmen die Vereinigten Staaten konkrete Schritte zu einer
friedlichen Lösung des Konflikts in Bosnien und dem ehemaligen Jugoslawien.
In einer Anhörung vor dem Streitkräfteausschuß des Senats verwies Niles am 11. August 1992 jedoch darauf,
daß die Administration zögere, die humanitären Hilfslieferungen nach Bosnien gegebenenfalls militärisch
abzusichern. "Die Administration wird alles in ihrer Macht Stehende tun, um ihre Ziele ohne den Einsatz von
Gewalt durchzusetzen", stellte Niles fest und unterstrich die uneingeschränkte Unterstützung der Vereinigten
Staaten für eine UN-Resolution, die "alle erforderlichen Mittel" gestatten würde, um sicherzustellen, daß die
Hilfsgüter in der Krisenregion ankommen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Abteilungsleiter Niles im Wortlaut.
Seit nunmehr über einem Jahr dominiert die Krise in
Jugoslawien die außenpolitischen Nachrichten. Die
Bilder und Berichte über dieses unglückliche Land
erinnern uns an vergangene Tragödien in Europa und
werfen ernsthafte Fragen über den Charakter Europas
nach dem Kalten Krieg auf.
Seit Beginn der Krise im Juni 1991 haben die Vereinigten Staaten eine Führungsrolle bei der Erarbeitung
einer friedlichen Lösung übernommen, während sie
gleichzeitig die serbische Aggression abschreckten
und die dringend benötigte humanitäre Hilfe zur Verfügung stellten. Heute möchte ich kurz unsere Position
darlegen und die Maßnahmen erläutern, die wir insbesondere im Hinblick auf den menschlichen Alptraum in
Bosnien-Herzegowina ergreifen wollen.
In seiner Rede vom 6. August 1992 hat Präsident Bush
ein sechs Punkte umfassendes Programm vorgeschlagen, an dem wir uns orientieren:
1.

Wir wollen mit einer neuen Resolution des UNSicherheitsrats unter Einsatz aller erforderlichen Mittel die Lieferung humanitärer Hilfsgüter
und die Öffnung aller Internierunglager für internationale Inspektionen sowie die Garantie angemessener Behandlung, medizinischer Versorgung und Ernährung der Gefangenen sicherstellen.

2.

Wir nehmen unverzüglich uneingeschränkte
diplomatische Beziehungen mit Bosnien-Herzegowina, Kroatien und Slowenien auf, um ihre
Regierungen besser zu unterstützen.

AMERIKA DIENST 33

3.

Wir werden in Zusammenarbeit mit der internationalen Staatengemeinschaft Beobachter in die
Nachbarstaaten entsenden, um die strikte Einhaltung der UNO-Sanktionen gegen Serbien
und Montenegro zu überwachen.

4.

Wir unternehmen präventive diplomatische
Schritte, um zu verhindern, daß sich der Konflikt
nach Kosovo, Vojvodina, in der Region Sandzak
oder Mazedonien ausbreitet.

5.

Wir schlagen die Entsendung von Beobachtern
durch die internationale Staatengemeinschaft in
die Nachbarstaaten vor, um das Risiko einer
Ausbreitung des Konflikts zu begrenzen und

6.

konsultieren unsere Verbündeten zu allen Aspekten der Krise und wie die NATO der UNO zur
Seite stehen kann.

Unsere im vergangenen Jahr gemachten Erfahrungen
haben gezeigt, daß all dies nicht leicht sein wird. Die
Entschlossenheit von Präsident Milosevic, trotz der
Verluste an Leben und Eigentum sowie der Zerstörung
der serbischen Wirtschaft ein "Großserbien" zu schaffen, stellt die internationale Staatengemeinschaft vor
eine enorme Herausforderung. Wir müssen unerbittlich an unserer Weigerung festhalten, die serbische
Aggression hinzunehmen und zusammen mit unseren
Verbündeten für Rechtsstaatlichkeit und die Achtung
der Menschenrechte eintreten.
Die Lieferung humanitärer Hilfe an das Volk von Bosnien-Herzegowina wird sich als große HerausfordeSeite 1

�rung erweisen. Die Hilfslieferungen werden nach wie
vor durch die Kampfhandlungen unterbrochen. Am 4.
August stellte die UN-Schutztruppe UNPROFOR die
Luftbrücke aufgrund derschweren Kämpfe ein. Glücklicherweise wurde sie am 8. August wiederaufgenommen, aber niemand kann vorhersagen, wann neue
Kampfhandlungen sie zu einer erneuten Unterbrechung zwingen werden. Am 5. August mu ßte UNPROFOR aufgrund des Sicherheitsrisikos einen Landkonvoi vor Sarajevo aufhalten - hierbei handelte es sich um
den zweiten größeren Konvoi, der in jüngster Zeit
versucht wurde. Wir konnten wiederholt gezielte
Versuche beobachten, internationale Hilfslieferungen
nach Gorazde und andere belagerte bosnische Städte
zu bringen. Bei unserer zwingend erforderlichen
Zukunftsplanung müssen wir an den bevorstehenden
Winter denken - eine weitere ernsthafte Komplikation
angesichts eines Stroms von 2 Millionen Flüchtlingen
im ehemaligen Jugoslawien. Viele der Wege über
Land, die wir jetzt gerne benutzen würden - aber
wegen der Kämpfe nicht können - werden zusätzlich
von Schneemassen blockiert sein. Zahlreiche Flüchtlinge können heute - nicht jedoch nach Einbruch des
Winters im November - im Freien überleben. Die
Situation erhält dadurch eine gewisse Dringlichkeit.
Wegen der jetzt andauernden Kämpfe, aufgrund der
sich voraussichtlich verschlechternden Bedingungen
für Hilfslieferungen und in Anbetracht der Tatsache,
daß wir uns enormen Witterungsproblemen gegenübersehen, müssen wir auf das Schlimmste vorbereitet sein. Natürlich hoffen wir, daß Bedingungen geschaffen werden können, unter denen wir humanitäre
Hilfsgüter ohne den Einsatz von Gewalt liefern können.
Unsere bis heute gemachten Erfahrungen legen jedoch den Schluß nahe, daß mehr erforderlich sein
könnte, um die Entschlossenheit der internationalen
Staatengemeinschaft unter Beweis zu stellen, den
Menschen in Bosnien in dieser schwierigen Zeit zu
helfen. Aus diesem Grund arbeiten wir - wie Präsident
Bush am 6. August angekündigt hat - mit unseren
Verbündeten und den Mitgliedern des UN-Sicherheitsrats an der Sicherstellung einer neuen Resolution, die
den Einsatz aller erforderlichen Mittel zur Lieferung
humanitärer Hilfe genehmigt. Wir hoffen, daß wir
rasch einen Konsens erzielen, der uns weitere Planungen und Lieferungen gestattet.
Einen Bestandteil dieser Resolution soll die Forderung
bilden, dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz
(IKRK) und anderen neutralen humanitären Hilfsorganisationen Zugang zu allen Internierungslagern im
ehemaligen Jugoslawien zu gewähren. Aus Prinzip ist
es absolut unabdingbar, die Wahrheit aufzudecken.
Und dies gilt gleichermaßen für alle Seiten. Wiederum
scheinen die Serben die Haupt- aber wahrscheinlich
nicht die einzigen Verletzer zu sein. Dies ist Teil eines
kontinuierlichen Musters serbischer Menschenrechtsverletzungen anderer Gruppen, sei es in Kosovo,
Kroatien oder Bosnien.

Seite 2

Am 4. August haben wir eine Erklärung des Präsidenten des Sicherheitsrats vorgeschlagen und erhalten, in
der unsere Forderung nach Zugang zu allen Gefangenenlagern Niederschlag gefunden hat und die Betroffen daran erinnert, daß sie sehr wohl individuell für
einen Bruch der Genfer Konvention zur Verantwortung
gezogen werden können. Die Verabschiedung der
vorgeschlagenen Resolution würde diese Forderung
untermauern.
Bei der Bewältigung dieser dringenden Probleme müssen
wir alle verfügbaren Mittel ausschöpfen. Aus diesem
Grund haben wir am Mittwoch eine außerordentliche
Dringlichkeitssitzung der UNO-Menschenrechtskommission in Genf gefordert, um unsere nachrichtendienstlichen Erkenntnisse auszuwerten, die groben
Menschenrechtsverletzungen zu erörtern und unsere
Forderung nach Zugang zu den Lagern zu bekräftigen.
Wir erwarten von diesem für den 14. August 1992
anberaumten Treffen konkrete Schritte. Darüber hinaus haben wir an die KSZE appelliert, die geeigneten
Maßnahmen des KSZE-Mechanismus zur menschlichen Dimension in die Wege zu leiten und den KSZEAusschuß Hoher Beamten zu einer Dringlichkeitssitzung über die bosnische Krise aufgefordert, die hoffentlich in dieser Woche stattfinden wird. Diese Aktivitäten würden die Prozeß beschleunigen, die Lage zu
prüfen.
Die Verabschiedung dieser Vorschläge - insbesondere die von Präsident Bush am 6. August angekündigte
Resolution des UN-Sicherheitsrats - würden eine
beachtliche Verschärfung des Drucks auf das Regime
von Milosevic darstellen. Wir hoffen, daß die Botschaft
der internationalen Staatengemeinschaft bis zu dem
serbischen Volk vordringt. Wie Präsident Bush eindeutig klargestellt hat, wollen wir - und ich bin sicher,
auch Sie - nicht gezwungen sein, zusammen mit
unseren Verbündeten die Lieferung humanitärer Hilfsgüter an das leidende Volk in Bosnien-Herzegowina
militärisch abzusichern. Ich möchte Ihnen gegenüber
unterstreichen: Die Administration wird alles in ihrer
Macht Stehende tun, um ihre Ziele ohne den Einsatz
von Gewalt durchzusetzen. Unter den Umständen
und für das von Präsident Bush erklärte Ziel werden wir
jedoch gegebenenfalls dazu bereit sein. Ich möchte
nun im einzelnen darlegen, was wir in den die Krise
betreffenden jeweiligen Bereichen unternehmen.
Humanitäre Hilfe
Über 2,2 Millionen Bosnier wurden zwangsumgesiedelt. Eine halbe Million Bosnier wurde aus dem Land
vertrieben. Die Umsiedler sind größtenteils Nichtserben: sie machen über ein Viertel der Gesamtbevölkerung Bosniens aus und mehr als 40 Prozent der
nichtserbischen Bevölkerung Bosniens.
Am 29. Juli 1992 hat die Hohe Flüchtlingskommissarin
der Vereinten Nationen, Sadako Ogata, eine internationale Konferenz zum ehemaligen Jugoslawien in

AMERIKA DIENST 33

�Genf einberufen. Bei der Konferenz wurden Umfang
und Bedarf der Nothilfemaßnahmen erörtert und Meinungen über die Schaffung eines Rahmens für die
Behandlung der Umgesiedelten ausgetauscht. Die
Vereinigten Staaten haben sich in Zusammenarbeit
mit internationalen Organisationen stets stark für
humanitäre und Flüchtlingshilfe engagiert. Wir begrenzen die Hilfe nicht auf einzelne Länder oder Regionen des ehemaligen Jugoslawiens, sondern stellen sie
so zur Verfügung, wie sie von dem Empfängerorganisationen benötigt wird.
Die Krise wird auf absehbare Zeit andauern. Im
Augenblick versuchen wir zusätzliche Nahrungsmittel,
Medikamente und andere Hilfsgüter zu beschaffen,
die mittel- und langfristig in die Region geliefert werden können. Wir arbeiten nach wie vor mit der G-24
und anderen multilateralen Organisationen zusammen, um sicherzustellen, daß unsere Bestrebungen
zielgerichtet sind und die Bedürftigsten erreichen. Die
Länder der G-24 sind am 27. Juli in Brüssel zur
Erörterung der Krise und des weiteren Bedarfs an Hilfe
für die Flüchtlinge zusammengekommen. Bis heute
beläuft sich der Gesamtbeitrag der G-24 auf 472
Millionen Dollar, einschließlich 254 Millionen Dollar für
seit dem 1. Juli eingegangene neue Verpflichtungen.
Die Vereinigten Staaten haben insgesamt 53 Millionen
Dollar bereitgestellt.
Die Luftbrücke von Sarajevo liefert - wenn sie funktioniert - durchschnittlich 200 Tonnen pro Tag, dies hilft
jedoch nicht den Bosniern, die sich außerhalb von
Sarajevo befinden. Die Luftbrücke muß allmählich
durch Landkonvois ersetzt werden, um mehr Bedürftige zu erreichen. Die Kampfhandlungen und die
Instabilität haben bisher jedoch ungesicherte Überlandtransporte wirksam verhindert, und einige belagerte Städte wie Gorazde und Tuzla sind seit Monaten
von der Außenwelt abgeschlossen. Zusätzliche Anstrengungen sind dringend erforderlich.
Sanktionen
Die internationale Staatengemeisnchaft arbeitet an
der verschärften Durchsetzung der UN-Sanktionen,
die beträchtliche Auswirkungen auf die Volkswirtschaften von Serbien und Montenegro haben. Wir führen
einen beachtlichen Teil des jüngsten Produktionsrückgangs in Serbien und Montenegro auf die Sanktionen
zurück. Im Hinblick auf die Überwachung drängen wir
zusätzlich zu der Beobachtermission von NATO und
WEU in der Adria auf eine ähnliche multilaterale Initiative auf der Donau. Wir haben von Rumänien großzügige Unterstützung erhalten und arbeiten eng mit
Rumänien zusammmen, um die vollständige Durchsetzung derSanktionen sicherzustellen, einschließlich
der Entsendung internationaler Beobachter in dieses
Land.

AMERIKA DIENST 33

KSZE-Initiativen
Im Anschluß an den Besuch einer KSZE-Berichterstattermission in Kosovo im Juni hat die KSZE am 2.
August eine ähnliche Mission in die serbischen Regionen Sandjak und Vojvodina sowie eine zweite Delegation nach Kosovo entsandt. In seiner Erklärung vom 6.
August hat Präsident Bush Maßnahmen der KSZE
gefordert, diese Missionen zu einer ständigen Präsenz
zu machen, und wir verfolgen diesen Aspekt. Die
Vereinigten Staaten haben eine Führungsrolle dabei
übernommen, die KSZE zur Prüfung von Menschenrechtsverletzungen in Serbien zu drängen und die
Besorgnis der internationalen Staatengemeinschaft
eindeutig klarzustellen. Wie ich bereits ausgeführt
habe, dringen wir auf eine neue KSZE-Initiative, Missionen nach Bosnien und Kroatien zur Prüfung von
Menschenrechtsverletzungen in diesen Ländern zu
entsenden.
Darüber hinaus erwägen wir andere Mittel zur Nutzung
der KSZE-Mechanismen, um eine Ausbreitung des
Konflikts in andere Gebiete zu verhindern, und wir
werden unsere Gedanken in den kommenden Tagen
und Wochen darlegen.
Diplomatische Initiativen
Wir haben klargestellt, daß Serbien und Montenegro in
den Staatenbund nicht aufgenommen werden können
und dies auch nicht werden, unabhängig davon, wie
sie sich selbst bezeichnen, solange sie nicht ihre
Aggression und ihr barbarisches Verhalten revidieren.
Wir haben bei diesen Bestrebungen die Führungsrolle
in der internationalen Staatengemeinschaft übernommen und breite Unterstützung für unsere Position
erhalten, daß wir 1. Serbien und Montenegro nicht als
die Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawiens
akzeptieren werden, 2. die Aufrechterhaltung der
Mitgliedschaft des ehemaligen Jugoslawiens in internationalen Organisationen nicht unterstützen und 3.
darauf bestehen, daß sie einen Antrag auf neue Mitgliedschaft bei diesen Organisationen stellen und gleichzeitig alle für den Beitritt relevanten Kriterien erfüllen.
Wir ermutigen weiterhin alle Parteien zur Nutzung der
bestehenden Verhandlungsforen - insbesondere der
EG-Friedensgespräche - um die zahlreichen ausstehenden Fragen zu lösen, die vor der Wiederherstellung von Frieden und Stabilität angesprochen werden
müssen. Wir unterstützen die von Großbritannien, das
derzeit die EG-Präsidentschaft innehat, vom 26. - 28.
August in London anberaumte Konferenz und beabsichtigen, auf hochrangiger Ebene daran teilzunehmen.
Dipomatische Beziehungen
Wir haben im April die Unabhängigkeit von Slowenien,
Kroatien und Bosnien-Herzegowina anerkannt. Präsident Bush hat am 6. August angekündigt, daß wir
uneingeschränkte diplomatische Beziehungen mit alSeite 3

�len drei Ländern aufnehmen und in allen Hauptstädten
so bald wie möglich Botschaften eröffnen werden.
Im Hinblick auf Mazedonien haben wir wiederholt
festgestellt, daß die Prinzipien von Demokratie und
Freiheit sowie die notwendige Stabilität in der Region
eine rasche Lösung der anhängigen Probleme zwischen Griechenland - einem Freund und Verbündeten
- und Mazedonien erfordern. Wir nehmen die Besorgnis Griechenlands in dieser Frage ernst. Wir sind uns
darüber hinaus bewußt, daß Mazedonien infolge der
Sanktionen und Flüchtlingsströme ernsthafte wirtschaftliche Härten erleiden mußte. Die Frage der Anerkennung wird uns nicht von der Bereitstellung humanitärer
und anderer Hilfsleistungen für Mazedonien abhalten.
Unsere zukünftigen Beziehungen zu Serbien und
Montenegro werden vom Vorgehen der Machthaber in
Belgrad abhängen. Wir liegen nicht im Streit mit dem
serbischen Volk. Wir arbeiten an konkreten Maßnahmen, um die Kämpfe zu beenden und diese Tragödie
zu einer friedlichen Lösung zu bringen.

dieses Themas für das Nachbarland Albanien ist das
Potential für ernsthafte Probleme eindeutig gegeben.
Die Lage in der vorwiegend von Ungarn bewohnten
Provinz Vojvodina in Nordserbien - früher auch autonom - ist ebenfalls gespannt, und unsere ungarischen
Freunde sind zunehmend über eine mögliche Ausbreitung des Konflikts beunruhigt. Zusätzlich zu den
Besuchen der KSZE-Beobachtermission drängen wir
auf die Entsendung von KSZE-Beobachtern, die an
den Grenzen der Nachbarstaaten Serbiens stationiert
werden sollen.
Schlußbemerkung
Wir haben eine Reihe konkreter und gezielter Schritte
unternommen, um unseren Einfluß und Druck zu verstärken und im Einklang mit der internationalen Staatengemeinschaft eindeutig klarzustellen, daß wir die
Vorfälle aufs Schärfste verurteilen und Belgrad unseres Erachtens der Hauptverantwortliche ist. Wir werden mit den uns verfügbaren Mitteln alles in unserer
Macht Stehende tun, um die Situation zu ändern,
insbesondere durch einen Machtwechsel in Belgrad.

Ausbreitung des Konflikts
Bisher betrifft die Krise nur die Gebiete im ehemaligen
Jugoslawien, aber es gibt keine Garantie, daß sie sich
nicht weiter ausbreiten wird. Wir sind insbesondere
besorgt, daß die ehemals autonome serbische Provinz
Kosovo, deren Bevölkerung zu 90 Prozent aus Albanern besteht, der nächste Brennpunkt von Gewalt und
Unruhen sein könnte. In Kosovo begann die Krise vor
drei Jahren mit der Widerrufung der Autonomie Kosovos durch Serbien und dem Beginn massiver Menschenrechtsverletzungen. Angesichts der Sensibilität

Denn letztlich wird diese Krise nur beendet werden,
wenn das serbische Volk in der Erkenntnis handelt,
daß seine politisch Verantwortlichen es in die Katastrophe geführt haben. Bis dahin werden wir eine zunehmend aktive Rolle dabei spielen, der leidenden Bevölkerung von Bosnien und den Hunderttausenden durch
den Konflikt vertriebenen Menschen zu helfen. Wir
werden uns darüber hinaus weiterhin aktiv an Bestrebungen beteiligen, um eine weitere DeStabilisierung
der Region und Europas insgesamt durch den Konflikt
zu verhindern. Ich danke Ihnen.

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 33

�FLUCHLINGE
19. August 1992

ABRAM VERURTEILT "ETHNISCHE SÄUBERUNG"
IM EHEMALIGEN JUGOSLAWIEN
Rede des US-Vertreters bei den Vereinten Nationen
GENF - (AD) - Die Politik der "ethnischen Säuberung" - die erzwungene Trennung von Gruppen von Menschen
- die derzeit im ehemaligen Jugoslawien praktiziert wird, sollte von der internationalen Staatengemeinschaft mit
derselben Entschlossenheit und Energie verurteilt werden wie Apartheid, erklärte der amerikanische Vertreter
bei den Vereinten Nationen in Genf, Botschafter Morris Abram.
"Ethnische Säuberung ist nicht weniger verabscheuungswürdig als Apartheid, nur ein effektiverer und tödlicher
Mechanismus, um Gruppen von Menschen voneinander zu trennen", stellte Abram am 11. August 1992 in einer
Rede vor der Jahrestagung des UN-Unterausschusses für die Verhinderung von Diskriminierung und den Schutz
von Minderheiten fest.
Der Unterausschuß, eine nachgeordnete Behörde der Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen, ist
ein aus 26 Experten bestehendes unabhängiges Gremium, das Diskriminierungen im Zusammenhang mit
Menschrechten und Grundfreiheiten prüft.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Botschafter Abram im Wortlaut.

Ich spreche vor diesem Gremium nahezu dreißig
Jahre nachdem ich ihm gedient habe. Es gibt kein
anderes Organ im Rahmen des UN-Systems wie
diesen Unterausschu ß - der aus unabhängigen Experten aus unterschiedlichen Regionen zusammengesetzt ist, die von Regierungen ernannt werden, jedoch
von diesen unabhängig sind. Dieses Gremium bildet
ein Gegengewicht zu anderen aus Regierungsdelegationen bestehenden, regional getrennten UN-Organen, die sich allzuhäufig in parteipolitischem Gerangel
verzetteln.
Als ich Mitlgied dieses Unterausschusses war, haben
meine Kollegen stets ihre Meinung geäußert - selbst
wenn dies Kritik an ihrem eigenen Land bedeutete. Als
wir das Thema dieses Tagesordnungspunktes prüften
- Rassendiskriminierung - wurde mein Land für seine
Praktiken angeprangert und ich - häufig als "der peinlich berührte Amerikaner" bezeichnet - teilte diese
Kritik. Die Mitglieder des Unterausschusses sind die
einzigen von Regierungen ausgewählten Personen,
die nicht an die Hauptstadt ihrer Regierung gebunden
sind. Dies ist ein Gremium, das gemäß seinem Auftrag
mit Objektivität und Unvoreingenommenheit als wirklich unabhängiges Expertenteam sprechen und handeln soll.

AMERIKA DIENST 33

Der heutige Tagesordnungspunkt Rassismus, Rassendiskriminierung und Fremdenfeindlichkeit ist zweifelsohne einer der wichtigsten, der wähernd dieser drei
Wochen erörtert wird. Rassendiskriminierung beinhaltet mehr als die Politik der Rassentrennung oder
sonstiger ungerechter Behandlung von Schwarzen
und Wei ßen. In der Tat ist "ethnische Säuberung" nicht
weniger verabscheuungswürdig als Apartheid, nur ein
effektiverer und tödlicher Mechanismus, um Gruppen
von Menschen voneinander zu trennen. Besteht wirklich ein Unterschied dazwischen, ethnischen Gruppen
nach Regionen zu trennen und Schwarze in Townships zu verbannen?
Dieser Unterausschuß und die Kommission haben
Tage, wenn nicht Wochen mit Gesprächen über Apartheid verbracht. Und sie haben wirksam dazu beigetragen, diesem verabscheuungswürdigen System hoffentlich den Garaus zu machen. Dennoch haben wir
nichts unternommen, um andere Formen der Rassendiskriminierung anzusprechen - ethnische Diskriminierung, Fremdenfeindlichkeit - die in der Welt von heute
wüten. Der Unterausschuß und die Kommission sollten gegen ethnische Diskriminierung mit derselben
Entschlossenheit und Energie vorgehen wie sie dies
gegen Apartheid getan haben.

Seite 1

�•

Die Greueltaten im ehemaligen Jugoslawien sind
Vorkommnisse, von denen ich annahm, daß wir sie nie
wieder erleben würden: Die Verbannung von ganzen
Gruppen von Menschen aus keinem anderen Grund
als ihrer ethnischen Zugehörigkeit, Internierungslager,
die Hinrichtung von Kindern. Wir alle haben die
Fernsehberichte von ausgemergelten und geschlagenen Männern gesehen, die durch Stacheldraht blicken.
Und das ehemalige Jugoslawien ist nicht die einzige
Region, in der Angriffe auf ethnische Gruppen stattfinden. Wir haben soeben von Sonderberichterstatter
Max Van der Stoel einen Zwischenbericht über den
Irak erhalten. Der Bericht beschreibt die Zwangsumsiedlungen und Bestrebungen der irakischen Regierung, die schiitische Bevölkerung im Süden "auszurotten". Muslime werden aus Burma vertrieben, Nepaleser aus Bhutan.
Ich habe einen Großteil dieses Jahrhunderts erlebt,
aber dies war das Schlimmste im Hinblick auf Grausamkeit und Ausmaß der Menschenrechtsverletzungen. Die gerade von mir aufgelisteten schrecklichen
Ereignisse haben Präzedenzfälle über die Jahre hinweg.
Dieses Jahrhundert kann jedoch auch auf einige gro ße
Errungenschaften zurückblicken. Im Jahr 1945 erklärte die Charta der Vereinten Nationen als ihr Ziel, "die
Achtung vor den Menschenrechten und Grundfreiheiten für alle ohne Unterschiede der Rasse, des Geschlechts, der Sprache oder der Religion zu fördern
und zu festigen". Eine Reihe von Vereinbarungen und
Übereinkünften haben dieses Mandat durchgesetzt.
Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte hat
universelle Normen geschaffen, deren Einhaltung jedes
Land anstrebt - eine Leistung, die nicht unterschätzt
werden sollte. Die Internationale Vereinbarung über
Bürgerliche und Politische Rechte - die mein Land in
diesem Jahr ratifiziert hat, was ich nicht ohne Stolz
feststellen möchte - hat den nächsten Schritt unternommen, mit dem die Vertragsparteien zur Berichterstattung über die Einhaltung der in der Vereinbarung
festgeschriebenen Rechte aufgefordert werden. Die
Konvention über Folterung fordert von allen Parteien
die strafrechtliche Verfolgung aller ihrer Gerichtsbarkeit unterstehenden Fälle von Folterung. Und die Signatarstaaten der Konvention über Völkermord haben
sich verpflichtet, "in der Absicht verübte Akte, ganze
oder Teile nationaler, ethnischer, rassischer oder religiöser Gruppen zu zerstören", zu verhindern oder zu
bestrafen.
Auch außerhalb des UN-Kontexts waren bedeutende
Entwicklungen zu verzeichnen. Die KSZE hat die
Einhaltung der Menschenrechte mit der Schlußakte
von Helsinki auf die politische Bühne gerückt. Die
Genfer Konventionen wurden überarbeitet und erweitert, um den Schutz der Opfer von Konflikten einzubeziehen.

Seite 2

Aber welchen Nutzen haben diese hehren Worte,
dieses völkerrechtliche Gremium der Normen, wenn
sie nicht in die Praxis umgesetzt werden? Unsere
jeweiligen Länder werden Statuten nicht nur zu dem
Zweck verabschieden, damit sie die Regale unserer
juristischen Bibliotheken füllen.
Unsere Länder haben universelle Normen der Menschrechte geschaffen. Wir haben ihre Verletzung
beklagt. Wir haben unsere Pflicht ratifiziert, Verletzer
ausfindig zu machen, strafrechtlich zu verfolgen und
zu bestrafen. Warum zögern wir jetzt, wirksame
Maßnahmen gegen diejenigen zu ergreifen, die das
verletzen, was bereits Völkerrecht ist?
Ich war Mitglied des Kriegsverbrechertribunals in
Nürnberg. Wir wurden scharf kritisiert, weil wir Verbrechen ex post facto geahndet haben mit Gesetzen, die
zu der Zeit nicht exisitierten, als diese abscheulichen
Verbrechen begangen wurden. Hier können wir rechtlich nicht auf solche Weise herausgefordert werden.
Die Normen und Gesetze bestehen, das einzig erforderliche ist Handeln - insbesondere Maßnahmen gegen
diejenigen, die Akte des Völkermords und der Folterung begehen.
Diejenigen, die grundlegende Menschenrechte verletzt haben, sei es in Jugoalawien, Irak oder andernorts, sollten benannt und für ihre Taten zur Verantwortung gezogen werden. Viele der Verbrechen fallen
unter die Zuständigkeit inländischer Gerichte oder
Kriegsgerichte. Ein Prozeß vor einem internationalen
Gerichtshof ist eine weitere Möglichkeit. Gleichzeitig
müssen wir Wege sondieren, um den Vereinbarungen
und Konventionen die Bedeutung zu verleihen, die wir
mit effektiven Durchsetzungsmethoden unterzeichnet
haben. Zumindest sollten wir nicht unsere Verpflichtungen ignorieren.
Aus meinen Erfahrungen als Bürgerrechtler im Süden
habe ich gelernt, wenn man Haß, Rassismus und
Fremdenfeindlichkeit ignoriert, werden sie sich nicht
verflüchtigen. Sie werden Teil eines Lebens, von dem
die Menschen das Gefühl haben, es akzeptieren lernen zu müssen. Sie könnten sogar Mode werden.
Rassismus ist wie ein verschmutzter Strom, der sich
durch eine Stadt wälzt. Der Strom nimmt Abfälle auf
und die Strömung wird stärker. Die Dämme nationaler
und öffentlicher Kritik können den Strom aufhalten und
das Abwasser auffangen. Weltweit müssen die Staaten diese zügelnde Rolle ausüben, indem sie sich
gegen Rassismus und ethnischen Haß aussprechen,
wann und wo immer sie auftreten. Wenn der Damm
einen Riß bekommt, müssen wir ihn sofort durch
Verurteilung des Übels stopfen. Denn mit der Zeit wird
dieser Riß sich nur vergrößern, bis Verschmutzung
und Intoleranz das Land überschwemmen.

AMERIKA DIENST 33

�Während wir in das dritte Jahrzehnt der Bekämpfung
von Rassendiskriminierung eintreten, sieht sich die
Welt mit neuen und virulenten Formen des Rassismus
konfrontiert. Wir haben erlebt, daß das Problem nicht
mit der Lösung anderer internationaler Probleme verschwindet. In der Tat scheint es sich mit dem Ende des
Kalten Kriegs verschärft zu haben: seit langem unterdrückter Nationalismus und ethnischer Stolz wurden
freigesetzt und haben sich rasch zu Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung degeneriert.
Das Mandat dieses Unterausschusses für die Verhinderung von Diskriminierung und den Schutz von Minderheiten fordert von jedem seiner Mitglieder die
Anwendung seines Wissens - des Wissens jedes
einzelnen - um die Ursachen neuer Formen von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit zu erforschen und

*

AMERIKA DIENST 33

mit konkreten Vorschlägen zur Bekämpfung der Bedrohung aufzuwarten. Diese vordringliche Aufgabe
sollte erste Priorität dieses Gremiums und der Kommission sein. Meine Regierung hat eine Sondersitzung der Menschenrechtskommissin einberufen, um
einige dieser Probleme zu prüfen - insbesondere die
Berichte über Internierungslager im ehemaligen Jugoslawien.
Die Lage der Welt von heute ist erschreckend. Menschenrechtsexperten aus der ganzen Welt sind hier
versammelt. Lassen Sie uns eine Vorgehensweise
planen, um die Geisel der Diskriminierung zu bekämpfen und hoffen, daß wir in Zukunft keine Dringlichkeitssitzungen mehr einberufen müssen, um Situationen zu
erörtern, die in unserer heutigen Gesellschaft schlicht
und einfach nicht bestehen sollten.

* * *

*

Seite 3

�NAFTA
19. August 1992

BUSH: NAFTA WIRD ARBEITSPLÄTZE SCHAFFEN
UND WACHSTUM FÖRDERN
Erklärung von Präsident Bush zum NAFTA
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush zufolge wird das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (North
American Free Trade Agreement - NAFTA) zwischen den Vereinigten Staaten, Kanada und Mexiko in allen drei
Ländern Arbeitsplätze schaffen, Wirtschaftswachstum fördern und amerikanische Firmen "auf der ganzen Welt
wettbewerbsfähiger machen".
In einer am 12. August 1992 nach Bekanntgabe der Einigung über das Abkommen abgegebenen Erklärung
stellte Bush ferner fest, das US-Umweltschutzamt EPA und die entsprechende mexikanische Behörde hätten
bereits einen umfassenden Plan zur Reinhaltung von Luft und Wasser sowie der Entsorgung von Giftmüll entlang
dem Rio Grande erarbeitet, der die Vereinigten Staaten und Mexiko trennt.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung von Präsident Bush im Wortlaut.

Der heutige Tag markiert den Beginn eines neuen
Zeitalters auf dem nordamerikanischen Kontinent. Heute
vormittag geben die Vereinigten Staaten, Mexiko und
Kanada den Abschluß der Verhandlungen über ein
Nordamerikanisches Freihandelsabkommen - NAFTA
- bekannt. Ich möchte Botschafterin Carla Hills, unserer Handelsbeauftragten, sowie dem mexikanischen
Handelsminister Serra und seinem kanadischen Amtskollegen Wilson meinen aufrichtigen Dank für diese
herausragende Leistung aussprechen.
Dieses historische Handelsabkommen wird weitere
Märkte in Mexiko, Kanada und den Vereinigten Staaten erschließen. Es wird in allen drei Ländern Arbeitsplätze schaffen und Wirtschaftswachstum fördern.
Der Kalte Krieg ist beendet. Die grundlegende Herausforderung, der sich die Vereinigten Staaten jetzt gegenübersehen, ist, auf einem sich rasch verändernden
und expandierenden Weltmarkt konkurrenzfähig zu
sein. Dieses Abkommen wird Nordamerika gleiche
Chancen einräumen und mehr Verkaufsmöglichkeiten
für amerikanische Firmen von Alaska bis Yucatan
schaffen. Durch den Abbau von Hemmnissen und
Erweiterung des Handels wird NAFTA unsere Unternehmen auf der ganzen Welt wettbewerbsfähiger
machen. Wir konnten dies beim kanadisch-amerikanischen Freihandelsabkommen beobachten und werden dies umso mehr mit NAFTA erleben.

AMERIKA DIENST 33

Offene Märkte in Mexiko und Kanada bedeuten mehr
amerikanische Arbeitsplätze. Unsere Nation ist der
führende Exporteur der Welt - wir liegen weit vor Japan
und Deutschland. Heute arbeiten über 7 Millionen
Amerikaner hart an der Herstellung von Produkten, die
weltweit abgesetzt werden. Die Vergütung für exportbezogenen Arbeitsplätze liegt um 17 Prozent höher als
der amerikanische Durchschnittslohn. Dies ist die Art
von Arbeitsplätzen, die unser Land benötigt, um
Wachstum und Wohlstand hervorzubringen - eine Art
Schaufenster für amerikanisches Talent und Technologie.
Über 600.000 Millionen Amerikaner sind in der Herstellung von Produkten und deren Verkauf nach Mexiko
beschäftigt - unserem am schnellsten expandierenden
Exportmarkt. Wir haben im vergangenen Jahr Waren
im Wert von über 33 Milliarden Dollar an Mexiko
verkauft und werden in diesem Jahr schätzungsweise
44 Milliarden Dollar umsetzen. In den letzten fünf
Jahren haben sich mit dem Abbau zahlreicher traditioneller Handels- und Investitionsrestriktionen in Mexiko durch Präsident Salinas unsere Exporte nahezu
verdreifacht - das bedeutet über eine Viertelmillion
neuer amerikanischer Arbeitsplätze. Dieses Abkommen hilft uns, die Errungenschaften festzuschreiben
und darauf aufzubauen.

Seite 1

�Im vergangen Jahr hat sich der Kongreß für die Förderung des NAFTA durch die Erweiterung des "FastTrack-Mandats" entschieden, mit dem Handelsabkommen dem Kongreß zur Erörterung vorgelegt und in die
Praxis umgesetzt werden. Der erfolgreiche Abschluß
der NAFTA-Verhandlungen belegt, wieviel erreicht
werden kann, wenn die Exekutive und der Kongreß
zum Wohl unserer Nation zusammenarbeiten. Ich
werde bei der raschen Durchsetzung des Abkommens
Hand in Hand mit dem Kongreß arbeiten.
Zu dem Zeitpunkt, als das "Fast-Track-Mandat" erweitert wurde, habe ich die von uns beabsichtigten Schritte zur Berücksichtigung der Anliegen von Umwelschützem und Tarif partnern dargelegt. Wir haben alle
versprochenen Maßnahmen ergriffen und erfüllen alle
von mit eingegangenen Verpflichtungen - oder gehen
sogar noch darüber hinaus.
Zum ersten Mal enthält ein Handelsabkommen strikte
Bestimmungen zum Umweltschutz. Das NAFTA trägt
den hohen Umwelt-, Gesundheits- und Sicherheitsnormen unserer Nation Rechnung. In der Tat geht es
sogar noch darüber hinaus und ermutigt alle drei
Länder, die höchstmöglichen Normen anzustreben.
Das US-Umweltschutzamt und die entsprechende
mexikanische Behörde haben bereits einen umfassenden integrierten Grenzplan zur Reinhaltung von
Luft und Wasser sowie der Entsorgung von Giftmüll
entlang dem Rio Grande erarbeitet. Diese Probleme
sind gravierend, werden jedoch durch Zusammenarbeit beim Umweltschutz, verstärkten Handel und höheres
*

Seite 2

Wirtschaftswachstum gelöst - nicht Protektionismus.
Bedauerlicherweise hat der Kongreß die Mittel für
unseren Grenzplan im Bewilligungsausschuß gekürzt
- ich bitte den Kongreß um die vollständige Finanzierung dieser wichtigen Umweltinitiativen.
Mit NAFTA erzielen wir Fortschritte bei unserer Handelsstrategie. Der Handel ist Bestandteil meines langfristigen Plans für Wirtschaftswachstum, um mehr
Chancen für alle Amerikaner zu schaffen. In einer sich
wandelnden Welt müssen wir unseren Arbeitnehmern
die Ausbildung und Fähigkeiten zur Verfügung stellen,
die sie benötigen, um wettbewerbsfähig zu sein und
ihnen Hilfestellung und Umschulungsmaßnahmen
bieten, damit sie gute Arbeitsplätze finden können.
Ich habe es viele Male gesagt: Geben Sie dem
amerikanischen Arbeitnehmer die gleichen Chancen
und er wird jeden jederzeit mit seinem Erfindungsgeist
und seiner Arbeitskraft ausstechen.
Das heutige historische Abkommen verbindet unsere
Zukunft mit unserer Vergangenheit. In diesem Monat
vor 500 Jahren setzte ein Mann mit Mut und Vision die
Segel in der Alten Welt auf der Suche nach neuen
Handelsrouten und -Chancen. Christopher Columbus
war ein Unternehmer - die von ihm vor 5 Jahrhunderten
angetretene Reise macht sich auch heute noch in
vielfältiger Weise bezahlt. Indem wir das Nordamerikansiche Freihandelsabkommen voranbringen, werden wir diese Investition auffüllen und neue Horizonte
und Unternehmen in der Neuen Welt eröffnen.

*

AMERIKA DIENST 33

�NAFTA
19. August 1992

USA, MEXIKO UND KANADA BEENDEN
NAFTA-VERHANDLUNGEN
Zustimmung des Kongresses noch erforderlich
WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten,
Mexiko und Kanada haben die Verhandlungen über
ein Freihandelsabkommen abgeschlossen, das den
größten Binnenmarkt der Welt schaffen würde - 360
Millionen Menschen produzieren Waren und Dienstleistungen in Höhe von 6 Billionen Dollar pro Jahr.
Das wenige Minuten nach Mitternacht am 12. August
1992 nach 14monatigen Verhandlungen abgeschlossene Nordamerikanische Freihandelsabkommen (North
American Free Trade Agreement - NAFTA) bedarf
noch der Zustimmung des amerikanischen Kongresses sowie der kanadischen und mexikanischen Legislative.
"Dieses Abkommen wird Nordamerika gleiche Chancen einräumen und mehr Verkaufsmöglichkeiten für
amerikanische Firmen von Alaska bis Yucatan schaffen, lautet die Aussage von Präsident Bush in einer
schriftlichen Erklärung. "Durch den Abbau von Hemmnissen und Erweiterung des Handels wird NAFTA
unsere Unternehmen auf der ganzen Welt wettbewerbsfähiger machen."
NAFTA würde am 1. Januar 1994 in Kraft treten.
Vorbehaltlich der Zustimmung der Mitgliedstaaten
könnten andere Länder dem NAFTA später beitreten
und jedem Land würde nach einer sechsmonatigen
Frist die Kündigung des Abkommens gestattet. Es
wird einen Großteil, wenn auch nicht alle Bestandteile
des amerikanisch-kanadischen Freihandelsabkommens
von 1988 ersetzen.
NAFTA würde binnen 15 Jahren alle Handelszölle
zwischen den Vereinigten Staaten, Mexiko und Kanada abbauen. Die Zölle für die Hälfte der 9.000 von dem
Abkommen abgedeckten Produkte würden unverzüglich beseitigt, für ungefähr 15 Prozent nach fünf Jahren
und für die übrigen nach sechs bis 15 Jahren.
Gegenwärtig betragen die amerikanischen Zollsätze
durchschnittlich 4 Prozent, die mexikanischen sind
2,5mal so hoch.

AMERIKA DIENST 33

Zu den sensiblen amerikanischen Industriezweigen,
die über den gesamten 15jährigen Zeitraum vom Abbau
der Zölle geschützt sind, zählen Gummischuhe, Keramikfliesen, Haushaltsglasartikel, Erdnüsse, Zucker,
Orangensaft, Brokkoli, Gurken, Spargel, Zwiebeln,
getrockneter Knoblauch, Kantalupen und bestimmte
andere Melonensorten, stellte der Stellvertretende USHandelsbeauftragte Julius Katz fest.
Im Gegenzug hätte Mexiko 15 Jahre Zeit, um die Zölle
auf Mais, getrocknete Bohnen und Michpulver ohne
Fettanteile abzubauen, erklärte Katz.
Unter den Waren, bei denen Mexiko die Zölle unverzüglich aufheben würde, sind Telekommunikationsgeräte, Computer und Computerteile, Luft- und Raumfahrt- sowie medizinische Geräte.
Über 45 Prozent aller amerikanischen Importe aus
Mexiko werden bereits im Rahmen des Allgemeinen
Präferenzsystems und der Initiative Karibisches Bekken zollfrei eingeführt. Katz zufolge würde der sofortige Abbau von Zöllen unter NAFTA dieses Niveau auf
über 50 Prozent anheben.
Die drei Länder würden die Zölle auf Bier mit einer
sofortigen Reduzierung von 20 Prozent binnen acht
Jahren aufheben.
Mexiko würde die Zölle auf amerikanische Autos und
Lastwagen unverzüglich um die Hälfte abbauen und im
Verlauf von 5 Jahren die Zölle auf 75 Prozent der
Autoteile abschaffen.
Gemäß der NAFTA-Bestimmung über das Herkunftslands des Produkts würden nur Autos, die zu 62,5
Prozent aus in Nordamerika hergestellten Teilen bestehen, unter die zollfreie Behandlung fallen, was
beträchtlich über der 50-Prozent-Klausel des amerikanisch-kanadischen Freihandelsabkommens liegt. Die
Bestimmung beginnt bei 50 Prozent, wird nach 4
Jahren auf 57 Prozent und nach 8 Jahren auf 62,5
Prozent angehoben.

Seite 1

�NAFTA würde darüber hinaus die Bestimmung über
das Herkunftsland für Automobile klären. Eine verwirrende Vorschrift hat bei der Durchführung dieses Teils
des amerikanisch-kanadischen Freihandelsabkommens
zu Problemen geführt. Die neue Regel erfordert
Berechnungen anhand einer auf die Gesamtkosten
minus der Kosten für Lizenzen, Verkaufsförderung,
Verpackung und Transport errechneten "Nettokostenmethode" und setzt eine Obergrenze für die abzugsfähigen Zinsen.
Mexiko müßte ferner über 10 Jahre hinweg seinen
"Ausgleich der Handelsbilanz" und die "Bestimmungen
über den Prozentsatz der im Inland hergestellten Teile"
für Autoimporte schrittweise abbauen. Im Rahmen der
derzeitigen Bestimmungen über den Ausgleich der
Handelsbilanz importiert Mexiko nur ein Auto für jedes
1,75te exportierte Auto. Binnen 10 Jahren würde diese
Zahl von 1,75 auf 0,87, dann auf 0,5 und schließlich auf
Null reduziert.
Alle drei Länder würden ihre Restriktionen bei Importen von Textilien und Oberbekleidung in einem Zeitruam von 10 Jahren abbauen. Die Vereinigten Staaten
würden unverzüglich die Importquoten auf in Mexiko
hergestellte Waren aufheben, die die NAFTA-Bestimmungen über das Herkunftsland erfüllen.
Die Bestimmung über das Herkunftsland lautet für die
meisten Textilien und Oberbekleidungsprodukte "yarn
forward" - die Waren müssen aus in einem NAFTALand hergestelltem Garn produziert werden. Die Regel
für aus Baumwolle und künstlichen Fasern hergestellte Waren ist "fiber forward" - sie müssen aus in einem
NAFTA-Land hergestellten Fasern produziert werden.
Mexiko hat darauf bestanden, an seinem verfassungsmäßigen Mandat zur Aufrechterhaltung staatlicher
Monopole in den Sektoren Öl, Erdgas, Raffinierien,
Basispetrochemikalien, Kernkraft und Stromversorgung festzuhalen.
Mexikos staatliche Ölmonopolgesellschaft PEMEX und
die Eletrizitätsmonopolgesllschaft CFE würden ihre
Märkte auf andere Weise öffnen. Sie würden amerikanische und kanadische Investitionen in nichtgrundlegende petrochemische Produkte und in Eletrizitätskraftwerke für den "Eigenbedarf", gemeinsame Erzeugung sowie unabhängige Elektrizitätserzeugung gestatten.
Darüber hinaus würden sie schrittweise die Restriktionen bei staatlichen Beschaffungsverträgen abbauen 50 Prozent sofort, 70 Prozent binnen acht Jahren und
100 Prozent in 10 Jahren.
NAFTA würde jedoch keine Bestimmungen enthalten,
die den Vereinigten Staaten die gesicherte Energieversorgung aus Mexiko entsprechend dem in dem
Abkommen mit Kanada von 1988 enthaltenen Passus
garantiert.

Seite 2

"Dies ist auf die von der (mexikanischen) Verfassung
auferlegten Einschränkungen zurückzuführen", erklärte die US-Handelsbeauftragte Carla Hills in einer
Pressekonferenz im Weißen Haus und fügte hinzu, die
amerikanische Delegation habe allerdings einige
"äußerst wichtige und wertvolle" Konzessionen zur
Energieversorgung erhalten.
NAFTA würde darüber hinaus:
Amerikanischen Unternehmen nationale Gleichstellung für Investitionen in Mexiko einräumen das heißt, amerikanische Firmen würden gleich
behandelt wie mexikanische.
Bis 1999 alle Beschränkungen für amerikanische Lastwagenfahrer aufheben, in Mexiko tätig
zu werden.
Die Chancen für den amerikanischen Export
von Versicherungs- und anderen finanziellen
Dienstleistungen nach Mexiko erweitern.
Amerikanische Patente, Urheberrechte, Warenzeichen und anderes geistiges Eigentum in Mexiko
schützen.
NAFTA würde ferner binationale und trinationaie Gremien schaffen, die im Rahmen des Abkommens auftretende handeis- und umweltpolitische Konflikte schlichten. Der Stellvertretende US-Handelsbeauftragte Katz
erkläre, der Konfliktschlichtungsmechanismus sei
anhand des in dem amerikanisch-kanadischen Abkommen enthaltenen modifiziert worden. Berichte der
Gremien wären nicht ausdrücklich bindend, es sei
denn, die Parteien vereinbaren im voraus die verbindliche Schlichtung, fügte er hinzu.
Entsprechend, so Katz, gäbe es im NAFTA Berufungsgremien bei Dumping- und Subventionsproblemen wie
im amerikanisch-kanadischen Freihandelsabkommen.
Die US-Handelsbeauftragte reichte dem mexikanischen Handelsminister Jaime Serra Puche und seinem kanadischen Amtskollegen Michael Wilson am
Morgen des 12. August die Hand zu einem symbolischen Händedruck auf das Abkommen.
In den kommenden Wochen werden Rechtsanwälte
aus den drei Ländern den englischen, spanischen und
französischen Wortlaut des Abkommens erstellen.
Wenn der "rechtliche Feinschliff" erfolgt ist und die
Berichte von den 40 amerikanischen Beratungsausschüssen unterbeitet worden sind, wird Präsident Bush
das Abkommen paraphieren und dem Kongreß voraussichtlich im September zur Prüfung vorlegen. Dem
Kongreß stehen 90 Kalendertage zur Beratung zur
Verfügung.
Dann kann Präsident Bush das Abkommen offiziell
unterzeichnen und an den Kongreß zur Verabschiedung weiterleiten. Binnen 90 Arbeitstagen - was

AMERIKA DIENST 33

�ungefähr 8 Monaten entspricht - muß der Kongreß
seine Zustimmung oder Ablehnung bekanntgeben.
Daher wird die endgültige Entscheidung erwartungsgemäß beim Kongreß und dem im November gewählten Präsidenten liegen.
Der Großteil der Opposition gegen das NAFTA kam
von Gewerkschaften und Umweltschutzorganisationen.
Bei einer Pressekonferenz stellte die US-Handelsbeauftragte Hills fest, NAFTA würde die von Präsident
Bush gegenüber dem Kongreß eingegangenen Verpflichtungen erfüllen oder sogar darüber hinausgehen,
"da es den Umwelt-, Sicherheits- und Gesundheitsnormen der Vereinigten Staaten Rechnung trägt und
uns in die Lage versetzt, auf Regierungs- und bundesstaatlicher Ebene noch striktere Normen durchzusetzen sowie unsere Partner zur Verschärfung ihrer Normen
ermutigt."
Hills verwies ferner darauf, mit einem Abkommen in
der Hand könne die Bush-Administration jetzt ein

*

AMERIKA DIENST 33

Unterstützungsprogramm für Arbeitnehmer entwickeln, die ihren Arbeitsplatz aufgrund des NAFTA verlieren.
"Ich möchte jedoch umgehend hinzufügen, unsere
Wirtschaftsstudien belegen, daß dank dieses Abkommens unter dem Strich neue Arbeitsplätze geschaffen
und nicht abgebaut werden", erklärte Hills.
Die Handelsbeauftragte betonte, andere Länder sollten das amerikanisch-mexikanisch-kanadische Handelsabkommen nicht als Protektionismus ansehen
und fügte hinzu, das Abkommen würde das Engagement der Vereinigten Staaten zum Abschluß der in
einer Patt-Situation befindlichen sechs Jahre alten
Uruguay-Runde multilateraler Handelsgespräche im
Rahmen des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens GATT nicht untergraben.
"Wir haben keine einzige Handelsschranke gegen das
Ausland errichtet", so Hills. "Wir haben nur die Handelshemmnisse innerhalb Nordamerikas abgebaut.
Unseres Erachtens wäre ein erfolgreicher Abschluß
der GATT-Gespräche eine wunderbare Leistung. Und
wir hoffen, daß uns das in diesem Jahr gelingt."

* * *

*

Seite 3

�WAHLEN

'9 2
19. August 1992

DEBATTEN DER PRÄSIDENTSCHAFTSKANDIDATEN
Kommission legt Zeitplan vor
WASHINGTON - (AD) - Die Kommission für Debatten der Präsidentschaftskandidaten hat für den kommenden
Herbst einen Zeitplan für vier Debatten zwischen den Bannerträgern der Demokratischen und Republikanischen
Partei bekanntgegeben. Die Präsidentschaftskandidaten werden sich in drei Diskussionen stellen, die
Vizepräsidentschaftskandidaten in einer. Alle Diskussionsrunden werden landesweit im Fernsehen übertragen
und dauern 90 Minuten.

Die Debatten zwischen den Präsidentschaftskandidaten sollen am 22. September 1992 in der Michigan
State University, am 4. Oktober in der University of San
Diego und am 15. Oktober in der University of Richmond stattfinden. Die Diskussion zwischen den Vizepräsidentschaftskandidaten ist am 29. September in
Louisville vorgesehen.
Der stellvertretenden Vorsitzende der Kommission,
der ehemalige Vorsitzende des Nationalen Komitees
der Demokraten, Paul Kirk, und der ehemalige Vorsit-

zende des Nationalen Komitees der Republikaner,
Frank Fahrenkopf, erklärten, die Clinton-Gore-Wahlkampfleitung habe dem Zeitplan zugestimmt und sie
hofften auf eine Antwort der Bush-Quayle-Wahlkampfleitung nach dem Parteikonvent der Republikaner.
Die 1988 gegründete Kommission für die Debatten hat
im Wahljahr 1988 zwei Diskussionsrunden zwischen
den Präsidentschaftskandidaten und eine zwischen
den Vizepräsidentschaftskandidaten veranstaltet.

* * * *

AMERIKA DIENST 33

*

Seite 1

�W A H L E N '92
19. August 1992

DIE ROLLE VON MEINUNGSUMFRAGEN
IM WAHLKAMPF
von Clyde Linsley
WASHINGTON - (AD) - In dem nachfolgend veröffentlichten Artikel beschreibt der Autor die Entwicklung und
gegenwärtige Rolle von Meinungsumfragen im amerikanischen Wahlprozeß. Ihm zufolge liefern gerade
Meinungsumfragen den Kandidaten das Werkzeug zur Verbesserung der Effektivität ihres Wahlkampfs. Der
Autos ist freiberuflicher Journalist in Washington.
Der amtierende US-Senator hatte ein Problem, und
seine Wahlkampfberater wußten nicht recht damit
umzugehen. Er stand vor dem schwierigsten Herausfordererer seines Lebens, einem gutaussehenden und
jungen pensionierten General des Heeres, Rhodes
Scholar, Football-Star seines Colleges und VietnamVeteran - all die Merkmale, mit denen man Wähler
gewinnen kann. Der Senator erschien im Vergleich
dazu farblos.
Der Herausforderer hatte erst vor kurzem, nach einer
Karriere bei den US-Streitkräften, die ihn in alle Teile
der Welt geführt hatte, seinen Wohnsitz in den Staat
verlegt, den er repräsentieren wollte. Bei der Ankündigung seiner Kandidatur hatte der Herausforderer in
Länge und Breite über die Gründe für seinen Umzug in
diesen Staat gesprochen. Er sprach von der schönen
Landschaft, den hart arbeitenden Menschen und all
den anderen Attraktionen, die ihn hierher geführt hatten.
Aber als sich die Berater des Senators mit einer
repräsentativen Gruppe potentieller Wähler zusammensetzten, entdeckten sie, daß ihr gutaussehender
junger Gegner eine Schwäche besaß, die sie nicht
vermutet hätten: die Leute lachten über ihn. Insbesondere lachten sie darüber, wie er seine Entscheidung für
den Umzug in ihren Staat begründete. Sie glaubten
nicht, er sei aufgrund der Menschen oder der Naturschönheiten in ihren Staat gezogen. Ihrer Meinung
nach war er nur gekommen, um für den Senat zu
kandidieren.
Als die Berater des Senators mit ihrer Zielgruppe von
Wählern zusammentrafen, entdeckten sie die Achillesferse des Herausforderers. Sie handelten sofort,
um sie mit einer Reihe von Werbespots auszunutzen,
in denen die Worte des Herausforderers abgespielt
wurden.
AMERIKA DIENST 33

"Diese Leute haben instinktiv gesagt: 'Dieser Mann ist
nicht echt'," erklärte einer der Insider im Wahlkampf
des Senators. "Niemals hätten wir daran gedacht, dies
zu benutzen, aber es wurde zentraler Bestandteil des
Wahlkampfs."
Am Wahltag verlor der Herausforderer haushoch
gegenüber dem amtierenden Senator, der 75 Prozent
der Stimmen errang.
Eins zu Null für Meinungsumfragen.
In den Vereinigten Staaten war Politik seit jeher ein
Feld intensiver Diskussionen und Debatten, aber in
den letzten Jahren ist viel mehr daraus geworden. Sie
ist jetzt ein florierendes Geschäft, dessen Beteiligte
sich die Techniken des Markts zunutze machen, um
einen größeren Anteil am Markt der Ideen zu gewinnen.
Tatsächlich wird angesichts der ständig steigenden
Kosten für einen politischen Wahlkampf eine Investition in die Erforschung der öffentlichen Meinung für
jeden ernsthaften Aspiranten auf ein öffentliches Amt
immer wichtiger. Ein Wahlkampf fordert mehr als
intensives Engagement, er erfordert den effektiven
Einsatz von Geld und anderen Ressourcen. Die
Meinungsforschung liefert den Kandidaten das Werkzeug zur Verbesserung der Effektivität ihres Wahlkampfs.
Meinungsumfragen sagen den Kandidaten, wo ihre
Stärken und Schwächen liegen und wie diese von den
Wählern wahrgenommen werden. Sie verraten den
Kandidaten die Themen, die die Wähler beschäftigen
und die Fragen, die sie unbeeindruckt lassen. Sie
verraten den Kandidaten, wo wahrscheinlich ihre loyalsten Förderer leben, aus welchen Berufen sie kommen, was sie in ihrer Freizeit tun und vieles mehr. Sie
verraten den Kandidaten auch, wo sie besser keinen
Seite 1

�Wahlkampf betreiben, weil diese Anstrengung an
unversöhnliche Feinde verschwendet wäre.
"Es ist ein sehr nützliches Instrument, mit dessen Hilfe
wir verstehen können, wie eine sehr komplexe und
heterogene Öffentlichkeit tickt," erklärt die Washingtoner Journalistin Karlyn Keene. "Aber es ist ein
schlichtes Instrument und sollte vielleicht nicht dazu
benutzt werden, Politik zu machen." Keene, die eine
Zeitschrift für ein führendes Washingtoner Forschungsinstitut herausgibt, beobachtet Meinungsumfragen und
Politik sehr genau.
Dennoch wird der Einsatz von Meinungsumfragen in
politischen Kampagnen immer populärer. Meinungsforscher haben in der Öffentlichkeit beträchtlich an
Status gewonnen, und Kandidaten für öffentliche Ämter
nehmen auch auf kommunaler Ebene stärker Zuflucht
zu Meinungsumfragen, um sich davon in ihren Kampagnen leiten zu lassen.
Gestern und heute
Ein über 40 Jahre altes Zeitungsphoto erinnert an
eines der dauerhaftesten Images, das je in der politischen Geschichte der Vereinigten Staaten produziert
wurden. Das Photo stellt einen strahlenden Harry S.
Truman dar, im ersten Rausch seines Wahlsiegs zum
US-Präsidenten, wie er triumphierend eine früh erschienene Zeitung schwenkt, deren Schlagzeile den
Erdrutschsieg des Truman-Rivalen, des Republikaners Thomas E. Dewey, verkündet.

und durchführen, sondern auch solche, die die Ergebnisse dieser Untersuchungen interpretieren und sie in
Wahlkampfthemen und Medienstrategien umsetzen.
Es heißt, daß 1980 bereits der Umfrageberater Patrick
Caddell an allen Mitarbeiterbesprechungen zur Wiederwahlkampagne des Amtsinhabers Jimmy Carter
ebenso teilnahm wie an den Strategiesitzungen.
Dasselbe galt für Richard Wirthlin im Wahlkampf von
Carters Gegner, Ronald Reagan.
Wie Meinungsforschung funktioniert
"Es gibt zwei sehr einfache, aber unterschiedliche
Einsatzmöglichketien von Meinungsumfragen,"erklärt
der ehemalige Reagan-Berater Wirthlin, der jetzt Inhaber einer politischen Forschungsorganisation bei
Washington ist. "Zum einen gibt es die beschreibende
Funktion, die dem Kandidaten und seinen Mitarbeitern
vor allem anzeigt, wer in Führung liegt, was von den
Wählern als das wichtigste Thema angesehen und
was der Kandidat aus der Sicht der Wähler im Falle
seiner Wahl erreichen wird und was nicht.
Von größerer Bedeutung für den Wahlkampf und die
Kandidaten sind jedoch strategische Umfragen - nicht
eine Bilanz der Wahlkampagne zu einem bestimmten
Zeitpunkt, sondern vielmehr eine Bewertung dessen,
was der Kandidat tun sollte, um Stimmen für sich zu
gewinnen - die sich mit ausgemachten Schwächen
oder Stärken befassen und Zielgruppen nach Demographie, Geographie und Lebensstil aufschlüsseln."

Das Photo erwies sich für die Zeitung und für die Firma
Gallup, deren Umfragen Deweys bahnbrechenden
Sieg prognostiziert hatten, als peinlich. Es war darüber
hinaus jahrelang eine Quelle der Belustigung für Beobachter der politischen Landschaft in Amerika.

1980 und erneut als Präsident Reagan 1984 für die
Wiederwahl kandidierte benutzten Wirthlin und seine
Mitarbeiter häufig die sogenannte "Zielgruppen-Forschung", wie die von dem oben erwähnten amtierenden Senator verwendete.

Für Präsident Trumans waren die Wahlergebnisse von
1948 eine freudige Überraschung, aber eine Überraschung kann ebensogut unerfreulich sein. Die Kunst
und Wissenschaft der politischen Umfragen entwickelten sich, um solche unerwarteten Entwicklungen zu
vermeiden - oder zumindest erheblich zu reduzieren.

Zielgruppen sind eine aus dem Bereich des Produktmarketing entlehnte Technik. Eine Gruppe von Leuten
wird in einem Raum versammelt und zur Erörterung
mit Themen der bevorstehenden Wahl veranlaßt. Die
Kommentare werden ohne Wissen der Gruppe festgehalten und von den Wahlhelfern in der Hoffnung analysiert, die tieferen Gefühle und Werturteile über die
Wahlkampagne herauszufinden, die ein offener Fragebogen vielleicht nicht erzielt.

1960 spielten politische Meinungsumfragen bereits
eine wichtige Rolle, um Kandidaten zu helfen, über die
Entwicklung ihrer Kampagne auf dem laufenden zu
sein. In jenem Jahr beauftragte John F. Kennedy Louis
Harris, Wähler in mehreren wichtigen Staaten zu befragen, in denen Kennedy Siege bei den Vorwahlen
benötigte, um die Nominierung der Demokraten als
Präsidentschaftskandidat zu erlangen.
Bei den nachfolgenden Präsidentschaftswahlen haben Meinungsforschungsinstitute sogar eine noch
größere Rolle gespielt. In den frühen Jahren kamen
Meinungsforscher vor allem aus der Werbebranche Marktforscher, die einmal Produkte und dann wieder
Menschen im Auge hatten, zumindest bis die Kampagne vorbei war. Bald entwickelten sich jedoch politische Forschungsspezialisten, und heute gibt es nicht
nur Spezialisten, die politische Umfragen erarbeiten

Seite 2

"Um einen Sinneswandel zu bewirken, muß man diese
emotionalen Bindungen anzapfen, die durch Werte
geprägt werden", so Wirthlin.
Zielgruppen sind nicht zwangsläufig für die gesamte
Wählerschaft repräsentativ. Öffentliche Meinungsumfragen geben sich andererseits große Mühe, einen
repräsentativen Querschnitt derjenigen zu erstellen,
die wahrscheinlich zur Wahl gehen.
Das Ziel dieser Umfragen besteht nicht nur in einer
Feststellung der Themen, die Wähler motivieren und
ihrer Einschätzung des Kandidaten, sondern auch
darin, herauszufinden, auf was sich die Kandidaten
konzentrieren sollten. Das Ziel ist nicht, einen Appell
zu formulieren, der für alle Wähler überzeugend klingt.
AMERIKA DIENST 33

�"Man benötigt nicht 70 oder 80 Prozent der Wählerstimmen, um in den meisten Demokratien den Sieg
davonzutragen", erklärt Wirthlin. "Man braucht 50
Prozent plus eine Stimme."
"Jeder Wahlkampt ist eine Entscheidung zwischen
zwei Kandidaten", stellt Tom Ochs, rangältester Vizepräsident der Washingtoner Beratungsfirma Squier
Eskew Knapp fest. "Haben Sie einen Kandidaten mit
Schwächen, werden die Meinungsumfragen belegen,
wie schlecht und wo er am schwächsten ist."
Aufgrund der Konzentration auf die Bereiche, in denen
die Unterstützung des Kandidaten am stärksten ist und
um einen Sinneswandel der Wähler zu bewirken, die
unentschlossen oder von der Opposition nicht allzu
überzeugt sind, hoffen die Wahlkampfstrategen, genug Stimmen für den Wahlsieg zu sammeln. Dies wird
für gewöhnlich bewirkt, indem man auf die natürlichen
Stärken eines Kandidaten aufbaut und seine Schwächen herunterspielt.
"Bei dem Wahlkampf, an dem wir arbeiten, hat niemand so viele Schwächen, daß er sich für ein öffentliches Amt disqualifiziert", so Ochs. "Jeder wirft etwas
in die Waagschale."
In der ersten Phase des Wahlkampfes, erläutert Ochs,
verlassen sich die Wahlhelfer vornehmlich auf die
Erforschung von Themen, Hochrechnungen und andere öffentliche Trends im Hinblick auf den Kandidaten
oder seinen Gegner. Zweck der Übung ist, sagen zu
können: "Hier sind drei oder vier sehr überzeugende
Botschaften oder Themen, auf die die meisten Leute
reagieren."
Nach Beginn des Wahlkampfes führt eine gut finanzierte Kampagne regelmäßig Meinungsumfragen durch.
Diese sogenannten "stichprobenartigen" Meinungsumfragen vermitteln den Wahlhelfern, wie gut ihre
Botschaft von den Wählern aufgenommen wird und
machen sie frühzeitig genug auf einen unerwarteten
Meinungsumschwung aufmerksam, daß sie davon
profitieren können.
Die Frage der Genauigkeit
Früher haben Kandidaten und Wahlkampfstrategen
häufig die Ergebnisse von Meinungsumfragen unberücksichtigt gelassen, mit denen sie nicht übereinstimmten. Selbst heute ist es noch an der Tagesordnung, daß ein Kandidat erklärt, die Ergebnisse der
Meinungsumfragen seines Gegners seien ungenau,
wenn er den Meinungsumfragen zufolge schlechter
abschneidet. In jenen frühen Tagen war es für die
Meinungsforscher eine große Versuchung, ihren Auftraggebern das zu sagen, was sie hören wollten.
Karlyn Keene vertritt die Auffassung, daß dies heute
eher selten ist.

*

AMERIKA DIENST 33

*

"Das mag früher zutreffend gewesen sein", erklärt sie.
"Es liegt jedoch nicht in ihrem Interesse, den Kandidaten zu belügen oder die Wahrheit zu verschleiern, weil
sie sich im weiteren Verlauf des Wahlkampfes einem
Test stellen müssen." Am Wahltag kommt die Wahrheit für diejenigen an den Tag, die sie zu verschleiern
versucht haben.
Darüber hinaus können die Meinungsumfragen des
Kandidaten mit denen einer Reihe öffentlicher Meinungsforschungsinstitute verglichen werden, deren
Ergebnisse regelmäßig in den Medien veröffentlicht
werden.
Politiker lieben keine Überraschungen und dies heute
noch weniger als 1948. Die Kosten einer Wahlkampagne für die Wahl in ein Amt - Reisen, Mitarbeiterhonorare, Werbespots - sind so hoch, daß alle Methoden
ausgeschöpft werden müssen, um diese Ausgaben so
effektiv wie möglich zu nutzen.
Meinungsumfragen sind ein Instrument, um dem
Wahlkampf die Ungewißheiten zu nehmen, aber ständig werden neue Verfahren entwickelt.
"Meinungsumfragen sind nur eine Komponente eines
als PINS bezeichneten politischen Informationssystems, das wir entwickelt haben", stellt Wirthlin fest.
Dieses System stützt sich auf die bei den Meinungsumfragen erzielten Daten zusammen mit traditionellen
Wahlkampfinformationen sowie mathematischen
Computerberechnungen, um ein detaillierteres Bild
der Wähler - und ihrer Einschätzung des Kandidaten zu erhalten als Meinungsumfragen allein dies vermitteln könnten.
"Mit der Weiterentwicklung von Computern und unserer Sicht des Prozesses wird PINS immer mehr eingesetzt", erklärt er. "Meines Erachtens ist der einzelne
Wähler sehr unberechenbar, und ich glaube nicht, daß
wir je den Punkt erreichen, an dem wir alles wissen."
In der Tat lag Michael Dukakis zu Anfang des Präsidentschaftswahlkampfes 1988 Berichten zufolge 17
Prozentpunkte vor seinem voraussichtlichen republikanischen Rivalen, dem damaligen Vizepräsidenten
George Bush. Am Wahltag hielt jedoch Bush mit 54
Prozent der Stimmen Einzug ins Weiße Haus.
Waren die ersten Meinungsumfragen falsch, wie einige Beobachter glauben, oder haben unerwartete Entwicklungen einen drastischen Sinneswandel der Wähler
bewirkt? Oder war das Ergebnis eine Kombination
beider Faktoren?
Diese Frage wird niemals gelöst werden, gleichgültig
wieviel Forschung auch betrieben wird. "Eine der
Freuden der Politik ist, daß sie so unberechenbar ist",
so Wirthlin. "Ich glaube nicht, daß Forschung je
Intuition und gesunden Menschenverstand ersetzen
kann."
*

*

Seite 3

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11539">
                <text>19.08.1992</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11540">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11541">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11542">
                <text>Amerikadienst 19.08.1992</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11543">
                <text>&lt;strong&gt;1. Bush/Baker&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush gibt Bakers Versetzung ins Weiße Haus bekannt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung von Präsident Bush&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Bosnien&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Maßnahmen der USA zu Bosnien&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Anhörung vor dem Streitkräfteausschuß des Senats&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Flüchtlinge&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Abram verurteilt "ethnische Säuberung" im ehemaligen Jugoslawien&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des US-Vertreters bei den Vereinten Nationen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. NAFTA&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush: NAFTA wird Arbeitsplätze schaffen und Wachstum fördern&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung von Präsident Bush zum NAFTA&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA, Mexiko und Kanada beenden NAFTA-Verhandlungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Zustimmung des Kongresses noch erforderlich&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Wahlen'92&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Debatten der Präsidentschaftskandidaten &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Kommission legt Zeitplan vor&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Rolle von Meinungsumfragen im Wahlkampf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Clyde Linsley&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2261" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2272">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/b79212c71f7f4edac881b744e665c90b.pdf</src>
        <authentication>5412fd36106a6eeffbc782182846e580</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="11550">
                    <text>^Sof7^

amcrika
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

34

WAHLEN '92

26. August 1992

BUSH VERSPRICHT "NEUEN KREUZZUG"
FÜR AMERIKA
Rede beim Parteikonvent der Republikaner

VISION DER REPUBLIKANER IST EINHEIT
Das Parteiprogramm der Republikaner

SOMALIA

USA GEBEN ZWEIGLEISIGE NOTHILFESTRATEGIE FÜR SOMALIA BEKANNT
Erklärung des Sonderkoordinators

BILDUNGSWESEN

MULTIKULTURELLE BILDUNG - EIN DISKURS
von Robert K. Landers

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�WAHLEN

'9 2
26. August 1992

BUSH VERSPRICHT "NEUEN KREUZZUG"
FÜR AMERIKA
Rede beim Parteikonvent der Republikaner
HOUSTON - (AD) - Mit dem Versprechen eines "neuen Kreuzzugs", um Amerika sicherer und stärker zu machen,
hat Präsident Bush am 20. August 1992 beim Parteikonvent der Republikaner in Houston offiziell die Präsidentschaftskandidatur seiner Partei angenommen.
Bush erklärte, er kämpfe für "offene Märkte für amerikanische Produkte, niedrigere Staatsausgaben, Steuersenkungen, Chancen für mittelständische Unternehmen, Reform des Rechts- und Gesundheitswesens, Berufsausbildung sowie neue, auf Wettbewerb gegründete Schulen, die bereit für das 21. Jahrhundert sind".
Der Kongreß sei nicht auf seinen Ruf eingegangen, "verschwenderische Projekte" zu streichen und alle
Ausgaben außer denen für die Sozialversicherung einzufrieren, stellte der Präsident fest, "und deshalb werde
ich ab heute abend meinen eigenen Ausgabenstopp verhängen".
Im Hinblick auf die Außenpolitik erklärte Bush, es werde noch mehr Herausforderungen im Stil Kuwaits geben:
"Terroristen und Aggressoren, denen man entgegentreten muß; gefährliche Waffen, die kontrolliert und zerstört
werden müssen. Und der Kampf um die Freiheit ist noch nicht beendet. Ich sehe dem Tag entgegen, an dem
ich als erster Präsident ein freies und demokratische Kuba besuche."
Nachfolgend veröffentlichen wir Präsident Bushs Rede im Wortlaut.

Ich danke Ihnen, und ich bin stolz darauf und fühle mich
geehrt, Ihre Nominierung für das Amt des Präsidenten
der Vereinigten Staaten anzunehmen.
Zunächst möchte ich mich bei Bob Dole, meinem
guten Freund und unserer großartigen Führungspersönlichkeit, für diese wunderbare Einführung bedanken. Und ich möchte in diesem Zusammenhang
sagen, da ß diese Nominierung nicht mir allein gilt. Sie
gilt den Ideen, Prinzipien und Werten, für die wir
stehen.
Meine Arbeit wurde wesentlich erleichtert durch eine
Führungspersönlichkeit, die viel unfaire Kritik mit Takt
und Humor ertragen hat: durch den Vizepräsidenten
der Vereinigten Staaten, Dan Quayle. Ich bin ihm
außerordentlich dankbar.
Ich möchte heute abend über die harte Wahl sprechen,
die ich den Amerikanern diesen Herbst anbieten werde, eine Wahl zwischen verschiedenen Programmen,
verschiedenen Richtungen und, ja, eine Entscheidung
über den Charakter des Mannes, den Sie für die
Führung dieses Landes wünschen.
AMERIKA DIENST 34

Ich wei ß, da ß die Amerikaner zahlreiche Fragen haben
- im Hinblick auf unsere Wirtschaft, die Zukunft unseres Landes und sogar mich selbst. Und ich werde
diese Fragen heute abend beantworten.
Zunächst möchte ich Ihnen mitteilen, daß ich mich
großartig fühle. Und ich fühle mich bestärkt - bestärkt
durch die Meinungsumfragen, die aussagen, daß ich in
meinen Joggingshorts besser aussehe als der Gouverneur von Arkansas.
Vor vier Jahren habe ich über Missionen gesprochen,
für mein Leben und für unser Land. Ich sprach damals
über eine dringende Aufgabe - Verteidigung unserer
Sicherheit und Förderung des amerikanischen Ideals
im Ausland. Halten Sie einen Moment inne und
denken Sie darüber nach, was wir getan haben.
Deutschland ist vereinigt, und ein Stück der Berliner
Mauer steht draußen vor diesem Astrodome.
Araber und Israelis sitzen einander am Verhandlungstisch gegenüber und sprechen über Frieden, und alle
Geiseln im Libanon sind frei.
Seite 1

�Der Konflikt in El Salvador ist beendet, und freie
Wahlen haben Nicaragua Demokratie gebracht.
Schwarze und weiße Südafrikaner feuerten einander
bei dem Olympischen Spielen an.
Die Sowjetunion läßt sich nur noch in den Geschichtsbüchern finden.
Die Vasallenstaaten in Osteuropa und dem Baltikum
sind keine Vasallen mehr.
Und heute verkaufen Händler auf den ländlichen Straßen Polens luftgefüllte Dosen mit der Aufschrift "der
letzte Atemzug des Kommunismus".
Und wenn ich vor vier Jahren vor Ihnen gestanden und
dies als die Welt beschrieben hätte, zu deren Aufbau
wir beitragen würden, so hätten Sie gesagt, George
Bush, Sie müssen etwas geraucht und dabei auch
noch inhaliert haben.
Dieser Konvent ist der erste, bei dem ein amerikanischer Präsident sagen kann, der Kalte Krieg ist vorbei,
und die Freiheit ist als erster durchs Ziel gegangen.
Es gibt viel, auf das wir stolz sein können. Eine Menge.
Einige möchten die Geschichte umschreiben, sie
möchten den Kampf auslassen und behaupten, das
Ergebnis sei unvermeidlich gewesen. Und obwohl die
Nachkriegsstrategie der Vereinigten Staaten im großen und ganzen überparteilich war, bleibt die Tatsache
bestehen, daß der linke McGovern-Flügel der anderen
Partei, einschließlich meines Gegners, ständig die
falschen Entscheidungen traf.
In den siebziger Jahren wollten sie eine ausgehöhlte
Armee. Wir wollten eine starke Streitmacht.
In den achtziger Jahren, und Sie erinnern sich sicher,
in den achtziger Jahren wollten sie ein Einfrieren der
Nuklearwaffen, und wir bestanden auf Frieden durch
Stärke.
Und von Angola bis Mittelamerika sagten sie, laßt uns
verhandeln, überlegen, verschleppen. Und wir sagten,
laßt uns nur für die Freiheit eintreten.
Und heute ist der Kalte Krieg vorbei und sie behaupten,
wir waren die ganze Zeit an Ihrer Seite. Ihr Verhalten
- wirklich, ihr Verhalten erinnert mich an den alten Rat
eines Betrügers an ein Kind. Er sagte, mein Sohn,
wenn man dich aus der Stadt vertreibt, so stelle dich an
die Spitze und sorge dafür, daß es wie eine Parade
aussieht.
Nun, täuschen Sie sich nicht, der Niedergang des
Kommunismus war nicht garantiert. Es bedurfte der
starken Führung von Präsidenten beider Parteien,
darunter Republikaner wie Richard Nixon, Gerald Ford
und Ronald Reagan. Ohne ihre Vision und die Unterstützung des amerikanischen Volkes wäre die Sowjet-

Seite 2

union heute eine starke Supermacht, und wir wären
heute abend mit einer nuklearen Bedrohung konfrontiert.
Meine Gegner sagen, ich beschäftigte mich zu ausführlich mit der Außenpolitik, als ob es keine Rolle
spielte, daß sich Schulkinder bei Übungen einst unter
den Schulbänken versteckten, um sich auf einen Atomkrieg vorzubereiten. Ich sah die Chance, die Träume
unserer Kinder von dem nuklearen Alptraum zu befreien und habe sie ergriffen.
In den vergangenen vier Jahren haben mehr Menschen die frische Luft der Freiheit geatmet als je zuvor
in der Geschichte der Menschheit. Ich sah eine
Chance zu helfen, und ich tat es. Und dies waren die
beiden entscheidenden Chancen - nicht eines Jahres,
nicht eines Jahrzehnts, sondern der gesamten Menschheitsgeschichte.
Ich nutzte diese Chancen für unsere Kinder und Enkelkinder, und ich entschuldige mich dafür nicht.
Heute mag der sowjetische Bär zwar verschwunden
sein, aber es gibt immer noch Wölfe in den Wäldern.
Wir sahen dies, als Saddam Hussein in Kuwait einmarschierte. Der Nahe Osten hätte zum nuklearen Pulverfaß, unsere Energieversorgung als Druckmittel benutzt werden können. Und deshalb taten wir, was
richtig und notwendig war. Wir zerstörten eine Bedrohung, befreiten ein Volk und sperrten einen Tyrannen
im Gefängnis seines eigenen Landes ein.
Und wie stand es um den Anführer der Nationalgarde
von Arkansas, den Mann, der hofft, einmal Oberbefehlshaber zu sein? Während ich in den sauren Apfel
biß, kaute er an seinen Nägeln.
Zwei Tage - hören Sie sich das an, zwei Tage nachdem
sich der Kongreß meiner Führung anschloß, erklärte
mein Gegner folgendes, ich zitiere wörtlich: "Wahrscheinlich hätte ich bei einer knappen Abstimmung mit
der Mehrheit gestimmt. Aber ich pflichte den von der
Minderheit vorgetragenen Argumenten bei."
Nun, das klingt für mich so, als ob man seine Politik mit
dem Text eines Verkehrsschilds zusammenfassen
könnte, das er während seiner Bustour sicher gesehen
hat: "Schleudergefahr bei Nässe."
Schauen Sie, dies ist eine ernste Sache. Denken Sie
an die Auswirkungen unserer außenpolitischen Fehlschläge , als die Demokraten das letzte Mal sowohl das
Weiße Haus als auch den Kongreß kontrollierten.
Schlangen an den Zapfsäulen. Getreideembargos.
Amerikanische Geiseln mit verbundenen Augen.
Es wird in den kommenden vier Jahren mehr au ßenpolitische Herausforderungen im Stile Kuwaits geben.
Terroristen und Aggressoren, denen man entgegentreten muß; gefährliche Waffen, die kontrolliert und
zerstört werden müssen. Und der Kampf um die

AMERIKA DIENST 34

�Freiheit ist noch nicht beendet. Ich sehe dem Tag
entgegen, an dem ich als erster Präsident ein freies
und demokratisches Kuba besuche.
Wer wird die Welt angesichts dieser Herausforderungen führen? Nicht mein Gegner. In seiner Rede zur
Annahme der Präsidentschaftskandidatur verwendete
er gerade 65 Sekunden darauf, uns etwas über die
Welt zu sagen. Und dann erklärte er, Amerika werde,
ich zitiere, überall "verspottet". Nun, sagen Sie dies
den Menschen auf der ganzen Welt, für die Amerika
immer noch ein Traum ist. Erklären Sie das den
politisch Verantwortlichen auf der ganzen Welt, denen
Amerika Respekt abnötigt. Verspottet? Erklären Sie
das den Männern und Frauen der Operation Wüstensturm.
Im Hinblick auf die Zeitungsberichte, die Sie gelesen
haben, möchte ich an dieser Stelle folgendes anmerken. Dies ist ein politisches Jahr, aber in der Welt
lauern viele Gefahren. Und Sie können sicher sein, ich
werde niemals zulassen, daß die Tagespolitik mit einer
außenpolitischen Entscheidung vermengt wird. Vergessen Sie die Wahl. Ich werde das Richtige tun, das
Richtige für die nationale Sicherheit der Vereinigten
Staaten von Amerika. Und dies gelobe ich aus tiefstem
Herzen.
Diesen Sommer vor fünfzig Jahren war ich 18 Jahre
alt. Ich sehe einige junge Leute unter den Zuhörern
heute abend, und ich erinnere mich daran, wie ich mich
damals fühlte. Ich glaubte tief an dieses Land, und wir
waren mit einem Weltkrieg konfrontiert. Ich traf also
eine Entscheidung, auszuziehen und eine Schlacht zu
kämpfen, die sich wesentlich von politischen Schlachten unterschied. Ich hatte Angst, aber ich war willens.
Ich war jung, aber ich war bereit. Ich hatte kaum gelebt,
als ich begann, Männer sterben zu sehen. Ich begann,
den besonderen Platz Amerikas in der Welt zu sehen,
und ich begann sogar damals schon zu sehen, daß die
Welt ein wesentlich kleinerer Platz werden und weit
entfernte Orte immer mehr wie Amerika werden könnten.
Und 50 Jahre danach, nach Veränderungen nahezu
biblischen Ausmaßes, wissen wir, wenn die Freiheit
wächst, wächst auch Amerika. Und ebenso wie ein
starkes Amerika eine sicherere Welt bedeutet, so
haben wir gelernt, daß eine sicherere Welt ein stärkeres Amerika bedeutet.
Bei dieser Wahl geht es um Veränderungen, aber das
ist nicht ungewöhnlich, denn die Amerikanische Revolution endet nie. Heute beschleunigt sich das Tempo
des Wandels. Wir stehen vor neuen Chancen und
neuen Herausforderungen. Und die Frage lautet wem trauen Sie zu, den Wandel für Sie positiv zu
gestalten?
Mein Gegner behauptet, Amerika sei eine Nation im
Niedergang. Von unserer Wirtschaft sagt er, wir seien

AMERIKA DIENST 34

irgendwo auf der Liste zwischen Deutschland und Sri
Lanka im Süden. Lassen sie sich von niemandem
erzählen, Amerika sei zweitklassig, insbesondere von
jemandem, der sich um das Präsidentenamt bewirbt.
Vielleicht hat er nicht gehört, daß wir immer noch die
größte Volkswirtschaft der Welt sind. Keine andere
Nation verkauft so viel im Ausland. Die Deutschen, die
Briten, die Japaner können Ihnen bei der Produktivität
nicht das Wasser reichen - dem amerikanischen Arbeiter und dem amerikanischen Bauern.
Mein Gegner wird das nicht erwähnen. Er wird Sie
nicht daran erinnern, daß die Zinssätze die niedrigsten
seit 20 Jahren sind und Millionen von Amerikanern ihre
Häuser refinanziert haben.
Und Sie werden nicht hören, da ß die Inflation - der Dieb
an der Mittelschicht - in ein Hochsicherheitsgefängnis
verbannt wurde. Und Sie werden nicht viel über diese
guten Nachrichten hören, weil die Medien ebenfalls
dazu neigen, sich auf die schlechten zu konzentrieren.
Und als die Berliner Mauer fiel, erwartete ich fast, eine

Schlagzeile folgenden Inhalts zu lesen: "Mauer fällt,
drei Grenzwachen verlieren den Arbeitsplatz."
Und darunter hätte vielleicht gestanden: Clinton macht
Bush verantwortlich.
Sie hören nicht viel über die Fortschritte in Amerika.
Ich möchte Ihnen deshalb etwas über einige der guten
Dinge erzählen, die wir gemeinsam bewirkt haben.
Erst vor zwei Wochen haben sich die drei Nationen
Nordamerikas auf freien Handel von Manitoba bis
Mexiko verständigt. Dies wird dem amerikanischen
Markt gute Arbeitsplätze bringen.
Wir haben das Gesetz über behinderte Amerikaner
verabschiedet, womit 43 Millionen Amerikaner in die
Volkswirtschaft integriert werden. Und ich mu ß sagen,
es war höchste Zeit.
Aufgrund unseres Gesetzes über die Reinhaltung der
Luft werden unsere Kinder freier atmen. Wir erneuern
unsere Straßen und stellen damit Arbeitsplätze für
eine halbe Million Amerikaner bereit. Wir haben ein
Gesetz über Kinderbetreuung verabschiedet, und wir
haben uns für die Werte der Familie eingesetzt, indem
wir erklärt haben, daß bei der Kindererziehung nicht
die Regierung, sondern die Eltern besser Bescheid
wissen.
Ich habe mein ganzes Leben gegen Vorurteile und
Antisemitismus gekämpft. Und ich bin stolz darauf,
daß wir unsere Bürgerrechtsgesetze verschärft haben
ohne zu Quoten Zuflucht zu nehmen.
Noch etwas von lebenswichtiger Bedeutung für alle.
Heute liegt der Kokainkonsum bei jungen Leuten 60
Prozent niedriger. Den Teenagern, den Eltern und den
ehrenamtlichen Helfern, die uns beistehen, die Geißel
der Drogen in Amerika zu bekämpfen - wir danken

Seite 3

�Euch. Aus tiefstem Herzen bedanken wir uns bei
Euch.
Möchte ich noch mehr tun? Darauf können Sie wetten.
Nichts schmerzt mehr, als vom Persischen Golf heimgekehrte Soldaten zu treffen, die keinen Arbeitsplatz
finden oder Arbeiter, die einen Arbeitsplatz haben, sich
jedoch Sorgen machen, daß sie schon am nächsten
Tag das Kündigungsschreiben erhalten. Und wie steht
es um die Familien, die sich das Studium ihrer Kinder
vom Munde absparen und die danach wieder Zuhause
wohnen, weil sie keine Arbeit finden.
Die Welt befindet sich im Umbruch, und wir spüren
diesen Übergang bei uns zu Hause. Die entscheidende Herausforderung der neunziger Jahre besteht darin, den wirtschaftlichen Konkurrenzkampf zu gewinnen - den Frieden zu gewinnen. Wir müssen eine
militärische Supermacht sein, eine wirtschaftliche
Supermacht und eine Exportsupermacht.
Bei dieser Wahl werden Sie zwei Versionen davon
hören, wie dies getan werden soll. Die der anderen
besteht darin. Nabelschau zu betreiben und zu schützen, was wir bereits haben. Unsere besteht darin,
nach vorn zu blicken, neue Märkte zu öffnen, unsere
Bevölkerung auf den Wettbewerb vorzubereiten, unser soziales Geflecht zu erneuern, zu sparen und zu
investieren, damit wir gewinnen können.
Wir gehen davon aus, daß es heute, da die Welt
Amerika ähnlicher sieht, an der Zeit ist, daß Amerika
wieder mehr sich selbst ähnelt. Deshalb bieten wir
eine Philosophie an, die Vertrauen in den einzelnen
setzt, nicht in die Bürokratie. Eine Philosophie, die den
Menschen dazu verhilft, ihr Bestes zu tun, damit
Amerika sein Bestes erreicht. In einer Welt, die sicherer und freier ist, ist dies der Weg, um ein Amerika
aufzubauen, das stärker und sicherer ist. Wir beginnen mit einer simplen Tatsache - der Staat ist zu groß
und gibt zu viel Geld aus.
Ich habe den Kongreß deshalb gebeten, alle vorgeschriebenen Ausgaben außer denen für Sozialversicherung zu begrenzen. Und ich habe vorgeschlagen,
über 200 Programme und 4 000 verschwenderische
Projekte zu streichen sowie alle anderen Ausgaben

einzufrieren.
Der verbohrte demokratische Kongreß hat nein gesagt. Ab heute abend werde ich deshalb meinen
eigenen Ausgabenstopp verhängen. Wenn mir der
Kongreß ein Gesetz vorlegt, das höhere Ausgaben als
die in meinem Haushalt veranschlagten vorsieht, werde
ich unverzüglich mein Veto einlegen.
Ein schnelles Veto - schneller als sich Millies Bücher
verkauften.
Der Kongreß möchte die Ausgaben nicht begrenzen,
weigert sich aber, dem Präsidenten ein Vetorecht
gegen Wahlgeschenke zu geben, mit denen Ihr Geld

Seite 4

verschleudert wird. Dreiundvierzig Gouverneure haben
dieses Recht. Ich bitte deshalb Sie, das amerikanische Volk, mir einen Kongreß zu geben, der mir ein
selektives Veto einräumt.
Ich möchte Ihnen über eine kürzliche Auseinandersetzung mit dem Kongreß berichten, eine Auseinandersetzung, in der mir Bib Michael und seine Mannen
sowie Bob Dole und die seinigen halfen. Dieses
Frühjahr arbeitete ich Tag und Nacht, um zwei Drittel
der Mitglieder des Repräsentantenhauses dazu zu
bewegen, einen Verfassungszusatz zu verabschieden, der einen ausgeglichenen Haushalt vorschreibt.
Wir waren nahe daran, verloren jedoch mit neun Stimmen. Hören Sie zu, wie wir verloren. Kurz vor der
Abstimmung überzeugte die linke Führung des Kongresses 12 Abgeordnete, die das Gesetz mit eingebracht hatten, die Seiten zu wechsen und mit nein zu
stimmen. Führen Sie sich vor Augen, sie stimmten
gegen ein Gesetz, für das sie sich bereits namentlich
eingesetzt hatten. War da vielleicht irgendetwas faul?
Und betrachten Sie meinen Gegner bei dieser Frage.
Schauen Sie sich meinen Gegner an. Er erklärt, er sei
für ausgeglichene Haushalte, aber er sprach sich
gegen den Verfassungszusatz aus. So verhält er sich
bei vielen Themen - erst auf der einen Seite, dann auf
der anderen. Er wurde an mehr Orten gesehen als
Elvis Presley.
Nach all diesen Jahren ist der Kongre ß ziemlich kreativ
geworden, wenn es darum geht, Möglichkeiten zu
suchen, um Ihr Geld zu verschwenden. Wir müssen
deshalb ebenso kreativ dabei sein, Wege zu finden,
um dem Einhalt zu gebieten. Der Steuerzahler sollte
das Recht erhalten, eine Rubrik auf seiner Steuererklärung anzukreuzen, damit bis zu 10 Prozent seiner
Steuerschuld für einen bestimmten Zweck verwendet
werden können - die Reduzierung der Staatsschulden.
Darüber hinaus müssen wir sicherstellen, daß der
Kongreß nicht einfach eine Kehrtwende macht und
mehr Kredite aufnimmt, um noch mehr Geld auszugeben. Ich werden deshalb verlangen, daß für jeden
Dollar aus Steuermitteln, der für die Senkung der
Schulden verwendet wird, die Ausgabenbegrenzungen um eine ebensolche Summe verringert werden.
Auf diese Weise werden wir sowohl die Schulden als
auch die Ausgaben senken und das Haushaltsdefizit
ein Stück reduzieren.
Meine Haltung gegenüber einem aufgeblähten Regierungsapparat entstammt meiner Erfahrung. Ich habe
die Hälfte meines Lebens als Erwachsener in der
Privatwirtschaft verbracht. Mein Gegenspieler hat
eine andere Erfahrung. Er war nahezu sein ganzes
Leben im Staatsdienst tätig. Seine Leidenschaft zur
Ausweitung des Staates kennt keine Grenzen. Und er
hat bereits vorgeschlagen - hören Sie sich das genau
an - er hat bereits 220 Milliarden Dollar an neuen
Ausgaben vorgeschlagen, zusammen mit der größten

AMERIKA DIENST 34

�Steuererhöhung in der Geschichte, 150 Milliarden
Dollar - das ist nur der Anfang.
Er erklärt, er wolle die Reichen besteuern, aber er
definiert als reich jeden, der einen Arbeitsplatz hat.
Sie haben von der Gewaltenteilung gehört. Nun, mein
Gegner praktiziert eine andere Theorie - die Macht der
Trennungen. Die Regierung hat die Macht, Sie von
Ihrer Geldbörse zu trennen.
Dazu möchte ich sagen, daß ich im Hinblick auf die
Steuern eine harte Schule durchgemacht habe. Ein
altes Sprichwort besagt: "Gute Urteilskraft kommt aus
Erfahrung, und Erfahrung kommt aus schlechten Urteilen." Vor zwei Jahren habe ich bei der Steuererhöhung der Demokraten einen Fehler gemacht. Ich
unterschätzte die Sucht des Kongresses nach Steuererhöhungen, und - mit dem Rücken zur Wand - stimmte ich einem zäh ausgehandelten Kompromiß zu einer einmalige Steuererhöhung mit den härtesten
jemals verabschiedeten Ausgabenbeschränkungen.
Nun, es war ein Fehler, der Steuererhöhung der
Demokraten zuzustimmen.
Und ich räume es ein. Aber jetzt geht es um die Frage,
die dem amerikanischen Volk vorliegt: Wem vertrauen
Sie in dieser Wahl - dem Kandidaten, der die Steuern
einmal erhöht hat und es bedauert oder dem anderen
Kandidaten, der Steuern und Abgaben 128 mal erhöht
und dies jedes Mal genossen hat.
Wenn der neue Kongreß zusammentritt, werde ich
weitere Steuersenkungen in allen Bereichen vorschlagen unter der Voraussetzung, daß wir diese Senkungen durch spezifische Ausgabenkürzungen bezahlen,
die ich für geeignet halte, um das Defizit nicht weiter
ansteigen zu lassen.
Ich werde mich darüber hinaus weiter dafür einsetzen,
die persönlichen Freibeträge anzuheben und durch
eine Senkung der Kapitalertragssteuer Arbeitsplätze
zu schaffen.
Damit wird insbesondere den mittelständischen Betrieben geholfen. Wie Sie wissen, schaffen sie - die
mittelständischen Unternehmen - zwei Drittel der neuen
Arbeitsplätze in Amerika. Der Plan meines Gegenspielers im Hinblick auf die mittelständischen Unternehmen ist klar, real und gefährlich. Neben neuen
Einkommensteuern wird sein Plan zu einer neuen
Lohnsummensteuer führen, um für das Gesundheitswesen und Ausbildung zu bezahlen. Und das ist nur
der Anfang. Und wenn er seinen Willen bekommt, so
werden die Eisenwarenhandlungen in Amerika ein
neues Schild in die Fenster hängen - wegen Verzweiflung geschlossen (closed for despair). Und man
könnte sagen, daß es sich bei seinem Plan um eine Art
von "Elvis Economics" handelt - er wird Amerika ins
"Heartbreak Hotel" führen.

AMERIKA DIENST 34

Ich gehe davon aus, daß mittelständische Unternehmen weniger Besteuerung, Vorschriften und Prozesse
benötigen.
Aus diesem Grund werde ich das Einfrieren der Papierflut und unnötiger Bundesvorschriften, das ich im
vergangenen Winter angeordnet habe, um ein Jahr
verlängern.
Es gibt keinen Grund dafür, daß Bundesvorschriften
ein längeres Leben haben sollten als mein Freund
George Burns. Ich werde anordnen, jede Vorschrift zu
beseitigen, deren Zeit gekommen ist.
Und ich sehe, wie etwas in unseren Städten und
Wohnvierteln geschieht. Staranwälte toben wie die
Wilden. Ärzte fürchten sich, ihren Beruf auszuüben.
Und einige Mütter und Väter möchten noch nicht
einmal mehr Kindermannschaften trainieren. Wir
müssen einander weniger häufig verklagen und mehr
Verständnis füreinander aufbringen.
Ich kämpfe dafür, unser Rechtssystem zu reformieren,
um verrückten Prozessen ein Ende zu bereiten. Wenn
das heißt, mit den Wahlkampfanwälten in den Ring zu
steigen, so sage ich hier nur, daß die erste Runde
heute abend beginnt.
Schließlich wird die Kampagne meines Gegners praktisch von jedem Advokaten unterstützt, der jemals eine
Anwaltsrobe getragen hat. Er steht nicht mit ihnen im
Ring, er sitzt im Panzer.
Es gibt noch andere Dinge, die wir tun müssen, damit
unsere Wirtschaft wieder in Fahrt kommt, um unsere
Kinder auf das nächste Jahrhundert vorzubereiten.
Wir müssen neue Anreize für die Forschung und eine
neue Ausbildung für Arbeitnehmer schaffen. Mittelständische Unternehmen benötigen Kapital und Kredite, und Arbeitnehmer in der Rüstungsindustrie benötigen neue Arbeitsplätze.
Und ich habe einen Plan, jedem Amerikaner eine
bezahlbare Krankenversicherung zur Verfügung zu
stellen, die Kosten durch Reduzierung von Bürokratie
und Prozessen einzudämmen sowie den Versicherungsschutz auf die Ärmsten der Armen auszudehnen.
Wir brauchen den Plan meines Gegners nicht, der eine
massive Übernahme der Krankenversicherung durch
den Staat vorsieht, die medizinische Betreuung rationieren und Ihnen das Recht auf freie Arztwahl verweigern würde. Wer möchte ein Krankenversicherungssystem, das die Effizienz der Poststelle im Repräsentantenhaus und das Mitgefühl des KGB aufweist?
Wie steht es um unsere Schulen? Mein Gegner und
ich möchten beide die Art und Weise verändern, in der
unsere Kinder lernen. Er möchte unsere Schulen ein
bißchen verändern, und ich möchte sie stark verändern.

Seite 5

�Nehmen Sie die Frage, ob Eltern in der Lage sein
sollten, die beste Schule für ihre Kinder auszuwählen.
Mein Gegner sagt, dies sei in Ordnung, solange die
Schule vom Staat geleitet wird. Und ich sage, jedes
Elternteil und jedes Kind sollten eine echte Schulwahl
haben - öffentlich, privat oder konfessionell gebunden.
Wir haben also eine klare Wahl, um unsere Probleme
zu lösen. Wenden wir uns dem verschlissenen Gewand der Bürokratie zu, das gerade von anderen
Staaten abgestreift wird? Oder geben wir den Menschen die Freiheit und die Anreize, um für sich Sicherheit zu schaffen?
Ich setze mich für folgendes ein: offene Märkte für
amerikanische Produkte, niedrigere Staatsausgaben,
Steuersenkungen, Chancen für mittelständische Unternehmen, Reform des Rechts- und Gesundheitswesens, Berufsausbildung sowie neue, auf Wettbewerb
gegründete Schulen, die bereit für das 21. Jahrhundert
sind.
Warum sind diese Vorschläge heute nicht in Kraft? Es
gibt nur einen Grund - den verbohrten demokratischen
Kongreß.
Ich wei ß, daß die Amerikaner genug von Schuldzuweisungen haben, genug von Leuten in Washington, die
sich aufführen wie Kandidaten für die nächste Episode
von American Gladiators. Ich mag es auch nicht, und
dasselbe gilt für Sie. Aber die Wahrheit ist die Wahrheit. Unsere Maßnahmen sind nicht fehlgeschlagen,
sie wurden noch nicht einmal ausprobiert.
Die Amerikaner möchten Arbeitsplätze. Am 28. Januar habe ich dem Kongreß einen Plan zur Schaffung
von Arbeitsplätzen vorgelegt. Und wenn er damals
verabschiedet worden wäre, hätten heute 500 000
Amerikaner zusätzlich eine Beschäftigung. Aber in
einer Nation, die Tätigkeit verlangt, ist der Kongreß
zum Meister der Untätigkeit geworden.
Das war jedoch nicht immer der Fall. Ich habe heute
abend Präsident Ford zugehört. Ich diente vor 22
Jahren unter ihm im Kongreß. Und damals arbeiteten
wir zusammen. Wir trugen keine persönlichen Streitigkeiten aus, wir stellten den Menschen über alles andere. Damals besaßen wir noch nicht einmal Haartrockner. Bei meiner ersten Amtseinführung habe ich
erklärt, die Menschen schickten uns nicht hierher, um
uns zu zanken. Ich habe meine Hand ausgestreckt,
und das amerikanische Volk weiß dies, ich habe der
Führung des Kongresses meine Hand gereicht, und
sie hat hineingebissen.
Die Führung des Repräsentantenhauses ist seit 38
Jahren unverändert. Es ist ein Gremium, das hoffnungslos in einem Netz von Sonderinteressen, Nebeneinnahmen, Privilegien, Parteilichkeit und Lähmung
gefangen ist.

Seite 6

Jeden Tag stellt der Kongreß Politik über Prinzip und
über den Fortschritt. Ich möchte Ihnen nur ein Beispiel
dafür geben. Es war am 20. Februar 1991, auf dem
Höhepunkt des Golfkriegs. An genau diesem Tag bat
ich amerikanische Piloten, ihr Leben zu riskieren, um
Einsätze über Bagdad zu fliegen. Und ich wollte ferner
unsere wirtschaftliche Sicherheit für die Zukunft stärken. An jenem Tag legte ich also eine neue nationale
Energiestrategie vor, die unsere Abhängigkeit von
ausländischem Öl um sieben Millionen Barrel pro Tag
verringern würde.
Wie viele Tage wurden benötigt, um den Golfkrieg zu
gewinnen? 43. Und wie viele benötigte der Kongreß,
um eine nationale Energiestrategie zu verabschieden ?
532, und es wird weiter gezählt.
Ich habe Heimtrainer benutzt, die sich schneller bewegen können als das US-Repräsentantenhaus und der
US-Senat, die von der demokratischen Führung beherrscht werden.
Wie steht mein Gegner zum Kongreß? Nun, bis zu
ihrem Konvent in New York hielten sie die Kongreßführung vom Podium fern und versteckten sie. Sie wollten
nicht, daß Amerika von den Leuten hören würde, die
wirklich die Entscheidungen treffen. Und sie versteckten sie aus gutem Grund, weil das amerikanische Volk
eine gefährliche Kombination erkennen würde - einen
Kongreß der ungedeckten Schecks und einen Präsidenten, der dessen willfähriges Werkzeug wäre.
Gouverneur Clinton und der Kongreß wissen, daß Sie
ihre Sprachregelung durchschaut haben. Sie wissen,
wenn sie "Ausgaben" sagen, antworten Sie mit "oh,
oh". Deshalb haben sie jetzt ein neues Wort, "Investitionen". Sie möchten 220 zusätzliche Milliarden von
Ihrem Geld "investieren". Aber ich möchte, daß Sie
dieses Geld behalten.
Gouverneur Clinton und der Kongreß möchten die
größte Steuererhöhung der Geschichte durchdrükken, aber ich werde das nicht zulassen.
Und Gouverneur Clinton und der Kongreß möchten
nicht, daß Kinder in den Schulen die Möglichkeit zum
Gebet haben, aber ich möchte es. Clinton und der
Kongreß möchten nicht gesetzliche Schlupflöcher
stopfen und Kriminelle hinter Gittern lassen, aber ich
werde das tun. Clinton und der Kongreß werden die
Richterschaft mit liberalen Richtern auffüllen, die Gesetze
schreiben, die ihnen von den Wählern nicht bewilligt
werden.
Gouverneur Clinton sagt sogar, Mario Cuomo müsse
in das Oberste Bundesgericht aufgenommen werden.
Warten Sie einen Moment - vielleicht gar keine schlechte Idee. Wenn Sie an richterliche Zurückhaltung
glauben, sollten Sie vielleicht glücklich sein. Der gute

AMERIKA DIENST 34

�Gouverneur von New York kann sich ja schon in der
Eisdiele nicht zwischen Vanille und Schokolade entscheiden.
Wenn er einmal dort ist, werden wir in den nächsten 35
Jahren kein Urteil mehr bekommen, und vielleicht ist
das ja so in Ordnung.
Sind mein Gegner und der Kongreß wirklich miteinander im Bunde? Betrachten Sie eine wichtige Frage sollten wir die Amtszeit im Kongreß begrenzen?
Gouverneur Clinton sagt nein. Der Kongreß sagt nein.
Und ich sage ja.
Wir haben dies bereits trüher einmal versucht, als wir
den demokratischen Senator eines kleinen Südstaates mit einem linken Vizepräsidenten und einem
demokratischen Kongreß kombiniert haben. Amerika
braucht keinen zweiten Carter.
Wir möchten Amerika nicht zurück in die Tage dieser
Malaise führen. Aber die Amerikaner möchten wissen
- wo ist der Beweis, daß wir bessere Tage in Washington sehen werden? Ich werde Ihnen 150 Gründe dafür
geben. Auf diese Art werden zahlreiche Kongreßabgeordnete Washington in diesem Jahr verlassen. Einige
sind mit Skandalen behaftet. Die Wähler haben sie
abgeschrieben, so wie sie ihre eigenen Schecks platzen ließen. Aber andere sind gute Abgeordnete Republikaner und Demokraten. Und sie stimmen mit
mir überein - das Tempo funktioniert nicht mehr.

Vielleicht ist das der Grund, warum ich immer davon
überzeugt war, daß Patriotismus nicht nur ein anderer
Gesichtspunkt ist. Es gibt Zeiten im Leben eines jeden
jungen Menschen, in denen Gott sich vorstellt. Und ich
erinnere mich an solch eine Zeit. Es war vor vielen
Jahren, als ich um 4.00 Uhr morgens Wache auf der
Brücke eines Unterseebootes, der USS Finback, hielt.
Ich stand dort und blickte in die Schwärze des Himmels, die nur durch die strahlenden Sterne unterbrochen wurde. Und ich dachte an die Freunde, die ich
verloren hatte, an das Land, das ich liebte und eine
Frau namens Barbara.
Ich erinnere mich an jene Nächte so deutlich wie an
jede Nacht meines Lebens. Wissen Sie, man kann von
dort oben Dinge sehen, die andere Menschen nicht
sehen. Man kann Sturmwolken aufziehen und wieder
verschwinden sehen. Den ersten Sonnenstrahl am
Horizont und den ersten Umriß einer in weiter Feme
liegenden Küste.
Ich weiß, daß die Amerikaner heutzutage beunruhigt
sind. An unseren Küchentischen vernimmt man besorgte Gespräche. Von wo ich stehe, sehe ich nicht
Amerikas Sonnenuntergang, sondern einen Sonnenaufgang. Und die Welt verändert sich, für die wir eine
Generation lang Opfer gebracht haben und schließlich
bei der seltenen und einzigartigen Chance angelangt
sind, den süßen Becher des Wohlstand am Tisch der
Amerikaner herumgehen zu lassen.

Und ich werden meine Sicht des Wandels darlegen.
Veränderungen, die zählen. Wirkliche Veränderungen, die einen Unterschied bewirken. Wandel ist das
Richtige für Amerika. Wie Sie wissen, gibt es in den
Vereinigten Staaten ein Drängen, ein Gefühl, es sei
vielleicht an der Zeit, zu unseren Wurzeln zurückzukehren. Natürlich müssen wir uns verändern, aber
einige Werte sind zeitlos. Ich glaube an Familien, die
zusammenhalten, Väter, die bei ihrer Familie bleiben.
Und ich bin sehr tief vom Wert jedes einzelnen menschlichen Wesens überzeugt - geboren oder ungeboren.

Sind wir bereit dazu? Ich weiß, daß wir es sind. Wenn
ich unser Land bereise, treffe ich Veteranen, die einstmals im Gefechtsturm eines Panzers gearbeitet haben
und jetzt die Tastatur der Hochtechnologiewirtschaft
beherrschen. Ich sehe Lehrer, die mit der unglaublichen amerikanischen Fähigkeit zur Erneuerung gesegnet sind, die unsere Kinder eine neue Art des
Lernens für ein neues Jahrhundert lehren. Ich treffe
Eltern, von denen einige zwei Arbeitsplätze mit hektischen Terminplänen haben und die dennoch neue
Wege finden, alte Werte zu vermitteln, um ihre Kinder
in einer turbulenten Welt zu stabilisieren. Und ich
nehme mir zu Herzen, was in Amerika geschieht, nicht,
was ich von denen höre, die eine neue Leidenschaft für
die Regierung bekunden, sondern von denjenigen mit
einem traditionellen und unerschütterlichen Glauben
an das menschliche Potential. Diejenigen, die verstehen, daß das Geniale der Vereinigten Staaten in
unserer Fähigkeit zu Wiedergeburt und Erneuerung
liegt. Amerika ist das Land, in dem die Sonne immer
über den Horizont lugt.

Und ich glaube daran, unseren Kindern den Unterschied zwischen Gut und Böse beizubringen, sie den
Respekt für harte Arbeit und Nächstenliebe zu lehren.
Und ich glaube, daß Amerika stets einen besonderen
Platz im Herzen Gottes haben wird - solange es einen
besonderen Platz in unserem Herzen hat.

Heute abend appelliere ich an diesen unverbrüchlichen, unzerstörbaren, unleugbaren amerikanischen
Geist. Ich bitte Sie, zu erwägen - nun, da die gesamte
Welt sich in unsere Richtung bewegt - warum wir in die
Richtung der anderen zurückgehen sollten? Ich bitte
nicht nur um Ihre Unterstützung für mein Programm,

150 neue Delegierte aus beiden Parteien werden in
diesem Herbst nach Washington kommen. Jeder wird
eine neue Sicht zur Zukunft der Vereinigten Staaten
haben. Und ich versichere dem amerikanischen Volk
heute, unmittelbar nach der Wahl werde ich jeden Tag
mit all diesen neuen Abgeordenten zusammenkommen, bevor sie von den Interessengruppen angegriffen, von ihren Mitarbeitern in Beschlag genommen und
von einem Kamerateam in die Ecke gedrängt werden.

AMERIKA DIENST 34

Seite 7

�sondern auch für Ihr Engagement zur Erneuerung und
zum Wiederaufbau unserer Nation, indem wir die eine
Institution aufrütteln, die seit über vier Jahrzehnten
Veränderungen widerstanden hat.
Schieben Sie gemeinsam mit mir die Straßensperre
am anderen Ende der Pennsylvania Avenue beiseite,
damit wir in den kommenden vier Jahren draußen die
gleichen Leistungen vollbringen können, indem wir
drinnen ein stärkeres und sichereres Amerika aufbauen.
Vor 44 Jahren, in einem anderen Zeitalter der Unsicherheit, machte sich ein anderer Präsident für eine
ähnliche Mission bereit. Sein Name war Harry S.
Truman. Als er vor seiner Partei stand, um ihre

Nominierung anzunehmen, kannte Harry S. Truman
die Freiheit, die ich heute abend kenne - die Freiheit,
darüber zu sprechen, was das Richtige für Amerika ist.
Sollen die Würfel fallen. Harry S. Truman sagte: "Dies
ist mehr als ein politischer Ruf zu den Waffen. Gebt mir
Eure Hilfe, nicht nur um Stimmen zu gewinnen, sondern um diesen neuen Kreuzzug zu gewinnen und
Amerika sicher für sein Volk zu machen."
Nun, heute abend sage ich Ihnen, treten Sie gemeinsam mit mir diesen Kreuzzug an, um die Früchte
unseres globalen Sieges zu ernten, den Frieden zu
gewinnen, damit wir Amerika sicherer und stärker für
all unsere Menschen machen können. Möge Gott Sie
und die Vereinigten Staaten von Amerika schützen.
Vielen Dank.

* * * * *

Seite 8

AMERIKA DIENST 34

�WAHLEN

'9 2
26. August 1992

VISION DER REPUBLIKANER IST EINHEIT
Das Parteiprogramm der Republikaner
HOUSTON - (AD) - Die Delegierten des Parteitages der Republikaner verabschiedeten am 17. August 1992 ein
Parteiprogramm, das außen- und innenpolitische Ziele umreißt sowie den Wert der Familie unterstreicht.
Das Parteiprogramm der Republikaner hat den Titel: Eine gemeinsame Vision: Die Vereinigung unserer
Familien, unseres Landes, unserer Welt.
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus dem Parteiprogramm.

Die Vereinigung unserer Familien
Die Familie: Der Hort der Freiheit
Die Rechte der Familie
Unsere nationale Erneuerung beginnt bei der Familie.
Sie bildet den moralischen Anker jeder neuen Generation. Sie ist der Lehrmeister des Bürgertums, der
Motor für wirtschaftlichen Fortschritt, ein Element der
Kontinuität, wenn sich alles im Umbruch befindet.
Wandel kann positiv sein, wenn er die Energie und das
Engagement unserer Familienangehörigen zum Aufbau einer besseren Zukunft freisetzt. Wir begrüßen
Veränderungen, mit denen die Fehler der Vergangenheit korrigiert werden, insbesondere die an der eigenen Familie begangenen. Seit über dreißig Jahren hat
die liberale Philosophie die Familie von allen Seiten angegriffen.
Heute vertreten ihre wortgewandteren Verfechter die
Auffassung, Kinder sollten ihre Eltern zu Entscheidungen über Schulfragen, Schönheitsoperationen, Beschäftigung und andere Familienangelegenheiten
gerichtlich belagen können. Sie bestreiten die Autorität und Verantwortung der Eltern, zersplittern die Familie
in isolierte Individuen, die alle von der Regierung
abhängig - und ihr gegenüber ohnmächtig - sind. Dies
ist letztlich das Programm des zeitgenössischen Sozialismus in all seinen Facetten: die Jugendlichen von
traditionellen Familienwerten zu befreien, indem man
die Funktion der Familie durch bürokratische Sozialdienste ersetzt. Aus diesem Grund sind die liberalen
Demokraten von heute feindlich gegenüber jeder Einrichtung eingestellt, die die Regierung nicht kontrollieren kann wie etwa private Kindertagesstätten oder
kirchliche Schulen.

AMERIKA DIENST 34

Die Republikanische Partei reagiert, wie sie dies seit
1980 getan hat, mit der unerschütterlichen Verpflichtung zu wirtschaftlicher Freiheit und den moralischen
Rechten der Familie. Die Republikaner vertrauen den
Eltern und sind der Überzeugung, daß sie - und nicht
Gerichte oder Rechtsanwälte - wissen, was das Beste
für ihre Kinder ist. Aus diesem Grund wollen wir
sicherstellen, daß der Kongreß und die Bundesstaaten
kein Gesetz verabschieden, das die durch Blutsverwandtschaft, Heirat, Adoption oder Vormundschaft
entstandenen Rechte der Familie beschneidet - Rechte, die älter und höherrangig sind als die der Regierung.
Die Republikaner lehnen die Bestrebungen der Demokratischen Partei zur Neudefinition der traditionellen
amerikanischen Familie ab und widersetzen sich ihnen.
Wir werden intakte, fürsorgliche Familien unterstützen, indem wir Vorurteile abbauen, die sich in unsere
Gesetze und Steuervorschriften eingeschlichen haben. Wir werden Adoptionen durch erhebliche Steuererleichterungen, Versicherungs- und Gesetzesreformen begünstigen. Wir ermutigen die Adoption von
Kindern derjenigen, die auf die emotionalen, finanziellen oder physischen Anforderungen der Kindererziehung nicht vorbereitet sind oder sich davon überfordert
fühlen. Wir streben die Verbesserung von Entbindungskliniken an, um die Versorgung von Müttern und
Babies sicherzustellen.
Wir begrüßen das Engagement von Pflegeeltern, die
das Umfeld zur Kindererziehung bieten. Wir verabscheuen das unwürdige bürokratische Mismanagement der Pflegschaft. Wir sind zur Reform des Systems entschlossen, um diesen Kindern zu helfen.

Seite 1

�Kaputte Familien können verheerende emotionale und
wirtschaftliche Auswirkungen auf Kinder haben und
sind die Brutstätte für Jugendbanden. Wir fordern die
Gerichtsbarkeit der Bundesstaaten auf, Wege zu
sondieren, um die Stabilität der Ehe zu fördern. Weil
die aus mehreren Generationen bestehende Familie
ein lebenswichtiges Element des sozialen Gefüges ist,
drängen wir auf größere Achtung der Rechte und Rolle
von Großeltern.

Steuererleichterungen und -abzüge erschwinglicher,
mit denen die Versicherungskosten für 95 Millionen
Amerikaner verrechnet werden, macht sie besonders
für Kleinunternehmen durch die Senkung der Versicherungskosten leichter zugänglich und beseitigt darüber hinaus die Sorge von Arbeitnehmern, ihren Versicherungsschutz zu verlieren, wenn sie den Arbeitsplatz wechseln. Der Plan macht Gesundheitsfürsorge
durch folgende Maßnahmen leicher zugänglich:

Die Republikaner sind sich der Bedeutung einer intakten Familie bewußt. Eine Familie mit beiden Elternteilen bietet nach wie vor das beste Umfeld für Stabilität,
Disziplin, Verantwortungsbewußtsein und Charakter.
Wir unterstützen die mutigen Versuche von Alleinerziehenden zu einem stabilen Heim.

Einführung neuer Steuererleichterungen und
-abzüge, um Amerikanern mit niedrigen und
mittleren Einkommen zu helfen. Diese Steuererleichterungen würden in Form von Gutscheinen für einkommensschwache Arbeitnehmer
zur Verfügung gestellt.

Für gesündere Familien: Förderung der Gesundheit, Verhinderung von Krankheiten, Reform des
Gesundheitswesens

Sicherstellung der Versicherungsleistung für
Arbeitnehmer durch die Forderung an die Versicherungsträger zur Abdeckung bisheriger Leistungen.

Die Amerikaner erhalten die beste medizinische Versorgung der Welt. Wir haben die besten Krankenversicherungen, die besten Kliniken und die beste medizinische Technologie. Die Menschen kommen aus
Kanada, Europa, aus allen Teilen der Welt zu uns, um
sich einer Therapie oder Behandlung zu unterziehen,
die in ihrem Heimatland entweder nicht angeboten wird
oder strengen Restriktionen unterliegt.
Aber wir müssen es besser machen. Die Kosten
explodieren. Viele Amerikaner mit Kindern und älter
werdenden Eltern sind beunruhigt über die Qualität
und Kosten des Gesundheitswesens. Die Wahlen
1992 stellen uns alle vor eine klare Entscheidung. Die
Demokraten wollen eine kostenintensive, aus dem
Ausland importierte gesetzliche Krankenversicherung
mit einem vom Kongreß festgesetzten Budget und von
Bürokraten verfügten Maßnahmen. Dies ist das Rezept für Elend. Es würde Arbeitsplätze gefährden,
neue Steuern in Milliardenhöhe erfordern, die Qualität
des Gesundheitswesens allgemein verschlechtern, die
Krankenversicherungen arbeitslos machen und zu einer
Rationierung führen.
Die Republikaner vertreten die Auffassung, daß die
staatliche Kontrolle des Gesundheitswesens unverantwortlich und ineffektiv ist. Unseres Erachtens sollte
den Betroffenen die Entscheidung für die Gesundheitsfürsorge überlassen bleiben, nicht den Regierungsbürokraten. Dieses Thema spiegelt die grundlegenden Unterschiede zwischen den beiden Parteien
am deutlichsten wider.
Wir unterstützen Präsident Bushs umfassenden Plan
zum Gesundheitswesen, mit dem die beiden Hauptprobleme des derzeitigen Systems gelöst werden Zugang und Erschwinglichkeit - bei gleichzeitiger
Aufrechterhaltung der hohen Qualität der Gesundheitsfürsorge, die Amerikaner heute genießen. Der
Plan des Präsidenten macht Gesundheitsfürsorge durch

Seite 2

Volle Absetzbarkeit der Versicherungsprämien
für Freiberufler.
Erleichterungen für Kleinunternehmen beim
Versicherungsschutz für ihre Beschäftigten. Im
Rahmen dieses Vorschlags könnten Kleinunternehmen sich beim Abschluß von Versicherungen zusammenschließen, die damit günstiger
würden. Darüber hinaus würden die Verfügbarkeit und Erneuerbarkeit von Versicherungen für
Kleinunternehmen gewährleistet, Prämien festgelegt, von den Bundesstaaten zwingend vorgeschriebenen Leistungen vorgegriffen, Pläne
zur Mindestabdeckung geschaffen und von den
Bundesstaaten die Einrichtung von Feuerwehrfonds gefordert, um die Risiken auf alle Versicherungsträger zu verteilen.
Inangriffnahme des Problems ärztlicher Kunstfehler durch eine Obergrenze bei Regreßansprüchen nichtfinanzieller Art sowie Erarbeitung
von Alternativen zur Konfliktschlichtung vor einem
Gerichtsverfahren.
Mit anderen Worten: der Präsident möchte den Versicherungsschutz für alle verfügbar, garantiert, erneuerbar und von Voraussetzungen unabhängig machen.
Im Rahmen dieses Plans müßte niemand bankrott
gehen, um gesund zu werden.
Der Plan der Demokraten ist unserem diametral entgegengesetzt. Anstatt die Optionen des einzelnen zu
bewahren, würde er sich auf Regierungsbürokraten
verlassen.
Der sogenannte "Play-or-Pay"-Vorschlag der Demokraten würde von den Arbeitgebern entweder den
Abschluß einer Krankenversicherung für ihre Arbeitnehmer oder die Entrichtung einer neuen Steuer fordern, mit der das neue staatliche Gesundheitspro-

AMERIKA DIENST 34

�gramm zum Teil finanziert würde. Anhand einer vom
Urban Institute erstellten Studie würde diese Vorschrift
allein im ersten Jahr neue Bundessteuern - oder
erneute staatliche Anleihen - in Höhe von 36 Milliarden
Dollar erforderlich machen. Ungefähr 52 Millionen
Amerikaner, die jetzt eine private Krankenversicherung haben, würden von ihren Arbeitgebern in das
staatliche Programm abgeschoben. Die zusätzlichen
Kosten für die Arbeitgeber - insbesondere Kleinunternehmer - würden sich im ersten Jahr schätzungsweise
auf rund 30 Milliarden Dollar belaufen. Die Republikaner im Gemeinsamen Wirtschaftsausschuß des Kongresses gehen davon aus, daß 712.000 Beschäftigte
aufgrund der "Play-or-Pay"-Vorschrift ihren Arbeitsplatz verlieren würden.
Die Republikaner sind ebenso entschlossen, das
Problem der medizinischen Haftung zu lösen, damit
Ärzte und ausgebildete Hebammen in unterversorgten
Gebieten Geburtshilfe leisten und praktizieren können. Eine sinnvolle Reform der Schadensanspruchsregelung würde sicherstellen, daß Ärzte den medizinischen Beruf nicht unter dem Damoklesschwert eines
möglichen Prozesses ausüben müssen. Wir werden
die Verwaltungskosten und die Papierflut durch die
Verabschiedung eines einheitlichen Anspruchs- und
Datensystems abbauen. Wir verpflichten uns zur
Unterstützung von Rehabilitationsmaßnahmen und einer
Pflegeversicherung. Wir werden die Kosten durch
bessere pränatale und andere Vorsorgemaßnahmen
dämpfen. Wir ermutigen die Anwendung des "Barmherziger Samariter"-Gesetzes, um karitative Einrichtungen zu schützen, die ihre Zeit zur Verfügung stellen,
um Patienten in der Gemeinde zu versorgen. Wir
ermutigen ein Krankenversicherungssystem mit aufeinander abgestimmten öffentlichen und privaten
Programmen. Darüber hinaus unterstützen wir weiterhin eine Reform der Vorschriften, um die Entwicklung
neuer Medikamente und medizinischer Technologie
zu beschleunigen.
Das Krankenversicherungsnetz muß für diejenigen
gesichert sein, die präventive, akute und langfristige
Versorgung benötigen. Besondere Aufmerksamkeit
sollte der Abschaffung oder Reform von Programmen
gewidmet werden, die es dem einzelnen verbieten
oder ihn daran hindern, einen Weg aus Armut und
Abhängigkeit zu finden. Wir werden die Papierflut
reduzieren und diese Ressourcen in tatsächliche Dienstleistungen umdirigieren. Wir werden den Zugang zu
medizinischer Versorgung durch kommunale Gesundheitszentren verbessern, die in medizinisch unterversorgten Gebieten Erstversorgung anbieten. Wir werden veraltete Kartellgesetze überarbeiten, die Krankenhäusern die Bündelung ihrer finanziellen Mittel
verbieten, um eine verbesserte, kostengünstige Versorgung anzubieten.
Wir ermutigen die Anwendung von Telekommunika-

AMERIKA DIENST 34

tionstechnologie, um Krankenhäuser in größeren
Gemeinden mit medizinischen Einrichtungen in kleineren Kommunen zu verbinden. Moderne Kommunikationsnetze erleichtem den gemeinsamen Gebrauch
von Ressourcen, verbessern den Zugang zu einer
erschwinglichen Gesundheitsfürsorge durch die Übertragung von Röntgen- und Computerbildern sowie der
Diagnostik und stellen sicher, daß in ländlichen Gebieten lebende Amerikaner denselben Zugang zu Ärzten
und neuesten medizinischen Verfahren haben wie die
in Ballungszentren lebenden.
Die Republikaner konzentrieren sich auf die Gesundheit, nicht nur das Gesundheitswesen. Wir wollen
nicht nur Krankheiten und Behinderungen behandeln,
sondern sie auch verringern und verhüten. Durch die
Finanzierung der nationalen Gesundheitsämter (National Institutes of Health - NIH) investieren wir in
Forschung zur Behandlung einer ganzen Bandbreite
von Krankheiten, von Krebs bis Herzerkrankungen,
von Multipler Sklerose bis Lupus. Wir unterstützen
Maßnahmen, die sich auf die frühzeitige Diagnose von
Krebs konzentrieren. Noch wichtiger ist - wir vertrauen
auf den einzelnen, um vermeidbare Krankheiten und
Verletzungen zu verhindern. Ein Großteil unserer
Kosten im öffentlichen und privaten Gesundheitswesen wird durch bestimmte Verhaltensweisen verursacht. Gutes Urteilsvermögen kann Milliarden Dollar
einsparen - und vielleicht Millionen Menschenleben
retten.
Neue Mitglieder der amerikanischen Familie
Unsere Nation von Einwanderern heißt nach wie vor
diejenigen willkommen, die auf der Suche nach einem
besseren Leben sind. Andererseits bedroht illegale
Einwanderung das soziale Gefüge, auf das sich Einwanderung gründet. Das heißt, die Nation akzeptiert
Einwanderer und wird durch ihre Entschlußkraft und
Werte bereichert. Illegale Einwanderung unterminiert
jedoch die Integrität der Gemeinden an den Grenzen
und die schon dicht bevölkerten Städte. Wir werden
auf die bereits angekündigte Verstärkung des Grenzschutzes aufbauen, um das Abfangen illegaler Einwandererdurchengere grenzüberschreitende Zusammenarbeit besser zu koordinieren. Insbesondere werden
wir den Grenzschutz personell aufstocken, um die
zunehmenden illegalen Einwanderungen zu unterbinden und den Grenzschutz mit den zur Sicherung der
Grenze erforderlichen Geräten, Technologien und
Strukturen ausstatten.
Wir sind für die strenge Bestrafung von Schleppern,
die illegal Fremde ins Land schmuggeln und derjenigen, die gefälschte Papiere herstellen oder verkaufen.
Darüber hinaus werden wir die Anreize für illegale
Grenzgänger durch die Förderung von Initiativen wie
dem Nordamerikanischen Freihandelsabkommen
(NAFTA) abbauen. Durch die Schaffung neuer Wirt-

Seite 3

�schaftschancen in Mexiko vereitelt das NAFTA Versuche zum illegalen Grenzübertritt auf der Suche nach
Arbeit.

Ernennung von Richtern, die traditionelle Familienwerte respektieren und die Unverletzlichkeit des unschuldigen menschlichen Lebens.

Rechte des einzelnen

Präsident Bush hat die größten jemals für Behinderte
erzielten Fortschritte in einem Gesetz verankert: Dem
Gesetz über behinderte Amerikaner - einem bahnbrechenden Gesetz, mit dem Hemmnisse für eine uneingeschränkte Beteiligung am Leben unseres Landes
aus dem Weg geräumt werden. Wir werden es in
vollem Umfang in die Praxis umsetzen und dabei
besonders Kleinuntemehmen berücksichtigen wie wir
es bei früheren Gesetzesvorschriften für Behinderte in
Bundesprogrammen getan haben. Wir lehnen den
willkürlichen Ausschluß aus der Krankenversicherung
oder die Verweigerung der Behandlung einer Person
aufgrund von Behinderung, Alter oder eines Gebrechens ebenso ab wie Sterbehilfe und Hilfe beim Selbstmord.

Der Schutz der Rechte des einzelnen bildet die Grundlage für Chancen und Sicherheit.
Die Republikanische Partei ist in dieser Hinsicht einzigartig. Seit ihrer Gründung hat sie jeden Menschen
respektiert, selbst wenn diese Haltung nicht immer
populär war. Wie zu Zeiten Lincolns bestehen wir auch
heute darauf, daß die Rechte der Amerikaner unantastbar sind.
Aus diesem Grund erklären wir, daß Bigotterie und
Vorurteile keinen Platz im Leben der Amerikaner haben.
Wir verurteilen alle, die Rassismus, Antisemitismus
oder religiöse Intoleranz praktizieren oder fördern.
Unseres Erachtens sollten Kirchen und kirchliche
Schulen nicht besteuert werden. Wir verteidigen das
Recht von Kirchenvertretern, sich zu Themen von
öffentlichem Interesse zu äußern und wir verurteilen
die feige Entweihung von Gotteshäusern, die unser
Land in den vergangenen Jahren schockiert hat.
Mit der Forderung nach gleichen Rechten für alle
unterstützen wir die vehemente Durchsetzung von
Gesetzesvorschriften der Bush-Administration zur
Verhinderung von Diskriminierung aufgrund von Geschlecht, Rasse, Glauben oder Abstammung. Mit der
Förderung von Chancen vereiteln wir Versuche, gleiche Rechte durch Quoten und andere Arten der Bevorzugung zu ersetzen. Aus diesem Grund hat Präsident
Bush so lange gegen die Mehrheit der Demokraten im
Kongreß gekämpft, um ein Bürgerrechtsgesetz durchzubringen, das diesen Namen verdient.
Wir erneuern die historische Verpflichtung der Republikaner zu den Rechten der Frauen, von den frühen
Tagen der Suffragettenbewegung bis heute. Weil
gesetzlich verankerte Rechte ohne Chancen wenig
bedeuten, fordern wir Wirtschaftswachstum als Schlüssel zu kontinuierlichen Fortschritten der Frauen in allen
Bereichen des amerikanischen Lebens.
Wir sind der Überzeugung, daß das ungeborene Kind
ein grundlegendes individuelles Recht auf Leben hat,
das nicht verletzt werden darf. Aus diesem Grund
bekräftigen wir unsere Unterstützung für einen Verfassungszusatz über das menschliche Leben und befürworten ein Gesetz, das eindeutig klarstellt, daß die
Bestimmungen des 14. Zusatzartikels auf das ungeborene Leben Anwendung finden. Wir lehnen die Verwendung öffentlicher Mittel für den Schwangerschaftsabbruch ab und werden keine Organisationen finanzieren, die dies befürworten. Wir beglückwünschen
diejenigen, die Alternativen zum Schwangerschaftsabbruch anbieten, indem sie den Bedürfnissen der
Mütter Rechnung tragen und Adoptionsdienste anbieten. Wir bekräftigen unsere Unterstützung für die
Seite 4

Die Vereinigung unseres Landes
Handel: Eine neue Welt des Wachstums
Vor vier Jahren sahen sich die Amerikaner mit einer
historischen Entscheidung konfrontiert: Wettbewerb
oder Rückzug. Gemeinsam mit Präsident Bush entschieden sie sich für den Wettbewerb auf der internationalen Bühne. Statt sich wie die Demokraten mit den
Errungenschaften von gestern zu begnügen, entschieden sie sich, den internationalen Markt mit der charakteristischen amerikanischen Energie in Angriff zu
nehmen. Ebenso wie George Bush eine Führungsrolle
an der militärischen Front übernommen hat, gilt dies
für die Wirtschaft.
Die Ergebnisse sind spektakulär. Wir haben in nur vier
Jahren das Handelsdefizit um die Hälfte verringert.
Die Vereinigten Staaten sind wieder der Hauptexporteur der Welt. Exporte beleben unsere Wirtschaft. Mit
jeder im Export erzielten Milliarde Dollar werden 20.000
neue Arbeitsplätze für Amerikaner geschaffen. Seit
1988 sind aufgrund der Exporte rund 2 Millionen Arbeitsplätze in den Vereinigten Staaten entstanden.
Wir sind harte Verfechter des freien Handels und
kämpfen um den Abbau von Hemmnissen für unsere
Exporte. Wir führen die Uruguay-Runde im Rahmen
des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT),
um weltweit die Beseitigung von Zöllen, Subventionen
und den Schutz des Rechts auf geistiges Eigentum der
Amerikaner zu erzielen. Wir kämpfen um den Abbau
der Agrarsubventionen in der Europäischen Gemeinschaft und die Aufhebung der Absprachen zwischen
Regierung und Industrie in der zivilen Flugzeugproduktion. Wir befürworten Präsident Bushs Politik der
Unterstützung Chinas im Hinblick auf Taiwan im internationalen Handel und den Beitritt Chinas zum GATT
uneingeschränkt. Mit Japan wurden erhebliche Fortschritte beim Marktzugang erzielt, und die amerikanischen Exporte an Fertigwaren haben sich seit 1985

AMERIKA DIENST 34

�verdreifacht. Weltweit haben wir die bessere Einhaltung amerikanischer Handelsrechte durchgesetzt.
An erster Stelle des Programms zum freien Handel für
die nächsten vier Jahre steht die Unterzeichnung des
Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (NAFTA) mit Mexiko, mit dem die Gründung eines Freihandelsraums abgeschlossen wird, zu dem Kanada bereits gehört. NAFTA wird den größten Markt der Welt
schaffen - größer als die Europäische Gemeinschaft mit 360 Millionen Verbrauchern und einer Gesamtproduktion von 6 Billionen Dollar. Das bedeutet unter dem
Strich die Schaffung Tausender Arbeitsplätze für
Amerikaner.
Wir sind uns der möglichen Auswirkungen auf regionale Märkte bewußt, insbesondere den Agrarmarkt. Wir
ermutigen unsere Unterhändler, sich dieser Belange
anzunehmen.
Wir werden weiterhin in das Pazifische Becken exportieren, Handelsabkommen mit anderen asiatischen
Volkswirtschaften aushandeln und unsere Bestrebungen zum Abbau von Hemmnissen für amerikanische
Waren und Dienstleistungen - wie etwa mit der Initiative zur Beseitigung struktureller Hindernisse mit Japan - fortführen. Und wir werden mit Lateinamerika
über die Initiative zur Förderung der Privatwirtschaft in
den Ländern Amerikas als ersten Schritt bei der Schaffung einer Freihandelszone auf dem Kontinent verhandeln.
Der Kongreß sollte den Amerikanern die Kosten aller
von den Demokraten in Erwägung gezogenenen
Gesetzesvorlagen zu Handelsrestriktionen, Steuern
oder Quoten für Arbeitnehmer, Verbraucher und Unternehmer darlegen. Wir werden es nicht dulden, daß
sie die größte Expansion des internationalen Handels
in der Geschichte behindern.
Internationale Wirtschaftspolitik
Weil die Weltwirtschaft interdependent ist, waren die
Vereinigten Staaten vom Konjunkturrückgang in anderen Teilen der Welt betroffen, insbesondere dem
Zusammenbruch des japanischen Aktienmarkts und
den wirtschaftlichen Schwierigkeiten Deutschlands.
Nun da sich wieder Fortschritte abzeichnen, ist der
Plan der Republikaner zu weltweitem Wachstum entscheidend für alle Nationen - Entwicklungs- und Industrieländer gleichermaßen.
Wirtschaftliche Freiheit ist ein wesentliches Bindeglied
zu unserer Außenpolitik. Sie bedeutet erweiterten
Handel, aber auch dynamisches Wachstum auf der
Grundlage gemeinsamer Werte - den Zusammenschluß von Nationen im Staatenbund friedlichen Fortschritts. Zu diesem Zweck sollte amerikanische Hilfe
- bilateral oder durch internationale Organisationen Marktreformen fördern, Vorschriften begrenzen und
freien Handel ermutigen.

AMERIKA DIENST 34

Vorrangig unter diesen Marktreformen sollte die Privatisierung staatlicher Betrieb sein wie etwa das Telekommunikationswesen, Kraftwerke, Bergbau und
Raffinierien. Die Privatisierung sollte amerikanischen
Unternehmen die Möglichkeit verschaffen, einige dieser Vermögenswerte zu kaufen, damit den Wettbewerb in diesen Ländern fördern und unser Handelsdefizit maßgeblich verringern. Die amerikanische Regierung sollte alle erdenklichen Schritte zur Unterstützung amerikanischer Firmen unternehmen, die in privatisierte Industrien investieren wollen, indem sie
Maßnahmen, Vorschriften und Regeln verabschiedet,
die solche Vorhaben insbesondere für Kleinunternehmen in gerechter Weise erleichtern.
Wir werden mit den Entwicklungsländern zusammenarbeiten, um ihre Volkswirtschaften für Privatinvestitionen attraktiv zu machen und Innovationen zur
Gewährleistung der Rückzahlung ihrer Anleihen unterstützen, einschließlich der Umwandlung von Schuldtiteln in Beteiligungskapital. Unsere Erfahrungen können ihnen bei der Entwicklung umweltverträglicher
Wachstumsstrategien behilflich sein.
Weil wir die Familie als Baustein für wirtschaftlichen
Fortschritt ansehen, schützen wir ihre Rechte in internationalen Programmen und werden weiterhin Organisationen die Mittel verweigern, die sich mit Schwangerschaftsabbruch befassen.
Vor allem ermutigen wir die Entwicklungsländer bei der
Einführung von Demokratie und freien Märkten. Diese
beiden Faktoren sind untrennbar verbunden und verschaffen allen Menschen die größten Chancen.
Die Vereinigung unserer Welt
Partnerschaft in der Führung
Der Aufbau eines Staatenbundes der Freiheit unterscheidet sich in hohem Maße vom alten Konzept des
Containment. Er ruht auf einem stabilen Gleichgewicht der Macht, geht jedoch darüber hinaus, um vor
allem die Vorrangstellung einer Idee zu unterstreichen:
eines gemeinsamen Konzepts, wie Freiheit für alle
Nationen funktionieren kann, die sich mit uns auf dem
Weg in eine sich radikal verändernde Zukunft befinden.
Indem wir wann immer möglich einen Konsens erzielen, multiplizieren wir die Auswirkungen der Macht und
Prinzipien unserer Nation. Falls erforderlich werden
wir allerdings alleine handeln, um die amerikanischen
Interessen zu schützen. Im Einklang mit unserer
Politik und unseren Traditionen lehnen wir alle Aktionen ab, die die Souveränität der Vereinigten Staaten
untergraben würden, sei es in politischen oder wirtschaftlichen Angelegenheiten. Partnerschaft in der
Führung gestattet uns die Projektion amerikanischer
Ideale und den Schutz amerikanischer Interessen im
Ausland zu geringeren Kosten für unsere Steuerzahler.
Seite 5

�Auf diese Weise werden wir den Sieg der Demokratie
als die beste Garantie für eine Welt ohne Krieg sichern.
Es hängt von der Art und Weise ab, in der wir die Welt
für amerikanische Unternehmen öffnen, um Wohlstand in einer offenen internationalen Wirtschaft zu
gewährleisten und es hängt davon ab, wir wir den
nuklearen Alptraum verbannen, die Gefahr von Massenvernichtungswaffen begrenzen und sicher die kritische Umstrukturierung der Verteidigung unseres
Landes vollziehen.
Sicherstellung des Sieges der Demokratie
Die Verbreitung von Demokratie und wirtschaflticher
Freiheit ist die beste Garantie für Frieden. Sie kann
bedeuten, das Wort zu ergreifen oder wirtschaftlichen
Druck auszuüben, um friedlichen Wandel zu bewirken,
demokratischen Kräften zu helfen oder - als letztes
Mittel - bereit zu mililtärischen Aktionen zu sein, wenn
vitale amerikanische Interessen auf dem Spiel stehen
wie bei der Wiederherstellung der Rechtsstaatlichkeit
in Panama durch Präsident Bush. Alle republikanischen Präsidenten haben diese Instrumente in einer
umfassenden, konsequenten Kampagne zur weltweiten Förderung von Demokratie genutzt.
Neue Prüfungen stehen uns bevor. In der Vergangenheit ist die Welle der Freiheit abgeebbt als Diktatoren
einen Großteil dessen zurückerobert haben, was sie
verloren hatten. Wir wollen, daß die Welle der Freiheit
Länder wie China, Kuba, Nordkorea, Vietnam und
andere erfaßt. Wir wollen weiterhin das Augenmerk
auf die gravierenden Menschenrechtsverletzungen auf
der ganzen Welt lenken und andere Regierungen
anspornen, das Versprechen der Freiheit für ihre Völker einzugehen und einzulösen. Wir wollen jede neue
Ideologie des Autoritarismus davon abhalten, die Völker der Welt in eine grausame und rachsüchtige Vision
der Zukunft zu zerren.
Mit dieser Herausforderung sehen wir uns in den
kommenden vier Jahren konfrontiert. Aus diesem
Grund hat Präsident Bush den Weg zur Förderung der
aufstrebenden Demokratien Osteuropas geebnet. Aus
diesem Grund hat er den Kongreß davon überzeugt, in
die demokratische Zukunft der aus dem Kommunismus wiedergeborenen Nationen zu investieren. Den
Völkern dieser Nationen und insbesondere dem russischen Volk sagen wir: Wenn Ihr den Weg der Freiheit
weiterverfolgt, sind wir bereit zu helfen.
Wir freuen uns vor allem mit den Menschen in Lettland,
Litauen und Estland, zu deren Souveränität wir stets
mit Gesetzen und in unserem Herzen gestanden haben.
In Westeuropa bekräftigen wir die NATO. Obwohl wir
unsere Truppenpräsenz auf dem Kontinent reduzieren
- tausend Soldaten kehren jede Woche nach Hause
zurück - müssen wir dort eine starke Streitmacht
stationiert halten. Die Vereinigten Staaten müssen

Seite 6

nach wie vor im weitesten Sinne eine europäische
Macht sein, die in der Lage ist, die Politik und Ereignisse zu beinflussen, die das Leben und die Sicherheit
zukünftiger Generationen von Amerikanern betreffen.
Die Gewaltakte im ehemaligen Jugoslawien sind ein
Affront gegen die Menschheit. Wir verurteilen die für
das dort angerichtete Blutbad Verantwortlichen und
fordern die unverzügliche internationale Prüfung der
Greueltaten. Wir unterstützen die Bestrebungen der
Vereinten Nationen zur Friedenssicherung und drängen auf einen sofortigen Waffenstillstand aller Parteien. Die Vereinigten Staaten sollten weiterhin die
Respektierung des Völkerrechts und grundlegender
Menschenrechte in diesem schmerzlichen Konflikt
fordern.
Wir ermutigen die friedliche Beilegung des Konflikts
um Zypern und die Respektierung der Wünsche des
zypriotischen Volkes von allen Parteien.
Wir drängen auf Frieden und Gerechtigkeit für Nordirland. Wir begrüßen den in die Wege geleiteten Prozeß
des verfassungsmäßigen Dialogs, der so vielversprechendist. Wirermutigen Investitionen und Wiederaufbau, um Chancen für alle zu schaffen.
Obwohl sich sehr viel zum Besseren gewandelt hat, ist
der Nahe Osten nach wie vor ein Gebiet großer Spannungen - von denen viele nicht in Zusammenhang mit
dem israelisch-arabischen Konflikt stehen - in der
regionale Konflikte zur Bedrohung der vitalen Interessen der Vereinigten Staaten eskalieren können. Wie
Saddam Husseins Aggression gegen Kuwait demonstriert hat, sind schwer bewaffnete radikale Regime zu
unilateraler Aggression fähig. In diesem Umfeld ist die
offenkundige strategische Bedeutung Israels als unser
verläßlichster und fähigster Verbündeter in diesem
Teil der Welt wichtiger als je zuvor. Dieses strategische Verhältnis mit seiner einzigartigen moralischen
Dimension erklärt die verständliche Unterstützung, die
Israel von Millionen Amerikanern erhält, die an unserem politischen Prozeß beteiligt sind. Die starken
Bande zwischen den Vereinigten Staaten und Israel
wurden während des Golf kriegs unter Beweis gestellt,
als Israel sich gegen eine Vergeltung für die wiederholten Raketenangriffe entschied, obwohl sie ernsthaften
Schaden anrichteten und Menschenleben forderten.
Wir werden das strategische Verhältnis zu unserem
Verbündeten Israel - der einzig wirklichen Demokratie
im Nahen Osten - erweitern und vertiefen, indem wir
zusätzliche konkrete Schritte zur weiteren Institutionalisierung der Partnerschaft unternehmen. Dazu zählen die Aufrechterhaltung eines angemessenen Sicherheitsniveaus und wirtschaftliche Unterstützung,
die Fortsetzung unserer Gespräche über militärische,
politische sowie wirtschaftliche Kooperation und Koordination, Bereitstellung von militärischem Gerät, Entwicklung gemeinsamer Eventualfallpläne sowie Erweiterung der gemeinsamen See- und Luftübungen.

AMERIKA DIENST 34

�Im Rahmen unserer strategischen Beziehung sollten
die Vereinigten Staaten Israel weiterhin umfassende
Sicherheitsunterstützung gewähren und Israels relativen Vorteil gegenüber einem Gegner oder einer Koalition von Gegnern bewahren. Darüber hinaus werden
wir die Verhandlungen mit den wichtigsten Waffenlieferanten fortsetzen, um ein Abkommen über die Begrenzung von Rüstungsverkäufen in den Nahen Osten
zu erzielen und die Verbreitung nichtkonventioneller
Waffen zu verhindern.

Frieden im Nahen Osten beinhaltet Zusammenarbeit
zwischen allen Parteien in der Region. Aus diesem
Grund trachten wir danach, alle Staaten in dem Gebiet
mit Israel zu multilateralen Verhandlungen über Themen von gemeinsamem Interesse wie regionale Entwicklung, Wasserversorgung, Flüchtlinge, Rüstungskontrolle und Umwelt zusammenzubringen. Wir unterstützen diese Foren als Mittel zur Ermutigung der
Anerkennung Israels durch die Araber und zur Lösung
regionaler Probleme.

Wir begrüßen die Führungsrolle des Präsidenten bei
der Förderung der direkten Gespräche zwischen Israel
und seinen arabischen Nachbarländern, die in der
Geschichte ihresgleichen suchen. Die Vereinigten
Staaten sind bereit, auf Anfrage ihre guten Dienste zur
Schlichtung von Streitfällen zur Verfügung zu stellen.
Unseres Erachtens sollten die Vereinigten Staaten
nicht versuchen, den Parteien eine Lösung aufzuzwingen.

Wir stehen nach wie vor zu den Gesetzen, die vorschreiben, daß die Vereinigten Staaten im Falle einer
Verweigerung des Rechts zur Beteiligung Israels durch
die Vereinten Nationen und ihrer Behörden ihre finanzielle Unterstützung einstellen und sich aus diesen
Gremien zurückziehen, bis diese Maßnahmen revidiert werden.

Die Grundlage für Verhandlungen müssen die Resolutionen 242 und 338 des UN-Sicherheitsrats bilden. Der
Frieden muß durch direkte Verhandlungen herbeigeführt werden. Es wird an den Unterhändlern liegen
festzustellen, was genau erforderlich ist, um diese
Resolutionen einzuhalten. Wir sind jedoch der festen
Überzeugung, daß Israel ein Recht auf Existenz innerhalb sicherer und anerkannter Grenzen hat. Wie Präsident Bush in Madrid festgestellt hat, besteht unser
Ziel nicht nur in der Beendigung des Kriegszustands,
sondern vielmehr in der Schaffung eines wirklichen
Friedens mit Verträgen, Sicherheit, diplomatischen
Beziehungen, Handel, Investitionen, Kulturaustausch,
selbst Tourismus. Wir wollen, daß der Nahe Osten ein
Ort wird, an dem die Menschen ein normales Leben
führen können.
Ein bedeutungsvoller Frieden muß Israels Sicherheit
gewährleisten und gleichzeitig die legitimen Rechte
der Palästinenser anerkennen. Wir lehnen die Gründung eines unabhängigen Palästinenserstaates ab.
Ebenso sind wir gegen die Schaffung einer politischen
Einheit, mit der die Sicherheit Israels gefährdet würde.
Während Israelis und Palästinenser eine eigene Interimregierung aushandeln, muß sich keine Partei zu
einem bestimmten Resultat der direkten Verhandlungen verpflichten. Israel sollte nicht gezwungen werden, mit allen Parteien zu verhandeln. In diesem
Zusammenhang werden die Vereinigten Staaten keinen Dialog mit der PLO führen, bis sie die von Präsident Bush 1990 festgelegten Bedingungen voll und
ganz erfüllt. Unseres Erachtens sollte Jerusalem eine
ungeteilte Stadt mit freiem und ungehindertem Zugang
zu allen heiligen Stätten für Menschen aller Glaubensrichtungen bleiben. Jeder echte Frieden würde den
Juden das Recht einräumen, an jedem Ort der besonderen Stadt Jerusalem zu wohnen.

AMERIKA DIENST 34

Die Republikaner sind der Überzeugung, daß das
Recht auf Emigration ein Grundrecht ist und es Juden
aus allen Ländern freistehen sollte, nach Israel zu
reisen. Die Republikaner sind stolz, daß wir unsere
historische und moralische Verpflichtung zur Ansiedlung verfolgter Juden in Israel aufrechterhalten haben.
Wir beglückwünschen Präsident Bush und Außenminister Baker zu der Vereinbarung mit Israel über ein
großzügiges Paket von Kreditbürgschaften, mit dem
neuen Einwanderern die erforderliche humanitäre Hilfe gewährt wird.
Darüber hinaus sollten wir unsere engen Beziehungen
zu Ägypten fortsetzen, das zu Recht von seinem
mutigen Frieden mit Israel profitiert. Wir unterstützen
Ägypten und andere prowestliche Staaten in der Region
weiterhin gegen Subversion und Aggression und fordern ein Ende des arabischen Boykotts gegen Israel.
Darüber hinaus fördern wir die Bildung einer starken
demokratisch gewählten und ihre Bürger repräsentierenden Zentralregierung im Libanon.
Wir danken den Ländern im Nahen Osten, die zum
Erfolg der Operation Wüstensturm beigetragen haben
und unser Ziel der Stabilität in der Region teilen. Wir
hoffen, mit ihnen auf diesem Triumph eine neue Zukunft für den Nahen Osten aufbauen zu können, die
sich auf gegenseitigen Respekt und gemeinsames
Streben nach Frieden gründet. Zur Förderung dieses
Ziels sollten wir uns mit nicht weniger zufrieden geben
als der uneingeschränkten, unverzüglichen und verifizierten Einhaltung aller Aspekte des in den UNOResolutionen niedergelegten Waffenstillstands durch
den Irak.
Auf dem westlichen Kontinent müssen wir ebenso wie
andernorts demokratische Werte fördern. Wir werden
weiterhin Zusammenarbeit beim gemeinsamen Kampf
gegen die Drogenbarone anstreben. Darüber hinaus
werden wir die Hemmnisse für Handel und Investitio-

Seite 7

�nen abbauen, denn wir wissen, daß unsere Exporte
nach Lateinamerika zur wirtschaftlichen Gesundung in
Inland führen werden. Die Initiative des Präsidenten
zur Förderung der Privatwirtschaft in den Ländern
Amerikas und das Nordamerikanische Freihandelsabkommen bedeuten für die Vereinigten Staaten Milliarden Dollar an neuen Handelschancen, Hunderttausende neuer Arbeitsplätze und langfristig die Lösung
des durch illegale Einwanderung verursachten wirtschaftlichen Drucks.
Wir begrüßen den positiven wirtschaftlichen und politischen Wandel in Mexiko und beglückwünschen das
Volk von Panama zur Gründung freier Institutionen
nach der Operation "Gerechte Sache". Wir würdigen
Präsident Bushs entschiedenes militärisches Vorgehen, das zum Sturz des korrupten Noriega-Regimes
und zur Freiheit für demokratisch gesinnte Panamaer
geführt hat. Wir werden den freien und ungehinderten
Zugang der Vereinigten Staaten zum Kanal sicherstellen. Wir beglückwünschen die Patrioten in El Salvador
und Nicaragua, deren Mut und Blut Kommunismus und
Castro widerstanden trotz der Inkonsequenz der
Demokraten im Kongreß. Gemeinsam mit anderen
Mitgliedern der Organisation Amerikanischer Staaten
wollen wir die Demokratie in Haiti wiederherstellen.
Die Monroedoktrin ist nach wie vor ein Hauptprinzip
unserer Außenpolitik, und wir werden weiterhin den
Tag anstreben, an dem Kuba von der befremdlichen
Ideologie des Kommunismus und Fidel Castros Regime befreit wird und die Amerikaner die Kubaner wieder
in der Gemeinschaft freier Nationen willkommen heißen können. Zu diesem Zweck unterstützen wir Radio
und TV Marti und den Geist von Cuba Libre.
In Asien verpflichten wir uns weiterhin zur Verbreitung
politischer und wirtschaftlicher Freiheit. Wir werden
mit Japan auf gemeinsamen Fortschritt hinarbeiten
und unsere militärische Präsenz in Japan und Asien
aufrechterhalten. Darüber hinaus werden wir größere
japanische Verantwortung zur Selbstverteidigung und
weltweitem Wohlstand fördern.
Wir bekräftigen unser Engagement für die Sicherheit
Taiwans und betrachten jeden Versuch zur gewaltsamen Änderung dieses Status als Bedrohung der gesamten Region. Wir stehen zu dem Gesetz über die
Beziehungen Taiwans, der Grundlage für kontinuierliche Zusammenarbeit mit denjenigen, die uns seit
einem halben Jahrhundert loyal zur Seite stehen.
Unsere Politik gegenüber China gründet sich auf die
Unterstützung demokratischer Reformen. Wir müssen die Beziehungen zu China aufrechterhalten, damit
wir solche Refomen wirksam ermutigen können. Wir
werden weiterhin auf den Tag hinarbeiten, an dem die
Chinesen endlich ihren Weg zu einer offenen Gesellschaft hinter sich gebracht haben, die frei von den
beklagenswerten Restriktionen persönlicher Freiheit
ist, die noch immer bestehen.

Wir werden unsere engen Beziehungen mit der Republik Korea fortsetzen, um zur Abschreckung von Aggression aus dem Norden beizutragen. Nordkorea ist
weiterhin ein geächteter Staat und darf nicht in den
Besitz von Nuklearwaffen gelangen.
Mit dem philippinischen Volk werden wir unsere historischen Bande der Zuneigung aufrechterhalten.
Wir unterstützen die Bewegung in Kambodscha zu
Frieden und Demokratie.
Wir fordern größtmögliche Rechenschaft über die
amerikanischen Kriegsgefangenen und Vermißten in
Südostasien. Das Leid ihrer Familien berührt uns alle.
Wir werden in allen Foren und aus allen Quellen
vollständige Informationen anstreben. Unser Präsident hat die Regierung Vietnams davon in Kenntnis
gesetzt, daß eine Verbesserung der Beziehungen von
diesem Ziel abhängt.
Trotz der Opposition der Demokraten im Kongreß
haben wir in Afrika die Freiheitskämpfer bewaffnet und
zum erzwungenen Abzug der kubanischen Truppen
beigetragen. Jetzt treten wir in den langen Wiederaufbauprozeß ein und versuchen, das Vertrauen in
Demokratie auf einem von marxistischen Kriegen
heimgesuchten, lokalen Diktatoren geplünderten und
von der sozialistischen Ideologie irregeleiteten Kontinent wiederherzustellen. Politische und wirtschaftliche Freiheit sind die Schlüssel.
.
Wir werden verantwortungsbewußte Bestrebungen
der internationalen Staatengemeinschaft zur Beendigung der Anarchie in Somalia und Bewältigung der
Bürde dieses Volkes unterstützen, das unter Dürre
und Hungersnot leidet. Wir verurteilen diejenigen, die
bewaffnete Gewalt benutzen, um die Nahrungsmittelverteilung zu verhindern.
In Südafrika hat die Politik der Republikaner eines
konstruktiven Engagements - Ablehnung von Apartheid bei gleichzeitiger Förderung friedlicher Veränderungen - Erfolge gezeitigt. Die Aussichten dieser
Nation haben sich zum Besseren gewandelt, obwohl
noch zahlreiche Schwierigkeiten bevorstehen. Wir
verurteilen die Gewalt gegen Unschuldige und beglückwünschen diejenigen, die Aussöhnung zur Schaffung eines neuen, demokratischen Südafrikas anstreben . Wir ermutigen Wirtschaftsreformen als Schlüssel
für Sicherheit und Wohlstand im neuen Südafrika.
Wir sind uns bewußt, daß Auslandshilfe in einem
vernünftigen Verhältnis zu unseren Interessen stehen
muß. Aus diesem Grund unterstützen wir die kontinuierliche Überarbeitung solcher Programme, damit sie
sowohl effektiv als auch gerechtfertigt sind. Wir ermutigen die finanzielle Unterstützung aus anderen Demokratien der Welt, um die Kosten des amerikanischen
Beitrags zur Friedenssicherung und Auslandshilfe
aufzuteilen.

AMERIKA DIENST 34

�Wir unterstützen Bestrebungen von privaten Hilfsorganisationen zur Erfüllung des Bedarfs der soeben
vom Kommunismus befreiten Länder und der Entwicklungsländer in Bereichen wie medizinischen, landwirtschaftlichen, erziehungspolitischen und unternehmerischen Hilfsleistungen.

massive sowjetische Kriegsmaschinerie in einen Motor für Frieden und Gesundung der zivilen Industrie
umgestalten. Wir werden mit unseren ehemaligen
Gegnern zusammenarbeiten, um die Verbreitung einzudämmen und über den ABM-Vertrag zu einer wirksamen Verteidigung gegen ballistische Raketen hinauszugehen.

Öffnung der Welt für amerikanische Unternehmen
Die Republikaner vertrauen auf Einzelpersonen und
Familien, ihre eigenen wirtschafltichen Entscheidungen zu treffen - die demokratischen Politiker tun dies
nicht. Wir lehnen ihr Programm des gebremsten
Handels, der Industriepolititk, hoher Steuern und
Regulierung ab. Wir sind gegen Strafsteuern für
ausländische Unternehmen in diesem Land, die nur
Vergeltungssteuern für amerikanische Unternehmen
im Ausland Tür und Tor öffnen. Ein Handelskrieg
bereitet den Weg zu internationaler Depression - und
macht die Arbeitnehmer weiterhin abhängig von staatlichen Almosen. Wir wollen den Rüstungswettlauf
nicht durch einen Subventionswettlauf ersetzen.
Unser unerschütterliches Engagement für freien Handel umfaßt auch die vehemente Durchsetzung amerikanischer Handelsgesetze. Wir erwarten faire und
gerechte Chancen bei unserem Handel mit anderen
Nationen und werden auf die Gewährleistung hinarbeiten, daß ausländische Märkte ebenso offen für unsere
Waren sind wie amerikanische Märkte für das Ausland. In allen den Handel betreffenden Gesprächen
werden wir den amerikanischen Interessen Priorität
einräumen.
Ebenso wie im Inland steht die Republikanische Partei
weltweit für Wachstum. Die amerikanischen Familien
haben von der neuen Ära des freien Unternehmertums
und Wohlstands nichts zu befürchten - und nur zu
profitieren - die entsteht, wenn freie Menschen konkurrieren, sich selbst übertreffen und Fortschritte erzielen.
Verbannung des nuklearen Alptraums
Seit nahezu einem halben Jahrhundert haben wir im
Schatten der nuklearen Zerstörung gelebt. Heute
verschwindet dieses Gespenst. Wir werden hier nicht
einhalten. Wir werden die Bedrohung der nuklearen
Vernichtung vom Angesicht der Erde verbannen nicht, indem wir unser Militär scharfmachen, wieeinige
Demokraten insistieren mögen, sondern indem wir auf
die historischen Leistungen der Präsidenten Bush und
Reagan aufbauen.
Dies bedeutet die Gewährleistung stabiler Führungseinrichtungen des ehemaligen sowjetischen Arsenals,
uneingeschränkte Zustimmung und verifizierte Durchführung aller Vertragsverpflichtungen durch die Nachfolgestaaten der UdSSR sowie die Verwirklichung der
jetzt vereinbarten zusätzlichen Reduzierung der strategischen Streitkräfte um 50 Prozent. Wir müssen bei
der Zerstörung von Waffen behilflich sein und die
AMERIKA DIENST 34

Wir werden nicht gestatten, daß der sowjetische nukleare Alptraum durch einen anderen ersetzt wird.
Geächtete Nationen - Nordkorea, Iran, Irak, Libyen
und andere - gieren nach Massenvernichtungswaffen.
Das ist der Alptraum der Verbreitung: nukleare, chemische und biologische Waffen, die zusammen mit
ballistischen Raketen über ganze Kontinente hinweg
einschließlich unseres eigenen, Tod bringen können.
Wir werden den Nichtverbreitungsvertrag erneuern
und verbessern. Wir werden eine Sicherheitspolititk
zur Bekämpfung der Verbreitungsgefahren erarbeiten. Wir werden multilaterale Vereinbarungen wie das
Kontrollregime für Raketentechnologie MTCR stärken. Und am wichtigsten ist, wir werden eine weltweite
Verteidigung gegen ballistische Raketen entwickeln
und stationieren. Trotz des Widerstandes der Demokratischen Partei und der Demokraten im Kongreß
werden wir ein effektives strategisches Verteidigungssystem für das amerikanische Volk stationieren.
Die Sicherheit der Vereinigten Staaten
Unsere Männer und Frauen in Uniform heute sind den
besten Soldaten, Seeleuten und Fliegern ebenbürtig,
die jemals die Uniform unseres Landes getragen haben.
Wie frühere Generationen 1918 und 1945 haben sie
einen großen Sieg errungen. Ebenso wie nach diesen
früheren Konflikten steht uns die schwierige Aufgabe
bevor, Umfang und Kosten der Verteidigung zu senken, ohne den Schutz der Vereinigten Staaten aufzugeben. In der Vergangenheit wurden schreckliche
Fehler begangen, und wir haben teuer dafür bezahlt,
als der Krieg in Korea begann. Wir werden dies nicht
ein zweites Mal zulassen.
Das herausgeforderte Amerika
Die größte Gefahr für die amerikanische Sicherheit
liegt im Inland, bei denjenigen, die das Land unvorbereitet auf die neuen Realitäten der Welt nach dem
Kalten Krieg lassen. Die ruchlosen Dämagogen in
verbrecherischen Regimen sind so real wie die nuklearen, chemischen und biologischen Waffen, die sie
anstreben. Die Gefahr der nuklearen Verbreitung ist
real, insbesondere angesichts der Verbreitung von
nuklearem Know-how nach dem Zusammenbruch der
UdSSR. Aus diesem Grund fordert die Republikanische Partei, deren Politiker wie Dan Quayle in den
achtziger Jahren auf der Stationierung einer neuen
Patriot-Rakete bestanden, jetzt eine neue Generation"
von Verteidigungssystemen gegen die SCUDs von
morgen.

Seite 9

�Die Republikaner fordern einen kontrollierten Rüstungsabbau, nicht einen freien Fall. Aus diesem Grund
schlägt Präsident Bush die sorgfältige Reduzierung
der Verteidigungsausgaben in den nächsten vier Jahren um weitere 34 Milliarden Dollar vor, einschließlich
18 Milliarden für Aufwendungen und einem 25prozentigen Personalabbau. Der Präsident hat bereits über
100 Waffensysteme abgeschafft. Aus der ganzen
Welt kehren amerikanische Truppen aus dem Kalten
Krieg nach Hause zurück. Über 550 Stützpunkte in
Übersee werden geschlossen oder einer anderen
Verwendung zugeführt. Dennoch behalten die amerikanischen Streitkräfte die Fähigkeit bei, der Herausforderung einer zweiten Operation Wüstensturm mit dem
gleichen Erfolg zu begegnen.
Die amerikanischen Verteidigungsausgaben wurden
bereits beträchtlich gekürzt. Vor fünf Jahren machten
sie über ein Viertel des Bundeshaushalts aus. Bis
1997 betragen sie weniger als ein Sechstel. Die
Ausgaben für Verteidigung und Nachrichtendienste
werden als Prozentsatz des Bruttoinlandsprodukts am
niedrigsten seit der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg
sein.
Jeder Verteidigungshaushalt - so moderat er auch sein
mag - ist für die Demokraten zuviel. Sie wollen mit
einem Abbau der Verteidigungsausgaben über die
nächsten vier Jahre beginnen, der fast 60 Milliarden
Dollar über die vom Präsidenten vorgeschlagenen
Kürzungen hinausgeht und damit zusätzlich eine ganze
Million Amerikaner arbeitslos macht. Und dies könnte
nur der Anfang sein, weil die Demokraten den Verteidigungshaushalt als bodenloses Sparschwein benutzen, um Schwerter in politische Geschenke umzufunktionieren. Das ist eine Dummheit. Sie würde uns in die
Carter-Ära des "hohlen Militärs" zurückwerfen.
Ein sicheres Amerika
Weil die Vereinigten Staaten auf eine kleinere Streitmacht mit offensiven Nuklearwaffen zur Abschrekkung von Aggression in der Zeit nach dem Kalten Krieg
zurückgreifen, werden wir die Triade land-, see- und
luftgestützter strategischer Streitkräfte aufrechterhalten. Wir werden uns weiterhin auf die Sicherheit,
Verläßlichkeit und Wirksamkeit unserer Nuklearwaffen verlassen.
Mit einem kleineren Militär wird die Modernisierung
unserer konventionellen Streitkräfte wichtiger als je
zuvor. Die Operation Wüstensturm hat die Bedeutung

*

von "Streitkräftemultiplikatoren" wie intelligente Munition, Tarntechnologie und Nachtsuchfähigkeiten unter
Beweis gestellt. Wir werden die zur Verfügung stehenden Waffen modernisieren und gezielt solche beschaffen, die dramatische Fortschritte versprechen. Unter
keinen Umständen werden wir unsere technologische
Überlegenheit aufs Spiel setzen.
Wir müssen nach wie vor zur Verteidigung amerikanischer Bürger und Interessen bereit sein, wo immer sie
bedroht sein könnten. Unabdingbar für diese Bereitschaft ist die Aufrechterhaltung einer starken, globalen
Marine und die Modernisierung vitaler Luft- und Seetransportkapazitäten. Wir engagieren uns weiterhin
für die Bekämpfung von Terrorismus in all seinen
Formen, wo immer er amerikanische Bürger oder
Interessen bedroht.
Die Republikaner werden den Zugang der Nation zum
Weltraum für verteidigungs- und andere Zwecke erhalten und sicherstellen, daß Weltraumtechnologie
nicht in die falschen Hände fällt.
Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus ist
unsere Strategische Verteidigungsinitiative jetzt darauf ausgerichtet, die Vereinigten Staaten und unsere
Verbündeten mit einer globalen Verteidigung gegen
begrenzte Angriffe mit ballistischen Raketen auszustatten. SDI ist die größte jemals getätigte Investition
in den Frieden. Dieses System wird unser Schutzschild gegen Technoterrorismus sein. Rußland hat
seine Partnerschaft zugesichert und sich zum Austausch von Frühwarninformationen sowie gemeinsamem Vorgehen gegen diejenigen bereiterklärt, die Tod
über unschuldige Menschen bringen würden.
Wir werden die Raktenverteidigung nutzen, um bedrohten Nationen zu versichern, daß sie keine eigenen
ballistischen Rakenten beschaffen müssen. Wir werden über den ABM-Vertrag hinausgehen und eine
effektive Verteidigung mit dem Ziel stationieren, eines
Tages die Bedrohung des nuklearen Holocaust vollständig zu beseitigen, nicht nur zu reduzieren.
Wir unterstützen Bestrebungen zur Reduzierung konventioneller und anderer Rüstungen, die effektivste
Rüstungskontrolle auf lange Sicht ist jedoch Demokratie. Freie Nationen greifen sich nicht gegenseitig an.
Deshalb ist die Förderung von Demokratie auf allen
Kontinenten wesentlicher Bestandteil des Verteidigungsprogramms der Republikaner.

* * *

•

*

•

Seite 10

AMERIKA DIENST 34

�SOMALIA
26. August 1992

USA GEBEN ZWEIGLEISIGE NOTHILFESTRATEGIE
FÜR SOMALIA BEKANNT
Erklärung des Sonderkoordinators
WASHINGTON - (AD) -Am 18. August 1992 kündigten die Vereinigten Staaten weitere Lieferungen an Nahrungsmitteln und humanitärer Hilfe nach Somalia an und erläuterten eine zweigleisige Strategie, damit die Hilfslieferungen so rasch wie möglich den Bedürftigsten zugute kommen.
Andrew Natsios, Präsident Bushs Sonderkoordinator für die somalische Nothilfeaktion betonte, die Vereinigten
Staaten würden weiterhin multilaterale Maßnahmen unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen als
Reaktion auf die humanitäre Krise unterstützen.
"Die Vereinigten Staaten standen seit Beginn der Krise vor 18 Monaten an vorderster Front der humanitären
Hilfsbestrebungen für Somalia", hob der Sonderkoordinator hervor.
Zusätzlich zu diesen multilateralen Bestrebungen umriß er eine "unilaterale Strategie einer kurzfristig geplanten
Luftbrücke", um auf dem Weg oder bereits im Land befindliche Nahrungsmittel rascher in die betroffene Region
zu bringen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die von Sonderkoordinator Natsios bei einer Pressekonferenz abgegebene
Erklärung im Wortlaut.

Die Vereinigten Staaten standen seit Beginn der Krise
vor 18 Monaten an vorderster Front der humanitären
Hilfsbestrebungen für Somalia. Bis heute haben wir
Hilfslieferungen im Wert von über 85 Millionen Dollar
einschließlich der Lieferung von 80.000 Tonnen Nahrungsmitteln im Haushaltsjahr 1992 bewilligt. Diese
Mittel wurden vom Amt für internationale Entwicklung
(USAID), dem US-Außenministerium und dem amerikanischen Landwirtschaftsministerium bereitgestellt.
Die von der US-Regierung im Sommer 1991 in die
Wege geleitete Strategie sollte das Internationale
Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) zur Mobilisierung
eines massiven Nahrungsmittelprogramms veranlassen, das in der Geschichte seinesgleichen sucht.
Obwohl das IKRK hervorragende Arbeit leistet, ist es
schlicht und einfach nicht in der Lage, den gesamten
Bedarf an Nahrungsmitteln und Medikamenten zu
erfüllen, die Somalia angesichts des enormen Ausmaßes der Krise benötigt. Im Dezember 1991 hat die
amerikanische Regierung auf ein Engagement der
Vereinten Nationen gedrängt. Im Januar wurden erneut UN-Friedenstruppen nach Somlia entsandt, sahen sich jedoch außerstande, die Situation unter Kontrolle
zu bringen.

AMERIKA DIENST 34

Angesichts der andauernden Krise schlägt die USRegierung einen zweigleisigen Ansatz zur humanitären Hilfe für Somalia vor:
Die Vereinigten Staaten werden weiterhin multilaterale
Maßnahmen unterstützen und die Vereinten Nationen
auffordern, die Führungsrolle bei den diplomatischen
und humanitären Nothilfeinitiativen für Somalia zu
übernehmen.
Die Vereinten Nationen benötigen jedoch die uneingeschränkte und wirksame Unterstützung aller Mitgliedstaaten zur Durchführung einer erheblichen Erweiterung der Hilfsbestrebungen. Als Übergang zu diesen
längerfristigen Maßnahmen leitet USAID gleichzeitig
eine zweite unilaterale Strategie in die Wege. Dazu
zählt eine kurzfristig geplante Luftbrücke mit Flugzeugen und Mannschaften des US-Verteidigungsministeriums, um auf dem Weg oder bereits im Land befindliche Nahrungsmittel rascher in die betroffene Region
zu bringen.
Darüber hinaus wird USAID am 19. August ein Katastrophenschutzteam (Disaster Assistance Response
Team - DART) in die Region entsenden, um mit dem
US-Verteidigungsministehum, den Vereinten Natio-

Seite 1

�nen, dem IKRK und freiwilligen Hilfsorganisationen
zusammenzuarbeiten. Das DART-Team wird ferner
UN-Behörden, dem IKRK und den freiwilligen Hilfsorganisationen bei der Erarbeitung und Durchführung
neuer Nothilfeprogramme zur Seite stehen. Die
amerikanische Regierung beabsichtigt die Aufstokkung ihrer direkten Unterstützung für die freiwilligen
Hilfsorganisationen und das IKRK. Unsere unilateralen Maßnahmen werden als Übergang zu einem umfassenden Konzept unter der Schirmherrschaft der
Vereinten Nationen dienen.
Ich kann nicht umhin festzustellen, daß keine Hilfsstrategie vollständigen Erfolg bei der Bekämpfung der
Hungersnot in Somalia haben wird, solange nicht
grundlegende Sicherheitsprobleme gelöst sind. Die
humanitäre Strategie der US-Regierung kann teilweise zur Reduzierung der Spannungen beitragen. Dennoch
sind die politisch Verantwortlichen in Somalia für den
Tod von Hunderttausenden ihrer Mitbürger verantwortlich. Es ist unabdingbar, daß der politische Versöhnungsprozeß, angemessene sicherheitspolitische
Interventionen und Bestrebungen der somalischen
Fraktionsführer in Einklang gebracht werden, um der
Nation Frieden zu bringen. Zu diesem Zeitpunkt
können unsere Maßnahmen dazu beitragen, die Sterberate zu verringern - sie können nicht allen aufgrund
der Hungersnot Sterbenden helfen.
Ich möchte den übrigen Teil meiner Ausführungen auf
die Rolle des USAID-DART-Teams konzentrieren.
Meine Kollegen vom Außen- und Verteidigungsministerium werden auf die diplomatischen Bestrebungen
und die geplante Luftbrücke eingehen.
Das USAID-DART-Team verfolgt drei Ziele:
1.

Einleitung eines umfassenden Verkaufsprogramms von Nahrungsmitteln, um die Lebensmittelpreise zu senken und zu stabilisieren.

2.

Dezentralisierung der Nothilfe, damit die Menschen aus den Städten wieder aufs Land ziehen
und

3.

Entwicklung von Programmen, die mit aus dem
Nahrungsmittelverkauf erzielter lokaler Währung finanziert werden, um den wirtschaftlichen
Gesundungsprozeß zu beschleunigen, insbesondere bei der Viehzucht und im Agrarsektor.

Ein Verkaufsprogramm, mit dem Nahrungsmittel entweder in Somalia oder den Nachbarländern Dschibuti
und Kenia direkt an somalische Händler verkauft werden,
würde unseren Erwartungen zufolge zu einer Senkung
der Lebensmittelpreise führen und damit denjenigen,
die über gewisse Mittel verfügen, die Rückkehr zur
Marktwirtschaft ermöglichen. Wir hoffen, daß dieses
Programm direkte Auswirkungen auf die Sicherheits-

bedingungen im Land haben wird. Wenn genügend
Nahrungsmittel zu einem relativ niedrigen Preis auf die
Märkte kommen, sollte die Mehrheit der Bevölkerung
in der Lage sein, die benötigten Lebensmittel zu kaufen, und Diebe würden kaum davon profitieren, Nahrungsmittel von den Hilfsorganisationen zu stehlen.
Wenn Lebensmittel nicht länger ein Währungsersatz
sind, sollte es den Hilfsorganisationen möglich sein,
Nahrungsmittel mit weniger Sicherheitsrisiken zu liefern. In dem Maße, wie sich die Sicherheit verbessert,
könnten die Hilfsorganisationen ihre Bestrebungen
dezentralisieren und in die Landstriche vordringen, die
jetzt aus Sicherheitsgründen abgeriegelt sind. Direkte
kostenlose Verteilung von Nahrung an die am meisten
Betroffenen muß nach wie vor wesentlicher Bestandteil der Nothilfestrategie sein angesichts der Hungersnot, deren Zeuge wir hier sind.
Mit der aus den Verkaufsprogrammen erzielten lokalen Währung wird das DART-Team mit den freiwilligen
Hilfsorganisationen bei der Einführung von Maßnahmen zurStützung der Einkommen und wirtschaftlichen
Gesundung zusammenarbeiten. Projekte für Arbeit
gegen Bezahlung sowie Viehzucht- und Agrarprogramme haben hohe Priorität.
Ich möchte jedoch betonen, daß diese Pläne vorläufig
sind und das DART-Team die Befugnis hat, im weiteren Verlauf Anpassungen vorzunehmen. Angesichts
der im Land herrschenden Anarchie gibt es kein Patentrezept für Erfolg.
Zusätzlich zu den von dem DART-Team in die Wege
geleiteten Marktinterventionen wird die US-Regierung
weiterhin Nothilfemaßnahmen unterstützen wie ergänzende Nahrungsmittelprogramme für unterernährte Kinder sowie Bewässerungsprojekte auf dem Land
und in den Städten zur Verbesserung der Wasserqualität und -quantität für Mensch und Tier. Wir werden
das IKRK nach wie vor unterstützen und haben soeben
zusätzliche 3 Millionen Dollar für Hilfsoperationen des
IKRK bewilligt.
Die Vereinigten Staaten widmen dem Transport von
Nahrungsmitteln nach Somalia beträchtliche Aufmerksamkeit. Neben den in diesem Haushaltsjahr bereitgestellten 80.000 Tonnen Nahrungsmittel werden wir im
Haushaltsjahr 1993 weitere 145.000 Tonnen Nahrungsmittel nach Somalia liefern. Diese Mittel werden
nicht mit Flugzeugen des US-Verteidigungsministeriums transportiert. Sie werden so bald wie möglich im
kommenden Haushaltsjahr in amerikanischen Häfen
verschifft und mit Schiffen und Lastwagen nach Somalia geliefert. In der Zwischenzeit werden 13.000 Tonnen der im Haushaltsjahr 1992 bereitgestellten Nahrungsmittel voraussichtlich in diesem Monat und 8.500
Tonnen in der ersten Septemberwoche die Region
erreichen.
*

*

AMERIKA DIENST 34

�BILDUNGSWESEN
26. August 1992

MULTIKULTURELLE BILDUNG - EIN DISKURS
von Robert K. Landers
Zahlreiche amerikanische Pädagogen sind der Ansicht, die Schulen müßten multikulturelle Lehrpläne für die
Fächer Geschichte und Sozialkunde einführen, und Kalifornien hat bereits Schritte in dieser Richtung unternommen, schreibt der Autor des nachstehenden Artikels. Er erläutert das kalifornische Programm und sonstige
Ableger der multikulturellen Bildung wie etwa den Afrozentrismus.
Der Verfasser ist Mitarbeiter bei Editorial Research Reports. Nachdruck gestattet mit folgendem Zusatz:
Copyright (c) 1990 by Congressional Quarterly, Inc.. Nachdruck mit freundlicher Genehmigung des Verlags.
Zu Beginn der neunziger Jahre sind die Vereinigten
Staaten noch enger mit der Welt verflochten. Um sich
in diesem veränderten Umfeld behaupten zu können,
müssen Amerikaner heute wesentlich mehr über andere
Völker, ihre Kulturen und ihre Vergangenheit wissen.
Gleichzeitig wächst auch die Vielfalt im amerikanischen Volk selbst. Es mag einst möglich gewesen
sein, Amerika als ein Land zu betrachten, das nahezu
vollständig aus Weißen europäischer Abstammung
bestand. Aufgrund der Einwanderung aus Asien,
Lateinamerika und anderen Regionen und der Bürgerrechtsbewegung der sechziger Jahre steht diese Auffassung jedoch nicht länger mit der Realität im Einklang.
Für Pädagogen liegt die Lehre aus diesen beiden
Trends auf der Hand: Die Schulen können den Rest
der Welt nicht länger ignorieren, und sie können die
Amerikaner nicht länger so behandeln als seien sie alle
von gleicher Art. Sie müssen jungen Amerikanern
etwas über die Welt vermitteln, und dabei müssen sie
die Amerikaner über ihre Vielfalt unterrichten. "Was
benötigt wird", erklärt der Historiker William H. McNeill
von der University of Chicago, "ist eine gemeinsame
Menschheitsgeschichte".
Wegweisend bei der Suche danach ist der Bundesstaat Kalifornien. Im Jahr 1987 führte das kalifornische Schulsystem ein neues Rahmencurriculum für
das Fach Geschichte/Sozialwissenschaften ein,
demzufolge die Schüler in Weltgeschichte sowie in
der Geschichte ihrer eigenen demokratischen Nation
und multikulturellen Gesellschaft unterrichtet werden
sollen - und diese Fächer sollten sehr intensiv sowie
mit ungewöhnlichem Realismus unterrichtet werden.
Kalifornien hat jedoch festgestellt, daß dies angesichts der lautstarken Vertretung von SonderinteresAMERIKA DIENST 34

sen und der traditionellen Scheu von Schulbuchverlagen nicht leicht sein wird.
Um seinem neuen Rahmenlehrplan gerecht zu werden, bat Kalifornien die Schulbuchverlage, Lehrbücher
zu liefern, die noch nicht existierten. Darüber hinaus
wollte der Bundesstaat Lehrbücher, die gut geschrieben waren und nicht jeglichen Realitätsbezug verloren
hatten, weil alles, was irgendjemanden beleidigen
könnte, herausgenomen wurde. Doch obwohl jedes
achte in den Vereinigten Staaten verkaufte Schulbuch
in Kalifornien erworben wird, sträubten sich die Verleger. Die Herstellung neuer Schulbücher ist ein kostspieliges Unterfangen, und sie wußten, daß der Verkauf der neuen Schulbücher auch in anderen Landesteilen bei weitem nicht garantiert war.
Die Houghton Mifflin Company ließ sich jedoch auf das
Wagnis ein. Sie legte eine völlig neue Serie von
Texten für das Fach Sozialkunde vor. Die Geschichte
wurde in den Büchern lebendig dargestellt, sie war
multikulturell - und, wie sich herausstellte, kontrovers.
Schließlich wurde die Serie von dem Bundesstaat
übernommen, aber die Bücher mußten einen Spießrutenlauf gegen Vertreter religiöser und ethnischer
Sonderinteressen überstehen, von denen jeder argumentierte, seine Geschichte oder Kultur oder sein
Glaube würden ignoriert oder verzerrt dargestellt. Die
Erfahrung war kaum ermutigend, um zögernde Schulbuchverleger dazu zu veranlassen, dem Beispiel von
Houghton Mifflin zu folgen. Und sie war auch nicht
geeignet, andere Schulsysteme zu ermutigen, dem
Beispiel Kaliforniens zu folgen.
Darüber hinaus wird das multikulturelle Curriculum in
Geschichte/Sozialkunde wie im Falle Kaliforniens nicht
nur von zögerlichen Schulbuchverlegern oder verschiedensten Sonderinteressen bedroht, sondern auch
Seite 1

�von einer als Afrozentrismus bezeichneten Bewegung, die sich ebenfalls für Multikultur ausspricht. Der
Afrozentrismus ist bestrebt, Afrika in den Mittelpunkt
der Lehrpläne in den Schulen zu rücken, um damit
schwarze Schüler zum Lernen zu ermutigen.
Die Vertreter des Afrozentrismus, zumeist engagierte
schwarze Dozenten und Pädagogen, schlagen ein
Curriculum vor, das - wie im Falle von Kaliforniens
multikulturellem Curriculum - über die traditionelle
amerikanische Geschichte hinausgeht, die Schwarze
und andere Minderheiten nur am Rande behandelte.
Die Verfechter des Afrozentrismus haben bereits Einfluß auf Lehrpläne in Portland (Oregon), Atlanta (Georgia)
und andernorts genommen.
So wird beispielsweise in Portland eine umstrittene
Serie mit dem Titel African-American Baseline Essays seit Januar 1989 als Curriculum-Hilfsmittel für
Lehrer eingesetzt. Diese Essays sind nicht als Lehrmaterial für die Schüler gedacht. Vielmehr sollen die
Lehrer den von der öffentlichen Schulverwaltung in
Portland erlassenen Richtlinien zufolge diese Essays
lesen und dann "relevante Inhalte in das verabschiedete Schulbezirkscurriculum einführen". Die Essays
befassen sich mit afrikanischer Geschichte sowie afrikanischen und afroamerikanischen Beiträgen zu Kunst,
Literatur, Mathematik, Naturwissenschaften und Musik.
Kritiker behaupten jedoch, die Essays - wie auch der
gesamte afrozentrische Ansatz - seien von der Wahrheit sehr weit entfernt.
Der Afrozentrismus geht von Annahmen über das
antike Ägypten und die Ursprünge der westlichen
Zivilisation aus, die zusammengenommen benutzt
werden können, um einem Mythos über eine antike
Blütezeit der Schwarzen und eine von den Weißen
geraubte Vergangenheit Vorschub zu leisten. Dieser
Mythos mag den Kritikern zufolge erhebliche Anziehungskraft haben, aber seine wichtigsten Elemente
werden von vielen, vielleicht den meisten führenden
Wissenschaftlern und Historikern verworfen. "Das ist
keine ernsthafte Forschung", erklärt McNeill offen.
Trotzdem wächst sein Einfluß aufgrund der scheinbar
hoffnungslosen Lage so vieler junger Schwarzer in den
Städten Amerikas. "Meines Erachtens liegt dem
afrozentrischen Curriculum eine große Verzweiflung
über die schlechte Lage eines großen Teils der afroamerikanischen Bevölkerung zugrunde", meint Gary
B. Nash, Geschichtsprofessor an der University of
California in Los Angeles. Der Ruf nach einem afrozentrischen Curriculum hat nach seiner Auffassung
"hauptsächlich etwas mit den äußerst schwierigen
Lebensbedingungen eines großen Teils der schwarzen Kinder in den heutigen Vereinigten Staaten zu tun.
Die Leute, die sich dafür einsetzen, erklären immer
wieder, daß das Problem, das sie zu lösen versuchen
... die geringe Selbstachtung und (die) schlechten

Seite 2

Leistungen sind, die ihrer Meinung nach mit der geringen Selbstachtung afro-amerikanischer Kinder einhergehen."
Daß eine afrozentrische Version von Geschichte oder
überhaupt irgendeine Version dieses hehre Ziel erreichen könnte, steht bei weitem nicht fest. "Sicherlich
wünsche ich mir, die Geschichte hätte die Macht, all
das zu leisten, was zu leisten sie in den Augen der
Afrozentristen in der Lage ist", erklärt Nash, aber das
kann sie nicht. Geschichte hat "ein gewisses Potential, Leute dazu zu veranlassen, über ihre Welt nachzudenken und sich darin aktiv als Entscheidungsträger
und Teilnehmer am politischen Leben zu betätigen",
meint Nash. "Ich glaube jedoch nicht, daß Geschichte
Probleme wie Armut und Obdachlosigkeit oder Drogen, Gewalt und minderjährige Mütter überwinden
kann."
Andererseits könnte die Durchsetzung eines afrozentrischen (oder irgendeines anderen ethnozentrischen)
Curriculums jedoch die Anziehungskraft eines "pluralistischen" multikulturellen Curriculums untergraben,
das die gemeinsame Geschichte und Kultur der
Amerikaner nicht aus dem Blick verliert. Der Afrozentrismus mag vielleicht einen multikulturellen Anstrich
haben, behaupten die Kritiker, aber er ist nicht multikulturell. Die Abteilungsleiterin im US-Bildungsministerium, Diane Ravitch, war früher Geschichtsprofessorin
am Pädagogischen Seminar der Columbia University
und in dieser Funktion an der Entwicklung des neuen
Rahmencurriculums in Kalifornien beteiligt. Sie bezeichnet den afrozentrischen Ansatz im öffentlichen
Schulwesen als "partikularistische" Form des Multikulturalismus - das "Gegenteil" der von ihr befürworteten pluralistischen Art.
Die pluralistische Form, erklärt sie, gibt den Kindern
"ein Bild der amerikanischen Gesellschaft, das aussagt 'He, wir gehören alle dazu, wir sind alle Amerikaner, wir sind unterschiedlich, und wir sind gleich, und
wir entstammen verschiedenen Ursprüngen und sollten die kulturellen Unterschiede zwischen uns verstehen, weil wir dann besser zusammenarbeiten können.'
Die andere ist lediglich ein rassisch geprägter Lehransatz."
Die Koordinatorin für multikulturelle/multiethnische
Bildung des öffentlichen Schulwesens in Portland,
Carolyn M. Leonard, ist jedoch anderer Meinung. Sie
erklärt, sie werde häufig über "das Thema ... 'Wir sind
alle Amerikaner, und ist das nicht wunderbar' befragt.
Und ich bin nicht dagegen. Aber ich sage, bevor man
die Geschichte einer Gruppe in den großen amerikanischen Schmelztiegel einrührt, sollten wir sicherstellen,
daß die Menschen darin genug Informationen über
sich selbst haben."

AMERIKA DIENST 34

�Bei einem afrozentrischen oder jedem ethnozentrischen Bildungsansatz besteht die Gefahr, daß die
Schüler die gemeinsame Geschichte und Kultur
Amerikas aus den Augen verlieren. "Mir scheint",
erklärt McNeill, "wir (Amerikaner) teilen weit stärker
eine gemeinsame Kultur als daß wir mehrere getrennte haben. Das heißt, es gibt natürlich Unterschiede
zwischen Schwarzen und Weißen sowie zwischen
Asiaten und Menschen europäischer Herkunft sowohl
im Hinblick auf das physische Aussehen als auch in
Familienstruktur (und) Familientraditionen. Aber besonders in öffentlichen Angelegenheiten, den Angelegenheiten der Gemeinde und des Staates ist es alles
eine Welt." Er und andere Historiker meinen, daß
amerikanische Schüler viel über diese Welt lernen
müssen - und von der Welt als Ganzem.
Obwohl amerikanische Lehrpläne und Lehrbücher dies
in der Vergangenheit häufig vermissen ließen, sind die
Vereinigten Staaten von Anfang an eine multikulturelle
Gesellschaft gewesen, und die Vielfalt Amerikas hat
stets gleichermaßen Ängste angefacht wie Optimismus hervorgebracht. Ein dauerhafter Ausdruck des
letzteren war das Bild von Amerika als "Schmelztiegel", das dem amerikanischen Bewußtsein von Israel
Zangwill, einem englischen Juden, eingeprägt wurde.
Er schrieb im Jahr 1908 ein Theaterstück, in dem zwei
russische Einwanderer, ein Jude und eine Christin,
Liebe und Glück in Amerika finden - "Gottes Schmiede, der große Schmelztiegel, in dem alle Rassen
Europas verschmelzen und umgeformt werden".
Der Schmelztiegel Amerika war nicht nur eine schöne
Fiktion. Er war "eine äußerst reale und befruchtende
Erfahrung für Millionen von Einwanderern", stellt der
emeritierte Geschichtsprofessor Paul Gagnon von der
University of Massachusetts in Boston fest. Aber
selbst als die Neuankömmlinge sich in den amerikanischen Schmelztiegel eingerührt sahen, waren sie dem
Historiker Bernard A. Weisberger zufolge niemals "nahe
daran, ihre Identität als Juden oder NichtJuden, Kelten
oder Teutonen oder ganz besonders als Menschen
weißer und roter sowie schwarzer und gelber Hautfarbe zu verlieren."

Raum und Zustimmung als allen anderen Entdeckern
außer Kolumbus, und sie konzentrierten sich auf die
englischen Kolonisten, wobei sie Franzosen, Spanier
und Niederländer nahezu völlig außer acht ließen."
Was "die Einwanderer" angeht, so erschienen sie auf
den Seiten der Schulbücher lediglich als Problem. Bis
zu den dreißiger Jahren, schrieb FitzGerald, enthielten
die Texte "keine Angaben darüber, wie diese Menschen lebten, was sie taten oder woher sie kamen und
noch viel weniger darüber, warum sie kamen".
In den vierziger Jahren fand der Gedanke von Amerika
als Schmelztiegel Eingang in die meisten Schulbücher. In den vierziger und fünfziger Jahren, erinnerte
FitzGerald, diente der Schmelztiegel in den Schulbüchern als "Schlagwort für alle Ausführungen über
Einwanderer, und die Freiheitsstatue war als Illustration daneben abgebildet". Aber dies, schrieb sie,
beendete nicht "die Unterscheidung zwischen 'Wir'
und 'Sie' oder brachte eine echte Veränderung des
Schulbuchbegriffs dessen, was ein Amerikaner ist.
(Mit Ausnahme von) Künstlern und Menschen, die von
einem Schiff herabhängen und die Freiheitsstatue
anschauen, zeigten (die Lehrbücher) nur Menschen,
die wie angelsächsische Protestanten aussahen."
In den frühen sechziger Jahren, als mit John F. Kennedy zum ersten Mal ein Katholik irischer Abstammung
zum Präsidenten gewählt wurde, gaben die Lehrbücher die Unterscheidung Wir-Sie auf und machten sich
die Idee von Amerika als "Nation von Einwanderern"
zu eigen. Erst gegen Ende des Jahrzehnts jedoch
begannen die Schulbücher Amerikaner zu zeigen, die
nicht als weiße, angelsächsische Protestanten zu
erkennen waren. "Und dann", so FitzGerald, "fand
die Zerschmetterung des einheitlichen Bildes 'eines
Amerikaners' nicht deshalb statt, weil Amerikaner irischer oder italienischer Abstammung oder amerikanische Juden Druck ausgeübt hätten, sondern aufgrund
der schwarzen Bürgerrechtsbewegung."

Die amerikanischen Geschichtsbücher jedoch, die sich
traditionell mehr mit Staat und Politik als mit Sozialgeschichte befaßten, registrierten diese nicht verschmelzbare ethnische Vielfalt erst als die Einwanderung in
diesem Jahrhundert ihren Höhepunkt erreichte. Südund Osteuropäer strömten in das Land, und die Texte
begannen, zwischen "den Einwanderern" und "uns
Amerikanern" zu unterschieden.

Bis Mitte der sechziger Jahre hatten Schwarze in den
Schulbüchern nahezu keine Rolle gespielt. Erst in den
späten vierziger Jahren tauchten in den meisten Lehrbüchern überhaupt Abbildungen von freien Schwarzen
auf. Davor waren die Schwarzen in den meisten
Texten lediglich "die Sklaven", wie FitzGerald aufzeigte. Sie "waren auf magische Weise zu einem
nicht näher bezeichneten Zeitpunkt in diesem Land
aufgetaucht und waren mit dem Ende des Bürgerkrieges verschwunden." Und angeblich waren sie über
den Mangel an Freiheit noch nicht einmal allzu unglücklich gewesen.

Wie Frances FitzGerald in ihrer 1979 erschienenen
Studie America Revised: History Schoolbooks in
the Twentieth Century berichtete, begannen die
Lehrbücher gleichzeitig, "die englische Herkunft der
Amerikaner zu betonen. In den Ausführungen (der
Lehrbücher) über Entdeckungen und Kolonisierung
gewährten sie Sir Francis Drake wesentlich mehr

All dies veränderte sich mit der Bürgerrechtsbewegung. Zunächst konzentrierten die Lehrbücher Mitte
der sechziger Jahre ihre Aufmerksamkeit etwas unbeholfen auf den Chemiker und Botaniker George
Washington Carver sowie auf den Stellvertretenden
Generalsekretär der Vereinten Nationen, Ralph J.
Bunche, während andere schwarze Amerikaner nahe-

AMERIKA DIENST 33

Seite 3

�zu keine Erwähnung fanden. Andere, die Aufmerksamkeit verdienten, wurden jedoch bald entdeckt.
Anfang der siebziger Jahre waren die meisten Schulbücher so umgeschrieben worden, daß sie die Geschichte der Schwarzen in Amerika bis zur Bürgerrechtsbewegung behandelten. FitzGerald zufolge
enthielten die Indizes der meisten Bücher Einträge
"unter 'Schwarze' für die Kolonialzeit, die Amerikanische Revolution, den Spanisch-Amerikanischen Krieg,
die Truman-Administration und so weiter sowie für die
Zeiträume, in denen die amerikanische Politik von
Rassenfragen beherrscht wurde". Obwohl die Bücher
ihre Perspektive über das Zeitalter der Reconstruction
(nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg, Anm. d. Red.)
ziemlich drastisch ändern mußten, wiesen die restlichen umgeschriebenen Texte FitzGerald zufolge im
allgemeinen "keine grundlegende Änderung auf: es
handelte sich lediglich um Zusätze, um Einschübe, wo
vorher nichts gewesen war".
In den sechziger Jahren, als US-Bürger an der Bürgerrechtsfront Geschichte machten, wurden die Vereinigten Staaten stärker als je zuvor Teil einer kleiner
werdenden Welt. Das Einwanderungsgesetz von 1965,
mit dem das alte nationale Quotensystem abgeschafft
wurde, führte zu einem drastischen Anstieg der Einwanderer aus Lateinamerika und Asien. Zehn Jahre
später, als Südvietnamn an das kommunistische
Nordvietnam fiel, kam die erste Flüchtlingswelle aus
Indochina. In der Zwischenzeit brachten Satelliten, die
Computerrevolution sowie andere wissenschaftliche
und technische Fortschritte Nationen und Menschen in
engeren Kontakt miteinander. Der Welthandel wurde
wichtiger und der Wettbewerb intensiver. Japanische
Autos fuhren auf amerikanischen Straßen und Autobahnen, und amerikanische Arbeiter in der Automobilindustrie verloren ihre Arbeitsplätze. Die Vereinigten
Staaten verloren ebenso ihre Spitzenposition wie die
amerikanischen Schulkinder.
1983 warnte eine nationale Kommission, "unsere
Zukunft als Nation und als Volk" sei bedroht durch die
"zunehmende Welle der Mittelmäßigkeit" an den
amerikanischen Schulen. "Wissen, Lernen, Information und Intelligenz sind die neuen Rohmaterialien des
internationalen Handels...", erklärte die Kommission.
"Und sei es nur, um den kleinen Wettbewerbsvorteil
zu erhalten und zu verbessern, den wir immer noch auf
den Weltmärkten haben, müssen wir uns für die Reform unseres Bildungswesens engagieren."
Obwohl die Welt und ihre unterschiedlichen Völker für
Amerika immer wichtiger wurden, blieben junge Amerikaner im Hinblick auf die Welt und ihre Geschichte
ziemlich unwissend, sogar wenn man es aus dem
Blickwinkel der jüngsten US-Außenpolitik betrachtet.
Die Unwissenheit der Schüler über die Weltgeschichte
ist nicht so überraschend, wenn man berücksichtigt,
wie wenig sie darüber in der Schule erfahren. Wenige
Staaten fordern von High-School-Schülern auch nur
Seite 4

einen Jahreskurs in Geschichte. Und der BradleyKommission (1987-88) zum Fach Geschichte in Schulen zufolge lernen fast die Hälfte aller amerikanischen
Schüler überhaupt nichts über Weltgeschichte oder
zumindest die westliche Zivilisation.
Dabei ist Zeit das größte Hindernis, Schüler effektiv
über Weltgeschichte und amerikanische Geschichte
im Kontext der Weltgeschichte zu unterrichten. "Wir
sind die einzige relativ moderne Gesellschaft auf der
Welt, die versucht, ihre Geschichte in nur einem Jahr
in der High School zu unterrichten und auch versucht,
Weltgeschichte in einem Jahr zu lehren," erklärt Gagnon.
Kalifornien gab diese Einschränkungen 1987 mit seinem neuen Rahmencurriculum für Grund- und weiterführende Schulen auf. "Wir widmen der amerikanischen Geschichte von ihren Anfängen bis zur Gegenwart drei volle Jahre, so daß Zeit zum Nachdenken
bleibt und auch Zeit, um das Thema zu vertiefen,"
erklärt die Pädagogik-Professorin Charlotte Crabtree
von der UCLA, die gemeinsam mit Ravitch das Rahmenwerk verfaßt hat. "Und das bewirkt einen großen
Unterschied."
Das Rahmenwerk in Kalifornien will Schülern die Erkenntnis vermitteln, "daß die amerikanische Gesellschaft pluralistisch und multikulturell ist und stets war."
Aber es will auch ihre Wahrnehmung stärken, daß
"auch wenn die Menschen bei uns immer vielfältiger
werden, trotzdem der Konsens besteht, daß wir ein
Volk sind. Wo immer unser Ursprung auch liegt, wir
sind alle Amerikaner." Crabtree fügt hinzu: "Wir
haben keine gemeinsame nationale Herkunft, keine
gemeinsame Religion, keinen gemeinsamen ethnischen Ursprung. Unsere Vielfalt ist eine Realität. Als
Volk verbindet uns unser politisches System und die
politischen Werte, die wir schätzen - diese Werte der
Freiheit, Gleichheit und so weiter. Das müssen die
Kinder verstehen - und ganz sicher heute, da diese
Botschaft um die Welt geht."
Das Rahmencurriculum von Kalifornien mag nicht
perfekt sein, aber es ist sicherlich eine Herausforderung und darüber hinaus innovativ. Ferner versucht
es, viele der Probleme direkt zu lösen, die den Unterricht der Geschichte und Sozialkunde seit Jahren
belasten.
1989 hat der Ausschu ß über Politik für Rassengerechtigkeit, eine Gruppe prominenter schwarzer Wissenschaftler unter Leitung von John Hope Franklin, einem
Historiker an der Duke University, eine "schwarze
Einschätzung" zum Zustand öffentlicher Schulen
abgegeben. Der Ausschuß begrüßte das "Wiederaufleben der Besorgnis über den Zustand des Bildungswesens in Amerika." Der Ausschuß erklärte,
daß eine Bildungsreform zwar den Bedürfnissen der
"am wenigsten privilegierten ebenso entsprechen mu ß
wie derjenigen, die für den Unterricht besser vorbereitet sind," erhob aber den Vorwurf, daß Schulen nicht

AMERIKA DIENST 33

�"ihrer grundsätzlichen Verantwortung nachkommen,
alle Kinder zu erziehen, egal wie benachteiligt sie
sind".
Obwohl der Ausschuß allen Grund zur Besorgnis
hatte, wäre es irreführend, die Tatsache zu ignorieren
(und das tat der Ausschuß auch nicht), daß schwarze
Amerikaner in den letzten Jahrzehnten erhebliche
Fortschritte im Bildungswesen gemacht haben. Zum
Beispiel ist der Prozentsatz schwarzer Erwachsener
im Alter von über 25, die einen High-School-Abschluß
haben, von etwa 36 Prozent im Jahr 1970 (über 21
Punkte hinter der entsprechenden Zahl f ür Wei ße) auf
fast 67 Prozent im Jahr 1988 (11 Punkte dahinter)
gestiegen. Der Prozentsatz von College-Absolventen
unter Schwarzen über 25 hat sich von 6 Prozent im
Jahr 1970 auf 16 Prozent im Jahr 1988 erhöht.
Der Ausschuß schwarzer Wissenschaftler kam zu
dem Schluß, daß sich schwarze Eltern aktiv an der
schulischen Laufbahn ihrer Kinder beteiligen sollen
und die Schule selbst "ihren Schwerpunkt von den
angeblichen Unzulänglichkeiten des schwarzen Kindes - den angeblichen Mängeln des schwarzen Familienlebens - zu den Hindernissen verschieben muß, die
dem schulischen Erfolg im Wege stehen." Nach
Auffassung des Ausschusses "verstärken die Schulen soziale Ungleichheiten eher, als daß sie sie überwinden".
Um die Schüler in den Städten stärker zu motivieren,
empfahlen die Wissenschaftler unter anderem, daß
das Curriculum "erweitert wird, um die Lebensumstände und Interessen von schwarzen Kindern und
denen anderer Minderheiten widerzuspiegeln...Es nimmt
Shakespeare oder Emily Dickinson nichts, wenn man
die Dramen von August Wilson und die Dichtung von
Langston Hughes als integralen Bestandteil des Curriculums an den Schulen einbezieht", konstatierte der
Ausschuß. Alle Kinder müssen erkennen, daß Menschen wie sie die klassischen Sorgen der Menschheit
zum Ausdruck bringen, daß sie im Klassenzimmer
symbolisch vertreten und wert sind, erörtert zu werden. "I, too, sing America", schrieb Hughes. Ein multikulturelles Curriculum ist für eine multikulturelle Gesellschaft unabdingbar, und alle Kinder profitieren,
wenn sie etwas über den außergewöhnlichen Reichtum ihrer heterogenen Kultur lernen." Aber es ist
bemerkenswert, daß diese führenden schwarzen
Wissenschaftler nichts von der angeblichen Notwendigkeit erwähnen, Afrika in den Mittelpunkt des Curriculums für öffentliche Schulen zu stellen. Der zunehmende Ruf danach ist zum großen Teil auf dieselbe
angebliche "Krise" in der Ausbildung schwarzer
Jugendlicher zurückzuführen, die der Ausschuß beschrieb, kommt jedoch nicht von der Mehrheit der
Wissenschaftler.
Der gegenwärtigen Popularität der afrozentrischen
Bewegung liegt John Bracey von der University of
Massachusetts die Auffassung zugrunde, weil "nichts
AMERIKA DIENST 33

anderes funktioniert und vielleicht um einer Mythologie
entgegenzutreten, derzufolge Schwarze keinen Wert
haben, die Lösung darin besteht, ihnen eine Mythologie zu geben, die erklärt, Schwarze seien von höherem
Wert".
Bracey, derschwarze politische Bewegungen studiert,
war zunächst geneigt, die afrozentrische Bewegung
zu ignorieren, "weil sie mir als relativ uninteressant
erschien. Aber sie ist immer noch existent und in der
Tat größer und größer geworden." Bracey zufolge
erfreut sie sich heute "ziemlicher Unterstützung"
durch Lehrer weiterführender Schulen in einigen Staaten einschließlich New Yorks und New Jerseys. Die
Bewegung ist heute der sichtbarste Ausdruck von
schwarzem Nationalismus mit einer panafrikanischen
Perspektive.
Was es für einen Lehrplan wirklich bedeutet, "afrozentrisch" zu sein, ist nicht immer ganz klar. In Portland,
wo die African-American Baseline Essays als Quelle
von Lehrern benutzt werden, ist ein Curriculum laut
Leonard "nur in dem Sinne afrozentrisch, wie man die
afrikanische Geschichte aus der Kultur heraus erzählt.
Sie konzentriert sich auf die Menschen, die mit der
Kultur verbunden sind, von denen die meisten Afrikaner sind, die die Geschichte aus der Kultur heraus
erzählen. Das ist alles."
Portland unterteilt die Menschheit in sechs Gruppen Afrikaner, Asiaten, Hispanoamerikaner, Indianer,
Bewohner der Pazifischen Inseln und Europäer - und
beabsichtigt, für jede dieser Gruppen Essays zu schreiben. Aber die "Wahrheit" über eine Gruppe muß
nicht notwendigerweise die "Wahrheit" für eine andere sein, so Leonard. "Wir wissen, daß es diejenigen
geben wird (die Einwände haben), wenn die Indianer
sagen: 'Wir sind nicht über die Beringstraße gekommen. Wir wurden in Amerika geschaffen. Aber das ist
ihre Geschichte. Wir sagen den Menschen nicht, ihr
müßt diese Übereinstimmung mit der Wissenschaft
oder irgendetwas anderem erzielen. Wir sagen, wir
wollen, daß ihr versteht, daß die einzelnen menschlichen Gruppen, die Jahrtausende miteinander verbracht haben, eine Sicht der Welt haben, die sich von
der eurozentrischen Sicht der Welt unterscheidet, und
das ist in Ordnung. Wir wollen euch dieser Sichtweise
aussetzen. Wir sagen nicht, ihr müßt jedes Wort
glauben. Ihr müßt nicht glauben, daß die Indianer mit
den Bäumen gesprochen haben, wenn ihr das nicht
wollt. Aber ihr solltet zumindestens wissen, daß es
Menschen gibt, die etwas anderes glauben als ihr, und
obwohl ihr der eurozentrischen Sichtweise kulturell
stark verbunden sein könntet,... gibt es Menschen, die
die Welt nicht so sehen.'"
In den Augen der Befürworter bietet ein afrozentrisches Curriculum eine ehrliche Version der Geschichte, die sich auf solide akademische Forschung gründet, selbst wenn die meisten Weißen sich weigern,
dies zu akzeptieren. Den Afrozentristen zufolge war
Seite 5

�das alte Ägypten, nicht das alte Griechenland, die
Wiege der westlichen Zivilisation, der Geburtsort von
Mathematik, Philososphie und vielem anderen mehr.
Und die alten Ägypter waren schwarz, sagen sie.
Viele führende Historiker lehnen die grundlegenden
afrozentrischen Behauptungen jedoch ab. McNeill
beispielsweise erklärt, das alte Ägypten sei im wesentlichen keine schwarze Gesellschaft gewesen. Die
alten Ägypter "waren in dem Sinne Afrikaner, daß sie
in Afrika lebten, aber sie sind zweifelsohne nicht das
Gleiche wie die schwarzen Afrikaner dieses Landes.
Sie sind überhaupt nicht gleich, und jeder, der das
denkt, redet nur Unsinn." Die afrozentrischen schwarzen Nationalisten sind ihm zufolge "keine Historiker.
Sie sind Agitatoren. Aber sie haben bedauerlicherweise eine beachtliche Vertretung in Schulkreisen, insbesondere in New York."
In New York ist dieser Einfluß in den vergangenen
Jahren sehr deutlich geworden. 1987, in dem Jahr, in
dem Kalifornien seinen neuen Rahmenlehrplan verabschiedete, überarbeitete auch New York das Curriculum. Der Empire State entschied sich für einen zweijährigen Kurs über die Welt allgemein, der keine besondere Betonung auf Geschichte legte und diefürdas
Studium Westeuropas vorgesehene Zeit auf ein Vierteljahr reduzierte. Zahlreiche Gelehrte, die besorgt,
waren, daß die Studenten schon jetzt viel zuwenig
über Europa lernten, protestierten vergebens gegen
diese Kürzung. Aber zwei Jahre später wurde eben
dieses Curriculum von einer Arbeitsgruppe als "eurozentrisch" verurteilt, die vom Bildungsbeauftragen
des Bundesstaates, Thomas Sobol, eingesetzt worden war.
"Afroamerikaner, Amerikaner asiatischer Abstammung,
Puertoricaner/Lateinamerikaner und die amerikanische
Urbevölkerung waren alle Opfer einer intellektuellen
und bildungspolitischen Unterdrückung, die die Kultur
und Institutionen der Vereinigten Staaten sowie der
europäisch-amerikanischen Welt seit Jahrhunderten
charakterisiert hat", stellte der Bericht der Arbeitsgruppe vom Juli 1989 fest. "Negative Charakterisierungen oder das Fehlen positiver Referenzen haben
eine äußerst schädliche Wirkung auf junge Menschen
afrikanischer, asiatischer und lateinamerikanischer
Herkunft sowie auf Angehörige der Urbevölkerung und
einen ebenso schädlichen, wenn auch anderen Effekt
auf junge Menschen europäisch-amerikanischer Abstammung." (Zur Untermauerung dieser Behauptun*

Seite 6

*

gen über schädliche Auswirkungen wurden jedoch
keine Beweise beigebracht).
Die Arbeitsgruppe spaltete die Amerikaner in zwei
diametral entgegengesetzte Gruppen - "europäische
Amerikaner" und "Nichteuropäer" - die der erstgenannten beträchtliche Feindschaft entgegenbrachten. Die
Arbeitsgruppe beschwerte sich, daß der Lehrplan von
New York immer noch "eine systematische Neigung
zu europäischer Kultur und ihren Derivaten enthält"
und weiterhin das "europäisch-amerikanische Wertesystem fördert. Infolgedessen konzentriert sich die
Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika und
des Staates New York auf die angelsächsische Elite,
während das 'andere Amerika' unsichtbar gemacht
oder zumindest an den Rand gedrängt wurde... Europäische Kultur hat keinen immanenten Anspruch auf
Überlegenheit, aber unser Bildungssystem lehrt europäische Amerikaner dennoch, daß ihre Kultur der
Standard ist, gegenüber dem alle anderen Kulturen
zurückfallen."
Die Arbeitsgruppe empfahl die vollständige Überarbeitung des Lehrplans, "um sicherzustellen, daß der
pluralistische Charakter unserer Gesellschaft eindeutig repräsentiert ist und Studenten aller Kulturen richtig
ausgebildet werden. Aspekte der Kooperation und
Freundschaft zwischen allen Kulturen sollten gegenüber Konflikt und Gewalt betont werden."
Alle Seiten im Lehrplan-Krieg sind jetzt für "Multikulturalismus" und befürworten das multil ulturelle Studium der amerikanischen und Weltgeschichte. Die
gesamte Argumentation, was dies beinhalten sollte,
verschleiert jedoch bestimmte entscheidende Wahrheiten. Die demokratischen Institutionen der Vereinigten Staaten hatten ihren Ursprung in Europa und
insbesondere in Großbritannien. In dem Maße, in dem
Schüler über dieses Vermächtnis unterrichtet werden
- was sie zweifelsohne sollten - muß das Curriculum
unweigerlich "eurozentrisch" sein. Wenn man jedoch
zur Sozialgeschichte kommt, führt Nash aus, "ist ein
eurozentrischer Ansatz unausgewogen, weil er Amerikaner asiatischer Abstammung, Afroamerikanern oder
Hispanoamerikanern wenig Aufmerksamkeit widmet".
Aber auch ein afrozentrischer Lehrplan wäre unausgewogen, erklärt er. "Es ist unerheblich, welches Wort
Sie vor '-zentrisch' setzen. In einem Land wie dem
unseren und beim Unterrichten der Weltgeschichte
schaffen sie ein unausgewogenes Curriculum sobald
sie dieses Wort benutzen."
*

*

AMERIKA DIENST 33

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11545">
                <text>26.08.1992</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11546">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11547">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11548">
                <text>Amerikadienst 26.08.1992</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11549">
                <text>&lt;strong&gt;1. Wahlen'92&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush verspricht "neuen Kreuzzug" für Amerika&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede beim Parteikonvent der Republikaner&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vision der Republikaner ist Einheit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Das Parteiprogramm der Republikaner&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Somalia&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA geben zweigleisige Nothilfestrategie für Somalia bekannt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Sonderkoordinators&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Bildungswesen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Multikulturelle Bildung - ein Diskurs&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Robert K. Landers&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2262" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2273">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/608ee615674c94ea4e85eb4a87f42df3.pdf</src>
        <authentication>25c067304f7588f4088e2726b365d173</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="11556">
                    <text>amcrika
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

2. September 1992

35

JUGOSLAWIEN

JUGOSLAWIENKRISE KÖNNTE WELT NACH
DEM KALTEN KRIEG BEEINFLUSSEN
Rede bei der Londoner Jugoslawienkonferenz

LONDONER KONFERENZ LEITET PROZESS
ZUR LÖSUNG DES JUGOSLAWIENPROBLEMS
IN DIE WEGE
Pressekonferenz des
geschäftsführenden Au ßenministers

IRAK

KOALITION VERHÄNGT FLUGVERBOT
IM SÜDIRAK
Erklärung von Präsident Bush

NAFTA

HILLS: NAFTA SCHAFFT KEINE
FESTUNG NORDAMERIKA
Stellungnahme der US-Handelsbeauftragten

FULBRIGHT

FULBRIGHT-LEHRERAUSTAUSCHPROGRAMM
ZEITIGT IN VIELEN REGIONEN ERFOLGE
Informationsveranstaltung für Lehrer

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�JUGOSLAWIEN
2. September 1992

JUGOSLAWIENKRISE KÖNNTE WELT NACH DEM
KALTEN KRIEG BEEINFLUSSEN
Rede bei der Londoner Jugoslawienkonferenz
LONDON - (AD) - Der amtierende US-Au ßenminister Lawrence Eagleburger hat am 26. August 1992 erklärt, im
vom Bürgerkrieg zerrissenen ehemaligen Jugoslawien gebe es ein "erschreckendes Echo" aus den "dunkelsten
Momenten" der europäischen Geschichte und die Welt könne es nicht zulassen, "daß dieses Krebsgeschwür im
Herzen Europas gedeiht, geschweige denn sich ausbreitet".
Vor der Londoner Jugoslawienkonferenz machte Eagleburger die Teilnehmer darauf aufmerksam, daß "was wir
leisten - oder nicht leisten - auf jeden Fall die Zukunft Europas sowie das Gefüge des internationalen Systems
nach dem Kalten Krieg beeinflussen wird".
Eagleburger forderte, die Konferenz dürfe sich nicht "mit der De-facto-Schaffung eines Großserbiens abfinden",
und die Vereinigten Staaten erwarteten von der Konferenz folgende Maßnahmen:
Sicherstellung von humanitärer Hilfe für die Opfer des Konflikts sowie ungehinderten Zugang zu allen
Internierungslagern;
die Forderung nach unverzüglicher Einstellung der Gewalt sowie der Beendigung der Belagerungen von
Sarajevo, Gorazde, Tuzla, Bihac, Mostar und anderen bosnischen Städten durch die serbischen Truppen;
die Bekräftigung der Entschlossenheit der internationalen Staatengemeinschaft, die umfassenden
Wirtschaftssanktionen gegen Serbien/Montenegro zu verschärfen und ihre politische Isolation aufrechtzuerhalten, bis alle einschlägigen Resolutionen des UN-Sicherheitsrates eingehalten werden. Die Klarstellung, daß Sanktionen gegen alle Parteien verhängt werden, die ebenso verwerflich handeln.
Gewährleistung, daß der Konflikt nicht auf Gebiete und Länder übergreift, die noch nicht unmittelbar von
den Kämpfen betroffen sind.
Nachfolgend veröffentlichen wir Eagleburgers Rede im Wortlaut.

Wir haben uns heute hier versammelt, weil wir als
Mitglieder der internationalen Staatengemeinschaft Ost und West, Moslems, Christen oder Juden - verpflichtet sind, den Völkern des ehemaligen Jugoslawiens in ihrer Stunde des Leidens und der Not zu
helfen. Die von uns in London getroffenen Entscheidungen über ihr Schicksal werden jedoch über die
gegenwärtige Krise hinaus Konsequenzen haben. Denn
was wir leisten - oder nicht leisten - wird auf jeden Fall
die Zukunft Europas sowie das Gefüge des internationalen Systems nach dem Kalten Krieg beeinflussen.
Vor nur drei Jahren begann die Menschheit aufs Neue
ihren lange unterbrochenen Marsch zu Freiheit, Aufklärung und Rechtsstaatlichkeit. Wir hatten damals

AMERIKA DIENST 35

guten Grund zu der Hoffnung, daß sich alle vom
Kommunismus befreiten Nationen nicht nur dem Kreis
der westlichen Demokratien, sondern auch dem Kreis
des Friedens anschließen würden, der durch die
Aussöhnung traditioneller Feinde geschaffen wurde.
Kurzum: wir stellten uns einen vergrößerten Bund
demokratischer Staaten vor, die ohne den Haß und die
Rivalitäten ins 21. Jahrhundert eintreten würden, die
das ausgehende Jahrhundert so sehr verdunkelt haben.
Diese Hoffnungen bleiben unvermindert bestehen,
aber in der Zwischenzeit haben uns die Ereignisse im
ehemaligen Jugoslawien mit dem Gespenst konfrontiert, daß die Geschichte dort nicht überwunden, sondern wiederholt wird, und mit der Vision, daß die

Seite 1

�Zukunft dieses Landes eine Neuinszenierung seiner
tragischen Vergangenheit ist.
Tatsächlich gibt es im ehemaligen Jugoslawien heute
ein erschreckendes Echo der dunkelsten Momente
der europäischen Geschichte - von früheren Beispielen rassisch begründeter Repression, Aggression und
territorialer Expansion. Die Geschichte lehrt jedoch,
daß die Eroberungen früherer ethnischer Säuberer
meistens nur kurz Bestand hatten und die Völker, in
deren Namen ihre Verbrechen begangen wurden, in
der Regel ein unglückliches Schicksal erlitten.
Wahre Freunde des ehemaligen Jugoslawiens müssen anerkennen, daß die Geschichte dort nicht gestern begonnen hat und die Tragödie, die sich dort
gerade zuträgt, alte und komplizierte Wurzeln hat. Sie
sind sich insbesondere der Tatsache bewußt, daß die
serbische Bevölkerung ein Hauptopfer des Zweiten
Weltkriegs war, und sie genießt aufgrund dieser Leiden, die vielen noch frisch im Gedächtnis sind, ihre
Sympathie.
Ich vertrete eine Regierung, die traditionell ein besonderes Verhältnis zu Serbien hat. Und ich erkenne an,
daß in dem fortdauernden jugoslawischen Aufruhr
Verbrechen von allen Seiten begangen wurden. Heute
sind jedoch besonders Serben für Verbrechen verantwortlich, die denen ihrer ehemaligen Peiniger gleichkommen und die heilige Erinnerung an die Vorfahren
entehren, denen solche Pein zugefügt wurde. Und es
sind die Serben, die eine äußerst düstere Zukunft vor
sich haben, wenn es ihnen nicht gelingt, den von ihren
rücksichtslosen Führern eingeschlagenen Kurs zu
ändern.
Ich treffe diese Vorhersage ohne Befriedigung, aber
ich treffe sie, weil wir eindeutig feststellen müssen: die
zivilisierte Welt kann es sich einfach nicht leisten
zuzulassen, daß dieses Krebsgeschwür im Herzen
Europas gedeiht, geschweige denn sich ausbreitet.
Wir müssen die Kontrolle über die Zukunft denjenigen
entreißen, die uns in die Vergangenheit zurückwerfen
wollen und der Welt zeigen - insbesondere der einen
Milliarde Moslems auf der Welt -, daß die westlichen
Demokratien Aggression unter allen Umständen ablehnen und ihr nicht in einer Region entgegentreten
und sie in einer anderen dulden.
Sicherlich werden wir diesen Konflikt nicht heute in
London beilegen. Aber wir werden uns auch nicht mit
der De-facto-Schaffung eines Großserbiens abfinden.
Was wir tun werden - so hoffe ich - ist, einen koordinierten, integrierten und kontinuierlichen Verhandlungsprozeß ins Leben zu rufen, der zu einer Umkehr der
serbischen Aggression und zur Integration der ehemaligen jugoslawischen Republiken in den größeren
Rahmen eines demokratischen Europas führen wird.
Hier bei dieser Konferenz sollten wir die politischen
Entscheidungsträger im gesamten ehemaligen Jugoslawien vor die Wahl stellen, entweder mit der interna-

Seite 2

tionalen Staatengemeinschaft zusammenzuarbeiten
oder einen von uns zu fordernden inakzeptabel hohen
Preis für Aggression zu bezahlen. Darüber hinaus
sollten wir hier bei dieser Konferenz das Volk von
Serbien eindeutig vor die Wahl stellen, entweder einem demokratischen und wohlhabenden Europa beizutreten oder ihren Führern in die Schmach, Isolation
und Niederlage zu folgen, die sie erleiden werden,
wenn sie ihren gegenwärtigen Marsch der Torheit
fortsetzen.
Mit anderen Worten, die Vereinigten Staaten erwarten,
daß die Konferenz folgende spezifische Aufgaben in
Angriff nimmt:
Humanitäre Hilfe
Erstens, die Bereitstellung humanitärer Hilfe für die
Opfer dieses Konflikts sowie die Gestattung des unverzüglichen, uneingeschränkten und ungehinderten
Zugangs zu allen Internierungslagern.
Angesichts des herannahenden Winters besteht unsere unmittelbare Priorität darin, das Problem von Unterkunft und Ernährung der Hunderttausenden vordringlich in Angriff zu nehmen, die in Bosnien, Kroatien,
Slowenien, Serbien und Mazedonien heimatlos geworden sind. Darüber hinaus müssen wir weiteren
Hunderttausenden humanitäre Hilfe zukommen lassen, die in Bosnien eingeschlossen sind, so daß sie
nicht zum nächsten Flüchtlingsstrom werden. Die
Öffnung von Sicherheitskorridoren ist zur Verwirklichung dieses Ziels erforderlich. Die internationale
Staatengemeinschaft muß ungehinderten Zugang zu
Lande und in der Luft haben, um die humanitären
Hilfslieferungen zu gewährleisten. Und während wir
die friedliche Zusammenarbeit mit allen Seiten anstreben, müssen wir zum Einsatz aller erforderlichen Mittel
bereit sein, um sicherzustellen, daß die Hilfe ihr Ziel
erreicht.
Bis heute haben die Vereinten Nationen und das IKRK
zur Lieferung von Hilfsgütern im Wert von rund 500
Millionen Dollar in die Kriegszone beigetragen. Der
Hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen
(UNHCR) hat jetzt jedoch die betroffenen Regierungen
zu einem erneuten Treffen am 4. September einberufen, um einen konkreten Plan für die Erweiterung der
Konvois nach Bosnien durchzuführen und dem Bedarf
an winterfesten Unterkünften für Flüchtlinge in anderen Gebieten des ehemaligen Jugoslawiens gerecht
zu werden. Die Vereinigten Staaten werden einen
ersten Beitrag in Höhe von über 40 Millionen Dollar und
gegen Ende des Jahres einen weiteren leisten. Über
diese direkte finanzielle Hilfe hinaus besteht unsere
Unterstützung aus Nahrungsmitteln, Medikamenten,
Material für Unterkünfte, Transportmitteln und technischer Hilfe.
Nebenbei möchte ich bemerken, wir sind uns des
Risikos bewußt, daß humanitäre Hilfe, wenn wir nicht

AMERIKA DIENST 35

�sorgfältig vorgehen, zur Konsolidierung der Landnahme in Bosnien und der politischen Kantonisierung
beitragen könnte, die von den Vereinigten Staaten
kategorisch abgelehnt wird. Aus diesem Grund vertreten wir die Auffassung, daß es nicht zu früh für die
internationale Staatengemeinschaft ist, die Frage
anzusprechen, wie wir den Flüchtlingen helfen, dorthin
zurückzukehren, was von ihren Häusern und Dörfern
übriggeblieben ist und diese wiederaufzubauen. Dieses Thema muß Teil jeder von den Vereinigten Staaten unterstützten politischen Beilegung der derzeitigen
Krise sein und macht weiter beträchtliche internationale Hilfslieferungen erforderlich.
Schließlich müssen wir auf einer Beendigung der
Menschenrechtsverletzungen, die in den Internierungslagern in ganz Bosnien begangen werden und auf der
Auflösung dieser Lager bestehen. Der internationalen
Staatengemeinschaft muß unverzüglich und kontinuierlich uneingeschränkter Zugang zu diesen Lagern
gewährt werden. Das IKRK sollte alles in seiner Macht
Stehende tun, um die stattfindenden Inspektionen zu
beschleunigen und in seinen Bestrebungen von Berichterstattern des UNHCR und der KSZE unterstützt
werden.
Ein Verhandlungsprozeß
Eine zweite Aufgabe besteht darin, der Tag für Tag an
den Menschen in Bosnien verübten Gewalt ausdrücklich Einhalt zu gebieten. Als ersten Schritt fordere ich
die serbischen Streitkräfte auf, die Belagerung von
Sarajevo, Gorazde, Tuzla, Bihac, Mostar und anderen
bosnischen Städten aufzuheben - ein Schritt, der Teil
eines umfassenderen diplomatischen Prozesses sein
muß. Zu diesem Zweck müssen wir einen kontinuierlichen internationalen Verhandlungsmechanismus
schaffen, der auf ständiger Basis und unter Einbeziehung aller betroffenen Parteien operiert, um eine gerechte und dauerhafte Schlichtung zu erzielen.
Ich betone die Worte "gerecht und dauerhafte". Die
serbische Regierung hat in London ihre Bereitschaft
zur Aushandlung eines Friedens erklärt. Wir müssen
jedoch sicherstellen, daß bei der Einigung über einen
Verhandlungsmechanismus alle Parteien auch zustimmen, auf der Grundlage der in der Charta der
Vereinten Nationen und der KSZE verankerten Prinzipien zu verhandeln - das heißt, der Verpflichtung zu
einer friedlichen Lösung von Konflikten, Respektierung der territorialen Integrität anderer Staaten, Ablehnung von Bestrebungen, Grenzen durch Gewalt zu
verändern, Garantie grundlegender Menschenrechte einschließlich der Rechte von Minderheiten - sichere
Rückführung der Opfer der "ethnischen Säuberung" in
ihre Heimat und obligatorische Einhaltung der Bestrebungen zur Bereitstellung humanitärer Hilfe. Nur
durch die Zustimmung zu einem auf diese Prinzipien
gegründeten Friedensprozeß können wir gewährleisten, daß die Verhandlungen nicht zum Instrument der
Konsolidierung der Früchte von Aggression werden.

AMERIKA DIENST 35

Bestrafung und Ächtung von Aggression
Erfolgreiche Verhandlungen erfordern von uns vor
allem, die Kosten für diejenigen anzuheben, die weiterhin Gewaltakte verüben und gewaltsam eroberte Territorien besetzt halten. Deshalb besteht unseres Erachtens die dritte Aufgabe der Konferenz in der Bekräftigung der Entschlossenheit der internationalen Staatengemeinschaft, die umfassenden Wirtschaftssanktionen gegen Serbien/Montenegro zu verschärfen und
seine politische Isolierung aufrechtzuerhalten, bis alle
entsprechenden Resolutionen des UN-Sicherheitsrats
eingehalten werden. Gleichzeitig sollten wir allen
anderen Konfliktparteien vor Augen führen, daß wir
auch gegen sie Sanktionen verhängen werden, wenn
sie mit derselben Grausamkeit vorgehen.
Wir sind uns bewußt, daß eine Verschärfung der
Sanktionen den traditionellen Handelspartnern von
Serbien/Montenegro Härten auferlegen wird, und wir
ermutigen Maßnahmen zur Entschädigung der Staaten, deren strikte Einhaltung der Sanktionen ihnen
ungebührliche Schwierigkeiten verursacht. Wir müssen jedoch entschlossen sein, andauernde und offenkundige Verletzungen der Sanktionen nicht länger zu
tolerieren.
Mehrere Schritte sind erforderlich. Erstens müssen
die Umschlagrichtlinien des UN-Sanktionskomitees
überarbeitet werden, um strenge Dokumentationsund Inspektionsverfahren einzubeziehen. Zweitens
werden wir in Absprache mit der rumänischen Regierung unverzüglich multinationale Beobachter zur Einhaltung der Sanktionen nach Rumänien entsenden.
Die Vereinigten Staaten sind bereit, Experten und
Gerät für diese Operation zur Verfügung zu stellen.
Ähnliche Arrangements sollten auch in anderen Regionen geschaffen werden, die an Serbien/Montenegro
angrenzen, einschließlich Ungarn, Bulgarien, Albanien und Mazedonien. Drittens müssen wir neue
Maßnahmen verabschieden, um auf der Donau stattfindende Verletzungen des Embargos zu unterbinden.
Präventive Diplomatie
Die vierte Aufgabe der Konferenz liegt im Bereich der
präventiven Diplomatie - das heißt, der Sicherstellung,
daß der Konflikt sich nicht in Gebiete und Länder
ausweitet, die nicht direkt von den Kämpfen betroffen
sind.
Ein sofortiger Schritt muß die Durchführung der vor
zwei Wochen von der KSZE getroffenen Entscheidung
sein, ständige Menschenrechtsbeobachter in die Gebiete
Serbiens - Kosovo, Wojwodina und Sandschak - zu
entsenden, die das nächste Ziel von Aggression werden könnten. Darüber hinaus haben die serbischen
Führer ihre Bereitschaft erklärt, die Stationierung internationaler Beobachter auf ihrem Territorium, entlang
der bosnisch-serbischen Grenze sowie auf Luftwaffenstützpunkten in Serbien und Montenegro zu gestat-

Seite 3

�ten. Jetzt ist es an der Zeit, diese Worte in Taten
umzusetzen, indem wir heute hier die Entscheidung
treffen, Beobachter entlang dieser Grenze und auf
diesen Luftwaffenstützpunkten zu stationieren.
Diese Beobachter müssen durch weitere in den an
Serbien grenzenden Staaten und Regionen ergänzt
werden. Ihre Aufgabe würde darin bestehen, als
Abschreckung für eine Ausweitung der Kämpfe und
auch als "Frühwarnung" für deren Bevorstehen zu
wirken.
Die Europäische Gemeinschaft arbeitet aktiv mit Albanien, Ungarn, Bulgarien, Rumänien und Griechenland
bei der Zusammenstellung solcher Überwachungsteams zusammen. Wir begrüßen diese Bestrebungen, drängen auf deren unverzügliche Vollendung und
stehen zur Hilfe bereit, wo immer wir können. Gleichzeitig unternehmen die Vereinigten Staaten Anstrengungen, Beobachter in die ehemalige jugoslawische
Republik Mazedonien zu entsenden, und wir werden
mit der EG zusammenarbeiten, um auch den Bewohnern dieser Region Wirtschaftshilfe zukommen zu
lassen.
Schlußbemerkung
Ich habe meine Ausführungen mit der Beschreibung
der Tragödie im ehemaligen Jugoslawien unter dem
Aspekt des scheinbar endlosen Zyklus von Gewalt und
Rache begonnen, der diese Region seit so vielen

Jahrhunderten charakterisiert. In Wirklichkeit haben
die Vorgänge in diesen Ländern jedoch nichts fatalistisches. Tatsache ist, daß der Konflikt von Männern
gewollt wurde, die versuchen, das letzte kommunistische Regime Europas durch die Manipulation von
jahrhundertealtem Haß und Furcht zu erhalten. Tatsache ist, daß die Menschen im ehemaligen Jugoslawien
sich noch immer weigern können, den Schierlingsbecher zu trinken, den ihre politisch Verantwortlichen
ihnen vorsetzen.
Wenn sie sich weigern sollten, können sie erneut
einem demokratischen Europa in einem Integrationsprozeß beitreten, der traditionelle Vorstellungen von
Souveränität verwirft und die Interessen von Minderheiten auf dem ganzen Kontinent erweitert. Die
Demokratien der Welt - ganz sicher einschließlich der
Vereinigten Staaten - werden die Serben in ihrer Mitte
willkommen heißen und ihnen größere Sicherheit bieten, als sie je unter dem jetzt herrschenden Gesetz des
Dschungels erhoffen könnten.
Die Völker jedoch, die den irrationalen Weg von Haß
und Aggression wählen, können nicht die Mitgliedschaft in der kürzlich erweiterten Gemeinschaft demokratischer Staaten erwarten. Wir werden ihnen schlicht
und einfach nicht gestatten, die menschlichere und
rationalere Zukunft zur Farce zu machen, die der
Zusammenbruch des Kommunismus und das Ende
der Bedrohung eines nuklearen Holocaust versprechen.

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 35

�JUGOSLAWIEN
2. September 1992

LONDONER KONFERENZ LEITET PROZESS ZUR
LÖSUNG DES JUGOSLAWIENPROBLEMS IN DIE WEGE
Pressekonferenz des geschäftsführenden Außenministers
LONDON - (AD) - Die mit den belagerten Republiken des ehemaligen Jugoslawiens betaßte internationale
Konferenz wird "dieses Problem nicht über Nacht lösen, aber meines Erachtens haben wir einen entscheidenden Prozeß in die Wege geleitet", stellte der geschäftsführende Außenminister Lawrence Eagleburger fest.
Das unter dem gemeinsamen Vorsitz der Vereinten Nationen und der Europäischen Gemeinschaft geschaffene ständige Verhandlungsforum wird die "Parteien zusammenführen und zur Entschärfung des derzeitigen
Konflikts, der Beendigung des Blutvergießens und letztlich zu einer Verhandlungslösung beitragen", erklärte
Eagleburger anläßlich einer Pressekonferenz in London am 28. August 1992.
"Wir haben uns auf die Erweiterung und Stärkung der UN-Schutztruppe (United Nations Protection Force UNPROFOR) zur Unterstützung der humanitären Hilfsaktionen der UNO in Bosnien geeinigt", so Eagleburger.
"Wir verschärfen das Sanktionsregime durch die Entsendung internationaler Beobachter in die Nachbarstaaten,
unterbinden die Verletzung der Sanktionen auf der Donau und tragen zur Entschädigung der am härtesten von
der strikten Einhaltung der Sanktionen betroffenen Nachbarstaaten bei."
Nachfolgend veröffentlichen wir die vom geschäftsführenden Außenminister gegebene Pressekonferenz im
Wortlaut.

Eagleburger: Ich habe eine kurze Erklärung abzugeben und stehe dann gerne zur Beantwortung Ihrer
Fragen bereit.
Wir ich gestern bereits sagte, ist dieser Konflikt ein
echtes Krebsgeschwür im Herzen Europas. Seine
Ursachen und Konsequenzen sind komplex. Er wird
nicht über Nacht beigelegt. Und er muß in all seinen
Dimensionen angesprochen werden, wenn wir ihn
entschärfen, eindämmen und letztlich beenden wollen.
Wir wollten diese Konferenz einsetzen, um internationale Aktionen in all diesen Dimensionen wirksam werden
zu lassen: der Beendigung des menschlichen Alptraums in Bosnien, Unterstützung des Verhandlungsprozesses, Bestrafung der Aggressoren und Verschärfung der wirtschaftlichen und politischen Isolierung von
Serbien und Montenegro, Eingrenzung des Konflikts
und Verhinderung seiner Ausbreitung und letztlich,
den Völkern im ehemaligen Jugoslawien Frieden zu
bringen. Wir haben diese Konferenz meines Erachtens mit einem starken Konsens und einem konkreten
Plan zu jedem dieser Bereiche beendet.

AMERIKA DIENST 35

Erstens wollten wir, daß diese Konferenz die territoriale Integrität sowie die legitime Regierung von BosnienHerzegowina unterstützt und sicherstellt, daß die
Konferenz nicht zu einem Forum zur Förderung von
Zersplitterung und Kantonisierung wird. Die Konferenz hat ein klares politisches Signal gesetzt, daß die
internationale Staatengemeinschaft Aggression nicht
belohnen sowie Bosniens Souveränität, Unabhängigkeit und Integrität wahren wird und Verhandlungen im
Einklang mit den grundlegenden KSZE-Prinzipien geführt
werden müssen.
Zweitens wollten wir ein ständiges Verhandlungsforum schaffen, das sich ausschließlich mit der Entschärfung der Krise befaßt und den Prozeß zu einer
politischen Lösung führt. Unserer Ansicht nach wird
das von uns unter dem gemeinsamen Vorsitz der
Vereinten Nationen und der Europäischen Gemeinschaft geschaffene, von starken Grundsätzen geleitete ständige Verhandlungsforum mit Sitz in Genf die
Parteien zusammenführen und zur Entschärfung des
derzeitigen Konflikts, der Beendigung des Blutvergießens und letztlich zu einer Verhandlungslösung beitragen. Zur Erleichterung dieses Verhandlungsprozes-

Seite 1

�ses haben die Vereinigten Staaten 3 Millionen Dollar
als Anschubfinanzierung angeboten.
Drittens wollten wir über eine Grundsatzvereinbarung
und eine Verhandlungsstruktur hinausgehen, um einen internationalen Aktionsplan zur Bewältigung dieser Krise zu entwickeln. Wie Sie vermutlich der
Erklärung des stellvertretenden Vorsitzenden zu bei
der Konferenz getroffenen spezifischen Entscheidungen entnehmen konnten, haben wir eine Reihe konkreter Maßnahmen umrissen, die die internationale Staatengemeinschaft zur Bereitstellung humanitärer Nothilfe, verschärftem Druck auf die Aggressoren und
Eindämmung des Konflikts ergreift. Ich möchte einige
dieser Schritte im einzelnen darlegen:
Wir haben für diesen Winter massive humanitäre
Hilfsbestrebungen in die Wege geleitet, einschließlich
für die Sitzung des Hohen Flüchtlingskommissars der
Vereinten Nationen UNHCR am 4. September eingegangener Verpflichtungen. Ich darf hinzufügen, daß
wir - wie ich in meiner gestrigen Rede vor der Konferenz erwähnt habe - jetzt zusammen mit den anderen
Mitgliedern der internationalen Staatengemeinschaft
Planungen aufnehmen, um Flüchtlingen die Rückkehr
in ihre zerstörten Häuser und Dörfer sowie bei deren
Wiederaufbau zu helfen.
Wie Premierminister Major andeutete, haben wir uns
auf die Erweiterung und Stärkung der UNPROFOR zur
Unterstützung der humanitären Hilfsaktionen der UNO
in Bosnien geeinigt. Wir verschärfen das Sanktionsregime durch die Entsendung internationaler Beobachter in die Nachbarstaaten, unterbinden die Verletzung
der Sanktionen auf der Donau und tragen zur Entschädigung der am härtesten von der strikten Einhaltung
der Sanktionen betroffenen Nachbarstaaten bei.
Und wir engagieren uns in präventiver Diplomatie. Wir
entsenden ständige Menschenrechtsbeobachter nach
Kosovo, Wojwodina und Sandschak sowie "Frühwarnbeobachter" in Nachbarstaaten und -regionen einschließlich Albanien, Mazedonien, Rumänien, Bulgarien und Ungarn.
Auch mit den Parteien selbst haben wir Fortschritte
erzielt. Wie Sie inzwischen wahrscheinlich wissen, hat
der Führer der bosnischen Serben Karadzic zugestimmt, schwere Waffen den internationalen Beobachtern zu unterstellen. Wir erwarten, daß er diese
Vereinbarung in die Praxis umsetzt. Unseres Erachtens birgt die Konsolidierung und Kontrolle schwerer
Waffen ein großes Potential zur Verringerung des
Blutvergießens. Darüber hinaus hat die bosnische
Regierung zugestimmt, sich erneut am Verhandlungsprozeß zu beteiligen.
Wir haben ferner die Parteien hart gedrängt, weitere
konkrete Schritte zu unternehmen, die zum Großteil
ebenfalls in der Erklärung des stellvertretenden Vorsitzenden enthalten sind. Insbesondere haben wir folgende Notwendigkeiten unterstrichen:
Seite 2

Erstens die Beendigung der Belagerung und den Abzug
der Truppen von Brennpunkten um Sarajevo, Tuzla,
Gorazde, Bihac und Mostar sowie anderen bosnischen Städten.
Einwilligung zur Stationierung internationaler Beobachter entlang aller bosnischen Grenzen zur Unterbindung der militärischen Unterstützung von Streitkräften
der verschiedenen Volksgruppen in Bosnien. Wir
erwarten im Verlauf der nächsten Woche eine UNOVereinbarung zur Entsendung dieser Beobachter.
Respektierung des Lebens und der Sicherheit der
UNO-Truppen sowie Gewährleistung der sicheren
Lieferung humanitärer Hilfsgüter in alle Gebiete von
Bosnien-Herzegowina, einschließlich des ungehinderten Zugangs zu Lande und in der Luft.
Und schließlich kontinuierlichen Zugang internationaler Beobachter zu allen Internierungslagern und deren
unverzügliche Auflösung.
Ich wei ß, es ist eine höfliche Sitte, nette Dinge über den
Gastgeber zu sagen. Ich bin nicht nur höflich. Ich
möchte mit absoluter Aufrichtigkeit feststellen, daß
Premierminister Major und die Regierung Ihrer Majestät meines Erachtens wirklich etwas in der Sache des
Friedens für das ehemalige Jugoslawien vollbracht
haben. Diese Konferenz hat uns aus meiner Sicht auf
einen neuen Kurs gebracht. Wir werden dieses Problem nicht über Nacht lösen, aber meines Erachtens
haben wir einen entscheidenden Prozeß in die Wege
geleitet. Wir haben eine Reihe von Schritten unternommen, die ohne das Organisationstalent und die
wirklich ausgezeichnete Konferenzleitung nicht möglich gewesen wären, die der Premierminister während
der vergangenen beiden Tage unter Beweis gestellt
hat.
Frage: Sie sagten, die Konferenz habe sich geeinigt,
die Zersplitterung oder Kantonisierung Bosniens zu
verhindern. Der letzte Punkt der Erklärung zu Bosnien,
der unterzeichnete wurde, stellt jedoch fest, die bosnisch-serbische Seite erkenne an, daß sie in Verhandlungen zwischen allen drei bosnischen Parteien zustimmen würde, sich aus beträchtlichen Teilen des von
ihren Streitkräften kontrollierten Territoriums zurückzuziehen. Das scheint zu implizieren, daß sie einen
Teil dessen behalten wollen, was sie mit Gewalt erobert haben. Trifft das zu?
Antwort: Nein, überhaupt nicht. Das heißt, die
bosnisch-serbische Seite erklärte, sie sei zum Rückzug aus beträchtlichen, nicht allen Teilen des Gebiets
bereit, aber die Konferenz hat eindeutig klargestellt,
daß das nicht ausreicht. In unserer Erklärung habe ich
außerdem klargestellt, daß die Vereinigten Staaten
keine Lösung akzeptieren werden, mit der die eroberten Gebiete nicht den - um es so zu formulieren ehemaligen Besitzern zurückgegeben werden. Karadzic und die bosnischen Serben mögen vielleicht
gewisse Zugeständisse gemacht haben, aus unserer
AMERIKA DIENST 35

�Sicht ist das jedoch nicht genug, und letztlich werden
wir - wie ich bereits angedeutet habe - nichts anderes
akzeptieren als die Rückkehr zum Status quo ante.
Frage: Meine Frage bezieht sich auf dasselbe Thema.
Wenn man zum Status quo ante zurückkehren will,
scheint es, als ob das Flüchtlingsproblem, das hier das
grundlegende politische Thema ist, nicht nur von den
Diskussionen in den Arbeitsgruppen über Verfassungsfragen abgetrennt, sondern auch von einem separaten
Thema zu einem der humanitären Hilfe heruntergestuft wurde. Dies wiederum wirft gravierende Zweifel
bezüglich der Fähigkeit auf, die Kantonisierung und
Teilung rückgängig zu machen.
Antwort: Ich bin nicht sicher, ob ich verstanden habe,
wie Sie zu dieser Schlu ßf olgerung gelangt sind. Sehen
Sie, was wir bei der Konferenz gesagt haben, was
vereinbart wurde und natürlich, was ich in meiner
gestrigen Erklärung zum Ausdruck gebracht habe, ist,
daß wir uns mit einem dringenden Problem Hunderttausender Flüchtlinge und einem bevorstehenden Winter
konfrontiert sehen. Einige sind in Bosnien. Viele sind
au ßerhalb Bosniens in anderen Teilen des ehemaligen
Jugoslawiens. Und der UNHCR veranstaltet Anfang
September eine Konferenz, um Geld zur Bewältigung
eben dieser Frage aufzubringen, was man tun muß,
um diesen Flüchtlingen kurzfristig zu helfen. Die
Vereinigten Staaten haben Hilfsleistungen im Wert
von 40 Millionen Dollar zu diesen Bestrebungen und
weitere Mittel im späteren Verlauf des Jahres zugesagt.
Was ich in meiner gestrigen Erklärung gesagt habe,
möchte ich heute wiederholen: Die internationale
Staatengemeinschaft muß auch sondieren und letztlich Geld zur Unterstützung der Rückkehr dieser Flüchtlinge in ihre Häuser - oder das, was davon übrig ist aufbringen sowie angemessene Hilfe zum Wiederaufbau dieser Häuser und Unterkünfte bereitstellen. Der
Hauptpunkt hier ist, daß wiruns mit dem vordringlichen
Problem der Flüchtlinge befassen müssen und wie wir
sie durch den Winter bringen.
Es ist zweifelsohne unsere Absicht, und wenn ich
"unsere" sage, meine ich die Vereinigten Staaten, und
dabei haben wir glaube ich auch die Zustimmung der
anderen, daß der Grundsatz lautet, sie werden dann in
ihre Heimat zurückgebracht. Wir werden keine Flüchtlingslager einrichten, die in 20 Jahren immer noch
Flüchtlingslager sind. Diese Menschen müssen in ihre
Heimat zurückkehren können, aber in der Zwischenzeit haben wir das unmittelbare Problem, uns der
Menschen anzunehmen, die aus ihrer Heimat vertrieben wurden und zum jetzigen Zeitpunkt Flüchtlinge
sind.
Frage: Ich habe zwei Fragen. Die eine schließt direkt
an. Ist es realistisch zu erwarten, daß Menschen in
Dörfer zurückkehren, in denen Nachbarn ihre Frau

AMERIKA DIENST 35

vergewaltigt, ihren Vater getötet oder ihre Kinder
massakriert haben? Und die zweite Frage betrifft die
spezifische Entscheidung zur Benachrichtung der
Vereinten Nationen über alle Granaten und schweren
Waffen binnen 96 Stunden. Die Frage lautet: 96
Stunden von wann an gerechnet?
Antwort: Im Hinblick auf die erste Frage könnte es
sich als unrealistisch erweisen zu erwarten, daß alle
Menschen in ihre Heimat zurückkehren werden. Aber
wie Sie wissen, besteht die einzige Alternative in der
Tat darin zu sagen, daß sie nicht in ihre Heimat
zurückkehren können, und dann haben wir genau das
Problem, das Ihr Vorredner gerade angesprochen hat,
nämlich, wenn wir unter diesen Umständen so mit den
Flüchtlingen verfahren, haben wir ethnischer Säuberung und der Kantonisierung nachgegeben.
Die internationale Staatengemeinschaft muß bereit
sein sicherzustellen, daß diesen Menschen mit einiger
Hilfe die Rückkehr in ihre Heimat ermöglicht wird, wenn
sie dies wünschen. Wir können sie nicht zur Rückkehr
zwingen, wenn sie dies nicht wollen. Und die 96
Stunden, von wann an? Ich zögere, Ihnen darauf eine
eindeutige Antwort zu geben. Es steht nicht unmittelbar bevor. 96 Stunden ab dem Zeitpunkt, an dem der
Prozeß beginnt, und ich weiß nicht, wann das ist. Ich
kann diese Frage nicht beantworten.
Frage: Wie ist die amerikanische Haltung zur Frage,
ob die Anerkennung in die Tagesordnung dieser Konferenz einbezogen werden sollte und zweitens, wie
stehen die Vereinigten Staaten zur Mitgliedschaft von
Mazedonien in den Vereinten Nationen, insbesondere
in Anbetracht der Tatsache, daß die Vereinigten Staaten Ständiges Mitglied des Sicherheitsrats sind?
Antwort: Mazedonien stand nicht auf der Tagesordnung dieser Konferenz. Giigorow war anwesend. Er
hat das Thema angesprochen, aber es war kein Tagesordnungspunkt. Es war kein Thema, das bei dieser
Konferenz entschieden werden sollte. Insofern wurde
auch keine Entscheidung getroffen.
Die Mitgliedschaft Mazedoniens in den Vereinten
Nationen ist ein Thema, das zu dem Zeitpunkt erwogen wird, wenn dieser Antrag den Vereinten Nationen
vorliegt. Ich möchte im Augenblick keine Prognosen
anstellen, wann das entschieden wird.
Frage: Sowohl Sie als auch der Premierminister
haben erklärt, daß die Internierungslager geöffnet
würden, hoffentlich bald. In dem Papier zu Serbien
haben die Serben jedoch lediglich erklärt, sie würden
ihren Einfluß auf die bosnischen Serben zur Geltung
bringen, um die Schließung dieser Internierungslager
zu erlangen. Haben Sie irgendwelche Hinweise darauf, wann sie aufgelöst werden und haben sie Ihnen
eine stärkere Verpflichtung gegeben, dies zu tun?
Antwort: Sie meinen die Serben?

Seite 3

�Frage: Ja.
Antwort: Nein, außer der, daß sie ihren Einfluß
verwenden würden. Wir sollten auch hier versuchen,
eines eindeutig klarzustellen. Wozu die Serben zugestimmt haben oder wozu die bosnischen Serben
möglicherweise zugestimmt haben, ist vielleicht ein
Schritt in die richtige Richtung. Aber diese Konferenz
und ihre Teilnehmer haben über einige Dinge entschieden, die konkreter waren als dies. Es handelt sich
grundsätzlich um dasselbe Problem wie bei der Frage,
ob die bosnischen Serben bereit sind, sich aus allen
erorberten Gebieten in Bosnien zurückzuziehen.
Die Serben haben sich verpflichtet, ihren Einfluß geltend zu machen. Wir haben die Aussage der Konferenz, daß diese Lager rasch geöffnet werden müssen,
und aufgrund des Berichts des IKRK muß ich sagen,
daß dessen Vertreter in der Tat ziemlich rasch Zutritt
zu den Lagern bekommen, obwohl noch eine Menge
zu tun bleibt. Aber die Lager müssen geöffnet werden,
und vor allem müssen sie so bald wie möglich aufgelöst werden. Ich kann Ihnen keine bestimmten Fristen
nennen.
Ich kann Ihnen lediglich erneut mitteilen, daß einer der
Punkte bei der Konferenz der ist, daß wir nun einige
Bezugsgrößen haben und daß wir ihre Bilanz, die der
Serben und bosnischen Serben, der Moslems und
Kroaten, auf der Grundlage dessen beurteilen werden,
wie rasch sie die Forderungen der Konferenz erfüllen.
Frage: Ich möchte beim Thema Kosovo bleiben. Was
wurde bei dieser Konferenz getan, um mögliches
Blutvergießen im Kosovo zu verhindern, wenn dort
jeder befürchtet, daß ein möglicher Konflikt mit bewaffneten Serben ziemlich nahe bevorsteht und Serbien
bereit ist, dort militärische Gewalt anzuwenden?
Antwort: Bei dieser Konferenz wurde beschlossen,
so rasch wie möglich Beobachter nach Albanien zu
entsenden. Ihre frage ist völlig legitim, und eines der
Probleme, die mich und andere seit einiger Zeit beschäftigen, sind die Gefahren im Hinblick auf den Kosovo. Indem wir Beobachter dorthin entsenden, leiten
wir - so hoffe ich - zumindest einen Prozeß ein, der
tatsächlich gewährleisten wird, daß keine von außen
entsandten Truppen im Kosovo intervenieren können.
Wir haben nicht nur bei dieser Konferenz gewarnt,
sondern die Vereinigten Staaten und sicherlich auch
andere haben der Regierung in Belgrad äußerst deutlich gemacht, daß sie im Hinblick auf den Kosovo sehr
vorsichtig sein muß.
Frage: Im Kosovo gibt es zwei Millionern Albaner, und
es gibt eine serbische Minderheit mit schweren Waffen
und Albanier ohne Waffen. Besteht irgendeine Möglichkeit, in dieser Region den Frieden zu bewahren?
Antwort: Mit allem Respekt, wie Sie wissen, herrscht
im Kosovo zur Zeit Frieden. Es mag nicht die Art von
Frieden sein, die insbesondere von der albanischen
Seite 4

Mehrheit gewünscht wird, aber es ist dennoch ein
Frieden, und der grundsätzliche Punkt ist jetzt der, daß
dies kein weiteres Konfliktgebiet im ehemaligen Jugoslawien werden darf. Die Serben sind in dieser Hinsicht ohne jeden Zweifel der gleichen Ansicht wie die
amerikanische Regierung. Ich hoffe zutiefst, die von
uns dorthin entsandten Beobachter werden dazu beitragen, daß es friedlich bleibt, und die amerikanische
Regierung geht seit einiger Zeit davon aus, es sei die
Aufgabe der Belgrader Regierung, den früheren Status des Kosovo innerhalb der Föderation wiederherzustellen.
Frage: Wie genau läßt sich dies verwirklichen?
Antwort: Es gibt viele Dinge, die ich Ihnen nicht
mitteilen kann, mit denen dies derzeit verwirklicht
werden kann. Wir beteiligen uns an einem Prozeß, und
einer der grundlegenden Punkte ist gegenwärtig, wie
wir Frieden in Bosnien-Herzegowina schaffen und
einen Prozeß einführen können, der dem gesamten
ehemaligen Jugoslawien Frieden und Sicherheit bringt.
Ich kann Ihnen keine präzise Antwort geben, außer,
daß wir uns meines Erachtens schon mitten auf einem
neuen Weg befinden, der, wie ich zutiefst hoffe, mit der
Zeit ein Ergebnis hervorbringen wird.
Frage: Welche Art von Druck kann auf Karadzic
ausgeübt werden, wenn man bedenkt, daß er keine
Institutionen, Regierungen und dergleichen kontrolliert, auf die man Sanktionen und ähnliche Maßnahmen anwenden kann?
Antwort: Nun, dem Premierminister wurde eine ähnliche
Frage gestellt, und ich möchte nicht versuchen, weiter
zu gehen als er. Aber ich möchte ein paar Punkte
vorbringen, die darauf hinweisen, daß es Mittel gibt,
um Druck auszuüben.
Erstens habe ich ausreichend Grund zu der Annahme,
daß Karadzic zwar angesichts der Waffen und all
dessen, was er heute besitzt, ein halbwegs unabhängiger Akteur sein kann. Aber er kann nicht völlig
unabhängig handeln und tut dies meiner Meinung nach
auch nicht. Nachschub von Ölprodukten und so weiter
ist für ihn zwingend erforderlich, um seine Operationen
fortzusetzen. Indem wir mit Zustimmung beider Seiten
Beobachter an der bosnisch-serbischen Grenze und
auch an der kroatisch-bosnischen Grenze stationieren, haben wir in diesen Prozeß ein Mittel eingeführt,
um zu überprüfen, welcher Nachschub gegebenenfalls von Serbien nach Bosnien fließt. Das ist einer der
Faktoren, die meines Erachtens einen gewissen Druck
ausüben können.
Der zweite Punkt ist der, daß in dem Maße, wie er
meiner und Ihrer Meinung nach weiterhin von Serbien
Unterstützung erfährt, einer der bei dieser gesamten
Konferenz entscheidendsten Faktoren die Tatsache
ist, daß wir gemeinsam beschlossen haben, die Sanktionen zu verschärfen. Ich gehe davon aus, daß diese

AMERIKA DIENST 35

�Sanktionen zu viele Schwachpunkte aufwiesen, darunter nicht zuletzt die Donau. Und in dem Maße, in
dem die Sanktionen verschärft werden und die serbische Wirtschaft unter Druck setzen, werden sie auch
Auswirkungen auf die serbische Fähigkeit haben,
Karadzic zu unterstützen. Dies sind nur zwei zusätzliche Punkte.
Frage: Der Premierminister hat teilweise den Druck
erläutert, der auf Karadzic ausgeübt wurde, um die
Vereinbarungen von heute zu erlangen. Können Sie
diesen Prozeß weiter erhellen? Wie funktionierte
dieser Mechanismus? Was hat man zu ihm gesagt?
Antwort: Sie bringen mich erneut in Verlegenheit, weil
der Premierminister bei der Beantwortung dieser Frage ziemlich vorsichtig war. Ich kann Ihnen lediglich
mitteilen, daß es sicherlich einige Diskussionen mit
Karadzic gegeben hat. Es gab einige Diskussionen mit
Izetbegovic und Siladjic, aber nicht gemeinsam, wie
ich betonen möchte. Britische Vertreter waren an
beiden beteiligt, und sie waren meines Erachtens
ziemlich erfolgreich dabei, diese Vereinbarung zu erlangen. Ich würde es deshalb vorziehen, es der
Regierung Ihrer Majestät zu überlassen, detailliert zu
diesen Vorgängen Stellung zu nehmen.
Frage: Was wird Ihrer Meinung nach morgen früh in
Sarajevo die Reaktion auf die Ergebnisse dieser
Konferenz sein, wenn alliierte Flugzeuge den Südirak
überfliegen, um die Schiiten zu schützen?
Antwort: Ich weiß nicht, wie die Flüge über dem Irak
die Haltung in Sarajevo beeinflussen werden. Aber ich
möchte Ihnen mitteilen, welche Haltung man in Sarajevo einnehmen sollte. Vorausschicken möchte ich
jedoch, daß ich mir der anhaltenden Agonie in Sarajevo bewußt bin und verstehe, daß diese Konferenz nicht
jedes schreckliche Ereignis in Sarajevo beendet hat
und die Menschen nicht der Auffassung sein werden,
diese Konferenz habe ihr Problem unverzüglich gelöst.
Man sollte jedoch zwei Feststellungen treffen. Die
erste lautet, daß Karadzic - Ihr und mein guter Freund
- in der Tat seine Verpflichtung bei schweren Waffen
und Mörsern einhält. Wir werden meines Erachtens
ziemlich bald einen erheblichen Rückgang beim Beschuß Sarajevos feststellen. Dies sollte innerhalb
einer relativ kurzen Periodeden Menschen in Sarajevo
etwas Linderung verschaffen.
Zweitens meine ich, solange die Hilfsflüge fortgesetzt
und infolge der Vereinbarungen bei dieser Konferenz
hoffentlich sogar noch verstärkt werden können, sollte
dies sie in ihrer Ansicht bestärken, daß diese Konferenz begonnen hat, die Dinge zu verändern. Und
fundamental, zwar nicht über Nacht, aber ich bin
zutiefst davon überzeugt, daß wir hier einen neuen
Prozeß eingeleitet haben, der 24 Stunden täglich unter
Führung von Cyrus Vance und Dr. Owen in Genf
durchgeführt wird. Ich kann Ihnen versichern, daß sich

AMERIKA DIENST 35

Cyrus Vance Tag für Tag eingehend damit beschäftigen wird. Aufgrund der zusätzlich ergriffenen Maßnahmen, darunter verschärfte Sanktionen gegen Serbien, die Entsendung von Beobachtern und so weiter
- der langen Liste vereinbarter Maßnahmen - werden
wir eine Veränderung der Lage in Sarajevo, aber nicht
nur dort, sehen. Ich habe die anderen Städte in
Bosnien erwähnt, die ebenfalls unter starkem Druck
stehen. Mit der Zeit, aber noch nicht morgen früh,
werden wir erhebliche Veränderungen in ihrer Situation feststellen. Das mag nicht ausreichend sein, um
alle berechtigten Forderungen der Menschen in Sarajevo zu erfüllen, aber es ist mehr als ein Anfang.
Frage: Sie haben erklärt, daß wir - Sie - den Flüchtlingen helfen. Als Freund Mazedoniens, der vom
Nachrichtenmagazin Time im Jahr 1977 als "Lawrence von Mazedonien" bezeichnet wurde, könnten Sie
Mazedonien unterstützen, Hilfe für 40.000 Flüchtlinge
aus Bosnien-Herzegowina in Mazedonien bereitzustellen, da wir durch das Embargo unter Druck stehen,
weil wir die Sanktionen gegen Serbien erfüllen?
Antwort: Ich möchte im Hinblick auf die allgemeine
Frage zwei Feststellungen treffen. Zunächst gilt die
Sitzung des UN-Flüchtlingskommissars Anfang September, bei der Mittelzusagen getroffen werden sollen
und für die wir bereits 40 Millionen Dollar versprochen
haben, nicht ausschließlich Flüchtlingen an einem
besonderen Ort - Bosnien, Kroatien oder sonst irgendwo. Sie wird abgehalten, um auch Mazedonien bei
seinem Flüchtlingsproblem zu helfen. Die internationale Staatengemeinschaft wird Mazedonien Hilfe zur
Verfügung stellen.
Eine weitere Feststellung, die ich Ihnen gegenüber
treffen möchte, besteht darin, daß zwar ungelöste
Fragen im Hinblick auf Anerkennung und UN-Mitgliedschaft bestehen, die Vereinigten Staaten Mazedonien
dennoch weiterhin technische und andere Arten von
Hilfe zur Verfügung stellen werden. Wir haben ziemlich große Mengen an Medikamenten und Nahrungsmitteln geliefert. Wir werden dies weiterhin tun und,
wie ich gestern hier mitgeteilt habe, hat der Präsident
der Vereinigten Staaten beschlossen, Mazedonien
ebenso wie Slowenien, Bosnien-Herzegowina und
Kroatien in das Allgemeine Präferenzsystem (GSP)
einzubeziehen. Dabei handelt es sich um eine generelle Vorzugsbehandlung. Ich möchte dies schlicht
dahingehend erläutern, daß Exporte aus Mazedonien
in die Vereinigten Staaten unter gewissen Umständen
eine Vorzugsbehandlung genießen werden. Wir verstehen die Probleme in Mazedonien. Wir versuchen
alles in unserer Macht Stehende zu tun, um Hilfe zu
leisten.
Frage: Wenn Sie die Erfahrungen der Vergangenheit
berücksichtigen, was gibt Ihnen die Zuversicht, daß
Milosevic seinen Teil der Vereinbarungen einhalten
wird?

Seite 5

�Antwort: Ich habe keine besondere Zuversicht, daß
er seine Verpflichtungen aufgrund seiner philantropischen Neigungen einhalten wird. Ich versuche jedoch
zu erklären, daß wir hier einen - sicherlich nicht perfekten - Wandel im Vergleich zu früher haben. Wir haben
einen von zwei hervorragenden Persönlichkeiten geleiteten kontinuierlichen Verhandlungsprozeß, der in
Genf stattfinden und diese Parteien täglich zusammenbringen wird, um diese Fragen zu erörtern.
Cyrus Vance hat mir darüber hinaus versichert, daß er
sich aktiv bemühen wird zu gewährleisten, daß die
Verschärfung der Sanktionen fortgesetzt und er gegebenenfalls Alarm schlagen wird, wenn diese Verschärfung nicht so abläuft wie sie sollte. Wir haben dann also
den Prozeß, mit dem die serbische Wirtschaft unter
Druck gesetzt wird, und es wird meines Erachtens

einen erheblichen Unterschied machen, wenn wir die
Donau schließen können, die insbesondere im Hinblick auf den Ölnachschub für Serbien ein Problem
darstellt. Wir haben Beobachter, die wir zuvor an der
serbisch-bosnischen und an der kroatisch-bosnischen
Grenze nicht hatten. Wir haben Beobachter in Rumänien, die zur Einhaltung der Sanktionen beitragen. Wir
möchten sie auch in anderen Nachbarländern stationieren. Ich kann Ihnen nicht sagen, daß wir das
Problem über Nacht gelöst haben, aber wir haben eine
Struktur geschaffen, die eine erheblich bessere Fähigkeit bietet, Milosevic, wenn er nicht kooperieren möchte, zur Kooperation zu zwingen. Diese Konferenz hat
kein Ergebnis hervorgebracht, das sich ausschließlich
auf guten Willen stützt. Wir waren klüger, als uns damit
zufriedenzugeben.

* * * *

Seite 6

*

AMERIKA DIENST 35

�IRAK
2. September 1992

KOALITION VERHÄNGT FLUGVERBOT IM SÜDIRAK
Erklärung von Präsident Bush
WASHINGTON - (AD) - Am 26. August 1992 hat Präsident Bush die Einrichtung einer Flugverbotszone für
irakische Flugzeuge im Südirak bekanntgegeben, die am 27. August in Kraft getreten ist. Nachfolgend
veröffentlichen wir die Erklärung von Präsident Bush im Wortlaut:

In den letzten Wochen und Monaten haben wir neue
Beweise der harten Unterdrückung von Männern, Frauen
und Kindern im Irak durch Saddam Hussein gesehen
und gehört. Die Augenzeugenberichte sowie die detaillierten Aussagen des UN-Menschenrechtsbeauftragten Max van der Stoel vor dem Sicherheitsrat der
Vereinten Nationen am 11. August sind weitere drastische Beweise der Brutalität Saddams.
Wir wissen heute um den Einsatz von Hubschraubern
und - seit diesem Frühjahr - von Flugzeugen durch
Saddam, um Zivilisten und Dörfer im Süden zu bombardieren und beschießen sowie um die von ihm
vorigen Monat angeordnete Exekution von Kaufleuten
in Bagdad und seine kontinuierliche Verschärfung der
Wirtschaftsblockade gegen die Bevölkerung des Nordens. Diese Berichte sind eine weitere Bestätigung
der Tatsache, daß die Regierung des Iraks ihre Verpflichtungen gemäß Resolution 688 des UN-Sicherheitsrats mißachtet. Diese im April 1991 verabschiedete Resolution verlangt, daß. Saddam Hussein die
Unterdrückung des irakischen Volkes einstellt.
Indem Menschenrechtsbeauftragten der UNO und
anderen Beobachtern der Zugang verweigert wurde,
hat Saddam zu verhindern versucht, daß die Welt von
seiner Brutalität erfährt. Es ist an der Zeit zu gewährleisten, daß die Welt in Kenntnis gesetzt wird.
Deshalb haben die Vereinigten Staaten und ihre Koalitionspartner heute die irakische Regierung davon
unterrichtet, da ß in 24 Stunden - von jetzt an gerechnet
- Flugzeuge der Koalition, darunter diejenigen der
Vereinigten Staaten, beginnen werden, Überwachungsflüge über dem Südirak - südlich des 32. Breitengrades
- durchzuführen, um die Situation dort zu beobachten.

Dies wird diejenigen Gebiete abdecken, in denen in
jüngster Zeit eine Mehrzahl der besonders schwerwiegenden Verletzungen von Resolution 688 stattgefunden haben.
Die Koalition teilt darüber hinaus der irakischen Regierung mit, daß sie, um diese Beobachtungseinsätze zu
erleichtern, eine Flugverbotszone für sämtliche irakischen Starr- und Drehflügler verhängt. Dieses neue
Verbot wird ebenso in 24 Stunden für dasselbe Gebiet
in Kraft treten; es wird in Kraft bleiben, bis die Koalition
entscheidet, daß es nicht mehr erforderlich ist. Es wird
der Flugverbotszone gleichen, die von der Koalition
vor über einem Jahr im Nordirak verhängt wurde.
Ich möchte betonen, daß diese Maßnahmen dazu
dienen, unsere Fähigkeit zur Überwachung der Entwicklungen im Südirak zu verbessern. Diese Aktionen
stehen im Einklang mit der traditionellen amerikanischen Politik gegenüber dem Irak. Wir streben die
Einhaltung durch den Irak an, nicht dessen Teilung.
Die Vereinigten Staaten unterstützen nach wie vor die
territoriale Einheit des Irak und hegen keinen Groll
gegen seine Bevölkerung. Wir sehen der Zusammenarbeit mit einer neuen Führung in Bagdad entgegen,
die nicht brutal ihr eigenes Volk unterdrückt und die
grundlegendsten Normen der Menschlichkeit verletzt.
Bis zu diesem Tag sollte niemand an unserer Bereitschaft zweifeln, entschlossen zu reagieren, falls der
Irak die Flugverbotszone nicht respektiert.
Darüber hinaus sind die Vereinigten Staaten und ihre
Koalitionspartner bereit, weitere Maßnahmen in Betracht zu ziehen, falls Saddam weiterhin diese oder
andere UN-Resolutionen verletzt.

* * * * *
AMERIKA DIENST 35

Seite 1

�NAFTA
2. September 1992

HILLS: NAFTA SCHAFFT KEINE
FESTUNG NORDAMERIKA
Stellungnahme der US-Handelsbeauftragten
WASHINGTON - (AD) - In einer über WorldNet ausgestrahlten Fernsehpressekonferenz hat die US-Handelsbeauftragte, Carla Hills, zum Nordamerikanischen Freihandelsabkommen (NAFTA) sowie zur Uruguay-Runde
Stellung genommen und dabei unter anderem folgende Erklärungen abgegeben.

Frage: Wir haben von den Vereinigten Staaten viel
über eine Festung Europa gehört. Können Sie den
Europäern erklären, warum sie sich im Hinblick auf
dieses gerade geschlossene Abkommen keine Sorgen über eine Festung Amerika machen sollten?
Vielleicht könnten Sie ferner noch etwas über Ihre
Einschätzung von Fortschritten beim GATT sagen.
Werden wir vor dem Jahresende einen Abschluß erzielen oder nicht? Und falls ja, wie?
Hills: Der Grund, warum Europa das Nordamerikanische Freihandelsabkommen nicht als Schaffung einer
Festung Nordamerika betrachten sollte, ist die Tatsache, daß wir niemandem gegenüber Handelsschranken aufgebaut haben. Alles, was wir getan haben, ist
ein Abbau von Handelsschranken zwischen den Beteiligten an diesem Abkommen. Und wir hatten keinerlei
Absicht, den Handel außerhalb Amerikas jemals zu erschweren. Jeder von uns - Kanada, Mexiko und die
Vereinigten Staaten - ist ein globaler Handelspartner,
so daß wir gute Handelsbeziehungen auf der ganzen
Welt unterhalten. Und wenn Sie unser Abkommen
prüfen, enthält es nicht die Spur einer Bestimmung, die
Beschränkungen hinzufügen würde. Ganz im Gegenteil, sie werden lediglich abgebaut, und dies ist meiner
Meinung nach bewundernswert, weil sie die Wirtschaftsreformen festschreiben, die Präsident Salinas
in Mexiko eingeführt hat und auf diesen aufbauen. In
vielen Fällen werden die Bestimmungen des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens auf der Grundlage des Meistbegünstigungsstatus angeboten. So
kommt etwa die Liberalisierung, die Mexiko bei petrochemischen Produkten durchgeführt hat, der ganzen
Welt zugute. Die Bestimmung zum Schutz geistigen
Eigentums, die wir drei verabschiedet haben - sie

AMERIKA DIENST 35

beschränkt sich nicht auf die drei Handelspartner,
überhaupt nicht. Sie steht der ganzen Welt offen. Es
besteht also nicht die Möglichkeit einer Festung. Statt
dessen hoffen wir, durch unser Beispiel den Weg zu
weisen und andere zu ermutigen, ihre Handelsschranken abzubauen, weil dies unser vorrangiges Ziel ist.
Ihre zweite Frage im Hinblick auf die Aussichten beim
GATT - natürlich ist die Uruguay-Runde weltweiter
Handelsgespräche für Präsident Bush nach wie vor
eine wichtige Priorität, und wir haben uns in den Jahren
seiner Amtsführung sehr darum bemüht, diese Gespräche zu einem erfolgreichen Abschluß zu bringen.
Die G-7 hat über einen Abschluß bis zum Jahresende
gesprochen, und wir in den Vereinigten Staaten hoffen
aufrichtig, daß dies der Fall sein wird. Wie Sie wissen,
war die Landwirtschaft ein Hindernis für den Abschluß
dieser Gespräche, und ein Problem bestand darin, daß
in Europa wirklich kein Konsens darüber besteht, wie
man die Landwirtschaft in diesen Welthandelsgesprächen behandeln soll. Ich hoffe, daß vielleicht nach dem
Maastricht-Referendum in Frankreich am 20. September ein Konsens erzielt werden kann, denn ich betrachte eine gemeinsame Position im Gegensatz zu einem
Wunschkatalog als unabdingbar, um diese Diskussionen voranzubringen.
Ich hoffe, ich habe alle Ihre Fragen beantwortet. Meines
Erachtens schlössen Sie mit dem Aspekt ab, welchen
Einfluß das Nordamerikanische Freihandelsabkommen auf die Welthandelsgespräche haben könnte.
Ebenso wie bei der ersten Frage zu Dienstleistungen
beispielsweise haben wir uns für den Abbau von
Restriktionen für Investitionen - den sogenannten
handelsbezogenen Investitionsmaßnahmen - beim

Seite 1

�Schutz der Rechte an geistigem Eigentum und Dienstleistungen stark gemacht, die in der Uruguay-Runde
verhandelt werden. Und dies wird der Welt demonstrieren, daß mindestens drei Handelspartner die Ansicht
vertreten, diese Regeln seien im heutigen Welthandelssystem äußerst sinnvoll.
Frage: In Frankreich stellen die Befürworter des
Vertrags zur Europäischen Einheit ihn unter anderem
als notwendige Antwort auf die durch das NAFTA
manifestierte amerikanische Wirtschaftsoffensive dar
und - wenn ich dies hinzufügen darf - durch den
unglaublichen Fall des amerikanischen Dollars. Auf
Ihrer Seite stellen Sie das NAFTA der Öffentlichkeit als
den erforderlichen Gegenschlag zur Europäischen
Einheit vor?
Hills: Nein, überhaupt nicht. Wenn Sie die Geschichte
betrachen, haben die Vereinigten Staaten in der Tat
die Europäische Einheit vom ersten Dollar an unterstützt, der im Rahmen des Marshallplans geflossen ist
und Sie nur sechs waren. Als Sie Ihre Runde erweiterten, haben wir stets die Deregulierung begrüßt, die
Gemeinsamkeit, die durch den Binnenmarkt geschaffen wurde. Unsere Beschwerden bezogen sich auf
Restriktionen im Handel, die tatsächlich vorhanden

waren. Im Gegensatz zu unserem Nordamerikanischen Freihandelsabkommen gab es in der Vergangenheit Fälle, in denen Europa Schranken gegen die
Außenwelt errichtet hat. Ich möchte als Beispiel
Kraftfahrzeuge zitieren oder die Rundfunkdirektive,
die einen Inlandsanteil erfordert. Eines unserer großen Exportgüter ist natürlich Filmmaterial - Fernsehfilme, Unterhaltung, Dokumentationen allen Art. Im
Grunde begrü ßen wir den Europäischen Binnenmarkt.
Wie wir das Nordamerikanische Freihandelsabkommen vermarkten, gründet sich auf die Dynamik, die es
der nordamerikanischen Region verleihen wird. Wir
versuchen nicht, einen Block zu bilden. Ich benutze
das Wort nicht einmal. Meines Erachtens ist das Wort
Block abwertend und impliziert einen Eingriff aufgrund
von Exklusivität, was überhaupt nicht unsere Absicht
ist. In der Tat, wie ich bereits gesagt habe, sind viele
der Verfügungen, die in die Praxis umgesetzt wurden
und ohne das Nordamerikanische Freihandelsabkommen nicht entstanden wären, im großen und ganzen
für die Länder offen, die auf der Grundlage des Meistbegünstigungsstatus Handel treiben. Wenn man sich
die Geschichte der Vereinigten Staaten betrachtet, so
haben sie stets eine Führungsrolle dabei übernommen, Handelsschranken abzubauen und nicht, sie zu
errichten.

* * * * *

Seite 2

AMF-RIKA DIENST 35

�FULBRIGHT
2. September 1992

FULBRIGHT-LEHRERAUSTAUSCHPROGRAMM
ZEITIGT IN VIELEN REGIONEN ERFOLGE
Informationsveranstaltung für Lehrer

WASHINGTON - (AD) - Wenn der bärtige, freundliche
Dennis Wieland an einer High School in Sacramento
(Kalifornien) Englisch unterrichtet, weiß er im allgemeinen, was er von seinen Schüler zu erwarten hat. Er
hofft jedoch auf Überraschungen, wenn er Ende August die Unterrichtstätigkeit in Cluj (Rumänien) aufnimmt.
"Ich wollte eine Zeitlang etwas anderes machen",
erklärt er. "Ich muß meine eigenen Lehrbücher mitbringen ... und ich hoffe, die Schulbehörde in Sacramento stellt mir mehrere hundert zur Verfügung, um
sie nach Rumänien zu schicken.
"Ich versuche, Literatur in schriftlichen Übungen und
Diskussionen mit menschlicher Erfahrung in Verbindung zu bringen", fügt er hinzu. "Ich hoffe, die rumänischen Schüler sind in der Lage, Edgar Allen Poe oder
'Der große Gatsby' zu lesen - ich werde es bald
feststellen."
Wieland ist einer von zahlreichen High-School-Lehrern, die in diesem Jahr ihrer gewohnten Umgebung
den Rücken kehren und im Rahmen des FulbrightLehreraustauschprogramms ihren Platz mit einem Lehrer
im Ausland tauschen.
In dem Maße, wie Wieland und andere amerikanische
Lehrer von dem Programm profitieren, ist es auch eine
angenehme Erfahrung für ausländische Lehrer zumindest stellte dies eine Reihe von ihnen fest, die an
Informationsveranstaltungen in Washington teilnahmen.
Tony Weston, der in York (Großbritannien) Wirtschaft

AMERIKA DIENST 35

unterrichtet und demnächst in New Orleans tätig wird,
erklärt, er wollte "die Chance, sich Schülern mit unterschiedlichem Hintergrund und unterschiedlichen Erwartungen zu stellen".
Ivan Tiberkov aus Burgas (Bulgarien), der demnächst
an einer Junior High School in St. Louis unterrichten

wird, stellt fest: "Die Schule, an der ich zu Hause tätig
bin, legt die Betonung auf britisches Englisch, und im
Augenblick gibt es nur einen sehr geringen amerikanischen kulturellen Einfluß. Um zu Hause neue Einblicke in die amerikanische Seite der Kultur und Sprache
zu vermitteln, wollte ich unbedingt die Vereinigten
Staaten besuchen."
Lucija Siauciuniene aus Litauen ist bei ihrem ersten
Aufenthalt im Ausland begeistert, mit Muttersprachlern in einer englischsprachigen Kultur arbeiten zu
können.
"Im Augenblick besteht mein Ziel vielmehr darin zu
lernen als andere hier zu unterrichten", erklärt sie. "Ich
möchte in meinem Heimatland und in meiner Schule
neue Eindrücke vermitteln und in der Lage sein, das
Land und die Kultur zu beschreiben und wie die Gesetze und Prinzipien der Demokratie hier funktionieren."
Simon Pierre Dieme aus Senegal fügt hinzu: "Ich
hoffe, meinen amerikanischen Schülern in Idaho die
afrikanische Kultur näherbringen zu können."... "Ich
habe Bilder meines Heimatlandes mitgebracht und
hoffe, ihre Kenntnisse über Afrika zu vertiefen, indem
ich ihnen erzähle, wie die Menschen dort leben und
falsche Eindrücke korrigiere, die sie vielleicht haben."

Seite 1

�Antonio Aguirre aus Chile freut sich auf eine Kleinstadt
in Wisconsin, wo ich "jeden kennenlerne und weiß, daß
ich willkommen bin". Teresita Carelli aus Argentinien
erklärt, sie wolle "Methoden und Techniken austauschen - und die gemeinsamen Probleme erörtern, die
wir haben, wenn wir Schüler gleicher Altersgruppen
unterrichten." Sie erwartet auch, daß ihr amerikanischer Kollege in Argentinien feststellt, "wie gut unser
Englischunterricht trotz unserer begrenzten technischen Mittel ist".
Muveddet llkin Genceli aus Ankara (Türkei) blickt dem
Unterricht in Naturwissenschaften an der Junior High
School in El Paso (Texas) erwartungsvoll entgegen.
"Unser System in der Türkei konzentriert sich auf
Inhalte und Vorträge. Hier orientiert sich das Curriculum am Schüler, und Labortätigkeit wird besonders
betont. Wenn ich einiges von dem, was ich hier lerne,
in meiner Schule in der Türkei anwenden kann, ist das
prima."
Hohe Erwartungen und die Bereitschaft, sowohl zu
lernen als auch zu unterrichten, erklärt Jochen Hoffmann, der Leiter des Fulbright-Lehreraustauschprogramms beim US-Informationsamt in Washington, ist
unter den Teilnehmern nichts ungewöhnliches.
Aber Hoffmann räumt ein, daß Lehrer, die in die
Vereinigten Staaten kommen, zunächst "emotionale
'Höhen und Tiefen' durchleben. Anfänglicher Enthusiasmus könnte durch die Erkenntnis verdrängt werden, daß in der Tat viele Ansätze neu sind. Sie könnten
sich wieder wie neue Lehrer fühlen."
Aber danach "haben sich die meisten im Griff. Sie
beginnen, von ihren Schülern und Gemeinden zu
lernen und können ihren amerikanischen Freunden
ihre Kultur vermitteln. Rund 90 Prozent sind bis zum
Ende ihres Aufenthalts extrem positiv gegenüber der
Erfahrung eingestellt, obwohl diese durch das Wissen
beschwert wird, daß es hier ebenso wie zu Hause

Probleme gibt. Sie haben ein komplexeres Bild des
Lebens in diesem Land erhalten, aber sie wissen auch
die große Vielfalt des amerikanischen Bildungswesens zu schätzen."
Auch die amerikanischen Teilnehmer an dem Austauschprogramm kehren mit neuen Eindrücken der
Vielfalt und kulturellen Werte dieser Regionen nach
Hause zurück. Und "viele Amerikaner, die nach Osteuropa gehen, tun dies mit einer Mission - diesen
neuen unabhängigen Staaten (der ehemaligen Sowjetunion und Osteuropas) bei der Reform ihrer Lehrpläne zu helfen, ein Bildungssystem aufzubauen, das
weniger zentralisiert ist und Bibliotheken einzurichten,
die den Schülern zugänglich sind. In vielen Fällen
verfügen sie über Erfahrungen mit der Entwicklung von
Curricula und Lehrerausbildung."
Er fügt hinzu, die Teilnehmer an den Austauschprogrammen "pflegen häufig Kontakte mit ihren ehemaligen Schülern oder Kollegen, manchmal per Computer,
wodurch sie auch nach ihrer Rückkehr ihre Fähigkeiten erweitern können."
Seit seiner Gründung im Jahr 1946 ist das Austauschprogramm immer populär gewesen, stellt Hoffmann
fest und fügt hinzu: "1990 beläuft sich die Gesamtzahl
der Teilnehmer auf nahezu 500, von denen rund 240
kommen und 250 gehen." Er verweist auch darauf,
daß in diesem Jahr "vier neue Länder" in dem Programm willkommengeheißen werden-"Rußland, Belarus, Lettland und Litauen - und in Kürze werden noch
mehr Länder aus der Region hinzukommen."
Bewerbungsschluß für die Teilnahme am FulbrightLehreraustauschprogramm für 1993-1994 ist der 15.
Oktober 1992. Interessenten wenden sich bitte an das
FulbrightTeacher Exchange Program/Room 142/600
Maryland Avenue, S.W. / Washington, D.C. 20024,
oder Tel. (1 )-800-726-0479.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 35

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11551">
                <text>02.09.1992</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11552">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11553">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11554">
                <text>Amerikadienst 02.09.1992</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11555">
                <text>&lt;strong&gt;1. Jugoslawien&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Jugoslawienkrise könnte Welt nach dem Kalten Krieg beeinflussen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede bei der Londoner Jugoslawienkonferenz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Londoner Konferenz leitet Prozess zur Lösung des Jugoslawienproblems in die Wege&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Pressekonferenz des geschäftsführenden Außenministers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Irak&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Koalition verhängt Flugverbot im Südirak&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung von Präsident Bush&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. NAFTA&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Hills: NAFTA schafft keine Festung Nordamerika&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Stellungnahme der US-Handelsbeauftragten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Fulbright&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Fulbright-Lehreraustauschprogramm zeitigt in vielen Regionen Erfolge&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Informationsveranstaltung für Lehrer&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
</itemContainer>
