<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<itemContainer xmlns="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5" xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance" xsi:schemaLocation="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5 http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5/omeka-xml-5-0.xsd" uri="https://www.amerikahaus-archiv.de/items/browse?output=omeka-xml&amp;page=92&amp;sort_field=Dublin+Core%2CTitle" accessDate="2026-11-04T12:41:26+00:00">
  <miscellaneousContainer>
    <pagination>
      <pageNumber>92</pageNumber>
      <perPage>10</perPage>
      <totalResults>2223</totalResults>
    </pagination>
  </miscellaneousContainer>
  <item itemId="1494" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="1505">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/ffb230e8bfcbdd89fcac75f424ae006f.pdf</src>
        <authentication>c832c71cbb676cfdd4b0345c78e430bc</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="7837">
                    <text>amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Nummer

Service

Postfach

300

Information
und
Dokumentation

T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

19. Juni 1974

12

Inhalt

DOKUMENTATION:

Nixon: USA bleiben stärkste Macht der freien Welt
- Ansprache des Präsidenten vor der MarineakademieKissinger: USA wollen ein starkes Europa
-»Ansprache des US-Außenministers vor Mitgliedern der Nordatlantischen
Versammlung-

HINTERGRUNDMATERIAL:

Kongreß gegen jede Schwächung der Verteidigungsbereitschaft der USA
-Senator Jackson für Aufrechterhaltung der Truppenstärke in Ubersee-

Ost-West-Handel und Entspannung

WIRTSCHAFT:

Eberle: USA um internationale Lösung der Versorgungsprobleme bemüht
-Auszüge aus der Rede auf dem Symposium für Energie und Rohstoffe-

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

I n f o r m a t i o n

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

Dokumentation

300

T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

12/1974

NIXON: USA. BLEIBEN STÄRKSTE MACHT DER FREIEN WELT
-Ansprache des Präsidenten vor der Marineakademie-

ANNAPOLIS,Maryland —(AD)-- Präsident Nixon hat am 5. Juni vor der diesjährigen Abschlußklasse der amerikanischen Marineakademie betont, daß sich die
Vereinigten Staaten ihrer Verantwortung als stärkste Macht der freien Welt
nicht entziehen werden und daß seine Reisen nach dem Nahen Osten und der
Sowjetunion der Suche nach dem Frieden dienen sollen.

Die Ansprache des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
"Für jemanden, der mit Stolz in der Marine gedient hat, ist es eine besondere Ehre, an dieser Feier der 124. Abschlußklasse der amerikanischen
Marineakademie teilzunehmen. Dieser Jahrgang 1974 wird vor Aufgaben und
Herausforderungen stehen, die so einmalig und anspruchsvoll sind wie je in
der langen und stolzen Geschichte der Akademie.
George

-1-

�George Washington schrieb im November 1781 in einem Brief an Lafayette:
•Ohne eine ins Gewicht fallende Flottenmacht können wir nichts Entscheidendes tun, und mit einer solchen Macht alles Ehrenhafte und Glorreiche1.
Washington wußte nur zu gut, daß es die Marine war, die in dem Kampf
Amerikas um seine Unabhängigkeit - der Geburt einer Nation - den Unterschied
zwischen Sieg und Niederlage bedeutete.

Heute, im Nuklearzeitalter, ist die Rolle der Marine ebenso wichtig
wie vor zwei Jahrhunderten, denn heute, da der amerikanische Kontinent keine
isolierte Festung mehr ist, sondern ein integraler Bestandteil einer immer
kleiner werdenden, von Unruhe geschüttelten Welt, ist eine starke amerikanische Marine ein unerläßlicher Faktor für die Aufrechterhaltung von Frieden
und Stabilität auf der Welt.

Sie beginnen Ihre Laufbahn zu einer Zeit, da Amerikas Streitkräfte
einen lebenswichtigen Beitrag zur Erreichung eines

Zieles leisten, das von

fundamentaler Bedeutung für jeden von Ihnen hier, für alle Amerikaner und
für alle Nationen der Welt ist: das Ziel eines dauerhaften Friedens. Das ist
das Ziel, auf das ich seit dem ersten Tag meiner Präsidentschaft diese Administration persönlich verpflichtet habe. Es ist ein Ziel, dem sich die
amerikanische Diplomatie total verschrieben hat, und es ist ein Ziel, das
nur erreicht werden kann, wenn amerikanische Stärke und amerikanische Entschlossenheit dahinter stehen.
Und

�Und wenn Sie jetzt Ihre große Aufgabe als neue Führer in der Verteidigung des Friedens antreten, dann möchte ich Ihnen in Umrissen die Friedensstrategie Amerikas und die wichtige Rolle umreißen, die Sie bei der Verwirklichung dieser Strategie spielen werden.

Wollen wir einen Blick zurückwerfen auf die Welt, in der Sie aufgewachsen sind.
Als der Krieg in Europa und in Asien 1945 beendet wurde, war Amerika
die einzige wirtschaftliche und militärische Supermacht, die es auf der Welt
gab. Der größte Teil Europas und Japans lag in Trümmern - war wirtschaftlich
völlig am Ende und politisch demoralisiert. Die Führung der freien Welt mußte
von uns übernommen werden, ob wir es nun wollten oder nicht.
So schwierig die Aufgabe war, sie wurde uns am Anfang durch unsere überwältigende materielle Stärke und durch ein festes und geeintes Gefühl der
nationalen Zielsetzung erleichtert.

Überall auf der Welt gingen wir Verpflichtungen ein, um das Vordringen
des Kommunismus aufzuhalten, die wirtschaftliche Entwicklung zu fördern und
andere Länder zu ermutigen, unsere wirtschaftlichen, politischen und sozialen
Ideale zu übernehmen.

So vereinfacht und gelegentlich auch fehlgeleitet diese Zielsetzung war,
so war es doch ein edles und in seinem Enthusiasmus selbstloses Ziel. Trotz
mancher Mißgriffe, die wir zu korrigieren hatten, wußten wir in unseren Herzen - und Millionen in Europa und in Japan sowie in den Entwicklungsländern

-3-

�Entwicklungsländern wußten es - daß der Beitrag, den Amerika in dem Vierteljahrhundert nach Kriegsende für die Menschheit leistete, in seiner geschichtlichen Bedeutung und seinen Dimensionen einmalig war. Wir dürfen stolz darauf sein, daß Amerika bei der Hilfe für seine ehemaligen Feinde wie bei der
Unterstützung unserer Freunde so großherzig war.

In dem gleichen Zeitabschnitt wandelte sich das Antlitz der Welt rapider
und dramatischer als je zuvor in der Geschichte. Achtundfünfzig Staaten, die
soeben ihre Unabhängigkeit gewonnen hatten, schlössen sich der Weltgemeinschaft an. Der einstmals monolithische kommunistische Block zerfiel. Neue
Machtzentren entstanden in Europa und Asien.

Der Eifer und die Arglosigkeit Amerikas erhielten in diesen Jahren einen
Dämpfer. Der lange Krieg in Vietnam zehrte zu sehr an unserem nationalen
Selbstvertrauen und Selbstverständnis. Die Nöte in unserem eigenen Lande forderten gebieterisch größere Aufmerksamkeit. Ende der sechziger Jahre war unse
re Politik, die versuchte, jedermanns Probleme auf der ganzen Welt zu lösen,
nicht länger realistisch - oder auch notwendig. Amerika war nicht mehr der
Gigant, der mit anscheinend unerschöpflichen

Hilfsquellen und seinem Atom-

monopol die übrige Welt turmhoch überragte.

Mit dem Rückgang unserer überwältigenden Überlegenheit an Macht entstand in zunehmendem Maße die Gefahr, daß wir uns nach innen wenden und uns
von unseren weltweiten Pflichten in einen Isolationismus zurückziehen würden
und dabei die Tatsache außer acht lassen könnten, daß.wir immer noch die
stärkste Kraft des Friedens auf der ganzen Welt waren.
Diese

�r

Diese Drohung einer neuen Woge des Isolationismus, blind sowohl gegenüber den Lehren der Vergangenheit als auch gegenüber den Gefahren der Zukunft,
war und bleibt auch heute eine der größten potentiellen Gefahren, denen sich
unser Land gegenübersieht.

In unserem Zeitalter könnte ein amerikanischer Isolationismus leicht
zu einer globalen Hoffnungslosigkeit führen. Ob es uns nun gefällt oder nicht,
die Alternative zur Entspannung ist:
—

Hemmungsloses nukleares Wettrüsten;

-- Rückkehr zur Konfrontation; und
-- ein vernichtender Rückschlag für unsere Hoffnung, in der Welt ein
neues Gebäude des Friedens zu errichten.
Als wir im Jahre 1969

unser Amt antraten, sah sich diese Administration

einer Situation in der Welt gegenüber, die komplexer war, größere Herausforderungen stellte, aber in mancher Hinsicht auch größere Verheißungen bot als
die Situation nach dem Kriege.

Da wir unsere Verpflichtungen als mächtigstes Land der freien Welt nicht
aufgeben konnten und wollten, war klar, daß nunmehr der Zeitpunkt für eine
Überprüfung dieser Verpflichtungen gekommen war. Das war die Richtschnur der
Nixon,Doktrin - eine Doktrin, die besagt, daß diejenigen, denen wir helfen,
damit sie sich der Segnungen der Freiheit erfreuen können, auch einen fairen
Anteil der Lasten ihrer eigenen Verteidigung tragen sollten.
Ebenso

-5-

�Ebenso klar war auch, daß Pragmatismus und moralische Stärke die beiden
Pfeiler jeder amerikanischen Außenpolitik in der neuen Ära sein mußten. Ein
Bewußtsein moralischer Zielsetzung gehört zu unserem Erbe und zu den Traditionen unserer Außenpolitik. Pragmatismus, Realismus und technische Leistung
dürfen nicht die ausschließlichen Kriterien unserer Außenpolitik sein. Einer
solchen Politik würde es an Wurzeln und an Inspiration mangeln und sie könnte
nicht lange auf eine positive Unterstützung durch das amerikanische Volk
und den Kongreß rechnen - noch würde sie die Achtung cor Welt verdienen.
Wir mußten jedoch bedenken, daß sich ein unrealistischer Idealismus als
undurchführbar und potentiell gefährlich erweisen könnte. Er könnte uns dazu
verleiten, auf gute Resultate zu verzichten, nur weil wir unbedingt perfekte
Resultate wollen.
Speziell in unserer Einstellung zu der Sowjetunion war eine solche
Mischung des idealistischen und des pragmatischen in unserer Außenpolitik
von entscheidender Bedeutung. Die Unterschiede in unseren Lebensformen und
Regierungssystemen waren kraß und grundlegend. Aber selbst wenn wir den Totalitarismus ablehnen, so müssen wir uns doch der harten, nackten Tatsachen

des Lebens im Nuklearzeitalter bewußt sein. Seit die Sowjetunion in den
strategischen Waffensystemen gleichgezogen hat, bedeutet jede Konfrontation
einen Zusammenstoß, der zu einer potentiellen nuklearen Vernichtung aller
Kulturvölker führen könnte. Der Abbau der Spannungen zwischen uns ist die
wichtigste Aufgabe unserer Außenpolitik geworden.
Die

�f

Die Vereinigten Staaten werden ihre Grundsätze nicht aufgeben. Die Führer der Sowjetunion werden die ihren nicht preisgeben. Wenn wir jedoch den
Mut haben, die Grundsätze zu verteidigen, die uns als Nationen unterscheiden,
dann müssen wir auch den Weitblick haben, die Dinge zu sehen, die uns als
Menschen vereinen. Wir verfügen beide über das Potential, unser gemeinsames
Erbe einer viertausendjährigen Kultur für immer zu zerstören. Wir unternehmen
beide Schritte, um sicherzustellen, daß dies nicht geschehen wird, weil es
nicht geschehen darf.
Behutsam und vorsichtig haben wir in den letzten fünf Jahren mit der
Sowjetunion darauf hingearbeitet, konkrete Probleme zu lösen, die sich zu militärischen Konfrontationen auswachsen könnten. Auf diesen Brücken bauen wir
jetzt eine Reihe greifbarer wirtschaftlicher und kultureller Austauschprojekte auf, die uns enger miteinander verbinden werden. Amerikaner und Russen,
zwei große Völker, die einst im Kriege zusammengearbeitet haben, lernen jetzt,
im Frieden zusammenzuarbeiten. Letztlich, so hoffen wir, werden die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion ein gleich großes Interesse daran haben, ein
stabiles internationales Klima zu erhalten.

Die Ergebnisse dieser Politik waren ermutigend.

Das Berlin-Problem,wo unsere Länder ein Viertel Jahrhundert lang sich
Auge in Auge gegenüberstanden, ist jetzt auf dem Verhandlungswege gelöst worden.

Unsere beiden Länder haben ein historisches Abkommen zur Begrenzung der

strategischen Nuklearrüstungen abgeschlossen.
Wir

-7-

�»

t

Wir und unsere Verbündeten haben mit der Sowjetunion Verhandlungen über
wichtige Fragen der Europäischen Sicherheit, darunter auch über eine Reduzierung der Streitkräfte in Mitteleuropa, aufgenommen.

Wir haben das Risiko einer direkten amerikanisch-sowjetischen Konfrontation in Krisengebieten wesentlich vermindert.

Wir haben eine Reihe bilateraler Abkommen über die Zusammenarbeit auf
Gebieten wie Gesundheit, Umwelt, Weltraum, Wissenschaft und Technologie sowie
auf dem Gebiet des Handels geschlossen.

Auf dem Moskauer Gipfeltreffen im Jahre 1972 haben unser Marineminister
und der Oberbefehlshaber der sowjetischen Marine ein Abkommen über die Verhütung von Zwischenfällen auf hoher See getroffen, das einen Verhaltenskodex
darstellt, der auf die Unterlassung gefährlicher Handlungen aus der Zeit des '
kalten Krieges abzielt - und ein Verhaltenskodex, der sich bereits als ein Erfolg erwiesen hat.

Während der letzten fünf Jahre haben wir mehr Abkommen mit der Sowjetunion erreicht als in der gesamten vorangegangenen Nachkriegsperiode. Das ist
ein Ergebnis, auf das alle Amerikaner stolz sein dürfen.

In Übereinstimmung mit unseren Bemühungen, die amerikanische Außenpolitik
auf die Realitäten der modernen Welt abzustimmen, haben wir auch die Normalisierung unserer Beziehungen zur Volksrepublik China angestrebt, einem Lande,
mit dem uns während eines Vierteljahrhunders des kalten Krieges nichts ande-

�anderes verband als Konfrontation und Mißtrauen. Von einem offiziellen Dial &gt;g
ausgehend, der im Jahre 1971 eröffnet wurde, haben w.\.r konstruktive Abkommen
auf den Gebieten des Handels und des wissenschaftlichen und kulturellen Austausches ausgehandelt. Wir haben im vorigen Jahr in unseren jeweiligen Hauptstädten Verbindungsbüros eingerichtet und wir rechnen in den kommenden Jahren
mit weiteren Fortschritten.
Es ist uns auch gelungen, unser militärisches Engagement in Vietnam auf
eine Weise zu beenden, die die schweren Opfer nicht umsonst sein ließ, die
wir gebracht hatten, und wir haben so wesentlich zur Erhaltung der Freiheit
und Stabilität in Südostasien beigetragen. Ein Ergebnis ist, daß heute die
20 Millionen Menschen in Südvietnam die Freiheit haben, sich selbst zu regieren, und daß sie in der Lage sind, sich selbst zu verteidigen. Und was noch
wichtiger ist, wir haben bewiesen, daß Amerika sein Wort hält.
Wir haben das Vertrauen unserer Verbündeten in der ganzen Welt bewahrt,
indem wir gezeigt haben, daß wir ein zuverlässiger Partner in der Verteidigung der Freiheit sind, und wir haben die Achtung unserer potentiellen Gegner geerntet, indem wir gezeigt haben, daß wir ein zuverlässiger Partner auf
der Suche nach Frieden sind.

Der einzigartige und wesentliche Beitrag Amerikas zum Frieden wird nirgends deutlicher sichtbar als im Nahen Osten. Der Haß und das Mißtrauen, die
die Beziehungen zwischen Arabern und Israelis solange vergiftet haben, hatten
in weniger als vier Jahrzehnten viermal zu Kriegen geführt. Der Blutzoll und
das menschliche Leid waren gewaltig und die Spannung machte den Nahen Osten

�i

Osten zu einem Pulverfaß, das leicht die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion in eine militärische Konfrontation hineinziehen könnte. Die Notwendigkeit einer stabilen Lösung unter den Partnern
den Großmächten war überwältigend.

der Region wie auch zwischen
'

Der Oktober-Krieg des vorigen Jahres bot, so tragisch er war, eine einmalige Chance. Zum ersten Mal waren wir uns bewußt, und waren sich die gemässigten Führer der arabischen Welt bewußt, daß für die Erreichung einer dauerhaften Lösung im Nahen Osten eine positive amerikanische Rolle unerläßlich
war. Aus diesem Grunde habe ich Außenminister Kissinger nach dem Nahen Osten
entsandt, um in dem Verhandlungsprozeß unsere guten Dienste anzubieten.

Die Ergebnisse, die mehr als alles andere den Weitblick und die Staatskunst der Führer beider Seiten erkennen lassen, sind ermutigend. An der
ägyptisch-israelischen Front ist ein Abkommen über das Auseinanderrücken der
Streitkräfte durchgeführt und jetzt ist ein ähnliches Abkommen zwischen Israel und Syrien ausgehandelt worden. Zum ersten Mal seit einer Generation
sehen wir den Beginn eines Dialogs zwischen den arabischen Staaten und Israel .
Der Weg zu einem gerechten und dauerhaften Frieden ist noch weit und
schwer. Aber etwas, das ein unüberwindbares Hindernis gewesen zu sein schien,
ist beseitigt worden. Wir sind entschlossen, an unserem Kurs festzuhalten, bis
wir unser Ziel, nämlich einen dauerhaften Frieden, erreicht haben. Die Rolle,
die Außenminister Kissinger in diesem Prozeß gespielt hat, ist ein Zeugnis sowohl seiner bemerkenswerten diplomatischen Fähigkeiten als auch der Gesundheit

-10-

�Gesundheit und Integrität unserer Überzeugung, daß ein dauerhaftes Gebäude
des Friedens errichtet werden kann - und muß.
Wenn man die Ergebnisse unserer Außenpolitik betrachtet, so kann man
ironischerweise feststellen, daß gerade ihre Leistungen

uns heute zu Opfern

unseres eigenen Erfolges zu machen drohen. So ist vor allem ein gefährliches
Mißverständnis darüber entstanden, was eine Entspannung ist und was sie nicht
ist.
Bis vor kurzem war die Entspannungspolitik kein Problem für uns. Wir
standen so sehr inmitten des Versuchs, das internationale Streben von der
Konfrontation zur Verhandlung zu wandeln, daß die Menschen allgemein übereinstimmten, daß an erster Stelle die Überlegung stehen müsse, ein Gefüge friedlichen internationalen Verhaltens zu schaffen. Nachdem jetzt jedoch ein so
großer Fortschritt erzielt worden ist, nehmen manche Leute ihn für selbstverständlich.

Heute werden beredte Appelle an die Vereinigten Staaten gerichtet, durch
ihre Außenpolitik das Verhalten anderer Länder, vor allem der Sowjetunion, im
Innern wie auch nach außen, zu verändern. Diese Frage bringt uns genau wieder
in das Dilemma, das ich zu Beginn aufgezeigt habe. Hier geht es nicht nur um
unser Verhältnis zur Sowjetunion, sondern auch um unseren Standpunkt gegenüber
vielen Nationen, mit deren politischen Systemen wir überhaupt nicht übereinstimmen - so wie sie nicht mit unserem System.
Unsere

-11-

�i

»
Unsere Außenpolitik muß unsere Ideale und Zielsetzungen zum Ausdruck
bringen. Wir dürfen uns niemals mit der Unterdrückung menschlicher Freiheit
zufriedengeben. Wir müssen alles tun, was wir vernünftigerweise tun können,
um der Gerechtigkeit zum Siege zu verhelfen. Aus diesem Grunde halten wir
weiterhin unerschütterlich an bestimmten Grundsätzen der Menschlichk it fest
- nicht nur in den zuständigen internationalen Foren, sondern auch in unserem privaten Meinungsaustausch mit anderen Regierungen - wo dies wirksam
sein kann. Wir bleiben unseren Idealen treuer, wenn wir auf Ergebnisse aus
sind, und wir erreichen mehr Ergebnisse durch diplomatisches Handeln als durch
Hunderte von eleganten Reden.

Aber es gibt Grenzen dessen, was wir tun können, und wir müssen uns
einige ganz harte Fragen stellen. Wie weit geht unsere Fähigkeit, die innere
Struktur anderer Völker zu verändern? Würde eine Verlangsamung oder eine Umkehr der Entspannung die positive Entwicklung anderer Gesellschaftssysteme
unterstützen oder behindern? Welchen Preis sind wir - in erneutem Konflikt
ausgedrückt - bereit, zu zahlen, um einen Druck im Sinne menschlicher Angelegenheiten ausüben zu können?

Nicht, weil wir es so wollen, sondern einfach aufgrund unserer Fähigkeit,
muß unser oberstes Anliegen in der Außenpolitik darin bestehen, einen Einfluß
auf das internationale Verhalten von Nationen auf der Weltbühne auszuüben. Wir
würden die Einmischung anderer Länder in unsere inneren Angelegenheiten auch
nicht begrüßen. Und wir können nicht erwarten, daß andere kooperativ sind,
wenn wir versuchen, direkt in ihre inneren Angelegenheiten einzugreifen.
Wir

-12-

t

�Wir können unsere Außenpolitik nicht auf die Umformung anderer Gesellschaften einstellen. Im Nuklearzeitalter muß unsere oberste Verantwortung die
Verhütung eines Krieges sein, der alle Gesellschaften vernichten könnte.

Der Friede zwischen Völkern mit völlig unterschiedlichen Systemen ist
auch ein moralisches Ziel.
Die Konzeptionen der nationalen Sicherheit, der Partnerschaft und der Verhandlung mit Gegnern sind die zentralen Säulen des »Gebäudes des Friedens*,
dessen Errichtung sich diese Administration als ein Ziel gesetzt hat.

Wenn ein Gebäude des Friedens Bestand haben soll:
-- dann muß es Ausdruck der Beiträge und Sammelpunkt der Hoffnungen der
Nationen sein;
-- dann muß es durch das gemeinsame Ziel der Koexistenz und die gemeinsame
Praxis der Anpassung zementiert sein;
—

dann muß es jeder Nation die Freiheit bringen, ihr eigenes Geschick

ohne Kriegsdrohung zu erfüllen; und
-- dann muß es der sozialen Gerechtigkeit und Menschenwürde dienen.

Das Gebäude des Friedens, von dem ich spreche, wird eine Ära der Zusammenarbeit ermöglichen, in der alle Nationen ihre jeweiligen Talente und Mittel für
die Lösung der Probleme einsetzen werden, die die ganze Menschheit plagen
- Probleme der Energie, des Hungers, der Krankheit und des Leidens - Probleme,
die so alt sind wie die Menschheit selbst.
An

-13-

�•

I

An all das dachten wir, als wir im Februar eine Anstrengung unternahmen,
um die Hauptverbraucherländer zusammenzubringen, um das Problem der gerechten
Befriedigung des Bedarfs aller Völker in der ganzen Welt in Angriff zu nehmen,
die vor der Aussicht immer knapper werdender Hilfsquellen

- in diesem Falle

Energie - stehen.

Aus dem Bewußtsein der menschlichen Tragödie des Hungers und aus der
dringenden Notwendigkeit heraus, die Technologie des Menschen gemeinsam zur
Lösung dieses Problems anzuwenden, haben die Vereinigten Staaten auch zu einer
Welternährungskonferenz der Vereinten Nationen aufgerufen, die im Herbst dieses Jahres in Rom stattfinden soll.

Meine Nahostreise in der kommenden Woche wird die Gelegenheit bieten, mit
den Führern der Länder, die ich besuchen werde, Mittel und Wege zu erörtern,
wie wir unseren Fortschritt auf dem Wege zu einem dauerhaften Frieden in jenem
Gebiet weiter ausbauen können.

Am 27. Juni werde ich erneut nach Moskau reisen, um mit Parteichef
Breschnew zusammenzutreffen und weitere Wege zu einem

- und weitere Aussich-

ten auf einen - dauerhaften Frieden, nicht nur zwischen der Sowjetunion und
den Vereinigten Staaten, sondern zwischen allen Nationen zu eruieren.

Jede dieser Reisen ist auf ihre Weise ein Ausdruck der größeren Hoffnungen und Verantwortlichkeiten Amerikas. Dies sind Hoffnungen und Verantwortlichkeiten, die zu verwirklichen jeder von Ihnen auf seinem ersten Kommando
aufgerufen sein wird.
Solange

-14-

�Solange Sie Ihre Pflicht tun - und solange Sie die Bevölkerung und die
Regierung unterstützen - wird das Amerika, das Sie lieben und dem Sie dienen,
fortbestehen.

Heute wird jeder von Ihnen ein Hüter einer noblen Tradition des Dienens.
Als erster Jahrgang haben Sie Ihre Ausbildung in der Ära nach dem Vietnamkrieg
begonnen. Es liegt jetzt an Ihnen, auf eine Weise zu dienen, daß die Jahrgänge
nach Ihnen in eine amerikanische Marine eintreten können, die stark, bereit
und geachtet ist, und vor allem in eine Marine und eine Nation, die in ehrenhaftem Frieden mit allen Nationen der Welt lebt."

-15-

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

I n f o r m a t i o n

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Dokumentation

Postfach 300

T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

12/1974

KISSINGER: USA WOLLEN EIN STARKES EUROPA
Ansprache des US-Außenministers vor Mitgliedern der Nordatlantischen
Versammlung

WASHINGTON — ( A D ) - - Der amerikanische Außenminister Dr. Henry Kissinger
hat am 6. Juni auf einem Empfang im State Department für die Mitglieder der
in Washington tagenden Nordatlantischen Versammlung - der jährlichen Zusammenkunft von Parlamentariern aus NATO-Ländern - folgende Ansprache gehalten:

"Ich möchte Ihnen sagen, wie sehr ich mich freue,daß mein Besuch in
Washington mit Ihrem Besuch zusammenfällt.

Mich befällt immer eine gewisse nervöse Unruhe, wenn ich zu einer
Gruppe von Europäern spreche, denn das letzte Mal, als ich vor einem Kreis
von Damen einige informelle Bemerkungen machte - und einige Gedanken zur
europäischen Geschichte und zu anderen Aspekten der transatlantischen Beziehungen äußerte - war das Resultat recht bestürzend.
Ich

-1-

�V

Ich bin unserem Kongreßabgeordneten Hays sehr dankbar, daß er sich dazu bewegen ließ, ein Treffen der NATO-Parlamentarier hier in Washington zu
organisieren. Wir glaubten, es wäre angebracht, wenn wir an diesem 25. Jahres
tag der NATO die Gelegenheit hätten, zu Ihnen zu sprechen.

Es

hat in den letzten Monaten so viele Debatten gegeben, daß wir manch-

mal vergaßen, was diese Debatten eigentlich auslöste und worum es für uns dabei im Grunde ging. Was die Debatte auslöste, war eigentlich nicht eine Meinungsverschiedenheit über die Ziele, sondern vielmehr ein von den Vereinigten
Staaten unternommener Versuch, eine neue Basis für das atlantische Verhältnis
zu finden, die dieser Beziehung für die nächsten 25 Jahre die gleiche Vitalität geben würde, die sie in den vergangenen 25 Jahren besessen hat.

Darin fand unsere feste Verpflichtung gegenüber einer Organisation ihren
Ausdruck, die die Sicherheit der westlichen Welt gewährleistet hat und die
- wie wir glauben - in einer neuen Periode der internationalen Politik, in
der wir uns jetzt befinden, über diese Sicherheit hinaus auch auf anderen Gebieten genau so ihren Beitrag leisten kann.

Wir empfanden die Notwendigkeit, dieser Beziehung eine neue Definition
zu geben, damit die neue Generation, die herangewachsen ist und für die sich
mit dem Begriff kalter Krieg eine andere Bedeutung verbindet, als er für die
Gründer der NATO hatte, sich für eine Periode des Aufbaus einsetzen konnte.

Nun

-2-

�Nun wurden im Verlauf dieses Prozesses unvermeidlicherweise eine Reihe
von bedeutsamen Fragen auf beiden Seiten des Atlantik aufgeworfen. Und - wie
es bei Familienstreitigkeiten immer zu sein pflegt - erwies sich die Tatsache, daß überhaupt Meinungsverschiedenheiten bestanden, manchmal als irritierender als die eigentliche Substanz der Meinungsverschiedenheit selbst.

Aber wenn wir unser Verhältnis in der richtigen Perspektive betrachten,
dann wissen wir, daß es in seiner Grundbeziehung fest ist und daß die Richtung, in die wir gehen, klar ist.

Die Vereinigten Staaten wollen ein starkes Europa. Die Vereinigten Staaten waren stets und sind auch weiterhin für ein vereintes Europa. Wir glauben
nicht, daß die europäische Einheit in der Opposition gegenüber den Vereinigten Staaten definiert werden muß, wir sind uns aber darüber im klaren, daß
ein vereintes Europa nicht immer mit uns der gleichen Meinung sein muß
- und wir können auch nicht davon ausgehen, daß Europa unfehlbar ist.

Und wenn nun ein vereintes Europa mit uns nicht einer Meinung ist, dann
werden wir dies mit der Geduld, dem guten Willen, der Liebenswürdigkeit und
Zurückhaltung ertragen, für die wir bekannt sind.

Aber zweifellos wird ein vereintes Europa seine eigene Identität suchen.
Wir wissen, was das Europa der Neun ist - wir wollen keinesfalls ein Europa
der Neun in eine Organisation der Zehn umformen.

Ich

-3-

�Ich glaube, daß in den letzten Monaten einige der Debatten, die theologisch zu werden drohten, wieder in einer klareren Perspektive gesehen worden sind. Ich denke auch, daß es einen Fortschritt hinsichtlich einer NATODeklaration geben wird. Aber über ein solches förmliches Dokument hinaus haben die Erörterungen, die im Verlauf des letzten Jahres stattfanden, dem
nützlichen Zweck gedient, die Frage zu klären, wieviel Einheit wir wirklich
wollen und wieviel Unterschiedlichkeit und Abweichung wir aushalten können.

In jedem Falle aber rechnen die Vereinigten Staaten damit, auf der
Grundlage der Gleichberechtigung mit ihren europäischen Verbündeten zusammenzuarbeiten, und sie waren niemals der Meinung, daß sie von einem starken und •
selbstsichereren Europa irgendetwas zu fürchten hätten.
i

i

i •

Es ist sehr viel über die Frage der Konsultation gesprochen worden. Ich
glaube jedoch, daß das Wesentliche der Konsultation in einer Gemeinschaft
gemeinsamer Zielsetzungen immer zum Ausdruck kommen wird und daß, wenn man
auf beiden Seiten des Atlantik der Überzeugung ist, an einem gemeinsamen
Unterfangen engagiert zu sein, es ganz spontan zu Konsultationen kommt. Wenn
man jedoch nicht daran glaubt, an einem gemeinsamen Unterfangen engagiert zu
sein, dann können auch vertragliche Bestimmungen über Konsultationen keinen
Ersatz für das Fehlen einer gemeinsamen Zielsetzung bieten.

So wie wir diese Periode jedoch hinter uns gebracht haben - und mit
meinem festen Versprechen, nicht wieder vor einem Kreis von Damen zu sprechen, wenn die Presse anwesend ist - glaube ich, daß wir mit einigem

�einigem Optimismus in die Zukunft blicken können. Wir sind der Ansicht, daß
diese Nordatlantische Versammlung eine sehr wichtige Rolle gespielt hat.

Der Bericht des Neuner-Ausschusses unter dem Vorsitz von Senator Javits
über die Zukunft des Atlantischen Bündnisses, zu dem das State Department soeben Stellung genommen hat, ist ein hervorragendes Beispiel für die Beiträge,
die zu diesen Debatten im Bündnis geleistet werden können.

Und wenn wir jetzt vor der Tagesordnung für das nächste Jahr stehen
- Gespräche über europäische Sicherheit, Erörterungen des Problems einer beiderseitigen und ausgewogenen Truppenreduzierung, bilaterale Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion über eine Kontrolle des
Wettrüstens in strategischen Waffen, die künftige Entwicklung im Nahen Osten
- dann sollten wir uns über das Eine im klaren sein:

Die Vereinigten Staaten werden in Verhandlungea mit anderen Mächten niemals wissentlich europäische Interessen opfern. Und die Vereinigten Staaten
werden alles tun, um in enger Fühlung mit ihren europäischen Verbündeten zu
bleiben, wenn sie sich an diese verschiedenen Aufgaben machen. Ich glaube, daß
wir beide,Europa und die Vereinigten Staaten,in vielen Teilen der Welt, so
beispielsweise im Nahen Osten, eine große und bedeutende Rolle spielen können.
Die Vereinigten Staaten betrachten sich in dieser Hinsicht nicht als Konkurrent Europas.

Wenn wir also in die Zukunft blicken, dann ist es an der Zeit, sich wieder an den Tisch zu setzen - nicht um zur Form unseres Dialogs zurückzukehren

-5-

�zurückzukehren, sondern zum Inhalt unseres Dialogs - um das Ende zu bringen,
an dem wir in Form von NATO-Deklarationen arbeiten mögen.

Wollen wir jedoch nicht vergessen, daß sich die Vitalität des Bündnisses
immer in der Haltung seiner Führer und in der Überzeugung seiner Völker manifestiert hat - und nicht in den juristischen Dokumenten, in denen formelle
Verpflichtungen festgehalten werden.

Danach wird sich die Haltung der Vereinigten Staaten in den kommenden
Jahren ausrichten,und in diesem Geiste werden wir, dessen bin ich sicher,
einen 50. Jahrestag der Organisation

des Nordatlantikvertrages feiern kön-

nen - und wir werden auf die jetzige Periode als den Beginn einer neuen Ära
der Vitalität unter freien Völkern zurückblicken können."

•I"l"l'

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

I n f o r m a t i o n

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

Hintergrundmaterial

300

T e I e x : 08 - 8 5 4 3 2

12/1974
KONGRESS GEGEN JEDE SCHWÄCHUNG DER VERTEIDIGUNGSBEREITSCHAFT DER USA
-Senator Jackson für Aufrechterhaltung der Truppenstärke inUbersee-

WASHINGTON —(AD)-- Der amerikanische Kongreß hat in beiden Häusern und mit
Unterstützung beider Parteien das Gesetz für die militärische Beschaffung
gebilligt und in beiden Häusern und mit Unterstützung beider Parteien wurden alle Anträge auf eine Verringerung der amerikanischen Truppenstärke im
Ausland zurückgewiesen.

Das amerikanische Verteidigungsministerium hatte 23,1 Milliarden Dollar
für die militärische Beschaffung im Haushaltsjahr 1974/75 beantragt. Das
Repräsentantenhaus hatte 22,6 Milliarden Dollar bewilligt, und am 11. Juni
hat der Senat dann mit 84 gegen sechs Stimmen eine Vorlage über 21,8
Milliarden Dollar verabschiedet. Die Unterschiede sind relativ so gering,
daß es kaum Schwierigkeiten geben dürfte, im Vermittlungsausschuss eine
gemeinsame Kompromißfassung auszuarbeiten, deren Verabschiedung und Unterzeichnung nicht lange auf sich warten lassen wird.
Hier

�•I
Hier zeigt sich, daß bei allen innenpolitischen Kontroversen die Verteidigungsbereitschaft der Vereinigten Staaten niemals in Frage gestellt
wird. Zwar wurden in

beiden Häusern Kürzungen bei den Anforderungen für die

Militärhilfe für Südvietnam vorgenommen und auch der geplante Probeabschuß
von riesigen verbunkerten Interkontinentalraketen des Typs Minuteman wurde
gestrichen. Aber im übrigen scheiterten alle Versuche einzelner Abgeordneter oder Senatoren, Abstriche an der Beschaffungsvorlage durchzusetzen. So
wurde beispielsweise auch der Versuch, den angeforderten Betrag von 77 Millionen Dollar für die Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der Treffsicherheit von

Interkontinentalraketen zu streichen, von einer Mehrheit zu-

rückgewiesen.

Von ganz entscheidender Bedeutung für Europa war jedoch, daß alle Bemühungen um eine Kürzung der Truppenstärke in Übersee, vor allem in der Bundesrepublik Deutschland, von soliden Mehrheiten - 240 gegen 163 im Repräsentantenhaus und 54 gegen 35 im Senat - vereitelt werden konnten.

Hier ist die Auffassung eines Mannes besonders ausschlaggebend, des
einflußreichen demokratischen Senators Henry M. Jackson. Er sagt dazu wörtlich:
"Seit Jahren war die jährliche Behandlung der Vorlage für die militärische Beschaffung zugleich die Gelegenheit,sich ausführlich mit der überseeischen Komponente der amerikanischen Verteidigung und der Rolle des westlichen Bündnissystems für die Garantie der internationalen Sicherheit und Sta-

-2-

�und Stabilität zu befassen. Und erneut hat der Senat in kluger Weise Vorschläge abgelehnt, die unsere in Übersee dislozierte militärische Kapazität
drastisch verringert und dem Gebäude des erfolgreichen westlichen Bündnissystems einen schweren Schlag versetzt hätten.

Der am stärksten ins Auge fallende Aspekt dieser Frage ist immer die
weitere Stationierung amerikanischer Truppen in Europa gewesen. Wenn der
Kongreß jetzt erneut alle Versuche zurückgewiesen hat, die konventionelle militärische Kapazität in Europa wesentlich zu verringern, dann zeigt er damit
ein tiefes Verständnis für die lebenswichtige Rolle,die diese Truppen spielen.Die Aufrechterhaltung einer glaubwürdigen konventionellen westlichen Abschreckung in Europa gegenüber dem Warschauer Pakt hat sich in all den Jahren
als eine conditio sine qua non der Stabilität in Europa erwiesen.
In den Tagen vor der Abstimmung im Senat ist in Kommentaren in der New
York Times und in der Washington Post sehr gut dargestellt worden, daß wesentliche Verringerungen der amerikanischen Streitkräfte in Europa nicht am Platze
seien. Solche Rückzüge

hätten ein neues Element der Unsicherheit in die

transatlantischen Beziehungen gebracht - Beziehungen, die ohnehin unter
Streitigkeiten über

Fragen der Sicherheit, der Politik und der Wirtschaft

leiden. Wir sind jedoch, obwohl es Regierungswechsel in Frankreich, der Bundesrepublik Deutschland und Großbritannien gegeben

hat, in der Lage, gemein-

same Einstellungen zu anstehenden Problemen zu finden - und zwar in einer
Atmosphäre, die nicht durch einen schweren Schock für das Gleichgewicht der
Sicherheit in Europa gestört ist.

3-

�Der positive Beschluß des Senats ist meiner Auffassung nach durch vielversprechende Initiativen beeinflußt worden, die bereits ergriffen wurden, um
einmal die Finanzierung des Nordatlantischen Bündnisses auf eine stabilere und
gerechtere Grundlage zu stellen, und zum anderen, um sicherzustellen, daß
die für Europa zugesagten amerikanischen Mittel wirksam und effektiv eingesetzt werden.

Im vorigen Jahr hat der Senat eine konstruktive und positive Haltung zu
anstehenden NATO-Problemen

eingenommen - eine Haltung, die dazu diente, das

Bündnis zu stärken. Die Initiative des Senats machte den vollen Ausgleich
des durch die NATO verursachten Teils des amerikanischen Zahlungsbilanzdefizits zu einem offiziellen Ziel der amerikanischen Politik. Dieses sogenannte
Jackson-Nunn-Amendment, das vom Senat mit 84 gegen fünf Stimmen verabschiedet,
vom Repräsentantenhaus bestätigt und schließlich als Gesetz unterzeichnet
wurde, entwickelte eine Formel, nach der sich die amerikanische Truppenverpflichtung nach dem Stand der Zusammenarbeit im Bündnis auf diesem Gebiet
des 'Lastenausgleiches* (bürden-sharing) richtet.
Die nach diesem Gesetz vorgesehenen Verhandlungen sind noch nicht ganz
beendet. Es ist jedoch ein neues und wesentliches Devisenausgleichsabkommen
mit der Bundesrepublik Deutschland abgeschlossen worden. Weitere multilaterale Abkommen werden ausgehandelt. Nachdem die NATO-Verbündeten einfach vor
ein wichtiges Problem gestellt wurden, sind sie jetzt auf dem Wege, es zu lösen. Es gibt hoffnungsvolle Anzeichen dafür, daß der Handelsminister, der nach
dem Gesetzt damit betraut ist, einen vollen Devisenausgleich feststellen
kann.
Eine

�Eine wesentliche Verringerung der amerikanischen Truppenstärke jetzt
wäre nach meinem Dafürhalten jedoch ein verhängnisvoller Rückfall in einen
Unilateralismus, der gerade zu einem Zeitpunkt erfolgen würde, in dem man
zu erfolgreichen kooperativen Verhandlungen gelangt ist. Ja es wäre damit die
logische Grundlage nicht nur für die derzeit geführten Devisenausgleichsverhandlungen, sondern auch für den gesamten Bereich der Verhandlungen zerstört
worden, die dazu dienen sollen, eine fairere Aufteilung der Verteidigungsanstrengungen in der NATO zu gewährleisten.

Worüber der Senat im Grunde befinden sollte, war die Frage, ob eine drastische und nicht mehr rückgängig zu machende Maßnahme seitens des Kongresses
den abgewogenen und verantwortungsbewußten Schritten vorzuziehen sei, die bereits getan sind und nunmehr für d ie Zukunft ausgebaut werden. Mit dem von
den Befürwortern wesentlicher einseitiger Truppenreduzierungen empfohlenen
Rezept wäre nämlich jene Instabilität impliziert, die sich aus dem Bruch einer
nun seit einem ViertelJahrhundert bestehenden Beziehung ergeben würde. Außerdem würde ein drastischer Abbau der Truppenstärken - zu einer Zeit, in der die
Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen in eine
bedeutsame Phase gelangt sind - nur dazu geführt haben, beiderseitige Reduzierungen faktisch unmöglich zu machen.

Das Abstimmungsergebnis hat gezeigt, daß der Kongreß auch weiterhin einen ganzen Bereich realistischer amerikanischer Verpflichtungen und Alternativen unterstützen wird, die mit der eigenen Sicherheit Amerikas in Einklang
stehen und für den Fortbestand der internationalen Stabilität von entscheiden-

-5-

�/

entscheidender Bedeutung sind. Dies bleibt weiterhin der klügste und besonnenste Weg zu einer friedlicheren Welt, die wir alle erstreben."

-6-

�a m e r i k a dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

I n f o r m a t i o n

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

Hintergrundmaterial

300

T e I e x : 08 - 8 54 32

OST-WEST-HANDEL UND ENTSPANNUNG

"Man scheint vielfach der Auffassung zu sein, daß wir Amerikaner in
unserer Haltung gegenüber den sozialistischen StaatshandeIsländern, vor allem
der Sowjetunion, offensichtlich zu Extremen neigen. Wir sind uns alle darüber einig, daß der Besuch Präsident Nixons in Moskau und Peking das Eis gebrochen hat, das sich in 25 Jahren des kalten Krieges gebildet hatte. Aber
auf der anderen Seite brachten diese historischen Reisen in ihrem Gefolge
auch eine Welle der Euphorie über die neuen Beziehungen, die angeknüpft
wurden.

In dem Maße, in dem wir feststellten, daß wir und die sozialistischen

Länder auch weiterhin unterschiedliche philosophische und politische Standpunkte haben, die uns in Konflikt bringen, war ein gewisses Maß an Ernüchterung unausweichlich".

Diese Worte von Lewis Bowden vor dem Welthandels-

institut am 11. März 1974 lassen vielleicht am ehesten erkennen, wie pragmatisch in amerikanischen Regierungskreisen das Problem der Entspannung
- und auch des Ost-West-Handels - betrachtet wird.

Und in einem Vortrag an der George Washington Universität in Washington
D.C. am 10. Mai 1974 erklärte der gleiche Leiter des Referats für Ost-WestHandel im amerikanischen Handelsministerium: "Ich möchte feststellen, daß
diese wirtschaftliche Beziehung (zum Osten) seit ihrer Artikulierung im Jahre
1972 Perioden der Euphorie und der Ernüchterung überlebt hat. Angesichts
dieser weiten Ausschläge des Pendels ist es wichtig, sich daran zu erinnern,
daß Handel allein keinen sofortigen Frieden bringt.

Er kann unter den Be-

teiligten ein Interesse schaffen, politische Konfrontationen zu vermeiden, die

�V
die zu einem Abbruch einer nützlichen wirtschaftlichen Beziehung führen
könnten. Das ist eine der Rollen des Ost-West-Handels im Rahmen der Entspannungspolitik."

Der Durchbruch im amerikanisch-sowjetischen Handel, der

den wesentlichen Teil des Osthandels der USA ausmacht, kam mit dem Besuch
Präsident Nixons in Moskau im Jahre 1972, wo im Rahmen vieler anderer Abkommen am 26. Mai auch ein Kommunique

über die Errichtung einer gemeinsamen

Handelskommission unterzeichnet wurde, "um die Entwicklung von beiderseits
vorteilhaften Handelsbeziehungen und damit zusammenhängenden wirtschaftlichen
Fragen zwischen beiden Ländern zu fördern."
dem Kommunique,

Die Kommission, so heißt es in

"soll verhandeln über:

- ein Gesamthandelsabkommen, einschließlich der gegenseitigen Einräumung der Meistbegünstigungsklausel;
- Vereinbarungen für die gegenseitige Gewährung von Regierungskrediten;
- Maßnahmen zur beiderseitigen Gründung von Geschäftseinrichtungen
zwecks Förderung des Handels;
- ein Abkommen zur Einrichtung eines Schiedsverfahrens für die Beilegung
von Handelsstreitigkeiten."

Es ist kein Geheimnis, daß der amerikanische Kongreß die Einräumung
der Meistbegünstigungsklausel für die UdSSR von bestimmten Vorbedingungen abhängig machen will.

In der vom Repräsentantenhaus verabschiedeten Vorlage des

Gesetzes über die Reform des Handels (Handelsgesetz) wird in Abschnitt 4
die Vollmacht des. Präsidenten eingeschränkt, der Sowjetunion und anderen sozialistischen Ländern staatliche Exportkredite und Importen aus diesen Ländern
die Meistbegünstigung einzuräumen.

Man spricht von der Möglichkeit eines

Kompromisses im Senat, wobei das Gesetz dann auf jeden Fall nochmals durch
den Vermittlungsausschuß gehen müßte.

Außenminister Kissinger hat bereits

zu verstehen gegeben, daß der Präsident sein Veto gegen das Gesetz einlegen
wird, falls die einschränkende Bestimmung nicht gestrichen wird.

Daß Bowden für die Gewährung der Meistbegünstigungsklausel an die Sowjetunion eintritt, bedarf keiner besonderen Erwähnung.

So erklärte er am 10. Mai:

"Wir und die sozialistischen Länder sind übereingekommen, Beziehungen herzu-

�h e r z u s t e l l e n , die für b e i d e S e i t e n von Nutzen s i n d und die e i n e c h t e s Eigeni n t e r e s s e an f r i e d l i c h e n i n t e r n a t i o n a l e n V e r h ä l t n i s s e n erwecken."

Daher i s t

der Ost-West-Handel zu einem d e r Hauptkanäle für den Fluß von E r z e u g n i s s e n ,
Technologie, Menschen und Gedanken zwischen den V e r e i n i g t e n S t a a t e n und den
s o z i a l i s t i s c h e n Ländern geworden.

Damit d i e n t e r g e n e r e l l der amerikanischen

Politik.
Es l i e g t n a t ü r l i c h auf d e r Hand, daß der Ost-West-Handel auch für b e i d e
S e i t e n w i r t s c h a f t l i c h gewinnbringend s e i n muß - und zwar etwa im g l e i c h e n
Maße, wenn e r i n einem bedeutsamen Umfang weitergehen s o l l .

Im v o r i g e n

J a h r s t i e g der Umsatz gegenüber 1972 auf das Doppelte und e r r e i c h t e einen
Wert von rund d r e i M i l l i a r d e n D o l l a r . Der amerikanische Handel m i t den s o z i a l i s t i s c h e n Ländern d ü r f t e a l l e n Erwartungen nach im J a h r e 1974 einen Wert
von d r e i b i s v i e r M i l l i a r d e n D o l l a r e r r e i c h e n , wobei d e r Handel d e r USA mit
der V o l k s r e p u b l i k China im J a h r e 1974 den Wert von e i n e r M i l l i a r d e D o l l a r
erreichen

dürfte.

Im J a h r e 1973 verschob s i c h d i e amerikanische H a n d e l s b i l a n z zu einem
Überschuß von 1,7 M i l l i a r d e n D o l l a r .

Wenn i c h i n diesem Zusammenhang darauf

h i n w e i s e , daß d i e V e r e i n i g t e n S t a a t e n gegenüber den S t a a t s h a n d e l s l ä n d e r n einen
Überschuß von 1,9 M i l l i a r d e n D o l l a r e r r e i c h t haben, dann l ä ß t s i c h l e i c h t e r kennen, welch g ü n s t i g e Auswirkung der Ost-West-Handel b e r e i t s auf d i e amerikan i s c h e H a n d e l s b i l a n z gehabt h a t .

Wir s i n d im P l u s .

Unser Überschuß gegen-

über der Sowjetunion n ä h e r t e s i c h der Grenze von e i n e r M i l l i a r d e D o l l a r - der
g r ö ß t e Überschuß, den w i r j e gegenüber einem Lande e r z i e l t haben.

Wenn man

von den w i r t s c h a f t l i c h e n Entwicklungsplänen d e r Sowjets a u s g e h t , dann d ü r f t e
d i e s e r Überschuß a l l e r W a h r s c h e i n l i c h k e i t nach noch g r ö ß e r werden.

Der zu

erwartende Überschuß der USA gegenüber a l l e n s o z i a l i s t i s c h e n Ländern zusammen
für das J a h r 1974 d ü r f t e zwischen 1,7 und zwei M i l l i a r d e n Dollar l i e g e n

...

Der einmalige Aspekt l i e g t jedoch d a r i n , daß e i n e enge Beziehung zwischen
d e r p o l i t i s c h e n R a t i o n a l e des Ost-West-Handels - d i e auf e i n e i n t e r n a t i o n a l e
Spannung ausgeht - und d e r w i r t s c h a f t l i c h e n R a t i o n a l e - d i e auf b e i d e r s e i t i g e
H a n d e l s v o r t e i l e ausgeht - b e s t e h t .

So gut oder e r f o l g r e i c h w i r auch den O s t -

�Ost-West-Handel b e t r e i b e n , so wird s e i n e Zukunft i n e n t s c h e i d e n d e r Weise von
den Abänderungsantragen abhängen, d i e für das Handelsgesetz 1974 e i n g e b r a c h t
worden s i n d .

Diese Abänderungen würden den m e i s t e n d e r s o z i a l i s t i s c h e n

Länder e i n e g l e i c h e Zollbehandlung und R e g i e r u n g s k r e d i t e verwehren.

Hier s t e h e n w i r vor mehreren Fragen:

E r s t e n s , wollen w i r überhaupt Handel mit ihnen t r e i b e n , denn ohne n o r male und g l e i c h e Behandlung, d i e wir anderen W e l t h a n d e l s p a r t n e r n

zuteil

werden l a s s e n , kann der Ost-West-Handel n i c h t f l o r i e r e n , j a v i e l l e i c h t

nicht

einmal ü b e r l e b e n .
Zweitens, s o l l e n w i r den Handel mit einem i n n e r e n und s o f o r t i g e n Wandel
der s o z i a l i s t i s c h e n I n n e n p o l i t i k

verbinden?

Dazu möchte i c h folgendes sagen:
Erstens, die z e n t r a l geplanten s o z i a l i s t i s c h e n Wirtschaften

erstrecken

s i c h auf e i n e Bevölkerung von zusammen 1,2 M i l l i a r d e n Menschen, a l s o etwa
30 P r o z e n t d e r Weltbevölkerung.

Zusammen bewohnen s i e etwa 25 P r o z e n t des

F e s t l a n d e s der Erde, das v i e l von den Bodenschätzen e n t h ä l t , d i e w i r b r a u c h e n .
Keine große Handelsnation kann es s i c h auf d i e Dauer und e i n s e i t i g
s i c h s e l b s t zu beschneiden ändern s i e

leisten,

im Handel e i n e n Markt o d e r e i n e

Rohstoff-

q u e l l e d i e s e r Größe d i s k r i m i n i e r t .
Zweitens, der blühende Ost-West-Handel i s t e i n Faktum.

Die z e n t r a l

geplanten s o z i a l i s t i s c h e n Wirtschaften s t e l l e n einen gewaltigen,

rasch

wachsenden Markt f ü r F e r t i g w a r e n des i n d u s t r i a l i s i e r t e n Westens sowie e i n e n
immer wieder aufnahmebereiten Markt für l a n d w i r t s c h a f t l i c h e E r z e u g n i s s e d a r .
Im J a h r e 1971 haben d i e I n d u s t r i e n a t i o n e n des Westens für etwa 6,5 M i l l i a r d e n
D o l l a r n i c h t - l a n d w i r t s c h a f t l i c h e E r z e u g n i s s e nach den s o z i a l i s t i s c h e n Ländern
exportiert.

Im J a h r e 1973, a l s o nur zwei J a h r e s p ä t e r , i s t der Umfang d i e s e r

Exporte um 75 P r o z e n t auf f a s t 11 M i l l i a r d e n D o l l a r g e s t i e g e n .

Wir s i n d

mit unserem E i n t r i t t i n einen s c h a r f e n Wettbewerb um Exporte nach diesem e x -

�expandierenden Markt s p ä t daran.

Im J a h r e 1973 b e t r u g unser A n t e i l an d i e s e n

Exporten noch immer nur d i e winzige Zahl von v i e r P r o z e n t .

Hier b e s t e h t ohne

Frage Raum für e i n e w e i t e r e Expansion des amerikanischen A n t e i l s am Ost-WestHandel . . .
Der F ü n f j a h r e s p l a n

für d i e w i r t s c h a f t l i c h e Entwicklung a l l e r

sozialistischen

Länder zusammen wird schätzungsweise Importe i n e i n e r Größenordnung von b i s
zu 100 M i l l i a r d e n D o l l a r an n i c h t - l a n d w i r t s c h a f t l i c h e n E r z e u g n i s s e n

erfordern.

Unter normalen Bedingungen könnte e i n s e h r w e s e n t l i c h e r T e i l d i e s e r Importe
aus den V e r e i n i g t e n S t a a t e n kommen und d o r t A r b e i t s p l ä t z e für unsere a r b e i t e n d e
Bevölkerung und Gewinne für unsere Firmen s c h a f f e n . Wenn es uns n i c h t g e l i n g t ,
normale Bedingungen h e r z u s t e l l e n , werden wir einen w e s e n t l i c h e n A n t e i l an
d i e s e n Verkäufen n i c h t nur nach d e r Sowjetunion, sondern auch nach Osteuropa
verlieren.

Dabei könnten w i r uns p l ö t z l i c h i n e i n e r S i t u a t i o n v o r f i n d e n ,

in

der d i e Uhr der Geschichte auf d i e g e f ä h r l i c h e n und i n s t a b i l e r e n Z e i t e n von
g e s t e r n zurückgedreht i s t und d i e M i l i t ä r h a u s h a l t e einen größeren A n t e i l
unseres n a t i o n a l e n Wohlstandes a u f f r e s s e n ,

s t a t t daß s i e

zurückgehen."

Es i s t i n diesem Zusammenhang n i c h t u n i n t e r e s s a n t , einen Blick auf d i e
Aufgaben des R e f e r a t s für den Ost-West-Handel - Bureau of East-West-Trade zu werfen, wie s i e i n e i n e r o f f i z i e l l e n P u b l i k a t i o n des amerikanischen Handelsm i n i s t e r i u m s d a r g e s t e l l t werden.

Darin h e i ß t e s :

"Das Bureau of East-West-Trade wurde im November 1972 im Rahmen des amerikan i s c h e n Handelsministeriums g e s c h a f f e n ,

um die g e r e g e l t e Entwicklung der amerika-

n i s c h e n W i r t s c h a f t s b e z i e h u n g e n zu den z e n t r a l g e p l a n t e n V o l k s w i r t s c h a f t e n

Ost-

europas und Asiens zu f ö r d e r n .
Das R e f e r a t für Ost-West-Handel d i e n t a l s V e r m i t t l e r , um amerikanische Ges c h ä f t s l e u t e b e i d e r H e r s t e l l u n g von Handelsbeziehungen mit s o z i a l i s t i s c h e n
A u ß e n h a n d e l s v e r t r e t e r n zu u n t e r s t ü t z e n .

Es b i e t e t G e s c h ä f t s l e u t e n

laufende

I n f o r m a t i o n e n , Beratung und H i l f e b e i a l l e n Aspekten der neuen H a n d e l s u n t e r nehmungen e i n s c h l i e ß l i c h j e n e r , d i e n i c h t v e r t r a u t e Techniken und Verfahren
beinhalten.
Das
- 5 -

�Das Büro bietet Marktinformationen und Analysen sowie Berichte über
laufende HandelsChancen auf sozialistischen Märkten.

Es bietet detaillierte

Informationen in denen die üblichen Schritte zur Herstellung neuer Handelsbeziehungen erläutert werden, und arrangiert persönliche Kontakte mit sozialistischen Handelsvertretern.

Es unterstützt Firmen bei der Beteiligung

an Handelsmessen und Ausstellungen sowie an Handelsmissionen, um sozialistische
Vertreter mit amerikanischen Produkten vertraut zu machen.

Das Büro gibt ge-

eignete Publikationen über sozialistische Handelspraktiken und Wirtschaftspläne heraus."

+ + + + +

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Wirtschaft

Service

Postfach

300

T e I e x : 08 • 8 54 3 2

12/1974

EBERLE: USA UM INTERNATIONALE LÖSUNG DER VERSORGUNGSPROBLEME
BEMÜHT
-Auszüge aus der Rede auf dem Symposium für Energie und Rohstoffe-

PARIS — ( A D ) — Der Sonderbeauftragte Präsident Nixons für Handelsverhandlungen, Botschafter William D. Eberle, hat am 6. Juni die Entschlossenheit der
Vereinigten Staaten unterstrichen, eine internationale Lösung der gegenwärtigen Versorgungsprobleme bei Rohstoffen zu erreichen. Auf dem Symposium für
Energie und Rohstoffe, das von dem US-Ausschuß für wirtschaftliche Entwicklung, einer gemeinnützigen Organisation amerikanischer Geschäftsleute und
Wissenschaftler, in Zusammenarbeit mit privaten Organisationen anderer Länder veranstaltet wird, erklärte Eberle unter anderem:

"Das Problem der Verknappungen kann auf den sehr erheblichen Preisanstieg bei Rohstoffen in solchen Ländern, die sich selbst in einer stärkeren
Verhandlungsposition glauben, zurückgeführt werden. Ich habe zwar Verständnis für den Wunsch,die Exporterlöse zu steigern; der Versuch, dies zu tun,
kann jedoch äußerst nachteilige Auswirkungen für andere Volkswirtschaften

-1-

�Volkswirtschaften haben. Sobald große Anpassungen innerhalb einer kurzen
Zeitspanne vorgenommen werden, kann dies zu hohen wirtschaftlichen und sozialen Kosten führen. Die Welt hat darüberhinaus die Folgen zu tragen, wenn
solche Preiserhöhungen auf die Preise für Fertigerzeugnisse aufgeschlagen
werden, da dies zu noch höheren Inflationsraten führt. Schließlich können
die Anpassungen für einige Staaten, zum Beispiel die Länder des indischen Subkontinents, angesichts des dadurch bedingten umfassenden Transfers von Hilfsquellen sehr schmerzlich und schwierig sein.

Die Rohstoffexporteure müssen der Tatsache Rechnung tragen, daß mit
hoher Wahrscheinlichkeit im Laufe der Zeit Ersatzrohstoffe entwickelt und
neue Liefermöglichkeiten gefunden werden. Die Zinnproduzenten waren sich seit
langem darüber klar, daß ein überhöhter Zinnpreis zur Verwendung von Ersatzstoffen ermutigt. Mit dem Vorhandensein verhältnismäßig billiger Ersatzstoffe für Aluminium bietet sich eine Alternative für Bauxit an. Und für zahlreiche Minerale gilt, je höher der Preis ist, umso intensiver wird man sich
um eine Rückgewinnung bemühen.

Wir können alle diese Maßnahmen nicht als an sich falsch oder unmoralisch
bezeichnen. Die Länder tun das, was sie zur Befriedigung der Bedürfnisse ihrer Bürger für erforderlich erachten. Aber durch das Heraufbeschwören von
Gegenmaßnahmen und das Auslösen negativer internationaler Kräfte können sich
ihre Maßnahmen letztlich zum eigenen Nachteil auswirken. Darüberhinaus bringen sie nur Teillösungen.
Wir

-2-

�Wir müssen ein dauerhaftes internationales System zur Lösung dieser
Probleme zu entwickeln suchen. Dieses System muß so ausgewogen sein, daß sowohl die Frage des Zugangs zu den Märkten als auch die Frage der Rohstoffversorgung geregelt ist, wobei davon ausgegangen wird, daß Länder, die jetzt
in erster Linie auf den letzteren Punkt Wert legen, auch künftig an dem
ersten interessiert bleiben und daß unnötige Restriktionen bei einem der beiden Punkte sich für den Außenhandel negativ auswirken. Die von uns angestrebten Vereinbarungen müssen auf lange Sicht so wesentliche Vorteile bieten, daß
ein Land zu jeder Zeit bereit wäre, bei der Geltendmachung seiner wirtschaftlichen Stärke genügend Zurückhaltung zu üben, damit diese Abmachungen nicht
zunichtegemacht werden.
Um den Impuls der Entwicklung in Richtung auf eine offene Welt zu erhalten rv.üssen die Regierungen lernen, bei der Lösung der aufgrund von Versorgungsverknappungen sich ergebenden Probleme zusammenzuarbeiten...

Keiner Regierung dürfte es gelingen,

ihrer Bevölkerung eine ausreichende

Versorgung mit knappen Gütern zu angemessenen Preisen zu sichern, solange die
Regierungen gegeneinander arbeiten.
Ich möchte klarstellen, daß es sich hier nicht einfach um ein Problem
Norden gegen Süden oder Industriestaaten gegen Entwicklungsländer handelt. Die
Vereinigten Staaten und andere Industriestaaten wie auch zahlreiche Entwicklungsländer sind wichtige Rohstofflieferanten; und alle Industriestaaten sind
hinsichtlich der Deckung ihres lebenswichtigen Rohstoffbedarfs von Importen
abhängig. Verknappungen können aber nicht nur bei Rohstoffen eintreten,sondern

-3-

�sondern auch bei Fertigerzeugnissen. Und Handelsbeschränkungen bei den Letzteren können genauso wie bei den Ersteren zu einem Problem werden.

Um die Welt, die uns vorschwebt, errichten zu können, müssen wir Wege
finden, um uns bei nationalen Anstrengungen zur Erleichterung von Marktanpassungen an strukturelle und zyklische Veränderungen der vorhandenen relativen
zu
Mengen bei den verschiedenen Rohstoffen gegenseitig/unterstützen. Wir müssen
ferner vereinbarte Konsultationsverfahren und Richtlinien schaffen, um, wo
irgendmöglich, Konflikte auf dem Gebiet der Handelspolitik zu vermeiden, die
sich aus der Verteilung knapper Rohstoffe ergeben, oder um solche beizulegen,
falls dies erforderlich sein sollte.
Wir haben einen wichtigen Anfang mit der Zusage gemacht, die die Minister
der Mitgliedstaaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung (OECD) vor kurzem gegeben haben, nicht zu Handelsrestriktionen,
einschließlich Importbeschränkungen, zu greifen, um aus der Erdölkrise sich
ergebende Anpassungsprobleme zu lösen. Gleichzeitig haben die Minister Maßnahmen vereinbart, um sich bei den Exporten Zurückhaltung aufzuerlegen. Die
Vereinigten Staaten rechnen damit, daß diese Fragen während der multilateralen Handelsverhandlungen von einer größeren Gruppe von Ländern im Rahmen des
GATT erörtert werden...

Alle ausgehandelten internationalen Abkommen müssen der nationalen Politik eine angemessene Flexibilität lassen. Aus zahlreichen Gründen könnten Regierungen es wünschen, die Exporte einzuschränken. Sie könnten zum Beispiel
vermeiden wollen, daß begrenzt vorhandene Hilfsquellen sich zu schnell er-

�schnell erschöpfen; sie könnten verhindern wollen, daß inländische Preiskontrollen durch Abzweigung einheimischer Hilfsquellen auf Auslandsmärkten unterlaufen werden; sie könnten inländische Anpassungen an Mißernten erleichtern
wollen oder sie könnten einfach die Erlöse pro Wareneinheit steigern oder
irgendwelche politischen Zielsetzungen verwirklichen wollen. Da es keine Übereinstimmung darüber gibt, was eine legitime Anwendung von Exportkontrollen
ist, wird es schwer fallen, strikte Verhaltensnormen festzulegen. Die internationale Völkergemeinschaft kann jedoch versuchen, Richtlinien für Ausmaß
und Dauer von Kontrollen je nach der Größe des innenpolitischen Problems,
für die Auswirkungen der gestiegenen Exporte auf das inländische Preisgefüge,
für das Ausmaß der Selbsthilfeanstrengungen zur Erleichterung der binnenwirtschaftlichen Anpassungen und für die negativen Auswirkungen der Kontrollen
auf andere Volkswirtschaften auszuarbeiten....

Es wäre verfrüht, Spekulationen darüber anzustellen, welche spezifische
Form diese Richtlinien haben könnten. Ich möchte jedoch einige Worte dazu sagen, wo wir beginnen müssen. Wir gehen von zwei grundlegenden Annahmen aus:
einmal, daß die meisten, wenn nicht alle Regierungen, von Zeit zu Zeit eine
Ausweitung des inländischen Angebots bestimmter Rohstoffe zulassen und zum
anderen, daß die Regierungen in der Regel damit scheitern, wenn sie die Preise
unabhängig von den Marktkräften festzusetzen suchen. Aufgrund dieser Auffassung sind wir für alle Abmachungen aufgeschlossen , die unabhängige nationale
Anstrengungen unterstützen, um einer Instabilität auf den Märkten entgegenzuwirken; wir stehen dagegen Vorschlägen skeptisch gegenüber, Preise international festzulegen.
Genauso
-5-

�Genauso aufgeschlossen verhalten wir uns auch, was die Art der verbesserten Konsultationsverfahren und der Richtlinien für die Anwendung von Exportkontrollen anbetrifft. Unseres Erachtens ist der beste Weg, den wir einschlagen können, die verschiedenen Gründe zu untersuchen, aus denen die Regierungen Maßnahmen für eine Kontrolle der Exporte erlassen, die Auswirkungen
derartiger Maßnahmen auf andere Länder zu prüfen und Richtlinien auszuarbeiten, die eine angemessene Ausgewogenheit zwischen den

Interessen der Export-

und der Importländer schaffen.

Ein verbessertes internationales System muß ferner zu einer besseren Zusammenarbeit zwischen den Industriestaaten und den Entwicklungsländern führen.
Sowohl die Industriestaaten als auch die Entwicklungsländer, die Rohstoffe exportieren, müssen die Grundlagen für eine konstruktive Zusammenarbeit prüfen.
Einseitige Bemühungen, die Rohstoffpreise zu erhöhen, könnten zur Versuchung
werden, auf diese Weise ein Maximum an nationalen Zielen zu verwirklichen;
aber dies könnte auch zu Rückwirkungen führen, die diesen Ländern zahlreiche
Vorteile verwehren, die sie zu erreichen suchen. Denn für die meisten Entwicklungsländer wären bessere Exportmöglichkeiten für Fertigerzeugnisse und
weiterverarbeitete

Güter - mit der daraus resultierenden Zunahme von Arbeits-

plätzen, Gütererzeugung und Wertsteigerung pro Produktionseinheit - einer
Anhebung der Preise für die Rohstoffexporte vorzuziehen. Dies kann durch Kooperationsabkommen mit den Industriestaaten erreicht werden. Ein weiteres Gebiet für eine Zusammenarbeit ist die Unterstützung der ärmeren Länder, die
durch die kürzlichen Preissteigerungen bei Rohstoffen geschädigt worden
sind...".

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="7834">
                <text>19.06.1974</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="7835">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="7836">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="14374">
                <text>Amerikadienst 19.06.1974</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="14375">
                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nixon: USA bleiben stärkste Macht der freien Welt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ansprache des Präsidenten vor der Marineakademie -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kissinger: USA wollen ein starkes Europa&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ansprache des US-Außenministers vor Mitgliedern der Nordatlantischen Versammlung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kongress gegen jede Schwächung der Verteidigungsbereitschaft der USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Senator Jackson für Aufrechterhaltung der Truppenstärke in Übersee -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ost-West-Handel und Entspannung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eberle: USA um internationale Lösung der Versorgungsprobleme bemüht&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus der Rede auf dem Symposium für Energie und Rohstoffe -&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="1914" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="1925">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/9680e79013d17ad8a3ca0f6dbffb9be2.pdf</src>
        <authentication>14066556a66645680383f16b5ed5695c</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="9605">
                    <text>und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

24

19. Juni 1985

INHALT
DOKUMENTATION
Reagan:

F r e i h e i t der Geiseln oberstes Z i e l der USA

- Pressekonferenz des US-Präsidenten -

INFORMATION
Richard Burt a l s neuer US-Botschafter i n Bonn vorgesehen
Rozanne L. Ridgway s o l l Nachfolgerin von Richard Burt werden
- Erklärung des Weißen Hauses -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Neues Verfahren zur kommerziellen Uran-Anreicherung
Fluoreszierende Algenpigmente a l s Markiersubstanz

* * * * *

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�19. Juni 1985

24

REAGAN: FREIHEIT DER GEISELN OBERSTES ZIEL DER USA
- Pressekonferenz des US-Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan e r k l ä r t e am 18. Juni 1985
auf einer landesweit übertragenen Pressekonferenz unter

Hinweis auf die

Geiselnahme i n B e i r u t , "die Vereinigten Staaten sind heute abend eine Nat i o n , die von i n t e r n a t i o n a l e n T e r r o r i s t e n angegriffen w i r d " .
Gleichzeitig

legte der Präsident

eine Reihe von Maßnahmen d a r ,

die Vereinigten Staaten e r g r e i f e n werden, um i n Zukunft die

die

Sicherheit

von Flugpassagieren zu erhöhen.
Der Präsident eröffnete die Pressekonferenz, die f a s t

ausschließlich

im Zeichen des G e i s e l f a l l e s stand, mit folgender Erklärung:
Vor

einer

Stunde

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Vor einer Stunde kam der Leichnam eines jungen amerikanischen Helden,
des Marinetauchers Robert Dean Stethem, i n einem Sarg i n seine Heimat z u rück, nachdem er zusammengeschlagen und k a l t b l ü t i g erschossen worden war.
Seine Ermordung wie auch das Schicksal der anderen amerikanischen Geis e l n , die

noch immer i n Beirut

unumstößliche Tatsache.

festgehalten werden, u n t e r s t r e i c h t

eine

Die Vereinigten Staaten sind heute abend eine

Nation, die von i n t e r n a t i o n a l e n T e r r o r i s t e n angegriffen w i r d , die

rück-

s i c h t s l o s t ö t e n und unschuldige Bürger zu Gefangenen machen.

I n Reaktion auf diese Tatsache ordne i c h folgende Maßnahmen an:

Ich

habe den Verkehrsminister angewiesen, i n Zusammenarbeit mit dem Außenminister

sofort eine Ausweitung unseres Programms der bewaffneten B e g l e i -

tung auf i n t e r n a t i o n a l e n Flügen amerikanischer Flugzeuge zu sondieren, um
so einen besseren Schutz der Passagiere zu gewährleisten.
Ich habe den Außenminister angewiesen, s o f o r t an a l l e Amerikaner, die
durch

den Internationalen

auszuhändigen, der sie

Flughafen Athen kommen, einen

vor Gefahren warnt.

Reiseratgeber

Diese Vternung wird solange

g e l t e n , bis die griechische Regierung die dortige Sicherheitslage verbessert und b i s sie die Bereitschaft
heitsbestimmungen

des

s i g n a l i s i e r t h a t , sich an die Sicher-

amerikanisch-griechischen

Zivilluftfahrtabkommens

sowie an die Konventionen von Tokio, Montreal und Den Haag h i n s i c h t l i c h
der Verfolgung und der Bestrafung von L u f t p i r a t e n zu h a l t e n .
Ich habe eine umfassende Klärung der Ereignisse um die Entführung des
Flugzeuges i n Athen angefordert.

Ich habe über das Verkehrsministerium

und die Bundesluftfahrtbehörde a l l e amerikanischen Fluggesellschaften e r sucht, zu überprüfen, ob es klug i s t , überhaupt noch Athen a n z u f l i e g e n ,
solange sich die dortige Sicherheitslage nicht bessert.
Des weiteren habe i c h die M i n i s t e r Shultz und Dole angewiesen, mir
darüber Bericht zu e r s t a t t e n , ob wir nicht ausländische Flüge jener Staaten zur Einstellung veranlassen s o l l t e n , deren Regierungen sich n i c h t an
die

entsprechenden

internationalen

Konventionen halten oder

Flughäfen keine angemessene Sicherheit b i e t e n .
- 2-

auf

ihren

Ich rufe a l l e verbündeten

�a l l e verbündeten und befreundeten Regierungen dazu a u f , i h r e Anstrengungen zur Verbesserung der Sicherheit auf i h r e n Flughäfen zu verdoppeln und
noch weitere Maßnahmen zu e r g r e i f e n , um die Entführung von Flugzeugen zu
verhindern.
Ich werde sie außerdem ersuchen, S c h r i t t e zu unternehmen, um Reisen
an Orte unmöglich zu machen, wo Gesetzlosigkeit herrscht und wo unschuldige Passagiere schutzlos s i n d .

Und i c h dränge darauf, daß kein Amerika-

ner i n e i n Land des Nahen und M i t t l e r e n Ostens r e i s t , das nicht

öffent-

l i c h diese Schrecknisse v e r u r t e i l t , sich nicht von ihnen d i s t a n z i e r t und
nicht die s o f o r t i g e , sichere Freilassung unserer Mitbürger f o r d e r t .

Las-

sen Sie mich außerdem den Mördern i n B e i r u t und i h r e n Komplizen klarmachen -

g l e i c h , wer sie sein mögen - , daß Amerika T e r r o r i s t e n gegenüber

niemals Konzessionen machen w i r d .
Terrorismus einladen.

Dies zu t u n , würde nur noch zu mehr

Wir werden auch keine andere Regierung darum e r -

suchen oder die drängen, dies zu t u n .

Wenn wir uns e r s t einmal auf d i e -

sen Heg begeben, wird es kein Ende geben - kein Ende auch des Leidens Unschuldiger und kein Ende der b l u t i g e n Lösegelder, die a l l e
Staaten zahlen müssen.

Dieser Akt des Terrorismus i s t

f ü r den Libanon und insbesondere f ü r
geschah.

zivilisierten

e i n Schandfleck

jene Libanesen, i n deren Namen er

Diejenigen im Libanon, die das getan haben, tun ihrem Land und

i h r e r Sache Schaden a n , und w i r werden sie dafür zur Rechenschaft ziehen.

Ich fordere j e n e , die unsere Mitbürger f e s t h a l t e n , dazu a u f , sie ohne
Vorbedingung f r e i z u l a s s e n .

Ich fordere die Führung des Libanon - die po-

l i t i s c h e und die r e l i g i ö s e - dazu a u f , sich i h r e r Verantwortung zu s t e l l e n und a l l e s Notwendige zu t u n , um dieses Verbrechen j e t z t im Namen des
Gottes zu beenden, den sie verehren.

Und ich ersuche auch andere Regie-

rungen, ihre Stimme zu erheben und ihren Einfluß zu nützen.
griff

ist

ein Angriff

auf a l l e Menschen dieser

Dieser An-

Vfelt, die f r e i

Furcht und der Geissei des Terrorismus leben wollen.

von der

Meine Gedanken und

Gebete sind - wie die a l l e r Amerikaner - bei den im Libanon gefangen Gehaltenen und ihren Familien.

Lassen

Sie

mich

�Lassen Sie mich mit etwas Selbstverständlichem schließen.

Wir b e f i n -

den uns mitten i n einer gefährlichen und ungewissen S i t u a t i o n .

Bevor i c h

auf Ihre Fragen eingehe, muß i c h betonen, daß Spekulationen darüber, welche S c h r i t t e wir unter hypothetischen Umständen e r g r e i f e n oder nicht
greifen

könnten,

könnten.

die

Terroristen

nur

zu noch Schlimmerem

er-

veranlassen

Deshalb wird es v i e l e Fragen geben, auf die i c h nicht antworten

kann oder nicht antworten s o l l t e .

Ich glaube, i c h habe i n dieser E r k l ä -

rung praktisch a l l e Punkte b e r ü h r t , die i c h problemlos d i s k u t i e r e n kann,
und i c h b i n s i c h e r , Sie haben dafür Verständnis.

Die wichtigsten Fragen und Antworten der Pressekonferenz haben f o l genden Wortlaut:
FRAGE:

Die Aufmerksamkeit der Welt konzentriert sich heute abend auf

die Opfer des TW\-Fluges 847.

Aber wie Sie wissen, g i b t es noch sieben

andere Amerikaner, die schon früher e n t f ü h r t worden sind und sich im L i banon i n Gefangenschaft befinden - zwischen d r e i Monaten und einem Jahr.
Werden Sie eine Lösung der gegenwärtigen Krise i n B e i r u t akzeptieren, die
irgendwelche Amerikaner i n Gefangenschaft

belassen würde - die aus dem

Flugzeug Entführten oder j e n e , die b e r e i t s früher e n t f ü h r t wurden.
ANTWORT:

Ganz gewiß geht es i n jedem unserer Gespräche auch um jene

Entführten...

Und wir haben a l l e s unternommen, um herauszufinden, wer

sie i n i h r e r Gewalt h a t , wo sie sich befinden, ob sie zusammen sind oder
g e t r e n n t , und wo sie sich aufhalten k ö n n t e n . . .

Sie können sich

sicher-

l i c h v o r s t e l l e n , daß dies überaus schwierig i s t - i n diesem Gebiet eine
f a s t unmögliche Aufgabe bei a l l den dortigen S p l i t t e r g r u p p e n . . .

Aber wir

haben sie nicht aufgegeben, und bei a l l unseren Gesprächen über die Opfer
der gegenwärtigen Entführung denken wir auch an jene Entführten.
FRAGE:

Können Sie uns sagen, Herr Präsident, was aus der P o l i t i k der

raschen und wirksamen Vergeltung geworden i s t ,
Jahren im Zusammenhang mit

die Sie vor

viereinhalb

dem i n t e r n a t i o n a l e n Terrorismus

angekündigt

haben?
ANTWORT:

Als

ich

�ANTWORT:

Als ich damals darüber sprach, bezog ich mich auf eine Si-

tuation, in der eine Regierung auf der anderen Seite betroffen war, so
daß es eine direkte Quelle des Bösen gab...

Das Problem heute ist die

Frage, wer sind diese Übeltäter, wer sind ihre Komplizen, wo halten sie
sich auf?

Einige Leute meinen, man könnte einen Vergeltungsschlag in die

allgemeine Richtung führen, aber das Ergebnis wäre dann eine terroristische Aktion an sich und das Töten und Opfern unschuldiger Menschen...
Wir haben im Hinblick auf das Sammeln von Geheimdienstinformationen alles
in unseren Kräften Stehende getan, um diese Menschen so wie ihre Aufenthaltsorte, von denen ich sprach, zu finden, und ich kann nur sagen, daß
wir ein beträchtliches Maß an Nachweisen und Beweisen zusammengetragen
haben. Mehr kann ich dazu allerdings nicht sagen.

FRAGE:

Sind Sie der Meinung, daß die amerikanische Politik, in der

Vergangenheit sowie in der Gegenwart, zum Anwachsen des Radikalismus und
des Antiamerikanismus im Nahen Osten beigetragen hat?
ANTWORT:

Nein, ich glaube nicht, daß dies der Fall ist. Als wir und

unsere Verbündeten sowie andere Länder unsere Friedenstruppe dort hatten,
wurden wir uns darüber im klaren, daß mit dem beginnenden Erfolg dieser
Truppe bei der Wahrung einer gewissen Ordnung in diesem Unruhegebiet der
Terrorismus sich anschickte, gegen alle von uns dort vorzugehen, um unseren Auftrag unmöglich zu machen.

Deswegen zog sich schließlich auch die

internationale Friedenstruppe zurück.

Wir scheinen dort auch Angriffs-

ziel zu sein - dessen bin ich sicher -, weil wir mit Israel befreundet
sind und es unterstützen.

Und es greift dort ein Antiamerikanismus auf

Seiten jener um sich, die keinen Frieden mit Israel wollen...

FRAGE:

Manche fragen sich, warum Sie sich nicht ein wenig mehr auf

Israel stützen, da ja die Vereinigten Staaten auch erklären, daß das
Festhalten der schiitischen Gefangenen gegen das Völkerrecht sei; das ist
unsere Position.
ANTWORT: Ja.
FRAGE:

I s r a e l hat

�FRAGE:

Israel hat erklärt, daß es bereit sei; warum stoßen Sie da

nicht nach?

ANTWORT:

Keil dieses Junktim, das jetzt geschaffen worden ist, dies

für sie und für uns unmöglich macht.

Es bestand kein Zweifel, daß die

Israelis stufenweise - sie hatten ja schon damit begonnen - die Gefangenen freilassen würden.

Aber jetzt ist eine Verbindung geschaffen worden,

wo eine solche Maßnahme praktisch ein Nachgeben gegenüber den Terroristen
bedeuten würde...

Und dann würden die Terroristen wissen, daß sie Erfolg

haben und erreichen können, was sie wollen...

FRAGE:

Zahlreiche Amerikaner sind heute abend enttäuscht und fühlen

sich machtlos.

Sie meinen, irgendwie müßte ein Gegenschlag geführt wer-

den gegen diese Menschen, die unsere Bürger entführt und einige von ihnen
ermordet haben.

Was sagen Sie denen, die der Ansicht sind, irgendwie sei

Amerika durch diese Terroriakte geschwächt und wir könnten unsere Staatsbürger im Ausland nicht mehr schützen?

ANTWORT:

Ich glaube, jene Amerikaner kommen zu vorschnellen Schluß-

folgerungen und sind sich nicht darüber im klaren, wie die Situation
wirklich ist.
enttäuschend.

Ich bin jedoch genauso enttäuscht wie jedermann.

Es ist

Aber, wie ich schon gesagt habe, man muß in der Lage sein,

den Gegner genau zu lokalisieren.

Man kann nicht einfach blind darauf

los schießen, ohne jemanden im Visier zu haben.

FRAGE:

Ich habe heute mit der Ehefrau eines der Geiseln gesprochen,

die eine sehr einfache und klare Frage stellte, welche ich jetzt an Sie
weitergeben möchte.

Sie fragte:

Was würden Sie tun, Hsrr Präsident,

wenn Ihre Frau oder eines Ihrer Kinder sich an Bord dieser Maschine befunden hätten?

ANTWORT:
ken...

Ich müßte immer noch an die Sicherheit aller Geiseln den-

Ja, es wäre eine schreckliche Situation...

Aber, wie ich schon

sagte, man kann den Terroristen nicht nachgeben, ohne sich darüber im
klaren zu sein, daß man dann jemand anderen verurteilen würde, durch die-

�durch dieselben Qualen zu gehen und auch andere Menschen damit zu opfern.

FRAGE:

Ist die sichere Rückkehr der Geiseln Ihr oberstes Ziel, und

wie paßt dies in die anderen Überlegungen, die Sie als Präsident in Rechnung stellen müssen?

ANTWORT:

Die sichere Rückkehr ist das Ziel.

Dies muß jedoch in ei-

ner Waise geschehen, die die Entführer wegen ihres Verbrechens nicht auch
noch belohnt, weil diese dann in der nächsten Woche einen erneuten Versuch unternehmen würden.

Es ist ein feiges Verbrechen, bei dem sie alle

Trümpfe haben, wenn erst einmal diese Menschen in ihrer Gewalt sind. Und
wir müssen immer an deren Sicherheit denken. Man könnte in der Tat außer
sich geraten, wenn man an die eine oder andere Vergeltungsmöglichkeit
denkt; aber ich würde wahrscheinlich eine Reihe von Amerikanern zum Tode
verurteilen, wenn ich dieses täte.

FRAGE:...

Im April 1980 sagten Sie aus der Frustration heraus, die

jeder Amerikaner

angesichts

der

damaligen Geiselkrise empfand: "Dies

hätte nicht einmal sechs Tage dauern sollen, geschweige denn sechs Monate." Gibt es demnach einen Zeitpunkt, ab dem nach Ihrer Meinung das nationale Interesse gebietet, daß gehandelt wird?

ANTWORT:

Damals lagen die Dinge ganz anders als heute.

Das Verbre-

chen damals wurde von einer Regierung begangen... Es handelte sich nicht
um ein Verbrechen mit nicht identifizierbaren Tätern.

Die Situation da-

mals unterschied sich daher von der, vor der wir heute stehen, mit Autobomben und Flugzeugentführungen und dergleichen ...

FRAGE:

Vertritt Herr Berri nicht die Regierung des Libanon?

Und

entsteht dadurch nicht eine Situation, wo er für uns sehr wohl identifizierbar ist?

ANTWORT:

Nun, er hat die Geiseln jetzt vermutlich von den Luftpira-

ten übernommen.

Aber aus der Tatsache, daß er ein Amt, einen sogenannten

"Kabinettsposten" in der libanesischen Regierung innehat, zu folgern, daß
- 7-

�folgern, daß die Regierung des Libanon damit beteiligt sei, würde nach
meiner Auffassung bedeuten, dieser Regierung eine Geschlossenheit zuzuschreiben, die sie tatsächlich nicht hat.

Er handelt als Individuum und

in seiner Eigenschaft als Führer der Amal, einer der Gruppen der schiitischen Moslems im Lande... Er hat seine eigene Miliz und seine eigene Armee.

Man kann also nicht einfach sagen, daß wir es mit der Regierung des

Libanon zu tun haben....

FRAGE:

In Ihrer Rede aus dem Jahre 1981, in der Sie von schneller

und wirksamer Vergeltung sprachen, sagten Sie auch, daß unsere Geduld
Grenzen habe.

Hat unsere Geduld bezüglich des gegenwärtigen Problems

Grenzen, oder sind Sie gewillt, es durchzustehen, solange es auch dauern
mag?

ANTWORT:

Ich muß es durchstehen, solange die Geiseln noch am Leben,

aber in Gefahr sind und solange wir noch eine Möglichkeit haben, sie wieder nach Hause zu bringen...

FRAGE:

Glauben Sie, daß, wie das Außenministerium am 4. April er-

klärte, die Israelis die 700 - 800 schiitischen Gefangenen unter Verletzung des Völkerrechts festhalten? Und falls ja, haben Sie irgendwelche
Zusicherungen von den Israelis, daß sie diese Gefangenen freilassen, wenn
wir die Geiseln zurückbekommen?

ANTWORT:

Wir haben darüber nicht mit ihnen gesprochen.

Wie ich

schon sagte, haben wir uns in keiner Weise in Israel und in das, was dort
geschieht, eingemischt.

Was das Völkerrecht angeht, so bin ich der Auf-

fassung, daß die Verbringung der Gefangenen aus ihrem eigenen in ein anderes Land eine Verletzung der Genfer Vereinbarungen darstellt. ...

FRAGE:

Nabih Berri sagte heute, daß er die Geiseln wieder den Ter-

roristen überstellen werde, wenn die Vereinigten Staaten Israel nicht um
die Freilassung der schiitischen Gefangenen ersuchen.

Würden Sie ihn in

diesem Falle verantwortlich machen?
ANTWORT:
- 8-

Ja, das

�ANTWORT:
FRAGE:

Ja, das würde i c h .
Sie haben wiederholt e r k l ä r t , daß Sie gegenüber dem T e r r o r i s -

mus nicht nachgeben können.

Aber jedesmal, wenn wir einen solchen Zwi-

schenfall e r l e b t e n , wie etwa bei den Soldaten des Marinekorps, die
Beirut
nicht

umgekommen s i n d , dann hat die Administration v i e l
gehandelt.

Besteht

nicht

die

Gefahr,

die

in

geredet, aber

Terroristen

im Nahen

Osten könnten zu der Überzeugung kommen, daß die Vereinigten Staaten mehr
b e l l e n a l s beißen und daß sie diese Dinge ungestraft tun können, w e i l sie
wissen, wir üben keine Vergeltung?

ANTWORT:

Ich hoffe

nicht.

Aber lassen Sie mich darauf hinweisen,

daß bei dem damaligen Zwischenfall der Mann oder die Männer - i c h weiß
n i c h t , w i e v i e l Personen i n dem Lastwagen saßen, die das Verbrechen begangen haben - t o t waren.
ser

Das i s t das w i r k l i c h Schreckliche an einigen d i e -

Terrorakte, daß es sich um eine Gruppe von Menschen handelt,

die

glauben, daß sie d i r e k t i n den Himmel kommen, wenn sie sich und andere i n
die Luft sprengen.

Wie kann man eine
herstellen?

Verbindung

zwischen diesen Menschen und anderen

Gab es jemand, der sie auf diesen Wag schickte?

es nicht wissen.

Wir können

Es b l e i b t einem also nur eine Form der Vergeltung üb-

r i g , d . h . man z i e l t i n die allgemeine Richtung und t ö t e t Menschen.

Nun,

dann i s t man selbst e i n T e r r o r i s t . . .
FRAGE:

Sie haben j e t z t e r l e b t , daß I h r Verteidigungshaushalt im Kon-

greß gekürzt wurde, Sie haben im Kongreß hart um die Zahl der MX-Raketen
kämpfen müssen; Sie haben die Kontroverse um Bitburg e r l e b t - und j e t z t
diese Krise um die Geiseln,

hfeben Sie das Gefühl, daß Ihr

Teflon-Uberzug a l s Präsident etwa abgegangen i s t ?

(feuerfester)

Haben Sie kein Glück

mehr?
ANTWORT:
te...

Ich habe nie geglaubt, daß i c h einen Teflon-Uberzug h ä t -

Und was Bitburg angeht, so habe i c h t r o t z mancher Bemühungen der

Presse die Überzeugung gehabt, daß es moralisch r i c h t i g war, das zu t u n .

�zu tun. Und ich bin glücklich, daß ich es getan habe.

Es war eine wertvolle Erfahrung dort drüben.

Und ich wurde belohnt,

als ich vor 10 000 jungen Deutschen sprach und ich am Ende 10 000 junge
Deutsche unsere Nationalhymne singen hörte - in unserer Sprache.
glaube, das war eine Anerkennung.

Ich

Jenen, die andeuten wollten, daß ich

damit in irgendeiner Form sagen wollte, daß wir den hblocaust vergessen
sollten, kann ich sagen:

Das stimmt überhaupt nicht.

Und auch die Deut-

schen versuchen nicht, den hblocaust zu vergessen.

Ich war erstaunt - nach den 40 Jahren der Freundschaft, die auf all
den Haß und das Böse des hblocaust und des Nazismus gefolgt sind - herauszufinden, daß die Deutschen nicht nur die Schreckenslager und Museen
mit Fotos all der schrecklichsten und verachtungswürdigsten Dinge erhalten haben, die geschehen sind, sondern daß sie auch ihre Schulklassen jedes Jahr dorthin bringen und ihnen zeigen und erklären, daß dies niemals
mehr geschehen darf.

Ich habe niemals auch nur angedeutet, mein Besuch dort sollte so etwas wie ein Vergehen und Vergessen bedeuten.

Die Vergebung muß von je-

mand anders kommen - nicht von uns -, wenn es überhaupt eine Vergebung
gibt, und sicherlich dürfen wir niemals vergessen...

* * * * *

- 10-

�19. Juni 1985

24

RICHARD BURT ALS NEUER US-BOTSCHAFTER IN BONN VORGESEHEN

WASHINGTON -

(AD) -

Präsident

Ronald Reagan hat am 17. Juni

1985

seine Absicht bekanntgegeben, den Unterstaatssekretär f ü r europäische und
kanadische

Angelegenheiten

im amerikanischen

Außenministerium,

Richard

B u r t , zum Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika i n der Bundesrepublik Deutschland zu ernennen.

Burt t r i t t die Nachfolge von Botschaf-

t e r Arthur F. Burns a n , der am 1 1 . Mai i n den Ruhestand getreten

ist.

Die Ernennung von Botschafter Burt bedarf noch der Bestätigung durch den
amerikanischen Senat.

Richard Burt wurde am 3. Februar 1947 a l s Sohn eines amerikanischen
Bergbauingenieurs i n der Nähe der chilenischen Hauptstadt Santiago geboren; er s t u d i e r t e an der C o r n e l l - U n i v e r s i t ä t im Staate New York, Abschluß
B.A.

im Jahr 1969, und an der Fletcher School o f Law and Diplomacy im

Staate Massachusetts, Abschluß M.A. im Jahr 1972.
Bereits im Jahr 1971 begann Burt bei der Zeitung "Boston Globe" i n
Massachusetts

seine

publizistische

Karriere;

1972 war er

in

leitender

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�'

er i n l e i t e n d e r Stellung i n der Forschung an der amerikanischen Marineakademie t ä t i g .

Im Jahr 1973 wurde er Berater der Rand Corporation, des

Hudson-Instituts, des Stanford-Forschungsinstituts, des Europäisch-amerikanischen I n s t i t u t s
republikanischer

für Sicherheit und Forschung und einer Arbeitsgruppe

Abgeordneter

1975 war er M i t a r b e i t e r
Studien (IISS)
1975 wurde.

des

Repräsentantenhauses.

des Internationalen

Instituts

Von 1973
für

bis

Strategische

i n London, dessen S t e l l v e r t r e t e n d e r D i r e k t o r er im Jahr

Von 1977 bis 1980 war Burt a l s Korrespondent der "New York

Times" i n Washington t ä t i g .

Im Jahr 1981 übernahm Richard Burt im amerikanischen Außenministerium
das

Referat

für

politisch-militärische

wurde er zum Unterstaatssekretär

Angelegenheiten.

Im Jahr

1983

f ü r europäische und kanadische Angele-

genheiten im State Department ernannt.

In dieser Eigenschaft war er auch

Vorsitzender der Besonderen Beratungsruppe der NATO, i n der die V e r e i n i g ten Staaten i h r e Verbündeten über die Genfer Verhandlungen über nukleare
Mittelstreckensysteme (INF) u n t e r r i c h t e n .
Burt i s t mit der früheren Gahl Lee Hodges v e r h e i r a t e t .

* * # * *

- 2 -

�19. Juni 1985

24

ROZANNE L. RIDGWAY SOLL NACHFOLGERIN VON RICHARD BURT VERDEN
- Erklärung des Vteißen Hauses -

WASHINGTON sicht

(AD) - Präsident Reagan hat am 1 1 . Juni 1985 seine Ab-

bekannt gegeben, Rozanne L.

Ridgway zur Nachfolgerin von Richard

Burt a l s Unterstaatssekretär für europäische und kanadische Angelegenheiten im State Department zu ernennen.

Burt s o l l Botschafter der V e r e i n i g -

ten Staaten i n der Bundesrepublik Deutschland werden.

Frau Ridgway

ist

Berufsdiplomatin und war s e i t 1982 US-Botschafterin i n der Deutschen Demokratischen Republik.

Die Ernennung muG noch vom amerikanischen Senat

b e s t ä t i g t werden.
Die Erklärung des Waißen Hauses hat folgenden Wortlaut:
Der Präsident

hat

heute

seine Absicht

bekannt gegeben, Rozanne

L.

Ridgway zur Unterstaatssekretärin ( f ü r europäische und kanadische Angelegenheiten) zu ernennen.

Sie würde damit Nachfolgerin von Richard B u r t .
Seit

1982 diente

sie

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Seit 1982 diente sie i n Ost-Berlin a l s US-Botschafterin i n der Deutschen Demokratischen Republik.

Davor war sie von 1981 bis 1982 Sonder-

a s s i s t e n t i n des Außenministers; von 1980 bis 1981 Beraterin im Außenministerium; von 1977 bis 1980 Botschafterin i n Finnland; von 1973 b i s 1975
Stellvertretende

Unterstaatssekretärin

für

Meeres-

mit dem Rang einer Botschafterin im Außenministerium.

und

Fischereifragen

Vor dieser Z e i t

-

von 1972 bis 1973 - war sie im Außenministerium a l s S t e l l v e r t r e t e n d e r D i r e k t o r i n der Planungs- und Koordinierungsabteilung des Büros f ü r i n t e r a merikanische Angelegenheiten sowie - von 1970 bis 1972 - a l s Verantwortl i c h e f ü r ecuadorianische Angelegenheiten t ä t i g .

Zu den vorherigen Arbeitsbereichen gehörten:
- von 1967 b i s 1970 - p o l i t i s c h e Abteilung der US-Botschaft i n Oslo;
- von 196A bis 1967 - Büro für europäische Angelegenheiten des Außenministeriums für den Bereich i n t e r n a t i o n a l e Beziehungen;
- von 1962 bis 196A - Visaabteilung des US-Konsulates i n Palermo;
- von 1959 b i s 1962 - Personalabteilung der US-Botschaft i n Manila;
- von 1957 bis 1959 - Informationsabteilung des Außenministeriums.
Frau Ridgway wurde am 22. August 1935 i n S t . Paul im amerikanischen
Bundesstaat

Minnesota

geboren und schloß

University im Jahr 1957 mit einem B.A. ab.

* * * * *

- 2-

ihre

Studien an der

Hamline

�24

19. Juni 1985

NEUES VERFAHREN ZUR KOMMERZIELLEN URAN-ANREICHERUNG

- (AD) - AVLIS (Abkürzung von "Atomic: Vapor Laser Isotope Separation"
-

Isotopentrennung mit Laserenergie) g i l c i n den Vereinigten Staaten a l s

die kommende Technologie

zur

Uranbrennstoff.

amerikanische

kürzlich

vor

Wie der

Isotopentrennung

Journalisten e r k l ä r t e ,

Verfahrens j e t z t

für

die Anreicherung

Energieminister

weide die

John

von

Hterrington

Weiterentwicklung

dieses

verstärkt g e f ö r d e r t , um die Urananreicherung kostengün-

s t i g e r als bisher betreiben zu können und auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähig zu sein.
Obgleich die amerikanische Regierung die Entwicklung von Urananreicherung nach dem AVLIS-Verfahren bereits s e i t 13 Jahren f i n a n z i e l l u n t e r s t ü t z t , i s t nicht vor 1995 mit dem Bau der ersten GroQanreicherungsanlage
zu rechnen.

"AVLIS i s t die Technologie der Zukunft", so Herrington, "das

Urananreicherungsverfahren
wirtschaftlich

des 2 1 . Jahrhunderts.

Es i s t

technisch und

gesehen leistungsfähiger und e r f o r d e r t niedrigere Produk-

�niedrigere Produktionskosten a l s das Gasdiffusionsverfahren, das b e r e i t s
s e i t dem Zweiten Vteltkrieg angewandt w i r d . "
Die Mehrzahl der Einzelverfahren f ü r den AVLIS-ProzeQ u n t e r l i e g e n der
Geheimhaltung,

sagte

e i n Sprecher

des Energieministeriums.

Forschung,

Entwicklung und Demonstrationsprojekte würden nunmehr i n t e n s i v e r a l s b i s her

vorangetrieben, da das Gasdiffusionsverfahren

künftige technische Verbesserungen b i e t e .

keine Aussichten auf

A l l e r d i n g s könne man mit d i e -

ser Technologie dem Bedarf der Abnehmer für angereichertes Uran im I n und Ausland noch etwa bis zum Jahr 2000 gerecht werden.
Das Gasdiffusionsverfahren
um Uran mit

dem spaltbaren

erfordert

sehr v i e l e l e k t r i s c h e

Isotop U-235 anzureichern.

zeige sich im P r e i s , e r l ä u t e r t e der Sprecher.
die Kosten energiebezogen.
gieintensiv.

Angesichts

Energieministerium

Energie,

Dieser Umstand

Etwa zu 80 Prozent seien

Demgegenüber sei AVLIS weitaus weniger ener-

des Kostenproblems habe man im amerikanischen

beschlossen, eine

sionsanlagen v o r l ä u f i g s t i l l z u l e g e n .

der

drei

amerikanischen

Gasdiffu-

Und um die Kosten weiter zu senken,

werde auch die nach dem Gaszentrifugenverfahren arbeitende Anreicherungsanlage i n der Nähe von Portsmouth (Ohio) nicht weiter ausgebaut.
Energieminister

Herrington machte d e u t l i c h , daß sich die amerikani-

sche Regierung aus der Entwicklung der Zentrifugentechnologie
rückziehen werde.

ganz zu-

Angesichts der zwingenden Notwendigkeit zur Einsparung

von Kosten sei es s i n n l o s , noch weitere d r e i bis fünf M i l l i a r d e n D o l l a r
i n dieses Projekt zu stecken.

"Wir schätzen, 400 b i s 500 M i l l i o n e n D o l -

l a r i n den nächsten d r e i Jahren bei der Anreicherung einsparen zu können,
indem wir

nicht

sondern uns auf

gleichzeitig
die

beide

neuen Technologien w e i t e r v e r f o l g e n ,

eindeutig überlegenere Technologie

konzentrieren",

sagte Herrington.
•

Im Jahr 1974 beherrschten die USA lOOprozentig den Markt i n der f r e i en Walt für angereichertes Uran.
teil

weniger a l s

Heute beträgt l a u t

50 Prozent, da b i l l i g e r e r

Firmen angeboten werde.

Herrington der An-

Brennstoff

von europäischen

Die USA produzieren mit dem Isotop U-235 ange- 2 -

�U-235 angereichertes Uran für die Reaktoren von Atomkraftwerken und f ü r
bestimmte Verteidigungsprogramme der amerikanischen Regierung.
gieministerium, das gegenwärtig d r e i Gasdiffusionsanlagen

Das Ener-

betreibt,

hat

86 kommerzielle Abnehmer - 52 i n den Vereinigten Staaten, 3A im Ausland.
Es l i e f e r t außerdem hochangereichertes Uran (mit mehr a l s 90 Prozent Konz e n t r a t i o n an U-235)

an die US-Marine für Antriebszwecke

Verteidigungsministerium.

* * * * *

- 3 -

sowie an das

�Uli//en/chcift
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

19. Juni 1985

24

FLUORESZIERENDE ALGENPIGMENTE ALS MARKIERSUBSTANZ

-

(AD) - Farbintensive Pigmente von Algen werden neuerdings a l s Mar-

kierungsstoffe

für

medizinische Diagnose- und Forschungszwecke

benutzt.

Sie können i n zahlreichen Fällen radioaktive Substanzen ersetzen, die zur
Identifizierung

bestimmter

Zellen oder Moleküle

Zellen oder

Proteine e r f o r d e r l i c h

"angehängt", wirken die

sind.

leuchtend blau b i s

An
roten

Pigmente a l s winzige Fluoreszenz-Signale, die den Wissenschaftler i n die
Lage versetzen, Substancen i n überaus geringen Konzentrationen zu erkennen.

Nach Angaben von Dr. Lubert S t r y e r , Professor f ü r Z e l l b i o l o g i e an

der S t a n f o r d - U n i v e r s i t ä t ,

wurden die

fluoreszierenden Molikule

klinisch

b e r e i t s zur Prüfung von Spenderblut auf anomale B e s t a n d t e i l e , die Hinweise auf eine AIDS-Infektion geben könnten, und zur Kontrolle des Spiegels
bestimmter Medikamente wie Digoxin im Blut e r p r o b t .

Das amerikanische

Patentamt i n Washington genehmigte Anfang Juni 1985 der Stanford-Univers i t ä t die Patentrechte für dieses neue Verfahren.
Bei den Pigmenten

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Bei den Pigmenten handelt es sich um sogenannte Phykobiliproteine.
Sie fluoreszieren mit der zehn- bis zwanzigfachen Intensität der meisten
anderen fluoreszierenden Stoffe, die für Markierzwecke verwendet werden.
Und dieser Umstand bedeutet, daß sie mit hochempfindlichen radioaktiven
Indikatoren für bestimmte Zellen und Moleküle in Konkurrenz treten können.

Für eine diagnostische Anwendung müssen die Proteine eine Bindung

mit den Substanzen eingehen, die erfaßt werden sollen.
ihnen ein sogenanntes konjugiertes System.

Sie bilden mit

Ein solches Konjugat kann

beispielsweise mit einem Antikörper-Molekül zustande kommen - einem vom
Immunsystem des Körpers produzierten Protein, das markiert wird, um anomale Zellen oder verdächtige Substanzen aufzufinden.

Handelt es sich da-

bei z.B. um Antikörper, die Krebszellen "erkennen", könnte der Arzt an
Hand von Gewebeproben unter dem Mikroskop oder mit Hilfe eines leistungsfähigen Instruments zum Sortieren von Zellen die fluoreszierenden Einheiten ausfindig machen.

Antikörper und andere spezifische Proteine wurden inzwischen mit drei
Phykobiliproteinen erfolgreich markiert.
benen und roten Bereich.

Sie fluoreszieren im orangefar-

Heitere Markierpigmente seien in der Entwick-

lung, berichtet Prof. Stryer.

Da die Phykobiliproteine in leicht vonein-

ander abweichenden Farbschattierungen fluoreszieren, wenn ein Lichtstrahl
sie anregt, lassen sich mit ihnen mehrere unterschiedliche Arten von Molekülen oder Zellen gleichzeitig beobachten.

Die von Meeresalgen produ-

zierten Pigmente werden in der Natur beim Photosyntheseprozeß genutzt,
mit dem aus Sonnenlicht die für das Wachstum der Algenzellen benötigte
Energie gewonnen wird.

Die Pigmentproteine sind mit bestimmten Pigmenten

der Galle verwandt.

- 2 -

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9602">
                <text>19.06.1985</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9603">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9604">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="13603">
                <text>Amerikadienst 19.06.1985</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="13604">
                <text>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: Freiheit der Geiseln oberstes Ziel der USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pressekonferenz des US-Präsidenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Richard Burt als neuer US-Botschafter in Bonn vorgesehen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rozanne L. Ridgway soll Nachfolgerin von Richard Burt werden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des Weißen Hauses -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neues Verfahren zur kommerziellen Uran-Anreicherung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Fluoreszierende Algenpigmente als Markiersubstanz&amp;nbsp;&lt;/p&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2200" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2211">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/0f1ba53353c7a8770a918f86d45ac7c3.pdf</src>
        <authentication>d46a9e01a4fae7a5d773d6adad17d9e5</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="11182">
                    <text>x^S*?^

amcrika
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America
^r,QM ^

24

19. Juni 1991

,;-'
,:-

&amp;

USA-EUROPA

DIE EURO-ATLANTISCHE ARCHITEKTUR:
VON WEST BIS OST
Rede von Außenminister Baker
in Berlin

SOWJETUNION

USA UNTERSTUTZEN SOWJETISCHE
REFORMEN POLITISCH UND
WIRTSCHAFTLICH
Baker vor Unterausschuß des Senats

NACH DEM GOLFKRIEG

DER PRÄSIDENT UND DIE PARTEIEN
NACH DEM GOLFKRIEG
von Jeffrey Alderman

DER PRÄSIDENT UND DIE PARTEIEN
NACH DEM GOLFKRIEG
Interview mit Richard Wirthlin
AMERIKANISCHE POLITIK NACH DEM
GOLFKRIEG: DIE SICHT DER
DEMOKRATEN
Interview mit Geoffrey Garin

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�USA - E U R O P A
19. Juni 1991

DIE EURO-ATLANTISCHE ARCHITEKTUR:
VON WEST BIS OST
Rede von Außenminister Baker in Berlin
BERLIN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Au ßenminister Baker beim Aspen-Institut in Berlin
vom 18. Juni 1991 im Wortlaut.

Ich freue mich, wieder in Berlin zu sein. Bei meinem
Besuch im Jahr 1989 war die Mauer gerade zu einem
Tor geworden. Als ich im Jahr 1990 zurückkehrte,
nahm ich an den Verhandlungen zur Überwindung der
Teilung dieser Stadt, dieser Nation, dieses Kontinents
teil. Und heute, im Jahr 1991, habe ich die Ehre, an
einem Treffen in der Hauptstadt des vereinigten Deutschlands teilzunehmen.

stützung, um dauerhafte Demokratien hervorzubringen. Die Perestrojka bedarf unserer Ermutigung, um
weiter in Richtung auf eine freie Gesellschaft und freie
Märkte voranzuschreiten.

So bedeutend diese Fortschritte auch waren: An diesem Ort haben wir noch etwas anderes von dauerhafter Lebensfähigkeit geschaffen. Für Amerikaner ist
Berlin weit mehr als eine Stadt. Berlin ist Geburtsort
eines besonders engen Verhältnisses zwischen Deutschen und Amerikanern. Hier an diesem Ort haben
Deutsche und Amerikaner, die einstmals Gegner waren,
einander beigestanden. An diesem Ort haben wir
gelitten, geteilt und für die Freiheit gestritten.

Präsident Bush hat in Prag über einen "neuen Staatenbund der Freiheit... beruhend auf gemeinsamen Prinzipien ... die unsere gemeinsamen Werte verkörpern"
gesprochen.

Hier begründeten wir die transatlantische Gemeinschaft. Und von hier aus müssen wir sie weiter
ausbauen.
Als ich im Dezember 1989 in Berlin sprach, legte ich
unsere Gedanken über die Architektur eines neuen
Europas und eines neuen Atlantizismus dar. Im Hinblick auf diese Architektur für die Zeit nach dem kalten
Krieg haben wir bemerkenswerte Fortschritte erzielt.
Doch unsere Vision muß darüber hinausgehen.
Wir müssen beginnen, die transatlantische Gemeinschaft auf Mittel- und Osteuropa und die Sowjetunion
auszudehnen. Dies sind noch unvollständige Teile
unserer Architektur. Die Revolutionen der Freiheit in
Mittel- und Osteuropa erfordern unsere weitere Unter-

AMERIKA DIENST 24

Unser Ziel ist ein ungeteiltes und freies Europa sowie
eine Euro-Atlantische Gemeinschaft, die von Vancouver bis Wladiwostok reicht.

Hier, in den östlichen Ländern Deutschlands, beginnen wir, diese umfassendere Euro-Atlantische Gemeinschaft aufzubauen.
Das Engagement der Vereinigten Staaten für die
Vereinigung Deutschlands endete nicht mit der Ratifizierung des Zwei-plus-Vier-Vertrags. Aus diesem
Grund wollte ich heute selbst einigen Menschen in
Ostdeutschland zuhören und ihre Heimat mit eigenen
Augen sehen. Aus diesem Grund haben die Vereinigten Staaten ein umfassendes Programm eingeleitet,
um allen Deutschen die Hand zu reichen.
Ich zweifle nicht daran, daß dieser Teil Deutschlands
in nicht allzu ferner Zukunft eines der wirtschaftlichen
Zugpferde Europas sein wird. An diesem Tag, so
glaube ich, werden Amerikaner und Deutsche gemeinsam an diesem Werk beteiligt sein.
Wir können uns jedoch nicht mit der Integration des
ganzen Deutschlands begnügen.

Seite 1

�Die Atlantische Gemeinschaft: Eine Wertegemeinschaft

Auflösung und Evolution des europäischen Nationalstaats

Für mich verkörpert das transatlantische Verhältnis
bestimmte allgemeingültige Ideale der Aufklärung. Diese
Werte gründen sich auf das Konzept der politischen
Rechte und wirtschaftlichen Freiheiten des einzelnen,
die in den europäischen Ideen des 17. und 18. Jahrhunderts wurzeln und zum ersten Mal in der neuen
amerikanischen Nation auf fruchtbaren Boden fielen.

Das vielleicht augenfälligste Phänomen in ganz Europa ist heute die Hand in Hand gehende Auflösung und
Evolution des Nationalstaats. Obwohl der Nationalstaat bei weitem die wichtigste politische Einheit bleibt,
wird seine politische Rolle zunehmend von supranationalen und subnationalen Einheiten ersetzt. Mit anderen Worten: Einige Funktionen des Nationalstaats
werden "nach oben" delegiert und andere "nach unten".

Obwohl diese Werte ursprünglich mit Westeuropa und
den Vereinigten Staaten in Verbindung gebracht wurden, überschreiten sie nationale Grenzen. Diese
Ideale stehen in krassem Gegensatz zu einigen im
ausgehenden 19. Jahrhundert vertretenen Auffassungen über die wahren Qualitäten von Gesellschaften
und Völkern auf der Grundlage von Geschichte und
Erbgut, die angeblich ihren höchsten Ausdruck im
Staat finden konnten.
Es mag eine Ironie sein, daß der engstirnige europäische Nationalismus des 19. Jahrhunderts einer völlig
anderen, rationalistischen und universalistischen Ideologie weichen sollte, die ebenfalls nationale Grenzen
mißachtete: dem Marxismus. In der Sowjetunion
vermischten die Bolschewiki diese Ideologie mit einer
slawophilen Bewegung, die selbst eine Reaktion auf
angeblich fremde westliche Werte darstellte. Stalin
zwang halb Europa diese Ideologie auf. Heute sind
ihre Mißerfolge und ihr Zerstörungswerk jedermann
offensichtlich.
Als die Fesseln dieser gescheiterten Ideologie beseitigt oder zerschnitten waren-in Mittel- und Osteuropa,
der Sowjetunion selbst und in anderen Teilen der Welt
-, kehrten die alten Nationalismen und Animositäten
des 19. Jahrhunderts zurück. Diese Kräfte überschatten die neuen Demokratien, insbesondere diejenigen,
die danach trachten, in Vielvölkerstaaten Wurzeln zu
schlagen. Sie bringen Besorgnis über politische, wirtschaftliche und militärische Sicherheit zum Vorschein.
Sie riskieren neue Spaltungen in Europa.
Wir müssen diesen Völkern, die neue Werte wiederentdecken, auf denen sie pluralistische, demokratische und marktwirtschaftlich orientierte Gesellschaften aufbauen können, eine Inspiration oder sogar ein
Ziel anbieten. Wir müssen ihren Platz in der neuen
Architektur definieren.
Unsere Architektur muß das seit langem bestehende,
im Harmel-Bericht von 1967 niedergelegte Ziel der
NATO - die Schaffung "einer gerechten und dauerhaften Friedensordnung in Europa" - verwirklichen. Um
dies zu leisten, müssen unsere Strukturen euro-atlantische politische und wirtschaftliche Werte sowie die
Ideale der Aufklärung fördern. Sie müssen die Komponenten eines ungeteilten und freien Europas festlegen.
Darüber hinaus müssen wir zeigen, wie die Integration
die neuen, aus alten Feindschaften herrührenden
Gefahren bewältigen kann.
Seite 2

In Westeuropa war dieser evolutionäre Prozeß eindrucksvoll. In den vergangenen vierzig Jahren haben
die Westeuropäer immer mehr Funktionen von der
nationalen auf die supranationale Ebene verlagert. Die
Europäische Gemeinschaft hat die historisch intensivste und umfassendste freiwillige Evolution der Regierungsgewalt über die nationale Ebene hinaus verwirklicht. Das Atlantische Bündnis hat seinerseits die
vielleicht grundlegendste zwischenstaatliche Zusammenarbeit zustande gebracht, denn es ist die NATO,
der Europäer wie Nordamerikaner nicht nur ihren
Wohlstand, sondern ihre persönliche und nationale
Existenz anvertraut haben.
In Westeuropa wurde die Evolution von der Auflösung
der Macht von Staats- und Gemeindeverwaltungen
zugunsten bisweilen grenzüberschreitender Regtonen
und des Privatsektors begleitet.
Dagegen ist die Auflösung staatlicher Macht in Mittelund Osteuropa ein wesentlich augenfälligeres Phänomen. Mit dem Zusammenbruch des Kommunismus
trat die Volkszugehörigkeit erneut als mächtige politische Kraft auf, die neue Trennungslinien zwischen
Ländern und - was noch akuter ist - innerhalb von
Vielvölkerstaaten aufzuwerfen droht.
Aber sogar im Osten findet gleichzeitig ein Prozeß der
Evolution statt. Wir erleben die Anfänge eines Europas der Regionen, die einander sehr gut überschneiden können. Die Zusammenarbeit zwischen Polen,
Ungarn und der Tschechoslowakei, die Pentagonale
sowie die Sondierungen im Hinblick auf eine Zusammenarbeit der Ostseestaaten sowie der Länder am
Schwarzen Meer sind Beispiele frühzeitiger Bemühungen. Auch das Neun-plus-Eins-Abkommen in der
Sowjetunion ist ein erster Schritt, um die Legitimität
des multinationalen Staats auf der Grundlage des
freiwilligen Zusammenschlusses der einzelnen Teile
wiederherzustellen. Ferner ist das Interesse dieser
Staaten an einem Beitritt zu westlichem Institutionen
wie IWF, EG und OECD ebenfalls ein Beweis dieser
evolutionären Tendenz.
Evolution und Auflösung sind keine Alternativen sondern einander ergänzende und in der Tat von einander
abhängige Entwicklungen. Der Aufbau einer EuroAtlantischen Gemeinschaft kann nur dann auf demo-

AMERIKA DIENST 24

�kratischer Grundlage verwirklicht werden, wenn die
Basis an diesem Prozeß beteiligt wird. Aus diesem
Grund haben sich die Architekten des vereinten Europas das Prinzip der "Subsidiarität", in etwa vergleichbar mit dem amerikanischen "Federalism" - also der
Abtretung von Verantwortung auf die unterste Stufe
der Regierung, die in der Lage ist, diese Verantwortung
effektiv auszufüllen - zu eigen gemacht. Andererseits
wird der Prozeß der Auflösung von Macht im Osten zu
Zersplitterung und Konflikten führen und letztlich die
Demokratie bedrohen, wenn sie nicht mit der freiwilligen Delegierung von Macht auf nationale und sogar
supranationale Ebenen einhergeht - in solch grundsätzlichen Bereichen wie Verteidigung, Handel, Währung und Schutz grundlegender Menschenrechte,
insbesondere der von Minderheiten.
Die Vereinigten Staaten sind eine Nation der Ideen,
nicht der Abstammung, Herkunft oder Konfessionen.
Die Amerikaner wissen, daß viele Ebenen der Regierung effektiv koexistieren und kooperieren können und
deshalb der Aufbau einer starken Nation aus der
Vielfalt heraus möglich ist. In der gesamten EuroAtlantischen Gemeinschaft und tatsächlich auf der
ganzen Welt muß die grundlegende Aufgabe der
Demokratie ethnische Bande auf der Basis gemeinsamer - und viel stärker noch universeller Werte - umfassen und repräsentieren, aber auch überwinden.
Die Integration Westeuropas innerhalb der EG und der
NATO hat in der Tat all die alten territorialen Streitigkeiten, Gebietsansprüche und Minderheitenprobleme unter
den und innerhalb der Mitgliedstaaten überwunden.
Mit der euro-atlantischen Integration ist es wirklich
unvorstellbar geworden, daß regionale Streitigkeiten
eine Quelle ernsthafter Konflikte zwischen diesen
Ländern werden könnten. Die Anreize für eine Zusammenarbeit in diesem multi- und supranationalen Rahmen sind im Vergleich zu den noch verbleibenden
strittigen Bereichen unvergleichlich hoch. Wenn wir
vergleichbare Maßgaben für Frieden und Stabilität in
ganz Europa erreichen wollen, sollten vergleichbare
Strukturen eingeführt werden, um unter diesen Ländern eine Interdependenz zu gestalten und zu entwickeln.
Insgesamt müssen in Ost und West die Prozesse der
Entwicklung und Auflösung in einem konstruktiven
Gleichgewicht gehalten werden. Nur wenn in beide
Richtungen ausgewogene Fortschritte erzielt werden,
kann der einzelne eine Stimme bei der Führung einer
noch stärker voneinander abhängigen Welt bekommen.
Ich möchte mich nun den wesentlichen Strukturen
dieser Architektur zuwenden - NATO, EG und KSZE.
Ich möchte untersuchen, wie sie sich seit Dezember
1989 entwickelt haben und erörtern, wie sie zu einer
euro-atlantischen Architektur beitragen können, die
sich von Nordamerika über Europa bis zur Sowjetunion erstreckt.

AMERIKA DIENST 24

Die neuen Aufgaben der NATO
Bis jetzt hat die Anpassungsfähigkeit der NATO ihre
Lebensfähigkeit bewiesen. Sie ist in der Tat sowohl ein
solider Eckpfeiler als auch Initiator kooperativer Strukturen für ein ungeteiltes und freies Europa.
Zuerst hat unsere Erklärung vom Londoner Gipfel der
friedlichen Vereinigung eines demokratischen Deutschlands den Weg bereitet.
Dann hat unsere gemeinsame Entschlossenheit bei
den KSE-Verhandlungen zu einem bahnbrechenden
Abkommen geführt, das die militärische Landkarte
Europas neu gestalten wird. In den vergangenen zwei
Wochen haben die Au ßenminister des Bündnisses die
wichtigsten Sicherheitsfunktionen der NATO im neuen
Europa vereinbart. Wir sind übereingekommen, daß
dieses Bündnis eine der unabdingbaren Grundlagen
für ein stabiles Sicherheitsumfeld in Europa liefert. Es
dient als transatlantisches Forum für Konsultationen
und Zusammenarbeit der Verbündeten in Bereichen,
die allen ein Anliegen sind. Es leistet Abschreckung
und Verteidigung gegen jede Bedrohung durch eine
Aggression gegen das Territorium eines jeden Mitgliedstaats. Und es erhält das strategische Gleichgewicht innerhalb Europas.
Darüber hinaus haben wir vereinbart, daß die Entwicklung einer europäischen Sicherheitsidentität das Bündnis weiter stärken und seine Fähigkeiten zur Erfüllung
dieser Aufgaben in Zukunft verbessern würde. Gleichzeitig würde es eine noch herausragendere Rolle
Europas in diesem Prozeß fördern. Die Vereinigten
Staaten fordern, daß unsere europäischen Verbündeten bei der Entwicklung dieser Identiät unterstützt
werden und wir mit ihnen zusammenarbeiten, um die
Kooperation zwischen europäischen und atlantischen
Institutionen im Bereich der Verteidigung und Sicherheit zu fördern.
Das neue Programm des Bündnisses, insbesondere
seine politische Rolle, zeigt sich auch in unseren
Plänen zum Aufbau von Partnerschaften mit Ländern
Mittel- und Osteuropas und der Sowjetunion. Wir
haben Initiativen vorgeschlagen, mit denen Kontakte
unter hochrangigen Sicherheitsbeamten, Militärbehörden, Parlamentariern, Führungskräften, Wissenschaftlern und Umweltexperten intensiviert werden sollen.
Die neuen Demokratien Mittel- und Osteuropas engagieren sich bereits für unsere gemeinsamen Werte jetzt müssen wir uns auf die praktische Seite der
Beziehungen konzentrieren, um sie zu fördern und zu
sichern.
Diese Kontakte des Bündnisses sind auch so angelegt, da ß sie die Sowjetunion in die neue Architektur mit
einbeziehen. Wenn Reformen in einer zunehmend
pluralistischen Sowjetunion Erfolg haben sollen, müssen wir Kontakte zum sowjetischen militärisch-industriellen Komplex und zu Reformern knüpfen. Wir
Seite 3

�wollen sie über die NATO-Strategie, ihre Doktrin und
ihren defensiven Charakter informieren. Sie können
unter Umständen von unseren Erfahrungen mit Beziehungen zwischen zivilem und militärischem Bereich
profitieren. Darüber hinaus wollen wir Bestrebungen
unterstützen, Rüstungsindustrien in zivile Produktionsstätten umzuwandeln, zum Wohle der dort beschäftigten Männer und Frauen.
Die Europäische Gemeinschaft - Kontinuierliche
Integration und Unterstützung für ein Programm
im Osten
Aufgrund der erfolgreichen Integration der Europäischen Gemeinschaft können ihre Mitgliedstaaten von
der gemeinsamen Politik profitieren, ihre unterschiedlichen nationalen Attribute beibehalten und die Autorität Kommunalregierungen übertragen, die dem Volk
näherstehen. Die Gemeinschaft befindet sich gegenwärtig mitten in zwei regierungsübergreifenden Konferenzen, die ihre politische und wirtschaftliche Integration vertiefen wird. 1989 habe ich bereits in Berlin
erklärt, daß dieses Ziel in den Vereinigten Staaten
schon von Marshall und Acheson unterstützt wurde.
Und wir unterstützen es auch heute.
Natürlich tun wir das in der Erwartung, daß eine
europäische Union einen Platz als verantwortungsbewu ßter Führer einnehmen wird, der zur Stärkung einer
Struktur globaler und kontinentaler Interdependenz
beiträgt. Unser Staatenbund der Freiheit muß sich
weiter ausbreiten - nach Japan und Asien, Lateinamerika und Afrika.
Es ist dieser globale Kontext, der dem energischen
Einsatz der EG für eine erfolgreiche Uruguay-Runde
hohen Stellenwert verschafft. Leider gibt die Agrarpolitik der EG Anlaß zur Besorgnis. Obwohl wir die
wichtige Rolle anerkennen, die die Gemeinsame Agrarpolitik für die Integration Europas spielt, hoffen wir, die
Europäer erkennen jetzt, daß deren Fortsetzung in
ihrer gegenwärtigen Form den Entwicklungsländern
und dem GATT-System Schaden zufügt. Es wäre
tragisch, wenn die Gemeinschaft genau in dem Jahr,
in dem bei der europäischen Integration neue Wege
beschritten wurden, das Signal einer isolierten Stellung in der Welt aussenden würde.
Die Stärke der Euro-Atlantischen Gemeinschaft hängt
von der Zusammenarbeit in der Gemeinschaft und
davon ab, daß die Vereinigten Staaten mit der europäischen Integration und der Entwicklung von Institutionen Schritt halten. Unsere im letzten Jahr abgeschlossene US-EG-Erklärung ist das Zeichen für einen ersten Schritt auf diesem Weg. Unter Luxemburgs
starker Führung haben sich unsere Kontakte mit dem
Ratspräsidenten und der Troika schnell und fruchtbar
entwickelt. In ähnlicher Weise knüpfen wir neue
Kontakte mit der Kommission in Bereichen wie Energie, Wettbewerbspolitik und Privatsphäre.

Seite 4

Ich hege die Hoffnung, daß die Gemeinschaft mit den
Entscheidungen für ihre eigene Zukunft weiterhin die
Möglichkeiten für eine effektive Interaktion mit den
Vereinigten Staaten und anderen in Form einer Partnerschaft in der Welt entwickeln wird. Die erfolgreiche
Schaffung einer geschlossenen internen Struktur für
die Gemeinschaft sollte auch ihre Fähigkeit zu effektiven auswärtigen Beziehungen und Verpflichtungen
stärken.
In naher Zukunft besteht die vielleicht größte Herausforderung für die EG in ihrer Hinwendung zum Osten.
Der politische und wirtschaftliche Erfolg der EG war
bereits ein Magnet, der die Länder Osteuropas zu
Demokratie und Marktwirtschaft gezogen hat.
Die Kommission hat diese Bitte durch ihre Koordination bei der Arbeit der Gruppe der 24 für die neuen
marktwirtschaftlich orientierten Demokratien Mittel- und
Osteuropas ergänzt. Wir hoffen, daß dies der erste
von vielen Schritten ist, mit denen die wirtschaftlichen
Hindernisse für diese Länder in Europa ausgeräumt
werden. Die Absicht der Gemeinschaft zur Aushandlung erweiterter Beitrittsverträge im Einklang mit dem
GATT ist eine weitere Phase.
Es leuchtet ein, daß die neuen marktorientierten
Demokratien keine ausländischen Investitionen anziehen, keine Privatisierung vornehmen oder wettbewerbsfähige Unternehmen zur Schaffung neuer Arbeitsplätze gründen können, wenn sie nicht die Möglichkeit des fairen Wettbewerbs um Märkte haben.
Ich bin optimistisch, daß die Europäische Gemeinschaft diese Herausforderung der Ausweitung der
Euro-Atlantischen Gemeinschaft nach Osten annimmt.
Durch Vorbild, Fördermaßnahmen, Beitritte, Verbindungen zu anderen regionalen Gruppen oder sogar wenn die Europäer dies eines Tages entscheiden durch weitere Integration, kann die EG diesen marktwirtschaftlich orientierten Demokratien eine Heimat in
unserer größeren Gemeinschaft gemeinsamer Werte
bieten.
Die KSZE: Ein umfassender Rahmen für den
Aufbau einer Euro-Atlantischen Gemeinschaft
Die in Helsinki ins Leben gerufene KSZE bleibt die
Gruppe, die alle Länder Europas und Nordamerikas
auf der Basis eines gemeinsamen Engagements für
Menschenrechte und demokratische Grundsätze vereint. Diese Rechte und Prinzipien bilden das Fundament für eine Euro-Atlantische Gemeinschaft, die sich
bereits von Berlin nach Osten erstreckt.
Wir müssen eine praktische Erfolgsbilanz für die KSZE
schaffen, mit einander ergänzenden Fähigkeiten in
allen drei Körben und damit den Reformprozeß unterstützen, mit dessen Hilfe die KSZE eine echte Wertegemeinschaft werden kann.

AMERIKA DIENST 24

�Morgen werden sich die Außenminister der KSZE zum
ersten Mal als Ministerrat treffen, wie er in der Charta
von Paris eingeführt wurde. Ich hoffe, daß meine
Kollegen und ich in den nächsten zwei Tagen in der
Lage sein werden, weitere Schritte zu unternehmen,
um die KSZE gemäß den von Außenminister Genscher und mir im Mai unterbreiteten Vorschlägen zu
bereichern. Wir sollten ein Verfahren einführen, um
Notstandssitzungen von KSZE-Vertretern unterhalb
der Minister abzuhalten. Wir können das Konfiktverhütungszentrum fördern. Und ich hoffe, wir können
darüber hinaus Verfahren entwickeln, mit denen Minister die Einführung von Untersuchungskommissionen
anordnen können.
Wir müssen auch andere Ideen in Erwägung ziehen.
Außenminister Bessmertnych hat einen Vorschlag für
eine ständige KSZE-Menschenrechtskommission unterbreitet. Dies verdient ernsthafte Beachtung. Es
könnte durch die Hinzufügung von Untersuchungskommissionen als fünftem Schritt im Mechanismus
der Menschlichen Dimension ergänzt werden.
Ich schlage vor, wir erwägen die Einberufung eines
KSZE-Sondertreffens zur Unterstützung der freien
Medien. Wir könnten auch das Mandat des Büros für
Freie Wahlen auf ein Büro Demokratischer Institutionen erweitem, so daß der Wahltag nur einer von 364
Tagen im Jahr ist, an denen Freiheit gilt.
Im wirtschaftlichen Bereich schlage ich die Schaffung
neuer KSZE-Handelskammern in den Ländern auf
dem Weg zur Marktwirtschaft vor, um die Interessen
der Privatindustrie zu organisieren und artikulieren.
Darüber hinaus könnten wir ein Seminar über die
sozialen und finanziellen Auswirkungen der Umrüstung von militärischem Gerät und Haushaltsengpässe veranstalten.
Die KSZE ist auch das geeignete Forum, um die
Probleme der Migration in Europa anzusprechen. Auf
einem Expertentreffen könnten humanitäre Prinzipien
zur Bewältigung der massiven Immigration und Flüchtlingsströme in den KSZE-Ländern sowie kooperative
Vereinbarungen zur Ursachenforschung solcher Völkerwanderungen entwickelt werden.
Mit anderen Worten, aus meiner Sicht wird die KSZE
eine Tagesordnung erarbeiten, die dem Gedankenaustausch und der Zusammenarbeit bei Problemen
von gemeinsamem Interesse förderlich ist. Dies ist die
Voraussetzung für bessere Integration.
Darüber hinaus ist es von Bedeutung, die KSZE als
Rahmen und nicht als zentralistisches Gremium für
das euro-atlantische Programm zu sehen. Wenn wir
die euro-atlantische Architektur nach Osten ausdehnen, müssen wir bei der Anwendung vielfältiger Methoden und Institutionen - einschließlich NATO, EG, OECD,
Europarat und anderen - kreativ vorgehen, um die
gemeinsamen Belange anzusprechen.

AMERIKA DIENST 24

Zum Beispiel das Thema Sicherheit. Wir haben in der
Tat Vereinbarungen für die gemeinsame Sicherheit
entwickelt, um den Bedürfnissen der aufstrebenden
Demokratien Rechnung zu tragen und eine reformierte
Sowjetunion einzubeziehen.
Erstens wird die KSE zur Schaffung der sicherheitspolitischen und wirtschaftlichen Bedingungen beitragen,
die Konflikte entschärfen könnten. Die KSZE wird
ferner Warnsysteme für potentielle Gefahren, Mechanismen für deren Abschwächung sowie Wege zur
Einbeziehung anderer bei ihrer Lösung erarbeiten. Auf
diese Weise würde die Struktur dazu beitragen, die
Bedingungen und die Neigung zu Eskalation zu verhindern, die Europa im August 1914 charakterisierten.
Zweitens könnte die NATO eine ergänzende Rolle
spielen. Ein starkes Verteidigungsbündnis gestattet
niedrigere Streitkräfteniveaus und bietet die Grundlage für Stabilität in ganz Europa. Die von der NATO
verfolgten Rüstungskontrollprogramme werden diese
Sicherheit erhöhen. Die Verbindungsstäbe der NATO
werden die friedlichen Absichten des Bündnisses
übermitteln, Beziehungen zwischen zivilen und militärischen Einrichtungen fördern und zu einem Klima
beitragen, das Einschüchterung und Aggression nicht
zuläßt.
Drittens schaffen die integrierenden Institutionen der
Euro-Atlantischen Gemeinschaft wie EG, Europarat
und OECD ein Netz politischer und wirtschaftlicher
Unterstützung. Diese Unterstützung wird die neuen
Marktwirtschaften im Inland stärken und einer möglichen Bedrohung signalisieren, daß diese Nationen
Teil einer größeren Gemeinschaft sind, die Interesse
an ihrem Erfolg haben.
Schließlich ist es auch unabdingbar, die zukünftige
sicherheitspolitische Tagesordnung in Europa zu erarbeiten, um den sich wandelnden Herausforderungen
Rechnung zu tragen, einschließlich der besonderen
Bedürfnisse des Ostens. Es ist an der Zeit, neue Ziele
zu setzen, die über das Konzept des Gleichgewichts
hinausgehen, und damit zu beginnen, die Grundlage
für wirklich kooperative Sicherheit zu schaffen. Zu
diesem Zweck schlage ich eine dreistufige Tagesordnung für zukünftige KSZE-Aktivitäten bei der Rüstungskontrolle und im Sicherheitsbereich vor.
Erstens müssen wir Offenheit und Transparenz bei
unseren militärischen Angelegenheiten institutionell
verankern. Wir sollten unsere Bestrebungen zur Erlangung eines Vertrags über Offene Himmel verstärken und einen regelmäßigen Dialog über Streitkräfte,
Etats, Verteidigungspläne und Doktrinen in die Wege
leiten.
Um die mögliche Umstrukturierung der Streitkräfte in
der Region vom Atlantik bis zum Ural anzusprechen,
sollten wir Maßnahmen in Erwägung ziehen, die frühzeitige und eindeutige Anzeichen für Umgestaltungs-

Seite 5

�bestrebungen liefern - nicht nur, um Überraschungen
zu vermeiden, sondern auch, um solche Ansätze zu
vereiteln.
Der zweite Teil unserer Tagesordnung befaßt sich mit
Konfliktverhütung. Meilensteine wie der KSE-Vertrag
und das VSBM-Abkommen werden die Bedrohung
eines massiven Kriegs mit kurzer Vorwarnzeit in Europa vollständig beseitigen. Wir müssen jedoch auch
geringfügigere lokale Probleme im KSZE-Gebiet ansprechen, die möglicherweise zu Konflikten zwischen
den KSZE-Mitgliedstaaten führen könnten.
Dies könnte neue Maßnahmen zur Bewältigung einiger sicherheitspolitischer Sorgen bestimmter Regionen umfassen. Es könnte neue Maßnahmen zur
Lösung der Probleme auf dem Balkan oder anderen
Gebieten beinhalten, in denen die Stabilität auf dem
Spiel stehen könnte. Einige dieser Maßnahmen könnten den Rüstungskontroll- und vertrauensbildenden
Maßnahmen entsprechen. Sie könnten auch einen
umfassenderen politischen Ansatz beinhalten, wie etwa
den unmittelbar betroffenen Nationen auf deren Bitte
die Untersuchungs-, Schlichtungs- und friedensbewahrenden Fähigkeiten der KSZE zur Verfügung zu
stellen.
Der dritte Punkt ist der Angriff auf die Weiterverbreitung: Beendigung der Verbreitung chemischer, biologischer und atomarer Waffen - und ihrer Trägerraketen
- sowie Zusammenarbeit bei der Entwicklung nationaler Maßnahmen, um Zurückhaltung beim Verkauf
konventioneller Waffen zu üben. Präsident Bush hat
zu konzentrierten weltweiten Bestrebungen zur Bewältigung dieser Herausforderung aufgerufen. Wir in
der KSZE können dazu beitragen, indem wir eine
Partnerschaft der Verantwortung und Zurückhaltung
aufbauen.
Die KSZE-Mitgliedstaaten zählen zu den wichtigsten
Rüstungslieferanten der Welt. Im Gefolge der OstWest-Konfrontation sind einige KSZE-Volkswirtschaften stark vom Export von Rüstungsgütern abhängig
geworden. Dies ist ein Problem, das wir gemeinsam
angehen müssen, um innovative Ansätze zum Problem der Umrüstung der Verteidigungsindustrie zu
erarbeiten.
Mit dem KSE-Vertrag und den in KSEIA ausgehandelten Erklärungen zum Abbau der Personalstärken, KSZE
- einschließlich dieser neuen Tagesordnung für Rüstungskontrolle -, der dauerhaften Tragfähigkeit der
NATO - einschließlich ihrer Verbindungsstäbe -, der
EG und anderen europäischen Institutionen zusammengenommen, schaffen wir die Grundlage für kooperative Sicherheit in Europa.

Seite 6

Ausweitung der transatlantischen Gemeinschaft
auf die Sowjetunion
Unsere größte Herausforderung wird darin bestehen,
die transatlantische Gemeinschaft auf die Sowjetunion
auszuweiten. Während die neue Architektur dieses
Ziel praktisch verwirklichen kann, wird sie, solange die
Sowjetunion außenpolitisch zögert, unvollständig bleiben.
Perestrojka bietet eine Chance für "neues Denken" in
zahlreichen Bereichen - nicht nur der Außenpolitik, in
der wir gemeinsam viel erreicht haben, sondern auch
der Verteidigungspolitik, Wirtschaft, Demokratisierung,
den Beziehungen zwischen zentraler Führung und den
Republiken sowie Menschenrechten.
Die Revolution der Perestrojka hat einen neuen Pluralismusfreigesetzt. Die alten politischen und wirtschaftlichen Strukturen sind zusammengebrochen. Und es
kostet Zeit, auf dem Willen des Volkes neue aufzubauen.
Die Wahlen in Rußland und anderen Gebieten sind ein
guter Anfang. Wir müssen die unterschiedlichen
Gruppen - Reformer und Traditionalisten - unter Berücksichtigung der Tatsache einbeziehen, daß sich
Koalitionen bilden, auseinanderbrechen und neu bilden werden. Die Umgestaltung der Sowjetunion wird
unweigerlich ihre Höhen und Tiefen haben.
Es sollte jedoch unser kontinuierliches Ziel sein, die
von innen kommenden Bestrebungen in der Sowjetunion zu bekräftigen und sogar zu verstärken. Perestrojka ist ein von der Erkenntnis geleitetes sowjetisches Konzept und Ziel, daß der Wandel unabdingbar
ist, um Stagnation und Verschlechterung aufzuheben.
Es liegt im Interesse der sowjetischen Völker, echte
Marktwirtschaft, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit
zu verwirklichen. Es liegt in unserem Interesse, sie zu
unterstützen.
In den vergangenen Wochen habe ich von dem politischen, wirtschaftlichen, ethnischen, außen- und verteidigungspolitischen Konzept gesprochen, das es der
Sowjetunion gestatten könnte, die Hoffnungen der
Perestrojka zu erfüllen.

Heute habe ich eine Reihe von Wegen angesprochen,
mit denen die NATO, EG, KSZE und andere euroatlantische Strukturen als Modell für die innenpolitische Reform der Sowjetunion und internationale Zusammenarbeit dienen können.
Ich bin mir jedoch auch der Tatsache bewußt, daß die
Vereinigten Staaten aus historischen Gründen eine
besondere Rolle bei der Unterstützung dieses Umge-

AMERIKA DIENST 24

�staltungsprozesses in der Sowjetunion spielen müssen. Während die Sowjets den Willen zur Selbsthilfe
demonstrieren und Präsident Gorbatschows Aufruf in
Oslo, bei Perestrojka und neuem Denken "auf Kurs zu
bleiben", folgen, können und sollten wir ihnen Schritt
für Schritt zur Seite stehen.

Ich hoffe, Präsident Gorbatschow unternimmt nun
neue Bestrebungen zu ernsthaften marktwirtschaftlichen Reformen, die uns gestatten, Perestrojka - ein
sowjetisches Programm mit sowjetischen Zielen voranzubringen. Die Tür zur Euro-Atlantischen Gemeinschaft steht offen. Aber nur die Sowjets können
die Entscheidung treffen, die Schwelle zu übertreten.

Vergangene Woche habe ich vor dem amerikanischen
Senat erklärt: "Wir sind dabei, ein Paket unterstützen- Die euro-atlantische Perspektive
der Maßnahmen zu entwickeln, die wir mit anderen
Vor fünfzig Jahren wäre es undenkbar gewesen, daß
westlichen Ländern koordinieren möchten."
ein amerikanischer Außenminister in Berlin vor DeutNatürlich steht es dem Präsidenten zu, das vollständi- schen und Amerikanern über die Werte der Euroge Paket bekanntzugeben. Wie wir in den vergange- Atlantischen Gemeinschaft spricht. Vor allem, daß er
nen Wochen jedoch ausgeführt haben, könnten einzel- Gedanken über die Sicherstellung dieser Werte in den
ne Bestandteile eine besondere Verbindung mit IWF neuen marktwirtschaftlichen Demokratien Mittel- und
und Weltbank enthalten, um zur Erarbeitung und Osteuropas umreißen würde, sie auf die in den GeDurchführung ernsthafter Wirtschaftsreformen beizu- burtswehen der Reform liegende Sowjetunion ausdehtragen, ein Projekt zwischen öffentlichem und Privat- nen und diese Werte weltweit propagieren würde.
sektor zu entwickeln, um die Hindernisse für Privatin- Unsere Vorgänger haben jedoch das Unmögliche
vestitionen bei der Energieentwicklung zu beseitigen, möglich gemacht. Nun ist es an unserer Generation,
mit denen Devisen ins Land kommen und das ein davon zu profitieren und dann den Geist der AufkläBeispiel für den erfolgreichen Betrieb dieses Sektors rung aufrechtzuerhalten. Um dies zu verwirklichen,
mit Eigentums- und Vertragsrechten liefert; gemein- müssen wir Idealisten und Realisten sein, ein Ziel
same Bestrebungen zur Belebung des Nahrungsmit- setzen und dann unsere erfolgreiche, funktionstüchtitelvertriebssektors, um baldige Verbesserungen für ge transatlantische Architektur anpassen, um den
die Konsumenten durch die Schaffung von Marktinitia- neuen Herausforderungen der Ära nach dem kalten
tiven herbeizuführen; die Umrüstung des Verteidi- Krieg zu begegnen.
gungssektors zu unterstützen, technische Zusammenarbeit zu verbessern, einschließlich Ausbildung im Es ist äußerst angemessen, daß wir diesen Kurs in
wirtschaftlichen Bereich, offeneren Handel sowie Berlin - der Stadt der Freiheit - entwerfen.
zusätzliche 1,5 Milliarden an Kreditbürgschaften, die
der Präsident vergangene Woche für den Kauf von
Getreide bewilligt hat.

*

AMERIKA DIENST 24

* * *

*

Seite 7

�SOWJETUNION
19. Juni 1991

USA UNTERSTÜTZEN SOWJETISCHE REFORMEN
POLITISCH UND WIRTSCHAFTLICH
Baker vor Unterausschuß des Senats
WASHINGTON - (AD) - Außenminister Baker zufolge "fühlen sich die Vereinigten Staaten nach wie vor
verpflichtet, den Erfolg der wirtschaftlichen und politischen Reformen in der Sowjetunion zu fördern".
"Niemand kann die Zukunft vorhersagen und uns den Erfolg der sowjetischen Reformen garantieren. Unseres
Erachtens ist die Sowjetunion jedoch ein ... Land, das sich zu einer demokratischen und wohlhabenden
Gesellschaft wandeln könnte", erklärte Baker vor dem Unterausschuß des Senats zur Bewilligung der Mittel für
das Handels-, Justiz- und Außenministerium sowie die Gerichte am 12. Juni 1991.
"Wenn die Sowjets sich selbst zu einer neuen Zukunft verhelfen", so Baker, "werden wir ihnen behilflich sein.
Wir sind dabei, ein Paket unterstützender Maßnahmen zu entwickeln, die wir mit anderen westlichen Ländern
koordinieren möchten."
Baker fügte hinzu, er werde bald erneut mit Außenminister Bessmertnych zusammentreffen, um dem Abschluß
des START-Vertrags (den Gesprächen über den Abbau strategischer Rüstungen) "weiteren Auftrieb zu
verleihen". In der vergangenen Woche hatte in Genf ein Treffen zwischen Baker und Bessmertnych
stattgefunden.
Nachfolgend veröffentlichen wir Bakers Eröffnungsansprache in Auszügen.

Es ist mir eine Ehre, diesem Unterausschuß die Vorschläge des Au ßenministeriums für das Haushaltsjahr
1992 unterbreiten zu dürfen. Ich möchte diesem
Unterausschuß meinen Dank für die Bereitstellung
zusätzlicher Mittel für das Außenministerium aussprechen. Es war unabdingbar, sowohl die durch die
Golfkrise entstandenen Kosten abzudecken als auch
die äußerst schwierigen Auswirkungen der Haushaltsengpässe zu überwinden. Wie Sie wissen, Herr Vorsitzender, sind wir für die Bemühungen dieses Unterausschusses dankbar, die Bereitstellung angemessener Mittel zu gewährleisten, um die Interessen der Vereinigten Staaten im Ausland zu vertreten. Mit Ihrer
Erlaubnis bitte ich, meine schriftlichen Ausführungen
ins Protokoll aufzunehmen. Zunächst möchte ich
einige kurze Anmerkungen zu meiner jüngsten Reise
nach Kopenhagen und Genf machen.
Erstens kamen die Außenminister der NATO vergangene Woche in Kopenhagen zusammen, um den
politischen Anpassungsprozeß der NATO voranzubringen, da nun nach dem Londoner Gipfel vom Juli
vergangenen Jahres im November das Gipfeltreffen in

AMERIKA DIENST 24

Rom bevorsteht. In Kopenhagen einigte sich das
Bündnis auf wesentliche Sicherheitsfunktionen, die
seine Arbeit beim Aufbau eines neuen Europas und
eines neuen Atlantizismus' leiten werden. Sie stehen
für unsere Übereinstimmung zu Zweck, Charakter und
grundlegenden Aufgaben der NATO in der Zukunft.
Kurzum, wir erfüllen die Versprechungen der Londoner Erklärung vom vergangenen Juli: die NATO an
neue Realitäten anzupassen, unsere militärische Strategie zu ändern und die politische Rolle der NATO als
Bündnis gemeinsamer Werte zu unterstreichen.
Zweitens haben wir unsere Arbeit in Kopenhagen an
zahlreichen anderen Fronten vorangebracht, einschließlich dem Verhältnis der entstehenden europäischen
Sicherheitsidentität zur NATO. Während wir die Erörterung einer europäischen Sicherheitsidentität in Europa begrüßen, haben wir Fortschritte erzielt, damit
eine solche Sicherheitsidentität die NATO ergänzen
und nicht mit ihr konkurrieren wird.
Darüber hinaus haben wir drittens Fortschritte dabei
gemacht, die Beziehungen des Bündnisses zu unseren ehemaligen Gegnern im Osten zu verbessern.

Seite 1

�Unsere Gespräche über die KSZE werden meines
Erachtens ein produktives KSZE-Ministertreffen nächste Woche in Berlin und ein ungeteiltes und freies
Europa fördern.
Es war mir eine Ehre, daß zahlreiche der von Außenminister Genscher und mir vorgeschlagenen Initiativen bezüglich der NATO-Verbindungsstäbe vom
Bündnis angenommen wurden. Unseres Erachtens
werden die von uns bekanntgegebenen Prinzipien den
Sowjets und den Mittel- und Osteuropäern eindeutig
klarmachen, daß die NATO es ernst damit meint,
unseren ehemaligen Gegnern die Hand zu reichen, um
ein Klima des Vertrauens und der Zusammenarbeit in
ganz Europa aufzubauen.
Darüber hinaus sind wir über die Erklärung des Bündnisses zu Mittel- und Osteuropa sehr erfreut. Während diese neuen Demokratien ihren schwierigen
Übergang zu politischer und wirtschaftlicher Freiheit
fortsetzen, hoffen wir, auch diese Erklärung führt ihnen
vor Augen, daß wir im Westen sie weiterhin unterstützen werden.
Viertens hatte ich bei meinem Treffen mit Außenminister Bessmertnych in Genf einen ausführlichen Gedankenaustausch über die noch ausstehenden Themen bei START. Wir kamen überein, daß die verbleibenden Fragen trotz ihrer Schwierigkeit durch harte
Arbeit beider Seiten gelöst werden können. Wir haben
Experten nach Genf entsandt, um die Arbeit an den
eher technischen Problemen zu beschleunigen, und
es ist wahrscheinlich, daß Außenminister Bessmertnych und ich bald erneut zusammentreffen, um dem
Abschluß eines Vertrags weiteren Auftrieb zu verleihen.
Fünftens, bezüglich der Unterstützung des sowjetischen Reformprozesses habe ich meinen Kollegen in
Kopenhagen - ebenso wie kürzlich mehreren sowjetischen Regierungsvertretern - erklärt, daß aus unserer
Sicht Perestrojka in vielen Bereichen eine Chance für
"neues Denken" bietet. Perestrojka birgt die Chance
für neues Denken nicht nur in der Außen- sondern
auch in der Verteidigungspolitik, der Wirtschaft, Innenpolitik und den Beziehungen der Führung zu den
Republiken. Nachdem er diese Revolution in die Wege
geleitet hat, hoffen wir, daß Präsident Gorbatschow wie er in Oslo erklärt hat - bei der Perestrojka "den Kurs
halten" wird.
Er hat in Oslo jedoch auch erklärt, daß die "Perestrojka
jetzt in ihre dramatischste Phase eingetreten ist".
Heute ist es mehr als je zuvor entscheidend, daß die
sowjetische Führung die Gelegenheit ergreift, um mit
den Traditionen zu brechen, die sich als funktionsuntüchtig erwiesen haben. Sie dürfen diese Chance zu
einem Umbruch nicht verpassen.
Die Vereinigten Staaten fühlen sich nach wie vor
verpflichtet, den Erfolg der wirtschaftlichen und politischen Reformen in der Sowjetunion zu fördern.

Seite 2

Niemand kann die Zukunft vorhersagen und uns den
Erfolg der sowjetischen Reformen garantieren. Unseres Erachtens ist die Sowjetunion jedoch ein mit Rohstoffen und talentierten Menschen gesegnetes Land,
das sich zu einer demokratischen und wohlhabenden
Gesellschaft wandeln könnte.
Der Impuls zur Umgestaltung der Sowjetunion ist von
den Sowjets ausgegangen. Die Perestrojka ist hausgemacht. Sie wurde von der Erkenntnis geleitet, daß
Wandel in der Sowjetunion zur Abwendung von Verschlechterung und Niedergang unabdingbar ist. In
dieser Hinsicht bezieht sich die Perestrojka - wie
Präsident Gorbatschow ausreichend klargestellt hat auf sehr viel mehr als die Wirtschaft. Sie ist eine
tiefgreifende Revolution - in der Politik, den Beziehungen der Führung zu den Republiken, der Außen- und
Verteidigungspolitik. In diesen Bereichen sollte die
Perestrojka ebenso wie in der Wirtschaft auf dem Weg
grö ßtmöglicher politischer und wirtschaftlicher Freiheit
und internationaler Kooperation fortschreiten.
Um also die sowjetischen Ziele zu erreichen, die
Hoffnungen der Perestrojka zu verwirklichen und das
reiche Potential der Sowjetunion anzuzapfen, liegt es
im sowjetischen Interesse, sich eine echte Marktwirtschaft mit Privateigentum, Anreizen, Gesetzen über
Verträge, Wettbewerb, einer gesunden Währung und
realen Preisen zu eigen zu machen. Es liegt im
sowjetischen Interesse, die Bemühungen zum Aufbau
eines Staates fortzusetzen, der sich auf Rechtsstaatlichkeit gründet und auf freie und faire Wahlen zusteuert. Es liegt im sowjetischen Interesse, durch Dialog
und Verhandlungen den Bestrebungen der baltischen
Staaten auf friedlichem Wege entgegenzukommen
und einen Unionsvertrag zu vollenden, der den Republiken die von ihnen gewünschte Autonomie gewährt.
Es liegt im sowjetischen Interesse, die positive außenpolitische Orientierung fortzusetzen und gleichzeitig
die augenfälligsten Relikte des Zeitalters der Stagnation zu beseitigen, indem die Unterstützung für solche
Regime beendet wird, die sich innenpolitisch der Unterdrückung und außenpolitisch der Subversion verschrieben haben. Und es liegt im sowjetischen Interesse, die Bemühungen zur Umrüstung von Militärgerät
zu beschleunigen und sich gleichzeitig sowohl zur

Offenlegung des Verteidigungshaushalts als auch zur
erheblichen Reduzierung des Anteils der Verteidigungsausgaben am BSP zu verpflichten.
Kurzum: Die Fortsetzung der Perestrojka liegt vor
allem im Interesse der Völker der Sowjetunion. Deshalb müssen die Sowjets selbst den Willen aufbringen,
den Weg zu einer neuen Zukunft zu öffnen. Und sie
müssen beginnen, sich selbst zu helfen.
Wenn sie dies tun, werden wir sie dabei unterstützen.
Wir können als Katalysator für politische und wirtschaftliche Reformen dienen. Wir sind dabei, ein
Paket unterstützender Maßnahmen zu entwickeln,
das wir mit anderen westlichen Regierungen koordinieren möchten.
AMERIKA DIENST 24

�Wir müssen jedoch berücksichtigen, daß diese Veränderungen nur langfristig wirksam werden. In der
Tagespolitik werden unsere Bemühungen höchstwahrscheinlich einen stufenweisen Prozeß hervorbringen mit einem großen Ziel, aber stets mit einem realistischen und praktikablen Ansatz.
Wir wissen um die schwierigen Entscheidungen, die
von den Sowjets zu treffen sind. Vor allem sind wir uns
der Tatsache bewußt, wie schwierig es sein wird, eine
echte Marktwirtschaft einzuführen. Wir haben jedoch
unsererseits nicht vor, untätig zuzuschauen, wenn die
Sowjets diese Fragen politischer und ökonomischer
Legitimität in den Griff bekommen. Die Perestrojka
könnte die wichtigste Revolution dieses Jahrhunderts
werden. Wir alle haben ein grundlegendes Interesse
an ihrem Ergebnis.
In dieser Hinsicht, Herr Vorsitzender, möchte ich betonen, wie wichtig es ist, daß wir das Problem mit unserer
Botschaft in Moskau lösen. Das Feuer hat die schwierige Lage erheblich verschärft. Wir stehen schlicht und
einfach an einem Punkt, an dem es für unsere Leute in
Moskau äußerst schwierig ist, dem von ihnen heute zu
erfüllenden Auftrag gerecht zu werden, ganz zu schweigen von der zusätzlichen Arbeitsbelastung, die wahrscheinlich dann entstehen wird, wenn die Sowjets die
Reformen fortsetzen. Mit der Ernennung eines neuen
Botschafters ist es an der Zeit, dieses Problem zu
lösen und der Botschaft der Vereinigten Staaten in
Moskau den angemessenen Stellenwert für die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen in unserer Außenpolitik einzuräumen.
Die Administration würde jeden der von Senat und
Repräsentantenhaus verabschiedeten Ansätze "abreißen und neu bauen" oder "Aufstockung" umgehend verwirklichen. Entscheidend ist jedoch,
daß der Kongreß einen Weg findet, um eine Einigung
zwischen Repräsentantenhaus und Senat zu erzielen.
Die Pattsituation bei diesem Problem steht unseren
nationalen Interessen diametral entgegen.
Bevor ich auf Ihre Fragen eingehe, Herr Vorsitzender,
möchte ich noch kurz den Meistbegünstigungsstatus
für China erörtern. Ich möchte dabei eine einfache
Feststellung treffen: wenn wir irgend etwas aus den
vergangenen zwei Jahren gelernt haben, dann dies,
daß ein amerikanisches Engagement für die Förderung demokratischer Werte unerläßlich ist. Wir stimmen natürlich zu, daß China in den Bereichen Menschenrechte, Nichtverbreitung und Handel Verbesserungen durchführen muß - und wir werden die bestehenden Gesetze im Hinblick auf diese Bereiche peinlich genau anwenden. Der Versuch, eine Regierung
durch den Abbruch von Beziehungen mit der Bevölkerung zu isolieren, stellt jedoch eine kontraproduktive
Politik dar, und genau dies würde von chinaspezifischen Bedingungen für den Meistbegünstigungsstatus erreicht werden. Der Meistbegünstigungsstatus ist
ein grundlegendes Element, um die chinesische Gesellschaft weiterhin für den Westen offen zu halten und

AMERIKA DIENST 24

seine Beibehaltung ist der sicherste Weg, um wirtschaftliche Reformen und letztlich das Wachsen
demokratischer Werte in dieser Gesellschaft zu fördern.
Der Haushaltsantrag
Um unserem gesamten Haushaltsantrag für internationale Angelegenheiten im Haushaltsjahr 1992 einen
Rahmen zu geben, möchte ich fünf weitgefaßte politische Ziele ansprechen, die sich auf die von mir im
vergangenen Jahr vor dem Kongreß erörterten fünf
außenpolitischen Herausforderungen gründen.
Erstens die Förderung und Konsolidierung demokratischer Werte, einschließlich freier und fairer Wahlen
und Achtung der Menschenrechte. Wie der Präsident
in seinem Bericht zur Lage der Nation ausführte, war
dieses amerikanische Grundprinzip seit über zwei
Jahrhunderten ein Symbol für die Völker der Welt.
Zweitens die Förderung der freien Marktwirtschaft und
Stärkung der amerikanischen Konkurrenzfähigkeit.
Dauerhafte wirtschaftliche Entwicklung ist untrennbar
mit dem Streben nach gesunden, wachstumsorientierten Maßnahmen verbunden. Zusammen können beide Elemente die amerikanischen Wirtschaftsinteressen im Ausland fördern.
Drittens die Förderung des Friedens durch Hilfe bei der
Entschärfung regionaler Konflikte, Stärkung der Sicherheit unserer regionalen Partner und Streben nach
Rüstungskontrolle sowie Bemühungen um die Nichtverbreitung.
Viertens der Schutz gegen grenzüberschreitende
Bedrohungen, insbesondere für die Umwelt und durch
Drogen und Terrorismus.
Schließlich die Erfüllung dringender humanitärer Bedürfnisse durch rechtzeitige Entwicklungs-, Nahrungsmittel, Katastrophen- und Flüchtlingshilfe.
Herr Vorsitzender, in Zusammenarbeit mit Ihnen im
Kongreß und unseren Partnern in der Welt streben wir
zur Förderung dieses weltweiten Programms die Nutzung der folgenden fünf Hauptmechanismen an:
Erstens flexiblere und integrierte Behörden für bilaterale Hilfe. In dem von uns kürzlich im Kongreß
eingebrachten Bewilligungsgesetz streben wir eine
flexiblere Struktur für die Verwaltung der Auslandshilfemittel sowie eine bessere Fähigkeit an, Mittel sowohl
innerhalb wie zwischen verschiedenen Einzeletats
umzuschichten, um dringende, unerwartete Bedürfnisse zu erfüllen.
Zweitens die kreativere Anwendung multilateraler
Mechanismen zur Förderung unserer Ziele durch die
internationalen Finanzinstitutionen und die Vereinten
Nationen, deren Mittel in den Verantwortungsbereich
dieses Unterausschusses fallen.
Die Vereinten Nationen haben in der Golfkrise eine
historische Rolle gespielt, die der Vision ihrer Begründer nahekommt. Die 14 Resolutionen des SicherheitsSeite 3

�rats, mit denen die Grundlage für die Beendigung der
Krise geschaffen wurde, verkörpern die Einheit der
internationalen Staatengemeinschaft gegen die Aggression des Irak und verankerten das Prinzip der
kollektiven Sicherheit als Eckstein des Zeitalters nach
dem kalten Krieg.
Gleichzeitig koordinieren die humanitären UN-Organisationen zusammen mit dem Internationalen Komitee
vom Roten Kreuz und der Internationalen Organisation für Migration umfassende internationale Bestrebungen, um den Tausenden von Flüchtlingen zu helfen, die die irakische Aggression hervorgebracht hat.
Die Vereinigten Staaten haben ein vitales Interesse an
der Stärkung dieser neubelebten Vereinten Nationen
als einem vollwertigen Partner beim Aufbau einer Welt
nach dem kalten Krieg, in der Frieden, Stabilität und
Wohlstand vorherrschen. In der Tat spielt unser
Antrag bei diesem Unterausschuß eine wichtige Rolle
bei der Verwirklichung dieser Zielsetzung: wir streben
die vollständige Finanzierung aller gegenwärtigen UNAktivitäten an und wollen, daß der Plan des Präsidenten zur Zahlung unserer Rückstände finanziert wird.
Drittens prognostizieren wir größeres Vertrauen auf
kreative Teilung der Verantwortung, wenn wir unsere
Partnerschaften weltweit, insbesondere mit der Europäischen Gemeinschaft und ihren Mitgliedern sowie
mit Japan stärken. Viele Kongreßabgeordnete sind
sich darüber im klaren, daß unsere eigene angespannte Haushaltslage solche Bestrebungen noch wichtiger
werden läßt, um ein gemeinsames Programm mit
Partnern voranzutreiben, die unsere Werte und Interessen teilen.
Keine Maßnahme dokumentiert die kollektive Reaktion der internationalen Staatengemeinschaft zur Verteidigung des Friedens so anschaulich wie unsere
erfolgreichen Maßnahmen zur Sicherung weltweiter
Unterstützung für die Operationen Wüstenschild und
Wüstensturm und für die Frontstaaten, deren Volkswirtschaften durch die Aggression Saddam Hussein
Rückschläge erlitten haben. Eine starke Führung der
Vereinigten Staaten und gemeinsame Werte und Interessen waren unabdingbar, um die umfassende
weltweite Reaktion zu katalysieren, wie wir sie erfahren haben.
Viertens halten wir den kreativeren Einsatz von Handels- und Investitionsmaßnahmen als Mittel zur Förderung amerikanischer Interessen am Weltwirtschaftswachstum und zur Verbesserung unserer eigenen
wirtschaftlichen Stärke für möglich.
Schließlich sind wir herausgefordert, zur Förderung
unserer Ziele eine aktivere Diplomatie zu verfolgen,
und ich bitte um Ihre Unterstützung für einen Haushalt
des Außenministeriums, der Ressourcen und Flexibilität bietet, um der gro ßen Bandbreite vor uns liegender
diplomatischer Herausforderungen gerecht zu werden.

Seite 4

Meiner Ansicht nach kommt die Golf krise zeitlich sehr
gelegen, um an die Rolle des Außenministeriums an
den "Frontlinien", beim Schutz amerikanischer Bürger
und der Verteidigung amerikanischer Interessen zu
erinnern. Im In- und Ausland haben unsere Mitarbeiter - Diplomaten und Beamte - wertvolle Beiträge
geleistet, um die Politik des Präsidenten durchzuführen. Dazu einige Beispiele:
Die Mitarbeiter unserer Botschaft in Kuwait haben in
den ersten Monaten der irakischen Besetzung dem
kuwaitischen Volk ein Zeichen gesetzt, daß wir die
Vereinnahmung ihres Landes durch einen machthungrigen Nachbarn nicht dulden würden.
Die effektive Führungskraft in Washington, New York
und in unseren ausländischen Vertretungen hat zur
Mobilisierung der internationalen Unterstützung für die
diplomatische Isolierung des Irak und damit zur erfolgreichen Neubelebung der UN-Prinzipien beigetragen.
Unsere Vertretungen im Nahen Osten - viele mit
reduziertem Personal - haben professionell auf die
außergewöhnliche Flut offizieller Besuche vor, während und nach dem Krieg reagiert.
Wie Sie wissen, Herr Vorsitzender, ist die Förderung
von US-Interessen im Ausland eine zunehmend kostspielige Pflicht, umso mehr durch die Anforderungen
an das Außenministerium, seine Arbeit zu erweitern,
um neue politische und wirtschaftlichen Chancen auf
der ganzen Welt ergreifen zu können. Wechselkursschwankungen, höhere Inflationsraten im Ausland und
die kontinuierliche Notwendigkeit zur Verbesserung
der Sicherheit unserer Vertretungen und unserer Mitarbeiter im Ausland tragen noch zur weiteren Verschärfung des Problems bei. Heute sehen wir uns
einer potentiellen und beunruhigenden Schwächung
unserer Infrastruktur bei den auswärtigen Angelegenheiten gegenüber, und dies zu einer Zeit, da wir
aufgefordert sind, uns außergewöhnlichen neuen
Herausforderungen zu stellen.
Internationale Organisationen
Der Präsident hat die Dringlichkeit der Wiederherstellung finanzieller Lebensfähigkeit der Vereinten Nationen und anderer internationaler Organisationen betont. Nach mehrjährigen Bestrebungen des Kongresses und der Regierung freuen wir uns, eine greifbare
Bewegung bei den Reformen des Haushalts und der
Verwaltung innerhalb der Vereinten Nationen und ihren Unterorganisationen feststellen zu können. Niemand, der die Reaktion des UN-Sicherheitsrats auf die
jüngsten Ereignisse am Persischen Golf beobachtet
hat, könnte die Bedeutung eines amerikanischen Interesses an finanziell gesunden Vereinten Nationen
leugnen.
Wir setzen uns für die vollständige Finanzierung der
amerikanischen Beiträge im Rahmen bestehender
Gesetze ein, und wir wollen unsere Rückstände aus

AMERIKA DIENST 24

�den vergangenen Jahren in den nächsten vier Jahren
abzahlen. Wir danken für die vollständige Finanzierung im Haushaltsjahr 1991, die erste Mittel für den
notwendigen Prozeß der Abzahlung von Rückständen
beinhaltete. Für das Haushaltsjahr 1992 fordern wir
die Ausgabeermächtigung für 750 Millionen Dollar, um
unsere gegenwärtigen Beiträge an internationale
Organisationen zahlen zu können, plus 371 Millionen
Dollar zur Abzahlung der Rückstände, die in den
kommenden vier Jahren gezahlt werden sollen. Für
Maßnahmen zur weltweiten Friedenssicherung fordern wir 69 Millionen Dollar, um unsere finanziellen
Verpflichtungen voll und ganz erfüllen zu können, plus
132 Millionen Dollar für Rückstände, die ebenfalls
innerhalb von vier Jahren gezahlt werden sollen.
Von diesen drei Initiativen abgesehen, werden unsere
wichtigsten Programme Minimalanforderungen gerecht.

Öffentlichkeitsarbeit
Öffentlichkeitsarbeit wird eines unserer wichtigsten
Instrumente sein, wenn wir die weltweite Hinwendung
zu Demokratie und politischem Pluralismus fördern
wollen. Für die wertvolle Arbeit des US-Informationsamtes und die Behörde für den Internationalen Rundfunk beantragen wir aus dem Haushalt für 1992 1,3
Milliarden Dollar, eine geringfügige Erhöhung gegenüber dem Vorjahr. In diesem Rahmen werden neue
Schwerpunkte bei Informations- und Kulturprogrammen in Osteuropa, der Sowjetunion und der islamischen Welt liegen.
Herr Vorsitzender, ich danke Ihnen nochmals für diese
Gelegenheit, unseren Finanzierungsvorschlag für das
Außenministerium im Haushaltsjahr 1992 hier erläutern zu dürfen. Wirfreuen uns auf die Zusammenarbeit
mit Ihnen, um zu gewährleisten, daß wir weiterhin über
angemessene Mittel zur Förderung amerikanischer
Interessen im Ausland verfügen.

* *

AMERIKA DIENST 24

*

Seite 5

�NACH

DEM

GOLFKRIEG
19. Juni 1991

DER PRÄSIDENT UND DIE PARTEIEN NACH DEM
GOLFKRIEG
von Jeffrey Alderman
Der folgende Beitrag von Jeffrey Alderman, dem Leiter der Abteilung Meinungsumfragen bei ABC News, ist Teil
einer Serie von mehreren Artikeln. Sie behandeln George Bushs Position als Präsident und die Stärke der beiden
großen Parteien an dieser Wegscheide nach Beendigung des Krieges gegen den Irak und vor der hei ßen Phase
der Wahlkämpfe des Jahres 1992. Der Beitrag ist zuerst in der Ausgabe Mai/Juni 1991 von The Public
Perspective erschienen, einem zweimonatlich erscheinenden Magazin, das vom Roper Center for Public
Opinion Research an der University of Connecticut herausgegeben wird. Nachdruck und Übersetzung mit
Genehmigung.

Hätten die Wahlen des Jahres 1992 im März dieses
Jahres stattgefunden, dann hätte Präsident Bush einen Erdrutschsieg davongetragen, dessen Schwungkraft gro ß genug gewesen wäre, um den Senat zurückzuerobern und die demokratische Mehrheit im Repräsentantenhaus deutlich zu schmälern.
Der Grund: Der Krieg hat Bush zu einem der populärsten Präsidenten der neueren Geschichte gemacht.
Seine Zustimmungsquote lag Anfang März höher als
die aller Präsidenten seit Franklin D. Roosevelt. Obwohl
sie inzwischen etwas zurückgegangen ist, bleibt das
Ansehen des Präsidenten außergewöhnlich hoch. Bushs
Popularität hat zudem auf die Republikanische Partei
abgefärbt, die heute zumindest ebenso viele Anhänger
zählt wie die Demokraten. Jüngste Umfragen von
ABC/Washington Post deuten an, daß die Wahlen des
Jahres 1992 sogar einen bedeutenden politischen
Umbruch herbeiführen könnten, wenn Bush und die
Republikaner es schaffen, ihre Gewinne in den nächsten 18 Monaten zu konservieren und in dieser Zeit
glaubwürdige Kandidaten für den Kongreß aufzustellen.
Zum Glück für die Demokraten bedeuten eineinhalb
Jahre in der Politik eine Ewigkeit. Die Rezession,
andere Punkte auf der innenpolitischen Tagesordnung
sowie der Amtsbonus der heutigen Senatoren und
Abgeordneten könnten ihnen noch einen Umschwung
bringen. Die gegenwärtigen Zahlen liegen jedoch für
die Republikaner sehr hoch, und wenn sich die Demokraten lediglich auf zufällige Ereignisse und den Amtsbonus verlassen, um ihre politischen Kastanien aus
AMERIKA DIENST 24

dem Feuer zu holen, könnten sie am 3. November
1992 wesentlich mehr verlieren als die Präsidentschaft.
Sie haben es nicht nur mit einem populären Präsidenten zu tun. Ihnen steht vielmehr ein populärer Präsident gegenüber, dessen Zustimmungsrate einen Trend
zu seiner Partei beschleunigen könnte, der im großen
und ganzen zumindest seit der ersten Amtszeit Ronald
Reagans stetig zugenommen hat. Zur Zeit sehen sich
die Demokraten mit einer Öffentlichkeit konfrontiert,
die nicht nur einen populären republikanischen Präsidenten wiederwählen möchte, sondern auch noch
erwägt, ihm einen republikanischeren Kongreß zur
Seite zu stellen. Und sie erwägt dies sogar mitten in
einer Rezession, in der die Republikaner das Weiße
Haus kontrollieren. Man stelle sich ihre Präferenzen
erst vor, wenn wirtschaftlich bessere Zeiten anbrechen!
Parteienloyalität
Über die durch den Kriegsenthusiasmus begründeten
Beurteilungen des Präsidenten hinaus sehen die Zahlen
für die Republikaner seit langem sehr viel vielversprechender aus. Im Hinblick auf die Partei Präferenz gibt
es in der Tat ebensoviele Republikaner wie Demokraten. Bei einer vom 1. bis 4. März durchgeführten
Umfrage zur Bevorzugung der jeweiligen Partei gaben
31 Prozent der Erwachsenen die Demokraten und 31
Prozent die Republikaner an. Als die 37 Prozent, die
den Begriff "unabhängig" bevorzugten, gefragt wurden, zu welcher Partei sie neigen, wählten 15 Prozent
Seite 1

�die Demokraten, wohingegen sich 17 Prozent für die
Republikaner entschieden. Diese starke Tendenz zu
den Republikanern ist nur zum Teil ein Phänomen des
außerordentlich positiven Abschneidens des Präsidenten bei den Umfragen. Selbst ohne solch hohe
Prozentzahlen zugunsten des Präsidenten hat sich
der durchschnittliche Punktvortefl der Demokraten bei
der Parteiidentifizierung gegenüber den Republikanern in den vergangenen 12 Jahren ständig verringert
- von über 20 Punkten Ende der siebziger Jahre auf
nahezu einen Gleichstand heute. Bevor der Abstieg
begann, konnten die Demokraten bei der Identifizierung mit der Partei praktisch 50 Jahre lang einen
Vorsprung von 15 bis 20 Punkten verzeichnen. Diese
Verlagerung in der Bevölkerung fand ihren Niederschlag bei der Parteiidentifizierung der Wähler in jeder
seit den achtziger Jahren nach Verlassen des Wahllokals durchgeführten Umfrage. Es war weder ein
kontinuierlicher noch jäher Abstieg für die Demokraten. Er war jedoch beachtlich genug, um den Punkt zu
erreichen, an dem die Demokraten nicht länger den
Anspruch erheben können, die Mehrheitspartei zu
sein. Obwohl die Republikaner ihren Anteil bei der
Parteizugehörigkeit in den vergangenen 12 Jahren um
rund 10 Prozentpunkte verbessern konnten, können
auch sie nicht die Mehrheit beanspruchen. Eine von
ABC im Frühjahr durchgeführte Meinungsumfrage
belegte, daß die Zuwächse der Republikaner bei der
Identifizierung zusammen mit Bushs Popularität wieder etwas abnahmen.

Die Demokraten verfügen nur in einem Teil des Landes
- dem Osten, der 20 Prozent des Landes ausmacht über eine knappe Mehrheit. Und der Volkszählung von
1990 zufolge verliert diese Region Wählerstimmen.
Die Republikaner hingegen können 52 Prozent im
Westen auf sich vereinigen -19 Prozent des Landes.
Auch im Mittelwesten, wo 24 Prozent der Bevölkerung
leben, haben sie einen Vorsprung von 49 zu 39 gegenüber den Demokraten.

Liberale

15

Die Demographie von heute

61 Jahre oder älter

12

Die Zahlen im Hinblick auf Identifizierung mit der Partei
in einer politisch detaillierteren Umfrage vom März
zeigen, daß der Großteil der die Demokratische Partei
unterstützenden Gruppen älter, ärmer und weniger
gebildet ist als die meisten Amerikaner. Betrachtet
man die "Neigung" bei der Parteiidentifizerung - einschließlich derjenigen, die sich zunächst als unabhängig bezeichnen, bei einer Folgefrage jedoch angeben,
sie tendierten entweder zu den Demokraten oder Republikanern, so setzt sich die Liste von Gruppen, bei
denen die Mehrheit die Demokraten bevorzugen, folgendermaßen zusammen: Schwarze, Liberale, ältere
Mitbürger, High School-Abbrecher, Gewerkschaftsmitglieder, die Armen und Katholiken. Im Gegensatz
dazu befinden sich auf der Liste zugunsten der Republikaner Weiße, Konservative, Jugendliche, Collegeabsolventen, die Mittelklasse, die Reichen und weiße
Protestanten.

Keine High School-Ausbildung

13

Gewerkschaftsmitglieder

10

Auf den ersten Blick enthalten beide Listen keine
großen Überraschungen. Einige Berechnungen im
Hinblick auf die Auswirkungen des Wahlverhaltens
ergeben jedoch, daß die republikanische Liste entschieden mächtiger istt und zwar, weil die Republikaner mehr große Gruppen als die Demokraten für sieh
gewinnen. Zum Beispiel: 75 Prozent der Schwarzen
bevorzugen die Demokraten, wohingegen nur 51 Prozent

Seite 2

der Weißen für die Republikaner sind. Aber diese
schwarzen Demokraten entsprechen nur 8 Prozent
der Gesamtbevölkerung, während die weißen Republikaner 41 Prozent ausmachen. Tabelle 1 zeigt die
stärksten Gruppen und ihren Anteil an der Bevölkerung. Mit anderen Worten: Die größeren demographischen Gruppen tendieren zu den Republikanern und
die kleineren zu den Demokraten.
Regionale Stärke

Tabelle 1
Gruppen, bei denen sich die absolute Mehrheit (einschließlich Tendenzen) als republikanisch oder demokratisch identifizieren und Anteil an der Bevölkerung
Demokraten
Schwarze

Einkommen unter 12.000 Dollar
Katholiken

8

Prozent

9
15

Tabelle 2
Republikaner
Weiße

41

Konservative

22

18-30 Jahre

14

Collegeabsolventen

21

Mittelschicht

23

Prozent

Einkommen
über 50.000 Dollar

12

Weiße Protestanten

28

Im Süden (wo 37 Prozent der Bevölkerung leben)
haben beide Parteien den gleichen Zulauf - 47 Prozent
bekennen sich zu den Demokraten und 47 Prozent zu

AMERIKA DIENST 24

�den Republikanern. Wenn eine Zahl jemals belegt hat,
daß die alte demokratische Präsidentschaftskoalition
von Nord und Süd tot und begraben ist, dann diese.
Der immense Vorsprung, den die Demokraten im
Laufe der Geschichte im Süden innehatten, existiert
nicht mehr.
Die katholischen Wähler
Einer der wichtigsten Gründe, warum die Demokraten
immer noch einen Vorsprung im Osten haben, besteht
darin, daß weiße Katholiken sich nach wie vor - zum
Teil aufgrund ihrer Familientradition - als Demokraten
betrachten. Aber die Katholiken fühlen sich seit langem bei den Präsidentschaftswahlen zu den Republikanern hingezogen und könnten Ihnen auch im Repräsentantenhaus eine Chance geben.
Die vom 1. bis 4. März von ABC News und der
Washington Post durchgeführte Umfrage zeigte, daß
eine klare Mehrheit aller Katholiken immer noch den
Mitgliedsausweis der Demokraten vorziehen, aber
gespalten waren, welche Partei die Probleme des
Landes oder die Wirtschaft besser in den Griff bekommen kann. Gegenwärtig erklären 70 Prozent aller
Katholiken, sie würden Bush zum Präsidenten wählen.
Noch wichtiger ist vielleicht die Tatsasche, daß sie im
Hinblick auf ihre Wahlentscheidung für das Repräsentantenhaus 1992 in zwei gleich große Lager gespalten
sind. Das bedeutet, die Katholiken als größte und
treueste Wählergruppe der Demokraten - die 3 von 10
Wählern stellt - denken daran, schon an der Basis
abzuspringen.
Andere starke Gruppen bei den Demokraten planen,
1992 Demokraten in das Repräsentantenhaus zu
wählen, aber wie die Übersicht der Wähler bei der
Präsidentschaftswahl 1988 zeigt, stehen sie damit
ziemlich allein da (siehe Tabelle 2). Befragt zu ihrer
Entscheidung bei der Präsidentschaftswahl 1992, stimmen alle Stammwähler der Demokraten - auch die
Schwarzen - für Bush.
Die Stärken der Demokraten
Die Demokraten sind gegenwärtig eine demoralisierte
Gruppe, aber nicht ohne Hoffnung, gegenüber der
"Grand Old Party" wieder an Boden zu gewinnen, und
diese Hoffnung erfordert keine anhaltende, einschnei-

*

AMERIKA DIENST 24

*

dende Rezession (obwohl sie helfen würde). Bei der
Parteidentifizierung liegen Demokraten und Republikaner gleichauf, diese Zahlen variieren jedoch je nach
den Umständen kräftig. Es ist noch zu früh, um zu
erkennen, ob sich die jüngsten Zugewinne der Republikaner als dauerhaft erweisen werden. Und es ist
ganz sicher noch zu früh, um die Verluste der Demokraten im Repräsentantenhaus und Senat oder für
1992 einen Wahlsieg von Präsident Bush vorherzusagen.
Die Öffentlichkeit hat keine klare Vorstellung, wohin
Bush die Nation innenpolitisch führen wird. Nur 22
Prozent aller Amerikaner behaupten, sie wüßten genau, wohin er das Land in den kommenden zwei
Jahren lenken will. 37 Prozent haben "ungefähr eine
Vorstellung" und 40 Prozent "kaum eine Vorstellung".
Vielleicht können die Demokraten der Öffentlichkeit
eine bessere Idee davon vermitteln, wohin das Land
ihrer Meinung nach geführt werden sollte. Es gibt
zahlreiche innenpolitische Probleme au ßer der Rezession, bei denen sie die Regierung herausfordern könnten. Die Öffentlichkeit glaubt, bei einer Reihe von
Themen würden nicht genug Fortschritte erzielt - von
Drogen und Verbrechen bis zu Bildung und Umwelt.
Die Demokratische Partei hat die "Grand Old Party"
erfolgreich als Partei der Reichen und sich selbst als
die Partei der Armen dargestellt. Natürlich sind es die
Menschen in der Mitte, die über die meisten Stimmen
verfügen, aber ein etwas größerer Anteil der Bevölkerung hält die Demokraten für bessere Vertreter der
Mittelschicht als die Republikaner (44 zu 37 Prozent).
Auf die Frage, welche Partei am besten in der Lage sei,
"etwas für die Mittelschicht zu tun", liegen die Demokraten mit 48 zu 34 Prozent der Stimmen klar vorn.
Das ist eine Basis, auf der neue Wähler gewonnen
werden können.
Zum Nachteil gereicht den Demokraten, daß Wähler,
die sich der Mittelschicht zuordnen, bei den Wahlen für
das Repräsentantenhaus mit 54 zu 35 Prozent für die
Republikaner und mit 72 zu 16 Prozent für Bush
stimmen wollen. Wenn die Demokraten weiterhin
zulassen, daß der Präsident und seine Partei das
innenpolitische Programm bestimmen, dann könnte
dies das Ergebnis der nächsten Wahlen werden.

*

*

Seite 3

�NACH

DEM

GOLFKRIEG
19. Juni 1991

DER PRÄSIDENT UND DIE PARTEIEN
NACH DEM GOLFKRIEG
Interview mit Richard Wirthlin
Das folgende Interview mit dem Vorsitzenden der Wirthlin Group und Republikaner Richard Wirthlin ist Teil einer
Serie von mehreren Artikeln über George Bushs Position als Präsident und die Stärke der beiden großen Parteien
an diesem Wendepunkt nach Beendigung des Krieges gegen den Irak und vor der hei ßen Phase der Wahikämpf e
des Jahres 1992.
Der Beitrag ist erstmals unter dem Titel "The Bush Presidency and the Political Parties after the Gulf War" in der
Ausgabe Mai/Juni 1991 der Zeitschrift The Public Perspective erschienen, die alle zwei Monate vom Roper
Center for Public Opinion Research an der University of Connecticut herausgegeben wird. Der Nachdruck erfolgt
mit freundlicher Genehmigung dieser Institution.

Erfolgreiche Kriege treiben die Bewertung des Präsidenten höher als alle anderen Ereignisse. Das gilt
insbesondere, wenn die Öffentlichkeit einen Krieg für
notwendig und erfolgreich erachtet. Solche Kriege
müssen heute 1. gegen einen Feind ausgefochten
werden, der eindeutig internationale Normen und
Maßstäbe verletzt hat, 2. gegen einen Schurken in
Person gekämpft werden - eine Rolle, die Saddam
Hussein sehr gut ausfüllen kann und 3. in einer eindeutigen Lösung des Konflitks münden. All dies wirkte sich
im Golfkonflikt zum Vorteil von Präsident Bush aus.
Die Leiden der Kurden nach dem Krieg haben das
Ansehen von Präsident Bush bei den Amerikanern
nicht geschmälert. Dennoch ist es ziemlich bemerkenswert, daß er so gut bewertet wird, insbesondere,
daß ihm in unserer nationalen Untersuchung vom
März 1991, als die Zustimmung für ihn 82 Prozent
betrug, ganze 56 Prozent der Befragten ihre einhellige
Unterstützung für sein Vorgehen aussprachen. Das ist
tatsächlich eine sehr große Zahl.
Frage: Wie verhalten sich die 56 Prozent der Befürworter zu den besten Ergebnissen für Ronald Reagan?
Antwort: Zwei von Reagans besten Ergebnissen
zeigten sich in unseren Untersuchungen im November
1985 mit 75 Prozent und im April 1986 mit ebenfalls 75
Prozent. Ich erinnere mich, daß unmittelbar nach dem
Genfer Gipfeltreffen bei unseren Folgeuntersuchungen noch eine höhere Zahl erreicht wurde. Zu diesem

AMERIKA DIENST 24

Zeitpunkt waren jedoch nur 40 bis 42 Prozent starke
Befürworter. Damit ist Bush mit seinen 56 Prozent
ungewöhnlich stark. Die Frage lautet jedoch nach wie
vor: "Wie fest ist Bushs gegenwärtige Position?"
Bewertungen von 70 Prozent und mehr sind "stratosphärisch" - es ist auch für eine populären Präsidenten
schwierig, in dieser Höhe noch Sauerstoff zu atmen.
Wenn der Präsident als wichtiger Motor positiver Veränderungen betrachtet wird, wenn er Veränderungen
auf eine Weise zu kontrollieren scheint, die mit den
Erwartungen und Werten der Amerikaner im Einklang
steht, dann gehen seine Bewertungen steil nach oben.
Aber wie alle Sterblichen bewirken Präsidenten nicht
nur positive Veränderungen: manchmal fallen sie
selbst Veränderungen zum Opfer. Wenn Sie sich zum
Beispiel Roosevelts Beliebtheit Mitte der vierziger Jahre
vor Augen führen, so verlor er zwischen Mai und
September 18 Prozent auf seiner Beliebtheitsskala.
Obwohl während des Krieges nicht viele Meinungsumfragen veröffentlicht wurden, sank seine Beliebtheit
von Anfang bis Ende des Jahres 1942 um 15 bis 16
Prozentpunkte. Ein anderer beliebter Präsident, Dwight
Eisenhower, unterlag Ereignissen, die er nicht kontrollieren konnte. Seine Beliebtheitsrate lag Ende des
Jahres 1956 bei ewa 78 Prozent. Dann wurde er in den
Kampf um den Haushalt verwickelt, schickte Truppen
nach Little Rock und sein Stern sank - seine Beliebtheitsskala erholte sich nicht, bis er Marineinfanteristen
in den Libanon entsandte. Sie sank wiederum Ende
des Jahres 1959 und Anfang des Jahres 1960, nach
Seite 1

�dem Zwischenfall mit der U-2 und der Absage einer
Japanreise. Von allen Präsidenten seit Roosevelt sind
Eisenhowers Beurteilungen möglicherweise die stabilsten - dennoch sank seine Beliebtheit von Ende des
Jahres 1959 bis Mitte 1960 von 75 auf 50 Prozent.
Dies zeigt, daß kein Präsident seine Beliebtheit als
"sichere Bank" verbuchen kann.
Ich muß jedoch sagen, daß gegenwärtig alles sehr gut
für George Bush aussieht. Erstes ist es unwahrscheilich, daß er noch einmal als schwach oder - umgangssprachlich - als "Niete" dargestellt wird. Diesen Vorwurf hat er ein für allemal begraben. Ein anderer
Faktor zu seinen Gunsten ist die Verlagerung in der
Identifizierung mit der Partei zugunsten der Republikaner. Als ich im Frühjahr des Jahres 1980 die Strategie
für die Reagan-Kampagne entwarf, bezeichneten sich
51 Prozent aller Amerikaner als Demokraten und nur
28 Prozent als Republikaner. In den Jahren unter
Reagan sank dieser Vorsprung der Demokraten erheblich bis auf eine einstellige Zahl. Dieser Trend hält
an: unsere Untersuchung vom Januar 1991 zeigte
einen 3prozentigen Vorsprung der Republikaner, und
andere Untersuchungen zeigen einen Gleichstand der
Parteien. Wir sollten jedoch den Übergang ins nächste
Jahr genau beobachten und abwarten, ob die Republikaner ihre gegenwärtige Position beibehalten können.
Wenn die Republikaner in einem Jahr auch nur einen
geringen Vorsprung von ewa 3 oder 4 Prozent haben,
wird dieser geringfügige Vorsprung bei der Parteiidentifizierung George Bush einen starken politischen Puffer
liefern, über den er 1989 noch nicht verfügte und den
Ronald Reagan 1980 ganz sicher nicht hatte.
Eine weitere positive Komponente von Bushs heutiger
Stellung ist die Wahrscheinlichkeit, daß uns keine
einschneidende Rezession bevorsteht. Obwohl das
Vertrauen der Verbraucher nicht immer ein zuverlässiges Instrument ist, um die künftige Wirtschaftslage
vorherzusagen, ist es in Zusammenhang mit anderen
Maßnahmen kein schlechter Indikator. Wir haben
gerade eine beispiellose Zunahme des Verbrauchervertrauens festgestellt. Das gleiche kommt meines
Erachtens auch in den Zahlen von Conference Board
und Michigan Survey Research Center zum Ausdruck.
Und die Entwicklung der verfügbaren Realeinkommen
von November dieses Jahres bis Oktober des nächsten Jahres wird schließlich der wichtigste Indikator für
die Wiederwahlchancen des Präsidenten sein. Zur
Zeit scheint es, als ob es um die Wirtschaft bis Ende
des Jahres besser bestellt sein wird.
Einen letzten Faktor, den ich als für Präsident George
Bush günstiges Element anführen möchte, ist das
Fehlen starker demokratischer Herausforderer. Von
allen politischen Vorteilen, die Bush in den vergangenen zwei bis drei Monaten errungen hat, würde ich
diesen ziemlich weit oben ansiedeln. Die Demokraten
müssen bald einen Herausforderer für Bush finden,
jemanden, der ihre Sache eloquent verfechten und
natürlich damit beginnen kann, die organisatorischen
Seite 2

Voraussetzungen für einen Präsidentschaftswahlkampf
zu schaffen. Obwohl sie alle gute Leute sein mögen,
stellt von den Demokraten, die heute aktiv die Nominierung anstreben, keiner für den Präsidenten eine
ernsthafte Herausforderung dar.
Trotzdem besitzen die Demokraten bei einigen politischen Fragen Vorteile. Meines Erachtens muß Präsident Bush zur Zeit in der Innenpolitik mit Vorsicht zu
Werke gehen. Ich glaube nicht, daß er davon ungestraft Abstand nehmen kann. Ich war erfreut, als er
kürzlich eine starke Haltung zu Bildungsfragen einnahm. Wenn sich jedoch die Wirtschaft erholt, wird es
für die Demokraten sehr schwierig, bei irgendeinem
Problem den Hebel anzusetzen.
Frage: Noch eine Frage zu Bush persönlich. Über
seine Präsidentschaft wurde schon unzählige Male
gesagt, er genieße zwar gute Zustimmungszahlen,
aber seine Popularität sei "eine Meile breit und einen
Inch tief". Sie sind darauf eingegangen, indem Sie
feststellten, daß heute ein sehr hoher Anteil erklärt, sie
seien sehr zufrieden mit seiner Amtsführung. Trotzdem besteht immer noch der Eindruck, Reagan habe
eine "Armee" hinter sich gehabt, die Bush fehle. Wie
erscheint diese Beurteilung in Ihren Augen?
Antwort: Gezeiten und Abfolge politischer Veränderungen stellen sich heute anders dar als zu Reagans
Zeiten. Grundsätzlich trifft meines Erachtens die
Einschätzung zu, derzufolge er keine "politische Armee"
in dem Sinne hinter sich hat, daß es wesentlich mehr
"wahre Gläubige" gab, die für Reagan durchs Feuer
gegangen wären - er besaß diese Art von Armee. Sein
Wahlkampf war ein Kreuzzug. Es bestand das Gefühl,
einen echten historischen Einschnitt zu bewirken, das
die Reihen konservativer Republikaner in den Jahren
1979,1980 und 1981 ergriffen hatte. Und es gab in der
Tat eine wichtige Änderung der politischen Tagesordnung. Solche Augenblicke der politischen Geschichte
rufen eine Art ungeteilter Begeisterung für einen nationalen politischen Führer hervor. Das gleiche haben wir
mit Franklin D. Roosevelt erlebt.
Dagegen bleibt die internationale und innenpolitische
Tagesordnung bei Bush im wesentlichen dieselbe wie
bei Reagan. Es findet kein tiefgreifender historischer
Wandel statt. Während dies bedeutet, daß Bush keine
Armee gläubiger Anhänger besitzt wie Reagan, heißt
es jedoch auch, daß eine solche Armee in Wahrheit
überhaupt nicht benötigt wird für das, was Präsident
Bush vielleicht leisten möchte. Auf vielfältige Art und
Weise verfolgt er das gleiche Programm wie sein
Vorgänger, vielleicht mit weicherer, sanfterer Hand.
Was Bush natürlich braucht, ist eine starke öffentliche
Zustimmung, auf der er bauen kann, um von ihm
verfolgte gesetzgeberische Ziele zu verwirklichen. Die
öffentliche Zustimmung zu Bushs Amtsführung ist
zweifellos immer stabiler geworden. Sie hat sich
infolge der vergangenen drei bis vier Monate positiver
entwickelt.

AMERIKA DIENST 24

�Ob sich dies in bedeutende Zuwächse für die Republikaner bei den Kongreß- und Gouverneurswahlen des
Jahres 1992 ummünzen läßt, ist eine offene Frage.
Hätten Sie mich vor sechs Monaten nach den Chancen
für erhebliche Gewinne der Republikaner in Repräsentantenhaus und Senat im nächsten Jahr gefragt, so
hätte ich sie als mager eingeschätzt - obwohl ich zu
jener Zeit davon ausging, daß Bushs Position stark
war. Heute besteht meiner Meinung nach die Möglichkeit, daß wir bei der Stellung der Parteien in beiden
Häusern im Jahr 1992 zum ersten Mal seit längerer
Zeit einen größeren Wandel erleben. Warum? Aufgrund eines erheblichen Wandels in der Parteiidentifikation. Die Entwicklung von einem 23-Punkte-Rückstand zu einem Vorsprung von sechs oder sieben
Punkten ist eine Verschiebung, die Sie und ich wahrscheinlich nur einmal in unserem Leben beobachten
können.
Natürlich lautet die wichtigste Frage, ob dieser Vorsprung gehalten werden kann. Die von uns geleistete
Arbeit weist eindeutig darauf hin, daß die Parteiidentifikation nicht so stabil ist, wie dies früher der Fall war
oder zumindest angenommen wurde. Sie ist mehr
oder weniger im Flu ß. Wenn die Republikaner jedoch
mit einem Vorsprung von beispielsweise 6 Punkten in
die Wahlen vom Herbst 1992 gehen sollten, dann
kämen damit eine Menge demokratischer Sitze in
Reichweite, die vor vier Monaten niemand als wackelig
eingestuft hätte.

&gt;

Dies bringt uns direkt zur Frage der Neuorientierung.
Meines Erachtens gab es eine "gezielte" Neuorientierung - gezielt in dem Sinne, daß sie eindeutig in eine
Richtung ging und nicht stagniert. Sie ist weder
eingebettet noch stabil. Neuorientierung bedeutet für
micht erstens eine grundlegende Änderung des innenpolitischen Programms - die 1979 und 1980 tatsächlich
stattfand. Zweitens bedarf es eines charismatischen
Führers um sicherzustellen, daß viele dieser tagespolitischen Änderungen ihren Niederschlag in der Gesetzgebung des Landes finden - das ist Ronald Reagan gelungen. Drittens fordert es eine umfassende
Verlagerung der Parteiidentifizierung - die wir beobachten konnten. Die vierte Komponente einer dauerhaften Neuorientierung hat jedoch noch nicht stattgefunden und wird meines Erachtens auch in absehbarer
Zukunft nicht verwirklicht werden. Um den ersten drei
Komponenten Dauerhaftigkeit zu verleihen, müssen
sie durch Umstrukturierung der Gesetzgebung der
Bundesstaaten institutionell verankert werden. Die
Partei, die die Gesetzgebung der Staaten kontrolliert,
hat die Macht, die Zusammensetzung jedes Wahlbezirks zu bestimmen und kontrolliert dadurch den wichtigsten politischen Hebel. Obwohl die Republikaner
weiterhin in anderen Bereichen Vorteile erlangen
könnten, setzt ihre Unfähigkeit, die Vorherrschaft der
Demokraten in den gesetzgebebenden Körperschaften zu beenden, ihren anderen parteibedingten Zuwächsen Grenzen.

AMERIKA DIENST 24

Frage: Wenn Sie die Zuwächse der Republikaner bei
der Parteiidentifikation betrachten - sie dominieren die
Präsidentschaftswahlen, während die Demokraten die
Gesetzgebung des Landes und der Bundesstaaten
kontrollieren - wie lautet ihre wichtigste Interpretation?
In welchem Maße reflektiert diese Spaltung die ambivalenten Gefühle der Öffentlichkeit bezüglich des richtigen Kurses der öffentlichen Politik - die Bevölkerung
mag die Republikaner in einer Weise und die Demokraten in anderer und splittet daher ihre Stimmen, um
divergierende Ziele zu erreichen? Oder umgekehrt,
steht eine geteilte Regierung statt dessen nur für die
Trennung der Gesetzgebung von Partei und Politik was Vorteile bei der Amtsführung zur Folge haben
könnte? Wünscht die Öffentlichkeit tatsächlich eine
republikanische Präsidentschaft zusammen mit einem
demokratisch dominierten Kongreß, oder handelt es
sich hierbei nur um das unbeabsichtigte Nebenprodukt
anderer Faktoren?
Antwort: Meines Erachtens besteht der Hauptgrund
für die parteiliche Spaltung zwischen Legislative und
Präsidentschaftsebene vornehmlich in der Macht von
Amtsinhabem in Kongreß und Legislative. Amtsinhaber können unter Beweis stellen, daß sie ihren Wahlbezirken in dieser oder jener Weise dienen, und dies
hat sie vor ansonsten sehr viel häufigeren politischen
Veränderungen geschützt. Darüber hinaus haben wir
festgestellt, daß die Amerikaner mit der geteilten
Regierung von heute ganz zufrieden sind - dem einzigartigen Ausdruck der Gewaltenteilung. Anfang der
achtziger Jahre versuchten die Republikaner die Frage auszuloten, ob Präsident Reagan mehr vollbringen
könnte, wenn er ein republikanisches Repräsentantenhaus und einen republikanischen Senat hinter sich
hätte. Sie stellten fest, daß ihre Argumentation auf
taube Ohren stieß. Viele der Befragten gaben an,
dieses Argument zähle nicht viel, da sie die Meinung
vertraten, es sei "eine gute Sache", daß die Demokraten den Kongreß kontrollierten und die Republikaner
das Weiße Haus. Praktisch gesehen glaube ich jedoch nicht, daß viele Amerikaner derlei Erwägungen
anstellen und zu dem Schluß gelangen, wir benötigten
ein Gleichgewicht, deshalb ihre Erststimme den Republikanern geben aber gleichzeitig einen demokratischen Kongreß wählen. Die Wahl eines Kongreßabgeordneten ist eine sehr viel pragmatischere Angelegenheit - wen kennt man, und was sind die Belange des
Wahlkreises?
Frage: Aber selbst angesichts dieser Vorteile im
Amtsbereich und den Wahlkreisthemen, die die gesetzgeberische Position der Demokraten gestärkt haben,
gibt es doch genug Anzeichen für Präsident Bushs
Status einerseits und den Zulauf bei der Parteiidentifizierung der Republikaner andererseits, um zu der
Schlußfolgerung zu gelangen, daß es Aussichten für
eine beachtliche Verlagerung der Parteienzusammensetzung des Kongresses im Jahr 1992 geben wird?

Seite 3

�Antwort: Das ist richtig. Und ich würde mich sehr viel
wohler fühlen, wenn die Republikaner in einem Jahr
immer noch einen Vorsprung bei der Parteiidentifizierung hätten. Nach dem Wahlkampf von 1988 haben
wir eine Analyse vorgenommen, welche Faktoren das
Wahlverhalten bei einer Vielzahl von Ämtern einschließlieh der Präsidentschaft bestimmen. Obwohl nicht die
einzige und in mancher Hinsicht auch nicht die bedeutendste Variable, "erklärt" die Parteienloyalität, warum

bestimmte Kandidaten gewählt werden. Die Herausforderung für die Republikanische Partei besteht darin,
einen Vorsprung bei der Parteiidentifizierung insbesondere bei den Jungwählern zu bewirken. Eine hohe
Wahlbeteiligung wird der Partei eindeutig helfen. Vor
nicht allzu langer Zeit hofften die Republikaner auf
Regen, Schnee und Graupelschauer am Wahltag im
November. Heute sollten sie sich warmes Wetter und
Sonnenschein wünschen.

* * * *

*
V

Seite 4

AMERIKA DIENST 24

�NACH

DEM

GOLFKRIEG
19. Juni 1991

AMERIKANISCHE POLITIK NACH DEM GOLFKRIEG:
DIE SICHT DER DEMOKRATEN
Interview mit Geoffrey Garin
WASHINGTON - (AD) - Das folgende Interview mit dem Präsidenten der Garin-Hart Strategie Research Group
und Demokraten Geoffrey Garin ist Teil einer Serie von mehreren Artikeln über George Bushs Position als
Präsident und die Stärke der beiden großen Parteien an diesem Wendepunkt nach Beendigung des Krieges
gegen den Irak und vor der heißen Phase der Wahlkämpfe des Jahres 1992.
Der Beitrag ist erstmals unter dem Titel "The Bush Presidency and the Political Parties after the Gulf War" in der
Ausgabe Mai/Juni 1991 der Zeitschrift The Public Perspective erschienen, die alle zwei Monate vom Roper
Center for Public Opinion Research an der University of Connecticut herausgegeben wird. Der Nachdruck erfolgt
mit freundlicher Genehmigung dieser Institution.

Die Bewältigung der Golfkrise hat George Bush und
seiner politischen Position eindeutig zum Vorteil gereicht. Ich hege jedoch ernsthafte Zweifel bezüglich
der Nachhaltigkeit und Tiefe dieser Veränderung. In
mehreren von mir in den Bundesstaaten durchgeführten Meinungsumfragen, in denen im Jahr 1992 Senatswahlen stattfinden werden, stellte ich die Frage
nach der Wiederwahl von Präsident Bush und der
amtierenden demokratischen Senatoren. Die Frage
bezüglich des Präsidenten lautete folgendermaßen:
"George Bush wird sich als republikanischer Kandidat
der Wiederwahl als Präsident stellen. Würden Sie
definitiv für Bush stimmen, wahrscheinlich für Bush
stimmen, wahrscheinlich oder definitiv für den Demokraten stimmen?" Wie ich bereits sagte, stellen wir die
Parallelfrage bezüglich der amtierenden demokratischen Senatoren - zumindest einem, von dem die
Republikaner behaupten würden, er habe eine knappe
Stimmenmehrheit. In allen Fällen lag Bush genau oder
gerade unter 50 Prozent und - was noch wichtiger ist
- hinter den amtierenden Senatoren, einschließlich der
umstrittenen. Während also George Bush von den
Wählern hoher persönlicher Respekt gezollt wird, ist
die Tiefe der politischen Loyalität ihm gegenüber noch
nicht ausgelotet.
Frage: Würden sich die typischen von Ihnen erwähnten Antworten in der Größenordnung von 48 Prozent
für die Wiederwahl von Bush, 35 Prozent für den
Demokraten bewegen?

AMERIKA DIENST 24

Antwort: "Der Demokrat" läge immer noch beträchtlich hinter Bush - wahrscheinlich eher am oberen Ende
der 20 Prozentmarke, mit einer großen Gruppe Unentschiedener. Aber ich wiederhole - ich hätte eine
entschieden höhere Zahl für den Präsidenten erwartet.
Und im Hinblick auf seine Zustimmungsrate stellten wir
fest, daß sie selbst auf dem Höhepunkt seiner Popularität zu gleichen Teilen zwischen denen gespalten ist,
die uneingeschränkt zustimmen und denjenigen, die
seinen Leistungen nur in Maßen zustimmen. Er hat
einen Sockel von der Mitte der 30- bis zum oberen
Ende der 40 Prozentmarke unter denjenigen, die entschiedene Bush-Anhänger sind, darüber hinaus ist
alles eher schwammig. Ein weiterer entscheidender
Maßstab ergibt sich aus einer gerade von mir fertiggestellten nationalen Umfrage, bei der drei Viertel der
Wähler angaben, sie seien unzufrieden über die wirtschaftlichen Gegebenheiten. Auf die Frage nach der
Bewertung der Leistung des Präsidenten bei Wirtschaftsproblemen waren die Angaben zu gleichen
Teilen in Zustimmung und Ablehnung gespalten. Dies
alles ergibt etwas weniger als den Status eines Superhelden.
Frage: Ist die Wirtschaft für die Wahlen von 1992
Bushs Achillesferse?
Antwort: Sie ist ein wirklich schwacher Punkt - und
zwar über die herkömmlichen Statistiken zur Gesamtwirtschaftsleistung hinaus. Aus politischer Sicht heißt
das eine ungewöhnliche Rezession, bei der die ArSeite 1

�beitslosigkeit keinen Anlaß zur Sorge bereitet. Die
Menschen sind vielmehr besorgt über die steigenden
Preise der Grundbedürfnisse, sei es Gesundheitsfürsorge, Wohnung, weiterführende Bildung und so weiter. Selbst wenn sich die Arbeitslosenzahlen verbessern, fühlen sich die Menschen noch weit bis in das
politische Jahr 1992 unter Druck. Innerhalb der Mittelschicht herrscht die Ansicht vor, daß Präsident Bush
an ihren Wirtschaftsproblemen nicht besonders interessiert ist, geschweige denn, eine Patentlösung bereitthält.
Frage: Vergleichen Sie ihre Zahlen zur Wiederwahl
mit den Vorentscheidungen der Meinungsumfragen.
Zum Beispiel belegt die von NBC News und dem Wall
Street Journal vom 15. bis 19. März durchgeführte
Umfrage, 67 Prozent würden Bush wählen, nur 22
Prozent Mario Cuomo. Finden Sie diese Ergebnisse
irreführend?
Antwort: In der Tat. Sie deuten überhaupt nicht
darauf hin, wie es 1992 aussehen wird. Wenn unter
Umständen potentielle demokratische Kandidaten diese
Zahlen ernst nehmen und infolgedessen nicht kandidieren, wird es ihnen noch leid tun.
Frage: Gegenwärtig werden vielfach die Verpflichtungen der Demokraten im Hinblick auf die Präsidentschaft 1992 erörtert. Wie beurteilen Sie die Vorzüge
der Partei beispielsweise nach Ihren Untersuchungen?
Antwort: Der wichtigste Vorteil liegt im wirtschaftlichen Bereich, wo die Demokraten viel mehr als Partei
der Mittelschicht betrachtet werden als die Republikaner. Angesichts der dynamischen politischen Entwicklung der Jahre 1991 und 1992 ist dies von entscheidender Bedeutung. Unter den Vertretern der Mittelschicht
herrscht ein starkes Gefühl wirtschaftlicher Zerrüttung
und Frustration. 1990 habe ich an einer Reihe von
Kampagnen für Senat und Repräsentantenhaus mitgearbeitet, die wir aus mancherlei Gründen nicht hätten gewinnen können. Aber wo wir nahe daran waren
und in manchen Fällen sogar gewonnen haben, war
genau dieses Gefühl im Hinblick auf die Wirtschaft
dafür verantwortlich. Der neue Kongreßabgeordnete
aus Indiana, Tim Roemer, ist ein gutes Beispiel für
jemanden, der dieses Thema sehr gut eingesetzt hat.
Harvey Sloane aus Kentucky, der wider Erwarten 48
Prozent der Stimmen auf sich vereinigen konnte, hat
vor allem ein so gutes Ergebnis erzielt, weil diese
wirtschaftlichen Frustrationen so stark waren und die
Demokraten vornehmlich als Partei der Mittelschicht
betrachtet wurden. Darüber hinaus haben die Demokraten auch bei vielen anstehenden Themen, etwa
Gesundheitsfürsorge und Arbeitsplätzen einen erheblichen Vorteil.
Frage: Bei allgemeinen Erhebungen zu Fragen, welche Partei mehr für Leute wie Sie tut, welche für die
Mittelschicht besser ist, liegen die Demokraten vorn.

Seite 2

Andererseits werden auf die Frage, welche Partei die
Interessen der Reichen am besten vertritt, eher die
Republikaner genannt. Und dennoch, wenn wir die
Präsidentschaftswahlen über den langen Zeitraum
seit 1968 betrachten, waren die Republikaner die
Gewinner. Natürlich berücksichtigen die Leute bei der
Wahl des Präsidenten viele Dinge, aber wenn die
Demokraten als Partei der einfachen Leute betrachtet
werden, warum bringen sie dann nicht mehr einfache
Leute dazu, sie zu wählen?
Antwort: Nun, auch die Partei der gewöhnlichen
Menschen braucht außergewöhnliche Kandidaten. 1980
und 1984 waren die Entscheidungen der Wähler in
ihrem zeitlichen Kontext logisch, auch wenn ich nicht
damit übereinstimme. Die Menschen waren mit den
Zuständen 1980 enorm unzufrieden und stimmten für
Veränderungen. Bis 1984 wurden sie zufriedener und
glaubten, das Land habe sich positiv verändert - der
neuerliche Einsatz für Reagan ergibt in diesem Zusammenhang Sinn. Aber 1988 habe ich von Anfang an
geglaubt, daß die Demokraten gewinnen könnten, und
heute glaube ich, daß die Demokraten aufgrund der
von mir beschriebenen wirtschaftlichen Probleme die
Wahl hätten gewinnen sollen. Die Geschichte von
1988 handelt nicht vom Fehlschlag dieser wirtschaftlichen Fragen, sondern vom Fehlschlag einer bestimmten Kampagne der Demokraten, die dazu hätte beitragen sollen, daß der Wähler mit seinem Kandidaten
zufrieden ist und die sich die Gelegenheit zunutze
macht. Michael Dukakis wollte 1988 nicht der Kandidat des wirtschaftlichen Untergangs sein und ging bis
zum Ende der Kampagne kaum auf wirtschaftliche
Schwierigkeiten ein. Die Demokraten können es sich
wirklich nicht leisten, diesen Fehler 1992 zu wiederholen.
Frage: Soeben haben Sie gesagt, wenn ein Demokrat
die Vorentscheidungen betrachtet, Bush vorn sieht
und deshalb nicht kandidiert, mache er einen Fehler.
Wenn Sie sich im Land umschauen, scheuen dann
Demokraten die Kandidatur für den Kongreß unmittelbar nach dem Golfkrieg?
Antwort: Nein. Es ist blanke Ironie, daß wir vier
Monate vor dem offiziellen Beginn der Wahlen 1992
bereits eine erfolgreichere Kandidatur für den Senat
hatten als bei der gesamten Kampagne 1990. Bei den
Rennen um die demokratische Herausforderung konnten wir kein einziges Mitglied des Repräsentantenhauses davon überzeugen, einen republikanischen Senator herauszufordern. Es war das erste Mal seit den
Tagen des New Deal, wo es keinen einzigen demokratischen Gouverneur oder Kongreßabgeordneten gab,
der für den Senat kandidierte. Jetzt scheint es, daß
Richard Stallings in Idaho - einem sehr konservativen
Staat - gegen Steve Symms antreten wird. In Oregon
werden Les AuCoin oder Peter DeFazio Bob Packwood herausfordern. Es ist wahrscheinlich, daß in
Kansas Dan Glickman gegen Bob Dole und in New

AMERIKA DIENST 24

�York Bon Mrazek gegen AI D'Amato antreten wird. Es
sieht also so aus, daß die Demokraten jetzt eher bereit
sind, Druck auszuüben als vor zwei Jahren. Das
spiegelt die Tatsache wider, daß diese Demokraten
zuHause eher von den von mir beschriebenen wirtschaftlichen und sozialen Problemen hören als vom
Krieg. Die Wähler sagen ganz klar, daß sie sich im
Hinblick auf unsere Wirtschaftspolitik in Washington
eine Veränderung wünschen, die den Bedürfnissen
der Mittelschicht stärker entgegenkommt.
Frage: Wenn man die Bandbreite der Umfrageergebnisse zur Parteiindentifizierung von 1980 bis heute
betrachtet, weichen die Umfrageinstitute zwar in den
von ihnen gelieferten Meinungsbildem stark ab und die
Zahlen variieren erheblich, aber dennoch sind die
Republikaner allen Meinungsforschungsinstituten zufolge im letzten Teil dieses Zeitraums - von 1989 bis
1991 - stärker als im ersten Teil.
Antwort: Das stimmt wohl.
Frage: Warum, was hat diese bescheidene Neuorientierung bewirkt?
Antwort: "Bescheiden" haben Sie gesagt. Ich würde
wahrscheinlich eher "vorübergehend" sagen. Die
jüngsten Zahlen sind vorwiegend eine Reaktion auf
den Krieg. In den vergangenen Monaten wurden
relativ wenige positive Artikel über die Demokraten
geschrieben. Eine weitere Binsenwahrheit der amerikanischen Politik ist, daß nichts so erfolgreich ist wie
der Erfolg. Die Republikaner hatten in jüngster Zeit
eine solche Phase und haben davon profitiert, aber das
Pendel wird auch wieder zur anderen Seite ausschlagen. Seit einigen Jahren sind die Zahlen zur Parteiidentifikation nicht von Dauerhaftigkeit geprägt. Ihre
Betonung ist zur Torheit geworden, weil für viele
Menschen eine ausdrückliche Identifikation mit einer
Partei sehr oberflächlich ist, eine Reaktion auf bestimmte Ereignisse. Wenn ich am Ende eines Fragebogens einer Umfrage zu Wirtschaftsthemen die Frage nach der Parteiidentifikation stelle, werde ich eine
höhere Zahl für die Demokraten erhalten. Wenn es bei
der Umfrage hauptsächlich um Außenpolitik geht, dann
- welche Überraschung - werde ich einen höheren
Anteil für die Republikaner feststellen. Der Wähler
investiert nicht viel, wenn er eine Präferenz für eine
bestimmte Partei verkündet. Für die Analysten hat die
Frage nach der Parteiidentifikation immer noch den
gleichen Stellenwert wie die Frage nach Alter oder
Geschlecht der Interviewpartner. Genau dies trifft
überhaupt nicht zu. Sie liegt analytisch viel näher an
der Frage: "Was halten Sie von der gegenwärtigen
Entwicklung im Land?" Das ist ein sehr flüssiger
Prozeß. Natürlich war dies nicht immer so. Früher

*

AMERIKA DIENST 24

bedeutete eine Partei den Leuten wesentlich mehr als
heute.
Frage: Die ganze Idee der Parteiidentifikation so wie
Gallup sie in seinen Umfragen in den dreißiger Jahren
einführte und wie zahlreiche Wissenschaftler sie verwendet haben, sollte also heute ad acta gelegt werden?
Antwort: Sie ist sicherlich viel weniger bedeutsam.
Die Erfahrung lehrt uns, daß es selbst in den meisten
von Demokraten beherrschten Staaten genug Leute
gibt, die geistig so offen sind, daß sie auch einen
Republikaner wählen würden. Und selbst im republikanischsten und konservativsten Staat gibt es genug
Menschen, die auch einem Demokraten ihre Stimme
geben würden.
Frage: Wenn wir 100 der politisch informiertesten
Personen privat über das voraussichtliche Ergebnis
der Wahlen von 1992 befragen würden, so würde eine
ziemlich große Mehrheit sagen, sie erwarteten einen
Sieg der Demokraten in beiden Häusern des Kongresses und der Republikaner im Weißen Haus. Ob dies
im Jahr 1992 wirklich geschehen wird, bleibt abzuwarten, aber diese Spaltung der Macht besteht bereits
lange Zeit. Was würden Sie bei der Erklärung dieses
Phänomens betonen ? Spiegelt sich darin eine bewu fite Wahl wider?
Antwort: Obwohl der Wähler seiner Frustration über
das Patt in Washington Ausdruck verleiht, die aus
einer solchen Spaltung in Washington hervorgeht,
findet er die Idee gut, daß Exekutive und Legislative
von verschiedenen Parteien kontrolliert werden. Der
Wähler von heute macht sich mehr Sorgen über Exzesse der Regierung als über deren Unzulänglichkeiten. Dieses Gefühl schlug besonders während der
Reagan-Administration Wurzeln. Die Wähler waren
bei innenpolitischen Fragen häufig nicht mit Reagan
einverstanden und begrüßten die Tatsache außerordentlich, daß die Demokraten dawaren, um Exzessen
Einhalt zu gebieten. Sie waren jedoch mit einem
Gro ßteil von Reagans Au ßenpolitik sehr zufrieden und
freuten sich, daß er die Demokraten auch bei einigen
Steuer- und Ausgabenfragen bremsen konnte. Grundsätzlich ist es also der Fall, daß der Wähler sich mit
einer gespaltenen Regierung wohl fühlt. Gegenwärtig
jedoch gilt der Druck in einer gespaltenen Regierung
weniger den Demokraten, weil sie George Bush blokkieren würden - was sie ja eindeutig nicht tun -, sondern
George Bush, weil er die Verwirklichung von Maßnahmen behindert, die auf der innenpolitischen sozialen
Tagesordnung stehen. Der Druck liegt mehr auf dem
Präsidenten als auf dem Kongreß.

* * *

*

Seite 3

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11177">
                <text>19.06.1991</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11178">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11179">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11180">
                <text>Amerikadienst 19.06.1991</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11181">
                <text>&lt;strong&gt;1. USA-Europa&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Euro-atlantische Architektur: von West bis Ost &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Außenminister Baker in Berlin&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Sowjetunion&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA unterstützen sowjetische Reformen politisch und wirtschaftlich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Baker vor Unterausschuß des Senats&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Nach dem Golfkrieg&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Präsident und die Parteien nach dem Golfkrieg&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Jeffrey Alderman&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Präsident und die Parteien nach dem Golfkrieg&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Interview mit Richard Wirthlin&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikanische Politik nach dem Golfkrieg: die Sicht der Demokraten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Interview mit Geoffrey Garin&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="1406" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="1417">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/f9658b525d58a341f9b82ad89a3eae20.pdf</src>
        <authentication>f50709ad02320a676a321001e2c60700</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="7470">
                    <text>amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Nummer

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

300

Information
und
Dokumentation

Telex:08-85432

19. Juli 1972

29

Inhalt
INFORMATION:
George S. McGovern-der Präsidentschaftskandidat der Demokraten
Thomas Eagleton: Jung, Liberal und Dynamisch
-Der Vizepräsidentschaftskandidat der DemokratenDie nordvietnamesischen Deich-und Schleusensysteme sind kein Ziel
amerikanischer Bombenangriffe
Von Marion D. Joyce

DOKUMENTATION:
Erklärung von Botschafter Porter auf der Pariser Vietnamkonferenz
-Wortlaut-

WIRTSCHAFT:

US-Zollkommission: Osteuropäische Länder sollen ebenfalls Zollkonzessionen gewähren

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
US-Raumfahrt in den siebziger Jahren
Astronomie-Satellit "Copernicus"
Flugzeug mit ungleichen Tragflächen

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Information

Service

Postfach

300

T e I e x : 08 - 8 54 3 2

29/1972

GEORGE S.MCGOVERN - DER PRÄSIDENTSCHAFTSKANDIDAT
DER DEMOKRATEN

MIAMI BEACH --(AD)-- Senator Dr. George Stanley McGovern, der Außenseiter
aus dem Staate Süddakota, hat mit seiner Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten der Demokratischen Partei für die am 7. November 1972 in den
USA stattfindenden Präsidentschaftswahlen alle Voraussagen derer Lügen gestraft, die ihm jede Chance absprachen. Bereits im ersten Wahlgang konnte
der Senator auf dem Parteikonvent in der Nacht zum 13. Juli 1 864 Delegiertenstimmen auf sich vereinigen - mindestens 1 509 Stimmen waren für die
Nominierung erforderlich.
McGovern gilt als einer der führenden Köpfe des liberalen Flügels der
Demokratischen Partei, der sich nicht scheut, auch unorthodoxe Ideen zu vertreten. Er möchte Amerika - und hier schlägt er geradezu konservative Töne
an - zu den Idealen der Gründungsdokumente des amerikanischen Staates zurückführen: die Unabhängigkeitserklärung, die Verfassung und die Bill of
Rights. Er tritt ferner für eine umgehende Beendigung des Krieges in Vietnam
und einen amerikanischen Truppenabzug ein und will lediglich solange einige
Truppen in Südostasien belassen, bis alle amerikanischen Kriegsgefangenen
freigelassen worden sind.
George

-1-

�George S. McGovern wurde am 19. Juli 1922 in Avon, einem Dort in Süddakota,
als Sohn eines M

'

pi :rrers geboren. Schon in frühester Jugend lernte er

die Probleme aet verarmten Farmer seiner Heimat kennen, denn der Lebensunterhalt der Familie wurde zum größten Teil mit von Gemeindemitgliedern gespendeten
Naturalien b&lt; ti tten.
Sein « M schiedenes Eintreten für den Frieden rührt.

inen Erfahrungen

während des Krieges her. Als Boraberpilot flog er 35 Einsätze über Nordatrika
und Europa. Als seine Maschine bei seinem 30. Einsatz über Wien getroffen
und er verwundet wurde, gelang ihm eine Notlandung aul der Adriainsel Viz,für
die ihm später das Distinguished Flying Gross verliehen wurde.
Im Jahre 1945 erwarb George McGovern den Grad eines Bachelor of Arts an
der Dakota Wesleyan-Universität. Nach mehrjähriger Lehrtätigkeit siedelte der
heutige Senator nach Evanston, Illinois, über, wo er 1949 an der dortigen
Northwestern-Universität das Magister-Examen ablegte und 1953 zum Dr. phil.
promovierte.
Nachdem der Professor für Geschichte, und Politologie drei Jahre die Geschäfte der Demokratischen Partei Süddakotas geführt hatte, wurde McGovern als
Abgeordneter - der erste demokratische Abgeordnete, den dieser Bundesstaat nach
20 Jahren wieder nach Washington entsandte - in das US-Repräsentantenhaus gewählt. Sein erster Versuch im Jahre 1960, sich für einen Sitz im Senat zu qualifizieren, scheiterte, aber der zweite Anlauf zwei Jahre später gelang, nachdem er sich bereits als Leiter des "Lebensmittel-für-den-Frieden;,-Programms
der Regierung zur Bekämpfung des Hungers in den Entwicklungsgebieten der Welt
einen Namen gemacht hatte. Damals bezeichnete ihn Präsident Kennedy als "einen
tatkräftigen und klugen" Politiker, der sich "durch seine hervorragende Kenntnis landwirtschaftlicher Probleme und sein Verständnis für die Belange der
sozial Benachteiligten der Welt" ausgezeichnet habe.
Im

-2-

�Im Senat ist McGovern bekannt für seine unabhängigen Ansichten und seine
feste Haltung ohne Rücksicht auf Mehrheitsauffassungen oder politische Konsequenzen. So sagt er von sich: "Ich kann harten Fragen fest ins Auge sehen.
Meines Erachtens muß ein Kandidat beweisen können, daß er zu seinen Auffassungen steht." Und er selbst hat nicht gezögert, zu unpopulären Maßnahmen zu
stehen, wenn er sie für richtig hielt.
Schon 1968 bewarb sich McGovern - allerdings erfolglos - um die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten seiner Partei, gewann dann

allerdings die

Wiederwahl in den Senat. Und als er im Januar 1971 als erster Politiker der
Demokraten bereits Öffentlich bekanntgab, daß er sich um die Präsidentschaftskandidatur seiner Partei bei den nächsten Wahlen bewerben werde, wurde sein
Entschluß vielerorts nur belächelt. Doch McGovern verfolgte sein Ziel ganz
konsequent, und es gelang ihm, in zehn von 2.3 Vorwahlen als Sieger hervorzugehen und schon vor dem Parteikonvent, mit Abstand die meisten Delegiertenstimmen auf sich zu vereinigen.
McGovern setzte sich bereits 1963 für die Anti-Kriegsbewegung ein,als
diese noch in ihren Anfängen war, und seitdem hat er immer wieder die Beendigung des Vietnam-Krieges und den Abzug der amerikanischen Truppen gefordert.
Auch sein Eintreten für bessere Beziehungen zu Peking, heute ein wichtiges Anliegen

der amerikanischen Politik, ist alt. Schon vor 20 Jahren hat sich

McGovern zum Fürsprecher einer Anerkennung der Volksrepublik China als einzige
legitime Vertreterin des chinesischen Volkes und ihrer Aufnahme in die Vereinten Nationen gemacht. Und in seinem Wahlfeldzug hat er immer wieder die alte
Forderung wiederholt, daß der Handel mit dem chinesischen Festland auf die
gleiche Basis wie der Handel mit der Sowjetunion gestellt werden sollte. Was
die Umstellung der amerikanischen Wirtschaft von einer Kriegs-auf eine Friedensbasis anbetrifft, so kann der Senator aus Süddakota auf die von ihm 1963

-3

�1963 eingebrachte Gesetzesvorlage verweisen, in der erstmalig die Unterstützung
des Übergangs zu einer Friedenswirtschaft der Vollbeschäftigung gefordert worden war. Ein ähnlicher Entwurf war dann 1970 erneut eingebracht worden. Und
als erster Senator hat McGovern einen von der Bundesregierung garantierten Arbeitsplatz für jeden Amerikaner gefordert, der arbeiten will. McGovern setzt
sich auch energisch für die Gleichberechtigung der Frauen ein, denen vermehrte
Aufstiegsmöglichkeiten bis in höchste Regierungsämter, ja sogar eine Vertretung
im Kabinett eingeräumt werden sollten.

Und er fordert einen verstärkten Schutz

der Umwelt und nachdrücklicheres Vorgehen gegen jegliche Verschmutzung. Zu den
derzeitigen Kontrollen von Preisen und Löhnen sagt McGovern, daß er solche bereits als erster Senator gefordert habe, um die inflationistische Spirale zu
brechen.
George S.McGovern ist seit 1943 mit Eleanor Stegeberg verheiratet; aus
dieser Ehe sind fünf Kinder hervorgegangen.

-4-

�( amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Information

Postfach 300

Telex:

08-85432

29/1972

THOMAS EAGLETON: JUNG, LIBERAL UND DYNAMISCH
-Der Vizepräsidentschaftskandidat der Demokraten-

MIAMI BEACH --(AD)-- Thomas Francis Eagleton, der diesjährige Vizepräsidentschaftskandidat der Demokraten, ist ein relativ neuer Mann auf der politischen Bühne der Vereinigten Staaten. Jung, liberal und ehrgeizig, gilt er
als eine Art Wunderknabe im politischen Leben seines Heimatstaates Missouri.
Wahlniederlagen sind ihm fremd, und seine Laufbahn im öffentlichen Leben wird
durch eine Reihe bemerkenswerter Erfolge gekennzeichnet: mit 26 Jahren der
jüngste Kreisstaatsanwalt von St.Louis, mit 30 Jahren der jüngste Justizminister des Staates Missouri und mit 34 Jahren der jüngste stellvertretende
Gouverneur seines Heimatstaates. Mit 39 Jahren wurde er in den amerikanischen
Senat gewählt.
Heute, im Alter von 42 Jahren, weist sein Haar zwar die ersten grauen
Strähnen auf, doch ist er in den Augen seiner Anhänger noch immer der junge
dynamische. Mann von einst. Er ist liberaler als der Durchschnitt seiner Wähler,
weiß seine Wahlkampagnen energisch zu führen und gilt als geschickter Politiker.
Als

-1-

�Als Eagleton von seiner Wahl zum Vizepräsidentschaftskandidaten seiner Partei hörte, nannte er selbst die Gründe für seine Nominierung: Er ist relativ
jung, katholisch, kommt aus einem vorwiegend durch Städte geprägten Bundesstaat
und verfügt über gute Beziehungen zu den Gewerkschaften. Damit ergänzt er nach
Ansicht vieler politischer Beobachter den Präsidentschaftskandidaten seiner
Partei, Senator McGovern, der Protestant ist, aus einem vorwiegend ländlichen
Staat (Süddakota) stammt und gewisse Schwierigkeiten mit den Gewerkschaften hat.
Tom Eagleton wurde am 4. September 1929 in St. Louis als Sohn eines bekannten republikanischen Anwalts geboren, der später der Demokratischen Partei beitrat. Er besuchte das Amherst College und absolvierte dann ein juristisches Studium an der Harvard-Universität; beide Male legte er seine Abschlußprüfungen
"cum laude" ab. Zwischenzeitlich diente er bei der amerikanischen Marine. Seit
1955 im öffentlichen Dienst seines Staates, bewarb er sich 1968 um den Posten
eines Senators von Missouri, schlug zwei demokratische Gegner bei den Vorwahlen
und besiegte dann bei der eigentlichen Wahl seinen republikanischen Opponenten.
In Washington konzentrierte er sich auf die Kürzung der Militärausgaben,
auf die Wahlreform und auf Fragen der Städtesanierung. Er sprach sich gegen die
Vietnampolitik der Nixon-Administration aus, gilt als Gegner des Raketenabwehrsystems und tritt für eine stärkere Aufteilung der Regierungseinnahmen auf die
Bundesstaaten ein. Eagleton ist ein Verfechter von Gewerkschafts-und Verbraucherfragen, hatte wesentlichen Anteil an der Verabschiedung des Gesetzes zur Luftreinhaltung aus dem Jahre 1970 und befürwortete schon sehr früh Lohn-und Preiskontrollen

zur Eindämmung der Inflation. Er unterstützt ferner die von Sena-

tor John Stennis aus dem Staate Mississippi eingebrachte und vom Senat bereits
verabschiedete Vorlage,die eine Einschränkung der Vollmachten des Präsidenten bei
einer Entsendung amerikanischer Truppen ins Ausland vorsieht.
Eagleton

�Eagleton ist mit Barbara Ann Smith verheiratet; sie haben zwei Kinder:
Terrence (13) und Christin (10)-.

++++

Auf Anforderung stellen wir Ihnen gerne einePortraitaufnähme von Thomas
Eagleton zur Verfügung.

-3-

�. amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

Telex:

Information

300

0 8 - 8 5 4 32

29/1972

DIE NORDVIETNAMESISCHEN DEICH-UND SCHLEUSENSYSTEME SIND
KEIN ZIEL AMERIKANISCHER BOMBENANGRIFFE
Von Marion D. Joyce
WASHINGTON --(AD)-- Ein planmäßiger Angriff auf das umfassende System von
Dämmen, Schleusen und Deichen in Nordvietnam, die das Land während der Regenzeit vor Überschwemmung schützen und in der Trockenzeit die Bewässerung der
Felder sichern, ist von maßgeblichen amerikanischen Kommandostellen - in
Vietnam oder in Washington - niemals in Erwägung gezogen worden.
Von offizieller amerikanischer Seite ist der Gedanke an einen solchen
Angriff sowohl aus humanitären als auch aus praktischen Gründen stets verworfen
worden. Seit Beginn des Vietnamkrieges hat sich die Regierung in Washington
ständig darum bemüht, die Verluste unter der Zivilbevölkerung so niedrig wie
nur möglich zu halten.
Wie von amtlicher amerikanischer Seite hierzu erklärt wird, wäre der
entschlossene Versuch, das ausgedehnte Damm-und Schleusensystem in Nordvietnam
durch Luftangriffe zu zerstören, eine Aufgabe, die einen ungeheuren Materialund Kräfteaufwand erforderte. Jeder derartige Versuch wäre aber außerdem ein
direkter Verstoß gegen die vom Oberbefehlshaber der amerikanischen Streitkräfte
erlassenen Befehle.

-l-

�So erklärte Präsident Nixon noch am 29. Juni auf seiner Pressekonferenz
mit allem Nachdruck, daß die "Vereinigten Staaten sich bei ihren Bombardierungen größte Zurückhaltung auferlegt haben - und, wie ich glaube, war das auch
durchaus richtig."
"Wir haben versucht", so fuhr der Präsident fort, "ausschließlich militärische Ziele anzugreifen, und wir haben die militärischen Ziele auch getroffen.
Unsere Piloten haben den Befehl, keine Deiche zu bombardieren, weil die Folgen
solcher Angriffe für die Zivilbevölkerung ungeheuerlich sein würden. Was unsere militärischen Aktionen für die Zukunft anbetrifft, so gelten diese Befehle
auch weiterhin. Ich werde es nicht zulassen, daß militärische Befehle ergehen,
die der Zivilbevölkerung große Verluste zufügen könnten - soweit das irgendwie
zu vermeiden ist.Ausschließlich militärische Ziele werden angegriffen werden."
Wie von militärischer Seite hierzu erklärt wurde, sind im Verlaufe der
Kämpfe zur Unterbindung der Verbindungswege in Nordvietnam sowie der Eisenbahn-und Straßenlinien nach dem kommunistischen China zweifellos einzelne
Damm-und Schleusenanlagen durch Bomben und Raketenbeschuß aus der Luft getroffen
worden.
Einige der Deiche dienen gleichzeitig als Straße oder Eisenbahndämme,
und sofern militärische Konvois auf ihnen Agriffsziel der amerikanischen Luftwaffe sind, ist es oft unvermeidlich, daß diese Anlagen beschädigt werden.
Wie ein Sprecher des Pentagon hierzu bemerkt, werden gerade die Deiche in
Nordvietnam von den Kommunisten oft benutzt, um ihre Flugzeugabwehrgeschütze
und Raketenanlagen in günstige Feuerstellungen zu bringen. Die amerikanischen
Piloten sind verständlicherweise berechtigt, solche Stellungen anzugreifen
- sofern sie sich nicht in dicht bevölkerten Gebieten befinden -, und bei derartigen Angriffen kann es geschehen, daß die Deiche und Dämme selbst Schaden
leiden.
Solche

�•

Solche Fälle seien jedoch die Ausnahme und nicht die Regel, so betont der
Sprecher des Pentagon. In diesem Zusammenhang wird auf das vom amerikanischen
Verteidigungsministerium am 15. Juni veröffentlichte Bildmaterial verwiesen,
das die Zerstörungen an einem nordvietnamesischen Wasserkraftwerk nach einem
amerikanischen Luftangriff zeigt.
Das Kraftwerk liegt rund 80 Kilometer nördlich der Hauptstadt Hanoi. Bei
dem ersten Angriff wurde das Schutzdach des Kraftwerkes zerstört. Die zweite
Bomberwelle brachte ihre Bomben mit höchster Genauigkeit in die entscheidenden
Ziele - den Turbinenraum, die Schaltanlagen und andere Schwerpunkte - wobei
diese gänzlich zerstört wurden.
Wie genau die durch Laserstrahl geführten Bomben

in ihr Ziel kommen, wird

aus der Tatsache deutlich, daß das Elektrizitätswerk völlig zerstört wurde,
während ein in unmittelbarer Nähe des Kraftwerks gelegener Damm unversehrt
blieb.
Nach Ansicht des Pentagon gibt es eine Reihe von Erklärungen für die Behauptung Hanois, daß die amerikanische Luftwaffe bewußt die Dämme und Deiche
in Nordvietnam angreife. "Hanoi11, so erklärt ein General der US-Air Force,
"versucht uns - ähnlich wie im Jahre 1968 - unter Druck zu setzen und auf diese
Weise einen neuen Bombardierungsstopp zu erreichen."
Verteidigungsminister Laird stellte hierzu fest, daß Hanoi noch schlimmere
Überschwemmungen als 1971 befürchtet und sein eigenes Versagen, die Deiche in
Stand zu halten und Schäden noch vor dem Höhepunkt der Regenzeit im August und
September zu beseitigen, verdecken will. Dabei wird von amerikanischer Seite
darauf hingewiesen, daß Hanoi die hierfür benötigten Arbeitskräfte für andere
Aufgaben eingesetzt hat. Große Gebiete mit Ackerland müssen neu kultiviert
werden, Straßen-und Eisenbahnnetze müssen repariert werden, und diesen Aufgaben wird nach amerikanischen Informationen größere Priorität eingeräumt als
dem Deichbau. Und hierzu kommt noch der Bedarf der Streitkräfte an jungen

-3-

�jungen Soldaten für die Invasion Südvietnams. Im Oktober 1971s als Nordvietnam
von der schwersten Überschwemmung seit fast einem Jahrhundert heimgesucht
worden war, wurden trotzdem beträchtliche Zahlen von Arbeitskräften für den
Straßenbau im westlichen Teil der entmilitarisierten Zone und für die Instandhaltung des Ho-tschi-Minh-Pfades abgezweigt. Besser für Nordvietnam wäre es gewesen, so meint US-Botschafter Porter bei den Gesprächen in Paris, wenn diese
Arbeitskräfte und Materialien für die Wiederinstandsetzung der von den Fluten
beschädigten Deichsysteme eingesetzt worden wären. Die jetzt bevorstehende Regenzeit, die meistens von drei bis fünf Wirbelstürmen begleitet wird, bereitet
den nordvietnamesischen Führern mit Recht ernste Sorge. So warnt die offizielle Zeitung "Hanoi Moi" in ihrer Ausgabe vom 20. Juni, daß die nach der Überschwemmung von 1971 wiederhergestellten Dämme vielfach noch nicht den technischen Voraussetzungen entsprechen. Sie seien zu schwach, nicht hoch genug und
teilweise voll Termitenkolonien. Das Blatt wendet sich an jeden einzelnen Bürger, sich aktiv für die Reparaturarbeiten zur Verfügung zu stellen,,
Offizielle Statistiken gibt es für das nordvietnamesische Deichsystem
nicht, das 1954 eine Länge von über 2 500 Kilometern hatte und seitdem noch erheblich ausgebaut worden ist. Einige der Deiche sind 25 bis 30 Meter breit,
so daß zweispurige Straßen auf ihnen angelegt werden können,die dann vielfach
von Flugabwehrbatterien geschützt werden. Häufig sind auch Erdölleitungen auf
den Deichen verlegt, die ebenfalls ein militärisches Ziel darstellen. "Wenn die
Nordvietnamesen die Sicherheit ihrer Deiche gewährleistet sehen wollen, dann
sollten sie alle militärischen Ziele von ihnen entfernen", so wird von seiten
des Pentagon betont. Und der Unterstaatssekretär im US-Verteidigungsministerium,
Daniel Z.Henkin,stellt fest, daß Nordvietnam selbst die Voraussetzungen geschaffen habe, um den amerikanischen Bombenangriffen die Schuld für etwaige Überschwemmungen

zuschieben zu können.
Schon

�Schon am 28. Mai hatte "Hanoi Moi" betont, daß die Deiche trotz umfassender Wiederinstandsetzungsarbeiten in diesem Jahr, um die Schäden der Überschwemmung von 1971 zu beseitigen, immer noch in schlechter Verfassung seien,."Wir
dürfen daher bis zur Regenzeit in unserer Wachsamkeit nicht im geringsten nachlassen und müssen die laufenden Arbeiten vordringlich zum Abschluß bringen", so
schreibt das Blatt weiter. "Zahlreiche Teilstücke,die erst kürzlich instand
gesetzt worden waren, haben die Abnahmeprüfungen nicht bestanden, die Erde hat
sich nicht genügend gesetzt, und wenn der Fluß aufgrund starker Niederschläge
anschwillt, dürften sie wieder beschädigt werden. Andere Stücke könnten brechen,
weil das Erdreich nicht ausreichend verdichtet worden ist."

I II II

-5-

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

Te Ie x:

Dokumentation

300

08-85432

29/1972

ERKLÄRUNG VON BOTSCHAFTER PORTER AUF DER PARISER VIETNAMKONFERENZ

-Wortlaut-

PARIS --(AD)-- Nach rund zehnwöchiger Unterbrechung sind am 13. Juli in
Paris die Vietnamgespräche wieder aufgenommen worden. Es war die 150. Vollsitzung der Konferenz. Der amerikanische Chefdelegierte, Botschafter William
J. Porter,gab eine Erklärung ab, die folgenden Wortlaut hat:
Meine Damen und Herren,
wir sind heute zu einem ganz bestimmten Zweck hierher gekommen: um
mit Ihnen die Möglichkeiten für den Beginn ernsthafter und konstruktiver
Verhandlungen über eine Beilegung des Vietnamkonfliktes zu sondieren. Wir
hoffen, daß auch Ihre Seite von den gleichen Überlegungen geleitet wird und
daß wir gemeinsam zu einer intensiven Prüfung der konkreten Fragen gelangen
können.
Seit der letzten Vollsitzung sind durch Verhandlungen in verschiedenen
Teilen der Welt bemerkenswerte Beiträge zum Frieden geleistet worden. Am
4. Juli verpflichteten sich die Republik Korea und die Demokratische Volksrepublik Korea, ihre künftigen Beziehungen auf "friedlichem Wege und nicht
durch die Anwendung von Gewalt gegeneinander" zu regeln.

Inzwischen sind

weitere Fortschritte bei der Schaffung freundlicherer Beziehungen zwischen
der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik

�Republik erzielt worden. Diese Entwicklungen waren das Ergebnis von Verhandlungen, die der Bundeskanzler als einen Beweis dafür bezeichnet hat, daß es trotz
der bestehenden Gegensätze möglich sei, zu praktischen Vereinbarungen zu gelangen, die die besondere Situation in Deutschland berücksichtigen und geeignet
seien, die Spannungen und Reibungsflächen zu vermindern. Am 29. Mai bekundeten
die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion ihren "Wunsch,die friedlichen Beziehungen zueinander zu stärken", in voller Erkenntnis der "Notwendigkeit, Beziehungen zu schaffen, die eine Verminderung der Spannungen in der Welt fördern".
Die beiden Länder erklärten ihre Bereitschaft, "zu verhandeln und ihre Differenzen durch friedliche Mittel beizulegen".
Dies sind überaus ermutigende Entwicklungen. Ohne in irgendeiner Weise
die außerordentliche Komplexität des Vietnamproblems zu unterschätzen, halten
wir es für möglich, daß hier bei diesen Gesprächen eine Parallele gefunden werden kann. Auf jeden Fall lenken wir Ihre Aufmerksamkeit auf eine weitere Entwicklung bei der Suche nach Frieden, die sich seit der letzten Vollsitzung
vollzogen hat.
Am 8. Mai schlug Präsident Nixon in Übereinstimmung mit der Regierung der
Republik Vietnam gerechte und großzügige Bedingungen vor, die die Grundlage für
eine für beide Seiten vorteilhafte Regelung auf dem Verhandlungswege bieten
könnten. Die Regierung/der Vereinigten Staaten und der Republik Vietnam haben
in der Tat eine lange Reihe konstruktiver Vorschläge unterbreitet. Die Vorschläge vom 8. Mai sind unserer Ansicht nach jedoch ihres klaren und großzügigen Inhalts wegen besonders bemerkenswert.
Wie Sie wissen, sehen diese Vorschläge folgendes vor: erstens, die Rückkehr aller amerikanischen Kriegsgefangenen sowie Angaben über die Vermißten;
zweitens, eine Waffenruhe unter internationaler Überwachung für ganz Indochina; .drittens werden die Vereinigten Staaten, sobald Punkt eins und zwei erfüllt
worden sind, jegliche Gewaltanwendung in ganz Indochina einstellen; schließlich erklärte der Präsident, daß wir dann den völligen Abzug aller amerikani-

�amerikanischen Streitkräfte aus Vietnam innerhalb von vier Monaten einleiten
werden.
Diese Vorschläge würden das Töten beenden. Sie würden Verhandlungen über
eine politische Lösung zwischen den Vietnamesen selbst gestatten und zwar in Übereinstimmung mit dem Grundsatz, daß über die politische Zukunft Südvietnams vom
südvietnamesischen Volk selbst ohne Einmischung von außen bestimmt wird. Sie
würden es ermöglichen, daß alle Länder, die in diesem langen Krieg gelitten haben - Kambodscha, Laos, Nordvietnam,Südvietnam - mit der dringenden Aufgabe des
friedlichen Wiederaufbaus und der Aussöhnung beginnen könnten. Wenn diese Vorschläge nicht zufriedenstellend sind, was ist dann falsch an ihnen?
Ist es denn denkbar, daß irgendjemand die Fortsetzung des gegenwärtigen
Krieges in Nord-und Südvietnam der Möglichkeit für eine ehrenhafte Lösung des
Konfliktes vorziehen würde, die diese Vorschläge bieten?
Kurzum, diese Vorschläge verdienen Ihre umfassende und abgewogene Prüfung.
Wir unsererseits werden den von Ihnen vorgebrachten Ansichten sowie irgendwelchen einleitenden Fragen, die Sie vielleicht zu unseren Vorschlägen stellen wollen, bevor Sie Ihre Ansichten darlegen, die größte Aufmerksamkeit schenken. Wir
sind ebenfalls voll und ganz bereit, auch jede andere Frage zu behandeln, die
Sie vielleicht für eine eingehende Erörterung hier aufwerfen.
Meine Damen und Herren, unserer Meinung nach ist eine beiderseitige Prüfung
unserer jeweiligen Standpunkte, ein ernsthafter und systematischer Dialog über
die substantiellen Fragen der Weg, um hier Fortschritte zu erzielen.

1111 i n i

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

Telex:

Wirtschaft

300

0 8 - 8 54 3 2

29/1972

US-ZOLLKOMMISSION: OSTEUROPAISCHE LANDER SOLLEN EBENFALLS ZOLLKONZESSIONEN GEWÄHREN

WASHINGTON — ( A D ) - - Osteuropäische Länder, die von den Vereinigten Staaten
Gewährung der Meistbegünstigungsklausel verlangten, sollten aufgefordert werden, ihrerseits hierfür ebenfalls gewisse Zollkonzessionen einzuräumen.

Dies geht aus einer von Experten der amerikanischen Zollkommission erstellten Studie hervor, in der auf die Notwendigkeit hingewiesen wird, daß
diese Länder möglicherweise an Stelle oder zusätzlich zur .Gewährung der
Meistbegünstigungsklausel an die USA noch zu weniger orthodoxen Konzessionen
greifen müssen. In der unter der Leitung von Anton Malish erstellten Studie
"Der amerikanische Osteuropahandel" wird darauf hingewiesen, daß die darin
enthaltenen Empfehlungen nicht zwangsläufig auch die Ansichten der Zollkommission wiedergeben.
Die Gewährung der Meistbegünstigungsklausel an ein osteuropäisches Land
bedeutet, daß Importgüter aus diesem Land zu dem niedrigsten Zollsatz in die
USA eingeführt werden dürfen, der von den Vereinigten Staaten irgendeinem Lande
eingeräumt wird. Zur Zeit müssen Waren aus den osteuropäischen Ländern,Polen
ausgenommen, zu den hohen Sätzen des vom US-Kongreß 1930 beschlossenen Zolltarifs verzollt werden.
Räumt

�Räumt ein Land einem anderen die Meistbegünstigungsklausel ein, so erwartet
es von diesem eine gleiche Vergünstigung. Die Studie hat jedoch festgestellt, daß
die Gewährung der Meistbegünstigungsklausel für amerikanische Waren durch die
osteuropäischen Länder den Zugang amerikanischer Exporte auf den betreffenden
Markt nur wenig erleichtern würde. Da die Handelsbeziehungen in diesen Ländern
fast ausschließlich eine Angelegenheit des Staates sind, könnten Vergünstigungen
aufgrund der Meistbegünstigungsklausel durch andere staatliche Kontrollen zunichtegemacht werden.
Die Studie zählt unter anderem folgende Konzessionen auf,die die osteuropäischen Regierungen einräumten könnten:
-- Kaufverpflichtungen seitens der osteuropäischen Länder, die sich damit
bereiterklären, während der Laufzeit der Verträge amerikanische Exportgüter mindestens bis zu einem bestimmten Betrag abzunehmen;
-- Preisklauseln, wonach die amerikanischen Exportgüter in diesem osteuropäischen Land zu einem bestimmten Preis und in Mengen verkauft werden,
die die Nachfrage zu diesem Preis deckt;
-= Schutz der industriellen Rechte und Fertigungsverfahren, so daß amerikanische Patente und Warenzeichen geschützt bleiben;
-- Beilegung von Handelsstreitigkeiten auf dem Schlichtungswege in einem
dritten Land oder durch ein internationales Tribunal und nicht durch
eine osteuropäische Handelskammer, die letztlich doch Teil des Handelsministeriums dieses Landes ist;
-- Förderung des Reiseverkehrs und des Kulturaustausches in beiden Richtungen.
Die

�i
&lt;

Die Vereinigten Staaten haben in der Vergangenheit bereits verschiedene
Schritte zur Liberalisierung des Handels mit den kommunistischen Ländern gemacht.
1971 wurde zum Beispiel die Forderung fallen gelassen, daß 5o Prozent der Getreidelieferungen auf amerikanischen Schiffen befördert werden müssen. Dann wurde
das Handelsembargo gegenüber der Volksrepublik China aufgehoben. Weiter erhielt
Polen die Meistbegünstigungsklausel von den USA eingeräumt. Ein entsprechendes
Gesetz, diese Vergünstigung auch anderen kommunistischen Ländern einzuräumen
oder dem amerikanischen Präsidenten entsprechende Vollmachten zu geben, muß noch
den Kongreß passieren .
Im Jahre 1970 entfielen 45 Prozent der USA-Exporte osteuropäischer Länder
mit einem Wert von 97 Millionen Dollar auf Polen., während die Ausfuhren der
Sowjetunion nach den USA 65 Millionen Dollar und die der Tschechoslowakei 23
Millionen Dollar ausmachten. Es liegen auch Hinweise dafür vor, daß die Sowjet'

union und andere osteuropäische Länder an einer Ausweitung des USA-Handels interessiert sind, wobei nicht nur wirtschaftliche, sondern in stärkerem Maße

,

noch politische Erwägungen mitspielen.
Präsident Nixon und andere führende Politiker der USA haben mit den Führern
der Volksrepublik China, der Sowjetunion und der osteuropäischen Länder 1972
Handelsfragen erörtert. Der frühere Handelsminister Stans war 1971 in der
Sowjetunion, und der jetzige US-Handelsminister Peter Peterson wird in der
nächsten Woche nach der Sowjetunion fliegen.
Nach Ansicht der Studie würde der Abschluß eines Abkommens über die Einräumung der Meistbegünstigungsklausel mit einem oder mehreren kommunistischen
Ländern wichtige Auswirkungen haben. In der Sowjetunion könnte dies zu vermehrten Importen führen, und für andere osteuropäische Länder würde der Zugang zum
amerikanischen Markt erleichtert und als unmittelbare Folge davon der Handel
ausgeweitet werden. Aber auch die stabilisierende politische Wirkung einer Handelsausweitung sollte nicht unterschätzt werden. So hat die Sowjetunion erst in
diesen Tagen ein Abkommen über umfangreiche amerikanische Getreidelieferungen abgeschlossen und die Volksrepublik China verhandelt mit der US-Flugzeugindustrie
über etwaige Lieferungen in Höhe von vielen Millionen Dollar.
•H-++++

-3-

�amerika dienst
U n i t e d
53

States

Bonn-Bad

T e l :

I n f o r m a t i o n

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

Telex:

300

Wissenschaft
und

Technik

08-85432

29/1972

US-RAUMFAHRT IN DEN SIEBZIGER JAHREN

--(AD)— Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit werden das bestimmende Element
im Raumfahrtprogramm der Vereinigten Staaten in den kommenden Jahren sein,,
Dies betonte Dr. James C. Fletcher, der Leiter des US-Amtes für Luft-und
Raumfahrt (NASA). Er verweist gleichzeitig darauf, daß das Programm zwar im
Gegensatz zu den sechziger Jahren der Dramatik entbehre, aber nicht minder
interessante Entwicklungen und Ergebnisse verspreche.
Die finanziellen Aufwendungen seitens der amerikanischen Bundesregierung dürften im Durchschnitt bei etwas über drei Milliarden Dollar pro Jahr
liegen - das entspricht etwa der Hälfte dessen, was Mitte der sechziger Jahre
für die Raumfahrt ausgegeben wurde. Dies zeigt eine pragmatische Einstellung
zur Raumfahrt, bei der man sich auf Vorhaben konzentrieren wird, von denen
größtmöglicher Nutzen für die Allgemeinheit zu erwarten ist. Dennoch sind
weitgespannte Projekte, etwa ein Flug von Menschen zum Mars gegen Ende der
achtziger Jahre, nicht ad acta gelegt.
In den siebziger Jahren stehen im Zusammenhang mit der bemannten Raumfahrt
vier Hauptprojekte auf dem amerikanischen Programm:

1)

�1)

Auswertung der APOLLO-Flüge zum Mond unter allen nur erdenklichen

wissenschaftlichen und technischen Gesichtspunkten, was nach Meinung der Experten mindestens noch die Jahre bis 1980 in Anspruch nehmen wird.

2)

SKYLAB, die experimentelle Raumstation, die nach ihrem Start (vorgesehener

Termin: 30. April 1973) acht Monate lang in Betrieb gehalten wird und davon fünf
Monate drei Astronautengruppen als Aufenthalt dienen soll. Die Aufgaben der Besatzung umfassen u.a. die Durchführung von Experimenten, welche für Raumflugmedizin, Physiologie und Biologie von Bedeutung sind; die Astronauten beobachten
Sonne,Erde -jnd den erdnahen Raum und befassen sich mit einer Vielzahl technischer Versuche unter den speziellen Bedingungen der Schwerelosigkeit»
3)

Gemeinsamer Raumflug eines bemannten amerikanischen APOLLO-Raumschiffs

und eines sowjetischen SOJUS-Raumschiffs im Jahre 1975. In einem internationalen
Unternehmen,für das es noch keine Parallele gibt, sollen die beiden Fluggeräte
mit je zwei oder drei Mann Besatzung ein Rendezvous-und Koppelmanöver durchführen. Abgesehen von dem technischen Fortschritt, der mit der Verwirklichung des
Projekts beispielsweise in bezug auf künftige Möglichkeiten einer Rettung "gestrandeter" Astronauten aus dem Weltraum verbunden wäre, könnte es auch den Beginn einer neuen Ära der Weltraumforschung darstellen, von der alle Länder profitieren.

4) Wiederverwendbarer Raumtransporter - neuartiges Transportsystem zur Beförderung von Nutzlasten und von Personen, die keine Astronauten zu sein brauchen,
von der Erde zu einer Raumstation und zurück. Außerdem soll der Raumtransporter
als fliegende Abschußrampe für den Start von unbemannten Satelliten für Nachrichtenzwecke, Wetterbeobachtung etc. sowie als "orbitale Reparaturwerkstatt"
dienen. Dadurch würden die Startkosten für solche Geräte gegenüber den heute erforderlichen Aufwendungen drastisch verringert, und Satelliten auf Erdumlauf-

�i

Erdumlaufbahnen könnten inspiziert und notfalls repariert werden.

-PlanetenforschungIn der planetaren Forschung stehen die Nahbeobachtung der Planeten Jupiter, Venus und Merkur mit PIONIER-Sonden für 1973 und 1974 auf dem Programm.
Im Jahre 1976 soll eine unbemannte VIKING-Sonde ein Landegerät auf dem Mars absetzen, das als automatisches Laboratorium ausgerüstet ist und durch chemische
Analysen unmittelbar an der

Marsoberfläche auch die Existenz von Leben auf dem

Nachbarplaneten, falls es sich dort in irgendeiner Form entwickelt hat, nachweisen könnte.
Die Beobachtungen, die mit Hilfe der Erdforschungssatelliten ERTS möglich
werden, könnten im besonderen für Land-und Forstwirtschaft, Bodennutzung und
Raumordnung, Bergbau und Wasserwirtschaft von Nutzen sein. Mit Hilfe dieser
Satelliten wollen Wissenschaftler und Wirtschaftler zu einer umfassenden Bestandsaufnahme der natürlichen Reichtümer dieser Erde gelangen. Allgemein gesehen soll die Raumfahrt dazu dienen, die Erde besser und rationeller zu nutzen
als dies mit den heutigen Kenntnissen und Mitteln möglich ist.

H I H

-3-

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Wissenschaft
und

Service

Postfach

Technik

300

T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

29/1972

ASTRONOMIE-SATELLIT "COPERNICUS"

--(AD)-- Zu Ehren des großen Astronomen Nikolaus Kopernikus wird das US-Amt
für Luft-und Raumfahrt (NASA) dem nächsten Astronomie-Forschungssatelliten
vom Typ 0A0 den Namen COPERNICUS geben. Dies erklärte Dr. Edward E. David,
der Wissenschaftsberater Präsident Nixons und Direktor des Präsidialamtes
für Wissenschaft und Technik, anläßlich seines fünftägigen Besuches in
Warschau. Der Start des 2,2 Tonnen schweren Geräts mit einer ATLAS-CENTAURRakete ist für Anfang August 1972 vorgesehen.
Der Satellit ist u.a. mit einem 81-cm-Fernohr (Entwicklung von Wissenschaftlern der Universität Princeton) und einer Anzahl kleinerer Teleskope
(Experiment der Universität London, England) ausgerüstet. Er soll die Erde in
660 km Höhe umkreisen und vor allem ultraviolette Strahlung erfassen bezw.
Quellen dieser Strahlung im Universum ausfindig machen und beobachten. Die
Optik..wird vom Goddard-Raumflugzentrum der NASA in Greenbelt (Maryland) durch
Fernsteuerung bedient.
Der Start des neuen OAO-Satelliten bildet den wissenschaftlichen Auftakt
zum Kopernikus-Jahr. Dieses beginnt offiziell allerdings erst am 19. Februar

-l-

�»

Februar 1973. An diesem Tage jährt sich zum 500. Male der Geburtstag des
Begründers des heliozentrischen Weltbildes, der aus Thorn stammte, an den
Hohen Schulen von Krakau, Bologna, Padua und Ferrara Astronomie, Mathematik,
weltliches und geistliches Recht sowie Medizin studierte und als 70jähriger
in Frauenburg (Ostpreußen) starb.

-++-H-

-2-

�•&gt; a m e r i k a d i e n s t
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

Telex:

Wissenschaft
und
Technik

300

08-85432

29/1971

FLUGZEUG MIT UNGLEICHEN TRAGFLÄCHEN
Neue Theorie zum Überschallflugzeug

--(AD)— Die Verwendung "anti-symmetrischer Tragflächen" hält Dr.R.T.Jones,
langjähriger Mitarbeiter des Arnes-Forschungszentrums der NASA (US-Amt für
Luft-und Raumfahrt) in Moffett Field (Kalifornien), für den Schlüssel zur
Lösung vieler Probleme des Überschallfluges. Bisherige Ergebnisse von Experimenten und Computerberechnungen bestärkten ihn in ssiner Überzeugung, daß
eine radikale Abkehr von der Tragflächen-Grundgeometrie die Lärmentwicklung
bei künftigen Überschall-Transportflugzeugen reduziere und ihren wirtschaftlicheren Betrieb ermögliche. Als "anti-symmetrisch" bezeichnet Dr. Jones
eine durchgehende Doppeltragfläche, die um ihren Mittelpunkt über dem Flugzeugrumpf drehbar ist.
Beim Start von einer Rollbahn mittlerer Länge sollen die Tragflächen wie
bei einem langsamen Propellerflugzeug rechtwinklig zum Rumpf angestellt sein.
Ein Flugzeug dieser Konfiguration benötigt nur den vierten Teil der Energie,
die eine vergleichbare, mit gepfeilten, d.h. schräg nach hinten abgewickelten
Tragflächen ausgerüstete Düsenmaschine bei ähnlich großer Nutzlast zum Abheben
und Steigen braucht. Sobald die Geschwindigkeit und die Höhe erreicht sind,

-l-

�sind, wo Delta-Flügel den größten Nutzeffekt haben, würde der komplette Doppelflügel um etwa 45 Grad gedreht, so daß auf der einen Seite seine eine Hälfte
schräg nach v o r n , die andere Hälfte auf der anderen Seite schräg nach hinten
weist.
Auf Grund der bisher vorgenommenen Studien ist anzunehmen, daß das Flugzeug bei dieser Tragflächenstellung im Bereich von Überschallgeschwindigkeit
bis 1,2 Mach keinen Überschallknall am Boden erzeugt und dabei kaum mehr Treibstoff verbraucht als die heutigen Düsenpassagierflugzeuge bei Unterschallgeschwindigkeit.. Über dem offenen M e e r , wo niemand durch den Überschall-Lärm belästigt w i r d , ließe sich die Reisegeschwindigkeit auf 1,5 Mach (ca„ 1 8 0 0 km/st)
steigern. Diese Angaben basieren auf Windkanaluntersuchungen a n Modellen, bei
denen Fluggeschwindigkeiten bis 1,4 Mach simuliert worden sind.
Dr.R.T,Jones, der 1945 die theoretischen Grundlagen für die Entwicklung
moderner Fluggeräte mit gepfeilten Tragflächen schuf, kommentiert seine neuen
Überlegungen so: "Der Mensch hat ein instinktives Empfinden für Symmetrie,
das sich zweifellos davon herleitet, daß die Vögel oder andere Tiere symmetrisch
gebaut sind, So ist es auch nur natürlich, daß wir einem Überschallflugzeug

eine

Form geben, die diesem instinktiven Empfinden gerecht wird. A b e r in Wirklichkeit
gibt uns die Natur ja gar keine Anleitung für den Überschallflug. V ö g e l , die
schneller fliegen als der Schall, gibt es nicht. Deshalb ist es besonders interessant und wichtig, daß m a n auf mathematischem Wege zu einer ganz anderen Art
v o n Symmetrie für das Überschallflugzeug gelangt".
Die theoretischen Computerstudien v o n Wissenschaftlern des Arnes Research
Center zur Weiterentwicklung der Theorie von Dr. Jones werden fortgesetzt. Inzwischen wurde auch ein Unternehmen der Flugzeugindustrie in die Untersuchungen
eingeschaltet.
H-J I I I-

-2-

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="7465">
                <text>19.07.1972</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="7466">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="7467">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="7468">
                <text>Amerikadienst 19.07.1972</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="7469">
                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Georg S. McGovern- der Präsidentsschaftskandidat der Demokraten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Thomas Eagleton: Jung, Liberal und Dynamisch&lt;br /&gt;&lt;em&gt;-der Vizepräsidentsschaftskandidat der Demokraten-&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;Die nordvietnamesischen Deich- und Schleusensysteme sind kein Ziel amerikanischer Bombenangriffe&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Marion D. Joyce&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung von Botschafter Porter auf der Pariser Vietnamkonferenz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Zollkommission: Osteuropäische Länder sollen ebenfalls Zollkonzessionen gewähren&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Raumfahrt in den siebziger Jahren&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Astronomie-Satellit "Copernicus"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Flugzeug mit ungleichen Tragflächen&lt;br /&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="1603" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="1614">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/70686fc6af21e0643342ee540ae5334f.pdf</src>
        <authentication>6d7d955f690528d29b343de64ca7806b</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="8304">
                    <text>1

Information
und
PT«1 {';• iwiTM

•j i

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

PRÄSIDENT JIMMY CARTER
Staatsbesuch
in der Bundesrepublik Deutschland und Berlin
13.— 15. Juli 1978

Weltwirtschaftsgipfel in Bonn
16. und 17. Juli 1978

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 32 40
D5300 Bonn 2
Telex:08-85432

�19. Juli 1978

18

INHALT

DOKUMENTATION
Erklärungen Mondales und Carters vor dem Abflug nach Bonn
Bundeskanzler Schmidt und Präsident Carter vor der Presse in Bonn
Erklärung Präsident Jimmy Carters zur Verurteilung von Schtscharanski
Ansprache Präsident Carters vor dem Bonner Rathaus
Tischrede Präsident Carters im Brühler Schloß
Ansprache des Präsidenten vor deutschen und amerikanischen Soldaten
Ansprache Präsident Carters auf dem Römerberg in Frankfurt
Ansprache Präsident Carters am Luftbrückendenkmal in Berlin
Town Meeting Präsident Carters mit Bürgern in der Berliner Kongreßhalle
Erklärung Präsident Carters zum Abschluß des Weltwirtschaftsgipfels
Erklärung Präsident Carters bei seiner Rückkehr nach Washington

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

18

19. Juli 1978

ERKLÄRUNGEN MONDALES UND CARTERS VOR DEM ABFLUG NACH BONN

WASHINGTON - (AD) - Bei der Verabschiedung von Präsident Jimmy
Carter zu seinem Staatsbesuch in der Bundesrepublik Deutschland und in
Berlin vom 13. bis 15. Juli 1978 sowie zu seiner Teilnahme am Weltwirtschaftsgipfel in Bonn am 16. und 17. Juli 1978 gaben Vizepräsident Walter
F. Mondale und Präsident Jimmy Carter am 13. Juli folgende Erklärungen ab:
Vizepräsident Mondale:
Herr Präsident, Mrs. Carter, Amy,
als diese Administration ihr Amt antrat, hat sie keine höhere
Priorität für die Außenpolitik festgesetzt, als engstmögliche Arbeitsbeziehungen zu den demokratischen Industriestaaten Westeuropas und zu
Japan. Der Weltwirtschaftsgipfel in Bonn ist Teil dieser Bemühungen.
Seit der Zeit des Amtsantritts haben wir erhebliche Fortschritte in der
Übernahme unseres Anteils an den internationalen wirtschaftlichen Belastungen erzielt. In den vergangenen eineinhalb Jahren haben wir die
Gesamtzahl der Beschäftigten in Amerika durch Schaffung neuer Arbeits-

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 32 40
D5300 Bonn 2
Telex:08-85432

�Arbeitsplätze um 6,1 Millionen erhöht - das sind mehr Arbeitsplätze, als
in jedem anderen Zeitraum in der Geschichte der Vereinigten Staaten geschaff
wurden.

Auf dem Energiesektor sind wir gut auf dem Weg vorangekommen,

einen grundlegenden und tiefgreifenden Wandel in der Einstellung Amerikas
zum Umgang mit Energie herbeizuführen.

Wir haben ein Energieministerium

geschaffen, wir haben beträchtlichen Fortschritt hinsichtlich der Annahme
des umfassendsten und tiefstgreifendsten Energie-Paketes gemacht, das je
dem Kongreß unterbreitet worden ist, und wir werden dieses Jahr eine
Milliarde Barrel an ausländischem öl weniger verbrauchen als letztes Jahr.
Der Präsident wird auch Berlin besuchen, um persönlich und im Namen
des amerikanischen Volkes unsere Freundschaft zu und unsere Verpflichtung
gegenüber dem freien Volk von Berlin zu erneuern.

Präsident Carter:
Wir treten heute eine Reise an, die zwei Reisen miteinander verbindet.
Die erste wird mein offizieller Besuch der Bevölkerung der Bundesrepublik
Deutschland als Vertreter der Vereinigten Staaten sein. Dieser Besuch
wird zwei Tage dauern, und an ihn wird sich der vierte Wirtschaftsgipfel
anschließen, den die führenden Vertreter der sieben demokratischen Industriestaaten durchführen. Diese Reise stellt meine Anerkennung der wirtschaftlichen Interdependenz der Völker der Welt und auch der Erkenntnis dar,
daß wir in den freien Demokratien die Stärke und die Vitalität demonstrieren
müssen und demonstrieren können, die in der Zusammenarbeit zwischen uns
bestanden hat und die die Grundlage unseres Fortschritts gewesen ist.
Es ist beinahe ein Klischee, wenn man sagt, daß die Bundesrepublik
Deutschland ein Wirtschaftswunder vollbracht habe, indem sie sich aus
den Zerstörungen des Krieges zu einer der führenden Industrie- und Wirtschaftsnationen der Welt erhoben hat. Dies ist selbstverständlich der
Zähigkeit, dem Mut und der Arbeitsamkeit des deutschen Volkes zuzuschreiben.

�zuzuschreiben.

Aber es ist auch der Tatsache zuzuschreiben, daß es frei

ist und unter den Bedingungen einer demokratischen Gesellschaft wirken kann.
Wir haben dies in unserem eigenen Lande bewiesen. Aufgrund der Freiheit
des menschlichen Geistes waren wir in der Lage, eine Wildnis in eine Nation
zu verwandeln, die heute eine der führenden der Welt ist. Die Bundesrepublik zeigt die gleiche Freiheit des menschlichen Geistes, eine Hingabe
an die Freiheit und die Menschenrechte des einzelnen; und sie hat ihr Land
und ihre industrielle Basis und viele ihrer Städte wieder aufgebaut, die
durch die Verwüstungen des Krieges weitgehend zerstört waren.
Die Tatsache, daß Europa und Japan heute industrielle und wirtschaftliche Giganten sind, ist selbstverständlich ihnen selbst zuzuschreiben,
ihrer Entschlossenheit und ihrem Einfallsreichem, aber auch der Klugheit
der Vereinigten Staaten, ihnen nach dem Zweiten Weltkrieg zu helfen.

Und

auch hier ist das in Europa wie in Japan ein Tribut an das demokratische
System.
Auf der Gipfelkonferenz im Anschluß an meinen Staatsbesuch in Deutschland
werden wir den Prozeß der Zusammenarbeit, der Konsultation, der gemeinsamen
Bewältigung von Problemen und Chancen und der Festlegung von Zielen unter
den sieben Industrienationen fortsetzen. Wir werden über einen weiten Bereich wirtschaftlicher Fragen sprechen, und ich werde in der Lage sein, meine
Freundschaft mit den Führern der anderen Länder zu erneuern, den Standpunkt,
die Haltung und die besonderen Problemen der Vereinigten Staaten von Amerika
zu erläutern, unsere Fortschritte aufzuzeigen und die gleichen Informationen
von jedem der anderen Teilnehmer zu erfahren. Wir sind uns darüber im
klaren, daß wir eine Verantwortung tragen, unsere eigenen Systeme zu
stärken, um unseren Völkern ein besseres Leben bieten - eine Verantwortung,
enger zusammenzuarbeiten. Aber gleichzeitig sind wir in unseren Einstellungen nicht egoistisch, denn die Geschichte hat uns gelehrt, welche
Gefahren ein wirtschaftliches Chaos in der ganzen Welt und welche Gefahren
ein grenzenloses menschliches Leiden aufgrund wirtschaftlicher Entbehrungen
mit sich bringen. Wir erwarten nicht, daß wir alle Probleme der Welt lösen

- 3 -

�lösen werden; aber wir erwarten, den Wirtschaftsgipfel mit einem gründlicheren Verständnis der Gegenseitigkeit unserer Verantwortungen, einer
erneuten Verpflichtung, einer erneuten Zuversicht, einer erneuten gemeinsamen Verpflichtung und Anstrengung zur Herbeiführung einer besseren
Zukunft für unsere Völker zu verlassen.
Wir haben Ziele aufgestellt, die erzieherisch unter uns selbst
wirken werden, die die Zusammenarbeit stärken und die die Parlamente und
Kongresse veranlassen werden, in engerer Harmonie mit der Exekutive
ihrer Länder zusammenzuarbeiten.

Und ich bin überzeugt, daß es auch ein

erzieherischer Prozeß für die allgemeine Öffentlichkeit sein wird, auf
unsere Handlungen und unsere Erklärungen überall in der Welt zu achten.
Und schließlich reise ich hier ab mit einem großen Stolz auf mein
eigenes Land, die Vereinigten Staaten von Amerika, mit Vertrauen in unser
System, mit Vertrauen in unsere wirtschaftliche, politische und militärische
Starke, in der Erkenntnis der Führungsposition, die uns durch die Leistungen
einer freien Gesellschaft zugekommen ist.
Ich werde als erstes meine Freunschaft gegenüber dem deutschen Volk
zum Ausdruck bringen, und dann meine Freundschaft gegenüber den führenden
Vertretern jener Menschen, die in Italien, Frankreich, Großbritannien,
Japan und Kanada leben. Wir leben in einer nüchternen Zeit. Es ist eine
Zeit der Neubesinnung, keine Zeit der Entmutigung, eine Zeit der Entschlossenheit, die Umstände, unter denen wir leben, zu verbessern. Und
ich trete diese Reise als der Vertreter der größten Nation der Erde an,
und ich hoffe und bete, daß ich das Volk der Vereinigten Staaten gut vertreten kann.
Ich danke Ihnen sehr.

+ + + + +

- 4 -

�1

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

18

19. Juli 1978

BUNDESKANZLER SCHMIDT UND PRÄSIDENT CARTER VOR DER PRESSE IN BONN

BONN - (AD) - Nach ihrem ersten politischen Gespräch im Rahmen des
Staatsbesuchs von Präsident Jimmy Carter in der Bundesrepublik Deutschland
stellten sich der Präsident und Bundeskanzler Schmidt am Mittag des 14. Juli
1978 kurz der Presse. Die kurzen Erklärungen der beiden Staatsmänner und
die Fragen und Antworten haben folgenden Wortlaut:
BUNDESKANZLER SCHMIDT: Meine Damen und Herren, ich möchte die Gelegenheit benutzen, um noch einmal ganz öffentlich die Freude nicht nur der
Bundesregierung, sondern des ganzen deutschen Volkes über den Besuch des
amerikanischen Präsidenten, der von seinem Außenminister und anderen Beratern begleitet ist, hier zum Ausdruck zu bringen. Wir haben drei Stunden
hart gearbeitet, und wir haben noch ein bißchen Arbeit vor uns. Der Präsident macht den Deutschen die Freude, morgen Berlin zu besuchen, und dann
kommt noch ein großes Stück Arbeit mit dem sogenannten Gipfeltreffen am
Sonntag und Montag. Was die bisherige Arbeit angeht, so wird es wohl am
besten sein, wenn ich dem Gast den Vortritt lasse, einige Bemerkungen darüber zu machen. Danach wird es vielleicht Gelegenheit für zwei oder drei
Fragen geben. Dann haben wir die Absicht, unsere Arbeit beim Essen fortzusetzen.
PRÄSIDENT CARTER:

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432
D5300 Bonn 2

�PRÄSIDENT CARTER:

Zunächst möchte ich Präsident Scheel und Kanzler

Schmidt, den deutschen Gastgebern, für den überaus herzlichen Empfang danken, den sie uns bereitet haben, und für die Möglichkeit, wieder nach Bonn
zu kommen und auf dieser Reise erneut Berlin und Frankfurt zu besuchen.
Wir haben Gelegenheit gehabt zu neuerlicher Überprüfung und Würdigung
der festen Grundlage unserer beiderseitigen Ziele und Auffassungen, der
Zusammenarbeit und der Verpflichtung und festen Bindungen, die uns politisch, wirtschaftlich und militärisch einen.

Unter sechs Präsidenten und

fünf Bundeskanzlern - dies hat Kanzler Schmidt heute morgen hervorgehoben blieb das Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der
Bundesrepublik Deutschland stark und gesund.

Und wir beide stimmen darin

überein, daß es niemals stärker und gesünder war als heute.
Die zweiseitigen Gespräche waren eingehend. Wir erörterten die Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern und die kooperative Einstellung,
die wir dem Bemühen entgegenbringen, den Frieden in der ganzen Welt zu erhalten und zu mehren. Wir diskutierten wirtschaftliche Probleme, denen
wir uns beide gegenübersehen, und wir haben uns, so glaube ich, sehr sorgfältig auf eine erfolgreiche Gipfelkonferenz vorbereitet, die übermorgen
beginnen wird.
Diese Gespräche sind für mich sehr hilfreich. Ich habe noch keinen
anderen führenden Politiker der Welt getroffen, der mir in meinem Verständnis wirtschaftlicher Fragen eine bessere Hilfe gewesen wäre als Kanzler
Schmidt.
Die Stärke und die Unabhängigkeit der Bundesrepublik Deutschland bietet - wie die unsere - eine feste Grundlage für die freimütige Diskussion nicht
nur. der Dinge, über die man sich einig ist, sondern auch über Meinungsverschiedenheiten.

Diese Diskussionen sind höchst nützlich für die Identifi-

zierung jener Bereiche, in denen sich unsere eigenen nationalen Interessen
nicht ganz decken mögen.
Zweck
- 2 -

�Zweck einer Gipfelkonferenz ist es, die Differenzen auszuräumen, die
wir ausräumen können, verbleibende Differenzen zu bewerten, gemeinsame Ziele
zu setzen und führende Politiker in den Parlamenten und im Kongreß ebenso
wie die Öffentlichkeit, den privaten Sektor unserer freien Gesellschaften,
dafür zu gewinnen, sich mit uns zur Erreichung dieser Ziele zu verbinden.

Was das Verhältnis zwischen dem deutschen und dem amerikanischen Volk
angeht, so bin ich in jeder Hinsicht dankbar und zuversichtlich.

Ich freue mich, Herr Bundeskanzler, auf die Fortsetzung unseres Besuches in Ihrem Land und auf den erfolgreichen Abschluß einer hochbedeutsamen Gipfelkonferenz mit führenden Politikern anderer westlicher Demokratien.

Ich danke Ihnen, daß Sie mir diese Gelegenheit geben, kurz zur deutschen und amerikanischen Presse zu sprechen.

Wie Sie bereits sagten, stehen

wir jetzt für ein paar Fragen zur Verfügung.

FRAGE:

Könnten Sie uns sagen, was Sie von dem Ginsburg-Prozeß und

dem Schtscharanski-Urteil in der Sowjetunion halten?

DER PRÄSIDENT:

Es ist uns wohl bekannt, daß die mutigen Dissidenten

in der Sowjetunion, Schtscharanski und Ginsburg, angeklagt und abgeurteilt
wurden und nun bestraft werden, weil sie diejenigen unterstützt haben, die
Anspruch auf die Grundfreiheiten erheben - auf die Grundfreiheiten, die in
der Schlußakte von Helsinki vereinbart und garantiert werden, die die Sowjetunion selbst aus freien Stücken unterzeichnet hat - und weil sie ferner
für grundlegende Verpflichtungen eingetreten sind, die auch in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte garantiert werden, die die Sowjetunion
mit anderen Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen öffentlich und amtlich
bekräftigt hat.

Wir bedauern diese Handlungsweise sowjetischer Behörden.

Unsere Sympathien und unsere Unterstützung gelten weiter Schtscharanski,

- 3-

�Schtscharanski, Orlow, Ginsburg und den anderen.

Es liegt auf der Hand,

daß wir weder über ein Instrumentarium verfügen noch den Wunsch haben,
uns in die inneren Angelegenheiten der Sowjetunion einzumischen.

Aber mir

als Regierungschef und den Menschen in unserem Land kommt die legitime
Funktion zu, die Welt zu öffentlicher Mißbilligung aufzurufen, wenn gegen
die Grundsätze menschlicher Freiheit verstoßen wird.
Trotz dieses widrigen Umstandes suchen wir, wo immer möglich, mit der
Sowjetunion zusammenzuarbeiten.

Wir erzielen weitere Fortschritte auf ei-

nigen Gebieten, die für die Sicherheit der Welt entscheidend wichtig sind.
Außenminister Vance ist gerade von konstruktiven Gesprächen mit dem sowjetischen Außenminister über die SALT-Abkommen zurückgekehrt.

Ich selbst

werde Berlin besuchen, dem heute das von der Sowjetunion und den Westalliierten abgeschlossene Viermächte-Abkommen zugute kommt.
Wir verurteilen also diese Handlungsweise der Sowjetunion.

Gleich-

zeitig wollen wir weiterhin friedliche Beziehungen zu allen Ländern unterhalten.

Aber unsere Stimme wird nicht zum Schweigen gebracht werden ange-

sichts dieser und anderer Verstöße in der Welt gegen die grundlegenden
Menschenrechte.
FRAGE:

Aber weitere Maßnahmen werden nicht ergriffen?

BUNDESKANZLER SCHMIDT: Ich möchte gerne in voller Übereinstimmung
mit dem, was der Präsident eben gesagt hat, noch zwei oder drei Sätze hinzufügen. Es sind ja nicht nur Prozesse in der Sowjetunion, es sind auch
Prozesse in anderen Ländern. Wir Deutsche sind besonders beunruhigt über
die Prozesse gegen Hübner und Bahro, die im anderen Teil Deutschlands in
diesen Tagen stattfinden, und ich würde ganz gerne die amerikanischen
Journalisten darauf aufmerksam machen, daß es viele Menschen gibt im Osten
Europas, die unter solchen Anklagen und Verfolgungen und Urteilen zu leiden haben, weit über diejenigen hinaus, die im Augenblick im öffentlichen
Bewußtsein eine so prominente Rolle einnehmen
FRAGE:
- 4 -

�FRAGE:

Was war Präsident Carters Reaktion auf den Protest der DDR

gegen den gemeinsamen Berlin-Besuch von ihm und Bundeskanzler Schmidt?
PRÄSIDENT CARTER:

Der Deutschen Demokratischen Republik kommt bei

der Beurteilung der Einhaltung des Viermä'chte-Abkommens keine Rolle zu.

Das

ist ein Abkommen, das von den vier beteiligten Nationen unterzeichnet wurde,
und die DDR ist an jenem Abkommen nicht beteiligt und nimmt keine legale
oder legitime Rolle als Kommentator ein.
Es liegt völlig im Bereich des Abkommens, wenn der deutsche Kanzler
mit mir Westberlin besucht. Nach meiner Auffassung ist es Teil des Abkommens
selbst, daß gute Beziehungen, verbesserte Beziehungen und verstärkte Beziehungen zwischen dem westlichen Teil Berlins und der Bundesrepublik Deutschland bestehen sollen. Somit ist es für uns ein angemessener Schritt, für
den Bundeskanzler ein angemessener Schritt, und der DDR kommt keine legitime
Rolle als Kommentator zu.
FRAGE: Haben Sie heute vormittag Verteidigungs- und NATO-Fragen besprochen, insbesondere die eventuelle Entwicklung oder Dislozierung von
Neutronenwaffen?
PRÄSIDENT CARTER:

Ja.

FRAGE: Herr Präsident, ist über diese Entwicklung oder Dislozierung
irgendeine Entscheidung gefällt worden?
PRÄSIDENT CARTER: Nein, wir haben keine endgültige Entscheidung darüber getroffen, sondern eine sehr offene und ungezwungene und freie Diskussion geführt über diese und andere, die NATO betreffende Fragen. Die
beiderseitigen und ausgewogenen Truppenreduzierungen, die erfolgreiche Vermehrung der schrecklichen sowjetischen Mittelstreckenraketen wie etwa der
SS-20 - all das sind Dinge, die wir erörtert haben.
Allerdings

- 5 -

�Allerdings sind wir nicht bereit, den Inhalt unserer Gespräche offenzulegen.
FRAGE: Vielleicht könnte der Bundeskanzler seinen Standpunkt zur Dislozierung der Waffen in Deutschland darlegen?
BUNDESKANZLER SCHMIDT:

Ich möchte nur die sehr knappe aber sehr prä-

zise Antwort des Präsidenten unterstreichen.

Meine Damen und Herren, wir

haben nur noch Zeit für eine weitere Frage.
FRAGE:

Herr Präsident, können Sie uns sagen, welche wirtschaftlichen

Differenzen Sie erörtert haben?

Welches sind die wirtschaftlichen Differen-

zen, die Sie mit der Bundesrepublik haben?
PRÄSIDENT CARTER:

Es gibt eine Reihe von Fragen, die wir diskutiert

haben und die auf der Tagesordnung der
deren Regierungschefs stehen werden.

Gipfelkonferenz mit den fünf anEine davon ist natürlich der übermäßige

Verbrauch von öl und anderen Energieträgern in unserem eigenen Land; die
negative Zahlungsbilanz der Vereinigten Staaten; der gemeinsame Wunsch nach
kräftigem Wachstum in den westlichen Demokratien; eine gemeinsame Verpflichtung, Hindernisse für den freien Handel abzubauen.
Ich glaube, in den Endzielen, die wir zu erreichen hoffen, kann ich
keine Differenz entdecken. Aber augenscheinlich gibt es unterschiedliche
nationale Interessen. Wir beispielsweise sind hinsichtlich der Aufrechterhai tung der Beschäftigung und der Wirtschaftskraft nicht annähernd so stark
exportabhängig wie die anderen.betroffenen Nationen. Der Export macht nur
rund sieben Prozent unseres Bruttosozialprodukts aus.
Meines Wissens entfallen in Deutschland vielleicht 25 oder 35 Prozent
des Bruttosozialprodukts auf den Export.
sichtlich der Ziele.

Wir haben keine Differenzen hin-

Aber es bestehen aufgrund von Eigentümlichkeiten un-

serer Länder normale Unterschiede in der Perspektive.
FRAGE:
- 6 -

�FRAGE:

Stimmen Sie dem Bundeskanzler zu, daß die amerikanischen öl-

importe das größte Problem des Welthandels darstellen?
BUNDESKANZLER SCHMIDT:
geben.

Es wird in Kürze eine weitere Pressekonferenz

Wir möchten Ihnen allen namens des Präsidenten und in meinem eigenen

Namen danken und hoffen, daß wir Sie dieser Tage wiedersehen werden.
Vielen Dank.

- 7 -

�1

Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

18

19. Juli 1978

ERKLÄRUNG PRÄSIDENT JIMMY CARTERS ZUR VERURTEILUNG VON SCHTSCHARANSKI

BONN - (AD) - Präsident Jimmy Carter ließ am 14. Juli 1978 während
seines Staatsbesuches in Bonn durch das Weiße Haus folgende Erklärung zur
Verurteilung des sowjetischen Menschenrechtlers Anatoli Schtscharanski
veröffentlichen:
Ich spreche heute mit der Traurigkeit, die die ganze Welt angesichts
des Urteils empfindet, das gegen Anatoli Schtscharanski ergangen ist. Wir
alle sind ernüchtert durch diese Erinnerung daran, daß noch gegen Ende des
20. Jahrhundert ein Mensch ins Gefängnis geschickt werden kann, einfach,
weil er seine grundlegenden Menschenrechte geltend macht.
Am traurigsten ist dies für das sowjetische Volk, das zu Lebzeiten
Krieg und Unterdrückung erfahren hat, das sich wie alle anderen Völker nach
Frieden und Freiheit sehnt, das erlebt hat, wie seine eigene Regierung vor
zwei Jahren gelobte, diese Menschenrechte und Sehnsüchte zu respektieren, und
das nunmehr erlebt hat, daß diese Rechte abermals gebrochen wurden.
Das Ringen

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 3240
D5300 Bonn 2
Telex:08-85432

�Das Ringen um die menschliche Grundfreiheiten ist lang und schwer; es
wird aber siegreich enden. Es gibt keine Macht auf Erden, die ihren Fortschritt auf die Dauer verhindernkönnte.

+ + + + +

�I

I2L 31H B

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

18

19. Juli 1978

ANSPRACHE PRÄSIDENT CARTERS VOR DEM BONNER RATHAUS

BONN - (AD) •• Präsident Jimmy Carter hat am
Staatsbesuches in der Bundesrepublik Deutschland
such abgestattet, wo er sich in das Goldene Buch
hielt er auf der Freitreppe des Bonner Rathauses
kerung, die folgenden Wortlaut hat:

14. Juli 1978 anläßlich seines
dem Rathaus in Bonn einen Beder Stadt eintrug. Anschließend
eine Ansprache an die Bevöl-

Verehrte Vertreter und Bürger dieser großen Stadt Bonn, ich danke Ihnen
für Ihr Willkommen!
Bevor ich nach Bonn kam, wurde ich vor drei Dingen gewarnt, die mir während meines Aufenthaltes in Ihrer Stadt zustoßen würden: Aber es hat nicht geregnet, ich bin nicht im geringsten müde, und wo ich auch immer hinkomme, die
Schranken sich nicht zu.
Statt dessen sehe ich eine schöne Stadt, eine grüne und angenehme Gemeinde
mit einer bewundernswerten Lebensqualität.
Konrad Adenauer hat immer gesagt, er habe Bonn als Hauptstadt - als vorläufige Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland gewählt, weil er über seine
Liebe zu den Rosen hinaus wisse, daß die Demokratie in dieser heiteren und

Postfach 2 0 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 0 2 2 2 1 - 8 9 32 4 0
Telex:08-85432

�und freundlichen Stadt an den Ufern des Rheins am schönsten erblühen würde.
Trotz all der Veränderungen, die Sie erlebten, haben Sie sich diese
Heiterkeit und diesen Charme bewahrt.
Als ich mich vor einigen Augenblicken in Ihr Goldenes Buch eintrug, war
ich von Erinnerungen an Ihre Geschichte umgeben.

Und ich fühle mich, wenn

ich jetzt hier stehe, geehrt, wenn ich an die Geschichte denke, die sich auf
diesen Stufen abgespielt hat.
Viele hervorragende Besucher haben hier gesprochen, unter ihnen Staatspräsident Charles de Gaulle und unser eigener Präsident John F. Kennedy.
Aber noch wichtiger sind jene, die nicht als Besucher zu Ihnen gesprochen
haben, sondern als Geschöpfe des Bodens und der Seele Deutschlands.

Als

Professor Gottfried Kinkel von diesen Stufen die Ideale von 1848 verkündete,
befand sich unter seinen Zuhörern ein junger Mann, der einmal in gleicher
Weise Amerikanern wie Deutschen bekannt werden sollte:

Carl Schurz, der

große deutsch-amerikanische Reformer.
Ein Jahrhundert später, als Präsident Heuss in der Nacht seiner Wahl
von diesen Stufen zu Ihnen sprach, ahnten noch nicht viele unter seinen Zuhörern, daß sie im Aufbruch einer Ära lebten, in der Deutschland und Amerika die engsten Partner in einer globalen Anstrengung zur Sicherung von Frieden, Freiheit und Stabilität der Menschheit werden würden.
Aber genau das ist eingetreten.

Heute tragen die Bundesrepublik und

die Vereinigten Staaten gemeinsam gewaltige Verantwortungen und haben gleichartige Interessen, und Bonn hat seinen Platz als Hauptstadt eines unserer
wichtigsten Verbündeten eingenommen.

Unsere Sicherheit ist Ihre Sicherheit

und Ihre Sicherheit ist die unsrige.

Darum erhöhen die Vereinigten Staaten

ihre Verpflichtung gegenüber der NATO, und darum werden sie Ihr Land verteidigen helfen als wäre es unser eigenes.
Die

- 2 -

�Die Bundesrepublik und die Vereinigten Staaten haben auch eine Haltung
und ein Pflichtgefühl gegenüber Europa und der Welt gemeinsam.

Vor vielen

Jahren sagte Carl Schurz, der so viel Richtunggebendes aus dieser Stadt zog,
uns, seinem angenommenen Volk, etwas sehr Kluges:

"Der echte Amerikaner

muß ein schöpferischer Weltbürger sein".
Heute sind Amerikaner und Deutsche schöpferische Weltbürger, die sich
zusammen bemühen, anderen Regionen der Welt zu helfen, wirtschaftlichen Wohlstand und wirtschaftliche Stabilität zu erreichen.
Und natürlich haben unsere beiden Nationen einen fundamentalen Glauben
an die gleichen Werte gemeinsam - die Werte der Freiheit, der menschlichen
Freiheiten und der Überzeugung, daß jeder Mensch in der Lage sein sollte,
sein eigenes Leben voll und schöpferisch zu entwickeln - sicher vor Unterdrückung von außen oder Unordnung im Innern.
In einer Zeit, in der die Feinde der Demokratie entschlossen zu sein
scheinen, uns auf die Probe zu stellen, sind wir bereit, unsere Stärke zu
bewahren, weil wir wissen, daß die Demokratie der effektivste Weg ist, Probleme zu lösen und den Ansprüchen unserer Völker gerecht zu werden.
Sie als Bürger der Hauptstadt eines großen demokratischen Landes, und
ich als Bürger der Hauptstadt eines anderen großen demokratischen Landes
haben diesen Glauben gemeinsam.
Wir verstehen und wir teilen Ihre Wünsche und Hoffnungen und Ihre Verpflichtung auf eine friedliche Wiedervereinigung ganz Deutschlands.
Als Verbündete, als Weltbürger, als Menschen, die an die Freiheit und
eine demokratische Regierung glauben, haben Deutsche und Amerikaner auch ein
Bewußtsein für die Interdependenz aller Menschen überall gemeinsam.
Wenn

�•

Wenn ich heute über diesen Marktplatz blicke, dann bin ich mir nicht
nur seiner rein deutschen Geschichte bewußt - dieses zierlichen Rokokogebä'udes hinter mir; des Gebäudes zu meiner Rechten, aus dem 14. Jahrhundert
restauriert; der großen Universität zu meiner Linken; der Kirchturmspitzen
über den Dächern -, sondern ich bin mir auch seiner Realität von heute bewußt: des Chinarestaurants, des amerikanischen Fotogeschäfts, der Geschäfte
gefüllt mit Waren aus Frankreich und Skandinavien und so vielen anderen Ländern Europas und der Welt.

Das alles sind Erinnerungen daran, wie eng das

Leben der Menschen auf unserem Planeten miteinander verknüpft ist.
Und lassen Sie mich zum Abschluß sagen, daß das Entscheidende in den
letzten Generationen die Tatsache ist, daß die Beziehungen zwischen uns
nicht nur eine Angelegenheit der Regierungen geworden ist, sondern unserer
Völker selbst.

Wenn die Menschen der Welt miteinander reden und arbeiten

und miteinander leben, dann ist es angebracht, sich jenes Gedichtes von
Schiller zu erinnern, das der große Beethoven, ein Sohn Bonns, durch seine
Vertonung unsterblich gemacht hat, der Ode an die Freude:
Alle Menschen werden Brüder
Wo dein sanfter Flügel weilt.
Ich danke Ihnen sehr, meine Freunde.

+ + + + +

- 4-

�3
3

1

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

TISCHREDE

DES PRÄSIDENTEN DER VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA
JIMMY CARTER

AUF DEM FESTESSEN ANLÄSSLICH SEINES STAATSBESUCHES
IN DER BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND

AM FREITAG, DEN 14. JULI 1978

AUF SCHLOSS AUGUSTUSBURG IN BRÜHL

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�Herr Präsident, Herr Bundeskanzler, Herr Oberbürgermeister, Exzellenzen,
meine Damen und Herren!

Alle, die mit mir aus Washington gekommen sind, wissen, daß wir hier
unter Freunden sind.

Ich darf für Ihren großartigen Empfang meinen tiefem-

pfundenen Dank aussprechen.

Mein Dank gilt auch allen Bürgern der Bundes-

republik, die uns so herzlich begrüßt haben.

Es freut mich, daß mein erster Besuch in Deutschland als Präsident in
der Stadt beginnt, in der Beethoven zu Hause war.

Er verkörpert nicht nur

die deutsche Kultur, sondern auch die unbezwingbare geistige Kraft eines
freien Volkes.

Bonn ist heute gleichermaßen bedeutsam als die gegenwärtige

Hauptstadt dieser großen, pulsierenden Nation.

Die politische und wirtschaftliche Entwicklung Westeuropas nach dem
Zweiten Weltkrieg stellt einen der größten Erfolge in der ganzen Geschichte
dar.

Weitverbreitete Armut ist weitverbreitetem Wohlstand gewichen,

über

Jahrhunderte verfeindete Völker haben sich politisch und wirtschaftlich zusammengeschlossen, um gemeinsam das Europa der Zukunft zu bauen.

Das deutsche Volk hat eine starke und beständige demokratische Ordnung
geschaffen und erhält diese aufrecht.

Bonn, als Hauptstadt der Bundesrepublik

Deutschland, symbolisiert den Willen und die Entschlossenheit freier Menschen.
Es ist beeindruckend, eine Nation zu sehen, die so erstaunliche Fortschritte
gemacht hat - Fortschritte, die allen Nationen als Vorbild dienen können:
Ein Vorbild für eine lebenswerte Welt - eine Welt, die wir im Zaume halten
können - eine Welt, die wir uns leisten können - eine Welt, die uns glücklich macht.
Hier

- 1-

�Hier in dieser friedlichen jungen Hauptstadt im Schatten des Siebengebirges erscheint es einem möglich, daß der Tag kommen wird, an dem alle
Nationen erneuerte Städte besitzen werden, umringt von ländlicher Fülle,
der Tag, an dem alle Nationen den Gedanken der Freiheit schätzen und die
Funktion der Andersdenkenden in einer freien Gesellschaft verstehen, und
an dem sie ihren Bürgern das Recht einräumen werden, an den Entscheidungen
teilzunehmen, die ihr Leben berühren.
Heute sah ich bei meiner Fahrt durch Ihre Stadt hervorragend restaurierte alte Gebäude, die sich stolz in das Gefüge moderner Strukturen einreihen.
Mir scheint diese wachsende Hauptstadt ein genau so starker Beweis für die
Vitalität des modernen Deutschland zu sein wie die erstaunliche Deutsche
Mark.
Die Vereinigten Staaten blicken mit Stolz auf ihre lange bestehenden
und engen Bindungen mit Westdeutschland zurück.

Mit Bewunderung - manchmal

sogar mit Neid - haben wir Ihren Aufstieg zu einem der führenden Länder der
Welt in Wirtschaft und Handel beobachtet.

In den letzten zwei Jahrzehnten

hat Ihre Wirtschaft dem Wachstum in Europa einen kräftigen Schub gegeben.
Immer wieder gehören Ihre politischen Entscheidungen zu den konstruktivsten
auf diesem Kontinent, und Sie leisten einen wesentlichen Beitrag zur Erhaltung einer gesunden Weltwirtschaft.
Ich spreche nicht nur von Ihrer beständigen Unterstützung der Europäischen Gemeinschaft, sondern auch von Ihrer Bereitschaft, Italien und
Portugal Kredite zu gewähren, von Ihren eifrigen Bemühungen um den Zusammenhalt der europäischen "Währungsschlange" und von allen anderen deutschen
Initiativen zur Unterstützung des wirtschaftlichen Wachstums und des Wohlstands in der Welt.
Die Festigkeit Ihrer Wirtschaft und Institutionen, Ihre führende Rolle
in der Gestaltung der Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen und Ihre einmaligen industriellen Produktionskapazitäten sind überragende Leistungen. Sie

- 2 -

�Sie sind um so eindrucksvoller, weil sie geschaffen wurden im Zuge Ihres
Engagements für das System der freien Marktwirtschaft und für die Ideale
einer freien Gesellschaft.

Dieses Engagement ist doppelt wichtig in einer

Zeit, in der Terroristengruppen den unsinnigen Glauben hegen, sie könnten
freie Gesellschaften zwingen, die Freiheit aufzugeben.

Unsere beiden Na-

tionen sind fest entschlossen, der Plage des Terrorismus ein Ende zu bereiten - und wir teilen die feste Überzeugung, daß man der Drohung der
Terroristen am besten mit demokratischer Freiheit und sozialer Gerechtigkeit begegnet.
Die Anwendung der Vorschriften zum Schutz der Bürgerrechte in ihrem
beispielhaften Grundgesetz beweisen klar, daß sich die Bundesrepublik diesen Idealen verschrieben hat.
Gemeinsame Überzeugungen dieser Art bildeten die entscheidende Grundlage für unsere enge Zusammenarbeit während der letzten dreißig Jahre.
Aber die Gemeinsamkeiten zwischen der Bundesrepublik und den Vereinigten
Staaten gehen weit über unsere bilateralen Interessen hinaus - sogar über
jene der Atlantischen Gemeinschaft.

Unsere gemeinsamen Interessen erstrecken

sich auf alle Aspekte von Weltbedeutung.

Unsere Nationen verstehen die aus

der Demokratie erwachsende moralische Kraft.

Das ist der starke Unterbau

der deutsch-amerikanischen Partnerschaft.
Amerikaner und Deutsche verstehen die Bedeutung von Chancengleichheit
und gerechter Leistungsbelohnung. Und dieses gemeinsame Verständnis hilft
uns, unsere Probleme im Geiste der Kooperation anzugehen. Es gibt uns die
Kraft und das Vertrauen, mit den Herausforderungen der modernen Gesellschaft
fertig zu werden.
Zu unseren Aufgaben - und den Aufgaben aller demokratischen Staaten gehört die erneute Verpflichtung auf Maßnahmen zur Gesundung der Wirtschaft
in der ganzen Welt.

Diese Verpflichtung, mehr als alle anderen materiellen

Ziele, bildet die Grundlage für eine Zukunft, in der sich die seit je gehegten Bestrebungen der Menschheit erfüllen können:
- 3 -

n-

�- Die Ungleichheiten zwischen Nationen und zwischen Klassen von Bürgern
zu beseitigen;
- den Tag zu erreichen, an dem ein interdependenter Welthandel für die
armen zwei Drittel der Welt Arbeitsplätze, Einkommen und ein besseres
Leben schafft;
- den Tag zu erreichen, an dem der kontinuierliche Transfer von Kapital
und Technologie von den reichen auf die armen Länder einen Stand erreicht, bei dem die jetzt von den Industrienationen genossenen Güter
in der ganzen unterentwickelten Welt verbreitet sind.
Ein solcher Transfer von Mitteln und Dienstleistungen ist für die Gesundheit unserer eigenen Wirtschaft genauso wichtig wie für das Wohlergehen
der weniger entwickelten Länder.

Die Ereignisse von 1973 und 1974 haben un-

sere beiden Länder gelehrt, wie stark das Bruttosozialprodukt der Welt von
den nationalen Bruttosozialprodukten abhängt.
Bundeskanzler Schmidt und ich werden uns in zwei Tagen mit unseren
Kollegen aus dem Vereinigten Königreich, Frankreich, Kanada, Italien, Japan
und der Europäischen Gemeinschaft an einen Tisch setzen, um Strategien für
die Erreichung dieser Ziele zu entwickeln. Ich sehe diesem vierten Wirtschaftsgipfel mit Optimismus entgegen. Wenn wir auch in den vierzehn Monaten seit dem Londoner Wirtschaftsgipfel nicht alles erreicht haben, was
wir uns erhofft hatten, stimme ich mit dem überein, was Premierminister
Fukuda gesagt hat, als wir im Vorjahr in der Downing Street zusammentrafen.
Er erinnerte uns daran, daß die Große Depression vielleicht hätte vermieden
werden können, wenn sich die Staatsmänner der Welt nach dem Scheitern der
Londoner Wirtschaftskonferenz von 1930 noch einmal zusammengesetzt hätten.
Auch wenn wir nicht alles Angestrebte erreichen, sagte er, verhindern wir
vielleicht mehr als wir wissen.
Diese

�Diese Woche führt uns wieder zusammen, um Wege zu finden, die Weltwirtschaft zu stärken.

Wie auch beim letzten Treffen, werden wir bei diesem

spezifischen Wirtschaftsgipfel nicht für alle Probleme Lösungen finden
können.
Mit jedem Jahr wird es klarer, daß Geschehnisse, die sich weit entfernt
von uns ereignen, die Entwicklung in unseren eigenen Ländern positiv oder
negativ beeinflussen. Die Teilnehmer am Gipfel sind sich bewußt, das Währungsschwankungen, Zu- und Abwanderungen von Arbeitskräften, schlechte Ernteerträge und eine Menge anderer veränderlicher Faktoren nicht mehr an politischen und geographischen Grenzen haltmachen. Jedes in der Vergangenheit
isolierte Geschehnis berührt heute alle Aspekte der integrierten Weltwirtschaft.
Wir sind alle verletzlich - einer durch den anderen.
aufeinander angewiesen.

Wir sind alle

Zusammen müssen wir nach stabilem, nicht-inflatio-

närem Wachstum und nach Arbeitsplätzen für unsere Bürger suchen.

Wir müs-

sen versuchen, gemeinsam zu expandieren, die Außenhandelspolitik zu liberalisieren und den wachsenden protektionistischen Neigungen Einhalt zu gebieten.

Zusammen müssen wir nach einem multilateralen Handelssystem streben,

das den Welthandel ausweitet.
Zusammen müssen wir nach Wegen suchen, den Energieverbrauch zu drosseln
und die Suche nach neuen Energiequellen und Möglichkeiten zu deren Ausbeutung zu fördern.
Zusammen müssen wir ein internationales Währungssystem schaffen, das
stark und flexibel genug ist, das Wachstum zu erhalten und das Vertrauen zu
mehren. Zusammen müssen wir versuchen, die sich aus dem wirtschaftlichen
Fortschritt und erweitertem Handel ergebenden Früchte mit allen Entwicklungsländern zu teilen und den ärmsten Ländern der Welt mehr Hilfe zukommen zu
lassen.
Die
- 5 -

�Die Vereinigten Staaten und die Bundesrepublik Deutschland gehen Hand
in Hand auf der gemeinsamen Suche, diese Ziele zu verwirklichen.
Es geht hier um mehr als nur wirtschaftliche Gesundung.

Erst aus der

wirtschaftlichen Stärke schöpfen wir die Mittel und die Zuversicht, die wir
brauchen, um die Kriegsgefahr zu bannen und den Frieden zu sichern.

Was

wir diese Woche hier in Bonn und in den kommenden Wochen zu Hause tun werden,
hat eine direkte Beziehung nicht nur zu unserer wirtschaftlichen, sondern
auch zu unserer militärischen Sicherheit.
Unsere Verteidigungspolitik gründet sich auf eine starke NATO.

Die

amerikanische Sicherheit ist heute genauso eng mit der westeuropäischen
Sicherheit verknüpft wie in den letzten drei Jahrzehnten.

Wir sind zur

Abschreckung vor einem Krieg in Europa, und wir sind zur Verteidigung des
gesamten Bündnisgebietes bereit.
Morgen werde ich einige der zwei hunderttausend amerikanischen NATO-Soldaten besuchen, die in der Bundesrepublik stationiert sind und auch ihre
deutschen Kameraden, die mit ihnen dienen. Ich werde ihnen versichern, daß
diese Verpflichtung weiterbesteht.
Als vor sechs Wochen in Washington der NATO-Gipfel zusammentrat, sind
wir übereingekommen, ein Langfristiges Verteidigungsprogramm durchzuführen,
das garantieren wird, daß die Streitkräfte, der Nachschub und die Kampfausrüstungen zur Verfügung stehen, die gebraucht werden, um jedweder militärischen Bedrohung zu begegnen. Dies ist keine einseitige Verpflichtung;
sie wurde vom ganzen Bündnis eingegangen. Alle Bündnisteilnehmer haben sich
verpflichtet, ihre Militärhaushalte zu erhöhen; alle von uns sind übereingekommen, uns in die Aufgaben für unsere langfristige Sicherheit zu teilen.
Unser gemeinsames Unterfangen, die Weltwirtschaft und unsere gemeinsame
Sicherheit zu stärken, erfüllt uns mit Zuversicht. Auf diese Zuversicht
gründen sich unsere Bemühungen um eine Minderung der Spannung zwischen uns

- 6 -

�uns und unseren potentiellen Gegnern. Dabei wissen wir, daß wir für lange
Zeit mit der Sowjetunion im Konkurrenzkampf stehen werden. Die westlichen
Interessen werden weiterhin den Drohungen und Herausforderungen seitens der
Sowjets ausgesetzt bleiben. Wir wissen aber auch, daß der Fortgang des Wettrüstens oder die Unfähigkeit, aus der Konfrontation herauszukommen, den Frieden bedrohen. Wir sind bereit, unsere Zusammenarbeit mit der Sowjetunion
auszuweiten. Wir sind bereit, nach einer echten, weitgesteckten Entspannung
auf der Basis voller Gegenseitigkeit zu suchen. Wir hoffen, daß sich die
Sowjets diesen Bemühungen anschließen werden. Wir werden unsererseits keinen Zweifel daran lassen, daß wir weiterhin die Zusammenarbeit suchen - aber
wir sind ebenfalls im vollen Maße bereit, die Interessen des Westens zu
schützen.

Gegenwärtig verhandeln die USA über ein zweites SALT-Abkommen, welches
unsere Sicherheit erhalten und stärken wird, sowie die Sicherheit unserer
Verbündeten. Der Abschluß dieses Abkommens ist von Bedeutung für die Wahrnehmung der weitgesteckten Verantwortungen, die die Vereinigten Staaten und
die Sowjetunion gegenüber allen Nationen und Völkern teilen.
Wir sind bereit, auf anderen Gebieten zu verhandeln: über die Reduzierung der konventionellen Truppenstärken in Europa, über die Beschränkung von
Kernversuchen und über ein Ende der Weiterverbreitung von explosivem Kernmaterial .
Echte Entspannung beinhaltet aber auch Zurückhaltung in der Anwendung
militärischer Gewalt und Mäßigung in der Verfolgung einseitiger Vorteile
- wie sie gegenwärtig in Afrika praktiziert wird. Und zur Entspannung gehört
ebenfalls, daß feierliche internationale Abkommen über Menschenrechte eingehalten werden sowie das beiderseitige Bemühen, ein Klima zu schaffen, in dem
diese Rechte gedeihen können.
Wenn sich die Sowjetunion entscheiden kann, sich uns in der Entwicklung
einer auf breiterem Fundament beruhenden und auf Gegenseitigkeit basierenden Entspannung anzuschließen, wird die Welt daraus gewaltigen Nutzen zie- 7 -

�ziehen.

Ganz gleich aber,wie die sowjetische Entscheidung fällt, der Westen

wird tun, was immer geboten ist, um unsere Sicherheit zu erhalten und er wird
weiterhin nach einem dauerhaften Frieden suchen.
Wir werden unsere eigene Stärke erhalten zur unmißdeutbaren Untermauerung unserer Verpflichtung gegenüber den freien, demokratischen Institutionen
und unserer andauernden Verpflichtung gegenüber unseren NATO-Verbündeten.
Bei meinem sehr kurzen Aufenthalt in der Bundesrepublik Deutschland
ist mir die grundlegende Stärke unserer Partnerschaft noch bewußter geworden.
Ich glaube, daß wir die befriedete Welt, die wir beide erstreben, erreichen
werden.
Ich bitte Sie, mit mir das Glas zu erheben: Auf den Frieden in der
Welt und auf die enge und dauerhafte Freundschaft zwischen Deutschland und
Amerika!

+ + + + +

- 8 -

�1

1
3
18

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

19. Juli 1978

ANSPRACHE DES PRÄSIDENTEN VOR DEUTSCHEN UND AMERIKANISCHEN SOLDATEN

WIESBADEN-ERBESHEIM - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 15.
Juli 1978 im Rahmen seines Staatsbesuches in der Bundesrepublik Deutschland
zusammen mit Bundeskanzler Schmidt amerikanische und deutsche Einheiten
auf dem Flugplatz Wiesbaden-Erbesheim besucht. Der Präsident hielt nach
der Besichtigung folgende Ansprache an die Soldaten:
Ich bin stolz und glücklich, heute bei Ihnen zu sein. Ich überbringe
Ihnen allen die Grüße und die Dankbarkeit des amerikanischen Volkes.
Ich kann mir keine vornehmere und wichtigere Aufgabe vorstellen, als
die, der Sie hier dienen. Sie sind hier, um die Integrität der Bundesrepublik zu verteidigen. Sie sind hier, um die lebenswichtigen Interessen
aller Länder des Atlantischen Bündnisses zu verteidigen. Vor allem, und
das gilt sowohl für die Amerikaner als auch für die Deutschen, sind Sie
hier, um die Freiheit zu verteidigen. Mehr als wirtschaftliche Gründe mehr sogar als die gemeinsame Bedrohung, die unsere potentiellen Gegner
darstellen - ist es unsere Verpflichtung, die Freiheit zu verteidigen,

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432
D5300 Bonn 2

�verteidigen, die uns vereint.

Nicht immer werden wir dieser Verpflichtung

in jeder Hinsicht gerecht.

Sie ist jedoch eine konkrete Realität, die

unserem Leben Inhalt gibt.

Und wir werden unsere Freiheit verteidigen, was

auch kommen mag.
Gleichermaßen werden wir uns auch weiterhin um einen dauerhaften
Frieden bemühen, nach dem sich alle Menschen sehnen.

Seit nunmehr 30

Jahren ist es die Aufgabe der NATO, durch Kampfbereitschaft Kriege zu verhindern.

Und das ist heute Ihre Aufgabe.

Einige Hundert Millionen Menschen

verlassen sich auf Ihre Kampfbereitschaft und auf Ihre Fähigkeit.
Diejenigen unter Ihnen, die in der 76. Brigade dienen, repräsentieren
die über 300 000 Angehörigen der amerikanischen Armee, die zur Unterstützung
des NATO-Bündnisses hier sind, und als die zuletzt auf diesem Kontinent
eingetroffene amerikanische Einheit, symbolisieren Sie in ganz besonderer
Weise den erhöhten Beitrag Ihres Landes zur Stärkung der NATO.
Diejenigen unter Ihnen, die in der 14. Panzerbrigade dienen, repräsentieren die Streitkräfte der Bundesrepublik, die über die Hälfte
der in Mitteleuropa stationierten Landstreitkräfte der NATO stellt.
Und zusammen repräsentieren Ihre beiden Einheiten die enge Zusammenarbeit und Koordination, die für die Effektivität des Bündnisses und
damit für die Sicherheit unserer Länder von so entscheidender Bedeutung
ist. Ihre Offiziere nennen es "Interoperabilität". Nachdem ich vor einigen
Minuten eine Übung beobachtet habe, bin ich wirklich beeindruckt.
Sie sind die Spitze des westlichen Schwertes.

Das Schwert ist ver-

läßlich und scharf, und sowohl das Volk als auch die Regierung der
Vereinigten Staaten machen große Anstrengungen, damit es auch so bleibt.
Aus eben diesem Grunde rüsten wir zur Zeit die in Europa stationierten
Streitkräfte mit verbessertem Gerät aus, - Gerät wie z.B. die Flugzeuge

- 2 -

�Flugzeuge F-15 und A-10 und der Kobra-Kampfhubschrauber, der mit TOWPanzerabwehrraketen ausgerüstet ist.
Aus eben diesem Grunde haben wir unsere hier stationierten Truppen
vermehrt und an neue Standorte verlegt.
Aus eben diesem Grunde werden wir gemeinsam mit unseren Verbündeten
den künftigen Anforderungen der NATO durch das Langfristige Verteidigungsprogramm gerecht werden.
Aus eben diesem Grunde verbessern wir unsere Fähigkeit, Verstärkungen
heranzuführen, falls dies einmal erforderlich werden sollte, indem wir in
zunehmenden Maße Waffen und Gerät hier in Europa einlagern.
In einem Ernstfall würde das bedeuten, daß die Ausrüstung für die
hier eintreffenden Truppenverstärkungen schon bereitsteht.. Dadurch werden wir
beweglicher und können schneller reagieren.
Militärdienst war schon immer mit Entbehrungen verbunden, selbst in
Friedenszeiten, und besonders dann, wenn man fern der Heimat dient. In
diesem Zusammenhang möchte ich mich heute direkt an die hier versammelten
amerikanischen Soldaten wenden.
Ich bin mir dessen bewußt, daß sich viele unter Ihnen in einer äußerst
schwierigen finanziellen Situation befinden, vor allem jene unter Ihnen,
die den unteren Dienstgraden angehören und ihre Familien hier haben.
Ich kann Ihnen keine sofortige und umfassende Hilfe versprechen.

Ich

möchte Ihnen jedoch versichern, daß ich mit allen Einzelheiten Ihrer Probleme
vertraut bin.
Diese Probleme sind mit dem Wert des Dollar sowie der allgemeinen
Stabilität der Weltwirtschaft eng verknüpft.

- 3 -

Bundeskanzler Schmidt und

�und ich haben diese Themen besprochen, und wir werden uns ausführlich
darüber im Rahmen des Wirtschaftsgipfels morgen und am Montag unterhalten.
Wir können jedoch nicht auf langfristige Veränderungen der Weltwirtschaft warten, um eine Soforthilfe für Sie möglich zu machen.
Sie haben sicherlich bemerkt, daß es in den letzten Monaten schon
einen gewissen Fortschritt gegeben hat - vor allem die Beihilfen für die
jüngeren Soldaten, die ihre Familien nachkommen lassen.
Es hat noch andere Verbesserungen gegeben, und weitere werden folgen.
Im nächsten Haushaltsvoranschlag habe ich dem Kongreß eine Reihe von erheblichen Verbesserungen der Leistungen für Sie empfohlen, die sich von der
Finanzberatung bis zur Zahnbehandlung erstrecken.

Ich bemühe mich um die

Zustimmung des Kongresses, daß die Regierung die finanziellen Lasten der
Reise- und Umzugskosten übernimmt, die entstehen, wenn Angehörige der
unteren Dienstgrade ihre Familien nachkommen lassen.
Wenn man von diesen Problemen einmal absieht, so kann man sagen, daß
Ihre Dienstzeit hier auch einige einzigartige Möglichkeiten bietet.
Deutschland ist ein schönes und gastfreundliches Land, und dieser Teil
des Rheintals ist zufälligerweise eines der schönsten Landschaften.

Aus

allen Teilen der Welt kommen Leute, nur um hier ein paar Tage zu verbringen.
Ich hoffe, daß Sie alle diese Möglichkeiten nutzen, um Deutschland
und Europa gründlich kennenzulernen. Sie sind hier als Männer und Frauen,
die einen unerläßlichen Beitrag zur Sicherheit Ihrer hier lebenden Mitmenschen leisten. Ich hoffe, daß Sie Ihr Möglichstes tun, um an deren
Leben teilzunehmen. Ich hoffe, daß Sie sich mit den Deutschen anfreunden sowohl mit der Zivilbevölkerung als auch mit Ihren Waffenkameraden. Fangen
Sie an, Deutsch zu lernen, und machen Sie sich mit den Lebensgewohnheiten
ier deutschen Bevölkerung vertraut. Dadurch werden Sie auch unser eigenes

- 4 -

�eigenes Land und unsere Lebensart aus einer neuen Perspektive sehen.
Als Präsident und Oberbefehlshaber der amerikanischen Streitkräfte
spreche ich Ihnen meine tiefempfundene Anerkennung für Ihre Leistung hier
aus.

Das gilt für alle von Ihnen, für die Deutschen sowohl als auch für

die Amerikaner und auch für Ihre Familienangehörigen.

Ich freue mich,

daß ich diese Gelegenheit habe, Sie hier zu besuchen.

Und ich bin stolz

auf Ihren Patriotismus und Ihren Mut.

+ + + + +

- 5 -

�Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

18

19. Juli 1978

ANSPRACHE PRÄSIDENT CARTERS AUF DEM RÖMERBERG IN FRANKFURT

FRANKFURT - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 15. Juli 1978 bei
seinem Besuch in Frankfurt auf dem Römerberg eine Ansprache an die Bevölkerung gehalten. Anschließend trugen sich der Präsident, seine Frau
Rosalynn und seine Tochter Amy in das Goldene Buch der Stadt ein.
Die Ansprache des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Bundeskanzler Schmidt, verehrte Vertreter der Bundesrepublik Deutschland und der großen Stadt Frankfurt, ich übermittle Ihnen die Grüße und
die Freundschaft von 220 Millionen Menschen in den Vereinigten Staaten von
Amerika.
In wenigen Augenblicken werde ich den Kaisersaal aufsuchen und mich
in Ihr Goldenes Buch eintragen.

Vor 15 Jahren hat sich Präsident John. F.

Kennedy in das gleiche historische Buch eingetragen, und er sagte damals,
ich zitiere: "Wir sind Partner im Frieden - nicht in einem engen bilateralen
Sinne, sondern im Rahmen einer atlantischen Partnerschaft."
Heute

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Heute ist diese Partnerschaft stärker als jemals zuvor, und unsere
beiden Nationen sind in einem noch viel weiter gestecktem Bündnis der
militärischen, wirtschaftlichen und politischen Zielsetzung vereint.
Unsere militärische Partnerschaft liegt auf der Hand.

Ich komme so-

eben von einem Besuch der 76. Brigade, wo ich zu deutschen und amerikanischen
Soldaten und ihren Familienangehörigen gesprochen habe.

Auf Ihrem Flug-

hafen habe ich deutsche und amerikanische Flugzeuge besichtigt,

überall

in Deutschland sehe ich Zeugnisse unserer gemeinsamen Verpflichtung, unserer
gemeinsamen Anstrengung.

Deutsche und amerikanische Soldaten, die Seite

an Seite stehen, sind ein greifbarer Beweis unserer gemeinsamen Verantwortung
und unserer gemeinsamen Verpflichtung für die Aufrechterhaltung der Freiheit nicht nur Deutschlands, und des Kontinents, sondern auch der Vereinigten
Staaten und des gesamten Bündnisgebietes.
Unsere wirtschaftliche Partnerschaft tritt in gleicher Weise zutage.
Morgen werden Ihr Kanzler und ich uns mit unseren Kollegen aus fünf anderen
großen Ländern zusammensetzen, um die wirtschaftlichen Probleme unserer
Regionen und der Welt auf der Gipfelkonferenz in Bonn zu erörtern.
Der Wirtschaftsgipfel ist ein greifbares Zeichen für die unablässige
Suche nach Lösungen für die uralten Probleme der Ungerechtigkeit in der
Welt. Die Vereinigten Staaten und die Bundesrepublik nehmen an diesen
Gesprächen mit einer gemeinsamen Zielsetzung teil: über das enge Selbstinteresse hinaus die weitergefaßterlnteressen aller Nationen zu erkennen.
Unsere beiden großen und freien Länder glauben in gleicher Weise an unsere
Verpflichtungen, die weltweite und nicht nur die nationale Prosperität zu
fördern.
Unsere politische Partnerschaft ist das Bollwerk der Freiheit für
alle Nationen. Unsere Völker, Ihr Volk und mein Volk, demonstrieren zusammen lebendige Demokratie - zwei freie Nationen, eine mit einer alten
Kultur und einer neuen Verfassung, die andere mit einer neueren Kultur

- 2 -

�Kultur und einer älteren Verfassung -beidein gleicher Weise der Vision
eines freien Volkes verschreiben, das in Frieden unter einer Regierung lebt,
die vom Volk gewählt und kontrolliert wird.
In dieser pulsierenden Stadt des Gegensatzes und der Tradition, in
der Nähe dieser Gebäude, die für alle, die die Freiheit lieben, eine so
große Bedeutung haben, ist man leicht geneigt, unsere Freiheit als etwas
Selbstverständliches zu betrachten.

Hier wurden endlich die Ideale der

Frankfurter Nationalversammlung verwirklicht.
Es ist uns deshalb ein echtes Vergnügen, in Frankfurt zu sein, Heimstatt nicht nur der ersten deutschen Vision von Demokratie, sondern auch
großer deutscher Geistesgrößen und Komponisten, Heimat Goethes und Hindemits
und Humperdincks, Wiege des großen Bankhauses Rothschild.
Ich wünsche, ich hätte mehr Zeit, um Ihre alte Stadt und die wunderschöne Umgebung näher kennenzulernen - Rosalynn sagt mir, daß ich den
besten Teil der Reise nach Deutschland versäumen werde, weil ich mich ihr
und Amy auf ihrer Bootsfahrt auf dem Rhein von Bingen nach Bonn nicht anschließen kann.
Ich hoffe deshalb, meine Freunde, wiederzukommen, um mehr vom "Leben,
der Geschäftigkeit und dem Treiben" zu erleben, das Thomas Jefferson im
Jahre 1788 vorfand - und daß ich heute hier vorfinde.
Darum beten wir für die Vereinigung Deutschlands als Ausdruck des
Willens der Bevölkerung Ihres großen Landes.
Wir beten für die Fortdauer und die noch weitere Stärkung der Zusammenarbeit und gemeinsamen Verpflichtung der Völker unserer beiden
großen Demokratien..
Und wir beten, daß wir durch die politische, wirtschaftliche und

�und militärische Stärke, in der Lage sein mögen, die Sache der Freiheit
und der Menschenrechte in der ganzen Welt voranzutreiben.
Unsere Zukunft in den Vereinigten Staaten ist eng mit der Zukunft des
deutschen Volkes verbunden.

Jeder Angriff auf Ihren Boden wäre das gleiche

wie ein Angriff auf den Boden meines eigenen Landes.

Wir sind mit unauf-

löslichen Banden der Freundschaft und der gemeinsamen Verpflichtung miteinander verbunden - das gibt uns Stärke, das gibt uns zusammen Stärke.
Ich danke Ihnen sehr, meine Freunde.

+ + + + +

- 4 -

�i

i
i

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

18

19. Juli 1978

ANSPRACHE PRÄSIDENT CARTERS AM LUFTBRÜCKENDENKMAL IN BERLIN

BERLIN - (AD) - Die Ansprache des amerikanischen Präsidenten am Luftbrückendenkmal in Berlin am 15. Juli 1978 hat folgenden Wortlaut:
Herr Bundeskanzler, Herr Regierender Bürgermeister, verehrte Vertreter
der USA, der Bundesrepublik Deutschland und der freien Gemeinschaft von Westberlin. Ich überbringe Ihnen die Grüße von 220 Millionen Amerikanern und
das Gelöbnis unserer absoluten Verpflichtung zur Freiheit von uns allen.
Vor 30 Jahren wurde in dieser Woche Präsident Truman erneut von der
demokratischen Partei nominiert, die erste Marshall-Plan-Anleihe für Europa
wurde angekündigt, und auf diesem Platz hier war vor allem ein Geräusch zu
hören:

das Dröhnen der alliierten Flugzeuge, die auf dem Flugplatz hinter

mir landeten - alle dreieinhalb Minuten eine neue.' Maschine,»

die Nach-

schub für die freie Bevölkerung Berlins brachte.
Ich bin hier mit vier tapferen Männern zusammengetroffen, die an dieser
Luftbrücke teilgenommen haben: mit Jack Bennet und Miller Hayes aus den
Vereinigten Staaten sowie mit Roy Jenkins und R.K. Hepburn aus Großbritannien,
und ich möchte gerne, daß Sie Ihrem Dank Ausdruck verleihen für das, was diese
Männer vor 30 Jahren geleistet haben.
Es
Postfach 20 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�Es war die Zeit, da alle Menschen überall anfingen zu begreifen, daß
der Streit um Berlin nicht nur eine lokale Angelegenheit war, sondern daß
es um die starke Verteidigung der Freiheit und Demokratie ging, die von
andauerndem weltweitem Interesse und andauernder Bedeutung war.
Es war die Woche, da die Bevölkerung von Berlin in Massenversammlungen
Ernst Reuter und anderen tapferen Vertretern zujubelte, die ihren Willen bekundeten, fest zu bleiben und sich für eine bessere, friedliche, demokratische
Welt einzusetzen.
Es war die Woche, in der die Bevölkerung der westlichen Zonen Deutschlands, das, was sie geben konnte, der alliierten Luftbrücke

zuführte und

ihren Landsleuten hier in Berlin Tausende von Geschenkpaketen schickte.
Es war die Woche, in der deutsche Kommunisten Geschäftsleute im westlichen Teil der Stadt aufsuchten und ihnen drohten, daß, falls sie nicht
in die Partei eintreten würden, sie beim Abzug der Westmächte aus Berlin
ihre Läden verlieren würden. Das ist nie geschehen und wird nie geschehen.
Und es war die Woche, als die Sowjetunion unsere Forderung nach Beendigung der Blockade mit der Behauptung beantwortete, und ich zitiere, "daß
Berlin inmitten der Sowjetzone läge und ein Teil von ihr sei."
Mit dem Mut der Berliner und der Entschlossenheit der Völker des Westens
antworteten wir:

Berlin bleibt frei.

Ich fühle mich geehrt und bin stolz darauf, heute in dieser historischen
Zeit bei Ihnen zu sein und der 78 Amerikaner, Engländer und Deutschen zu gedenken, die während der Luftbrücke ihr Leben einbüßten und durch dieses
schlichte und doch beredte Denkmal geehrt werden.
Die Ereignisse, an die es erinnert, waren der Anfang von Verpflichtungen, wie das Atlantische Bündnis, die bis zum heutigen Tage die Freiheit und

- 2 -

�und Sicherheit Berlins, der Bundesrepublik Deutschlands, Westeuropas und der
Vereinigten Staaten bewahrt haben.

Fünf amerikanische Präsidenten haben die von Präsident Truman in jenen
schweren Zeiten übernommenen Garantien fortgesetzt, und ich sage Ihnen heute,
daß mein Land sie weiter aufrechterhält.

Ich habe heute vormittag deutsche

und amerikanische Truppen inspiziert, die als Teil des NATO-Bündnisses in
der Bundesrepublik stationiert sind.

Die Vereinigten Staaten haben 300 000

Soldaten in Europa stationiert, um die Freiheit dieses Kontinents und unseres
eigenen Landes zu garantieren.

Während meines Besuchs in der Bundesrepublik

habe ich selbst die Stärke der Bindungen zwischen der Bundesrepublik und den
Vereinigten Staaten erfahren.

Und hier in Berlin legt die Präsenz unserer

Truppen und die Einsatzbereitschaft von Tempelhof Zeugnis ab für unsere unverbrüchliche Verpflichtung gegenüber den Menschen dieser großen Stadt.

Berlin und das Viermächte-Abkommen sind Symbole, nicht nur für Werte,
über die man nie Kompromisse schließen oder verhandeln kann, sondern auch
für praktische Verbesserungen, die von denen erreicht werden können, die bereit sind, geduldig zu verhandeln.

Als die Berliner Blockade 1949 aufgeho-

ben wurde, äußerte der Regierende Bürgermeister Reuter den Gedanken, daß
"... mit friedlichen Mitteln viel erreicht werden kann, wenn man eine klare
Vorstellung davon hat, was politisch möglich ist ... Und wenn man politisch
einen festen Willen hat."

Die menschlichen Erleichterungen, die als Folge

des Viermächte-Abkommens von 1971 das Leben von Berlinern in West und Ost
erhellt haben, sind ein Beweis dafür, was durch Entspannung erreicht werden
kann.

Im Rückblick auf die vergangenen Jahre können wir aus der Erfahrung
Berlins lernen, was die Bedingungen für die Erhaltung der Freiheit und für
den Abbau internationaler Spannungen auch Verhandlungen sind.

- Erstens, müssen wir entschlossen sein, unsere grundlegenden Interessen
und Ziele aufrechtzuerhalten.

Dazu gehören unter anderem die grundlegenden

- 3 -

�grundlegenden Menschenrechte, zu denen sich die Vereinigten Staaten verpflichtet haben und immer verpflichtet sein werden.
- Zweitens, diejenigen, deren Menschenrechte zu verteidigen sind,
müssen selbst so der Freiheit verpflichtet sein, wie es die Berliner so
hinreichend unter Beweis gestellt haben.
- Drittens, müssen wir bei den Verhandlungen über Abkommen, die unsere
eigenen Interessen garantieren sollen, bereit sein, den Standpunkt der anderen zu verstehen.
In den 30 Jahren, die seit dem Beginn der Luftbrücke vergangen sind,
sind die Berliner und die Amerikaner immer mehr miteinander verwachsen.
Jeder Amerikaner, der diese Stadt besucht, findet nicht nur Verbündete für
die Sache der Freiheit, sondern gleichermaßen persönliche Freunde. Wir haben nicht die Hilfe vergessen, die Sie Anfang letzten Jahres den unter dem
kalten Winter leidenden Amerikanern zukommen ließen, und wir werden weiterhin durch solche Gegebenheiten wie die Luftbrücken-Gedenkstipendien engen
Kontakt zwischen denjenigen Generationen bewahren, die noch nicht geboren
waren, als unsere Schicksale uns zuerst verbanden. In der Bibel heißt es,
"daß eine Stadt auf dem Berge nicht verborgen bleiben kann".
Was für mein eigenes Land seit dreieinhalb Jahrhunderten gegolten hat,
gilt gleichermaßen für Berlin. Als eine Stadt menschlicher Freiheit, menschlicher Hoffnung und der Menschenrechte, ist Berlin ein Licht für die ganze
Welt: Eine Stadt auf einem Berg - sie kann nicht verborgen bleiben: Die
Augen aller Menschen sind auf sie gerichtet. Was immer sei, Berlin bleibt
frei.
+ + + + +

- 4 -

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

18

19. Juli 1978

TOWN MEETING PRÄSIDENT CARTERS MIT BÜRGERN IN DER
BERLINER KONGRESSHALLE

BERLIN - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat im Rahmen seines Staatsbesuches in der Bundesrepublik Deutschland und Berlin in der Berliner Kongreßhalle am 15. Juli 1978 ein sogenanntes Town Meeting - eine Bürgerversammlung abgehalten und auf dieser Veranstaltung Fragen von Bürgern beantwortet.
Die Fragen waren nicht vorher eingereicht worden, so daß Carter sie aus dem
Stegreif beantwortete.
Nachfolgend geben wir die Niederschrift der in deutscher Sprache gestellten Fragen und eine Übersetzung der Antworten des Präsidenten.
Einleitend sagte der Regierende Bürgermeister Dietrich Stobbe: Herr
Präsident, Mrs. Carter, liebe Berlinerinnen und Berliner. Wir haben es heute
hier mit einer Premiere zu tun ... Wir haben, meine ich, den Schauplatz dieses Town Meetings gut ausgesucht. Diese Kongreßhalle ist ein Geschenk Amerikas
an unsere Stadt. Ich bin sicher, meine Damen und Herren, daß ich in Ihrer
aller Namen spreche, wenn ich Ihnen, Herr Präsident, für alles danke, was
die Vereinigten Staaten von Amerika für unsere Stadt getan haben. Dazu gehört,
vor allem, daß wir in einer Ordnung leben können, in der man denen, die j_n

Postfach 20 03 0 0 Tel:02221-89 3240
Telex:08-85432
D5300 Bonn 2

�in die Verantwortung gewählt wurden, jede Frage stellen kann, ohne wie woanders um Freiheit und Leben fürchten zu müssen.
Der Präsident:

Ich danke Ihnen, Herr Regierender Bürgermeister.

ist mein zweiter Besuch in Berlin.

Dies

Vor 5 Jahren war ich hier als Gouverneur

des Staates Georgia. Meine Frau und ich sahen das Bauwerk, das allen BerlinBesuchern eine Lehre ist über die grundlegenden Realitäten unserer Zeit.

Wir

sahen die Mauer, und wir beteten in der Gedächtniskirche, die als massives
Mahnmal der Tragödie der Vergangenheit und als hoffnungsvolles Versprechen
für Ihre Zukunft existiert.
Ich erlebte aber auch die Herzlichkeit und den unbeugsamen Geist dieser
Bevölkerung.

Als ich damals abreiste, wuSte ich, daß ich eines Tages zurück-

kehren würde. Mich erfreut besonders die Herzlichkeit und Freundschaft in
diesem Saal, denn noch vor ein paar Minuten stand ich am Potsdamer Platz

und

schaute still auf die Mauer, dieses Beispiel, das die Öde des menschlichen
Geistes reflektiert, der verantwortlich ist für die Existenz dieser Mauer.
Weiter als Worte reichen können, demonstriert es den Unterschied zwischen
denen, die an die individuellen Menschenrechte glauben, und jenen, die das
nicht tun.
Ich bin dankbar, daß die Abkommen, die in den vergangenen Jahren abgeschlossenen wurden, geholfen haben, das Leben besser und erträglicher zu
machen. Alle von uns in diesem Saal werden sicherlich hoffen, daß die Entspannung, die sie möglich gemacht hat, weitergehen und gedeihen wird ...
Vor fast 30 Jahren, in den dunklen Stunden der Luftbrücke, hat Präsident
Harry Truman gesagt, daß der Mut, den die Berliner gezeigt haben, der
demokratische Geist ist. Mit der Unterstützung von Lucius Clay und John
McCloy hat Präsident Truman gezeigt, daß wir Ihnen beistehen werden, wann
immer Ihre Freiheit gefährdet ist, und in jedem neuen Jahr haben die amerikanischen Führer diese Verpflichtung gegenüber dem freien Berlin wieder bestätigt. Zusammen mit den Briten und Franzosen stehen wir zu dieser Verpflichtung. Und es ist mir eine Ehre, den Bewohnern dieser vitalen und

- 2 -

�und dynamischen Stadt nochmals zu versichern:

Was immer sei - Berlin bleibt

frei.
Und jetzt möchte ich, daß wir sehr ungezwungen miteinander sprechen,
so wie ich es bei Gesprächen dieser Art in den Vereinigten Staaten tue.
Ich will Ihre Fragen beantworten, so gut ich kann:

FRAGE:

Ich bin Schülerin, Mr. President.

Meine Frage lautet:

Lernt

Ihre Tochter Amy in der Schule Deutsch?

DER PRÄSIDENT:

Nein, sie lernt noch kein Deutsch, aber auf dieser

Reise hat sie eine Menge deutscher Wörter mitbekommen.
den Berliner Zoo, einen der größten der Welt.

Heute besucht sie

Und ich bin sicher, daß

Deutsch die nächste Sprache sein wird, nachdem sie Englisch und Spanisch
beherrscht.

FRAGE:
frau.

Mr. President, mein Name ist Christi Krienitz.

Ich bin Haus-

Ich hatte im letzten Juni Besuch aus Minnesota im Rahmen der

"Friendship Force-Organization."

Was halten Sie von dieser Aktion?

Wird

sie fortgesetzt und warum ist die Reise nach Amerika noch so teuer? (Gelächter) .

DER PRÄSIDENT:

Die "Friendship Force" verdanken wir meiner Frau, die

das vorgeschlagen hat,als ich Gouverneur von Georgia war (Applaus), und
zwar zwischen einem unserer Bundesstaaten und dem Nordosten Brasiliens.
Als ich Präsident wurde, wollte meine Frau Rosalynn gerne diese Reisemöglichkeit für Amerikaner in alle Länder der Welt erweitern.
Eine der besten Reisen, die wir jemals veranstaltet haben, war der Austausch
mit Ihrer Stadt und dem Bundesstaat Minnesota.

Die "Friendship Force" ver-

dient nichts an den von ihr geforderten Flugpreisen.

Ich glaube allerdings,

daß jetzt, wo der Dollar so nach unten geht, Sie in unserem Land mehr anfangen können als früher.

(Gelächter und Applaus)

Ich möchte hinzufügen,

daß wir die "Friendship Force" weiterführen werden, weil sie ein Projekt

- 3-

�Projekt ist, das absolut nichts mit der Regierung zu tun hat.

Es bezieht

sich ausschließlich auf Menschen aus einem Land, die die eines anderes Landes
zu Hause besuchen wollen.
Und ich glaube, Sie werden mir zustimmen, daß es für alle, die im Rahmen
dieses schönen Programms unser Land besucht haben ein großartiges Erlebnis
war.
FRAGE:

Mr. President, mein Name ist Bernhard Klein.

schaftssekretä'r.

Ich bin Gewerk-

Meine Frage lautet: Verstößt, Ihrer Ansicht nach, die Ent-

sendung Berliner Abgeordneter ins direkt gewählte Europa-Parlament gegen das
Viermächte-Abkommen von Berlin?
DER PRÄSIDENT:

Nein, es verstößt nicht dagegen.

(Applaus)

Ich glaube,

die Beziehung zwischen den gewählten Vertretern Berlins und der Regierung
der Bundesrepublik, wo sie das Recht haben, präsent

zu sein, aber nicht

abzustimmen, ist ein Thema, das in den Prinzipien des Viermächte-Abkommens
gelöst worden ist.

Die Beziehungen zwischen gewählten Berlinern und der

Europäischen Gemeinschaft ist etwas anders gestaltet.

Beide sind innerhalb

der Prinzipien des Viermächte-Abkommens völlig legitim, sie sind vollkommen
angebracht.
FRAGE: Herr Präsident, ich heiße Gisela Zimmermann und bin Studienrätin
an der deutsch-amerikanischen John F.-Kennedy-Schule. Meine Frage lautet:
Wir werden immer häufiger Zeuge verheerender Umweltkatastrophen durch öltanker. Sie sind der Präsident des mächtigsten Industriestaates der Welt,
des Landes mit dem höchsten Ölverbrauch. Können Sie nicht international verbindliche Sicherheitsbestimmungen für alle öltanker durchsetzen, die derartige Katastrophen in Zukunft verhindern helfen? (Applaus)
DER PRÄSIDENT: Wir haben uns im vergangenen Jahr entschieden, daß diejenigen Tanker, die amerikanische Häfen anlaufen, hohe Sicherheitsnormen
erfüllen und doppelbödig sein müssen, sie dürfen das öl nicht mehr ins Meer
pumpen wie früher.

Wir haben dies durch unseren Verkehrsminister vor kurzem

- 4 -

�kurzem in Europa in internationalen Gremien ins Gespräch gebracht.

Wie

Sie wissen, sind viele der Tanker, die auf dem Ozean fahren, in verhältnismäßig kleinen Ländern eingetragen, die praktisch keine Kontrolle über den
Zustand der Tanker haben.

Aber wir wollen bei der Entwicklung besserer Sicher-

heitsnormen eine führende Rolle spielen.
Ich teile Ihre Besorgnis über unnötige Verschwendung, nicht nur Schiffszerstörungen durch Sturm betreffend, sondern auch das routinemäßige Abpumpen
von ölrückständen ins Meer. Wir sind sehr daran interessiert, gemeinsam
mit Ihnen und anderen diese Bedrohung zu vermindern. Ich glaube, die Welt
ist jetzt bereit, mit uns zusammen die Ölverschmutzung des Wassers auf der
ganzen Welt zu verringern.
Ich danke Ihnen.
FRAGE: Ich heiße Heinz Maschke und bin Rentner. Meine Frage lautet:
Warum nehmen die drei Westalliierten alle Maßnahmen der UdSSR zur Trennung
von Ost- und Westberlin hin, oder gibt es darüber Geheimabsprachen?
DER PRÄSIDENT:

Es gibt keine Geheimabsprachen zwischen unserem Land

und den Briten und Franzosen auf der einen und den Sowjets auf der anderen
Seite.

Soviel ich weiß, war dies zur Zeit der Unterzeichnung des Viermächte-

Abkommens eine öffentliche Verpflichtung der amerikanischen, britischen und
französischen Führer.

Ich weiß nichts von einem geheimen Abkommen zwischen

uns im Westen und den Sowjets.
Sollten künftig solche Geheimabkommen vorgeschlagen werden, würde ich nicht
nur dagegen sein, sondern das sogar veröffentlichen.
FRAGE:
führer.

Herr Präsident, mein Name ist Dietmar Born, ich bin Geschäfts-

Zu meiner Frage:

Einerseits bekunden Sie die uneingeschränkte

Sicherheit Berlins, die wir dankbar zur Kenntnis nehmen.

Andererseits ver-

schieben sich die militärischen Kräfte des Warschauer Pakts seit Jahren zuungunsten der Alliierten und gegen Berlin.

Fürchten Sie, Herr Präsident,

angesichts dieser Entwicklung nicht um Ihre Glaubwürdigkeit bei den Berlinern?
DER

- 5 -

�DER PRÄSIDENT:

Ich glaube, es stimmt, daß es vielleicht vor drei oder

vier Jahren gewisse Zweifel im amerikanischen Volk, sogar unter einigen der
leitenden Amerikaner gab, im Kongreß zum Beispiel, ob unsere Verpflichtungen
gegenüber der NATO auf derselben Ebene bleiben sollten wie bisher.
etwa 18 Monate im Amt.

Ich bin

Und wir haben eine neue Zusammenarbeit, einen neuen

Plan der Zusammenarbeit, die Beteiligung der USA auf dem Gebiet der NATO zu
erhöhen.

Dies als Beispiel dafür, daß alle NATO-Verbündeten versprochen ha-

ben, ihre Militärhaushalte um 3 Prozent pro Jahr zu erhöhen, im Zusatz zum
Inflationsausgleich.
Wir haben auch neue Waffentypen gebracht:

Die F-25, die F-10, die neuesten

Panzer mit Anti-Panzer-Raketen usw., die Bundeskanzler Schmidt und ich heute
vormittag besichtigt haben.
digungspotential haben.

Ich glaube, daß wir also ein adäquates Vertei-

Es wird größer, und es wird auch in Zukunft nie Ge-

legenheit geben, in der unsere Nation oder andere, die für die Verteidigung
Europas verantwortlich sind, in unserer Bereitschaft oder in unseren Beiträgen
nachlassen werden.

Wir würden einen Angriff auf das Territorium oder auf die

Menschen in Westeuropa genauso werten, als wäre es ein Angriff auf den Boden
Amerikas oder auf die Amerikaner.
FRAGE:

Mr. President. Mein Name ist Petra Bernd.

Ich bin Studentin.

Meine Frage lautet: Was beabsichtigen Sie mit der ständigen Formulierung,
das deutsche Volk habe einen Anspruch auf die Wiedervereinigung, und kann
Ihre Regierung überhaupt daran interessiert sein?
DER PRÄSIDENT:

Die andauernde Verpflichtung der westlichen Alliierten

seit Ende des Zweiten Weltkrieges und seit es die NATO gibt, beinhaltet das
Ziel der Wiedervereinigung Deutschlands auf der Basis von Selbstbestimmung.
Ich glaube, daß es eine Hoffnung ist, die wir sorgfältig bewahren sollen.
Wir wollen dem deutschen Volk unseren Willen nicht aufzwingen, aber wenn die
Zeit kommt, wo sie sich selbst entscheiden müssen, und wenn sie dann wollen,
daß Deutschland wiedervereinigt wird und Berlin wieder die Hauptstadt eines
vereinigten Deutschlands wird, würden wir dies sicher willkommen heißen.
Wir hoffen, daß dies geschehen kann, und bis dahin schließen wir es ein in
unsere Gebete und inständige Hoffnung.

FDÜRF-

�FRAGE:
Bauingenieur.

Mr„ President, mein Name ist Hans-Dieter Robel und ich bin
Ich möchte meine persönliche Frage an Sie zurückstellen und

eine Frage von einer mir befreundeten Familie in Ostberlin vorlesen, da
diese Familie Ihren Besuch in Berlin ja nur im Westfernsehen verfolgen kann:
Die USA haben Verantwortung für ganz Berlin.

Könnten Sie, Mr. President,

bei Ihrem nächsten Besuch in Berlin nicht auch den sowjetischen Sektor besuchen?

(Applaus)

DER PRÄSIDENT: Ja, das würde ich sehr gern tun. Das letztemal , als
ich hier in Berlin war, war ich sowohl im Westen als auch im Ost-Sektor,
und das würde ich auch künftig gern wieder tun. Wie Sie wissen, sind die
Besuchsrechte in beiden Richtungen garantiert durch die ursprünglichen Abkommen und auch durch das Viermächte-Abkommen, und wenn ich wieder nach
Berlin komme, werde ich versuchen, das in meinen Reiseplan einzubauen, den
Besuch im Ost-Sektor.
FRAGE:

Mr. President, ich bin Gudrun Rollfelder und ich bin Hausfrau.

Meine Frage lautet: Was wünschen Sie sich von den Berlinern, und welchen
Beitrag könnten wir leisten, um Ihre politischen Ideen schneller zu verwirklichen?

(Applaus)

DER PRÄSIDENT: Ich glaube, daß die Bürger von Berlin sowohl im Osten
als auch im Westen mit mir, mit Herrn Breschnew, Bundeskanzler Schmidt und
anderen politischen Führern in der Welt den Wunsch nach Frieden, nach erweiterter Zusammenarbeit teilen, die es zwischen den Großmächten und denjenigen geben muß, die in den kritischen Gebieten der Welt leben.
Es gibt Gebiete, auf denen wir übereinstimmen, es gibt aber auch welche,
auf denen wir nicht übereinstimmen. Die westlichen Demokratien glauben
sehr stark an die menschliche Freiheit, daß jeder die Chance haben soll,
sein eigenes Leben zu gestalten, daß jeder seine Regierung kritisieren darf,
besonders wenn die Regierung Dinge tut, die unser Vertrauen nicht rechtfertigen oder unsere Erwartungen nicht erfüllen.
Wir glauben ebenfalls an die fundamentalen Menschenrechte,daran, daß jeder
das Recht haben muß, wenn er will, das Land zu verlassen oder sich mit seiner
- 7 -

�seiner Familie zu vereinen, und ohne Zwang an der Politik der eigenen Regierung Kritik zu üben.
Es gibt also Dinge, in denen wir übereinstimmen, und solche, in denen
wir nicht übereinstimmen.

Wie ich vor wenigen Minuten am Berliner Luft-

brückendenkmal erklärte, möchte ich hoffen, daß diejenigen von Ihnen, die
aus der Verpflichtung der demokratischen Welt gegenüber den grundlegenden
Menschenrechten so viel Nutzen ziehen, sich ebenfalls laut und deutlich zu
den Menschenrechten bekennen, denn Sie sind ja der beste Beweis für das, was
man aus der Freiheit und den Rechten, die wir alle teilen, gewinnen kann.
Ich glaube also, daß es dies ist, was Sie tun könnten, und ich will Ihnen
dabei helfen.
FRAGE:

Herr Präsident, mein Name ist Klaus Teske, von Beruf bin ich

Werkzeugmacher, zur Zeit Betriebsratsvorsitzender.

Meine Frage lautet:

Was

werden die USA tun, daß der für ganz Berlin vereinbarte Viermächte-Status
auch in Ostberlin praktiziert wird?
DER PRÄSIDENT: Wir haben nicht die Möglichkeit und nicht das Verlangen,
in die Angelegenheiten Ostberlins einzugreifen. Aber unsere Stimme wird
gehört werden, und wir werden zusammen mit den anderen verantwortlichen Mächten dafür sorgen, daß die bestehenden Abkommen klar eingehalten werden:
Das ursprüngliche Viermächte-Abkommen nach Ende des Krieges und das Abkommen
von 1971. Ab und zu sind diese Rechte herausgefordert worden, zum Beispiel
die Besuchsrechte zwischen den beiden Teilen Berlins oder das Recht der westlichen Verbündeten, bei unseren Tagesfahrten nach Ostberlin unsere Flagge zu
zeigen. Wir haben die Hoffnung, daß, wenn solche Differenzen entstehen, wir
sie offen diskutieren können, und daß die Ostberliner, die DDR und die Sowjetunion uns offen anhören werden. Die DDR hat überhaupt keine Verantwortung
für die Verwaltung unter dem Viermächte-Abkommen und kein überwachungsrecht.
Dies steht auf der östlichen Seite nur der Sowjetunion zu. Aber ich glaube,
daß zu diesem Zeitpunkt seit der Unterzeichnung des Abkommens vor 7 Jahren
große Verbesserungen erreicht worden sind. Wenn Probleme kommen wie heute
- 8 -

�heute zum Beispiel, da die DDR den Verkehr auf der Autobahn behindert hat,
werden wir protestieren, und die Weltöffentlichkeit wird ihre Aufmerksamkeit
darauf richten.
schreiten werden.

Ich hoffe, daß die Verbesserungen der letzten 7 Jahre fortIch glaube aber, verglichen mit vergangenen Jahren, ein-

schließlich des schrecklichen Anlasses der Blockade, als die Berliner Luftbrücke eingerichtet wurde, ist es heute auf jeden Fall wesentlich besser.
Der Grund, weshalb es besser wurde, ist, daß die Welt ihre Augen auf das
Symbol Berlin gerichtet hat, auf die Freiheit und auf den Mut der Berliner.
Und diese Haltung, glaube ich, ist die beste, um diese Verbesserungen auch
in Zukunft zu erreichen.

Wir werden nie nachgeben,und wir werden auf Ver-

letzungen immer wieder hinweisen, aber ich glaube, die Weltmeinung, die Stärkung der westlichen Alliierten, der Mut der Berliner wird uns helfen, weiterhin Verbesserungen zu bekommen, auch wenn es noch ab und zu mal Störungen
gibt.

Das ist vielleicht nicht die beste Antwort, aber es ist das Beste,

was ich jetzt sagen kann.
FRAGE:

Mr. President, ich heiße Buchholtz, ich bin Abendschlilerin.

Meine Frage lautet: Sie haben sich vielfach für die Menschenrechte eingesetzt.

Wie ist Ihre Meinung zum Radikalenerlaß in der Bundesrepublik?

(Applaus)
DER PRÄSIDENT: Ich kenn diesen Radikalenerlaß nicht, ich habe ihn nie
gelesen, aber ich weiß, daß alle Länder einschließlich der USA, sehr vorsichtig mit den Rechten der Dissidenten umgehen müssen, aber gleichzeitig
den Besitz und das Leben von Bürgern zu schützen haben, die die Regierung
unterstützen und kontrollieren. Soviel ich weiß, achten die Gesetze der
Bundesrepublik gegen den Terrorismus und andere Bedrohungen friedlicher
Menschen und des Staates die fundamentalen Menschenrechte, und das schätze
ich. (Applaus)
FRAGE:

Ich heiße Uwe Horstmeier, bin 12 Jahre alt und bin Schüler.

Meine Frage lautet: Wieviel Taschengeld erhält Ihre Tochter Amy in der
Woche?

(Gelächter, Applaus)
(Anmerkung:
- 9 -

�(Anmerkung:

An dieser Stelle fragte der Dolmetscher irrtümlich, wieviel

Geld Amy von der Regierung erhält).
DER PRÄSIDENT:

Nichts.

Die Apanage, die Amy bekommt, ist nur für

Reisen mit mir und ihrer Mutter.

Bei dieser Reise kam sie mit der Air Force

ONE, dem Flugzeug des Präsidenten.

Und wir haben uns gefreut, zwei Nächte

im Haus des amerikanischen Botschafters verbracht zu haben. Und genau wie
die anderen Mitglieder der Familie, ich selbst eingeschlossen, profitiert
sie davon.

Sie erhält weder Gehalt noch Geld aus dem öffentlichen Haushalt.

Das bringt mich auf eine gute Idee.

Ich sollte das dem amerikanischen

Kongreß nach meiner Rückkehr vortragen.
FRAGE:

Herr Präsident, ich heiße Werner Schatte und bin Sachbearbeiter.

Meine Frage lautet: Wie beurteilen Sie die Behauptungen der östlichen Seite,
daß es nach dem Viermächte-Abkommen zwischen den Westsektoren Berlins und
der Bundesrepublik Deutschland keine Bindungen, sondern nur Verbindungen gibt,
womit offensichtlich die Landverkehrswege gemeint sind?
DER PRÄSIDENT:

Ich glaube, es gibt

gleichbedeutende Beurteilung.

auch auf östlicher Seite eine

Nach dem Viermächte-Abkommen, wie ich es

sehe, werden stärkere Kommunikationsverbindungen und Beziehungen zwischen
Westberlin und der Bundesrepublik ermutigt.

In diesem Sinne ist heute z.B.

Kanzler Schmidt mit mir hier, und es ist einer der Gründe, warum ich heute
hier bin.
Ich möchte sichergehen, daß die Stärkstmöglichen Bindungen zwischen Westberlin und der Bundesrepublik Deutschland bestehen, ohne daß Berlin tatsächlich ein integrierter Bestandteil der Bundesrepublik Deutschland wird.
Aber selbst wenn sich diese besseren Nachrichtenverbindungen, Handelsverbindungen, Verkehrsverbindungen und die kulturellen Beziehungen unter dem
Viermächte-Abkommen ändern sollten, sollen sie stärker und nicht schwächer
werden.
FRAGE:

Mr. President, ich heiße Heidrun Schleuss.

- 10 -

Ich habe einen kauf-

�kaufmännischen Beruf und bin zur Zeit Hausfrau.

Und ich wollte Sie fragen:

Der Berlin-Verkehr wurde heute sehr stark behindert,und es heißt, daß Ihr
Besuch daran schuld sei und auch, daß Sie sich in Begleitung unseres Bundeskanzlers befinden.

Und ich wollte Sie fragen, werden Sie in der Welt dar-

über berichten?
DER PRÄSIDENT: Die DDR hat gelegentlich versucht, ihre Fähigkeit zu
demonstrieren, normalen Handel und Verkehr zu stören. Das war gewöhnlich
nur vorübergehend der Fall. Es hat keinen permanenten Schaden angerichtet,
obwohl es nicht nur die Prinzipien des Viermächte-Abkommens verletzt, sondern
auch die Verkehrsabkommen zwischen dem östlichen und westlichen Teil Deutschlands.
Ich möchte sagen, daß das der DDR selbst nicht hilft. Vielmehr lenkt es die
Aufmerksamkeit auf die DDR und darauf, daß es dort keine frei gewählte Regierung gibt. Dadurch wird die Weltöffentlichkeit nur darauf aufmerksam gemacht, daß sie freie Bewegung nicht gestattet, daß ihre eigenen Leute aus
dem Land nicht herauskönnen, daß ihre eigenen Leute nicht frei sprechen
können, wenn sie etwas Kritisches zu sagen haben. Ich glaube, die Welt
sieht dadurch viel deutlicher die Unterschiede zwischen unserer freien Gesellschaft und der ihren, und ich glaube nicht, daß das der DDR hilft.
Ich war vor wenigen Minuten an der Mauer. Als vor 15 Jahren Präsident Kennedy
die Mauer besuchte, hatten sie dieses schauerliche Ding mit Tüchern verhängt.
Und heute nun, in aller Morgenfrühe,kamen die Ostdeutschen und haben sie weiß
angemalt. Nach 15 Jahren versuchten sie nun, dieses häßliche Monstrum erneut zu verbergen. Ich glaube aber nicht, daß irgend etwas den Eindruck
von der Einschränkung der grundlegenden Menschenrechte verwischen kann.
Die Mauer ist ein Symbol dafür. Es ist das erstemal in der Geschichte,
daß eine Mauer gebaut wurde, nicht um eine Nation gegen ausländische Aggressoren zu schützen, sondern um die eigenen Leute vor dem Recht zu flüchten zu
schützen. Ich glaube, die Verkehrsstörungen und das Anmalen der Mauer ist
das typische Beispiel dafür.

FRAGE:
im Ruhestand.

Herr Präsident, mein Name ist Gertrud Kempe-Rotmann.

Ich bin

Meine Frage lautet: Wie lange werden wir noch mit der Mauer
- 11 -

�Mauer fertig werden müssen?
DER PRÄSIDENT:
abgerissen wird.

Das weiß ich nicht.

Ich hoffe, daß sie eines Tages

Aber ich weiß nicht, wann.

Es tut mir leid, daß ich Ihnen

keine bessere Antwort geben kann. Aber das ist die Realität.
FRAGE:

Herr Präsident:

Mein Name ist Schulz-L'üke.

(Applaus)

Ich habe folgende

Frage an Sie: Welche Vorstellungen haben Sie oder hat die USA von der ungehinderten Energieversorgung dieses Landes, und zwar von einer Energieversorgung, die keiner politischen Einflußnahme ausgesetzt ist?
DER PRÄSIDENT: Ich glaube es ist klar, daß fast alle Arten von Energie
politischen Einflüssen und auch Störungen unterliegen. Seit 1973 weiß die
Welt, daß große Störungen in der Energieversorgung möglich sind. Wir sind
uns dessen bewußt, daß es auch in der Zukunft noch ernste Mängel geben wird.
Die USA sind einer der größten Produzenten von Energie, aber auch einer der
größten Verbraucher, und wir verschwenden mehr Energie als wir sollten.
Wir versuchen dies in unserer eigenen Gesellschaft zu berichtigen. Ich
möchte sagen, eine der besten Methoden, Energie - öl, Gas, Kohle, Kernenergie,
hydroelektrische Kraft, Solarenergie - zu sparen, liegt darin, den Frieden
der Welt zu bewahren. Ich glaube, der Nahe Osten ist ein Gebiet, das die
Energieversorgung in Ihrem und meinem Land gefährden könnte. Ich habe
selbst viel Zeit darauf verwandt, eine friedliche Regelung zwischen Israel
und seinen arabischen Nachbarn herbeizuführen, seit ich Präsident bin. Ich
habe vielleicht mehr Zeit darauf verwandt als auf irgendein anderes außenpolitisches Problem. Wir versuchen auch, mit der Sowjetunion einen dauerhaften Frieden zu erreichen. Wir wollen Entspannung mit der Sowjetunion,
wir wollen eine Entspannung, die weitgesteckt ist, die für beide Seiten vorteilhaft ist. Wir haben uns fortlaufend, ununterbrochen bemüht, ein SALTAbkommen zu erreichen, ein Abkommen zur Beendigung von Atomwaffentests, gegen Angriffe auf Satelliten im Weltraum und zur Verringerung der Streitkräfte
im Indischen Ozean.
All dies, glaube ich, kann dem Weltfrieden dienlich sein. Ich würde also

- 12 -

�also sagen, Einsparungen bei allem, was wir haben, wissenschaftlicher Austausch und die Erschließung neuer Energiequellen, bessere Nutzung der vorhandenen Energie und die Erhaltung des Weltfriedens, so daß der normale
Verkehr zu Wasser und in der Luft nicht unterbrochen wird.

Das sind die

Dinge, die mir so im Augenblick einfallen und die wir gemeinsam anpacken
können.
Ich glaube, wir werden neue Techniken und neue Wege zum Frieden finden,
wenn wir zusammenhalten - und das ist meine eigene Verpflichtung. Ich bin
sicher, daß auch Sie und andere sich diesem Ziel verpflichtet fühlen.
FRAGE: Mr. President, ich heiße Ingeborg Strotzki-Dorendorf. Ich
bin Hausfrau. Meine Frage lautet: Wie sehen Sie die Entwicklung des Eurokommunismus und wie bewerten Sie ihn?
DER PRÄSIDENT: Zunächst einmal würde ich sagen, daß wir es lieber
sehen würden, daß der Kommunismus in der westlichen Welt so klein wie möglich bleibt und nicht größer wird.
Zweitens, vertrauen wir auf die Urteilskraft der freien Menschen
in der freien Gesellschaft - daß sie sich entscheiden werden, daß der Kommunismus nicht in ihrem Interesse liegt. Wir haben dies vor kurzem in Wahlen
in Frankreich und Spanien, das jetzt eine Demokratie ist, gesehen, und auch
in Italien. Der zweite Punkt ist also, daß wir darauf vertrauen, daß freie
Menschen die richtige Entscheidung treffen. Ihre eigenen Entscheidungen
können Sie immer treffen, und wir werden uns in die inneren politischen
Entscheidungen unserer Verbündeten nicht einmischen. Der beste Weg, die Stärkung des Kommunismus zu verhindern, ist, sicherzustellen, daß die Demokratie
auch praktisch gut funktioniert, und das ist nur möglich, wenn wir selbst
ständig die Grundlagen und Prinzipien überprüfen, auf denen unser demokratisches System beruht, und durch unsere persönliche Haltung und Beteiligung
eine tiefgehende Verpflichtung gegenüber der Demokratie und ihrer Stärkung,
nicht ihrer Schwächung, beweisen.
Wenn
- 13 -

�Wenn eine demokratische Regierung korrupt wird, wenn sie die Verbindung
zum Volk verliert, wenn sie sich nicht mehr um die Leiden derer kümmert,
die nicht so glücklich dran sind wie wir, wenn sie nicht mehr entschlossen
und nicht mehr stark genug ist, sich gegen Angriffe von außen oder Drohungen
zu verteidigen, dann kann es zu einer Schwächung der Demokratie kommen.
Was wir noch tun können, um uns gegen den Kommunismus zu wehren, ist,
dafür zu sorgen, daß die Demokratien der Welt sich in immer engerer Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitiger Verteidigung zusammenschließen, daß
sie die Individualität eines jeden von uns anerkennen, dennoch aber auf all
das hinweisen, indem wir harmonieren und jene Bande der Freundschaft und
gemeinsamen Verpflichtung stärken.
Ich glaube also, daß dies die beste Einstellung ist. Ich habe das in
den letzten Tagen bemerkt, besonders in Frankreich - ich habe zufällig eine
Fernsehsendung gesehen. Die ersten Kritiker der erschreckenden Prozesse gegen Schtscharanski und Ginsburg waren die Kommunisten Frankreichs. Sie waren
die Anführer gegen die Aktionen der Sowjetunion, die gegen diese unschuldigen
Menschen Prozesse führte und diese Tapferen, die sich für die grundlegenden
Menschenrechte ihrer eigenen Landsleute einsetzen, verurteilte.
Ich glaube also, daß, obwohl wir kein Anwachsen des Kommunismus erleben
möchten, wir alles in unserer Macht stehende tun wollen, seine Zunahme zu verhindern. Gleichzeitig müssen wir aber erkennen, daß der Eurokommunismus keine
monolithische Struktur ist, die von der Sowjetunion selbst vollständig beherrscht wird oder in sie eingeschlossen ist.
Ich denke, dies gibt uns neue Hoffnung, daß die Kommunisten in den
westlichen Demokratien selbst in den demokratischen Prinzipien, an die wir so
fest glauben, etwas nützliches entdecken.
FRAGE:
amter.

Ich danke Ihnen.

(Applaus)

Herr Präsident, mein Name ist Gerhard Schofer, und ich bin Be-

Meine Frage lautet:

Planen die USA nach Fertigstellung der Weltraum- 14 -

�Weltraumfähre weitere Mondlandungen?
DER PRÄSIDENT:

Wir haben zur Zeit keine spezifischen Pläne, bemannt

auf dem Mond oder anderen Planeten zu landen. Wir haben jedoch ein fortlaufendes Programm von unbemannten Flugkörpern zu den Planeten im Weltraum und zum
Mond.

Ich glaube, das ist ausreichend.

Mond landen können.

Wir haben bewiesen, daß wir auf dem

Wir sind natürlich immer noch dazu in der Lage.

Wir wol-

len aber jetzt etwas weiter in den Weltraum vordringen und in bezug auf die
Dollarausgaben etwas wirtschaftlicher verfahren.

Unsere bemannten Raumflüge

werden sich hauptsächlich auf die Nutzbarmachung der Weltraumfähre beschränken.
Wir hoffen, die Fähre routinemäßig hin und her fliegen zu lassen, und sie soll
sich auf die Aspekte des Weltraumflugs, die den Menschen auf der Erde mehr
direkten Nutzen bringen, konzentrieren.
Die wissenschaftliche Forschung kann, meine ich, grundsätzlich durch
Instrumente in unseren Raumschiffen ausgeführt werden; die bemannten Flüge
werden sich in größerer Erdnähe bewegen und die Raumfähre benutzen.
FRAGE: Mr. President. Mein Name ist Eberhardt Behrendt. Ich bin
Wissenschaftler. Meine Frage lautet: Warum hat Amerika aus den Erfahrungen
des Vietnamkrieges die Schlußfolgerung gezogen, sich aus der aktiven Unterstützung von Freiheitskämpfen und oppositionellen Gruppen in totalitären
Staaten zurückzuziehen, statt nach einer neuen nichtmilitärischen Form dieser Unterstützung zu suchen?
DER PRÄSIDENT: Die Frage ist nicht einfach zu beantworten. Ich teile die
Meinung der amerikanischen Öffentlichkeit, daß wir nicht wieder militärisch
in die internen Angelegenheiten eines Landes verwickelt werden sollen, wenn
unsere eigene Sicherheit nicht direkt bedroht ist. Wir unterstützen die
Erhaltung des Friedens und tun dies durch multilaterale Organisationen, wie
zum Beispiel die Vereinten Nationen, oder durch multilaterale Einsätze,
wie wir es zum Beispiel gerade in Namibia gemacht haben, wo wir zusammen
mit der Bundesrepublik, mit Frankreich, mit Großbritannien und mit Kanada

- 15 -

�Kanada eine solche Mission durchgeführt haben.

In einem anderen Falle haben

wir das mit einem anderen Lande gemacht, wie zum Beispiel in Rhodesien,
wo die Briten und wir versuchen, unseren guten Willen einzusetzen, damit
eine friedliche Lösung gefunden werden kann.
Aber ich denke nicht daran, es sei denn, daß die Sicherheit der USA gefährdet ist, Soldaten in andere Länder zu entsenden, damit interne Konflikte
gelöst werden können, wie wir es in Vietnam einmal getan haben.
Das bedeutet nicht, daß wir die Prinzipien aufgeben, an die die Amerikaner glauben und die seit der Gründung unseres Landes bestehen, und wir
unterstützen die grundlegenden Menschenrechte genauso stark wie früher.
Ich glaube, daß die Weltöffentlichkeit auf die zuletzt vorgekommenen Verletzungen geachtet hat.
hört werden kann.

Das zeigt, daß auch die Stimme des Westens anders ge-

Wenn wir keine Truppen schicken - wie in Vietnam - bedeutet

das nicht, daß wir an der Freiheit nicht interessiert sind und daß wir zu
Hause sitzen und nichts unternehmen.

Wir sind sehr besorgt und sehr interes-

siert an solchen Konflikten.
FRAGE: Herr Präsident, hier spricht Herta Winkler. Ich bin Rentnerin
in der DDR in Bautzen und hätte nur die Frage an Sie, wann Sie mal in die
DDR kommen würden. Da würden wir und viele, viele Bekannte und Freunde sich
freuen.
DER PRÄSIDENT: Zunächst einmal möchte ich freundliche Grüße senden
an Ihre Mitbürger in der DDR und meiner Hoffnung Ausdruck verleihen, daß
wir die Differenzen, die zwischen uns noch bestehen, werden lösen können.
Und ich darf Ihnen sagen, wie ich schon vorher angedeutet habe, daß das
nächste Mal, wenn ich nach Berlin komme, ich nicht nur den westlichen Teil
Berlins besuchen will, sondern ich verspreche ausdrücklich, Ostberlin zu besuchen - aber die DDR zu besuchen ist eine andere Angelegenheit.
Wir haben jetzt mit der DDR seit etwa vier Jahren diplomatische Beziehungen, und wir sind noch dabei, Mittel und Wege durchzusprechen, wie
- 16 -

�wie wir die bestehenden Differenzen zwischen der DDR und uns beheben oder
vermindern können.

Zum Beispiel das Konsularabkommen ist ein Problem, das

wir bisher nicht haben lösen können.

Wenn das einmal aus dem Wege ist, kön-

nen wir unsere Beziehungen erweitern.
Ich habe andere osteuropäische Länder besucht. Ich war vor kurzem zum
Beispiel in Polen, und wir haben aus diesen Ländern führende Politiker empfangen. Ich habe nichts dagegen, dorthin zu fahren, und vielleicht, wenn
ich das nächste Mal in diesen Teil Europas komme, haben wir eine bessere Beziehung mit der DDR, und vielleicht wird es dann für mich möglich sein zu
kommen. Aber diesmal werde ich meine sehr knappe Zeit auf die Bundesrepublik
und auf Westberlin beschränken müssen.
FRAGE: Herr Präsident. Mein Name ist Wolfgang Letschkowski. Viele
Berliner Bürger haben Sie gebeten, Niko Hübner, der in Ostberlin inhaftiert
ist, zu helfen. Würden Sie sagen können, ob die Vereinigten Staaten über
einen verbalen Protest hinaus zur Hilfe für Niko Hübner bereit sind?
DER PRÄSIDENT: Der verbale Protest erfolgt wegen des Abkommens mit
den Sowjets, daß Ostberlin ein entmilitarisiertes Gebiet sein sollte. Wie
ich mich erinnere, beruht die Anklage darauf, daß Hübner sich geweigert hat,
in den Militärdienst zu gehen. Wir haben gegenüber der Sowjetunion und der
DDR unseren Unwillen darüber sehr stark Ausdruck verliehen wie auch die anderen Alliierten. Wegen dieser Proteste haben sie die Anklage geändert und
eine neue Anklage erhoben, die sich nicht mit Verweigerung des Militärdienstes
befaßt. Ich weiß nicht, was wir weiter unternehmen können, als darauf hinzuweisen, daß das Abkommen, das wir zusammen mit den Briten und Franzosen
mit der Sowjetunion unterzeichnet haben, eingehalten werden muß. Aber wir
haben nicht das Recht, in die DDR hineinzugehen und irgend jemand aus dem
Gefängnis herauszuholen. Wenn jedoch jemand angeklagt wird entgegen den
Prinzipien des Viermächte-Abkommens, muß unsere Stimme deutlich zu hören sein.
Ich glaube, in diesem Falle haben wir wenigstens beschränkt helfen können,
indem die Anklage geändert wurde. Er ist offensichtlich unschuldig und nicht
der einzige, der ein solches Schicksal erleidet, die Bestrafung ist unhalt- 17 -

�unhaltbar.
wi rd.

Ich hoffe, daß dies etwas ist, worum die Welt sich mehr kümmern

Ich glaube, in der ganzen Welt weiß man um den Schtscharanski-Prozeß,
wenigsten in den zivilisierten Ländern, und ich hoffe, daß das HübnerProblem auch von der ganzen Welt besser verstanden wird.
die Weltmeinung dafür sorgen, daß er freigelassen wird.

Vielleicht kann
Aber wir können

das nicht garantieren, wenn die DDR und die Sowjetunion das nicht wollen.
FRAGE:

Herr Präsident. Mein Name ist Irmgard Hiegel.

Ich bin Rentnerin.

Ich habe eine Frage: Warum wird von öffentlicher Seite nicht mehr für die
persönlichen Beziehungen der Berliner zu den Alliierten der Stadt getan?
DER PRÄSIDENT: Das kann ich jetzt nicht sagen, aber innerhalb einer
halben Stunde nach Verlassen dieses Podiums werde ich mit den Kommandeuren
der drei Alliierten sprechen, und ich werde nicht nur eine Antwort für Sie
haben, sondern jene davon in Kenntnis setzen, wie interessiert ich daran bin,
diese Beziehungen freier, häufiger und konstruktiver werden zu lassen. Ich
halte es für sehr gesund, wenn die alliierten Streitkräfte in die Freundschaft
und Gastlichkeit derer, unter denen sie leben, eingeschlossen werden. Kürzlich sprach ich - um genau zu sein, heute - vor unseren und den deutschen
Streitkräften in Frankfurt. Ich ermunterte sie, deutsch zu lernen, sich mit
der deutschen Kultur zu beschäftigen, Freundschaft mit Deutschen zu schließen,
soviel wie möglich in deutschen Geschäften einzukaufen und Teil der deutschen
Gesellschaft zu werden. Ich glaube, das würde ihnen helfen, nicht nur die
großartigen Eigenschaften des deutschen Volkes zu verstehen, sondern es wird
sie auch zu besseren Amerikanern machen, wenn sie heimkommen. Ich werde
das also mit den Kommandeuren hier besprechen, und ich glaube, Ihre Frage
hat bereits sehr gute Dividende erbracht, obgleich ich sie nicht besser beantworten kann.
Vielleicht werden wir eine Antwort auf diese Frage in einer örtlichen
Zeitung veröffentlichen; denn ich muß jetzt gleich schließen.
ich höre, noch eine Frage beantworten.
- 18 -

Ich kann, wie

FRAGE-

�FRAGE:

Mr. President, ich heiße Rita Schäfer und bin Diplompsychologin.

Meine Frage lautet: Würden Sie mithelfen, bestehende Freunschafts- und
Austauschprogramme zwischen unseren Völkern so zu erweitern, daß Angehörige
möglichst vieler, nicht nur akademischer Berufsgruppen im Rahmen eines Abkommens für begrenzte Zeit ihre Arbeitsplätze tauschen können?
DER PRÄSIDENT: Ja, das ist etwas, das nicht nur Ihnen und anderen zugute kommen würde, sondern auch unserem eigenen Land. Der Studentenaustausch
ist meiner Ansicht nach ein gutes Beispiel für das, was erreicht werden kann.
Das Projekt der Friendship Force, auf das bereits hingewiesen wurde, läßt
sich bedeutend erweitern. Ich glaube, eine weitere gute Chance besteht darin, daß wir z.B. 300 000 Soldaten in Europa haben. Sie alle sind, wie wir
hoffen, Botschafter guten Willens für unser Land und können von ihnen allen
ein gutes Verständnis mitnehmen und zu Hause verbreiten. Meiner Ansicht nach
ist Ihre Frage eine sehr gute. Ich glaube, daß auf diese und andere Weise
wir die Beziehungen ausbauen können.
Lassen Sie mich zum Abschluß sagen, daß z.B. etwas, das ein Präsident
tun kann, um das gegenseitige Verständnis zu erweitern, dieses Bürgertreffen
ist.

Bei uns daheim mache ich es auch so.

Fragen ausfallen.

Ich weiß vorher nie, wie die

Ich bin mit Ihrer Gesellschaft und Ihren aktuellen Pro-

blemen nicht ganz so vertraut wie mit denen einer Stadt in den Vereinigten
Staaten, aber ich habe versucht, Ihre Fragen, so gut ich konnte, zu beantworten.
Bei meinem kurzen Besuch hier habe ich ein klareres Verständnis der
Stärke und des Mutes gewonnen, die alle, die in Berlin leben, brauchen, um
nicht nur einen Lebensstandard zu halten, der sogar höher ist als der meines
eigenen Landes, sondern auch um den Geist von Freiheit und Ihre hohen
kulturellen Werte weiter zu erhalten.
Alliierten.

Wir sind Ihre Partner.

Wir sind Ihre

Wir tun dies nicht nur für Ihr Wohlergehen, sondern weil unsere

eigene Nation beschützt wird.

Die Freiheit meines eigenen Volkes ist in dem

Ausmaß geschützt, in dem durch die gemeinsame Verpflichtung unserer beiden

- 19 -

�beiden Nationen und der übrigen Verbündeten Sie und Ihre Freiheiten erhalten
werden können.
Ich komme also nicht als jemand her, der Ihnen einen Gefallen tut, sondern als jemand, der als Präsident und als Amerikaner großen Vorteil aus den
starken Banden der Freundschaft, der Wirtschaft, der Politik, des militärischen
Bündnisses zieht, das die Freiheit bewahrt, nicht nur für Sie, sondern auch
für uns.
Ich danke Ihnen für die Gelegenheit, die Sie mir gegeben haben, Ihre
Probleme anzuhören, und für die Gastfreundschaft, die Sie mir, meiner Frau
Rosalynn und Amy gewährt haben.
Wir hoffen, bald wiederkommen zu können, und wir wünschen, daß von Ihnen
so viele wie möglich unser Land besuchen werden.

Ich meine, Sie werden dort

Wärme, Bürgersinn und Freunschaft finden, wie ich sie hier gefunden habe.
Gott behüte einen jeden von Ihnen. Es freut mich, daß ich Ihr Gast
sein durfte.
+ + +

Peter Lorenz, Präsident des Berliner Abgeordnetenhauses:
Im Namen aller Anwesenden danke ich Ihnen, Herr Präsident, für dieses
interessante und freimütige Gespräch mit den Berliner Bürgern. Ich glaube,
alle stimmen mit mir überein, daß dies ein Höhepunkt Ihres Berlin-Besuches
war. Sie werden in der hinter uns liegenden Stunde gespürt haben, wie eng
sich die Bürger Berlins mit den Vereinigten Staaten von Amerika und mit Ihnen
verbunden fühlen.
Es hat eine besondere Bedeutung, daß diese Begegnung gerade in der

- 20 -

�der Kongreßhalle stattfand.

Sie ist von der Benjamin-Franklin-Stiftung

erbaut worden, die den Namen jenes Präsidenten (sie) der Vereinigten Staaten
trägt, der sich in besonderer Weise für die Freiheit und die Würde und die
Rechte der Menschen eingesetzt hat.

Sie, Herr Präsident, bemühen sich, in

dieser Tradition stehend, in besonderem Maße um die Verwirklichung der Menschenrechte.

Und Sie wissen, daß gerade wir Berliner, deren Stadt durch eine Mauer

geteilt ist, diese Bemühungen überall in der Welt mit Engagement unterstützen.
Wir sind glücklich und dankbar, daß Sie nach Berlin gekommen sind.

Ihre

Anwesenheit unterstreicht, welche Bedeutung diese Stadt im Bewußtsein des
amerikanischen Volkes hat.

Und wir danken Ihnen auch, daß Sie hier eben er-

klärt haben, daß Sie den Willen des deutschen Volkes, in Frieden, Freiheit
und Selbstbestimmung seine Wiedervereinigung zu erlangen, unterstützen wollen.

Herzlichen Dank dafür.

Wir freuen uns, daß Sie und Ihre Familie sich in unserer Stadt wohlfühlen. Wenn Sie Berlin in Kürze verlassen, dann begleiten Sie alle unsere
guten Wünsche. Sie gelten Ihnen und Ihrem Volk, dem Berlin in seinem beständigen Kampf für die Freiheit soviel zu verdanken hat. Herzlichen Dank,
Herr Präsident.

- 21 -

�Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

18

19. Juli 1978

ERKLÄRUNG PRÄSIDENT CARTERS ZUM ABSCHLUSS DES WELTWIRTSCHAFTSGIPFELS

BONN - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat neben den sechs anderen
Staats- und Regierungschefs des Bonner Weltwirtschaftsgipfels zum Abschluß
am 17. Juli 1978 im Stadttheater in Bonn eine Erklärung abgegeben.
Diese Erklärung hat folgenden Wortlaut:
Nachdem ich das Glück hatte, unmittelbar vor der Gipfelkonferenz der
Bundesrepublik Deutschland einen offiziellen Staatsbesuch abzustatten,
möchte ich im Namen der ganzen amerikanischen Delegation Bundespräsident
Scheel, Bundeskanzler Schmidt und der Bevölkerung der Bundesrepublik
meinen Dank für ihre Gastfreundschaft abstatten.
Ich bin sehr zufrieden mit den Ergebnissen dieser Gipfelkonferenz.
Die Ergebnisse haben unser aller Erwartungen ü'bertroffen. Die Gespräche
und die Beschlüsse wurden sorgfältig vorbereitet. Jeder von uns ist auf
diesem Gipfel vorsichtig gewesen, keine Dinge zu versprechen, die wir
nachher nicht halten könnten.
Die

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�Die Einschätzungen waren langwierig und manchmal mühselig, aber ihrer
Natur nach umfassend.

Sie sind wesentlich und spezifisch.

Ich glaube,

jeder der führenden Männer ist innerhalb des Rahmens der politischen Gegebenheiten

bis an die Grenze gegangen, um seitens unserer einzelnen

Staaten alles nur mögliche zum gemeinsamen Wohlergehen der Welt beizutragen.
Unsere Beiträge unterstützen sich gegenseitig. Sie sind von einander
verschieden, weil unsere Fähigkeiten und unsere Erfordernisse unterschiedlich
sind.
Wir haben uns mit dem sehr ernsten Problem des Protektionismus befaßt
und haben uns gegenseitig verpflichtet, die multilateralen Handelsverhandlungen erfolgreich abzuschließen, um freie Märkte zu erlauben und damit die
Arbeitsplätze im eigenen Land zu erhalten.
Die Bundesrepublik Deutschland und die Regierung Japans haben sich
in großzügiger Weise zu erhöhtem wirtschaftlichen Wachstum verpflichtet.
Andere Staaten haben sich dieser Verpflichtung angeschlossen.
Staaten haben sich im Wissen um ihre eigene

Die Vereinigten

Verantwortung und auf Ersuchen

anderer zu einer umfassenden Energiepolitik und zu ihrer Durchführung bekannt
- zu einer Senkung der ölimporte um 2,5 Millionen Barrel pro Tag bis zum
Fahre 1985, zu einer Anhebung des in unserem Lande zu niedrigen ölpreises
auf den Weltmarktpreis, um von einer Verschwendung abzuhalten.
Wir und die Kanadier haben die für uns bestehende Notwendigkeit anerkannt, für eine gewisse Voraussagbarkeit und Zuverlässigkeit hinsichtlich
der Lieferung von Kernbrennstoffen an andere Nationen Sorge zu tragen, wie
es einem gemeinsamen Bekenntnis gegen eine Weiterverbreitung von Kernsprengstoffen und der Einhaltung der internationalen Sicherheitsbestimmungen
angemessen ist.
Die Inflation ist für uns alle ein Anliegen gewesen, und wir haben

- 2 -

�und haben unsere Pläne gemacht, um mit dieser die ganze Welt bedrohenden
Gefahr fertig zu werden.
Das ist ein Zeitpunkt, da wir uns auch unserer Stärke und Stabilität
bewußt geworden sind.

Die Segnungen des Friedens und unsere Hoffnung be-

stehen darin, daß wir bei der Analyse temporärer Probleme, mit denen wir
erfolgreich fertig zu werden suchen - daß wir dabei

niemals den Blick für

die Grundlage gemeinsamer Zielsetzungen verlieren dürfen, die uns In einem
erfolgreichen Bemühen in den freien und demokratischen Staaten der Welt
miteinander verbinden.
Wir werden nach Abschluß dieses Gipfeltreffens sorgfältig den Fortschritt
beobachten, um sicherzugehen, daß die aufrichtig und ernsthaft eingegangenen
Verpflichtungen nicht in Vergessenheit geraten oder in den kommenden Monaten
aufgegeben werden.
Ich möchte abschließend sagen, daß wir die Entwicklungsländer der Welt
nicht vergessen haben.

Wir sind vom Glück begünstigt, wir sind gesegnet

mit wirtschaftlicher, politischer und militärischer Stärke und mit einem
schönen hohen Lebensstandard für unsere eigene Bevölkerung.

Wir sind uns

der Notwendigkeit bewußt, dies mit den anderen weniger entwickelten Ländern
zu teilen, und alle die kumulativen Verpflichtungen werden sich, so meine
ich, in den kommenden Monaten sehr gut und konstruktiv auf die gesamte
Weltwirtschaft auswirken.
Ich persönlich bin überzeugt, daß die kraftvolle Erklärung über die
Bekämpfung der Luftpiraterie und des Terrorismus allein schon die gesamte
Vorbereitung und Durchführung dieses Gipfels wert gewesen wäre.

Wir sind

entschlossen, daß diese Verpflichtung individuell und kollektiv durchgeführt
wird.

Und unsere Außenminister sind unmittelbar angewiesen worden, un-

verzüglich mit anderen Ländern in der Welt in Kontakt zu treten, um sie
zu ermutigen, sich uns bei diesem wesentlichen und,wie ich glaube, angemessenen Schritt zur Verhinderung von künftigen Flugzeugentführungen

- 3 -

�•

Flugzeugentführungen anzuschließen.
Ich verlasse diese Gipfelkonferenz mit dem Entschluß, unsere Zielsetzungen durchzuführen, unsere gemeinsamen Diskussionen und ständigen
Konsultationen fortzusetzen,sowie mit einem neuen Gefühl der Zuversicht.
Es war dies ein sehr erfolgreiches Zusammentreffen. Die Vorbereitung
dazu war sehr instruktiv und erzieherisch,und die glänzende Art in der
Bundeskanzler Schmidt den Vorsitz führte, hat zur Gewährleistung des Erfolges beigetragen.

+ + + + +

- 4 -

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

18

19. Juli 1978

ERKLÄRUNG PRÄSIDENT CARTERS BEI SEINER RÜCKKEHR NACH WASHINGTON

WASHINGTON - (AD) - Nach der Rückkehr von seinem Staatsbesuch in
der Bundesrepublik Deutschland und Berlin vom 13. bis 15. Juli 1978 und
dem Bonner Weltwirtschaftsgipfel am 16. und 17. Juli 1978 gab Präsident Jimmy
Carter am Abend des 17. Juli (Ortszeit) in Washington folgende Erklärung ab:
Als ich mich weit weg von zuhause in Westdeutschland befand, mußte
ich immer an zwei grundlegende Dinge denken.
die Freiheit der westlichen Welt.

Das eine ist die Stärke und

Ich habe den Menschen in Bonn, Frankfurt

und in ganz Westdeutschland erklärt, daß ihre Sicherheit unsere Sicherheit
ist, weil wir wissen, daß die Verteidigung der Vereinigten Staaten selbst
von der Stärke des NATO-Bündnisses abhängt.
Wir haben 300 000 Angehörige der amerikanischen Streitkräfte in Europa
stehen - im Marinekorps, in der Luftwaffe, in der Marine und in der Armee.
Ich konnte einige dieser Soldaten besuchen, persönlich mit ihnen sprechen,
mit ihren Familienangehörigen sprechen. Sie dienen dort unter großen
persönlichen Opfern, aber sie wissen, wofür sie da sind. Sie wissen, warum

Postfach 20 03 OO
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�•

warum sie dieses Opfer bringen.

Sie stehen nicht nur dort, um Territorium

zu verteidigen, sondern um den Geist der Freiheit zu verteidigen.

Wir er-

lebten eine Demonstration dieses Geistes während eines sehr erregenden Besuches in Westberlin - einer freien Stadt, die als Insel der Freiheit bezeichnet werden könnte.

Als ich durch die Straßen fuhr, gab es überwältigende

Beweise der Freundschaft - eine Demonstration, daß die Berliner, die Deutschen,
die Europäer den Wert unserer Partnerschaft kennen.
Die Eindrücke, die mir in diesen erregenden Augenblicken durch den
Kopf gingen, so meine ich, waren, daß wir uns selbst durch die Werte definieren, zu deren Verteidigung wir Opfer zu bringen bereit sind, und daß
die Werte, die wir in Europa verteidigen, uns Amerikaner alle wirklich
mit Stolz erfüllen können.
Die zweite grundlegende Sache ist die Interdependenz in der Welt
der Wirtschaft.

Ich traf mit den Führern von sechs anderen großen Nationen

zusammen, um zu versuchen, ein besseres Leben für die Bevölkerung unseres
eigenen Landes, einen höheren Lebensstandard, mehr Arbeitsplätze, niedrigere
Preise für unsere Verbrauchsgüter zu erreichen.
Ich kann Ihnen in aller Offenheit sagen, daß unsere Verbündeten in
anderen Ländern bereit sind, wirtschaftliche Opfer zu unser aller Wohl zu
bringen, damit wir unsere eigenen Erzeugnisse besser verkaufen und auf
diese Weise vielleicht mehr Arbeitsplätze für die Menschen in unserem Lande
schaffen können.
Wir haben auch Zusagen gemacht, die ich einzuhalten gedenke - die
Inflation niedrig zu halten und dem größten Einzel anliegen anderer zu entsprechen, und das ist die übermäßige Verschwendung von Energie in unserem
Lande und die übermäßige Einfuhr von ausländischem öl.
Wir sind uns über die Stärke der freien Welt im klaren.

Wir haben

einige Probleme, mit denen wir uns sehr gründlich befaßt haben.

- 2 -

Aber

�Aber insgesamt waren wir von einem Gefühl der Zuversicht getragen, der
gemeinsamen Zielsetzung, der Bereitschaft, die schwierigen Fragen ohne
Zögern und ohne Furcht anzupacken.
Wir sind uns also, um es zusammenzufassen, darüber im klaren, daß
die Freiheit unbezahlbar ist. Wir sind uns darüber im klaren, daß unser
eigenes Wohlergehen in unserem Lande von der Partnerschaft abhängt, deren
wir uns mit wunderbaren Verbündeten in der ganzen Welt erfreuen.
Es war eine gute Reise.
zu vertreten.

Ich war stolz, die größte Nation der Erde

Und wir sind froh, wieder zuhause zu sein.

Ich danke Ihnen sehr.

+ + + + +

- 3 -

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="8301">
                <text>19.07.1978</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="8302">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="8303">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="14166">
                <text>Amerikadienst 19.07.1978</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="49">
            <name>Subject</name>
            <description>The topic of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="14167">
                <text>Präsident Jimmy Carter's Staatsbesuch in der Bundesrepublik Deutschland und Berlin&#13;
</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="14168">
                <text>&lt;h4&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="text-decoration: underline;"&gt;Präsident Jimmy Carter's Staatsbesuch in der Bundesrepublik Deutschland und Berlin vom 13.-15. Juli 1978 und Weltwirtschaftsgipfel in Bonn am 16. und 17. Juli 1978&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/h4&gt;&#13;
&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Mondales und Carters vor dem Abflug nach Bonn&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bundeskanzler Schmidt und Präsident Carter vor der Presse in Bonn&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Präsident Jimmy Carters zur Verurteilung von Schtscharanski&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ansprache Präsident Carters vor dem Bonner Rathaus&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tischrede Präsident Carters im Brühler Schloss&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ansprache des Präsidenten vor deutschen und amerikanischen Soldaten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ansprache Präsident Carters auf dem Römerberg in Frankfurt&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ansprache Präsident Carters am Luftbrückendenkmal in Berlin&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Town Meeting Präsident Carters mit Bürgern in der Berliner Kongresshalle&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Präsident Carters zum Abschluss des Weltwirtschaftsgipfels&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Präsident Carters bei seiner Rückkehr nach Washington</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2411" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2422">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/4dfdf6c1fb2b90671760f89c0b139b81.pdf</src>
        <authentication>5cc62eb4e24173f676eb24a4c612223f</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="12471">
                    <text>cimcrikci
dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z 12462 C

19. Juli 1995

23

USA-EUROPA

AMERIKANISCHE AUSSENPOLITIK UND
TRANSATLANTISCHE BEZIEHUNGEN IM
UMBRUCH
Rede des Gesandten J.D. Bindenagel

ABRÜSTUNG

KRITIK AN ISOLATIONISTISCHEN
TENDENZEN IM KONGRESS
Rede von ACDA-Direktor John Holum

KRIEGSVERBRECHEN

KRIEGSVERBRECHERTRIBUNALE FÜR
JUGOSLAWIEN UND RUANDA SIND
PRÄZEDENZFÄLLE
Bilanz der Arbeit

NAFTA

POSITIVE BILANZ DER ERSTEN ANDERTHALB
JAHRE DES NAFTA
Rede von Robert Earle

DATENAUTOBAHN

NEUES VON DER DATENAUTOBAHN
Übersicht jüngster Entwicklungen

LITERATUR

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

EDMUND WILSONEINE HUNDERTJAHRFEIER
von Robert Earle

Deichmanns Aue 29

Tel.: 0228 - 339 23 72

D 53170 Bonn

Fax: 0228 - 33 41 02

�USA-EUROPA
19. Juli 1995

Amerikanische Außenpolitik und
transatlantische Beziehungen im Umbruch
Rede des Gesandten J.D. Bindenagel
BONN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die vom Gesandten der Botschaft der Vereinigten Staaten in
der Bundesrepublik Deutschland, J.D. Bindenagel, am 28. Juni 1995 in der Ausbildungsstätte des Auswärtigen
Amtes gehaltene Rede.
Sehr geehrte Damen und Herren,
es freut mich, heute Gelegenheit zu haben, mit
Ihnen als angehende Kollegen aktuelle Fragen der
amerikanischen Außenpolitik zu diskutieren.
Ich werde mich in meinen Ausführungen nicht nur
auf die anstehenden Herausforderungen konzentrieren, sondern auch auf die Wertmaßstäbe zu
sprechen kommen, die unsere Politik prägen.
Doch bevor ich mit Ihnen über die amerikanischen
Vorstellungen zur NATO-Erweiterung diskutiere,
unsere Überlegungen zu einem konstruktiven
Verhältnis zu Rußland erörtere und über die Zukunft
der transatlantischen Zusammenarbeit spreche,
möchte ich einige Worte zur Ausbildung amerikanischer Diplomaten sagen.
Im Gegensatz zu der ein- bzw. zweijährigen Ausbildungszeit in der Bundesrepublik werden bei uns
die Nachwuchsdiplomaten nach einer mehrmonatigen Orientierungsphase ins kalte Wasser geworfen.
Mit dem "on the Job training" am ersten Verwendungsort fängt die diplomatische Karriere an. Von
der Pike auf lernt man dann, was es bedeutet, sein
Land zu vertreten. Und sie müssen sich anstrengen
bei einer vierjährigen Probezeit! Mich hat man nach
Korea versetzt. Ein Posten mit Potential: Dort habe
ich die Grundlage für meine berufliche Karriere
gelegt.
Vielleicht sollte ich auch noch eine weitere Besonderheit des Auswärtigen Dienstes erwähnen. Bei
uns müssen sich die angehenden Diplomaten entscheiden, ob sie lieber politische und wirtschaftliche
Fragestellungen in ihrem Berufsleben bearbeiten
wollen oder aber sich mit Fragen der "public diplomacy" und den kulturellen Beziehungen beschäftigen

AMERIKA DIENST 23

möchten. Erstere gehen zum State Department,
letztere zu USIA, dem amerikanischen Informationsamt. Es soll bedauerlicherweise nach dem Willen
des Kongresses aufgelöst werden. Ein gleiches
Schicksal erwartet die ACDA, die Arms Control and
Disarmament Agency, sowie die amerikanische
Entwicklungshilfeorganisation AID.
Die Umgestaltung unseres außenpolitischen Apparats
ist eine Facette eines größeren Transformationsprozesses. Man könnte sie auch als einen Prozeß
der Neuorientierung betrachten. Eine Neuorientierung, nachdem das politische, militärische und
ideologische Korsett des Kalten Krieges von uns
abgefallen ist.
Wie andere Staaten auch stehen die Vereinigten
Staaten nach dem Ende des Ost-West-Konflikts vor
der Aufgabe, ihre Rolle als "global player" neu zu
definieren.
Deutschland erlebte am 9. November 1989 eine
Revolution, die zur Vereinigung beider deutscher
Staaten führte. Die Vereinigten Staaten hatten ihre
Revolution am 4. November 1994. Noch ist nicht
absehbar, was am Ende erreicht wird. Schon jetzt ist
aber deutlich, daß sich der republikanische Kongreß
mit dem "Contract with America" ein für amerikanische Verhältnisse revolutionäres Programm gegeben
hat.
Ziel ist eine Anpassung der Vereinigten Staaten an
die Erfordernisse der Zeit nach dem Ende des Kalten
Krieges. Was sich hinter dieser trockenen Feststellung verbirgt, ist der Versuch, Amerikas Rolle in
der Welt und den Umfang unseres Engagements neu
zu bestimmen. Und wie in anderen Ländern auch
fängt diese Rollenbestimmung zu Hause an.

Seite 1

�An sich ist eine Veränderung der Machtverhältnisse
im amerikanischen Kongreß keine Besonderheit.
Wandel ist eine Konstante im amerikanischen Regierungssystem. Was allerdings diesen Wandel zu
einem historisch bemerkenswerten Ereignis macht,
ist die Tatsache, daß zum ersten Mal seit vierzig
Jahren die Republikaner im 104. Kongreß die
Mehrheit in beiden Kammern - im Repräsentantenhaus und im Senat - stellen.
Mit diesem Wechsel verbinden die amerikanischen
Wähler große Erwartungen.
Letztlich geht es um die Frage, welche Rolle der
Staat bei der Bewältigung der innen-, sozial-, rechtsund wirtschaftspolitischen Herausforderungen spielen
soll. Wie stark der Staat das Leben seiner Bürger
reglementieren soll. Viele Menschen in Europa
haben beispielsweise nicht verstanden, warum die
vom Präsidenten vorgeschlagene Gesundheitsreform
gescheitert ist. Gerade diese Frage tangiert das
Staatsverständnis der Mehrzahl der Amerikaner. Sie
lehnen es ab, sich vorschreiben zu lassen, wie sie
sich zu versichern haben.
Die Veränderung im Machtverhältnis - das, was wir
als "divided government" bezeichnen - hat natürlich
auch Auswirkungen auf die amerikanische Außenpolitik. Es ist unzweifelhaft, daß der republikanische
Kongreß eine etwas andere außenpolitische Prioritätenliste vertritt als die Clinton-Administration.
Die Rollendefinition ist ein mühsames Geschäft. Die
Nachwirkungen des Kalten Krieges sind noch zu
spüren. Wir alle hatten uns geistig an die Bedingungen des Kalten Krieges gewöhnt; nun aber - und
dies schon seit geraumer Zeit - stehen wir vor
komplexen Herausforderungen. Herausforderungen,
die durchaus mit den profunden Fragestellungen
vergleichbar sind, die nach dem Ende des Zweiten
Weltkrieges zu beantworten waren. Wie damals
werden wir auch jetzt wieder erfolgreich sein!
Warum ich mir so sicher bin, werden Sie sich
vielleicht fragen?

Staaten wären nicht mehr in der Lage, eine ihrer
Bedeutung angemessene Politik zu betreiben.
Diese Bewertung übersieht den nach wie vor bestehenden überparteilichen Konsens, was die philosophischen Grundlagen unserer Außenpolitik angeht.
Nach wie vor gilt, daß es unveräußerliche Rechte des
einzelnen gibt, die bedauerlicherweise nicht überall
auf der Welt respektiert und geachtet werden. Die
Freiheitsrechte sind - wie Sie wissen - der Kern der
amerikanischen Verfassung.
Damals galten die
Prinzipien, die Thomas Jefferson in der Unabhängigkeitserklärung von 1776 festschrieb, als geradezu
revoluntionär: "... all men are created equal".
Die Grund- und Menschenrechte spielen seit der
Staatsgründung eine nicht zu unterschätzende Rolle
in der amerikanischen Gesellschaft. Sie prägen auch
unsere Auffassung, was die Zielsetzung unserer
Außenpolitik angeht.
Mit missionarischem Eifer wurden die philosophischen Glaubenssätze verinnerlicht und verbreitet.
Die konfliktreichen Begleitumstände der Staatswerdung - angefangen von der Vertreibung marokkanischer Piraten vor der amerikanischen Küste bis zu
den Auswirkungen der Napoleonischen Kriege sowie
dem Krieg mit Mexiko - wurden zum Prüfstein der
amerikanischen Überzeugungen.
Am Ende des 19. Jahrhunderts waren die Außengrenzen gesichert, der innenpolitische Konflikt über
die Sklaverei beendet und die demokratischen
Prinzipien zum Leitmotiv politischen Handelns im
Inneren wie im Äußeren erhoben.
Nur widerstrebend nahmen die Vereinigten Staaten
am Ersten Weltkrieg teil; nicht zuletzt, um die eigene
Sicherheit zu bewahren, aber auch, um den Prinzipien der Selbstbestimmung und der Demokratie in
Europa zum Durchbruch zu verhelfen. Präsident
Woodrow Wilsons "to make the world safe for democracy" traf den Kern des amerikanischen Engagements, das nicht idealistisch war, sondern amerikanische Ideale verfolgte.

Abgesehen davon, daß wir Amerikaner in der Regel
eine optimistische Ader haben, bin ich davon überzeugt, daß die Vereinigten Staaten auch weiterhin
eine machtvolle, verantwortungsbewußte und vorausschauende Außenpolitik betreiben werden.

Angesicht dieser beständigen Überzeugungen ist es
leicht nachzuvollziehen, warum die amerikanische
Regierung die Demokratisierung in den Staaten
Mittel- und Osteuropas nachhaltig unterstützt.

Sie sollten sich nicht durch die kritische Berichterstattung in den Medien verunsichern lassen: Die
Transparenz der politischen Auseinandersetzungen
im amerikanischen Regierungssystem verleitet viele
Kommentatoren zu der Annahme, die Vereinigten

Nun werden einige von Ihnen sicherlich denken, daß
dieser Aspekt unseres Verständnisses von Außenpolitik nur eine Seite der Medaille ist. Die andere
Seite ist die Tendenz zu Isolationismus - oder was
dafür gehalten wird.

Seite 2

AMERIKA DIENST 23

�Einen klassischen, reinen Isolationismus gab es nie.
Was es gab, waren isolationistische Phasen. Die
Frage nach unserem außenpolitischen Engagement
muß immer auch in Bezug zu den innenpolitischen
Notwendigkeiten gesetzt werden. Und es ist offensichtlich, daß sich in einer interdependenten Welt die
innenpolitischen Interessen nicht von den außenpolitischen trennen lassen.
Auch der Kongreß hat kein Interesse an einer
Schwächung der amerikanischen Führungsrolle.
Auch der Kongreß weiß, wie wichtig unsere auswärtigen Beziehungen sind, um unsere außenwirtschaftlichen Interessen zu verwirklichen. Es besteht
beispielsweise kein Disput darüber, daß der Aufbau
eines freien und fairen Welthandelssystems an erster
Stelle unserer außenpolitischen Prioritätenliste steht.
Wenn es Auseinandersetzungen gibt, dann über
Fragen der richtigen Vorgehensweise, wie unsere
Führungsrolle auch in Zukunft angemessen und
wirkungsvoll vertreten werden soll. Ob stärker in
einem multilateralen Rahmen, wie es der Präsident
befürwortet, oder eher in einem bi- oder unilateralen
Rahmen, wie es Teile des Kongresses wünschen.
Diese Auseinandersetzungen sind keine Neuauflage
einer Debatte über Isolationismus, wie viele glauben.
Der Isolationismus reflektierte eine außenpolitische
Periode im ausgehenden 19. Jahrhundert, die spätestens mit der Kriegserklärung Deutschlands und
Italiens an die Vereinigten Staaten am 11.12.1941
ihr endgültiges Ende fand.
Wenn man sich heute die Diskussionen über eine
Neuordnung der europäischen Staatengemeinschaft
in der unmittelbaren Nachkriegszeit betrachtet, kann
man ganz deutlich erkennen, wie sich die amerikanische Regierung zu einem europäischen Akteur
entwickelt hat. Eine Abwendung von Europa war
nach den leidvollen Erfahrungen der beiden Weltkriege nicht mehr denkbar.
Vor diesem Hintergrund sollten Sie unser ausgeprägtes Engagement zum Aufbau einer stabilen
Friedensordnung in Europa nach dem Ende des
Kalten Krieges betrachten. Deshalb finden Sie in
den Vereinigten Staaten die treibende Kraft für eine
NATO-Erweiterung.
Es scheint mir in diesem Zusammenhang fast
überflüssig darauf hinzuweisen, daß es im ureigensten Interesse der Vereinigten Staaten liegt, wenn
Europa zusammenwächst, Ost und West eine
institutionelle Einheit bilden und für die Vereinigten
Staaten ein verläßlicher und starker Partner werden.

' AMERIKA DIENST 23

Im Nachkriegseuropa fiel es vielen schwer, sich
vorzustellen, daß Deutschland friedlich mit seinen
Nachbarstaaten zusammenlebt. Fünfzig Jahre nach
Kriegsende unterhält Deutschland zu seinen Nachbarstaaten überaus freundschaftliche Beziehungen
und ist voll in die europäische Staatengemeinschaft
integriert.
Diese Entwicklung sollte all jene inspirieren, die heute
mutlos in die Zukunft blicken, voller Zweifel über die
Tragfähigkeit der neuen Strukturen sind und sich
nicht vorstellen können, wie sich Europa zu einem
starken Machtfaktor im Geflecht der internationalen
Beziehungen entwickelt.
Die Vereinigten Staaten setzen große Hoffnungen in
die Fähigkeit der deutschen Außenpolitik, die europäische Integration voranzutreiben. Mit der Erlangung der uneingeschränkten Souveränität im Verlauf
der friedlichen Vereinigung hat Deutschland an politischem Gewicht und Verantwortung gewonnen.
Das Ende der Teilung Europas bestätigte den Erfolg
der westlichen Politik gegenüber den Staaten des
Ostblocks; die Defizite der kommunistischen Regime
in den Bereichen persönliche Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und wirtschaftliche Chancen für den einzelnen
haben sich im Laufe der Zeit als übermächtig erwiesen.
Amerikas Einstellung gegenüber Europa am Ende
des 20. Jahrhunderts ist nicht nur von diesen ertreulichen Veränderungen geprägt, sondern basiert
natürlich auch auf der soliden Grundlage der transatlantischen Partnerschaft.
Erst letzte Woche hat der frühere US-Botschafter
Richard Holbrooke, der nun Abteilungsleiter für
europäische- und kanadische Angelegenheiten im
State Department ist, auf einer Konferenz des Atlantic
Council Altbekanntes bestätigt:
Die Vereinigten
Staaten werden auch weiterhin Streitkräfte in Europa
unterhalten. Und dies sowohl aus militärischen
Gründen, als auch wegen der politischen Symbolik.
Die Vereinigten Staaten verstehen sich, wenn es um
Europa geht, als eine europäische Macht.
Schon der erste Bundeskanzler, Konrad Adenauer,
befürchtete, daß er den Abzug der amerikanischen
Streitkräfte aus Europa noch miterleben würde. Er
sollte sich täuschen.
Die Sicherheit Europas ist auch unsere Sicherheit.
Das klingt sehr einfach, entspricht aber den historischen Erfahrungen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Seite 3

�Die Vereinigten Staaten werden deshalb nicht weniger als 100.000 Soldaten in Europa behalten; davon
etwa 75.000 allein in Deutschland.

bei den Wirtschaftsreformen in Mittel- und Osteuropa
spielt. Sie stellt wichtige Informationen und Fachwissen für die neuen Demokratien bereit.

Nach dem Zweiten Weltkrieg sind Institutionen
entstanden, die Stabilität und Sicherheit, Frieden und
Wohlstand in Europa begünstigt haben. Das transatlantische Verteidigungsbündnis - die NATO - ist für
uns Amerikaner das wichtigste Bindeglied über den
Nordatlantik.

Der zweite Aspekt zielt auf Verfahren ab, die stabilitätsfördernd sind. Wir befürworten eine Stärkung der
OSZE und deren Mandat. Die KSZE hat eine wichtige Rolle bei der Überwindung der politischen Systeme im Osten gespielt. Heute ist die Nachfolgeorganisation dazu prädestiniert, "präventive" Diplomatie zu
betreiben.

Für uns ist die Allianz aber weit mehr als nur ein
Verteidigungsbündnis, in dem wir eine gewichtige
Rolle spielen. Auch wenn dies vielfach in Vergessenheit geraten ist - zu Beginn der transatlantischen
Partnerschaft war ein breites Themenspektrum an
Zusammenarbeit vorgesehen. Ein Blick in den
Washingtoner Vertrag zeigt, daß die NATO nicht als
reines Verteidigungsbündnis konzipiert war. Nur - im
Laufe der Zeit haben andere Organisationen bestimmte Aufgaben übernommen, und die weltpolitische Lage im Kalten Krieg machte es erforderlich,
daß sich die NATO-Mitgliedstaaten auf die Bewahrung ihrer Sicherheit und Freiheit konzentrierten.
Aus unserer Perspektive ist es konsequent, wenn wir
nun Staaten Mittel- und Osteuropas an dieser Sicherheitsgemeinschaft, den bewährten Verfahren der
Zusammenarbeit und den politischen Konsultationen
teilhaben lassen. Die politischen wie auch moralischen Argumente für eine Beteiligung dieser jungen
Demokratien sprechen eindeutig für die Aufhebung
der durch den Kalten Krieg bedingten Ausgrenzung.
An zweiter Stelle unserer außenpolitischen Prioritätenliste steht folglich der Aufbau einer stabilen
Friedensordnung in Europa. Lassen Sie mich die
wichtigsten Bestandteile dieser Sicherheitsarchitektur
kurz ansprechen:
Der erste Aspekt zielt auf die ökonomische Dimension: Die Erfolge der Europäischen Union seit ihren
Anfängen im Jahre 1957 sind beachtlich. Die amerikanische Regierung unterstützt die europäische
Integration ohne Vorbehalt. Die wachsende Interdependenz zwischen West- und Osteuropa führt
früher oder später zu einer Osterweiterung der EU,
was wir begrüßen werden. Politische Stabilität in
Europa ist nicht ohne wirtschaftlichen Wohlstand bei
allen Beteiligten denkbarl
Die Europäische Union ist nicht die einzige Institution, die wir unterstützen, um in Europa Stabilität und
Sicherheit zu bewahren. Angesichts unserer außenwirtschaftlichen Interessen versteht es sich von
selbst, daß wir der neuen Welthandelsorganisation
(WTO) große Bedeutung beimessen. Auch die
OECD ist zu nennen, die eine entscheidende Rolle

Seite 4

Das ist zwar ein überaus schwieriges Thema, aber
gerade deshalb kann es nicht ignoriert werden.
Präventive Diplomatie erfordert Fachwissen über
Land und Leute, deren Geschichte, traditionelle
Konfliktlösungsverfahren und natürlich couragierte
Voraussicht. Eigenschaften, die Sie als angehende
Diplomaten noch brauchen werden.
Wir wollen aus der Organisation für Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa ein wirkungsvolles
Instrument zur Beilegung von Streitigkeiten und
Friedenserhaltung machen.
Friedenserhaltende
Maßnahmen, mit oder ohne Truppen, ob in Nagornyj
Karabach oder andernorts, können einen wichtigen
Beitrag leisten, um Konflikte zu lösen oder sie erst
gar nicht entstehen zu lassen.
Dem dritten Aspekt einer stabilen europäischen
Friedensordnung wird die größte Aufmerksamkeit
geschenkt: Der Ost-Erweiterung der NATO. Für die
potentiellen Mitgliedstaaten in Mittel- und Osteuropa
stellt die NATO die Möglichkeit sicherheitspolitischer
Stabilität und Aufnahme in die westliche Staatengemeinschaft dar.
Ich brauche Ihnen nicht darzulegen, daß die NATO
keinen Staat bedroht. Und es versteht sich von
selbst, daß eine NATO-Erweiterung nicht geplant ist,
um Rußland zu isolieren.
Der Prozeß der NATO-Erweiterung erfolgt in parallelen Schritten. Das Programm "Partnerschaft für
den Frieden" ist der institutionelle Rahmen, in dem
potentielle Mitgliedstaaten an das Bündnis herangeführt werden. Alle interessierten OZSE-Mitgliedstaaten können sich daran beteiligen und den Umfang der militärischen Zusammenarbeit selbst bestimmen. Es gibt, wie Ihnen bekannt ist, keine Rangordnung unter den beteiligten Staaten. Alle werden
gleich behandelt. Jeder Staat muß individuell unter
Beweis stellen, daß er bereit und in der Lage ist, mit
der NATO zusammenzuarbeiten. Dies ist ein wichtiges Element im Aufnahmeprozeß.
Noch diesen Sommer wird die NATO eine Studie
vorlegen, in der Gründe und Verfahrensoptionen für

AMERIKA DIENST 23

�eine Erweiterung erörtert werden. Basierend auf
dieser Studie werden Konsultationen mit am Beitritt
interessierten Staaten autgenommen. Im Dezember
trifft sich dann der NATO-Ministerrat, um die weiteren Schritte auf dem Weg der NATO-Erweiterung zu
diskutieren.
Diese Debatte wie auch der ganze Prozeß findet
nicht hinter verschlossenen Türen statt, sondern ist
transparent und nachvollziehbar.
Es wird kein Vetorecht geben, aber wir haben ein
überaus großes Interesse, die Ost-Erweiterung im
Einvernehmen mit Rußland zu realisieren. Mit Elan
und Überzeugungskraft hat Präsident Clinton während des bilateralen Gipfels Anfang Mai in Moskau
zumindest Rußlands Bereitschaft zur Mitarbeit im
Partnerschaftsprogramm erreicht. Leider hat der
russische Präsident auf dem G-7-Gipfel bzw. dem P8-Treffen in Halifax vor einer Woche seinen Einspruch gegen eine NATO-Erweiterung bekräftigt.
Dies darf uns aber nicht entmutigen. Rußland ist ein
Machtfaktor, der nicht wegzudiskutieren ist. Sicherlich ist es teilweise nicht einfach, für bestimmte
Aspekte russischer Innen- und Außenpolitik Verständnis zu entwickeln, doch nur durch einen kontinuierlichen Dialog können wir unsere Vorstellungen
vermitteln. Vorstellungen, wie sich Rußland als
verantwortungsvoller und zuverlässiger Partner bei
der Gestaltung einer dauerhaften Friedensordnung
verhalten sollte. Es kommt darauf an - und hier fällt
unserem Berufsstand eine große Aufgabe zu unseren Kollegen darzulegen, daß demokratische
Systeme über eine ganze Palette an Verfahren
verfügen, wie politische und andere Konflikte ohne
militärischen Waffeneinsatz gelöst werden können.
Zum Dialog mit Rußland gibt es keine Alternative.
Denken Sie nur an das nach wie vor enorme Nuklearwaffenpotential, das zuverlässig gesichert sein
muß, um keinen Schaden anzurichten. Wie Sie
wissen, befindet sich der Themenkomplex "Nonproliferation" an vierter Stelle der außenpolitischen
Prioritätenskala der Clinton-Administration. Nur in
kooperativer Zusammenarbeit wird es möglich sein,
die Gefahren einer unkontrollierbaren Weitergabe
von Massenvernichtungswaffen zu reduzieren.
Wo ich gerade beim Komplex "Nonproliferation" bin,
möchte ich Sie auf die Ernsthaftigkeit hinweisen, mit
der meine Regierung das Problem der regionalen
Proliferation angeht. Präsident Clinton hat gegen
den Iran ein vollständiges Handelsembargo verhängt. Amerikanische Unternehmen sind davon
betroffen. Der Iran versucht durch den Kauf russischer Atommeiler eine Nuklearkapazität aufzubauen,

AMERIKA DIENST 23

die längerfristig zu einer ernstzunehmenden Bedrohung des Nahen Ostens wie auch Europas führen
wird.
Was die Angelegenheit aus unserer Sicht verschärft,
ist die iranische Unterstützung von Terrorgruppen, die
in Israel Anschläge verüben. Wie man an den
unzähligen Missionen Warren Christophers ablesen
kann, ist es ohnehin schwer genug, in dieser Region
Frieden zu stiften. Terrorismus, Bombenanschläge
und die Störung der öffentlichen Ordnung tragen nicht
dazu bei, den Friedensprozeß zu fördern. Der Iran
muß sein Verhalten ändern und sich wie ein zivilisierter Staat verhalten.
Wirtschaftssanktionen haben sich zwar in der Vergangenheit nicht immer als wirksam erwiesen. Im
Rahmen einer präventiv angelegten Diplomatie sind
sie aber geeignet, ein Zeichen unserer Mißbilligung
zu setzen.
Jetzt kommt es darauf an, unseren Bündnispartnern
zu verdeutlichen, welche langfristigen Implikationen
eine weitere Nuklearisierung des Nahen Ostens hat.
Unsere Verbündeten in Europa sollten dieses sicherheitspolitische Problem nicht auf die leichte
Schulter nehmen! Kurzfristige Handelsvorteile sind
zwar verlockend, aber die Sache ist zu ernst, um
leichtfertig darüber hinwegzugehen.
Ich nehme an, daß sich die Bundesregierung unserer
Position annähern wird. Wir müssen auch dann
zusammenarbeiten, wenn wir unterschiedliche
Auffassungen vertreten.
Lassen Sie mich zum Schluß noch einige Sätze zum
transatlantischen Verhältnis sagen. In der neuesten
Ausgabe der Zeitschrift "Internationale Politik" wird
wieder einmal die Frage aufgegriffen, ob Europa und
die Vereinigten Staaten auseinanderdriften. In letzter
Zeit kann man oft die These hören, die Allianz
verliere ihren Zusammenhalt, nachdem der Kalte
Krieg zu Ende gegangen und die Bindewirkung der
externen Bedrohung weggefallen ist.
Ich für meinen Teil kann nicht erkennen, daß die
Allianz vor dem "Aus" steht. Das Gegenteil ist richtig:
Wir stehen vor großen Aufgaben und Herausforderungen. Ohne einen institutionellen Rahmen wie das
Bündnis können sie kaum in Angriff genommen
werden. Oder können Sie sich vorstellen, wie Europa
- und ich meine dabei Ost und West - seine Friedensordnung ohne das transatlantische Bündnis gestaltet?
Eine atlantische Gemeinschaft existiert seit geraumer
Zeit. Der Kalte Krieg hat jahrzehntelang unsere

Seite 5

�Beziehungen beeinflußt: Er ist aber nicht ursächlich
tür die Wertegemeinschatt anzusehen.
In Europa wird darüber diskutiert, ob es nicht zweckmäßg sei, eine neue Geschäftsgrundlage der europäisch-amerikanischen Beziehungen zu vereinbaren.
Ihr Außenminister hat erst kürzlich davon gesprochen, eine transatlantische politische Zusammenarbeit zu initiieren.
Aus unserer Sicht ist es prinzipiell begrüßenswert
und sicherlich auch zweckmäßig, wenn es bei diesen
Ideen darum geht, kooperativ, vertrauensvoll und
effizient die anstehenden politischen und wirtschaftlichen Probleme zu lösen. Was wir brauchen, sind
praktische Ergebnisse.
Wenn es zu Vertragsverhandlungen kommen sollte,
dann sicherlich erst nachdem die Regierungskonferenz zur Überprüfung des Maastrichter Vertrages
im nächsten Jahr erfolgreich abgeschlossen wurde.

Wichtig ist die Frage, welche Auswirkungen ein
transatlantischer Vertrag auf den europäischen
Integrationsprozeß und auf eine gemeinsame Außenund Sicherheitspolitik der Europäischen Union hat.
Wir glauben, daß eine Vertiefung der Zusammenarbeit über den Atlantik hinweg sowohl für die Europäische Union wie auch für die Vereinigten Staaten
von Vorteil ist. Neben dem Dialog über Wirtschaftsund Handelsfragen gibt es mittlerweile Studiengruppen, in denen wir zentrale Fragen erörtern, wie die
Einbindung der osteuropäischen Staaten oder die
Bekämpfung des Drogenhandels, der Geldwäsche
und des organisierten Verbrechens.
Es gibt - wie Sie sehen - eine ganze Palette von
Themen, die sich schwerlich "national" lösen lassen.
Folglich werden die Vereinigten Staaten auch weiterhin eine internationale Macht bleiben und gemeinsam
mit ihren Verbündeten ihre Interessen wahrnehmen.
Ich danke Ihnen.

* * * * *

Seite 6

AMERIKA DIENST 23

�ABRÜSTUNG
19. Juli 1995

Kritik an isolationistischen Tendenzen im Kongreß
Rede von ACDA-Direktor John Holum
WASHINGTON - (AD) - Obwohl der amerikanische Kongreß wegen Rußlands biologischem Waffenprogramm
Druck ausüben will, sollte er nicht die Gelder für ein amerikanisches Programm kürzen oder einfrieren, das die
Entnuklearisierung Rußlands fördern soll.
Der Direktor des US-Amts für Rüstungskontrolle und Abrüstung (U.S. Arms Control and Disarmament Agency ACDA), John Holum, hält es für "schwer verständlich, wie irgend jemand denken kann, eine gute Antwort auf
die Sorge über biologische Waffen in Rußland bestehe in mehr Kernwaffen in Rußland, den anderen
unabhängigen Staaten oder sogar möglicherweise in den Händen verbrecherischer Regime oder Terroristen...".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die ADCA-Direktor Holum am 13. Juli 1995 vom dem Atlantic Council
hielt.

Heute möchte ich über die beunruhigenden isolationistischen Tendenzen sprechen, die auf dem Capitol
Hill zunehmend die Unterstützung der Mehrheit
genießen.
Nunn-Lugar und das Dornan Amendment
Zunächst möchte ich mit dem wohl offensichtlichsten
Fall beginnen - den Angriffen auf Unterstützung bei
der sicheren Zerlegung von Massenvernichtungswaffen der ehemaligen Sowjetunion.
Wie Sie
wissen, wurde das Programm von Vertretern beider
Parteien entwickelt - von den Senatoren Nunn und
Lugar. Vor kurzem strich das Repräsentantenhaus
die Nunn-Lugar-Hilfe für das nächste Jahr um
nahezu die Hälfte. Anschließend trat der Kongreßabgeordnete Dornan für einen Zusatzartikel zur
Verfassung ein - das sogenannte Dornan Amendment - den das Haus überwiegend linientreu akzeptierte und der die Nunn-Lugar-Hilfe für Rußland
einfriert, bis der Präsident bescheinigt, daß die
Russen sämtliche biologischen Waffenprogramme
eingestellt haben.
Sie erinnern sich, daß das Nunn-Lugar-Programm
dazu beitrug, ehemals auf die Vereinigten Staaten
gerichtete Raketen zu zerstören, 1.000 strategische
Bomber und mehr als 2.500 Nuklarwaffen zu deaktivieren. Ferner wird der im START I-Vertrag vorgesehene Abbau zwei Jahre eher als geplant
vorgenommen. Das Nunn-Lugar-Programm spielte
eine wesentliche Rolle bei den Entscheidungen der
Ukraine, Belarus' und Kasachstans, auf Atomwaffen

AMERIKA DIENST 23

zu verzichten - Entscheidungen, die das Inkrafttreten
von START I ermöglichten und das Nichtverbreitungs(NVV)-Regime frühzeitig vor der New Yorker
Konferenz über die Überprüfung und Verlagerung des
Atomwaffensperrvertrags stärkten. Ferner wird das
Nunn-Lugar-Programm durch verbesserte Kontrollen
von spaltbarem Material und durch seinen Schutz
den Nuklearschmuggel eindämmen helfen. Es trägt
dazu bei, eine Antwort auf das veränderte neue
Risiko der Weiterverbreitung zu finden, indem es
russische Nuklearexperten einstellt, die sonst zweifelsohne lukrative Möglichkeiten in Ländern wie Irak,
Iran, Libyen oder Nordkorea finden könnten.
Ich hege keinerlei Sympathie für biologische Waffen
in Rußland, und wir sind überhaupt nicht zufrieden
mit den bisherigen russischen Bestrebungen zur
Erfüllung der von Präsident Jelzin ausgesprochenen
Verpflichtung zur Ausrottung des Programms, das er
selbst 1992 mutig offenlegte.
Ich finde es jedoch schwer verständlich, wie irgend
jemand denken kann, eine gute Antwort auf die
Sorge über biologische Waffen in Rußland bestehe in
mehr Kernwaffen in Rußland, den anderen unabhängigen Staaten oder sogar möglicherweise in den
Händen verbrecherischer Regime oder Terroristen,
wenn Material frei transportiert wird und Experten
sich frei bewegen können. Wenn dieser Trick die
Antwort auf russische Programme für biologische
Waffen ist, ist Pest die Antwort auf Seuche.

Seite 1

�Das Nunn-Lugar-Programm stellt ganz offenkundig
keinen Gefallen dar, den wir der ehemaligen Sowjetunion erweisen, sondern eine praktische Politik in
unserem eigenen nationalen Interesse. Es ist Bestandteil unserer nationalen Verteidigung und bringt
uns eine greifbare Verringerung der Bedrohung, auf
deren Abwehr wir uns sonst vorbereiten müßten.
Wenn man das Programm erstellt, würden das
Dornan Amendment und verwandte Sprachregelungen nicht nur bedeuten, daß wir uns selbst ins Knie
schießen, sondern er würde auch noch von einer
starken, absichtlichen und schlimmen Verstümmelung des Knies begleitet.
ABM-Vertrag
Eine weitere, stark belastende Herausforderung für
die Rüstungskontrolle liegt in den Bestrebungen des
Kongresses, einen unilateralen Verzicht auf den
ABM-Vertrag zu erzwingen - und dadurch ein
vollkommen zuverlässiges, aus den START I und
START Il-Verträgen bestehendes, antiballistisches
Raketensystem in Gefahr zu bringen, das drei Viertel
aller je auf unser Land gerichteten Nuklearwaffen
verifizierbar beseitigen wird - einschließlich aller
schweren SS-18 der ehemaligen Sowjetunion - ohne
daß auch nur ein Schuß abgegeben wird.
Der Streitkräfteausschuß des Senats hat sich für die
Stationierung eines nationalen Raketenverteidigungssystems der Vereinigten Staaten an mehreren
Orten bis zum Jahr 2003 ausgesprochen, wodurch
im Grunde genommen eine langsame Aufhebung
des ABM-Vertrags eingeleitet wird. In der Zwischenzeit fordert der Gesetzentwurf vom Präsidenten, alle
Bestrebungen zur Aushandlung einer klärenden
Trennlinie zwischen vorgeschriebener strategischer
Verteidigung und erlaubter Gefechtsfeldverteidigung
einzustellen, bis der Senat die Prüfung des Vertrags
abgeschlossen hat.
Zweifelsohne werden viele unter Ihnen Vertassungsmängel in dem Mandat entdecken, der Präsident
solle nicht mit ausländischen Regierungen verhandeln. Die umfassendere Botschaft dieser Gesetzgebung ist jedoch viel gefährlicher als eine Einmischung des Kongresses in die Befugnisse der
Exekutiven. Zu einer Zeit, in der die Inkraftsetzung
von START I gerade beginnt und START II noch
nicht einmal ratifiziert ist, sieht sie vor, daß ein
Grundpfeiler unserer Rüstungskontrollarchitektur mit
Rußland entfernt werden soll.
Es liegt kein Geheimnis in den Beziehungen zwischen Verträgen über offensive und defensive
Raketen. Da die Anzahl der offensiven Raketen
verringert wird, steigt die Bedeutung jeder defensiven Rakete, mit der sie abgefangen werden könnte.

Seite 2

Als Folge davon würde eine nationale Raketenverteidigung in den Vereinigten Staaten die Reduzierungen unter dem START-Vertrag für die Russen weit
weniger attraktiv gestalten.
Der Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs, John
Shalikashvili, machte deutlich, daß seines Erachtens
eine solche unilaterale amerikanische Gesetzgebung
sowohl die Aussichten auf eine Ratifizierung von
START II durch die Duma als auch unsere umfassenderen Sicherheitsbeziehungen zu Rußland gefährden
könnte.
Inzwischen schlägt unsere Gesetzesvorlage eine
Einstellung unserer Bestrebungen vor, klarzustellen,
daß der ABM-Vertrag eine äußerst fähige gefechtsfeldgebundene Verteidigung nicht ausschließt. Auch
zu diesem Punkt war der Vorsitzende Shalikashvili
eindeutig. Er gelangte zu der Schlußfolgerung, wenn
ein solcher Dialog verboten ist, könnten wir uns eines
Tages gezwungen sehen, zwischen der Aufgabe
einiger Elemente unserer Entwicklungsprogramme für
schauplatzgebundene Raketenabwehr oder einem
einseitigen Vorgehen zu entscheiden, das den ABMVertrag unterminieren und unsere Sicherheitsbeziehungen zu Rußland erweitern könnte. Wie der
Vorsitzende feststellte, würde jede der beiden Alternativen Sicherheitsrisiken und Kosten bergen, die wir
zu vermeiden suchen.
Die logische Erklärung für eine nationale Verteidigung
lautet heute, wir müssen uns auf die Möglichkeit
vorbereiten, daß ein verbrecherischer Staat eines
Tages die Vereinigten Staaten mit einer ballistischen
Rakete erreichen kann. Nachrichtendienstliche und
Verteidigungsexperten erklären, das liege noch in
weiter Ferne, sei aber dennoch etwas, das aktive
Forschung und Entwicklung im Bereich der Verteidigung rechtfertigt - die seit langem im Gange ist.
Aber die Waffen, die START I und START II abschaffen würde - die tödlichsten, die je auf uns
gerichtet waren - existieren heute. Unsere Streitkräfte und Freunde könnten in absehbarer Zukunft
mit nuklearen Gefechtsfeldwaffen konfrontiert werden.
Unsere Reaktion auf diese Gefahren zugunsten einer
globalen Verteidigung an vielen Orten zu beschneiden wäre, wie fixiert von einem Punkt am Horizont,
der vielleicht ein auf uns zu kommendes Auto sein
könnte, auf eine verkehrsreiche Kreuzung zu laufen.
Ich vermute, diese Gesetzgebung hat mehr mit
Ideologie und der Begleichung alter Rechnungen zu
tun als mit einer soliden nationalen Sicherheitsstrategie. Die Konsequenzen für die Rüstungskontrolle wohlgemerkt, vornehmlich Leistungen republikanischer Präsidenten, auf deren Ratifizierung und
Umsetzung eine demokratische Administration

AMERIKA DIENST 23

�hinarbeitet - könnten katastrophal sein. Ich hoffe,
kühlere Köpfe im Kongreß werden darauf bestehen,
daß diese Gesetzesvorlage erneut erörtert wird.
Bosnien
Als Rüstungskontrollexperte bin ich auch ziemlich
entnervt über den Gesetzentwurf zu Bosnien. Ich
möchte betonen, daß mein Verantwortungsbereich
zu meiner Erleichterung - und zweifelsohne zum
Vorteil der politischen Entscheidungsfindung - weder
die Formulierung noch die Beschreibung unseres
Ansatzes zu Bosnien enthält. Gleichzeitig bin ich
jedoch besorgt über die in der Bosnien-Debatte im
Kongreß vorgebrachte Prämisse, die Vereinigten
Staaten sollten unilateral das Waffenembargo gegen
die Region aufheben.
Der Grund dafür ist, daß Rüstungskontrollabkommen
sich generell nicht selbst umsetzen und Maßnahmen
deshalb von Fall zu Fall entschieden werden müssen, darunter Sanktionen. Wie wir aufgrund der
Fälle Nordkorea und Irak wissen, bewirken Verletzungen des N W nicht automatisch eine Reaktion.
Statt dessen wenden wir uns an den Sicherheitsrat
der Vereinten Nationen, um geeignete Maßnahmen
zu erarbeiten und zu verabschieden. Bei der Chemiewaffenkonvention kann das Durchführungsorgan
bescheidene Strafen auferlegen, aber auch hier
erfordern einschneidende Sanktionen Aktionen des
Sicherheitsrats. Sie hängen zusammen mit allen
Kontrollen der Lieferanten - der Gruppe der Lieferanten von Nuklearmaterial, dem RaketentechnologieKontrollregime, der Australiengruppe für biologische
und chemische Waffen - von multilateralen Aktionen
ab.
Wie stark der Impuls auch sein mag - wenn wir
jedoch im Alleingang die Beendigung des Waffenembargos gegen Bosnien entscheiden, wird dies von
anderen unweigerlich als Präzedenzfall genommen,
die denken, einige unserer Nichtverbreitungsnormen
seien zu hoch oder wir würden diese Normen zu
strikt umsetzen - heute im Irak, morgen vielleicht
andernorts im Nahen Osten oder in Asien. Insbesondere eine Großmacht kann solche Entscheidungen nicht in einem Vakuum treffen - und ich
fürchte, einseitige Aktionen im Hinblick auf Bosnien
würden unweigerlich ein äußerst unwillkommenes
Echo bei entscheidenden Nichtverbeitungsbestrebungen hervorrufen. Wenn wir eine Auswahl treffen,
welche Sanktionsregime wir einhalten und welche
nicht, werden andere sich nicht scheuen, das gleiche
zu tun.

AMERIKA DIENST 23

Nordkorea
Einige im Kongreß möchten unserer Fähigkeit zur
Umsetzung des vereinbarten Rahmenabkommens,
das Nordkoreas Nuklearprogramm einfriert und
zurückschraubt, undurchführbare
Restriktionen
auferlegen.
Wie Sie wissen, steht bei diesem Thema kolossal viel
auf dem Spiel: Die Möglichkeit, daß ein unberechenbares, isoliertes Regime in einem verarmten Land
zahlreiche Nuklearwaffen entwickeln könnte, potentielle UN-Sanktionen und das Risiko eines Krieges,
der unweigerlich amerikanische Truppen einbeziehen
würde. Niemand kann diese Fragen als belanglos
erachten.
Verständlicherweise enthalten Bestrebungen zur
Verhinderung dieser Gefahren auch überparteiliche
Elemente. Ebenso wie unsere Administration hatte
die Bush-Administration bereits hochrangige Gespräche mit Nordkorea geführt als Vorläufer der Diskussionen, die das vereinbarte Rahmenabkommen
hervorbrachten.
Wie wir beobachten konnten, stellt die Umsetzung
des Rahmenabkommens eine schwierige Herausforderung dar. Der Präsident, der Außenminister,
Botschafter Gallucci und andere waren unermüdlich
um den Erhalt des Abkommens bestrebt, während sie
gleichzeitig die Beziehungen zur Demokratischen
Volksrepublik

Korea und

unserem

zuverlässigen

Verbündeten - der Republik Korea - handhabten.
Aber inmitten dieser augenfälligen Herausforderungen
haben einige im Kongreß versucht, das Abkommen
auf eigene Faust neu auszuhandeln - und zahlreiche
Bestimmungen hinzugefügt, die erfüllt werden müssen, bevor die Vereinigten Staaten ihrem Teil des
Abkommens gerecht werden können. Gleichzeitig
hat der Kongreß auch versucht, der amerikanischen
Finanzierung undurchführbare
Einschränkungen
aufzuerlegen und finanziert nicht einmal den bescheidenen Antrag des Präsidenten.
Dies könnte jedoch die Zahlung der wesentlich
größeren Summen vereiteln, die andere Länder
beisteuern sollen und dabei seit langem bestehende
Verpflichtungen gegenüber Südkorea, unsere fundamentalen Sicherheitsbeziehungen zu Japan und
sehr wahrscheinlich das Abkommen selbst torpedieren.
Man fragt sich, was hier vor sich geht. Natürlich, das
Abkommen schlicht und einfach abzulehnen, hieße,
die Verantwortung für die Konsequenzen offen zu
übernehmen. Aber diese heikle Vereinbarung kann
ebenso leicht durch zahlreiche kleine Kürzungen im

Seite 3

�Keim erstickt werden wie durch einen großen, offensichtlichen Einschnitt. Ich hoffe daher, daß jedes
Mitglied des Kongresses, das aus politischen oder
sonstigen Gründen versucht ist, eine Herkulesarbeit
noch schwieriger zu machen, sich den Spiegel
vorhält und in Erwägung zieht, ob die daraus gezogene Befriedigung das gravierende Risiko nicht nur
für die Nichtverbreitung, sondern potentiell für den
Frieden und das Leben der Amerikaner wert ist.
China
Abschließend möchte ich die Rüstungskontrollimplikationen der zahlreichen Versuche des Kongresses erwähnen, die Beziehungen der Vereinigten
Staaten zu China in allen Einzelheiten zu regeln.
Es liegt aus folgenden Gründen in unserem ureigensten Interesse, Rüstungskontrollbeziehungen zu
China aufzubauen: Als militärisch und technologisch
gerüstetes Land kann es die Weiterverbreitung
entweder fördern oder begrenzen; China kann das
Verhalten anderer Länder in vielen Teilen der Welt
beeinflussen, einschließlich Nordost- und Südasiens;
die amerikanischen und russischen strategischen
Streitkräfte werden abgebaut, während die chinesischen erweitert und modernisiert werden; China ist
ein unerläßlicher Mitspieler, wenn Rüstungskontrolle
wirklich und umfassend funktionieren soll.
Offensichtlich gibt es viel Bedauerliches und Ablehnungswürdiges in Chinas derzeitigem Rüstungskontrollverhalten - darunter andauernde Atomtests,
mögliche Raketentransfers und Nuklearlieferungen
an fragwürdige Bestimmungsorte. Aber mit der Zeit
hat China auch begonnen, einige der Rüstungskontrollpflichten einer größeren Macht zu übernehmen wie etwa der Beitritt zum N W , die Verpflichtung zu
einem umfassenden Atomtestverbot und die zumindest grundsätzliche Zustimmung zu Begrenzungen bei Raketenverkäufen.
Dies sind weder die einzigen - noch vielleicht die
hauptsächlichen - Gründe für ein Engagement für
China, aber es sind wichtige Gründe. Und zusammen mit anderen Elementen unserer Politik erfahren
sie Rückschläge durch schwerfällige Versuche,
politische Punkte auf Kosten Chinas erzielen zu
wollen mit der Einleitung unhaltbarer politischer
Vorschriften im Hinblick auf Tibet, den Dalai Lama,
die militärischen Beziehungen Taiwans und so
weiter. In Anbetracht der bereits gestörten amerikanisch-chinesischen Beziehungen könnte sich die
kürzliche Abkehr des Sprechers des Repräsentantenhauses Gingrich von dem zentralen Konzept
"eines China" - auf das sich unsere Politik seit
Präsident Nixon gründete - als verheerend erweisen.

Seite 4

Es mag politisch eine Versuchung darstellen. Aber
es ist keine solide Politik, weder für die Rüstungskontrolle noch für das Land.
Schlußbemerkung
Vor einigen Wochen beschrieb Präsident Clinton
einige dieser Vorschläge zusammen mit dem Plan
zur Konsolidierung der Ämter für auswärtige Angelegenheiten und der drastischen Beschneidung ihrer
Operationen und Budgets als den "isolationistischsten
dem Kongreß unterbreiteten Vorschlag in den vergangenen 50 Jahren".
Das sind starke Worte, und sie haben Argumentationen provoziert. Älteren Republikanern sträuben sich
bei dem Begriff die Haare, da sie sich wahrscheinlich
an die Früchte des Isolationismus der zwanziger
Jahre erinnern und immer noch Arthur Vandenbergs
Vermächtnis eines verantwortungsvollen Internationalismus anstreben. Der Kolumnist Charles Krauthammer hat sogar versucht, den Spieß umzudrehen,
indem er chinesische Initiativen unter anderem als "in
der Tat noch interventionistischer als die der Administration, die sie aus diesem Grund ablehnt" bezeichnete.
Aber der Präsident hat recht. Die Schritte, die seine
Einwände hervorriefen, sind isolationistisch, kurzsichtig und extrem - und gehen in Richtung einer Außenpolitik, die Jeglichem bis auf Großtuerei entbehrt.
Und bei allem Respekt für Herrn Krauthammer Schritte, die mutwillig intervenieren, sind auch isolationistisch, denn sie gehen von der Prämisse aus,
daß auswärtige Angelegenheiten nicht wirklich wichtig
sind. Daher seien sie eine akzeptable Domäne für
Imponiergehabe und politischen Jux - völlig ungeachtet der internationalen Konsequenzen.
Aber in einer veränderten Welt - mit einer unsicheren
Zukunft für das hochgerüstete Rußland, mit verbrecherischen Regimen, die nach Waffen hungern
und nach Mitteln und Wegen zu deren Beschaffung
suchen - verlangen die Herausforderungen der
Rüstungskontrolle und Nichtverbreitung unsere
besten und uneingeschränkten überparteilichen
Bestrebungen. Wir können weder isolationistische
Irrläufe noch politischen Überschwang diese enormen
Aufgaben künstlich aufblähen lassen. Um einen
bekannten chinesischen Spruch zu zitieren: Die
Zeiten, in denen wir leben, sind bereits interessant
genug.
Ich stehe zu der Prämisse, daß die amerikanische
Außenpolitik im allgemeinen und Rüstungskontrolle
im besonderen am stärksten sind, wenn sie sich der
Unterstützung beider Parteien und beider Enden der
Pennsylvania Avenue erfreuen. Die extremen Flügel

AMERIKA DIENST 23

�beider führenden Parteien haben wiederholt mit dem
Isolationismus geflirtet, aber die Idee hat nie die
breite Mitte beider Parteien gefesselt - noch nicht
einmal heute, glaube ich.
Meines Erachtens haben verantwortungsbewußte
Republikaner der Mitte nie die Orientierung verloren,
nur ihre Stimme. Meiner Ansicht nach sind sie privat
entsetzt bei dem Gedanken, daß die starke und
gesunde internationalistische Tradition ihrer Partei der Partei von Arthur Vandenberg, Dwight Eisenhower, Richard Nixon, Ronald Reagan und George
Bush - auf der Grundlage politischer Zweckdienlich-

*

AMERIKA DIENST 23

*

keif oder durch den zutiefst schädigenden Isolationismus einiger weniger Extremisten in Mißkredit gebracht werden könnte.
Montaigne riet: "Fürchtet Euch nicht auszusprechen,
was ihr Euch nicht fürchtet zu denken." Wir müssen
hoffen, daß die internationalistischen Vorsitzenden
beider Parteien sich an dieses Prinzip halten während wir in einer geteilten Regierung die Aufgabe
wiederaufnehmen, eine einheitliche Außenpolitik zu
formulieren, die eine Großmacht in einer gefährlichen
Welt verdient.

*

*

Seite 5

�KRIEGSVERBRECHEN
19. Juli 1995

Kriegsverbrechertribunale für Jugoslawien
und Ruanda sind Präzedenzfälle
Bilanz der Arbeit
VEREINTE NATIONEN - (AD) - Die Clinton-Administration steht kurz vor der Übermittelung einer
Gesetzesvorlage an den Kongreß, die den amerikanischen Strafverfolgungsbehörden die uneingeschränkte Zusammenarbeit mit den Kriegsverbrechertribunalen für das ehemalige Jugoslawien und
Ruanda bei der Verhaftung und Auslieferung von
Personen einräumt, die Kriegsverbrechen beschuldigt werden.
David Scheffer, Rechtsberater von US-Botschafterin
Madeleine Albright, erklärte, die Vereinigten Staaten
würden bereits ihre Grenzen überwachen, um der
Kriegsverbrechen Verdächtige vom Balkan oder aus
Ruanda aufzuspüren, die versuchen könnten, in die
Vereinigten Staaten einzureisen. Scheffer zufolge
stellen die Vereinigten Staaten den Tribunalen ferner
Finanzmittel, technische Hilfe - vor allem bei der
Beschaffung von Informationen -, Mitarbeiter und
andere Unterstützung zur Verfügung.
Mit der
Gesetzesvorlage würde diese Unterstützung noch
erweitert.
In einer Rede vor der Anwaltsvereinigung von San
Francisco und der amerikanischen Gesellschaft für
internationales Recht während der Gedenkfeierlichkeiten anläßlich der Unterzeichnung der Charta der
Vereinten Nationen am 26. Juni 1946 erörterte
Scheffer Umfang und Grenzen der beiden Kriegsverbrechertribunale.
"Wir werden es schaffen", erwiderte Scheffer den
Skeptikern, die sagen, die Angeklagten würden dem
Tribunal für das ehemalige Jugoslawien niemals
überstellt.
"Die Verfahren werden überstellt - dem JugoslawienTribunal liegen bereits über 20 vor... und es werden
weitere erwartet. Die Anführer der bosnischen
Serben sind von Richter Richard Goldstone öffentlich
als Verdächtige ausgemacht worden, gegen die
Ermittlungsverfahren eingeleitet werden."

besteht für sie ein beträchtliches Risiko der Festnahme", so Scheffer.
Im Falle Ruandas grenzt der Hauptankläger das Feld
der Verdächtigen ein und wird sich auf die Anführer
konzentrieren. Damit bleibt jedoch der Regierung
von Ruanda "die nahezu unmögliche Aufgabe überlassen, gegen Zehntausende weniger Verdächtige zu
ermitteln und Strafverfolgungsmaßnahmen gegen sie
einzuleiten".
Scheffer bezeichnete Richter Goldstone aus Südafrika, den Hauptankläger bei beiden Tribunalen, als
"beeindruckend" und erklärte, aufgrund seiner hervorragenden Arbeit bei den jugoslawischen Fällen sei
Goldstone auch zur Anklageführung bei den ruandischen Verfahren ausgewählt worden. Goldstone hat
versprochen, sich auf die Beweise zu stützen und die
höchsten Regierungsvertreter anzuklagen, wenn der
Grund dazu gegeben ist.
Scheffer bezeichnete Berichte, der Sicherheitsrat
ziehe eine Amnestie für die jugoslawischen Verfahren
in Betracht, als "Mythos".
"Es mag lokale Amnestien geben, das wird das
internationale Tribunal jedoch nicht beeinflussen",
äußerte er. "Wir haben eindeutig klargestellt, daß die
Vereinigten Staaten nicht die Absicht hegen für eine
Resolution zu stimmen, die eine Amnestie für irgendeinen der Straftaten im Balkan-Konflikt Beschuldigten
enthält."
"Regierungen, die nicht mit dem Tribunal zusammenarbeiten, sehen sich mit möglichen Sanktionen des
Sicherheitsrats konfrontiert", fügte Scheffer hinzu.
Die Zusammenarbeit der Belgrader Regierung mit
dem Kriegsverbrechertribunal "wird in Erwägung
gezogen und wird unsere Entscheidung bezüglich der
Aufhebung von Sanktionen sowie der Wiederaufnahme Belgrads in die internationale Staatengemeinschaft bestimmen."

"Wir werden die Beschuldigten verfolgen und sobald
sie sich außerhalb ihres Territoriums befinden,

AMERIKA DIENST 23

Seite 1

�Er warnte, "diejenigen, die bereits den Nachruf auf
das Kriegsverbrechertribunal schreiben, sollten ihre
Computer anlassen. Dies ist ein sehr langer Prozeß,
den keine Regierung umgehen will. Es gibt keine
Einschränkungen."
Die Kriegsverbrechertribunale für das ehemalige
Jugoslawien und Ruanda haben neue Horizonte im
Völkerrecht eröffnet, da ihnen jetzt die Möglichkeit
eingeräumt wurde, die Rechenschaftspflicht von
Einzelpersonen bei der Behandlung von Bürgern
durch Regierungsvertreter zu verschärfen.
Aufgrund der Struktur der beiden Tribunale können
"für Kriegsverbrechen verantwortliche Personen sich
in Zukunft nicht mehr hinter dem Schutzschild der
internationalen Souveränität verstecken", so Scheffer. "Die internationale Staatengemeinschaft wird die
Fähigkeit, das Recht und den internationalen Präzedenzfall zu ihrer Bestrafung haben."
Die Mitarbeiter des Jugoslawien-Tribunals stellten
fest, daß in Bosnien die Regierungsvertreter und
Lagerkommandanten die Situation der Gefangenen
verbesserten, als sie erfuhren, daß die internationale
Staatengemeinschaft zu ihrer Bestrafung entschlossen ist. Scheffer fügte jedoch hinzu, es müßten
noch Gesetzesänderungen vorgenommen werden,
bevor die Androhung eines Kriegsverbrechertribunals
zur glaubwürdigen Abschreckung für potentielle
Kriegsverbrecher wird.
Das Jugoslawien-Tribunal ist das erste seiner Art,
das Recht über Verbrechen gegen die Menschlichkeit und über das Verbrechen der Verfolgung von
Zivilisten ohne Verbindung zu einem bewaffneten
Konflikt sprechen wird. Die Tribunale von Nürnberg
und Tokio hatten die Rechtsprechung über Verbrechen gegen die Menschlichkeit nur, wenn diese
in Zusammenhang mit einem bewaffneten Konflikt
standen oder während diesem durchgeführt wurden.
"Zum ersten Mal wird also eine amtliche Körperschaft des internationalen Rechts Regierungsvertreter und sogar selbsternannte Vertreter nicht
anerkannter Staaten zur Verantwortung ziehen für
die Art der Behandlung der ihnen unterstellten
Personen unabhängig von der Existenz eines
bewaffneten Konflikts", erläuterte Scheffer.
Und das Tribunal für Ruanda wird den geplanten
Genozid der Regierung ansprechen, der zu dem
internen bewaffneten Konflikt führte.

*

Seite 2

"Das Tribunal wird das erste internationale Gremium
sein, das Einzelpersonen für Völkermord ohne einen
bewaffneten Konflikt sowie für während eines internen bewaffneten Konflikts begangene Verbrechen zur
Rechenschaft zieht. Beide Schritte werden den
Rahmen einengen, innerhalb dessen eine Regierung
gegen ihre Bürger vorgehen kann. Es sind wichtige,
aber begrenzte erste Schritte."
Häufig werden Vergleiche zwischen dem Jugoslawien-Tribunal und den nach Ende des Zweiten
Weltkriegs in Nürnberg und Tokio abgehaltenen
Kriegsverbrecherprozessen angestellt. Die vor 50
Jahren anberaumten Gerichtsverhandlungen waren
jedoch Sieger-Tribunale, und die Großmächte konnten in einer Weise Anklage erheben, die "heute
einfach nicht möglich ist".
Das Nürnberger Tribunal war eine Gemeinschaftsbestrebung, bei der die Bereitstellung von Finanzmitteln und Personal kein Hindernis darstellte. Bei
der Einrichtung der Tribunale für Ruanda und Jugoslawien stellten die Finanzierung und personelle
Besetzung die Vereinten Nationen jedoch vor große
Schwierigkeiten. Die UNO hat noch nicht entschieden, ob sie die Tribunale ebenso wie Friedenssicherungsoperationen oder als regulären Haushaltsposten
finanzieren soll.
Die Vereinigten Staaten stehen an erster Stelle bei
der Finanzierung und haben zum JugoslawienTribunal bisher zwischen 16 und 20 Millionen Dollar
an freiwilligen und zugewiesenen Mitteln beigesteuert.
Die Vereinigten Staaten werden voraussichtlich rund
8 Millionen Dollar zum Ruanda-Tribunal beitragen.
Die Vereinigten Staaten bestehen darauf, daß ein
bestimmter Anteil der Mittel des Tribunals durch
freiwillige Beiträge finanziert wird. "Wir sind ermutigt
durch die 'Koalition des Gewissens' nichtstaatlicher
Organisationen und Einzelpersonen", die einen
finanziellen Beitrag leisten und dem Tribunal technische Hilfe zur Verfügung stellen.
Die beiden Tribunale öffnen die Tür für mögliche
Ermittlungen und/oder Tribunale für andere Gebiete,
darunter Kambodscha, Irak, Burundi, Äthiopien und
Haiti. Die nächste Herausforderung ist die Frage, ob
ein ständiges internationales Strafgericht geschaffen
werden soll.
"Im Sicherheitsrat macht sich so etwas wie TribunalMüdigkeit breit", stellte Scheffer mit der Anmerkung
fest, die Gründung einer ständigen Institution könnte
eine Lösung sein.

*

AMERIKA DIENST 23

�NA F T A
19. Juli 1995

Positive Bilanz der ersten anderthalb Jahre des NAFTA
Rede von Robert Earle
FRANKFURT - (AD) - Wenn sich der heutige Trend fortsetzt, werden die Vereinigten Staaten im Jahr 2005
mehr nach Lateinamerika als nach Westeuropa oder Japan exportieren, erklärte der Gesandte-Botschaftsrat
für öffentliche Angelegenheiten bei der Botschaft der Vereinigten Staaten in der Bundesrepublik Deutschland
am 29. Juni 1995 in Frankfurt. In seiner Eröffnungsrede vor der Konferenz über das Nordamerikanische
Freihandelsabkommen (North American Free Trade Agreement - NAFTA) mit dem Titel "North America - New
Industry Opportunities" sprach Earle über die Ursprünge des NAFTA und zog nach anderthalb Jahren seines
Bestehens eine vorwiegend positive Bilanz.

Ich freue mich sehr, heute morgen hier zu sein. Als
langjähriger Beobachter Lateinamerikas und Gesandter-Botschaftsrat für öffentliche Angelegenheiten
bei unserer Botschaft in Mexiko City zur Zeit der
Aushandlung des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens habe ich zugegebenermaßen großes
persönliches Interesse an diesem Thema.

schichte. Aber während dieses hundert Jahre langen
Zeitraums florierten zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten bilateraler Handel, Investitionen und
wirtschaftliche Interdependenz.

Das Thema der Veranstaltung am heutigen Morgen
lautet "NAFTA nach anderthalb Jahren". Ich würde
sagen, daß nach 18 Monaten nur dann eine vorläufige Einschätzung vorgenommen werden kann,
wenn diese Beurteilung in den historischen Kontext
eingeordnet wird. Wir müssen den Hintergrund des
NAFTA kennen, um genau beurteilen zu können,
wieweit es bis jetzt gediehen ist und wohin es
steuert.

In Ermangelung von freiem Handel und der Art von
Symmetrie, wie sie bei den amerikanisch-kanadischen Volkswirtschaften vorherrschte, waren die
Konflikte und Engpässe, die Mexikaner und Amerikaner erlebten, real und frustrierend. Ende der achtziger Jahre dieses Jahrhunderts unterhielten die
Vereinigten Staaten und Mexiko jedoch umfassende
und sich schnell vertiefende Handelsbeziehungen.
Das NAFTA beschleunigte dieses Wachstum, aber
die meisten Experten waren sich einig, daß bilateraler
Handel und Investitionen auch ohne das Abkommen
angestiegen wären.

Diejenigen, die das NAFTA konzipierten und aushandelten, betrachteten es nie als kurzzeitiges
Experiment. Sie sahen es mit der Logik einer
unwiderlegbaren Tatsache: Das wichtigste Merkmal
Nordamerikas heute ist seine Interdependenz. Das
NAFTA erkennt und begrüßt diese Realität.

Das NAFTA ist somit keine Athene, die dem Haupt
des Zeus in voller Rüstung entsprang. Es wurzelt in
der Geographie Nordamerikas, der Psychologie und
Weltanschauung der Nordamerikaner, ihrer gemeinsamen Geschichte sowie dem weltweiten Trend zu
freiem Handel und offenen Märkten.

Diese Interdependenz hat eine lange Geschichte.
Im Rückblick auf die amerikanisch-kanadischen
Beziehungen gegen Ende des 19. Jahrhunderts
erkennt man, daß freier Handel ein zentrales Anliegen war - ein äußerst heikles Thema, über das erst
nach mehr als hundert Jahren Einigkeit erzielt wurde
- in den späten achtziger Jahren dieses Jahrhunderts.

Aus der Sicht der Vereinigten Staaten dient das
NAFTA drei wichtigen, sogar entscheidenden Funktionen:

Die Diskussionen über freien Handel haben bei den
Beziehungen zwischen den USA und Mexiko, wo
andere Themen dominierten, keine so lange Ge-

AMERIKA DIENST 23

Erstens. Freier Handel ist zumindest seit dem Ende
des Zweiten Weltkrieges für die Amerikaner ein
Credo. Er ist ein natürlicher Bestandteil der Außenpolitik und resultiert aus dem Ethos unserer Nation,
anstatt von äußeren Kräften aufoktroyiert zu werden.
Wir Amerikaner sind stolz darauf, ein pragmatisches
Volk zu sind, und fühlen uns aufgrund unserer
Geschichte bei exzessiver zentraler Kontrolle unbe-

Seite 1

�haglich. Freier Handel ist eine Reaktion auf diese
beiden Punkte. Er engagiert unsere Bürger direkt
auf der internationalen Bühne auf pragmatischer
Basis ohne staatliche Verordnungen.
Es sollte folglich nicht überraschen, daß den Umfragen zufolge die amerikanische Öffentlichkeit das
NAFTA unterstützt. In einer jüngeren Untersuchung
des Chicago Council on Foreign Relations wurde die
Frage gestellt: "Ist das NAFTA für die amerikanische Volkswirtschaft vorwiegend gut oder vorwiegend schlecht?" Die führenden Meinungsbildner in
den Vereinigten Staaten sprachen sich mit 86
Prozent dafür und 13 Prozent dagegen aus. Selbst
die Öffentlichkeit, die mit einer Anti-NAFTA-Kampagne aus dem gesamten politischen Spektrum bombardiert worden war - und für die die Angst um ihren
Arbeitsplatz eine wirkliche Sorge darstellte - stimmte
mit 50 gegenüber 31 Prozent, das NAFTA sei
überwiegend positiv.
In derselben Umfrage antworteten auf die Frage
"Was sind Ihrer Meinung nach heute die zwei oder
drei größten außenpolitischen Probleme der Vereinigten Staaten?" 24 Prozent der Befragten spontan
mit "Welthandel und freier Handel".
Zweitens. Die Beziehungen zu Mexiko sind für die
Vereinigten Staaten von entscheidender Bedeutung.
Derselben Umfrage des Chicago Council on Foreign
Relations zufolge bekräftigten 98 Prozent der führenden amerikanischen Politiker und 76 Prozent der
Öffentlichkeit, daß die Vereinigten Staaten ein vitales
Interesse an Mexiko haben. 98 beziehungsweise 71
Prozent sagten dasselbe über Kanada. Wie ich
bereits erwähnte, sind die Beziehungen zwischen
den Vereinigten Staaten und Mexiko nicht immer
einfach. Verglichen mit unseren Beziehungen zu
Kanada sind sie voller Asymmetrien. Diese Asymmetrien haben immer wieder zu Spannungen und
Enttäuschungen geführt oder dazu beigetragen. Das
hat unsere Versuche enorm erschwert, bei der
Verfolgung unserer beiderseitigen Interessen zusammenzuarbeiten.
Freier Handel mit seinem Versprechen einer umfassenden Liberalisierung bot den Vereinigten
Staaten eine vollkommen neue Basis für ihre Beziehungen zu Mexiko. Wir wußten natürlich, daß
Einwände und Probleme fortbestehen würden. Das
wären jedoch Argumente und Probleme im Plural,
nicht im Singular: Viele verschiedene Fragen, von
denen jede an und für sich betrachtet beantwortet
werden kann, nicht eine große Frage, bei der die
individuellen Interessen von Mexikanern und Amerikanern unter einer seltsamen, schwierig zu definierenden Frage des "nationalen Interesses" zusammengefaßt werden können.

Seite 2

Drittens. Ebenso wie die Vereinigten Staaten einen
neuen, kreativen Ansatz zur Entwicklung stärkerer
Beziehungen zu Mexiko suchten, strebten sie auch
einen Wandel bei ihren Beziehungen zu Lateinamerika als Ganzes an. Diese Bestrebungen umspannen die eben erwähnten 100 Jahre. Es gab
zahllose Schwierigkeiten, die gut dokumentiert sind.
Es schien, daß wir nie die richtige Formel fanden, um
uns und unsere Nachbarn in der Hemisphäre zufriedenzustellen. Wir konnten nie den Weg zu einem
Gleichgewicht finden.
Wir wußten jedoch eines: Wenn wir ein zufriedenstellendes Abkommen mit Mexiko abschließen könnten, hätten wir darauf aufbauend die Chance zur
Verbesserung unserer Beziehungen zu allen Nachbarn im Süden.
Dies sind die Ursprünge des NAFTA: Der Glaube an
freien Handel, der Wunsch nach dem Aufbau neuer,
stärkerer Beziehungen zu Mexiko und schließlich der
Wunsch, dasselbe mit der übrigen Hemisphäre zu
tun.
Sie werden feststellen, daß das alles nicht viel mit
dem Kalten Krieg zu tun hatte. Es reflektierte lediglich die natürlichen Tendenzen und Interessen des
amerikanischen Volkes. Der Unterschied zwischen
den zwei Unternehmungen - Freihandel in der
Hemisphäre versus Bekämpfung des Kommunismus ist einfach festzustellen: Einiges möchte man tun,
anderes muß man tun.
Vor diesem Hintergrund sehen die ersten anderthalb
Jahre des NAFTA ziemlich gut aus. Zahllose Abkommen, Übereinkünfte und gemeinsame Ansätze
wurden unter Dach und Fach gebracht. Der Privatsektor hat viel mehr Freiheit bekommen, um wirtschaftlich effizienter zu werden. Einem ernsthaften
Wechselkursproblem in Mexiko wurde getrotzt, wenn
es auch noch nicht ganz überwunden ist. Die Vereinigten Staaten erlebten allgemeines Wachstum bei
Handel und Investitionen und erwarten eine Fortsetzung in den nächsten Jahren.
Ebenso wichtig ist, daß wir in Nordamerika auf
regionaler Basis etwas erreicht haben, das sich
möglicherweise in der gesamten Hemisphäre ausbreiten und den weltweiten Trend zu freiem Handel
verstärken könnte. Es besteht kein Zweifel daran,
daß das NAFTA als Katalysator für die Verhandlungen der Uruguay-Runde diente und zur Errichtung
der Welthandelsorganisation führte.
Natürlich bedeutet das nicht, daß alle Streitigkeiten
über das NAFTA beigelegt oder weitere Fortschritte
zu einer Freihandelszone in der Hemisphäre unausweichlich sind. Das NAFTA ist keine Doktrin, son-

AMERIKA DIENST 23

�dem ein Prozeß. Es muß sich weiterhin in der
Praxis bewähren und wird sicherlich nicht ohne
schwierige Verhandlungen in der gesamten Hemisphäre ausgeweitet.
Für die Europäer ist jedoch die Erkenntnis wichtig,
daß die Debatte über das NAFTA die Beziehungen
der Vereinigten Staaten zu Lateinamerika auf eine
neue Ebene gebracht hat. Wie ich bereits erwähnte,
waren diese Beziehungen - allzu oft - von Mißverständnissen, Verdächtigungen und verpaßten Gelegenheiten charakterisiert. Wir haben über die Jahrzehnte eine Vielzahl von Politiken verfolgt - von der
Monroedoktrin bis zur Dollar-Diplomatie, von guter
Nachbarschaft bis zur Allianz für den Fortschritt.
Das NAFTA bietet die stabilste, kohärenteste und
weitblickendste Politik, die wir je gegenüber Lateinamerika verfolgt haben.
Sie vermeidet Konflikt zugunsten von Zusammenarbeit, wendet sich von Entwicklungshilfe und einer
Gönner-Vasall-Beziehung ab, die in den meisten
Fällen nicht richtig funkionierte sowie Abhängigkeit
und Ressentiments förderte. Gezielte amerikanische
Hilfsprogramme werden auf Gebieten wie der Förderung von Demokratie, der Modernisierung des
Rechtssystems und der Behebung sozialer Ungleichgewichte fortbestehen. Sie sind wichtig für die
Aufrechterhaltung einer geordneten Entwicklung in
der westlichen Hemisphäre. Die Botschaft des
NAFTA ist jedoch, daß Handel, nicht Hilfe an der
Tagesordnung sind.
Wie weit wird uns diese Botschaft dabei bringen, die
Vision des Amerika-Gipfels vom vergangenen
Dezember in Miami zu erfüllen? Nach anderthalb
Jahren kann keine spezifische Frage definitiv beantwortet werden, aber sehen Sie sich nur einige
Zahlen an.
Die amerikanischen Exporte nach
Nordamerika wachsen doppelt so schnell an wie in
die übrigen Länder. Im vergangenen Jahr kaufte
Lateinamerika amerikanische Waren im Wert von 92
Milliarden Dollar. Wenn sich der jetzige Trend
fortsetzt, wird unser Land mehr nach Lateinamerika
als nach Westeuropa oder Japan verkaufen.

*

AMERIKA DIENST 23

In einer interdependenten Welt ragt die unerbittliche
Tatsache des Angrenzens, der Nachbarschaft noch
drohender auf. Neben dem Handel haben unsere
Nachbarn größeren Einfluß auf unsere Fähigkeit zum
Umgang mit Fragen von vitalem nationalem Belang
wie Migration, Drogen, Strafverfolgung und Umwelt.
All diese Faktoren werden mit der Zeit zu einer
Ausweitung des NAFTA auf andere Länder südlich
unserer Grenze führen. Fast die Hälfte jedes Dollars,
den Lateinamerikaner für Importe ausgeben, wird für
den Kauf amerikanischer Waren aufgewendet. Im
Gegensatz dazu geben die Chinesen nur etwa 10
Cent jedes für Importe ausgegebenen Dollars für
amerikanische Waren aus.
Chile zeichnet sich als erster Kandidat für eine
Mitgliedschaft im erweiterten NAFTA ab. Die Vereinigten Staaten verkaufen mehr an Chile mit 14
Millionen Einwohnern als an Indien mit einer Bevölkerung von über 900 Millionen. In den letzten fünf
Jahren verzeichnete Chile eine durchschnittliche
Wachstumsrate von 7,1 Prozent und erzielte eine
Sparquote von 25 Prozent. Andere Staaten wie
beispielsweise Argentinien haben ähnlich vielversprechende Aussichten.
Das 20. Jahrhundert endet positiv - mit dem Triumph
der Ideale, für die die Vereinigten Staaten und andere
in der westlichen Welt seit langem eingetreten sind.
Die Medien haben ausführlich über die umwälzenden
Veränderungen in Mittel- und Osteuropa sowie in
Südafrika berichtet. Dem wirtschaftlichen Start in
Ostasien wird ebenfalls viel Aufmerksamkeit gewidmet. Und all das geschieht verdientermaßen.
Es ist meines Erachtens jetzt jedoch an der Zeit, daß
die dramatischen Veränderungen in Lateinamerika die Ausbreitung von Demokratie und dynamischem
Wirtschaftswachstum - die Berichterstattung erhalten,
die sie verdienen. Auch diese Entwicklungen werden
eine wichtige Rolle bei der Gestaltung unserer
gemeinsamen Zukunft spielen.
Ich danke Ihnen.

* * *

*

Seite 3

�DATENAUTOBAHN
19. Juli 1995

Neues von der Datenautobahn
Übersicht jüngster Entwicklungen
Der nachfolgende Artikel faßt die jüngsten Entwicklungen in den Vereinigten Staaten bei Informations- und
Telekommunikationstechnologien zusammen und erörtert Neuheiten auf dem Internet sowie die Entwicklung
einer globalen Informationsinfrastruktur.

Stau auf dem Internet
Die Zeitschrift Inc. berichtet, daß die dramatisch
ansteigende Anzahl von Internet-Nutzern einen
"Stau" verursachen könnten. Dem Wirtschaftsberater Bridger Mitchell zufolge "ist der Stau vorprogrammiert", solange sich die Kosten für das
Internet nicht parallel zu dem vom Anwender bezahlten Preis entwickeln. Die Software für das Übertragungskontrollprotokoll ist eine technologische
Errungenschaft, die eine problemlose Erweiterung
des Internet gestattet, allerdings zu hohen Kosten.
Der Wirtschaftswissenschaftler der University of
Michigan Hai Varian erläutert: "Das durchschnittliche Laden ist nicht das Problem. Die meiste Zeit
arbeitet das Netz mit 5 Prozent der Kapazität. Aber
die "Stoßzeit" gibt Anlaß zur Sorge. Die Qualität
beginnt sich bei rund 20 Prozent der Kapazität zu
verringern, und ein plötzlicher Andrang kann die
Nachfrage binnen Sekunden zu diesem Punkt
bringen."
Telekonferenzindustrie wächst weiter
Laut einem von der internationalen TelekonferenzVereinigung veröffentlichten Bericht beliefen sich im
Jahr 1994 die Einnahmen aus nordamerikanischen
Telekonferenzen auf insgesamt 3,098 Milliarden
Dollar. Dies entspricht einer Wachstumsrate von
34,7 Prozent. Vom Institute for the Future (IFTF)
und der Telespan Publishing Corp. of California
durchgeführten Studien zufolge nahm der nordamerikanische Audio-Telekonferenzmarkt - verglichen mit 995,6 Millionen Dollar im Jahr 1993 1994 um 28 Prozent zu.
PC-Homebanking weckt geringes Interesse
Ein kürzlich im Wall Street Journal veröffentlichter
Artikel berichtet, daß nur ein Prozent der amerikanischen Haushalte Bankgeschäfte mit dem eigenen

AMERIKA DIENST 23

Computer abwickelt, obwohl ungefähr 130 Banken
Online angeschlossen sind, darunter 61 in den ersten
vier Monaten dieses Jahres. Analysten von Payments Systems, Inc. in Tampa (Florida) stellen fest,
das geringe Interesse belege, daß die Verbraucher
erst einmal überzeugt werden müssen, ihr Geld dem
Cyberspace anzuvertrauen. Banken, die Online
gegangen sind, zeigen Optimismus, daß Homebanking zunehmen wird, sobald der Markt mit der Technologie vertraut ist. KPMG Marwick LLP, eine New
Yorker Beratungsfirma, erwartet, daß Homebanking
in nur 10 Jahren gang und gäbe sein wird, wenn die
jüngere "Computergeneration" anfängt, Bankgeschäfte zu tätigen.
Computer-Anwender müssen nicht notwendigerweise reich sein
Eine von SRI International, einer in Menlo Park
(Kalifornien) ansässigen Forschungsfirma, durchgeführte Umfrage ergab, daß 28 Prozent der Computer-Nutzer weniger als 20.000 Dollar pro Jahr verdienen. Anhand dieser Informationen gelangte SRI
zu der Schlußfolgerung, bisherige Annahmen - wer
kein Geld hat, hat keinen Zugang zu Informationen könnten falsch sein. SRI ist der Auffassung, statt der
Einkommensverhältnisse sei eher das Bildungsniveau
dafür entscheidend, wer Zugang zu Informationen hat
und wer ein Informations-Habenichts ist.
Cyberkrankheit - das neue "Computervirus"
Simulatorkrankheiten wie kalter Schweiß, Übelkeit
und Erbrechen nehmen zu, je mehr Virtual Reality zur
Realität wird. Eine vom amerikanischen Militär und
der NASA durchgeführte 20jährige Serie von Studien
belegte, daß bis zu 90 Prozent der Testpersonen
simulatorkrank werden - abhängig vom Realismus
des Simulators.
Einem kürzlich in Technology
Review erschienenen Artikel zufolge entsteht das
Problem der Cyberkrankheit, wenn ein Produkt so

Seite 1

�eindringlich ist, daß das Gehirn nicht verarbeiten
kann, was real ist und was nicht. Einige Unternehmen bewältigen das Phänomen, indem sie den
Realismus-Faktor verringern und das Produkt
weniger realistisch und weniger eindringlich machen,
ohne die Spannung der Virtual Reality zu verrignern.
Interessante Web Sites auf dem Internet
Nachfolgend die Anschriften einiger nützlicher Regierungsstellen auf dem World Wide Web.
Die nationale Telekommunikations- und Informationsverwaltung (National Telecommunications and
Information Administration - NTIA) - (World Wide
Web) http://www.ntia.doc.gov (gopher) gopher.ntia.doc.gov
NTIA ist das wichtigste Sprachrohr der Administration zu Fragen im Telekommunikationsbereich und
das führende Amt für nationale und globale Informationsinfrastruktur-Initiativen, die generell als Datenautobahn bezeichnet werden. Die Home Page von
NTIA ist mit über 500 anderen im Telekommunikations- und Informationswesen tätigen Internet-Stellen
verbunden.

Electronic Frontier Foundation - (WWW)http://www.eff.org/pub/GIINII
Diese Stiftung befaßt sich mit der Förderung von
Bürgerrechten auf der Datenautobahn.
Die US-Wirtschafts- und Statistikverwaltung - (U.S.
Economics and Statistics Administration) - (WWW)
http://doc.gov/resources/ESAinfo.html (gopher)
gopher.stat.usa.gov
Diese Verwaltung stellt Verbindungen zur National
Trade Data Bank (nationale Handelsdatenbank) her,
die umfassende Daten über den Welthandel speichert.
Das Umweltschutzamt (Environmental Protection
Agency - EPA) - (WWW) http://www.epa.gov (gopher)
gopher.epa.gov
Stellt die Verbindung zum Telefonverzeichnis der
EPA und anderen öffentlichen Stellen mit Umweltinformationen her, darunter die wichtigsten EPAInformationsclearinghäuser und EPA-Umweltdatenbanken.

* *

Seite 2

AMERIKA DIENST 23

�LITERATUR
19. Juli 1995

Edmund Wilson - eine Hundertjahrfeier
von Robert Earle
BONN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen Artikel, den Robert Earle, der Gesandte-Botschaftsrat
für öffentliche Angelegenheiten bei der Botschaft der Vereinigten Staaten in der Bundesrepublik Deutschland,
im Anschluß an die vom 25. bis 28. Mai 1995 in Bonn veranstaltete Konferenz von im Bereich der
Lehrerausbildung tätigen Fachleitern mit den Titel "Many Voices: American Values in Transition" verfaßte.

Wäre er noch am Leben - ein beängstigender
Gedanke - wäre Edmund Wilson in diesem Jahr 100
Jahre alt geworden. Wilson der Kritiker, der Gelehrte, der Polemiker ... vielleicht der vollkommenste,
wenn nicht sogar der einflußreichste amerikanische
Literat dieses Jahrhunderts.
Wie bekannt ist Wilson im Aus- und nicht zuletzt im
Inland mehrere Jahrzehnte nach seinem Tod? Es
lohnt sich, diese Frage zu stellen, weil Wilson das
gesamte Spektrum und die Eleganz des amerikanischen intellektuellen Lebens von seiner besten Seite
so umfassend verkörperte. Wilsons Werk zu kennen, heißt, Einblick in viele der wesentlichen Themen der amerikanischen Zivilisation zu erhalten unsere Beziehungen zu Europa, unsere Beziehungen zu politischen Institutionen in Amerika und zur
amerikanischen Geschichte, unser Gefühl des sich
ständig entwickelnden "Selbst" - so grenzenlos,
gelegentlich arrogant, gelegentlich bescheiden.
Wilsons Generation war zweifelsohne eine der
großen amerikanischen Generationen: Lippman,
Faulkner, Eliot, Fitzgerald, Williams. Es war die
Generation, die Amerikas erste Begegnung mit "der
Welt" in Form des Ersten Weltkriegs erlebte - diesen
internationalen Abgrund und diese demoralisierende
Einöde. Es war eine Generation, die keine Wahl
hatte, als sich im Hinblick auf Visionen und Werte
auf sich selbst zu verlassen. Die Traditionen und
Institutionen ihrer Eltern wurden durch den Amok
laufenden Koloß der Moderne und der in voller Fahrt
gebremsten Menschheit zerschmettert. Wie Stein zu
Hemingway sagte, waren sie die "verlorene Generation", die keinen Platz hatte und sich daher selbst
einen schaffen mußte.
Wilsons Schaffensmethode bestand zunächst in
lesen, später schreiben. Das waren die beiden Pole

AMERIKA DIENST 23

seiner Erfahrungen von der Kindheit bis ins hohe
Alter. Er wurde als Kind aus einer unglücklichen Ehe
in Red Bank (New Jersey) geboren. Als entfernter
Vorort von New York hatte Red Bank den großen
Vorteil der Region - des Mid-Atlantic (Sammelname
für die Bundesstaaten New York, New Jersey,
Delaware und Pennsylvania). Der Mid-Atlantic ist die
transparenteste, am wenigsten regionale der amerikanischen Regionen. Daher ist sie nicht einer bestimmten Sprache oder Sache verpflichtet - der perfekte
Geburtsort für einen Universalgelehrten wie Wilson.
Seine Zeit im Internat (The Hill School in Pennsylvania) und am College (Princeton) verbrachte er mit
lesen, dann begann er zu schreiben.
Sein erstes und lebenslanges Interesse war Journalismus, nicht die Berichterstattung per se, sondern
vielmehr das Aufzeichnen, Analysieren, Kritisieren.
Er führte umfangreiche Tagebücher, die später
Michelin Guides für das gesellschaftliche und intellektuelle Leben der zwanziger, dreißiger, vierziger und
bis in die sechziger Jahre wurden. Es waren gleichzeitig intime persönliche Dokumente und detaillierte
Gesellschaftsberichte. Sie waren klinisch nüchtern,
das Werk eines Rationalisten, und sie waren enzyklopädisch, mit Details über alles, was er sah und
dachte: Den Klang eines Liedes, die Widersprüche
in einer Philosophie, das Muster im Rock einer
attraktiven Frau.
(Auf Wilsons ausdrücklichen
Wunsch wurde jedes Tagebuch von Alfred A. Knopf
in Kleinformat gebunden, gerade in der richtigen
Größe für die Hand und die Manteltasche des Reisenden - die beiden Orte, an denen Wilson seine
Bücher am häufigsten trug).
Seine ersten Publikationen waren in Zeitschriften
abgedruckte Buchrezensionen (es war die Hochblüte
der Zeitschriften in Amerika: Der New Yorker war
nur eine von vielen, obwohl Wilson sich hier am

Seite 1

�häufigsten aufhielt), und dann eine Reihe größerer
kritischer Arbeiten. Sie waren seine Meisterwerke
(die Romane, die er außer Tagebüchern und umfangreichen Studien schrieb, kann man vergessen),
da Wilson einen Intellekt besaß, von dem man zu
Recht sagen konnte, daß er jedes Thema oder jede
Idee von wirklichem Interesse aufgreifen, verdeutlichen und vermitteln konnte. Er schrieb Axel's
Castle, ein brillantes Werk der Literaturkritik über
Joyce, Yeats und Proust. Er schrieb To The Finland Station, ein umfassendes Werk über die
Geschichte des Sozialismus vom 19. Jahrhundert bis
zu Lenin. Er schrieb Patriotic Gore, eine Studie
über die großartige, vernachlässigte literarische
Tradition des amerikanischen Südens (die Faulkner
in einem völlig anderen Kontext Wiederaufleben ließ).
Und er schrieb auch Bücher über die IroquoisIndianer, die Schriftrollen von Qumran und kanadische Literatur.
Seinen Stil könnte man als "transparent" bezeichnen.
Er zeigte das Thema wie Glas. Man konnte direkt
hindurchsehen. Und man konnte genau die richtige
Menge sehen, Stück für Stück, während sich ein
ganzes Mosaik abzeichnete - vollständig, überzeugend, ausgewogen.
Jüngere Biographien (und seine eigenen Aufzeichnungen) verdeutlichen, daß es Wilson selbst an der
Größe und Ausgewogenheit seiner Prosa gebrach.
Er hatte einen Verschleiß an Ehefrauen, stritt mit
Freunden, trank zuviel und öffnete sich nicht gegenüber seinen Studenten oder Bewunderern. Das
alles war jedoch nicht so wichtig.
Das Wichtigste an Wilson ist wahrscheinlich das,
was am schwierigsten zu erfassen ist: Seine Band-

* *

Seite 2

breite. Das Drama seines breiten Interessenspektrums und seiner endlosen Überlegenheit entmutigt
praktisch jeden geneigten Leser. Wer würde, wenn
er Joyce liebt, Wilsons Arbeiten über Joyce so ernst
nehmen wie seine Arbeiten über die Iroquois? Wer
könnte, wenn er von den zwanziger Jahren fasziniert
ist, ebenso fasziniert von Turgenjew sein? In gewisser Weise wußte nur Wilson Wilson zu folgen und zu
würdigen.
Dennoch hat sowohl Wilsons Prosa als auch seine
bedingungslose Überzeugung, daß alles Denken in
Relation zueinander steht (daß Politik, Kultur, Geschichte und Poesie in sorgfältig formulierten Sätzen
aufgenommen und dann in Absätze, Bücher und ein
ganzes Leben eingeflochten werden können) ihm
einen permanenten Platz im intellektuellen Umfeld
der Vereinigten Staaten verschafft. Wenn er auch
nicht der größte Spezialist auf einem bestimmten
Gebiet war, so war Wilson doch der größte Generalist
in vielen unterschiedlichen Fachbereichen. Er war in
gewisser Weise demokratisch und populistisch (trotz
seines elitären Geschmacks) aufgrund der Annahme,
daß er (oder sonst jemand) immer eine Meinung zu
jedem beliebigen Thema hatte.
Wegen seiner Lebendigkeit, guten Urteilskraft und
Bandbreite verdient Wilson es, wieder gelesen zu
werden. Der Mensch und sein Leben waren vielleicht
nicht so interessant. Er las und schrieb. Dazwischen
reiste er, heiratete und trank. Nicht so viel Stoff für
eine Geschichte. Aber er schrieb in Wirklichkeit nicht
seine eigene Geschichte. Seine Geschichte waren
die uneingeschränkten intellektuellen Möglichkeiten
eines Amerikaners, wenn dieser sich die Welt zu
eigen macht.

*

*

AMERIKA DIENST 23

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="12466">
                <text>19.07.1995</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="12467">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="12468">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="12469">
                <text>Amerikadienst 19.07.1995</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="12470">
                <text>&lt;strong&gt;1. USA-Europa&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Amerikanische Außenpolitik und transatlantische Beziehungen im Umbruch&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Gesandten J.D. Bindenagel&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Abrüstung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kritik an isolationistischen Tendenzen im Kongress&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von ACDA-Direktor John Holum&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Kriegsverbrechen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kriegsverbrechertribunale für Jugoslawien und Ruanda sind Präzedenzfälle&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Bilanz der Arbeit&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. NAFTA&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Positive Bilanz der ersten anderthalb Jahre des NAFTA &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Robert Earle&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Datenautobahn&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neues von der Datenautobahn&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Übersicht jüngster Entwicklungen&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Literatur&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Edmund Wilson - eine Hundertjahrfeier &lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Robert Earle&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="4163" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="3621">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/9b65c5a4522af12d003ba2593d621055.pdf</src>
        <authentication>cf36df0027ab8d550fd1fe224d6e969d</authentication>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="20047">
                <text>Amerikadienst 19.08.1981</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="49">
            <name>Subject</name>
            <description>The topic of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="20048">
                <text>Allgemeines</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="20049">
                <text>Herausgeben U.S. Information &#13;
Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="20050">
                <text>19.08.1981</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="20051">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="20243">
                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Haig: Verhütung von Kriegen ist das Ziel Amerikas&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des US-Außenministers vor der Anwaltskammer in New Orleans -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Haig warnt vor sowjetischer Propaganda&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Interview des US-Außenministers mit ABC-TV -&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2260" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2271">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/63e7a3f2a506111dac0b224ab31984d3.pdf</src>
        <authentication>6884e6c30d871d5f11d04316a4de9808</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="11544">
                    <text>;£D

ST:

amcrika
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

^rioN

4

33

19. August 1992

BUSH/BAKER

BUSH GIBT BAKERS VERSETZUNG
INS WEISSE HAUS BEKANNT
Erklärung von Präsident Bush

BOSNIEN

MASSNAHMEN DER USA ZU BOSNIEN
Anhörung vor dem
Streitkräfteausschuß des Senats

FLÜCHTLINGE

ABRAM VERURTEILT "ETHNISCHE
SÄUBERUNG" IM EHEMALIGEN JUGOSLAWIEN
Rede des US-Vertreters
bei den Vereinten Nationen

NAFTA

BUSH: NAFTA WIRD ARBEITSPLATZE
SCHAFFEN UND WACHSTUM FÖRDERN
Erklärung von Präsident Bush zum NAFTA

USA, MEXIKO UND KANADA BEENDEN
NAFTA-VERHANDLUNGEN
Zustimmung des Kongresses
noch erforderlich
WAHLEN '92

DEBATTEN DER
PRÄSIDENTSCHAFTSKANDIDATEN
Kommission legt Zeitplan vor
DIE ROLLE VON MEINUNGSUMFRAGEN
IM WAHLKAMPF
von Clyde Linsley

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�BUSH/BAKER
19. August 1992

BUSH GIBT BAKERS VERSETZUNG
INS WEISSE HAUS BEKANNT
Erklärung von Präsident Bush
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush hat seinen engsten politischen Vertrauten am 13. August 1992 aus dem
US-Außenministerium ins Weiße Haus versetzt und James Baker mit der Leitung seiner Kampagne zur
Wiederwahl sowie der Erarbeitung eines Programms tür eine zweite Amtszeit beauftragt, die er nach einem Sieg
bei der Präsidentschaftswahl im November anzutreten hofft.
Wie seit Wochen erwartet, erklärte Bush, er habe Baker um seinen Rücktritt als Außenminister mit Wirkung vom
23. August 1992 gebeten, damit er sein höchster Berater und Stabschef des Wei ßen Hauses werden könne. Der
Stellvertretende Außenminister Lawrence Eagleburger wird ab diesem Zeitpunkt geschäftsführender Außenminister.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung von Präsident Bush im Wortlaut.

Ich habe Minister Baker um seinen Rücktritt als Außenminister gebeten, damit er mit Wirkung vom 23.
August 1992 mein Stabschef und höchster Berater des
Präsidenten werden kann. Er wird mir dabei behilflich
sein, auf den Anfängen aufzubauen, die wir bei der Erarbeitung eines umfassenden innen-, wirtschafts- und
au ßenpolitischen Programms für eine zweite Amtszeit
gemacht haben.
Wir befinden uns an einem Wendepunkt in der Geschichte Amerikas. In der Welt von heute sind diese
drei Bereiche zum Thema geworden. Wir müssen
sicherstellen, daß die Vereinigten Staaten unbestritten
sicher und stark im In- und Ausland sind. Und ich
möchte auch seinen Rat und seine Unterstützung,
während ich das Mandat des amerikanischen Volkes
anstrebe, dieses Programm in die Praxis umzusetzen.
Außenminister Baker hat unserem Land seit über 12
Jahren mit großer Energie, Intelligenz und persönlichem Engagement gedient. Ich möchte nicht allzuviel
Zeit auf die Aufzählung seiner zahlreichen Erfolge
verwenden. Ich überlasse diese Bilanz und andere
Aussagen den Annalen der Geschichte. Aber ich
möchte einige Worte über meinen Freund sagen.
Ich kenne Jim Baker seit 35 Jahren. Er ist ein engagierter Treuhänder des öffentlichen Interesses der Vereinigten Staaten. Ich weiß, daß die Amerikaner stolz

AMERIKA DIENST 33

sind, ihn im Fernsehen die Vereinigten Staaten vertreten zu sehen. Ich bin mir auch bewußt, daß sie seine
zahlreichen Fähigkeiten zu schätzen wissen. Und ich
weiß, daß sie seinem Urteil vertrauen. Er ist die Sorte
Mann, den man sich in seinem Team wünscht.
Als Au ßenminister hat Jim Baker die einzigartige Rolle
und Fähigkeiten der amerikanischen Macht aufgewertet. Er hat ferner die außergewöhnliche Anziehungskraft und den Appell amerikanischer Ideale verstanden
und nach ihnen gehandelt. Darüber hinaus war er
mutig, schnell, hartnäckig und hat Wichtiges geleistet.
Er ist neuen Möglichkeiten und Konstellationen in einer
Ära revolutionärer Veränderungen gegenüber aufgeschlossen. Er hat gehandelt, als andere noch um das
Verständnis rangen, und er hat Dinge vollbracht.
Er war entscheidend an unseren Bestrebungen beteiligt, eine beispiellose Koalition der Vereinten Nationen
gegen den Irak zustande zu bringen. Er hat große
Fortschritte bei der Umwandlung des Siegs auf dem
Schlachtfeld zu einem umfassenderen Frieden zwischen Israelis und Arabern erzielt. Und während
seiner Amtszeit haben wir unsere Beziehungen zur
Sowjetunion radikal umgestaltet und den Kalten Krieg
friedlich beendet. Er hat sowohl bei nuklearen als auch
konventionellen Waffen einschneidende Kürzungen
ausgehandelt. Und damit hat er zur Schaffung einer
bedeutend stabileren Sicherheitsstruktur beigetragen,

Seite 1

�auf der eine neue euro-atlantische Gemeinschaft und
der Schutz gegen die Geisel der Verbreitung aufbauen.
Durch sein Engagement für die Überwindung der
Teilung Europas hat er dazu beigetragen, den Weg zur
Vereinigung Deutschlands zu ebnen. Und er war
maßgeblich an der Niederschlagung der Kriege in
Mittelamerika beteiligt, indem er eine auf Demokratie
und die Macht der Wahlurne gegründete Politik aufbaute . Von Tokio bis Toronto ist Jim Baker für Leistung
bekannt. Er weiß um Veränderungen - wie kluge
Schritte von törichten zu unterscheiden sind. Er kennt
die amerikanische Regierung, da er an der Entwicklung und Verwirklichung innen-, wirtschafts- und außenpolitischer Maßnahmen beteiligt war.
Vielleicht am wichtigsten ist - er weiß, daß unser Volk
die Quelle der Stärke unseres Landes ist. Ich unternehme diesen Schritt in vollem Vertrauen, daß das
Außenministerium weiterhin von einer fähigen Führung geleitet wird. Larry Eagleburger, seit 30 Jahren
Veteran der amerikanischen Außenpolitik, ein Mann
der mir persönlich außerordentlich nahesteht, wird
geschäftsführender Außenminister. Er wird dieses
Amt mit Auszeichnung ausüben.
Ich möchte auch einige Worte über Sam Skinner
sagen. Ich möchte ihm für sein Engagement im
Weißen Haus während dieses turbulenten Jahres
danken. Er hat von Anfang an erkannt, welchen
Beitrag Jim Baker aufgrund meiner langen persönlichen Beziehung zu ihm hier leisten kann. Skinner und
ich haben diese Angelegenheit in der Tat seit einiger
Zeit erörtert, und er hat mich zu diesem Schritt ermutigt. Sam und ich haben beschlossen, daß er dieses

Seite 2

Revierement am besten durch die Übernahme der
Position des geschäftsführenden Vorstands des Nationalen Komitees der Republikaner abrunden kann,
und ich werde dem Komitee die Bestätigung der Ernennung empfehlen. Einige erinnern sich vielleicht an
die Rolle von Paul Laxalt - in engem Kontakt mit dem
Weißen Haus, äußerst hilfreich für das Komitee - es
gibt also einen Präzedenzfall.
Auch Sam Skinner ist seit über einem Jahrzehnt in
Politik und Regierung an meiner Seite. Er hat der
Öffentlichkeit mit Auszeichnung in Illinois gedient und
ist als außerordentlich effektives Mitglied meines
Kabinetts respektiert. Erinnern Sie sich daran, daß er
für die Verabschiedung des historischen Verkehrsgesetzes über die Modernisierung unseres Autobanhnetzes verantwortlich war - und ich schreibe ihm einen
Großteil des Verdienstes daran zu.
Persönlich weiß ich seine Bereitschaft zur Übernahme
dieser neuen Aufgabe zu schätzen, da wir nun in den
allgemeinen Wahlkampf eintreten. Ich bin überzeugt,
daß diese Ernennung die Struktur des Nationalen
Komitees der Republikaner stärken wird, und Sam
wird sehr eng mit Rieh Bond zusammenarbeiten können, der Vorsitzender bleibt.
Ich bin mir bewußt, daß zahlreiche Amerikaner heutzutage beunruhigt sind. Viele haben echte Sorgen,
andere Zweifel. Aber in den vergangenen vier Jahren
haben die Amerikaner Ergebnisse hervorgebracht, die
früher unvorstellbar waren. Und heute konzentrieren
wir unsere Aufmerksamkeit auf die Maßnahmen im Inund Ausland, die die Vereinigten Staaten an allen
Fronten unerreicht machen - wirtschaftlich stabil für
unsere Kinder und ein sicherer und besserer Ort zum
Leben.

AMERIKA DIENST 33

�BOSNIEN
19. August 1992

MASSNAHMEN DER USA ZU BOSNIEN
Anhörung vor dem Streitkräfteausschuß des Senats
WASHINGTON - (AD) - Dem Abteilungsleiter im US-Außenministerium für europäische und kanadische
Angelegenheiten, Thomas Niles, zufolge unternehmen die Vereinigten Staaten konkrete Schritte zu einer
friedlichen Lösung des Konflikts in Bosnien und dem ehemaligen Jugoslawien.
In einer Anhörung vor dem Streitkräfteausschuß des Senats verwies Niles am 11. August 1992 jedoch darauf,
daß die Administration zögere, die humanitären Hilfslieferungen nach Bosnien gegebenenfalls militärisch
abzusichern. "Die Administration wird alles in ihrer Macht Stehende tun, um ihre Ziele ohne den Einsatz von
Gewalt durchzusetzen", stellte Niles fest und unterstrich die uneingeschränkte Unterstützung der Vereinigten
Staaten für eine UN-Resolution, die "alle erforderlichen Mittel" gestatten würde, um sicherzustellen, daß die
Hilfsgüter in der Krisenregion ankommen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Abteilungsleiter Niles im Wortlaut.
Seit nunmehr über einem Jahr dominiert die Krise in
Jugoslawien die außenpolitischen Nachrichten. Die
Bilder und Berichte über dieses unglückliche Land
erinnern uns an vergangene Tragödien in Europa und
werfen ernsthafte Fragen über den Charakter Europas
nach dem Kalten Krieg auf.
Seit Beginn der Krise im Juni 1991 haben die Vereinigten Staaten eine Führungsrolle bei der Erarbeitung
einer friedlichen Lösung übernommen, während sie
gleichzeitig die serbische Aggression abschreckten
und die dringend benötigte humanitäre Hilfe zur Verfügung stellten. Heute möchte ich kurz unsere Position
darlegen und die Maßnahmen erläutern, die wir insbesondere im Hinblick auf den menschlichen Alptraum in
Bosnien-Herzegowina ergreifen wollen.
In seiner Rede vom 6. August 1992 hat Präsident Bush
ein sechs Punkte umfassendes Programm vorgeschlagen, an dem wir uns orientieren:
1.

Wir wollen mit einer neuen Resolution des UNSicherheitsrats unter Einsatz aller erforderlichen Mittel die Lieferung humanitärer Hilfsgüter
und die Öffnung aller Internierunglager für internationale Inspektionen sowie die Garantie angemessener Behandlung, medizinischer Versorgung und Ernährung der Gefangenen sicherstellen.

2.

Wir nehmen unverzüglich uneingeschränkte
diplomatische Beziehungen mit Bosnien-Herzegowina, Kroatien und Slowenien auf, um ihre
Regierungen besser zu unterstützen.

AMERIKA DIENST 33

3.

Wir werden in Zusammenarbeit mit der internationalen Staatengemeinschaft Beobachter in die
Nachbarstaaten entsenden, um die strikte Einhaltung der UNO-Sanktionen gegen Serbien
und Montenegro zu überwachen.

4.

Wir unternehmen präventive diplomatische
Schritte, um zu verhindern, daß sich der Konflikt
nach Kosovo, Vojvodina, in der Region Sandzak
oder Mazedonien ausbreitet.

5.

Wir schlagen die Entsendung von Beobachtern
durch die internationale Staatengemeinschaft in
die Nachbarstaaten vor, um das Risiko einer
Ausbreitung des Konflikts zu begrenzen und

6.

konsultieren unsere Verbündeten zu allen Aspekten der Krise und wie die NATO der UNO zur
Seite stehen kann.

Unsere im vergangenen Jahr gemachten Erfahrungen
haben gezeigt, daß all dies nicht leicht sein wird. Die
Entschlossenheit von Präsident Milosevic, trotz der
Verluste an Leben und Eigentum sowie der Zerstörung
der serbischen Wirtschaft ein "Großserbien" zu schaffen, stellt die internationale Staatengemeinschaft vor
eine enorme Herausforderung. Wir müssen unerbittlich an unserer Weigerung festhalten, die serbische
Aggression hinzunehmen und zusammen mit unseren
Verbündeten für Rechtsstaatlichkeit und die Achtung
der Menschenrechte eintreten.
Die Lieferung humanitärer Hilfe an das Volk von Bosnien-Herzegowina wird sich als große HerausfordeSeite 1

�rung erweisen. Die Hilfslieferungen werden nach wie
vor durch die Kampfhandlungen unterbrochen. Am 4.
August stellte die UN-Schutztruppe UNPROFOR die
Luftbrücke aufgrund derschweren Kämpfe ein. Glücklicherweise wurde sie am 8. August wiederaufgenommen, aber niemand kann vorhersagen, wann neue
Kampfhandlungen sie zu einer erneuten Unterbrechung zwingen werden. Am 5. August mu ßte UNPROFOR aufgrund des Sicherheitsrisikos einen Landkonvoi vor Sarajevo aufhalten - hierbei handelte es sich um
den zweiten größeren Konvoi, der in jüngster Zeit
versucht wurde. Wir konnten wiederholt gezielte
Versuche beobachten, internationale Hilfslieferungen
nach Gorazde und andere belagerte bosnische Städte
zu bringen. Bei unserer zwingend erforderlichen
Zukunftsplanung müssen wir an den bevorstehenden
Winter denken - eine weitere ernsthafte Komplikation
angesichts eines Stroms von 2 Millionen Flüchtlingen
im ehemaligen Jugoslawien. Viele der Wege über
Land, die wir jetzt gerne benutzen würden - aber
wegen der Kämpfe nicht können - werden zusätzlich
von Schneemassen blockiert sein. Zahlreiche Flüchtlinge können heute - nicht jedoch nach Einbruch des
Winters im November - im Freien überleben. Die
Situation erhält dadurch eine gewisse Dringlichkeit.
Wegen der jetzt andauernden Kämpfe, aufgrund der
sich voraussichtlich verschlechternden Bedingungen
für Hilfslieferungen und in Anbetracht der Tatsache,
daß wir uns enormen Witterungsproblemen gegenübersehen, müssen wir auf das Schlimmste vorbereitet sein. Natürlich hoffen wir, daß Bedingungen geschaffen werden können, unter denen wir humanitäre
Hilfsgüter ohne den Einsatz von Gewalt liefern können.
Unsere bis heute gemachten Erfahrungen legen jedoch den Schluß nahe, daß mehr erforderlich sein
könnte, um die Entschlossenheit der internationalen
Staatengemeinschaft unter Beweis zu stellen, den
Menschen in Bosnien in dieser schwierigen Zeit zu
helfen. Aus diesem Grund arbeiten wir - wie Präsident
Bush am 6. August angekündigt hat - mit unseren
Verbündeten und den Mitgliedern des UN-Sicherheitsrats an der Sicherstellung einer neuen Resolution, die
den Einsatz aller erforderlichen Mittel zur Lieferung
humanitärer Hilfe genehmigt. Wir hoffen, daß wir
rasch einen Konsens erzielen, der uns weitere Planungen und Lieferungen gestattet.
Einen Bestandteil dieser Resolution soll die Forderung
bilden, dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz
(IKRK) und anderen neutralen humanitären Hilfsorganisationen Zugang zu allen Internierungslagern im
ehemaligen Jugoslawien zu gewähren. Aus Prinzip ist
es absolut unabdingbar, die Wahrheit aufzudecken.
Und dies gilt gleichermaßen für alle Seiten. Wiederum
scheinen die Serben die Haupt- aber wahrscheinlich
nicht die einzigen Verletzer zu sein. Dies ist Teil eines
kontinuierlichen Musters serbischer Menschenrechtsverletzungen anderer Gruppen, sei es in Kosovo,
Kroatien oder Bosnien.

Seite 2

Am 4. August haben wir eine Erklärung des Präsidenten des Sicherheitsrats vorgeschlagen und erhalten, in
der unsere Forderung nach Zugang zu allen Gefangenenlagern Niederschlag gefunden hat und die Betroffen daran erinnert, daß sie sehr wohl individuell für
einen Bruch der Genfer Konvention zur Verantwortung
gezogen werden können. Die Verabschiedung der
vorgeschlagenen Resolution würde diese Forderung
untermauern.
Bei der Bewältigung dieser dringenden Probleme müssen
wir alle verfügbaren Mittel ausschöpfen. Aus diesem
Grund haben wir am Mittwoch eine außerordentliche
Dringlichkeitssitzung der UNO-Menschenrechtskommission in Genf gefordert, um unsere nachrichtendienstlichen Erkenntnisse auszuwerten, die groben
Menschenrechtsverletzungen zu erörtern und unsere
Forderung nach Zugang zu den Lagern zu bekräftigen.
Wir erwarten von diesem für den 14. August 1992
anberaumten Treffen konkrete Schritte. Darüber hinaus haben wir an die KSZE appelliert, die geeigneten
Maßnahmen des KSZE-Mechanismus zur menschlichen Dimension in die Wege zu leiten und den KSZEAusschuß Hoher Beamten zu einer Dringlichkeitssitzung über die bosnische Krise aufgefordert, die hoffentlich in dieser Woche stattfinden wird. Diese Aktivitäten würden die Prozeß beschleunigen, die Lage zu
prüfen.
Die Verabschiedung dieser Vorschläge - insbesondere die von Präsident Bush am 6. August angekündigte
Resolution des UN-Sicherheitsrats - würden eine
beachtliche Verschärfung des Drucks auf das Regime
von Milosevic darstellen. Wir hoffen, daß die Botschaft
der internationalen Staatengemeinschaft bis zu dem
serbischen Volk vordringt. Wie Präsident Bush eindeutig klargestellt hat, wollen wir - und ich bin sicher,
auch Sie - nicht gezwungen sein, zusammen mit
unseren Verbündeten die Lieferung humanitärer Hilfsgüter an das leidende Volk in Bosnien-Herzegowina
militärisch abzusichern. Ich möchte Ihnen gegenüber
unterstreichen: Die Administration wird alles in ihrer
Macht Stehende tun, um ihre Ziele ohne den Einsatz
von Gewalt durchzusetzen. Unter den Umständen
und für das von Präsident Bush erklärte Ziel werden wir
jedoch gegebenenfalls dazu bereit sein. Ich möchte
nun im einzelnen darlegen, was wir in den die Krise
betreffenden jeweiligen Bereichen unternehmen.
Humanitäre Hilfe
Über 2,2 Millionen Bosnier wurden zwangsumgesiedelt. Eine halbe Million Bosnier wurde aus dem Land
vertrieben. Die Umsiedler sind größtenteils Nichtserben: sie machen über ein Viertel der Gesamtbevölkerung Bosniens aus und mehr als 40 Prozent der
nichtserbischen Bevölkerung Bosniens.
Am 29. Juli 1992 hat die Hohe Flüchtlingskommissarin
der Vereinten Nationen, Sadako Ogata, eine internationale Konferenz zum ehemaligen Jugoslawien in

AMERIKA DIENST 33

�Genf einberufen. Bei der Konferenz wurden Umfang
und Bedarf der Nothilfemaßnahmen erörtert und Meinungen über die Schaffung eines Rahmens für die
Behandlung der Umgesiedelten ausgetauscht. Die
Vereinigten Staaten haben sich in Zusammenarbeit
mit internationalen Organisationen stets stark für
humanitäre und Flüchtlingshilfe engagiert. Wir begrenzen die Hilfe nicht auf einzelne Länder oder Regionen des ehemaligen Jugoslawiens, sondern stellen sie
so zur Verfügung, wie sie von dem Empfängerorganisationen benötigt wird.
Die Krise wird auf absehbare Zeit andauern. Im
Augenblick versuchen wir zusätzliche Nahrungsmittel,
Medikamente und andere Hilfsgüter zu beschaffen,
die mittel- und langfristig in die Region geliefert werden können. Wir arbeiten nach wie vor mit der G-24
und anderen multilateralen Organisationen zusammen, um sicherzustellen, daß unsere Bestrebungen
zielgerichtet sind und die Bedürftigsten erreichen. Die
Länder der G-24 sind am 27. Juli in Brüssel zur
Erörterung der Krise und des weiteren Bedarfs an Hilfe
für die Flüchtlinge zusammengekommen. Bis heute
beläuft sich der Gesamtbeitrag der G-24 auf 472
Millionen Dollar, einschließlich 254 Millionen Dollar für
seit dem 1. Juli eingegangene neue Verpflichtungen.
Die Vereinigten Staaten haben insgesamt 53 Millionen
Dollar bereitgestellt.
Die Luftbrücke von Sarajevo liefert - wenn sie funktioniert - durchschnittlich 200 Tonnen pro Tag, dies hilft
jedoch nicht den Bosniern, die sich außerhalb von
Sarajevo befinden. Die Luftbrücke muß allmählich
durch Landkonvois ersetzt werden, um mehr Bedürftige zu erreichen. Die Kampfhandlungen und die
Instabilität haben bisher jedoch ungesicherte Überlandtransporte wirksam verhindert, und einige belagerte Städte wie Gorazde und Tuzla sind seit Monaten
von der Außenwelt abgeschlossen. Zusätzliche Anstrengungen sind dringend erforderlich.
Sanktionen
Die internationale Staatengemeisnchaft arbeitet an
der verschärften Durchsetzung der UN-Sanktionen,
die beträchtliche Auswirkungen auf die Volkswirtschaften von Serbien und Montenegro haben. Wir führen
einen beachtlichen Teil des jüngsten Produktionsrückgangs in Serbien und Montenegro auf die Sanktionen
zurück. Im Hinblick auf die Überwachung drängen wir
zusätzlich zu der Beobachtermission von NATO und
WEU in der Adria auf eine ähnliche multilaterale Initiative auf der Donau. Wir haben von Rumänien großzügige Unterstützung erhalten und arbeiten eng mit
Rumänien zusammmen, um die vollständige Durchsetzung derSanktionen sicherzustellen, einschließlich
der Entsendung internationaler Beobachter in dieses
Land.

AMERIKA DIENST 33

KSZE-Initiativen
Im Anschluß an den Besuch einer KSZE-Berichterstattermission in Kosovo im Juni hat die KSZE am 2.
August eine ähnliche Mission in die serbischen Regionen Sandjak und Vojvodina sowie eine zweite Delegation nach Kosovo entsandt. In seiner Erklärung vom 6.
August hat Präsident Bush Maßnahmen der KSZE
gefordert, diese Missionen zu einer ständigen Präsenz
zu machen, und wir verfolgen diesen Aspekt. Die
Vereinigten Staaten haben eine Führungsrolle dabei
übernommen, die KSZE zur Prüfung von Menschenrechtsverletzungen in Serbien zu drängen und die
Besorgnis der internationalen Staatengemeinschaft
eindeutig klarzustellen. Wie ich bereits ausgeführt
habe, dringen wir auf eine neue KSZE-Initiative, Missionen nach Bosnien und Kroatien zur Prüfung von
Menschenrechtsverletzungen in diesen Ländern zu
entsenden.
Darüber hinaus erwägen wir andere Mittel zur Nutzung
der KSZE-Mechanismen, um eine Ausbreitung des
Konflikts in andere Gebiete zu verhindern, und wir
werden unsere Gedanken in den kommenden Tagen
und Wochen darlegen.
Diplomatische Initiativen
Wir haben klargestellt, daß Serbien und Montenegro in
den Staatenbund nicht aufgenommen werden können
und dies auch nicht werden, unabhängig davon, wie
sie sich selbst bezeichnen, solange sie nicht ihre
Aggression und ihr barbarisches Verhalten revidieren.
Wir haben bei diesen Bestrebungen die Führungsrolle
in der internationalen Staatengemeinschaft übernommen und breite Unterstützung für unsere Position
erhalten, daß wir 1. Serbien und Montenegro nicht als
die Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawiens
akzeptieren werden, 2. die Aufrechterhaltung der
Mitgliedschaft des ehemaligen Jugoslawiens in internationalen Organisationen nicht unterstützen und 3.
darauf bestehen, daß sie einen Antrag auf neue Mitgliedschaft bei diesen Organisationen stellen und gleichzeitig alle für den Beitritt relevanten Kriterien erfüllen.
Wir ermutigen weiterhin alle Parteien zur Nutzung der
bestehenden Verhandlungsforen - insbesondere der
EG-Friedensgespräche - um die zahlreichen ausstehenden Fragen zu lösen, die vor der Wiederherstellung von Frieden und Stabilität angesprochen werden
müssen. Wir unterstützen die von Großbritannien, das
derzeit die EG-Präsidentschaft innehat, vom 26. - 28.
August in London anberaumte Konferenz und beabsichtigen, auf hochrangiger Ebene daran teilzunehmen.
Dipomatische Beziehungen
Wir haben im April die Unabhängigkeit von Slowenien,
Kroatien und Bosnien-Herzegowina anerkannt. Präsident Bush hat am 6. August angekündigt, daß wir
uneingeschränkte diplomatische Beziehungen mit alSeite 3

�len drei Ländern aufnehmen und in allen Hauptstädten
so bald wie möglich Botschaften eröffnen werden.
Im Hinblick auf Mazedonien haben wir wiederholt
festgestellt, daß die Prinzipien von Demokratie und
Freiheit sowie die notwendige Stabilität in der Region
eine rasche Lösung der anhängigen Probleme zwischen Griechenland - einem Freund und Verbündeten
- und Mazedonien erfordern. Wir nehmen die Besorgnis Griechenlands in dieser Frage ernst. Wir sind uns
darüber hinaus bewußt, daß Mazedonien infolge der
Sanktionen und Flüchtlingsströme ernsthafte wirtschaftliche Härten erleiden mußte. Die Frage der Anerkennung wird uns nicht von der Bereitstellung humanitärer
und anderer Hilfsleistungen für Mazedonien abhalten.
Unsere zukünftigen Beziehungen zu Serbien und
Montenegro werden vom Vorgehen der Machthaber in
Belgrad abhängen. Wir liegen nicht im Streit mit dem
serbischen Volk. Wir arbeiten an konkreten Maßnahmen, um die Kämpfe zu beenden und diese Tragödie
zu einer friedlichen Lösung zu bringen.

dieses Themas für das Nachbarland Albanien ist das
Potential für ernsthafte Probleme eindeutig gegeben.
Die Lage in der vorwiegend von Ungarn bewohnten
Provinz Vojvodina in Nordserbien - früher auch autonom - ist ebenfalls gespannt, und unsere ungarischen
Freunde sind zunehmend über eine mögliche Ausbreitung des Konflikts beunruhigt. Zusätzlich zu den
Besuchen der KSZE-Beobachtermission drängen wir
auf die Entsendung von KSZE-Beobachtern, die an
den Grenzen der Nachbarstaaten Serbiens stationiert
werden sollen.
Schlußbemerkung
Wir haben eine Reihe konkreter und gezielter Schritte
unternommen, um unseren Einfluß und Druck zu verstärken und im Einklang mit der internationalen Staatengemeinschaft eindeutig klarzustellen, daß wir die
Vorfälle aufs Schärfste verurteilen und Belgrad unseres Erachtens der Hauptverantwortliche ist. Wir werden mit den uns verfügbaren Mitteln alles in unserer
Macht Stehende tun, um die Situation zu ändern,
insbesondere durch einen Machtwechsel in Belgrad.

Ausbreitung des Konflikts
Bisher betrifft die Krise nur die Gebiete im ehemaligen
Jugoslawien, aber es gibt keine Garantie, daß sie sich
nicht weiter ausbreiten wird. Wir sind insbesondere
besorgt, daß die ehemals autonome serbische Provinz
Kosovo, deren Bevölkerung zu 90 Prozent aus Albanern besteht, der nächste Brennpunkt von Gewalt und
Unruhen sein könnte. In Kosovo begann die Krise vor
drei Jahren mit der Widerrufung der Autonomie Kosovos durch Serbien und dem Beginn massiver Menschenrechtsverletzungen. Angesichts der Sensibilität

Denn letztlich wird diese Krise nur beendet werden,
wenn das serbische Volk in der Erkenntnis handelt,
daß seine politisch Verantwortlichen es in die Katastrophe geführt haben. Bis dahin werden wir eine zunehmend aktive Rolle dabei spielen, der leidenden Bevölkerung von Bosnien und den Hunderttausenden durch
den Konflikt vertriebenen Menschen zu helfen. Wir
werden uns darüber hinaus weiterhin aktiv an Bestrebungen beteiligen, um eine weitere DeStabilisierung
der Region und Europas insgesamt durch den Konflikt
zu verhindern. Ich danke Ihnen.

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 33

�FLUCHLINGE
19. August 1992

ABRAM VERURTEILT "ETHNISCHE SÄUBERUNG"
IM EHEMALIGEN JUGOSLAWIEN
Rede des US-Vertreters bei den Vereinten Nationen
GENF - (AD) - Die Politik der "ethnischen Säuberung" - die erzwungene Trennung von Gruppen von Menschen
- die derzeit im ehemaligen Jugoslawien praktiziert wird, sollte von der internationalen Staatengemeinschaft mit
derselben Entschlossenheit und Energie verurteilt werden wie Apartheid, erklärte der amerikanische Vertreter
bei den Vereinten Nationen in Genf, Botschafter Morris Abram.
"Ethnische Säuberung ist nicht weniger verabscheuungswürdig als Apartheid, nur ein effektiverer und tödlicher
Mechanismus, um Gruppen von Menschen voneinander zu trennen", stellte Abram am 11. August 1992 in einer
Rede vor der Jahrestagung des UN-Unterausschusses für die Verhinderung von Diskriminierung und den Schutz
von Minderheiten fest.
Der Unterausschuß, eine nachgeordnete Behörde der Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen, ist
ein aus 26 Experten bestehendes unabhängiges Gremium, das Diskriminierungen im Zusammenhang mit
Menschrechten und Grundfreiheiten prüft.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Botschafter Abram im Wortlaut.

Ich spreche vor diesem Gremium nahezu dreißig
Jahre nachdem ich ihm gedient habe. Es gibt kein
anderes Organ im Rahmen des UN-Systems wie
diesen Unterausschu ß - der aus unabhängigen Experten aus unterschiedlichen Regionen zusammengesetzt ist, die von Regierungen ernannt werden, jedoch
von diesen unabhängig sind. Dieses Gremium bildet
ein Gegengewicht zu anderen aus Regierungsdelegationen bestehenden, regional getrennten UN-Organen, die sich allzuhäufig in parteipolitischem Gerangel
verzetteln.
Als ich Mitlgied dieses Unterausschusses war, haben
meine Kollegen stets ihre Meinung geäußert - selbst
wenn dies Kritik an ihrem eigenen Land bedeutete. Als
wir das Thema dieses Tagesordnungspunktes prüften
- Rassendiskriminierung - wurde mein Land für seine
Praktiken angeprangert und ich - häufig als "der peinlich berührte Amerikaner" bezeichnet - teilte diese
Kritik. Die Mitglieder des Unterausschusses sind die
einzigen von Regierungen ausgewählten Personen,
die nicht an die Hauptstadt ihrer Regierung gebunden
sind. Dies ist ein Gremium, das gemäß seinem Auftrag
mit Objektivität und Unvoreingenommenheit als wirklich unabhängiges Expertenteam sprechen und handeln soll.

AMERIKA DIENST 33

Der heutige Tagesordnungspunkt Rassismus, Rassendiskriminierung und Fremdenfeindlichkeit ist zweifelsohne einer der wichtigsten, der wähernd dieser drei
Wochen erörtert wird. Rassendiskriminierung beinhaltet mehr als die Politik der Rassentrennung oder
sonstiger ungerechter Behandlung von Schwarzen
und Wei ßen. In der Tat ist "ethnische Säuberung" nicht
weniger verabscheuungswürdig als Apartheid, nur ein
effektiverer und tödlicher Mechanismus, um Gruppen
von Menschen voneinander zu trennen. Besteht wirklich ein Unterschied dazwischen, ethnischen Gruppen
nach Regionen zu trennen und Schwarze in Townships zu verbannen?
Dieser Unterausschuß und die Kommission haben
Tage, wenn nicht Wochen mit Gesprächen über Apartheid verbracht. Und sie haben wirksam dazu beigetragen, diesem verabscheuungswürdigen System hoffentlich den Garaus zu machen. Dennoch haben wir
nichts unternommen, um andere Formen der Rassendiskriminierung anzusprechen - ethnische Diskriminierung, Fremdenfeindlichkeit - die in der Welt von heute
wüten. Der Unterausschuß und die Kommission sollten gegen ethnische Diskriminierung mit derselben
Entschlossenheit und Energie vorgehen wie sie dies
gegen Apartheid getan haben.

Seite 1

�•

Die Greueltaten im ehemaligen Jugoslawien sind
Vorkommnisse, von denen ich annahm, daß wir sie nie
wieder erleben würden: Die Verbannung von ganzen
Gruppen von Menschen aus keinem anderen Grund
als ihrer ethnischen Zugehörigkeit, Internierungslager,
die Hinrichtung von Kindern. Wir alle haben die
Fernsehberichte von ausgemergelten und geschlagenen Männern gesehen, die durch Stacheldraht blicken.
Und das ehemalige Jugoslawien ist nicht die einzige
Region, in der Angriffe auf ethnische Gruppen stattfinden. Wir haben soeben von Sonderberichterstatter
Max Van der Stoel einen Zwischenbericht über den
Irak erhalten. Der Bericht beschreibt die Zwangsumsiedlungen und Bestrebungen der irakischen Regierung, die schiitische Bevölkerung im Süden "auszurotten". Muslime werden aus Burma vertrieben, Nepaleser aus Bhutan.
Ich habe einen Großteil dieses Jahrhunderts erlebt,
aber dies war das Schlimmste im Hinblick auf Grausamkeit und Ausmaß der Menschenrechtsverletzungen. Die gerade von mir aufgelisteten schrecklichen
Ereignisse haben Präzedenzfälle über die Jahre hinweg.
Dieses Jahrhundert kann jedoch auch auf einige gro ße
Errungenschaften zurückblicken. Im Jahr 1945 erklärte die Charta der Vereinten Nationen als ihr Ziel, "die
Achtung vor den Menschenrechten und Grundfreiheiten für alle ohne Unterschiede der Rasse, des Geschlechts, der Sprache oder der Religion zu fördern
und zu festigen". Eine Reihe von Vereinbarungen und
Übereinkünften haben dieses Mandat durchgesetzt.
Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte hat
universelle Normen geschaffen, deren Einhaltung jedes
Land anstrebt - eine Leistung, die nicht unterschätzt
werden sollte. Die Internationale Vereinbarung über
Bürgerliche und Politische Rechte - die mein Land in
diesem Jahr ratifiziert hat, was ich nicht ohne Stolz
feststellen möchte - hat den nächsten Schritt unternommen, mit dem die Vertragsparteien zur Berichterstattung über die Einhaltung der in der Vereinbarung
festgeschriebenen Rechte aufgefordert werden. Die
Konvention über Folterung fordert von allen Parteien
die strafrechtliche Verfolgung aller ihrer Gerichtsbarkeit unterstehenden Fälle von Folterung. Und die Signatarstaaten der Konvention über Völkermord haben
sich verpflichtet, "in der Absicht verübte Akte, ganze
oder Teile nationaler, ethnischer, rassischer oder religiöser Gruppen zu zerstören", zu verhindern oder zu
bestrafen.
Auch außerhalb des UN-Kontexts waren bedeutende
Entwicklungen zu verzeichnen. Die KSZE hat die
Einhaltung der Menschenrechte mit der Schlußakte
von Helsinki auf die politische Bühne gerückt. Die
Genfer Konventionen wurden überarbeitet und erweitert, um den Schutz der Opfer von Konflikten einzubeziehen.

Seite 2

Aber welchen Nutzen haben diese hehren Worte,
dieses völkerrechtliche Gremium der Normen, wenn
sie nicht in die Praxis umgesetzt werden? Unsere
jeweiligen Länder werden Statuten nicht nur zu dem
Zweck verabschieden, damit sie die Regale unserer
juristischen Bibliotheken füllen.
Unsere Länder haben universelle Normen der Menschrechte geschaffen. Wir haben ihre Verletzung
beklagt. Wir haben unsere Pflicht ratifiziert, Verletzer
ausfindig zu machen, strafrechtlich zu verfolgen und
zu bestrafen. Warum zögern wir jetzt, wirksame
Maßnahmen gegen diejenigen zu ergreifen, die das
verletzen, was bereits Völkerrecht ist?
Ich war Mitglied des Kriegsverbrechertribunals in
Nürnberg. Wir wurden scharf kritisiert, weil wir Verbrechen ex post facto geahndet haben mit Gesetzen, die
zu der Zeit nicht exisitierten, als diese abscheulichen
Verbrechen begangen wurden. Hier können wir rechtlich nicht auf solche Weise herausgefordert werden.
Die Normen und Gesetze bestehen, das einzig erforderliche ist Handeln - insbesondere Maßnahmen gegen
diejenigen, die Akte des Völkermords und der Folterung begehen.
Diejenigen, die grundlegende Menschenrechte verletzt haben, sei es in Jugoalawien, Irak oder andernorts, sollten benannt und für ihre Taten zur Verantwortung gezogen werden. Viele der Verbrechen fallen
unter die Zuständigkeit inländischer Gerichte oder
Kriegsgerichte. Ein Prozeß vor einem internationalen
Gerichtshof ist eine weitere Möglichkeit. Gleichzeitig
müssen wir Wege sondieren, um den Vereinbarungen
und Konventionen die Bedeutung zu verleihen, die wir
mit effektiven Durchsetzungsmethoden unterzeichnet
haben. Zumindest sollten wir nicht unsere Verpflichtungen ignorieren.
Aus meinen Erfahrungen als Bürgerrechtler im Süden
habe ich gelernt, wenn man Haß, Rassismus und
Fremdenfeindlichkeit ignoriert, werden sie sich nicht
verflüchtigen. Sie werden Teil eines Lebens, von dem
die Menschen das Gefühl haben, es akzeptieren lernen zu müssen. Sie könnten sogar Mode werden.
Rassismus ist wie ein verschmutzter Strom, der sich
durch eine Stadt wälzt. Der Strom nimmt Abfälle auf
und die Strömung wird stärker. Die Dämme nationaler
und öffentlicher Kritik können den Strom aufhalten und
das Abwasser auffangen. Weltweit müssen die Staaten diese zügelnde Rolle ausüben, indem sie sich
gegen Rassismus und ethnischen Haß aussprechen,
wann und wo immer sie auftreten. Wenn der Damm
einen Riß bekommt, müssen wir ihn sofort durch
Verurteilung des Übels stopfen. Denn mit der Zeit wird
dieser Riß sich nur vergrößern, bis Verschmutzung
und Intoleranz das Land überschwemmen.

AMERIKA DIENST 33

�Während wir in das dritte Jahrzehnt der Bekämpfung
von Rassendiskriminierung eintreten, sieht sich die
Welt mit neuen und virulenten Formen des Rassismus
konfrontiert. Wir haben erlebt, daß das Problem nicht
mit der Lösung anderer internationaler Probleme verschwindet. In der Tat scheint es sich mit dem Ende des
Kalten Kriegs verschärft zu haben: seit langem unterdrückter Nationalismus und ethnischer Stolz wurden
freigesetzt und haben sich rasch zu Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung degeneriert.
Das Mandat dieses Unterausschusses für die Verhinderung von Diskriminierung und den Schutz von Minderheiten fordert von jedem seiner Mitglieder die
Anwendung seines Wissens - des Wissens jedes
einzelnen - um die Ursachen neuer Formen von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit zu erforschen und

*

AMERIKA DIENST 33

mit konkreten Vorschlägen zur Bekämpfung der Bedrohung aufzuwarten. Diese vordringliche Aufgabe
sollte erste Priorität dieses Gremiums und der Kommission sein. Meine Regierung hat eine Sondersitzung der Menschenrechtskommissin einberufen, um
einige dieser Probleme zu prüfen - insbesondere die
Berichte über Internierungslager im ehemaligen Jugoslawien.
Die Lage der Welt von heute ist erschreckend. Menschenrechtsexperten aus der ganzen Welt sind hier
versammelt. Lassen Sie uns eine Vorgehensweise
planen, um die Geisel der Diskriminierung zu bekämpfen und hoffen, daß wir in Zukunft keine Dringlichkeitssitzungen mehr einberufen müssen, um Situationen zu
erörtern, die in unserer heutigen Gesellschaft schlicht
und einfach nicht bestehen sollten.

* * *

*

Seite 3

�NAFTA
19. August 1992

BUSH: NAFTA WIRD ARBEITSPLÄTZE SCHAFFEN
UND WACHSTUM FÖRDERN
Erklärung von Präsident Bush zum NAFTA
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush zufolge wird das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (North
American Free Trade Agreement - NAFTA) zwischen den Vereinigten Staaten, Kanada und Mexiko in allen drei
Ländern Arbeitsplätze schaffen, Wirtschaftswachstum fördern und amerikanische Firmen "auf der ganzen Welt
wettbewerbsfähiger machen".
In einer am 12. August 1992 nach Bekanntgabe der Einigung über das Abkommen abgegebenen Erklärung
stellte Bush ferner fest, das US-Umweltschutzamt EPA und die entsprechende mexikanische Behörde hätten
bereits einen umfassenden Plan zur Reinhaltung von Luft und Wasser sowie der Entsorgung von Giftmüll entlang
dem Rio Grande erarbeitet, der die Vereinigten Staaten und Mexiko trennt.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung von Präsident Bush im Wortlaut.

Der heutige Tag markiert den Beginn eines neuen
Zeitalters auf dem nordamerikanischen Kontinent. Heute
vormittag geben die Vereinigten Staaten, Mexiko und
Kanada den Abschluß der Verhandlungen über ein
Nordamerikanisches Freihandelsabkommen - NAFTA
- bekannt. Ich möchte Botschafterin Carla Hills, unserer Handelsbeauftragten, sowie dem mexikanischen
Handelsminister Serra und seinem kanadischen Amtskollegen Wilson meinen aufrichtigen Dank für diese
herausragende Leistung aussprechen.
Dieses historische Handelsabkommen wird weitere
Märkte in Mexiko, Kanada und den Vereinigten Staaten erschließen. Es wird in allen drei Ländern Arbeitsplätze schaffen und Wirtschaftswachstum fördern.
Der Kalte Krieg ist beendet. Die grundlegende Herausforderung, der sich die Vereinigten Staaten jetzt gegenübersehen, ist, auf einem sich rasch verändernden
und expandierenden Weltmarkt konkurrenzfähig zu
sein. Dieses Abkommen wird Nordamerika gleiche
Chancen einräumen und mehr Verkaufsmöglichkeiten
für amerikanische Firmen von Alaska bis Yucatan
schaffen. Durch den Abbau von Hemmnissen und
Erweiterung des Handels wird NAFTA unsere Unternehmen auf der ganzen Welt wettbewerbsfähiger
machen. Wir konnten dies beim kanadisch-amerikanischen Freihandelsabkommen beobachten und werden dies umso mehr mit NAFTA erleben.

AMERIKA DIENST 33

Offene Märkte in Mexiko und Kanada bedeuten mehr
amerikanische Arbeitsplätze. Unsere Nation ist der
führende Exporteur der Welt - wir liegen weit vor Japan
und Deutschland. Heute arbeiten über 7 Millionen
Amerikaner hart an der Herstellung von Produkten, die
weltweit abgesetzt werden. Die Vergütung für exportbezogenen Arbeitsplätze liegt um 17 Prozent höher als
der amerikanische Durchschnittslohn. Dies ist die Art
von Arbeitsplätzen, die unser Land benötigt, um
Wachstum und Wohlstand hervorzubringen - eine Art
Schaufenster für amerikanisches Talent und Technologie.
Über 600.000 Millionen Amerikaner sind in der Herstellung von Produkten und deren Verkauf nach Mexiko
beschäftigt - unserem am schnellsten expandierenden
Exportmarkt. Wir haben im vergangenen Jahr Waren
im Wert von über 33 Milliarden Dollar an Mexiko
verkauft und werden in diesem Jahr schätzungsweise
44 Milliarden Dollar umsetzen. In den letzten fünf
Jahren haben sich mit dem Abbau zahlreicher traditioneller Handels- und Investitionsrestriktionen in Mexiko durch Präsident Salinas unsere Exporte nahezu
verdreifacht - das bedeutet über eine Viertelmillion
neuer amerikanischer Arbeitsplätze. Dieses Abkommen hilft uns, die Errungenschaften festzuschreiben
und darauf aufzubauen.

Seite 1

�Im vergangen Jahr hat sich der Kongreß für die Förderung des NAFTA durch die Erweiterung des "FastTrack-Mandats" entschieden, mit dem Handelsabkommen dem Kongreß zur Erörterung vorgelegt und in die
Praxis umgesetzt werden. Der erfolgreiche Abschluß
der NAFTA-Verhandlungen belegt, wieviel erreicht
werden kann, wenn die Exekutive und der Kongreß
zum Wohl unserer Nation zusammenarbeiten. Ich
werde bei der raschen Durchsetzung des Abkommens
Hand in Hand mit dem Kongreß arbeiten.
Zu dem Zeitpunkt, als das "Fast-Track-Mandat" erweitert wurde, habe ich die von uns beabsichtigten Schritte zur Berücksichtigung der Anliegen von Umwelschützem und Tarif partnern dargelegt. Wir haben alle
versprochenen Maßnahmen ergriffen und erfüllen alle
von mit eingegangenen Verpflichtungen - oder gehen
sogar noch darüber hinaus.
Zum ersten Mal enthält ein Handelsabkommen strikte
Bestimmungen zum Umweltschutz. Das NAFTA trägt
den hohen Umwelt-, Gesundheits- und Sicherheitsnormen unserer Nation Rechnung. In der Tat geht es
sogar noch darüber hinaus und ermutigt alle drei
Länder, die höchstmöglichen Normen anzustreben.
Das US-Umweltschutzamt und die entsprechende
mexikanische Behörde haben bereits einen umfassenden integrierten Grenzplan zur Reinhaltung von
Luft und Wasser sowie der Entsorgung von Giftmüll
entlang dem Rio Grande erarbeitet. Diese Probleme
sind gravierend, werden jedoch durch Zusammenarbeit beim Umweltschutz, verstärkten Handel und höheres
*

Seite 2

Wirtschaftswachstum gelöst - nicht Protektionismus.
Bedauerlicherweise hat der Kongreß die Mittel für
unseren Grenzplan im Bewilligungsausschuß gekürzt
- ich bitte den Kongreß um die vollständige Finanzierung dieser wichtigen Umweltinitiativen.
Mit NAFTA erzielen wir Fortschritte bei unserer Handelsstrategie. Der Handel ist Bestandteil meines langfristigen Plans für Wirtschaftswachstum, um mehr
Chancen für alle Amerikaner zu schaffen. In einer sich
wandelnden Welt müssen wir unseren Arbeitnehmern
die Ausbildung und Fähigkeiten zur Verfügung stellen,
die sie benötigen, um wettbewerbsfähig zu sein und
ihnen Hilfestellung und Umschulungsmaßnahmen
bieten, damit sie gute Arbeitsplätze finden können.
Ich habe es viele Male gesagt: Geben Sie dem
amerikanischen Arbeitnehmer die gleichen Chancen
und er wird jeden jederzeit mit seinem Erfindungsgeist
und seiner Arbeitskraft ausstechen.
Das heutige historische Abkommen verbindet unsere
Zukunft mit unserer Vergangenheit. In diesem Monat
vor 500 Jahren setzte ein Mann mit Mut und Vision die
Segel in der Alten Welt auf der Suche nach neuen
Handelsrouten und -Chancen. Christopher Columbus
war ein Unternehmer - die von ihm vor 5 Jahrhunderten
angetretene Reise macht sich auch heute noch in
vielfältiger Weise bezahlt. Indem wir das Nordamerikansiche Freihandelsabkommen voranbringen, werden wir diese Investition auffüllen und neue Horizonte
und Unternehmen in der Neuen Welt eröffnen.

*

AMERIKA DIENST 33

�NAFTA
19. August 1992

USA, MEXIKO UND KANADA BEENDEN
NAFTA-VERHANDLUNGEN
Zustimmung des Kongresses noch erforderlich
WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten,
Mexiko und Kanada haben die Verhandlungen über
ein Freihandelsabkommen abgeschlossen, das den
größten Binnenmarkt der Welt schaffen würde - 360
Millionen Menschen produzieren Waren und Dienstleistungen in Höhe von 6 Billionen Dollar pro Jahr.
Das wenige Minuten nach Mitternacht am 12. August
1992 nach 14monatigen Verhandlungen abgeschlossene Nordamerikanische Freihandelsabkommen (North
American Free Trade Agreement - NAFTA) bedarf
noch der Zustimmung des amerikanischen Kongresses sowie der kanadischen und mexikanischen Legislative.
"Dieses Abkommen wird Nordamerika gleiche Chancen einräumen und mehr Verkaufsmöglichkeiten für
amerikanische Firmen von Alaska bis Yucatan schaffen, lautet die Aussage von Präsident Bush in einer
schriftlichen Erklärung. "Durch den Abbau von Hemmnissen und Erweiterung des Handels wird NAFTA
unsere Unternehmen auf der ganzen Welt wettbewerbsfähiger machen."
NAFTA würde am 1. Januar 1994 in Kraft treten.
Vorbehaltlich der Zustimmung der Mitgliedstaaten
könnten andere Länder dem NAFTA später beitreten
und jedem Land würde nach einer sechsmonatigen
Frist die Kündigung des Abkommens gestattet. Es
wird einen Großteil, wenn auch nicht alle Bestandteile
des amerikanisch-kanadischen Freihandelsabkommens
von 1988 ersetzen.
NAFTA würde binnen 15 Jahren alle Handelszölle
zwischen den Vereinigten Staaten, Mexiko und Kanada abbauen. Die Zölle für die Hälfte der 9.000 von dem
Abkommen abgedeckten Produkte würden unverzüglich beseitigt, für ungefähr 15 Prozent nach fünf Jahren
und für die übrigen nach sechs bis 15 Jahren.
Gegenwärtig betragen die amerikanischen Zollsätze
durchschnittlich 4 Prozent, die mexikanischen sind
2,5mal so hoch.

AMERIKA DIENST 33

Zu den sensiblen amerikanischen Industriezweigen,
die über den gesamten 15jährigen Zeitraum vom Abbau
der Zölle geschützt sind, zählen Gummischuhe, Keramikfliesen, Haushaltsglasartikel, Erdnüsse, Zucker,
Orangensaft, Brokkoli, Gurken, Spargel, Zwiebeln,
getrockneter Knoblauch, Kantalupen und bestimmte
andere Melonensorten, stellte der Stellvertretende USHandelsbeauftragte Julius Katz fest.
Im Gegenzug hätte Mexiko 15 Jahre Zeit, um die Zölle
auf Mais, getrocknete Bohnen und Michpulver ohne
Fettanteile abzubauen, erklärte Katz.
Unter den Waren, bei denen Mexiko die Zölle unverzüglich aufheben würde, sind Telekommunikationsgeräte, Computer und Computerteile, Luft- und Raumfahrt- sowie medizinische Geräte.
Über 45 Prozent aller amerikanischen Importe aus
Mexiko werden bereits im Rahmen des Allgemeinen
Präferenzsystems und der Initiative Karibisches Bekken zollfrei eingeführt. Katz zufolge würde der sofortige Abbau von Zöllen unter NAFTA dieses Niveau auf
über 50 Prozent anheben.
Die drei Länder würden die Zölle auf Bier mit einer
sofortigen Reduzierung von 20 Prozent binnen acht
Jahren aufheben.
Mexiko würde die Zölle auf amerikanische Autos und
Lastwagen unverzüglich um die Hälfte abbauen und im
Verlauf von 5 Jahren die Zölle auf 75 Prozent der
Autoteile abschaffen.
Gemäß der NAFTA-Bestimmung über das Herkunftslands des Produkts würden nur Autos, die zu 62,5
Prozent aus in Nordamerika hergestellten Teilen bestehen, unter die zollfreie Behandlung fallen, was
beträchtlich über der 50-Prozent-Klausel des amerikanisch-kanadischen Freihandelsabkommens liegt. Die
Bestimmung beginnt bei 50 Prozent, wird nach 4
Jahren auf 57 Prozent und nach 8 Jahren auf 62,5
Prozent angehoben.

Seite 1

�NAFTA würde darüber hinaus die Bestimmung über
das Herkunftsland für Automobile klären. Eine verwirrende Vorschrift hat bei der Durchführung dieses Teils
des amerikanisch-kanadischen Freihandelsabkommens
zu Problemen geführt. Die neue Regel erfordert
Berechnungen anhand einer auf die Gesamtkosten
minus der Kosten für Lizenzen, Verkaufsförderung,
Verpackung und Transport errechneten "Nettokostenmethode" und setzt eine Obergrenze für die abzugsfähigen Zinsen.
Mexiko müßte ferner über 10 Jahre hinweg seinen
"Ausgleich der Handelsbilanz" und die "Bestimmungen
über den Prozentsatz der im Inland hergestellten Teile"
für Autoimporte schrittweise abbauen. Im Rahmen der
derzeitigen Bestimmungen über den Ausgleich der
Handelsbilanz importiert Mexiko nur ein Auto für jedes
1,75te exportierte Auto. Binnen 10 Jahren würde diese
Zahl von 1,75 auf 0,87, dann auf 0,5 und schließlich auf
Null reduziert.
Alle drei Länder würden ihre Restriktionen bei Importen von Textilien und Oberbekleidung in einem Zeitruam von 10 Jahren abbauen. Die Vereinigten Staaten
würden unverzüglich die Importquoten auf in Mexiko
hergestellte Waren aufheben, die die NAFTA-Bestimmungen über das Herkunftsland erfüllen.
Die Bestimmung über das Herkunftsland lautet für die
meisten Textilien und Oberbekleidungsprodukte "yarn
forward" - die Waren müssen aus in einem NAFTALand hergestelltem Garn produziert werden. Die Regel
für aus Baumwolle und künstlichen Fasern hergestellte Waren ist "fiber forward" - sie müssen aus in einem
NAFTA-Land hergestellten Fasern produziert werden.
Mexiko hat darauf bestanden, an seinem verfassungsmäßigen Mandat zur Aufrechterhaltung staatlicher
Monopole in den Sektoren Öl, Erdgas, Raffinierien,
Basispetrochemikalien, Kernkraft und Stromversorgung festzuhalen.
Mexikos staatliche Ölmonopolgesellschaft PEMEX und
die Eletrizitätsmonopolgesllschaft CFE würden ihre
Märkte auf andere Weise öffnen. Sie würden amerikanische und kanadische Investitionen in nichtgrundlegende petrochemische Produkte und in Eletrizitätskraftwerke für den "Eigenbedarf", gemeinsame Erzeugung sowie unabhängige Elektrizitätserzeugung gestatten.
Darüber hinaus würden sie schrittweise die Restriktionen bei staatlichen Beschaffungsverträgen abbauen 50 Prozent sofort, 70 Prozent binnen acht Jahren und
100 Prozent in 10 Jahren.
NAFTA würde jedoch keine Bestimmungen enthalten,
die den Vereinigten Staaten die gesicherte Energieversorgung aus Mexiko entsprechend dem in dem
Abkommen mit Kanada von 1988 enthaltenen Passus
garantiert.

Seite 2

"Dies ist auf die von der (mexikanischen) Verfassung
auferlegten Einschränkungen zurückzuführen", erklärte die US-Handelsbeauftragte Carla Hills in einer
Pressekonferenz im Weißen Haus und fügte hinzu, die
amerikanische Delegation habe allerdings einige
"äußerst wichtige und wertvolle" Konzessionen zur
Energieversorgung erhalten.
NAFTA würde darüber hinaus:
Amerikanischen Unternehmen nationale Gleichstellung für Investitionen in Mexiko einräumen das heißt, amerikanische Firmen würden gleich
behandelt wie mexikanische.
Bis 1999 alle Beschränkungen für amerikanische Lastwagenfahrer aufheben, in Mexiko tätig
zu werden.
Die Chancen für den amerikanischen Export
von Versicherungs- und anderen finanziellen
Dienstleistungen nach Mexiko erweitern.
Amerikanische Patente, Urheberrechte, Warenzeichen und anderes geistiges Eigentum in Mexiko
schützen.
NAFTA würde ferner binationale und trinationaie Gremien schaffen, die im Rahmen des Abkommens auftretende handeis- und umweltpolitische Konflikte schlichten. Der Stellvertretende US-Handelsbeauftragte Katz
erkläre, der Konfliktschlichtungsmechanismus sei
anhand des in dem amerikanisch-kanadischen Abkommen enthaltenen modifiziert worden. Berichte der
Gremien wären nicht ausdrücklich bindend, es sei
denn, die Parteien vereinbaren im voraus die verbindliche Schlichtung, fügte er hinzu.
Entsprechend, so Katz, gäbe es im NAFTA Berufungsgremien bei Dumping- und Subventionsproblemen wie
im amerikanisch-kanadischen Freihandelsabkommen.
Die US-Handelsbeauftragte reichte dem mexikanischen Handelsminister Jaime Serra Puche und seinem kanadischen Amtskollegen Michael Wilson am
Morgen des 12. August die Hand zu einem symbolischen Händedruck auf das Abkommen.
In den kommenden Wochen werden Rechtsanwälte
aus den drei Ländern den englischen, spanischen und
französischen Wortlaut des Abkommens erstellen.
Wenn der "rechtliche Feinschliff" erfolgt ist und die
Berichte von den 40 amerikanischen Beratungsausschüssen unterbeitet worden sind, wird Präsident Bush
das Abkommen paraphieren und dem Kongreß voraussichtlich im September zur Prüfung vorlegen. Dem
Kongreß stehen 90 Kalendertage zur Beratung zur
Verfügung.
Dann kann Präsident Bush das Abkommen offiziell
unterzeichnen und an den Kongreß zur Verabschiedung weiterleiten. Binnen 90 Arbeitstagen - was

AMERIKA DIENST 33

�ungefähr 8 Monaten entspricht - muß der Kongreß
seine Zustimmung oder Ablehnung bekanntgeben.
Daher wird die endgültige Entscheidung erwartungsgemäß beim Kongreß und dem im November gewählten Präsidenten liegen.
Der Großteil der Opposition gegen das NAFTA kam
von Gewerkschaften und Umweltschutzorganisationen.
Bei einer Pressekonferenz stellte die US-Handelsbeauftragte Hills fest, NAFTA würde die von Präsident
Bush gegenüber dem Kongreß eingegangenen Verpflichtungen erfüllen oder sogar darüber hinausgehen,
"da es den Umwelt-, Sicherheits- und Gesundheitsnormen der Vereinigten Staaten Rechnung trägt und
uns in die Lage versetzt, auf Regierungs- und bundesstaatlicher Ebene noch striktere Normen durchzusetzen sowie unsere Partner zur Verschärfung ihrer Normen
ermutigt."
Hills verwies ferner darauf, mit einem Abkommen in
der Hand könne die Bush-Administration jetzt ein

*

AMERIKA DIENST 33

Unterstützungsprogramm für Arbeitnehmer entwickeln, die ihren Arbeitsplatz aufgrund des NAFTA verlieren.
"Ich möchte jedoch umgehend hinzufügen, unsere
Wirtschaftsstudien belegen, daß dank dieses Abkommens unter dem Strich neue Arbeitsplätze geschaffen
und nicht abgebaut werden", erklärte Hills.
Die Handelsbeauftragte betonte, andere Länder sollten das amerikanisch-mexikanisch-kanadische Handelsabkommen nicht als Protektionismus ansehen
und fügte hinzu, das Abkommen würde das Engagement der Vereinigten Staaten zum Abschluß der in
einer Patt-Situation befindlichen sechs Jahre alten
Uruguay-Runde multilateraler Handelsgespräche im
Rahmen des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens GATT nicht untergraben.
"Wir haben keine einzige Handelsschranke gegen das
Ausland errichtet", so Hills. "Wir haben nur die Handelshemmnisse innerhalb Nordamerikas abgebaut.
Unseres Erachtens wäre ein erfolgreicher Abschluß
der GATT-Gespräche eine wunderbare Leistung. Und
wir hoffen, daß uns das in diesem Jahr gelingt."

* * *

*

Seite 3

�WAHLEN

'9 2
19. August 1992

DEBATTEN DER PRÄSIDENTSCHAFTSKANDIDATEN
Kommission legt Zeitplan vor
WASHINGTON - (AD) - Die Kommission für Debatten der Präsidentschaftskandidaten hat für den kommenden
Herbst einen Zeitplan für vier Debatten zwischen den Bannerträgern der Demokratischen und Republikanischen
Partei bekanntgegeben. Die Präsidentschaftskandidaten werden sich in drei Diskussionen stellen, die
Vizepräsidentschaftskandidaten in einer. Alle Diskussionsrunden werden landesweit im Fernsehen übertragen
und dauern 90 Minuten.

Die Debatten zwischen den Präsidentschaftskandidaten sollen am 22. September 1992 in der Michigan
State University, am 4. Oktober in der University of San
Diego und am 15. Oktober in der University of Richmond stattfinden. Die Diskussion zwischen den Vizepräsidentschaftskandidaten ist am 29. September in
Louisville vorgesehen.
Der stellvertretenden Vorsitzende der Kommission,
der ehemalige Vorsitzende des Nationalen Komitees
der Demokraten, Paul Kirk, und der ehemalige Vorsit-

zende des Nationalen Komitees der Republikaner,
Frank Fahrenkopf, erklärten, die Clinton-Gore-Wahlkampfleitung habe dem Zeitplan zugestimmt und sie
hofften auf eine Antwort der Bush-Quayle-Wahlkampfleitung nach dem Parteikonvent der Republikaner.
Die 1988 gegründete Kommission für die Debatten hat
im Wahljahr 1988 zwei Diskussionsrunden zwischen
den Präsidentschaftskandidaten und eine zwischen
den Vizepräsidentschaftskandidaten veranstaltet.

* * * *

AMERIKA DIENST 33

*

Seite 1

�W A H L E N '92
19. August 1992

DIE ROLLE VON MEINUNGSUMFRAGEN
IM WAHLKAMPF
von Clyde Linsley
WASHINGTON - (AD) - In dem nachfolgend veröffentlichten Artikel beschreibt der Autor die Entwicklung und
gegenwärtige Rolle von Meinungsumfragen im amerikanischen Wahlprozeß. Ihm zufolge liefern gerade
Meinungsumfragen den Kandidaten das Werkzeug zur Verbesserung der Effektivität ihres Wahlkampfs. Der
Autos ist freiberuflicher Journalist in Washington.
Der amtierende US-Senator hatte ein Problem, und
seine Wahlkampfberater wußten nicht recht damit
umzugehen. Er stand vor dem schwierigsten Herausfordererer seines Lebens, einem gutaussehenden und
jungen pensionierten General des Heeres, Rhodes
Scholar, Football-Star seines Colleges und VietnamVeteran - all die Merkmale, mit denen man Wähler
gewinnen kann. Der Senator erschien im Vergleich
dazu farblos.
Der Herausforderer hatte erst vor kurzem, nach einer
Karriere bei den US-Streitkräften, die ihn in alle Teile
der Welt geführt hatte, seinen Wohnsitz in den Staat
verlegt, den er repräsentieren wollte. Bei der Ankündigung seiner Kandidatur hatte der Herausforderer in
Länge und Breite über die Gründe für seinen Umzug in
diesen Staat gesprochen. Er sprach von der schönen
Landschaft, den hart arbeitenden Menschen und all
den anderen Attraktionen, die ihn hierher geführt hatten.
Aber als sich die Berater des Senators mit einer
repräsentativen Gruppe potentieller Wähler zusammensetzten, entdeckten sie, daß ihr gutaussehender
junger Gegner eine Schwäche besaß, die sie nicht
vermutet hätten: die Leute lachten über ihn. Insbesondere lachten sie darüber, wie er seine Entscheidung für
den Umzug in ihren Staat begründete. Sie glaubten
nicht, er sei aufgrund der Menschen oder der Naturschönheiten in ihren Staat gezogen. Ihrer Meinung
nach war er nur gekommen, um für den Senat zu
kandidieren.
Als die Berater des Senators mit ihrer Zielgruppe von
Wählern zusammentrafen, entdeckten sie die Achillesferse des Herausforderers. Sie handelten sofort,
um sie mit einer Reihe von Werbespots auszunutzen,
in denen die Worte des Herausforderers abgespielt
wurden.
AMERIKA DIENST 33

"Diese Leute haben instinktiv gesagt: 'Dieser Mann ist
nicht echt'," erklärte einer der Insider im Wahlkampf
des Senators. "Niemals hätten wir daran gedacht, dies
zu benutzen, aber es wurde zentraler Bestandteil des
Wahlkampfs."
Am Wahltag verlor der Herausforderer haushoch
gegenüber dem amtierenden Senator, der 75 Prozent
der Stimmen errang.
Eins zu Null für Meinungsumfragen.
In den Vereinigten Staaten war Politik seit jeher ein
Feld intensiver Diskussionen und Debatten, aber in
den letzten Jahren ist viel mehr daraus geworden. Sie
ist jetzt ein florierendes Geschäft, dessen Beteiligte
sich die Techniken des Markts zunutze machen, um
einen größeren Anteil am Markt der Ideen zu gewinnen.
Tatsächlich wird angesichts der ständig steigenden
Kosten für einen politischen Wahlkampf eine Investition in die Erforschung der öffentlichen Meinung für
jeden ernsthaften Aspiranten auf ein öffentliches Amt
immer wichtiger. Ein Wahlkampf fordert mehr als
intensives Engagement, er erfordert den effektiven
Einsatz von Geld und anderen Ressourcen. Die
Meinungsforschung liefert den Kandidaten das Werkzeug zur Verbesserung der Effektivität ihres Wahlkampfs.
Meinungsumfragen sagen den Kandidaten, wo ihre
Stärken und Schwächen liegen und wie diese von den
Wählern wahrgenommen werden. Sie verraten den
Kandidaten die Themen, die die Wähler beschäftigen
und die Fragen, die sie unbeeindruckt lassen. Sie
verraten den Kandidaten, wo wahrscheinlich ihre loyalsten Förderer leben, aus welchen Berufen sie kommen, was sie in ihrer Freizeit tun und vieles mehr. Sie
verraten den Kandidaten auch, wo sie besser keinen
Seite 1

�Wahlkampf betreiben, weil diese Anstrengung an
unversöhnliche Feinde verschwendet wäre.
"Es ist ein sehr nützliches Instrument, mit dessen Hilfe
wir verstehen können, wie eine sehr komplexe und
heterogene Öffentlichkeit tickt," erklärt die Washingtoner Journalistin Karlyn Keene. "Aber es ist ein
schlichtes Instrument und sollte vielleicht nicht dazu
benutzt werden, Politik zu machen." Keene, die eine
Zeitschrift für ein führendes Washingtoner Forschungsinstitut herausgibt, beobachtet Meinungsumfragen und
Politik sehr genau.
Dennoch wird der Einsatz von Meinungsumfragen in
politischen Kampagnen immer populärer. Meinungsforscher haben in der Öffentlichkeit beträchtlich an
Status gewonnen, und Kandidaten für öffentliche Ämter
nehmen auch auf kommunaler Ebene stärker Zuflucht
zu Meinungsumfragen, um sich davon in ihren Kampagnen leiten zu lassen.
Gestern und heute
Ein über 40 Jahre altes Zeitungsphoto erinnert an
eines der dauerhaftesten Images, das je in der politischen Geschichte der Vereinigten Staaten produziert
wurden. Das Photo stellt einen strahlenden Harry S.
Truman dar, im ersten Rausch seines Wahlsiegs zum
US-Präsidenten, wie er triumphierend eine früh erschienene Zeitung schwenkt, deren Schlagzeile den
Erdrutschsieg des Truman-Rivalen, des Republikaners Thomas E. Dewey, verkündet.

und durchführen, sondern auch solche, die die Ergebnisse dieser Untersuchungen interpretieren und sie in
Wahlkampfthemen und Medienstrategien umsetzen.
Es heißt, daß 1980 bereits der Umfrageberater Patrick
Caddell an allen Mitarbeiterbesprechungen zur Wiederwahlkampagne des Amtsinhabers Jimmy Carter
ebenso teilnahm wie an den Strategiesitzungen.
Dasselbe galt für Richard Wirthlin im Wahlkampf von
Carters Gegner, Ronald Reagan.
Wie Meinungsforschung funktioniert
"Es gibt zwei sehr einfache, aber unterschiedliche
Einsatzmöglichketien von Meinungsumfragen,"erklärt
der ehemalige Reagan-Berater Wirthlin, der jetzt Inhaber einer politischen Forschungsorganisation bei
Washington ist. "Zum einen gibt es die beschreibende
Funktion, die dem Kandidaten und seinen Mitarbeitern
vor allem anzeigt, wer in Führung liegt, was von den
Wählern als das wichtigste Thema angesehen und
was der Kandidat aus der Sicht der Wähler im Falle
seiner Wahl erreichen wird und was nicht.
Von größerer Bedeutung für den Wahlkampf und die
Kandidaten sind jedoch strategische Umfragen - nicht
eine Bilanz der Wahlkampagne zu einem bestimmten
Zeitpunkt, sondern vielmehr eine Bewertung dessen,
was der Kandidat tun sollte, um Stimmen für sich zu
gewinnen - die sich mit ausgemachten Schwächen
oder Stärken befassen und Zielgruppen nach Demographie, Geographie und Lebensstil aufschlüsseln."

Das Photo erwies sich für die Zeitung und für die Firma
Gallup, deren Umfragen Deweys bahnbrechenden
Sieg prognostiziert hatten, als peinlich. Es war darüber
hinaus jahrelang eine Quelle der Belustigung für Beobachter der politischen Landschaft in Amerika.

1980 und erneut als Präsident Reagan 1984 für die
Wiederwahl kandidierte benutzten Wirthlin und seine
Mitarbeiter häufig die sogenannte "Zielgruppen-Forschung", wie die von dem oben erwähnten amtierenden Senator verwendete.

Für Präsident Trumans waren die Wahlergebnisse von
1948 eine freudige Überraschung, aber eine Überraschung kann ebensogut unerfreulich sein. Die Kunst
und Wissenschaft der politischen Umfragen entwickelten sich, um solche unerwarteten Entwicklungen zu
vermeiden - oder zumindest erheblich zu reduzieren.

Zielgruppen sind eine aus dem Bereich des Produktmarketing entlehnte Technik. Eine Gruppe von Leuten
wird in einem Raum versammelt und zur Erörterung
mit Themen der bevorstehenden Wahl veranlaßt. Die
Kommentare werden ohne Wissen der Gruppe festgehalten und von den Wahlhelfern in der Hoffnung analysiert, die tieferen Gefühle und Werturteile über die
Wahlkampagne herauszufinden, die ein offener Fragebogen vielleicht nicht erzielt.

1960 spielten politische Meinungsumfragen bereits
eine wichtige Rolle, um Kandidaten zu helfen, über die
Entwicklung ihrer Kampagne auf dem laufenden zu
sein. In jenem Jahr beauftragte John F. Kennedy Louis
Harris, Wähler in mehreren wichtigen Staaten zu befragen, in denen Kennedy Siege bei den Vorwahlen
benötigte, um die Nominierung der Demokraten als
Präsidentschaftskandidat zu erlangen.
Bei den nachfolgenden Präsidentschaftswahlen haben Meinungsforschungsinstitute sogar eine noch
größere Rolle gespielt. In den frühen Jahren kamen
Meinungsforscher vor allem aus der Werbebranche Marktforscher, die einmal Produkte und dann wieder
Menschen im Auge hatten, zumindest bis die Kampagne vorbei war. Bald entwickelten sich jedoch politische Forschungsspezialisten, und heute gibt es nicht
nur Spezialisten, die politische Umfragen erarbeiten

Seite 2

"Um einen Sinneswandel zu bewirken, muß man diese
emotionalen Bindungen anzapfen, die durch Werte
geprägt werden", so Wirthlin.
Zielgruppen sind nicht zwangsläufig für die gesamte
Wählerschaft repräsentativ. Öffentliche Meinungsumfragen geben sich andererseits große Mühe, einen
repräsentativen Querschnitt derjenigen zu erstellen,
die wahrscheinlich zur Wahl gehen.
Das Ziel dieser Umfragen besteht nicht nur in einer
Feststellung der Themen, die Wähler motivieren und
ihrer Einschätzung des Kandidaten, sondern auch
darin, herauszufinden, auf was sich die Kandidaten
konzentrieren sollten. Das Ziel ist nicht, einen Appell
zu formulieren, der für alle Wähler überzeugend klingt.
AMERIKA DIENST 33

�"Man benötigt nicht 70 oder 80 Prozent der Wählerstimmen, um in den meisten Demokratien den Sieg
davonzutragen", erklärt Wirthlin. "Man braucht 50
Prozent plus eine Stimme."
"Jeder Wahlkampt ist eine Entscheidung zwischen
zwei Kandidaten", stellt Tom Ochs, rangältester Vizepräsident der Washingtoner Beratungsfirma Squier
Eskew Knapp fest. "Haben Sie einen Kandidaten mit
Schwächen, werden die Meinungsumfragen belegen,
wie schlecht und wo er am schwächsten ist."
Aufgrund der Konzentration auf die Bereiche, in denen
die Unterstützung des Kandidaten am stärksten ist und
um einen Sinneswandel der Wähler zu bewirken, die
unentschlossen oder von der Opposition nicht allzu
überzeugt sind, hoffen die Wahlkampfstrategen, genug Stimmen für den Wahlsieg zu sammeln. Dies wird
für gewöhnlich bewirkt, indem man auf die natürlichen
Stärken eines Kandidaten aufbaut und seine Schwächen herunterspielt.
"Bei dem Wahlkampf, an dem wir arbeiten, hat niemand so viele Schwächen, daß er sich für ein öffentliches Amt disqualifiziert", so Ochs. "Jeder wirft etwas
in die Waagschale."
In der ersten Phase des Wahlkampfes, erläutert Ochs,
verlassen sich die Wahlhelfer vornehmlich auf die
Erforschung von Themen, Hochrechnungen und andere öffentliche Trends im Hinblick auf den Kandidaten
oder seinen Gegner. Zweck der Übung ist, sagen zu
können: "Hier sind drei oder vier sehr überzeugende
Botschaften oder Themen, auf die die meisten Leute
reagieren."
Nach Beginn des Wahlkampfes führt eine gut finanzierte Kampagne regelmäßig Meinungsumfragen durch.
Diese sogenannten "stichprobenartigen" Meinungsumfragen vermitteln den Wahlhelfern, wie gut ihre
Botschaft von den Wählern aufgenommen wird und
machen sie frühzeitig genug auf einen unerwarteten
Meinungsumschwung aufmerksam, daß sie davon
profitieren können.
Die Frage der Genauigkeit
Früher haben Kandidaten und Wahlkampfstrategen
häufig die Ergebnisse von Meinungsumfragen unberücksichtigt gelassen, mit denen sie nicht übereinstimmten. Selbst heute ist es noch an der Tagesordnung, daß ein Kandidat erklärt, die Ergebnisse der
Meinungsumfragen seines Gegners seien ungenau,
wenn er den Meinungsumfragen zufolge schlechter
abschneidet. In jenen frühen Tagen war es für die
Meinungsforscher eine große Versuchung, ihren Auftraggebern das zu sagen, was sie hören wollten.
Karlyn Keene vertritt die Auffassung, daß dies heute
eher selten ist.

*

AMERIKA DIENST 33

*

"Das mag früher zutreffend gewesen sein", erklärt sie.
"Es liegt jedoch nicht in ihrem Interesse, den Kandidaten zu belügen oder die Wahrheit zu verschleiern, weil
sie sich im weiteren Verlauf des Wahlkampfes einem
Test stellen müssen." Am Wahltag kommt die Wahrheit für diejenigen an den Tag, die sie zu verschleiern
versucht haben.
Darüber hinaus können die Meinungsumfragen des
Kandidaten mit denen einer Reihe öffentlicher Meinungsforschungsinstitute verglichen werden, deren
Ergebnisse regelmäßig in den Medien veröffentlicht
werden.
Politiker lieben keine Überraschungen und dies heute
noch weniger als 1948. Die Kosten einer Wahlkampagne für die Wahl in ein Amt - Reisen, Mitarbeiterhonorare, Werbespots - sind so hoch, daß alle Methoden
ausgeschöpft werden müssen, um diese Ausgaben so
effektiv wie möglich zu nutzen.
Meinungsumfragen sind ein Instrument, um dem
Wahlkampf die Ungewißheiten zu nehmen, aber ständig werden neue Verfahren entwickelt.
"Meinungsumfragen sind nur eine Komponente eines
als PINS bezeichneten politischen Informationssystems, das wir entwickelt haben", stellt Wirthlin fest.
Dieses System stützt sich auf die bei den Meinungsumfragen erzielten Daten zusammen mit traditionellen
Wahlkampfinformationen sowie mathematischen
Computerberechnungen, um ein detaillierteres Bild
der Wähler - und ihrer Einschätzung des Kandidaten zu erhalten als Meinungsumfragen allein dies vermitteln könnten.
"Mit der Weiterentwicklung von Computern und unserer Sicht des Prozesses wird PINS immer mehr eingesetzt", erklärt er. "Meines Erachtens ist der einzelne
Wähler sehr unberechenbar, und ich glaube nicht, daß
wir je den Punkt erreichen, an dem wir alles wissen."
In der Tat lag Michael Dukakis zu Anfang des Präsidentschaftswahlkampfes 1988 Berichten zufolge 17
Prozentpunkte vor seinem voraussichtlichen republikanischen Rivalen, dem damaligen Vizepräsidenten
George Bush. Am Wahltag hielt jedoch Bush mit 54
Prozent der Stimmen Einzug ins Weiße Haus.
Waren die ersten Meinungsumfragen falsch, wie einige Beobachter glauben, oder haben unerwartete Entwicklungen einen drastischen Sinneswandel der Wähler
bewirkt? Oder war das Ergebnis eine Kombination
beider Faktoren?
Diese Frage wird niemals gelöst werden, gleichgültig
wieviel Forschung auch betrieben wird. "Eine der
Freuden der Politik ist, daß sie so unberechenbar ist",
so Wirthlin. "Ich glaube nicht, daß Forschung je
Intuition und gesunden Menschenverstand ersetzen
kann."
*

*

Seite 3

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11539">
                <text>19.08.1992</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11540">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11541">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11542">
                <text>Amerikadienst 19.08.1992</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11543">
                <text>&lt;strong&gt;1. Bush/Baker&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush gibt Bakers Versetzung ins Weiße Haus bekannt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung von Präsident Bush&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Bosnien&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Maßnahmen der USA zu Bosnien&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Anhörung vor dem Streitkräfteausschuß des Senats&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Flüchtlinge&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Abram verurteilt "ethnische Säuberung" im ehemaligen Jugoslawien&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des US-Vertreters bei den Vereinten Nationen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. NAFTA&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush: NAFTA wird Arbeitsplätze schaffen und Wachstum fördern&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung von Präsident Bush zum NAFTA&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA, Mexiko und Kanada beenden NAFTA-Verhandlungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Zustimmung des Kongresses noch erforderlich&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Wahlen'92&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Debatten der Präsidentschaftskandidaten &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Kommission legt Zeitplan vor&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Rolle von Meinungsumfragen im Wahlkampf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Clyde Linsley&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2676" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2641">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/2fff5fc749d20c8fec8f477aee6785bd.pdf</src>
        <authentication>c6b22bcd808288cfb22327d2812e2d0c</authentication>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="14832">
                <text>Amerikadienst 19.09.1956</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="49">
            <name>Subject</name>
            <description>The topic of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="14833">
                <text>Allgemeines</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="14835">
                <text>19.09.1956</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="14891">
                <text>Herausgeben U.S. Information&#13;
Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="20190">
                <text>&lt;strong&gt;1. Artikel&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Peking gegen Mohammed (III und Schluss)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Clearinghaus für Fortschritt von Wissenschaft und Technik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Aus der Tätigkeit des US-Amtes für Technische Informationen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikas Lust an guter Musik steigt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rund 1000 Orchester gehen in die Saison 1956/57&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Kurz berichtet&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Papier aus Nylon&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Wassermelonenhauptstadt der Welt</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="20191">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2876" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2741">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/ceaade2287792185b34e2c5c6bc2fceb.pdf</src>
        <authentication>2ee77bdc50f054e25e2fe5182583efe7</authentication>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="15450">
                <text>Amerikadienst 19.09.1958</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="49">
            <name>Subject</name>
            <description>The topic of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="15451">
                <text>Allgemeines</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="15452">
                <text>Herausgeben U.S. Information&#13;
Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="15453">
                <text>19.09.1958</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="15454">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="20341">
                <text>&lt;strong&gt;1. Hochschulwesen&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Akademische Tradition und 900-Millionen-Dollar-Gesetz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erster Schritt zu einer Bundes-Hochschulpolitik in den USA&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Vereinte Nationen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Große Wiederaufbauleistung der UN in Südkorea&lt;br /&gt;Nach Abwehr der Aggression leisteten 39 Länder tatkräftige Hilfe&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Von Kunst und Künstlern&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;George Gershwin, der musikalische Interpret Amerikas&lt;br /&gt;Gershwin wäre nun 60 Jahre alt&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Liste der Gedenktage für Oktober 1958&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Anhang&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Eisenhower unterstreicht feste Haltung der USA in der Fernostkrise&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut der Rede des US-Präsidenten vom 11. September 1958&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Präsident Eisenhower antwortet Chruschtschow&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut des Schreibens vom 13. September 1958&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
</itemContainer>
