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RÜSTUNGSKONTROLLE

DIE ROLLE DER RÜSTUNGSKONTROLLE IM
ZEITALTER NACH DEM KALTEN KRIEG
Rede von ACDA-Direktor Lehman

GOLFKRIEG

BERICHT ÜBER DEN GOLFKRIEG UNTER STREICHT ERFAHRUNGEN DER KOALITION
Eine Übersicht zum Bericht des Pentagon

USA - DEUTSCHLAND

HANDEL IN OSTDEUTSCHLAND - DIE ROLLE
DER VEREINIGTEN STAATEN
Rede von Botschafter Kimmitt vor dem
American-German Business Club

WAHLEN '92

DIE FINANZIERUNG AMERIKANISCHER
PRÄSIDENTSCHAFTSWAHLKÄMPFE
von Herbert E. Alexander

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�RÜSTUNGSKONTROLLE
22. April 1992

DIE ROLLE DER RÜSTUNGSKONTROLLE IM
ZEITALTER NACH DEM KALTEN KRIEG
Rede von ACDA-Direktor Lehman
DEN HAAG - (AD) - Dem Direktor des Amts für Rüstungskontrolle und Abrüstung, Botschafter Ronald Lehman,
zufolge besteht die Hauptaufgabe der Rüstungskontrolle im Zeitalter nach dem kalten Krieg darin, die
"Nichtverbreitungsnormen" zu stärken, "Vertrauensbildung, Transparenz und Stabilität in Spannungsgebieten"
zu fördern und "die Last der Waffen kontinuierlich zu reduzieren".
Botschafter Lehman hielt am 10. April 1992 eine Rede zum Thema Rüstungskontrolle im Zeitalter nach dem
kalten Krieg anläßlich der Siebten Internationalen Roundtable-Konferenz in Den Haag.
Lehman erörterte den Beitrag bestehender Rüstungskontrollverträge, wie etwa des START-Vertrags und des
KSE-Vertrags für das Sicherheitsumfeld im Zeitalter nach dem kalten Krieg, die Rolle der Sicherheitsorganisationen wie NATO und KSZE sowie die neue politische und sicherheitspolitische Lage in Europa und der früheren
Sowjetunion.
Nachfolgend veröffentlichen wir Botschafter Lehmans Rede im Wortlaut. Es gilt das gesprochene Wort.
Herr de Vries, verehrte Kollegen und Gäste, es ist mir
eine Ehre, heute abend hier bei Ihnen zu sein. Die
Atlantische Kommission der Niederlande und das Institut
für außenpolitische Analysen haben für die diesjährige
Roundtable-Konferenz ein beeindruckendes Programm
zusammengestellt, und ich bin stolz darauf, daran
teilnehmen zu dürfen.
Wenn ich mir die neuen Herausforderungen der nächsten zehn Jahre vor Augen führe, werden gemeinsame
Rüstungskontrollbestrebungen eine wichtige Rolle dabei
spielen müssen, den Übergang zum Zeitalter nach
dem kalten Krieg zu bewältigen. Die Rolle der Rüstungskontrolle in dieser Zeit raschen Wandels - wie
ich sie sehe - wird darin bestehen, die Welt sicherer zu
machen
durch die Stärkung von Nichtverbreitungsnormen,
durch Förderung der Vertrauensbildung, Transparenz und Stabilität in Spannungsgebieten und
durch unsere Bestrebungen, die Last der Waffen kontinuierlich zu reduzieren.
Das neue Rüstungskontrollprogramm erfordert eine
Verschiebung des Schwerpunkts, um den sich verändernden Charakter der Herausforderungen an Sicherheit und Stabilität widerzuspiegeln. Niemand kann
Rüstungskontrolle allein als Bereich bipolarer Politik
zwischen Ost und West oder als auf die Sicherheit
AMERIKA DIENST 16

Westeuropas beschränkt betrachten. Die Probleme,
denen wir uns jetzt gegenübersehen, haben globale
Auswirkungen, obwohl in vielen Fällen regionale Ansätze gefördert werden müssen. Deshalb muß unser
Schwerpunkt breiter gefächert sein. Unsere Bestrebungen müssen kooperativ sein, weil jede Nation
letztlich Interesse am Erfolg des neuen Rüstungskontrollprogramms hat.
Rüstungskontrolle im Wandel
In den letzten vierzig Jahren haben sich viele Experten
daran gewöhnt, Rüstungskontrolle vor allem im Hinblick auf eine Welt zu beschreiben, die durch die
Konfrontation im kalten Krieg geteilt und durch massive, an der (früheren) innerdeutschen Grenze stationierte, nukleare und konventionelle Waffen geprägt ist.
Diese Definition muß sich verändern, weil die vulkanischen Kräfte, die die geopolitische Landschaft verändern, eine neue Politik der Erlangung und Aufrechterhaltung von Sicherheit erfordern.
Unser Rüstungskontrollprogramm diente einer Sicherheitsstrategie, mit der ein Angriff auf Westeuropa
größtenteils dadurch abgeschreckt werden sollte, daß
man im Besitz eines überlebensfähigen nuklearen
Arsenals und hervorragender konventioneller Waffen
war. Wir haben uns darauf konzentriert, diese Streitkräfte einzuschränken und zu reduzieren, die die Sicherheit des europäischen Kontinents am stärksten
bedrohten und die die größten globalen Auswirkungen
Seite 1

�dieser Bedrohung hatten. Der einmalige Erfolg dieses
Programms, ermöglicht durch kontinuierliche politische Veränderungen in der früheren Sowjetunion und
Osteuropa, legte den Grundstein für den Aufbau einer
neuen Sicherheitsordnung. Ich sollte darauf verweisen, daß der Rüstungskontrollprozeß, durch seine
Betonung von Offenheit und Dialog und Beseitigung
der Ausrede einer äußeren "Bedrohung" aus dem
Westen, die den militarisierten totalitären Staaten des
Warschauer Pakts als Legitimation diente, zu diesen
Veränderungen beigetragen hat.
Wir sind die Nutznießer des außerordentlichen Erfolgs
der Rüstungskontrolle in Europa. Auf den INF-Vertrag, den ersten Vertrag, mit dem eine ganze Kategorie
von Waffen beseitigt wurde, folgten unter anderem der
KSE-Vertrag, das Wiener Dokument über vertrauensund sicherheitsbildende Maßnahmen und der Vertrag
über Offene Himmel. Der KSE-Vertrag sollte ursprünglich das Gleichgewicht konventioneller Streitkräfte in Europa reduzieren und umstrukturieren.
Zusammen mit den stabilisierenden Auswirkungen
des Abkommens über Vertrauens- und sicherheitsbildende Maßnahmen (VSBM) bedeutet es mehr als von
Europa die Bedrohung einer großangelegten konventionellen Aggression wegzunehmen. KSE und die
Wiener VSBM haben einen ausgleichenden Einfluß
auf die neuen aus der ehemaligen Sowjetunion hervorgegangenen Staaten, da sie inmitten einer großen
politischen Revolution Probleme ihres relativen militärischen Gleichgewichts zu lösen versuchen. Der kürzlich unterzeichnete Vertrag über offene Himmel ist eine
weitere wichtige vertrauensbildende Maßnahme zur
Förderung von Offenheit und Transparenz bei militärischen Aktivitäten von Vancouver nach Osten bis
Wladiwostok. Sein Beitrag zur Sicherheit wird für die
neuen unabhängigen Staaten genauso groß oder noch
größer sein als für die NATO-Staaten.
Bei der Verwirklichnug dieser Abkommen hat sich
Rüstungskontrolle als wichtiges Instrument erwiesen,
um an der potentiell destabilisierenden Wasserscheide in den internationalen Beziehungen zu vermitteln.
Indem sie sich neuen Herausforderungen anpaßt,
kann Rüstungskontrolle weiterhin auch in Zukunft eine
wichtige Rolle bei der Förderung von Sicherheit und
Stabilität spielen. Die Verbindung zwischen demokratischen Veränderungen innerhalb einzelner Gesellschaften und der Offenheit, die für eine effektive
Rüstungskontrolle notwendig ist, besteht darin, daß
Fortschritte in einem Bereich Fortschritte in einem
anderen verstärken und fördern. Das ist vielleicht die
wichtigste Lektion, die wir aus über einer Generation
von Erfahrungen in der Rüstungskontrolle ziehen können.
Schließlich müssen wir auch daran denken, daß unsere Rüstungskontrollbestrebungen, einschließlich unseres Programms zur Nichtverbreitung, Mittel zum
Zweck sind, nicht Selbstzweck. Was wir suchen, sind
politische Veränderungen, die unseren Sicherheitsbelangen wirklich gerecht werden. Wir streben die AusSeite 2

breitung der Demokratie an, freie Marktwirtschaften
und Rechtsstaatlichkeit sowohl auf internationaler als
auch auf nationaler Ebene. Um diese Ziele zu erreichen, müssen wir all unsere ausländischen und nationalen Sicherheitsinstrumente einsetzen, auch diejenigen aus unserem Rüstungskontrollprogramm.
START und KSE
Das Inkraftsetzen der START- und KSE-Verträge ist
eine der wichtigsten Angelegenheiten im Rüstungskontrollprogramm, sowohl aus bekannten Gründen
wie auch aus neuen Erwägungen heraus. Diese
beiden Verträge mit ihren detaillierten Zählregeln,
Definitionen und eingehenden Verifizierungsbestimmungen einschließlich Inspektionen sind wichtige
Elemente, um die Grundlage des gemeinsamen internationalen Sicherheitsumfelds nach dem kalten Krieg
zu konstruieren. Ohne sie wird es schwieriger sein, auf
unseren bisherigen Leistungen aufzubauen.
Der START-Vertrag fordert erhebliche, stabilisierende
Reduzierungen - von 30 bis 40 Prozent - bei den
stationierten strategischen Systemen und liefert den
Rahmen, in dem wir zuversichtlich einschneidendere
Reduzierungen verfolgen können, wie sie die Präsidenten Bush und Jelzin vorgeschlagen haben. Dies
dient dem traditionellen Anliegen der Reduzierung des
Risikos strategischer nationaler Konflikte, liefert aber
auch ein Mittel, mit dem die neuen Staaten der ehemaligen Sowjetunion Nuklearwarfen von ihrem Territorium beseitigen können. Die bloße Existenz des
START-Vertrags, auch vor seiner Ratifizierung, hat
einen Standard verantwortlichen Verhaltens im Umgang mit Problemen der Führung und Kontrolle von
Atomwaffen und ihrer Beseitigung in diesen neuen
Staaten gefördert.
In ähnlicher Weise bietet der KSE-Vertrag mehr als
Obergrenzen und Reduzierungsanforderungen für fünf
Kategorien militärischer Geräte und Waffen, die offensive Operationen ganz direkt unterstützen. KSE bietet
zusammen mit VSBM auch einen Rahmen für Stabilität und Berechenbarkeit auf dem europäischen Kontinent, der neue Staaten und ihre Nachbarn ermutigt,
ihre Sicherheitsbelange im moderaten Umfeld internationaler Konsultationen und Verpflichtungen zu behandeln. Aus dem Blickwinkel des traditionellen militärischen Gleichgewichts zwischen Ost und West mag
KSE weniger wichtig erscheinen. Von unserem gegenwärtigen Ausgangspunkt, an dem wir Zeugen einer
dramatischen politischen Revolution werden, ist es
wichtiger als je zuvor, daß wir KSE seinen Platz
zuweisen.
Die neue Definierung von Sicherheit in Europa
Im vergangenen Jahr konnten wir das definitive Ende
der Teilung Europas im kalten Krieg beobachten, einer
Teilung, die auf einer feindlichen Ideologie unterstützt
von einer enormen Militärmacht basierte. Dennoch
können wir es uns nicht leisten, mit dieser ErrungenAMERIKA DIENST 16

�schalt zufrieden zu sein, wenn der Prozeß der Demokratisierung in Europa so ungleichmäßig verläuft und
wirtschaftliche Frustration Extremismus und eine nationalistische Politik zu gebären droht. In manchen
Fällen scheinen die Aussichten für eine Umkehr der
demokratischen Errungenschaften die der vorwärtsgerichteten Bewegung wettzumachen.
Es gibt keine eindeutigen oder einfachen Definitionen
einer Sicherheitspolitik für das neue Europa 1992. Die
Quelle der Unsicherheit hat sich tiefgreifend verändert,
von der bekannten Bedrohung der Ost-West-Konfrontation zu weit vielfältigeren Sorgen. Politische und
wirtschaftliche Instabilität, regionale Dispute und ethnische Spannungen bedrohen alle neuen Staaten in
unterschiedlichem Umfang und schwingen auch in
einigen alten mit.
Es bleibt die Frage zu klären, ob Rüstungskontrolle
beim Abbau solch diffuser Bedrohungen eine Rolle
spielen muß. Sicherlich wären Rüstungskontrollbestrebungen allein, ohne damit einhergehende Fortschritte bei der Lösung zugrundeliegender Probleme,
ineffektiv und oberflächlich. Militärische Sicherheit
und Stabilität im neuen Europa wären kurzlebig ohne
gleichzeitige Fortschritte bei Demokratie und einem
gewissen Maß an Achtung der Menschenrechte.
Wirtschaftliche Härten, ethnische Konflikte und sogar
die Aussicht massiver Migration könnten die Sicherheit bedrohen. Damit sollen bestehende Bedrohungen
durch große Streitkräfte und immer noch umfangreiche nukleare Arsenale inmitten großer politischer
Unruhen in ganz Eurasien ebensowenig heruntergespielt werden wie neue Bedrohungen der europäischen Sicherheit durch immer modernere militärische
Fähigkeiten außerhalb des Kontinents. Im Gegenteil
muß unsere Position im Bereich Rüstungskontrolle/
Nichtverbreitung weiterhin mit diesen gefährlichen
Aspekten leben. Dennoch ist und wird Rüstungskontrolle weiterhin ein entscheidendes Element einer
umfassenderen Sicherheitspolitik, wenn wir uns einem
neuen Bündel von Sicherheitsbeziehungen anpassen
und Institutionen errichten, die sich sowohl politischer
als auch sozialer Instabilität widmen sollen. Ebenso
wie "Glasnost" bei der Verifizierung "Glasnost" in der
Politik gestärkt hat und umgekehrt, muß Rüstungskontrolle eingesetzt werden, um Ziele wie Entmilitarisierung, Umwandlung der Rüstungsindustrie, demokratische Reformen und freien Handel fördern zu helfen.
Mehr als jemals zuvor werden umfassende und kontinuierliche gemeinsame Bestrebungen und gemeinsames Handeln in einer Reihe von Foren nötig sein, wenn
wir diesen potentiellen Herausforderungen an die
europäische Sicherheit gerecht werden wollen. Wir
haben bereits begonnen, auf bestehenden Mechanismen aufzubauen und Institutionen auf der Basis politischer Bedürfnisse und nicht aus symbolischen Erwägungen heraus zu gestalten. Die Vereinigten Staaten
haben wiederholt betont, daß wir die europäische
Sicherheit auf den drei Säulen der NATO, der EuropäiAMERIKA DIENST 16

schen Gemeinschaft und der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa sehen. Die NATO
ist die einzig effektive Sicherheits- und Verteidigungsorganisation in Europa und das einzige effektive Mittel,
um die transatlantische Gemeinschaft miteinander zu
verbinden. Mit der Einführung des Nordatlantischen
Kooperationsrats (NACC) beweist die NATO, daß sie
auch als Forum dienen kann, von dem aus wir früheren
Gegnern die Hand reichen und allseits wichtige Probleme ansprechen. Der Erfolg der ersten beiden NACCTreffen hat der neuen Institution bereits zu Glaubwürdigkeit und Triebkraft verholten. Das jüngst verabschiedete Programm des NACC beschreibt eine Reihe
konkreter Aktivitäten, die es dem Bündnis gestatten,
sein Know-how anzuwenden, um den Liaison-Ländern
beim Umgang mit wichtigen Problemen zu helfen.
Dazu zählt die Umwandlung der Rüstungsindustrie
ebenso wie Programme in Wissenschaft und Umwelt.
Gleichzeitig begrüßen wir die Rolle, die ein zunehmend vereintes Westeuropa in der neuen transatlantischen Partnerschaft spielen kann, um gemeinsame
Ansätze bei aufkommenden Herausforderungen zu
erarbeiten, bei denen sich niemand einen Alleingang
leisten kann. Dies wurde im Golfkrieg deutlich, wo die
Westeuropäische Union unabhängige, aber gemeinsame militärische Aktionen unserer Verbündenten
förderte, um westliche Interessen und globale Stabilität zu verteidigen.
Die Europäische Gemeinschaft ist die herausragendste politische und wirtschaftliche Organisation in Europa.
Darüber hinaus erkennen wir die entscheidenden
Beiträge der KSZE für die europäische Sicherheit, die
in der Erweiterung und Vertiefung des Aktionsradius
der Demokratie zum Ausdruck kommen. Die KSZE ist
das Gewissen Europas und die Richtschnur für die
politische Legitimität und moralische Autorität des
paneuropäischen Einverständnisses. Der jugoslawische Bürgerkrieg und die Krise in Nagomy-Karabach
sagen uns allen unmittelbar etwas über die Notwendigkeit, das Potential des KSZE-Forums so weit wie
möglich auszuschöpfen, um zu verhindern, daß ethnische und nationalistische Spannungen mit tragischen
Konsequenzen zum Ausbruch kommen. Im Auftrag
der KSZE hat der tschechoslowakische Außenminister Dienstbier gerade einen Besuch in Nagorny-Karabach beendet, und es bestehen Pläne, eine Friedenskonferenz für Nagorny-Karabach in Minsk abzuhalten.
Die KSZE spielt darüber hinaus eine wichtige Rolle bei
der Bewältigung neuer Herausforderungen der Rüstungskontrolle in der entstehenden europäischen
Tagesordnung, darunter Konfliktverhütung, Krisenmanagement und Friedenserhaltung. Das neue Forum
für Sicherheitskooperation (FSC) bietet das Potential,
in dreifacher Hinsicht einen einzigartigen Beitrag zur
Stabilität in Europa zu leisten, nämlich

Seite 3

�durch Förderung eines allgemeinen Klimas der
Offenheit und des freien Meinungsaustauschs
über Sicherheitsfragen;

senschaftler und Ingenieure mit produktiven zivilen
wissenschaftlichen und technischen Projekten zu
betrauen.

durch Klärung der speziellen Sicherheitsanliegen jedes der beteiligten Staaten und

Die dramatischen Veränderungen in den amerikanisch-russischen Beziehungen haben ebenfalls beispiellose Aussichten auf zusätzliche Reduzierungen
der Kernwaffen eröffnet. Sowohl Präsident Bush - im
September 1991 und in seinem Bericht zur läge der
Nation im Januar 1992 - als auch Präsident Jelzin
haben diese einmalige Chance aufgegriffen und wichtige Initiativen angekündigt, die sowohl einseitige Schritte
als auch Verhandlungen umfassen. Diese Initiativen
bauen auf den in langen Jahren zäher Verhandlungen
über INF und START gesammelten Lehren auf und
setzen rasch einen Prozeß zur Zerstörung ganzer
Kategorien von nuklearen Kurzstreckensystemen in
Gang, die durch die Umgestaltung der geostrategischen Landschaft überflüssig geworden sind. Diese
Initiativen sind beredtes Zeugnis für das Ende des
kalten Krieges und unsere starke Überzeugung, daß
eine sichere und stabile Welt für uns in greifbare Nähe
rückt, wenn wir nur die Chancen nutzen, die heute für
eine auf Zusammenarbeit gegründete Sicherheit möglich
sind. Wir müssen jedoch das Instrument dem Ziel
anpassen. In einigen Fällen könnten einseitige Schritte das geeignete Instrument sein, in anderen könnten
es formell ausgehandelte Abkommen sein. Wir sollten
die Instrumente einsetzen, die den Zweck erfüllen.

durch Förderung von in demokratischen Staaten vorherrschenden Sicherheitskonzepten und
Praktiken als Modelle für die Staaten, die sich im
Übergang vom Kommunismus befinden.
Diese Bereiche zeigen, wie sich das Konzept der
Rüstungskontrolle verändert.
Einige fragen, ob der Erfolg des einen Forums andere
überschatten könnte, und aus diesem Grund unterstützt manch einer Bemühungen, exklusive institutionelle Rollen und Zuständigkeiten präzise abzugrenzen, um zu verhindern, daß das eine Forum in die
Vorrechte des anderen eingreift. Die Herausforderungen sind jedoch so immens, daß keine einzelne Institution ausreichend ist. Einander ergänzende Instrumente sind erforderlich. Tatsächlich sollten wir die
Möglichkeiten zur Koppelung einer Vielzahl von Aktivitäten untersuchen. So könnte das FSC beispielsweise
eingesetzt werden, um interessierte Staaten in die
Entwicklung von Konzepten einzubinden, wie die
Konversion der Rüstungsindustrie in übermäßig militarisierten Gesellschaften die vollständige Anwendung
der KSZE-Prinzipien fördern kann. Die Aktivitäten der
KSZE in diesem Bereich würden durch den Arbeitsplan des NACC zur Konversion der Rüstungsindustrie
ergänzt, der direkt auf den militärischen Fähigkeiten,
der operativen Erfahrung und den institutionellen
Ressourcen der NATO aufbaut. Ich möchte hier
schlicht die Mahnung Außenminister Bakers beim
Treffen des NACC vom 10. März 1992 aufgreifen, daß
wir Doppelbemühungen und ein gewisses Maß an
institutioneller Überschneidung tolerieren sollten. Beim
Aufbau dieser neuen Ordnung gibt es für alle viel zu
tun.
Die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten
Die künftige Tagesordnung der Rüstungskontrolle
beinhaltet darüber hinaus noch andere Aspekte, die
sich aus dem Zerfall der ehemaligen Sowjetunion

ergeben. In unserem anhaltenden Dialog mit der
Gemeinschaft Unabhängiger Staaten über die Sicherheit und Kontrolle der Atomstreitkräfte sowie die
Möglichkeit der Weiterverbreitung in anderen Ländern
arbeiten die Vereinigten Staaten kooperativ durch eine
Expertendelegation unter der Führung von Generalmajor Williams Bums daran, den sicheren Transport
sowie die sichere Lagerung und Zerstörung von Kernwaffen zu gewährleisten. Mit anderen besorgten Ländern
richten wir gemeinsam Wissenschafts- und Technologiezentren in Rußland und der Ukraine ein, die als
Clearingstellen für die Entwicklung, Genehmigung,
Finanzierung und Überwachung von Vorschlägen dienen
werden, um an der Waffenentwicklung beteiligte WisSeite 4

Rüstungskontrolle in einer neuen Ära
Wir stehen in der Tat an der Schwelle zu einem neuen
Zeitalter. Die Welt läßt sich nicht mehr einfach in die
Schublade der Bipolarität stecken. Während wir dem
Erfolg der Rüstungskontrolle bei der Unterstützung der
Umgestaltung Europas applaudieren, stellen wir eine
zunehmende Drohung der Weiterverbreitung von
Massenvernichtungswaffen in anderen Regionen der
Welt fest. Die allgemeine Drohung der Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen, die immer schon
ein wichtiges sicherheitspolitisches Thema und eine
Priorität der Vereinigten Staaten und anderer Länder
war, wird heute verstärkt unter regionalen Gesichtspunkten betrachtet. Deshalb muß die Rüstungskontrolle heute erweitert werden, um als Instrument zur
Förderung der regionalen ebenso wie der weltweiten
Stabilität zu dienen.
Weiterverbreitung und regionale Fragen
Probleme im Hinblick auf die Weiterverbreitung von
Massenvernichtungswaffen und moderner konventioneller Technologie in anderen Regionen der Welt
werden immer mehr Zeit und Aufmerksamkeit beanspruchen. Die Dringlichkeit der Eindämmung von
Weiterverbreitungsdrohungen tritt immer stärker hervor, wenn man sie in Zusammenhang mit den beunruhigenden Enthüllungen über die Programme des Irak
zur Beschaffung von Massenvernichtungswaffen und
der Gefahr betrachtet, daß neue Atommä chtö entstehen könnten.
AMERIKA DIENST 16

�Unser Ziel in chronischen Spannungsgebieten wie der
koreanischen Halbinsel, Südasien und dem Nahen
Osten besteht darin, die Etablierung neuer Atomwaffenstaaten zu verhindern und die Einführung von Waffen
auszuschließen, die das regionale militärische Gleichgewicht stören. In dieser Hinsicht können die Vereinigten Staaten aufgrund von praktischen Erfahrungen
und dem Beispiel der Erfolge der Rüstungskontrolle in
Europa beratend tätig werden. Aber die Staaten in
jeder dieser Regionen müssen ihre politischen Differenzen und die militärische Bedrohung abbauen, die
sie für einander darstellen. Auf bestimmte Regionen
zugeschnittene vertrauensbildende and andere Rüstungskontrollmaßnahmen können den Dialog unterstützen und ein Instrument zur Prüfung von Absichten
liefern, aber sie allein können Friedensbemühungen
nicht ersetzen.
Der amerikanische Ansatz beim Problem der Weiterverbreitung ist bestrebt, die bestehenden Arrangements und Exportkontrollen gegen die Weiterverbreitung zu stärken und die Mitgliedschaft in multilateralen
Regimen gegen Weiterverbreitung zu erweitern sowie
neue Initiativen voranzutreiben.
Im Bereich der bestehenden Arrangements ist es ein
vordringliches Ziel der Vereinigten Staaten, bei der
Konferenz über die Verlängerung des NPT von 1995
eine unbefristete Verlängerung des Nichtverbreitungsvertrags (NPT) zu erreichen und das Sicherheitssystem der IAEO auszubauen. Die Führungsrolle und
Unterstützung Europas für diese Ziele werden entscheidend sein. Zur Zeit sind Bemühungen im Gange,
um die in der Konvention über biologische und toxische
Waffen (BWC) zum Ausdruck kommende Norm zu
stärken. Bei der Überprüfungskonferenz zur BWC im
September 1991 wurde ein wichtiges Paket vertrauensbildender Maßnahmen entwickelt, um Offenheit im
Hinblick auf biologische Forschungsaktivitäten zu
verbessern. Auf Anweisung Präsident Bushs bemühen wir uns darüber hinaus im Genfer Abrüstungsausschuß energisch darum, dieses Jahr eine weltweite CWaffenkonvention fertigzustellen, die Entwicklung,
Produktion, Besitz und Einsatz chemischer Waffen
ächtet.
Bei Exportkontrollen liegt unser Schwerpunkt darauf,
die Verfügbarkeit von Material zu beschränken, das
mit Massenvernichtungswaffen in Verbindung steht.
So setzen wir zum Beispiel die Arbeit mit den 21
anderen Partnern der Australien-Gruppe fort, um die
chemischen Grundstoffe zu kontrollieren. Die Mitglieder des Regimes zur Kontrolle der Raketentechnologie (MTCR) - einer freiwilligen Übereinkunft, um die
Verbreitung von Raketensystemen zu beschränken,
die eine Nutzlast von mindestens 500 Kilogramm über
mindestens 300 Kilometer befördern können - haben
sich unlängst verständigt, den Zuständigkeitsbereich
des Regimes auf Raketen zu erweitern, die sämtliche
Arten von Massenvernichtungswaffen transportieren

AMERIKA DIENST 16

können, und sie haben den Anhang zum MTCR überarbeitet, um gemeinsame Interpretationen der aufgeführten Güter und Technologie zu fördern.
Wir sind sehr zufrieden mit den Ergebnissen des
Treffens der nuklearen Lieferantengruppe, das vergangene Woche in Warschau stattfand. Die Verabschiedung gemeinsamer Maßnahmen durch die Gruppe, die die uneingeschränkte Anwendung der IAEOSicherheitsstandards für gegenwärtige und künftige
nukleare Aktivitäten als Bedingung für substantielle
neue Lieferungen erfordert sowie die Kontrolle von
Exporten kernwaffenfähigen Mehrzweckgeräts werden das nukleare Nichtverbreitungsregime wesentlich
stärken. Die Zusammenarbeit zwischen den Lieferländern und die Kooperation innerhalb Europas waren für
die Erzielung dieses positiven Ergebnisses unabdingbar.
Wir sehen der kontinuierlichen engen Zusammenarbeit entgegen, um unsere gemeinsame Haltung zu
Exportkontrollen zu verbessern. So haben die Vereinigten Staaten und einige andere Länder beispielsweise einen Ansatz gewählt, demzufolge eine Genehmigung für Exporte erforderlich ist, bei denen der Exporteur weiß, daß der Export einem Programm dient, das
mit der Weiterverbreitung in Verbindung stehen könnte, selbst wenn der Gegenstand nicht auf der multilateral vereinbarten Liste steht. Dies ist einer von vielen
Bereichen, in dem wir hoffen, daß ein gemeinsamer
Ansatz entwickelt werden kann.
Darüber hinaus arbeiten wir daran, die Beteiligung an
multilateralen Nichtverbreitungsregimen zu erweitern,
um die Nachfrage nach Massenvernichtungswaffen
einzudämmen. Zu den vielversprechenden Zeichen
gehört die Anzahl der Staaten, darunter Südafrika, die
Baltischen Staaten und mehrere GUS-Mitglieder als
Nichtkernwaffenstaaten sowie Frankreich und China,
die dem NPT entweder beigetreten sind oder ihre
Absicht zum Beitritt bekundet haben.
In speziellen Regionen stimmen wir unsere Ansätze
auf die Bedürfnisse der betroffenen Länder ab. In
Lateinamerika arbeiten wir eng mit Argentinien und
Brasilien zusammen, die beide erklärt haben, sich an
den Vertrag von Tlatelolco, das regionale Kernwaffenverbot, halten zu wollen und die gemeinsam mit der
IAEO ein Sicherheitsabkommen abgeschlossen haben, das ihre Einrichtungen voll und ganz den einschlägigen Sicherheitsbestimmungen unterwirft. Im
vergangenen Jahr hat Argentinien die Einstellung seines Programms zur Entwicklung ballistischer Raketen
sowie die Absicht verkündet, sich die Richtlinien des
MTCR zu eigen zu machen. Die positiven Entwicklungen in Lateinamerika bestätigen unsere Erfahrungen
in Europa, wonach die Rüstungskontrolle ein Instrument sein kann, um parallel zur Entwicklung demokratischer Regierungen politische Veränderungen zu
bewirken.

Seite 5

�Im Hinblick auf Südasien haben wir Konsultationen mit
Indien und Pakistan sowie anderen interessierten
Parteien durchgeführt, um den Druck zum Erwerb von
Kernwaffen auf dem Subkontinent abzubauen. Wir
haben eine Fünfmächtekonferenz vorgeschlagen sowie
Indien und Pakistan ermutigt, dem NPT beizutreten.
Die keinen lAEO-Kontrollen unterworfenen Atomprogramme Pakistans und Indiens sind seit vielen Jahren
ein ernster Grund internationaler Besorgnis. Pakistansjüngstes Eingeständnis, daß es die Komponenten und das Know-how besitzt, um mindestens einen
nuklearen Sprengsatz herzustellen, räumt jeden Zweifel
daran aus, daß sich Indien - dessen eigene nukleare
Fähigkeit durch seinen Test im Jahr 1974 demonstriert
wurde - heute mit einem Rivalen konfrontiert sieht, der
zur Herstellung von Kernwaffen in der Lage ist.
Auf der koreanischen Halbinsel haben wir gemeinsam
mit der internationalen Staatengemeinschaft die Regierung Nordkoreas gedrängt, seit langem überfällige
lAEO-lnspektionen seiner nuklearen Einrichtungen zu
gestatten. Wir haben femer eng mit der Regierung in
Seoul zusammengearbeitet, um der Republik Korea
zu helfen, ein Inspektionsregime abzuschließen, um
sein Abkommen mit Nordkorea über das Verbot von
Produktion, Beschaffung und Entwicklung von Kernwaffen und der Einrichtungen, in denen nukleares
Material produziert wird, zu verifizieren. Nordkoreas
Besitz von Raketensystemen, die über die Parameter
des MTCR hinausgehen und seine Verkäufe solcher
Raketen und Technologie an andere stellen eine
Bedrohung der Sicherheit auf der koreanischen Halbinsel, im Nahen Osten und jedem anderen Ort dar, an
dem solche Raketen beschafft werden.
Wir treiben neue Initiativen voran, wie etwa Präsident
Bushs Rüstungskontrollinitiative für den Nahen Osten,
die Bemühungen der fünf führenden Exporteure konventioneller Waffen in den Nahen Osten beinhaltet,
Richtlinien und Beschränkungen zu entwickeln. Die
fünf Staaten - die Vereinigten Staaten, Rußland, China, Frankreich und Großbritannien - werden bald detaillierte Vorschläge zum Informationsaustausch über
Waffenlieferungen sowie Richtlinien für Lieferungen
von Gerät und Technologien unterbreiten, die mit

Massenvernichtungswaffen in Zusammenhang stehen. Die Initiative umfaßte darüber hinaus Vorschläge
für Schritte zur Befreiung der Staaten des Nahen
Ostens von den Gefahren eines Angriffs mit Raketen
sowie nuklearen, chemischen und biologischen Waffen. Die Vereinigten Staaten unterstützten eine Resolution der UN-Generalversammlung vom Dezember
1991, mit der ein allgemeines und nichtdiskriminierendes Register für konventionelle Waffenlieferungen
eingeführt wurde, um zu mehr Transparenz bei Waffenex- und importen zu ermutigen.
Schlußbemerkung
Insgesamt stellen die enormen Veränderungen im
internationalen Sicherheitsumfeld ungeheure Herausforderungen in der Rüstungskontrolle dar, einschließlich der Neudefinierung und Rolle der Rüstungskontrolle. Die Abkehr von einer bipolaren Welt und unser
Erfolg in der Rüstungskontrolle mögen die Drohung
einer konventionellen Aggression großen Stils in Europa beseitigt haben, aber die anhaltenden politischen
Revolutionen infolge jener Abkehr haben Quellen der
Spannung und Besorgnis freigesetzt, die unser Talent
und unsere Findigkeit auf die Probe stellen werden. In
anderen Regionen der Welt spielt die Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen als Sicherheitsproblem eine immer größere Rolle.
Bei der Bewältigung des Übergangs zum Zeitalter
nach dem kalten Krieg kann die Rüstungskontrolle
eines unserer effektivsten politischen Instrumente sein,
insbesondere, wenn sie als Teil einer breiter angelegten, integrierten Sicherheitspolitik benutzt wird, die
danach trachtet, die Ursachen von Spannungen und
Instabilität in den Griff zu bekommen. Die Anwendung
unserer Erfahrungen mit der Rüstungskontrolle in Europa
wird für den Erfolg in anderen Teilen der Welt entscheidend sein. Wir alle haben ein Interesse daran zu gewährleisten, daß das Versprechen Europas - daß Rüstungskontrolle zu positiven politischen Veränderungen und Zusammenarbeit unter den Nationen beitragen kann - hier und in der ganzen Welt gehalten wird.

* * * * *

Seite 6

AMERIKA DIENST 16

�GOLFKRIEG
22. April 1992

BERICHT ÜBER DEN GOLFKRIEG UNTERSTREICHT
ERFAHRUNGEN DER KOALITION
Eine Übersicht zum Bericht des Pentagon
WASHINGTON - (AD) - Ein neuer Bericht des Pentagon über den Krieg am Persischen Golf kommt zum Schlu ß,
daß die Streitkräfte der internationalen Koalition nicht nur Saddam Husseins Militär, "sondern seine Strategie"
besiegt haben.
Verteidigungsminister Cheneys Einführung zu dem 1.300-Seiten-Bericht stellt fest, die Strategie der Koalition
habe "sichergestellt, daß der Krieg unter günstigen Bedingungen geführt wurde, die die Stärken der Koalition und
die irakischen Schwächen voll und ganz ausnutzten".

Erführt fünf Hauptlehren auf, die sich aus dem Konflikt
ergeben:

Der Kongreß hat mit Verabschiedung eines Gesetzes
nach dem Inkrafttreten des Waffenstillstands eine
Untersuchung über den Golfkrieg angefordert. Das
Verteidigungsministerium gab bereits im Juli 1991
einen Zwischenbericht heraus, der im Kongreß zahlreiche Fragen aufwarf.

"Die entschlossene Führung des Präsidenten setzte
klare Ziele, gab anderen das Vertrauen in die Entschlossenheit Amerikas und schuf die innenpolitische
und internationale Unterstützung zur Erreichung dieser Ziele."

Der Schlußbericht wurde nach mehrmonatiger Verzögerung schließlich am 10. April 1992 fertiggestellt. Der
1.300seitige Bericht beruht auf einer Million Seiten
Dokumente und Befragungen zahlloser militärischer
Kommandeure, Entscheidungsträger und Soldaten.

"Eine revolutionäre neue Generation hochmoderner
Waffen gab unseren Streitkräften zusammen mit einer
innovativen und wirksamen Doktrin den entscheidenden Vorteil."

Die US-Bundesdruckerei wird eine offene Version des
Golfkriegsberichts zum öffentlichen Verkauf herausgeben. Der Kongreß erhielt eine geheimgehaltene
Version.

"Die hohe Qualität unseres Militärs, von seinen fähigen
cmmandeuren bis zu den äußerst einsatzbereiten,
gut ausgebildeten, mutigen und disziplinierten Männern und Frauen der US-Streitkräfte, ermöglichten
einen außergewöhnlichen Sieg."

Der Bericht ist in drei Hauptteile gegliedert. Der erste
Teil von 418 Seiten umfaßt acht Kapitel zur Invasion in
Kuwait, der Antwort auf die Aggression, der militärischen Operation, wie sie in Operation Wüstenschild
zum Ausdruck kam, der Durchsetzung des Embargos
auf See, zum Übergang in die Offensive sowie zur
Kriegführung in der Luft, zu Wasser und zu Lande. Er
beinhaltet ferner ein Glossar und einen Index.

Der erschöpfende Pentagon-Bericht untersucht, wie
der Krieg geführt wurde und enthält Lehren, die aus der
Erfahrung gezogen werden können.

"In einer äu ßerst unsicheren Welt sind solide Planung,
vorne stationierte Truppen sowie strategisch«? Luftund Seetransportkräfte entscheidend für die Entwicklung des Vertrauens, der Fähigkeiten, internationalen
Zusammenarbeit und Reichweite, die in Krisenzeiten
erforderlich sind."
"Es ist viel Zeit erforderlich, um die qualitativ hochwertigen Streitkräfte und Systeme aufzubauen, und dies
verschaffte uns den Erfolg."

AMERIKA DIENST 16

Der zweite Teil umfaßt 19 Anhänge zu den UN-Resolutionen, zu nachrichtendienstlichen Aspekten, dem
militärischen Bereitschaftsgrad der US-Streitkräfte,
der Stationierung, zu Logistik und Nachschub, medizinischer Unterstützung, Reservestreitkräften, Entwicklung der Koalition, Koordinierung und Kriegführung,
Sonderoperationen, Führungs- und Kommunikationswesen und Weltraum, gegnerischen Kriegsgefange-

Seite 1

�nen, "Freundfeuer", ziviler Unterstützung, Rolle des
Kriegsvölkerrechts, Aufgabenteilung, Verteidigung
gegen chemische und biologische Waffen, zur Rolle
von Frauen auf dem Gefechtsfeld und Medienpolitik.
Er enthält ferner eine Liste der amerikanischen Gefallenen und Kriegsgefangenen.
Der letzte Teil von 230 Seiten untersucht die Leistung
ausgewählter Waffensysteme. Die Kategorien sind
Flugzeuge, Boden-, Marine- und Weltraumsysteme
sowie Munitionsarten. Insgesamt 56 Systeme wurden
berücksichtigt.
Der Bericht enthält Schwarzweißphotographien, im
Golfkrieg benutztes strategisches Kartenmaterial,
Landkarten und Grafiken irakischer Luftabwehrmaßnahmen. Er enthält ferner Anekdoten von Cheney und
anderen.
Zu den wichtigsten Punkten des Berichtes gehören:
Koalitionserfahrungen
Der Bericht geht davon aus, daß die Koalition "die
vielleicht erfolgreichste in der Geschichte war"und daß
der nächste Konflikt möglicherweise nicht so viel Zeit
zur Entwicklung einer Koalition gestatten wird. Darüber hinaus wird festgestellt, daß
die Koalition die Länge des Konflikts und die
Zahl der durch eigenes Feuer Gefallenen verringert hat;
die Vereinigten Staaten als logische Führungsmacht bei künftigen Koalitionen im Golf "und
möglicherweise andernorts" hervorgetreten sind;
die Erfahrung der NATO "unschätzbar" für die
Koordinierung der Kampfeinsätze, Kommunikation und Logistik war;
sich die amerikanische Präsenz am Golf durch
die Bereitschaft der Staaten des Golf-Kooperationsrates auszahlte, "den Vereinigten Staaten
zu vertrauen";
die Angehörigen der amerikanischen Streitkräfte in der Lage waren, sich der islamischen Kultur
anzupassen;
Das System der amerikanischen Waffenverkäufe an
befreundete Staaten den meisten regionalen Partnern
der Vereinigten Staaten saudische Infrastruktur,
amerikanisches Gerät und Ausbildung zur Verfügung
stellte und "bedeutend zur Grundlage der Kooperation
in Friedenszeiten und Interoperabilität beitrug, auf der
die Koalition aufbaute".

Es wird dargelegt, daß es mehr unbeabsichtigte Opfer
unter der Zivilbevölkerung gab "durch Saddam Husseins Versäumnis, routinemäßige Vorkehrungen gegen Luftangriffe zu treffen, um die Zivilbevölkerung zu
schützen, sowie durch seine bewußte Benutzung von
Zivilisten als Schild für militärische Ziele vor einem
Angriff".
Darüber hinaus:
kam es wahrscheinlich zu einigen Todesfällen,
als nichtexplodierte irakische Waffensysteme
"auf die Erde zurückfielen",
war das irakische Stromnetz wahrscheinlich
stärker beschädigt als die Koalition ursprünglich
geplant hatte, zum Teil um sicherzustellen, daß
es "während des gesamten Konflikts unbenutzbar" bliebe und
war nicht immer präzises und zeitgerechtes
nachrichtendienstliches Material für die Bewertung der Bombenschäden verfügbar, was dazu
führte, daß einige Elektrizitätswerke noch Zielscheibe von Angriffen wurden, als sie bereits
außer Betrieb waren.
Nachrichtendienste
Obwohl der Bericht zu dem Schluß kommt, daß die
nachrichtendienstliche Unterstützung für die taktischen
Befehlshaber ausreichte, wird darin auch dargelegt,
daß sie "ebenso an einem Mangel an verfügbaren
Ressourcen litt wie an Schwierigkeiten bei der Sammlung von nationalem nachrichtendienstlichem Mateiial
und solchem vom Kriegsschauplatz". Ferner wird
ausgeführt, die Sammlung taktischen nachrichtendienstlichen Materials sei "durch fehlende moderne
und sichere Kommunikation unter Divisionsniveau"
behindert worden.
Darüber hinaus
gab es unzureichende Informationen über das
"Ausmaß und die exakte Verteilung chemischer,
biologischer und nuklearer Waffenprogramme
und ein schlechtes Verständnis der irakischen
Intentionen",
sind die militärischen Dienste der arabischen
und islamischen Länder "gut in innerer Sicherheit und Spionageabwehr" und
besteht ein Menget an arabischsprechenden
Personen bei den US-Streitkräften, was "die
Arbeit der Nachrichtendienste, Spionageabwehr
und Verbindungsbüros beeinträchtigte".

Bewertung der Bombenschäden

Kriegsgefangene

Der Bericht stellt fest, daß die Koalition eine klare
Unterscheidung zwischen Angriffen auf irakische Militäranlagen und die Zivilbevölkerung getroffen hat.

Die Koalition plante 100.000 irakische Kriegsgefangene in Empfang zu nehmen, über 86.000 wurden durch
saudiarabische Lager geschleust.

Seite 2

AMERIKA DIENST 16

�Logistische Probleme

Ferner
weigerten sich insgesamt 13.418 irakische Kriegsgefangene, bei Kriegsende repatriiert zu werden und blieben in zwei Lagern in Saudi-Arabien.

Der Bericht macht verschiedene Beobachtungen über
logistische Probleme am Golf. Unter anderem
konnte der strategische Seetransport den Anforderungen nach einer schnellen Verlegung
nicht gerecht werden,

Die Regierungen der Koalition vertraten die
Ansicht, diese Iraker "sollten als Flüchtlinge neu
klassifiziert werden" und
das Internationale Rote Kreuz erklärte den Vereinigten Staaten, die Behandlung der irakischen
Kriegsgefangenen durch US-Streitkräfte "spiegelte die beste Einhaltung der Genfer Konvention über die Behandlung von Kriegsgefangenen wider, die es jemals bei einem Konflikt gab".
Der Bericht geht nicht auf das Problem der Anzahl
irakischer Soldaten oder Zivilisten ein, die in dem
Konflikt getötet wurden.
"Freundliches Feuer"
35 Amerikaner wurden im Kampf getötet und weitere
72 zufällig aus den eigenen Reihen verwundet. Eine
Reihe britischer Soldaten mußten durch solches "freundliches Feuer" der Amerikaner ihr Leben lassen.
Der Bericht kommt zu dem Schluß, daß im nächsten
Konflikt ein "System, das eigene Fahrzeuge aus der
Luft identifiziert ebenso benötigt wird wie ein System
zur Identifizierung am Boden". Flugzeuge und Fahrzeuge der Koalition waren mit einem umgekehrten"NTSymbol gekennzeichnet, was allerdings im Eifer des
Gefechts nicht immer sichtbar war.
Gefordert werden
über die Welt verteilte Lagerstätten für Landeinheiten und Fahrzeuge und
zusätzliche Bestrebungen zur Verbesserung
optischer und thermischer Sichtgeräte "um den
erweiterten Tötungsradius von Waffensystemen
auszugleichen".

*

AMERIKA DIENST 16

*

sollten Möglichkeiten zur Verbesserung des
Lufttransports und der Vorlagerung von militärischem Gerät eruiert werden und
wurde die Bereitschaftsrate der Einheiten für
besondere Einsätze durch das Fehlen von Ersatzteilen für ihre Hubschrauber behindert.
Waffensysteme
Der Bericht erläutert, daß 282 der 288 Marschflugkörper vom Typ TOMAHAWK erfolgreich von 16 Schiffen
und zwei U-Booten abgeschossen wurden, um eine
Erfolgsquote von 98 Prozent herzustellen. Die Bewertung der Effektivität von Waffen ist jedoch nicht schlüssig aufgrund der mangelnden Fähigkeit zu unterscheiden, welche Schäden von der TOMAHAWK-Rakete
oder "anderweitig" hervorgerufen wurden.
Der Abschnitt über die Patriot-Rakete weist darauf hin,
daß "keine vollständige quantitative Analyse über die
Effektivität von Patriot verfügbar ist".
Der Bericht führt ferner aus, daß der Tarnkappenbomber vom Typ F-117 erfolgreich eingesetzt wurde, um in
den ersten Stunden des Krieges eine "taktische Überraschung" zu erzielen, aber auch an einem "langsamen und ermüdenden Auftragsplanungssystem" leidet.
Schlußbemerkung
Der Bericht geht nicht auf das Thema ein, ob der Krieg
über den 27. Februar 1991 hinaus hätte geführt werden sollen, um Bagdad einzunehmen und Saddam
Hussein zu stürzen. Er verweist lediglich darauf, daß
"seine Position erheblich geschwächt wurde" und die
Welt "ein besserer Ort sein wird, wenn Saddam Hussein den Irak nicht mehr schlecht regiert".
*

*

Seite 3

�USA-DEUTSCHLAND
22. April 1992

HANDEL IN OSTDEUTSCHLAND DIE ROLLE DER VEREINIGTEN STAATEN
Rede von Botschafter Kimmitt
vor dem American German Business Club
BONN - (AD) - In einer Rede vor dem American - German Business Club verwies Botschafter Robert M. Kimmitt
am 15. April 1992 auf das amerikanische Engagement in Ostdeutschland und unterstrich die nicht nurfinanziellen
Vorteile der Beteiligung von US-Firmen in Deutschland. "Handel kann nicht isoliert von anderen Unternehmensbereichen betrachtet weden, sondern muß als Teil unserer nationalen Sicherheit gesehen werden", so
Botschafter Kimmitt.
Dem Botschafter zufolge tragen starke Handelsbeziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland zur Verbesserung der nationalen Sicherheit beider Länder bei. Botschafter Kimmitt brachte abschließend
seine Zuversicht zum Ausdruck, daß die amerikanischen Wähler die Wahrheit erkennen - "wenn wir zu Hause
stark sein wollen, müssen wir im Ausland stark sein, und Sicherheit und Zukunft der Vereinigten Staaten sind
untrennbar mit der Deutschlands und Europas verbunden."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Botschafter Kimmitt im Wortlaut.
Es ist mir eine große Ehre, heute als Ehrenpräsident
des American - German Business Club anwesend zu
sein. Ich möchte Paul Cook und all den anderen
meinen Dank aussprechen, die an der Organisation
dieser Veranstaltung beteiligt waren. Meine Mitarbeiter haben sich allerdings gefragt, ob es so klug von
ihrem Botschafter ist, sich am Tag der Abgabe der
amerikanischen Einkommensteuer - dem 15. April - in
einen Raum mit amerikanischen Unternehmern zu
begeben. Bedauerlicherweise bestand die einzige
Alternative in einer Verlegung dieser Veranstaltung auf
den 15. Juni, und auch dann müßte ich mich noch mit
dem Finanzamt befassen - im Zweifel vielleicht sogar
mit Zinsen.
Ich möchte den Club zu seiner jüngsten Namensänderung beglückwünschen. In dem neuen Namen, der
den Horizont des Clubs über Bonn hinaus erweitert,
findet die Wahrscheinlichkeit ihren Niederschlag, daß
einige von uns eines Tages in eine bestimmte andere
Stadt ziehen werden und spiegelt damit eindeutig die
Auswirkungen der Vereinigung wider. Zusammen mit
all den anderen beeindruckenden Veränderungen, die
die Welt in den vergangenen drei Jahren bewegt
haben, hat die Vereinigung unser aller Horizont erweitert. Der neue Name beinhaltet, daß der American
German Business Club sich mit ganz Deutschland
befaßt, und dies wird durch die Aktionen des Clubs
AMERIKA DIENST 16

unterstrichen bis hin zu Ihrem offenkundigen Interesse
an der Entwicklung Ostdeutschlands, Ihrer Unterstützung einer Schule für Taubstumme in Ostberlin sowie
Ihrer Geschäftsreise nach Berlin nur zwei Monate
nach der Vereinigung. Meines Wissens - und darüber
freue ich mich sehr - ist ein weiteres Engagement,
dieses Mal in Brandenburg, geplant.
Die Aktivitäten des Clubs im Hinblick auf Ostdeutschland verlaufen parallel zu den Bestrebungen der Vereinigten Staaten und sind gemeinsamer Beweis, daß
tiefgreifende Ereignisse nicht in einem Vakuum stattfinden. In Zeiten rascher und dramatischer Veränderungen kann ein Gefühl der Kontinuität als Richtschnur
für eine unsichere Zukunft dienen und uns verdeutlichen, was getan werden muß.
In meiner Funktion als Botschafter in Deutschland
werde ich immer wieder auf sehr persönliche Weise an
diese historische Lebensader erinnert.
Als die Familie meiner Mutter Mitte des 19. Jahrhunderts aus der Nähe von Hannover nach Amerika
aufbrach, war Deutschland nur ein abstrakter Begriff,
durch rivalisierende Staaten und gescheiterte Revolutionen gekennzeichnet und in der Lage, praktisch alles
außer der Einheit zu erlangen. Ich frage mich, was sie
davon gehalten hätten, daß einer ihrer Nachfahren der

Seite 1

�persönliche Vertreter des Präsidenten in einem vereinigten, demokratischen und wohlhabenden Deutschland ist.
Als sich meine Eltern vor 45 Jahren in Berlin kennenlernten und heirateten, hatte Deutschland inmitten der
Ruinen den Tiefpunkt seiner Ambitionen erreicht besiegt, geteilt, zerstört und abhängig - ein Geächteter
unter den Nationen, verdammt, für die nächsten 45
Jahre zum Brennpunkt internationaler Spannungen zu
werden.
Als sie 15 Jahre später als Angehörige der alliierten
Streitkräfte mit ihren Kindern nach Deutschland zurückkamen, fanden sie ein rehabilitiertes und vollständig in die Gemeinschaft freier Nationen integriertes
Land. Es ist eine Quelle des Stolzes für alle Amerikaner, daß diese Metamorphose mit Unterstützung einer
kreativen amerikanischen Au ßenpolitik bewirkt wurde,
die zur Entstehung der Vereinten Nationen, der NATO,
dem Bretton-Woods-Finanzsystem, dem Marshallplan,
der Trumandoktrin und der Berliner Luftbrücke beitrug
- alles in einem Zeitraum von fünf Jahren.
Als ich im vergangenen Jahr mit meiner Familie zurückkam, um mein Amt als Botschafter anzutreten,
geschah dies in einem ganz anderen Deutschland als
dem meiner Vorfahren, meiner Eltern, und selbst in
einem ganz anderen Deutschland als dem, das ich als
Kind gekannt hatte. Ich sah ein in Freiheit vereinigtes,
demokratisches und verantwortungsbewußtes Deutschland, das voll Vertrauen zur Übernahme einer konstruktiven Rolle in europäischen und internationalen
Angelegenheiten bereit ist.
Die Entwicklung der deutsch-amerikanischen Beziehungen von Förderung zu Partnerschaft ist einer der
großen internationalen Erfolge dieses Jahrhunderts.
Das amerikanische Engagement, sich die deutschen
Interessen zu eigen zu machen, hat zur Schaffung
einer Atmosphäre des Respekts und der Zusammenarbeit zwischen unseren Regierungen und der echten
Zuneigung zwischen unseren Völkern beigetragen.
Das Programm, das sich die Bundesregierung für die
kommenden Jahre auferlegt hat, kommt unserer eigenen Einschätzung sehr nahe, wo unsere Energien und
Ressourcen eingesetzt werden sollten. Die erfolgreiche Integration Ostdeutschlands in die Bundesrepublik - die Bundeskanzler Kohl als eine der fünf grundlegenden Prioritäten ausgemacht hat - ist daher ein
Ziel, dem auch wir weiterhin aktiv verpflichtet sind.
Wir haben unsere Bestrebungen in den fünf neuen
Ländern auf Handelsaktivitäten, Ausbildung und Information sowie persönliche Kontakte konzentriert.
Über 100 amerikanische Firmen haben Handelsbeziehungen zu den östlichen Ländern aufgegenommen,
viele davon durch ihre deutschen Tochtergesellschaften. Gemeinsam schaffen sie Zehntausende von
Arbeitsplätzen und tragen Sorge, daß nicht weitere
Seite 2

Tausende durch die Anspassung an die freie Marktwirtschaft verloren gehen. Ebeso wichtig ist, daß der
gute Name und das Renomme amerikanischer Firmen
wie IBM, General Motors, McDonalds, Coca Cola und
Procter &amp; Gamble eine Quelle des Vertrauens für
diejenigen darstellt, die in Ostdeutschland tätig werden
wollen.
Die fünf führenden amerikanischen Firmen allein haben
mindestens 2 Milliarden Dollar investiert und direkt
oder indirekt in den neuen Ländern mindestens 20.000
Arbeitsplätze erhalten. Berichten der Treuhand zufolge haben amerikanische Unternehmen 25 ehemalige
ostdeutsche Firmen aufgekauft und sich zu Investitionen in Höhe von 1,5 Milliarden DM in TreuhandUnternehmen verpflichtet.
Ich kann Ihnen versichern, daß diese beeindruckenden Zahlen, die offenkundig als Beweis für das Interesse und Engagement der US-Industrie stehen, konservative Zahlen und das absolute Minimum dessen
sind, was amerikanische Firmen in Ostdeutschland
tun. Es gibt keine Bestimmung, daß US-Unternehmen
uns gegenüber rechenschaftspflichtig sind, daher
beziehen wir unsere Informationen aus Presseberichten, privaten Untersuchungen und persönlichem Wissen. Wahrscheinlich finden sehr viel mehr Transaktionen statt, insbesondere mit kleineren amerikanischen
Firmen, in unerschlossenen Gebieten, oder über
amerikanische Tochtergesellschaften in Deutschland,
über die wir ohne Ihre Hilfe nie etwas hören werden.
Ich würde mich daher aufrichtig freuen, etwas über die
Aktivitäten Ihrer Unternehmen im Osten zu erfahren.
Sofern Sie dies wünschen, werden wir Ihre Informationen vertraulich behandeln. Was ich als Botschafter
benötige, sind Gesamtzahlen, die die gesamte Bandbreite unseres Engagements und damit das Ausmaß
unserer Verpflichtungen widerspiegeln.
Die greifbaren Beweise der Aktiviiäten der US-Industrie in Ostdeutschland bedeuten jedoch nicht, daß wir
als Botschaft die Hände in den Schoß legen dürfen.
Wenn Sie mit meinen Mitarbeitern in der Handelsabteilung sprechen, sei es hier in Bonn oder in ihren sieben
weiteren Büros in Deutschland, werden sie Ihnen
zweifelsohne erzählen, daß Anfragen amerikanischer
Firmen über die Treuhand, Investitionen in unerschlossene Gebiete, die Energiesituation, Telekommunikation und Eigentumsverhältnisse zur täglichen Routine
geworden sind.
Darüber hinaus freue ich mich, Ihnen heute mitteilen
zu können, daß unsere Außenhandelsabteilung offiziell ihr achtes Büro in Leipzig eröffnet hat. Beim
Konsulat in Leipzig vertritt Frau Dr. Birgit Lehne die
Außenhandelsabteilung, und sie wird Geschäftskontakte in Sachsen und Thüringen herstellen. Frau Dr.
Lehne besucht uns gerade in Bonn, und deshalb
möchte ich Sie Ihnen hiermit vorstellen: Frau Dr. Birgit
Lehne, die neue Mitarbeiterin der Außenhartdslsabteilung.
AMERIKA DIENST 16

�Wir teilen Bundeskanzler Kohls jüngst bekundetes
Interesse daran, Deutschlands Lebensfähigkeit als
Zentrum für Wirtschaft und Handel aufrechtzuerhalten. Wenn Deutschland - insbesondere Ostdeutschland - jedoch für US-Unternehmen attraktiver werden
soll, dann möchte ich in aller Offenheit und Freundschaft darauf hinweisen, wie wichtig es ist, daß potentielle Investoren nicht mit Hindernissen konfrontiert
werden, die den Marktkräften im Weg stehen und
damit eine vollständige wirtschaftliche Erholung im
Osten schwierig machen.
Wäre es nicht zum Beispiel für uns alle besser, wenn
die niedrigeren Energiekosten, die sich bei freierem
Wettbewerb ergeben könnten, ein zusätzlicher Anreiz
für Investoren in Ost und West würden? Im Herbst
vergangenen Jahres leiteten wir eine Delegation der
Energiewirtschaft, die unternehmerische Möglichkeiten in Berlin, Magdeburg und Schwerin sondierte. Im
Augenblick arbeiten wir eng mit mehreren US-Energieunternehmen zusammen, um Vorschläge im Umfang
von über einer Milliarde D-Mark durchzusetzen. Einige
der vorgeschlagenen Kraftwerke würden Elektrizität
und Fernwärme für Städte erzeugen, andere Industriekomplexe in Regionen mit sauberer Energie versorgen, die von den wirtschaftlichen und umweltpolitischen Praktiken der vergangenen vierzig Jahren am
härtesten getroffen wurden. Dies könnte der schwierigste Bereich sein, wo sich US-Unternehmen in Deutschland engagieren, und ich habe ihn zu meiner obersten
Priorität erklärt. Energieerzeugung ist nur einer von
vielen Bereichen, in denen ich zu offenem Wettbewerb
nicht nur zum Wohle des Verbrauchers, sondern zum
Wohle der deutschen Wirtschaft und des Welthandels
aufrufe.
Manche Firmen befragen uns über Ostdeutschland,
und wir verfügen über außerordentlich kreative Mitarbeiter, die Antworten auf alle Fragen des Marketing
finden. Wir helfen unseren Firmen regelmäßig bei der
Herstellung von Kontakten und - wie viele von Ihnen
hier wissen - tun alles in unserer Macht Stehende, um
Ihnen beim Absatz amerikanischer Produkte zu helfen. Die grö ßte Herausforderung bei unserer Arbeit im
Außenhandel besteht jedoch darin, die Aufmerksamkeit der Tausenden von US-Firmen zu wecken, die
noch nicht in Deutschland aktiv sind und möglicherweise nicht daran gedacht haben, in den neuen - oder den
alten - Ländern zu verkaufen oder TU investieren.
Unsere Handelsabteilungen betreiben Marktforschung,
sprechen so oft wie möglich Unternehmen und deren
Vertreter an und sind dabei engagierter, als diese
Aktivitäten vermuten lassen. Wir arbeiten mit dem USHandelsministerium, den Bundesstaaten und Organisationen des Privatsektors zusammen, um Vertretern
der US-Industrie die Herausforderungen und Chancen
im Osten nahezubringen. Wenige Wochen nach der
Vereinigung hat unsere Außenhandelsabteilung bereits "Handelstage" organisiert, im Rahmen derer
Vertreter aus US-Industrie und den Bundesstaaten
AMERIKA DIENST 16

Dresden, Leipzig, Chemnitz, Erfurt und andere Städte
besuchten, um dort mit Kollegen und aufstrebenden
Unternehmern zusammenzutreffen. Wir haben USFinnen engagiert, um in Berlin Seminare über Projektplanung und Finanzierung zu veranstalten, und führende US-Firmen im Bereich der Umwelttechnologie
haben sich in Leipzig und Berlin zum Thema Altlasten
geäußert. Eine Delegation von US-Industrie Vertretern, die Franchisepartner suchten, ist gerade aus
Berlin abgereist, und eine Gruppe von US-Betrieben,
deren Eigentümer Frauen sind, wird im Mai nach
Ostdeutschland reisen. Eine Delegation von Umweltexperten wird im Juni folgen, und im September werden Vertreter der Autozuliefererbranche dorthin reisen.
Sie alle können uns helfen, die Kunde an Entscheidungsträger der US-Industrie zu verbreiten, daß man
dort Geld verdienen kann und sie, indem sie ihre
Position in Deutschland und Europa ausbauen, auch
ihre Unternehmen in Amerika stärken. Meine Mitarbeiter in der Handelsabteilung und ich freuen uns immer
über Besuch von Geschäftsführern amerikanischer
Firmen. Diejenigen von Ihnen, die US-Unternehmen
vertreten, möchten vielleicht einen kreativeren Ansatz
wählen und Deutschland auf die Tagesordnung der
Entscheidungsträger Ihrer Stammsitze setzen. Wenigstens zwei führende US-Firmen entsenden ihre
Leiter Ende des Jahres zu Vorstandssitzungen nach
Deutschland. Fluor wählt dabei Düsseldorf und Pitney-Bowes Potsdam. Ich möchte zu beiden Gruppen
sprechen und sie ermutigen, bei ihrem Besuch hier
mehr von Deutschland zu sehen.
Ich möchte noch einen zweiten Vorschlag unterbreiten, der vielleicht etwas außergewöhnlich ist. Er
wendet sich an die heute hier vertretenen deutschen
Unternehmen. Vorstände bieten viele Möglichkeiten,
Geschäftsverbindungen zwischen den Vereinigten
Staaten und Deutschland aufzubauen. Es ist nicht
ungewöhnlich, daß US-Firmen mit Aktivitäten in Übersee wichtige ausländische Führungskräfte in ihren
Vorstand aufnehmen. Viele Deutsche sitzen bereits
im Vorstand von US-Unternehmen und sind infolgedessen mit unserem amerikanischen System vertraut,
insbesondere da US-Vorstände zunehmend an der
Unternehmensstrategie und Entscheidungsfindung
beteiligt werden. Es ist jedoch ganz ungewöhnlich,
daß wichtige deutsche Firmen Amerikaner auffordern,
einen Platz in ihrem Vorstand einzunehmen. Vielleicht
ist die Zeit gekommen, daß auch andere Unternehmen
darüber nachdenken. Abgesehen davon, daß der
Firma eine Vielfalt an Erfahrungen und Einsicht in
Vorstandsangelegenheiten zugute kommt, könnte sich
die Einbeziehung amerikanischer Führungskräfte in
Deutschland als eine dieser wichtigen, aber positiven
Entwicklungen erweisen, die in Zukunft die bilateralen
Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und
Deutschland stärken können.

Seite 3

�Die Förderung der Beteiligung von US-Firmen in
Deutschland birgt viele Vorteile für beide Länder, nicht
nur die Möglichkeit des finanziellen Gewinns. Handel
kann nicht isoliert von anderen Unternehmensbereichen betrachtet werden, sondern mu ß als Teil unserer
nationalen Sicherheit gesehen werden. Einer der
wundersamen Effekte der letzten zwei Jahre ist in den
Vereinigten Staaten und in anderen Ländern eine
Erweiterung des Konzepts der nationalen Sicherheit.
Die meisten von uns haben Sicherheit immer unter den
politisch-militärischen Aspekt betrachtet, wir müssen
aber erkennen, daß das Konzept genauso wichtige
handelspolitische, ökologische und kulturelle Komponenten hat. Während des kalten Krieges traten diese
Komponenten bei der Analyse unserer nationalen
Sicherheit oftmals in den Hintergrund, aber sie drängen jetzt mit Macht nach vorn. Kurzum - starke
Handelsbeziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland tragen zur Verbesserung der
nationalen Sicherheit beider Länder bei.
Der Aufbau dieser wichtigen bilateralen Handelsbeziehungen erfordert, daß wir Isolationismus und Protektionismus scharf zurückweisen, sei es im Umgang untereinander, in Gesprächen mit der Europäischen Gemeinschaft, multilateral im GATT oder in der UruguayRunde. Diese Ideologien haben in einer Welt des

Fortschritts keinen Platz, und sie sind Sackgassen. Es
ermutigt mich, daß amerikanische Wähler solche
überholten Doktrinen bei den Vorwahlen um die Präsidentschaft, trotz einer verständlichen Sorge über nationale Belange, verworfen haben. Ich bin zuversichtlich, daß unsere Wähler die Wahrheit erkennen - wenn
wir zu Hause stark sein wollen, müssen wir im Ausland
stark sein und Sicherheit und Zukunft der Vereinigten
Staaten sind untrennbar mit der Deutschlands und
Europas verbunden.
Die Aufrechterhaltung und Stärkung der bilateralen
Beziehungen ist natürlich der Hauptgrund, warum es
die amerikanische Botschaft hier gibt und warum der
American-German Business Club sich positiv entwikkelt. Der Club und seine Mitglieder nehmen an der
ganzen Bandbreite von Aktivitäten teil, die unsere
bilateralen Beziehungen ausmachen - Handel, kulturelle Beziehungen oder Verteidigungsangelegenheiten. Aus diesem Grund haben die Botschaft und eine
lange Reihe von Botschaftern Sie seit der Gründung
des Clubs vor über dreißig Jahren unterstützt. Deshalb sehe ich mit solchem Optimismus in unsere
gemeinsame Zukunft. Und ich freue mich auf die
Zusammenarbeit mit ihnen, um diesem Optimuismus
Rechnung zu tragen.
Ich danke Ihnen.

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 16

�W A H L E N '92
22. April 1992

DIE FINANZIERUNG AMERIKANISCHER
PRÄSIDENTSCHAFTSWAHLKÄMPFE
von He. bert E. Alexander
WASHINGTON - (AD) - Die gesetzliche Regelung der Finanzierung amerikanischer Präsidentschaftswahlkämpfe erfordert dem Autor zufolge ein Gleichgewicht zwischen dem Schutz der Integrität des Wahlprozesses und
den Rechten auf freie Meinungsäußerung und Assoziierungsfreiheit. In dem nachfolgenden Artikel erklärt
Herbert E. Alexander, Leiter der Citizens' Research Foundation und Professor für politische Wissenschaft an der
University of Southern California, die Geschichte der Wahlkampffinanzierung und der damit einhergehenden
Reformbemühungen.
"Die Präsidentschaft der Vereinigten Staaten", so schrieb
John Quincy Adams im Jahr 1828. "war ein Amt, das
man weder anstrebte noch ablehnte. Geld zu zahlen
- sei es direkt oder indirekt -, um es zu erlangen, war
meines Erachtens prinzipiell unkorrekt." Trotz der
hehren Geisteshaltung, die vom sechsten Präsidenten
der Vereinigten Staaten und Sohn des zweiten Präsidenten hier zum Ausdruck gebracht wurde, haben
Kandidaten bei jeder Wahl, seit George Washington im
Jahr 1789 zum ersten Mal dieses Amt antrat, Geld
ausgegeben, um sich die Präsidentschaft zu sichern.
Ausgabemuster
In der Frühzeit wurden politische Gelder hauptsächlich
für Druckkosten ausgegeben. Ein Großteil des Präsidentschaftswahlkampfs fand in Zeitungen und Pamphleten statt, die von den politischen Fraktionen zugunsten des einen oder anderen Kandidaten subventioniert wurden. Im Lauf der Zeit gingen die Kandidaten
zu anderen Mitteln der Verbreitung von Botschaften
über, darunter Wahlkampfbiographien, Ansteckknöpfe ("Buttons") und Transparente sowie persönliche
Wahlkampfreisen per Bahn und Teilnahme an sonstigen Wahlkampfveranstaltungen. Der Rundfunk wurde
zum ersten Mal im Wahlkampf von 1 ^24 eingesetzt,
und im Jahr 1952 trat das Fernsehen als wicmigstes
Medium für die Kommunikation mit dem Wähler in
Erscheinung.
Mit zunehmender Größe und Bevölkerungszahl der
Vereinigten Staaten und Entwicklung der Mittel, die für
Wahlkämpfe eingesetzt wurden, stiegen auch die
Wahlkampf kosten entsprechend. Im Jahr 1860 kostete der Sieg im Präsidentschaftswahlkampf Abraham
Lincoln angeblich 100.000 Dollar, und der Wahlkampf
seines Gegners Stephen Douglas soll etwa 50.000
AMERIKA DIENST 16

Dollar verschlungen haben. Einhundert Jahre später
wurden für den Wahlkampf John F. Kennedys etwa 9,7
Millionen Dollar ausgegeben, während die Kampagne
seines unterlegenen Gegners Richard Nixon etwa
10,1 Millionen Dollar kostete.
In den sieben seit 1960 veranstalteten Präsidentschaftswahlkämpfen sind die Ausgaben kontinuierlich
geklettert. Die Kampagnen wurden technisch anspruchsvoller und deshalb auch teurer. Bei der Wahl
1988, der vierten, für die öffentliche Mittel bereitgestellt
wurden, standen dem Republikaner George Bush 93,7
Millionen Dollar zur Verfügung, einschließlich eines
öffentlichen Zuschusses von 46,1 Millionen. Der
Kandidat der Demokratischen Partei, Michael Dukakis, konnte über 106,5 Millionen Dollar verfügen, ebenfalls mit einem öffentlichen Zuschu ß von 46,1 Millionen
Dollar. Der Wahlkampf von 1988 war der erste im 20.
Jahrhundert, bei dem die Demokraten mehr Geld
ausgaben als die Republikaner. Im Jahr 1988 kam es
ferner zum ersten Mal seit 20 Jahren dazu, daß die
Präsidentschaft offen war, das hei ßt, daß kein Amtsinhaber kandidierte. Aus diesem Grund entstanden in
beiden großen Parteien ebenfalls hohe Kosten bei den
Kampagnen für die Nominierung.
Die Gesamtkosten der Wahl des Präsidenten im Jahr
1988 beliefen sich auf etwa 500 Millionen Dollar. Diese
Summe umfaßt nicht nur die 200,2 Millionen Dollar, die
für die Kandidaten der beiden großen Parteien in der
allgemeinen Wahl aufgewendet wurden, sondern auch
die Mittel, die von allen Kandidaten ausgegeben wurden, die die Nominierung ihrer Parteien bei den Nominierungskonventen anstrebten sowie die Mittel, die
von anderen Parteien und unabhängigen Kampagnen
verbraucht wurden.

Seite 1

�Die Kosten für die Wahl eines Präsidenten betrugen
weniger als ein Fünftel der Gesamtkosten von 2,7
Milliarden Dollar für die Wahlkämpfe des Zyklus 19871988. Die verbleibenden Mittel wurden für die Nominierung oder Wahl von Kandidaten für den Kongreß
(457 Millionen), für die Nominierung und Wahl von
Tausenden von Staats- und Gemeindevertretern (905
Millionen) sowie die Kosten von Abstimmungen über
einzelne Fragen auf Staats- und Gemeindeebene sowie
Verwaltungskosten, Auslagen für Spendenwerbung
und sonstige Kosten von Partei- und parteiübergreifenden Komitees ausgegeben.
Die politischen Ausgaben von 2,7 Milliarden Dollar
müssen jedoch in der Gesamtperspektive gesehen
werden. Im Jahr 1988 gaben Regierungen auf allen
Ebenen in den Vereinigten Staaten - Bund, Bundesstaat, Kreis und Gemeinde - insgesamt Steuergelder
in Höhe von 1,9 Billionen Dollar aus. Die 2,7 Milliarden
Dollar für Wahlkampagnen, deren Resultate darüber
entscheiden, wie diese enormen Summen an Steuereinnahmen verwendet werden, betragen also lediglich
Bruchteile von einem Prozent der gesamten Staatsausgaben. Und diese Summe entspricht in etwa den
Ausgaben, die die beiden führenden Unternehmen
des Landes für Werbeausgaben aufwenden, um die
Nützlichkeit ihrer Produkte kundzutun.
Geldquellen
Bei den ersten Präsidentschaftswahlkämpfen reichten
die Eigenmittel von Kandidaten und von Amtsinhabern
erhobene Umlagen aus, um die erforderlichen Kosten
zu bestreiten. Mit dem Anwachsen der Wahlkampf kosten mußten jedoch andere Finanzierungsquellen
erschlossen werden.
Andrew Jackson, der im Jahr 1828 zum ersten Mal
zum Präsidenten gewählt wurde, wird im allgemeinen
die Schaffung des "spoils System" zugeschrieben, das
diejenigen, die zum Präsidentschaftswahlkampf beigetragen hatten, mit Vergünstigungen und Regierungsposten belohnte. Mit dem Ende des Bürgerkrieges im
Jahr 1865 begannen Großunternehmen und Einzelpersonen, die in der amerikanischen Industrie Vermögen angesammelt hatten, einen großen Teil der Kosten von Präsidentschaftswahlkämpfen zu finanzieren. Diese Quellen nahmen an Bedeutung noch zu, als
der amerikanische Kongreß das Gesetz zur Reform
des Staatsdienstes von 1883 verabschiedete, das es
Beamten oder Angestellten der Vereinigten Staaten
untersagte, untereinander für politische Spenden zu
werden oder solche entgegenzunehmen. Das HatchGesetz von 1939 erweiterte die Einschränkung politischer Aktivitäten, die das Gesetz von 1883 den Angehörigen des öffentlichen Dienstes auferlegte. Davon
ausgenommen sind lediglich etwa 4.000 politische
Entscheidungsträger in den Exekutivorganen der
amerikanischen Regierung.

Seite 2

Reformbemühungen
Nach der Jahrhundertwende führte die Besorgnis über
den Einfluß von Großunternehmen auf den Bundeswahlprozeß zur Verabschiedung einer Reihe von
Vorschriften über die Wahlkampffinanzierung. Das
erste bundesweite Verbot von Unternehmensspenden
trat im Jahr 1907 in Kraft. Vierzig Jahre danach wurde
dieses Verbot dauerhaft auf die Gewerksciifcuien ausgedehnt. Das erste Bundesgesetz zur Offenlegung
der Wahlkampffinanzierung wurde im Jahr 1910 verabschiedet. Dieses Gesetz wurde im Jahr 1911 so
geändert, daß von allen Kandidaten für Bundesämter
finanzielle Erklärungen für Vorwahlen, Konvente und
vor Beginn des Wahlkampfs verlangt und die Summen
begrenzt wurden, die Kandidaten für Repräsentantenhaus und Senat ausgeben durften. In der Folge
wurden die Auswirkungen dieses Gesetzes durch einen
Richterspruch jedoch erheblich gemildert. Im Jahr
1925 wurde im Bundesgesetz über korrupte Praktiken
die Bundesgesetzgebung zur Wahlkampffinanzierung
niedergelegt und überarbeitet, jedoch ohne wesentliche Änderungen. Bis zum Jahr 1972 blieb es das
grundlegende Gesetz zur Wahlkampffinanzierung.
Bei jeder Verabschiedung restriktiver Gesetze entwickelten die Politiker neue Methoden zur Geldbeschaffung. Wie bereits festgestellt, verlagerte sich mit
dem Verbot des Umlageverfahrens für Regierungsmitarbeiter die Aufmerksamkeit auf Untemehmensspenden. Als auch diese ausgeschlossen wurden, warben
Kandidaten und Parteien um Geschenke wohlhabender Einzelpersonen, darunter viele Aktieninhaber und
leitende Mitarbeiter von Unternehmen. Als mit dem
Versuch, den Einfluß reicher Einzelpersonen zu beschränken, der Umfang von Spenden an politische
Komitees durch das Hatch-Gesetz von 1939 begrenzt
wurden, fanden Parteien und Politiker andere Wege
der Finanzierung, darunter Diners zur Spendenbeschaffung und sonstige Veranstaltungen sowie die
Einrichtung politischer Aktionskomitees.
Die Kandidaten haben außerdem um Kleinspenden
geworben. Im Jahr 1964 setzte der republikanische
Präsidentschaftskandidat Postwurfsendungen ein, um
einen erheblichen Teil seiner Wahlkampfgelder aufzubringen. Seitherhaben mehrere Präsidentschaftskandidaten diese Methoden mit gutem Erfolg benutzt,
insbesondere der Demokrat Eugene McCarthy und
der unabhängige Kandidat George Wallace 1968, der
demokratische Kandidat George McGovern 1972 und
Ronald Reagan in seinen Vorwahlkampagnen von
1976, 1980 und 1984.
In den siebziger Jahren kam es auf Bundes- und auf
Staatsebene zu einer neuen Welle politischer Reformvorhaben. Auf Bundesebene schlugen sich diese
Reformbemühungen - und nachfolgende Versuche,
die den Kandidaten und Komitees durch das Gesetz

AMERIKA DIENST 16

»

*

�auferlegten Lasten zu mildern - im Bundeswahlkampfgesetz (Federal Election Campaign Act - FECA) von
1971, dem Einnahmengesetz (Revenue Act) von 1971
und den FECA-Ergänzungen von 1974, 1976 und
1979 nieder.
Staatliche Finanzierung
Die Gesetze sehen optionale, qualifizierten Kandidaten vom Staat zur Verfügung gestellte Mittel für die
Vorwahlkampfzeit bis zur Nominierung als Präsidentschaftskandidat vor. Um sich für diese Mittel ("matching funds") zu qualifizieren, müssen Kandidaten, die
die Nominierung ihrer Partei anstreben, 5.000 Dollar
an privaten Beiträgen, die sich aus Einzelspenden von
höchstens 250 Dollar in jedem von 20 Bundesstaaten
zusammensetzen, aufbringen. Die Bundesregierung
steuert für jede Spende von bis zu 250 Dollar an
qualifizierte Kandidaten noch einmal die gleiche Summe
hinzu. Diese Subventionen dürfen jedoch die Hälfte
des Ausgabenlimits für den Vorwahlkampf, das im
Jahr 1988 23,1 Millionen Dollar betrug, nicht überschreiten.
Die Bundesregierung stellt ferner öffentliche Mittel
bereit, um die Kosten für die nationalen Nominierungskonvente der zwei größten Parteien zu tragen. 1988
erhielt jede dieser Parteien einen Zuschuß von 9,2
Millionen Dollar. Kleinere Parteien erhalten eine Beihilfe zu ihrem Konvent, wenn ihre Kandidaten bei der
vorherigen Präsidentschaftswahl über 5 Prozent der
Stimmen erhielten.
Bei der allgemeinen Wahl können die Präsidentschaftskandidaten der wichtigsten Parteien zur Finanzierung
ihres Wahlkampfes öffentliche Mittel des Finanzministeriums in Anspruch nehmen. Wie bereits ausgeführt, beliefen sich diese Zuschüsse 1988 auf jeweils
46,1 Millionen Dollar. Darüber hinaus gibt es Bestimmungen für eine öffentliche Teilfinanzierung für Kandidaten kleinerer und neuer Parteien.
Die bei Präsidentschaftswahlkampagnen zur Verfügung gestellten öffentlichen Gelder sollen die Mittel
aufstocken - oder vollständig übernehmen - die ernstnafte Kandidaten benötigen, um sich selbst und ihre
Ideen gegenüber den Wählern darzustellen. Damit
soll die Notwendigkeit verringert oder beseitigt werden, Geld von wohlhabenden Spendern und Interessengruppen annehmen zu müssen
Im frühen Stadium der Kampagne sollen öffentliche
Mittel den Prozeß der Nominierung wettbewerbsorientierter machen und Kandidaten ermutigen, ihre Basis
der Unterstützung durch eine Vielzahl kleiner Spenden
zu erweitem. Die Kandidaten tun dies auf vielfältige
Weise, unter anderem durch persönliche Anschreiben, Ereignisse, bei denen gesammelt wird, wie
Empfänge und Diners sowie die Spendensammlung
freiwilliger Helfer.

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Die Durchführbarkeit öffentlicher Finanzierung hing
bei den letzten vier Präsidentschaftswahlkämpfen von
der Bereitschaft des Steuerzahlers ab, einen kleinen
Teil seines steuerpflichtigen Einkommens - ein Dollar
für Alleinstehende und zwei Dollar für zusammen
veranlagte Ehepaare - für die Präsidentschaftswahl
abzuzweigen, indem sie auf ihrer Steuererklärung
einem entsprechenden Gehaltsabzug zustimmen. Bis
jetzt hat das System genug Geld eingebracht, um die
öffentlichen Mittel abzudecken, die den nominierten
Kandidaten und den wichtigsten Parteien für ihre nationalen Nominierungskonvente zur Verfügung gestellt
werden. Die vom Bundeswahlausschuß bewilligten
Mittel beliefen sich 1976 auf 70,9 Millionen Dollar, 1980
auf 100,6 Millionen Dollar, 1984 auf 133,1 Millionen
Dollar und 1988 auf 177,8 Millionen Dollar.
Der Abzug von einem Dollar des steuerpflichtigen
Einkommens ist seit der Verabschiedung des Steuergesetzes 1971 nicht erhöht worden, trotz der Tatsache, daß der Wert des US-Dollars heute nur noch ein
Drittel des damaligen Werts beträgt. Darüber hinaus
ist der Steuerzahler in immer geringerem Maße zum
Gehaltsabzug bereit.
Dem Bundeswahlausschuß zufolge ist die Unterstützung des Steuerzahlers für den Gehaltsabzug seit
dem Rekordjahr 1980 um 30 Prozent gesunken. Dies
bedeutet einen Rückgang des Gehaltsabzugs vom
Höchststand von 28,7 Prozent der Steuererklärungen
im Jahr 1980 auf 19,9 Prozent der Steuererklärungen
1989. Die Rate für 1990 auf der Basis der Erklärungen
von 1989 ergab 32,5 Millionen Dollar, wobei die Jahresbeträge vier Jahre lang angesammelt werden, um
im Jahr der Präsidentschaftswahlen ausgezahlt zu
werden. Gegenwärtig besteht das Problem darin, daß
die gesunkenen Teilnehmerzahlen zu Fehlbeträgen
führen, die bei den Kampagnen vor der Nominierung
1992 zu einer anteilmäßigen Reduzierung der Mittel
führen könnten.
Beschränkung der Beiträge und Ausgaben
Die Reformgesetze von 1970 verfügen auch Obergrenzen für Beiträge und Ausgaben für alle Wahlkämpfe für ein Regierungsamt, aber der Oberste Gerichtshof kam zu dem Urteil, daß Ausgabenbeschränkungen nur in öffentlich finanzierten Kampagnen gegenwärtig nur Präsidentschaftswahlkämpfen - zulässig sind.
Einzelpersonen können nicht mehr als 1.000 Dollar pro
Kandidat und Wahl spenden, und Komitees dürfen
nicht mehr als 5.000 Dollar pro Kandidat und Wahl
bereitstellen. Kandidaten um ein Amt in der Bundesregierung, die öffentliche Mittel akzeptieren, dürfen
jedoch keine privaten Beiträge zur Förderung ihres
Wahlkampfes annehmen, obwohl sie private Spenden
bis zu einer bestimmten Obergrenze entgegennehmen können, um die Kosten zu bestreiten, die ihnen
durch die Einhaltung der Wahlgesetze entstehen.

Seite 3

�Mit den Obergrenzen für Beiträge und Ausgaben sollen große Spenden mit ihrem Potential für Korruption
kontrolliert, finanzielle Ungleichheiten unter den Kandidaten minimiert und Möglichkeiten des Mißbrauchs
reduziert werden. Einzelpersonen und Gruppen können jedoch bei Präsidentschaftswahlen oder anderen
Wahlen für ein Regierungsamt unbegrenzte Ausgaben tätigen - das heißt, sie können unbegrenzt hohe
Beträge für Berichte ausgeben, in denen die Wahl oder
Ablehnung empfohlen wird - solange wie die Ausgaben
ohne Absprache oder Koordination mit dem Wahlkampfkomitee eines Kandidaten stattfinden. Bei der
Nominierung der Präsidentschaftskandidaten und im
allgemeinen Wahlkampf 1980 wurden erhebliche Beträge unabhängig ausgegeben, was dazu führte, daß
einige Teilnehmer die Rechtmäßigkeit und Verfassungsmäßigkeit solcher Ausgaben anzweifelten. Ein
nach der allgemeinen Wahl 1984 verkündetes Urteil
des Obersten Gerichtshofs gab denjenigen Recht, die
unabhängige Ausgaben tätigten. Gruppen und Einzelpersonen gaben 1988 14,3 Millionen Dollar an unabhängigen Mittel aus, um die Wahl oder Ablehnung
eines Präsidentschaftskandidaten zu befürworten.
Einzelpersonen und Gruppen können auf verschiedenen Ebenen Beiträge zu politischen Parteikomitees
leisten. Diese Komitees können wiederum Geld für die
Kandidaten ihrer Parteien ausgeben. 1988 gaben die
Parteikomitees der Republikaner und Demokraten
erhebliche Summen aus, um ihre Präsidentschaftskandidaten bei lokalen Parteiaktivitäten wie Erfassung
der Wähler und deren Animierung zur Wahl zu unterstützen. Weitere wichtige Quellen von Ausgaben im
Zusammenhang mit dem Präsidentschaftswahlkampf
waren Gewerkschaften, die Dukakis-Bentsen unterstützten, indem sie für diese Berichte und Zuschriften
veröffentlichten, selbst Wähler registrierten und sie zur
Wahl aufriefen. Obwohl also die Einschränkung öffentlicher Mittel und damit zusammenhängender Aus-

gaben die Ausgaben des Präsidentschaftswahlkampfes kontrollieren sollen, gibt es immer noch zahlreiche
legale Wege, wie erhebliche private Summen eingesetzt werden können, um das allgemeine Wahlergebnis zu beeinflussen.
Schließlich erfordert das Bundeswahlgesetz die vollständige und termingerechte Offenlegung von Einnahmen und Ausgaben für den Wahlkampf. Di» Bestimmungen zur Offenlegung sollen den Wählern helfen,
eine sachlich begründete Entscheidung für einen
Kandidaten zu treffen und es dem Bundeswahlausschuß ermöglichen, die Einhaltung mit den Finanzierungsgesetzen für die Kampagnen zu überwachen.
Ein kontinuierliches Experiment
Das grundlegende Problem derer, die ein System zur
Regulierung der Finanzierung von Wahlkämpfen bei
amerikanischen Wahlkampagnen erarbeiten müssen,
besteht darin, die Integrität des Wahlprozesses zu
schützen und dennoch das Recht auf freie Meinungsäußerung und Versammlungsfreiheit zu respektieren,
wie es im ersten Zusatzartikel der amerikanischen
Verfassung verankert ist. Das 1970 eingeführte Kontrollsystem stellt eine sehr ehrgeizige Bestrebung zur
Herstellung dieses Gleichgewichts dar. Aber die
Anstrengungen waren nicht immer erfolgreich. Mit
Hilfe der Vorschriften war es nicht möglich, die Ausgaben der Präsidentschaftswahlkämpfe zu kontrollieren,
und die Abwertung des Dollars - nicht inflationsbereinigt - hat die Einnahmen der Kampagnen verringert, da
die Beitragsgrenzen und die mit den Steuern eingenommene Summe gleich geblieben sind, während die
Wahlkampf ausgaben steigen durften. Aber wie die
amerikanische Demokratie selbst ist das gegenwärtige System zur Regelung der Finanzierung von Präsidentschaftswahlkämpfen ein Experiment, das zweifellos in den kommenden Jahren kontinuierlich modifiziert werden wird.

* * * * *

Seite 4

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                <text>&lt;strong&gt;1. Rüstungskontrolle&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Rolle der Rüstungskontrolle im Zeitalter nach dem Kalten Krieg&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von ACDA-Direktor Lehman&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Golfkrieg&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bericht über den Golfkrieg unterstreicht Erfahrungen der Koalition&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht zum Bericht des Pentagon&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. USA-Deutschland&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Handel in Ostdeutschland - die Rolle der Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Kimmitt vor dem American-German Business Club&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wahlen'92&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Finanzierung amerikanischer Präsidentschaftswahlkämpfe&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Herbert E. Alexander&lt;/em&gt;</text>
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U.S. Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
17&#13;
&#13;
dienet&#13;
29. April 1992&#13;
&#13;
• * # &amp; &gt;&#13;
&#13;
«&lt;y&#13;
AUSSENPOLITIK&#13;
&#13;
BUSH: NEUE WELT BIRGT VORTEILE&#13;
FÜR GANZ AMERIKA&#13;
Rede des Präsidenten&#13;
beim Forum of the Americas&#13;
&#13;
USA MÜSSEN BEI DER VERBREITUNG VON&#13;
DEMOKRATIE KATALYSATOR SEIN&#13;
Rede von Außenminister Baker&#13;
beim Chicago Council&#13;
&#13;
GUS-HANDEL&#13;
&#13;
BUSH DRANGT AUF ERWEITERTEN HANDEL&#13;
MIT DER GUS&#13;
Grußworte des Präsidenten an Unternehmner&#13;
&#13;
IWF&#13;
&#13;
BRADY FORDERT RASCHE REFORMEN IN GUS&#13;
Rede bei IWF-Treffen&#13;
&#13;
WIRTSCHAFT&#13;
&#13;
Um Übersendung von&#13;
Belegexemplaren&#13;
wird gebeten&#13;
&#13;
WIRTSCHAFTLICHE INTERDEPENDENZ UND&#13;
NATIONALISMUS: MÖGLICHKEITEN DER&#13;
HARMONIE&#13;
von Henry R. Nau&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.:0228-339 2372&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�AUSSENPOLITIK&#13;
29. April 1992&#13;
&#13;
BUSH: NEUE WELT BIRGT VORTEILE&#13;
FÜR GANZ AMERIKA&#13;
Rede des Präsidenten beim Forum of the Americas&#13;
WASHINGTON - (AD) Bei der Abschlußsitzung des Forum of the Americas erklärte Präsident Bush, die&#13;
Menschen in allen Ländern Lateinamerikas seien auf dem Weg, "etwas zu schaffen, das die Menschheit noch&#13;
nie gesehen hat: einen freien und demokratischen Kontinent, auf dem freier Handel Wohlstand schafft".&#13;
In seiner Rede vor 400 führenden Industrievertretern aus zwei Kontinenten verwies Bush am 24. April 1992 auf&#13;
die bahnbrechenden Veränderungen, deren Zeuge die Welt in den letzten drei Jahren geworden ist. Er nannte&#13;
dabei die Vereinigung Deutschlands, den Zusammenbruch des Kommunismus, die Abschaffung der Apartheid&#13;
in Südafrika, die Friedensverhandlungen im Nahen Osten und die Aggression entgegentretenden Vereinten&#13;
Nationen.&#13;
"Hier auf unserem eigenen Kontinent", fügte Bush hinzu, "haben alle Länder Lateinamerikas ein Zeitalter&#13;
weitreichender und vielversprechender Veränderungen eingeleitet".&#13;
Bush verwies ferner auf die wirtschaftlichen und politischen Fortschritte und schlo ß seine Ausführungen mit einer&#13;
Warnung: "Die Zukunft gehört nicht dem Status quo. Sie ist das Vermächtnis von Menschen wie Ihnen,&#13;
Menschen mit Weitblick und Unternehmergeist."&#13;
Nachfolgend veröffentlichen wir Präsident Bushs Rede im Wortlaut.&#13;
&#13;
Ich kann mir keinen wichtigeren Augenblick vorstellen,&#13;
an dem wir in diesem Forum zusammenkommen, als&#13;
den gegenwärtigen Zeitpunkt. In den letzten drei&#13;
Jahren haben wir erlebt, wie sich unsere Welt gewandelt hat: Die Berliner Mauer ist gefallen und Deutschland friedlich vereinigt, die Menschen in Osteuropa&#13;
und der Sowjetunion vom Kommunismus befreit, fertraf Südafrika die historische Entscheidung zur&#13;
Abschaffung der Apartheid. Wir sind Zeugen geworden, daß die arabischen Nachbarn erstmals von Angesicht zu Angesicht mit Israel verhandelten, und eine&#13;
internationale Koalition hat sich unter dem Banner der&#13;
Vereinten Nationen erhoben und die irakische Aggression gegen Kuwait zurückgeschlagen. Darübe. hinaus&#13;
gibt es eine tiefgreifende Veränderung, die für jeden&#13;
Menschen auf der Welt von Bedeutung ist: wir haben&#13;
die Bedrohung eines Atomkrieges drastisch reduziert.&#13;
Erst heute haben die Vereinigten Staaten Maßnahmen&#13;
ergriffen, um den Handel mit Hochtechnologiewaren&#13;
zu erleichtern, eine Initiative, die durch das veränderte&#13;
strategische Umfeld und die friedliche Wiedergeburt&#13;
der Freiheit in den ehemals kommunistischen Ländern&#13;
ermöglicht wurde. Wir haben Handelsbeschränkun-&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 17&#13;
&#13;
gen für Exporte aufgehoben, die uns im Zeitalter des&#13;
kalten Krieges gute Dienste erwiesen haben, aber in&#13;
unserer neuen Welt nicht mehr nötig sind. Unsere&#13;
heutigen Maßnahmen werden Tausende von Ausf uhrlizenen überflüssig machen, darunter viele für Computer, einem unserer Exportschlager. Diese heutige&#13;
Aufhebung von Beschränkungen betrifft Handel im&#13;
Umfang von 2,5 Milliarden Dollar.&#13;
Hier auf unserem eigenen Kontinent haben alle Länder&#13;
Lateinamerikas ein Zeitalter weitreichender und vielversprechender Veränderung eingeleitet. Wir haben&#13;
Geschichte gemacht. Wir sind tatsächlich auf dem&#13;
Weg, etwas zu schaffen, das die Menschheit noch nie&#13;
gesehen hat: einen freien und demokratischen Kontinent, auf dem freier Handel Wohlstand schafft.&#13;
Von Mexiko City bis Buenos Aires wird diese Vision&#13;
Wirklichkeit. Zum ersten Mal seit vielen Jahren fließt&#13;
mehr Privatkapital für neue Investitionen in die Länder&#13;
Amerikas als abfließt. In einem Land nach dem&#13;
anderen wurde der hohen Inflation, die - insbesondere&#13;
die armen - Volkswirtschaften der Region ruiniert,&#13;
Einhalt geboten. In fast jedem Land ist wieder reales&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�Wachstum zu verzeichnen. Eine steigende Zahl von&#13;
Ländern zieht Vorteile aus dem Bradyplan, einer wichtigen Initiative, deren Ziel es ist, die Schuldenlast zu&#13;
reduzieren und neuem Wachstum den Weg zu bereiten.&#13;
Schranken für Handel und Investitionen fallen. In den&#13;
Finanzzentren der Welt werden Sie immer dasselbe&#13;
hören: eine der aufregendsten Regionen für Investitionen ist Lateinamerika.&#13;
Im Rahmen dieser wirtschaftlichen Revolution sind wir&#13;
Zeugen einer ebenso starken politischen Revolution&#13;
geworden, bei der wir eine entscheidende Rolle gespielt haben. Zwei Jahre nach Einführung der Operation Gerechte Sache hat Panama die Unterdrückung&#13;
der Ära Noriega durch Freiheit und Demokratie ersetzt. In El Salvador haben unsere kontinuierlichen&#13;
Bestrebungen nach zwölf Jahren Bürgerkrieg zu Frieden geführt. In Nicaragua haben wir unser Ziel verwirklicht, durch freie Wahlen wieder Frieden und Demokratie zu schaffen.&#13;
In ganz Mittelamerika sind zivile Präsidenten im Amt,&#13;
und das Prinzip der Zustimmung der Regierten ist fest&#13;
verankert. In Südamerika sind Chile und Paraguay der&#13;
Gemeinschaft der Demokratien beigetreten.&#13;
Diese friedliche Revolution in allen Ländern Lateinamerikas erfolgte nicht zufällig. Sie ist die Arbeit einer&#13;
Generation mutiger und engagierter demokratischer&#13;
Politiker, mit denen wir eng zusammengearbeitet haben,&#13;
um unsere gemeinsamen Ziele zu verfolgen. Der neue&#13;
Geist zeigte sich im Juni vergangenen Jahres, als die&#13;
Generalversammlung derOAS eine Resolution verabschiedete, um die internationale Reaktion auf Bedrohungen für die Demokratie zu verstärken.&#13;
Die Konsolidierung dieser Revolution wird nicht leicht&#13;
sein. Millionen Menschen auf unserem Kontinent&#13;
leben immer noch in Armut und politischer Unmündigkeit. Die jüngsten Ereignisse in Haiti, Venezuela und&#13;
Peru erinnern uns daran, daß die Demokratie immer&#13;
noch brüchig und ständigen Gefahren ausgesetzt ist.&#13;
In all unseren Ländern hängen mächtige Lobbys an&#13;
alten Ideen und Privilegien, fördern Protektionismus&#13;
und widersetzen sich erweitertem Handel.&#13;
Den Unbelehrbaren - Castros totalitärem Regime,&#13;
denjenigen auf dem Kontinent, die die Uhr in die Zeit&#13;
der Militärdiktatur zurückdrehen wollen, möchte ich&#13;
einen Punkt deutlich herausstellen: Hunderte Millionen Lateinamerikaner glauben an ihre Freiheit und ihre&#13;
Chance. Und ich stehe zu ihnen. Solange ich Präsident bin, werden die Vereinigten Staaten ihre Energie&#13;
für die echte und dauerhafte Befreiung der Menschen&#13;
in der westlichen Hemisphäre aufwenden.&#13;
Eine gemeinsame demokratische Geisteshaltung bewirkt&#13;
bei jedem Thema, das wir angehen, einen Unterschied: Die Wiedergeburt der Demokratie führte dazu,&#13;
daß Argentinien und Brasilien gemeinsam die VerbreiSeite 2&#13;
&#13;
tung von Nuklearwaffen aufgehalten haben. Die&#13;
Demokratie hat in Brasilien Energien freigesetzt, um&#13;
die Abholzung der Regenwälder am Amazonas aufzuhalten. Dank der Demokratie hat Argentinien den&#13;
Willen, das von Libyen und dem Irak finanzierte Raketenprogramm Condor zu stoppen. Kolumbiens Demokratie bekämpft den Drogenhandel und arbeitet an der&#13;
Wiederherstellung seiner wirtschftlichen Vitalität. Die&#13;
neu geschaffene Demokratie in Panama hai strenge&#13;
neue Gesetze zur Bekämpfung der Geldwäsche verabschiedet und arbeitet daran, die Bedeutung des&#13;
Landes als Handelskorridor zwischen Ost und West&#13;
wiederzugewinnen.&#13;
Damit wir uns nicht mißverstehen: politische und&#13;
wirtschaftliche Freiheit sind untrennbar. Ebenso wie&#13;
Menschen ein gottgegebenes Recht haben zu wählen,&#13;
wer sie regieren soll, müssen sie auch so frei sein,&#13;
wirtschaftlich wählen zu können. Wenn wir Schranken&#13;
für die wirtschaftliche Freiheit innerhalb und au ßerhalb&#13;
unserer Länderabbauen, setzen wir starke Kräfte des&#13;
Wachstums und der Kreativität frei.&#13;
Bevor ich aus dem Amt scheide, möchte ich, daß&#13;
Hersteller in Cleveland denselben Zugang zu den&#13;
Märkten in Monterrey haben wie zu denen in Minneapolis. Mit Hilfe neuer Technologien könnten Dienstleistungsunternehmen in Denver Märkte in Santiago&#13;
genauso leicht erschließen wie in Chicago. Ich möchte&#13;
daran arbeiten zu gewährleisten, daß staatliche Eingriffe und übermässige Vorschriften dem nicht im Weg&#13;
stehen. Um dies zu tun, müssen wir den eingeschränkten Blickwinkel der Sonderinteressen überwinden. Ich bin davon überzeugt, daß wir genau dios&#13;
tun können und wollen.&#13;
Ich habe es zu einer meiner obersten Prioritäten&#13;
erklärt, ein Freihandelsabkommen zu schließen, das&#13;
alle Zölle im Handel zwischen den Vereinigten Staaten, Kanada und Mexiko abschafft Diesos Abkommen baut auf unserem historischen Freihandelsabkommen mit Kanada auf. Der Erfolg der Vereinbarung&#13;
mit Kanada demonstriert, wie freier Handel allen Beteiligten dienen kann.&#13;
Ich kann diesen Durchbruch nicht erzielen, indem ich&#13;
zwischen den Protektionisten, die dem Status quo eine&#13;
Lanze brechen, und der Bewegung für Freiheit und&#13;
Veränderung abwäge. Vielfach wird vorgeschlagen,&#13;
wir könnten uns in einem Kokon der Protektion einspinnen und in dem Glauben wiegen, von der frischen Luft&#13;
des Wettbewerbs zu profitieren. Sie und ich wissen,&#13;
daß dies ein völliger Trugschlu ß ist. Unsere wirtschaftliche Zukunft darf nicht von denjenigen abhängen, die&#13;
dem freien Handel das Wort reden, sich aber mächtigen Lobbys unterwerfen. Wir können nicht beides&#13;
haben. In unserem Unabhängigkeitskrieg wurden die&#13;
Vertreter dieser Auffassung als "Summer Soldiers"&#13;
bezeichnet. Sie wollten den Ruhm der Revolution&#13;
ohne den Schneid zu beweisen, auch in schweren&#13;
Zeiten für die Freiheit geradezustehen. Meine Haltung&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 17&#13;
&#13;
�ist eindeutig: Offener Handel ist für die Vereinigten&#13;
Staaten unabdingbar und genauso wichtig wie innenpolitische Reformen zur Erneuerung unserer Bereiche&#13;
Bildung, Gesundheitswesen, Verwaltung und Rechtswesen.&#13;
Eine Freihandelszone zwischen den Vereinigten Staaten, Mexiko und Kanada wäre der größte Markt der&#13;
Welt - 360 Millionen Verbraucher mit einer Wirtschaft&#13;
von 6 Billionen Dollar. Mexiko ist heute einer der am&#13;
schnellsten wachsenden nationalen Märkte für USExporte. Allein in den letzten drei Jahren sind die&#13;
amerikanischen Warenexporte nach Mexiko um zwei&#13;
Drittel gestiegen. Unsere Exporte von Autos, Autoersatzteilen und Telekommunikationsgeräten nach&#13;
Mexiko haben sich verdoppelt. Hier im Publikum mag&#13;
man sich c'ieser Tatsache bewußt sein, aber ich bezweifle, daß es in den Vereinigten Staaten weithin&#13;
bekannt ist, daß zwei Drittel aller Exporte nach Mexiko&#13;
aus Jen Vereinigten Staaten kommen.&#13;
Nicht nur die Staaten an der Grenze profitieren von&#13;
diesem Wachstum. Während meiner Präsidentschaft&#13;
haben 45 unserer 50 Bundesstaaten ihre Exportenach&#13;
Mexiko gesteigert. Zu unseren 10 führenden Exporteuren nach Mexiko zählen heute Michigan, Illinois,&#13;
New York, Louisiana, Pennsylvania, Florida und Ohio&#13;
ebenso wie Texas, Kalifornien und Arizona.&#13;
Der Handel mit Mexiko trägt bereits Hunderttausende&#13;
von Arbeitsplätzen in den Vereinigten Staaten. Nur als&#13;
Beispiel: Tausende guter Arbeitsplätze in Warren&#13;
(Ohio) und Rochester (New York) hängen davon ab,&#13;
daß die Produkte der Tochterfirmen in Mexiko wettbewerbsfähig bleiben. Ein Nordamerikanisches Freihandelsabkommen würde Tausende weitere schaffen. Es&#13;
würde wettbewerbsfähige Kapazitäten und Größenvorteile schaffen, durch die amerikanische Unternehmen auf den Weltmärkten konkurrieren können.&#13;
Freier Handel mit Kanada und Mexiko macht aus uns&#13;
allen Gewinner der Wirtschaft, aber unsere Beziehungen gehen weit über den Handel hinaus, Unsere&#13;
Grenzen erstrecken sich über den ganzen Kontinent.&#13;
A'i sind durch jahrhundertealte familiäre und kulturelle&#13;
Bande verbunden. Mit Premierminister Brian Mulroney, den ich oft konsultiere, verbindet mich eine enge&#13;
Freundschaft. Ferner zähle ich Präsient Carlos Saunas zu meinen guten Freunden - er und ich haben seit&#13;
unserem Gipfeltreffen unmittelbar nach unser beider&#13;
Wahl im Jahr 1988 den "Geist von Houston" unterstützt. Sowohl Präsident Salinas als auch Premierminister Mulroney sind fähige und kreative Politiker, und&#13;
ich engagiere mich für eine Zusammenarbeit mit ihnen, um dauerhafte Freundschaft unter unseren Ländern zu schaffen, die auf offenem Handel, Kooperation&#13;
und gegenseitigem Respekt basiert.&#13;
Sie haben vielleicht gehört, daß vielfach angenommen&#13;
wird, die Politik diktiere eine Verschiebung des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens bis nach den&#13;
&#13;
Wahlen. Dies ist nicht meine Meinung. Jetzt ist der&#13;
günstige Zeitpunkt. Ich habe unsere Unterhändler&#13;
angewiesen, ihre Arbeit zu beschleunigen. Meiner&#13;
Meinung nach können wir vor der Wahl zu einer&#13;
ausgewogenen Entscheidung kommen, und ich möchte ein gutes Abkommen unterzeichnen, sobald es&#13;
fertig ist.&#13;
Das Nordamerikanische Freihandelsabkommen ist nur&#13;
der Anfang. Unsere Initiative zur Förderung der Privatwirtschaft in den Ländern Amerikas hat bereits bemerkenswerte Fortschritte gemacht und Märkte geöffnet,&#13;
den Investitionsfluß erhöht, die staatliche Schuldenlast abgebaut und die Umwelt auf dem ganzen Kontinent positiv beeinflußt.&#13;
Die Initiative zur Förderung der Privatwirtschaft in den&#13;
Ländern Amerikas spiegelt eine Revolution im Denken&#13;
wider. Mit dieser Initiative streben die Vereinigten&#13;
Staaten nicht danach, ihren Nachbarn ihre Ideen aufzuzwingen. Unser Programm zielt vielmehr darauf ab,&#13;
ihnen die Macht zu geben, mit ihren selbstgewählten&#13;
marktwirtschaftlichen Reformen Erfolg zu haben, die&#13;
in Lateinamerika für Lateinamerikaner entwickelt wurden.&#13;
Die mutigen lateinamerikanischen Politiker, die ihre&#13;
Volkswirtschaften reformieren und Hemmnisse für&#13;
Handel und Investitionen abbauen, brauchen unsere&#13;
Unterstützung. Sie sind die echten Befreier unserer&#13;
Zeit. Echter Erfolg bedeutet, dirigistische Systeme&#13;
aufzubrechen, die einstmals wohlhabende Eliten schützen sollten und der arbeitenden Bevölkerung sowie&#13;
den Armen verschlossen waren. Freie Marktreformen&#13;
werden belastende Vorschriften beseitigen, die jetzt&#13;
verhindern, daß die Armen aus den Städten Unternehmen gründen oder Campesinos Kredite und Eigentumsrechte an ihrem Land bekommen.&#13;
Zu Wirtschaftsreformen gehört eine ehrliche Regierung. Korruption ist der Feind von Wachstum und&#13;
Demokratie. Neue Investitionen werden nur dort fließen, wo Rechtsstaatlichkeit gesichert ist, die Gerichte&#13;
gerecht urteilen und Ausschreibungsprozesse allen&#13;
offenstehen.&#13;
Um die Reformer zu unterstützen - und die vielversprechende neue Vision in Lateinamerika zu realisieren muß der US-Kongreß seiner Pflicht nachkommen. Ich&#13;
habe den Kongreß gebeten, eine seit langem fällige&#13;
Maßnahme zu ergreifen und in diesem Haushaltsjahr&#13;
310 Millionen Dollar in die Initiative zur Förderung der&#13;
Privatwirtschaft in den Ländern Amerikas zu investieren. Damit könnten wir über 1 Milliarde Dollar der&#13;
Staatsschulden auf dem Kontinent abschreiben und&#13;
Millionen Dollar zur Erhaltung der Umwelt aufbringen.&#13;
Aber der Kongreß hat sich geweigert, zu diesem&#13;
Zweck Mittel bereitzustellen. Er glaubt offensichtlich&#13;
nicht daran, daß sich Investitionen auszahlen - im&#13;
Gegensatz zu mir. Und zu den Lkw-Fahrem und&#13;
Eisenbahnern. Und den Herstellern von Automobilen&#13;
4&#13;
&#13;
Ä&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 17&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�und Elektronik. Und den Umweltexperten und vielen&#13;
anderen.&#13;
Ich habe mitgeholfen, unsere Verbündeten in Europa&#13;
und Japan davon zu überzeugen, jährlich zwei Drittel&#13;
eines 1,5-Milliarden-Fonds bereitzustellen, um die&#13;
Reformer in Lateinamerika zu unterstützen. Dieser&#13;
von der Interamerikanischen Entwicklungsbank verwaltete Fonds würde helfen, auch kleine Staatsbetriebe zu privatisieren, die Beschäftigten umzuschulen&#13;
und Kredite für die Gründung von Kleinunternehmen&#13;
bereitzustellen. Aber der Kongreß hat sich geweigert,&#13;
unseren Anteil an diesem Fonds zu bewilligen.&#13;
Ich werde weiterhin für diese wichtigen Programme&#13;
der Initiative zur Förderung der Privatwirtschaft in allen&#13;
Ländern Amerikas kämpfen, bis der Kongreß den&#13;
Weitblick und die Stärke demonstriert, um sie zu&#13;
unterstützen, wie sie es verdient. Wenn wir in die&#13;
Umgestaltung Osteuropas und der früheren Sowjetunion investieren können - was wir tun müssen - dann&#13;
können und müssen wir in die Anstrengungen unserer&#13;
unmittelbaren Nachbarn auf ihrem friedlichen Weg zu&#13;
echter Freiheit und echtem Wohlstand investieren.&#13;
Das wirtschftliche Schicksal der Vereinigten Staaten&#13;
ist an Lateinamerikas Schicksal geknüpft. Keine Armee&#13;
von Protektionisten kann dies ändern. Als Lateinamerika Anfang der achtziger Jahre seine Schuldenkrise&#13;
erlitt, verzeichneten wir einen entsprechenden Einbruch im Handel. Wenn Sie das nicht glauben, fragen&#13;
Sie die Arbeiter bei Caterpillar in Illinois oder bei&#13;
Cessna in Kansas. Fragen Sie sie, ob sie gelitten&#13;
haben, als unsere besten Kunden in Lateinamerika&#13;
eine Krise hatten.&#13;
Mit dem Vormarsch von Demokratie und Wirtschaftsreformen sind die US-Exporte nach Lateinamerika in&#13;
nur zwei Jahren um fast zwei Drittel gestiegen, von 49&#13;
Milliarden im Jahr 1989 auf 63 Milliarden im Jahr 1991.&#13;
Dies ist eine schnellere Wachstumsrate als bei unseren Exporten nach Asien oder Europa. Es deutet auf&#13;
die Tatsache hin, daß ein stabiles, wohlhabendes&#13;
Lateinamerika ein natürlicher Markt für Waren und&#13;
Dienstleistungen aus den Vereinigten Staaten ist. Die&#13;
Förderung der Volkswirtschaften unserer Nachbarn&#13;
wird zu mehr Exporten und mehr guten Arbeitsplätzen&#13;
für die Menschen in den Vereinigten Staaten führen.&#13;
Wenn wir mit unseren Freunden außerhalb der westlichen Hemisphäre sprechen, müssen wir ihnen so klar&#13;
wie möglich versichern: Bei unserer Vision von offenem Handel und wirtschaftlicher Integration in unserer&#13;
Hemisphäre soll niemand ausgeschlossen werden.&#13;
Unser Ziel besteht ganz einfach darin, die Schranken&#13;
für wirtschaftliche Freiheit innerhalb und außerhalb der&#13;
Länder der westlichen Hemisphäre zu senken und&#13;
keine - ich wiederhole: keine - Schranken zwischen&#13;
*&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
uns und den Ländern Afrikas, Europas und Asiens zu&#13;
errichten. All unsere Ziele stehen im Einklang mit der&#13;
internationalen Politik des GATT - und ich möchte nur&#13;
kurz die hervorragende Führungskraft des GATTDirektors, Arthur Dunkel, würdigen, der bereits heute&#13;
zu Ihnen gesprochen hat. Ich möchte Ihnen ferner&#13;
versichern, daß ich äußerstes Interesse daran habe,&#13;
mit Hilfe einer erfolgreichen Uruguay-Runde die Märkte weltweit zu öffnen.&#13;
Wenn die Verfechter und Befürworter von Sonderinteressen dies in Frage stellen wollen, sollen sie nur&#13;
kommen. Ich werde mich bei allen Menschen in allen&#13;
Winkeln der Vereinigten Staaten für mehr Handel&#13;
einsetzen. Und ich möchte eins klarstellen: Freier&#13;
Handel bedeutet mehr Exporte, mehr Investitionen,&#13;
eine bessere Wahl, mehr Arbeitsplätze für Amerikaner. Dieses große Land ist der Welt größter Exporteur&#13;
- im vergangenen Jahr für über 422 Milliarden Dollar - ,&#13;
und wir beabsichtigen eine Handelspolitik zu verfolgen, die dieses Wachstum jetzt und in Zukunft erhält.&#13;
Wir werden Schranken einreißen, wo immer wir sie&#13;
finden, um zum Beispiel Märkte für unsere ComputerSoftware, Filme, Bücher und Arzneimittel zu öffnen.&#13;
Wir werden den Protektionismus im In- und Ausland&#13;
stark bekämpfen.&#13;
Vor 500 Jahren hat ein mutiger Mann voller Visionen in&#13;
Europa die Segel gesetzt, auf der Suche nach neuen&#13;
Handelswegen und Möglichkeiten. Er setzte sich über&#13;
den Rat derer hinweg, die erklärten, die Erde sei eine&#13;
Scheibe. Christoph Kolumbus' Reise nach Amerika&#13;
hat die Geschichte der Menschheit verändert. Kolumbus war ein Abenteurer, und das Risiko, das er vor 500&#13;
Jahren auf sich nahm, zahlt sich heute noch voll und&#13;
ganz aus.&#13;
Heute müssen wir immer noch gegen eine rückwärts&#13;
gerichtete Mentalität ankämpfen, den Geisteszustand,&#13;
der uns drängt, an unseren Grenzen Schranken gegen&#13;
den Wettbewerb zu errichten, den freien Austausch&#13;
von Nahrungsmitteln, Maschinen, Fähigkeiten und&#13;
Ideen nicht zuzulassen.&#13;
Aber die Zukunft gehört nicht dem Status quo. Sie ist&#13;
das Vermächtnis von Menschen wie Ihnen, Menschen&#13;
mit Weitblick und Unternehmergeist. Die Zukunft der&#13;
Länder Amerikas ist eine Zeit der Neuentdeckung.&#13;
Eine Zeit, um die Armen durch neue Investitionen,&#13;
Handel und Wachstum mit Macht auszustatten. Eine&#13;
Zeit der kulturellen Erneuerung. Unsere Anstrengungen und die Anstrengungen von Millionen Bürgern in&#13;
allen Teilen Amerikas können einer ehrlichen, demokratischen und eingeschränkten Regierung neue Impulse&#13;
geben. Gemeinsam können wir in eine neue Friedensordnung und ein neues Zeitalter des Wohlstands&#13;
eintreten, denen die Freiheit des einzelnen neuen&#13;
Schwung verleiht.&#13;
*&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 17&#13;
&#13;
�AUSSENPOLITIK&#13;
29. April 1992&#13;
&#13;
USA MÜSSEN BEI DER VERBREITUNG VON&#13;
DEMOKRATIE KATALYSATOR SEIN&#13;
Rede von Außenminister Baker beim Chicago Council&#13;
WASHINGTON - (AD) - Als mächtigste Demokratie der Welt müssen die Vereinigten Staaten Außenminister&#13;
Baker zufolge in den neuen Staaten der ehemaligen Sowjetunion als Katalysator für die Verbreitung von&#13;
Demokratie und freien Märkten wirken.&#13;
"Unsere Idee ist es, die gefährliche Zeit des kalten Kriegs durch einen demokratischen Frieden zu ersetzen einen Frieden, der sich auf die zwei Säulen politische und wirtschaftliche Freiheit stützt," erklärte Baker beim&#13;
Chicago Council on Foreign Relations in einer wichtigen Rede zur Außenpolitik.&#13;
Baker zufolge kann durch die Förderung von Demokratie und freien Märkten in Rußland und Eurasien die neue&#13;
"Zone des Friedens und Wohlstands" erweitert und die neuen Staaten der früheren Sowjetunion ebenso in die&#13;
demokratische Staatengemeinschaft eingegliedert werden wie Mittel- und Osteuropa seit 1989.&#13;
Außenminister Baker bezeichnete das von Präsident Bush Anfang des Monats angekündigte internationale&#13;
Hilfspaket von 24 Milliarden Dollar als herausragendes Beispiel für funktionierendes kollektives Engagement. Mit&#13;
diesem Paket soll Rußland geholfen werden, seine Wirtschaft zu stabilisieren, die Inflation unter Kontrolle zu&#13;
bringen und Wachstum und Entwicklung den Weg zu bereiten.&#13;
Nachfolgend veröffentlichen wir Außenminister Bakers Rede im Wortlaut.&#13;
Vor nicht allzu langer Zeit war ich in Deutschland auf&#13;
dem Luftwaffenstützpunkt Rhein-Main. Die Piloten&#13;
dort rollten ihre Flugzeuge in die Startposition. Mitglieder der Besatzung bemühten sich, die letzten Stücke&#13;
der Ladung zu verstauen. Die Jets donnerten, als ich&#13;
beobachtete, wie Flugzeuge der US-Luftwaffe zu ihrem Flug nach Moskau und in 19 andere Städte der&#13;
ehemaligen Sowjetunion starteten.&#13;
Auf eben diesem Stützpunkt und anderen halten junge&#13;
Amerikaner seit zwei Generationen Wache, bereit,&#13;
Flugzeuge zu starten, um einen sowjetischen Angriff&#13;
abzuwehren. Aber statt Raketen und Bomben starteten die amerikanischen Flugzeuge jetzt mit Nahrungsund Arzneimitteln als Ladung der Hoffnung, nicht als&#13;
Fracht der Zerstörung.&#13;
Dieser Flug war auch Teil einer längeren Reise - des&#13;
Wegs, den die Welt nach so vielen Jahren des kalten&#13;
Kriegs zurückgelegt hat und des Wegs, den wir als&#13;
Amerikaner im Laufe dieses Jahrhunderts gegangen&#13;
sind.&#13;
Zweimal zuvor hat sich Amerika auffordern lassen,&#13;
beim Aufbau eines neuen Friedens die Führungsrolle&#13;
zu übernehmen.&#13;
Jetzt ist dieser Aufruf erneut ergangen.&#13;
AMERIKA DIENST 17&#13;
&#13;
Eine amerikanische Reise&#13;
Die ersten Schritte auf dieser amerikanischen Reise&#13;
wurden in diesem Monat vor 75 Jahren unternommen.&#13;
Wir traten in den sogenannten Großen Krieg ein, den&#13;
Krieg, der alle Kriege beenden sollte, der aber ganz&#13;
einfach zum Ersten Weltkrieg wurde.&#13;
Diese schreckliche Vernichtung von Menschen und&#13;
Nationen zerstörte die alte Ordnung, setzte aber nichts&#13;
an ihre Stelle. Am Ende richteten alle Menschen ihre&#13;
Hoffnung auf die Vereinigten Staaten, die allein über&#13;
die Stärke und moralische Kraft verfügten, um einen&#13;
dauerhaften Frieden zu gewährleisten. Amerika wurde zur Führungsrolle berufen.&#13;
Aber Amerika war nicht bereit. Unsere Führer waren&#13;
bitter zerstritten. Die Menschen in unserem Land&#13;
waren nur bestrebt, wieder ihr normales Leben aufzunehmen. Wir entschieden uns also, uns aus den&#13;
Streitigkeiten anderer Länder "herauszuhalten" und&#13;
hofften, uns dadurch auch selbst Schwierigkeiten&#13;
ersparen zu können.&#13;
Bevor wir zu streng über die Amerikaner im Jahr 1919&#13;
urteilen, sollten wir uns daran erinnern, daß der Isolationismus zunächst zu funktionieren schien. Die Feinde der Demokratie brauchten mehr als zehn Jahre und&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�die Große Depression, bevor sie den nächsten großen&#13;
Angriff starten konnten.&#13;
Aber wir sollten dies nicht falsch verstehen. Die&#13;
Katastrophen der dreißiger Jahren entstanden aus&#13;
den Fehlern der zwanziger Jahre: der Illusion des&#13;
Isolationismus und dem Irrglauben des Protektionismus. Als die Amerikaner schließlich verstanden, daß&#13;
ein protektionistisches Amerika niemals ein wohlhabendes Amerika und ein isolationistisches Amerika&#13;
niemals ein sicheres Amerika sein könnte, mußten wir&#13;
diese Fehler mit einer Depression und einem Krieg&#13;
bezahlen.&#13;
Nach dem Zweiten Weltkrieg wollten wir uns wieder&#13;
um unsere eigenen Angelegenheiten kümmern. Wir&#13;
sahen uns jedoch zum zweiten Mal mit der Aufforderung zu einer internationalen Führungsrolle konfrontiert - im kalten Krieg gegen sowjetische Aggression.&#13;
Wir waren entschlossen, nicht die Fehler einer früheren Generation zu wiederholen. Dieses Mal stellten wir&#13;
uns der Herausforderung. Wir führten einen 40 Jahre&#13;
währenden Kampf, der schließlich mit dem Zusammenbruch des Sowjetkommunismus endete.&#13;
Jetzt ist der kalte Krieg Geschichte, und es wäre&#13;
verlockend, dieses Engagement Amerikas in der Welt&#13;
- das Amerika des Marshallplans, der NATO und der&#13;
Unterstützung der Demokratie in Japan - als offensichtliche und populäre Verpflichtung von Anfang an&#13;
zu betrachten. Das war es nicht.&#13;
Das amerikanische Volk stand den Aussagen seiner&#13;
politisch Verantwortlichen zunächst skeptisch gegenüber. Als der Kolumnist der New York Times, James&#13;
Reston, die Einzelheiten und wahrscheinlichen Kosten&#13;
des Marshallplans enthüllte, rief ihn Senator Arthur&#13;
Vandenberg, der Führer der Republikaner im Senat,&#13;
an. Vandenberg erklärte ihm, der Kongreß würde&#13;
niemals soviel Geld ausgeben, um irgendjemanden zu&#13;
retten. Aber als die Tatsachen dem amerikanischen&#13;
Volk dargelegt wurden, als es verstand, was auf dem&#13;
Spiel stand und getan werden mußte, wendete sich&#13;
das Blatt. Auch Senator Vandenberg änderte seine&#13;
Meinung und - mit Vandenbergs Hilfe und Unterstützung der Öffentlichkeit - bekam General Marshall das&#13;
Geld.&#13;
Weder der Marshallplan noch irgendeine andere der&#13;
großen Leistungen des Kongresses in jener Zeit kam&#13;
zustande, weil Auslandshilfe populär war. Das amerikanische Volk unterstützte den Marshallplan und das&#13;
NATO-Bündnis sowie Bestrebungen zur Förderung&#13;
von Demokratie und Wiederaufbau nicht, weil diese&#13;
Angelegenheiten populär waren, sondern weil die&#13;
Amerikaner wußten, was zu tun war.&#13;
Die Amerikaner wußten, daß es nicht ausreichte, die&#13;
Sowjetunion in Schach zu halten. Zugunsten dauerhaften Friedens und dauerhafter Freiheit mußten wir&#13;
aus unseren Gegnern des Zweiten Weltkriegs Freun-&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
de und Verbündete machen. Und dank unserer Unterstützung politischer und wirtschaftlicher Freiheit in&#13;
diesen Ländern haben wir es geschafft. Die Ergebnisse sind für alle offensichtlich: Was ich als "Zone des&#13;
Friedens und Wohlstands" bezeichnen würde, hat&#13;
vielen Ländern in Europa und Asien und nicht zuletzt&#13;
den Vereinigten Staaten neue Horizonte eröffnet.&#13;
Der dritte Aufruf: Führungsroile beim koii«ktlven&#13;
Engagement&#13;
Heute, im Zeitalter nach dem kalten Krieg, werden wir&#13;
zum dritten Mal aufgefodert, eine Führungsrolle zu&#13;
übernehmen. Dieses Mal geht es nicht darum, einen&#13;
Krieg zu gewinnen, sondern darum, einen demokratischen Frieden zu gewinnen. Dieses Mal geht es auch&#13;
nicht darum, den Frieden für einen Teil der Welt, die&#13;
freie Hälfte, sondern für die ganze Welt zu erlangen.&#13;
Amerika steht vor der Wahl: Entweder können wir&#13;
versuchen, diesen Frieden durch eine Politik der Zusammenarbeit mit anderen an der Gestaltung unserer&#13;
Zeit zu erzielen, oder wir können abseits stehen und sei es aus Überzeugung oder Gleichgültigkeit - dahintreiben, während die Zeit uns formt.&#13;
Der Präsident hat unsere Wahl eindeutig bekundet.&#13;
Unsere Idee ist es, die gefährliche Zeit des kalten&#13;
Kriegs durch einen demokratischen Frieden zu ersetzen - einen Frieden, der sich auf die zwei Säulen&#13;
politische und wirtschaftliche Freiheit stützt. Wir haben dazu beigetragen, daß Demokratie nach dem&#13;
Zweiten Weltkrieg in Deutschland, Italien und Japan&#13;
gedeihen konnte und können daher jetzt demokiatische Werte in Rußland, der Ukraine, Armenien und&#13;
den anderen neuen Staaten Eurasiens fördern.&#13;
Gemeinsame demokratische Werte können einen&#13;
dauerhaften und stabilen Frieden auf eine Weise&#13;
gewährleisten, wie es das Gleichgewicht des Terrors&#13;
niemals konnte.&#13;
Echte Demokratien führen keinen Krieg miteinander.&#13;
Und obwohl die Demokratie unsere Sicherheit unterstützt, werden die damit einhergehenden freien Märkte&#13;
Wohlstand auf der ganzen Welt - und in Amerika fördern.&#13;
Kurzum - wir können durch die Förderung von Demokratie und freien Märkten in Rußland und Eurasien die&#13;
"Zone des Friedens und Wohlstands" weiter nach&#13;
Osten nach Ru ßland und Eurasien erweitern und diese&#13;
neuen Staaten in die demokratische Staatengemeinschaft eingliedern ebenso wie wir seit 1989 daran&#13;
gearbeitet haben, die neuen Demokratien Mittel- und&#13;
Osteuropas in diese Zone von Frieden und Wohlstand&#13;
einzugliedern. Dies dient amerikanischen Interessen&#13;
und Werten nicht nur in Rußland und Eurasien, sondern auch in West- und Osteuropa, dem Nahen Osten&#13;
und Asien.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 17&#13;
&#13;
�Die Arbeit an der Freiheit wird schwierig sein. Die&#13;
Länder Ru Bland und Eurasien haben im Gegensatz zu&#13;
Westeuropa nach dem Zweiten Weltkrieg nur wenig&#13;
Erfahrung mit Demokratie oder Kapitalismus. Die&#13;
Gefahren ethnischer Konflikte und politischer Zersplitterung lauem ebenso wie die Mühen und Opfer der&#13;
Marktrei'orm.&#13;
Dennoch ist die Gemeinschaft demokratischer Staaten größer und dynamischer als zu Ende des Zweiten&#13;
Weltkriegs. Deshalb planen wir, einen demokratischen Frieden aufzubauen, indem wir eine direkte&#13;
Politik der amerikanischen Führung verfolgen, die wir&#13;
"kollektives Engagement" nennen.&#13;
Kollektives Engagement baut auf unserem Erfolg bei&#13;
der Vergrößerung der demokratischen Staatengemeinschaft nach dem Zweiten Weltkrieg auf. Deutschland,&#13;
Italien und Japan sind jetzt starke und wohlhabende&#13;
Verbündete. Durch Zusammenarbeit mit unseren&#13;
Verbündeten und den von uns nach dem Zweiten&#13;
Weltkrieg geschaffenen internationalen Organisationen - den Vereinten Nationen, der Weltbank, dem&#13;
Internationalen Währungsfonds - müssen wir es nicht&#13;
allein leisten. Statt dessen können wir gemeinsam&#13;
einen demokratischen Frieden aufbauen.&#13;
Die treibende Kraft des kollektiven Engagements ist&#13;
die amerikanische Führungsrolle, die sich auf gemeinsame Werte und Interessen der demokratischen Staatengemeinschaft stützt.&#13;
Als mächtigste Demokratie auf der Welt müssen wir&#13;
als Katalysator wirken und nach vom streben, wo wir&#13;
dies können. Aber darüber hinaus gibt es noch etwas.&#13;
Wir nennen es Vertrauen. Präsident Bush hat erklärt,&#13;
die Welt vertraut uns die Macht an, sie vertraut auf uns,&#13;
das zu tun, was richtig ist. Aufgrund dieses amerikanischen Verhaltens können wir heute - wenn wir das&#13;
wollen - mit unseren Partnern daran arbeiten, die&#13;
Pflichten und Kosten zu teilen und zusammen unsere&#13;
gemeinsamen Probleme angehen. Das bedeutet&#13;
amerikanische Führungsrolle durch kollektives Engagement.&#13;
Wie es funktioniert hat&#13;
Im Laufe der Regierung Bush hat die Politik kollektiven&#13;
Engagements funktioniert - und sie hat gut funktioniert.&#13;
Tatsächlich hat sie Leistungen vollbracht, die über das&#13;
hinausgingen, was viele für möglich gehalten haben&#13;
und wovon viele gesagt haben, es sei zur Zeil einfach&#13;
unmöglich zu bewerkstelligen.&#13;
Viele haben erklärt, Deutschland könne nicht friedlich,&#13;
demokratisch und als Mitglied der NATO vereinigt&#13;
werden - dennoch haben es die Vereinigten Staaten&#13;
und ihre Verbündeten durch Verhandlungen mit der&#13;
früheren Sowjetunion vollbracht.&#13;
Andere haben erklärt, die Sowjetunion würde niemals&#13;
Osteuropa oder das Baltikum freigeben, aber die&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 17&#13;
&#13;
Vereinigten Staaten und ihre europäischen Verbündeten haben auf die UdSSR eingewirkt, ihren Zugriff zu&#13;
lockern, als gefangene Völker nach Freiheit strebten.&#13;
Viele haben erklärt, die NATO könne nicht umgestaltet&#13;
werden. Aber in Zusammenarbeit mit dem neu vereinigten Deutschland haben die Vereinigten Staaten und&#13;
ihre Verbündeten dies vollbracht, und sie entwerfen&#13;
jetzt Strategien und Streitkräfte für neue Zeiten und&#13;
schaffen einen neuen Nordatlantischen Kooperationsrat, der sich an frühere Gegner wendet, um sie zu&#13;
neuen Freunden zu machen und bei neuen und anderen Herausforderungen hilft.&#13;
Viele haben erklärt, daß wir nicht sicher radikale&#13;
Reduzierungen der nuklearen und konventionellen&#13;
Arsenale aushandeln könnten, aber dennoch haben&#13;
die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten dies&#13;
geschafft, indem sie zunächst mit der Sowjetunion und&#13;
jetzt mit Rußland und den anderen neuen unabhängigen Staaten verhandelt haben.&#13;
Andere haben erklärt, daß die irakische Aggression&#13;
gegen Kuwait nicht zu vereiteln sei, daß die viertgrößte&#13;
Armee der Welt nicht geschlagen werden könnte - es&#13;
sei denn mit enormen Kosten - aber dennoch haben es&#13;
die Vereinigten Staaten geschafft, indem sie eine&#13;
einmalige internationale Koalition anführten.&#13;
Manche haben erklärt, Araber und Israelis würden sich&#13;
nie bei einer Friedenskonferenz zusammensetzen und&#13;
ganz sicher niemals direkte bilaterale und multilaterale&#13;
Verhandlungen auf ein solches Treffen folgen lassen,&#13;
aber die Vereinigten Staaten, Rußland und andere&#13;
Partner haben mit den Parteien zusammengearbeitet&#13;
und waren die Katalysatoren, die es erreicht haben.&#13;
Viele haben gesagt, daß in Mittelamerika die Demokratie nicht über Gewalt triumphieren könne, aber die&#13;
Vereinigten Staaten haben gemeinsam mit Partnern in&#13;
Lateinamerika und auf anderen Kontinenten dazu&#13;
beigetragen, daß dies in Nicaragua und El Salvador&#13;
erreicht werden konnte. Jetzt helfen die Vereinigten&#13;
Staaten, daß die Vergangenheit in Lateinamerika&#13;
überwunden werden kann und unterstützen Demokratie und Wirtschartsreformen durch das Nordamerikanische Freihandelsabkommen und die Initiative zur&#13;
Förderung der Privatwirtschaft in den Ländern Amerikas.&#13;
Viele haben gesagt, daß Kambodscha niemals seiner&#13;
Qual entkommen könne, die vietnamesischen Truppen ihren Stützpunkt behalten werden und friedliche&#13;
Veränderungen unmöglich wären. Aber jetzt arbeiten&#13;
die Vereinigten Staaten gemeinsam mit dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen und Freunden in Asien&#13;
daran, bei freien Wahlen und beim Wiederaufbau in&#13;
Kambodscha zu helfen.&#13;
In jedem Fall ist das Muster klar erkennbar: die&#13;
Führungsrolle und das Engagement der Vereinigten&#13;
Staaten haben kollektives Handeln ermöglicht. Wir&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�mußten es nicht allein tun, aber ohne uns hätte es nicht&#13;
erfolgreich erreicht werden können. Trotz aller Zweifel&#13;
und Zweifler steht eins fest. Kollektives Engagement&#13;
funktioniert. Um es einfach zu sagen: Wir haben&#13;
geführt, wir hatten Partner, und gemeinsam waren wir&#13;
erfolgreich.&#13;
Die Führungsrolle der Vereinigten Staaten beim kollektiven Engagement vermeidet die gefährlichen Extreme entweder der falschen Omnipotenz oder des&#13;
fehlgeleiteten Multilateralismus. Die Vereinigten Staaten sind nicht der Weltpolizist. Wir sehen nicht tatenlos&#13;
zu, wenn es um unser eigenes Schicksal geht. Was&#13;
jenseits unserer Ufer geschieht, hat sehr reale Auswirkungen hier in unserem Land.&#13;
Kollektives Engagement gestattet es den Vereinigten&#13;
Staaten, gleichgesinnte Staaten im Namen des Friedens zusammenzubringen und auf internationale Institutionen zurückzugreifen, wo sie einen konstruktiven&#13;
Beitrag leisten können. Der Charakter des Problems,&#13;
die Interessen und Werte, die für uns auf dem Spiel&#13;
stehen, die Fähigkeit unserer Freunde zum Handeln&#13;
und die Bedeutung der verfügbaren multilateralen&#13;
Mechanismen werden unsere Rolle bestimmen.&#13;
Offensichtlich können wir die Zukunft der Demokratie&#13;
oder amerikanischer Interessen kaum ausschließlich&#13;
multilateralen Institutionen anvertrauen, und das sollten wir auch nicht tun. Natürlich behalten sich die&#13;
Vereinigten Staaten das Recht vor, allein zu handeln,&#13;
was manchmal der einzige Weg sein kann, der unseren nationalen Interessen dient.&#13;
Wir verfolgen einen pragmatischen Ansatz, der sich&#13;
auf Prinzipien stützt - weil er die gemeinsame Werte&#13;
fördert, die für einen demokratischen Frieden entscheidend sind.&#13;
Auf diese Weise bauen wir eine neue und bessere&#13;
Weltordnung auf: die amerikanische Führungsrolle&#13;
wirkt als Katalysator kollektiven Handelns zum Schutz&#13;
und zur Förderung des wesentlichsten Bestandteils&#13;
unserer Sicherheit, politischer und wirtschaftlicher Werte.&#13;
Der Test für Rußland und Eurasien&#13;
Die amerikanische Führungsrolle beim kollektiven&#13;
Engagement steht jetzt vor einer weiteren wichtigen&#13;
Probe: dem Test für Ru ßland und den anderen aus der&#13;
ehemaligen Sowjetunion hervorgegangenen unabhängigen Staaten. Befreit von der doppelten Last des&#13;
Kommunismus und des Imperiums versuchen die&#13;
Russen, Ukrainer, Kasachen und die anderen Völker&#13;
der ehemaligen Sowjetunion ihre nationale Identität&#13;
wiederzuerlangen: ihre reiche Kultur, Religion und&#13;
Geschichte, ihren konstruktiven Platz in der Welt. Alle&#13;
einst unterdrückten Nationen sind endlich vom Schatten ins Licht getreten. In unterschiedlichem Maße&#13;
streben sie Demokratie und die wirtschaftlichen Vorteile freier Märkte an.&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
In den vergangenen vier Monaten habe ich alle neuen&#13;
Staaten der ehemaligen Sowjetunion mit Ausnahme&#13;
Georgiens besucht. Ich bin mit ihren Politikern zusammengetroffen und habe unsere Politik erläutert. Sie&#13;
haben mir ihre Wünsche und Probleme beschrieben.&#13;
Gemeinsam haben wir eine Erfahrung gemacht, die&#13;
noch vor kurzer Zeit ein entfernter Traum schien: ein&#13;
amerikanischer Außenminister, der mit dem Präsidenten einer unabhängigen Ukraine, einem unaui längigen&#13;
Belarus, einem unabhängigen Armenien und einem&#13;
unabängigen Usbekistan zusammenkommt. Wie bei&#13;
den Litauern, Letten und Esten, den Polen, Tschechen, Ungarn, Bulgaren, Rumänen, Albanern und&#13;
anderen vor ihnen, wurde mir ein Höchstmaß an&#13;
Achtung und Zuneigung für die Vereinigten Staaten&#13;
und unser Volk entgegengebracht.&#13;
Ich bin von meinen Reisen absolut überzeugt zurückgekehrt, daß wir die Chance des Jahrhunderts haben,&#13;
den Gang der Geschichte zu beeinflussen und ein&#13;
neues Zeitalter des Friedens einzuleiten. Ich spreche&#13;
nicht über das 20., sondern das 21. Jahrhundert. Ich&#13;
spreche nicht nur von unserer Generation, sondern&#13;
auch von nachfolgenden Generationen.&#13;
Was auf dem Spiel steht, ist wirklich historisch:&#13;
Strategisch können die Vereinigten Staaten, Rußland&#13;
und die anderen Länder der ehemaligen Sowjetunion&#13;
zu einer dauerhaften Freundschaft, Partnerschaft und&#13;
selbst einem Bündnis gelangen. Dies ist die echte&#13;
Friedensdividende - die Beseitigung der psychologischen Last der Furcht und Feindschaft, die Freisetzung moralischer und materieller Ressourcen, die&#13;
durch den nuklearen und konventionellen Rüstungswettlauf verbraucht wurden. Um Präsident Bush zu&#13;
zitieren: "Demokraten im Kreml können unsere Sicherheit in einer Weise gewährleisten, wie es Atomraketen niemals konnten."&#13;
Politisch kann sich die Demokratie dort entfalten, wo&#13;
sie nie zuvor gedeihen konnte. De Tocquevilles berühmte Prophezeiung, die amerikanische Republik&#13;
und das russische Imperium seien zu Antagonismus&#13;
verurteilt, Demokratie gegen Autokratie, ist überholt.&#13;
Es kann einen Aufschwung der Freiheit für diejenigen&#13;
geben, die lange auf den Genuß ihrer Segnungen&#13;
gewartet haben.&#13;
Wirtschaftlich können sich Rußland und die anderen&#13;
neuen Staaten endlich in die Weltwirtschaft eingliedern. Ihre Bodenschätze und das enorme Talent ihrer&#13;
Völker können zum Wohlergehen dieser Völker und&#13;
nicht der Kommunistischen Partei beitragen, und ihre&#13;
Integration in die Weltwirtschaft kann für unsere Handelspartner und Investoren die Chancen erhöhen.&#13;
Die Vereinigten Staaten haben sich seit einiger Zeit auf&#13;
eben diese Chance vorbereitet, nicht nur im Hinblick&#13;
auf Rußland, sondern auf alle neuen Staaten. In dem&#13;
Maße, in dem sie Schritte nach vorn gedacht haben,&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 17&#13;
&#13;
�sind wir mit ihnen gegangen. Wir haben unseren&#13;
Ansatz verfeinert, damit er nicht nur unserer Einschätzung dessen, was wir tun sollten, sondern auch der&#13;
Tatsache Rechnung trägt, wie weit sie selbst bereit&#13;
sind zu gehen - denn letzten Endes können wir nur&#13;
denjenigen helfen, die sich selbst helfen.&#13;
Neue Schritte&#13;
Insbesondere mit Rußland - der größten aus dem&#13;
Zusammenbruch der Sowjetunion hervorgegangenen&#13;
unabhängigen Nation - haben wir versucht, eine neue&#13;
Vision zu verwirklichen: ein Rußland, das ein strategischer Partner der Vereinigten Staaten würde, das bei&#13;
der Förderung von Frieden und Demokratie in ganz&#13;
Eurasien nicht gegen, sondern mit uns arbeiten würde.&#13;
Ein Rußland, das eine neue demokratische, auf freie&#13;
Wahlen, Mehrparteiendemokratie und Rechtsstaatlichkeit gegründete Gesellschaft würde. Ein Rußland,&#13;
das in die Weltwirtschaft integriert werden könnte,&#13;
offen für Handel und Investitionen aus dem Ausland,&#13;
das durch freie Märkte und Einzelinitiative zu Wohlstand gelangt.&#13;
Rußlands Potential ist Bestandteil der umfassenderen&#13;
Vision für alle Länder der ehemaligen Sowjetunion und&#13;
des eurasischen Kontinents. Wir können die Zone des&#13;
Friedens und Wohlstands nach Osten ausdehnen, bis&#13;
das Ziel des Präsidenten eines wirklich ungeteilten und&#13;
freien Europas erreicht ist. Ein Kontinent freier, unabhängiger und souveräner Nationen, die Demokratien&#13;
und freie Märkte aufbauen, an der friedlichen Beilegung von Konflikten zusammenarbeiten und sich vollständig in die demokratische Staatengemeinschaft&#13;
und Weltwirtschaft integrieren.&#13;
Dies ist eine revolutionäre Vision - aber wir leben in&#13;
revolutionären Zeiten. Im Dezember - gerade als die&#13;
Sowjetunion endgültig von der Landkarte verschwand&#13;
- habe ich in der Princeton University drei Bereiche&#13;
umrissen - den militärischen, politischen und wirtschaftlichen - in denen wir mit Rußland und den&#13;
anderen neuen unabhängigen Staaten an der Verwirklichung der Vision zusammenarbeiten können.&#13;
Seitdem haben wir Fortschritte im militärischen Bereich erzielt mit den Vorschlägen der Präsidenten&#13;
Bush und Jelzin zur nuklearen Rüstungskontrolle, mit&#13;
den neuen praktischen Schritten, Rußland, der Ukraine, Belarus und Kasachstan bei der Verschrottung&#13;
ihrer Nuklearwaffen behilflich zu sein und mit der&#13;
Gründung eines internationalen Wissenschaftszentrums zur Bewältigugn der Abwanderung von Atomwissenschaftlern.&#13;
Im politischen Bereich haben wir diplomatische Beziehungen zu allen neuen Staaten aufgebaut, und wir sind&#13;
das einzige Land, das Botschaften in allen neuen&#13;
Staaten unterhält. Darüber hinaus heißen wir sie in&#13;
den Vereinten Nationen, dem Nordatlantischen Kooperationsrat und der Konferenz über Sicherheit und&#13;
Zusammenarbeit in Europa willkommen.&#13;
AMERIKA DIENST 17&#13;
&#13;
Im wirtschaftlichen Bereich haben wir die massiven&#13;
humanitären Bestrebungen zur Erfüllung des Bedarfs&#13;
an Nahrungs- und Arzneimitteln beschleunigt. Wir&#13;
haben unsere technischen Hilfsprogramme erweitert,&#13;
und bei der Washingtoner Koordinierungskonferenz&#13;
im Januar hat eine neue internationale Koalition aus 54&#13;
Nationen und Institutionen umfassende und konstruktive Bestrebungen zur Koordinierung der Hilfsleistungen in die Wege geleitet.&#13;
Der letzte Mosaikstein war ein umfangreicher, glaubwürdiger Plan für Wirtschaftsreformen. Im Dezember,&#13;
als die Sowjetunion zusammenbrach, gab es keinen&#13;
solchen Plan.&#13;
Aber seit Januar hat Präsident Jelzin eine mutige&#13;
Entscheidung nach der anderen getroffen, die meisten&#13;
Preiskontrollen aufgehoben, die staatlichen Ausgaben&#13;
reduziert und die Verteidigungsausgaben drastisch&#13;
gekürzt. Rußland hat ernsthafte, konstruktive Gespräche mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF)&#13;
und der Weltbank aufgenommen. Ein sowohl glaubwürdiges als auch umfangreiches Reformprogramm&#13;
wurde in die Wege geleitet. Und Präsident Jelzins&#13;
Engagement ist ungebrochen.&#13;
Zweifelsohne sind die Russen engagiert und können&#13;
es sich nicht leisten, jetzt aufzuhören. Das Erbe der&#13;
Vergangenheit ist eine den Rubel vernichtende enorme Inflation, die nicht nur die wirtschaftlichen Reformbestrebungen, sondern auch die Zukunft der Demokratie in Rußland und seinen Nachbarländern bedroht.&#13;
Wenn die Demokratie in Rußland scheitert, wird auch&#13;
die Arbeit an der Freiheit in der Ukraine, Armenien,&#13;
Belarus, Moldawien, Kasachstan, Kirgistanundallden&#13;
anderen Ländern sehr viel schwieriger.&#13;
Dies sind die Gründe, warum der Präsident am 1. April&#13;
1992 unsere Unterstützung eines multilateralen makroökonomischen Hilfspakets angekündigt hat. Dieses Hilfspaket im Wert von 24 Milliarden Dollar wird&#13;
Rußland bei der Stabilisierung seiner Wirtschaft helfen, die Inflation unter Kontrolle bringen und den Weg&#13;
für Wachstum und Entwicklung bereiten. Als breitgefächerte multilaterale Bestrebung mit dem Ziel der&#13;
Unterstützung von Demokratie und freien Märkten ist&#13;
dieser Plan ein anschauliches Beispiel für praktisches&#13;
kollektives Engagement.&#13;
Als Teil dieser multilateralen Bestrebungen hat der&#13;
Präsident das Gesetz zur Förderung der Freiheit vorgeschlagen. Während dieses Gesetz unser Engagement für das multilaterale makroökonomische Hilfspaket fördert, unterstützt es gleichzeitig Demokratie und&#13;
freie Märkte in Rußland und Eurasien über die ganze&#13;
Bandbreite militärischer, politischer und wirtschaftlicehr Fragen hinweg. Es stellt einen umfassenden und&#13;
integrierten Ansatz zur Umgestaltung der ehemaligen&#13;
Sowjetunion dar.&#13;
&#13;
Seite 5&#13;
&#13;
�Erstens unterstützt das Gesetz unsere Bestrebungen&#13;
zum Abbau der Bedrohung unserer Sicherheit durch&#13;
die Vernichtung von Waffen, Entmilitarisierung und&#13;
atomare Sicherheit. Es gestattet uns, unsere Hilfsbestrebungen für Rußland, die Ukraine und die anderen&#13;
neuen unabhängigen Staaten bei der Umgestaltung&#13;
der auf Rüstungsproduktion ausgerichteten Volkswirtschaften zu erweitern.&#13;
Zweitens unterstützt das Gesetz die Demokratisierungsprogramme in Rußland und den anderen neuen&#13;
unabhängigen Staaten. Es fördert unsere Bestrebungen, Russen, Ukrainer, Zentralasiaten und andere&#13;
Völker zu Praktika bei uns einzuladen. In den jeweiligen Ländern lebende amerikanische Berater sollen&#13;
den Einheimischen den Weg zu Demokratie und freien&#13;
Märkten aufzeigen.&#13;
Drittens unterstützt das Gesetz freie und offene Märkte durch technische Hilfe, die Förderung von Handel&#13;
und Investitionen und makroökonomische Stabilisierung. Das Gesetz wird unseren Firmen das Engagement bei Handels- und Investitionschancen in der&#13;
Ukraine, Kasachstan, Rußland und den anderen neuen unabhängigen Staaten erleichtern. Das Gesetz&#13;
wird zur Erweiterung der Programme der Entwicklungsgesellschaft OPIC und der Export-Import-Bank&#13;
beitragen. So können wir staatliche Mittel in den&#13;
Privatsektor und Investitionen lenken. Das ist gut für&#13;
unseren Handel und unsere Wirtschaft sowie für die&#13;
Entwicklung von Märkten und Demokratie in Eurasien&#13;
und Rußland.&#13;
Ich fordere Sie auf, den Gesetzesentwurf zu unterstützen ebenso wie der Präsident und ich den Kongreß zu&#13;
seiner unverzüglichen Verabschiedung ohne "Fangklauseln" gedrängt haben, um Prioritäten im Inland in&#13;
Angriff zu nehmen.&#13;
Sicherlich werden Sie mich ebenso wie der Kongreß&#13;
fragen, ob es sich hierbei nur um weitere Auslandshilfe&#13;
handelt. Meine Antwort lautet, es ist nicht nur mehr&#13;
Auslandshilfe. Sie werden mich fragen, ob es nur&#13;
weitere Almosen sind. Und meine Antwort lautet, es&#13;
sind nicht nur mehr Almosen. Es ist vielmehr eine&#13;
gezielte Investition in unsere Sicherheit und in unsere&#13;
Zukunft. Mit anderen Worten: Das Gesetz zur Förderung der Freiheit liegt im nationalen Interesse der&#13;
Vereinigten Staaten, in der Tat in unserem nationalen&#13;
Sicherheitsinteresse.&#13;
Die Herausforderungen unserer Zeit&#13;
Ich bin mir der Tatsache bewußt, daß die Bitte um&#13;
weitere Investitionen in unser kollektives Engagement&#13;
zu diesem Zeitpunkt weder leicht noch populär ist. Sie&#13;
kostet Geld. Und sie birgt Risiken.&#13;
Manche möchten dieses Risiko nicht eingehen oder&#13;
Investitionen in einen demokratischen Frieden für die&#13;
Zukunft tätigen. Die Befürworter von "America first"&#13;
bevorzugen es, sich den Herausforderungen unserer&#13;
Seite 6&#13;
&#13;
Zeit zu entziehen, indem sie vorgeben, sie existierten&#13;
nicht. Das ist jedoch das größte Risiko.&#13;
Andere sind immer noch den Fehlern der Vergangenheit verhaftet. Sie bezweifeln die Fähigkeit der Vereinigten Staaten, Gutes zu tun. Sie mißtrauen der&#13;
amerikanischen Wettbewerbsfähigkeit und behaupten, die Probleme im Inland schließen eine internationale Führungsrolle aus.&#13;
Was immer ihre Gründe sein mögen - ich sage ihnen,&#13;
was George Kennan in Chicago im Jahr 1950 seinem&#13;
Publikum gegenüber erklärt hat:&#13;
"Die Geschichte verzeiht uns unsere innenpolitischen&#13;
Fehler nicht, weil sie auch im Hinblick auf unsere&#13;
Innenpolitik erklärbar sind."&#13;
Diesen Defätisten und Zauderern sage ich, die echte&#13;
Wahl lautet: Entweder wir antworten auf den Ruf nach&#13;
einer Führungsrolle oder nicht.&#13;
Entweder bekommen wir die Geschichte in den Griff&#13;
oder die Geschichte uns.&#13;
Die Alternative zu amerikanischer Führungsrolle und&#13;
kollektivem Engagement ist nicht mehr, sondern weniger&#13;
Sicherheit für die Amerikaner, nicht höhere Löhne,&#13;
sondern niedrigere, nicht eine mehr, sondern weniger&#13;
konkurrenzfähige Wirtschaft, nicht der Erfolg der&#13;
Demokratie, sondern ihr Scheitern.&#13;
Sie bedeutet den Verlust des Friedens nach dem Sieg&#13;
im Krieg, die Vergeudung der verdienten Friedensdividende. Sie könnte bedeuten, daß wir erneut Milliarden&#13;
von Dollar ausgeben müßten, um einen weiteren kalten Krieg zu gewinnen.&#13;
Vor allem hätten wir die Chance für ein besseres&#13;
Amerika in einer besseren Welt vertan. Die Alternative&#13;
zu einer geschickten amerikanischen Führungsrolle&#13;
im Ausland ist die Beschneidung, nicht die Erweiterung&#13;
der Chancen im Inland. Wenn Sie dies in Frage stellen,&#13;
führen Sie sich erneut vor Augen, wie unser Leben,&#13;
unsere Sicherheit, unsere Ideale und unsere Arbeit mit&#13;
der Welt jenseits unserer Grenzen verflochten sind.&#13;
Denn Isolationismus kommt nicht allein. Intoleranz&#13;
und Spaltung im Inland gehen damit Hand in Hand. Die&#13;
amerikanische Geisteshaltung und die amerikanischen&#13;
Ideale haben in einer solchen Gesellschaft keinen&#13;
Platz.&#13;
Ich habe von den Chancen des Jahrhunderts gesprochen, des nächsten Jahrhunderts. Wie anders könnte&#13;
das Leben der nachfolgenden Generationen verlaufen, wenn wir jetzt die richtige Entscheidung treffen wenn wir dem Ruf nach der Führungsrolle folgen,&#13;
indem wir durch kollektives Engagement die Führung&#13;
übernehmen, wenn wir Rußland und den anderen&#13;
Ländern der ehemaligen Sowjetunion helfen, zu einer&#13;
Quelle der Hoffnung, nicht der Bedrohung zu werden.&#13;
Kurzum: Wenn wir einen demokratischen Frieden&#13;
erlangen.&#13;
AMERIKA DIENST 17&#13;
&#13;
�Gemeinsam mit den anderen Demokratien blicken wir&#13;
in diesem Jahrhundert auf die Bilanz zweier gewonnener Weltkriege zurück, die wir teuer mit Menschenleben und Gut bezahlen mußten, weil wir keine andere&#13;
Wahl hatten. Nach den Kriegen mußten wir jedoch&#13;
noch immer den Frieden gewinnen.&#13;
&#13;
ten Staaten versucht, sich aus der Alten Welt der&#13;
Konflikte herauszuhalten. Das erwachsene Amerika&#13;
ist Bürger einer Welt, die für alle da ist.&#13;
&#13;
Jetzt sehen wir uns erneut mit dieser Herausforderung&#13;
konfrontiert. In ihren Kindertagen haben die Vereinig-&#13;
&#13;
Wir müssen der Größe unserer Ideale gerecht werden&#13;
- und einen demokratischen Frieden erlangen.&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 17&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
Die Herausforderung unserer Zeit lautet, dem Ruf&#13;
nach einer Führungsrolle zu folgen.&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
Seite 7&#13;
&#13;
�G US-HANDEL&#13;
29. April 1992&#13;
&#13;
BUSH DRÄNGT AUF ERWEITERTEN&#13;
HANDEL MIT DER GUS&#13;
Grußworte des Präsidenten an Unternehmer&#13;
WASHINGTON - (AD) - In einer Begrüßungsansprache an Unternehmer forderte Präsident Bush am 21. April&#13;
1992 den amerikanischen Privatsektor bei einem Empfang im Wei ßen Haus auf, die Gelegenheit zur Erweiterung&#13;
des Handels mit den neuen unabhängigen Staaten der ehemaligen Sowjetunion zu ergreifen. "Es ist ein großer&#13;
und reicher Markt", erklärte Bush, "und das amerikanische Volk wird von der Erweiterung unserer Handelsbeziehungen profitieren. Zusätzlicher Handel bedeutet neue Märkte für amerikanische Waren, größere Chancen&#13;
für amerikanische Investoren und mehr Arbeitsplätze für die amerikanischen Arbeitnehmer."&#13;
Der Präsident forderte die Unternehmer auf, den neuen Staaten beim Übergang von "Kommando- zu Marktwirtschaften" behilflich zu sein. Bush verwies auf die von ihm angestrebte Beschleunigung der Verhandlungen mit&#13;
den neuen Ländern über Handel, bilaterale Investitionen und Steuerverträge, um "unseren Firmen besseren&#13;
Zugang zu verschaffen und die Grundlage für unsere zukünftigen Handelsbeziehungen zu legen."&#13;
Präsident Bush stellte fest, daß er die Entwicklungsgesellschaft OPIC und die Export-Import-Bank zur Erweiterung ihrer Aktivitäten in den neuen Ländern aufgefordert habe - eine Maßnahme, die ein weiterer entscheidender Schritt für amerikanische Firmen zum fairen Wettbewerb um einen Anteil der neuen Märkte dort ist.&#13;
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ausführungen von Präsident Bush im Wortlaut.&#13;
Es ist mir eine Ehre, heute morgen 16 führende amerikanische Unternehmer im Weißen Haus willkommen&#13;
heißen zu dürfen, um zu erörtern, wie der amerikanische Privatsektor zur Bewältigung der wichtigsten&#13;
außenpolitischen Herausforderung beitragen kann, mit&#13;
der wir uns konfrontiert sehen - der Umgestaltung der&#13;
neuen Staaten der ehemaligen UdSSR von Kommando- zu Marktwirtschaften und von autoritären zu&#13;
demokratischen Regierungen. Wir sind entschlossen,&#13;
das Volumen unseres Handels und unserer Investitionen in der Region aufzustocken. Darüber hinaus&#13;
möchte ich heute eine Reihe von Maßnahmen zur&#13;
Verwirklichung dieser wichtigen Ziele ankündigen.&#13;
Erstens habe ich gebeten, daß di? derzeitigen Verhandlungen mit allen neuen Staaten über Handel,&#13;
bilaterale Investitionen und Steuerverträge so rasch&#13;
wie möglich abgeschlossen werden. Diese Vereinbarungen dienen dazu, unseren Firmen besseren Zugang zu verschaffen und die Grundlage für unsere&#13;
zukünftigen Handelsbeziehungen zu legen.&#13;
Zweitens haben ich die Entwicklungsgesellschaft OPIC&#13;
und die Export-Import-Bank zur Aushandlung neuer&#13;
Abkommen und Erweiterung ihrer Aktivitäten in der&#13;
ehemaligen UdSSR aufgefordert. Dies ist ein weiterer&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 17&#13;
&#13;
entscheidender Schritt für amerikanische Firmen zum&#13;
gerechten Wettbewerb um einen Anteil der neuen&#13;
Märkte dort.&#13;
Drittens möchte ich meinen Appell an den Kongreß&#13;
wiederholen, rechtzeitig vor meinem Gipfeltreffen mit&#13;
Präsident Jelzin im Juni im Geiste der Überparteilichkeit das Gesetz zur Förderung der Demokratie zu&#13;
verabschieden - ein bahnbrechendes Gesetz, das ich&#13;
am 1. April 1992 bekanntgegeben habe. Wir hoffen,&#13;
daß die heute hier anwesenden Unternehmer und die&#13;
amerikanische Geschäftswelt insgesamt diesen Gesetzentwurf unterstützen, mit dem die Beschränkungen für Handel und Investitionen aus der Zeit des&#13;
kalten Kriegs aufgehoben werden.&#13;
Und schließlich habe ich unsere Wirtschaftsministerin&#13;
Barbara Franklin gebeten, neue Ausschüsse zur Entwicklung der Handelsbeziehungen mit Rußland, der&#13;
Ukraine und anderen Ländern zum Abbau der Hemmnisse zu gründen, die derzeit dem Handel mit ihnen im&#13;
Wege stehen.&#13;
All diese Themen stehen an oberster Stelle der Tagesordnung meiner Treffen mit den Präsidenten Krawtschuk und Jelzin. Ich bin fest entschlossen, amerika-&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�nischen Unternehmen jede Chance zum Wettbewerb&#13;
auf diesen Märkten einzuräumen. Der amerikanische&#13;
Privatsektor sollte die Gelegenheit zum Handel mit&#13;
diesen Ländern ergreifen. Es ist ein großer und reicher&#13;
Markt, und das amerikanische Volk wird von der Erweiterung unserer Handelsbeziehungen profitieren.&#13;
Zusätzlicher Handel bedeutet neue Märkte für amerikanische Waren, größere Chancen für amerikanische&#13;
Investoren und mehr Arbeitsplätze für die amerikanischen Arbeitnehmer. Die Vereinigten Staaten haben&#13;
1991 ihre Exporte an Fertigwaren in die UdSSR um&#13;
nahezu 40 Prozent erweitert. Unser Ziel sollte sein, in&#13;
diesem und im nächsten Jahr noch besser abzuschneiden.&#13;
Dies ist ein entscheidender Augenblick in diesem&#13;
Jahrhundert. Und auch die Rolle des Privatsektors ist&#13;
&#13;
absolut entscheidend. Der Bedarf an Kapital, Hochtechnologie und Know-how in diesen Ländern ist in&#13;
diesem und im nächsten Jahrzehnt bei weitem zu&#13;
groß, als daß ihn eine Regierung allein erfüllen könnte.&#13;
Die tiefgreifende wirtschaftliche Umgestaltung zur&#13;
Befreiung der Völker der ehemaligen Sowjetunion und&#13;
zum Nutzen unseres Volkes wird nur stattfinden, wenn&#13;
unsere Privatunternehmen investieren und Handel&#13;
betreiben, um ihnen den Weg aufzuzeigen.&#13;
Ich möchte den heute hier anwesenden Unternehmern&#13;
meinen Dank aussprechen, von denen viele bereits&#13;
begonnen haben, Handelsbeziehugnen mit der GUS&#13;
aufzubauen. Und ich möchte mein Engagementfürdie&#13;
Partnerschaft mit dem amerikanischen Privatsektor&#13;
erneut bekräftigen.&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 17&#13;
&#13;
�IWF&#13;
29. Aprl 11992&#13;
&#13;
BRADY FORDERT RASCHE REFORMEN IN GUS&#13;
Rede bei IWF-Treffen&#13;
WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Finanzminister Nicholas Brady hat Rußlands guten Start beim&#13;
Reformprozeß gewürdigt und die anderen neuen Staaten der ehemaligen Sowjetunion aufgefordert, ebenfalls&#13;
rasch Stabilisierungs- und Reformprogramme einzuführen.&#13;
In einer Rede vor dem Interimausschuß des Internationalen Währungsfonds erklärte Brady am 27. April 1992,&#13;
der sicherste Weg zur Förderung von Wachstum, Beschäftigung und steigenden Einkommen bestehe darin,&#13;
"privates Unternehmertum und Wettbewerb zu fördern".&#13;
Nachfolgend veröffentlichen wir Bradys Rede im Wortlaut.&#13;
&#13;
Ich möchte zunächst unseren besonderen Gast aus&#13;
Rußland bei diesem Treffen willkommen heißen. Darüber&#13;
hinaus beglückwünschen wir alle neuen Staaten der&#13;
ehemaligen Sowjetunion zu ihrer Mitgliedschaft in IWF&#13;
und Weltbank. Sie können zu Recht stolz darauf sein,&#13;
diesen historischen Meilenstein auf dem Weg von&#13;
zentraler Planung zu marktgestützten Wirtschaftssystemen passiert zu haben. Wir können unsererseits&#13;
diese Gelegenheit benutzen, um unser Engagement&#13;
zu bekräftigen, den neuen Staaten bei der Vollendung&#13;
dieses Weges zu helfen. Die Geschichte wird zu Recht&#13;
hart mit uns ins Gericht gehen, wenn wir diese Gelegenheit zur Erlangung einer wahrhaft globalen Marktwirtschaft ungenutzt verstreichen lassen.&#13;
Der Aufbau von Marktwirtschaften wird nicht glatt&#13;
vonstatten gehen. Rückschläge sind zu erwarten und&#13;
sollten weder Erstaunen noch Verzweiflung hervorrufen. Wir befinden uns in einer schwierigen Übergangsphase. Die neuen Staaten und Osteuropa haben den&#13;
emotional befriedigenden ersten Anflug von Freiheit&#13;
bereits hinter sich. Nun befinden sie sich inmitten der&#13;
weniger spektakulären aber nicht weniger kritischen&#13;
praktischen Arbeit, um ihre Maßnahmen, Institutionen&#13;
und Produktionsstrukturen völlig neu zu gestalten.&#13;
Die Größe der bevorstehenden Aufgabe sollte jedoch&#13;
die bereits erzielten Fortschritte nicht trüben. Eine&#13;
kooperative Strategie für das Streben nach Reformen&#13;
wird bereits in die Tat umgesetzt.&#13;
Wichtigster Bestandteil dieser Strategie ist die Verabschiedung eines umfassenden Programms zur Stabilisierung und Strukturreform in jedem Land. Der Erfolg&#13;
wird letztlich vorwiegend von der Qualität dieser Programme und deren Durchführung abhängen. Ohne&#13;
AMERIKA DIENST 17&#13;
&#13;
solide Programme und Durchführung wird der Umgestaltungsprozeß verlängert, geschädigt und sogar&#13;
gefährdet, und der Durchhaltewille der Öffentlichkeit&#13;
wird geschwächt. Und ohne umfassende Reformen&#13;
würde die internationale Hilfe größtenteils verschwendet und brächte für die Menschen in den Reformstaaten keine langfristigen Vorteile.&#13;
Die Menschen und Regierungen Osteuropas haben&#13;
bei der Durchführung umfassender Programme bemerkenswerten Mut und Standhaftigkeit bewiesen.&#13;
Diese Länder haben uns viel darüber gelehrt, wie&#13;
schwierig dieser Proze ß ist, sowie über den Kampf zur&#13;
Bewahrung von sozialer und politischer Stabilität während&#13;
eines weitreichenden wirtschaftlichen Umbruchs. Wir&#13;
beginnen jedoch ermutigende Zeichen zu sehen, da&#13;
ausländische Direktinvestitionen in einige dieser Länder zu fließen beginnen, womit sich ein entscheidendes Vertrauensvotum des Privatsektors für diese&#13;
Wirtschaftsprogramme abzeichnet.&#13;
Die neuen Staaten der ehemaligen Sowjetunion nehmen heute den Reformprozeß in Angriff. Wir würdigen&#13;
insbesondere Rußland für dessen vom IWF unterstütztes "Schatten"-Programm. Wir sehen einer Vereinbarung über ein solides umfassendes russisches&#13;
Wirtschaftsprogramm und dessen Durchführung entgegen, das durch eine Finanzierungszusage des IWF&#13;
unterstützt wird. Wir fordern die anderen neuen Staaten auf, ebenfalls rasch umfassende Stabilisierungsund Reformprogramme einzuleiten, die Unterstützung des IWF verdienen.&#13;
Zu Beginn dieses Monats hat Präsident Bush die&#13;
Bereitschaft der Vereinigten Staaten unter Beweis&#13;
gestellt, das ihrige zu tun, indem er die Unterstützung&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�für ein umfangreiches Engagement der G-7 für den&#13;
wirtschaftlichen Übergang ankündigte: das multilaterale Finanzhilfepaket für Rußland in Höhe von 24&#13;
Milliarden Dollar. Dieses umfassende Paket beinhaltet&#13;
insgesamt 18 Milliarden Dollar für bilaterale Hilfe,&#13;
zusätzlichen Zahlungsaufschub und umfangreiche&#13;
Programme der internationalen Finanzinistitutionen.&#13;
Die Vereinigten Staaten haben bereits etwa 2 Milliarden Dollar an bilateraler Hilfe geleistet.&#13;
&#13;
bisweilen Sorgen darüber gemacht, aber die Wahrheit&#13;
ist, daß Auslandsinvestitionen sowohl uns als auch&#13;
den Investoren zugute gekommen sind. Wir sind der&#13;
Überzeugung, daß Osteuropa und die neuen Staaten&#13;
ebenfalls großen Nutzen aus den Ressourcen und&#13;
dem Know-how ziehen werden, das ausländische&#13;
Investoren zur Verfügung stellen. Wir fordern diese&#13;
Länder dringend dazu auf, rascher zu handeln, um das&#13;
Wachstum des Privatsektors zu fördern und ein günstiges Investitionsklima zu schaffen.&#13;
&#13;
Die andere nicht minder wichtige Komponente des&#13;
russischen Pakets ist ein Stabilisierungsfonds für den&#13;
Rubel in Höhe von 6 Milliarden Dollar. Die Vereinigten&#13;
Staaten unterstützen die Aktivierung der Allgemeinen&#13;
Kreditarrangements des IWF für diesen Zweck.&#13;
&#13;
Die wichtigsten Industriestaaten können ferner einen&#13;
entscheidenden Beitrag leisten, indem sie die Art von&#13;
offenem und wachsendem Umfeld schaffen, das die&#13;
Integration der Reformstaaten in die Weltwirtschaft&#13;
beschleunigen und erleichtern wird. Der Zusammenbruch des Handels im ehemaligen sowjetischen Block&#13;
zeigt uns, wie schwierig es für Staaten ist, ohne&#13;
Verbindungen zu anderen Volkswirtschaften wirtschaftlich zu gedeihen.&#13;
&#13;
Ich möchte die Aufmerksamkeit insbesondere auf die&#13;
Bedeutung der Privatisierung in einem frühen Stadium&#13;
des Reformprozesses lenken. Wir alle würden gerne&#13;
schneller den Tag erreichen, an dem die Bürger der&#13;
neuen Staaten und Osteuropas die Vorzüge der freien&#13;
Marktwirtschaft in Form von starkem Beschäftigungswachstum und steigenden Einkommen in Anspruch&#13;
nehmen können. Der sicherste Weg zur Beschleunigung dieses Prozesses und Förderung des Wachstums besteht darin, privates Unternehmertum und&#13;
Wettbewerb zu fördern.&#13;
&#13;
Abschließend möchte ich denjenigen, die der Zukunft&#13;
mit Pessimismus entgegensehen, die konfliktgeladene Atmosphäre und die hohen Kosten des kalten&#13;
Krieges in Erinnerung rufen. Wir haben bereits ein&#13;
beispielloses Maß an internationaler Zusammenarbeit&#13;
erreicht. Die Herausforderung besteht darin, diese&#13;
Bemühungen in beispiellose weltweite wirtschaftliche&#13;
Vorteile umzumünzen.&#13;
&#13;
Seit den Anfängen der Republik haben die Vereinigten&#13;
Staaten von Auslandsinvestitionen in unsere Volkswirtschaft profitiert. Offen gestanden haben wir uns&#13;
&#13;
* *&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 17&#13;
&#13;
�WIRTSCHAFT&#13;
29. April 1992&#13;
&#13;
WIRTSCHAFTLICHE INTERDEPENDENZ&#13;
UND NATIONALISMUS:&#13;
MÖGLICHKEITEN DER HARMONIE&#13;
von Henry R. Nau&#13;
Der Beginn der neunziger Jahre ist ein günstiger Zeitpunkt, um die wirtschaftliche Interdependenz auszubauen&#13;
und politische Bindungen zwischen den Nationen zu stärken, da die ehemals kommunistischen Staaten und die&#13;
Entwicklungsländer bestrebt sind, an dieser Interdependenz und den politisch vereinigten Märkten teilzuhaben,&#13;
schreibt der Autor. Henry R. Nau ist Professor und stellvertretender Dekan an der Elliott School of International&#13;
Äff airs der George Washington University in Washington und Autor des Buches The Myth of America's Decline&#13;
(Oxford University Press, 1990).&#13;
&#13;
Im Jahr 1991 läßt sich mit Fug und Recht behaupten,&#13;
die Weltwirtschaft sei stärker miteinander verflochten&#13;
und reicher als jemals seit Beginn der industriellen&#13;
Revolution. Diese Interdependenz umfaßt den explosiven Zuwachs des Handels (um etwa fünf Prozent&#13;
jährlich in den späten achtziger Jahren), ein beispielloses Ausmaß von Direktinvestitionen (doppelt so hoch&#13;
wie die Wachstumsrate des Handels), den Technologietransfer über nationale Grenzen hinweg sowie stärkere Mobilität von Arbeitskräften (z. B. Einwanderung)&#13;
und Kapital als die Weltwirtschaft in der Vergangenheit&#13;
jemals erlebt hat. Aber diese Verflechtung geht über&#13;
den materiellen und physischen Austausch hinaus.&#13;
Heute beinhaltet sie ferner die Ausbreitung ökonomischer Ideen im Hinblick auf die Bedeutung von Märkten, Wettbewerb, Unternehmertum und Privateigentum - also die Werte größerer wirtschaftlicher Freiheit.&#13;
Und dazu gehört eine bemerkenswerte Konvergenz&#13;
der Nationen in der Nachkriegszeit, nämlich die allgemeine Hinwendung zu Pluralismus und Demokratie in&#13;
der innenpolitischen Praxis.&#13;
Diese Interdependenz ist nicht mehr, wie noch vor 20&#13;
Jahren, primär auf die westlichen Industriestaaten&#13;
begrenzt. Sie umfaßt heute auch eine wachsende&#13;
Zahl von Schwellenländem - Korea, Taiwan, Hongkong, Singapur, Brasilien und nun auch Mexiko, Malaysia, Thailand, Kolumbien und andere - sowie ölproduzierende Länder, die trotz der Schwierigkeiten in&#13;
den letzten beiden Jahrzehnten Riesenschritte zur&#13;
Industrialisierung und Einbindung in die Weltwirtschaft&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 17&#13;
&#13;
unternommen haben. Der jüngste Krieg am Persischen Golf bietet ein anschauliches Beispiel - das an&#13;
Bedeutung noch gewinnen könnte - für eine neue&#13;
&#13;
Solidarität zwischen Industriestaaten und gemäßigten&#13;
arabischen Ländern in dieser Region, eine Solidarität,&#13;
die in krassem Gegensatz zu den Konflikten zwischen&#13;
Nord und Süd sowie OPEC und Industriestaaten der&#13;
frühen siebziger Jahre steht.&#13;
Zu Beginn der neunziger Jahre verstärkten sich die&#13;
Aussichten auf Interdependenz und Solidarität weiter,&#13;
um auch die ehemals kommunistischen Staaten Osteuropas sowie potentiell die Sowjetunion einzubeziehen. Kurzum, die Interdependenz, die unter den&#13;
westlichen Industriestaaten immer stärker sichtbar&#13;
wird, hat jetzt die Teilung zwischen Nord und Süd&#13;
sowie Ost und West ersetzt, die von 1950 bis 1985 die&#13;
Welt gespalten hat.&#13;
Wie ist es zu dieser Interdependenz gekommen? In&#13;
seinem Bestseller Aufstieg und Fall der großen&#13;
Mächte von 1987 prognostizierte Paul Kennedy genau das Gegenteil. Er argumentierte, mit der nachlassenden Macht der Vereinigten Staaten werde die Interdependenz geschwächt, und zwischen den Ländern&#13;
würden neue Konflikte auftreten. Solche Konflikte&#13;
hätten sich zum Ende der Vorherrschaft ehemals&#13;
großer Mächte ergeben - Holland in der zweiten Hälfte&#13;
des 17. Jahrhunderts sowie Großbritannien am Ende&#13;
des 19. Jahrhunderts. Es gebe keinen Grund, so&#13;
Kennedy, mit dem Abnehmen der amerikanischen&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�Macht gegen Ende des 20. Jahrhunderts nicht erneut&#13;
eine solche Entwicklung zu erwarten.&#13;
Zu Beginn des letzten Jahrzehnts des 20. Jahrhunderts ist die Welt jedoch näher zusammengerückt. Alle&#13;
Industriestaaten sind Demokratien, die ehemals kommunistischen Länder versuchen, die Demokratie einzutühren, und zahlreiche Entwicklungsländer bewegen sich ebenfalls in diese Richtung. Diese Konvergenz trat in der Krise am Persischen Golf offen zutage,&#13;
in der sich die Mehrheit der Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen vereinigte, um der Aggression und Unterdrückung durch Saddam Hussein und den Irak entgegenzutreten.&#13;
Die Argumente des Niedergangs enthalten ein grundlegendes Mißverständnis des Verhältnisses zwischen&#13;
globaler Interdependenz und nationaler Unabhängigkeit. Sie gehen davon aus, daß diese beiden Kräfte&#13;
notwendigerweise im Gegensatz zueinander stehen.&#13;
Aber diese Faktoren müssen ebensowenig kollidieren&#13;
wie die Unabhängigkeit des einzelnen und nationale&#13;
Unabhängigkeit auf der Ebene der Gesellschaft Gegensätze sind. Die wichtigste Überlegung ist, ob&#13;
einzelne Länder (einzelne Menschen) untereinander&#13;
einen Gemeinsinn entwickeln, wenn die materielle und&#13;
physische wechselseitige Abhängigkeit zunimmt. Wenn&#13;
sie einen stärkeren Sinn für gemeinsame Identität und&#13;
Ziele entwickeln, fühlen sie sich durch Verschiebungen von Macht und Wohlstand nicht bedroht. Zunehmend gleiche Machtverteilung unter einzelnen Ländern führt nicht zu neuen Konflikten, sondern vielmehr&#13;
zu einer besseren internationalen Gemeinschaft.&#13;
Zumindest beobachten wir dies auf nationaler Ebene.&#13;
Auf dieser Ebene gehen wir von der Existenz gemeinsamer Ziele aus und kommen zu dem Schlu ß, daß eine&#13;
gleichmäßigere Verteilung von Wohlstand zu größerer&#13;
Harmonie beiträgt und nicht zu mehr Konflikten führt.&#13;
Dasselbe kann auf der internationalen Ebene zutreffen.&#13;
Nach dem Zweiten Weltkrieg haben die Vereinigten&#13;
Staaten absichtlich eine Politik verfolgt, die mit Hilfe&#13;
geteilten Wohlstands und geteilter Macht eine Gemeinschaft engerer politischer Ziele scharfen wollte.&#13;
Sie schickte sich an, eine interdependente Welt zu&#13;
schaffen, deren Einheit Amerikas Vormachtstellung im&#13;
&#13;
Hinblick auf Wohlstand und Macht überleben sollte.&#13;
Durch den Marshallplan und die globalen Wirtschaftsinstitutionen - den Internationalen Währungsfonds, die&#13;
Weltbank und das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen - haben die Vereinigten Staaten Märkte und&#13;
Gesellschaften geöffnet, um nachhinkenden Gesellschaften die Anpassung an den amerikanischen Lebensstandard zu ermöglichen. Von 1950 bis 1970 haben&#13;
die Vereinigten Staaten im Vergleich zu den Industrienationen Europas und Asiens stetig an Macht verloren,&#13;
da die Verbündeten nach dem Krieg Wiederaufbau&#13;
leisteten und sich Amerikas Produktivitätsniveau annäherten. Die Annäherung stellte für die Vereinigten&#13;
Staaten keine Bedrohung dar, weil die IndustrienatioSeite 2&#13;
&#13;
nen gleichzeitig stetig dabei waren, eine engere politische Gemeinschaft mit den Vereinigten Staaten zu&#13;
bilden. Deutschland und Japan legten in ihren Gesellschaften solide demokratische Fundamente, die sich&#13;
auf bisher nur geringe oder keine demokratische Erfahrung gründeten, und andere Industrieländer, wie&#13;
Spanien und Portugal, gaben schließlich ihre autoritären Regime auf und ordneten sich in die Reihen freier,&#13;
pluralistischer Gesellschaften ein.&#13;
Es ist aufschlußreich, die Wirtschaftspolitik aufzuzeigen, die diese Konvergenz wirtschaftlicher und politischer Maßstäbe während der fünfziger und sechziger&#13;
Jahre erleichtert hat. Freierer Handel war das Kernstück dieser Politik, und die Industrieländer traten in&#13;
einen einmaligen Prozeß multilateraler Handelsliberalisierung ein. (Die britische Liberalisierung im 19.&#13;
Jahrhundert fand einseitig statt.) Aber freierer Handel&#13;
allein hätte keinen Erfolg zeitigen können. Die Unternehmen mu ßten in der Lage sein, mit der sich aus dem&#13;
freien Handel ergebenden stärkeren Konkurrenz fertigzuwerden. Um das zu tun, benötigten sie ein&#13;
wirtschaftliches Umfeld der Preisstabilität, um die Erträge ihrer langfristigen Investitionen in Produktion und&#13;
Handel bemessen zu können. Darüber hinaus brauchten sie flexible Faktormärkte (Arbeit und Kapital), um&#13;
Ressourcen aus den schwindenden Sektoren in diejenigen umzuleiten, die es mit ausländischer Konkurrenz&#13;
aufnehmen oder sie schlagen können. Bemerkenswert in dieser Zeit war, daß die Industrieländer sowohl&#13;
makro- als auch mikroökonomisch eine Politik verfolgten, die dieses Umfeld schuf. Im Durchschnitt hielten&#13;
die Industrieländer unter der Führung der Vereinigten&#13;
Staaten den Haushalt im Gleichgewicht und schränk&#13;
ten das Geldmengenwachstum ein, um Preisstabilität&#13;
zu erhalten. Ferner widersetzten sie sich exzessiver&#13;
staatlicher Intervention, um die relativ freie Bewegung&#13;
der Ressourcen Arbeitskräfte und Kapital in fortschreitende Wirtschaftssektoren beizubehalten.&#13;
Aus ureigenen Motiven lehnten es die meisten Entwicklungsländer in den fünfziger Jahren ab, das System der Nachkriegszeit ebenfalls zu verfolgen.&#13;
Sie verabschiedeten Maßnahmen zur Ersetzung der&#13;
sonst eingeführten Waren, um ihre Volkswirtschaften&#13;
vor ausländischem Handel und Investitionen zu schützen und schufen autokratische, zentralistische politische Systeme, um ein Gefühl der nationalen Souveränität im Inland hervorzubringen, das gelegentlich sehr&#13;
schwach war.&#13;
Ende der sechziger Jahre begannen jedoch einige&#13;
Entwicklungsländer wie Korea, Taiwan, Hongkong,&#13;
Singapur und Brasilien eher exportorientierte Entwicklungsstrategien zu verfolgen. Obwohl diese Länder&#13;
weiterhin ihre Exporte schützten, erweiterten sie und&#13;
die ölproduzierenden Länder ihre Exporte und expandierten rasch in den siebziger und achtziger Jahren,&#13;
während die Vereinigten Staaten vornehmlich ihre&#13;
großen Binnenmärkte für die Exporte aus den Gurwel-&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 17&#13;
&#13;
�lenländern offenhielten. Aufgrund des Wachstums der&#13;
Schwellenländer verloren die Vereinigten Staaten in&#13;
den siebziger und achtziger Jahren weiterhin an Macht.&#13;
Ihr Anteil am Bruttosozialprodukt blieb verglichen mit&#13;
dem der Industrienationen gleich, aber im Verhältnis&#13;
zur Welt insgesamt sank ihr Anteil. Dennoch gaben sie&#13;
sich der Hoffnung hin, daß ihre Politik der offenen&#13;
Märkte gegenüber den Entwicklungsländern dieselben Erfolge im Hinblick auf eine engere politische&#13;
Gemeinschaft mit der dritten Welt zeitigen würde wie&#13;
diese Maßnahmen sie mit den Industrienationen erzielt hatten.&#13;
In den siebziger und Anfang der achtziger Jahre wurden diese Hoffnungen jedoch durch massive Ungleichgewichte im Welthandel und auf den Finanzmärkten&#13;
zerschlagen. Gerade als einige Entwicklungsländer&#13;
sich dem Handelssystem anschlössen, gaben die&#13;
Industrienationen die vorsichtigen Maßnahmen im Inland&#13;
auf, die das Funktionieren eines freieren Handels&#13;
bewirkt hatten. Die expansionistischen und interventionistischen nationalen Maßnahmen der Industrienationen führten zu Inflation und Inflexibilität, die das&#13;
Wachstum verlangsamten. Die Wechselkurse fluktuierten, und protektionistische Maßnahmen wurden&#13;
wieder gegen eben die Produkte verhängt, die die&#13;
Entwicklungsländer am wettbewerbsfähigsten exportieren konnten - wie etwa Textilien, Stahl und Verbraucherelektronik. Der Anstieg der Ölpreise und ineffiziente innenpolitische Maßnahmen in den Entwicklungsländern verschärfen diese Schwierigkeiten und&#13;
führten zu einem gefährlichen Schuldenberg.&#13;
Einige dieser innenpolitischen Probleme wurden in&#13;
den achtziger Jahren behoben, und bis 1992 verbesserte sich die Weltwirtschaft erheblich. Die Vereinigten Staaten und andere Industrienationen führten wieder&#13;
eine solide Geldpolitik ein und leiteten die notwendigen&#13;
Programme zur Deregulierung und Privatisierung der&#13;
Industrien und des Handels ein, womit das enorme&#13;
Wachstum der öffentlichen Hand verringert wurde, das&#13;
*&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 17&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
in den Industrienationen in den siebziger Jahren erfolgt&#13;
war und seit Jahrzehnten in den Entwicklungsländern&#13;
unter den bisherigen statischen Maßnahmen angestiegen war. Andere Maßnahmen verschlimmerten&#13;
jedoch die Lage. Das US-Haushaltsdefizit vervierfachte sich im Verlauf der achtziger Jahre (von 60&#13;
Milliarden Dollar im Jahr 1980 auf 250 Milliarden 1990),&#13;
und die Europäische Gemeinschaft erweiterte den&#13;
Schutz und die Subventionen im Rahmen ihrer Gemeinsamen Agrarpolitik enorm. Japan verfolgte weiterhin innnenpolitische Praktiken, mit denen Importe&#13;
und ausländische Investitionen in den japanischen&#13;
Markt auf sehr viel niedrigerem Nievau gehalten wurden als der Anteil der Verkäufe und Vermögenswerte&#13;
verglichen mit anderen Industrieländern. Infolge dieser anhaltenden Unzulänglichkeiten der innenpolitischen Maßnahmen blieben die internationalen Handels- und Finanzsysteme trotz der beträchtlichen&#13;
Wiederbelebung von Handel und Investitionen Ende&#13;
der achtziger Jahre anfällig.&#13;
Die Interdependenz der Nachkriegsjahre führte zu&#13;
einer engeren politischen Gemeinschaft zwischen den&#13;
Industrienationen sowie jetzt in den osteuropäischen&#13;
und zahlreichen Entwicklungsländern. Dies geschah&#13;
jedoch nur, weil innenpolitische Maßnahmen offene&#13;
Märkte unterstützten, und offene Märkte haben zur&#13;
Entwicklung von größerem politischen Vertrauen und&#13;
einem Gefühl der Gemeinschaft unter unterschiedlichen Nationen beigetragen.&#13;
Der Konflikt zwischen Weltmärkten und nationalen&#13;
Interessen ist nicht unvermeidlich. Er kann durch&#13;
Maßnahmen umgangen werden, die wirtschaftliche&#13;
Interdependenz scharfen und politische Bande schmieden. In der industrialisierten Welt sind solche Maßnahmen vordringlicher als je zuvor, insbesondere da die&#13;
ehemaligen kommunistischen und Entwicklungsländer versuchen, Teil des außerordentlich interdependenten und politisch vereinten Weltmarktes zu werden.&#13;
*&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�</text>
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dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America
EmbaSV

übwry Services
Deichmanns Aue 2y

18

5300 Bonn 2

6. Mai 1992

USA-DEUTSCHLAND

BUSH BEGRÜSST VON WEIZSÄCKER UND
GENSCHER IM WEISSEN HAUS
Begrüßungsansprache des Präsidenten

UNRUHEN IN LOS ANGELES

BUSH: DIE GEWALT IN LOS ANGELES
MUSS EIN ENDE HABEN
Fernsehansprache des Präsidenten

DIE UNRUHEN NACH DEM URTEILSSPRUCH
IN KALIFORNIEN
Amerikanische Pressestimmen

UMWELT

WELTWEITE KLIMAVERANDERUNGEN DIE HALTUNG DER VEREINIGTEN STAATEN
Eine Übersicht des US-Außenministeriums

US-WELTROLLE

ZUR ROLLE DER USA NACH DEM
ENDE DER UDSSR
Zwei neue Studien behandeln wichtige
Anliegen der Zukunft

MINDERHEITEN

STARKER ZUWACHS BEI MINDERHEITEN
IN USA PROGNOSTIZIERT
Neuer Bericht über Einwanderungsbewegungen

WAHLEN *92

ZWISCHENBERICHT ZU DEN WAHLEN '92
Anzahl der Delegierten und Ergebnisse
der Vorwahlen

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�USA-DEUTSCHLAND
6. Mai 1992

BUSH BEGRÜSST VON WEIZSÄCKER UND
GENSCHER IM WEISSEN HAUS
Begrüßungsansprache des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die von Präsident Bush beim Empfang von Bundespräsident Richard von Weizsäcker und Außenminister Genscher im Weißen Haus am 29. April 1992 gehaltene
Begrü ßungsansprache.

Herr Präsident von Weizsäcker, Frau von Weizsäcker,
Herr Außenminister Genscher, Frau Genscher, verehrte Mitglieder der deutschen Delegation. Im Namen
des amerikanischen Volkes möchte ich Sie in den
Vereinigten Staaten und in Washington an diesem
schönen Frühlingstag sehr herzlich willkommen heißen. Meine Frau und ich hoffen, Sie werden einen
konstruktiven und angenehmen Aufenthalt verleben,
und wir freuen uns besonders, daß Sie einige Tage in
unserer Heimatstadt Houston in Texas verbringen
werden.
Herr Präsident, Ihre Anwesenheit ist eine zweifache
Ehre für uns. Es ist nicht nur Ihr erster Staatsbesuch
in unserem Land, sondern meines Wissens auch Ihr
erster Staatsbesuch überhaupt nach der triumphalen
Vereinigung vor eineinhalb Jahren. Ihre Anwesenheit
steht als Symbol für die dauerhaften Bande, die zwischen unseren Ländern und unseren Völkern bestehen. Durch die Zusammenarbeit im kalten Krieg und
der Zeit danach sind die deutsch-amerikanischen
Jeziehungen noch enger geworden und haben unsere
Völker einander noch näher gebracht.
Sie kommen zu einem historischen Zeitpunkt für unsere beiden Länder und in der Tat die ganze Welt. Zu
einem ebenso historischen Zeitpunkt vor 45 Jahren
erklärten einige in den Vereinigten Staaten, wir sollten
uns nach innen wenden und unseren besiegten Gegnern den Rücken kehren. Das haben wir nicht getan.
Statt dessen haben wir uns dem Erfolg der Demokratie
verpflichtet - Europa, Deutschland und seiner aufstrebenden Demokratie geholfen. Es war eine kluge
Entscheidung, uns für eine kontinuierliche globale
Führungsrolle zu engagieren und in die deutsche
Demokratie zu investieren.

AMERIKA DIENST 18

Heute trägt diese Entscheidung Früchte: ein vereinigtes Deutschland, ein Modell der Demokratie für die
ganze Welt und zweifelsohne ein verläßlicher Freund
und Partner für die Vereinigten Staaten von Amerika.
Heute sehen sich Deutschland und die Vereinigten
Staaten mit einer ähnlichen Entscheidung konfrontiert,
da die Völker Rußlands und der anderen neuen Staaten dem Beispiel der Länder Mittel- und Osteuropas
beim Aufbau von Demokratie und Freiheit in freien
Märkten folgen wollen. Als Partner engagieren sich
Deutschland und die Vereinigten Staaten für die Unterstützung derjenigen, die mit dem Erbe eines besiegten
kommunistischen Systems und Investitionen in ihre
demokratische Zukunft kämpfen.
Diejenigen, die fragen, ob dies der richtige Kurs sei,
müssen nur auf das vereinigte Deutschland blicken einst unser Gegner, jetzt unser enger Freund und
Partner in der Führung.
Herr Präsident, vor drei Jahren habe ich Bundeskanzler Kohl bei einem Besuch Ihrer schönen Stadt Mainz
in Rheinland-Pfalz begleitet und dort darüber gesprochen, wie wir gemeinsam ein ungeteiltes und freies
Europa aufbauen können, in Frieden mit sich selbst,
denn dauerhafte Sicherheit wird nicht durch Panzer.
Truppen oder Stacheldraht geschaffen, sondern gründet sich auf gemeinsame Werte und Abkommen, die
freie Menschen binden. Das habe ich in Mainz geglaubt und bin davon heute ebenso fest überzeugt.
Das vereinigte Deutschland ist der entscheidende
Partner der Vereinigten Staaten bei der Förderung von
Demokratie und Wirtschaftsreformen in Osteuropa
und der ehemaligen Sowjetunion. Sie sind unser
Partner beim Aufbau eines geeinteren und kooperativeren Europas, und in diesem Geiste begrü ßen wir das

Seite 1

�deutsche Engagement für internationale Angelegenheiten uneingeschränkt. Enge deutsch-amerikanische Zusammenarbeit steht voll und ganz im Einklang
mit der Entwicklung eines geeinteren Europas - ein
Ziel, das die Vereinigten Staaten über die Jahre hinweg ebenso kontinuierlich und unmißverständlich
unterstützt haben wie ein vereinigtes Deutschland.
Während unsere Welt auf das nächste Jahrhundert
blickt, möchte ich in diesem Augenblick so deutlich wie
möglich feststellen: Die Vereinigten Staaten sind fest
entschlossen, weiterhin eine Führungsrolle in der Welt
einzunehmen. Wir werden eine aktive Rolle bei der
Bewahrung von Frieden, Sicherheit und Wohlstand in
Europa und in unserer transatlantischen Gemeinschaft
spielen. Wir müssen zusammenarbeiten, um Schwierigkeiten zu überwinden, Hindernisse für freien und
fairen Handel abzubauen und bei den GATT-Verhandlungen Abkommen zu erzielen, die allen Nationen
einen neuen Wohlstand sichern.

Herr Präsident, Sie haben hierbei eine lebenswichtige
Rolle gespielt. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, zur Aussöhnung ehemaliger Gegner, zur
Überwindung der Gegensätze der Vergangenheit und
Heilung der Wunden von Teilung und Auseinandersetzungen beizutragen. In einer Zeit der Unruhen und des
raschen Wandels haben Sie Ihren Mitbürgern moralische Führungskraft vorgelebt. Und Sie haben ihnen
geholfen, die Hand in Hand gehenden Katastrophen
der Diktatur und Teilung zu bewältigen, die Deutschland in diesem Jahrhundert heimsuchten. Und heute
lebt diese deutsche Nation im Frieden mit sich selbst
und ist Demokratie sowie Menschenrechten unerschütterlich verpflichtet.
Herr Präsident, möge Gott unsere beiden großen
Nationen und die dauerhafte Freundschaft schützen,
die das deutsche und amerikanische Volk verbindet.
Ich danke Ihnen.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 18

�UNRUHEN

IN

LOS

ANGELES
6. Mai 1992

BUSH: DIE GEWALT IN LOS ANGELES
MUSS EIN ENDE HABEN
Fernsehansprache des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Mit dem Verweis auf die "dringende Notwendigkeit zur Wiederherstellung der Ordnung"
in Los Angeles gab Präsident Bush am 1. Mai 1992 bekannt, daß er die kalifornische Nationalgarde der
Bundesregierung unterstellen und mehr Truppen zur Bekämpfung der Unruhen entsenden werde.
!n einer kurzen, landesweit übertragenen Fernsehansprache erklärte der Präsident, die Gewalt in der zweitgrößten Stadt der Vereinigten Staaten "muß beendet werden", und er sei zur Wiederherstellung der Ordnung "zum
Einsatz der erforderlichen Kräfte" entschlossen.
Bei den Ausschreitungen wurden mindestens 44 Personen getötet, und nachdem die Geschworenen am 29.
April 1992 vier wei ße Polizisten von der Anklage übermäßiger Gewaltanwendung bei der Verhaftung von Rodney
King, einem Schwarzen, im März 1991 freigesprochen hatte, uferten Plünderungen und Brandstiftung in Los
Angeles aus. Am 1. Mai hatte Bush bereits 1.000 Bundespolizisten und 4.000 Soldaten zum Schauplatz der
Ausschreitungen in die Stadt entsandt, um die Ordnung wiederherzustellen.
Dem Präsidenten zufolge geht es bei den Ereignissen in Los Angeles "nicht um Bürgerrechte", sondern "schlicht
und einfach um die Brutalität des Mobs". Es gibt keine Entschuldigung für "willkürliche Gewalt", wie dort
angewendet, so der Präsident.
Indem er eine Bilanz des Vorgehens der Bundesbehörden zog, erklärte der Präsident, das Justizministerium
habe die Untersuchung möglicher Bürgerrechtsverletzungen beschleunigt, als der Freispruch verkündet wurde.
Er versprach, das Justizministerium und andere Bundesbehörden würden "rasch und fair" vorgehen und sich von
"Rechtsstaatlichkeit leiten lassen".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Präsidenten im Wortlaut.

Heute abend möchte ich zu Ihnen über die Gewalt in
unseren Städten und Gerechtigkeit für unsere Bürger
sprechen - zwei Themenkomplexe, um die es in den
Straßen von Los Angeles zu gewalttätigen Auseinandersetzungen kam. Erstens möchte ich eine Bilanz der
Ereignisse in Los Angeles ziehen.
Vor 15 Minuten habe ich mit dem Gouverneur von
Kalifornien, Pete Wilson, und dem Bürgermeister von
Los Angeles, Tom Bradley, gesprochen. Sie sagten
mir, die vergangene Nacht sei ruhiger als die vorige,
und heute sei es friedlicher als gestern gewesen.
Heute nachmittag gab es jedoch noch immer Zwischenfälle willkürlicher Gewalt und Gesetzlosigkeit.
Nach der ersten Nacht der Gewalt habe ich persönlich
mit Gouverneur Wilson und Bürgermeister Bradley
gesprochen, um eine Einschätzung der Lage vorzunehmen und Hilfe anzubieten. Wir sehen uns mit zwei
AMERIKA DIENST 18

sehr unterschiedlichen Problemen konfrontiert: zum
einen der dringenden Notwendigkeit zur Wiederherstellung der Ordnung. Was gestern im Anschluß an
den Urteilsspruch der Geschworenen im Fall Rodney
King geschah, war eine tragische Serie von Ereignissen für die Stadt Los Angeles. Fast 4.000 Brände,
Beschädigung von Eigentum, Hunderte von Verletzten
und der sinnlose Tod von mindestens 30 Menschen.
Um jetzt sofort die Ordnung wiederherzustellen, sind in
der Stadt Los Angeles 3.000 Angehörige der Nationalgarde im Einsatz. Weitere 2.200 stehen zur unmittelbaren Unterstützung bereit. Als Ergänzung dieser
Bestrebungen habe ich weitere Maßnahmen ergriffen.
Erstens habe ich heute morgen das Justizministerium
angewiesen, 1.000 kampferprobte Bundespolizisten
zu entsenden, um noch heute abend die Ordnung in
Los Angeles wiederherzustellen. Zu diesen Beamten
zählen Teams des FBI, besondere Einheiten des U.S.Seite 1

�Marshall's Service zur Kontrolle von Aufständen, der
Grenzschutz und andere Polizeibehörden des Bundes. Zweitens stehen weitere 1.000 Bundespolizisten
in Alarmbereitschaft, falls ihr Einsatz erforderlich wird.
Drittens habe ich heute morgen 3.000 Angehörige der
7. Infanteriedivisionen und 1.500 Marineinfanteristen
am Flughafen El Toro in Kalifornien in Bereitschaft
versetzt.
Auf Bitten des Gouverneurs und des Bürgermeisters
habe ich diese Truppen heute abend zur Wiederherstellung der Ordnung entsandt. Ferner habe ich die
Nationalgarde der Bundesregierung unterstellt und
General Colin Powell angewiesen, all diese Truppen
einem Zentralkommando unterzuordnen.
Was wir in der vergangenen Nacht und den Nächten
davor in Los Angeles erlebt haben, ging nicht um
Bürgerrechte. Es ging nicht um die große Sache der
Gleichheit, für die alle Amerikaner eintreten müssen.
Es ist keine Protestbotschaft. Es ging schlicht und
einfach um die Brutalität des Mobs. Seien Sie versichert: zur Wiederherstellung der Ordnung bin ich zum
Einsatz der erforderlichen Kräfte entschlossen.
Was in Los Angeles geschieht, muß - und wird - ein
Ende haben. Als Ihr Präsident garantiere ich Ihnen,
daß diese Gewalt beendet wird.
Und jetzt möchte ich über die Mißhandlungen an
Rodney King sprechen. Denn hinter der dringenden
Notwendigkeit zur Wiederherstellung der Ordnung steht
ein zweites Problem: die Frage der Gerechtigkeit. Ob
Rodney Kings Bürgerrechte verletzt wurden. Was Sie
und ich im Fernsehen gesehen haben, war abstoßend.
Ich fühlte den Ärger in mir hochsteigen. Ich fühlte
Schmerz. Ich dachte: Wie kann ich das meinen
Enkelkindern erklären?
Bürgerrechtler und einfache Bürger in Angst vor und
manchmal Opfer der Brutalität der Polizei waren zutiefst verletzt. Und ich weiß, gute und anständige
Polizisten waren ebenso abgestoßen.
Heute morgen habe ich mit zahlreichen Vertretern der
Bürgerrechtsbewegung gesprochen. Wie wir alle haben
auch sie das Video gesehen. 14 Monate lang haben
sie geduldig und voller Hoffnung gewartet. Sie haben
darauf gewartet, daß das System funktioniert. Und als
das Urteil verkündet wurde, fühlten sie sich betrogen.
Als Außenstehender war es schwer verständlich, wie
das Urteil in Einklang mit dem Video gebracht werden
konnte.
Diese Bürgerrechtler, die ich traf, waren sprachlos.
Meine Frau, meine Kinder und ich waren ebenso
sprachlos.
Aber das Urteil vom Mittwoch war nicht das Ende des
Prozesses. Das Justizministerium hat unmittelbar
nach dem Zwischenfall mit Rodney King selbst Ermitt-

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lungen in die Wege geleitet und die Untersuchung
sowie das Verfahren in dem Bundesstaat überwacht.
Ich möchte Ihnen nun über die auf Bundesebene ergriffenen Maßnahmen berichten, um sicherzustellen,
daß der Gerechtigkeit Genüge getan wird.
Binnen einer Stunde nach der Urteilsverkündung habe
ich das Justizministerium angewiesen, seinen eigene
unabhängigen Ermittlungen des Falls zu beschleunigen. Als nächstes waren am Donnerstag fünf Bundesanwälte auf dem Weg nach Los Angeles. Unser
Justizministerium hat immer wieder seine Fähigkeit
unter Beweis gestellt, in einer Angelegenheit wie dieser umfassend zu ermitteln.
Seit 1988 hat das Justizministerium über 100 Polizisten für übermäßige Gewalt belangt. Ich bin zuversichtlich, daß das Justizministerium in diesem Fall
handeln wird wie es sollte. In Los Angeles wird heute
ein Bundesgeschworenengericht einberufen. Vorladungen werden ausgestellt. Beweise werden überprüft. Die Bestrebungen der Bundesbehörden in diesem Fall werden rasch und fair sein. Sie lassen sich
nicht von der Gewalt des Mobs, sondern der Wahrung
des richtigen Verfahrens und der Rechtsstaatlichkeit
leiten.
Wir sind dies allen Amerikanern schuldig, die ihr Vertrauen in das Gesetz setzen, damit der Gerechtigkeit
Genüge getan wird. Aber während wir diesen oder
irgendeinen anderen Fall verfolgen, müssen wir uns
einen Grundsatz unseres Rechtssystems vor Augen
führen. Jedem Amerikaner - ob Angeklagtem oder
Ankläger - steht die Wahrung seiner Rechte zu.
In diesem höchst kontroversen Fall wurde von kalifornischen Geschworenen Amerikanern aller Rassen ein
Gerichtsurteil verkündet, die von diesem Urteil schokkiert waren. Ihnen möchte ich sagen: Sie müssen
verstehen, daß unser Rechtssystem friedliche, ordentliche Mittel zur Behebung dieser Frustration vorsieht.
Wir müssen das Gerichtsverfahren respektieren gleichgültig, ob wir dem Ergebnis zustimmen oder
nicht. Es gibt einen Unterschied zwischen Frustration
über das Gesetz und direkten Angriffen auf unser
Rechtssystem.
In einer zivilisierten Gesellschaft kann es absolut keine
Entschuldigung für Mord, Brandstiftung, Diebstahl und
Vandalismus geben, mit denen die gesetzestreuen
Bürger von Los Angeles terrorisiert wurden. Vor nur
wenigen Minuten äußerte Bürgermeister Bradley mir
gegenüber besondere Sorge bezüglich der Sicherheit
der koreanischen Gemeinde. Ich fühle mit ihnen und
all den anderen, die Verluste erlitten haben.
Die mutwillige Vernichtung von Leben und Eigentum
ist kein legitimer Ausdruck für Ungeheuerlichkeiten im
Rechtssystem - sie selbst ist ungerecht. Und keine
rationalen Argumente, gleichgültig, wie tief empfunden
oder eloquent, können dies bemänteln.

AMERIKA DIENST 36

�Das Fernsehen ist ein Mediun geworden, das uns
häufig zusammenführt. Aber die lebhafte Darstellung
der Mißhandlungen an Rodney King hat uns schokkiert. Und das Amerika, das es uns in diesen letzten 48
Stunden auf den Bildschirmen gezeigt hat, stieß uns
ab. Dies ist nicht das Bild von Amerika, das wir uns
vorstellen. Es ist, als ob wir in einen Spiegel blickten,
der unser Alter ego verzerrt und häßlich erscheinen
läßt. Das dürfen wir nicht zulassen. Das können wir
uns nicht antun.
In den letzten 48 Stunden haben wir Bilder gesehen,
die wir niemals vergessen werden. Einige davon
waren unglaublich erschreckend. Aber es gab auch
andere Taten - kleine aber entscheidende Taten in all
dieser Häßlichkeit - die uns Hoffnung machen. Ich bin
jemand, dar unsere Polizisten respektiert. Sie bewahren der, Frieden. Sie sehen sich jeden Tag Gefahren
ausgesetzt. Sie helfen Kindern. Sie verdienen nicht
sehr viel - aber sie kümmern sich um ihre Gemeinden
und ihr Land. Tausende von Polizisten und Feuerwehrleuten riskieren gerade jetzt ihr Leben in den
Straßen von L.A., und sie verdienen unsere Unterstützung.
Und dann gibt es die Menschen, die jede Nacht nicht
in den Straßen, sondern in den Kirchen von Los
Angeles verbracht haben - betend, daß die sanfteren
Instinkte in den von Haß getriebenen Menschen zum
Vorschein kommen.
Und schließlich gab es die Bürger, die große persönliche Verantwortung bewiesen, den Mob ignoriert und
in großer persönlicher Gefahr den Opfern der Gewalt
geholfen haben - unabhängig von ihrer Rasse.
Von den vielen Geschichten, die ich in den vergangenen Tagen gehört und erlebt habe, bleibt mir eine im
Gedächtnis haften - die Geschichte eines brutal geschlagenen weißen Lastwagenfahrers - der heute
abend noch am Leben ist, weil vier Fremde, vier
schwarze Fremde, ihm zu Hilfe kamen. Zwei davon
waren Männer, die den Vorfall im Fernsehen sahen
und auf die Straße eilten, um zu helfen. Die andere war
sine Frau auf dem Heimweg von der Arbeit - und der
vierte ein junger Mann, dessen Namen wir vielleicht
niemals erfahren. Dem verletzten Fahrer gelang es,
sich hinter das Steuer seines Lastwagens zu setzen
und er versuchte, fortzufahren. Aber seine Augen
waren zugeschwollen. Die Frau fragte ihn, ob er sehen

*

AMERIKA DIENST 18

könne. Er antwortete mit Nein. Sie sagte: "Gut, dann
werde ich Dir meine Augen leihen."
Zusammen trotzten diese vier Menschen dem Mob
und fuhren den Lastwagenfahrer ins Krankenhaus.
Heute ist er am Leben - nur weil sie ihm zu Hilfe eilten.
Für jeden einzelnen von ihnen müssen wir die Gemeinde von Los Angeles wiederaufbauen - für diese vier
Menschen und andere wie sie, die inmitten dieses
Alptraums mit menschlichem Anstand handelten.
Wir müssen verstehen, daß niemand in Los Angeles
oder irgendeiner anderen Stadt ein Urteil über Amerika
gesprochen hat. Wenn wir die pulsierendste und
hoffnungsvollste Nation der Welt bleiben wollen, müssen
wir gestatten, daß unsere Vielfalt uns einander näherbringt und uns nicht voneinander entfernt. Dies muß
der Schlachtruf guter und anständiger Menschen sein.
Für ihr und unser aller Wohl müssen wir eine Zukunft
aufbauen, in der in jeder Stadt in diesem Land mutwilliger Zorn der Hoffnung Platz macht - wo Chancen an
die Stelle von Armut und Verzweiflung treten. Wenn
der Frieden in Los Angeles wiederhergestellt ist, müssen
wir uns den Ursachen solch tragischer Ereignisse
zuwenden. Wir müssen weiterhin daran arbeiten, ein
Klima des Verständnisses und der Toleranz zu schaffen - ein Klima, in dem Rassismus, Bigotterie, Antisemitismus und Haß jeglicher Art, zu jeder Zeit und
überall verurteilt werden.
Heute abend bitte ich alle Amerikaner, ihre Herzen,
ihre Stimme und ihre Gebete der Heilung vom Haß zu
leihen. Als Präsident habe ich den Eid abgelegt, die
Verfassung zu erhalten, zu schützen und zu verteidigen - einen Eid, der von jedem Präsidenten fordert, für
Gerechtigkeit zu sorgen und Ruhe im Inland sicherzustellen. Diese Pflicht steht heute abend für mich an
oberster Stelle.
Den durch die Ereignisse der letzten Tage betrübten
Menschen, den guten Menschen von Los Angeles, die
von diesem sinnlosen Leiden erfaßt wurden, möchte
ich sagen: Die Gewalt wird ein Ende haben. Der
Gerechtigkeit wird Genüge getan. Die Hoffnung kehrt
wieder.
Ich danke Ihnen, und möge Gott die Vereinigten Staaten von Amerika schützen.

* * *

*

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�UNRUHEN

IN

LOS

ANGELES
6. Mal 1992

DIE UNRUHEN NACH DEM URTEILSSPRUCH
IN KALIFORNIEN
Amerikanische Pressestimmen
WASHINGTON - (AD) - Zahlreiche amerikanische Zeitungen und Kolumnisten haben zur Entwicklung nach dem
Freispruch von vier weißen Polizisten vom Vorwurf der Mißhandlung eines schwarzen Autofahrers in Kalifornien
Stellung genommen. Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus einigen dieser Kommentare.

Washington Times

The Washington Post

Täuschen wir uns nicht: Die Unruhen, die in South
Central L.A. und anderen Vierteln von Los Angeles
Tod und Zerstörung brachten, wurden durch den
Opportunismus von Kriminellen begangen, die immer
auf eine Gelegenheit warten. Der unpopuläre Urteilsspruch gab ihnen lediglich eine Entschuldigung.

Das Land befand sich schon früher an diesem Punkt.
Die Bilanz der Versäumnisse auf Staats- und Gemeindeebene beim Schutz von Schwarzen und anderen vor
Brutalität und Bigotterie - insbesondere, wenn sie von
Personen mit Polizeigewalt begangen werden - ist
allzu umfassend. Daß King unter dem Schutzschild
staatlicher Autorität mißhandelt - und ihm unserer
Meinung nach die Gerechtigkeit verweigert - wurde,
reiht auch diesen Fall in die gleiche Kategorie ein.
Ebenso sind die Plünderungen und Brandstiftungen,
die Morde und der allgemeine Ausbruch von Rassengewalt, deren Zeugen wir nun werden, Teil eines
ekelhaften und bekannten Musters in allzu vielen Städten,
wenn wirkliche oder vorgebliche Ungerechtigkeiten
durch den Staat auftreten. Nachdem sich dort im Jahr
1965 bereits ähnliches ereignet hat, ist Los Angeles
nun erneut die Szene solcher Gewalt.

Niemand, der ein emotionales oder wirtschaftliches
Interesse an einer Gemeinde hat, entscheidet sich für
die Sinnlosigkeit von Krawallen. Die Geschichte spricht
den Vorteilen eines solchen Weges Hohn. Watts hat
sich nie mehr von den Unruhen der sechziger und
siebziger Jahren erholt. Der H-Street-Korridor in
Washington zeigt immer noch die Narben der Verwüstung. Die Seventh Street erlebt erst jetzt nach nahezu
25 Jahren ein Comeback. Sind sie erst einmal zerstört,
sind wirtschaftliche Randgebiete dem Verfall preisgegeben, da es keinen Anreiz für ihren Wiederaufbau
gibt. Das ist die Selbstzerstörung, die von opportunistischen Krawallmachern angerichtet wird, und diese
sollten dafür verantwortlich gemacht werden. Die
Gemeinden wissen, wer sie sind.
Unabhängig davon, was man vom Spruch der Geschworenen hält: die Last der Entscheidung ruhte im
Fall King im Guten wie im Schlechten allein auf den
Schultern der Geschworenen. Ein Nachkarten wäre
bei dieser Entscheidung ein sinnloses Unterfangen.
Das System der Geschworenenverfahren kann zu
Ergebnissen führen, die einigen Leuten nicht gefallen,
aber niemandem ist bisher ein besseres System eingefallen, um über die Fakten zu befinden.

AMERIKA DIENST 18

Gouverneur Pete Wilson, Bürgermeister Bradley und
die kalifornischen Behörden sind jetzt mit der Herausforderung konfrontiert, die Ordnung wiederherzustellen, und zwar rasch. Dasselbe gilt jedoch auch für
Präsident Bush. Amerikaner aller Rassen müssen
wissen, daß ihre Rechte mit oder ohne die Gegenwart
einer Videokamera eine Bedeutung haben. Es war in
gewisser Weise beruhigend zu hören, daß Justizminister William Barr ankündigte, das Justizministerium
werde seine Ermittlungen wegen möglicher Verletzungen der Bürgerrechte intensivieren, obwohl abzuwarten bleibt, wie rasch und energisch das Ministerium
handeln wird. Die in Frage kommenden Bürgerrechtsbestimmungen stammen aus dem Zeitalter der Recon-

Seite 1

�struction (im 19. Jahrhundert nach dem US-Bürgerkrieg, Anm. d. Red.) und wurden in der Vergangenheit
wirksam eingesetzt, um Mißständen zu begegnen, zu
deren Korrektur einzelne Bundesstaaaten entweder
nicht bereit oder unfähig waren. Die Dienstmarken
dieser Polizeibeamten dürfen nicht dazu dienen, sie
vor der Haftung für Fehlverhalten zu schützen.
The Baltimore Sun
Selbst wenn sich die Polizeibeamten, die King schlugen, unter den gegebenen Umständen im Rahmen der
geltenden Gesetze bewegten, wie die Geschworenen
befanden, wurde durch die Prozeßführung Gerechtigkeit verweigert. Der Prozeß wurde aus der rassisch
gemischten Gemeinde, in der die Mißhandlungen
stattfanden, in einen rein weißen Vorort verlegt, in dem
ein Geschworenengremium ohne Schwarze gesichert
war. Warum wurde er verlegt? Weil die kalifornischen
Gerichte dem müden, alten, diskreditierten Argument
der Strafverteidigung folgten, daß Publizität vor dem
Gerichtsverfahren bei aufsehenerregenden Fällen einen
fairen Prozeß in der Gemeinde verhindere.
Wäre dasselbe Urteil von einem Geschworenengremium gefällt worden, zu dem auch Schwarze gehörten, wäre es wahrscheinlich nicht zu den Ausschreitungen gekommen. Die Schwarzen in Los Angeles, die so
gewalttätig reagierten, wären immer noch gegen das
Urteil gewesen, aber sie hätten sich als Teil des
Verfahrens gefühlt, das zu diesem Urteil führte. Die
politisch Verantwortlichen in allen Städten, in denen
Weiße und Schwarze versuchen zusammenzuleben,
müssen sich erneut dafür engagieren, daß alle Menschen in den Prozeß einbezogen werden, durch den
Recht und Ordnung und Gerechtigkeit zustande
kommen.
Der Freispruch der vier weißen Polizisten, die der
Mißhandlung von King, einem schwarzen Autofahrer,
beschuldigt werden, bedeutet nicht, daß Polizeibeamte jetzt freie Bahn zur Anwendung übermäßiger Gewalt haben, um Bürger zu bändigen, die sie festnehmen möchten. Im Gegenteil, diese für alle Zeiten auf
Videoband festgehaltene Tragödie muß als Paradebeispiel dafür betrachtet werden, wie man es nicht
machen sollte.
Die Nichtachtung des Rechts auf faire Behandlung
selbst für einen ehemaligen Häftling wurde deshalb
zum Rezept für die Ausmerzung der Achtung vor dem
Gesetz. Los Angeles hat nun ein erhebliches Wiederaufbauwerk vor sich, und dies gilt für die Beziehungen
mit den am wenigsten privilegierten Stadtteilen ebenso
wie in den Gewerbezentren, die durch den vom KingProzeß entfesselten emotionalen Wirbelsturm verwüstet wurden.
The New York Times
Eine hochrangige Untersuchungskommission hat letztes Jahr bestätigt, daß viele Polizeibeamte in Los
Seite 2

Angeles eine ungesunde Einstellung zu Rasse und
Gewalt haben. Die von Warren Christopher geleitete
Kommission identifizierte über 200 Beamte mit einer
Vorgeschichte gewalttätigen Fehlverhaltens - von denen
viele enthusiastische Beurteilungen durch ihre Vorgesetzten erhalten hatten. Los Angeles hatte bereits
begonnen, darauf zu reagieren. Beamte mit einer
Bilanz übermäßiger Gewaltanwendung werden versetzt, und ein neuer, schwarzer Polizeichef, Willie
Williams, der zur Zeit noch in Philadelphia Dienst tut,
wird das Ruder übernehmen.
Diese zaghaften Fortschritte bei der Glaubwürdigkeit
werden durch die Freisprüche vom Mittwoch gefährdet. Und die folgende Welle von Morden, Plünderungen und Brandstiftung gefährdet noch weit mehr,
indem sie zu einem repressiven und auf Rache sinnenden Klima der Durchsetzung von Recht und Ordnung
einlädt.
Die umfassendere Aufgabe des großen Geschworenengremiums bleibt jedoch bestehen - alle Amerikaner
der Integrität und Fairneß des Strafverfolgungssystems zu versichern. Der direkteste Weg dies zu
gewährleisten, besteht darin, achtbare Wege zu finden, um das Urteil der Geschworenen anzufechten.
Dafür gibt es Hoffnung. Der Beamte, der sich augenscheinlich am brutalsten aufführte, könnte erneut vor
Gericht gestellt werden. Mehrere beteiligte Polizisten
warten noch auf Disziplinarverfahren. Rodney Kings
Schadenersatzklage ist noch anhängig.
USA Today
Den Fall Rodney King als isolierten Vorfall zu betrachten, wäre eine Tragödie. Er muß als Symptom einer
Krankheit angesehen werden, die die gesamte Nation
betrifft.
Die Anklage, die zu der Explosion in Los Angeles
führte, wurde von einer Gesellschaft hervorgebracht,
die nicht in der Lage ist, ihre rassische Spaltung zu
überwinden.
Diese Spaltung ist wirtschaftlicher Natur, da schwarze
Männer nur 57% von dem verdienen, was weiße
Männer erhalten. Dazu gehört auch das abstoßende
System der ungerechten Justiz.
Wall Street Journal
Die Geschworenen waren aufgefordert zu entscheiden, ob die betroffenen Polizisten die zweite Linie
überschritten hatten. Sie betrachteten den eindeutig
exzessiven Einsatz von Gewalt, wie auf dem Videoband festgehalten, stellten aber andererseits fest, daß
zwei andere Insassen von Rodney Kings Auto unbehelligt blieben. Sie waren offensichtlich der Meinung,
daß Polizeibeamte, die mit gefährlichen, vielleicht noch
durch Drogen wie PCP aufgeputschten Personen
umgehen müssen, nicht wegen einer Überreaktion ins
Gefängnis wandern sollten. Man kann darüber strei-

AMERIKA DIENST 36

�ten, ob die Geschworenen die Linie am richtigen Ort
zogen, aber ihre Entscheidung ist keinesfalls eine
Rechtfertigung für das Anzünden von Geschäften oder
Verprügeln vorbeifahrender Lastwagenfahrer.
Romanschriftsteller Terry McMHIan in der New
York Times
Mein Bruder sitzt zur Zeit im Gefängnis. Er wurde 10
Meilen von Simi Valley entfernt wegen Trunkenheit am
Steuer festgenommen. Zum Glück wurde er nicht
mißhandelt. Wie viele weiße Männer sind wegen des
gleichen Vergehens inhaftiert worden? Wie viele
unschuldige schwarze Männer, die verprügelt wurden,
erschienen je auf einem Videoband? Und was würde
das jetzt auch ausmachen?...
Dies ist Amerika. Das Land der Freien. Heimat der
Mutigen. Nun, ich traue dem heute nicht mehr. Ich
glaube nicht an Gewalt. Aber wenn wir tun müssen,
was wir 1965 in Watts getan haben, um der Polizei von
Los Angeles, der Stadt und der Regierung mitzuteilen,
daß wir diese Art von Zerrbild nicht mehr tolerieren,
dann sage ich, daß wir unseren Standpunkt auf jede
uns zur Verfügung stehende Weise klarmachen müssen.
Ich möchte wirklich nicht, daß unschuldige Menschen
verletzt werden. Es sind bereits zu viele gestorben,
viel mehr Schwarze als Wei ße. Als Amerikaner afrikanischer Herkunft haben wir sowieso nicht soviel, und
wenn wir brandschatzen und morden, tun wir dies
meistens in unserem eigenen Hinterhof. Ich hoffe, wir
werden es nicht tun.
Kolumnistin Barbara Reynolds in USA Today
Die Amerikaner afrikanischer Herkunft müssen das
System verändern, indem sie intellektuell gefährliche
und konstruktive Unruhestifter werden. Das heißt, daß
sie nicht die häßliche, willkürliche Gewalt der Polizei
von Los Angeles imitieren.
Für junge Schwarze bedeutet dies zu verstehen, daß
ihre Hoffnung nicht in kurzfristiger Vergeltung, sondern
in langfristiger Rache besteht, die sich am Erfolg
bemißt. Das bedeutet, die Schule abzuschließen, zu
wählen, gegen Mißstände zu protestieren und sich zu
weigern, nutzlose Drogenabhängige zu werden.
Die Zeit läuft davon. Wir müssen der Kindern Hoffnung für die Zukunft geben, nicht bestürztes Schweigen, das alles war, was ich meinem Sohn diese Woche
anzubieten hatte.
•

Kolumnist William Raspberry in The Washington
Post
Schwarze sahen das Videoband mit den Mißhandlungen vor über einem Jahr, hörten die widersprüchlichen
Angaben der beteiligten Polizisten, hörten, wie Polizei-

AMERIKA DIENST 18

chef Gates seine Männer verteidigte und gleichzeitig
vorgab, das Ganze habe mit Rasse nichts zu tun,
hörten die rassistischen Witze über die Mißhandlungen über den Polizeifunk. Aber sie machten keinen
Krawall.
Warum? Weil sie darauf vertrauten, das dieses Mal
sicherlich Gerechtigkeit geübt werde. Dieses Mal
stand nicht mehr lediglich das Wort eines armen
schwarzen Opfers gegen das mehrerer weißer Polizisten, sagten sie. Der Vorfall war auf einem Videoband
dokumentiert.
Sie hielten an diesem Glauben sogar fest, als die
Verteidiger den Prozeß klugerweise von Los Angeles
nach Simi Valley verlegen ließen, deren hauptsächlich
aus Arbeitern bestehende Bevölkerung von 100.000,
darunter vielleicht 2.000 aktive Polizeibeamte, nur zu
2 Prozent aus Schwarzen besteht. Sie glaubten selbst
dann noch daran, als das Gericht ein Geschworenengremium berufen hatte, zu dem nicht ein einziger
Schwarzer gehörte.
Und mit dem Urteil vom Mittwoch explodierten sie.
Oder zumindest taten dies einige von ihnen - zu viele.
Die Führer der Schwarzen sagen, was sie sagen
müssen: Geht nach Hause. Stoppt die Plünderungen
und das Morden. Ihr schadet nur Euch selbst, wenn Ihr
Euer eigenes Viertel zerstört.
Aber die Führer der Weißen sagen nicht, was sie
sagen müssen: Daß sie dieses Mal entschlossen sind,
Gerechtigkeit anzustreben - oder zumindest soviel
Gerechtigkeit, wie nach dieser Travestie noch gerettet
werden kann.
Kolumnisten Eric W. Rose und Steven S. Lucas in
der Los Angeles Times
Als das Video als Beweismittel eingeführt wurde, wurde
es Bild für Bild im Hinblick auf die Handlungen und
Beteiligung jedes Angeklagten untersucht.
Dann, am Mittwoch nachmittag, war das Urteil perfekt:
mit Ausnahme eines einzigen Anklagepunktes gegen
den Polizeibeamten Lawrence Powell, bei dem sich die
Geschworenen nicht einigen konnten, befanden die
sechs Männer und sechs Frauen alle vier Offiziere in
allen Anklagepunkten für unschuldig. Warum haben
die Geschworenen nicht gesehen, was wir, die Öffentlichkeit, Abend für Abend in den Nachrichten so eindeutig festgestellt haben?
Die Antwort lautet, daß die Geschworenen nicht denselben Nachteilen unterlagen, die die Sichtweise der
Öffentlichkeit trübten. Für die Geschworenen war das
Videoband eines von vielen Beweismitteln, die in einem komplexen Fall zu bewerten und gewichten waren. Für die Öffentlichkeit war das Videoband das
einzige Beweismittel.

Seite 3

�Aber das Band alleine konnte nicht alle rechtlichen
Fragen dieses Falles beantworten, die kritischen Fragen nach Autorität, Beteiligung, Ausbildung, Verfahrensweise, nach Wahrnehmung und Glaubwürdigkeit.
Und die Medien waren unfähig, diese Fragen vom
Gerichtssaal in die Wohnzimmer zu tragen, insbesondere, da die Zuschauer den Fakten dieses Falles
eindeutig mit Vorurteilen gegenüberstanden.

umfeld nicht zur Straßendebatte über Gerechtigkeit
wird. Hochsensible Fälle wie die Mißhandlung von
Rodney King werden gerade aus der Gemeinde verlegt, auf die sie sich am meisten auswirken. Das
gerichtliche Verfahren nimmt die Geschworenen sorgfältig unter die Lupe, die fähig sein werden, dem
Justizsystem zu dienen. Der Prozeß ist eine geistige
Schlacht zwischen den Vertretern von Anklage und
Verteidigung, kein Forum der öffentlichen Debatte. Es
Kolumnistin Laurie Levenson in der Los Angeles herrschen die Regeln der Beweisführung. BehauptunTimes
gen werden in Frage gestellt. "Vernünftige Gewaltanwendung" wird zu einem Kunstbegriff, nicht zur Frage
Das Strafverfolgungssystem ist kein Vehikel für soziades gesunden Menschenverstands. In diesem Umfeld
le oder politische Veränderungen. Es ist ein langsakönnen Geschworene wie im Fall der Mißhandlung
mer, antiseptischer Prozeß, in dem 12 Mitglieder der
von King zu dem Schluß kommen, daß das Opfer der
Gesellschaft entscheiden, ob eine Person eines VerÜbeltäter war und der Übeltäter das Opfer.
brechens schuldig ist. Jede Vorsichtsmaßnahme muß
getroffen werden, um zu verhindern, daß das Prozeß-

* * * * *

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AMERIKA DIENST 36

�UMWELT
6. Mai 1992

WELTWEITE KLIMAVERÄNDERUNGEN DIE HALTUNG DER VEREINIGTEN STAATEN
Eine Übersicht des US-Außenministeriums
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine Übersicht des US-Außenministeriums zur Haltung
der amerikanischen Regierung im Hinblick auf weltweite Klimaveränderungen.
Die Wissenschaft
Seit einiger Zeit werden wir von Wissenschaftlern

gewarnt, daß Eingriffe des Menschen möglicherweise
zu weltweiten Klimaveränderungen beitragen, aber
auch darauf hingewiesen, daß es noch immer vieles
gibt, das wir im Hinblick auf dieses Thema nicht wissen
oder verstehen. Die Vereinigten Staaten haben sich
diese Warnung zu Herzen genommen. Durch Aktivitäten der Regierung und nichtstaatlicher Organisationen haben wir erheblich in die wissenschaftliche Forschung investiert, um das Wesen des Problems besser zu verstehen. Die Vereinigten Staaten tragen
gegenwärtig etwa die Hälfte des gegenwärtigen Forschungsetats für weltweite Klimaveränderungen.
Unserer Meinung nach ist die Wissenschaft das Fundament, auf dem eine solide Reaktion zu dem Problem
der Klimaveränderungen erarbeitet werden sollte. Die
folgenden Ausführungen repräsentieren einen Querschnitt der übereinstimmenden Meinung vieler Wissenschaftler, auch aus den Vereinigten Staaten, die
aktiv an internationalen Bestrebungen zum Verständnis dieses Problems beteiligt waren.
KISmaveränderungen
Obwohl Wissenschaftler noch nicht mit Sicherheit
sagen können, daß bereits eine vom Menschen herbeigeführte Erwärmung stattgefunden hat, deuten
Schätzungen darauf hin, daß eine cteigende Konzentration von Treibhausgasen wahrscheinlich d'e Temperatur der Atmosphäre und der Ozeane erhöht und
ihre Zirkulation sowie das Wetter beeinflußt. Der
Umfang, der Zeitraum und die regionalen Besonderheiten dieser Veränderungen können jedoch nicht mit
Sicherheit vorhergesagt werden. Klimamodelle prognostizieren, daß Veränderungen der Durchschnittstemperatur der Erdatmosphäre aufgrund einer Verdopplung der Konzentration von Kohlendioxid wahrscheinlich nicht außerhalb der Bandbreite von 1,5 bis
4,5 Grad Celsius liegen. Wenn man Ergebnisse bei
Modellen zugrundelegt und Klimabeobachtungen
AMERIKA DIENST 18

berücksichtigt, wird es sich bestenfalls um 2,5 Grad
handeln. Der damit einhergehende Anstieg des
Meeresspiegels wird auf zwischen 10 bis 50 Zentimeter und einem Meter geschätzt. Darüber hinaus hat die
in den letzten Jahren beobachtete Erwärmung denselben Umfang wie die in den Modellen vorhergesagte,
aber auch denselben Umfang wie die natürliche Variationsbreite. Der beobachtete Anstieg könnte vor allem
auf die natürliche Variationsbreite zurückzuführen oder
Bestandteil einer vom Menschen ausgelösten stärkeren Erwärmung sein. Potentielle Auswirkungen von
Klimaveränderungen variieren von Region zu Region,
wobei dürreanfällige Regionen, bewässerte Felder,
Wasserquellen, Küstenregionen und natürliche Ökosysteme am meisten gefährdet sind. Präzise Bewertungen über die Auswirkungen von Klimaveränderungen werden wahrscheinlich in den nächsten zehn
Jahren oder länger nicht zur Verfügung stehen.
Treibhausgase
Die wichtigsten Treibhausgase sind Wasserdampf
(H20), Kohlendioxid (C02), Methan (CH4) Stickoxid
(N20), Fluorchlorkohlenwasserstoff (FCKW) und Ozon
(03). Von diesen hat Wasserdampf den größten
Treibhauseffekt, wenn auch weltweit seine Konzentration in der Atmosphäre nicht direkt mit menschlichen
Aktivitäten zusammenhängt. Mit Ausnahme von FCKW
kommen all diese Gase natürlich vor, und Aktivitäten
des Menschen haben bei allen dazu geführt, daß ihre
Konzentration in der Atmosphäre erheblich gestiegen
ist. Das vor allem bei der Verbrennung fossiler Treibstoffe entstehende C02 macht etwa 60 Prozent des
Treibhauseffekts dieser anthropogenisch entstandenen Gase insgesamt aus. (Dies stützt sich auf Schätzungen der relativen Auswirkungen jedes dieser Gase
über einen bestimmten Zeitraum hinweg, was man
auch "Erderwärmungspotentiar - global warming potential, GWP, nennt). Die Industrieländer sind gegenwärtig für etwa die Hälfte der Emissionen von Treibhausgasen weltweit verantwortlich. Bis zum Jahr 2025

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�wird sich die Rolle einzelner Länder verändert haben,
und die Industrieländer werden im Vergleich zu den
Entwicklungsländern und den Ländern mit einer Wirtschaft im Umbruch wahrscheinlich nur noch ein Viertel
der Gesamtmenge ausstoßen.
Minderung und Anpassung
Einige Auswirkungen der Klimaveränderungen können durch Verminderung oder Anpassung oder eine
Kombination von beiden erzielt werden. Eine Verminderung kann man erreichen, indem man Treibhausgasemissionen einzelner Quellen verringert sowie Senken und Reservoirs von Treibhausgasen - Ozeane,
Landflächen und Wälder - schützt und verbessert. Die
Emission aus einzelnen Quellen kann zum Beispiel
eingeschränkt werden durch gesteigerte Effizienz und
Einsparung von Energie und Veränderungen in der
Landwirtschaft. Senken für Treibhausgase können
durch Veränderungen der Fruchtfolge und der Nutzung landwirtschaftlicher Flächen verbessert werden,
insbesondere durch neue landwirtschaftliche Technik
sowie Aufforstung und Wiederaufforstung.
Durch Anpassung kann die Anfälligkeit gegenüber potentiellen Klimaveränderungen abgebaut werden. Ein
weltweiter Anpassungsprozeß zum Abbau der Anfälligkeitwird Maßnahmen erfordern wie Überprüfung der
Wassersysteme und Schutz der Küstenregionen, Züchtung von Feldfrüchten, die gegen Dürre und Hitze unempfindlich sind und die Entwicklung von Techniken
zum Schutz gefährdeter Ökosysteme.
Auswirkungen
Wissenschaftliche Untersuchungen deuten darauf hin,
daß erhebliche Veränderungen im Klimasystem wahrscheinlich sind, wenn Treibhausgasemissionen in der
Atmosphäre weiterhin infolge von Eingriffen durch den
Menschen zunehmen. Dennoch können mit Hilfe
gegenwärtiger Analysen weder Kosten noch Nutzen
von Schritten zuverlässig vorhergesagt werden, die
bestimmte Konzentrationen in der Atmosphäre kontrollieren und gefährliche Eingriffe des Menschen in
das Klimasystem verhindern.
Der Ansatz der Vereinigten Staaten
Im Hinblick auf diese Unsicherheiten favorisieren die
Vereinigten Staaten einen flexiblen, langfristig orientierten Ansatz, der Maßnahmen identifizieren und
durchführen will, die aus einer Reihe von Gründen
gerechtfertigt sind, einschließlich der Reaktion auf
Klimaveränderungen. Solche Maßnahmen zielen darauf
ab, Treibhausgasemissionen zu vermindern und
Anpassungen an Klimaveränderungen vorzunehmen
sowie weiterhin Forschung zu betreiben über die
Wissenschaft selbst, die Auswirkungen, Technologie
und wirtschaftlichen Aspekte der Auswirkungen und
unserer Optionen zu deren Bewältigung. Angesichts
der Notwendigkeit einer weltweiten Reaktion auf die

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Sorgen um Klimaveränderungen befürworten die
Vereinigten Staaten ein gemeinsames Vorgehen
(technisch und finanziell) mit Entwicklungsländern und
Ländern, bei denen sich die Wirtschaft im Umbruch
befindet. Nachfolgend einige Beispiele für Maßnahmen, zu denen sich die Vereinigten Staaten verpflichtet haben.
Abhilfe
Die Vereinigten Staaten sind fest entschlossen, wirtschaftlich wirksame Maßnahmen zur Behebung der
Klimaveränderungen zu ergreifen - Maßnahmen, mit
denen die Nettoemissionen von Treibhausgasen durch
Verringerung der Quellen und Erweiterung der Senken
reduziert werden. Unseres Erachtens können diese
Maßnahmen und ihre Auswirkungen in den Vereinigten Staaten mit denen anderer Industrienationen Schritt
halten.
Seit Februar 1991 haben die Vereinigten Staaten mit
der Verwirklichung einer nationalen Energiestrategie
begonnen, die einen neuen, effizienteren Kurs für die
Vereinigten Staaten aufzeigt. Darüber hinaus haben
wir ein neues Transportgesetz verabschiedet, dank
dem die Beförderung von Menschen und Gütern per
Auto, Fernverkehr und anderen Mitteln wesentlich
verbessert wird. Im Jahr 1990 haben die Vereinigten
Staaten ferner das strengste Gesetz zur Luftreinhaltung der Welt verabschiedet, mit dem auch die Emissionen verringert werden. Zusammengenommen
verpflichten uns diese Initiativen zu Maßnahmen in
folgenden Bereichen: Energieausnutzung, Transport,
Nutzung von Versorgungstechnologien mit niedrigerem Kohleausstoß, Agrar- und Ökoressourcen sowie
technologische Forschung und Entwicklung. Diese
Maßnahmen werden jetzt ergriffen.
Unseren Schätzungen zufolge werden diese Aktionen
die prognostizierten Nettoemissionen von Treibhausgasen in den Vereinigten Staaten bis zuui Jahr 2000
um 125 bis 200 Millionen Tonnen verringern. Diese
Reduzierungen machen 7 bis 11 Prozent der für das
Jahr 2000 errechneten Emissionen aus. Wir werden
unsere nationale Strategie sowie die voraussichtlichen
Effekte dieser Strategie verbessern und erweitern,
wenn neue wissenschaftliche, wirtschaftliche, technologische und politische Informationen verfügbar werden.
Auch die Regierungen der Bundesstaaten und Kommunen ergreifen Maßnahmen, die Auswirkungen auf
die Verringerung von Treibhausgasemissionen haben. Diese Maßnahmen werden unabhängig und/oder
gemeinsam mit der Bundesregierung durchgeführt.
Eine Bilanz der Programme auf Bundesstaaten- und
lokaler Ebene wird später zusammen mit Schätzungen
über Auswirkungen dieser Programme auf die Treibhausgasemissionen vorgelegt.

AMERIKA DIENST 18

�Anpassung
Die Vereinigten Staaten haben Bestebungen zur Erarbeitung und Entwicklung von Technologien und Praktiken in die Wege geleitet, die bei ihrer Verwirklichung
die Anpassung von Natur und Gesellschaft an die
umweltpolitischen, sozialen und wirtschaftlichen Konsequenzen der Klimaveränderung erleichtern könnten. Obwohl viele dieser Programme noch in den
Kinderschuhen stecken, wurden einige bereits in die
Praxis umgesetzt. Zu den Bereichen, denen unser
besonderes Augenmerk gilt, zählen Wirtschaftssektoren, die sich mit Wasservorräten, Ökosystemen,
Wäldern, Landwirtschaft (sowohl bewirtschaftet als
auch unbestellt) und Humanökologie befassen.

Erstellung einer detaillierten Bestandsaufnahme der
Bodennutzung und punktuelle Verschmutzung als
Grundlage der Analyse der meteorologischen Veränderungen.
Erwägung neuer Techniken für geowissenschaftliche
Programme und Projekte (einschließlich auf die Aufschlüsselung von Kosten und Nutzen solcher Projekte
ausgerichtete Forschung wie Stimulation der ozeanischen Biomasse und Solarfiltertechniken).
Förderung von Verhaltensforschung, Prüfung der langfristigen kulturellen Anpassung, psychologische Streßfaktoren sowie die Entwicklung von Verhaltensweisen
und Werten.

Küster .onen

Wasservorräte

Prüfung und Planung der Auswirkungen des Anstiegs
des Meeresspiegels auf die Küstenerosion, die künstlich geschaffene Infrastruktur und Ökosysteme.

Entwicklung einer klimatologischen Datenbank für
Wasservorräte zur Prognose und Erfassung der lokalen und regionalen Klimaveränderungen.

Entwicklung und Förderung von Methoden zur Beurteilung der Anfälligkeit für den Anstieg des Meeresspiegels und Durchführung integrierter Pläne für die
Küstenzonen zur Bewältigung dieser Anfälligkeit im
Rahmen der Zwischenstaatlichen Kommission zur
Klimaveränderung (Intergovernmental Panel on Climate Change - IPCC).

Analyse der Anfälligkeit der Tennessee Valley Authority Region für meteorologische Extreme, Untersuchung der Konsequenzen für Kraftwerke, Wasservorräte und Überschwemmungen.

Forst- und Landwirtschaft
Schaffung von Parzellen zur Überwachung des Zustands der Wälder für eine jährliche Beurteilung des
regionalen Ausmaßes der Umweltbedrohungen.
Verbesserung der Verzeichnisse über Bodenbeschaffenheit.
Entwicklung von Indikatoren für den Zustand von
Forst- und Weideland.
Forschung und Entwicklung neuer hitze- und/oder
dürrebeständiger Getreidesorten und Baumarten.
Programme zur Entwicklung von Technologien zur
Verbesserung des Ökosystems unter den Bedingungen der Klimaveränderung.
Forschung und Entwicklung von Technologien und
Praktiken zur Verbesserung der Produktivität von Landund Forstwirtschaft.
Erforschung der Auswirkungen erhöhter C02-Konzentrationen in der Atmosphäre auf die Landwirtschaft.
Ökosysteme und der Mensch
Schaffung eines integrierten biosphärischen Überwachungsnetzes unter Verwendung von biosphärischen
Reserven zur Beurteilung der Auswirkungen und
Reaktionen auf die weltweiten Klimaveränderungen
durch Ökosysteme und den Menschen.

Prüfung von Veränderungen der Wasservorräte infolge klimatischer/hydrologischer Veränderungen im
Rahmen von Programmen auf Regierungs- und Bundesstaatenebene.
Weitere Forschung
Die Vereinigten Staaten haben sich äußerst aktiv um
die Förderung der Forschung bemüht, die für das
Verständnis der wissenschaftlichen und ökonomischen
Aspekte des Klimawandels, einschließlich der natürlichen und künstlichen Veränderungen und deren Auswirkungen unerläßlich ist. Im Hinblick auf dieses Ziel
werden in den Haushaltsjahren 1990-1992 über 2,7
Milliarden Dollar für die Erforschung des weltweiten
Klimawandels ausgegeben, und die Haushaltsvorlage
des Präsidenten für 1993 fordert nahezu 1,4 Milliarden
Dollar für diesen Zweck- 260 Millionen (24%) mehr als
im Haushaltsjahr 1992. Das amerikanische Programm
umfaßt nahezu die Hälfte der gesamten weltweiten
Forschungsbemühungen im Bereich des Klimas und
Klimawandels.
Das Ziel des Forschungsprogramms besteht darin, auf
die entscheidendsten wissenschaftlichen Unsicherheiten zu reagieren, die von den Arbeitsgruppen für
Wissenschaft und Folgen des Klimawandels des IPCC
identifiziert wurden. Das amerikanische Forschungsprogramm zu den weltweiten Klimaveränderungen
(U.S. Global Change Research Program - USGCRP)
hat für die Durchführung der Forschungsvorhaben vier
miteinander verbundene Themenbereiche festgelegt:
1. Modelle und Prognosen,
2. Weltweite Wasser- und Energiezyklen,

AMERIKA DIENST 18

Seite 3

�3. Der weltweite Kohlenstoffzyklus,
4. Ökosysteme und Bevölkerungsdynamik.
Darüber hinaus unterstützt das Forschungsprogramm
wirtschaftliche Forschung in Zusammenhang mit den
Klimaveränderungen.
Das USGCRP wurde im Verlauf umfassender Bemühungen über viele Jahre hinweg entwickelt. Diese
Bemühungen sind bewußt breitgefächert und umfassen nicht nur amerikanische Regierungsbehörden,
sondern auch nationale und internationale Wissenschaftler sowie inoffizielle und offizielle Verbindungen
zu anderen staatlichen und privaten Organisationen.
Technische Zusammenarbeit
Die Vereinigten Staaten unterstützen energisch die
technische Zusammenarbeit mit Entwicklungsländern
und anderen Staaten, denn gerade diese Länder werden
im nächsten Jahrhundert die Hauptquelle von Treibhausgasemissionen sein. Die technologische Zusammenarbeit sollte sowohl "harten" als auch "weichen"
Technologiebedarf berücksichtigen. Dazu zählen neben
dem Technologietransfer im traditionellen Sinn vordringliche Anliegen wie die Bewertung des technischen Bedarfs, technische Entwicklung, technische
Hilfe, Aus- und Weiterbildung sowie Aufbau von Institutionen und Kapazitäten. Mit der Forderung eines
kooperativen Prozesses tragen die Vereinigten Staaten der Tatsache Rechnung, daß der erfolgreiche
Transfer von Wissen, Know-how oder Gerät von einem beiderseitigen Verhältnis abhängt, das auf gegenseitigen Interessen und Vorteilen beruht. Ein solcher Prozeß erkennt ferner die Kreativität und Dynamik des Privatsektors an und stützt sich darauf in
großem Maß.
Die Vereinigten Staaten haben bereits ein breites
Spektrum an Maßnahmen zur technologischen Zusammenarbeit beim Klimawandel eingeleitet, die folgende Bereiche umfassen:
Energieausnutzung,
Energieversorgung, Landwirtschaft, Forstwesen und
natürliche Ressourcen, Klimawissenschaft und Küstenzonen. Eine Stichprobenerhebung ausgewählter
Länder und Regierungsbehörden zeigt, daß wir allein
im Jahr 1991 über 140 Millionen Dollar in die Zusammenarbeit mit Entwicklungsländern und Ländern, deren
Volkswirtschaften sich im Übergang befinden, für diese Maßnahmen investiert haben. Ein Blick auf kommende Haushalte macht klar, daß diese Summe
anwachsen wird, während wir ein besseres Verständnis der wissenschaftlichen Aspekte der Klimaveränderungen und der Maßnahmen gewinnen, die einzelne
Länder zu deren Bewältigung für sinnvoll halten.
Um Ländern bei der Einschätzung ihrer Bedürfnisse im
Hinblick auf die Entwicklung solider Reaktionen auf die
Klimaveränderungen im Kontext übergeordneter Entwicklungsziele zu helfen, haben die Vereinigten Staaten unlängst 25 Millionen Dollar bereitgestellt, um in
Seite 4

einem Zeitraum von zwei Jahren Länderstudien für
Entwicklungsländer und Länder im Übergang zu unterstützen. Ferner haben wir 50 Millionen Dollar für den
Kernfonds der umstrukturierten Globalen Umweltfazilität (GEF) von Weltbank, UNDP und UNEP bereitgestellt.
Der internationale Prozeß
Die Vereinigten Staaten befürworten eine Rahmenkonvention, die ein Forum und einen Prozeß ins Leben
ruft, um alle Länder langfristig in die Bewältigung von
Problemen des Klimawandels einzubinden.
Wir gehen davon aus, daß dieses Forum aus einer
Konferenz der Parteien, einem Sekretariat und zwei
Untergruppen der Konferenz der Parteien bestehen
sollte: Einem Wissenschaftlichen Beraterausschuß
und einem Durchführungsausschuß. Der Wissenschaftliche Beraterausschu ß wäre das Bindeglied zum
IPCC sowie anderen internationalen wissenschaftlichen und technischen Organisationen. Er würde die
Arbeit dieser Organisationen für die Konferenz der
Parteien interpretieren und bündeln. Der Durchführungsausschuß würde technische Einschätzungen von
Berichten erstellen, die der Konvention zufolge der
Konferenz der Parteien zur Überprüfung vorgelegt
würden.
Wir stellen uns einen internationalen Prozeß vor, dessen
Schwerpunkt auf Aktionen liegt. Unter Zugrundelegung gemeinsamer Methoden würden die Industriestaaten zunächst Emissionsverzeichnisse erstellen.
Darüber hinaus würden sie nationale Klimaaktionspläne mit Maßnahmen entwickeln, die entweder eine
Milderung von oder Anpassung an Klimaveränderungen bewirken würden. Darüber hinaus würden die
Industriestaaten Maßnahmen festlegen, die sie unter
Berücksichtigung nationaler Bedingungen ergreifen
würden, und Schätzungen über Auswirkungen ihrer
Maßnahmen über einen vereinbarten Zeitraum vorlegen. Die Abschätzung dieser Auswirkungen würde auf
vereinbarten Methoden beruhen. Durch Berichterstattung über Maßnahmen in einem offenen und transparenten Prozeß wären alle Parteien in der Lage, Informationen und Erfahrungen auszutauschen und voneinander zu lernen. Die Wachsamkeit der Öffentlichkeit wird einen starken Anreiz für die Einleitung sinnvoller Maßnahmen mit größtmöglichen Vorteilen für das
Klima und andere Bereiche liefern. Diese Überprüfungen sollten in vereinbarten Abständen so bald wip
möglich stattfinden.
Unserer Meinung nach sollten sich auch Entwicklungsländer und Länder im Übergang zur freien Marktwirtschaft an diesem Prozeß beteiligen, indem sie nationale Berichte erstellen, ihre Berichte würden maßgebliche nationale Bedingungen beschreiben und ihre
gegenwärtigen Emissionen sowie die Anfälligkeit für
Klimaveränderungen bewerten. Viele dieser Länder
benötigen Hilfe bei der Abfassung solo! «i Berichte,

AMERIKA DIENST 18

�und wir haben deshalb technische Zusammenarbeit
vorgeschlagen. Insbesondere haben wir für einen
Zweijahreszeitraum 25 Millionen Dollar bereitgestellt,
um ihnen zu helfen, als Grundlage für die Erstellung
nationaler Berichte ihre jeweilige nationale Situation
und ihre Bedürfnisse einzuschätzen. In diesen Berichten würden Länder besondere Vorhaben und Programme definieren, die sowohl dem Klima als auch
ihrer wirtschaftlichen Entwicklung zugute kämen.
Darüber hinaus würden sie den Bedarf an technischen
und finanziellen Ressourcen identifizieren, die für die
Durchführung solcher Vorhaben erforderlich sind.

Wir gehen davon aus, daß dieser Prozeß eine weltweite Antwort auf ein eindeutig weltweites Problem einleiten wird. Die Konzentration auf solide Maßnahmen
wird sinnvolle Ergebnisse hervorbringen. Die Anerkennung und Respektierung nationaler Bedingungen
wird dazu beitragen, eine breite Beteiligung sicherzustellen. Die Bereitstellung von technischer Zusammenarbeit und Unterstützung für bedürftige Länder
wird einen kooperativen Ansatz fördern und damit die
Bemühungen zum Aufbau einer weltweiten Partnerschaft stärken, die auf unserem Weg ins nächste
Jahrhundert notwendig ist.
*

AMERIKA DIENST 18

*

Seite 5

�US-WELTROLLE
6. Mail992

ZUR ROLLE DER USA NACH DEM ENDE DER UDSSR
Zwei neue Studien behandeln wichtige Anliegen der Zukunft
WASHINGTON - (AD) - Zwei neue Studien renommierter Fcrschungseinrichtungen, die eine Einschätzung dor amerikanischen Rolle im Zeitalter nach dem
kalten Krieg vornehmen, stimmen überein, daß die
Vereinigten Staaten nicht zum Isolationismus zurückkehren dürfen, vertreten jedoch unterschiedliche
Ansichten zur Strukturierung der nationalen Verteidigungspolitik.
Die kürzlich vom Council on Foreign Relations und The
Heritage Foundation veröffentlichten Untersuchungen
liefern grundverschiedene Meinungen zu anderen
Elementen eines Rahmens für die amerikanische
Außenpolitik in den neunziger Jahren.
Die Studie des Council on Foreign Relations mit dem
Titel "The Imperial Temptation: The New World Order
and America's Purpose" (Die imperiale Versuchung:
Die neue Weltordnung und Amerikas Zweck) lehnt
eine Politik ab, die weltweite Sicherheitsverpflichtungen billigen würde und behauptet, unter der BushAdministration habe eine wachsende Tendenz zum
unnötigen Einsatz militärischer Macht bestanden.
Die Studie der Heritage Foundation mit dem Titel
"Making the World Safe for America: A U.S. Foreign
Policy Blueprint" (Die Welt sicherer für Amerika gestalten: Ein Plan für die amerikanische Außenpolitik) geht
davon aus, daß die Vereinigten Staaten bereit sein
nüssen, ihre Interessen weltweit zu verteidigen. Es
kommt jedoch Besorgnis über die riesigen staatlichen
Bürokratien zum Ausdruck, die notwendig waren, um
die Sowjetunion zu besiegen.
Die Ergebnisse des Council on Foreign Relations
weisen darauf hin, daß die Bush-Administrs*ion bei
ihren Versuchen zur Behandlung der von den neuen
weltweiten Realitäten hervorgerufenen Herausforderungen die grundlegenden Ideale verraten hat, auf
denen die Vereinigten Staaten gegründet wurden. Die
Autoren Robert Tucker und David Hendrickson führen
den Krieg am Persischen Golf als schlagendes Beispiel für ihre Behauptung an, daß Präsident Bushs
Vision von einer neuen Weltordnung nicht mit den
traditionellen diplomatischen Prinzipien Amerikas in
Einklang steht.

AMERIKA DIENST 18

Sie kritisieren Bushs umfassenden militärischen Angriff auf den Irak als unverhältnismäßige und inhumane Antwort auf die Krise am Persischen Golf, und sie
argumentieren, daß Bush mit dem Einsatz von Gewalt
zur Beendigung der Krise trotz Verfügbarkeit anderer
Mittel und der anschließenden Abwendung von den
ruinösen Kriegsfolgen der "imperialen Versuchung"
erlegen sei, die auch andere große Mächte der Vergangenheit verführt und korrumpiert habe.
Tucker, ein emeritierter Professor der School of Advanced International Studies der Johns Hopkins University, und Hendrickson, Professor für politische
Wissenschaften am Colorado College, sind der Ansicht, daß "Isolationismus" und "Interventionismus"
falsche Alternativen sind, die den Charakter der heutigen Herausforderung für die amerikanische Politik
verschleiern.
Sie erklären, die wichtigste Herausforderung sei die
Absage an die hoch militarisierte und auf Bestrafung
fixierte Einstellung, die das Zeitalter des kalten Krieges
prägte, und die Durchführung konstruktiver Maßnahmen zur Sanierung des ehemaligen Ostblocks sowie
die Gewährleistung eines offenen Handelssystems.
Tucker und Hendrickson zufolge können die Vereinigten Staaten der Welt nicht den Rücken kehren, aber sie
benötigen gleichzeitig einen neuen Internationalismus,
der sich von dem der Bush-Administration stark unterscheidet.
Die Studie der Heritage Foundation lehnt sowohl Isolationismus als auch zwanghaften Interventionismus
ab. Sie bietet Washington eine Strategie für die
amerikanische Außenpolitik nach dem Ende der UdSSR
an, die amerikanische Interessen definiert, mögliche
Bedrohungen dieser Interessen beschreibt und MaO
nahmen sowie Waffensysteme und militärische Strategien zum Schutz amerikanischer Interessen identifiziert. Der Plan beruht auf den konservativen Prinzipien, die der Untersuchung zufolge den kalten Krieg
gewonnen haben: der Notwendigkeit zur Verteidigung
der vitalen Interessen Amerikas, dem Vertrauen in die
Freiheit, einer Verpflichtung auf die amerikanischen
Grundwerte und die westliche Zivilisation sowie dem

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�Glauben an die Prinzipien der Begrenzung des Staates, freie Märkte und die Selbstverantwortung des
einzelnen.
Der Vizepräsident und Leiter der Abteilung für außenund verteidigungspolitische Studien der Heritage
Foundation, Kim Holmes, erklärt, "als Konservative,
die an wenig Staat glauben, sind wir besorgt über die
riesigen Bürokratien des Pentagons und anderer Bereiche, die zum Sieg über die UdSSR benötigt wurden", und der Heritage-Report nennt den "großen
Regierungsapparat" als "größte Bedrohung der Freiheit" im 20. Jahrhundert.
"Tatsächlich ist die heutige Mammutbundesregierung
nicht so sehr das Produkt des New Deal als vielmehr
der massiven Macht, die in Washington für den Zweiten Weltkrieg und den kalten Krieg angehäuft wurde",
erklären die Autoren der Heritage-Studie. "Das riesige
Pentagon hat natürlich die Freiheit Amerikas bewahrt;
es legitimiert jedoch auch die ungeheure Zentralisierung der Macht, die erforderlich ist, um die von Lyndon
Johnson und Richard Nixon eingeleiteten riesigen
innenpolitischen Programme durchzuführen. Während die Konservativen also das für die Führung des
kalten Krieges erforderliche große Pentagon akzeptierten, würden sie mit dem Schwinden der sowjetischen Macht ein drastisch verkleinertes Pentagon und
Außenministerium begrüßen."
Die Autoren gehen davon aus, daß die amerikanischen Verteidigungsziele "mit einer entschieden kleineren und billigeren Streitmacht als erforderlich war,
um die sowjetische Aggression abzuschrecken, und
mit wesentlich weniger in Europa und anderen Au ßenposten stationierten Amerikanern" gewährleistet werden können.
"Die Amerikaner haben vergeblich darauf gewartet",
daß Präsident Bush den "neuen Kurs" der Vereinigten
Staaten definiert, meint Holmes. "Abgesehen von
lancierten Pentagon-Berichten unterer Ebenen und
dem verworfenen Konzept der 'neuen Weltordnung'
hat die Administration zur amerikanischen Rolle in der
Welt fahrlässiges Schweigen bewahrt. Weder vom
nationalen Sicherheitsrat noch vom Außenministerium, den für die amerikanische Außenpolitik besonders zuständigen Gremien, wurden großartige Studien
in Auftrag gegeben. Und im Kongreß wurde keine
große Debatte geführt."
Der Bericht des Council on Foreign Relations behauptet, die amerikanische Außenpolitik sollte zu den Leitlinien der Gründerväter zurückkehren, die eine weit
bessere Anleitung böten, um mit den Gefahren und
Chancen für das heutige Amerika umzugehen als das
gegenwärtige außenpolitische Programm der BushAdministration. Zu diesen Prinzipien gehören laut
Tucker und Henderson die folgenden:
Eine skeptische Haltung zum Einsatz militäri-

Seite 2

scher Gewalt und die Ablehnung weltweiter Sicherheitsverpflichtungen ;
eine tiefgreifende Antipathie gegen die Staatsverschuldung;
der Glaube, daß der amerikanische Beitrag zu
geordneter Freiheit in der Welt primär durch
friedliche und konstruktive Maßnahmen angestrebt werden muß und nicht durch Straf- und
destruktive Maßnahmen;
die Akzeptanz der Notwendigkeit für Kooperation zwischen freien Regierungen, eine Idee, die
den Autoren zufolge die Beibehaltung einer Sicherheitsgemeinschaft mit Westeuropa und
Japan erfordert, gleichzeitig jedoch gebietet,
daß die Verbündeten Amerikas die Hauptverantwortung für ihre konventionelle Verteidigung
übernehmen;
eine Aversion gegen Einmischung in die inneren
Angelegenheiten anderer Regierungen.
Die Spezialisten der Heritage Foundation erklären, der
"Hauptzweck" der amerikanischen Au ßen- und Verteidigungspolitik sei der Schutz von Leben, Freiheit und
Eigentum der Amerikaner. Sie machen fünf Hauptinteressen der Vereinigten Staaten aus, denen die
Außenpolitik zu dienen habe:
Schutz des amerikanischen Territoriums und
Luftraums;
Verhinderung der Kontrolle Europas, Ostasiens
oder des Persischen Golfs durch eine andere
Macht;
Sicherung des amerikanischen Zugangs zu den
Weltrohstoff vorkommen und den Meeren;
Erweiterung des freien Handels in öe\~ ganzen
Welt;
Schutz von Amerikanern vor Bedrohungen ihres Lebens und Wohlergehens.
Mit Blick auf diese Interessen identifiziert das Heritage-Team die primären Bedrohungen für die Vereinigten Staaten und nennt als deren wichtigste die Möglichkeit eines Angriffs mit Atomraketen durch einen der
wachsenden Zahl von Kernwaffenstaaten. Und ihrer
Meinung nach liegt angesichts dieser Bedrohung die
einzig mögliche Reaktion ebenfalls auf der Hand: die
Verbreitung solcher Technologie zu verhindern - falls
notwendig mit Gewalt - und Verteidigung gegen einen
Atomangriff.
Eine weitere Bedrohung der Vereinigten Staaten sind
Konflikte an ihren Grenzen, die dem Heritage-Team
zufolge durch eine wirtschaftliche Verbindung Amerikas mit Mexiko durch das geplante Nordamerikanische Freihandelsabkommen abgewehrt werden kann.

AMERIKA DIENST 18

�Zu den sonstigen Bedrohungen gehören Protektionismus und Handelsblöcke, regionale Bemühungen zur
Unterbrechung von Seewegen, Terrorismus und Drogenhandel.
Europa, Ostasien und der Persische Golf werden
Gebiete erheblicher Besorgnis für die Vereinigten Staaten
bleiben, so die Heritage-Experten. Da in Europa keine
totalitäre Bedrohung am Horizont auftaucht, können
die Vereinigten Staaten der Studie zufolge ihre Truppen auf dem Kontinent bis Ende des Jahrzehnts drastisch auf etwa 50.000 reduzieren. Falls es nicht zu
einer erneuten Bedrohung auf dem Territorium der
ehemaligen Sowjetunion kommt oder eine dominierende gegnerische Macht auftritt, sollten die Vereinigten Staaten keine Truppen für einen regionalen Konflikt in Europa zusagen, erklären die Heritage-Spezialisten.
"Es liegt jetzt an der Europäischen Gemeinschaft,
Probleme zu lösen, die nicht direkt die amerikanische
Sicherheit berühren," meint Jay Kosminsky, stellvertretender Direktor für verteidigungspolitische Studien
bei der Heritage Foundation. "Wenn die Europäer uns
in Europa haben möchten, sollten sie uns darum bitten
und die Kosten unseres Engagements tragen."
Die Vereinigten Staaten sollten darüber hinaus die
Europäer drängen, Handelshemmnisse abzubauen
und als Gegenleistung für die anhaltende amerikani*

AMERIKA DIENST 18

sehe Präsenz die Vereinigten Staaten bei der strategischen Verteidigung und anderen Fragen zu unterstützen, so Kosminsky.
Die Heritage-Studie zieht den Schluß, daß die Geschichte "eindeutig gegen eine Wendung nach innen
spricht... Die Konservativen sollten nicht für Isolation
eintreten." Gleichzeitig warnt die Studie, auch "übermäßiges Eiferertum" sei gefährlich. "Demokratische
Kreuzzüge sind kein geeigneter Schwerpunkt einer
konservativen Außenpolitik."
Holmes zufolge geeigneter "ist es für Amerikaner, ihre
Interessen in der Welt zu definieren, die Bedrohungen
für sie zu identifizieren und dann Maßnahmen zu
ergreifen, um diesen Bedrohungen entgegenzutreten
sowie die Interessen zu schützen und erweitern".
Der im Jahr 1921 gegründete Council on Foreign
Relations ist eine gemeinnützige und überparteiliche
Mitgliederorganisation, die sich der Förderung des
Verständnisses der amerikanischen Außenpolitik durch
den freien Austausch von Ideen verschrieben hat. Die
im Jahr 1973 gegründete Heritage Foundation ist ein
überparteiliches, gemeinnütziges Forschungsinstitut,
das den Prinzipien des freien Unternehmertums, der
begrenzten Rolle des Staates, individueller Freiheit
und starker nationaler Verteidigung verpflichtet ist.

* * *

*

Seite 3

�MINDERHEITEN
6. Mail 992

STARKER ZUWACHS BEI MINDERHEITEN
IN USA PROGNOSTIZIERT
Neuer Bericht über Einwanderungsbewegungen
WASHINGTON - (AD) - Wenn die gegenwärtigen
Einwanderungs- und Bevölkerungsmuster anhalten,
werden einem bekannten Demographen zufolge bis
zum Jahr 2040 nur etwa 60 Prozent der Amerikaner
europäischer Abstammung sein.
Den Rest werden zumeist Einwanderer aus Südamerika und Asien, ihre Nachkommen und amerikanische
Schwarze bilden, erklärt Jeffrey Passei.
Passei, ein an der Johns Hopkins University ausgebildeter Soziologe, ehemaliger Beamte des Statistischen
Bundesamts und oft zitierte Quelle für Bevölkerungsentwicklungen verweist darauf, daß in zwanzig Jahren
Schwarze nicht mehr die größte Minderheitengruppe
stellen werden. Sie werden von Hispaniern und später
möglicherweise von Amerikanern asiatischer Abstammung abgelöst. (Hispanier beschreibt in Amerika
Personen mexikanischer, mittel-oder südamerikanischer Herkunft. Viele Hispanier haben indianische
und spanische Vorfahren).
Passei und Barry Edmonston vom Urban Institute,
einer gemeinnützigen, nicht parteigebundenen Denkfabrik in Washington, haben kürzlich einen Bericht
über Einwanderung und Rasse in den Vereinigten
Staaten veröffentlicht.
Sie schätzen, daß die Gesamtbevölkerung der Vereinigten Staaten bis zum Jahr 2040 auf 355 Millionen
steigen wird - von 249 Millionen im Jahr 1990.
Wenn dem Bericht zufolge die gegenwärtigen Tendenzen bei der Einwanderung in den nächsten 50 Jahren
anhalten, "wird die Minderheitenbevölkerung weiterhin
wachsen, wobei die Gruppen der Hispanier und Asiaten ihr starkes Wachstum der letzten Jahrzehnte fortsetzen wird".
Er führt weiter aus: "Beim gegenwärtigen Stand der
Einwanderung wird die hispanische Bevölkerung die
schwarze Bevölkerung überholen und in weniger als
20 Jahren die größte Minderheitengruppe in den Vereinigten Staaten werden."

AMERIKA DIENST 18

"1990", so der Bericht, "besteht etwa ein Viertel der
Bevölkerung aus Minderheiten, wobei Schwarze etwa
12 Prozent der Gesamtbevölkerung stellen. Der Anteil
der Schwarzen (an der Gesamtbevölkerung) wird im
nächsten Jahrhundert weiterhin etwa 12 bis 13 Prozentbetragen."
"Der Prozentsatz der Gesamtbevölkerung, die asiatischer oder hispanischer Herkunft ist, wird jedoch weiter steigen. Bis 2040 werden schätzungsweise 40
Prozent der Bevölkerung einer Minderheit angehören... Der Anteil der schwarzen Minderheit wirdweiterhin zurückgehen. Bis 2040 werden Schwarze weniger
als ein Drittel der Minderheiten stellen."
Passei und Edmonston schätzen, daß die Anzahl der
Amerikaner asiatischer Herkunft von 7 Millionen im
Jahr 1990 auf 35 Millionen im Jahr 2040 steigen wird.
Demnach wird sich die Zahl der Hispanier auf 64
Millionen verdreifachen. Der Anteil der Schwarzen
wird von 30 Millionen auf 44 Millionen steigen, und die
Zahl nichthispanischer Weißer wird von 187 Millionen
auf 211 Millionen steigen.
Passei gibt zu, daß sich natürlich jede dieser Schätzungen aufgrund unvorhergesehener Ereignisse als
unbegründet erweisen könnte: weltweite politische
Verschiebungen, die plötzlich (wie in der Vergangenheit) Einwanderungsmuster verändern, Krankheiten,
Lebenserwartung, vom Kongreß verabschiedete
Gesetze und andere Variablen.
"Die große Steigerung," erklärte Passei in einem Interview, "wird erwartungsgemäß bei der hispanischen
Bevölkerung stattfinden. Wir schätzen, daß etwa 40
Prozent der (legalen und illegalen) Einwanderer Hispanier sein werden - ebensoviel wie jetzt... Ihre Fortpflanzungsrate ist etwas höher als bei der nichthispanischen Bevölkerung. Dennoch ist die hohe Trendlinie
für das Wachstum der hispanischen Bevölkerung fast
ausschließlich auf die geschätze Einwanderung zurückzuführen. Auch die Gruppe der Asiaten wird
immer größer, wofür ebenfalls die Einwanderung verantwortlich ist."

Seite 1

�Im Augenblick prognostiziert Passei keine neuen Einwanderungswellen aus Ost- oder Westeuropa - den
tradtionellen Herkunftsländern. "So wie das Einwanderungsgesetz von 1990 funktioniert," erklärt er, "gibt
es zwar eine Bestimmung, die Einwanderer aus Europazuläßt, aber nur in sehr geringer Zahl. Ferner ist das
US-Einwanderungsgesetz sehr liberal bei der Zulassung von Verwandten der Personen, die bereits hier im
Land leben - und bei uns leben bereits zahlreiche
Einwanderer aus hispanischen oder asiatischen Ländern, die einreisewillige Verwandte haben und einfach
weitere Verwandte angeben. Ein Einwanderer aus
Osteuropa hat nicht so viele Verwandte."
Passei fügt hinzu, daß "fast alle Untersuchungen über
den Einfluß von Einwanderern zu dem Schluß kommen, daß Einwanderer sich positiv auf die Wirtschaft
auswirken... Sie neigen dazu, Arbeitsplätze zu schaffen und streben in größerem Umfang eine Erwerbstätigkeit an als die einheimische Bevölkerung. Bestimmte Segmente sind besonders geneigt, neue Betriebe
zu gründen."
Unter Hinweis darauf, daß es in Amerika "einen Mangel an qualifizierten Arbeitskräften gibt, erklärt er, daß
"das Gesetz von 1990 die Zahl der verfügbaren Stellen
für hochqualifizierte Einwanderer erhöht hat, von 58.000
auf 140.000, aber wir bekommen auch viele hochqualifizierte und fähige Einwanderer durch den Passus
des Einwanderungsgesetzes über Familienzusammenführung. Wenn Sie die Mitte der achtziger Jahre zurückblicken und die Zahl der zugelassenen Ingenieure und Krankenschwestern betrachten, so kamen
zwischen 60 und 70 Prozent von ihnen im Rahmen der
Familienzusammenführung."

Seite 2

Was die sozialen Auswirkungen der Einwanderung
betrifft: "Esgibt... einige Schwierigkeiten, zum Beispiel
für unsere Schulsysteme, weil sie mit Menschen so
unterschiedlicher Herkunft umgehen müssen."
"Ferner besteht die Gefahr der Zersplitterung des
politischen Gefüges in einer Reihe von sich verstärkenden Dimensionen, wenn die Kluft zwischen Gruppen von Hispaniern und Asiaten sowie Schwarzen und
Weißen durch andere Spaltungen der Gesellschaft
verstärkt werden - Klassenunterschiede, unterschiedliche Wohngebiete, berufliche Unterschiede."
Dennoch erklärt Passei: "Einwanderung verbindet die
Vereinigten Staaten mit dem Rest der Welt. Neue
Einwanderer unterhalten Verbindungen zu ihren Heimatländern, und von beiden Seiten gibt es einen Fluß
von Menschen, Informationen, Waren und Dienstleistungen. Im Gegensatz zu anderslautenden Behauptungen gibt es keine Beweise, daß Einwanderer den
Einheimischen Arbeitsplätze wegnehmen. Und was
die Verbrechensrate in unseren Städten betrifft, habe
ich nichts gefunden, was darauf hindeutet, daß Einwanderung hier die treibende Kraft ist."
"Ich glaube," so Passei, daß die Einwanderer in die
Vereinigten Staaten kommen, um Amerikaner zu werden.
Wenn sie die Entscheidung treffen, sich nicht anzupassen, trägt dies dazu bei, daß viele von ihnen
zurückgehen. Wir beobachten viele Ehen zwischen
unterschiedlichen Rassen und Menschen unterschiedlicher Herkunft, und Hispanier und Asiaten sind in den
Wohngebieten nicht stark voneinander getrennt. Diese Anzeichen sind ermutigend."

AMERIKA DIENST 18

�WAHLEN

'9 2
6. Mai 1992

ZWISCHENBERICHT ZU DEN WAHLEN '92
Anzahl der Delegierten und Ergebnisse der Vorwahlen
WASHINGTON -(AD) - Die nachfolgend veröffentlichte inoffizielle Übersicht zeigt die Anzahl der Delegierten,
über die jeder Kandidat zum gegenwärtigen Zeitpunkt (29. April 1992) des US-Wahlprozesses verfügt sowie
die Ergebnisse der Vorwahlen in Pennsylvania.
Demokraten (zur Nominierung erforderlich: 2.145)

Ergebnisse der Vorwahlen vom 28. April

Clinton

1.499,50

Nicht gebunden

569,25

Die nachfolgende Übersicht zeigt den Prozentsatz der
Stimmen, die jeder Kandidat bei den Vorwahlen am 28.
April erhalten hat.

Tsongas

535

Demokraten

Brown

321,25

Clinton

57

Brown

26

Republikaner (zur Nominierung erforderlich: 1.105)

Tsongas

13

Bush

Sonstige

4

Sonstige

40

1.092

Buchanan
Sonstige

56
3

Republikaner

Prozentsatz der Stimmen

Bush

77

Buchanan

23

* * * *

AMERIKA DIENST 18

Prozentsatz der Stimmen

*

Seite 1

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. USA-Deutschland&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush begrüßt von Weizsäcker und Genscher im Weißen Haus&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Begrüßungsansprache des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Unruhen in Los Angeles&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Bush: die Gewalt in Los Angeles muss ein Ende haben&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Fernsehansprache des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Unruhen nach dem Urteilsspruch in Kalifornien&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Amerikanische Pressestimmen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Umwelt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Weltweite Klimaveränderungen - die Haltung der Vereinigten Staaten &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht des US-Außenministeriums&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. US-Weltrolle&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zur Rolle der USA nach dem Ende der UDSSR&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Zwei neue Studien behandeln wichtige Anliegen der Zukunft&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. US-Weltrolle&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zur Rolle der USA nach dem Ende der UDSSR&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Zwei neue Studien behandeln wichtige Anliegen der Zukunft&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Minderheiten&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Starker Zuwachs bei Minderheiten in USA prognostiziert&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Neuer Bericht über Einwanderungsbewegungen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;7. Wahlen'92&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zwischenbericht zu den Wahlen'92&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Anzahl der Delegierten und Ergebnisse der Vorwahlen&lt;/em&gt;</text>
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dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

19

13. Mai 1992

5300 &amp;°°n

USA-EUROPA

DIE TRANSATLANTISCHEN BEZIEHUNGEN:
EINE STABILE GRUNDLAGE FÜR DIE ZUKUNFT
EUROPAS
Rede von Botschafter Kimmitt

KSZE

USA FORDERN EINSTWEILIGEN AUSSCHLUSS
SERBIENS AUS DER KSZE
Rede von Botschafter Kornblum beim
KSZE-Folgetreffen

UNRUHEN IN LOS ANGELES

BUSH: NACH AUSSCHREITUNGEN IN
LOS ANGELES "EHRLICHE AUSSPRACHE"
ERFORDERLICH
Videokonferenz mit Zeitungsverlegern
- Auszüge -

MEINUNGSUMFRAGEN ZUM KING-URTEIL
Große Mehrheit von Weißen und Schwarzen
gegen Freispruch

UMWELT

KLIMAKONVENTION FÜR GIPFEL
IN RIO VERABSCHIEDET
Abkommen soll Erderwärmung aufhalten

WAHLEN '92

ZWISCHENBERICHT ZU DEN WAHLEN '92
Anzahl der Delegierten und Ergebnisse
der Vorwahlen

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�USA-EUROPA
13. Mai 1992

DIE TRANSATLANTISCHEN BEZIEHUNGEN:
EINE STABILE GRUNDLAGE FÜR
DIE ZUKUNFT EUROPAS
Rede von Botschafter Kimmitt
BONN - (AD) - In einer Rede vor der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität erörterte der Botschafter der
Vereinigten Staaten von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, Robert M. Kimmitt, am 6. Mai 1992 die
historische Übergangsphase, in der sich die transatlantische Gemeinschaft heute befindet und ging auf die
Institutionen, die die neue Sicherheitsarchitektur bilden, den Wiederaufbau der ehemaligen Sowjetunion und
Osteuropas sowie das amerikanische Engagement in den neuen Bundesländern ein.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Botschafter Kimmitt im Wortlaut.

Einleitung
Es ist mir eine große Freude, heute die Rheinische
Friedrich-Wilhelms-Universität mit ihrer langen und
reichen Tradition herausragender akademischer Leistungen besuchen zu dürfen, und ich fühle mich geehrt, daß Sie mich eingeladen haben, heute abend
einen Vortrag zu halten. Das Nordamerika-Programm
dieser Universität genießt verdientermaßen den Ruf,
einer der besten Fachbereiche für Amerikanistik in
Deutschland zu sein. Professor Hönnighausen und
allen mit diesem wichtigen Programm betrauten Dozenten gebührt Lob. Ich möchte jedoch auch die
Studenten beglückwünschen, die ihr Examen im Rahmen
des Nordamerika-Programms ablegen. Wir wissen
die von Ihnen zur Vertiefung des Verständnisses meines
Landes geleistete Arbeit au ßerordentlich zu schätzen,
und Sie können unserer weiteren Unterstützung Ihrer
Bestrebungen versichert sein.
Für gewöhnlich halte ich Reden vor einem deutschen
Publikum in deutscher Sprache. Angesichts Ihres
besonderen Interesses an Nordamerika und Ihrer
Vertrautheit mit unserer Kultur und Sprache haben
Ihre Dozenten und meine Mitarbeiter mich jedoch
überzeugt, daß es angemessener wäre, meine Rede
heute abend auf englisch zu halten.
Einer der ersten und größten Philosophen und Staatsmänner meines Landes, Thomas Jefferson, war ein
beredter Befürworter der Bildung in einer Demokratie.
Jefferson war der dritte amerikanische Präsident und
Hauptverfasser unserer Unabhängigkeitserklärung einem der wichtigsten Dokumente der Menschheit zu
den Menschenrechten. Er war auch der Gründer einer
AMERIKA DIENST 19

unserer renommiertesten öffentlichen Universitäten,
der University of Virginia in meinem Heimatstaat. Als
Verfechter von Bildung als Grundstein politischer Freiheit
schrieb Jefferson, daß Freiheit und Ignoranz unvereinbar sind. Bildungsinstitutionen wie in Charlottesville
(Virginia) und Bonn sind daher das Kernstück unserer
jeweiligen demokratischen Systeme.
Bildungsinstitutionen sind auch das Kernstück unserer
Beziehungen als Nationen zueinander. Die jüngsten
deutschen Initiativen unter der Schirmherrschaft von
Bundeskanzler Kohl und Professor Werner Weidenfeld ermutigen amerikanische Studenten, mehr über
Deutschland und die Europäische Gemeinschaft zu
lernen. Zu diesen Initiativen zählen das Bundeskanzler-Stipendium, mit dem junge amerikanische Dozenten an deutsche Universitäten eingeladen werden und
die kürzlich an den drei führenden amerikanischen
Universitäten Harvard, Georgetown und der University
of California eingerichteten Centers of Excellence for
European Studies. Die Vereinigten Staaten begrüßen
Bildungsprogramme wie diese, denn sie führen uns
über die Ereignisse und Klischees des Alltags in die
höheren Sphären von Verständnis und Erfahrung.
Länder wie Deutschland und Amerika sind vielfältig
und komplex, häufig scheinbar widersprüchlich. Man
kann Länder und zahllose Fakten darüber kennen, sie
jedoch immer noch nicht verstehen. Verstehen erfordert Bemühungen und Studien, nicht nur der Sprache
eines Landes, sondern auch seiner historischen Entwicklung, der politischen und wirtschaftlichen Strukturen, philosophischer Traditionen, künstlerischer Leistungen und des sozialen Gefüges.

Seite 1

�Die jüngsten Ausschreitungen in Los Angeles sind ein
anschaulicher - wenn auch tragischer - Beweis dieser
Tatsache. Sie demonstrieren, wie wir in den Vereinigten Staaten immer noch lernen, unsere unterschiedliche ethnische Herkunft mit unseren Grundrechten und
Pflichten als Bürger in Einklang zu bringen. Eines
unserer höchsten Ideale ist soziale Gleichberechtigung unabhängig von der Rasse, das wir sowohl in der
Praxis als auch im Grundsatz erzielen wollen.
Im Idealfall wird internationales Verständnis auch durch
die Erfahrung des Studiums, der Arbeit und des Aufenthalts in einem anderen Land erzielt, das heißt,
durch das Erlebnis neuer kultureller Voraussetzungen
und Verhaltensweisen über einen längeren Zeitraum
hinweg. Ich schätze mich glücklich, die Gelegenheit zu
solch einer Erfahrung in Deutschland in einer frühen
und formenden Phase meines Lebens gehabt zu haben.
Als junger Mann habe ich hier mehrere Jahre gelebt,
während mein Vater in den sechziger Jahren als
Offizier der US-Armee hier diente, und ich bin sehr
stolz, als Vertreter meines Landes hierhin zurückgekommen zu sein.
Heute abend möchte ich mit Ihnen die historische
Übergangsphase erörtern, in der sich unsere transatlantische Gemeinschaft jetzt befindet, die Institutionen, die die neue Sicherheitsarchitektur bilden, den
Wiederaufbau der ehemaligen Sowjetunion und Osteuropas und das amerikanische Engagement in den
neuen Bundesländern.
Zeit des Übergangs
Seit über vier Jahrzehnten arbeiten Westeuropa und
die Vereinigten Staaten zur Gewährleistung ihrer Sicherheit zusammen. Unsere Bestrebungen haben
mehr Früchte getragen, als die meisten von uns je zu
träumen gewagt hätte.
In der unmittelbaren Nachkriegszeit haben die Vereinigten Staaten Westeuropa gegen seine drängendsten Gegner verteidigt: "Hunger, Armut, Verzweiflung
und Chaos", wie es der damalige Außenminister George
C. Marshall bezeichnete, als er 1947 seinen berühmten Plan darlegte. Diese Rede wurde in der ältesten
Institution für Hochschulbildung der Vereinigten Staaten, der Harvard University, gehalten, eine Tatsache,
die das Beziehungsgeflecht in unserem demokratischen System zwischen Bildung, Freiheit und humanitärer Anteilnahme für die Bedürftigen unterstrich.
Der Marshallplan war die Saat der bemerkenswerten
Erholung Europas und insbesondere Westdeutschlands. Aufgrund der enormen Kreativität im Westen
Ende der vierziger und in den fünfziger Jahren wurden
Programme und Institutionen geschaffen, die frische
Wunden heilten, einen ehemaligen Gegner zu einem
starken Verbündeten machten und die stabile Grundlage der transatlantischen und Europäischen Gemeinschaft schufen. Im gesamten Verlauf des kalten

Seite 2

Krieges haben sich die Vereinigten Staaten und ihre
westlichen Verbündeten standhaft dagegen gewehrt,
daß der Kommunismus sein Einflußgebiet ausweitete.
Ereignisse historischen Ausmaßes begannen im
November 1989 mit der Öffnung der Berliner Mauer
und erreichten ihren Höhepunkt im vergangenen Herbst,
als das kommunistische System in der Sowjetunion
zusammenbrach. Demokratische Werte triumphierten, gemeinsam haben wir den kalten Krieg gewonnen.
Jetzt stehen wir an einem besonders wichtigen Scheideweg in der Geschichte, da sowohl Europa als auch
die Vereinigten Staaten erwägen, wie sie am besten
bei der Gewährleistung unserer gemeinsamen Sicherheit, Freiheit und unseres Wohlstands für die Zukunft
zusammenarbeiten können. Die Herausforderungen,
mit denen wir uns heute bei der Umstrukturierung der
Sicherheitsordnung nach dem kalten Krieg konfrontiert sehen, sind unterschiedlicher Art, aber nicht weniger
wichtig oder einschneidend als diejenigen, denen sich
unsere Vorgänger nach dem Zweiten Weltkrieg gegenübersahen. Dieselbe Art der Kreativität wie nach
dem Zweiten Weltkrieg ist jetzt beim Aufbau der neuen
Institutionen erforderlich, die in der euro-atlantischen
Gemeinschaft von Vancouver bis Wladiwostok reichen werden. Wie am Ende des Zweiten Weltkriegs
müssen wir jetzt unsere ehemaligen Gegner in unsere
Gemeinschaft einbeziehen, indem wir ihnen und uns
gegenüber die Notwendigkeit betonen, unsere gemeinsamen Werte anzunehmen: Demokratie, Respekt für den einzelnen und Rechtsstaatlichkeit sowie
freie Marktwirtschaften.
Dennoch ist die Situation nicht identisch mit der in den
vierziger Jahren. Im Gegensatz zur unmittelbaren
Nachkriegszeit halten die Vereinigten Staaten weder
50 Prozent des Bruttosozialprodukts der Welt, noch
sind wir weltweit die einzige Atommacht. Unser bevorzugter Ansatz zur Verwirklichung dieses Ziels ist daher
eine Politik des kollektiven Engagements - die Länder
vereinigen ihre Ressourcen und Talente beim gemeinsamen Streben nach einer besseren Welt in Europa
und darüber hinaus.
Die wirklichen Bedrohungen der Sicherheit kommen in
diesem Jahrzehnt nicht von der klassischen Konfrontation zwischen Supermächten, sondern von der sich
aus dem Zusammenbruch des sowjetischen Imperiums, Revolutionen andernorts, der Weiterverbreitungvon Kernwaffen, Drogenhandel und - wie wir es im
Golfkrieg beobachten konnten - Umweltterrorismus
ergebenden Instabilität. Um uns gegen solche Gefahren zu wappnen, müssen wir alte multinationale Institutionen wie NATO, KSZE, die Europäische Gemeinschaft und die Vereinten Nationen mit neuem Leben
erfüllen und mögliche neue wie den Nordatlantischen
Kooperationsrat entwickeln. Wir müssen uns auch vor
Augen führen, daß die kulturellen, wirtschaftlichen und

AMERIKA DIENST 19

�handelspolitischen Aspekte unserer Beziehungen in
den kommenden Jahren zunehmend an Bedeutung
gewinnen, währen die transatlantischen Sicherheitsverbindungen so wichtig wie zuvor bleiben.
Institutionen für die neue Sicherheitsarchitektur
Wir haben heute das Glück, daß im Gegensatz zu vor
45 Jahren die Institutionen, die das Bollwerk unserer
multilateralen Bestrebungen bilden werden, bereits
existieren und erprobt sind, obwohl sie offensichtlich
an neue Gegebenheiten angepaßt werden müssen.
In gewissem Sinne kann die Konferenz für Sicherheit
und Zusammenarbeit in Europa, die KSZE, mit Stolz
für sich in Anspruch nehmen, den Rahmen für Ideale
zu bilden, in dem die Institutionen eher technischer
Natur richtig funktionieren können. Im Einklang mit
den Veränderungen in Europa setzten sich die Vereinigten Staaten neben anderen an führender Stelle
dafür ein, die KSZE von einem schlichten Prozeß zu
einer Institution umzuwandeln. Sie ist die einzige
paneuropäische und gleichzeitig transatlantische Institution mit 51 Nationen als Mitgliedern, die sich von
Vancouver bis Wladiwostok erstreckt.
Bei der Eröffnung des KSZE-Folgetreffens in Helsinki
im März legte der Stellvertretende Außenminister
Lawrence Eagleburger die amerikanische Sichtweise
unserer vier Punkte umfassenden Zielsetzung für die
KSZE in der Zeit nach dem kalten Krieg dar:
als Maßstab für die Bewertung der Einhaltung
von Demokratie und Menschenrechten zu dienen,
ein Forum für politische Konsultationen und
konzertierte Aktionen zur Bewältigung des
Wandels bereitzustellen,
als wichtigstes Forum für Gespräche über konventionelle Rüstungskontrolle in Europa zu dienen und
die Arbeit zum Aufbau demokratischer Institutionen und marktwirtschaftlicher Reformen zu
unterstützen.
Damit verkörpert die KSZE die von der euro-atlantischen Gemeinschaft angenommenen Werte und Ideale. Alleine ist die KSZE jedoch nicht in der Lage, auf all
die heute in Europa bestehenden Sicherheitsbedürfnisse einzugehen. Aus diesem Grund müssen wir uns
auf einen alten und erprobten Freund verlassen, die
Organisation des Nordatlantikvertrags.
Die NATO bildet nach wie vor den Eckpfeiler der
europäischen Sicherheit und spielt weiterhin eine
Schlüsselrolle bei der Stabilisierung ganz Europas.
Darüber hinaus ist die NATO die Verkörperung der
transatlantischen Verbindung zwischen Nordamerika

AMERIKA DIENST 19

und Europa, eine Verbindung, die in den kommenden
Jahrzehnten ebenso wichtig sein wird wie in der Vergangenheit.
Präsident Bush hat eindeutig klargestellt, daß die
Vereinigten Staaten eine europäische Macht sind und
bleiben werden. Als Reaktion auf das verbesserte
Sicherheitsumfeld in Europa reduzieren wir die amerikanischen Streitkräfte hier um die Hälfte. Wir werden
jedoch einsatzfähige amerikanische Streitkräfte in
Europa und Deutschland stationiert lassen, solange
unsere Verbündeten dies wünschen. Und obwohl es
in den Vereinigten Staaten in diesem Wahljahr eine
Debatte über die Zahl der verbleibenden Streitkräfte
geben könnte, wird eine glaubwürdige amerikanische
Präsenz in Europa von beiden Häusern des Kongresses nachhaltig unterstützt. Trotz der offenkundigen
Priorität, die amerikanische Wähler innenpolitischen
Problemen beimessen, machen sie deutlich, daß die
Vereinigten Staaten nicht in Isolationismus verfallen
dürfen, denn um zu Hause stark sein zu können,
müssen wir im Ausland stark sein.
Aus diesem Grund wird die NATO nicht nur die politischen Mechanismen und die militärische Hardware
zur Aufrechterhaltung einer starken und glaubwürdigen Verteidigung bereitstellen, sondern dank der ihr
eigenen Stärke die Führungsrolle übernehmen, um
maßgeblich zur Bewältigung des friedlichen Wandels
in Europa beizutragen. In diesem Zusammenhang
möchte ich einen starken Befürworter der NATO zitieren, der das Bündnis als "reine Verteidigungsgemeinschaft" beschrieben hat, "die dazu beigetragen hat
sicherzustellen, daß dieser Kontinent für nahezu ein
halbes Jahrhundert von Krieg verschont blieb". Diese
Worte stammen weder von einem Amerikaner, noch
einem Deutschen oder einem anderen NATO-Mitglied. Es sind vielmehr die Worte von Vaclav Havel,
dem Präsidenten der Föderation der Tschechischen
und Slowakischen Republik.
Einer der Hauptindikatoren der Fähigkeit der NATO,
sich an veränderte Gegebenheiten anzupassen, war
die Reaktion des Bündnisses auf den Wunsch der
Staaten des ehemaligen Warschauer Pakts und der
Sowjetunion, Verbindungen zur NATO aufzunehmen.
Auf der Grundlage einer von Außenminister Genscher
und seinem Amtskollegen Baker ins Leben gerufenen
Initiative gründete die NATO im vergangenen Herbst
den Nordatlantischen Kooperationsrat oder NAKR.
Der NAKR dient als Treffpunkt zwischen Ost und
West, um sowohl umfassende Sicherheitsfragen als
auch spezifische Verteidigungsangelegenheiten anzusprechen. Am 1. April dieses Jahres kamen die
Verteidigungsminister der NAKR-Staaten zum ersten
Mal zusammen, um einen Arbeitsplan für die Zukunft
zu entwerfen. Zu den wichtigsten Elementen des
Arbeitsplans zählt die Konversion der Rüstungsindu-

Seite 3

�strie für zivile Zwecke sowie Hilfe bei der Integration
des Militärs in demokratische Gesellschaften in den
aufstrebenden Staaten Ost- und Mitteleuropas und
der ehemaligen Sowjetunion.
Ein anderer Weg, mit dem die NATO und damit die
europäische Sicherheit verbessert werden kann, besteht in der Stärkung einer europäischen Sicherheitsidentität. Die Vereinigten Staaten waren seit langem
ein Verfechter der europäischen Integration und haben
die Ergebnisse des Maastrichter Gipfeltreffens vom
vergangenen Dezember begrüßt. Eines der Schlüsselelemente des Integrationsprozesses ist die Entwicklung einer gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik in der Europäischen Gemeinschaft.
Das NATO-Ministertreffen in Kopenhagen, der NATOGipfel in Rom und das Treffen in Maastricht haben die
Absicht Europas bekräftigt, die NATO als wichtigste
Sicherheitsorganisation in Europa aufrechtzuerhalten.
Die Vereinigten Staaten und die Europäische Gemeinschaft stimmen überein, daß die Entwicklung eines
starken europäischen Sicherheitspfeilers die NATO
ergänzen, nicht mit ihr konkurrieren sollte. Bei der
Verfolgung dieses gemeinsamen Ziels müssen wir
eine Nullsummenanalyse entschieden zurückweisen,
ein Konzept, das fälschlicherweise davon ausgeht,
eine stärkere europäische Sicherheitsidentität könne
sich nur auf Kosten der NATO ergeben. Unser Ziel ist
sowohl ein stärkeres Europa als auch eine stärkere
NATO.
Aufbau des Ostens
Wir verfolgen dieses gemeinsame Ziel, weil das Schicksal der Vereinigten Staaten eng mit dem Europas
verbunden ist. Amerikas demokratische Prinzipien
wurden auf europäischem Boden entworfen, gelangten auf unserem Kontinent zur Reife und beeinflussen
heute alle anderen Demokratien einschließlich der
jetzt in Osteuropa und der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten - GUS - entstehenden in hohem Maße. In
seiner Rede vor dem amerikanischen Kongreß 1990
sprach Präsident Havel beredt davon, wieviel Anregung er und zahlreiche andere durch die amerikanischen Verfassung und die Bill of Rights erhalten haben.
Wohlstand, Technologie und die politische Kultur der
Vereinigten Staaten und Westeuropas zusammengenommen sind voll und ganz zur Bewältigung der Herausforderungen der Zeit nach dem kalten Krieg in der
Lage. Für die internationale Sicherheit ist es von
entscheidender Bedeutung, daß sich politisch legitime, stabile Demokratien in Osteuropa und der GUS
entwickeln. Wir alle in der transatlantischen Gemeinschaft teilen eine besondere Verpflichtung, diesen
aufstrebenden Demokratien bei ihren Bemühungen
zur Entwicklung freier Institutionen und Marktwirtschaften zur Seite zu stehen.

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Im September vorigen Jahres definierte Außenminister Baker fünf Prinzipien, von denen sich die amerikanische Politik gegenüber den neuen Mitgliedstaaten
der GUS leiten läßt. Wir möchten, daß sie das
Selbstbestimmungsrecht ihrer Völker achten, demokratische und rechtsstaatliche Prinzipien einhalten, die
Menschenrechte, einschließlich des Schutzes von
Minderheiten gewährleisten, bestehende Grenzen
achten und ihre Veränderung nur mit friedlichen Mitteln
sowie mit Zustimmung der anderen Seite anstreben
und schließlich, daß sie internationale Verpflichtungen
und die Normen des Völkerrechts einhalten, insbesondere die Bestimmungen der Schlußakte von Helsinki
und der Charta von Paris.
Im wirtschaftlichen Bereich leisten die Vereinigten
Staaten Osteuropa und der ehemaligen Sowjetunion
umfassende und mannigfaltige Hilfe. Die amerikanische Unterstützung für die GUS beläuft sich bis heute
auf 5 bis 6 Milliarden Dollar. Darüber hinaus helfen wir
Osteuropa. In den Jahren 1990 und 1991 betrug diese
Unterstützung insgesamt 2 Milliarden Dollar. Im vergangenen Jahr lieferten die Vereinigten Staaten 18
Millionen Tonnen Nahrungsmittel, außerdem Bekleidung, Unterkünfte und medizinische Hilfsgüter in die
Sowjetunion. Darüber hinaus leisten die Vereinigten
Staaten die größten Kapitalbeiträge eines einzelnen
Landes zu den für Osteuropa und die GUS eingerichteten Investitionsfonds von Weltbank, Internationalem
Währungsfonds und der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung.
Mit Geld alleine lassen sich unsere gemeinsamen
Ziele jedoch nicht verwirklichen. Darüber hinaus müssen
wir direkt auf die Bürger zugehen. Eingedenk dieses
Ziels haben wir Botschaften in allen Staaten der GUS
eröffnet. Erst gestern hat der Direktor des amerikanischen Peace Corps in Washington angekündigt, daß
bis zum Jahr 1993 etwa 500 Freiwillige des Peace
Corps in der GUS tätig sein sollen. Im Weißen Haus
werden Präsident Bush und der ukrainische Präsident
Krawtschuk ein Abkommen über die Entsendung von
Freiwilligen des Peace Corps in die Ukraine unterzeichnen. Diese werden hauptsächlich in den Bereichen wirtschaftliche Entwicklung und Englischunterricht tätig werden. Zu ihnen zählt der Präsident eines
Stahluntemehmens ebenso wie ein ehemaliger Vorstandsvorsitzender einer Vertriebsfirma für Nahrungsmittel. Die Freiwilligen erhalten für ihre Arbeit keinerlei
Gehalt, sondern lediglich die Kosten für Unterkunft und
Verpflegung werden vergütet. Wir sind sehr stolz auf
diese Amerikaner, die unsere Tradition freiwilligen
Dienstes in der ehemaligen Sowjetunion unter Beweis
stellen werden.
Die Vereinigten Staaten begrüßen voll und ganz alles,
was die Bundesrepublik Deutschland getan hat und
weiterhin tut, um den aufstrebenden Demokratien
Europas zu helfen. Deutschland stand bei den Bestre-

AMERIKA DIENST 19

�bungen an vorderster Front, die neuen Staaten Osteuropas in europäische Organisationen wie die KSZE
einzugliedern und sie durch den Nordatlantischen
Kooperationsrat enger an die NATO heranzuführen.
Die Deutschen haben ferner erhebliche Summen für
bilaterale Unterstützung und humanitäre Hilfe aufgebracht, und die Bundesrepublik Deutschland hat eine
führende Rolle übernommen, um andere Staaten zur
Beteiligung an dieser Hilfe zu veranlassen.
In diesem Geist der Zusammenarbeit kündigten Bundeskanzler Kohl und Präsident Bush letzten Monat
einen multilateralen Hilfsplan der Gruppe der sieben
führenden Industrieländer für Rußland im Gesamtumfang von 24 Milliarden Dollar an. Die Vereinigten
Staaten werden etwa 25 Prozent dieser Summe aufbringen. Die G-7 unternahm diesen Schritt, um ihre
Unterstützung für die anhaltenden Reformbemühungen Rußlands zu unterstreichen. Weitere Formen
westlicher Hilfe für die GUS und Osteuropa werden
beim Weltwirtschaftsgipfel von München im Juli auf
der Tagesordnung stehen. Wir müssen zusammenarbeiten, um sozialen Unruhen und wirtschaftlicher Instabilität in dieser Region Einhalt zu gebieten und bei
den Menschen Vertrauen in die demokratischen Institutionen aufzubauen. Die Vereinigten Staaten engagieren sich weiterhin dafür, ganz Europa Einheit und
Freiheit zu bringen, denn wir sind uns der Tatsache
bewußt, daß ein vereinigtes Europa einen positiven
Einf lu ß auf Stabilität, Demokratie und Wohlstand in der
ganzen Welt haben wird.
Die neuen Bundesländer
Nirgendwo sind die Herausforderungen - und Chancen
- für die neuen Demokratien und Marktwirtschaften
offenkundiger als in dem Gebiet, das die ehemalige
Deutsche Demokratische Republik umfaßt. Seit der
politischen Vereinigung am 3. Oktober 1990 haben
sich Politiker und Bürger dieses Landes mit den beispiellosen Herausforderungen der Integration zweier
verschiedener Gesellschaften auseinandergesetzt.
Diese Herausforderungen gehen auch die Amerikaner
an. Tatsächlich spielen die wirtschaftlichen und kulturellen Aspekte der deutschen Vereinigung heute eine
Schlüsselrolle in der bilateralen Tagesordnung.
Ohne ihre alten Freunde im Westteil Deutschlands zu
vernachlässigen, richten die Vereinigten Staaten ihre
Aufmerksamkeit heute vorrangig auf die fünf neuen
Bundesländer. Im wirtschaftlichen Bereich sind nahezu 150 amerikanische Firmen tätig, und die fünf führenden Unternehmen haben über 2 Milliarden DM
investiert und über 20.000 Arbeitsplätze geschaffen
oder erhalten. Im Jahr 1991 haben der Treuhand
zufolge amerikanische Unternehmen zusätzliche Investitionen von 1,5 Milliarden DM in Treuhandunternehmen zugesagt. Diese Firmen vertreten die Bauindustrie, Elektronik, Automobilindustrie, Pharmazeutik,
Telekommunikation, Bankwesen, Einzelhandel und
die Reisebranche. Diese amerikanischen Unterneh-

AMERIKA DIENST 19

men tragen dazu bei, die Infrastruktur Ostdeutschlands zu erneuern, seine Technologie zu modernisieren, seine Arbeitnehmer umzuschulen und den Lebensstandard in Ostdeutschland zu heben.
Die Botschaft übernimmt eine führende Rolle dabei,
noch mehr amerikanische Firmen zu einem Engagement zu ermutigen. Unsere Handelsabteilung berät
amerikanische Unternehmen bei Investitionen in Ostdeutschland - und zwar sowohl durch direkte Beratung
als auch durch Information von Firmen in den Vereinigten Staaten über spezifische Investitionsmöglichkeiten. Wir helfen interessierten Unternehmen, die richtigen Kontakte bei derTreuhand, Gemeindeverwaltungen und Landesregierungen sowie ostdeutschen Firmen herzustellen. Wir vergrößern unseren wirtschaftlichen Mitarbeiterstab in Berlin, und wir haben nun
auch einen wirtschaftlichen Berater in Leipzig. Im
Rahmen von 'Trade Days" in Sachsen, SachsenAnhalt und Thüringen haben wir Geschäftspartner
miteinander in Kontakt gebracht. Wir nutzen westliche
Industrie- und Handelsmessen, insbesondere die in
Hannover, um ostdeutsche und amerikanische Wirtschaftsvertreter miteinander bekannt zu machen. Die
amerikanisch-deutsche Wirtschaftszusammenarbeit in
den neuen Ländern stellt eine beispielhafte wirtschaftliche Partnerschaft dar. Sie stellt unser gemeinsames
Engagement für die freie Marktwirtschaft als besten
Weg unter Beweis, um die wirtschaftliche Wiederbelebung in den neuen Bundesländern zu verwirklichen.
Für dieses akademische Publikum ist jedoch wahrscheinlich der kulturelle Aspekt des Einigungsprozesses von größter Bedeutung. Die Vereinigten Staaten
engagieren sich in einem anhaltenden Prozeß dafür,
den Ostdeutschen die demokratischen Werte zu vermitteln, die unsere beiden Staaten gemeinsam haben.
Obenan auf unserer Prioritätenliste stehen Programme, die der akademischen und intellektuellen Freiheit
gewidmet sind, der Pressefreiheit und dem politischen
Wahlprozeß. Während wir unsere seit langem bestehenden Austauschprogramme und Fortbildungsseminare in den westlichen Ländern fortsetzen, gilt ein
Hauptaugenmerk der Botschaft heute der Einrichtung
und Aufrechterhaltung von Kontakten mit Bürgern der
ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik. Seit
der Vereinigung Deutschlands haben wir an mehreren
wichtigen Programmen gearbeitet, um dieses Ziel zu
verwirklichen. Dazu gehören folgende Aktivitäten:
Anfang Juli werden wir ein neues Amerika Haus
in Leipzig eröffnen. Wie unsere anderen Kulturzentren weltweit wird es eine umfangreiche
Bibliothek mit amerikanischen Büchern und
Zeitschriften aufweisen, und seine Programme
werden als Fenster zur zeitgenössischen amerikanischen Gesellschaft dienen. Darüber hinaus wird es mit unserem modernstes Computersystem zur Informationsrecherche ausgestattet
sein.

Seite 5

�In Zusammenarbeit mit deutschen Institutionen
erweitern wir unser Programm für den Englischunterricht sowie Amerikanistikstudien in den
neuen Bundesländern. Insbesondere arbeiten
wir mit dortigen Englischlehrern zusammen, um
sie mit modernen Methoden des Englischunterrichts und der Amerikanistik bekannt zu machen. Jahrzehntelang wurden Lehrer und Schüler dort lediglich mit Propaganda und Falschinformationen abgespeist. Wir haben in den neuen
Bundesländern einen echten Hunger nach Informationen über Amerika festgestellt und tun
unser Bestes, um ihn zu befriedigen.
Unser internationales Besucherprogramm wurde mit zusätzlichen Mitteln aufgestockt und
erweitert. Dieses Programm ermöglicht jüngeren Aufsteigern aus verschiedenen Berufssparten einmonatige intensive Studienreisen in die
Vereinigten Staaten. Über fünfzig Deutsche
aus den neuen Bundesländern haben seit der
deutschen Vereinigung an diesem Programm
teilgenommen, und diese Zahl wird weiter steigen.
Ein neues von den Regierungen der Vereinigten
Staaten und Deutschlands gemeinsam unterstütztes Programm ermöglicht es Gruppen von
Parlamentariern, Journalisten und Lehrkräften
aus den neuen Bundesländern, die Vereinigten
Staaten zu besuchen und wichtige Kontakte in
ihren Tätigkeitsbereichen herzustellen.
Bundeskanzler Kohl und Präsident Bush haben
die Gründung der RIAS-Kommission angekündigt, die die Förderung von Kontakten zwischen
Medienvertretern in den neuen Ländern und
den Vereinigten Staaten zum Ziel hat.
Das parlamentarische Patenschaftsprogramm
Kongreß/Bundestag wurde auf die fünf neuen
Länder ausgedehnt. Dieses Programm, das
heute nahezu zehn Jahre alt ist, bietet deutschen und amerikanischen Schülern die Gelegenheit, ein ganzes Jahr im jeweils anderen
Land zu verbringen, dort bei Gastfamilien zu
leben, die Schule zu besuchen und dauerhafte
Freundschaften zu schließen. Die erste Gruppe
junger Ostdeutscher, die an diesem Programm
teilnahm, reiste im Jahr 1990 in die Vereinigten
Staaten. Darüber hinaus haben wir auch junge
Amerikaner in die neuen Bundesländer geschickt.
Mit der Schließung einiger amerikanischer Stützpunkte in Westdeutschland werden englischsprachige Bibliotheksbestände akademischen
Zuschnitts von diesen Stützpunkten an Universitäten und andere Institutionen in den neuen
Ländern übergeben. Bis heute waren zehn
ostdeutsche Universitäts-, Regional- und Stadtbibliotheken Empfänger von Beständen im
Gesamtumfang von über 130.000 Bänden.
Seite 6

Besonders eingehen möchte ich auf das Fulbright-Programm in Deutschland, das größte
staatlich geförderte binationale Austauschprogramm der Welt. Seit seiner Gründung vor 40
Jahren haben 12.000 Deutsche an dem Programm teilgenommen, von denen einige vielleicht heute abend hier anwesend sind. Dieses
Programm wurde auf die neuen Ländern ausgedehnt, um ostdeutsche Universitäten und Intellektuelle mit ihren Kollegen in den Vereinigten
Staaten in Kontakt zu bringen. Im nächsten
akademischen Jahr wird ein Viertel aller deutschen Fulbright-Stipendiaten aus Ostdeutschland kommen. Um diese verstärkte Einbeziehung ostdeutscher Professoren und Studenten
zu erleichtern, haben die Vereinigten Staaten
dieses Jahr ihre Mittel für das Programm um
nahezu eine Million Dollar aufgestockt. Die
bilaterale Fulbright-Kommission, die die Stipendiaten auswählt, wird von Fulbright-Kommissionen in derganzen Welt als Vorbild betrachtet, an
dem sich alle anderen messen lassen müssen.
Die amerikanisch-deutsche Kommission fördert
neben Austauschstipendien eine Reihe von
Sonderprojekten. Ein Beispiel ist die vor genau
einem Monat in Berlin veranstaltete Konferenz
für Fulbright-Stipendiaten aus ganz Europa. Diese
Konferenz wurde durch die Anwesenheit des
Programmgründers, Senator William Fulbright,
besonders geehrt. Er verlieh den ersten Fulbright-Preis für hervorragende Leistungen im
Fach Amerikanistik, eine unlängst von der Fulbright-Kommission in Deutschland gestiftete
Auszeichnung. Sie wird jedes Jahr an einen
deutschen Doktoranden verliehen, dessen Dissertation dem Urteil eines wissenschaftlichen
Gremiums zufolge einen herausragenden Beitrag im Fachbereich Amerikanistik geleistet hat.
Die Kommission hofft, daß dieser Preis Deutsche zu weiterer wissenschaftlicher Beschäftigung mit den politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Dimensionen der Vereinigten Staaten ermutigen wird.
Die Liste offizieller amerikanischer Aktivitäten in den
neuen Bundesländern endet hiermit nicht. Wir untersuchen Wege zum Ausbau kooperativer Vorhaben in
den Bereichen Bildung und Kultur, und wir begrüßen
Ihre Anregungen zu diesen Bemühungen. Insbesondere sind wir bereit, mit dem Bundesbildungsministerium sowie den Kultusministerien, Universitätsrektoren, Dekanen, Professoren und akademischen Vereinigungen zusammenzuarbeiten, um Amerikanistikprogramme - vorrangig in den neuen Bundesländern - zu
entwickeln, aber wir sind ebenfalls begierig, auch mit
westdeutschen Institutionen zu kooperieren. Unser
Ziel bei der Entwicklung dieser Programme besteht
darin, das deutsch-amerikanische Verständnis in der
gesamten Bundesrepublik zu verbessern.

AMERIKA DIENST 19

�In diesem Geist ist es mir heute abend eine große
Freude, die Einrichtung eines weiteren Preises unter
meiner Schirmherrschaft zu verkünden, der der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität gewidmet ist des Ambassador's American Studies Award. Vom
Herbst dieses Jahres an wird der Ambassador's Award
jährlich für die beste Magister- oder Doktorarbeit im
Fachbereich Amerikanistik an der Bonner Universität
verliehen. Ich freue mich darauf, im Oktober zur
Eröffnungsfeier des Wintersemesters den ersten Preisträger bekanntzugeben. Der Ausgezeichnete wird als
Gast der amerikanischen Regierung in die Vereinigten
Staaten reisen, um an einem besonderen einmonatigen Studienprogramm teilzunehmen, das sich schwerpunktmäßig auf die verschiedenen Aspekte des Lebens
in Amerika und der dortigen Gesellschaft konzentriert.
Mit der Schaffung dieses Preises hofft die Botschaft,
einen greifbaren Beitrag zum interdisziplinären Amerikanistikprogramm dieser Universität zu leisten und
junge Deutsche zu fördern, die in den ersten Jahren
ihrer beruflichen Laufbahn mehr über die Vereinigten
Staaten erfahren möchten.
Wenn künftige Regierungsvertreter, wirtschaftliche
Führungskräfte, Journalisten und andere, die an der
Ausgestaltung der deutsch-amerikanischen Beziehungen mitwirken, effektiv miteinander kommunizieren
und die Maßnahmen und Ziele des jeweils anderen
zutreffend bewerten sollen, benötigen sie ein tiefes
Verständnis der jeweils anderen Gesellschaft. Wir
gehen davon aus, daß all diese Bildungs- und Kulturinvestitionen in Deutschland und seine künftigen Entscheidungsträger auf viele Jahre hinaus zur transatlantischen Zusammenarbeit beitragen werden. Wie
Bundeskanzler Kohl erklärt hat, werden diese Programme auf der transatlantischen Brücke zwischen
unseren beiden Ländern in der Tat eine neue Fahrspur
eröffnen - und sie dadurch breiter, tragfähiger und - wie
wir hoffen - in der Zukunft noch frequentierter machen.
Schlußbemerkung
Denken Sie abschließend an unser Glück, in dieser
Zeit historischer Veränderungen, Herausforderungen
und Chancen leben und arbeiten zu können. Den
Vereinigten Staaten, Deutschland und anderen Mitgliedern der transatlantischen Gemeinschaft bietet
sich heute eine einmalige Gelegenheit, ihre demokratischen Werte und Traditionen mit Ländern zu teilen,

*

AMERIKA DIENST 19

die nie zuvor unter demokratischen Regierungen gelebt haben. Ich hoffe und glaube, daß die Geschichte
diesen Abschnitt als größte Stunde unserer Gemeinschaft verzeichnen wird. Um dieses Ziel zu erlangen,
müssen wir weiterhin die politischen Institutionen stärken, die unsere Sicherheit verbessern werden. Und
wir müssen den neuen Demokratien Europas weiterhin die technische und finanzielle Hilfe gewähren, die
sie zum Erfolg benötigen. Durch Zusammenarbeit
können wir diese Herausforderungen meistern und ein
neues Zeitalter des Wohlstands und Friedens für alle
einleiten.
Im Hinblick auf unsere speziellen deutsch-amerikanischen Beziehungen bieten unsere beiden Nationen für
die ganze Welt ein anschauliches Beispiel dafür, wie
ehemalige Gegner Partner und Freunde werden können. Als Botschafter der Vereinigten Staaten von
Amerika in der Bundesrepublik Deutschland gedenke
ich alles in meiner Macht Stehende zu tun, um zu
gewährleisten, daß Frieden und Wohlstand, die wir
über vier Jahrzehnte lang geteilt haben, Bestand haben.
Bundeskanzler Kohl, Präsident Bush, Außenminister
Genscher, Außenminister Baker und viele andere
Amerikaner und Deutsche stehen ebenfalls zu dieser
Verpflichtung. Aber wenn wir Erfolg haben wollen,
benötigen wir die Hilfe aller hier Anwesenden, insbesondere die der akademischen Gemeinde. Als Wissenschaftler und Lehrer können Sie dazu beitragen,
den Lauf der Geschichte zu bestimmen, denn Sie sind
in einer einzigartigen Position, um Herz und Verstand
der jüngeren Generation Ihres Landes zu erreichen.
Sie können bei den künftigen Entscheidungsträgern
Deutschlands die geistigen Charakteristika und Qualitäten kultivieren, die der Demokratie und der deutschamerikanischen Zusammenarbeit Dauerhaftigkeit
verleihen: eine Leidenschaft für die Wahrheit, die
kritische Untersuchung von Ideen, rationale Auseinandersetzung, Respekt für die Ansichten anderer und
eine unstillbare Neugier im Hinblick auf die Welt, in der
wir alle leben. Sie können für künftige Generationen
die notwendige Verbindung zwischen politischer und
geistiger Freiheit erhellen, zwei grundlegenden Menschenrechten, die die Freiheit des menschlichen Geistes fördern.
Ich danke Ihnen für diese Gelegenheit und freue mich,
beim Empfang mit vielen von Ihnen persönlich zusammentreffen zu können.

* * *

*

Seite 7

�KSZE
13. MaM992

USA FORDERN EINSTWEILIGEN AUSSCHLUSS
SERBIENS AUS DER KSZE
Rede von Botschafter Kornblum beim KSZE-Folgetreffen
HELSINKI - (AD) - In einer Rede vor der Plenarsitzung am 6. Mai 1992 erläuterte der amerikanische Delegierte beim KSZE-Folgetreffen in Helsinki, Botschafter John C. Kornblum, die Lage in Bosnien-Herzegowina und
forderte, das Töten müsse ein Ende haben und die KSZE "über ihre am 15. April und 1. Mai abgegebenen
Erklärungen hinausgehen und Sanktionen gegen Serbien verhängen".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Botschafter Kornblum im Wortlaut.
Herr Vorsitzender, wir sind heute hier zum dritten Mal
in drei Wochen zusammengekommen, um die tragische Situation in Bosnien-Herzegowina zu erörtern.
Dieser stolze Staat ist ein Mikrokosmos von Problemen, die das Gefüge der ehemaligen jugoslawischen
Republik zerrissen haben. Wie meine Regierung seit
Beginn der Krise eindeutig klargestellt hat, liegt diesen
Problemen nicht nur eine Ursache zugrunde. Es gibt
nicht nur eine schuldige Partei und kein Patentrezept
für die Bewältigung der Katastrophe, die die Völker
dieses stolzen und historischen Teils von Europa
heimgesucht hat.
Die Vereinigten Staaten bekräftigen in deutlichster
Form die Forderung, daß alle für diesen Konflikt und
die Gewalt verantwortlichen Parteien aufrichtig und
unermüdlich zum Erfolg des von der Europäischen
Gemeinschaft eingeleiteten Friedensprozesses beitragen sollen. Die gesamte Menschheit leidet unter
Ihren Aktionen! Das Töten muß eine Ende haben!
Die Erkenntnis der Komplexität des Konflikts spricht
die für Aggression Verantwortlichen nicht von der
Schuld für ihre Taten frei. Wir haben im vergangenen
Jahr Hunderte von Stunden damit verbracht, die Ereignisse zu erörtern, die Ursachen herauszufinden und an
diejenigen heranzukommen, die dem Töten ein Ende
bereiten können.
Es ist genug geredet worden. Wir sind uns der
Vielschichtigkeit der Lage bewußt. Wir sehen auch,
daß weiterhin unschuldige Menschen sterben. Historische Städte und wertvolle Relikte der westlichen
Kultur zerfallen in Schutt und Asche.

AMERIKA DIENST 19

Unsere heutige Aufgabe besteht darin, unser Augenmerk auf die Hauptverantwortlichen dieser Tragödie
zu lenken. Wir müssen erneut versuchen, der Gewalt
Einhalt zu gebieten, indem wir in deutlichen Worten
unsere kollektive Entrüstung über diese von den
Aggressoren an den Tag gelegte offenkundige Mißachtung der KSZE-Verpflichtungen und menschlicher
Verhaltensnormen zum Ausdruck bringen.
Herr Vorsitzender, aus der ganzen Komplexität tritt
eine eindeutige Tatsache zutage: Die Rolle der politisch Verantwortlichen in Serbien und der sogenannten jugoslawischen Bundesarmee ändert sich nicht.
Es gibt ein festes Verhaltensmuster. Jedes Mal, wenn
ein weiterer Teil derehemaligen jugoslawischen Republik abgetrennt wurde, haben die serbischen Politiker
und die Bundesarmee erneut auf Gewalt zur Verfolgung ihrer politischen Ziele zurückgegriffen. Jedes
Mal, wenn ein historischer Konflikt zu gären begann,
sind die Bundesarmee, serbische Freischärler und
serbisches Material auf dem Schauplatz aufgetaucht.
Das Ziel bestand in der Herbeiführung politischer
Fakten durch Gewalt statt durch Verhandlungen.
Die Vereinigten Staaten bringen ihr tiefempfundenes
Mitgefühl für alle Opfer dieser Tragödie zum Ausdruck.
Wir trauern um die vielen serbischen Opfer dieses
Konflikts. Wir hegen keinen Groll gegen die serbische
Nation oder ihr Volk. Im Gegenteil - unsere Verbindungen zu Serbien bestehen seit langer Zeit. Zehntausende unserer Bürger haben ihre Wurzeln in Serbien.
Darüber hinaus wissen wir die von Serbien im Rahmen
der aktiven Beteiligung Jugoslawiens am KSZE-Prozeß übernommene Rolle zu schätzen.

Seite 1

�Unser Konzept im Hinblick auf die KSZE war stets eher
inklusiv als exklusiv. Die Vereinigten Staaten vertreten
weiterhin die Ansicht, daß die KSZE der Sache des
Friedens am besten als Forum dienen kann, in dem
das Verhalten anhand der in der Schlußakte von
Helsinki festgelegten Normen beurteilt wird. Die KSZE
ist ein Ort des Dialogs. Verletzer dieser Normen
sollten sich die KSZE-Tradition von Überprüfung und
Empfehlung zu eigen machen.

operieren, ist die Bundesarmee die übermächtige
Streitmacht. Es liegt in der Macht der Bundesarmee
und der politisch Verantwortlichen in Serbien, einen
positiven Beitrag zum Frieden zu leisten. Hätten sie
ihre Versprechungen ernst genommen, hätten sie
bereits vor langer Zeit begonnen, einen Waffenstillstand in Bosnien-Herzegowina durchzusetzen. Statt
dessen wurde die Unterstützung von Gewalt und damit
der Einsatz von Gewalt intensiviert.

Trotz dieser Tradition hat meine Regierung vor drei
Wochen als erste den Vorschlag unterbreitet, Serbien
vorübergehend von der Mitgliedschaft in der KSZE
auszuschließen, wenn seine Rolle in dem Konflikt
andauert. Wir haben diesen Schritt unternommen,
weil der Grad der Verletzungen von KSZE-Verpflichtungen wirklich tragische Ausmaße angenommen hatte.
Unseres Erachtens sollte der KSZE Gehör geschenkt
werden. Wir konnten uns keinen besseren Weg denken, der serbischen Führung eine persönliche Botschaft zukommen zu lassen. Eine Schockbehandlung
war erforderlich.

Unsere Verantwortung für die Bewältigung dieser Situation liegt auf der Hand. Das KSZE-Folgetreffen
sollte die Erörterung der Einzelheiten der jugoslawischen Krise fortsetzen, die meine Delegation in dieser
Woche in Arbeitsgruppen vorgeschlagen hat. Bedauerlicherweise standen wir in den meisten Fällen ziemlich alleine da. Diejenigen, die den Dialog als Hauptinstrument der KSZE unterstützen, sollten sich beteiligen. Sonst wird dieses Instrument nutzlos.

Eine Zeitlang sah es so aus, als ob unsere Botschaft
vernommen worden sei. In der vergangenen Woche
wurden wir Zeuge mehrerer Absichtserklärungen. Wir
erörterten die Implikationen eines von Serbien und
Montenegro ausgerufenen neuen Staats. Meine
Regierung hat sich ihre Stellungnahme zum Status
dieser neuen Republik vorbehalten. Wir stimmten
jedoch überein, wenn Bosnien-Herzegowina sich durch
unverzügliche Vollmitgliedschaft in der KSZE ebenfalls an dem Dialog beteiligen könnte, würde es sich als
nützlich erweisen, den serbischen Vertretern den
Verbleib zu gestatten, trotz der unsicheren Rechtsgrundlage für ihre Anwesenheit.
Beim Treffen des Ausschusses Hoher Beamter am 1.
Mai brachten alle Teilnehmerstaaten ihre kollektive
Entschlossenheit zur Intensivierung der Konsultationen und einer detaillierten Überprüfung der Lage in
Bosnien-Herzegowina zum Ausdruck. Wir erklärten
unsere eindeutige Absicht, diese Überprüfung zu
benutzen, um den der Aggression Schuldigen unsere
kollektive Entschlossenheit zu verdeutlichen, der
Aggression Einhalt zu gebieten.
Herr Vorsitzender, das ist unsere heutige Aufgabe.
Die Handlungen seit dem 1. Mai haben den politisch
Verantwortlichen in Serbien und der Bundesarmee
unseren Tadelsbeschluß eingebracht. Es kann nicht
länger irgendein Zweifel an den von diesen politisch
Verantwortlichen begangenen eindeutigen, groben und
nicht behobenen Verletzungen der Schlußakte bestehen. Die Luftangriffe auf Sarajevo, der Beschuß von
den Bergen und die Geiselnahme des Präsidenten von
Bosnien-Herzegowina durch die Bundesarmee haben
den Konflikt noch verschärft.
Obwohl es widersprüchliche Berichte darüber gibt, wer
die Kämpfe an diesem Wochenende begonnen hat
und obwohl auch andere Streitkräfte in der Region
Seite 2

Dieser Dialog sollte jedoch auch in die Praxis umgesetzt werden. Wir sollten diese Überprüfung weiterhin
als Grundlage unserer kollektiven Aktionen im Ausschuß Hoher Beamter benutzen.
Beim Treffen des AHB heute nachmittag sollten wir die
Verantwortung für die Aufgabe übernehmen, die uns
auferlegt wurde. Wir sollten unter Beweis stellen, daß
die KSZE in der Tat das Gremium zur Bewältigung des
Wandels sein kann, das wir in ihr sehen möchten.
Wenn es uns nicht gelingt, uns der heutigen Herausforderung zu stellen, kann kein noch so phantasievolles
Gefüge neuer Strukturen und Mechanismen, ganz zu
schweigen von Visionen komplexer und obligatorischer Rechtsverfahren unser politisches Zögern wettzumachen.
Bei der Sitzung heute nachmittag werden die Vereinigten Staaten die Verabschiedung einer Erklärung vorschlagen, die endgültig zu dem Schluß gelangt, daß
ein Muster eindeutiger, grober und andauernder Verletzungen der KSZE-Verpflichtungen vorliegt. Die
jüngsten Ereignisse lassen keinen Zweifel an der
Existenz solch gravierender Verletzungen. Uns vor
der Verantwortung der Artikulierung dieser offenkundigen Tatsache zu drücken, hieße, die Glaubwürdigkeit
des gesamten Prozesses in Frage zu stellen.
Diese Schlußfolgerung sollte in eine Erklärung aufgenommen werden, die folgende Forderungen umfaßt:
Die unverzügliche Beendigung der Gewalt und
Einhaltung des Waffenstillstands durch alle
Parteien.
Sofortige Beendigung der Unterstützung aller
paramilitärischen Streitkräfte durch die Nachbarländer von Bosnien-Herzegowina.
Unverzüglicher Rückzug der Bundesarmee aus
Bosnien-Herzegowina oder Unterstellung unter
eine rechtmäßige bosnische Regierung.

AMERIKA DIENST 19

�Bereitstellung humanitärer Hilfe für die Bevölkerung von Bosnien-Herzegowina und die Flüchtlinge in der betroffenen Region.

seinen Namen und seinen Sitz in der KSZE erhebt,
erfüllt in keiner Weise die Normen oder Verpflichtungen der KSZE.

Einrichtung sicherer Land-, See- und Luftkorridore zur Sicherstellung, daß wichtige Lebensmittel und unerläßliche medizinische Versorgungsgüter einschließlich der von den Spendern bereitgestellten die betroffene Bevölkerung erreichen.

Bis er dies tut, ist unseres Erachtens noch nicht einmal
die am 1. Mai vereinbarte vorläufige Beteiligung länger
gerechtfertigt. Die serbischen Vertreter sollten von
allen KSZE-Aktivitäten ausgeschlossen werden, bis
wir einen Konsens über ihre erneute Aufnahme erzielen.

Ernsthafte Beteiligung am von der Europäischen Gemeinschaft eingeleiteten Friedensprozeß und uneingeschränkte Unterstützung
der UN-Friedenstruppen sowie der EG-Beobachtermission. In diesem Zusammenhang sprechen die Vereinigten Staaten der Regierung des
Königreichs Belgien ihr aufrichtiges Beileid zum
Tod eines belgischen Mitglieds der EG-Mission
aus. Er war ein echter Diener des Friedens.

Hoffentlich wird unsere Botschaft gehört. Unsere
Überprüfung sollte fortgesetzt werden, sowohl beim
Folgetreffen als auch bei der vor dem 18. Mai anberaumten Sitzung des Ausschusses Hoher Beamter.
Verbessert sich die Situation, sollten wir dies zum
Ausdruck bringen. Falls nicht, sollten wir noch drastischere Maßnahmen in Erwägung ziehen.

Sobald diese Botschaft eindeutig formuliert ist, müssen wir den nächsten logischen Schritt unternehmen.
Die blo ße Wiederholung der Forderung nach Maßnahmen hat sich als nicht ausreichend erwiesen. Es ist an
der Zeit für die Teilnehmerstaaten zu beweisen, daß
sie angesichts von Aggression nicht die Hände in den
Schoß legen. Wir müssen über unsere am 15. April
und 1. Mai abgegebenen Erklärungen hinausgehen
und Sanktionen gegen Serbien verhängen.
Wir vertreten weiterhin die Auffassung, daß die einstweilige Aufhebung der KSZE-Mitgliedschaft den deutlichsten Beweis unserer Entschlossenheit darstellen
würde. Das alte Jugoslawien ist von der Landkarte
verschwunden. Der Staat, der jetzt Ansprüche auf

*

AMERIKA DIENST 19

Herr Vorsitzender, dies sind tragische und enttäuschende Tage für diejenigen, die an die Prinzipien der
KSZE glauben. Es ist deutlich geworden, daß das
Ende der militärischen und ideologischen Konfrontation in Europa die Gefahr ernsthafter Konflikte nicht
beseitigt hat. Jede Minute, die die Krise in Jugoslawien
andauert, ist eine Tragödie für uns. Jeder Tag des
Konflikts schwächt die Vision, die nach wie vor die
grö ßte Hoffnung für dauerhaften Frieden in Europa ist.
Wir dürfen diese Hoffnung nicht aufgeben. Wir dürfen
nicht die Hände in den Schoß legen, während unsere
Prinzipien eindeutig und grob verletzt werden. Die
KSZE kann diese Probleme nicht alleine lösen. Ihre
Mittel sind begrenzt. Aber wir sind die Bewahrer der
Hoffnungen und Werte, die uns stark machen. Auch
dies ist eine wichtige Rolle. Wir dürfen sie in diesem
Augenblick der Krise nicht vernachlässigen.

* * *

*

Seite 3

�UNRUHEN

IN LOS

ANGELES
13. Mai 1992

BUSH: NACH AUSSCHREITUNGEN IN LOS ANGELES
"EHRLICHE AUSSPRACHE" ERFORDERLICH
Videokonferenz mit Zeitungsverlegern - Auszüge
WASHINGTON- (AD)- Präsident Bush hat am 6. Mai 1992 erklärt, nach den schweren Ausschreitungen in Los
Angeles, die im Anschluß an die Entscheidung eines kalifornischen Geschworenengremiums zum Freispruch
von vier weißen Polizisten vom Vorwurf der Mißhandlung des schwarzen Autofahrers Rodney King ausgebrochen waren, sei nun eine "ehrliche Aussprache" erforderlich.
Alle Amerikaner teilten den Wunsch, daß sich "das, was in Los Angeles geschehen ist, niemals wiederholt",
erklärte Bush in einer Videokonferenz beim Kongreß des Verbandes amerikanischer Zeitungsverleger. "Wir alle
möchten die Probleme lösen. Dies ist nicht die Zeit für Schuldzuweisungen. Es ist Zeit für eine ehrliche
Aussprache."
Der "einzige Weg nach vorn" ist Bush zufolge "eine offene nationale Diskussion über Familie, über Werte, über
staatliche Politik und über Rasse. ... Und genau dies gedenke ich in den kommenden Tagen zu tun."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ausführungen des Präsidenten in wesentlichen Auszügen.

Entschuldigen Sie bitte die kurze Verzögerung. Ich
komme gerade von einer unerwartet langen Pressekonferenz mit dem ukrainischen Präsidenten Krawtschuk. Übrigens hatten wir ein wichtiges Treffen, das
meiner Meinung nach sehr erfolgreich verlief. Die
Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und
der Ukraine entwickeln sich weiter, und diese Beziehungen sind sehr wichtig. Ich werde in zwei Stunden
erneut mit ihm zusammentreffen.
Bevor ich auf Ihre Fragen antworte, möchte ich Ihnen
einen kurzen Überblick zum neuesten Stand der Ereignisse in Los Angeles geben. Wenn ich heute auf meine
Ansprache an das amerikanische Volk von Freitag
abend (1. Mai) zurückblicke, denke ich an den Eid, den
ich als Präsident abgelegt habe und den Verfassungsauftrag, die Ruhe im Land aufrechtzuerhalten. Das
eine weiß ich: Wir können und dürfen Gewalt niemals
billigen, denn ohne Frieden kann es keine Hoffnung
geben.
Wir alle sind dankbar dafür, daß unsere Maßnahmen
die Ruhe in Los Angeles wiederhergestellt haben. Die
Kinder gehen wieder zur Schule. Die Stadtbusse
fahren wieder. Das Ausgehverbot wurde aufgehoben.
Und nach dem Schock und Spektakel der vergangenen Woche fühlen wir uns durch die Willenskraft der
Menschen von Los Angeles ermutigt, die sich zusammenschlössen, um ihre Gemeinde in Ordnung zu
bringen.
AMERIKA DIENST 19

Ich möchte kurz darauf eingehen, was wir auf Bundesebene tun, um in Zusammenarbeit mit dem Gouverneur und dem Bürgermeister beim Wiederaufbau zu
helfen. Da ich die Stadt zum Katastrophengebiet
erklärt habe, wird das Bundesamt zur Bewältigung von
Notständen (Federal Emergency Management Agency - FEMA) Einzelpersonen, Familien sowie Stadt und
Landkreis Los Angeles Hilfsmittel zur Verfügung stellen. Einer vorläufigen Schätzung zufolge wird sich
diese Hilfe auf etwa 300 Millionen Dollar belaufen.
Wir werden den am stärksten von der Gewalt betroffenen Menschen direkte Beihilfen gewähren, und zwar
persönliche Beihilfen von bis zu 11.500 Dollar, um
dringenden Bedarf an Nahrungsmitteln, Kleidung und
Medikamenten zu decken. Diese Beihilfen werden
darüber hinaus zur Bereitstellung von Notunterkünften
eingesetzt. Dazu gehören Gelder zur Versorgung mit
Wohnraum für maximal 18 Monate für Familien, die
ihre Wohnung verloren haben oder Geld für die Reparatur gering beschädigter Häuser. Darüber hinaus
helfen wir mit Krisenberatung sowie Arbeitslosenhilfe
für diejenigen, die infolge der Katastrophe ihren Arbeitsplatz verloren haben.
Vor Ort in Los Angeles wurde bereits eine Katastrophendienststelle eingerichtet. Über die gebührenfreie
Rufnummer des FEMA können Gesprächspartner in
englischer, spanischer, chinesischer, thailändischer,

Seite 1

�koreanischer und laotischer Sprache erreicht werden.
Darüber hinaus wird das FEMA dem Staat Kalifornien
und der Gemeindeverwaltung helfen, um die für das
tägliche Leben unerläßlichen öffentlichen Dienstleistungen wie Wasser- und Stromversorgung wiederherzustellen. Dies ist ein gemeinsames Programm,
ein Programm der Zusammenarbeit zwischen Bundesregierung, Bundesstaat und Gemeinde.
Neben diesen Notbeihilfen werden wir durch das Amt
für mittelständische Unternehmen Katastrophendarlehen von bis zu 500.000 Dollar für geschäftliche Verluste gewähren, die von den Versicherungen nicht
übernommen werden sowie bis zu 100.000 Dollar für
Eigenheimbesitzer und Mieter für nichtgedeckte Schäden. Vorläufigen Schätzungen zufolge werden Darlehen von etwa 300 Millionen Dollar im Gebiet von Los
Angeles vergeben werden.
Schließlich hat das Landwirtschaftsministerium die
Lieferung von über 2.000 Kisten Frühstückskost, über
2.000 Kisten Babynahrung sowie nahezu 250 Kisten
Magermilchpulver veranlaßt und wird weiterhin den
Nahrungsmittelbedarf in Los Angeles beobachten.
Insgesamt beläuft sich die gesamte Bundeshilfe zur
beschleunigten wirtschaftlichen Erholung in Los Angeles auf schätzungsweise 600 Millionen Dollar.
Ich werde heute abend nach Kalifornien reisen, um
mich aus erster Hand über die Lage in Los Angeles zu
informieren. Ich werde dort mit Mitgliedern der Gemeinde zusammentreffen, um zu erörtern, wie wir
weiter am Aufbau einer Zukunft der Hoffnung, des
Verständnisses und der Toleranz arbeiten können einer Zukunft, in der kein Platz für Haß ist. Das ist eine
Geschichte, die wir alle sicherlich gedruckt sehen
möchten.
Ich möchte folgendes zu dem Wunsch aller Amerikaner sagen, daß sich das, was in Los Angeles geschehen ist, niemals wiederholt. Wir alle möchten die
Probleme lösen. Dies ist nicht die Zeit für Schuldzuweisungen. Es ist Zeit für eine ehrliche Aussprache.
Und Tatsache ist, daß in den vergangenen Jahrzehnten die Ausgaben gestiegen sind, die Zahl der Programme gewachsen ist, aber trotzdem, seien wir ehrlich: das hat nicht viele der grundlegenden Probleme
gelöst, die unsere Städte plagen. Wir brauchen eine
ehrliche, offene nationale Diskussion über Familie,
über Werte, über staatliche Politik und über Rasse.
Das ist der einzige Weg nach vorn. Und genau dies
gedenke ich in den kommenden Tagen zu tun.
Ich werde niemals vergessen, wie mich Bürgermeister
Bradley von Los Angeles mit anderen Bürgermeistern
vor wenigen Monaten besuchte. Und wie alle anderen
- Bürgermeister von Klein- und Großstädten - verwies
er darauf, daß der Zerfall der Familie, die Auflösung
der amerikanischen Familie, den Problemen zugrundeliegt, mit denen die Städte konfrontiert sind. Und wir
müssen Wege finden, um die amerikanische Familie

Serie 2

zu stärken. Barbara tut dies, indem sie Eltern dazu
ermutigt, ihren Kindern vorzulesen, und wir versuchen
dies durch unser Bildungsprogramm zu tun sowie
durch die Überholung des Sozialhilfesystems, das in
der Vergangenheit Familien ermutigt hat, getrennt zu
leben. Aber die Familie ist bei all dem von Bedeutung.
Und schließlich, so möchte ich noch anmerken, gilt das
auch für den Privatsektor. Peter Ueberroth hat mir
gestern mit großem Optimismus erläutert, wie der
Privatsektor sich jetzt in einigen dieser Gebiete engagieren kann, um Arbeitsplätze zu schaffen, die ihnen
Hoffnung fürdie Zukunft geben werden, nicht nur einen
Mechanismus zum Kitten der Probleme, sondern echte
Hoffnung für die Zukunft.
Ich gehe also mit Optimismus an die Arbeit. Ich weiß,
daß wir mehr leisten müssen. Das ganze Land muß
mehr leisten. Und ich freue mich darauf, dorthin zu
reisen und dann dem Land einige Empfehlungen über
die zu treffenden Maßnahmen zu unterbreiten.
Frage: Die New York Times behauptet in ihrem
heutigen Leitartikel, daß die Ausgaben für Direkthilfe
an die Städte inflationsbereinigt seit 1981 um 60 Prozent zurückgegangen sind. Erstens, wie erklären Sie
diese Statistik den Menschen in Los Angeles, die Sie
bald treffen werden? Und zweitens, wenn viele von
ihnen im letzten Jahrzehnt einen drastischen Rückgang ihrer wirtschaftlichen Chancen erlebt haben,
dann werden sie sicherlich wissen wollen, ob die
jüngsten Ereignisse Sie davon überzeugt haben, Ihre
Strategien in bezug auf Bundeshilfen für die Städte zu
überdenken.
Antwort: Nun, erstens würde ich den Leitartikel der
New York Times gern selbst sehen. Ich habe den
Direktor des Haushaltsbüros (OMB) gebeten, mir die
Summen zu nennen, um die die Bundesausgaben
erhöht wurden, und sie wurden drastisch erhöht. Wir
werden vielleicht danach beurteilt, ob man Geld in
diese hoffnungslosen Projekte aus Ziegeln und Mörtel
stecken sollte, wie wir sie zum Beispiel in St. Louis
verkommen sahen und die jedermann der Menschenwürde berauben.
Wenn Sie ein solches Programm herausgreifen und
sagen, daß die Ausgaben gesunken sind, so haben Sie
Recht. Was wir versucht haben, war, sie auf unterschiedliche Weise zur Geltung zu bringen. Wir haben
es mit ungebundenen Zuschüssen versucht, die es
den einzelnen Gemeinden gestatten, es selbst besser
zu machen. Aber insgesamt kann ich Ihnen versichern, daß die Ausgaben gestiegen sind. Ich müßte
also genau sehen, wovon die New York Times da
spricht.
Wie lautete der zweite Teil Ihrer Frage?
Frage: Der zweite Teil lautete, daß viele Menschen in
Los Angeles im vergangenen Jahrzehnt tatsächlich
erhebliche Einbußen ihrer wirtschaftlichen Chancen
AMERIKA DIENST 19

�hinnehmen mußten. Diese Menschen werden sicherlich wissen wollen, ob die jüngsten Ereignisse Sie
davon überzeugt haben, Ihre Strategien zur Vergabe
von Bundeshilfen an die Städte zu überdenken.

Ich werde alles tun, was die Bundesregierung vermag,
um die örtliche Polizei, die Bürgermeister, die Gouverneure bei ihren Hilfsanforderungen zur Bewahrung
des Friedens zu unterstützen. Das ist ein Punkt.

Antwort: Wir sollten sicherlich den Status quo der
Bundeshilfen an die Städte überdenken. Und das war
ein Gesichtspunkt, als wir den Menschen das HOPEProgramm zum Eigenheimerwerb (Home Ownership
for People Everywhere) oder die Einrichtung von
Gewerbezonen anboten, um Gewerbebetriebe in den
Gemeinden anzusiedeln. Wie ich bereits sagte, ist
dies meines Erachtens nicht die Zeit für Schuldzuweisungen. Es ist vielmehr eine Zeit, umzudenken und
zur Bewältigung der Probleme der Städte einige neue
Ideen auszuprobieren. Wir alle sind doch wohl der
Meinung, daß es nicht funktioniert hat. Es hat in den
vergangenen 10 Jahren nicht funktioniert, und dasselbe gilt auch für die vergangenen 30 Jahre.

Und dann der andere: Was sollen wir tun,, um die
Probleme zu lösen? Wie bringen wir Hoffnung dorthin,
wo Hoffnungslosigkeit herrschte? Meine Aufgabe
besteht nun darin, ein Paket von Antworten zu finden,
die diesen Menschen, von denen Sie sprechen, die
Chance geben, etwas Neues zu versuchen. Und da
bin ich nicht pessimistisch. Ich bin wirklich der Ansicht,
daß in unserem Land aus Verzweiflung oder Düsternis
manchmal echte Chancen erwachsen. Und deshalb
werde ich in diesem Sinne an das Problem herangehen, ohne Groll in meinem Herzen, und alles in unserer
Macht Stehende tun, um zu helfen.

Wir müssen also alles in unserer Macht Stehende tun.
Ich muß jedoch wegen meiner Besorgnis über das
erschreckende Defizit im Bundeshaushalt stets im
Auge behalten, wie viele Dollar in der Gemeinde zur
Geltung kommen können. Und das ist einer der
Gründe dafür, daß mir die Ausführungen Peter Ueberroths gefallen - worüber wir zu sprechen versucht
haben bei den Punkten des Lichts, Menschen, Nachbarn, die anderen Nachbarn helfen, bei ungebundenen
Zuschüssen und dem Abbau gesetzlich vorgeschriebener Programme.
Einer der Punkte, bei denen ich neben anderen mit den
Leitartikeln der New York Times nicht übereinstimme,
betrifft das Konzept vorgeschriebener Programme.
Wissen Sie, jeder Gouverneur kommt nach Washington und sagt, bitte schreiben Sie nicht noch mehr
Programme vor. Bitte verabschieden Sie keine Programme, die mir als Gouverneur oder meinen Bürgermeistern vorschreiben, wie sie das Geld auszugeben
haben. Wir haben also einen Vorschlag für einen
erheblichen ungebundenen Zuschuß, der seit einiger
Zeit im Kongreß anhängig ist, und vielleicht ist es jetzt
an der Zeit, sich zu besinnen und diesen aufzugreifen.
Ich würde ihnen also sagen: Ich bin mit dem Status quo
nicht zufrieden, und sicherlich sind auch Sie mit dem
Status quo unzufrieden, also laßt uns ein paar neue
Ideen ausprobieren. Laßt uns Veränderungen versuchen. Und dies ist nicht die Zeit für Demagogie oder
Schuldzuweisungen. Meines Erachtens ist es Zeit, die
Situation sensibel und vernünftig zu analysieren, zu
tun, was ich hier vorgeschlagen habe, also die Ressourcen des Bundes bei diesem Problem zur Geltung
zu bringen und dann zu sagen: Laßt uns eine neue
Seite aufschlagen und sehen, was gesunden wird.
Dabei sollten wir stets im Gedächtnis behalten, da ß wir
Gesetzlosigkeit und Gewalt nicht in Kauf nehmen
dürfen. Wir können dies also trennen.

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Und ich muß Ihnen sagen, daß ich über die Reaktion
des Gouverneurs und des Bürgermeisters auf die
Antwort der Bundesregierung hocherfreut bin. Es ist
nicht leicht, wenn man die Bundesregierung als Partner wünscht, denn man möchte verhindern, daß sie
eine dominierende Stellung einnimmt. Ich gehe davon
aus, daß wir bei der Beendigung der Gewalt richtig
gehandelt haben, und ich hoffe, wir werden auch bei
unserer Hilfe für die Menschen richtig handeln, die
ihrer dringend bedürfen.
Frage: Sie haben angedeutet, daß unser heutiges
Sozialhilfesystem einige grundlegende Schwächen hat
und diese mit der Krise in Los Angeles in Zusammenhang stehen. Welche präzisen Ideen haben Sie zur
Reform der Sozialhilfe, und wie werden diese sich auf
die Krise auswirken?
Antwort: Die beste Antwort zur Reform der Sozialhilfe
besteht darin, den Bundesstaaten mehr Spielraum für
Innovationen zu geben. Und genau dies haben wir
gerade im Staat Wisconsin getan. Wir haben andere
Staaten aufgefordert, ebenfalls Anträge zu stellen,
damit auch sie Innovationen einführen können.
Die Rolle des Bundes besteht also hauptsächlich
darin, den Staaten die erforderliche Flexibilität zu
geben. Meiner eigenen Philosophie liegt jedoch der
Gedanke zugrunde, Anreize zum Arbeiten und Anreize zum Lernen zu geben. Und bei diesem Programm
sollten wir wirklich Fortschritte machen, denn darin
liegt meines Erachtens die Antwort. Ich glaube nicht,
daß sich von Washington aus eine allgemeingültige
Sozialhilfegesetzgebung entwickeln läßt. Wir müssen
diese Haltung überwinden. Und gerade in einem
Wahljahr ist es schwierig, wenn man all die Versprechen großartiger Pläne hört, die nur zu Mehrausgaben
des Bundes führen.
Es tut mir leid, aber ich glaube nicht, daß die zentralisierten Antworten des Bundes funktionieren, und ich
glaube nicht, daß sie von den Menschen unterstützt

Seite 3

�werden sollten, die in der Zukunft darunter zu leiden
hätten. Bei der Sozialhilfe versuchen wir es also mit
diesem breiteren, dezentralisierten Ansatz, dem die
Philosophie zugrundeliegt, die ich Ihnen gerade erläu-

tert habe. Ich glaube, er wird beim amerikanischen
Volk auf positive Resonanz stoßen, und ich wünsche
denjenigen in Wisconsin, die gerade auf dieser Grundläge zu arbeiten beginnen, Erfolg mit diesem Ansatz.

fc Je fc 9c fc

Seite 4

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�UNRUHEN

IN

LOS

ANGELES
13. Mai 1992

MEINUNGSUMFRAGEN ZUM KING-URTEIL
Große Mehrheit von Weißen und Schwarzen gegen Freispruch
WASHINGTON - (AD) - Einer am 6. Mai 1992 veröffentlichten Meinungsumfrage der Los Angeles Times
zufolge und laut nationalen Erhebungen, die nach dem
Urteil im Rodney-King-Prozeß durchgeführt wurden,
lehnt eine klare Mehrheit weißer und schwarzer Amerikaner den Beschlu ß der Geschworenen eindeutig ab,
die weißen Polizisten vom Vorwurf der schweren
Mißhandlung freizusprechen. Die Mehrheit für die
Kritiker war jedoch bei Weißen geringer als bei Schwarzen.
In nach dem Urteilsspruch durchgeführten getrennten
Umfragen erklärten über 90 Prozent der Afro-Amerikaner und über 60 Prozent der weißen Amerikaner, sie
lehnten den Geschworenenspruch ab. Eine Mehrheit
der Weißen und Schwarzen meinte ferner, das USJustizministerium solle die weißen Polizisten wegen
Verletzung der Bürgerrechte von Rodney King anklagen.
Den amerikanischen Gesetzen zufolge ist dies eine
getrennte Anklage, die vom Bund erhoben wird. Die
Polizeibeamten würden nicht erneut der Mißhandlung
von Rodney King angeklagt, da diese Beschuldigung
bereits von dem kalifornischen Gerichtshof behandelt
wurde. Statt dessen würde vor einem Bundesgericht
Anklage wegen der Verletzung von Rodney Kings
Bürgerrechten erhoben. Einer der Polizeibeamten
könnte erneut wegen eines Anklagepunkts belangt
werden, bei dem sich die Geschworenen des kalitonischen Gerichts nicht einigen konnten.

2. Gallup/Newsweek: "Glauben Sie aufgrund dessen,
was Sie über den Mißhandlungsfall Rodney King wissen, daß der Freispruch der weißen Polizisten gerechtfertigt war oder nicht?"
Weiße Schwarze
Ungerechtfertigt

73%

92%

Gerechtfertigt

12%

4%

Keine Meinung

15%

4%

3. ABC/Washington Post: "Meinen Sie aufgrund
dessen, was Sie wissen, daß man die Polizisten im Fall
Rodney King eines Verbrechens schuldig hätte sprechen sollen, oder wissen Sie nicht genug, um das zu
sagen?"
Weiße

Schwarze

64%

92%

Unschuldig

5%

1%

Weiß nicht

31%

7%

Schuldig

Neue Anklage
1. Gallup/Newsweek: "Die Bundesregierung könnte
den Bürgerrechten zufolge weitere Schritte gegen die
an dem Fall beteiligten Polizisten unternehmen. Würden
Sie solche Schritte begrüßen?"
Weiße Schwarze

Nachfolgend die Resultate nationaler Meinungsumfragen im einzelnen:

Ja

77%

91%

Das Urteil

Nein

17%

6%

1. Time-CNN/Yankelovich: "Wie hätten Sie abgestimmt, wenn Sie Mitglied der Jury gewesen wären?"

Keine Meinung

6%

3%

Weiße Schwarze
Schuldig

62%

92%

4%

2%

34%

6%

Nicht schuldig
Unsicher

AMERIKA DIENST 19

Seite 1

�2. ABC/Washington Post: "Meinen Sie, das USJustizministerium sollte diese Polizeibeamten wegen
der Verletzung der Bürgerrechte von Rodney King
belangen oder nicht?"
Weiße Schwarze
Sollte belangen

63%

97%

Sollte nicht

17%

1%

Weiß nicht

20%

2%

Die nationalen Daten ähneln denen, die sich in der
Meinungsumfrage der Los Angeles Times für das
Gebiet von Los Angeles ergaben. Die Zeitung berichtete am 6. Mai 1992, daß 7 1 % der Bewohner von Los
Angeles den Urteilsspruch ablehnten - 58% der Weißen und 93% der Schwarzen. Nahezu drei Viertel
gaben an, zu der Jury von Skni Valley hätten auch
Schwarze gehören sollen. Rund 90% der Befragten
begrüßten die Entscheidung des US-Justizministeriums zu ermitteln, ob die Polizisten die Bürgerrechte
Rodney Kings verletzt haben.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 19

�UMWELT
13. Mai 1992

KLIMAKONVENTION FÜR GIPFEL
IN RIO VERABSCHIEDET
Abkommen soll Erderwärmung aufhalten
NEW YORK - (AD) - Unterhändler aus über 140
Staaten haben am 9. Mai 1992 eine Konvention über
Klimaveränderungen verabschiedet, die ein Programm
zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen umta ßt und die Industriestaaten verptlichtet, den Entwicklungsländern bei der Erarbeitung von Plänen tür
umweltverträgliches Wirtschaftswachstum zu helfen.
Dem Stellvertretenden Abteilungsleiter im US-Außenministerium, Robert Reinstein, zufolge spiegelt die
Konvention "grundsätzlich wider, wo wir heute wissenschaftlich, technisch, wirtschaftlich und politisch stehen. Es ist der richtige Start für langfristige Bemühungen. Meines Erachtens werden wir diese Fragen
besser verstehen, wenn wir diesen Weg weiterverfolgen."
Der Text der Konvention, der im Rahmen der UNKonferenz über Umwelt und Entwicklung in Rio de
Janeiro im Juni zur Unterzeichnung ansteht, wurde am
Ende eines 10tägigen Sitzungsmarathons aufgrund
einer Konsensentscheidung verabschiedet und mit
starkem Applaus begrüßt. Die New Yorker Konferenz
hatte versucht eine Formel zu entwickeln, die trotz der
unterschiedlichen Interessen von Industriestaaten und
Entwicklungsländern für alle annehmbar ist.
Binnen Minuten nach der Verabschiedung bezeichnete Malaysia den Text als "grundsätzlich fehlerhaft" und
erklärte, es könne sich an keinen Maßnahmen beteiligen, die aus dieser Konferenz resultierten. Dagegen
bot Deutschland an, das erste Treffen der Vertragsparteien auszurichten.
Der amerikanische Chefunterhändler Reinstein geht
davon aus, daß die Konvention ein effektives Mittel
darstellt, um das Problem der Erderwärmung zu behandeln.
"Es ist ein äußerst ausgewogenes Paket", erklärte er.
"Es spiegelt nicht den Konsens aller Parteien wider,
das wissen wir alle, aber es stellt einen hervorragenden Versuch dar, die verschiedenen Ansichten gegeneinander abzuwägen."

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"Grundsätzlich handelt es sich um eine prozeßorientierte Konvention", stellte Reinstein fest. "Diese Konvention umreißt ein Programm, demzufolge die Länder
Berichte darüber vorlegen, was sie tun, um die Klimaveränderungen in den Griff zu bekommen - entweder
durch Reduzierung der Nettoemissionen oder durch
Anpassung ... Sie sieht Überprüfungen und Bewertung dieser Bemühungen durch die anderen Länder
vor."
Das Ziel des Abkommens ist die Stabilisierung der
Konzentrationen von Treibhausgasen in der Atmosphäre auf einem Niveau, das gefährliche künstliche
Eingriffe in das Klimasystem verhindern würde. Dieses Niveau sollte "innerhalb eines Zeitrahmens erreicht werden, der so gesteckt ist, daß er den Ökosystemen die natürliche Anpassung an die Klimaveränderungen gestattet, um sicherzustellen, daß die Nahrungsmittelproduktion nicht gefährdet ist und zu gewährleisten, daß wirtschaftliche Entwicklung in umweltverträglicher Weise voranschreitet", so der Text.
Die Industriestaaten werden verpflichtet, bei der
Modifizierung künstlich produzierter Emissionen von
Kohlendioxid und anderen Treibhausgasen die Führungsrolle zu übernehmen. Dabei wird anerkannt, daß
ein Einfrieren dieser Emissionen auf dem Stand von
1990 zur Stabilisierung beitragen würde.
Die Konvention stellte ein fein austariertes Gleichgewicht zwischen Industriestaaten, Ländern der dritten
Welt und Ländern her, deren Volkswirtschaften sich im
Übergang befinden, wie etwa in Osteuropa. Verschiedene Interessengruppen hatten versucht, auf die
Unterhändler Einfluß zu nehmen, darunter Umweltschützer, die einen schärferen Vertrag mit Obergrenzen für Emissionen wollten sowie einige Industriebranchen, die am liebsten gar keinen Vertrag gehabt hätten.
Der Vorsitzende des Verhandlungskomitees, Jean
Ripert, erklärte, die Konvention sei "ein Schritt, nur ein
Schritt, aber ein entscheidender". Er erkannte an, daß
die Konvention Umweltschützer mit "einer Vision",

Seite 1

�nicht befriedigen werden, die eine Beschleunigung des
Prozesses wünschten. Er argumentierte jedoch, daß
"über 100 Regierungen eine konkrete Zusammenarbeit ... einleiten werden, nicht nur durch Unterzeichnung und Verabschiedung von Erklärungen, sondern
durch Beteiligung an einem Aktionsprozeß".
Auf Fragen über die Sprachregelung der Konvention,
die der Frage von Emissionszielen für das Jahr 2000
ausweicht, antwortete Ripert, der Text weise "konstruktive Mehrdeutigkeiten" auf, die komplexe wissenschaftliche Phänomene, wirtschaftliche Erwägungen,
unterschiedliche Bedingungen und nationale Empfindlichkeiten berücksichtigten.
"Das Ziel sind nicht Richtwerte", erklärte er. "Letztlich
ist wichtig, daß nicht nur Europäer und Amerikaner,
sondern auch die Japaner und andere in die gleiche
Richtung blicken."
Reinstein zufolge betrachten die Vereinigten Staaten
die Erwähnung der Emissionswerte von 1990 als die
Art von Bezugsgröße, die erforderlich ist, "wenn man
aktiv werden, nationale Maßnahmen ergreifen und
entsprechende Schritte unternehmen will".
Die Zahl von 1990 wird benutzt werden um festzustellen, "ob wir im Vergleich zu dieser Bezugsgröße Fortschritte gemacht haben. Es handelt sich nicht um eine
rechtliche Verpflichtung, genau zu diesem Niveau
zurückzukehren", stellte er fest.
Reinstein nannte die Konvention "ein Paket (mit) einer
Interdependenz aller Elemente", das "dem Rest der
Welt die Botschaft übermittelt, daß wir ... bei der
Bewältigung des Klimawandels zu Fortschritten bereit
sind".
"Es ist einem Kartenhaus vergleichbar", erklärte er.
"Wir haben es geschafft, es aus individuellen nationalen Positionen zusammenzusetzen, die ziemlich verschieden waren. Trotz der Differenzen, mit denen wir
hier anreisten, haben wir ein bemerkenswertes Maß
an Übereinstimmung zu der Art von Kompromiß erreicht, der aus den Verhandlungen hervorgehen kann."
Reinstein wies Behauptungen zurück, daß die Konvention mit den amerikanischen Forderungen übereinstimme.
"Wir sind einige Kompromisse eingegangen", stellte er
fest. "Der Text... beinhaltet Kompromisse der Vereinigten Staaten ebenso wie seitens der meisten anderen Länder. Der Text wird kaum der Position irgendeines Landes entsprechen. Die Länder kamen mit einer
Vielzahl von Positionen zu einer Vielzahl von Aspekten
an den Verhandlungstisch ... Wir haben versucht, ein
Gleichgewicht bei den Emissionszusagen, den Finanzierungszusagen, der Berichterstattung, Überprüfung
und so weiter zu finden."

Seite 2

Eine der wichtigsten Stärken des Vertrags ist der
Folgeprozeß, der systematische Überprüfungen sowie einen Dialog zwischen Wissenschaftlern, politischen Entscheidungsträgern und Wirtschaft vorsieht.
Der Exekutivsekretär des Verhandiungskomitees,
Michael Zammit Cutajar, erklärte, der Vertrag sei "ein
Kompromiß, der breite Beteiligung an dem eingeleiteten Prozeß gestartet, und Beteiligung ist das Wesentliche. Meines Erachtens werden so alle wichtigen
Parteien einbezogen."
Die Konvention sieht ein Leitungsgremium sowie einen langfristigen Prozeß zur ständigen Überprüfung
von Maßnahmen und die Einbeziehung neuer wissenschaftlicher Daten vor. Die erste Konferenz würde
sechs Monate nach Inkrafttreten des Vertrags veranstaltet. (Der Vertrag tritt drei Monate nach seiner
Ratifizierung durch mindestens 50 Staaten in Kraft.)
Eine zweite offizielle Konferenz würde demnach im
Jahr 1998 stattfinden, um die von den einzelnen Ländern erzielten Fortschritte zu erörtern. Sie würde
darüber hinaus eine Gelegenheit bieten festzustellen,
welche weiteren Beschlüsse oder Vereinbarungen
angesichts des größeren technischen Verständnisses
der Klimaveränderungen und der wirtschaftlichen Folgen
von Reaktionen darauf erforderlich sein könnten.
Obwohl keine spezifische Summe für die Hilfe an
Entwicklungsländer festgesetzt wird, verpflichtet der
Vertrag die Industriestaaten dazu, die Entwicklungsländer bei der Überprüfung ihrer Lage, Entwicklung
von Plänen und Durchführung von Maßnahmen zu
unterstützen, die bei der weltweiten Reaktion auf die
Klimaveränderungen hilfreich wären. In der Februarrunde der Verhandlungen über den Vertrag sagten die
Vereinigten Staaten 25 Millionen Dollar zu, um den
Ländern bei der Erstellung nationaler Berichte zu
helfen sowie weitere 50 Millionen Dollar für die globale
Umweltfazilität (GEF) von Weltbank, UN-Entwicklungsprogramm und UN-Umweltprogramm.
Die Delegierten waren außerstande, in der vor Rio zur
Verfügung stehenden Zeit die Differenzen darüber
auszuräumen, wie die Industriestaaten langfristig finanzielle und technische Hilfe leisten sollen. Die
vorgeschlagene Konvention sieht vor, die Einzelheiten
bei der ersten Konferenz der Vertragsparteien auszuarbeiten. In der Zwischenzeit wird die Finanzierung
durch die GEF erfolgen. Die Industriestaaten können
ferner auf bilateraler oder regionaler Basis sowie durch
andere multilaterale Kanäle Hilfe bereitstellen.
Darüber hinaus wurde eine Resolution für die im
September beginnende 47. Sitzungsperiode der
Generalversammlung erarbeitet. Sie würde ein Adhoc-Sekretariat ins Leben rufen, das vor Inkrafttreten
des Vertrags die Arbeit aufnehmen soll. Das Sekreta-

AMERIKA DIENST 19

�riat würde sich mit den Durchführungsverfahren, den
Mitteln für die Einbeziehung wissenschaftlicher Daten
und anderen Aufgaben beschäftigen, die der ersten
Konferenz der Vertragsparteien die Arbeitsaufnahme
erleichtern würden.
Diese Übergangsmechanismen sind Reinstein zufolge notwendig, da "es für die bereits zugesagten Gelder
sonst keine Möglichkeit gibt ... unmittelbar in den
Entwicklungsländern wirksam zu werden. Ansonsten
müßten wir vielleicht drei, vier oder sechs Jahre warten."
Bei einer Pressekonferenz zum Ende der Verhandlungen wies Reinstein ferner Anschuldigungen zurück,
die Vereinigten Staaten hätten die Führungsrolle beim
Umweltschutz abgegeben, die sie 1972 innehatten.
"Wir haben immer noch den Idealismus, der zur ersten
Umweltkonferenz in Stockholm führte", erklärte er.
"Aber heute besitzen wir 20 Jahre Erfahrung und die
Erkenntnis, daß Umwelt kein abstraktes Ideal an und
für sich ist, sondern ein integraler Bestandteil der
gesamten menschlichen Erfahrung in Zusammenarbeit mit unserem Zuhause, der Erde und all den
anderen Geschöpfen, mit denen wir sie teilen."

*

AMERIKA DIENST 19

*

Reinstein zufolge geht es bei der bevorstehenden
Konferenz in Rio de Janeiro "nicht nur um die Umwelt,
sondern darum, wie wir unsere Umweltideale mit all
den anderen Aspekten in Einklang bringen, mit denen
wir uns hier auseinandersetzen müssen - das heißt
Wirtschaft, Nahrungsmittel, Bekleidung, Unterkunft,
Armut, wirtschaftliche Entwicklung".
"Was die Vereinigten Staaten nach Rio mitbringen, ist
eine beachtliche Erfahrung bei dem Versuch, diese
Integration in den Vereinigten Staaten durchzuführen
und der Erkenntnis, daß es nicht immer so einfach ist,
sich für ein umweltpolitisches Ziel einzusetzen ohne zu
berücksichtigen, daß es in das Gesamtbild von Gehaltsschecks und Essen auf dem Tisch eingeordnet
werden muß", erklärte er.
Reinstein mahnte die Reporter, die amerikanische
Haltung nicht als sorglos zu interpretieren: "Meines
Erachtens sehen die Leute einen gewissen Pragmatismus, der mit Verschleppungstaktik verwechselt wird."
Reinstein fügte hinzu: "Wir müssen in die Zukunft
blicken. Wir haben hier etwas für die Zukunft geschaffen, für künftige Generationen, das viele Möglichkeiten
zur Partnerschaft zwischen allen Staaten bietet."

*

*

Seite 3

�WAHLEN

'9 2
13. Mai 1992

ZWISCHENBERICHT ZU DEN WAHLEN '92
Anzahl der Delgierten und Ergebnisse der Vorwahlen
WASHINGTON - (AD) - Die nachfolgend veröffentlichte inoffizielle Übersicht zeigt die Anzahl der Delegierten,
über die jeder Kandidat zum gegenwärtigen Zeitpunkt (7. Mai) des US-Wahlprozesses verfügt sowie die
Ergebnisse der Vorwahlen vom 5. Mai in North Carolina, Indiana und District of Columbia.

Demokraten (zur Nominierung erforderlich: 2.1 45)

Indiana

Clinton

Demokraten

Prozentsatz der Stimmen

1.665

Nicht gebunden

627

Clinton

63

Tsongas

526

Brown

21

Brown

349

Tsongas

12

Republikaner (zui' Nominierung erforderlich: 1 .105)

Sonstige

4

Bush

Republikaner

Prozentsatz der Stimmen

Bush

80

Buchanan

20

1.211
68

Buchanan
Nicht gebunden

8

Ergebnisse der Vorwahlen vom 5. Mai

District of Columbia

Die nachfolgende Übersicht zeigt den Prozentsatz der
Stimmen, die jeder Kandidat bei den Vorwahlen am 5.
Mai erhalten hat.

Demokraten

Prozentsatz der Stimmen

Clinton

74

North Carolina

Brown

7

Demokraten

Prozentsatz der Stimmen

Tsongas

10

Clinton

64

Unentschieden

Brown

10

Republikaner

Prozentsatz der Stimmen

9

Tsongas

8

Bush

81

Sonstige

3

Buchanan

19

Unentschieden
Republikaner

15
Prozentsatz der Stimmen

Bush

70

Buchanan

10

Unentschieden

20

AMERIKA DIENST 19

Seite 1

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                <text>Amerikadienst 13.05.1992</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. USA-Europa&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die transatlantischen Beziehungen: eine stabile Grundlage für die Zukunft Europas&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Kimmitt&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. KSZE&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA fordern einstweiligen Ausschluss Serbiens aus der KSZE&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Kornblum beim KSZE-Folgetreffen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Unruhen in Los Angeles&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush: Nach Ausschreitungen in Los Angeles "ehrliche Aussprache" erforderlich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Videokonferenz mit Zeitungsverlegern&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Meinungsumfragen zum King-Urteil&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Große Mehrheit von Weißen und Schwarzen gegen Freispruch&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Umwelt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Klimakonvention für Gipfel in Rio verabschiedet&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Abkommen soll Erderwärmung aufhalten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Wahlen'92&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zwischenbericht zu den Wahlen'92&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Anzahl der Delegierten und Ergebnisse der Vorwahlen&lt;/em&gt;</text>
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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

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20

20. Mai 1992

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Oeichmanns Aue 29

5300 Bonn 2

UMWELT

BUSH WIRD AN UMWELTGIPFEL IN RIO
TEILNEHMEN
Erklärung des Präsidenten

VEREINIGTE STAATEN SEHEN GUTE
CHANCEN FÜR ABKOMMEN IN RIO
Verhandlungen vor Abschluß

RIAS BERLIN KOMMISSION

IM GEISTE VON RIAS
Ansprache von Botschafter Kimmitt
in Berlin
DIE RIAS BERLIN KOMMISSION
Eine Übersicht

SOZIALPOLITIK

ARMUT IN AMERIKA TROTZ PROBLEMEN
IN INNENSTÄDTEN RÜCKLÄUFIG
Erster einer Reihe von Artikeln zur
US-Sozialpolitik

SOZIALVERSICHERUNG BEHEBT ARMUT
UNTER ÄLTEREN AMERIKANERN
Zweiter einer Reihe von Artikeln zur
US-Sozialpolitik

WAHLEN '92

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

ZWISCHENBERICHT ZU DEN WAHLEN '92
Anzahl der Delegierten und Ergebnisse
der Vorwahlen

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�UMWELT
20. Mai 1992

BUSH WIRD AN UMWELTGIPFEL IN RIO TEILNEHMEN
Erklärung des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush hat dem Präsidenten von Brasilien und Vertretern der Vereinten Nationen
mitgeteilt, er werde an der im Juni in Rio de Janeiro stattfindenden UNO-Konferenz über Umwelt und Entwicklung
teilnehmen.
In einer am 12. Mai veröffentlichten Erklärung zu seinem Entschluß stellte Bush fest, er begrüße die am
vorausgegangenen Wochenende verabschiedete Rahmenkonvention über die Klimaveränderungen. Er zählte
eine Reihe von Maßnahmen der Vereinigten Staaten im letzten Jahrzehnt auf, die bewiesen hätten, daß der
Schutz der Umwelt und die Förderung von Wirtschaftswachstum Hand in Hand gehen können.
Darüber hinaus stellte der Präsident fest, daß die Konferenz in Rio neben den Klimaveränderungen auch
Fortschritte beim Schutz der Meere und der darin lebenden Organismen erzielen, die Beteiligung der
Öffentlichkeit am umweltpolitischen Entscheidungsfindungsprozeß fördern und die Wälder der Erde schützen
sollte.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung des Präsidenten im Wortlaut.
Ich habe gerade Präsident Collor von Brasilien, den
Generalsekretär der UNO, Boutros Ghali und den
Generalsekretär der UNO-Konferenz über Umwelt und
Entwicklung (UNCED), Maurice Strang, davon unterrichtet, daß ich an der Konferenz von Rio Anfang Juni
teilnehmen werde. Die heutigen Umweltprobleme sind
weltweiter Natur - und jedes Land muß dabei helfen,
sie zu lösen.
Wie die Vereinigten Staaten seit über zwei Jahrzehnten demonstriert haben, können der Schutz der Umwelt
und die Förderung von Wirtschaftswachstum Hand in
Hand gehen - in der Tat entspricht es unserer Überzeugung, daß sie Hand in Hand gehen müssen. In den
frühen achtziger Jahren haben wir stufenweise verbleites Benzin abgeschafft. Andere Länder sind gerade
dabei, diesem Beispiel zu folgen. Wir haben Treibgase
bereits im Jahr 1978 abgebaut, und dieses Jahr haben
wir den völligen Abbau von FCKW bis zum Jahr 1995
angekündigt. In den vergangenen drei Jahren haben
wir uns bemüht, diese Bilanz weiter zu verbessern durch die Unterzeichnung des neuen Gesetzes zur
Luftreinhaltung und des Gesetzes über Ölverschmutzung, die Verhängung eines Moratoriums für Öl- und
Gasbohrungen vor unseren Küsten, Investitionen in
unsere Nationalparks, die Einleitung eines Programms
zur Anpflanzung von einer Milliarde Bäumen jährlich
und die Durchsetzung unserer Umweltgesetze, damit
die Verursacher für die Kosten der Umweltverschmutzung aufkommen.

AMERIKA DIENST 20

Im Ausland haben sich die Vereinigten Staaten energisch darum bemüht, verantwortungsbewußte Umweltpolitik durch unsere bilateralen Hilfeprogramme
sowie durch die Weltbank und das System der Vereinten Nationen zu fördern. Ich bin davon überzeugt, daß
unsere jahrzehntelangen Erfahrungen bei der Entwicklung - und Verwirklichung - wirtschaftlich solider
Maßnahmen anderen helfen können, die Umwelt zu
verbessern.
In Rio werden den politisch Verantwortlichen der Welt
eine Reihe von Dokumenten vorliegen. Eines dieser
Dokumente wird eine Rahmenkonvention über die
Klimaveränderungen sein, die am vergangenen Wochenende verabschiedet wurde. Wir begrüßen das
Ergebnis, und ich beglückwünsche die Unterhändler
dafür, daß sie sich bei diesem historischen Schritt
zusammengeschlossen haben. Diese Rahmenkonvention wird das Wirtschaftswachstum und unsere
Fähigkeit zur Schaffung neuer Arbeitsplätze nicht
bremsen.
Die Klimaveränderungen sind nicht das einzige in Rio
zur Diskussion stehende Thema. Es ist lebenswichtig,
daß Fortschritte ebenfalls beim Schutz der Meere und
der darin lebenden Organismen, bei der Förderung
von Offenheit und öffentlicher Beteiligung am umweltpolitischen Entscheidungsfindungsprozeß, der Förderung einer verantwortlichen Behandlung und des
Schutzes von Wäldern und Arten Vielfalt weltweit sowie
in vielen anderen Bereichen erzielt werden.
Seite 1

�Ich sehe den Gesprächen darüber erwartungsvoll
entgegen, wie alle Nationen durch Zusammenarbeit
gewährleisten können, daß wir unseren Kindern und

Enkelkindern einen gesunden und sicheren Planeten
übergeben,

* * * * *

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AMERIKA DIENST 20

�UMWELT
20. Mai 1992

VEREINIGTE STAATEN SEHEN GUTE
CHANCEN FÜR ABKOMMEN IN RIO
Verhandlungen vor Abschluß
WASHINGTON - (AD) - Das amerikanische Außenministerium sieht keine großen Hindernisse, die dem
Abschluß eines weitreichenden Abkommens beim UNO-Erdgipfel in Rio de Janeiro im Wege stehen könnten,
das bis ins nächste Jahrhundert hinein umweltpolitische Prioritäten setzen würde.
Dem Abteilungsleiter für Ozeane und internationale umweltpolitische und wissenschaftliche Angelegenheiten,
E. Curtis Bohlen, zufolge wurde im vergangenen Jahr bei den Verhandlungen über ein Agenda 21 genanntes
Aktionsprogramm ein großes Maß an Übereinstimmung erzielt.
"Ich bin optimistisch. Meines Erachtens steht Agenda
21 unmittelbar vor der Vollendung", erklärte Bohlen
kürzlich in einem Interview.
Bohlen bezeichnete Agenda 21 als Liste von Programmen, die von den Regierungen in den nächsten 10 bis
15 Jahren durchgeführt werden müssen, um die Welt
zu einer umweltverträglichen wirtschaftlichen Entwicklung zu veranlassen. Es handelt sich hierbei nicht um
einen Vertrag, und deshalb wäre Agenda 21 für die
Regierungen auch nicht bindend, betonte Bohlen.
Darüber hinaus hat es beim Entwurf einer als Rio
Declaration bezeichneten Erklärung über Umwelt- und
Entwicklungsprinzipien erhebliche Übereinstimmung
gegeben, so der Abteilungsleiter. Dieser Entwurf wird
zur Zeit von den US-Behörden geprüft. "Wir sind nicht
sicher, ob irgendwelche (Probleme) bestehen", sagte
Bohlen. "Im großen und ganzen ist sie für uns akzeptabel. Es steht für mich außer Frage, daß es definitiv
eine Erklärung von Rio geben wird."
Bohlens Optimismus steht im Gegensatz zu Sorgen
zahlreicher amerikanischer Umweltschutzgruppen, es
werde keine Übereinkunft geben, die zu einschneidenden Maßnahmen gegen lokale, regionale und globale
Probleme führen werde. Ein Großteil dieser Besorgnis
geht auf den öffentlich ausgetragenen Streit zwischen
Entwicklungsländern und Industriestaaten zurück.
Dieser Streit resultiert maßgeblich aus Geldforderungen der Entwicklungsländer, um beispielsweise moderne Technologie zur effizienten Energieausnutzung
zu erwerben und einzusetzen. Eine solche Technologie würde den Einsatz von Rohstoffen zur Energieerzeugung reduzieren und deshalb die Umwelt weniger
schädigen.

AMERIKA DIENST 20

"Meines Erachtens können wir eine befriedigende
Einigung über die finanziellen Mechanismen erzielen",
erklärte Bohlen. Bei der letzten Verhandlungsrunde im
März, an der über 150 Staaten beteiligt waren, habe es
bereits nahezu eine Einigung über die Finanzierung
gegeben. "Hätten wir zwei oder drei Tage mehr
gehabt, wir hätten die Verhandlungen abschließen
können", meinte Bohlen.
Die Entwicklungsländer hatten dabei ihre Forderung
nach einem "Grünen Fonds" fallengelassen, der von
den Industriestaaten finanziert und von den Leistungsempfängern mit den Geldgebern zusammen verwaltet
werden sollte. Japan und die nordeuropäischen Staaten boten einen Kompromiß an, der von der G-77, der
Gruppe von Entwicklungsländern, modifiziert wurde.
"Für uns wäre es kein Problem gewesen. Mit nur
wenigen geringfügigen Änderungen hätten wir diesem
Papier zustimmen können", erklärte Bohlen. Die
Europäische Gemeinschaft habe sich jedoch dagegen
gewandt, aber die Vereinigten Staaten hofften, daß die
EG ihre Haltung noch einmal überdenken werde.
Der Kompromiß hätte neue Hilfe in unbestimmter
Höhe bereitgestellt, die durch die bestehenden Programme der Weltbank und anderer multilateraler Institutionen eingesetzt worden wäre. Ein solcher Kompromi ß wurde unlängst in Gesprächen bei der Weltbank in
Washington zwischen einigen der größten Entwicklungs- und Industrieländer erzielt. Dies verstärkt Bohlen
zufolge den Optimismus, daß bei der Wiederaufnahme der Verhandlungen in Rio ein umfassendes Abkommen verabschiedet werden kann.
Einige Vertreter der Vereinten Nationen haben darauf
verwiesen, daß die Entwicklungsländer zusätzlich 70
Milliarden Dollar jährlich an Hilfe benötigten, um wirt-

Seite 1

�schaftliche Fortschritte zu erzielen und gleichzeitig die
Umwelt zu schützen. Sie erhalten gegenwärtig jährlich
etwa 55 Milliarden Dollar an Hilfe.
Die Vereinigten Staten waren von Beginn der Verhandlungen über Agenda 21 an davon überzeugt, daß
der Schutz von Ozeanen und Wäldern sowie die
technische Zusammenarbeit zwischen Industriestaaten und Entwicklungsländern zu den wichtigsten Themen gehören, so Bohlen.
Einigung wurde im großen und ganzen über die Notwendigkeit zur Kontrolle der vom Land aus verursachten Meeresverschmutzung erzielt, wie etwa der Entsorgung von Abfällen auf See. Feuchtgebiete und
Korallenriffe würden den bereits ausgehandelten Artikeln zufolge ebenfalls mehr Schutz erfahren.
Wie Bohlen feststellte, wurde bei einigen Fischereifragen jedoch noch keine Einigung erzielt. Eine der
wichtigsten ist die Tatsache, daß Kanada den Fischfang vor seiner Ostküste beschränken möchte, während sich die EG aufgrund der wirtschaftlichen Auswirkungen dagegen gewandt habe.
"Ein Grund, warum wir uns darauf (auf die Ozeane)
konzentriert haben, ist, daß es sich dabei um ein
Gebiet handelt, dem noch nicht so viel internationale
Aufmerksamkeit zuteil geworden ist wie den Umweltproblemen zu Lande", erklärte Bohlen.
Die Kapitel zur technischen Zusammenarbeit seien im
großen und ganzen von den Vereinigten Staaten entworfen worden. Darin wird die Fortbildung von Vertretern aus den Entwicklungsländern beim Umgang mit
Umweltproblemen sowie die Bereitstellung umweltverträglicher Technologie für die dritte Welt gefordert.
Bohlen zufolge sind bereits zahlreiche Waldprobleme
gelöst worden. Die Wälder sind nicht nur wichtig, weil
sie traditionell als Schutz für die Artenvielfalt und

Reinheit des Trinkwassers betrachtet werden, sondern auch, weil sie einige der Gase absorbieren, die
zur Erderwärmung beitragen könnten. Wissenschaftler haben davor gewarnt, daß die Erwärmung zu
tiefgreifenden Klimaveränderungen führen könnte.
Das Tempo des Fortschritts wurde bei den Verhandlungen im März größtenteils deshalb gebremst, weil
Brasilien und andere Entwicklungsländer die Resultate einer anderen internationalen Verhandlungsrunde
abwarten wollten, die sich mit der Kontrolle von Treibhausgasen beschäftigt, stellte Bohlen fest. Einige
Länder hätten darüber hinaus abwarten wollen, bis
eine Einigung zur Finanzierung von Umweltprogrammen in den Entwicklungsländern erreicht sei.
Bei den kürzlich in New York abgeschlossenen Verhandlungen über die Erderwärmung einigte man sich
auf die Reduzierung der Emissionen von Treibhausgasen mit dem Ziel, zu dem Niveau von 1990 zurückzukehren.
Die Entwicklungsländer hätten bei einer vor kurzem in
Malaysia veranstalteten Konferenz erklärt, sie befürworteten energisch ein Abkommen über die Wälder, so
Bohlen. Die Vereinigten Staaten hofften, ein solches
Abkommen werde die Grundlage eines Vertrags bilden, der später zum Schutz der Wälder ausgehandelt
werden sollte.
Amerikanische Umweltschützer haben die Vereinigten
Staaten beschuldigt, sich auf den Schutz der tropischen Regenwälder zu konzentrieren und sich gleichzeitig zu weigern, ihre eigenen Praktiken im Forstbereich zu überdenken. "Wir haben befürwortet, daß die
Prinzipien bei jeder künftigen Konvention alle Wälder
der Welt umfassen sollten, nicht nur die tropischen",
erklärte Bohlen. Dies sei seit Beginn der Verhandlungen die Position der Vereinigten Staaten gewesen.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 20

�RIAS

BERLIN

KOMMISSION
20. Mai 1992

IM GEISTE VON RIAS
Ansprache von Botschafter Kimmitt in Berlin
BERLIN - (AD) - Anläßlich der Unterzeichnung des Abkommens zur Gründung der RIAS BERLIN Kommission
hielt der amerikanische Botschafter in der Bundesrepublik Deutschland, Robert M. Kimmitt, am 19. Mai 1992 die
folgende Ansprache.
Herr Bundesminister,
Frau Präsidentin,
Herr Intendant,
liebe Mitarbeiter von RIAS,
verehrte Gäste,
es ist mir eine besondere Ehre, heute hier in Berlin
anwesend zu sein.
Wie für so viele meiner Landsleute ist Berlin eine
besondere Stadt mit einem ganz eigenen Reiz. Witz,
Energie, Kreativität, Entschlossenheit und Unabhängigkeit - all dies zeichnet den Geist von Berlin aus. Seit
seiner Gründung im Jahr 1946 ist RIAS Teil dieses
Geistes gewesen und hat selbst zu ihm beigetragen.
Mit der Gründung der RIAS BERLIN Kommission
markieren wir einen Wendepunkt, den Beginn eines
neuen Kapitels in der Geschichte dieser einzigartigen
Institution.
Wir sollten uns jedoch der Tatsache erinnern, daß
RIAS seit seiner Gründung gewachsen ist und sich
kontinuierlich verändert hat. Von der US-Militärregierung ins Leben gerufen, begann RIAS als Quelle
elementarer Informationen für die Bevölkerung Berlins. Er war ein Leitfaden zum Überleben, indem er
Informationen über Arbeitsplätze, Nahrungsmittel,
Brennstoff und Kleidung, über die Verteilungsstellen
für Lebensmittelkarten und die Zeiten übermittelte, zu
denen es Strom gab. Langfristig noch wichtiger war die
Tatsache, daß er eine Quelle zutreffender Nachrichten
war, die den elementaren Bestandteil von Demokratie
und Freiheit darstellen.
Im Lauf der Zeit expandierte der RIAS und begann, auf
Mittelwelle und Ultrakurzwelle zu senden. Sein Programm umfaßte Nachrichten und Unterhaltung, Musik
und Kommentare. Seine Rolle ging über die eines
lokalen Rundfunksenders für Berlin hinaus, und er
wurde zum Fenster der Freiheit für die Menschen in
Ostdeutschland. Das vom RIAS verkörperte Niveau

AMERIKA DIENST 20

eines objektiven, unvoreingenommenen Journalismus
beeinflußte die Entwicklung des Journalismus im
Nachkriegsdeutschland und hatte für die Deutschen
im Osten Modellcharakter. Die talentierten Rundfunkfachleute des RIAS paßten sich geschickt veränderten
Zeiten und einem gewandelten Publikum an.
RIAS 2, der vor einigen Jahren eingerichtet wurde und
sich an jüngere Zuhörer richtet, wurde über Nacht zum
Erfolg. RIAS 2 ist nach wie vor das populärste Programm für junge Menschen in Ostdeutschland. Auch
dem RIAS-Fernsehen - einem von den Regierungen
der Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik
Deutschland großzügig unterstützten ehrgeizigen
Vorhaben - wurde aufgrund seiner innovativen und
lebendigen Sendungen die rasche Anerkennung der
Öffentlichkeit zuteil. An dieser Stelle möchte ich dem
Beirat von RIAS TV meinen besonderen Dank aussprechen. Die hervorragenden Persönlichkeiten, die
ihre Zeit geopfert haben, um diesem neuen Programm
beratend zur Seite zu stehen, haben einen wichtigen
Beitrag zu seinem Erfolg geleistet.
Im Lauf der Zeit wurde RIAS auch in einem anderen
Sinn zum Modell. Als bilaterale Institution, die von den
Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik Deutschland gemeinsam betrieben wurde, war RIAS ein Beispiel erfolgreicher deutsch-amerikanischer Zusammenarbeit bei einem gemeinsamen Anliegen, das auf
gemeinsamen Werten beruhte.
Die Erlangung der deutschen Einheit am 3. Oktober
1990 markierte für den RIAS einen weiteren Wendepunkt. Einstmals eine bilaterale Institution, wird der
RIAS zu einer rein deutschen Rundfunkanstalt. RIAS
TV hat bereits den Sendebetrieb für die Deutsche
Welle aufgenommen, RIAS 2 wird schon bald unter
privater Leitung zu senden beginnen, und es bestehen
Pläne, RIAS 1 in eine neue nationale Rundfunkanstalt
einzugliedern. Die Tradition des RIAS, das von ihm so
lange verkörperte journalistische Niveau und seine

Seite 1

�langjährigen Verdienste um die transatlantischen
Beziehungen werden, davon bin ich überzeugt, in
neuen Formen und neuen Rollen von diesen Institutionen fortgeführt werden.

Als Zeuge der jüngsten Geschichte kann niemand von
uns die Bedeutung der Presse und insbesondere der
elektronischen Medien in der heutigen Weltpolitik
bezweifeln. Wie schon in der Vergangenheit werden
die deutsch-amerikanischen Beziehungen auch in
Die Tradition wird auch von der heute gegründeten Zukunft von den Medien beeinflußt. Durch die UnterRIAS-Kommission fortgesetzt werden. Das Abkom- stützung des Austauschs von Rundfunkfachleuten und
men, das wir unterzeichnen, anerkennt die Leistungen Volontären sowie durch andere medienbezogene
des RIAS in den vergangenen fünfundvierzig Jahren Maßnahmen kann die RIAS-Kommission eine effektials transatlantische Medienbrücke, die sich dem unab- ve Kraft für die Vertiefung des Verständnisses zwihängigen Journalismus und der Demokratie verschrie- schen unseren beiden Ländern sein. Sie kann unsere
ben hat. Aber die Kommission wird nicht nur den Beziehungen stärken, die für uns alle von solch lebensLeistungen der Vergangenheit Tribut zollen. Vielmehr wichtiger Bedeutung sind. Ich bin stolz darauf, für die
symbolisiert sie unser Engagement für die anhaltende Vereinigten Staaten von Amerika dieses Abkommen
Unterstützung derselben Prinzipien in der Zukunft.
über die Gründung der RIAS-Kommission zu unterzeichnen.
Ich danke Ihnen.
* * * * *

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AMERIKA DIENST 20

�RIAS

BERLIN

KOMMISSION
20. Mai 1992

DIE RIAS BERLIN KOMMISSION
Eine Übersicht
BERLIN - (AD) - Am 20. Mai 1991 haben Präsident
Bush und Bundeskanzler Kohl gemeinsam die Gründung einer RIAS-Kommission zur Unterstützung und
Förderung von Informations- und Austauschprogrammen mit den fünf neuen Bundesländern angekündigt.
Die nach dem RIAS - Rundfunk im Amerikanischen
Sektor (von Berlin) - benannte "RIAS BERLIN Kommission" wurde am 19. Mai 1992 ins Leben gerufen, als
der Botschafter der Vereinigten Staaten in der Bundesrepublik Deutschland, Robert M. Kimmitt, und der
Bundesminister des Innern, Rudolf Seiters, das bilaterale Abkommen zur Gründung der Kommission unterzeichneten.
Der RIAS wurde im Jahr 1946 von der US-Militärregierung in Berlin gegründet, um den Bürgern von Berlin
eine zuverlässige und unabhängige Informationsquelle zu bieten. Der RIAS wurde zum wichtigen Kulturund Informationsmedium nicht nur für Berlin, sondern
auch für die Bevölkerung Ostdeutschlands. RIAS
wurde zum Synonym für Objektivität und Zuverlässigkeit sowie des amerikanischen Engagements für Berlin. Der als gemeinsame amerikanisch-westdeutsche
Rundfunkanstalt konzipierte Sender umfaßte schließlich zwei Hörfunkprogramme, RIAS 1 und RIAS 2,
sowie einen Fernsehsender, der im Jahr 1988 den
Betrieb aufnahm. Vom Fall der Berliner Mauer bis
Ende 1991 erhielt der RIAS eine Flut von nahezu 2,7
Millionen Glückwunsch- und Dankesschreiben von
ostdeutschen Zuhörern, die die historische Rolle des
RIAS unterstrichen.
Die deutsche Vereinigung im Oktober 1990 markierte
das Ende eines Kapitels in der Geschichte des RIAS
und der direkten amerikanischen Beteiligung an seinem Sendebetrieb. Die Vereinigten Staaten sind in
dieser Übergangsphase weiterhin beim RIAS engagiert, während die Regierung der Bundesrepublik
Deutschland den RIAS in das nationale Rundfunksystem integriert.
Die Bundesrepublik plant, das Programm von RIAS 1
in einem neuen nationalen Hörfunksender mit dem
Deutschlandfunk und dem ostdeutschen Sender DSKultur zu verschmelzen. Der im Herbst 1985 für junge
Zuhörer geschaffene RIAS 2 wird demnach als privaAMERIKA DIENST 20

ter Sender fortbestehen. RIAS-TV hat bereits den
Sendebetrieb als Fernsehstation der Deutschen Welle, des deutschen Auslandsrundfunks, aufgenommen.
Die RIAS BERLIN Kommission hat das Ziel, das RIASErbe des objektiven Journalismus und der deutschamerikanischen Zusammenarbeit im Zeitalter nach
dem kalten Krieg fortzuführen - durch die Förderung
der deutsch-amerikanischen Völkerverständigung im
Bereich Rundfunkwesen durch Unterstützung eines
breiten Spektrums medienbezogener Maßnahmen.
Das am 19. Mai 1992 unterzeichnete Abkommen
würdigt die Leistungen des RIAS in den vergangenen
45 Jahren als eine der unabhängigen, objektiven Berichterstattung im Geist der Demokratie verpflichtete
transatlantische Brücke.
Zu den Maßnahmen, die von der Kommission unterstützt werden können, gehören: Austausch von Personen und Informationen im Bereich Rundfunkjournalismus zwischen der Bundesrepublik Deutschland und
den Vereinigten Staaten, Unterstützung von Rundfunk- und Fernsehproduktionen, die zum deutschamerikanischen Verständnis beitragen, Zuwendungen für die gelegentliche transatlantische Übertragung
von Rundfunkproduktionen, die dieses gegenseitige
Verständnis in herausragender Weise fördern sowie
Auszeichnung von Hörfunk- und Fernsehproduktionen, die in besonderem Maße zur Völkerverständigung zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika
und der Bundesrepublik Deutschland beitragen.
Bei der Durchführung dieser Zwecke schenkt die
Kommission jenen Produktionen und Maßnahmen
besonderes Augenmerk, die in der Tradition des RIAS
den besonderen Bedingungen und Erfordernissen der
Länder Rechnung tragen, die ehemals die Deutsche
Demokratische Republik bildeten.
Die Kommission besteht aus zehn Mitgliedern, von
denen fünf Staatsbürger der Bundesrepublik Deutschland und fünf amerikanische Staatsbürger sind. Der
Bundesinnenminister und der amerikanische Botschafter in der Bundesrepublik Deutschland sind Ehrenvorsitzende. Der Bundesinnenminister und der amerikanische Botschafter haben das Recht, die Kommis-

Seite 1

�sionsmitglieder ihres jeweiligen Landes zu ernennen
und abzuberufen.
Der Verwaltungssitz der Kommission wird in oder bei
Berlin sein, ihre Treffen und die Arbeit ihrer Mitarbeiter
können jedoch gegebenenfalls an anderen Orten stattfinden. Die Kommission wird durch einen Beitrag der
Bundesrepublik Deutschland von zwanzig Millionen
DM im Jahr 1992, und einen weiteren Beitrag von
ebenfalls 20 Millionen DM im Jahr 1993 finanziert. Die
Hälfte dieses Beitrags wird von der Bundesrepublik
Deutschland stellvertretend für die Vereinigten Staaten von Amerika in Anerkennung des 45jährigen
Engagements der Vereinigten Staaten für RIAS bereitgestellt. Die von der Kommission durchgeführten
Programme und anderen Aktivitäten einschließlich der
Verwaltungskosten werden durch die Zinsen und andere
aus den Kapitalreserven abgeleitete Erträge finanziert.
Die Kommission wird von der Bundesrepublik Deutschland als zwischenstaatliche Organisation anerkannt
und genießt in der Bundesrepublik Deutschland Vor-

rechte, Befreiungen und Immunitätsrechte, die in dem
am 21. November 1947 von der Generalversammlung
der Vereinten Nationen angenommenen Abkommen
über die Vorrechte und Befreiungen der Sonderorganisationen niedergelegt sind. Im Rahmen ihrer jeweils
geltenden Gesetze und der Rechtsvorschriften der
Europäischen Gemeinschaften gewährt die Bundesrepublik Deutschland der Kommission Befreiung von
Abgaben und Zöllen.
Die fünf amerikanischen Mitglieder der RIAS BERLIN
Kommission wurden bereits ernannt. Es sind: Der
Direktorder Voiceof America, Chase Untermeyer, der
ehemalige Stellvertretende Verwaltungsleiter des USInformationsamts, Henry Hockeimer, die renommierte
und zur Zeit in Deutschland tätige Journalistin Elizabeth Pond, die Gesandte-Botschaftsrätin für öffentliche Angelegenheiten bei der Amerikanischen Botschaft in Bonn, Cynthia Miller und die Leiterin der
Abteilung für öffentliche Angelegenheiten bei der
Amerikanischen Botschaft - Außenstelle Berlin, Caroline Osterling.

* * * *

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AMERIKA DIENST 20

�SOZIALPOLITIK
20. Mai 1992

ARMUT IN AMERIKA TROTZ PROBLEMEN
IN INNENSTÄDTEN RÜCKLÄUFIG
Erster einer Reihe von Artikeln zur US-Sozialpolitik
WASHINGTON - (AD) - Die jüngsten Ausschreitungen
in Los Angeles haben erneut Sorgen der Öffentlichkeit
über die Eintracht zwischen den Rassen und die
Effizienz staatlicher Programme zur Bekämpfung der
Armut aus den dreißiger und sechziger Jahren geweckt.
Trotz geschätzter Ausgaben von 3,389 Billionen Dollar
für Bundessozialhilfeprogramme zwischen 1965 und
1990 deuten jüngste Untersuchungen auf eine Verbreiterung der Einkommenskluft zwischen sehr reichen und sehr armen Personen in den Vereinigten
Staaten hin.
Mehrere traditionell arme Bevölkerungsgruppen hatten beeindruckende wirtschaftliche Fortschritte zu
verzeichnen, während andere entweder nicht vorangekommen oder noch weiter ins Hintertreffen geraten
sind. In einer offenen Gesellschaft wie in den Vereinigten Staaten sind es gerade letztere, die am meisten ins
Auge fallen.
Heute leben zahlreiche schwarze, hispanische und
aus Asien stammende Amerikaner in innerstädtischen
Gebieten, die von einer starken Armutskonzentration
gekennzeichnet sind. Aufgrund des Mangels an Arbeitsplätzen und eines wachsenden Gefühls der Verzweiflung haben sich manche Jugendliche der Innenstädte dem Drogenhandel, der Bandenkriminalität und
anderen verbrecherischen Aktivitäten zugewandt, womit
sie zur Verfestigung des Teufelskreises der Armut
beitragen, dem sie entfliehen möchten.
Die Ausschreitungen in Los Angeles wurden durch den
Freispruch von vier weißen Polizisten von der Anklage
der übermäßigen Gewaltanwendung bei der Festnahme eines schwarzen Verdächtigen ausgelöst. Die
Wurzeln der Unruhe in den Innenstädten gehen jedoch
weit tiefer und sind auch in anderen amerikanischen
Städten zutage getreten.
Einer vom 6.-8. Mai 1992 durchgeführten Meinungsumfrage von New York Times/CBS News zufolge
gaben 61 Prozent der Befragten an, die Bundesregierung gebe nicht genug für die Verbesserung der Lebensbedingungen der schwarzen Amerikaner aus - gegenAMERIKA DIENST 20

über 35 Prozent, die diese Meinung im Jahr 1988
vertreten hatten. Darüber hinaus erklärten 63 Prozent,
den Problemen rassischer Minderheiten werde zu
wenig Aufmerksamkeit geschenkt - verglichen mit 34
Prozent vor vier Jahren.
Viele Amerikaner sagen jedoch auch, sie lehnten
höhere Steuern ab, die speziell für die Bewältigung
dieser und anderer mit der Armut in Verbindung stehender Probleme eingesetzt würden.
Die durch die Unruhen in Los Angeles ausgelöste
neuerliche Debatte wird teilweise durch den Eindruck
geschürt, daß die Armut in den Vereinigten Staaten in
den letzten Jahren zugenommen hat.
Tatsächlich geht aus den Daten des amerikanischen
Statistischen Bundesamts jedoch hervor, daß die Armut
in den vergangenen 30 Jahren ständig gesunken ist
und angesichts von Fluktuationen in der amerikanischen Konjunktur mal höher und mal niedriger lag.
Die Armutsquote aller Amerikaner fiel von einem Spitzenwert von 22,4 Prozent im Jahr 1959 - dem ersten
Jahr, in dem diese Informationen aufgezeichnet wurden - auf einen Tiefstand von 11,1 Prozent im Jahr
1973. Nach der Rezession von 1981/82 stieg sie im
Jahr 1983 auf 15,2 Prozent, woraufhin sie bis 1989
schrittweise auf 12,8 Prozent zurückging und im Jahr
1990 wieder auf 13,5 Prozent stieg.
Zwischen 1989 und 1990 erhöhten sich die Armutsquoten bei Weißen und Hispaniern geringfügig, während sich die Quoten bei Schwarzen und Amerikanern
asiatischer Herkunft kaum veränderten.
Armut wird in den Vereinigten Staaten traditionell
anhand der Geldmittel gemessen, die erforderlich sind,
um Alleinstehenden und Familien zu niedrigstmöglichen Kosten eine ausgewogene tägliche Ernährung zu
sichern. Diese Summe wird um den Faktor drei
multipliziert, um der Tatsache Rechnung zu tragen,
daß Amerikaner durchschnittlich ein Drittel ihres Einkommensfür Nahrungsmittel ausgeben und zu Beginn
jedes Kalenderjahres den gestiegenen Lebenshaltungskosten angepaßt.
Seite 1

�Im Jahr 1991 betrug die offizielle Armutsgrenze 6.932
Dollar für Alleinstehende, 8.867 Dollar für einen Zweipersonenhaushalt, 10.857 Dollar für einen Dreipersonenhaushalt, 13.921 für einen Vierpersonenhaushalt,
16.457 Dollar für einen Fünfpersonenhaushalt und
18.590 Dollar für einen Sechspersonenhaushalt.
Diese Zahlen beziehen sich ausschließlich auf das
Bruttoeinkommen vor Steuern und beinhalten keinerlei Sachleistungen an sozial Schwache in Form von
Krankenversicherung des Arbeitgebers, Lebensmittelmarken, subventionierten Ernährungsprogrammen,
medizinischen Leistungen, Sozialwohnungen und
anderen wichtigen staatlichen Leistungen. Vertreter
des Statistischen Bundesamts behaupten, bei Anrechnung der Sachleistungen läge die offizielle Armutsquote weitere 2-4 Prozent niedriger. Zur Zeit
besteht jedoch keine allgemeine Übereinstimmung
über eine Methode zur Bewertung dieser Hilfe.
Unmittelbar nach den Ausschreitungen in Los Angeles
entsandte Präsident Bush eine Arbeitsgruppe zur
Bekämpfung der Armut in die Region und gab die
Bereitstellung von rund 800 Millionen Dollar für Hilfsleistungen der Bundesregierung bekannt, um den Grundstein für den Wiederaufbau der verwüsteten Stadtgebiete zu legen.
Zu dem Hilfspaket zählen Notunterkünfte und Mietzuschüsse für durch die Unruhen obdachlos gewordene
Einwohner, Mittel zur Instandsetzung öffentlicher Einrichtungen, Katastrophendarlehen mit niedrigen Zinsen zum Wiederaufbau der beschädigten Geschäfte
und Wohnhäuser, Sofortzahlungen der Sozialversicherung an diejenigen, deren monatliche Zahlungen
durch die Ausschreitungen verzögert wurden, Verteilung von Babynahrung und anderen dringend benötigten Nahrungsmitteln an örtliche Aufbewahrungstellen
sowie die beschleunigte Bereitstellung von bereits von
der Stadt und vom Distrikt Los Angeles bewilligten
Bundesmitteln.
Nach Besuchen in Los Angeles und Philadelphia zur
Beurteilung der innerstädtischen Probleme aus erster
Hand unterbreitete Präsident Bush am 12. Mai einen 6
Punkte umfassenden Vorschlag, der die Wiederherstellung von Recht und Ordnung, die Schaffung neuer
Arbeitsplätze und die Verbesserung wirtschaflicher
Chancen für die Armen in den Stadtzentren zum Ziel
hat.
Der Bush-Plan, der in großen Teilen bereits vorlag,
aufgrund der Engpässe im Bundeshaushalt jedoch
aufgeschoben worden war, würde rund 36.000 Familien in den Innenstädten helfen, 1993 ein Eigenheim zu
erwerben und weiteren 65.000 Familien die Starthilfe
dazu geben.
Darüber hinaus würden dank dieses Plans Drogenhändler und andere kriminelle Elemente von den Stra*
Seite 2

ßen "verbannt", um ein der wirtschaftlichen Erholung
förderliches Umfeld zu schaffen, "Unternehmenszonen" geschaffen, die Investoren Steueranreize zur
Gründung von Arbeitsplätze schaffenden Unternehmen bieten, das Bildungswesen für öffentliche, private
und kirchliche Schulen verbessert, den Bundesstaaten mehr Spielraum zur Anpassung der verfügbaren
Ressourcen an den kommunalen Bedarf eingeräumt
und den Jugendlichen in den Innenstädten bessere
Arbeitsmöglichkeiten und Ausbildung geboten.
Quellen des Weißen Hauses zufolge hofft der Präsident auf die Finanzierung dieser - schätzungsweise
3,6 Milliarden Dollar betragenden - Programme ohne
Steuererhöhungen oder Überschreitung des 1990 mit
dem Kongreß vereinbarten Ausgabenlimits.
"Zweifelsohne ist es an der Zeit, alte Ideen zu verwerfen und etwas Neues auszuprobieren", erklärte Bush
bei einer Pressekonferenz am 12. Mai nach einem
Treffen mit Kongreßabgeordneten beider Parteien.
Speaker Tom Foley, der Vorsitzende der die Mehrheit
im Repräsentantenhaus haltenden Demokraten erklärte, das Treffen mit Bush sei "gut verlaufen", es
habe "viele Gemeinsamkeiten und einen konstruktiven
Ansatz zur Ausräumung von Differenzen" zwischen
Administration und den Vorschlägen des Kongresses
gegeben.
Zur Bewältigung der Armut kann der Präsident auf eine
große Bandbreite öffentlicher und privater Mittel der
Sozialhilfe zurückgreifen, die zusammen ein "soziales
Netz" schaffen, mit dem die meisten Amerikaner vor
dem geschützt werden sollen, was Präsident Franklin
Roosevelt als "die Unbilden und Wechselfälle des
Lebens" bezeichnete.
Viele dieser Programme sind im Rahmen der von
Roosevelt und dem Kongreß auf dem Höhepunkt der
Großen Depression von 1935 verabschiedeten bahnbrechenden Sozialversicherungsgesetze entstanden.
Zu dieser Kategorie zählen die Sozialversicherung für
ältere und behinderte Amerikaner, Arbeitslosenversicherung für diejenigen, die ihren Arbeitsplatz ohne
eigenes Verschulden verloren haben, zusätzliche
Sozialleistungen für arme, ältere und behinderte
Amerikaner, die nicht für Sozialleistungen in Frage
kommen sowie Hilfe für Familien mit unterhaltspflichtigen Kindern.
Andere Programme verdanken ihren Ursprung Präsident Lyndon Johnsons Mitte der sechziger Jahre verabschiedetem Projekt "Krieg der Armut". Zu den seit
dieser Ära noch bestehenden und weiterentwickelten
Programmen zählen Medicare für Ältere und Behinderte, Medicaid für die Armen und Head Start, mit dem
Vorschulkindern aus Familien, deren Einkommen
unterhalb der Armutsgrenze liegt, Schulspeisungen
und Unterbringung in Tagesstätten geboten werden.

*
AMERIKA DIENST 20

�SOZIALPOLITIK
20. Mai 1992

SOZIALVERSICHERUNG BEHEBT ARMUT
UNTER ÄLTEREN AMERIKANERN
Zweiter einer Reihe von Artikeln zur US-Sozialpolitik
WASHINGTON - (AD) - Den Eckpfeiler des amerikanischen Sozialwesens bilden eine Reihe während der
Großen Depression von Präsident Franklin Roosevelt
und dem Kongreß im Rahmen des bahnbrechenden
Sozialversicherungsgesetzes von 1935 geschaffenener Sozialversicherungsprogramme.
Roosevelt ging zu Recht von der Annahme aus, daß
diese Programme dazu beitragen würden, die Auswirkungen eines zukünftigen wirtschaftlichen Konjunkturrückgangs aufzufangen, indem amerikanischen Arbeitnehmern eine Einkommensquelle zur Verfügung
gestellt wurde, die "die Höhe- und Tiefpunkte von
Deflation und Inflation abschwächen würde".
Eine in dieser Gesetzgebung vorgesehene Reihe von
Programmen - Rentenversicherung, Hinterbliebenenund Berufsunfähigkeitsversicherung - wurde unter
dem Namen "Sozialversicherung" bekannt.
Dem amerikanischen Rentenversicherungsverband
zufolge hat die Sozialversicherung mehr getan, um die
Armut unter älteren Amerikanern zu beheben als jede
andere Initiative im Bereich des Sozialwesens. Und
Studien des Forschungsdienstes des Kongresses einer Institution des amerikanischen Kongresses gelangen zu dem Schluß, daß die Sozialversicherung
der "Hauptgrund" für eine echte Abnahme der Armutsquote unter den älteren Mitbürgern ist.
Dem amerikanischen Statistischen Bundesamt zufolge belief sich der Anteil der Personen über 65, die 1959
- als die Bundesregierung mit der Erstellung solcher
Statistiken begann - an oder unter der Armutsgrenze
lebten, auf 33,1 Prozent. Bis 1990, dem letzten Jahr,
aus dem Daten zur Verfügung stehen - war diese Zahl
auf 12,2 Prozent gesunken und lag damit weit unter der
Armutsquote von 13,5 für die Gesamtbevölkerung.
Die Armutsgrenze für eine alleinstehende Person über
65 belief sich 1991 auf 6.532 Dollar und lag damit leicht
unter der für jüngere Mitbürger festgesetzten Grenze
von 6.932 Dollar.

AMERIKA DIENST 20

Die Sozialversicherung hat als bei weitem größter
Bestandteil des amerikanischen Sozialwesens seit
ihrer Verabschiedung umfangreiche Veränderungen
erfahren. Ihre wesentlichen Prinzipien - obligatorische
Beteiligung, Qualifizierung für ihre Leistungen durch
Tätigkeit in einer versicherungspflichtigen Beschäftigung, Leistungen auf der Grundlage des bisher erwirtschafteten Einkommens und Finanzierung durch eine
von Arbeitnehmern und Arbeitgebern zu entrichtenden
Lohnsummensteuer - blieben jedoch unverändert.
Im Lauf der Jahre kamen Leistungen für Familienangehörige und Hinterbliebene des pensionierten Arbeitnehmers sowie für berufsunfähig gewordene Arbeitnehmer und deren Familien hinzu. Die obligatorische
Versicherung wurde auch auf Landwirte und Hausangestellte, Freiberufler, Angehörige der Streitkräfte,
bestimmte Regierungsbeschäftigte und Angestellte
gemeinnütziger Organisationen erweitert.
Zur Zeit liegt das normale Rentenalter bei 65 Jahren.
Arbeitnehmer können jedoch auch schon mit 62 Jahren aus dem Erwerbsleben ausscheiden, wobei jedoch
ihre monatliche Rente auf Dauer um 20 Prozent gekürzt wird, wenn mindestens 10 Jahre lang eine versicherungspflichtige Beschäftigung bestanden hat. Ab
dem Jahr 2000 wird das normale Rentenalter für den
vollen Bezug der Rente stufenweise auf 67 Jahre
angehoben. Der vorzeitige Ruhestand bei gekürzten
Bezügen ist weiterhin mit 62 Jahren möglich, aber die
Kürzung fällt noch drastischer aus.
Bei der Einführung der Sozialversicherung im Jahr
1937 erfaßte diese weniger als 60 Prozent aller amerikanischen Arbeitnehmer. Heute deckt sie 95 Prozent
der Erwerbsbevölkerung ab. Einige Saison- und Teilzeitarbeitskräfte in Kleinunternehmen sind von der
Versicherungspflicht ausgenommen und versichern
sich auch nicht freiwillig.
Die Ausgaben für die Sozialversicherung betragen
heute etwa 25 Prozent der Gesamtausgaben des
Bundeshaushalts, und einer von sechs Amerikanern
erhält eine monatliche Rente.

Seite 1

�Der Sozialversicherungsverwaltung zufolge arbeiten
gegenwärtig etwa 132 Millionen Amerikaner in versicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen, und
etwa 41 Millionen Personen werden im Jahr 1992
Leistungen in Gesamthöhe von 285 Milliarden Dollar
beziehen. Rentenzahlungen werden dieses Jahr an
etwa 28,2 Millionen Altersrentner und deren Gattinnen, 5,6 Millionen verwitwete Amerikaner, 3,7 Millionen Invaliden und deren Gattinnen sowie 3,5 Millionen
Kinder pensionierter, berufsunfähiger oder verstorbener Arbeitnehmer geleistet.
Die monatlichen Durchschnittsleistungen im Jahr 1992
variieren von 584 Dollar für eine alleinstehende Witwe
oder einen Witwer im Rentenalter, 610 Dollar für einen
berufsunfähigen alleinstehenden Arbeitnehmer von
65 Jahren oder darüber, bis zu 1.067 Dollar für ein
Rentnerehepaar, wobei beide Partner Rentenansprüche erworben haben und 1.252 Dollar für einen verwitweten Elternteil mit zwei Kindern.
Die Sozialversicherung wurde hauptsächlich geschaffen, um eine Grundlage wirtschaftlicher Sicherheit zu
gewährleisten, die durch eigene Ersparnisse, Betriebsrenten und Familienmittel ergänzt werden sollte.
Untersuchungen deuten jedoch darauf hin, daß die
Sozialversicherung heute für die meisten älteren
Amerikaner die wichtigste Einkommensquelle ist. Bei
59 Prozent der Personen ab 65 Jahren stellt sie
mindestens die Hälfte des verfügbaren Gesamteinkommens, bei 24 Prozent liegt dieser Anteil bei 90 und
bei 13 Prozent der Senioren bei 100 Prozent.

Heute erhalten über ein Drittel aller Rentenbezieher
darüber hinaus eine Betriebsrente von durchschnittlich 525 Dollar im Monat, und viele beziehen zusätzliche Leistungen in Form von Steuervergünstigungen,
subventionierten Fahrten, verbilligter medizinischer
Versorgung sowie Ermäßigungen auf Lebensmittel
und Medikamente.
Zahlen des Arbeitsministeriums deuten darauf hin,
daß etwa 40 Millionen Amerikaner Mitglieder privater
Rentenversicherungen sind, die monatliche Leistungen gewähren, wenn der Versicherte in den Ruhestand tritt oder berufsunfähig wird. Diese Leistungen
erfolgen zusätzlich zu denjenigen, die bei Versicherungen auf Bundes- und Einzelstaatsebene bestehen.
Gegenwärtig gibt es etwa 1,7 Millionen private Rentenversicherungspläne, deren Gesamtmittel sich auf über
2 Billionen Dollar belaufen. Obwohl sich Mitgliedsbedingungen und Leistungen von Plan zu Plan unterscheiden, sind deren Mitglieder zumeist bei größeren
Unternehmen beschäftigt und verdienen mehr als
Nichtmitglieder.
Im Jahr 1990 erhielten über neun Millionen Amerikaner
und deren Familien Leistungen aus Betriebsrenten in
Höhe von 126 Milliarden Dollar.
Berücksichtigt man sämtliche Einkommensquellen, so
belief sich das mittlere Jahreseinkommen aller Haushalte, deren Vorstand 65 Jahre oder älter war, im Jahr
1990 auf 16.855 Dollar. Im gleichen Jahr bestanden
15,5 Millionen Haushalte, deren Vorstand eine ältere
Person war, oder 76,3 Prozent aller Haushalte dieser
Kategorie in Eigenheimbesitzern.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 20

�WAHLEN

'9 2
20. Mai 1992

ZWISCHENBERICHT ZU DEN WAHLEN '92
Anzahl der Delegierten und Ergebnisse der Vorwahlen
WASHINGTON - (AD) - Die nachstehend veröffentlichte inoffizielle Übersicht zeigt die Anzahl der Delegierten,
über die jeder Kandidat zum gegenwärtigen Zeitpunkt (13. Mai) des US-Wahlprozesses verfügt sowie die
Ergebnisse der Vorwahlen in West Virginia und Nebraska.
Bush und Clinton gewinnen zwei
Vorwahlen

weitere

Während der Termin für den unvermeidlichen Kampf
um das Weiße Haus im November immer näher rückt,
haben Präsident Bush und der Gouverneur von Arkansas, Bill Clinton, die Vowahlen ihrer jeweiligen Parteien
in West Virginia und Nebraska am 12. Mai mühelos
gewonnen.
Clinton errang in West Virginia mit einer Mehrheit von
6 zu 1 einen großen Vorsprung vor seinem verbliebenen demokratischen Herausforderer, dem ehemaligen
kalifornischen Gouverneur Jerry Brown und konnte
alle 31 Delegierten dieses Bundesstaates für den
nationalen Parteitag auf sich vereinigen. In Nebraska
betrug Clintons Vorsprung 2 zu 1, wo 17 Prozent der
demokratischen Wähler sich nicht eindeutig für einen
Präsidentschaftskandidaten entschieden hatten.
Clinton, der nur noch 436 Delegierte zur Nominierung
benötigt, hat die Gründung eines Gremiums bekanntgegeben, das mögliche Aspiranten für die Vizepräsidentschaftskandidatur sondieren soll. Den Vorsitz
dieser Kommission führt Warren Christopher, ein
ehemaliger Staatssekretär im US-Außenministerium
und Veteran dreier demokratischer Regierungen.

Die neuesten Zahlen
Demokraten (zur Nominierung erforderlich: 2.145)
Clinton
Nichtgebunden

631

Tsongas

526

Brown

357

Republikaner (zur Nominierung erforderlich: 1.105)
Bush
Buchanan
Nichtgebunden

Ebenfalls in West Virginia hat der demokratische
Gouverneur Gaston Caperton bei seiner Kandidatur
um die Wiederwahl vier Herausforderer besiegt und
wird sich im November dem republikanischen Beauftragten für die Landwirtschaft, Cleve Benedikt, gegenübersehen.
AMERIKA DIENST 20

1.236
70
8

Ergebnisse der Vorwahlen vom 12. Mai
Die nachfolgende Übersicht zeigt den Prozentsatz der
Stimmen, die jeder Kandidat bei den Vorwahlen am 12.
Mai erhalten hat.
West Virginia
Demokraten

Auf der republikanischen Seite konnte Bush in den
beiden Bundesstaaten über 80 Prozent der Stimmen
auf sich vereinigen. Sein konservativer Herausforderer Pat Buchanan bleibt im Rennen, obwohl der Präsident bereits die Unterstützung von mehr als genug
Delegierten zur Sicherstellung seiner Nominierung
hat.

1.709

Prozentsatz der Stimmen

Clinton

74

Brown

12

Tsongas

7

Sonstige

7

Republikaner

Prozentsatz der Stimmen

Bush

81

Buchanan

15

Sonstige

4
Seite 1

�Nebraska
Demokraten

Republikaner
Prozentsatz der Stimmen

Bush

84
14

Clinton

48

Buchanan

Brown

22

Sonstige

Tsongas
Nichtgebunden
Sonstige

Prozentsatz der Stimmen

2

7
17
6
* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 20

�</text>
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dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

27. Mai 1992

21

5300 * * *

2

GUS-HILFE

BAKER KÜNDIGT PLAN ZUR VERHINDERUNG
EINES ZWEITEN TSCHERNOBYL AN
Rede in Lissabon

USA-DEUTSCHLAND

DIE DEUTSCH-AMERIKANISCHEN BEZIEHUNGEN: DAS FUNDAMENT DER NÄCHSTEN
VIERZIG JAHRE
Rede von Botschafter Kimmitt bei der
Atlantik-Brücke

KSZE

KONSOLIDIERUNG DER DEMOKRATIE
PRIORITÄT DES NEUEN EUROPAS
Rede von Paula Dobriansky bei KSZE

RASSENBEZIEHUNGEN

RASSENBEZIEHUNGEN IN DEN USA AUS DER
SICHT EINES SCHWARZEN UNIVERSITÄTSPROFESSORS
Stellungnahme von Professor Randall Kennedy

SOZIALPOLITIK

ARBEITSLOSENVERSICHERUNG SCHÜTZT
ARBEITNEHMER VOR FOLGEN DER ARBEITSLOSIGKEIT
Dritter einer Reihe von Artikeln zur
US-Sozialpolitik

WAHLEN '92

ZWISCHENBERICHT ZU DEN WAHLEN «92
Anzahl der Delegierten und Ergebnisse
der Vorwahlen

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�GUS-HILFE
27. Mal 1992

BAKER KÜNDIGT PLAN ZUR VERHINDERUNG
EINES ZWEITEN TSCHERNOBYL AN
Rede in Lissabon
LISSABON - (AD) - US-Außenminister Baker hat drei neue multilaterale Hilfsprogramme für die Staaten der
ehemaligen Sowjetunion vorgeschlagen, darunter 25 Millionen Dollar zur Gründung regionaler Zentren in
Rußland und der Ukraine, um Mitarbeiter von Kernkraftwerken auszubilden und die Sicherheitsverfahren zu
optimieren.
Bei der Lissaboner Konferenz über Hilfe für die neuen unabhängigen Staaten der ehemaligen Sowjetunion
forderte Baker am 23. Mai 1992 eine "Multilaterale Initiative für Reaktorsicherheit", die die "echte Gefahr"
eines "neuen Tschernobyl" verringern würde.
Nachfolgend veröffentlichen wir den Text der Rede Bakers im Wortlaut. Es gilt das gesprochene Wort.
Heute vor vier Monaten schlössen wir die Washingtoner Koordinierungskonferenz ab, die zur Arbeitsteilung entschlossen war, um einen dringenden weltweiten Notstand zu beheben und das Versprechen der
Freiheit in den neuen unabhängigen Staaten über den
harten Winter hinweg zu bewahren.
Gemeinsam haben wir diesen Notstand überwunden.
Gemeinsam haben wir Hilfe bereitgestellt, und wir
haben Hoffnung vermittelt. Und gemeinsam schlössen wir uns den Völkern der neuen unabhängigen
Staaten an, um die Freiheit lebendig zu erhalten, als
sie am meisten gefährdet war.
Heute begrüßen wir die neuen unabhängigen Staaten
als vollwertige Partner bei dem Koordinierungsproze ß,
der in Washington begann. Für jeden dieser neuen
Staaten, für ihre Völker und politischen Entscheidungsträger war und ist der Weg der Reformen nicht
leicht. Sie erkennen, daß der Erfolg der Freiheit in
ihren Händen, nicht in unseren, liegt, und sie haben
nicht um Almosen gebeten. Statt dessen haben sie um
unsere Partnerschaft und unsere Hilfe ersucht.
Hier in Lissabon müssen wir diese Partnerschaft stärken. Wir müssen die von uns in Washington begonnene Arbeit beschleunigen und unser kollektives Engagement zur Unterstützung wirtschaftlicher und politischer Freiheit verstärken. Meines Erachtens gibt es
drei Aufgaben, die unsere Arbeit hier und in den
kommenden Monaten beherrschen sollten: Erstens
die Einleitung von Sofortmaßnahmen, um künftige
humanitäre Notsituationen zu lindern und zu verhindern; zweitens die Konzentration der technischen Hilfe

AMERIKA DIENST 21

zur Unterstützung mikroökonomischer und struktureller Reformen; drittens die Aufnahme von Konsultationen über die Zukunft des Koordinierungsprozeses. Ich
möchte auf jeden dieser Bereiche eingehen.
Die erste Aufgabe - die sofortige Einleitung präventiver Maßnahmen - dient der Minimierung der Risiken
künftiger humanitärer Notlagen. Obwohl unser kollektives Handeln zur Meisterung der Notsituation des
letzten Winters beitrug, sind die Bedingungen in den
neuen unabhängigen Staaten nach wie vor schwierig
und werden zweifellos mit Eintreten der kalten Witterung im nächsten Winter erneut verschärft werden.
Die von den stellvertetenden Vorsitzenden musterhaft
geleiteten Arbeitsgruppen haben hervorragende Arbeit geleistet, um die Bemühungen des vergangenen
Winters zu koordinieren. Insbesondere möchte ich
die stellvertretenden Vorsitzenden aus den Niederlanden und Venezuela zu ihrer hervorragenden Arbeit bei
der Leitung der Energiegruppe beglückwünschen. Ihre
Bemühungen unterstreichen den Wert der Ausdehnung internationaler Koordinierungsanstrengungen auf
ein breites Spektrum von Ländern, von denen jedes
einzigartiges und wertvolles Fachwissen einbringt.
Heute sollten die Arbeitsgruppen jedoch ihren Schwerpunkt im Hinblick auf Maßnahmen verfeinern, die
künftigem Mangel an Waren, Medikamenten, Energie
und Unterkünften vorbeugen können. So müssen wir
etwa im Nahrungsmittelbereich beginnen, diesen Staaten
bei der Bewältigung von Problemen bei Produktion und
Einsatz landwirtschaftlicher Chemikalien zu helfen,
darunter Düngemittel, Pestizide und Herbizide, damit

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�sie ihr eigenes landwirtschaftliches Potential voll ausschöpfen können. Im Energiebereich bedeutet dies
die Sicherstellung einer ausreichenden Versorgung
mit Brennstoffen und Strom für Landwirtschaft und
Nahrungsmittelverarbeitung - insbesondere während
der Erntesaison - in allen neuen unabhängigen Staaten und besonders in Armenien und Kirgistan. In der
Medizin bedeutet dies die Beschleunigung unserer
Bemühungen, um zur Schaffung von Märkten zu
ermutigen und wieder eine einheimische Pharmaindustrie aufzubauen.
Es bedeutet darüber hinaus die volle Integration jedes
der neuen unabhängigen Staaten in die Arbeitsgruppen. Diese Einbindung bringt jedoch auch Pflichten mit
sich, und ich muß offen erklären, daß der politische
Wille zur Beteiligung an diesen kollektiven Anstrengungen eingesetzt werden muß, um bürokratische
Hindernisse und die Überreste des Kommandosystems der stalinistischen Ära aus dem Weg zu räumen. So wurde mir zum Beispiel berichtet, daß der
Arbeitsgruppe Energie bei der Durchführung einer
Untersuchung zur Energieausnutzung aus Gründen
der nationalen Sicherheit der Zugang zu einer Raffinerie verweigert wurde. Die internationale Staatengemeinschaft kann denen nicht helfen, die sich selbst
nicht helfen, und das bedeutet, daß wir alle uneingeschränkt miteinander zusammenarbeiten müssen.
Die neuen unabhängigen Staaten haben darüber hinaus die Verantwortung, mikro- und makroökonomische Reformen zu beschleunigen. Die Unterstützung
künftiger Reformen durch konzentrierte und koordinierte technische Hilfe sollte unsere zweite Aufgabe
sein. In Washington sind wir übereingekommen, daß
technische Hilfe eine entscheidende "Brücke" zwischen humanitärer Hilfe und langfristigen makro- und
mikroökonomischen Reformen ist. Jetzt ist es an der
Zeit, diese Brücke zu stärken.
Wir haben die Mitgliedschaft der neuen unabhängigen
Staaten in den internationalen Finanzinstitutionen stets
unterstützt, und wir unterstützen die Bemühungen des
Internationalen Währungsfonds (IWF) voll und ganz,
mit den neuen unabhängigen Staaten bei der Zusammenstellung makroökonomischer Programme zusammenzuarbeiten. Aber die makroökonomische Stabilisierung allein kann die wirtschaftliche Gesundung nicht
garantieren. Sie muß durch mikroökonomische und
strukturelle Veränderungen ergänzt werden. Die neuen
Staaten - unterstützt durch das Know-how der internationalen Staatengemeinschaft - müssen eine energische Politik betreiben, um Wettbewerb, echte Eigentums- und Vertragsrechte, Privatisierung und Entflechtung von Monopolen sowie sektorale Reformen zu
fördern. Diese Maßnahmen werden nicht nur die
Entwicklung freier Märkte fördern und die vvirtschaffliehe Erholung beschleunigen, sondern auch zur Linderung künftiger humanitärer Notsituationen beitragen.
In Energiewesen und Landwirtschaft zum Beispiel
können Marktwirtschaften die Exporterlöse steigern,
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die Kosten für Nahrungsmittelimporte senken und
gleichzeitig dringenden Bedarf stillen. Das liegt im
Interesse aller.
Deshalb möchte ich alle Teilnehmer an dieser Konferenz auffordern, ihre technischen Hilfeprogramme zu
verstärken, insbesondere diejenigen - wie unser Peace Corps, Programme von Landwirt zu Landwirt, die
Eurasia-Stiftung und Amerika Häuser-, die Menschen
dort einsetzen können, um den Transfer von Knowhow zu optimieren.
Vorzugsweise sollten wir multilateral arbeiten, wie wir
dies zum Beispiel durch unser Programm für Berater
vor Ort der Arbeitsgruppe tun, die sich mit der Wohnungssituation beschäftigt. Dabei nutzen wir die jeweiligen Stärken der einzelnen Länder sowie deren technisches und regionales Know-how. Ein weiteres Beispiel ist die Entwicklung einer engen Partnerschaft
zwischen uns und der Türkei, um freie Märkte und
Demokratie im Kaukasus und Mittelasien zu fördern,
und mit Israel sondieren wir zur Zeit Ideen zur Förderung der Landwirtschaft in Mittelasien.
Mit dem Ziel der Förderung multilateraler technischer
Hilfe möchte ich drei Initiativen ankündigen, die als
Katalysator für kollektive Maßnahmen auf breiter Basis
dienen sollen.
Erstens schlagen wir eine Multilaterale Initiative für
Reaktorsicherheit vor. Die Gefahren eines neuen
Tschernobyl sind real, und diese Initiative dient dazu,
das Risiko von Unfällen bei Kernreaktoren russischen
Typs zu reduzieren, indem die Sicherheitsmängel der
Reaktoren sobald wie möglich behoben werden. Als
ersten Schritt schlagen wir vor, die bereits existierenden Bemühungen unseres Energieministeriums und
der kerntechnischen Genehmigungsbehörde (Nuclear
Regulatory Commission) auszubauen und zwei Regionale Ausbildungszentren zu gründen - eines in Rußland und eines in der Ukraine. Diese Zentren werden
eine Grundausbildung in Sicherheitsverfahren sowie
Ausrüstung bereitstellen. Das Zentrum in der Ukraine
wird femer computergestützte Simulatoren bieten. Diese
werden allen Staaten der GUS und den baltischen
Staaten offenstehen. Darüber hinaus werden wir ein
Paket zur Verbesserung der Betriebssicherheit und
von Maßnahmen zur Reduzierung von Risiken vorantreiben. Wir hoffen, andere werden sich an diesen
Bemühungen beteiligen, um ein Problem zu bewältigen, das eindeutig globale Dimensionen aufweist, und
wir möchten in den kommenden Wochen mit unseren
Freunden und Verbündeten bei Maßnahmen zusammenarbeiten, die wir gemeinsam unternehmen könnten.
Zweitens schlagen wir ein Multilaterales Programm
zur Verbesserung der Nahrungsmittelversorgung
vor. Dieses Programm, das auf einer von mir erstmals
mit Bürgermeister Sobtschak aus St. Petersburg erörterten Idee fußt, ist darauf ausgerichtet, durch den

AMERIKA DIENST 21

�Verkauf von den neuen unabhängigen Staaten gespendeten Agrargütern zu Marktpreisen private Märkte zu entwickeln. Wir planen, den erfolgreichen
Bemühungen der Europäischen Gemeinschaft zu folgen und die Erlöse aus dem Verkauf dieser Waren
einzusetzen, um zur Entwicklung von Nahrungsmittelverteilungssystemen beizutragen, Kredite für landwirtschaftliche Betriebe und Privatlandwirte zu vergeben
und das soziale Sicherungsnetz zu stärken. Wir
werden unsere Beteiligung durch die Lieferung von
Nahrungsmitteln in Höhe von 35 Millionen Dollar einleiten. Wir sind bereit, weitere Mittel für ein multilaterales
Vorhaben dieser Art einzusetzen.
Drittens schlagen wir eine Initiative Partner bei der
Konversion der Rüstungsindustrie vor. Diese würde
auf unserer Praxis aufbauen, in wichtigen Städten in
allen GUS-Staaten langfristig Berater bei der Rüstungskonversion vor Ort einzusetzen.
Das Ziel wäre die Beschleunigung der Rüstungskonversion und die Ermutigung zu Investitionen durch
Bereitstellung praktischer Beratung durch Experten
für Regionen, Städte und Unternehmen, die auf zivile
Produktion umgestellt werden. Die Konversion der
Rüstungsindustrie wird für die Freisetzung von Ressourcen für wirtschaftliche Gesundung, Wachstum
und Wohlstand entscheidend sein.
Obwohl wir all diese Initiativen einseitig vorantreiben
werden, ist unser Ziel die Einbeziehung so vieler
internationaler Partner wie möglich. Ich hoffe, andere
werden sich unseren Initiativen anschließen und jede
zu einem wahrhaft multilateralen Vorhaben machen.
Die dritte vor uns liegende Aufgabe ist die Umgestaltung dieses Ad-hoc-Koordinierungsprozesses, der zur
Bewältigung einer kurzfristigen Notlage entwickelt wurde,
zu einem Prozeß, der unserem kollektiven Engagement langfristig dienen kann. Wir müssen Mechanismen entwickeln, um unsere Bemühungen zu koordinieren, besonders im Hinblick auf die weiteren Reformen in den neuen unabhängigen Staaten. Ich möchte
vorschlagen, daß wir zu einem geeigneten Zeitpunkt
die Idee in Erwägung ziehen, Konsultativgruppen oder
-mechanismen ins Leben zu rufen, um Reformen in
den einzelnen Staaten zu unterstützen.
Viele von Ihnen wissen, daß Konsultativgruppen oder
-mechanismen traditionell das Empfängerland oder
die Empfängerländer, wichtige bilaterale Geber und
multilaterale Institutionen wie Weltbank, IWF, regionale Entwicklungsbanken und das Entwicklungsprogramm
der Vereinten Nationen einbeziehen. Sie wurden in
der Vergangenheit von verschiedenen Organisationen, einzelnen Ländern oder einer Kombination von
beiden geleitet und traten für gewöhnlich einmal im
Jahr zusammen. Bisweilen gehört dazu auch eine
Kerngruppe, die häufiger zusammentritt.

AMERIKA DIENST 21

Sicherlich stehen zahlreiche Modelle zur Wahl, und wir
müssen uns nicht starr auf ein bestimmtes Muster
festlegen, um die mannigfaltigen Bedürfnisse der neuen
unabhängigen Staaten in den Griff zu bekommen.
Angesichts der historischen Herausforderung, vor der
wir stehen - die Unterstützung von Reformen in zwölf
Staaten gleichzeitig - sollten wir bereit sein, neue und
innovative Koordinierungsmechanismen zu erwägen.
Wir werden Form und Struktur solcher Gruppen oder
Mechanismen untersuchen müssen, den Grad der
Zusammenarbeit, den sie leisten sollten, die für die
Befriedigung der Bedürfnisse der neuen unabhängigen Staaten wünschenswerte Zahl sowie die Frage,
wer an welchen Gruppen oder Mechanismen beteiligt
sein, ihren Vorsitz führen und wann sie zweckmäßigerweise mit der Unterstützung des Reformprozesses
beginnen sollten.
Meines Erachtens sollten wir Konsultativgruppen oder
-mechanismen einsetzen, um die Hilfe effektiv zu
koordinieren, solide makroökonomische und strukturelle Maßnahmen zu unterstützen und die politische
und wirtschaftliche Koordinierung in diesen Prozeß
einzubeziehen. Zweifellos müssen sich die neuen
unabhängigen Staaten uneingeschränkt an der Entwicklung dieses Prozesses beteiligen, und diese
Mechanismen sollten - zum gegebenen Zeitpunkt - so
eingerichtet werden, daß die einzigartige Situation in
den unabhängigen Staaten berücksichtigt wird. Wir
sollten darüber hinaus ein breites Spektrum bilateraler
und multilateraler Geber zur Beteiligung ermutigen.
Sicherlich sind dies Fragen, die wir hier nicht entscheiden können. Ich gehe jedoch davon aus, daß es
nützlich wäre, wenn diese Konferenz diese Idee gutheißen würde, so daß wir an die Lösung dieser Probleme gehen und die Gruppen oder Mechanismen zu
gegebener Zeit zur Unterstützung des Reformprozesses aktiv werden können.
Bevor ich schließe, möchte ich der Europäischen
Gemeinschaft - insbesondere Portugal - für die Ausrichtung dieser Konferenz danken und unseren japanischen Partnern sagen, daß wir dem nächsten Treffen
in Tokio im Herbst gerne entgegensehen. Ich möchte
darüber hinaus eine weitere Frage erörtern, die anzusprechen ich von Ereignissen gezwungen werde, die
außerhalb der Kontrolle dieser Konferenz liegen.
Wie ich in jüngster Zeit mehrmals erklärt habe, bietet
sich uns - mit dem Zusammenbruch des Sowjetkommunismus - die Chance, in Eurasien einen dauerhaften Frieden zu schaffen, einen auf gemeinsame Werte
gegründeten demokratischen Frieden. Dies ist wirklich eine Chance, wie sie in hundert Jahren nur einmal
auftritt. Aber uns bleibt noch viel Arbeit zu tun, wenn
wir diese Chance zur Realität machen möchten.
Während wir uns zusammenschließen, um unsere
Bemühungen für die Staaten Mittel- und Osteuropas

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�zur Überwindung der von Jahren stalinistischer Planung verursachten wirtschaftlichen Verwüstung zu
teilen, liegen noch weitere Hindernisse auf dem Weg.

internationale Staatengemeinschaft sollte diese Barbarei, diesen Affront für unser kollektives Gewissen
nicht länger tolerieren.

In Jugoslawien, in Nagorny-Karabach, in Trans-Dnjester und an anderen Orten Eurasiens schüren jahrhundertealte Animositäten einen tragischen Kreislauf der
Gewalt und führen zur gefährlichen Eskalation von
Konflikten, die auch benachbarte Gebiete erfassen
können. Diese Konflikte verursachen großes menschliches Leid und verschärfen die politischen Spannungen. Sie bedrohen besonders den Reformprozeß und
die Hoffnung auf Demokratie. Während wir uns bemühen, die Wirtschaftshilfe für die neuen unabhängigen
Staaten zu koordinieren, sollten wir die uns hier zur
Verfügung stehende Zeit im Vorgriff auf unsere Bemühungen nutzen, politische Lösungen für diese Konflikte
zu finden.

Ich fordere deshalb jeden Staat und jede Organisation
bei dieser Konferenz auf, allen ihnen zur Verfügung
stehenden Einfluß aufzubieten, um bewußt zu machen, daß Aggression ihren Preis hat und daß die Welt
sicheres Geleit für humanitäre Konvois sowie die
unverzügliche Öffnung des Flughafens von Sarajevo
fordert. Ich fordere jeden Staat und jede Organisation
bei dieser Konferenz auf, sich in einer kollektiven
Anstrengung zusammenzuschließen, um unseren
politischen, diplomatischen und wirtschaftlichen Einfluß zu mobilisieren und klarzustellen, daß die Blockade des Friedens und die Terrorisierung unschuldiger
Menschen ihren Preis hat. Verehrte Ministerkollegen,
mein Grundtenor lautet folgendermaßen: Wir sollten
einen humanitären Alptraum im Herzen Europas nicht
In Jugoslawien ist jeder Versuch zum Frieden blockiert akzeptieren.
worden, und wir werden heute Zeugen menschlichen
Leids in schrecklichem und massivem Umfang. Die

* * * * *

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AMERIKA DIENST 21

�USA

-

DEUTSCHLAND
27. Mai 1992

DIE DEUTSCH-AMERIKANISCHEN BEZIEHUNGEN:
DAS FUNDAMENT DER NÄCHSTEN VIERZIG JAHRE
Rede von Botschafter Kimmitt bei der Atlantik-Brücke
HAMBURG - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir den Text der Rede, die der amerikanische Botschafter in der
Bundesrepublik Deutschland, Robert M. Kimmitt, am 25. Mai 1992 bei einer Konferenz anläßlich des 40jährigen
Bestehens der Atlantik-Brücke in Hamburg gehalten hat. Es gilt das gesprochene Wort.
Herr Staatsminister Schäfer,
Herr Leisler Kiep,
Frau Dr. Linde mann,
meine sehr verehrten Damen und Herren,
Es ist mir eine große Ehre, an den Feierlichkeiten zum
vierzigsten Jahrestag der Atlantik-Brücke und später
an der Ehrung von Henry Kissinger hier in Hamburg
teilnehmen zu können. In Anerkennung des wesentlichen Beitrags Ihrer Organisation zum transatlantischen Verständnis habe ich im vergangenen September das Bonner Büro der Atlantik-Brücke als Ort für
meine erste Rede als Botschafter gewählt. Heute
möchte ich Sie nicht nur zu Ihrer bisher geleisteten
ausgezeichneten Arbeit beglückwünschen, sondern
auch einige Gedanken zu unseren gemeinsamen
Aufgaben in den kommenden Jahren darlegen.
Das neue Zeitalter erfordert neue konzeptionelle Ansätze,
neue Koalitionen, neue Partnerschaften.
Bevor ich mich dem ersten Thema zuwende, möchte
ich kurz Rückschau auf die Welt in der Zeit halten, als
die Atlantik-Brücke im Mai 1952 ins Leben gerufen
wurde.
Rückblick-Mai 1952
Diese Zeiten waren die dunklen Anfangstage des
kalten Kriegs, eine Periode, in der sich die Teilung
Europas und Deutschlands verfestigte. Im Mai 1952
veröffentlichte die Zeitschrift Life einen von John Foster
Dulles verfaßten, höchst umstrittenen Artikel, in dem
Dulles den kalten Krieg nicht als einen rein wirtschaftlichen oder politischen, sondern als vornehmlich moralischen Kampf definierte. Die Frontlinien waren gezogen.
AMERIKA DIENST 21

Im Zentrum des Konflikts lag Deutschland - sein Territorium ein potentielles Schlachtfeld, sein Schicksal
beherrscht von der Konfrontation der Supermächte.
Da die Sicherheit der freien Welt auf dem Spiel stand,
wurden die Vereinigten Staaten zur Schutzmacht für
Deutschland. Der ideologische Kampf des kalten
Kriegs war real, in der Tat tödlich, aber gleichzeitig
unnormal und künstlich wie die innerdeutsche Grenze
und die Berliner Mauer. Im Lauf der Geschichte
erwiesen sich dieser Kampf und seine künstlichen
Gebilde als vergänglich. Die Geschichte hielt große
Überraschungen bereit - insbesondere das annus mirabilis 1989. Um einen amerikanischen Historiker zu
zitieren: "Als die Nationen Westeuropas 1989 die
Zweihundertjahrfeier der Französischen Revolution
begingen, wurde sie von den Nationen Osteuropas
wiederholt."
Als im November 1989 die Mauer und mit ihr der
Eiserne Vorhang fiel, reagierten die Vereinigten Staaten und die Amerikaner mit großer Freude. Wir jubelten über den Fall der barbarischen Schranken und
später über die Vereinigung Deutschlands. Obwohl
wir uns jedoch der Tatsache bewußt sind, daß Europa
heute in sicherheitspolitischer Hinsicht sicherer ist als
je zuvor in der Nachkriegszeit, gaben wir uns keinen
Illusionen hin. Wir wußten, daß das Ende des kalten
Kriegs kein Zeitalter ewigen Friedens eingeläutet hatte. In der anbrechenden neuen Ära konnten wir jedoch
ebenfalls auf einen moralischen Kompaß und ein
institutionelles Fundament zurückgreifen. Etablierte
Institutionen erhielten neue Bedeutung wie die NATO
und die EG im öffentlichen und die Atlantik-Brücke im
privaten Bereich.

Seite 1

�Während des kalten Kriegs bildeten sicherheitspolitische Probleme den Schwerpunkt der transatlantischen
Partnerschaft. Die Konzentration auf diese Fragen
war verständlich, erfolgte jedoch gelegentlich auf Kosten
des menschlichen Aspekts. Glücklicherweise machten sich weitblickende Protagonisten wie Senator William
Fulbright an die Arbeit, unsere Gesellschaften auf der
menschlichen Ebene zu verknüpfen. Er setzte seine
Hoffnungen für die Zukunft in Menschen statt in die
Politik. Er war überzeugt, daß persönliche Bindungen
der Schlüssel zu vertieftem Verständnis und Bereicherung der internationalen Beziehungen sind. Im Frühjahr vor 40 Jahren rief er das nach ihm benannte
Austauschprogramm ins Leben. Dank des FulbrightProgramms konnten rund 25.000 Deutsche und
Amerikaner im jeweils anderen Land studieren und
unsere verbindenden gemeinsamen Werte aus erster
Hand kennenlernen.
Senator Fulbright war nicht allein. 1952 trug auch Eric
Warburg, der vor dem Naziregime in die Vereinigten
Staaten geflohen war, zur Gründung der AtlantikBrücke als Mittel zur Vertiefung der deutsch-amerikanischen Bindungen und Verbesserung des bilateralen
Verständnisses bei. Bundespräsident von Weizsäkker erklärte später, Warburg "verkörperte in seiner
Person die Brücke über den Atlantik". Diese Vision hat
noch heute Bestand - in amerikanischen Staatsmännern wie Henry Kissinger und in solchen Programmen
der Atlantik-Brücke wie "Junge Führungskräfte".
Die Beispiele von Fulbright und Warburg führen uns
vor Augen, daß die Nachkriegsgeneration von Führungskräften außergewöhnlich war. John J. McCIoy,
ein Mitglied dieses Elitekorps, sprach sogar von einem
"perikleischen Zeitalter". Auf beiden Seiten des Atlantiks übernahmen die Führungskräfte die enorme Verantwortung für den Wiederaufbau Europas und den
Schutz der Freihheit. Der Marshallplan und die NATO,
"zwei Hälften derselben Walnuß", wie Präsident Truman es formulierte, verkörperten in konkreter Form
das amerikanische Engagement für Europa. Mit der
Zeit florierten die westlichen Volkswirtschaften und die
Freiheit gedieh. Die besiegten ehemaligen Gegner
traten wieder der internationalen Staatengemeinschaft
bei. Im Hinblick auf die deutsch-amerikanischen Bindungen veränderte sich das Fundament der Beziehungen von Fürsorge zu Partnerschaft - from patronage to
partnership - und brachte dadurch einen der größten
Erfolge der Nachkriegszeit hervor.
Partner in der Führung
Die deutsch-amerikanische bilaterale Partnerschaft ist
an Bedeutung unübertroffen, und mein Ziel besteht
darin, sie jeden Tag stärker zu machen. Wir sind uns
jedoch der Bedeutung Europas klar bewu ßt, sowohl für
Deutschland als auch für die Vereinigten S'.aaten. Aus
diesem Grund stärken wir unsere Bindungen zu ueutschland und lehnen eine "Nullsummenanalyse" entschlos-

Seite 2

sen ab, die vorgibt, wir könnten dies nur auf Kosten der
Beziehungen zu anderen Ländern - insbesondere in
Europa - bewirken. Wir versuchen ebenso wie Sie,
auch diese Beziehungen zu verbessern.
Am 3. Oktober letzten Jahres besuchte ich Hamburg,
um an den Feiern zum ersten Jahrestag der deutschen
Einheit teilzunehmen. Ich kann mich lebhaft an die im
Stadtzentrum wehenden Fahnen erinnern. Die Flaggen, immer als Trio - die der Stadt Hamburg, der
vereinigten deutschen Nation und der Europäischen
Gemeinschaft - symbolisierten die Perspektiven der
Deutschen für heute und morgen.
Selbst wenn wir daher unsere bilateralen Bindungen
zu Deutschland betonen, tun wir dies im umfassenderen europäischen Kontext. Bei der Begrüßung von
Bundespräsident von Weizsäcker im Weißen Haus
stellte Präsident Bush im vergangenen Monat fest:
"Sie sind unser Partner beim Aufbau eines geeinteren
und kooperativeren Europas, und in diesem Geiste
begrü ßen wir das deutsche Engagement für internationale Angelegenheiten uneingeschränkt". Starke bilaterale Beziehungen stehen voll und ganz im Einklang
mit Fortschritten zu einem geeinteren Europa, einem
Ziel, das die Vereinigten Staaten über Jahre hinweg
konsequent unterstützt haben.
Präsident Bush ging auch auf die Entwicklung unserer
bilateralen Beziehungen ein und sprach von Deutschland als "einst unser Gegner, jetzt unser enger Freund
und Partner in der Führung". Präsident Bush hat auf
Deutschland als Amerikas Partner in der Führung
erstmals in einer prophetischen Rede vor drei Jahren
in Mainz verwiesen. Damals wurde diese Geste von
der deutschen Öffentlichkeit herzlich aufgenommen.
Sie wurde von vielen jedoch mehr als Bestätigung für
die erreichte Gleichberechtigung in den bilateralen
Beziehungen gesehen als ein Ruf nach konzertierter
Aktion.
In der Tat war die Mainzer Rede beides. Sie war ein
Wegweiser für die darauffolgenden tumultartigen Zeiten. Nachdem wir jedoch in diesem Frühjahr ein
wirkliches Erdbeben in Bonn überlebt haben, kann ich
mit gewisser Berechtigung sagen, daß die Vereinigung
Deutschlands ein politisches Erdbeben war. Sie war
ein Ziel, das wir über Jahre hinweg uneingeschränkt
und konsequent unterstützt hatten, aber ihr Tempo
war überraschend für uns, für Sie und Ihre Nachbarländer. Die amerikanische Reaktion war jedoch unmißverständlich und vielleicht einzigartig: Wir unterstützten die Vereinigung Deutschlands von Anfang an
uneingeschränkt und ohne zu zögern.
Das Konzept der deutsch-amerikanischen Partnerschaft ist ein natürliches, weil es auf einem breiten
Fundament gemeinsamer Werte ruht: Demokratie,
Prinzipien der freien Marktwirtschaft, Achtung der Rechte
des einzelnen und Rechtsstaatlichkeit sowie Bereit-

AMERIKA DIENST 21

�schaft, den Bedürftigen die Hand zu reichen. Darüber
hinaus haben mehr als ein Viertel aller Amerikaner
deutsche Vorfahren. Die Partnerschaft hat daher tiefe
Wurzeln.
Eine Partnerschaft bringt Menschen mit der gleichen
Sichtweise und Orientierung zusammen, die die
Wahrscheinlichkeit ihres Erfolgs durch die Bündelung
ihrer Ressourcen verbessern wollen. Es wird Meinungsverschiedenheiten geben, die sich jedoch auf
die Mittel und Taktiken beschränken. Es wäre in der
Tat nützlich, wenn solche Differenzen in einer Partnerschaft nie an die Oberfläche kämen - sei es in einer
Rechtsanwaltskanzlei, einer Ehe oder einer bilateralen
Beziehung. Sie stellen nicht die zugrundeliegenden
Ziele in Frage, sondern verweisen schlicht und einfach
auf die Notwendigkeit besserer Kommunikation.
Das Ideal ist nicht so sehr 10Oprozentige Übereinstimmung wie 100prozentige Konsultation. Diese häufig
verschwommene Unterscheidung ist ausschlaggebend.
Wo es Meinungsverschiedenheiten zwischen den
Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik gab,

erstreckten sie sich auf die Mittel, und nicht auf die
Ziele.
Aussichten für die Führungsrolle
Deutschland muß - und sollte - nicht zögern, eine
Führungsrolle zu übernehmen. Zweifelsohne gibt
diese Aussicht in den Köpfen mancher Leute Anlaß zur
Sorge. Einige dieser Sorgen beziehen sich auf den
Begriff "Führung", der infolge derdeutschen Geschichte einen Beiklang hat, der dem Wort "leadership" für
uns nicht anhaftet. Führung bedeutet nicht "Herrschaft" oder Hegemonie. Sie bedeutet das Ergreifen
der Initiative bei gemeinsamen Interessen und anderen ein Beispiel zu geben, dem sie folgen können.
Hitlers Streben nach Übermacht hat zu Recht Deutschlands aggressiven Alleingang diskreditiert. Es sollte
jedoch nicht auf immer die deutsche Entschlossenheit
ersticken, in einem kollektiven Rahmen gemeinsamer
Werte und vereinbarter Ziele die Führungsrolle zu
übernehmen. Wieder einmal, und nicht zum ersten
Mal, ist Deutschland vereinigt und mächtig. Neu in der
Weltgeschichte ist, daß Deutschland auf einem soliden demokratischen Fundament vereinigt ist - eine
vielversprechende Tatsache für Deutschlands Rolle in
der Weltpolitik.
Partnerschaft in der Führung bedeutet keine Partnerschaft, in der wir uns aneinanderklammern. Wenn
dem Konzept Erfolg beschieden sein soll, muß man
sich vor Augen führen, daß Partner ihre individuellen
Bedürfnisse und Prioritäten ebenso wie ihre Grenzen
haben. Deutschland wird weiterhin seine eigene,
einzigartige geopolitische Lage haben, sein eigenes
innereuropäisches Programm und besondere bilaterale Beziehungen beispielsweise zu Frankreich und Polen
unterhalten.

AMERIKA DIENST 21

Führung erfordert ein Engagement für kollektives
Handeln. Einige politische Entscheidungsträger müssen
von anderen unterstützt werden, um gemeinsame
Ziele zu verwirklichen. Wenn wir Deutschland ermutigen , mit uns Partner in der Führung zu sein, tun wir dies
in der Überzeugung, daß Deutschland diese Rolle
primär als stolzes und verantwortungsbewußtes Mitglied multilateraler Organisationen wie der NATO, der
Europäischen Gemeinschaft und der Vereinten Nationen ausfüllen wird. Kollektives Handeln zur Erlangung
gemeinsamer Ziele - das ist Partnerschaft, das ist
Führung in der neuen Welt von heute.
Bei einer unserer größten Herausforderungen - der
Hilfe für die aus dem ehemaligen Sowjetblock entstandenen Staaten - blicken wir auf Deutschland als wichtigen Partner bei dem Vorhaben, das Außenminister
Baker als Politik des "kollektiven Engagements" bezeichnet hat. Wir planen, mit Deutschland eng zusammenzuarbeiten, indem wir Pflichten koordinieren und
teilen. Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich feststellen, wie sehr wir die bisherigen deutschen Bemühungen anerkennen. Deutschlands Beiträge sind groß,
wichtig und werden sehr geschätzt.
Wir teilen auch Deutschlands Gefühl der Dringlichkeit
in bezug auf die Bedürfnisse der neuen Nationen.
Gleichzeitig bin ich enttäuscht über den fälschlich
entstandenen Eindruck, die Vereinigten Staaten setzten ihr Gewicht nicht genügend ein. Die Tatsachen
sprechen eine andere Sprache.
Trotz Haushaltsengpässen haben die Vereinigten Staaten seit 1990 den neuen Staaten der
ehemaligen Sowjetunion über 7 Milliarden Dollar an Hilfe gewährt oder zugesagt. In Zusammenarbeit mit Deutschland haben wir die Grundlage für ein internationales Wissenschaftszentrum in Rußland und in der Ukraine geschaffen,
um das Problem der Abwanderung von Wissenschaftlern in den Griff zu bekommen. Bei der
Washingtoner Koordinierungskonferenz haben
wir uns gemeinsam mit unseren Verbündeten
darum bemüht, unsere Hilfe durch Koordinierung effektiver zu gestalten. Später unternahmen wir massive Bemühungen im Rahmen der
Aktion Hoffnung, um dringende humanitäre
Bedürfnisse zu erfüllen.
Bei der Lissaboner Konferenz des vergangenen
Wochenendes kamen 63 Länder zusammen,
um weitere Hilfsmaßnahmen für die ehemalige
Sowjetunion zu erörtern. Außenminister Baker
kündigte eine Initiative zur Verbesserung der
Betriebssicherheit sowjetischer Kernkraftwerke
in Eurasien an. Als Teil dieses Pakets sagte er
25 Millionen Dollar zu.
Präsident Bush gab vergangenen Monat unsere
Unterstützung für das multilaterale makroökonomische Hilfspaket der G-7 bekannt, deren

Seite 3

�Vorsitz dieses Jahr die Bundesrepublik Deutschland innehat. Dieses 24-Milliarden-Dollar-Paket, zu dem die Vereinigten Staaten 25 Prozent
beitragen werden, hilft den eurasischen Republiken, ihre Volkswirtschaften zu stabilisieren,
die Inflation unter Kontrolle zu bringen und den
Weg für Wachstum und Entwicklung zu bereiten. Präsident Bush hat darüber hinaus kürzlich
das "Freedom Support Act" vorgeschlagen, einen
umfassenden Rahmen zur Bewältigung der
militärischen, politischen und wirtschaftlichen
Probleme Rußlands und Eurasiens.
Darüber hinaus sollten wir nationale Bestrebungen
nicht zu eng fassen. Wir sollten auch den amerikanischen Beitrag zur gemeinsamen Verteidigung in Betracht ziehen - in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
Um ihre NATO-Verpflichtungen zu erfüllen, haben die
Vereinigten Staaten Hunderte Milliarden von Dollar
aufgewendet, und sie werden in der Zukunft weitere
Milliarden dafür aufbringen.
Die vor uns Hegenden Aufgaben und Chancen
Wenn wir uns den bevorstehenden Aufgaben stellen,
müssen wir uns des Sprichworts erinnern: "Es ist in
Ordnung, Fehler zu machen, solange es nicht die
falschen sind." Fürdie Vereinigten Staaten wäre es ein
fataler Fehler, der Welt den Rücken zuzukehren, sich
von internationalen Verpflichtungen hinter nationale
Schranken zurückzuziehen. Weltweite Interdependenz ist mehr als ein Klischee; sie ist eine Tatsache
des internationalen Lebens in unserer Zeit.
Professor Goldman wird später über die andere Seite
der transatlantische Brücke sprechen, über die politische Szene in Amerika. Er wird zweifellos unsere
innenpolitische Situation ansprechen. Wenn ich dazu
einige Beobachtungen beitragen darf, so würde ich
einen Aspekt der amerikanischen Präsidentschaftsvorwahlen dieses Frühjahrs betonen - nämlich, daß
das amerikanische Volk sowohl dem Isolationismus
als auch dem Protektionismus entsagt hat. Ebenso
wie Deutschland aus seinen furchtbaren Erfahrungen
in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts gelernt hat,
gilt dasselbe auch für die Vereinigten Staaten.

In den kommenden Jahren müssen wir die Lehren der
Geschichte anwenden. Wir müssen weiterhin den
Sackgassen von Isolationismus und Protektionismus
widerstehen. Natürlich müssen wir im Inland stark und
einig sein, wenn wir im Ausland aktiv und zur Führung
in der Lage sein möchten. Aber auch der Umkehrschluß trifft zu. In einer von militärischer und wirtschaftlicher Kriegführung zerrissenen feindseligen Weit
werden wir unfähig sein, die von uns angestrebte
Gesellschaft im Inland zu errichten.
Heute morgen hatte ich die Gelegenheit, in Bonn mit
Teilnehmern des Austauschprogramms Kongreß/
Bundestag zusammenzutreffen. Es richtet sich an

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Studenten und junge Berufstätige und stellt Stipendien
und Gastfamilien im jeweiligen Partnerland zur Verfügung. Über 5.000 Deutsche und Amerikaner haben
seit seiner Gründung vor nahezu zehn Jahren davon
profitiert. Wir beginnen jetzt, die Auswirkungen dieses
Programms zu sehen, da sich zahlreiche ehemalige
Teilnehmer heute um Fulbright- und andere Stipendien bewerben, um ihr Verständnis des anderen Landes zu vertiefen und sich auf Führungspositionen in
beiden Ländern vorzubereiten.
Zweifellos sind das Austauschprogramm Kongreß/
Bundestag, das Fulbright-Programm, der Deutsche
Akademische Austauschdienst, das deutsch-amerikanische Partnerschaftsprogramm, und andere staatlich geförderte Bestrebungen für die Kommunikation
zwischen unseren beiden Ländern von entscheidender Bedeutung. Die Schaffung direkter persönlicher
Beziehungen ist der "Wachstumsmarkt" unserer Arbeit, denn nichts kann überzeugender sein als solche
authentischen Erfahrungen.
Trotzdem haben diese offiziellen Programme nur einen kleinen Anteil an den gesamten persönlichen
Kontakten. Weit mehr ist als Ergebnis von Privatinitiativen und individueller Kreativität geschehen. Gerade
im kulturellen, zwischenmenschlichen Bereich hat die
Atlantik-Brücke einige ihrer bemerkenswertesten Beiträge geleistet, und dort müssen wir in Zukunft einen
Teil unserer Energien bündeln.
"Was zwischen den Vereinigten Staaten und Westeuropa erforderlich ist", so schrieb Dr. Kissinger unlängst, "ist nicht mehr Struktur, sondern etwas nicht
greifbares, wie die besonderen Beziehungen, die immer
zwischen Amerika und Großbritannien bestanden
haben." Im Hinblick auf die deutsch-amerikanischen
Beziehungen ist die institutionelle Struktur in der Tat
bereits vorhanden. Durch die Erleichterung persönlicher Kontakte tragen Austauschprogramme dazu bei,
die menschliche Dimension einzubringen, die den
Kern jeder besonderen Beziehung bildet. Und wir
anerkennen die Bedeutung der Einrichtung und des
Ausbaus solcher Programme in den neuen Bundesländern, denen wir deshalb Priorität eingeräumt haben.
Schlußbemerkungen
Zusammenfassend gestatten Sie mir bitte, eine Geschichte über einen berühmten geistreichen Berliner
zu zitieren, der ein Doppelabteil in einem überfüllten
Schlafwagen bezahlt hatte. Einer der übrigen Passagiere, der keine Reservierung hatte, wandte sich an ihn
und erklärte, er werde jeden Betrag zahlen, um das
Abteil zu teilen. Der Berliner erwiderte postwendend:
"Vielleicht. Aber lassen Sie mich das erst einmal
überschlafen." Bei dem Versuch, den Frieden nach
dem kalten Krieg zu sichern, können wir uns nicht den
Luxus leisten, die Sache zu überschlafen, die schwie-

AMERIKA DIENST 21

�rigen Fragen der Zukunft mit Muße zu überdenken.
Wenn wir nicht die Zukunft gestalten, wird sie uns
gestalten.

Freiheit retteten. Dieser Ausbruch an Kreativität ist
einer der strahlendsten Momente der amerikanischen
Geschichte."

Die atlantische Brücke war von großartigen Erfolgen
gekennzeichnet. Wir sind heute hier versammelt, um
diesen Erfolg zu feiern. Gleichzeitig wird die Brücke in
den kommenden Jahren mehr Verkehr tragen und
deshalb, wie der Bundeskanzler gerne sagt, braucht
sie neue Fahrspuren. Wir sollten den stärkeren Verkehr begrüßen, denn er wird nicht nur den Interessen
der Vereinigten Staaten und Deutschlands dienen,
sondern der ganzen freien Welt.

Wieder einmal ist die Welt an einem Wendepunkt
angelangt, einem Punkt, der neue Kreativität und
Führungskraft in Deutschland und Europa ebenso wie
in den Vereinigten Staaten erfordert. Die "Chancen
der Freiheit" stehen auf dem Spiel. Für Amerikaner
und Europäer ist das Ziel klar: zusammenzuarbeiten
und die Segnungen, derer wir uns erfreuen, in ganz
Europa und darüber hinaus zu verbreiten. Wenn wir
danach trachten, anderen Hilfe zur Selbsthilfe zu geben,
stärken wir damit unsere Länder und Völker sowie die
Bande, die uns so eng miteinander verbinden.

Heute sind wir mit einer Situation konfrontiert, die der
Deutschlands vor fünfundvierzig Jahren ähnelt. Der
Krieg ist vorbei; jetzt ist die Zeit des Wiederaufbaus
gekommen. In seinen Memoiren würdigt Dr. Kissinger
die Nachkriegsgeneration amerikanischer Politiker, die
durch ihr Engagement für Europa "die Chancen der

Wie der ehemalige Außenminister Genscher - von
Verteidigungsminister Rühe in seiner Abschiedsansprache für Genscher vergangene Woche zitiert - zu
sagen pflegte: "Es kann uns nicht gut gehen, wenn es
anderen schlecht geht."
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

*

AMERIKA DIENST 21

* * *

*

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�KSZE
27. Mai 1992

KONSOLIDIERUNG DER DEMOKRATIE
PRIORITÄT DES NEUEN EUROPAS
Rede von Paula Dobriansky bei KSZE
HELSINKI - (AD) - Der Konsolidierung von Demokratie und marktorientierten Volkswirtschaften in Mittel- und
Osteuropa sowie der ehemaligen Sowjetunion muß derzeit absolute Priorität eingeräumt werden. Dies erklärte
die Leiterin der Abteilung für Politik und Programme des US-Informationsamts, Paula Dobriansky, am 20. Mai
1992 in einer Rede vor der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) in Helsinki.
Dabei verwies Dobriansky darauf, daß sich die Hilfe für diese Länder auf fünf Eckpfeiler gründen mu ß, und zwar
"die Struktur der Regierung selbst... eine faire und unabhängige Justiz ... Bildung ... freie und unabhängige
Medien ... (sowie) Wirtschaftswachstum und Wohlstand".
Die amerikanische Politik unterstreiche "die Ernsthaftigkeit unserer Entschlossenheit und unseres Engagements
zur Förderung einer Gemeinschaft freier und demokratischer Nationen, die sich der Rechtsstaatlichkeit und dem
Schutz der Menschenrechte im In- und Ausland verschrieben haben," erklärte Dobriansky.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Paula Dobriansky im Wortlaut.

Ich bin geehrt, vor dieser Konferenz über eine Frage zu
sprechen, der von der amerikanischen Regierung
absolute Priorität eingeräumt wird: die Konsolidierung
von Demokratie und marktorientierten Volkswirtschaften in Mittel- und Osteuropa sowie der ehemaligen
Sowjetunion.
Angesichts der einzigartigen und außergewöhnlichen
Rolle, die die KSZE seit 1975 bei Überwachung und
Ausbau der Menschenrechte sowie der Förderung
demokratischer Ziele im Ausland gespielt hat, ist es
angebracht, daß ich heute hier Strategien zur Unterstützung der demokratischen Revolution erörtere.
Epochale Dokumente wie die - in dieser Stadt unterzeichnete - KSZE-Schlußakte und Schlußdokumente
der Wiener Folgekonferenz, der Bonner Wirtschaftskonferenz und des Kopenhagener Treffens über die
menschliche Dimension haben Maßstäbe gesetzt, an
denen die Bilanz der KSZE-Mitgliedstaaten im Bereich
der Menschenrechte gemessen wird. Zusammengenommen definieren diese durch den Konsens aller
KSZE-Mitgliedstaaten zustandegekommenen Dokumente die grundlegenden Elemente eines demokratischen Fundaments.
Angesichts der geostrategischen Umgestaltung der
europäischen politischen Landschaft hat sich die Rolle
der KSZE erstaunlicherweise noch erweitert. Dokumente der KSZE liefern weiterhin wichtige Parameter
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über das Verhalten der Länder im Bereich der Menschenrechte, aber zusätzlich wurden KSZE-Institutionen gegründet, die als multilaterale Clearingstellen
dienen und zur Entwicklung demokratischer Institutionen und Prozesse beitragen sollen. Wie Sie wissen,
hat die KSZE neue Herausforderungen angenommen,
die sich aus den neuen Realitäten wie freie Wahlen,
Konfliktbewältigung und parlamentarische Verfahren
ergeben.
Der kalte Krieg ist vorbei. Unsere Aufgabe besteht
heute darin, vordem existierende regionale politische,
wirtschaftliche und soziale Unterschiede auszugleichen, zur Schaffung demokratischer Gesellschaften
beizutragen und in diesen Rechtsstaatlichkeit zu fördern, die Gerechtigkeit und Zivilcourage hervorbringt
sowie Menschenrechte und Freiheiten schützt. Wir
betrachten unsere Zukunft als unauflöslich mit der
Zukunft der Demokratie im neuen Europa verbunden.
Meine Institution, das Informationsamt der Vereinigten
Staaten von Amerika (USIA), engagiert sich voll und
ganz für den Aufbau von Demokratie und Marktwirtschaften in Übersee. Das USIA hat bereits über 40
Jahre lang demokratische Werte erläutert und unterstützt. Das USIA setzt diese Tradition durch die aktive
Förderung des Austauschs von Informationen und
Menschen im Hinblick auf Fragen wie Selbstregierung,
Rechtsstaatlichkeit, freie Medien und freie Märkte fort.
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�Der Auftrag des USIA umfaßt drei Aspekte: a) einem
internationalen Publikum überzeugend die Außenpolitik der amerikanischen Regierung zu erläutern, b) ein
Bild des politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und
gesellschaftlichen Lebens in Amerika zu vermitteln
und c) Programme zur Unterstützung von Demokratie
und Marktwirtschaft zu erarbeiten. Wir bemühen uns,
diese Ziele durch die verschiedenen Kommunikationsmöglichkeiten des USIA zu erlangen, darunter Vortragsreisen, Publikationen, Rundfunksendungen der
Voice of America (VOA), Fernsehsendungen des
Worldnet, akademischer und kultureller Austausch
und Stipendien, Informationsveranstaltungen für ausländische Journalisten, Ausstellungen, internationale
Besucherprogramme sowie die Veröffentlichung eines
täglichen Bulletins mit Artikeln, Dokumenten und
Redetexten.
Aber was haben wir konzeptionell und praktisch diesen
Ländern zu bieten, die sich im Übergang zur Demokratie befinden? Was wir ihnen bieten können - mit
unseren Plänen, Ideen und unserer Erfahrung sowie
unserer konkreten Hilfe - ist, zur Konsolidierung der
institutionellen Grundlagen der modernen Demokratie
beizutragen. Unseres Erachtens ruht dieses Fundament auf fünf Eckpfeilern, die den Schwerpunkt unserer technischen Hilfe bilden.
Der erste Eckpfeiler ist die Struktur der Regierung
selbst. Es ist einfacher, die Ideale der Demokratie zu
loben als eine funktionsfähige, dauerhafte demokratische Regierung aufzubauen. Demokratie bedeutet in
der Tat mehr als den einmaligen Sturz eines tyrannischen Regimes oder auch eine oder zwei demokratische Wahlen. Wir unterstützen Formen begrenzter
Regierung, die individuelle Freiheiten garantieren. Wir
betrachten diese Freiheiten nicht als Geschenk der
Regierung, sondern als Grundrechte, die von verfassungsmäßigen Kontrollmechanismen geschützt sind,
die Machtmißbrauch verhindern. Um zur Entwicklung
gut funktionierender begrenzter Regierung beizutragen, haben wir Programme, die sich mit parlamentarischen Verfahrensweisen, Wahlen, Gemeindeverwaltung und politischen Organisationen beschäftigen.
Der zweite institutionelle Eckpfeiler der Demokratie ist
eine faire und unabhängige Justiz. Dem einzelnen
muß in einer demokratischen Gesellschaft wirtschaftliche und politische Gerechtigkeit zuteil werden. Es ist
in der Tat die Justiz, die die Grundlage dieser Gesellschaften von totalitären Edikten zur Rechtsstaatlichkeit verschiebt. Im Rahmen eines besonderen Programms (professionals-in-residence) entsenden wir
Richter, Rechtsanwälte und Juraprofessoren nach
Übersee, um beim Entwurf von Verfassungen und
Justizreformen tätig zu werden, rechtsstaatliche Verfahren, Verwaltungs-, Straf- und Verfassungsrecht zu
erörtern.

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Der dritte Eckpfeiler jeder Demokratie ist Bildung.
Durch Forschungsstipendien, das USIA-Lehrbuchprogramm und Austauschprogramme von Dozenten und
Studenten versuchen wir, eine umfassende Ausbildung in Geisteswissenschaften zu fördern, die unabhängiges, kreatives Denken und Selbstvertrauen anstelle
eines formellen, starren Ausbildungsssystems der
Indoktrinierung und Abhängigkeit ermutigt.
Viertens sind freie und unabhängige Medien der Nerv
einer demokratischen Gesellschaft. Demokratische
Gesellschaften sprechen praktisch per definitionem
mit vielen Stimmen. Zusammen mit westlichen privaten Medien strebt USIA die Schaffung unabhängiger
Medieninstitutionen für Nachrichten, Information und
Meinungsbildung in aufstrebenden Demokratien an.
Wir haben ausländische Journalisten in die Vereinigten Staaten zur Beobachtung unserer Medienpraktiken eingeladen und Experten in Journalismus und
Kommunikationswesen ins Ausland zur Durchführung
von Workshops entsandt. Darüber hinaus werden wir
in Kürze an einem Freien Medienseminar der KSZE
teilnehmen, zu dem unsere Delegation weitere Einzelheiten vorlegt. Dieses Seminar wird vom Büro für
demokratische Institutionen und Menschenrechte
organisiert.
Der fünfte Eckpfeiler der Demokratie ist Wirtschaftswachstum und Wohlstand. Wir sehen eine untrennbare Verbindung zwischen Demokratie, Wirtschaftswachstum und Wohlstand. Unseres Erachtens bietet ein
demokratisches politisches System mit seinem demokratischen Unterbau des freien Unternehmertums die
besten Aussichten für wirtschaftliche Entwicklung. Über
das VOA-Radioprogramm "Democracy in Action:
Economics" und USIA-Publikationen erörtern wir das

Konzept freier Marktwirtschaften und geben konkrete
Beispiele für deren erfolgreiche Anwendung.
Unsere Hilfsbestrebungen konzentrieren sich konkret
auf die Förderung dieser fünf Eckpfeiler. Wir können
jedoch keine Patentrezepte für Demokratie vorschreiben und tun dies auch nicht. Der Hauptgrund hierfür ist
nicht nur Bescheidenheit. Wie bereits schon zahlreiche Politologen erkannt haben, muß ein Einklang
zwischen dem politischen System eines Landes und
seiner Kultur, Geographie und Geschichte bestehen.
Demokratie kann nicht unmittelbar von einem Land auf
ein anderes übertragen werden.
Bei der Förderung dieser Grundsätze muß man sich
darüber hinaus vor Augen führen, daß diese Aufgabe
nicht allein die Domäne der Regierungen ist - wir haben
kein Monopol auf demokratische Werte. Der Privatsektor muß ebenfalls eine Schlüsselrolle spielen. Jeden
Tag höre ich von neuen Programmen, die von privaten
Gruppen, Stiftungen, Organisationen und selbst Einzelpersonen durchgeführt werden, die ohne staatliche
Unterstützung Fortschritte erzielen. Symbolisch und

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�praktisch gesehen sind Programme des Privatsektors
ein äußerst wichtiges, sogar entscheidendes Element
der Bestrebungen zur Förderung und Konsolidierung
von Demokratie. Denn es ist die bürgerliche Gesellschaft, die demonstriert, daß Demokratie nicht von
Regierungen gewährt, sondern durch die Bestrebungen ihrer Bürger unterstützt und bewahrt wird.
Welche Art von praxisorientierten Programmen wurden angesichts der veränderten politischen Landschaft
in Europa vom US-Informationsamt entwickelt? Im
folgenden einige Beispiele:
Im Rahmen ihres Rundfunkprogramms "Making
Democracy Work" veranstaltet VOA Sendungen mit Regierungsvertretern, Journalisten,
Bürgermeistern, Unternehmern und anderen
wichtigen Gesprächspartnern.
Die Veröffentlichung von zwei in 34 Sprachen
übersetzten Broschüren mit dem Titel "What is
Democracy?" und "What is a Free Market Economy?".
Ein Buchübersetzungsprogramm, mit dem Bücher
über amerikanische Geschichte, Wirtschaft,
Leben und Institutionen, Wirtschafts- und Unternehmenstechniken in mehreren Sprachen
herausgegeben werden, unter anderem so
bekannte Werke wie "Democracy in America"
von de Tocqueville, "The Federalist Papers" und
"American Political Tradition" von Hofstaedter.
Forschungsstipendien für weiterführende Studien und praktische Ausbildung in den Vereinigten Staaten in den Bereichen Unternehmensverwaltung, Wirtschaftswissenschaften, Jura und
öffentlicher Verwaltung.
Austausch von Studenten, Professoren, Berufsanfängem und jungen Führungskräften, Parlamentariern, Journalisten und Bürgermeistern,
die durch unsere Verbindungen zu Universitäten, Stipendien, Austausch- und internationalen Besuchsprogramme Tausenden von Menschen zugute kommen.
Programme für amerikanische Redner und in
den Vereinigten Staaten wohnhafte Fachleute,
die im Land Seminare und Workshops in Unternehmensverwaltung, öffentlicher Verwaltung,
Staatsrecht und Journalismus durchführen.
Darüber hinaus wollen unsere Programme auch einige
der bestehenden Herausforderungen und Hemmnisse

einer friedlichen Demokratisierung durch Bereitstellung relevanter Informationen, Austausch konkreter
Erfahrungen, Erleichterung des Dialogs und Erläuterung der Bedeutung demokratischer Prozesse ansprechen.
In Hinblick auf menschliches Leid spielen Nationalitätenkonflikte eine praktisch unvorstellbare Rolle in einigen Teilen Europas und der Welt. Zahlreiche Konflikte
sind natürliche Auswüchse des Zerfalls des Kommunismus, wohingegen andere jahrhundertealt sind und
nichts mit politischer Ideologie zu tun haben. Demokratie ist die beste Grundlage, um solch hartnäckige
Konflikte zu lösen. Es ist die Demokratie, die den
erforderlichen Rahmen für die friedliche Beilegung von
Konflikten zwischen diametral entgegengesetzten
Parteien bietet - einen Rahmen, der den Gedanken
von Kompromiß, loyaler Opposition, Schutz des einzelnen vor Tyrannei durch eine Mehrheit und der
Beteiligung von Minderheiten an einer repräsentativen
Regierung enthält.
Eine weitere Herausforderung beim Aufbau der Demokratie sind religiöse Intoleranz, Bigotterie und Fremdenfeindlichkeit. Weltweit konnten wir beobachten,
wie zahlreiche Religions- und Bürgerkriege durch solchen Haß geschürt wurden. Der Geist religiöser
Toleranz und die Respektierung der Interessen anderer Menschen sind unabdingbare Bestandteile einer
Politik stabiler und demokratischer Institutionen.
Das amerikanische Engagement für den Aufbau von
Demokratie ist mehr als nur anregende Rhetorik und
die Dirigierung von Wirtschaftshilfe zu demokratischen
Regierungen. In der Tat umfaßt es alle Aspekte
unserer Außenpolitik. Es wird durch alle Behörden
einschließlich USIA sowie durch Privatorganisationen
und Einzelpersonen in die Praxis umgesetzt. Wir
versuchen, die Achtung des Völkerrechts zu fördern,
dem Einsatz von Aggression als staatlichem Mittel die
rechtliche Grundlage zu entziehen und höhere Wertschätzung der durch regionale Institutionen gebotenen Möglichkeiten hervorzubringen. Die demokratische Umgestaltung ist noch im Gange, und die aufstrebenden Demokratien sind nach wie vor instabil. Wir
sind bereit, alle uns zur Verfügung stehenden Mittel zu
nutzen, um international Geächtete in die Schranken
zu weisen. Unsere Politik unterstreicht die Ernsthaftigkeit unserer Entschlossenheit und unseres Engagements zur Förderung einer Gemeinschaft freier und
demokratischer Nationen, die sich der Rechtsstaatlichkeit und dem Schutz der Menschenrechte im Inund Ausland verschrieben haben.

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Seite 3

�RASSENBEZIEHUNGEN
27. Mai 1992

RASSENBEZIEHUNGEN IN DEN USA AUS DER SICHT
EINES SCHWARZEN UNIVERSITÄTSPROFESSORS
Stellungnahme von Professor Randall Kennedy
WASHINGTON - (AD) - Randall Kennedy, Juraprofessor der Harvard University, ist diametral entgegengesetzter Meinung zu den Verfechtern der These, es
habe sich bei den Beziehungen zwischen den Rassen
in den Vereinigten Staaten "nichts geändert".
"Das ist absolut falsch", so der schwarze Wissenschaftler und Autor Kennedy. "Das Leben, das ich
führe und was mir geboten wird, unterscheidet sich
deutlich von den Möglichkeiten meines Vaters."
In den sechziger Jahren in Washington aufgewachsen, wo die Rassentrennung bereits aufgehoben war,
besuchte Kennedy die Princeton University und die
Yale Law School und studierte ein Jahr mit einem
Stipendium in Oxford. Ihm zufolge war es vor 1960
schwieriger für Schwarze, solche Bildungschancen
wahrzunehmen, weil die Rassentrennung damals in
zahlreichen amerikanischen Bundesstaaten die Regel
war.
Kennedy ist Herausgeber der Zeitschrift "Reconstruction", in der Artikel über künstlerische, soziale, politische und wirtschaftliche Themen veröffentlicht werden, die für die afrikanisch-amerikanische Gemeinde
von Bedeutung sind. Vor kurzem kehrte er aus Dänemark zurück, wo er über die Chancen für in den
Vereinigten Staaten lebende Schwarze referiert hatte.
Die Schwarzen haben in den Vereinigten Staaten
beachtliche politische und wirtschaftliche Fortschritte
erzielt, aber es gab auch "enorme Frustration", stellte
Kennedy in einem am 18. Mai 1992 in Harvard geführten Telephoninterview fest.
Größtenteils dank der in den vergangenen 30 Jahren
"zur Rassenintegration ergriffenen Gleichstellungsmaßnahmen" haben schwarze Amerikaner "heute bessere
Chancen als noch vor 25 oder 35 Jahren denkbar
gewesen wäre", so Kennedy.
Obwohl die Beziehungen zwischen den jeweiligen
Rassen in den Vereinigten Staaten noch lange nicht
perfekt sind, "ist es unangebracht, uns selbst und den

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Menschen im Ausland zu sagen, die Herzen und
Einstellungen der Menschen haben sich nicht geändert", erklärte er.
Indem er auf die "komplexe Mischung" der ethnischen
Beziehungen in den Vereinigten Staaten verwies, stellte
Kennedy fest, er wolle die Menschen daran erinnern,
daß die Vereinigten Staaten "ein riesiges, unglaublich
kompliziertes Land" sind. Und die schwarze Gemeinde habe "regionale, religiöse und Klassenunterschiede", fuhr er fort.
Als Beispiel der von den Schwarzen an der politischen
Front erzielten Fortschritte zitierte Kennedy: "Ein
schwarzer Amerikaner ist Gouverneur von Virginia
(Douglas Wilder)... und das ist etwas, was 1960 als
abwegiger Gedanke angesehen wurde." Er fügte
hinzu: "Belegt dies einen beachtlichen Wandel des
Sozialverhaltens und der Sitten? Die Antwort lautet
meines Erachtens eindeutig Ja."
Als ein Beispiel der verbesserten Rassenbeziehungen
in den Vereinigten Staaten nannte Kennedy die Berufung von General Colin Powell durch Präsident Bush
zum Vorsitzenden der Vereinigten Stabschefs im Jahr
1989 - womit Powell, ein Schwarzer, der ranghöchste
Soldat der Streitkräfte wurde.
In einem 1990 zu dieser Ernennung in "Reconstruction" erschienenen Kommentar bezeichnet der schwarze Wissenschaftler diese als Anzeichen der "massiven
Veränderungen im Verhalten der Rassen, die weite obwohl sicherlich nicht alle - Teile der amerikanischen
Machtelite erfaßt haben. Was Bush 1989 tat, wäre
1962 für John F. Kennedy oder 1966 für Lyndon B.
Johnson unvorstellbar gewesen."
Professor Kennedy erklärt seinem europäischem
Publikum, die Tatsache, daß Schwarze so hohe
Machtpositionen in der amerikanischen Regierung
errungen haben, beweise die "wichtigen und guten
Veränderungen im amerikanischen Leben".

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�Gleichzeitig, fügte er hinzu, gibt es eine "harte Realität"
in den Vereinigten Staaten, nämlich, daß "die Rassenfrage jeden Aspekt des amerikanischen Lebens betrifft", sei es Politik, Sport, Musik oder Wirtschaft.
Aufgrund der vom Kongreß 1964 und 1965 verabschiedeten Bürgerrechte schützen die Gesetze jetzt
die Rechte von Minderheiten jedoch "eindeutig" besser
als vorher.
Kennedy, der nach seinem Examen an der Yale University Assistent von Richter Thurgood Marshall am
Obersten Bundesgericht war, stellte fest, "vor 1960
gab es kein Bundesgesetz, das den Menschen verbot,
Schwarze offen und ausdrücklich zu diskriminieren".
Das Bürgerrechtsgesetz von 1964 hat dies verändert,
erklärte Kennedy und verwies darauf, es habe Diskriminierung aufgrund von Rassenzugehörigkeit untersagt und "ist seither mehrere Male ergänzt worden, um
dieses Verbot zu erweitern".
Darüber hinaus habe das Wahlrechtsgesetz von 1965
"große Auswirkungen auf die Politik gehabt", indem es
Gesetze der Bundesstaaten beseitigte, mit denen
Schwarzen das Wahlrecht verwehrt wurde, und sie
damit vollständig in das politische Leben der Nation
einbezogen habe.
Im Jahr 1960 "gab es in den Vereinigten Staaten
zahlreiche Regionen, in denen Schwarze zu viel Angst
hatten, wählen zu gehen. Dies ist heute nirgendwo in
den Vereinigten Staaten der Fall."
Dies bedeutet Kennedy zufolge jedoch nicht, daß das
Land seine Rassenprobleme gelöst hat. "Offensichtlich stehen wir vor großen Problemen, das lehren uns
die Unruhen von Los Angeles." Es sei jedoch wichtig,
die Grundvoraussetzungen zum Vergleich heranzuziehen, und die Lage der Schwarzen sei im Jahr 1960
politisch schlechter gewesen als im Jahr 1992.
Als Beispiel für den Einfluß der Schwarzen bei Wahlen
führte Kennedy die Opposition im US-Senat gegen
Präsident Reagans Nominierung von Robert Bork für
das Oberste Bundesgericht in den achtziger Jahren
an, eine Nominierung, gegen die sich erstaunlicherweise zahlreiche weiße Senatoren aus den Südstaaten wandten, eine Gruppe, die viele von Borks konservativen Ansichten teilte.
"Warum, meinen Sie, machten diese weißen, zumeist
konservativen Männer gegen Bork Front?" fragte
Kennedy. Sie hätten dies getan und damit Borks
Nominierung zum Scheitern gebracht, "weil ihre schwarzen Wähler ziemlich lautstark ihre Ablehnung Borks
bekundeten", und "darin kam das Wahlrechtsgesetz
von 1965 zum Ausdruck".

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Außerdem "wurde im Jahr 1982 auf dem Höhepunkt
der Reagan-Administration, die viele als den Bürgerrechten gegenüber gleichgültig oder feindselig betrachten, das Wahlrechtsgesetz ergänzt und gestärkt",
stellte Kennedy fest.
Auf die Frage nach unzulässigem Verhalten von Polizisten als potentieller Ursache weiterer Unzufriedenheit und Unruhen in den Städten erklärte Kennedy,
daß "die Aussonderung junger schwarzer Männer für
harten Zugriff" durch die Polizei ein großes Problem in
Amerika sei.
"Schwarze Amerikaner, besonders schwarze Männer,
sind von Diskriminierung bei der Strafverfolgung betroffen." Wenn er zum Beispiel in seinen Lehrveranstaltungen in Harvard die Studenten frage, wie viele
von ihnen von der Polizei angehalten und durchsucht
worden seien, "ist es immer erstaunlich, daß eine
überwältigende Zahl der Studenten, die ihre Hand
heben, schwarze Männer sind".
Ein weiteres "enormes Problem für die schwarze
Bevölkerung" besteht Kennedy zufolge darin, daß
Schwarzen im allgemeinen nicht derselbe Schutz der
Polizei vor Verbrechen zuteil wird, die ihre Stadtviertel
heimsuchen. Dies ist jedoch dringend erforderlich,
"weil es für Schwarze fünfmal wahrscheinlicher ist,
Opfer eines Mordes und noch viel wahrscheinlicher,
ausgeraubt zu werden. Schutz durch die Polizei ist
unerläßlich, und davon erhalten sie nicht genug."
"Die schwarze Bevölkerungsgruppe ist also doppelt
betroffen", so Kennedy. Die "tragische" Gleichung
lautet, daß schwarze Opfer eines Strafverfolgungssystems sind, "das sie nicht ausreichend schützt", und
dasselbe System "sie allzuoft mißhandelt".
Leider sei es so, daß "diese Mi ßhandlungen eine lange
Geschichte haben" und, was vielleicht noch schlimmer
sei, "diese Mißhandlungen ebensolange toleriert worden sind".
Die Schwarzen seien, wie Kennedy betonte, jedoch
nicht die einzigen, die sich über Rassendiskriminierung empörten. Vor dem Ausbruch der Unruhen in Los
Angeles seien "viele Weiße von der offenkundigen
Tolerierung der Bigotterie angewidert gewesen", die
bei den Geschworenen zum Ausdruck gekommen sei,
die der Mißhandlung eines wehrlosen Schwarzen in
Los Angeles angeklagte Polizisten freisprachen.
Kennedy erklärte, er sei mit seinem europäischen
Publikum der Meinung, eine Lösung der komplizierten
Rassenprobleme in Amerika sei unmöglich, solange
Bürger und Personen in offizieller Funktion nicht "eine
absolute Intoleranz gegenüber jeder Art von rassistischem Verhalten" zeigten.

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�SOZIALPOLITIK
27. Mai 1992

ARBEITSLOSENVERSICHERUNG SCHÜTZT
ARBEITNEHMER VOR FOLGEN
DER ARBEITSLOSIGKEIT
Dritter einer Reihe von Artikeln zur US-Sozialpolitik
WASHINGTON - (AD) - Die Arbeitslosenversicherung
wurde im Jahr 1935 als Teil des Sozialversicherungsgesetzes eingeführt, um für Arbeitnehmer und deren
Familien die wirtschaftlichen Härten infolge vorübergehender Arbeitslosigkeit zu mildern.
Ursprünglich erhielten Arbeitslose in den meisten Staaten
Leistungen für maximal 13 bis 16 Wochen. Heute kann
ein Großteil der Amerikaner, die ohne eigenes Verschulden arbeitslos geworden sind, eine Grundversorgung durch die Arbeitslosenversicherung beantragen,
die für gewöhnlich bis zu 26 Wochen lang ein Drittel bis
die Hälfte ihres letzten Einkommmens beträgt.
In Zeiten außergewöhnlich hoher Arbeitslosigkeit können
diese Leistungen für weitere 13 Wochen verlängert
werden, abhängig vom Grad der Arbeitslosigkeit in
Heimatstaat oder Gemeinde des Arbeitslosen.
Eine Verlängerung der Leistungen ist den heutigen
Gesetzen zufolge zulässig, wenn in einem Bundesstaat die Arbeitslosenquote unter den Versicherten
während der letzten 13 Wochen mindestens 6 Prozent
betrug oder wenn sie 5 Prozent überschreitet und
mindestens 20 Prozent über der der vergangenen
beiden Jahre liegt.
In Zeiten landesweiter Rezession, wenn viele Bundesstaaten unter hoher und anhaltender Arbeitslosigkeit
leiden, können Präsident und Kongreß darüber hinaus
Bundesmittel bewilligen.
Solche Mittel wurden im November 1991 und erneut im
Februar dieses Jahres gewährt, um in der gegenwärtigen Konjunkturflaute die Folgen überdurchschnittlich
hoher Arbeitslosigkeit zu mildern.
Am 12. Mai 1992 bat Präsident Bush den Kongreß,
diese Mittelvergabe über ihren planmäßigen Ablauf im
Juli hinaus bis zum April 1993 zu verlängern. Diesem
Vorschlag zufolge, der schätzungsweise weitere 2,5
Milliarden Dollar kostet, würden die Leistungen in
Staaten mit hoher Arbeitslosigkeit zusätzlich zu den

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regulären 26 Wochen um bis zu 30 Wochen verlängert,
in allen anderen Staaten um bis zu 20 Wochen. Der
Präsident forderte darüber hinaus bis nächsten Februar eine Untersuchung an, die Empfehlungen für
eine dauerhafte Reform der gegenwärtigen Arbeitslosenversicherung unterbreiten soll.
Die Notwendigkeit verlängerter Leistungszahlungen
hat in den vergangenen beiden Jahren zugenommen,
da sich die Arbeitslosenquote im Gleichschritt mit der
Rezession erhöhte.
Neun US-Bundesstaaten und Territorien - Alaska,
Maine, Massachusetts, Michigan, Oregon, Puerto Rico,
Rhode Island, Vermont und West Virginia - haben im
Jahr 1991 die Leistungszahlung verlängert. Im Jahr
1992 war dies jedoch nur in Puerto Rico der Fall.
In den meisten Staaten können Arbeitslose eine Woche
nach Eintritt der Arbeitslosigkeit die Grundversorgung
beantragen, selbst wenn sie bald ihren alten Arbeitsplatz zurückbekommen oder rasch einen neuen finden.
Statistiken des US-Arbeitsministeriums belegen, daß
nur wenige der Bezieher von wöchentlichem Arbeitslosengeld dies für den gesamten Zeitraum von 26 Wochen
tun. Im letzten von der Arbeitslosenstatistik vollständig
erfaßten Jahr 1991 betrug die Durchschnittsdauer der
Arbeitslosigkeit saisonbereinigt 15,4 Wochen.
Die Zahlen für das erste Quartal des Jahres 1992
weisen einen Anstieg der Durchschnittsdauer auf 16,4
Wochen im Januar, 17 Wochen im Februar und 17,1
Wochen im März auf - ein Anzeichen dafür, daß mehr
Arbeitnehmer für einen längeren Zeitraum arbeitslos
waren und größere Schwierigkeiten hatten, einen neuen
Arbeitsplatz zu finden.
Mit Ausnahme weniger Staaten, in denen die Arbeitnehmer direkt geringe Beiträge entrichten, wird die
Arbeitslosenversicherung durch getrennte Steuern der
Bundesstaaten sowie eine von den Unternehmen

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�aufgebrachte Lohnsummensteuer des Bundes finanziert. Das System wird von Dienststellen der Bundesstaaten nach Richtlinien des US-Arbeitsministeriums
verwaltet.

Neben dem Arbeitslosengeld bestehen zahlreiche
andere gesetzlich festgeschriebene Programme, die
Arbeitslosen in den Vereinigten Staaten zugute kommen.

Als Faustregel gilt, daß Mittel der Bundesstaaten benutzt
werden, um in den ersten 26 Wochen direkte Leistungen an die Arbeitslosen zu zahlen. Die Lohnsummensteuer des Bundes wird verwendet, um Verwaltungskosten zu decken und bis zu 50 Prozent der Kosten bei
verlängerter Leistungszahlung zu finanzieren.

So müssen etwa Unternehmen, die mindestens 100
Vollzeitarbeitskräfte beschäftigen, geplante Betriebsschließungen oder Massenentlassungen mindestens
60 Tage im voraus ankündigen. Dies hilft den Arbeitnehmern, sich auf den bevorstehenden Arbeitsplatzverlust einzustellen und gibt ihnen Zeit, einen anderen
Arbeitsplatz zu suchen. Darüber hinaus werden die
Regierung des Bundesstaats und die Gemeindeverwaltungen gewarnt und können so rechtzeitige und
geeignete Hilfen anbieten.

In den meisten Bundesstaaten muß ein Antragsteller
im letzten Kalenderjahr mindestens zwei Quartale lang
beschäftigt gewesen sein, um Arbeitslosengeld in
Anspruch nehmen zu können. Alle Bundesstaaten
schreiben vor, daß ein Antragsteller arbeitsfähig sein
und zur Verfügung stehen muß, wenn ein geeigneter
Arbeitsplatz gefunden wird.
Wie die Rentenversicherung ist die Arbeitslosenversicherung ein vermögensunabhängiges Programm, bei
dem die Höhe der Leistungen nicht von anderen Einkommensarten oder Vermögenswerten des Empfängers abhängt. Im Gegensatz zur Rentenversicherung
ist der Umfang der Leistungen jedoch nicht standardisiert und fällt von Ort zu Ort sehr unterschiedlich aus.
Im nationalen Durchschnitt lag das wöchentliche Arbeitslosengeld im Jahr 1991 bei 170 Dollar pro Empfänger, wobei die Bandbreite von 82 Dollar in Puerto
Rico bis zu 227 Dollar in Massachusetts reichte. Darüber
hinaus wurden in 14 Bundesstaaten Zuschläge für
Familienangehörige gezahlt. Dazu gehörte auch
Massachusetts, wo die wöchentlichen Leistungen
insgesamt bei maximal 423 Dollar lagen.
Dem Arbeitsministerium zufolge erhielten 10,4 Millionen Amerikaner im Jahr 1991 Arbeitslosengeld in
Gesamthöhe von 25,3 Milliarden Dollar. Davon wurden 880 Millionen Dollar - einschließlich von 122
Millionen Dollar an Anpassungshilfen für Arbeitnehmer, die infolge ausländischer Importe ihren Arbeitsplatz verloren hatten - aus Bundesmitteln bereitgestellt, während der Rest von den einzelnen Staaten
getragen wurde.

* *

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Beschäftigte wie auch arbeitslose Arbeitnehmer, deren Jahresverdienst unter die nationale Armutsgrenze
fällt -10.857 Dollar für eine dreiköpfige Familie im Jahr
1991 - können weitere Sozialhilfeprogramme in Anspruch nehmen, etwa Wohngeld, Lebensmittelmarken, subventionierte medizinische Versorgung, überschüssige landwirtschaftliche Produkte, Hilfe für Familien
mit unterhaltspflichtigen Kindern sowie allgemeine
Sozialhilfeleistungen, die durch ungebundene Zuschüsse des Bundes an die Staaten finanziert werden.
Viele Arbeitslose können sich darüber hinaus im Rahmen
zahlreicher Aus- und Fortbildungsprogramme des
Bundes und der Staaten umschulen lassen, während
Jugendliche aus einkommensschwachen Familien und
Minderheiten, die zum ersten Mal eine Beschäftigung
suchen, das äußerst erfolgreiche, von der Bundesregierung in Zusammenarbeit mit den Bundesstaaten
und Privatfirmen betriebene Programm Job Corps in
Anspruch nehmen können.
Die meisten Einzelpersonen, die an einer solchen
Ausbildung teilnehmen, erhalten Arbeitsplätze, bei denen
mehr als der gesetzlich vorgeschriebene Mindestlohn
von 4,25 Dollar gezahlt wird.
Jeder Bundesstaat hat sein eigenes Unfallversicherungsprogramm, das amerikanischen Arbeitnehmern
und deren Familien im Falle beruflich bedingter Verletzung, Invalidität oder Tod zusätzliche Leistungen bietet. Einige dieser Programme reichen bis zum Beginn
des 20. Jahrhunderts zurück.
* *

*

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�WAHLEN

'92
27. Mai 1992

ZWISCHENBERICHT ZU DEN WAHLEN '92
Anzahl der Delegierten und Ergebnisse der Vorwahlen
WASHINGTON - (AD) - Die nachstehend veröffentlichte inoffizielle Übersicht zeigt die Anzahl der Delegierten,
über die jeder Kandidat zum gegenwärtigen Zeitpunkt (20. Mai) des US-Wahlprozesses verfügt sowie die
Ergebnisse der Vorwahlen in Washington und Oregon.
Bush und Clinton gewinnen die Vorwahlen in
Washington und Oregon
Präsident Bush und der Gouverneur von Arkansas, Bill
Clinton, haben die Vorwahlen ihrer jeweiligen Parteien
am 19. Mai in den Bundesstaaten Washington und
Oregon mühelos gewonnen, aber die unerwarteterweise handschriftlich eingefügten Stimmen für den
nichtgebundenen Präsidentschaftskandidaten Ross
Perot könnten sich als Vorboten künftiger Probleme für
sie erweisen.
Bush siegte bei den Rennen der Republikaner über

seinen konservativen Herausforderer Pat Buchanan
mit einem Vorsprung von fast 4 zu 1 in Oregon und
schnitt im Staat Washington mit einem Vorsprung von
6 zu 1 noch besser ab.
Beim Wahlkampf der Demokraten errang Clinton rund
50 Prozent der Stimmen in beiden Bundesstaaten.
Sein verbliebener Rivale, der ehemalige Gouverneur
von Kalifornien Jerry Brown, gewann einen Anteil der
Delegierten für den nationalen Parteitag aus Oregon,
aber für Clinton ist die für die Nominierung erforderliche Mehrheit jetzt in greifbare Nähe gerückt.
Als echte Überraschung - da er in keinem der beiden
Bundesstaaten kandidiert hatte - erhielt Perot sowohl
in Washington als auch Oregon eine beachtliche Anzahl
von handschriftlich eingefügten Stimmen. In dem
spärlich besiedelten Distrikt von San Juan (Washington) konnte Perot aufgrund der für ihn abgegebenen
Stimmen bei den Vorwahlen beider Parteien die Führung übernehmen.
In Oregon wird die Auszählung der handschriftlich
abgegebenen Stimmen einige Tage erfordern. Anhand der bei Wählern beim Verlassen der Wahllokale
von CNN durchgeführten Umfragen gaben jedoch
jeweils rund 11 Prozent der Republikaner und Demokraten an, für Perot gestimmt zu haben.

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Die CNN-Meinungsumfrage an den Wahllokalen ergab auch beträchtliche Unterstützung für Perot durch
die Wähler beider führender Parteien in Oregon bei
den allgemeinen Wahlen. Die demokratischen Wähler
unterstützen Perot vor Clinton mit 45 zu 41 Prozent, die
republikanischen Wählergaben Bush bei den Vorwahlen mit 49 zu 40 Prozent den Vorzug vor Perot.
Perots Koordinator für den Wahlkampf in Oregon, Ted
Thomas, erklärte, er habe den Anhängern von Perot
gesagt, sie sollten sich darauf konzentrieren, Perots
Namen auf den Stimmzettel für die alleg meine Wahl zu
bekommen - und sich nicht mit Proteststimmen bei den
Vorwahlen abgegeben. "Ich vermute, sie haben uns
nicht zugehört", stellte er fest.
Angesichts der noch bevorstehenden acht Vorwahlen,
einschließlich der großen in Kalifornien am 2. Juni,
könnte sich der Gedanke handschriftlich eingefügter
Stimmen Analysten zufolge zu einer neuen Form der
Protestwahl gegen Bush und Clinton ausweiten.
Die neuesten Zahlen
Demokraten (zur Nominierung erforderlich: 2.145)
Clinton

1.855,50

Nichtgebunden

574,25

Tsongas

551,00

Brown

394,25

Sonstige

32,00

Republikaner (zui• Nominierung erforderlich: 1.105)
Bush
Buchanan

1.350
74

Nichtgebunden

2

Sonstige

1
Seite 1

�Ergebnisse der Vorwahlen vom 19. Mai

Bundesstaat Washington

Die nachfolgende Übersicht zeigt den Prozentsatz der Demokraten
Stimmen, die jeder Kandidat bei den Vorwahlen am 19.
Clinton
Mai erhalten hat.
Oregon
Demokraten

Prozentsatz der Stimmen

Prozentsatz der Stimmen
51

Brown

29

Tsongas

16
4

Clinton

50

Sonstige

Brown

35

Republikaner

Tsongas

11

Bush

83

Buchanan

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Sonstige

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•

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Republikaner

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Bush

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Buchanan

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AMERIKA DIENST 21

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. GUS-Hilfe&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Baker kündigt Plan zur Verhinderung eines zweiten Tschernobyl an&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede in Lissabon&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. USA-Deutschland&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die deutsch-amerikanischen Beziehungen: das Fundament der nächsten vierzig Jahre&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Kimmitt bei der Atlantik-Brücke&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. KSZE&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Konsoldierung der Demokratie Priorität des neuen Europas&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Paula Dobriansky bei KSZE&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Rassenbeziehungen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rassenbeziehungen in den USA aus der Sicht eines schwarzen Universitätsprofessors&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Stellungnahme von Professor Randall Kennedy&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Sozialpolitik&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Arbeitslosenversicherung schützt Arbeitnehmer vor Folgen der Arbeitslosigkeit &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Dritter einer Reihe von Artikeln zur US-Sozialpolitik&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Wahlen'92&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zwischenbericht zu den Wahlen'92&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Anzahl der Delegierten und Ergebnisse der Vorwahlen&lt;/em&gt;</text>
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dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

22

3. Juni 1992

.«#**

*£
UMWELT

BUSH ERLÄUTERT PLAN ZUR WELTWEITEN
UMWELTZUSAMMENARBEIT
Rede über Umweltfragen

USA-GUS

EAGLEBURGER: KALTER KRIEG WAR
TRAGÖDIE FÜR BEIDE SEITEN
Rede in Moskau

US-AUSSENPOLITIK

ETHNISCHE VIELFALT UND AUSSENPOLITIK
Wachsender Einfluß auf US-Außenpolitik
prognostiziert

SOZIALPOLITIK

KRANKENVERSICHERUNG FÜR SOZIAL
SCHWACHE UND SENIOREN
Vierter einer Reihe von Artikeln zur
US-Sozialpolitik

WAHLEN '92

ZWISCHENBERICHT ZU DEN WAHLEN '92
Anzahl der Delegierten und Ergebnisse
der Vorwahlen

DEMOGRAPHIE

NEUE STATISTISCHE DATEN ZEIGEN
NATION IM ÜBERGANG
Rekordeinwanderung in achtziger Jahren

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�UMWELT
3. Juni 1992

BUSH ERLÄUTERT PLAN ZUR WELTWEITEN
UMWELTZUSAMMENARBEIT
Rede über Umweltfragen
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush hat einen Vierpunkteplan zur weltweiten Zusammenarbeit bei der Lösung
von Umweltproblemen bekanntgegeben, den er bei der Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und
Entwicklung in Rio de Janeiro vorlegen wird.
In einer Rede beim Goddard Space Center erklärte Bush am 1. Juni 1992, er werde eine umfassende neue
Initiative vorschlagen, um der weltweiten Vernichtung von Wäldern bis zum Ende des Jahrzehnts Einhalt zu
gebieten.
"Als Anzahlung werden die Vereinigten Staaten ihre bilaterale Forsthilfe nächstes Jahr um 150 Millionen Dollar
erhöhen", erklärte Bush.
Nachfolgend veröffentlichen wir Bushs Rede im Wortlaut.
Diesen Monat vor zwanzig Jahren versammelten sich
die führenden Politiker der Welt in Schweden, um über
die Umwelt zu sprechen. Die von ihnen verabschiedete Erklärung von Stockholm enthielt die einfache
Schlußfolgerung, daß "... wir durch umfassenderes
Wissen und klügeres Handeln für uns und die Nachwelt ein besseres Leben in einer Umwelt erlangen
können, die stärker im Einklang mit den Bedürfnissen
und Hoffnungen des Menschen steht".
Viel ist seit jenen frühen Tagen des Umweltschutzes
geleistet worden - und viel wurde gelernt.
Wir haben gelernt, daß nur marktorientierte Volkswirtschaften und demokratische Systeme die Rechenschaftspflicht beinhalten, die zum Schutz gegen
Umweltschäden erforderlich ist. Die Rußschicht, wie
sie die Welt vorfand, nachdem der Schleier der Geheimhaltung in Osteuropa gelüftet wurde, war eine
augenfällige Demonstration dieser Tatsache.
Wir haben gelernt, daß die Wirtschaft trotz Reduzierung von Umweltbelastungen wachsen kann. Seit
1973 ist das Bruttoinlandsprodukt der Vereinigten
Staaten um über 50 Prozent gestiegen. Trotzdem
wurde die Luftqualität besser: Die Emissionen von
Kohlenmonoxid, von smogverursachendem Ozon,
Schwefeldioxid und Partikeln sind jeweils um über 20
Prozent gesunken. Die Wasserqualität wurde verbessert: Wir haben eine 80prozentige Reduzierung der
Schwebstoffe erzielt, die von Fabriken und Kläranlagen freigesetzt werden.
AMERIKA DIENST 22

Wir haben gelernt, daß die Technik - unterstützt durch
die richtigen Anreize - der Umwelt Hilfe leisten kann,
die von noch so umfassenden Vorschriften für alte
Technik niemals hätte erbracht werden können. Technischer Fortschritt kann Umweltbelastungen verringern anstatt sie zu verstärken. Gleichzeitig ist der
verbesserte Wirkungsgrad gut für die Gewinne.
Und wir haben gelernt, daß marktorientierte Mechanismen und Flexibilität - auf ehrgeizige Ziele gerichtet und
unterstützt von rigorosen gesetzlichen Bestimmungen
- uns dabei helfen können, Umweltprobleme zu geringeren Kosten zu lösen als per Dekret angeordnete
bürokratische Regelungen.
Wir haben eine neue Generation von Umweltproblemen kennengelernt, die ihrem Umfang nach weltweiten Charakter haben - und zu ihrer Lösung wird internationale Zusammenarbeit erforderlich sein.
Diese Woche werden sich über 100 Staatschefs in Rio
de Janeiro versammeln - und es wird Zeit sein, diese
Lehren anzuwenden. Und welch einen besseren Ort
könnte es für die Erörterung unserer Pläne zur Bewältigung der internationalen Umweltprobleme geben als
das Goddard Space Center.
Bei meinem kleinen Rundgang - der leider allzu kurz
war, mir aber trotzdem einen kleinen Eindruck von der
großartigen Arbeit verschaffte, die von den wunderbaren Mitarbeitern von Goddard geleistet wird - kam mir
der Gedanke, welch großartige Sache es doch wäre,
Seite 1

�wenn diese 100 oder mehr Staatschefs einmal diese
Laboratorien hier besuchen und einen praktischen
Eindruck davon gewinnen könnten, welche Arbeit Sie
hier leisten. Zu sehen, wie sie besser die Veränderungen beobachten können, über die sie sprechen oder
über die sie von ihren Umweltministern informiert
werden. Es ist eine wunderbare Sache. Und meines
Erachtens kam diese Gelegenheit für mich zum richtigen Zeitpunkt, und ich sehe dem Meinungsaustausch
mit den anderen Teilnehmern in Rio gerne entgegen.
Es ist die hier entwickelte Wissenschaft, die der Welt
ein neues Fenster gegeben hat, durch das sie die
Umwelt betrachten kann. Ein von Goddard aus gesteuertes Raumschiff hat der Menschheit das erste
Bild der Erde aus dem Weltraum geliefert. Es waren
Wissenschaftler von Goddard, die den vergangenes
Jahr gestarteten Satelliten zur Erforschung der oberen
Atmosphäre entwickelten, der uns neue Einsichten zur
Beschaffenheit der Ozonschicht liefert.
Und der Löwenanteil der Wissenschaft, die von der
Welt zum Verständnis unseres Klimas angewendet
wird, entstammt einem Programm, dessen Kernstück
sich an diesem Ort befindet - das Programm zur
Erforschung des Klimawandels, das auf der von Goddard
zur Zeit entwickelten Mission zum Planeten Erde aufbaut.
Wenn wir nach Rio gehen, werden die Vereinigten
Staaten stolz als führendes Land der Welt dorthin
gehen - nicht nur bei der Erforschung der Umwelt,
sondern auch bei umweltpolitischen Maßnahmen. Die
Vereinigten Staaten waren das erste Land, das die
Gefahr von FCKW-Emissionen durch die Beseitigung
von Treibgasen im Jahr 1978 anerkannte. Andere
Nationen folgen nun unserem Beispiel - und sie benutzen den Abbau von Treibgasen als Aktivposten, um die
Bedingungen des Montrealer Protokolls einzuhalten.
Wir sind dem von diesem Abkommen verlangten Zeitrahmen um 42 Prozent voraus. Und aufgrund von der
NASA entwickelter wissenschaftlicher Erkenntnisse
haben wir dieses Jahr bereits erklärt, unseren Fahrplan für den völligen Abbau von FCKW zu beschleunigen - bis Ende 1995.

Diejenigen, die vor 20 Jahren in Stockholm zusammentrafen und den UNCED-Gipfel forderten, stellten
ausdrücklich fest, daß die Gespräche in Rio Umwelt
und Entwicklung zum Inhalt haben sollten. Sie wußten
bereits damals, daß beide unauflöslich miteinander
verbunden sind.
Nur eine wachsende Wirtschaft kann die Ressourcen
und den Willen aufbringen, mit der Natur langfristig und
zum Vorteil aller umzugehen. Aber nur natürliche
Ressourcen, die so behandelt werden, können das
Wachstum unterstützen, auf denen die Hoffnung der
Menschen in solch hohem Maße beruht. Per definitionem muß Entwicklung, wenn sie langfristig erfolgreich
sein will, auf Dauer tragfähig bleiben.
Ich lade deshalb zum Vergleich der Bilanz ein, die wir
als Land und als Administration erreicht haben. Sie ist
aggressiv und umfassend. Sie ist ehrgeizig aber
sorgfältig ausgewogen. Was wir in dieser Administration getan haben, spiegelt das neue Umweltbewußtsein wider, das seinem Ansatz nach verfeinert ist und
die Macht des Marktes in den Dienst der Umwelt stellt.
Lassen Sie mich dafür einige Beispiele anführen.
Das von mir vorgeschlagene und unterzeichnete Gesetz
zur Luftreinhaltung von 1990 ist weltweit das ehrgeizigste Gesetz zur Eindämmung der Luftverschmutzung.
Es wird sauren Regen, Smog sowie Emissionen toxischer Chemikalien reduzieren. Es wird dies aber mit
Innovationen erreichen, die von der ganzen Welt
beobachtetwerden. Wirhabenein Handelssystem zur
Reduzierung von Schwefeldioxid, eine neue Generation sauberer Treibstoffe und sauberer Automobilie,
ein massives - und bis heute erfolgreiches - Programm
zur freiwilligen Reduzierung von Luftschadstoffen.
Unsere Nationalparks werden durch Millionen Besucher belastet. Deshalb haben wir in den vergangenen
vier Jahren über eineinhalb Millionen Morgen für Nationalparks, Wälder, Wildschutzgebiete und andere öffentliche Flächen bereitgestellt. Wir haben 57 neue
Wildschutzgebiete geschaffen - und pro Jahr über eine
halbe Million Morgen wichtiger Feuchtgebiete wiederhergestellt oder unter Schutz gestellt. Gleichzeitig
haben wir den Genehmigungsprozeß gestrafft, damit

Wir waren die erste Nation, die bereits im Jahr 1975
Katalysatoren einführte, um die Emissionen von Automobilen und Lieferwagen zu reduzieren. Im Jahr 1982
begannen wir, verbleites Benzin abzuschaffen - und
heute ist der Bleigehalt in unserer Atemluft um 95
Prozent geringer. Andere Nationen ergreifen diese
beiden Maßnahmen erst jetzt.
Ich trat mein Amt mit dem Engagement an, die Bilanz
der amerikanischen Führungsrolle bei Umweltfragen
weiter zu verbessern. Ich habe mich darum auf eine
Art und Weise bemüht, die mit Wirtschaftswachstum
im Einklang steht, weil ein solches Gleichgewicht
unerläßlich ist - und weil dies gleichrangige Ziele sind,
die einander nicht gegenseitig ausschließen.

Seite 2

Projekte, die Feuchtgebiete nicht beeinträchtigen, nicht
verzögert werden - und wir haben sichergestellt, daß
das Recht des Bürgers auf Privateigentum nicht angetastet wird.
Wir haben ein Moratorium für ö l - und Erdgasbohrungen in umweltsensiblen küstennahen Bereichen eingeführt, neue Gesetze zum Schutz vor Ölkatastrophen, zur Beendigung des Dumpings von Holz im
größten Regenwaldgebiet der Vereinigten Staaten dem Tongass - und zur Förderung von Umwelterziehung unterzeichnet. Und wir haben unsere Gesetze
mit strenger Strafverfolgung untermauert, damit die
Umweltverschmutzer die Kosten tragen - und das
Ergebnis waren Rekordbeiträge der Wirtschaft für die
Beseitigung von Altlasten.
AMERIKA DIENST 22

�Und wir haben uns der internationalen Umwelt gewidmet - mit neuen Abkommen zur Verhinderung des
unverantwortlichen Exports von Giftmüll, zum Verbot
des Elfenbeinhandels, um damit der von Wilderern
verursachten Ausrottung der Elefanten Einhalt zu
gebieten, und für den Erlaß von Schulden, um die
Umwelt durch "debt for nature swaps" zu schützen.
Kurzum, unser Land, die Vereinigten Staaten, behält
seinen Platz an vorderster Front der internationalen
Errungenschaften für die Umwelt. Unsere Gesetze
haben als Modell für Umweltgesetze in der ganzen
Welt gedient.
Die umweltpolitischen Leistungen der Vereinigten
Staaten sind nicht das Ergebnis von Mißverständnissen - sie sind das Ergebnis auf Dauer angelegter
Investitionen. Heute geben die Vereinigten Staaten 2
Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts - über 100 Milliarden Dollar jährlich - für die Kontrolle der Umweltverschmutzung aus. Im Vergleich zu anderen Ländern
zählen wir damit weltweit zur Spitzengruppe.
Amerikaner waren stets der Meinung, daß Taten vielsagender sind als Worte. Und unser Ansatz zu den in
Rio anstehenden Fragen wurde von einer einfachen
Weisheit geleitet. Wir werden ein gutes Abkommen
über Klimaveränderungen unterzeichnen. Es gründet
sich auf die Idee, daß jede Nation eine Aktionsstrategie
erarbeiten sollte - wie wir dies in den Vereinigten
Staaten getan haben.
Wir haben unseren Plan zuerst im Februar 1991 auf
den Tisch gelegt - mit detaillierten Vorschlägen zum
Handeln und detaillierten Berechnungen darüber, wie
stark die Emissionen von Treibhausgasen reduziert
werden würden. Als sich die wissenschaftliche Erkenntnislage zu FCKW veränderte, fügten wir neue
Maßnahmen hinzu und legten unseren Plan erneut auf
den Verhandlungstisch. Wir zeigten, daß unsere
Maßnahmen die bis zum Jahr 2000 vorhergesagten
Treibhausgasemissionen um 125 - 200 Millionen Tonnen
reduzieren würdne - oder um 7 - 11 Prozent.
Kein anderes Land - mit Ausnahme der Niederlande hat einen solch detaillierten Aktionsplan vorgelegt.
Und deshalb bestanden wir auch darauf, daß der
Schwerpunkt auf Ergebnissen liegt - nicht auf Rhetorik.
Es mag in der Presse nicht viele Schlagzeilen gemacht
haben, aber in einem Bereich nach dem anderen
haben die Vereinigten Staaten detaillierte Vorschläge
gemacht und auf deren Verabschiedung hingearbeitet: Bei Wäldern, Ozeanen, Meeresorganismen, Beteiligung der Öffentlichkeit, Finanzierung.
Ich stelle eindeutig fest: Unser Engagement für
Maßnahmen hat nicht mit Rio begonnen und wird auch
nicht damit enden.

AMERIKA DIENST 22

Wenn ich also nächste Woche nach Brasilien reise,
werde ich mehrere Vorschläge mitbringen, um das
Engagement der internationalen Staatengemeinschaft
in Zukunft zu verstärken. Ich möchte Ihnen deshalb
meinen Vierpunkteplan der Zusammenarbeit vortragen:
Erstens werde ich eine wichtige neue Initiative vorschlagen, um die Wälder der Erde zu schützen und zu
verbessern. Ich erwähnte bereits Lehren, die wir in
bezug auf Kosteneffektivität gezogen haben. Nun,
den Schwund der Wälder aufzuhalten, ist einer der
preiswertesten Schritte, die wir unternehmen können,
um die Emissionen von Kohlendioxid zu verringern.
Die Wälder filtern darüber hinaus Luft und Wasser. Sie
stellen Produkte von Bau- und Brennholz bis zu Arzneistoffen und Nahrungsmitteln zur Verfügung. Beim
G-7 Gipfel in Houston vor zwei Jahren schlug ich eine
internationale Waldkonvention vor. Beim Erdgipfel
sollten wir ein Abkommen über die Prinzipien erreichen, die dorthin führen.
Ich schlage jedoch heute vor, raschere Fortschritte zu
machen. In Rio werde ich die anderen Industriestaaten bitten, mit mir gemeinsam die weltweite Forsthilfe
zu verdoppeln - mit dem Ziel, den Schwund der Wälder
bis zum Ende des Jahrzehnts aufzuhalten.
Als Anzahlung werden die Vereinigten Staaten ihre
bilaterale Forsthilfe nächstes Jahr um 150 Millionen
Dollar erhöhen.
Der Plan sieht die Ermutigung zu Partnerschaften vor
- zwischen Empfängerländern, die neue Projekte vorschlagen könnten und Investorstaaten, die um die
Unterstützung der effektivsten Vorschläge zur Begrenzung von Kohlendioxid oder zum Artenschutz
konkurrieren könnten.
Zweitens zum Klima. Die Unterzeichnung einer Konvention, die Aktionspläne fordert, ist nur ein erster
Schritt - wir müssen sie verwirklichen. Ich werde mich
also daran beteiligen, indem ich den unverzüglichen
Beginn der Verabschiedung von Klima-Aktionsplänen
vorschlage. Natürlich werden wir bei Verfügbarkeit
neuer und besserer wissenschaftlicher Erkenntnisse
über den Klimawandel unseren Aktionsplan entsprechend anpassen.
Die Lösung des Problems des Klimawandels muß die
Entwicklungsländer einbeziehen. Während sie heute
etwa ein Viertel der Weltemissionen verursachen, wird
dieser Anteil bis zum Jahr 2025 auf die Hälfte gestiegen sein. Wir müssen deshalb ihre Beteiligung haben
- und wir werden "Länderstudien" finanzieren, um
ihnen einen Anfang zu ermöglichen.
Diese Länder werden neue Technologien benötigen,
um "grünes Wachstum" zu erreichen. Und Amerika
kann sie zur Verfügung stellen. Mein Haushalt beinhal-

Seite 3

�tet deshalb eine Investition von nahezu einer Milliarde
Dollar für die Entwicklung neuer Technologien zur
besseren Energieausnutzung.

Treibhauseffekt verteilen, und wir werden dieses Jahr
eine Informationsstelle zu den Umweltveränderungen
eröffnen.

Hunderte von amerikanischen Geschäftsleuten werden als Anwälte unserer Technologie nach Rio reisen.
Aber diese Bemühungen müssen fortdauern - der
dritte Teil unseres Plans ist deshalb die Unterstützung
eines umfassenden Programms technologischer Zusammenarbeit. Insbesondere werden wir ein Korps für
technologische Zusammenarbeit (Technology Cooperation Corps) ins leben rufen, um den Bedarf von
Ländern in aller Welt an umweltverträglicher Technologie festzustellen - und dann die Schranken niederzureißen, die deren Verfügbarkeit im Wege stehen.

Diese vier Schritte - ein drastisches Programm zum
Schutz und zur Verbesserung der Wälder, schnelles
Handeln bei den Klimaveränderungen, Zusammenarbeit bei der Anwendung saubererer und effizienterer
Technologien sowie ein kontinuierliches Programm
zur Entwicklung und Weitergabe solider wissenschaftlicher Erkenntnisse - können uns helfen, diese Gelegenheit zu nutzen lange nachdem die Reden in Rio
verklungen sind und die Konferenz beendet ist.

Der vierte Punkt meines Programms für eine sauberere Zukunft ist ein kontinuierliches Programm für Forschung und Verständnis. Dieses Jahr beantragen wir
über 1,4 Milliarden Dollar für das Programm zur Erforschung des weltweiten Klimawandels - das ist mehr als
die Summe, die vom Rest der Welt insgesamt für die
Klimaforschung ausgegeben wird.
Unter der Führung von Dan Goldin hier bei der NASA
werden wir auf ein Programm drängen, das Ergebnisse schneller, preiswerter und besser liefert. In Rio
werde ich vorschlagen, die im Rahmen unseres Programms zur Erforschung der Klimaveränderungen
gesammelten Daten für Wissenschaftler und Forscher
in aller Welt verfügbar und bezahlbar zu machen.
Als Teil dieser Bemühungen werden wir bei der UNCED
Tausende von Computerdisketten mit Daten zum

Vor zwei Jahrzehnten konnten die politisch Verantwortlichen der Welt, als sie sich in Stockholm versammelten, die stürmischen Ereignisse der folgenden
zwanzig Jahre schwerlich voraussehen. Damals sorgten sie sich über Atomkriege als Hauptbedrohung der
Umwelt. Sie konnten damals noch nicht wissen, daß
heute das Gespenst des Atomkrieges - mit seiner
unvorstellbaren Zerstörung - wie nie zuvor in der
Nachkriegsgeschichte in den Hintergrund getreten ist.
Sie konnten sich nicht vorstellen, daß mit dem Fall von
Planwirtschaft und Kommunismus diejenigen, die nach
Rio kommen, die Chance haben würden, ein neues
Zeitalter sauberen Wachstums einzuleiten - geleitet
von der Klugheit freier Völker und angetrieben durch
die Macht freier Märkte.
Sie hätten niemals vorhersehen können, wie weit wir in
20 Jahren gekommen sind. Heute ist es an uns, uns
vorzustellen, wie viel weiter wir noch kommen können.

* * * *

Seite 4

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AMERIKA DIENST 22

�USA - G U S
3. Juni 1992

EAGLEBURGER: KALTER KRIEG WAR
TRAGÖDIE FÜR BEIDE SEITEN
Rede in Moskau
MOSKAU - (AD) - Dem Stellvertretenden US-Außenminister Lawrence Eagleburger zufolge war der kalte Krieg
eine "große Tragödie" für die Vereinigten Staaten und die ehemalige Sowjetunion.
In einer Rede vor dem Handels- und Wirtschaftsrat in Moskau erörterte Eagleburger am 27. Mai 1992 die
schwierige Aufgabe des demokratischen Aufbaus, die Partnerschaft zwischen dem Volk der Vereinigten Staaten
und den Völkern der ehemaligen Sowjetunion, wirtschaftliche und technische Hilfe sowie die komplexe Aufgabe
der Entwicklung freier Märkte im früheren Herrschaftsbereich des Kommunismus.
Es ist mir eine Ehre, heute abend an diesem besonderen historischen Ort bei Ihnen sein zu dürfen. Als
jemand, der den überwiegenden Teil der vergangenen
vierzig Jahre in Diensten einer vom kalten Krieg getriebenen und definierten Diplomatie gestanden hat, ist
dies in der Tat einer der befriedigendsten Momente
meiner Karriere. Nie hätte ich mir träumen lassen, daß
ich einmal vor dem Handels- und Wirtschaftsrat hier in
einem demokratischen Moskau sprechen würde, an
diesem Ort, der für mein Land einst das Symbol der
Gegnerschaft war.
Doch die letzten 24 Stunden hier in Moskau haben in
mir ein Gefühl des Erstaunens darüber ausgelöst, daß
wir jemals Gegner waren. Ich kann nur Bedauern
darüber empfinden, daß unsere Feindschaft solange
andauerte und unsere Völker der Früchte der Zusammenarbeit und friedlichen Entwicklung beraubte.
Die Ironie besteht natürlich darin, daß das amerikanische und das sowjetische Volk einander niemals ernsthaft als Feinde betrachteten. Im Gegenteil, auf beiden
Seiten fühlten wir stets eine starke Affinität füreinander
- eine Affinität, die auf der Geschichte, einem Gefühl
gegenseitiger Identifizierung und darüber hinaus auf
einem engagierten und gesunden Gefühl der Konkurrenz miteinander beruhte. Auf vielfältige Art und Weise
sind wir Spiegelbilder: als multiethnische Nationen von
kontinentaler Ausdehnung mit Völkern, die ein besonderes Gefühl für ihre einzigartige Bestimmung und
historische Mission in der Welt haben.
Selbst als Konkurrenten zeugten unsere Bemühungen, einander auszustechen, von gegenseitigem
Respekt und Bewunderung. In mehrfacher Hinsicht
brachte unser Wettbewerb sogar das Beste in uns zum
AMERIKA DIENST 22

Vorschein, da es uns zwang, nach Spitzenleistungen
in allen Bereichen zu streben, von der Raumfahrt bis zu
Olympischen Spielen.
Dennoch war der kalte Krieg in jeder Hinsicht eine
große Tragödie für uns beide. Es ist unbestreitbar, daß
wir beide teuer bezahlten und großes Leid in einem
Zeitraum erduldeten, in dem wir unsere Energien nach
unserem Sieg im Zweiten Weltkrieg besser zur Schaffung einer stabilen, friedlichen und wohlhabenden
Weltordnung eingesetzt hätten. Statt dessen verschwendeten wir diese Energien und wertvolle Ressourcen für die kolossale Torheit des kalten Krieges.
Und heute bezahlen wir dafür den Preis - wie erst
kürzlich auf den Straßen von Los Angeles.
Ich möchte deshalb klarstellen, daß wir in den Vereinigten Staaten auch uns als Opfer desselben totalitären Systems betrachten, das die Völker der ehemaligen Sowjetunion unterdrückte. Die Erlösung, die
schließlich eintrat, war das Werk aller, die sich diesem
System im Westen, in Osteuropa und hier in den
Straßen Moskaus vor gerade neun Monaten in den
Weg stellten.
Heute stehen Sie inmitten der monumentalen Aufgabe, Ihr Experiment der Demokratie und der freien
Marktwirtschaft zu konsolidieren. Ich sage bewußt
"Experiment", denn die Demokratie ist eine Regierungsform, die niemals als dauerhaft gesichert betrachtet werden kann. Sie setzt die Fähigkeit der
Menschen voraus, sich selbst zu regieren, und sie
erfordert ein größeres Maß an wirtschaftlicher und
sozialer Gerechtigkeit als die meisten anderen politischen Systeme. Kurzum, so sehr die Demokratie
unsere besten Eigenschaften belohnt, so fordert sie
Seite 1

�auch unsere besten Eigenschaften, und deshalb ist sie
auf ewig eine experimentelle Regierungsform - "die
schlechteste Regierungsform abgesehen von allen
anderen", wie Winston Churchill zu sagen pflegte.
Die Aufgabe, der Demokratie zum Erfolg zu verhelfen,
ist ein unendlicher Kampf. Der unsere begann mit der
Revolution von 1776, hielt an durch die schreckliche
Krise unseres Bürgerkriegs und geht auch heute noch
weiter. Ihre Aufgabe ist enorm: die gewaltigen menschlichen und wirtschaftlichen Kosten bei der Überwindung der Schäden zu ertragen, die von über 70 Jahren
Mißwirtschaft angerichtet wurden. Aber Sie werden
dies schließlich zumindest nicht im Einklang mit einem
Plan von Kommissaren oder einem aus dem Westen
importierten Plan, sondern im Einklang mit den Werten, Traditionen und geistigen Reichtum Ihrer Völker
tun. Und sie werden dies in dem erfrischenden Klima
der Demokratie tun, in dem die Energien Ihrer Völker
endlich freigesetzt werden, um ihr Potential voll auszuschöpfen.
Damit möchte ich sagen, daß die Arbeit des Wiederaufbaus ausschließlich Angelegenheit der Völker der
Gemeinschaft Unabhängiger Staaten ist. Wir in den
Vereinigten Staaten können keine Zauberformel anbieten, da weder wir noch andere jemals einen solchen
Übergang von Kommandowirtschaft zu freier Marktwirtschaft versucht haben.
Ich bin jedoch heute hier anwesend, um Ihnen mit
Nachdruck zu versichern, daß das amerikanische Volk
Ihnen in einer Zeit der Not ebenso beistehen wird wie
in den zwanziger Jahren, wie im Zweiten Weltkrieg und
wie im vergangenen Winter. Und ich kann Ihnen
darüber hinaus versichern, daß es unser größter Wunsch
ist, mit Ihnen gemeinsam eine historische Partnerschaft einzugehen, um Ihnen bei der Umsetzung dieses großen Experiments der Demokratie zu helfen.
Ich spreche hier nicht von irgendeiner abstrakten
Partnerschaft, einem Schlagwort von Politikern, sondern von einer echten Partnerschaft zwischen den
beiden in diesem Saal heute abend versammelten
Gruppen: den Vertretern der Wirtschaft der Vereinigten Staaten und der Gemeinschaft Unabhängiger
Staaten. Dabei handelt es sich weder um Philanthropie noch um Ausbeutung. Es geht um Handel wirtschaftliche Aktivität zum Vorteil beider Partner und
zum Vorteil aller. Dies ist ein Vorhaben, bei dem es nur
Gewinner und keine Verlierer geben sollte. In der Tat
haben die Vereinigten Staaten mit einem solchen
Engagement - Investitionen und Handel - ihren Verbündeten und ehemaligen Gegnern im Zweiten Weltkrieg geholfen, Wohlstand zu erlangen und stabile
Demokratien zu werden, und sie begründeten damit
eine dauerhafte Partnerschaft.
Genau dies möchten wir gemeinsam mit unseren
ehemaligen Gegnern des kalten Krieges erreichen.
Wir betrachten die neuen Nationen der ehemaligen

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Sowjetunion als Vertreter eines der potentiell größten
Märkte der heutigen Welt. Wir sehen Arbeitsplätze für
Ihre Bürger ebenso wie für unsere. Wir sehen gegenseitig vorteilhafte und friedliche Beziehungen zwischen
uns. Aber wenn wir über einen möglichen Fehlschlag
Ihres Experiments der Demokratie und des freien
Markts nachdenken, so erkennen wir keinen dieser
Vorteile. Und deshalb brauchen wir Ihren Erfolg, und
wir möchten, daß Sie wirtschaftlich gedeihen.
Wir gehen davon aus, daß das, was Sie neben dem
Know-how und der Hilfe zur makroökonomischen
Stabilisierung, die von der amerikanischen Regierung
gewährt werden, benötigen - das Kapital, die moderne
Technologie und Fachwissen -, in ausreichendem
Umfang nur von unserem Privatsektor geliefert werden kann. Dies ist eine Lehre, die wir aus unseren
zweijährigen Erfahrungen bei der Hilfe für die neuen
Demokratien Osteuropas gezogen haben. Dasselbe
gilt sogar noch stärker für die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten, in der der Schlüssel zur Wiedergewinnung raschen Wirtschaftswachstums in der Ankurbelung devisenbringender Sektoren wie Landwirtschaft,
Energiewesen und Bergbau liegt.
Um diese Partnerschaft zwischen unseren jeweiligen
Privatsektoren auf den Weg zu bringen, gibt es eine
Vielzahl erleichternder Maßnahmen, die Ihre Regierungen und die meinige heute ergreifen müssen. Ich
werde zunächst die erwogenen und bereits stattfindenden Aktivitäten meiner eigenen Regierung erläutern.
Ich freue mich erstens berichten zu können, daß wir
rasche Fortschritte im Hinblick auf den Abschluß von
Handels-, Investitions- und Steuerabkommen mit den
meisten Staaten der ehemaligen Sowjetunion erzielen
und daß wir bei der Erweiterung des Aktionsradius von
Export-Import-Bank und OPIC ebenfalls voranschreiten.
Zweitens arbeitet die Administration eng mit dem
Kongreß zusammen, um möglichst rasch das Gesetz
zur Förderung der Freiheit (Freedom Support Act) zu
verabschieden. Und eines möchte ich in diesem
Zusammenhang glasklar feststellen: Wir meinen es
mit diesem Gesetz ebenso todernst wie damit, daß wir
alles in unserer Macht Stehende tun werden, um die
Wirtschaftsreformen unserer neuen demokratischen
Freunde zu unterstützen.
Drittens ermächtigt das gleiche Gesetz unsere Regierung, technische Hilfe durch Know-how von Menschen
für Menschen zu liefern. Dazu gehören:
Ausbildung von Beamten aller Ebenen sowie
von Volkswirten, Unternehmern und Wissenschaftlern;
Hilfe in den Bereichen Energie, Wohnungswesen, Landwirtschaft und Verkehr, um Engpässe
für die weitere Entwicklung zu beseitigen;
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�Unterstützung Ihrer Regierungen bei deren
Versuchen zum Wiederaufbau der Infrastruktur
durch Machbarkeitsstudien und technische Hilfe in Zusammenarbeit mit Weltbank und EBWE;
Hilfe für amerikanische Unternehmen, um ihnen
bei der Partnersuche hier zu helfen, ihre Vorschläge zu unterstützen und Finanzmittel für
bestimmte Arten von Folgestudien und Angeboten bereitzustellen, wie wir dies in Mittel- und
Osteuropa tun;
Entsendung von Beratern, die zur Einführung
der finanziellen Institutionen, Gesetze und Vorschriften beitragen werden, mit denen die Marktwirtschaft funktionsfähig gemacht wird.
Mittlerweile hat unser Handelsministerium eine Anzahl
neuartiger Programme entwickelt, mit denen amerikanische Firmen unmittelbar unterstützt werden, die in
der ehemaligen Sowjetunion tätig werden möchten.
Erstens gewährt das Handelsministerium den GUSStaaten Zugang zu einer Datenbank, die Unternehmen in den gesamten Vereinigten Staaten unmittelbar
detaillierte Informationen über Geschäftsmöglichkeiten und örtliche Partner zur Verfügung stellt.
Zweitens arbeitet das Handelsministerium mit amerikanischen Firmen zusammen, um durch das Special
American Business Intemship Training Program (SABIT)
in den Vereinigten Staaten Trainee-Programme für
Manager von GUS-Unternehmen anzubieten.
Und drittens richtet das Handelsministerium gemeinsam mit den neuen unabhängigen Staaten Business
Development Committees (BDCs) ein, die sich auf den
Abbau allgemeiner Hindernisse für Handel und Investitionen konzentrieren und außerdem als Schiedsstellen bei bestimmten Projekten dienen werden, die durch
staatliche Tätigkeit oder Untätigkeit behindert werden.
Schließlich befindet siel t bei uns heute abend die erste
Gruppe amerikanischei Berater für die Konversion der
Rüstungsindustrie, die sich in Nischnij-Nowgorod niedergelassen haben. Sie untersuchen bereits Möglichkeiten, um russische Rüstungsfirmen mit amerikanischen Partnern zusammenzubringen und neue, private Joint Ventures zu gründen, die ausschließlich zivile
Güter produzieren werden.
Dies sind also die Maßnahmen, die von der amerikanischen Regierung durchgeführt wurden, um der Privatwirtschaft in Ihren Ländern und dem meinen zu
helfen. Es gibt jedoch auch Maßnahmen, die von den
Regierungen der neuen unabhängigen Staaten ergriffen werden müssen, um das Handels- und Investitionsklima hier so attraktiv wie möglich zu gestalten.
Es ist eine Tatsache, daß die Länder, die den Kommunismus gestürzt haben, das System des freien Unternehmertums in einer besonderen Phase seiner historischen Entwicklung aufgegriffen haben. Sie taten dies
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gerade in dem Moment, als sich der Weltmarkt zum
wichtigsten Faktor bei der Entscheidungsfindung in
Unternehmen und nationalen Regierungen entwickelt
hatte. Die Realität von heute lautet, daß insbesondere
Kapital dorthin fließen wird, wo es sich ansiedeln
möchte, unabhängig von seiner Herkunft und von den
Absichten dieser Regierungen. Selbst innerhalb der
Vereinigten Staaten haben wir entdeckt, daß Unternehmen Bundesstaaten verlassen werden, in denen
sie über Generationen hinweg ansässig waren, wenn
sie beispielsweise zu dem Schluß kommen, daß das
steuerliche Umfeld in einem anderen Bundesstaat
günstiger für sie ist. Und selbstverständlich nehmen
sie bei diesem Umzug ihre Arbeitsplätze und örtlichen
Steuerbeiträge mit an den neuen Standort. Wir mögen
den Verlust staatlicher Kontrolle beklagen, aber für die
Unternehmen selbst ist der Kampf um das wirtschaftliche Überleben für gewöhnlich so intensiv, daß sie gar
keine andere Wahl haben.
Dies ist die Wirklichkeit, der sich jede Regierung auf
der Welt ausnahmslos stellen muß. Im Fall der Regierungen der ehemaligen sowjetischen Republiken verstehen wir, daß mit dem Entstehen von Märkten Verwirrung aufkommen wird und daß westliche Unternehmen als ideale Einkommensquellen betrachtet werden. In der kurzen Zeit meines Aufenthalts in Moskau
mußte ich jedoch feststellen, daß praktisch alle amerikanischen Geschäftsleute, mit denen ich gesprochen
habe, mir erklärten, ihre Fähigkeit, als Partner zur
wirtschaftlichen Gesundung beizutragen, werde ernsthaft - wenn nicht sogar entscheidend - durch rigide
Vorschriften und steuerliche Praktiken beeinträchtigt,
die sie auf allen Regierungsebenen antreffen.
Ich möchte Sie nicht mit all den Veränderungen langweilen, die amerikanische Geschäftsleute gerne sehen würden. Ich möchte nur kurz die meistgenannten
Hemmnisse aufzählen:
1. Ständige Veränderung und Mangel an Transparenz von Gesetzen und Vorschriften.
2. Ständige Veränderungen und prohibitive
Erhöhungen der Steuersätze.
3. Ungewisse Eigentumsverhältnisse, insbesondere bei natürlichen Ressourcen, sowie sich
überschneidende Zuständigkeiten der verschiedenen staatlichen Ebenen.
4. Zahlungsrückstände der ehemaligen Sowjetunion in Höhe von über 190 Millionen Dollar
gegenüber amerikanischen Unternehmen.
Ich möchte Ihnen versichern, daß es sich bei den
amerikanischen Unternehmen, die in der ehemaligen
Sowjetunion geschäftlich tätig werden wollen, um
verantwortungsbewußte Firmen handelt; die "Räuberbarone" früherer Zeiten werden von der amerikanischen Regierung weder toleriert noch unterstützt. Wir
haben Firmen, die in lebenswichtigen Bereichen wie
Seite 3

�Nahaingsmittelvertrieb, Verkehr, Kommunikationswesen, Gesundheitsfürsorge, Energiewesen und Rüstungskonversion einen ausschlaggebenden Beitrag leisten
können. Sie können in Ihrem Land Arbeitsplätze
schaffen, und sie können dabei helfen, die von Ihnen
benötigten harten Devisen zu erwirtschaften.

einst tatsächlich Verbündete, aber wir waren gegen
etwas verbündet, das uns von außen entgegentrat gegen eine Bedrohung, der wir gemeinsam gegenüberstanden. Heute haben wir die Chance eines
Bündnisses für etwas - für den demokratischen Lebensstil und die Werte, die wir jetzt gemeinsam haben.

Sie werden jedoch zu all dem nicht in der Lage sein,
wenn das Umfeld nicht günstig ist. Sie können beispielsweise keine Geschäfte machen, wenn eine plötzliche Steuererhöhung den erwarteten Gewinn bei einem bereits ausgehandelten Projekt völlig verschlingt.
Sie können nicht tätig werden, wenn sie es mit einer
Bürokratie zu tun haben, die noch immer nicht in der
Lage ist, mit ihnen auf Arbeitsebene rasch und mit
Autorität zu arbeiten. Sie werden in der Tat abwandern, wenn dies erforderlich ist, um ein günstiges
Umfeld in den ältesten oder den jüngsten demokratischen Marktwirtschaften der Welt zu finden.

Wir sind uns der Tatsache bewu ßt, daß die Möglichkeiten zur Partnerschaft in diesem demokratischen Zeitalter umfassend und vielfältig sind und daß die neuen
unabhängigen Staaten wechselseitig fruchtbare Beziehungen mit ihren europäischen Nachbarn und anderen
entwickeln werden. Einen Punkt möchte ich hier
jedoch eindeutig klarstellen: Die Vereinigten Staaten
sind weder nur ein Partnervon vielen, noch betrachten
wir Sie lediglich als Partner unter vielen anderen. Wir
beide sind Völker mit einem besonderen Auftrag, Völker, die ihren größten Beitrag zur Geschichte und zu
unseren Zeiten noch leisten müssen. Beide wurden
wir in der Vergangenheit bereits von der Geschichte
abgeschrieben, aber bei jeder dieser Gelegenheiten
wurden wir der Herausforderung gerecht - und dasselbe gilt sicherlich auch heute.

Meine Freunde, es ist leicht, sich über die Schwierigkeiten zu ergehen, mit denen wir in dieser Zeit des
Übergangs konfrontiert sind - des Übergangs zum
freien Markt, zur Demokratie und zu einer neuen
Weltordnung. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist alles,
was wir sehen können, die Hindernisse auf unseren
Weg und die zu erbringenden Opfer, und wir vernehmen Stimmen, die sagen, die beiden Supermächte des
kalten Kriegs würden in der angebrochenen revolutionären neuen Ära nicht gedeihen.

Gemeinsam besitzen wir die größte Macht in der Welt.
Zwischen uns hat es keine Geschichte bewaffneten
Konflikts gegeben, unabhängig davon, wie schwerwiegend unsere Differenzen im kalten Krieg auch sein
mochten. Zwischen uns kann es deshalb eine Partnerschaft mit größerem Vertrauen und Potential für beiderseitige Fortschritte geben als zwischen allen anderen Völkern in der Welt von heute.

Ich sage jedoch, daß diese Stimmen unrecht haben
und daß jeder, der die Fähigkeiten des amerikanischen Volkes und der Völker der ehemaligen Sowjetunion anzweifelt, mit einer deftigen Überraschung zu
rechnen hat. Ja, wir waren Opfer des kalten Kriegs.
Andere machten wirtschaftliche Fortschritte, während
wir unsere Ressourcen in einer sinnlosen militärischen
Rivalität vergeudeten. Aber sehen Sie nur, welche
Macht und Kreativität wir selbst unter den erschwerten
Bedingungen dieser Rivalität unter Beweis stellten,
und stellen Sie sich vor, was wir nun leisten können, da
unsere Energien in dem gemeinsamen Streben nach
wirtschaftlicher Wiedergeburt und Aufschwung freigesetzt werden können.

Ich weiß, daß die Völker der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten, wenn sie auf die Vereinigten Staaten
von Amerika blicken, eine Nation sehen, die sich
rückhaltlos der demokratischen freien Marktwirtschaft
und einer gerechten, stabilen und friedlichen Weltordnung verschrieben hat. Und ich kann Ihnen versichern, daß wir, wenn wir auf Sie blicken, Nationen
sehen, die unter diesem System und unter dieser
Ordnung am besten gedeihen können und werden.
Mit anderen Worten: die Geschichte hat uns zu
Partnern bestimmt. In der Vergangenheit haben wir
dieses Urteil einmal mi ßachtet, und wir und die gesamte Welt zahlten dafür einen schrecklichen Preis. Aber
Gott sei Dank sind wir entschlossen, unserem gemeinsamen Schicksal nicht länger entfliehen zu wollen.

Stellen Sie sich insbesondere vor, was wir nicht als
Gegner, sondern in einer engen und beiderseitig vorteilhaften Partnerschaft leisten können. Wir waren
* *

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�US-AUSSENPOLITIK
3. Juni 1992

ETHNISCHE VIELFALT UND AUSSENPOLITIK
Wachsender Einfluß auf US-Außenpolitik prognostiziert
Die wachsende ethnische Vielfalt der amerikanischen Bevölkerung wird langfristig Auswirkungen auf den
Umgang mit auswärtigen Angelegenheiten haben. Dies ist der Tenor des nachfolgenden Artikels, der dem
Bericht der Stanley Foundation über die wachsenden Auswirkungen der ethnischen und geographischen Vielfalt
auf die US-Außenpolitik entnommen ist. Der Beitrag wurde in englischer Sprache in der Zeitschrift Dialogue,
Nr. 1, 1992, veröffentlicht.
Die Vereinigten Staaten verweisen seit langem stolz
auf ihre Rolle als Schmelztiegel kulturell verschiedenartiger Völker. Diese Vielfalt hat sich aber bisher nur
selten in der amerikanischen Außenpolitik niedergeschlagen. Ein neues Zeitalter ist jedoch angebrochen,
in dem die ethnische Vielfalt größere Auswirkungen
auf die Außenpolitik haben wird. Dies hat drei Gründe.
Erstens verändert eine demographische Revolution
die ethnische Zusammensetzung des Landes. Im Lauf
der Geschichte kamen Wellen von Einwanderern in die
Vereinigten Staaten, die eine schrittweise Diversifizierung der Bevölkerung bewirkten. In jüngerer Zeit
unterschieden sich die Einwanderer, deren Zahl seit
1960 etwa 8 Millionen betrug, erheblich von früheren
Wellen.
In den sechziger Jahren begann die Zahl der Einwandereraus Europa abzunehmen, die in der Vergangenheit die Mehrheit gestellt hatten. Dagegen stieg die
Zahl asiatischer und hispanischer Einwanderer steil
an. Auch die Zahl illegal ins Land strömender Einwanderer, insbesondere aus Mexiko, Mittel- und Südamerika nahm erheblich zu. Dieser Zustrom neuer Einwanderer hat die rassische und ethnische Zusammensetzung der Nation verändert.
Die lediglich zahlenmäßige Betrachtung der Neuankömmlinge ist jedoch teilweise irreführend. Die Einwanderer verteilen sich nicht gleichmäßig. Verschiedene Teile der Vereinigten Staaten haben eine größere Zuwanderung erlebt als andere. Infolgedessen
bilden sich neue ethnische Machtzentren. Florida, das
bereits eine große kubanische und afro-amerikanische Bevölkerung hat, wurde von Einwanderern aus
Lateinamerika und der Karibik überschwemmt. New
York, Texas, Kalifornien und Illinois waren ebenfalls
Ziel zahlreicher Einwanderer. Die Auswirkungen dieses Trends lassen sich andeutungsweise Prognosen

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entnehmen, die davon ausgehen, daß in 20 Jahren 85
Prozent der kalifornischen Bevölkerung zu neuen
ethnischen Gruppen gehören werden.
Zusätzlich zu ihrer Zunahme kann zweitens gesagt
werden, daß die Mitglieder der verschiedenen ethnischen Gruppen politisch bewußter werden. In der
Vergangenheit gab es große Unterschiede beim Ausmaßen dem ethnische Gruppen sich selbst definierten
und nach ethnischer Herkunft mobilisiert werden konnten. Einige Gruppen - zum Beispiel Amerikaner polnischer, irischer oder griechischer Abstammung und
amerikanische Juden - organisierten sich anhand der
ethnischen Zugehörigkeit und trachteten danach, die
Außenpolitik zu beeinflussen. Aber dies war eher die
Ausnahme als die Regel. Heute ist die ethnische
Mobilisierung sehr verbreitet. Zu den Beispielen
wachsenden ethnischen Selbstbewußtseins gehört die
immer wichtigere Rolle der Gruppe schwarzer Abgeordneter im US-Kongreß (U.S. Congressional Black
Caucus). Ein weiteres Anzeichen für zunehmendes
ethnisches Bewußtsein ist die Debatte über die Notwendigkeit zur Erweiterung der Lehrpläne, um die
Rolle der ethnischen Gruppen in der amerikanischen
Geschichte angemessen zu berücksichtigen, die
gegenwärtig in den amerikanischen Schulen Wellen
schlägt.
Einige Experten sind der Auffassung, daß für Gruppen, denen die volle Beteiligung an der amerikanischen Politik früher verweigert wurde, die ethnische
Mobilisierung einen Weg bietet, um in das außenpolitische Establishment einzudringen. Insbesondere für
"Farbige" ist ein verbesserter Zugang zum außenpolitischen Establishment von Bedeutung, unabhängig
davon, ob dies die Politik verändert oder nicht. Für
andere ethnische Gruppen, die noch starke Bindungen
zu ihren Herkunftsländern unterhalten, ist die ethni-

Seite 1

�sehe Mobilisierung ein Weg zur Einflußnahme auf die
amerikanische Außenpolitik, die diesen Ländern zugute kommen soll.
Eine dritte Veränderung, die zur wachsenden Bedeutung der ethnischen Vielfalt in den Vereinigten Staaten
beiträgt, ist die zunehmende Rolle von Bundesstaaten
und Gemeinden bei der Gestaltung der Außenpolitik.
Dieser Trend vervielfacht die Kanäle, durch die ethnische Gruppen die Politik beeinflussen können. Nationale Interessen stehen nicht mehr notwendigerweise
mit lokalen und Bundesstaatsinteressen in Einklang.
Infolge inneren wirtschaftlichen Drucks versuchen viele
Bundesstaaten heute, sich selbst am internationalen
Wirtschaftssystem zu beteiligen, um Handelsbeziehungen zu anderen Ländern zu entwickeln. So haben
beispielsweise mehrere Bundesstaaten Handelsmissionen in Tokio eingerichtet, um japanische Investitionen anzulocken.
Der Trend zur weltumspannenden Produktion fördert
direkte Wirtschaftsverbindungen zwischen Amerikanern und anderen Gesellschaften auf nichtstaatlicher
Ebene. Eine weitere Kategorie von Verbindungen
betrifft persönliche Beziehungen zu Verwandten im
Ausland. Institutionelle Bindungen werden durch
Programme von Sister Cities, der Organisation für
Städtepartnerschaften, und andere kulturelle Organisationen geschaffen. Die Politik wird unweigerlich
beeinflußt, da Basisinitiativen immer mehr Amerikaner
mit Menschen im Ausland in Kontakt bringen.
Ein Beispiel für die Auswirkung des Engagements der
Basis auf den au ßenpolitischen Proze ß war der Erfolg
der Anti-Apartheidbewegung bei der Veränderung der
amerikanischen Politik gegenüber Südafrika. Angesichts des Drucks von Kirchen, Studenten und AfroAmerikanern stießen Bundesstaaten und Gemeinden
aus ihren Pensionsfonds Anteile an Unternehmen ab,
die in Südafrika tätig waren. Gemeindevertreter riefen
darüber hinaus Programme ins Leben, um der schwarzen Mehrheit Südafrikas zu helfen.
Während also der allgemeine Trend zu verstärkter
ethnischer Mobilisierung bei außenpolitischen Themen geht, bestehen erhebliche Unterschiede darin,
wie sich dies in den einzelnen Gruppen manifestiert.
Es ist offenkundig geworden, daß Vorgeschichte, Interessen und Programme verschiedener Gruppen stark
voneinander abweichen.
Obwohl die amerikanischen Juden de facto keine
ethnische Gruppe sind, stellen sie das meistdiskutierte
Modell einer effektiven außenpolitischen Mobilisierung dar. Mehrere Umstände haben die amerikanischen Juden in die Lage versetzt, eine mächtige Lobby
zu werden. Der erste ist die Geschichte der Verfolgung, die den Juden in der ganzen Welt ein starkes
Gefühl gemeinsamer religiöser Identität verlieh. Zweitens
gab der Holocaust der jüdischen Gemeinde ein mächtiges Symbol, mit dem sie sich mobilisieren konnten.

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Drittens gibt das Ziel, die amerikanische Unterstützung Israels sicherzustellen, einen eindeutigen Schwerpunkt politischer Aktivität vor. Schließlich ist die
amerikanische jüdische Gemeinde aufgrund ihres relativen Wohlstands und des hohen Grads politischer
Beteiligung in einer guten Position, um die Politik zu
beeinflussen. Wie von einigen bemerkt wurde, kann
es sich die jüdische Gemeinde leisten, die Israelfrage
zum wichtigsten Faktor ihrer innenpolitischen Bemühungen zu machen, was bei anderen Gruppen nicht
der Fall ist.
Afro-Amerikaner ähneln den Juden darin, daß auch sie
ein starkes ethnisches Zusammengehörigkeitsgefühl
haben, das auf ihrer historischen Erfahrung gründet:
der Sklaverei. Das Erbe der Sklaverei hat die Amerikaner afrikanischer Herkunft in der Gesellschaft wirtschaftlich und politisch benachteiligt. Trotz der Fortschritte der Bürgerrechtsbewegung kämpfen AfroAmerikaner immer noch um Chancengleichheit und
größere Beteiligung am amerikanischen politischen
System. Sie konzentrieren sich hauptsächlich auf
innenpolitische Fragen der Gerechtigkeit.
Im Bereich der Außenpolitik war es für Amerikaner
afrikanischer Herkunft aus einer Reihe von Gründen
schwierig, in das System einzudringen. Erstens haben
sie kein gemeinsames Thema, um das sie sich mobilisieren könnten. Dies wird noch verstärkt durch die
Tatsache, daß sich Afro-Amerikaner weder mit einem
einzelnen Herkunftsland identifizieren können noch
persönliche Bindungen zu einem einzelnen Land
außerhalb der Vereinigten Staaten haben. Die Lage in
Südafrika hat den Afro-Amerikanern jedoch die Gelegenheit gegeben, sich bei einem Thema zu engagieren, das ihrer historischen Erfahrung in den Vereinigten Staaten entspricht. Der Erfolg der Anti-Apartheidbewegung unterstreicht das Potential innerhalb der
afro-amerikanischen Gemeinde, um den außenpolitischen Prozeß zu beeinflussen.
Obwohl die Neigung besteht, die Amerikaner asiatischer Herkunft als homogene ethnische Gruppe zu
betrachten, ist diese Kategorie äußerst vielfältig.
Amerikaner japanischer, chinesischer und philippinischer Abstammung haben eine lange Geschichte in
den Vereinigten Staaten. In der Vergangenheit vermieden sie es jedoch, eine ethnisch geprägte Politik zu
betreiben. Die neueren Einwanderungswellen aus
Südostasien waren politisch jedoch äußerst aktiv. Wie
im Fall der amerikanischen Juden verstärkt der relative
Wohlstand der Amerikaner asiatischer Herkunft deren
Fähigkeit, das außenpolitische Establishment zu beeinflussen. Die neuen asiatischen Einwanderer sind
wohlhabender und gebildeter als frühere Zuwanderer,
und der Wohlstand der etablierten asiatisch-amerikanischen Gemeinde nimmt ebenfalls zu. Dies bedeutet,
daß die Amerikaner asiatischer Herkunft ausreichende Mittel zur Verfüngung haben, die sie bei Wahlkämpfen auf lokaler und nationaler Ebene einsetzen können.
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�Veränderungen im internationalen System verstärken
ebenfalls die innenpolitische Bedeutung der asiatischamerikanischen Gemeinde. Das Selbstverständnis
der Amerikaner japanischer Abstammung wurde durch
die wachsende Rolle Japans als wirtschaftliche Supermacht gefördert. Dies hat den Eindruck verstärkt, daß
Amerikaner japanischer Herkunft als Brücke zwischen
den Vereinigten Staaten und Japan in der Außenpolitik
dienen können. Zu den Themen, die Amerikaner
asiatischer Herkunft zu beeinflussen versuchen, gehört die amerikanische Einwanderungspolitik.
Wie bereits erwähnt, hat die hispanische Bevölkerung
der Vereinigten Staaten in den letzten Jahren erheblich zugenommen. Im Jahr 1970 hatten Hispanier
einen Anteil von 4,5 Prozent an der amerikanischen
Bevölkerung. Im Jahr 1988 war dieser Anteil auf 8
Prozent gestiegen. Wie der asiatische Bevölkerungsanteil ist auch diese Gruppe extrem mannigfaltig,
wobei Mexikaner (als zahlenmäßig stärkste), Kubaner
und Puertoricaner die drei größten Untergruppen bilden. Wirtschaftlich bestehen große Unterschiede
innerhalb der hispanischen Gemeinde, in der die
Amerikaner kubanischer Abstammung im allgemeinen
wesentlich wohlhabender sind als Mexikaner und
Puertorikaner.
Die Vielfalt der hispanischen Gemeinde hat es den
politisch Verantwortlichen erschwert, sich effektiv für
außenpolitische Themen einzusetzen. Eine bemerkenswerte Ausnahme waren die Bestrebungen der
Amerikaner kubanischer Abstammung, die amerikanische Politik gegenüber Fidel Castro zu beeinflussen.
Für die Mehrheit der Hispanier sind innenpolitische
Themen wie Zugang zu Bildungsinstitutionen, Gesundheitswesen, Recht auf die eigene Sprache und
Sozialleistungen nach wie vor am wichtigsten. Im
Hinblick auf die Außenpolitik haben unterschiedliche
hispanische Gruppen verschiedene Programme. Die
Puertoricaner sind besorgt über die möglicherweise
von den Vereinigten Staaten gewährte Souveränität
Puerto Ricos. Die Mexikaner befassen sich mit Handels- und Einwanderungsproblemen, insbesondere der
Behandlung illegaler Einwanderer.
Die arabisch-amerikanische Gemeinde weist ebenfalls eine große ethnische und politische Vielfalt auf.
Ihre Wurzeln gehen zu mehreren Ländern im Nahen
Osten und in Nordafrika zurück. Die politische Mobilisierung wurde durch Klassen- und berufliche Unterschiede bebindert. Auch die Beziehungen zwischen
den Amerikanern arabischer Abstammung und ihren
Herkunftsländern variieren. Die Libanesen waren beispielsweise außerordentlich erfolgreich beim Sammeln von Spenden für den Libanon, wohingegen die
Amerikaner syrischer Abstammung enge kulturelle,
aber relativ lockere politische Beziehungen mit Syrien
unterhalten.

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Auf innenpolitischer Ebene betrachten sich Araber, die
seit einiger Zeit in den Vereinigten Staaten leben, als
stark assimiliert, insbesondere diejenigen, die keine
sprachlichen Bindungen mehr zu ihrem Herkunftsland
haben. Obwohl diese Araber sich nicht im ethnischen
Sinne unterscheiden, wurden sie vor allem aufgrund
der Ereignisse im Nahen Osten und zunehmend als
Reaktion auf die von Amerikanern jüdischer Abstammung zugunsten Israels durchgeführten Aktivitäten in
die außenpolitische Debatte eingebracht.
Das Bild, das sich aus der Bevölkerungszusammensetzung der Vereinigten Staaten ergibt, weist unterschiedliche Gruppen auf - jede mit den ihr eigenen
Stärken und Schwächen und jede mit einer anderen
Basis für außenpolitische Kampagnen. Diese Tatsache erschwert die Gestaltung einer schlüssigen, kontinuierlichen und integrierten Außenpolitik außerordentlich.
Die amerikanische Außenpolitik war traditionell die
Domäne von weißen Männern, sowohl innerhalb als
auch außerhalb der Regierungskreise. In den vergangenen zwanzig Jahren hat sich diese Situation allmählich gewandelt, so daß heute mehr Frauen und Angehörige von Minderheiten im politischen Entscheidungsprozeß zu finden sind. Dennoch sind die Fortschritte
begrenzt. In einer kürzlich erstellten Studie über in den
letzten zehn Jahren von den Medien befragte außenpolitische Experten war die Mehrzahl weiß, männlich
und konservativ.
Begrenzter Zugang zur Außenpolitik hat es einigen
ethnischen Gruppen erschwert, selbst auf unterster
Ebene in das System einzusteigen. Für wirtschaftlich
benachteiligte Gruppen sind schlechte Bezahlung,
Anfängerpositionen und Volontariate bei außenpolitischen Organisationen keine echte Alternative. In den
wichtigsten außenpolitischen Institutionen wie Forschungszentren, Eliteuniversitäten und im auswärtigen Dienst sind Minderheiten immer noch unterrepräsentiert.
Ein Argument für die Einbeziehung lautet, daß neue
Akteure in den außenpolitischen Prozeß eingeführt
werden, deren Interessen und Erfahrungen sich von
der herkömmlichen Außenpolitik unterscheiden. Aus
diesem Grund wäre eine diversifiziertere außenpolitische Gemeinde wertvoll, unabhängig davon, ob diese
neuen Akteure den politischen Entscheidungsfindungsprozeß grundlegend ändern oder nicht. Die Einbeziehung der gesamten Bandbreite ethnischer Gruppen in
die Außenpolitik würde sowohl in der Regierung als
auch außerhalb zur Verbesserung des Bildes von
einem Land mit ethnischer Vielfalt beitragen. Durch
die Einbeziehung in die Außenpolitik könnten die Vertreter der ethnischen Gruppen schließlich als Vorbild
für ihre Gemeinden dienen.

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�Die Einbeziehung würde auf der anderen Seite nicht
zwangsläufig zu einer tiefgreifenden Veränderung führen.
Obwohl der Zugang als Einstieg in das System dienen
kann, muß dies nicht notwendigerweise zu konstruktiver Beteiligung führen. Der Preis der Einbeziehung
könnte die pauschale Akzeptanz des Status quo sein
statt der Versuch, ihn zu ändern. Die Einbeziehung
aus rein "symbolischen" Gründen könnte zu Fetischismus führen und dadurch Probleme der Legitimität und
Glaubwürdigkeit für die Vertreter der ethnischen Gruppen schaffen.
Darüber hinaus führt die Einbeziehung aus zwei Gründen nicht zwangsläufig zu einer Erweiterung der Bandbreite von Problemen auf der au ßenpolitischen Tagesordnung: Wenn die einzigen Personen in der Politik
diejenigen wären, die dieselben Ansichten vertreten
wie die traditionellen außenpolitischen Institutionen,
oder wenn die Vertreter der ethnischen Gruppen mit
einem unterschiedlichen Weltbild gezwungen würden,
ihre Meinungen aus politischen Gründen zu unterdrükken. Obwohl es in jüngsten Administrationen beispielsweise einige Amerikaner afrikanischer Abstammung in hochrangigen außenpolitischen Positionen
gegeben hat, scheint dies keine Auswirkungen auf die
amerikanische Außenpolitik zu haben.
Die Rolle, die ethnische Gruppen im außenpolitischen
Prozeß spielen können, hängt von ihren Beziehungen
untereinander und zu ihrem Herkunftsland ab. Natürlich variiert diese Beziehung von Gruppe zu Gruppe.
Zu den ausschlaggebenden Faktoren zählt, wann die
Einwanderer in die Vereinigten Staaten gekommen
sind, warum sie ihr Land verlassen haben, welche
politische, wirtschaftliche und strategische Anziehungskraft ihr Land hat und ob seine Ideologie sich von der
der Vereinigten Staaten unterscheidet. Sind die Beziehungen gut, können sich Kampagnen der ethnischen
Gruppen zum Nutzen des Heimatlands auswirken, wie
es bei den Amerikanern jüdischer Abstammung mit
Israel der Fall war. Sind die Beziehungen zwischen
den Einwanderern und ihrem Heimatland jedoch
schlecht, kann sich das Engagement der ethnischen
Gruppen zum Nachteil ihres Heimatlandes erweisen.
Vor Castros Regime fliehende Kubaner waren vehemente Befürworter der amerikanischen Politik, die auf
die Isolierung Kubas abzielt.
Veränderungen der Verbindungen, die ethnische
Gruppen mit ihrem Heimatland unterhalten, können
maßgebliche Auswirkungen auf die Fähigkeit der Gruppe
zur Einflußnahme auf den außenpolitischen Prozeß
haben. Früher vollzog sich ein Großteil der Kontakte
zwischen ethnischen Gruppen und ihren Heimatländern durch inoffizielle, persönliche Kanäle. Die Gründung von Partnerstadtprogrammen und kulturellen
Organisationen hat zur Formalisierung, Stärkung und
Förderung der kulturellen Bande beigetragen. Zur Zeit
gewinnen jedoch die wirtschaftlichen und politischen
Bande zwischen ethnischen Gruppen und ihren Heimatländern zunehmend an Bedeutung. Dies geschieht
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häufig mit der stillschweigenden Zustimmung des
Heimatlandes, das von besseren Handels- und Wirtschaftschancen zu profitieren hofft. Die japanische
Regierung hat beispielsweise beachtliche Wirtschaftsbeziehungen mit Kanada entwickelt, das einen großen
Bevölkerungsanteil von Amerikanern japanischer
Abstammung hat, auf die 30 Prozent der gesamten
Auslandsinvestitionen des Landes zurückzuführen sind.
Diese Beziehungen sind jedoch auch mit Problemen
für beide Seiten behaftet. Das Problem für das Heimatland entsteht, wenn seine Einwandererein größeres Mitspracherecht im politischen Prozeß des Heimatlandes fordern und Einfluß auf innenpolitische
Entscheidungen nehmen möchten. Für das Heimatland ist es ein ebenso ungemütliches Risiko, wegen
der Beziehungen zu einer ethnischen Gruppe in innenpolitische Querelen der Vereinigten Staaten hineingezogen zu werden. Einige afrikanische Befreiungsbewegungen sind sehr um die Unterstützung von Amerikanern afrikanischer Abstammung bestrebt, obwohl
sie nicht gerne in die Rassenkonflikte der Vereinigten
Staaten verwickelt werden möchten.
Als anderes Extrem ergeben sich auch Probleme für
ethnische Gruppem, die nicht als Lobbyisten im Namen
ihrer ehemaligen Heimatländer, sondern vielmehr als
amerikanische Bürger mit einer eigenen Sichtweise
außenpolitischer Angelegenheiten fungieren wollen.
Aufgrund ihres Engagements für Japan fürchten
Amerikaner japanischer Abstammung eher als Japaner statt als amerikanische Staatsbürger angesehen
zu werden. Das Engagement einer ethnischen Gruppe sollte sich jedoch auch nicht auf Belange ihres
Herkunftslandes beschränken. Viele Amerikaner afrikanischer Abstammung fürchten, wenn sie zu sehr mit
Afrika in Verbindung gebracht werden, in der größeren
außenpolitischen Gemeinde politisch an den Rand
gedrängt zu werden.
In einer Weise könnte sich größeres Engagement der
ethnischen Gruppen für außenpolitische Themen als
gefährlich erweisen. Angesichts der gegenläufigen
Interessen und Programme unterschiedlicher ethnischer Gruppen besteht die Möglichkeit, daß Kampagnen der ethnischen Gruppen den außenpolitischen
Prozeß in einen Krieg zwischen ethnischen Gruppen
verwandeln könnte, die um begrenzte Ressourcen,
politische Posten und Einfluß kämpfen.
Das Ende des kalten Kriegs hat für den Prozeß der
außenpolitischen Entscheidungsfindung ein Vakuum
hinterlassen. Es gibt kein umfassenderes Gefüge
einer Supermacht, das konkurrierende Ansprüche
enthnischer Gruppen in Einklang bringen könnte und
dadurch entsteht die Gefahr, daß die ethnischen Gruppen
in den Vereinigten Staaten in Konflikte im Ausland
verwickelt werden. Wenn die Sowjetunion und andere
Länder in rivalisierende ethnische Einheiten zerfallen,
könnten ihre Kämpfe die ethnischen Konflikte in den
Vereinigten Staaten verschärfen.

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�Aus diesem Grund könnte die Einbeziehung neuer
Gesichter in die außenpolitische Gemeinde die Fähigkeit der Vereinigten Staaten zur Übernahme einer
Führungsrolle in der Welt nach dem kalten Krieg
verbessern. Einige Experten haben den Vorschlag
unterbreitet, daß Amerikaner und Ausländer sich auf
der Grundlage gemeinsamer Probleme über tiefere
soziale Bindungen mobilisieren könnten. Mit diesem
Ansatz könnte das Potential anderer Länder zur Lö-

* *

AMERIKA DIENST 22

sung interner und regionaler Kontroversen verstärkt
werden. Obwohl das Ende des kalten Kriegs eine
Konfliktquelle beseitigt hat, könnte es andere regionale und ethnische Konflikte mit wichtigen innenpolitischen und internationlaen Konsequenzen freisetzen.
Es muß ein Weg gefunden werden, um unterschiedliche ethnische Interessen und Programme in eine
schlüssige, integrierte außenpolitische Tagesordnung
der Vereinigten Staaten umzusetzen.

* *

Seite 5

�SOZIALPOLITIK
3. Juni 1992

KRANKENVERSICHERUNG FÜR SOZIAL
SCHWACHE UND SENIOREN
Vierter einer Reihe von Artikeln zur US-Sozialpolitik
WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten haben gegenwärtig kein einheitliches, nationales Krankenversicherungssystem für alle Bürger. Es gibt jedoch zwei Einzelprogramme, die gemeinsam die medizinische Versorgung für die meisten derjenigen gewährleisten, die keine private Krankenversicherung
haben.
Als Teil von Präsident Johnsons "Krieg gegen die
Armut" wurde im Jahr 1965 Medicare ins Leben gerufen, um älteren Menschen eine Krankenversicherung
zubieten. Darüber hinaus wurde Medicaid eingeführt,
um die Kosten für die medizinische Versorgung von
sozial Schwachen und Behinderten abzudecken, die
keinen Anspruch auf Medicare haben.
Im Jahr 1990, dem letzten Jahr, für das vollständige
statistische Daten zur Verfügung stehen, waren 87,5
Prozent aller Amerikaner während des ganzen oder
eines Teils des Jahres in irgendeiner Form krankenversichert.
Davon entfielen 14,6 Prozent auf Medicare, 11,2 Prozent auf Medicaid. 73,1 Prozent hatten einen privaten
Versicherungsschutz, der von Arbeitgebern, Gewerkschaften oder den Vorsicherten selbst finanziert wurde, und 12,5 Prozen* waren überhaupt nicht krankenversichert. (Diese Zahlen ergeben insgesamt über
100 Prozent, da ein Teil der unter Medicare und
Medicaid Versicherten daneben einen privaten Versicherungsschutz hatten.)
Schätzungen des US-Gesundheitsministeriums zufolge bezogen im Jahr 1991 35 Millionen Amerikaner
Leistungen von Medicare in einer Gesamthöhe von
113,9 Milliarden Dollar. Im gleichen Jahr erhielten 27,5
Millionen Personen Leistungen von Medicaid im Gesamtumfang von 89,1 Milliarden Dollar.
Medicare für die älteren Mitbürger
Medicare besteht aus zwei Teilen, die beide von der
Bundesregierung verwaltet werden. Alle Amerikaner
ab 65 Jahren, die aufgrund ihrer früheren Beschäftigung oder der des Ehegatten Anspruch auf Rentenzahlungen haben, können unabhängig von persönliAMERIKA DIENST 22

chem Einkommen oder Vermögen Leistungen der
Krankenhausversicherung (Teil A) beziehen. Durch
Zahlung eines minimalen monatlichen Beitrags kann
nahezu jeder Bürger über 65 eine Krankenversicherung (Teil B) abschließen, die Arzthonorare, diagnostische Untersuchungen, ambulante chirurgische Leistungen, Laboruntersuchungen und andere medizinische Leistungen für ambulante Patienten abdeckt.
Teil A wird aus Mitteln derselben Lohnsummensteuer
finanziert, die für die Finanzierung der Rentenversicherung erhoben wird, während Teil B vollkommen
aus dem von jedem Versicherten entrichteten Monatsbeitrag - 31,80 Dollar im Jahr 1991 - abgedeckt wird.
Im Jahr 1992 erstattet Teil A in den ersten 60 Tagen der
stationären Behandlung 100 Prozent aller versicherten Kosten in einem von Medicare zugelassenen
Krankenhaus - nach Zahlung eines einmaligen Selbstbehalts von 652 Dollar in jedem Leistungszeitraum.
Danach werden von Teil A alle versicherten Leistungen abgedeckt, mit Ausnahme einer "Rückversicherungs"-Zahlung, die der Patient erbringen muß.
Falls eine solche Behandlung von Medicare für notwendig erachtet wird, leistet Teil A darüber hinaus für
sämtliche versicherten Dienstleistungen während der
ersten zwanzig Tage des Aufenthalts in einem anerkannten Pflegeheim, wenn der Patient zuvor an mindestens drei aufeinanderfolgenden Tagen stationär im
Krankenhaus behandelt wurde. Vom 21. bis zum 100.
Tag muß der Versicherte eine Selbstbeteiligung von
81,50 Dollar pro Tag aufbringen. Nach dem 100. Tag
übernimmt Medicare in demselben Leistungszeitraum
keine weiteren Leistungen für den Aufenthalt in einem
Pflegeheim.
60 Tage nach Entlassung aus stationärer Krankenhausbehandlung oder Aufenthalt in einem Pflegeheim
beginnt eine neue Abrechnungsperiode, und der Versicherte kann erneut Leistungen in Anspruch nehmen.
Teil A deckt ferner von Medicare anerkannte häusliche
Pflege ab - einschließlich von Teilzeit- oder vorübergehender Pflege, sozialen Dienstleistungen, Thera-

Seite 1

�pie, Heil- und Hilfsmitteln - sowie sämtliche Leistungen der Behandlung von unheilbar Kranken in von
Medicare zugelassenen Sterbekliniken.
Nach Teil B der Krankenversicherung werden 80 Prozent
sämtlicher versicherten Leistungen für ambulante
Behandlung von Medicare übernommen nachdem der
Patient den Selbstbehalt von 100 Dollar pro Kalenderjahr bezahlt hat. Danach können die Versicherten
ihren Eigenanteil auf 20 Prozent der versicherten
Leistungen begrenzen, indem sie Ärzte und Leistungsanbieter wählen, die sich an die von Medicare genehmigten Gebührensätze halten. Andere Ärzte können
bis zu 20 Prozent über die Gebührensätze von Medicare hinausgehen, wobei der Differenzbetrag vom
Versicherten zu erbringen ist.
Versicherte in Teil A und Teil B können ihre Kosten
senken und Vorsorgeleistungen erhalten, die für
gewöhnlich nicht von Medicare abgedeckt sind, indem
sie besondere im voraus bezahlte Krankenversicherungen abschließen - etwa HMOs (Health Maintenance Organizations) und CMPs (Competitive Medical
Plans) -, die koordinierten Versicherungsschutz bieten
anstatt der traditionellen gebührenorientierten Vorsorge.

ßige Vorsorgeuntersuchungen und anschließende
Behandlung von Kindern unter 21 Jahren, Hilfe bei der
Familienplanung, Behandlungsmöglichkeiten in ländlichen Gebieten sowie den Krankentransport umfaßt.
Die Medicaid-Programme der Bundesstaaten sind
gesetzlich verpflichtet, die Prämien, Selbstbeteiligungen und Eigenanteile zu übernehmen, die gemäß Teil
A und B für Versicherte von Medicare zu zahlen sind,
wenn deren Einkommen unter der von der Bundesregierung festgelegten Armutsgrenze liegen - im Jahr
1991 waren dies 6.932 Dollar für einen Alleinstehenden. Die Bundesstaaten müssen darüber hinaus die
Prämien für Teil A bei bestimmten Behinderten übernehmen, die zwar arbeiten, deren Einkünfte und persönliches Vermögen einen Anspruch auf Medicaid
jedoch ausschließen.
Der Bundesanteil an den Leistungen von Medicaid in
Höhe von 89,1 Milliarden Dollar betrug im Jahr 1991
50,8 Milliarden Dollar, während die Bundesstaaten
38,3 Milliarden trugen. Einer vom Kongreß festgelegten Formel zufolge übernimmt die Bundesregierung in
den Bundesstaaten mit dem geringsten Pro-KopfEinkommen einen größeren Anteil an Medicaid. Der
Bundesanteil kann zwischen 50 und 80 Prozent betragen.

Medicaid für Einkommensschwache
' Die Kriterien für die Inanspruchnahme von Medicaid,
das von den Bundesstaaten nach Richtlinien der
Bundesregierung verwaltet wird, werden von den einzelnen Staaten festgelegt und variieren von einem
Bundesstaat zum anderen. In den meisten qualifiziert
sich eine Person für dieses Programm, wenn das
Familieneinkommen unter der Armutsgrenze liegt.
Alle Personen, die Leistungen entweder durch Zuschüsse für Einkommensschwache (Supplemental
Security Income - SSI) oder Hilfe für Familien mit
unterhaltsberechtigten Kindern (Aid to Families with
Dependent Children - AFDC) erhalten, sind automatisch durch Medicaid versichert. Bei SSI handelt es
sich um ein vom Bund finanziertes und verwaltetes
öffentliches Hilfsprogramm, in dessen Rahmen Kindern und Erwachsenen, die blind oder behindert sind,
kaum eigenes Vermögen oder Einkommen besitzen
und von anderen Sozialhilfeprogrammen nur unvollständig abgedeckt sind, festgesetzte monatliche Beträge bar ausgezahlt werden. AFDC unterstützt Familien
mit Bargeld, in denen ein Elternteil verstorben ist, die
Familie verlassen hat, behindert oder - in einigen
Bundesstaaten - arbeitslos ist.

Die amerikanischen Aufwendungen für das Gesundheitswesen
Die nationalen Aufwendungen für das Gesundheitswesen gehören zu den am schnellsten wachsenden
Komponenten der amerikanischen Wirtschaft und sind
von 74 Milliarden Dollar im Jahr 1970 auf heute über
800 Milliarden Dollar gestiegen. Falls keine weiteren
Schritte zur Kostendämpfung unternommen werden,
so könnten die Ausgaben im Gesundheitswesen Präsident Bush zufolge bis zum Jahr 2000 auf 1,6 Billionen
Dollar steigen.
Bush hat einen eigenen umfassenden Reformplan
vorgelegt, der sich hauptsächlich auf eine arbeitgeberfinanzierte private Krankenversicherung stützt - einen
Plan, der laut Bush die Kosten senken sowie weiteren
36 Millionen Menschen, die gegenwärtig keinerlei
Krankenversicherung haben, Versicherungsschutz
gewähren und gleichzeitig dem Bürger die Wahlfreiheit
in bezug auf die Art des Versicherungsschutzes erhalten würde.
Sonstige zur Zeit vom Kongreß behandelte Vorschläge zur Einführung einer allgemeinen Krankenversicherung umfassen einen dem kanadischen System vergleichbaren Plan, bei dem die Regierung die Krankenversicherung finanziert und verwaltet sowie das "Playor-Pay"-Modell, wonach der Arbeitgeber entweder seinen
Beschäftigten einen Krankenversicherungsschutz bieten
oder für den Arbeitnehmer die Beiträge an eine nationale Krankenversicherung übernehmen müßte.

Bei Medicaid muß jeder Bundesstaat für bestimmte
einkommensschwache Amerikaner ein Paket von
Grundleistungen bereitstellen, das auch ambulante
und stationäre Krankenhausversorguno, ärztliche
Leistungen, die Dienste ausgebildeter Krankenpfleger, Labor- und diagnostische Untersuchungen,
Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchungen, regelmä* * * *

*
AMERIKA DIENST 22

�W A H L E N '9 2
3. Juni 1992

ZWISCHENBERICHT ZU DEN WAHLEN '92
Anzahl der Delegierten und Ergebnisse der Vorwahlen
WASHINGTON - (AD) - Die nachstehend veröffentlichte inoffizielle Übersicht zeigt die Anzahl der Delegierten,
über die jeder Kandidat zum gegenwärtigen Zeitpunkt (27. Mai) des US-Wahlprozesses verfügt sowie die
Ergebnisse der Vorwahlen in Arkansas, Kentucky und Idaho.
Bush und
Vorwahlen

Clinton

gewinnen

weitere

drei

Nach wie vor herrscht bei den Wählern in den Vereinigten Staaten große Unzufriedenheit. Dies zeigt sich
auch in den Ergebnissen der am 26. Mai 1992 veranstalteten Vorwahlen in Arkansas, Kentucky und Idaho,
wo trotz leichter Siege für Präsident Bush und Bill
Clinton ein großer Anteil an nichtgebundenen Stimmen abgegeben wurde.
Die Nominierung von Bush und Clinton bei den jeweiligen Konventen der Republikaner und Demokraten ist
zweifellos beschlossene Sache, aber es mehren sich
die Anzeichen, die auf ein Dreierrennen hindeuten, an
dem auch der bisher noch unerklärte Präsidentschaftskandidat Ross Perot teilnehmen wird.
Bush errang 87 Prozent der republikanischen Stimmen in Arkansas, 74 Prozent in Kentucky und 64
Prozent in Idaho, wo "nichtgebundene" und Stimmen
für den konservativen Herausforderer Pat Buchanan
die übrigen Stimmen unter sich aufteilten.
Clinton verbuchte 68 Prozent in seinem Heimatstaat
Arkansas, 56 Prozent in Kentucky und 50 Prozent in
Idaho. Dabei wurden mehr ungebundene Stimmen
abgegeben als für einen der demokratischen Mitbewerber in allen drei Vorwahlen. Die Anhänger von
Perot, dessen Name auf keinem der Stimmzettel erscheinen konnte, forderten die Wähler auf, ihre Unterstützung für ihn durch die Abgabe nichtgebundener
Stimmen zu bekunden.
In den Vorwahlen für Kongreßmandate verloren die
Demokraten Carroll Hubbard aus Kentucky, der bereits neun Legislaturperioden Mitglied des Repräsentantenhauses ist, und Bill Alexander aus Arkansas, der
24 Jahre Mitglied des Kongresses ist, als achter und

neunter Abgeordnete in diesem Jahr ihre Vorwahlen.
Beide hatten in dem Skandal um die Bank des Repräsentantenhauses über 100 ungedeckte Schecks ausgestellt.
Der neueste Stand der Delegierten
Demokraten (zur Nominierung erforderlich: 2.145)
Clinton
Tsongas

550,00

Nichtgebunden

546,25

Brown

394,25

Sonstige

27,00

Republikaner (zur Nominierung erforderlich: 1.105)
Bush

1.414

Buchanan

76

Nichtgebunden

16

Ergebnisse der Vorwahlen vom 26. Mai
Die nachfolgende Übersicht zeigt den Prozentsatz der
Stimmen, die jeder Kandidat bei den Vorwahlen am 26.
Mai erhalten hat.
Arkansas
Demokraten

Prozentsatz der Stimmen

Clinton

68

Nichtgebunden

18

Brown

11

Sonstige

AMERIKA DIENST 22

1.977,50

3

Seite 1

�Republikaner

Prozentsatz der Stimmen

Idaho

Bush

87

Demokraten

Buchanan

13

Clinton

50

Nichtgebunden

28

Brown

17

Kentucky
Demokraten

Prozentsatz der Stimmen

Prozentsatz der Stimmen

Clinton

56

Sonstige

Nichtgebunden

28

Republikaner Prozentsatz der Stimmen

5

Brown

8

Bush

64

Sonstige

8

Nichtgebunden

23

Buchanan

13

Republikaner Prozentsatz der Stimmen
Bush

74

Nichtgebunden

26
* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 22

�DEMOGRAPHIE
3. Juni 1992

NEUE STATISTISCHE DATEN
ZEIGEN NATION IM ÜBERGANG
Rekordeinwanderung in achtziger Jahren
WASHINGTON - (AD) - Im Jahr 1990 waren nahezu 20
Millionen Menschen oder acht Prozent der amerikanischen Gesamtbevölkerung von 248 Millionen Einwanderer. Den neuen, am 29. Mai 1992 vom Statistischen
Bundesamt der Vereinigten Staaten veröffentlichten
Zahlen zufolge war dies der höchste jemals verzeichnete Anteil von im Ausland geborenen Amerikanern an
der Gesamtbevölkerung.
Von diesen 20 Millionen kamen 8,7 Millionen in den
achtziger Jahren in die Vereinigten Staaten, "die größte Einwanderungswelle in die Vereinigten Staaten, die
in der Geschichte des Landes während eines Jahrzehnts registriert wurde", wie der Demograph Jeffrey
Passei vom Urban Institute feststellt.
"Im Hinblick auf Nettoeinwanderung - die Zahl derer,
die kamen, minus die Zahl derer, die das Land verließen - halten die achtziger Jahre den Rekord" und
übertrafen sogar noch die massive Einwanderungswelle um die Jahrhundertwende, so Passei. Die neuen
Bevölkerungsdaten zeigten, daß "eine sehr große Zahl
von Menschen in den Vereinigten Staaten heute eine
andere Sprache spricht als Englisch".
Die Zahlen offenbarten, daß sich der Anteil derjenigen,
die zu Hause eine andere Sprache als Englisch sprechen, von 6,6 Prozent im Jahr 1980 auf 13,8 Prozent
oder über 32 Millionen Menschen im Jahr 1990 mehr
als verdoppelte. Von diesen Personen - ab 5 Jahren
aufwärts - gaben 43,9 Prozent an, Sie sprächen Englisch "nicht sehr gut".
Passei zufolge zeigen die neuen Daten darüber hinaus, daß der Anteil der im Ausland Geborenen von
Region zu Region große Unterschiede aufweist. In
den westlichen Bundesstaaten der USA seien 14,8
Prozent der Bevölkerung im Ausland geboren, im
Nordosten 10,3 Prozent, im Mittleren Westen 3,6
Prozent und im Süden 5,3 Prozent.

Die neuen Informationen über die Einwanderung in die
Vereinigten Staaten in den vergangenen 10 Jahren
beruhen auf der Volks- und Wohnstättenerhebung
des Jahres 1990, in deren Rahmen 17 Millionen Haushalte ein umfangreiches Formular auszufüllen hatten.
Die Einwanderung hatte "dramatische Auswirkungen"
auf die rassische und ethnische Zusammensetzung
des Landes, erläutert Passei: "Zwischen 80 und 90
Prozent der Einwanderer kommen heute aus asiatischen und hispanischen Ländern. Der asiatische
Bevölkerungsanteil habe sich in den achtziger Jahren
verdoppelt, und die hispanische Bevölkerung sei um
60 Prozent gewachsen. Die hispanische Bevölkerung
der Vereinigten Staaten beträgt heute 22,4 Millionen,
die asiatische 7,3 Millionen Menschen.
"Aufgrund der gegenwärtigen Einwanderungszahlen
ist ein weiterer rascher Anstieg der asiatischen und
hispanischen Bevölkerungsanteile zu erwarten", stellt
Passei fest. "Und bei diesem Umfang der Einwanderung wird der hispanische Bevölkerungsanteil den der
Schwarzen im Jahr 2010 überholen."
Die Daten über Einwanderung bilden nur einen kleinen
Teil der im Rahmen des neuen Zensus gewonnenen
überaus umfassenden Informationen, die auf wachsende Unterschiede zwischen Regionen und Bevölkerungsgruppen in den Vereinigten Staaten hinweisen.
Die Daten zeigen, daß das mittlere Haushaltseinkommen inflationsbereinigt im Landesdurchschnitt von 1979
bis 1989 um 6,5 Prozent wuchs, während die mittleren
Kosten für Besitzer von Wohneigentum, die eine
Hypothek aufgenommen hatten, zwischen 1980 und
1990 um 26,9 Prozent zunahmen.
Die Zahlen weisen ferner darauf hin, daß nahezu 60
Prozent aller Mütter mit Kindern unter sechs Jahren
zum Zeitpunkt der Erhebung erwerbstätig waren,
während dies im Jahr 1980 nur bei 46 Prozent der Fall
gewesen war.

* * * *

AMERIKA DIENST 22

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Seite 1

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Umwelt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush erläutert Plan zur weltweiten Umweltzusammenarbeit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede über Umweltfragen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. USA-GUS&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eagleburger: Kalter Krieg war Tragödie für beide Seiten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede in Moskau&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. US-Außenpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ethnische Vielfalt und Außenpolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wachsender Einfluß auf US-Außenpolitik prognostiziert&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Sozialpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Krankenversicherung für sozial Schwache und Senioren&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Vierter einer Reihe von Artikeln zur US-Sozialpolitik&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Wahlen'92&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zwischenbericht zu den Wahlen'92&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Anzahl der Delegierten und Ergebnisse der Vorwahlen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Demographie&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neue statistische Daten zeigen Nation im Übergang&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rekordeinwanderung in achtziger Jahren&lt;/em&gt;</text>
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dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

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10. Juni 1992

QT

NATO

USA WERDEN IN EUROPA BLEIBEN
"SOLANGE WIR ERWÜNSCHT SIND"
Rede des Stellvertretenden Außenministers beim Nordatlantikrat

US-WELTROLLE

AMERIKANISCHE ÖFFENTLICHKEIT WÜNSCHT
WEITERHIN AKTIVE ROLLE IN WELTPOLITIK
Ergebnisse neuer Meinungsumfragen

KONGRESS

KONGRESS VERABSCHIEDET 27. VERFASSUNGSZUSATZ
Diätenregelung seit 203 Jahren
in der Diskussion

SOZIALPOLITIK

ZAHLREICHE PROGRAMME FÜR BEDÜRFTIGE
IN USA
Letzter einer Reihe von Artikeln zur
US-Sozialpolitik

SENIOREN

ALTERN IN AMERIKA: LANGER LEBEN
UND ES MEHR GENIESSEN
Hintergrundinformation über ältere
Menschen in den USA

WAHLEN '92

ZWISCHENBERICHT ZU DEN WAHLEN '92
Anzahl der Delegierten und Ergebnisse
der letzten Vorwahlen

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�NATO
10. Juni 1992

USA WERDEN IN EUROPA BLEIBEN
"SOLANGE WIR ERWÜNSCHT SIND"
Rede des Stellvertretenden Außenministers beim Nordatlantikrat
OSLO - (AD) - Die Vereinigten Staaten haben eine grundlegende Verpflichtung für die Sicherheit Europas und
werden in Europa bleiben, solange sie dort erwünscht sind, erklärte der Stellvertetende US-Außenminister,
Lawrence Eagleburger, am 4. Juni 1992 beim Außenministertreffen des Nordatlantikrats.
Eagleburger zufolge wurden die Vereinigten Staaten über mehrere Jahrzehnte hinweg "mit Zweifeln an ihrem
Engagement für die europäische Sicherheit von denjenigen konfrontiert, die Anpassungen in unserer Sicherheitsarchitektur fordern, als ob ihre Zweifel auf Tatsachen beruhten. In Wahrheit jedoch verfechten die
Vereinigten Staaten als Grundprinzip ihrer nationalen Politik nach wie vor die Tatsache, daß unsere Sicherheit
und die unserer Partner in der NATO ein und dasselbe sowie unteilbar ist."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede Eagleburgers beim Nordatlantikrat im Wortlaut.

Wir kommen heute in Oslo im Anschluß an einen
Zyklus von NATO-Gipfeln zusammen - Brüssel, London, Rom -, deren Ziel die Definition und Neudefinition
der Rolle des Bündnisses in einem Europa radikaler
Veränderungen gewesen ist. Es ist jedoch wichtig,
eine Unterscheidung zwischen der der NATO eigenen
Anpassungsfähigkeit und ihrem zeitlosen fundamentalen Zweck zu treffen - die unteilbare Sicherheit der
etablierten Demokratien Europas und Nordamerikas
zu gewährleisten. Bei der Erfüllung dieses Zwecks hat
sich die NATO als das vielleicht erfolgreichste Bündnis
in der Geschichte erwiesen. Wir haben unsere Freiheiten bewahrt, und wir haben den Frieden in Europa
aufrechterhalten. Wir haben Europa vor einem allgemeinen Krieg bewahrt, wie er in der ersten Hälfte des
Jahrhunderts bereits zweimal das Leben von Europäern und Nordamerikanern zerstört hat. Und wir
haben erlebt, wie die monolithische Bedrohung, der wir
uns gemeinsam entgegengestellt haben, verschwand
und freundlich gesonnene aber schwache demokratische Kräfte in ganz Osteuropa und der ehemaligen
Sowjetunion an die Macht kamen.
So treffen wir heute in einem Gefühl einzigartiger
historischer Leistungen zusammen, um die künftige
Rolle unseres Bündnisses zu erörtern. Wir sind uns
einerseits dessen bewußt, was sich nicht ändern wird
- nämlich, daß dieses Bündnis die praktische Verkörperung unserer gegenseitigen Verpflichtung bleibt,
einander in unserem gesamten demokratischen Herrschaftsbereich zu verteidigen.

AMERIKA DIENST 23

Andererseits sind wir uns ebenso der Tatsache bewußt, daß eine NATO, die uns weiterhin so erfolgreich
dient wie dies während des Großteils des vergangenen halben Jahrhunderts der Fall war, in der Lage sein
muß, sich Veränderungen im internationalen System
und Veränderungen im europäischen Sicherheitsrahmen anzupassen. Insbesondere müssen wir in der
Lage sein, sowohl mit den Bestrebungen als auch mit
den instabilen Verhältnissen umzugehen, die durch
den Zusammenbruch des Kommunismus im Osten
freigesetzt wurden.
Tatsächlich befindet sich die NATO bereits inmitten
dieses Anpassungsprozesses. Angesichts der verringerten Bedrohung haben wir ein neues strategisches
Konzept verabschiedet, die Truppenstärken reduziert
und sind zu flexibleren, mobileren und multinationalen
Streitkräften übergegangen. Angesichts der radikalen
politischen Veränderungen im Osten sind wir durch
das Liaison-Programm der NATO, das im NAKR zum
Ausdruck kommt, auf ehemalige Gegner zugegangen.
Und als Reaktion auf die historischen Schritte Westeuropas zur wirtschaftlichen und politischen Union hat
die NATO den Rahmen für die europäische Sicherheits- und Verteidigungsidentität mitdefiniert und unterstützt.
Deshalb sollten wir die Stabilität des Bündnisses nicht
mit Inflexibilität verwechseln - und unsere Bilanz zeigt,
daß wir dies auch nicht tun. Sogar die Zusammensetzung des Bündnisses könnte unter voller Berücksich-

Seite 1

�tigung unserer strengen demokratischen Normen und
der Notwendigkeit zur Bewahrung des festen Geflechts der gemeinsamen Verteidigung zum geeigneten Zeitpunkt vielleicht erweitert werden.
Heute möchte ich vier grundlegende Bereiche anführen, in denen die NATO nach Auffassung der Vereinigten Staaten ihre Mission konzentrieren muß, um den
Sicherheitsbedürfnissen des neuen Europas gerecht
zu werden.
Erstens sollte die NATO weiterhin die Entwicklung der
KSZE unterstützen, die als flexibles politisches Instrument zur Bewältigung des demokratischen Wandels
und Behandlung der tieferen Ursachen von Konflikten
eine einzigartige Rolle spielen kann. Die KSZE benötigt jedoch eine verbesserte Fähigkeit zum Krisenmanagement und zur Konfliktiösung, um ihr Potential zu
verwirklichen.
Deshalb sollten wir uns hier darauf verständigen, die
Fähigkeiten und Mittel der NATO zur Verfügung zu
stellen, um von der KSZE angeordnete Operationen
zur Friedensbewahrung zu unterstützen. In diesem
Zusammenhang möchte ich eindeutig feststellen, daß
die Vereinigten Staaten bereit sind, grundlegende
Beiträge für die Friedensbewahrung zu leisten, etwa
bei Transport und Logistik. Ferner schließen wir nicht
aus, auf derselben Basis wie andere Staaten Bodenkontingente bereitzustellen. Wie andere Mitglieder
des Bündnisses würden wir eine solche Entscheidung
von Fall zu Fall treffen.
Darüber hinaus erkennen wir an, daß die NATO nicht
die einzige Organisation ist, an die sich die KSZE
gegebenenfalls wenden kann. Die Vereinten Nationen
und die WEU zum Beispiel besitzen ebenfalls Mittel,
die eingesetzt werden können. Überdies sollten wir
bereit sein, die Mitgliedstaaten des NAKR und die
neutralen Länder einzuladen, in Partnerschaft mit der
NATO ebenfalls zu friedensbewahrenden Operationen beizutragen.
Obwohl das Bündnis sich das Recht vorbehalten muß,
über den Charakter seines Engagements von Fall zu
Fall zu entscheiden, gehen wir davon aus, daß die
NATO sich jetzt darauf einstellen sollte, diese neue
Rolle zu übernehmen, und wir sollten dies in einer Art
und Weise tun, die allen KSZE-Mitgliedstaaten offensteht, die zur Friedensbewahrung beitragen möchten.
Die NATO sollte der KSZE vielleicht auch ihre Mittel
und ihr Know-how anbieten, um zivile, Natur- und
Umweltkatastrophen zu bewältigen.
Zweitens muß die NATO weiterhin die Entwicklung
einer europäischen Sicherheits- und Verteidigungsidentität innerhalb des Rahmens unterstützen, der bei
den Gipfeln von Rom und Maastricht definiert wurde.
In diesem Zusammenhang sollten keine Zweifel an der
Haltung der Vereinigten Staaten aufkommen: Wir
haben stets und uneingeschränkt die Entwicklung

Seite 2

einer europäischen Verteidigungsidentität und eines
gestärkten europäischen Pfeilers innerhalb der NATO
unterstützt. Wir gehen davon aus, daß das in Rom
vereinbarte Prinzip solide ist - daß die europäische
Verteidigungsidentität in einer offenen und kooperativen Art und Weise verwirklicht werden sollte. Und wir
sollten in diesem Zusammenhang vorrangig und aktiv
Verbindungen zwischen NATO und WEU entwickeln,
was ebenfalls in Rom vereinbart wurde.
Drittens muß die NATO Pflichten bei der Unterstützung der Reformen in allen ehemaligen WarschauerPakt-Staaten übernehmen. Angesichts dessen, was
wir als Bündnis investiert haben, um Aggressionen des
Ostens über 45 Jahre lang abzuschrecken, ist unser
Interesse am Schicksal befreundeter Demokratien dort
schlicht enorm. Und da ich gerade aus der Region
zurückkehre, kann ich berichten, da ß man dort von uns
erwartet, daß wir dieses Interesse ebenso wie unsere
gesamte stabilisierende Rolle konkret sichtbar machen. Der Arbeitsplan des NAKR ist ein solider Anfang, aber wir müssen zusätzliche Möglichkeiten identifizieren, um Partnerstaaten in Bereichen wie ziviler
Notstandsplanung, Koordinierung des zivilen Flugverkehrs und Konversion der Rüstungsindustrie zu helfen.
Ich möchte hier kurz auf die Bemühungen der Vereinigten Staaten eingehen, die auf vereinbarten Bündnisprioritäten und kontinuierlichen Konsultationen beruhen, um mit der Bedrohung umzugehen, mit der wir
alle gemeinsam jahrzehntelang konfrontiert waren der Bedrohung durch Kernwaffen strategischer und
taktischer Art. Vor einer Reihe von Tagen unterzeichneten die Vereinigten Staaten ein Abkommen, durch
das Belarus, Kasachstan, Rußland und die Ukraine
gemeinsam mit uns zu Vertragspartnern im Rahmen
des START-Abkommens wurden, das zu erheblichen
Verringerungen der strategischen Streitkräfte führen
und nach der Auflösung der ehemaligen Sowjetunion
dort eine einzige Atommacht entstehen lassen wird.
Darüber hinaus hat der amerikanische Kongreß 400
Millionen Dollar bereitgestellt, um uns zu ermöglichen,
Rußland bei der Beseitigung taktischer Kernwaffen
der ehemaligen Sowjetunion zu helfen, die kürzlich zu
diesem Zweck an gesicherten Standorten konzentriert
wurden.

Viertens muß die NATO in der Lage sein, beim Umgang mit der vom Zusammenbruch des Kommunismus hervorgerufenen Instabilität ihre uneingeschränkte Rolle gemeinsam mit anderen verantwortlichen
Institutionen - EG, WEU, NAKR und UN - zu spielen.
Auch während wir heute miteinander diskutieren, tobt
ein Krieg im Herzen Europas. Schon aus humanitären
Gründen muß sich das Bündnis bemühen, das Leiden
im ehemaligen Jugoslawien zu beenden - eine Agonie,
deren Zeugen wir tagtäglich auf unseren Fernsehschirmen werden.

AMERIKA DIENST 23

�Die Herausforderung geht jedoch wesentlich tiefer.
Dieses Bündnis, das nahezu ein halbes Jahrhundert
lang eine einzige alles beherrschende Bedrohung der
europäischen Sicherheit so effektiv vereitelte, muß
jetzt effektiv werden, um die andersartigen aber zahlreichen Konflikte friedlich zu lösen, die die Stabilität
Europas im Zeitalter nach dem kalten Krieg bedrohen.
Wiederum im Falle des ehemaligen Jugoslawiens sollte
die NATO bereitstehen, um in geeigneter Weise und in
Zusammenarbeit mit anderen internationalen Organisationen die Verwirklichung der Resolution 757 des
UN-Sicherheitsrats zu unterstützen.
Ebenso hat die NATO bei den Bemühungen eine Rolle
zu spielen, in Berg-Karabach und bei ähnlichen Konflikten Frieden zu schaffen. Um die Gewalt zu mildem
und ein Verhandlungen förderliches Klima herbeizuführen, haben sich Armenien und Aserbaidschan bereiterklärt, zivilen, unter der Schirmherrschaft der KSZE
operierenden Beobachtern Zugang zu ihrem Staatsgebiet zu gewähren. Wir gehen davon aus, daß unsere
Liaison-Partner im NAKR angesichts geographischer
und historischer Faktoren ideal dafür geeignet sind, die
führende Rolle bei dieser Beobachtermission zu spielen und daß ihnen dies einen Anteil an der von uns
geschaffenen Sicherheitspartnerschaft geben wird.
Die Verbündeten in der NATO würden sie durch den
NAKR unterstützen und damit die Funktionsfähigkeit

der neuen europäischen Sicherheitsarchitektur mit
ihren überlappenden und sich wechselseitig verstärkenden Mechanismen unter Beweis stellen.
Über den Großteil mehrerer Jahrzehnte hinweg wurden die Vereinigten Staaten mit Zweifeln an ihrem
Engagement für die europäische Sicherheit von denjenigen konfrontiert, die Anpassungen in unserer Sicherheitsarchitektur fordern, als ob ihre Zweifel auf Tatsachen beruhten. In Wahrheit jedoch verfechten die
Vereinigten Staaten als Grundprinzip ihrer nationalen
Politik nach wie vor die Tatsache, daß unsere Sicherheit und die unserer Partner in der NATO ein und
dasselbe sowie unteilbar ist. Dies ist nicht die Funktion
eines Vertrages, sondern nationaler Ziele und nationaler Interessen. Infolgedessen sind wir weiterhin hier in
Europa, und wir werden in Europa bleiben, solange wir
erwünscht sind. Diejenigen, die unseren gegenwärtigen Willen und unsere Beharrlichkeit bezweifeln, haben
ihre Antwort erhalten, als Präsident Bush unsere Absicht
offiziell erklärte, auch nach dem kalten Krieg in Europa
eine substantielle amerikanische Truppenpräsenz im
Rahmen der NATO aufrechtzuerhalten. Diejenigen,
die unsere künftigen Ziele anzweifeln, erhielten ihre
Antwort heute, da wir formell eine neue Mission - eine
Friedensmission - verabschiedet haben, die von der
NATO in diesem, dem neuen Europa erfüllt werden
soll.
*

AMERIKA DIENST 23

*

Seite 3

�US-WELTROLLE
10. Juni 1992

AMERIKANISCHE ÖFFENTLICHKEIT WÜNSCHT
WEITERHIN AKTIVE ROLLE IN WELTPOLITIK
Ergebnisse neuer Meinungsumfragen
WASHINGTON - (AD) - Die Ergebnisse von Meinungsumfragen unterstützen nicht die von einer Anzahl
politischer Beobachter vorgebrachte Ansicht, die amerikanische Öffentlichkeit sei "auf dem Weg in den
Isolationismus". Statt dessen zeigen sie, daß eine Mehrheit der Amerikaner weiterhin eine aktive, kooperative
Rolle der Vereinigten Staaten in der Weltpolitik befürwortet, darunter "uneingeschränkte Zusammenarbeit" mit
den Vereinten Nationen sowie der selektive Einsatz militärischer Gewalt. Gleichzeitig sprechen sich die meisten
Amerikaner jedoch dafür aus, der Lösung innenpolitischer Probleme, insbesondere solcher wirtschaftlicher Art,
höchste Priorität einzuräumen.
Zustimmung zu internationalem
konstant oder geringfügig höher

In den letzten Monaten legten die Demoskopen erneut
13 Fragen zur "Trendmessung" vor, die sie von Zeit zu
Zeit stellen, um die Stimmung der Amerikaner im
Hinblick auf das internationale Engagement einzuschätzen. Die Reaktionen auf fünf dieser Fragen
zeigen, daß die Zustimmung zu internationalem Engagement in den achtziger Jahren eindeutig gestiegen
ist. Die Antworten auf zwei Fragen zeigen einen
Rückgang, während bei den verbleibenden sechs keine
Veränderungen festgestellt wurden.
Im großen und ganzen zeigen diese Meinungsumfragen, daß etwa 60 - 70 Prozent der Amerikaner heute
im allgemeinen eine aktive Rolle der Vereinigten Staaten in der Außenpolitik befürworten, während 20 - 30
Prozent ein aktives Engagement im Ausland ablehnen. Dazu folgende Beispiele:
1.

2.

Einer Gallup-Umfrage vom September vergangenen Jahres zufolge wünschten 71 Prozent
eine "aktive Beteiligung" der Vereinigten Staaten an der Weltpolitik - im Vergleich zu 64
Prozent Ende 1986. 23 Prozent zogen es vor,
daß sich die Vereinigten Staaten aus der Weltpolitik "heraushalten" - gegenüber27 Prozent im
Jahr 1986.
Im Februar sprachen sich im Rahmen einer
Untersuchung von Research/Strategy/Management (R/S/M) 74 Prozent der Befragten für die
aktive Verfolgung amerikanischer Sicherheitsinteressen im Ausland entweder multilateral in
Zusammenarbeit mit anderen Staaten (54 Pro-

AMERIKA DIENST 23

zent) oder auf sich allein gestellt (20 Prozent)
aus. Die Unterstützung für ein solches Engagement war gegenüber 1986 (68 Prozent) um 6
Prozent gestiegen. Im Februar meinten 24
Prozent, die Vereinigten Staaten sollten es

Engagement

"möglichst vermeiden, sich in anderen Ländern

zu engagieren" - gegenüber 30 Prozent im Jahr
1986.
3.

Im Hinblick auf den Einsatz militärischer Gewalt
gaben im Februar 64 Prozent der Befragten von
R/S/M an, sie unterstützten den Gedanken,
"amerikanische Truppen zu entsenden", um "bei
größeren militärischen Auseinandersetzungen
... irgendwo im Ausland" zu intervenieren, wenn
der Präsident der Überzeugung sei, dies liege im
besten Interesse des Landes. Im Jahr 1986
unterstützte eine wesentlich geringere Mehrheit
von 54 Prozent eine solche Intervention.

Steigende Priorität für innenpolitische Anliegen
Zur Zeit betrachten nahezu 60 Prozent der Amerikaner
die Wirtschaft als "das wichtigste Problem für die
Vereinigten Staaten von heute" - gegenüber 40 Prozent kurz nach dem Golfkrieg und 30 Prozent kurz
davor. (Gallup 3/92, Time-CNN/Yankelovich 3/92,
CBS/NY Times 1/92)
Lediglich zwei Prozent halten außen- oder verteidigungspolitische Themen für das dringlichste Problem
der Vereinigten Staaten. Selbst wenn die Befragten
aufgefordert wurden, die "gegenwärtig zwei oder drei
wichtigsten Probleme der Nation" zu nennen, gab nur
einer von zehn einen außen- oder verteidigungspolitischen Sachverhalt an.
Seite 1

�Im Januar fragte Gallup danach, "wie wichtig" es für
Präsidentschaftskandidaten wäre, über verschiedene
Themen im Wahlkampf 1992 zu sprechen. Mehr als
doppelt so viele meinten, es sei "sehr wichtig", die
"Wirtschaft" zu erörtern (93 Prozent) als über "nationale Verteidigung" (43 Prozent) oder "Außenpolitik" (37
Prozent) zu sprechen.
Andere Themen lagen irgendwo zwischen diesen
Extremwerten: "Bildungswesen" (87 Prozent: "sehr
wichtig"), "Arbeitslosigkeit" (84 Prozent), "Krankenversicherung" (80 Prozent), "das Defizit im Bundeshaushalt" (79 Prozent), "Verbrechen" (77 Prozent), "Drogen" (77 Prozent), "Steuern" (70 Prozent), "AIDS" (67
Prozent), "die Umwelt" (60 Prozent), "Außenhandel"
(53 Prozent), "Rassenbeziehungen" (48 Prozent) und
"Abtreibung" (38 Prozent).

Öffentlichkeit wünscht weltweites Engagement bei
gleichzeitiger Bewältigung innenpolitischer Probleme
Einer Meinungsumfrage von Potomac Associates vom
letzten Herbst zufolge erhöhte sich der Prozentsatz
derer, die meinten, die Vereinigten Staaten sollten
"uneingeschränkt mit den Vereinten Nationen zusammenarbeiten", von 1985 bis Oktober 1991 um 21
Punkte - von 56 auf 77 Prozent. Im gleichen Zeitraum
nahm jedoch ebenfalls die Unterstützung für "stärkere
Konzentration auf unsere eigenen nationalen (anstatt
internationalen) Probleme" um 18 Punkte zu - von 60
auf 78 Prozent.
Bei beiden Fragestellungen hat die Zustimmungsrate
den höchsten Anteil erreicht, seit Potomac Associates
diese Fragen im Jahr 1964 einführte. Damit wird ein
zentraler Aspekt der gegenwärtigen Stimmung beleuchtet: Die Amerikaner fordern verstärktes Handeln
an der innenpolitischen Front, ohne das Engagement
in der übrigen Welt zu beenden.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 23

�KONGRESS
10. Juni 1992

KONGRESS VERABSCHIEDET
27. VERFASSUNGSZUSATZ
Diätenregelung seit 203 Jahren in der Diskussion
WASHINGTON - (AD) - Als der Kongreß am 20. Mai
1992 den 27. Zusatz zur amerikanischen Verfassung
verabschiedete, fand damit ein Prozeß seinen Abschluß, der bereits vor über 200 Jahren von James
Madison, einem der Gründeräter der Vereinigten Staaten, eingeleitet worden war.
Die von Madison, dem vierten US-Präsidenten, vorgeschlagene Ergänzung der amerikanischen Verfassung
schreibt vor, daß "kein Gesetz, durch das die Entgelte
für die Dienste von Senatoren und Abgeordneten
verändert werden, in Kraft treten soll, bevor nicht eine
Abgeordnetenwahl stattgefunden hat".
Demnach kann eine vom Kongreß verabschiedete
Diätenerhöhung erst nach der nächsten Wahl zum
Repräsentantenhaus in Kraft treten. Damit wird dem
Wähler Gelegenheit gegeben, einige Nutznießer einer
solchen Erhöhung abzuwählen, wenn er der Überzeugung ist, diese sei unverdient oder ein Akt der Selbstbedienung. Mit dieser Ergänzung der Verfassung wird
beabsichtigt, das Ansehen des Kongresses zu bewahren.
Madison, der entscheidend am Entwurf der Verfassung beteiligt war, hatte diesen Zusatz als Teil eines
Pakets von insgesamt 12 Ergänzungen eingebracht.
Von diesen wurden zehn, die im Jahr 1791 verabschiedet wurden, als Bill of Rights bekannt. Diese Verfassungszusätze garantieren die bürgerlichen Grundfreiheiten amerikanischer Staatsbürger. Der Zusatz über
Diätenerhöhungen fand gemeinsam mit einem weiteren Zusatz über die Erweiterung der Abgeordnetenzahl im Kongreß nicht die erforderliche Unterstützung,
und beide gerieten schließlich völlig in Vergessenheit.
Doch der 27. Verfassungszusatz bewies ein zähes
Leben. Geschürt von einer populistischen Stimmung
in der Politik und einer Rezession wurde er in den
letzten Jahren wiederbelebt und von einem Staatsparlament nach dem anderen verabschiedet. Am 7. Mai
1992 wurde Michigan der 38. Staat, der die in der
Verfassung enthaltene Bestimmung erfüllte, daß jede
Verfassungsänderung von dreiviertel der Bundesstaaten ratifiziert werden muß. Am 13. Mai wurde der

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Zusatz vom Obersten Archivar der Vereinigten Staaten für gesetzlich gültig erklärt, und am 20. Mai erklärten die Mitglieder von Repräsentantenhaus und Senat,
daß er ihrer Meinung nach Gesetzeskraft erlangt habe
- trotz seines Alters von zweihundert Jahren.
In der Rückschau zeigt sich, daß Maryland im Jahr
1789 als erster Bundesstaat den Zusatz ratifizierte. In
den nächsten zwei Jahren stimmten fünf weitere Staaten zu. Ohio verabschiedete ihn im Jahr 1873 und
Wyoming im Jahr 1978, womit acht Ratifizierungen
erreicht waren.
Im Jahr 1982 griff Gregory D. Watson, ein 20jähriger
Student, der an der University of Texas an einem
Forschungsreferat arbeitete, das nichtratifizierte
Madison-Amendment auf. Watson startete völlig auf
sich selbst gestellt in Nachtarbeit zu Hause eine Briefkampagne mit dem Ziel, die Abgeordneten in weiteren
30 Parlamenten der Bundesstaaten zur Ratifizierung
zu bewegen. Seine Bemühungen zahlten sich aus.
Bis zum Jahr 1989 hatten weitere 19 Staaten den
Zusatz ratifiziert, und der Prozeß gewann weiteren
Schwung.
Mit steigender Wahrscheinlichkeit einer Ratifizierung
des Verfassungszusatzes brachten einige Mitglieder
des Kongresses und Verfassungsexperten Zweifel
über dessen Rechtmäßigkeit zum Ausdruck. Ihrer
Meinung nach hatten die Gründerväter beabsichtigt,
daß Verfassungszusätze in einer angemessen kurzen
Zeit ratifiziert würden. Die Verfassung bestimmt, daß
jeder Zusatz von jeweils einer Zweidrittel-Mehrheit im
Repräsentantenhaus und im Senat eingebracht und
danach von dreiviertel der Bundesstaaten ratifiziert
werden muß - eine zeitliche Begrenzung des Ratifizierungsverfahrens besteht jedoch nicht. Bei mehreren
früheren und heute vorgeschlagenen Zusätzen setzte
der Kongreß Fristen, nicht jedoch bei diesem.
Der Juraprofessor an der Harvard University, Laurence Tribe, schrieb im Wall Street Journal, es sei "nicht
Aufgabe des Kongresses, die Ratifizierung durch
Michigan im Jahr 1992 für zu jung oder die durch
Maryland im Jahr 1789 für zu alt zu erklären".
Seite 1

�Der Abgeordnete Dick Zimmer bezeichnete
»te den Zusatz als "heute absolut genauso aktuell wie
ie vor über
200 Jahren... Wovor Madison und die Ratifizierer
dieses Zusatzes die Öffentlichkeit schützen
en wollten,
war die größte Vergünstigung im Kongreß - die
die FähigFähigkeit, unsere eigenen Gehälter zu erhöhen,ohne
ohneunseunsere Arbeitgeber, die uns wählenden Menschen,
ischen, zu
befragen."

angesichts der von ihnen wahrgenommenen Verantwortung gering sei. Die politischen Realitäten zwangen sie andererseits dazu, durch einen formellen
Beschluß ihr Einverständnis zu geben.

Bedeutet der Verfassungszusatz, daß die Diäten im
Kongreß ständig schrumpfen werden, da dessen Mitglieder damit rechnen müssen, daß jede von ihnen
verabschiedete Diätenerhöhung ihren Nachfolgern
Zu Madisons Zeit erhielten die Mitglieder des
Kongres- zugute kommen könnte? Das ist zur Zeit noch unklar.
&gt;s Kongresses pro Tag 6 Dollar an Diäten sowie eine AufwandsAufwandsentschädigung von 6 Dollar pro Meile, die sie
(zuPferd)
Pferd) Im Jahr 1989 verabschiedete der Kongre ß ein Gesetz,
e (zu
anreisen mußten, um an den Sitzungen des
Kongress Kongres- c l a s e i n e automatische Anpassung der Diäten an die
ses teilzunehmen. Heute liegen die Diätenm
imKongreß
Kongreß gestiegenen Lebenshaltungskosten festschreibt. Da
bei 130.000 Dollar im Jahr, eine geringe Summe
Summe im
im e s der n e u e Verfassungszusatz den Abgeordneten
Vergleich zu den Gehältern zahlreicher Spitzenmanaitzenmana- verbietet, in der aktuellen Amtsperiode ihre "Entgelte
ger in der Industrie, sehr viel jedoch im Vergleich
ergleich zu
zu z u verändern", könnte dies bedeuten, daß sie solche
den Gehältern der meisten Bürger. Die Mitglieder
des
glieder des gesetzlich festgeschriebenen Erhöhungen nicht ausKongresses geben an, ihre hohen Diätent seien
seien geqe- schlagen werden, da sie bereits Teil ihrer Diäten sind,
rechtfertigt, da sie häufig zwei Wohnsitze unterhalten
jnterhalten Er könnte jedoch auch so ausgelegt werden, daßdiese
müßten - einen in ihrem Heimatstaat und den
anderen Anpassungen tatsächlich unzulässig sind, da sie Veran anderen
in der Bundeshauptstadt Washington. Sie verweisen
verweisen änderungen darstellen. Wahrscheinlich werden die
darüber hinaus auf die Tatsache, daß ihr
ihr Entgelt
Entgelt Gerichte-möglicherweise das Oberste Bundesgericht
- in dieser Angelegenheit das letzte Wort haben.
* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 23

�SOZIALPOLITIK
10. Juni 1992

ZAHLREICHE PROGRAMME FÜR BEDÜRFTIGE IN USA
Letzter einer Reihe von Artikeln zur US-Sozialpolitik
WASHINGTON - (AD) - Die als Schlüsselelemente des
Sozialversicherungsgesetzes von 1935 eingeführten
grundlegenden Sozialversicherungsprogramme zielen darauf ab, die meisten Amerikaner vor Armut zu
bewahren, indem sie einen Teil ihres durch Arbeitslosigkeit, Ruhestand, Berufsunfähigkeit oder Tod eines
nahen Angehörigen entfallenen Einkommens ersetzen.
Diese Programme basieren jedoch in der Regel auf
Dauer der Berufstätigkeit und decken viele Amerikaner, deren Jahreseinkommen unter der bundesweit
festgelegten Armutsgrenze (13.921 Dollar für eine
vierköpfige Familie im Jahr 1991, dem letzten Jahr, für
das vollständige Daten zur Verfügung stehen) liegt,
nicht ausreichend ab. Für die Bedürfnisse dieser
Bürger bestehen zahlreiche sonstige von Bund, Bundesstaaten und Gemeinden - und in vielen Fällen von
privaten Wohltätigkeitsorganisationen und Einzelpersonen - getragene Programme.
Hilfe für Familien mit unterhaltsberechtigten Kindern
Die Hilfe für Familien mit unterhaltsberechtigten Kindern (Aid to Families with Dependent Children - AFDC)
- allgemein als "Weifare" (Sozialhilfe) bezeichnet - ist
das umfangreichste und kostspieligste Programm zur
Vergabe von Bargeld und wird teilweise aus dem
Steueraufkommen des Bundes finanziert. AFDC ist
ein vermögensabhängiges Programm, bei dem die
Leistungen je nach Einkommen und Vermögen des
Empfängers begrenzt sind. Es kommt bedürftigen
Familien zugute, in denen ein Elternteil verstorben ist,
die Familie verlassen hat, behindert ist oder - in etwa
der Hälfte der 50 Staaten - arbeitslos geworden ist.
Das Programm wird von den Bundesstaaten nach den
Maßgaben der Bundesregierung verwaltet. Die Kosten werden anteilig aus dem Steueraufkommen von
Bund, Bundesstaaten und Gemeinden aufgebracht.
Per Gesetz müssen mindestens 50 Prozent aller AFDCKosten in einem Bundesstaat von der Bundesregierung getragen werden. Dieser Anteil kann jedoch bis
zu 83 Prozent betragen, da arme Bundesstaaten einen
höheren Bundeszuschuß erhalten.

AMERIKA DIENST 23

Der Anspruch auf Leistungen aus diesen Programmen
ist ebenso wie der Leistungsumfang äußerst unterschiedlich. Nach den Gesetzen der Bundesregierung
muß jeder Bundesstaat auf der Grundlage des Mindestbedarfs an Lebensmitteln, Kleidung und Unterkunft den "Warenkorb" für Familien unterschiedlicher
Größe ermitteln. Dieser Standard unterscheidet sich
von Bundesstaat zu Bundesstaat, was teilweise auf
die unterschiedlichen Lebenshaltungskosten zurückzuführen ist. So liegen zum Beispiel die Lebenshaltungskosten in Alaska und Hawaii im allgemeinen
höher als in anderen Bundesstaaten, da aufgrund der
geographischen Lage höhere Transportkosten anfallen.
In der Praxis erweisen sich die von den Bundesstaaten
festgesetzten eng definierten Leistungssätze als nicht
ganz ausreichend, um sämtliche legitimen Bedürfnisse zu decken, so daß eine Familie Anspruch auf
AFDC-Leistungen hat, wenn ihr Bruttoeinkommen
weniger als 185 Prozent des errechneten Grundbedarfs beträgt. Dies erlaubt die Nichtanrechnung eines
gewissen Verdienstanteils, um mit einer Erwerbstätigkeit verbundene Ausgaben und Kosten für Kinderbetreuung zu decken. Der Leistungsanspruch endet für
gewöhnlich, wenn das jüngste Kind das 18. Lebensjahr
vollendet.
Die Bundesgesetze schreiben vor, daß bestimmte
arbeitsfähige Empfänger von AFDC - etwa minderjährige Mütter mit Kindern über drei Jahren - sich um einen
Arbeitsplatz, Teilnahme am Schulunterricht oder einen
Ausbildungsplatz bemühen müssen.
Die monatlichen AFDC-Leistungen betrugen für eine
dreiköpfige Familie im Jahr 1990, dem letzten Jahr, für
das vollständige Daten zur Verfügung stehen, von 114
Dollar in Alabama bis zu 773 Dollar in Alaska, wobei
der Bundesdurchschnitt bei 390 Dollar lag.
Etwa 85 Prozent der Familien, die AFDC-Leistungen
beziehen, erhalten darüber hinaus Lebensmittelmarken, mit denen sie Lebensmittel zu reduzierten Preisen
erwerben können. Bei Anrechnung der Lebensmittelmarken betrugen die Höchstleistungen im Jahr 1990

Seite 1

�von 374 Dollar monatlich in Alabama bis zu 1.277
Dollar in Alaska, der Bundesdurchschnitt lag bei 650
Dollar monatlich.
Darüber hinaus haben die Empfänger von AFDC automatisch Anspruch auf kostenlose medizinische Versorgung im Rahmen von MEDICAID und können unter
Umständen Wohngeld vom Bund oder den Bundesstaaten beziehen.
Vorläufigen Schätzungen zufolge erhielten 12,5 Millionen Personen im Jahr 1991 AFDC-Leistungen im
Gesamtumfang von 20 Milliarden Dollar. Darin sind
Lebensmittelmarken, medizinische Leistungen und
Wohngeld nicht enthalten. Von dieser Gesamtsumme
wurden 11,5 Milliarden Dollar vom Bund bereitgestellt,
der Rest wurde von Bundesstaaten und Gemeinden
getragen.
Zuschüsse für Einkommensschwache
Zuschüsse für Einkommensschwache (Supplemental
Security Income - SSI) ist ein vermögensabhängiges
Programm, das hauptsächlich von der Bundesregierung finanziert wird. Es bietet feste monatliche Leistungen für Kinder und Erwachsene, die behindert
oder blind sind und bestimmte Einkommens- und
Vermögensgrenzen nicht überschreiten. SSI-Leistungen stehen darüber hinaus Senioren zur Verfügung,
die keine Rente erhalten. Die Barzahlungen werden
aus dem allgemeinen Steueraufkommen geleistet,
nicht aus einem speziellen Treuhandfonds wie im Falle
der gesetzlichen Rentenversicherung.
Die medizinischen Voraussetzungen für Ansprüche
auf SSI-Leistungen für Behinderte sind dieselben, die
für Leistungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung bei Berufsunfähigkeit gelten. Für SSI-Leistungen
werden keine Nachweise über frühere Berufstätigkeit
verlangt.
Im Jahr 1992 beträgt der vom Bund festgesetzte
inflationsbereinigte Regelsatz für SSI-Leistungen 422
Dollar im Monat für eine anspruchsberechtigte Einzelperson ohne zusätzliches Einkommen und 633 Dollar
im Monat für ein anspruchsberechtigtes Ehepaar ohne
zusätzliches Einkommen.
Die Obergrenzen für das persönliche Vermögen liegen
heute bei 2.000 Dollar für eine Einzelperson und 3.000
Dollar für ein Ehepaar, wobei der Wert von selbstgenutztem Wohneigentum nicht angerechnet wird.
Wenn der Verdienst den monatlichen SSI-Regelsatz
übersteigt, hat die betreffende Person keinen Anspruch auf diese Leistungen. Wenn jedoch das Einkommen den Satz unterschreitet, werden die Leistungen entsprechend gekürzt. So würde bei einem Reg i l satz von 422 Dollar im Monat eine Person, deren
monatliches Einkommen 200 Dollar beträgt, SSI-Leistungen in Höhe von 222 Dollar erhalten.

Seite 2

Jeder, der aufgrund von Behinderung oder Blindheit
SSI beantragt, kann darüber hinaus von dem Bundesstaat, in dem er wohnt, weitere Zuschüsse oder Dienstleistungen erhalten. Dazu gehören Beratung, medizinische Versorgung, Lebensmittelmarken, berufliche
Qualifizierungsmaßnahmen, Beschaffung von Arbeitsplätzen und andere Hilfen - etwa eine Haushaltshilfe,
Essen auf Rädern und Begleitdienste -, die ihm helfen,
weniger auf andere angewiesen zu sein.
Im Jahr 1991, dem letzten Jahr, für das vollständige
Daten zur Verfügung stehen, erhielten etwa 4,9 Millionen Amerikaner SSI-Leistungen des Bundes in Höhe
von über 15,7 Milliarden Dollar, und die Bundesstaaten
stellten weitere Dienstleistungen und Bargeldzulagen
in Höhe von rund 3,8 Milliarden Dollar bereit.
Nahrungsmittelhilfe
Aus Steuermitteln der Bundesregierung finanzierte
Lebensmittelmarken des US-Landwirtschaflsministeriums, die von den Sozialhilfebehörden von Bundesstaaten und Gemeinden verteilt werden, bilden das
größte amerikanische Programm, um Einkommensschwachen Hilfe bei der Ernährung zu gewähren.
Lebensmittelmarken sind hauptsächlich dazu bestimmt,
die Kaufkraft berechtigter einkommensschwacher
Haushalte zu ergänzen, um ihnen eine ausgewogene
preisgünstige tägliche Ernährung zu ermöglichen. Die
Leistungsbezieher müssen etwa 30 Prozent ihres
monatlichen Bargeldeinkommens für den Kauf von
Lebensmitteln aufwenden.
Lebensmittelmarken werden von Einzelhändlern und
Lebensmittelläden angenommen und später von der
amerikanischen Bundesbank in bar erstattet.
Die Marken stehen nahezu allen Haushalten zur Verfügung, die die vom Bund festgesetzten Maßstäbe im
Hinblick auf Monatseinkommen und flüssige Mittel
erfüllen, solange sich arbeitslose erwachsene Haushaltsangehörige im Alter zwischen 18 und 60 Jahren
bereiterklären, sich als arbeitssuchend registrieren zu
lassen und an Fortbildungsprogrammen teilzunehmen, um ihre beruflichen Qualifikationen zu verbessern. Familienmitglieder, die Kinder unter sechs Jahren betreuen oder erwerbsunfähig sind, sind von der
Arbeitspflicht ausgenommen.
Um für den Höchstbetrag an Lebensmittelmarken in
Frage zu kommen, dürfen Haushalte ohne Rentner
oder Behinderte keine anrechnungsfähigen Vermögenswerte (etwa Einlagen auf Girokonten oder Aktien
und Rentenwerte) über 2.000 Dollar besitzen. Davon
ausgenommen ist selbstgenutztes Wohneigentum. Das
monatliche Bruttoeinkommen darf 130 Prozent der
vom Bund festgesetzten Armutsgrenze (etwa 1.508
Dollar im Jahr 1991, dem letzten Jahr, für das vollständige Daten zur Verfügung stehen) nicht überschreiten.
Das Nettoeinkommen eines Haushalts darf ferner 100
Prozent der vom Bund festgesetzten Armutsgrenze
nicht überschreiten (1.160 Dollar im Jahr 1991).
AMERIKA DIENST 23

�Haushalte, zu denen Senioren oder Behinderte gehören, unterliegen lediglich der Vorschrift im Hinblick auf
das Nettoeinkommen und dürfen persönliche Vermögenswerte bis zu 3.000 Dollar besitzen. Für diejenigen, deren Monatseinkommen den Höchstbetrag
übersteigt, werden die Leistungen für jeden anrechnungsfähigen Dollar um 30 Cent gekürzt.

Mittagessen im Gesamtwert von etwa 5 Milliarden
Dollar zur Verfügung. Im selben Monat boten etwa
50.000 Schulen 4,9 Millionen Kindern Frühstücksmahlzeiten im Gesamtwert von 84,9 Millionen Dollar.

Jüngsten Untersuchungen zufolge sind 49,2 Prozent
aller Empfänger von Lebensmittelmarken Kinder und
8,4 Prozent ältere Menschen über 60. Etwa 4,7
Prozent der Empfänger haben einen Vollzeitarbeitsplatz, und 19,5 Prozent der Empfängerhaushalte
beziehen ein eigenes Einkommen.

nahrhafte Mahlzeiten und "Imbisse" im Gesamtwert von 94,6 Millionen Dollar im Rahmen des
Lebensmittelprogramms für Kinder und Erwachsene (Child and Adult Care Food Program),
darunter 51,2 Millionen Mahlzeiten, die in gemeinnützigen Kindertagesstätten außerhalb von
Wohngebieten und in Sammelunterkünften
ausgegeben werden sowie 51,4 Millionen in privaten Kinderbetreuungseinrichtungen;

Im März 1992, dem letzten Monat, für den vollständige
Daten zur Verfügung stehen, betrug die monatliche
Höchstzuteilung von Lebensmittelmarken für eine
vierköpfige Familie in den meisten Bundesstaaten 370
Dollar, die Bandbreite reichte jedoch bis zu 737 Dollar
in ländlichen Gebieten Alaskas, wo die Kosten für
Lebensmittel aufgrund der Fracht- und Transportkosten wesentlich höher lagen.
Im März 1992 bezogen 25,7 Millionen Personen Lebensmittelmarken im Gesamtwert von 1,868 Milliarden
Dollar (einschließlich Verwaltungs- und Verteilungskosten). Auf Jahresbasis hochgerechnet ergibt dies
über 22 Milliarden Dollar. Die monatlichen Leistungen
betrugen 1991 durchschnittlich 63,88 Dollar pro Person und 166 Dollar pro Haushalt.
Zwei weitere Nahrungsmittelprogramme, die vom
Nahrungsmittel- und Ernährungsdienst des US-Landwirtschaftsministeriums getragen werden - die nationalen Schulspeisungsprogramme, die jeweils Frühstück und Mittagesssen bereitstellen -, bieten den
beteiligten öffentlichen und privaten Schulen sowie
gemeinnützigen Trägern in Wohngebieten Unterstützung in Form von Geld und Nahrungsmitteln.
Jedes dieser Programme verfügt über ein dreigliedriges Vergütungssystem, das Kindern aus Haushalten
mit Monatseinkommen, die bis zu 130 Prozent der vom
Bund festgesetzten Armutsgrenze betragen, zu freien
Mahlzeiten berechtigt, Kindern aus Haushalten mit
Einkommen zwischen 130 und 185 Prozent der Armutsgrenze (1.508 bis 2.146 Dollar für eine vierköpfige
Familie im Jahr 1991) Mahlzeiten zu einem ermäßigten Preis anbietet und Kindern aus Haushalten, deren
Einkommen 185 Prozent oder mehr über der Armutsgrenze liegt, einen geringen Zuschuß zu den Mahlzeiten gewährt.
Kinder aus Familien, die AFDC erhalten, sind automatisch zu kostenloser Schulspeisung berechtigt. Im
März 1992 bezogen 42 Prozent derjenigen, die eine
kostenlose oder ermäßigte Schulspeisung erhielten,
AFDC-Leistungen.
Im März 1992 stellten rund 92.300 beteiligte Schulen
24,6 Millionen Kindern kostenlose oder ermäßigte
AMERIKA DIENST 23

Weitere vom Landwirtschaftsministerium im März 1992
unterstützte Nahrungsmittelprogramme umfassen:

Mahlzeiten im Rahmen des Nahrungsmittelhilfeprogramms für Frauen, Säuglinge und Kinder
(Special Supplemental Food Program for Women,
Infants and Children - WIC) in Höhe von 223,2
Millionen Dollarfür 5,4 Millionen Menschen, das

medizinische Betreuung und zusätzliche Nahrungsmittel für einkommensschwache Schwangere, Mütter von Säuglingen und Kinder bis zum
5. Lebensjahr vorsieht;
Nahrungsmittel- und Bargeldbeihilfen für die
Bundesstaaten in Höhe von 6,5 Millionen Dollar
im Rahmen des Ergänzenden Nahrungsmittelprogramms (Commodity Supplemental Food
Program), das rund 340.000 Säuglingen, Kindern, stillenden Müttern und älteren Menschen
in einkommenssschwachen Familien zugute
kommt;
Lebensmittelpakete im Wert von 5 Millionen
Dollar für etwa 118.900 Angehörige der Urbevölkerung, die in oder in der Nähe von Reservaten leben;
Lebensmittel im Wert von 30,5 Millionen Dollar
für andere bedürftige Amerikaner, darunter Arme
und Arbeitslose.
Wohnungswesen
Der Großteil der Wohnungsprogramme des Bundes
zielt heute auf Menschen der untersten Einkommensschichten ab - definiert als diejenigen Personen, deren
Einkommen weniger als 50 Prozent des mittleren
Haushaltseinkommens in ihrem geographischen Gebiet
beträgt - sowie auf Personen, deren Haushaltseinkommen zwischen 50 und 80 Prozent des mittleren Einkommens in ihrem Gebiet erreicht. Die Zahl der
Bundeshilfen beziehenden Haushalte wird jedoch durch
die Höhe der Summe begrenzt, die der Kongreß
jährlich für diese Programme bewilligt.
Die beiden wichtigsten Programme sind zur Zeit
Wohngeld und Zuschüsse zu Hypothekenzinsen, die
vom Ministerium für Wohnungs- und Städtebau (HUD)
Seite 3

�sowie von der Heimstättenverwaltung für Landwirte
(FHA) des Landwirtschaftsministeriums vergeben
werden.
Diese Programme bieten zum Beispiel Besitzern privater Mietshäuser Steuervergünstigungen, wenn sie
Mietwohnungen für einkommensschwache Mieter
reservieren. Es können ferner Berechtigungsscheine
ausgegeben werden, die es einkommensschwachen
Mietern gestatten, eine Mietwohnung aus dem Bestand privater Wohnungseigentümer auszuwählen.
Mit Wohngeldprogrammen wird die vom Mieter zu
entrichtende Miete im allgemeinen auf einen bestimmten Prozentsatz - zur Zeit 30 Prozent - seines Gesamteinkommens begrenzt. Dabei zahlt die Bundesregierung die Differenz zwischen dieser Summe und einer
bestimmten "angemessenen" Vergleichsmiete auf dem
freien Wohnungsmarkt. Mit solchen Programmen

kann jedoch auch die Höchstmiete begrenzt werden,
die ein Vermieter verlangen kann. Alternativ kann die
Grundmiete mit einer Formel berechnet werden, die
sich an den dem Hausbesitzer gewährten Zinssubventionen orientiert.
Bei projektbezogenen Programmen können durch
Bundessubventionen die Kapitalkosten für den Bau
abgedeckt, zinsgünstige Finanzierungen für den Bauherrn bereitgestellt werden oder beides zusammen.
Einige Programme subventionieren ferner die nach
Fertigstellung des Objekts anfallenden Betriebskosten.
Im Jahr 1991, dem letzten Jahr, für das vollständige
Daten zur Verfügung stehen, wurden etwa 4,5 Millionen Wohneinheiten durch Wohngeld oder Steuervergünstigungen des HUD im Gesamtwert von 14,4 Milliarden Dollar gefördert. Weitere 800.000 Wohneinheiten erhielten in demselben Jahr Beihilfen von der FHA.

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 23

�SENIOREN
10. Juni 1992

ALTERN IN AMERIKA: LÄNGER LEBEN
UND ES MEHR GENIESSEN
Hintergrundinformation über ältere Menschen in den USA
"Altwerden ist nicht so schiecht in Anbetracht der Alternative."
Der französische Schauspieler Maurice Chevalier in vorgerücktem Alter.

Wenn es zutrifft, daß man nur so alt ist, wie man sich
fühlt, dann gibt es heute viele junge Amerikaner.
Die amerikanische Bevölkerung wird kontinuierlich
älter. Das bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, im
höheren Alter nicht mehr zum Kämpfen bereit zu sein
und nur noch im Schaukelstuhl zu sitzen.
In der Tat sind viele Amerikaner mehr beschäftigt als
je zuvor, strafen ihr Alter Lügen und genießen ein
aktives, produktives Leben.
Man sieht sie joggen wie den 92jährigen Arzt Paul
Spangler, der an 11 Marathonrennen teilgenommen
hat, einschließlich dem klassischen Boston Marathon.
Sie engagieren sich für Verbraucherschutz wie die
86jährige Esther Peterson oder schreiben Romane
wie der 85jährige James Michener.
Dem amerikanischen Statistischen Bundesamt zufolge lebten 1990 in den Vereinigten Staaten mehr als
63,504 Millionen über 50jährige Männer und Frauen
verglichen mit 58,962 Millionen im Jahr 1980. Die
Gesamtbevölkerung der Vereinigten Staaten belief
sich 1990 auf 248,710 Millionen.
In den nächsten 30 Jahren wird sich die Zahl der über
85jährigen Amerikaner voraussichtlich um das Fünffache auf 15 Millionen erhöhen. Noch erstaunlicher ist
die stetig zunehmende Zahl der über 100jährigen
Amerikaner. 1990 betrug sie 36.000 - ein Jahrzehnt
früher, 1980, waren es nur 14.000.
Das Durchschnittsalter der Bevölkerung stieg 1990 auf
32,9 Jahre. 1980 lag es noch bei 30 Jahren. (Unter
Durchschnittsalter versteht man den gleichen Prozentsatz von Menschen, deren Alter über diesem Wert
liegt wie darunter).

AMERIKA DIENST 23

Obwohl zahlreiche Amerikaner noch lange nach dem
herkömmlichen Rentenalter von 65 Jahren erwerbstätig sind (und dadurch aus einigen Reihen Kritik ernten,
weil sie die Arbeitsplätze für jüngere Menschen blokkieren) kann man eine deutliche Tendenz zum Vorruhestand feststellen. Es ist nicht ungewöhnlich, daß
jemand mit 50 Jahren oder darunter in den Ruhestand
geht und eine zweite Karriere beginnt.
Viele Mittsechziger oder ältere Menschen kommen
jetzt erst richtig in Schwung. Die ihnen eigene Energie,
Erfahrung und ihre Fähigkeiten sind häufig sehr viel
größer als die unreifer, unerfahrener Jugendlicher in
den Zwanzigern.
Da ihre Zahl dramatisch zunimmt, stellen die Senioren
in den Vereinigten Staaten eine Herausforderung für
die Politiker dar, die bisher keinen klar umrissenen
Plan zu Verbesserung der Lebensqualität dieser Bevölkerungsgruppe formuliert haben.
Das wird sich jedoch wahrscheinlich mit zunehmendem Alter der Wählerschaft ändern, die größeren
Einfluß auf die Wahlentscheidung und die Formulierung der Politik nimmt.
Berichten des Statistischen Bundesamts vom Februar
zufolge werden von den 189 Millionen potentiellen
Wählern bei den Präsidentschaftswahlen im November 32,5 Millionen über 65 sein, verglichen mit 30,59
Millionen bei den Wahlen von 1988.
Die Tatsache, daß Amerikaner sowohl länger leben als
auch länger arbeiten, ist auf eine Kombination von
Gründen zurückzuführen. Technologie und Medizin,
zunehmendes Bewußtsein für gesunde Ernährung
und sportliche Betätigung sind nur einige.

Seite 1

�Auch die Erkenntnis, daß die intellektuelle Schärfe,
Energie und Sachkenntnis eines Menschen nicht
zwangsläufig mit dem Alter abnehmen, erhält Amerikaner aktiv und produktiv im Erwerbsleben. In diesem
Zusammenhang stellte Leonard Giambra, ein Psychologe am National Institute on Aging folgendes fest:
"Lernen ist wie jede Fertigkeit - man muß es üben.
Ältere Menschen brauchen länger, um etwas zu lernen. Wir wissen nicht warum, aber was dem älteren
Menschen an Geschwindigkeit fehlt, wiegt er mit Erfahrung und Klugheit auf."
Ein Großteil dieser jüngsten Erkenntnisse der Qualitäten älterer Menschen ist dem inzwischen verstorbenen
Claude D. Pepper zu verdanken, dem langjährigen
amerikanischen Senator und Kongreßabgeordneten
aus Florida, dereinen schließlich vom Kongreß verabschiedeten Gesetzentwurf vorlegte, mit dem ein obligatorisches Rentenalter für praktisch alle Amerikaner
im öffentlichen und Privatsektor verboten wurde. Das
Gesetz trat am 1. Januar 1987 in Kraft.
Dennoch bleibt noch sehr viel zum Schutz der Rechte
älterer Arbeitnehmer zu tun.
"Unsere Gesellschaft ist von erschreckender Nachlässigkeit bei der Behandlung älterer Arbeitnehmer, insbesondere in den oberen Altersgruppen. Wir beobachten eine gravierende Vergeudung von Talenten",
stellt der Fernsehreporter Walter Cronkite in der Aprilausgabe des AARP Bulletin fest, einer von der in
Washington ansässigen American Association of Retired
Persons herausgegebenen Publikation.
Der 75jährige Cronkite, der 1981 als Moderator der
"CBS Evening News" in den Ruhestand trat, erklärte,
ein Teil des Problems sei das Entstehen von Großunternehmen, die Aktienkapital höher bewerten als Produkte und menschliche Beziehungen.
In einem der wenigen Arbeitsbereiche, in dem die
festgesetzte Altersgrenze noch gültig ist - Berufe, die
die öffentliche Sicherheit betreffen - fand eine kürzlich
von der Penn State University erstellte Studie keinen
Grund für die Annahme, daß Öffentliche Sicherheit
durch ältere Arbeitnehmer zum Risiko wird.
"Nur weil sie alt sind, heißt das noch lange nicht, daß
sie nicht als Polizeibeamte, Feuerwehrleute oder
Bwährungshelfer geeignet sind", schließt die Studie.
Dr. Frank Landy, Direktor des Penn-State-Zentrums
für Angewandte Verhaltensforschung, der die Studie
durchführte, erklärte, "ein Großteil des mit dem Alterungsprozeß einhergehenden physischen und psychischen Verfalls ist in Wirklichkeit auf Krankheiten,
Verletzungen und den persönlichen Lebensstil zurückzuführen, statt auf das Altern an sich."
Aufgrund ihrer Erkenntnisse empfehlen Landy und
sein Spezialistenteam, daß im Bereich der öffentlichen
Sicherheit tätige Arbeitnehmer nicht der festgesetzten
Seite 2

Altersgrenze von 65 Jahren unterworfen werden. Die
Ergebnisse der von der Gleichstellungskommission
der Vereinigten Staaten in Auftrag gegebenen Studie
werden dem Kongreß zur Begutachtung vorgelegt.
Sowohl das US-Informationsamt als auch das USAußenministerium nehmen jetzt ältere Männer und
Frauen als Attaches in den amerikanischen auswärtigen Dienst auf, von denen die meisten eine zweite
Karriere beginnen. Eine andere Bundesbehörde, das
Peace Corps, sucht ältere Amerikaner für zweijährige
Auslandsaufenthalte.
Die Leiterin des Peace Corps, Elaine Chao, erklärte
dem US-Informationsamt gegenüber, weil zahlreiche
Amerikaner über 50 früher in den Ruhestand gehen,
"verfügen sie über einen Schatz an Erfahrung und
Fertigkeiten, den sie einbringen können".
Ammenmärchen zufolge sind uns auf Erden dreimal
zwanzig plus zehn Jahre gegeben (70) - einigen mehr,
anderen weniger, im großen und ganzen abhängig
davon, wie gut unsere Gene sind.
Aber schon bald könnte Genetik nicht länger der
entscheidende Faktor der Langlebigkeit sein, stellte
Dr. Robert N. Butler von der Mount Sinai School of
Medicine in New York bei einer im Februar in Washington veranstalteten nationalen Konferenz über das Altern fest.
"Ebenso wie Kolumbus dank der Wissenschaft und
einer Menge Mut und Glück unsichtbare räumliche
Grenzen überwunden hat, könnte es uns bestimmt
sein, die genetisch bestimmte Lebensdauer zu durchbrechen", erklärte Butler.
"Wir haben im 20. Jahrhundert eine wahre Revolution
der Langlebigkeit beobachtet, die eine bemerkenswerte soziale Leistung, nicht die Folge biologischer Evolution ist."
In diesem Jahrhundert haben wir in den Industrienationen fast 25 Jahre an durchschnittlicher Lebenserwartung hinzugewonnen. Dies entspricht in etwa dem in
den vorangegangenen 5.000 Jahren menschlicher
Geschichte beobachteten Zuwachs an Lebenserwartung.
Was ich als Revolution der Langlebigkeit bezeichne,
erfolgte primär aufgrund der Erfolge im Wirtschaftsprozeß und im öffentlichen Gesundheitswesen, wie
etwa die Anwendung der Bakterientheorie von Krankheiten", stellte Butler fest.
Dennoch müssen Senioren sich der Gefahren bestimmter schwerer Krankheiten bewußt sein, die sie
und die Gesellschaft seit einigen Jahren immer häufiger befallen. Butler zufolge sind beispielsweise 10
Prozent der AIDS-Patienten über 55 Jahre, "ein Prozentsatz, der im Steigen begriffen ist".

AMERIKA DIENST 23

�Die den Gedächtnisverlust bewirkende Alzheimersche
Krankheit - die sich so verheerend auf den Betroffenen, die Familie und Gesellschaft auswirkt - ist heute
die viert- oder fünfthäufigste Todesursache und für
ungefähr die Hälfte der Pflegefälle verantwortlicht,
beobachtete Butler.
Noch schlimmer ist, daß sich die Zahl der an der
Alzheimerschen Krankheit leidenden Menschen bis
zum Jahr 2000 voraussichtlich von 4 Millionen auf 12
Millionen verdreifachen wird.
Es ist jedoch eine unleugbare Tatsache, daß die
Menschen ihr Leben durch Vorsorge verlängern können und wollen, die - wie der verstorbene ehemalige
Redakteur der inzwischen eingestellten Saturday Review
of Literature, Norman Cousins, behauptete - zum
einen aus einer gesunden, positiven Einstellung zum
Leben besteht.
"Wir müssen den Begriff 'annehmbare Gesundheit'
überdenken, der die Ansicht widergibt, Veränderungen des Gesunheitszustands seien 'normal', weitgehend unkorrigierbar und erforderten daher keine
Gesundheitsfürsorge", führte Dr. John E. Ware, Jr. von
den New England Medical Center Hospitals bei der
Washingtoner Konferenz über das Altern aus.
Der durch sein Buch "Anatomy of an lllness as Perceived by the Patient" vielleicht am bekanntesten gewordene Schriftsteller und Redakteur Cousins war ebenso
davon überzeugt.
In dem Vorwort zu einem neuen Buch über Senioren
von Pat York mit dem Titel "Going Strong" (Arcade
Publishing, New York, 1991) stellte Cousins fest, daß
von George Solomon und anderen an der University of
California durchgeführte Forschungen die vorherrschende These in Frage stellen, es gebe eine mit dem 50.
Lebensjahr einsetzende automatische Schwächung
des menschlichen Immunsystems.
"Dr. Solomons Forschungen haben den Beweis erbracht, daß die Menschen selbst im fortgeschrittenen
Alter keine Minderung ihrer Immunfunktionen erleben
müssen", schrieb Cousins.
"Systematische Testreihen an einer beträchtlichen
Anzahl von über 75jährigen belegen, daß ihr Immunsystem solange sie über eine einigermaßen gute Gesundheit verfügen einer Schwächung widersteht.
"Dr. Solomon fand in der Tat heraus, daß die Immunsysteme von voll funktionsfähigen älteren Menschen
denen von 30- und 40jährigen und darunter vergleichbar sind."
Nicht alle Menschen werden mit Würde alt und leben
die ganze Zeit ein produktives Leben. Nicht alle

AMERIKA DIENST 23

Menschen werden alt, davon abgesehen. Es gibt
immer einen tödlichen Unfall oder eine Krankheit, die
sie vor ihrer Zeit abberufen.
Aber was ist das Geheimnis derjenigen, die ein langes
und fruchtbares Leben leben? Was hält sie so in
Schwung?
Blättern Sie durch Pat Yorks Buch - eine Aufstellung
von Porträts und Interviews mit 70 Menschen, die 75
Jahre und älter und immer noch "gut dabei sind" - und
es ergeben sich bestimmte Charakteristika.
Obwohl alle diese Senioren weder die gleiche Lebensphilosophie noch dasselbe Geheimnis ihrer Langlebigkeit teilen, haben sie alle eines gemeinsam: große
Lebensfreude, Beschäftigung, einen gesunden Sinn
für Humor, keine Absicht, sich bald zur Ruhe zu
setzen, denken im allgemeinen gut über sich und
andere, engagieren sich für eine ihnen übergeordnete
Sache, sind flexibel und anpassungsfähig.
Derselbe gemeinsame Nenner kann bei der Lektüre
der Kurzbiographien herausragender älterer Amerikaner ausgemacht werden. Zusammengenommen führen diese Faktoren zu einer gesunden, positiven Einstellung zum Leben, die Cousins so wärmstens empfahl.
Wollte man einem dieser Kriterien höheren Wert beimessen als anderen, dann scheint es der Drang zu
weiteren Aktivitäten zu sein. In seinem Vorwort zu
"Going Strong" bemerkte Cousins:
"Keine Krankheit in den Vereinigten Staaten - Krebs,
Herzinfarkt, Diabetes oder multiple Sklerose - ist tödlicher als die Langeweile nach der Pensionierung.
Der Körper gerät in einen Zustand raschen Verfalls,
wenn er seine Existenzberechtigung verliert, wenn
Geist und Muskeln nicht eingesetzt werden, und der
Mensch von der Einschätzung der Gesellschaft umgeben ist, nicht länger einem nützlichen Zweck zu dienen."
Gut über unsere Mitmenschen zu denken, kommt an
zweiter Stelle nach der Beschäftigung. Nachfolgend
die Aussage, die der ehemalige US-Präsident, der jetzt
81jährige Ronald Reagan York gegenüber zu seiner
Lebensphilosophie machte:
"Seit wir alt genug waren zu verstehen, wurde uns
eines eingehämmert: Vorurteile und Diskriminierung rassische oder religiöse - sind eine Todsünde."
Die Fähigkeit, sich nach Rückschlägen wieder aufzurappeln, hält andere fit. Um nochmals Reagan zu
zitieren:

Seite 3

�"Meine Mutter Nelle brachte uns bei, wenn etwas
schiefging, wenn uns etwas unglücklich machte, sollten wir es auf die leichte Schulter nehmen und uns
nicht dadurch verdrießen lassen.

betrachtet. (Der renommierte ehemalige Yale-Professor gab William F. Buckley, Jr. ein "B" statt eines "A",
als der Kolumnist und Redakteur vor 45 Jahren seinen
Kursus besuchte).

Sie versprach, irgendwann würde etwas Gutes geschehen, und wir würden erkennen, daß dies nicht
geschehen wäre, wenn das andere unglückliche Ereignis nicht stattgefunden hätte.

Mit nunmehr 91 Jahren verklagt Weiss heute seinen
derzeitigen Arbeitgeber, die Catholic University ot
America, weil sie ihn entlassen will. Weiss hat die in
Washington, D.C., ansässige Institution der Altersdiskriminierung bezichtigt und die Gleichstellungskommission der Bundesregierung überzeugt, in seinem
Namen einen entsprechenden Schriftsatz zu verfassen.

Ich kann auf ein Dutzend oder mehr Ereignisse in
meinem Leben verweisen, die ihr recht geben."
Da unser Leben nicht nur auf Rosen gebettet ist,
möchte man sich vielleicht die Philosophie des 91jährigen Professors Paul Weiß zueigen machen, der
seine Mitmenschen aus einem etwas voreingenommeneren und vielleicht realistischeren Blickwinkel

Seite 4

Gelegentlich bedarf es eines Wermutstropfens zusammen mit viel Schwung und Elan, um seinen Weg
glücklich auf dem unebenen und steinigen Pfad eines
langen Lebens zu gehen.

AMERIKA DIENST 23

�WAHLEN

'92
10. Juni 1992

ZWISCHENBERICHT ZU DEN WAHLEN '92
Anzahl der Delegierten und Ergebnisse der letzten Vorwahlen
WASHINGTON - (AD) - Der amerikanischen Vorwahlkampf ist mit den am 2. Juni 1992 in Alabama, Kalifornien,
Montana, New Jersey, New Mexico und Ohio veranstalteten Vorwahlen zu Ende gegangen, und sowohl Präsident
Bush als auch der Gouverneur von Arkansas, Bill Clinton, ist die Nominierung auf den jeweiligen Wahlparteitagen
ihrer Parteien sicher. Die nachstehend veröffentlichte inoffizielle Übersicht zeigt die Anzahl der Delegierten, über
die jeder Kandidat zum gegenwärtigen Zeitpunkt verfügt.
Der neueste Stand der Delegierten

Republikaner Prozentsatz der Stimmen

Demokraten (zur Nominierung erforderlich: 2.145)

Bush

75

Clinton

2.509,75

Nichtgebunden

18

Brown

610,25

Buchanan

Tsongas

551

Kalifornien

Nichtgebunden

498

Demokraten

Sonstige

34

7

Prozentsatz der Stimmen

Clinton

48

Republikaner (zur Nominierung erforderlich: 1.105)

Brown

40

Bush

Sonstige

12

1.811

Buchanan

76

Republikaner Prozentsatz der Stimmen

Nichtgebunden

26

Bush

74

Buchanan

26

Sonstige

1

Ergebnisse der Vorwahlen vom 2. Juni

Montana

Die nachfolgende Übersicht zeigt den Prozentsatz der
Stimmen, die jeder Kandidat bei den Vorwahlen am 2.
Juni erhalten hat.

Demokraten

Demokraten

Prozentsatz der Stimmen

Prozentsatz der Stimmen

Clinton

47

Nichtgebunden

24

Brown

19
10

Clinton

68

Sonstige

Nichtgebunden

20

Republikaner

Prozentsatz der Stimmen

Brown

7

Bush

72

Sonstige

5

Nichtgebunden

16

Buchanan

12

AMERIKA DIENST 23

Seite 1

�New Jersey
Demokraten

Sonstige
Prozentsatz der Stimmen

11

Republikaner Prozentsatz der Stimmen

Clinton

59

Bush

64

Brown

20

Nichtgebunden

27

Sonstige

14

Buchanan

Nichtgebunden

7

9

Ohio

Republikaner Prozentsatz der Stimmen

Demokraten

Bush

83

Clinton

61

Buchanan

17

Sonstige

20

Brown

19

New Mexico
Demokraten

Prozentsatz der Stimmen

Prozentsatz der Stimmen

Republikaner Prozentsatz der Stimmen

Clinton

53

Bush

83

Nichtgebunden

19

Buchanan

17

Brown

17

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 23

�</text>
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amcrika
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America
'

17. Juni 1992

24

ERDGIPFEL

BUSH DRINGT AUF RASCHE UMSETZUNG DER
KLIMAKONVENTION
Ansprache bei Umweltgipfel in Rio
REILLY SIEHT ZAHLREICHE FORTSCHRITTE
BEI UMWELTKONFERENZ
Pressekonferenz beim Erdgipfel

USA-EUROPA

DAS VERSTÄRKTE AMERIKANISCHE ENGAGEMENT IM NEUEN EUROPA
Rede von Botschafter Kimmitt bei der
Konrad-Adenauer-Stiftung

NATO

NATO: STREITMACHT FÜR DEN FRIEDEN
IN DER ZEIT NACH DEM KALTEN KRIEG
von Paul Wolfowitz

ATOMTESTS

ATOMTESTS: WARUM SIE WEITERHIN
ERFORDERLICH SIND
Weißbuch des US-Verteidigungsministeriums

KONGRESS

NÄCHSTER PRÄSIDENT KÖNNTE VOM
KONGRESS BESTIMMT WERDEN
Perot-Kandidatur könnte allgemeine
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�ERDGIPFEL
17. Juni 1992

BUSH DRINGT AUF RASCHE UMSETZUNG
DER KLIMAKONVENTION
Ansprache bei Umweltgipfel in Rio
RIO DE JANEIRO - (AD) - Präsident Bush hat die anderen Industriestaaten dazu eingeladen, gemeinsam mit
den Vereinigten Staaten unverzüglich an die Arbeit zu gehen, um die von ihm und anderen Staats- und
Regierungschefs bei der Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung unterzeichnete
Konvention zum Schutz des Erdklimas umzusetzen.
"Ich schlage vor, daß unsere Länder bis zum 1. Januar zusammenkommen, um unsere nationalen Pläne zur
Erfüllung der speziellen Verpflichtungen der Rahmenkonvention vorzulegen", erklärte Bush in seiner Ansprache
bei der Konferenz am 12. Juni 1992. "Lassen Sie uns gemeinsam die hier gesprochenen Worte in konkrete
Maßnahmen zum Schutz des Planeten umsetzen."
Nachfolgend veröffentlichen wir Präsident Bushs Ansprache in Rio im Wortlaut.

Präsident Collor, Herr Generalsekretär, verehrte Delegationsleiter. Zunächst möchte ich Generalsekretär
Boutros-Ghali meine Bewunderung aussprechen und
mich bei Generalsekretär Maurice Strong für seine
unermüdliche Arbeit bedanken, um diesen "Erdgipfel"
zustande zu bringen. Dies ist wahrhaft eine historische
Versammlung.
Es gibt ein chinesisches Sprichwort: Wenn ein Mensch
die Erde betrügt, wird die Erde den Menschen betrügen. Der Gedanke, den Planeten zu erhalten, damit er
uns erhalten kann, ist so alt wie das Leben selbst. Wir
müssen diese Erde in besserem Zustand hinterlassen
als wir sie vorfanden.
Heute muß diese Binsenweisheit auf neue Bedrohungen angewendet werden, von denen die uns alle am
Leben erhaltenden Ressourcen betroffen sind - die
Atomsphäre und die Ozeane, die Stratosphäre und die
Biosphäre. Wir leben wahrhaft in einem globalen Dorf.
Einige betrachten die vor uns liegenden Herausforderungen als überwältigend. Ich bin der Meinung, daß ihr
Pessimismus unbegründet ist.
Bei der Stockholmer Konferenz vor zwanzig Jahren
war ein Hauptanliegen unserer Vorgänger die schreckliche Drohung eines Atomkrieges - des finalen Umweltverschmutzers. Dies gilt nicht mehr. Nach meiner
Rückkehr aus Rio werde ich in Washington mit dem
russischen Präsidenten Jelzin zusammentreffen, und
das Thema, über das wir sprechen werden, lautet
Kooperation - nicht Konfrontation.
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Vor zwanzig Jahren sprachen einige von den Grenzen
des Wachstums. Heute erkennen wir, daß Wachstum
die Lokomotive des Wandels und der Freund der
Umwelt ist.
Heute ermöglicht ein beispielloses Zeitalter des Friedens, der Freiheit und Stabilität konzertiertes Handeln
für die Umwelt wie niemals zuvor. Dieser Gipfel ist
lediglich ein wichtiger Schritt in dem Prozeß der internationalen Zusammenarbeit bei Umwelt und Entwicklung. Die Vereinigten Staaten werden sich bemühen,
das Versprechen von Rio einzulösen. Denn so wichtig
der Weg nach Rio in der Vergangenheit gewesen sein
mag, noch wichtiger ist der Weg von Rio.
Einige behaupten, Zusammenarbeit zwischen Industrie- und Entwicklungsländern sei unmöglich. Sie
sollten nach Lateinamerika kommen, wo der Erlaß von
Schulden im Tausch gegen Naturschutzmaßnahmen
(debt-for-nature swaps) Wälder in Costa Rica schützt
und Mittel für die Eindämmung der Umweltverschmutzung in Chile bereitstellt.
Einige behaupten, Umweltschutz bedürfe staatlicher
Kontrolle. Sie sollten nach Osteuropa gehen, wo
Kinder mit ihren vergifteten Körpern heute für die
Sünden gestürzter Diktatoren bezahlen - und nur die
neue Brise der Freiheit die Beseitigung von Umweltschäden erlaubt.
Einige erklären, es werde niemals Veränderungen
geben, weil die Interessen des Status quo zu mächtig

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�seien. Nun, sie sollten nur hierher nach Brasilien
kommen, wo Präsident Collor einen neuen Ansatz
erarbeitet, der dem wirtschaftlichen Wert der Erhaltung des Regenwaldes Rechnung trägt.

verwirklichen. Wir sind deshalb bereit, die internationale Umwelthilfe der Vereinigten Staaten um 66 Prozent verglichen mit dem Niveau von 1990 zu erhöhen,
zusätzlich zu den über 2,5 Milliarden Dollar, die wir
über die Entwicklungsbanken der Welt für Projekte der
Einige behaupten, Wirtschaftswachstum und Umwelt- Agenda 21 beisteuern.
schutz seien unvereinbar. Sie sollten in die Vereinigten Staaten kommen - wo in den 20 Jahren seit Wir kommen nach Rio mit besseren wissenschaftliStockholm unsere Wirtschaft um 57 Prozent gewach- chen Erkenntnissen über die Umwelt als jemals zuvor
sen ist, während wir den Aussto ß von Blei in die Luft um sowie mit der Einsicht, daß wir vieles tun, dessen
97 Prozent, den von Kohlenmonoxid um 41 Prozent Auswirkungen noch nicht erwiesen sind. Wir sind
und den Teilchenausstoß um 59 Prozent reduziert femer bereit, unsere wissenschaftlichen Erkenntnisse
haben. Wir haben unsere Gewässer gereinigt und zu teilen und die Welt bei einem kontinuierlichen
unsere Parks, unberührte Wildnis und Tierbestände Forschungsprogramm anzuführen.
erhalten.
Wir kommen nach Rio mit der Bereitschaft, die beiEinige behaupten, die politisch Verantwortlichen der spiellosen Bemühungen der Vereinigten Staaten beim
Welt scherten sich nicht um die Erde und Umwelt. Schutz von Arten und Lebensräumen fortzusetzen.
Und dies möchte ich eindeutig feststellen: Unsere
Nun, sie alle sollten nach Rio kommen.
Bemühungen zum Schutz der Artenvielfalt werden die
Herr Präsident, wir sind nach Rio gekommen. Wir Bestimmungen des Vertrages sogar noch übertreffen
haben die Besorgnis nicht nur gesehen, wir teilen sie. - in der Tat übertreffen. Aber jenes vorgeschlagene
Wir sind nicht nur besorgt, wir ergreifen Maßnahmen. Abkommen droht die Gentechnik zurückzuwerfen und
Wir kommen nach Rio mit einem Aktionsplan zum den Schutz von Ideen zu untergraben. Und im GegenKlimawandel. Er betont die effiziente Energieausnut- satz zum Klimaabkommen wird sein Finanzierungszung, sauberere Luft, Wiederaufforstung, neue Tech- plan nicht funktionieren. Es ist niemals leicht sich allein
nologie. Und ich freue mich berichten zu können, daß zu einem Prinzip zu bekennen, aber bisweilen erforich gerade die Rahmenkonvention zum Klimawandel dert eine Führungsrolle, dies zu tun. Und heute ist ein
unterzeichnet habe.
solcher Zeitpunkt.
Und heute lade ich meine Kollegen aus den Industriestaaten ein, gemeinsam unverzüglich die Umsetzung
der Konvention in Angriff zu nehmen. Ich schlage vor,
daß unsere Länder bis zum 1. Januar zusammenkommen, um unsere nationalen Pläne zur Erfüllung der
speziellen Verpflichtungen der Rahmenkonvention
vorzulegen. Lassen Sie uns gemeinsam die hier
gesprochenen Worte in konkrete Maßnahmen zum
Schutz des Planeten umsetzen.
Wir sind nach Rio mit dem Vorschlag gekommen, die
internationale Forsthilfe zu verdoppeln. Wir sind zur
Zusammenarbeit bei gleichzeitiger Wahrung der nationalen Souveränität bereit, um neue Strategien zum
künftigen Schutz der Wälder zu erarbeiten. Als Anzahlung werden wir nächstes Jahr die bilaterale amerikanische Hilfe verdoppeln, und wir werden im Inland
Reformen durchführen, indem wir den in amerikanischen Wäldern als Norm geltenden Kahlschlag abschaffen und uns bemühen, jährlich eine Milliarde
Bäume anzupflanzen.

Ich gebe zu, es hat einige Kritik an den Vereinigten
Staaten gegeben. Aber ich muß Ihnen sagen, daß wir
mit Stolz auf das von uns Geleistete und mit dem
festen Engagement nach Rio kommen, die Bilanz
amerikanischer Führung bei Umweltfragen zu erweitem. In den Vereinigten Staaten bestehen weltweit die
strengsten Abgas- und Emissionsvorschriften für
Automobile und Fabriken, die fortschrittlichsten Gesetze zum Schutz von Land und Gewässern sowie der
offenste Prozeß zur Beteiligung der Öffentlichkeit.
Und nun noch eine Binsenwahrheit. Die amerikanische Bilanz beim Umweltschutz ist unerreicht. Ich bin
also nicht hierher gekommen, um mich zu entschuldigen. Wir sind hierher gekommen, um auf wohlüberlegte Ziele und entschlossene Maßnahmen zu drängen.
Und solche Maßnahmen werden unser anhaltendes
Engagement für die Führungsrolle und internationale
Zusammenarbeit beim Umweltschutz unterstreichen.

Wir gehen davon aus, daß der Weg nach Rio gleichermaßen zu Umweltschutz und Wirtschaftswachstum,
Wir kommen nach Rio mit einem umfangreichen Pro- zu Umwelt und Entwicklung weisen muß. Jetzt steht
gramm zur technologischen Zusammenarbeit. Wir fest, für eine kontinuierliche Entwicklung müssen wir
sind bereit - und zwar Regierung und Privatsektor - zur die Umwelt schützen und um die Umwelt zu schützen,
Verbreitung grüner Technologie beizutragen und eine müssen wir die Entwicklung bewahren.
neue Generation sauberen Wachstums einzuleiten.
Es ist gesagt worden, daß wir die Welt nicht von
Wir kommen nach Rio mit der ErkenntnU daß die unseren Vorfahren erben, sondern von unseren KinEntwicklungsländer beim weltweiten Schutz der Umwelt dern ausleihen. Und wenn unsere Kinder auf diese
eine Rolle spielen müssen, aber Unterstützung benö- Zeit und diesen Ort zurückblicken, werden sie dankbar
tigen werden, um dieses sauberere Wachstum zu dafür sein, daß wir uns in Rio getroffen haben. Und sie
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�werden sicherlich über die erklärten Absichten und
eingegangenen Verpflichtungen erfreut sein. Aber sie
werden uns nach den Maßnahmen beurteilen, die wir
von diesem Tag an ergriffen haben. Wir sollten sie
nicht enttäuschen.

Herr Präsident, ich möchte Ihnen nochmals gratulieren. Herr Generalsekretär, Ihnen gilt unser aufrichtiger
Dank. Und vielen Dank an Sie alle.

* * * * *

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�ERDGIPFEL
17. JunM992

REILLY SIEHT ZAHLREICHE FORTSCHRITTE
BEI UMWELTKONFERENZ
Pressekonferenz beim Erdgipfel
RIO DE JANEIRO - (AD) - Die Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung konnte in vielen
Bereichen erfolgreich abgeschlossen werden und hat dem Leiter der amerikanischen Delegation zufolge die
Erwartungen übertroffen.
William K. Reilly, der Direktor des US-Umweltschutzamts, erläuterte am 12. Juni vor Journalisten vereinbarte
Deklarationen und Konventionen zu Wäldern, Klima, Ozeanen, Bevölkerung und anderen Themen wie auch die
kurz vor der endgültigen Verabschiedung stehende Agenda 21, eine 800 Seiten umfassende Liste von
Umweltzielen und Maßnahmen zu deren Verwirklichung.
Reilly erklärte, die Vereinigten Staaten seien "zufrieden mit dem Verlauf der Konferenz", und verteidigte die
amerikanische Umweltpolitik mit den Worten: Im Hinblick auf die Umwelt "ist, glaube ich, die Ansicht ziemlich
weitverbreitet, daß niemand mehr als die Vereinigten Staaten getan hat".
Zu einer Reihe kontroverser Themen bei der Konferenz stellte Reilly fest, die Vereinigten Staaten "werden unter
gar keinen Umständen unserer Industrie vorschreiben, ihre Patente weiterzugeben oder ihre Technologie auf
Konzessionsbasis anderen zugänglich zu machen", und fügte hinzu, die Vereinigten Staaten hätten eine
eindeutigere Erklärung zum Schutz der Wälder begrüßt.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Eingangserklärung und nachfolgende Pressekonferenz in wesentlichen
Auszügen.
Wir nähern uns der Endphase dieser Konferenz über
Umwelt und Entwicklung hier in Rio. Sie haben vor
kurzem die Rede des Präsidenten gehört. Meines
Erachtens hat diese Rede sowohl den Ton der Konferenz getroffen als auch im wesentlichen die amerikanischen Erfahrungen erfaßt, die wir mitbringen und
dieser Konferenz zum Nutzen der übrigen Welt anbieten - eine Rede, die auf die beachtlichen Erfolge der
Vereinigten Staaten im Bereich der Umwelt verwies.
Ein Bereich, in dem wir meiner Meinung nach in den
vergangenen 20 Jahren wahrscheinlich so viel, wenn
nicht mehr erreicht haben als jedes andere hier vertretene Land.
Die Rede trug den Bedürfnissen der Entwicklungsländer Rechnung und unserer Bereitschaft, ihnen weiterhin bei der Bewältigung von Umweltproblemen zu
helfen. In dieser Rede wurde femer auf unsere Absicht
verwiesen, im Umweltbereich weiterhin einen Führungsrolle zu übernehmen. Der Präsident stellte ausdrücklich fest, daß wir die Bedingungen der Konvention zur Artenvielfalt mehr als erfüllen. Wir werden in
diesem Bereich ebenso eine FührungsroHe übernehmen wie beim Schutz von Parks, unberührter Wildnis

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und Tierreservaten. Wir werden den Artenschutzvertrag nicht unterzeichnen, wir werden jedoch weiterhin
anderen beim Schutz der Artenvielfalt behilflich sein
und in den Vereinigten Staaten das Tempo vorgeben,
wo die Gesetze ihresgleichen suchen.
Die Konferenz war eine Folgekonferenz der 1972
abgehaltenen Stockholmer Konferenz über eine
menschliche Umwelt. Diese Konferenz war die erste
internationale Zusammenkunft zu Umweltfragen und
hat das Bewußtsein zu Umweltproblemen geschärft,
mit dem Ergebnis, daß binnen rund eines Jahres
weltweit 65 neue Umweltministerien gegründet wurden. Sie führte zu der Konvention über Entsorgung im
Meer und einer Reihe praktischer Vereinbarungen zur
Umwelt.
Diese Konferenz soll diesen Prozeß maßgeblich voranbringen und umweltpolitische Prioritäten setzen, sie
zu Prioritäten nicht nur für die Umweltminister, sondern auch für die Außen- und Finanzminister machen
und Umweltprioritäten in Handels-, Wirtschafts-, Landwirtschafts- und außenpolitische Fragen einbeziehen.

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�Wir können auf eine Reihe von Erfolgen bei dieser
Konferenz verweisen. Ich denke an 3 Uhr heute
morgen, als wir die Verhandlungen über eine Erklärung zum Schutz der Wälder abgeschlossen haben,
von der viele dachten, wir würden sie nie erzielen. Hier
waren 170 Länder vertreten, die alle aus ihrem eigenen
Blickwinkel und von ihrem Standpunkt aus hart verhandelten. Wir hatten eine 800 Seiten umfassende
Agenda 21 mit Verpflichtungen zu Ozeanen, zur Bevölkerung, Beteiligung der Öffentlichkeit, zum Recht
der Gemeinden auf Information, zum Umweltschutz
und zu Wäldern.
Es gab eine Erklärung zum Schutz der Wälder. Es gab
die Rio-Deklaration selbst - ein Dokument, das eine
Reihe von Anliegen zur Umwelt anspricht, und zum
ersten Mal sprechen die mir bekannten Berichte - oder
Verpflichtungen - der Vereinten Nationen über die
Notwendigkeit wirtschaftlicher Instrumente, erkennen
die bedeutende Rolle freier Märkte bei der Unterstützung von Ländern an, die ihre Umweltprobleme angehen und stützt sich in der Tat auf die Erfahrungen der
Vereinigten Staaten.
Wir sind sehr zufrieden mit dem Verlauf der Konferenz
und insbesondere sind wir befriedigt, daß es uns
gelungen ist, jetzt die meisten Elemente der Agenda
21 zum Abschluß zu bringen. Einige Themen - Finanzierungsfragen - müssen heute abend noch angesprochen werden, und ich vermute, die Diskussionen werden
auch heute wieder bis spät in die Nacht gehen. Aber
die Rio-Deklaration ist eine Leistung, und sie ist abgeschlossen. Der Großteil der Agenda 21 ist bewältigt.
Eine Erklärung zum Schutz der Wälder wurde erzielt,
die in der Tat die Aussicht auf eine andauernde Überprüfung der Prinzipien und die Möglichkeit enthält,
über sie - wie Präsident Bush hofft - zu einer weltweiten
Konvention über Wälder hinauszugehen, obwohl sie
sich dem Ziel der Vereinigten Staaten nicht ausdrücklich verpflichtet, ein Versprechen zu einer globalen
Konvention über Wälder zu erhalten.
Wenn ich 3 oder 4 Monate zurückblicke, als ich hierher
kam, um mit den Brasilianern die Einzelheiten eines
möglichen Präsidentenbesuchs zu erörtern, waren
ihre Erwartungen sehr viel niedriger als sie bis jetzt
tatsächlich verwirklicht und bekräftigt wurden. Sie
hofften auf etwas mehr Geld. Nun, die Vereinigten
Staaten haben die für die Umwelt bereitgestellte Auslandshilfe verglichen mit 1990 um 66 Prozent aufgestockt -150 Millionen Dollar davon fließen in die neue
Initiative zu Wäldern. Diese Initiative wurde sehr gut
aufgenommen.
Inzwischen haben wir das Versprechen von mehreren
Ländern der G-7 erhalten, sich für sie zu engagieren
und sie zu unterstützen. Darüber hinaus gibt e: mehr
als ein halbes Dutzend Entwicklungsland? r mit Wäldern, die an uns herangetreten sind und uns gebeten
haben, ihre Projekte in Erwägung zu ziehen. Wir
hoffen, daß Sie das tun werden. Projekte hier im
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Bundesstaat Rio de Janeiro, Projekte am Amazonas,
in Zentralamerika und anderen Teilen Lateinamerikas
sowie auch in Asien.
Dies war ein Erfolg. Und wir sind besonders erfreut,
daß sowohl Premierminister Mulroney als auch Bundeskanzler Kohl die Initiative des Präsidenten erwähnt
und sie unterstützt haben.
Jetzt möchte ich gerne auf Ihre Fragen eingehen.
Frage: Können Sie uns alles über die Konferenz vom
1. Januar sagen? Was versprechen Sie sich davon?
Ist sie ein weiteres Treffen der Staats- und Regierungschefs, nur dieses Mal zur Erderwärmung?
Antwort: Nein, der Präsident hat gesagt, daß wir uns
jetzt zu einem Vertrag über Klimaveränderungen verpflichtet haben. Das Thema, das wir in diesem Zusammenhang seit langem erörtern, sind die spezifischen
Verpflichtungen, die wir zu Klimaveränderungen eingehen. Wir haben uns hier zu einem fünfteiligen
Programm verpflichtet und Präsident Bush sagte, er
werde unser eigenes Aktionsprogramm zu Klimaveränderungen entwickeln, es der Welt vorlegen und es
bis zum 1. Januar fertiggestellt haben. Er ermutigte
andere Länder zur Beschleunigung ihrer eigenen Aktionen bei der Entwicklung spezifischer Maßnahmen
zur Kontrolle von Treibhausgasen und zu einer Zusammenkunft, um diese Informationen auszutauschen
und eine Bilanz vorzunehmen. Hier hätten wir einen
Informationsaustausch, der sich nicht auf Regierungsebene vollziehen würde.
Frage: Haben Sie realistische Erwartungen, daß
andere Länder diesen Termin und diese Herausforderung akzeptieren?
Antwort: Nun, das hoffe ich. Wir wissen, daß die
Niederlande ebenso wie wir nach einem ziemlich eng
gesteckten Zeitrahmen vorgehen. Wir werden sehen,
was die anderen tun können. Meines Erachtens ist
dies eine gute, echte Herausforderung. Er sagt praktisch: Es wird eine Weile dauern, bis der Vertrag
ratifiziert und in die Praxis umgesetzt wird. Verhalten
wir uns doch einfach so, als ob er wirksam wäre und
fangen wir an, die Dinge zu tun, die er im Hinblick auf
Wissenschaft, Bestände, Aktionspläne und so weiter
von uns verlangt.
Frage: Ich dachte, die amerikanische Position lautete,
daß wir grundsätzlich bereits einen Aktionsplan haben
und unserer Meinung nach die übrige Welt artikulieren
sollte...
Antwort: Wir haben die meisten Elemente eines
Aktionsplans erarbeitet, die entweder vorgeschlagen
und verwirklicht oder zumindest in Erwägung gezogen
wurden, und wir hoffen, daß sie in den kommenden
Monaten vom Kongreß verabschiedet werden. Nicht
alle Aspekte sind vollständig abgehandelt. Aber meines Erachtens besteht kein Zweifel, daß wir mehr

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�Stücke dieses Aktionsplans als irgendwer anders haben.
Frage: Haben Sie eine Idee, wo dieses Treffen
stattfinden wird?
Antwort: Nein.
Frage: Mr. Reiliy, als der Präsident in seiner Rede die
amerikanische Bilanz als unerreicht darstellte, hörte
man Gelächter unter den Teilnehmern. Wie konnte es
geschehen, daß die Vereinigten Staaten bei dieser
Konferenz so isoliert dastanden, und warum reagieren
die anderen Nationen so verächtlich auf seine Forderungen?
Antwort: Wie Sie wissen, begann die Konferenz mit
sehr großen Erwartungen. Die absolut unerfüllbaren
bezogen sich auf die Finanzierung. Von Brasilien, von
uns oder von der Mehrzahl der Entwicklungsländer
wurde die Konferenz nie als Veranstaltung angesehen, bei der ein größerer Transfer von Ressourcen
vorgenommen und neue Finanzierungsverpflichtungen von den Industrie- gegenüber den Entwicklungsländern eingegangen würden.
Die Vereinigten Staaten stocken ihre Finanzhilfe erheblich auf, aber verglichen mit den von Maurice
Strong genannten erforderlichen 125 Milliarden Dollar
sind offenkundig weder wir noch sonst jemand in der
Lage, dem gerecht zu werden. Soweit ich weiß, wurde
das Anliegen geäu ßert - Sie werden es heute abend in
der Debatte über die Finanzierung hören - die Auslandshilfe vom derzeitigen Niveau auf 0,7 Prozent des
Bruttoinlandsprodukts zu erhöhen. Wir sind einfach
nicht in der Lage, eine solche Verpflichtung einzugehen, und ich glaube, das bereitet einigen Ländern
Anlaß zur Sorge.
Im Hinblick auf die Leistungen zum Umweltschutz der
hier vertretenen Nationen ist, glaube ich, die Ansicht
ziemlich weitverbreitet, daß niemand mehr als die
Vereinigten Staaten getan hat. Der Präsident hat
einige davon aufgeführt - 66prozentige Reduzierung
des Partikelausstoßes in den Städten, eine 97prozentige Reduzierung des verbleiten Benzins - wohingegen
die Europäer den schrittweisen Abbau verbleiten Benzins
noch nicht abgeschlossen haben. Wir haben 1974
begonnen. Eine Reduzierung von Kohlenmonoxid und
Schwefeldioxid um über ein Drittel. Enorme Erweiterung unserer Nationalparks und unberührter Wildnis in
diesem Zeitraum.
Meines Erachtens ist weithin anerkannt, daß dies eine
vorbildliche Bilanz ist. Und ich bezweifle stark, daß
selbst die uns kritisierenden nichtstaatlichen Organisationen auf irgendein anderes Land verweisen könnten, das schärfere Gesetze, besseren Umweltschutz
oder größeren Zugang der Öffentlichkeit zur Entscheidungsfindung bei diesen Themen hat als die Vereinigten Staaten.

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Frage: Ich möchte nur sicherstellen, daß ich alles
richtig verstanden habe. Sie sagen, der Grund, warum
wir hier angegriffen wurden, ist, daß wir nicht genug
Geld ausgespuckt haben?
Antwort: Einer der Gründe für die Enttäuschung oder
Unzufriedenheit hier hatte mit dem Finanzierungsniveau zu tun. Dieses Anliegen hat die Entwicklungsländer vor einigen Monaten im Hinblick auf ihre eigene
Beteiligung sehr beschäftigt. Es gab genug Zusagen.
In der Tat konnten wir die Besorgnis Brasiliens zerstreuen und sind eine Verpflichtung in Höhe von 50
Millionen Dollar zum Kernfonds der Umweltfazilität
eingegangen, um zu zeigen, daß wir zu diesem Zweck
zur Aufstockung eines bereits hohen Betrags an Auslandshilfe bereit sind - er belief sich im vergangenen
Jahr auf 11 Milliarden Dollar.
Es besteht keine Frage, daß auch Besorgnis über
unsere Position zum Klimavertrag geäußert wurde,
insbesondere seitens der Europäischen Gemeinschaft,
die bis zum Jahr 2000 eine spezifische Stabilisierungsverpflichtung auf der Grundlage von 1990 wünschte.
Und die von uns getroffene Entscheidung, die Konvention zur Arten Vielfalt nicht zu unterzeichnen, wurde hier
offensichtlich nicht gut aufgenommen. Meines Erachtens wurde sie hier mißverstanden.
Das Argument, das ich in diesem Zusammenhang
vorzubringen versuche, lautet, wenn man die sachfremden Elemente betrachtet, die für mich als Umweltschützer überraschenderweise in einem Dokument so
breiten Raum einnehmen, das eigentlich Flora und
Fauna schützen soll - wenn man das Recht auf geistiges Eigentum, die Regeln für Gentechnologie und das
Finanzierungselement aus der Konvention zum Artenschutz herausnimmt, hätten wir damit kein Problem
gehabt.
Wir sind sehr erfreut, daß die Europäische Gemeinschaft in ihrer eigenen Signatarerklärung einige eben
dieser Probleme zitiert und die Absicht bekundet hat,
auf ihre Behebung hinzuarbeiten. In der Unterzeichnungserklärung zum Artenschutzvertrag von Präsident Collor bezog er sich auf die Notwendigkeit bei der
Behandlung eines so wichtigen Vertrags wie diesem,
daß er universell anwendbar ist und den Wunsch der
brasilianischen Regierung, dies durch Durchführungsmaßmahmen zu bewirken.
Wir sehen dies als Anzeichen, daß bei der Verfassung
von Protokollen zur Artenschutzkonvention unseren
Sorgen Gehör geliehen wird, und darüber sind wir
erfreut.
Frage: Warum mußten wir ihn unterschreiben - warum wollten bestimmte Gruppen, daß wir einen Vertag
unterschreiben, der das unterstützt?
Antwort: Zweifelsohne befindet sich die Welt heute in
einer Krise bezüglich des insbesondere auf die Zerstö-

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�rung von tropischen Regenwäldern zurückzuführenden Verlusts von Spezies. Pro Jahr gehen Schätzungen zufolge nahezu 19 Millionen Hektar mit einem
Großteil von Pflanzen- und Tierarten verloren, wovon
viele vernichtet werden, bevor sie überhaupt entdeckt
werden und einen Namen erhalten. Das ist eine
Tragödie für unseren Planeten. Es ist ein Verlust
potentiell nützlicher Produkte, die häufig als Grundlage
für Arzneimittel, Medikamente und Heilmittel dienen.
Und es ist etwas, das wir in den von Präsident Bush
vorgeschlagenen biologischen Übersichten publik
machen möchten.
Wir haben gestern ein Programm für weltweite Bestandsaufnahmen vorgelegt, die wir gemeinsam mit
anderen Ländern durchführen wollen. Sie werden diesen Vorschlag prüfen und entscheiden müssen, ob er
für sie sinnvoll ist, und wir werden ihn entsprechend
anpassen. Der Grund für diesen Vorschlag ist jedoch,
die Grundlage für die Bilanz zu schaffen, was wir an
Arten haben und was verloren gehen könnte, und uns
ein gewisses Gefühl für die Prioritäten bei unserem
Vorgehen zu vermitteln.
Frage: Der Präsident hat gesagt, die Vereinigten
Staaten werden die Bedingungen des Artenschutzvertrags erfüllen oder sogar darüber hinausgehen. Heißt
das, daß die Vereinigten Staaten einen Beitrag zu dem
in dem Vertrag enthaltenen Finanzierungsmechanismus leisten werden?
Antwort: Ja, das trifft zu. Der Finanzierungsmechanismus...
Frage: Selbst wenn wir bei der Verteilung keine Rolle
spielen?
Antwort: Das ist zutreffend. Der Finanzierungsmechanismus der Konvention über Artenvielfalt ist die
Globale Umweltfazilität. Wir sind eine Verpflichtung im
Hinblick auf den Kernfonds dieser Fazilität eingegangen. Offensichtlich haben wir einen gewissen Einfluß
auf die Vergabe dieser Gelder, aber wir werden nur
einer von vielen Geldgebern sein, unabhängig von der
Tatsache, daß wir den Vertrag nicht unterzeichnen.
Frage: Und werden wir auf irgendeine Weise von
unserer Industrie verlangen, ihre Patente und ihr geistiges Eigentum mit anderen zu teilen?
Antwort: Wir werden unter gar keinen Umständen
unserer Industrie vorschreiben, ihre Patente weiterzugeben oder ihre Technologie auf Konzessionsbasis
anderen zugänglich zu machen. Genau dies haben wir
bei diesem Vertrag unter anderem als unangebracht
betrachtet.
Frage: Also werden wir diesem Aspekt, daß entwikkeltere Länder geistiges Eigentum mit den weniger
entwickelten Staaten teilen, von denen sie die Rohstoffe beziehen, nicht entsprechen oder darüber hinausgehen?

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Antwort: Was unserer Meinung nach wichtig ist, ist
der Schutz von Pflanzen- und Tierwelt an sich. Wir
haben in der Uruguay-Runde des GATT verhandelt,
um Rechte an geistigem Eigentum besser zu schützen. Wir werden doch nicht hier bei einem Vertrag über
Umwelt aufgeben, was zu schützen wir uns dort so
energisch bemüht haben.
Wir werden weiterhin zur Sammlung von Informationen über Artenvielfalt ermutigen. Und in den Ländern,
in denen so etwas existiert, wie etwa in Costa Rica,
meinen wir, daß die Arten von Arrangements, die dort
zum Beispiel mit Merck ausgehandelt wurden und
denen zufolge Material im Gegenzug für eine Gewinnbeteiligung geliefert wird, sehr vernünftige und angemessene Beziehungen herstellen. Costa Rica war
dazu in der Lage, weil man dort den anderen so weit
voraus ist in dem Wissen, was man zu bieten hat.
Eine Tatsache, mit der wir bei der Agenda 21 sehr
zufrieden sind, ist das Kapitel über Ozeane. Ozeane
waren eine Priorität der Vereinigten Staaten. Wir
waren das Land, das diesen Punkt auf die Tagesordnung setzte. Wir wollten uns insbesondere auf die
Überwachung der Meere unter Einsatz unserer Weltraumtechnik konzentrieren, denn wir haben die einzigartige Fähigkeit, dies zu tun, und uns auf die extreme
Verschmutzung zu konzentrieren, die in zahlreichen
küstennahen Gewässern sowie Gewässern der Binnenmeere der Welt existiert und die im allgemeinen
von Quellen an Land hervorgerufen wird.
Wir erwarten, an der Einberufung einer Konferenz in
den nächsten eineinhalb Jahren mitzuwirken, um
Maßnahmen zur Verwirklichung dieses Kapitels zu
beschleunigen. Darüber hinaus erwarten wir, an der
Entwicklung eines Umlauffonds für die Klärung von
Abwässern mitzuwirken, die von Verschmutzungsquellen an Land produziert werden.
Frage: Könnten Sie uns etwas mehr über die Verhandlungen erzählen, die zu der Einigung über Waldprinzipien führten? Ich habe bemerkt, daß der Abbau
von Handelssanktionen im Schlußtext geblieben ist,
obwohl die Vereinigten Staaten diese Passage gestrichen haben wollten, und daß einige Verweise auf das
Recht auf Entwicklung in irgendeiner Form noch im
Text vorkommen. Wo mußten Sie Zugeständnisse
machen, um...
Antwort: Wie Sie wissen, lehnten wir die Schaffung
eines neuen "Rechts auf Entwicklung" ab, jedoch nicht,
weil wir das Recht eines Landes zu investieren, wirtschaftliche Möglichkeiten zu erschließen und sich
wirtschaftlich zu verbessern bestreiten, sondern vielmehr, weil dieses Konzept eine Vorgeschichte im
Bereich Menschenrechte hat und benutzt wurde, um
Maßnahmen zu rechtfertigen, die in einigen Ländern
die Menschenrechte verletzten und ihnen zuwiderliefen. Wir haben das "Recht auf Entwicklung" konsequent abgelehnt, und ich habe dies erst gestern abend

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�getan. Worauf wir uns geeinigt haben, ist der Wortlaut
"das Recht auf sozio-kulturelle Entwicklung auf tragfähiger Basis", was wir als ausreichend verändertes
Konzept betrachten, das wir unterstützen können.
Ihre andere Frage bezog sich auf Handelssanktionen.
Die Sprachregelung zu Handelssanktionen sah grundsätzlich vor, daß wir an freien Handel glauben und die
Souveränität der Staaten bei der Kontrolle ihrer Rohstoffe anerkennen.
Abgesehen von einigen Einzelheiten bei der Walddeklaration ist sie also nicht so stark wie wir das gern
gesehen hätten. Wir haben uns für stärkere Naturschutzbestimmungen eingesetzt, und wir haben uns
um die Anerkennung des weltweiten Beitrags der
Wälder bemüht, des Werts, den sie als Klimaregulator
und Absorbierer von Kohlenstoff haben.
Diese von uns vertretenen Anliegen wurden von den
Entwicklungsländern, in denen es Wälder gibt, energisch zurückgewiesen. Sie betrachten die Erwähnung
globaler Werte als implizite Bedrohung ihrer Souveränität, die schließlich zu einer Globalisierung oder Internationalisierung ihrer Wälder führen könnte. Deshalb
haben wir einen Großteil der gestrigen Nacht damit
verbracht, einen Wortlaut zu erarbeiten, der den Anliegen beider Seiten gerecht würde, der es uns gestatten
würde, die Gründe klarzustellen, warum wir eine Walderklärung verabschieden, nämlich, weil alle Länder
darüber besorgt sind, wie einige andere Länder mit
ihren Wäldern umgehen.
Wir versuchen nicht, ihre Wälder einem Regime zu
unterwerfen, das wir nicht auf uns selbst anwenden
würden, aber wir erkennen den globalen Wert der
Wälder an. In dem Maß, in dem sie diesen Wert
anerkennen, werden sie weitere Ansprüche auf Ausfr *

AMERIKA DIENST 24

landshilfe geltend machen können, da sie eine Schlüsselrolle bei der Milderung der Klimaveränderung spielen werden.
Wir haben eine Sprachregelung, die meines Erachtens
bei vielen Bestimmungen ziemlich vage ist. Wir haben
uns ebenso - besonders in den letzten Wochen, aber
auch während der gesamten Verhandlungen - ziemlich
energisch darum bemüht, eine Verpflichtung für eine
Waldkonvention zu erlangen. Die Sprachregelung
hierzu legt nahe, daß wir die Angemessenheit der
Erklärung selbst, der Prinzipien weiter überprüfen und
- ich habe den genauen Wortlaut vergessen - die
gegebenenfalls notwendigen internationalen Arrangements berücksichtigen. Für uns bedeutet dies eine
Konvention, für die Entwicklungsländer jedoch nicht.
Frage: Was erwarten Sie in bezug auf internationale
Organisationen, die in den nächsten fünf bis zehn
Jahren die Führungsrolle beim Umweltschutz spielen
werden?
Antwort: Es gibt eine Reihe von Aufgaben, die
verschiedenen Gremien insbesondere im System der
Vereinten Nationen zugewiesen werden - dem UNUmweltprogramm, dem UN-Entwicklungsprogramm
und einer neuen Kommission für tragfähige Entwicklung, die gegründet und dem Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen unterstellt sein wird. Die
Funktionen dieser Kommission sind noch nicht präzise
definiert worden. Sie wird sicherlich eine entscheidende Rolle dabei spielen, die Verknüpfung von Umwelt
und Wirtschaft zu betonen. Wirhoffen, daßsiebeidem
in UN-Gremien vorherrschenden Denken die Prioritäten etwas über den alten Stand hinausbringen wird.
Und das wird bei der UN-Generalversammlung diesen
Herbst in New York eingehender erörtert werden.

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DAS VERSTÄRKTE AMERIKANISCHE
ENGAGEMENT IM NEUEN EUROPA
Rede von Botschafter Kimmitt bei der Konrad-Adenauer-Stiftung
BONN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir den Text der Rede, die der amerikanische Botschafter in der
Bundesrepublik Deutschland, Robert. M. Kimmitt, am 15. Juni 1992 bei der Konrad-Adenauer-Stiftung in Bonn
gehalten hat. Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,
Herr Dr. Veen,
meine Damen und Herren,
es ist mir ein großes Vergnügen, heute abend zu Ihnen
über das Thema "Verstärktes amerikanisches Engagement im neuen Europa" zu sprechen. Dies ist ein
Thema, das, wie ich glaube, für ein deutsches Publikum ebenso wichtig ist wie für einen amerikanischen
Botschafter. Darüber hinaus ist dies aufgrund des
starken Engagements der Konrad-Adenauer-Stiftung
für die deutsch-amerikanische Partnerschaft ein besonders geeigneter Anlaß, um die Zukunft der transatlantischen Verbindung zu erörtern, aus der unsere
Länder in den vergangenen vier Jahrzehnten solch
großen Nutzen gezogen haben.
Die Geschichte des Engagements der Vereinigten
Staaten in der Nachkriegszeit - in Partnerschaft mit
ihren europäischen Verbündeten - ist einer der grö ßten
Erfolge in der Geschichte der Neuzeit. Über vier
Jahrzehnte hinweg hat es unseren Ländern den Frieden und die Freiheit bewahrt, indem es die Bedrohung
des Kommunismus eindämmte. Schließlich brach
dieses furchtbare politische und wirtschaftliche System unter dem Gewicht seiner eigenen Widersprüche
und Mißerfolge zusammen.
Trotzdem wird von einigen Beobachtern die These
vertreten, das amerikanische Engagement in Europa
sei in Gefahr, Opfer seines Erfolges zu werden. In
diesem Zusammenhang werden die beiden folgenden
Fragen vielleicht am häufigsten gestellt:
Erstens, wird Amerika nach dem Sieg im kalten
Krieg nun sagen, "der Auftrag ist erfüllt" und
seine Energien und Interessen auf seine drängenden innenpolitischen Probleme richten?

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-

Zweitens, gibt es überhaupt noch eine Rolle für
ein amerikanisches Engagement im neuen
Europa nach dem Zusammenbruch des Kommunismus, und wenn ja, wie sollte diese Rolle
aussehen?

Dies sind die Fragen, die ich im folgenden erörtern
möchte.
Isolationismus ist keine Antwort
Wenn wir uns den bevorstehenden Aufgaben stellen,
müssen wir uns des Sprichworts erinnern: "Es ist in
Ordnung, Fehler zu machen, solange es nicht die
falschen sind." Für die Vereinigten Staaten wäre es ein
fataler Fehler, der Welt den Rücken zuzukehren, sich
von internationalen Verpflichtungen hinter nationale
Schranken zurückzuziehen. Weltweite Interdependenz ist mehr als ein Klischee; sie ist eine Tatsache
des internationalen Lebens in unserer Zeit.
Diejenigen, die sich Gedanken über die Möglichkeit
eines neuen amerikanischen Isolationismus machen,
verweisen auf die historische Anomalie des amerikanischen Engagements in Europa. In seiner letzten Rede
als Präsident warnte George Washington ausdrücklich
vor einer amerikanischen Verwicklung in europäische
Angelegenheiten: "Europa", erklärte Washington, "hat
eine Reihe vordringlicher Interessen, die nicht oder nur
sehr entfernt zu uns in Beziehung stehen." Bis zu ihrer
Teilnahme am Ersten Weltkrieg befolgten die Vereinigten Staaten diesen Rat rigoros. Und wie wir wissen,
folgte auf dieses anfängliche Engagement eine zutiefst isolationistische Reaktion. Könnte eine ähnliche
Reaktion auch dem Ende des Kalten Krieges folgen basierend auf der Überzeugung, Amerika habe seit
1941 für Europa "genug getan" und müsse sich jetzt
anschicken, das eigene Haus in Ordnung zu bringen?

Seite 1

�Die tiefen Wurzeln des amerikanischen Gefühls der
Einzigartigkeit, die sich in einer Art von geistigem
Isolationismus manifestierten, sind nicht von der Hand
zu weisen. Dieser Isolationismus gründete sich auf die
Vision von Amerika als einer "neuen Welt". In Lincolns
Worten bot Amerika die "letzte, beste Hoffnung der
Menschheit", oder, wie der Kolonialgouverneur von
Massachusetts, John Winthrop, mit einer Anleihe beim
Matthäus-Evangelium einmal sagte, eine "Stadt auf
dem Hügel, auf der die Augen aller Menschen ruhen".
Dieser traditionellen Sichtweise zufolge war Amerika
dem Rest der Welt überlegen. Seine Funktion bestand
darin, als Inspiration und Beispiel zu dienen - und dies
könnte am besten gewährleistet werden, wenn es nicht
durch den Kontakt mit einer alten Welt, die in feudalen
Traditionen, Kriegen, und Ungleichheit verhaftet war,
infiziert würde.
Diese utopische Vision ist immer noch nicht tot. Sie
bleibt - und das gilt auch für die Zukunft - eines von
zahlreichen Elementen, die insgesamt die amerikanische Haltung zur Rolle der Vereinigten Staaten in der
Welt formen.
Ich möchte jedoch argumentieren, daß die Erfahrung
dieses Jahrhunderts das amerikanische Volk dazu
veranlaßt hat, die von Washington in seiner Abschiedsrede geäußerte Ansicht über Europa zu revidieren.
Die Welle des Isolationismus, die Amerika nach dem
Ersten Weltkrieg erfaßte, war die letzte ernsthafte
Bestätigung seiner Ansicht, daß die Ereignisse .in
Europa für die Vereinigten Staaten belanglos seien.
Hätte es keinen Zweiten Weltkrieg gegeben, wäre
dieses Konzept vielleicht das vorherrschende Element
der amerikanischen Politik gegenüber Europa geblieben.
Es gab jedoch einen Zweiten Weltkrieg, und Amerika
stellte eindeutig fest, daß es sich von diesem Kampf
nicht fernhalten konnte, wenn die Welt ein lebenswerter Ort bleiben sollte.

Ich bin der festen Überzeugung, daß die große Mehrheit des amerikanischen Volkes die Ergebnisse sowohl des Zweiten Weltkrieges als auch des Kalten
Krieges als Bestätigung dafür betrachtet, daß die
Aufrechterhaltung von Frieden und Freiheit in Europa
für die Vereinigten Staaten von unmittelbarem und
vitalem Interesse ist.
Diese Haltung wird von jüngsten Meinungsumfragen
unterstützt. Einer unlängst von Gallup durchgeführten
Umfrage zufolge befürworten sechzig bis siebzig Prozent der Amerikaner eine aktive Rolle der Vereinigten
Staaten in der Weltpolitik, während nur zwanzig bis
dreißig Prozent ein aktives Engagement im Ausland
ablehnen. Der Anteil der Anhänger einer aktiven
amerikanischen Rolle ist erheblich größer als vor fünf
Jahren.
Sicherlich spiegeln die Meinungsumfragen ebenfalls
die Überzeugung der Amerikaner wider, daß innenpolitischen Problemen mehr Aufmerksamkeit als bisher
gewidmet werden muß. Aber sie betrachten diese
innenpolitischen Bemühungen als Ergänzung zum
weiterbestehenden amerikanischen Engagement in
der Weltpolitik und nicht als dessen Ersatz. "America
First" heißt nicht "America Alone".
Ein neues amerikanisches Engagement
In welcher Form sollte dieses Engagement jedoch zum
Ausdruck kommen? Welche Rolle soll Amerika in dem
sich abzeichnenden neuen Europa spielen? Wie können
wir dieses Engagement zum gegenseitigen Vorteil
Europas und der Vereinigten Staaten verstärken?
Zunächst, wie Präsident Bush und Außenminister
Baker wiederholt in öffentlichen Erklärungen klargestellt haben, betrachtet Amerika die europäische Sicherheit weiterhin als entscheidend für die Sicherheit
der Vereinigten Staaten. Die Vereinigten Staaten sind
und bleiben eine europäische Macht.

Während viele Amerikaner in den dreißiger Jahren
unklugerweise den Aufstieg des Nationalsozialismus
als rein europäische Angelegenheit betrachteten, die
sie ignorieren zu können meinten, wußten die Amerikaner nach dem Zweiten Weltkrieg, daß die vom
kommunistischen Expansionsdrang ausgehende
Bedrohung der Freiheit für die Vereinigten Staaten
eine Angelegenheit lebenswichtigen Interesses war.
Es war eine Herausforderung, die nicht nur in Europa,
sondern weltweit erfolgreich bestanden werden mu ßte
- und bestanden wurde.

Es trifft zu, daß der Kalte Krieg vorüber ist. Aber der
blutige Bürgerkrieg, der heute dort wütet, wo vormals
Jugoslawien war - und das Potential ethnisch begründeter Auseinandersetzungen in der ehemaligen Sowjetunion - sind eindeutige Beweise dafür, daß das
goldene Zeitalter von Frieden und Stabilität in Europa
noch nicht angebrochen ist. Die alten Bedrohungen
sind verschwunden, aber neue Ungewißheiten sind
entstanden, die nur durch anhaltendes und enges
amerikanisches Engagement in Europa und insbesondere mit unseren Verbündeten in der NATO gemeistert
werden können.

Nach vierzig Jahren war auch der Sieg im Kalten Krieg
errungen - kein Sieg über das sowjetische Volk, sondern ein Sieg über ein unmenschliches System. Endlich
haben wir - um mit den Worten Präsident Bushs zu
sprechen - ein ungeteiltes und freies Europa vor uns.

Die Vereinigten Staaten sind weiterhin der Überzeugung, daß die NATO trotz der Beendigung des kalten
Krieges das zentrale Instrument bleiben muß, mit dem
Amerika und seine Verbündeten den Frieden in Europa bewahren. Die NATO besitzt über vierzig Jahre

Seite 2

AMERIKA DIENST 24

�Erfahrung bei den Bestrebungen für dieses Ziel. Sie ist
eine Organisation, die wiederholt ihre Fähigkeit bewiesen hat, schwerwiegende Entscheidungen zu treffen
und gleichzeitig die Interessen all ihrer Mitgliedstaaten
zu respektieren. Dafür werden auch die Vereingten
Staaten im nächsten Jahr über 270 Milliarden Dollar für
Verteidigungausgaben aufwenden, einschließlich
mehrerer Milliarden Dollar zur Beibehaltung einer fähigen
Streitmacht hier in Europa. Und wir werden hier eine
fähige Streitmacht solange beibehalten, wie wir erwünscht sind. Diese Tatsachen sollte man sich vor
Augen führen, wenn man fragt, was Amerika zum
Schutz des neuen Europas zu tun bereit ist.
Einige legen nahe, daß nun, da der Kalte Krieg vorüber
ist, die NATO der Vergangeheit angehört und die
KSZE jetzt anfangen sollte, mehr Verantwortung für
die europäische Sicherheit zu übernehmen. Niemand,
der die Rolle der Vereinigten Staaten in der KSZE
beobachtet hat, kann an unserem Engagement für sie
zweifeln. Es ist jedoch auch unsere feste Überzeugung, daß NATO und KSZE sich ergänzen. Als ein
Gremium, das alle Mitglieder der europäischen/transatlantischen Staatengemeinschaft umfaßt, ist die KSZE
ein lebenswichtiges Forum zur Erörterung der ganzen
Bandbreite von Themen wechselseitigen Interesses einschließlich, aber nicht nur - der Sicherheit. Als
erprobtes Bündnis mit über vierzigjähriger operativer
Erfahrung ist die NATO in einzigartiger Weise geeignet, konkrete Maßnahmen für die Sache des Friedens
und der Sicherheit zu ergreifen. Dieser Tatsache - daß
NATO und KSZE sich gleichzeitig ergänzen und einzigartig sind - wurde von den NATO-Mitgliedstaaten
beim Gipfel von Oslo Rechnung getragen, als sie die
Dienste der NATO für Friedensmissionen im Namen
der KSZE anboten.
Die Sicht der Vereinigten Staaten zu einer europäischen Sicherheitsidentität
Selbst während wir zusammenarbeiten, um die NATO
an die Bedürfnisse des neuen Europas anzupassen,
sind sich die Vereinigten Staaten der Absicht der EGStaaten bewußt, eine europäische Sicherheitsidentität
zu entwickeln. Von Anfang an haben wir das Ziel der
europäischen Integration unterstützt, und unterstützen deshalb das Konzept einer europäischen Sicherheitsidentität. Besonders in dieser Zeit nach dem
Kalten Krieg müssen wir jedoch falsche Nullsummenanalysen ablehnen, die davon ausgehen, daß die europäische Sicherheitsidentität nur auf Kosten der NATO
geschaffen werden kann. Wie wir in Rom und Maastricht vereinbart haben, ist unser Ziel eine stärkere
NATO, die durch eine fähige, ergänzende europäische
Sicherheitsidentität entsteht.
Aus diesem Grund haben wir einige Fragen im Hinblick
auf das geplante deutsch-französische Korps vorgebracht. Da wir seit langem einen stärkeren europäischen Pfeiler befürworten, sind wir uns der Tatsache
bewußt, daß einige die Augenbrauen hochzogen, als
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wir einige Punkte zu dem vorgeschlagenen Korps
äußerten. Tatsache ist aber, daß die Vereinigten
Staaten, wenn sie weiterhin eine Verpflichtung für die
Sicherheit Europas übernehmen sollen, in der Lage
sein müssen, mit den Europäern den Charakter unserer gemeinsamen Sicherheitsarrangements zu erörtern.
Fragen über die Auswirkungen des deutsch-französischen Korps auf die NATO zur Sprache zu bringen,
zieht deshalb unsere anhaltende Unterstützung einer
europäischen Verteidigungsidentität nicht in Zweifel.
Diese Art von offenem Dialog ist eine Grundbedingung
für ein starkes Bündnis. Und, so möchte ich hinzufügen, wir begrüßen die Bereitschaft von Bundeskanzler
Kohl, Verteidigungsminister Rühe, und Außenminister
Kinkel, unsere Fragen zu diesem Thema zu erörtern.
Wir blicken kontinuierlichen Gesprächen erwartungsvoll entgegen, zwischen Europäern in der WEU und
zwischen den Verbündeten in der NATO, zu unserem
gemeinsamen Ziel einer stärkeren europäischen
Sicherheitsidentität und einer stärkeren NATO.
Zu einer breiter gefächerten Beziehung
Sicherheit ist ein entscheidend wichtiges Thema, aber
nur ein Teilbereich der deutsch-amerikanischen Beziehungen. Es stimmt, daß uns das Ende des Kalten
Kriegs - mit seinem eminent wichtigen, aber ziemlich
engen Blickwinkel darauf, wie der Bedrohung durch
eine sowjetische Aggression entgegenzutreten sei neue Möglichkeiten bietet, die Perspektive unserer
Beziehungen zu erweitern.
Ein Bereich von zunehmender Bedeutung ist dabei
sicherlich Wirtschaft und Handel. Schließlich sind
gesunde Volkswirtschaften nicht nur für das Wohlergehen unseres Volkes entscheidend, sondern auch für
unsere Fähigkeit, die Lebensbedingungen derjenigen
zu verbessern, die weniger glücklich sind als wir. Und
wir glauben, daß wir dieses Wohlergehen durch Kooperation und Kompromisse am besten garantieren
können.
Wie die schwierigen Verhandlungen über Agrarsubventionen und GATT zeigen, gibt es Bereiche, in
denen eine Zusammenarbeit schwierig ist. Aber wenn
wir unser starkes, übergeordnetes Interesse an der
Erarbeitung akzeptabler Kompromisse im Gedächtnis
behalten, sollten wir in der Lage sein, zu unserem
gemeinsamen Vorteil zusammenzuarbeiten. In dieser
Hinsicht möchte ich betonen, wie sehr wir das Engagement des Bundeskanzlers für ein beiderseitig positives
Ergebnis der GATT-Verhandlungen begrüßen.
Ein weiterer Bereich, in dem die Vereinigten Staaten
ihr Engagement in Europa zu verstärken trachten - und
dies gemeinsam mit ihren Freunden und Verbündeten
zu tun wünschen - ist die gewaltige Aufgabe, den
Ländern Osteuropas und den nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion entstandenen Staaten dabei zu

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�helfen, das verheerende politische und wirtschaftliche
Erbe des Kommunismus zu überwinden.

"Wachstumssektoren" in den amerikanisch-europäischen Beziehungen sein sollte.

Trotz Haushaltsengpässen haben die Vereinigten
Staaten für die neuen Staaten der ehemaligen Sowjetunion etwa sieben Milliarden Dollar bereitgestellt oder
zugesagt. Gemeinsam mit Deutschland haben wir den
Grundstein für ein internationales Wissenschaftszentrum in Rußland und der Ukraine gelegt, um das
Problem der Abwanderung fähiger Wissenschaftler zu
bewältigen. Wir haben die Aktion Hoffnung ins Leben
gerufen, um die dringendste humanitäre Hilfe zu leisten. Bei der jüngsten Konferenz in Lissabon trafen
sich 63 Länder, um weitere Schritte der Hilfe für die
ehemalige Sowjetunion in Erwägung zu ziehen.
Außenminister Baker hat eine Initiative angekündigt,
um die Sicherheit des Betriebs von Atomkraftwerken
sowjetischer Bauart in Eurasien zu verbessern. Als
Teil des Pakets hat er 25 Millionen Dollar zugesagt.

Was die Zusammenarbeit der Vereinigten Staaten und
ihrer NATO-Partner in den vergangenen vierzig Jahren letztlich ermöglicht hat, war ein System gemeinsamer Werte. Nun, da der kalte Krieg vorüber ist, haben
wir die Chance - und ich würde in der Tat sagen, die
moralische Verpflichtung - diese Werte auf die Länder
auszudehnen, die jetzt aus der Dunkelheit des kommunistischen Totalitarismus herausgetreten sind.
Meines Erachtens können Kulturaustauschprogramme der Art, wie sie die deutsch-amerikanischen Beziehungen in den vergangenen vierzig Jahren bereichert
haben, als Modell für unsere gemeinsamen Bestrebungen dienen. Wir möchten unsere Werte wie die
Achtung der Rechte des einzelnen, Respektierung der
Rechte von Minderheiten und der Marktwirtschaft, die
uns so gut gedient haben, auf die Länder Osteuropas
ausdehnen.

Präsident Bush hat unsere Unterstützung für das
multilaterale makroökonomische Hilfspaket der G-7
bekundet, deren Vorsitz dieses Jahr die Bundesrepublik Deutschland innehat. Dieses 24-Milliarden-DollarPaket wird Rußland helfen, seine Volkswirtschaft zu
stabilisieren, die Inflation unter Kontrolle zu bringen,
und den Weg für Wachstum und Entwicklung zu bereiten. Die Vereinigten Staaten werden nahezu 20 Prozent zu diesem Paket beitragen. Ferner sind wir daran
interessiert, daß wir IWF-Hilfe fürdie anderen Republiken der ehemaligen Sowjetunion bereitstellen.
Die Aufgabe der Schaffung eines "ungeteilten und
freien Europas", in dem all seine Bürger sicher in
Frieden, Demokratie und Wohlstand leben, und wo die
bösen Dämonen des Völkerhasses in der Flasche
bleiben, ist eine Aufgabe für uns alle. Außenminister
Baker hat diese Aufgabe als "kollektives Engagement"
bezeichnet. Es ist eine Aufgabe für die neuen Demokratien selbst, weil keine Hilfe effektiv sein kann, wenn
sie nicht auf Selbsthilfe stößt. Es ist eine Aufgabe für
die wohlhabenden Demokratien Westeuropas, die nicht
nur Geld und Know-how bereitstellen können, sondern
- was noch wichtiger ist - ein Beispiel geben, wie alte
Haßgefühle beigelegt werden können. Und es ist eine
Aufgabe für die Vereinigten Staaten, die darin eine
direkte Fortführung des Engagements in Europa sehen, das seit fünfzig Jahren zu unserem beiderseitigen
Vorteil erfolgt ist.
Eine erweiterte kulturelle Partnerschaft
Sicherheit, wirtschaftliche Zusammenarbeit und Kooperation bei der Stabilisierung der neuen östlichen
Mitglieder der europäischen Familie - all dies ist vordringlich, schöpft aber die mögliche Bandbreite stärkeren amerikanischen Engagements in Europa in keiner
Weise aus. Während der kalte Krieg verebbt, werden
kulturelle und persönliche Kontakte noch wichtiger als
in der Vergangenheit. Ich bin der festen Überzeugung,
daß kulturelle Zusammenarbeit einer der echten

Seite 4

Einige Programme sind bereits mit der "Sicherung des
demokratischen Friedens" befaßt, wie Außenminister
Baker es bezeichnete. Wir haben das Peace Corps
auf Osteuropa ausgedehnt und hoffen, daß bis zum
kommenden Winter mindestens 250 dieser Freiwilligen in der ehemaligen Sowjetunion sein können. Darüber
hinaus benutzen wir das International Executive Service Corps, um pensionierte amerikanische Führungskräfte nach Osteuropa zu entsenden, damit sie ihre
dringend benötigte Managementerfahrung einbringen
können. Das Bürgerkorps Demokratie - eine von
Präsident Bush 1990 ins Leben gerufene nationale
gemeinnützige Organisation - hilft ferner bei der Verwaltung der freiwilligen Unterstützung des amerikanischen Privatsektors für die Volkswirtschaften im Übergang.
Gleichzeitig sollten wir die zwischen den Vereinigten
Staaten und Deutschland geschaffenen Bande weiterhin stärken, denn sie bilden die Grundlage unserer
Zusammenarbeit bei der Bewältigung der vor uns
liegenden Herausforderungen. Wir können Programmen wie dem parlamentarischen Patenschaftsprogramm Kongreß/Bundestag, dem Fulbright-Programm,
dem Deutschen Akademischen Austauschdienst, dem
deutsch-amerikanischen Partnerschaftsprogramm und
ähnlichen Bestrebungen nicht genügend Bedeutung
beimessen. Natürlich wissen wir die wichtigen privaten Austauschprogramme zu schätzen, einschließlich
der Schirmherrschaft, die die Adenauer-Stiftung jährlich über eine Delegation des amerikanisch-jüdischen
Komitees übernimmt. Letzte Woche hatte ich das
Vergnügen, diese Delegation bei einem von mir gegebenen Empfang im Anschluß an ihr Mittagessen mit
Kanzleramtsminister Bohl begrüßen zu können.
Wie Ministerpräsident Vogel von unserem Treffen in
Erfurt am 9. April weiß, möchten die Vereinigten Staaten insbesondere die Menschen in den neuen Bundesländern einbeziehen. Bei meinem Besuch in Neubran-

AMERIKA DIENST 24

�denburg im Januar konnte ich mit großer Freude
bekanntgeben, daß die Vereinigten Staaten das Fulbright-Programm und andere Austauschprogramme
um über eine Million Dollar aufstocken, um dem wachsenden Bedarf in den neuen Bundesländern gerecht
zu werden. Bis heute haben wir im Rahmen des
internationalen Besucherprogramms auf unsere Kosten über einhundert junge Deutsche aus den neuen
Ländern in die Vereinigten Staaten eingeladen - Menschen aus allen Berufssparten, in denen wir zukünftige
Führungskräfte sehen - und wir gehen davon aus,
dieselbe Anzahl im nächsten Haushaltsjahr einzuladen. Bundeskanzler Kohl und Präsident Bush haben
vor kurzem die Gründung der RIAS-Kommission
angekündigt, die die Förderung von Kontakten zwischen Medienvertretern und Medienzentren in den
neuen Ländern und den Vereinigten Staaten zum Ziel
hat. Und schließlich stiften die US-Streitkräfte in
Europa Städten und Universitäten in den neuen Bundesländern englischsprachige Bibliotheken amerikanischer Militärstützpunkte, die jetzt geschlossen werden. Bis heute wurden über 125.000 Bücher vom
Westen für den Osten gestiftet - ein greifbares Beispiel
dafür, wie "Schwerter zu Pflugscharen" werden.
Amerika und Europa: Ein Erfahrungsaustausch
Ich habe bereits auf die traditionelle Betrachtungsweise Amerikas von sich selbst als "Stadt auf dem Hügel"
hingewiesen als ein Beispiel, von dem andere etwas
lernen können. Können die Vereinigten Staaten tatsächlich als Teil ihres Engagements in Europa Lektionen anbieten, die sie aus ihren eigenen Erfahrungen
gezogen haben?
Obwohl ich ganz sicher nicht der Kategorie der gegenwärtig so in Mode gekommenen Untergangspropheten angehöre, die die Vereinigten Staaten als kurz vor
dem endgültigen Untergang darstellen, bin ich doch
nicht blind gegenüber den vielen Bereichen, in denen
mein Land große soziale Probleme hat, die dringend
bewältigt werden müssen. Los Angeles ist dafür eine
gute Gedächtnisstütze.
Dennoch bin ich der Ansicht, daß es Dinge gibt, die
Europa von Amerika lernen kann, ebenso wie es viele
Dinge gibt, die Amerika von Europa lernen kann und
lernen sollte.
Amerikanischer Utopismus - die Vision der "Stadt auf
dem Hügel" - wurde immer von einem starken Bewußtsein aufgewogen, daß die Aufgabe des Aufbaus einer
gerechten Gesellschaft stetes Bemühen verlangt. Politik
in Amerika ist keine Suche nach einer definitiven
ideologischen Wahrheit, sondern ein pragmatischer
Prozeß, bei dem die Regierung Antworten auf die
konkreten Bedürfnisse der Bürger nach einem besseren Leben finden muß.
*

AMERIKA DIENST 24

*

Keine vergangene oder gegenwärtige Regierung ist
ein Modell für eine perfekte Gesellschaft. Amerikas
einzigartiger Beitrag ist das Beispiel von Menschen
unterschiedlicher Rassen, Vorgeschichte und Kulturen mit dem kontinuierlichen Bestreben zum Aufbau
und zur Aufrechterhaltung einer demokratischen
Gesellschaft, die den Interessen aller dient. Wir haben
in der Vergangenheit bei diesen Bestrebungen Rückschläge erlitten. In Zukunft werden wir noch mehr
Rückschläge erleiden. Aber Amerika ist eine funktionierende vielrassische, multikulturelle Gesellschaft.
Während sich Europa der zunehmenden Völkervielfalt
stellt, sollten die Europäer unsere Erfahrungen prüfen,
sowohl, um die Dinge aufzugreifen, die wir richtig
gemacht haben als auch um unsere Fehler zu vermeiden.
Schlußbemerkung
Zusammenfassend gestatten Sie mir bitte, eine Geschichte über einen berühmten geistreichen Berliner
zu zitieren, der ein Doppelabteil in einem überfüllten
Schlafwagen bezahlt hatte. Einer der übrigen Passagiere, der keine Reservierung hatte, wandte sich an ihn
und erklärte, er werde jeden Betrag zahlen, um das
Abteil zu teilen. Der Berliner erwiderte postwendend:
"Vielleicht. Aber lassen Sie mich das erst einmal
überschlafen." Bei dem Versuch, den Frieden nach
dem Kalten Krieg zu sichern, können wir uns nicht den
Luxus leisten, die Sache zu überschlafen, die schwierigen Fragen der Zukunft mit Muße zu überdenken.
Wenn wir nicht die Zukunft gestalten, wird sie uns
gestalten.
Das vor uns liegende Jahrhundert hält unvergleichliche Versprechungen und beispiellose Herausforderungen bereit. Wir befinden uns an einem Punkt, wo
die alten Ideologien der Tyrannen zusammengebrochen sind, an der Schwelle der erweiterten Freiheit.
Dennoch sind Armut, die ökologische Bedrohung für
unseren Planeten Erde und politische Instabilität auf
der Welt furchteinflößende Herausforderungen. Diesen Herausforderungen können wir Amerikaner und
Europäer am besten entgegentreten - und vielleicht
nur dann entgegentreten - wenn wir weiterhin Seite an
Seite stehen. Aus diesem Grund wollen die Vereinigten Staaten ihre Verbindungen zu unseren alten europäischen Freunden und Institutionen wie Deutschland
und die NATO als bestem Mittel zum Aufbau von
Verbindungen zu neuen Freunden und neuen Institutionen vertiefen. Das ist die Bedeutung stärkeren
amerikanischen Engagements im neuen Europa.
Ich danke Ihnen und stehe jetzt gerne für Fragen zur
Verfügung.

*

*

Seite 5

�NATO
17. Juni 1992

NATO: STREITMACHT FÜR DEN FRIEDEN
IN DER ZEIT NACH DEM KALTEN KRIEG
von Paul Wolfowitz
WASHINGTON - (AD) - Der Verfasser ist Staatssekretär im Verteidigungsministerium. Der nachfolgende Artikel
basiert auf einer Rede vor der U. S. Military Academy Senior Conference in West Point (New York).

In den vergangenen drei Jahren hat sich die NATO
enorm gewandelt - sehr viel mehr als allgemein beachtet - um sich an das drastisch veränderte internationale
Umfeld anzupassen. Darüber hinaus war die NATO
eine treibende Kraft des Wandels und hat das Sicherheitsumfeld zum besseren gewendet.
Dennoch bezweifeln zahlreiche Leute - insbesondere
wenn ihnen diese Veränderungen entgangen sind,
aber auch diejenigen, die sie bemerkt haben - daß es
noch einen Bedarf für das Bündnis gibt, nun da Westeuropa sicherer ist als seit mindestens fünfzig Jahren.
Meine Antwort darauf könnte in einem Satz zusammengefaßt werden - das Bündnis ist heute erneut von
Bedeutung: erstens zur Bewahrung des bisher Erreichten, zweitens zum Schutz der Versprechungen
der Gegenwart und drittens zur Verwirklichung einer
noch vielversprechenderen Zukunft. Zunächst wird
das Prinzip der gemeinsamen Verteidigung, das eines
der größten bisherigen Leistungen der NATO war,
auch in Zukunft von ebensolcher Bedeutung sein,
wenn Sicherheitsrisiken höchstwahrscheinlich gering,
Unsicherheit und Unberechenbarkeit jedoch größer
sein werden. Zweitens ist die von der NATO heute gebotene Stabilität nicht nur für die Mitglieder des Bündnisses lebenswichtig, sondern noch mehr für die neuen Regierungen und Nationen Osteuropas und der
ehemaligen Sowjetunion, die um den Erhalt ihrer hart
errungenen Unabhängigkeit und Demokratie kämpfen. Die von der NATO gebotene Stabilität ist die
erforderliche Grundlage für den künftigen politischen
und wirtschaftlichen Erfolg dieser neuen Demokratien.
Drittens hat die NATO die Chance zur Gestaltung einer
völlig neuen Zukunft, indem sie diese neuen Demokratien Mittel- und Osteuropas und vor allem Rußland in
die demokratische Sicherheitsgemeinschaft einbezieht,
in die demokratische "Friedenszone", die während des

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Kalten Kriegs gegründet wurde. Dennoch wird der
Erfolg dieser drei Missionen weiterhin von der amerikanischen Führungsrolle und einer starken amerikanischen Rolle in europäischen Sicherheitsangelegenheiten abhängen, und diese Führungsrolle hängt wiederum davon ab, daß uns etwas gelingt, mit dem wir
immer Schwierigkeiten hatten: eine drastische Reduzierung unserer Streitkräfte vorzunehmen, ohne die
während des Kalten Kriegs unter großen Opfern erreichte Sicherheitsposition aufzugeben.
Ich möchte mit dem Eingeständnis beginnen, daß ich
immer wieder verwundert darüber bin, wie wenig Aufmerksamkeit dem bemerkenswerten Weg geschenkt
wird, den die NATO in jüngster Zeit zurückgelegt hat,
sowohl bei der Anpassung ihrer Strategie an das neue
internationale Umfeld als auch - was noch wichtiger ist
- bei der Verwirklichung der tiefgreifenden Refomen,
die in der Tat den dramatischen Kurs der jüngsten
Geschichte beeinflußt haben. Bei diesen beiden Ereignissen war die amerikanische Fühungsrolle von
großer Bedeutung.
Im folgenden möchte ich Ihnen vier Beispiele nennen,
wie die NATO unter amerikanischer Führung den Lauf
der Ereignisse verändert und beeinflußt hat. Erstens
hat die beim NATO-Gipfel im Mai 1989 in die Wege
geleitete Initiative den Prozeß der konventionellen
Rüstungskontrolle in Europa umgestaltet. Zusammen
mit anderen politisch Verantwortlichen im Bündnis hat
Präsident Bush eine dramatische neue Initiative zur
konventionellen Rüstungskontrolle vorgeschlagen, die
Bereiche erweitert, die die NATO im Rahmen des
KSE-Vertrags einzubeziehen bereit war und gleichzeitig die Verhandlungen beschleunigt. Das Ergebnis ist
ein KSE-Vertrag, der jetzt einen wesentlichen Beitrag
zur Sicherheit der Vereinigten Staaten und Europas
leisten wird.

Seite 1

�Zweitens hat das Bündnis in den vergangenen drei
Jahren das Einsatzkonzept und die Doktrin seiner
nuklearen Gefechtsfeldwaffen revolutioniert. Damit
wurde das Fundament für Präsident Bushs kühne und
historische Initiative vom 27. September 1991 zu den
Nuklearstreitkräften gelegt, in der er unter anderen
wesentlichen Schritten den Abzug aller amerikanischen landgestützten taktischen Nuklearwaffen aus
Europa ankündigte. Infolgedessen wird das atomare
Arsenal der NATO auf ein Fünftel seines bisherigen
Umfangs reduziert. Vielleicht noch wichtiger ist, daß
die kontroverse Debatte über nukleare Gefechtsfeldwaffen, die im Jahr 1989 das Bündnis zu spalten
drohte, durch einen Konsens über die Notwendigkeit
eines Mindestniveaus von aus Mehrzweckkampfflugzeugen bestehenden kriegsschauplatzgebundenen
Nuklearstreitkräften in Europa zur Bewahrung von
Frieden und Stabilität ersetzt wurde.

Im Mittelpunkt dieser bemerkenswerten Leistungen
stand die kontinuierliche Effektivität der amerikanischen Führungsrolle seit dem Zweiten Weltkrieg bei
der Schaffung der erforderlichen Bedingungen für die
westeuropäischen Nationen, ihre gemeinsame Verteidigung in kollektiver Weise bereitzustellen, statt in
vergeblichen - und damit gefährlichen - Unterfangen
Krisen als einzelne Nationen im Alleingang zu meistern
zu versuchen. Auf den Punkt gebracht ist das die
Bedeutung der NATO - eine der erfolgreichen Eindämmung des Kommunismus über vierzig Jahre hinweg
ebenbürtige Leistung und eine Errungenschaft, deren
Bewahrung selbst nach dem Zusammenbruch und
dem Verschwinden des Kommunismus lebenswichtig
ist. Dies ist die erste Antwort, die ich auf die hartnäkkige Frage geben möchte, warum wir die NATO selbst
nachdem es keine sowjetische Bedrohung mehr gibt
noch benötigen.

Drittens - und vielleicht am wichtigsten - war die
amerikanische Reaktion auf den Zusammenbruch des
Kommunismus in Ostdeutschland. Unmittelbar nach
dem Fall der Berliner Mauer nutzte Präsident Bush den
Augenblick, um unsere Unterstützung für eine rasche
Vereinigung zum Ausdruck zu bringen und setzte den
Mechanismus zu deren Verwirklichung in Gang - den
sogenannten Zwei-plus-Vier-Prozeß. Von überragender Bedeutung ist, daß das vereinigte Deutschland
Vollmitglied der NATO ist.

In dem Maße, in dem wir derzeit Frieden und Wohlstand im Großteil Europas genießen, ist dies ein
Ergebnis der Sicherheitsstruktur, die wir im Westen
nach dem Zweiten Weltkrieg geschaffen haben. Das
System der kollektiven Verteidigung hat das hervorgebracht, was Verteidigungsminister Cheney als Amerikas "stillen Sieg" bezeichnet hat - die Schaffung einer
wohlhabenden, vornehmlich demokratischen, marktorientierten "Friedenszone" in Europa und Asien. Im
Gegensatz zu der Zerstörung und Tragödie, die Europa von 1900 bis 1945 erleiden mußte, haben die
westeuropäischen Nationen praktisch ein halbes Jahrhundert beispiellosen Wohlstands erlebt. Zusammen
haben wir ein Umfeld geschaffen, von dem man fairerweise sagen kann, daß Krieg zwischen diesen Ländern wirklich undenkbar ist. Das ist ein dramatischer
Bruch mit der tragischen Vergangenheit Europas.

Schließlich hat das Bündnis wichtige Schritte zur Einbeziehung der neuen Demokratien nicht nur als ehemalige Gegner sondern als zukünftige Partner unternommen. Dies war die Botschaft des Londoner Gipfels, der eine neue NATO-Strategie für die Zeit nach
dem Kalten Krieg definierte. Eine der wichtigsten
Initiativen war die Gründung des Nordatlantischen Kooperationsrats - oder NAKR - im Dezember vergangenen Jahres, der die Zusammenarbeit zwischen den
Bündnispartnern und den Ländern des ehemaligen
Warschauer Pakts erleichtem soll. Er bietet ein Forum
und die Gelegenheit zur Arbeit mit den neuen Demokratien in Bereichen von gemeinsamem Sicherheitsinteresse, einschließlich Fragen der Verteidigungsplanung, Rüstungskonversion und anderen mit der Rüstungsindustrie und dem Verteidigungshaushalt in
Zusammenhang stehenden Themen.
Ich möchte die scharfsinnigen Worte des britischen
Verteidigungsministers Malcolm Rifkind aus einer
wichtigen, vor kurzem über die künftige Sicherheit
Europas gehaltenen Rede zitieren: "Diese Entwicklungen illustrieren das anhaltende Engagement aller 16
NATO-Mitgliedstaaten für die Zukunft des Bündnisses. Sie veranschaulichen die Flexibilität der NATO,
ihre Fähigkeit zur Anpassung an die Ereignisse und
ihre lebenswichtige Bedeutung für die Zukunft der
europäischen und transatlantischen Verteidigung."

Seite 2

Obwohl wir und unsere Verbündeten uns bewußt sind,
daß die heute abzuschreckenden Bedrohungen zweifelsohne geringer und weiter entfernt sind als zu der
Zeit, in der wir uns Dutzenden von sowjetischen Divisionen im Herzen Europas gegenübersahen, ist das
derzeitige Sicherheitsumfeld nicht frei von Gefahren.
Es ist uns allen gedient, wenn wir diese uns alle
betreffenden Gefahren gemeinsam bewältigen, so wie
wir uns der größeren Gefahr in der Vergangenheit aus
denselben Gründen gestellt haben. Die Alternative
wären individuelle Bestrebungen, die vielleicht unwirksam wären, mehr kosten und sogar zu Wettbewerb
unter ehemaligen Verbündeten führen könnten.
Die amerikanische Führungsrolle ist immer noch ein
unabdingbarer Faktor für den Zusammenhalt einer
starken Struktur des Bündnisses. Und das Schlüsselelement, das diese Struktur zusammenhält, sind immer
noch die vornestationierten amerikanischen Streitkräfte in Europa. Bedauerlicherweise sehen einige besonders in diesem Land - die amerikanische Militär-

AMERIKA DIENST 24

�macht als Gerüst, das nun, da die Struktur vollendet
ist, problemlos abgebaut werden kann. Das ist natürlich eine bloße Annahme. Wie jeder, derein altes Haus
renoviert hat, weiß, muß man, bevor man eine Wand
einreißt, sicherstellen, daß es keine "tragende Wand"
ist. Wie "tragend" sind unsere vornestationierten Streitkräfte in Europa? Ich kann es nicht mit Sicherheit
sagen, und es verblüfft mich, wenn Leute im Brustton
der Überzeugung behaupten, der Abzug unserer Streitkräfte aus Europa sei kein Problem. Vielleicht denken
sie, die Bewahrung regionalen Friedens sei eine einfachere Angelegenheit als der Umbau eines Hauses.
Die amerikanische Führungsfähigkeit bei der Bewahrung des Schwerpunkts kollektiver Aktionen ergibt sich
aus den über vier Jahrzehnte hinweg entwickelten
soliden und stetigen Arbeitsbeziehungen mit unseren
Verbündeten. Ein Schlüsselelement dieser Beziehungen ist das Muster der routinemäßigen Zusammenarbeit, das mit der Beibehaltung einer amerikanischen
Kampftruppe in Europa einhergeht, die zu Ausbildungs- und Übungsaktivitäten mit ihren europäischen
Partnern in der Lage ist. Dasselbe gilt für die Gelder,
die von den Vereinigten Staaten in verschiedene Infrastrukturprojekte der NATO in ganz Europa investiert
wurden. General Galvin hat meines Wissens mehr
Stunden als irgendjemand anders mit Versuchen verbracht, den Kongreß von der Klugheit dieser Investitionen zu überzeugen. Glücklicherweise mußten wir
diese Einrichtungen niemals in einem Krieg gegen den
Warschauer Pakt einsetzen, aber sie waren vorhanden, als wir sie während des jüngsten Golfkriegs
benötigten. Ohne Zugang zu von unseren Verbündeten - bisweilen kurzfristig - bereitgestellten Einrichtungen in Portugal, Spanien, Deutschland, Italien, Großbritannien, Frankreich, Griechenland und der Türkei
wäre es erheblich schwieriger gewesen, Truppen an
den Persischen Golf zu verlegen und dort effektiv zu
operieren.
Bündnisbeziehungen und Bündnisstrukturen werden
unabhängig davon, ob wir als offizielles Bündnis handeln oder nicht, nach wie vor wichtig für unsere Fähigkeit sein, mit Bedrohungen an Orten wie dem Persischen Golf umzugehen. Man braucht jedoch nicht
über Europa hinauszugehen, um potentielle Gefahren
zu erkennen, und damit komme ich zu dem zweiten
Grund, aus dem wir die NATO nach wie vor benötigen,
nämlich, um die Stabilität in Europa zu unterstützen,
die unerläßlich ist, wenn die jungen Demokratien des
ehemaligen Warschauer Pakts bei ihrem Kampf erfolgreich sein wollen, Demokratie und Unabhängigkeit
eine solide Grundlage zu verschaffen. Westeuropa
erscheint heute stabiler und sicherer als in den vergangenen Jahrhunderten, aber das gilt nicht für Europa als
Ganzes. Und bevor nicht Europa als Ganzes sicher ist,
wird selbst die Sicherheit Westeuropas fraglich bleiben. Die NATO muß weiterhin eine wichtige Rolle
spielen, um zu gewährleisten, daß die Bedrohungen
für die europäische Sicherheit auf ein Mindestmaß

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beschränkt bleiben oder, besser noch, gar nicht erst in
Erscheinung treten.
Dies ist eindeutig die Botschaft, die wir von unseren
Freunden in Mittel- und Osteuropa vernehmen, die
darauf zählen, daß die NATO eine solche Rolle spielt.
Es ist erstaunlich, daß einige der nachdrücklichsten
Befürworter der anhaltenden Existenzberechtigung der
NATO und der Bedeutung amerikanischer Truppen in
Europa die neuen demokratischen Entscheidungsträger wie Vaclav Havel und Lech Walesa sind. S-*hat
Präsident Havel erklärt: "Die Instabilität in der ehemaligen UdSSR, in den baltischen Republiken, und insbesondere die Instabilität am Golf zeigt, daß wir nicht nur
an die in weiter Ferne liegende Zukunft denken und
von paneuropäischen Sicherheitsstrukturen träumen
können. Natürlich sollten und müssen wir dies tun,
aber wir können uns nicht darauf beschränken, und wir
müssen darüber hinaus die spezielle und aktuelle
Sicherheitslage bedenken. Diese Lage... verdeutlicht
und verstärkt Argumente für die engere Zusammenarbeit mit der NATO." Selbst in Rußland äußern viele
Demokraten die Ansicht, daß die NATO - die neue und
umgestaltete NATO - für die Stabilität Europas unabdingbar ist.
Wir begrüßen die Entwicklung anderer Institutionen
wie der KSZE als Instrument zur Beilegung von Konflikten, der WEU als Mittel für unsere europäischen
Verbündeten, ihren Eigenbeitrag zur gemeinsamen
Verteidigung zu stärken, des Nordatlantischen Kooperationsrats (NAKR) der NATO als Mittel, mit dem
unsere ehemaligen Gegner an der NATO teilhaben
können. Aber diese ergänzenden Institutionen werden
ihre Aufgaben nur dann wirksam erfüllen, wenn daneben als Kernstück eine starke NATO besteht, so daß
sie mit der Autorität und Macht dieser außergewöhnlichen Allianz sprechen und handeln können.
Aus diesem Grund hoffen und erwarten wir, daß sich
diese anderen europäischen Institutionen im Einklang
mit den in Rom verabschiedeten und unlängst bei den
Frühjahrstagungen 1992 bekräftigten Vereinbarungen
der NATO entwickeln werden. Wir hoffen darüber
hinaus, daß solche Arrangements auch im Einklang
mit den von den Europäern selbst beim EG-Gipfel in
Maastricht getroffenen Vereinbarungen Gestalt annehmen werden, die WEU als Verteidigungskomponente der Europäischen Union zu entwickeln, um
damit Europa, das Bündnis und die Sicherheit auf dem
gesamten Kontinent zu stärken. Aus diesem Grund
sind wir sehr darum bemüht sicherzustellen, daß das
neu gegründete deutsch-französische Korps die Integrität und Effektivität des Bündnisses letztlich stärkt und nicht schwächt.
Dies bedeutet insbesondere, daß wir einige ernste
Fragen über die vorrangige Unterstellung von Einheiten sowie die Verfahren stellen, mit denen sie dem
Kommando der NATO unterstellt werden.

Seite 3

�Wenn wir das sichere Umfeld bereitstellen können, in
dem sich die neuen Demokratien etablieren und gedeihen können, werden wir die Tür zu einer noch hoffnungsvolleren Zukunft aufstoßen. Wir können über
die Bewältigung der verbleibenden Bedrohungen und
Antagonismen in Europa hinausgehen, um heute aus
ehemaligen Gegnern Sicherheitspartner zu machen.
Dazu wird hoffentlich als wichtigstes Element ein
demokratisches Rußland gehören. Eine solche Leistung würde die demokratische "Friedenszone" auf
ganz Europa und darüber hinaus ausdehnen. Und
dies wird es uns gestatten zusammenzuarbeiten, um
die ganze Welt zu einem sichereren und friedlicheren
Ort zu machen.
Wir unternehmen bereits erste Schritte, um mit Rußland, der Ukraine und den anderen ehemaligen Sowjetrepubliken sowie den Ländern Ost- und Mitteleuropas an der Schaffung einer Sicherheitsgemeinschaft
zu arbeiten, die alle demokratischen Länder bei der
Bewahrung einer friedlichen Ordnung vereint, in der
alle zu Wohlstand gelangen können. Indem wir diese
Schritte unternehmen, können wir ein Element der
Sicherheit bereitstellen, das Ru ßland und den anderen
neuen Demokratien verdeutlicht, daß es sicher ist,
Ressourcen auf den Aufbau der Demokratie und freier
Märkte zu lenken anstatt Panzer und Raketen zu
bauen.
Einer der wichtigsten neuen Wege, mit denen die
NATO ihrer Mission gerecht wird, ist die Erarbeitung
von Möglichkeiten, um mit den neuen Demokratien
gemeinsam die Neufassung ihrer Einsatzkonzepte in
Angriff zu nehmen. So kann die NATO durch Kontakte
zwischen den Militärs eine exzellente Informationsquelle sein, um den Staaten des ehemaligen Warschauer Pakts dabei zu helfen, die offensive Militärdoktrin zu einer defensiven Doktrin zu verändern. Bei
dieser Umgestaltung geht es ebenso darum, Gesellschaften vom Militarismus der Vergangenheit abzuwenden wie darum, sie zu demokratischen Werten und
freien Märkten hinzuführen. Je mehr Vertrauen diese
Staaten in ihre eigene Sicherheit haben, desto mehr
werden sie tun, um knappe Ressourcen auf die Schaf-

fung von Demokratie und freien Märkten zu konzentrieren. Dieses Ziel ist von äußerster Bedeutung für die
einzelnen Länder, für Europa als Ganzes und für die
Vereinigten Staaten.
Die NATO hat sich in diesen Prozeß auch durch die
Veränderungen eingeschaltet, die wir bei unserer eigenen Doktrin, Strategie und unserem Einsatzkonzept
vornehmen. In der Tat gibt es zahlreiche Indizien, die
beweisen, daß der Wandel der NATO im Hinblick auf
ihre strategische Orientierung grundsätzlich positive
Auswirkungen auf die Entwicklungen in der damaligen
Sowjetunion hatte. Die erfreulichste Bestätigung hierfür wurde mir bei einer kürzlichen Reise nach Moskau
zuteil, als mir ein demokratisch eingestellter Offizier
mitteilte, daß die Strategieänderungen der NATO beim
Londoner Gipfel für ihn und seine Kameraden äußerst
hilfreich gewesen seien, um die Offiziersversammlung
in Moskau im vergangenen Januar zu veranlassen,
einen gemäßigten Kurs einzuschlagen und eine Konfrontation mit der neuen demokratischen Führung
Rußlands zu vermeiden.
Der Weg zum Erfolg ist noch mit zahlreichen Fallstrikken versehen. Innenpolitisch können die wirtschaftlichen Reformprozesse äußerst schmerzhaft sein, und
die jungen demokratischen Institutionen sind noch
schwach. Darüber hinaus bestehen innerhalb der
Länder wie zwischen ihnen zahlreiche ethnische und
nationale Probleme, die spontan aufflammen oder von
Altkommunisten und extremen Nationalisten ausgenutzt werden könnten, um die demokratische Legitimität zu untergraben.
Wenn - wie Verteidigungsminister Cheney vor dem
Kongreß erklärte -, die Demokratie trotzdem in diesen
Staaten im Lauf der Zeit an Reife gewinnt, besteht jede
Möglichkeit, daß sie nicht nur in Europa, sondern auch
in anderen entscheidenden Regionen eine Kraft für
den Frieden werden. Wir können uns in der Tat sehr
gut vorstellen, daß wir in Krisen wie den Operationen
WüstenschildAMistensturm von Rußland oder anderen Staaten der ehemaligen Sowjetunion in 10 Jahren
nicht nur politische, sondern auch militärische Unterstützung erhalten.

* * * *

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*

AMERIKA DIENST 24

�ATOMTESTS
17. Juni 1992

ATOMTESTS: WARUM SIE WEITERHIN
ERFORDERLICH SIND
Weißbuch des US-Verteidigungsministeriums
WASHINGTON - (AD) - Die Zusammenfassung und das Weißbuch über Atomtests, die wir nachfolgend im
Wortlaut veröffentlichen, wurden kürzlich vom amerikanischen Verteidigungsministerium herausgegeben.

Die jüngsten Ereignisse werden in den kommenden
Jahren eine drastische Reduzierung der Anzahl amerikanischer Kernwaffen zur Folge haben. Einige haben
die Frage gestellt, ob die Vereinigten Staaten deshalb
ihre unterirdischen Atomtests einstellen können. Tatsache ist jedoch, daß die Vereinigten Staaten ihre
Kernwaffenversuche nicht einstellen können, ohne ihr
strategisches Abschreckungspotential zu gefährden.
Dies läßt sich anhand folgender Punkte erklären:
Die Vereinigten Staaten führen Atomtests aus folgenden technischen Gründen durch:
Sicherheit - Verbesserte Sicherheitsvorrichtungen für
Kernwaffen werden weiterhin erprobt. Diese Versuche sind unerläßlich, um sicherheitstechnische Verbesserungen bei Kernwaffen vorzunehmen. Unabhängige Untersuchungen wissenschaftlicher Gremien
haben die Vereinigten Staaten dazu aufgefordert, ihre
Bemühungen zur Verbesserung der Sicherheit fortzuführen.
Zuverlässigkeit - Jeweils eines von drei seit 1958
eingeführten Konstruktionsmustern erforderte Kernwaffenversuche, um nach Stationierung dieser Waffen
entstandene Probleme zu beheben. Die Zuverlässigkeit des nuklearen Arsenals würde ohne stetige Atomtests mit der Zeit abnehmen.
Überlebensfähigkeit - Atomtests sind unabdingbar,
um die Haltbarkeit militärischer Systeme zu entwickeln
und verifizieren, die in einem nuklearen Umfeld operieren müssen.
Nukleare Abschreckung wird ein Schlüsselelement der Verteidigungsstrategie sowie die grundlegendste Voraussetzung der nationalen Sicherheit bleiben. Solange wir uns zur Abschreckung
auf Kernwaffen stützen, werden wir diese erproben müssen. Die Vereinigten Staaten führen

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diese Tests in umweltverträglicher Art und Weise
sowie im Einklang mit allen bestehenden internationalen Abkommen durch.
Einige behaupten, ein umfassendes Atomtestverbot werde den "Rüstungswettlauf beenden".
Die Ereignisse der vergangenen Jahre strafen
diese Behauptung jedoch Lügen, denn die Fortschritte in der sowjetisch-amerikanischen Rüstungskontrolle sowie jüngste amerikanische
Initiativen und russische Reaktionen zeigen,
daß die Einstellung von Atomtests nicht erforderlich ist, um stabilisierende Abrüstungsmaßnahmen zu erzielen.
Enthüllungen im Hinblick auf das irakische
Nuklearprogramm zeigen eindeutig, daß Atomtests für die Entwicklung einer Kernwaffe nicht
erforderlich sind. Behauptungen, die unser
Testprogramm mit der Weiterverbreitung von
Kernwaffen in Verbindung bringen, werden
ebenfalls nicht den Tatsachen gerecht. Die
Atomtests der Vereinigten Staaten hatten keinen erkennbaren Einfluß auf Länder, die zur
Beschaffung eigener Kernwaffen entschlossen
waren.
Ein wesentlich reduzierter Bestand beseitigt
nicht die Notwendigkeit von Versuchen. Die
Vereinigten Staaten haben das Ausmaß ihrer
Kernwaffenversuche - mit Ausnahme des Moratoriums von 1958 bis 1961 - auf den niedrigsten
Stand seit den frühen fünfziger Jahren verringert, und die Vereinigten Staaten müssen ein
bescheidenes aber effektives Programm aufrechterhalten.
Eine Einstellung der Atomtests würde weder
Kernwaffen beseitigen, noch die internationale
Sicherheit erhöhen. Sie würde aber das Ver-

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�trauen der Vereinigten Staaten in ihr verbleibendes nukleares Abschreckungspotential untergraben und ernsthaft ihre Fähigkeit beschneiden, Verbesserungen der nuklearen Sicherheit
vorzunehmen.
Weißbuch über Atomversuche
Die jüngsten Ereignisse werden in den nächsten Jahren einen drastischen Abbau der Zahl amerikanischer
Kernwaffen zur Folge haben. Einige haben die Frage
gestellt, ob die Vereinigten Staaten deshalb ihre unterirdischen Atomtests einstellen können. Tatsache ist
jedoch, daß die Vereinigten Staaten ihre Kernwaffenversuche nicht einstellen können, ohne ihr strategisches Abschreckungspotential zu gefährden.
Infolge der Rüstungskontrollabkommen mit der ehemaligen Sowjetunion sowie einseitiger Maßnahmen
der Vereinigten Staaten und Rußlands wird der Gesamtumfang des strategischen und taktischen Kernwaffenarsenals erheblich schrumpfen. Trotzdem wird
die strategische nukleare Abschreckung ein Schlüsselelement der neuen Verteidigungsstrategie sowie die
grundlegendste Voraussetzung der nationalen Sicherheit bleiben. Solange wir uns zur Abschreckung auf
Kernwaffen stützen, werden wir diese erproben müssen.
Es ist absolut unerläßlich, daß unsere verbleibenden
Bestände durch moderne Forschung, Entwicklung und
Erprobung angemessen unterstützt werden. Die wissenschaftliche Grundlage, die Atomtests erforderlich
macht, kommt in Sicherheit, Zuverlässigkeit und
Überlebensfähigkeit unserer konventionellen und
nuklearen Streitkräfte zum Ausdruck.
Sicherheit
Die Kernwaffen der Vereinigten Staaten sind sicher,
aber neue Technologien, wie etwa zündunempfindliche Explosivstoffe, sind verfügbar geworden, um sie
noch sicherer zu machen. In den vergangenen 40
Jahren hat es mehrere Unfälle mit Kernwaffen gegeben. Sie reichten ihrer Schwere nach von solchen, die
nicht zur Freisetzung von Radioaktivität führten (wie
auf dem Titan-Raketenstützpunkt in Damascus, Arkansas), bis zu einigen wenigen, bei denen die Explosivstoffe in den Waffen zündeten und Radioaktivität
freigesetzt wurde (eine Kemwaffenexplosion fand jedoch
niemals statt). Unser Bewußtsein für die von der
Freisetzung gefährlicher Stoffe ausgehenden Gefahren für die Umwelt ist heute wesentlich stärker als auf
dem Höhepunkt des Kalten Krieges. Obwohl die
Bilanz der amerikanischen Streitkräfte bei der Vermeidung einer nuklearen Katastrophe in den vergangenen
40 Jahren beispielhaft war, können und sollten wir
mehr tun, um unsere Bevölkerung und unsere Umwelt
zu schützen.
Erstaunlicherweise argumentieren einige Befürworter
eines Atomteststopps, die vorhandenen Bestände seien
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"sicher genug". Eine alternative, verantwortungsbewußte Perspektive wurde in einer Untersuchung präsentiert, die unlängst von einem vom Kongreß eingesetzten unabhängigen Gremium (unter dem Vorsitz
von Sidney Drell) durchgeführt wurde. Das Gremium
empfahl den Vereinigten Staaten, ein neues Gleichgewicht zwischen "den erwünschten militärischen Merkmalen (von Kernwaffen) und den Erfordernissen verbesserter Sicherheit" herzustellen. Um dies zu tun,
sollten die Vereinigten Staaten solchen Konstruktionsmustern den Vorzug geben, die Kernwaffen "so sicher
wie praktisch möglich" machen würden. Wir wissen,
wie solche Konstruktionsmuster entwickelt werden
können. Dies zu tun, erfordert jedoch Atomtests.
Zu diesen sicherheitstechnischen Verbesserungen
gehört der Einsatz von "zündunempfindlichen Explosivstoffen" (insensitive high explosives). Dies sind
Explosivstoffe, die bei der Mehrzahl möglicher schwerer Unfälle praktisch nicht gezündet werden können.
Andere sicherheitstechnische Verbesserungen betreffen elektrische Systeme, die eine verbesserte Zündsicherheit nuklearer Gefechtsköpfe bereitstellen. Solche elektrischen Systeme würden zum Beispiel eine
Waffe vor den Auswirkungen elektrischer Streusignale
wie etwa bei Blitzschlag schützen. Wissenschaftler
der National Laboratories des Energieministeriums
haben phantasievolle Möglichkeiten entwickelt, um
diese Sicherheitsvorrichtungen in bereits existierende
Kernwaffen einzubauen. Diese Waffen werden so
ausgelegt, daß eine Freisetzung nuklearen Materials
bei unbeabsichtigter Zündung praktisch ausgeschlossen ist. Ein erheblicher Teil der in den vergangenen
Jahren durchgeführten Atomtests galt hauptsächlich
der Erprobung dieser neuen Sicherheitsvorkehrungen. Mehrere Tests des kommenden Jahres werden
ebenfalls vorrangig der Erprobung sicherheitstechnischer Vorrichtungen dienen. Diese Konstruktionsmuster werden darüber hinaus umfangreiche Tests erfordern, bevor sie bestehende Gefechtsköpfe ablösen
können. Das Drell-Gremium und andere Ausschüsse,
die sich mit der Frage der Sicherheit von Kernwaffen
beschäftigten, haben die Notwendigkeit von Atomtests zur Verbesserung der Sicherheit existierender
Bestände verstanden.
Großes Vertrauen in diese verbesserten Sicherheitsvorrichtungen kann ohne ein verantwortungsbewußtes Testprogramm nicht entstehen. Die Entwicklung
zündunempfindlicher Sprengstoffe für unsere Kernwaffen erforderte über die gesamten siebziger Jahre
hinweg eine erhebliche Anzahl von Tests. Ebenso
befindet sich seit Jahren ein Gefechtskopf in der
Entwicklung, der der Hitze eines Feuers in einem
Flugzeug widerstehen kann, ohne Plutoniumdämpfe
freizusetzen. Mehrere Atomtests waren erforderlich,
um die Entwicklung so weit voranzutreiben, daß besonders ausgelegte Kernwaffen heute Feuerschutz
für bestimmte Unfallszenarien haben. Weitere Versuche werden notwendig sein, um diese Entwicklung

AMERIKA DIENST 24

�abzuschließen, damit alle Kernwaffentypen erfaßt und
noch größerer Feuerschutz gewährleistet wird.
Zuverlässigkeit
Der Kongreß und andere Organisationen haben das
Verteidigungsministerium aufgefordert, eine ausreichende Zahl von Versuchen mit konventionellen Waffensystemen durchzuführen, um deren einigermaßene Zuverlässigkeit sicherzustellen. Atomtests sind
also auch für die Zuverlässigkeit von Kernwaffen
unabdingbar. Obwohl sie zu den komplexesten Waffen im amerikanischen Arsenal zählen, werden Kernwaffen nur einen Bruchteil so ausgiebig erprobt wie
andere von unseren Streitkräften eingeführte Waffensysteme.
Seit 1958 haben die Vereinigten Staaten 41 verschiedene Kernwaffensysteme stationiert. Von diesen
benötigten 14 Kernwaffensysteme nach ihrer Stationierung oder bei Erlangung der Stationierungsreife
korrektive Modifikationen, weil Mängel entweder entdeckt wurden oder bei der Auswertung von Atomtests
zutage tragen. So wurde zum Beispiel nach der
Produktionsaufnahme eines Gefechtskopfs ein letzter
Test im extremen Tieftemperaturbereich dieses Gefechtskopfs durchgeführt. Der für den luftgestützten
Marschflugkörper entwickelte Gefechtskopf war Mitte
der achtziger Jahre zur Stationierung vorgesehen. Die
Testergebnisse waren eine große Überraschung. Der
Gefechtskopf explodierte mit nur einem Bruchteil seiner Sprengkraft. Die Waffe war in nichtnuklearen
hydrodynamischen Tests umfassend erprobt worden,
selbst im extremen Niedrigtemperaturbereich, ohne
Anzeichen von Problemen. Eine Konstruktionsveränderung zu einem sehr viel konservativeren System
wurde an dem Gefechtskopf vorgenommen, und ein
Jahr später wurde er erfolgreich erprobt.
Der nukleare Gefechtskopf für die Sergeant-Rakete
der US-Armee wurde während des Testmoratoriums
von 1958 bis 1961 entworfen, und daher basiert seine
Konstruktion auf nichtnuklearen hydrodynamischen
Tests und computergestützten Konstruktionsberechnungen. Sie wurde im April 1962 erstmals stationiert.
Weil sich die Konstruktion des Gefechstkopfs auf
einen zuvor erfolgreich erprobten Gefechtskopf stützte, herrschte großes Vertrauen, daß der SergeantGefechtskopf erwartungsgemäß funktionieren würde.
Als der Gefechtskopf schließlich erprobt wurde, setzte
er nur einen so geringen Teil seiner erwarteten Sprengkraft frei, daß er militärisch gesehen unwirksam war.
Den Wissenschaftler gelang es, den Konstruktionsfehler zu beheben und einen neu entworfenen (und
erfolgreichen) Gefechtskopf binnen drei Monaten nach
dem Atomtest zu erproben, der das Problem aufgedeckt hatte. Dieses Beispiel veranschaulicht deutlich
die Grenzen und Gefahren modifizierter Gefechtskopfkonstruktionen, die sich ausschließlich auf nichtnukleare Erprobungen und Computerberechnungen
stützen.

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Bestimmte Nuklearwaffen werden in regelmäßigen
Abständen zur Überprüfung aus den Arsenalen abgezogen. Eine unerwartete Verschlechterung bestimmter Komponenten eines Gefechtskopfs oder unvorhergesehene Bedingung, denen der Gefechtskopf ausgesetzt gewesen sein könnte, können unterschiedliche
Unsicherheitsfaktoren über die Leistung des Gefechtskopfs bewirken. Bei der ballistischen Rakete für das
Polaris-Unterseeboot wurde beispielweise festgestellt,
daß der Gefechtskopf einige Jahre nach ihrer Stationierung anfing zu rosten. Ein Atomtest des PolarisGefechtskopfs ergab, daß die Korrosion die Wirkung
des Gefechtskopfs ernsthaft beeinträchtigte. Dieser
Defekt hätte, wenn er nicht behoben worden wäre,
einen Großteil unserer seegestützten ballistischen
Raketen inoperabel gemacht. Ein neuer Gefechtskopf
wurde entworfen, um das Korrosionsproblem zu beheben. Er wurde erfolgreich erprobt, und die bereits
stationierten fehlerhaften Gefechtsköpfe wurden durch
modifizierte Gefechtsköpfe ersetzt.
Probleme mit ähnlich schwerwiegenden Konsequenzen ergaben sich bei Waffensystemen unserer gesamten strategischen Triade und unseren taktischen
Nuklearsystemen. Die Gefechtsköpfe für die Minuteman-Rakete, die ballistische Rakete für das Polaris-UBoot, weitere Raketen der US-Marine außer der Polaris sowie von B-52-Bombem und Kampfbombern getragene Bomben wiesen gravierende Mängel auf, die
durch Atomtests aufgedeckt wurden, nachdem diese
Raketen von unseren Streitkräften stationiert worden
waren. Diese Probleme traten auch in jüngster Zeit
auf, nicht nur in den Frühstadien unseres AtomwaffenEntwicklungsprogramms. Wenn eine Zuverlässigkeitsprüfung der Arsenale vor einigen Jahren schwerwiegende Mängel bei unseren strategischen Nuklearsystemen ergab, hätte es sich bei der betroffenen
Waffe um eine von sechs oder vielleicht acht Waffen
gehandelt. Bei einer sehr viel kleineren, auf weniger
Typen von Gefechtsköpfen gegründeten Nuklearstreitmacht könnten solche Fehler nur bei einer von zwei
oder drei Waffen auftreten. In Anbetracht unseres
Vertrauens in die Aufrechterhaltung einer glaubwürdigen nuklearen Abschreckung auf der Grundlage so
weniger unabhängiger Waffen kommt der Notwendigkeit, die Zuverlässigkeit unserer NuklearwaffensySterne im Auge zu behalten, größere Bedeutung zu als
bisher.
Die meisten Fortschritte, die wir bei der Entwicklung
von Atomsprengköpfen erzielt haben, sind eine direkte
Folge der Atomtests. Vor kurzem legten auf neu
entwickelte hydrodynamische Computercodes gestützte Berechnungen die Vermutung nahe, daß mehrere
aktiv stationierte Nuklearwaffen ihre operativen und
Sicherheitsanforderungen nicht erfüllten. Es war
unmöglich, die Genauigkeit der neuen Berechnungen
ohne die Durchführung von Atomtests zu bestimmen,
die die berechneten Mängel aussonderten. Nachfolgende Atomtests bestätigten die grundsätzliche Rich-

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�tigkeit der neuen Computercodes und ergaben Daten,
die unseren Konstruktionsfähigkeiten neue Grenzen
setzten. Trotz dieser großen Vorteile bei der Entwicklung genauerer Computercodes ist der Entwurf von
Atomwaffen nach wie vor eine Art Kunst. Selbst beim
Einsatz der neuesten und modernsten jetzt zur Verfügung stehenden Codes erfordert es Jahre und mehrere Atomtests, damit ein Nuklearwaffenkonstrukteurdie
Grenzen der physikalischen und computergestützten
Konstruktion einschätzen kann, um die Leistung eines
thermonuklearen Geräts berechnen zu können. Unsere Erfahrungen mit der Stationierung von Nuklearsprengköpfen belegen hinreichend, daß Computerberechnungen kaum ein Ersatz für einen Atomtest zur
Bestätigung des richtigen Entwurfs eines Gefechtskopfs sind. Diese Tests bieten uns das einzige verfügbare Mittel, um sicherzustellen, daß das Arsenal noch
zuverlässig ist.
Überlebensfähigkeit und Effektivität unserer
Streitkräfte
Wenn Abschreckung funktionieren soll, dürfen die USStreitkräfte kein leichtes Ziel bei einem Präventivangriff in einer Krise sein. Unsere Vergeltungsstreitkräfte
sowie die Warnsensoren und Führungssysteme, die
sie in Bereitschaft versetzen und ihnen Anweisungen
geben, müssen zur Durchführung entscheidender
Funktionen in der Lage sein, während sie atomaren
Auswirkungen ausgesetzt sind und danach. Der Wert
unserer Abschreckung hängt in hohem Maße von
unserem Vertrauen ab, daß die militärischen Systeme
ihrem Entwurf entsprechend operieren - ein Vertrauen,
dessen sich jeder potentielle Gegner bewußt sein
muß. Atomtests sind der einzige Weg sicherzustellen,
daß ein solches Vertrauen erlangt werden kann.
Veränderungen der bestehenden Verteidigungssysteme wie etwa Modernisierung der Lenksysteme, Sicherheitsmodifizierungen, neue Zünder usw. müssen
geprüft werden um zu gewährleisten, daß sie die Überlebensfähigleit der Systeme nicht beeinträchtigen.
Die Erfahrungen bei der Erprobung strategischer
Raketensysteme waren außerordentlich ernüchternd.
Im Hinblick auf das Überleben atomarer Auswirkungen
wurden möglicherweise tödliche Konstruktionsmängel
bei verschiedenen entscheidenden Komponenten wie
etwa Antennenfenstern, Hitzeschilden und der Elektronik von Lenksystemen bei der Erprobung der Minuteman II und III, der Poseidon, Peacekeepper sowie
der Trident I und II entdeckt. Trotz umfangreicher
überirdischer Erprobung und Analyse wurden diese
Mängel für gewöhnlich nicht aufgedeckt, bis das vollständig integrierte System einem unterirdischen Atomtest unterzogen wurde. Es besteht Grund zu der
Annahme, daß diese Erfahrungen mit strategischen
Raketen auf andere Klassen von Waffensysiemen
anwendbar sind.

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Die derzeitge Konzentration auf defensive Waffen wie
antiballistische Gefechtsfeldwaffen stellen eine große
Herausforderung für die Überlebensfähigkeit dar.
Defensive Systeme stützen sich auf weit verbreitete
und in hohem Maße miteinander verbundene Elemente, von denen jedes in einem atomar gestörten Umfeld
ohne Unterbrechung funktionieren muß. Bei zahlreichen defensiven Systemen müssen atomare Härtenormen noch geprüft werden, insbesondere bei weltraumgestützten Sensoren und Kommunikationssatelliten. Aus diesem Grund muß die Erprobung der
nuklearen Überlebensfähigkeit weiterhin die Haltbarkeit dieser Verteidigungssysteme bestätigen.
Obwohl nach wie vor Fortschritte bei der Entwicklung
von Simulatoren erzielt werden, die in der Lage sind,
ein nukleares Umfeld zu reproduzieren, werden sie
den gegenwärtigen und zukünftigen Testanforderungen bei weitem nicht gerecht. Zu der durch Atomtests
erzielten Röntgenerprobung der Härte gibt es derzeit
weder eine Simulationsalternative, noch kann man
eine solche Fähigkeit in den nächsten 10 oder 20
Jahren erwarten.
Erprobung und Verbreitung
Seit langem wird das Argument vorgebracht, daß ein
umfassendes Testverbot "den Rüstungswettlauf beendet". Die Ereignisse der vergangenen zwei Jahre
strafen eine solche Behauptung Lügen, denn die Fortschritte bei der amerikanisch-sowjetischen Rüstungskontrolle belegen, daß weitere Begrenzungen von
Atomtests nicht erforderlich sind, um stabilisierende
Rüstungsreduzierungen zu erreichen. Eine ähnliche
Annahme, die unser Testprogrmam mit der atomaren
Verbreitung in Verbindung bringt, hält ebenfalls einer
Analyse der aktuellen Ereignisse nicht stand. Zusätzliche Länder sind im vergangenen Jahr dem Nichtverbreitungsvertrag beigetreten (oder haben ihre Absicht
dazu bekundet), und Enthüllungen über das irakische
Programm haben erneut bewiesen, daß die Erprobung
zur Entwicklung einer grundlegenden Nuklearwaffenfähigkeit nicht erforderlich ist. Kann irgendein Zweifel
daran bestehen, daß Saddam Hussein sein Nuklearwaffenprogramm verfolgt hätte, selbst wenn die Vereinigten Staaten ihre Atomtests eingestellt hätten?
Die Initiative des Präsidenten vom 27. September
1991 und sein Bericht zur Lage der Nation vom Januar
1992 werden unser Nukleararsenal drastisch reduzieren. Die von den Vereinigten Staaten geforderte
Anzahl von Atomtests bezieht sich jedoch nicht direkt
auf den Umfang der Arsenale. Ein stark reduzierter
Bestand hebt die Notwendigkeit der Erprobung nicht
auf. Obwohl die Vereinigten Staaten ihre Atomtests
seit Anfang der fünfziger Jahre auf das niedrigste
Niveau zurückgeschraubt haben - mit Ausnahme des
Testmoratoriums on 1958 bis 1961 - müssen sie
weiterhin ein bescheidenes aber effektives Programm

AMERIKA DIENST 24

�aufrechterhalten, mit dem sie nur das für nationale
Sicherheitserfordernisse Notwendige erproben. Der
Argumentation dieses Papiers folgend sind Atomtests
zur Sicherstellung der Zuverlässigkeit und Wirksamkeit unserer Waffen unabdingbar. Ein Verbot von
Atomtests würde weder Nuklearwaffen beseitigen noch

würde die internationale Sicherheit verbessert, aber es
würde das amerikanische Vertrauen in unsere verbleibende atomare Abschreckung untergraben und unsere Fähigkeit zu Verbesserungen der nuklearen Sicherheit drastisch einschränken.

* * * *

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�KONGRESS
17. JunM992

NÄCHSTER PRÄSIDENT KÖNNTE VOM KONGRESS
BESTIMMT WERDEN
Perot-Kandidatur könnte allgemeine Wahl kompliziert gestalten
WASHINGTON - (AD) - Obwohl die Aussichten gering
sind und ein solches Verfahren seit 1824 nicht mehr
angewandt werden mu ßte, besteht in diesem Wahljahr
die Möglichkeit, daß das amerikanische Repräsentantenhaus anstelle des amerikanischen Volkes den
nächsten Präsidenten der Vereinigten Staaten bestimmen könnte.
Der Unsicherheitsfaktor besteht dieses Mal in der
erwarteten unabhängigen Kandidatur des texanischen
Milliardärs Ross Perot, der seine Bewerbung zwar
noch bekanntgeben muß, dessen enthusiastische
Anhänger sich jedoch bereits bemüht haben, seinen
Namen auf den Stimmzetteln der Bundesstaaten in
den gesamten Vereinigten Staaten zu plazieren.
Nationale Meinungsumfragen sehen ihn praktisch
gleichauf mit Präsident Bush und dem Gouverneurvon
Arkansas, Bill Clinton, den voraussichtlichen Kandidaten der Republikaner und Demokraten.
Damit dieses Szenarium eintritt, müßte Perot in genügend Bundesstaaten die Wahl gewinnen, um somit die
Mehrheit eines der beiden Kandidaten von den großen
Parteien im Wahlmännergremium zu verhindern.
Wenn die amerikanischen Wähler am 3. November zu
den Wahlurnen gehen, wählen sie zwar einen Präsidentschaftskandidaten, geben jedoch de facto ihre
Stimmen für eine Liste von Wahlmännem ab, die am
14. Dezember an der Versammlung des "Electoral
College" teilnehmen werden. Wie von der US-Verfassung vorgesehen und im 12. und 23. Verfassungszusatz modifiziert, besteht das Wahlmännergremium
aus 538 Mitgliedern, eines für jeden Senator und jedes
Mitglied des Repräsentantenhauses sowie drei als
Vertreter des District of Columbia.
Die Wahlmännerdelegation jedes Bundesstaats hängt
von der Anzahl seiner Vertreter im Kongreß ab und
verändert sich mit dieser Anzahl entsprechend. Infolge der Neufestlegung von Wahlkreisen nach der Volkszählung 1990 wird Kalifornien als bevölkerungsreichster Bundesstaat 54 Wahlmännerstimmen haben,
während die fünf bevölkerungsärmsten BundesstaaAMERIKA DIENST 24

ten, die jeweils nur einen Vertreter im Repräsentantenhaus haben, wie der District of Columbia jeweils nur
drei Stimmen haben. Die in jedem Bundesstaat ausgewählten Wahlmänner sind für gewöhnlich prominente Politiker des Bundesstaates oder von Gemeinden
sowie Aktivisten der Parteien.
Der 12. Verfassungszusatz schreibt vor, daß Kandidaten für die Ämter des Präsidenten oder Vizepräsidenten zur Wahl eine Mehrheit der Wahlmännerstimmen
(270 von 538) auf sich vereinigen müssen. Die Wahlmänner treten zusammen, um die Wahl des Volkes in
ihren jeweiligen Staaten zu bekräftigen. Nach dieser
Versammlung werden die Stimmzettel der Wahlmänner geöffnet und in einer gemeinsamen Sitzung des
Kongresses am 6. Januar 1993 ausgezählt. Kandidaten für die Ämter des Präsidenten und Vizepräsidenten, die mindestens 270 Wahlmännerstimmen erhalten, werden dann offiziell für gewählt erklärt.
Dieses Verfahren kann dazu führen, daß einem Kandidaten der Sieg verwehrt wird, der landesweit die
meisten Stimmen der Bevölkerung erhalten hat, jedoch nicht genügend Wahlmännerstimmen erringen
konnte, da seine Stärke in weniger bevölkerten Staaten lag, während sein Gegner in den größeren Staaten
mit mehr Wahlmännerstimmen erfolgreich war.
Dies ist dreimal in der Geschichte geschehen, das
letzte Mal im Jahr 1888. In jener nationalen Wahl
erhielt der Republikaner Benjamin Harrison etwa 95.000
Wählerstimmen weniger als der demokratische Amtsinhaber Grover Cleveland, aber im Wahlmännergremium lag Harrison mit 233 zu 168 Stimmen vorn.
Jedes Mal, wenn sich ein starker Kandidat einer dritten
Partei oder ein Unabhängiger um das Präsidentenamt
bewirbt, besteht die Möglichkeit, daß diese Person
genügend Bundesstaaten gewinnt, um die Mehrheit
eines Kandidaten im Wahlmännergremium zu verhindern. In diesem Fall regelt der 12. Verfassungszusatz,
daß das Repräsentantenhaus den Präsidenten der
Vereinigten Staates und der Senat den Vizepräsidenten wählt.

Seite 1

�Als im Jahr 1824 vier Demokraten/Republikaner für
das Präsidentenamt kandidierten, erhielt Andrew
Jackson die meisten Wähler- und Wahlmännerstimmen, was jedoch in beiden Fällen nicht für eine Mehrheit ausreichte. Als die Wahl vor das Repräsentantenhaus kam, wählte dieses John Quincy Adams zum
Präsidenten.
Unter diesen Umständen wählt das Repräsentantenhaus unter den drei Kandidaten, die die meisten
Wahlmännerstimmen auf sich vereinigen. Jeder
Bundesstaat gibt dabei eine Stimme ab, und die Mehrheit
der Abgeordneten jedes Bundesstaates entscheidet
vorher darüber, auf wen diese Stimme entfallen soll.
Da die Abgeordneten für gewöhnlich nach Parteizugehörigkeit abstimmen, könnte man erwarten, daß unabhängig davon, wen die Bevölkerung dieses Bundesstaates im November wählt - die Stimme eines
Bundesstaates für den Kandidaten abgegeben wird,
der der Mehrheitspartei dieses Bundesstaates im
Repräsentantenhaus angehört. Der gegenwärtigen
Zusammensetzung des Kongresses zufolge kontrol-

lieren die Demokraten die Mehrheit der Sitze von 31
Bundesstaaten im Repräsentantenhaus, die Republikaner kontrollieren zehn, bei acht herrscht Stimmengleichheit, und ein Bundesstaat ist unabhängig.
Diesem Szenarium zufolge würde bei der Abstimmung
für das Amt des Vizepräsidenten jedes der 100 Mitglieder des Senats eine Stimme für jeweils einen der
beiden führenden Kandidaten mit den meisten Wahlmännerstimmen abgeben. Auch hier besteht wiederum die - zwar geringfügige - Chance, daß der gewählte
Vizepräsident nicht der Partei des Präsidenten angehört.
Das Repräsentantenhaus hätte von der Zählung der
Wahlmännerstimmen bis zur Amtseinführung am 20.
Januar 1993 zwei Wochen Zeit, um einen Präsidenten
zu wählen. Bei Stimmengleichheit würden entweder
der gewählte Vizepräsident oder der Sprecher des
Repräsentantenhauses oder andere nachgeordnete
Amtsinhaber bis zu einer endgültigen Einigung als
Präsident amtieren.

* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 24

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                <text>&lt;strong&gt;1. Erdgipfel&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush dringt auf rasche Umsetzung der Klimakonvention&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache bei Umweltgipfel in Rio&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reilly sieht zahlreiche Fortschritte bei Umweltkonferenz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Pressekonferenz beim Erdgipfel&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. USA-Europa&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das verstärkte amerikanische Engagement im neuen Europa&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Kimmitt bei der Konrad-Adenauer-Stiftung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. NATO&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;NATO: Streitmacht für den Frieden in der Zeit nach dem Kalten Krieg&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Paul Wolfowitz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Atomtests&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Atomtests: Warum sie weiterhin erforderlich sind&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Weißbuch des US-Verteidigungsministeriums&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Kongress&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nächster Präsident könnte vom Kongress bestimmt werden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Perot-Kandidatur könnte allgemeine Wahl kompliziert gestalten&lt;/em&gt;</text>
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25

USA-RUSSLAND

V i
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24. Juni 1992

BUSH: NUKLEARE BEDROHUNG WEITER
ENTFERNT ALS JE ZUVOR
Erklärungen des Präsidenten beim
Gipfeltreffen mit Präsident Jelzin
DIE CHARTA FÜR AMERIKANISCH-RUSSISCHE
FREUNDSCHAFT
Eine Übersicht zu der beim Gipfeltreffen
unterzeichneten Charta

DIE AMERIKANISCHE HILFE FÜR RUSSLAND
Eine Übersicht des Weißen Hauses

EINIGUNG ÜBER STRATEGISCHE
OFFENSIVWAFFEN ERZIELT
Eine Übersicht zur amerikanischrussischen Vereinbarung

GEMEINSAME ERKLÄRUNG ZUR KONVERSION
DER RÜSTUNGSINDUSTRIE
Gemeinsame russisch-amerikanische
Erklärung

RUSSISCH-AMERIKANISCHES
WAFFENABKOMMEN
Eine Übersicht des Weißen Hauses

UNRUHEN IN LOS ANGELES

NACH DEN UNRUHEN IN LOS ANGELES
von James Q. Wilson

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�USA-RUSSLAND
24. Juni 1992

BUSH: NUKLEARE BEDROHUNG WEITER
ENTFERNT ALS JE ZUVOR
Erklärungen des Präsidenten beim Gipfeltreffen mit Präsident Jelzin
WASHINGTON - (AD) - Bei der Zeremonie zur Begrüßung des russischen Präsidenten Jelzin hat Präsident Bush
am 16. Juni 1992 erklärt, die Bedrohung durch einen verheerenden konventionellen Krieg "ist mit dem
Warschauer Pakt und dem Aufstieg der Demokratie in Rußland verschwunden. Und heute ist die Bedrohung
durch einen nuklearen Alptraum weiter entfernt als jemals seit Anbruch des Atomzeitalters."
Am gleichen Tage einigten sich die Vereinigten Staaten und Rußland auf weitreichende Rüstungsbegrenzungen und Zusammenarbeit bei der Entwicklung eines weltweiten Abwehrsystemes gegen begrenzte Angriffe mit
ballistischen Raketen. Präsident Bush stellte dazu bei einem gemeinsamen Termin mit dem russischen
Präsidenten im Rosengarten des Weißen Hauses fest: "Dies sind bemerkenswerte Schritte für unsere beiden
Länder, eine Abkehr von den Spannungen und Verdächtigungen der Vergangenheit und ein greifbarer, wichtiger
Ausdruck unseres neuen Verhältnisses."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Begrüßungsansprache von Präsident Bush sowie seine Erklärung im
Rosengarten des Weißen Hauses im Wortlaut.
1.

Begrüßungsansprache Präsident Bushs für
den russischen Präsidenten Jelzin

Herr Präsident, Frau Jelzin, verehrte Mitglieder der
russischen Delegation, ich begrüße Sie in den Vereinigten Staaten von Amerika. Darüber hinaus begrüße
ich all diejenigen, die sich hier eingefunden haben, um
Präsident Jelzin und Frau Jelzin willkommen zu heißen: Willkommen im Weißen Haus.
Herr Präsident, der heutige Tag markiert den Beginn
einer neuen Ära, eines neuen Typs von Gipfeltreffen.
Dies ist kein Treffen zweier Supermächte, die um
weltweite Vorherrschaft kämpfen, sondern zwischen
zwei Partnern, die danach streben, einen demokratischen Frieden aufzubauen. Von diesem Gipfeltreffen
aus erblicken wir einen neuen Horizont, eine neue Welt
des Friedens und der Hoffnung, eine neue Welt der
Zusammenarbeit und Partnerschaft zwischen dem
amerikanischen und dem russischen Volk. Es ist
unsere Hoffnung, daß diese Partnerschaft für immer
die alten Gegensätze überwinden wird, die unsere
Völker voneinander trennten, die die Welt in Konfrontation und Konflikte stürzten.
Herr Präsident, Ihre Nation hat sich auf ein großes
Experiment eingelassen, eine neue russische Revolution, deren Ziel die Freiheit ist. Die von Rußland
erzielten Fortschritte und die Aussicht auf zukünftige
sind zu einem großen Teil auf den Mut und die Vision
AMERIKA DIENST 25

von Präsident Boris Jelzin zurückzuführen. Herr Präsident, wie Peter der Große definieren Sie das Selbstverständnis Rußlands neu, definieren Sie die Rolle
Ru ßlands in der Welt neu. Aber zum ersten Mal in der
neueren russischen Geschichte beruft sich der Spitzenvertreter dieses Landes zu seiner Legitimation
nicht auf eine Fügung der Geschichte, sondern auf ein
demokratisches Mandat. Sie kommen als gewählter
Präsident hierher - gewählt vom Volk in einer freien und
fairen Wahl. Und wir grüßen Sie.
Gemeinsam, Herr Präsident, gestalten wir bereits unsere
Beziehungen um, und dies hat Vorteile nicht nur für
unsere beiden Länder, sondern für die gesamte Welt.
Heute ist mit dem Warschauer Pakt und dem Aufstieg
der Demokratie in Rußland die Bedrohung eines verheerenden konventionellen Krieges verschwunden.
Und heute ist die Bedrohung durch einen nuklearen
Alptraum weiter entfernt als jemals seit Anbruch des
Atomzeitalters.
Herr Präsident, ich sage dies mit einem Gefühl des
Stolzes, einem Gefühl der Ehrfurcht und vor allem mit
einem historischen Gefühl. Es gibt für das Volk der
Vereinigten Staaten, das Volk Rußlands und die
Menschen in der ganzen Welt kein größeres Geschenk als die Beseitigung des schrecklichen Gespenstes eines Weltkriegs. Und denken Sie dabei einen
Moment daran, was dies nicht für Präsidenten, nicht

Seite 1

�für Staatschefs oder Historiker, sondern für Eltern und
deren Kinder bedeutet. Es bedeutet eine Zukunft ohne
Furcht.

stattfindet. Ebenso wie unsere Amerikanische Revolution muß Ihre Russische Revolution einfach gelingen.

Dieses erste russisch-amerikanische Gipfeltreffen gibt
uns eine Chance, das Fundament für eine friedlichere
und materiell bessere Zukunft für alle unsere Bürger zu
legen. Darüber hinaus werden wir Rußlands historischen Übergang zum freien Markt, seine Integration in
die Weltwirtschaft und unser Engagement zur Unterstützung dieser Reformen erörtern. Wir werden neue
Wege suchen, um den Handel zwischen unseren
Ländern zu erweitern, um Wohlstand, Wachstum und
Arbeitsplätze zu schaffen, neue Dimensionen der militärischen Zusammenarbeit zum weiteren Abbau des
Kriegsrisikos und schlie ßlich neue Vereinbarungen zur
Reduzierung von Kernwaffen und zur Beseitigung der
zerstörerischsten Waffen aus unseren Arsenalen.

Ich begrüße Sie, meinen Freund, nochmals im Weißen
Haus. Gott möge dem amerikanischen und dem
russischen Volk eine friedliche Zukunft schenken.
Willkommen. Ich freue mich, daß Sie hier sind.

Heute morgen möchte ich mich jedoch auf unser
Endziel konzentrieren: auf die Herausforderung, einen
neuen Frieden zu schmieden, einen dauerhaften Frieden zwischen unseren beiden Ländern, die niemals
wieder zu Feinden werden dürfen. Heute führen die
Bürger Ru ßlands einen heldenhaften Kampf um genau
dieselben Rechte und Freiheiten, die wir Amerikaner
so sehr schätzen.
Das Schicksal jener Revolution, die Zukunft der
Demokratie in Rußland und den anderen neuen Nationen des ehemaligen sowjetischen Imperiums ist das
wichtigste außenpolitische Anliegen unserer Zeit. Die
Vereinigten Staaten und ihre demokratischen Verbündeten müssen bei der Schaffung eines demokratischen Friedens eine Schlüsselrolle spielen.
Aus diesem Grund fordere ich den Kongreß der Vereinigten Staaten erneut dazu auf, das Freedom Support
Act zu verabschieden, um die demokratischen Reformen in Rußland und den anderen neuen Staaten der
früheren Sowjetunion zu stärken. Die Hilfe, um die ich
den Kongreß gebeten habe, ist in der Tat erheblich,
aber sie macht gleichzeitig nur einen Bruchteil der 4
Billionen Dollar aus, die dieses Land ausgab, um
während des langen Kalten Krieges den Frieden zu
sichern. Die Mittel, die wir heute für Rußland einsetzen, sind eine Investition in ein neues Jahrhundert des
Friedens mit Rußland.
Die Geschichte bietet uns eine seltene Chance. Eine
Chance zu erlangen, was in diesem Jahrhundert bereits zweimal unseren Händen entglitten ist. Es ist die
Vision, die zweimal auf den Schlachtfeldern Europas
untergegangen ist. Die Vision, die uns den langen
Kalten Krieg hindurch Hoffnung gab - der Traum von
einer neuen Welt der Freiheit.
Herr Präsident, wenn wir an die Welt denken, die
unsere Kinder und deren Kinder von uns erben werden, so wird kein anderer Faktor ihre Zukunft stärker
beeinflussen als die Revolution, die heute in Rußland

Seite 2

2.

Erklärung des Präsidenten Im Rosengarten
des Weißen Hauses

Ich freue mich mitteilen zu können, daß Präsident
Jelzin und ich soeben eine außergewöhnliche Vereinbarung über zwei Bereiche von lebenswichtigem Interesse für unsere Länder und die Welt erzielt haben.
Erstens haben wir uns auf weitreichende neue Kürzungen bei den strategischen Waffen geeinigt. Aufbauend
auf der mit Rußland, der Ukraine, Kasachstan und
Belarus erzielten Vereinbarung haben sich unsere
beiden Länder auf noch drastischere Einschnitte bei
den strategischen Waffen verständigt, die erheblich
unter den Niveaus des START-Abkommen liegen. Wir
haben vereinbart, die gefährlisten Waffen der Welt schwere ICBMs und alle anderen ICBMs mit Mehrfachgefechtsköpfen - zu beseitigen und unsere strategischen Kernwaffen insgesamt drastisch abzubauen.
Diese drastischen Verringerungen werden in zwei
Stufen stattfinden. Sie werden spätestens im Jahr
2003 abgeschlossen sein und könnten bereits im Jahr
2000 erreicht werden, wenn die Vereinigten Staaten
Rußland bei der erforderlichen Zerstörung ballistischer Raketensysteme helfen können. Mit diesem
Abkommen tritt der nukleare Alptraum für uns selbst,
für unsere Kinder und für unsere Enkel immer weiter in
den Hintergrund. Noch vor wenigen Jahren planten die
Vereinigten Staaten ein strategisches Arsenal von
etwa 13.000 Gefechtsköpfen. Heute haben Präsident
Jelzin und ich vereinbart, daß beide Seiten auf 3.000
bis 3.500 Gefechtsköpfe heruntergehen werden, wobei
jedes Land innerhalb dieser Bandbreite seine eigene
Streitkräftestruktur festlegen kann.
Ich möchte zusätzlich darauf verweisen, daß diese
grundlegende Vereinbarung, die in früheren Zeiten
nicht einmal in einem Jahrzehnt zustande gekommen
wäre, in lediglich fünf Monaten vollendet wurde. Unsere
Fähigkeit, dieses Abkommen so rasch zu erlangen,
legt Zeugnis von dem neuen Verhältnis zwischen den
Vereinigten Staaten und Rußland sowie der persönlichen Führungsrolle unseres Gastes Boris Jelzin ab.
In naher Zukunft werden die Vereinigten Staaten und
Rußland unsere Vereinbarung in einem kurzen Vertragstext niederlegen, den Präsident Jelzin und ich
unterzeichnen und in unseren Ländern zur Ratifizierung vorlegen werden. Präsident Jelzin und ich haben
femer vereinbart, gemeinsam mit den Verbündeten
und anderen interessierten Staaten zusammenzuar-

AMERIKA DIENST 25

�beiten, um ein Konzept für ein weltweites Verteidigungssystem gegen begrenzte Angriffe mit ballistischen Raketen zu entwickeln.
Darüber hinaus werden wir eine hochrangige Beratergruppe bilden, um praktische Schritte zu diesem Ziel
zu untersuchen, darunter die Weitergabe von Frühwarninformationen und Zusammenarbeit bei der Entwicklung von Fähigkeiten und Technologien zur Raketenabwehr. Diese Gruppe wird darüber hinaus die
Entwicklung einer rechtlichen Grundlage der Zusammenarbeit erörtern wie etwa neue Verträge und Vereinbarungen sowie mögliche Änderungen bestehender Verträge und Vereinbarungen, die für die Verwirk*

AMERIKA DIENST 25

lichung des weltweiten Verteidigungssystems erforderlich sind. Diese Gruppe, deren Vorsitz für die
Vereinigten Staaten Dennis Ross innehat, wird zum
ersten Mal innerhalb der nächsten dreißig Tage in
Moskau zusammentreten.
Abschließend möchte ich feststellen: Dies sind bemerkenswerte Schritte für unsere beiden Länder, eine
Abkehr von den Spannungen und Verdächtigungen
der Vergangenheit und ein greifbarer, wichtiger Ausdruck unseres neuen Verhältnisses. Darüber hinaus
bieten sie vielversprechende Aussichten auf eine künftige
Welt, die gegen die Gefahr eines begrenzten Angriffs
mit ballistischen Raketen geschützt ist.

*

Seite 3

�USA-RUSSLAND
24. Juni 1992

DIE CHARTA FÜR AMERIKANISCH-RUSSISCHE
PARTNERSCHAFT UND FREUNDSCHAFT
Eine Übersicht zu der beim Gipfeltreffen unterzeichneten Charta
WASHINGTON - (AD) - Die nachfolgende Übersicht zu der von Präsident Bush und dem russischen Präsidenten
Jelzin unterzeichneten Charta für amerikanisch-russische Partnerschaft und Freundschaft wurde am 17. Juni
1992 vom Weißen Haus veröffentlicht.

Aufbauend auf der Erklärung von Camp David vom
Februar 1992 geht die heute von Präsident Bush und
Präsident Jelzin unterzeichnete Washingtoner Charta
von dem neuen Fundament der amerikanisch-russischen Beziehungen - der Demokratie - als solider und
dauerhafter Grundlage für die amerikanisch-russische
Partnerschaft aus. Die Charta legt die neue Tagesordnung der amerikanisch-russischen Beziehungen folgendermaßen dar:
Demokratie und Partnerschaft
Die Vereinigten Staaten unterstützen uneingeschränkt
die Bemühungen der Russischen Föderation zum
Aufbau eines demokratischen Staates und einer
demokratischen Gesellschaft, die sich auf Rechtsstaatlichkeit und Wahrung der Menschenrechte, einschließlich der Rechte von Minderheiten, gründen.
Von gegenseitigem Vertrauen und Respekt als Grundlage ihrer Beziehungen geleitet, betrachten die Vereinigten Staaten und Rußland einander nicht als Gegner
und entwickeln Beziehungen der Partnerschaft und
Freundschaft.
Die Parteien bekräftigen ihre Achtung der Unabhängigkeit, Souveränität und bestehenden Grenzen der
KSZE-Teilnehmerstaaten, einschließlich der neuen
unabhängigen Staaten und erkennen an, daß Grenzveränderungen nur mit friedlichen und auf Übereinstimmung gegründeten Mitteln im Einklang mit den
Regeln des Völkerrechts und den Prinzipien der KSZE
vorgenommen werden können.
Internationaler Frieden und Sicherheit
Die Vereinigten Staaten und Rußland bekräftigen ihre
Entschlossenheit, einen demokratischen Frieden aufzubauen, der auf den beiden gleichgewichtigen Säulen
politischer und wirtschaftlicher Freiheit basiert. Sie
AMERIKA DIENST 25

anerkennen die entscheidende Bedeutung, die dem
Erfolg der Demokratie in Rußland und den anderen
ehemaligen Sowjetrepubliken für internationalen Frieden und Sicherheit zukommt.
Im Einklang mit der UN-Charta und anderen vertraglichen Verpflichtungen bestätigen die Parteien ihre
Verpflichtung, Streitfälle untereinander mit friedlichen
Mitteln beizulegen und sich der Androhung oder des
Einsatzes von Gewalt gegen die territoriale Unversehrtheit und politische Unabhängigkeit des jeweiligen
Vertragspartners zu enthalten.
Die Parteien teilen die Vision einer euro-atlantischen
Gemeinschaft von Vancouver bis Wladiwostok, die
offen für die Zusammenarbeit mit allen demokratischen Gesellschaften ist. Eine prominente Rolle für
Institutionen wie NAKR, NATO und WEU gemeinsam
mit der KSZE trägt in einzigartiger Weise zur Sicherheit dieser Gemeinschaft bei.
Im Bewußtsein der Auswirkungen des Konflikts in
Jugoslawien haben die Parteien eine Reihe von Initiativen vorgeschlagen, um die europäischen Mechanismen zur Verhütung, Bewältigung und Beilegung von
Konflikten zu stärken und eine glaubwürdige euroatlantische Friedenssicherungsfähigkeit zu schaffen.
Die Vereinigten Staaten und Rußland erkennen an,
daß die Weiterverbreitung von Waffen die neue strategische Herausforderung der Welt nach dem Kalten
Krieg ist. Beide Parteien werden sich für die Stärkung
und Verbesserung der Regeln zur Nichtverbreitung
einsetzen. Die Vereinigten Staaten und Rußland
haben in einer getrennten Erklärung ihrer Entschlossenheit Ausdruck verliehen, bei der Sondierung von
Möglichkeiten zusammenzuarbeiten, ein Frühwarnzentrum gegen ballistische Raketen einzurichten und
bei der Entwicklung von Fähigkeiten und Technologien

Seite 1

�zur Abwehr ballistischer Raketen zusammenzuarbeiten. Darüber hinaus werden sie ihre Bemühungen
beschleunigen, den START-Vertrag und den KSEVertrag umzusetzen und einen Vertrag über weitere
Reduzierungen der strategischen Rüstungen und ein
weltweites Verbot chemischer Waffen abzuschließen.
Mit dem Potential zum Aufbau einer strategischen
Partnerschaft beabsichtigen beide Seiten, die Verteidigungszusammenarbeit zwischen ihren Militärbehörden zu beschleunigen. Dazugehören: die Intensivierung der Kontakte auf allen Ebenen; der Ausbau von
Aktivitäten, mit denen Offenheit bei Doktrin und Operationsplanung gefördert wird; die Schaffung erweiterter Austausch- und Verbindungsprogramme sowie der
Austausch von Ideen zur Förderung angemessener
Beziehungen zwischen Zivilbereich und Militärs in
einer demokratischen Gesellschaft. Die Parteien werden
darüber hinaus Zusammenarbeit bei der Friedenssicherung, Terrorismusbekämpfung und Bekämpfung
des Drogenhandels anstreben.
Wirtschaftliche Freiheit
Die Vereinigten Staaten und Rußland gehen davon
aus, daß für Rußland der sicherste Weg zu langfristigem Wohlstand und zur Integration in die Weltwirtschaft die Fortsetzung des gegenwärtigen Weges
marktwirtschaftlicher Reformen ist.
Die Vereinigten Staaten anerkennen den von der
russischen Regierung eingeschlagenen mutigen Reformkurs und sind entschlossen, ihre Unterstützung
der Reformen fortzusetzen.

Rußland beabsichtigt, die Privatisierung und Entflechtung von Monopolen, die Einführung struktureller und
sektoraler Reformen sowie die Schaffung von Maßnahmen zu beschleunigen, die auf die Förderung von
Wettbewerb sowie wirksamen Eigentums- und Vertragsrechten ausgerichtet sind. Besonderer Bedeutung wird der Einführung einer Landreform und Reformen im Energiesektor zukommen.
Die Russische Föderation beabsichtigt, ihre Gesetze
in den Bereichen Steuern, Eigentum und Vertragsrecht sowie in den Bereichen zu verbessern, die mit
Rechten an geistigem Eigentum in Zusammenhang
stehen.
Die Parteien erkennen die entscheidende Rolle an, die
der Privatsektor spielen wird und beabsichtigen, beiderseitig vorteilhafte russisch-amerikanische Zusammenarbeit bei Handel und Investitionen zu ermutigen.
Die Parteien gedenken, Beschränkungen für Handel
und Investitionen zu lockern und wirtschaftliche Beschränkungen aus der Zeit des Kalten Krieges aufzuheben. Die Parteien werden sich darüber hinaus
bemühen, nationale Exportkontrollsysteme zu stärken
und der Weiterverbreitung Einhalt zu gebieten sowie
bei gleichzeitiger Bekämpfung der Weiterverbreitung
Handel und Investitionen im Bereich Spitzentechnologie zu fördern. Die Vereinigten Staaten und Rußland
beabsichtigen, bilateral und multilateral zusammenzuarbeiten, insbesondere durch das neue COCOMKooperationsforum.

* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 25

�USA-RUSSLAND
24. Juni 1992

DIE AMERIKANISCHE HILFE FÜR RUSSLAND
Eine Übersicht des Weißen Hauses
WASHINGTON - (AD) - Die nachfolgende, am 17. Juni 1992 vom Weißen Haus veröffentlichte Übersicht bietet eine Zusammenfassung zu den amerikanischen Hilfsprogrammen für Rußland.

Die amerikanische Regierung hat historische Bemühungen unternommen, um die in Rußland stattfindenden demokratischen Veränderungen zu unterstützen.
Während die Verantwortung für den Erfolg des Reformprogramms letztlich nur bei der Regierung und
Bevölkerung Rußlands liegen kann, können die Vereinigten Staaten viel tun um zu helfen, und sie leisten
dies auch in der Praxis. Unsere Strategie besteht
darin, als Teil international koordinierter Bemühungen
humanitäre, technische und makroökonomische Hilfe
zu gewähren, um dem russischen Volk zu helfen,
demokratische Regierungsformen und freie Volkswirtschaften zu schaffen, die Handel und Investitionen
westlicher Partner völlig offenstehen.
Humanitäre Hilfe
Die Vereinigten Staaten lieferten in Phase I der Aktion
Hoffnung mit 24 Flügen schätzungsweise 1.200 Tonnen Nahrungsmittel und 100 Tonnen medizinischer
Versorgungsgüter nach Rußland. Im Rahmen der
gegenwärtig stattfindenden Phase II der Aktion Hoffnung werden 16.000 Tonnen überschüssiger Nahrungsmittel aus Beständen des US-Verteidigungsministeriums sowie 262 Tonnen medizinischer Hilfsgüter
in neun russische Städte geliefert.
Die Vereinigten Staaten haben im Rahmen der medizinischen Initiative des Präsidenten durch Projekt
Hoffnung - eine private Wohltätigkeitsorganisation medizinische Hilfsgüter im Gesamtwert von 12.3 Millionen Dollar geliefert.
Im Rahmen des Programms Nahrungsmittel für den
Fortschritt (Food for Progress) hat das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) mit fünf privaten Wohltätigkeitsorganisationen Vereinbarungen über die Lieferung landwirtschaftlicher Produkte nach Rußland im
Gesamtwert von 90 Millionen Dollar (einschließlich
Transport) abgeschlossen. Das USDA hat ein Abkommen mit der russischen Regierung abgeschlossen,

AMERIKA DIENST 25

das die zusätzliche Bereitstellung von Butter im Gesamtwert von 34 Millionen Dollar vorsieht, die auf den
russischen Märkten verkauft werden sollen. Wie mit
der russischen Regierung vereinbart, werden die Erträge aus diesen Verkäufen zur Unterstützung humanitärer Hilfe verwendet werden.
Gemeinsam mit ihren Verbündeten werden die Vereinigten Staaten in den kommenden Monaten bereit
sein, gegebenenfalls auf zusätzliche Bitten um humanitäre Hilfe in Notfällen zu reagieren.
Makroökonomische Hilfe
Die Vereinigten Staaten beteiligen sich an einem
multilateralen Finanzhilfeprogramm, um das wirtschaftliche Reformprogramm Rußlands zu unterstützen. Der
geschätzte Anteil der Vereinigten Staaten an diesem
Programm beträgt im Kalenderjahr 1992 rund 4,5
Milliarden Dollar. Dazu zählen 900 Millionen Dollar als
amerikanischer Anteil an den Bemühungen der internationalen Finanzinstitutionen (rund 20 Prozent), 1,5
Milliarden Dollar für den Währungsstabilisierungsfonds
für Rußland (einschließlich der Stabilisierungsfonds
für die anderen neuen Staaten könnten bis zu 3
Milliarden Dollar bereitgestellt werden) und etwa 2,1
Milliarden Dollar an bilateraler Hilfe.
Die Aufnahme der Mehrzahl dieser Maßnahmen, einschließlich des Stabilisierungsfonds und der Finanzierung von IWF und Weltbank, hängt vom Abschluß
eines Beistandsabkommens zwischen der russischen
Regierung und dem IWF ab.
Die amerikanischen Beiträge werden sowohl durch
multilaterale Hilfsbemühungen im Rahmen der internationale Finanzinstitutionen als auch durch bilaterale
amerikanische Programme erfolgen. So hat der Präsident beim Kongreß die Bewilligung einer Erhöhung
der IWF-Quote um 12,3 Milliarden Dollar beantragt,
um die Fähigkeit des IWF zur Vergabe von Krediten zu
erweitern.
Seite 1

�Kreditbürgschaften
Das USDA hat für die ehemalige Sowjetunion 3,75
Milliarden Dollar an CCC-Kreditbürgschaften bereitgestellt, um den Ankauf von 25 Millionen Tonnen landwirtschaftlicher Produkte - hauptsächlich durch Rußland - zu ermöglichen. Weitere CCC-Kreditbürgschaften für Rußland in Höhe von 600 Millionen Dollar
wurden vom Präsidenten am 1. April 1992 bekanntgegeben.
An Finanzmitteln der Export-Import-Bank (EXIM) wurden
bis heute neun Exportfinanzierungstransaktionen in
Gesamthöhe von 185 Millionen Dollar genehmigt, und
die EXIM hat eine prinzipielle Einigung über die Finanzierung amerikanischen Geräts und amerikanischer
Dienstleistungen zur Öl- und Gasförderung erzielt.
Die EXIM steht darüber hinaus zur Zeit in Verhandlungen mit der russischen Regierung über 200 Millionen
Dollar an amerikanischen Exporten in den Bereichen
Umwelt und Reaktorsicherheit. Schätzungen der EXIM
zufolge werden bis Ende des Haushaltsjahrs 1993 500
Millionen bis 1 Milliarde Dollar genehmigt werden.
Ein OP IC-Abkommen ist unterzeichnet worden, und
die Entwicklungsgesellschaft OPIC hat ein russisches
Projekt im Wert von 159 Millionen Dollar über mehrere
Jahre bewilligt.
Technische Hilfe
Die Administration hat für die ehemalige Sowjetunion
620 Millionen Dollar an neu bewilligten Mitteln für
amerikanische humanitäre und technische Hilfe in den
Haushaltsjahren 1992 und 93 beantragt. Mit diesen
Mitteln soll die Verwirklichung des Freedom Support
Act unterstützt werden. In der Zwischenzeit hat die
Administration Hilfsprogramme eingeleitet und in diesem Zusammenhang 85 Millionen Dollar besonders
für diesen Zweck umdirigiert.
Die US-Regierung ist zur Ausgabe zusätzlicher 400
Millionen Dollar für Projekte bereit, die spezifisch mit
der Zerstörung von Nuklearwaffen und Bekämpfung
der Weiterverbreitung von Nuklearwaffen in Verbindung stehen. Ein Teil dieser Mittel wird für die Beschäftigung von Wissenschaftlern aus der ehemaligen
Sowjetunion zur Verfügung gestellt. Zu diesem Zweck
haben wir 25 Millionen Dollar für die Gründung eines
internationalen Wissenschafts- und Technologiezentrums bereitgestellt.
Wir haben Berater zur Rüstungskonversion nach Nischnij Nowgorod entsandt und werden in den kommenden Monaten Berater in andere russische Städte
schicken.
Wir haben die Arbeit mit der Internationalen FinanzCorporation aufgenommen, um Privatisierungsauktionen in drei Städten in Rußland und der Ukraine zu
*

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veranstalten. Diese Auktionen stützen sich auf die
jüngsten erfolgreichen Auktionen in Nischnij Nowgorod und sind insbesondere dafür gedacht, in diesen
Städten kleine und mittelständische Unternehmen zu
verkaufen.
Agrarhilfe. Das USDA plant die Schaffung eines
landwirtschaftlichen Betriebs mit Modellcharakter in
der Nähe von St. Petersburg und wird Experten zur
Einrichtung privater Großmärkte für Nahrungsmittel in
Moskau bereitstellen. Das Amt für Internationale
Entwicklung (Agency for International Development AID) plant die Entsendung von Experten für das Problem nach der Ernte erfolgter Verluste und Futterlagerung. Die Mehrzahl der 1.500 bis 1.800 amerikanischen Freiwilligen des Programms "von Landwirt zu
Landwirt" wird in Rußland arbeiten.
Ferner wurden folgende Programme in die Wege
geleitet: Die Special American Business Initiative
(SABIT) wird für russische Wissenschaftler und Manager Ausbildungspraktika veranstalten (bis jetzt wurden
13 augebildet); das International Executive Service
Corps wird Berater für den Privatsektor bereitstellen;
100 Freiwillige des Peace Corps werden für die Entsendung im Oktober ausgebildet; ein Wohnungsbauberater befindet sich vor Ort in Moskau; ein amerikanisch-russisches Partnerschaftsprogramm für Gesundheitsfürsorge bei Kindern wurde im Mai begonnen; ein
Energienutzungsteam wird in diesem Herbst in Moskau Geräte zur Energieeinsparung installieren.
Hilfe bei der Herstellung von Arzneimitteln wird durch
Waren, Geräte und kurzfristige technische Hilfe zur
Verfügung gestellt, um raschen Ersatz für Betriebe zu
schaffen, die Impfstoffe gegen Masern, Kinderlähmung und Diphtherie produzieren. Damit wird die
Herstellung von zweien dieser Impfstoffe wieder auf
bis zu 100 Prozent des bisherigen Produktionsniveaus
für den Inlandsverbrauch in Rußland angehoben.
Reaktorsicherheit. Bei der Lissaboner Koordinierungskonferenz haben die Vereinigten Staaten ihre Absicht
bekundet, 25 Millionen Dollar zur Unterstützung der
Reaktorsicherheit in der ehemaligen Sowjetunion
bereitzustellen. Ziel dieser Initiative ist die Verbesserung der Betriebssicherheit von Kernkraftwerken
sowjetischer Bauart. Die Betonung liegt auf verbesserten Sicherheitsverfahren, angemessenen Modernisierungsmaßnahmen und Ausbildung der Betreiber
durch die Gründung von regionalen Ausbildungszentren in Rußland und der Ukraine.
Zu weiteren technischen Hilfsprogrammen für die
Planung zählen: Sicherheit von Kohlebergwerken,
Rechtsstaatlichkeit, Ausbildung in Öffentlichkeitsarbeit, demokratische Initiativen, Rechtsberater und
Förderung von Investitionen.

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AMERIKA DIENST 25

�USA-RUSSLAND
24. Juni 1992

EINIGUNG ÜBER STRATEGISCHE
OFFENSIVWAFFEN ERZIELT
Eine Übersicht zur amerikanisch-russischen Vereinbarung
WASHINGTON - (AD) - Die nachfolgende Übersicht zu der von Präsident Bush und dem sowjetischen Präsidenten Boris Jelzin erzielten Übereinkunft über weitere drastische Verringerungen der strategischen Offensivwaffen wurde am 17. Juni 1992 vom Weißen Haus veröffentlicht.

Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika
und der Präsident der Russischen Föderation haben
sich auf weitere erhebliche Reduzierungen der strategischen Offensivwaffen verständigt. Insbesondere
haben beide Seiten einen umgehend abzuschließenden Vertrag vereinbart, der die folgenden Regelungen
enthält:
Innerhalb des Zeitraums von sieben Jahren nach
Inkrafttreten des START-Vertrags werden sie ihre
strategischen Streitkräfte bis auf folgende Höchststärken reduzieren:

alle ICBMs mit Mehrfachgefechtsköpfen beseitigen;
die SLBM-Gefechtsköpfe auf 1.700 bis 1.750
(im Ermessen des jeweiligen Landes) verringern;
Für die Zählung der obengenannten Gesamtzahlen
gilt:
Die Zahl der Gefechtsköpfe, die bei schweren
Bombern mit nuklearem Auftrag angerechnet
wird, entspricht der Zahl der Kernwaffen, die sie
an Bord mitführen können.

Eine Gesamtzahl von Gefechtsköpfen zwischen
3.800 und 4.250 (von jedem Land unabhängig
festzulegen) oder weniger, je nach Ermessen
des jeweiligen Landes.
1.200 Gefechtsköpfe auf ballistischen Interkontinentalraketen (ICBMs), die mit Mehrfachgefechtsköpfen ausgerüstet sind.
650 Gefechtsköpfe auf schweren ICBMs.
2.160 Gefechtsköpfe auf U-Bootgestützten
ballistischen Raketen (SLBMs).
Bis zum Jahr 2003 (oder bis zum Ende des Jahres
2000, wenn die Vereinigten Staaten zur Finanzierung
der Zerstörung oder Beseitigung strategischer Offensivwaffen in Rußland beitragen können) werden sie:
die Gesamtzahl auf maximal 3.000 bis 3.500
Gefechtsköpfe (von jedem Land unabhängig
festzulegen) für jede Seite oder - im Ermessen
des jeweiligen Landes - weniger reduzieren;

Den vereinbarten Verfahren zufolge maximal
100 schwere Bomber, die nie für das Mitführen
weitreichender luftgestützter Marschflugkörper
(ALCMs) ausgerüstet waren und für konventionelle Aufträge umgerüstet werden.
Die Parteien beabsichtigen, Beschränkungen für Handel
und Investitionen zu lockern und wirtschaftliche Beschränkungen aus der Zeit des Kalten Krieges aufzuheben. Die Parteien werden sich darüber hinaus
bemühen, nationale Exportkontrollsysteme zu stärken
und der Weiterverbreitung Einhalt zu gebieten sowie
bei gleichzeitiger Bekämpfung der Weiterverbreitung
Handel und Investitionen im Bereich Spitzentechnologie zu fördern. Die Vereinigten Staaten und Rußland
beabsichtigen, bilateral und multilateral zusammenzuarbeiten, insbesondere durch das neue COCOMKooperationsforum.

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�USA-RUSSLAND
24.JunM992

GEMEINSAME ERKLÄRUNG ZUR KONVERSION
DER RÜSTUNGSINDUSTRIE
Gemeinsame russisch-amerikanische Erklärung
WASHINGTON - (AD) - Die nachfolgende gemeinsame russisch-amerikanische Erklärung zur Konversion der
Rüstungsindustrie wurde am 17. Juni 1992 vom Weißen Haus veröffentlicht.

Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Russische Föderation erkennen an, daß die Konversion der
Rüstungsindustrie eine der wichtigsten Herausforderungen nach dem Kalten Krieg und unabdingbar für
den Aufbau eines demokratischen Friedens ist. Beide
Parteien sind sich der Schwierigkeiten bewußt, die den
Bemühungen zur Konversion der Rüstungsindustrie
innewohnen. Die Parteien wissen jedoch ebenso um
die Tatsache, daß die erfolgreiche Konversion von
Ressourcen, die nicht länger für die Verteidigung benötigt
werden, langfristig im wirtschaftlichen und nationalen
Sicherheitsinteresse ihrer Völker liegt. Deshalb erklären die Vereinigten Staaten von Amerika und die
Russische Föderation ihre Absicht, der Zusammenarbeit bei der Förderung der Rüstungskonversion Vorrang einzuräumen.
In Anerkennung der wichtigen Rolle des Privatsektors
und der praktischen Beteiligung von Unternehmern bei
der komplexen Aufgabe der Rüstungskonversion richten die Vereinigten Staaten von Amerika und die
Russische Föderation einen Amerikanisch-Russischen
Ausschuß zur Konversion der Rüstungsindustrie ein,
der die Konversion durch die Erweiterung von Handel
und Investitionen erleichtern soll. Der zwischenstaatliche Ausschuß wird im Rahmen des AmerikanischRussischen Ausschusses zur Wirtschaftlichen Entwicklung gegründet und darauf ausgerichtet sein, den
Austausch von Informationen und die Förderung von
Handel und Investitionen zu erleichtern, auch durch
die Entwicklung von Kontakten zwischen interessierten Gruppen, die Erweiterung des Informationsaustausches über Unternehmen, die sich in der Konversion befinden und die Verbesserung der Bedingungen
für wirtschaftliche Aktivitäten in beiden Ländern durch
die Identifizierung und Beseitigung von Hindernissen
für erweiterten Handel und Investitionen. Der Ausschußwird die Regierungen beider Länder in regelmäßigen Abständen von den Ergebnissen seiner Aktivitäten unterrichten, damit diese rechtzeitige und effektive
AMERIKA DIENST 25

Maßnahmen ergreifen können, um Hemmnisse für die
bilaterale Zusammenarbeit im Bereich der Konversion
zu beseitigen.
Mit dem Ziel der Förderung erfolgreicher Zusammenarbeit bei der Konversion beabsichtigt jede der Parteien, in naher Zukunft eine Reihe praktischer Schritte zu
unternehmen.
Die Russische Föderation beabsichtigt, auf ihrem
Staatsgebiet ein günstiges politisches, wirtschaftliches, juristisches und genehmigungsrechtliches Klima
für amerikanischen Handel und amerikanische Investitionen zu schaffen, einschlie ßlich der Einführung erforderlicher makroökonomischer Reformen, um die
Konvertierbarkeit des Rubels herzustellen, Bestrebungen für ergänzende mikroökonomische Reformen
zur Unterstützung von Privatisierung und Entflechtung
industrieller Monopole, Verabschiedung von Gesetzen, mit denen Vertrags- und Eigentumsrechte garantiert werden sowie der Veröffentlichung international üblicher Normen für grundlegende geschäftliche
und finanzielle Informationen über Unternehmen, die
sich in der Konversion befinden.
Die Vereinigten Staaten beabsichtigen, das Engagement amerikanischer Unternehmen in kommerziell
lebensfähigen Konversionsprojekten, darunter Joint
Ventures, in Rußland zu erleichtern - durch die langfristige Abordnung von Beratern bei der Rüstungskonversion, die als Katalysatoren für das Engagement
amerikanischer Unternehmen dienen und den ortsansässigen politischen Entscheidungsträgern und Unternehmensleitern ihr Fachwissen zur Verfügung stellen
sollen, durch die Gründung von Unternehmenszentren
in Rußland, die in Rußland tätigen amerikanischen
Firmen Übersetzungs-, Aus- und Fortbildungseinrichtungen bieten, durch die Schaffung eines wirtschaftlichen Informationsdienstes ("BISNIS") in Washington,
um Unternehmen in Rußland mit potentiellen InvestoSeite 1

�ren in den Vereinigten Staaten zusammenzubringen
sowie durch die Einbeziehung des Handels- und Entwicklungsprogramms, der Entwicklungsgesellschaft
OPIC und der Export-Import-Bank, die Anreize für
amerikanische Privatinvestitionen in kommerziell lebensfähigen Projekten zur Konversion der Rüstungsindustrie bereitstellen sollen.
Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Russische Föderation unterstützen das Unternehmensforum für Exportkontrollen des COCOM als Mittel, um
die Wunden des Kalten Krieges zu heilen und die
Konversion voranzutreiben, indem Hilfe beim Abbau
von Schranken für den Handel mit Spitzentechnologie
sowie bei der Einführung von dem COCOM vergleichbaren Exportkontrollregimen in Rußland und den anderen
neuen unabhängigen Staaten gewährt wird und Verfahren eingeführt werden, die den zivilen Endverbrauch sicherheitsempfindlicher Waren undTechnologien in Angelegenheiten gemeinsamer Besorgnis si-

cherstellen. Beide Parteien stimmen darin überein,
daß dieser Prozeß auf der beiderseitigen Entschlossenheit beruht, die international gültigen Normen für
Exportkontrollen im Bereich der Nichtverbreitung von
Massenvernichtungswaffen und damit in Zusammenhang stehender Technologien, Raketen und Raketentechnologie, von destabilisierenden konventionellen
Rüstungen und mehrfach nutzbaren Gütern und Technologien streng einzuhalten.
Die Parteien ermutigen nachdrücklich den Ausbau
bilateraler militärischer Kontakte und der Arbeit des
Nordatlantischen Kooperationsrats bei der Behandlung des gesamten Spektrums militärischer Themen,
die entscheidend mit dem Erfolg der Konversion verknüpft sind, darunter die zivile Kontrolle des Militärs in
einer Demokratie, Verteidigungsplanung, Haushaltsund Beschaffungswesen in einer Marktwirtschaft,
Schließung und Umwandlung von Stützpunkten sowie
Demobilisierung, Umschulung und soziale Sicherung.

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�USA-RUSSLAND
24. Juni 1992

RUSSISCH-AMERIKANISCHES WAFFENABKOMMEN
Eine Übersicht des Weißen Hauses
WASHINGTON - (AD) - Die nachfolgende Übersicht zu dem russisch-amerikanischen Abkommen über die
Zerstörung und Sicherung von Waffen und die Verhinderung von deren Weiterverbreitung wurde am 17. Juni
1992 vom Weißen Haus veröffentlicht.

Das heute von Präsident Bush und Präsident Jelzin
unterzeichnete Abkommen liefert einen rechtlichen
Rahmen für die Bereitstellung von bis zu 400 Millionen
Dollar aus Haushaltsmitteln des US-Verteidigungsministeriums. Das Abkommen bildet das grundlegende
Instrument für die Bereitstellung der Nunn-Lugar-Hilfe
an Rußland für den Transport, die Sicherung und
Zerstörung nuklearer, chemischer und anderer Waffen der ehemaligen Sowjetunion. Das Abkommen
sieht vor, daß das Verteidigungsministerium das ausführende Organ für die Vereinigten Staaten sein wird.
Das Abkommen gestattet den Parteien, Durchführungsvereinbarungen zur Erlangung dieser Ziele abzuschließen. Die ersten dieser Durchführungsvereinbarungen wurden ebenfalls während des Besuches
von Präsident Jelzin unterzeichnet. Sie umfassen:
Splitterschutzdecken. Die Vereinigten Staaten werden umgehend 200 Sätze von Spezialnylondecken
sowie innerhalb des nächsten Jahres weitere 250
Sätze von in den Vereinigten Staaten hergestellten
Kevlar-Decken nach Rußland liefern. Die Decken
dienen dem Schutz russischer Kernwaffenbehälter.
Notfallausrüstung. Die Vereinigten Staaten werden
mit Beginn des Haushaltsjahrs 1993 1.000 Stück
Spezialkleidung sowie Ausrüstungsgegenstände für
Unglücksfälle liefern, um Rußlands Fähigkeit zu verbessern, auf Unglücksfälle mit Kernwaffen zu reagieren.

Behälter für spaltbares Material. Die Vereinigten Staaten
werden bis Dezember 1995 10.000 Behälter für spaltbares Material herstellen. Diese Behälter werden
eingesetzt, um spaltbares Material aus demontierten
russischen Kernwaffen zu lagern und transportieren.
Chemische Waffen. Die Vereinigten Staaten werden
Finanzhilfe zur detallierten Planung und Mittelverwaltung bereitstellen und Rußland dabei helfen, geeignete Unterstützung von amerikanischen Firmen zu erhalten, um die Maßnahmen zum Abbau der C-Waffen zu
beschleunigen.
Die andauernden Gespräche über sonstige Bereiche
könnten zu zusätzlichen Durchführungsvereinbarungen führen. Dazu zählen:
Sichere Lagerung von kerntechnischen Materialien
und Komponenten von demontierten Kernwaffen.
Sicherheitstechnische Verbesserungen für russische
Eisenbahnwaggons zum Transport von Kernwaffen.
Optionen für die endgültige Beseitigung spaltbaren
Materials von demontierten atomaren Gefechtsköpfen
Rußlands.
Bereitstellung amerikanischer Hilfe für die Einrichtung
eines Systems zur Kontrolle und zum Nachweis über
den Verbleib spaltbaren Materials.

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AMERIKA DIENST 25

Seite 1

�UNRUHEN

IN

LOS

ANGELES
24. Juni 1992

NACH DEN UNRUHEN IN LOS ANGELES
von James Q. Wilson
Der Autor des nachstehenden Artikels, der zum ersten Mal als zweiteilige Serie im Wall Street Journal erschien,
ist Professor für Management bei der University of California in Los Angeles. Der Nachdruck ist mit folgendem
Zusatz gestattet: Nachdruck mit Erlaubnis von Wall Street Journal, Copyright 1992 Dow Jones &amp; Co., Inc. Alle
Rechte vorbehalten.)
I. Reduzierung der von Schwarzen begangenen
Verbrechen

erwarteten, ist bemerkenswert, daß diese Erwartungen heute unsere Äußerungen und sogar unser Handeln bestimmen.

Bisweilen trägt das Verständnis von Ursachen nicht
zur Findung von Lösungen bei. Zweifellos hat die Wut
von Schwarzen über weißen Rassismus viele Schwarze auf die Straßen von Los Angeles getrieben, nachdem vier Polizeibeamte von der Anklage der Mi ßhandlung Rodney Kings freigesprochen worden waren.
Aus dieser Tatsache zieht manch einer den Schluß,
wenn wir das Polizeiwesen verbessern, den Zorn
abbauen und weitere Krawalle verhindern wollen, müßten
wir dem Rassismus ein Ende bereiten. Diese Schlußfolgerung mag zwar nicht gänzlich falsch sein, aber sie
ist irreführend und, schlimmer noch, sinnlos.

Aber wenn rassistisches Denken abgenommen hat,
warum sind dann die Beziehungen zwischen den Rassen
so schlecht? Warum sind die Wohnviertel von Los
Angeles wie in vielen anderen Städten heute noch
deutlicher nach Rassen getrennt als im Jahr 1965?
Warum behandeln so viele Weiße, die man nicht
Rassisten in des Wortes eigentlicher Bedeutung nennen kann, so häufig Schwarze mit Argwohn oder
reagieren auf ihre Vorschläge mit Mißachtung oder
Unbehagen?

Als im Jahr 1965 Unruhen in Watts (einem von Schwarzen bewohnten Stadtviertel von Los Angeles, Anm. d.
Red.) ausbrachen, war der Rassismus in jeder Hinsicht wesentlich stärker ausgeprägt als heute. Damals
kannten die meisten Weißen keine Schwarzen und
redeten unabhängig von der persönlichen Bekanntschaft über sie häufig in herabsetzenden Klischees.
Es war nahezu unvorstellbar, daß Weiße schwarze
Kandidaten wählen könnten oder eine Arbeitsstelle in
Betrieben annehmen würden, die zahlreiche Schwarze beschäftigten. Schwarze, die den Mut hatten, in
weiße Stadtviertel zu ziehen, stießen häufig auf organisierten Widerstand. Rassisch begründete Zwischenfälle bestanden nahezu ausschließlich in Angriffen von
Weißen auf Schwarze.
Mehr Kontakt
Heute gibt es weit mehr Kontakt zwischen den Rassen.
Alle Meinungsumfragen haben einen starken Rückgang rassistischer Einstellungen bei den Weißen aufgezeigt. Obwohl von manchen der Einwand erhoben
wird, diese Meinungsumfragen belegten lediglich das,
was andere nach Meinung der Befragten von ihnen

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Furcht. Weiße fürchten sich vor jungen schwarzen
Männern (und vor jungen hispanischen Männern). Es
ist nicht Rassismus, der Weiße davon abhält, schwarze Stadtviertel zu entdecken, sondern Furcht. Es ist
nicht Rassismus, der Weiße in Unruhe versetzt, wenn
Schwarze in ihr Wohnviertel ziehen, sondern Furcht.
Es ist nicht Rassismus, der weiße Eltern dazu veranlaßt, ihre Kinder von Schulen mit schwarzen Schülern
abzumelden, sondern Furcht. Furcht vor Verbrechen,
vor Drogen, vor Banden, vor Gewalt.
Diese Furcht beschränkt sich nicht auf Weiße; viele
schwarze Frauen fürchten sich ebenfalls vor schwarzen Männern, und ihre Furcht wiegt doppelt so schwer,
weil sie praktisch keinen Ausweg haben und weniger
Grund zu der Annahme, daß die Polizei ihnen helfen
wird, als weiße Frauen.
Angst existierte auch im Jahr 1965, aber diese war
eher fiktiv als real. Die schwarze Verbrechensquote
lag nur bei etwa einem Drittel der heutigen, Banden
waren mit Luftpistolen und nicht mit Maschinenpistolen bewaffnet, Heroin (ein Sedativum) anstatt Crack
(ein Aufputschmittel) war die bevorzugte Droge, und
die Gesellschaft war beim Einsatz staatlicher Macht

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�gegen innenpolitische Bedrohungen mit wesentlich
weniger legalen oder politischen Zwängen konfrontiert.

schwängern, Kinder sich selbst überlassen, Banden
beitreten, mit Drogen handeln und unschuldige Menschen erschießen.

Was die vier Polizeibeamten bei der Festnahme Rodney Kings taten, war meines Erachtens falsch. Sie
sollten bestraft werden. Tatsächlich wurden sie bereits bestraft. Der Polizeianwärter wurde entlassen,
und die drei erfahrenen Beamten wurden bis zum
Ausgang des Verfahrens beim Board of Rights unter
Aussetzung der Bezüge vom Dienst suspendiert. Ob
das, was sie taten, über jeden begründeten Zweifel
hinaus illegal war, ist unklar. Die rassistische Bigotterie jedoch, die heute gegen die Geschworenen von
Ventura County von Leuten gerichtet wird, die nicht
selbst an dem Prozeß teilnahmen oder die Verhandlungsprotokolle gelesen haben, ist erschreckend. Sind
diese Leute, die ein unpopuläres Urteil erklären, indem
sie auf die Rassenzugehörigkeit der Geschworenen
verweisen, bereit, dieselbe Erklärung zu geben, wenn
schwarze Geschworene entscheiden, einen schwarzen Angeklagten freizusprechen oder einen Weißen
zu verurteilen?

Wir können natürlich versuchen, mehr desselben zu
leisten - mehr Head Start, mehr Job Corps. Das ist
wahrscheinlich wünschenswert. Wir können dieser
Mischung einen eher an den jeweiligen Bewohnern
orientierten Polizeistil hinzufügen. Dies geschieht jetzt
in Los Angeles und wird unter dem neuen Polizeichef
fortgesetzt werden. Wir können Möglichkeiten entwickeln, um Arbeitslosen Arbeitsplätze zu verschaffen
und diese Menschen für bestehende Arbeitsplätze
umzuschulen, aber die einzige neue Idee, um dies zu
erreichen - Gewerbezonen -, ist bestenfalls mit Fragezeichen versehen. Ich kann mir nicht vorstellen, daß
in South Central Los Angeles viele neue Fabriken
eröffnet werden, wenn deren Besitzer Steuervorteile
erhalten. Die Besitzer werden daran denken, was den
koreanischen Ladenbesitzem zugefügt wurde, die ohne
Steuervorteile Geschäfte in schwarzen Wohnvierteln
eröffneten: Sie wurden mit Bomben beworfen, ihre
Läden in Brand gesetzt und geplündert.

Mit der Behauptung, daß die Spannungen zwischen
der Polizei und den Bürgern vielfach - wenn auch nicht
gänzlich - auf Furcht zurückzuführen sind, sollen die
Polizeibeamten nicht entschuldigt werden. Ich bin seit
den frühen sechziger Jahren häufig in Streifenwagen
der Polizei mitgefahren. Der durchschnittliche Polizist
in den Großstädten hat heute wesentlich weniger
Vorurteile als vor dreißig Jahren, aber er (und sie) hat
mehr Angst. Wenn die Polizisten einen jungen schwarzen Mann anhalten, erwarten sie Widerstand anstatt
Kooperation. Wenn sie eine Sozialwohnungssiedlung
betreten, erwarten sie Spott, nicht Dank. Wenn sie auf
eine Bande treffen, erwarten sie einen Kugelhagel
anstatt lediglich mürrischer Beschwerden.

Wir können verbilligte Verkehrsmittel zur Verfügung
stellen, damit Schwarze zu Arbeitsstätten gelangen
können, aber ich bezweifle, daß Verkehrsmittel das
Hauptproblem sind. Jeden Tag warten Tausende von
hispanischen Arbeitern an Straßenecken, die 20 Meilen oder mehr von ihrem Wohnort entfertn sind, in der
Hoffnung, daß sie als Tagelöhner von Unternehmern
und Hausbesitzern angeworben werden. Viele werden eingestellt. Sie alle gelangen mit dem Bus zu
diesen Straßenecken, an denen jedoch keine schwarzen Männer anzutreffen sind.

Furcht kann ein Verhalten hervorbringen, das sich
nicht von Rassismus unterscheiden läßt. Furcht kann,
wie Rassismus, einen Polizisten dazu veranlassen,
einen Verdächtigen einzuschüchtern oder übermäßige Gewalt anzuwenden, um ihn zu bändigen. Furcht
schafft Spannungen, die dazu führen, daß Wrtze gemacht
werden, die mit denen von Rassisten identisch sind.
Als Reaktion auf die Ängste von anderen ist es wahrscheinlicher, daß Polizisten schwarze Männer anhalten und verhören werden als weiße Männer. Statistisch gesehen sind erstere weit verdächtiger als die
letzteren mit dem Ergebnis, daß unschuldige Schwarze eher angehalten werden als unschuldige Weiße.
Furcht wird durch Unwissen am Leben erhalten. Wir
wissen nicht, wie Verbrechen und Gewalt reduziert
oder die Banden aufgelöst werden können. Die Great
Society hat einige gute Dinge hervorgebracht: Head
Start, das Job Corps, verschiedene Bürgerrechtsgesetze. Aber sie hat nichts zur Verbrechensbekämpfung unternommen, und insbesondere nichts zum
raubtierhaften Verhalten junger Männer, die Frauen

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Der Abbau von Armut, die Beendigung des Rassismus, Schaffung von Arbeitsplätzen und Verbesserung
des Schulwesens sind alles gute Vorhaben, ob sie
Verbrechen oder Krawalle nun verhindern oder nicht.
Aber das Problem unserer Großstädte geht weit tiefer.
Es gibt eine Unterschicht, und obwohl zu ihr Angehörige verschiedenen Rassen gehören und sie lediglich
einen Bruchteil der schwarzen Gemeinde ausmacht,
wird sie für ein Phänomen der Schwarzen gehalten.
Solange schwarze Männer sechs- bis achtmal so viele
Gewaltverbrechen begehen wie Weiße, wird dieser
Eindruck bestehen bleiben. Und solange diese Haltung anhält, wird die Furcht unsere Ängste verstärken
und unser Gemeinwesen untergraben.
Mit zunehmendem Wissen über die Ereignisse in Los
Angeles wird immer klarer, daß vieles von dem, was
dort geschah, nicht mit Protesten und alles mit Gier,
Orgien und alten offenen Rechnungen zu tun hatte.
Von den 5.438 Personen, die zwischen Mitternacht
des 30. April und dem Morgen des 4. Mai 1992
festgenommen wurden, waren 568 Weiße, von denen
kaum angenommen werden kann, daß sie soziale
Rebellen waren, die gegen Ungerechtigkeit protestierten. Die hispanischen Festgenommenen übertrafen

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�die schwarzen im Verhältnis von 2.764 zu 2.022. Die
Unruhen wurden durch Wut ausgelöst, aber nachdem
die Mechanismen sozialer Kontrolle einmal übermächtig geworden waren, gewann Habgier die Oberhand.
Und betrachten wir einmal, wer festgenommen wurde.
Keine Minderheit in Kalifornien wurde jemals schlechter behandelt als die Amerikaner japanischer Abstammung. Sie wurden von Geschworenengremien ausgeschlossen, durften nicht wählen, wurden im Jahr 1942
aus ihren Wohnungen abgeholt und viele Jahre lang in
Lagern in der Wüste interniert. Sie waren Ziele unverhüllten und eindeutigen Rassismus. Von den 5.438
Festgenommenen war keiner japanischer Abstammung. Einer war chinesischer, drei waren philippinischer Herkunft.
Verbrechensquote der Schwarzen muß gesenkt
werden
Der beste Weg zum Abbau echten oder eingebildeten
Rassismus ist die Reduzierung der schwarzen Verbrechensquote auf das Niveau der weißen, das weiß Gott
hoch genug ist. (Ich nehme an, niemand wird als
Alternative die Anhebung der weißen Verbrechensquote auf das Niveau der schwarzen befürworten.)
Dies zu tun, wird wesentlich grundlegendere und
umfassendere Veränderungen im Leben schwarzer
Kinder von ihrer Geburt an bis zum Alter von acht bis
zehn Jahren erfordern als alles, was wir zur Zeit in
Erwägung ziehen. Wir haben noch nicht begonnen,
ernsthaft darüber nachzudenken und werden dies
vielleicht niemals tun. Diejenigen, die am meisten
darüber nachdenken müssen, sind die anständigen
schwarzen Bürger, die akzeptieren und im Idealfall
entwickeln und umsetzen müssen, was immer getan
wird.
II. Wie wir in den Innenstädten bessere Werte
vermitteln können
Die Probleme unserer Innenstädte sind zweifach gelagert. Der erste Problembereich betrifft den Mangel an
Arbeitsplätzen, zu geringe Kapitalbildung, schlecht
verwaltete Sozialwohnungsprojekte, ein perverses
Sozialhilfeprogramm und den überlasteten Justizapparat. Dies sind greifbare Probleme, die behandelt
werden können, indem Veränderungen bei den für
Bürger und Behörden verfügbaren Anreizen und
Ressourcen vorgenommen werden. Die öffentliche
Debatte konzentriert sich darauf, wie dies kostengünstig zu leisten ist.
Der zweite Problembereich betrifft Rassismus, Furcht,
Verzweiflung, Widerstand, schlechte Arbeitsmoral,
unzureichende berufliche Fähigkeiten und eine Präferenz für den Anschluß an räuberische Banden gegenüber der Annahme schlechtbezahlter Arbeitsplätze.
Dies sind nicht greifbare Probleme - Probleme, die mit
"Werten" verbunden sind -, die sich mit Geld allein nur
schwer bewältigen lassen, weil durch sie Weiße eher
AMERIKA DIENST 25

von Investitionen oder einer Erweiterung von Chancen
abgeschreckt werden und Schwarze sich weniger
veranlaßt sehen, Chancen zu nutzen.
Wenn sich die staatliche Politik nur den greifbaren
Problemen widmet, werden wir von den Ergebnissen
enttäuscht sein. Viele Menschen wissen dies, und
deshalb, so bin ich überzeugt, haben so wenige gefordert, man solle auf die Krawalle mit einem "Marshallplan für die Städte" reagieren. Die Analogie ist zutreffend: Der Ansatz des Marshallplans funktionierte gut,
als er Völkern mit einer unternehmerischen Vorgeschichte angeboten wurde, deren Volkswirtschaften
von einem Krieg zerstört worden waren. Er funktionierte nicht so gut, als er Völkern angeboten wurde, die
keine Geschichte des Unternehmertums aufwiesen
und in nicht entwickelten Ländern lebten.
Es ist zwingend erforderlich, daß unsere Maßnahmen
sowohl die materiellen als auch die kulturellen Probleme unserer Innenstädte behandeln. Damit diese
Maßnahmen funktionieren, müssen drei Kriterien erfüllt werden: Sie müssen im Frühstadium der Entwicklung von Jugendlichen beginnen (in dem Charakter
und Erwartungen geformt werden), sich auf junge
Männer konzentrieren (sie sind die Quelle von Angst,
die Täter bei Verbrechen, die Väter unehelicher Kinder
und die Mitglieder der Banden) und Anreiz und Strafe
miteinander verbinden (viele legale Chancen werden
nicht genutzt werden, wenn ungesetzliche Alternativen attraktiver erscheinen).
Nachfolgend einige mögliche Strategien:
Schulen:
Die Auswirkungen von Head Start sind häufig nicht von
Dauer. Das liegt daran, daß kein einzelnes befristetes
Programm einen jungen Menschen vor den Belastungen eines Schlüsselkindes feien kann, das alleingelassen wird und sich mit abwesenden Eltern, von Verbrechen heimgesuchten Straßen, räuberischen Banden
und zynischen Gleichaltrigen auseinandersetzen muß.
Head Start sollte den Anfang eines umfassenderen
Programms bilden, das den Bedürftigsten eine Alternative zum nichtexistenten Familienleben bietet.
Ein Weg, um dies zu verwirklichen, wäre die Vergabe
von Gutscheinen an die Mütter von Kindern in Risikogruppen, mit denen sie ihre Kinder in Internaten einschreiben können. Gut situierte Eltern schicken ihre
Kinder bereits in Internate, aber nur wenige dieser
jungen Menschen werden im allgemeinen so stark von
dem stabilen, strukturierten und anregenden Umfeld
eines gut geführten Internats profitieren wie Kinder aus
Familien ohne Status, mit geringem Bildungsgrad und
zurückgebliebener moralischer Entwicklung.
Berufliche Bildung:
Zahlreiche Mitglieder der Unterschicht müssen nicht
nur technische, sondern auch menschliche Fähigkei-

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�ten erwerben. Jedoch wird das Engagement, das eine
notwendige Vorbedingung für den Erwerb solcher
Fähigkeiten ist, nur schwer aufzubringen sein, wenn
jemand in einem desorganisierten, drogenverseuchten Wohnviertel und von Freunden umgeben lebt, von
denen er als jemand verhöhnt wird, der sich an die
Autoritäten verkauft oder seine Kumpels verraten hat.
Meines Wissens das einzige umfassende Vollzeitprogramm, das charakterliche Bildung, Entwicklung von
Fähigkeiten, Arbeitserfahrung und Gruppenzusammenhalt miteinander verbunden hat, war das Civilian
Conservation Corps (ein Arbeitsbeschaffungsprogramm
der New-Deal-Ära unter Roosevelt, Anm. d. Red.).
Dieses Modell, das teilweise vom Job Corps nachgeahmt wird, kombinierte die Unterbringung in Wohnheimen, berufliche Bildung, echte Arbeit und verdientes
Einkommen.
Heute gibt es militärische Stützpunkte, die neue
Bewohnersuchen, ein Verteidigungsministerium, das
neue Aufgaben sucht, eine erneuerungsbedürftige
Infrastruktur und eine Umwelt, die der Sanierung bedarf.
Sicherlich gibt es Wege, um aus diesen gleichzeitig
auftretenden Möglichkeiten ein Programm zu entwikkeln, das sich die Fähigkeiten des Militärs bei der
Ausbildung von Männern, dem Aufbau von Moral und
der charakterlichen Festigung zunutze machen kann.
Banden:
Banden entstehen aus vielen Gründen - Stolz, Territorium, Sicherheit, Kriminalität - und nicht alle Banden
sind schlecht. Aber viele Banden sind kriminelle
Vereinigungen, die ganze Stadtviertel terrorisieren,
korrumpieren und verarmen lassen. Die Justizbehörden auf Bundes, Staats- und Gemeindeebene sollten
Kommissionen gründen, die die gesetzlichen Bestimmungen über Verschwörung zur Verfolgung von Straßenbanden ebenso anwenden wie bei der Verfolgung
der Mafia. Programme zum wirtschaftlichen Wiederaufbau werden nicht funktionieren, solange diese Banden
die Straßen kontrollieren, und wirtschaftlicher Wiederaufbau allein wird, selbst wenn er Erfolg hat, nicht
ausreichen, um die Banden zu vertreiben.
*

Seite 4

Drogen:
Drogenhandel existiert, weil eine Nachfrage nach Drogen
besteht. Die Behandlung Drogenabhängiger kann
funktionieren, aber ihr Wirkungsbereich ist begrenzt,
weil es einerseits zu wenig Behandlungsplätze gibt
(eine Tatsache, über die allgemein diskutiert wird) und
weil andererseits zu wenig Menschen der Meinung
sind, Behandlung sei der Duldung des Drogenkonsums vorzuziehen (eine Tatsache, über die fast niemand diskutiert). Es gibt einen Weg, um die Nachfrage
zu reduzieren und die Beteiligung an Behandlungsprogrammen zu fördern ohne Grundfreiheiten anzutasten, und dabei handelt es sich um obligatorische
stichprobenartige Tests von auf Bewährung Verurteilten und vorzeitig aus der Haft Entlassenen.
Die Mehrzahl der Festgenommenen in den meisten
Großstädten haben in den letzten Tagen vor ihrer
Festnahme Drogen zu sich genommen. Einige Bundesstaaten verlangen einen Test als Vorbedingung für
Abweichungen vom System oder Entlassung auf
Bewährung. Aber in kaum einer Stadt werden diese
Testbedingungen rigoros durchgesetzt oder wird das
Nichtbestehen eines Tests mit unverzüglichen Sanktionen bestraft. Einer der Gründe, aus denen die
Menschen über die Alternativen zur Inhaftierung erbost sind, besteht darin, daß diese Alternativen häufig
keine Sanktionen enthalten. Der beste Weg, sie zu
verschärfen, wäre die Erzwingung stichprobenartiger
Tests bei Personen, die bereits der Strafjustiz unterstehen. Dies wird zusätzliche Einrichtungen zur Behandlung Drogenabhängiger erfordern.
Zweifellos ist jeder dieser Vorschläge mit Schwierigkeiten behaftet. Alle kosten Geld. Keiner kann den
Erfolg garantieren. Aber wenn die nationale Debatte
nicht auf die Probleme verlagert wird, auf die diese
Vorschläge eingehen, werden wir wahrscheinlich Geld
und Mühen in der fälschlichen Annahme verschwenden, daß Chancen alles sind, was erforderlich ist.

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AMERIKA DIENST 25

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