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                    <text>Information
und
Dokumentation

31

L HifiMH

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

19. März 1980

16

I N H A L T

DOKUMENTATION

Präsident Carter gibt Maßnahmen zur Inflationsbekämpfung bekannt
- US-Bundesbank zieht die Kreditbremse -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Den Feinreaktionen des Zell Wachstums auf der Spur
- Signal für Zellteilung kommt von der Oberfläche Laser-Zündung für die Analyse von Verbrennungsreaktionen

Um Übcr/cndung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�16

19. März 1980

PRÄSIDENT CARTER GIBT MASSNAHMEN ZUR INFLATIONSBEKÄMPFUNG BEKANNT
- US-Bundesbank zieht die Kreditbremse -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 14. März 1980 ein umfassendes Programm zur Bekämpfung der Inflation in den Vereinigten Staaten
bekanntgegeben.

Gleichzeitig führte die amerikanische Bundesbank (Federal

Reserve Board) Maßnahmen zur Krediterschwerung ein.
Auf einer Pressekonferenz am gleichen Tage betonte Carter, daß die Maßnahmen zur Eindämmung der Inflation "schmerzlich" seien und nicht über Nacht
wirken würden-

Aber sie seien notwendig, um die Stärke der größten Wirt-

schaftsmacht der Erde zu erhalten.

Carter teilte mit, daß die Maßnahmen mit

den führenden Vertretern der Demokratischen Partei im Kongreß abgestimmt worden seien und daß führende Vertreter der Republikanischen Partei ihre Unterstützung zugesichert hätten, wenn die Demokraten die Führung im Kampf gegen
die Inflation übernehmen würden.
Der Präsident kündigte an, daß er durch Kürzungen und Einsparungen - so
sollen bis 1. Oktober dieses Jahres durch eine Einstellungssperre 20 000 Planstellen im zivilen Bundesdienst wegfallen - für das Finanzjahr 1980/81 (vom

�(vom 1. Oktober 1980 bis 30. September 1981) entgegen dem Voranschlag einen
ausgeglichenen Haushalt vorlegen werde.

Um dies zu erreichen, müssen über

13 Milliarden Dollar eingespart werden.

Die entsprechenden Maßnahmen auf dem Energiesektor sehen eine Importabgabe von 4,62 Dollar pro Barrel vor, die sich nur auf den Benzinpreis auswirken soll und diesen um rund 10 Cent pro Gallone (knapp 5 Pfennig pro Liter)
erhöhen wird.

Die Ziele für den Benzinverbrauch in den Vereinigten Staaten

werden 5,5 Prozent unter dem Verbrauch des Jahres 1979 angesetzt.

Die amerikanische Bundesbank (Zentralbank) wird die Banken ersuchen,
ein freiwilliges Krediteinschränkungsprogramm zu befolgen, das die Zunahme
ihrer Kreditausweitung auf unter neun Prozent festlegt.

Für bestimmte Arten

der Kreditaufnahme der Banken, einschließlich Depositenzertifikate und Eurowährungskreditaufnahmen, werden die Mindestreservesätze erhöht.

Ferner wird

die Bundesbank eine Kontrolle über Konsumentenkredite, vor allem mit Hilfe
von Kreditkarten, ausüben, wobei allerdings Hypothekenkredite, Kredite für
Autos und Kredite für größere Haushaltsanschaffungen nicht eingeschlossen
sind.

Investmentfonds und andere Anlagefirmen, die mehr Zinsen bezahlen als

die Sparzinsen, müssen bei jeder Erhöhung ihres Anlagekapitals eine Sonderrücklage von 15 Prozent bei der Bundesbank hinterlegen.

Schließlich werden die Anleihen und Anleihegarantien des Bundes im Haushaltsjahr 1980/81 um fast vier Milliarden Dollar gekürzt.

Die freiwilligen Lohn- und Preisrichtlinien werden verschärft und genauer
überwacht.

Der Präsident der amerikanischen Bundesbank, Paul Volcker, betonte am
15. März vor der Presse, die getroffenen Maßnahmen dienten dem Hauptziel, die
Ausweitung des Geld- und Kreditvolumens in den USA besser unter Kontrolle zu
bringen und damit der Inflation Einhalt zu gebieten.

Er gab unter anderem be-

kannt, daß der Diskontsatz für kleine Banken und für gelegentliche Anleihen

- 2-

�Anleihen der Großbanken zwar nicht erhöht werden, daß aber wiederholte
Kreditaufnahmen von Großbanken mit einer dreiprozentigen Sonderabgabe belegt
werden - was einer Erhöhung des Diskontsatzes auf 16 Prozent entspricht.
Unter diese

Bestimmungen fielen 177 amerikanische Banken, so sagte Volcker.

Er wies darauf hin, daß das Kreditvolumen gewaltig zugenommen habe.

Die

Käufe auf Kreditkarten nahmen nach Auskunft Volckers mit einer Rate von
15,5 Prozent, die persönlichen Kredite mit 11,5 Prozent zu; die ausstehenden
Kredite auf Kreditkarten sind auf 68 Milliarden Dollar und die anderen Personalkredite auf 116 Milliarden Dollar aus einer Gesamtkonsumentenverschuldung von 381 Milliarden Dollar angewachsen.

Die ausländischen Banken,vor allem solche mit Zweigniederlassungen

in

den Vereinigten Staaten, werden nach Auskunft des amerikanischen Bundesbankpräsidenten ersucht, an dem neuen Kreditdämpfungsprogramm mitzuwirken.
Präsident Carter hat an das amerikanische Volk appelliert, nicht über
seine Verhältnisse zu leben und seinen Kampf gegen die Inflation zu unterstützen, der höchsten Vorrang habe.

Die Ausführungen des Präsidenten haben folgenden Wortlaut:

Die anhaltend hohe Inflation bedroht die wirtschaftliche Sicherheit unseres Landes.

Seit meinem Wirtschaftsbericht und meinem Haushaltsbericht im Januar
haben rasche Veränderungen in den Geschehnissen der Welt urd in den wirtschaftlichen Aussichten es notwendig gemacht, unseren Kampf gegen die Inflation zu
verstärken.

In den letzten acht Wochen sind die Zinssätze auf eine nie dagewesene
Höhe geklettert, und die Inflation hat sich stark beschleunigt.

Das

- 3 -

�Das ist ein weltweites Problem.

In den letzten beiden Berichtsmonaten

haben die Zunahmen des Großhandelspreisindexes in Japan, Großbritannien und
Italien die 25 Prozentmarke überschritten.

Selbst in der Bundesrepublik

Deutschland betrug die Inflationsrate bei den Großhandelspreisen 13 Prozent.
Die Inflation, mit der wir es zu tun haben, hat tiefe Wurzeln.

Ihre

vielerlei Ursachen sind im Laufe von mehr als zehn Jahren entstanden.

Die

wichtigsten dieser Ursachen sind die rapide steigenden ölpreise, die Verlangsamung des Produktivitä'tswachstums sowie unser Versagen, als Regierung, als
Einzelperson und als Gesellschaft unseren Verhältnissen entsprechend zu leben.
Die Inflation ist ein Symptom einer wirtschaftlichen Notlage.

Die Wahr-

heit ist, daß wir Inflation haben, weil unsere Wirtschaft nicht produktiv
genug ist, all das zu leisten, was wir von ihr verlangen.

Wir wollen, daß

sie uns höhere Einkommen, größere Gewinne und umfangreichere Regierungsprogramme auf unserem Lieblingsgebiet beschert.
Die Bundesregierung muß aufhören, Geld auszugeben, das wir nicht haben,
und sich Geld zu leihen, um das fehlende Geld zu beschaffen.
Unsere ganze Gesellschaft - alle Amerikaner - müssen noch härter versuchen, mit dem auszukommen, was sie haben. Als Einzelpersonen wie als Nation
müssen wir damit anfangen, nur so viel Geld auszugeben, wie wir uns auf die
Dauer leisten können - nicht so viel, wie wir uns kurzfristig leihen können.
Es gibt keine raschen Antworten auf das Problem der Inflation und vor
allem keine Antworten, die nicht wehtun.

Wenn es solche Lösungsmöglichkeiten

gäbe, dann hätte man sie schon lange versucht.

Wir können die Inflation nicht

über Nacht abschaffen, indem wir einfach ein Gesetz gegen sie erlassen.

Nur

durch eine langfristige Anstrengung - in Partnerschaft mit Unternehmen, Gewerkschaften, dem einzelnen Bürger und allen Ebenen und Zweigen der Regierung - können wir dieses Problem erfolgreich in den Griff bekommen.
Die

�Die jetzige gefährliche Situation verlangt rasche Maßnahmen.
müssen fest und entschieden handeln.

Wir müssen jetzt handeln.

Wir
Wir müssen

alle Zweifel über den Willen unserer Nation beseitigen, die schmerzlichen
Maßnahmen zu ergreifen, um die Inflation unter Kontrolle zu bringen.

Wir

können hohe Inflationsraten nicht einfach als eine ständige Tatsache des
Lebens akzeptieren.
Das von mir heute verkündete intensive Antiinflationsprogramm umfaßt
fünf Hauptbestandteile:
- Erstens:

Disziplin durch Kürzung des Bundeshaushalts;

- zweitens: Disziplin durch Kreditrestriktionen;
- drittens:

Disziplin durch Lohn- und Preismaßnahmen;

- viertens: Disziplin durch stärkere Einsparung von Energie; und
- fünftens: Strukturänderungen zur Ermutigung von Produktivität, Spartätigkeit, Forschung und Entwicklung.
Lassen Sie mich die Punkte im einzelnen durchgehen.
Erstens:

Der Haushalt

Ich werde bald einen neugefaßten Voranschlag für das Haushaltsjahr 1981
vorlegen, das am 1. Oktober dieses Jahres beginnt.

Es wird ein ausgeglichener

Haushalt sein, und ich beabsichtige, ihn ausgewogen zu halten.
Seit dem letzten ausgeglichenen Etat vor 12 Jahren sind unsere Staatsschulden um nahezu 500 Milliarden Dollar angewachsen.

Wir werden im Jahr 1981

wieder ein Ziel erreichen, das unser Land fast niemals - in guten wie in
schlechten Zeiten - erreicht hat: einen ausgeglichenen Haushalt.
Gegen Monatsende werde ich dem Kongreß eine weitgehend revidierte Fassung meiner beiden Haushaltsvoranschläge für 1980 und 1981 vorlegen.

Ich

�Ich werde bedeutende Kürzungen bei der Ausgabeermächtigung des laufenden
Haushalts vorschlagen, um die Ausgaben in diesem und dem nächsten Haushaltsjahr zu beschneiden.
\ " .

•

.

Ich werde die Ausgaben im Haushalt 1981 um mehr als 13 Milliarden Dollar
kürzen und werde zu diesem Zweck:
- die meisten der neuen oder der erweiterten Programme verschieben, kürzen oder streichen, die ursprünglich im Haushalt 1980 vorgeschlagen wurden;
- die Ausgaben für Personal, Betrieb und Unterhaltung im gesamten Regierungsbereich kürzen;
•

•

- bei den Zivil beschäftigten im Bundesbereich die Stellen ab sofort einfrieren, und strenge Höchstgrenzen einhalten, damit wir bis Oktober dieses
Jahres 20 000 weniger Bundesbedienstete haben werden;
- laufende Ausgabenprogramme im Gesamtbereich der Bundesregierung reduzieren.
Ich fordere den Kongreß dringend dazu auf, die Spar- und Einkommensmaßnahmen in dem von mir im Januar vorgelegten Haushalt anzunehmen. Ich möchte
im besonderen auf die Gesetzgebung hinweisen, die notwendig ist, um die Krankenhauskosten zu dämpfen, die Besoldung des Bundes zu reformieren und die Steuereinnahmen zu beschleunigen.
Wenn Haushaltskürzungen von vielen Amerikanern Opfer fordern, dann ist
es untragbar, daß sich manche der pünktlichen Zahlung ihrer Steuern entziehen.
Ich werde dem Kongreß Gesetzesvorlagen unterbreiten, um sicherzustellen, daß
Steuerschulden aus Einkommen durch Zinsen und Dividenden ebenfalls und rechtzeitig bezahlt werden.
Ich werde auch weiterhin meiner Verpflichtung zu einer starken Verteidigung und zu dem Realzuwachs der Verteidigungsausgaben nachkommen, zu dem
- 6 -

�dem wir uns unseren NATO-Verbündeten gegenüber verpflichtet haben.

Aber

auch das Verteidigungsministerium wird nicht gegen das Haushaltssparprogramm
gefeit sein.

Ich fordere insbesondere das Ministerium zu Einsparungen auf,

die unsere militärische Bereitschaft nicht beeinträchtigen.

Ich erachte den

vorgeschlagenen Verteidigungshaushalt als für die Erfordernisse unseres Landes ausreichend.

Wir müssen einen sparsamen Haushalt und verantwortungsbe-

wußtes fiskalisches Denken bei allen Regierungsbehörden aufrechterhalten.

Gegründet auf unsere Vorausschätzungen der wirtschaftlichen und haushaltsmäßigen Entwicklungen werden die von mir beschriebenen Schritte im Finanzjahr 1981 einen ausgeglichenen Haushalt zur Folge haben.

In unserem System kontrolliert der Kongreß, für welchen Zweck die Mittel
ausgegeben werden.

Die intensiven Anstrengungen der führenden Vertreter im

Kongreß in letzter Zeit und meine engen Konsultationen mit ihnen haben mich
davon überzeugt, daß der Kongreß in der Tat einen ausgeglichenen Haushalt,
wie von mir vorgeschlagen, verabschiedet und tragen wird.

Um aber dieses

Ergebnis sicherzustellen, werde ich alle mir zu Gebote stehende Macht nutzen.:

- Wie vorige Woche bei einem populären Gesetzesvorschlag

werde ich mein

Veto gegen jedes Gesetz einlegen, das über die Ausgabengrenzen hinausgeht,
die mit einem ausgeglichenen Haushalt in Einklang stehen.

- Ich werde meine weitreichenden Vollmachten gemäß dem Haushaltsreformgesetz des Jahres 1974 einsetzen, um die Bundesausgaben einzudämmen, einschließlich einiger Ausgaben, für die bereits eine Ermächtigung erteilt worden ist.

- Sollte ich im Laufe des Jahres zu der Ansicht gelangen, daß diese Maßnahmen und Vollmachten nicht ausreichend sind, werde ich den Kongreß um die
zeitweilige Gewährung außerordentlicher Vollmachten ersuchen, um sicherzustellen, daß die Ausgaben eingedämmt werden.

Die

- 7 -

�Die Kürzung von Bundesausgaben, um sie mit den Einnahmen in Einklang
zu bringen, ist kein Allheilmittel, aber es ist ein wesentlicher erster
Schritt.

Die Inflationsursachen sind viel zu komplex, als daß man ihnen durch

ein einziges Hilfsmittel beikommen könnte. Aber nichts wird helfen, solange
nicht die Bundesregierung zeigt, daß sie ihre eigenen Ausgaben und Schulden
in den Griff bekommen kann - nicht nur als eine Sache, die man ein Jahr lang
betreibt, sondern als eine langfristige Politik.

Genau das werden wir zusam-

men tun. Wir werden mit der Vorstellung Schluß machen, daß wir auf ewig im
Defizit leben müssen.
Ich möchte, was diese Haushaltskürzungen angeht, absolut ehrlich sein.
Wir haben bisher Verschwendung und Schwindel beseitigt und das Fett abgeschmolzen, das die Bürokratie angesetzt hat. Aber dieses Mal wird es auch
Kürzungen bei guten, wertvollen Programmen geben - bei Programmen, die ich
nachhaltig unterstütze.
In dieser kritischen Lage müssen wir alle über einige unserer lohnendsten
unmittelbaren Ziele hinaus blicken auf die überragenden ständigen Belange der
ganzen Nation.
Unser zweiter Bereich des Handelns ist die Eindämmung des Kreditzuwachses.
Genauso wie unsere Regierungen Schulden gemacht haben, um über die Runden zu kommen, so haben es auch die einzelnen Amerikaner getan.

Aber wenn

wir versuchen, die Inflation mit geliehenem Geld zu bekämpfen, dann machen
wir die Sache nur noch schlimmer.
Die Inflation wird durch Ausgaben, die über Kredite finanziert werden,
nur angeheizt.

Die Verbraucher haben sie zu tief in Schulden gestürzt.

Die

Spareinlagen in unserem Land waren seit über 25 Jahren noch nie so niedrig.
Mit steigender Inflationserwartung werden Unternehmer und andere Kreditnehmer
verlockt, Kredite nicht nur zur Finanzierung von produktiven Unternehmungen,
sondern auch von Spekulationsgeschäften zu verwenden.
Die

�Die herkömmlichen Werkzeuge, die die Bundesbank verwendet, um die Geldund Kreditexpansion zu kontrollieren, sind grundlegender Bestandteil der
Inflationsbekä'mpfung.

Aber unter den gegenwärtigen Umständen müssen diese

Werkzeuge geschärft werden, damit eine wirkungsvolle Zurückhaltung in einer
Weise erreicht werden kann, die die Last vernünftig und fair verteilt.
Ich werde daher meine Vollmacht gemäß dem Kreditkontroilgesetz des Jahres 1969 gebrauchen, um die Bundesbank zu ermächtigen, dem Kreditzuwachs auf
beschränkter und sorgfältig ausgerichteter Grundlage neue Beschränkungen aufzuerlegen. Kraft dieser Ermächtigung wird die Zentralbank:
- Kontrollen für Kreditkarten und andere nichtabgedeckte Darlehen einführen - jedoch nicht für gedeckte Kredite auf Häuser, Autos und andere Dauergüter;
- die Kreditausweitungen von Handelsbanken beschränken, die keine Mitglieder des Bundesbanksystems sind, sowie von bestimmten anderen Kreditgebern auf dem Geldmarkt.
Der Bundesbankpräsident wird ein freiwilliges Programm ankündigen, das
sofort in Kraft tritt, um übermäßigen Darlehenszuwachs größerer Banken und
anderer Geldgeber zu beschränken. Gleichzeitig wird das Programm den Fluß
der verfügbaren Kreditmittel für Investitionen und andere produktive Verwendung anspornen. Besondere Aufmerksamkeit wird dem speziellen Bedarf des
gewerblichen Mittelstandes, der Landwirte und derjenigen gewidmet, die sich
ein Haus kaufen wollen. Ich unterstütze diese Initiativen der Bundesbank.
Diese genau gezielten Maßnahmen werden die Produktionskapazität unseres
Landes nicht schädigen.

Durch Beschränkungen einer übermäßigen Kreditauf-

nahme und durch Dämpfung der Inflation sollten sie - zusammen mit den Haushaltsmaßnahmen, die ich angekündigt habe - die Aussichten auf Verminderung
des Drucks beschleunigen, der auf den Finanzmärkten lastet.
Zusatz!ich

�Zusätzlich werde ich Schritte unternehmen, um die Verschuldung der
Bundesregierung einzuschränken.

Bundesdarlehen und Darlehensgarantien werden

im Haushaltsjahr 1981 um annähernd 4 Milliarden Dollar beschnitten.
1

•

Als längerfristige Maßnahme dränge ich den Kongreß darauf, den Kredithaushalt einzuführen, den ich im Januar vorgeschlagen habe. Er wird uns dabei behilflich sein, die Darlehen und Darlehensgarantien wirkungsvoller zu
kontrollieren, die die Bundesregierung gewährt.
Unser dritter Bereich für Maßnahmen sind die freiwilligen Lohn- und
Preisrichtlinien.
Ich habe keine Ermächtigung, Kontrollen aufzuerlegen.
Ermächtigung auch nicht.
kontrollen verfügen.

Ich möchte diese

Wir werden keine obligatorischen Lohn- und Preis-

Lohn- und Preiskontrollen der Regierung haben in Frie-

denszeiten nie gewirkt.

Sie schaffen nur unfaire ökonomische Verzerrungen

und schaden der Produktivität.

Solche Ergebnisse zwangen stets dazu, die

Preiskontrollen zunächst zu lockern und dann aufzugeben - während die Inflation weitertobte.
Kontrollen schaffen Härten - und die größte Härte ist ihre Auswirkung
auf die Durchschnittsfamilie.

Wie sogar die glühendsten Verfechter obliga-

torischer Kontrollen einräumen, würden die Kosten der lebensnotwendigen Dinge
wie Nahrung und Brennstoff auf diejenigen abgewälzt werden, die von eingefrorenen Löhnen und festgeschriebenen Einkommen leben.
Wir können die Inflation nicht durch eine massive Bundesbürokratie verbieten, oder sie mit magischen Formeln wegzaubern.
Andererseits bieten freiwillige Lohn- und Preisrichtlinien die Flexibilität, die wir benötigen, um unsere komplexe Wirtschaft zu meistern.
Der Rat für Lohn- und Preisstabilität hat gerade verbesserte Lohnricht- 10 -

�Lohnrichtlinien herausgegeben und eine Ausweitung der Preisrichtlinien bestätigt.
Die neuen Lohnrichtlinien wurden in Anlehnung an die Empfehlungen einer
Dreierkommission entwickelt, der Vertreter der Arbeitgeber, -nehmer und der
Öffentlichkeit angehörten.

Die Kommission empfahl einstimmig Leitlinien für

Lohnerhöhungen im Umfang von 7,5 bis 9,5 Prozent und stellte fest, daß die
Erhöhungen unter normalen Umständen im Durchschnitt 8,5 Prozent betragen sollten.

Ich bin entschlossen, dieses Ziel zu erreichen.

Angesichts der vorjährigen Erhöhung des Verbraucherpreisindex um 13 Prozent und der noch höheren Rate der letzten Monate spiegelt diese einstimmige
Empfehlung der Lohnkommission - in der Absicht, einen durchschnittlichen
Anstieg der Löhne und Gehälter um 8,5 Prozent zu erhalten - einen löblichen
Geist der Zurückhaltung und Zusammenarbeit wider, und mit der Unterstützung
von Arbeitgebern, Arbeitnehmern und der Öffentlichkeit, können wir dieses
Ziel der Beschränkung erreichen.
Auf meine Veranlassung hin wird der Rat für Lohn- und Preisstabilität
seine auf die Beobachtung der Lohn- und Preisentwicklung abzielenden Funktionen erheblich erweitern. Sein Mitarbeiterstab, zur Zeit 80 Mann, wird mehr
als verdreifacht. Der Rat wird Expertenteams zusammenstellen, die die Lohnund Preisentwicklungen in jedem größeren Industriezweig verfolgen. Er wird
mit den führenden Vertretern spezifischer Industrien zusammenarbeiten, um
sich ihrer Mitarbeit zu versichern. Wo es notwendig ist, wird er große Firmen darum bitten, von bedeutsamen Preiserhöhungen im Voraus unterrichtet zu
werden. Wir werden Lohn- und Preiserhöhungen, die aus dem Rahmen der Normen
zu fallen scheinen, eingehend überprüfen. Ich werde diese Rahmenwerte hart
und energisch sowohl gegenüber der Industrie wie gegenüber der Gewerkschaft
vertreten.
Unser viertes Aktionsfeld ist die Energie.

Die

�Die schlichte Wahrheit ist, daß wir niemals im eigenen Land vollkommen
stark oder außerhalb unserer Grenzen völlig sicher sein werden, ehe wir nicht
endlich die Libermäßige Abhängigkeit unseres Landes von ausländischem öl überwunden haben.
Der Preis für Importöl hat sich in den letzten zwölf Monaten mehr als
verdoppelt.

Der Anstieg im vorigen Jahr allein war größer als alle Preiserhö-

hungen seit dem ölembargo von 1973 zusammengenommen.
Wir müssen mit aller Kraft auf das von mir im vorigen Jahr gesetzte Ziel
hinstreben - die Menge des von uns importierten Öls bis 1990 um die Hälfte zu
senken.

Dazu wird notwendig sein, die Produktion von öl, Erdgas und Kohle im

eigenen Lande zu steigern - die Anstrengungen zur Energieeinsparung unermüdlich
fortzusetzen - und alternative Energiequellen so rasch wie möglich zu entwickel
Seit drei Jahren habe ich für eine nationale Energiepolitik gekämpft, um
jedes dieser Ziele zu erreichen. Heute sind wir nun doch endlich nahe daran,
einer solchen Politik Gesetzesform zu geben. Wir dürfen jetzt nicht schwanken.
Ich ersuche den Kongreß, mit den drei wesentlichen Komponenten dieses
Energieprogramms ohne Verzögerung zum Abschluß zu kommen - mit der Situationsgewinnsteuer (windfall profit tax), mit der Energiesicherungsgesellschaft und
dem Amt für Energiemobilisierung. Diese Gesetze sind Grundsteine für die Sicherung unserer Energieversorgung, unsere nationale Sicherheit und den Kampf
gegen die Inflation.
Ich habe vor kurzem dem Kongreß einen Vorschlag unterbreitet, um Energie
in Kraftwerken einzusparen und sie von öl auf Kohle und andere Brennstoffe umzustellen.

Auch diese Vorlage muß rasch verabschiedet werden.
: i

•

Aber wir können uns von unserer Energieabhängigkeit niemals freimachen,
wenn wir nicht mit dem Problem des verschwenderischen Benzinverbrauchs fertig
werden.
Benzin

�Benzin ist das wichtigste und am meisten verschwendete Erdölprodukt
in den Vereinigten Staaten.

Rund 40 Prozent des gesamten von uns verbrauchten

Erdöls entfallen auf Benzin.

In fast allen Industriestaaten liegt der durch-

schnittliche Benzinverbrauch des einzelnen Bürgers weit unter dem unsrigen und
der Durchschnittspreis weit darüber.

Die Amerikaner haben im vorigen Jahr bei

der Benzineinsparung schon einiges geleistet,, Wenn wir jedoch unsere Abhängigkeit von ausländischem ül weiter verringern wollen, dann müssen wir noch
mehr tun.

Kraft meiner Vollmacht als Präsident erlasse ich daher eine Benzinsparsteuer für Importöl.

Diese wird ausschließlich auf Benzin in einer Höhe von

rund 10 Cent pro Gallone (knapp 5 Pfennige pro Liter) erhoben.
wird die Kosten für andere ölprodukte nicht erhöhen.
winne der ölgesellschaften nicht erhöhen.

Die Steuer

Sie wird auch die Ge-

Sie sollte jedoch die Importe bis

Ende dieses Jahres um 100 000 Barrel pro Tag verringern und diese Reduzierung
später auf 250 000 Barrel pro Tag steigern.
Ich werde dem Kongreß den Antrag auf eine spezifische Benzinsteuer vorlegen, die später an die Stelle der Einsparungssteuer treten wird.

Die Mittel aus dem Aufschlag zur Benzineinsparung werden in Reserve gehalten oder zur Verringerung der staatlichen Verschuldung benutzt werden.

Es ist

nicht meine Absicht, diese Einnahmen zum Ausgleich des Haushalts oder als Ersatz für notwendige Ausgabenkürzungen zu verwenden.

Aber diese Einnahmen, die

sich unmittelbar anzusammeln beginnen werden, werden für den Haushalt eine
Sicherheitsmarge bedeuten - die die Gewähr bietet, das er ausgeglichen bleibt,
selbst wenn sich die Bedingungen oder die Schätzungen ändern sollten.

Wir können jetzt neue Ziele für den Benzinverbrauch in unserem gesamten
Land festsetzen, durch die der Verbrauch um 400 000 Barrel pro Tag verringert
wird.

Diese Aktion unterstreicht gleichzeitig die Verpflichtung zu größerer Spar-

- 13 -

�Sparsamkeit, der sich unsere Freunde im Ausland - sowohl die Erzeuger- als
auch die Verbraucherstaaten - anschließen und die sie unterstützen können.
Und schließlich hat der Energieminister einen Plan aufgestellt, um der
Nation die Probleme des Energieverbrauchs intensiver zu Bewußtsein zu bringen.

Unser Ziel ist es, alle Bereiche der Regierung, der Wirtschaft und der

Gewerkschaften - ja jeden einzelnen Bürger - zur Einsparung von Energie anzuhalten.
Unser fünftes Aktionsfeld umfaßt langfristige strukturelle Veränderungen
zur Förderung der Produktivität, der Spartätigkeit sowie der Forschung und
Entwicklung.
Wir haben bereits erste Fortschritte bei der Reform von Regierungsvorschriften gemacht, die mit diesen Zielsetzungen nicht in Einklang stehen.
Seit meiner Amtsübernahme habe ich an der Ausmerzung unnötiger Vorschriften
und an der Kostenwirksamkeit derjenigen gearbeitet, die notwendig sind.
Ich fordere den Kongreß auf, das Gesetz über die Reform solcher Bestimmungen
zu verabschieden, das unsere Anstrengungen unterstützen wird.
Im Rahmen des Möglichen müssen wir dem System der Privatwirtschaft die
Freiheit des Wettbewerbs lassen. Es ist uns gelungen, die Luftfahrtgesellschaften von einschränkenden Bestimmungen zu befreien. Ich fordere den
Kongreß auf, die Verabschiedung umfassender Gesetze zu beschleunigen, um
die Dienst- und Betriebsvorschriften im Bankenwesen, im Transportsystem,
bei der Eisenbahn und im Fernmeldewesen zu beschneiden.
Wir müssen auch die Spartätigkeit ermutigen. Dahin gelangen wir am
ehesten, wenn wir die Höchstgrenzen für Zinserträge abschaffen, die die
meisten Kleinsparer erzielen können. Ein Gesetz zur Reform der Finanzinstitutionen, das diese Änderung herbeiführen wird, ist gerade von einem Vermittlungsausschuß beider Häuser des Kongresses gebilligt worden. Ich dränge auf
seine rasche Verabschiedung.
Wir
- 14 -

�Wir müssen der Tatsache ins Auge sehen, daß im Lauf der letzten zehn
Jahre das Tempo des Produktivitätszuwachses in unserem Land stark nachgelassen hat.

Im vorigen Jahr ging die Produktivität sogar zurück.

Dieser Trend ist ein bedeutsamer Langzeitfaktor der Inflation.

Er muß

umgekehrt werden.
Ich ersuche meine Präsidialkommission für die Aufgaben der achtziger
Jahre, im Rahmen ihrer Arbeit spezielle Empfehlungen für die Wiederbelebung
unserer Wirtschaft zu entwickeln.
Höchsten Vorrang hat für uns jetzt ein ausgeglichener Haushalt. Sobald
aber diese Ausgabenbegrenzungen auch tatsächlich erreicht worden sind, können
wir Steuererleichterungen gewähren, um die Investitionstätigkeit anzuregen.
Durch Steuerdisziplin heute können wir morgen die Mittel für die Produktivität
freistellen, die die Steuersenkungen ermöglicht, die unser Land braucht.
Eine solche Disziplin ist nicht einfach.
den sehr angespannt sein.

Unserer neuen Haushalte wer-

Es wird einige Dinge geben, die wir uns nicht leisten

können - zumindest nicht jetzt.

Aber das wichtigste1, was win uns nicht leisten

können, ist die landesweite Selbsttäuschung, der wir uns über die Inflation
hingegeben haben.

Wir können uns das Märchen nicht leisten, daß man die In-

flation einfach dem anderen zuschieben kann - oder der nächsten Generation.
Die Maßnahmen, die ich dargelegt habe, bringen Kosten mit sich. Sie
bringen Schmerzen mit sich. Aber wenn wir handeln, dann kostet es uns viel weniger, als wenn wir nichts tun. Was Opfer und Disziplin heute an Schmerz verursachen, ist - für uns alle zusammen - weit geringer als der viel stärkere,
dauernde Schmerz einer steigenden Inflation. Für uns alle, aber besonders
für die Bedürftigsten unter uns, ist die Inflation die grausamste aller
Steuern.
Wenn wir diese notwendigen Schritte gegen die Inflation unternehmen, wird

- 15 -

�wird das Ergebnis kein rascher Sieg sein.

Wahrscheinlich wird die Inflation

auch in den nächsten Monaten auf einem hohen Stand bleiben.

Wir müssen Ge-

duld und Ausdauer zeigen.
Ich bin zuversichtlich, daß die Inflationsrate aufgrund der von mir
heute vorgeschlagenen Maßnahmen gegen Jahresende zurückgehen wird.

Sobald

dies eintritt, können wir auf ruhigere Geldmärkte und niedrigere Zinssätze
hoffen.
Indem wir dieses Problem in den Griff bekommen - was zugleich heißt,
uns selbst in den Griff zu bekommen -, können wir die Angst vor der Zukunft
bannen, die so viele unserer Landsleute und unserer Institutionen erfaßt hat.
Bei dem Kampf gegen die Inflation geht es um mehr als materiellen Wohlstand oder materiellen Komfort.

Es geht darum, ob wir Amerikaner - als Staat,

als Volk-tHiser eigenes Geschick in die Hand nehmen können oder nicht.
Bei Krisen im Ausland haben wir immer wieder unserer Fähigkeit unter
Beweis gestellt, standhaft und mutig zu reagieren. Jetzt müssen wir die
gleiche Entschlossenheit dabei zeigen, uns der Herausforderung durch die
Inflation zu stellen.
Ob Inflation, Verteidigung oder Energie, unsere Verantwortung ist eindeutig:
- Wir müssen uns der Welt so stellen, wie sie ist, und bei den harten
Entscheidungen, die notwendig sind, ehrlich sein;
- diese Entscheidungen treffen und sie ausführen; und
- gemeinsam eine starke, sichere und vielversprechende Zukunft für alle
Amerikaner aufbauen.
Mit geziemender Disziplin werden wir in unserem Kampf gegen die Inflation
die Oberhand behalten.
+ + + + +

�Wi//en/chaft
und Technik
»

3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America
19. März 1980

16

DEN FEINREAKTIONEN DES ZELLWACHSTUMS AUF DER SPUR
• Signal für Zellteilung kommt von der Oberfläche -

Eine chemische Verbindung, die für den Beginn der Zellteilung eine wichtige Rolle spielt, wurde kürzlich von Wissenschaftlern der Universität Kalifornien in Irvine identifiziert. Damit konnte ein bedeutsamer Beitrag zur Erforschung von Molekülen geleistet werden, die das Zellwachstum steuern oder
auslösen. Die Arbeiten im Laboratorium von Dr. Dennis Cunningham, Professor
der Mikrobiologie am "College of Medicine" in Irvine, führten zur Entdeckung
jenes Proteins auf der Zelloberfläche, das mit dem Enzym Thrombin reagiert.
Thrombin hat die Fähigkeit, die Mitose, (d.h. die exakt erbgleiche Zellteilung
mit gleicher genetischer Information in den Tochterkernen) zu fördern. Gleichzeitig vermag es auch Proteine (Eiweißkörper) aufzuspalten, hat also die Funktion einer Protease.
Prof. Cunningham verwies darauf, daß die neuen Forschungsergebnisse helfen, die Rolle besser zu verstehen, die die Oberflächenmembran der Zelle für
die Steuerung der Proliferation tierischer Zellen spielt, d.h. deren Regeneration oder Neuaufbau. Die Zell pro!iferation ist notwendig für Wachstum und
Wundheilung. Gerät sie außer Kontrolle, kann es z.B. zur Entstehung von Tumoren kommen.
Bei

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�Bei früheren mikrobiologischen Experimenten hatten Prof. Cunningham
und Mitarbeiter entdeckt, daß die Fähigkeit von Thrombin, Proteine abzubauen,
für die Einleitung des Prozesses einer Zellteilung notwendig ist.

Aufgrund

dieser Erkenntnis begannen sie nach Fragmenten spezifischer ZelloberflächenProteine zu suchen, die vorhanden sein müssen, damit eine Zellteilung stattfinden kann.

Die Forscher konnten ferner nachweisen, daß Thrombin durch Re-

aktionen an der Zell Oberfläche, nämlich Eingehen einer Verbindung mit dem
spezifischen Rezeptor, die Zellteilung signalisiert. Bis dahin hatte man angenommen, Thrombin müsse ins Zell innere eingeschleust worden sein, um von dort
aus die Zellteilung in Gang zu bringen.
•

Aufgrund der Versuchsergebnisse ist Prof. Cunningham zufolge jedoch anzunehmen, daß Thrombin nach der Verbindung mit dem Rezeptormolekül an der
Zell Oberfläche dieses abbaut und daß die Fragmente in die Zelle transportiert
werden. Dieser Rezeptor ist übrigens nicht nur auf Zellen vorhanden, die mit
ihrer Teilung auf das Enzym Thrombin reagieren, sondern auch an der Oberfläche
von Zellen, die inaktiv bleiben. Zur Aufspaltung des Rezeptors kommt es allerdings nur bei den "teilungsbereiten" Zellen. Die Identifizierung von Spaltungsreaktionen und der Veränderungen, die das Thrombin-Rezeptorprotein durchmacht, sind eine wesentliche Hilfe für das Studium der Mechanismen von Wachstumsfaktoren und von deren Fähigkeit, die Zellteilung herbeizuführen. Das gelte
auch, wie Prof. Cunningham erklärt, für die Erforschung des Wundheilungsprozesses. "Wenn Blutgefäße oder Gewebe geschädigt sind, wird das Protein Prothrombin in Thrombin umgewandelt, das dann seinerseits der Zelle das Signal
zur Teilung gibt. Damit wird die Geweberegeneration eingeleitet. Wenn wir
im einzelnen mehr darüber wissen, wie das Zellwachstum gesteuert wird, könnte
uns dies vielleicht beim klinischen Studium der Probleme von anomalem Zellwachstum helfen. Und dazu gehört auch das unkontrollierte Wachstum von Krebszellen."

(Mitverfasser des Berichts über den Thrombinrezeptor sind Kevin Glenn
von der Universität Kalifornien in Irvine und Dr. Darrell Carney, jetzt
Assistenzprofessor für Humanbiochemie und Genetik am medizinischen Department
der Universität Texas in Galveston.)
+ + + + +
- 2 -

�31
I 3

Wi//en/chaft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

19. März 1980

16

LASER-ZÜNDUNG FÜR DIE ANALYSE VON VERBRENNUNGSREAKTIONEN

- (AD) - Mit Hilfe eines Laser-Zünders versuchen Wissenschaftler der
Universität Colorado und des amerikanischen "National Bureau of Standards" ,
den Aufbau und die Abläufe der chemischen Reaktionen zu entschlüsseln, zu
denen es bei der Verbrennung von fossilen Kraftstoffen kommt. Denn die genaue Erforschung der einzelnen Phasen und Teilschritte der sehr schnellen
"Kettenreaktionen" bei der Verbrennung könnte wertvolle Informationen liefern, um die Technologie deutlich zu verbessern und den Wirkungsgrad der
KraftstoffVerbrennung in Motoren zu erhöhen.
Das von David J. Nesbitt und Dr. Stephen R. Leone (Joint Institute for
Laboratory Astrophysics in Boulder, Colorado) entwickelte Instrument arbeitet mit sehr kurzen Laser-Impulsen im Ultraviolett-Bereich. Mit diesen Energie"Paketen" werden in einer Reaktionskammer, durch die ein Gasgemisch strömt,
spezifische Verbrennungsreaktionen in Gang gebracht. Durch Beobachtung der
Infrarotstrahlung, welche die am Verbrennungsprozeß beteiligten Moleküle abgeben, kann der gesamte Aufbau der Reaktion verfolgt werden. Dabei wird die
Infrarotstrahlung von äußerst empfindlichen Meßfühlern erfaßt. Das Verfahren
hat nach Angaben der beiden Wissenschaftler den großen Vorteil, daß mit der
Zündung durch Laser-Licht-Impulse kontrollierbare und reproduzierbare Reaktionen in Gang gebracht werden, die im Vergleich zu der sich anschließenden

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�anschließenden "Verbrennung" sehr schnell ablaufen.

Die Infrarotsensoren,

die ein sehr hohes Auflösungsvermögen besitzen, machen es möglich, Einblick
in die "chemische Evolution" des Verbrennungsprozesses zu bekommen.
In den Vereinigten Staaten wurde Anfang 1980 als Gemeinschaftsprojekt
einer Reihe von Universitäts- und Forschungsinstituten ein Programm in Angriff genommen, das die Aufklärung der Vorgänge bei der Verbrennung in allen
Einzelheiten zum Ziel hat.

Es soll helfen, bessere Voraussetzungen für die

optimale Ausnutzung fossiler Brennstoffe zu schaffen.

Chemiker, Maschinen-

bauingenieure, Experten für Quantenchemie, Kollisionstheorie und viele andere Spezialgebiete bringen ihr Fachwissen dafür ein.

Die amerikanischen Na-

tionallaboratorien Argonne, Brookhaven und Arnes, das Sandia-Livermore-Institut,
die Universitäten Princeton und Kalifornien stellen geeignete Versuchseinrichtungen zur Verfügung.

Koordiniert wird das Projekt von der Auswertungs-

Zentrale "National Resource for Computation in Chemistry" am Lawrence Berkeley
Laboratory (LBL) an der Universität Kalifornien.
Die Wissenschaftler konzentrieren sich bei ihren Untersuchungen "auf
die elektronische Struktur und die Kollisionsdynamik bei Reaktionssystemen,
an denen Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff beteiligt sind". Projektleiter Dr. William A. Leste Jr. vom LBL bezeichnete das Unternehmen als die
umfassendste Studie, die auf diesem Gebiet bisher unternommen wurde. Ihr
komme angesichts der gegenwärtigen Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen
außerordentliche Bedeutung zu. Schon allein beim Verbrennen von Kohle beispielsweise habe man es mit einer ganzen Reaktionskette zu tun, von deren
Einzelstufen man viel zu wenig wisse. "Verbrennung" ist ja nicht ein Einzelvorgang, sondern eine komplizierte Serie von Reaktionsmechanismen, wobei
manche Phasen schon in weniger als einer Millionstel Sekunde beendet sind.

+ + + + +

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Carter gibt Maßnahmen zur Inflationsbekämpfung bekannt&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- US-Bundesbank zieht die Kreditbremse -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Den Feinreaktionen des Zellwachstums auf der Spur&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Signal für Zellteilung kommt von der Oberfläche -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Laser-Zündung für die Analyse von Verbrennungsreaktionen</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
7

^0N ^

1 9 . März 1986

11
I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan drängt Kongreß auf Verabschiedung der Contra-Hilfe
- Fernsehrede des Präsidenten Die nicaraguanische Widerstandsbewegung braucht US-Hilfe
- Rede des amerikanischen Außenminister Shultz -

INFORMATION
Dr. James C. Fletcher als NASA-Administrator nominiert

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Besucher beim Kometen Halley
- Internationale Satellitenflotte betreibt "Nahaufklärung" -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

19. März 1986

11

REAGAN DRANGT KONGRESS AUF VERABSCHIEDUNG DER CONTRA-HILFE
- Fernsehrede des Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - In einer landesweit vom Fernsehen
übertragenen Rede hat Präsident Reagan am 16. März 1986 die
amerikanischen Wähler dazu aufgefordert, den Kongreß zur Freigabe von 100 Millionen Dollar an militärischer und humanitärer
Hilfe für die "Freiheitskämpfer, die sich für die Einführung
der Demokratie in Nicaragua einsetzen" zu drängen.
Der Präsident warnte davor, daß eine Niederlage der Demokratie in Nicaragua die Sicherheit ganz Mittelamerikas bedrohen würde. Insbesondere erwähnte der Präsident in diesem Zusammenhang die Gefahr, daß Nicaragua eine Basis der Sowjetunion und Kubas werden könne, die auf diese Weise zur "beherrschenden Macht" in Zentralamerika würden.
Die Rede des amerikanischen Präsidenten hat folgenden
Wortlaut:
Meine amerikanischen

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Embassy of the United States of America

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Meine amerikanischen Mitbürger!
Ich muß mich heute abend an Sie wenden, um über eine wachsende Gefahr in Mittelamerika zu sprechen, die die Sicherheit
der Vereinigten Staaten bedroht. Diese Gefahr wird nicht geringer werden; wenn wir jetzt nichts unternehmen, wird sie
vielmehr noch weiter anwachsen.
Ich spreche von Nicaragua, einem sowjetischen Verbündeten
auf dem amerikanischen Festland, nur zwei Flugstunden von unseren Grenzen entfernt. Mit über einer Milliarde Dollar an
Ostblockhilfe hat die kommunistische Regierung Nicaraguas einen Feldzug begonnen, um ihre demokratischen Nachbarstaaten zu
unterminieren und zu stürzen.
Mit der Nutzung von Nicaragua als Basis können die Sowjet'
union und Kuba zur beherrschenden Macht in diesem äußerst
wichtigen Korridor zwischen Nord- und Südamerika werden.
Nachdem sie sich einmal dort etabliert haben, werden sie in
der Lage sein, den Panama-Kanal zu bedrohen, unsere lebenswichtigen Seewege in der Karibik abzuschnüren und, letztendlich, gegen Mexiko vorzugehen. Sollte dies geschehen, würden
Millionen verzweifelter Lateinamerikaner nach Norden fliehen,
in die Städte im Süden der Vereinigten Staaten oder überallhin, wo es noch eine Hoffnung auf Freiheit gibt.
Dem Kongreß der Vereinigten Staaten wurde ein Vorschlag
unterbreitet, um diese Bedrohung aufhalten zu helfen. Dieser
Gesetzentwurf beinhaltet ein Hilfspaket von 100 Millionen
Dollar für die mehr als 20 000 Freiheitskämpfer, die sich für
die Einführung der Demokratie in Mittelamerika einsetzen.
Aber diese 100 Millionen Dollar bedeuten nicht 100 Millionen
Dollar zusätzlich. Wir verlangen keinen Cent an neuen Geldern. Wir bitten lediglich um die Erlaubnis, einen kleinen
Teil unseres gegenwärtigen Verteidigungshaushalts umzuleiten •
für die Verteidigung unserer eigenen südlichen Grenzen.
Es befinden sich in Nicaragua jetzt schon Tausende kubanischer Militärberater, Kontingente der Sowjets und Ostdeutschen und all die Elemente internationalen Terrors - von der
PLO bis zu den italienischen Roten Brigaden. Warum sind sie
dort? Nun, Oberst Gadhafi hat es öffentlich verkündet: "Nicaragua bedeutet eine große Sache, es bedeutet Amerika nahe
seiner Grenzen zu bekämpfen... gegen Amerika an seiner
Türschwelle zu kämpfen."
Für unsere eigene Sicherheit ist es notwendig, daß die
Vereinigten Staaten der Sowjetunion einen Brückenkopf in Nordamerika verweigern. Aber lassen Sie mich eines klar sagen.
Ich rede nicht von amerikanischen Truppen. Der in Nicaragua
- 2 -

�Der in Nicaragua kämpfende demokratische Widerstand bittet
Amerika lediglich um Nachschub und Unterstützung, um sein eigenes Land vor dem Kommunismus zu retten.
Die Frage, die der Kongreß der Vereinigten Staaten nun zu
beantworten hat, ist eine einfache: Werden wir dem nicaraguanischen Widerstand die Mittel geben, um die verratene Revolution wiederzuerringen oder werden wir ihnen den Rücken kehren
und das Verderben in Managua ignorieren, bis es sich weiterverbreitet und eine tödliche Bedrohung für die gesamte Welt
darstellt.
Werden wir es der Sowjetunion gestatten, ein zweites Kuba,
ein zweites Libyen, hier an der Türschwelle der Vereinigten
Staaten zu errichten?
Wie kann ein solch kleines Land eine solch große Bedrohung
darstellen? Es ist nicht Nicaragua allein, das uns bedroht,
sondern diejenigen, die Nicaragua als privilegierten Zufluchtsort für ihren Kampf gegen die Vereinigten Staaten benutzen. Ihr erstes Ziel bilden die Nachbarstaaten Nicaraguas. Mit einer Armee und einer Miliz von insgesamt 120 000
Mann, die von über 3 000 kubanischen Militärberatern unterstützt werden, sind die Streitkräfte Nicaraguas die umfangreichsten, die es jemals in Mittelamerika gegeben hat. Die
nicaraguanische Militärmaschinerie ist mächtiger als die aller
seiner Nachbarn zusammen.
Diese Landk arte hier zeig t eine n gr oßen Tei 1 der we stlieh en Hern isphä re. Nun, lass en Sie mic h Ih nen die Land er Mittela merika s zei gen, in de nen von ni cara guan isch en Kommu nisten
geli eferte Waff en en tdeck t wo rden s ind: Ho ndur as, Cost a Rica,
El S alvado r, Gu atema la. Extr emiste n au s Panama - hier im Suden - wurd en in Nica ragua aus gebild et. Der rev olutionä re Arm
der Sandin isten reic ht je doch noch viel wei ter als bis zu ihren direkt en Na chbar n. I n Sü dameri ka u nd i n de r Karibik haben
die nicara guani sehen Komm unis ten Un ters tütz ung in Form von militä rische r Ausbildu ng, s iche rem Un ters chlu Pf, Kommunik ation,
fals chen P apier en, s icher er D urchre ise und manc hmal Waf fen für
Kolum bien,
Extr emiste n aus den folge nden Lände rn g elei stet
rasil
dor,
B
Ecua
ien, Chile , Argentin ien, Uru guay und der Dominika nische n Rep ublik . Und dies sin d no ch n icht einmal alle,
denn es gi bt ei ne al te ko mmun istisc he L osun 9. d ie von d en Sandini sten i n all er De utlic hkei t behe rzig t wi rd: Die Str aße zum
Sieg ... g eht d urch Mexik o.
Wenn Landkarten, Statistiken und Tatsachen nicht überzeugend genug sind, dann haben wir noch die Erklärungen der Sandinisten und der Sowjets selbst. Einer der höchsten Sandinistenführer wurde von einem amerikanischen Magazin gefragt,
- 3 -

�Magazin gefragt, ob die kommunistische Revolution - ich zitiere - "nach El Salvador, dann nach Guatemala, dann nach Honduras und dann nach Mexiko exportiert" werden wird? Er antwortete: "Endlich einmal eine historische Prophezeiung Ronald
Reagans, die wirklich wahr ist."
Die Sowjets sind in dieser Hinsicht nicht zurückhaltender
gewesen. Vor einigen Jahren erklärte der damalige sowjetische
Außenminister Gromyko, daß Mittelamerika, ich zitiere, "kocht
wie ein Kessel" und reif für die Revolution sei. Bei einem
Treffen in Moskau erklärte der sowjetische Stabschef Marschall
Ogarkow 1983: "Vor über zwei Jahrzehnten gab es in Lateinamerika nur Kuba; heute gibt es Nicaragua, Grenada, und es
gibt eine wichtige Schlacht in El Salvador."
Aber wir benötigen ihre Zitate nicht; die amerikanischen
Truppen, die Grenada befreiten, erbeuteten Tausende von Dokumenten, die die sowjetische Absicht bewiesen, die kommunistische Revolution in die westliche Hemisphäre zu exportieren.
Wir sind also über die Absichten der Sandinisten und deren
Unterstützer bestens im Bilde. Wir sollten uns in gleichem
Maße über die Natur ihres Regimes im klaren sein. Zunächst
haben die Sandinisten die Bürgerrechte des nicaraguanischen
Volkes widerrufen und sie damit ihres Rechts auf Redefreiheit,
Pressefreiheit, Versammlungsfreiheit und freie Religionsausübung beraubt. Unabhängige Zeitungen wurden geschlossen.
Heute gibt es weder eine unabhängige Gewerkschaftsbewegung
noch ein Streikrecht in Nicaragua. Der Vorsitzende der AFLCIO, Lane Kirkland, hat es folgendermaßen ausgedrückt: "Nicaraguas überstürzter Sprung ins totalitäre Lager kann von niemandem angezweifelt werden, der Augen hat zu sehen."
Ab er wie kommu nisti sehe Regi erun gen überall, haben die
Sandin isten ethnis che u nd re ligi ose Gruppen angegriffen. Die
einzig e Syna goge d er Ha uptst adt wurd e entweiht und ein Opfer
von Br andans chläge n - d ie ge samt e jü dische Gemeinde zur Flucht
aus Ni caragu a gezw ungen . Protes tant ische Bibellesungen wurden
durch Uberfä lle, g ewalt tätig e Mobs u nd Maschinengewehre gespreng t. Di e Kath olisc he Ki rche wur de besonders ausgewählt:
Priest er wur den de s Landes v erwi esen , Katholiken in den Straßen ve rprüge lt, na chdem sie die Mess e besucht hatten. Der
kathol ische Primas von Nicar agua , Kardinal Obando y Bravo, hat
es gan z klar ausge drück t: " Wir möch ten klarstellen," sagte
er, "d aß die se Reg ierun g totalit är i st. .. Wir sind mit...
einem Feind der Ki rche konfr onti ert. ii
Der evangelische Pfarrer Prudencio Baltodano fand heraus,
daß er auf der Abschußliste der Sandinisten stand, als eine
Armeepatrouille ihn nach seinem Namen fragte: "Sie wissen

�"Sie wissen nicht, was wir mit evangelischen Pfarrern machen... Wir glauben nicht an Gott," sagten sie zu ihm.
Pastor Baltodano wurde an einen Baum gefesselt, mit einem Gewehrkolben auf den Kopf geschlagen und sie stachen ihm ein Bajonett in den Hals - am Ende wurden seine Ohren abgeschnitten
und im Glauben, daß er tot sei, wurde er liegengelassen.
"Schau mal, ob dein Gott dich retten wird," spotteten sie.
Nun, Gott hatte andere Pläne mit Pfarrer Baltodano. Er überlebte, um der Welt von seine Erlebnissen zu erzählen - unter
anderem hier im Weißen Haus.
Ich könnte noch weiter von diesem Alptraum erzählen - von
den schwarzen Listen, den geheimen Gefängnissen, der direkten
Gewalt des sandinistischen Mobs. Aber, als ob all diese Brutalität im eigenen Land noch nicht genug wäre, verwandeln die
Sandinisten ihr Land in einen sicheren Ort, eine Kommandozentrale für den internationalen Terror.
Die Sandinisten unterstützen nicht nur den Terror in El
Salvador, Costa Rica, Guatemala und Honduras - Terror, der im
letzten Sommer zur Ermordung von vier amerikanischen Marinesoldaten in einem Cafe in El Salvador führte -, sie bieten dem
Terror außerdem eine Zuflucht. Italien hat Nicaragua beschuldigt, seine schlimmsten Terroristen, die Roten Brigaden, zu
beherbergen.
Die Sandinisten haben sich sogar im internationalen Drogenhandel engagiert. Ich weiß, daß alle amerikanischen Eltern, die sich über das Drogenproblem Sorgen machen, wütend
sein werden, wenn sie erfahren, daß führende Regierungsmitglieder Nicaraguas tief in den internationalen Drogenhandel
verstrickt sind. Dieses Bild hier, das heimlich auf einem
Militärflugplatz außerhalb Managuas gemacht wurde, zeigt
Frederico Vaughn, einen führenden Berater der neun Commandantes, die das Land regieren, bei der Beladung eines Flugzeugs
mit verbotenen Drogen mit dem Ziel Vereinigte Staaten.
Nein, die Sandinisten scheinen vor keinem Verbrechen zurückzuschrecken - dies ist ein Regime der Gesetzlosen.
Wenn wir uns für einen Augenblick wieder unserer Landkarte
zuwenden, dann wird klar, warum die Existenz dieses Regimes in
Mittelamerika unsere vitalen Sicherheitsinteressen gefährdet.
Fast die Hälfte unseres Außenhandels, über die Hälfte unserer
Rohölimporte und ein bedeutender Teil des militärischen Nachschubs, den wir unseren NATO-Verbündeten im Falle einer Krise
zuführen müßten, passieren diesen lebenswichtigen Teil unserer
westlichen Hemisphäre. Dies hier sind die Engpässe, an denen
unsere Seewege abgeschnürt werden könnten.
Mittelamerika ist
- 5

�Mittelamerika ist für unser westliches Bündnis von strategischer Bedeutung, eine Tatsache, die von ausländischen Feinden immer begriffen wurde. Im Zweiten Weltkrieg brachten einige wenige deutsche U-Boote, die von 4 000-Meilen entfernten
Stützpunkten in Deutschland operierten, der amerikanischen
Schiffahrt vor unserer südlichen Küste enorme Verluste bei.
Heute bauen Ingenieure des Warschauer Pakts einen Tiefseehafen an der Karibikküste Nicaraguas, ähnlich dem der Marinebasis in Kuba, die in der Sowjetunion gebauten U-Booten
dient. Außerdem bauen sie außerhalb Managuas den größten Militärflugplatz Mittelamerikas - ähnlich denen in Kuba, von wo
as russische Bomber vom Typ BEAR entlang der amerikanischen
Ostküste von Maine bis Florida Patrouille fliegen.
Wie kam es zum plötzlichen Entstehen dieser Bedrohung des
Friedens und der Sicherheit unserer lateinamerikanischen Nachbarn - und letztendlich unser selbst? Erlauben Sie mir, Ihnen
kurz die Geschichte zu skizzieren.
1979 erhob sich das Volk Nicaraguas und stürzte eine korrupte Diktatur. Zunächst versprachen die revolutionären Führer freie Wahlen und die Beachtung der Menschenrechte. Aber
es befand sich unter ihnen eine Organisation, die sich "die
Sandinisten" nannte. Die Organisation als solche war kommunistisch und ihre Unterstützung revolutionärer Ziele war reine
Täuschung. Schnell und rücksichtslos brachten sie alles unter
ihre Kontrolle.
Zwei Monate nach der Revolution traf sich die sandinistische Führung im Geheimen und beschrieb sich in dem, was später als "72-Stunden-Dokument" bekanntgeworden ist, als "Vorhut" einer Revolution, die Mittelamerika, Lateinamerika und
schließlich die ganze Welt überrollen würde. Zu ihrem wahren
Feind erklärte sie die Vereinigten Staaten.
Anstatt dieses Dokument der Öffentlichkeit zugänglich zu
machen, folgten sie dem Rat Fidel Castros, der ihnen vorschlug, den Schein einer Demokratie zu wahren. Obwohl Castro
die demokratischen Elemente in Nicaragua nicht besonders
schätzte, drängte er seine nicaraguanischen Freunde doch darauf, einige von ihnen auf untergeordneten Posten in ihrer Koalition zu behalten - als Dekoration, um den Westen zu täuschen. Auf diese Weise, so Castro, könnt Ihr Eure Revolution
machen und die Amerikaner werden sie bezahlen.
Und wir haben sie bezahlt. In den ersten 18 Monaten unter
sandinistischer Herrschaft floß mehr Hilfe an Nicaragua aus
den Vereinigten Staaten als aus irgendeinem anderen Land.
Erst als die Maske fiel und der Welt das Gesicht des Totalitarismus enthüllte, wurde die Hilfe eingestellt.
Angesichts dieser

�Ang esich ts d lese r sich e ntwi ekel nden Bedrohung trat ich zu
Beginn meine r Am tsze it v or d en K ongr eß, und mit der Unterstützung be ider Part eien gel ang es m ir, Hilf e für die Nachbarstaaten Nie aragu as z u er halt en. Ein ige von Ihnen werden sich
viellei cht a n da s begeis tern de B ild erin nern, als das Volk von
El Salv ador den Droh unge n un d de m Ge wehr feuer der kommunistischen Gueri llas tro tzte - Gueri llas , die von Nicaragua aus
gelenkt und unte rstü tzt wurd en - und zu den Urnen ging, um
entschi eden für die Demo krat ie z u st imme n. Für die Kommunisten in El Sal vado r wa r dies e ine besc hämende Niederlage.
Aber es gab noch einen anderen Faktor, den die Kommunisten
außer acht ließen, einen Faktor, der jetzt der Freiheit eine
zweite Chance einzuräumen verspricht - die Freiheitskämpfer
Nicaraguas.
Damals, als die Sandinisten die Revolution verrieten, sind
viele, die gegen die alte Somoza-Diktatur gekämpft hatten,
buchstäblich in die Berge gegangen und haben begonnen, wie
ehemals die Mitglieder der französischen Resistance gegen die
Nazis, die Kommunisten des Ostblocks und ihre nicaraguanischen
Kollaborateure zu bekämpfen. Diesen wenigen Menschen haben
sich inzwischen Tausende angeschlossen.
Mit Ihrem Blut und ihrem Mut haben die Freiheitskämpfer
Nicaraguas der sandinistischen Armee zu schaffen gemacht und
dem Volk Mittelamerikas kostbare Zeit gewonnen. Wir Amerikaner schulden Ihnen tiefe Dankbarkeit. Mit ihrer Hilfe bei der
Behinderung der Sandinisten und ihrer sowjetischen Berater hat
die Widerstandsbewegung direkt zur Sicherheit der Vereinigten
Staaten beigetragen.
Seit seinen Anfängen im Jahr 1982 hat der demokratische
Widerstand dramatisch an Stärke zugenommen. Heute sind es
mehr als 20 000 Freiwillige, und es werden täglich mehr. Aber
den Widerstandskämpfern gehen die Vorräte aus und sie sind den
von Moskau nach Managua geschickten Kampfhubschraubern praktisch hilflos ausgeliefert.
Jetzt steht dem Kongreß der Vereinigten Staaten die entscheidende Prüfung bevor. Wird er die Unterstützung genehmigen, die die Freiheitskämpfer brauchen, um mit den russischen
Panzern und Kampfhubschraubern fertig zu werden - oder wird er
die demokratischen Widerstandsbewegung ihren kommunistischen
Feinden preisgeben?
Ich hoffe, daß sich der Kongreß bei der Beantwortung dieser Frage klarmacht, was genau der Widerstand in Nicaragua bekämpft: Stellen Sie sich die Frage selbst: Was in aller Welt
machen Sowjets, Ostdeutsche, Bulgaren, Nordkoreaner, Kubaner,
- 7 -

�Nordkoreaner, Kubaner, Terroristen der PLO und der Roten Brigaden in unserem Teil der Welt, vor unserer eigenen Schwelle?
Tun Sie etwas für den Frieden?
Warum haben die Sowjets 600 Millionen Dollar investiert,
um Nicaragua zu einer bewaffneten Streitmacht auszubauen, die
fast so stark ist, wie die Mexikos, einem Land, das 15 mal so
groß ist und eine 25 mal größere Bevölkerung hat. Für den
Frieden?
Warum hat Nicaraguas Diktator, Daniel Ortega, den Parteitag der kommunistischen Partei in Havanna besucht und Castros
Forderung nach dem weltweiten Triumph des Kommunismus unterstützt? Für den Frieden?
Einige K ongre ßabgeor dnete frag en m ich, war um w ir n icht
verh andeln. Das ist ein e gute Fra ge - las sen Sie mich darauf
dire kt antwo rten. Wir w ollten - und w olle n no ch - ein en auf
dem Verhandl ungsw ege her beigef ührt en F ried en u nd e ine demokratisc he Zukun ft fü r Nicar agua. Wir hab en u ns z ehn mal mit den
Sand inisten getro ffen un d versucht , mit ih nen zu a rgum entieren. Zehn m al si nd wir abgewi esen wor den. Im ver gang enen
Jahr haben w ir Ve rhandlu ngen z wisc hen dem Regi me u nd d er Widers tandsbew egung zugest immt, wöbe i die Ki rche als Ver mittler
auft rat. Di e Sow jets un d die Sand inis ten antw orte ten mit einer rapiden Auf rüstung b ei Gra natw erfe rn, Panz ern, Art illerie
und Kampfhub schra ubern.
Ganz sicher haben die Sowjetunion und der Warschauer Pakt
verstanden, was auf dem Spiel steht, nämlich die strategische
Bedeutung Nicaraguas. Die Sowjets haben ihre Entscheidung getroffen - Unterstützung der Kommunisten. Fidel Castro hat
seine Entscheidung getroffen - Unterstützung der Kommunisten.
Arafat, Gadhafi und der Ajatollah Khomeini haben ihre Entscheidung getroffen - Unterstützung der Kommunisten. Jetzt
müssen wir unsere Entscheidung treffen. Mit der Hilfe des
Kongresses können wir ein Ergebnis verhindern, das der nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten großen Schaden zufügen würde.
Wenn wir scheitern, können wir uns der Verantwortung nicht
entziehen; die Geschichte wird uns zur Rechenschaft ziehen.
Dies ist nicht irgendeine kleine Parteiangelegenheit; dies
ist eine Angelegenheit, die unsere nationale Sicherheit betrifft, eine Angelegenheit, bei der wir weder als Republikaner
noch als Demokraten, sondern als Amerikaner handeln müssen.
Vor 40 Jahren standen Republikaner und Demokraten gemeinEs muß unsere Politik sein,

sam hinter der "Truman-Doktrin".

�Politik sein, so erklärte Harry Truman, Völker zu unterstützen, die für die Erhaltung ihrer Freiheit kämpfen. Unter dieser Doktrin sandte der Kongreß Hilfe nach Griechenland, gerade
noch rechtzeitig, um das Land vor dem Zugriff einer kommunistischen Tyrannei zu bewahren. Wir haben zu jener Zeit die
Freiheit in Griechenland gerettet - und mit demselben gemeinsamen Geist können wir heute die Freiheit in Nicaragua retten.
In den nächsten Tagen werde ich den Dialog mit den Kongreßabgeordneten fortführen, mit ihnen sprechen und ihnen zuhören, um ihre Anliegen zu erfahren. Senator Scoop Jackson,
der den Kampf für ein Bewußtsein der Gefahr in Mittelamerika
im Kapitol anführte, hat es am besten ausgedrückt: Was die
Angelegenheiten unserer nationalen Sicherheit betrifft, so ist
die beste Politik keine Politik.
Wie Sie wissen, hat kürzlich eine der hervorragendsten
Amerikanerinnen, Cläre Boothe Luce, dasselbe von den bevorstehenden Wahlen gesagt.
"Wen n wi r diese Krise b etrach ten", so Mrs L uce, " so denke
ich an e inen ähnlic hen Auge nblick unser er Gesch ichte - an die
ersten J ahre , nachdem Kuba an Fid el Cas tro gefa 1 len war. In
jenen Ja hren aß ich einmal im Wei ßen Ha us mit e inem M ann zu
Mittag, den ich ber eits sei t sein en Kin dertagen kannt e, mit
John F. Kenn edy. ' Mr. Pres ident' , sagte ich, 'egal, wie außergewöh nlic h oder großarti g ein Mann a uch sein mag, so wird
die Gesc hich te ihm doch nur einen Satz gewähren
Geo rge
Washingt on - er grü ndete un ser La nd. Ab raham Li ncoln - er befreite d ie S klaven und erhi elt de n Staa tenbund. Wins ton
Churchil 1 - er rett ete Euro pa' . •Und w as meine n Sie, Cläre,
wie mein Sat z lauten wird?' fragt e John F. Kenn edy. 'Ihr
Satz, Mr . President , wird 1auten, daß s ie die K ommuni sten gestoppt h aben - oder auch ni cht'."
Tragischerweise hatte John F. Kennedy nie die Gelegenheit,
zu entscheiden, welcher Satz auf ihn zuträfe. Jetzt müssen
die Führer unseres Zeitalters dafür sorgen. Meine amerikanischen Mitbürger, Sie wissen, wo ich stehe. Wir dürfen es
den Sowjets und den Sandinisten nicht erlauben, die Freiheit
in Mittelamerika zu zerschmettern und unsere eigene Sicherheit
an unserer eigenen Schwelle zu bedrohen.
Jetzt muß der Kongreß entscheiden, wo er steht. Mrs. Luce
hat mit den Worten geschlossen: "Nur eins ist sicher. In alle Ewigkeit wird man sich dieses, des 99. Kongresses der Vereinigten Staaten, als der Vereinigung von Männern und Frauen
erinnern, die den Kommunismus gestoppt haben, bevor es zu spät
war - oder auch nicht".
Heute abend

�Heute abend bitte ich Sie, das zu tun, was Sie in der Vergangenheit so oft getan haben. Setzen Sie sich mit Ihren Abgeordneten und Senatoren in Verbindung und drängen Sie sie dazu, mit "Ja" zu stimmen, bitten Sie sie um Hilfe für die Freiheitskämpfer - helfen Sie uns, die Ausbreitung des Kommunismus
in Mittelamerika zu verhindern.
Mi r bleib en nur noch dr ei J ahre Zeit , um mei nem La nd zu
dienen , drei Jahre, um die Vera ntwo rtung aus zuüb en, di e Sie
mir an vertrau t habe n, drei Jahr e, u m für den Fri eden z u arbeiten. Könnte es ein e größer e Tr agöd ie ge ben, als daß w ir uns
zurück lehnen und di eses Kre bsge schw ür si ch a usbr eiten lassen,
damit sich me in Nac hfolger in d en k ommen den Jahr weita us qualvoller en Ents cheidu ngen aus gese tzt sieht ? Die F reihei tskämpfer fo rdern e ine po litische Lös ung. Sie sin d be reit, ihre
Waffen nieder zulege n und zu ver hand ein, um d ie u rspüng liehen
Ziele der Rev olutio n wieder herz uste llen, ein e Demokrat ie, bei
der da s Volk von Ni caragua sein e ei gene Regi erun g wähl t. Das
ist au ch unse r Ziel , aber es kann n ur ve rwir klic ht wer den,
wenn d ie demo kratis che Wide rsta ndsb ewegu ng i n de r Lage ist,
Druck auf Jen e auszuüben, d ie d ie M acht an s ich geriss en haben.
Es bleibt uns noch Zeit, zu tun, was getan werden muß, so
daß die Geschichte von uns sagen kann, daß wir die Weitsicht,
den Mut und den gesunden Menschenverstand gehabt haben, zusammen zu handeln - Republikaner und Demokraten - als der Preis
nicht hoch und das Risiko nicht groß waren. Wir hinterließen
ein sicheres Amerika, ein geschütztes Amerika, ein freies
Amerika - immer noch ein Hoffnungsschimmer für die Menschheit,
immer noch ein Lichtstrahl auf die Nationen.
Vielen Dank.

Gott segne Sie.

* * * * *

- 10 -

�AMERIKA DIENST
'VON'^

Dokumentation

11

1 9 . März 1986

DIE NICARAGUANISCHE WIDERSTANDSBEWEGUNG BRAUCHT US-HILFE
- Rede des amerikanischen Außenministers Shultz -

WASHINGTON - (AD) - In einer am 3. März 1986 in Washington
vor der Versammlung der amerikanischen Kriegsveteranen gehaltenen Rede sagte Außenminister George Shultz, ohne die Hilfe
der Vereinigten Staaten liefen "die Hoffnungen auf Demokratie
in diesem Land und auf Fortschritt anderswo in Mittelamerika
Gefahr, zunichte gemacht zu werden". Shultz betonte die Notwendigkeit amerikanischer Hilfe für die Kräfte der Demokratie
"Die Diktatur in Nicaragua wird vielleicht bald imstande sein,
die Widerstandskämpfer zu Tode zu hetzen. Die Vereinigten
Staaten sind jetzt noch imstande, dieses tragische Ende zu
verhindern".
Shultz wies einleitend auf die Stärke der demokratischen
Bewegung auf den Philippinen hin, die zum Sturz von Präsident
Marcos geführt hatte und kam in diesem Zusammenhang auf die
Lage in Nicaragua zu sprechen, wo ein kommunistisches System
dabei ist, seine Macht zu festigen und ein totalitäres Regime
einzurichten. Tausende von Regimgegenern haben inzwischen in
Nicaragua zu den Waffen gegriffen, um Widerstand zu leisten.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�zu leisten. Shultz sagte, die Administration fordere den
Kongreß auf, den Widerstandskämpfern in Nicaragua 100 Millionen Dollar des Verteidigungshaushaltes zur Verfügung zu stellen: "Im Interesse der Sicherheit des eigenen Landes und auch
im Interesse der jungen demokratischen Nationen, die von uns
Unterstützung erhoffen, sollten wir den Menschen in Nicaragua
das geben, was sie in ihrem Kampf für die ihnen von Somoza
vorenthaltenen und dann von einer bewaffneten kommunistischen
Minderheit weggenommenen Freiheiten brauchen".
Seine Ausführungen zu diesem Thema haben folgenden Wortlaut:
in diesem Land werden Oppos itio nspar teien syst emati seh
schika niert un d ei ngeschü chtert , wobei G ewalt ange wandt oder
angedr oht wird . Unabhäng ige Na chri chten medien wer den n icht
bloß b ehindert , sondern a uch ze nsie rt od er sog ar g eschl ossen.
Die ka tholisch e Ki rche wi rd unt erdr ückt und ge schm äht, weil
sie ei ne Stimm e des demok ratisc hen Gewis sens i st. Die Geheimpolize i hat Sp itze nvertre ter de r Pr ivatw irtsch aft, der Gewerkschaft en und d er K ircheno rganis atio nen f estgen omme n, ve rhört
und be droht. Die massive Äufrü stun g dur ch die Sow jetun ion und
Kuba g efährdet nie ht nur die in nere n Geg ner de s Regimes , sond e m a uch alle Nac hbarlän der. Und das R egime ist, nach den
manipu Herten Wahl en vor mehr a ls e inem Jahr, offe nsich tlich
entsch lossen, sich an der Macht zu halte n und dabe i vor keiner
Anwend ung brut aler Gewalt zurüc kzus chrec ken.
Au f den Phil lppinen konnten sich die Krä fte der Demok ratie
verein igen, orga nisieren , um die Mach t bewer ben und sie
schlie ßlich trot z des Wahlbetru gs mit friedl ichen Mi tteln erringen und zwar deshalb, weil e s sich , im Grunde gen ommen &gt;
doch u m ein plur alistisc hes, de mokrat isches politisc hes S ystem
handel te. In Ni caragua werden, sobal d das k ommunist ische Regime s eine Macht gefesti gt habe n wird , die Kräfte de r Dem okratie ke ine H of fnungen die ser Art mehr hegen d ürfen. Ein 1 eninist ische s Reg ime stre bt nach einem Machtm onopol u nd de r Beseitig ung a H e r unabhäng igen Ei nricht ungen. Der Kir che, den
unabhä ngige n Nac hrichten medien, der G eschäft swelt, d em Mi ttelstand und d en de mokratis chen Pa rteien wird s amt und sonde rs
hart z ugese tzt, und sie müssen um ihr Ueberl eben kam pfen.
Tausen de vo n Reg imegegne rn - sc hätzun gsweise 20 000 - hab en
sich g ezwun gen g esehen, zu den Waffen zu gre ifen, um dem kommunist ische n Reg ime bei der Fes tigung eines totalitä ren S ystems Wider stand zu leis ten.
Aus historischen, moralischen und strategischen Gründen
waren die Vereinigten Staaten am Fortschritt der philippinischen Demokratie unmittelbar interessiert. Ebenso nehmen
wir zutiefst Anteil an den Hoffnungen auf Demokratie in Nica- 2 -

�in Nicaragua. Nach sechseinhalb Jahren ist es aber klar, daß
ohne unsere Hilfe bei der Stärkung der nicaraguanischen demokratischen Opposition die Hoffnungen auf Demokratie in diesem
Land und auf Fortschritt anderswo in Mittelamerika Gefahr laufen, zunichte gemacht zu werden.
Subversive Aktivitäten im Ausland
Trotz unserer Bemühungen, mit der revolutionären Führung,
die im Jahr 1979 den Diktator Somoza zu Fall gebracht hatte,
zu koexistieren, ja ihr sogar unter die Arme zu greifen, hat
die strategische Bedrohung durch die nicaraguanischen Kommunisten immer gefährlichere Ausmaße angenommen. Heute gibt
es in dem Land 200 sowjetische Berater, rund 7 500 Kubaner und
verschiedenes Personal aus der DDR, Bulgarien, Libyen und von
der PLO. Man kann sehen, wer ihre Freunde sind.
In der Gesc hichte Mi ttel amerika s find en w ir m chts , das
sich mi t der nicaraguani sehe n Aufrü stung verg leich en 1 äßt.
Seit 19 81 h at d as Land s owje tische Waffen im Wert von mehr als
einer h albe n Mi lliarde D olla r erhal ten, d arun ter P anze r und
andere schw ere Waffen, d ie, im mitt elamer ikan ische n Ra um besehen, ga nz o ffen sichtlich nie ht defe nsiver Nat ur si nd. Ende
1980 wa ren die nicaragua nisc hen Str eitkrä fte schon dop pelt so
stark w ie s eine rzeit Som ozas Nation algard e au f ihrem H öhepunkt. Bis End e 1982 ha tte sich di e Arme e de r nie arag uanischen Kornmuni sten noch ein mal ver doppel t. Nicar agua verfügt
derzeit übe r 60 000 Sold aten im akt iven D iens t sow ie ü ber weitere 60 000 als Reservis ten. Hinge gen ha t Ho ndura s le diglich
21 000 Sold aten , während Cos ta Rica , die alte ste D emok ratie in
Lateina meri ka, überhaupt kei ne Arme e unte rhäl t. K ein anderes
Land Mi ttel amer ikas verf ügt über so viele Pan zer u nd a ndere
gepanze rte Fahr zeuge wie Nie aragua. Nur Nica ragua bes itzt
hochmod erne sow jetische Angr iffshub schrau ber vom T yp M i-24
Hind.
Was wird mit dieser gewaltigen Aufrüstung bezweckt? Auf
diese Frage gab Tomas Borge bereits 1981 die Antwort: "Diese
Revolution", so sagte er, "geht über unsere Grenzen hinaus."
Was ist der Sinn dieser Worte? Es genügt, wenn wir uns an
die Tatsachen halten. Fast sofort nach der Machtübernahme taten sich die Kommunisten in Nicaragua mit den salvadorianischen Kommunisten zusammen, um demokratische Reformen in jenem Land zu verhindern. Sie bewaffneten salvadorianische
Guerillakämpfer, die Ende des Jahres 1983 ihr zentrales Hauptquartier in Managua hatten. (Von dort zogen sie übrigens bald
nach unserer Befreiung Grenadas aus.) In Nicaragua verfügen
sie jedoch weiterhin über Radiosender, Ausbildungsstätten, Er- 3 -

�Ausbildungsstätten, Erholungslager und größere Einrichtungen
zur logistischen Unterstützung.
Mit ihrer Förderung der Subversion in El Salvador geben
sich aber die nicaraguanischen Kommunisten keineswegs zufrieden. Guerillakämpfer und Agenten waren vor ihrer Einschleusung in Honduras durch Nicaragua ausgerüstet, ausgebildet und
organisiert worden. Bei direkten Angriffen auf Honduras hat
Nicaragua seine regulären Truppen eingesetzt.
Costa Rica stellt ein weiteres Ziel dar. Die nicaraguanischen Kommunisten haben ihre diplomatische Präsenz in diesem
Land für Bombenangriffe und Morde mißbraucht; sie haben Costaricaner für subversive Aktivitäten finanziert, ausgerüstet und
ausgebildet, und sie sind fast nach Belieben über die Grenze
in Costa Rica eingefallen.
Auch in Kolumbien haben sie ihre Hände im Spiel. Ein
Großteil der Waffen, mit denen Terroristen der Gruppe M-19 den
Nationalen Justizpalast angriffen, hatten ihren Weg über Nicaragua genommen. Und wen wollten diese Terroristen bei ihrer
Aktion erledigen? Die Richter, die gerade dabei waren,
Rauschgifthändlern den Prozeß zu machen. Es sollte nicht
überraschen, wenn die nicaraguanischen Kommunisten in kriminelle Umtriebe dieser Art verwickelt sind.
Das Bild, das sich aus all diesen Fakten ergibt, ist durch
Gewalttätigkeit gekennzeichnet. Es werden keine Unterschiede
gemacht; die Gewalt richtet sich gegen demokratische Länder,
ja sogar gegen die Friedensstifter von der CONTADORA-Gruppe.
Und es besteht dabei eine enge Verbindung zur kubanischen und
sowjetischen Militärmacht. Diese auf Subversion und Infiltration ausgerichteten Anstrengungen werden durch die engen Beziehungen des Regimes zu Terroristen aus aller Herren Länder
erleichtert.
Das Regime hat Extremisten und Terroristen aus dem Nahen
Osten, aus Lateinamerika und Europa nicaraguanische Reisepässe
ausgestellt.
Zu den Gruppen, deren Anwesenheit in Nicaragua bekannt
ist, zählen Terroristen von der baskischen ETA ebenso wie von
der deutschen Baader-Meinhof-Bande, den italienischen Roten
Brigaden und den argentinischen Montoneros. Alvaro Baldizon,
ein hochgestellter Sandinist, der sich 1985 von dieser Bewegung lossagte, hat über die persönliche Verwicklung von Innenminister Borge in den Kokainschmuggel aus Kolumbien in die
Vereinigten Staaten berichtet. Von einem Vertrauensmann des
amerikanischen Amtes für Drogenbekämpfung (DEA) auf dem Boden
von Nicaragua gemachte Videobandaufzeichnungen zeigen einen
- 4 -

�zeigen einen weiteren Vertreter des Regimes bei der persönlichen Überwachung der Verladung von Rauschgift für die Vereinigten Staaten.
In Mittelamerika und Panama tätige PLO-Agenten haben in
Nicaragua ihre Operationsbasis. Die Verbindungen zur PLO sind
besonders stark. Etliche nicaraguanische Kommunisten wurden
in den sechziger und siebziger Jahren in PLO-Lagern ausgebildet. Mehrere haben sogar an Flugzeugentführungen durch die
PLO teilgenommen.
Die nicaraguanischen Kommunisten haben noch einen zweiten
Wohltäter im Nahen Osten, nämlich Libyen. Bereits vor ihrer
Machtübernahme in Jahr 1979 hatten sie direkte Beziehungen zu
Gadhafi aufgebaut. Gadhafi ist seither gefällig gewesen und
hat Waffen geschickt. Eine dieser als "Medikamente" getarnten
Lieferungen flog in Brasilien im April 1983 durch Zufall auf,
wobei die brasilianischen Behörden auf 84 Tonnen Waffen,
Sprengstoffe und anderes militärisches Gerät stießen.
Die UnterdrückungsmaSnahmen im eigenen Land
Indem sie ihr Versprechen brachen, für Pluralismus zu sorgen, haben die nicaraguanischen Kommunisten die Bürger ihres
Landes faktisch gezwungen, noch einmal zu den Waffen zu greifen. Ebenso wie Somoza scheinen sie niemandem Gehör zu schenken, der nicht bewaffnet ist. Und ebenso wie Somoza trachten
sie danach, ausländischen Kräften dafür die Schuld zu geben,
daß das eigene Volk Widerstand gegen ihre Politik leistet.
Die nicaraguanischen Kommunisten behaupten gern, daß der
Widerstand gegen sie auf die verdeckte Unterstützung der USA
zurückzuführen sei und daß es sich bei ihren Gegnern ausschließlich um CIA-Agenten und um Erben Somozas handele. Das
ist Unsinn. Es war ihre Unterdrückungspolitik, die in den
Jahren 1979, 1980 und 1981 die Koalition zerschlug, die Somoza
gestürzt hatte. Das war es, was den Widerstand entzündete.
1979, 1980 und 1981 leisteten die Vereinigten Staaten der Regierung von Nicaragua Hilfe, nicht den Widerstandskämpfern.
In der Zeit von Mitte 1984 bis Ende 1985, also mehr als
ein Jahr lang, unterstützten die Vereinigten Staaten die Widerstandskräfte in Nicaragua überhaupt nicht. Dennoch wuchs
die Bewegung in dieser Zeit um 50 Prozent, von ungefähr 10 000
auf rund 15 000. Soviel über die Theorie, daß der Widerstand
eine Kreatur amerikanischer Bargeldzahlungen sei.
Wer sind eigentlich diese Nicaraguaner, die im Kampf gegen
den kommunistischen Sicherheitsapparat ihr Leben zu riskieren

�zu riskieren bereit sind? Bei den Widerstandskämpfern handelt
es sich vor allem um junge Bauern. Die meisten von ihnen sind
zwischen 18 und 22 Jahre alt. Sie verteidigen ihren kleinen
Landbesitz, ihre Kirchen und, in manchen Fällen, ihre bodenständige Kultur. Manche zogen den Beitritt zur Widerstandsbewegung dem Dienst in den Reihen der nicaraguanischen Kommunisten vor, wo sie die eigenen Freunde und Nachbarn hätten bekämpfen müssen. Bei der Verteidigung ihrer Familien und Gemeinden kämpfen diese jungen Nicaraguaner vor allem für ihr
Recht auf Selbstbestimmung.
Ihre Führer kommen hingegen zumeist aus den Städten. Sie
unterscheiden sich mehr als die junge Landbevölkerung im Hinblick auf Berufe und Lebenslauf. Zu ihnen gehören sowohl frühere Angehörige von Somozas Nationalgarde als auch ehemalige
Sandinisten. Die meisten jedoch sind Zivilisten aus den verschiedenen Bevölkerungsgruppen, die die Sandinisten zu vertreten behaupten: Bauern, Kleinbauern, Berufstätige aus den
Städten und Studenten. Einer von ihnen war Grundschullehrer,
ein anderer evangelischer Pfarrer.
Eine im vergangenen November durchgeführte Analyse des
Hintergrunds von 153 führenden Militärs der größten Widerstandsgruppe ergab, daß 53 Prozent von ihnen aus dem Zivilleben kamen, während 27 Prozent in der Nationalgarde gedient
hatten und nicht weniger als 20 Prozent früher Waffenbrüder
der Kommunisten gewesen waren. Daraus folgt unwiderlegbar,
daß es sich bei dem Widerstand in Nicaragua um einen durch das
Volk getragenen, alle Schichten umfassenden, demokratischen
Aufstand handelt.
Eine Welle der Demokratie
Historiker werden in dem Wandel der Tyrannei in Lateinamerika während dieser Jahre eine Ironie der Geschichte sehen.
Während in Nicaragua eine Diktatur eine andere ablöste, fielen
die starken Männer anderswo in der Region schnell und der Reihe nach.
In den letzten zehn Jahren sind gewählte Zivilregierungen an die Stelle der autoritären Regimes in Argentinien, Bolivien, Brasilien, Ecuador, El Salvador, Grenada, Guatemala, Honduras, Peru und Uruguay getreten. Mehr als 90 Prozent der Lateinamerikaner regieren sich jetzt selbst. Vor
zehn Jahren waren es weniger als ein Drittel.
Der Widerspruch zwischen der kommunistischen Herrschaft in
Nicaragua und dem politischen Trend im Rest Lateinamerikas
könnte nicht dramatischer sein. Nach Jahrhunderten des Kampfes hat das System der Selbstregierung Wurzeln gefaßt. Nicaragua ist jetzt nicht nur die Ausnahme von dieser Regel; es
- 6 -

�Regel; es ist auch so, daß seine Politik des Militarismus und
der Subversion die Demokratiehoffnungen der gesamten Region
gefährdete.
Niemand ist sich dieser Gefahr besser bewußt als die führenden Politiker Lateinamerikas. Seit Jahren schon suchen sie
Mittel und Wege, die von Nicaragua ausgehende Gefahr zu entschärfen. Das Hauptanliegen der CONTADORA-Verhandlungen ist
der friedliche und demokratische Abbau der durch das Verhalten
des nicaraguanischen Regimes verursachten militärischen Spannungen, ohne daß es dabei zu der von den nicaraguanischen Kommunisten anscheinend angestrebten Ausweitung des Konflikts
kommt.
Es überrascht nicht, daß die Kommunisten diese Verhandlungen immer wieder torpediert haben. Die Vereinigten Staaten
verhandelten 1984 mit Managua direkt, um den CONTADORA-Ländern
das Aushandeln einer Lösung zu erleichtern. Neun Verhandlungsrunden fanden damals innerhalb von fünf Monaten statt.
Es erwies sich aber, daß die nicaraguanischen Kommunisten in
erster Linie an der Manipulation dieser bilateralen Gespräche
interessiert waren, um auf diese Weise Ergebnisse der
CONTADORA-Arbeit zu verhindern.
Abgelehnt haben sie auch den von den katholischen Bischöfen ihres Landes im Hirtenbrief am Karfreitag 1984 gemachten
Vorschlag, mit allen Nicaraguanern zu verhandeln - egal ob bewaffnet oder unbewaffnet, ob in Nicaragua oder außerhalb des
Landes. Die demokratische Widerstandsbewegung rief zu einem
Waffenstillstand auf und zeigte sich zu Verhandlungen durch
Vermittlung der katholischen Kirche bereit. Das Regime lehnte
ab. Der wichtigste Dialog, nämlich der interne zwischen dem
Regime und seinen Gegnern, wird also durch die Kompromißlosigkeit des Regimes vereitelt. Die Kommunisten wissen genau, was
sie wollen. Sie haben nicht die Absicht, sich zu ändern.
Nicaraguas Nachbarn sind sich über die Pläne des Regimes
im klaren. Auch wir sind es. Und wir machen uns schwere Sorgen wegen der Bedrohung, die Nicaragua für die Sicherheit und
das Wohlergehen anderer lateinamerikanischer Nationen darstellt. Wir haben nach besten Kräften die Demokratie in ganz
Mittel- und Südamerika gefördert, indem wir für freie Wahlen
eingetreten sind und den demokratischen Regierungen und demokratischen Kräften moralische und wirtschaftliche Hilfe geleistet haben. Ebenso wie unsere demokratischen Nachbarn wollen wir es nicht erleben, daß diese Errungenschaften durch nicaraguanische Subversion rückgängig gemacht werden.
Gerade erst vor zwei Wochen traf ich mit Vertretern der an
den CONTADORA-Verhandlungen beteiligten acht Nationen zusam- 7 -

�Nationen zusammen. Sie sind, wie wir, für politische Lösungen. Man darf das aber nicht falsch verstehen: Die Versuche
Nicaraguas, mit sowjetischer und kubanischer Unterstützung die
Stabilität der Region zu untergraben, beunruhigen sie zutiefst
Die Politik der Vereinigten Staaten
Unsere Ziele in Nicaragua, und die unserer Freunde und
Verbündeten, sind einfach: Wir wollen, daß das nicaraguanische Regime die Aufrüstung rückgängig macht, seine ausländischen Berater nach Hause schickt und damit aufhört, seine
Bürger zu unterdrücken und sich subversiv gegen die Nachbarländer zu betätigen. Wir wollen, daß es die Verprechen der
Koalitionsregierung nach Somozas Fall einlöst - demokratischer
Pluralismus im Inland und friedliche Beziehungen zum Ausland.
Die Vereinigten Staaten und ihre Freunde haben sich bemüht, mit den Mitteln der Diplomatie dieses Ziel zu erreichen. Wir glauben nach wie vor, daß in einer durch Verhandlungen erzielten Lösung unsere größte Hoffnung auf einen
friedlichen Wandel in Nicaragua liegt. Es sind jedoch alle
seriösen Verhandlungsversuche durch die nicaraguanischen Kommunisten abgeblockt worden. Sie denken, daß sie ihre Politik
der Unterdrückung im Inland und der Aggression gegen das Ausland ungestraft fortsetzen können, und sie sehen weiterhin in
ihrer militärischen Stärke eine Erfolgsgarantie dabei.
Es liegt in der Macht der Vereinigten Staaten, den nicaraguanischen Freiheitskämpfern dabei zu helfen, die Kommunisten
davon zu überzeugen, daß sie einen katastrophalen Kurs steuern. Wir müssen die Freiheitskämpfer unterstützen, bevor es
zu spät ist. Wenn wir das tun, stärken wir unseren Einfluß
für die Erreichung unserer diplomatischen Ziele.
Unsere Ziele sind begrenzt und vernünftig. Zugleich sind
sie wichtig für unsere Werte und für die Sicherheit von uns
selbst und unserer Nachbarn. Wir müssen viele Optionen in Erwägung ziehen. Einige von ihnen sind so hart, daß wir hoffen,
niemals zu ihnen unsere Zuflucht nehmen zu müssen. Die Vereinigten Staaten wünschen keine direkte Verwicklung der eigenen
Streitkräfte in Nicaragua. Bisher mußten wir uns mit dieser
Option nicht befassen, denn wir wissen, daß es einen anderen
Weg gibt, das Regime von seinem destruktiven Kurs abzubringen.
.Deshalb unterstützen wir den demokratischen Widerstand.
Militärische Hilfe für den demokratischen Widerstand könnte die nicaraguanischen Kommunisten dazu bringen, ernsthaft zu
verhandeln - etwas, das sie bisher noch nicht getan haben.
Sie verhandelten nicht mit der Regierung Carter, als die Ver-

�die Vereinigten Staaten noch der größte Lieferant von Hilfe
für Nicaragua waren, und sie verhandelten nicht seriös - weder
mit uns noch mit ihren Nachbarn - als der Kongreß vor zwei
Jahren jegliche Unterstützung des Widerstands aussetzte. Im
Gegenteil: Im Herbst 1984 importierten sie sowjetische Angriffshubschrauber statt ihre politischen Gegner durch freie
Wahlen wieder ins politische Leben einzuführen.
Für die Widerstandskämpfer ist ein kritischer Augenblick
gekommen. Das außerordentliche Wachstum ihrer Bewegung und
die verzweifelten Maßnahmen, die das Regime bei ihrer Bekämpfung ergriffen hat, beweisen, daß sie sich bewährt haben. Die
Aufrüstung durch die Sowjetunion, Kuba und den Ostblock hat
aber ein großes Ungleichgewicht geschaffen. Wenn wir den
Kräften der Demokratie nicht zu Hilfe kommen, werden sie
schwer leiden, nicht etwa, weil sie keine gute Sache verfechten, sondern weil die Kommunisten mehr Entschlossenheit als
wir selbst gezeigt haben werden.
Ein verstärkter demokratischer Widerstand ist das einzige
Mittel, mit dem man die nicaraguanischen Kommunisten zur Einstellung ihrer subversiven Aktivitäten in dieser Hemisphäre
zwingen kann; es ist das einzige Mittel, mit dem man ihrer erdrückenden Tyrannei im eigenen Land beikommen kann.
Macht und Diplomatie müssen Hand in Hand gehen. Das ist
eine Lehre, die wir aus unseren Erfahrungen schon gezogen haben sollten. Diplomatie ohne Machtmittel ist hilflos. Ob bei
Abrüstungsverhandlungen mit der Sowjetunion oder bei der Beilegung regionaler Konflikte: Diplomatie funktioniert dann am
besten, wenn unsere Gegner begreifen, daß sie keinen militärischen Sieg und keine einseitigen Vorteile erzielen können.
Manchmal vergaßen wir diese Lehre, und wir mußten dafür einen
hohen Preis bezahlen.
Das ist die Lehre, die wir heute auf Nicaragua anzuwenden
versuchen: Wir wollen das kommunistische Regime davon überzeugen, daß es eine militärische Option nicht gibt. Nur ein
starker innerer Widerstand durch das nicaraguanische Volk kann
das Regime dazu zwingen, daß es auf die nationale Versöhnung
hinarbeitet und das demokratische Versprechen des Jahres 1979
hält.
Die Folgen der Untätigkeit
Falls wir den Widerstand nicht stärken, werden wir bald
eine ganz andere Sorge haben - von noch viel ernsterer Natur.
Ein sowjetischer und kubanischer Stützpunkt auf dem lateinamerikanischen Festland wird uns zu schaffen machen, ein Regi- 9 -

�ein Regime, dessen gefestigte Macht es ihm gestatten wird,
Subversion und Terrorismus auf die gesamte Hemisphäre auszudehnen.
Und das ist nicht einma 1 alles . Wenn es den n lcara guanischen Kommunis ten g elingt , ihre Macht zu fe stige n und die
demokrat ische Wi derst andsbe wegung zu ve rnicht en, w ird i hr Sieg
sofort u nd übera 11 de n radi kalen K räfte n Auft rieb geben den
Kräften, die sie h zur Errei chung i hrer Ziele auf G ewalt Militarismus und Ter ror s tützen , besonders in Lat einam erika
Der
Radikali smus wir d unw iderst ehlich ersch einen; hing egen werden
sich die Kräfte der M äßigun g und d er De mokrat ie en tmuti gt fühlen. AI 1 die Lander Latein amerika s, di e sich schw erwie genden
inneren Wirtscha ftspr obleme n gegen übers ehen, würde n erl eben,
wie die radikale n Ele mente bei der Ausn ützung dies er Pr obleme
zu ihren eigenen dest ruktiv en Zwec ken n euen M ut sc höpfe n.
Auße rdem wur de ein kommu nistische r Sieg in Ni carag ua weltweit Fol gen für die Pol itik der USA n ach si ch zie hen. in den
Augen un sere r Gegner, d ie un s auf die Probe stell en wo llen,
würde er uns ere Glaubwü rdigk eit schwe r erschütter n, un d ebenso
würde es uns bei denjen igen ergehen, die si ch an allen Ecken
und Ende n de r We lt auf unser e Unterst ützung in ih ren K ämpfen
gegen di e Ty rann ei verl assen
Wenn d ie Dem okrati ebest rebungen
in Nicar agua aus gelösch t wer den, wo d ann we rden w ir no ch behaupten könn en, daß wir sie fördern u nd unt erstüt zen? Wenn
ein bewa ffne ter Aggress or vo r unserer eigen en Hau stür seinen
Willen h aben kan n, trot z des gewaltig en Wid erstan ds ge gen ihn
im In- u nd i m Au sland, wie w erden wir dann in wei t ent fernteren Gege nden gla ubwürdi g unseren Ruf wahren könne n, da ß wir
Aggresso ren absc hrecken ?
Die aus beiden Parteien zusammengesetzte Kissinger-Kommission hat in ihrem 198A erschienenen Bericht die möglichen Folgen eines Versagens unsererseits bei der Eindämmung des gegenwärtigen Konflikts in Mittelamerika drastisch geschildert.
Ihres Erachtens würden dies die Konsequenzen sein:
- "Eine Reihe von Entwicklungen, deretwegen wir uns gezwungen sehen könnten, enorme Mittel zur Verteidigung der südlichen Zugänge zu den Vereinigten Staaten einzusetzen, was
unsere Fähigkeit zur Verteidigung unserer Interessen anderswo einschränken würde..."
"Eine starke Vermehrung der Zahl marxistisch-leninistischer Staaten und infolgedessen eine Zunahme der Gewalt,
Vertreibung und politischer Unterdrückung in der Region."
"Die Erosion unserer Fähigkeit, weltweit Entwicklungen beeinflussen zu können, weil der Eindruck entstehen würde,
- 10 -

�entstehen würde, daß wir nicht einmal imstande waren,
wichtige Entwicklungen in unserer unmittelbaren Nachbarschaft zu beeinflussen."
Wessen Vision?
Damit komme ich zu meinem abschließenden Argument. Auf
lange Sicht ist die Debatte über die militärische Hilfe für
den nicaraguanischen Widerstand keine Angelegenheit der Parteienpolitik. Es ist dies vielmehr eine Debatte darüber, welche moralischen und politischen Grundsätze bei der Gestaltung
der Zukunft dieser Hemisphäre gelten sollen, eine Debatte darüber, wessen Vision es gestattet werden soll, den Sieg davonzutragen. Eine Vision - die Vision der Demokraten in ganz
Nord-, Mittel- und Südamerika - ist die des wirtschaftlichen
Fortschritts, der freien Institutionen, der Rechtsstaatlichkeit. Die andere ist die Vision von zwei, drei, vielen Nicaraguas - eine Hemisphäre der brennenden Kirchen, der eingestellten Zeitungen, der zermalmten Opposition.
Die Diktatur in Nicaragua wird vielleicht bald imstande
sein, die Widerstandskämpfer zu Tode zu hetzen. Die Vereinigten Staaten sind jetzt noch imstande, dieses tragische Ende zu
verhindern. Werden wir zusehen, wie die Hemisphäre von den
Kräften des Totalitarimus als Geisel genommen wird? Das ist
die Frage, die der Kongreß beantworten muß. Im Interesse der
Sicherheit des eigenen Landes und auch im Interesse der jungen
demokratischen Nationen, die von uns Unterstützung erhoffen,
sollten wir den Menschen in Nicaragua das geben, was sie in
ihrem Kampf für die ihnen von Somoza vorenthaltenen und dann
von einer bewaffneten kommunistischen Minderheit weggenommenen
Freiheiten brauchen.

* * * * * *

- 11 -

�AMERIKA DIENST
%

Information

^

19. März 1986

11

DR. JAMES C. FLETCHER ALS NASA-ADMINISTRATOR NOMINIERT

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat Dr. James
C. Fletcher gebeten, die Leitung der US-Behörde für Luft- und
Raumfahrt (NASA) erneut zu übernehmen. Sobald der Senat die
Berufung bestätigt hat, wird Dr. Fletcher (66) das Amt antreten, das er von 1971 bis 1977 schon einmal innehatte. Er löst
Dr. James M. Beggs ab, der vor einigen Monaten auf eigenen
Wunsch von seinen Aufgaben entbunden wurde und im Februar 1986
offiziell zurücktrat. Die kommissarische Leitung hatte Dr.
William Graham.
Dr . Fleteher erk lärt e sich ber eit, das Amt nur zu übernehmen, s ofern kein and erer geeig nete r Kandida t gefun den werde.
Sein Z ögern beru he, wie er in eine m In tervi ew mit der New York
Times (6. Mä rz 1 986) erk lärte, kei nesw egs a uf fina nzie llen Erwägung en. A m me iste n fa lle fü r ih n in s Gew icht, d aß e r dann
seine Berate rtät igke it i m Rahm en d er " Strat egische n Ve rteidigungsi nitiat ive" (SD I) a ufgebe n mü sse. Seh on vor läng erer
Zeit w ar unt er d er L eitu ng Fle tche rs f ür da s Weiße Hau s und
das am erikan isch e Ve rtei digung smin iste rium ein Ber icht über
die te chnisc he D urch führ barkei t ei nes solch en Vert eidi gungssystems ausgea rbei tet word en. G egen wärt ig is t er In habe r des
Whitef ord-Le hrst uhls für Techn ik u nd E nergi eressou rcen an der
Univer sität Penn sylv ania . Als ing enie urtec hnische r Berater
ist er in de r In dust rie sehr g efra gt.
Seine Kollegen und Freunde waren stets sicher, daß die
Probleme, denen sich die NASA infolge des CHALLENGER-Unglücks

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�CHALLENGER-Unglücks vom Januar gegenübersieht, Fletcher nicht
davon abhalten werden, die Leitung der NASA wieder zu übernehmen. "Er ist ein Mensch, der es liebt, gefordert zu werden",
sagte ein langjähriger Mitarbeiter. "Er ist ruhelos und dynamisch und will ständig neue Welten erobern."
Das erste Projekt in der bemannten Raumfahrt, das in der
ersten Amtszeit Fletchers durchgeführt wurde, war das SKYLABProgramm. Drei Astronautengruppen verbrachten damals insgesamt 172 Tage in der als Laboratorium eingerichteten Station,
die die Erde umrundete. Weitere Höhepunkte waren das AP0LL0SOJUS-Projekt, als im Jahr 1975 ein amerikanisches und ein sowjetisches Raumschiff in der Erdumlaufbahn zum Rendezvous kamen und aneinanderkoppelten, sowie das Projekt VIKING mit der
Landung von unbemannten Sonden auf dem Mars.
Getreu seiner Überzeugung, daß Raumfahrtprogramme finanziell tragbar und vom wissenschaftlichen wie technischen
Standpunkt aus lohnend sein sollen, kündigte Fletcher Ende
1971 Pläne für einen "wiederverwendbaren Raumtransporter" an,
der wie eine Rakete starten, wie ein Raumschiff in die Umlaufbahn eintreten und wie ein Flugzeug landen werde.
James C. Fletcher wurde am 5. Juni 1919 in Misburn, New
Jersey, geboren. Es entsprach der Familientradition, daß er
Physik studierte - zunächst an der Brigham Young University in
Provo, Utah, dann an der Columbia University in New York.
Nach der Graduierung zum "Bachelor of Arts" im Jahr 1940 war
er für Forschungsprojekte der amerikanischen Marine tätig, anschließend als Dozent an der Princeton University. Im Jahr
1948 wurde er am California Institute of Technology mit einer
Arbeit aus dem Gebiet der Physik promoviert.
Noch im gleichen Jahr ging Fletcher in die Luft- und Raumfahrtindustrie, wo er zunächst für die Hughes Aircraft Company
und dann für die Romo-Wooldridge Corporation tätig war. Zehn
Jahre später gründete er zusammen mit einem Kompagnon ein eigenes Unternehmen, die Space Electronics Corporation. Als
dann 1960 diese Firma mit der Aerojet-General Corporation fusionierte, wurde Fletcher Präsident des neuen Unternehmens,
später (von 1961 - 1964) Vorsitzender des Aufsichtsrates.
Im Jahr 1964 nahm er das Angebot der Universität von Utah
an, deren Präsident zu werden, und löste alle Verpflichtungen
in der Industrie. 1971 holte ihn Präsident Nixon als neuen
NASA-Administrator nach Washington. Dort war er außerdem zunächst Berater, später Mitglied des Präsidialbeirats für Wissenschaft. Mehrere Organisationen aus dem Gebiet von Luftund Raumfahrt beriefen ihn in ihren Vorstand. Fletcher ist
verheiratet und hat drei Töchter.
* * * * * *

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�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

19. März

11

1986

BESUCHER BEIM KOMETEN HALLEY
- Internationale Satellitenflotte betreibt "Nahaufkläruna" -

- (AD) - "Dieses Mal sind wir zum Kometen gekommen", äußerte begeistert der amerikanische Astrophysiker Carl Sagan
aus New York, als er im Kontrollzentrum für die VEGA-Sonden in
Moskau im Kreis von Kollegen aus aller Welt das Eintreffen der
ersten "Innenaufnahmen" vom Halleyschen Kometen miterlebte.
Die sowjetische Sonde VEGA 1 funkte die Farbbilder. Sie zeigten den Kern im vorderen Teil des Kometenkopfes aus ca. 9 000
km Abstand. Damit hatte die aufregendste Phase der 1981 ins
Leben gerufenen Aktion "International Halley Watch" begonnen.
Unge fähr 1 000 Astro nome n un d Ast roph ysik er l n 50 Ländern,
unte rstü tzt v on fa st 700 Ama teur astro nome n in all en E rdteilen,
hatt en s ich z usamm engeta n, u m de n Korn eten bei sei ner Wiederkehr nac h 76 Jahre n rund um die Uhr z u be obac hten - und dies
so g rund lieh und d etaill iert , wie es ohne die heu te v erfügbaren tech nisch en Hi lfsmit tel bish er ni e mö glic h wa r. Allerding s näherte sich Komet Hai ley beim Durc hgan g 19 86 d er Erde
nur auf 62 Mi llion en Kil omet er, währe nd i m Ja hr 1 910 die gering ste Dista nz 22 ,5 Mil lion en K ilome ter betr ug. Dam it war er
dama ls z war 5 8 Mal weite r en tfer nt al s der Mond. Abe r wie in
den Jahr hunde rten zuvor gab es n och i mmer Men sehe n, b ei denen

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�bei denen das Auftauchen des immer heller werdenden Objektes
am Himmel mit dem riesigen leuchtenden Schweif Unbehagen, ja
Furcht auslöste. Gerüchtemacher hatten Hochkonjunktur - manche prophezeiten z.B. Vergiftungen durch Substanzen im Kometenschweif. Die Erde ging durch einen Teil des Schweifes hindurch. Schaden nahm niemand, aber es regnete Sternschnuppen.
Noch nie ist es gelungen, Staubkörnchen von Kometen einzufangen. Das sind jene Partikel, die beim Eintritt in die Erdatmosphäre verglühen und als "Sternschnuppen" sichtbar werden.
Als ein Projekt für die neunziger Jahre ist vorgesehen, mit
Hilfe einer Instrumentensonde Proben von einem Kometen zu nehmen, zur Erde zu holen und hier zu analysieren.
Für die Hall ey-Studi en wur den Forsch ungss atelli ten d er Sowjetunio n, Europ as, Japa ns und der Verei nigte n Staa ten a ufgeboten. Es ging vor alle m daru m, d ie Exi stenz eines fest en
Kerns in nerhalb der Hüll e aus Gase n und Staub def in itiv nachzuweisen , seinen Aufbau sowie sein e Akti vität unter dem Einfluß der Sonne z u unters uchen, vie lleich t auch sich ere A nhaltspun kte für seine Zu sammen setz ung un d den Mater iever lust
infolge der Aufw ärmung i m Inne rn d es Son nensy stems zu be kommen. Da rüber hi naus wil 1 man auch die W echse lwirku ngen zwisehen St rahlung und Mate rie de r Sonne mi t der Komet enmat erie
besser e rkennen und vers tehen lern en. B eobac htunge n von der
Erde aus , vor allern auf der No rdha lbkuge 1 boten wen ig Sp ektakuläres - nicht zuletzt deshal b, w eil si ch de r Hall eysch e Komet zum Zeitpunk t seiner größt en S onnenn ähe jenseit s der Sonne
befand.
So die nten unbemannte Sonden als vorgeschobene Beobachter
Von ihnen wurden VEGA 1 und 2 am 6. und 9. März 1986, vier Tage später GI0TT0 in die "Höhle des Löwen" geschickt. Die
VEGA-Kamer as überstanden die Passage in 9 000 bzw. 8 200 km
Abstand vo m Kern. Für die Kamera von GIOTTO dagegen war das
Staubbomba rdement, das der Sonde bei Annäherung auf 640 km an
den Kern e ntgegenprasselte, zu viel. Nach der Übermittlung
von 3 500 hervorragenden Aufnahmen, die GIOTTO alle vier Sekünden zur Erde gefunkt hatte, kam plötzlich kein Bild mehr,
Dennoch si nd die Wissenschaftler, die in der Missionszentrale
in Darmsta dt das große Ereignis dieser Nahbegegnung mit dem
Kometen Ha H e y an den Bildschirmen und Anzeigetafeln zwecks
Gewinnung von Meßdaten verfolgten, vollauf zufrieden. Die
Auswertung aller Forschungsprojekte, die unter recht verschicdenen Aspe kten angelegt waren und durchgeführt wurden, geschieht in enger internationaler Zusammenarbeit.

Kometen - Reste

�Kometen - Reste von Urmaterie
Komete n si nd n ach heut iger Auf fass ung der Wis sens chaf tler
idea le Objekte , um Mat erie aus der Frü hzei t unser es S onnen system s zu studi eren . In ih nen dürf ten, von der We ltra umkäl te
"tie fgefro ren" , Elemen te k onse rvie rt s ein, aus de nen sich das
Sonn ensyst em v or c a. 4 ,5 M illi arde n Ja hren entwic kelt hat
mit einem Ster n, d er S onne , im Zen trum , um den di e ne un bi sher
und Ringen kre isen.
beka nnten Plan eten sam t eigene n Mo nden
n
Va
aber
h
s
mi
n
"k
sehe
t
de
gabu nden" a uf s ich, die
osmi
Was und wi at e , pe
ch
s
isch
r
au
riod
chei nbar sp orad isch, im
ode
hin rn des eder nens
ms a ufta uche n? Die Forschu ng h at he ryste
Son
Inne efunde
aß e be i Komete n so gar "Farnilien" gibt , deren
ausg lieder n, d h, w s
ie d er H alle ysch e Ko met, auf El u p s enbah nen
sie
Mitg gen.
ser
eine
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n
bewe andere Den ner derBr groß unkt die plan Bahn en bild et d ie So nne,
eten wie Ju pite r, Sa
en A ußen
den , Urann ei
iter seh wing t de r Komet Hai ley in de n
h
we
Noc
us.
turn rplane
h inau s, n ämli ch 5 ,1 M illiard en K i lometer.
inte Umkeh tare n Ra um
zwis
iegt
Sein Pluto, rpun kt 1 d ih im Bere ich 23 e chen den PI anet en Ne ptun
rrei chen, u m 38 Jahr
n im Jah r 20
und er wie Er wir
en.
der
ersc
hein
hier
zu
spät
Alle diese Kometen gehören auf jeden Fall zum Sonnensystem. Bei anderen, die nach bisherigem Wissen nur einmal auftauchten, ist dies fraglich. Astrologen im "Reich der Mitte"
führten schon im Jahr 613 v. Chr. zuverlässige Aufzeichnungen
über Kometen. Knapp 400 Jahre später, 240 v. Chr., wurde in
China aufgrund der Aufzeichnungen erkannt, daß manche der rätselhaften Objekte periodisch wiederkehren. Unter ihnen befand
sich jener Schweifstern, der 2 000 Jahre später im Abendland
nach Edmond Halley bekannt wurde.
Dies em engl ischen Mat hema tiker und N atur forsche r, Sc hüler
Isaa c Newtons, war es als ers tem g elunge n, d ie Bahn eine s Komete n zu berech nen. Hall ey s tudie rte Au fzei chnunge n übe r alle
seit dem 14. Ja hrhund ert beob achte ten Ko mete n. Dab ei fi el die
Ä'hnlichk eit der Bahne n vo n dr ei Sc hweifs tern en auf, die im AbHand elte es
stan d vo n 76 bz w. 75 Jahr en e rschi enen w aren
sich wom öglich um ein und den selbe n Korne ten, dessen Auft auchen
Hall ey i m Jahr 1682 s elbs t mi terle bte? Er b estimmt e sei ne
Bahn in Form ei ner El lips e, i n der en ein em B rennpun kt di e Sonne 1 iegt und sa gte se ine Wied erkeh r für das Jahr 17 58 vo raus.
Die Prop hezeihu ng Hai leys , der 1742 starb, t raf ein . Nur in
bezu g au f die g roßte Sonn ennä he un d dami t di e Phase der stärksten Hei ligkeit hatte er sich um e in paa r Monate ge irrt.
Zur Zeit wandern schätzungsweise 170 Kometen im Sonnensystem. In der Tiefe des interplanetaren Raumes sind sie nur an
einem schwachen Leuchteffekt infolge der Reflexion von Sonnenlicht am festen Kern auszumachen. In einer Sonnenentfernung,
- 3 -

�einer Sonn enentfernu ng, di e ung efähr der Umla ufba hn de s Planeten J upite r entspricht, be ginnt Kern mater ie z u su blimi eren,
d.h. Teile davon geh en dur ch ei ne ge wisse Erw ärmu ng vo m festen
direk t in den gasför migen Zusta nd üb er. Auch Sta üb wi rd freigeset zt. Die Gasmol eküle um de n Ker n beg inne n un ter L ichtanregun g zu fluoreszie ren. Durch die Wirku ng d er u ltrav ioletten
Sonne nstra hlen bei t iefere m Vor dring en zu m Ze ntru m wir d Wasserda mpf d issoziiert , d.h. in W asser Stoff und Sau ersto ff aufgespa lten. Die nebe lig-fa serig e Gashülle um den feste n Kern
wachs t. Sonnenwind und Ko rpusk ulars trahl ung von der S onne
ionis ieren Gasmolekü le der Hüll e. T eilwe ise werd en si e auch
wegge blase n, so daß sich e in Sc hweif ausb ilde t, d er du rch
Nachs chub aus dem Ko metenk opf 1 angsa m grö Ger wird . Staubteilchen werde n mitgeris sen. Meist ist der S chwe if m ehrst rahlig
ausge bilde t, wobei z wische n ein em ge krümm ten Ante il mi t hoher
Staub konze ntration u nd ein em eh er ge radli nige n PI asma- Anteil
aus i onisi erten Gase n unte rschi eden werde n ka nn. Für beide
Kompo nente n gilt: S ie sin d inf olge des a nstr ömen den S onnenwinde s, de s Licht- und Str ahlun gsdru cks d er S onne von dieser
fortg erich tet.
Ab er w ie entst ehen , woher k omme n Korn eten? D er holl andische Ast ronom Ja n Oo rt f ormul iert e im Jahr 195 0 eine Hypothese, der zufolge sie aus einer "Wo lke" von Über resten des Nebels s tamm en könnt en, aus dem S onne und Planeten konden sierten, u nd d ie unser Son nens ystem wie eine Schale umgibt. Thre
Entfer nung zum Zen trum kön ne 30 000 , vielleicht sogar 1 00 000
AE bet rage n, was e inem hal ben b is e inein halb Lic htjähre n entsprach e. ("AE" is t die as trono misc he Me ßeinheit , die auf der
mittle ren Entfernu ng E rde- Sonne = 149,6 Millione n km - basiert. ) Nach der (Dortsche n Hyp othe se wä re es de nkbar, daß
sich u nter der Gra vita tion seinw irku ng vo rbeizieh ender g rößerer
Objekt e Klumpen au s dieser Wölk e lösen. Manche treiben weiter
ins AI 1 hinaus, an dere gel angen auf eine n Kurs, der ins Innere
des So nnen Systems führ t. Deren wei teres Schicks al häng t dann
von vi elen Faktore n ab , bei denen e rneut Gravita tionsei nflüsse
und ni cht zuletzt die Stru ktur des "schm utzigen Schneeb alls"
eine R olle spielen
S0 bezeichne te de r am erika nische Astro physi ker F red
Whipp le 19 50 als erst er d ie Ko meten, die e r als Zusa mmenballunge n von Wasse reis, gef roren en Gase n und mete oriti schem Materia 1 aus Staub und Gest einsb rocken sieht
Sp ektra luntersuchu ngen haben dies best ätigt
Bei Annäh erung an d ie Sonne
setzt , wie schon erwä hnt, Subl imation ein. Ang esich ts der beobach teten Turbu lenze n in den leuchte nden Masse n und der jüngsten Erfah rungen mit GIOT TO un d den V EGA-S onden sehe int dies
auch explo sionsa rtig zu g esche hen, wo für d ie kr assen Unterschie de de r Stau bkonz entr ation en in d er Ga shüll e des Kometen
Halle y spr echen. Sol che Ausbr üche, d ie de m Gas strah 1 aus ei-

�aus einer Raketendüse vergleichbar sind, können sogar Richtungsänderungen des Kometen zur Folge haben. Dabei wird natürlich Materie vom festen Kometenkern "verbraucht". Gleichzeitig verdichtet sich der Staubmantel um den Kern, der zusammen mit der Gashülle den Kometenkopf bildet.
Intensive Beobachtungen seit Dezember 1985
Die Intensivphase der Beobachtung des Halleyschen Kometen
begann im Dezember 1985 und dauert bis Mitte April 1986. Er
bewegt sich gegenläufig zur Erde und zu den anderen Planeten.
Die Tatsache, daß seine Ellipsenbahn zur Erdumlaufbahn um 18
Grad geneigt ist, kompliziert den Anflug von Sonden. Deshalb
wurde das Rendezvous von VEGA 1 und 2, von GIOTTO ebenso wie
das der japanischen Sonden SUISEI und SAKIGAKE in 154 000 km
bzw. 7 000 000 km Abstand vom Kern auf die Tage im Monat März
1986 gelegt, in denen der Halleysche Komet sich in einer Position befand, wo die Ebene seiner Bahn die Ebene der Planetenbahnen schneidet. So hielt sich der Energieaufwand für die
Kurssteuerung der Halley-Sonden in Grenzen.
Die SUISEI-Messungen sollen helfen, die Sublimationsrate
des Kerns und damit den Masseverlust des Kometen während einer
Sonnenumrundung zu ermitteln. Mit Hilfe von SAKIGAKE will man
vor allem Geschwindigkeiten, Dichte und Temperaturen des Sonnenwindes erforschen, der dem Kometen entgegenströmt. GIOTTO
sollte u.a. mit Massenspektrometern die Zusammensetzung des
aus dem Kern freigesetzten Staubes analysieren helfen. Andere
Instrumente untersuchten Gasmoleküle und Ionen in der "Koma",
der hellscheinenden Hülle um den Kern, sowie das Magnetfeld um
den Kometenkopf.
Für diese speziellen Projekte hatte ICE Pfadfinderdienst
geleistet und deshalb eine unschätzbar wertvolle Hilfe bedeutet. Dieser vor neun Jahren gestartete NASA-Forschungssatellit bestritt am 11. September 1985 das erste Rendezvous mit
einem Kometen, das es in der Geschichte der Raumfahrt gab.
Nach sorgfältig vorbereiteten Kursänderungen, für die auch die
Gravitationskraft des Mondes genutzt wurde, passierte ICE, zur
Kometensonde umfunktioniert, den Kometen Giacobini-Zinner an
der "Nahtstelle" zwischen Kopf und Schweif, ca. 8 000 km vom
Kern entfernt. Die von ICE übermittelten Meßdaten, aber auch
die Erfahrung, daß eine Sonde ein solches Wagnis überleben
kann, erleichterte die endgültige Programmplanung für die
Halley-Sonden bis hin zu deren Navigation in den letzten Stadien des Anfluges.
Ende März wird ICE durch Messungen in 31 Millionen Kilometern Abstand vom Kometen Halley sowohl die Untersuchungen der
- 5 -

�Untersuchungen der internationalen Sonden als auch die der
amerikanischen Forschungssonden SOLAR MAX und PIONIER 12 weiter ergänzen. Infolge der inzwischen wieder größeren Sonnenentfernung ging die Aktivität des Kometen bereits zurück, was
die Sublimationsrate beeinflußt.
Sowohl der Sonnenforschungssatellit SOLAR MAX als auch die
Venussonde PIONIER 12 wurden nur vorübergehend zur Beobachtung
des Halleyschen Kometen umdirigiert. Aus seiner Umlaufbahn um
die Erde untersuchte SOLAR MAX von Anfang Januar bis März 1986
z.B. den Einfluß des Magnetfeldes der Sonne sowie von Sonnenwind und Sonnenfackeln auf den Kometen. Damit wird ein Beitrag zum besseren Verständnis der Reaktionen zwischen der von
der Sonne ausgestoßenen Materie und solarer Strahlung einerseits und der Kometenmaterie andererseits geleistet.
PIONIER 12 umkreist als künstlicher Satellit den Planeten
Venus. Das verschaffte der Sonde einen Logenplatz, um den
Halleyschen Kometen in der Zeit seiner größten Annäherung an
die Sonne (Perihel) als einziges Forschungsgerät direkt zu beobachten. Dieser Punkt wurde am 9. Februar 1986 erreicht, der
Abstand des Kometen zur Sonnenoberfläche betrug 88 Millionen
Kilometer. PIONIER 12 war dabei vom Kometen, der sich im Raum
zwischen den Umlaufbahnen der Planeten Merkur und Venus befand, 43 Millionen Kilometer entfernt. Seit dem 6. März ist
PIONIER 12 wieder frei für seine eigentliche Aufgabe, die Sondierung der Venus und ihrer dichten Wolkenhülle.
Beobachtungen mit PIONIER 12
Erste Auswertungsergebnisse von den Meßdaten des amerikanischen Forschungssatelliten PIONIER 12 bei der Beobachtung
des Halleyschen Kometen liegen inzwischen vor. Sie besagen
u.a.:
- Die Sublimation von Wassereis aus dem Kometenkern schwankt
außerordentlich stark. Zwischen dem 2. und 5. Februar lag
sie bei 35 bis 40 Tonnen pro Sekunde. Unmittelbar nach
dem Durchgang durch das Perihel am 9. Februar wurde sie
auf 70 Tonnen pro Sekunde geschätzt. Am 18. Februar sank
sie plötzlich auf 30 t/sec ab, um aber tags darauf wieder
fast 70 t/sec zu erreichen. Dies lasse, laut Dr. Ian
Stewart (Boulder, Colorado), der für das PIONIER-Projekt
verantwortlich ist, auf einen ganz unregelmäßigen Aufbau
des festen Kerns schließen. (VEGA 1 und 2, vor allem aber
die GIOTTO-Messungen, haben dies inzwischen bestätigt.)
- Der Kometenkern ist von einer riesigen Wolke von atomarem
Wasserstoff umgeben. Sie entsteht durch die Spaltung
- 6 -

�die Spaltung (Dissoziation) von Wassermolekülen unter der
Einwirkung der ultravioletten Strahlung (UV-Licht) von der
Sonne. Ihr Durchmesser dürfte mehr als 20 Millionen Kilometern, ihre Länge mehr als 30 Millionen Kilometer betragen. Erst mit Hilfe des UV-Spektrometers an Bord von
PIONIER 12 war ihre tatsächliche Ausdehnung zu erfassen.
Sie ist mindestens 20 mal größer als der Kometenkopf auf
Fotos erscheint, die im sichtbaren Licht gemacht wurden.
Die Dichte der eiförmigen Hülle nimmt von innen nach außen
ab. Sie besteht aus konzentrischen Schichten verschiedener Elemente wie Sauerstoff, Kohlenstoff, Schwefel und
Wasserstoff. Dies sind Hinweise auf die Zusammensetzung
des Kometenkerns. Wie Stewart weiter berichtete, scheinen
Kometen mehr Kohlenmonoxyd zu enthalten, als bisher angenommen wurde. In diesem Zusammenhang seien Meßdaten vom
Planeten Uranus, die VOYAGER 2 im Januar 1986 übermittelte, von besonderem Interesse. Sie zeigen erheblich höhere
Kohlenmonoxydwerte an als erwartet.
Die Sublimationsrate vor und nach der Perihelphase ermöglicht laut Dr. Stewart auch genauere Rückschlüsse auf
die Rotation des Kometen. Sie wurde bisher auf eine Umdrehung in zwei Tagen geschätzt. Gute Anhaltspunkte liefere die Freisetzung von Eis aus dem Kern. Durch die
Energieaufnahme von der Sonne verstärkt sich die "Helligkeit" der Wasserstoffatome bei Betrachtung im UV-Licht auf
das 30fache, so daß solche Helligkeitsausbrüche, über einen längeren Zeitraum beobachtet, Hinweise auf die Rotation geben könnten.
Hohe Wasserdampfentwicklung durch Sublimation lassen darauf schließen, daß es sich beim Kometen Halley um einen
verhältnismäßig jungen Kometen handle. Er dürfte mindestens weitere 400 Perioden hinter sich bringen, d.h. noch
in 30 000 Jahren seine Bahn ziehen, bis seine Kernmaterie
weitgehend verbraucht sei. Die Mengen von Wasserdampf,
die nach dem Periheldurchgang erzeugt würden, ließen, so
Stewart, Rückschlüsse auf die Dicke des Staubmantels um
den Kern zu. Dies wiederum sei in Indiz für sein Alter je stärker verkrustet und weniger durchlässig der Mantel,
desto älter ist der Komet.

* * * * *

- 7 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan drängt Kongress auf Verabschiedung der Contra-Hilfe&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Fernsehrede des Präsidenten -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die nicaraguanische Widerstandsbewegung braucht US-Hilfe&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des amerikanischen Außenminister Shultz -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Dr. James C. Fletcher als NASA-Administrator nominiert&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Besucher beim Kometen Halley&lt;br /&gt;- Internationale Satellitenflotte betreibt "Nahaufklärung" -&lt;br /&gt;</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Die Wissenschaft notiert&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Medizin - Strahlenschutz - Metallurgie&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Themen der Jahrestagung der Amerikanischen Chemischen Gesellschaft&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Licht aus dem Reaganzglas&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie werden Antikörper gebildet?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Leben in den USA&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das Musical kommt in den Speisesaal&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Eine gute Idee amerikanischer Hoteliers fand Anklang beim Publikum&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Kulturnachrichten aus den USA&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die US-City im Jahre 2000&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zum Tode von Augusta Savage&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Internationale Kunst in Seattle&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Keramiken für die Prager Ausstellung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Gedenktage im Mai 1962&lt;/strong&gt;</text>
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                    <text>a m e r i k a
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16

19. A p r i l 1972

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Inhalt

Martin J.. H i l l e n b r a n d zum neuen US- Bo t s c h a f t e r i n Bonn n o m i n i e r t
Hanoi b e a n t w o r t e t e a m e r i k a n i s c h e s Verhandlungsangebot mit I n v a s i o n
in Südvietnam
- W o r t l a u t der E r k l ä r u n g von B o t s c h a f t e r

Porter-

USA v e r s t ä r k e n Anstrengungen zur Sicherung der E n e r g i e v e r s o r g u n g
••Von unserem S o n d e r k o r r e s p o n d e n t e n F a c h a u s s t e l l u n g und Tagung " K u n s t s t o f f e und i h r e V e r a r b e i t u n g "
%
DOKUMENTATION:
Die Europäische Einigung und der Atlantische Partner USA
-Ansprache des Stellvertretenden Staatssekretärs für wirtschaftliche
Angelegenheiten im US-Außenministerium, Nathaniel SamuelsWlRTSCHAFT:
Connally: Volles Vertrauen in den Dollar gerechtfertigt
-Auszüge aus einem Interview des US-Finanzministers mit der VQAUS-Wirtschaftswissenschaftler nimmt zur internationalen Währungslage
Stellung
-Interview mit Lawrence B.Krause in Washington«
WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
"Woche der Erde" - Nationale Aktion für Umweltschutz

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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16/1972

MARTIN J. HILLENBRAND ZUM NEUEN US-BOTSCHAFTER IN BONN NOMINIERT

WASHINGTON --(AD)— Präsident Nixon hat den Unterstaatssekretär für Europäische
Angelegenheiten im State Department, Martin J. Hillenbrand, zum neuen Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika

in der Bundesrepublik Deutsch-

land nominiert. Er tritt an die Stelle von Kenneth Rush, der das Amt des
Stellvertretenden Verteidigungsministers der USA uebernommen hat. Die Ernennung Hillenbrands muß noch vom amerikanischen Senat bestätigt werden.
Wie der stellvertretende Pressesekretär des Weißen Hauses, Gerald Warren,
am 17. April zu verstehen gab, wird Hillenbrand, der seit Februar 1969 die
Europa-Abteilung im amerikanischen Außenministerium leitet, zunächst weiter
als Koordinator der Pläne für die Reise Präsident Nixons nach der Sowjetunion
fungieren. Warren konnte nicht sagen, wann ein neuer Unterstaatssekretär
für Europäische Angelegenheiten ernannt wird.
Martin Joseph Hillenbrand wurde am 1. August 1915 in Youngstown im Staate
Ohio geboren. Er erwarb 1937 an der Universität Dayton den Grad eines Bachelor
of Arts und setzte dann seine Studien an der Columbia-Universität in New York
fort, an der er 1938 zum Master of Arts promovierte und 1948 die Doktorwürde
erlangte. 1963 wurde ihm von der juristischen Fakultät der Universität Dayton
die Ehrendoktorwürde verliehen.
Hillenbrand
-1-

�Hillenbrand ist Berufsdiplomat. Er trat 1939 in den Auswärtigen Dienst
der Vereinigten Staaten und war dann als Vizekonsul in Zürich (1939-1940),
Rangun (1940-1942), Kalkutta (1942-1944) und Lourenco Marques (1944-1945) tätig. Im Oktober 1945 wurde Hillenbrand nach Bremen versetzt, wo er im März
1946 zum Konsul ernannt wurde.
Im akademischen Jahr 1949/50 absolvierte er an der Harvard-Universität
zwei Studiensemester in Wirtschaftswissenschaften. Von 1950 bis 1952 leitete
Hillenbrand die Unterabteilung Deutsche Regierung und Verwaltung im amerikanischen Außenministerium, Nach vierjähriger Tätigkeit als Erster Sekretär und
Leiter der Wirtschaftsabteilung bei der Vertretung der USA bei der NATO wurde
er 1956 in Berlin Leiter der Politischen Abteilung bei der dortigen US-Mission.
Nach Erhebung in den Rang eines Generalkonsuls im Februar 1958 wurde er im
September in die Washingtoner Zentrale zurückgerufen, wo er zunächst als
Direktor des Deutschland-Büros und dann als Sonderberater des Unterstaatssekretärs für Europäische Angelegenheiten und Direktor der Arbeitsgruppe Berlin tätig
war. Als einer der jüngsten Diplomaten 1962 zum Gesandten ernannt, wurde Hillenbrand 1963 als stellvertretender Missionschef nach Bonn berufen, wo er bis 1967
wirkte.
Im September 1967 wurde Hillenbrand zum ersten amerikanischen Botschafter
in Ungarn ernannt, nachdem die Vereinigten Staaten und Ungarn 1966 übereingekommen waren, ihre diplomatischen Vertretungen von Gesandtschaften zu Botschaften
zu erheben.
Am 20, Februar 1969 wurde Martin J. Hillenbrand auf sein Amt als Unterstaatssekretär für Europäische Angelegenheiten im State Department vereidigt,
nachdem ihn Präsident Nixon Anfang Februar für diesen Posten benannt hatte.
Hillenbrand ist mit Faith Stewart verheiratet. Sie haben eine Tochter,Ruth,
und zwei Söhne, David und John.
Martin J.

�I

Martin J. Hillenbrand ist Verfasser eines 1949 erschienenen Buches, das
den Titel "Power und Morals" trägt und sich mit der Frage der Ethik in der
Weltpolitik befaßt. Im Jahre 1960 wurde ihm die Superior Service Award, eine
der höchsten Auszeichnungen des State Department, verliehen.

II i H

!•[•!

-3-

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16/1972

HANOI BEANTWORTETE AMERIKANISCHES VERHANDLUNGSANGEBOT
MIT INVASION IN SÜDVIETNAM
-Wortlaut der Erklärung von Botschafter Porter-

PARIS -_(AD)-- Präsident Nixon hat am 1. April auf geheimem Wege Hanoi wissen lassen, daß die USA zur Wiederaufnahme der Vietnamgespräche bereit seien.
Die Antwort der Kommunisten sei jedoch die breit angelegte Invasion Südvietnams gewesen.
Dies erklärte der amerikanische Chefdelegierte bei den Pariser Vietnamgesprächen, Botschafter William J. Porter, am 13- April bei seiner Rückkehr
nach Paris. Porter

hatte sich zu Konsultationen in Washington aufgehalten.

Die Erklärung, die der amerikanischer Botschafter bei seiner Ankunft abgab, hat folgenden Wortlaut:
"Ich werde hier heute vormittag vom Manuskript sprechen. Wir halten es
für nützlich, eine kurze Erklärung abzugeben, um all den Unsinn aus der Welt
zu schaffen, der sich im Zusammenhang mit den Pariser Friedensgesprächen
angesammelt hat.
Sie

-1-

�Sie werden sich daran erinnern, daß Präsident Nixon am 25, Januar in
Übereinstimmung mit Präsident Thieu einen Acht-Punkte-Vorschlag unterbreitet
hat, der ohne Frage eine vernünftige Basis für Gespräche und Verhandlungen
darstellt. Sie werden sich ebenfalls erinnern, daß die andere Seite sich hartnäckig weigerte, gemeinsam mit uns unsere Vorschläge zu prüfen - oder auch die
ihrigen, die sie zuvor in ultimativer Form auf der Basis unterbreitet hatte,
daß sie ohne Widerrede zu akzeptieren seien. Die einzige Antwort, die wir auf
den Acht-Punkte-Vorschlag des Präsidenten erhielten, war ein massiver militärischer Aufmarsch.,
Am 23. März erklärten die südvietnamesische Delegation und die amerikanische Delegation, daß wir zukünftigen Zusammenkünften zustimmen würden, falls
die andere Seite vorschlüge, spezifische Themen im Zusammenhang mit einer friedlichen Regelung zu erörtern. Wir stellten ferner klar, daß wir selbst Zusammenkünfte vorschlagen würden, falls die Ereignisse dies wünschenswert erscheinen
ließen. Dies war das aufrechte Bemühen, die Gespräche auf eine sachliche Basis
zu stellen. Die Nordvietnamesen und der Vietcong verkündeten daraufhin lauthals,
daß wir die Verhandlungen sabotierten. Man muß sich hier fragen, wie man etwas
sabotieren kann, dessen Existenz sie nie zuließen.
Wie Sie wissen, kehrte ich zu Konsultationen nach den Vereinigten Staaten
zurück.
Ich kann hier zum ersten Mal mitteilen, daß Präsident Nixon nach einer
gründlichen Überprüfung der Situation persönlich anordnete, daß auf geheimem Wege
eine Botschaft an die andere Seite übermittelt wurde, in der unsere Bereitschaft
zur Wiederaufnahme der Pariser Gespräche am 13. April erklärt wurde.
Die einzige Antwort auf dieses Angebot erfolgte in Form einer sich ausweitenden Invasion der Republik Südvietnam durch nordvietnamesische Truppen, was
ein klassisches Beispiel für die Unwahrheit der Vietcong-Erklärung ist, daß

-2-

�daß keine nordvietnamesischen Truppen an dieser militärischen Invasion beteiligt seien.
Wir haben seither Erklärungen gehört, daß die andere Seite Zusammenkünfte
wünsche. Wir bezweifeln das nicht; aber niemand, der mit der Geschichte der Pariser Gespräche vertraut ist, kann behaupten, daß die Tatsache, Zusammenkünfte
zu haben, gleichbedeutend mit der Tatsache sei, daß auch verhandelt werde.
Wenn wirklich der Wunsch zu verhandeln vorhanden ist, dann kann die andere Seite - wie wir ihr erklärt haben - uns das auf jedem Wege, den sie wünscht,
wissen lassen. Und man wird uns bereit und willens finden, auf dieser Basis zu
beginnen. Es ist hier schon zu viel Zeit vergeudet worden, was schlimm genug ist,
aber der Gedanke, sich nur mit vorgehaltener Pistole zu treffen, was ebenfalls
eine Zeitvergeudung wäre, ist sogar noch weniger akzeptabel.
Was nun die Zukunft angeht, so werde ich hier für einige Zeit bleiben,um
damit die Möglichkeit zu einer Wiederaufnahme (der Gespräche) zu bieten, vorausgesetzt, daß die andere Seite zur Zusammenarbeit bereit ist."
Auf die Frage, wann Präsident Nixon seine Botschaft übermittelt habe, erklärte Botschaft Porter:
"Die Botschaft wurde am 1. April abgesandt und von der anderen Seite am
2. April empfangen."

I-IH-1-H t H-l-

-3-

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16/1972

USA VERSTÄRKEN ANSTRENGUNGEN ZUR SICHERUNG DER ENERGIEVERSORGUNG
-Von unserem SonderkorrespondentenWASHINGTON —(AD)-« Die Vereinigten Staaten verbrauchen wesentlich mehr Energie, als sie selbst produzieren, und sind auf diesem Gebiet - vor allem was
Ol anbetrifft - von Einfuhren abhängig. Der Innenausschuß des amerikanischen
Repräsentantenhauses hat sich vom 10. bis 18. April mit dem Problem der Energieversorgung befaßt, und die zuständigen Vertreter der Nixon-Administration
haben versichert, daß alle Anstrengungen unternommen werden, um die USA in
dieser Hinsicht unabhängiger zu machen.
Wenn sich der Energieverbrauch weiterhin in dem bisherigen Tempo steigert,
dann müssen die Vereinigten Staaten mit einer Verknappung von Öl, Gas und
Strom rechnen. Trotz aller Anstrengungen wird es nach Auffassung von Regierungsvertretern zunächst zu gewissen Unbequemlichkeiten und Preissteigerungen
kommen. Innenminister Rogers Morton versicherte jedoch vor dem Ausschuß: "Wir
sind überzeugt, daß wir auf lange Sicht in der Lage sein werden, mit der Energiekrise fertig zu werden."
Der Staatssekretär im amerikanischen Außenministerium, John Irwin, der
anstelle von Außenminister Rogers vor dem Ausschuß erschien, hob hervor, daß es
im Interesse Amerikas liege, die Abhängigkeit von importierter Energie auf ein
-l-

�ein Minimum zu reduzieren. Die entsprechenden Maßnahmen müssten jedoch mit
anderen Wirtschafts-und Sicherheitszielen vereinbar sein. "Gleichzeitig", so
fügte der Staatssekretär hinzu, "sollten wir versuchen, unsere Politik enger
mit der anderer Verbrauchernationen zu koordinieren" • vor allem mit Japan
und westeuropäischen Nationen.
Der Ausschußvorsitzende Wayne Aspinall stellte fest, daß die Amerikaner
mehr Energie verbrauchen, als sie produzieren, und ein Kollege von ihm verwies
in diesem Zusammenhang auf die interessante Tatsache, daß die Vereinigten Staaten mit 209 Millionen Menschen nur sechs Prozent der Weltbevölkerung stellen,
jedoch rund ein Drittel der Gesamtenergiemenge verbrauchen. Dabei wird mit einer
jährlichen Zunahme von 3,5 Prozent gerechnet.
Der wissenschaftliche Berater Präsident Nixons, Dr. Edward David, und andere Regierungsvertreter nannten folgende Schritte auf diesem Gebiet:
- Industrie und Öffentlichkeit sollen zu rationellerer Nutzung der Energiequellen aufgerufen werden. So kann beispielsweise der Nutzeffekt von Kraftwerken von 35 auf 60 Prozent erhöht werden.
- Ölbohrungen sollen bis in größere Tiefe vorangetrieben und die Bohrungen
vor der Küste intensiviert werden. Die Nutzung von verflüssigtem Erdgas und Kohle
soll verstärkt werden. Ferner soll mehr Öl aus Kanada, Venezuela und anderen
Ländern der westlichen Hemisphäre importiert werden.
- In diesem Jahrzehnt wird in verstärktem Maße Öl aus Alaska zur Verfügung stehen, und die Produktion von Öl aus Ölschiefer soll intensiviert werden.
Ferner soll mehr Gas aus Kohle gewonnen werden, und auch Atomkraftwerke werden
immer mehr Energie liefern. Die Versuche, mit Hilfe von Brutreaktoren auf dem
Kernspaltungs-und Verschmelzungswege "saubere Energie" zu gewinnen, werden mit
Hochdruck fortgesetzt.
- Im übrigen werden die Wissenschaftler in den nächsten Jahrzehnten mit
Brennstoffzellen, Kombinationen von Gas-und Dampfturbinen und magnetohydro-2-

�magnetohydrodynamischen Experimenten arbeiten, um weitere Energiequellen zu
erschließen. Schließlich wird man versuchen, durch Umwandlung von Sonnenenergie
und Erdwärme, Nutzung der Gezeitenströme, des Windes und der Wärmeunterschiede
von Ozeanen dem Menschen diese gewaltigen Energiereservoire nutzbar zu machen.
Von Regierungsseite wurde in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, daß
die USA in ihrer Energieversorgung zwar zu rund 5o Prozent vom Öl abhängen, daß
die Lösung des Energieproblems jedoch alle möglichen Brennstoffe und Energiequellen einschließt.
Der Direktor des US-Amtes für Notstandsplanung, General George Lincoln,
hob vor dem Ausschuß hervor, daß die Energiepolitik heute die gleiche Bedeutung
und den gleichen Rang habe wie die Sicherheits-und Außenpolitik. "Die Sicherstellung der Energieversorgung wird rasch zu einer entscheidenden Komponente
der nationalen Sicherheit", so erklärte er.
Die Vereinigten Staaten verbrauchen, wie vor dem Ausschuß dargelegt wurde,
täglich 16 Millionen Barrels Öl - verglichen mit 12 Millionen Barrels in Westeuropa und annähernd 4 Millionen in Japan. Bis 1980 wird in den USA mit einem
Anstieg des Verbrauchs auf 24 bis 30 Millionen Barrels pro Tag gerechnet und
auf 24 Millionen Barrels in Westeuropa und 10 Millionen Barrels in Japan. Bis
zum Jahre 2000 erwartet man eine Verdreifachung des Energiebedarfs.
Nach Schätzungen von Staatssekretär Irwin wird der amerikanische Ölbedarf
im Jahre 1980 zu 35 bis 5o Prozent aus Importen gedeckt werden müssen. Gegenwärtig, so führte der Staatssekretär aus, werde "in allen Ecken der Erde1», in
der Arktis, im Gelben Meer, in Afrika und in Südamerika nach Öl gebohrt, und
es sei durchaus möglich, daß sich die Vereinigten Staaten den Europäern und
den Japanern in der Suche nach Öl in der östlichen Hemisphäre anschließen müssten. Nach Auffassung Irwins liegen fast drei Viertel der Weltreserven an Erdöl
-rund 400 Milliarden Barrels- im Nahen Osten.
In

-3-

�In diesem Zusammenhang wurde darauf hingewiesen, daß die öl fördernden und
exportierenden Staaten (OPEC) ihre Preise erhöht haben und jetzt den Mitbesitz
an den Ölquellen und Raffinerien fordern. Man könne mit einem Anstieg der 0 1 preise rechnen, so sagte Irwin, der die Gewinnung von Öl aus Ölschiefer wirtschaftlich lohnend m a c h e . Damit sei aber auch praktisch eine Höchstgrenze für
den Ölpreis gesetzt.
Übereinstimmend wurde im Ausschuß festgestellt, daß die amerikanische Energie die billigste in der Welt sei, daß die Amerikaner jedoch in Zukunft mit höheren Preisen rechnen und wohl in den nächsten Jahren auch noch einige Luftverschmutzung in den Städten hinnehmen müssten.

1-1 I 1-1+

-4-

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—(AD)»* Vom 15. bis 19. Mai 1972 veranstaltet das US-Handelszentrum in
Frankfurt am Main eine Fachausstellung zum Thema "Kunststoffe und ihre
Verarbeitung". Bisher haben sich rund 20 amerikanische Hersteller angemeldet, die ihre neuesten Geräte und Verfahren auf diesem Sektor vorstellen
werden. Parallel zur Ausstellung findet eine Vortragsreihe statt, die sich
mit verarbeitungstechnischen Fragen befaßt.
Ausstellungs-und Tagungsunterlagen können beim US-Handelszentrum
(600 Frankfurt am Mains Bockenheimer Landstraße 2-4) kostenlos angefordert
werden.

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16/1972

DIE EUROPÄISCHE EINIGUNG UND DER ATLANTISCHE PARTNER USA

Wortlaut der Ansprache, die der Stellvertretende Staatssekretär für wirtschaftliche Angelegenheiten im USAußenministerium, Nathaniel Samuels, am 14. April 1972
auf einer Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung in
Leverkusen gehalten hat.

�Die freundliche Einladung der Friedrich-Ebert-Stiftung zur Teilnahme
an dieser Veranstaltung ehrt mich sehr, und ich danke für die Gelegenheit,
meine Gedanken über die Beziehungen eines sich zusammenschließenden Eurooas
zu seinem atlantischen Partner - die Vereinigten Staaten - vor einem so außerordentlichen Kreis von Sprechern und Zuhörern, darlegen zu dürfen.

Die strukturen der Zusammenarbeit und der Konflikte zwischen diesen
beiden großen Partnern sind ebenso zahlreich wie vielfältig. Die grundlegende
Harmonie, die unsere Beziehung charakterisiert, ist manchmal tief und sinnvoll, gelegentlich auch voller Dissonanzen und verwirrend. Kurz gesagt,
unsere Gesellschaften sind von pulsierendem Leben erfüllt, und unser gegenseitiges Verhältnis läßt sich nicht immer mit dem wiederkehrenden Refrain
einer abgedroschenen Melodie vergleichen.

Die Musik des Augenblicks ist nicht ohne Dissonanzen, hat aber dennoch
ihre wesentliche und unlösliche Harmonie nicht verloren. Da keiner von uns,
wie ich meine, den Wunsch hegt, daß unsere Beziehung von den Dissonanzen
beherrscht wird,

dürfte es uns wohl anstehen, einige Noten zu ändern,

einige Akkorde neu zu fassen und einige Themen zu überarbeiten um den
Völkern auf beiden Seiten das Atlantiks die Gewißheit zu geben, daß der
angeschlagene Rhythmus ihren innersten Aspirationen gemäß ist.

Wenn

- 1 -

�Wenn ich mehr Nachdruck auf die Harmonie als auf Dissonanzen lege, so
tue ich dies, weil ich es im gegenwärtigen Zeitounkt für notwendig halte,
die fortbestehende Einigkeit in unseren Zielsetzungen zu bekräftigen und
nicht etwa die Divergenzen hinsichtlich kurzfristiger Ziele zu betonen und
auszuweiten.

Während der letzten Jahre haben sich - um ganz offen zu sein - die
Vorstellungen der Vereinigten Staaten von Europa und die Vorstellungen
Europas von den Vereinigten Staaten allmählich gewandelt. Vor 20 Jahren,
als die europäische Gemeinschaft Gestalt anzunehmen begann, fragten sich
viele Amerikaner, ob die umfassende Unterstützung, die wir diesem großen
Vorhaben gewährten, einen mächtigen Mitarbeiter in der Weltpolitik oder
eine mächtige dritte Kraft mit unsicherer Orientierung würde schaffen helfen.
Manche nahmen an, daß ersteres der Fall sein werde und traten deshalb rückhaltlos für die Konzeption und den Inhalt eines integrierten und schließlich
vereinigten Europas ein. Jenen hingegen, die das Entstehen einer mächtigen
und unabhängigen dritten Kraft in der Weltpolitik voraussahen, wurde oft
entgegengehalten, daß die Vereinigten Staaten eine derartige Entwicklung
nicht zu fürchten brauchten - daß die moralische Gesundheit einer Nation
wie des Individuums nicht durch Dominanz, sondern durch die Notwendigkeit
gefordert und bereichert werde, Meinungsverschiedenheiten auszuräumen und
eine gemeinsame Politik auf der Grundlage der Partnerschaft zu erstreben.

Heute, nach zwei Jahrzehnten der Erfahrung mit dem Prozeß der europäischen
Einigung, ist die Realität einer mächtigen europäischen Körperschaft in der
Weltpolitik gegeben, die aus einem zersplitterten Geflecht nationaler

- 2 -

�nationaler Souveränität erwächst - einem Gebilde, das den grundlegenden
Charakter seiner Bindungen zu den Vereinigten Staaten anerkennt, gleichzeitig aber auch seine eigene spezifische Identität zu finden sucht und
entschlossen eine Position einnimmt, die es ihm gestattet, den Verlauf der
Dinge im Sinne seiner eigenen Auffassungen und Interessen zu beeinflussen.

Die Verwirklichung unserer Vision und der Erfolg unserer Bemühungen
steilen "jedoch die Amerikaner ebenso wie die Eurooäer zwangsläufig vor
die Notwendigkeit, ihre wechselseitigen Beziehungen der Welt der siebziger
Jahre anzupassen, die sich bereits heute weitgehend von der der fünfziger
Jahre unterscheidet, während die bipolare Welt der fünfziger Jahre im
letzten Viertel dieses Jahrhunderts dem Entstehen multipler Machtzentren
Platz macht.

Für die Amerikaner ist das sich entfaltende historische Schauspiel
soweit es unsere Beziehungen zu Europa angeht, nicht ohne Probleme. Wir
sind uns dessen bewußt, daß wir gewaltige moralische Anstrengungen und
materielle Hilfsquellen auf den Wiederaufbau Europas verwendet haben, daß
wir auf diese Weise mithalfen, uns Konkurrenten wie auch Mitarbeiter zu
schaffen, daß wir Kapital in großem Umfang und technisches Wissen im Überfluß exportiert haben, um wirtschaftlichen Wohlstand zu schaffen und die
politische Stabilität um anderer und unserer selbst willen zu gewährleisten.
Wenn wir einerseits die wirtschaftlichen Konsequenzen dieser beispiellosen
Anstrengungen für die Vereinigten Staaten näher betrachten, stellen wir
fest, daß unsere Exporte an Industrieprodukten in die europäische Gemeinschaft kräftiq und unsere Ausfuhren an landwirtschaftlichen Produkten trotz
der Behinderung durch Handelsschranken alles in allem - wenn auch vornehm-

- 3 -

�vornehmlich bei ungeschützten Erzeugnissen - zugenommen haben, während
unsere Auslandsinvestitionen geradezu beträchtlich gestiegen sind. Die
europäische Gemeinschaft, Europa als Ganzes und die Vereinigten Staaten
waren sichtlich sämtliche Nutznießer dieser Entwicklung - und mit ihnen
im allgemeinen auch die Entwicklungsländer.

Andererseits erleiden die USA seit rund 20 Jahren laufend Zahlungsbilanzdefizite, weil staatliches und privates Kapital nach Europa und in
andere Teile der Welt strömt, weil die weltweiten Strukturen in Handel
und Produktion durch diesen Prozeß verändert wurden und weil die Verteidigungslasten fortbestehen. Hochtechnisierte Industrien haben ihrer eigenen
Auslandskonkurrenz auf die Beine geholfen, weniger technisierten Industrien
fällt es immer schwerer, sich angesichts der niedrigen Löhne in anderen
Ländern zu behaupten, die Landwirtschaft wird daran gehindert, protektionistische Handelsschranken für verschiedene ihrer wichtigsten Exportprodukte
zu überwinden, und der Geltungsbereich der unseren Interessen zuwiderlaufenden
Handelspräferenzen dehnt sich vom Mittelmeer auf Afrika und nunmehr auch
auf die nicht der Gemeinschaft angehörenden Länder Europas aus.

Auf dem Währungssektor sind wir, wie sich in der Rückschau auf unsere
Erfahrungen während der letzten Jahre vor der jüngsten Neufestsetzung der
Wechselkurse sagen läßt, oftmals nur einer widerstrebenden Bereitschaft
seitens mancher Überschußländer begegnet, ihre Wechselkurse, ihre Steuerund Geldpolitik sowie ihre Handelspraxis und Handelspolitik auf die Notwendigkeit eines besseren internationalen Gleichgewichts auszurichten.

Nach

- 4 -

�Nach Ansicht von Beobachtern von außerhalb hat sich während der letzten
Jahre ein deutlicher wenn auch subtiler Wandel vollzogen, in dessen Verlauf
Europa, schwach und zaudernd im Aufschwung begriffen aber dennoch furchtsam,
prosperierend aber ohne Glauben an sein Glück, entschlossen aber nicht
selbstbewußt, fast unmerklich begann, seine eigene Stärke zu fühlen und
seine eigenen Ziele mit nur begrenzter Rücksicht auf die Konsequenzen für
andere zu verfolgen.

Ich weiß, daß viele unter Ihnen dies als eine unzutreffende und ungerechte Beurteilung mancher Züge der europäischen Politik und Einstellung
ansehen werden. Wenn man jedoch die atlantische Partnerschaft mit europäischen *ugen betrachtet, wird die Zurückweisung dieser Beurteilung verständlich. Nach europäischer Auffassung kam die Politik des generell offenen
Handels mit Industrieprodukten und der ungehinderten Investitionen den
amerikanischen Ausfuhren und Investitionen sehr zugute. Wenn die Agrarpolitik der europäischen Gemeinschaft gegenüber gewissen Agrarexporten der
Vereinigten Staaten voreingenommen war, so war dies

nach europäischer Auf-

fassung mit Rücksicht auf die Anstrengungen zur Erreichung gewisser innerer
sozialer und wirtschaftlicher Ziele Europas notwendig, die nur in mehreren
Jahren erreicht werden können. Wenn Handelspräferenzen eingeräumt und erweitert wurden, die gewisse europäische und afrikanische Länder beqünstigen,
dann nur, weil die europäische Gemeinschaft glaubt, sie habe eine Verantwortung für die wi rtschaftliche Entwicklung und politische Stabilität im
Mittelmeerraum und in Afrika übernommen, wo beide atlantischen Partner gemeinsame Interessen verfolgen. In europäischen Augen ist eine ähnliche Po-

- 5-

�Politik auch gegenüber jenem Teil Europas notwendig, der sich nicht der
Gemeinschaft anschließen wird - nicht nur zum Besten Europas, sondern auch
um der grundlegenden und langfristigen Interessen der Vereinigten Staaten
willen. Im monetären Bereich erblickt Europa in der im Laufe der Jahre erfolgten Ansammlung gewaltiger Dollarbestände einen greifbaren Beweis dafür, daß es sich wie ein stiller Teilhaber verhielt und gewisse Schritte
der amerikanischen

Außenpolitik/die es nicht selten mißbilligte, untätig

hinnahm.

+ ++

Wenn ich heute so viel Zeit auf die Darlegung einiger der veränderten
Betrachtungsweisen innerhalb der atlantischen Partnerschaft verwendet habe,
dann geschah dies, weil ich auf einige wenige intellektuelle und haltungsmMßige Veränderungen hinweisen möchte, die meines Erachtens geeignet sind,
unsere grundlegende Einigkeit in den Zielsetzungen und im Handeln endlich
wieder mehr in den Vordergrund zu rücken und gleichzeitig störende Tendenzen
auszufiltern, die auf eine Soaltung und eine Vertiefung der 'teinungsverschiedenheiten hindeuten.

Erstens müssen wir auf dem Gebiet der Handelsbeziehungen das Prinzip
der Universalität und der Nichtdiskriminierung mit der Praxis des zunehmenden
Regionalismus in Einklang bringen.
Zweitens

�Zweitens dürfen wir, auch wenn wir an den politischen Geboten einer
in allen unseren Ländern vereinbarten Agrarpolitik festhalten wollen, die
Vernunft nicht daran hindern, die diesbezügliche Politik auf beiden Seiten
des Atlantiks zu durchdringen.

Drittens besteht eine weite geistige Kluft zwischen unseren Vorstellungen bezüglich der Verpflichtungen von Überschuß- ebenso wie von
Defizitländem bezüglich der Zahlungsbilanzorobleme, die es zu überbrücken
gilt.

Viertens müssen wir, was die Entwicklungsländer angeht, aus dem
geistigen Wirrwarr herauskommen, in dem wir alle ratlos herumirren,
und Klarheit bezüglich der Prinzipien schaffen, die auf Länder sehr unterschiedlicher wirtschaftlicher und oolitischer Entwicklungsstufen anzuwenden
sind.

Fünftens müssen wir unsere bilateralen Beziehungen vertiefen und sie
gleichzeitig in den wesentlichen und in der Welt von heute unentbehrlichen
multilateralen Rahmen integrieren.

Im Hinblick auf den Handel, einschließlich des Agrarhandels, können wir
nicht davon ausgehen, daß die Ausweitung eines einzelnen Marktes innerhalb
eines begrenzten Raumes, und die Ausdehnung eines Netzes von Handelsorivileqien auf einige ausgewählte Länder außerhalb seiner geongraohischen Grenzen,
.lutomatisch im allgemeinen internationalen Interesse liegt. Vom Gemeinsamen Markt wurde erwartet, daß die Aufhebung der Handelsschranken innerhalb der Sechsergemeinschaft nicht nur deren eigenen Handel und deren

- 7 -

�deren Wirtschaftswachstum stimulieren und fördern würde, sondern auch, daß
die Dynamik dieses Prozesses auch Länder außerhalb dieser Zollunion zugute
konmen werde. Wie wir alle wissen, haben sich diese Erwartunqen fast in jeder
Hinsicht erfüllt, und es herrscht deshalb die Überzeugung vor, d.iß die Erweiterung der Sechsergemeinschaft zur Zehnergemeinschaft zu einem noch
größeren einheitlichen Markt sich wiederum stimulierend auf die Volkswirtschaften der Mitglieder wie der Nichtmitglieder auswirken wird.
Keiner von uns kann natürlich mit Sicherheit sagen, in welchem Maße der
einheitlich

europäische Markt im letzten Jahrzehnt zum allgemeinen Wachstum

von Handel und Wirtschaft beigetragen hat und eine wie gLoße Rull« .uidore
Faktoren dabei gespielt haben. Wir sind überzeugt, daß die Elrwai l.eriuig der
europäischen Gemeinschaft durch die Aufnahme von Großbritannien, Dänemark,
Norwegen und Irland zum wirtschaftlichen Wohl Europas und der übrigen Welt
beitragen wird; es würde Europa aber gut anstehen, wenn es im Zuge dieser
Entwicklung die Vision eines universalen Handels und einet von Diskriminierung
freien Welt im Auge behielte, anstatt zu versuchen, seinen ».kjwrnn hinter
den Mauern des agrarwirtschaffliehen Protektionisinus und eines Systems von
Präferenzabkommen mit Nichtmitgliedstaaten in Europa und (Jbersee zu konsolidieren. Bis jetzt gibt es wenige, wenn überhaupt irgendwelche Anzeichen, die
auf. Schritte in Richtung auf eine Modifizierung bestimmtei, den Interessen
der Nichtmitgliedstaaten zuwiderlaufender Maßnahmen hinweisen; das ist ein
störendes Element in unseren Beziehungen. Wir sind uns der Tatsache bewußt,
daß die europäische (Gemeinschaft die Augen nicht vor den Problemen schließen
kann, die sich durch die Erweiterung der Gemeinschaft für das übrige Europa
ergeben; wir erwarten aber auch, daß eine echte atlantische PattnetSchaft die

- 8-

�die Gemeinschaft und die übrigen europäischen Staaten dazu bestürmt, ihre
Verhältnisse in einer Weise zu regeln, die den Vereinigten Staaten nicht
unannehmbare finanzielle Belastungen auferlegt. Wir verstehen die Sorge der
europäischen Gemeinschaft um ihre Nachbarn im Mittelmeerraum und um die
früheren afrikanischen Kolonien, entdecken aber in dem System der sogenannten
umgekehrten Präferenzen Reste kolonialen Denkens und hoffen darauf, daß
dieser Typ von Handelsbeziehungen allmählich aufgegeben wird.

Das Festhalten am System solcher Präferenzen wird unausweichlich Gegenreaktionen auslösen. Es könnte - wie dies bereits geschehen ist - einige
Leute in anderen Ländern zu der Überlegung veranlassen, ob die Bildung von
Handelsblöcken nicht in ihrem Interesse liege - sei es um ein Gegengewicht
zum europäischen Handelsblock zu schaffen oder, um sich nicht vom europäischen
Präferenzsystem erfaßte Märkte in anderen Teilen der Welt zu sichern. Jone
Entwicklungsländer, die sich durch das europäische Präferenzsystem benachteiligt fühlen, stehen ihrerseits vor demselben Problem und werden sich
fragen, ob sie sich nicht auch bestimmten Industriemärkten anschließen
sollen.

Man kann jedoch die einzigartigen Bedingungen Europas nicht auf die
übrige Welt anwenden. Die geographische Nähe, die historischen und kulturelle
Bindungen, die politische Entwicklung und die wirtschaftlichen Verflechtungen,
die eine europäische Gemeinschaft möglich gemacht haben, sind andernorts
nicht gegeben. Der regionalen Zusammenarbeit ist eine gewisse Logik und
Zweckdienlichkeit eigen und sie hat ihren eigenen Wert, aber wir können dies^
ihre Vorteile sicherlich mit einer weltweiten Ordnung vereinbaren und die

- 9 -

�die Zersplitterung einer Weltgemeinschaft vermeiden, die der Zusammenarbeit
und nicht der Spaltung bedarf.

Auf monetärem Gebiet habe ich van der Verpflichtung der Defizitwie auch der überschußländer gesprochen, Anpassungsprozesse als einen
normalen Bestandteil des internationalen Lebens zu akzeptieren. Wir
operieren innerhalb eines Währungssystems, in dem im allgemeinen noch immer
die überlebte Auffassung vorherrscht, die Defizitländer seien verpflichtet,
ihre Politik zu ändern, um ein besseres Ergebnis zu erzielen, während den
überschußländem keine solche moralische Pflicht obliegt, ihre Überschüsse
auszugleichen. Beide stehen vor dem Problem, ihre äußeren gegen ihre inneren
Zielsetzungen aufzuwiegen, beide haben aber auch - Defizit- wie Überschußländer - die Verpflichtung, das internationale System arbeitsfähig zu machen.

Auf beiden Seiten des Atlantik besteht ein großes Bedürfnis, die
praktische Einsicht und die moralische

Verr&gt;flichtung sowohl der überschuß-

als auch der Defizitländer zur Überzeugung zu erheben, daß es notwendig ist,
eine Innen- und Außenpolitik zu betreiben, die auf ein Gleichgewicht in
unseren Angelegenheiten hinzielt. In dieser Hinsicht ist in den letzten
Jahren viel erreicht worden, und unsere europäischen Partner haben ein Verständnis, eine Einsicht und eine Geduld an den Tag gelegt, die in den USA
gut aufgenommen wurden.

Was die Entwicklungsgebiete der Welt angeht, kommen wir zu der Einsicht, daß sich gewisse Entwicklungsländer bezüglich des Standes und der
Art ihrer wirtschaftlichen Entwicklung stark voneinander unterscheiden. Wir
leben hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung nicht alle in der gleichen

- 10 -

�gleichen Zeit. Wenn ich zuvor von Universalität und Nichtdiskriminierung
sprach, bezog ich mich hauptsächlich auf die im weitesten Sinne stärker
entwickelten Gebiete der Welt, zu denen die Industrienationen und eine
Reihe von Ländern gehören, die in ihrer Entwicklung auf einer Stufe zwischen
einer industrialisierten und einer nichtindustrialisierten Gesellschaft
stehen. Wir sind jedoch inzwischen vom Prinzip der Meistbegünstigung im
Handel abgewichen, als wir der Konzeption allgemeiner Handelspräferenzen
für weniger entwiekelte

Länder nähertraten, und es mag durchaus sein,

daß die Welt es künftig für zweckmäßig hält, bei den einzelnen Gruppen von
Entwicklungsländern stärker zu differenzieren, um unterschiedlichen Graden
der wirtschaftlichen Entwicklung entSDrechend Rechnung tragen zu können.
Die beiden großen atlantischen Partner haben die gemeinsame Aufgabe und auch
ein gemeinsames Interesse daran, ihre respektive Einstellung bezüglich der
Hilfe für die weniger entwickelten Gebiete der Erde neu zu durchdenken.

Lassen Sie mich abschließend noch ein Wort sagen über einen denkbaren
Apparat zur Vertiefung der bilateralen atlantischen Beziehungen, das heißt
die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der europäischen Gemeinschaft.

Die Notwendigkeit,uns Gedanken um einen solchen Mechanismus zu machen,
erwächst aus dem Reichtum, der Breite und Mannigfaltigkeit unserer Partnerschaft. Die Halt long Amerikas und Europas zu Dutzenden von Problemen und
Fragen stellt

ein nächtiges und oft beherrschendes Element im interna-

tionalen Leben dar.
Es

- 11 -

�Es wird natürlich zwischen uns ein Meinungsaustausch über zahllose
Fragen jeder Art geführt, und wir haben in den 1/ifsten beiden Jahren eine
sehr informelle KbnsultativgruDoe aus Vertretern der Vereinigten Staaten
und der Euronäischen Kommission gebildet, die sich mit bestimmten Problemen
von gemeinsamer Interesse befaßt. Darüber hinaus kam es auch außerhalb
der KonsultativgruDDe zu einem rein informellen, ja fast Dersönlichen Gedankenaustausch mit den ständigen Vertretern der EWS-Mitgliedstaaten in
Br'issel. Sollte die Gemeinschaft in Zukunft einen breiter ausgelegten und
systematischer arbeitenden Mechanismus oder andere Mittel zur Abwicklung
unserer Angelegenheiten von gemeinsamen Interesse vorschlagen wollen, werden
wir gerne bereit sein, ihre Vorschläge zu erörtern.

Wir sol'ten jedoch die Tatsache nicht aus den Augen «wrltemn, 'la*
unsere Benr'ihungen um die Stärkung unserer bilateralen Beziehungen auf der
Erkenntnis beruhen, daß ein solches Vorgehen die multilateralen Prozesse
des internationalen Lebens bereichern kann. Wenn ein angemessener bilateraler
Mechanismus mithilft, die Gewähr zu schaffen, daß die Politik des einen
Partners den Interessen des anderen Rechnung trägt, wird dies auch sicherstellen helfen, daß wir beide den Interessen anderer Länder und anderer
Kontinente Rechnung tragen.

Wenn ich heute nicht über unsere jeweiligen Beziehungen zu Jaoan,
Kanada, Lateinamerika, Australien und Neuseeland, zum Subkontinent Indien
und Pakistan, zu den kcmnunistischen Staaten in Eurooa und Asien sowie
über unser Verhältnis zu eino^lnen Ländern in allen Teilen der Welt spreche,
dann deshalb, weil ich meine Ausführungen auf lie atlantischen Beziehungen
beschränken möchte. Es steht jedoch fest, daß die bilateralen Beziehungen

- 12 -

�Beziehungen zwischen den europäischen und den aorerikanischen Partnern
keinesfalls die wünschenswerten und notwendigenbilateralen Beziehungen zu
anderen Ländern oder die multilateralen Beziehungen und Institutionen beeinträchtigen dürfen, an den wir beide starken Anteil nehmen.

Die Vereinigten Staaten und Europa, das sowohl die der Gemeinschaft
angehörenden als auch die ihr nichtangehörigen europäischen Länder einschließt, sind von einer Größenordnung und Bedeutung, die beiden eine gewaltige Rolie in dex. Weltpolitik und einen tief reichenden Einfluß auf
sie zuweisen. Die wahren Ursprünge meines Landes, unsere gemeinsame
atlantische Geschichte, unser gemeinsames kulturelles Erbe, die gemeinsamen
Qualen und Triumphe, die wir in allen Bereichen menschlicher Bemühungen
erlebt haben, und das Gebäude unserer wirtschaftlichen Interdependenz sie alle gehen ein in unsere heutigen Beziehungen auf den Gebieten der
Politik, der Wirtschaft und der Sicherheit, die ebenso natürlich wie notwendig sind. Zusammenarbeit und nicht Konfrontation, Wettbewerb und nicht
Konflikt sind unsere Bestimmung.

- 13 -

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16/1972

CONNALLY: VOLLES VERTRAUEN IN DEN DOLLAR GERECHTFERTIGT

-Auszüge aus einem Interview des US-Finanzministers mit der VOA-

WASHINGTON -• (AD) -- Der amerikanische Finanzminister John B. Connally hat
in einem Interview mit der Stimme Amerikas am 16. April versichert, die Finanzund Währungspolitik der USA rechtfertige ein volles Vertrauen in den Dollar.
Die wesentlichen Auszüge aus diesem Interview haben folgenden Wortlaut:
"Frage: Herr Minister, im vorigen Monat (März) gab es in Europa erneut
recht hektische Spekulationen gegen den Dollar, und dem begegnete man hier in
Washington mit außerordentlicher Ruhe. Ist diese Ruhe nun echt oder nur gespielt?
Antwort: Nein, ich meine sie ist echt... Wir glauben, daß wir auf dem
Wege zu einer sehr starken wirtschaftlichen Expansion sind. Wir glauben, daß
wir bei der Bekämpfung der Inflation mehr fertig bringen als irgend ein anderes
großes Industrieland, ich weiß das. Wir glauben, daß unsere Preise und unsere
Löhne mit einer geringeren Rate steigen als bei den anderen Industrienationen
der Welt. Wir glauben daher, daß wir bis Ende dieses Jahres unsere Situation
besser im Griff haben werden als die meisten anderen Länder, und es wird - und
zwar zu Recht - in der ganzen Welt ein erneutes Vertrauen herrschen, daß wir
unsere fiskalischen und monetären Angelegenheiten wirklich so behandeln, daß
die Menschen volles Vertrauen in den Dollar haben dürfen.
Ich
-1-

�Ich kann hier nicht umhin einzuwerfen..., was von manchen Leuten vielleicht
als Hohn und Spott aufgefaßt wird..., daß ich immer darauf hinweisen möchte,
daß der Dollar konvertierbar ist... hier und heute... und zwar voll konvertierbar in jede Ware oder Dienstleistung, die irgend jemand in der Welt von den Vereinigten Staaten kaufen will ....
Frage: Herr Minister, Sie haben xu erkennen gegeben, daß sie nicht glauben,
die Verhandlungen über ein neues Währungsabkommen sollten in dem Forum der
Zehnergruppe - jenem Forum, das das Smithsonian-Abkommen aushandelte - geführt
werden. Was für ein Forum möchten Sie?
Antwort: .... Darf ich hier einen kleinen Einwand machen und vielleicht
noch ein Wort dazu sagen. Ich habe versucht, klar zum Ausdruck zu bringen, daß
die Verhandlungen meiner Meinung nach nicht ausschließlich in der Zehnergruppe
geführt werden sollten.
Ich glaube, die Zehnergruppe hat bei den Beratungen über ein neues internationales Währungssystem eine Rolle zu spielen, aber ich bekenne offen, daß
es meiner Meinung nach zusätzliche Foren geben sollte, in denen diese Angelegenheit ebenfalls in allen Einzelheiten erwogen und erörtert wird; und ohne daß
ich irgendwelche fixen oder starren Ansichten hätte, daß irgendeine Idee ausgeschlossen sein sollte, möchte ich doch sagen, daß die Erörterungen natürlich
von den Nationen gepflogen werden sollten, die formell oder informell zur Zehnergruppe gehören.
Nach meiner Meinung sollten die Gespräche darüber hinaus unter den Nationen
geführt werden, die dem Vorstand des Internationalen Währungsfonds angehören.
Und ich bin nicht sicher, ob nicht sogar noch eine dritte - mehr oder weniger
ad hoc zusammengekommene - Gruppe zumindest konsultiert werden sollte, und ich
möchte meinen, daß die Vereinigten Staaten wahrscheinlich alles nur Menschenmögliche tun würden, um mit in keiner dieser Gruppen vertretenen Nationen
einige der Probleme zu erörtern, vor denen wir in dem neuen Währungssystem
stehen werden.
Frage:
-2-

�Frage: Es ist angeregt worden, daß andere Länder mehr tun sollten, um den
Vereinigten Staaten und dem Dollar zu helfen, um größere Verantwortung zu übernehmen. Was können sie tun - was sollten sie tun - , um unserem Lande zu helfen?
Antwort: Da komme ich natürlich immer wieder auf etwas zurück, was ich für
die eigentlich fundamentale Frage halte, daß wir nämlich unsere Währungsprobleme
niemals wirklich lösen können, wenn wir nicht über ein System sprechen, das sehr
häufige Aufwertungen und Abwertungen der verschiedenen Währungen in der Welt erlaubt, und wenn kein besseres Gleichgewicht in Handelsfragen geschaffen wird,
denn das sind schließlich die Dinge, die die Diskrepanz in Zahlungsbilanzen hervorrufen.
In einigen Fällen können andere Nationen ohne Frage ihre Märkte öffnen. Ich
glaube, da? gilt sicherlich für Japan. Ich mache kein Hehl daraus. Ich habe meinen Freunden in Japan gesagt, daß sie bestimmte Praktiken üben, daß sie Dinge
tun,die zu unserem Nachteil sind..,., und daß es eine Grenze gibt, bis zu welchem
Maße wir ihnen zugestehen können, den amerikanischen Markt zu sättigen, ohne daß
auch wir für einige Produkte Zugang zu ihrem Markt hätten.
Das gleiche gilt auch für die Länder in aller Welt, Wir müssen mit allen
von ihnen bezüglich von Änderungen unserer Handelspraktiken ins reine kommen.
Und schließlich möchte ich sagen, daß der größte Teil der übrigen Welt eine
fundamentale Entscheidung zu treffen haben wird, bevor wir ein neues Währungssystem errichten können, und diese Länder müssen selbst - einzeln oder kollektiv die Frage beantworten, ob sie jemals bereit sein werden, den Vereinigten Staaten
einen Überschuß zuzugestehen.
Frage: Bedeutet das, daß sie Defizite in Kauf nehmen müssen?
Antwort: Das bedeutet, daß sie Defizite in Kauf nehmen müssen. Schließlich
haben wir 22 Jahre lang ein Defizit in Kauf genommen. Unsere Defizite sind der
Überschuß eines anderen. Wenn wir also irgendeine Art von Konvertierbarkeit aufrechterhalten sollen, dann liegt es auf der Hand, daß wir ein System haben müssen,

-3

�müssen, das uns ebenso erlaubt, zu gewinnen wie zu verlieren - oder wir können
niemals eine realistische Konvertierbarkeit haben,
Wenn wir also wirklich eine Konvertierbarkeit im streng monetären Sinne
haben sollen - eine Konvertierbarkeit in Reserveguthaben

- dann werden wir ein

System haben müssen, das den Vereinigten Staaten erlaubt, gelegentlich einen Überschuß zu haben.
Frage:.., In Amerika herrscht seit vielen Jahren eine gewaltige Begeisterung
für den Eintritt Großbritanniens in den Gemeinsamen Markt, und jetzt scheint diese Begeisterung durch eine gewisse Vorsicht gedämpft zu werden. Könnten Sie uns
gewisse Hinweise darauf geben, auf die Überlegungen, die diesen Mangel an Begeisterung in Washington verursacht haben?
Antwort: Darf ich Ihnen darauf eine persönliche Antwort geben.,..
Ich glaube nicht, daß es ein Nachlassen der Begeisterung über den Beitritt
Großbritanniens zum Gemeinsamen Markt gibt- Wenn es heute eine gewisse Vorsicht
im Denken der Leute in Washington gibt, dann deshalb, weil wir den Gemeinsamen
Markt heute nach dem Gesichtspunkt, betrachten, wie er in den siebziger Jahren
verfahren wird.
Meine persönliche Auffassung ist die, daß trotz der besten Absichten Einzelner und von Regierungen in einer Zeit, da der Gemeinsame Markt versucht, sich als
wirtschaftliche Einheit, als politische Einheit und als finanzielle Einheit zu
vervollkommnen, es unausweichlich ist, daß er nach innen blicken wird. Das muß
so sein.,.., und ich meine das nicht kritisch.... Man wird einfach nach innen
blicken, weil dort die Probleme liegen werden.,..
Was meiner Meinung nach uns angeht, ist, wie wir - wenn das der Fall ist reagieren, wie wir uns in internationalen Währungsangelegenheiten und in Welthandel sfragen verhalten werden. Das ist der einzige Anlaß zur Vorsicht...."

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US-WIRTSCHAFTSWISSENSCHAFTLER NIMMT ZUR INTERNATIONALEN
WÄHRUNGSLAGE STELLUNG
-Interview mit Lawrence B.Krause in Washington-

Lawrence B. Krause, der in internationalen
Wirtschafts-und Finanzkreisen als anerkannte
Autorität für währungs-und wirtschaftspolitische Fragen gilt, hat nach seinem Studium an
der Universität von Michigan und der HarvardUniversität neben seiner Lehrtätigkeit an namhaften amerikanischen Hochschulen wichtige
Stellungen im öffentlichen Dienst bekleidet.
Unter anderem war er als Berater des State Department und des US-Sonderbeauftragten für Zollund Handelsfragen sowie in besonderen Missionen
für den Wirtschaftsbeirat des Präsidenten tätig.
Zahlreiche seiner Veröffentlichungen wurden in
bekannten amerikanischen und internationalen
Zeitschriften abgedruckt. In den letzten Jahren
hat die Brookings Institution unter anderem seine Bücher "European Economic Integration and
the United States", Britain*s Economic Prospects"
sowie "Sequel to Bretton Woods: A Proposal to
Reform the World Monetary System" herausgebracht.
Krause, der im Dezember 1929 in Detroit geboren
wurde und 1958 an der Harvard-Universität zum
Dr. phil. promovierte, hat zahlreiche akademische Auszeichnungen und Ehrungen erhalten. Er
wird Anfang Mai Vorträge in Frankfurt und Berlin halten sowie zu Gesprächen mit führenden
Bankleuten zusammentreffen.

-1-

�Frage: Glauben Sie, daß es für ausländische Zentralbanken notwendig sein
wird, mehr Dollar aufzunehmen, damit die Neufestsetzung der Wechselkurse in
den nächsten zwei oder drei Jahren richtig zur Wirkung kommen kann?
Antwort: Es mag durchaus notwendig werden, daß sie etwas mehr hereinnehmen. Ohne Frage werden bestimmte Zentralbanken mehr hereinnehmen müssen, da
jedes Ungleichgewicht zwischen den verschiedenen Ländern stets in Dollar ausgeglichen wird. Wenn Frankreich oder Großbritannien ein Defizit haben und
Deutschland weist einen Überschuß aus, dann erhält Deutschland Dollar, auch
wenn Frankreich Dollar verliert. Ich rechne aber auch mit einem Rückfluß von
Dollar, die früher aus spekulativen Gründen abgewandert sind. Sie werden ganz
allmählich in den nächsten zwei Jahren zurückfließen,und dies wird zu einem
Ausgleich beitragen. Aber Ihre Frage zielt in die richtige Richtung, nämlich
daß es zwei Jahre dauern wird, bis die Verbesserung der Zahlungsbilanz aufgrund der Abwertung zum Tragen kommt. Es wird noch einer gewissen weiteren
Finanzierung bedürfen.
Frage: Wird dies soweit ins Gewicht fallen, daß es für einige dieser Länder zu gewissen Problemen führt, wenn sie diese Dollar aufnehmen müssen?
Antwort: Die Aufnahme von Dollar führt zu zwei Arten von Problemen. Da
ist einmal die Angst, man erhalte Geld, das dann an Wert verliert. Diese Befürchtung hat jeder Bankier, nicht nur ein Zentralbankier. Ich möchte meinen,
daß sie diese Angst ertragen könnten. Es handelt sich hier nicht um Institutionen,die auf Gewinn aus sind. Sie erhalten einen guten Zinssatz.

Und wenn

die Alternative für sie Gold ist, dann ist es wohl klar, daß sie mit Dollar
besser dran sind, denn der Zinssatz ist höher als jede vorstellbare Entwertung pro Jahr. Aber das ist nur das eine ihrer Probleme. Das zweite Problem
ist die Inflation im Inland. Wenn Zentralbanken ausländische Währungen aufnehmen müssen, dann wirkt sich dies stimulierend auf die Geldausweitung im
Inland aus. Darüber haben sie keine Kontrolle. Sie können dies auszugleichen
versuchen, doch ist dies eine automatische monetäre Expansion innerhalb der
-2-

�der Volkswirtschaft. Deutschland hat sich von Zeit zu Zeit diesem Problem gegenübergesehen. Es kann so schwerwiegend sein, daß es innerhalb ihrer Volkswirtschaften eine Inflation auslöst. Und das ist ihre Hauptsorge.
Das wird für sie auch weiterhin Anlaß zur Besorgnis sein. Zahlreiche Länder werden sich überlegen müssen, "wie können wir eine antiinflationäre Politik
entwickeln, die nicht so stark von dem Währungssystem abhängig ist, wie dies in
der Vergangenheit der Fall war".
Frage: In letzter Zeit ist davon gesprochen worden, daß einige Länder möglicherweise zu Währungskontrollen verschiedenster Art greifen werden, wenn sie
vor die Notwendigkeit gestellt werden, Dollar aufnehmen zu müssen, und sie
könnten Kontrollen einführen, statt Dollar aufzunehmen. Halten Sie das für
möglich?
Antwort: Das ist eine reale Möglichkeit. Wenn Länder bei irgendeiner Sache
ein Problem sehen, dann werden sie oft den direkten Weg einschlagen wollen. So
hat sich Frankreich bei dem Kapitalzufluß in der Vergangenheit verhalten, und
Italien hat eine solche Tradition aufzuweisen. Bei Deutschland ist das überhaupt nicht der Fall, und Großbritannien hat einen gemischten Kurs eingeschlagen. Das Problem bei solchen Kontrollen ist, daß sie nicht funktionieren, oder
jedenfalls nicht sehr gut. Soweit sie den Zufluß abstoppen, wird etwas Natürliches und nicht etwas Unnatürliches verhindert. Es trifft den kleinen Mann,
nicht die Großen. Und vor allem sind solche Kontrollen nicht sehr wirkungsvoll.
Ich wäre überrascht, wenn Kontrollen eine Lösung des Problems wären.
Frage: Die Vereinigten Staaten sind von manchen Leuten kritisiert worden,
weil sie nicht genug tun, um den Kapitalabfluß aus den Vereinigten Staaten zu
kontrollieren. Können oder sollten die Vereinigten Staaten noch mehr tun?
Antwort: Ich möchte sagen, sie sollten etwas weniger tun. Kapitalkontrollen wurden eingeführt, um eine Abwertung zu verhindern. Man versuchte, unsere
Zahlungsbilanz ohne Änderung des Wertes des Dollar zu korrigieren. Aber das

-3

�das ging nicht. Daher haben wir den Dollar abgewertet, und jetzt gibt es keinen
Grund mehr für die Kapitalkontrollen, die wir haben. Natürlich würden Probleme
aufgeworfen werden, wenn man sie plötzlich, über Nacht einstellen würde. Aber
es ist ganz klar, daß wir in Richtung auf ihre Liberalisierung voranschreiten
sollten, denn Kontrollen jeder Art sind in sich selbst nicht wünschenswert.
Frage: Wie steht es mit den Bewegungen kurzfristigen Kapitals? Muß etwas
unternommen werden, um sie mehr unter Kontrolle zu bringen?
Antwort: Kurzfristiges Kapital reagiert sehr feinfühlig auf die jeweiligen Zinssätze in den verschiedenen Ländern; und die natürlichen Marktkräfte
werden solche Geldabflüsse aus den Vereinigten Staaten sehr schnell weniger
werden lassen,und sehr bald werden sie in der umgekehrten Richtung fließen.
Wenn die amerikanische Wirtschaft in diesem Jahr und im kommenden Jahr - 1973 weiter expandiert, dann werden wir wahrscheinlich kurzfristiges Kapital anziehen. Das dürfte kein Problem werden, da andere Länder über eine Menge Reserven
verfügen, die sie abbauen können. Ich halte dies in diesem Jahr und im kommenden
daher für ein weitaus geringeres Problem - von den natürlichen Wirtschaftskräften her gesehen -, als es im Augenblick aussieht.
Frage: Glauben Sie, daß irgendwelche Kontrollen oder irgendwelche neuen
Methoden in Bezug auf die Bewegungen kurzfristigen Kapitals einen Platz in der
langfristigen Reform des internationalen Währungssystems einnehmen werden?
Antwort: Absolut. Wenn wir ein festes System von Wechselkursen, ohne irgendwelche Kontrollen des Handels und der Kapitalbewegungen haben wollen, dann werden
wir einen Mechanismus zur Finanzierung solcher Bewegungen, falls sie auftreten,
brauchen. Meines Erachtens werden schon allein die größeren Bandbreiten bei
den Wechselkursen solche Bewegungen verlangsamen, und auch häufigere Veränderungen der Wechselkurse werden die Bewegungen verlangsamen. Aber ich glaube, die
Regierungen wollen eine gewisse Sicherheit, mehr Sicherheit gegen die Möglichkeit plötzlicher Abflüsse, die ihre Reservebasis verschwinden lassen. Daher wird

-4-

�wird dies Teil einer grundlegenden Gesamtreform sein. Es ist unvorstellbar, daß
wir genügend Weltreserven schaffen könnten, so daß jedes Land über genügend
Mittel verfügte, um damit gegen eine Verknappung im Falle kurzfristiger Kapitalbewegungen gesichert zu sein. Daher brauchen wir einen Mechanismus, eine Art
Lagerhaus oder einen Bestand an Liquidität, der zur Finanzierung solcher Abflüsse benutzt werden kann. Mein eigener Vorschlag ist, daß dies der Internationale Währungsfonds (IWF) sein sollte. Aber es ist auch möglich, dies auf andere
Weise zu arrangieren.
Frage: Sie sprechen von der Finanzierung solcher Kapitalbewegungen und
nicht von ihrer Kontrolle?
Antwort: Absolut. Meines Erachtens kann man sie nicht kontrollieren. Ich
glaube, wenn ein Mechanismus entwickelt würde, um sie zu kontrollieren, dann
würde man damit das Kind mit dem Bade ausschütten. Man müßte jede einzelne internationale Transaktion kontrollieren. Sie werden feststellen, daß dann nicht nur
Kapital, sondern auch Handel, langfristige Investitionen, Touristenverkehr,
alle diese Dinge schließlich in Kontrollen enden würden. Und das wäre nicht wünschenswert.
Frage: Was halten Sie von einigen Hilfsmitteln, die in letzter Zeit benutzt
wurden, wie verschiedene Depoterfordernisse bei Ausländereinlagen?
Antwort: Ich möchte das nicht als "Kontrolle" bezeichnen. Hier wird ein
Preismechanismus angewandt, um sie weniger attraktiv zu machen. Natürlich müssen
die einzelnen Länder sich darüber im klaren sein, daß man, wenn man bestimmte
Arten von Kapital verteuert, andere Arten von Kapital, die eng hiermit zusammenhängen, nunmehr attraktiver macht. Anders gesagt, Geld kann durch beide Kanäle
fließen. Sie können bestimmte Formen von Abflüssen verlangsamen. Einige von
ihnen werden in unterschiedlicher Form abgelenkt. Das ist bekannt. Wenn man Kapitalkontrollen einführt oder in diesem Falle den Preis bestimmter Formen von Kapitalbewegungen verteuert, dann können Sie damit rechnen, daß die Geldabflüsse
andere Kanäle finden. Aber man hofft, daß der Gesamtfluß dadurch verlangsamt
wird.
++II 1 &gt; Hl I
-5-

�amerika dienst
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53

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16/1972

"WOCHE DER ERDE" - NATIONALE AKTION FÜR UMWELTSCHUTZ
Amerikanische Bürgerkomitees und Behörden appellieren an das
Verantwortungsbewußtsein jedes einzelnen

--(AD)— Vor zwei Jahren begingen viele Tausende von Amerikanern, meist
Studenten und Oberschüler, den "Tag der Erde", um ihrer Besorgnis über die
bedrohte Umwelt nicht nur in Amerika, sondern in praktisch allen Ländern
Ausdruck zu geben. Jetzt sind solche Aktionen auf eine ganze Woche ausgedehnt. Präsident Nixon ersuchte die Gouverneure der Bundesstaaten, in der
"Woche der Erde" vom 17. - 23. April 1972 allen Bürgern Gelegenheit zu geben,
sich an Programmen und praktischen Schritten zu beteiligen, mit denen die
Umwelt restauriert werden soll.
Neben Bürgergruppen für Umweltschutz, die sich im ganzen Land gebildet
haben, sind in diesem Jahr auch wichtige Regierungsbehörden an der Programmplanung für die "Woche der Erde" beteiligt. Sie bildet bereits einen Auftakt
für die Umweltschutzkonferenz im Juni 1972, die unter der Schirmherrschaft de
Vereinten Nationen in Stockholm abgehalten wird.
Die bisherigen Erfahrungen mit der Aktion "Woche der Erde" zeigten, wie
Senator Gaylord Nelson erklärte, daß es Jahrzehnte nationaler Anstrengungen
bedürfe, um die Umwelt zu restaurieren. Gleichzeitig führten die inzwischen
gewonnenen Erfahrungen zu wichtigen Revisionen der ursprünglichen Pläne und

�und Programme. Sie sind heute realistischer und stellen die Zeit besser in
Rechnung, die für eine Beseitigung und künftige Verhinderung von Schäden tatsächlich gebraucht werden wird.
Umfragen lassen erkennen, wie groß die Unterstützung für Umwelt Schutzmaßnahmen in der Bevölkerung ist. 75 Prozent der Befragten erklärten dabei u.a.,
für eine ausreichende Finanzierung entsprechender Maßnahmen auch willens zu
sein, mehr Steuern zu bezahlen.
Denis Hayes, der 1970 als Student die ersten Aktionen organisierte und heute
im Auftrag der Smithsonian Institution Fragen des wirtschaftlichen Energiebedarfs untersucht, betont: "Heute versuchen wir, eine Bewegung auf sehr viel
breiterer Basis zu bilden, die sich, um grundlegende Reformen zu erreichen, auch
auf das Verkehrswesen und auf die Energieproduktion konzentriert."
Auf Grund einiger von Bürgervereinigungen für den Umweltschutz angestreng ten Prozesse wurde beispielsweise der Bau einer Ölpipeline in Alaska zurückgestellt und die Vergabe weiterer Lizenzen für Ölbohrungen im Golf von Mexiko
sowie der Bau neuer Kraftwerke vorläufig gestoppt. Mit solchen Prozessen sollen
zwar solche Projekte nicht mit allen Mitteln unterbunden werden, aber man will
sicherstellen, daß sie wirklich im Einklang mit den Umweltschutzgesetzen
stehen.
Obgleich die Politiker von derartigen Bürgeraktionen nicht gerade entzückt
sind, erklärte z.B. Innenminister Rogers C.B. Morton kürzlich vor einem Ausschuß des US-Senats: "Die Erwägung von Fragen der Umweltsituation bei bestimmten politischen Entscheidungen

führte alles in allem dazu, daß jetzt mehr

Informationen eingeholt werden und die Behörden Auswirkungen auf die Umwelt
von vorneherein berücksichtigen. Auch die Öffentlichkeit wird mehr als bisher
informiert, wie sich Maßnahmen der Regierung auf die Umweltsituation auswirken."

Ein
-2-

�Ein Musterbeispiel dafür sind die zweieinhalbjährigen Untersuchungen im
Auftrag des US-Innenministeriums zum Bau einer 1200 km langen Erdölleitung in
Alaska, die von den Ölfeldern der Prudhoe-Bucht im Norden zum eisfreien Hafen
Valdez im Süden führen soll, von wo aus Tanker das Öl zum Puget«Sund im Staate
Washington und zu den kalifornischen Häfen bringen würden. In einem vielbändigen Bericht wurde Ende März 1972 das Ergebnis*dieser Studie über das 3,5 Milliarden-Dollar-Projekt von sieben großen Ölfirmen veröffentlicht. Die Quintessenz:
Es ist nicht möglich,ohne tatsächliche oder mögliche Schädigungen des Landes
sowie der Tier-und Pflanzenwelt die Leitung zu bauen. Am meisten Kopfzerbrechen bereitet die Frage, wie ein Auftauen des unter Dauerfrost stehenden Bodens,
über den 85 Prozent der Pipeline führen würde, zu verhindern sei. Das zweite
große Problem ist die Forderung der Umweltschützer, das letzte große Naturparadies, das Alaska darstellt, unter allen Umständen zu erhalten. Um dem gerecht zu
werden, schlug die Industrie vor, etwa die Hälfte der Strecke in einem Felsoder Kiesbett, die andere Hälfte aufgeständert zu montieren, damit der Kontakt
mit dem Permafrostboden verhindert und die Tierwanderungen nicht gestört werden.
Die Entscheidung der Bundesregierung wird zurückgestellt, bis Präsident Nixons
Beirat für Umwelthygiene, die US-Bundesbehörde für Umweltschutz und andere zuständigenOrgane den Bericht des Innenministeriums studiert und entsprechende
Empfehlungen unterbreitet haben.
Die Meinungen über mancherorts geäußerte Befürchtungen gehen auseinander,
daß verstärktes Umweltbewußtsein zu übertriebenen Reaktionen führe, neue Projekte verzögere und in Zeiten erhöhter Arbeitslosigkeit sogar die Schließung
bereits in Betrieb befindlicher Anlagen erzwinge. Allerdings warnen Sprecher
der Industrie vor einem "Overkill", vor einem zu heftigen Vorpreschen in Umweltfragen. William D. Ruckeishaus, der Leiter des Bundesamtes für Umweltschutz, räumt ein, daß manche Umweltschützer tatsächlich "unmögliche" Gütegrade für Luft und Wasser forderten. Gleichzeitig weist er aber die Behauptung
zurück, die Industrie werde mit Vorschriften zu stark gegängelt. Seine Behörde

-3

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Martin J. Hillenbrand zum neuen US-Botschafter in Bonn nominiert&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hanoi beantwortete amerikanisches Verhandlungsangebot mit Invasion in Südvietnam&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Erklärung von Botschafter Porter -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA verstärken Anstrengungen zur Sicherung der Energieversorgung&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von unserem Sonderkorrespondenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Fachausstellung und Tagung "Kunststoffe und ihre Verarbeitung"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Europäische Einigung und der Atlantische Partner USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ansprache des Stellvertretenden Staatssekretärs für wirtschaftliche Angelegenheiten im US-Außenministerium Nathaniel Samuels -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Connally: Volles Vertrauen in den Dollar gerechtfertigt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus einem Interview des US-Finanzministers mit der VOA -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Wirtschaftswissenschaftler nimmt zur internationalen Währungslage Stellung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Interview mit Lawrence B. Krause in Washington -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;"Woche der Erde" - Nationale Aktion für Umweltschutz</text>
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I
I

3

Information
und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

19. April 1978

10

INHALT

DOKUMENTATION
Carter schiebt Produktion der Neutronenwaffe auf
- Wortlaut der Erklärung des Präsidenten Präsident Carter ruft zum Kampf gegen die Inflation auf
- Rede vom 11. April 1978 Vance legt Standpunkt zu Rüstungskontrollfragen dar
- Rede des US-Außenministers vom 10. April 1978 HINTERGRUNDMATERIAL
20 Jahre Wissenschaftsausschuss der NATO
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Verbesserte Fernerkundung aus dem Weltraum
- LANDSAT 3 mit neuem Infrarot-Scanner für Landwirtschaft, Gewässerbeobachtung, Boden- und Gesteinsforschung Neue Warnung vor Laetril

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

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�Dokumentation
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10

19. April 1978

CARTER SCHIEBT PRODUKTION DER NEUTRONENWAFFE AUF
- Wortlaut der Erklärung des Präsidenten -

WASHINGTON -(AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 7. April 1978
seinen Entschluß bekanntgegeben, die Entscheidung über die Produktion
der Waffe mit verstärkter Strahlenwirkung - Neutronenwaffe - auf unbestimmte Zeit aufzuschieben. Er hat dabei die Option einer späteren
Dislozierung dieser Waffe offengelassen, falls die Sowjetunion in ihren
konventionellen und nuklearen Rüstungsprogrammen keine Zurückhaltung
zeigen werde.
Die Erklärung des amerikanischen Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Ich habe beschlossen, die Produktion von Waffen mit verstärkter
Strahlenwirkung aufzuschieben.

Die endgültige Entscheidung hinsichtlich

der Einführung von Mitteln der verstärkten Strahlung bei unseren modernisierten Gefechtsfeldwaffen wird später getroffen und davon beeinflußt
werden, in welchem Ausmaß die Sowjetunion ir ihren konventionellen und
nuklearen Rüstungsprogrammen und Streitkräftedislozierungen, die die

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Telex:08-85432

�die Sicherheit der Vereinigten Staaten und Westeuropas berühren, Zurückhaltung zeigt.
Dementsprechend habe ich das Verteidigungsministerium angewiesen,
mit der Modernisierung des Lance-Raketen-Gefechtskopfes und des 8 InchWaffensystems fortzufahren, um die Option für die Einführung des Elements
der verstärkten Strahlung offenzuhalten.
Die Vereinigten Staaten konsultieren ihre Partner im Nordatlantischen
Bündnis in dieser Entscheidung und werden weiterhin mit ihnen über angemessene Rüstungskontrollmaßnahmen sprechen, die mit der Sowjetunion verfolgt werden sollen.
Wir werden weiterhin mit unseren Verbündeten in der Modernisierung
und Stärkung unserer militärischen Kapazität auf konventionellem und
nuklearem Gebiet voranschreiten.
Wir sind entschlossen, alles Notwendige zu tun, um die kollektive Sicherheit und die Vorneverteidigung
Europas zu gewährleisten.

.

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�Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

19. April 1978

10

PRÄSIDENT CARTER RUFT ZUM KAMPF GEGEN DIE INFLATION AUF
- Rede vom 11. April 1978 -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy

Carter hat am 11. April 1978 in

einer Rede vor dem amerikanischen Zeitungsverlegerverband zu einer energischen
Bekämpfung der Inflation in den USA aufgerufen und Zurückhaltung bei der Lohnund Preisgestaltung gefordert.
Die Rede des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
In den letzten 15 Monaten haben wir in den Vereinigten Staaten gute
Fortschritte bei der Aufrechterhaltung des Wachstums und der Schaffung von
Arbeitsplätzen gemacht. Heute sind 4,5 Millionen Menschen mehr in Arbeit als
noch vor 15 Monaten, eine beispiellose Erhöhung der verfügbaren Arbeitsplätze.
Die Arbeitslosenrate ist von beinahe 8 Prozent auf etwas über 6 Prozent zurückgegangen. Das durchschnittliche Einkommen pro Haushalt liegt - nach Abzug von Steuern und inflationsbereinigt - heute um 5 Prozent höher als vor
einem Jahr. Unternehmergewinne waren im zweiten Halbjahr 1977 um 15 Prozent
höher als ein Jahr zuvor, und in dieser Zeit im Jahre 1977 konnte die Inflation auf einem tragbaren und voraussagbaren Stand gehalten werden.
Aber

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Telex:08-85432

�4

*

Aber zu viele Amerikaner - vor allem junge Menschen und Angehörige von
Minderheitengruppen - sind noch ohne Arbeit.

Ich bin entschlossen, den Fort-

schritt unserer Wirtschaft zu einem hohen Beschäftigungsstand und steigendem
Realeinkommen mit Hilfe bestehender Programme und neuen, sehr sorgfältig gezielten Anreizen für die Privatwirtschaft fortzusetzen, um diese zur Einstellung langfristig Arbeitsloser zu ermutigen.
Wir haben noch andere wirtschaftliche Probleme, die uns ständig tiefe
Sorge bereiten.
Die wirtschaftliche Gesundheit unserer Nation kann nur geschützt werden,
wenn wir mit den beiden Entwicklungen ins reine kommen können, die sie jetzt
am stärksten bedrohen - der hohe Stand der ölimporte und die steigende Inflationsrate.
4

Diese beiden Probleme gefährden unseren wirtschaftlichen Wiederaufschwung

und bedrohen die Stärke des Dollar.

Beide Entwicklungen müssen wir in den

Griff bekommen.
Die Schritte, die wir unternehmen werden, sind Teil einer größeren internationalen Bemühung der wichtigen Industriestaaten, den Weltaufschwung im
Jahre 1978 zu fördern. Bei dieser Anstrengung hat jedes Land eine bestimmte
Rolle zu spielen - wobei die Vereinigten Staaten ihr Wachstum aufrechterhalten und gleichzeitig die Inflation bekämpfen und die ölimporte einschränken
und andere Länder die Wachstumsziele anstreben, die wir erreicht haben, und
alle Länder sich vor dem Protektionismus hüten und den Entwicklungsländern
größere Hilfe leisten. In der Hoffnung, daß dieses konzertierte Vorgehen
einen großen Beitrag zum Wiederaufschwung der Welt leisten wird, habe ich mich
gestern den Führern sechs anderer Nationen angeschlossen und bekanntgegeben,
daß wir am 16. und 17. Juli in Bonn zusammenkommen werden, um unsere gemeinsamen Anstrengungen voranzutreiben.
Aber

- 2 -

�Aber das erste Erfordernis ist jedoch ein wirksames Handeln im eigenen
Lande.

Der Hauptgrund für unsere Probleme mit der Handelsbilanz und dem sinkenden
Wert des Dollar ist kein Geheimnis.

Vor zehn Jahren bezahlten wir rund 2 Mil-

liarden Dollar pro Jahr für Importöl.

Dieses Jahr werden uns unsere öleinfuhren

über 45 Milliarden Dollar kosten.

Unsere Energieprobleme sind keine theoretischen oder potentiellen Probleme mehr.

Sie sind eine aktive Bedrohung des wirtschaftlichen Wohlergehens

unseres Volkes.

Von allen wichtigen Ländern der Welt sind die Vereinigten Staaten das
einzige, das keine nationale Energiepolitik hat.

Und weil der Kongreß nichts

tut, beginnen andere Länder an unserem Willen zu zweifeln.

Dollarbesitzer in

der ganzen Welt haben unser Versagen, zu handeln, als ein Zeichen wirtschaftlicher Schwäche betrachtet, und diese Auffassungen haben sich direkt in eine
Abwertung unserer Währung umgesetzt.

Der fallende Dollar auf den internationalen Devisenmärkten macht die Inflation hier im eigenen Lande noch schlimmer.

Der Preis für Güter, die wir

importieren, geht in die Höhe, und das erleichtert es den einheimischen Produzenten, ebenfalls ihre Preise zu erhöhen, da keine Konkurrenz vorhanden ist.

Darum brauchen wir ohne jede weitere Verzögerung eine bedeutungsvolle
Energiegesetzgebung.
braucht sie.

Davon hängt unsere Sicherheit ab, und unsere Wirtschaft

Wenn der Kongreß nicht handelt, dann werden die öleinfuhren durch

administrative Maßnahmen im Rahmen der bestehenden Gesetze eingeschränkt werden müssen, und das ist sicherlich nicht die wünschenswerteste Lösung.

So

oder so, die ölimporte müssen gesenkt werden.

In jüngster Zeit hat unser gesundes und anhaltendes Wirtschaftswachstum
das der meisten anderen Länder übertroffen, die unsere Haupthandelspartner

- 3 -

�*.

Haupthandelspartner sind, so daß wir eher in der Lage waren, ihre Güter zu
kaufen, als sie unsere kaufen konnten.
Unser Lebensstandard und unsere Wachstumsfähigkeit hängen von den Rohstoffen und den Gütern ab, die wir aus anderen Ländern importieren.

Deshalb

müssen wir, wenn wir weitere ernste Handelsdefizite vermeiden wollen, mehr
landwirtschaftliche Erzeugnisse und andere Güter und Dienstleistungen exportieren, um für unsere Einkäufe im Ausland bezahlen zu können.
Eine Arbeitsgruppe auf Kabinettsebene wird unter Leitung des Handelsministers zusätzliche Maßnahmen zur Förderung des Exports entwickeln und innerhalb von 60 Tagen darüber berichten.
Ich möchte jetzt die Maßnahmen erörtern, die getroffen werden müssen, um
das Wirtschaftswachstum unserer Nation sowie die Arbeitsplätze und den Wohlstand
für unser Volk vor der schwerwiegenden Gefahr einer wachsenden Inflation zu
schützen.
Energieeinsparung, Steigerung der Leistungsfähigkeit und Produktivität,
Vermeidung von Verschwendung, Reduzierung der ölimporte und Ausweitung unserer
Exporte werden helfen, die Inflation zu bekämpfen; aber damit der Kampf zu
einem Erfolg wird, wird eine entschlossene Regierungspolitik und volle Kooperation der privaten Seite notwendig sein.
Die Inflation, unter der wir heute leiden, begann schon vor vielen Jahren
und wurde im Jahre 1973 und 1974 verstärkt durch die Vervierfachung der OPECÖl preise, durch weitverbreitete Ernteausfälle, ungewöhnlich umfangreiche sowjetische Getreideankäufe, beträchtliche Entwertung des Dollar und einen weltweiten industriellen Boom, was zu einer zweistelligen Inflationsrate hier in
den Vereinigten Staaten und auf der ganzen Welt führte. Sie hat sich jetzt im
Organismus unserer Wirtschaft eingenistet. Sie hat selbst der schwersten Rezession innerhalb einer Generation widerstanden. Sie erhält sich weiter, weil
wir alle - der Geschäftsmann, der Arbeiter, der Farmer, der Verbraucher - in

- 4 -

�in einem Getriebe gefangen sind, das keiner allein stoppen kann.

Jede Gruppe

versucht, ihr Einkommen zu erhöhen, um mit den derzeitigen und den erwarteten
steigenden Kosten Schritt zu halten, und am Ende verlieren wir so alle zusammen den Kampf gegen die Inflation.

Leichte Antworten gibt es hier nicht.

Wir werden mit der Inflation nicht

durch eine Steigerung der Arbeitslosigkeit fertig werden.
keine Lohn- und Preiskontrollen einführen.

Wir werden auch

Wir werden Maßnahmen treffen, die

beide Extreme vermeiden.

Unsere erste und direkteste Anstrengung erfolgt innerhalb der Regierung
selbst.

Wo die Regierung selbst zur Inflation beiträgt, da muß diese Wirkung

verringert werden; wo die Ausgaben der Regierung zu hoch sind, da müssen diese
Ausgaben reduziert werden; wo die Regierung den Unternehmern, den Arbeitenden
und den Verbrauchern eine inflationäre Last aufbürdet, da müssen diese Lasten
erleichtert werden; wo immer die Regierung ein Beispiel für Zurückhaltung und
Effizienz geben kann, da muß sie dies tun.

Das Budget, das ich für das nächste Finanzjahr in Vorschlag gebracht
habe, ist zugleich straff begrenzt und doch imstande, den dringendsten Anforderungen unserer Nation gerecht zu werden.

Das vorauszusehende Defizit

im Budget ist so groß, wie wir es uns leisten können, ohne unsere Hoffnungen
auf ein ausgewogenes Wirtschaftswachstum und eine absinkende Inflationsrate zu
kompromittieren.

Aber wie stets, so entwickelt sich Druck von allen Seiten, um

die Ausgaben zu steigern und das Defizit zu vergrößern.

Potentielle Ausgabensteigerungen im Budget des Finanzjahres 1979, wie
sie jetzt ernsthaft von Kongreßausschüssen erwogen werden, würden die Posten
auf der Ausgabenseite im nächsten Jahr um neun bis dreizehn Milliarden Dollar
erhöhen.

Die Kosten für einige dieser politisch attraktiven Programme würden

sich in künftigen Jahren rapide ausweiten.

Besonders besorgt bin ich hinsicht-

lich der Steuerabschreibung für Ausbildungskosten, der Programme für die Fernund Durchgangsstraßen, der Finanzierung der Postdienste, der Farmgesetzgebung
und der Verteidigungsausgaben.

T

- 5-

.

�Ich werde mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln diesem Druck
widerstehen und die Integrität des Budgets schützen.
Wir müssen unbedingt jede Gelegenheit nutzen, um das Haushaltsdefizit
abzubauen, sicherzustellen, daß das Defizit nach 1979 stetig sinkt und wir uns
einem ausgeglichenen Haushalt nähern.

Ich werde mit dem Kongreß eng zusammen-

arbeiten und, wenn notwendig, von meinem Veto-Recht Gebrauch machen, um das Defizit für den Haushalt 1979 in oder unter den von mir vorgeschlagenen Grenzen
zu halten.
Die Bundesregierung muß ferner direkt handeln, um die Inflation zu
dämpfen.
Vor zwei Monaten schlug ich vor, daß in jedem Industriezweig und in
jedem Sektor unserer Wirtschaft die Lohn- und Preissteigerungen in diesem
Jahr freiwillig wesentlich unter den durchschnittlichen Steigerungen der beiden letzten Jahre gehalten werden - ein wichtiges Prinzip der Verlangsamung.
Ich bin entschlossen, voranzugehen und die Lohn- und Preisspirale zu
durchbrechen, indem die Lohn- und Gehaltserhöhungen beim Bund niedrig gehalten werden. Im vorigen Jahr stiegen die Gehälter der Bundesangestellten um
über 7 Prozent. Ich habe die Absicht, für dieses Jahr eine Höchstgrenze von
etwa 5,5 Prozent vorzuschlagen und damit für Gewerkschaften und Unternehmer
ein Beispiel für eine Mäßigung der Preis- und Lohnerhöhungen zu setzen. Ich
werde in diesem Jahr ferner die Gehälter aller leitenden - von der Regierung
ernannten - Bediensteten der Bundesregierung und der leitenden Mitglieder
meines Stabes einfrieren. Ich meine, daß all jene, die in unserem Lande am
meisten begünstigt sind - einschließlich anderer leitender Bediensteter in
Regierung und Privatwirtschaft - ein ähnliches Beispiel der Zurückhaltung
zeigen sollten.
Einzelstaatliche und kommunale Behörden beschäftigen jeden siebten
Arbeiter in unserem Lande, und ich habe Schreiben an jeden Gouverneur und

- 6 -

�und an die Bürgermeister unserer großen Städte gerichtet und sie aufgefordert,
dem Beispiel der Bundesregierung zu folgen und ihre Lohn- und Gehaltserhöhungen niedrig zu halten.

Ferner habe ich diese Behörden gebeten, daß sie, falls

sie Steuersenkungen planen, zuerst eine Senkung der Verkaufssteuern erwägen,
die den Verbraucher direkt belasten.
Die Bundesregierung wird noch einige weitere Schritte unternehmen, um die
Inflation zu dämpfen:
- Alle Behörden der Exekutive werden den Ankauf von Gütern oder Dienstleistungen vermeiden oder verringern, deren Preise rasch steigen, es sei denn,
dies würde unsere nationale Sicherheit ernsthaft gefährden oder zu schwerer
Arbeitslosigkeit führen. Ich habe ferner darum gebeten, daß alle neuen oder
neu verhandelten Kontrakte des Bundes, die Preiserhöhungsklauseln enthalten,
nach dem Prinzip der Verlangsamung abgeschlossen werden.
- Wir müssen die inflationären Kosten senken, die die Privatindustrie
aufgrund von Regierungsverordnungen tragen muß.
Im vorigen Monat habe ich die unter meiner Aufsicht stehenden verordnungsbevollmächtigten Behörden der Exekutive angewiesen, die negativen wirtschaftlichen Konsequenzen ihrer eigenen Maßnahmen so gering wie möglich zu
halten. Ich bin entschlossen, unnötige Verordnungen abzuschaffen und sicherzustellen, daß künftige Verordnungen der amerikanischen Wirtschaft keine unnötige Kosten aufbürden. Unsere Bemühungen um die Reorganisation der Bundesbürokratie und die Straffung des öffentlichen Dienstes, die entscheidend wichtig sind, werden der Regierung helfen, ihr eigenes Haus in Ordnung zu bringen.
Ich trete für eine befristete Gesetzgebung ein, um zu gewährleisten, daß wir
diese Verordnungsprogramme immer wieder in wenigen Jahren überprüfen und jene
Verordnungen, die überholt geworden sind, abschaffen oder ändern.
Ich appelliere auch an die Haushaitsausschüsse des Kongresses, dem
Kongreß regelmäßig über die inflatorische Wirkung anstehender Gesetze zu be-

- 7 -

�berichten, so wie mir der Wirtschaftsbeirat und der Rat für Lohn- und Preisstabilität heute schon berichten.
- Die vereinten Maßnahmen meiner Administration und der zivilen Luftfahrtbehörde haben bereits zu wesentlichen Senkungen einiger Flugpreise geführt.
Trotz der Opposition privater Interessen muß das Gesetz über die Reform der
Luftfahrtbestimmungen in diesem Jahr verabschiedet werden.

Wir überprüfen

ferner erneut übertriebene Bundesverordnungen für den Fernlastverkehr, - eine
Bemühung, die zu einer erhöhten Leistungsfähigkeit bei einer Verringerung der
Frachtkosten und Einzelhandelspreise führen könnte.
Darüber hinaus ersuche ich die unabhängigen verordnungsbevollmächtigten
Behörden,an der Dämpfung der Inflation mitzuwirken, wenn sie über Veränderungen
der Raten beraten, und Änderungen der Verordnungen zu prüfen, die die betroffenen Industriezweige leistungsfähiger machen können.
- Im vorigen Herbst wurde ein großes Gesetzeswerk verabschiedet, das die
wirtschaftlichen Bedingungen für Familien in der Landwirtschaft verbessern wird,
und wir haben zusätzliche administrative Maßnahmen bekanntgegeben, um das landwirtschaftliche Einkommen in diesem Jahr zu steigern.
Leider hat der Senat gerade ein Gesetz verabschiedet, das die Nahrungsmittelpreise um 3 Prozent und die gesamten Lebenshaltungskosten um 0,4 Prozent
erhöhen würde, das das Vertrauen in den entscheidend wichtigen Exportmärkten
für die landwirtschaftlichen Erzeugnisse Amerikas erschüttern, in der Verwaltungsmaschinerie des Landwirtschaftsministeriums ein riesiges Durcheinander
schaffen und amerikanische Farmerfamilien mit erhöhten Kosten belasten würde.
Das Gesetz ist schlecht für die Farmer, es ist schlecht für die Verbraucher
und es ist schlecht für unser Land.
Ich werde mein Veto gegen jede Agrargesetzgebung einlegen, die über das
hinausgeht, was ich bereits empfohlen habe und was zu höheren Nahrungsmittel preisen oder Haushaltsausgaben führen würde.
- Die
- 8 -

�- Die Wohnungsbauraten beliefen sich auf etwa 2 Millionen pro Jahr, und
das hat zu einer

raschen Erhöhung der Kosten geführt - zum Teil aufgrund des

scharfen Anstieges der Preise für Rohstoffe wie Holz.

Da Holz etwa ein Vier-

tel der Kosten eines neuen Hauses ausmacht, können wir hier durch eine erhöhte
Produktion und eine bessere Nutzung unserer verfügbaren Holzmengen etwas Erleichterung schaffen.

Ich habe daher das Landwirtschaftsministerium und das

Innenministerium, den Rat für Umweltschutz und meine Wirtschaftsberater angewiesen, mir innerhalb von 30 Tagen über die besten Mittel und Wege zu berichten, um einen erhöhten Holzeinschlag in Bundes- und Privatwäldern zu ermöglichen,
und über andere Mittel und Wege, um die Holzversorgung in einer Weise zu erhöhen, die für den Umweltschutz akzeptabel, wirtschaftlich effizient und mit
einer gesunden Haushaltspolitik vereinbar wäre.

- Die täglichen Krankenhauskosten haben sich von 15 Dollar im Jahre 1950
auf über 200 Dollar erhöht, und die Honorare der Ärzte sind um 75 Prozent
schneller gestiegen als andere Verbraucherpreise.

Es ist sehr wichtig, daß

der Kongreß jetzt über das vorgeschlagene Krankenhauskostendämpfungsgesetz
als einem der wirksamsten Schritte berät, den wir unternehmen können, um vernünftige Krankenhauskosten zu erreichen.

Wenn der Kongreß das Krankenhaus-

kostendämpfungsgesetz nicht behandelt, dann wird das die Steuerzahler unseres
Landes über 18 Milliarden Dollar an unnützen Regierungsausgaben in den nächsten
fünf Jahren kosten.

Zusammen mit dem Gesetz über die Freigabe von Flugpreisen,

ist dies einer der beiden wichtigsten Gesetze, die der Kongreß verabschieden
kann, um die Inflation zu dämpfen.

Diese Gesetze sind bisher durch die Opposition mächtiger Interessengruppen
verzögert worden.

Ich werde weiterhin voll und ganz hinter diesen Gesetzen

stehen, und ich appelliere an die führenden Mitglieder des Kongresses, das
gleiche zu tun.

Regierungsmaßnahmen, wie ich sie kurz dargelegt habe, können wichtige
Schritte zur Kontrolle der Inflation sein.

Aber es ist ein Märchen, daß die

Regierung selbst allein der Inflation Einhalt gebieten könne.

- 9 -

Erfolg oder

�oder Fehlschlag dieser Gesamtanstrengung wird in großem Ausmaß im Handeln
des Privatsektors der Wirtschaft bestehen.
Ich erwarte von Unternehmern und Gewerkschaften, daß sie Preis- und
Lohnerhöhungen wesentlich unter der durchschnittlichen Zuwachsrate der letzten
beiden Jahre halten.

Dem müssen sich jene anschließen, die Arzthonorare, An-

waltshonorare oder andere Honorare für freie Berufe, Vorlesungsgebühren, Versicherungsprämien und Gebühren für andere Dienstleistungen festlegen.

Das

wird alles nicht leicht sein. Aber das Beispiel der Bundesregierung muß Nachahmer finden.

Das Inflationsproblem kann nicht gelöst werden, indem man die

Last der Inflationsbekämpfung nur einigen wenigen auferlegt.
Der Rat für Lohn- und Preisstabilität hat kürzlich eine Reihe von Zusammenkünften mit Unternehmern und Gewerkschaftsvertretern wichtiger Industriezweige wie Stahl, Automobile, Aluminium, Papier, Eisenbahn, Lebensmittelverarbeitung, Holz und Post- und Fernmeldewesen eingeleitet.

In Konsultation mit

dem Privatsektor und anderen wird der Rat feststellen, mit welcher Rate Preise,
Löhne und andere Kosten in den letzten Jahren gestiegen sind, wie die Aussichten für das kommende Jahr stehen und welche Schritte unternommen werden können,
um die Inflation zu dämpfen.
Ich möchte in diesem Punkt ganz offen sein. Ich bitte den amerikanischen
Arbeiter, dem Beispiel der Arbeiter beim Bund zu folgen und eine niedrigere
Lohnzuwachsrate zu akzeptieren. Dafür haben sie ein Recht, eine vergleichbare
Zurückhaltung bei den Preiserhöhungen für die Güter- und Dienstleistungen zu
erwarten, die sie kaufen. Unser nationales Interesse kann einfach keine unvernünftigen Lohn- und Preiserhöhungen ertragen. Ich bin verpflichtet, klar
und deutlich zu reden, wenn es um das Wohlergehen unseres Volkes geht.
Mitglieder meiner Regierung haben dieses Verlangsamungsprogramm bereits
mit einer Reihe führender Vertreter der Gewerkschaften, der Unternehmer und
der Industrie erörtert. Viele von diesen haben bereits ihre Mitarbeit zugesagt. Ich rechne damit, später mit führenden Vertretern der Unternehmen und

- 10 -

�und Gewerkschaften zusammentreffen, um über die Beiträge zu sprechen, die
dieseleisten können, um zur Senkung der Inflationsrate beizutragen.

Einer

der wichtigsten Beiträge, die sie leisten können, ist der, daß sie zeigen,
daß Zurückhaltung für alle gilt - nicht nur für die Männer und Frauen am Fließband, sondern auch für die Manager in der Firmenleitung.

So, wie ich die Ge-

hälter der obersten leitenden Bediensteten der Bundesregierung einfrieren werde,
so wird das amerikanische Volk eine ähnliche Zurückhaltung bei den führenden
Vertretern der amerikanischen Unternehmen und Gewerkschaften erwarten.

Ich bin entschlossen, die ganze Macht meines Amtes für das Ziel einer
Senkung der Inflation einzusetzen.

Wir müssen flexibel genug an die Dinge

herangehen, um uns auf die Schwankungen in unserer komplexen Wirtschaft einstellen zu können, - aber wir müssen die Dinge umfassend genug anpacken, um
die meisten Tätigkeiten unserer Wirtschaft zu erfassen.

Auf lange Sicht sollten wir spezielle Programme ausarbeiten, um auf einzelne Sektoren der Wirtschaft einzuwirken, wo Regierungsmaßnahmen die größtmögliche Wirkung im Sinne der Inflationsdämpfung haben.

Dazu gehören Wohnungs-

bau, Gesundheitsfürsorge, Ernährung, Verkehr, Energie und die Metallindustrie.
Die Mitglieder meines Kabinetts werden einzeln und auch zusammen mit dem Rat
für Lohn- und Preisstabilität arbeiten, um baldige Maßnahmen zur Verringerung
der Inflation innerhalb ihrer eigenen Zuständigkeitsgebiete zu entwickeln und
bekanntzugeben.

Um unsere Verlangsamungsziele auf dem privaten Sektor zu erreichen, ersuche ich meinen Sonderbeauftragten für HandelsVerhandlungen, Robert Strauss,
zusätzliche Aufgaben als Sonderberater für Inflationsfragen zu übernehmen.

Er

wird direkt mit mir, mit Finanzminister Blumenthal, meinem obersten Finanzsprecher, mit Charlie Schultze, dem Vorsitzenden des Rates für Lohn- und Preisstabilität, und dessen Direktor Barry Bosworth

zusammenarbeiten.

Er wird

Sondervollmachten haben, im öffentlichen Interesse für mich zu sprechen, und
er wird als Mitglied dem Steuerungsausschuß der wirtschaftspolitischen Gruppe
unter dem Vorsitz von Finanzminister Blumenthal angehören.
Die
- 11 -

�Die Senkung der Inflationsrate wird nicht leicht sein und nicht von
heute auf morgen erreicht werden.

Wir müssen uns selbst eingestehen, daß

wir mit dieser Herausforderung niemals fertig werden können, wenn wir uns
nicht einigen unangenehmen Tatsachen über uns selbst, über die Lösungen und
über unsere Probleme stellen.
• •

l

Die Probleme dieser Generation sind in gewisser Weise schwieriger als
jene der vorigen Generation.

Wir stehen vor keiner scharf zugespitzten Krise

oder Bedrohung, die uns unsere Meinungsverschiedenheiten vergessen lassen
und uns zur Verteidigung des gemeinsamen Guten zusammenführen könnte.
Wir wollen alle, daß etwas zur Lösung unserer Probleme getan wird außer natürlich, wenn uns die Lösungen selbst berühren.

Wir wollen Energie

einsparen - aber unsere verschwenderischen Gewohnheiten nicht ändern.
treten für Opfer ein - solange jemand anders sie zuerst bringt.

Wir

Wir wollen

Lücken in der Steuergesetzgebung schließen - es sei denn, es ist unsere
Lücke.

Wir verurteilen Sonderinteressen - außer unseren eigenen.
Kein Akt des Kongresses, kein Programm unserer Regierung, keine Ver-

ordnung von mir als Präsident kann die Eigenschaft hervorbringen, die wir
brauchen:

Von der Beschäftigung mit uns selbst, die unseren nationalen Wil-

len lähmen kann, zu einer Bereitschaft zu kommen, das gemeinsame Gute zu erkennen und Opfer dafür zu bringen.
Als sich die Nation vor fast 40 Jahren auf die Herausforderung des
Krieges vorbereitete, hat Walter Lippmann folgende Worte an das amerikanische
Volk gerichtet, und ich zitiere:
"Ihr habt die guten Dinge für selbstverständlich gehalten. Jetzt müßt
ihr sie euch erneut verdienen. Es steht geschrieben: Für jedes Recht, das
ihr in Anspruch nehmt, habt ihr eine Pflicht, die ihr erfüllen müßt. Für
alles Gute, das ihr euch wünscht, ... werdet ihr eure Bequemlichkeit opfern

�opfern müssen.

Es gibt nichts mehr für nichts."

Diese Worte der Ermahnung gelten sicherlich auch heute noch für uns.
Ich danke Ihnen.

- 13 -

�Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

19. April 1978

10

VANCE LEGT STANDPUNKT ZU RÜSTUNGSKONTROLLFRAGEN DAR
- Rede des US-Außenministers vom 10. April 1978 -

WASHINGTON - (AD) - Außenminister Cyrus Vance hat in einer Rede
vor dem amerikanischen Zeitungsverlegerverband am 10. April 1978 den
Stand der amerikanischen Bemühungen um eine Rüstungskontrolle und Abrüstung aufgezeigt.

Die Rede des amerikanischen Außenministers hat

folgenden Wortlaut:
Ich freue mich über diese Gelegenheit, heute mit Ihnen zusammenzutreffen. Ich möchte mit Ihnen über ein Thema sprechen, das für die
Sicherheit unserer Nation von lebenswichtiger Bedeutung ist - die Bemühung, das gefährliche und kostspielige Wettrüsten durch wirksame
Rüstungskontrolle zu verlangsamen.
Das ist eine Bemühung, von deren Notwendigkeit wir zutiefst überzeugt sind. Meine Jahre im Verteidigungsministerium, meine Tätigkeit
als privater Bürger in der Untersuchung militärischer Fragen und meine
Erfahrung als Außenminister haben mir eine Tatsache immer klarer werden
lassen:

Eine starke Verteidigung und wirksame Rüstungskontrolle sind

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432
D5300 Bonn 2

�sind keine getrennten Wege zur nationalen Sicherheit, sondern beides
sind entscheidend wichtige Schritte auf dem gleichen Wege.
Die Sicherheit unserer Nation hängt weiterhin von einer starken
modernen militärischen Verteidigung ab, die in der Lage ist, das ganze
Spektrum unserer militärischen Erfordernisse zu erfüllen.
in der Vergangenheit über diese Stärke verfügt.

Wir haben

Wir besitzen sie heute,

und wir werden sie aufrechterhalten.
Wir können jedoch unsere Sicherheit nicht durch militärische Stärke
allein gewährleisten.

Wenn eine Seite neue Waffensysteme beschafft,

dann wird die andere Seite nur dazu angeregt, noch ausgeklügeltere Gegenmaßnahmen zu entwickeln.

Das bedeutet praktisch die Ausweitung von

Waffensystemen auf beiden Seiten, ohne daß die Sicherheit der einen oder
anderen Seite wirklich zunähme.
Wenn ich im Laufe des letzten Jahres mit führenden Persönlichkeiten
in der ganzen Welt zusammengetroffen bin, dann habe ich festgestellt,
daß viele von ihnen diese Vorstellung teilen. Sie können und werden es
nicht zulassen, daß ihre Länder gegenüber einer militärischen Bedrohung
verwundbar werden. Aber sie sind sich auch darüber im klaren, daß die
schwere Last des militärischen Wettstreits begrenzte Mittel und Energien
von der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung abzieht, auf
der der Frieden ebenfalls beruht.
Die Bemühungen, das Wettrüsten durch beiderseitige und ausgewogene
Zurückhaltung zu verlangsamen, ist unter den letzten sieben amerikanischen
Präsidenten - Demokraten und Republikanern - oin zentrales Element der
Sicherheitspolitik unseres Landes gewesen.
- Präsident Kennedy schloß, auf den Bemühungen der Präsidenten
Truman und Eisenhower aufbauend, im Jahre 1963 das erste Rüstungskontroi 1abkommen mit der Sowjetunion, das den Kernwaffenversuchen in der Atmosphäre

- 2 -

�Atmosphäre und der damit verbundenen Verseuchung Einhalt gebot.

An-

schließend schlössen wir Abkommen über das Verbot von Kernwaffen mit den
anderen Massenvernichtungswaffen auf dem Meeresboden und im Weltraum.
- Der im Jahre 1968 abgeschlossene Atomwaffensperrvertrag (NonProliferationsvertrag) ist heute für über 100 Länder bindend. Er hat
zwar sicherlich das Schreckgespenst der nuklearen Proliferation nicht
gebannt, aber er hat das Ziel der Non-Proliferation wesentlich näher
gerückt.
- Seit dem ersten Vorschlag Präsident Johnsons haben wir weitergefaßte Gespräche über die Begrenzung strategischer Rüstungen (SALT) geführt. Diese Verhandlungen kamen während der Nixon-Administration zu
einem erfolgreichen Abschluß und brachten eine wesentliche Einschränkung
der Dislozierung von Raketen-Abwehrsystemen (ABM-Systemen) sowohl durch
die Vereinigten Staaten als auch durch die Sowjetunion. Solche Systeme
wären sehr kostspielig gewesen und hätten nur neue Unbekannte in die
strategische Gleichung eingebracht. SALT-I brachte auch die erste Begrenzung in der Zahl der Offensivwaffen.
Wir führen heute RüstungskontrollVerhandlungen in einem weiteren
Bereich als je zuvor in unserer Geschichte, denn die Chancen die wir
nutzen können, und die Herausforderungen, vor denen wir stehen, sind
größer als zuvor.
Wenn wir diese Verhandlungen führen, müssen wir realistisch sein
hinsichtlich dessen, was wirksame Rüstungskontrollen für unsere Sicherheit bringen und was sie nicht bringen. Wenn wir nämlich Rüstungskontroi 1maßnahmen mit unrealistischen Maßstäben messen, könnten wir die Möglichkeit verlieren, praktische Fortschritte zu erzielen.
- Kein einzelnes Rüstungskontroi labkommen wird alle, ja nicht einmal

�einmal die meisten der potentiellen Bedrohungen der amerikanischen und '-*'
alliierten Streitkräfte beseitigen.

Aber indem wir Umfang, Art und

Richtung von Rüstungsprogrammen auf beiden Setien kontrollieren, können
wir die Ungewißheiten verringern, die das Wettrüsten anheizen.
- In absehbarer Zukunft wird die Rüstungskontrolle unseren Verteil
digungshaushalt nicht augenfällig verringern.
reichende Verteidigung werden hoch bleiben.

Die Kosten für eine ausAber die Belastung unserer1

Mittel durch ein uneingeschränktes Wettrüsten wäre sehr viel größer.
- Rüstungskontrolle allein kann die Stabilität des amerikanischsowjetischen Verhältnisses nicht garantieren.

Wir werden weiterhin

in Konkurrenz stehen, denn wir haben auf vielen Gebieten unterschiedliche Interessen und Werte.

Wir brauchen uns jedoch hinsichtlich der

sowjetischen Macht oder Absichten nichts vorzumachen, um zu erkennen,
daß wir als Bewohner des gleichen Planeten, die sich in eine furchtbare Macht teilen, ein gemeinsames Interesse daran haben, die ernstesten
Risiken für unser überleben zu verringern.
- Rüstungskontrolle allein wird die regionalen Spannungen, die
den Frieden bedrohen, nicht beilegen.

Aber indem wir den Stand der

militärischen Konfrontation abbauen und die Ausbreitung neuer Waffentechnologien regulieren, können wir die regionale Stabilität fördern
und Mittel für die Aufgabe der Verbesserung der menschlichen Verhältnisse freisetzen.
Es gibt klare Grenzen dessen, was wir von Rüstungskontrolle erwarten
dürfen. Aber es ist ebenso klar, daß Rüstungskontrolle, wenn sie bewußt und maßvoll betrieben wird, wesentlich zur Verringerung der Kriegsaussichten beitragen wird.
Darum bin ich sfc nachdrücklich überzeugt, daß unsere Sicherheit
am besten durch eine Politik der Stärke in unserer nationalen Verteidigung

- 4 -

�Verteidigung und durch praktische Rüstungskontroi labkommen gestützt
wird, die die Gefahren eingrenzen, auf die wir reagieren müssen und immer
reagieren werden.
Wie Präsident Carter in seiner Rede in Wake Forest erklärt hat:
"Rüstungskontrollabkommen sind ein Hauptziel als Instrumente unserer
nationalen Sicherheit, aber dies wird nur möglich sein, wenn wir einen
angemessenen Stand der Streitkräfte aufrechterhalten."

SALT
Lassen Sie mich zunächst auf die Verhandlungen; über eine Begrenzung der
strategischen Rüstungen mit der Sowjetunion eingehen.
Jedes SALT-Abkommen muß mit dem Maßstab unserer nationalen Sicherheit gemessen werden. Es muß unsere Gesamtsicherheit im Vergleich zu '
der wahrscheinlichen Situation ohne ein Abkommen eindeutig aufrechterhalten oder verbessern. Es muß die Interessen unserer Verbündeten ebenso
in Rechnung stellen wie die unseren. Und wir müssen Vertrauen in unsere
unabhängige Fähigkeit haben, die sowjetische Einhaltung eines Abkommens
ausreichend zu verifizieren und jeden Verstoß des Abkommens festzustellen,
der uns einen strategischen Nachteil bringen könnte.
Wir sollten und werden kein Abkommen akzeptieren, das diese wesentlichen Voraussetzungen nicht erfüllt.
Wir haben im vergangenen Jahr wesentliche Fortschritte zu einem
solchen Abkommen gemacht.
schiedenheiten.

Es bleiben aber noch wichtige Meinungsver-

Ich werde Ende dieses Monats mit den sowjetischen

Führern in dem Bemühen zusammentreffen, diese verbleibenden Differenzen
einzuengen.

Ich hoffe, daß wir in naher Zukunft ein Abkommen erreichen

- 5 -

�erreichen können.

Aber wir werden solange weiter verhandeln, wie es

nötig ist, um ein SALT-Abkommen zu erlangen, das unsere Sicherheit und
die Sicherheit unserer Verbündeten fördert.
Lassen Sie mich erklären, was das Abkommen, das wir auszuhandeln*
suchen, bringen und wie es unsere Sicherheit stärken würde.
!;''
Erstens, es würde beiden Seiten gleiche Grenzen in der Gesamtzahl
der strategischen Raketenabschußeinrichtungen und der strategischen Bomber
setzen.

Wie Sie wissen, behielten im Rahmen des ersten SALT-Abkommens

die Sowjets größere Zahlen als die Vereinigten Staaten.

Im Anschluß

an jenes Abkommen verlangte der Kongreß, daß jedes neue Abkommen auf gleichen
Zahlen aufgebaut sein muß.. Dieses Abkommen würde diesen Grundsatz fest
einbauen.
Zweitens, das Abkommen würde die Zahl der strategischen Waffen
unter den jetzigen Stand der Sowjets senken - und sehr viel weit unter
das, was sie ohne Abkommen besitzen können.

Es würde von den Sowjets

verlangen, einige hundert Waffen zu vernichten.

Für uns wäre es nicht

erforderlich, irgendwelche derzeit operativen Waffen zu zerstören.

&gt;fl ri

Drittens, das Abkommen würde unterteilt Grenzen für jene Systeme
setzen, die wir als bedrohlichste und destabilisierendste betrachten,,
wie etwa Interkontinentalraketen (ICBM) mit Mehrfachgefechtsköpfen
(MIRV) und ballistische Raketen mit Mehrfachgefechtsköpfen überhaupt.
Viertens, wir versuchen, Beschränkungen für die Verbesserung bestehender Waffen und die Entwicklung neuer und noch ausgeklügelterer
Systeme zu setzen.
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Fünftens, das,Abkommen, über das wir verhandeln, würde es den
Vereinigten Staaten erlauben, wesentliche Optionen für die Modernisierung
unserer Streitkräfte zu erhalten. Es würde uns speziell erlauben, unsere

6

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�#

unsere großen Entwicklungsprogramme wie den Marschflugkörper (Cruise
Missiles) und die MX-Rakete und das Trident-Programm fortzusetzen.
Sechstens, es würde die Interessen unserer Verbündeten schützen.
Im Bewußtsein des Zusammenhangs zwischen strategischen Rüstungskontroi 1verhandlungen und unseren Sicherheitsverpflichtungen gegenüber der NATO
haben wir uns bei jedem Schritt der Verhandlungen eng mit unseren Verbündeten konsultiert,und wir werden dies auch weiterhin tun.
Und letztlich beharren wir auf einem Abkommen, daß unabhängig und
in befriedigender Weise verifizierbar ist. Unsere Fähigkeit zur
Verifizierung muß genügend zuverlässig sein, um vor jeder möglichen
Verletzung abzuschrecken und mit ihr fertigzuwerden, bevor sie eine
wesentliche Auswirkung auf das strategische Kräfteverhältnis hat. Wir
müssen in der Lage sein, uns selbst Gewißheit zu verschaffen, daß sich
die Sowjets an ihre Verpflichtungen halten.
•

Wir und die Sowjets wissen beide, welche fürchterlichen Zerstörungen durch einen Nuklearkrieg hervorgerufen würden.
Wir wissen beide, daß jeder letztlich mit dem anderen Schritt halten
wird, wenn das Wettrüsten weitergeht.
Deshalb hoffen wir, daß wir trotz der Tatsache, daß wir beide bewußt unser eigenes Selbstinteresse verfolgen - trotz der fundamentalen
Unterschiede, die zwischen uns bestehen - in der Lage sein werden, gemeinsamen Boden für eine Begrenzung unserer zerstörerischen Waffen zu
finden.

Das Wesen dieser Verhandlungen besteht in der Beiderseitigkeit

der Vorteile.

Eine Vereinbarung, die der einen Seite Vorteile auf Kosten

der anderen verschafft, ist nicht akzeptabel.
Wenn es nicht gelingt, ein gerecht ausgewogenes Abkommen zu erreichen, dann könnte dies auf beiden Seiten zu neuen Waffenprogrammen

- 7 -

�Waffenprogrammen führen mit einer entsprechenden Erhöhung der Kosten :v
von mehreren Milliarden DolTar pro Jahr -aber nicht mehr, sondern vielleicht weniger Sicherheit.

Unsere Administration ist bereit, den zu-

sätzlichen Preis für die.Aufrechterhaltung unserer Sicherheit zu ber
zahlen.

Ich bin überzeugt, daß der Kongreß und das amerikanische Volk

bereit sind, diesen Preis zu bezahlen.

Aber ein wirksames SALT-Ab-

kommen kann uns dabei helfen, das strategische Gleichgewicht auf einem
verringerten Stand der Kosten und des Risikos aufrechtzuerhalten.

Rüstungskontrolle auf dem Gebiete der Satellitenabwehr

••; -.;'

v. .

Neben den SALT-Gesprächen gibt es zahlreiche andere Aspekte des
Wettrüstens, denen wir uns zuwenden müssen.

Eine Ausdehnung des Wett-

rüstens auf den Weltraum würde sowohl unsere Sicherheit als auch die
anderer Nationen untergraben.

Die Beweise dafür, daß die Sowjetunion

eine Anti-Satelliten-Kapazität entwickelt, sind bestürzend.

Wir sind

darauf vorbereitet, uns gegen eine solche Bedrohung zu schützen, und
es, sollte dies notwendig sein, mit den Sowjets aufzunehmen.

Aber wir

würden es weitaus vorziehen, ein Anti-Satelliten-Wettrüsten zu verhindern.
Wenn es auch zahlreiche Probleme hinsichtlich der Festlegung wirksamer und verifizierbarer Grenzen gibt, so ist dies dennoch ein Gebiet
für die Rüstungskontrolle.
Wir haben den Sowjets Gespräche vorgeschlagen, die darauf abzielen, , i
die Anti-Satelliten-Tests auszusetzen und den Weltraum für eine freie
und friedliche Nutzung offenzuhalten.

Ich kann heute bestätigen, daß die

Sowjetunion vor kurzem unseren Vorschlag akzeptiert hat und daß die
Gespräche im kommenden Monat beginnen werden.

Ein

�Ein umfassendes Testverbot
Wir stehen ferner mit der britischen und der sowjetischen Regierung
in Verhandlungen über ein umfassendes Verbot nuklearer Versuche. Bei
diesen Gesprächen wurde ein gewisser Fortschritt erzielt, obwohl immer
noch Probleme verbleiben.

Die Erreichung eines solchen Verbotes würde

die Wahrscheinlichkeit einer weiteren nuklearen Proliferation verringern,
indem die Nuklearwaffenmächte ihre Ernsthaftigkeit demonstrieren, eine
Zurückhaltung bei ihren eigenen Aktivitäten zu akzeptieren.
Wir haben uns verpflichtet, einen solchen Vertrag anzustreben.
Er muß in angemessener Weise verifizierbar sein. Und wir werden sicherstellen, daß wir weiterhin auf die Verläßlichkeit unserer nuklearen
Sprengköpfe vertrauen können.

Rüstungskontrolle in Europa
.

So wie wir dabei sind, Abkommen auszuhandeln, die die Sicherheit
der Verbündeten auf dem Gebiete der strategischen Waffen fördern können,
so zielen auch die MBFR-Gespräche in Wien darauf ab, unsere gemeinsame
Sicherheit in Europa zu verstärken.

In den vergangenen Jahren haben

die Sowjetunion und andere Länder des Warschauer Paktes ihre Truppen
und ihr Waffenmaterial bis zu einem Punkt ausgebaut, wo das regionale
Gleichgewicht für uns und unsere Verbündeten zu einer wachsenden Besorgnis
geworden ist.
Unser zentrales Ziel bei den Wiener Gesprächen ist es, die Grundsätze der Parität und der Kollektivität der Streitkräfte in Mitteleuropa zu kodifizieren. Wir und unsere NATC-Verbündeten haben es der
Sowjetunion klargemacht, daß wir nur ein Abkommen akzeptieren werden,
das die Sicherheit des gesamten Gebietes fördert.

Diese
- 9 -

�Diese Gespräche sind nur äußerst langsam vorangekommen.

Es ist

jedoch wichtig, daß wir auf ein Abkommen in diesem Bereich hinarbeiten,
selbst wenn wir über SALT verhandeln.
Wir und unsere Verbündeten werden demnächst eine neue Anstrengung
unternehmen, um die Gespräche produktiver zu gestalten.

Es ist für

die Staaten des Warschauer Paktes an der Zeit, durch sinnvolle Maßnahmen
dazu beizutragen, daß diese Gespräche vorankommen.
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Während wir uns um Fortschritte bei diesen Gesprächen bemühen,
haben wir uns gleichzeitig zur Modernisierung und Stärkung der NATOStreitkräfte verpflichtet» und wir sind dabei, konkrete Maßnahmen zur
Erreichung dieses Ziels zu ergreifen. Die USA haben in ihrem gegenwärtigen Budget den Nachdruck auf die NATO-Verteidigung wesentlich verstärkt. Gemeinsam mit unseren Verbündeten führen wir neue taktische
Flugzeuge,neue Generationen von Panzer mit erhöhter Treffsicherheit
ein. Die Staats- und Regierungschefs der NATO werden im Mai in
Washington zusammenkommen, und eines der Hauptthemen wird ein langfristiges Programm zur Verbesserung der Verteidigung des Bündnisses
sein.
Wie Sie wissen, hat der Präsident nach Beratungen mit unseren Verbündeten und mit ihrer vollen Unterstützung die Produktion von Waffen
mit verstärkter Strahlenwirkung (Neutronenwaffe) aufgeschoben. Gleichzeitig hat er die Modernisierung des Lance-Raketen-Gefechtskopfes und
des 8 Inch-Waffensystems angeordnet, um die Option für die Einführung
des Elements der verstärkten Strahlung offenzuhalten. Seine endaültige
Entscheidung wird, wie er ausgeführt hat, dadurch beeinflußt, "in welchem
Ausmaß die Sowjetunion in ihren konventionellen und nuklearen Rüstungsprogrammen und Streitkräftedislozierungen, die die Sicherheit der
Vereinigten Staaten und Westeuropas berühren; Zurückhaltung zeigt".
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Die globale

"

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�Die globale Dimension
Eine weitere Bedrohung des Friedens liegt in der Zunahme und der
Verbreitung von Waffen in aller Welt.
Auf lange Sicht gesehen ist die friedliche Beilegung regionaler
Streitfälle der sicherste Weg, um die Nachfrage nach Waffen zu reduzieren.
Wir werden auch weiterhin unsere Anstrengungen fortsetzen, um dazu beizutragen, daß dauerhafte Lösungen solcher Streitfragen gefunden werden.
Und wir werden auch weiterhin darauf drängen, daß von Seiten der Großmächte Zurückhaltung geübt wird, damit lokale Konflikte nicht noch verschlimmert werden. Aber wir müssen auch Zurückhaltung hinsichtlich der
Zunahme der Waffen üben.
- Erstens

wir haben zusätzlich zu unseren Bemühungen um eine Be-

grenzung der weiteren nuklearen Proliferation mit Hilfe eines umfassenden
Versuchsverbotes damit begonnen, neue Technologien und neue institutionelle
Vorkehrungen zu prüfen, die die Länder der Welt in den Stand setzen werden,
die Kernenergie zu bändigen, ohne diese tödlichsten Instrumente des
Krieges weiter zu verbreiten.
- Zweitens, wir legen einen neuen Nachdruck auf die Kontrolle des
internationalen Handels mit konventionellen Waffen. Wir werden auch
weiterhin Waffenlieferungen vornehmen, um unsere eigenen Sicherheit und
die unserer Freunde zu fördern. Gleichzeitig aber beginnen wir damit,
den Fluß unserer eigenen Waffenexporte zu überprüfen.
Weil wir uns darüber im klaren sind, daß eine Verlangsamung des
konventionellen Wettrüstens nicht durch die USA allein erreicht werden
kann, erörtern wir mögliche miltilaterale Maßnahmen mit anderen Waffenlieferanten, und wir ermutigen die Käuferländer, regionale Abkommen
einzugehen, durch die der Rüstungswettlauf begrenzt wird.
Ich freue
- 11 -

�Ich freue mich, Ihnen heute erklären zu können, daß die Sowjetunion
zugestimmt hat, die Gespräche mit uns über eine Zurückhaltung hinsichtlich
der konventionellen Waffenverkäufe fortzusetzen.

Dies ist ein wichtiger

Schritt in unseren Bemühungen, eine ernsthafte internationale Diskussion
über eine Mlltllaterale Zurückhaltung in dieser Beziehung zustandezubringen.
- Drittens, wir sind bemüht, die Verbreitung und den Einsatz neuer &gt;i
Waffensysteme zu begrenzen, deren Auswirkung auf die Zivilbevölkerung
besonders tödlich ist.

über biologische, chemische uru umweltgefährdende

Waffenverträge ist verhandelt worden oder v.ird verhandelt.

Der un-&gt;

differenzierte und willkürliche Charakter zahlreicher Waffen dieser
Kategorien ist so schwerwiegend, daß praktisch alle Länder darin übereinstimmen, daß man für immer auf diese Waffen als Instrument des Krieges
verzichten sollte.
- Viertens, wir bemühen uns, ein Wettrüsten und eine Ausbreitung
(dieses Wettrüstens) durch eine Rivalität der Großmächte auf Gebiete
zu verhindern, die in der Vergangenheit weitgehend frei von einer
solchen Rivalität waren. Wir haben Verhandlungen mit der Sowjetunion
aufgenommen, um ein Wettrüsten im Indischen Ozean zu verhindern. Unser
Ziel ist erstens, die militärische Präsenz beider Seiten auf der Ebene
zu stabilisieren, die bis vor kurzem üblich war, um dann mögliche Re^
duzierungen in Erwägung zu ziehen. Der Aufbau der sowjetischen Seestreitkräfte in diesem Gebiet besorgt uns jedoch zutiefst, und wir werden
eine verstärkte sowjetische Präsenz zur See als Teil eines solchen Ab- •
kommens nicht akzeptieren.

Zusammenfassung
Jede der Rüstungskontrollanstrengungen, die ich hier erörtert habe,

�habe, ist dazu bestimmt, die Sicherheit und das Wohlergehen von Amerikanern
und von anderen überall in der Welt zu erhöhen.
Das Wettrüsten ist heute äußerst schwierig zu erfassen, und militärische Beurteilungen müssen häufig auf der Grundlage komplexer
Kalkulationen getroffen werden.

Aber wir dürfen nicht zulassen, daß

technische Debatten die einfachen Wahrheiten und den gesunden Menschenverstand verdunkeln, die immer hinter diesen Kalkulationen stehen müssen.
- Wir müssen eine militärische Verteidigung aufrechterhalten, die
keiner anderen unterlegen ist.

Wir verfügen über die menschlichen und

physischen Ressourcen, über das Wissen und den Willen, um dies zu tun.
- Wir müssen uns darüber im klaren sein, daß keine Nation Gewinne
erzielt und daß keiner sicherer ist, wenn alle ihre Ressourcen für noch
zerstörerische Waffen einsetzen. Wir alle gewinnen und wir alle sind
sicherer, wenn pragmatische, gerechte Abkommen zur Eindämmung des Wettrüstens erreicht werden können.
Das ist ein langfristiger Prozess. Wir werden mit anderen zusammenarbeiten, um diese Anstrengung zu fördern - in den Gesprächen zwischen
Ost und West, auf der Sondersitzung der Vereinten Nationen über Abrüstung,
die im nächsten Monat beginnt, und in anderen Gremien.
Ich habe heute zu Ihnen über die Rüstungskontrolle gesprochen, weil
Sie in den kommenden Monaten und Jahren dabei eine entscheidende Rolle
spielen werden. Ihre Ansichten und Darlegungen werden mitentscheiden
helfen, ob wir unsere vernünftige und historische Politik der Suche nach
Sicherheit durch Rüstungskontrolle und ein stabiles Gleichgewicht aufrechterhalten.
Es gibt Leute in unserem Lande, die diesen Kurs anzweifeln - einige,

- 13 -

�einige, weil sie zu viel von Rüstungskontrollmaßnahmen erwarten, andere,
weil sie glauben, daß dadurch zu wenig erreicht werden könnte.

Die-

jenigen, die zu viel erwarten, werden enttäuscht sein, wenn solche Abkommen nicht zu einer Beendigung des Wettrüstens führen.

Diejenigen,

die der Ansicht sind, daß solche Abkommen der Anstrengung nicht wert
sind, unterbewerten deren Ergebnisse.
Ich hoffe, daß Sie sich meine Aussage hier vor Augen halten werden daß nämlich die Vorteile der Rüstungskontrolle nicht unbegrenzt sind,
daß es jedoch ungeheuer wichtige und praktische Vorteile gibt, die nur
durch Rüstungskontrollmaßnahmen erreicht werden können.
Ich ersuche Sie alle, sich den Unterschied zwischen einer Welt mit
einem SALT-Abkommen vor Augen zu führen, wie ich es hier beschrieben
habe, und einer Welt ohne eine Begrenzung der strategischen Waffensysteme
einer Welt, in der wir damit begonnen haben, das militärische Verhältnis
in Mitteleuropa in einem annehmbaren Gleichgewicht zu stabilisieren,
und einer Welt, in der dies nicht der Fall ist; einer Welt, in der wir
dabei sind, einem militärischen Wettlauf im Weltall Einhalt zu gebieten,
oder den internationalen Lieferungen konventioneller Waffen gewisse
Grenzen zu setzen oder die Gefahr einer nuklearen Proliferation zu begrenzen, und einer Welt, in der wir solche Maßnahmen nicht erreichen
können.
Auf lange Sicht gesehen hängt die Sicherheit eines jeden Amerikaners
davon ab, daß wir die gleiche Entschlossenheit, die gleiche sorgfältige
Planung und die gleiche kontinuierliche Energie auf die große Aufgabe
verwenden, das Wettrüsten unter eine vernünftige Kontrolle zu bringen,
wie wir dies auch für die Entwicklung neuer Waffen zu unserem Schutze
tun. Unsere große Aufgabe, die Aufgabe für alle Nationen, ist es ( sicherzustellen, daß der technische Erfindungsreichtum des Menschen durch Klugheit und Weisheit geleitet wird.
+ + + + +

- 14 -

�19. April 1978

10

20 JAHRE WISSENSCHAFTSAUSSCHUSS DER NATO

- (AD) - Der Wissenschaftsausschuß der NATO, der mit seiner Arbeit
viel dazu beigetragen hat, die Zusammenarbeit im Bündnis auf nicht-militärischem Gebiet stetig auszuweiten, bestand am 19. Dezember 1977 genau
20 Jahre. Auf einer dreitägigen Konferenz des Ausschusses in Brüssel vom
11. - 14. April 1978 anläßlich dieses Jubiläums, würdigten Wissenschaftler
und andere Teilnehmer aus NATO-Ländern die wichtigsten Leistungen auf wissenschaftlichem und technologischem Gebiet im Verlauf der letzten zwei Jahrzehnte. Aber auch der sich wandelnde Charakter und die veränderte Rolle von
Wissenschaft und Technik wurden kritisch erörtert, ebenso mögliche künftige
Wechselwirkungen zwischen wissenschaftlichem Fortschritt und Gesellschaft.
Seit 20 Jahren fördert der Ausschuß wissenschaftliche Programme in
weiten Bereichen mit Forschungsbeihilfen, Stipendien und Seminaren, um den
Stand der Wissenschaft in Mitgliedstaaten zu festigen und das Niveau weiter
zu heben. In einer Grußbotschaft Präsident Carters, die Dr. Frank Press,
Präsidialbeirat für Wissenschaft und Technologie, überbrachte, hat der Präsident der Vereinigten Staaten auf die Mittlerrolle dieses NATO-Ausschusses
für den freien Ideenaustausch zwischen Wissenschaftlern aller Nationen und
für den verstärkten Zusammenhalt der gesamten wissenschaftlichen Welt hingewiesen. Das Stipendienprogramm sei das umfangreichste und erfolgreichste

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�erfolgreichste seiner Art überhaupt.

Es habe den Anstoß zur Einführung ähn-

licher Programme in den Partnerländern gegeben.

In der Meeresforschung und

Meteorologie, auf den Gebieten der Ökologie, der Computerwissenschaften und
einer Reihe anderer wichtiger Sektoren habe es bedeutsame neue Forschungsaktivitäten in Gang gebracht.
"Solche Bemühungen der NATO-Gemeinschaft zur Ausweitung der Grenzen
wissenschaftlicher

Erkenntnis", so heißt es in der Botschaft Carters»"sind

eine bindende Kraft für den Zusammenhalt des Bündnisses.

Sie haben die von

den Verbündeten in Artikel 2 des Nordatlantikvertrages eingegangene Verpflichtung, die 'Entwicklung friedlicher und freundschaftlicher internationale Beziehungen1 zu fördern, mit Leben erfüllt."

+ + + + +

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1
I

Wi//en/chaft
und Technik
international Communication Agency
Embassy of the United States of America

10

19. April 1978

VERBESSERTE FERNERKUNDUNG AUS DEM WELTRAUM
LANDSAT 3 mit neuem Infrarot-Scanner für Landwirtschaft, Gewässerbeobachtung, Boden- und Gesteinsforschung

- (AD) - Am dritten amerikanischen Fernerkundungssatelliten LANDSAT,
der seit dem 5. März 1978 die Erde auf einer polaren Bahn umkreist, wurde
kürzlich der neuartige Infrarot-Scanner aktiviert. Er erfaßt die langwelligen Infrarot-Strahlungen und mißt somit Teperaturen an der Erd- und
Wasseroberfläche. Das bedeutet, daß speziell warme und kalte Strömungen,
warme Abwässer, geothermische Quellen (z.B. für Thermalbäder oder für die
Energiegewinnung), Kaltluftströme (für die Raumplanung wichtig!), Anzeichen für bevorstehende Vulkanausbrüche und Quellaustritte beobachtet
werden können. Planungen zur Grundwasserschließung
Satellitendaten erleichtert.

werden mit Hilfe der

Von ganz besonderer Bedeutung dürften diese jedoch für die Zustandsanalyse von Feld- und Waldkulturen mit Informationen über Reifegrad oder
Krankheiten und schließlich für die Typenbestimmung von Böden und Gesteinen sein, was sowohl die bestmögliche Bodennutzung als auch die

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�die Rohstoffsuche vereinfacht.

Eine Reihe von Entwicklungsländern nutzt

schon die bisherigen LANDSAT-Daten ausgiebig für Zwecke der Exploration,
der geographischen und geologischen Bestandsaufnahme, für topographische
und kartographische Zwecke.

Schon die ersten beiden LANDSAT-Geräte, die

ebenso wie LANDSAT-3 noch zu den experimentellen Erderkundungssatelliten
zählen, gaben ihnen die Möglichkeit, mühsame Einzelerkundungen einfach zu
überspringen und statt dessen ganz gezielt nach bestimmten Rohstoffen zu
suchen oder umfangreiche Landerschließungsaufgaben in Angriff zu nehmen.
Die USA haben viel Forschungs- und Entwicklungsarbeit in das Projekt
"Fernerkundung" gesteckt.

Die Aufbereitung und Interpretation der Daten-

flut wurde laufend verbessert und teilweise vereinfacht, die Kontrolle
der Messergebnisse durch örtliche und regionale Beobachtungen am Boden
ständig verfeindert.

Für den Bereich der Vereinigten Staaten kann heute

auf Grund der LANDSAT-Meßdaten die Art der Feldkulturen bei großen
Flächen mit 95%, bei kleineren oder stark untergliederten Flächen mit
75-80% Genauigkeit angegeben werden.

Im Verein mit meteorologischen und

anderen Daten lassen sich bemerkenswert exakte Voraussagen des Ernteertrages machen.

Im Mittelwesten der USA wurde mittels Bildaufbereitung

durch Computer die Bodenkartierung im Maßstab 1:24 000 möglich.
Mehr als 120 Länder sind Kunde beim amerikanischen LANDSAT-Datenzentrum. Zwei Drittel von ihnen sind Entwicklungsländer, der größte
Einzelkunde ist die Sowjetunion. Aber auch die großen ölgesellSchäften
interessieren sich immer mehr für die Fotos und die Multispektralaufnahmen, die LANDSAT-2 und 3 zur Erde funken. LANDSAT-1, am 23. Juli 1972
gestartet, hat bis zum Ende seiner "Lebensdauer" nach mehr als fünf
Jahren ca. 300 000 Aufnahmen von jeweils 185 x 185 km großen Flächen
übermittelt. Die Erdoberfläche wird dabei in einer Anzahl von Spektralbereichen abgetastet; aus den ursprünglichen Schwarzweiß-Bildern mit
unterschiedlichen Helligkeitswerten werden mittels Projektion durch bestimmte Farbfilter und anschließendes Aufeinanderkopieren die aussageträchtigen Farbbilder hergestellt.
So ist

�So ist es inzwischen möglich geworden, anhand solcher Bilder, die
sich aus dem von der Erde reflektierten Licht zusammensetzen, mehr als
30 verschiedene Gesteinsarten zu identifizieren.

Wissenschaftler in

Bolivien kartieren danach z. Zt. ihr Land und seine natürlichen Hilfsquellen wie Wälder, Böden und mögliche Mineral- und Ölvorkommen.

Mexiko

hat mehrere Millionen Hektar gutes oder relativ gutes Ackerland, dazu
6,5 Millionen Hektar Land ausfindig gemacht, das sich im Zustand fortgeschrittener Erosion befindet.

Kanada entdeckte 42 Waldbrandgebiete.

Und Brasilien benutzte LANDSAT-Daten, um die Erschließung weiterer Gebiete des Amazonas-Urwaldes für die Gewinnung von Weideland zu überwachen.
Außerdem wurde in Westbrasilien eine riesige Region entdeckt, die unterirdisch große Wassermengen enthalten könnte.
und vulkanische Gebiete.

Island kartierte geothermisc

Pakistanische Wissenschaftler haben Lager-

stätten von Kupfererzen gefunden.

Im Ägyptern stellte man fest, daß mit

Hilfe der LANDSAT-Daten die kartographische Erfassung des Landes mit
dreimal höherer Genauigkeit im Detail möglich ist.

Die Vereinten Nationen

suchen mittels LANDSAT-Aufnahmen nach Land, das sich für die landwirtschaftliche Erschließung eignet.
Dies sind nur einige Beispiele von vielen. LANDSAT-3 hat zum
ersten Mal zwei Reflexlicht-Vidicon-Kameras an Bord, deren Aufnahmen
noch 40 m große Flächen auf der Erde voneinander unterscheiden lassen.
Gegenüber den Kameras der beiden Vorgänger ist das Auflösungsvermögen
doppelt so groß. Diese Aufnahmen machen 20 - 25 Prozent aller zur Erde
gefunkten Multispektral-Aufnahmen aus. Dazu kommen die Abtastbilder
der Sensoren, die von Wellenlängenbereichen im Ultraviolett bis zum
kurzwelligen Infrarot reichen und mindestens 80 m große Flächen oder
Objekte auf Grund ihrer spezifischen Rückstrahlung erkennen lassen, sowie
der neue langwellige Infrarotscanner mit einem Auflösungsvermögen von
237 m. Er ermöglicht im Gegensatz zu den übrigen Sensoren auch Aufnahmen
auf der Nachtseite der Erde und liefert Informationen über die Wärmeabgabe
von Gesteinen, Böden und Wassermassen.
Auch die

�Auch die Datenverarbeitung wird in Verbindung mit LANDSAT-3 wesentlich
verbessert:

Neben der sehr viel höheren Bildqualität wird in etwa einem

Jahr die Zeit zwischen der Aufnahme und der Weitergabe des aufbereiteten
Bildes nur noch zwei Wochen - anstatt, wie bisher, 5 bis 7 Wochen - betragen.

Mit LANDSAT-2 wurde LANDSAT-3 inzwischen durch Kurskorrekturen so

synchronisiert, daß ein bestimmtes Beobachtungsfeld auf der Erde jeweils
von einem der beiden Satelliten alle neun Tage zur gleichen Stunde und
unter gleichem Beobachtungswinkel relativ zur Sonne überflogen wird.

Der

Zeitraum zwischen zwei Aufnahmen unter diesen Bedingungen, der für jeden
dieser Satelliten auf polarer Bahn 18 Tage beträgt, wurde somit halbiert,
so daß Veränderungen besser überwacht werden können.
Neben der Erfassung von Rohstoffquellen, geologischen Strukturen
und der Beschaffenheit von Böden ist die Überwachung des menschlichen
Lebensraumes eine wichtige Aufgabe der Fernerkundungssatelliten. Deshalb
werden jetzt auch immer mehr Anstrengungen darauf verwandt, industrielle
Schmutz- und Schadstoffe in der Luft und ihre Quellen ausfindig zu machen.
Das LANDSAT-Programm und seine Nachfolgeprogramme sind geeignet, zur
Lösung der größten Probleme beizutragen, denen wir uns heute gegenübersehen - globaler Umweltüberwachung, ausreichender Energieversorgunn und
rationeller Nutzung von Energie sowie ausreichender Nahrungsproduktion.
Angesichts der bisher erzielten Ergebnisse bezeichnen amerikanische
Wissenschaftler das Programm als die "lohnendste Investition unter den
Anwendungssatelliten". Die neuen Instrumente an Bord von LANDSAT-3 erfassen bei Tag und Nacht Temperaturunterschiede bei Vegetation, in Wassermassen, am nackten Gestein der Gebirge, in Wüsten und Steppen, in
Feuchtgebieten, von bebauten und unbebautem Land oder in Ballungszentren.
Ein DatensammelSystem nimmt Funkmeldungen von bis zu 1 000 Meßstellen,
die auf der Erde installiert sind, auf, registriert sie und gibt sie an
größere Bodenstationen weiter. Dabei handelt es sich um Meßdaten z.B.
über seismische und vulkanische Aktivität in bestimmten Gebieten, über

- 4 -

�über Strömungsstärken in Gewässern, Wasser- und Schneetiefen, Wassertemperaturen und selbst über die Dichte von Sedimenten am Grund von
Flüssen.
Drei Bodenstationen in den USA nehmen bei jedem Durchgang eines
LANDSAT-Satelliten die an Bord gesammelten Daten samt der gespeicherten
Bilder auf. Die US-Station in Alaska ist außerdem ausgerüstet, Informationen zu kopieren, die zur Erde übermittelt werden. Außeramerikanische Empfangsstationen befinden sich in Brasilien, Kanada und Italien;
sie erlauben bei der Auswertung der Daten die Berücksichtigung der besonderen Bedürfnisse der jeweiligen Region. Eine weitere Station ist im
Iran in Bau; Australien, Argentinien, Chiele, Indien, Japan, Schweden
und Zaire sind an der Errichtung eigener Empfangsstationen interessiert.
Für die Benutzung der LANDSAT-Daten zahlen ausländische Stationen z.Zt.
eine Jahresgebühr von 200 000 Dollar.

+ + + + +

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i

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Wis/cn/choft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

19. April 1978

10

NEUE WARNUNG VOR LAETRIL

- (AD) - Die Gefährlichkeit des Präparats Laetril, das in den Vereinigten Staaten durch. Propaganda von Mund zu Mund in den Ruf eines "Krebsheilmittels" gekommen ist, wurde jetzt durch Tierversuche an der Universität Kalifornien demonstriert. Das aus Aprikosenkernen gewonnene Laetril bildet nämlich im Organismus Cyanwasserstoff (Blausäure) und deren nicht minder giftige
Salze, sobald bestimmte andere Nahrungsmittel wie z.B. Sellerie, Bohnen, Pfirsiche oder auch süße Mandeln gegessen werden. Wie die Forschergruppe in der
Zeitschrift der "American Medical Association" Ende März berichtete, starben
sechs ihrer zehn Versuchshunde an Cyanidvergiftung, nachdem die Tiere zu den
auf ihre Körpergröße abgestimmten Laetril-Dosen frische süße Mandeln bekommen
hatten. Drei weitere Tiere erkrankten schwer. Sie waren desorientiert, erblindeten, bekamen Krämpfe und Lähmungen oder wurden überaus aggressiv. Alle
drei mußten schließlich getötet werden. Nur ein Tier erholte sich wieder.
Die sorgfältig kontrollierten Experimente zeigen, welcher zusätzlichen
Gefahr sich Krebskranke - abgesehen von dem Versäumnis einer regulären und medizinisch erprobten Krebstherapie - aussetzen, die sich das "Heilmittel"
Laetril auf eigene Faust vom schwarzen Markt oder aus Mexiko besorgen oder
sich von bestimmten Ärzten, meist medizinischen Außenseitern, damit behandeln
lassen. Ungeachtet der Warnungen der US-Kontrollbehörde für Nahrungs- und
Arzneimittel (FDA), der Amerikanischen Gesellschaft für Krebsbekämpfung und

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�und des Nationalen Krebsforschungsinstituts (NCI) glauben noch immer Krebskranke daran, daß ihnen mit Laetril geholfen werden könne.

Bis vor kurzem

war das Präparat, das größtenteils - häufig verunreinigt - auf illegalen Wegen aus Mexiko kommt, in den Vereinigten Staaten generell verboten.

Die Be-

gründung des Bundesgesundheitsdienstes und der FDA: 1) zeigte Laetril in Tierversuchen keinerlei Wirkungen auf Krebsgeschwüre; 2) war in mehreren gut dokumentierten Fällen die Schädlichkeit beim Menschen erwiesen; 3) waren Kinder,
die versehentlich Laetril genommen hatten, daran gestorben; 4) konnte niemand
einen wissenschaftlich gesicherten Nachweis erbringen, daß Laetril auch nur
ein einziges Krebsopfer hätte retten können; dagegen lagen Beweise dafür vor,
daß mit Laetril behandelte Patienten an Krebs starben, die bei Anwendung der
etablierten Krebstherapie mit großer Wahrscheinlichkeit hätten gerettet werden können.
Bundesgesundheitsdienst und FDA sind nach wie vor gegen die Zulassung
eines sog. Krebsmittels, das noch nicht einmal in klinischen Versuchen am
Menschen erprobt worden ist. Und das Nationale Krebsforschungsinstitut (NCI)
hält angesichts der bisher vorliegenden Daten eine solche Erprobung, auch
wenn sie unter streng kontrollierten Bedingungen geschähe, für unverantwortlich. Dennoch haben die Gesundheitsbehörden in 11 amerikanischen Bundesstaaten dem Druck einflußreicher Gruppen aus der Öffentlichkeit nachgegeben
und das Verbot für Laetril aufgehoben. Daraufhin beschloß das Nationale
Krebsforschungsinstitut, den Behauptungen über günstige Laetril-Wirkungen
nachzugehen. Es forderte die Ärzte auf, die Namen und Krankenpapiere von
Patienten, die glauben, nach Laetril eine Besserung ihrer Krebserkrankung
zu verspüren, mit deren Einverständnis dem Krebsforschungsinstitut vorzulegen.
In allen diesen Fällen muß die Krebsdiagnose durch pathologische Untersuchungen gesichert sein. Außerdem müssen zuverlässige Angaben über die geschätzte
Tumorgröße vor und nach der Laetril-Behandlung gemacht werden, und es muß gewährleistet sein, daß bei dem Patienten mindestens einen Monat vor der LaetrilBehandlung keine andere Krebstherapie angewandt wurde.

�Die Aktion des NCI wurde im Januar 1978 gestartet, Mitteilungen zu Reaktionen aus der Ärzteschaft gibt es noch nicht.

Aber immer mehr Fälle wer-

den bekannt, in denen Laetril sich als alles andere denn harmlos erwies. Sie
widerlegen die Behauptung, Laetril sei zum mindesten unschädlich, wenn es
schon nichts nütze.

Laboratorien waren bisher nicht imstande, seine thera-

peutische Wirksamkeit oder auch nur eine schmerzlindernde Wirkung sicher nachzuweisen.

Ein Wissenschaftler der Georgetown-Universität in Washington weiß

von Patienten zu berichten, die illegal aus Mexiko eingeführtes Laetril genommen haben und daraufhin sehr schwer erkrankten.

Hilfesuchende sollten

unter allen Umständen vor Laetril gewarnt und auf die erprobten Möglichkeiten
der Krebstherapie verwiesen werden.

+ + + + +

- 3 -

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                    <text>^°S?&lt;

AMERIKA DIENST

'VON**

19. A p r i l 1989

16
INHALT
DOKUMENTATION
Bush beschließt Handelserlelchterungen für Polen
- Rede des Präsidenten in Hamtramck (Michigan)

Baker betont Notwendigkeit anhaltender amerikanischer Führungsrolle
- Ansprache des Außenministers vor der ASNE Walters betont "Schlüsselrolle" der Bundesrepublik Deutschland
- Eröffnungsansprache vor Senatsausschuß -

HINTERGRUNDMATERIAL
Brady fordert vollständige Bewilligung der Mittel für multilaterale
Entwicklungsbanken
- Erklärung vor Kongreßausschuß (Zusammenfassung) Der Atomwaffensperrvertrag:
- Bericht der ACDA -

Erfolgreiche Rüstungskontrolle

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
NASA unter neuer Leitung
- Präsident Bush nominiert Richard Truly als Leiter der US-Behörde
für Luft- und Raumfahrt Bennett greift durch
- Aktionsplan gegen Drogen und Drogenkriminalität für die
Bundeshauptstadt Washington -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

19. April 1989

15

BUSH BESCHLIESST HANDELSERLEICHTERUNGEN FÜR POLEN
- Rede des Präsidenten in Hamtramck (Michigan) -

HAMTRAMCK - (AD) - Präsident Bush hat am 17. April 1989 als Reaktion auf
die in Polen eingeleiteten Reformen handeis- und wirtschaftspolitische Maßnahmen für das Land verkündet. Da das polnische Volk "heute konkrete Schritte
unternimmt, die aktive unsere Unterstützung verdienen", habe er "bestimmte
Maßnahmen der Vereinigten Staaten beschlossen, die den stattfindenden Reformen
Rechnung tragen und sich abzeichnende Reformen ermutigen, sovald die Gewerkschaft Solidarität wieder zugelassen ist". Zu diesen Maßnahmen gehören die
Bitte an den Kongreß, Polen den MeistbegünstIgungsstatus im Handel einzuräumen
sowie das Versprechen, mit den Verbündeten der Vereinigten Staaten im Pariser
Club an der Entwicklung eines tragfähigen Ruckzahlungsplans für die Auslandsschulden des Landes zu arbeiten.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Präsidenten im Wortlaut:
Wir Amerikaner sind im Hinblick
auf die Ereignisse in Polen nicht nur
von milder Sympathie geleitete Zuschauer. Wir sind mit Polen auf ganz
besondere
Weise
verbunden,
durch
Blutsbande, Kultur und gemeinsame
Werte. Es Lst also ein ganz natürlicher Vorgang, daß wir im Zuge der
in Polen stattfindenden dramatischen
Veränderungen die Bestrebungen und
die Begeisterung des polnischen Volkes teilen.
In der Rede zu meiner Amtseinführung sprach ich von dem neuen Wind
der Freiheit, der auf der ganzen Welt
an Stärke zunimmt. "Zumindest in den
Herzen der Menschen", so erklärte
ich, "ist die Stunde der Diktatur
vorbei.
Das Zeltalter des Totalitarlsmus geht vorüber, seine alten

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Ideen werden weggefegt wie Blätter
eines alten toten Baumes."
Ich sprach von der sich ausbreitenden Erkenntnis, daß Wohlstand nur
durch einen freien Markt und das
schöpferischen Genie des einzelnen
entstehen kann. Ich sprach von der
neuen Macht demokratischer Ideen
dem Recht auf Redefreiheit, freie
Wahlen und Freiheit des Willens.
Wir
sollten
nicht
überrascht
sein, daß die demokratischen Ideen
mit neuer Kraft nach Europa zurückkehren - der Heimat der Philosophen
der Freiheit, deren Ideale in Amerika
so umfassend
verwirklicht wurden.
Victor Hugo hat einmal gesagt: "Gegen eine Invasion von Armeen kann man
Widerstand leisten, nicht aber gegen

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�eine Idee, deren Zeit gekommen ist."
Meine Freunde, Freiheit ist eine
Idee, deren Zeit in Osteuropa gekommen ist.
Fast ein halbes Jahrhundert lang
hat die von der militärischen Macht
der Sowjetunion aufrechterhaltene Unterdrückung der Freiheit in Osteuropa
Staaten und Nachbarn voneinander getrennt. Während Ost und West den Abbau von Waffen anstreben, darf nicht
in Vergessenheit geraten, daß Waffen
nur ein Symptom, nicht die Quelle,
von Spannungen darstellen. Die wahre
Ursache von Spannungen ist die erzwungene
und
unnatürliche Teilung
Europas.
Wie kann es Stabilität und Sicherheit in Europa und der Welt geben, solange Staaten und Menschen das
Recht auf Selbstbestimmung über ihre
Zukunft verweigert wird - ein Recht,
das ihnen durch die Abkommen der Siegermächte nach dem Ende des Zweiten
Weltkrieges ausdrücklich zugestanden
wurde? Wie können Stabilität und Sicherheit in Europa herrschen, solange
Nationen, die einst stolz zu den führenden
Industriestaaten
gehörten,
durch eine diskreditierte Ideologie
und ein lähmendes autoritäres Regierungssystea
heruntergewirtschaftet
werden? Die Vereinigten Staaten haben die Teilung Europas nie als legitim hingenommen.
Wir akzeptieren
keine Einflußsphären, mit denen Staaten ihr Recht auf Souveränität verweigert wird.
Und doch wird das Schicksal Europas durch den Wind des Wandels neu
bestimmt.
Westeuropa ist zu neuer
3lüte gelangt. In Osteuropa erwacht
die Sehnsucht nach Demokratie, Unabhängigkeit und Wohlstand.
In der
Sowjetunion selbst werden wir durch
den Klang lange schwelgender Stimmen
und dem Anblick von Herrschern ermutigt, die die Beherrschten konsultieren. In einigen Bereichen der sowjetischen Außenpolitik stellen wir ein
"ieues Denken" fest. Wir hoffen, daß
diese Ereignisse Vorboten bedeutender, dauerhafter und weitreichender

Veränderungen sind.
Niemand sollte die Aufrichtigkeit
des amerikanischen Volkes und seiner
Regierung
im Hinblick
auf
ihren
Wunsch anzweifeln, daß den Reformen
in der Sowjetunion. Erfolg beschieden
sein soll. Wir begrüßen die vollzogenen Reformen und werden weiterhin
die umfassendere Anerkennung von Menschenrechten,
ma.rktwirt schaft liehen
Anreizen und Wahlen ermutigen.
Ost und West verhandeln über ein
breites Spektrum, von Problemen, von
Rüstungskontrolle bis hin zu Umweltfragen. Aber der kalte Krieg hat in
Osteuropa begonnen; wenn er beendet
wird, so in diesem Schmelztiegel d;rr
Weltkonflikte - und er muß ein Ende
finden. Das amerikanische Volk möchte die Länder Ost- und Mitteleuropas
in Freiheit, Wohlstand und Frieden
leben sehen. Mit Umsicht, Realitätssinn und Geduld versuchen wir das
Entstehen der Freiheit zu fördern die Chancen, die in der Schlußakte
von Helsinki und vertieften Ost-WestKontakten ihren Ursprung gehabt haben.
In den vergangenen Jahren haben
wir die Beziehungen mit den Ländern
in dieser Region verbessert. In jedem einzelnen Fall haben wir nach
Fortschritten im internationalen Verhalten und innenpolitischen Praktiken
Ausschau gehalten - im Hinblick auf
Menschenrechte, kulturelle Öffnung,
Auswanderungsprobleme, Bekämpfung von
Terrorismus. Auch wenn wir eine Verbesserung der Beziehungen wünschen,
gibt es bestimmte Taten, die wir weder verurteilen noch hinnehmen werden
- ein Verhalten, das die Beziehungen
in die falsche Richtung dirigieren
kann:
Verletzung von Menschenrechten, illegaler Technologietransfer,
gegen uns gerichtete nachrichtendienstliche Ermittlungen oder außenpolitische Aktionen.
Einige Regime versuchen heute,
durch Reformen ihre Legitimierung in
der Öffentlichkeit zu gewinnen. In
Ungarn experimentiert eine neue Führung mit Reformen, die vielleicht

�einen politischen Pluralismus gestatten, der noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wäre. Und in Polen
unterzeichneten der Vorsitzende der
Gewerkschaft
Solidarität,
Lech
Walesa, und Innenminister Kiszczak am
5. April Vereinbarungen, die vorbehaltlich ihrer wortgetreuen Verwirklichung einen Wendepunkt in der Nachkriegsgeschichte Osteuropas markieren
werden.
Im Rahmen dieser Vereinbarungen
am "runden Tisch" wird die freie Gewerkschaft Solidarität formell wieder
zugelassen, die freie Oppositionspresse legalisiert, unabhängige politische und andere freie Verbände zugelassen und Wahlen für einen neuen
polnischen Senat abgehalten.
Diese
Vereinbarungen sind der Beweis für
den
Realitätssinn
von
General
Jaruzelski und seiner Genossen. Und
sie sind anregendes Zeugnis für die
geistige
Führungsrolle
der katholischen Kirche, den unbeugsamen Geist
des polnischen Volkes - und der Stärke und Klugheit von Lech Walesa.
Polen sieht sich mit ernsthaften
WirtSchaftsproblemen
konfrontiert,
und

dies

wir

auch

noch

für

Ich habe die Mittel und Wege
sorgfältig erwogen, mit denen die
Vereinigten Staaten Polen helfen können. Wir werden nicht vorbehaltlos
vorgehen. Wir werden keine unsinnigen Kredite anbieten.
Wir werden
keine Hilfe ohne gesunde Wirtschaftspraktiken als Gegenleistung anbieten.
Wir müssen uns vor Augen halten, daß
Polen noch immer Mitglied des Warschauer Pakts ist. Wir dürfen keine
Schritte unternehmen, mit denen die
Sicherheit des Westens aufs Spiel gesetzt wird.
Der Kongreß, die polnisch-amerikanische Gemeinschaft, die amerikanische Gewerkschaftsbewegung, unserer Verbündeten und internationale
Finanzinstitutionen müssen gemeinsam
handeln, wenn die polnische Demokratie neue Wurzeln schlagen und tragfähig werden soll. Wir können und müssen auf diesen Ruf nach Freiheit antworten. Und hier in Hamtrarack ist es
besonders angemessen, die Mitglieder
und Vorsitzenden der amerikanischen
Gewerkschaftsbewegung
dazu
zu beglückwünschen, daß sie in den besonders schweren Zeiten zur Solidarität
gehalten haben.

einige

Zeit der Fall sein.
Ein moderner
französischer Schriftsteller stellte
fest, daß Kommunismus keine andere
Form von Volkswirtschaft bedeutet,
sondern deren Tod ist. In Polen wurde ein durch die Ineffizienz der
Planwirtschaft gelähmtes System beinahe zum Tod von Initiative und Unternehmergeist. Beinahe. Aber Wirtschaftsreformen können dem Unternehmergeist und der Kreativität des polnischen Volkes wieder freien Lauf gewähren.
Das polnische Volk versteht die
Größenordnung dieser Herausforderung.
Die demokratischen Kräfte in Polen
haben um die moralische, politische
und wirtschaftliche Unterstützung des
Westens nachgesucht. Und der Westen
wird antworten. Meine Administration
nimmt eine umfassende Überprüfung unserer Politik gegenüber Polen und
ganz Osteuropa vor.

Die Polen unternehmen jetzt konkrete Schritte, die unsere aktive Unterstützung verdienen. Ich habe mich
für ein bestimmtes Vorgehen der Vereinigten Staten entschieden, das den
stattfindenden
Reformen
Rechnung
trägt und sich abzeichnende Reformen
ermutigt, sobald die Solidarität wieder zugelassen ist:
- Ich werde den Kongreß bitten, mit
mir geraeinsam Polen Meistbegünstigungsstatus im Handel einzuräumen, der den begünstigten Ländern bestimmte Zollerleichterungen gewährt.
- Wir werden gemeinsam mit unseren
Verbündeten
und
Freunden
im
Pariser Club an der Entwicklung
eines tragfähigen RUckzahlungsplans für die Auslandsschulden
des Landes
arbeiten
und die
schwere Last erleichtern, so daß
ein freier Markt entstehen kann.

�- Ich werde ferner den Kongreß bitten, mit mir gemeinsam der Overseas Private Investment Corporation die Genehmigung zum Betrieb
in Polen zu erteilen, wovon sowohl die polnischen als auch die
amerikanischen Investoren profitieren können.
- Wir werden Verhandlungen über ein
privatwirtschaftliches
Abkommen
mit Polen vorschlagen, um die Zusammenarbeit
zwischen
amerikanischen Firmen und polnischen
Privatunternehmen zu ermutigen.
Davon können beide Seiten profitieren.
- Die Vereinigten Staaten werden
weiterhin leistungsgerechte Kredite der Internationalen FinanzCorporatLon an den Privatsektor
unterstützen.
- Wir vertreten die Auffassung, daß
die am Verhandlungstisch erzielten Abkommen Polen den Weg zur
Zusammenarbeit mit dem Internationalen Währungsfonds bei Förderprogrammen für eine solide,
neugestaltete
und
marktwirtschaftlich
orientierte
Wirtschaftspolitik ebnen.
- Wir ermutigen geschäftliche und
private gemeinnützige Vereine zur
Entwicklung innovativer Programme, mit denen die Schulden Polens
in Beteiligungen an polnischen
Unternehmen
umgewandelt
sowie
durch wohltätige, humanitäre und
umweltpolitische Programme abgelöst werden.
- Wir werden phantasievolle Erziehungs-, Kultur- und Bildungsprogramme unterstützen, um kreative
Energie des polnischen Volkes
freisetzen zu helfen.
Als ich im September 1987 Polen
besuchte, habe ich dem Parteivorsitzenden Jaruzelski und Lech Walesa gegenüber erklärt, das amerikanische
Volk und die Regierung würden auf bedeutsame innenpolitische Reformen von

der Art, wie wir sie jetzt wahrnehmen, unmittelbar und ideenreich reagieren. Beide wußten diese Zusicherung zu schätzen. Es ist mir daher
eine besondere Genugtuung, Zeuge dieser gegenwärtig in Polen stattfindenden Veränderungen zu werden und diese
wichtigen Veränderungen in der amerikanischen Politik zu verkünden. Die
Vereinigten Staaten halten ihr Versprechen.
Wenn Polens Experimente Erfolg
haben, werden andere Länder seinem
Beispiel folgen.
Obwohl wir immer
noch Unterschiede zwischen den Ländern Osteuropas machen müssen, vermittelt uns das Beispiel Polen zwei
Lehren. Erstens kann es keine Fortschritte ohne umfassende politische
und wirtschaftliche Liberalisierung
geben. Zweitens wird die Hilfe aus
dem Westen gleichzeitig mit der Liberalisierung erfolgen. Unsere Freunde
und europäischen Verbündeten teilen
diese Theorie.
Der Westen kann jetzt eine kühne
Vision von der Zukunft Europas mutig
vorschlagen:
Wir träumen von dem
Tag, an dem es keine Schranken für
die Bewegungsfreiheit von Menschen,
Waren und Ideen mehr gibt. Wir träumen von dem Tag, an dem die Völker
Osteuropas die Freiheit zur Wahl ihres Regierungsystems haben werden und
in regelmäßigen Wahlen die von ihnen
favorisierte Partei wählen können.
Wir träumen von dem Tag, an dem Länder Osteuropas die Freiheit zur Wahl
ihres eigenen friedlichen Kurses in
der Welt und engerer Verbindungen mit
Westeuropa haben werden. Und wir haben die Vision eines Europas, in dem
die Sowjetunion vorbehaltslos die militärische Intervention als Instrument ihrer Politik aufgibt. Wir teilen die unverrückbare Überzeugung,
daß eines Tages alle Völker Osteuropas in Freiheit leben werden.
Im kommenden Monat werden die
Staats- und Regierungschefs der westlichen Demokratien diese Anliegen bei
einem Gipfeltreffen des Nordatlantischen Bündnisses diskutieren. Dies

�sind keine bilateralen Fragen zwischen den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion.
Es sind vielmehr die
Anliegen aller westlichen Verbündeten, die einen gemeinsamen Ansatz
fordern. Die Sowjetunion sollte deshalb verstehen, daß ein freies demokratisches Osteuropa, wie es uns vorschwebt, für keinen Menschen und kein
Land eine Bedrohung darstellen würde.
Eine solche Entwicklung würde die
weitere Verbesserung der Ost-West-Beziehungen auf allen Ebenen - RUstungsabbau, politische Beziehungen,
Handel - auf eine Art und Weise hervorbringen und fördern, die Sicherheit und Wohlergehen des gesamten
Europas steigert. Eine andere Möglichkeit gibt es nicht.

Vor zweihundert Jahren kam ein
polnischer Patriot namens Thaddeus
Kosciuszko nach Amerika, um für die
Freiheit einzutreten. Lassen Sie uns
dieses Helden unseres eigenen Strebens nach Freiheit gedenken und ihn
würdigen und unsere Hand ausstrecken
nach denen, die in den Danziger Werften arbeiten und durch die kopfsteingepflaserten Straßen Warschaus gehen.
Wir wollen der Worte der polnischen
Freiheitskämpfer gedenken: "Für Ihre
und unsere Freiheit". Wir wollen die
friedliche Entwicklung der Demokratie
in Polen unterstützen. Die Sache der
Freiheit kennt keine Schranken und
die Freunde der Freiheit keine Grenzen.

Was hat uns zu dieser Öffnung
veranlaßt?
Die Einheit und Stärke
der Demokratien und noch etwas - das
mutige neue Denken der Sowjetunion;
das innerste Verlangen aller Menschen
nach Freiheit. Wir werden in unserem
Engagement für die Freiheit nicht
schwanken. Wenn wir klug, einig und
bereit sind, die Gelegenheit zu ergreifen, wird man sich an uns als die
Generation erinnern, die dem gesamten
Europa auf seLnem Weg in die Freiheit
geholfen hat.

- 5 -

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
VON

Dokumentation

*

16

19. April 1989
BAKER BETONT NOTWENDIGKEIT ANHALTENDER AMERIKANISCHER FÜHRUNGSROLLE
- Ansprache des Außenministers vor der ASNE -

WASHINGTON - (AD) - In einem Überblick über die amerikanische Außenpolitik
erklärte Außenminister Baker am 14. April 1989 vor der Amerikanischen Gesellschaft der Zeitungsredakteure (American Society of Newspaper Editors - ASNE)
in Washington, die Welt sei in den letzten zehn Jahren - trotz der Notwendigkeit, sich einer Reihe von Herausforderungen im Hinblick auf die Gestaltung
einer neuen Weltordnung zu stellen - ein sicherer Ort geworden.
Im Rahme n seiner Rede mit dem Titels 'Macht für das Gutes Die amerikanische Außenpolitik in einer neuen Zeit" wies Baker unter anderem auf seine
bevorstehenden Gespräche in Moskau hin, die einerseits eine Verbesserung der
amerikanisch-sowjetischen Beziehungen zum Ziel hätten, andererseits aber auch
darauf eingehen müßten, daß dem sowjetischen Schlagwort des neuen Denkens Substanz verliehen würde.
Nachfolgend veröffentlichen wir Bakers Ansprache im Wortlaut:

Ich freue mich, heute vor Ihnen
sprechen zu dürfen. Ich habe immer
die Überzeugung vertreten, daß die
Medien eine entscheidende Rolle bei
der Erziehung zur Demokratie spielen.
Aber wie Sie wissen, haben die Nachrichten nicht nur Tätigkeit oder Untätigkeit der Regierung zum Thema.
Den wichtigsten Dienst, den Sie sowohl der Regierung als auch den Menschen leisten können, sind Erklärungshilfen bei der wichtigsten Veränderungen, die unsere Welt verwandeln. Über diese Veränderungen möchte ich heute sprechen. Und darüber
hinaus möchte ich die Maßnahmen beschreiben, die wir bisher ergriffen
haben, um den Grundstein für die amerikanische Außenpolitik in einer neuen Zeit zu legen.

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Vor zehn Jahren war uns die Welt
jenseits unserer Grenzen bekannt,
aber keineswegs beruhigend. Die Sowjetunion war auf dem Vormarsch. Die
Demokratie schien sich auf dem Rückzug zu befinden, und unsere Werte
wurden in Frage gestellt.
Unsere
Verbündeten und wir sahen uns schwerwiegenden Wirtschaftsproblemen gegenüber, die das Vertrauen in freie
Märkte und freien Handel erschütterten.
Nach einem Jahrzehnt, das als Ära
Reagan in die Geschichte eingehen
wird, ist die Welt jenseits unserer
Grenzen beruhigender.
Die sowjetischen Truppen sind aus Afghanistan
abgezogen. Andere durch sowjetische
Einmischung entfachte regionale Konflikte lassen mit Unterstützung einer

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�kreativen amerikanischen Diplomatie
Lösungsmöglichkeiten erkennen.
Die
Demokratie befindet sich erneut auf
dem Vormarsch. Wir haben unsere Werte bekräftigt. Und die von der längsten in Amerika belegten Expansion in
Friedenszeiten
gestärkte Weltwirtschaft gibt zu neuer Hoffnung auf
Fortschritte Anlaß.
Diese beruhigendere Welt beinhaltet jedoch auch Unsicherheiten.
Die Welt hat den Schlagabtausch
zwischen den Supermächten, von dem
die Weltpolitik der Nachkriegszeit
bestimmt wurde, überwunden.
Statt
dessen sehen wir uns einer Reihe von
Herausforderungen gegenüber, die eine
neue Weltordnung gestalten.
- Wir könnten eine zunehmend demokratisierte Welt hervorbringen,
oder die Sache der Freiheit könnte im Falle des Versagens neuer
instabiler
Demokratien
einen
Rückschlag erleiden.
- Die Weltwirtschaft könnte weiterhin wachsen oder der durch Wettbewerb, Ungleichgewichte im Handel
und
Schulden
entstandene
Druck könnte zu Protektionismus
und rivalisierenden Handelsblökken - und damit zu unser aller
Nachteil - führen.
- Die internationale Staatengemeinschaft könnte handeln, um mit
grenzüberschreitenden
Gefahren
wie etwa Umweltkatastrophen, Terrorismus und dem Drogenhandel
fertigzuwerden, oder diese Probleme könnten aufgrund mangelnder
Zusammenarbeit überhand nehmen.
- Ein gut geplanter Ansatz des Atlantischen Bündnisses könnte die
Fortschritte untermauern, die wir
gemeinsam mit der Sowjetunion erzielt haben und zu kooperativeren
Ost-West-Beziehungen führen. Es
sei denn, diese Chance würde
durch Fehler auf beiden Seiten
des Eisernen Vorhangs verpaßt.
_

- Schließlich könnten neue militärische Technologien größere Stabilität auf niedrigeren Streitkräften! vear; schaffen.
Es sei
denn, wir treten in ein düsteres
Zeitalter ein, wenn wir die Verbreitung der Waffen nicht aufhalten, können wir die Nationen an
den Rand des Krieges bringen,
insbesondere, wenn wir bei der
Lösung
schwelender
regionaler
Konflikte keine Fortschritte erzielen.
Im Gegensatz zu den vergangenen
40 Jahren ist die vor uns liegende
Aufgabe komplexer und vielschichtiger. Sie hängt in geringerem Maße
von der großen Geste, der einzigen
Lösung oder der allumspannenden Doktrin ab. Wir sehen uns an vielen
Fronten einem ständigen Wettbewerb
ausgesetzt.
Winston Churchill pflegte zu sagen, in verwirrenden Situationen sei
es am besten, zu den ersten Grundsätzen zurückzukehren. Diese Grundsätze
haben ihren Ursprung in der Notwendigkeit einer amerikanischen FUhrungsrolle. Als mächtigste Demokratie und größte Wirtschaftsmacht der
Welt werden wir - bewußt oder unbewußt - erheblichen Einfluß auf die
Zukunft ausüben. Aus diesem Grunde
können wir wie niemand sonst eine
Triebfeder für Freiheit und friedliche Veränderungen sein. Aber wenn
uns dies nicht gelingt, werden wir
die Konsequenzen zu tragen haben.
Wir können uns dem nicht entziehen
und müssen daher die Macht Amerikas
zum Guten nutzen.
Unsere Führungsrolle muß jedoch
zeitgemäß sein. Gemeinsame Probleme
und immer noch mächtige Gegner machen
unsere
zunehmend
einflußreicheren
Verbündeten für unseren Erfolg unabdingbar. Neue Gefahren, wie Terrorismus, internationaler Drogenhandel
und die Zerstörung der Umwelt können
nicht von einem Land allein bewältigt
werden. Diese Realitäten werden keinen blinden Isolationismus oder rücksichtigslosen Alleingang zulassen.

�Statt dessen erinnern sie uns an Amerikas einzigartige Rolle: Wir sind
gleichzeitig ein Vorbild für Demokratie, ein Katalysator für internationale Zusammenarbeit und der Bewahrer
nationaler amerikanischer Interessen.
Ein zweiter Grundsatz lautet, daß
die amerikanische Führungsrolle realistisch sein muß. Aber ich meine
damit nicht nur ein Verständnis der
Funktionsweise der Welt, sondern die
Nutzung dieses Verständnisses, um die
Welt zu verändern und dabei amerikanische Werte als Leitlinie zu benutzen.
Der Gedanke, amerikanische Werte
und engagierte Außenpolitik seien relativ
unvereinbar,
ist
eindeutig
falsch.
Eine demoraktische Gesellschaft wird nicht über längere Zeit
hinweg eine Politik unterstützen, die
ihren
Überzeugungen
zuwiderläuft.
Und eine Politik, die nicht unseren
Interessen dient, wird sich - selbst
wenn sie uns ein gutes Gefühl verschafft - ad absurdum führen. Realitätssinn heute bedeutet keinen Ausschluß der Werte, sondern ihre Einbeziehung als Richtschnur unserer Politik.
Der dritte und letzte Grundsatz
ist Überparteilichkeit. Damit meine
ich kein Einstellen der Diskussion
oder das Ende der von der Verfassung
vorgesehenen Spannungen zwischen Exekutive und Kongreß.
Unterschiedliche Perspektiven und
Pflichten werden oftmals gegensätzliche Ansichten hervorbringen.
Der
demokratische
Prozeß
fördert
und
schützt das Recht auf Widerspruch.
Wenn jedoch alles gesagt ist,
müssen wir zur Tat schreiten. Wir
müssen unser außenpolitisches Geschäft durchführen und wenn wir das
tun, sollten wir es gemeinsam tun,
wenn wir unsere nationalen Zielsetzungen verwirklichen wollen.
Führung, Realitätssinn und Überparteilichkeit sind das Handwerks-

zeug, mit dem wir ein neues und vielversprechendes
Zeitalter
schaffen
können. Wir haben den Grundstein bereits gelegt. In den 80 Tagen seit
der Amtseinführung von Präsident Bush
haben wir unsere Tagesordnung entworfen und die Grundlage für das weitere
Vorgehen geschaffen.
Heute möchte
ich einige der Aktivitäten im Detail
erörtern und ein Gefühl vermitteln,
wie sie in unser zukünftiges außenpolitisches Programm eingebunden sind.
Wie ich bereits bei meiner Anhörung vor dem Senat ausgeführt habe,
stehen ganz oben auf unserer Tagesordnung die Nachbarländer - die Länder unseres Kontinents. Der Präsident hat die Bedeutung hervorgehoben,
die wir unseren Beziehungen mit Kanada und Mexiko beimessen. Dies wurde
noch durch seine frühzeitigen Treffen
mit Premierminister Mulroney und Präsident Salinas unterstrichen. Unsere
Beziehungen zu diesen beiden lebenswichtigen Nachbarländern haben das
symbolische
Stadium
überschritten.
Wir haben die Initiative zu zwei Themen ergriffen, die jeweils ganz oben
auf der Tagesordnung dieser Länder
stehen.
Mit Mexiko arbeiten wir
daran, dessen Schuldenlast abzubauen.
Der Präsident hat sich ferner verpflichtet, ein Gesetz mit einem endgültigen Zeitplan für einen umfassenden Abbau der Chemikalien vorzulegen,
die den sauren Regen verursachen.
Zum anderen haben wir einen überparteilichen Konsens zu einem Plan
erzielt, Mittelamerika von den Konflikten der vergangenen Jahre weg In
Richtung auf eine Zukunft der Demokratie und wirtschaftlichen Fortschritte zu führen.
Dieser Plan
spricht ein Problem an, das zu lange
nicht nur die Nachbarn in Übersee,
sondern auch die Amerikaner hier im
Lande in zwei Lager gespalten hat.
Die im März unterzeichnete Überparteiliche Übereinkunft umreißt klar
und deutlich die Zielsetzung unsere
Politik gegenüber Nicaragua und Mittelamerika. Diese Ziele heißen Demokratie, Beendigung der Subversion von

- 3 -

�Nachbarn und Abbruch der militärischen Beziehungen zur Sowjetunion,
durch die sich die amerikanische und
regionale Sicherheit bedroht sehen.
Die Übereinkunft stützt sich auf das
von Präsident Arias von Costa Rica
verfaßte Esquipulas II-Abkommen sowie
die Bestrebungen der mittelamerikanischen Länder, ihre eigenen Grundsätze für Freiheit und Frieden zu
entwickeln. Und unsere Politik konzentriert sich darauf, daß der zu
diesen Zielen führende Prozeß sich
auf glaubwürdige Normen der Einhaltung, genaue Zeitpläne für die Durchführung und wirksame, dauerhafte Verifizierungsmaßnahmen stützen muß.
Die
Übereinkunft
legt
ferner
fest, daß der Kongreß dem nicaraguanischen Widerstand humanitäre Hilfe
im gegenwärtigen Umfang bis zum 28.
Februar 1990 gewähren wird, kurz
nachdem in Nicaragua international
überwachte Wahlen abgehalten worden
sind.
Die neue amerikanische Politik unser "neues Denken" sozusagen - erfreut sich bereits der Unterstützung
der mittelamerikanischen Demokratien,
Kanadas, Venezuelas und anderer Demokratien auf diesem Kontinent und in
Europa. In den vor uns liegenden Wochen werden wir auf diese Unterstützung aufbauen.
Mit dieser Übereinkunft übermitteln wir der Welt eine bedeutsame
Botschaft:
Amerikaner
können
zu
einem Thema von vordringlichem nationalen Interesse Einigung erzielen.
Und wir können noch eine weitere Botschaft übermitteln: Unser Kontinent
ist nicht der Schuttabladeplatz für
sowjetische Waffen oder eine gescheiterte sowjetische Ideologie.
Offen gesagt haben wir in diesem
Zusammenhang auf Zeichen des "neuen
Denkens" aus Moskau gewartet. Kürzlich vernahmen wir einige vielversprechende Worte. In Anwesenheit von
Fidel Castro erklärte Generalsekretär
Gorbatschow:
"Wir lehnen Theorien
und Doktrinen, die den Export von Re-

volution und Konterrevolution rechtfertigen sowie alle Formen ausländischer Einmischung in die Angelegenheiten souverä-.or Staaten vehement
ab."
Das klingt zweifelsohne vielversprechend. Wir hoffen, daß es wahr
ist. Aber bis heute ist die Sowjetunion dem Aufruf von Präsident Arias,
diesem Schlagwort des neuen Denkens
Inhalt zu verleihen, nicht nachgekommen. Sowjetische Hilfe für Kuba und
Nicaragua bedeutet nach wie vor Unterstützung der Subversion gegen El
Salavador. Die sowjetische Militärhilfe an Nicaragua allein beläuft
sich auf über 500 Millionen Dollar
pro Jahr - fünfmal so viel wie die
amerikanische Hilfe an El Salvador und weit höher, als alle legitimen
sowjetischen Sicherheitsbelange dies
rechtfertigen würden. Als Konsequenz
dieser Hilfe stellt Nicaragua heute
eine militärische Streitmacht, die
sehr viel größer ist als die seiner
Nachbarn - die größte Armee in der
Geschichte Mittelamerikas.
Ich rufe die sowjetische Regierung erneut auf, dieses Vorgehen auf
unserem Kontinent und seine Konsequenzen für die Zukunft zu überdenken.
Der dritte Bereich, in dem wir
den Grundstein für Frieden und Sicherheit gelegt haben, ist der Nahe
Osten.
Am 25. März haben wir den zehnten
Jahrestag des ägyptisch-israelischen
Friedensvertrages
gefeiert.
Aber
einen Jahrestag zu begehen, bedeutet
auch die Erkenntnis dessen, wieviel
noch zu tun bleibt. Die täglichen
Ausschreitungen im Westjordanland und
dem
Gazastreifen,
die
geworfenen
Steine, die verlorenen Leben kommen
zu dem an sich schon bitteren Vermächtnis des Hasses zwischen Arabern
und Israelis hinzu.
In der vergangenen Woche haben
der ägyptische Präsident Mubarak und
Premierminister Shamir Washington besucht. Seine Majestät, König Hussein

�von Jordanien, wird für nächste Woche
erwartet.
Ich hege keine Zweifel, daß nach
so vielen Jahren des Haders ein tiefes Verlangen nach Frieden besteht.
Es steht jedoch ebenso außer Zweifel,
daß die Kluft zwischen den Parteien
zu tief ist und das Klima zu sehr von
Gewalt und Spannungen überschattet,
um jetzt Verhandlungen in die Wege
leiten zu können. Aus diesem Grund
haben wir zwei Monate lang die Notwendigkeit eines stufenweisen Vorgehens betont. Dessen Ziel besteht im
Abbau von Spannungen, Förderung des
Dialogs zwischen Israelis und Palästinensern und in der Schaffung eines
Umfelds, in dem Verhandlungen über
Interimlösungen und den permamenten
Status überdauern können.
In der vergangenen Woche hat Premierminister Shamir geantwortet. Er
hat klargestellt, daß der Status quo
inakzeptabel ist. Er hat ferner den
Wunsch Israels unterstrichen, den politische Prozeß voranzubringen, der
letzlich zu einer Lösung führen könnte. Er schlug Wahlen für palästinensische Vertreter in den besetzten Gebieten vor, die ein Interimabkommen
aushandeln sollten.
Dieser Prozeß
würde in Verhandlungen über den endgültigen Status gipfeln. In solchen
Verhandlungen wären alle Optionen offen. Alle Parteien könnten ihre bevorzugte Position auf den Verhandlungstisch legen und das Ergebnis
müßte für alle akzeptabel sein.
Dies ist ein positiver Schritt,
der weiterer Erwägung und Fortentwicklung wert ist. In den kommenden
Wochen werden wir mit Isreal und den
Arabern die Einzelheiten dieses Gedankens erörtern, wie darauf aufgebaut werden kann und er sich in die
Vorbereitung von Verhandlungen einpaßt.
Wir haben ein schrittweises
Vorgehen in die Wege geleitet, das
unserer Ansicht bezüglich Fortschritten bei diesem schwierigsten aller
Konflikte entspricht.
Der nächste

und vierte Bereich,

auf den wir unsere anfänglichen Bemühungen konzentriert haben, betrifft
die Vorbereitung weiterer Verbesserungen in den Ost-West-Beziehungen.
Von all den Veränderungen, die wir im
vergangenen
Jahrzehnt
beobachten
konnten, sind die in der Sowjetunion
zweifelsohne am bemerkenswertesten.
Die sowjetischen Truppen wurden aus
Afghanistan abgezogen. Der INF-Vertrag wird verwirklicht. Einige politische Gefangene wurden freigelassen.
Die Zahl der Auswanderer ist drastisch angestiegen. Und eine Art von
Demokratisierung - weit entfernt von
Demokratie, aber immerhin ein Demokratisierungsprozeß - hat begonnen.
Die
Gorbatschow

von
in

Generalsekretär
die

Wege

geleiteten

politischen und wirtschaftlichen Reformen haben jedoch auch ein breites
Feld der Unzufriedenheit aufgedeckt.
Praktisch jeder Bereich des sowjetischen Lebens und der sowjetischen
Geschichte sah sich Kritik ausgesetzt. Eine ebensolche Welle der Unzufriedenheit hat die Länder Mittelund Osteuropas überspült. Die Reaktionen darauf waren uneinheitlich.
Einige Länder widersetzen sich dem
Wandel.
Andere haben ihre politischen und wirtschaftlichen Systeme
in einem Maß verändert, wie es einst
als unmöglich galt.
Die vor einer Woche in Polen erzielten historisch einmaligen Vereinbarungen am runden Tisch sind beispielhaft für diese Veränderungen in
der kommunistischen Welt. Vor sieben
Jahren wurden Kerzen angezündet, um
Polens unterdrückte
freie Gewerkschaft Solidarität zu unterstützen.
Heute hat die Hoffnung neue Nahrung
bekommen. Polen hat einen wichtigen
Schritt weg vom Totalitarismus getan,
obwohl die Demokratie noch bei weitem
nicht verwirklicht wurde.
In Wien habe ich die Veränderungen im Osten vor allem als Zeichen
dafür begrüßt, daß sich die westliche
Vision von Freiheit, Frieden und Demokratie durchgesetzt hat. Gemeinsam
mit unseren Verbündeten haben wir in

- 5 -

�den vergangenen vier Jahrzehnten diese Vision hochgehalten. Heute bestätigt ein neuer Sinn für Realismus im
Kreml den Erfolg unserer Bemühungen.
Ich kann sagen, daß wir Herrn
Gorbatschow bei seinem Versuch, die
Sowjetunion zu reformieren, viel Erfolg wünschen. Wir haben kein Interesse an einem Fehlschlag der Perestrojka. Wir begrüßen das Konzept
des "neuen Denkens" in der Außen- und
Sicherheitspolitik, und wir sehen erwartungsvoll der Wiederaufnahme der
Verhandlungen zum Abschluß eines neuen Vertrages entgegen, mit dem die
strategischen Waffen begrenzt werden.
Vereinfacht ausgedrückt besteht
unser allgemeines Ziel darin, insbesondere bei regionalen Fragen unser
kooperatives Verhältnis zu vertiefen
und auszuweiten.
Es ist
jedoch verfrüht, den
Schluß zu ziehen, daß die dem Westen
am meisten Sorge bereitenden Maßnahmen der Sowjets für immer überwunden
seien. Die bis heute erzielten Fortschritte in der Rüstungskontrolle haben nichts an der Tatsache geändert,
daß die Sowjetunion eine schwer bewaffnete Supermacht ist, deren militärischer Arm jeden Winkel der Welt
erreichen kann. In jüngster Zeit hat
es Anzeichen für einen konstruktiveren sowjetischen Ansatz gegeben, der
die Notwendigkeit anerkennt, die Fähigkeit zum Überraschungsangriff zu
beseitigen.
Diese Möglichkeit muß
jedoch noch sondiert und weiterentwickelt werden. So real die Möglichkeiten auch sein mögen, sind sie doch
noch nicht verwirklicht.
Es bestehen in der Tat noch zu
viele Bereiche, in denen die Schlagworte des neuen Denkens noch keine
Substanz enthalten. Lassen Sie mich
einige Beispiele nennen:
- Moskau hat erklärt, jedes Mitglied der sozialistischen Staatenfamilie habe das Recht, seinen
eigenen Weg zu gehen, hat sich
jedoch geweigert, der Breschnew-

Doktrin eine Absage zu erteilen,
die immer noch die von der UdSSR
dominierten Staaten überschattet.
- Die Sowjetunion strebt nach einer
Reduzierung der Streitkräfteniveaus an der Trennungslinie in
Europa. Sie weigert sich jedoch
immer noch, die Berliner Mauer
und andere mit sowjetischem Druck
erzwungene Realitäten der europäischen Teilung zu beseitigen.
- Generalsekretär Gorbatschow hat
erklärt,
die
"vordringlichste
Aufgabe besteht nun in der Beilegung der sogenannten regionalen
Konflikte". Wie ich jedoch vorhin schon festgestellt habe, weigert sich Moskau, dem "neuen Denken" im Hinblick auf Mittelamerika Substanz zu verleihen.
- In der vergangenen Woche hat Generalsekretär Gorbatschow den Nahen Osten als echtes Pulverfaß
bezeichnet. Wie sollen wir jedoch den Verkauf modernster Hochleistungsbomber an Libyen interpretieren, ein Land, das den Terrorismus in Europa und andernorts
unterstützt?
Und wie fördert
dieser Verkauf die (angeblich von
Moskau unterstützten) weltweiten
Bemühungen zur Kontrolle chemischer Waffen, wie sie von Libyen
in der Fabrik von Rabta hergestellt werden?
Diese und andere Fragen werden
auf meiner Tagesordnung stehen, wenn
ich
im
Mai
mit
Außenminister
Schewardnadse zusammentreffe.
Ich bin voll und ganz davon überzeugt, daß die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen das Potential für
eine wesentlich engere Zusammenarbeit
in sich bergen. Wir werden bei unserem Treffen im Mai in der Tat einige
neue Themen besprechen, darunter internationale Umweltfragen, Drogenhandel und Terrorismus. Wir können mehr
neues Denken fördern, die Schlagworte
mit Inhalt füllen und das Spektrum
der Zusammenarbeit ausdehnen.

�Damit komme ich zu dem fünften
und letzten Bereich, in dem wir seit
Januar beharrliche Arbeit geleistet
haben.
Letztlich hängt der Erfolg
unserer Ost-West-Politik von unserer
West-West-Politik ab - der Fähigkeit
der Vereinigten Staaten und ihrer
Verbündeten zur Zusammenarbeit. Unsere kollektive Stärke, nicht nur die
innenpolitische Schwäche der Sowjets,
hat dem bemerkenswerten Realismus den
Weg bereitet, den wir in jüngster
Zeit in Moskau festgestellt haben.
Die Sowjetunion ist jedoch nicht
der einzige Beweggrund für unsere
Bündnisse und Freundschaften. In den
vergangenen 40 Jahren haben wir starke politische, militärische und wirtschaftliche
Beziehungen
aufgebaut,
die durch gemeinsame Werte und grundsätzliche Interessen miteinander verbunden sind.
Durch den Erfolg unserer Maßnahmen haben enorme Veränderungen zum
Besseren stattgefunden.
Heute sind
unsere Verbündeten stark und wohlhabend, und die Vereinigten Staaten
bilden nicht die einzige Quelle von
Initiativen oder Ressourcen. Wie ich
vorhin schon bemerkt habe, bleibt jedoch die Tatsache bestehen, daß wir
für die Zusammenarbeit eine einzigartige
Katalysatorfunktion
erfüllen.
Damit sind wir zu kreativer und aktiver Führung aufgerufen.
Aus diesem Grund haben wir mit
unseren Verbündeten und Freunden umfangreiche Konsultationen über Probleme von gemeinsamem Interesse aufgenommen.
Ich habe meine Ministerkollegen in allen 15 NATO-Hauptstädten besucht, und wir sind zum Beginn
der Verhandlungen über konventionelle
Rüstungskontrolle in Wien erneut zusammengetroffen.
Der Präsident hat
Japan, Korea und die Volksrepublik
China besucht. In den kommenden zwei
Monaten werden wir wiederum Europa
besuchen, um am Gipfeltreffen zum 40jährigen Jubiläum der NATO und am
Weltwirtschaftsgipfel
teilzunehmen.
Aus diesen Gesprächen wird sich ein
gemeinsames Programm ergeben, das wir

benötigen, um die Zukunft zu meistern. Dies gilt nicht nur für die
Behandlung von Ost-West-Fragen, sondern für alle vor uns liegenden Herausforderungen .
Lassen Sie mich diesen Überblick,
den man mit dem Titel "In 80 Tagen um
die Welt" umschreiben könnte, mit der
folgenden
Beobachtung
beschließen.
Vor
langer
Zeit
stellte
de
Tocqueville fest, daß es der Demokratie bei der Durchführung ihrer Diplomatie für gewöhnlich an Geheimhaltung, Schnelligkeit und Zusammenhalt
fehle.
Ich stimme dem zu und füge
noch hinzu, daß sich diese Probleme
in einem Bündnis von Demokratien vervielfachen.
Und doch könnte sich der diplomatische Stil der Demokratien hervorragend für das vor uns liegende komplexe Zeitalter eignen.
Wie Wunder
bringt die Geschichte bisweilen auch
Helden hervor, aber wir können weder
auf Helden noch auf Wunder zählen, um
unsere Interessen zu sichern. In jedem Fall muß der Durchschnittsbürger
die Folgen tragen. Das ist Amerika das Abenteuer des Durchschnittsbürgers. Das ist Demokratie - die Freiheit wird für alle, nicht nur einige
wenige gewährleistet.
Konsultation
und Konsens, die
vorsichtigen Bewegungen eines Programms, das sich Schritt für Schritt
vollzieht und langsamer, aber stetiger Wandel zum Besseren, das sind die
Wege der Demokratie, die Wege, die am
besten zu uns passen.

- 7 -

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

19. April 1989

16

WALTERS BETONT "SCHLÜSSELROLLE" DER BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND
- Eröffnungsansprache vor Senatsausschuß WASHINGTON - (AD) - In seiner Eröffnungsansprache anläßlich seiner Anhörung vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats erklärte der neue Botschafter der
Vereinigten Staaten in Bonn, Vernon A. Walters, am 12. April 1989, er könne
sich "kein Verhältnis von größerer Tragweite für die Vereinigten Staaten und
den Westen vorstellen als das deutsch-amerikanische". Die Bundesrepublik
Deutschland stehe "im Mittelpunkt der Ost-West-Beziehungen" wie auch der amerikanischen Beziehungen zu den Westeuropäern in der NATO und der Europäischen
Gemeinschaft.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Eröffnungsansprache von Botschafter
Walters im Wortlaut.

Herr Vorsitzender,
verehrte Ausschußmitglieder,
es ist mir eine große Ehre, heute
vor Ihnen sprechen zu dürfen, und ich
werde mich kurz fassen.
Zunächst möchte ich dem Präsidenten für meine Nominierung zum amerikanischen Botschafter in der Bundesrepublik Deutschland und dem Außenminister für das in mich gesetzte
Vertrauen meinen Dank aussprechen.
Darüber hinaus möchte ich Ihnen,
Herr Vorsitzender, dafür danken, daß
sie heute diese Anhörung zu meiner
Nominierung einberufen haben. Es ist
mir immer wieder eine Freude, mit dem
Ausschuß
zusammenzutreffen.
Heute
ist das dritte Mal, daß ich zur Bestätigung hier geladen bin.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Herr Vorsitzender,
ich kann mir gegenwärtig kein
Verhältnis von größerer Tragweite für
die Vereinigten
Staaten und den
Westen vorstellen als das deutschamerikanische.
Der Kongreß hat in
den vergangenen Jahren die diesen Beziehungen beigemessene Bedeutung betont, unter anderem mit dem Austauschprogramm zwischen Bundestag und
Kongreß, der gemeinsamen Resolution,
die den 6. Oktober zum "Tag der
Deutsch-Amerikaner"
erklärt
sowie
auch mit der Einrichtung dieser einzigartigen, informellen, überparteilichen und von beiden Häusern getragenen Körperschaft - der Forschungsgruppe Deutschland des Kongresses.
Die
Bundesrepublik
Deutschland
steht im Mittelpunkt der Ost-West-Be-

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�Ziehungen wie auch unserer Beziehungen zu den Westeuropäern in der NATO
und der Europäischen Gemeinschaft.
Gerade wegen der Bedeutung der Bundesrepublik für das Bündnis ist die
bundesdeutsche Öffentlichkeit wichtigste Zielgruppe von Gorbatschows
"Offensive des Charmes".
Wie dem Ausschuß bekannt ist,
stellt die Bundesrepublik die größten
aktiven konventionellen Streitkräfte
des Westens in Europa. Ebensoviele
verbündete Truppen - einschließlich
250 000 amerikanischer Soldaten des
Heeres und der Luftwaffe - und ein
großer Anteil der kriegsschauplatzgebundenen atomaren Streitkräfte der
NATO sind auf ihrem Territorium stationiert. Nach den Vereinigten Staaten belegt die Bundesrepublik im
Welthandel den zweiten Platz und
steht bei unseren Handelspartnern an
dritter Stelle.
Wir haben mit Bonn ein solides
Fundament bilateraler Zusammenarbeit
in einem Verhältnis geschaffen, das
in den vergangenen vier Jahrzehnten
erheblichen Veränderungen unterworfen
war. Obwohl unsere Beziehungen heute
den Charakter einer reifen Partnerschaft haben, sind sie weiterhin anfällig für Mißverständnisse und bisweilen auch Meinungsverschiedenheiten. Meines Erachtens sind die in
unserem Verhältnis zutage getretenen
Friktionen - und wir sollten die
jüngsten Ereignisse nicht als Ausnahmefälle betrachten -, eher Ausdruck
der Bedeutung, Vielfalt und Intensität unserer Bindungen und gemeinsamen
Interessen als grundsätzlicher Meinungsverschiedenheiten.
Sicherlich setzt sich die Bundesrepublik energischer für die Wahrung
ihrer Interessen ein. Sie erhebt zu Recht - Anspruch auf den ihr zukommenden politischen und wirtschaftlichen Rang in der Welt. Eine solche
Position bringt jedoch zugleich zusätzliche Verpflichtungen mit sich,
die zu erfüllen Bonn bereit sein muß.
Zudem haben ein Generationswechsel
sowie Veränderungen in der innen- und
außenpolitischen Landschaft stattge-

funden. Parallel dazu hat in einigen
Kreisen das Vertrauen in die Fähigkeit der Vereintsten Staaten abgenommen, den Westen effektiv und berechenbar zu führen. Unsere FUhrungsrolle und Beharrlichkeit haben jedoch
ebenso wie die unserer Bündnispartner
Europa nicht nur Freiheit und Veränderungen im Osten beschert, sondern
die längste Friedensperiode, die Europa seit der Schlacht von Waterloo
erlebt hat.
Meines Erachtens erkennen die
Bonner Regierung wie auch die Mehrheit der Bundesbürger, daß für sie
die feste Verankerung in der NATO und
in der Europäischen Gemeinschaft unerläßlich ist. Westpolitik genießt
weiterhin Vorrang vor Ostpolitik.
Der auch heute schon wichtige
wirtschaftspolitische
Teil
unseres
Verhältnisses
wird
wahrscheinlich
noch an Bedeutung gewinnen, jedoch
zunehmend von Entscheidungen bestimmt
werden, die in Brüssel und nicht in
Bonn fallen. Allerdings spielt die
Bundesrepublik
Deutschland
eine
Schlüsselrolle bei der Entscheidungsfindung innerhalb der Europäischen
Gemeinschaft. Wir erwarten, daß ihre
Stimme zur Unterstützung des freien
Handels und eines offenen europäischen
Binnenmarkts,
insbesondere
nach 1992, Gehör finden wird.
Herr Vorsitzender,
ich kann mir keine größere Ehre,
keine wichtigere Aufgabe und keine
größere Herausforderung vorstellen,
als an der Schwelle zum nächsten
Jahrhundert die Vereinigten Staaten
in unseren Beziehungen mit der Bundesrepublik Deutschland zu vertreten.
Vorbehaltlich meiner Bestätigung
wird meine vornehmste Aufgabe darin
bestehen, auf unseren vielfältigen,
zum Teil deckungsgleichen Interessen,
gemeinsamen Werten sowie dem gegenseitigen Respekt und Vertrauen aufzubauen, von denen die deutsch-amerikanischen
Beziehungen
gekennzeichnet
sind, um gemeinsame Zielsetzungen im
Namen von Frieden, Wohlstand und

�Freiheit zu verwirklichen.
Dabei werde ich die amerikanischen Interessen und Anliegen klar
und deutlich vertreten, über die Entwicklungen
in
der
Bundesrepublik
wahrheitsgetreu und gewissenhaft berichten und dabei berücksichtigen,
daß auch die Bundesbürger Interessen
und Ansichten haben, die sich gelegentlich von den unseren unterscheiden, heute vielleicht noch mehr als
in der Vergangenheit. Ich gebe mich
keinerlei Illusionen darüber hin, daß
meine Aufgabe leicht sein wird, aber
in den nahezu 50 Jahren meiner
Dienstzeit sind mir selten leichte
Aufgaben gestellt worden.
Die Herausforderung - und nicht
nur für einen Botschafter in Bonn besteht darin, dieses für beide Seiten wichtige Verhältnis auf allen
Ebenen und in allen Bereichen so zu
gestalten, daß gemeinsame, überragende Prinzipien und Zielsetzungen - und
insbesondere gegenseitiges Vertrauen
weiterhin gefördert werden.
In
diesem Zusammenhang dlirfen die Vereinigten Staaten und die Bundesrepublik Deutschland nicht jedes neue

Problem auf beiden Seiten des Atlantiks
entweder
zum
"Prüfstein"
deutscher Zuverlässigkeit oder zum
Beispiel amerikanischer Unnachgiebigkeit werden lassen. Ein solches Vorgehen
würde bedeuten, dieses entscheidende Verhältnis aufs Spiel zu
setzen. Sicherstellung enger, dauerhafter Kontakte - nicht zuletzt auch
mit der politischen Opposition - und
die wirksame Erfüllung unserer besonderen Verantwortung für Berlin sind
andere Schlüsselelemente des Erfolges.
Herr Vorsitzender,
im Bewußtsein der schwerwiegenden
Verantwortung, die ich vorbehaltlich
meiner Bestätigung zu tragen haben
werde, kann ich diesem Ausschuß versichern, daß ich mein Bestes geben
werde, um mich des in mich gesetzten
Vertrauens würdig zu erweisen.

- 3 -

�AMERIKA DIENST
^7

^

C&amp;

Hintergrundmaterial
19. April 1989

16

BRADY FORDERT VOLLSTÄNDIGE BEWILLIGUNG DER MITTEL FÜR
MULTILATERALE ENTWICKLUNGSBANKEN
- Erklärung vor Kongreßausschuß (Zusammenfassung) -

WASHINGTON - (AD) - Die Bush-Administration hat Finanzminister Nicholas
Brady zufolge für das am 30. September 1990 endende Haushaltsjahr beim Kongreß
die Bewilligung von 1,637 Milliarden Dollar für die amerikanischen Zahlungen
an die multilateralen Entwicklungsbanken (MDBs) beantragt. Dazu gehören die
Weltbank, die Internationale Entwicklungsorganisation, die Internationale Finanz-Corporation, die Interamerikanische Entwicklungsbank, Asiatische Entwicklungsbank und -fonds sowie Afrikanische Entwicklungsbank und -fonds.

Ferner fordert die Bush-Administration 313 Millionen Dollar, um in
der Vergangenheit entstandene Fehlbeträge bei den amerikanischen Verpflichtungen gegenüber diesen Institutionen abzudecken sowie die Freigabe von 150 Millionen Dollar zur Finanzierung der amerikanischen Beteiligung an der Erweiterten Strukturellen Anpassungseinrichtung (ESAF) des
Internationalen Währungsfonds (IWF).
Mit diesem IWF-Programm wird den ärmsten Ländern finanzielle Unterstützung zu günstigen Bedingungen gewährt, wenn diese mit anhaltenden
Zahlungsbilanzproblemen
konfrontiert
und bereit sind, mehrjährige Wirtschaftsreformen durchzuführen.
"Die Vereinigten Staaten sind das
einzige führende Industrieland, das

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Embassy of the United States of America

noch keinen Beitrag zur ESAF geleistet hat", erklärte Brady am 17. April 1989 vor einem Unterausschuß des
Repräsentantenhauses. "Eine bescheidene Zuwendung an die ESAF würde viel
dazu beitragen, um unsere Glaubwürdigkeit im IWF zu erhalten und den
Vereinigten Staaten Einfluß bei Fragen von zentraler Bedeutung für unsere nationalen Interessen und das
Wohlergehen der Weltwirtschaft zu
sichern."
Der Finanzminister erklärte vor
dem Unterausschuß für die Bewilligung
von Mitteln für auswärtige Angelegenheiten, gemäß der neuen Schuldenstrategie für die Dritte Welt - die sich
auf Schulden und Schuldendienstreduzierung konzentriert - komme der angemessenen Bereitstellung von Mitteln

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�für die multilateralen Entwicklungsbanken entscheidende Bedeutung zu.
Diese Institutionen werden ihm zufolge eine stärkere Rolle bei der Stimulierung des Schuldenabbaus spielen
und müssen "für ihre Arbeit angemessene Mittel erhalten".
Brady ging ausführlich auC die
Bedeutung von Fragen des Umweltschutzes bei von internationalen Institutionen finanzierten Projekten aus der
Sicht der Vereinigten Staaten ein.
Insbesondere behandelte er detailliert das Problem der tropischen Regenwälder und erklärte: "Die Regierung der Vereinigten Staaten ist entschlossen, daß die MDBs Maßnahmen und
Verfahrensweisen zum Schutz vor Projekten beschließen sollen, die diese
Wälder und andere instabile Ökosysteme beeinträchtigen." Wir haben verschiedene Schritte unternommen, um
weltweit Verständnis für die Bedeutung dieses Problems zu wecken und
größere Unterstützung für Maßnahmen
zum Schutz solcher Ökosysteme zu gewinnen, die durch Entwicklungsprojekte und -programme bedroht sein könnten.

Es ist zwingend erforderlich, daß
in den MDBs und den Schuldnerländern
angemessene Verfahrensweisen zur Bewertung der Auswirkungen auf die Umwelt erarbeitet werden. Ferner besteht die dringende Notwendigkeit für
die MDBs, der Öffentlichkeit die für
die Umwelt relevanten Informationen
über Projekte im Vorfeld der von der
Bank getroffenen Maßnahmen zugänglich
zu machen. Ich habe bei der Jahrestagung der Weltbank in Berlin im September vergangenen Jahres die Bedeutung von Umweltproblemen hervorgehoben. Im März dieses Jahres habe ich
einen Brief an Präsident Conable geschrieben und darin auf die Bedeutung
verwiesen, die wir dem Zugang von Informationen und der Notwendigkeit zum
schnelleren Handeln der Bank in diesem Bereich beimessen. Vor zwei Wochen haben wir vor dem Entwicklungsausschuß der Weltbank eine Erklärung
abgegeben und darin erneut die Bedeutung unverzüglichen Handelns betont.
Ich habe meine Kollegen in den anderen Industrienationen zur Untertsützung dieser Bestrebungen aufgefordert, und wir werden in den kommenden
Monaten auf die internationale Vereinbarungen angemessener Verfahrensweisen drängen.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
VON

Hintergrundmaterial

4

16

19. April 1989

DER ATOMWAFFENSPERRVERTRAG:

ERFOLGREICHE RÜSTUNGSKONTROLLE

- Bericht der ACDA -

WASHINGTON - (AD) - Der nachfolgende Bericht der amerikanischen Rüstungskontroi L- und Abrüstungsbehörde (ACDA) erläutert den Zweck des Nichtverbreitungsvertrages.

Der Vertrag über die Nichtverbreitung von Kernwaffen (NPT) ist der
Rüstungskontrollvertrag, der weltweit
am wenigsten gebrochen wird. Die 138
Nationen unterzeichneten den Vertrag
in dem Bewußtsein, daß die Weiterverbreitung von Kernwaffen die Sicherheit aller Staaten ernsthaft gefährden würde.
Die Bedrohung durch die Weiterverbreitung von Kernwaffen führt zu
Problemen unter regionalen Rivalen,
insbesondere bei bereits bestehenden
Spannungen . Der darin resultierende
Rüstungswettlauf kann sehr gefährlich
werden und zu einem bewaffneten Konflikt führen. Solche Aussichten haben an sich schon nicht nur für die
fragliche Region, sondern auch für
andere Gebiete der Welt eine destabilisierende Wirkung.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Verhinderung der Verbreitung von
Kernwaffen
Die kontinuierliche Zunahme der
Länder, die dem NPT beitreten, ist
eindeutiger Beweis für die wachsende
weltweite Verpflichtung zur Nichtverbreitung.
Durch die Unterzeichnung
des Vertrages haben Staaten ohne
Kernwaffen sich verpflichtet, Kernwaffen weder herzustellen noch zu erwerben. Die Vertragspartner des NPT,
die im Besitz von Kernwaffen sind die Vereinigten Staaten, die Sowjetunion und Großbritannien -, haben
sich verpflichtet, auf die Weitergabe
von nukleren Sprengsätzen an einen
anderen Staat zu verzichten und Staaten, die keine nuklearen Sprensätze
besitzen, nicht bei der Herstellung
oder Beschaffung solcher Waffen be-

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�hilfllch zu sein. Frankreich und die
Volksrepublik China sind dem Vertrag
nicht beigetreten, Frankreich hat jedoch erklärt, es werde seine Beziehungen im Nuklearbereich im Einklang
mit den Zielsetzungen des Vertrages
führen und China hat versichert, daß
es anderen Ländern nicht bei der Entwicklung von Kernwaffen behilflich
sein wird.

Förderung der friedlichen Nutzung
von Kernenergie
Der NPT erleichtert den Zugang
zur friedlichen Nutzung von Kernenergie. In der Tat gewähren zahlreiche
Lieferanten von Kernenergie ihren Nuklearexporten in Länder, die dem Vertrag be-'getreten sind ebenso wie anderen gemeinsamen Unternehmungen mit
NPT-Mitgliedern eine bevorzugte Behandlung.
Die
NPT-Vertragsparteien
haben
von den zahlreichen Vorteilen aus der
friedlichen Nutzung von Kernenergie
in großem Umfang profitiert. Die vom
NPT geförderte friedliche Anwendung
von Kernenergie wird weltweit in
vielfältiger produktiver Weise genutzt, zum Beispiel: in der Landwirtschaft bei der Schädlingsbekämpfung und Aufstockung von Nahrungsmittelvorräten; in der Medizin zur
Krebstherapie; in der Geologie zur
Lokalisierung von Rohstoffen und natürlich bei der Energieproduktion als
Mittel zur Stromerzeugung.

Vorkehrungen zur Gewährleistung von
Sicherheit und Vertrauen
Einzelne Länder sind dem NPT beigetreten, weil der Vertrag ein wichtiges Instrument zur Förderung gegenseitigen Vertrauens sowie weltweiter
Sicherheit und Stabilität darstellt.
Sie leisten ihren Beitrag dazu, indem
sie ihre Atomexplosionen zu friedlichen Zwecken Sicherheitsmaßnahmen
unterwerfen, die von der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO)
überwacht werden. Mit Hilfe der Si-

cherheitsmaßnahmen des NPT soll verifiziert werden, daß die friedliche
Nutzung der Kernenergie nicht für
Atomwaffenprogrrmme verwendet wird.
Die mit dem System der Schutzmaßnahmen gebotenen Sicherheiten sollen
Mißtrauen abbauen, das andernfalls
Nachbarstaaten ermutigen könnte, Fähigkeiten für Nuklearwaffen anzustreben oder andere Maßnahmen zu ergreifen, die dem regionalen und weltweiten Rüstungswettlauf Vorschub leisten
könnten.
Da
die
Sicherheitsvorkehrungen
der IAEO Vertrauen schaffen, daß zu
friedlichen Zwecken genutztes nukleares Material nicht mißbräuchlich verwendet wird, liefert der NPT eine
feste Grundlage für die friedliche
internationale Zusammenarbeit im Nuklearbereich. Ohne den NPT und die
Sicherheitsvorkehrungen der IAEO bestünde kein volles Vertrauen, daß nukleares Material nur zu friedlichen
Zwecken verwendet wird. Unter diesen
Bedingungen würde der Handel mit
friedlichen Zwecken dienenden nuklearem Material weitaus schwieriger und
die sich aus dieser internationalen
Zusammenarbeit
ergebenden
Vorteile
erheblich reduziert.

Weiterführung der atomaren Abrüstung
Bei der schwierigen Aufgabe, Maßnahmen zur Beendigung des atomaren
Rüstungswettlaufs
auszuhandeln
und
eine Abrüstung von Kernwaffen zu erzielen, sind erhebliche Fortschritte
erzielt worden.
Seit Bestehen des
NPT arbeiten die Vereinigten Staaten
und die Sowjetunion an der Festsetzung von Obergrenzen für die Anzahl
und die Kategorien von Kernwaffen.
Jüngste Verhandlungen haben mehr hervorgebracht als lediglich die Begrenzung dieser Waffen und sie reduziert.
Der 1988 zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion geschlossene INF-Vertrag stellt eine einzigartige Leistung in der Abrüstung dar.
Heute beseitigt der INF-Vertrag eine
gesamte Kategorie amerikanischer und

- 2 -

�sowjetischer
Atomwaffen.
Darüber
hinaus sieht er die umfangreichsten
Vor-Ort-Inspektionen vor, die jemals
für einen Abrüstungsvertrag erarbeitet worden sind.

NPT verfolgt eine dreifache Zielsetzung:

Auch im Bereich der Verhandlungen
über strategische Rüstungen (START),
einer weiteren Bestrebung der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
um echte Abrüstung, sind erhebliche
Fortschritte
erzielt worden.
Die
START-Verhandlungen haben in ihren
Bemühungen um einen Abbau strategischer Offensivwaffen der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion um 50
Prozent viel erreicht.

- Förderung der friedlichen Nutzung
von Kernenergie.

Bedeutende
Fortschritte
wurden
ferner auf dem Weg zur Ratifizierung
des Schwellenvertrags und des Vertrags über Atoraexplosionen zu friedlichen Zwecken erzielt. Durch Zusammenarbeit bei gemeinsamen Experimenten in einem Ausmaß, das noch vor wenigen Jahren für unrealistisch gehalten worden wäre, haben sich die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion
bemüht, eine wirksame Verifizierung
von Atomtests zu gewährleisten, um
eine Ratifizierung dieser Verträge zu
ermöglichen. Die beiden Länder haben
sich überdies darauf geeinigt, daß
nach Ratifizierung dieser Verträge
Verhandlungen über Möglichkeiten zur
Durchführung stufenweiser, parallel
ablaufender
Programme
eingeleitet
werden, mit denen Atomtests begrenzt
und beendet sowie alle Kernwaffen reduziert und
letztlich abgeschafft
werden sollen.
Zusammen mit verstärkter amerikanisch-sowjetischer Zusammenarbeit bei
Inspektion und Verifizierung zeigen
diese Errungenschaften bei Rüstungskontrolle und Abrüstung, daß die Verhandlungen über nukleare Abrüstung
aufrichtig betrieben werden - und mit
bedeutendem Erfolg.

- Verhinderung der Weiterverbreitung von Kernwaffen.

- Ermutigung aufrichtig geführter
Verhandlungen über wirksame Mittel und Wege zur Beendigung des
nuklearen Wettrüstens, Erlangung
nuklearer Abrüstung und Aushandlung eines Vertrages über allgemeine und umfassende Abrüstung.
Mit der Verhinderung der Verbreitung von Kernwaffen fördert der NPT
zudem die friedliche Nutzung der
Kernenergie
durch
internationale
Schutzmechanismen, um zu verhindern,
daß die friedliche Nutzung der Kernenergie für Programme zum Bau von
Kernwaffen mißbraucht wird.

Sicherheit für alle Staaten
Bei der letzten Überprüfung des
NPT im Jahr 1985 wurde die allgemeine
Einhaltung des Vertrages als bestes
Mittel angesehen, um den Schutz vor
der Verbreitung von Kernwaffen zu
stärken.
Die Vertragsparteien verliehen feierlich ihrer Überzeugung
Ausdruck, daß der NPT für Frieden und
Sicherheit in der ganzen Welt unerläßlich ist. Diejenigen, die daran
zweifeln, daß dies der Wahrheit entspricht, sollten sich nur eine Welt
ohne NPT vorstellen.
Das Fehlen
rechtlicher Beschränkungen für die
Verbreitung von nuklearen Sprengsätzen würde

Was leistet der NPT?
Der unter Berücksichtigung der
Interessen aller Staaten entworfene
- 3 -

- regionale Spannungen und Verdächtigungen verschärfen,
- die Bedrohung durch
Wettrüsten erhöhen,

regionales

- die auf dem Weg zu nuklearer Abrüstung
erzielten
Fortschritte
untergraben,

�- die Grundlagen der friedlichen
internationalen
Zusammenarbeit
und des Handels im Nuklearbereich
zerstören.
Der NPT erhöht eindeutig die Sicherheit aller Staaten. Ohne inn wäre die Welt ein schrecklicherer und
unsicherer Ort.

* * * * * *

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�AMERIKA DIENST
VON

&amp;

Wissenschaft und Technik

19. April 1939

16

NASA UNTER NEUER LEITUNG
- Präsident Bush nominiert Richard Truly als Leiter der US-Behörde
für Luft- und Raumfahrt -

WASHINGTON - (AD) - Konteradmiral Richard Harrison Truly wurde am 11.
April 1989 von Präsident George Bush zum Nachfolger von Dr. James J. Fletcher
als Leiter der US-Behörde für Luft- und Raumfahrt (NASA) nominiert. Vorbehaltlich der erwarteten Zustimmung durch den Senat würde damit zum ersten Mal
ein Astronaut diese bislang meist mit Wissenschaftlern besetzte Position übernehmen.

Bei der Bekanntgabe der Nominierung Trulys erklärte der Präsident
u.a.: "Dies ist in der ruhmreichen
Geschichte der NASA das erste Mal,
daß eine überragende Persönlichkeit
aus den eigenen Reihen ihre Leitung
übernimmt - ein Astronaut mit Weltraumerfahrung, ein Mann, der auf besondere Weise mit der großartigen
Teamarbeit in der NASA und ihren Leistungen vertraut ist." Die Zustimmung des amerikanischen Kongresses
sei jedoch erforderlich, weil Truly
aktiver Marine-Offizier ist.
Seit 1986 war Truly beigeordneter
Leiter der NASA für bemannte Raumfahrt. Zuvor war er zwei Jahre lang
als erster Kommandeur des MarineRaumfahrtkommandos
in
Dalhgreen
(Virginia) tätig. Im Jahr 1973 ge-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

hörte er der Bodenmannschaft für die
SKYLAB-Missionen an. Bei allen drei
bemannten Einsätzen des "Himmelslabors" war er zuständig für die Funkverbindungen mit der Besatzung. In
ähnlicher Eigenschaft leitete er zwei
Jahre später den Funkverkehr mit den
Astronauten bei dem amerikanischsowjetischen APOLLO-SOYUS-Unternehmen.
Im Jahr 1977 konnte Truly erste
praktische Erfahrungen
zum "Space
Shuttle"-Programm mit dem Vorläufer
ENTERPRISE des Raumtransporters als
Pilot der zweiköpfigen Besatzung bei
Tests sammeln, die der Erprobung von
Anflug- und
Landemanövern
galten.
Seinen erster Einsatz im Weltraum
flog er 1981 (12. - 14. November) als
Kopilot von Joseph Engle bei der
zweiten Mission der COLUMBIA. Sei-

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�nerzeit wurde zum ersten Mal der in
Kanada gebaute "mechanische Arm" verwendet. Er ist in der Ladebucht untergebracht und leistete den Astronauten beim Umsetzen und Absetzen von
Nutzlasten schon viele gute Dienste.
Beim achten Flug des wiederverwendbaren
amerikanischen
Raumtransporters, der mit fünf Mann an Bord vom
30. August bis 5. September x983 mit
der CHALLENGER durchgeführt wurde,
war Truly der Kommandant, Daniel
Brandenstein der Kopilot. Zum ersten
Mal erfolgten Start und Landung in
der Nacht.
Truly wurde am 12. November 1937
in Fayette (Mississippi) geboren. Er
studierte Flugzeugbau am bekannten
Georgia Institute of Technology und
schlug nach Erwerb des BachelorGrades im Jahr 1959 die Berufsoffizierslaufbahn bei der US-Marine ein.
1960 erwarb er das Pilotenabzeichen
als Marineflieger. Von 1963 bis 1965
war er zunächst Student, dann Ausbilder an der Forschungsakademie für
Luft- und
Raumfahrt,
gleichzeitig
Testpilotenschule der US-Luftstreitkräfte in "Edwards Air Force Base"
(Kalifornien). Im Jahr 1965 gehörte
er zur ersten Gruppe militärischer
Astronauten, die für das Programm
"Bemanntes
Orbit-Laboratorium"
der
amerikanischen
Luftstreitkräfte
in
Los Angeles ausgewählt wurden. Truly
ist verheiratet und hat drei Kinder.

Am Tag der Nominierung Trulys gab
Präsident Bush ferner seine Absicht
bekannt, James R. Thompson, Jr., als
Stellvertretenden Leiter der NASA zu
nominieren. Er würde in dieser Eigenschaft die Nachfolge von Dale D.
Myers antreten. Thompson leitet seit
1986 das Marshall-Raumflugzentrum der
NASA in Huntsville (Alabama).

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
V»ON *

Wissenschaft und Technik

19. April 1989

16

BENNETT GREIFT DURCH
- Aktionsplan gegen Drogen und Drogenkriminalität für die
Bundeshauptstadt Washington -

WASHINGTON - (AD) - Einen "Bundesaktionsplan" gegen Drogenhandel und damit
einhergehende Gewalttaten gab Dr. William Bennett, der Direktor des amerikanischen Amtes für Anti-Drogen-Politik, für die Bundeshauptstadt Washington bekannt. Die lokale Polizei war bisher nicht in der Lage, die Eskalation von
Mord und Gewalt oder den offenen Straßenhandel mit Rauschgift zu stoppen.

Das am 10. April 1989 in Anwesenheit
des amerikanischen Justizministers Dick Thornburgh und des Ministers für Wohnungsbau und Stadtentwicklung, Jack F. Kemp, verkündete
Programm soll zum Testfall für andere
drogengeplagte Städte in den Vereinigtn Staaten werden. Die Strafverfolgungsbehörde für Drogendelikte
(DEA) werde unter Einbeziehung von
Mitarbeitern von 57 Fahndungsstellen
der Behörden des Bundes, der Einzelstaaten und der Kommunen die Schaffung einer Arbeitsgruppe für den Raum
Washington koordinieren, der unter
anderem
elf DEA-Angestellte sowie
fünf
Geheimdienstspezialisten
vom
amerikani sehen
Verteidigungsrainisteriuo angehören sollen. Außerdem werden ihr 25 zusätzliche Beamte vom FBI
(Bundeskriminalamt) für die Tätigkeit
in der Hauptstadt zugeteilt.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Um mehr Raum in den Gefängnissen
der Stadt zu schaffen, werden Gefangene in Einrichtungen des Bundes verlegt. In Washington wird ein neues
Untersuchungsgefängnis mit 500 Plätzen sowie ein Bundesgefängnis mit 700
Plätzen errichtet. Die Räumung von
Wohnungen der öffentlichen Hand, in
denen derzeit Rauschgifttäter wohnen,
wird beschleunigt. Gleichzeitig werden Maßnahmen ergriffen, die für die
Mieter mehr Sicherheit bringen und
gewährleisten, daß leerstehende Wohnungen nicht von Drogenhändlern benutzt werden. Präsident Bush stimmte
dem Plan Bennetts zu und appellierte
an die zuständigen Behörden auf allen
Ebenen, sich zusammenzuschließen, um
das Drogenproblem der Bundeshauptstadt zu lösen.

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�Nach
den
Worten
von
Marlin
Fltzwater, dem
Pressesprecher des
Weißen Hauses, "mögen die Vorschläge
von Direktor Bennett unpopulär sein aber sie zeigen an, daß man den drängenden Problemen in gebührender Weise
begegnet". .
"Um sie zu bestehen,
hängt viel davon ab, ob wir gewillt
sind, die zahlreichen schwierigen
Maßnahmen zu akzeptieren, die zur Bekämpfung der Drogenkriminalität ergriffen werden müssen."
"Wir handeln so, als befänden wir
uns in einer NotsituatIon, um herauszufinden, was wir zu lernen haben abgesehen davon, daß die Stadtverwaltung nicht verantwortlich genug gehandelt hat", sagte Bennett auf seiner ersten Pressekonferenz als Direktor des Amtes für Anti-Drogen-Politik. Seit Beginn dieses Jahres habe
es in Washington 135 Morde gegeben.
Bei den meisten davon ging es in irgend einer Form um Rauschgift.

Die
Kosten
für
seinen
Plan
schätzt Bennett auf 70 bis 80 Millionen Dollar. Vom Kongreß seien keine
zusätzlichen Mittel dafür erforderlich; vielmehr würden Gelder aus
Fonds mehrerer ^undesbehörden für Anti-Drogenprogramme umdirigiert.
Obgleich der Plan auch eine gewisse
Hilfe für Drogentherapie, berufliche
Schulung und kommunale Aktionsprogramme im Raum Washington vorsehe,
liege
das
Schwergewicht
auf der
Strafverfolgung.
erklärte
Bennett.
In den nächsten fünf Monaten werde er
eine national? Anti-Drogen-Strategie
ausarbeiten, wie sie das Gesetz gegen
Drogenmißbrauch
von 1988 fordere.
Diese werde sowohl auf eine Reduzierung der Nachfrage als auch des Angebots an Drogen abzielen. "Wir werden
das Problem nicht los, solange 24
Millionen Menschen einen riesigen Appetit auf Drogen haben. Mit Strafverfolgung allein ist es nicht zu bewältigen.
Die Bevölkerung muß mit
uns handeln und erkennen, daß es an
der Zeit ist, sich ihre Straßen, ihre
Wohnviertel und ihre Kinder zurückzuholen. "

* * * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Raumflug&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Leistungssteigerung bei chemischen Raketen durch neue Stufenkombinationen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Antennen aus der Rumpelkammer&lt;br /&gt;Wissenschaftliche Satellitenbeobachtung durch Amateurgruppen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sonnenforschung mit Erdsatelliten&lt;br /&gt;Einige neue Ergebnisse&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Frischluftversorgung im Raumschiff&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nachrichtentechnik mit sichtbarem Licht&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Temperaturfestes Elektrogerät für Hyperschallflugkörper&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Politik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Armee des Friedens&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Am 27. Mai und 5. Juni finden die ersten Freiwilligenmusterungen für das U.S. PEACE CORPS statt&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hochschulmesser in den USA&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Akademikerinnenverband vergibt 44 Stipendien&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kennedy fordert Verlängerung des Studienförderungsgesetzes</text>
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und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

20

19. Mai 1982

I N H A L T

INFORMATION
USA begrüßen Gesprä'chsbereitschaft Breschnews
- Von unserem Korrespondenten Alexander Sullivan -

DOKUMENTATION
Reagan unterstreicht Willen der USA zum Abbau der Kernwaffen
- Auszüge aus der Pressekonferenz des Präsidenten vom 13. Mai 1982
Die Wurzeln der deutsch-amerikanischen, Freundschaft
- Von Botschafter Arthur F. Burns -

HINTERGRUNDMATERIAL
Kampelman betont Notwendigkeit einer starken US-Verteidigungsposition
Gelber Regen:

Erdrückende Beweise

- Leitartikel der "Washington Post'

Um Übcr/cndung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 08-85432

�mIER1*h

tDlEl11&gt;TJ
&lt;

20

Infoimolion
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

19. Mai 1982

USA BEGRÜSSEN GESPRÄCHSBEREITSCHAFT BRESCHNEWS
Von unserem Korrespondenten Alexander Sullivan -

WASHINGTON - (AD) - Das Weiße Haus hat die angekündigte Bereitschaft
des sowjetischen Staats- und Parteichefs Breschnew begrüßt, in Verhandlungen
über eine Verringerung der strategischen Rüstungen einzutreten. Der derzeitige Sprecher des Weißen Hauses, Larry Speakes, erklärte jedoch am 18. Mai,
daß die Vereinigten Staaten die"Forderung Breschnews nach einem Einfrieren
der strategischen Waffen ablehnten, da dies lediglich eine Festschreibung
des bestehenden militärischen Vorteils der Sowjets bedeuten würde.
In einer Erklärung vor der Presse, die die Auffassungen Präsident Reagans
wiedergab, wies Speakes darauf hin, daß der Breschnew-Vorschlag für ein Einfrieren Moskau jeden Anreiz nehmen würde, einer wesentlichen Verminderung
zuzustimmen, die von Reagan als das Hauptziel der START-Verhandlungen genannt wurde.

Den Vorschlag Breschnews, die Dislozierung taktischer Nuklear-

waffen oder nuklearer Mittel Streckensysteme zu begrenzen, bezeichnete Speakes
als eine Wiederholung früherer Einfrierungsvorschläge des Kreml.

"Dieser Vor-

schlag reicht bei weitem nicht an den Vorschlag Präsident Reagans für eine
totale Beseitigung solcher Raketen heran", so betonte der Sprecher des Weißen
Hauses.
Im amerikanischen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Im amerikanischen Außenministerium wurde erklärt, daß eine genaue Prüfung der Rede Breschnews noch nicht abgeschlossen sei, daß jedoch die meisten
der aufgeworfenen Fragen bei den Verhandlungen angesprochen werden dürften.
Auch der Stellvertretende Sprecher des Außenministeriums, Alan Romberg, betonte, daß der Vorschlag Breschnews, die weitere Dislozierung von nuklearen
Mittel Streckensysteme zu begrenzen, praktisch eine Wiederholung früherer
sowjetischer Vorschläge für ein Einfrieren des derzeitigen nuklearen Ungleichgewichts in Europa darstelle und damit hinter dem Vorschlag Präsident Reagans
für eine totale Beseitigung der landgestützten nuklearen Mittelstreckensysteme
beider Seiten zurückbleibe.
Romberg bekräftigte, daß sich der amerikanische Standpunkt nicht geändert habe und die USA keine neuen Waffensysteme dislozieren würden, wenn entsprechende Verminderungen ausgehandelt würden.
Präsident Reagan hatte in einer Rede vor dem Eureka-College am 9. Mai
wesentliche Verminderungen der gefährlichsten Nuklearwaffen, der land- oder
unterseebootgest'ützten Interkontinentalraketen, gefordert. Reagan hatte sich
hauptsächlich auf landgestützte Raketen konzentriert, weil sie psychologisch
am bedrohlichsten seien und nach ihrem Abschuß praktisch in Minuten ihre Ziele erreichten. Unterseeboote und Flugzeuge brauchten sehr viel länger, um
ihre Abschußposition zu erreichen, und könnten vor dem Abschuß der Raketen
zurückgerufen werden. Der Präsident hatte in Eureka betont, daß er im nächsten
Monat Verhandlungen in zwei Phasen über eine Verringerung und Neugestaltung
der strategischen Streitkräfte der USA anstrebe, um die Stabilität zu fördern.
Schon vorher hatte der Präsident den Verzicht auf die Dislozierung neuer
PERSHING II-Raketen und landgestützter Marschflugkörper in Europa angeboten,
wenn die Sowjetunion dem Abbau ihrer bereits dislozierten Nuklearraketen vom
Typ SS-20, SS-4 und SS-5 zustimme.
Der amerikanische Präsident hat erkennen lassen, daß jenseits der Abrüstungsverhandlungen eine sowjetische Führung, die sich der Verbesserung
des Lebens ihrer Bevölkerung widme, im Westen eine Führung vorfinden würde,
- 2 -

�vorfinden würde, die zu verbesserten Beziehungen bereit sei. Der Westen kann
nach Auffassung Reagans eine realistische dauerhafte Politik verfolgen, die
die westlichen Interessen schützt und den Frieden erhält, und zwar nicht nur
für diese Generation, sondern für "unsere Kinder und' Kindeskinder", wie Reagan
sagte.
Während eines kurzen Fototermins am 18. Mai sagte Präsident Reagan, daß
er die Ausführungen Breschnews so interpretiere, daß dieser zustimme, daß
"wir zusammenkommen", um Verhandlungen zu beginnen. Der Sprecher des Weißen
Hauses wies in diesem Zusammenhang darauf hin, daß der Präsident damit nicht
sagen wollte, daß ein persönliches Treffen mit Breschnew arangiert worden sei.
Die Auffassung Reagans bezüglich eines solchen Treffens habe sich nicht geändert, so erklärte Speakes. Der Präsident würde noch immer gerne mit Breschnew
im nächsten Monat zusammenkommen, falls dieser auf der Abrüstungssondersitzung
der Vereinten Nationen in New York spricht. Es gebe gegenwärtig keine Planungen oder Vorbereitungen für ein formelles Gipfeltreffen im Herbst, wie es
Breschnew früher vorgeschlagen habe, so betonte Speakes.

+ + + + +

- 3 -

�20

19. Mai 1982

REAGAN UNTERSTREICHT WILLEN DER USA ZUM ABBAU DER KERNWAFFEN
- Auszüge aus der Pressekonferenz des Präsidenten vom 13. Mai 1982

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat am 13. Mai 1982 in einer vom
Fernsehen landesweit übertragenen Pressekonferenz, in der innenpolitische
Fragen einen breiten Raum einnahmen, "dem amerikanischen Volk und allen Menschen der Welt" versichert, daß die Vereinigten Staaten "alles in ihrer
Macht Stehende unternehmen werden", um ein Abkommen mit der Sowjetunion über
die Verminderung der strategischen Waffen zu erreichen.
Eine Ratifizierung des SALT II-Vertrags lehnte Reagan hingegen ab, weil
dieser lediglich ein Wettrüsten legitimiere..
Zum Thema Falkland-Konflikt sagte der Präsident, die Vereinigten Staaten
könnten im Moment lediglich bereitstehen und versuchen, zu helfen. Er äußerte
jedoch die Überzeugung, daß dieser Konflikt den Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und den lateinamerikanischen Ländern keinen irreparablen
Schaden zugefügt habe.
Die wesentlichen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Die wesentlichen außenpolitischen Auszüge der Pressekonferenz, die mit
einer einleitenden Erklärung des Präsidenten begann, haben folgenden Wortlaut:
DER PRÄSIDENT: Guten Abend.

Ich möchte zunächst eine Erklärung abgeben.

Viermal in meinem Leben habe ich gesehen, wie Amerika in einen Krieg stürzte
- zweimal davon als Teil tragischer weltweiter Konflikte, die das Leben von
Millionen Menschen fordertani

Diese persönliche Erfahrung hat mich zu der

Überzeugung gebracht, daß die größte Mission Amerikas darin liegt, als Führer
unter den freien Nationen für die Sache des Friedens zu stehen.

Aus diesem

Grund tritt meine Administration - zusammen mit unseren Anstrengungen zur
Wiederherstellung einer glaubwürdigen nationalen Verteidigung - aktiv für einen Abbau der nuklearen und konventionellen Streitkräfte ein, der dazu beitragen kann, die Drohung einer Zerstörung von der Welt abzuwenden.
In Genf verhandeln die Vereinigten Staaten jetzt mit der Sowjetunion
über einen Vorschlag, den ich im vergangenen Herbst vorgelegt habe, um den
Umfang der Kernwaffen in Europa drastisch zu verringern.

In Wien verhandeln

wir und unsere NATO-Verbündeten mit dem Warschauer Pakt über Wege zur Reduzierung der konventionellen Streitkräfte in Europa.
Am vergangenen Sonntag schlug ich einen weitreichenden Weg für die
Kontrolle der Kernwaffen vor - eine phasenweise Verringerung der strategischen
Waffen, beginnend mit denjenigen, die am gefährlichsten und am destabilisierendsten sind: den Gefechtsköpfen der ballistischen Raketen und insbesondere
jenen der interkontinentalen ballistischen Raketen.
Heute haben die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion jeder etwa 7500
nukleare Gefechtsköpfe auf Raketen, die ihre Ziele in wenigen Minuten erreichen
können.

In der ersten Verhandlungsphase wollen wir uns auf eine Verminderung

dieser unmittelbarsten Bedrohung konzentrieren.

Wir streben eine Verminderung

der Anzahl der Gefechtsköpfe auf den ballistischen Raketen auf etwa 5000 an
- ein Drittel weniger als der gegenwärtige Umfang; außerdem eine Begrenzung
der Anzahl von Gefechts köpfen der landgestützten Raketen auf die Hälfte sowie
eine Verminderung der Gesamtzahl aller ballistischen Raketen auf ein gleich- 2 -

�ein gleichwertiges Niveau - auf etwa-die Hälfte des-derzeitigen amerikanischen
Niveaus.
In der zweiten Phase-streben-wir eine-Verminderung der Nutzlast' - eines
entscheidenden Indikators desGesamtzerstörungspotentials der Raketen - auf
gleiches Niveau an.

Um annehmbar zu sein, maß ein neues Rüstungsabkommen mit

den Sowjets ausgewogen, gleichwertig und verifizierbar sein.

Und was am al-

1 erwichtigsten ist: Es muß die Stabilität und die Aussichten auf Frieden vermehren.
Ich habe bereits an Präsident Breschnew geschrieben und Außenminister
Haig angewiesen, sich mit der sowjetischen Regierung in Verbindung zu setzen,
damit wir mit formellen Verhandlungen über eine Verminderung der strategischen
Kernwaffen - den START-Gesprächen - bei der frühestmöglichen Gelegenheit beginnen können.

Und wir hoffen, daß diese Verhandlungen Ende Juni beginnen

können und wir demnächst von Präsident Breschnew hören.
Es wird keine rasche und leichte Aufgabe sein, zu einem Abkommen mit den
Sowjets zu gelangen.

Das wissen wir aus der Vergangenheit.

Aber ich glaube,

das sowjetische Volk und seine Führung wissen um die Bedeutung der Verhinderung
eines Krieges.

Und ich glaube, daß eine feste, gerade Haltung der Vereinigten

Staaten beim Rüstungsabbau uns einer Einigung näherbringen kann.
Heute abend möchte ich vor dem amerikanischen Volk und allen Menschen der
Welt mein Versprechen erneuern, daß die Vereinigten Staaten alles in ihrer
Macht Stehende unternehmen werden, um zu einem solchen Abkommen zu gelangen.
Und nun glaube ich, daß es an der Zeit ist, wieder einmal zu dem traditionellen Scharmützel, den Fragen, zu kommen.
FRAGE:

Wenn die Beseitigung der nuklearen Bedrohung für die Welt so wich-

tig ist, warum ignorieren Sie dann sieben lange Jahre der Verhandlungen, an
denen zwei republikanische Präsidenten Anteil hatten?

Ich spreche von SALT II:

Wir halten uns an den Wortlaut, die Sowjetunion tut dies.
- 3 -

Warum drängt man

�drängt man nicht auf eine Ratifizierung dieses Vertrags als einen ersten
Schritt und geht dann auf START über? Das wäre immerhin ein Spatz in der
Hand!
ANTWORT:

Weil dieser Spatz kein sehr freundlicher Spatz ist.

Ich er-

innere Sie daran, daß ein von den Demokraten kontrollierter Senat seine Ratifizierung ablehnte.

Und der Grund für die Ablehnung seiner Ratifizierung

ist etwas, das wir nicht ignorieren können.

Der Grund dafür war die Tatsache,

daß SALT für die Begrenzung der strategischen Waffen steht.

Und die Begren-

zung in diesem Abkommen würde es der Sowjetunion während der Laufzeit des
Vertrags erlauben, ihre derzeitige Nuklearkapazität praktisch zu verdoppeln.
Es würde erlauben - und es erlaubt -, daß auch wir unsere erhöhen.
deren Worten:

Mit an-

Es legitimiert lediglich ein Wettrüsten.

Zu den Teilen davon, die wir einhalten, gehört die Überwachung der Arsenale der anderen Seite - und dies tun beide. Was wir wollen, ist eine Verminderung der Schlagkraft, der Anzahl und insbesondere der Anzahl jener destabilisierenden Raketen, die auf einen Knopfdruck hin losgehen können.

Und

dies steht in keinem Verhältnis zu dem, was SALT zu erreichen versuchte.

Ich

meine, mit SALT wurde der falsche Kurs verfolgt.
FRAGE:

Herr Präsiddent, Sie wissen sicher, daß der ehemalige Außenmi-

nister Henry Kissinger gestern gesagt hat, bei Ihrer Methode könnte es noch
weit länger dauern als die sieben Jahre, die man für die Aushandlung von SALT II
benötigte.

An welchen zeitlichen Rahmen denken Sie, den es braucht, um diese

Begrenzungen bei den Gefechtsköpfen auszuhandeln?
ANTWORT:

Wenn Sie einen Blick zurück in die Geschichte werfen, auf die

Verhandlungen mit der Sowjetunion seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs, dann
glaube ich nicht, daß man sich hier einen zeitlichen Rahmen abstecken kann.
Aber ich meine, es gibt einen Punkt, den es bislang noch nicht gab - und das
ist die Entschlossenheit der Vereinigten Staaten, ihre Verteidigung wieder
aufzubauen.

Und die Tatsache allein, daß wir den Willen hierzu gezeigt haben

und mit dem Wiederaufbauprogramm vorangehen, ist etwas, das meiner Meinung
- 4 -

�meiner Meinung nach einen Anreiz für die Sowjetunion bedeutet, sich an den
Tisch zu setzen und ehrlich mit uns zu verhandeln.
In den vergangenen Jahren fanden diese Verhandlungen doch in einer Lage
statt, da sie uns überlegen waren und wir praktisch einseitig abrüsteten.
Wann immer jemand ein wenig Geld für irgendein Programm brauchte, so nahm
man es der Verteidigung weg.
FRAGE:

Das gilt heute nicht mehr.

In den letzten Tagen sind Stimmen laut geworden, die Vereinigten

Staaten sollten den bestehenden NATO-Vertrag aufkündigen, demzufolge wir als
Vergeltungsmaßnahme den Sowjets'gegenüber Kernwaffen einsetzen würden, wenn
sie Westeuropa mit konventionellen Waffen angriffen.

Unter welchen Bedingungen

würden wir uns verpflichten, niemals als erste Kernwaffen in einem Konflikt
in Westeuropa einzusetzen?
ANTWORT: Hinsichtlich dieses Vorschlags über einen Verzicht auf den
Ersteinsatz solcher Waffen, der gemacht worden ist, - sicher, niemand von uns
möchte sie -, so glaube ich einfach nicht, daß es einen Sinn hat, solche Erklärungen abzugeben. Unsere strategischen Kernwaffen sind leider cjas einzig
ausgleichende Gewicht, die einzige Abschreckung, die wir gegenüber der massiven
Aufrüstung bei den konventionellen Waffen der Russen an der westlichen Front,
der NATO-Front haben. Das ist ja der Grund, warum wir in Wien versuchen, mit
ihnen eine Verminderung auch der konventionellen Streitkräfte auszuhandeln,
weil sie dort so überwältigend stark sind.
FRAGE:

Herr Präsident, was können Sie uns hinsichtlich eines Fortschrittes

bzw. des Fehlens eines solchen bei einer Verhandlungslösung der Fälkland-Frage
sagen?
len?

Könnten Sie etwas zu der Rolle sagen, die die Vereinigten Staaten spieUnd etwas zu unserer Lage hinsichtl ich anderer Verbündeter in Latein-

amerika und Südamerika, nachdem wir uns nun so deutlich auf die Seite der
Briten gestellt haben?
ANTWORT: In vielen Ländern Südamerikas herrscht wohl tendentiell der
Glaube, mit ihren Sympathien den Argentiniern näher zu sein als wir. Ich glaube

�Ich glaube nicht, daß ein Schaden entstanden ist, der nicht wiedergutzumachen
wäre.

Die Verhandlungen dauern an, nunmehr im Rahmen der Vereinten Nationen,

wo deren Generalsekretär jetzt intensiv tätig ist. Gestern zeigte auch der
brasilianische Präsident Figueiredo in einem Gespräch mit mir sein Interesse
und hat seine guten Dienste zur Hilfe angeboten. Alles, was wir als ehrliche
Makler für eine friedliche Lösung derzeit tun können, ist, uns bereitzuhalten
für eine Hilfestellung.
Es gibt Berichte, denen zufolge es bei einigen der zwischen beiden Seiten
anstehenden Fragen zu einer Einigung gekommen ist. Grundsätzlich geht es um
die Frage des Abzugs, um eine Interimsverwaltung der Insel selbst und um die
Dauer der Verhandlungen sowie darum, wie die endgültige Regelung sein soll.
Bisher gab es Intransigenz auf einer Seite hinsichtlich einer Souveränitätsgprantie vor Verhandlungen.

Das ist nicht sehr sinnvoll. Wie ich höre,

gibt es nunmehr eine gewisse Übereinstimmung über Verhandlungen zu dieser Frage.

Wir werden weiter hoffen und beten
FRAGE:

Herr Präsident, in Ihren Abrüstungsvorschlägen konzentrieren

Sie sich auf ein zentrales interkontinentales Raketensystem für beide Seiten.
Wenn die Sowjets nun kämen und sagten, sie möchten auch über Bomber sprechen,
über die Marschflugkörper und über andere Waffensysteme: Würden Sie bereit
sein, diese Themen einzubezieben,oder sind sie von den Gesprächen ausgeschlossen?
ANTWORT: Nein, nichts ist davon ausgeschlossen. Aber einer der Gründe,
warum man sich auf die ballistischen Raketen konzentrieren sollte, ist, daß
diese die destabilisierendsten Waffen sind. Diese Waffe erschreckt die Leute
am meisten. Lassen Sie mich meine eigenen Überlegungen dazu kurz darlegen.
Bei diesen Waffen, die da im Silo stationiert sind, könnte es die Möglichkeit einer Fehleinschätzung geben. Die Leute wissen, daß es bei dieser
Waffe - wenn der Knopf erst einmal gedrückt ist - kein Zurück mehr gibt. In
wenigen Minuten erreicht diese Waffe das andere Land. Bei den Raketen, die
von Bombern getragen werden, von Schiffen der einen oder der anderen Art,
- 6 -

�anderen Art, auch von getauchten, hat man es mit konventionellen Waffen oder
Instrumenten zu tun, und diese können abgefangen werden.

Sie haben also

meiner Meinung nach nicht dieselbe psychologische Wirkung wie die anderen
Waffen, die - einmal abgefeuert - auf ihrem Weg sind und nicht mehr aufgehalten, nicht mehr gebremst werden können.
FRAGE:

Herr Präsident, es gibt jedoch viele Waffenspezialisten, die

behaupten, daß die Multiplikation von Marschflugkörpern - auf dem Lande, auf
Schiffen, auf Unterseebooten usw. - dieselbe Wirkung haben. Man kann sie
nicht zurückrufen, wenn sie einmal abgeschossen sind.

Sie benötigen nur

eine kurze Flugzeit, und es gibt Tausende von ihnen.
ANTWORT: Sie haben eine viel längere Flugzeit, praktisch geht es um
Stunden. Sie haben auch nicht die Geschwindigkeit der ballistischen Raketen,
die in den Weltraum geschossen werden und dann herunterstürzen. Aber dies
alles heißt nicht, daß wir irgendetwas ignorierten. Wie- ich schon sagte, verhandeln wir ja schon über konventionelle Waffen.
Aber ich meine, wir sollten mit den nächstliegenden Dingen zuerst anfangen.

Man kann nicht alles mit einem Bissen zu sich nehmen.

Und daher rührt

unsere Entscheidung, mit den destabil isierendsten Waffen " den Waffen mit der
größten Zerstörungskraft - anzufangen.

- 7 -

�19. Mai 1982

20

DIE WURZELN DER DEUTSCH-AMERIKANISCHEN FREUNDSCHAFT
- Von Botschafter Arthur F. Burns

BERCHTESGADEN - (AD) - Der amerikanische Botschafter in der Bundesrepublik Deutschland, Arthur F. Burns .hielt am 17. Mai 1982 in Berchtesgaden
vor amerikanischen Frauenclubs eine Rede, die folgenden Wortlaut hat:
Seit ich im Herbst vorigen Jahres als Botschafter der Vereinigten Staaten in die Bundesrepublik Deutschland kam, habe ich auf eine Gelegenheit gehofft, zu meinen Mitbürgern hier in diesem Lande sprechen zu können.

Des-

halb bereitet es mir ein besonderes Vergnügen, heute mit Ihnen, den Vertretern der Amerikanischen Frauenclubs in Deutschi and .zusammenzutreffen und
Ihnen meine Anerkennung und auch den Dank unserer Regierung für Ihre unermüdlichen Anstrengungen im Dienste der Freundschaft zwischen Amerikanern
und Deutschen auszusprechen.
Ich habe mich eingehend mit den Zielsetzungen und mit der Tätigkeit
Ihrer Organisation vertraut gemacht.

Ich bewundere die Hingabe, die Sie

auf eine Aufgabe verwenden, die Sie sich selbst gestellt haben: nämlich die
Entwicklung freundschaftlicher Beziehungen zwischen Deutschen und Amerikanern

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�und Amerikanern auf örtlicher Ebene zu fördern. Wenn Sie an dieser Aufgabe
arbeiten, erweitern Sie das Verständnis unserer Mitbürger für die Geschichte
und Kultur Deutschlands - des Landes, in dem wir derzeit leben und arbeiten.
Und Sie tragen gleichzeitig zu einem besseren Verständnis Amerikas und seiner
Institutionen durch das deutsche Volk bei. Sie arbeiten somit an einer wichtigen Aufgabe, und Sie widmen sich ihr mit Nachdruck, Einfallsreichtum und
Selbstlosigkeit.

Ihre Tätigkeit ist für mich und meine Kollegen an der Ame-

rikanischen Botschaft, so darf ich hinzufügen, bei der Erfüllung unserer Aufgaben, eine große Hilfe..
•

Lassen Sie mich dies erläutern.

- . • '

-. •

•

•

'

•

•

•

•

-

•

:

•

In den letzten Monaten habe ich mich

bei einer Reihe von Gelegenheiten zum derzeitigen Stand der Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik geäußert.

Ich sprach

über die Probleme, vor die wir uns gemeinsam gestellt sehen, und über deren
Ursprünge, und ich sprach über einige der Lösungen, die man ins Auge fassen,
wenn nicht gar verwirklichen sollte.
Unsere beiden Länder sind durch vielfältige gemeinsame Interessen miteinander verknüpft.

Es bestehen kulturelle, historische und familiäre Bin-

dungen; wir teilen die gleiche philosophische Grundhaltung, die den Respekt
vor der Freiheit des Individuums, der demokratischen Staatsform und dem
System der freien Marktwirtschaft einschließt; unsere Gemeinsamkeit der Interessen findet ihre Verkörperung in der Partnerschaft in einem gegenseitigen Sicherheitspakt, dem Nordatlantischen Bündnis. Wir sind Freunde; wir
sind Verbündete; und wir wissen um den Wert der Freundschaft in der gefährlichen Welt von heute.
Die Probleme, die gelegentlich die Beziehungen zwischen unseren beiden
Ländern beeinträchtigen, sind der Art, wie sie sich von selbst ergeben, wenn
gleichberechtigte Partner die einem ewigen Wandel unterliegenden politischen
und wirtschaftlichen Verhältnisse aus einigermaßen unterschiedlichen Perspektiven betrachten.

Es wäre merkwürdig, wenn wir nicht gelegentlich auch

Schwierigkeiten hätten. Die Bewährungsprobe für ein Verhältnis zwischen

�Verhältnis zwischen Ländern, die so stark und dynamisch sind wie die Vereinigten Staaten und die Bundesrepublik, besteht schließlich nicht darin,
daß es keine Probleme gibt, sondern in dem Geist, in dem sie sich diesen
Problemen stellen, und in dem Geschick, mit dem sie diese lösen.
Der Geist, in dem wir unsere Probleme angehen,und das Geschick, mit
dem wir sie bewältigen, beruhen auf dem Wissen des einen vom anderen und
auf der Erfahrung des einen mit dem anderen - auf dem Verständnis auch,
das der eine für die Geschichte und die Traditionen des anderen aufbringt,
und insbesondere auch auf dem Verständnis für die Entwicklungen, die während der letzten 30 bis 40 Jahre das Denken und Verhalten unserer beiden
Gesellschaften prägen halfen.

Hier aber, meine lieben Mitbürger, entdecke

ich Lücken im Wissen und Verständnis auf beiden Seiten des Atlantik.
In den Begegnungen mit meiner Zuhörerschaft bei Vorträgen in diesem
Lande stieß ich wiederholt bei jungen Deutschen auf einen Mangel an Wissen
um die jüngsten politischen Entwicklungen und insbesondere auf einen Mangel
an Wissen um die Geschichte ihres eigenen Landes in der Zeit nach Ende des
Zweiten Weltkrieges, in der die derzeitigen europäisch-amerikanischen Beziehungen geschaffen und gefestigt wurden.
Zu meinem Bedauern muß ich dem hinzufügen, daß auch,junge Amerikaner
nur unzureichend über europäische Geschichte und Kultur informiert sind
und daß sie sich deshalb als unfähig - oder nicht hinreichend fähig - erweisen, die Ideale, die Hoffnungen und die Ängste zu begreifen, die die Europäer motivieren. Das Netz aus engen und vertrauensvollen Beziehungen, das
auf beiden Seiten des Atlantik in den fünfziger und sechziger Jahren von
Mensch zu Mensch geknüpft wurde, die selbst aktiven Anteil am Zweiten Weltkrieg bzw. am wirtschaftlichen und politischen Wiederaufbau Europas nach jenem schrecklichen Konflikt oder am Erziehungs- und Kulturaustausch jener
Zeit teilgenommen haben - dieses Netz beginnt zu reißen, um es offen auszusprechen.
Umso wichtiger
- 3 -

�Umso wichtiger sind Maßnahmen, um die Fäden jenes Netzes wieder zu verstärken und den Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern neue Impulse zu
geben. Allem voran sollten wir meines Erachtens das Fulbright-Programm, das
akademische Austauschprogramm, das von unseren beiden Regierungen gemeinsam
durchgeführt wird, großzügig unterstützen.

Dieses Programm kommt Jahr für

Jahr Hunderten von Studenten und Lehrkräften zugute, die in das Partnerland
reisen, um dort zu studieren, zu lehren oder zu forschen.

Das Programm ver-

stärkt auf diese Weise den zwischen deutschen und amerikanischen Universitäten
von privater Seite arrangiertem Austausch sehr wirkungsvoll.
Zweitens müssen wir Mittel und Wege finden, um den Austausch von Führungskräften unserer beiden Gesellschaften zu verstärken - d.h. den Austausch
von Persönlichkeiten,die bereits, oder wahrscheinlich bald schon, Positionen
einnehmen, von denen aus sie ein breiteres Publikum in unseren respektiven
Ländern erreichen können.

Ich denke hier insbesondere an junge Politiker,

Journalisten und Oberschullehrer. Vor zwei Monaten erst führte beispielsweise unsere Botschaft zwei Dutzend junge Regionalpolitiker und Parlamentarier
aus so weit voneinander entfernten Gebieten und Orten wie Georgia, Wyoming,
Texas und New Hampshire in den Vereinigten Staaten und Flensburg, Saarlouis,
Ettlingen und Gelsenkirchen in der Bundesrepublik in Berlin zusammen.

Diese

jungen Politiker, die in engem Kontakt mit dem Volke stehen, sahen sich zum
ersten Mal und tauschten ihre Meinungen untereinander aus. Sie sprachen über
die Probleme und Vorstellungen ihrer Landsleute und klärten im Verlauf ihrer
Gespräche eine ganze Reihe von Mißverständnissen über die Verhältnisse in
ihren Herkunftsländern auf. Nach der Rückkehr in die Heimat werden sie zweifellos Gelegenheit finden, Wählern und Freunden vieles von dem mitzuteilen,
was sie selbst in diesen Begegnungen gelernt haben.
Drittens sollten wir bemüht bleiben, den Anteil der Teilnehmer an den
Austauschprogrammen unter 20 Jahren zu erhöhen. Die Eindrücke» die junge
Menschen gewinnen, wenn sie eine Zeitlang in einem anderen Lande leben - dort
zur Schule gehen, unter den Landesbewohnern leben und Freundschaften mit ihnen
schließen - prägen deren Betrachtungsweise und Haltung auf Lebenszeit. Ein

- 4 -

�Ein deutscher Teenager, der ein Jahr lang in den Vereinigten Staaten gelebt
hat und dort zur Schule gegangen ist, oder ein junger Amerikaner, der ähnliche Eindrücke in der Bundesrepublik sammeln konnte, wird gestützt auf diese Erfahrung eher verständnisvoll denken und handeln lernen, als jene, die
solches nie erleben durften.

In meinem Lande wurde ein derartiger Austausch

schon in der Vergangenheit erfolgreich betrieben - insbesondere vom American
Field Service und den Organisationen Youth for Understanding und Experiment
in International Living.

Diese Institutionen verdienen es, daß wir sie in

ihrer Arbeit unterstützen und stärken.
In diesem Zusammenhang möchte ich meinen amerikanischen Mitbürgern in
Deutschland einen praktischen Rat geben. Sie und Ihre Familien haben eine
einzigartige Gelegenheit, Deutschland und seine Bevölkerung kennenzulernen - machen Sie sich vertraut mit dem, was in diesem Lande vorgeht. Ich
sehe ein, daß Amerikaner, die im Ausland leben - wie die Mitglieder unserer
Streitkräfte und ihre Familien - ihre amerikanische Identität zu wahren
suchen und in ihrer neuen, fremden Umgebung so zu leben trachten, wie sie
es von früher her gewohnt sind. Natürlich wünschen sie, daß ihre Kinder
in den Genuß einer amerikanischen Erziehung an einer amerikanischen Schule
kommen. Das aber sollte kein Grund für Sie und Ihre Kinder sein, nicht auch
gleichzeitig Nutzen aus der Gelegenheit zu ziehen, die sich Ihnen hier bietet, die deutsche Sprache zu erlernen, sich mit deutscher Geschichte zu befassen und deutsche Kultur aufzunehmen.
Nach meinem Dafürhalten sollten deshalb alle amerikanischen Jugendlichen,
die auf amerikanische Schulen in Deutschland gehen, die deutsche Sprache mindestens zwei Jahre und europäische Geschichte mindestens ein Jahr als Pflichtfach betreiben müssen.

Ich bin mir darüber im klaren, daß von den amerika-

nischen Schülern ohnehin viel verlangt wird, daß Mathematik, englische Grammatik und amerikanische Geschichte Pflichtfächer für sie sind.
seine Richtigkeit.

Das hat auch

Wenn aber junge Amerikaner schon einige Jahre in Deutsch-

land verbringen, dann sollten sie auch der deutschen Sprache und der europäischen Geschichte ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit widmen.

- 5 -

Eine solche

�Eine solche Ausweitung des Lehrstoffs sollte nicht als eine Mühe und Last
angesehen werden, sondern als die - sich kaum je wieder bietende - Chance
für Knaben und Mädchen, Sprache und Kultur des Gastgeberlandes kennenzulernen.
Ein weiterer damit zusammenhängender Vorteil eines solchen Programms
wäre darin zu sehen, daß wir unseren deutschen Freunden auf diese Weise einen Beweis dafür liefern, wie sehr wir ihre Geschichte, ihre Traditionen
und ihre Kultur respektieren - kurz, daß wir diese sehr hoch einschätzen
und deshalb versuchen, sie zu verstehen - so wie wir hoffen, daß die Deutschen uns zu verstehen suchen. Vielleicht könnte ein solches Programm dank
der Anstrengungen Ihrerseits und des Einflusses, den Sie, meine Zuhörerinnen,
auszuüben vermögen, schon im Herbst dieses Jahres anlaufen und Teil des Lehrplans der amerikanischen Schulen in Deutschland werden. Wenn Sie hierzu meiner Hilfe oder der Hilfe meiner Kollegen in der Botschaft bedürfen, lassen
Sie uns dies bitte wissen.
Ich möchte Ihnen noch eine zweite Anregung geben:
und Ihre Familienangehörigen als Botschafter Amerikas.
den einzigen amerikanischen Botschafter.

Betrachten Sie sich
Ich sehe in mir nicht

Im Gegenteil, ich betrachte alle

Amerikaner in Deutschland - Männer und Frauen im Dienste der Streitkräfte und
Zivilisten samt ihren Familienangehörigen - als amerikanische Botschafter,
die hier tätig sind, um unserem großen Land zu dienen.

Die Aufgabe, die wir

teilen, ist nicht leicht; wir können aber ein sehr verdienstvolles und dankenswertes Unterfangen aus ihr machen - insbesondere wenn wir des Wesens der
Beziehungen unseres Landes zur Bundesrepublik Deutschland eingedenk bleiben,
einem Land, das gewiß einer unserer engsten und wichtigsten Verbündeten ist.
Ich bedarf bei der Lösung dieser lebenswichtigen Aufgabe Ihrer großen Hilfe.
Wir müssen diesen Beziehungen gemeinsam immer neuen Atem einhauchen.

Gerade

die Jugend unserer beiden Nationen muß sich der historischen Wurzeln und der
Realitäten der derzeitigen'internationalen Entwicklungen bewußt werden, wollen wir gemeinsam für uns selbst und unsere Familien eine bessere Zukunft
schmieden.
Bei der
••'

- 6-

�Bei der Lösung dieser Aufgabe kommt Ihrer Organisation eine Schlüsselrolle zu. Sie wie jene, die vor Ihnen waren, demonstrieren mit Ihren Bemühungen heute wie einst, daß Sie einer wichtigen und in vieler Hinsicht
großen Sache dienen. Als Vertreter der amerikanischen Regierung danke ich
Ihnen für Ihre hingebungsvollen Anstrengungen; ich beglückwünsche Sie zu
der Arbeit, die Sie leisten; und ich wünsche Ihnen Erfolg bei Ihrem zukünftigen Wirken zum Segen unseres eigenen und unseres Gastlandes.

- 7 -

�•

Hintergrund
matcrial
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

20

19. Mai 1982

KAMPELMAN BETONT NOTWENDIGKEIT EINER STARKEN US-VERTEIDIGUNGSPOSITION

NEW YORK - (AD) - Auf die Notwendigkeit einer starken amerikanischen Verteidigungsposition hat US-Botschafter Max Kampelman hingewiesen. Dies sei von
entscheidender Bedeutung, sagte er am 16. Mai 1982 auf einer Veranstaltung des
amerikanisch-jüdischen Komitees in New York, weil "die Sowjetunion absolut
keinen Respekt vor Schwäche hat."
Kampelman leitete die amerikanische Delegation auf der Madrider Nachfolgekonferenz der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE). Es
sei von entscheidender Bedeutung, so erklärte der Botschafter weiter, "daß wir
der Sowjetunion unmißverständlich klarmachen, daß wir den Frieden wünschen allerdings nicht jene Art von Frieden, der es den Sowjets gestattet, sich
rücksichtslos zu verhalten und anderen ihre ideologischen Ziele aufzuzwingen."
Kampelman wies darauf hin, daß das Verhalten Moskaus seit 1975 - der
Unterzeichnung der Schlußakte von Helsinki - eine bewußte Mißachtung dieses
Dokumentes dargestellt habe. "Wir fragen die Sowjetunion in Madrid - und wir
werden dies auch weiterhin tun - wie wir denn neue Versprechungen als echt

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 08-85432

�als echt akzeptieren können, wenn sie in flagranter Weise alte Versprechungen
ignoriert? Die Sowjets sprechen von militärischer Entspannung und Abrüstung,
während sie sich gleichzeitig bis an die Zähne bewaffnen - und zwar in einem
Tempo, das bisher in der Geschichte der Welt einmalig ist. Sie sprechen über
Frieden, während sie gleichzeitig 100 000 Soldaten in Afghanistan stationiert
haben, die nicht dorthin gehören.

Die Invasion Afghanistans, die militä- .

rischen Drohungen gegen die polnische Regierung, der wachsende virulente, von
der Regierung ausgelöste und geförderte Anti-Semitismus in der Sowjetunion,
die Verfolgung orthodoxer Christen, die Festnahme und Inhaftierung der Beobachter
der Helsinki-Absprachen, die zunehmenden Störungen westlicher Rundfunksendungen,
die dramatische Einschränkung der Auswanderung von Juden und anderen, die
grausame Benutzung psychiatrischer Kliniken als Form der politischen Bestrafung
- all diese Grausamkeiten stellen einen Verrat der Versprechungen dar, die
die Sowjetunion gemacht hat, als sie 1975 die Schlußakte von Helsinki unterzeichnete", sagte Kampelman und fragte: "Wenn dies Entspannung ist, ist sie
dann einen Deut besser als der Kalte Krieg?"
Die USA seien im Februar trotz der anhaltenden sowjetischen Aktionen in
Afghanistan und trotz der Verhängung des Kriegsrechts in Polen nach Madrid
zurückgekehrt, weil man miteinander sprechen und das Bemühen um Verständigung
und auch den Wettstreit in den öffentlichen Foren fortsetzen müsse. Die Vereinigten Staaten hätten die Gelegenheit in Madrid benutzt, um die Aufmerksamkeit der Welt auf die Verletzungen der Schlußakte von Helsinki durch Moskau zu
lenken.
"Unser Bestehen auf den Werten der Gerechtigkeit, auf den Menschenrechten
und der Menschenwürde", so sagte Kampelman weiter, "bringt die Sowjetunion in
Verlegenheit und drängt sie in die Defensive; aber das Bestehen auf diesen
Werten ist unsere Stärke."
+++++

- 2 -

�19. Mai 1982

20

GELBER REGEN: ERDRÜCKENDE BEWEISE
Leitartikel der "Washington Post" -

Dieser Leitartikel der "Washington Post"
vom 17. Mai 1982 kommentiert den Bericht
des amerikanischen Außenministeriums vom
13. Mai 1982 über neue Beweise für chemische Kriegführung in Kampuchea.

- (AD) - Die Regierung hat endlich handfeste Beweise zur Unterstützung
ihrer Behauptung vorgelegt, daß gegen wehrlose Menschen in Südostasien chemische und biologische Waffen eingesetzt werden. Mit größter Wahrscheinlichkeit hat hieran die Sowjetunion maßgeblich Anteil - eine Tatsache, die eine
flagrante Verletzung ihrer Vertragsverpflichtungen bedeutet. Blut- und Urinproben von zwei Opfern eines chemischen Angriffs in Kampuchea beweisen das
Vorhandensein eines jener Pilzgifte, aus denen amerikanischer Meinung nach
der "Gelbe Regen" besteht.
Diese neuen Funde, die ärgerliche Lücken der bisherigen Beweisführung
schließen, zeigen, daß sich in den Körpern der Opfer genügende Mengen eines
nunmehr identifizierten Giftes befanden, um für die schweren Symptome verant-

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�Symptome verantwortlich zu sein, über die berichtet wurde. Kontrollmengen,
die anderen Personen gleichen-Alters'und gleichen Hintergrundes entnommen
wurden - wobei diese Personen' keinem solchen'-Angriff ausgesetzt gewesen waren - brachten keinen Nachweis des Mykotoxins. Auch Nahrungsmittel-, Bodenund Wasserproben enthielten nichts davon - womit praktisch ausgeschlossen
ist, daß das Gift einer natürlichen Quelle entstammen könnte.
Die neuen Beweise werden von der amerikanischen Regierung jener UN-Gruppe
zugestellt, die die Anschuldigungen hinsichtlich'chemischer und "biologischer
Kriegführung untersucht. " Bisher hat diese Gruppe praktisch so gut'wie nichts
erreicht.

Im Januar erklärte sie, sie sei "nicht in der Lage, zu einer ab-

schließenden Entscheidung" hinsichtlich der'Richtigkeit der Anklagen zu gelangen.

Dies war jedoch kaum überraschend, hatte es die Gruppe doch nicht ein-

mal fertiggebracht, salbst nach Laos oder Kampuchea, ja, selbst in ein afghanisches Flüchtlingslager in Pakistan'zu gelangen.
Trotzdem:

Ihr Mandat wurde- verlängert, und die Gruppe arbeitet weiter.

Der Ball liegt jetzt'bei den Vereinten Nationen. Worum'es nunmehr geht,
ist nichts wenigerjalsdie Herrschaft des Rechtes und der Wert von Rüstungskontroi lverträgen. Denn wenn sie ohne jede Bestrafung'umgangen werden können:
Sind sie dann die Anstrengung wert, überhaupt ausgehandelt zu werden? Hierbei handelt es sich schließlich nicht um einen Propagandawettstreit zwischen
den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion, sondern um eine Frage, die unmittelbar die Sicherheit aller Staaten, insbesondere der Entwicklungsländer,
angeht. Sie wären am wahrscheinlichsten die Opfer der Entwicklung und des
Einsatzes dieser billigen, unschwer beschaffbaren, leisen - und tödlichen - Waffen.

+ + + + +

- 2 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA begrüßen Gesprächsbereitshaft Breschnews&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von unserem Korrespondenten Alexander Sullivan -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan unterstreicht Willen der USA zum Abbau der Kernwaffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus der Pressekonferenz des Präsidenten vom 13. Mai 1982 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Wurzeln der deutsch-amerikanischen Freundschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Botschafter Arthur F. Burns -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kampelman betont Notwendigkeit einer starken US-Verteidigungsposition&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gelber Regen: Erdrückende Beweise&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Leitartikel der "Washington Post" -&lt;/em&gt;</text>
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amcrika
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America
%rION ^
20

19. Mai 1993

BOSNIEN

CLINTON ERNEUT GEGEN BOSNISCHES
WAFFENEMBARGO
Pressekonferenz des Präsidenten
in Auszügen

START II

ANNAHME DES START-II-VERTRAGES IM
INTERESSE DER USA UND RUSSLANDS
Erklärung Christophers vor dem Kongreß

SICHERHEIT

USA NACH DEM KALTEN KRIEG MIT
VIER SICHERHEITSPOLITISCHEN
HERAUSFORDERUNGEN KONFRONTIERT
Rede von Verteidigungsminister Aspin

SDI

ASPIN KÜNDIGT UMBENENNUNG UND
NEUEN SCHWERPUNKT DES SDIBÜROSAN

r~

Veränderungen infolge neuer Prioritäten
nach dem Kalten Krieg

AID

LEITER DES AID FÜR KONZENTRATION
DER AUSLANDSHILFE
Stellungnahme von Brian Atwood

DEMOGRAPHIE

VEREINIGTE STAATEN KUNDIGEN
WICHTIGE VERÄNDERUNGEN IHRER
BEVÖLKERUNGSPOLITIK AN
Wirth-Rede vor UNO-Ausschuß

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228 339 2372
Fax: 0228 33 41 02

�f
BOSNIEN
19. Mai 1993

CLINTON ERNEUT GEGEN BOSNISCHES
WAFFENEMBARGO
Pressekonferenz des Präsidenten in Auszügen
WASHINGTON - (AD) - Bei einer am 14. Mai 1993 veranstalteten Pressekonferenz bekräftigte Präsident Clinton,
das Waffenembargo der Vereinten Nationen dürfe einen Sieg der Serben bei den Kämpfen in Bosnien nicht
vorherbestimmen.
Unter erneutem Verweis auf seine Besorgnis, das Waffenembargo der Vereinten Nationen im ehemaligen
Jugoslawien hätte die "unbeabsichtigte" Folge gehabt, den serbischen Streitkräften einen enormen Vorteil zu
verschaffen, stellte Clinton gegenüber den Journalisten fest, aus diesem Grund sei er stets für eine gewisse
Aufhebung des Embargos gewesen.
Auf die Frage, ob die bosnischen Kämpfe einen Bürgerkrieg oder einen Angriffskrieg bedeuteten, antwortete der
Präsident, sie seien beides. "Es ist ein Bürgerkrieg und ein Angriffskrieg", stellte Clinton fest, "weil Bosnien als
juristisch eigenständige Einheit gegründet wurde", als die Föderative Republik Jugoslawien in ihre Einzelteile
zerfiel. "Es ist ein Bürgerkrieg", erklärte der Präsident, weil "Bevölkerungsteile, die auf diesem Territorium leben,
gegeneinander kämpfen und es Aggression von außen ... vornehmlich von den Serben" gegeben hat.
Der Präsident fügte hinzu, er habe noch keine Empfehlung vom Verteidigungsministerium bezüglich des
Vorschlags erhalten, amerikanische Truppen in Makedonien zu stationieren, um serbische Grenzübergriffe zu
vereiteln. Er verwies darauf, daß die Bush-Administration im Hinblick auf den Kosovo, eine mehrheitlich von
Albanern bevölkerte serbische Provinz, gewarnt hatte, "wenn sie (die Serben) versuchen,... die Albaner dort zu
unterdrücken, wären die Vereinigten Staaten zu harten Maßnahmen bereit. Ich habe diese Position bekräftigt."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Pressekonferenz des Präsidenten in wesentlichen Auszügen.

Frage: Herr Präsident, Sie haben erklärt, die Vereinigten Staaten würden eine Militäraktion in Bosnien nicht
im Alleingang unternehmen. Und dennoch haben die
europäischen Verbündeten die Zustimmung zu Ihren
Vorschlägen verweigert. Wenn sich die Verbündeten
weigern, mitzumachen, wie lautet dann die Position
der Vereinigten Staaten?
Antwort: Ich möchte das von mir bereits Gesagte
wiederholen, weil die Vereinigten Staaten meines
Erachtens die richtige Position eingenommen und wir
einige gute Ergebnisse erzielt haben. Ich habe gesagt
- ich wiederhole - meiner Ansicht nach müssen die
Vereinigten Staaten gemeinsam mit ihren Verbündeten handeln, insbesondere weil Bosnien im Herzen
Europas liegt und die Europäer dort sind. Wir müssen
über die Vereinten Nationen zusammenarbeiten.

AMERIKA DIENST 20

Zweitens glaube ich nicht, daß die Vereinigten Staaten
Truppen dorthin entsenden sollten, um im Namen
einer der Parteien in den Konflikt einzugreifen. Meines
Erachtens sollten wir weiterhin den Druck verstärken.
Wie Sie wissen, vertrete ich die Position, daß der beste
Weg dies zu tun in der Aufhebung des Waffenembargos mit Unterstützung einer auf Abruf bereitstehenden
Luftstreitmacht besteht, für den Fall, daß die gegenwärtige Situation durch den unfairen Einsatz von Artillerie seitens der bosnischen Serben gestört wird. Diese
Position liegt immer noch auf dem Verhandlungstisch.
Sie wurde nicht von vornherein verworfen. In der Tat
haben einige europäische Verbündete ihr zugestimmt
und andere sind noch nicht bereit, so weit zu gehen.
Wir müssen jedoch den Druck aufrechterhalten. Ich
möchte Sie nur daran erinnern, daß seit unserer Zusa-

Seite 1

�ge, uns für den Van ;e/Owen-Friedensprozeß zu engagieren, zwei der drei Parteien unterschrieben haben.
Wir haben die Durchsetzung der Flugverbotszone
durch die Vereinten Nationen bewirkt. Wir konnten
mehr humanitäre Hilfsgüter dorthin liefern, und wir
konnten ein äußerst hartes Embargo gegen Serbien
aufrechterhalten, das meiner Ansicht nach zusammen
mit dem Druck weiterer Aktionen direkt zu der von
Präsident Milosevic abgegebenen Erklärung geführt
hat, er würde die Unterstützung der bosnischen Serben einstellen.
Von hier aus wollen wir weiterhin in die richtige Richtung drängen. Während wir uns hier unterhalten,
erwägen die Vereinten Nationen eine Resolution, dank
der wir UN-Truppen entlang der Grenze zwischen
Serbien und Bosnien stationieren könnten, um die
Entschlossenheit der Regierung Milosevic auf die Probe
zu stellen und zu verstärken, die Lieferungen an die
bosnischen Serben zu unterbinden. Wenn diese
Resolution verabschiedet wird, ist sie ein sehr guter
nächster Schritt. Wir werden einfach weiterhin in diese
Richtung arbeiten und drängen. Und ich denke, wir
werden immer mehr Ergebnisse erzielen.
Frage: Erwägen Sie die Entsendung amerikanischer
Streitkräfte nach Makedonien und vielleicht zum Schutz
von Sicherheitszonen in Bosnien?
Antwort: Bezüglich Makedoniens prüft das Verteidigungsministerium diese und viele andere Optionen,
was die Vereinten Nationen - und die Verbündeten tun könnten, um sicherzustellen, daß wir diesen Konflikt eindämmen und ihn vor einer Ausweitung bewahren. Ich habe vom Verteidigungsministerium noch
keine Empfehlung erhalten und daher noch keine
Entscheidung getroffen.
Frage: Herr Präsident, es herrscht allgemein der
Eindruck, daß Sie schwafeln und sich nicht entscheiden können. An einem Tag sagen Sie, in wenigen
Tagen werden wir eine Entscheidung treffen, wir haben einen gemeinsamen Ansatz - am nächsten Tag
sagen Sie, wir arbeiten immer noch an einem Konsens. Werden amerikanische Truppen zu der Grenzpartrouille gehören, über die die Vereinten Nationen
abstimmen, und wissen Sie, wo wir stehen?

vorgeschlagen, wir sollten uns an dieser Schutztruppe
beteiligen.
Frage: Vergangene Woche haben Sie erklärt, wenn
Sie die Luftwaffe in Bosnien einsetzen würden, hätten
Sie eine klare Strategie, und diese hätte einen Anfang,
eine Mitte und ein Ende. Aber was geschieht, wenn
eine Maschine abgeschossen wird, wenn Sie einen
Piloten oder mehrere verlieren, oder wenn die bosnischen Serben • oder die Serben - sich entschließen,
den Konflikt zu eskalieren, indem sie beispielsweise in
den Kosovo einmarschieren?
Antwort: Nun, bevor ich Präsident wurde, hat die
Bush-Administration eine klare Warnung an die Serben mit dem Inhalt gerichtet, wenn sie versuchten, den
Kosovo zu besetzen und die Albaner dort zu unterdrükken, wären die Vereinigten Staaten zu harten Maßnahmen bereit. Ich habe diese Position bekräftigt. Allgemein ist festzustellen, daß man niemals amerikanische Truppen unter der Voraussetzung entsenden
kann, daß es keine Verluste gibt. Das ist schlicht
unmöglich, und wie das Pentagon Ihnen sagen wird,
verlieren wir sogar jetzt im Frieden Soldaten in der
harten Ausbildung, die unsere Streitkräfte durchführen
müssen.
Frage: Bosnien scheint sich zu einer ausweglosen
Situation zu entwickeln. Sie haben stets erklärt, Sie
wollten einen Konsens mit den Verbündeten der Vereinigten Staaten haben. Bis zur Herstellung dieses
Konsenses war es für Sie anscheinend äußerst schwierig, dem amerikanischen Volk präzise zu erklären, wie
dieser Krieg definiert werden sollte - handelt es sich um
einen Bürgerkrieg, ist es ein Angriffskrieg? Und auch
nicht unbedingt, welches der nächste Schritt sein
sollte. Aber welches sind die übergeordneten Prinzipien, die Ihre Politik leiten sollten? Was können Sie
dem amerikanischen Volk zum jetzigen Zeitpunkt darüber
sagen?

Antwort: Erstens, daß es sowohl ein Bürgerkrieg als
auch ein Angriffskrieg ist, weil Bosnien als juristisch
eigenständige Einheit gegründet wurde. Es ist ein
Bürgerkrieg, in dem Bevölkerungsteile, die auf diesem
Territorium leben, gegeneinander kämpfen. Gleichzeitig gab es eine Aggression von außen, teils von den
Kroaten und teils von den Serben - vornehmlich von
Antwort: Erstens habe ich mich entschieden und den Serben -, so daß die unvermeidliche, wenn auch
Ihnen erklärt, wie meine Position lautet. Und ich habe unbeabsichtigte Folge des Waffenembargos die Versie so klargemacht, wie ich kann. Meines Erachtens ist einten Nationen in die Lage brachte, eine enorme
es jedoch auch unabdingbar, daß wir gemeinsam mit Waffenüberlegenheit der bosnischen Serben zu ratifiunseren Verbündeten daran arbeiten. Die Vereinigten zieren. Unser Interesse - zumindest meines ErachStaaten sind weder in einer Position, im Alleingang tens - besteht jedoch darin zu gewährleisten, daß die
vorzugehen, noch sollten wir dies tun. Das ist die Vereinten Nationen das Ergebnis eines Bürgerkriegs
Antwort auf Ihre Frage.
nicht vorherbestimmen - deshalb war ich stets für eine
Art Aufhebung des Waffenembargos -, daß wir den
Die von den Vereinten Nationen erwogene Resolution
Konflikt eindämmen und alles in unserer Macht Stezieht meines Wissens eine Verlegung an die Grenze
hende tun, damit er beendet wird und die ethnischen
und Erweiterung der UNPROFOR-Truppen in BeSäuberungen eingestellt werden.
tracht. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt wurde nicht

Seite 2

AMERIKA DIENST 20

�Dies sind unsere Interessen dort, und dies sind die
Interessen, die zu verwirklichen ich bestrebt sein werde.
Wir sollten jedoch keine amerikanischen Bodentruppen auf seiten irgendeiner kriegfü hrenden Partei in den
Konflikt einschalten, und wir müssen mit unseren
Verbündeten vorgehen. Es ist ein sehr schwieriges
Problem. Ich bin mir bewußt, daß es in einer Welt, in
der wir alle über alles Gewißheit haben möchten,
schwer ist, damit umzugehen, es ist wirklich ein schwieriges Problem.

Frage: Ich möchte nochmals auf die vorhin gestellte
Frage zu Ihrer Unschlüssigkeit in bezug auf Bosnien
zurückkommen. Wie mag sich das Ihrer Meinung nach
wohl auf Ihr Ansehen als Entscheidungsträger ausgewirkt haben? In Meinungsumfragen und einigen
Bemerkungen demokratischer Kongreßmitglieder wird
die Besorgnis laut, daß Sie unentschlossen und vielleicht nicht hart genug sind, alle Probleme in den Griff
zu bekommen.

Antwort: Ich möchte Sie lediglich fragen, wo die
Beweise dafür sind? Als Rußland ein Thema wurde,
übernahmen die Vereinigten Staaten die Führungsrolle, und wir erhielten ein sehr befriedigendes Resultat.
Als ich mein Amt antrat, erklärte ich, wir würden mehr
im Hinblick auf Bosnien tun. Wir erklärten uns bereit,
den Vance/Owen-Friedensprozeß zu unterstützen, und
zwei der drei Parteien unterzeichneten ihn. Wir brachten die Durchsetzung der Flugverbotszone zuwege,
wir begannen, unsan multinationaler humanitärer Hilfe
zu beteiligen. Wir haben wesentlich schärfere Sanktionen erreicht, die Drohung mit militärischer Gewalt liegt
Antwort: Ich gehe davon aus, daß die Auseinander- als mögliche Option auf dem Tisch. Milosevic hat
setzungen zwischen Kroaten und Muslimen die Dinge seine Haltung geändert, und alles, weil diese Adminikomplizierter machen, aber zumindest haben sich die stration mehr getan hat als die vorherige.
führenden Köpfe auf ein Ende des Konflikts verständigt. Zu dem anderen Thema meine ich, daß Luftstreit- Und jedes Mal, wenn ich den Kongreß konsultiert
kräfte am besten auf die von mir erläuterte Art und habe, wurde mir vertraulich gesagt, dies sei wirklich ein
Weise eingesetzt werden, und zum jetzigen Zeitpunkt schwieriges Problem. Ich weiß nicht, was Sie tun
sollten, aber Sie sind der einzige Präsident, der uns
befürworte ich keine andere Option.
überhaupt jemals vorher konsultiert hat. Statt uns zu
Frage: Herr Präsident, die serbische Regierung hat sagen, was Sie zu tun gedenken, fragen Sie uns
wissen lassen, sie werde die Waffenlieferungen an die tatsächlich um unsere Meinung. Ich glaube nicht, daß
bosnischen Serben einstellen. Würde ein solcher dies ein Zeichen der Schwäche ist, und ich bin mir
Schritt die Option ausschließen, die bosnischen Mus- bewußt, daß es fürSie alle vielleicht frustrierend ist, mit
lime aufzurüsten?
der Zweischneidigkeit dieses Problems fertig zu werden, aber es ist ein schwieriges Problem.
Antwort: Darauf habe ich zwei Antworten. Erstens
hoffe ich, daß die Resolution der Vereinten Nationen Ich verfolge eine klare Politik. Ich habe mehr erreicht
Erfolg hat, damit wir einige UN-Vertreter an der Grenze als mein Vorgänger. Daß er nicht mehr getan hat, liegt
stationieren können, um zu sehen, ob dies wirklich vielleicht darin begründet, daß man wegen Unentgeschieht. Zweitens, ob dies die Option der Bewaff- schlossenheit kritisiert werden kann, wenn man nicht
nung hinfällig macht, hängt wirklich davon ab, wieviele alle über Nacht geschlossen hinter sich bringt, MenWaffen bereits in Bosnien gehortet wurden, insbeson- schen, die jahrhundertelang gegeneinander gekämpft
dere schwere Waffen, schwere Artillerie. Meines haben. Wir sind nicht unschlüssig. Wir verfolgen eine
Erachtens ist dies das Problem, und das ist eine klare, solide Politik.
Sachfrage, die wir beantworten müssen.

Frage: Herr Präsident, zum Thema Waffenembargo,
glauben Sie, daß die Kämpfe zwischen Kroaten und
Muslimen den europäischen Einwänden gegen Ihren
Vorschlag zur Aufhebung des Waffenembargos eine
Berechtigung geben, weil diese zeigen, wie kompliziert
es ist und wie leicht diese Waffen in andere Hände
gelangen können? Und zweitens, glauben Sie, daß
man versuchen sollte, ein Gleichgewicht allein durch
Luftangriffe herzustellen, wenn Ihnen beim Waffenembargo die Hände gebunden sind?

*

AMERIKA DIENST 20

* * *

*

Seite 3

�START

II
19. Mai 1993

ANNAHME DES START-II-VERTRAGES
IM INTERESSE DER USA UND RUSSLANDS
Erklärung Christophers vor dem Kongreß
WASHINGTON - (AD) - Die Ratifizierung des START-Il-Rüstungskontrollvertrages liegt US-Außenminister
Christopher zufolge sowohl im Interesse der Vereinigten Staaten als auch Rußlands und "stellt ein politisches
Symbol von großer Bedeutung dar".
In einer Erklärung vordem Auswärtigen Ausschuß des Senats äußerte Christopheram 11. Mai 1993, "durch die
Beseitigung der destabilisierendsten Waffen, mit denen die Vereinigten Staaten konfrontiert sind, werden
Spannungen abgebaut und die Sicherheit Amerikas bedeutend erhöht". Der Vertrag muß vom Senat mit einer
Zweidrittelmehrheit ratifiziert werden.
Christopher erklärte femer, der Vertrag werde die russisch-amerikanische Partnerschaft stärken, "indem
Rußland ermutigt wird, demokratische Institutionen und freie Märkte zu unterstützen, anstatt sich auf die
Erhaltung großer und überflüssiger Atomwaffenarsenale zu konzentrieren".
Nachfolgend veröffentlichen wirden vorbereiteten Redetext der Eingangserklärung des Außenministers vordem
Senatsausschuß im Wortlaut.

Herr Vorsitzender, ich möchte Ihnen für die Gelegenheit danken, hier heute über den START-Il-Vertrag zu
sprechen. Es gibt nur wenige Aufgaben des Senats,
die von größerer Bedeutung sind als Ihre verfassungsmäßige Pflicht, über die Ratifizierung von Verträgen zu
beraten und Ihre Zustimmung dazu zu geben. Heute,
da der Ausschuß und der Senat ihre Beratungen über
den Start-Il-Vertrag beginnen, sind wir in ein neues
Zeitalter der russisch-amerikanischen Beziehungen
eingetreten. Dieser historische Rüstungskontrollvertrag wird im Falle seiner Ratifizierung den paradoxen
aber positiven Effekt haben, da ß der Rüstungskontrollprozess nicht länger im Mittelpunkt unserer Beziehungen steht.
Die beiden ehemaligen Gegner des Kalten Krieges
bilden jetzt eine neue Partnerschaft auf der Grundlage
gemeinsamer Interessen, die von zunehmender politischer und wirtschaftlicher Zusammenarbeit gekennzeichnet ist. Diese neue Art der Beziehung ermöglichte den START-Il-Vertrag. Die zügige Ratifizierung
dieses Vertrages wiederum wird sowohl unsere nationale Sicherheit als auch die russisch-amerikanischen
Beziehungen stärken und vertiefen.
START II liegt zuallererst im nationalen Sicherheitsinteresse der Vereinigten Staaten. Durch die BeseitiAMERIKA DIENST 20

gung der destabilisierendsten Waffen, mit denen die
Vereinigten Staaten konfrontiert sind, werden Spannungen abgebaut und die Sicherheit Amerikas bedeutend erhöht. Die erweiterte kooperative Beziehung,
die die Vereinigten Staaten und Rußland derzeit aufbauen, wird dadurch auf eine solide Grundlage gestellt. Diese Partnerschaft wird gestärkt, indem Rußland ermutigt wird, demokratische Institutionen und
freie Märkte zu unterstützen, anstatt sich auf die
Erhaltung großer und überflüssiger Atomwaffenarsenale zu konzentrieren.
START II liegt auch im Interesse Rußlands. Hiermit
will ich natürlich nicht andeuten, daß unsere Interessen sich immer mit denen Rußlands decken. Wir
werden sicherlich bei Gelegenheit verschiedener
Meinung sein, genauso wie wir manchmal mit unseren
Freunden verschiedener Meinung sind. Im Hinblick
auf die Ratifizierung des START-Il-Vertrages decken
sich jedoch die amerikanischen und russischen Interessen in bemerkenswertem Ausmaß.
Die Entwicklung der Beziehungen zwischen den
Vereinigten Staaten und Rußland
Das Zeitalter der Konfrontation ist zwar beendet, aber
die zentrale Bedeutung Rußlands für die amerikaniSeite 1

�sehe Außenpolitik dauert an. Keine Entwicklung
außerhalb unserer Grenzen wird in größerem Ausmaß
zur Sicherung einer friedlichen und prosperierenden
Welt beitragen als eine Fortsetzung des Prozesses der
Demokratisierung und Wirtschaftsreformen in Rußland.

zur Zusammenarbeit bei anderen Sicherheitsfragen
führen.

Wenn wir uns mit diesem Vertrag befassen, müssen
wir auch die Fähigkeiten unseres ehemaligen Gegners
im Auge behalten, falls sich seine Absichten durch eine
tragische Fehlentwicklung der Geschichte ändern sollten.
Wir alle,die wirdie Demokratie und den Reformprozeß Dieser Vertrag geht auch hierauf ein. Sollte es wieder
in Rußland unterstützen, wurden durch das Ergebnis ein Zeitalter der Konfrontation geben, werden die
des russischen Referendums letzten Monat ermutigt. Bestimmungen des START-Il-Vertrages die Stabilität
Das greifbare Ergebnis war auch ein schlagender bedeutend erhöhen und die Gefahr eines Krieges
Beweis dafür, daß die Demokratie in Rußland Fuß faßt senken.
und das russische Volk bereit ist, seine schwierigen
START II schreibt eine Reduzierung der strategischen
Reformvorhaben fortzusetzen.
Waffen beider Seiten vor, die vor nur zwei Jahren noch
Präsident Clinton versicherte Präsident Jelzin in Van- undenkbar gewesen wäre. Am 2. Januar 2003 werden
couver erneut, daß die Vereinigten Staaten beabsich- die strategischen Waffen auf ein Drittel ihres jetzigen
tigen, ihren Teil zur Unterstützung von Reformen und Niveaus gesenkt werden. Wenn es uns und den
Demokratie beizutragen. Diese Unterstützung liegt Russen gelingt, uns auf ein Programm für amerikaniwesentlich im Interesse der Vereinigten Staaten. Keine sche Hilfe beim Abbau strategischer Offensivwaffen
Beziehung ist für die langfristige Sicherheit der Verei- zu einigen, wird dieser Abbau Ende des Jahres 2000
nigten Staaten von größerer Bedeutung als unsere erfolgen - ein ermutigender Meilenstein für das neue
Jahrtausend.
strategische Beziehung zu Rußland.
Wir waren in vielen Bereichen Zeuge der Entwicklung
einer kooperativen und konstruktiven Beziehung zu
Rußland. Letzte Woche war ich in Moskau zu Konsultationen über die Krise in Bosnien. Während dieser
Gespräche sagte Rußland zu, sich an der Durchsetzung einer ausgehandelten Lösung in Bosnien zu
beteiligen, wenn eine Einigung erzielt wird. Die Aussicht auf eine Zusammenarbeit amerikanischer und
russischer Streitkräfte bei der Friedenssicherung ist
ein Beweis dafür, wie weit sich die Beziehungen bereits entwickelt haben.

Wichtiger noch als der Abbau an sich ist die Beseitigung der Interkontinentalraketen (ICBMs) mit Mehrfachgefechtsköpfen, insbesondere der schweren ICBMs,
des gefährlichsten und destabilisierendsten Vermächtnisses aus dem Zeitalter der atomaren Konfrontation.
Unter dem START-Il-Vertrag werden alle schweren
russischen SS-18 und alle ihre Silos zerstört oder für
zivile Zwecke genutzt. Nichts symbolisiert besser das
Ende des Rüstungswettlaufs zwischen den Supermächten. Während wirtschaftlicher Druck von Rußland eine drastische Reduzierung seiner strategischen
Waffen erfordert haben mag, ist es der START-IlLetztlich sind der Erfolg der Demokratie in Rußland - Vertrag, der eine stabilisierende Reduzierung sichert.
und seine Umwandlung zu einer Marktwirtschaft - die Und es ist der START-Il-Vertrag, der die Frage des
beste Garantie für internationale strategische Stabili- Umfangs der strategischen Waffen von der politischen
tät. Der Kongre ß hat viel getan, um Ru ßlands Entwick- Tagesordnung in Rußland entfernen wird.
lung zu einer von Rechtsstaatlichkeit bestimmten freien Marktwirtschaft zu ermutigen. Ich fordere Sie dazu START II vollendet die Arbeit des ersten STARTauf, diese Unterstützung des russischen Volkes und Vertrages. Während der START-I-Vertrag die Interseiner Regierung fortzusetzen, die in den nächsten kontinentalraketen mit Mehrfachgefechtsköpfen mißMonaten mit noch größeren Herausforderungen kon- billigte, werden sie im zweiten START-Vertrag verbofrontiert sein werden.
ten. Während der erste START-Vertrag die Hälfte der
Abschußrampen für die schweren ICBMs abschaffte,
START II und die nationalen Interessen der Verei- sieht START II ihre gesamte Beseitigung vor - auch die
nigten Staaten
ihrer Raketen. Gleichzeitig behält START II die für die
Abschreckung
erforderliche Struktur der US-StreitRüstungskontrolle ist zwar nur ein Element unserer
kräfte
bei
und
ermöglicht
es uns, die Stärke unserer
neuen Beziehungen zu Rußland, bleibt jedoch ein sehr
Bomberflotte
an
künftige
Notwendigkeiten
anzupaswichtiges. START II, zusammen mit dem ersten
sen.
START-Vertrag, liegt auch in der Zeit nach dem Kalten
Krieg in unserem Interesse. Der Vertrag bietet erhöhte
Stabilität, fördert Transparenz und Offenheit und beseitigt die Fähigkeit zum Erstschlag und die Strategien
einer vergangenen Zeit. Seine formelle, bindende
Struktur unterstützt die politischen Elemente unserer
Beziehungen. Und die für die Einführung des umfassenden Abbaus notwendige Zusammenarbeit wird auch

Seite 2

Nicht nur die Vereinigten Staaten und Rußland haben
Vorteile vom START-Il-Vertrag. Die starke Reduzierung der amerikanischen und russischen Streitkräfte
unter das Niveau von START I erhöht auch die Sicherheit anderer Unterzeichnerstaaten des START-I-Vertrages - der Ukraine, Kasachstans und Belarus'. START
II unterstützt ferner unsere Bemühungen, dem Nicht-

AMERIKA DIENST 20

�Verbreitungsvertrag zu universeller Geltung zu verhel- ges zugestimmt. Mit der Annahme von START I
verband das russische Parlament die Bedingung, daß
fen.
Rußland keine Ratifizierungsinstrumente austauschen
In Verbindung mit dem START-I-Vertrag wird START dürfe, bis Belarus, Kasachstan und die Ukraine dem
II eine Welt schaffen, in der in allen Staaten der Vertrag über die Nichtverbreitung von Kernwaffen als
ehemaligen Sowjetunion mit Ausnahme von Rußland atomwaffenfreie Staaten beigetreten sind. Bis heute
Atomwaffen abgeschafft worden sind - und eine Welt, hat lediglich Weißrußland beide Verträge angenomin der die strategischen Waffen in Rußland dramatisch men. Kasachstan hat START I ratifiziert und wir
reduziert und neustrukturiert sind. START II wird die erwarten, daß das Parlament Kasachstans in naher
politische Integration Rußlands in die Familie der Zukunft seine Zustimmung zum Beitritt zum NichtverNationen vervollständigen, in dem eine für ein Zeitalter breitungsvertrag geben wird.
der Zusammenarbeit anstelle der Konfrontation angemessene strategische Beziehung geschaffen wird.
Das ukrainische Parlament hat Anhörungen zum STARTI-Vertrag und zum Nichtverbreitungsvertrag begonSTART II und die russischen Interessen
nen. Obwohl einige Ukrainer auf eine Verzögerung
des Beitritts zum Nichtverbreitungsvertrag drängen,
Dauerhafte Verträge müssen im Interesse beider
bleibt die ukrainische Regierung weiterhin dem STARTVertragsparteien liegen. START II ist ein solcher
I-Vertrag und einer atomwaffenfreien Ukraine verVertrag. Ich habe bereits die Vorteile erwähnt, die ein
pflichtet. Wir haben eine Anzahl von Schritten untersolcher Vertrag für die Vereinigten Staaten haben wird,
nommen, um den von der Ukraine geäußerten Beaber - wie ich bereits sagte - liegt START II auch im
fürchtungen zu begegnen und begrüßen es, daß sowohl
Interesse der Russen. START II wird Rußland wirtdie Ukraine als auch Kasachstan ihre Maßnahmen zu
schaftliche Vorteile bringen. Der Vertrag wird es
START und dem Nichtverbreitungsvertrag bald verRußland ermöglichen, die künftige Last großer stratevollständigen.
gischer Arsenale zu vermeiden sowie die Notwendigkeit, bedeutende Ressourcen zur Aufrechterhaltung Ich weiß, daß vielen Mitgliedern dieses Ausschusses
moderner strategischer Waffen mehr oder weniger auf dieser Aufschub Sorgen bereitet. Ich teile diese Bedem gegenwärtigen Niveau zu investieren. Auf diese sorgnis und habe ihr in der Ukraine auch Ausdruck
Weise wird START II auch den Übergang Rußlands verliehen. Wir müssen jedoch den Aufschub vor
von einer militärisch dominierten Wirtschaft zu einer seinem Hintergrund sehen. Meines Erachtens würden
freien Marktwirtschaft erleichtern, die sich der Dek- alle Amerikaner eine freie Debatte einer noch aus der
kung der Bedürfnisse des russischen Volkes widmet. Zeit der früheren Sowjetunion stammenden routineDer START-II- Vertrag ist ein politisches Symbol von mäßigen Zustimmung vorziehen. Es gibt jedoch eine
großer Bedeutung, da er die neue Partnerschaft und Zeit für Debatten und Diskussionen und eine Zeit für
Zusammenarbeit zwischen unseren Nationen wider- Taten. Ich hoffe, daß die Ukraine diese Verträge bald
spiegelt.
annimmt. Danach können unsere beiden RegierunSchließlich wird START II Rußland und die Vereinigten
Staaten zu stabileren Waffenstrukturen führen. Eine
der größten Errungenschaften des Vertrages ist die
Beseitigung der Interkontinentalraketen mit Mehrfachgefechtsköpfen, die traditionell als große Bedrohung
der strategischen Stabilität betrachtet werden. Die
weniger bedrohlichen Waffen, die noch verbleiben,
werden die Stabilität erhöhen und Rußlands politische
Beziehung mit seinen Nachbarn verbessern.
Der Stand der Ratifizierung in der ehemaligen
Sowjetunion
Herr Vorsitzender, als Sie mich einluden, heute zu
Ihnen zu sprechen, baten Sie mich insbesondere, die
verbleibenden Hindernisse für eine Ratifizierung von
START I durch die Ukraine zu erörtern, sowie den
Beitritt Kasachstans und der Ukraine zum Nichtverbreitungsvertrag. Diese Entwicklungen sind von entscheidender Bedeutung, da START II nicht vor START
1 in Kraft treten kann.
Die Parlamente Rußlands, Belarus' und Kasachstans
haben bereits einer Ratifizierung des START-I-Vertra-

AMERIKA DIENST 20

gen an einer breiteren Tagesordnung für Zusammenarbeit und Partnerschaft arbeiten, die wir mit dieser
großen europäischen Nation aufstellen möchten.
Auf jeden Fall ist eine Verzögerung der Annahme des
START-I-Vertrages für uns kein Grund, Maßnahmen
im Zusammenhang mit START II zurückzustellen.
Schließlich senkt START II die Gefahr für alle Nachbarn Rußlands, indem die Zahl der russischen Atomwaffen reduziert wird. Daher wird zügiges Handeln des
Senats zur Annahme des START-Il-Vertrages zügiges Handeln auf Seiten Kasachstans und der Ukraine
ermutigen.
Zusammenfassung
Ungeachtet des Ergebnisses des Kampfes für Demokratie und freie Marktwirtschaft in Rußland stellt START
II eine enorme Verbesserung der strategischen Stabilität dar, indem die letzten Spuren der alten sowjetischen strategischen Waffen für einen Erstschlag beseitigt
werden. Folglich liegt es in unserem Interesse und
tatsächlich im Interesse der ganzen Welt, daß dieser
Vertrag so bald wie möglich ratifiziert und in Kraft
gesetzt wird.

Seite 3

�START II ist ein außergewöhnlicher Vertrag, der von
einer Administration ausgehandelt wurde und von der
nachfolgenden Administration, die einer anderen Partei angehört, ratifiziert und durchgeführt wird. Wie
dieser Ausschuß weiß, hat Präsident Clinton die Aushandlung des Vertrages nachdrücklich befürwortet
und vor seiner Amtsübernahme seine grundlegenden
Konzepte unterstützt. Seit Januar haben wir die Ein-

zelheiten des START-H-Vertrages sorgfältig geprüft.
Dabei sind wir zu der Überzeugung gelangt, daß der
Vertrag auf einer soliden Grundlage steht und unverändert angenommen werden sollte. Daher fordere ich
den Senat im Namen des Präsidenten auf, zügig seine
Zustimmung zu diesem bedeutenden Vertrag zu geben.

* * * *

Seite 4

*

AMERIKA DIENST 20

�SICHERHEIT
19. Mai 1993

USA NACH DEM KALTEN KRIEG MIT VIER
SICHERHEITSPOLITISCHEN HERAUSFORDERUNGEN
KONFRONTIERT
Rede von Verteidigungsminister Aspin
BELOIT (WISCONSIN) - (AD) - Verteidigungsminister Aspin zufolge stehen die Vereinigten Staaten in der Weh
nach dem Kalten Krieg vor vier sicherheitspolitischen Herausforderungen, die von der Clinton-Administration mit
einer dreifachen Strategie in Angriff genommen werden.
Vor einer Abschlußklasse des Beloit College nannte der Minister am 16. Mai 1993 die folgenden - von den
Gefahren für die freie Welt während des Bestehens der Sowjetunion grundverschiedenen - Bedrohungen:
Kleinere Nuklearangriffe durch gefährliche Außenseiterstaaten;
regionale ethnische und religiöse Konflikte;
Scheitern der demokratischen Reformen in der ehemaligen Sowjetunion und andernorts;
Nichteinbeziehung lebenswichtiger wirtschaftlicher Anliegen bei der Verfolgung der nationalen Sicher
heitsinteressen.
Um diese vier Probleme in den Griff zu bekommen, müssen sich die Vereinigten Staaten laut Aspin
drei grundsätzliche Ziele zu eige n machen:
Entwicklung einerden unterschiedlichen Bedürfnissen des neuen Zeitalters angemessenen Militärstreitmacht;
Sicherstellung, daß der Abbau der US-Streitkräfte nicht zu Lasten von Einsatzbereitschaft und Leistungsfähigkeit der verbleibenden Streitmacht bei der Bewältigung von Krisen geht;
Gewährleistung, daß der Militärhaushalt nicht die wirtschaftliche Stärke der Vereinigten Staaten aufzehrt,
ein Ziel, das durch bessere Nutzung der begrenzten Ressourcen zu erreichen sei.
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text von Aspins Rede im Wortlaut.

Zwei große Veränderungen haben stattgefunden.
Erstens das Ende des Kalten Krieges. Wir haben ihn
gewonnen. Das sowjetische Imperium existiert nicht
mehr. Die Sowjetunion selbst ist in 15 unabhängige
Staaten zerfallen. Die Politik der Eindämmung der sowjetischen Expansion hat unsere Au ßenpolitik seit den
späten vierziger Jahren beherrscht. Demokratien sind
angeblich nicht in der Lage, langfristig eine kontinuierliche Politik zu verfolgen, aber wir haben die Politik des
Containment mit bemerkenswerter Hartnäckigkeit
verfolgt, und sie war erfolgreich.
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Die zweite große Veränderung besteht darin, daß die
monolithische militärische Bedrohung durch die Sowjets, die unser militärisches Denken vier Jahrzehnte
beherrschte, verschwunden ist. Es ist nahezu unmöglich, den Einfluß der sowjetischen Bedrohung auf
unser Denken im Hinblick auf die nationale Sicherheit
zu überschätzen. Sie bestimmte den Umfang unseres
Verteidigungshaushalts. Sie bestimmte Stärke und
Struktur unserer Streitkräfte. Sie dominierte unsere
Ausbildung. Sie beherrschte sogar die Art und Weise,
in der wir unsere Waffen konzipierten. Nun ist sie
verschwunden.
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�Es ist deshalb leicht vorstellbar, daß diese beiden
Veränderungen äußerst große Auswirkungen auf unsere
Verteidigung haben müssen. Angesichts dieser Veränderungen müssen wir uns fragen, wovor wir in
diesem neuen Zeitalter eine Verteidigung benötigen.
Welchem Zweck dient sie? Gegen wen werden wir
kämpfen?

Demokratien neigen dazu, weniger Kriege zu führen,
den Terrorismus weniger zu unterstützen und bessere
Verträge abzuschließen und einzuhalten. Mehr
Demokratien, niedrigere Verteidigungsausgaben. Mehr
Diktaturen, höhere Verteidigungsausgaben. Das
Aufkommen von Diktaturen in den ehemals kommunistischen Republiken und andernorts würde wahrscheinlich eine weniger friedliche Welt und für die Vereinigten
Das sind gute Fragen. Und ich werde Ihnen die meiner Staaten gewiß eine schwierigere Welt bedeuten, die
Meinung nach richtige Antwort darauf geben. Unsere überdies auch noch kostspieliger wäre.
Verteidigung für die absehbare Zukunft sollte auf die
Bewältigung von vier Gefahren abzielen, die mit dem Bei der vierten Gefahr verlassen wir gänzlich die
Ende des Kalten Krieges zutage getreten sind.
traditionellen Anliegen der Verteidigung. Präsident
Clinton hat zu der vierten Gefahr beredt Stellung
Die erste ist die neue nukleare Gefahr. Während des genommen und würde sie in der Tat an die erste Stelle
Kalten Krieges waren wir mit Tausenden von strategi- setzen und nicht an die vierte. Diese Gefahr ist eine
schen atomaren Gefechtsköpfen in der Sowjetunion Betrachtungsweise unserer nationalen Sicherheitsinkonfrontiert. Sie sind dort immer noch vorhanden, aber teressen, die wirtschaftliche Interessen ausschließt.
die Bedrohung eines Konflikts mit strategischen Kern- Wirtschaftliches Wohlergehen ist fürunsere Sicherheit
waffen ist bis zur Unkenntlichkeit geschwunden.
von entscheidender Bedeutung. Meines Erachtens
kann das Verteidigungsministerium hier einen echten
Die uns konfrontierende neue atomare Gefahr ergibt
Beitrag leisten.
sich aus einer Handvoll Gefechtsköpfen, die sich in
den Händen anderer befinden. Die politisch Verant- Wenn dies die Gefahren sind, mit denen wir konfronwortlichen der Sowjetunion mögen ein Reich des Bösen tiert sind, wie sollten wir dann mit ihnen umgehen? Es
geführt haben, aber im Hinblick auf Atomwaffen waren wird Sie sicherlich freuen zu wissen, daß wir nächtesie nicht verrückt. Wenn die Verbreitung von Kernwaf- lang und auch an den Wochenenden daran arbeiten,
fen andauert, können wir in bezug auf die neuen diese Frage zu beantworten.
Besitzer nicht immer so sicher sein.
Ich möchte Ihnen heute darüber berichten, wie wir dies
Zwar wären die Zahlen gering, aber dies gilt nicht für in die Wege leiten. Und ich wollte dies besonders hier
die Bedrohung. Eine Waffe kann eine Stadt zerstören, an diesem College tun, dessen Kuratorium ich angeeine Handvoll Waffen können eine nationale Katastro- höre, und in diesem Wahlkreis, den ich über 20 Jahre
phe bedeuten.
lang im Kongreß vertreten habe. Ich bin kein Kongreßabgeordneter mehr, ich bin Verteidigungsminister, aber
Die zweite Gefahr, mit der wir konfrontiert sind, rührt
ich meine immer noch, daß Rechenschaftspflicht eine
von regionalen/ethnischen/religiösen Konflikten her.
gute Sache ist. Ich möchte Ihnen deshalb einen
Ich spreche hier vom Irak, von Panama und Bosnien.
Vorschlag machen, wie Sie meine Leistungen in dieDiese Gefahren stellen kein existentielles Risiko für die
sem neuen Amt benoten könnten. Wir sind zu dem
Vereinigten Staaten dar. Eine solche Bedrohung
Schluß gekommen, daß alles, was wir tun, an drei
könnte nur von einer Macht wie der ehemaligen SoZielen orientiert sein muß.
wjetunion ausgehen. Statt dessen bedrohen die hier
herrschenden Gefahren potentiell vitale Interessen Erstes Ziel: Die für die heutige Zeit angemessenen
der Vereinigten Staaten, amerikanischer Freunde, Streitkräfte aufzustellen. Das Ende der sowjetischen
amerikanischer Verbündeter und des amerikanischen Bedrohung und das Entstehen der vier neuen BedroAnstandsgefühls.
hungen übermitteln uns zusammengenommen eine
Die von der neuen nuklearen Bedrohung und regiona- wichtige Nachricht. Diese großen Veränderungen
len Konflikten ausgehenden Bedrohungen entspre- zeigen uns, daß wir uns mit kleineren Streitkräften als
chen im großen und ganzen traditionellen sicherheits- während des Kalten Krieges verteidigen können, aber
politischen Anliegen. In dieser neuen Welt müssen wir sie dürfen nicht einfach eine kleinere Version der
jedoch unsere Vorstellung von nationaler Sicherheit Streitkräfte aus der Zeit des Kalten Krieges darstellen.
Wir sind nicht mit einer kleineren Sowjetunion konfronerweitern.
tiert, sondern mit neuen Bedrohungen.
Dieser Punkt wird durch die dritte Gefahr belegt. Sie
ergibt sich aus der Möglichkeit eines Scheiterns demo- Wir könnten der sowjetischen atomaren Bedrohung
kratischer Reformen, und zwar besonders aber nicht beispielsweise mit der traditionellen Abschreckung
ausschließlich in der ehemaligen Sowjetunion. Diesist begegnen. Das bedeutet, wir könnten für den Fall
eine andere Betrachtungsweise für Bedrohungen eines nuklearen Angriffs mit nicht akzeptablen Vergelunserer nationalen Sicherheit, die in dieser neuen Welt tungsmaßnahmen drohen, die diesen verhindern
würden. Es ist absolut nicht sicher, daß Abschreckung
sinnvoll ist.
in Zukunft angesichts der durch die Verbreitung von

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�Atomwaffen geschaffenen Bedrohung immer funktionieren wird.

Unsicherheit, und Unsicherheit kann der Truppe schaden.

Wir bereiteten unsere nichtatomaren Streitkräfte darauf vor, sich auf einem europäischen Schlachtfeld
gegen einen Angriff des Warschauer Pakts zu verteidigen. Wir dachten uns, wenn uns dies gelingen
würde, könnte uns auch alles andere gelingen. Jetzt
existiert diese Bedrohung nicht länger. Welches Ausmaß
und welche Gestalt sollten unsere Streitkräfte jetzt
annehmen?

Wir sind uns auch bewußt, daß die Teilstreitkräfte
großen sozialenund kulturellen Änderungen unterworfen sind. Wir hatten den Tailhook-Skandal und Probleme mit sexueller Belästigung. Wir wollen eine funktionierende Politik ausarbeiten, um den Ausschluß von
Homosexuellen aus dem Militär nur auf gru nd ihrer Neigung abzuschaffen. Wir öffnen mehr Arbeitsplätze für
weibliche Konkurrenz, weil wir sicherstellen müssen,
daß wir in diesem neuen Zeitalter die Besten bekommen.

Kurzum, der alte Ansatz entspricht nicht den Gegebenheiten eines neuen Zeitalters. Daher ist es unser
oberstes Ziel, der neuen Ära entsprechende Streitkräf- Wir können nicht einfach Vogel-Strauß-Politik betreite zu unterhalten.
ben. Die Streitkräfte sind Teil der größeren amerikanischen Gesellschaft, in der diese Fragen AufmerkZu Beginn dieser Aufgabe nahm ich eine Neuorganisa- samkeit erfordern. Wir haben nur eine Möglichkeit - so
tion des Büros des Verteidigungsministers vor, damit klug wie möglich mit ihnen umzugehen.
es der Welt nach dem Kalten Krieg gewachsen ist.
Und, was für unser heutiges Thema am wichtigsten ist: Eines unserer Probleme besteht jedoch darin, daß wir
Ich rief eine Dienststelle ins Leben, die die Strategien während der Umstrukturierung nicht einfach ein Schild
für unseren Umgang mit der neuen Welt an die Res- mit der Aufschrift "Wegen Renovierung geschlossen"
sourcen bindet, die hierzu vonnöten sind.
an die Türe hängen können. Wir haben 24 Stunden am
Tag und 365 Tage im Jahr geöffnet. Aus diesem
Diese Dienststelle leitet jetzt eines unserer wichtigsten Grund müssen wir mit diesen Änderungen klug umgeProjekte, das wir die "Überprüfung von Grund auf" hen, auf eine Art und Weise, die Amerika jeden Tag
nennen. Ich hatte bereits seit langem das Gefühl, einsatzbereite Streitkräfte zur Verfügung stellt. Dies
wenn wir einfach unsere Streitkräfte aus der Zeit des ist das zweite Ziel: Eine einsatzbereite Streitmacht.
Kalten Krieges von oben nach unten abbauen würden, Wir unternehmen au ßerordentliche Schritte, um das in
hätten wir im Endeffekt einfach eine verringerte Streit- die Tat umzusetzen.
macht des Kalten Krieges. Diese Überprüfung beschäftigt sich mit den existierenden Bedrohungen, wie Wir haben es zum Kernstück unserer Operationen
wir ihnen begegnen und wie wir unsere jetzigen Streit- gemacht. Die erste Frage, die wir uns bei jeder Aktion
kräfte umwandeln können, um diesen Bedürfnissen zu stellen müssen, lautet, ob sie unsere Einsatzbereitentsprechen.
schaft beeinträchtigt.
Die Überprüfung von Grund auf wird uns zeigen, wie
wir von Streitkräften aus der Zeit des Kalten Krieges zu
den der heutigen Zeit angemessenen Streitkräften
überwechseln können.

Wir bemühen uns um ein besseres Verständnis dessen, was die wirklichen Elemente von Einsatzbereitschaft darstellt. Zu diesem Zweck habe ich neue
Bestrebungen innerhalb des Bürosdes Verteidigungsministers angeordnet, um Frühindikatoren für ProbleIch sollte auch hervorheben, daß die Überprüfung von me mit der Einsatzbereitschaft sowie ein System zur
Grund auf eine echte Zusammenarbeit mit dem unifor- Überwachung dieser Indikatoren zu entwickeln. Andemierten Militär darstellt. Die einzelnen Teilstreitkräfte, re Schritte sind noch in der Planungsphase. Wir
Mitarbeiter der Vereinigten Stabschefs sowie die werden eine einsatzbereite Truppe haben.
Oberbefehlshaber der Einsatzstäbe auf der ganzen
Welt nehmen daran teil.
Drittes Ziel: Ein besserer Verteidigungshaushalt im
Inland. Unsere nationale Sicherheit hängt kurzfristig
Zweites Ziel: Eine einsatzbereite Truppe. Zur Zeit von militärischer Macht ab. Langfristig hängt unsere
verfügen wir über die besten, stets einsatzbereiten nationale Sicherheit von einer starken Wirtschaft ab.
Streitkräfte der Welt. Die Operation Wüstensturm hat Die Verteidigung kann auf zweierlei Weise zu einer
uns das gezeigt, aber wir müssen vorsichtig sein, weil starken Wirtschaft beitragen: Einmal durch klugen
wir mit tiefgreifenden Veränderungen rechnen müs- Umgang mit überschüssigen Ressourcen und zweisen.
tens durch den klugen Umgang mit dem Geld im
Wir sind uns bewußt, daß ein Abbau in jeder Organisa- Verteidigungshaushalt. Lassen Sie mich das erklären.
tion zu Turbulenzen führt. Unsere Streitkräfte werden
in großem Ausmaß abgebaut, und das könnte zu
Turbulenzen großen Ausmaßes führen. Wir werden
auch mögliche Änderungen bei der Rolle und den
Aufgaben der Truppen untersuchen. Das führt zu
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Erstens, die überschüssigen Ressourcen. Ein Abbau
unserer Streitkräfte nach dem Ende des Kalten Krieges
bedeutet, daß wir Dollars, Mitarbeiter im Verteidigungsbereich und Angehörige der Streitkräfte freisetzen. Sie stellen keine Probleme dar, mit denen man
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�fertigwerden muß, sondern Ressourcen, die genutzt
werden müssen. Die Frage lautet, wie das geschehen
soll. Es ist kein Geheimnis, daß wir eine andere
Weltanschauung als die vorherige Administration haben.
Sie erklärte, der Markt würde das Problem schließlich
lösen, und das wäre auch - schließlich - der Fall. Aber
manchmal kann schließlich eine lange Zeit sein. Daher
wollen wir aktiver werden, hochbezahlte Arbeitsplätze
mit großem Wachstumspotential schaffen und die
Dinge ins Rollen bringen. Wir haben im Haushaltsjahr
1994 700 Millionen Dollar bereitgestellt, um Gemeinden und Einzelpersonen beim Übergang von einer
Wirtschaft aus der Zeit des Kalten Krieges zu einer
Wirtschaft nach dem Kalten Krieg zu helfen.
Zweitens, der Verteidigungshaushalt. In diesem Bereich stellen Forschung und Entwicklung den Schlüssel dar. Unser System hat die besten, fortschrittlichsten Waffensysteme der Wert hervorgebracht. Das
konnten wir in der Operation Wüstensturm beobachten. Wir waren erfolgreich dabei, Technologie in
Waffen umzuwandeln. Wir waren nicht so erfolgreich
dabei, Technologie in kommerzielle Produkte umzuwandeln. Die Liste der Dinge, die hier erfunden, aber
andernorts - beispielsweise in Deutschland oder Japan - in Goldminen des Handels oder für die Verbraucher umgewandelt wurden, ist sehr lang. Das muß
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sich ändern. Dort liegen die hochbezahlten Arbeitsplätze mit großem Wachstumspotential. Dort wird der
internationale Wettbewerb stattfinden, der letztlich
entscheidend ist.
Dort kommen die Forschung im Verteidigungsbereich
und das Entwicklungsbudget ins Spiel. Wir werden in
Technologie investieren, die sowohl militärischen als
auch zivilen Zwecken dient. Diese Mehrzwecktechnologien können hochbezahlte Arbeitsplätze schaffen
und uns auf den Weltmärkten konkurrenzfähig machen.
Soweit eine kurzer Abriß unseres Programms. Meine
wichtigste Bewährungsprobe als Verteidigungsminister steht mir auf diesen drei Gebieten bevor. Haben
wir die fürdie jeweilige Zeit angemessenen Streitkräfte
geschaffen? Haben wir die Truppen einsatzbereit
gehalten, während wir gleichzeitig diese enormen
Veränderungen in Angriff genommen haben? Und
schließlich, haben wir bei uns zu Hause einen besseren Verteidigungshaushalt aufgestellt?
Wenn wir all das in die Tat umsetzen, werden wir
kurzfristig eine starke Verteidigung und langfristig einer
stärkere Wirtschaft haben.

* * *

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�SDI
19. Mai 1993

ASPIN KÜNDIGT UMBENENNUNG UND NEUEN
SCHWERPUNKT DES SDI-BÜROS AN
Veränderungen infolge neuer Prioritäten nach dem Kalten Krieg

WASHINGTON - (AD) - Verteidigungsminister Aspin
hat am 13. Mai 1993 die Umbenennung und Schwerpunktverlagerung des Büros für die Strategische Verteidigungsinitiative (Strategie Defense Initiative Office
- SDIO) angekündigt. Dieser Schritt spiegelt Aspin
zufolge die Prioritäten der Clinton-Administrationen in
der Wert nach dem Karten Krieg wider.

tiert sein, die sowohl nukleare Gefechtsköpfe als auch
ballistische Raketen besitzen, die die Vereinigten Staaten
erreichen können. Aus diesem Grund haben wir die
kriegsschauplatzgebundene ballistische Raketenabwehr zu unserer Hauptpriorität bei der Bewältigu ng der
postsowjetischen neuen Welt nach dem Karten Krieg
gemacht."

M it der Erklärung, das Zeitalter des "Kriegs der Sterne"
in der strategischen Verteidigung sei beendet, gab
Aspin bekannt, die "Organisation für die ballistische
Raketenabwehr" (Ballistic Missile Defense Organization - BMDO) werde das SDIO ablösen, und der
"kriegsschauplatzgebundenen ballistischen Raketenabwehr" werde "unsere vordringliche Aufmerksamkeit"
bei der Bewältigung der neuen weltweiten Gefahren
gelten.

Aspin erläuterte, daß sich die BMDO zusätzlich zur
kriegsschauplatzgebundenen ballistischen Raketenabwehr vordringlich "der nationalen Raketenverteidigung,
einer Verteidigung des amerikanischen Volkes mit
landgestützten Systemen" sowie "Nachfolgetechnologien, die bei der taktischen und strategischen Verteidigung aussichtsreich erscheinen", widmen wird.

"Diese Veränderungen", erklärte er, "bedeuten eine
Abkehr von einem massiven Programm zur StationieDas Jahrzehnt des Kriegs der Sterne begann am 23. rung weltraumgestützter Waffen, um eine Bedrohung
März 1983, alsderdamalige Präsident Ronald Reagan zu bewältigen, die fast bis zur Unkenntlichkeit abgeankündigte, er werde ein Programm einleiten, um nommen hat: der massive Überraschungsangriff aus
"nukleare Waffen unschädlich und überflüssig zu der ehemaligen Sowjetunion."
machen". Sein strategisches Verteidigungsprogramm
wurde rasch mit dem Namen Star Wars nach dem Aspin betonte, daß "immer noch eine nukleare Bedrohung besteht". Er fügte jedoch hinzu, es sei "eine
gleichnamigen populären Spielfilm jener Zeit belegt.
andere Art der nuklearen Bedrohung", die von "ande"Zehn Jahre später", so Aspin bei einer Pressekonfe- ren Leuten" kommt... Es ist eine nukleare Bedrohung
renz im Pentagon, "stellen wir fest, daß sich unser durch ein halbes Dutzend oder weniger Atomwaffen in
Bedarf für eine ballistische Raketenabwehr gewandert den Händen eines terroristischen Staates."
hat - wir benötigen nicht mehr das massive Programm
weltraumgestützter Waffen, wie Ronald Reagan es Im Hinblick auf die mit der neuen Initiative in Zusammenhang stehenden organisatorischen Veränderunsich vorstellte."
gen erklärte Aspin, obwohl das SDIO dem VerteidiWährend des Golfkriegs hätten der irakische Präsi- gungsminister direkt unterstellt gewesen sei, werde
dent Saddam Hussein und seine Scud-Raketen "uns die BMDO dem Staatssekretär im Verteidigungsminigezeigt, daß wir eine Abwehr gegen ballistische Rake- sterium für Beschaffung und Technologie, John Deutch,
ten für unsere Truppen im Feld benötigen. Diese unterstehen.
Bedrohung besteht hier und jetzt", erklärte Aspin.
Diese Veränderung "trägt der Tatsache Rechnung,
In Zukunft, so fügte er hinzu, "könnten wir mit gegne- daß das Programm von Forschung auf die Entwickrischen oder irrational handelnden Staaten konfron- lung und Beschaffung von Systemen verlagert wird",
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�stellte er fest. "Und es gestattet uns, unsere Arbeit an
der ballistischen Raketenabwehr entsprechend ihrem
Stellenwert im gesamten Verteidigungsprogramm
durchzuführen."

Die ehemalige Sowjetunion sei sich ihm zufolge "der
enormen Fortschritte bewußt, die die Vereinigten Staaten
im militärischen Bereich erzielt haben - nicht nur bei
Star Wars, sondern bei... Technologie allgemein. Und
sie erkannten, daß sie nicht konkurrieren konnten...
Sie haben einfach nicht die wirtschaftliche Grundlage
in ihrem Land, die die für Star Wars, präzisionsgesteuerte Munition und für all diese Dinge erforderliche Art
hochtechnologischer Waffen, Systeme und Nebenprodukte herstellen könnte."

Präsident Clintons Haushaltsentwurf für 1994 beantragt 3,8 Milliarden Dollar für die BMDO - dies ist der
gleiche Betrag wie für die Finanzierung des SDIO im
Jahr 1993.
Auf die Frage, wie das Programm Krieg der Sterne zu
der jetzt in die Wege geleiteten kriegsschauplatzgebundenen Raketenabwehr beigetragen habe, erklärte
Aspin, obwohl einige Technologien in beiden Fällen
"relevant" seien, "wurde die kriegsschauplatzgebundene Raketenabwehr, über die wir jetzt verfügen unabhängig von ihrem Zustand - im großen und ganzen getrennt von der SDIO-Arbeit entwickelt, die sich
... vornehmlich auf den 'Astrodome'-Ansatz bei der
Handhabung unserer Verteidigung und stark gegen
die Hauptbedrohung der Vereinigten Staaten -... den
... Abschuß von ... Waffen aus der Sowjetunion konzentrierte".

"Sie sahen eine Situation, in der... es nur eine allmähliche Auflösung der Macht gab", stellte er fest. "Meiner
Ansicht nach war das zumindest zum Teil der Grund
für die tiefgreifende Verlagerung, zu deren Versuch
und Verwirklichung in der Sowjetunion sich die Gorbatschow-Generation entschied."

Auf die Frage, ob die Amerikaner mit Krieg der Sterne
etwas Vollwertiges erhalten, antwortete Aspin: "Meines Erachtens haben wir sehr viel gelernt, wenn wir
etwas von den gemachten Erfahrungen ableiten und
anwenden können. Ich denke, wenn es dazu beigetragen hat, die Art von Veränderungen zu bewirken, die in
In einer Bewertung des möglichen Nutzens der Strate- der Sowjetunion stattgefunden haben, so lautet die
gischen Verteidigungsinitiative stellte Aspin fest, es Antwort meiner Ansicht nach 'Ja'."
werde eine "große Debatte darüber geben, ob das
Programm Krieg der Sterne zum Zusammenbruch der
Sowjetunion beigetragen habe. (Aber) meines Erachtens hatte es etwas damit zu tun."

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�AID
19. Mai 1993

LEITER DES AID FÜR KONZENTRATION DER
AUSLANDSHILFE
Stellungnahme von Brian Atwood
WASHINGTON - (AD) - Dem neuen Leiter des Amtes für Internationale Entwicklung (USAID) zufolge muß sich
das amerikanische Auslandshilfeprogramm auf weniger Ziele konzentrieren. Das Hauptziel müsse darin
bestehen, "umweltverträgliche Entwicklung zu fördern".
Amtsleiter J. Brian Atwood, der sein Amt offiziell erst zwei Tage zuvor angetreten hatte, gab am 12. Mai 1993
vor dem Auswärtigen Ausschuß des Repräsentantenhauses eine Stellungnahme ab. Danach sei es Aufgabe
des USAID, die Erlangung anderer wichtiger Aspekte der Außenpolitik zu fördern, darunter amerikanische
Sicherheit und Wettbewerbsfähigkeit. Aber: "Wir müssen uns auf die Hauptziele des Amtes konzentrieren und
diese bestmöglich verwirklichen."
Nachfolgend veröffentlichen wir Atwoods vorbereiteten Redetext im Wortlaut.

Herr Vorsitzender,
ich freue mich, vor diesem Ausschuß meine erste
Erklärung im Kongreß als Leiter des AID abgeben zu
können. Die Mitglieder dieses Ausschusses wissen
wahrscheinlich besser als jeder andere, in welchem
Umfang wir heute unser Auslandshilfeprogramm neu
orientieren und neu ausrichten können. Sie haben im
Lauf der Jahre eine entscheidende Führungsrolle bei
der Analyse der Probleme, Definition der Fragen und
Beschreibung der Herausforderungen gespielt, mit
denen das AID konfrontiert ist. Deshalb ist es nur recht
und billig, daß ich mit einem Abriß der spezifischen
Maßnahmen beginne, die von der Administration zur
Stärkung und Neuausrichtung der Auslandshilfe geplant sind und erörtere, wie diese Veränderungen in
unserer Haushaltsvorlage 1994 zum Ausdruck kommen.
Da ich erst seit einem Tag als Leiter des AID im Amt
bin, kann ich Ihnen heute zweifellos noch keinen
umfassenden Plan zur Umstrukturierung und Reform
des Amtes vorlegen. In Zusammenarbeit mit dem
Stellvertretenden Außenminister Wharton werde ich
diesen Plan in enger Konsultation mit Ihnen und Ihren
Kollegen in den nächsten Monaten entwickeln. Ich
möchte diese Gelegenheit jedoch ergreifen, um Ihnen
einige allgemeine Gedanken darüber vorzutragen,
welchen Weg das Amt meiner Meinung nach gehen
sollte.
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Das AID genießt, wie Sie wissen, die zweifelhafte
Ehre, von allen Behörden die meisten Berichte, Studien, Kommissionen und Arbeitsgruppen hervorgebracht zu haben. Es wurde fast "zu Tode untersucht".
Ich möchte Ihnen heute versichern, daß ich nicht
beabsichtige, diesen vielen Bänden weitere hinzuzufügen und lediglich über die Probleme des AID zu
sprechen. Ich möchte Maßnahmen ergreifen.
Über die neuen, infolge der Beendigung des Kalten
Krieges vor uns liegenden Herausforderungen und
Möglichkeiten ist vieles geschrieben und gesagt worden. Diesem Ausschuß ist gut bekannt, wie sehrgeound sicherheitspolitische Anliegen unsere Wirtschaftshilfeprogramme in der Vergangenheit beherrscht sowie
ihre Prioritäten und ihre Richtung bestimmt haben.
Heute benötigen wir einen neuen Ansatz zur Auslandshilfe, der den uns heute konfrontierenden Herausforderungen gerecht wird.
Können wir uns Auslandshilfe leisten?
Unser Erfolg bei der Bewältigung dieser Herausforderungen ist für das amerikanische Volk von entscheidender Bedeutung, weil er in seinem vitalen Interesse
liegt. Wir müssen nicht nur gewährleisten, daß unsere
Programme einhelligen amerikanischen Interessen
dienen, sondern auch den Nachweis dafür erbringen,
daß sie dem amerikanischen Volk und seinen Vertretern im Kongreß dienen.

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�Erstens sollte Auslandshilfe dazu beitragen,
Arbeitsplätze in den Vereinigten Staaten zu
schaffen. Der Lebensunterhalt der Amerikaner
hängt immer stärker vom Welthandel und den
Weltmärkten ab. Die Entwicklungsländer bilden
heute den am schnellsten wachsenden Markt
für amerikanische Exporte. Unsere Auslandshilfeprogramme müssen darauf abzielen, nachhaltiges Wirtschaftswachstum in den Entwicklungsländern zu fördern. Damit werden wir
heute den Grundstein für das amerikanisches
Exportwachstum von morgen legen, und dies
wird mehr Arbeitsplätze für Amerikaner bedeuten.
Zweitens ist unser Land mit ernsten Problemen
konfrontiert, die nationale Grenzen überschreiten. Diese Probleme können nicht von einem
Land allein gelöst werden. Wir haben gemeinsame Interessen bei der Suche nach Lösungen,
von denen wir alle profitieren.
Zum Beispiel die Ausbreitung von Infektionskrankheiten. Die Gesundheit der Amerikaner
hängt nicht nur davon ab, was in ihrer unmittelbaren Umgebung vorgeht, sondern auch davon,
wie gut die internationale Staatengemeinschaft
Infektionskrankheiten in den Griff bekommt. Neue
Krankheiten wie AIDS und neue Arten von
Malaria und Tuberkulose stellen die moderne
Medizin auf die Probe und bedrohen das Wohlergehen von Amerikanern ebenso wie von Menschen in den Entwicklungsländern. Unser Auslandshilfeprogramm sollte weiterhin dringend
benötigte Hilfe zur Finanzierung von Schutzimpfungen für die bereits bekannten Krankheiten
zur Verfügung stellen und Forschungsarbeiten
unterstützen, um die Ausbreitung neuer Infektionskrankheiten einzudämmen.
Die Umwelt in den Vereinigten Staasten wird
auch von Faktoren beeinflußt, die weit außerhalb unserer Nachbarschaft liegen. Wir wissen
heute, daß die Erwärmung des Erdklimas, der
Abbau der Ozonschicht und der Artenschwund
reale Auswirkungen auf uns alle haben, unabhängig davon, wo wir leben. Die Rettung einer
gefährdeten Art in den Vereinigten Staaten wird
bei weitem aufgewogen, wenn wir in anderen
Regionen Hunderte von Arten verlieren und das
ökologische Gleichgewicht zerstören. Die Förderung umweltverträglicher Entwicklung an weit
entfernten Orten kann dazu beitragen, die fortschreitende Beeinträchtigung der Umwelt und
die Zerstörung des Ökosystems Erde zu verhindern. Unser Auslandshilfeprogramm muß diesen Ländern helfen, neue, umweltverträgliche
Beschäftigungsmöglichkeiten zu schaffen, und
andere davon überzeugen, daß gemeinsame
Ansätzen für weltweite Umweltprobleme in ihrem Interesse liegen.
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Die Zunahme der Weltbevölkerung hat unmittelbare Auswirkungen auf die Amerikaner. Selbst
optimistische Prognosen gehen davon aus, daß
sich die Weltbevölkerung bis Anfang des nächsten Jahrhunderts verdoppeln wird. Diese
Bevölkerungsexplosion vollzieht sich in erster
Linie in den Entwicklungsländern.
Eine Verlangsamung und Stabilisierung des Bevölkerungswachstums auf niedrigerem Niveau
erfordert Fortschritt in den Entwicklungsländern.
Wir wissen, daß Frauen, die - durch Bildung, Beschäftigung in einer wachsenden Volkswirtschaft,
angemessene medizinische Versorgung für sich
und ihre Familien sowie Zugang zu moderner
Familienplanung - ihre individuellen Chancen
und Wahlmöglichkeiten verbessert haben,
weniger Kinder zur Welt bringen. Hilfe beim
Aufbau wirtschaftlicher und politischer Systeme
in den Entwicklungsländern, die erweiterte
Chancen und Wahlmöglichkeiten bieten, trägt
zur Lösung der gemeinsamen weltweiten Herausforderungen in der Bevölkerungspolitik bei.
Politische und wirtschaftliche Unsicherheit in
anderen Ländern führt zu Problemen weltweiter
Wanderungsbewegungen. Die meisten Menschen würden es vorziehen, in ihrer Heimat zu
bleiben, aber wenn sie dort keine echten wirtschaftlichen Möglichkeiten vorfinden, werden
sie diese im Ausland suchen. Hilfe beim Aufbau
der Grundlagen für erweiterte Chancen trägt
dazu bei, die Anreize zur Massenauswanderung abzubauen.
Drittens rufen korrupte und nicht rechenschaftspflichtige politische Systeme Frustration hervor,
die häufig zu Gewalt und Konflikten führt. Die
von uns in Somalia beobachtete Anarchie beruht teilweise auf unserem Versäumnis der
Vergangenheit, umfassende wirtschaftliche und
politische Hilfsprogramme mit den Schwerpunkten Wirtschaftswachstum und Demokratie durchzuführen. Heute bezahlen wir den Preis für
diesen Fehler. Wirksame Auslandshilfeprogramme, deren Ziel die Verhinderung von Bedingungen ist, die solchen vom Menschen verursachten Katastrophen Vorschub leisten, werden dem
amerikanischen Steuerzahler in der Zukunft
Kosten ersparen.
Die Entwicklungsländer und die neuen unabhängigen
Staaten leisten zu vielen globalen Probleme die Amerika im Inland bedrohen, einen wichtigen Beitrag und
sind gleichzeitig aber auch Teil ihrer Lösung. Um dauerhafte Lösungen für weltweite Probleme zu finden,
müssen die Frauen, Männer und Kinder in den Entwicklungsländern und neuen unabhängigen Staaten
unsere aktiven, konstruktiven und beitragenden Partner werden. Um dies zu tun, müssen sie das Wissen
und die Fähigkeiten haben, die sie zum Handeln
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�befähigen, sowie die wirtschaftlichen und politischen
Institutionen, die ihnen die Möglichkeit bieten, ihre
Zukunft selbst zu gestalten.
Ein wirksames Wirtschaftshilfeprogramm kann zur
Bildung einer anderen Welt beitragen, in der der einzelne für sich und seine Kinder ein neues Leben aufbauen
kann. Unser Auslandshilfeprogramm spielt eine entscheidende Rolle dabei, Ländern zu helfen, vollwertige
Partner zu werden. Auslandshilfe ist für die Interessen
der amerikanischen Bürger nicht unbedeutend. Im
Gegenteil, amerikanischen Interessen wird unmittelbargedient, wenn man den Menschen in den Entwicklungsländern und neuen unabhängigen Staaten die
Fähigkeiten und das Verständnis gibt, ihr Leben selbst
in die Hand zu nehmen.

Schwerpunkt
Erstens benötigt das AID weniger Ziele. In
diesem Punkt besteht eine erstaunliche Übereinstimmung. Praktisch jeder Bericht und jede
Analyse des AID betont die Notwendigkeit für
das AID, Schwerpunkte zu setzen. Wir können
es nicht allen recht machen und trotzdem das
Erforderliche gut leisten.

Einfach ausgedrückt, hat das AID einen doppelten
Auftrag. Wir müssen die Fähigkeit haben, auf von
Menschen verursachte und Naturkatastrophen - wie in
Somalia - zu reagieren und Hilfe auf Dringlichkeitsbasis zu gewähren sowie politische und wirtschaftliche
Institutionen wiederaufzubauen. Unser Hauptziel besteht
jedoch darin, umweltverträgliche Entwicklung zu fördern, um ein Auftreten solcher Katastrophen zu verhinWirksamere Hilfe
dern. Wir möchten die Selbständigkeit der Frauen,
Um diese Ergebnisse zu erzielen, müssen wir jedoch Männer und Kinder in den Entwicklungsländern sowie
ein aufgeschlossenes und innovatives, gleichzeitig den neuen unabhängigen Staaten unterstützen. Injedoch verantwortungsbewußt verwaltetes Hilfspro- dem sie ihre individuellen Fähigkeiten stärken, ihre
gramm haben, das klare Leistungen vorweisen kann. wirtschaftlichen Chancen fördern und ihre politischen
In meiner Bestätigungsanhörung habe ich eingeräumt, Freiheiten ausbauen, können sie für sich eine bessere
daß das AID wesentlicher Verbesserungen bedarf, Zukunft schaffen. Weltweit streben die Menschen
bevor es dies effektiv tun kann. Ich werde die Liste der nach den gleichen Chancen - um ihr Leben und ihr
Schwächen und Defizite des AID, die von diesem Schicksal zu kontrollieren.
Ausschuß und anderen erwähnt wurde, nicht wiederholen. Statt dessen möchte ich darüber sprechen, wie Entwicklung kann nicht umweltverträglich sein, wenn
wir sie zu überwinden und eine Behörde zu stärken sie nicht auf Beteiligung beruht und am Menschen
gedenken, die für die nationalen Interessen der Verei- orientiert ist. Dies gilt im Ausland ebenso wie im Inland.
nigten Staaten so lebenswichtig ist.
Erfolgreiche Programme müssen die Fähigkeiten und
das Fachwissen der Ortsansässigen, auf die sie zugeSie wissen bereits um die Bemühungen der Clinton- schnitten sind, einbeziehen und auf ihnen aufbauen.
Gore-Administration zur Umgestaltung der institutio- Das AID muß - häufig mit Hilfe amerikanischer privater
nellen Kultur der Verwaltung auf Bundesebene. Die Hilfsorganisationen und NGOs - auf diejenigen Einzelnationale Leistungsüberprüfung des Vizepräsidenten personen und Gruppen zugehen, die auf lokaler Ebene
bietet eine enorme Chance, im Hinblick auf Reformen entscheidenden Einfluß auf ihre Gemeinwesen ausüim AI D den Worten Taten in Form von spezifischen und ben.
grundlegenden Veränderungen folgen zu lassen. Ich
habe zugesagt, daß die Bemühungen des AID zur Andere besonders wichtige Aspekte der amerikani"Neuerfindung der Regierung" nicht auf einige wenige schen Außenpolitik wie Sicherheit und wirtschaftliche
kleine Experimente in einer oder zwei Abteilungen Wettbewerbsfähigkeit werden von der Clinton-Adminibegrenzt sein, sondern das ganze Amt erfassen wer- stration energisch vertreten. Das AID spielt eine
den.
entscheidende Rolle dabei, die Verwirklichung dieser
anderen amerikanischen Ziele zu erleichtem, indem
Dies ist eine ehrgeizige Verpflichtung, und ich mache es ein geeignetes politisches Umfeld schafft sowie
mir keine Illusionen über die bevorstehenden Schwie- stabile und wachsende Gesellschaften aufbaut. Ich
rigkeiten. Aber wir haben keine andere Wahl. Der beabsichtige, die Koordinierung des AID mit diesen
Kongreß und das amerikanische Volk werden wenig anderen Behörden zu verstärken, so daß unsere
Verständnis für ein zielloses und verschwommenes Programme sich gegenseitig unterstützen und ergänHilfsprogramm haben, das keine Ergebnisse zeitigen zen können. Wir müssen uns jedoch darüber klar
kann.
werden, für was das AID unmittelbar verantwortlich
sein sollte und für was nicht.
Ich möchte, daß dies eine gemeinsame Bestrebung
ist, und ich benötige Ihre Unterstützung, um Erfolg zu Wir müssen uns auf die Hauptziele des Amtes konzenhaben. Lassen Sie mich ein paar allgemeine Prinzi- trieren und diese bestmöglich verwirklichen.
pien nennen, die meines Erachtens unsere künftigen
Entscheidungen und Pläne leiten sollten.
Die jüngste Straffung der Ziele des AID mu ß sich in der
Gesetzgebung widerspiegeln. Dieser Ausschuß hat

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�das Problem erkannt, das durch eine Überzahl von
Zielen entsteht, und bei der Entwicklung eines überarbeiteten Gesetzesüber Auslandshilfe beeindruckende
Fortschritte gemacht. Diese neuesten Fortschritte
bieten eine solide Grundlage für die künftige Gesetzgebung. Die Administration verpflichtet sich, mit diesem und anderen relevanten Kongreßausschüssen
zusammenzuarbeiten, um ein Abkommen über die
neue Gesetzgebung zu erzielen, das diese neuen
Ziele umreißt. Ich hoffe, daß wir diesen Sommer mit
den Gesprächen beginnen und zu einer Einigung über
ein neues gesetzliches Rahmenwerk für die amerikanische Auslandshilfe in der Zeit nach dem Kalten Krieg
kommen werden.
Konzentration auf die Ergebnisse
Zweitens: Sobald wir uns über die verringerte Anzahl
von Zielen geeinigt haben, müssen wir sicherstellen,
daß diese klar definiert sind. Das ist von essentieller
Bedeutung, wenn sich das Amt auf die Messung der
erzielten Ergebnisse konzentrieren soll. Der Kongreß
kennt die genauen Einzelheiten, wieviel das AID fürdie
verschiedenen Programme ausgegeben hat, aber mit
wenigen Ausnahmen wissen Sie wenig darüber, was
wir mit unseren Programmfonds erreicht haben.
Die Konzentration auf die Ergebnisse spiegelt sich in
der Haushaltsvorlage des Außenministeriums für das
Haushaltsjahr 1994 wider. Die Vorlage präsentiert die
wichtigsten Ziele, die die Administration zu erreichen
hofft, sei es die Unterstützung des Übergangsprozesses auf dem Weg zur Demokratie, des Friedens im
Nahen Osten oder der Lösung globaler Probleme.
Die Administration wird den ersten Schritt unternehmen, aber wir können ohne Ihre Hilfe keinen Erfolg
haben. Ich möchte die aktive Kooperation und Unterstützung des Kongresses bei der Schaffung einer
neuen institutionellen Kultur beim AID gewinnen. Ich
bitte Sie, Ihre Aufmerksamkeit nicht ausschließlich
den Ausgaben zu widmen. Sie sollten das AID aufgrund der erzielten Ergebnisse zur Rechenschaft ziehen, nicht aufgrund der ausgegebenen Gelder. Wenn
Ressourcen in Programme gesteckt werden, die keine
Ergebnisse zeitigen, dann sollten sie für etwas anderes verwendet werden. Bestimmte Interessengruppen
mögen hiergegen vielleicht Einwände haben. Aber wir
können und sollten keine Programme unterstützen,
die das Erreichte nicht demonstrieren können.

cen effektiv einzusetzen, sollten unsere Hilfsprogramme reduziert oder neuorientiert werden. Das wird
unweigerlich bedeuten, daß das AID in weniger Ländern Programme durchführt oder präsent ist. Das wird
auch bedeuten, daß wir uns in größerem und effektiverem Ausmaß auf die Durchführung unserer Programme konzentrieren.
Ich habe eine sofortige Überprüfung aller bedeutenden
AID-Programme angeordnet, um zu bestimmen, ob
sie identifizierbaren Interessen dienen und klare Ergebnisse vorweisen können. Ich werde festsetzen,
welche Länder nicht länger weitere Investitionen und
Energie unsererseits verdienen. Hochrangige Beamte
des AID werden im Verlauf unserer Bemühungen mit
Ihnen und anderen relevanten Ausschüssen beraten.
Organisatorische Änderungen
Drittens: Ich werde in der nahen Zukunft Entscheidungen zur Durchführung einer Anzahl organisatorischer
Änderungen beim AID treffen. Wir werden den unnötigen bürokratischen Aufwand und die sich überlagernden oder irrelevanten Funktionen abschaffen. Nur
dann werden wir in der Lage sein, die Energien und
Bemühungen der Mitarbeiter des AID in kreative und
effektive Bahnen zu lenken.
Die Aufrechterhaltung einer soliden Präsenz des AID
in Übersee ist von lebenswichtiger Bedeutung. Nur
durch unsere Missionen vor Ort können wir strategische Entwicklungspläne entwerfen und durchführen,
die sowohl globale als auch die nationalen Beschränkungen des jeweiligen Landes berücksichtigen. Missionen in Übersee sind jedoch teuer und ich bin mir
bewußt, daß es noch Raum für erhöhte Effizienz und
Missionen kleineren Umfangs gibt. Ich bin bereit, um
dem Abbau der uns zur Verfügung stehenden Gelder
Rechnung zu tragen, innerhalb der nächsten Monate
Maßnahmen zur Senkung der Kosten unserer Präsenz in Übersee durchzuführen.

Ich plane auch die Stärkung der zentralen politischen
Leitung des Amtes sowie die Rationalisierung und
Durchführung individueller Programmanstrengungen.
Wir müssen die strategische Planung stärken um
sicherzustellen, daß das AID die Herausforderungen
der Zukunft vorhersieht, anstatt auf die Probleme der
Vergangenheit zu reagieren. Wir benötigen eine stärkere und effektivere zentrale Fähigkeit, politische
Führung zu zeigen, sowie Expertenwissen und UnterDie Konzentration auf die Ergebnisse muß die Aus- stützung für unsere Missionen vor Ort und zur Durchwahl der Länder umfassen, in denen AI D-Programme führung der notwendigen Forschung.
durchgeführt werden. Wirtschaftshilfe sollte nicht als
Anspruch gehandelt werden. Unser Budget ist zu Schließlich müssen wir erneut Zusammenarbeit und
begrenzt, und die Forderungen nach Ressourcen sind Teamwork innerhalb des Amtes fördern und jede Art
zu hoch, um Zeit, Energie und das Geld des Steuer- von Arbeit ohne Sinn für das Ganze abschaffen. Neue
zahlers in Ländern zu vergeuden, die sich nicht wirklich operative Verfahrensweisen müssen mit dem Ziel
der Ausweitung der Möglichkeiten und Chancen des eingeführt werden, einen größeren Sinn für Transpaeinzelnen widmen. Dort, wo es eindeutig unmöglich renz und Teilnahme am Entscheidungsfindungsproist, unsere knapp bemessenen Entwicklungsressour- zeß sowie Zusammenarbeit bei der Erreichung gemeinsamer Ziele zu ermutigen.
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AMERIKA DIENST 20

�Verstärkte Koordination

Übergang zur Demokratie

Koordination ist der Schlüssel zur bestmöglichen Nutzung
unserer knappen Ressourcen. Wie ich bereits herausstellte, muß das AID mit anderen Behörden der USRegierung zusammenarbeiten, um komplementäre
Programme zu entwickeln und auf unserer relativen
Stärke und Erfahrung aufzubauen. Die Clinton-Administration widmet sich der Verbesserung der Kommunikation, Konsultation und Koordination zwischen den
einzelnen Ämtern. Ein größeres Verständnis der
jeweiligen Rollen und Verantwortung der verschiedenen außenpolitischen und einschlägigen innenpolitischen Behörden wird zur Zeit entwickelt.

Die Vereinigten Staaten haben großes und dauerhaftes Interesse an der aktiven Unterstützung der aufkeimenden demokratischen Regierungsformen auf der
ganzen Welt. Und nirgendwo haben wir ein direkteres
oder unmittelbareres Interesse am erfolgreichen
Übergang zu einer stabilen Demokratie als in Rußland
und den anderen neuen unabhängigen Staaten der
ehemaligen Sowjetunion.

Eine verbesserte Koordination ist ein Ziel, das sich
nicht auf die amerikanische Regierung beschränkt.
Auf internationaler Bühne waren die Vereinigten Staaten viele Jahre lang nicht nur das größte Geberland der
Welt, sondern leisteten auch den Großteil derglobalen
Wirtschaftshilfe. Das ist nicht länger der Fall. Wir
sollten uns über die Tatsache freuen, daß wir nicht
länger praktisch allein die Hauptlast der Wirtschaftshilfe tragen.
Da unsere Freunde und Verbündeten selbst bedeutende Ressourcen zur Verfügung gestellt haben, ist jetzt
eine neue Art der Beziehungen erforderlich. Wir
müssen mit anderen Geberländern einen gemeinsamen Ansatz für die wichtigsten entwicklungspolitischen Herausforderungen erarbeiten. Wir sind zwar
nicht länger der größte Geber, aber immer noch der
erfahrenste.

Wirtschaftswachstum und Behebung der Armut
Wirtschaftswachstum ist ein zentrales Ziel kontinuierlicher Entwicklung. Wir können es uns nicht länger
leisten, ein internationales Sozialhilfeprogramm zu
unterstützen. Wir müssen uns auf die Unterstützung
eines Prozesses des im Inland erzeugten Wachstums
konzentrieren, der erweiterte Chancen und Ressourcen bietet, die kontinuierliches und umfassendes
Wachstum ermöglichen. Die zur Erlangung von dauerhaftem, breitgefächertem Wachstum erforderlichen
Maßnahmen werden von Land zu Land variieren, und
die Hauptverantwortung unserer Missionen vor Ort
besteht darin herauszufinden, wie Lösungen für unterschiedliche Probleme integriert und knappe AID-Ressourcen wirksam eingesetzt werden können, um kontinuierliches Wachstum zu erzielen.
Lösung globaler Probleme

Im Einklang mit der Tagesordnu ng der Clinton-Administration wird das AID weltweiten Problemen wie Bevölkerungswachstum, Umweltverträglichkeit und neuen
Für die Zukunft sind nicht zusätzliche amerikanische Bedrohungen der Gesundheit wie AIDS besondere
Finanzmittel, sondern erneut eine amerikanische Aufmerksamkeit widmen. Sie werden sehen, daß die
Führungsrolle vonnöten. Ich möchte, daß das AID Haushaltsvorlage für 1994 Aufstockungen für Initiatidiese Führungsrolle übernimmt und zwar sowohl in der ven in den Bereichen Bevölkerungswachstum und
US-Regierung als auch innerhalb der Gemeinschaft Umweltschutz enthält.
der Geberländer.
Humanitäre Belange
IV. Der Haushaltsantrag für 1994
In jüngster Vergangenheit konnte das Ausmaß beobachtet
werden, in dem die Vereinigten Staaten sich
Ich möchte kurz die Haushaltsvorlage für 1994 erörweiterhin
dringender humanitärer Bedürfnisse annehtern. Wie von Außenminister Christopher erläutert, ist
men,
und
wir können davon ausgehen, daß diese
der Haushaltsantrag für 1994 ein Übergangsetat für
Beanspruchung
unserer Ressourcen in absehbarer
die Zeit, in der wir von einem von Belangen des Karten
Zukunft
anhält.
Krieges geleiteten Programm zu einem übergehen,
das den Chancen eines neuen Zeitalters Rechnung
Im allgemeinen spiegelt der Haushaltsentwurf die Prioträgt.
ritäten wider, die diese Administration der Hilfe für die
Die Bewilligungsanträge und Ausgabeermächtigun- neue Gemeinschaft Unabhängiger Staaten der ehegen des AID für das Haushaltsjahr 1994 sind in beilie- maligen Sowjetunion beimißt. Es sollte jedoch nicht
gender Tabelle zusammengefaßt. Ich möchte mit unerwähnt bleiben, daß wir unsere Verpflichtungen
Ihnen nur einige der Höhepunkte des diesjährigen gegenüber Afrika nicht gekürzt haben, indem wir
Haushaltsentwurfs erörtern. Die Vorlage hebt Schlüs- denselben Beitrag für den Entwicklungshilfefonds für
selaspekte der amerikanischen Außenpolitik hervor, Afrika wie im Haushaltsjahr 1993 beantragt haben.
die auch die Aufgabe des AID verkörpern: UnterstütSchlußbemerkung
zung des Übergangs zur Demokratie, Förderung von
Wirtschaftswachstum und Behebung der Armut, Lö- Abschließend möchte ich feststellen, daß der vorliesung globaler Probleme und Reaktion auf humanitäre gende Haushaftsentwurf für 1994 Ressourcen für unsere
Belange.
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Seite 5

�vordringlichsten außen- und entwicklungspolitischen
Anforderungen bereitstellt. Mehr als je zuvor bildet die
Arbeit des AID das Kernstück unserer außenpolitisehen Tagesordnung. Es liegt in unser aller Interesse
-einschließlich dem der Amerikaner-sicherzustellen,
daß das AID diese Arbeit erfolgreich leistet. Ich bin

zuversichtlich, daß ich auf diesen Ausschuß und die
Mitarbeit anderer bei der Neudefinition der Rolle der
amerikanischen Auslandshilfe, der Wiederbelebung
des AID und der Erläuterung seiner lebenswichtigen
Rolle gegenüber dem amerikanischen Volk zählen
kann.

* * * *

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*

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l

�DEMOGRAPHIE
19. Mai 1993

VEREINIGTE STAATEN KÜNDIGEN WICHTIGE
VERÄNDERUNGEN IHRER
BEVÖLKERUNGSPOLITIK AN
Wirth-Rede vor UNO-Ausschuß
WASHINGTON - (AD) - Mit dem Hinweis auf das weltweite Bevölkerungswachstum als einer der größten
Herausforderungen dieses Jahrhunderts hat Tim Wirth, "Counselor" (rangmäßig vergleichbar mit Ministerialdirektor, Anm. d. Red.) des US-Außenministeriums, die Absicht dar Vereinigten Staaten bekundet, ihre
Bemühungen zu intensivieren und das Thema Bevölkerungsentwicklung zu einem Hauptanliegen ihrer internationalen Prioritäten zu machen.
In einer am 11. Mai 1993 beim Treffen des Vorbereitungsausschusses für die Internationale Konferenz über
Bevölkerung und Entwicklung 1994 gehaltenen Rede betonte Wirth die von den Vereinigten Staaten eingeleiteten Maßnahmen zur Umkehrung einer 10 Jahre alten Politik, darunter die Wiederaufnahme der Finanzierung
internationaler Programme für Familienplanung.
Wirth, ein ehemaliger Senator aus Colorado, leitet eine umfangreiche amerikanische Delegation bei dieser
Sitzung. Er stellte fest, die Clinton-Administration werde den Kongreß für 1994 um eine Aufstockung der Mittel
für bevölkerungspolitische Maßnahmen um 100 Millionen Dollar ersuchen und stehe kurz vor einer abschließenden Entscheidung über Bedingungen und Ausmaß der finanziellen Unterstützung des Bevölkerungsfonds der
Vereinten Nationen (UNFPA).
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Redetext Wirths im Wortlaut.

Herr Vorsitzender, Frau Generalsekretärin, verehrte
Delegierte. Es ist mir eine Ehre, heute die Vereinigten
Staaten hier bei diesem zweiten Vorbereitungstreffen
zur Internationalen Konferenz über Bevölkerung und
Entwicklung in Kairo im Jahr 1994 vertreten zu dürfen.

Ferner möchte ich die entscheidende Rolle der Nichtregierungsorganisationen und -experten bei den Vorbereitungen für Kairo anerkennen. Die NGOs haben
während des Erdgipfelprozesses herausragende Beiträge geleistet, und wir müssen diese Art der Beteiligung auf dem Weg nach Kairo ermutigen. Ihre Ideen,
Zunächst möchte ich Dr. Fred Sai zu seiner Wahl zum Energie, Erfahrung und Verbindungen zu den MenVorsitzenden gratulieren. Wir sehen seiner fähigen schen in jedem Winkel der Welt haben uns geholfen,
Führung gerne entgegen. Ferner möchte ich die so weit zu kommen. Sie werden unsere Erörterungen
Organisatoren der UNO zu der grundlegenden Vorar- in Kairo und darüber hinaus mit Leben erfüllen.
beit beglückwünschen, die für produktive Debatten bei
diesem und den bis Kairo noch stattfindenden Treffen Heute möchte ich Ihnen die neuen politischen Entwickgeleistet wurde. In den nächsten 15 Monaten haben lungen in den Vereinigten Staaten seit dem Amtsantritt
wir viel Arbeit vor uns, aber es wurden bereits wesent- Präsident Clintons erläutern. Diese Entwicklungen
liche Fortschritte erzielt. Es ist uns ein besonderes spiegeln unsere Entschlossenheit wider, erneuerte
Vergnügen, mit Dr. Nafis Sadik und dem fähigen weltweite Bemühungen zur Behandlung von BevölkeSekretariat zusammenzuarbeiten, und ich hoffe, mei- rungsproblemen an führender Stelle mitzugestahen.
ne heutigen Ausführungen sind so umfassend und Noch schwerer wiegt die Tatsache, da ß wir uns für die
zwingend wie ihre gestern zur Eröffnu ng des Vorberei- Förderung eines internationalen Konsenses im Hintungsausschusses gehaltene Rede.
blick auf das Ziel der Stabilisierung des Wachstums
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Seite 1

�der Weltbevölkerung durch einen umfassenden Ansatz zu Rechten und Bedürfnissen von Frauen, zur
Umwelt und zur Entwicklung einsetzen. Diese Elemente bilden die Grundlagen für eine neue Partnerschaft von Nationen, Männern und Frauen und der
Natur. Nur als innovative und engagierte Partner
können wir dieser dringlichen weltweiten Herausforderung gerecht werden.

und verantwortlich über die Größe ihrer Familie
zu entscheiden;

Eine breitere Perspektive in der amerikanischen
Politik

Betonung der Notwendigkeit für Regierungen
sowie öffentliche und private Organisationen,
sich zu qualitativ hochwertigen Dienstleistungen im Bereich Familienplanung zu verpflichten;

Präsident Clinton engagiert sich nachdrücklich dafür,
das Thema Bevölkerungsentwicklung zu einem Hauptanliegen der internationalen Prioritäten der Vereinigten Staaten zu machen. Er ist sich der Kosten exzessiven Bevölkerungswachstums fürdie Gesundheit von
Frauen, die Umwelt und unsere Hoffnungen auf Beseitigung der Armut bewußt. Er geht davon aus, daß die
Vereinigten Staaten kein Zuschauer sein können,
währenddie Welt einedergrößten Herausforderungen
dieses Jahrhunderts und des nächsten in Angriff nimmt.
Seit seinem Amtsantritt hat Präsident Clinton Maßnahmen ergriffen, um die amerikanischen Bemühungen
neu zu beleben. Der Präsident hat die sogenannte
Mexiko-Stadt-Politik beendet, indem er Beschränkungen aufhob, die einigen Familienplanungsorganisationen amerikanische Mittel vorenthielten, weil sie Maßnahmen in Zusammenhang mit Schwangerschaftsabbrüchen durchführten. Er hat eine Reorganisierung
des Außenministeriums angeordnet, die auch dem
höheren Stellenwert Rechnung tragen soll, den wir
dem Thema Bevölkerung als weltweitem Anliegen
einräumen. Er hat eine Umstrukturierung unserer
Auslandshilfeprogramme gefordert, um Entwicklung
effektiver zu fördern. Darüber hinaus hat er für das
Haushaltsjahr 1994 zusätzliche 100 Millionen Dollar
für Bevölkerungsplanung beantragt.
Diese Aktionen haben verdeutlicht, wie wichtig Fragen
der internationalen Bevölkerungsentwicklung für die
Vereinigten Staaten sind. Die amerikanische Regierung unternimmt noch einen weiteren Schritt. Ich freue
mich, heute die Absicht der Clinton-Administration
bekräftigen zu können, einen Beitrag zum Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen zu leisten. Wir
stehen kurz vor einer abschließenden Entscheidung
über Bedingungen und Umfang der finanziellen Unterstützung.
Schließlich entwickeln die Vereinigten Staaten unter
der Leitung Präsident Clintons zur Zeit einen umfassenden und weitreichenden neuen Ansatz zu internationalen Bevölkerungsfragen. Damit werden unsere
Aktivitäten ausgebaut und besser mit kollektiven internationalen Bemühungen abgestimmt. Die Schlüsselelemente unseres Ansatzes sind:
Gewährleistung, daß Paare und Einzelpersonen in der Lage sind, ihr Recht auszuüben, frei

Seite2

Förderung des Zugangs zu der ganzen Bandbreite qualitativ hochwertiger medizinischer Leistungen im Fortpflanzungsbereich, einschließlich von Dienstleistungen, die auf Frauen zugeschnitten und von Frauen geleitet werden;

Förderung der Gleichstellung von Frauen, so
daß alle Gesellschaften Fortschritte zu vollständiger Gleichberechtigung bei allen Aspekten der
Entscheidungsfindung im Hinblick auf wirtschaftliche und soziale Entwicklung machen;
Sicherstellung des Zugangs zu medizinischer
Grundversorgung, mit Betonung des Überlebens von Kindern;
Schutz der gefährdeten natürlichen Umwelt auf
unserem Globus;
Gewährleistung, daß unsere Politik den weltweit anerkannten Vorrang umweltverträglicher
Entwicklung unterstützt.
Obwohl diese Verpflichtungen unmittelbarer in anderen Foren behandelt werden, stärkt ihre Verbindung
mit den bevölkerungspolitischen Fragen dieser Konferenz deren Erörterung in diesem Gremium.
Ich wende mich nun drei Hauptanliegen zu, die meines
Erachtens den Rahmen dieser Konferenz bilden:
Gesundheit und Status der Frau, Bevölkerung und
Entwicklung sowie Wanderungsbewegungen.
Gesundheit und Status der Frau
Bei unseren Vorbereitungen für Kairo müssen wir die
Tatsache anerkennen, daß Frauen auf der ganzen
Welt für ihre eigenen Anliegen und zum Wohle ihrer
Familien, ihrer Gemeinden und ihrer Länder eine
Führungsrolle übernehmen. Sie wissen, was sie
benötigen, und sie müssen bei Programmen und
Maßnahmen gleichberechtigte Partner sein.
Frauen sind allzuoft Opfer von Armut, Diskriminierung
und realer physischer Gewalt. Ohne Nahrung, ohne
Gesundheit, ohne Kontrolle über die Fortpflanzung
können Frauen weder ihr Potential vollständig zur
Geltung bringen noch zu umweltverträglicher Entwicklung beitragen. In vielen Ländern herrscht eine unannehmbar hohe Mütter- und Kindersterblichkeit. Unzureichender Zugang zu Gesundheitsvorsorge für Mütter, zu Verhütungsmitteln und sicheren Schwangerschaftsabbrüchen führt Jahrfür Jahr zum Tod von über
500.000 Frauen infolge von vermeidbaren, schwanAMERIKA DIENST 20

�gerschaftsbedingten Ursachen. Die weltweite Pande- hung demographischer Gesichtspunkte in die Umweltmie AIDS und andere Geschlechtskrankheiten betref- planung auf allen Ebenen vorsehen.
fen ebenfalls immer mehr Frauen ebenso wie Männer.
Wanderungsbewegungen
Der ungedeckte Bedarf an sicheren, wirksamen Methoden der Empfängnisverhütung ist in den meisten Ein drittes wichtiges Thema der Bevölkerungspolitik
Ländern heute gut dokumentiert. Viele Frauen haben sind die internationalen Wanderungsbewegungen.
weiterhin keinen Zugang zu irgendeiner, geschweige Unkontrollierte Wanderungsbewegungen werden von
denn zu der von ihnen bevorzugten Methode oder zu demographischem Druck angeheizt, und der gleiche
Beratung und Anschlußversorgung, die deren korrekte Druck stellt unsere Fähigkeit in Frage, mit unserer
Umwelt in Frieden zu leben. Der Kairo-Prozeß sollte
Anwendung sicherstellen könnte.
die Vorrangstellung bekräftigen, die wir der VerbesseInsgesamt müssen wir zu Gesundheitsfragen im Hin- rung von Bedingungen einräumen, die Menschen zum
blick auf Sexualität und Fortpflanzung einen breiteren Verlassen ihrer Heimat bewegen - Verarmung, VerfolAnsatz einnehmen. Wir müssen erkennen, daß die gung und Konflikte.
Förderung von Rechten und Gesundheit der Frau
sowie die Unterstützung der Familienplanung einan- Alle Menschen sollten das Recht haben, in Sicherheit
der verstärkende Ziele sind. Noch grundlegender ist und Würde in ihrer Heimat zu bleiben. In den Fällen,
die Tatsache, daß alle Schranken, die Frauen die in denen Einzelpersonen auf Dauer umgesiedelt sind,
Gleichstellung verwehren, beseitigt werden müssen. sollten die Regierungen alles in ihrer Macht Stehende
Bildungschancen für alle, besonders für Mädchen und tun, um sie vollständig in das soziale und politische
Frauen, sind eine unverzichtbare Vorbedingung für Leben ihrer neuen Heimat einzugliedern.
deren wirtschaftliche Gleichberechtigung.
Neue Chancen: Die Konferenz von Kairo
Bevölkerung und Entwicklung
Die Konferenz von Kairo und der zu ihr führende
Prozeß werden neue Möglichkeiten erschließen, um
sich auf durchführbare Empfehlungen zu den soeben
von mir erörterten Fragen zu einigen. Das Sekretariat
für die Konferenz hat uns einen gut durchdachten
konzeptionellen Rahmen geliefert, derumdas zentrale
Thema von "Wahlmöglichkeiten und Pflichten" gezogen ist. Wir müssen sorgfältig die Pflichten erwägen,
die Männer und Frauen gegenseitig haben, die PflichDie Bürger der Industriestaaten müssen erkennen, ten, die Regierungen gegenüber den innerhalb ihrer
daß unsere gegenwärtigen Verhaltensmuster bei Grenzen lebenden Bürgern haben sowie die Pflichten
Bevölkerungszahl, Technologie und Verbrauch unse- aller gegenüber der Völkergemeinschaft. Indem wir
ren Staaten einen wichtigen und unverhältnismäßig dies tun, können wir sicherstellen, daß Einzelpersonen
großen Einfluß auf die Umwelt einräumen. Obwohl sie eine Wahlmöglichkeit haben.
weniger als ein Viertel der Weltbevölkerung repräsentieren, verbrauchen die Industriestaaten 75 Prozent Darüber hinaus sehen die Vereinigten Staaten der
aller Rohstoffe und produzieren einen ähnlichen Anteil Zusammenarbeit mit der internationalen Staatengemeinschaft entgegen, um einen Konsens im Hinblick
an festen Abfällen.
auf vordringliche, langfristige und quantitative Ziele zur
Unter Präsident Clinton widmet sich Amerika heute Stabilisierung der Weltbevölkerung zu entwickeln,
aktiver diesen Problemen. So werden die Vereinigten ebenso wie wir uns bemühen, die globale Umwelt zu
Staaten beispielsweise die Konvention zum Arten- bewahren, die Gesundheit zu verbessern und andere
schutz unterzeichnen und verpflichten sich, bis zum Entwicklungsziele zu erlangen.
Jahr 2000 ihre Emissionen von Treibhausgasen auf
den Stand von 1990 zu senken. Die vom Präsidenten Femer ermutigen wir zur Entwicklung regionaler Ziele
vorgestellte langfristige Haushaltsstrategie sieht Inve- bei Geburtenzahl und Bevölkerungswachstum, wie
stitionen in den Abbau von Umweltbelastungen, in eine auf den Regionalkonferenzen von Bali und Dakar
wirksamere Energieausnutzung, erneuerbare Ener- vereinbart wurde. Gleichzeitig sollten diese Ziele nicht
gien, Beseitigung von Altlasten und Wasserreinhal- mit solchen Zielen und Quoten verwechselt werden,
tung vor. Die Vereinigten Staaten nehmen die in die bei Nichterreichen Strafen vorsehen. Dies ist ein
Agenda 21 aufgeführten Punkte sehr ernst und formu- selbstzerstörerischer Ansatz. Die Annahme vernünflieren aktiv einen Plan zur umweltverträglichen Ent- tiger Ziele kann uns dabei helfen, die erforderlichen
wicklung, um sie zu erfüllen. Wir werden darüber Ressourcen abzuschätzen und zu beurteilen, was wir
hinaus Maßnahmen im Hinblick auf die Ziele von geleistet haben.
Agenda 21 treffen, die weitere Forschungsarbeiten
zum Verhältnis Bevölkerung/Umwelt und die Einbezie- Von heute an bis zur Konferenz in Kairo unterstützt die
amerikanische Regierung die Notwendigkeit, neue

Zweitens haben die Welt und die amerikanische Politik
die falsche Vorstellung überwunden, daß das Bevölkerungswachstum ein "neutrales Phänomen" ist. Seine
Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung sind
nicht neutral. Auch seine Verbindung zur Umwelt ist
nicht neutral, und neutral ist auch nicht die Verbindung
zwischen Bevölkerung und Ressourcenverbrauch.

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Seite 3

�Schätzungen im Hinblick auf die Ressourcen anzustellen, die für bevölkerungs- und fortpflanzungsbezogene Gesundheitsprogramme erforderlich sind. Schätzungen sollten ebenso im Hinblick auf die für die
medizinische Versorgung von Kindern, die Bereitstellung allgemeinen Zugangs zu elementarer Bildung und
die zur Verringerung der Säuglings- und Müttersterblichkeit benötigten Mittel vorgenommen werden.

Thema Schwangerschaftsabbruch sollte direkt mit
Toleranz und Mitgefühl behandelt anstatt offiziell ignoriert werden, während Frauen, insbesondere einkommensschwache Frauen, und ihre Familien leiden. Die
amerikanische Regierung geht davon aus, daß die
Konferenz von Kairo nachlässig wäre, wenn sie keine
Empfehlungen und Leitlinien im Hinblick auf Schwangerschaftsabbrüche entwickeln würde. Unsere Position lautet, daß wir die Wahlfreiheit bei der FortpflanAls Völkergemeinschaft müssen wir bei der Wahrung zung unterstützen, einschließlich des Zuganges zu
der Rechte aller Menschen mit einer Stimme sprechen sicheren Schwangerschaftsabbrüchen.
und denjenigen entgegentreten, die sich Zwangsmaßnahmen bedienen. Eine Schlüsselfrage, die von der Herr Vorsitzender, Frau Generalsekretärin und Mitdeinternationalen Staatengemeinschaft untersucht wer- legierte, viele von Ihnen haben gehört, wie ich über den
den sollte, ist, wie Regierungen rechenschaftspflichtig tiefgreifenden Effekt sprach, den der Erdgipfel in Rio
gemacht werden sollten. Eine Regierung, die grundle- auf die Menschen in den Vereinigten Staaten und auch
gende Menschenrechte verletzt, sollte sich nicht hinter auf mich persönlich hatte. Er gab uns - den Politikern,
dem Argument der Souveränität verstecken.
NGOs und normalen Bürgern - neue Energie und
Entschlossenheit, komplizierte und dringliche ProbleSo schwierig dies ist, so müssen wir doch die Frage me frontal in Angriff zu nehmen und die notwendigen
des Schwangerschaftsabbruchs eingehend erörtern. Veränderungen in unserem eigenen Land vorzunehJüngste internationale Treffen haben die Aufmerk- men - sowohl in der Politik als auch im Verhalten des
samkeit auf die menschliche Tragödie gelenkt, die mit einzelnen -, um bessere Partner beim Kampf zur
illegalen und unsicheren Abtreibungen verbunden ist. Rettung der Umwelt auf diesem Globus zu sein. Die
Es wird geschätzt, daß bis zu einem Viertel der schwan- Konferenz von Kairo kann für uns alle einen ebensolgerschaftsbedingten Todesfälle - die Zahl reicht von chen Wendepunkt darstellen. Kein Thema wird größe50.000 bis zu 200.000 Fällen jährlich - auf diese re Auswirkungen auf künftige Generationen haben als
Ursache zurückzuführen ist, und zwar nahezu voll- Bevölkerungsfragen. Die Vereinigten Staaten werden
ständig in Entwicklungsländern.
alles in ihrer Macht Stehende beitragen, um diese
Herausforderungen so zu bewältigen, daß die Rechte,
Ein internationaler Konsens über die korrekte und das Wohlergehen und die Zukunft der Menschen auf
angemessene Rolle des Staates und staatlicher Politik der ganzen Welt geschützt werden.
in diesem Bereich bleibt noch zu entwickeln. Das

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Seite 4

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AMERIKA DIENST 20

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Bosnien&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton erneut gegen bosnisches Waffenembargo&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Pressekonferenz des Präsidenten in Auszügen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Start II&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Annahme des Start-II-Vetrages im Interesse der USA und Russlands&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung Christophers vor dem Kongreß&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Sicherheit&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA nach dem Kalten Krieg mit vier sicherheitspolitischen Herausforderungen konfrontiert&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Verteidigungsminister Aspin&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. SDI&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Aspin kündigt Umbennung und neuen Schwerpunkt des SDI-Büros an&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Veränderungen infolge neuer Prioritäten nach dem Kalten Krieg&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. AID&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Leiter des AID für Konzentration der Auslandshilfe&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Stellungnahme von Brian Atwood&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Demographie&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Vereinigte Staaten kündigen wichtige Veränderungen ihrer Bevölkerungspolitik an&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wirth-Rede vor UNO-Auschuß&lt;/em&gt;</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Artikel&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Fest einer Nation&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wie die Amerikaner ihren Unabhängigkeitstag feiern&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Die Wissenschaft notiert&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Physik der Tiefsttemperaturen&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Neue Erfahrungsgrundlagen objektiver Naturwissenschaft&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Radiosonde&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Neuartiges Instrument zur Diagnose von Störungen im Verdauungstrakt&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"... und lasst den Worten freien Flug"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Howards Fasts Briefwechsel mit Boris Polewoj, Sekretär des sowjetischen Schriftstellerverbandes&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Kurznachrichten&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Naturwissenschaftliche Schulung durch praktische Betätigung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Fast 100 000 Sportwagen laufen in den USA&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Liste der Gedenktage für Juli 1957&lt;/strong&gt;</text>
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