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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America
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5300

19. Februar 1992

GUS

NEUE DEMOKRATIEN WERDEN PROBLEME
LÖSEN UND ÜBERLEBEN
Rede des Stellvertretenden Außenministers

UMWELT

USA BESCHLEUNIGEN ABBAU
OZONSCHÄDIGENDER STOFFE
Eine Übersicht des Weißen Hauses

AMERIKA HEUTE

WAS MACHT EINE NATION GROSS?
von Max Lerner

WAHLEN '92

BUSH HOFFT AUF ERNEUERUNG
SEINES MANDATS
Porträt des republikanischen
Präsidentschaftskandidaten Bush
IN NEW HAMPSHIRE GEFALLT DAS SYSTEM
DER VORWAHLEN
Ein Test für Ideale und Ausdauer der Kandidaten

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 2003 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�GUS
19. Februar 1992

NEUE DEMOKRATIEN WERDEN PROBLEME
LÖSEN UND ÜBERLEBEN
Rede des Stellvertretenden Außenministers
NEW YORK - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die am 11. Februar 1992 vor dem Institut für Ost-WestSicherheitsstudien gehaltene Rede des Stellvertretenden Außenministers Lawrence Eagleburger.
Es erübrigt sich zu sagen, daß wir historische Zeiten
durchleben. Ob dies jedoch - ebenso wie am Ende
eines früheren revolutionären Jahrhunderts - die besten oder die schlechtesten Zeiten sind, bleibt abzuwarten. Einige preisen das Zeitalter der Demokratie
als neues Jahrtausend, andere fürchten ein Zeitalter
des Chaos. Die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo zwischen beiden Extremen. Zweifelsohne muß die
Euphorie, mit der die Welt die demokratischen Revolutionen in Osteuropa und danach in den Ländern der
ehemaligen Sowjetunion begrüßt hat, jetzt durch ein
gewisses Maß an Vorsicht gedämpft werden.
Aber heute abend möchte ich Ihnen beweisen, daß die
Menschen dieser Region nicht durch die Geschichte
zu einer chaotischen und undemokratischen Zukunft
verdammt sind. Im Gegenteil - die Zukunft liegt
vielmehr in ihren und unseren Händen und die zur
Gewährleistung der Demokratie erforderlichen Opfer
bewegen sich im Rahmen unserer Möglichkeiten. So
schmerzlich diese Opfer auch sein mögen, sie sind
sicherlich verschwindend gering verglichen mit den
enormen Kosten eines Scheiterns.
Lassen Sie uns zunächst das Positive hervorheben:
Der Stern der Freiheit hat seit dem späten 18. Jahrhundert auf der Welt nicht mehr so hell geleuchtet wie jetzt.
Es gab eine Zeit, in der die geistigen Väter der Demokratie - die Männer der Aufklärung - davon ausgingen,
daß die Menschheit dazu bestimmt sei, immer rationaler, zivilisierter und freier zu werden. Sie glaubten, daß
freie Regierungen sich auf der ganzen Welt durchsetzen und die Nationen eher zu friedlichem Handel als
Krieg veranlassen würden. Ihre Annahmen wurden
jedoch durch die kollektivistischen Ideologien im 19.
Jahrhundert auf die Probe gestellt und ihre Hoffnungen
durch den sich verbreitenden Totalitarismus im 20.
Jahrhundert zunichte gemacht. Es schien eine Zeit-

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lang, als ob Demokratie - weit davon entfernt, unvermeidbar zu sein - in der Tat zum Scheitern verurteilt
sei.
Jetzt ist es plötzlich möglich, sich zumindest vorzustellen, daß der universelle Traum der Aufklärung verwirklicht werden kann. Es ist möglich, in den tragischen
Erfahrungen des 20. Jahrhunderts ein bloßes Zwischenspiel auf dem Weg der Demokratie zu universeller Herrschaft zu sehen. Unleugbar ist, daß die
Demokratie heute keinen glaubwürdigen ideologischen
Rivalen auf der internationalen Bühne hat. Sie ist,
zumindest für einen Moment, der Maßstab politischer
Legitimität für die Menschen überall auf der Welt, und
dank dem Untergang der Rivalen der Demokratie ist
die unnatürliche Teilung Europas beendet, und die
Menschen im Osten haben jetzt die Chance, sich dem
Weg der westlichen Zivilisationen anzuschließen. Sie
klopfen an unsere Tür, und hinter ihnen stehen Milliarden mehr Menschen, deren Erwartungen von den
Gedanken der westlichen Ausklärung geweckt und
revolutioniert wurden.
Auch eine pessimistischere Einschätzung ist möglich
- die in den jüngsten Ereignissen nicht den Fortschritt
der Demokratie sondern den Zusammenbruch des
internationalen Systems und eine Rückkehr zu derselben Instabilität sieht, mit der das Jahrhundert begann.
Es ist auf jeden Fall schwierig für uns, den Glauben der
Aufklärung an die Perfektionierbarkeit des Menschen
und die Unvermeidlichkeit von Fortschritt nach diesem
Jahrhundert der Gaskammern und Gulags zu teilen.
Uns ist die dunklere Seite der menschlichen Natur
sowie das jedem Menschen innewohnende Potential
für Gewalt und Haß zu gut vertraut, als daß wir mit
naivem Optimismus in die Zukunft blicken könnten.
Wir sind auch mit unseren Schwächen und Verpflichtungen - unseren David Dukes und sonstigen Defiziten

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�- zu gut vertraut um zu verkennen, daß Demokratie
selbst unter widrigen Umständen ein herausforderndes Unterfangen ist.
Und genau das ist der Haken - die Umstände, unter
denen die Demokratie entstand. Nur drei Jahre nach
Beginn der demokratischen Revolution im Osten sehen wir uns mit einigen sehr ernüchternden Fakten
konfrontiert.
Zuallererst besteht die Tatsache instabiler Wirtschaftsverhältnisse. Die Bedingungen, die den Fall der
Kommunisten bewirkten, haben sich größtenteils nicht
verbessert, und in einigen Fällen wie de- hemaligen
Sowjetunion verschlechtern sie sich weiter. Würde
man den Menschen in der Region Präsident Reagans
berühmte Frage von 1980 stellen - Geht es Ihnen
heute besser als vor vier Jahren? - könnte die rein auf
materielle Aspekte gegründete Antwort sehr wohl "Nein"
lauten.
Jeder denkende Mensch weiß natürlich, daß der wirkliche Grund für wirtschaftlichen Niedergang die zu
vielen Jahre des Kommunismus sind und daß schmerzliche Reformen die unabdingbare Medizin für langfristige Gesundung sind. Darüber hinaus beginnen die
Reformen Erfolg zu zeitigen - in Polen, wo sich die
Währung stabilisiert und Waren reichlich vorhanden
sind; in Ungarn, wo die privaten Sparguthaben steigen,
ausländische Investitionen die Wirtschaft ankurbeln
und Arbeitsplätze schaffen sowie auch andernorts in
der Region. Aber langfristige Perspektiven stehen in
den Köpfen der meisten Menschen nicht an erster
Stelle. Die Tatsache, daß die Zeiten hart sind und in
einigen Ländern härter werden, steht im Mittelpunkt
der Aufmerksamkeit. Dies gilt insbesondere für Rußland, wo der Verlust der imperialen Herrschaft und des
Supermachtstatus eines stolzen Volkes das Gefühl
der Demoralisierung verschärft hat.
Eine zweite ernüchternde Tatsache ist der offenkundige Druck, den harte Wirtschaftsbedingungen auf die
zerbrechlichen neuen demokratischen Institutionen
der Region ausüben. Es ist im Westen nur natürlich,
daß der Mißwirtschaft beschuldigte Reigerungen
abgewählt werden. In Ostmitteleuropa und der ehemaligen Sowjetunion gibt es jedoch Beweise für Ungeduld mit dem demokratischen System selbst und auf
einigen Seiten eine Sehnsucht nach der Art von strenger Führung und Eindeutigkeit der nationalen Aufgabe, an die die Völker so lange gewöhnt waren.
Grundlegender ist, daß der Region offenkundig der
soziale und wirtschafliche Unterbau fehlt, der für die
Stabilität der Demokratie im Westen so wichtig ist beispielsweise die allgemeine Verteilung von Kapital
und Privateigentum, das der Bürgerschaft einen Anteil
an der demokratischen Ordnung und den Veränderungen insgesamt verschafft und die pluralistischen Institutionen einer bürgerlichen Gesellschaft, die zur Schlich-

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tung konkurriernder Ansprüche tendieren und die großen
Belastungen des Lebens in einem demokratischen
und kapitalistischen System absorbieren. Wo eine
bürgerliche Gesellschaft schwach oder nichtexistent
ist, blicken die Bürger nicht auf sich selbst oder den
anderen für Lösungen, sondern nach oben zur Erlösung von der unter ihnen herrschenden Verwirrung.
Wenn sie keine zufriedenstellenden Antworten von
verantwortungsbewußten demokratischen Politikern
erhalten, werden sie ein leichtes Opfer von Demagogen, die autoritäre Lösungen versprechen oder die
ausländische Gegner oder ethnische Minderheiten
zum Sündenbock für Probleme machen, die sie nicht
bewältigen können.
Dennoch, trotz dieser beim Übergang von einer Diktatur zur Demokratie unvermeidlichen Probleme bin ich
der festen Überzeugung, daß die Völker Ostmitteleuropas und der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten
sowohl das tragische Vermächtnis der Geschichte als
auch die enormen Probleme von heute überwinden
werden. Sie werden mit der Zeit eine Zukunft für
Demokratie und Wirtschaftswachstum sicherstellen vorausgesetzt, sie finden in sich die Kraft, andauernden Härten zu widerstehen und im Westen einen
Partner, der bereit ist, mit ihnen Blut, Schweiß und
Tränen zu vergießen solange es dauert.
Mein Optimismus gründet sich auf mehrere Faktoren.
Erstens haben die Menschen in der Region Kraft,
Flexibilität und vor allem eine große Liebe zur Freiheit
unter Beweis gestellt - nicht nur in dem, was sie in den
vergangenen Jahren geleistet, sondern in dem, was
sie einen Großteil dieses Jahrhunderts erduldet haben. Die schrecklichste totalitäre Herschaft seit Menschengedenken überlebt zu haben und dennoch den
Durst nach Wahrheit und Freiheit zu stillen, ist eine bemerkenswerte Leistung, die sie nicht leichtfertig vergeuden werden. Aus diesem Grund würde ich auf Präsident Reagans Frage die Antwort "Ja" wagen - trotz
der materiellen Härten, denen sie immer noch ausgesetzt sind. In Rußland hat sich die gerade entstandene
bürgerliche Gesellschaft, angefeuert durch den Mut
Boris Jelzins, als ausreichend stark erwiesen, um den
Versuch der Putschisten zu vereiteln, die Uhr in das
vordemokratische Zeitalter zurückzudrehen. Und auch
in Rußland sind die alten von den Zaren und Kommissaren verwendeten Argumente zur Unterdrückung
bürgerlicher Freiheiten - vor allem notwendig zur Aufrechterhaltung des Imperiums und zum Schutz gegen
Gefahren von außen - durch die jüngsten Ereignisse
überholt worden. Mit anderen Worten, die Menschen
in der Region verstehen im großen und ganzen, daß
die derzeitigen Härten den Grundstein für zukünftigen
Wohlstand legen. Sie werden der Demokratie die
Chance bieten, die sie benötigt, solange Hungersnöte
vermieden und ethnische Konflikte überwunden oder
unter Kontrolle gehalten werden können.

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�Der zweite Grund, warum ich optimistisch bin, ist - so
hart das klingen mag -, daß es in diesen Tagen einfach
keine Alternative zu dem zur Vervollständigung des
Übergangs zur Marktwirtschaft erforderlichen Schmerz
und den Opfern gibt. Nur durch Privatisierung der
Wirtschaft und Einführung der Regeln von Profit und
Effizienz können die Volkswirtschaften des Ostens
umgestaltet werden. Dies ist keine vom Westen
aufgezwungene Realität, es ist eine altbekannte Tatsache in einer aufstrebenen Weltwirtschaft, die allen
schwierige Anpassungen auferlegt - uns selbstverständlich eingeschlossen. Das Fazit ist mit anderen
Worten, daß Demagogen die Güter nicht liefern können und wollen. Ein Reformgegner kann die Macht
ergreifen oder ins Amt gewählt werden, aber er wird mit
der wirtschaftlichen Realität fertigwerden müssen, und
er wird letztlich mit den Konsequenzen der Nichtlieferung leben müssen.
Natürlich ist die Gefahr und die echte Herausforderung
für den Reformprozeß im Osten, daß - wie in Georgien
und Jugoslawien - Demagogen sich statt dessen dafür
entscheiden könnten, mit Haß zu bezahlen, indem sie
ethnische Spannungen ausnutzen und die Rechtsstaatlichkeit unterminieren. Aber selbst unter solchen
Umständen besteht berechtiger Anlaß zur Hoffnung,
daß die Situation mit der Zeit in den Griff zu bekommen
ist und umgekehrt werden kann. Was wir vielleicht
nicht ausreichend zu schätzen wissen, ist die Tatsache, daß die demokratischen Institutionen im Osten
heute durch eine größere bürgerliche Gesellschaft
gestützt werden als in der Region selbst existiert. Sie
werden durch eine größere Gemeinschaft von Demokratien verstärkt, der diese Nationen beitreten wollen
und deren Unterstützung für ihr Überleben unabdingbar ist.
Obwohl es im Bereich der Wirtschaftspolitik wichtig ist,
daß die Menschen in der Region ihre eigene Medizin
wählen und nicht das Gefühl haben, bestimmte
Patentrezepte würden ihnen aufgezwungen, ist es für
den Westen unerläßlich, die Normen eindeutig zu definieren, die wir respektiert sehen wollen, was Werte
und politisches Verhalten anbetrifft. Ich beziehe mich
letztlich auf die Normen, die sich die westlichen Nationen in den vergangenen fünfzig Jahren selbst auferlegt haben - Normen, die es dem Westen ermöglicht
haben, de facto eine Gemeinschaft von Demokratien
zu gründen und die Beziehungen unter allen Mitgliedern dieser Gemeinschaft zu befrieden, einschließlich
derjenigen, die noch vor wenigen Jahrzehnten Gegner
waren.
Außenminister Baker hatte diese Normen im Blick, als
er im vergangenen September die Grundsätze umriß,
die den amerikanischen Beziehungen mit den neuen
unabhängigen Staaten zugrunde liegen. Er bezog sich
dabei nicht auf amerikanische Prinzipien als solche,
sondern auf allgemeingültige Regeln die für uns alle

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im Westen bindend sind und auch für diejenigen bindend sein müssen, die danach streben, sich uns
anzuschließen und unsere Zusammenarbeit und Hilfe
in Anspruch nehmen möchten. Zu diesen Normen
gehören die Wahrung der Menschenrechte - einschließlich von Gruppen- und Minderheitenrechten, die Einhaltung demokratischer Praktiken sowie die Achtung
des Prinzips friedlicher und auf dem Verhandlungsweg
erzielter Veränderungen internationaler Grenzen.
Die Artikulierung dieser Normen impliziert jedoch weder
ein Recht des Westens, über den Osten zu richten,
noch legt sie die selbstgefällige Annahme nahe, daß
unsere eigenen Handlungen immer diesen Idealen
gerecht werden - was nicht der Fall ist. Sie bedeutet
schlicht und einfach, daß wir einen Hebel besitzen, den
wir einsetzen können und sollten, um den neuen
Demokratien bei der Abwehr jeglicher antidemokratischer Tendenzen zu helfen, die ihre eigenen Gesellschaften noch nicht einzudämmen in der Lage sind.
Wir im Westen können diese Art von positiver Verstärkung jedoch nicht leisten, wenn die Menschen in der
Region glauben, daß ihnen die Tür zur Mitgliedschaft
im westlichen Staatenbund verschlossen ist. Wir
können sie nicht um Geduld bitten, wenn sie verhungern, und wir können sie nicht in gutem Glauben
auffordern Opfer zu bringen, wenn wir nicht bereit sind,
dasselbe zu tun. Wir müssen deshalb eine Reihe von
Dingen tun, die nicht nur den Schmerz des Übergangs
lindem, sondern auch den Menschen Hoffnung geben,
daß sie eines Tages eine bessere Zukunft haben
werden, wenn sie dem demokratischen Kurs treu
bleiben. Wir müssen humanitäre Hilfe leisten, um
sicherzustellen, daß Nahrungsmittel und Medikamente verfügbar sind und gerecht verteilt werden, technische Hilfe, um der Region bei der Entwicklung der
Institutionen einer pluralistischen zivilen Gesellschaft
beizustehen, Strukturhilfe, um die Einleitung des
makroökonomischen Übergangs zur Marktwirtschaft
zu fördern und schließlich Investitionen, um Arbeitsplätze zu schaffen und reales langfristiges Wirtschaftswachstum hervorzubringen.
Ich möchte heute abend nicht auf einzelne Programme
eingehen, die wir für Ostmitteleuropa und die neuen
unabhängigen Staaten entwickelt haben, sondern das
tun, was mir vom Präsidenten und vom Außenminister
im vergangenen Dezember aufgetragen wurde - nämlich,
für unsere Hilfsmaßnahmen zu "werben". Ich möchte
jedoch klarstellen, daß wir keinesfalls vorschlagen, mit
unseren Bemühungen diejenigen der Menschen in der
Region zu ersetzen. Sicherlich müssen sie ihr Haus
selbst in Ordnung bringen, und wenn sie beispielsweise nicht genügend Anreize geben, damit ausländisches Kapital in ihren Volkswirtschaften investiert wird,
wird dieses Kapital andernorts eingesetzt. Kein Land
kann sich im ausgehenden 20. Jahrhundert den Gesetzen des Weltmarkts entziehen.

Seite 3

�Es ist überdies wichtig zu verstehen, daß unsere Politik
und unsere Hilfsbemühungen in der Region keine
Wohltätigkeitsveranstaltung sind, ebensowenig wie
der Marshallplan im Jahr 1947 ein Akt der Wohltätigkeit war. Wir tun, was den Interessen der Vereinigten
Staaten und dem Wohl des amerikanischen Volkes
dient. Es ist eben so, daß wir uns selbst helfen, wenn
wir andere dabei unterstützen, dem internationalen
Konzert der Demokratien, dem wir angehören, beizutreten und dieses damit zu stärken. Mit der Erweiterung dieser Gemeinschaft durch Einbeziehung ehemaliger Gegner nach dem Zweiten Weltkrieg haben
wir Sicherheit und Wohlstand unseres Vo!' 3 über alle
Maßen gemehrt - und das ibi genau das, wozu wir
heute aufgerufen sind.
Unser Interesse an diesem Vorhaben ist weder rein
abstrakter Natur, noch unterliegt es Einschränkungen
im Gesamtzusammenhang der nationalen Prioritäten.
Tausende junge r Amerikaner gaben in zwei Weltkriegen in diesem Jahrhundert ihr Leben, um ein Europa
zu gewährleisten, das freundlich gesonnen, friedlich
und demokratisch ist. Wir haben während des kalten
Kriegs Billionen von Dollar ausgegeben, um die Ambitionen eines expansionistischen totalitären Systems
zu zügeln, das die Fähigkeit besaß, uns, unsere Freunde und den größten Teil der Welt auszulöschen. Ja,
der kalte Krieg endete im Triumph, aber dieser Triumph
darf nicht mit einem Sieg auf Dauer verwechselt werden. Was wir gewonnen haben, ist die Chance für
einen Sieg - die Chance sicherzustellen, daß befreundete und demokratische Kräfte weiterhin das Schicksal von Völkern bestimmen werden, die einst gegen
uns standen.

kratischen Westens gemeinsam erfüllen müssen. Denn
ebenso fest steht, daß die Folgen eines Scheiterns in
Bonn, Brüssel, Paris, London und Tokio direkter und
unmittelbarer zu spüren wären als in Washington.
Die Bundesrepublik Deutschland hat rasch und großzügig gehandelt, um den demokratischen Wandel in
Ostmitteleuropa und der ehemaligen Sowjetunion zu
unterstützen. Die Europäische Gemeinschaft und
unsere anderen Freunde und Verbündeten in Europa
haben ebenfalls einen erheblichen Beitrag geleistet.
Aber dies ist auch nur recht und billig, denn von den
Vereinigten Staaten, die ihre politischen, wirtschaftlichen und sozialen Strukturen während des Großteils
eines halben Jahrhunderts stark belastet haben, um
die freie Welt zu verteidigen und weltweite Stabilität zu
erhalten, kann und sollte nicht erwartet werden, die
einzige - oder auch nur die hauptsächliche - Quelle zur
Unterstützung von Reformen und Wiederbelebung im
Osten zu bilden. Darüber hinaus sollte die Tatsache
berücksichtigt werden, daß die Vereinigten Staaten als
einzige Weltmacht weiterhin eine weltweite Last von
Verpflichtungen tragen, die bei weitem größer ist als
die von jeder anderen Nation getragene.
Ich möchte dies ganz präzis feststellen: Ich möchte
nicht anklingen lassen, daß die Vereinigten Staaten
ihren eindeutigen und erheblichen Verpflichtungen
gegenüber Ostmitteleuropa und den neuen unabhängigen Staaten ausweichen können oder sollten. Präsident Bush und Außenminister Baker nahen klargestellt, daß wir unseren Teil beitragen und noch mehr
tun werden. Aber diejenigen, deren Sicherheit und
Wohlstand zumindest in erheblichem Umfang die Folge
des amerikanischen Engagements während eines
halben Jahrhunderts ist, haben eine besondere Verpflichtung, heute als Mitglieder einer ebenbürtigen
Partnerschaft, um deren Verwirklichung sie und wir
uns solange bemüht haben, Leistungen zu erbringen.

Natürlich sind dies schwere Zeiten für die Vereinigten
Staaten, Zeiten, in denen die meisten Amerikaner der
Meinung sind, unsere begrenzten Mittel sollten zuerst
und vorrangig für dringende innenpolitische Erfordernisse eingesetzt werden. Es trifft ebenfalls zu, daß es
für Politiker während eines Wahljahrs besonders schwierig sein wird, gegen den Strom anzuschwimmen. Aber
wenn ausreichend erklärt wird, was auf dem Spiel
steht, gehe ich fest davon aus, daß sich das amerikanische Volk nicht als Pfennigfuchser erweisen wird.
Die Summen, die wir gegenwärtig ausgeben, sind
sicherlich erheblich. Aber sie sind nichts im Vergleich
zu dem, was wir zur Abwehr der sowjetischen Bedrohung während des kalten Kriegs ausgaben, und sie
sind nichts im Vergleich zu den Mitteln, die wir vielleicht
aufwenden müßten, wenn ein wirtschaftlicher und
politischer Zusammenbruch zu einer Wiederkehr autoritärer Herrschaft im Osten führen sollte. Künftige
Generationen würden uns schlechter beurteilen als wir
dies selbst überhaupt könnten, wenn wir ihnen die Last
einer Bedrohung hinterlassen würden, deren endgültige Beseitigung in unserer Macht stand.

Ich begann meine Ausführungen heute abend mit dem
Hinweis, ich würde weder die Euphorie noch die düsteren Prognosen akzeptieren, von denen die westlichen
Reaktionen auf die Revolutionen in Ostmitteleuropa
und der ehemaligen Sowjetunion gekennzeichnet waren.
Die Probleme, mit denen diese Länder konfrontiert
sind, sind erschreckend, und dasselbe gilt für die
Härten, die ihre Völker jetzt bewältigen müssen. Es ist
meines Erachtens unmöglich zu sagen, welches die
schwierigere Herausforderung ist - der wirtschaftliche
Übergang vom Kommunismus zum freien Markt oder
der politische Übergang vom Totalitarismus zur Demokratie. Die Völker der Region versuchen beides zu
leisten, und indem sie dies tun, versuchen sie, Phasen
der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung zu
überspringen, für deren Überwindung der Westen
Jahrhunderte benötigte.

Aber die Unterstützung für die Festigung der Demokratie im Osten ist sicherlich eine kollektive Pflicht zur
Übernahme von Lasten, die alle Nationen des demo-

Trotzdem werden sie es schaffen - unter der Voraussetzung, daß wir und sie bereit sind, die Schwierigkeiten dieser Übergangsphase gemeinsam zu meistern.

Soito A

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�Ein Großteil Ostmitteleuropas gehört traditionell zum
Westen und hat zu den politischen und kulturellen
Fortschritten der europäischen Aufklärung beigetragen oder davon profitiert. Die Region nahm ihre
Lehrzeit in freier Marktwirtschaft vor dem kommunistischen Zwischenspiel auf, und ihre Bewohner haben in
den letzten Jahren wahre politische Reife unter Beweis
gestellt. Darüber hinaus sind die Hindernisse, die sie
zur Wiedereingliederung in Europa überwinden müssen, nichts im Vergleich zu den Schrecken, die sie in
den vergangenen Jahren erdulden mußten. Sie müssen
nur das Vertrauen besitzen, daß die Tür zum Westen
offensteht und für sie selbst dann offen bleibt, da wir
weiter nach Osten blicken, um weitere Völker in den
Schoß der Demokratie aufzunehmen.
Die Aussichten sind für die neuen unabhängigen Staaten der ehemaligen Sowjetunion sicherlich schwieriger, aber ich bin optimistisch, daß auch sie erfolgreich
sein werden. Ihre Geschichte ist heldenhaft. Sie
haben eine enorme Opferfähigkeit demonstriert, und
sie werden letztlich in Zeiten größter nationaler Gefahr
obsiegen. Die Russen sind eines der großen Völker
der Geschichte, und wir Amerikaner haben in mehreren der dunkelsten Stunden dieses Jahrhundert wenn
es hart auf hart kam mit ihnen großartige Dinge vollbracht. Was sie und ihre Nachbarn jetzt von uns
benötigen, liegt sicherlich nicht außerhalb unserer
Möglichkeiten. Sie benötigen etwas Nahrung auf dem
Tisch, um mehrere Jahre des Übergangs zur Marktwirtschaft zu überstehen. Sie benötigen unser Fachwissen, um ihnen beim Aufbau einer modernen Wirtschaft zu helfen. Sie benötigen das Know-how von
Durchschnittsamerikanern aus allen Lebensbereichen,
um eine starke, pluralistische bürgerliche Gesellschaft
aufzubauen, und sie brauchen unsere Unternehmer,
um zum Vorteil für unsere beiden Länder in ihre
Zukunft zu investieren.
Es ist wohlbekannt, daß Rußland seit Anbruch des
Zeitalters der Aufklärung ein zwiespältiges Verhältnis
zum Westen hatte. Während sie sich zu Freiheit und
materiellem Fortschritt des Westens hingezogen fühlten, schreckten die Russen davor zurück, was sie als
westlichen Materialismus und geistigen Niedergang
betrachteten. Das Dilemma, ob man sich dem Westen
anschließen solle oder nicht, ist älter als Dostojewski,
und es besteht auch heute noch, sogar bei der prowestlichsten Regierung in der russischen Geschichte,
die heute im Kreml sitzt. Aber eine russische Entscheidung, die Eintrittskarte zum Westen zurückzugeben,
würde eine selbstmörderische Rückkehr zur Tyrannei

*

AMERIKA DIENST 7

im eigenen Land bedeuten. Es gibt einfach keinen
Mittelweg. Was für die Russen existiert, ist eine
Chance, die Moderne und den Westen in einer russischen Version mitzugestalten - das heißt, im Einklang
mit denjenigen, die die russische Nation über Jahrhunderte der Prüfungen bewahrt haben. Kurzum: Es ist
an der Zeit, daß ein Volk, das der Zivilisation auf der
Welt in Form von kulturellen und wissenschaftlichen
Errungenschaften soviel gegeben hat, jetzt auch seinen Stempel im politischen und wirtschaftlichen Bereich aufdrückt.
Sich die Alternative auszumalen, ist furchteinflößend nicht nur für die Russen, sondern auch für uns alle.
Eine Rückkehr zu einer feindseligen autoritären Herrschaft im Osten würde allen Hoffnungen auf eine
Wiederholung des westlichen Erfolgs nach dem Zweiten Weltkrieg einen schrecklichen Schlag versetzen,
als wir den Kreis der demokratischen Nationen erweiterten und den Rahmen für ein halbes Jahrhundert von
Frieden und Wohlstand schufen. Dies würde wahrscheinlich einen Triumph der Geschichte - das heißt,
des endlosen Kreislaufs der Feindschaft und Gewalt anstatt einer Transzendenz der Geschichte bedeuten,
die von den westlichen Staaten innerhalb ihres eigenen Kreises in der Nachkriegszeit kollektiv verwirklicht
wurde. Dies würde wahrscheinlich auch unsere jüngsten Hoffnungen zunichte machen, das ursprüngliche
Versprechen der Aufklärung zu retten, um die gesamte
Menschheit von den Schrecken und dem Pessimismus dieses Jahrhunderts zu befreien.
Denn wir müssen uns der Tatsache erinnern, daß
unsere Vorfahren die Welt ins 20. Jahrhundert brachten und dabei völlig unvorbereitet waren, um in den
Griff zu bekommen, was sich als eine der barbarischsten Episoden erwies, seit es geschichtliche Aufzeichnungen gibt. Wir, die Überlebenden dieser Periode
arbeiten unter der historischen Verpflichtung, ihre Fehler
nicht zu wiederholen. Wir müssen deshalb unsere
neuen Partner in Ostmitteleuropa und der ehemaligen
Sowjetunion fest und auf Dauer in den Schoß des
Westens aufnehmen, wenn wir uns angesichts immer
verzweifelterer Anspruchsteller und einer immer gefährlicheren Welt nicht beim Aufbau einer Wagenburg
wiederfinden wollen. Die Geschichte hat uns eine
zweite Chance gegeben, um das Versprechen der
Aufklärung einzulösen. Wie wir auf diese Chance
reagieren, wird großenteils darüber entscheiden, ob
unsere Kinder in ein 21. Jahrhundert eintreten, das
sicherer und gesünder ist als die schreckliche Periode,
die wir hinter uns gelassen haben.

* * *

*

Seite 5

�UMWELT
19. Februar 1991

USA BESCHLEUNIGEN ABBAU
OZONSCHÄDIGENDER STOFFE
Eine Übersicht des Weißen Hauses
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush hat angekündigt, die Vereinigten Staaten würden - als Reaktion auf neue
Erkenntnisse zu den Ozonschäden über der nördlichen Erdhalbkugel - den stufenweisen Abbau chemischer
Stoffe, die die Ozonschicht der Erde zerstören, beschleunigen.
Nachfolgend veröffentlichen wir dazu eine vom Weißen Haus am 11. Februar 1992 herausgegebene Übersicht
über den Zeitplan des beschleunigten Abbaus.

Beschleunigter Abbau
ozonzerstörender Substanzen
Präsident Bush hat heute erklärt, daß die Vereinigten
Staaten die Verringerung von Substanzen einseitig
beschleunigen werden, die die Ozonschicht der Erde
zerstören, und er forderte andere Länder auf, einem
Zeitplan für einen beschleunigten Abbau zuzustimmen. Die gegenwärtige US-Produktion liegt bereits
über 40 Prozent unter den im Montrealer Protokoll
erlaubten Niveaus und mehr als 20 Prozent über den
in Europa verwirklichten Verringerungen. Nach dem
neuen Zeitplan des Präsidenten werden die Vereinigten Staaten die meisten ozonzerstörenden Substanzen fünf Jahre vor den gegenwärtigen internationalen
Fristen verringern und damit die amerikanische Führungsrolle beim Schutz der Ozonschicht erneut bekräftigen.
Wissenschaftliche Handlungsgrundlagen
Die vom Menschen verursachten Emissionen von
Chemikalien einschließlich Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW), Halonen, Tetrachlorkohlenstoff und
Methylchloroform sind dafür bekannt, daß sie das
stratosphärische Ozon über der Antarktis zerstören
und scheinen die Ursache für die Zerstörung des
Ozons zu sein, die das ganze Jahr überin mittleren und
höheren Breitengraden auf beiden Erdhalbkugeln
beobachtet wird.
Die Zerstörung des stratosphärischen Ozons führt zu
einem Anstieg der schädlichen ultravioletten Strahlen,
die die Erde erreichen und unter Umständen auch
mehr Fälle von Hautkrebs, Störungen im Immunsystem des Menschen, Überflutungen und Umweltschäden mit sich bringen.
AMERIKA DIENST 7

Die jüngsten im Rahmen des Umweltprogramms der
Vereinten Nationen gewonnenen Erkenntnisse, niedergelegt im internationalen Ozonbericht des UNOUmweltprogramms (Oktober 1991) und die US-Expedition zur Erforschung der arktischen Stratosphäre
(Februar 1992) deuten auf eine schnellere, um sich
greifende Zerstörung der Ozonschicht hin, als bisher
angenommen wurde und liefern Einblicke in Prozesse,
die unter Umständen zu diesem Schwund beitragen.
Die Vereinigten Staaten werden ihren Zeitplan
zum Abbau beschleunigen
Der Präsident hat heute folgende Maßnahmen angekündigt:
Die Vereinigten Staaten werden die Produktion von
FCKWs und den meisten anderen ozonzerstörenden
Substanzen bereits bis Dezember 1995 - statt bis zum
Jahr 2000 - aufheben, wobei letztere Frist in den
Londoner Zusatzartikeln zum Montrealer Protokoll über
ozonzerstörende Substanzen gesetzt wurde.
Zur kurzfristigen Beschleunigung von Fortschritten hat
der Präsident die US-Industrie aufgefordert, die Produktion von 1992 auf die Hälfte des Stands von 1986
zu reduzieren. Nach den geltenden Gesetzen sind
Herstellern 1992 80 Prozent des Stands von 1986
erlaubt.
Der Präsident hat angekündigt, daß die Vereinigten
Staaten den Zeitplan der Abschaffung von FCKWs
prüfen und jüngste Beweise berücksichtigen wollen,
die die mögliche Notwendigkeit der Beseitigung von
Methylbromid nahelegen.

Seite 1

�Da weniger als 20 Länder die Londoner Zusätze zum
Montrealer Protokoll ratifiziert haben, hat der Präsident andere Länder aufgefordert, mit dem Engagement der Vereinigten Staaten gleichzuziehen, das
erweiterte Protokoll zu ratifizieren und ihre Zeitpläne
für eine Beseitigung entsprechender Stoffe zu beschleunigen.
Im Artikel VI des Gesetzes zur Luftreinhaltung sind für
wichtige Anwendungsbereiche Ausnahmen von der
Beseitigung zugelassen, etwa für Feuerlöscher und
Inhaliergeräte für Asthmatiker. Die neue Politik läßt die
Verfügbarkeit begrenzter Mengen für solche Anwendungsbereiche und die Wartung der in Beirieb findlichen Geräte zu.
Der Präsident hat eine beschleunigte Überprüfung von
FCKW-Ersatzstoffen angeordnet, die die Ozonschicht
in geringerem Umfang schädigen.
Eine Bilanz der jS-Führungsrolle
Politische Maßnahmen. Zum großen Teil aufgrund der
Nutzung innovativer, marktorientierter Mechanismen
wie Gebühren und wiederverkäufliche Boni liegt die
US-Produktion von FCKWs gegenwärtig 42 Prozent
unter dem Stand von 1986 und damit unter der im
Gesetz zur Luftreinhaltung und dem Montrealer Protokoll geforderten Reduzierung. Damit wird eine kontinuierliche Führungsrolle der Vereinigten Staaten zum
Schutz der Ozonschicht demonstriert. Unter anderem
wurden amerikanische Maßnahmen zum Schutz der
Ozonschicht ergriffen.
1978 haben die Vereinigten Staaten einseitig und
freiwillig den Einsatz von FCKWs als Treibmittel in

Spraydosen verboten. Viele Länder nutzen FCKWs
weiterhin für diesen Zweck.
1985 waren die Vereinigten Staaten Vorreiter bei
Bestrebungen zur Unterzeichnung der Wiener Konvention zum Schutz der Ozonschicht, dem Vorläufer
des Montrealer Protokolls.
Mit dem Haushaltsgesetz von 1990 haben die Vereinigten Staaten eine Steuer auf die FCKW-Produktion
erhoben, einen Schritt, den noch kein anderes Land
unternommen hat. Die Steuer richtet sich auf das
ozonzerstörende Potential jeder Substanz und bieten
einen Anreiz für die baldige Abschaffung der schädlichsten Substanzen.
Im Februar 1989 war Präsident Bush unter den ersten
Politikern der Welt, die sich für eine vollständige Beseitigung von FCKWs und anderen ozonzerstörenden
Substanzen bis zum Jahr 2000 aussprachen.
Durch die Verabschiedung der Zusatzartikel zum Gesetz
über die Luftreinhaltung von 1990 waren die Vereinig-

ten Staaten das erste Land, das die vollständige
Beseitigung von FCKWs gesetzlich verankert hat.
Die Vereinigten Staaten waren ferner das erste Land,
das in den multilateralen Fonds einzahlte, um den
Entwicklungsländern zu helfen, ihren im Montrealer
Protokoll eingegangenen Verpflichtungen nachzukommen. Die Vereinigten Staaten übernehmen volle 25
Prozent der Gelder des Fonds, das Doppelte des
Beitrags jedes anderen Landes.
Die Vereinigten Staaten waren das erste Land der
Welt, das Verletzungen von FCKW-Bestimmungen
strafrechtlich verfolgt hat.
Die wissenschaftliche Führungsrolle
Seit Jahren haben amerikanische Wissenschaftler einen
großen Teil der Wissensgrundlage für den Umgang mit
diesem Problem geliefert. Mitte der siebziger Jahre
haben Forscher der University of Michigan und der
University of California-Irvine erstmalig die Verbindungen zwischen FCKWs und der Zerstörung der Ozonschicht entdeckt und in weiteren Forschungen Ursache und Wirkung aufgedeckt.
Über 100 amerikanische Wissenschaftler haben an
der jüngsten unter der Schirmherrschaft des UNUmweltprogramms (U.N. Environment Programme UNEP) durchgeführten Untersuchung mitgewirkt, unter
anderem Experten der NASA, des Büros für Ozeane
und Atmosphäre, des Umweltschutzamtes, des Energieministeriums und anderer Behörden ebenso wie
der Universitäten und der Privaiindustrie.
Die Arbeit im Rahmen des US-Forschungsprogramms
über globale Veränderungen liefert zusätzliche wissenschaftliche Informationen über das Ozonproblem.
Seit 1990 hat die Regierung Bush die Finanzierung
dieser Arbeit von 659 Millionen Dollar auf 1,1 Milliarden
Dollar angehoben und für das Haushaltsjahr 1993 1,3
Milliarden Dollar gefordert.
Mit Hilfe des Spektrometers zur Ozonkontrolle (Total
Ozone Management Spectrometer - TOMS) und des
Forschungssatelliten für die obere Atmosphäre (Upper
Atmosphere Research Satellite - UARS) haben Wissenschaftler den Umfang und das regionale Ausmaß
der Ozonzerstörung präzise gemessen. Beobachtungsstationen auf der Erde und Modellstudien werden
Einblicke in künftige Ozonverluste geben.
Erst kürzlich ist in den Vereinigten Staaten mit Hilfe
staatlich geförderter Forschung - unter Einsatz des
UARS und amerikanischer Flugzeuge bei der ArktisExpedition zur Untersuchung der Stratosphäre - die
Möglichkeit einer weiteren Zerstörung der Ozonschicht
aufgedeckt worden.

* *

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�AMERIKA

HEUTE
19. Februar 1992

WAS MACHT EINE NATION GROSS?
von Max Lerner
Die Stärken Amerikas können auf die langfristigen revolutionären Veränderungen - in der Vermittlung von Wissen
und in der Telekommunikation - sowie seine das Vorstellungsvermögen der Menschen weltweit fesselnde Rolle
als "Mythos" und seine persönliche Verpflichtung auf das Streben des einzelnen nach Selbstverwirklichung
zurückgeführt werden, schreibt der Autor und umreißt darüber hinaus die bleibenden Herausforderungen.
Max Lerner ist Historiker und politischer Theoretiker. Er ist der Autor von America as a Civilization (Neuausgabe 1987 bei Holt). Sein jüngstes Buch hat den Titel Later Than You Think: The Need for a Militant
Democracy (1988), Neuausgabe mit einer Einführung von James MacGregor Burns und einem Vorwort des
Autors (Transaction Press 1989).
Ein Nachdruck dieses Artikels ist mit folgendem Zusatz gestattet: "Dieser Artikel ist in der Ausgabe Juli 1991
von The World &amp; I, einer Publikation von The Washington Times Corporation erschienen und wird mit
Genehmigung des Verlags nachgedruckt. Copyright (c) 1991.
Eine große Nation erfordert eine große Idee - eine
Idee, die sie beseelt und ihr einen besonderen Charakter verleiht. Amerika hatte eine solche Idee, seit der
Zeit der ersten Siedler aus England und Westeuropa
bis zur jüngsten Welle von Einwanderern.
Dabei handelt es sich um mehr als die Idee von Freiheit
und Rechten des einzelnen, so grundlegend diese
auch sein mag. Was den Ruf des amerikanischen
Mythos begründet und Menschen aus den entferntesten Winkeln der Erde geradezu magisch angezogen
hat, ist die Idee vom eigentlichen Wert individueller
Anstrengungen. Es ist die Überzeugung, daß man es
in Amerika mehr als andernorts durch harte Arbeit und
seine Fähigkeiten im Leben zu etwas bringen kann.
Diese Idee macht Amerika zu mehr als einer Anhäufung individueller Begierden und der Jagd nach gesellschaftlichem Status.
Aber eine Idee ist abstrakt, sie benötigt Fleisch und
Blut sowie Persönlichkeiten, um zum Leben zu erwachen. Vor der Schaffung der Verfassung, in den
achtziger Jahren des 18. Jahrhunderts, stellte Hector
St. John in seinen Letters f rom an American Farmer
die heute historische Frage: "Was ist denn nun der
Amerikaner, dieser neue Mensch?" Seine Antwort
lautete, er sei "ein neuer Mensch, der nach neuen
Prinzipien handelt".
Über zwei Jahrhunderte danach erscheint es nahezu
als ein Wunder, daß die Welt immer noch diese Frage

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stellt und diese Antwort gibt. Es ist nicht allzu oft
geschehen, daß sich in der Geschichte der Zivilisation
ein "neuer Mensch" herausbildete. Es gab den griechischen Menschen, den römischen Menschen, den
Renaissancemenschen, den westlichen Menschen und
dann "den Amerikaner, diesen neuen Menschen".
Nach 1917 wurde sogar der Versuch unternommen,
einen "kommunistischen Menschen" zu schaffen,
komplett mit einer neuen politischen Religion. Aber er
erwies sich als "der Gott, der scheiterte" und zerfiel
gemeinsam mit dem Zusammenbruch der dem Kommunismus zugrundeliegenden Idee. Der utopische
Traum, der dem Kommunismus den Weg bereitet
hatte, wurde zum Alptraum. Der kommunistische
Mensch war nicht mehr glaubwürdig.
Als Nation ist Amerika immer noch jung. Wenig mehr
als zwei Jahrhunderte sind für eine Nation keine lange
Zeitspanne. China, Indien, Japan, der europäische
Westen - sie alle bestehen bereits viel länger. Aber sie
alle haben auch bedeutende Brüche erlebt, sei es
durch Tyrannei, das Unglück des Krieges, Besetzung
oder Holocaust. Amerika hat die Kontinuität eines
freien Volkes in einer bürgerlichen Gesellschaft mit
verfassungsmäßigen Schutzmechamismen und Rechtsstaatlichkeit bewahrt. Das Element der Dauerhaftigkeit, der Kontinuität inmitten des Wandels, liegt der
Qualität des Optimismus zugrunde, der Amerika von
Anfang an charakterisiert hat.

Seite 1

�Kann dies von Dauer sein? Die Antwort lautet, daß
Amerika eine Abfolge beängstigender Herausforderungen im Innern überlebt hat. Der "neue Mensch" hat
sich rücksichtslos über die Indianer und ihren Lebensstil hinweggesetzt, die den Fortgang der Besiedelung
behinderten. Bei der Bewältigung des Krebsgeschwürs
der Sklaverei als Institution wurde die Nation vom
Bürgerkrieg fast zerrissen. Die Agonie der Reconstruction hinterlie ß im Süden ebenso wie im Norden ein
Vermächtnis lokalpatriotischer und rassischer Bitterkeit. Das "Ende der Grenze" in den neunziger Jahren
des 19. Jahrhunderts erschien vielen als Ende des
amerikanischen Raums für Expansion und -'oshalb als
"Ende der Geschichte". Dies trat jedoch nicht ein.
Die Nation mußte jedoch noch weitere traumatische
Erfahrungen verarbeiten. Mit der Jahrhundertwende
und der beschleunigten Einwanderung entwickelte
sich in Amerika Fremdenfeindlichkeit gegen eine
Überflutung mit "Ausländern". Nach den Auseinandersetzungen über Woodrow Wilsons Völkerbund kam es
zu einer starken Welle des Isolationismus. In den
dreißiger und vierziger Jahren bildeten die Große
Depression, der New Deal und die unmittelbare Bedrohung durch die Nazis eine dreifache Herausforderung,
die die amerikanische Idee auf eine harte Probe stellte.
Die sechziger Jahre mit der Ermordung Kennedys und
dem "Vietnam-Syndrom" verursachten zahlreiche
Traumata. Die siebziger Jahre waren vom WatergateSchock und der Geiselnahme in Teheran geprägt, und
in den achtziger Jahren kam es zur Iran-Contra-Aff äre.
Dies ist alles andere als eine Idylle. Ein freimütiger
Historiker könnte es kaum als Saga einer glücklichen
Republik bezeichnen. In den zwei Jahrunderten seiner
Existenz als Nation hat Amerika eine stürmische historische Entwicklung durchgemacht. Allein in diesem
Jahrhundert erlebte es als Präsidenten eine Reihe
mächtiger Varianten von Macchiavellis Fürst, von den
beiden Roosevelts in der ersten Hälfte des Jahrhunderts bis zu Harry Truman, Dwight Eisenhower und
John Kennedy um die Jahrhundertmitte sowie Ronald
Reagan und George Bush in den achtziger und frühen
neunziger Jahren. Aber wie Harvey Mansfield Jr.
einmal feststellte, war die Geschichte der Präsidenten
auch stets von der "Zügelung des Fürsten" gekennzeichnet, die eine Beschneidung der Macht der Exekutive zur Folge hatte.
Für eine große Nation kann die Reise durch die Geschichte nicht reibungslos verlaufen. Aber trotz der
Tumulte resultiert die Stärke Amerikas zu einem großen Teil aus der Tatsache, daß es die großen politischen und moralischen Katastrophen vermeiden konnte, von denen Europa erfaßt wurde. Sie entstanden
aus der Geißel des Kommunismus, der Kierkegaardschen "Krankheit bis zum Tode" Europas unter den
Nazis, dem radikalen Unheil des Holocaust.

QoitQ O

In America as a Civilization (1957, Neuausgabe
1987) habe ich diese Abweichung vom Weg Europas
als "amerikanischen Sonderweg" bezeichnet. Wäre
Amerika dem europäischen Weg gefolgt, hätte es
keine große Nation bleiben können. Glücklicherweise
verfolgte es seinen eigenen Weg - mit allen Fehlern,
Traumata, schöpferischen Taten. Walt Whitman wußte
dies bereits sehr früh, wie er in seinem leidenschaftlichen Credo mitteilte, das er öffentlich an Ralph Waldo
Emerson richtete: "Meister, ich bin ein Mensch des
völligen Vertrauens. Meister, wir haben nicht Jahrhunderte, Kasten, Heroismen, Freiheiten überdauert, um
heute in diesem Land innezuhalten!"
Auch in der heutigen Zeit gibt es in Amerika kein
Innehalten. Ich sage dies trotz der Vielzahl innerer
Verletzungen, von denen die Nation blutet. Sie sind
uns heute nur zu vertraut: Drogen, Verbrechen, verkommene Städte, massive Defizite, der Angriff auf die
Familie, ein Schulsystem, das in Leistungsdefiziten
und Gewalt versinkt, ein Gefühl ethnischer Ungerechtigkeit, der Verfall traditioneller Werte.
Es ist jedoch eine auffällige Tatsache, daß zu keiner
Zeit in der Geschichte Amerikas zeitgenössische Kritiker Schwierigkeiten hatten, ein vergleichbar beängstigendes Szenarium scheinbar unlösbarer Probleme
zu konstruieren. Sie gehören zum Wesensgehalt der
Demokratie. Die Frage lautet nicht, ob sie existieren das tun sie -, sondern ob in Kultur und Gesellschaft
Stärken vorhanden sind, derer sich die Amerikaner zu
ihrer Lösung bedienen können.
Eine Nation universeller Prägung
Eine Methode, um diese Frage zu beantworten, ist die
Untersuchung des Auf und Ab langfristiger revolutionärer Veränderungen, die Amerika umgestaltet und
seine neuen Konturen geprägt haben.
Die zentrale und fortdauernde Veränderung ist die
Revolution des Wissens, die eine neue Kategorie des
Wissens und eine neue Computer- ("Informations"-)
Sprache und Bildung hervorgebracht hat. Selbst die
schärfsten Kritiker Amerikas haben sein kreatives
wissenschaftliches Klima als eine der primären Komponenten seines historischen Rangs anerkannt. Andere
Nationen - Japan, Deutschland, Korea - haben die
Fähigkeit bewiesen, die wissenschaftlichen Errungenschaften Amerikas zu nutzen und sie in äußerst konkurrenzfähige Technologien umzusetzen. Aber die
Kombination von Wissenschaft und Technik - von
Griechenland und Rom - verleiht Amerika eine beispiellose Rolle.
Genau das ist es, was das sinkende Niveau des
naturwissenschaftlichen Unterrichts und der damit
verbundenen Fähigkeiten im heutigen amerikanischen
Schulsystem zu einem solch prägnanten Paradoxon

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�macht. In diesem Bereich ist die Größe Amerikas
besonders verwundbar geworden. Die Bedrohung gilt
nicht nur der amerikanischen Wettbewerbsfähigkeit
auf den Weltmärkten, sondern auch der beständigen
empirischen Innovationstätigkeit, die Amerika seit den
Tagen Benjamin Franklins, Thomas Jeffersons und
der ersten Werkzeugmacher unter den Yankees charakterisierte.
Die zweite gro ße Revolution - Telekommunikation - hat
eine Debatte über ihre Auswirkungen auf den Zustand
und Erfolg amerikanischer Kultur entfacht. Sie hat
dazu geführt, daß alles, auch Nachrichten und Kultur,
für jedermann sofort verfügbar sind. In diesem Sinne
verbindet sie die Nation in einem kollektiven Bewußtsein, das von einer Mode zur anderen, von einem
Skandal zum nächsten treibt und sich an ständig
wechselnden Prominenten orientiert.
Sie macht eine bereits fieberhafte Kultur noch fieberhafter, treibt sie dem Vergänglichen eher entgegen als
dem Dauerhaften. Dies bringt eine zweifelhafte Verlagerung mit sich - statt Arbeitsethos bezahltes Vergnügen, statt Produktivität und Sparen wird Konsum und
Geldausgeben propagiert, anstatt daß eine Kultur von
Helden gefeiert wird, werden Stars aus der Unterhaltungsbrache imitiert.
Diesen Ausführungen muß ich etwas hinzufügen, was
langfristigere Auswirkungen zeitigen könnte. Der
demokratisierende Effekt der amerikanischen Medien
auf Ereignisse in der Welt tritt überall zutage. Die
Medien haben Amerikas anregende Idee auf der ganzen
Welt verbreitet - daß Menschen, nicht unpersönliche
"Kräfte", Geschichte machen, indem sie die Gestaltung ihres persönlichen Schicksals selbst in die Hand
nehmen. In diesem Sinne sind die amerikanischen
Medien eine weltumspannende Lingua franca von
China über Warschau bis Pretoria, von Moskau und
Berlin bis zu den Hauptstädten des Nahen Ostens
geworden.
Zur gleichen Zeit, da Amerika von seinem vielzitierten
"Niedergang" einem unzweifelhaften Aufstieg entgegengeht, hat es auch an "Mythos" gewonnen. Ich
meine das in einem tieferen Sinn, der die Phantasie der
Menschen auf der ganzen Welt einbezieht, auf viele
magische Anziehungskraft ausübt und Feinden wie
Neidern als Zielscheibe dient.
Die Dimension des Mythos läßt sich noch stärker auf
die neueste Welle von Einwanderern in Amerika
anwenden, die sich von diesem Land angezogen fühlen, um Armut, Tyrannei oder beidem zu entrinnen. Mit
der Zeit wird eine neue Ausrichtung der Einwanderungspolitik erforderlich werden, die sich auf diejenigen mit den Fähigkeiten und der Ausbildung konzentriert, die Amerika am dringendsten benötigt. In der
Zwischenzeit übernehmen die Medien die Aufgabe,
Neuankömmlinge in das amerikanische Leben zu inte-

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grieren und das zu bilden, was Ben Wattenberg ein
Amerika genannt hat, das "die erste Nation universeller Prägung" wird.
Aber auch eine ausgesprochen persönliche, die das
Streben des einzelnen nach Individualismus unterstützt. Tatsächlich ist die Aufteilung zwischen dem,
was für das Leben des einzelnen gut ist und dem Wohl
der Allgemeinheit dient, falsch. Von den frühen Siedlern bis zur jüngsten Flut von Einwanderern haben die
- von Tocqueville so genannten - "Gewohnheiten des
Herzens" an das Überleben eines jeden Menschen das
Überleben aller geknüpft. Bei der schwierigen Durchführung des Lebens haben sich Individualismus und
Unterstützung als Notwendigkeit für eine starke Nation
erwiesen.
Wir müssen hier zwischen zwei Arten von Individualismus unterscheiden, die oft durcheinander gebracht
werden. Eine ist die Betonung der Individualität nach
Emerson, die ihren Ausdruck in Selbstbewußtsein und
Selbstvertrauen findet. Die andere übt sich in Aufgeblasenheit und Selbstverherrlichung. Dem "Ich" wird
es ermöglicht und sogar notwendig gemacht, Teil des
"Wir" zu werden. Das andere ist das imperiale Ego,
Kennzeichen der "Ich-Generation" in den siebziger
und frühen achtziger Jahren.
In den neunziger Jahren entdecken Amerikaner wieder, daß das "Wir" das "Ich" übertrifft, obwohl sie ein
gesundes Selbstbewußtsein beibehalten. "Vereinfacht, Vereinfacht!" war Henry David Thoreaus Einwurf bereits in einem Zeitalter, da das Leben wesentlich weniger komplex war als heute. Nach dem Konkurrenzdenken und dem auffallenden Überfluß der
achtziger Jahre streben die Amerikaner in den neunziger Jahren ein einfacheres Leben an, das ihnen Zeit
sowohl für Einsamkeit als auch für Gesellschaft läßt,
ferner für die Fortsetzung einer Arbeitsethik in einem
Kontext enger Familienbindungen und die Erziehung
einer neuen Generation mit Hilfe traditioneller Werte,
die in Gefahr sind, in Vergessenheit zu geraten.
Die Familie ist der Schlüssel
Wenn im Amerika der neunziger Jahre eine Wiederbelebung von Werten stattfinden soll, dann sind die
Bestandteile dafür bereits vorhanden und warten darauf, zusammengeführt zu werden. Man geht davon
aus, daß ein zu hektischer wirtschaftlicher Wettbewerb zu einem ausgebrannten Leben führt. Man
macht sich keine Illusionen überzu starken Dirigismus,
was ein Neuaufleben von privatem Engagement zur
Folge hat - Gleichgesinnte schließen sich für eine
gemeinsame Sache zusammen -, das Tocqueville als
charakteristisches Merkmal Amerikas betrachtete. Da
die politischen Parteien immer weniger Einfluß haben
und die Bundesregierung immer stärker zu einem
Leviathan wird, will dieser vom einzelnen ausgehende
Impuls des Zusammenschließens den Einfluß unper-

Seite 3

�sönlicher Kräfte auf verletzbare Menschenleben
dämpfen. Als George Bush dies mit dem Begriff
"Tausend Punkte des Lichts" umschrieb, zeigte der
Grad der Reaktion, daß er damit bei den Amerikanern
einen Nerv getroffen hatte.
Anfang des Jahrhunderts schrieb der Ökonom Joseph
Schumpeter über die "kreative Zerstörung", die der
Kapitalismus hinterläßt, wenn er alte Technologien
und Ineffizienz zerstört. Die Nebenwirkungen technologischer Veränderungen lassen sich auch in Form
von Arbeitslosigkeit, Obdachlosigkeit, zerstörten Karrieren und ruinierten Menschenleben beschreiben.
Für diejenigen, die an der Beseitigung dies„. Zustände
mithelfen können, ist dies eine Möglichkeit, sich gebraucht und nützlich zu fühlen. Die Sorge für andere
kann dem Leben mehr Sinn geben und die beste Form
der Therapie sein.
Es gibt jedoch starke Anzeichen dafür, daß Amerikaner ihr Vertrauen auf eine andere und kleinere Gemeinschaft konzentrieren - ihr Zuhause. Sie ziehen
sich darin zurück als den Hafen von Kontinuität in
stürmischen Zeiten ständigen Wandels. Viele betrachten es als Refugium vor der Hetzjagd eines
qualvollen Wettbewerbs, Konsumterror und einem
Jahrmarkt der Eitelkeiten voller Statussymbole. Was
auch die Motive sein mögen, es gibt einen deutlich
erkennbaren Trend - kurz- oder langfristig - zu einer
neuen Ausrichtung von Energien, bei der die Bestreitung des Lebensunterhalts nur Teil einer größeren
Anstrengung ist, das Leben zu meistern.
Eine Kultur, bei der das Zuhause im Mittelpunkt steht,
bedeutet für die meisten Amerikaner eine familienorientierte Kultur. Diese gewinnt an Bedeutung, wenn
man sich die Angriffe vor Augen führt, denen die
Familie in den letzten 25 Jahren ausgesetzt war,
beginnend mit der Kulturrevolution der sechziger Jahre.
Wir erkennen zunehmend, wie zentral die Auflösung
der Familie für das Auftreten eines ganzen Komplexes
von Problemen war, die in den Städten auftraten. Mit
dieser Erkenntnis kam die Abwendung von den Riesenstädten, den Straßen, in denen Gewalt und den
Schulen, in denen Drogen regieren.
Dies könnte auch die gegenwärtige Rückkehr zu Heiraten in jüngeren Jahren erklären, insbesondere bei
Frauen, die ihren Kinderwunsch nicht mehr aufschiebenwollen. Das bedeutet weniger Scheidungen, mehr
zweite Ehen und erneut ein Amerika, in dem Kinder im
Mittelpunkt stehen. Damit einher geht eine starke
Entschlossenheit zum Wiederaufbau eines Schulsystems, das zum Konkursverwalter einer auseinanderfallenden Familie und Gemeinschaft wurde und von
den sämtlichen Verirrungen der Gesellschaft zersetzt
wird.
Der Wiederaufbau der Schulen wird jedoch die Auseinandersetzung mit einem verzerrenden Paradox mit
sich bringen. Eine starke Nation muß ihre jungen

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Bürger irgendwie mit den neuen Fähigkeiten und Einsichten ausstatten, damit sie neuen Technologien
gewachsen sind, ihnen aber auch die Sicherheit traditioneller und erwiesener Werte vermitteln, unter anderem Arbeitsethos, persönliche Integrität sowie die
Bereitschaft zu Opfern und Engagement. Die Familie
bleibt das, was sie seit dem Start der Republik ist - der
Schlüssel zur Erziehung, weil sie der Schlüssel zur
frühen Verinnerlichung von Werten und zum Zusammenhalt der Gesellschaft ist.
In den sechziger Jahren wurde der Ruf nach "Befreiung" laut, von Zwängen, Einschränkungen und Bindungen. Übrig blieb nur ein atomistischer Hedonismus, der dieser Zivilisation nicht besser gedient hat als
früheren. Ich erkenne jetzt eine andere Art von Hunger
- den Hunger nach Bindungen. Ich benutze diesen
Begriff im Sinn langfristiger Bindungen, die Liebe,
Wünsche, Geschlechter, Kinder, Familien und die
Gemeinschaft durch eine große Kette der Zugehörigkeit verbinden. Ich möchte hinzufügen, daß dies eine
Kette ist, deren schwächstes Glied sie zerbrechen
kann. Dieses Glied ist die Abspaltung von Gruppen,
insbesondere an den Universitäten, die jetzt als "kulturelle Vielfalt" gelten. Amerika war immer pluralistisch,
eine "Nation von Nationen". Aber es gibt eine starke
Tendenz, es in eine Herrschaft einander feindlich
gegenüberstehender Aktivitäten einzelner Völkergruppen umzuwandeln. Wenn das imperiale Ego der
siebziger und achtziger Jahre eine schlechte Medizin
war für das, was Amerika weh tat, wäre oin Mischmasch imperialer Gruppenegos in den neunziger Jahren
noch schlimmer. Rückgratloses Scheitern von Hochschullehrern und -Verwaltungen bei ihrer Bekämpfung
würde zu einem Verrrat an den Hochschulen führen.
Es kann ein ethnisches Bewußtsein geben, das die
Nation spaltet oder eines, das ihr hilft, zusammenzuhalten. Der Kampf zwischen beiden, manchmal sogar
als miteinander kämpfende Kräfte in derselben Brust,
wird über die Zukunft und ihre Richtung entscheiden.
Das gilt auch für die große Flut religiöser Gefühle, die
die achtziger Jahre bestimmt haben und in den neunziger Jahren keine Anzeichen für einen Rückzug zeigen. Davon ist keine etablierte Religionsgemeinschaft
unberührt geblieben. Bis jetzt hat sie nicht die trennende Wand zwischen Kirche und Staat durchbrochen, die
amerikanische Freiheiten unterstützt. Die verfassungsmäßigen Schutzmechnismen bleiben bestehen. Die
grundlegende Herausforderung gilt nicht der Freiheit
sondern der stark weltlichen Orientierung, wie sie
immer noch in Europa vorherrscht und es damit von
einem religiös orientierten Amerika abgrenzt.
Man sollte das, was in Amerika vorgeht, als weniger
und mehr als eine Auferstehung der Religion betrachten. Ich ziehe es vor, es als Rückkehr zu einem Sinn
für Sakrales zu betrachten - Ehrfurcht und Verbeugung
vor Mysterien, die unser Verständnis übersteigen und

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�dennoch die Lebensführung bestimmen. In diesem
Sinne dient die Rückkehr zum Sakralen als Basis einer
Innerlichkeit, die organisierte Religion übersteigt, die
Heiligkeit aller Rituale des täglichen Lebens und der
Bindungen anerkennt, die wir zu anderen Menschen
eingehen, mit denen wir nicht verwandt sind.

Es handelt sich auch um Bindungen mit der Ökologie
der Erde selbst und dem Platz des Menschen und des
zivilisierten Lebens in der Natur. Amerikaner könnten
daraus lernen, daß ein Volk nicht groß sein kann, wenn
es nicht die Bindungen wertschätzt, die es nicht nur
untereinander vereint sondern auch mit ihrem Lebensraum auf der Erde, den Gott ihnen gegeben hat, um ihn
zu "pflegen und zu bewahren".

* * * * *

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�WAHLEN

'92
19. Februar 1992

BUSH HOFFTAUF ERNEUERUNG
SEINES MANDATS
Porträt des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Bush
WASHINGTON - (AD) - Die Aussicht auf einen weiteren Wahlkampf ist genau das richtige für Bushs Konkurrenzdenken. "Ich kann es nicht erwarten", erklärt er,
den Angriff gegen die politischen Gegner aufzunehmen, die "den Präsidenten demontieren wollen". Der
Wahlkampf hat tatsächlich begonnen - mit fünf Demokraten, die die Nominierung durch ihre Partei anstreben, um gegen Bush anzutreten und einem überzeugten Konservativen, Patrick Buchanan, der Bush die
Nominierung durch die Republikanische Partei abringen will. Bush strebt bei der allgemeinen Wahl am 3.
November 1992 eine zweite vierjährige Amtszeit im
Weißen Haus an, wenn er erwartungsgemäß im August erneut nominiert wird. Bush bekundet offen, daß
er seine Stärke - die Außenpolitik - in den Vordergrund
stellen will, obwohl er eine zunehmend aktive Rolle
beim Umgang mit der desolaten Wirtschaft übernimmt.
Indem er die Wähler bittet, auf den Beginn seiner
Amtszeit im Jahr 1989 zurückzublicken, erinnert der
Präisdent sie daran, daß die Welt damals "in einen
enormen Kampf verwickelt war, den man als nukleares
Patt bezeichnen könnte" und fügt hinzu, heute "haben
wir sehr viel mehr Grund zur Dankbarkeit", nicht zuletzt
für den "Weltfrieden... Es ist gut, daß meine Enkelkinder ... mit weniger Furcht vor Nuklearwaffen aufwachsen können." Der Präsident fügt hinzu, heute "ist der
kalte Krieg (mit) einem großen Sieg für diese Nation
beendet."
Nicht nur der kalte Krieg ist vorüber, der Präsident ist
auch der anerkannte Führer internationaler Bestrebungen, mit denen Saddam Husseins Aggressionsversuch vereitelt wurde, Washington ist der Katalysator dabei, Israel und seine arabischen Nachbarn an
den Verhandlungstisch zu bringen, und die amerikanischen Beziehungen zu einem Großteil der Welt sind
ausgezeichnet.
Da Frieden und Wohlstand stets stimmenträchtige
Themen für amerikanische Präsidenten waren, ist
Präsident Bushs Betonung der radikalen Veränderungen der vergangenen vier Jahre verständlich. Seine

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Gegner wollen die Wähler auch an 1988 erinnern,
konzentrieren sich jedoch auf das wirtschaftliche
Wohlergehen der Amerikaner.
Buchanan und die fünf demokratischen Herausforderer - sowie die Medien - führen den Wählern vor Augen,
daß Bush ihnen 1988 rundweg versprochen hat, es
werde ihnen wirtschaftlich besser gehen, wenn er
gewählt würde. Er versprach ferner, daß seine Administration die Schaffung von 30 Millionen Arbeitsplätzen in fünf Jahren übernehmen werde. Bush ist der
erste Präsident in über 20 Jahren, in dessen Amtszeit
sich die Kaufkraft des Durchschnittsamerikaners - um
rund 2 Prozent - verringert hat. Über 8 Millionen
Amerikaner sind arbeitslos, und die Bush-Administration kann nur die Schaffung von 1,8 Millionen Arbeitsplätzen in den ersten drei Jahren ihrer Amtszeit für sich
in Anspruch nehmen.
Vielleicht mit diesen Zahlen vor Augen versucht der
Präsident die Erinnerung der Wähler an die bemerkenswerteste Leistung des vergangenen Jahres - die
Versammlung der Golfkoalition - mit dem Kampf zur
Behebung der wirtschaftlichen Misere in Verbindung
zu bringen. Bush erklärte wiederholt, er wolle sein
Streben nach wirtschaftlichem Aufschwung mit der
Einstellung untermauern, von der die Operation Wüstensturm geleitet gewesen sei. Im Hinblick auf Wüstensturm stellt er fest: "Das Land hat etwas unter
Beweis gestellt, das wir seit dem Zweiten Weltkrieg
verloren hatten: Wir kamen im Krieg zusammen, und
wir kamen im Sieg zusammen. Dies hat dem Land
Auftrieb gegeben. Ich möchte diese Einstellung nehmen - die Haltung, wir schaffen es - und sagen, 'mal
sehen, ob uns dasselbe auch mit unserer Wirtschaft
gelingt.'"
Um dieses Ziel zu verwirklichen, schlägt Präsident
Bush einen Aktionsplan vor, von dem er sich die
Wiederbelebung der stagnierenden US-Wirtschaft
erhofft. Kernstück dieses - in seinem Bericht zur Lage
der Nation am 28. Januar 1992 angekündigten -

Seite 1

�Maßnahmenpakets sind einige neue und einige in den
vergangenen Jahren vorgeschlagene, vom Kongreß
jedoch abgelehnte Steuersenkungen. Der Präsident
fordert ferner einschneidende Kürzungen bei den
Verteidigungsausgaben - weitere 50 Milliarden in den
nächsten fünf Jahren. Er verspricht, sich bei seinem
Etatentwurf an die Haushaltsvereinbarung von 1990
zu halten, die die Aussetzung von Steuersenkungen
und Ausgabenzuwächsen fordert, um einen weiteren
Anstieg des Defizits zu verhindern.

Monaten besonderen Wert auf die Feststellung gelegt,
daß ein internationales Abkommen über die Öffnung
von Märkten eine potentielle Zunahme amerikanischer
Arbeitsplätze bedeutet, da die amerikanischen Exporte steigen.
Aus diesem Grund hat der Präsident verschärft auf
Siege bei Handelsfragen gesetzt, bis hin zu dem
Abkommen über die Öffnung von Märkten mit Japan
für Computer, Glas, Papierprodukte und Autos sowie
die in der Uruguay-Runde erörterten Maßnahmen zur
Liberalisierung des Handels. Er befürwortet ferner ein
Freihandelsabkommen mit Mexiko, mit dem eine
Nordamerikanische Freihandelszone geschaffen würde, da Kanada teilnimmt.

Der Präsident weist Anschuldigungen zurück, er habe
sich zu ausgiebig der Außenpolitik gewidmet. Er
erklärt, er habe "ein anhaltendes Interesc. an Innenpolitik" und entkräftet die Voi würfe mit der Feststellung, "wir befinden uns im Wahljahr und da hört man
alle möglichen Behauptungen und Gegendarstellungen".

Sieg oder Niederlage - Bush könnte sehr wohl der
letzte Angehörige der Generation des Zweiten Weltkriegs sein, der als Präsident dient. Keiner seiner
erklärten Gegner war alt genug, um in dem zu dienen,
was häufig als der "letzte gute Krieg" - der Kampf zur
Ausrottung des Faschismus in Deutschland und Japan
- beschrieben wurde.

Seiner Ansicht nach erkennen die Amerikaner "sein
Engagement", P'CH der Innenpolitik zu widmen. "Ein
Teil dieses Engagementsfürdie Innenpolitik", erläutert
er, "wurde durch die phantastischen Veränderungen in
den Hintergrund gedrängt, die auf der Welt stattgefunden haben. Wenn Sie auf meinen Terminkalender
blicken... werden Sie feststellen, daß dieses Engagement stets vorhanden war..."

Der Präsident war einer der jüngsten Kampf piloten der
US-Marine, der von der USS San Jacinto aus Torpedobomber zum Kriegsschauplatz im Pazifik flog. Am
Ende des Krieges schrieb er sich an der Universität
Yale ein und machte im Jahr 1948 seinen Abschluß in
Wirtschaftswissenschaften. Zwei Amtsperioden lang
war Bush Abgeordneter im Repräsentantenhaus, verlor den Kampf um einen Sitz des Bundesstaates Texas
im US-Senat und war von 1971 bis 1972 Ständiger
Vertreter der Vereinigten Staaten bei den Vereinten
Nationen. 1973 und 1974 führte er den Vorsitz des
Nationalen Ausschusses der Republikaner und 1974
und 1975 war er Leiter des US-Verbindungsbüros in
Peking. Im darauffolgenden Jahr wurde er Direktor
des amerikanischen Nachrichtendienstes CIA.

Beim Handel hat Bush das beste Argument, indem er
die Außenpolitik und innenpolitische Erwägungen sowie
die Gesundung der Wirtschaft miteinander in Verbidung bringt. Die Botschaft des Präsidenten lautet, der
von Buchanan und einigen Demokraten befürwortete
Protektionismus sei ein Schuß, der nach hinten losgeht, da er die überseeischen Märkte für amerikanische Produkte eingrenze und damit zu weiterer Arbeitslosigkeit führe. Bush würde die Nation auch auf
einen anderen Kurs führen mit dem Versprechen, für
"ein ausgewogenes Aktionsfeld" im internationalen
Handel zu kämpfen und sicherzustellen, daß der
amerikanische Arbeitnehmer bessere Produkte produzieren und sie stärker absetzen kann, wenn der
Handel frei und fair ist.

In seiner Funktion als Vizepräsident von 1981 bis 1989
bereiste Bush im Auftrag von Präsident Reagan 74
Länder.
Bush und seine Frau Barbara haben vier Kinder und 10
Enkelkinder.

Bush hat sehr empfindlich auf den Vorwurf reagiert, er
widme außenpolitischen Belangen zuviel Zeit und
Aufmerksamkeit und hat in den vergangenen drei

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Seite 2

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AMERIKA DIENST 7

�W A H L E N '92
19. Februar 1991

IN NEW HAMPSHIRE GEFÄLLT
DAS SYSTEM DER VORWAHLEN
Ein Test für Ideale und Ausdauer der Kandidaten
CONCORD (NEW HAMPSHIRE) - (AD) - Ideologisch Meilen voneinander entfernt, aber eigentlich nur acht
Haustüren auf der gegenüberliegenden Stra ßenseite vom Sitz des Gouverneurs voneinander getrennt, sind sich
die Republikanische und Demokratische Partei New Hampshires in ihrer Bewertung des Systems der Vorwahlen für das Präsidentenamt in ihrem Bundesstaat ziemlich einig: es gefällt ihnen.

Wie andere im Bundesstaat auch, gestehen sie ihm
Schwachstellen und Eigenarten zu, sind aber der
Meinung, es funktioniere im großen und ganzen gut.
Die lokalen Parteien verhalten sich den Kandidaten
gegenüber neutral. Noch spielen sie nur eine unterstützende Rolle. Im Hinblick auf die Logistik räumen
sie den Kandidaten Platz in ihren Informationsblättern
und Veranstaltungsprogrammen ein. Darüber hinaus
interagieren sie mit den Kandidaten - landesweit prominenten Persönlichkeiten - und den Medien, wobei
sie versuchen, den Mitarbeitern der Kampagne des
Kandidaten das Terrain zu bereiten. Dem demokratischen Parteivorsitzenden Chris Spirou zufolge liegt
hier die Idee zugrunde, "zu versuchen, Harmonie zu
erhalten, so daß wir uns nach den Vorwahlen für das
Präsidentenamt auf die Durchführung der Wahlen im
Bundesstaat konzentrieren können".
Spirou, seit vielen Jahren Politiker in New Hampshire,
hat in seinem Bundesstaat viele Vorwahlen erlebt, die
er als "politisches Labor (betrachtet), in dem die Ideale
und die Ausdauer der Kandidaten alle vier Jahre
getestet werden".
Ihm zufolge handelt es sich hierbei um ein gut funktionierendes System, in dem die Politik von der Basis
ausgeht. 1952, als junges Mitglied des Parlaments,
arbeitete er an der Verabschiedung des Gesetzes mit,
nach dem die Vorwahlen in New Hampshire jeweils die
ersten im Land sein sollten.
"Ursprünglich fanden unsere Vorwahlen am ersten
Dienstag im März statt, damit sie auf den Tag der
Stadtratssitzung fielen," erklärt Spirou. "Aber bereits
1974 haben die anderen Bundesstaaten erkannt, daß

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New Hampshire ungeheuren Einfluß auf den Präsidentschaftswahlkampf hat und suchten die Termine
für ihre Vorwahlen vorzuverlegen." Schrittweise, so
Spirou, haben "wir dann auch unsere vorverlegt".
Jetzt finden die Vorwahlen in New Hampshire am
dritten Dienstag im Februar statt und Spirou zufolge
besteht eine Abmachung mit der nationalen Parteiebene, daß nicht mehr versucht wird, dies zu ändern.
Spirous republikanischer Amtskollege ist ebenfalls der
Meinung, daß das System gut funktioniert. Es ist
einmalig, erklärt die Vorsitzende der Republikanischen
Partei, Rhona Charbonneau, weil "Kandidaten auf die
Straße gehen, mit den Menschen reden und ihnen
dabei in die Augen schauen müssen". Das erwarten
die Menschen in New Hampshire mittlerweile, und sie
werden die Kandidaten nicht als ehrlich empfinden,
wenn sie ihnen nicht ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit schenken, erläutert Charbonneau.
Charbonneau - ebenfalls Abgeordnete im Parlament
des Bundesstaats vor Übernahme ihrer Position in der
Partei - erklärt, das System der Vorwahlen im Bundesstaat wird auch in Zukunft in seiner gegenwärtigen
Form bestehen, weil die Kandidaten das Gefühl haben, in New Hampshire gewinnen zu müssen. Der
Grund? "Aberglaube und Tradition", glaubt sie.
In vielen Staaten muß ein Kandidat, der auf dem
Stimmzettel für die Vorwahl erscheinen möchte, zunächst von seiner Partei in dem betreffenden Bundesstaat die Genehmigung dazu einholen. Das gilt jedoch
nicht für New Hampshire, wo dieses Jahr eine Rekordzahl von 63 Namen auf dem Stimmzettel steht. Ein
Bürger muß lediglich einen einseitigen Antrag ausfül-

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�len und eine Gebühr von 1.000 Dollar bezahlen, so
Wahlleiter Bill Gardner. "Es ist leicht, auf dem Stimmzettel aufgeführt zu werden. Wir meinen, daß wir
verpflichtet sind, Exklusivität auszuschließen." Das
Büro des Wahlleiters in Concord ist für den Druck der
Stimmzettel und deren unversehrte Lieferung an 297
Städte und Gemeinden in New Hampshire zuständig.
Es wird allgemein angenommen, daß viele Stimmberechtigte den ersten Namen auf der Liste wählen, und
da sich dieses Jahr bei den Republikanern und Demokraten gleichermaßen so viele Kandidaten zur Wahl
stellen, hat Gardner dieses Mal ein Rotationssystem
angewandt. Auf Stimmzetteln an verschiedenen Orten in New Hamshire erscheinen belspb.c-.veise die
Namen der demokratischen Kandidaten Bill Clinton
und Paul Tsongas an verschiedenen Stellen.
Wenn die Funktionsweise der Vorwahl in New Hampshire überhaupt kritisiert wird, dann wegen der Rolle
der Medien bei der Berichterstattung darüber, erklärt
Robert Hackey, ci.i Politologe am St. Anselm College
in Manchester.
Hackey zufolge neigen die Medien dazu, die Vorwahl
wie ein Pferderennen zu betrachten und sie ebensosehr im Hinblick auf gefühlsmäßige Reaktionen wie auf
die wirklichen Resultate zu analysieren. Schneidet ein
Kandidat besser als erwartet ab - selbst wenn er noch
nicht einmal zweiter oder dritter wird -, so wird ihm
dieses Ergebnis Hackey zufolge "Auftrieb" verleihen
und seinen Bekanntheitsgrad vor der nächsten Vorwahl in einem anderen Staat erhöhen. Medienberichte
jedoch, wonach ein Kandidat weniger Stimmen erhalten hat als erwartet, können einen negativen Schneeballeffekt hervorrufen. "Ob zu Recht oder zu Unrecht,
es wird so betrachtet, als ob damit ein Kandidat gemacht oder erledigt wird", stellt Hackey fest.

Dies traf bei mehreren Vorwahlen der Vergangenheit
zu, meint ein anderer Politologe, Professor Bob Craig
von der University of New Hampshire in Durham. Craig
verweist darauf, daß Präsident Truman im Jahr 1952
die Vorwahl gegen einen demokratischen Konkurrenten verlor und danach beschloß, nicht zur Wiederwahl
zu kandidieren.
Ähnliches geschah im Jahr 1968 mit Präsident Johnson. Er gewann zwar die Vorwahl in New Hampshire,
aber wie Craig feststellt, war sein Vorsprung gegenüber dem damaligen Senator Eugene McCarthy so
gering, daß sein Erfolg als Niederlage gewertet wurde.
Auch Johnson beschloß schließlich, nicht mehr zu
kandidieren.
Im Jahr 1972 galt Senator Edmund Muskie allgemein
als Favorit. Auch er gewann in New Hampshire, jedoch
mit einem solch kleinen Vorsprung, daß sein Sieg als
Niederlage aufgefaßt wurde und er später aus dem
Rennen ausschied, so Craig.
Wie sich das Rennen im Jahr 1992 entwickeln wird,
steht wenige Tage vor der Abstimmung noch in den
Sternen. "Es gibt dort noch eine Menge unentschlossener Wähler, und sie haben viel Zeit, um ihre Meinung
zu ändern", meint Craig.
Der Wahlexperte bei der Zeitung Concord Monitor,
Michael Birkner, meint, bei den Demokraten sei das
Rennen "offen. Der Gouverneur von Arkansas, Bill
Clinton, hat seine Spitzenstellung in den Meinungsumfragen eingebüßt, aber die Schwankungsbreite unter
den Wählen ist hoch." Bei den Republikanern hat sich
Birkner zufolge "die Diskussion weniger darauf konzentriert, wer gewinnen wird, sondern darauf, wieviele
Prozent Pat Buchanan erringen muß, um seine Abtrünnigenkampagne weiterzuführen und dem Präsidenten weh zu tun".

* * * * *

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                <text>&lt;strong&gt;1. GUS&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;neue Demokratien werden Probleme lösen und überleben&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Stellvertretenden Außenministers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Umwelt&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;USA beschleunigen Abbau ozonschädigender Stoffe &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht des Weißen Hauses&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Amerika Heute&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Was macht eine Nation groß?&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Max Lerner&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wahlen'92&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Bush hofft auf Erneuerung seines Mandats&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt des republikanischen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Präsidentschaftskandidaten Bush&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In New Hampshire gefällt das System der Vorwahlen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ein Test für Ideale und Ausdauer der Kandidaten&lt;/em&gt;</text>
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dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America
8

26. Februar 1992

USA-GUS

BAKER ERWARTET ZUSAMMENARBEIT
UND HANDEL MIT GUS-STAATEN
Bericht vor Unterausschuß des
Repräsentantenhauses

USA-DEUTSCHLAND

STEUBEN UND SCHURZ ALS SYMBOLE
DEUTSCH-AMERIKANISCHER
ZUSAMMENARBEIT
Rede von Botschafter Robert M. Kimmitt

MENSCHENRECHTE

USA BENENNEN IN GENF
MENSCHENRECHTSVERLETZER
Rede von Botschafter Blackwell vor der
UN-Menschenrechtskommission
MENSCHENRECHTSVERLETZUNGEN SIND
"HAUPTURSACHE"VON
FLÜCHTLINGSSTRÖMEN
Rede von Botschafter Abram vor der
UN-Menschenrechtskommission

WAHLEN '92

DIE VORWAHLEN IN NEW HAMPSHIRE
Amerikanische Pressestimmen
UNTERSCHIEDLICHE ANSICHTEN ZUM
WELTHANDEL BEI DEN DEMOKRATEN
Tsongas gegen Handelsschranken, blinde
Vorwürfe gegen das Ausland

DROGEN

DROGENGIPFEL SOLL NETZ GEGEN
DROGENHÄNDLER AUSBAUEN
Informationsgespräch mit Martinez, Aronson
und Levitsky

KOLUMBUS

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

VERANSTALTUNGEN ZUM 500. JAHRESTAG
DER ENTDECKUNG AMERIKAS
Eine Übersicht

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�USA - GUS
26. Februar 1992

BAKER ERWARTET ZUSAMMENARBEIT
UND HANDEL MIT GUS-STAATEN
Bericht vor Unterausschuß des Repräsentantenhauses
WASHINGTON - (AD) - Mit dem Hinweis, es gebe eine "reale Aussicht, den Alptraum der atomaren Konfrontation zwischen den Supermächten hinter uns zu lassen", hat Außenminister Baker am 24. Februar 1992 die
amerikanischen Parlamentarier aufgefordert, die politischen und wirtschaftlichen Chancen in den neuen
Staaten der ehemaligen Sowjetunion zu nutzen.
Vor einem Unterausschuß des Repräsentantenhauses erklärte Baker, seine soeben beendete Reise durch
mehrere Staaten der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) habe bedeutsame Möglichkeiten für die
amerikanische Wirtschaft aufgezeigt sowie eine Chance, "die Saat der Demokratie in einer Region ausgebracht
zu sehen, die lange Zeit als ungastlicher Ort für politische und wirtschaftliche Freiheit galt".
Baker setzte den 15. März als Zieldatum für die Eröffnung von Botschaften in jedem der bereisten Staaten fest.
Nachfolgend veröffentlichen wir Wortlautauszüge aus Bakers Bericht vor dem Unterausschuß.

Ich freue mich, vor diesem Unterausschuß zu unserem
Auslandshilfebudget für das Haushaltsjahr 1993 Stellung nehmen zu können. Mit Ihrer Erlaubnis bitte ich
darum, daß mein detaillierter schriftlicher Bericht in
das Protokoll aufgenommen wird.

Und ich bin der Überzeugung, daß dies eine Chance
ist, die wir gemeinsam mit unseren Verbündeten ergreifen müssen.

Einleitung

Die Aussichten

In den vergangenen drei Monaten habe ich 11 der 12
Staaten der ehemaligen Sowjetunion besucht. Ich
habe dabei mit den dortigen politischen Entscheidungsträgern gesprochen, ihnen unsere Politik erläutert und mir ihre Hoffnungen und Sorgen angehört. In
der vergangenen Woche habe ich eine Reise nach
Rußland, Usbekistan, Turkmenistan, Tadschikistan,
Aserbaidschan, Armenien und Moldawien abgeschlossen. Für viele Amerikaner waren mehrere dieser
Länder noch vor einem Jahr nicht mehr als obskure
Namen auf einer Landkarte. Heute stehen sie an
vorderster Front bei unseren Bemühungen, die Weltgemeinschaft stabiler demokratischer Nationen zu
erweitern.

Die folgenden Aussichten wären noch vor wenigen
Jahren unvorstellbar gewesen:

Herr Vorsitzender, in mehreren Staaten war dies mein
erster Besuch überhaupt. Ich kehre mit der Überzeugung von dort zurück, daß wir eine sich nur einmal in
hundert Jahren bietende Chance haben, den Lauf der
Geschichte zu beeinflussen und für unsere Kinder und
Enkel ein neues Zeitalter zu definieren.

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Die Aussichten und die Risiken sind groß.

Die Aussicht, daß nahezu 300 Millionen Menschen aus 70 Jahren der totalitären Herrschaft
hervortreten und ihr demokratisches Geschick
selbst in die Hand nehmen würden.
Die Möglichkeit, daß 12 neue Länder den schwierigen Prozeß in Angriff nehmen würden, um eine
lähmende Kommandowirtschaft zu pulsierenden freien Märkten umzugestalten.
Und, was vielleicht am wichtigsten ist, die reale
Aussicht, den Alptraum der atomaren Konfrontation zwischen den Supermächten hinter uns
zu lassen.
Die Risiken
Wir sollten jedoch nicht vergessen, daß auch Risiken
bestehen. Die meisten Staaten der ehemaligen

Seite 1

�Sowjetunion kämpfen mutig für die Schaffung neuer
Gesellschaftssysteme, die auf der Grundlage einer
repräsentativen und rechenschaftspflichtigen Regierung, von Rechtsstaatlichkeit und freien Märkten beruhen. Dabei drückt sie jedoch die Last von über 70
Jahren politischer und ökonomischer Mißwirtschaft.
Die Versuchungen zu ethnischen Konflikten und autoritärer Herrschaft sind weiterhin stark, und trotz dramatischer Fortschritte in der Rüstungskontrolle verbleiben bei den Staaten der ehemaligen Sowjetunion
nahezu 30.000 atomare Waffen.
Die Einbindung der neuen unabhängigen Staaten
Während meiner Reise in die ehemalige Sowjetunion
bin ich sowohl auf die Aussichten als auch die Risiken
eingegangen.
Meine Reise verfolgte drei Zielsetzungen: dem Beginn
von Aktion Hoffnung beizuwohnen, persönliche Gespräche mit den politisch Verantwortlicheil von Moldawien, Aserbaidschan, Turkmenistan, Tadschikistan
und Usbekistan zu führen, Armenien zu besuchen
sowie die russische Führung zu treffen, um militärische, wirtschaftliche und politische Fragen zu erörtern.
In Frankfurt war ich gemeinsam mit Bundesaußenminister Genscher beim Beginn von Aktion Hoffnung auf
der Rhein-Main Air Base zugegen. Ich war erfreut
feststellen zu können, daß über 10 Staaten direkt an
dieser amerikanischen Initiative teilnahmen - insbesondere die Türkei und Japan, deren Beteiligung es
weit einfacher und kostengünstiger machte, Städte im
Kaukasus, in Mittelasien und dem russischen Fernen
Osten zu erreichen. Wir haben die Zahl der amerikanischen Hilfsflüge von 54 auf 64 gesteigert und waren
in der Lage, im Rahmen des zweiwöchigen Einsatzes
bei Aktion Hoffnung Lieferungen in 24 Städte der
ehemaligen Sowjetunion zu transportieren.
Die russische Führung zeigte sich besonders erfreut
darüber, daß wir Nahrungsmittel und Medikamente zu
schwer zugänglichen Städten in Sibirien, dem Ural und
dem fernen Norden bringen konnten. Sämtliche Berichte aus den anderen unabhängigen Staaten waren
ebenfalls sehr positiv, und viele erwähnten die Tatsache, daß diese amerikanischen Hilfsflüge die ersten
humanitären Lieferungen brachten, die sie überhaupt
erhalten hatten.
Wir gingen von Anfang an davon aus, daß diese Flüge
sowohl Substanz als auch Symbolcharakter hatten.
Die Macht beider Elemente sollte nicht unterschätzt
werden. Unsere Botschaft der Hoffnung war in der
gesamten ehemaligen Sowjetunion klar zu vernehmen. Und für diejenigen, deren Leben durch das
rechtzeitige Eintreffen von Medikamenten und Nahrungsmitteln erleichtert - vielleicht sogar gerettet wurde, waren diese Flüge in der Tat substantiell.

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Gegenwärtig werten wir die Ergebnisse der Aktion
Hoffnung aus und untersuchen gemeinsam mit unseren Verbündeten Mittel und Wege, um unsere Hilfsprogramme zu beschleunigen und auszubauen.
Von Frankfurt aus bin ich nach Kischinew, Baku,
Aschchabad, Duschanbe und Taschkent gereist, um
mit den politisch Verantwortlichen dieser neuen Staaten die Frage diplomatischer Beziehungen zu erörtern.
Bei jedem Aufenthalt habe ich die jeweiligen Prinzipien
dargelegt, deren Einhaltung die Vereinigten Staaten
im Hinblick auf demokratische politische Praktiken,
eine verantwortungsvolle Sicherheitspolitik und freie
Marktwirtschaften erwarten.
Bei jedem Aufenthalt haben die Präsidenten dieser
neuen Staaten mir die Zusicherungen gegeben, die wir
benötigen, um die diplomatischen Beziehungen voranzubringen. Wir machen uns keine Illusionen. Wir sind
uns bewußt, daß die Qualität dieser Verpflichtungen
von Staat zu Staat und von Politiker zu Politiker variiert.
Aus diesem Grund habe ich bei jedem Aufenthalt
klargestellt, daß die Art und Tiefe dieser Beziehungen
von der kontinuierlichen Einhaltung unserer Prinzipien
und der Verwirklichung der uns gegebenen Zusicherungen abhängt, auch wenn die diplomatischen Beziehungen vorankommen.
Wir haben Fortschritten bei den diplomatischen Beziehungen auch wegen einer ständigen amerikanischen
Präsenz in diesen neuen Staaten Bedeutung beigemessen. Bei jedem Aufenthalt begegnote mir ein
hohes Maß an gutem Willen gegenüber den Vereinigten Staaten, und entlang der Straßen hatten sich
Menschen versammelt, um unsere Delegation zu
begrü ßen. In jedem dieser Staaten bestehen einzigartige Chancen, da beide Regierungen und die Öffentlichkeit nach Hilfe und Rat dürsten.
Um diese Chancen zu nutzen, ist es entscheidend,
daß sich während einer schwierigen Zeit des Übergangs Amerikaner auf dem Territorium jedes dieser
Staaten befinden. Wir haben auch das Gefühl, daß
dies ein Weg ist, mit dem amerikanische Unternehmen
zur Entwicklung dieser Sektoren beitragen können, die
eindeutig nach amerikanischem Know-how, Investitionen und Waren hungern. Es bestehen zweifelsohne
Chancen für amerikanische Unternehmen, insbesondere bei der Entwicklung und Erweiterung von Märkten. Und es bestehen auch eindeutige politische
Chancen, die Saat der Demokratie in einer Region
ausgebracht zu sehen, die lange Zeit als ungastlicher
Ort für politische und wirtschaftliche Freiheit galt. Aus
diesem Grund habe ich das Ziel gesetzt, bis zum 15.
März Botschaften in jedem dieser Staaten zu eröffnen,
die ich besucht habe.
Ich bin ferner nach Armenien gereist, um der aufstrebenden Demokratie Armeniens unsere Unterstützung

AMERIKA DIENST 8

�anzubieten. Sowohl in Eriwan als auch in Baku haben
wir Nagorny-Karabach diskutiert, und ich habe den
Armeniern und Aserbaidschanern erklärt, sie seien mit
dem Aufbau ihrer eigenen unabhängigen Staaten so
sehr beschäftigt, daß das Problem Nagorny-Karabach
friedlich beigelegt werden müsse. Ich habe klargestellt, daß wir die Bestrebungen Rußlands und Kasachstans zur Vermittlung in dem Konflikt ebenso
unterstützen wir die Mission des KSZE-Berichterstatters.
Ich habe meine Reise nach Rußland am Institut für
technische Physik in Tscheljabinsk-70 im Ural begonnen. In dieser streng geheimen Einrichtung in einer bis
vor wenigen Wochen noch geschlossenen Stadt wurde ich von Arbeitern willkommen geheißen, die mich
und meine Delegation freundlich und offen begrüßten.
Mit den Wissenschaftlern dieser Einrichtung - die Los
Alamos oder Li vermore Labs vergleichbar ist - habe ich
erörtert, welche Lösungen wir gegen die Abwanderung
von Wissenschaftlern ins Ausland finden könnten.
Damit konnten wir den gemeinsamen Vorschlag weiter
verbessern, den wir dann zusammen mit Deutschland
und Rußland bekanntgegeben haben, ein internationales Wissenschaftszentrum zu gründen, um russischen Atomwissenschaftlern zu helfen. Wir sind erfreut über die positive und umfassende internationale
Reaktion auf diese Initiative, die den Konstrukteuren
von Massenvernichtungswaffen in all den neuen unabhängigen Staaten helfen werden, ihre Arbeit auf zivile
Bereiche zu verlagern.
In Moskau traf ich zu konstruktiven, zweitägigen
Gesprächen mit Präsident Jelzin und Außenminister
Kosyrew zusammen.
Im Hinblick auf Sicherheitsfragen haben wir meines
Erachtens das in die Wege geleitet, was man als neue
Sicherheitspartnerschaft zwischen Rußland und den
Vereinigten Staaten bezeichnen könnte. Wir haben
bei einem breiten Spektrum von Themen echte Fortschritte erzielt, insbesondere bei atomarer Sicherheit
und Zerstörung von Atomwaffen.
Erstens werden die Vereinigten Staaten Rußland 25
gepanzerte Eisenbahnwaggons zum Transport von
Nuklearwaffen zur Verfügung stellen. Zweitens haben
wir Rußland 250 große Spezialcontainer zum Transport von Nuklearwaffen angeboten. Drittens haben wir
gepanzerte Container für Komponenten von Nuklearwaffen angeboten und - falls diese Container ihren
Zweck gut erfüllen - haben sich die Vereinigten Staaten verpflichtet, sie in großen Mengen herzustellen.
Viertens werden unsere Experten in der nächsten
Woche zusammenkommen, um alternative Wege der
Lagerung von Plutonium und angereichertem Uran in
Ru ßland zu erörtern. Fünftens werden wir mit Ru ßland
zusammenarbeiten, um das russische Zählsystem für
atomare Materialien zu verbessern sowie Computer
und Software bereitzustellen.
AMERIKA DIENST 8

Sechstens werden wir eine technische Arbeitsgruppe
ins Leben rufen, um die Endlagerung von Plutonium
und angereichertem Uran auf eine Art zu erörtern, die
zum beiderseitigen Nutzen unsere Länder wäre.
Schließlich werden unsere Experten zusammentreffen, um Wege der Zusammenarbeit für eine unverzügliche und angemessene Reaktion auf jeden Reaktorunfall oder -Zwischenfall zu diskutieren.
Im Hinblick auf Rüstungskontrolle haben wir Fortschritte bei der Kombination der Elemente der Vorschläge unserer beiden Präsidenten erzielt, so daß die
Sicherheit für beide Seiten verbessert wird. Ferner
haben wir die Ratifizierung von START und KSE erörtert. Wir kamen überein, daß Rußland die Partei zur
Ratifizierung von START ist, und Weißrußland, Kasachstan und die Ukraine uns eine schriftliche Verpflichtung zukommen lassen sollten, in der sie ihre
rechtlich bindende Absicht zur Einhaltung und Durchführung von START bekunden.
Am wichtigsten ist, daß wir definitiv das Zeitalter des
Wettbewerbs hinter uns gelassen und Schritte zur
Zusammenarbeit im Verteidigungsbereich zwischen
unseren beiden Ländern unternommen haben. In
Moskau haben wir vereinbart, unsere Gespräche über
die strategische Verteidigung zu beschleunigen. Als
ersten Schritt werden wir die Einrichtung eines gemeinsamen ballistischen Frühwarnsystems in Erwägung ziehen, das Warnsignale der Vereinigten Staaten, Rußlands und anderer Teilnehmerstaaten aufzeigen würde.
Wir haben uns femer geeinigt, unsere Bestrebungen
zur Zusammenarbeit im All zu verbessern. Wir werden
bei der Überwachung von Umweltverschmutzung vom
All aus, bei Flügen unserer jeweiligen Astronauten, bei
Gesprächen über die zivile Nutzung des Weltalls und
der möglichen Verwendung der Rettungsfahrzeuge
der Sojus-Besatzung zusammenarbeiten.
Im Geiste von Camp David haben wir auch Fortschritte
bei politischen und wirtschaftlichen Fragen erzielt. Wir
haben vereinbart, eine amerikanisch-russische Kommission zu gründen, die sich Kriegsgefangener und
vermißter Soldaten annimmt. Hierbei wird es sich um
ein gemeinsames Gremium handeln, das der Exekutive untersteht, zu dem jedoch auch Vertreter unserer
jeweiligen Legislative gehören. Wir werden ferner mit
den russischen Experten bei der Suche in Archiven
zusammenarbeiten, um herauszufinden, ob es zusätzliche Informationen über vermißte Soldaten gibt.
Im Bereich der Wirtschaft haben wir unser Gesamtkonzept für humanitäre Nothilfe, technische Hilfe und
makroökonomische Reformen erörtert. Präsident Jelzin
hat 600 Millionen Dollar zusätzlich an Kreditbürgschaften für Getreide gefordert. Wir erwägen dieses Gesuch und überdenken kreative Wege zur Steuerung
unserer Nahrungsmittelhilfe, um das Wachstum freier

Seite 3

�Märkte zy fördern. Ich habe unseren Wunsch herausgestellt, daß Rußland - und die anderen neuen unabhängigen Staaten - so schnell wie möglich Mitglied des
Internationalen Währungsfonds und der Weltbank
werden und da ß der IWF mit Ru ßland und den anderen
Staaten zusammenarbeitet, damit diese ihre wirtschaftlichen Reformpläne weiterentwickeln können. Mit der
baldigen Mitgliedschaft in den internationalen Finanzinstitutionen können diese Staaten mehr Mittel erhalten, und ihre Bestrebungen zum Aufbau von Demokratie und freier Marktwirtschaft werden gefördert.
Weitere Herausforderungen
Herr Vorsitzender, mein Besuch in den neuen unabhängigen Staaten hat mir die ungeheuren Möglichkeiten vor Augen geführt, die sich durch den Zerfall der
Sowjetunion ergeben. Aber wir dürfen die anderen
Herausforderungen, denen wir uns heute gegenübersehen, nicht außer acht lassen. Auf einige davon
möchte ich kur. eingehen.
«
Die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen bleibt
eine tödliche Bedrohung für den Weltfrieden. Enthüllungen über das moderne Atomwaffenprogramm des
Irak und das Gespenst eines Markts für sowjetisches
Know-how lehren uns eine klare Lektion: nur durch
kontinuierliche, gemeinsame Wachsamkeit - die Art
von Wachsamkeit, die uns im Golfkrieg den Sieg
gebracht hat - können wir unsere nationale und die
internationale Sicherheit gewährleisten.
In dieser Hinsicht begrüßen wir Chinas schriftliche
Erklärung vom 1. Februar - die am Samstag öffentlich
bestätigt wurde - sich an die Leitlinien und Direktiven
des Kontrollregimes für Raketentechnologie zu halten,
wie Außenminister Qian und ich im November letzten
Jahres in Beijing vereinbart haben. Dieser wichtige
Schritt stellt ebenso wie Chinas Zustimmung, dem
Nichtverbreitungsvertrag beizutreten, einen echten
Fortschritt dar - aber einen Fortschritt, den wir in den
kommenden Monaten und Jahren eingehend beobachten müssen.
Darüber hinaus begrüßen wir Präsident Jelzins Absichtserklärung, Gesetze zum Umgang mit Mehrzwecktechnologie zu verabschieden und die Entscheidung
Brasiliens und Argentiniens, Sicherheitsvorschriften
im Rahmen der IAEO zu verabschieden.
Regionale Konflikte haben sich verringert - aber nicht
überall und nicht in demselben Umfang. Alte Gegner
in Mittelamerika, Südostasien und im Süden Afrikas
geben erstmals ihr jahrzehntelanges Mißtrauen auf.
Sogar im Nahen Osten - Schauplatz von Kriegen über
Generationen, Bitterkeit und Haß - haben sich uralte
Feinde zu Gesprächen an einen Tisch gesetzt: ein
erster, aber notwendiger Schritt auf dem Weg zum
Frieden.
* *

Seite 4

Im letzten Jahr haben wir tatsächlich eine bemerkenswerte Expansion multilateraler Friedensmissionen und
Friedensinitiativen beobachtet. Vor kaum einem Monat
hat der Präsident zusammen mit 13 anderen Staatsund Regierungschefs beim Sicherheitsrat Unterstützung für die neugewonnene Bedeutung der Vereinten
Nationen für den Weltfrieden und die internationale
Sicherheit demonstriert.
Aber Friedensmissionen ziehen sich schmerzlich in
die Länge. Indien und Pakistan zum Beispiel haben
soeben erst den ersten Versuch zum Versöhnungsprozeß unternommen. Friedensmissionen in El Salvador, Kambodscha und anderen Ländern werden teuer.
Gemeinsam mit der internationalen Staatengemeinschaft müssen wirbeides dauerhaft unterstützen. Das
ist der Preis des Erfolgs.
Die Öffnung von Märkten für amerikanische Produkte
und Dienstleistungen stellt uns vor eine besonders
komplexe Herausforderung. Auf bilateraler Ebene
müssen wir verhandeln, um zu gewährleiten, daß
unsere Waren und Dienstleistungen nicht von einzelnen Auslandsmärkten verbannt bleiben. Weltweit
müssen wir die Führungsrolle übernehmen und sicherstellen, daß die Uruguay-Runde erfolgreich ist und
Handelsschranken weltweit abgebaut werden. Das ist
nicht nur für die Vereinigten Staaten eminent wichtig,
sondern auch für Entwicklungsländer und die aufstrebenden Demokratien Mittel- und Osteuropas und der
früheren Sowjetunion.
Femer müssen wir weiterhin dem Nordamerikanischen
Freihandelsabkommen Impuise geben, das letztlich
den größten Markt der Welt hervorbringen wird, mit
einer Jahresproduktion von 6 Billionen Dollar und einer
Bevölkerung von über 360 Millionen.
Schließlich, Herr Vorsitzender, sollten wir die Aufgabe
der Konsolidierung demokratischer Werte nicht vergessen. Die Demokratie hat nicht überall gesiegt. Ihr
Sieg ist sicherlich nicht zwangsläufig. In weiten Teilen
der Welt bleiben repräsentative Demokratie und Rechtsstaatlichkeit ein kaum realisierter oder sogar femer
Traum. Das Beispiel Haiti ist hierfür ein tragisches
Beispiel.
Wir müssen daran denken, daß die Vereinigten Staaten nicht nur aus militärischer und wirtschaftlicher
Macht bestehen: Wir sind überall das Sprachrohr
demokratischer Werte.
Meiner Meinung nach können wir diesen und anderen
Herausforderungen gerecht werden. Ich denke, wir
können eine effektive Politik konzipieren, die unserem
Interesse an einer freien, wohlhabenden und friedlichen Welt gerecht wird. Meiner Ansicht nach wird uns
dieser Haushalt diesem Ziel ein Stück näher bringen.

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�USA-DEUTSCHLAND
26. Februar 1992

STEUBEN UND SCHURZ ALS SYMBOLE
DEUTSCH-AMERIKANISCHER ZUSAMMENARBEIT
Rede von Botschafter Robert M. Kimmitt
MAGDEBURG - (AD) - Bei einem Besuch der Stadt Magdeburg traf der Botschafter der Vereinigten Staaten in
Bonn, Robert M. Kimmitt, am 24. Februar 1992 mit Landes- und Kommunalpolitikern zusammen.
Bei dieser Gelegenheit übergab der Botschafter in Anwesenheit von Kultusminister Werner Sobetzko eine
Bücherspende von 6.000 Bänden an die neue Internationale Bibliothek der Stadtbücherei. Die Bücher stammen
aus der im Rahmen des Truppenabzugs schließenden amerikanischen Gemeindebibliothek in Neckarsulm.
Nach der Eintragung ins Goldene Buch der Stadt Magdeburg hielt Botschafter Kimmitt eine Rede vor der
Steuben-Schurz-Gesellschaft zu Fragen der deutsch-amerikanischen Beziehungen, der Neuordnung der
internationalen Beziehungen nach dem Ende des kalten Krieges und zum amerikanischen Engagement in den
neuen Bundesländern.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Botschafter Kimmitt im Wortlaut.

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
meine sehr verehrten Damen und Herren,
als ich im vergangenen Jahr in Deutschland ankam,
war ich mir darüber im klaren, das der Arbeit in den
neuen Bundesländern ein hoher Stellenwert gegeben
werden mu ßte. Die Gründung einer Steuben-SchurzGesellschaft in Magdeburg ist ein bedeutendes Ereignis, und ich freue mich, daß mein erster offizieller
Besuch in Sachsen-Anhalt es mir ermöglicht, die Freude darüber mit Ihnen zu teilen.

Ich möchte heute nachmittag auf vierThemenbereiche
eingehen:
Erstens auf den Beitrag, den Steuben und Schurz
für die amerikanische Geschichte geleistet haben.
Zweitens auf das deutsche Erbe in Amerika.
Drittens auf die transatlantischen Beziehungen
in der Zeit nach dem kalten Krieg.
Und viertens auf Amerikas Engagement in den
neuen Bundesländern.

Ich habe absichtlich den Ausdruck "offizieller Besuch" verwendet, weil mein erster privater Besuch in
Sachsen-Anhalt im November 1960 stattfand, als mein
Vater bei den US-Streitkräften in Heidelberg stationiert
war. Damals konnte ich nur auf der Autobahn zwischen Helmstedt und Berlin an der Ausfahrt Magdeburg vorbeifahren. Also war es ein herrliches Gefühl,
heute diese Ausfahrt zu benutzen und dieser schönen
Stadt zum ersten Mal persönlich und nicht nur als
Name auf einem Schild zu begegnen.

Steuben und Schurz und die amerikanische
Geschichte

Es war ein sehr angenehmer Tag für mich, an dem ich
Magdeburg und seine Bürger kennengelernt habe.
Neben einer Anzahl interessanter Treffen hatte ich die
Ehre, eine Sammlung amerikanischer Bücher an die
Stadtbibliothek zu übergeben. Doch darüber spreche
ich später.

Carl Schurz wanderte 1852 in die USA aus. Er wurde
im Bundesstaat Wisconsin ansässig und sagte bald
der Sklaverei den Kampf an und ermutigte viele seiner
deutsch-amerikanischen Mitbürger ebenfalls dazu. Beim
Ausbruch des Bürgerkrieges trat er freiwillig in die
Armee ein und setzte sich dann als Generalmajor für

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Diese Organisation, die Steuben-Schurz-Gesellschaft,
hat zwei Namenspatrone - Friedrich Wilhelm von Steuben
und Carl Schurz - die beide außerordentlich gute
Beispiele für prominente deutsch-amerikanische Persönlichkeiten sind und dafür, was unsere beiden Völker gemeinsam haben. Ich denke, auch heute können
beide immer noch durchaus als Vorbilder gelten.

Seite 1

�den Kampf gegen die Sklaverei und für die nationale
Einheit ein. Zehn Jahre nach Beendigung des Bürgerkrieges wurde er Innenminister und kämpfte leidenschaftlich für die staatsbürgerliche Gleichberechtigung
der von der Sklaverei befreiten Schwarzen, unter
anderem auch für ihre Zulassung zur Tätigkeit im
öffentlichen Dienst. Carl Schurz war auch ein früher
Verfechter des Umweltschutzes und setzte sich besonders für den Schutz der öffentlichen Forsten ein.
Ein besonderer Grund, hier in der Landeshauptstadt
eine Steuben-Schurz-Gesellschaft zu gründen, ergibt
sich aber durch Friedrich Wilhelm von Steuben. Steuben wurde 1730 - wie Sie sicher alle • !-,sen - in
Magdeburg geboren. Aufgrund seines Fleißes und
seiner Fähigkeiten brachte er es bis zum Hauptmann
in der preussischen Armee. Nach dem Frieden von
1763 wurde er aus der Armee entlassen und gelangte
kurz nach Beginn des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges durch die Vermittlung des amerikanischen
Vertreters in Paus, Benjamin Franklin, in die neue
Welt. Steuben beeindruckte den amerikanischen
Oberbefehlshaber General Washington mit seinem
praktischen Wissen und seinen Erfahrungen, die er als
preussischer Stabsoffizier gemacht hatte, so sehr,
daß Washington ihn zum Generalinspekteur und Generalleutnant ernannte. Steuben machte aus amerikanischen Bauern und Handwerkern eine effektive Streitkraft, die eine wesentliche Voraussetzung für die Erringung der Unabhängigkeit der neuen Vereinigten Staaten war.
Diese beiden Deutsch-Amerikaner verkörpern vieles,
was wir als transatlantische Partner gemeinsam haben. Sie strebten die gleichen Werte an, die auch
unsere beiden Völker insbesondere während der letzten 45 Jahre verbunden haben: das Streben nach
Einheit und Freiheit, Demokratie und Wahrung der
Menschenrechte. So wie Steuben und Schurz viel zum
Aufbau und zum Erhalt der Vereinigten Staaten beigetragen haben, wollen wir Amerikaner den neuen Bundesländern unsere Hilfe bei der Herstellung der inneren Einheit Deutschlands in all ihren Dimensionen
anbieten.
Das deutsche Erbe in Amerika
Viele Amerikaner haben familiäre Bande zu Deutschland - nach der letzten Volkszählung fast ein Drittel. Für
viele von ihnen ist Deutschland die "alte Heimat"
geblieben. Die Vorfahren meiner Mutter kamen in der
Mitte des 18. Jahrhunderts aus der Nähe von Hannover.
Es ist schön, daß nun auch dieser Teil des Landes
leichter zugänglich ist für Amerikaner, die sich freuen,
jetzt die Wirkungsstätten von Goethe, Schiller, Luther,
Telemann und nicht zuletzt von Otto von Guericke
besuchen zu können.

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Ein weiterer, sehr wichtiger Grund für unsere Verbundenheit mit Deutschland ist die gemeinsame Geschichte der letzten 45 Jahre mit dem westlichen Teil dieses
Landes. Diese gemeinsame Geschichte war stets
getragen von den gemeinsamen Prinzipien wie Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, freier Marktwirtschaft,
Verpflichtung gegenüber den sozial Schwachen und
Wahrung der Rechte und der Freiheit des einzelnen.
Die erfreulichste Entwicklung innerhalb der deutschamerikanischen Geschichte ist dabei die deutsche
Vereinigung. Diese Entwicklung war ein stetes Ziel der
USA und ist von amerikanischer Seite von Anfang an
stets ohne irgendwelche Vorbehalte gefördert worden.
An dieser Stelle möchte ich Ihnen und Ihren Mitbürgern
aus der früheren DDR meine Hochachtung ausdrükken für Ihren Mut, mit dem Sie für eine Wende in Ihrem
Land eingetreten sind. Damit - so hoffen wir - stehen
wir Amerikaner am Ende des kalten Krieges endlich
auch am Anfang einer gemeinsamen Geschichte mit
dem östlichen Teil Deutschlands.
Die transatlantischen Beziehungen nach dem
kalten Krieg - gemeinsame Werte binden
Europa und Amerika
Dieses neue Kapitel der Geschichte eröffnet nicht nur
für Deutschland, sondern für ganz Europa sicherlich
viele neue Chancen.Die Vereingten Staaten sind und
wollen eine europäische Macht bleiben, und unsere
Politik in Europa folgt weiterhin dem Grundsatz des
einvernehmlichen Handelns von untereinander gleichberechtigten Partnern in der transatlantischen Wertegemeinschaft.
Aber Europas Gewicht, besonders in Hinsicht auf die
EG-Einigung, wird im Verhältnis zu den Vereinigten
Staaten größer. Die Vereinigten Staaten unterstützen
die Bestrebungen zur europäischen Integration genauso vorbehaltlos und energisch wie vor 35 Jahren,
als die Römischen Verträge unterzeichnet wurden.
Denn ein erfolgreiches, vereintes Europa hat positiven
Einfluß auf Stabilität, Demokratie und Wohlstand auf
der ganzen Welt. Wir Amerikaner hoffen aber, daß die
politische und wirtschaftliche Einigung der EG eher
einklammernd als ausklammernd ist und daß die EG
aufgrund ihrer inneren Stärke der Welt noch offener
gegenübertreten wird. So hoffen wir zum Beispiel, daß
die GATT-Verhandlungen für freien Welthandel bald
zu einem positiven Ergebnis kommen werden.
Auch die NATO wandelt sich in diesem neuen Kapitel
unserer gemeinsamen Geschichte. Sie ist, war und
wird stets ein defensives Bündnis durch gemeinsame
Werte verbundener Nationen sein. Angesichts der
Tatsache, daß wir noch nicht im ewigen Frieden leben
und deshalb auch in Zukunft mit Problemen rechnen
müssen, bleibt die Sicherheitsstruktur und -gewährleistung der NATO weiterhin unabdingbar. Aber obwohl

AMERIKA DIENST 8

�die NATO in einer sich rasch verändernden Welt
Stabilität gewährleistet, hat auch sie neue Aufgaben
übernommen. Im Rahmen der von Außenminister
Baker und seinem Amtskollegen Genscher vorgeschlagenen erweiterten "transatlantischen Gemeinschaft von Vancouver bis Wladiwostok" beinhalten
diese neuen Aufgaben der NATO die Institutionalisierung des Dialogs mit den Ländern Ost- und Mitteleuropas sowie den Nachfolgestaaten der Sowjetunion und
humanitäre Hilfsaktionen. Was die letztgenannten
Maßnahmen anbelangt, so konnten im Rahmen der
heutigen Luftbrücke "Aktion Hoffnung" die ersten
NATO-Militärflugzeuge in Frankfurt und Berlin in Richtung ehemalige Sowjetunion starten.
Es ist also klar zu erkennen, daß in diesem neuen
Kapitel unserer gemeinsamen Geschichte die transatlantische Gemeinschaft als Ganzes sowie Deutschland und die Vereinigten Staaten als Mitglieder in eine
Phase tiefgreifenden Wandels eingetreten sind.
Sie öffnen sich nach Osten, während sich gleichzeitig
die inhaltlichen Akzente verschieben. Die Sicherheitspolitik tritt in den Hintergrund, Wirtschaft und Kultur
rücken in den Vordergrund.
Amerikas Beitrag in den neuen Bundesländern
Wirtschaft und Kultur bilden auch die Schwerpunkte
unserer Freundschaft mit den neuen Bundesländern.
Was den wirtschaftlichen Aufbau angeht, so ist das
amerikanische Engagement oder auch das anderer
Partner sicherlich nicht an dem der westdeutschen
Investoren zu messen, aber es bleibt dennoch beachtlich. Über hundert US-Konzerne sind vertreten. Allein
die fünf Spitzeninvestoren haben über zwei Milliarden
DM eingesetzt und über 20.000 Arbeitsplätze geschaffen oder erhalten.
Ich habe übrigens selbst auch eine persönliche Beziehung zu Produkten aus dem Osten und weiß sie zu
schätzen. Meine Eltern haben im Jahr 1947 in Berlin
geheiratet, und ich wurde genau neun Monate später
in den Vereinigten Staaten geboren. Somit bin auch ich
"Made in Germany".
Neben der Privatwirtschaft ist die amerikanische
Regierung - vertreten durch ihre Bonner Botschaft, die
Konsulate und die Amerika-Häuser - in den neuen
Ländern aktiv. Unser Ziel besteht darin, über Amerika
und seine Rolle in der transatlantischen Gemeinschaft
zu informieren, Kontakte aufzubauen und auf diese
Weise auch die Bürger der neuen Länder Schritt für
Schritt in die freundschaftlichen Beziehungen einzubeziehen, die wir zu unseren westdeutschen Partnern
bereits seit rund 45 Jahren unterhalten.
Ein Schwerpunkt unserer Arbeit hier liegt auchauf den
Austauschprogrammen, die Menschen aus dem einen
Partnerland ins andere führen. Sie zielen überwiegend

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auf Personenkreise, aus denen sich in den nächsten
Jahrzehnten die Führungsspitzen von Politik, Wirtschaft, Medien und Geistesleben rekrutieren werden.
Viele dieser Programme bestanden schon vor dem
Fall der Mauer und wurden inzwischen auf die neuen
Länder ausgedehnt, andere werden speziell für die
neuen Länder entwickelt.
Zu den erfolgreichsten Programmen dieser Art zählen
die folgenden:
Der Spitzenreiter ist das traditionsreiche Fulbright-Programm, von dem bisher 25.000 Deutsche und Amerikaner profitieren konnten.
Hervorzuheben ist auch das parlamentarische
Patenschaftsprogramm Deutscher Bundestag/
Kongreß USA. Es gilt Schülern und jungen
Berufstätigen, vermittelt Stipendien und Familienaufnahme im Partnerland und kam seit seiner Gründung im Jahre 1983 rund 5.400 Deutschen und Amerikanern zugute.
Sehr erfolgreich ist auch das 1982 ins Leben
gerufene deutsch-amerikanische Partnerschaftsprogramm, das kompletten Schulklassen einschließlich ihren Lehrern einmonatige Aufenthalte an Schulen des Partnerlandes ermöglicht.
Bilanz bisher: Rund 63.000 Teilnehmer aus
beiden Ländern, Tendenz steigend.
Älter und traditionsreicher ist das "International
Visitors Program" der Regierung der Vereinigten Staaten. Es ermöglicht jüngeren Aufsteigern aus Politik, Medien und Kultur vierwöchige
Studienreisen durch die USA und hatte bisher
ca. 17.000 deutsche Nutznießer.
Wie ich im Januar während eines Besuchs in Neubrandenburg bekanntgeben konnte, werden die Vereinigten Staaten 1992 trotz der Haushaltsengpässe die
Gelder für das Fulbright-Programm und andere Austauschprogramme um mehr als eine Million Dollar
erhöhen. Damit soll dem erweiterten Bedarf in den
neuen Bundesländern Rechnung getragen werden.
Andere Projekte und Maßnahmen in den neuen Ländern kommen hinzu: Fortbildungsseminare für Englischlehrer, die Einrichtung eines Generalkonsulats
und eines Amerika-Hauses in Leipzig, oder auch das
Bücherprogramm, in dessen Rahmen schon weit über
100.000 Bände aus den Beständen der Bibliotheken
heimkehrender amerikanischer Truppenteile an Büchereien in den neuen Ländern verschenkt wurden.
Es freut mich, Ihnen mitteilen zu können, daß Ihr
Oberbürgermeister, Herr Dr. Polte und ich gerade von
der feierlichen Übergabe einer solchen Truppenbibliothek kommen. Anhand von 6.000 Bänden aus unserer
Kaserne in Heilbronn können Sie sich jetzt in der neuen

Seite 3

�Internationalen Bibliothek der Stadt Magdeburg in der spielen eine wesentliche Rolle bei der VölkerverstänEinsteinstraße 11 selbst über Wissenswertes aus den digung. Und ich bin sicher, daß, wenn wir beiderseits
USA informieren.
die Partnerschaft im Geiste von Schurz und Steuben
pflegen, wir auch zuversichtlich sein können, daß sie
Wir Amerikaner bemühen uns mit allen Kräften, die sich positiv entwickeln wird. Ich hoffe von ganzem
Menschen in den neuen Bundesländern zu erreichen Herzen, daß sich viele interessante und nützliche
und eine fruchtbare Zusammenarbeit mit ihnen anzu- Kontakte zwischen Ihnen und meinen amerikanischen
streben. Da es aber bei der Entstehung und Erhaltung Landsleuten ergeben werden. Ich wünsche Ihnen bei
einer Freundschaft immer zwei Partner braucht, bin ich der Gründung der Steuben-Schurz Gesellschaft viel
sehr froh, daß so viele von Ihnen ein Interesse an der Glück und alles Gutel
Gründung einer deutsch-amerkanischen Freundschaftsorganisation haben. Ich denke, solche Organisationen Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.
* * * * *

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�MENSCHENRECHTE
26. Februar 1992

USA BENNENEN IN GENF
MENSCHENRECHTSVERLETZER
Rede von Botschafter Blackwell vor der
UN-Menschenrechtskommission
GENF - (AD) - Kuba, der Irak, Iran, Nordkorea, China und Burma sind "grundsätzlich repressive Gesellschaften", erklärte Botschafter J. Kenneth Blackwell am 19. Februar 1992 vor der UN-Menschenrechtskommission.
"Manche Regierungen sind mit willkürlicher Gewalt nicht zufrieden. Statt dessen bekämpfen sie unentwegt die
Rechte ihrer Bürger und zeigen dabei wenig - oder keine - Skrupel", stellte der amerikanische Vertreter gegenüber
der aus 53 Nationen zusammengesetzten Kommission in einer Ansprache fest, die Verletzungen von
Menschenrechten und Grundfreiheiten weltweit zum Inhalt hatte.
Blackwell verwies jedoch auch auf "beachtliche Leistungen" bei der Förderung von Menschenrechten oder
positive Tendenzen wie in Argentinien, Chile, den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion und den
aufstrebenden Demokratien in Osteuropa, Benin, Sambia, Angola, Äthiopien und El Salvador.
Blackwell zufolge sind die Vereinigten Staaten der "festen Überzeugung", daß die Freiheit trotz immer noch
vorkommender Menschenrechtsverletzungen weltweit auf dem Vorsmarsch ist.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Botschafter Blackwell im Wortlaut.

Eine Nation, die Menschenrechte geringschätzt, fordert das von dem amerikanischen Dichter Robert Frost
beschriebene Schicksal heraus - auf nichts mit Stolz
zurückblicken und auf nichts hoffnungsvoll vorausschauen zu können. Denn die Verpflichtung zu den in
der Allgemeinen Deklaration verankerten Menschenrechtsprinzipien begründet im wesentlichen den Grad
der Zivilisation einer Nation, ihr Recht auf die Loyalität
ihrer Bürger.
Aus der Sicht der Vereinigten Staaten werden die
Rechte des einzelnen wie Redefreiheit und freie Religionsausübung nicht durch die Großzügigkeit des
Staates vergeben, sondern die Hand Gottes. Eine
Nation, die diese Rechte wahrt, trägt nicht nur dem
immanenten Wunsch des Menschen zur Kontrolle
seines Schicksals Rechnung, sondern auch seinem
Wunsch nach Fortpflanzung und Mehrung des Wohlstands. In dieser speziellen Hinsicht sind Menschenrechte ebenso eine Voraussetzung für Entwicklung
wie für individuellen Ausdruck.
Die Einhaltung von Menschenrechtsgrundsätzen durch
eine Nation ist nicht nur eine Angelegenheit interner
Erörterung oder gar eine Frage der Einhaltung interna-

AMERIKA DIENST 8

tionaler Verplf ichtungen - so wichtig dies ist. Es ist eine
Angelegenheit, die uns alle betrifft, denn, wann immer
einem von uns Rechte verweigert werden, sind unser
aller Rechte bedroht.
Aus diesem Grund können Menschenrechte nicht die
interne Angelegenheit eines Landes sein, über die es
selbst entscheiden kann. Daher ist es die Pflicht
dieses Gremiums, die dunklen Geheimnisse zu enthüllen, die einige Länder lieber verbergen würden. Wir
müssen Schritte gegen die ungeheuerlichsten Menschenrechtsverletzer unternehmen und sie zur Rechenschaft ziehen.
Beachtliche Leistungen und positive Tendenzen
Bevor ich die Verletzungen anspreche, die in einigen
Teilen der Welt vorkommen, möchte ich auf eine Reihe
beachtlicher Leistungen und positiver Tendenzen eingehen. Argentinien beispielsweise hat in den vergangenen Jahren große Fortschritte bei seinen Bestrebungen zur Wiederherstellung sozialer Gerechtigkeit
und der Förderung von wirtschaftlicher Entwicklung
erzielt. Die Inflationsrate ist bemerkenswert gesunken, die Währung hat sich stabilisiert, und ein erweiter-

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�ter Prozeß der Deregulierung und Privatisierung macht
Fortschritte. All dies hebt sich sehr positiv gegen die
schmerzliche Menschenrechtssituation vor zehn oder
mehr Jahren ab. In dem der Menschenrechtskommission 1983 vorgelegten Bericht (E/CN.4/1983/14) der
Arbeitsgruppe zu verschwundenen und verschleppten
Personen stellte die Arbeitsgruppe test, sie habe rund
850 Fälle vermißter Personen in Argentinien geprüft
und der argentinischen Regierung Berichte und die
einschlägigen Dokumente zu 637 dieser Fälle vorgelegt.
Anfänglich erforderte die Notwendigkeit der Wiedergeburt und Erneuerung einen Prozeß der Recnenschaftspflicht und Katharsis, der nicht alle zufriedenstellte.
Am 29. Dezember 1990 begnadigte Präsident Menem
fünf Mitglieder der ehemaligen Militärjunta sowie andere Angehörige der Regierung und des Militärs, die
unter der Militärherrschaft wegen Menschenrechtsverletzungen verurteilt worden waren. Auch der ehemalige Montenero-Führer Mario Firmenich wurde begnadigt. Präsident Menem verteidigte diese Begnadigungen als notwendigen Schritt zur nationalen Aussöhnung, und es ist nur fair zu sagen, daß Argentinien
als Ganzes jetzt seine Energien auf einen konstruktiven und zukunftsorientierten Kurs konzentriert. Die
Vereinigten Staaten freuen sich sehr darüber, und wir
beglückwünschen die argentinische Regierung und
das Volk zu den beeindruckenden Leistungen.
Chile ist eine weitere Nation, in der Beschuldigungen
über Menschenrechtsverletzungen lange ein Thema
waren, das zu großer Besorgnis der internationalen
Staatengemeinschaft Anlaß gab. Verbesserungen
wurden von Zeit zu Zeit festgestellt, aber die Fortschritte erfolgten relativ langsam. Der Bericht des Sonderberichterstatters von 1981 über die Situation der
Menschenrechte in Chile (A/36/594) zitierte beispielsweise Daten, die von Menschenrechtsorganisationen
zur Verfügung gestellt worden waren, denen zufoge
die Gesamtzahl der Verhaftungen aus politischen Gründen von 771 im Jahr 1979 auf 729 1980 und 675 im
Jahr 1981 zurückgegangen war.
Dies gehört jedoch einer relativ fernen Vergangeneheit
an, denn der Prozeß der politischen und humanitären
Aussöhnung macht in Chile jetzt gute Fortschritte. Am
5. März 1991 hielt Präsident Aylwin eine längere Rede
vor der Nation, in der er den Bericht der nationalen
Kommission für Wahrheit und Aussöhnung zusammenfaßte. Mit der Aussage, "Begnadigung erfordert
auf der einen Seite Reue und auf der anderen Großzügigkeit", übernahm Präsident Aylwin die Last der
Menschenrechtsverletzungen im Namen der Nation
und bat die Angehörigen der Opfer um Vergebung.
Zehn Monate später, am 31. Januar 1992, führte
Präsident Aylwin den Vorsitz bei einer feierlichen
Zeremonie, während der er ein Gesetz verabschiedete, das den Angehörigen von Opfern von Menschenrechtsverletzungen Wiedergutmachungszahlungen
gewährt.
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Die Vereinigten Staaten sind über diese positiven
Entwicklungen in Chile sehr erfreut, und wir stellen
fest, daß sie mit kontinuierlichem Wirtschaftswachstum und abnehmender Inflation einhergehen. Wir
beglückwünschen die Regierung und das Volk Chiles
zu den beeindruckenden Leistungen.
Im vergangenen Jahr haben die tiefgreifendsten Veränderungen auf der Welt in Rußland, der Ukraine,
Weißrußland und den anderen Republiken stattgefunden, die ehemals Teil der Sowjetunion waren. Diese
Ereignisse haben - ebenso wie die vorherigen Umwälzungen in Ungarn, Polen, der Tschechoslowakei,
Bulgarien, Rumänien und Albanien - enorme positive
Auswirkungen für die verbesserte Achtung der Menschenrechte und den praktischen Genuß grundlegender Freiheiten. Während diese Länder ihre nationalen
Institutionen wiederaufbauen, um sie humaner und
flexibler zu machen, sind die Vereinigten Staaten
bereit, mit jedwedem Rat oder technischer Hilfe zur
Seite zu stehen, die erbeten werden könnten.
Die Vereinigten Staaten sind sich darüber hinaus der
tiefgreifenden Fortschritte in Afrika zu demokratischeren Praktiken, politischem Pluralismus und verbessertem Genuß grundlegender Freiheiten wohl bewußt.
Benin und Sambia sind gute Beispiele für diesen
Trend. Wir hoffen und glauben, daß weitere progressive Veränderungen in Afrika andauern und die Entwicklung des Kontinents zu verbesserter Achtung der
Menschenrechte intensivieren wird.
Angola, Äthiopien und El Salvador lassen jetzt die
lange Zeit des anhaltenden Bürgerkriegs hinter sich.
Dies ist Grund zu beträchtlichem Optimismus, und wir
blicken der verbesserten Wahrung der Menschenrechte in den kommenden Jahren hoffnungsvoll entgegen.
Weiterhin besorgniserregende Situationen
Ich bedaure, daß sich in anderen Teilen der Welt
weiterhin Anlaß zu ernster Sorge bietet. Am 29.
Januar habe ich die Auffassung der Vereinigten Staaten im Hinblick auf die Frage der Mißachtung von
Menschenrechten in den arabisch besetzten Gebieten
erläutert. Dabei habe ich unsere Hoffnung auf einen
umfassenden und dauerhaften Frieden in der Region
ebenso bekundet wie unsere Überzeugung, daß die
Achtung der Menschenrechte aller unabdingbar ist
und die Verhandlungen positiv beeinflussen wird.
Am 3. Februar habe ich auf die Notwendigkeit verwiesen, den unumkehrbaren Prozess bahnbrechender
Veränderungen in Südafrika fortzuführen, um die
Abschaffung der Apartheid zu vollenden und andere
noch bestehende Menschenrechtsprobleme zu lösen.
Wir gratulieren nochmals der Regierung Präsident De
Klerks, dem ANC und anderen an den Verhandlungen
beteiligten Organisationen in der Hoffnung, daß sie
den Prozeß in einem angemessenen Zeitrahmen
durchführen und beschleunigen.
AMERIKA DIENST 8

�In Haiti wurde eine demokratisch gewählte Regierung
am 29. September 1991 durch einen Militärputsch
gestürzt. Die verfassungsmäßige Ordnung ist noch
nicht wiederhergestellt, trotz der Aufforderung
der Generalversammlung und konstruktiver Verhandlungen der Organisation amerikanischer Staaten.
Willkürliche Festnahmen zählen nach wie vor
zu den Menschenrechtsverletzungen in Haiti.
Im Sudan hat der anhaltende Bürgerkrieg auf allen
Seiten zahlreiche Opfer unter der Zivilbevölkerung
gefordert, und viele Menschen wurden mißhandelt.
Die Vereinigten Staaten sind sehr besorgt, in welchem
Maße die Regierung freie Rede, die Presse, Versammlungsfreiheit und politische Wahlfreiheit unterdrückt. Die Regierungsbehörden haben zu Mitteln
gegriffen wie willkürliche Festnahmen, Haft ohne
Anklageerhebung und unfaire Porzesse gegen Zivilisten vor Militärgerichten. Darüber hinaus konnten die
staatlichen Sicherheitsdienste ungehindert operieren,
haben dabei oftmals Bürger schikaniert und belästigt
und Zivilisten gefoltert, die als Regimegegner galten.
Eine Maßnahme der Regierungsbehörden verursacht
ungeheures Leid: die Zwangsumsiedlung von über
200.000 Menschen aus Khartum in einsame und öde
Landstriche ohne Wasser und andere lebensnotwendige Voraussetzungen.
Der kalte Krieg ist beendet, aber der Konflikt unter den
Bürgern in Afghanistan ist nach wie vor ungelöst. Fünf
Millionen Afghanen sind geflüchtet, vor allem nach
Pakistan und in den Iran, eine weitere Million wurde
innerhalb des Landes vertrieben. Trotz einiger größtenteils kosmetischer Reformen bei Gesetzen und der
1990 eingeführten Verfassung schränkt das Regime
immer noch fast alle Menschenrechte ein. Es gibt
weniger Einschränkungen persönlicher Freiheiten in
Gebieten, die nicht der Kontrolle des Regimes unterliegen, obwohl glaubwürdige Berichte vorliegen, daß
auch Widerstandsgruppen ihre Gegner angegriffen,
gefoltert, getötet oder inhaftiert haben.
Auch die Bürger Zaires sind Opfer willkürlicher Inhaftierungen und körperlicher Mißhandlungen. Bei den
Unruhen vom 23. und 24. September 1991 und den
Aufständen im darauffolgenden Oktober waren die
Sicherheitskräfte für einen großen Teil der Plünderungen verantwortlich. Ferner schikanieren sie nach wie
vor einzelne Bürger und stehlen ihnen ihr Eigentum.
Die Vereinigten Staaten begrüßen die Entscheidung
der indonesischen Regierung, die Zwischenfälle vom
12. November in Osttimor zu untersuchen. Wir stellen
fest, daß sich die indonesische Regierung für Disziplinarmaßnahmen gegenüber den Sicherheitskräften
einsetzt, die exzessive Gewalt anwenden, und sie hat
versprochen, daß sich solche Zwischenfälle nicht
wiederholen werden.
Im Kontext der jüngsten Kämpfe in Jugoslawien scheinen verschiedene Seiten viele Greueltaten und andere
Verletzungen von Menschenrechten und GrundfreiAMERIKA DIENST 8

heiten begangen zu haben. Wir finden dies höchst
beunruhigend und unterstützen aktiv die kontinuierlichen Bestrebungen der Vereinten Nationen und der
Europäischen Gemeinschaft zugunsten friedlicher
Dauerlösungen.
Durch und durch repressive Gesellschaften
Manche Regierungen sind mit willkürlicher Gewalt
nicht zufrieden. Stattdessen bekämpfen sie unentwegt die Rechte ihrer Bürger und zeigen dabei wenig
oder keine Skrupel.
Leider müssen wir feststellen, daß hiermit das Verhalten der kubanischen Regierung angemessen beschrieben ist, die den Willen der internationalen Staatengemeinschaft mißachtet und die Zusammenarbeit mit
dem Sonderbeauftragten des Generalsekretärs verweigert. Die Regierung Kubas schränkt alle grundlegenden Menschenrechte stark ein, Rede-, Versammlungs- und Bewegungsfreiheit ebenso wie das Recht
auf Privatsphäre, Arbeitnehmerrechte und das Recht
der Bürger, ihre Regierung zu verändern. Im November vergangenen Jahres haben die kubanischen
Behörden eine Welle der Unterdrückung gegen Menschenrechtsaktivisten gestartet, größtenteils durch
"organisierten Widerstand" - Angriffe staatlich organisierter Mobs, die als spontane Ausbrüche gegen die
Aktivitäten von Dissidenten ausgegeben werden.
1991 gab es mindestens sechs Fälle, bei denen die
kubanischen Sicherheitskräfte gemordet haben, und
vertrauenswürdige Beobachter der Menschenrechte
haben erklärt, es gebe etwa 200 politische Gefangene
und Untersuchungsgefangene. Die Rechtsprechung
in Kuba wird internationalen Maßstäben an faire und
unparteiische öffentliche Prozesse nicht gerecht, und
offizielle Einmischung in Privat- oder Familienangelegenheiten bleibt eines der repressivsten und vorherrschenden Merkmale des Lebens in Kuba. Darüber
hinaus diskriminiert die kubanische Regierung Gläubige und belegt die Ausübung der Religion mit strengen
Einschränkungen.
Das Regime im Irak verletzt weiterhin systematisch
nahezu alle Menschenrechte, und politische Morde
sind an der Tagesordnung. Die Exekution vermeintlicher Systemgegner trat besonders deutlich im Frühjahr letzten Jahres bei den Bestrebungen des irakischen Militärs und der Sicherheitskräfte zutage, die
Aufstände im Süden und Norden niederzuschlagen.
Im Laufe dieser Kampagne bombardierten irakische
Truppen fortgesetzt dicht besiedelte Gebiete, wobei
schätzungsweise Zehntausende von Menschen getötet wurden. In der zweiten Hälfte des Jahres 1991
führten irakische Bodentruppen und Kampfhubschrauber regelmäßige Angriffe gegen Stellungen der Dissidenten im südlichen Sumpfland durch, einschließlich
der Stadt Nasiriya. Die Büros der Vereinten Nationen
und andere internationale Beobachter schätzen, daß
etwa eine halbe Million Schiiten durch die Militärblockade in einem Gebiet gefangen sind.
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�Trotz eines verfassungsmäßigen Verbots der Folter
praktizieren die irakischen Sicherheitsorgane routinemäßig verschiedene Techniken körperlicher Folter darunter Verbrennen von Körperteilen, Elektroschocks,
Schläge, Brechen von Gliedmaßen sowie die Verweigerung von Nahrung und Wasser. Presse- und Redefreiheit existieren im Irak nicht, und abweichende politische Meinungen werden nicht toleriert. Irakische
Bürger dürfen sich nicht versammeln oder organisieren, es sei denn zur Unterstützung des Regimes, und
irakische Arbeitnehmer dürfen sich keinen Gewerkschaften anschließen, die nicht der Kontrolle des
Regimes unterliegen.
Auch im Hinblick auf den Iran kann es keinen Zweifel
daran geben, daß dort weiterhin ernsthafte Menschenrechtsverletzungen begangen werden. Die iranische
Regierung bemüht sich jedoch intensiv darum, ihre
wahre Bilanz an Übergriffen zu verbergen und der
internationalen S^atengemeinschaft einzureden, die
Lage habe sich grundlegend und erheblich gebessert.
Wir haben keinen Grund, dies zu glauben. Statt
dessen gibt es zahlreiche Beweise für das Gegenteil:
Zu den andauernden Übergriffen gehören Massenexekutionen, der verbreitete Einsatz der Folter, Unterdrückung der Rechte auf Rede-, Presse-, Versammlungs- und Koalitionsfreiheit, das Fehlen fairer Prozesse, die anhaltende Unterdrückung der Religionsgemeinschaft der Bahai, schwere Einschränkungen der
Rechte von Frauen und Arbeitnehmern sowie die
Verweigerung des Rechts der Bürger auf Änderung
ihrer Regierung.
Die Vereinigten Staaten nehmen positiv zur Kenntnis,
daß die iranische Regierung im Dezember 1991 dem
Sonderberichterstatter erlaubte, den Iran zu besuchen, und wir sind erfreut, daß der Iran eine Vereinbarung unterzeichnet hat, die Besuche von Vertretern
des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz in
iranischen Gefängnissen vorsieht. Es muß jedoch
festgestellt werden, daß bisher noch kein solcher
Besuch stattgefunden hat und die Vielfalt und Qualität
der Anschuldigungen und Beschwerden, die dem
Sonderberichterstatter vorgetragen wurden, weiterhin
tiefgreifende und umfassende Übergriffe belegen.
Im Hinblick auf die anhaltende Notwendigkeit der
Beschäftigung mit den Menschenrechtsverletzungen
im Iran stehen sicherlich die Glaubwürdigkeit der
Organisation und das Ansehen dieses Gremiums auf
dem Spiel. Die Mitgliedstaaten der Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen dürfen nicht zulassen, daß uns PR-Bemühungen, die letztlich ohne
Substanz sind, von unserer grundsätzlichen Pflicht der Bewahrung der in der Allgemeinen Deklaration der
Menschenrechte und anderen internationalen Urkunden proklamierten Prinzipien - ablenken. Wir gehen
nachdrücklich davon aus, daß die Kommission das
Mandat des Sonderberichterstatters zur Lage der

Seite 4

Menschenrechte im Iran erneuern muß und sind zuversichtlich, daß die Mitgliedstaaten der Kommission
ihrer Verantwortung gerecht werden.
In der Demokratischen Volksrepublik Korea existiert
ein willkürlicher und strenger Sicherheitsapparat, und
die Regierung übt umfassende und allgegenwärtige
Kontrolle über alle Aspekte des täglichen Lebens aus.
Routinemäßige und systematische Unterdrückung der
Rechte auf Rede-, Presse-, Koalitions- und Religionsfreiheit sowie die Verweigerung weiterer Menschenrechte haben den nordkoreanischen Behörden einen
Spitzenplatz unter den repressivsten Despotien der
Welt beschert.
In China leben über eine Milliarde Menschen unter
einer Regierung, die weiterhin ihre Bürger für den
gewaltlosen Ausdruck ihrer politischen und religiösen
Überzeugungen bestraft. Zweieinhalb Jahre nach der
militärischen Unterdrückung auf dem Tiananmen- Platz
in Beijing sind immer noch Hunderte von Personen in
Gefängnissen und Umerziehungslagem eingesperrt,
weil sie es gewagt hatten, sich auf einem öffentlichen
Platz zu versammeln, um Demokratie und persönliche
Freiheit zu unterstützen. Die stattgefundenen Prozesse haben die in der chinesischen Verfassung vorgesehenen Bestimmungen für ordentliche Gerichtsverfahren ignoriert. Wir fordern die chinesische Führung auf,
diese mutigen Einzelpersonen freizulassen, die friedlich für ihre Überzeugungen demonstriert haben.
Anhänger von Religionsgemeinschaften sind in China
ebenfalls der Verfolgung preisgegeben. Katholiken
und Protestanten wurden bestraft, weil sie außerhalb
der staatlich gelenkten religiösen Organisationen ihren
Glauben praktizierten, und tibetische Nonnen und
Mönche sind inhaftiert, weil sie gegen die Regierung
demonstrierten. Auch dies steht einem Land schlecht
an, das in der Vergangenheit so viel zur Weltzivilisation
beigetragen hat und ein solch großes Potential für die
Zukunft aufweist.
In Myanmar (Burma) verweigert die herrschende Militärdiktatur weiterhin das Recht der Bevölkerung auf
Veränderung der Regierung, indem sie die Ergebnisse
der Wahlen von 1990 ignorierte. Eine Oppositionspartei, die Nationalliga für Demokratie, errang damals 80
Prozent der Sitze in der neuen Nationalversammlung,
aber der neuen Versammlung wurde bisher nicht
gestattet zusammenzutreten. Siebzig der neuen
Abgeordneten wurden aufgrund von politischen Anschuldigungen festgenommen, nahezu zwanzig flohen aus dem Land, mindestens sechs traten zurück,
und zumindest einer starb in der Haft. Die Nobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi steht weiterhin unter
Hausarrest.
Folter, willkürliche Verhaftungen und Zwangsarbeit
sind Beispiele für die brutale Unterdrückung der Menschenrechte in Myanmar. Die Rechte auf Rede-,

AMERIKA DIENST 8

�Presse-, Versammlungs- und Koalitionsfreiheit sind
weiterhin nicht gewahrt. Ein umfassendes Netz von
Informanten bespitzelt Dissidenten und Kritiker der
Militärregierung, und die Sicherheitskräfte überwachen selektiv Telephongespräche und Privatkorrespondenz. Arbeitnehmer haben nicht das Recht, sich
zu organisieren und an Tarifverhandlungen teilzunehmen, und sämtliche Wirtschaftsverbände und berufsständischen Gremien werden von der Militärregierung
beherrscht.

Ich möchte jedoch noch ein Wort der Vorsicht anbringen. Trotz der Ausbreitung von Demokratie und
Freiheit dürfen wir durch deren Erfolg niemals in Selbstzufriedenheit verfallen. Es wird immer den Kampf
gegen jene geben, die sie untergraben wollen, ob von
rechts oder von links. Und für diejenigen unter uns, die
in der glücklichen Lage sind, in Demokratien zu leben,
wird stets die Herausforderung bestehen, die Freiheiten, derer wir uns erfreuen, aufrechtzuerhalten und zu
nähren.

In ihrer Resolution 46/132 hat die Generalversammlung ihre Besorgnis über die ernste Menschenrechtssituation in Myanmar sowie die Notwendigkeit einer
baldigen Verbesserung zum Ausdruck gebracht. Wir
sind überzeugt, daß die Menschenrechtskommission
dasselbe tun und energische und effektive Maßnahmen für das Volk von Myanmar ergreifen sollte.

Abschließend möchte ich einen großen Afro-Amerikaner zitieren, eine der herausragenden Figuren im
Kampf gegen die Sklaverei in meinem Land - Frederick
Douglass. Und ich selbst spreche zu Ihnen als Urururenkel eines Sklaven. Douglass schrieb: "Die gesamte Geschichte des Fortschritts bei der Freiheit des
Menschen zeigt, daß alle für ihre hohen Forderungen
eingegangenen Konzessionen aus ernstem Kampf
hervorgegangen sind. Ohne Kampf gibt es keinen
Fortschritt. Diejenigen, die behaupten, sie seien für die
Freiheit und gleichzeitig Agitation mißbilligen, sind
Menschen, die Früchte pflanzen wollen ohne den
Boden umzupflügen, sie wollen Regen ohne Blitz und
Donner. Sie wollen den Ozean ohne das schreckliche
Tosen seiner vielen Wasser."

Trotz der von mir heute erörterten Mißstände sind die
Vereinigten Staaten der festen Überzeugung, daß die
Freiheit überall auf der Welt auf dem Vormarsch und es
nur noch eine Frage der Zeit ist, bis die Tyrannen und
Unterdrücker die Botschaft verstehen, daß ihre Zeit
abgelaufen ist und ein neues Zeitalter anbricht, in dem
Demokratie und Menschenrechte vorherrschen.
*

AMERIKA DIENST 8

*

*

Seite 5

�MENSCHENRECHTE
26. Februar 1992

MENSCHENRECHTSVERLETZUNGEN SIND
"HAUPTURSACHE" VON FLÜCHTLINGSSTRÖMEN
Rede von Botschafter Abram vor der UNO-Menschenrechtskommission
GENF - (AD) - Menschenrechtsverletzungen sind die "Hauptursache" von Flüchtlingsströmen, erklärte der
Ständige Vertreter der Vereinigten Staaten bei der UNO-Menschenrechtskommission (UNCHR), Botschafter
Morris B. Abram, am 17. Februar 1992 in Genf.
Der Kommisson gegenüber stellte Abram fest, sie solle die Regierungen zur Verantwortung ziehen, deren
Menschenrechtsbilanz zur Flucht ihrer Bürger geführt hat und diejenigen ausklammern, deren Menschenrechtspolitik zu einer Massenflucht führen könnte und Korrektivmaßnahmen zur Behebung solcher Menschenrechtsverletzungen fordern, bevor ein Massenexodus einsetzt.
Abram, der alternierende US-Vertreter bei der diesjährigen UNCHR-Sitzung rief die Länder auf, bei der
Aufnahme von Mitgliedstaaten der Kommission sorgfältiger vorzugehen.
"Einige der krassesten Menschenrechtsverletzer", sind Mitglieder dieser Kommission, erklärte Abram und
forderte jeden Staat zur Übernahme seiner besonderen Verantwortung bei künftigen Wahlen zur Aufnahme in
die Kommission auf.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ausführungen von Botschafter Abram im Wortlaut.

Heute möchte ich zwei getrennte Bereiche ansprechen, die sich direkt auf "die weitere Förderung von
Menschenrechten und Grundfreiheiten" beziehen. Der
erste ist Massenflucht. Danach möchte ich die Grundstruktur der Kommission einer Überprüfung unterziehen. Beides sind schwierige, aber wichtige Angelegenheiten. Wir sprechen sie an, weil wir dieses
Gremium ernst nehmen.
Erschütternde Szenen mit Männern, Frauen und Kindern, die vor einer der zahlreichen Tyranneien in der
Welt fliehen, erzählen die schreckliche Geschichte der
Konsequenzen erzwungener Völkerwanderungen.
Regime, die Grundrechte verletzen, veranlassen ihre
Bürger häufig zur Flucht. Wenn diese Rechte mit
Füßen getreten werden, haben die folgenden erzwungenen Flüchtlingsströme Auswirkungen auf alle Gesellschaften, ihre Volkswirtschaften, ihr Bildungssystem und Staatswesen.
Derzeit haben schätzungsweise 17 Millionen Flüchtlinge und Vertriebene ihr Heimatland verlassen, um
Zuflucht in den Nachbarländern zu suchen, die häufig
selbst erschreckend arm sind. Darüber hinaus wurden
rund 20 Millionen in ihrem eigenen Land verschleppt.

AMERIKA DIENST 8

Diese beispiellosen erzwungenen Flüchtlingsströme
sind eine Tragödie monumentalen Ausmaßes mit ernst
haften Konsequenzen.
Dies ist nicht nur eine kleine Welt, sondern sie wird
zunehmend - wie Wendeil Willkie, ein amerikanischer
Präsidentschaftskandidat während des Zweiten Weltkriegs vorhersagte - eine Welt. Diese Prognose hat
sich als richtig erwiesen, bedenkt man, daß moderne
Kommunikations- und Verkehrssysteme Menschen
binnen Stunden durch Zeitzonen und über Grenzen
hinweg befördern. Das Problem der Massenflucht und
Vertreibung in dieser kleiner werdenen Welt wird auf
der weltpolitischen Tagesordnung immer drängender.
Es ist ein Problem, das von dem UN-System als
Ganzes vordringlich angesprochen werden muß. Es
gibt kein anderes Forum.
Ein einheitliches UN-System erfordert eine einheitliche Reaktion. Die Hohe Flüchtlingskommissarin der
Vereinten Nationen spielt bei der Bereitstellung von
humanitärer Hilfe und dem Schutz von Flüchtlingen
sowie bei der Lösung von Flüchtlingsproblemen eine
entscheidende Rolle. Sie kann das Problem der
Flüchtlingsströme allein nicht in Angriff nehmen. Ein-

Seite 1

�mutige Vereinte Nationen müssen die Ursachen der
Flüchtlingsströme erforschen und den Flüchtlingen
Schutz bieten. Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen UNDP hat die Aufgabe, Massenwanderungen zu verhindern und die Heimkehrer wieder zu
integrieren. Andere UN-Gremien müssen sich mit den
zahlreichen anderen sozialen, kulturellen, politischen
und wirtschaftlichen Faktoren befaßen, die Wanderungsbewegungen erzwingen. Hierbei handelt es sich
um ein gravierendes und bedrohliches Problem, aber
die Vereinten Nationen haben bisher sehr wenig unternommen, um es an seiner Wurzel zu beseitigen.
Die Menschenrechtskommission hat ein cesonderes
Mandat für die Behandlung von Menschenrechtsproblemen bei großen Bevölkerungsbewegungen, bevor
diese auftreten. Wenn sie auftreten, sollte sie sich um
eine Lösung bemühen, so daß die Menschen sicher
und in Würde in ihre Heimat zurückkehren können.
Menschenrechtsvorletzungen gelten als Hauptursache erzwungener Völkerwanderungen, was auch
zahlreiche Untersuchungen der UNO belegen, vor
allem der Bericht eines Sonderberichterstatters an
diese Kommission von 1982. Ferner liegt uns der
Bericht der Gruppe von Regierungsexperten über die
internationale Zusammenarbeit zur Abwendung neuer
Flüchtlingsströme vor. Welchen Sinn haben diese
Studien, wenn ihre Schlußfolgerungen ignoriert werden? Führen wir hier eine sinnlose Übung durch?
Nehmen wir diese Berichte nicht ernst?
Per definitionem ist die Mißachtung von Menschenrechten eine Hauptursache für die Massenflucht von
Menschen, die in begründeter Angst vor Verfolgung
leben. Diese Verfolgung ist eine wichtige Ursache
dafür, daß es Flüchtlinge gibt.
Weniger offensichtlich - aber nicht weniger wichtig - ist
die Rolle, die Menschenrechtsverletzungen als Beitrag zu anderen Formen des Massenexodus leisten.
Die unmittelbare Ursache der meisten größten Flüchtlingsströme waren in den letzten Jahren bewaffnete
Konflikte, insbesondere Bürgerkriege. In vielen Fällen
sind diese bewaffneten Konflikte das Ergebnis einer
tiefverwurzelten ethnischen und politischen Spaltung,
hervorgerufen durch den Unmut von ethnischen oder
religiösen Minderheiten (manchmal auch Mehrheiten),
denen grundlegende Menschenrechte und Freiheiten
vorenthalten werden. Hier handelt es sich um Menschenrechtsverletzungen im großen Stil.
Die Entbehrungen und die Erniedrigung des Exils in
einem fremden Land haben unverhältnismäßig oft (zu
80 Prozent) Frauen und Kinder zu tragen. Wenn das
Jahrzehnt der Frauen und der Kindergipfel des vergangenen Jahres etwas wert sein sollen, dann muß diese
Kommission dem Schutz der Menschenrechte für die
Verwundbarsten - Frauen und Kinder - ihre besondere
Aufmerksamkeit widmen.

Seite 2

Meine Delegation hat unter dem Tagesordnungspunkt
18 bereits die Bedeutung erörtert, die Rechtsstaatlichkeit und Achtung der Menschenrechte bei der Konfliktvermeidung zukommt. Auf diese Einzelheiten werde
ich heute nicht näher eingehen. Den Delegationen
möchte ich aber folgende Fragen stellen: Wäre die
allgemeine Achtung der Menschenrechte in der Vergangenheit die Norm gewesen, wieviele der Bürgerkriege und bewaffneten Konflikte, die den Massenexodus von heute hervorrufen, hätten dann verhindert
werden können? Was liegt den meisten Bürgerkriegen
und Menschenrechtsverletzungen zugrunde? Können wir tatsächlich hoffen, dieser Problem des Massenexodus zu lösen, wenn die Wurzel allen Übels Menschenrechtsverletzungen - immer noch existiert
und von dieser Kommission nicht bekämpft wird?
Meiner Meinung nach liegt die Antwort auf der Hand.
Natürlich kann auch extreme Armut zum Massenexodus führen, denn zwischen Menschenrechten und
wirtschaftlichem Fortschritt besteht eine komplizierte
und zugleich auffällige Verbindung. Auch die Rechte
des einzelnen sind ein Schlüssel für wirtschaftliche
Entwicklung. Westeuropa und Nordamerika sind nicht
die einzigen Beispiele für Regionen auf der Welt, wo
der Schutz der Rechte und grundlegenden Freiheiten
des einzelnen mit einem fortgeschrittenen Entwicklungsstadium einhergehen. Auch andernorts sind
dafür zunehmend Beispiele zu beobachten - in Lateinamerika, Asien und Afrika.
Ich habe in anderen Foren darauf verwiesen, daß zum
Beispiel in Botswana zum Zeitpunkt der Unabhängigkeit - 1966 - das Inlandsprodukt pro Kopf 69 Dollar
betrug. Heute, in einem demokratischen Rechtsstaat
mit zwei Parteien, beträgt es 1.500 Dollar. Von Botswana aus hat kein Massenexodus stattgefunden, wie
er an anderen Stellen des Kontinents erfolgt ist.
Es sind die angrenzenden armen Länder in Afrika,
Asien und Lateinamerika, die gezwungen sind, Tausenden, manchmal Millionen, Unterschlupf zu gewähren. Sie tragen die Hauptlast der Verantwortung, sich
um Vertriebene zu kümmern.
Was sollte die Kommission tun, um diese dringenden
Probleme zu lösen? Wir sollten diejenigen Regierungen zur Verantwortung ziehen, deren Umgang mit den
Menschenrechten zur Flucht ihrer Bürger geführt haben.
Wir sollten fordern, daß einzelne Länder grundlegende
Rechte akzeptieren, so daß Bürgersich nicht gezwungen fühlen, innerhalb oder außerhalb der Grenzen zu
fliehen. Wir sollten diejenigen Länder benennen, deren Menschenrechtspolitik zu massiven Strömen von
Flüchtlingen und Vertriebenen führen könnten und
fordern, daß sie Schritte unternehmen, um Menschenrechtsverletzungen abzubauen, bevor es zu solchen
Auswüchsen kommt. Es sollte zur Regel werden, daß
der UN-Flüchtlingskommissar jedes Jahr vor diesem
Gremium spricht und Fakten liefert, wo die größte Zahl
der betroffenen Menschen herstammt.

AMERIKA DIENST 8

�Dabei sollte eine Analogie berücksichtigt werden. Die
Charta der Vereinten Nationen stellt eindeutig eine
Beziehung zwischen der Mitgliedschaft im UN-Sicherheitsrat und den Handlungen eines Mitgliedstaates
her. Insbesondere sollten Mitgliedstaaten "der Bewahrung des Weltfriedens und der internationalen
Sicherheit" verpflichtet sein. Ein vergleichbares Prinzip sollte für die Mitgliedschaft in der Kommission
gelten. Die Mitgliedstaaten sollten der Einhaltung der
Menschenrechte verpflichtet sein.

Die Menschenrechtskommission sollte als Licht in der
Dunkelheit leuchten. Dieses Licht kann die Dunkelheit
nicht ganz erhellen. Aber es kann einen bestimmten
Punkt beleuchten und den Bedürftigsten helfen, den
Weg in die Sicherheit zu finden.
Um es klar und deutlich zu sagen: Wenn die Stimme
der Kommission nicht zur Ursache dieser Agonie ertönen kann, welchen Sinn hat sie dann? Was ist ihr
Zweck? Es gibt Staaten, deren Verhalten bei den
Menschenrechten Massenfluchten hervorruft, die weder
in öffentlichen noch in vertraulichen Sitzungen jemals
zur Sprache gekommen sind. Warum?

Wie der Vizepräsident vorschlug, hat jeder Staat eine
besondere Verantwortung zur Wahrung des Ansehens dieser Kommission. Ebenso hat der Wirtschaftsund Sozialrat der Vereinten Nationen (ECOSOC) die
Pflicht, die Glaubwürdigkeit der Kommission zu schützen, indem nur Mitgliedstaaten mit positiver Menschenrechtsbilanz hineingewählt werden - sicherlich
nicht Staaten, die selbst Gegenstand von Untersuchungen dieser Kommission sind.

Es ist nicht nur richtig, das Problem des Massenexodus unter menschenrechtlichen Gesichtspunkten in
bedeutsamer und umfassender Weise zu erörtern.
Dies zu tun, ist vielmehr die Pflicht dieser Kommission.
Ich wende mich nun der grundlegenden Frage der
Zusammensetzung der Kommission zu.

Dies ist keine unvernünftige Forderung, denn alle
UNO-Mitglieder haben sich den Prinzipien der Allgemeinen Deklaration der Menschenrechte verpflichtet.
Und diese Kommission ist dafür verantwortlich, die
Kultur der Menschenrechte auf der ganzen Welt zu
verbreiten.

In der vergangenen Woche hat der Vizepräsident der
Vereinigten Staaten ein wichtiges Anliegen meiner
Regierung betont. Einige der krassesten Menschenrechtsverletzer sitzen als Mitglieder in der Kommission. Der Vizepräsident stellte in diesem Zusammenhang fest:

Wenn wir wollen, daß die Menschenrechtsorgane den
größtmöglichen Einfluß auf die Kultur der Menschenrechte ausüben, dürfen wir nicht noch einmal eine
Situation wie im Jahr 1989 entstehen lassen, als das
Büro der Unterkommission das von ethnischem Zwist
zerissene Äthiopien, Kuba und Ceausescus Rumänien zu seinen Mitgliedern zählte. Die schweizerische
Presse bezeichnete diese Länder sogar verächtlich als
"Troika". Dies war nicht gerade ein Ruhmesblatt
unseres Untergremiums.

"Diese Kommission sollte unter ihren Mitgliedern keine Staaten haben, die selbst grobe
Verletzer der Menschenrechte sind. Wenn wir
von Menschenrechten sprechen ... müssen wir
die schärfsten Normen von Fairneß, Anständigkeit und Achtung der Menschenwürde zugrundelegen."
Um dies klarzustellen: Meine Delegation zieht weder
die Souveränität irgendeines Staates noch die Universalität des Systems der Vereinten Nationen in Zweifel.
Wir stellen nicht die Akkreditierung irgendeines Staates in Frage. Auch das Prinzip der Vielfalt in dieser
Kommission wird von uns nicht abgelehnt, und wir
stellen uns auch nicht gegen das traditionelle Rotationsprinzip, wenn es verantwortungsbewußt benutzt
wird. Was wir jedoch in Frage stellen, ist der Mißbrauch dieser Prinzipien sowie der Schaden, der dadurch
dem Ansehen und der Effektivität dieser Kommission
zugefügt wird.

* *

AMERIKA DIENST 8

Meine Delegation fordert heute keine offiziellen Schritte dieser Kommission. Wirfordern keine Maßnahmen,
die die Akkreditierung irgendeines hier anwesenden
Staats betreffen. Wir werden mit anderen Staaten
über Möglichkeiten für künftige Reformen beraten.
Ich habe heute zwei wichtige Fragen erörtert - die
Probleme der Massenflucht sowie die Mitgliedschaft in
der Kommission. Ich habe offen gesprochen, weil
meine Delegation, wie ich zu Beginn feststellte, die
Arbeit dieser Kommission ernst nimmt. Wir engagieren uns für die Förderung der ihr anvertrauten Werte.
*

Seite 3

�W A H L E N '92
26. Februar 1992

DIE VORWAHLEN IN NEW HAMPSHIRE
Amerikanische Pressestimmen
WASHINGTON - (AD) - Eine Reihe amerikanischer Zeitungen haben den Vorwahlen in New Hampshire ihre
Leitartikel gewidmet. Nachfolgend veröffentlichen wir einige dieser Kommentare.

The Baltimore Sun
Die Vorwahlen von New Hampshire lassen das Ergebnis des Präsidentschaftswahlkampfs so sehr im Dunklen, daß sich andere führende Demokraten sehr
versucht fühlen werden, den Kampf aufzunehmen.
Die Herausforderung des konservativen Patrick Buchanan an Präsident Bush beschert den Republikanern eine angeschlagene Führung im Weißen Haus,
stellt aber keine überzeugende Alternative für die
Spitze der "Grand Old Party". Infolgedessen wird sich
die Aufmerksamkeit in den kommenden zwei Wochen
bis zur Vorwahl in Maryland am 3. März wahrscheinlich
auf das Gerangel der Demokraten konzentrieren.
USA Today
Die Unzufriedenheit der Wähler liegt auf der Hand.
Aber ihre Botschaft ist unklar. Wenn die Ergebnisse
von New Hampshire die Kandidaten veranlassen,
schnelle Lösungen anzubieten, dann hat man die
wahren Lehren dieses Dienstags nicht verstanden.
Wenn die Ergebnisse die Kandidaten jedoch bewegen, glaubwürdige Vorschläge zur Bekämpfung der
langfristigen Probleme des Landes anzubieten, wäre
das ein Gewinn.
The Phoenix Gazette
Republikanische Wähler haben genug von der Show.
Nach vier Jahren der Exzesse, galoppierender Ausgaben im Inland und der größten Steuererhöhung in der
Geschichte des Landes konnten die Republikaner in
New Hampshire kaum glauben, daß George Bush jetzt
die Erleuchtung gekommen sein soll.
The Dallas Morning News
Dem Republikaner George Bush haben die Wähler in
New Hampshire folgendes mitgeteilt: Das Leben im
Weißen Haus mag schön sein, aber andernorts sieht
es für viele düster aus. Der Präsident erklärt, er habe

AMERIKA DIENST 8

die Botschaft verstanden - vielen Dank, Pat Buchanan... Was Buchanan betrifft, werden weitere Feuerproben zeigen, ob die Wähler so unzufrieden mit dem
Präsidenten sind, daß sie tatsächlich für einen politischen Kommentator stimmen, der keine Erfahrung in
einem öffentlichen Amt hat und für seine zweifelhaften
antisemitischen Äußerungen bekannt ist.
The Des Moines Register
Diejenigen, die auf die Wahrheit pochen, hatten in New
Hampshire Erfolg. Das war ungeheuer erfrischend.
Patrick Buchanan lenkte die Aufmerksamkeit auf die
Tatsache, daß George Bush sein Wort nicht gehalten
hat und der Präsident seinen Prinzipien nicht treu ist.
Buchanan mag bei vielen Dingen falsch liegen, aber in
diesem Punkt hatte er recht.
The New York Times
Aus drei Gründen versetzt einen das Ergebnis in einen
Buchanan-Schock.
Einmal rührt dieser Schock daher, daß sein Auftauchen insbesondere im Ausland als Zeichen häßlichen
Überlegenheitsdenkens und kaum verbrämter Feindseligkeit gegenüber Minderheiten gewertet wird.
Buchanan wehrt sich gegen Bezeichnungen wie Rassist oder Antisemit. Seine Äußerungen stehen jedoch
im Raum und bedürfen einer Überprüfung.
Er hätte keinen Grund, die zweite Ursache dieses
Schocks zu beanstanden - sein Wahlergenis belegt ein
stark verändertes Verhältnis der Amerikaner zum Rest
der Welt. Dieses Gefühl Isolationismus zu nennen,
hie ße, es mit einem belasteten Begriff zu belegen. Es
gibt wenige Themen, die die Amerikaner taktvoller aus
der Welt schaffen sollten.
Die dritte unstreitige Schockwelle ergibt sich aus der
Tatsache, wie sehr viele Wähler gegen ihre wirtschaftliche Notlage protestieren wollen.

Seite 1

�The Washington Post
Unserer Meinung nach hat Bush viel zu revidieren. Er
denkt womöglich, daß er dabei so weitermachen oder
sich Buchanan annähern kann, daß er die Demokraten
schärfer attackieren sollte oder Methoden anwenden
kann, derer er sich in der Vergangenheit bedient hat.
Aber unserer Ansicht nach sinkt seine Popularität jetzt
vor allem durch seine Weigerung, weder auf seine
Gegner noch auf die Themen einzugehen, die sie
ernsthaft und geradeheraus vorbringen. Tsongas
Sieg belegt die Neigung der Wähler, für einen Kandidaten zu stimmen, der offensichtlich ein Programm
hat. Die Meinungsumfragen über Gouverneur Clinton
sehen ähnlich aus.
The Christian Science Monitor
Es ist unklar, ob Buchanan auch außerhalb des kleinen, von der Rezession angeschlagenen New Hampshire genauso e&lt;*nr den Nerv der unzufriedenen Wähler
trifft. Seine protektionistische, von Überlegenheitsdenken geprägte Botschaft ist nicht das, was die
Vereinigten Staaten heute brauchen und etwas dünn
für einen langen Wahlkampf. Darüber hinaus fehlt
seiner dürftigen Kampagne das Geld.
Dennoch wird Buchanan wahrscheinlich genügend
Unterstützung für seine rechtskonservativen Parolen
verbuchen, um es mit dem Präsidenten bei einer Reihe
weiterer Vorwahlen aufnehmen geben zu können.
The Boston Globe
Selbst abgesehen von der Tatsache, daß er als regionaler Kandidat angesehen werden könnte, der direkt
hinter der Staatsgrenze von New Hampshire lebt, war
Tsongas Auftritt ausgezeichent. Niemand - und wahrscheinlich noch nicht einmal Tsongas selbst - hätte
gedacht, daß seine Kandidatur im Gegensatz zu seinen Ideen so gut ankommen würde.
Zusammen mit Buchanan steht er in den nächsten
beiden Wochen im vollen Rampenlicht. Er wird die
Chance haben, seine Argumente vorzubringen, zu

seh. Nichts wäre angebrachter als ein wirtschaftlicher
Gesundungsplan...
Die demokratische Mehrheit im Kongreß ist besonders
verärgert, daß sich die Herren Tsongas und Clinton um
die Nominierung bewerben. Ihnen gefallen Clintons
gegen Washington gerichtete Parolen nicht, aber sie
können in dem etwas progressiveren Liberalismus der
werten Hillary Clinton einen gewissen Trost suchen.
Sie könnten ein Geschäft mit Clintons Präsidentschaft
machen. Ihre Hauptangst ist, daß er im November
unwählbar ist.
Dasselbe sagen sie über Paul Tsongas Wählbarkeit,
was sie jedoch wirklich erschreckt, ist seine erklärte
Entschlossenheit, die Partei von ihrer Abhängigkeit
von Klassenkampfpolitik und ihrer sklavischen Verehrung kleiner Interessengruppen zu heilen.
Kolumnist David Broder
Nach New Hampshire kann niemand bezweifeln, daß
George Bush seine Präsidentschaft neu gestalten
muß - nicht nurseine Kampagne sondern seine Regierung - wenn ereine zweite Amtszeit gewinnen will. Und
nach New Hampshire ist ebenso sicher, daß die
Demokratische Partei endlich zu einer Veränderung
bereit ist.
Diese beiden wichtigen Fakten ergeben sich aus einer
Vorwahl, diedie Hoffnung birgt, daß sowohl die Wähler
als auch die Medien bereit sind, 1992 die ernsthafte
und wichtige Wahl über den nationalen Kurs zu treffen,
der 1988 hätte angeboten wei den müssen - aber nicht
wurde.
Kolumnist George Will
Bush hat nicht nur einen beträchtlichen Anteil der
republikanischen Wähler verloren, er hat praktisch die
gesamten Stimmen derer verloren, die am meisten
zählen - die Konservativen, die die Basis jedes republikanischen Präsidenten ausmachen. Politik besteht
nicht nur aus Zahlen - auch Stärke zählt, und die
starken Republikaner sind Konservative.

demonstrieren, daß seine Ideen landesweit Anklang

finden. Er wird seine Chance bekommen. Selbst bei
schlimmstem Kirchturmdenken können wir beruhigt
sein, daß er den guten Namen der Politik von Massachusetts bereits ein bißchen wiederhergestellt hat.
The Wall Street Journal
Vergessen Sie Pat Buchanan. George Bush kämpft
gegen George Bush. Als Ausdruckeines Gefühls, das
das politische Leben Amerikas durchzieht, lautet die
von den Wählern in New Hampshire am Dienstag
ausgesendete Botschaft, sie wollen, daß Bush anfängt
so wie der Präsident zu handeln, den sie 1988 mit so
überwältigender Mehrheit gewählt haben. Als ersten
Schritt sollte Bush ihnen sagen, daß er ihre Botschaft
verstanden hat und dann etaws tun, um es zu bewei-

Seite 2

Einige Konservative werden die Zähne zusammenbeißen und bei Bush bleiben, weil sie Angst vor Buchanans konservativen Grundsätzen haben. Aber sehr
viel mehr Konservative könnten bald zu der Überzeugung gelangen, es sei besser für ihren Glaubenskampf, in der Opposition zu sein als auf Bushs Art an
der Macht - in einer Unordnung, die den Konservatismus diskreditiert. Und es wird nicht möglich sein, sie
durch große Angst vor Tsongas oder vielleicht selbst
Clinton in den Schoß der Partei zurückzuholen.
Kolumnist Paul Greenberg
Wenn er nicht der Präsident mit nur einer Amtsperiode
werden will, muß Bush eine kurze aber aufrichtige
Entschuldigung aussprechen - die Wähler werden

AMERIKA DIENST 8

�gerne bereit sein, ihm zu vergeben, wenn sie darum
gebeten werden - und am Ende kraftvoll dastehen: im
Kongreß, bei den Demokraten und den Ignoranten,
den Isolationisten und berechenbaren Nativisten, die
Pat Buchanans natürliche und natürlicherweise kleine
Gemeinde der Claqueure ausmacht. Nur die Lethargie
des Präsidenten hat es seinem Herausforderer ermöglicht, eine Splittergruppe zu einer Protestwählergemeinde aufzublähen.
Kolumnist William Satire
Buchanan hat Bush angeschlagen. Der medienwirksame Kämpfer wird zeitweilig seinen Anteil an den
Proteststimmen mit David Duke teilen müssen, und es
wird lange dauern, bis er noch einmal 40 Prozent
erreicht. Aber Buchanans Anti-Einwanderungsrhetorik wird in Kalifornien gewisse rassistische Ressentiments aufgreifen.
Der republikanische Wahlparteitag 1992 wird eine
Wiederholung von 1976 bringen: der Amtsinhaber
gewinnt, aber die Rückzugsrede des Herausforderers
wird ihm die Show stehlen. Buchanan wird versuchen,
dem Präsidenten Ford in Gestalt von Bush einen
Herausforderer Reagan entgegenzustellen: Am Ende
des Parteitags wird Buchanan mit grimmiger Miene die
republikanische Liste unterstützen, wobei seine Anhänger davon ausgehen werden, daß er insgeheim auf
eine republikanische Niederlage hofft.
Richard Cattani vom Christian Science Monitor
Die Leistungen des Präsidenten wurden in der Außenund nicht in der Innenpolitik erbracht. Er muß zeigen,
daß er ein Gespür dafür besitzt, wo Amerikas wirtschaftliche Schwierigkeiten liegen. Außerdem muß er
eine Orientierungshilfe für die sozialen und ökonomischen Herausforderungen der neunziger Jahre geben.
New Hampshire hat ein Signal gegeben: Der Präsident hat nicht zugehört.
Amerika ist nicht in einer "America Firsf-Stimmung,
wie auch immer der Stimmenanteil Buchanans ausfiel.
Auf Japan und auf Liberale einzudreschen, ist töricht.
Bushs wundester Punkt ist der starke Geruch von
Verwundbarkeit an sich. Wird seine Autorität bei der
Aufsicht über die Nahost-Friedensgespräche, zum
Beispiel, auf die Probe gestellt werden?

*

AMERIKA DIENST 8

Er sollte seine besten Berater um sich scharen, insbesondere Außenminister James Baker III, und einen
stetigen Kurs für das Land festsetzen.
Norman Ornstein, politischer
American Enterprise Institute

Experte

beim

Von Anfang an war klar, daß Buchanan kandidierte,
um Führer der konservativen Bewegung zu werden, da
diese Position in der Republikanischen Partei seit den
Tagen Ronald Reagans vakant ist. Er möchte, daß
seine besondere Vision des Konservatismus - isolationistisch, nationalistisch und America First - gegenüber
der deplazierten Splitterbewegung des Neokonservatismus die Oberhand gewinnt.
Zu Beginn seiner Kampagne konnte Buchanan nicht
realistisch annehmen, er werde Präsident, aber dies
hat sich nun geändert. Ein Gefühl der Schwäche im
Hinblick auf Quayle tut bei den Republikanern ein
übriges. Solange er sich keinen völligen Flop leistet,
hat Buchanan allen Grund bis zum Ende im Rennen zu
bleiben, um mit großem Elan am Wahlparteitag teilzunehmen und diesen Schwung bis 1996 zu konservieren.
William Schneider, freier Redakteur des National
Journal
Der Sieg im Golfkrieg hat Bush in New Hampshire
wenig genutzt. Sicherlich, er erhielt 95 Prozent der
Stimmen von Republikanern, die den Krieg als wichtiges Thema bezeichneten. Aber es waren genau
sieben Prozent der Republikaner, die dies sagten.
Siebenmal soviele erklärten, die Wirtschaft sei ein
wichtiges Thema.
Was Bush vorder völligen Erniedrigung in New Hampshire rettete, war nicht der Krieg, sondern die Frauen.
Bei den Männern waren die Stimmen in der republikanischen Vorwahl in etwa gleichmäßig auf Bush und
Buchanan verteilt. Aber die Frauen stimmten 2 zu 1 für
Bush. Anscheinend haben Buchanans kontroverse
Ansichten sowie seine Reputation als Störenfried viele
Wählerinnen abgeschreckt. Zum Glück für Bush hatte
sein Gegner ein solch widerliches Image.
Buchanans Erfolg hat den Demokraten in einer Hinsicht geschadet: er lenkte die Aufmerksamkeit von
Tsongas' Sieg ab. Tsongas muß jedes Quentchen an
Schubkraft nutzen, das er aus diesem Sieg in New
Hampshire ableiten kann.

* * *

*

Seite 3

�WAHLEN

'92
26. Februar 1992

UNTERSCHIEDLICHE ANSICHTEN ZUM
WELTHANDEL BEI DEN DEMOKRATEN
Tsongas gegen Handelsschranken,
blinde Vorwürfe gegen das Ausland

WASHINGTON - (AD) - Wenn die wichtigsten demokratischen Präsidentschaftskandidaten nicht Präsident
Bush für den schlechten Zustand der amerikanischen
Wirtschaft verantwortlich machen, bezichtigen sie
Ausländer unfairer Handelspraktiken, die angeblich
amerikanische Arbeitnehmer ihre Arbeitsplätze kosten.
Das heißt: alle Kandidaten außer dem ehemaligen
Senator von Massachusetts Paul Tsongas, dem Sieger in der Vorwahl von New Hampshire, einer der
ersten von 33 Vorwahlen und 17 Parteiversammlungen, die bis zum 2. Juni der amerikanischen Öffentlichkeit eine gute Vorstellung davon vermitteln werden,
wer für die Demokraten als Präsidentschaftkandidat
ins Rennen geht.
Während Tsongas Protektionismus und blinde Anklagen gegen das Ausland verwirft und staatliche Unterstützung der Industrie ablehnt, fordern die Senatoren
Tom Harkin (Iowa) und Bob Kerrey (Nebraska) sowie
der Gouverneur von Arkansas, Bill Clinton, schärfere
US-Handelsgesetze sowie staatliche Hilfen für die
Industrie, um diese im Wettbewerb auf den Weltmärkten zu unterstützen.
Tsongas erklärt, die Rufe nach Protektionismus seien
nichts anderes als "die Akzeptanz eines umfassenden
Rückzugs vom Wettbewerb".
"Dies ist ein warmer Zufluchtsort, der aber nur vorübergehend zur Verfügung steht und letztlich tödlich ist",
schreibt Tsongas in einem Positionspapier mit dem
Titel "A Call to Economic Arms". Er stellt fest, die
amerikanischen Bemühungen sollten sich auf die Öffnung anderer Märkte und nicht auf die Abschottung
des amerikanischen Markts konzentrieren.
"Ich möchte eines klarstellen: Ich bin kein Protektionist... Ich bin ein Internationalist. Protektionismus
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wäre ein tragischer Fehler", erklärte Tsongas am
7. Oktober 1991 während einer Rede im National
Press Club.
"Wir können nicht mit Japan und Europa konkurrieren,
wenn wir versuchen sie herunterzuziehen, wenn wir
sie zu zwingen versuchen, den Konkurrenzdruck
abzubauen. Sie werden dem niemals zustimmen.
Und sie sollten es auch nicht. Wir würden das auch
nicht tun, wenn wir in ihren Schuhen steckten. Wir
können nur dadurch konkurrieren, daß wir uns selbst
verbessern. Indem wir Amerika zu einem effektiveren
Konkurrenten machen. Indem wir uns auf unsere
Stärken besinnen, indem wir Verantwortung für unsere
Zukunft übernehmen."
Tsongas ist darüber hinaus der Ansicht, daß es zwar
angebracht sei, andere Länder zu kritisieren, wenn
deren Maßnahmen fehlerhaft seien, ein Eindreschen
auf das Ausland jedoch gefährlich wäre, weil es die
notwendige Selbstprüfung und Neuorientierung verzögere, die zur Verbesserung der amerikanischen Wettbewerbsfähigkeit führe.
Blinde Anklagen gegen das Ausland, so Tsongas,
"gestatten es den Menschen, sich mit Ressentiments
gegen andere Länder zu begnügen, wenn sie statt
dessen Veränderungen bei unseren eigenen Praktiken in Amerika verlangen sollten".
Tsongas vertritt also die Auffassung, die amerikanischen Verbraucher sollten sich für amerikanische
Produkte entscheiden, wenn sie in Preis und Qualität
konkurrieren können.
"Zwischen den Extremen - dem gedankenlosem 'Buy
America' und der gefühllosen Illoyalität der achtziger
Jahre - gibt es einen logischen Mittelweg", schreibt er
und erklärt: "Ich wohne in einer schneereichen Gegend und möchte einen Wagen mit Allradantrieb.
Seite 1

�Meine Wahl beschränkt sich auf einen Jeep und einen
isuzu. Bei meiner Entscheidung spielen Design und
Kosten eine Rolle, aber das ist noch nicht alles. Wenn
ich den Jeep sehe, denke ich an einen amerikanischen
Automechaniker, der seinen Arbeitsplatz behält, wenn
ich dieses Auto kaufe. Es bereitet mir ein stilles
Vergnügen, daß mein Geld in unsere Volkswirtschaft
fließt und sich multipliziert."
Bill Clinton, der in New Hampshire knapp hinter Tsongas lag, geht zu Handelsfragen eher auf Konfrontationskurs. Er befürwortet die Wiederbelebung und
Stärkung des Handelsgesetzes Super 301, das zwischen 1988 und 1990 der Administration vorschrieb,
unfaire Handelspraktiken und -partner zu benennen
und Vergeltung bei Nichteinsteilung dieser Praktiken
anzudrohen.
In seinem Positionspapier "A Plan for America's
Future" schreibt Clinton, bei seiner Wahl zum Präsidenten würde ei die Entschlu ßkraft an den Tag legen,
die japanischen Märkte unter Anwendung eines verbesserten und sorgfältiger ausgerichteten 'Super 301 Ansatzes' für wettbewerbsfähige amerikanische
Produkte zu öffnen".
"Wir benötigen eine Handelspolitik, die Europa, Japan
und unseren anderen Handelspartnern gegenüber
feststellt: wir befürworten ein offenes Handelssystem,
aber wenn Ihr Euch nicht an die Spielregeln haltet,
werden wir unsere anwenden", so Clinton. "Eine
Clinton-Administration wird auf harten Handelsmaßnahmen bestehen."
Clinton scheint auch eine Industriepolitik zu befürworten, die bestimmte Industrien für Regierungssubventionen vorsieht. Er erklärt, die Vereinigten Staaten
benötigten eine neue Bundesbehörde, um die Forschung zur Entwicklung neuer, kritischer ziviler Technologien zu unterstützen und zu koordinieren.
Tsongas stellt fest, eine Industriepolitik, die versucht,
Gewinner und Verlierer in der amerikanischen Industrie auszumachen, sei zum Scheitern verurteilt. "Die
Privatwirtschaft und die Märkte treffen im allgemeinen
die besseren Wirtschaftsentscheidungen", so Tsongas. "Ich glaube an freie Märkte."
Senator Bob Kerrey - Dritter bei den Vorwahlen in New
Hampshire - klingt ähnlich wie Clinton, obwohl seine
Argumente bezüglich Japan sehr viel drastischer sind.
Ebenso wie Clinton ist er für die Erneuerung von Super
301 und unterstützt höhere staatliche Subventionen
für die amerikanische Industrie.
Kerrey behauptet, Japan weigere sich, seine Märkte
fairem Handel zu öffnen, die japanische Regierung übe
strikte Kontrolle über die Handelspolitik aus und ermu-

Seite 2

tige und unterstütze ein breites Spektrum der Produktpiraterie, die japanischen Unternehmen unfaire Vorteile verschaffe.
"Wenn es uns nicht gelingt, unseren Handel mit Japan
durch den Verkauf von mehr amerikanischen Waren
auszugleichen - wie wir es vorziehen würden - dann
müssen wir bereit sein, dies durch den Kauf von
weniger japanischen Produkten zu bewerkstelligen",
erklärte Kerrey in einer Rede vor dem Massachusetts
Institute of Technology am 11. Dezember 1991. "Im
Gegensatz zu George Bush hätte ich keine Angst,
Handelssanktionen wie die in 'Super 301' anzuwenden. Ich verspreche Ihnen, daß die Vereinigten Staaten bis zum Ende meiner ersten Amtszeit als Präsident
große Fortschritte im Hinblick auf ein Gleichgewicht
unserer Handelsbeziehungen mit Japan erzielt haben
werden."
In seinem Wirtschaftsplan mit dem Titel "Building
America's Greatness", schreibt Kerrey, seine Regierung würde keine ruinöse Preisgestaltung oder geschlossenen Märkte irgendwo auf der Welt tolerieren.
Er erklärt, die Beziehungen zu den aufstrebenden
Industrieländern wie Indien, Indonesien und Brasilien
fördern zu wollen, um ihre stark abgeschirmten Märkte
aufzubrechen.
Kerrey befürwortet die Einführung einer multilateralen
Handelsorganisation als Nachfolgerin des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens - mit größeren
Vollmachten, um Beschwerden im Handel zu untersuchen und die Einhaltung von Regein im Welthandel zu
überwachen. Darüber hinaus unterstützt er die Kodifizierung von Mindestanforderungen beim Umweltschutz in den internationalen Handeisgesetzen.
Wie Clinton spricht sich Kerrey für eine zivile Behörde
aus, die mit der Privatindustrie zusammenarbeitet, um
Prioritäten bei Forschung und Entwicklung auf Schlüsseltechnologien wie Telekommunikation, Informatik
und Raumfahrt zu konzentrieren.
"Ich höre schon, wie manche Leute sagen, diese Art
Aktivismus des Präsidenten bedeute Einmischung in
den Markt. Daß er den freien Handel zerstöre. Daß die
Regierung sich nicht einmischen soll, um Gewinner
und Verlierer festzustellen," erklärt Kerrey. "Aber
wenn die Regierung sich weigert, bei Handel und
Technologie eine vernünftige Politik zu machen, dann
wird sie letztlich doch den Verlierer bestimmen - den
amerikanischen Arbeitnehmer."
Senator Tom Harkin fordert Härte gegenüber unfairen
ausländischen Handelspartnern, zu denen seiner
Meinung nach nicht nur Japan sondern auch China
und die Europäische Gemeinschaft zählen.

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�Harkin möchte die Handelsvorteile für China beenden,
bis das Land die Sklavenarbeit abschafft und Menschenrechte zu achten beginnt.
"Chinas Handelsvorteile sind so verwerflich, weil sie
mit eklatanten Menschenrechtsverletzungen erkauft
wurden, mit dem Elend und Leid der chinesischen
Bevölkerung," schreibt Harkin in "A Blueprint to Build a
New America".
Zu Japan erklärt Harkin, wenn japanische Exporteure
Zugang zu amerikanischen Automärkten haben wollten, müßten US-Exporteure auch Zugang zum japanischen Markt sowie Beschaffungsverträge für Kommunikationsgeräte, Mikrochips, Computer, Reis, Zitrusfrüchte, Rindfleisch und Fertigprodukte aus Holz erhalten.
Er nimmt ebenfalls zu europäischen Subventionen für
die Landwirtschaft und den Flugzeugbau Stellung.
"Wir müssen beim europäischen

Harkin bezeichnet sich ferner als einzigen Präsidentschaftskandidaten, der sich gegen den Vorschlag der
Bush-Regierung ausspricht, das Nordamerikanische
Freihandelsabkommen (NAFTA) nach dem "Fast-track"Verfahren durch den Kongreß zu bringen. Danach
wäre der Kongreß gezwungen, die Handelsabkommen mit Mexiko und Kanada ohne die Option eventueller Zusatzartikel zu überdenken.
Ebenso wie Clinton und Kerrey unterstützt Harkin eine
zivile Behörde, die neue Technologien entwickeln, auf
den Markt bringen und verbreiten soll.
Harkin erklärt, er werde bald Gesetzentwürfe vorlegen, die amerikanische geschäftsführende Direktoren
beim Internationalen Währungsfonds, der Weltbank
und anderen multilateralen Finanzinstitutionen anweisen, Einspruch gegen Kredite und Hilfe an Länder zu
erheben, die mehr für ihr Militär als für Gesundheit,
Bildung und Grundversorgung ihrer Bürger ausgeben.

Protektionismus

genauso hart sein wie bei den Japanern," erklärt er.
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Seite 3

�DROGEN
26. Februar 1992

DROGENGIPFEL SOLL NETZ GEGEN
DROGENHÄNDLER AUSBAUEN
Informationsgespräch mit Martinez, Aronson und Levitsky

WASHINGTON - (AD) - Durch gemeinsame Bemühungen werden die sieben Teilnehmerstaaten am Drogengipfel in San Antonio (Texas) vom 26. bis 27.
Februar 1992 in der Lage sein, "ein wesentlich engmaschigeres Netz" gegen den Drogenhandel zu knüpfen,
wenn sie ihr Engagement zur Reduzierung von Angebot und Nachfrage sowie zur Unterstützung der wirtschaftlichen Entwicklung verstärken, so die Meinung
dreier hochrangiger Vertreter der amerikanischen Regierung.
Bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus erklärte
der Direktor des Amts für nationale Drogenbekämpfungspolitik, Bob Martinez, am 24. Februar 1992, der
Gipfel werde "im Hinblick darauf, was wir in Zukunft tun
werden, wesentlich detaillierter sein" als das Treffen
vom Februar 1990 in Cartagena (Kolumbien), das eine
breitangelegte Strategie für die Bekämpfung alier
Facetten des illegalen Drogenhandels hervorbrachte.
"Beim Gipfel wird angekündigt werden, welche spezifischen Ziele in dieser Hinsicht festgelegt werden
könnten", und zwar in den Bereichen Angebotseindämmung, Nachfragereduzieung und alternativer
Wirtschaftsentwicklung, erklärte Martinez und fügte
hinzu, daß möglicherweise ein Verfahren entwickelt
werde, "um hochrangigen Vertretern dieser Länder die
Möglichkeit zu geben, sich von Zeit zu Zeit zu treffen
und auszuwerten, was wir bei diesen speziellen Zielen
tun".
"Aufgrund der mehrjährigen Arbeit zwischen den Vereinigten Staaten und ihren Partnern in den Anden",
stellte Martinez fest, "und heute mit der Erweiterung
unsere Gipfels werden wir ein wesentlich engmaschigeres Netz" gegen den Drogenhandel knüpfen".
Der für internationale Drogenfragen zuständige Abteilungsleiter im US-Außenministerium, Melvyn Levitsky,
erklärte, der Gipfel sei von den ursprünglich vier Ländern - Bolivien, Kolumbien, Peru und Vereinigte Staa-

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ten - auf sieben erweitert worden, da "wir erkannten,
daß, wenn man den Druck" in einem Bereich "verstärkt, die Drogenhändler ihre Geschäfte auf andere
Länder ausdehnen".
Die anderen drei zum Gipfel eingeladenen Länder Venezuela, Ecuador und Mexiko - "sind zu Sprungbrettern für die Drogenhändler geworden, besonders Mexiko,
da wir unsere Bemühungen in der Karibik intensiviert
haben", stellte Levitsky fest. "Ecuador und Venezuela
sind Transitländer für Chemikalien (nach Lateinamerika) und Drogen von dort."
Der Gipfel sei "der nächste Schritt zur Einbeziehung
weiterer Länder" in regionale Bemühungen zur Drogenbekämpfung.
Der Abteilungsleiter für interamerikanische Angelegenheiten im US-Außenministerium, Bernard Aronson, umriß die Bemühungen der Administration zur
Einhaltung der von Präsident Bush in Cartagena eingegangenen Verpflichtung, neue Möglichkeiten für
legitimen Handel zwischen den Andenstaaten und den
Vereinigten Staaten zu eröffnen.
Er verwies darauf, Bush und Außenminister Baker
hätten den Kongreß persönlich um die Verabschiedung des - im Dezember vergangenen Jahres in Kraft
getretenen - Gesetzes über den bevorzugten Handel
mit den Andenstaaten ersucht, das die zollfreie Einfuhr
der meisten Waren aus Bolivien, Ecuador, Kolumbien
und Peru in die Vereinigten Staaten zuläßt.
Vier Monate nach dem Gipfel von Cartagena hat Bush
seine Initiative zur Förderung der Privatwirtschaft in
allen Ländern Amerikas (Enterprise of the Americas
Iniviative - EAI) bekanntgegeben, eine umfassende
Strategie, um den Handel auszudehnen und eine
Freihandelszone auf dem Kontinent zu schaffen, Investitionen zu fördern und die Schuldenlast der Länder
Lateinamerikas und der Karibik im Ausland zu erleichtern.
Seite 1

�"Wir haben Bolivien bereits seine Schulden bei den
Vereinigten Staaten im Rahmen der EAI um 370
Millionen Dollar erlassen," erklärte Aronson. "Wenn
der Kongreß die Forderung des Präsidenten nach
Schuldenerleichterung im Rahmen der EAI voll finanziert, können wir auch Kolumbiens Schulden bei uns
erlassen. Peru, Bolivien und Kolumbien können im
Rahmen der EAI Kredite der Interamerikanischen
Entwicklungsbank für den Investitionssektor in Anspruch nehmen."

Prozent erzielt. Er betonte darüber hinaus Kolumbiens
Leistung, die Bosse des Drogenkartells von Medellin
ihrer gerechten Strafe zuzuführen sowie die jüngsten
Schläge gegen das Cali-Kartell.
Auf die Frage nach der angeblichen Korruption in Peru
erklärte Aronson: "Korruption gibt es in jedem Land, in
dem Drogenhändler am Werk sind... Auch in Peru ist
dies ein Problem. Trotzdem gelten dieser Präsident
(Alberto Fujimori) und seine Regierung in Peru im
allgemeinen als vertrauenswürdig. Sie bekämpfen die
Korruption."

Aronson erläuterte ferner, die Regierung unterstütze
ein Freihandelsabkommen zwischen den Vereinigten
Staaten, Mexiko und Kanada, dasgegenwaitig ausge- Er betonte ferner, "man hat zu lange gewartet", um sich
der Bedrohung durch den Drogenhandel zu stellen,
handelt wird.
"und infolgedessen sehen wir uns alle mit einem Monster
Aronson beschrieb die Fortschritte in Bolivien, wo konfrontiert. Es wird Jahre des anhaltenden Kampfes
landwirtschaftliche Anpflanzungen in den Koka-An- dauern, sich diesem Monster zu stellen und es zu
baugebieten Alto Beni und Chapare gefördert werden. besiegen."
Femer hat das Land 1991 eine Wachstumsrate von 4,1
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�KOLUMBUS
26. Februar 1992

VERANSTALTUNGEN ZUM 500. JAHRESTAG
DER ENTDECKUNG AMERIKAS
Eine Übersicht
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine Übersicht über die wichtigsten Veranstaltungen in
den Vereinigten Staaten, mit denen des 500. Jahrestages der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus
gedacht wird. Die Liste wurde von der U.S. Quincentenary Jubilee Commission, einer im Jahr 1984 vom Kongreß
zur Planung und Koordinierung der amerikanischen Beteiligung an diesem internationalen Gedenkjahr ins Leben
gerufenen Bundesbehörde zusammengestellt.
Eine der Hauptaufgaben der Kommission besteht in der Erarbeitung eines computergestützten Kalenders der
amerikanischen Veranstaltungen in Zusammenhang mit den Fünfhundertjahrfeiern. Gegenwärtig weist dieser
Kalender über 1.300 Einträge auf. Weitere Informationen sind bei der folgenden Anschrift erhältlich:
The Christopher Columbus Commission, 1801 F St. N.W., Washington, D.C., 20006. Tel.: (202) 632-1992,
FAX: (202)523-9254.

Höhepunkte der Fünfhunderljahrfeiern in den
Vereinigten Staaten
Miami (Florida)
Von vielen als Brücke zwischen Nord- und Lateinamerika betrachtet, begann Miami bereits im Oktober
vergangenen Jahres mit einjährigen Feierlichkeiten.
Am 15. Februar begrüßte Miami als erster amerikanischer Hafen die in Spanien gebauten Nachbildungen
der Schiffe Nina, Pinta und Santa Maria, mit denen
Kolumbus einst nach Amerika gesegelt war, mit einer
Parade von Tausenden von Segel- und Motorschiffen.
Die Karavellen werden noch 20 weitere amerikanische
Hafenstädte anlaufen.
Philadelphia (Pennsylvania)
Einjährige Feiern unter dem Motto "Nachbarn in der
neuen Welt" werden am 11. Oktober (dem ColumbusDay-Wochenende) mit einer von dem italienischen
Opernstar Luciano Pavarotti als "Grand Marshai"
angeführten riesigen Parade ihren Höhepunkt erreichen. Zuvor werden im Rahmen der Philadelphia
Flower Show vom 8 . - 1 5 . März ein Garten und ein
Innenhof aus dem spanisch beeinflußten Südwesten
der Vereinigten Staaten vorgestellt. Im ganzen Jahr
1992 wird das Franklin Institute Science Museum eine
Ausstellung von Navigationsinstrumenten und Schiffswerkzeugen zeigen.

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Memphis (Tennessee)
Das jährliche Memphis in May International Festival ist
dieses Mal dem Geburtsland von Kolumbus, Italien,
gewidmet. Im gesamten Monat Mai werden über 100
Veranstaltungen oder Ausstellungen stattfinden, darunter eine Ausstellung italienischer Gemälde, eine
Ausstellung etruskischer Gebrauchsgegenstände, ein
italienisches Wein- und Lebensmittelfestival sowie ein
Popkonzert mit dem Titel "Viva Italia".
Columbus (Ohio)
Als größte amerikanische Stadt, die den Namen des
berühmten Seefahrers trägt, organisiert Columbus in
Ohio die sechsmonatige Ameriflora '92. Die in einem
Stadtpark stattfindende 95-Millionen-Dollar-Ausstellung umfaßt eine internationale Gartenschau und ein
Kulturfestival. Daneben werden auch exotische Gerichte angeboten. Die Ausstellung findet vom 20. April
bis 12. Oktober statt.
Corpus Christi (Texas)
1989 ernannte das Parlament in Texas Corpus Christi
offiziell zur Stadt für die Fünfhundertjahrfeier in Texas.
Die Stadt finanziert die Aufstellung einer KolumbusStatue im Hafen von Corpus Christi am Dock Eins und
koordiniert in den ersten beiden Oktoberwochen das
Festival of the Americas.

Seite 1

�New York (New York)
Am 4. Juli werden die nachgebauten Schiffe des
Kolumbus zusammen mit der größten Schiffsflotte in
der neueren Geschichte Kolumbus' Ankunft in Amerika feiern. Diese Grand Regatta Columbus wird am
3. Mai von Cadiz in Spanien lossegeln und in San Juan,
Puerto Rico, New York City, Boston und Liverpool
anlegen. In New York wird es ein Feuerwerk und ein
Open-Air-Konzert geben.
Boston (Massachusetts)
Die an der Grand Regatta Columbus '9" Zunehmenden Schiffe werden am 10. Juli im äußeren Hafen von
Boston anlegen. In der Nähe der Anlegestelle finden
musikalische Darbietungen und Ausstellungen über
die Geschichte der Seefahrt sowie Festivals einzelner
Volksgruppen statt. Beim World Trade Center wird ein
Pavillon der internationalen Seefahrt errichtet. Die
Schiffe werden am 16. Juli zu ihrer Fahrt nach Liverpool aufbrechen, wo die letzte Etappe der Grand
Regatta beginnt.
San Francisco (Kalifornien)
Die nachgebauten Schiffe des Kolumbus werden sich
am Wochenende, auf das der Columbus Day folgt vom 10. bis 12. Oktober - in San Francisco aufhalten.
Die Stadt plant aus diesem Anlaß eine Gala-Veranstaltung. Dabei werden ein Überblick über die internationale Seefahrt geboten und moderne Schiffe gezeigt,
femer wird eine Segelregatta stattfinden, das größte
Feuerwerk an der Westküste veranstaltet und die
Landung des Kolumbus nachgestellt.

Im National Air and Space Museum wird die Ausstellung
Where Next, Columbus? gezeigt, die einen Ausblick
auf die nächsten fünfhundert Jahre gibt und sich
vorwiegend mit der Raumfahrt befaßt. Sie wird im
Dezember eröffnet.
Nordamerikatour 1992 der Schiffe Pinta, Nina,
Santa Maria
Nachfolgend veröffentlichen wir die Reiseroute der
Nachbauten von Kolumbus' Schiffen in den Vereinigten Staaten.
Miami

15. Feb. - 1. März

Corpus Christi

13. März - 22. März

Galveston/Houston

25. März - 29. März

New Orleans

2. April - 5. April

Tampa

10. April -19. April

St. Augustine

25. April - 27. April

Charleston

I.Mai

- 3. Mai

Norfolk

8. Mai

-10. Mai

Baltimore

15. Mai

- 25. Mai

Annapolis

27. Mai

- 29. Mai

Philadelphia

5. Juni - 1 4 Juni

Wilmington

16. Juni -17. Juni

Atlantic City

19. Juni - 21. Juni

Smithonian Institution (Washington, D.C.)

New York

26. Juni -19. Juli

Die Ausstellung Seeds of Change im Nationalen
Naturkundemuseum zeigt Exponate aus Europa, der
Karibik und Südamerika, die die Auswirkung von fünf
Seeds (Samen) oder Elementen der Veränderung
beschreiben, die die alte und die neue Welt gleichermaßen beeinflußt haben - Getreide, Kartoffeln, Pferde, Zucker und Krankheiten. Die Ausstellung läuft bis
April 1993.

New London/Mystic

24. Juli

- 26. Juli

Boston

31. Juli

-16. Aug.

San Francisco

2. Okt.

- 25. Okt.

San Luis Obispo

30. Okt. -

Die im Nationalen Museum für amerikanische Geschichte gezeigte Ausstellung American Encounters
vermittelt ein Bild vom amerikanischen Südwesten,
dem Zusammenleben von Indianern, Hispaniern,
Amerikanern afrikanischer Abstammung und Angloamerikanern, die sich in New Mexico im oberen Tal des
Rio Grande angesiedelt haben. Die Ausstellung wird
am 24. Juni eröffnet.

I.Nov.

Los Angeles

6. Nov. - 29. Nov.

San Juan Capistrano

4. Dez. - 6. Dez.

San Diego

11. Dez. - 20. Dez.

Jede angelaufene Stadt wird in Zusammenarbeit mit
der Stiftung Spanien '92 geplante besondere öffentliche und private Veranstaltungen wie Feuerwerke,
Paraden, öffentliche Konzerte, Symphonien und Kunstausstellungen organisieren.

* * * * *

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                    <text>amcrika
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the UnitedStates of America

530°

4. März 1992

29
BöH^ 2 -

HANDEL

HANDELSBEAUFTRAGTE LEGT DREI
HANDELSPRIORITÄTEN FÜR 1992 FEST
Bericht über das handelspolitische
Programm für 1992

GUS-HILFE

AKTION HOFFNUNG BEENDET PARTNERSCHAFT BEGINNT
Luftbrücke durch Lieferungen per
Schiff, Straße und Schiene abgelöst

WAHLEN '92

WICHTIGE ROLLE DES SÜDENS
AM "SUPERDIENSTAG"
Der Einfluß der konservativen Region

UMWELT

USA FORDERN INTEGRIERTE UMWELTSTRATEGIEN
Anhörung vor dem Kongreß
NEUE AMERIKANISCHE MASSNAHMEN ZUR
MILDERUNG DER KLIMAVERÄNDERUNGEN
Eine Übersicht der amerikanischen
Regierung
BÜRGERINITIATIVEN ORGANISIEREN SICH
FÜR UNO-UMWELTKONFERENZ
Konferenzen und Demonstrationen
geplant

PORTRAT

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

PERKINS HAT SICH IN AFRIKA EINEN
NAMEN GEMACHT
Porträt des designierten US-Botschafters
bei den Vereinten Nationen

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�HANDEL
4. März 1992

HANDELSBEAUFTRAGTE LEGT DREI
HANDELSPRIORITÄTEN FÜR 1992 FEST
Bericht über das handelspolitische Programm für 1992
WASHINGTON - (AD) - Dem Büro der US-Handelsbeauftragten zufolge werden 1992 drei umfassende Ziele in
der Handelspolitik verfolgt, die zur Öffnung von Märkten und der Liberalisierung des ausländischen Handels
führen sollen.
In dem am 28. Februar 1992 veröffentlichten Bericht umreißt die Handelsbeauftragte unter anderem folgende
drei Bereiche:
erfolgreicher Abschluß der Uruguay-Runde globaler Handelsgespräche,
regionale und bilaterale Liberalisierung des Handels durch den Abschluß eines Nordamerikanischen
Freihandelsabkommens, Fortschritte bei der Initiative des Präsidenten zur Förderung der Privatwirtschaft
in den Ländern Amerikas und erweiterter Zugang zu den japanischen Märkten,
Durchsetzung der amerikanischen Handelsvereinbarungen und -gesetze zur Förderung der sektoralen
Öffnung von Märkten für Telekommunikation, Stahl, Schiffbau, Verkehrsflugzeugbau und staatliche Beschaffung.
Dem Bericht zufolge wird die Handelsbeauftragte auch die Arbeit an Umweltschutzmaßnahmen und deren
Verhältnis zur Handelspolitik intensivieren. "Die Vereinigten Staaten müssen nach besseren Mitteln suchen, um
der steigenden Zahl von Beschwerden nachzugehen, die sich aus den unterschiedlichen weltweit gültigen
Hygiene- und Sicherheitsvorschriften ergeben.
Nachfolgend veröffentlichen wir den Text des handelspolitischen Programms für 1992.

Das handelspolitische Programm
Die Erweiterung der Möglichkeiten für amerikanische
Firmen und Personen, Waren und Dienstleistungen im
Ausland anzubieten, ist nach wie vor ein Eckpfeiler der
Handelspolitik der Bush-Administration. Sie ist femer
ein Schlüsselelement unserer langfristigen Wachstumspolitik, da offene Märkte und zunehmende Exporte Wirtschaftswachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen in den Vereinigten Staaten zur Folge
haben.
Seit 1988 haben die Exporte in der Tat um nahezu 90
Milliarden Dollar zugenommen und schätzungsweise
1,8 Millionen neue exportbezogene Arbeitsplätze
geschaffen. Hätten die Exporte nicht expandiert, wäre
die Wirtschaftsflaute noch gravierender gewesen.
1991 war auch geopolitisch ein bemerkeswertes Jahr.
Die Nationen in Europa, Lateinamerika und Afrika
strebten weiterhin nach einer mehr marktwirtschaftlich
AMERIKA DIENST 9

orientierten Wachstumspolitik und weg von den planwirtschaftlichen, protektionistischen, zum Scheitern
verurteilten Maßnahmen der Vergangenheit.
Die Bush-Administration verfolgt 1992 drei umfassende handelspolitische Ziele:
a)

den Abschlu ß der Uruguay-Runde multilatera'e r Handelsgespräche. Das GATT-System hat
der Welt 40 Jahre lange gute Dienste geleistet,
mL|
ß jedoch überarbeitet werden, wenn es mit
den sich verändernden Handelspraktiken und
-problemen Schritt halten will.

b

Fortsetzung unserer Arbeit zur Förderung der
Liberalisierung des Handels auf bilateraler und
regionaler Ebene. Unsere Ziele sind der baldmögliche Abschluß eines umfassenden Nordamerikanischen Freihandelsabkommens mit
Mexiko und Kanada, weitere Fortschritte bei
anderen regionalen Programmen wie der Intitia-

)

Seite 1

�•

c)

tive zur Förderung der Privatwirtschaft in den
Ländern Amerikas und verbesserter Zugang zu
spezifischen Märkten wie dem japanischen. Die
amerikanischen Exporte nach Japan haben in
den vergangenen 3 Jahren um 30 Prozent
zugenommen und bewiesen, daß Fortschritte
möglich sind, jedoch noch immer zahlreiche
struturelle und sektorale Handelshemmnisse
bestehen.

ten und zu neuen und besser bezahlten Arbeitsplätzen
für amerikanische Arbeitnehmerführen. Schätzungen
von Ökonomen zufolge - denen wir uneingeschränkt
vertrauen - wird ein gutes Abkommen der UruguayRunde in den Vereinigten Staaten und weltweit zu
einem Nettozuwachs bei Arbeitsplätzen und einem
beachtlichen Anstieg des Lebensstandards führen.

Durchsetzung unserer Handelsabkommen und
Ausübung von Druck durch den amerikanischen
Markt und amerikanische Handelsgesetze zur
Förderung der weiteren Öffnung sektoraler Märkte
wie etwa für Telekommunikation, Stahl, Schiffbau, Verkehrsflugzeugbau und staatliche Beschaffung.

Nord- und Lateinamerika

Darüber hinaus werden das Büro der Handelsbeauftragten sowie andere für Umwelt, Hygiene- und Sicherheitsnormen zuständige Behörden 1992 neue
Aufgabenbereiche übernehmen. Während die Welt
immer interdependenter wird, müssen wir Mechanismen finden, mit denen die Nationen Normen zum
Schutz der Öffentlichkeit und des Gemeinwohls unter
angemessener Berücksichtigung der Rechte anderer
Nationen verabschieden können.
Diese Übersicht vermittelt einen besseren Eindruck
von den Handelsprioritäten der Administration im
kommenden Jahr.
A. Erfolgreicher Abschluß der Uruguay-Runde
Unserer Ziele und Ambitionen für die Uruguay-Runde
lauten auch im Jahr 1992 gleich. Wir möchten das
multilaterale Handelssystem besser an die aktuellen
Handelsmuster anpassen, indem wir neue Regeln für
Dienstleistungen, Investitionen, Landwirtschaft und
nichttarifäre Handelshemmnisse - der herkömmlichen
Aufgabe des GATT - einführen.
Am 20. Dezember 1991 veröffentlichte der Generaldirektor des GATT, Arthur Dunkel, einen auf die Erkenntnisse der vergangenen fünf Verhandlungsjahre gegründeten Entwurf für einen endgültigen Vertrag. Obwohl
alle Nationen einschließlich der Vereinigten Staaten
Vorbehalte gegenüber bestimmten Textabschnitten
zum Ausdruck gebracht haben, besteht Konsens, daß
der Vertragsentwurf die Grundlage für den erfolgreichen Abschluß der Uruguay-Runde bilden kann. Es
muß jedoch noch ein beachtliches Stück Arbeit geleistet werden, nicht zuletzt im Bereich von Verpflichtungen beim Marktzugang, wo die Nationen bestimmte
Verpflichtungen zur Senkung der tarifären und nichttarifären Handelshemmnisse eingehen und den dauerhaften Zugang für ausländische Anbieter von Dienstleistungen sicherstellen müssen.
Ein umfassendes Paket der Uruguay-Runde könnte
für die US-Wirtschaft in den nächsten zehn Jahren
einen Aufschwung in Höhe von 1 Billion Dollar bedeuSeite 2

B. Regionale und bilaterale Initiativen

NAFTA: Die ehrgeizigste in die Wege geleitete regionale Initiative sind unsere Verhandlungen über ein
trilaterales Freihandelsabkommen mit Kanada und
Mexiko. Das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA) wird 360 Millionen Menschen mit einer
Gesamtproduktion von über 6 Billionen Dollar einbeziehen.
Die Verbesserung des Lebensstandards in Nordamerika gereicht zu unserem Vorteil. Die amerikanischen
Waren machen nicht nur 70 Prozent der Gesamtimporte Mexikos aus, sondern die Mexikaner konsumieren auch mehr amerikanische Produkte pro Person als
die europäischen oder japanischen Verbraucher (1991
im Wert von rund 28 Milliarden Dollar). Je weiter
Mexiko wächst, desto mehr amerikanische Exporte
werden in Mexiko konsumiert und desto mehr exportbezogene Arbeitsplätze werden dort geschaffen.
Ein Freihandelsabkommen wird zur Aufrechterhaltung
und Verbesserung der von Präsident Salinas verabschiedeten wachstumsorientierten Maßnahmen beitragen. Dauerhaftes Wirtschaftswachstum in Mexiko
wird Arbeitsplätze für Mexikaner schaffen und den
Druck zur Auswanderung mildern. Zunehmender
Wohlstand wird auch uns Ressourcen zur Bekämpfung gemeinsamer Probleme wie Umweltverschmutzung und Drogenhandel sowie zur Verbesserung der
gemeinsamen Infrastruktur wie Straßen, Brücken und
Müllentsorgungsanlagen an die Hand geben.
Dank harter Arbeit haben die drei Parteien einen
fundierten, jedoch mit zahlreichen Klammern versehenen Text über ein künftiges NAFTA-Abkommen erarbeitet. In den nächsten Wochen und Monaten werden
wir unsere Arbeit mit dem Kongreß, mit unseren privatwirtschaftlichen Beratern und mit der Öffentlichkeit
fortsetzen, um Problembereiche auszumachen und
Strategien zur Erarbeitung eines endgültigen Abkommens zu entwerfen. Geschwindigkeitsoll einem guten
Abkommen nicht im Wege stehen, aber wir wollen das
Abkommen auch so rasch wie möglich zum Abschluß
bringen, damit wir bald davon profitieren können.
Die Initiative zur Förderung der Privatwirtschaft
in den Ländern Amerikas (EAI): Im Juni 1990 legte
der Präsident seine Vision eines Freihandelsgebiets
von Alaska bis Argentinien dar, mit dem die beiden
Teile Amerikas durch Handel und Wohlstand einander
nähergebracht werden sollen. Die Vision des PräsiAMERIKA DIENST 9

�denten wurde mit Enthusiasmus begrüßt. Seit damals
haben die Vereinigten Staaten Rahmenabkommen zu
Handel und Investitionen (entweder einzeln oder kollektiv) mit 31 ihrer Nachbarstaaten abgeschlossen.
Die EAI zielt darauf ab, den sich in Lateinamerika und
der Karibik vollziehenden dramatischen Umbruch zu
offenen Marktwirtschaften, freiem Handel und begrenzteren staatlichen Eingriffen in die Wirtschaft zu
fördern. Praktisch jede bedeutende Volkswirtschaft in
der Region hat Handels- und Investitionshemmnisse
beseitigt, und die amerikanischen Exporte in die Region (mit Ausnahme Mexikos) haben sich insgesamt
von 31 Milliarden im Jahr 1986 auf 53 Milliarden 1990
erhöht. Das "verlorene Jahrzehnt" der achtziger Jahre
wird in Lateinamerika und der Karibik vergessen sein,
wenn es uns gelingt, diese neuen Chancen zu ergreifen und ein gesünderes Verhältnis zwischen Handel
und Investitionen aufzubauen. Die EAI hat genau das
zum Ziel, und wir beabsichtigen, im Jahr 1992 auf
dieser Grundlage aufzubauen.
Gesetz über Handelspräferenzen für die
Andenstaaten (ATPA): Eine weitere Initiative des
Präsidenten zur Erweiterung des Handels in der Region ist das ATPA, mit dem Produkten aus den Andenstaaten, die den Drogenhandel bekämpfen, besserer
Zugang zu unseren Märkten gewährleistet wird. Dank
der Mitarbeit des Kongresses wurde die GesetzesvorIage1991 verabschiedet. 1992 werden wir die in Frage
kommenden Andenstaaten ermutigen, die Bedingungen des ATPA zu erfüllen und sich die Chancen des
ATPA zunutze zu machen.
Pazifisches Becken
Japan: Wie schon durch die Reise des Präsidenten
nach Japan im Januar verdeutlicht wurde, wird der
weiteren Erschließung des zweitgrößten Industrielands der Welt von der Administration nach wie vor
höchste Priorität eingeräumt.
Unsere Handelspolitik gegenüber Japan wird auf vier
Ebenen fortgesetzt. Erstens werden wir im Jahr 1992
eine Vereinbarung über die Marktöffnung für Papierprodukte anstreben (ein Markt von 65 Milliarden Dollar). Wir sehen ferner einer kartellrechtlichen Überprüfung in den Bereichen Papier, Flachglas, Automobile
und Autoteile entgegen. In jedem dieser Sektoren
haben amerikanische Erzeugnisse ihre internationale
Wettbewerbsfähigkeit bewiesen, jedoch haben Handelsschranken und die Praxis von Absprachen auf
dem japanischen Markt amerikanische Anbieter behindert oder ausgeschlossen.
Diese Verhandlungen werden andere unter Präsident
Bush ausgehandelte sektorale Vereinbarungen ergänzen, darunter Vereinbarungen über Mobiltelephone, Mobilfunk, Holzprodukte und unlängst das Abkommen über die staatliche Beschaffung von Computern.
Diese Vereinbarungen haben bereits zusätzliche
Umsätze in Millionenhöhe zur Foige gehabt.
AMERIKA DIENST 9

Zweitens werden wir auf den von Premierminister
Miyazawa gegenüber Präsident Bush eingegangenen
Verpflichtungen zur Stärkung und Erweiterung der
Initiative gegen strukturelle Hemmnisse (Structural
Impediments Initiative - SM) aufbauen. Die Sil liefert
einen systematischen Ansatz zur Öffnung des japanischen Marktes. Sie hat der japanischen Kommission
für fairen Handel bereits ein verbessertes Instrumentarium zur Verfügung gestellt, um die japanischen
Gesetze gegen Monopole durchzusetzen, zur Aufhebung von Schranken geführt, die 'Toys R Us" und
andere große Einzelhandelsketten an der Niederlassung in Japan hinderten, und zusätzliche Nischen für
private ausländische Investoren geschaffen.
Drittens werden wir im Rahmen der Uruguay-Runde
weiterhin auf verbesserten Zugang zum japanischen
Markt drängen. Wir fordern Japan auf, sich unseren
Vorschlägen beispielsweise zum Abbau von Zöllen auf
Nichteisenmetalle und Holzprodukte anzuschließen
und streben im Rahmen der Verhandlungen über
Zugang zum Dienstleistungsmarkt verbesserten Zugang zu Finanz- und juristischen Dienstleistungen an.
Der Entwurf der Schlußakte der Uruguay-Runde enthält wichtige Regelungen für amerikanische Interessen, darunter das Recht für Inhaber von Urheberrechten an audio-visuellem Material, den Verleih ihrerTonund Filmaufzeichnungen zu kontrollieren.
Schließlich werden wir mit der japanischen Regierung
bei deren weiteren Bestrebungen zur Öffnung der
verschlossenen Industriemärkte des Landes zusammenarbeiten. Die japanische Regierung hat jahrelang
Importe behindert und Partnerschaften zwischen japanischen Unternehmen und ausländischen Anbietern
entmutigt. Heute muß die Regierung eine Führungsrolle beim Aufbrechen verkrusteter Gewohnheiten und
Praktiken spielen. Ihre neue Initiative "Global Business Partnership" hat zum Beispiel 23 amerikanischen
Gro ßunternehmen konkrete Verpflichtungen zur Erhöhung ihrer Importe um 10 Milliarden Dollar bis zum Jahr
1993 abgerungen. Dieser Ansatz ergänzt die dem
Präsidenten von der japanischen Automobilindustrie
zugestandenen Verpflichtungen, ihre Ankäufe ausländischer Automobile und Autoteile in den nächsten drei
Jahren um 10 Milliarden Dollar zu steigern.
China: Im vergangenen Jahr haben wir gemäß Abschnitt 301 des Handelsgesetzes zwei Überprüfungen
gegen die Volksrepublik China eingeleitet - eine zum
mangelhaften Schutz von Urheberrechten, Patenten
und sonstigen Rechten an geistigem Eigentum, die
andere zu Marktzugangsbeschränkungen, darunter
hohe Zölle, Quoten und mangelnde Transparenz von
Bestimmungen. Die Verhandlungen über geistiges
Eigentum wurden mit einer am 17. Januar 1992 unterzeichneten Regierungsvereinbarung erfolgreich abgeschlossen. Nach ihrer Verwirklichung und Durchsetzung wird diese Vereinbarung den Schutz von Patenten, Urheberrechten und Betriebsgeheimnissen sowie
die rechtliche Durchsetzung von Rechten an geistigem
Seite 3

�Eigentum in China verbessern. Insbesondere die
pharmazeutische und Computerindustrie der Vereinigten Staaten werden von dieser Vereinbarung profitieren.

strument verbesserter wirtschaftlicher Zusammenarbeit im Pazifischen Becken dienen kann, wie etwa der
Prozeß der asiatisch-pazifischen wirtschaftlichen Zusammenarbeit (APEC).

Die Verhandlungen über Marktzugang müssen spätestens am 10. Oktober 1992 abgeschlossen sein.
Während die chinesische Regierung beim Abbau einiger Handelshemmnisse Fortschritte gemacht hat,
einschließlich des Abbaus von Zöllen auf eine kleine
Kategorie von Waren und der Veröffentlichung einiger
ihrer Handelsgesetze, müssen noch ernsthafte Probleme aus dem Weg geräumt werden. Es bestehen
weiterhin hohe Zölle auf ein breites Spektrum amerikanischer Waren, Importlizenzen und Quoten sind immer
noch gültig, amerikanische Produkte werden weiterhin
diskriminierenden Normen unterworfen, und das chinesische System entbehrt der Transparenz im Hinblick auf die Verkündung und Anwendung von Handelsgesetzen und -Verfügungen. Alle diese Faktoren
müssen angesprochen werden, um die Überprüfung
erfolgreich abzuschließen.

Europa und der Mittelmeerraum

Neben diesen Untersuchungen nach Abschnitt 301
werden US-Zollbehörde und USTR weiter ermitteln
und Maßnahmen ergreifen, um Betrügereien im Textilbereich zu verhindern. Zusammen mit anderen
Behörden werden sie sich bemühen, das Problem der
von Häftlingen produzierten Waren zu behandeln.
Wir werden weiterhin mit unseren Handelspartnern
zusammenarbeiten, um den chinesischen Antrag auf
Mitgliedschaft im GATT zu prüfen.
Asien/Pazifik: Das Handelsprogramm der BushAdministration im Hinblick auf Asien und die Pazifikregion verfolgt zwei Ziele: 1) die Verbesserung des
Marktzugangs für Exporte amerikanischer Waren und
Dienstleistungen, und 2) die Emutigung von Ländern
der Region zur Einhaltung multilateraler Handelsvorschriften und Disziplinen bei der täglichen Abwicklung
ihrer handelspolitischen Maßnahmen und Praktiken.
Für den erfolgreichen Abschluß der Uruguay-Runde
benötigen wir die aktive Beteiligung Koreas sowie der
sechs Staaten des Verbands südostasiatischer Staaten (ASEAN) - Thailand, Indonesien, Malaysia, die
Philippinen, Brunei und Singapur -, insbesondere bei
den Verhandlungen über Marktzugang. Wir messen
der Verwirklichung unserer Vorschläge zum Abbau
von Zöllen mit ASEAN sowie eines verstärkten Zugangs zu ihren Dienstleistungsmärkten, insbesondere
den Finanzdienstleistungen, große Bedeutung bei.
Zu unseren langfristigen Zielen gehören: Mitgliedschaft Koreas in der Organisation für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die Beteiligung Taiwans am GATT, die Beendigung des Entwicklungslandstatus für die ASEAN-Staaten sowie die
Schaffung einer regionalen Organisation, die als In-

Seite 4

Die Europäische Gemeinschaft (EG): Die aus zwölf
Ländern bestehende EG bleibt insgesamt unser wichtigster Handelspartner und Standort für den Großteil
unserer Investitionen in Übersee. Seit 1983 erzielen
die Vereinigten Staaten gegenüber der EG einen kleinen aberwachsenden Handelsüberschuß.
Unser wichtigstes Ziel gegenüber der EG wird im Jahr
1992 der angestrebte Abschluß der Uruguay-Runde
sein. Im Gegensatz zum Eindruck der Öffentlichkeit
haben die Vereinigten Staaten und die EG in der
Runde viel gemeinsam, darunter den Wunsch nach
stärkerem Schutz der Rechte an geistigem Eigentum
in den Entwicklungsländern, den Bedarf nach soliden
Verpflichtungen für weltweiten Marktzugang bei Waren und Dienstleistungen sowie den Wunsch zur Aufrechterhaltung strenger Vorschriften gegen Dumping.
Aber wir haben auch Meinungsverschiedenheiten, die
einen Verzögerungseffekt hatten.
Eine Reihe von sektorspezifischen Handelsproblemen
müssen mit Europa dringend behandelt werden. Wir
werden sowohl bilaterale Lösungen als auch Lösungen im Rahmen der Uruguay-Runde anstreben. Zu
unseren Anliegen gehören: staatliche Subventionen
für den Verkehrsflugzeugbau, Stahlproduzenten und
Schiffbauer, unfaire Unterstützung des Ölsaatenbereichs der EG, EG-Quoten, die die Ausstrahlung
amerikanischer Filme durch europäische Fernsehsender beschränken, staatliche Telekommunikations- und
Stromversorgungsunternehmen, die ausländische
Produkte ausgrenzen sowie Schranken gegen amen-1
kanische Lieferanten von Waren und Dienstleistungen
im Telekommunikationswesen.
Der EG-Binnenmarkt soll bis zum 31. Dezember 1992
verwirklicht sein, obwohl einige entscheidende Komponenten bis dahin noch nicht in die Praxis umgesetzt
sein werden. Über unsere normale Überprüfung der
Richtlinien für den EG-Binnenmarkt hinaus werden wir
dieses Jahr der Aushandlung akzeptablen Zugangs zu
den künftigen europäischen Regelungen in bezug auf
Normen, Erprobung und Zulassungsbestimmungen
Priorität einräumen.
Mittel- und Osteuropa: Wir werden uns weiterhin
bemühen, den aufstrebenden Demokratien in Mittelund Osteuropa sowie der ehemaligen Sowjetunion zu
helfen, indem wir die beiderseitigen Handelsmöglichkeiten erweitern. Der Präsident hat am 30. März 1991
eine Initiative zur Förderung des Handels verkündet.
Eine der darin enthaltenen Maßnahmen ist die zollfreie
Behandlung zusätzlicher Exporte aus diesen Ländern

AMERIKA DIENST 9

�nach dem Allgemeinen Präferenzsystem. Die Überprüfung wird im April beendet und veröffentlicht werden. Unser Ziel besteht darin, diese Staaten in das
offene Welthandelssystem einzugliedern und Wachstum durch Handel zu fördern.
Der Mittelmeerraum: Die Administration verfolgt in
der Region eine Reihe von Prioritäten, darunter die
Stärkung des unzureichenden Schutzes der Rechte
an geistigem Eigentum in der Türkei, die Verbesserung unseres Freihandelsabkommens mit Israel sowie
die Erweiterung unserer Handelsmöglichkeiten mit der
arabischen Welt, indem wir uns das durch Operation
Wüstensturm geschaffene positive Klima zunutze
machen.
Afrika, Vorder- und Mittelasien
Die Administration muß im Rahmen von Abschnitt 301
des Handelsgesetzes bis zum 26. Februar 1992 eine
Überprüfung des fehlenden Schutzes für Rechte an
geistigem Eigentum in Indien durchführen. Zwar wurden

in den Bereichen Urheberrechte und Warenzeichen
Fortschritte erzielt, aber in der Frage des ausreichenden Patentschutzes in der indischen Gesetzgebung
differieren unsere ansichten weiterhin erheblich.
Im Hinblick auf Afrika wünscht die Administration die
Ausweitung von bilateralem Handel und Investitionen.
Die auf dem afrikanischen Kontinent stattfindenden
Veränderungen sind in vielfacher Hinsicht ebenso
tiefgreifend wie die in der ehemaligen Sowjetunion. Im
Jahr 1992 wird die Bush-Administration weiterhin Mittel und Wege suchen, um den Zugang für amerikanische Waren und Dienstleistungen zu verbessern und
die wirtschaftlichen Bindungen zu Ländern zu verstärken, die sich von Jahrzehnten der Mißwirtschaft und
sozialistischen Politik befreien.
C. Sektorale Verhandlungen und die Umwelt
Das Stahlliberalisierungsprogramm des Präsidenten: Die Bush-Administration ist entschlossen, den
Marktkräften im Stahlbereich erneut Geltung zu verschaffen und unfaire Handelspraktiken, wie etwa staatliche Subventionen, abzubauen. Die Selbstbeschränkungsvereinbarungen - die den Handel mit Stahl über
sieben Jahre lang geregelt haben - werden am 31.
März 1992 auslaufen. Bis zu diesem Zeitpunkt hoffen
die Vereinigten Staaten ein Multilaterales Stahlabkommen mit 30 anderen Staaten (die über 90 Prozent des
Stahlhandels repräsentieren) abgeschlossen zu haben, das die meisten Subventionen im Stahlbereich
untersagen, tarifäre und nichttarifäre Handelsschranken beseitigen und einen wirksamen Schlichtungsmechanismus enthalten würde. Ohne ein solches Abkommen werden sich die amerikanischen Firmen zur
Bekämpfung unfairer ausländischer Stahlhandelspraktiken erneut auf die amerikanischen Handelsgesetze
verlassen.

AMERIKA DIENST 9

Verkehrsflugzeug- und Schiffbau: Die Administration möchte so bald wie möglich die Verhandlungen mit
dem Airbus-Konsortium (EG, Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Spanien) abschließen, um den
Verkehrsflugzeugsektor den Regeln und Disziplinen
des Markts zu unterwerfen. Unser Ziel ist es, zunächst
- vorzugsweise bis April - ein Abkommen mit den
Airbus-Staaten abzuschließen und die Regeln danach
multilateral auszudehnen. Diese würden Begrenzungen der Subventionen für Forschung und Entwicklung,
ein Verbot von Produktionssubventionen und einen
Schlichtungsmechanismus vorsehen.
Die Administration möchte in der ersten Hälfte 1992
ähnliche Verhandlungen mit den wichtigsten Schiffbaunationen der Welt abschließen.
Textilien und Bekleidung: Die vierte und jüngste
Verlängerung des Mehrfaserabkommens (MFA) - das
etwa 80 Prozent unserer Textil- und Bekleidungsimporte regelt - wird am 31. Dezember 1992 auslaufen.
Bis dahin hoffen wir ein neues System ausgehandelt
zu haben: Im Rahmen der Uruguay-Runde würden die
Vereinigten Staaten einwilligen, das MFA schrittweise
abzubauen und Textilien/Bekleidung den normalen
Regeln des GATT zu unterwerfen.
Die Umwelt und andere neue Fragen: Überschneidungen zwischen umweltpolitischen Aktionen und
Handelsmaßnahmen treten immer häufiger auf. Bestimmte Programme - etwa das amerikanische Einfuhrverbot für Thunfisch, bei dessen Fang auch Delphine getötet werden, oder das EG-Einfuhrverbot für
Pelze von Tieren, die mit Eisenfallen gefangen wurden
- können unerwartete Auswirkungen auf den Handel
haben. Das Einfuhrverbot für Thunfisch wurde bereits
vom GATT angefochten. Darüber hinaus gibt es
verschiedene internationale Umweltabkommen, die
bei Nichteinhaltung handelspolitische Strafmaßnahmen vorsehen.
Im vergangenen Jahr haben die Vereinigten Staaten
und andere Länder die GATT-Arbeitsgruppe zu
Umweltfragen gestärkt. Diese wird die in der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) geleistete Arbeit zu Handel und
Umwelt ergänzen. Die Administration hat ferner eine
Reihe von Umweltexperten zu Mitgliedern unserer
Beratungsgremien für Handelsgespräche ernannt.
Im Laufe des Jahres 1992 werden die Vereinigten
Staaten mit ihren Partnern zusammenarbeiten, um zu
gewährleisten, daß Umweltprogramme und Handelspolitik weiterhin in Einklang stehen. Die Arbeit im
GATT wird ebenso weitergeführt wie in den Vereinten
Nationen und gemäß anderen internationalen Konventionen wie dem Montrealer Protokoll über den Abbau
der Ozonschicht und der Konvention über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten.

Seite 5

�Die Vereinigten Staaten müssen nach besseren Mitteln suchen, um der steigenden Zahl von Beschwerden nachzugehen, die sich aus den unterschiedlichen
weltweit gültigen Hygiene- und Sicherheitsvorschriften ergeben. Die Exporte zahlreicher landwirtschaftlicher Produkte der Vereinigten Staaten wurden zum
Beispiel durch variierende, gelegentlich willkürliche
Hygienevorschriften blockiert. Dem steht jedoch die
erforderliche Aufrechterhaltung der Rechte von Bundesregierung und Einzelstaaten entgegen, Hygieneund Sicherheitsvorschriften zu erlassen.
D. Durchführung der US-Handelsgesetze
1992 wird die Regierung mit Hilfe der US-Handelsgesetze ihre bilateralen, regionalen und multilateralen
Initiativen vervollständigen, um Märkte zu öffnen und
fairen Handel zu gewährleisten. Dazu zählt die vollständige Durchführung des Handelsgesetzes von 1988,
einschließlich seiner Bestimmungen zum Schutz der

Rechte an geistigem Eigentum, Telekommunikation
und staatliche Beschaffung auf eine Art, die den handelspolitischen Zielen der Vereinigten Staaten Rechnung trägt.
Femer werden die Vereinigten Staaten Marktöffnungsvereinbarungen eingehend beobachten, die im vergangenen Jahr unter Abschnitt 301 ausgehandelt wurden
und Verhandlungen über Fragen weiterführen, die
gegenwärtig unter Abschnitt 301 beantragt werden.
Unser Handelsprogramm wird weiterhin international
anerkannte Arbeitnehmerrechte auf der ganzen Welt
fördern.
Schließlich werden die Antidumping- und Ausgleichszollvorschriften, die Meistbegünstigungsklausel und
die Handelsgesetzbestimmungen zum Schutz der nationalen Sicherheit nach bestem Wissen und Gewissen angewandt.

* * * * *

Seite 6

AMERIKA DIENST 9

�GUS-HILFE
4. März 1992

AKTION HOFFNUNG BEENDET PARTNERSCHAFT BEGINNT
Luftbrücke durch Lieferungen per Schiff, Straße und Schiene abgelöst
WASHINGTON - (AD) - Die Aktion Hoffnung, eine
amerikanische Luftbrücke, mit der etwa 2.000 Tonnen
humanitärer Hilfsgüter in die ehemalige Sowjetunion
geliefert wurden, hat ihre Mission erfolgreich abgeschlossen und mit den Worten ihres amerikanischen
Koordinators "den Weg für Folgeaktionen massiven
Ausmaßes" bereitet.
Zwei Wochen lang legten Besatzungen der amerikanischen Luftwaffe mit 65 Flugzeugen der Typen C-5 und
C-141 nahezu 640.000 Kilometer zurück, um dringend
benötigte Hilfsgüter - darunter 16 Millionen Mahlzeiten
- aus den Vereinigten Staaten, Deutschland und der
Türkei zu 24 Orten in 11 Mitgliedstaaten der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) zu transportieren.
Für US-Botschafter Richard Armitage, den Vor-OrtKoordinator der Aktion, stellt das Ende der Luftbrücke
am 26. Februar 1992 den Beginn einer Partnerschaft
nicht nur zwischen den Vereinigten Staaten und anderen Ländern, die in diesem Zusammenhang Hilfe leisteten, sondern auch zwischen privaten Hilfsorganisationen und der US-Regierung dar. Eine neue Partnerschaft wurde Armitage zufolge auch zwischen den
Vereinigten Staaten und der GUS eingeleitet, als zwei
riesige russische Transportflugzeuge des Typs Antonow 124 - die größten der Welt - am letzten Tag der
Luftbrücke Paletten mit Hilfsgütern in Frankfurt abholten.
"Wir haben den Menschen in den neuen unabhängigen
Staaten gezeigt, daß sich die Vereinigten Staaten als
Partner voll und ganz an den wirklich internationalen
Bemühungen zur Milderung und Beseitigung der Not
beteiligen", erklärte Armitage. "Wir haben den Weg für
Folgeaktionen massiven Ausmaßes bereitet." So stellte
das Landwirtschaftsministerium beispielsweise große
Mengen an Nahrungsmitteln wie Mehl, Säuglingsnahrung und Reis für den Transport in die ehemaligen
Sowjetrepubliken bereit.

AMERIKA DIENST 9

Die Vereinigten Staaten werden "der Gemeinschaft
Unabhängiger Staaten weiterhin beim Übergang zu
mehr politischer und wirtschaftlicher Freiheit zur Seite
stehen", so Pentagon-Sprecher Pete Williams, und
"mit anderen Staaten zusammenarbeiten, die zum
Erfolg dieser Aktion beigetragen haben".
Armitage verwies darauf, daß langfristig "Flugzeuge
nicht die Lösung darstellen... weil man so einfach nicht
genug Fracht transportieren kann". In Zukunft werden
die meisten humanitären Hilfsgüter per Schiff, Schiene
oder Straße in die ehemaligen Sowjetrepubliken geliefert werden - ein langsameres, aber preiswerteres
Verfahren als der Lufttransport. 14.000 Tonnen überschüssiger Nahrungsmittelrationen aus Beständen des
US-Verteidigungsministeriums wurden bereits in Pisa
für künftige Lieferungen bereitgestellt, die Anfang Juni
erwartet werden.
Armitage betonte jedoch, er werde die Möglichkeit
gelegentlicher künftiger Lufttransporte verderblicher
Güter, etwa von Medikamenten, nicht ausschließen,
da die medizinische Situation in der GUS "außerordentlich schlecht ist". Bis heute wurden dort medizinische Güter im Wert von 22,9 Millionen Dollar verteilt,
und weitere Lieferungen in Höhe von 17 Millionen
Dollar stehen bereit. Die American Hospital Association (AHA) und die US-Regierung arbeiten bereits
gemeinsam an einem Überprüfungssystem für von
Mitgliedskrankenhäusem der AHA unlängst angebotenen Medikamenten und Materialien.
Am letzten Tag der Luftbrücke dankte die Sozialministerin der Russischen Föderation, Ella Alexandrowna
Pamfilowa, mit folgenden Worten: "Wir wissen die
Hilfe und Sympathie außerordentlich zu schätzen, die
uns von den Bürgern der Vereinigten Staaten, Deutschlands und anderer Länder zuteil wird", erklärte sie. "Wir
sind mit einer Reihe von Problemen konfrontiert, und
wir machen nach wie vor Fehler, weil unser Weg zur
Demokratie sehr schwierig ist. Wir sind jedoch davon

Seite 1

�überzeugt, daß wir mit Ihrer Hilfe und... Sympathie in
der Lage sein werden, diese Schwierigkeiten früher zu
überwinden, als uns dies allein möglich wäre."

Agency, American Orthodox Church, CARE, CitiHope
International, Mercy Corps International, die Heilsarmee und das Rote Kreuz.

Amerikanische Teams, die die am 10. Februar begonnene Hilfsaktion organisierten, fanden rasch heraus,
daß verschiedene Städte gegensätzliche Bedürfnisse
und unterschiedliche Prioritäten hatten. Während zum
Beispiel in St. Petersburg Milch besonders wichtig war,
war in Aschchabad der Bedarf an Medikamenten größer als der an Nahrungsmitteln. Armitage zufolge
waren die Bürger von Aschchabad froh über die Lieferungen und stellten fest, daß bisher immer "Moskau
alles bekommen hat". Die psychologische Wirkung
der Lieferungen war fast ebenso wichtig wie die Güter
selbst, erklärte er.

Während der Luftbrücke brachten die Russen häufig
ihr Erstaunen über so viele amerikanische Frauen in
Uniform zum Ausdruck. Leutnant Stephanie
Hofcombe
erklärte, man habe ihr gesagt, russische Frauen dürften beim Militär Bürotätigkeiten ausüben, aber nicht als
Flugzeugbesatzung arbeiten, wie sie es während der
Luftbrücke beobachten konnten. Sowohl Pilot als auch
Dolmetscher an Bord des Flugzeugs nach Duschanbe
waren Frauen.

Jede Palette wurde mit einer Liste des Inhalts und ins
Russische übersetzten Anweisungen geliefert, um den
Empfängern die beste Verwendung der Güter zu erleichtern. "Eine ganze Reihe von Übersetzern haben
sehr hart gearbeitet, um zu erklären, was genau sich in
jeder dieser Lieferungen befindet", stellte Armitage
fest.
Die Luftbrücke flog folgende Ziele an: Eriwan (Armenien), Baku (Aserbaidschan), Bischkek (Kyrgysstan),
Aschchabad (Turkmenistan), Minsk (Weißrußland),
Taschkent (Usbekistan), Duschanbe (Tadschikistan),
Kischinew (Moldowa), Kiew, Charkow und L'wow
(Ukraine), Alma-Ata und Semipalatinsk (Kasachstan),
Moskau, St. Petersburg, Nowokusnetz, Kemerowo,
Perm, Jekaterinenburg, Tscheljabinsk, Archangelsk,
Ulan-Ude, Tschita und Irkutsk (Rußland). Obwohl
aufgrund der politischen Unruhen in Georgien keine
Hilfsgüter dorthin geliefert wurden, verprach Armitage,
daß dies in Zukunft der Fall sein werde.
Eine Reihe anderer Länder haben Spenden zu der
Hilfsaktion beigetragen, darunter Belgien, das Milch
beisteuerte, und Italien, das Orangen zur Verfügung
stellte. Deutschland, Japan, Katar, die Vereinigten
Arabischen Emirate und Norwegen spendeten Nahrungsmittel und Medikamente, Großbritannien Babynahrung und medizinische Hilfsgüter. Die Türkei,
Kanada, Frankreich, Portugal und Spanien leisteten
unterschiedliche Beiträge.
Zu den an der Verteilung beteiligten privaten Hilfsorganisationen zählen: the Diocese of the Armenian Church
of America, Catholic Relief Services, Worldvision Relief
and Development, Russian Winter Campaign,
Brother's
Brother Foundation, Sister Cities, American Jewish
Joint Development, Adventist Development Relief

* *

Seite 2

Major Susan Ives und Generalleutnant Albert Abramow, die hochrangigsten amerikanischen und russischen Offiziere, die die Lieferungen nach St. Petersburg koordinierten, erörterten die Rolle der russischen
weiblichen Militärs, die für gewöhnlich mit der Krankenfürsorge betraut werden. Ives stellte fest, sie sei
überrascht gewesen, daß sie beide angesichts der
noch vor einem Jahr gültigen militärischen Beschränkungen so ausführlich miteinander sprechen konnten.
Man habe die Möglichkeit gemeinsamer Ausbildungsprogramme für amerikanische und russische Offiziere
erörtert.
In einem kürzlich im Programm Press Conference
USA der Stimme Amerikas ausgestrahlten Interview
erklärte Armitage, die Vereinigten Staaten sähen ihre
Hilfe an die GUS als "Investition" in die Zukunft. Sollten
sich die Vereinigten Staaten je in einer Notlage befinden, hoffe er, die GUS würde ihre Hand in Freundschaft reichen. In seinen Gesprächen mit Ives brachte
Abramow seine Hoffnung zum Ausdruck, daß sich sein
Land eines Tages erkenntlich zeigen und den Vereinigten Staaten behilflich sein könne, sollten sie sich je
in einer Notlage befinden.
Auf lange Sicht, so Armitage, wird der Westen seine
Bestrebungen auf technische Hilfe für die GUS verlagern müssen. Wohin auch immer die amerikanischen
Teams reisten, stellten sie fest, daß "der Hunger und
Durst nach dem Know-how der technischen Hilfe noch
größer war" als der Bedarf an Nahrungsmitteln und
medizinischen Hilfsgütern.
Es liegt im Interesse der Vereinigten Staaten, des
Weltfriedens und der Stabilität, daß dem Kampf um
Demokratie Erfolg beschieden ist, fuhr Armitage fort.
Die humanitäre Hilfe der Vereinigten Staaten an die
GUS sind keine Almosen, betonte er. "Sie liegt im
nationalen Interesse."

* *

*

AMERIKA DIENST 9

�W A H L E N '9 2
4. März 1992

WICHTIGE ROLLE DES SÜDENS
AM "SUPERDIENSTAG"
Der Einfluß der konservativen Region

WASHINGTON - (AD) - Es ist nicht leicht, den amerikanischen Süden zu charakterisieren. Der sich vom
Atlantik im Westen zu den Bergen des westlichen
Texas erstreckende ungeheuer große Sonnengürtel
ist komplexer und vielschichtiger als der traditionell
ländliche "alte Süden" der Lieder und Legenden.
Es ist immer noch eine Region, in der Religion sehr
ernst genommen wird und das Militär großen Respekt
genießt - und wo man sich schnell und leicht kennenlernt. Aber der Zuzug von oftmals aus dem Norden
stammenden Außenseitern in die Städte, die Zunahme der Büroberufe und das Wachstum der Dienstleistungsindustrie sowie der steigende Einfluß schwarzer Wähler haben die Erwartungen im Süden verändert.
"Der Süden hat sich in den vergangenen 30 Jahren so
stark verändert," erklärt der Dozent an der University of
Mississippi, Charles Wilson Reagan, "daß Politik heute
viel komplizierter ist. Zwischen dem traditionellen
Süden und dem moderneren Süden findet ein Kampf
statt." Deshalb ist es für die amerikanischen Präsidentschaftskandidaten schwierig, in der Region Fuß
zu fassen.
Bei den frühen Vorwahlen und Parteiversammlungen
im letzten Monat haben die Kandidaten in den kleineren nördlichen Bundesstaaten das praktiziert, was
Beobachter "bürgernahe Politik" nennen - von Angesicht zu Angesicht, im direkten Kontakt mit den Wählern. In New Hampshire konnten sie leicht die einzelnen Städte mit dem Bus abfahren und mit vielen
Wählern direkt sprechen.
Aber der Zeitplan der Vorwahlen erfaßt jetzt auch den
Hest des Kontinents, und die "bürgernahe Politik"
weicht der "Politik für die Masse" großangelegter
Werbefeldzüge, Briefsendungen und Marathonflugreisen zwischen vielen Staaten, in denen die Bürger
gleichzeitig wählen. Am vergangenen Wochenende

AMERIKA DIENST 9

haben sich die führenden Präsidentschaftskandidaten
der Demokraten zu drei verschiedenen Debatten getroffen - eine im Westen im gebirgigen Staat Colorado,
eine im Südstaat Georgia und eine im Osten, in Maryland. Politiker wenden einen Begriff ausdernationalen
Basketballliga an, um das Tempo der Kampagne zu
beschreiben - "March madness".
Am 10. März, dem "Superdienstag", werden in Texas,
Florida, Louisiana, Mississippi, Oklahoma, Tennessee, Massachusetts und Rhode Island die Vorwahlen
und in Missouri, Delaware und auf Hawaii die Parteiversammlungen stattfinden. (Sieben dieser 11 Staaten liegen im Süden oder an der Grenze zum Süden).
Davor findet am 3. März der "Juniordienstag" statt, an
dem in Georgia, Maryland und Colorado Vorwahlen
und in Utah und Washington die Parteiversammlungen
sowohl der Demokraten und als auch der Republikaner, in Idaho und Minnesota nur die Versammlungen
der Demokraten, stattfinden (in diesen beiden Bundesstaaten werden die republikanischen Parteiversammlungen zu einem späteren Zeitpunkt abgehalten). Zwischen diesen beiden Terminen führt South
Carolina am 7. März seine Vorwahlen durch, und an
diesem Datum finden in Arizona und Wyoming Parteiversammlungen statt, die in Nevada erst am 8. März
abgehalten werden.
Nach dem Superdienstag werden die beiden wichtigsten politischen Parteien über ein Drittel der Delegierten für ihre nationalen Nominierungskonvente ausgewählt haben.
Der Superdienstag wurde von Politikern im Süden ins
Leben gerufen, die das Konzept des "starken Südens"
wieder einführen wollten, das Mitte des Jahrhunderts
zu bröckeln begann. Die Wähler im Süden erinnerten
sich immer noch daran, daß die republikanische Partei
den Norden im Bürgerkrieg vor 80 Jahren angeführt
hatte und stimmten deshalb für die Demokraten. Aber
obwohl sie in den letzten Jahren auf kommunaler und
Seite 1

�bundesstaatlicher Ebene vorwiegend Demokraten
gewählt haben, entschieden sie sich für republikanische Präsidentschaftskandidaten.
Wenn alle Staaten des Südens sich zusammenschlössen und ihre Vorwahlen am gleichen Tag abhielten,
würden sie den Parteivorsitzenden zufolge einen einzigen demokratischen Kandidaten aus ihrer Region
unterstützen, ihn durch die Partei nominieren lassen
und ins Weiße Haus katapultieren.
1988 hielten die Demokraten am Superdienstag in 20
Bundesstaaten Vorwahlen oder Parteiversammlungen ab. Aber das Ereignis konnte ihre Erwartungen
nicht erfüllen. Der Senator aus Tennessee, Albert
Gore, war ihr Wunschkandidat und siegte mehrmals
im Süden, was jedoch nicht ausreichte und zum Scheitern seiner Kampagne führte. Auf der Seite der
Republikaner gewann Präsident Bush an diesem Tag
soviele Vorwahlen, daß ihm die Nominierung durch
seine Partei sicher war.
In diesem Jahr wurde der Superdienstag in seiner
Bedeutung etwas heruntergeschraubt, und viele Staaten im Süden entschieden gegen eine Teilnahme an
einer regionalen Vorwahl. Georgia verlegte seine
Vorwahl vor, und einige andere Staaten wie Alabama,
Arkansas, Kentucky und North Carolina halten ihre
Vorwahlen später ab. Aber Texas und Florida, zwei
der bevölkerungsreichsten Bundesstaaten des Landes, bleiben beim Superdienstag, der immer noch ein
wichtiges Ereignis des Wahlkampfes ist.
An diesem Tag wird die Stärke aller Kandidaten gemessen, insbesondere die des einzigen Demokraten
aus dem Süden in diesem Jahr, dem Gouverneur von
Arkansas, Bill Clinton. Er ist der angebliche Spitzenreiterunterden demokratischen Kandidaten insbesondere im Süden, aber das muß sich noch bei einer
Vorwahl oder Parteiversammlung erweisen - bis jetzt
war er in Kontroversen über seinen Kriegsdienst und

angebliche Eheprobleme verwickelt. Clinton hat die
Unterstützung vieler Politiker im Süden, aber zum Sieg
benötigt er die Förderung sowohl der schwarzen wie
der weißen Wähler. Die Wahlbeteiligung der Schwarzen wird erwartungsgemäß nicht so hoch sein wie
1988, als für den Bürgerrechtskandidaten Reverend
Jesse Jackson Unterstützung mobilisiert wurde.
Am Superdienstag wird sich auch erweisen, ob der
frühere Gouverneur von Massachusetts, Paul Tsongas, außerhalb seines Heimatstaats Neuengland
gewinnen kann und ob der Sieg des Senators von
Nebraska, Bob Kerrey, bei den Vorwahlen in South
Dakota diesem Auftrieb gegeben hat.
Bei den Republikanern wird Bush seine Beziehung
zum Süden ins Spiel bringen. Er ist zwar in Neuengland geboren und zur Schule gegangen, war aber
Geschäftsmann und Kongreßabgeordneter in Texas
und hat immer noch einen Wohnsitz in Houston. Nach
seinem überwältigenden Sieg am Superdienstag 1988
gibt es keine Anzeichen, daß er in den wohlhabenden
südlichen Vororten an Unterstützung verliert, und Bush
will sich von einer Rebellion der Wähler in dem von der
Rezession betroffenen Hew Hampshire erholen. Der
Süden mit seiner stärkeren Wirtschaft gilt als friedlicheres Territorium für den Präsidenten.
Aber sein konservativer Herausforderer, Patrick Buchanan, rekrutiert andere Wählergruppen. Derfrühere
Ku-Klux-Clan-Führer David Duke ist ein weiterer Stachel in Bushs Fleisch. Sein Name wird bei allen
Vorwahlen am Superdienstag auf dem Stimmzettel
erscheinen. Viele der südlichen Bundesstaaten haben
offene Vorwahlen, das heißt, die Wähler können zwischen einem demokratischen oder republikanischen
Stimmzettel wählen, ohne der betreffenden Partei
angehören zu müssen. Buchanan und Duke hoffen
auf die Unterstützung konservativer Demokraten und
unabhängiger Wähler, die vom Präsidenten desillusioniert sind.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 9

�UMWELT
4. März 1992

USA FORDERN INTEGRIERTE UMWELTSTRATEGIEN
Anhörung vor dem Kongreß
WASHINGTON - (AD) - Die Erarbeitung globaler, regionaler und nationaler Strategien zum Schutz der Umwelt
bei gleichzeitiger Förderung der Wirtschaftsentwicklung ist einem Vertreter des US-Außenministeriums zufolge
das "Hauptziel" der bevorstehenden Umweltkonferenz.
"Durch Zusammenarbeit können die Nationen der Welt grö ßere Fortschritte zur Verwirklichung einer umweltverträglichen Entwicklung machen als wenn jeder einzelne seine Programme durchführt", erklärte der Abteilungsleiter für Ozeane und internationale Umweltfragen, Curtis Bohlen, in einer Anhörung vor dem Kongreß am 26.
Februar 1992. Bohlen sprach in seiner Funktion als Leiter der US-Delegation für die Vorbereitung der UNOKonferenz über Umwelt und Entwicklung, die im Juni in Brasilien stattfinden soll.
Unterhändler aus über 150 Ländern versuchen, eine Vereinbarung über die Grundsätze zu erarbeiten, von denen
die Umwelt- und Wirtschaftsprogramme einzelner Länder und Nationen geleitet sein sollen, zum Beispiel Charta
Erde und Agenda 21 - ein Katalog von Maßnahmen, die jede Nation zur Förderung umweltverträglicher Entwicklung ergreifen würde.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Abteilungsleiter Bohlen im Wortlaut.
Herr Vorsitzender, ich danke für die Gelegenheit, die
Vorbereitungen der amerikanischen Delegation für die
UNO-Konferenz über Umwelt und Entwicklung sowie
deren Bedeutung für die Vereinigten Staaten und ihre
Bürger zu erläutern. Die im allgemeinen als UNCED
bezeichnete Konferenz wird vom 1. bis 12. Juni 1992
in Rio de Janeiro stattfinden. Nächste Woche, am 2.
März, beginnt das vierte und letzte Treffen des Vorbereitungskomitees bei der UNO in New York.
Wir sehen uns in New York mit einer schwierigen
Aufgabe konfrontiert. Das Komitee muß alle zur
Verabschiedung in Rio vorgeschlagenen Dokumente
fertigstellen. Dazu zählen ein Aktionsprogramm mit
dem Titel "Agenda 21", ein Leitfaden für die nationalen
und internationalen Umwelt- und Entwicklungsbestrebungen bis zum 21. Jahrhundert, eine Erklärung der
allgemeinen Prinzipien sowie eine Erklärung der Prinzipien zum Schutz der Regenwälder. Diese sollen von
rund 160 Regierungen verhandelt werden. Die Fortschritte waren bisher verständlicherweise gering, da
solche Dokumente normalerweise einstimmig verabschiedet werden müssen. Bis heute wurde der Großteil der Entwürfe vom Sekretariat und nicht von den
Regierungen erstellt.
Darüber hinaus werden globale Konventionen über
Klima und Artenschutz zur Zeit in getrennten UNOKomitees verhandelt mit dem Ziel, sie bis zur Konferenz von Rio unterschriftsreif zu haben.

AMERIKA DIENST 9

Bedeutung der UNCED
Die Leistungen der UNCED können in der Tat etwas
bewirken. Trotz der zunehmenden Umweltschutzbestrebungen in den Vereinigten Staaten und im Ausland
und jahrzehntelanger Konzetration auf die Bedürfnisse der Entwicklungsländer waren die weltweiten Probleme der Armut und Umweltverschmutzung niemals
dringlicher. Das Hauptziel der UNCED besteht darin,
die Entwicklung globaler, regionaler und nationaler
Strategien zu verabschieden oder zu ermutigen, die
gleichzeitig der Umwelt und auch der Entwicklung
Rechnung tragen. Durch Zusammenarbeit können die
Nationen der Welt größere Fortschritte zur Verwirklichung einer umweltverträglichen Entwicklung machen
als wenn jeder einzelne seine Programme durchführt.
Dieser Grundsatz, daß alle Nationen - arm und reich eine dauerhafte Entwicklung anstreben sollten, verspricht mehrere Vorteile: effizientere Nutzung der
Ressourcen einschließlich Energie, wachsender Lebensstandard und die Aussicht, daß dieser Trend andauern
wird, bessere Gesundheit sowie das Aufhalten weiterer Umweltschäden.
Die Vereinigten Staaten werden auch materiell davon
profitieren. Umweltverträgliche Produkte, Dienstleistungen und Technologie werden im kommenden
Jahrhundert einen großen und zunehmenden Teil des
Welthandels ausmachen. Wir haben in dieser Hinsicht

Seite 1

�viel anzubieten und sollten die sich durch den Übergang zu umweltverträglicher Entwicklung bietenden
wirtschaftlichen Chancen nutzen.

andere Länder sind wir der Meinung, daß die Prioritäten für dieses Programm auf nationaler Ebene gesetzt
werden müssen.

Dauerhafte Entwicklung

Die erfolgreiche Verwirklichung der Agenda 21 wird
nach unserer Auffassung einen demokratischen Prozeß erfordern - die Beteiligung der Öffentlichkeit an
politischen Entscheidungen. Ebenso kann eine kontinuierliche Entwicklung nicht ohne die Überzeugung
und Beteiligung des Privatsektors und das Vertrauen
auf Marktmechanismen erzielt werden. Wir arbeiten
daran, daß die UNCED-Dokumente insgesamt diese
Grundsätze widerspiegeln.

Ich möchte kurz erklären, was ich unter dauerhafter
Entwicklung verstehe. Es handelt sich hierbei nicht um
ein weiteres Auslandshilfekonzept, nicht nur eine andere
Variante dessen, wie die reichen Nationen mit den
Entwicklungsländern umgehen. Im Idealfall würde
dadurch sowohl die Planung der Investoren aller Größenordnungen und Nationalitäten beeinflußt, vom
einzelnen Landwirt bis zu multinationalen Unternehmen als auch die Art und Weise, in der Regierungen
auf allen Ebenen Entscheidungen treffen und Ausgaben tätigen.
Eine kontinuierliche Entwicklung erfordert eine langfristige Perspektive: Wo wird Los Angeles in 20 oder 50
Jahren sein Trinkwasser herbekommen? Wie wird die
Welt ihre gegenwärtige Abhängigkeit vom ÖL überwinden und den Energiebedarf einer steigenden und
wohlhabenderen Bevölkerung decken? Wie werden
sich die Menschen in Bangladesh ernähren, wenn sie
keine Almosen entgegennehmen, sondern ihren eigenen Lebensunterhalt verdienen? Diese Probleme
können nicht allein von der Stadt Los Angeles, der
Ölindustrie oder der Bevölkerung Bangladeshs gelöst
werden. Sie erfordern strategisches Denken, zielgerichtete Investitionen und gemeinsame Anstrengungen auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene.
Eine kontinuierliche Entwicklung hei ßt Vorsorge für die
Zukunft, damit unsere Kinder und Enkel dieselben
oder bessere Chancen haben wie wir. Aber das ist nur
ein Teil des Konzepts. Es beinhaltet die vernünftige
Nutzung von Ressourcen, sowohl im Hinblick auf ihre
wirtschaftliche Effektivität als auch in Bezug auf deren
sparsamen Einsatz, damit der gegenwärtige ebenso
wie der zukünftige Bedarf gesichert werden kann. Es
erfordert ferner die Sammlung und Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnisse sowie umweltverträglicher Technologien. Ebenso ist es entscheidend, daß
der Prozeß der Enscheidungsfindung in der Entwicklungs- und Wirtschaftspolitik die Sorge für die Umwelt
einschließt.
Wie wird die UNCED dies erreichen? Nicht an einem
Tag durch Regierungserlaß oder als Ergebnis einer
Zusammenkunft hochrangiger Vertreter in Rio de Janeiro.
Die UNCED kann sehr positiven Einfluß auf unsere
Welt nehmen, aber das hängt davon ab, was dort
entschieden wird und wie sehr sich die Regierungen
und internationale Organisationen für die Durchführung der Prinzipien und Programme einsetzen, die sich
in Rio ergeben. Obwohl die Schlußdokumente der
UNCED nicht verbindlich sind, sollten sie einen starken Ausdruck politischen Willens dokumentieren. Die
Agenda 21 wird eine lange Liste von Empfehlungen für
das weitere Vorgehen enthalten. Ebenso wie viele

Seite ?

Prioritäten der Vereinigten Staaten
Die Vereinigten Staaten haben die Führungsrolle bei
der Erarbeitung realistischer und erfüllbarer Programme übernommen, mit denen vordringliche Umweltund Entwicklungsprobleme gelöst werden sollen. Kein
anderes Land hat soviele konstruktive Vorschläge
unterbreitet.
Die Vereinigten Staaten betrachten die Aushandlung
einer international gültigen Konvention zum Schutz der
Wälder als wichtige Priorität. Zu Beginn des UNCEDProzesses hatten wir gehofft, zur Unterzeichnung bei
der Konferenz in Rio eine Rahmenkonvention konzipieren zu können, aber Juni 1992 war ein zu kurzfristiger Termin, zumal eine beschränkte Mitarbeiterzahl in
vielen Ländern bereits unter Druck stand, in demselben Zeitrahmen Konventionen über Klimaveränderungen und Artenvielfalt aushandeln zu müssen. Wir
konnten breite Unterstützung für die Aushandlung
einer nichtverbindlichen Grundsatzerklärung über die
Erhaltung und Pflege der Wälder verbuchen. Unser
Ziel ist die Verabschiedung der Grundsätze für die
Wälder in Rio, damit sie die Basis für baldige internationale Verhandlungen über eine Konvention zum Schutz
der Wälder bilden können.
Vor dem 3. Vorbereitungskomitee im August letzten
Jahren haben die Vereinigten Staaten einen Vorschlag
über Grundsätze zum Schutz der Wälder unterbreitet,
der die Grundelemente einer weltweit gültigen Konvention umfassen könnte. Er enthielt Grundsätze über
kontinuierliche Pflege, Erhaltung, Wiederaufforstung,
Ureinwohner, Brennholz, Forschung, Aus- und Weiterbildung, internationale Zusammenarbeit und die
Milderung der Auswirkungen von Umweltverschmutzung und Klimaveränderungen. Die 3. Vorbereitungskonferenz legte einen Entwurf vor, der zahlreiche
amerikanische Vorschläge einbezog, enthielt aber auch
problematische Aussagen über Fragen wie Finanzhilfe, Technologietransfer und Handel. In New York
müssen wir diese Meinungsverschiedenheiten ausbügeln.
Zusammenarbeit in der Technologie ist ein Bereich, in
dem die UNCED den Entwicklungsländern besondere
Vorteile bringen kann. Leider haben sich die UNCED-

AMERIKA DIENST 9

�Gespräche vor allem auf Rechte an geistigem Eigentum und das angebliche Bedürfnis der Entwicklungsländer konzentriert, Technologie gegen entsprechende Auflagen zu erhalten. Der größte Teil der umweltverträglichen und angemessenen Technologie ist allgemein zugänglich. Unserer Ansicht nach liegt der
Schutz der Rechte an geistigem Eigentum tatsächlich
im Interesse der Entwicklungsländer, damit Technologie in privatem Besitz zunehmend verfügbar wird.
Wir halten es für notwendig, den Entwicklungsländern
beim Erwerb der Fähigkeit zu helfen, ihren Bedarf an
Technologie festzustellen, sich über deren Verfügbarkeit auf dem laufenden zu halten und sie effektiv zu
nutzen. Die Vereinigten Staaten haben ein Programm
vorgeschlagen, mit dem die Entwicklungsländer besseren Zugang zu Technologie erhalten können. Unter
anderem sieht es Maßnahmen vor, die die Fähigkeit
verbessern, sich an umweltverträgliche Technologien
anzupassen und diese einzusetzen, den Entwicklungsländern die Suche nach der für sie erforderlichen
Technologie erleichtern und ihnen bei der Einschätzung ihrer Ressourcen, Zwänge und Optionen zu
helfen. Wir sind uns bewußt, daß auch das beste
Programm ohne einen politischen Rahmen versagen
wird und sind bereit, auch in diesem Bereich zu helfen.
Die effektive Durchführung der Agenda 21 wird vom
richtigen institutionellen Rahmen abhängen. Unbedingt hingewiesen werden muß auf den Punkt, daß
viele Maßnahmen in der Agenda 21 von nationalen
Regierungen oder kommunalen Verwaltungen durchgeführt werden müssen. Dabei muß jede Regierung
ihre eigenen Prioritäten bestimmen. Das schließt nicht
die Notwendigkeit der Stärkung von Institutionen und
der Zusammenarbeit der UN-Behörden in den Bereichen Umwelt und Entwicklung aus. Die Vereinigten
Staaten haben einen Sechs-Punkte-Vorschlag unterbreitet, der zumindest in einigen Punkten breite Unterstützung findet.
Wir übernehmen die Führungsrolle bei der Konzipierung detaillierter Maßnahmen im Zusammenhang mit
dem Schutz der Meere. Die Vereinigten Staaten
haben dazu vier detallierte Entwürfe über Probleme
der Meere vorgelegt, die den entsprechenden Texten
in der Agenda 21 zugrundeliegen. Wir streben die
Verabschiedung von Prinzipien zur Erhaltung der Meere
an, um menschliches Handeln zu kontrollieren, das ein
Überleben der Arten im Meer bedroht, gefährdete
Arten schützt und ungefährliche Praktiken für die
Hochseefischerei fördert. Wir messen einem Aktionsplan hohe Priorität bei, der die Ursachen der Verschmutzung der Meere auf dem Land beseitigen soll,
die eine Hauptbedrohung für den gesunden Zustand
der Meere darstellen. Andere Vorschläge umfassen
ein größeres Schwergewicht auf der Sammlung von
Daten über die Meere, Beobachtung der Umwelt und
effektivere Kontrolle der Küstenregionen.

AMERIKA DIENST 9

Um das Problem der künstlich verursachten Umweltverschmutzung in den Griff zu bekommen, haben die
Vereinigten Staaten neue internationale Ansätze für
die Probleme mit toxischen Chemikalien, festen Abfällen und Sondermüll vorgeschlagen. Wir standen bei
der UNCED an vorderster Front bei den Bemühungen,
die Harmonisierung der Systeme zur Klassifizierung
und Kennzeichnung chemischer Stoffe zu fördern.
Damit werden der Öffentlichkeit bessere Informationen zum Schutz der Gesundheit übermittelt und ein
freierer Handel ermöglicht. Die Vereinigten Staaten
haben ferner das Informationsrecht von Gemeinden
über chemische Risiken unterstützt. Dieses Programm sowie ein System zur Bestandsaufnahme
toxischer Emissionen haben in den Vereinigten Staaten zur freiwilligen Verringerungen chemischer Emissionen ermutigt.
Schließlich hat die amerikanische Delegation in der
Agenda 21 einen tragfähigen Ansatz zur Bewahrung
der Artenvielfalt betont. Unser Ansatz hebt das Ökosystem-Management und die grundlegende Rolle
wissenschaftlicher Forschung hervor. Darüber hinaus
haben sich die Vereinigten Staaten erfolgreich für
getrennte Programmbereiche zu bevölkerungspolitischen Problemen sowie zur Rolle von Frauen und
Ureinwohnern eingesetzt. Wir haben uns aktiv an der
Debatte über Entwicklungsfragen wie Armut und Siedlungswesen beteiligt.
Die Prioritäten der Entwicklungsländer
Die politischen Differenzen, die Industriestaaten und
Entwicklungsländer voneinander trennen, spiegeln
sowohl Unterschiede in Ansichten und Philosophie als
auch die reale Kluft aufgrund verschiedener Entwicklungsstufen wider. Die Entwicklungsländer sind verständlicherweise bestrebt, ihren ökonomischen Nachteil wettzumachen. Viele lassen sich nicht überzeugen, wenn wir ihnen erklären, daß Entwicklung und
umweltpolitische Ziele miteinander vereinbar sind.
Der Erfolg des Vorbereitungskomitees IV bei der Verabschiedung von Agenda 21 wird wesentlich von der
Fähigkeit der Delegierten abhängen, die Frage zu
beantworten, wie neue Ansätze zu dauerhafter Entwicklung finanziert werden sollen. Die Vereinigten
Staaten sind der Überzeugung, daß die UNCED eine
internationale Partnerschaft zur Förderung dauerhafter Entwicklung schmieden sollte. Dazu gehören eine
Überprüfung dessen, wie alle Regierungen und internationalen Institutionen Entwicklung fördern sowie die
Neuorientierung der Finanzhilfe auf dauerhafte Programme. Das auf lange Sicht wichtigste Ergebnis wird
im Engagement bestehen, sich an einer weltweiten
Anstrengung zu beteiligen. Mittel- bis langfristig werden
dauerhafte Investitionsstrategien in den Entwicklungsländern ein schnelleres Wirtschaftswachstum und
größere finanzielle Fähigkeiten hervorbringen als Ad-

Seite 3

�hoc-Entwicklung, durch die Umwelt zerstört und Ressourcen verschwendet werden. Deshalb wäre nach
unserer Ansicht der wertvollste Konsens, den die
UNCED im Hinblick auf finanzielle Ressourcen hervorbringen könnte, die Aufforderung zu einer Neuorientierung der Entscheidungsfindung im Investitionsbereich
auf dauerhafte Entwicklungsziele.
Die Konventionen
Parallel zum Vorbereitungsprozeß für die UNCEDsind
viele der daran beteiligten Länder auch bei den Verhandlungen über bindende Konventionen zum Klimawandel und zum Artenschutz zugegen. Das amerikanische Ziel ist der Abschluß dieser Verhandlungen,
damit ein solches Abkommen in Rio unterzeichnet
werden kann.
Die Verhandlungen über Klimaveränderungen gehen
in ihr zweites Jahr. Die fünfte Sitzungsrunde findet
gegenwärtig in New York statt, und die letzte wird im
April oder Mai veranstaltet. Verschiedene von den
Vereinigten Staaten eingebrachte oder unterstützte
Konzepte werden heute von den meisten Ländern
allgemein akzeptiert: insbesondere die Berücksichtigung aller Treibhausgase, die Berechnung der gegenwärtigen Emissionen nach einzelnen Ländern, die
Erstellung nationaler Reaktionsstrategien und Berichte sowie die Förderung der technischen Zusammenarbeit, um den Entwicklungsländern bei der Erarbeitung
ihrer nationalen Strategien zu helfen. Andere Fragen
stehen weiter zur Verhandlung, darunter das Ausmaß
der Verpflichtungen zum Abbau von Emissionen sowie
die Art der Finanzhilfe an die Entwicklungsländer.
Im Jahr 1989 hat das Umweltprogramm der Vereinten
Nationen auf Initiative der Vereinigten Staaten Verhandlungen über eine Rahmenkonvention zum Arten-

schutz gefordert. Dieses Konzept wurde bei den
Weltwirtschaftsgipfeln in Houston und London unterstützt. Ein Internationales Verhandlungskomitee hat
bisher vier Verhandlungsrunden abgehalten. Die
Vereinigten Staaten haben die Bedeutung des Artenschutzes im Rahmen der nationalen Gesetze und über
die nationale Rechtsprechung hinaus betont, die Zusammenarbeit bei der Sammlung von Daten und Erforschung von Arten und Lebensräumen sowie den Zugang
zu biologischen Ressourcen auf gleichberechtigter
Basis erweitert. Fortschritte im Bereich Artenschutz
wurden bei wissenschaftlichen und technischen Fragen erzielt. Die Unterhändler suchen weiterhin Mittel
und Wege, um die große Kluft zwischen Nord und Süd
in Fragen der finanziellen Ausstattung und Finanzierungsmechanismen zu überbrücken. Einige Länder
sind bestrebt, die Konvention zur Kontrolle der Biotechnikanzuwenden, eine Position, die von den Vereinigten Staaten nicht akzeptiert werden kann. Die letzte
Verhandlungsrunde vor Rio wird im Mai in Nairobi
zusammentreten.
Schlußbemerkung
Ich möchte nochmals feststellen, wie dankbar ich dafür
bin, mit Ihnen heute die amerikanischen Ziele bei der
UNCED und einige der noch anstehenden Fragen zu
erörtern. Wir begrüßen Ihren Rat zu sämtlichen Aspekten der amerikanischen Vorbereitungen für Vorbereitungskomitee 4 und die Konferenz in Rio, um zur
Verwirklichung der amerikanischen Ziele beizutragen.
Wir sehen der vollen Teilnahme von Beratern aus
Repräsentantenhaus und Senat Anfang Juni in Rio
erwartungsvoll entgegen. Eine effektive Partnerschaft
zwischen der Administration und dem Kongreß wird
einen wichtigen Beitrag zu einem erfolgreichen Ausgang des möglicherweise wichtigsten internationalen
Treffens dieses Jahrzehnts leisten.

* * * *

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*

AMERIKA DIENST 9

�UMWELT
4. März 1992

NEUE AMERIKANISCHE MASSNAHMEN ZUR
MILDERUNG DER KLIMAVERÄNDERUNGEN
Eine Übersicht der amerikanischen Regierung
NEW YORK - (AD) - Die folgende Übersicht wurde am 27. Februar 1992 bei den Vereinten Nationen anläßlich
eines Treffens des mit den Verhandlungen über eine Konvention zur Erderwärmung betrauten Zwischenstaatlichen Komitees übergeben. Sie enthält die von den Vereinigten Staaten zur Reduzierung der Emissionen von
Treibhausgasen ergriffenen Maßnahmen.
Die folgenden Maßnahmen wurden von den Vereinigten Staaten in den Bereichen Energieausnutzung,
Verkehr, Einsatz schadstoffärmerer Versorgungstechnologien, Landwirtschaft und Rohstoffe sowie technische Forschung und Entwicklung eingeleitet. Femer
werden Beispiele für Maßnahmen genannt, die vom
Privatsektor und den 50 Bundesstaaten durchgeführt
werden:

Besondere Erwähnung verdienen darüber hinaus die
vielfältigen Bemühungen von Bundesstaaten und
Energieversorgungsuntemehmen, den Stromverbrauch
durch integrierte Ressourcenplanung und Initiativen
zur Nachfragesteuerung zu senken.
Verbesserungen im Verkehrswesen

verbesserte Energieausnutzung

Um Treibhausgasemissionen im Verkehrswesen zu
verringern, ergreifen wir folgende Maßnahmen:

Um den effizienten Einsatz von Energie in Industrie,
Handel und Wohnungsbau zu fördern, wurden folgende Schritte eingeleitet:

Förderung des Kombination mit mehrerer Verkehrsmittel, beispielsweise durch mehr Mautstellen auf den
Bundesautobahnen.

Verschärfung der Normen für den Wirkungsgrad von
Haushaltsgeräten und Maschinen.

Vermehrte Anschaffung von Bundesfahrzeugen, die
mit alternativen Treibstoffen betrieben werden.

Erweiterte Kennzeichnung von Geräten im Hinblick
auf deren Energieverbrauch.

Forderung an zentral betankte Fahrzeugflotten, Fahrzeuge zu kaufen, die mit alternativen Brennstoffen
betrieben werden können.

Entwicklung und Förderung von Wärmeschutznormen
für Gebäude.
Förderung von Überprüfungen der Privatindustrie im
Hinblick auf deren effizienten Umgang mit Energie.
Gründung von freiwilligen "grünen" Partnerschaften
zwischen Staat und Privatwirtschaft in den Bereichen
Beleuchtung, Verrohrung, Bürohäuser, Computersysteme, Programm für industrielle Motoren und Kühlge'äte. Dadurch soll die Energieausnutzung verbessert
werden. So haben sich zum Beispiel über 300 Großunternehmen und Energieversorger verpflichtet, freiwillig an Programmen zur Modernisierung ihrer Einrichtungen mit energiesparender Beleuchtungstechnik teilzunehmen.

AMERIKA DIENST 9

Verstärkter Einsatz von öffentlichem Personennahverkehr, Fahrgemeinschaften und Mitfahrgelegenheiten durch Anhebung der Steuerfreibeträge für Fahrten
zum und vom Arbeitsplatz.
Beschleunigung der Entwicklung einer neuen Generation von Batterientechnologie für elektrisch betriebene
Fahrzeuge durch öffentliche und private Konsortien
und
Aufstockung der Produktion von wettbewerbsfähigen
flüssigen Brennstoffen wie Äthanol aus nicht für die
Nahrungsmittelproduktion angebauten Pflanzen und
anderen erneuerbaren Biomassen durch den Einsatz
von Pilotprogrammen.

Seite 1

�Angebot von verbesserter Technologien zum Abbau
der Emissionen

sauberere und effizientere Kohletechnologien,
ein zu 60 % von der Industrie finanziertes Programm von Regierung und Industrie;

Zur vermehrten Anwendung von schadstoffärmeren
Versorgungstechnologien unternehmen wir folgende
Schritte:

Entwicklung kosteneffektiver Flüssigtreibstoffe
aus nicht der Nahrungsmittelproduktion dienender Biomasse;

Rationalisierung der Konstruktionsüberprüfung von
Erdgasrohrleitungen, Deregulierung der Verkaufsquoten für Rohrleitungen auf freien Märkten und Verbesserung des Zugangs zu Erdgasrohrleitungen.

Entwicklung von Elektro- und Hybridfahrzeugen;
Technologien auf der Basis von Solar- und
Windenergie und

Rationalisierung der Lizenzvergabe für Atomreaktoren
und Entwicklung standardisierter Konstruktionen für
die nächste Generation von Kraftwerken.
Aufstockung der Steuerfreibeträge für erneuerbare
Energien, Vorschlag einer Solarbank im Wert von 10
Millionen Dollar, die subventionierte Kredite für die
Anwendung von Solarenergie in Wohnungs- und
Bürohausbau liefert, vermehrte Wiederverwertung fester
Abfallstoffe der Gemeinde und
Rationalisierung der Lizenzvergabe für Wasserkraftwerke.
Landwirtschaft und Rohstoffe
Zusätzlich zu den im vergangenen Jahr bekanntgegebenen Bestimmungen für Mülldeponien, die jetzt auch
Methangas einbeziehen, werden die Vereinigten Staaten die vermehrte Gewinnung von Methangas im
Kohlebergbau und aus landwirtschaftlichen Quellen
fördern. Darüber hinaus gibt es ein Programm, das
folgenden Maßnahmen vorsieht:
Der jährliche Getreideanbau auf stark erodiertem Land
wird durch perennierende Pflanzen ersetzt, wodurch
die Kohlenstoffreserven des Bodens erhalten werden
und

aus Abfall gewonnene Treibstoffe.
Der Finanzierungsantrag für das Forschungsprogramm
im Bereich weltweite Klimaveränderungen wurde für
das Haushaltsjahr 1993 um 24% auf fast 1,4 Milliarden
Dollar erhöht.
Industrielle Programme zur Verringerung von Emissionen
Die US-Industrie wendet eine Reihe nationaler und
internationaler Programme zum Abbau von Treibhausgasen an und studiert auch andere Möglichkeiten
des Vorgehens. Nachfolgend Beispiele für nationale
Programme:
Der Nationale Verband der verarbeitenden Industrie,
eine Vereinigung, der 18.000 Fertigungsbetriebe angehören, verfügt über ein Ausbildungs- und Aktionsprogramm, das effektive Energienutzung in alle Bereiche der Produktion einbeziehen will;
Das Programm "Responsible Care" der chemischen
Industrie fördert sowohl die effiziente Nutzung von
Energie als auch Umweltschutzmaßnahmen;

erweiterte Baumpflanzungsprogramme in Wald- und
Stadtgebieten.

Am Programm 33/50 zum Abbau des Einsatzes toxischer Chemikalien sind über 300 Unternehmen beteiligt. Sie erklären sich zu einer Reduzierung des
Gesamtausstoßes von über 225 Millionen Pfund be-

Maßnahmen bei Forschung und Entwicklung

röli.

Damit effizientere und geringere Emissionen begünstigende Technologien langfristig auf dem Markt Fuß
fassen können, verfolgen die Vereinigten Staaten in
den folgenden Technologiebereichen nachdrücklich
Forschungs- und Entwicklungsprogramme:

Zwischen den öffentlichen Versorgungsbetrieben und
der Automobilindustrie wurden Joint ventures geschlossen, um die Entwicklung von Elektrofahrzeugen zu
fördern und

Hochleistungsmotoren für Flugzeuge und Hochgeschwindigkeitszüge;
intelligente Fahrzeuge und Autobahnsysteme;
Baustoff tech nolog ie;
Reduzierung und Recycling von Industrieabfällen;
die nächste Generation passiv sicherer Atomreaktoren;

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200 Versorgungsbetriebe geben 2 Milliarden Dollar für
1.300 Umweltschutzprogramme aus.
Beispiele internationaler Zusammenarbeit zwischen
der US-Industrie und Betrieben in anderen Ländern
umfassen Aktivitäten in jedem wichtigen Industriezweig in allen Teilen der Welt. Mit Hilfe von Joint
ventures und gemeinsamer Forschung und Entwicklung fördern die Automobilindustrie, die petrochemische Industrie, die öffentlichen Versorgungsbetriebe,
der Bergbau und die Fertigungsindustrie der Vereinig-

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�ten Staaten die weltweite Verbreitung von Technologien, mit denen sich Treibhausgaskonzentrationen
verringern lassen.

nen. Diese Maßnahmen werden unabhängig von und/
oder zusammen mit der Bundesregierung durchgeführt. Wir haben noch keinen Maßnahmenkatalog für
alle 50 Bundesstaaten erarbeitet, aber eine Bewertung
von Programmen der Bundesstaaten und Kommunen
wird später vorgelegt werden, zusammen mit Schätzungen, welche Auswirkungen diese Programme auf
Treibhausgasemissionen haben.

Maßnahmen der Bundesstaaten und Kommunen
Die Regierungen in Bundesstaaten und die Gemeindeverwaltungen der Vereinigten Staaten ergreifen
Maßnahmen zum Abbau der Treibhausgasemissio*

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*

*

Seite 3

�UMWELT
4. März 1992

BÜRGERINITIATIVEN ORGANISIEREN SICH FÜR
UNO-UMWELTKONFERENZ
Konferenzen und Demonstrationen geplant
WASHINGTON - (AD) - Nach einem Jahr organisatorischer Vorarbeiten werden sich über 1.000 Vertreter von
Hunderten amerikanischer Umwelt-, Kirchen-, Frauen- und Wissenschaftlergruppen im März in New York
einfinden, um zu versuchen, die internationalen Verhandlungen zur Festlegung von Umwelt- und Entwicklungsprinzipien für den Rest dieses Jahrhunderts zu beeinflussen.

Bis zum Beginn der letzten Verhandlungsrunde, die im
Juni in Brasilien stattfinden soll, wird die Zahl der
Vertreter nichtstaatlicher Organisationen in den Vereinigten Staaten und anderen Ländern voraussichtlich
auf 10.000 oder mehr anschwellen. Darüber hinaus
werden bei der UNO-Konferenz über Umwelt und
Entwicklung im Juni, die von einigen als Earth Summit
bezeichnet wird, weitere etwa 8.000 offizielle Delegierte aus über 150 Ländern erwartet.
"Im Vorfeld dieser Konferenz hat es mehr Aktivitäten
nichtstaatlicher Organisationen gegeben als ich jemals in der Vergangenheit beobachtet habe", meinte
Andrew Rice, der Vorsitzende des Komitees für Öffentlichkeitsarbeit der Dachorganisation U.S. Citizens
Network kürzlich in einem Interview. Der Dachverband
umfaßt über 450 nichtstaatliche Organisationen. Rice
ist ehemaliger Vorsitzender der International Development Conference, einer gemeinnützigen Organisation
in New York.
Der geschäftsführenden Direktorin des Citizens Network, Catherine Porter, zufolge ist diese Institution
bestrebt, "jedermann über die Fragen zu informieren
und auf Teilnahme an der UNO-Konferenz zu drängen". Citizens Network hat Zusammenfassungen zu
den Hunderten von Themen veröffentlicht, die in den
Verhandlungen erörtert wurden, sowie Broschüren, in
denen Möglichkeiten der Einflußnahme auf die amerikanische Politik zu diesen Fragen beschrieben werden.
Ein wichtiger Grund für die breite Beteiligung der
NGOs besteht darin, daß sie sowohl von den Vereinten
Nationen als auch von amerikanischen Regierungs-

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vertretern ermutigt wurden, sich am Verhandlungsprozeß zu beteiligen, so Rice. "Sie haben die Teilnahme
nichtstaatlicher Organisationen sehr aktiv gefördert",
erklärte er.
Die Verhandlungen sollen in Brasilien mit der Unterzeichnung einer "Agenda 21" und einer Erdcharta
abgeschlossen werden, die Vertretern des US-Außenministeriums zufolge eine Präambel der Agenda oder
ein separates Dokument sein wird.
Agenda 21 soll mindestens eine Strategie für den
Schutz der Umwelt bei gleichzeitiger Förderung der
Entwicklung bis zum Jahr 2000 festlegen. Zwischen
Industrie- und Entwicklungsländern sowie zwischen
Ländern innerhalb dieser Gruppierungen haben sich
Meinungsverschiedenheiten darüber ergeben, wie
konkret Agenda 21 diese Strategien beschreiben sollte.
Die Erdcharta wird als Grundsatzerklärung betrachtet,
die einen Rahmen für die Art von Wachstum absteckt,
das in Industrie- und Entwicklungsländern ohne
Umweltschäden stattfinden kann. UNO-Vertreter, die
mit der Organisation der Konferenz in Brasilien betraut
sind, betrachten sie als "moralischen Rahmen".
Zwei weitere Verhandlungsforen bestehen seit über
einem Jahr, und offizielle Vertreter hoffen, daß vor
oder bei der Konferenz in Brasilien Vereinbarungen
getroffen werden können. Das eine beschäftigt sich
mit Tier- und Pflanzenschutz in der ganzen Welt,
insbesondere jedoch in den tropischen Regenwäldern,
da dort die Arten Vielfalt am größten ist. Dieses Forum
sind die Verhandlungen über Artenvielfalt.

Seite 1

�Das andere Verhandlungsforum beschäftigt sich mit
Gasen wie Kohlendioxid, Methan und Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW), die in die Atmosphäre aufsteigen, zu einer Erwärmung der Erde führen und
umfassende Klimaveränderungen auslösen könnten.
Amerikanische Industrieverbände sind nicht Teil des
Citizens Network und haben bei den Diskussionen
über Agenda 21 und die Erdcharta keine prominente
Rolle gespielt. Bei den Verhandlungen über die Veränderung des Erdklimas haben sie jedoch eine starke
Position bezogen.
46 Unternehmen und Wirtschaftsvereinioungen sind
der Global Climate Coalition beigetreten, weil sie sicn
Sorgen machen, daß ein Abkommen über ein Einfrieren oder die Reduzierung von Kohlendioxidemissionen schwerwiegende Auswirkungen für sie haben
könnte. Sie unterstützen die Politik der Bush-Administration zum Abschluß eines Abkommens über alle
Gasemissionen, 1*3 zur Erderwärmung führen könnten. Sie lehnen die Sonderstellung von Kohlendioxid
ab, da diese den Lebensnerv einer industriellen Wirtschaft treffen würde: die Energiegewinnung durch
Verbrennung von Kohle, Öl und Erdgas.

würden auch bei informellen Treffen gerne mit Delegierten zusammentreffen, weil bei diesen Gelegenheiten häufig Vereinbarungen vorbereitet würden.
Sie möchten verstärkten Zugang, weil viele der amerikanischen Haltung zu verschiedenen Themen kritisch gegenüberstehen. Sie erteilen der Bush-Administration beim Schutz der Meere und Wälder gute
Noten, stellen jedoch fest, daß ihr Sträuben gegen
zusätzliche Finanzhilfe für Entwicklungsländer diese
davon abhalten würde, neue Technologien einzuführen, die eine Industrialisierung mit geringen Umweltbelastungen gestattet.
"Ich bin von der Führungsrolle unseres^ Landes tief
enttäuscht", meinte unlängst Frances Spivy-Weber,
die Vorsitzende des Verwaltungsausschusses des
Citizens Network und Leiterin des Bereichs internationale Fragen der National Audubon Society bei einem
Forum. Sie argumentierte, weltweiter Umweltschutz
lasse sich ohne zusätzliche Hilfe für die Entwicklungsländer nicht verwirklichen.

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des
Repräsentantenhauses, Dante FasceH, erklärte beim
selben
Forum, auch er wünsche sich, daß Kongreß
Bürgerinitiativen planen während der im März in New
und
Administration
eine stärkere Führungsrolle spieYork stattfindenden Verhandlungen über den Earth
len
würden.
Das
Problem
sei jedoch, die Mittel für
Summit über 20 Aufmärsche, Demonstrationen und
zusätzliche
Hilfe
aufzutreiben,
stellte er fest, ein HinKonferenzen zu einem breiten Themenspektrum. Wie
weis
auf
die
Tatsache,
daß
die
amerikanische Regiebei den vier Verhandlungsrunden des vergangenen
rung
im
vergangenen
Jahrzehnt
mit einem grpßen
Jahres wird es Vertretern der akkreditierten nichtstaatHaushaltsdefizit
gearbeitet
hat.
lichen Organisationen erlaubt sein, mit den Delegierten zu diskutieren und bei einigen Treffen auch Reden "Man ist hier äußerst vorsichtig", so Faecell.
zu halten. Amerikanische Gruppen haben erklärt, sie
* * * * *

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�PORTRAT
4. März 1992

PERKINS HAT SICH IN AFRIKA EINEN
NAMEN GEMACHT
Porträt des designierten US-Botschafters bei den Vereinten Nationen
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bushs Nominierung von Edward Perkins als nächstem US-Botschafter bei den
Vereinten Nationen bildet den Höhepunkt der erfolgreichen Laufbahn eines der herausragendsten USDiplomaten afrikanischer Abstammung.
Perkins, 63, ein freimütiger Kritiker der Apartheid in
Südafrika, trat 1966 in den diplomatischen Dienst ein.
Seinen Aufstieg verdankt er unbeugsamer Entschlossenheit zum Erfolg, guter Ausbildung und harter Arbeit.
1978 wurde er zum Botschaftsrat für politische Angelegenheiten der Amerikanischen Botschaft in Ghana
und 1983 zum Leiter des Westafrika-Büros im USAußenministerium ernannt. 1985 wurde Perkins USBotschafter in der Republik Liberia, und ein Jahr später
überzeugte ihn George Shultz, US-Botschafter in
Südafrika zu werden. Er zögerte drei Tage und bat vor
seiner Zusage um eine Unterredung mit Präsident
Reagan. Berichten zufolge trug er maßgeblich zur
Formulierung der diplomatischen Zielsetzungen der
Administration für diese Nation bei.
Perkins scheute in Südafrika kein Risiko. Er spielte
eine führende Rolle bei den Bestrebungen der Reagan-Administration zur Liberalisierung der Apartheid.
In einem Artikel für die einflußreiche, 14tägig erscheinende Zeitschrift "Leadership" stellte er fest: "Es wird
mir zunehmend bewußt, daß ein tragfähiges politisches System hier eines sein muß, das der Bevölkerungsstruktur des Landes entspricht - nicht nur Beteiligung der oder Zusammenarbeit mit Schwarzen, sondern
eine Regierung, die die Mehrheit der Südafrikaner
wirklich vertritt."
Obwohl Perkins offiziell gegen den Rückzug amerikanischer Unternehmen aus Südafrika war, stellte er vor
einem amerikanischen Publikum fest, die amerikanischen Wirtschaftssanktionen gegen das Land seien
"Ausdruck des Abscheus des amerikanischen Volkes
gegen ein verhaßtes System".

Dem Time Magazine zufolge wurde seine Berufung
auf den Posten "von vielen Weißen (Südafrikanern) als
symbolischer Affront angesehen. Perkins... reagierte
durch Zurückhaltung, um dann in strategisch günstigen Intervallen gezielt zu kontern." In dem Artikel
wurde der Vorsitzende einer schwarzen Bürgerrechtsbewegung in Südafrika mit dem Satz zitiert: "Nach
einer Weile waren wir durch sein offensichtliches
Engagement für die südafrikanischen Schwarzen
beeindruckt."
1928 in Sterlington (Louisiana) geboren, verbrachte
Perkins seine Kindheit bei seinen Großeltern in Arkansas, die als Sklaven geboren wurden und Analphabeten waren. Später erklärte er: "Ich habe es (die
Rassentrennung in Arkansas) nicht akzeptiert, und
auch meine Großmutter hat es nicht akzeptiert. Sie
sah meine Frustration. Infolgedessen veranlaßte sie
mich und meine Cousins, uns auf den Erwerb von
Bildung als Rezept gegen die bestehenden Ungerechtigkeiten zu konzentrieren."
Perkins trat nach dem Abschuß der High School in das
US-Heer ein und wurde nach Asien versetzt. Drei
Jahre später schrieb er sich am Lewis and Clark
College in Portland (Oregeon) ein, und kurz danach
ging er zu den Marineinfanteristen.
"Ich war ein bißchen unsicher, welchen Weg ich einschlagen sollte", erklärte er später. "Das Marinekorps
bot Disziplin. Ich glaube, das war eine der besten
Erfahrungen meines Lebens."
Perkins legte 1967 im Alter von 39 Jahren seinen
Bakkalaureus der politischen Wissenschaften an der
University of Maryland ab. Zwei Jahre später trat er ins
US-Außenministerium ein und promovierte 1978 an
der University of Southern California in öffentlicher
Verwaltung.

* * * * *
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                <text>&lt;strong&gt;1. Handel&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Handelsbeauftragte legt drei Handelsprioritäten für 1992 fest&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Bericht über das handelspolitische Programm für 1992&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. GUS-Hilfe&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Aktion Hoffnung beendet - Partnerschaft beginnt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Luftbrücke durch Lieferungen per Schiff, Straße und Schiene abgelöst&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wahlen'92&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wichtige Rolle des Südens am "Superdienstag"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Der Einfluß der konservativen Region&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Umwelt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA fordern integrierte Umweltstrategien&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Anhörung vor dem Kongreß&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neue amerikanische Maßnahmen zur Milderung der Klimaveränderungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht der amerikanischen Regierung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bürgerinitiativen organisieren sich für UNO-Umweltkonferenz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Konferenzen und Demonstrationen geplant&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Porträt&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Perkins hat sich in Afrika einen Namen gemacht&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt des designierten US-Botschafters bei den Vereinten Nationen&lt;/em&gt;</text>
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U.S. Information Service
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10

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NACC

r O»

11. März 1992

#0°
NEUE NACC-MITGLIEDER SOLLEN DEM
NICHTVERBREITUNGSVERTRAG BEITRETEN
Rede von Außenminister Baker beim
Nordatlantischen Kooperationsrat

USA-EUROPA

GALVIN: WEITERHIN INTERESSE DER USA
AN ENGAGEMENT IN EUROPA
General Galvin vor dem
Streitkräfteausschu ß

GUS-WISSENSCHAFTLER

DIE ZIELE DES INTERNATIONALEN
WISSENSCHAFTSZENTRUMS
Kernwaffen-Know-how nicht in
falsche Hände geben

VSBM

MARESCA ZU VSBM-VERHANDLUNGEN
Pressekonferenz mit Botschafter Maresca

WAHLEN '92

GESETZE FORDERN FAIREN WETTBEWERB
BEI DEN WAHLEN
Vergabe öffentlicher Mittel,
Ausgabenüberwachung

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 0300
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�NACC
11. März 1992

NEUE NACC-MITGLIEDER SOLLEN DEM
NICHTVERBREITUNGSVERTRAG BEITRETEN
Rede von Außenminister Baker beim Nordatlantischen Kooperationsrat
BRÜSSEL - (AD) - Am 10. März 1992 forcierte Außenminister Baker alle neuen Mitglieder des Nordatlantischen
Kooperationsrats (North Atlantic Cooperation Council - NACC) auf, "baldmöglichst als atomwaffenfreie Staaten
dem Nichtverbreitungsvertrag beizutreten und seine Bestimmungen unmißverständlich einzuhalten".
In seiner Rede beim NACC-Ministertreffen in Brüssel hieß Baker die neuen Staaten der früheren Sowjetunion
im Kooperationsrat willkommen. Georgien ist die einzige ehemalige Sowjetrepublik, der keine Mitgliedschaft
gewährt wurde.
Baker verwies darauf, die Anwesenheit der neuen Mitglieder "erweitert zwar unseren Horizont, aber unsere Ziele
bleiben unverändert: Vertrauen und konkrete Kooperation unter uns zu schaffen, mit denen sich eine euroatlantische Gemeinschaft demokratischer Werte und Institutionen vollständig verwirklichen läßt".
Zu den Krisen in Jugoslawien und Nagorny-Karabach erklärte Baker, sie betonten die Notwendigkeit, daß die
NATO- und NACC-Mitglieder überlegen, wie die beiden Organisationen "zur Vermeidung und zum Abbau des
Risikos künftiger Konflikte in Europa beitragen können".
Nachfolgend veröffentlichen wir Außenminister Bakers Rede im Wortlaut.
Vor nur sechs Monaten, als die Einrichtung dieses
Rats erstmals vorgeschlagen wurde, hat niemand von
uns geahnt, daß wir heute in einer Gruppe von 35
Ländern zusammenkommen würden, entschlossen,
die Teilungen der Vergangenheit zu heilen und eine
neue Zukunft aufzubauen. Heute begrüßen wir die
neuen Staaten der ehemaligen Sowjetunion im NACC.
ihre Anwesenheit erweitert zwar unseren Horizont,
aber unsere Ziele bleiben unverändert: Vertrauen und
konkrete Zusammenarbeit unter uns zu schaffen, mit
denen sich eine euro-atlantische Gemeinschaft demokratischer Werte und Institutionen vollständig verwirklichen läßt.
Seit Generationen, ja seit Jahrhunderten, standen
einige der 16 NATO-Verbündeten in ständigem Wettstreit miteinander, der in Konflikte, Kriege und Zerstörung ausartete. Die NATO hat dem ein Ende bereitet.
Jetzt müssen wir auf dieses Modell der Zusammenarbeit zurückgreifen, um sowohl alte als auch neue
Konflikte unter den Nachbarn im Osten zu schlichten.
Die Bedürfnisse der aufstrebenden Demokratien sind
zahlreich und vielfältig. Es gibt Raum für sich ergänzende Aktionen einer Reihe von Organisationen und
all unserer Regierungen. Durch den NACC werden die
NATO-Mitglieder ihr einzigartiges und erfolgreiches
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Know-how auf eine Weise teilen, die unseren Partnern
bei der Lösung von Problemen hilft, die für die Umgestaltung ihrer Gesellschaften und Erfüllung ihrer Verpflichtungen im Rahmen der KSZE entscheidend sind.
In der Tat sollten Kooperationsrat und KSZE sich
gegenseitig verstärken. Anstatt uns in theoretischen
Debatten über vorherbestimmte institutionelle Rollen
zu ergehen, sollten wir eine pragmatische Haltung zur
Lösung der bestehenden Probleme einnehmen. So
wird der Sicherheitsdialog des NACC gemeinsam mit
der Zusammenarbeit bei der Verifizierung und Durchführung von Rüstungskontrollmaßnahmen die Effektivität des KSZE-Sicherheitsforums nach Helsinki fördern. Der Nordatlantische Kooperationsrat könnte
ferner KSZE-Bemühungen zur Verhinderung und
Bewältigung von Konflikten unterstützen.
Der von uns heute verabschiedete bescheidene Arbeitsplan ist nur ein Anfang. Wir müssen die Dynamik
beibehalten, um auf künftig sich entwickelnde Bedürfnisse zu reagieren. In den kommenden Monaten
sollten wir unsere Arbeit verstärken. Wir ermutigen die
Regierungen unserer neuen Partner sowie unsere
Verbündeten in der NATO, zusätzliche Vorhaben zu
entwickeln.

Seite 1

�Auf unserem weiteren Weg sollte die Reaktion der
NATO auf einzelne Liaison-Partner im Einklang mit
Tempo und Ausmaß von Demokratisierung, Wirtschaftsreformen, Demilitarisierung und der Erfüllung von
Verpflichtungen stehen, die im Hinblick auf Kernwaffen und die Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen sowie der dazugehörigen Technologie
eingegangen wurden. Fortschritte bei der Verwirklichung demokratischer Ideale sollten für unsere Reaktion eine wichtige Meßlatte sein.
Die jüngsten Ereignisse unterstreichen für die NATO
und die Mitglieder des Kooperationsrats die Notwendigkeit zu überlegen, wie diese Institutionen effektiver
mit neuen Herausforderungen umgehen können.
Ich möchte einige davon erörtern.
Erstens können regelmäßige Konsultationen Vertrauen und Sicherheit in ganz Europa aufbauen. Unsere
hier bei der NATO in vielen Jahren gewonnenen Erfahrungen bestätigen dies. Erst unlängst hat die Arbeit
der High Level Working Group zur KSE spezielle für
den gesamten euro-atlantischen Raum gültige Vereinbarungen zur Ratifizierung des Vertrags hervorgebracht, der das Sicherheitsfundament eines neuen
Europas bilden wird. Jetzt müssen wir auch den Rest
des Weges zurücklegen - von der politischen Verpflichtung zur praktischen Realität -, damit der KSEVertrag bis zum Gipfel von Helsinki im Juli in Kraft
treten kann.
Im nuklearen Bereich haben wir seit Präsident Bushs
Initiative vom vergangenen September große Fortschritte gemacht. Jetzt ist es von entscheidender
Bedeutung, daß alle neuen Mitgliedstaaten dieses
Rats baldmöglichst als atomwaffenfreie Staaten dem
Nichtverbreitungsvertrag beitreten und seine Bestimmungen unmißverständlich einhalten.
Zweitens müssen wir uns dem drängenden Problem
der Konversion der Rüstungsindustrie widmen. Bei
meinem jüngsten Besuch in Tscheljabinsk konnte ich
feststellen, wie immens und dringend die Aufgabe der
Rüstungskonversion nicht nur in physischer, sondern
auch in menschlicher Hinsicht ist. Die NATO kann bei
dem vielschichtigen Problem der Rüstungskonversion
einzigartiges Fachwissen einbringen. Wir sollten uns
erneut überlegen, ob der Nordatlantische Kooperationsrat diese Aufgabe besser unterstützen kann, indem
er eine Arbeitsgruppe zur Rüstungskonversion einsetzt, die sich auf spezielle Programme konzentriert,
die nach dem zur Zeit geplanten Seminar entwickelt
werden könnten.
Ich möchte in diesem Zusammenhang auf die bevorstehende Gründung des Internationalen Wissenschaftsund Technologiezentrums hinweisen. Das Zentrum
wird in der Rüstungsindustrie beschäftigten Wissenschaftlern und Ingenieuren Möglichkeiten eröffnen,
ihre Talente für nichtmilitärische Projekte einzusetzen,

Seite 2

und Anreize minimieren, sich an Aktivitäten zu beteiligen, die zur Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen sowie anderer moderner Militärtechnik
führen könnten. Obwohl es sich hierbei nicht um eine
Initiative dieses Gremiums handelt, ist das Zentrum
ein Beispiel für die Vorteile gemeinsamer Maßnahmen
zur Lösung schwieriger Probleme.
Drittens müssen wir alle Wege sondieren, um den
Ausbruch ethnischer und regionaler Konflikte zu verhindern. Noch bevor das erste zarte Gras auf den
frischen Gräbern in Kroatien wachsen konnte, hören
wir von blutigen Fehden in Bosnien. Wir haben jedoch
die Chance, den Circulus vitiosus zu durchbrechen,
wenn wir einvernehmlich unsere diplomatischen und
anderen Ressourcen nutzen. Die NATO hat die Bestrebungen der KSZE-Berichterstattermission und der
Vereinten Nationen zur Entsendung von Friedenstruppen uneingeschränkt unterstützt. Das Bündnis hat alle
Parteien aufgefordert, im Rahmen der von der EG
geförderten Carrington-Kommission auf eine politische Lösung des Konflikts hinzuarbeiten. Die Mitglieder des Bündnisses werden weiterhin enge Konsultationen mit der NATO über die Jugoslawien-Krise führen.
In Nagorny-Karabach haben die Vereinigten Staaten
die von der EG unterstützten andauernden Bestrebungen Rußlands und Kasachstans zur Vermittlung in
diesem Konflikt ermutigt. Bei weiterer Gewaltanwendung wird es keine Sieger geben - weder in Armenien,
Aserbaidschan noch sonst irgendwo. Es ist nicht
ruhmreich, Witwen und Waisen den Aufbau der demokratischen, marktwirtschaftlich orientierten Gesellschaften zu überlassen, dem oberste Priorität eingeräumt
werden sollte. Die Parteien müssen jetzt ihre Anstrengungen zur Durchführung der Bestimmungen des
russisch-armenischen-aserbaidsnhanischen Kommuniques und der Entscheidungen des KSZE-Ausschusses hochrangiger Beamten vom 28. Februar verdoppeln. Zusätzliche Schritte von uns und seitens der
internationalen Staatengemeinschaft könnten als
Reaktion auf die Gewalt und deren Beendigung erforderlich sein.
Diese beiden Konflikte unterstreichen die Notwendigkeit für die NATO und die Mitglieder des Nordatlantischen Kooperationsrats zu erwägen, wie diese beiden
Gremien zur Verhinderung und Minderung des Risikos
zukünftiger Konflikte in Europa beitragen können. Wir
müssen die von unseren niederländischen Kollegen im
Hinblick auf die Arbeitsteilung der Institutionen bei der
Friedenssicherung unterbreiteten konstruktiven Gedanken weiterverfolgen. Wir stimmen überein, daß
Infrastruktur, Ressourcen und operative Erfahrungen
der NATO gut geeignet sind, die Bestrebungen zur
Friedenssicherung zu unterstützen, die in Zukunft von
der KSZE oder den Vereinten Nationen sanktioniert
werden könnten. Darüber hinaus könnten die praktischen Formen der Zusammenarbeit, die die NATO mit

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�unseren Partnern im Nordatlatischen Kooperationsrat
bis hin zum Austausch auf Militärebene und dem
Treffen der Verteidigungsminister am 1. April entwickelt, die höchst wünschenswerte umfassendere Beteiligung an solchen Operationen erleichtern.
Durch den Nordatlantischen Kooperationsrat kann die
NATO konkret Fachwissen und operative Erfahrungen

*

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zu verteidigungs- und sicherheitspolitischen Belangen beisteuern, die unseren Liaison-Partnern den
Übergang zu dauerhaften demokratischen Systemen
erleichtern werden. Durch Zusammenarbeit mit unseren neuen Partnern können wir ein erfolgreiches Programm des Nordatlantischen Kooperationsrats verwirklichen, das zur Sicherheit und Stabilität in der
ganzen euro-atlantischen Gemeinschaft beitragen wird.

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�USA - E U R O P A
11. März 1992

GALVIN: WEITERHIN INTERESSE DER USA
AN ENGAGEMENT IN EUROPA
General Galvin vor dem Streitkräfteausschuß
WASHINGTON - (AD) - Bei einer Anhörung im Streitkräfteausschuß des Senats erklärte der Oberbefehlshaber
der US-Streitkräfte in Europa, General John R. Galvin, es liege voll und ganz im Interesse der Vereinigten
Staaten, sich weiterhin in Europa zu engagieren und dort Einfluß zu nehmen.
"Dazu benötigen wir (jedoch) eine leistungsfähige, glaubwürdige und einsatzfähige Streitmacht in Europa, die
für eine große Bandbreite von Missionen bereit steht," erklärte Galvin. "Diese Prämisse ist mit der Auflösung
der Sowjetunion und des Warschauer Pakts nicht verschwunden."
Galvin zufolge ist die NATO am besten in der Lage, auf die vielfältigen Herausforderungen zu reagieren, die in
den nächsten Jahren auf Europa zukommen. "Unsere Unterstützung und Führungsrolle im Bündnis bietet die
Hoffnung für ein sicheres und stabiles Europa," konstatiert Galvin.
Im Hinblick auf den Abbau der US-Streitkräfte in Europa verwies Galvin darauf, die Vereinigten Staaten hätten
am 30. Januar 182 Einrichtungen geschlossen. Ihm zufolge stellt dies einen Abbau um 13 Prozent des USEigentums in Europa dar.
Nachfolgend veröffentlichen wir General Galvins Rede im Wortlaut.

Herr Vorsitzender und verehrte Ausschußmitglieder,
der Umfang und das Tempo der Veränderungen in der
politischen Landschaft Europas setzen sich in nie
dagewesenem Ausmaß fort. Die wichtigste jüngste
Veränderung ist die politische Umgestaltung der
Sowjetunion. Die überwältigende militärische Bedrohung der Sowjets gegenüber Europa ist verschwunden. An Stelle der früheren Sowjetunion sind zwölf
unabhängige Staaten getreten - einige mit Atomwaffen
-, die alle eine Lösung ihrer massiven politischen und
wirtschaftlichen Probleme anstreben. Trotz der Hilfe
anderer Länder besteht ein hohes Potential für Unruhen.
Das Verschwinden der sowjetischen Bedrohung ist
keine Garantie für Frieden und Stabilität in Europa.
Andere beunruhigende Kräfte sind in den Vordergrund
getreten. Regionale Spannungen bestehen weiterhin,
und sie haben sich in einigen Fällen - in Jugoslawien
und im Transkaukasus - zu offenen Konflikten ausgeweitet. Vielen dieser Konflikte auf dem Kontinent liegt
eine traditionelle Völkerfeindschaft zugrunde, und neue
Freiheiten infolge der Beseitigung totalitärer Regime
hauen a!tc F?&gt;ndschften Wiederaufflammen lassen.
Trotz der Vermittlung der Vereinigten Staaten bei den

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laufenden Friedensverhandlungen zwischen Israel und
seinen Nachbarn bleiben die Grundprobleme ungelöst. In den vergangenen zehn Jahren sind stärkere
fundamentalistische Tendenzen zu beobachten. Der
Drogenhandel, ein weltweites Problem, hat in Afrika
zugenommen, zum Teil infolge der stärkeren Überwachung und der verstärkten Unterbindung des Nachschubs in Süd- und Mittelamerika.
Die Welt im allgemeinen und Europa im besonderen
befinden sich in einem Zeitabschnitt grundlegenden
Wandels: dem Übergang vom Bekannten und Berechenbaren zum Unsicheren und Unberechenbaren.
Die Ereignisse der letzten drei Jahre hätten sich Anfang 1989 nicht vorhersagen lassen. Was 1995 bringen wird, ist schwer einzuschätzen. Es gibt weiterhin
Bedrohungen für US-Interessen, aber sie sind unklarer und vielfältiger. Unser Verständnis der neuen Situation basiert nicht auf einem Schlagwort, sondern
auf einem durchdachten Prozeß. Der Sicherheitsbedarf der Vereinigten Staaten hat eine neue und größere Dimension erhalten. Wir müssen mit einer unerwarteten Krise oder einem unerwarteten Krieg fertigwerden können. Unsere neue nationale Militärstrategie
wurde vor diesem Hintergrund konzipiert.

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�In früheren Anhörungen dieses Jahres hat der Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs vier Grundsätze der
amerikanischen Sicherheitsstrategie dargelegt: strategische Abschreckung, Vorneverteidigung, Reaktion
im Konflikt und Neuorganisation.
Aus meinem Blickwinkel als Oberbefehlshaber der
US-Streitkräfte in Europa ist die Vorneverteidigung der
US-Streitkräfte der Schlüssel fürunsere Strategie. Wir
haben nach wie vor vitales Interesse an Frieden,
Stabilität und Wohlstand in Europa. In der ersten
Hälfte dieses Jahrhunderts haben uns Konflikte und
Instabilität in Europa veranlaßt, Hunderttausende
amerikanischer Soldaten zu entsenden, damit sie in
zwei blutigen Kriegen für die Wiederherstellung des
Friedens kämpfen. In der Wirtschaft sind wir ein
wichtiger Handelspartner der Länder Europas und
verfügen 1991 über einen steigenden und umfangreichen Handelsüberschuß von etwa 17 Milliarden Dollar.
Ein Gro ßteil unserer Kultur und unseres Erbes stammt
aus Europa, und etwa 1,7 Millionen US-Bürger leben
und arbeiten dort. Kurzum: die Sicherheit Amerikas ist
von der politischen, wirtschaftlichen und militärischen
Stabilität in Europa nicht zu trennen.
Nach dem ersten Weltkrieg entwickelten wir eine isolationistische Haltung und wandten uns von Europa
ab. Damit hinterließen wir eine instabile und potentiell
explosive Situation. Das Fehlen einer zusammenhaltenden Struktur oder eines entsprechenden Forums
zur Lösung nationaler Streitigkeiten zusammen mit
starkem politischen und wirtschaftlichem Nationalismus führten letztlich zum Krieg. Trotz einiger Widerstände kamen wir zurück, um den Frieden wiederherzustellen und unsere Interessen zu schützen, aber zu
einem hohen Preis für die amerikanischen Bürger und
unsere Ressourcen. Das Ende des Zweiten Weltkriegs hinterließ dasselbe Potential für weitere Instabilität. Die militärische Macht und die zunehmenden
Ambitionen der Sowjetunion mit ihrer dominanten
Position in Osteuropa haben uns zum Bleiben veranlaßt und zur Bildung des Nordatlantischen Bündnisses
geführt. Unsere Präsenz der letzten 40 Jahre hat dazu
beigetragen, daß eine weitere sowjetische Expansion
verhindert wurde, und sie hat den westeuropäischen
Ländern ein Umfeld geschaffen, in dem sie gemeinsam wachsen und gedeihen konnten. Dieses durch
eine Vornepräsenz dokumentierte Engagement der
Vereinigten Staaten hat sich ausgezahlt. Die zweite
Hälfte dieses Jahrhunderts ist von Frieden und Stabilität gekennzeichnet. Der Unterschied zwischen dem
Krieg in der ersten Hälfte des Jahrhunderts und dem
Frieden in der zweiten kann zum großen Teil auf einen
wichtigen Faktor zurückgeführt werden... auf das
Engagement der Vereinigten Staaten, dokumentiert
durch die kontinuierliche Präsenz der US-Streitkräfte
in Europa.
Jetzt befinden wir uns in einer ähnlichen Situation nach
einem anderen Krieg. Der kalte Krieg ist vorbei, und
unsere früheren Gegner betrachten uns in ihren schwieSeite 2

rigen Zeiten als Freunde und Helfer. Obwohl sich viel
verändert hat, ist die Welt zu klein, unsere Wirtschaft
zu international, und unsere Ressourcen sind zu begrenzt, um sich aus Europa in eine "Festung Amerika"
zurückzuziehen. Die Geschichte zeigt eindeutig, daß
unsere militärische Präsenz einen stabilisierenden Effekt
auf Europa und darüber hinaus Vorteile für unsere Sicherheit hat. Unsere Verbündeten sind sicn dieser
Tatsache bewußt. Beim Gipfeltreffen in Rom im
November vergangenen Jahres sind sie übereingekommen: "die Präsenz nordamerikanischer konventioneller Streitkräfte und nuklearer Streitkräfte der
Vereinigten Staaten bleibt lebenswichtig für die Sicherheit Europas, die untrennbar mit der Sicherheit Nordamerikas verbunden ist". Seit über 43 Jahren ist unser
Engagement in der NATO der Stützpfeiler des Bündnisses.
Die NATO ist die erfolgreichste Sicherheitsorganisation der Geschichte. Die nordatlantische Solidarität
und die kollektive Verteidigung haben den kalten Krieg
erfolgreich beendet. Wir müssen jetzt die NATO aus
einem neuen und breiteren Blickwinkel betrachten.
Während die Westeuropäer die Sicherheitsimplikationen infolge des Zusammenbruchs der Sowjetunion in
den Griff bekommen, suchen die Osteuropäer nach
neuen Strukturen, an denen sie ihre Sicherheit verankern können. Die NATO verfügt über die Erfahrung,
Infrastruktur und die Mechanismen, um sich dem
veränderten Sicherheitsumfeld erfolgreich anzupassen. In den vergangenen zwei Jahren hat das Bündnis
bei seinen Zusammenkünften in London, Kopenhagen
und Rom ein neues Strategisches Konzept entwickelt
und verabschiedet, um diesen neuen Herausforderungen gerecht zu werden.
Das Konzept schlägt kleinere Streitkräfte vor, ferner
größere Mobilität, bestimmte Grade der Einsatzfähigkeit, multinationale Streitkräfte, Aufwuuliäfjotential,
militärische Kontakte mit früheren Gegnern und eine
Betonung des Krisenmanagements. Durch den Nordatlantischen Kooperationsrat bietet die NATO den
Demokratien Osteuropas und den Ländern der früheren Sowjetunion ein Forum für ihre Sicherheitsprobleme. Polen, die Tschechoslowakei, Ungarn und sogar
Rußland haben um ihre Aufnahme in die NATO gebeten. Diese Länder haben erkannt, daß die NATO die
beste Möglichkeit bietet, ihren Bedarf an Sicherheit zu
befriedigen und darüber hinaus die einzige Alternative
zu neuen nationalen Verteidigungsstrukturen ist.
Zusätzlich zu verstärktem Dialog und der Zusammenarbeit mit früheren Gegnern ist die NATO auch an
anderen Fronten aktiv.
In den vergangenen 20 Monaten sind Streitkräfte der
NATO-Länder unter der Schirmherrschaft von sechs
verschiedenen Organisationen mindestens achtmal
zum Einsatz gekommen. Im Golf krieg wurden Aufk'ärungsflugzeuge der NATO und Teile der mobilen Eingreiftruppe in die Türkei entsandt, während andere

AMERIKA DIENST 10

�NATO-Streitkräfte die Kommunikationswege am Mittelmeer sicherten. Marineeinheiten der NATO-Länder
wurden unter der Kontrolle der Westeuropäischen
Union eingesetzt. Streitkräfte von 15 NATO-Staaten
haben an der Operation Wüstensturm teilgenommen.
NATO-Länder einer anderen Koalition haben mit der
Operation Provide Comport auf die Leiden der Kurden
reagiert. Patriot-Raketen aus den NATO-Ländern
wurden nach Israel geschickt. Einige der NATO zugeteilte Streitkräfte haben Ausländer aus Zaire evakuiert,
manche NATO-Mitglieder haben unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen Streitkräfte als
Beobachter nach Jugoslawien entsandt und werden
weitere Soldaten zu Friedensmissionen dorthin schikken. Heute werden die Möglichkeiten und die Infrastruktur der NATO bei der Aktion Hoffnung eingesetzt.
In jedem dieser Fälle wurde mit Hilfe von Streitkräften
reagiert, die der NATO zugeteilt waren - für ihre
Mission personell ausgestattet, ausgerüstet und ausgebildet von NATO-Ländern unter verschiedenen
Kommandos.
Die amerikanische Führungsrolle in der NATO basiert
auf der Präsenz unserer Streitkräfte in Europa. Die
Fähigkeit der Vereinigten Staaten zur Beeinflussung
von Ereignissen in Europa ergibt sich durch unser
sichtbares und kontinuierliches Engagement für das
Bündnis. Um dem Sicherheitsbedarf der Vereinigten
Staaten auf einem europäischen Gefechtsfeld Rechnung zu tragen, haben wir in Europa Basisstreitkräfte
entwickelt und damit dem neuen Sicherheitsumfeld
und der angespannten Finanzlage Rechnung getragr; i. Als Vorsichtsmaßnahme im Hinblick auf die
unsichere Zukunft sind wir bestrebt, nicht zu schnell zu
weit zu gehen. Zusätzlich zu ihren militärischen Fähigkeiten demonstrieren die in Europa stationierten Basisstreitkräfte unseren Verbündeten in Europa, daß wir
bereit sind, weiterhin bei den europäischen SicherheitsentscJ-.cidungen eine Führungsrolle zu übernehmen. Folgende Streitkräfte wird es im Haushaltsjahr
1995 noch geben:
Eine erheblich geringere, aber glaubwürdige kriegsschauplatzgebundene nukleare Abschreckung.

Unterstützung für Einsätze im Mittelmeer;
unseren Betrag zur NATO-Luftverteidigung;
Eine Gruppe Flugzeugträger im Mittelmeer, die folgendes bietet:
Überlegenheit auf See;
Übertragung von Macht;
Kontrolle auf See.
Eine amphibische Einsatztruppe mit Marineinfanteristen, die auf dem gesamten Kriegsschauplatz im
Eventualfall einsatzbereit sind.
Zusätzlich zu diesen Streitkräften verfügen die Basisstreitkräfte in Europa über ausreichende Nachrichtendienste, Kommunikationseinrichtungen, Luftverteidigung und Logistik, einschließlich der damit zusammenhängenden Infrastruktur, um die Ankunft der
Verstärkungseinheiten aus den Vereinigten Staaten
oder die Stationierung von Einheiten außerhalb des
Bündnisgebietes zu unterstützen.
Diese Streitkräfte im Umfang von insgesamt 150.000
Soldaten (Heer: 92.200, Luftwaffe:44.800 und Marine:
13.000) sind um die Hälfte kleiner als unsere Streitkräfte vor zwei Jahren. Wir haben diese erheblich kleineren Streitkräfte konzipiert, um unser Engagement für
die NATO zu demonstrieren, regionale Stabilität zu
gewährleisten, einen Schutz gegen Unsicherheit zu
bieten sowie die Infrastruktur und logistische Unterstützung für die Verstärkung der Einsätze andernorts
aufrechtzuerhalten.
Sie werden in der Lage sein, jeglicher Bedrohung
unserer kriegsschauplatzgebundenen Interessen entgegenzutreten und verleihen den Vereinigten Staaten
eine Kampffähigkeit, die gegebenenfalls auch zur
Unterstützung strategischer Ziele andernorts eingesetzt werden kann. Eine solch vielseitige Streitmacht,
die auf Konflikte sämtlicher Intensitätsstufen reagieren
kann, ist darauf ausgerichtet, sich die Fähigkeiten
jeder Teilstreitkraft zunutze zu machen und die Fähigkeiten unserer Verbündeten in der NATO zu ergänzen.

Ein fähiges Heereskorps mit
der kleinsten Einheit, die zur Kampfführung
fähig ist,
dem niedrigsten Bereitschaftsgrad, um eine
optimale Luft-Boden-Schnittstelle zu erreichen,
einem Beitrag zu den multinationalen NATOStreitkräften.
Drei bis vier Jagdgeschwader, davon eines in der
Südregion: Diese Geschwader bieten:
ausreichende Streitkräfte für die Überlegenheit
in der L «ift und Luftunterstützung für Landstreitkräfte;

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Um diese erheblich kleinere europäische Streitmacht
aufrechtzuerhalten, wird eine wesentlich geringere
Zahl an Personal, Ausrüstung, Einrichtungen und finanziellen Mitteln erforderlich sein als im kalten Krieg.
Um die Herausforderungen der kommenden Jahre zu
bewältigen, haben wir mehrere Schlüsselbereiche
ausgewählt, in denen unsere Resourcen konzentriert
werden sollten. Wir haben unsere Erfahrungen aus
dem kalten Krieg und der Operation Wüstensturm
genommen, diese mit dem Wissen um die knappen zur
Verfügung stehenden Mittel verbunden und eine Liste
von Prioritäten erstellt, die unserer Meinung nach
erforderlich sind, um unsere Planung zum Truppenabbau vollständig zu verwirklichen und gleichzeitig eine
glaubwürdige Kampftruppe in Europa zu bewahren.
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�Unsere wichtigste Priorität im Hinblick auf die Mittelanforderungen des European Command gilt weiterhin
unserem Personal, das angemessene Wohn- und
Arbeitsbedingungen, eine Gemeinde, die ihre Grundbedürfnisse erfüllt, und eine vernünftige medizinische
Versorgung verdient. Im vergangenen Jahr haben
vom Kongreß beschlossene Einsparungen für den
Unterhalt von Liegenschaften, den Betrieb der europäischen Stützpunkte, Betrieb und Erhaltung (O&amp;M)
sowie Ortskräfte unsere Fähigkeit verringert, unsere
Truppen und deren Familien zu unterstützen und die
Kosten für Instandsetzung und Unterhalt unserer Einrichtungen erhöht.
Unsere zweite Priorität ist die Einsatzbereitschaft und
Ausbildung unserer bestehenden Streitkräfte. Das
breite Spektrum von Aufträgen, zu deren Ausführung
unsere künftige Streitmacht in der Lage sein müßte,
erfordert von uns die Stationierung kampfbereiter
Einheiten. Wir bemühen uns weiterhin um die Verfeinerung dessen, was ich als den "richtigen Mix" an
Ausbildungsaktivitäten bezeichne. Zu diesem Mix
gehören der Einsatz von Computersimulationen,
Manöver und Stabsrahmenübungen sowie Verbundmanöver der verschiedenen Teilstreitkräfte. Die Integration dieser unterschiedlichen Methoden gestattet
es uns, wichtige und unverzichtbare Ausbildungselemente zu geringeren Kosten und mit knapperen Mitteln
zu verwirklichen. Der Schlüssel zu Qualität und Realismus in der Ausbildung ist das "Warrior Preparation
Center". Als gemeinsame Einrichtung der Teilstreitkräfte erlaubt es uns die Durchführung der operativen
Ausbildung mittels realistischer Computersimulation
und verringert somit die Notwendigkeit von Großmanövern.
Meine dritte Priorität ist die Erhaltung unserer Investitionen in die amerikanische Infrastruktur in Europa.
Auch bei Abzug, Konsolidierung und Verlegung von
Einheiten sowie der Schließung von Stützpunkten
werden weiterhin Mittel für Instandhaltung sowie O&amp;M
benötigt. Auf verbleibenden Stützpunkten müssen
eine Reihe von Bauvorhaben vollendet werden. Unser
Antrag für dieses Jahr ist bescheiden: nur fünf Projekte in Gesamthöhe von 43 Millionen Dollar. Diese
Projekte in Grafenwöhr, Hohenfels, Rhein-Main und
Souda Bay sind erforderlich, um Lebens- und Umweltqualität auf diesen Stützpunkten aufrechtzuerhalten.
Wegen der Streichung des Infrastrukturprojekts Crotone untersucht die NATO eine Reihe von Alternativen,
um einen geeigneten Standort für die amerikanischen
Flugzeuge zu finden, der den Haushaltsengpässen
der Vereinigten Staaten und des Gastlandes Rechnung trägt. Wir werden mit der Prüfung dieser Optionen voraussichtlich im April beginnen, und die NATO
plant, dieses Thema beim nächsten Treffen des Verteidigungsplanungsausschusses im Frühjahr erneut
aufzugreifen. Das NATO-Infrastrukturprogramm wurde
von Gast- und Benutzerstaaten gründlich überprüft,
um sicherzustellen, daß nur stichhaltige Vorhaben

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finanziert werden. Der Haushaltsantrag des Verteidigungsministeriums in Höhe von 221,2 Millionen Dollar
für Infrastrukturvorhaben der NATO im Haushaltsjahr
1993 stellt das Mindestmaß für die Instandsetzung
bestehender NATO-Einrichtungen, Projekte der nuklearen Sicherheit sowie die Nutzung vorfinanzierter
Projekte dar.
Strategische Mobilität ist meine vierte Priorität. Unsere Streitkräfte müssen einsatz- und reaktionsfähig sein,
und dies gilt insbesondere angesichts der Reduzierung unserer Vornepräsenz. Die Fähigkeit zur Verlegung von Kampftruppen in jede Region wird auch in
den kommenden Jahren eine strategische Priorität
sein. Die Operationen in Südwestasien haben gezeigt,
daß der erste Teil der Mobilitätsgleichung in Stationierungs- und Überflugrechten bei befreundeten Nationen besteht. Unsere Fähigkeit zur Stationierung von
Truppen in vielen Teilen der Welt hängt von unseren
Verbündeten ab. Für den Rest der Gleichung benötigen wir für die Projektion amerikanischer Machtmittel
ausreichende Luft-und Seetransportkräfte im Verbund mit land- und seegestützter vorgelagerter Ausrüstung. Die Kombination aus Unterstützung durch die
Verbündeten, strategischer Luftbrücke und voreingelagertem Gerät hat es uns erlaubt, die für den erfolgreichen Verlauf der Mission enscheidende Kampfkraft
herzustellen. Die ungewisse Zukunft wird uns zwingen, dasselbe Niveau an strategischer Flexibilität
aufrechtzuerhalten.
Meine fünfte Priorität ist die selektive Modernisierung.
Die Kommandeure der Kampftruppen benötigen Systeme, die den besten Mix von Mobilität, Führung,
Feuerkraft und Kommunikation gewährleisten. Eine
kluge Auswahl zur Verfügung stehender und hochmoderner Systeme gewährleistet die größtmögliche
Kampffähigkeit. Der Schlüssel zum Erfolg auf dem
modernen und künftigen Gefechtsfeld isi Jiw Fähigkeit
der Kommandeure, gegnerische Kräfte zu orten, identifizieren, auszumanövrieren und an Feuerkraft zu
übertreffen. Einige dieser Systeme, die ihren Wert im
Golfkrieg bewiesen haben, sind das gemeinsame
Aufklärungs/Zielangriffsradarsystem (Joint Surveillance/Target Attack Radar System), moderne Mehrzweckkampfflugzeuge und -hubschrauber, moderne Mehrzweckmarineeinheiten und moderne amphibische Kräfte.
Schließlich bitte ich um Ihre Unterstützung für die
Militärhilfeprogramme, insbesondere in Afrika. Die
etablierten und aufstrebenden Demokratien bedürfen
der Unterstützung. Sie sind mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert, darunter soziale, wirtschaftliche und Umweltprobleme, die durch Armut, AIDS,
Dürre und Hungersnöte noch komplizierter werden.
Wir können ihnen mit Programmen wie dem African
Regional Military Assistance Program helfen, das eine
Anzahl von Leistungen zum staatlichen Aufbau bereitstellt. Eine kleine Investition heute wirH !n den kommenden Jahren erhebliche Dividenden einbringen.

AMERIKA DIENST 10

�Die nächsten Jahre werden unsere Fähigkeit auf die
Probe stellen, bisher unbekannten Herausforderungen zu begegnen. In den vergangenen 24 Monaten
haben wir über 40 krisenhafte Vorgänge erlebt und auf
30 reagiert, indem wir irgendeine Dimension unserer
vorne stationierten Militärmacht eingesetzt haben. Die
Reaktionen erstreckten sich über das gesamte Spektrum militärischer Aktivitäten: humanitäre Hilfe für den
Nordirak über die Türkei, Evakuierungsoperationen in
Liberia und Zaire und Kampfoperationen in Südwestasien. In Europa stationierte Patriot-Flugabwehreinheiten wurden nach Saudi-Arabien und Israel verlegt,
und Streitkräfte des European Command sind weiterhin aktiv an der Operation Provide Comfort beteiligt
und unterstützen heute die Aktion Hoffnung in der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten.
Im vergangenen Jahr haben wir unsere europäische
Streitkräftestruktur weiter gestrafft. Obwohl der Golfkrieg den Schwerpunkt unserer Bemühungen zeitweise verlagerte, hat sich die Intensität nicht verändert.
Wir haben das VII. Korps vom Golf nur zurückgeführt,
damit Tausende von Soldaten und deren Familienangehörige ihre Sachen packen und in die Vereinigten
Staaten zurückkehren konnten. Wir haben den Truppenabbau dort forgesetzt, wo wir stehengeblieben
waren, und haben in einigen Fällen das Tempo sogar
beschleunigt. In den vergangenen zwei Jahren haben
wir über 230.000 Soldaten, Zivilisten und Familienangehörige aus Europa in die Vereinigten Staaten zurückgeführt, während wir über 90.000 Soldaten nach
Südwestasien verlegten. Wir haben ferner erhebliche
Fortschritte bei der Reduzierung unserer europäischen
Stützpunkte gemacht. Bis zum 30. Januar 1992 hatten
wir 182 Einrichtungen geschlossen und damit unseren
Bestand in Europa um 13 Prozent reduziert. Darüber
hinaus arbeiten wir unermüdlich an der Verwirklichung
der Kernwaffeninitiative des Präsidenten, indem wir
unsere landaestützten Kernwaffen abziehen und die
amerikanischen chemischen Waffen in Europa bereits
beseitigt haben.

Interessen berühren, und unseren Truppenabbau in
Europa fortzusetzen, erfordert ein Engagement seitens der Vereinigten Staaten. Wir müssen unsere
Streitkräftestruktur so planen, daß eine glaubwürdige
Abschreckung gewährleistet, regionale Stabilität gefördert und eine Fähigkeit zur flexiblen Reaktion auf
Krisen gesichert sind. Um unsere neue Strategie zu
verwirklichen, müssen wir weiterhin den Bedürfnissen
unseres Personals größte Aufmerksamkeit schenken
und ihm angemessene Wohn- und Arbeitsbedingungen, den besten Mix modernisierter Ausrüstung und
die realistischste Ausbildung geben, die wir entwickeln
können.
Das Ende des kalten Kriegs und die politische Umgestaltung der ehemaligen Sowjetunion stellen eine historische Zäsur dar, die uns eine enorme Chance zur
Entwicklung eines stabilen und dauerhaften Friedens
in Europa bietet. Zentrale Voraussetzung für die
Erlangung dieses Ziels ist das Prinzip der kollektiven
Sicherheit. Als Organisation mit über 40 Jahren der
Zusammenarbeit und Erfahrung ist die NATO in der
besten Position, um auf das breite Spektrum der
Herausforderungen zu reagieren, mit denen Europa in
den kommenden Jahren konfrontiert sein wird. Unsere
Unterstützung und Führungsrolle im Bündnis bietet die
beste Hoffnung für ein sicheres und stabiles Europa.
Die Geschichte zeigt uns, daß die Sicherheit und
Stabilität Europas mit unserer eigenen untrennbar
verbunden sind. Diese Prämisse ist mit der Auflösung
der Sowjetunion und des Warschauer Pakts nicht
verschwunden. Unsere Vomepräsenz in Europa schützt
die Vereinigten Staaten und amerikanische Interessen
und liefert ein Bindeglied, das uns die Möglichkeit gibt,
wichtige, unsere gemeinsame Verteidigung betreffende Entscheidungen zu beeinflussen. Es liegt in unserem besten Interesse, in den europäischen Angelegenheiten engagiert und einflußreich zu bleiben. Dazu
benötigen wir eine leistungsfähige, glaubwürdige und
einsatzfähige Streitmacht in Europa, die für eine gro ße
Bandbreite von Missionen bereit steht.

Das Problem der Ungewißheit in den Griff zu bekommen, auf Krisen zu reagieren, die unsere nationalen

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�GUS-WISSENSCHAFTLER
11. M I R 1982

DIE ZIELE DES INTERNATIONALEN
WISSENSCHAFTSZENTRUMS
Kernwaffen-Know-how nicht in falsche Hände geben

WASHINGTON - (AD) - Außenminister Baker zufolge
stehen die Vereinigten Staaten an vorderster Front bei
den Bemühungen, in Rußland ein internationales
Zentrum ins Leben zu rufen, das Nuklearwissenschaftlern der ehemaligen Sowjetunion dabei helfen soll,
Versuchungen zu widerstehen, ihr Wissen an Staaten
zu verkaufen, die nach dem Besitz von Kernwaffen
trachten.

Obwohl das internationale Zentrum in Rußland eingerichtetwürde, könnten laut Baker Wissenschaftler aus
allen GUS-Staaten dort arbeiten. Die von den Vereinigten Staaten zugesagten 25 Millionen Dollar würden
einem im vergangenen Jahr für die Unterstützung
sowjetischer nuklearer Abrüstungsbemühungen eingerichteten Sonderfonds des US-Verteidigungsministeriums von 400 Millionen Dollar entnommen.

Die Vereinigten Staaten haben zunächst 25 Millionen
Dollar für die Gründung dieses Zentrums angeboten.
Weitere Beiträge sind von Deutschland und Japan
zugesagt worden, so Baker am 3. März 1992 in einer
Frklärung vor einem Unterausschuß des Repräsentantenhausesfür Haushaltsfragen. Baker begründete
mit seiner Erklärung den Haushaltsantrag des USAußenministeriums für das Haushaltsjahr 1993.

"Es würde als Clearing-Stelle für Projekte dienen, die
von diesen Personen verwirklicht werden könnten und
sie auf interessante, befriedigende und geistig anregende Weise beschäftigen würden. Sie wären dann
nicht mehr versucht, ihr Know-how über Kernwaffen
auf dem schwarzen Markt anzubieten", stellte Baker
fest. Der amerikanische Privatsektor werde ermutigt,
"sich für dieses Zentrum zu engagieren, es zu unterstützen und sich daran zu beteiligen".

"Ich glaube nicht, daß es irgendeine Garantie dafür
gibt, daß «*«s "'cht geschehen wird", räumte der
Minister auf die Frage ein, ob die Gefahr einer Weitergabe kernwaffentechnischen Wissens an den instabilen Nahen Osten bestehe. "Wenn Sie sich anschauen,
wie diese Wissenschaftler bezahlt wurden, und welche
Summen ihnen für die Weitergabe ihre Wissens angeboten werden könnten... ist es schwer vorstellbar, jede
Abwanderung auszuschließen."
"Diese Personen haben uns jedoch ausdrücklich versichert, daß sie eigentlich nur eine interessante TätigI-Qit sowie die Möglichkeit suchen, ihr Wissen in einer
intellektuell anregenden Art und Weise und so anzuwenden, daß sie damit ihre Familie ernähren können",
erklärte Baker.
Der Außenminister war im Rahmen einer Reise durch
einige Staaten der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) im vergangenen Monat in Tscheljabinsk,
einer ehemals streng geheimen atomaren Forschungseinrichtung der früheren Sowjetunion, mit einer Gruppe von Wissenschaftlern zusammengetroffen.

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Das Wissenschaftszentrum wird diese Woche eines
der wichtigsten Themen der Erörterungen im Rahmen
eines Treffens des Nordatlantischen Kooperationsrats
in Brüssel sein. Baker nimmt als Leiter der amerikanischen Delegation an diesem Treffen teil, bei dem
Vertreter der NATO, des ehemaligen Warschauer
Pakts und der aus der früheren Sowjetunion hervorgegangenen Gemeinschaft Unabhängiger Staaten zugegen sein werden.
Die Vereinigten Staaten haben mit den Führungen
einiger der neuen unabhängigen Staaten der ehemaligen Sowjetunion bereits Gespräche über Probleme in
Zusammenhang mit Kernwaffen geführt, so über deren sichere Lagerung und Transport sowie die Konversion kernwaffentechnischen Materials, das bei Demontage und Zerstörung sowjetischer Kernwaffen
zurückbleibt. Baker war nicht sicher, ob das gesamte
Nuklearmaterial für friedliche Zwecke umgerüstet werden
kann, da es viel mehr waffenfähiges Material gebe als
in Kernreaktoren allein verwendet werden könne.

Seite 1

�"Wir sind bestrebt, insbesondere mit den Russen bei
der Entwicklung eines Buchführungs- und Kontrollsystems zusammenzuarbeiten, um über den Verbleib
des Materials in Rußland auf dem Laufenden zu bleiben", erklärte Baker und fügte hinzu: "Wir haben das
Problem auch mit einigen unserer Partner und Verbündeten in der NATO erörtert." Er wisse jedoch "bis heute
von keinen Bemühungen, dies im Rahmen irgendeines multilateralen Abkommens zu institutionalisieren".
In Beantwortung einer Frage erklärte der Außenminister, die letzte Woche abgeschlossene Aktion Hoffnung sende den neuen Staaten der früheren Sowjetunion "ein Signal der Hoffnung", daß "der Rest der Welt
und insbesondere die Vereinigten Staaten, ihnen helfen will". Die auf Initiative der Vereinigten Staaten
zustandegekommene Luftbrücke umfaßte 65 Einsätze mit einer großen Menge dringend benötigter Nahrungs- und Arzneimittel für alle früheren Sowjetrepubliken außer Georgien.

des Sicherheitsrats hat der Irak "die Resolutionen
gebrochen und wurde über die ernsthaften Konsequenzen einer kontinuierlichen Nichteinhaltung gewarnt", erklärte Baker und fügte hinzu, es "besteht
immer die Möglichkeit, gegebenenfalls das Inspektionsregime zu stärken". Er konstatierte, "es hat keine
Abnahme oder Auflösung der Entschlossenheit" der
Mitgliedstaaten stattgefunden, "eine vollständige Erfüllung" der Resolutionen des UN-Sicherheitsrats durch
den Irak sehen zu wollen.

Naher Osten. Baker erklärte, die Vorteile eines erfolgreichen Friedensprozesses im Nahen Osten wären
nicht nur für die Länder in der Region, sondern auch für
viele Länder auf der ganzen Welt "von Bedeutung".
"Offen gesagt berührt uns die Tatsache, daß die
Parteien sich zum ersten Mal seit vierzig Jahren an
einem Tisch zusammensetzen und miteinander reden
und daß - zumindest bis jetzt - niemand die Verhandlungen verlassen hat," erklärte der Außenminister.
"Unserer Meinung nach fangen sie an, sich auf das
Baker erklärte anläßlich seines Besuches der Republi- Wesentliche zu konzentrieren... und wir hoffen, daß
ken Zentralasiens, "es vermittle den Menschen in einer dies anhält."
Region einen guten Eindruck, in der die Vereinigten
Staaten sich engagieren sollten und wo für uns wich- Kreditbürgschaften für Israel. Der Außenminister
tige Interessen auf dem Spiel stehen". Auf die Luft- bekräftigte, es liegt an der israelischen Regierung",
brücke müssen weitere Aktionen folgen, unter ande- die "volle Finanzierung" der Kreditbürgschaften für
rem Lieferungen von Getreide und weiteren Medika- Siedlungen in Höhe von 10 Milliarden Dollar zu erhalmenten, die Baker zufolge in allen neuen Staaten ten. Letzte Woche erklärte Baker, die Regierung
"dringend benötigt werden". Baker erklärte femer, die werde die Gesamtforderung unterstützen, wenn Israel
Vereinigten Staaten würden mit ihren engen Verbün- alle Besiedlungsaktivitäten in den besetzten Gebieten
deten über die Fortführung der humanitären Hilfe in aufgibt. "Meiner Ansicht nach ist es nur vernünftig, daß
größerem Umfang sprechen.
die Vereinigten Staaten nicht direkt oder indirekt etwas
finanzieren wollen, das sie ablehnen", erklärte Baker.
Der Außenminister erörterte eine Reihe weiterer The- Alternativ würde die Regierung Kreditbürgschaften für
menkreise.
einen niedrigeren Betrag übernehmen, mit dem Israel
die im Januar 1992 noch andauernden Bauarbeiten
China. Baker bekräftigte, die Bush-Regierung sei abschließen könnte.
weiterhin dagegen, die Meistbegünstigungsklausel für
China vom Verhalten des Landes bei den Menschen- USIA und Stimme Amerikas. "Meines Erachtens
rechten und Chinas Einhaltung der Richtlinien des spielen sie nach wie vor eine wichtige Rolle bei der
Kontrollregimes für Raketentechnologie abhängig zu Durchführung unserer Außenpolitik", erklärte Baker.
machen. "Zwischen uns bestehen grundlegende "Wir messen der Stärkung des internationalen RundMeinungsverschiedenheiten im Hinblick darauf... wie funkwesens eine hohe Priorität bei und wollen die Botwir es schaffen, daß China tut, was wir wollen", erklärte schaften der Prinzipien und Werte - Demokratie und
Baker gegenüber der Kongreßabgeordneten Nancy Freiheit beispielsweise - verbreiten, an die wir glauben.
Pelosi. Baker fügte hinzu, die Vereinigten Staaten Auch angesichts all der Veränderungen, die stattgeseien "nicht zufrieden mit den Reaktionen" der chine- funden haben, sehe ich nicht, daß die Rolle unserer
sischen Behörden auf die Menschenrechtsfragen sowie Informationsdienste abnimmt. Sie werden neue Ziele
das Problem der Ausreisefreiheit und hätten sie auf definieren müssen. Das sollten sie tun. Zum Beispiel
diese Frage "noch einmal angesprochen".
liegt es jetzt verstärkt in unserem Interesse, unsere
Irak. Baker verwies darauf, der UN-Sicherheitsrat Botschaft in Zentralasien zu verbreiten. Wir sind
habe kürzlich energisch erklärt, "das Versagen des beispielsweise daran interessiert, bis ins kommunistiIraks bei der Offenlegung aller Aspekte seiner Waffen- sche Asien vorzudringen", erklärte der Au ßenminister.
programme und bei der Zerstörung einiger Geräte zur Die Forderung für das Haushaltsjahr 1993 beläuft sich
Herstellung von Raketen" untersuchen und verurteilen auf 1,14 Millionen Dollar für das US-Informationsamt
zu wollen, wie es im Rahmen des Waffenstillstands für und 220 Millionen Dollar für den Internationalen Rundden Persischen Golf vereinbart wurde. Nach Ansicht funkrat.

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AMERIKA DIENST 10

�Schließung von Vertretungen. Baker erklärte, das
Avtenministeriuni möchte einige diplomatische Vertretungen schließen, verwies aber darauf, entsprechende Vorschläge in cer Vergangenheit seien immer
am Widerstand des Kongresses gescheitert. "Wir
stehen gegenwärtig in engen Konsultationen mit dem

Kongreß über die Schließung von Konsulaten in Porto,
Antwerpen und Lyon und erwägen die Möglichkeit der
Schließung auch in Genua und Amsterdam", erklärte
Baker. Darüber hinaus möchte das Au ßenministerium
einen Abbau bei anderen Vertretungen vornehmen,
die er nicht im einzelnen nannte.
* *

AMERIKA DIENST 10

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�VSBM
11. März 1992

MARESCA ZU VSBM-VERHANDLUNGEN
Pressekonferenz mit Botschafter Maresca
WIEN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die vom Leiter der US-Delegation bei den Verhandlungen über
Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen (VSBM), Botschafter John J. Maresca, am 4. März 1992 in
Wien gegebene Pressekonferenz im Wortlaut.

Botschafter Maresca: Ich danke Ihnen, daß Sie so
zahlreich erschienen sind. Ich hielt dies für eine gute
Gelegenheit, Sie wieder auf den neuesten Stand unserer
Aktivitäten zu bringen und werde heute morgen auf
verschiedene Aspekte unserer Arbeit eingehen. Der
eine sind die VSBM-Verhandlungen, der zweite die
kontinuierliche Arbeit an dem neuen, nach Helsinki ins
Leben gerufenen Sicherheitsforum, der dritte Aktivitäten des Konfliktverhütungszentrums (CPC) einschließlich der heute nachmittag beginnenden, und dann
möchte ich kurz die vom Komitee hochrangiger Beamter in Prag Ende letzter Woche im Hinblick auf Nagorny-Karabach entschiedene Vorgehensweise erörtern.
Ebenfalls anwesend ist Brigadegeneral Burt Davitte,
unser militärischer Vertreter bei diesen Verhandlungen, falls technische Fragen bezüglich des VSBMDokuments auftauchen sollten.
Ich möchte zunächst mit dem VSBM-Dokument beginnen, das im Augenblick verabschiedet wird. Ich denke,
man wird in Kürze eine Einigung erzielen. Wir befassen uns wie gewöhnlich mit den in letzter Minute
vorgenommenen unterschiedlichen Interpretationen,
und wenn wir das hinter uns gebracht haben, wird das
Dokument verabschiedet. Wahrscheinlich haben Sie
bereits Informationen hierüber erhalten. Das Dokument selbst wird Ihnen später zur Verfügung gestellt.
Ich möchte einige Aspekte dieses neuen VSBM-Dokurppnts hervorheben, die von Interesse sind.
Zunächst ein paar Anmerkungen über das Klima, oder
wenn Sie so wollen, Beweise dafür, wie sehr sich die
Dinge verändert haben. Heute morgen führt Litauen
den Vorsitz über die abschließende Plenarsitzung, und
das zur Abstimmung vorgelegte Papier wurde von
Polen unterbreitet. Wie die meisten von Ihnen wissen,
die diese Verhandlungen in der Vergangenheit verfolgt
haben, war Polen bisher ein neutraler Koordinator, der
die Rolle ub«i nommen hat, das Schlußdokument vorzulegen. In diesem Fall wurde die abschließende
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Arbeit von Polen vorgenommen, und zusammen mit
dem Vorsitz Litauens belegt dies meines Erachtens,
wie sehr sich die Lage bei der KSZE gewandelt hat. Sie
werden im weiteren Verlauf meiner Ausführungen
zusätzliche Beispiele hierfür erhalten.
Dem VSBM-Dokument wurden eine Reihe neuer Elemente hinzugefügt. Das Dokument selbst umfaßt all
die bisher im VSBM-Prozeß vereinbarten Aspekte
zusammen mit den neuen Elementen, die seit der
Unterzeichnung des letzten VSBM-Dokuments hinzugefügt wurden. Ich werde sie kurz erwähnen.
Erstens natürlich die erweiterte Mitgliedschaft. Die
Mitgliederzahl beträgt jetzt 48, und dies wurde als
erstes im Dokument festgehalten. In den Anhängen
finden sich ferner Sprachregelungen über die Anwendung von VSBM auf das Territorium der neuen Mitgliedstaaten.
Im Hinblick auf die neuen Maßnahmen selbst wurden
Vorkehrungen für einen relativ umfassenden Austausch technischer Daten einschließlich Photographien neuer wichtiger Waffensysteme getroffen, die in
Zukunft eingeführt werden. Die Absätze 12 und 13
befassen sich mit diesem Thema, und Sie können dies
im Dokument nachlesen, sobald Sie es erhalten haben.
Zweitens sind in Absatz 35 Verfügungen enthalten,
daß die neuen Waffenssysteme bei der ersten Gelegenheit nach ihrer Einführung demonstriert werden.
Drittens enthält das Dokument die Bestimmung zur
Berichterstattung über Einheiten, die vorübergehend
auf bestimmten Niveaus aktiviert werden. Zum ersten
Mal ist so etwas enthalten. Hierbei handelt es sich um
den Versuch, ein Problem anzugehen, mit dem sich
die militärischen Planer seit einiger Zeit im Hinbilck auf
den Streitkräfteaufwuchs befassen. Absatz 11 behandelt diesen Aspekt.
Seite 1

�Die nächste Verfügung ist auch für Laien interessant.
Sie hat den Titel "Besuche, um Besorgnis zu zerstreuen". Wie Sie wissen, gibt es bereits eine Bestimmung
über ungewöhnliche militärische Aktivitäten. Diese
Maßnahme über Besuche, um Besorgnis zu zerstreuen, ist ein Zusatz zu ungewöhnlichen militärischen
Aktivitäten. Der zugrundeliegende Gedanke ist, daß
ein Land Vertreter anderer Staaten zum Besuch eines
Gebiets einladen kann, das Besorgnis auslöst, um sich
selbst zu vergewissern, ob es Anlaß zu solcher Besorgnis gibt. Wenn Sie sich im einzelnen damit befassen wollen, finden Sie diese Bestimmungen in Absatz
19.
Soweit ich weiß, wurden zum ersten Mal echte VSBMBeschränkungen bei Aktivitäten von Landstreitkräften
vorgenommen. Dies ist ein kompliziertes Thema. Ich
möchte Sie nicht in alle Details einweihen - Sie können
es selbst nachlesen. Praktisch bedeutet es jedoch,
daß nur noch eine Übung großen Umfangs - 40.000
Soldaten oder 900 Panzer - alle zwei Jahre abgehalten
werden darf. In Absatz 71 sind die Einzelheiten
enthalten, und dies ist das erste Mal, daß tatsächlich
eine Begrenzung der Art von Aktivitäten vorgenommen wurde, die durchgeführt werden können.
Um die letzte dieser neuen Maßnahmen zu erwähnen
- es gibt eine Bestimmung, daß Inspektionen, die im
Rahmen des letzten VSBM-Dokuments bereits möglich waren, durch multinationale Inspektionsteams
durchgeführt werden können. Wenn ein Land die
Durchführung einer Inspektion entscheidet, kann es
andere Länder zur Teilnahme an dieser Inspektion
einladen. Eine solche Verfügung ist zum ersten Mal
enthalten und findet sich in Absatz 96.
Dies sind die wesentlichen neuen Bestimmungen, auf
die ich Ihr Augenmerk lenken wollte. Dies wird natürlich die letzte Sitzung der VSBM-Verhandlungen sein.
Die Verhandlungen wurden in Stockholm aufgenommen und haben bisher einschließlich diesem drei
Dokumente hervorgebracht. Ich denke, Sie wissen
über den Verhandlungsverlauf Bescheid. Ich möchte
jedoch hinzufügen, daß das VSBM-Konzept - das
Konzept der Vertrauensbildung - nicht mit diesen
Verhandlungen endet. Parallel dazu arbeiten wir hart
an der Vereinbarungen für ein neues Sicherheitsforum
- um die verwendete Sprachregelung zu benutzen -,
das nach dem Folgetreffen in Helsinki gegründet werden
soll. Man geht wohl im großen und ganzen davon aus,
daß es hier abgehalten werden und den Rahmen für
die Fortsetzung der Gespräche und Verhandlungen
über eine Reihe von Bereichen der Sicherheit einschließlich diesem Konzept der Vertrauensbildung bieten
soll. Wir erwarten also die Fortsetzung des VSBMKonzepts in diesen neuen Verhandlungen. Die Vereinbarungen für dieses neue Forum werden hier bis zum
Beginn des Nachfolgetreffens in Helsinki erörtert, und
alle dazu getroffenen Beschlüsse werden an das Treffen in Helsinki weitergeleitet und gegebenenfalls in

Seito 2

Helsinki weiterverfolgt, so daß das Forum sobald wie
möglich nach dem Treffen in Helsinki eröffnet werden
kann.
Im Hinblick auf die Aktivitäten des Konfliktverhütungszentrums möchte ich nur zwei Aspekte erwähnen. Als
ich das letzte Mal zu Ihnen sprach, erwähnte ich die
Planungen zu zwei sogenannten Miniseminaren. Das
erste wurde vor einigen Wochen in Bratislava über die
Konversion der Verteidigungsindustrie auf zivile Produktion abgehalten. Unseres Erachtens war es sehr
erfolgreich. Da es sich vom Charakter her um ein
Seminar handelte, zielte es nicht auf vereinbarte Ergebnisse ab. Wir hatten jedoch das Gefühl, daß der
Austausch von Erfahrungen und Ansichten außerordentlich erfolgreich war. Dieses Thema wird zweifelsohne in diesem Forum und andernorts weiter erörtert
werden.
Heute nachmittag beginnen wir unser zweites Miniseminar unter der Schirmherrschaft des Konfliktverhütungszentrums. Es befaßt sich mit der Rolle der
Streitkräfte in einer demokratischen Gesellschaft. Dies
wurde von Polen als mögliches Diskussionsthema
vorgeschlagen. Das letzte Thema wurde von der
Tschechoslowakei eingebracht. Unseres Erachtens
waren diese beiden Themen sehr wichtig für die Weiterentwicklung des heute nachmittag stattfindenden
Seminars. Ich erwarte, daß die Gespräche sich darauf
konzentrieren werden, wie militärische Organisationen von zivilen Regierungen in einem demokratischen
Land und damit einhergehenden Aspekten kontrolliert
werden können. Es gibt eine Tagesordnung, und wenn
Sie Interesse daran haben, kann ich die einzelnen
Punkte der Tagesordnung mit Ihnen durchgehen.
Grundsätzlich ist jedoch dies das Thema und wird es
wohl im weiteren Verlauf der Woche bleiben - heute
nachmittag, den ganzen Donnerstag und Freitag.
Zahlreiche Delegationen haben Experten und Sprecherentsandt, die über Erfahrungen in diesem Bereich
verfügen und speziell für dieses Seminar hier sind - uns
inbegriffen. Die Gespräche finden vorwiegend zwischen Menschen statt, die sich direkt mit diesen Themen befassen und diesbezügliche Erfahrungen gesammelt haben.
Schließlich möchte ich Ihnen noch über das Treffen
des Ausschusses ranghoher Beamter in Prag in der
vergangenen Woche berichten. Natürlich wurde die
Presse dort schon informiert, aber ich glaube, daß es
auch für Sie hier von Interesse ist. Deshalb haben wir
in diesem Raum zwei Dokumente für Sie ausgelegt.
Das eine ist der Bericht des Sonderberichterstatters,
der von der KSZE nach Nagorny-Karabach entsandt
wurde, das andere ist das Entscheidungspapier des
Ausschusses ranghoher Beamter im Hinblick auf diesen Bericht. Wenn Sie erlauben, möchte ich Ihnen
einige Punkte dieses Entscheidungspapiers erläutern,
da sie meines Erachtens nicht nur im Hinblick auf die
Lage in Nagorny-Karabach, sondern auch als Demon-

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�stration dessen interessant sind, wie die KSZE heutzutage kontinuierlich danach strebt, eine positive Rolle
bei diesen fortschreitenden Entwicklungen zu spielen
und auf diese Art von Krisen einzugehen. Sicherlich
haben wir im vergangenen Sommer bereits einschlägige Erfahrungen in Jugoslawien gesammelt. Wir
haben dabei gewiß einige Lektionen gelernt. Einige
derselben Ideen finden sich auch hier wieder und
werden auf verschiedene Art und Weise weiterentwikkelt.
Ich möchte hier nur einige Dinge erwähnen. Im zweiten Absatz wird von der KSZE das Waffenstillstandsabkommen unterstützt, das unter der Führung Rußlands und Kasachstans zustandegekommen ist. Das
war eine ganz normale Vorgehensweise, da jener
Waffenstillstand unlängst vereinbart worden war, obwohl
ich einräumen muß, daß er nicht eingehalten wurde.
Absatz 4 enthält eine Sprachregelung über ein Embargo für Waffenlieferungen an Streitkräfte, die sich in
diesem Gebiet an Kampfhandlungen beteiligen sowie
eine Bitte, daß die Staaten das Konfliktverhütungszentrum darüber informieren, welche Schritte sie in diesem Zusammenhang eingeleitet haben. Jeder, dermit
der Frage vertraut ist, weiß, daß der Munitionsnachschub eines der großen Probleme in diesem Konflikt
ist.
Der fünfte Absatz gilt den Bemühungen zur Entwicklung humanitärer Hilfe. Auch hier findet sich wieder
eine neuer Schritt. Der amtierende Vorsitzende der
KSZE wird aufgefordert, direkten Kontakt mit Organisationen aufzunehmen und diese zur Bereitstellung
humanitärer Hilfe zu ermutigen.
Auch Absatz 6 enthält einen Bereich, den die KSZE
bisher nicht berücksichtigt hatte. Wir unterstützen
darin das Konzept von Korridoren für die Lieferung
humanitärer Hilfsgüter. Der Gedanke an sich ist für
dieses Papier nichts Neues, aber daß die KSZE versuchen solle, bei der Schaffung solcher Korridore mitzuwirken, ist eine neue Aktivität der KSZE. Das gleiche
gilt für den Austausch von Geiseln und die Rückführung von Toten, was in diesem Gebiet ein äußerst
sensibles Thema ist.
Auf Seite 3 werden in Absatz 15 die Vermittlungsbemühungen Rußlands und Kasachstans grundsätzlich
unterstützt. Damit erfährt dieser Prozeß Rückhalt bei
Jcr KSZE, einen Rückhalt dieser gesamten Staatengemeinschaft für diese Vermittlungsbemühungen. Wir
betrachten dies grundsätzlich als vielversprechendsten Weg, der bereits besteht und deshalb in diesem
Dokument von uns unterstützt wird.
Der nächste Absatz enthält Aussagen über die Einbeziehung der Behörden und Vertreter von NagornyKarabach. Damit soll sichergestellt werden, daß die
Ansichten der ortsansässigen Bevölkerung in diesen
Diskussionen zum Tragen kommen.

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Absatz 17 schlägt vor, daß der amtierende Vorsitzende der KSZE an diesen Diskussionen teilnehmen
sollte. Wenn dies nützlich und notwendig wäre, könnten sie auch unter der Schirmherrschaft der KSZE
fortgesetzt werden. Auch hier gibt es wiederum
Möglichkeiten, die bereits in der Vergangenheit von
der KSZE untersucht wurden.
Absatz 18 ist besonders interessant, weil darin vorgeschlagen wird, da ß der amtierende Vorsitzende grundlegende Sondierungen durchführen sollte, um festzustellen, ob sich innerhalb der KSZE-Gruppe Staaten
befinden, die zu einer Beobachtungs- oder Überwachungsgruppe beitragen könnten, falls es zu einem
echten Waffenstillstand kommen sollte.
Dies sind meiner Ansicht nach die wichtigsten Punkte,
die zeigen, daß sich die KSZE hier darum bemüht, auf
eine äußerst sensible und schwierige Lage zu reagieren.
Nach dieser Einführung möchte ich nun gerne Ihre
Fragen zu diesen oder anderen von mir erwähnten
Aspekten beantworten oder weitere Erläuterungen
abgeben.
Frage: Könnten Sie uns mehr Informationen darüber
geben, was nach Helsinki stattfinden soll? Wird es
eine Zusammenlegung der KSE- und VSBM-Verhandlungen geben, oder was sonst?
Botschafter Maresca: Daran arbeiten wir gerade,
und ich kann Ihnen nicht viel sagen, weil noch nichts
vereinbart wurde. Wir erwarten, daß es zu einem
weitreichenden Sicherheitsforum kommen wird, das
natürlich alle KSZE-Mitgliedstaaten einbeziehen und
ein breites Themenspektrum erörtern wird, darunter
weitere Abrüstungsmaßnahmen. Alles, was sich aus
jeder dieser hier stattfindenden Verhandlungen ergeben könnte, kann in diesem Forum als weiterem Verhandlungsgremium für Rüstungskontrolle behandelt
werden. Meines Erachtens besteht jedoch auch die
starke Überzeugung, daß sich die Lage in einem
solchen Ausmaß verändert hat, daß wir auch über
einen tiefergehenden Dialog über Sicherheitsfragen
nachdenken sollten, durch den wir einander über
Probleme informieren und versuchen könnten, gemeinsame Wege zu deren Bewältigung zu finden.
Darüber hinaus läßt sich kaum etwas sagen, weil noch
nichts vereinbart wurde. Aber dies wäre ein Forum, um
beide Konzepte zu behandeln.
Frage: Könnten Sie etwas über das Zielgebiet sagen,
auf das das Wiener Dokument von 1992 künftig angewendet werden soll, insbesondere jenseits der östlichen Seite des Urals. Nach dem Zerfall der Sowjetunion befinden sich ja einige Staaten in deren ehemaligen
ost- und mittelasiatischen Teilen. Sind diese Länder in
diesem Dokument vertreten? Oder in welcher Form
haben sie den anzuwendenden Vereinbarungen zugestimmt?

Seite 3

�Antwort: Wir sprechen eigentlich nicht von einem
Zielgebiet. Wir benutzen einen anderen Begriff - den
der Anwendungszone (zone of application). Zielgebiet
hat einen anderen Sinnzusammenhang. Dies wird in
den Anhängen zum Dokument erläutert. Grundsätzlich war es so, daß die neuen Teilnehmerstaaten
zugestimmt haben, die VSBM-Bestimmungen auf ihr
Staatsgebiet anzuwenden. Dazu gehören die asiatischen Republiken. Die Frage der Ausweitung der
Zone über den Ural hinaus an sich wurde hier nicht
angesprochen. Der Begriff der Zone bleibt im früheren
Sinn bestehen. Das heißt, es wird von Europa gesprochen. Dieses Konzept ist das Grundkonzept. Darüber
hinaus haben sich die neuen Staaten bereiterklärt, die
VSBM auf ihr Territorium anzuwenden. All dies ist in
Anhang I enthalten. Wenn Sie sich näher damit
beschäftigen, so werden Sie feststellen, daß dies das
Endergebnis ist. All diese Länder haben dem Dokument auf der Grundlage unserer Konsensverfahren
zugestimmt. Das Konsensprinzip lautet, daß fehlender Widerspruch eine Zustimmung darstellt. Das ist
unsere Regel.
Frage: Ich stelle fest, daß in dem Prager Dokument
der hochrangigen Beamten der Begriff des amtierenden Vorsitzenden der KSZE benutzt wird. Können Sie
das erläutern? Ist das der Vorsitzende des Rats, und
gibt es ein Rotationsprinzip? Wer ist zur Zeit dieser
Vorsitzende? Besteht eine Perspektive, daß ein bestimmter Außenminister oder sein Büro KSZE-Funktionen wahrnimmt?
Antwort: Der gegenwärtige amtierende Vorsitzende
wird von der Tschechoslowakei gestellt. Die Verfahrensweise folgt der in der Pariser Charta vereinbarten
Sprachregelung. Der Vorsitz wechselt auf der Grundlage dessen, wer zuletzt Gastgeber des Ministerrats
war. Der letzte Ministerrat der KSZE fand in Prag statt.
Die Tschechoslowakei erhielt damals den Vorsitz. Der
Außenminister der Tschechoslowakei war der Vorsitzende bei diesem Treffen, und er bleibt bis zum
nächsten Ministerrat amtierender Vorsitzender. Der
nächste Ministerrat wird Anfang Dezember in Schweden stattfinden. Infolgedessen wird dann Schweden
den Vorsitz übernehmen.

Frage: Erstens, bei der Vollversammlung sind nur 40
Delegationen anwesend. Welche Delegationen sind
nicht hier? Zweitens, welches ist der letzte Termin für
die Mandatsvorbereitung? Ist es der 24. März? Und
wenn das Mandat bis dahin nicht steht, werden die
Verhandlungen in Helsinki oder Wien stattfinden?
Welches ist der letzte Termin für die Vorbereitung des
Mandats?
Antwort: Bei der ersten Frage habe ich die Anwesenden nicht gezählt. Aber einige neue Staaten der
früheren Sowjetunion sind heute wohl abwesend. Es
ist verständlich, daß sie eine Weile benötigen, bis sie
sich an den Rhythmus dieser Zusammenkünfte gewöhnen und Mitarbeiter dafür abstellen. Daher sind

Seite 4

einige von ihnen abwesend. Im Hinblick auf die zweite
Frage ist den Formulierungen der Zusammenfassung
des Prager Dokuments der Minister in Prag zu entnehmen, daß die Schlußfolgerungen der inoffiziellen
Konsultationen - wie wir unsere Gespräche im Forum
nach Helsinki beschreiben - der Zusammenkunft in
Helsinki übermittelt werden. Demgemäß gehen wir
davon aus, daß jede weitere Arbeit beim HelsinkiFolgetreffen geleistet wird, falls diese Schlußfolgerungen nicht endgültig und vollständig sind. Am Ende
dieses Treffens ist dann der endgültige Termin.
Frage: Delegationen gehen mit einem Programm zu
dieser Konferenz. Gab es aus amerikanischer Sicht
etwas, das hier in Wien nicht erzielt worden ist, oder
was wünschen Sie sich für die nächsten zwei oder drei
Jahre?
Antwort: Erstens ist dies ein laufender Prozeß. Unserer
Meinung nach ein sehr breitgefächerter Prozeß, der
die Sicherheitslage in vielerlei Hinsicht verbessert. Es
ist schwer zu sagen, daß es bei dem einen oder
anderen Punkt eine klare Zielsetzung gibt. Es ist ein
laufender Prozeß, und unserer Ansicht nach trägt
diese Art von Prozeß einfach durch Dialog und Gedankenaustausch und regelmäßige Vereinbarung spezifischer Maßnahmen dazu bei, daß mißtrauischen Ländern ihr Mißtrauen genommen wird und die Möglichkeiten für echte Konflikte verringert werden. Wenn Sie
eine spezielle Zielsetzung genannt haben wollen, dann
ist es diese. Wir wollen in Europa eine Situation der
Stabilität und Sicherheit, und jedes Land soll seinen
Sicherheitsbedarf erfüllt wissen. Der Prozeß ist Teil
der Zielsetzung. Ich könnte es nicht eingehender
beschreiben, weil es ein so langer und breitgfächerter
Ansatz ist, daß man schwerlich an irgendeinem Punkt
von bestimmten Zielen sprechen kann. Wir betrachten
es als laufenden Prozeß.
Frage: Vielleicht könnte der Brigadegeneral uns etwas darüber berichten, welche Bedeutung Sie diesen
vertrauensbildenden Maßnahmen in militärischer Hinsicht beimessen. Welchen Wert hat die Erweiterung
der bestehenden Bestimmungen in den beiden früheren Dokumenten?
Brigadegeneral Davitte: Wie der Botschafter bereits
ausgeführt hat, ist eine der wichtigsten kürzlich vereinbarten Maßnahmen die sogenannte Einschränkungsmaßnahme. Es ist das erste Mal, daß militärische
Aktivitäten in der Anwendungszone tatsächlich begrenzt werden. Das ist ein Schritt von großer Bedeutung. Der nächste militärisch wichtige Punkt wäre die
Einführung neuen Geräts in der Anwendungszone und
Offenheit und Transparenz über dieses Gerät im Hinblick auf Demonstrationen und den Austausch technischer Informationen über qualitative Parameter dieses
Geräts, die für andere KSZE-Staaten von Interesse
sind. Insgesamt sind dies zwei der wichtigsten Merkmale der sieben oder acht unterschiedlichen, spezifischen Maßnahmen, die wir in dieser jüngsten Ver-

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�handlung vereinbart haben. Insgesamt sind sie für uns
sehr befriedigend, militärisch von Bedeutung, und sie
stehen im Einklang mit den Prinzipien der Verizif ierung
und militärischen Bedeutung, wie sie im Mandat von
Madrid verankert sind.
Frage: Welche Bestimmungen gibt es für den Fall
einer anderen militärischen Übung, die die Grenze von
40.000 überschreitet?
Bridagegeneral Davitte: Nun, es ist verboten, mehr
als eine Übung mit über 40.000 Soldaten im Jahr
abzuhalten. Die Länder, die dieses Dokument verabschiedet haben, haben auch vereinbart, dies nicht zu
tun.
Botschafter Maresca: Das heißt, jede Übung über
einer bestimmten Grenze muß vorher gemeldet werden. Im ersten Fall, daß eine Benachrichtigung über
eine solche Übung stattfindet, fände darüber ein
Gespräch statt, bei dem Einwände vorgebracht werden könnten. Dasselbe würde bei einer Verletzung der
Bestimmung gelten. Das heißt, wenn eine Übung über
dieserGrenzeläge oder das vereinbarte Maß übersteigen würde. Wir haben bereits eine Bestimmung für
Gespräche über die Durchführung, sowohl auf jährlicher Basis als auch jederzeit im CPC. Das wäre also
das Forum für Einwände im Falle einer Verletzung.
Frage: Ist bereits entschieden worden, wann diese
Maßnahmen in Kraft treten - im Mai, Juni oder Juli?
Antwort: Ja, es gibt schon einen Termin - den 1. Mai.
Frage: Zwei Fragen zu Nagorny-Karabach. Erstens,
haben die hochrangigen Beamten bereits eine Reaktion oder einen Hinweis der Parteien in NagornyKarabach im Hinblick auf ihre Forderungen? Zweitens
haben Sie bereits darauf hingewiesen, daß die Unterhändler ihre Erfahrungen aus der Krise in Jugoslawien
verarbeitet haben. Könnten Sie das bitte noch näher
ausführen? Was hat man aus dem Konflikt in Jugoslawien gelernt, das sich auf Nagorny-Karabach anwenden ließe?
Antwort: Zur ersten Frage möchte ich sagen, daß sie
in den humanitären Bereich fällt. Wie Sie vielleicht
wissen, hält sich eine französische Gruppe dort auf,
um genau das zu tun, was wir in diesem Dokument tun,
im Hinblick auf die Gewährung von humanitärer Hilfe
v;nd Einrichtung humanitärer Korridore. Während wir
darüber sprechen, versuchen sie heute, genau das zu
tun. Das wäre ein erster Hinweis auf eine Reaktion,
wenn es möglich wäre, dies zu tun. Wir würden dies als
entscheidenden Schritt nach vorn betrachten. Ich bin
dort gewesen und kann Ihnen versichern, daß die Lage
verzweifelt ist und sie diese Art Hilfe benötigen. Zweitens
zu den Lektionen aus der Jugoslawienkrise. Eine
wichtige Lektion ist meiner Ansischt nach, daß es sich
bei der KSZE um ein Forum handelt, das in dieser Art
Krisen das Mandat hat, um eine Vermittlerrolle zu
spielen. Im Falle Jugoslawiens hat im wesentlichen die
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KSZE die Bestrebungen verfügt, unterstützt und anerkannt, die dann von der Europäischen Gemeinschaft
durchgeführt wurden. Tatsächlich wurde die Beobachtergruppe, die nach Jugoslawien reiste, später eine
KSZE-Gruppe, weil mehrere KSZE-Länder, nicht Länder
der Gemeinschaft, daran teilnahmen. In diesem Fall
tun wir dasselbe im Hinblick auf eine Vermittlerrolle,
was Ru ßland in Kasachstan tut. Wir wenden dasselbe
Muster an. Die KSZE ist eine große Organisation, und
es ist für sie sehr schwierig, eine solche Operation
ohne einen Mittler durchzuführen, der in ihrem Auftrag
handelt. Das war ein Beispiel für die Art von Lehre, die
gezogen worden ist. Daraus würde ich schließen, daß
die KSZE eine Stärke in dieser Situation hat - sie
verfügt in einer solchen Situation über das Urteil der
großen Familie europäischer und nordamerikanischer
Länder und kann ein Land oder eine Ländergruppe
auffordern, in ihrem Namen als Vermittler bei einem
solchen Konflikt aufzutreten. Das ist eine gute Lektion,
wie die KSZE in einer solchen Situation einen sinnvollen Beitrag leisten kann. Ich denke, ich werde eine
weitere Frage beantworten.
Frage: Meine Frage betrifft das Verhältnis zwischen
öffentlicher Meinung, wissenschaftlicher Analyse und
vertrauensbildenden Maßnahmen. Wenn Sie das
Wiener Dokument von 1990 und auch das neue Dokument in erweiterter Form lesen, werden Sie merken,
daß ein Großteil des Datenaustauschs zwischen den
Teilnehmerländern in vielen militärischen Bereichen
eine einmalige Offenheit schafft. Mein Eindruck ist
jedoch, daß die Daten immer noch ausschließlich in
Regierungskreisen zirkulieren, und der Öffentlichkeit
nicht zugänglich gemacht werden. Die öffentliche
Meinung wird sich der Bedeutung dieses Prozesses
nicht bewußt. Denken Sie, dies sollte geändert werden, und wie kann man es ändern?
Antwort: Im Kontext des Konfliktverhütungszentrums
erörtern wir seit einiger Zeit die Möglichkeit einer
Datenbank, die all diese Informationen sammelt und
mit deren Hilfe ein Jahrbuch zusamengestellt werden
könnte, in dem all diese Informationen veröffentlicht
werden. Sie haben recht, daß wir über eine einmalige
Fülle von Informationen verfügen, die jetzt ausgetauscht werden. Diese Bestimmungen im Hinblick auf
Daten über neue Waffensysteme, die übrigens zum
großen Teil auf einen polnischen Vorschlag zurückgehen, machen viele Daten zugänglich, die wir niemals
zuvor hatten. Ein Großteil dessen ist sehr technisch
und besteht aus Photos etc. Allein diese Fülle macht
eine Auswahl der Informationen für die Öffentlichkeit
erforderlich. Und es gibt bei einigen Ländern Empfindlichkeiten im Hinblick auf die Veröffentlichung solcher
Informationen. Deshalb streben wir nach einem Weg,
um eine Datenbank einzurichten, die all diese Informationen sammelt, so daß sie in einem Jahrbuch veröffentlicht werden können. Das ist ein Projekt für die
Zukunft und wird meiner Ansicht nach weiter erörtert
werden. Ich danke Ihnen.

Seite 5

�WAHLEN '92
11. März 1992

GESETZE FÖRDERN FAIREN
WETTBEWERB BEI DEN WAHLEN
Vergabe öffentlicher Mittel, Ausgabenüberwachung

WASHINGTON - (AD) - In den Vereinigten Staaten
wurde bei den nationalen Wahlen 1988 etwa 1 Milliarde
Dollar von den oder für die Kandidaten ausgegeben,
die ein Amt in der Bundesregierung anstrebten - den
Präsidenten, den Vizepräsidenten und etwa 500 neu
zu besetzende Sitze im Kongreß.
In einem Land von der Grö ße der Vereinigten Staaten,
das dem demokratischen Wahlprozeß so stark verpflichtet ist, verwundert es nicht, daß ein großer Teil
des Geldes für Kampagnen ausgegeben wird, um in
ein Amt gewählt zu werden. Aber es gibt Gesetze, die
einen fairen Wettbewerb der Kandidaten sicherstellen
und gewährleisten, daß wohlhabende Bürger und Interessengruppen sich mit ihren Mitteln keinen unfairen
Vorteil verschaffen. Ferner gibt es eine unabhängige
Regierungsbehörde, die Bundeswahlkommission
(Föderal Elections Commission - FEC), die diese
Gesetze zur Finanzierung von Wahlkampagnen durchführt.
Die Gesetze gelten nur für Kandidaten für ein Amt
innerhalb der Bundesregierung - den Präsidenten, den
Vizepräsidenten, die Senatoren und Abgeordneten
des Repräsentantenhauses sowie die sie unterstützenden Komitees. Sie decken drei umfassende Bereiche ab: die öffentliche Finanzierung der Präsidentschaftswahlen, Beiträge und Ausgaben zur Beeinflussung dieser Wahlen und die Offenlegung der von den
politischen Komitees unterbreiteten Informationen über
die Finanzierung der Wahlkampagne. Nachfolgend
ein Überblick, wie die Gesetze und die Kommission
funktionieren.
Öffentliche Finanzierung
Beim System der öffentlichen Finanzierung müssen
die Präsidentschaftskandidaten und die Parteiversammlungskomitees verschiedene Bedingungen erfüllen.
Wenn die FEC zu dem Schluß kommt, daß diese
Bedingungen erfüllt sind, vergibt sie den Betrag aus

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öffentlichen Mitteln, auf den der Kandidat oder das
Komitee Anspruch hat. Diese Mittel ergeben sich aus
den Dollars, die Steuerzahler im Rahmen ihrer Einkommenssteuer freiwillig entrichten.
Die FEC überwacht darüber hinaus alle Empfänger
öffentlicher Mittel, um sicherzustellen, daß die Mittel im
Einklang mit dem Gesetz ausgegeben werden und
kann von den Komitees deren Rückzahlung verlangen, wenn dies nicht der Fall ist.
Die öffentliche Finanzierung ist in drei Bereiche eingeteilt: Ausgleichsfonds für die Vorwahlen, Zuschüsse zu
den Parteiversammlungen und den allgemeinen Wahlen.
Ausgleichsfonds für die Vorwahlen
Den Präsidentschaftskandidaten werden bei den Vorwahlen zum Teil öffentliche Mittel in Form von Ausgleichszahlungen zur Verfügung gestellt. Erfolgreiche
Kandidaten erhalten für Spenden bis zu 250 Dollar den
entsprechenden Betrag aus dem staatlichen Wahlkampffonds. Nur Spenden von Einzelpersonen werden aufgestockt, obwohl der Präsidentschaftskandidat bei den Vorwahlen Spenden politischer Komitees
annehmen darf.
Nur Kandidaten, die die Nominierung als Präsidentschaftskandidat durch ihre Partei anstreben, stehen
Ausgleichszahlungen zu. Ein Kandidat muß sich dafür
ualifizieren, indem er die Unterstützung der breiten
Iffentlichkeit für sich gewinnt: Er muß in mindestens
20 Bundesstaaten über 5.000 Dollar an ausgleichbaren Spenden aufbringen. Jeder Kandidat muß zustimmen:

2

Die Wahlkampfausgaben für alle Vorwahlen auf
10 Millionen Dollar plus Inflationsausgleich (COLA)
zu begrenzen. Dies wird als nationales Ausgabenlimit bezeichnet. 1988 belief sich der Betrag
auf 27,7 Milliarden Dollar.

Seite 1

�Die Wahlkampfausgaben in jedem Bundesstaat
auf einen bestimmten von der FEC anhand der
gesetzlich verankerten einwohnerspezifischen
Formel festgesetzten Betrag zu beschränken.

Kandidaten kleinerer und neuer Parteien können sich
für öffentliche Zuschüsse zu ihren allgemeinen Wahlkampfkosten qualifizieren, wenn sie oder ihre Partei
einen Stimmenanteil von mindestens 5 Prozent erzielen. Während die Kandidaten kleinerer oder neuer
Die Ausgaben aus persönlichen Mitteln auf 50.000 Parteien die öffentlichen Mittel durch private Spenden
Dollar zu begrenzen.
ergänzen können und ein Teil der Kosten für die
Wahlkampffinanzierung nicht auf ihr Ausgabenlimit
Ausgabenlimits und Begrenzungen der Ausgaben des
angerechnet werden, unterliegen sie ansonsten denKandidaten aus persönlichen Mitteln sind nur für öfselben Ausgabenbegrenzungen und anderen Vorschriffentliche Zuschüsse eine Voraussetzung. Die Beteiliten wie die Kandidaten der großen Parteien.
gung an dem Programm zur Vergabe öffentlicher
Mittel ist freiweillig - entscheidet sich ein Kandidat Spenden und Ausgaben
gegen öffentliche Zuschüsse, braucht er sich nicht an
die Ausgabenobergrenzen halten.
Die FEC ist darüber hinaus für die Anwendung des
Gesetzes über Spenden und Ausgaben zur BeeinflusKommt der Präsidentschaftskandidat für die Ausgleichs- sung bundesweiter Wahlen zuständig. Dem Wahlgezahlungen in Frage, stehen ihm öffentliche Mittel in setz zufolge können diese Spenden in Form von Geld,
Höhe der von Einzelpersonen entrichteten Beträge bis Darlehen sowie Geschenken in Form von Waren und
zu 250 Dollar pro Einzahlung zu.
Dienstleistungen erbracht werden, nicht jedoch in Form
von freiwilliger Arbeit. Zu den Ausgaben gehören
Selbst wenn ein Kandidat nicht mehr aktiv an den
Ankäufe und Zahlungen, die zur Beeinflussung bunVorwahlen teilnimmt, kann er öffentliche Zuschüsse
desweiter Wahlen erfolgen.
zur Rückzahlung von nachweislich für den Wahlkampf
gemachten Schulden beantragen. Jeder in Frage Unternehmen, Arbeitnehmerorganisationen und lankommende Kandidat kann öffentliche Mittel erhalten, desweit tätigen Banken ist es untersagt, Spenden oder
die bis zu 50 Prozent des nationalen Ausgabenlimits Ausgaben zu tätigen, sie können jedoch politische
für den Vorwahlkampf ausmachen.
Komitees gründen. Das Gesetz untersagt femer
Spenden
von staatlichen Auftragnehmern sowie solFinanzierung des Parteitags
che Spenden, die von einer Person im Namen einer
Jeder größeren politischen Partei stehen 4 Millionen anderen Person erbracht werden. Ausländische StaatsDollar plus der COLA zur Finanzierung ihres Bundes- bürger dürfen ebenfalls keine Spenden in Zusammenparteitags zur Nominierung des Präsidentschaftskan- hang mit irgendeiner Wahl in den Vereinigten Staaten
didaten zu. 1988 erhielten die Demokratische und die tätigen - dies gilt für Bundes-, Bundesstaats- und
Republikanische Partei jeweils 9,2 Milliarden Dollar für Gemeindewahlen gleichermaßen.
die Nominierungsparteiversammlungen. Eine kleinere Partei kann ebenfalls für Zuschüsse zum Parteitag Eine Einzelperson darf pro Wahl bis zu 1.000 Dollar an
in Frage kommen, die sich aus dem Stimmenanteil des das Komitee eines Bundeskandidaten spenden. Da
Kandidaten bei den letzten Präsidentschaftswahlen diese Obergrenzen für jede einzelne W?hl gelten,
könnte eine Einzelperson 1.000 Dollarfüreine Vorwahl
errechnen.
sowie weitere 1.000 Dollar für die allgemeine Wahl
spenden. Beiträge von Einzelpersonen unterliegen
Die Finanzierung der allgemeinen Wahlen
ebenfalls einer jährlichen Obergrenze: ein einzelner
Die von den Parteien offiziell nominierten Präsident- kann pro Jahr bis zu 25.000 Dollar an Komitees für
schaftskandidaten kommen für eine direkte öffentliche Bundeswahlkämpfe spenden.
Beihilfe von 20 Millionen Dollar plus Inflationsausgleich
in Frage. Im Jahr 1988 erhielten die Republikanische Auch die Beiträge der politischen Komitees unterlieund die Demokratische Liste je 46,1 Millionen Dollar. gen Obergrenzen. Von besonderem Interesse sind
Um sich für diese öffentlichen Mittel zu qualifizieren, Beiträge der politischen Aktionskomitees, kurz "PACs
muß der Kandidat die Ausgaben auf die Höhe der genannt.
Beihilfe beschränken. Er darf darüber hinaus keine
privaten Wahlkampfspenden annehmen. Private Es gibt zwei Arten von PACs. Bei der ersten handelt
Spenden dürfen jedoch im Rahmen bestimmter Ober- es sich um politische Komitees, die von Unternehmen,
grenzen angenommen werden, wenn sie auf ein Arbeitnehmerorganisationen oder eingetragenen MitSonderkonto eingezahlt werden, das nur zur Beglei- gliedsorganisationen gegründet werden. Während
chung bestimmter juristischerund Verwaltungskosten das Gesetz solchen Gruppen die Auszahlung von
verwendet werden darf. Jeder Kandidat kann femer Spendengeldern aus ihren Haushalten untersagt,
bis zu 50.000 Dollar aus seinem persönlichen Vermö- gestattet es ihnen ausdrücklich, separate Fonds einzurichten, zu verwalten und dafür um Beiträge zu
gen ausgeben.
werben, die dann Spenden vergeben können.

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�Bei der zweiten Art von PAC handelt es sich um ein Offenlegungspflicht
unabhängiges Gremium, ein Komitee, das nicht direkt
mit einem Kandidaten oder einer Partei, einem Unter- Politische Komitees müssen Berichte über Einnahmen
nehmen oder einer Arbeitnehmerorganisation verbun- und Ausgaben vorlegen. Das Hauptwahlkampfkomiden ist. Unabhängige Komitees sind häufig ideologi- tee eines Kandidaten, der sich nach dem Gesetz
sche Organisationen oder Gruppen, die sich auf ein qualifiziert hat, muß sich registrieren lassen und
Wahlkampffinanzierungsberichte einreichen. Das
Hauptanliegen konzentrieren.
Komitee muß seine Gesamteinnahmen und -ausgaDie Obergrenze für Spenden der PACs an das autori- ben offenlegen und darüber hinaus alle Spenden von
sierte Wahlkampfkomitee eines Kandidaten beträgt anderen politischen Komitees sowie Spenden von
entweder 5.000 Dollar pro Wahl (bei einem qualifizier- Einzelpersonen an das Komitee, die 200 Dollar im
ten Mehrkandidatenkomitee) oder 1.000 Dollar pro Kalenderjahr übersteigen, einzeln aufführen. AusgaWahl (bei anderen Komitees). Im Gegensatz zu ben müssen ebenfalls einzeln aufgeführt werden.
Einzelpersonen unterliegen politische Komitees keinem jährlichen Spendenlimit.

* *

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�</text>
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US-AUSSENPOLITIK

^

#

18. März 1992

SP

BUSH: AKTIVE AUSSENPOLITIK, STARKE
VERTEIDIGUNG ERFORDERLICH
Rede des Präsidenten zur Rolle der
Vereinigten Staaten
DIE NEUE WELT
Rede von Präsident Nixon

GUS-WISSENSCHAFTLER

WISSENSCHAFTSZENTRUM SOLL VERBREITUNG VON WAFFEN VERHINDERN
Außenminister Baker über ein
neues Projekt in Rußland

MITTEL-/OSTEUROPA

USA WOLLEN ZUSATZLICHE GELDER
FÜR MITTEL- UND OSTEUROPA
Eagleburger vor Unterausschuß des
Repräsentantenhauses

WAHLEN '92

DIE VORWAHLERGEBNISSE DES
"SUPERDIENSTAGS"
Der Stand der Delegiertenstimmen

VORWAHLEN UND PARTEIVERSAMMLUNGEN
AM "SUPERDIENSTAG"
Amerikanische Pressestimmen

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�US-AUSSENPOLITIK
18. März 1992

BUSH: AKTIVE AUSSENPOLITIK,
STARKE VERTEIDIGUNG ERFORDERLICH
Rede des Präsidenten zur Rolle der Vereinigten Staaten
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush zufolge müssen die Vereinigten Staaten einen Weg finden, "um die
Unterstützung der Öffentlichkeit für eine aktive Au ßenpolitik und eine starke Verteidigung zu sichern, auch wenn
es für die Sicherheit unserer Nation keine wesentiche Bedrohung von außen gibt und dies in Zeiten ernster
Haushaltsprobleme bewerkstelligen."
"Wir haben so viel investiert, um den kalten Krieg zu gewinnen. Wir müssen alles Erforderliche investieren, um
den Frieden zu gewinnen", erklärte Bush bei einer unter der Schirmherrschaft der Richard Nixon Library and
Birthplace veranstalteten Konferenz über "Amerikas Rolle in der sich abzeichnenden Welt" am 11. März 1992.
Ein Scheitern werde Sicherheitsprobleme sowohl für Europa und Asien als auch die Vereinigten Staaten zur
Folge haben, ein Erfolg werde jedoch die Demokratie stärken und neue Marktwirtschaften schaffen, stellte Bush
fest. "Wir müssen Reformen nicht nur in Rußland, sondern in der gesamten ehemaligen Sowjetunion und
Osteuropa fördern."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Präsident Bush in wesentlichen Auszügen.

Ein Autor hat einmal über Richard Nixon geschrieben,
sein Leben "war in gewisser Weise entscheidend für
die Erfahrung, in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts Amerikaner zu sein". Ich bin mit Stolz erfüllt,
heute abend einen Präsidenten würdigen zu dürfen,
der etwas bowirkt hat - nicht nur, weil er dies wünschte,
sondern weil er es wollte.
Als unser 37. Präsident setzte er Verbrechen und
Drogen auf unsere innenpolitische Tagesordnung, er
rief ein Pilotprogramm zur Krebsbekämpfung ins Leben, er schaffte die Wehrpflicht ab und gründete das
Umweltschutzamt EPA. Und seit der Gründung des
EPA haben wir unermüdlich über den Schutz der
gefleckten Eule debattiert. Aber dennoch...
Wie ich bereits sagte, als diese Bibliothek eröffnet
wurde, wird man Richard Nixon aus einem anderen
Grund im Gedächtnis behalten: Weil er sein Leben der
hehrsten Sache gewidmet hat, die sich einem Präsidenten je stellt - der Sache des Friedens zwischen
Nationen. Dies hat er in seinen inzwischen neun
Büchern festgehalten, die alle auf den berühmten
gelben Blöcken geschrieben wurden.
Es ist mit eine besonders große Freude - und ich weiß,
iu i spreche auch im Namen von Barbara - heute abend
hier sein zu dürfen, und es ist mir eine Ehre, vor diesem
Publikum zum Thema "Amerikas Rolle in der sich
AMERIKA DIENST 11

abzeichnenden Welt" sprechen zu können. Das Thema könnte zu keinem besseren Zeitpunkt erörtert
werden, und es gibt keinen geeigneteren Veranstalter.
Die Richard-Nixon-Bibliothek - ich hatte die Ehre, bei
der Eröffnung anwesend sein zu dürfen - steht als
Symbol für einen Präsidenten und eine Administration,
die sich einem aktiven, durchdachten und vor allem
realistischen Ansatz zur Weltpolitik verschrieben haben.
Die vor Präsident Nixon liegenden Herausforderungen
hätten nicht schwieriger sein können: Wie könnte er
sich innenpolitisch weiterhin die Unterstützung einer
durch die zunehmende sowjetische Bedrohung erzwungene Außenpolitik zu einer Zeit sichern, in derein
überlastetes Amerika einen unpopulären Krieg in Vietnam kämpfte. Was daraus hervorging - die Entspannungspolitik und die Doktrin, die den Namen des 37.
Präsidenten trägt - schuf ein Gleichgewicht zwischen
Konfrontation und Kooperation.
Präsident Nixon hat dies und sehr viel mehr bewältigt
- uns aus dem Krieg geführt, das erste umfassende
amerikanisch-sowjetische Rüstungskontrollabkommen
ausgehandelt, Beziehungen mit China in die Wege
geleitet, bei den Friedensverhandlungen im Nahen
Osten vermittelt - all dies, während er im Inland einen
Konsens für dauerhaftes Engagement in internationalen Angelegenheiten aufrechterhielt.
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�Die heutigen Herausforderungen sind zweifelsohne
völlig anders gelagert. Dennoch sind wir uns wahrscheinlich alle einig, daß sie eine gewisse Ähnlichkeit
haben. Wieder einmal müssen wir einen Weg finden,
um die Verantwortung der Führungsrolle in der Welt
mit den Bedürfnissen der Erneuerung im Inland in
Einklang zu bringen. Wir müssen einen Weg finden,
um die Unterstützung der Öffentlichkeit für eine aktive
Außenpolitik und eine starke Verteidigung zu sichern,
auch wenn es für die Sicherheit unserer Nation keine
wesentliche einzelne Bedrohung von außen gibt und
dies in Zeiten ernster Haushaltsprobleme bewerkstelligen. In dieser Welt nach dem kalten Krieg stehen wir
vor der wunderbaren, aber nicht weniger realen oder
schwierigen Herausforderung, mit dem Erfolg fertigzuwerden.
Diese Herausforderung ist keineswegs einmalig. Denken
Sie nur an das Zeitalter nach dem Ersten Weltkrieg
oder die Jahre unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg. In beiden Fällen wollte das amerikanische Volk
unbedingt seine siegreichen Soldaten nach Hause
bringen und seine Energie auf die Verwirklichung des
amerikanischen Traums konzentrieren.
Vielleicht noch lehrreicher sind die Unterschiede zwischen unseren Reaktionen auf die beiden großen
Kriege unseres Jahrhunderts. Nach dem Ersten
Weltkrieg zogen sich die Vereinigten Staaten hinter
ihre Ozeane zurück. Wir weigerten uns, den Völkerbund zu unterstützen. Wir haben es zugelassen, daß
unsere Streitkräfte kleiner und fast überflüssig wurden.
Wir haben die Flaute des Welthandels gefördert, dem
Opfer des Protektionismus, der nur den eigenen Leistungsbilanzüberschuß im Auge hatte. Und wir haben
zugesehen, als Deutschlands Demokratie in ihrem
Existenzkampf, die Weimarer Republik, unter der Last
der Reparationen, des Protektionismus und der Depression scheiterte und dem Schrecken, den wir als
das Dritte Reich kennen, den Weg bereitet hat.
Ebenso zeigte unsere erste Reaktion auf den Sieg im
Zweiten Weltkrieg, daß wir wenig gelernt hatten. Aber
aktiviert von einerneuen kommunistischen Bedrohung
durch eine imperialistische Sowjetunion haben die
Vereinigten Staaten gehandelt. NATO, IWF, Weltbank, Marshallplan - diese und andere Institutionen
beweisen, daß Amerikaner den Charakter der Herausforderung ebenso erkannt haben wie die Notwendigkeit zu reagieren. Unser Militär wurde modernisiert,
der freie Handel gefördert, die amerikanische Unterstützung für die früheren Gegner Deutschland und
Japan großzügig. Es paßt ins Bild, daß Dean Acheson
seine Memoiren "Present atthe Creation" nannte, weil
diese Jahre tatsächlich kreativ waren.
Das Ergebnis ist, wie gesagt, Geschichte. Wir haben
den Frieden bewahrt. Wir haben den kalten Krieg
gewonnen. Die Demokratie ist auf dem Vormarsch.
Jetzt steht dieses Land zum dritten Mal nach einem
Krieg der großen Mächte - dem kalten Krieg - auf der
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Seite des Gewinners. Deshalb sind wir jetzt mit
derselben Frage konfrontiert: Wir haben den Krieg
gewonnen, aber sind wir bereit, den Frieden zu sichern?
Das ist die Herausforderung, der wir uns stellen müssen. Dennoch gibt es bereits Stimmen aus dem
gesamten politischen Spektrum, die Amerika - manchmal nachdrücklich - auffordern, "heimzukehren, die
Verteidigung zu reduzieren, die Friedensdividende
auszugeben, den Markt gegen ausländische Waren
abzuschotten und Auslandshilfe zu streichen".
Diese Schlagworte kennen wir alle. Sie kennen auch
die sogenannten Lösungen: Protektionismus. Isolationsmus. Aber wir haben die Verpflichtung und die
Verantwortung gegenüber unseren Kindern, die falschen Antworten der Isolation und Protektion zurückzuweisen und die Lektionen der Geschichte zu beachten. Sich von der Welt abzuwenden, ist keine Antwort.
Es kümmert mich nicht, wie schwierig unsere wirtschaftlichen Probleme im Inland sind. Im Gegenteil die Zukunft der Vereinigten Staaten und der Welt sind
untrennbar miteinander verknüpft.
Der Grund dafür könnte nicht eindeutiger sein. Gestern gab es Konflikte, und heute ist die Welt ein
sichererer Ort. Die von uns so gefürchtete aggressive
Sowjetunion gibt es nicht mehr. Aber die Nachfolgerepubliken kämpfen immer noch darum, sich als Demokratien zu etablieren und den Übergang zum Kapitalismus zu leisten. Wir haben so viel investiert, um den
kalten Krieg zu gewinnen. Wir müssen alles Erforderliche investieren, um den Frieden zu gewinnen. Wenn
wir versagen, werden wir neue und tiefgreifende Probleme für unsere Sicherheit und die Europas und
Asiens schaffen. Wenn wir Erfolg haben, stärken wir
die Demokratie, bauen neue Marktwirtschaften auf
und schaffen Amerika große neue Märklö. Wir müssen Reformen nicht nur in Rußland, sondern in der
gesamten ehemaligen Sowjetunion und Osteuropa
fördern.
Als ehemaliger Präsident ist Richard Nixon ein produktiver Autor. Als Präsident schrieb er ein Kapitel, das die
neue Weltordnung vorhersah. Heute bauen wir auf
den Grundsteinen auf, die in Tel Aviv, Kairo, Moskau
und Beijing gelegt wurden. Betrachten Sie nur die
Staaten der ehemaligen Sowjetunion, die sich jetzt am
Westen orientieren. Betrachten Sie die aufstrebenden
Demokratien hier auf unserem eigenen Kontinent. Sie
sprechen über eine aufregende Geschichte - betrachten sie, was südlich des Rio Grande geschieht. Alle
Länder außer einem wenden sich der Demokratie zu.
Betrachten Sie Kambodscha und seine Nachbarn in
Südostasien, die den Jahrzehnten der Gewalt ein
Ende bereiten wollen. Oder den historischen Friedensprozeß im Nahen Osten - der auf eine Versöhnung Israels mit seinen arabischen Nachh«m hoffen
läßt. Es bleibt noch viel zu tun, aber man spricht
zumindest miteinander. Betrachten Sie die Vereinten
AMERIKA DIENST 11

�Nationen, die letztlich in der Lage sein könnten, die
Vision ihrer Gründer zu erfüllen.
Betrachten Sie Afrika und die Veränderungen in Südafrika. Ebenso die aufregenden Veränderungen in
Angola oder die Geschehnisse in Sambia. Der Erfolg
jedes einzelnen hängt von der Unterstützung und
Führungsrolle der Vereinigten Staaten ab. Denken Sie
auch an die Bedrohungen, die keine Grenzen kennen:
diese schleichenden Bedrohungen wie Drogen, Terrorismus, Krankheiten und Umweltverschmutzung und
vor allem - was mich am meisten beunruhigt - die
Verbreitung von Massenvernichtungswaffen und deren Trägersystemen. Auch sie werden dazu führen,
daß Amerika wachsam und stark ist.
In der Nixon-Bibliothek in Yorba Linda gibt es einen
Saal für große Persönlichkeiten der Welt, den Sie
hoffentlich alle gesehen haben - wenn nicht, sollten Sie
das nachholen. In diesem Raum werden die großen
Männer gewürdigt, die Führungsstärke bewiesen haben
- Churchill, Zhou Enlai und Charles de Gaulle. Präsident Nixon hat nicht nur die größten Staatsmänner des
zwanzigsten Jahrhunderts gekannt, sondern er ist
selbst einer von ihnen geworden - wie sie beurteilt nach
den abgewendeten Katastrophen und verwirklichten
Träumen.
Ein früherer Mitarbeiter hat einmal erzählt, wie Präsident Nixon sich nach der Wirkung einer außenpolitischen Rede erkundigte. Der Mitarbeiter schüttelte den
Kopf. "Ehrlich gesagt", erklärte er, "sie wird nicht die
Welt in Aufruhr versetzen". Präsident Nixon schüttelte
au^n den Kopf. "Das ist der Kern unserer Außenpolitik", sagte er fast zu sich selbst, "nicht die Welt in
Aufruhr zu versetzen."
Ja, die Übernahme der Führungsrolle bei der Bestimmung des Kurses, den die Welt, wie sie sich heute
entwickelt, einschlagen soll, wird Geld kosten. Aber
wie bei einer Versicherungspolice ist die Prämie bescheiden im Vergleich zu den Kosten des Lebens in
einer kriegerischen und feindseligen Welt. Im Kongre ß
fordern heute viele - vielleicht aus verständlichen
Gründen, aus innenpolitischen Erwägungen - die Friedensdividende. Sie möchten, daß wir unsere Verteidigungsausgaben weit unter den bereits reduzierten
Stand kürzen, der unserer Einschätzung nach vertretbar ist. Dem müssen wir widerstehen. Die Vereinigten
Staaten müssen bereit und fähig bleiben, den Frieden
zu uewahren. Gut ausgebildete und ausgerüstete
Streitkräfte lassen sich nicht über Nacht aufbauen,
wenn sich die Notwendigkeit dazu ergibt. Jeder, der
jemals in den Krieg gezogen ist, wei ß, daß der Frieden
selbst eine Dividende darstellt.
Diejenigen, die uns veranlassen möchten, weniger zu
tun, ignorieren die enge Wechselbeziehung zwischen
Entwicklungen in Übersee und denen im Inland. Hätten wir der Aggression am Golf vor einem Jahr nicht
widerstanden, hätten wir Kuwait nicht befreit und die

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Invasionsarmee des Irak besiegt, wären wir heute
nicht mit den wirtschaftlichen Folgen einer milden
Rezession, sondern mit einer schweren Wirtschaftskrise konfrontiert, verursacht durch Saddam Husseins
Kontrolle über den Großteil der Weltölreserven. Und
ich bin ganz sicher - ich nehme an, in diesem Saal mit
so vielen hervorragenden Denkern ließe sich darüber
eine gute und lebhafte Debatte führen -, aber ich bin
ganz sicher, daß Saddam Hussein heute in SaudiArabien stünde, wenn wir nicht gegen ihn vorgegangen
wären. Die Koalition wäre zerfallen, er stünde in SaudiArabien, und wir wären mit einer Agonie konfrontiert,
wie wir sie in der Geschichte unseres Landes noch nie
erlebt hätten.
Es ist ein Hirngespinst anzunehmen, daß wir unsere
Gesellschaft oder unsere Wirtschaft irgendwie von der
Welt jenseits unserer Grenzen isolieren könnten. Damit
will ich nicht sagen, daß wir nicht mehr im Inland tun
sollten. Natürlich sollten wir das. Aber auch die
Außenpolitik ist ein mächtiger bestimmender Faktor
für die Lebensqualität hier im Inland.
Der Isolationismus ist nicht die einzige Versuchung,
der wir aus dem Weg gehen müssen. Der Protektionismus ist ein weiterer Sirenengesang, dem schwer zu
widerstehen ist. Es gibt in der Tat zahlreiche Beispiele
unfairer Handelspraktiken, durch die amerikanische
Unternehmen aufgrund von verschiedenen Handelsschranken oder staatlichen Subventionen von staatlich beherrschten Auslandsmärkten ausgeschlossen
werden. Aber man kann Handelsschranken im Ausland nicht dadurch abbauen, daß man selbst welche
errichtet. In Handelskriegen gibt es keine Gewinner,
nur Verlierer.
Das Exportwachstum ist eine erprobte Lokomotive für
die Wirtschaft. Jede Milliarde Dollar an Warenexporten schafft unseren Berechnungen zufolge 20.000
Arbeitsplätze für Amerikaner. Und wir sollten uns
keine Sorgen über die Befähigung unserer Arbeitnehmer und Landwirte machen, in einer Welt des Wettbewerbs erfolgreich zu bestehen. Unser Ziel muß lauten,
den Handel zu verstärken, nicht zu verringern. Ein
Ausstieg, sei es unter dem Banner des Protektionismus oder dem des Isolationismus, ist lediglich ein
Rezept für Schwäche und letztlich für eine Katastrophe. Und das ist der Grund, warum ich so entschlossen bin, alles in meiner Macht Stehende zu tun, um die
Uruguay-Runde des GATT erfolgreich abzuschließen
und ein Nordamerikanisches Freihandelsabkommen
mit Mexiko und Kanada zu erlangen. Es ist wichtig für
uns. Es schafft Arbeitsplätze in den Vereinigten Staaten.
Wenn ich also ein Thema wählen könnte, das Sie
heute von dieser Veranstaltung mit nach Hause nehmen, so wäre es folgendes: Es gibt keinen Unterschied dazwischen, wie es uns im Ausland ergeht und
wie wir im Inland leben. Außen- und Innenpolitik sind
zwei Seiten der gleichen Medaille. Natürlich werden

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�wir keine Führungsrolle im Ausland spielen können,
wenn wir im Innern nicht geeint und stark sind. Aber es
ist nicht weniger richtig, daß wir in einer Welt, in der
militärische und wirtschaftliche Kriegführung die Norm
sind, in unserem eigenen Land nicht zum Aufbau der
von uns angestrebten Gesellschaft in der Lage sein
werden.
Meine Damen und Herren, die Verantwortung für die
Unterstützung einer aktiven Außenpolitik liegt bei jedem einzelnen Amerikaner. Aber diese Aufgabe betrifft in mancher Hinsicht besonders die heute abend
hier Versammelten. Wir treten in eine Welt ein, die
wahrscheinlich noch komplizierter wird - obwohl meines Erachtens unsere schwierigste Zeit die der Konfrontation mit dem imperialen Kommunismus war. Es
wird jedoch schwieriger und nicht leichter werden, eine
Führungsrolle in dieser Welt zu spielen. Und auch hier
haben Sie eine besondere Verantwortung, den Weg zu
weisen, Sie alle.

Jahren in der Küche in Moskau bei jenem berühmten
Treffen mit dem damaligen Premierminister Chruschtschow benutzten.
Sie beschreiben die Szene sehr lebendig in Ihrem
letzten Buch mit dem Titel "Seize the Moment". Als
Chruschtschow sich damit brüstete, daß "Ihre Enkelkinder im Kommunismus leben werden", antworteten
Sie, seine Enkel würden in Freiheit leben. Er hatte
unrecht, aber zu jener Zeit waren Sie nicht sicher, daß
er unrecht behalten würde. Heute wissen wir, daß Sie
recht hatten - genauso, wie Sie zu Recht beim Aufbau
einer sichereren, friedlicheren Welt mitwirkten.
Wenn wir in die Zukunft blicken, ist das einzig Sichere
die Tatsache, daß sie eine neue Welt bringen wird.
Unsere Aufgabe - unsere Chance - lautet, es ordentlich
zu machen, eine neue Weltordnung des Friedens, der
Demokratie und des Wohlstands aufzubauen. Wir
sollten uns dazu verpflichten, das Beste aus dieser
kostbaren Chance, aus diesem Privileg zu machen.

Herr Präsident, es sind sicherlich Millionen Worte über
Sie geschrieben worden. Wie Präsident Reagan ein- Ich danke Ihnen. Herr Präsident, ich bedanke mich.
mal sagte, waren einige davon sogar wahr. Ich möchte Es ist eine Freude, bei Ihnen zu sein. Gott schütze die
jedoch mit den Worten schließen, die Sie selbst vor 33 Vereinigten Staaten.

* * * * *

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�US-AUSSENPOLITIK
18. März 1992

DIE NEUE WELT
Rede von Präsident Nixon
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine Rede mit dem Titel Die neue Welt, die der
ehemalige Präsident Nixon am 11. März 1992 bei der Konferenz über nationale Politik über Amerikas Rolle in
der sich abzeichnenden Welt gehalten hat. Die Konferenz wurde von der Nixon-Bibliothek organisiert.

Wir kommen zu einer Zeit großer Herausforderungen
zusammen, einer Zeit der Herausforderungen auch in
der Geschichte Amerikas. Wir treffen uns zu einer
Zeit, da drei Jahre von Ereignissen hinter uns liegen,
die die Welt verändert haben. Ich beziehe mich
natürlich auf den Zusammenbruch des Kommunismus
in Osteuropa und der Sowjetunion und auf unseren
Sieg über die Aggression im Golfkrieg. Infolge dieser
Ereignisse leben wir in einer neuen Welt, und es stellt
sich die Frage, wie die Führungsrolle der Vereinigten
Staaten in dieser neuen Welt aussehen soll.
Andere Teilnehmer dieser Konferenz und in anderen
Foren - an denen ich teilnehmen werde und an denen
hoffentlich auch Sie alle teilnehmen können - werden
darauf eingehen, wie die Politik der Vereinigten Staaten in dieser neuen Welt idealerweise aussehen soll.
In diesem politisch wichtigen Jahr werde ich mich in
meinen Ausführungen nicht nur darauf konzentrieren,
wie unsere Politik sein sollte, sondern darauf, was
politisch möglich ist. In diesem Zusammenhang sollte
ich erwähnen, bei politischen Kampagnen ist es die
Regel, daß der Kandidat aufsteht und sagt: "Dies ist
die wichtigste Wahl in der Geschichte". Ich weiß, daß
ich das oft gesagt habe. Natürlich ist jeder Wahlkampf
für den Kandidaten sehr wichtig. In diesem Fall ist er
auch für das Land sehr wichtig.
In den letzten 44 Jahren war ich Zeuge von 12 Präsidentschaftswahlen und habe an fünf Kampagnen als
Kandidat teilgenommen. In all den 44 Janren hat es
niemals einen Wahlkampf gegeben, in dem Außenpolitik weniger diskutiert wurde und dennoch so wichtig
war, weil derjenige, der in den nächsten vier Jahren
Präsident ist, die Führungsrolle übernehmen muß, die
erweisen wird, ob Frieden und Freiheit in der Welt
liberieben. Auf Grund dessen ist es eminent wichtig,
daß Außenpolitik im Mittelpunkt unserer Überlegungen steht.

AMERIKA DIENST 11

Im Hinblick auf die Au ßenpolitik haben wir eine Achterbahnfahrt hinter uns. Nach dem Sieg der Kommunisten in Vietnam waren die meisten Amerikaner der
Meinung, au ßenpolitisch könnten wir doch nichts erreichen, nach unserem Sieg im Golfkrieg hingegen war
man allgemein der Ansicht, wir könnten doch etwas
erreichen, und nach dem Zusammenbruch des Kommunismus, insbesondere in der Sowjetunion, sah man
sich darin bestätigt, alles erreicht zu haben.
Infolge dieser Ereignisse beobachten wir einen neuen
Isolationismus in beiden politischen Parteien. Der
neue Isolationist ist vorwiegend der Meinung, daß die
Vereinigten Staaten keine Führungsrolle mehr in der
Welt spielen können und sollen. Manche meinen, wir
könnten uns das nicht leisten, andere sind der Auffassung, es sei nicht notwendig, diese Rolle zu spielen
und wieder andere erklären, jemand anders solle diese
Rolle übernehmen.
Wenn wir uns diese Meinungen vor Augen führen,
erinnert mich das in etwa an eine improvisierte Band,
vielleicht eine Ragtime Band. Manche marschieren zu
unterschiedlichen Schlagzeugern, andere singen falsch,
aber alle haben dieselbe Melodie, dasselbe Lied komm nach Hause, Amerika.
Tatsächlich beobachten wir auch, daß ehemalige
Verfechter einer starken außenpolitischen Rolle der
Vereinigten Staaten jetzt erklären, es sei an der Zeit,
sich nach innen zu wenden, wir könnten uns unsere
Außenpolitik nicht mehr leisten, und unsere innenpolitischen Sorgen seien so groß, daß wir uns darauf konzentrieren sollten.
Die Verfechter dieser Linie berücksichtigen jedoch
eins nicht: Außen- und Innenpolitik sind wie siamesische Zwillinge - der eine kann ohne den anderen nicht
überleben. Sie denken auch nicht daran, daß das
amerikanische Volk keine starke Außenpolitik unter-

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�stützt, wenn wir keine starke Innenpolitik haben, die
sich mit den Problemen im Inland befaßt. Und sie
berücksichtigen auch nicht, daß Außenpolitik auch
Auswirkungen auf unser innenpolitisches Verhalten
hat. In einer kriegerischen Welt können wir nicht in
Frieden leben, und wir können in einer kranken Weltwirtschaft keine gesunde amerikanische Wirtschaft
aufbauen. Nehmen wir zum Beispiel die Große Depression, an die wir uns alle erinnern - ich zumindest,
Sie werden darüber gelesen haben, während ich sie
durchlebt habe. Sie begann 1931 als Rezession und
weitete sich 1932 zur Depression aus, vor allem, weil
die Vereinigten Staaten mit dem Smoot-Hawley-Zollgesetz einer protektionistischen Politik anhingen.

anderen jetzt unabhängigen Staaten Osteuropas ignorieren. Rußland möchte ich nur als Musterbeispiel
benutzen. Was ich über Rußland sage, gilt auch für
andere.
Im Hinblick auf das Rußland von heute stellte mir
jemand am Tisch die folgende Frage: Wird es funktionieren? Werden sie überleben? Wird die Freiheit
überleben? Und die Antwort ist, daß es dabei hart auf
hart gehen wird.

Es wird hart auf hart gehen, weil zum jetzigen Zeitpunkt
zahlreiche negative Faktoren bestehen. Wie Dmitri
Simes in einem Artikel unlängst ausgeführt hat, gehört
dazu die um sich greifende Korruption. Darüber hinaus
Von dieser Position sehen wir ab und wenden uns der das Problem der ethnischen Auseinandersetzungen.
grundsätzlichen Frage zu: Ist es notwendig, daß die Wir haben femer das Problem des enormen Leids, das
Vereinigten Staaten angesichts all dieser Ereignisse in durch den Versuch ausgelöst wurde, wirtschaftliche
der neuen Welt eine Rolle spielen? Diejenigen, die Veränderungen durchzuführen, um in Rußland eine
darauf mit Nein antworten, gehen dabei meines Erach- freie Marktwirtschaft aufzubauen.
tens von einer falschen Voraussetzung aus, die da in
Einer der wichtigsten Gründe dafür, daß überhaupt
etwa lautet: der kalte Krieg ist vorbei, und wir haben ihn
ernsthaft die Frage besteht, ob die Freiheit in Rußland
gewonnen. Es ist Zeit heimzukehren. Das stimmt nur
Erfolg haben kann, ist das Fehlen einer Managerkaste.
zur Hälfte. Es stimmt in bezug auf den kalten Krieg,
Wenn ich vom Fehlen einer solchen Kaste spreche, so
aber die Kommunisten haben ihn verloren. Es stimmt
ist dies zugleich ein Hinweis darauf, warum die Analojedoch nicht, daß die freie Welt ihn gewonnen hat.
gie zum Marshallplan nicht funktioniert. Wenn wir
Wir müssen uns vor Augen führen, daß der kalte Krieg nämlich Rußland betrachten und zum Vergleich die
kein traditioneller Krieg ist, den große Mächte um Situation in Europa und auch in Japan nach dem
Territorium gefochten haben. Es war ein Krieg der Zweiten Weltkrieg nehmen, so wurde durch die fünf
Ideen, der Ideen des Kommunismus gegen die Ideen Kriegsjahre die Gruppe der Manager in Westeuropa
der Freiheit. Wir können diesen Krieg am eindeutig- und Japan nicht beseitigt. Siebzig Jahre des totalitästen in Rußland beobachten, wo die Saat des Kommu- ren Kommunismus in Rußland haben jedoch die
nismus zuerst gesät wurde. Das russische Volk hat die Managerkaste in Rußland zerstört. Deshalb muß ein
sehr bitteren Früchte dieser Saat geemtet und danach anderer Ansatz gewählt werden als einfach ein neuer
dem Kommunismus abgeschworen. Sie haben ihm Marshallplan. Dies sind die negativen Punkte.
abgeschworen, weil er nicht funktioniert hat.
Es bestehen aber auch einige positive Faktoren, die
Aber jetzt steht die Freiheit auf dem Prüfstand, und
wenn die Freiheit nicht funktioniert, wird das russische
Volk nicht aufgrund dessen zum Kommunismus zurückkehren, sondern meiner Ansicht nach zu einem
sogenannten neuen Despotismus greifen, in dem es
seine Freiheit gegen Sicherheit eintauscht, die Führungsrolle abgibt und seine Zukunft in die Hände jener
legt, die ihm das Lebensnotwendige sichern und Versprechungen machen, wobei sie auch über die Möglichkeiten verfügen, diese zu verwirklichen. Dieser
neue Despotismus, eine Nachwirkung des sterbenden
Kommunismus, der sich in Rußland in imperialistischen Aktivitäten äußern würde, wie sie immer wieder
in der russischen Geschichte vorkamen - dieser neue
Despotismus könnte eine sehr viel gefährlichere Bedrohung für Frieden und Freiheit in der Welt - insbesondere für den Frieden - sein als der alte sowjetische
Totalitarismus. Deshalb müssen wir hier und heute
darauf eingehen.
Wenden wir uns also Rußland zu. Beim Mittagessen
habe ich zu Dr. Brzezinski gesagt, ich sei nicht der
Meinung, man solle die Ereignisse in der Ukraine und
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wir bisweilen übersehen, und einer davon ist der, daß
Rußland ein äußerst reiches Land ist, reich an Bodenschätzen und reich an Menschen. Es ist ein hochindustrialisiertes Land. Das russische Volk ist ein großartiges Volk, ein starkes Volk. Wir müssen uns der
Tatsache bewußt sein, daß 95 Prozent der Russen
lesen und schreiben können. Wir müssen berücksichtigen, daß etwa 90 Prozent der Erwerbstätigen einen
unserer High School vergleichbaren Abschluß haben.
Wir müssen darüberhinaus anerkennen, daß Rußland
einige der besten Wissenschaftler, der besten Ingenieure hervorbringt, insbesondere im Rüstungsbereich.
Manch einer vergißt, daß der erste Mensch im Weltraum kein Amerikaner, sondern ein Russe war.
Auf der Habenseite steht noch ein weiterer Faktor, den
wir häufig übersehen. Puschkin schrieb im 19. Jahrhundert, daß Aufstände in Rußland meist sinnlos und
gewalttätig seien. Besonders bedeutsam an der
Revolution, die sich gerade vollzogen hat, war die
Tatsache, da ß sie nicht gewalttätig und schon gar nicht
sinnlos war. Und dies ist ganz besonders Gorbatschow und Jelzin zu verdanken.

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�Der wichtigste Faktor auf der Habenseite ist jedoch die
Tatsache, daß Rußland, das neue Rußland, eine
starke Führungspersönlichkeit hat. Es besteht allerdings die Tendenz, Boris Jelzin zu unterschätzen.
Einige behaupten, er sei in seiner Politik nicht demokratisch genug. Andere wiederum meinen, er sei
intellektuell nicht leistungsfähig und sozial nicht umgänglich genug.
Ich habe in den vergangenen 44 Jahren viele politische
Entscheidungsträger erlebt. Ich würde sowohl Gorbatschow als auch Jelzin als politische Schwergewichte
bezeichnen. Beide wurden als Bauernsöhne geboren.
Gorbatschow wurde ein Mann von Welt, Jelzin blieb
ein Mann des Volkes. Und Jelzin darf dies jetzt niemals
vergessen.
Wenn er nun die Weltbühne betritt, muß er stets im
Gedächtnis behalten, daß er, wenn er die Welt verändern möchte, zunächst Rußland verändern muß. Er
muß es von der Diktatur zu einer Demokratie verwandeln. Er muß eine Kommandowirtschaft in eine Marktwirtschaft verwandeln. Und wenn er dies verwirklichen
will, wird er Hilfe brauchen. Die Frage lautet: Sollten
wir diese Hilfe bereitstellen?
Betrachten wir zunächst die positiven Faktoren im
Hinblick auf Jelzin. Jelzin hat seinen persönlichen Mut
bewiesen, als er sich auf einen Panzer stellte und einer
Bande von parteibuchtragenden Killern gegenübertrat, die einen stalinistischen Putsch anzettelten.
Darüber hinaus stellen wir fest, daß Jelzin - und dies ist
meines Erachtens sogar noch wichtiger - politischen
Mut hat. Mit der Freigabe des Rubelwechselkurses hat
er seine große Popularität aufs Spiel gesetzt. Es gibt
dort eine enorme Inflation, die erhebliche wirtschaftliche Härten verursacht und infolgedessen seine Popularität verringert hat. Es war jedoch der notwendige
erste Schritt, um von einer Kommandowirtschaft zu
einer freien Marktwirtschaft zu kommen.

Was benötigt er? Er benötigt eine Reihe von Dingen.
Um nur einige kurz zu erwähnen: er benötigt beispielsweise Hilfe vom IWF und aus anderen Quellen, und es
wird Milliarden Dollar erfordern, um den Rubel zu
stabilisieren. Er benötigt mehr offene Märkte für die
Exporte, die Rußland, das neue Rußland, im Westen
und in anderen Teilen der Welt erzielen möchte. Er
benötigt darüber hinaus die Hilfe des Westens im
Hinblick auf humanitäre Hilfe. Und es muß zweifellos
eine Einrichtung geben, eine westliche Gruppe, die alle
Bedürfnisse analysieren und bewerten sollte und dann
ein Programm entwickeln würde, um mit der Privatwirtschaft und den Regierungen zu erarbeiten, wie diese
Bedürfnisse erfüllt werden können.
Ich möchte nicht weiter ins Detail gehen, weil die
Experten Sie darüber informieren können. Um jedoch
eine sehr kurze Zusammenfassung zu geben, es ist für
uns wichtig zu erkennen, daß Jelzin sehr substantielle
Wirtschaftshilfe aus dem Westen benötigt. Nicht nur
aus den Vereinigten Staaten, wie ich betonen möchte,
sondern aus dem Westen. In ihrem heutigen Leitartikel schätzt die New York Times die Kosten der Hilfe
für einige der von mir erwähnten und andere Bereiche
auf etwa 20 Milliarden Dollar jährlich für einen Zeitraum
von fünf Jahren. Das ist viel Geld. Wie die Londoner
Financial Times jedoch gestern ausführte, müssen
20 Milliarden Dollar jährlich mit der zwanzigmal so
hohen Summe verglichen werden, die der Westen
noch im letzten Jahr vor dem Zusammenbruch des
Kommunismus für die Verteidigung gegen den Sowjetkommunismus ausgab. Unter diesen Umständen wird
somit alles in die richtige Perspektive gerückt.

Im Gegensatz zu Gorbatschow - lesen Sie dessen
erste Kolumne in der New York Times vor wenigen
Tagen - hat Jelzin nicht nur dem Kommunismus,
sondern auch dem Sozialismus eine Absage erteilt. Er
hat überdies alle von Gorbatschow geerbten Auslandshilfeprogramme eingestellt, die im Jahr 1990 den
russischen Haushalt mit 15 Milliarden Dollar belasteten. Dazu gehörte die Unterstützung einer Reihe von
Staaten, einschließlich Kubas, die dem Westen und
den Vereinigten Staaten ablehnend gegenüberstanden. Und wir alle wissen, daß er im Bereich der
Rüstungskontrolle mit der mutigen Rüstungskontrollinitiative Präsident Bushs nicht nur gleichgezogen hat,
sondern diese noch übertraf.

Kommen wir jetzt zu den harten politischen Fragen.
Was tun die Vereinigten Staaten? Wie werden wir
diesem Problem gerecht, insbesondere wenn wir uns
inmitten eines Präsidentschaftswahlkampfs und einer
Rezession befinden? Und das erste vorgebrachte
Argument, das auch gut aufgenommen wird, lautet,
daß die Vereinigten Staaten lange genug diese Last
getragen haben, es sei jetzt für andere an der Zeit, sie
zu übernehmen, daß wir nach dem Zweiten Weltkrieg
natürlich unseren Verbündeten Hilfe geleistet hätten,
aber auch unseren besiegten Feinden und diesen
damit die Erholung von den Folgen des Zweiten Weltkrieg ermöglicht hätten. Es sei deshalb an der Zeit,
daß diejenigen, denen wir geholfen haben, die Lasten
für die Unterstützung Rußlands, der anderen unabhängigen Staaten der ehemaligen Sowjetunion und
Osteuropas übernehmen, es sei an der Zeit, daß
diejenigen, denen wir bei der Erholung von den Folgen
des Zweiten Weltkriegs halfen, nun den anderen bei
der Erholung von den Folgen des kalten Krieges
helfen. Sie haben recht.

Was stellen wir also fest? Wir stellen fest, daß Jelzin
der prowestlichste Führungspolitiker in der russischen
Geschichte ist. Unter diesen Umständen verdient er
deshalb unsere Hilfe.

Die Hauptlast zur Erfüllung des Bedarfs in Rußland
und den anderen Ländern, die Hilfe benötigen, muß
von den Ländern Europas und Japan getragen werden, denen wir nach dem Zweiten Weltkrieg geholfen

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Seite 3

�haben. Die Vereinigten Staaten sind jedoch die reichste und stärkste Nation der Welt, und wir müssen die
Führungsrolle übernehmen. Dies können wir nur tun,
wenn wir am Verhandlungstisch sitzen. Wie Ben Stein
in einem anderen Zusammenhang sagte, kann man
nur am Tisch sitzen, wenn man auch Chips setzen
kann. Und wir haben genügend Chips, um ein ernsthafter Mitstreiter für die Führungsrolle zu sein.
In einem Wahljahr sehen wir uns jetzt mit einer grundlegenden Frage konfrontiert. Was haben wir davon?
Was haben wir davon, den Menschen in Rußland, der
Ukraine und den anderen unabhängigen Ländern der
ehemaligen Sowjetunion und Osteuropas zu helfen?
Und die Antwort lautet, wir haben sehr viel davon.
Das Sprichwort sagt, jeder ist sich selbst der Nächste,
und ich stimme zu. Die Hilfe für Rußland, und ich
spreche hier insbesondere von Rußland, ist jedoch
kein Almosen. Wir müssen uns vor Augen führen, falls
Jelzin scheitert, ist die Alternative nicht besser, sondern unendlich viel schlechter. Wir müssen uns vor
Augen führen, wenn Jelzin versagt, wenn die Freiheit
versagt, wird die neue an ihre Stelle tretende Tyrannei
bedeuten, daß es mit der Friedensdividende vorbei ist,
daß wir wiederaufrüsten müssen und dies unendlich
viel mehr kosten wird als die Hilfe, die wir zur Zeit
bereitstellen. Es würde auch bedeuten - wenn Jelzin
scheitert, wenn die Freiheit in Rußland scheitert - daß
die große Woge der Freiheit, die die Welt in den
vergangenen zwei oder drei Jahren überflutet hat, zu
verebben beginnt und Diktatur statt Demokratie die
Woge der Zukunft sein wird.
Sollte der Freiheit in Rußland jedoch Erfolg beschieden sein, würde dies folgendes bedeuten. Es bedeutet, daß Rußland anderen - insbesondere China und
den anderen noch verbleibenden kommunistischen
Ländern - als Beispiel dient, auch für andere nichtkommunistische Diktaturen der Welt Modellcharakter hat
und sie wie ein starker Magnet anzieht.
Es würde auch bedeuten, daß wir mit dem Erfolg
Rußlands eine völlig neue Weltordnung scharfen würden
- eine neue Weltordnung in dem Sinne, was sie für
jeden bedeuten kann, insbeondere für uns in den
Vereinigten Staaten. Denken Sie nach. Seit siebzig
Jahren hat das kommunistische Rußland versucht,
den Kommunismus weltweit zu exportieren. Wenn
Jelzin und die Reformen Erfolg haben, wird ein demokratisches, freies Rußland das Positive und die Ideen
der Freiheit weltweit exportieren. Und das heißt, daß
wir in den kommenden Jahren Auswirkungen erleben
werden, die weit über Rußland, Europa und die ganze
Welt hinausgehen. Wirtschaftlich gesprochen bedeutet dies, daß das neue Rußland mit all der Produktionskapazität, die ihm in einer freien Wirtschaft zur Verfügung steht, gute Märkte für amerikanische Produkte
bietet. Das bedeutet Milliarden Dollar an Handel und
potentiell Millionen Arbeitsplätze.

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Wenn Jelzin Erfolg hat, wenn die Demokratie überlebt,
bedeutet dies auch, daß unsere Kinder und Enkelkinder die Angst vor einem möglichen Atomkrieg beseitigt
haben, die sie jetzt verfolgt, weil Demokratien keine
Kriege anzetteln.
Wir kommen jetzt jedoch zu einer anderen politischen
Frage, und soweit ich weiß, interessieren sich die
Leute heutzutage für Politik. Die politische Frage
lautet: Alle Meinungsforscher sagen ihren Kandidaten, sprich nicht die Außenpolitik und insbesondere
nicht die Auslandshilfe an, weil Auslandshilfe als politisches Thema Gift ist. Sie haben unrecht, und die
Geschichte belegt dies.
Ich erinnere mich noch so lebhaft als sei es gestern
gewesen daran, was Harry Truman 1947 tat. Lassen
Sie mich erläutern, was er tat und warum er es tat. Im
Januar des Jahres 1947 lag Harry Trumans Popularitätsrate bei 35 Prozent. Die überwiegende Mehrheit
des Kongresses war republikanisch. Er hatte bei der
Wahl des 80. Kongresses im November zuvor eine
enorme Niederlage erlitten. Und ich erinnere mich als
sei es gestern gewesen, daß Harry Truman - unbekümmert, einige sagen sogar ein wenig großspurig vor einer gemeinsamen Sitzung des Kongresses Millionen Dollar an Hilfsleistungen für Griechenland und
die Türkei beantragte, um die kommunistische Subversion und eine mögliche kommunistische Aggression abzuwenden. Es war eine außerordentlich knappe Abstimmung für zwei sehr junge und - wie die Geschichte später lehrte - recht ehrgeizige Kongre ßabgeordnete.
Die liberalen Demokraten in Jack Kennedys Wahldistrikt Massachusetts waren gegen militärische Auslandshilfe. Und die konservativen Republikaner in
meinem Distrikt Kalifornien waren gegen alle Auslandshilfe. Angesichts der Umstände und nach sorgfältigem Abwägen stimmten wir jedoch beide dafür,
und eine Mehrheit im republikanischen Repräsentantenhaus und im Senat stimmte für das Programm, das
später zum Mashallplan und noch später zur NATO
weiterentwickelt wurde, das nicht nur den Kommunismus eindämmte, sondern die Zeit einräumte, die zum
Scheitern des Kommunismus erforderlich war, so wie
er unweigerlich im vergangenen Jahr in der Sowjetunion und natürlich vor zwei Jahren in Osteuropa scheiterte.
Dies war ein unerläßlicher Akt. Im folgenden Jahr
gewann Harry Truman, der im Januar 1947 nur eine
Zustimmungsrate von 35 Prozent hatte, die Präsidentschaftswahl. Noch wichtiger ist jedoch, daß diese von
einem demokratischen Präsidenten eingeleitete und
von einem republikanischen Kongreß unterstützte Aktion,
Hilfe für Griechenland und die Türkei bereitzustellen,
den Grundstein legte. Es war ein unerläßlicher Schritt
zur Eindämmung des Kommunismus und der allmählichen Schaffung der Grundlage für den Sieg der

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�Freiheit in Rußland und der Sowjetunion. Und dann
gibt es die aktuelle Situation, in der ein republikanischer Präsident mit einem demokratischen Kongreß
die Chance hat, Maßnahmen zu ergreifen, um Rußland und den anderen Ländern Hilfe zur Verfügung zu
stellen, die wir hier erwähnt haben, die den Sieg der
Freiheit gewährleisten. Dies ist ein politisches und
auch ein außenpolitisches Thema.
Wir haben also eine Situation, die folgendermaßen
zusammengefaßt werden kann. Während des kalten
Kriegs taten die Vereinigten Staaten und die anderen
Nationen alles in ihrer Macht Stehende, um den Erfolg
grundsätzlich schlechter Ideen zu vereiteln. Jetzt
müssen wir alles in unserer Macht Stehende tun, um
den Erfolg der Ideen sicherzustellen, die gut sind.
Wenn die Vereinigten Staaten und die Menschen in
den Vereinigten Staaten beispielsweise so hervorragend reagieren könnten wie damals und das von mir
erwähnte Programm unterstützen würden, das Harry
Truman vor 47 Jahren in die Wege geleitet hat - ein
Programm, dessen Zweck in der Verhinderung und
Abwehr eines Kriegs besteht - wäre es nicht noch
erhebender, wenn die Vereinigten Staaten sich anderen Nationen bei einem Programm anschließen würden, das die Segnungen des Friedens bewirkt?
Mit anderen, einfachen Worten: Der Krieg bringt das
schlechteste und das beste im Menschen hervor.
Wirklicher Frieden kann und wird nur das beste hervorbringen. Dies ist die Frage, der sich alle, nicht nur die
politisch interessierten Amerikaner heute stellen müssen,
und meines Erachtens kennen wir die Antwort.

* *

AMERIKA DIENST 11

Wenn wir in die Zukunft blicken, müssen wir uns vor
Augen führen, daß wir diese große Verantwortung
tragen, daß dies aber auch eine einmalige Chance ist.
Das 20. Jahrhundert wird als Jahrhundert der Kriege in
die Geschichte eingehen. Mit unserer Führungsrolle
zu dieser Zeit können wir dazu beitragen, das
21 Jahrhundert zu einem Jahrhundert des Friedens
und der Freiheit zu machen. Das ist unsere Herausforderung.
In seiner Rede zum Eisernen Vorhang erklärte Winston Churchill: "Im Augenblick steht Amerika auf dem
Höhepunkt der Weltmacht. Dies ist ein feierlicher
Augenblick für die amerikanische Demokratie, denn
der Primat der Macht geht mit einer schrecklichen
Rechenschaftspflicht für die Zukunft einher."
Den Pessimisten und Negativem zum Trotz besitzen
diese Worte heute noch dieselbe Gütigkeit wie vor
genau 45 Jahren.
Amerika hat heute diese Verantwortung, und wir sagen, warum nicht jemand anderes? Und wenn die
Amerikaner nicht die Führungsrolle übernehmen, wer
dann? Die Japaner? Die Chinesen? Die Russen? Die
Deutschen? Sie sind die einzigen Nationen der Welt,
die das Potential derwirtschaftlichen und militärischen
Macht besitzen, um im nächsten Jahrhundert zu führen. Dies ist unser Augenblick der Größe. Dies ist
unser Augenblick der Wahrheit. Wir müssen diesen
Augenblick ergreifen, denn wir halten die Zukunft in

unseren Händen.

* *

*

Seite 5

�GUS -

WISSENSCHAFTLER
18. März 1992

WISSENSCHAFTSZENTRUM SOLL VERBREITUNG
VON WAFFEN VERHINDERN
Außenminister Baker über ein neues Projekt in Rußland
BRÜSSEL - (AD) - Am 11. März 1992 sagte Au ßenminister Baker die Unterstützung der Vereinigten Staaten für
ein neues Internationales Zentrum für Wissenschaft und Technologie in Moskau zu, das sowjetischen
Wissenschaftlern, die an der Entwicklung von Waffen beteiligt sind, neue Arbeitsplätze bieten soll. Baker
erklärte, "unsere Aufgabe ist vordringlich".

Die Vereinigten Staaten, die Europäische Gemeinschaft und Japan würden entscheidende Beiträge zu diesem
Zentrum leisten, das Baker zufolge frühere sowjetische Wissenschaftler davon abhalten soll, für andere Länder
an nuklearen, chemischen oder biologischen Waffen, Trägersystemen für Raketen oder modernen militärischen
Technologien zu arbeiten.
Bei einer Sondersitzung zu dem neuen Zentrum erinnerte Baker daran, bei einem kürzlichen Besuch in
Tscheljabinsk 70, einer der wichtigsten Entwicklungsstätten für Atomwaffen der früheren Sowjetunion, habe er
"Besorgnis vernommen, daß sich die wirtschaftlichen und beruflichen Bedingungen bis zu einem Punkt
verschlechtern könnten, an dem sogar sehr patriotische und verantwortungsbewußte Spezialisten versucht sein
könnten, ihre Fähigkeiten skrupellosen Regimen auf der ganzen Welt zur Verfügung zu stellen".
Bakar zufolge würde das Zentrum dieses "Ausbluten" verhindern und "einige der besten Köpfe daransetzen, die
quälendsten Probleme der Menschheit" lösen zu helfen und etwas Positives für das Wohl" der Menschen in
Rußland zu tun.
Baker bemerkte, von offizieller Seite hoffe man das auf russische Kosten errichtete Zentrum im Frühsommer
eingerichtet und funktionsfähig sowie die Projekte bewilligt und finanziert zu haben.
Nachfolgern veröffentlichen wir den vorbereiteten Redetext von Außenminister Baker.
Erst vor drei Wochen hatte ich die einmalige Gelegenheit, Tscheljabinsk 70 zu besuchen - eine der wichtigsten Forschungseinrichtungen für Atomwaffen in der
früheren Sowjetunion. Dies ist ein Ort, dem einige der
fähigsten Köpfe einer ganzen Generation ihre kreative
Energie zur Verfügung stellten, um Waffen zu entwickeln, die dem kalten Krieg seine bedrohlichste Dimension gaben.
uo.1 wurde mir bewußt, daß der Umbruch, der die
frühere sowjetische Gesellschaft außerhalb der stark
gesicherten Tore dieser abgelegenen Gemeinschaft in
den Bergen des Urals grundlegend verändert hat,
auch das Leben der Spezialisten im Innern auf den
Kopf stellt. Ich bin mit einer Gruppe hochrangiger
Mitarbeiter und Spezialisten zusammengetroffen und
habe mir angehört, was das Ende des kalten Kriegs und die daraus resultierende schwindende Nachfrage
h ihr^n Talenten - für sie bedeutete.

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Was ich dabei vernommen habe, war die tiefe Unsicherheit der Wissenschaftler über das, was die Zukunft bringen mag und Angst vor den möglichen negativen Auswirkungen für ihre Familien. Ich sah die
Entmutigung auf ihren Gesichtern über das, was hochqualifizierte Wissenschaftler wohl am meisten fürchten - das Fehlen intellektuell anspruchsvoller Arbeit.
Ich vernahm ferner die Besorgnis, daß sich die wirtschaftlichen und beruflichen Bedingungen bis zu einem Punkt verschlechtern könnten, an dem sogar sehr
patriotische und verantwortungsbewußte Spezialisten
versucht sein könnten, ihre Fähigkeiten skrupellosen
Regimen auf der ganzen Welt zur Verfügung zu stellen.
Aber ich hörte auch einige sehr ermutigende Dinge von
den Wissenschaftlern in Tscheljabinsk. Ich hörte von
ihrer Bereitschaft - vielmehr ihrem Engagement - ihre
Fähigkeiten, die sie bisher für die Entwicklung von

Seite 1

�Waffen einsetzten, für nichtmilitärische Zwecke zur
Verfügung zu stellen. Ferner wurde der Wunsch laut,
nach Jahrzehnten physischer und intellektueller Isolation am internationalen Austausch der wissenschaftlichen Welt teilzunehmen und dringende technische
Probleme zu lösen, mit denen sich die Gesellschaft als
Ganzes konfrontiert sieht, nicht nur der kleine Teilbereich der Rüstungsindustrie.
Mit anderen Worten, in Tscheljabinsk 70 stieß ich auf
eine realistische Einschätzung der schwierigen vor
uns liegenden Herausforderungen zusammen mit dem
starken Wunsch, sich diesen Herausforderungen direkt zu stellen. Was fehlt, sind die finanzielle Förderung und der institutionelle Rahmen, um die Unterstützung dorthin zu lenken, wo sie benötigt wird.
Deshalb ist unser heutiges Treffen wichtig. Durch die
Einrichtung eines gut finanzierten Internationalen
Zentrums für Wissenschaft und Technologie können
wir in der Waffenentwicklung tätigen Wissenschaftlern
und Technikern gute Möglichkeiten bieten, um ihre
Talente in nichtmilitärischen Bereichen produktiv einzusetzen. Dadurch können wir die Anreize für hochqualifizierte Mitarbeiter minimieren, Tätigkeiten aufzunehmen, die der Verbreitung von nuklearen, chemischen oder biologischen Waffen, Trägersystemen für
Raketen oder anderer moderner militärischer Technologie dienen.
Der Kampf gegen die Weiterverbreitung - die vordringlichste sicherheitspolitische Herausforderung der
neunziger Jahre und darüber hinaus - sollte daher ein
Kernpunkt der von diesem Zentrum finanzierten Projekte sein. Durch die Verwirklichung dieses wichtigen
Ziels können die Projekte des Zentrums auch umfassenderen Zielen gerecht werden. Sie können einen
Beitrag zu kontinuierlichen Bestrebungen leisten,
Massenvernichtungswaffen zu reduzieren und zu
zerstören. Sie können zu den Anstrengungen der
früheren Sowjetrepubliken beitragen, die schwierige
Umstellung von hochmilitarisierten Kommandowirtschaften zu marktorientierten Systemen zu schaffen, die
dem zivilen Bedarf gerecht werden. Und sie können
helfen, Lösungen für wichtige nationale und internationale Probleme zu finden, etwa im Zusammenhang mit
Umwelt, Gesundheit und Energie.
Unsere Aufgabe ist vordringlich. Wir müssen die Idee
eines Internationalen Zentrums für Wissenschaft und
Technologie so schnell wie möglich in die Tat umsetzen. Deshalb freuen wir uns, daß Vertreter aus der
Europäischen Gemeinschaft, Japan und den Vereinigten Staaten - drei Parteien, die erwartungsgemäß
wichtige finanzielle Beiträge für das Zentrum leisten

werden - jetzt gemeinsam mit Rußland ein internationales Abkommen zur offiziellen Gründung des Zentrums vorbereiten. Wir sollten alles in unserer Macht
Stehende tun, um die Unterzeichnung und das Inkrafttreten dieses Abkommens vor Ende März zu gewährleisten. Dann sollten wir mit konkreten Schritten
fortfahren, damit das Zentrum im Frühsommer eröffnet werden kann und funktionsfähig ist - mit bewilligten
und finanzierten Projekten. Die von uns heute veröffentlichte gemeinsame Erklärung beschreibt eine Reihe
von Maßnahmen für die nächsten Monate, damit das
Zentrum im Sommer seinen Betrieb aufnehmen kann.
Der Erfolg des Zentrums wird breite internationale
Unterstützung erfordern - von Regierungen, dem Privatsektor und auch von der Gemeinschaft internationaler Wissenschaftler. Wir begrüßen heute hier die
Teilnahme der Staaten der früheren Sowjetunion und
freuen uns auf den Meinungsaustausch mit ihnen über
die Organisation und die Funktionsweise des Zentrums.
Darüber hinaus begrü ßen wir die Beteiligung potentieller Sponsoren, einschließlich der hochrangigen Vertreter der Hauptgeberländer, die die ersten Vorstandsmitglieder des Zentrums sein werden. Wir hoffen, die
Zahl der Länder steigern zu können, die umfangreiche
Beiträge zu dem Zentrum leisten und gemeinsam mit
uns den Vorstand bilden werden. In diesem Zusammenhang möchte ich heute bestätigen, daß die Vereinigten Staaten jetzt aktiv die erforderlichen Schritte
unternehmen, um die 25 Millionen Dollar bereitzustellen, mit denen wir das Zentrum ins Leben rufen und
seine Projekte finanzieren wollen.
Das Problem, das wir hier lösen müssen, wird manchmal auch als "Ausbluten" bezeichnet - der Abfluß von
Talenten insbesondere an Orte, wo dieses Talent für
nicht wünschenswerte Ziele eingesekl v»;id. Das
Internationale Zentrum für Wissenschaft und Technologie, wie wir es ins Leben rufen wollen, kann dieses
Ausbluten stoppen.
Aber es kann noch mehr tun. Es kann einige der
besten Köpfe daransetzen, die quälendsten Probleme
der Menschheit lösen zu helfen. Es kann eine Rolle bei
der Umlenkung der produktiven Ressourcen der früheren Sowjetunion spielen und und etwas Positives für
das Wohl der Menschen tun. Die gemeinsamen
wissenschaftlichen Projekte des Zentrums werden
nicht nur die Grenzen der Wissenschaft erweitern - sie
werden die freundschaftlichen Bande zwischen unseren Ländern verstärken.
Für uns ist dies Rettung vor dem Ausbluten. Es ist eine
Lösung, in die es sich zu investieren lohnt.
•

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Seite 2

*

"§C ff

AMERIKA DIENST 11

�MITTEL-/OSTEUROPA
18. März 1992

USA WOLLEN ZUSÄTZLICHE GELDER
FÜR MITTEL- UND OSTEUROPA
Eagleburger vor Unterausschuß des Repräsentantenhauses
WASHINGTON - (AD) - Die Bush-Administration hat im Haushalt 1993 450 Millionen Dollar für die Unterstützung der neuen Demokratien in Mittel- und Osteuropa beantragt. Dies sind 50 Millionen Dollar mehr als im
laufenden Haushaltsjahr, wie der Stellvertretende US-Außenminister Lawrence Eagleburger vordem Unterausschuß des Repräsentantenhauses für Bewilligungen feststellte.
Eagleburger zufolge sind diese zusätzlichen Mittel erforderlich, weil die Vereinigten Staaten heute mehr Staaten
in der Region helfen. Zu den sechs bisherigen Hilfeempfängern sind Estland, Lettland, Litauen und Albanien
hinzugekommen.
Die zusätzlichen Staaten haben laut Eagleburger "mit die dringendsten und langfristigsten Bedürfnisse in der
Region".
Präsident Bush möchte darüber hinaus in den Haushaltsjahren 1992 und 1993 620 Millionen Dollar an
humanitärer Hilfe und technischer Unterstützung für die ehemalige Sowjetunion bereitstellen. Diese Mittel
werden Eagleburger zufolge mit den bereits bewilligten 860 Millionen Dollar kombiniert.
Eagleburger appellierte an den Kongreß, diese "vergleichsweise bescheidenen Summen" zu bewilligen, da dies
im wirtschaftlichen Eigeninteresse der Vereinigten Staaten liege.
Nachfolgend veröffentlichen wir Eagleburgers Erklärung vor dem Unterausschuß im Wortlaut.
In den vergangenen Jahren waren wir Zeugen atemberaubender Veränderungen in Mittel- und Osteuropa
sowie der ehemaligen Sowjetunion. Über vier Jahrhunderte lang war Rußland ein imperialer, autoritärer
Staat, der seine Nachbarn dominierte und die Stabilität
sowohl in Europa als auch in Asien bedrohte. Heute
jedoch haben der Zusammenbruch des sowjetischen
Imperiums und die Diskreditierung des Kommunismus
bei 400 Millionen Menschen in der Region neue Hoffnungen auf Frieden und Wohlstand aufkeimen lassen.
Infolgedessen bietet sich uns die Aussicht auf ein
demokratisches Rußland, das sein Imperium aufge'öst hat und seine Energien auf innere Reformen
anstatt auf äußere Expansion lenkt. Dies ist eine
Aussicht, die sich unmittelbar auf die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten auswirkt, und es liegt
deshalb in unserem nationalen Interesse, sie zu unterstützen.
Aber diese Aussicht birgt noch viele Unsicherheiten,
und sie könnte leicht einem historisch bekannteren
Zustand weichen. Es gibt keine Garantie dafür, daß
sich die neuen Staaten Mittel- und Osteuropas oder
diejenigen der ehemaligen Sowjetunion zu befreunde-

AMERIKA DIENST 11

ten, wohlhabenden Demokratien entwickeln werden.
Sie sind auf ihrem Weg der Reformen mit enormen
Hindernissen konfrontiert, da der Kommunismus diese
Länder und ihre Volkswirtschaften an den Rand des
Ruins getrieben hat. Letztlich wird der Erfolg vom
Willen und der Entschlossenheit der Regierungen und
Völker der Region abhängen. Die westliche Hilfe kann
jedoch etwas bewirken, und wir haben die Pflicht vor
der Geschichte und gegenüber künftigen Generationen, unseren Teil dazu beizutragen, um ihrem demokratischen Experiment zum Erfolg zu verhelfen. Für
uns steht dabei auf dem Spiel, ob die jüngste Metamorphose von gefährlichen Gegnern zu Freunden und
Partnern ein dauerhaftes oder vorübergehendes
Phänomen ist.
Sicherlich besitzen die Vereinigten Staaten keine
unbegrenzten Mittel, insbesondere in einer Zeit ernster wirtschaftlicher Schwierigkeiten im Innern. Aber
das amerikanische Volk, das Billionen Dollar für die
Führung und den Gewinn des kalten Krieges ausgab,
ist hoffentlich willens, heute vergleichsweise bescheidene Summen aufzuwenden, um zu gewährleisten,
daß wir nicht unter anderem Vorzeichen erneut mit

Seite 1

�einer alten Bedrohung konfrontiert werden. Wenn wir
heute das Richtige tun, werden wir alles in unserer
Macht Stehende geleistet haben, um unseren Kindern
das Gespenst des Atomkrieges und die kolossalen
Verteidigungsausgaben zu ersparen, mit denen unsere Generation seit dem Zweiten Wettkrieg leben mußte.
Auch unser Wohlstand steht auf dem Spiel. Die Völker
Mittel- und Osteuropas sowie der ehemaligen Sowjetunion bilden einen enormen neuen Markt für Handel
und Investitionen des Westens. Wir müssen uns aktiv
darum bemühen, den amerikanischen Privatsektor in
den Wiederaufbau dieser Region einzubinden. Ein
solches Engagement wird den USA nicht nur neue
wirtschaftliche Chancen eröffnen, sondern auch dazu
beitragen, Präsenz und Einfluß der Vereinigten Staaten in diesen aufstrebenden Demokratien zu stärken.
Sicherlich möchten wir nicht, daß der ehemalige
COMECON-Block durch Maßnahmen und Vereinbarungen mit anderen Handelspartnern für amerikanischen Handel und amerikanische Investitionen verschlossen ist. Unser Privatsektor kann positive Beispiele für die Werte des freien Marktes liefern, die
sowohl bei uns als auch im Ausland Grundlage des
Wohlstands sind. Durch den Einsatz amerikanischer
Waren und Dienstleistungen im Gegensatz zur bloßen
Überreichung von Schecks an ausländische Regierungen schafft unser Hilfsprogramm Arbeitsplätze im Inland sowie in Übersee.
Die amerikanischen Programme in Mittel-und
Osteuropa
Beim Beginn unserer Hilfsprogramme in den neuen
unabhängigen Staaten können wir uns auf die bisher in
Mittel- und Osteuropa gewonnenen Erfahrungen stützen. Als wir unser Hilfsprogramm im Jahr 19ß9 mit
dem Gesetz zur Unterstützung der osteuropäischen
Demokratien (SEED) einleiteten, unternahmen lediglich Polen und Ungarn umfassende Reformbemühungen. Heute unterhalten wir Programme in zehn Staaten Mittel- und Osteuropas. In den vergangenen 2 1 /
2 Jahren haben wir gemeinsam mit dem Kongreß ein
kreatives Hilfsprogramm entwickelt, das traditionelle
Maßnahmen mit innovativen Ansätzen verbindet, so
etwa die Unternehmensfonds in Polen, Ungarn, der
Tschechoslowakei und Bulgarien. Wir haben ebenso
wie die Osteuropäer gelernt, was rasch funktioniert
und was nicht, und wir streben weiterhin danach,
unsere Programme nach Bedarf anzupassen, um unsere
Ziele zu fördern.
Die in unsere Programme eingebaute Flexibilität hat
entscheidend dazu beigetragen, daß wir Mittel gegebenenfalls verlagern konnten, um auf plötzliche Veränderungen in einzelnen Empfängerstaaten zu reagieren
- Veränderungen, die unvermeidlich sind, wenn man
die zur Zeit durchgeführten beispiellosen Reformen
und die damit einhergehenden Umwälzungen berücksichtigt. Hätten wir zum Beispiel jedem Land in jedem

Seite 2

Haushaltsjahr Mittel zugewiesen, so wären wir nicht in
der Lage gewesen, Mittel zu transferieren, um auf die
dramatischen Ereignisse des vergangenen Jahres in
Bulgarien, Albanien und den baltischen Staaten zu
reagieren.
Meines Erachtens war es auch korrekt, daß wir den
Großteil unserer Hilfe direkt auf den Privatsektor konzentriert haben. Der Sturz des Kommunismus bedeutete eine Ablehnung staatlichen Einflusses im Alltagsleben. Wir möchten die noch in den Kinderschuhen
steckenden privaten Institutionen in diesen Ländern
stärken, anstatt bürokratische Strukturen zu verfestigen. Überdies gehen wir davon aus, daß der wichtigste Grund dafür, daß die Vereinigten Staaten die
Auszahlung ihrer Hilfszusagen mehr als doppelt so
schnell wie die Europäische Gemeinschaft leisten
konnte, darin liegt, daß wir unmittelbar mit dem privaten und nichtstaatlichen Sektor zusammenarbeiten
anstatt überstaatliche Institutionen der Empfängerländer zu gehen.
Darüber hinaus waren wir bestrebt, unser Hilfsinstrumentarium mit neuen Initiativen zu verbinden, die
amerikanische Handelsmöglichkeiten verbessern und
amerikanische Investitionen stärken sollen. Langfristig wird die Wirkung von Kapital, Waren und Dienstleistungen des amerikanischen Privatsektors auf die
Entwicklung freier Märkte im Ausland wesentlich größer sein als jede staatliche Hilfe, die wir anbieten
könnten.
Das Programm der Administration für Mittel- und
Osteuropa im Haushaltsjahr 1993
Bei der weiteren Bereitstellung humanitärer und technischer Hilfe für die unabhängigen Staaten der ehemaligen Sowjetunion ist es unerläßlich, daß wir keine
Mittel aus unseren Programmen für Mittel- und Osteuropa abziehen. Erfolg oder Scheitern dcc politischen
und wirtschaftlichen Umbruchs vom Baltikum bis zum
Schwarzen Meer wird entscheidende Auswirkungen
auf die Aussichten für eine erfolgreiche Umgestaltung
in Rußland und den anderen unabhängigen Staaten
haben.
Die Finanzierung unseres Programms für Osteuropa
bleibt deshalb von unserem GUS-Programm streng
getrennt. Darüber hinaus beantragen wir für das
Haushaltsjahr 1993 eine Erhöhung der Gelder für
Mittel- und Osteuropa um 50 Millionen Dollar - auf 450
Millionen Dollar gegenüber 400 Millionen im Haushaltsjahr 1992. Der Zuwachs in unserem Antrag trägt
der Tatsache Rechnung, daß wir heute mehr Ländern
helfen. Als wir den Haushalt 1992 einbrachten, unterhielten wir Hilfsprogramme für sechs Länder. Seither
haben wir Estland, Lettland, Litauen und Albanien in
die Liste aufgenommen, und die Nachzügler haben mit
die dringendsten und langfristigsten Bedürfnisse in der
Region.

AMERIKA DIENST 11

�Mit der Veränderung in der Zahl der Empfängerländer
haben sich auch die Bedürfnisse gewandelt, die wir zu
erfüllen trachten. Obwohl wir weiterhin den Übergangscharakter unseres Hilfsprogramms für Osteuropa betonen, sind wir uns der Tatsache bewußt, daß wir
einigen Teilen der Region über einen erheblich längeren Zeitraum als ursprünglich geplant Hilfe leisten
müssen. Albanien zum Beispiel entspricht einem
traditionellen Entwicklungsland, in dem die Vereinigten Staaten und andere Geberländer wahrscheinlich
auf viele Jahre hinaus beim Aufbau von Institutionen
engagiert sein werden.
Im Hinblick auf das Programm möchten wir auf unseren Erfolgen aufbauen. Hier sind unsere Pläne für das
Haushaltsjahr 1993:
Polen wird im Einklang mit seiner Größe und
Bedeutung weiterhin der größte Einzelempfänger von Hilfe sein.
Wie in der Vergangenheit werden wir unser
Programmbudget auf Projekte für demokratische Initiativen (etwa 7,5 Prozent des Gesamtbetrages), zur Verbesserung der Lebensqualität (17,5 Prozent) und zur wirtschaftlichen
Umstrukturierung (75 Prozent) aufteilen.
Die Unternehmensfonds werden den größten
Einzelposten aus dem Haushalt 1993 erhalten,
da sie recht erfolgreich und rasch auf die Bedürfnisse des Privatsektors reagiert haben. Wir
gehen davon aus, daß die Fonds weitere Unterstützung von Gebern und Privatsektor anziehen
werden, wie bereits von den polnischen und
ungarischen Fonds unter Beweis gestellt wird.
Ein weiteres Schlüsselprogramm ist die amerikanische Unternehmensinitiative, mit der Handel und Investitionen der Vereinigten Staaten in
Osteuropa gefördert werden sollen. Damit wird
gleichzeitig amerikanischen Unternehmen geholfen und neue Arbeitsmöglichkeiten für die
Osteuropäer geschaffen.
Auch die Förderung von privaten landwirtschaftlichen Betrieben und Agrarunternehmen ist nach
wie vor oberste Priorität.
Wir werden weiterhin alle Länder Mittel- und
Osteuropas ermutigen, die Privatisierung voranzutreiben. Unsere Programme in diesem
Bereich machen einen bedeutenden Anteil
unserer Hilfe im Haushaltsjahr 1993 aus.
Das Programm der Administration für die neuen
unabhängigen Staaten im Haushaltsjahr 1993
Im Hinblick auf unserer Aktivitäten in der ehemaligen
Sowjetunion werden wir auf unsere Erfahrungen in
M?«a|- und Osteuropa zurückgreifen. Diese Paralle-

AMERIKA DIENST 11

len sind jedoch nur begrenzt gültig. Es handelt sich
hierbei um zwölf völlig neue Länder, die mit unterschiedlicher Geschwindigkeit und in unterschiedlicher
Weise Fortschritte bei den Reformen erzielen werden.
Die Herausforderungen, mit denen wir uns in der
ehemaligen Sowjetunion konfrontiert sehen, sind
umfangreicher als die, denen wir uns in Mittel- und
Osteuropa gegenübersahen. Die Region ist sehr viel
größer, hat sehr viel mehr Bewohner, und die Probleme sind tiefgreifender. Der unmittelbare humanitäre
Bedarf erstreckt sich auf zahlreiche Bereiche, und die
Risiken politischer Instabiltät in bestimmten Gegenden
sind hoch. Private Geschäftsbeziehungen und soziale
Kontakte mit dem Westen sind verglichen mit dem
Großteil Osteuropas vor drei Jahren sehr viel weniger
entwickelt. Neue Regierungstrukturen werden gerade
erst geschaffen und die Gesetze noch geschrieben.
Und natürlich gibt es eine enorme Verteidigungsindustrie einschließlich einer atomaren Komponente, der
im Rahmen unserer Hilfsprogramme besondere Aufmerksamkeit gewidmet wird.
Mit anderen Worten: Die vor uns liegenden Herausforderungen sind beispiellos. Nur Geld in den Topf zu
werfen - vor allem Geld, das wir in diesen Zeiten
schwerlich vergeuden können - wird diese Probleme
nicht lösen. Willkürlich in die Region gepumptes Geld
könnte in der Tat Reformen verhindern und eben die
Abhängigkeiten schaffen, die zu lange in diesen Ländern bestanden haben. Wir müssen Vorsicht walten
lassen und die Ressourcen einzelner amerikanischer
Regierungsbehörden und eines engagierten Privatsektors bündeln, um die dringendsten humanitären
Krisen zu überwinden und politische Instabilität zu
verhindern. Darüber hinaus müssen wir auch die zur
Förderung tragfähiger Wirtschaftsreformen erforderlichen Marktmechanismen schaffen. Entscheidend für
diese Bestrebungen ist, die Beteiligung amerikanischer und westlicher Unternehmen an Handel und
Investitionen zu fördern.
Um diese beiden gleich wichtigen Ziele zu erreichen,
hat der Präsident für die Haushaltsjahre 1992 und
1993 neue Bewilligungen für die ehemalige Sowjetunion in Höhe von 620 Millionen Dollar beantragt. Diese
Mittel würden zur Bereitstellung von Hilfslieferungen
und technischer Hilfe zur Unterstützung demokratischer Reformen und Förderung der wirtschaftlichen
Umstrukturierung verwendet.
500 Millionen Dollar dieses Betrags würden für
humanitäre und technische Hilfe zur unmittelbaren Erfüllung dringenden Bedarfs aufgewendet.
Die technische Hilfe soll die notwendige Brücke
zwischen kurzfristiger humanitärer Hilfe zur
Bewältigung der Engpässe und der mittelfristigen Entwicklung zur Förderung des erfolgreichen Übergangs zu einer demokratischen
Gesellschaft und Marktreformen schlagen.

Seite 3

�Im Haushaltsjahr 1993 werden 100 Millionen
Dollar des Wirtschaftshilfefonds für technische
Hilfe zur Förderung demokratischer Reformen
und wirtschaflticher Umgestaltung bereitgestellt.

Förderung von Investitionen in den Energiesektor und dessen zunehmende Effizienz.
Förderung von bilateralem Handel und Investitionen, um den amerikanischen Privatsektor zu
ermutigen, in den neuen unabhängigen Staaten
tätig zu werden.

10 Millionen Dollar aus dem Entwicklungshilfefonds werden im Haushaltsjahr 1993 für Entwicklungshilfe in den ärmsten Staaten aufgeInitiativen zur Förderung der Entwicklung einer
wendet, und im Haushaltsjahr 1993 werden 10
demokratischen
Gesellschaft einschließlich
Millionen Dollar aus dem Fonds PL480 bewilligt,
Rechtsstaatlichkeit,
Bildungsreform, öffentlicher
um amerikanische Landwirte und AgrarexperVerwaltung
und
Medienprogrammen.
ten in die neuen unabhängigen Staaten zu entsenden, damit sie ihren dortigen Kollegen mit
Genausowenig wie in Osteuropa beabsichtigen wir,
Ausbildung und Rat zur Seite stehen.
bestimmte Obergrenzen für unsere Hilfe an die einzelDie Mittel werden den gesetzlich bereits bewilligten nen Staaten bei gleichzeitiger Umverteilung unserer
Ressourcen in Höhe von 860 Millionen Dollar zuge- Ressourcen festzusetzen, um sich wandelnde Bedürfschlagen. Sie werden folgendermaßen aufgeschlüs- nisse zu erfüllen und die unterschiedlichen Ebenen der
Reformbestrebungen anzusprechen. Unseren Schätselt:
zungen zufolge wird ungefähr die Hälfte der amerikaRund 210 Millionen Dollar an Nahrungsmittelhil- nischen Hilfsleistungen aufgrund der Größe und Befe (Nahrungsmittel im Wert von 165 Millionen deutung Rußlands dorthin gehen. Der Ukraine, Armeund überschüssige Bestände des US-Verteidi- nien, Kasachstan und Kyrgysstan räumen wir ebengungsministeriums in Höhe von 45 Millionen falls Priorität ein und werden sie entsprechend berücksichtigen.
Dollar).
100 Millionen Dollar vom US-Verteidigungsministerium zum Transport der Hilfslieferungen.
400 Millionen Dollar aus dem Verteidigungshaushalt zur Beseitigung atomarer und chemischer Waffen.
30 Millionen zur Bereitstellung dringend benötigter medizinischer Güter.

Generell wollen wir die Hilfe auf allen Ebenen - national
oder lokal - so angemessen und wirksam wie möglich
gestalten und sowohl mit staatlichen als auch nichtstaatlichen Gremien zusammenarbeiten. Wir werden
neue Mechanismen vorschlagen wie etwa die Eurasia
Foundation - eine Privatorganisation mit dem Ziel,
rasch auszahlbare Fonds für technische Hilfe, Ausbildung von Führungskräften und den Aufbau demokratischer Institutionen bereitzustellen.

120 Millionen Dollar an Mitteln vom Amt für
internationale Entwicklung (AID) und CCC-Kreditbürgschaften für technische Hilfsprogramme.

Obwohl noch viel zu tun bleibt, haben die Vereinigten
Staaten eine Führungsrolle bei der Erfüllung der vordringlichsten Bedürfnisse übernommen. Wir haben 21
Darüber hinaus hofft das Peace Corps bis zum Ende Millionen Tonnen an Getreide und andeien Nahrungsdes Haushaltsjahres 1993 bis zu 500 Freiwillige in die mitteln sowie Medikamente und medizinische Versorneuen unabhängigen Staaten zu entsenden, und wir gungsgüter im Wert von über 35 Millionen Dollar
werden mit Hilfe der Entwicklungsgesellschaft OPIC geliefert. Bis heute haben wir nahezu 70 Prozent
und der Eximbank amerikanische Investitionen und unserer Verpflichtungen erfüllt (einschließlich der landwirtschaftlichen Kredite) - ein sehr viel höherer ProExporte in die Region fördern.
zentsatz als andere Geberländer. Wir haben bereits
Unsere technischen Hilfsprogramme sind auf folgende Botschaften in elf der neuen Staaten eröffnet oder sind
Bereiche zugeschnitten:
dabei, dies zu tun. Wir sind damit befaßt, eine AIDVertretung vor Ort zu schaffen. Und, wie Sie vielleicht
Programme zur Privatisierung und Umstruktu- wissen, hat der Außenminister vergangene Woche
rierung der nochmilitarisierten Volkswirtschaf- Richard Armitage, der die Aktion Hoffnung erfolgreich
ten der neuen unabhängien Staaten durch die organisiert hat, zum Koordinator unseres gesamten
Konversion der Rüstungsindustrie und Umrü- Hilfsprogramms für die neuen unabhängigen Staaten
stung zu verbraucherorientierter Produktion.
ernannt.
Aktivitäten zur Förderung der Marktwirtschaft In Anbetracht der vor uns liegenden Herausforderunund zwar sowohl der makro- als auch der mikro- gen muß auch festgestellt werden, daß die amerikaniökonomischen Seite.
sche Hilfe nur ein Teil der internationalen Reaktion ist,
Verbesserungen bei Verteilung und Transport an der über 50 Nationen und multilaterale Institutionen
von Nahrungsmitteln sowie der Systeme für hu- beteiligt sind, um den neuen unabhängigen Staaten
Hilfe im Wert von rund 27 Milliarden Dollar zu leisten.
manitäre Dienstleistungen.
Bei der im Januar in Washington abgehaltenen KoorSeite 4

AMERIKA DIENST 11

�dinierungskonferenz kamen 54 Delegationen zusammen, um spezifische Aktionspläne für die Bereiche
Nahrungsmittel, Medikamente, Energie und technische Hilfe zu erarbeiten. Auch auf bilateraler und
multilateraler Ebene sind wir mit Vertretern der neuen
unabhängigen Staaten zusammengetroffen, um diese
Initiativen zu erörtern und durchzuführen. Wir übernehmen eine Führungsrolle bei der Unterstützung der
baldmöglichen Mitgliedschaft der neuen Staaten in
den internationalen Finanzinstitutionen, um die erforderliche makroökonomische Stabilisierung und Strukturveränderung zu fördern.
Zusammenfassend sollten wir uns vor Augen führen,
daß die westliche Staatengemeinschaft unter amerikanischer Führung zusammengearbeitet hat, um

während der dunklen Jahre des kalten Kriegs Demokratie und freies Unternehmertum zu schützen. Wir
haben den Menschen, die unter der Last des Totalitarismus leben mußten, Auftrieb und Hoffnung gegeben.
Es ist nun an uns allen, danach zu trachten, daß das
Versprechen einer Welt mit mehr Sicherheit und
Wohlstand verwirklicht wird. Unter amerikanischer
Führung haben die westlichen Demokratien erneut
eine Partnerschaft geschmiedet - dieses Mal mit unseren ehemaligen Gegnern - um unseren Kindern eine
stabilere Zukunft zu bieten. Wir blicken der Zusammenarbeit mit dem Kongreß bei der Erweiterung der
Hilfe erwartungsvoll entgegen, die so sehr in unserem
nationalen Interesse liegt.

* * * *

AMERIKA DIENST 11

*

Seite 5

�W A H L E N '92
18. März 1992

DIE VORWAHLERGEBNISSE DES "SUPERDIENSTAGS"
Der Stand der Delegiertenstimmen
Nachfolgend veröffentlichen wir eine Übersicht über die Zahl der Delegierten, die jeder Präsidentschaftskandidat nach den Ergebnissen des "Superdienstags" am 10. März 1992 für sich in Anspruch nehmen kann.

Demokraten (zur Nominierung erforderlich: 2.145)

Parteiversammlungen in Hawaii

Clinton

707,25

Brown

14

Tsongas

349,25

Clinton

50

Nichtgebunden

300,75

Tsongas

13

Brown

81,25

Sonstige

23

Republikaner (zur Nominierung erforderlich: 1.105)

Louisiana

Bush

560

Brown

7

46

Clinton

69

Tsongas

11

Sonstige

13

Buchanan
Nichtgebunden

6

Die
Ergebnisse
der
Vorwahlen
Parteiversammlungen am "Superdienstag"

und

Massachusetts
Demokraten

Stimmenanteil (%)
Brown

15

Clinton

11

Tsongas

66

Sonstige

8

Parteiversammlungen in Delaware
Brown

19

Clinton

21

Tsongas

30

Nichtgebunden

30

Mississippi
Brown

10

Clinton

73

Tsongas

8

Sonstige

9

Florida
Brown

12

Clinton

52

Tsongas

34

Sonstige

2

AMERIKA DIENST 36

Seite 1

�Parteiversammlungen in Missouri

Louisiana

Brown

7

Buchanan

27

Clinton

45

Bush

62

Tsongas

11

Duke

9

Nichtgebunden

37

Sonstige

2

Mississippi

Oklahoma
Brown
Clinton

17

Buchanan

71

Bush

Tsongas (keine
Teilnahme)
Nichtgebunden

Duke
0

Oklahoma

12

Buchanan

Rhode Island

70
3

19

Duke

Clinton

21

Rhode Island

Tsongas

53

Buchanan

Sonstige

17

Bush
Sonstige

Brown

8

Clinton

67

Buchanan

Tsongas

19

Bush

Sonstige

6

Texas

32

5

Tennessee

Sonstige

5

Texas

Brown

8

Clinton

65

Bush

Tsongas

19

Sonstige

Sonstige

8

Republikaner

11

Bush

Brown

Tennessee

1?

Buchanan

Stimmenanteil (%)

Florida
Buchanan

32

Bush

68
* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 36

�WAHLEN

'92
18. März 1992

VORWAHLEN UND PARTEIVERSAMMLUNGEN AM
"SUPERDIENSTAG"
Amerikanische Pressestimmen
Eine Reihe amerikanischer Zeitungen haben ihre Leitartikel den Ergebnissen der Vorwahlen und Parteiversammlungen vom "Superdienstag" am 10. März 1992 gewidmet. Nachfolgend einige Auszüge aus den
Kommentaren.

The Miami Herald
Im zweiten Anlauf bewirkte der Superdienstag für die
Demokraten, was seine Erfinder die ganze Zeit beabsichtigt hatten: Er machte einen Gemäßigten aus dem
Süden, Gouverneur Bill Clinton aus Arkansas, im
Nominierungsprozeß rechtzeitig genug zum Spitzenkandidaten der Partei, um starke rationale Anerkennung und Unterstützung für ihn aufzubauen... März ist
häufig der Monat der Zerreißproben für die Präsidentschaftskandidaten. Während sich das Feld verkleinert, verlagert sich die Gunst der Wähler von der
Frage, wer der beste Kandidat für ihre Partei ist zu der
Frage, wer der beste Präsident für die Nation wäre.
Das ist die entscheidende Frage für den letzten Superdienstag - den ersten Dienstag im November.
Detroit Free Press
Der Superdienstag hat einige wichtige Fragen über
den Auswahlprozeß bei den Präsidentschaftswahlen
beantwortet, läßt jedoch noch grundlegende Probleme
für uns in Michigan und unsere Nachbarn in Illinois
offen. Unsere Präsidentschaftsvorwahlen haben Pilotcharakter. Die am Superdienstag beteiligten Staaten haben dem Wahlkampf ihren Stempel aufgedrückt.
Wir hoffen, wir in Michigan können an unserem "Dienstag" den Auswahlprozeß entscheidend beeinflussen.
Baltimore Sun
Der enorme Stimmengewinn, den der Gouverneur von
Arkansas, Bill Clinton, im Süden einschließlich des
wankelmütigen Staates Florida für sich verbuchen
konnte, versetzt den ehemaligen Senator von MassacnusbuS, Paul Tsongas, in eine defensive Situation im
Hinblick auf die Vorwahlen der nächsten Woche, in der
Sieg ein Muß ist... Präsident Bush... hat die NominieAMERIKA DIENST 11

rung fest in der Tasche, und Patrick Buchanan wird
früher oder später entscheiden müssen, wie lange er
noch am Image des Amtsinhabers seiner Partei kratzen will.
Christian Science Monitor
Der Wahlkampf der Demokraten ist nicht vorbei. Tsongas
könnte am nächsten Dienstag in Illinois und Michigan
mit starken Auftritten neuen Auftrieb erhalten. Aber
nach dem Superdienstag hat Tsongas fast einen stehenden Start.
Auf der republikanischen Seite hat sich ein inzwischen
erprobtes Muster bewährt: Bush hat alle Wahlkämpfe
leicht gewonnen, konnte jedoch die verteufelten Proteststimmen nicht abschütteln. Er wird versuchen, die
Sorgen der Wähler anzusprechen, indem er den
Wahlkampfpfad verläßt und sich wieder als "Präsident" gibt. Der Herausforderer Pat Buchanan steht
eher als verdrießlicher Verlierer da. Der Wahlkampf
der Republikaner ist jetzt stinklangweilig geworden.
Erst beim Parteitag im August wird er wieder spannend.
The Washington Post
Da die Nominierung der Republikaner endlich entschieden scheint, ist der Wahlkampf der Demokraten
im Augenblick fesselnder. Vieleicht weil sie sich so
sehr an schlechte Nachrichten gewöhnt haben, scheinen zahlreiche Demokraten entschlossen, einige gute
Nachrichten, die ihren Weg kreuzten, in schlechte
umzumünzen. Zwischen ihren Kandidaten, die etwas
zu sagen haben, spielt sich ein ziemlich lebhafter,
interessanter und inhaltsreicher Wahlkampf ab. Der
Gedanke, ein unbeleckter Dritter könnte auftauchen
und gekrönt werden, scheint sich abzuschwächen: Es
Seite 1

�ist keinesfalls klar, ob dieser Dritte bei den Wählern
besser abschneiden würde als die drei Mitstreiter es
bereits im Wahlkampf tun. Es wurde zu Recht weithin
festgestellt, daß Gouverneur Clinton begonnen hat,
die demokratische Koalition wiederzubeleben, die in
jüngster Zeit kurz vor der Auflösung stand. Seine
Fähigkeit, eine schwarze Wählerschaft und eine wei ße
Arbeiterklasse zu mobilisieren, ist ein Durchbruch für
die Demokraten, die während der vergangenen Wahlen mehr gehandelt und gefeilscht haben als sich der
Aufgabe zu widmen, eine Koaliton zu schmieden, die
einen sozialen, rassischen und wirtschaftlichen Querschnitt bietet.
New York Times
Von allen Zahlen, die nach dem Superdienstag bekanntgegeben wurden, fällt eine besonders ins Auge.
Der weiße Südstaatler Bill Clinton gewann in Florida
die Hälfte der demokratischen Wählerstimmen, aber
etwa 75 Prozent der Stimmen von den Schwarzen.
Gouverneur Clinton mag die Nominierung der Demokraten gewinnen oder auch nicht, und er mag Präsident Bush im Herbst ein schwieriges Rennen bereiten
oder auch nicht. Wie auch immer - diese eine Zahl
bezeugt vielleicht zum ersten Mall seit der Vorwahlkampagne Robert Kennedys in Indiana im Jahr 1968,
daß es politisch möglich ist, arme schwarze und der Arbeiterschicht entstammende weiße Wähler zusammenzubringen. Letztlich ist es möglich, daß Amerikaner ihre rassische Teilung überwinden und sich statt
dessen auf ihre gemeinsamen Interessen konzentrieren.
Clintons Wahlkampf mag noch andere Schläge erleiden, die Beziehung von ihm und seiner Frau zu einem
gescheiterten Sparkassenangestellten muß noch geklärt
werden. Oder vielleicht verschafft ihm die Vorwahl
nächste Woche in Illinois einen entscheidenden Vorteil. Wie auch immer, Clintons Wahlkampf hat bereits
etwas erreicht, an das man sich erinnern wird: Die
Amerikaner können ohne Bitterkeit sagen: Schwarze
und Weiße stehen zusammen.
Kolumnist George Will
Clinton verfügt über viel Geld und wird wahrscheinlich
nominiert werden, obwohl er bedenklich viele Schwachstellen hat. Tatsächlich gewinnt er gerade aufgrund
derer: die Menschen bewundem die Art und Weise,
wie er sich durchbeißt und all die Last trägt. Aber die
Last bleibt, und im Herbst werden die Republikaner
sich in dieser Hinsicht nicht zurückhalten.
Dennoch tritt Clinton gegen einen Präsidenten an, den
ein Drittel der Republikanischen Partei und zwei Drittel
seiner Basis republikanischer Anhänger ablehnen.
Bush, der über die gesamte Exekutive gebietet, hat
zugelassen, daß das Thema des Wahlkampfes von
einem Kolumnisten auf Urlaub bestimmt wird. Erstaunlich.
Seite 2

Kolumnist Carl Rowart
Eines der bemerkenswertesten Dinge an den Wahlen
am Superdienstag ist die Tatsache, daß Gouverneur
Bill Clinton schließlich die armen Weißen und die
armen Schwarzen überzeugt, daß sie dasselbe Schicksal haben. Er scheint die Armen in Florida - wo es etwa
eine halbe Million Arbeitslose gibt - davon zu überzeugen, daß sie es sich nicht leisten können, sich gegenseitig zu bekämpfen, während privilegiertere Menschen Bildungschancen und Arbeitsplätze abstauben.
Clinton bekam nicht nur einen hohen Anteil der Stimmen von den armen Weißen und der weißen Mittelklasse, sondern auch drei von vier Stimmen aus der
schwarzen Bevölkerung.
Kolumnist Paul Greenberg
Es geht jetzt um die Nominierung von Bill Clinton für
das Amt des Präsidenten. Die 'White Hope' aus Hope
in Arkansas müßte sich schon einiges leisten, um zu
verlieren. Er hat die Delegierten aus dem Süden hinter
sich, wenn er in die von der Rezession angeschlagenen Staaten im Rostgürtel geht, nach Michigan und
Illinois. Er hat das Geld, und er verfügt über die
Organisation. Er hat die Helfer und die Unterstützung
seiner Partei. Er hat die Jugend und den Jargon, Züge
von Kennedy, und er verfügt über die Fähigkeit, uns zu
erzählen, was wir hören wollen. Er verkörpert den
echten, authentischen Geist der neunziger Jahre. Er
wird die Gewerkschaften gewinnen, auch wenn Bill
Becker von der AFL-CIO in Arkansas versucht, sie zu
warnen, wer wen bekommt. Er hat Hillary, das typische Mädchen aus Park Ridge, Illinois. Er hat alles
außer Charakter, und wann war dieser Mangel je ein
Hindernis für politisches Fortkommen in diesem oder
irgendeinem anderen Land?
Kolumnist William Murchison
Clintons Aufschwung am Superdienstag verändert die
Lage zugunsten Bushs Wiederwahl kaum. Bush, ein
potentieller Jimmy Carter? Ich habe Neuigkeiten für
Gennifer Flowers Seelenverwandte: Bill, Sie sind nicht
Ronald Reagan. Pat Buchanan mit seinem Ergebnis
von etwa 30 Prozent ist wahrscheinlich sogar in konservativen Staaten wie Texas fast am Ende.
Newsday
Erster Kommentar von Paul Tsongas: "Am Superdienstag sollten Leute w&lt;o ich aus dem Rennen geworfen werden. Nun, ich bin immer noch da." Beim
zweiten Teil seiner Aussage hat er recht, nicht ganz
jedoch beim ersten. Konservative Demokraten hatten
sich vom Superdienstag eine defensive Maßnahme
erwartet, um irgendeinen liberalen Yankee davon
abzuhalten, sich mit der Nominierung der Partei zum
Präsidentschaftskandidaten davonzumachen, während
andere Kandidaten noch in den Startlöcherr. ctsckien.

AMERIKA DIENST 11

�Und dieses Jahr hat es funktioniert... Es hat so gut
funktioniert, da ß der Gouverneur von Arkansas nun als
Favorit in die Vorwahlen der nächsten Woche geht.
Kolumnist Richard Cohen
Trotz all ihrer Unberechenbarkeit sind die Vorwahlen in
bestimmter Hinsicht doch berechenbar. Sie sind immer
instruktiv. Wir haben viel über Clinton erfahren (man
benötigt schon eine silberne Gewehrkugel, um ihn
aufzuhalten) und über Tsongas (er ist nicht ganz
derjenige, für den man ihn hielt). Seit New Hampshire
und insbesondere im Fernsehen erwies sich Tsongas
als weinerlicher, nörgelnder, unverbesserlicher Rechthaber, der einfach keinen Frohsinn erzeugt. "Ich
werde Ihnen etwas sagen, Bill Clinton", erklärte er am
Dienstag abend, "solange ich da bin, werden Sie sich
Ihren Weg ins Wei ße Haus nicht erschleichen." Das ist
das Programm eines Streithammels, kein Schlagwort,
hinter dem sich Millionen sammeln können.
Es liegt nicht an Tsongas, daß er ein Wei ßer aus einem
Nordstaat mit einem relativ kleinen schwarzen Bevölkerungsanteil ist. Und es sollte eine Rolle spielen, daß
er zwei Jahre freiwillig als Entwicklungshelfer in Äthiopien diente. Ausschlaggebend ist aber die Tatsache,
daß die Schwarzen im Süden für Bill Clinton stimmten
- ein Ausdruck des Vertrauens, den die Demokratische
Partei nicht übersehen kann und der überdies einem
Gouverneur zugutekam, der mit einer Art von Reform
der Sozialhilfe in Verbindung steht, der Konservative

applaudieren können.
Wall Street Journal

großartig es wäre, wenn er sich ohne Opposition für die
republikanische Nominierung bewerben würde, ohne
den Partisanenkrieg Buchanans. Dann könnte er sich
auf den quicklebendigen Gouverneur aus Arkansas
konzentrieren. Was der Präsident und das Land statt
dessen zur Zeit dringend benötigen, ist ein ernsthafter
politischer Wettbewerb zwischen ernsthaften Kandidaten mit ernsthaften Ideen. Zum jetzigen Zeitpunkt
scheinen wir eher in die entgegengesetzte Richtung zu
gehen. Kein Wunder, daß die Wähler so verdrossen
sind.
Los Angeles Times
Bush ist die Hauptzielscheibe der Unglücklichen, denn
er ist der einzige Präsident, den Amerika hat, und der
Präsident ist nun einmal das sichtbare Symbol des
politischen Establishments in Amerika.
Bush verliert bei jeder Vorwahl zwischen einem Viertel
und einem Drittel der republikanischen Wählerstimmen. Unmittelbarer Nutznießer ist Buchanan, dessen
fragwürdige oder besorgniserregende Ansichten über
Handel, Juden, Schwarze und zahlreiche andere Dinge ihn offenkundig für das Präsidentenamt ungeeignet
machen.
Eine Art Glück im Unglück für die Nation, eine Art
Silberstreif am Buchanan-Horizont ist die Tatsache,
daß der belesene und bisweilen scharfzüngige politische Journalist dem ehemaligen Ku-Klux-Klan-Führer
David Duke Stimmen entzieht, dessen Präsidentschaftswahlkampf in Louisiana ins Leere gelaufen zu sein
scheint.

Wir bezweifeln, daß das, was die Vereinigten Staaten
heute benötigen, eine leichte Wiederwahl von George
Bush ist. Der Präsident sprach gestern davon, wie

*

AMERIKA DIENST 11

*

Seite 3

�</text>
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                <text>&lt;div&gt;&lt;strong&gt;1. US-Außenpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush: aktive Außenpolitik, starke Verteidigung erforderlich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Präsidenten zur Rolle der Vereinigten Staaten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die neue Welt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Präsident Nixon&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. GUS-Wissenschaftler&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wissenschaftszentrum soll Verbreitung von Waffen verhindern&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Außenminister Baker über ein neues Projekt in Rußland&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Mittel-/Osteuropa&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;USA wollen zusätzliche Gelder für Mittel-und Osteuropa&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eagleburger vor Unterausschuß des Repräsentantenhauses&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wahlen'92&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Vorwahlergebnisse des "Superdienstags"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Der Stand der Delegiertenstimmen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vorwahlen und Parteiversammlungen am "Superdienstag"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Amerikanische Pressestimmen&lt;/em&gt;&lt;/div&gt;</text>
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dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

25. März 1992
&lt;bu &amp;

j?^
GIJ^NUKLEARWAFFEN

USA HELFEN NACHFOLGESTAATEN DER
UDSSR BEI KONTROLLE UND REDUZIERUNG
VON WAFFEN
Weitere Begrenzungen von
Nuklearwaffen vorgeschlagen

FLÜCHTLINGE

BEIGELEGTE KONFLIKTE GESTATTEN
FLÜCHTLINGEN RÜCKKEHR IN DIE HEIMAT
Anhörung vor dem Kongreß

WAHLEN '92

TSONGAS SETZT WAHLKAMPF AUS
Die Ergebnisse der Vorwahlen
von Illinois und Michigan
WIE AMERIKA EINEN PRÄSIDENTEN WÄHLT
Von Lester David und Irene David

VII. KORPS

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

VII. KORPS IN STUTTGART VERABSCHIEDET
Ansprache von Botschafter Kimmitt

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�GUS-NUKLEARWAFFEN
25. März 1992

USA HELFEN NACHFOLGESTAATEN DER UdSSR
BEI KONTROLLE UND REDUZIERUNG VON WAFFEN
Weitere Begrenzungen von Nuklearwaffen vorgeschlagen
WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten und
Rußland - der Treuhänder der nahezu 30.000 Nuklearwaffen im Besitz der ehemaligen Sowjetunion - streben bereits niedrigere Niveaus nuklearer Rüstungen
an.
Sowohl Präsident Bush als auch der russische Präsident Jelzin haben Vorschläge unterbreitet, mit denen
die strategischen Nuklearwaffen um die Hälfte auf die
vom im Juli 1992 unterzeichneten aber immer noch
nicht ratifizierten Vertrag über die Verringerung strategischer Rüstungen (START) festgelegten Niveaus
reduzieren würden. Die beiden Seiten vereinbarten
ferner im vergangenen Jahr - vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion - den Abbau aller landgestützten taktischen Nuklearwaffen.
US-Außenminister Baker und sein sowjetischer Amtskollege Kosirew nahmen Anfang dieses Monats die
Abrüstungsgespräche in Brüssel wieder auf, wo beide
am Treffen des Nordatlantischen Kooperationsrats
(NACC) teilnahmen. Weitere Gespräche sind bis zum
für den 16. und 17. Juni in den Vereinigten Staaten
anberaumten Gipfeltreffen zwischen den Präsidenten
Bush und Jelzin vorgesehen. Beide Seiten haben der
Hoffnung Ausdruck verliehen, daß bis dahin ein Abkommen - oder zumindest ein Rahmenabkommen erarbeitet werden kann.
Diese erneuten Rüstungskontrollverhandlungen sind
Bestandteil umfassender internationaler Bestrebungen, Hilfe für die neuen unabhängigen Staaten der
ehemaligen Sowjetunion bereitzustellen.
In einer Anhörung vor dem Bewilligungsunterausschuß
des Repräsentantenhauses verwies Baker im Februar
auf die damit einhergehenden Schwierigkeiten. Die
neuen Staaten, stellte er fest, "drückt die Last von über
70 Jahren politischer und ökonomischer Mißwirtschaft.
Die Versuchung ethnischer Konflikte und autoritärer
Herrschaft sind weiterhin stark, und trotz der dramati-

AMERIKA DIENST 12

schen Fortschritte in der Rüstungskontrolle verbleiben
bei den Staaten der ehemaligen Sowjetunion nahezu
30.000 atomare Waffen."
Seit dem Zusammenbruch der UdSSR im vergangenen Dezember hat Außenminster Baker alle neuen
unabhängigen Staaten außer Georgien besucht, und
die Vereinigten Staaten haben Botschaften in allen von
ihm besuchten Staaten eröffnet. "Wir haben das in die
Wege geleitet, was man als neue Sicherheitspartnerschaft zwischen Rußland und den Vereinigten Staaten
bezeichnen könnte", fuhr Baker fort. "Wir haben bei
einem breiten Spektrum von Themen echte Fortschritte erzielt, insbesondere bei atomarer Sicherheit und
Zerstörung von Atomwaffen."
Zu diesem Zweck werden die Vereinigten Staaten
Rußland 25 gepanzerte Eisenbahnwaggons zum
Transport von Nuklearwaffen zur Verfügung stellen.
Rußland wurden femer 250 große Spezialcontainer
zum Transport von Nuklearwaffen angeboten, und
Experten haben begonnen, alternative Wege der
Lagerung von Plutonium und angereichertem Uran zu
erörtern, das aus den zu zerstörenden Waffen gewonnen wird. Die Vereinigten Staaten arbeiten mit Rußland zusammen, um das russische Zählsystem für
atomare Materialien zu verbessern. Darüber hinaus
sind Gespräche über die unverzügliche und angemessene Reaktion auf jeden Reaktorunfall oder -Zwischenfall vorgesehen.
Es wurden bereits Bestrebungen in die Wege geleitet,
um alle ehemaligen sowjetischen taktischen Nuklearwaffen zur schrittweisen Zerstörung nach Rußland zu
verlagern. Stichtag ist der 1. Juli, aber Baker zufolge
sind die Bestrebungen dem Zeitplan voraus. Die vier
Nuklearstaaten der ehemaligen Sowjetunion - Rußland, die Ukraine, Weißrußland und Kasachstan haben vereinbart, alle strategischen Nuklearwaffen
einer zentralen Kontrolle zu unterstellen. Ru Bland wird
der Nachfolgestaat der UdSSR im Hinblick auf den

Seite 1

�Status als Nuklearmacht sein, und die anderen drei
Staaten werden aufgefordert, dem Nichtverbreitungsvertrag (NPT) als atomwaffenfreie Staaten beizutreten.
Im Hinblick auf spezielle Hilfsprogramme haben die
Vereinigten Staaten 25 Millionen Dollar für die Einrichtung eines Internationalen Zentrums für Wissenschaft
und Technologie in der Nähe von Moskau bereitgestellt, das den Spitzenwissenschaftlem und -ingenieuren der früheren Sowjetunion, von denen viele in der
Kerntechnik oder anderen Rüstungsbereichen gearbeitet haben, geistig anspruchsvolle Arbeit verschaffen soll. Das Zentrum wird in der Absicht gegründet,
Wissenschaftler davon abzuhalten, ihr Wissen an
skrupellose Regime auf der ganzen Welt zu veräußern. Die Europäische Gemeinschaft wird mit dem
US-Angebot von 25 Millionen Dollar ebenso gleichziehen wie Japan. Darüber hinaus hat Kanada versprochen, das Programm zu unterstützen.
Andere spezielle Hilfe für die früheren Sowjetrepubliken umfaßt 400 Millionen Dollar aus Mitteln des Verteidigungsministeriums, mit denen nukleare und chemische Waffen zerstört und die Verbreitung von Technologie für Massenvernichtungswaffen verhindert werden soll.
Ein weiterer Schlüsselaspekt dieser Bestrebungen ist
die Umwandlung der Rüstungsindustrie. In den 620
Millionen Dollar neuer Bewilligungen, die die Regierung zur Hilfe für die frühere Sowjetunion beantragt,
sind 100 Millionen Dollar für den Wirtschaftshilfefonds
enthalten, der demokratische Reformen, wirtschaftliche Umstrukturierungen und eine Umwandlung der
Rüstungsindustrie auf den Weg bringen soll.

Ein weiterer Schlüsselfaktor der neuen Beziehungen,
den Baker am 5. Februar im Auswärtigen Ausschuß
des Senats hervorhob, besteht darin, daß "die neuen
Staaten ihr Verspechen einhalten, die START-, KSEund Nichtverbreitungsverträge durchzuführen".
"START bleibt entscheidender Bestandteil unserer
Beziehungen zu den neuen Staaten," erklärte Baker.
"Erstens erhöht das Verifizierungsregime von START
Transparenz und Offenheit in einer Zeit turbulenter
Veränderungen. Zweitens schafft START ein rechtsverbindliches Regime, das Verpflichtungen aufstellt,
die es uns leichter machen, substantielle und stabilisierende Reduzierungen festzuschreiben. Drittens
liefert START eine stabile Struktur und ebensolche
Grundregeln, im Rahmen derer weitere Reduzierungen schnell erreicht werden können. Schließlich werden durch START die Ukraine, Weißrußland und
Kasachstan ermutigt, eine nichtnukleare Zukunft anzustreben."
Bei seinem zweiten Treffen in Brüssel begrüßte der
Nordatlantische Kooperationsrat die Baltenstaaten und
alle früheren Sowjetrepubliken außer Georgien als
neue Mitglieder. Das Ziel des aus 35 Nationen bestehenden Gremiums lautet, Stabilität und Berechenbarkeit bei europäischen Sicherheitsfragen zu verbessern
und die Zusammenarbeit unter den Ländern Europa zu
erweitern.
Der Stellvertretende Außenminister Lawrence Eagleburger kam bei seiner Beschreibung der US-Hilfe vor
einem anderen Kongreßausschuß am 11. März zu
dem Schluß: "Westliche Hilfe kann etwas bewirken.
Für uns steht auf dem Spiel, ob die jüngste Umwandlung gefährlicher Gegner in Freunde und Partner ein
dauerhaftes oder ein vorübergehendes Phänomen

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 12

�FLÜCHTLINGE
25. März 1992

BEIGELEGTE KONFLIKTE GESTATTEN
FLÜCHTLINGEN RÜCKKEHR IN DIE HEIMAT
Anhörung vor dem Kongreß
WASHINGTON - (AD) - Dem Leiter des Büros für Flüchtlingsbelange im US-Außenministerium, Princeton
Lyman, zufolge gestattet die Beilegung regionaler Konflikte drei bis sieben Millionen Flüchtlingen in den nächsten
Jahren die Rückkehr in ihre Heimatländer.
In einer vor dem Unterausschuß des Repräsentantenhauses für Auswärtige Angelegenheiten abgegebenen
Erklärung stellte Lyman am 17. März 1992 fest, die Lösung der Konflikte in Kambodscha, Angola, El Salvador
und Äthiopien "sowie die wachsenden Aussichten für eine Schlichtung in Afghanistan bieten uns die Chance",
drei Millionen Flüchtlingen in den kommenden zwei Jahren die Rückkehr in ihre Heimat zu ermöglichen. Diese
Zahl könnte die Siebenmillionengrenze überschreiten, "wenn der Krieg in Afghanistan wirklich vorüber ist", so
Lyman.
Die Rückführung der Flüchtlinge sei teuer und zeitaufwendig, stellte Lyman fest, "Die Aussicht, das Leid von
nahezu der Hälfte der Flüchtlinge ... weltweit zu beenden, sollte uns jedoch motivieren, uns dieser großen
humanitären Aufgabe zu stellen".
Das US-Außenministerium hat für das Haushaltsjahr 1992 550 Millionen Dollar für Migrations- und Flüchtlingshilfe beantragt.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Direktor Lyman im Wortlaut.
Herr Vorsitzender, sehr geehrte Ausschußmitglieder,
ich danke Ihnen für diese Gelegenheit, heute gemeinsam mit Ihnen die bevölkerungspolitischen Realitäten
der Welt erörtern zu können und darauf einzugehen,
wie die Migrations- und Flüchtlingshilfe im Haushaltsjahr 1993 einige dieser Veränderungen in der Zeit nach
dem kalten Krieg anspricht.
Insbesondere im Hinblick auf Flüchtlinge und Vertriebene haben wir eine au ßerordentlich gemischte Szene
vor uns. Die Beilegung von Konflikten, die teilweise
durch den kalten Krieg genährt wurden - Kambodscha,
Angola, El Salvador - und der Bürgerkrieg in Äthiopien
sowie die wachsenden Aussichten für eine Schlichtung in Afghanistan bieten uns die Chance, in den
nächsten beiden Jahren drei Millionen Flüchtlingen
weltweit und bis zu sieben Millionen Menschen die
Rückführung in ihre Heimat zu ermöglichen, wenn der
Krieg in Afghanistan wirklich vorüber ist. Die Rückführung von Flüchtlingen zu ihren häufig vom Krieg zerstörten Häusern und Weiden sowie in Länder, in denen
die zwangsweise im Inland Umgesiedelten ebenfalls
Not leiden, ist teuer und zeitaufwendig. Die Aussicht,
das Leid von nahezu der Hälfte der Flüchtlinge - nach
einem Jahrzehnt, in dem diese Zahl im Steigen begriffen war - weltweit zu beenden, sollte uns jedoch
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motivieren, uns dieser großen humanitären Aufgabe
zu stellen. Ist diese Aufgabe einmal abgeschlossen,
wird auch von der internationalen Staatengemeinschaft eine schwere Last genommen, besonders den
Vereinigten Staaten, die in den vergangenen 20 Jahren Hauptgeldgeber der Flüchtlingshilfe waren.
Ein anderer Teil der Szene ist weniger ermutigend.
Neue, häufig brutale Konflikte bewirken neues Flüchtlingsleid. Allein in der Zeit zwischen der Anberaumung
dieser Anhörung und heute sind über 100.000 neue
Flüchtlinge vor den Plünderungen der burmesischen
Armee nach Bangladesch, und 150.000 somalische
Flüchtlinge vor dem Bürgerkrieg geflohen - sie kamen
dem Hungertod nahe und halbtot vor Erschöpfung in
Kenia an. In den vergangenen beiden Jahren hat der
Bürgerkrieg in Liberia der Gesamtzahl der Flüchtlinge
auf der Welt weitere 600.000 hinzugefügt. Die Kämpfe
in Jugoslawien haben 40.000 Menschen zur Flucht
veranlaßt, und nahezu eine halbe Million mußte zwangsweise im Inland umsiedeln. Des weiteren warten wir
auf die Berichte des IKRK über die Opfer an Menschenleben aufgrund der Auseinandersetzungen in
Nagorny-Karabach, wo über 500.000 Menschen ihre
Heimat verlassen mußten. Wir müssen dieses Leiden
nicht nur mit humanitärer Hilfe, sondern mit erneuten
Seite 1

�und verbesserten Methoden der Konfliktlösung angehen, damit nicht eine weitere Generation von Langzeitflüchtlingen hervorgebracht wird.

Wie kann diesen Menschen in einer großen
Bandbreite von Situationen Schutz und angemessene langfristige Hilfe geboten werden?

Schließlich beobachten wir größeren und komplexeren Druck auf die Asyl- und Einwanderungsverfahren
in Westeuropa und Nordamerika. Zum Teil ist dies auf
demographische Ursachen zurückzuführen, zum Teil
auf Konflikte, Unterdrückung und Armut. Bedauerlicherweise haben wir Vorfälle erlebt, bei denen dieser
Druck negative, wenn nicht gar häßliche Rückschläge
für die Flüchtlinge selbst zur Folge hatte. In einem
breiteren Kontext gesehen, stellen sie eine Herausforderung an unsere Fähigkeit zur Zusammenarbeit sowohl
bei Flüchtlings- als auch Migrationsbelangen dar, damit
keine neuen Mauern errichtet werden und die Lastenverteilung beibehalten wird. Mit unseren Programmen
und in einigen anderen Foren versuchen wir, diese
Probleme auch in der Ära nach dem kalten Krieg
anzusprechen.

Wie können Lösungen für die Gründe ihrer
Flucht herbeigeführt, und wie kann den Flüchtlingen die Rückkehr in ihre häufig durch Krieg
verwüstete Heimat ermöglicht werden?

Der Haushaltsantrag 1993 für Migrations-und
Flüchtlingshilfe
Die Flüchtlinge der Welt, von denen es noch immer
rund 16 Millionen gibt -13 Millionen von ihnen benötigen Hilfe - konzentrieren sich in vier Regionen: 5
Millionen Afghanen in Pakistan und Iran, nahezu 5
Millionen afrikanische Flüchtlinge, die zumeist Opfer
von Bürgerkriegen sind, 2,5 Millionen Palästinenser
und 720.000 Flüchtlinge in Asien, fast die Hälfte davon
aus Kambodscha.
Diese Zahlen - an sich schon erschreckend - geben die
Realität nicht angemessen wider. Hinter diesen Zahlen stehen vor Soldaten flüchtende Männer, Frauen
und Kinder, die den Naf nach Bangladesch überqueren. Diese Zahlen verwischen die Not der von ihren
Männern und Familien getrennten Frauen und Kinder,
die im Nordirak oder in Kenia Unterschlupf unter Plastikplanen suchen. Sie vermitteln nicht die Verzweiflung von Menschen, die häufig jahrelang von ihrer
Heimat und allen Dienstleistungen abgschnitten sind
und versuchen, Behelfsschulen für ihre Kinder aufzubauen und ihre Würde in einer Situation völliger Abhängigkeit zu bewahren.

Wie kann künftigen Flüchtlingsströmeri entgegengewirkt werden?
Der Haushaltsantrag des US-Außenministeriums für
1993 sieht 550 Millionen Dollar für Migrations-und
Flüchtlingshilfe (Migration and Refugee Assistance MRA) und 20 Millionen für den amerikanischen Notfonds für Migrations- und Flüchtlingshilfe vor.
Internationale Flüchtlingshilfe
Angaben in Millionen Dollar
Ostasien

48,6

Afrika

104

Naher Osten/Südasien

106

Israel

50

Westliche Hemisphäre

4,5

Europa

Zwischensumme

2

315,3

Annähernd 60 Prozent des MRA-Antrags - 315,3 Milliarden Dollar - werden die internationalen Hilfsbestrebungen unterstützen, um weltweit Flüchtlingen und
Opfern von Konflikten Schutz und Hilfe bieten zu
können.
Afrika
Afrika ist nach wie vor der beunruhigendste und schwierigste Kontinent, um angemessenen Schutz und Hilfe
bereitzustellen. Zusätzlich zu den Flüchtlingen mußten bis zu 10 Millionen Menschen durch Konflikte und

Flüchtlingsprogramme gehen über die Bereitstellung

konfliktverursachte Hungersnöte in ihrem eigenen Land

von Hilfe für die vor Verfolgung und Konflikt Flüchtenden hinaus - so entscheidend und wichtig dies auch
sein mag. Sie gehen über die Beschaffung von neuen
Wohnungen für diejenigen hinaus, die im Westen
angesiedelt werden müssen. Sie umfassen schwierige Entscheidungen von Regierungen, internationalen
Organisationen und Privatinstitutionen zu folgenden
Fragen:

umsiedeln. Im Sudan hat die Behinderung der internationalen Hilfsorganisationen durch den Staat und
andauernder Bürgerkrieg uns nahezu hilflos angesichts des enormen humanitären Bedarfs gemacht.
Allein im Süden haben wir Luft-, See- und Landbrükken zur Unterstützung derjenigen einzurichten versucht, die erst nach Äthiopien, dann zurück in den
Sudan geflohen sind und jetzt aus dem Süden vor
erneuten Kämpfen fliehen. Unter diesen Menschen

Wer sind die betroffenen Menschen?

Seite 2

AMERIKA DIENST 12

�sind 10.000 unbegleitete Minderjährige, die wie Figuren auf einem Schachbrett hin- und hergeschoben
werden - nur weil sie Kinder und Opfer sind.
Die Kämpfe in Somalia haben buchstäblich Dutzende
von Versuchen vereitelt, die entsetzlichen Bedingungen dort zu beheben. Voraussichtlich werden an die
250.000 Somalier die Grenze nach Nordkenia überqueren - in eine Region ohne Schatten, Obdach oder
Wasser.
In diesem Jahr droht uns noch ein weiteres Problem.
Das südliche Afrika erlebt eine verheerende Dürre,
vielleicht die schlimmste in diesem Jahrhundert. Die
Auswirkungen sind für Millionen von Menschen enorm.
Für die Flüchtlinge verursacht dies besondere Probleme. Der Hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten
Nationen (UNHCR) und das Welternährungsprogramm
der Vereinten Nationen (WFP) haben bisher den Großteil
der Nahrungsmittel für Flüchtlinge in diesem Teil Afrikas aus Kenia, Simbabwe und Südafrika gekauft.
Keine dieser Quellen wird in diesem Jahr zur Verfügung stehen. Die Kosten der Flüchtlingshilfe werden
also zusätzlich zu dem für die Region benötigten
Nahrungsmittelbedarf und den vielen Anforderungen
in anderen Teilen der Welt ebenso wie der Nahrungsmittelbedarf der Flüchtlinge drastisch in die Höhe
schnellen.
Doch auch in Afrika gibt es Inseln der Hoffnung. Das
Ende des nahezu 30jährigen Bürgerkriegs in Äthiopien
bedeutet Hoffnung auf Repatriierung für 250.000 Eritreer im Sudan, für 50.000 Tigreer sowie die Heimkehr
und Wiedereingliederung von 300.000 Menschen aus
dem Ogaden. Örtlich bestehende Unsicherheit muß in
Äthiopien überwunden werden, und Wiedereingliederungshilfe ist dringend erforderlich, wenn diese Menschen zu einem produktiven Leben in der Heimat
zurückkehren sollen und nicht nur, um ihr Leben in
Lagern zu fristen oder zu einer Quelle ziellosen Banditentums und der Instabilität in einem verarmten Land
zu werden.
Auch in Angola und Südafrika besteht Hoffnung. Etwa
400.000 angolanische Flüchtlinge schicken sich an
heimzukehren, und über 10.000 Südafrikaner im Exil
kehren unter dem Schutz des UN-Flüchtlingskommissars nach Hause zurück. Wir müssen dafür sorgen,
daß diese Rückkehr funktioniert.
Wir mu ßten uns stark auf den Notfonds für Flüchtlingsund Migrationshilfe stützen, um auf die sich rasch
verändernden Bedingungen und größeren Bedürfnisse von Flüchtlingen und Konfliktopfern in Afrika zu
reagieren. Allein im vergangenen Jahr wurden 48,35
Millionen Dollar aus diesem Fonds aufgewendet, um
dringenden Bedarf in ganz Afrika zu decken. Weitere
10 Millionen Dollar wurden aus anderen MRA-Programmen abgezweigt, um vordringlichen und unvorhergesehenen Erfordernissen am Hörn von Afrika
gerecht zu werden.

AMERIKA DIENST 12

Afghanistan
Wie ich bereits erklärt habe, bilden die Afghanen die
größte einzelne Flüchtlingsgruppe. Wir hegen die
Hoffnung, daß mit der Vereinbarung über die Einstellung der Waffenlieferungen seit Januar diesen Jahres
und verstärkten Bemühungen der UNO um eine Aussöhnung eine rasche Lösung für diesen langen, kostspieligen Krieg gefunden werden kann. Bereits jetzt
kehren Zehntausende von Flüchtlingen mit internationaler Hilfe in befriedete Gebiete zurück. Mehrere
Hunderttausend könnten sich bei weiteren Verhandlungsfortschritten ebenso entscheiden. Vor einer politischen Lösung erwarten wir jedoch keine massive
Repatriierung. Deshalb müssen wir uns auf die Fortsetzung der Hilfe für die Afghanen im Haushaltsjahr
1993 einrichten. Wir werden versuchen, über verschiedene Projekte privater Hilfsorganisationen die
Entwicklung von Fähigkeiten zu stärken, die in Afghanistan benötigt werden.
Asien
Das dramatischste Ereignis in jüngster Zeit in Asien ist
die Vereinbarung über ein Ende des Krieges in Kambodscha. Für 330.000 Kambodschaner, die seit 12
Jahren an der thailändischen Grenze leben, bedeutet
dies endlich die Chance zur Heimkehr. Ich werde zu
den Kosten und komplexen Einzelheiten dieser Repatriierung zurückkehren. Ich freue mich jedoch berichten zu können, daß die Vorbereitungsphase des
kambodschanischen Repatriierungsprogramms des
UNHCR vollständig aus freiwilligen Beiträgen finanziert wurde, und wir haben ausreichende Mittel im
Haushalt vorgesehen, um unseren Anteil am Gesamtprogramm in den Haushaltsjahren 1992 und 1993
bereitzustellen.
Während Kambodscha in jüngster Zeit die meiste
Aufmerksamkeit zuteil wurde, gibt es in Asien noch ein
weiteres Beispiel dafür, was internationale Unterstützung und Zusammenarbeit leisten können.
Nahezu drei Jahre nach Verabschiedung des umfassenden Aktionsplans für vietnamesische und laotische
Asylsuchende hat sich dieser Plan als in vieler Hinsicht
erfolgreich erwiesen. Die Praxis des Erstasyls wurde
in allen Staaten Ostasiens aufrechterhalten, wobei
Malaysia und Singapur bedauerliche Ausnahmen
darstellen. Gleichzeitig wurde die Bearbeitung von
Ausreiseanträgen aus Vietnam im Rahmen des Programms zur ordentlichen Ausreise (Orderly Departure
Program - ODP) drastisch erweitert: im kommenden
Jahr werden etwa 100.000 Menschen im Rahmen des
ODP ausreisen, das damit eine wesentlich sicherere
Alternative zur Ausreise per Boot bietet. Die Ankünfte
von Bootsflüchtlingen gingen um 98 Prozent auf etwa
230 im Monat zurück. Überprüfungsverfahren wurden
in allen Erstantragsländern eingeführt, und all diejenigen, bei denen eine begründete Furcht vor Verfolgung
festgestellt wurde - bis jetzt etwa 16.000 - wurden neu

Seite 3

�angesiedelt. Für diejenigen, die nicht als Flüchtlinge
anerkannt wurden, wurde eines der am besten überwachten und unterstützten Rückkehrprogramme der
Welt eingeführt. Die freiwillige Rückkehr ist um 70
Prozent gestiegen und beträgt heute im Durchschnitt
1.700 Personen pro Monat. Insgesamt sind über
20.000 Bootsflüchtlinge sicher nach Vietnam zurückgekehrt. Die Beobachtung der Vietnamheimkehrer
wird von der UNHCR durchgeführt, und es hat keine
Beweise für eine politische Verfolgung gegeben. Die
Europäische Gemeinschaft hat direkte Hilfe für die
Rückkehrer und die verarmten Regionen aufgenommen, aus denen sie gekommen waren, um ihre Reintegration zu unterstützen. Es bleiben jedoch Probleme
bestehen. Wir arbeiten mit dem UNHCR zusammen,
um die Effizienz und Fairneß des nationalen Überprüfungsverfahrens zu verbessern. Die besonderen
Verfahren für unbegleitete Minderjährige funktionieren
immer noch nicht ausreichend, und viele Minderjährige
bleiben viel zu lange in den Lagern.
Der Nahe Osten
Der Nahe Osten ist eine weitere Region, in der unsere
Bemühungen sehr erfolgreich sind. Vor nahezu einem
Jahr flohen über eine Million Kurden und andere
Menschen vor Saddam Husseins Regime und suchten
Zuflucht in Nachbarländern. Unter dem Schutz der
Operation Provide Comfort wendeten die Vereinigten
Staaten und andere Länder in einer gemeinsamen
Aktion und durch das System der Vereinten Nationen
eine menschliche Tragödie größten Ausmaßes ab,
indem sie diesen neuen Flüchtlingen unmittelbar Hilfe
leisteten. Seit vergangenem Mai/Juni sind über 90
Prozent in ihre Heimat im Nordirak zurückgekehrt.
Diese Repatriierung wurde nur dadurch ermöglicht,
daß die Sicherheit gewährleistet und entscheidende
Beiträge in Form von Nahrungsmitteln und Unterkünften im Irak bereitgestellt wurden. Obwohl es noch
Flüchtlinge gibt, wurde durch sofortige Maßnahmen
verhindert, daß eine auf Dauer bestehende, große
Zahl von Flüchtlingen entstand, die in Lagern in der
Türkei und im Iran leben und auf längere Sicht internationale Unterstützung erfordern würden. Dieser Ausschuß war ausschlaggebend daran beteiligt, daß die
Notwendigkeit einer anhaltenden amerikanischen

und 712 des UN-Sicherheitsrats zu befolgen, nach
denen humanitäre Hilfe durch irakische ölverkäufe
finanziert würde, seine Blockade gegen den Norden
und seine Zermürbungstaktik im Süden enthüllen
Saddams Grausamkeit gegen sein eigenes Volk und
stellen der Außenwelt eine anhaltende humanitäre
Aufgabe...
Das Aufnahmeprogramm
Die Haushaltsvorlage des Außenministeriums für
Migrations- und Flüchtlingshilfe beinhaltet 207,95 Millionen Dollar für die Aufnahme von Flüchtlingen im
Haushaltsjahr 1993. Diese Mittel beruhen auf Schätzungen für die Unterstützung der Aufnahme und ersten Unterbringung von etwa 122.000 Flüchtlingen aus
allen Teilen der Welt. Obwohl eine bestimmte Zahl
angesetzt wurde, um den Haushaltsbedarf zu kalkulieren, wird die Zahl der Aufnahmen und deren regionale
Zusammensetzung vom Präsidenten nach dem jährlichen Konsultationsprozeß mit dem Kongreß festgelegt. Dieser Prozeß wird im Juni beginnen.
Dieses Jahr hat der Präsident die Aufnahme von bis zu
142.000 Flüchtlingen in diesem Land genehmigt.
Innerhalb dieser Gesamtzahl sind 10.000 Plätze nur
für privatwirtschaftliche Finanzierung vorgesehen. Die
Obergrenzen für das aus Bundesmitteln finanzierte
Programm gestalten sich folgendermaßen:
Region

Obergrenze 1992

Ostasien
Osteuropa
GUS

52.000
3.000
61.000

Nahost/Südasien

6.000

Lateinamerika/Karibik

3.000

Afrika

6.000

Freie Reserve

1.000

Gesamtzahl

132.000

Führungsrolle erkannt wurde, und er hat die von der

Regierung beantragten zusätzlichen Mittel bewilligt.
Bis heute wurden 75 Millionen Dollar für Migrationsund Flüchtlingshilfe bewilligt, von denen 57,65 Millionen Dollar eingesetzt wurden, um Flüchtlingen und
Vertriebenen im Irak und den angrenzenden Ländern
zu helfen.
Leider wissen wir auch, daß die Repatriierung die
Notlage der Kurden und anderer nicht beendet hat, die
von Saddam Husseins willkürlicher Unterdrückung
seines eigenen Volkes betroffen sind. Die Vereinigten
Staaten und die internationale Staatengemeinschaft
liefern weiterhin wichtige humanitäre Hilfe in den Nordirak. Die Weigerung des Irak, die Resolutionen 706
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Die Aufnahmen aus den Erstasylländern in Ostasien
sind weiterhin ein unerläßliches Element des umfassenden Aktionsplans (CPA). Die in der Region beim
Beginn des CPA im Jahr 1989 vorhandenen Vietnamesen sind inzwischen fast vollständig aufgenommen
worden. Mit einer effektiven Überprüfung vor Ort und
der sinkenden Zahl vietnamesischer Bootsflüchtlinge
nimmt dieses Element unseres Programms an Bedeutung ab. Angesichts der Unberechenbarkeit der
möglichen Aufnahmeerfordemisse für laotische Flüchtlinge und der raschen Erweiterung des ODP-Programms aus Vietnam werden die Gesamtaufnahmen
aus Ostasien im Haushaltsjahr 1993 auf dem heutigen
Niveau verharren. Wir erwarten, daß die Ausreisen

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�von Amerasiern aus Vietnam im Haushaltsjahr 1993
zurückgehen werden. Obwohl seit Vereinbarung des
Programms für Insassen von Umerziehungslagern
zwischen Vietnam und den Vereinigten Staaten im
Jahr 1989 etwa 40.000 ehemalige Häftlinge und deren
Familienangehörige in die Vereinigten Staaten eingewandert sind, erwarten wir, daß die Überprüfungsgespräche mit in Frage kommenden ehemaligen Häftlingen mindestens bis ins Haushaltsjahr 1994 andauern
werden.
Unser anderes großes Auf nahmeprogramm besteht in
der ehemaligen Sowjetunion. Die Auflösung der
Sowjetunion hat vielen Gebieten größere Freiheit
gebracht, und die Zahl der Neuanträge von Bürgern
der ehemaligen Sowjetunion hat sich erheblich verringert. Trotzdem besteht noch ein erheblicher Rückstau
an zu bearbeitenden Anträgen von Personen, die den
amerikanischen Gesetzen zufolge in Frage kommen
und für die das Gespenst insbesondere der religiösen
Verfolgung weiterbesteht. Wir werden weiterhin Personen anhören, die unsere Zulassungskriterien erfüllen und erwarten, daß das Aufnahmeprogramm für
sowjetische Flüchtlinge etwa im gegenwärtigen Umfang von 50.000 im Haushaltsjahr 1993 fortgesetzt
wird.
Im Haushaltsjahr 1991 riefen die Vereinigten Staaten
ein begrenztes Umsiedlungsprogramm für die im
Chemiewaffenkrieg 1988 aus dem Irak vertriebenen
Kurden ins Leben. In diesem Jahr haben wir damit
begonnen, irakischen Flüchtlingen vor dem Golfkrieg
von 1990-91 aus der Türkei und Saudi-Arabien herauszuhelfen. Dies wird ein multilaterales Projekt sein.
Im letzten Monat haben die Vereinigten Staaten ein
nationales Umsiedlungsprogramm in Haiti aufgenommen. Dieses Programm wendet sich an Bürger, die
aufgrund ihrer politischen Meinung eine Verfolgung
fürchten. Davon werden beispielsweise Haitianer erfaßt, die Angst vor Verfolgung haben, weil sie führende
Positionen in politischen oder religiösen Organisationen auf nationaler oder lokaler Ebene innehatten oder
innehaben, exponierte Stellungen in der Regierung
Aristide bekleidet haben oder in Bereichen Berühmtheit erlangt haben, auf die jetzt Druck ausgeübt wird...
Probleme zwischen Ost und West
Die politischen Asylverfahren in Europa (und Nordamerika) wurden im Zeitalter des kalten Kriegs auf der
Grundlage der UN-Konvention von 1951 über den
Status von Flüchtlingen geschaffen. Als Osteuropa
und die Sowjetunion sich unter kommunistischer
Kontrolle befanden, wurden die vor solchen Regimen
fliehenden Menschen als Flüchtlinge behandelt und
erhielten vom Westen großzügige Möglichkeiten für
eine permanente Umsiedlung. Mit dem Entstehen
demokratischer Regierungen und der Beseitigung von
Reisebeschränkungen haben die Bewegungen von

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Ost nach West neue Gestalt angenommen, und europäische Regierungen konzentrieren sich zunehmend
auf die Frage der Umsiedlung aus wirtschaftlichen
denn aus politischen Gründen.
1989, im Jahr der Revolutionen in Osteuropa, haben
1,2 Millionen Menschen - nach einem Leben der Gefangenschaft hinter bewaffneten Grenzen - den Warschauer Pakt verlassen, um sich dauerhaft im Westen
anzusiedeln. Im folgenden Jahr reisten etwa neun
Millionen Sowjetbürger ins Ausland, von denen 450.000
im Rahmen bereits bestehender Verfahren ausreisten.
In ganz Europa begann sich angesichts der Aussicht
auf eine massive Flüchtlingswelle eine gewisse Panik
auszubreiten.
Ein entscheidender Faktor der europäischen Sorge
über Ost-West-Flüchtlinge waren jedoch die Asylsuchenden. In den vergangenen zehn Jahren und insbesondere in den letzten fünf Jahren ist die Zahl der
Asylsuchenden in Westeuropa jährlich gestiegen.
Während 1983 in Europa etwa 75.000 Asylanträge
gezählt wurden, betrug die Zahl 1991 fast600.000. Die
europäischen Länder versuchen zu analysieren, wie
dieses Phänomen zu beschränken ist. Die EG arbeitet
an der Vereinheitlichung ihrer Asylpraktiken und entsprechenden Verpflichtungen, damit 1993 eine ungehinderte Ein- und Ausreise innerhalb der EG gewährleistet werden kann. Eine Begleiterscheinung dessen
ist der Versuch verschärfter Grenzkontrollen und Wege,
Flüchtlinge nach Hause oder in andere sichere Länder
zu schicken.
Nord-Süd-Probleme
Für viele europäische Regierungen ist langfristig nicht
die Flüchtlingswelle aus dem Osten das Problem,
sondern vielmehr der rasante Anstieg der Asylsuchenden aus den Entwicklungsländern. Mit diesen Menschen sind in vielen Fällen ernsthafte neue soziale
Probleme aufgetreten, und oftmals können sie aus
Sicherheitsgründen nicht in ihre Heimat zurückgeschickt werden. Aufgrund des geschätzten Bevölkerungswachstums in Afrika, Südasien und Lateinamerika sind die Probleme der Flüchtlinge aus dem Süden
schwieriger zu lösen als die der Flüchtlinge aus dem
Osten. Afrikas Bevölkerung wird erwartungsgemäß
von 642 Millionen im Jahr 1990 auf etwa 1,6 Milliarden
im Jahr 2025 steigen. Zur gleichen Zeit wird die
Bevölkerung Südasiens 2 Milliarden übersteigen, und
in Lateinamerika werden 750 Millionen Menschen leben.
Der tendenzielle Flüchtlingsstrom von Süden nach
Norden ist nicht nur das Ergebnis bevölkerungspolitischen Drucks, sondern besserer Möglichkeiten und in
manchen Fällen auch politischer und kultureller Bindungen. In manchen Fällen ist er für die langfristige
Stabilisierung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen
Norden und Süden nützlich. Ein Beispiel dafür sind
von den Gastarbeitern nach Hause geschickte Geldsendungen, mit denen Häuser, Geschäfte und Ver-

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�besserungen auf Bauernhöfen sowie Verbrauchsgüter
finanziert werden. In diesen Fällen haben die Geldsendüngen der Arbeiter als Quelle des Kapitaltransfers
denselben Stellenwert wie Auslandshilfe.
Kurzfristigere Spannungen bei den Asyl- und/oder
Einreiseverfahren in Europa und Nordamerika ergeben sich unter Umständen eher durch Instabilität und
Unruhen als durch Anmut und Bevölkerungswachs-

tum. Aufschlußreich ist die Tatsache, daß der Druck
der Asylsuchenden aus Somalia und Sri Lanka zur Zeit
am höchsten ist. Das erstere ist eines der ärmsten
Länder in der dritten Welt, letzteres gilt als eines der
besser entwickelten, dennoch befinden sich beide
m i t t e n j n e i n e m Bürgerkrieg. Daraus folgt, daß man
Konfliktlösungen als Wege zur Lösung der Nord-SüdP r o b | e m e ebenso hoch einschätzen muß wie Entwick| u n g u n c j Handel.

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�WAHLEN

'92
25. März 1992

TSONGAS SETZT WAHLKAMPF AUS
Die Ergebnisse der Vorwahlen von Illinois und Michigan
Tsongas stellt Kampf um die Nominierung ein
Der ehemalige Senator von Massachusetts, Paul
Tsongas, der vor nahezu einem Jahr als erster Demokrat seine Bewerbung für das Präsidentenamt bekanntgegeben hatte, stellte seine Bemühungen am
19. März ein. Dabei erklärte er, seine wirtschaftspolitische Botschaft habe beim amerikanischen Volk Anklang
gefunden, aber er sei tief verschuldet und besitze nicht
die Mittel, um den Wahlkampf fortzusetzen.
Indem er seinen Rückzug aus dem Wahlkampf als
Aussetzung bezeichnete, behielt Tsongas weiterhin
Anspruch auf Bundeszuschüsse zur Begleichung seiner Wahlkampfschulden von nahezu 1 Million Dollar.
Darüber hinaus sind weiterhin mehrere hundert Delegierte an ihn gebunden, die er in den bisherigen
Vorwahlen und Wahlversammlungen für den Nominierungsparteitag gewonnen hat. "Wir haben Delegierte,
die am Parteitag teilnehmen wollen", erklärte Tsongas.
Er gewann fünf Vorwahlen und zwei Parteiversammlungen, bevor der Favorit im Rennen um die Nominierung, der Gouverneur von Arkansas Bill Clinton, mit
den Siegen im Süden und Mittelwesten diesen Monat
einen uneinholbaren Vorsprung errang.
Tsongas gratulierte Clinton und dem ehemaligen
Gouverneur von Kalifornien, Jerry Brown, die als einzige demokratische Bewerber im Rennen blieben.
Dabei erklärte er, er freue sich auf einen demokratischen Wahlsieg im November, weigerte sich jedoch,
einen seiner ehemaligen Rivalen zu unterstützen.
Er gab an, er fühle sich "äußerst bestätigt. Die Verpflichtung, die mir mein Überleben (von einer Krebserkrankung) auferlegt hat, wurde erfüllt. Ich glaube, daß
die Kraft unserer Botschaft und unser schieres Überleben Menschen im ganzen Land dazu veranlaßt,
einen neuen Weg zu sehen."
Der sich als "ökonomischer Paul Revere (der im Revolutionskrieg zu den Kolonisten geritten war, um diese
vor anrückenden britischen Truppen zu warnen)"
bezeichnende Tsongas forderte in seinem Wirtschaftsprogramm die Senkung der Kapitalertragssteuer, mehr
Anreize für die Wirtschaft und andere Maßnahmen,

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um die Produktionsbasis neu anzukurbeln - Vorschläge, die allgemein als eher republikanisch und weniger
demokratisch betrachtet wurden.
Der letzte Stand der Delegiertenstimmen
Die folgende inoffizielle Aufstellung zeigt die Anzahl
von Delegierten, die jeder Präsidentschaftskandidat
bisher für sich gewinnen konnte. Dazu gehören auch
die Ergebnisse der Vorwahlen in Illinois und Michigan
am 17. März.
Demokraten (Zur Nominierung erforderlich: 2.145)
Clinton

944,25

Tsongas

432,25

Nichtgebunden

421,75

Brown

120,25

Republikaner (Zur Nominierung erforderlich: 1.105)
Bush
Buchanan
Nichtgebunden

711
46
6

Die Ergebnisse der Vorwahlen vom 17. März
Die folgende Liste gibt den prozentualen Anteil der von
jedem Kandidaten bei den Vorwahlen am 17. März
erhaltenen Wählerstimmen wieder.
Demokraten

Stimmenanteil (%)

Illinois
Brown

15

Clinton

51

Tsongas

26

Nichtgebunden

5

Sonstige

3

Seite 1

�Michigan

Michigan

Brown

26

Buchanan

25

Clinton

51

Bush

67

Tsongas

17

Duke

3

Nichtgebunden

5

Nichtgebunden

5

Sonstige

1

Republikaner

Stimmenanteil (%)

Illinois
Buchanan

22

Bush

76

Nichtgebunden

2
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�WAHLEN

'9 2
25. März 1992

WIE AMERIKA EINEN PRÄSIDENTEN WÄHLT
von Lester David und Irene David
WASHINGTON - (AD) - Im nachfolgenden Artikel beschreiben die Autoren das Verfahren der Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten Staaten von der Bekanntgabe der Bewerber über die Vorwahlen und Parteiversammlungen, Parteikongresse und den darauffolgenden Wahlkampf bis zum Wahltag und der Zusammenkunft der
Wahlmänner.
Lester David und Irene David sind freiberufliche Journalisten mit Sitz in New York. Sie haben sechs Bücher und
Dutzende von Zeitschriftenartikeln geschrieben.
Am 3. November 1992 werden Millionen amerikanischer Bürger zu den Wahlurnen im ganzen Land
gehen, um den nächsten Präsidenten der Vereinigten
Staaten zu wählen.
Das Datum des Wahltages - immer der erste Dienstag
nach dem ersten Montag im November - wurde vom
amerikanischen Kongreß im Jahr 1845 festgelegt.
Obwohl jedes Jahr Wahlen abgehalten werden - für
Gouverneure, Parlamentarier sowie politisch Verantwortliche auf Bundesstaaten-, Bezirks- und Gemeindeebene - ist die Wahl des Präsidenten bei weitem
einer der wichtigsten Prozesse der repräsentativen
Regierung der Vereinigten Staaten. Denn die Amerikaner sind sich voll und ganz der Tatsache bewußt,
daß sie selbst die Wahl für den obersten Mann im
Staate treffen, wenn sie die in Schulen, Kirchen, Gewerkschaftsgebäuden und sogar Scheunen in ländlichen Gebieten aufgestellten Wahlkabinen betreten,
und nicht für einen ihnen aufgezwungenen Kandidaten.
Die Wahl eines neuen Präsidenten bildet den Höhepunkt eines mörderischen Wahlkampfs - vielleicht des
längsten und zermürbendsten in der demokratischen
Welt - um die Wahl eines Staatschefs.
Die Bewerber streben die Nominierung durcii die beiden führenden Parteien - die Republikanische und
Demokratische Partei - an und leiten ihre Kampagne
häufig bereits zwei Jahre vor dem Wahltag in die
Wege. Sie beginnen ihr Unterfangen, indem sie landesweit in möglichst vielen Staaten Organisationen
gründen. Diese mit einigen bezahlten Fachkräften, im
übrigen jedoch zumeist mit Freiwilligen besetzten
Organisationen gehen mit Verve an die Arbeit, um den
Namen und die Ansichten ihres Kandidaten publik zu
machen und so viel Geld wie möglich aufzubringen.
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DerWahlkampf istteuer: Fernseh- und Rundfunksendezeiten müssen zu immer weiter in die Höhe schnellenden Preisen gekauft, Broschüren gedruckt und
verschickt, Räume gemietet, Reisekosten bezahlt,
Fähnchen, Buttons, Flaggen und andere Gegenstände bestellt werden.
Die Wahlen 1992 verlaufen erwartungsgemäß.
Im Mai 1991-18 Monate bevor die Wahllokale geöffnet
werden sollen - gab der ehemalige Senator Paul
Tsongas aus Massachusetts seine Kandidatur für die
demokratische Nominierung bekannt. Bis zum Oktober 1991, immer noch 13 Monate vor dem Wahltag,
hatten weitere sechs Demokraten ihre Bewerbung
angekündigt und wie Tsongas ihre Organisationen ins
Leben gerufen.
Wie wählen die Amerikaner die endgültigen Kandidaten aus der Liste derjenigen, die sich zur Wahl stellen?
Früher kamen die Parteimitglieder im Senat und im
Repräsentantenhaus - den legislativen Körperschaften des Landes, die den Kongreß bilden - hinter
verschlossenen Türen zusammen, um die Auswahl zu
treffen. Da dieses System jedoch nach elitärem Denken
roch, wurde die Methode der nationalen Parteiversammlungen geschaffen.
Die erste dieser landesweiten Versammlungen einer
politschen Partei wurde 1831 abgehalten, und binnen
weniger Jahre folgten weitere. Parteikongresse lautstarke, farbenprächtige, alle vier Jahre stattfindende Zusammenkünfte - sind jetzt eine feste amerikanische Einrichtung. Delegierte kommen von überall her
in der Stadt zusammen, in der die Parteiversammlung
anberaumt wird, um über ihren Bannerträger zu entscheiden.

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�Bis Anfang des 20. Jahrhunderts waren mächtige
Politiker vor allem für die Wahl eines Kandidaten durch
Parteiversammlungen verantwortlich. Die Entscheidungen wurden in den berüchtigten "Hinterzimmern"
getroffen - Zimmer, in denen zigarren- und pfeifenrauchende Parteibosse die Schlüsselfaktoren der endgültigen Entscheidung waren. Die Delegierten, die von
den Parteivorsitzenden gewählt wurden, stimmten
schlicht und einfach so, wie es ihnen vorgeschrieben
wurde.
Politische Reformbewegungen waren entscheidend
für die weitgehende Aushöhlung der Macht der Parteibosse und gestalteten den Prozeß der Auswahl eines
Kandidaten damit demokratischer. 1906 wurde Wisconsin der erste Staat, der ein Gesetz verabschiedete,
demzufolge die Delegierten der nationalen Parteikongresse per Volksabstimmung in einer besonderen Art
von Wahl - der sogenannten "Vorwahl" - gewählt
wurden.
Andere Staaten verabschiedeten bald ähnliche Gesetze, und so führt heute der Weg der Nominierung
über eine Reihe dieser Vorwahlen, die im Schnee und
Matsch des Februars beginnen und erst kurz vor dem
Termin des Parteikongresses in der Hitze des Hochsommers enden. Bei diesen im gesamten Bundesstaat stattfindenden Versammlungen stimmen Parteimitglieder für den Kandidaten ihrer Wahl. Das den
Vorwahlen und den Parteiversammlungen zugrundeliegende Prinzip ist das gleiche - demokratische Wahl
der Personen auf der Liste durch das Volk.
Die Kandidaten sondieren bereits kurz nach Neujahr
das Terrain bei Parteiversammlungen und Vorwahlen,
geben enorme Summen aus und unternehmen beachtliche Anstrengungen, um so viele Delegierte wie
möglich für ihr Lager zu gewinnen. Es ist eine mühselige Aufgabe: Sie durchkreuzen das Land Tag für Tag
und Woche für Woche und besuchen häufig drei oder
mehr Städte an einem einzigen Tag. Sie stehen im
Morgengrauen bei jedem Wetter vor Fabriktoren und
begrüßen die Arbeiter: ("Hallo, ich bin John Doe, ich
bewerbe mich um die Nominierung der
Partei. Ich
hoffe, Du hilfst mir dabei.") Sie gehen in Einkaufszentren und auf Bahnhöfe, in Versammlungshallen, Schulaulen und überall dorthin, wo sie ihren Beratern zufolge Wähler überzeugen können. Sie arbeiten 16 oder
mehr Stunden am Tag, essen im Stehen, schlafen,
wann immer sie können. Die Aufgabe ist so ermüdend,
daß 1968 selbst Robert F. Kennedy, der die demokratische Nominierung anstrebte, trotz körperlicher Höchstform auf der Hälfte der Strecke vor Erschöpfung zusammenbrach. (Kennedy wurde am 4. Juni erschossen, nachdem er die Vorwahlen in Kalifornien gewonnen hatte).
Das System der Auswahl der Delegierten ist verwirrend, weil die Bundesstaaten kein einheitliches Verfahren haben. Einige veranstalten Vorwahlen, bei

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denen eingetragene Wähler einer beliebigen Partei für
jeden Kandidaten stimmen können - selbst Delegierte,
die keinen bestimmten Bewerber unterstützen. Andere Bundesstaaten haben geschlossene Vorwahlen Wahlen, bei denen nur Wähler, die sich zuvor für eine
Partei eingeschrieben haben, das Recht zur Stimmabgabe besitzen.
Darüber hinaus werden bei einigen Vorwahlen proportionale Systeme verwendet, andere wenden jedoch
ein dem Wahlsieger die Hauptmasse der Sitze zuerkennendes Wahlsystem ("winner-take-all") an. Beim
ersteren werden die Delegierten entsprechend der
Anzahl der Stimmen gewählt, die jeder Kandidat gewinnt,
während beim letzteren alle Delegierten des Bundesstaats demjenigen zugeschlagen werden, der die
Mehrheit der Stimmen auf sich vereinigt. Einige Bundesstaaten halten sogenannte "Schönheitswettbewerbe" als Vorwahlen ab. Diese binden die Delegierten
nicht, unabhängig davon, wie gut der Kandidat abschneidet, sie registrieren jedoch den Willen des Wählers,
der bei den allgemeinen Wahlen in diesem Bundesstaat zum Tragen kommt.
Im weiteren Verlauf dieser Vorwahlen und Parteiversammlungen behalten die Kandidaten und ihre Anhänger zwei entscheidende Daten im Auge, an denen sich
die Zukunft abzeichnet.
Das eine Datum ist die Wahlversammlung in Iowa
Anfang Februar. Sie ist insofern auschlaggebend, weil
er die erste Machtprobe eines Kandidaten in einem
Bundesstaat ist. In diesem Jahr war sie für den 10.
Februar anberaumt. Der zweite wichtige Wegweiser
ist die acht Tage später stattfindende erste Vorwahl in
einem Bundesstaat - immer in New Hampshire - dem
an der Grenze zu Kanada gelegenen "Granitstaat" im
Nordosten der Vereinigten Staaten.
Kandidaten, die hier schlecht abschneiden, überlegen
sich jetzt die Fortsetzung ihres Vorhabens noch einmal, und viele scheiden aus. Im Jahr 1968 zum
Beispiel demütigte Senator Eugene McCarthy aus
Minnesota überraschend Präsident Lyndon Johnson,
indem er einen großen Stimmenanteil errang. Ende
März verkündete Johnson dann, er werde sich nicht
um die Wiederwahl bewerben. Sein schwaches Abschneiden im Schnee von New Hampshire war politischen Experten zufolge ein wichtiger Faktor für seinen
Entschluß.
Die harten Monate des Wahlkampfs in Vorwahlen und
Parteiversammlungen finden ihren Höhepunkt in den
großen Shows - den politischen Konventen. Die
Republikaner werden ihren Parteitag vom 17. - 20.
August in Houston (Texas), der Wahlheimat Präsident
Bushs und seiner Frau abhalten, während die Demokraten vom 13.-17. Juli in New York zusammentreten
werden.

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�Diese Versammlungen gehören sicherlich zu den farbigsten, um nicht zu sagen lautesten und schrillsten
Ereignissen, die in den Vereinigten Staaten stattfinden. Säle und Arenen, in denen sie veranstaltet
werden, gehen unter im Rot, Weiß und Blau amerikanischer Flaggen, Fahnen und Ballons. Die Delegierten
tragen Armbinden und Hüte mit den Namen ihrer Favoriten. Die großen Fernsehsender übertragen live in
alle Welt. Nachrichtenagenturen und -magazine schicken ihre besten Journalisten, um ausführlich über den
Verlauf zu berichten. Aus diesem Grund haben alle
Amerikaner die Möglichkeit, ihre Demokratie bei einer
ihrer wichtigsten Aufgaben zu erleben - der Auswahl
ihrer ersten Politiker.
Die Konvente beginnen stets mit einer vom besten
Redner der Partei gehaltenen programmatischen Rede,
die bei den Delegierten Begeisterung für den folgenden langen Wahlkampf wecken soll. Nachdem das
Überprüfungskomitee die in den Vorwahlen und Parteiversammlungen gewählten Delegierten bestätigt und
ihnen Sitze zuweist, beginnt die eigentliche Arbeit.
Nach Wahl eines Vorsitzenden für die Dauer des
Konvents beginnt die Aussprache über die Plattform,
in der die Haltung der Partei zu innen- und außenpolitischen Themen zum Ausdruck kommt. Viele der
darin enthaltenen Leitlinien wurden bereits vorher
erarbeitet, aber häufig kommt es zu hitzigen Wortgefechten über einzelne Punkte oder Grundsätze, wenn
solch umstrittene Themen wie Bürgerrechte, Verteidigung und Wirtschaft zur Debatte stehen.
Der Beobachter kann die Richtung eines Konvents
ersehen, wenn er das schließlich verabschiedete
Programm studiert. Wenn die von einem bestimmten
Kandidaten unterstützten Themen vorherrschen , so
bestehen gute Chancen, daß er die Mehrzahl der
Delegierten kontrolliert.
Die Nominierung der Kandidaten für die Ämter des
Präsidenten und Vizepräsidenten findet immer am
dritten Tag statt. Nachdem der Name jedes Kandidaten zur Nominierung aufgerufen wurde, spielen nach
einem sorgfältig einstudierten Ritual Kapellen auf,
Delegierte brüllen, und Demonstrationsmärsche finden in der Arena statt. In früheren Jahren dauerten
diese Kundgebungen eine Stunde oder länger, aber
heute werden sie von den Parteien auf 15 Minuten
begrenzt.
Nach der Abstimmung und Nominierung des Kandidaten schweben von der Decke des Saales Tausende
von Ballons hinunter, und die Arena wird zum Tollhaus.
Führt schon die Nominierung des Kandidaten zu
Ovationen, so ist alles außer Rand und Band, wenn er
schließlich die Bühne betritt. Nur, indem er unaufhörlich mit seinem Hammer aufs Pult schlägt, kann der
Vorsitzende die Delegierten soweit beruhigen, daß sie
die Annahmerede hören können. Der Parteitag endet

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damit, daß der nominierte Kandidat, sein Vizepräsidentschaftskandidat und deren Frauen lachend und
winkend auf der Bühne stehen. Nun kann der eigentliche Wahlkampf beginnen.
Erneut reisen die Kandidaten durch das ganze Land
und erläutern dabei den Standpunkt ihrer Partei zu
wichtigen Themen. Sie konzentrieren sich dabei auf
die Staaten, die nach Meinung ihrer strategischen
Berater umkämpft sind, und sie verwenden weniger
kostbare Zeit und Geld auf diejenigen, in denen sie
warscheinlich nicht gewinnen können sowie die, in
denen ihnen der Sieg sicher scheint.
Bisweilen durchbrechen idealistische Kandidaten diese harten Spielregeln und treiben damit ihre Unterstützer fast zum Wahnsinn. So sprach Adlai Stevenson im
Wahlkampf gegen Präsident Dwight D. Eisenhowerim
Jahr 1956 einmal über eine Stunde lang angeregt mit
einer Handvoll Eisenbahnern. Er ignorierte Einwände,
er verschwende wertvolle Wahlkampfzeit.
In dem mit Haken und Ösen geführten Kampf der
amerikanischen Politik hatten auch Wahlkämpfe zeit
ihres Bestehens ihren Anteil an Verleumdungen, Verunglimpfungen und Beleidigungen. Der ehemalige
Direktor des Komitees für faire Wahlkampfpraktiken
(Fair Campaign Practices Committee), Bruce L. Felknor, verweist darauf, daß noch nicht einmal der Held
der Amerikanischen Revolution und erste Präsident
der Vereinigten Staaten, George Washington, gegen
Schlammschlachten immun war. Seine Gegner beschuldigten ihn, er strebe nach Errichtung einer Monarchie, eine ziemlich dumme Behauptung, da Washington noch nicht einmal Präsident werden wollte.
Der Verfasser der Unabhängigkeitserklärung und dritte US-Präsident, Thomas Jefferson, wurde als "Mad
Tom", als Trinker und Feigling beschimpft. Abraham
Lincoln nannte man einen Affen, Ignoranten, Hanswurst, Dämon, Unhold, Mörder und Irren.
Die amerikanischen Medien, womit sämtliche gedruckten und elektronischen Mittel bezeichnet werden, über
die Informationen, Bildung und Unterhaltung vermittelt
wird, sind ein potenter jedoch nicht unbedingt entscheidender Faktor für das Ergebnis einer Präsidentschaftswahl.
Betrachten wir jeden Bereich für sich:
Die Presse: Sie beeinf lu ßt Wähler, indem sie Themen
gründlich und detailliert definiert und erklärt und bei
jedem die guten und schlechten Seiten erläutert. Nicht
weniger als Zehntausende von Tages- und Wochenzeitungen sowie Hunderte von wöchentlich und monatlich erscheinenden Magazinen und Illustrierten geben
der Wahlkampfberichterstattung breiten Raum.
Wichtige Tageszeitungen können Wähler durch ihre
Leitartikel, die von erfahrenen und angesehenen Journalisten verfaßten Kolumnen sowie die in ihrem Nach-

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�richtenteil abgedruckten Fakten beeinflussen. Dazu
gehören die New York Times, die Los Angeles
Times, die Washington Post, der Boston Globe und
die Constitution aus Atlanta (Georgia). Ihre Unterstützung, die für gewöhnlich am Vorabend der Wahl
bekanntgegeben wird, wird von beiden Parteien heiß
ersehnt.
Ebenso einflußreich sind die Nachrichtenmagazine,
etwa Time, Newsweek und U.S. News and World
Report. Auch Nachrichtenagenturen wie Associated
Press (AP) spielen eine entscheidende Rolle. Häufig
wird ein Kandidat mit seiner Pressekonferenz erst
beginnen, wenn er weiß, daß ein Vertreter von AP
anwesend ist, denn er kann sicher sein, daß der
Bericht des Reporters an unzählige Zeitungen geht,
die keine eigenen Korrespondenten dort haben.
Fernsehen: Das bei weitem wichtigste Medium, das
Jahr für Jahr mehr Zuschauer erreicht, ist der Fernseher zu Hause, einschließlich der Kabelsender.
Die Macht des Femsehens im Wahlkampf wurde zum
ersten Mal 1960 erkannt, als der junge, gut aussehende John F. Kennedy Richard M. Nixon in einem Kopfan-Kopf-Rennen besiegte. "Das Fernsehen liebte
Kennedy", schrieb der bekannte amerikanische Journalist David Halberstam. "Er und die Kamera waren für
einander geschaffen: er war der erste gro ße politische
Superstar." Halberstam stellte rundweg fest: "Ohne
das Fernsehen wäre er nie und nimmer zum Präsidenten gewählt worden." Theodore Sorensen, ein enger
Mitarbeiter und Redenschreiber Kennedys, stimmt
dem zu: "Ohne Fernsehen wäre John F. Kennedy nie
gewählt worden."
1984 gab der demokratische Kandidat Walter Mondale
zu, gegen den Republikaner Ronald Reagan verloren
zu haben, "weil ich mich nie mit dem Fernsehen
anfreunden konnte und das Fernsehen sich nie mit
mir". Reagan hingegen zog auf dem heimischen
Bildschirm alle Register, vermittelte totale Aufrichtigkeit und machte klugen Gebrauch von "klangvollen
Worten", kurzen, markanten Sätzen und Gags.
Die beiden wichtigsten Parteien heuern hochbezahlte
Experten an, die den Kandidaten vermitteln sollen, wie
man das Fernsehen am besten einsetzt. Diese Berater drillen die Matadoren in verschiedenen Techniken,
bringen ihnen bei, wie man Augenkontakt herstellt,
sich persönlich darstellt und seine Stimme kontrolliert.
Das Medium ist so mächtig, daß ein einziger Fehler die
Chancen eines Kandidaten zunichte machen kann.
1972 brach der Bewerber für die Nominierung der
Demokraten, Senator Edmund Muskie aus Maine,
weinend zusammen, als er auf den gegen ihn gerichteten Vorwurf des Rassismus und Verleumdungen
gegen seine Frau antwortete. Er wurde darauf weithin
wegen seines emotionalen Ausbruchs kritisiert, galt
als schwach und für das Präsidentenamt nicht geeignet, woraufhin er das Rennen aufgab.
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Die Parteien vergeben viel Geld an Werbeagenturen,
die ihnen Werbesendungen erarbeiten - kurze Spots,
die die Botschaften ihrer Kandidaten überzeugender
vermitteln. Diese werden von der Opposition als unfair
eingestuft, und unweigerlich bricht ein Krieg der Worte
aus, wenn jede Partei die andere der "Schläge unter
die Gürtellinie" bezichtigt. In den letzten Jahren war
kein Wahlkampf frei von diesen Spitzen. Die meisten
Amerikaner nehmen dies leicht und akzeptieren es als
Teil des politischen Spiels.
Die meisten Analysten sind überzeugt, daß die Macht
der Medien groß, aber bei einer Wahl nicht immer
entscheidend ist. Die Printmedien unterstützen beispielsweise oft liberale oder moderate Ideologien, die
Wähler entscheiden sich hingegen für konservative
Kandidaten. Oft werden die Bombardements der
Medien auch durch nationale Gegebenheiten wie eine
marode Wirtschaft oder einen unpopulären Krieg
kompensiert.
Bei den Wahlen 1992 werden die Meinungsforschungsinstitute noch aktiver sein als sonst, um die Ergebnisse
vorherzusagen. Umfragen sind nichts Neues. Bereits
1828 veranstaltete eine Zeitung aus Harrisburg in
Pennsylvania eine Leserumfrage im Nachbarstaat
Delaware und kam zu der korrekten Vorhersage, Andrew
Jackson würde John Quincy Adams besiegen.
In der Folgezeit waren einige Umfragen präzise, andere versagten jämmerlich bei der Vorhersage von Ergebnissen. Die katastrophalste wurde von einer
Publikation namens Literary Digest durchgeführt, die
1936 verkündete, der republikanische Gouverneur von
Kansas, Alfred M. Landon, würde Franklin D. Rocsevelt besiegen. Roosevelt gewann mit überwältigender
Mehrheit. Die Zeitschrift, die bald darauf in Konkurs
ging, hatte 10 Millionen Stimmzettel an Wähler verschickt, die einmal nach dem Telephonbuch ausgewählt worden waren und zum anderen danach, ob sie
Autobesitzer waren. Der Fehler bestand darin, daß
Roosevelts Anhänger ärmere Menschen waren, die
kein Telephon oder Auto besaßen.
1948 stellten sich die Meinungsforscher ein weiteres
Armutszeugnis aus, als sie vorhersagten, der Republikaner Thomas E. Dewey würde Präsident Harry S.
Truman besiegen. Sie hatten natürlich unrecht. Seither haben Marktforschungsexperten zuverlässigere
Wege konzipiert, um die öffentliche Meinung aus Stichprobenerhebungen - für gewöhnlich etwa 2.500 bis
5.000 Personen - zu ermitteln, und es hat keine größeren Fehler gegeben.
Aber die Vorhersage von Wahlergebnissen hat nur
begrenzten Wert. "Sie dient größtenteils der Befriedigung der Neugier," erklären zwei führende Politologen,
die Professoren Nelson W. Polsby und Aaron Wildavsky von der University of California in Berkeley. "Die
Vorhersage des Ergebnisses allein," schreiben sie in
ihrem Buch Presidential Electlons "sagt, auch wenn
sie ziemlich genau zutrifft, wenig darüber aus, wie das
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�Ergebnis zustande kam." Mit anderen Worten, Umfrageprognosen über Gewinner sagen uns, was geschehen wird oder geschehen könnte, aber nicht warum.
Von praktischerem Wert für Kandidaten sind die während
des Wahlkampfs durchgeführten Umfragen. Durch
diese erfahren die Parteispitzen, ob ihr Programm bei
älteren oder jüngeren Wählern, Männern oder Frauen,
Mitgliedern aller Einkommensgruppen oder anderen
Bevölkerungsschichten ankommt. Diese Information
hilft den Strategen bei Nachbesserungen ihrer Kampagne, Schwachstellen zu beheben.
Seit Jahren drängen eine Reihe von nationalen Organisationen Radiostationen und Fernsehsender, die
Bürger nicht mehr unmittelbar nach dem Urnengang
zu befragen. Auf der Basis von Stichproben an der
Ostküste können mit diesen "exit polls" die Gewinner
ermittelt werden, bevor die Wahllokale drei Stunden
später an der Westküste geschlossen werden. Wähler, die das Ergebnis verändern könnten, werden so
unter Umständen davon abgehalten zu wählen, weil
sie der Ansicht sind, das Spiel sei bereits entschieden.
1980 verkündete die National Broadcasting Company
(NBC) die Wahl von Ronald Reagan kaum 15 Minuten
nach Schlie ßung der Wahllokale an der Ostküste - die
Wähler an der Westküste hatten immer noch reichlich
Zeit zur Wahl, und in Hawaii war es erst Nachmittag.
Ist es fair, so die Kritiker, einen Sieger auszurufen,
bevor jeder Bürger die Chance hatte zu wählen?
Fernsehstationen wurden aufgefordert, ihre Befragung
der Wähler beim Verlassen der Wahllokale freiwillig
aufzugeben. Versprechen wurden abgegeben, aber
nicht eingehalten, die Umfragen werden fortgeführt,
weil die Sender wetteifern, als erste einen neuen
Präsidenten auszurufen. Ein langer Kampf in der
Gesetzgebung ist wahrscheinlich das einzige Mittel,
um diese Praktiken abzuschaffen.
Mit der Schließung der Wahllokale ist der Wahlprozeß
beendet - aber nicht endgültig. Es gibt noch einen
weiteren offiziellen Schritt.

Dazu muß man wissen, daß US-Präsidenten nicht
direkt vom Volk gewählt werden sondern mittels einer
indirekten Methode, in deren Mittelpunkt das Electoral
College (Wahlmännerausschuß) steht. Dies ist keine
Stätte akademischer Bildung, sondern das Gremium,
das die entscheidenden Stimmen abgibt.
Diese indirekte Methode der Wahl eines Kandidaten ist
in Artikel II, Abschnitt 1 der Verfassung der Vereinigten
Staaten vorgesehen. Trotz der Veränderungen, die
sich ergeben haben, weil das Land selbst gewachsen
ist und sich verändert hat, wird das Prinzip immer noch
getreu der Formulierung durch die Gründerväter angewandt.
Jeder Bundesstaat nennt eine Zahl von Wahlmännern,
die der Gesamtzahl seiner Senatoren und Repräsentanten im Kongreß entspricht. Der Kandidat, der die
meisten Wählerstimmen in einem Staat auf sich vereinigen kann, gewinnt alle Wahlmänner, der Verlierer
geht leer aus. Der Kandidat, der die meisten Wahlmännerstimmen erhält, gewinnt das Weiße Haus.
Am Montag nach der zweiten Dezemberwoche - das
Datum ist per Gesetz festgelegt - treffen sich die
Wahlmänner in den Hauptstädten ihrer Bundesstaaten zur Wahl. Die Stimmzettel werden versiegelt und
dem Präsidenten des US-Senats (immer der Vizepräsident) sowie dem Leiter der allgemeinen Verwaltung
übersandt. Am 6. Januar des folgenden Jahres werden die Stimmzettel bei einer Sitzung beider Häuser
des Kongresses geöffnet und der neue Chef des
Wei ßen Hauses und sein Vizepräsident bekanntgegeben.
Zu diesem Zeitpunkt kennt sie die Welt bereits seit
Wochen, die Wahl und die Zeremonie sind reine Formalität. Darüber hinaus können die Wahlmänner nicht
nach Belieben wählen. Sie werden selbst von den
politischen Parteien gewählt und sind somit gefordert,
für den Kandidaten ihrer Partei zu stimmen. Durch den
Wahlmännerausschuß wird das Ergebnis jedoch offiziell.
Dazu ist ein langer Weg zurückgelegt und der Preis
gewonnen worden. Der demokratische Prozeß hat,
wie bereits seit 200 Jahren, wieder einmal funktioniert.

*

AMERIKA DIENST 12

*

Seite 5

�VII.

KORPS
25. März 1992

VII. KORPS IN STUTTGART VERABSCHIEDET
Ansprache von Botschafter Kimmitt
STUTTGART - (AD) - Anläßlich der Verabschiedung des VII. Korps der amerikanischen Streitkräfte hat der
amerikanische Botschafter in der Bundesrepublik Deutschland, Robert M. Kimmitt, am 18. März 1992 in Stuttgart
folgende Ansprache gehalten.

Ich fühle mich geehrt, heute aus Anlaß des Abzugs des
VII. Korps hier in Stuttgart sein zu können, einer Stadt,
in der das VII. Korps mehr als vierzig Jahre lang
beheimatet gewesen ist. In diesen vierzig Jahren hat
das VII. Korps eine einmalige Rolle gespielt, sowohl in
den Annalen der amerikanischen Streitkräfte als auch
in der internationalen Politik.
Das VII. Korps kam zu Kriegszeiten nach Europa. Bis
zu seinem Abzug hat es eine Basis für Sicherheit und
Frieden in der Region geschaffen und beachtliche
freundschaftliche Verbindungen zu deutschen Gastgemeinden in Baden-Württemberg und Bayern aufgebaut.
Ich möchte bei dieser Gelegenheit unseren deutschen
Freunden und Gastgebern für die Gastfreundschaft,
die sie uns in all den Jahren entgegengebracht haben,
meinen großen Dankaussprechen. Meine Damen und
Herren, niemals in der Geschichte der Menschheit hat
eine Armee, die in einem Krieg in ein anderes Land
gekommen ist, solche tiefen und dauerhaften Freundschaften aufgebaut, wie dies zwischen unseren beiden
Völkern gelungen ist.
Gleichzeitig sind die hier in Deutschland stationierten
Amerikaner alle auch persönliche Repräsentanten der
Vereinigten Staaten gewesen. Indem sie die Werte
und Bestrebungen des amerikanischen Volkes gefördert haben, waren die, die hier im VII. Korps gedient
haben, in gewisser Weise genauso Botschafter der
Vereinigten Staaten in Deutschland wie ich selbst.
Dadurch, da ß die Angehörigen des VII. Korps mit dazu
beigetragen haben, den Frieden in Europa über vier
schwierige und manchmal gefährliche Jahrzehnte zu
sichern, haben sie einen direkten und substantiellen
Beitrag zur Beendigung des kalten Krieges geleistet.
Da das Korps jederzeit bereit stand, jegliche Bedro-

AMERIKA DIENST 12

hung der europäischen Sicherheit abzuwehren, ist den
Vereinigten Staaten und unseren Verbündeten in der
Nachkriegszeit eine unvergleichliche Entwicklung zu
freien und wohlhabenden Gesellschaften ermöglicht
worden.
Vor etwas mehr als einem Jahr wurde das VII. Korps
zu einem aktiven militärischen Einsatz herangezogen,
um einen Agressor aus einem friedlichen Nachbarland
zu vertreiben, das dieser zuvor skrupellos okkupiert
hatte. Die schnelle Verlegung des Korps von Deutschland in den Nahen Osten war eine hervorragende, fast
unglaubliche logistische Leistung. Diese Verstärkung
der alliierten Truppen in der dortigen Region und der
Mut und die Fähigkeiten unserer Truppen während
ihres Einsatzes haben den Sieg bei der Operation
Wüstensturm möglich gemacht.
Lassen Sie mich an dieser Stelle unseren deutschen
Freunden nochmals meinen herzlichen Dank sagen,
ohne deren Unterstützung eine solch schnelle Verlegung des Korps von Deutschland in die Golfregion
nicht möglich gewesen wäre. Und ich danke Ihnen
besonders für die mannigfaltige Hilfe, die die Familien
unserer am Golf kämpfenden Soldaten erfahren haben.
Der große Erfolg seiner Leistungen sowohl in Europa
wie auch in Südwestasien hat uns nun zu dem Punkt
geführt, wo das VII. Korps aus der Bundesrepublik
abgezogen werden kann. Während wir heute die
Erfolge des Korps feiern und gleichzeitig stolz darauf
sind, daß unsere Allianz zwischen nordamerikanischen und europäischen Staaten uns an die Schwelle
zu einem vereinigten und demokratischen Europa
geführt hat, sind wir uns auch dessen bewußt, daß wir
immer noch in einer Welt leben, die Wachsamkeit von
allen freiheitsliebenden Völkern erfordert. Was Europa betrifft, so steckt der Übergang zur Demokratie in

Seite 1

�der früheren Sowjetunion und in Ost- und Mitteleuropa
noch in den Anfängen, und unsere Allianz bietet in
dieser Situation Stabilität in einer immer noch unsicheren Zeit.
Als Teil einer veränderten Allianz werden die Vereinigten Staaten eine europäische Macht bleiben. Und wir
werden eine bedeutsame Zahl gut ausgebildeterTruppen in Europa und Deutschland belassen, solange
unsere Alliierten dies wünschen.
Abschließend möchte ich mich kurz an die Männer und
Frauen des VII. Korps wenden. Ein Abschied ruft
immer gemischte Gefühle hervor, und diese Zeremonie findet in einer schwierigen Übergangszeit für unsere Soldaten und die amerikanischen Streitkräfte statt.
Vor etwa 20 Jahren war ich selbst an einer ähnlichen
Feier beteiligt. Ich war damals Mitglied der 173.
Luftlandebrigade, als deren Fahnen eingeholt und ihre
Einheiten Teil der 101. Luftlandedivision in Fort Campbell wurden.

Wir waren erst wenige Monate zuvor aus Vietnam
heimgekehrt. Wir waren stolz auf unseren Dienst,
stolz auf unsere Brigade und stolz auf unsere Rolle in
einem bitteren und umstrittenen Krieg. Nach dem
Vietnamkrieg machten die amerikanischen Streitkräfte eine schwierige und mühsame Umwandlung von
einer Wehrpflichtigen- zu einer Freiwilligenarmee durch.
Aus dieser Übergangsperiode ging eine professionelle, engagierte Organisation hervor, die heute als größte Friedenskraft auf der Welt anerkannt wird.
Wenn Sie also jetzt nach Amerika heimkehren, vergessen Sie niemals, daß die Grundlage einer sichereren Welt von Ihnen und Ihren Vorgängern in diesem
Korps gelegt wurde. Während Sie Ihren Gastgemeinden in Baden-Württemberg und Bayern "Auf Wiedersehen" sagen, können Sie stolz darauf sein, daß Sie
auf beruflicher und persönlicher Ebene ein dauerhaftes Vermächtnis der Partnerschaft zwischen unseren
beiden Ländern hinterlassen. Ich danken Ihnen, und
das amerikanische Volk dankt Ihnen. Ich wünsche
Ihnen alles Gute.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 12

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                <text>&lt;strong&gt;1. GUS-Nuklearwaffen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA helfen Nachfolgestaaten der UDSSR bei Kontrolle und Reduzierung von Waffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Weitere Begrenzungen von Nuklearwaffen vorgeschlagen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Flüchtlinge&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Beigelegte Konflikte gestatten Flüchtlingen Rückkehr in die Heimat&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Anhörung vor dem Kongreß&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wahlen'92&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Tsongas setzt Wahlkampf aus&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Die Ergebnisse der Vorwahlen von Illinois und Michigan&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie Amerika einen Präsidenten wählt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Lester David und Irene David&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. VII Korps&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;VII. Korps in Stuttgart verabschiedet&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache von Botschafter Kimmitt&lt;/em&gt;</text>
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dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

1. April 1992

13

LIBYEN

USA FORDERN INTERNATIONALEN GERICHTSHOF ZUR ABLEHNUNG LIBYSCHEN ANTRAGS
AUF
Vortrag von Rechtsberater Williamson

WEITERVERBREITUNG

USA: NORDKOREA AN DER SCHWELLE
ZU NUKLEARWAFFEN
Rede von CIA-Direktor Gates vor dem Kongreß

UNO

FRIEDENSTIFTENDE ROLLE DER UNO
WERTVOLLER DENN JE
Erklärung von Abteilungsleiter Bolton

KSZE

EAGLEBURGER BEZEICHNET KSZE ALS
"GEWISSEN DIESES KONTINENTS"
Rede beim KSZE-Folgetreffen

US-AUSSENPOLITIK

ENTWICKLUNGSHILFE, WIRTSCHAFTLICHE
REALITÄTEN UND DIE NEUE WELTORDNUNG
von Stephen D. Cohen

UMWELT

DER BERICHT ÜBER UMWELTQUALITAT
Eine Übersicht des Weißes Hauses

LANDWIRTSCHAFT

MADIGAN: LANDWIRTE PROFITIEREN VOM
UMWELTSCHUTZ
Rede des US-Landwirtschaftsministers

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�LIBYEN
I.April 1992

USA FORDERN INTERNATIONALEN GERICHTSHOF
ZUR ABLEHNUNG LIBYSCHEN ANTRAGS AUF
Vortrag von Rechtsberater Williamson
WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten haben am 27. März 1992 Libyen beschuldigt, es versuche den
Internationalen Gerichtshof zu benutzen, um die Bemühungen des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen zu
behindern, die für den Bombenanschlag über Lockerbie verantwortlichen libyschen Agenten vor Gericht zu
stellen.
Der Rechtsvertreter des US-Außenministeriums, Edwin Williamson, begründete vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag die Forderung der amerikanischen Regierung nach Ablehnung der libyschen Behauptung,
allein Libyen habe das Recht, die beiden Beschuldigten gerichtlich zu belangen.
Nachfolgend veröffentlichen wir Williamsons Vortrag vor dem Gerichtshof im Wortlaut.
Ich möchte zu Beginn meines Vortrags den Gerichtshof der höchsten Wertschätzung seitens der amerikanischen Regierung versichern und deren Anerkennung und Unterstützung des Gerichtshofs als wichtigstes gerichtliches Organ der Vereinten Nationen bekräftigen. Ich betrachte es als Privileg und Ehre, zum
ersten Mal vor Ihnen sprechen zu dürfen und meine
Regierung in diesem Fall zu vertreten.
Die Libysche Arabische Dschamahirija (die ich im
folghenden als "Libyen" oder die "Regierung von Libyen" bezeichnen werde) hat diesen Gerichtshof
angerufen, um eine einstweilige Verfügung zu erwirken. Damit soll ein angebliches "Recht" auf strafrechtliche Verfolgung der beiden Personen geschützt werden, die eines Anschlags auf eine Verkehrsmaschine
der Fluggesellschaft Pan Am beschuldigt werden.
Libyen behauptet, dieses Recht bedürfe des dringenden Schutzes vor Zwangsmaßnahmen der Vereinigten Staaten.
Es steht jedoch eindeutig fest, daß es nicht einseitige
Maßnahmen der Vereinigten Staaten sind, die Libyen
fürchtet.
Am 21. Januar 1992 beschäftigte sich der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen mit Material, das von den
Vereinigten Staaten, Großbritannien und Frankreich
zur Verfügung gestellt wurde und libysche Agenten
nicht nur im Hinblick auf den Anschlag gegen die PanAm-Maschine belastete, sondern auch in bezug auf
den Anschlag auf Flug 772 der Fluggesellschaft UTA.
441 Personen aus 32 Ländern fielen den beiden TerAMERIKA DIENST 13

roranschlägen zum Opfer. Der Sicherheitsrat hat
ferner über die libysche Verneinung einer Beteiligung,
libysche Angebote zur Strafverfolgung und libysche
Behauptungen beraten, wonach das Problem im
Rahmen der Montrealer Konvention behandelt werden
sollte. Der Sicherheitsrat antwortete darauf mit der
einstimmigen Verabschiedung der Resolution 731.
Resolution 731 stellt klar, daß das durch die Anschläge
auf die Verkehrsflugzeuge von Pan Am und UTA
aufgeworfene Problem Teil eines umfassenderen
Musters der Unterstützung für den internationalen
Terrorismus und kein isolierter Fall kriminellen Handelns ist. Der Sicherheitsrat appellierte an Libyen, "um
zur Beseitigung des internationalen Terrorismus beizutragen", eine vollständige und effektive Antwort auf
die Forderungen der Vereinigten Staaten, Frankreichs
und Großbritanniens zu geben, einschließlich der
Forderung Großbritanniens und der Vereinigten Staaten nach Auslieferung der beiden Personen sowie
Forderungen aller drei Regierungen, Libyen solle sich
"konkret und definitiv verpflichten, alle Formen terroristischen Handelns und sämtliche Hilfe für terroristische Gruppen einzustellen" sowie "unverzüglich durch
konkrete Maßnahmen seine Absage an den Terrorismus unter Beweis stellen".
Bevor ich die Vorstellungen meiner Regierung im
einzelnen darlege, fühle ich mich verpflichtet, auf die
gestern vom Vertreter Libyens vorgebrachte Einlassung einzugehen, wonach die Vereinigten Staaten
dieses Problem als Nord-Süd-Problem oder als Streitfall zwischen einer Gro ßmacht und einem kleinen Land
Seite 1

�behandelt haben. Resolution 731 wurde einstimmig
verabschiedet. Die 15 Mitgliedstaaten des Sicherheitsrats, die einen wirtschaftlichen und geographischen Querschnitt der Vereinten Nationen darstellen,
waren sich einig, daß die libysche Antwort auf die
Forderungen der Vereinigten Staaten, Großbritanniens
und Frankreichs beklagenswert war. Ich möchte Ihnen
einige der Präambeln sowie Paragraph 2 von Resolution 731 vortragen, die, wie ich mich erinnere, in der
Darstellung Libyens nicht erwähnt wurden. In zwei
Präambeln stellte der Sicherheitsrat fest, er sei
"tief besorgt im Hinblick auf die Ergebnisse der
Ermittlungen, die Vertreter der libyschen Regierung belasten ... in Verbindung mit den rechtlichen Verfahren in bezug auf die Anschläge auf
Pan American Flug 103 und Union de Transports Aeriens Flug 772;
entschlossen, den internationalen Terrorismus
zu beseitigen."
In Paragraph 2 bedauert der Sicherheitsrat
"zutiefst die Tatsache, daß die libysche Regierung immer noch nicht effektiv auf die "amerikanischen, britischen und französischen) Forderungen nach vollständiger Zusammenarbeit
reagiert hat, um die Verantwortung für die obigen terroristischen Akte gegen Pan American
Flug 103 und Union de Transports Aeriens Flug
772 zu klären".
Resolution 731 stellt also klar, daß der Bombenanschlag von Lockerbie und Terrorismus im allgemeinen
eine Angelegenheit internationaler Besorgnis sind und
es sich eben nicht um eine bilaterale Frage zwischen
den Vereinigten Staaten und Libyen, ein Nord-SüdProblem oder einen Streit zwischen einer Großmacht
und einem kleinen Land handelt.
Gestern haben der Vertreter Libyens und sein Rechtsberater darüber hinaus behauptet, der Streit betreffe
lediglich die Frage der Auslieferung der beiden Personen. Sie behaupteten, Libyen habe ansonsten die
amerikanischen Forderungen «rfüllt, und es sei voll
und ganz auf die französischen Forderungen eingegangen. Der Sicherheitsrat wird entscheiden müssen,
ob Libyen eine vollständige und effektive Antwort
gegeben hat. Was uns betrifft, so hat Libyen keine der
amerikanischen Forderungen befriedigt. Am wichtigsten aber ist, daß Libyen es versäumt hat, konkrete
Schritte zu unternehmen, um sich vom Terrorismus zu
distanzieren. Im Hinblick auf die Behauptung, Libyen
sei auf die französischen Forderungen eingegangen,
möchte ich dem Gericht gegenüber feststellen, daß
sich Frankreich gemeinsam mit den Vereinigten Staaten und Großbritannien um eine neue Resolution des
Sicherheitsrats der Vereinten Nationen für die Verhängung von Sanktionen gegen Libyen bemüht, weil das
Land sich nicht an Resolution 731 gehalten hat.

Seite 2

Herr Präsident, der Sicherheitsrat befaßt sich eingehend mit dieser Angelegenheit. Der Generalsekretär
hat mehrere Versuche unternommen, um die libysche
Befolgung der Resolution sicherzustellen, aber am 3.
März, dem Tag, an dem Libyen seinen Antrag bei
diesem Gerichtshof stellte, berichtete er, Libyen halte
die Resolution immer noch nicht ein. Der Sicherheitsrat zieht derzeit in Erwägung, ob er aufgrund der
Nichteinhaltung von Resolution 731 Sanktionen qegen
Libyen verhängen soll.
Obwohl Libyens Argumente bereits vom Sicherheitsrat zurückgewiesen wurden, bringt Libyen jetzt ebendiese Argumente vor den Internationalen Gerichtshof.
Zum ersten Mal in der Geschichte dieses Gerichtshofs
wird dieser hier benutzt, um die Arbeit des Sicherheitsrats aufzuheben. Einer der Vertreter Libyens argumentierte, daß Libyens Eingabe beim Gerichtshof und
Forderung nach einer einstweiligen Verfügung die
Beurteilung dieser Angelegenheit durch den Sicherheitsrat "ergänzt". Dies ist ein verblüffender Umgang
mit dem Begriff "ergänzt" im Hinblick auf die nachfolgenden Ausführungen des Verteidigers. Libyens
Rechtsbeistand bestätigte, Libyen strebe nicht an,
dem Sicherheitsrat seine Betrachtungsweise der
Angelegenheiten, die das Land vor den Internationalen Gerichtshof bringen will, gemäß Kapitel VI der UNCharta vorzuschreiben. Er verdeutlichte jedoch, daß
Libyen den Gerichtshof auffordert, die Vereinigten
Staaten und Großbritannien anzuweisen, sich im Sicherheitrat jeglicher Maßnahmen zu enthalten, die
Libyens ausdrückliche Rechte beeinträchtigen. Mit
anderen Worten, die Vereinigten Staaten und Großbritannien sollen gemäß Kapitel VII keine Rolle in einer
Reaktion des UN-Sicherheitsrats auf Libyens Rolle
beim Abschuß der Pan Am 103 spielen, wenn eine
solche Reaktion die ausdrücklichen Rechte Libyens

beeinträchtigt.
Dies ist ein ungewöhnlicher Vorschlag. Er steht überhaupt nicht im Einklang mit Artikel 35 der cnarta der
Vereinten Nationen, der es jedem Mitglied der Vereinten Nationen gestattet, jegliche Streitfälle im Sicherheitsrat vorzutragen, und ferner steht er nicht im
Einklang mit Artikel 27 über die Mitgliedschaft der
Vereinigten Staaten im Sicherheitsrat. Er zielt eindeutig darauf ab, die Beurteilung dieser Angelegenheit
durch den Sicherheitsrat einzuschränken und nicht zu
ergänzen.
Libyens Forderung nach einer einstweiligen Verfügung bringt den Gerichtshof in weiteren Konflikt mit
dem Sicherheitsrat. Erstens - und darauf wird im
folgenden noch eingehend verwiesen - wird dieser
Gerichtshof aufgefordert, auf der Basis vorzugehen,
daß Libyen allein das Recht hat, die beiden Personen
strafrechtlich zu verfolgen, wenn der Sicherheitsrat
einstimmig den Vorschlag Libyens geprüft hat, daß die
strafrechtliche Verfolgung durch Libyen eine effektive
Reaktion auf die Forderungen der Vereinigten Staaten

AMERIKA DIENST 13

�darstellt. Zweitens und scheinbar aufgrund der bevorstehenden Erwägung des Sicherheitsrats, die Reaktion Libyens sei unangemessen, schlägt Libyen diesem Gerichtshof vor, er müsse den außergewöhnlichen Schritt gehen und eine einstweilige Verfügung
anordnen, die seiner Beurteilung entscheidend widerspricht.

zung des Terrorismus durch Libyen mit Hilfe des UNSicherheitsrats ein Ende zu bereiten. Libyens Vertreter geben jetzt zu, daß Libyen die Vereinigten Staaten
davon abhalten will, weitere Maßnahmen des Sicherheitsrats zu fordern. Dieser Teil unserer Beweisführung wird von unserem Abteilungsleiter für Fragen der
Vereinten Nationen, Bruce Rashkow, vorgetragen.

Herr Präsident, ungeachtet der bevorstehenden Aktion des Sicherheitsrats hat Libyen nur eine weitere
mögliche Rechtfertigung für seine Forderung nach
einer einstweiligen Verfügung vorgetragen. Libyen
versucht, aus Erklärungen, in denen UN-Vertreter
"keine Option ausschließen", zu begründen, daß die
Vereinigten Staaten Gewaltanwendung angedroht
haben, um Libyen zu zwingen, die Angeklagten auszuliefern. Wir werden noch darauf eingehen, daß der
Vertreter Libyens diese Erklärungen falsch ausgelegt
hat - die Vereinigten Staaten haben keine solche
Drohung ausgesprochen. Wir sind aufgrund unserer
Beweise der libyschen Verwicklung in einen weiteren
Terrorakt gegen US-Bürger nicht einseitig vorgegangen. Statt dessen haben wir durch den Sicherheitsrat
an einer kollektiven Reaktion gearbeitet. Nun, da
Libyen die nächsten Schritte des Sicherheitsrats antizipiert, will man uns die Arbeit durch den Rat untersagen.

Zweitens werden wir dokumentieren, daß Libyen nicht
die juristischen Voraussetzungen erfüllt hat, um diesen Fall vor den Internationalen Gerichtshof zu bringen. Die Bestimmungen der Montrealer Konvention
fordern ein Urteil dieses Gerichtshofs, wenn sich die
Parteien nicht sechs Monate nach der Forderung eines
Staates nach einem Schiedsspruch geeinigt haben.
Auch wenn man davon ausgeht, Libyen habe mit
seinem Schreiben vom 18. Januar (libysches Dokument 23) und der Erklärung seines Ständigen Vertreters bei den Vereinten Nationen (vorausgesetzt, er war
befugt, für Libyen zu sprechen) einen entsprechenden
Antrag auf einen Schiedspruch gestellt, vergingen
lediglich sechs Wochen zwischen der libyschen "Forderung" nach einem Schiedsspruch und seinem Antrag bei diesem Gerichtshof. Dementsprechend hat es
den Anschein, daß die Montrealer Konvention keine
mögliche Basis für die Rechtsprechung des Gerichtshofs bietet. Dieser Teil unserer Beweisführung wird
vom ehemaligen Unterabteilungsleiter Charles Brower
vorgetragen, dem Leiter der US-Delegation bei der
Konferenz, aus der die Montrealer Konvention hervorgegangen ist.

Herr Präsident, 196 Amerikaner wurden bei den Terroranschlägen auf die Pan Am 103 und die UTA 772
getötet, was eine krasse und abscheuliche Verletzung
des Völkerrechts darstellt. Ich bin deshalb sicher, Sie
verstehen die Empörung der Vereinigten Staaten und
der anderen 32 Länder, deren Bürger getötet wurden,
bei dem Gedanken, daß Libyen den Gerichtshof benutzen könnte, um sich der internationalen Verurteilung zu entziehen. Wir sind zuversichtlich, daß der
Gerichtshof nicht auf diese Art und Weise mißbraucht
wird.
Herr Präsident, heute morgen werden die Vereinigten
Staaten nach Überprüfung der Tatsachen und der
Beweislage demonstrieren, daß die libysche Forderung nach einer einstweiligen Verfügung unbegründet
ist und abgelehnt werden sollte.
Wir werden vier grundsätzliche Vorschläge unterbreiten, von denen jeder einzelne eine Basis bietet, um die
Anträge abzulehnen.
Erstens werden wir zeigen, wie unangemessen es ist,
daß Libyen diesen Gerichtshof bittet, den Sicherheitsrat einschränken oder in anderer Weise behindern zu
wollen, seine erste Pflicht nach der UN-Charta auszuüben, die Wahrung von Frieden und Sicherheit auf der
Welt zu gewährleisten oder gemeinsam mit den Vereinigten Staaten Angelegenheiten dort vorzutragen. Die
Reaktion der Vereinigten Staaten auf den Abschuß der
Pan Am 103 konzentrierte sich darauf, der Unterstüt-

AMERIKA DIENST 13

Drittens werden wir zeigen, daß Libyens Forderung
nicht die Kriterien dieses Gerichtshofs erfüllt, wie der
außergewöhnliche Schritt einer einstweiligen Verfügung unternommen werden kann. Dabei werden wir
dokumentieren, daß Libyens Behauptung eines angedrohten Zwangs durch die Vereinigten Staaten jeder
Grundlage entbehrt und den traditionellen Standards
der Dringlichkeit dieses Gerichtshofs ebensowenig
entspricht wie die Beschränkung auf eine einstweilige
Verfügung zum Schutz der jeweiligen Rechte der
Parteien, daß Libyens angeblich exklusives Recht auf
Strafverfolgung illusorisch ist, wohingegen die von
Libyen durch seine Forderung nach Hilfe angefochteten Rechte der Vereinigten Staaten verbrieft und eindeutig sind und daß der Gerichtshof demgemäß nur
seine Funktion erfüllen kann, den Parteien ihre Rechte
zuzugestehen, indem er Libyens Forderung nach Eilbedürftigkeit verweigert. Der Abteilungsleiter für den
Nahen Osten und Südasien, Jonathan Schwarz, wird
diesen Teil unserer Beweisführung vortragen.
Der letzte Punkt unserer Beweisführung, daß die
Forderung Libyens verweigert werden sollte, weil der
Sicherheitsrat aktiv an der Angelegenheit beteiligt ist,
wird von Unterabteilungsleiter Alan Kreczko vorgetragen. Ich werde die Beweisführung mit einer kurzen
Stellungnahme beschließen.

Seite 3

�Schlußbemerkung
Herr Präsident, verehrte Mitglieder des Gerichts, hiermit komme ich zum Ende der offiziellen Antwort meiner
Regierung auf den libyschen Antrag auf einstweilige
Verfügung. Abschließend möchte ich den Kontext in
Erinnerung rufen, der dieses Verfahren ausgelöst hat
sowie die Konsequenzen darlegen, sollte dem libyschen Antrag stattgegeben werden.
Der Anschlag auf Pan Am Flug 103 war das vielleicht
schrecklichste Beispiel eines Terroranschlags gegen
Bürger meines Landes des vergangenen Jahrzehnts.
Ich muß sagen, wenn man Seite um Seite die Namen
unschuldiger Opfer dieses barbarischen Akts liest,
kann man nicht umhin - wenn auch nur im Kleinen - die
schreckliche Trauer ihrer Familien und Freunde zu
teilen.
Akte wie der Anschlag auf Pan Am Flug 103 haben
weitreichende Nachwirkungen. Sie betreffen uns alle.
Wenn man ein Flugzeug besteigt, den Verwandten
einen guten Flug wünscht, Flugzeuge über uns hinwegfliegen sieht, muß man jetzt unweigerlich an das
Risiko denken, das von gefühllosen Individuen verursacht wird, die tödliche Sprengladungen an Bord verstecken. Selbst die schärfsten Sicherheitsvorkehrungen auf Flughäfen reichen nicht aus, um uns zu
beruhigen.
Wir alle haben ein Recht auf Sicherheit, wenn wir
reisen - als Einzelpersonen, Fluggesellschaft oder als
Regierung. Wir haben auch das Recht - ein Menschenrecht - frei von der Geißel des staatlich geförderten Terrorismus zu sein. Die internationale Staatengemeinschaft darf nicht die Hände in den Schoß legen,
wenn ein Staat sich für die Unterstützung solch verabscheuungswürdiger Akte entscheidet, wie es Libyen
unseres Erachtens seit Jahren tut.
Aus diesem Grund haben sich die Vereinigten Staaten,
als bei den Ermittlungen im Falle der Tragödie des Pan
Am Flugs 103 die Ursache zutage trat, zusammen mit
Großbritannien und Frankreich für ein umfassendes
Vorgehen entschieden. Der libyschen Regierung wurden
eine Reihe von Forderungen vorgelegt, um ihr die
Möglichkeit einer Abkehr von ihrer bisherigen Politik
einzuräumen und konkret unter Beweis zu stellen, daß
sie der Unterstützung des Terrorismus entsagt.
Wie lautete die libysche Antwort? Libyen leugnete die
Verantwortung für Terroranschläge der Vergangenheit, erklärte jedoch, es werde die Unterstützung des
Terrorismus einstellen. Libyen behauptete, es könne
den Forderungen nicht entsprechen, räumte dann
jedoch ein, es könne ihnen Folge leisten. Es schlug
Prozesse der Angeklagten vor diesem Gerichtshof, in
Drittländern und vor nichtexistierenden Gerichten vor.
Schließlich, als Libyen der Absicht der drei Regierungen gewahr wurde, den Sicherheitsrat anzurufen,

Seite 4

bestand es zum ersten Mal darauf, daß die Kontroverse unter die Montrealer Konvention falle und ein Schiedsverfahren eingeleitet werden solle.
In der einstimmig verabschiedeten Resolution 731
gelangte der Sicherheitsrat zu dem Schluß, die libysche Antwort sei "beklagenswert". Er brachte seine
"tiefe Besorgnis" über die Ermittlungsergebnisse der
gegen Pan Am 103 und UTA 772 verübten Anschläge
zum Ausdruck, die auf Libyen als Täter deuteten, und
drängte Libyen, "unverzüglich eine umfassende und
zufriedenstellende Antwort auf diese Forderungen zu
unterbreiten, um damit zur Beseitigung des internationalen Terrorismus beizutragen".
Was hat Libyen daraufhin getan? Es hat den Generalsekretär der Vereinten Nationen von seiner Bereitschaft zur Einhaltung der Resolution unterrichtet. Wir
gingen davon aus, daß Libyen kürzlich den Präsidenten des Sicherheitsrats über seine Entscheidung informiert habe, die Verdächtigen des Anschlags auf Pan
Am 103 der Arabischen Liga zu überstellen - dies war
jedoch offensichtlich nicht der Fall. Es ist jedenfalls
nichts geschehen.
Infolgedessen zieht der Sicherheitsrat derzeit obligatorische Sanktionen gemäß Kapitel VII in Erwägung,
um Libyen zur Einhaltung der früheren Resolution zu
bewegen.
Statt die Resolution einzuhalten, hat Libyen dieses
Gerichtsverfahren eingeleitet. Es hat die außerordentliche Entlastung durch einstweilige Verfügung beantragt. Mit welcher Begründung? Unseres Wissens
aufgrund eines völlig neuen "Rechts", die Möglichkeit
der Anwendung des Strafrechts auf die Verdächtigen
- Libyens eigene Geheimagenten - durch irgendeinen
anderen Staat auszuschließen. Worauf würden die
Maßnahmen abzielen? Soweit wir es verstehen darauf, die Erörterungen des Sicherheitsrats über die
schwebende Resolution aufzuhalten. Ein solches
Ansinnen ist schlicht und einfach ungeheuerlich angesichts der in der Charta niedergelegten obersten Verantwortung des Rats für internationalen Frieden und
Sicherheit.
Bedenkt man, daß ein solch ungeheuerlicher Vorschlag dem libyschen Antrag zugrundeliegt, der libysche Antrag keine der Kriterien erfüllt, die für den Erlaß
einer einstweiligen Verfügung gegeben sein müssen,
daß Libyen in der Tat dieses Gericht um ein Recht
anruft, das selbst ein staatlicher Förderer von Terrorismus in Anspruch nehmen könnte und Libyen das
Gericht auffordert, dem zuwider- statt in Zusammenarbeit mit einem anderen wichtigen UN-Organ zu
handeln, liegt die Schlußfolgerung nahe, daß Libyens
wirkliches Ziel einfach darin bestehen mu ß, ein Verfahren gleich welcher Art vor diesem Gericht einzuleiten,
auf das es als Teil einer politischen Initiative gegen die
vorgeschlagene Sanktionsresolution verweisen kann.

AMERIKA DIENST 13

�Bei allem Respekt - das Gericht sollte sich dazu nicht
hergeben. Der libysche Antrag auf einstweilige Verfügung vor diesem Gericht steht nicht nur im Widerspruch zu der Rechtspechung des Gerichtshofes im
Hinblick auf einstweilige Verfügungen. Sollte sie jedoch gewährt werden, könnte sie der Funktionsweise
des Systems der Charta der Vereinten Nationen für die
Aufrechterhaitung des internationalen Friedens und
der Sicherheit Schaden zufügen. Das Gericht kann
versichert sein, daß die Gewährung der von Libyen
angestrebten Entlastung als Unterstützung der libyschen Nichteinhaltung der Resolutionen des Sicherheitsrats ausgelegt wird. Auf der anderen Seite wären

*

AMERIKA DIENST 13

die Ablehnung des libyschen Antrags und die Bekräftigung der Bedeutung, die der Einhaltung der Resolution des Rats zukommt, eine willkommene Unterstützung der breitgefächerten Bestrebungen, Bedrohungen des Friedens an den Rat weiterzuleiten.
Herr Präsident, verehrte Mitglieder des Gerichts, auch
im Namen der anderen Mitglieder der amerikanischen
Delegation möchte ich Ihnen für diese Anhörung danken.
Als unsere offizielle Einlassung bitte ich das Gericht im
Namen der Vereinigten Staaten von Amerika, den
Antrag auf einstweilige Verfügung abzulehnen.

* * *

*

Seite 5

�WEITERVERBREITUNG
I.April 1992

USA: NORDKOREA AN DER SCHWELLE
ZU NUKLEARWAFFEN
Rede von CIA-Direktor Gates vor dem Kongreß
WASHINGTON - (AD) - Dem Direktor des US-Nachrichtendienstes CIA, Robert Gates, zufolge steht Nordkorea
"kurz, vielleicht sehr kurz vor dem Besitz einer Nuklearfähigkeit".
Vor Kongreßabgeordneten erläuterte Gates am 27. März 1992, die Vereinigten Staaten müßten sich nicht nur
über die Konsequenzen für die Stabilität in Nordostasien Gedanken machen, wenn Nordkorea Nuklearwaffen
beschafft, "sondern auch über die Möglichkeit, daß Pjöngjang Nuklearmaterial und verwandte Technologien
weltweit vermarkten könnte".
In einer Anhörung vor dem Streitkräfteausschuß des Repräsentantenhauses machte Gates Ausführungen über
die konventionellen und unkonventionellen militärischen Fähigkeiten der koreanischen Halbinsel sowie am
Persischen Golf und im Nahen Osten.
Obwohl die UNO-Sanktionen die Bestrebungen Saddam Husseins zur militärischen Wiederaufrüstung verhindert haben, ist das irakische Militär Gates zufolge nach wie vor "ausgezeichnet", insbesondere verglichen mit
seinen Nachbarn. Die irakische Armee verfügt immernoch über2.000 Panzer, 3.000 Mannschaftstransportwagen sowie 1.000 Artilleriegeschütze, so Gates. Der CIA-Direktor fügte hinzu, der Irak besitze wahrscheinlich
außerdem noch einige mobile SCUD-Raketenabschußvorrichtungen und "mehrere hundert Raketen".
Sollten die UNO-Sanktionen aufgehoben werden, könnte der Irak laut Gates in drei bis fünf Jahren die konventionellen militärischen Arsenale wiederaufbauen, die er vor dem Krieg besessen habe.
Gates Einschätzung des Iran zufolge werde dieses Land voraussichtlich "den Friedensprozeß weiterhin
torpedieren und wahrscheinlich ... terroristische und andere Aktivitäten unterstützen, die Fortschritte bei der
Aussöhnung zwischen Israelis und Palästinensern unterminieren".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von CIA-Direktor Gates in wesentlichen Auszügen.
In den vergangenen dreieinhalb Monaten haben sich
einige beunruhigende Tendenzen abgezeichnet. In
Teilen der ehemaligen Sowjetunion haben sich die
Unruhen zugespitzt, seit ich das letzte Mal hier vor
Ihnen stand. Die Konflikte zwischen den sowjetischen
Nachfolgestaaten wie Armenien und Aserbaidschan
vertiefen sich. Während die GUS den Zusammenbruch des sowjefschen Impenums aufgefangen hat,
sieht sie sich mit zunehmenden Problemen konfrontiert, die sie vielleicht nicht übersteht. Ohne Schwierigkeiten lassen sich weitere beunruhigende Nachrichten
aufzählen:
Die Ukraine hat den Transfer zur Verschrottung
bestimmter taktischer Nuklearwaffen nach
Rußland eingestellt.
^. _, ,
..
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„__
D,e Rat.f.z,erung und Durchfuhrung des KSEVertrags sche.nt zunehmend komphz.ert und
problematisch.
AMERIKA DIENST 13

Der Rüstungswettlauf gewinnt im Nahen Osten,
Südostasien und anderen Regionen an Tempo.
Trotz

beachtlicher - und teurer - Drogenbekämpfungsmaßnahmen blüht der Drogenhandel nach
wie vor
ungehindert.
D j e v e r h e e r e n d e E x p , o s i o n v o n Buenos Aires
z e j g t d a ß i n t e r n a t i o n a | e r Terrorismus immer
noch ein ernsthaften Problem ist.
Auf der anderen Seite kann ich jedoch auch einige
positive Entwicklungen und Trends anführen:
Die Weißen in Südafrika haben sich eindeutig
zugunsten weiterer politischer Reformen ausgesprochen. In El Salvador ist ein Waffenstillstand in Kraft, und die Aussichten, daß die
Kontrahenten ihre Konflikte friedlich beilegen,
h a b e n sjch verbessert. s
j n Albanien und

Seite 1

�Rumänien zeichnen sich Fortschritte ab. Die
Unruhen in Jugoslawien sind abgeflaut, wenn
vielleicht auch nur vorübergehend.

konnte. Und natürlich verfügen die irakischen
Atomwissenschaftler und Ingenieure weiterhin
über ihr Fachwissen.

Die Umgestaltung der zentral gelenkten Volkswirtschaften in freie Marktwirtschaften erweist
sich weiterhin als schwierig und destabilisiernd.
Aber die schlimmsten Vorhersagen - über massive
Hungersnöte, Hypothermie und Unruhen großen Umfangs beispielsweise in Rußland - haben sich bisher nicht verwirklicht. Und Jelzin
hält noch immer am Kurs wirtschaftlicher Reformen fest.

Bagdad hat Tonnen chemischer Munition und
Wirkstoffe sowie eine beträchtliche Menge an
Produktionsgerät abgeliefert, aber wir sind
überzeugt, daß das Regime von allem noch
Bestände unterhält - mehr chemische Grundstoffe, mehr Wirkstoffe, mehr Munition und mehr
Produktionsgerät.

Der Nahe Osten und der Persische Golf
Falls in den nächsten Jahren die Stationierung amerikanischer Kampftruppen im Ausland erneut erforderlich werden sollte, steht die strategisch lebenswichtige
Region Naher Osten und Persischer Golf an oberster
Stelle der wahrscheinlichen Regionen.
Der Irak: geschwächt, aber Immer noch mächtig
Die Operation Wüstensturm hat die Fähigkeit des Irak
zur Durchführung militärischer Offensivoperationen
großen Stils stark verringert. Die UNO-Sanktionen
haben Saddams Bestrebungen zur Wiederbewaffnung
seiner Streitkräfte vereitelt. Mit der Verteidigung des
Regimes und der Niederschlagung lokaler Aufstände
befaßt, kann das irakische Militär zur Zeit nur Offensiven kleinen Stils und mit begrenzter Zielsetzung durchführen.
Umfang und Ausrüstung der irakischen Streitkräfte
sind jedoch nach wie vor ausgezeichnet, insbesondere
verglichen mit der Mehrzahl seiner Nachbarn. Lassen
sie mich einige Zahlen nennen:
Die irakischen Landstreitkräfte umfassen rund
zwei Dutzend Divisionen, obwohl sie insgesamt
kleiner und weniger fähig sind als die Divisionen
vor dem Krieg. Die Armee verfügt immer noch
über mehr als 3.000 Mannschaftstransportwagen, 2.000 Panzer und 1.000 Artilleriegeschütze.
Unseres Erachtens besitzt der Irak auch weiterhin einige mobile SCUD-Raketenabschußvorrichtungen sowie mehrere Hundert Raketen.
Die irakische Luftwaffe verfügt nach wie vor
über rund 300 Kampfflugzeuge, obwohl viele
nicht einsatzfähig sind. Weil die Luftwaffe seit
über einem Jahr keine Einsätze geflogen hat,
benötigt sie mindestens einen Monat intensiver
Ausbildung und Wartung, um ein Minimum an
Kampffähigkeit wiederzuerlangen.
Obwohl ein Großteil des irakischen nuklearfähigen Geräts aufgespürt und zerstört worden ist,
vermuten wir, daß der Irak einen Teil seines
Geräts vor den UNO-Inspektoren verstecken
Seite 2

Das Regime hat nie ein biologisches Waffenprogramm zugegeben und nie irgendwelche Giftstoffe oder Waffen abgeliefert. Wir wissen
jedoch, daß der Irak ein solches Programm
unterhielt und sind überzeugt, daß er noch immer
über biologische Waffen und die Mittel zur Herstellung weiterer Waffen verfügt.
Wieviel Zeit benötigt der Wiederaufbau?
Der Wiederaufbau der irakischen Verteidigungsindustrie ist eines von Saddam Husseins Hauptzielen nach
dem Krieg. Ungeachtet der von den Vereinten Nationen verfügten Inspektionen und Sanktionen behauptet
der Irak, nahezu 200 Anlagen der Rüstungsindustrie
repariert zu haben und mit der Instandsetzung zahlreicher anderer befaßt zu sein. Unabhängig davon
können wir bestätigen, daß auf mindestens zwei Dutzend Anlagen der Rüstungsindustrie umfassende
Wiederaufbaumaßnahmen stattfinden.
In einigen während des Golfkriegs beschädigten
Waffenproduktionsanlagen wurde die begrenzte Herstellung von Artielleriegeschützen und Munition wiederaufgenommen. Trotz dieser Bestrebungen wird die
gesamte Rüstungsproduktion erheblich unter dem
Vorkriegsniveau liegen, solange die Sanktionen in
Kraft sind und die Inspektionen fortgesetzt werden.
Sollten die Sanktionen aufgehoben werden, benötigt
der Irak unseren Schätzungen zufolge mindestens
drei bis fünf Jahre, um die konventionellen militärischen Arsenale der Zeit vor dem Krieg wiederaufzubauen. Lange davor könnten die irakischen Streitkräfte für eine Bedrohung ihrer Nachbarn stark genug sein.
Wichtiger ist jedoch, wie schnell der Irak unseres
Erachtens seine besonderen Waffenfähigkeiten wiederaufbauen kann. Unseren Studien zufolge konnte
Bagdad erhebliche Teile seiner speziellen Waffenprogramme aufrechterhalten. Sobald der Wiederaufbau
in Angriff genommen werden kann, stehen die irakischen Wissenschaftler und Ingenieure bereits in den
Startlöchern.
Das Programm zur Entwicklung von Nuklearwaffen würde am meisten Zeit zur Wiederherstellung benötigen, weil ein Großteil der Infrastruktur für die Produktion von spaltbarem Material
wiederaufgebaut werden müßte. (D:C3Ö Tatsa-

AMERIKA DIENST 13

�che würde noch untermauert, wenn das Gerät in
bestimmten erst kürzlich entdeckten atomaren
Forschungsanlagen zerstört wird, wie von den
UN-Inspektionsteams gefordert). Die Zeit, die
der Irak zum Wiederaufbau seiner Nuklearfähigkeit benötigt, könnte drastisch verkürzt werden, wenn er auf irgendeine Weise spaltbares
Material aus dem Ausland beschaffen könnte.
Ein Großteil der Infrastruktur zur Herstellung
chemischer Waffen müßte wiederaufgebaut
werden, bevor der Irak das Produktionsniveau
der Vorkriegszeit wiedererlangt. Unserer Ansicht nach könnte er jedoch die begrenzte Produktion solcher Waffen unverzüglich wiederaufnehmen, indem er verdeckte Bestände chemischer Grundstoffe, nicht deklariertes Verarbeitungsgerät und ungefüllte Munition verwendet.
Da zur Herstellung von Wirkstoffen zur biologischen Kriegführung nur wenig Gerät benötigt
wird, könnte der Irak die Produktion binnen
Wochen wiederaufnehmen. Er verfügt nach wie
vor über Mikrobenkulturen und Krankheitserreger. Wir sind weiterhin überzeugt, daß er auch
einen Bestand an biologischen Waffen unterhält.
Schließlich könnte der Irak unseren Schätzungen zufolge seine Fähigkeit zur Herstellung von
Raketen des Typs SCUD bald wiedererlangen,
obwohl er auf ausländische Hilfe angewiesen
sein könnte.

Was würde geschehen, wenn Saddam abträte?
Wie würde sich die Innenpolitik des Irak und sein
Verhalten gegenüber dem Ausland verändern, wenn
Saddam Hussein die Bühne verließe?
Wie die jahrzehntelangen Repressionen Saddams
belegen, wird er alles tun, um an der Macht zu bleiben.
Es gibt weder einen Nachfolgemechanismus noch
sind irgendwelche Kandidaten in Sicht, um Saddam
abzulösen - der Irak ist eines jener Länder, in denen die
Nummer Zwei zu sein enervierend - um nicht zu sagen
lebensgefährlich - ist.
Infolgedessen würde Saddam unseres Erachtens nur
aufgrund eines Putsches oder Gewaltaktes von der
Bildfläche verschwinden. Wie wahrscheinlich dies ist,
kann ich nicht sagen, obwohl wir Beweise dc*ür haben,
daß Saddams Macht im Schwinden begriffen ist und
die Unzufriedenheit mit der Führung sogar unter seinen engsten Vertrauten - vor allem den irakischen
Sunniten - zunimmt.
Ein möglicher Nachfolger Saddams käme aus der von
den Sunniten beherrschten Regierung - jemand, der
Saddams Perspektiven teilt, insbesondere seinen
Glauben an die politische Wirksamkeit grausamer
Gewalt. Ein solcher Nachfolger könnte sehr wohl

AMERIKA DIENST 13

ähnlich wie Saddam denken. Wer immer Saddams
Nachfolger sein mag - es fehlt ihm an einer breiten
Machtbasis und er könnte sich unverzüglicher und
ernsthafter Herausforderungen durch andere Konkurrenten gegen übersehen.
Ein Nachfolgeregime wäre vielleicht gegenüber den
irakischen Schiiten und Kurden sowie gegenüber den
ausländischen Gegnern des Irak etwas weniger verbissen. Während die Bestrebungen zur Wiederherstellung der militärischen Fähigkeiten des Irak fortgesetzt würden, könnten einige Ressourcen vom Wiederaufbau der Rüstungsindustrie für zivile Zwecke
umgeleitet werden. Das neue Regime könnte von
einer raschen Aufhebung der UNO-Sanktionen sowie
der Anerkennung und Unterstützung der internationalen Staatengemeinschaft ausgehen. Kurzfristig könnte der Irak daher eine geringere Bedrohung für seine
Nachbarn darstellen. Jeder Nachfolger Saddams wird
jedoch wahrscheinlich seine regionalen Ambitionen
teilen, und auf lange Sicht könnten wir davon ausgehen, daß der Irak versuchen wird, seine Position als
dominante arabische Militärmacht wiederzugewinnen.
Wenn ein Nachfolgeregime Probleme bekommt, die
Einheit oder territoriale Unversehrtheit des Irak aufrechtzuerhalten, werden seine unmittelbaren Nachbarn, insbesondere der Iran, die Türkei und Syrien,
stark versucht sein zu intervenieren. Sie alle befürchten, daß ein instabiler Irak ihre nationalen Eigeninteresen bedrohen und zu einer unerwünschten Verschiebung des regionalen Gleichgewichts der Kräfte führen
könnte. Keiner möchte, daß der Irak in unabhängige
kurdische, schiitische und sunnitische Staaten zerfällt.
Das iranische Auf rüstungsprogramm
Während der Irak bestrebt ist, sich vom Golfkrieg zu
erholen, ist der Irak entschlossen, seinen früheren
Status als Vormacht am Persischen Golf wiederzugewinnen. Die neuformulierte nationale Sicherheitspolitik des Iran verfolgt drei Hauptziele:
Gewährleistung des Überlebens des Regimes.
Machtprojektion in der gesamten Region.
Ausgleich des amerikanischen Einflusses im
Nahen Osten.
Um diese Ziele zu erreichen, hat der Iran diplomatische Maßnahmen ergriffen, um seine internationale
Isolierung zu beenden. Er kauft Waffen von einer
Reihe ausländischer Lieferanten und entwickelt eine
Fähigkeit zur Herstellung von Massenvernichtungswaffen. Im Zeitraum von 1990 -1994 plant der Iran,
jährlich 2 Milliarden Dollar für den Ankauf ausländischer Waffen auszugeben.
So hat Teheran bereits eine erhebliche Zahl modemer
Kampfflugzeuge und Luftabwehrraketen von Rußland
und China erworben. Von Nordkorea hat es einige

Seite 3

�SCUD-Raketen mit verlängerter Reichweite bezogen,
und es baut eine Fabrik, um seine eigenen Raketen
herzustellen.
Als Teil seines Modernisierungsprogramms für die
Marine hat der Iran darüber hinaus Verträge zum
Ankauf von mindestens zwei Angriffsunterseebooten
der Kilo-Klasse aus Rußland abgeschlossen.
Selbst nach Operation Wüstensturm besitzt der Irak
noch dreimal soviele gepanzerte Fahrzeuge wie der
Iran. Um diese Lücke zu verkleinern, versucht Teheran, von russischen und osteuropäischen Lieferanten
Hunderte von Panzern zu erwerben.
Wir gehen davon aus, daß Teheran bestrebt ist, die
Fähigkeit zum Bau von Kernwaffen zu erwerben. Wir
sind jedoch der Überzeugung, daß die Iraner ohne
bedeutende technische Unterstützung aus dem Ausland dieses Ziel wahrscheinlich nicht vor dem Jahr
2000 verwirklichen werden.
Das iranische Programm zum Bau chemischer Waffen
bleibt trotz seines Umfangs und der erzielten Fortschritte relativ primitiv. Wir erwarten jedoch, daß der
Iran binnen weniger Jahre chemische Gefechtsköpfe
für seine SCUD-Raketen entwickelt.
Darüber hinaus nehmen wir an, daß sich der Iran um
die Fähigkeit zur biologischen Kriegführung bemüht.
Der Iran und die arabischen Staaten
Teheran baut seine militärische Stärke nicht nur deshalb wieder auf, um das militärische Ungleichgewicht
mit dem Irak zu beheben, sondern auch, um seine
Fähigkeit zu vergrößern, seine Nachbarn am Golf zu
beeinflussen und einzuschüchtern - obwohl kurzfristig
Teherans Wunsch nach Eindämmung des amerikanischen Engagements in der Region dazu führen wird,
daß es die Golfstaaten umwirbt anstatt sie unter Druck
zu setzen.
Teheran ist ferner bemüht, seine Beziehungen zu den
arabischen Staaten außerhalb des Golfs zu verbessern. Dabei betont es die Solidarität der Moslems und
die Prinzipien des Islams. In Ländern mit islamischen
Oppositionsbewegungen hofft der Iran, seinen Einfluß
bei den örtlichen Fundamentalisten zu verstärken ohne
seine Beziehungen zu den dortigen Regierungen zu
schädigen. So möchte Teheran zum Beispiel in Algerien die Beziehungen zu dem neuen Regime aufrechterhalten und gleichzeitig seine politische und finanzielle Unterstützung der Islamischen Heilsfront fortsetzen,
die von der algerischen Regierung gerade verboten
wird. Beiden Anliegen gerecht zu werden, war schon
in der Vergangenheit schwierig: Algier rief unlängst
seinen Botschafter in Teheran zurück, um gegen die
andauernde Unterstützung der Front durch den Iran zu
protestieren.

Seite 4

Die wachsende Unterstützung des Iran für radikale
Palästinensergruppen könnte zu einer Annäherung an
arabische Staaten wie Libyen führen. In dieser Unterstützung kommt die iranische Animosität gegenüber
Israel zum Ausdruck, das Teheran sowohl als Verbündeten der USA wie auch als strategische Bedrohung
betrachtet. Wir erwarten, daß der Iran den Friedensprozeß weiterhin torpedieren und wahrscheinlich terroristische und andere Aktivitäten unterstützen wird,
die Fortschritte bei der Aussöhnung zwischen Israelis
und Palästinensern unterminieren.
Der wichtigste Stellvertreter Teherans in der arabischen Welt wird weiterhin die radikale libanesische
Schiitengruppe Hisbollah sein, die als Hauptverdächtiger für den Bombenanschlag auf die israelische
Botschaft in Argentinien in Frage kommt. Um den
Fortbestand seiner Verbindungen zur Hisbollah zu
gewährleisten, wird Teheran sorgfältig darauf achten,
gute Beziehungen zur syrischen Regierung zu bewahren, die den Zugang zu dem von der Hisbollah besetzten Gebiet kontrolliert.
Der Iran und die neuen islamischen Republiken
Teheran betrachtet die Entwicklungen in der Region
nördlich seiner Grenzen als lebenswichtig für seine
nationalen Interessen. Es möchte sowohl das vom
Zusammenbruch der Sowjetunion verursachte Vakuum füllen als auch die Vereinigten Staaten und
regionale Rivalen wie die Türkei daran hindern, dort
beherrschenden Einfluß zu gewinnen. Teherans diplomatische Bemühungen zur Stärkung seines Einflusses in den neuen islamischen Staaten der Region
umfassen auch die Unterstützung der Mitgliedschaft
dieser Länder in verschiedenen regionalen und internationalen Organisationen.
Darüber hinaus versucht Teheran, kulturelle und religiöse Verbindungen mit den neuen Republiken zu
entwickeln. Es bleibt abzuwarten, wie erfolgreich
Teheran sein wird, wenn man berücksichtigt, daß die
meisten dieser Völker türkischen und nicht persischen
Ursprungs sowie zumeist sunnitische und nicht schiitische Moslems sind.
Wir sehen keine Beweise für iranische Bemühungen,
die säkularen Regierungen der neuen Staaten zu
unterwandern oder sie Rußland und den anderen
nichtmoslemischen Mitgliedstaaten der GUS zu entfremden. Zum jetzigen Zeitpunkt zumindest scheint
der Iran die freundschaftlichen Beziehungen zu Ruß
land bewahren zu wollen, das ein wichtiger Waffenlieferant geworden ist. Darüber hinaus muß der Iran im
Hinblick auf das Schüren von Instabilität an seiner
Nordgrenze Vorsicht walten lassen, damit nicht auch
unter seinen eigenen aserbaidschanischen oder turkmenischen Minderheiten nationalistische Stimmungen hervorgerufen werden. Im Hinblick auf den Kon-

AMERIKA DIENST 13

�flikt zwischen Aserbaidschan und Armenien hat Teheran in der Tat versucht, mäßigenden Einfluß auf die
aserbaidschanische Regierung auszuüben.
Die koreanische Halbinsel
Seit der Paraphierung der Abkommen über Nichtangriff/Aussöhnung und die Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel im vergangenen Dezember haben
Nord- und Südkorea eine Reihe von Verhandlungen
und Gesprächen durchgeführt, darunter einige auf
sehr hoher Ebene, um die Vereinbarungen zu verwirklichen. Diese Gespräche haben einige konkrete Ergebnisse hervorgebracht, insbesondere die Bildung
einer gemeinsamen nuklearen Kontrollkommission am
19. März mit dem Mandat, bilaterale Inspektionen
kerntechnischer Anlagen zu erarbeiten.
Im großen und ganzen jedoch haben die beiden Seiten
bisher lediglich einen Rahmen für die Aussöhnung
geschaffen, der keine Substanz enthält. Bei entscheidenden Fragen, etwa der Häufigkeit und Gründlichkeit
sowie den elementaren Regeln für nukleare Inspektionen liegen beide Seiten immer noch weit auseinander.
Ferner bestehen große Meinungsverschiedenheiten
über im Aussöhnungsabkommen geforderte persönliche Kontakte und militärische vertrauensbildende
Maßnahmen.
Die Bedrohung aus dem Norden
Der Norden unterhält nach wie vor im Gebiet unmittelbar nördlich der demilitarisierten Zone enorme Landstreitkräfte. Diese Formationen sind für einen überraschenden, massiven Schlag gegen Seoul im Süden
optimiert. In den letzten Jahren haben diese Streitkräfte ihre Mobilität und Flexibilität verstärkt und damit ihre
Fähigkeit verbessert, vorbereitete Verteidigungsstellungen zu bedrohen. Sie sind den gegnerischen
südkoreanischen Streitkräften sowohl an Personal als
auch Waffen zahlenmäßig weit überlegen. Trotz des
unlängst unterzeichneten koreanischen Nichtangriffspakts stellen diese Streitkräfte bis zu ihrem Abzug eine
reale und ernste Bedrohung dar.
Dabei geht es nicht um die Furcht vor einem Angriff aus
dem Süden. Die südkoreanischen Streitkräfte sind
stationiert, um Seoul zu verteidigen. Sie stellen keine
ausgleichende Bedrohung Nordkoreas dar - und Pjöngjang weiß es.
Ich möchte diese Bedrohung nicht überbetonen. Die
Streitkräfte Nordkoreas leiden unter zahlreichen Defiziten. Ihre Ausbildung und infolgedessen auch ihre
Kampfbereitschaft sind fragwürdig. Sie weisen Schwächen in der Luftabwehr und Logistik auf. Sie können
sich kaum auf die Unterstützung ehemaliger Verbündeter verlassen.
Darüber hinaus hat Operation Wüstensturm gezeigt,
daß die amerikanische Luftwaffe gegen massierte
Bodentruppen äußerst effektiv ist. Die Aussicht dar-

AMERIKA DIENST 13

auf, daß Südkorea erhebliche Luftunterstützung sowie
andere Unterstützung seitens der amerikanischen
Streitkräfte erhalten würde, ist ein potentes Abschrekkungsmittel, selbst für solch starke Streitkräfte wie
diejenigen, die Nordkorea an der Grenze stationiert
hat.
Das Kernwaffenprogramm Nordkoreas
Pjöngjang hat eine Infrastruktur aufgebaut, die ohne
Unterstützung des Auslands in der Lage sein wird,
waffenfähiges spaltbares Material vollständig selbst
herzustellen. Es besitzt Uranminen im Inland. In
Jöngbjon hat es zwei Kernreaktoren gebaut, deren
einziger Zweck die Produktion von Plutonium zu sein
scheint. Einer dieser Reaktoren ist bereits seit vier
Jahren in Betrieb, der zweite, wesentlich größere wird
wahrscheinlich dieses Jahr in Betrieb genommen.
Eine weitere Einrichtung in Jöngbjon, die in der Lage
sein wird, Reaktorbrennstoffe zur Plutoniumgewinnung wiederaufzubereiten, ist nahezu fertiggestellt.
Im vergangenen Dezember haben Nord- und Südkorea ein prinzipielles Abkommen für eine atomwaffenfreie Halbinsel ausgehandelt. Jede Seite hat sich
verpflichtet, Kernwaffen nicht "zu testen, herzustellen,
produzieren, erwerben, besitzen, lagern, stationieren
oder einzusetzen". Beide Seiten haben ferner vereinbart, keine nuklearen Wiederaufbereitungs- oder
Urananreicherungsanlagen zu besitzen. Es gibt Gründe, die Absichten des Nordens in Zweifel zu ziehen,
wenn man berücksichtigt, daß er die Existenz der
Reaktoren zur Plutoniumherstellung sowie der Wiederaufbereitungsanlage im Kernforschungszentrum
Jöngbjon noch nicht zugegeben, geschweige denn
angemeldet hat.
Darüber hinaus müssen Verifizierungsverfahren ausgearbeitet werden - erst diesen Monat wurde Einvernehmen darüber erzielt, daß zu diesem Zweck ein
gemeinsamer Ausschu ß eingerichtet werden soll. Die
Tragfähigkeit der Kernwaffenvereinbarungen zwischen
Norden und Süden hängt von dem Inspektionsregime
ab, dem Pjöngjang letztlich zustimmt.
Wir gehen davon aus, daß Pjöngjang kurz, vielleicht
sehr kurz vor dem Besitz einer Kernwaffenfähigkeit
steht. Im Hinblick auf Nordkorea müssen wir uns
jedoch nicht nur über die Stabilität in Nordostasien
Sorgen machen, falls es Kernwaffen erwirbt, sondern
auch über die Möglichkeit, daß Pjöngjang Nuklearmaterial und damit verwandte Technologien weltweit
vermarkten könnte. In der Vergangenheit waren die
Nordkoreaner bereit, alles zu verkaufen, was Devisen
einbringt.
Negative Trends für den Norden
Die angespannten wirtschaftlichen Bedingungen im
Norden haben im Verein mit Unsicherheiten in bezug
auf den sich abzeichnenden dynastischen Führungswandel in Pjöngjang die Nordkoreaner dazu veranlaßt,
Seite 5

�ihre Konfrontationsstrategie gegenüber dem Süden Trotzdem könnten wir kurzfristig in eine gefährlichere
sowie den Vereinigten Staaten, Japan und den Verein- Periode eintreten:
ten Nationen zu modifizieren. Die Spannungen zwiDie nordkoreanischen Strategen könnten einen
schen Nord und Süd haben etwas abgenommen,
Angriff
auf den Süden empfehlen, solange der
obwohl sich die eigentliche militärische Bedrohung für
Norden
noch sein erhebliches Übergewicht an
den Süden nicht erheblich verändert hat.
Menschen und Waffen hat.
Wir erwarten, daß sich viele der militärischen Vorteile
Schwierigkeiten bei der Aufrechterhaltung und
des Nordens gegenüber dem Süden im Verlauf dieses
Modernisierung der konventionellen Streitkräfte
Jahrzehnts abschwächen werden, was gro ßenteils auf
Pjöngjangs könnten die Entschlossenheit des
die abnehmende Unterstützung seitens der traditionelNordens verstärken, Kernwaffen und ballistilen Verbündeten des Nordens und seine anhaltenden
sche
Raketen zu entwickeln.
wirtschaftlichen Probleme zurückzuführen ist.

* * * *

Seite 6

*

AMERIKA DIENST 13

�UNO
I.April 1992

FRIEDENSTIFTENDE ROLLE DER UNO
WERTVOLLER DENN JE
Erklärung von Abteilungsleiter Bolton
WASHINGTON - (AD) - Dem Leiter der Abteilung Internationale Organisationen im US-Außenministerium, John
Bolton, zufolge können Friedensmissionen der UNO heute größere Wirkung als je zuvor zeitigen, da der Sieg
der freien Welt im kalten Krieg den UN-Sicherheitsrat befähigt hat, seine Rolle als Garant internationaler
Sicherheit zu erfüllen.
Vor zwei Unterausschüssen des Auswärtigen Ausschusses des US-Repräsentantenhauses erklärte Bolton am
25. März 1992, daß die stabilisierende Rolle, die dem UN-Sicherheitsrat von den Begründern der Vereinten
Nationen zugedacht war, endlich eingesetzt werden kann, um Frieden, Wohlstand und Freiheit für Millionen von
Menschen zu verwirklichen - wenn die Vereinigten Staaten und andere Mitgliedstaaten die erforderliche Hilfe
bereitstellen.
"Die energische Unterstützung von UN-Friedensmissionen ist seit langem ein grundlegendes Ziel der amerikanischen Außenpolitik", erklärte Bolton den Ausschußmitgliedern zur Begründung des beispiellosen Haushaltsantrags von 350 Millionen Dollar zur Finanzierung solcher Aktivitäten in der ganzen Welt.
Nachfolgend veröffentlichen wir Boltons Erklärung im Wortlaut.

Ich freue mich, mit Ihnen ein Thema zu erörtern, dem

ich für die amerikanische nationale Sicherheit große
Bedeutung beimesse, nämlich die Friedensmissionen
der UNO. Zu Beginn möchte ich jedoch kurz auf drei
Themen eingehen: die rasche Ausweitung der UNFriedensmissionen, unsere Bemühungen zur Begrenzung der damit verbundenen Kosten sowie die Zukunftsaussichten.
Die Ausweitung der UN-Friedensmissionen
In den vergangenen beiden Jahren haben wir eine
explosionsartige Zunahme von Friedensmissionen und
friedenstiftenden Aktivitäten der UNO beobachtet. Allein
seit April vergangenen Jahres hat der Sicherheitsrat
neue Friedensmissionen am Persischen Golf, in der
Westsahara, in El Salvador, Kambodscha un-&lt; Jugoslawien eingerichtet. In den letzten vier Jahren wurden
mehr UNO-Friedensoperationen durchgeführt als in
den gesamten 43 vorhergehenden Jahren in der
Geschichte dieser Organisation.
Warum hat das Engagement der UNO für Friedensmissionen so rasch zugenommen? Die einfachste
Antwort darauf lautet: weil sich die Welt so stark
verändert hat. Der Zusammenbruch des Kommunismus in Osteuropa und der ehemaligen Sowjetunion

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hat atemberaubende Veränderungen in den Beziehungen zwischen den Ländern und Völkern verursacht, von denen die meisten positiv waren. Sie haben
nicht nur Millionen von Menschen die Freiheit gebracht, die unter dem Joch der Tyrannei lebten, sondern werden auch weltweit zu mehr Stabilität und
Wohlstand führen. Einige Veränderungen waren jedoch bösartig und haben zum offenen Ausbruch seit
langem angestauten Hasses geführt. Diese regionalen Konflikte schaden in unterschiedlichem Ausmaß
den amerikanischen Interessen und wirken sich auf
unsere nationale Sicherheit aus.
Insgesamt haben diese Veränderungen in der Welt die
Bedeutung der friedenstiftenden Rolle der UNO enorm
vergrößert. Mit dem Ende des kalten Krieges ist der
UN-Sicherheitsrat endlich in der Lage, die ihm von den
Begründern der Vereinten Nationen zugedachte Rolle
- die Bewahrung der internationalen Sicherheit und des
Weltfriedens - zu erfüllen. Animositäten zwischen der
Sowjetunion und den westlichen Mitgliedstaaten hindern den Sicherheitsrat nicht mehr daran, Maßnahmen zu ergreifen, um Bedrohungen für den Weltfrieden beizulegen.
Heute arbeiten die Ratsmitglieder effektiv zusammen,
um internationale Probleme zu behandeln, die man

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�noch vor wenigen Jahren weiter hätte schwären lassen. Fall für Fall findet der Sicherheitsrat Lösungen für
Probleme, die einst unlösbar schienen. Diese Lösungen sind häufig unvollkommen, und sie kosten immer
Geld. Aber sie verhindern für gewöhnlich die Ausbreitung von Konflikten, haben viele Tausende von Leben
gerettet - und kosten wesentlich weniger als eine
direkte amerikanische Intervention.

Finanzierung der UN-Aktivitäten, insbesondere des
dringenden Bedarfs an Unterkünften, Transport- und
Kommunikationsmitteln sowie anderen unterstützenden Geräten und Dienstleistungen.
Jugoslawien: Am 21. Februar 1992 hat der Sicherheitsrat eine UN-Einheit zum Schutz Jugoslawiens
(United Nations Protection Force for Yugoslavia UNPROFOR) ins Leben gerufen. Schätzungen der
Vereinten Nationen zufolge wird die Einheit im ersten
Jahr etwa 14.000 Mann umfassen und etwa 640
Millionen Dollar kosten. Mitglieder des UN-Sicherheitsrats haben Ihre Besorgnis über die hohen Kosten
von UNPROFOR bekundet und die Entsendung eines
Vorbereitungsteams nach Jugoslawien genehmigt, das
Möglichkeiten zur Kosteneinsparung sondieren und
die erforderlichen Bedingungen für die endgültige
Stationierung von UNPROFOR schaffen soll. UNPROFOR's Aufgabe wird in der Entmilitarisierung der
drei UN-Schutzzonen in Kroatien und Überwachung
der zivilen und polizeilichen Verwaltung dieser Zonen
bestehen.

Das Ende des kalten Krieges hat den Sicherheitsrat
nicht nur zu einer effektiveren Institution bei der Behandlung von Bedrohungen des Weltfriedens gemacht.
Es hat darüber hinaus bedeutet, daß regionale Konflikte, die von der Rivalität der Supermächte angeheizt
wurden, jetzt reif für eine Lösung sind. In so verschiedenen Ländern wie Angola, El Salvador und Kambodscha haben kommunistische Regierungen und Guerrillabewegungen erkannt, daß sie nicht länger auf Hilfe
von außen zählen können und Frieden schließen
müssen. Angesichts der langen Geschichte von Animositäten suchen die Menschen in solchen Ländern
für den Übergang zu einem System, das alle Sektoren
der Gesellschaft einbezieht, natürlich nach einem
unparteiischen Schlichter. In vielen Fällen sind die El Salvador: Die UN-Beobachtermission in El Salvador (U.N. Observer Mission in El Salvador- ONUSAL)
Vereinten Nationen dieser Schlichter.
wurde am 20. Mai 1991 gegründet. Ursprünglich
Wie ich bereits erwähnte, hatte der Zusammenbruch bestand das Mandat der ONUSAL darin, die Einhaldes Kommunismus in Osteuropa und der ehemaligen tung des Menschenrechtsabkommens von San Jose
Sowjetunion zusammen mit der raschen Demokrati- zu verifizieren. Der Sicherheitsrat hat ONUSAL am 14.
sierung in der gesamten dritten Welt einige uner- Januar 1992 um eine (militärische) Einheit und Polizeiwünschte Nebenwirkungen. Religiöse und ethnische kräfte erweitert. Seitens der Regierung von El SalvaAnimositäten, die lange von den Stiefeln der Diktato- dor wurden Beschuldigungen erhoben, die FMLN habe
ren unterdrückt worden waren, treten heute zutage. Bestimmungen des Friedensabkommens über die
Jugoslawien ist bereits aufgrund solcher Spannungen Offenlegung ihrer Waffenarsenale, Beschlagnahm«»
zerfallen. Unruhen sind auch in vielen Teilen der von Land und das umgehende Aufsuchen von Samehemaligen Sowjetunion mit den Händen zu greifen. melzonen verletzt. Auf der anderen Seite beschuldigt
In einigen Fällen wird die internationale Staatenge- die FMLN die Regierung, sie versuche, die früheren
meinschaft gezwungen sein, sich an die Vereinten paramilitärischen Polizeieinheiten zu erhalten, deren
Nationen zu wenden, um bei ihrer Entspannung zu Abschaffung sie versprochen hatte. Wir untersuchen
die Vorwürfe beider Seiten und arbeiten eng mit ONUSAL
helfen.
zusammen, um sicherzustellen, daß der Prozeß nicht
Neue Friedensmissionen der Vereinten Nationen sind an Schwung verliert.
bei der Erfüllung ihres Auftrags mit enormen Hindernissen konfrontiert. Jeder Einzelfall bietet einzigartige ONUSAL konnte schnell stationiert werden, weil seine
logistische, finanzielle und grundlegende politische Menschenrechtseinheiten seit Mitte des Jahres 1991
Probleme. Dazu möchte ich folgende Beispiele anfüh- in El Salvador waren und weil es alle Ressourcen
ren:
übernehmen konnte, einschließlich der Offiziere und
des Geräts der UN-Beobachtermission im MittelameKambodscha. In Kambodscha beginnen die Verein- rika (U.N. Observer Mission in Central America ten Nationen, ihre bisher ehrgeizigste Friedensmis- ONUCA), die kurz nach Schaffung der ONUSAL aufsion zu verwirklichen (UNTAC). Zu den vordringlichen gelöstwurde. Die ONUSAL hatte jedoch Probleme bei
Fragen gehören: 1. die baldmöglichste Etablierung der Rekrutierung einer ausreichenden Zahl von Polieiner durchsetzungsfähigen UN-Präsenz im ganzen zeibeamten.
Land. 2. die Einleitung von Minenräumaktionen und
Verbesserungen der Infrastruktur als vordringliche Westsahara: Obwohl am 6. September 1991185 UNAufgaben, die für eine kurzfristige Repatriierung uner- Beobachter des Waffenstillstands in der Westsahara
läßlich sind. 3. Die Vorbereitung der Demobilisierung stationiert wurden, um den Waffenstillstand zwischen
eines möglichst großen Teils der Streitkräfte aller Marokko und der Polisario zu beobachten, hat sich die
Fraktionen (mindestens 70 Prozent). 4. Die Schaffung offizielle Stationierung der vollständigen MINURSOder Voraussetzungen für freie und faire Wahlen. Nicht Friedenstruppen für die Durchführung eines Referenweniger wichtig ist die Bereitstellung von Mitteln zur dums verzögert, weil die beiden Parteien r.iuü in der
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�Lage waren, sich auf Kriterien für die Auswahl der
Wähler zu einigen. Der Generalsekretär hat den
Sicherheitsrat um eine Fristverlängerung bis Ende Mai
gebeten, um alle bestehenden Hindernisse für die
Stationierung von MINURSO auszuräumen.
Somalia: Der Sicherheitsrat hat vergangene Woche
der Entsendung eines Vorbereitungsteams nach Somalia
zugestimmt, um mit den kriegführenden Parteien die
Modalitäten der Bereitstellung von UN-Waffenstillstandsbeobachtern und der effektiven Verteilung humanitärer Hilfe zu erörtern. Das Vorbereitungsteam muß mit
der Tatsache fertigwerden, daß es in Somalia viel
mehr Oppositionsparteien gibt als die beiden in Mogadischu ansässigen, mit denen die Vereinten Nationen
bisher immer zu tun hatten. Das Team muß sich der
Tatsache stellen, daß es trotz zahlloser Vereinbarungen aufgrund von regionalen oder UN-Bestrebungen
noch keinen anerkannten Waffenstillstand gegeben
hat. Um effektiv zu sein, müssen die Mitglieder der
UN-Friedensmission in Somalia einen kontinuierlichen
politischen Prozeß beobachten, dessen Ziel nicht nur
ein Waffenstillstand, sondern eine Lösung der grundlegenden politischen Differenzen zwischen den kriegführenden Parteien ist, die erstmals die erfolgreiche
Verteilung der so dringend benötigten Katastrophenhilfe ermöglichen wird.
Die Kosten der Friedensmissionen
Die energische Unterstützung der UN-Friedensmissionen ist seit langem ein grundlegendes Ziel der
amerikanischen Außenpolitik. Wir müssen sicherstellen, daß die Vereinten Nationen über die erforderlichen
Mittel für ihr äußerst wichtiges Mandat verfügen. Das
Fehlen angemessener und pünktlicher Finanzierung
für neue und bestehende Friedensmissionen wird die
Vereinten Nationen sowie die Führungsrolle und den
Einfluß der Vereinigten Staaten in dieser Organisation
vor ernste Probleme stellen.
Wir haben für das Haushaltsjahr 1992 einen Nachtragshaushalt von insgesamt 350 Millionen Dollar für
den Auslandshilfetitel beantragt, um für die Haushaltsjahre 1991 und 1992 den ungedeckten Bedarf folgender Missionen zu decken: für die UN-Beobachtermission im Irak und Kuwait (U.N. Iraq/Kuwait Observer
Mission - UNIKOM), die UN-Verifizierungsmission in
Angola (U.N. Angola Verification Mission - UNAVEM
II), die UN-Mission in der Westsahara (MINURSO) und
die UN-Vorbereitungsmission in Kambodscha (U.N.
Advance Mission in Cambodia - UNAMIC). In diesem
Antrag ist die Anschubfinanzierung für die UN-Beobachtermission in El Salvador (ONUSAL) ebenso enthalten wie für die UN-Übergangsverwaltung in Kambodscha (U.N. Transitional Authority in Cambodia UNTAG) und die UN-Schutztruppe in Jugoslawien
(UNPROFOR).
Für das Haushaltsjahr 1993 fordert die Regierung 350
Millionen Dollar, um neuem und voraussichtlichem

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Bedarf an Friedensmissionen gerecht zu werden. Diese
Mittel werden eingesetzt, um Friedensmissionen in
Kambodscha und Jugoslawien zu finanzieren und die
UN-Beobachtermission in El Salvador weiterzuführen.
Vorteile für die Vereinigten Staaten
Wir sind uns voll und ganz der Tatsache bewußt, daß
unser gegenwärtiger Bewilligungsantrag für US-Beiträge zu internationalen Friedensmissionen eine sehr
große Erhöhung gegenüber unseren Anträgen der
Vorjahre darstellt. Trotz der rapide steigenden Kosten
sind UN-Friedensmissionen jedoch am vorteilhaftesten für die Erhaltung des Weltfriedens. Tatsächlich
sind die Beträge, die die Welt für UN-Friedensmissionen ausgibt, nur ein Bruchteil dessen, was für Rüstung
ausgegeben wird.
UN-Friedensmissionen liegen im Interesse der nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten. Friedensmissionen tragen dazu bei, daß regionale Konflikte
sich nicht weiter ausbreiten und direkt US-Interessen
bedrohen.
Zugegebenermaßen sind nicht an all diesen Brennpunkten direkte Interessen der Vereinigten Staaten
betroffen. Jedoch gibt es viele Regionen, wo seit
Jahren das Leben von US-Bürgern, Geld oder Prestige
der Vereinigten Staaten gefährdet sind. In diesen
Fällen scheinen wir die letzte Zahlung bei Investitionen
zu leisten, die großen Erfolg hatten. Wenn wir diese
letzte Rate nicht zahlen, könnten jedoch die gesamten
Investitionen auf dem Spiel stehen.
Beispielsweise sieht die Summe von 20 Millionen
Dollar für die UN-Friedenstruppe in El Salavador zunächst hoch aus - bis man sie mit den Milliarden Dollar
vergleicht, die wir aufgewendet haben um zu gewährleisten, daß diese Nation an den Punkt gelangt, an dem
der UN-Friedenstruppe Erfolg beschieden sein würde.
Gleichzeitig machten die 20 Millionen Dollar, die wir
ausgaben um sicherzustellen, daß eine marxistische
Regierung nicht den Willen des angolanischen Volkes
erstickte, das Geld mehr als wett, das wir dafür beantragt hatten, daß die Vereinten Nationen gegnerische
Armeen entwaffnen und faire Wahlen abhalten können. Und wer könnte reinen Gewissens die letzte,
beste Chance zur Lösung der Tragödie in Kambodscha vergeuden, eine Tragödie, mit der das amerikanische Volk seit Jahren verbunden ist. Die Vereinten
Nationen sind die beste Versicherung gegen eine
erneute Machtübernahme der Roten Khmer.
Selbst solche UN-Friedensmissionen, bei denen unser Engagement nicht so offen zutage tritt, sind für
gewöhnlich von Nutzen für die amerikanischen Interessen. In vielen Bereichen - Investitionen, Handel,
strategische Interessen - sind unsere Verbindungen
mit Jugoslawien beispielsweise dürftig. Eine Fortsetzung des Krieges dort hätte jedoch direkte, negative
Auswirkungen auf zahlreiche wichtige amerikanische

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�Interessen in der Region gehabt. Um ein auf der Hand
liegendes Beispiel zu zitieren, hätte der enorme Flüchtlingsstrom sehr wohl die neuen, instabilen Demokratien an der Nord- und Südgrenze Jugoslawiens unterminieren können.
Kostendämpfung
Obwohl ich nach wie vor der Ansicht bin, daß die UNFriedenstruppe von enormem Nutzen ist, bin ich mir
auch schmerzlich der Tatsache bewußt, daß wir die
Kosten niedrig halten müssen. Unsere eigenen Pobleme im Inland erfordern dies ebenso wie die Glaubwürdigkeit der Vereinten Nationen.
Wie können wir die Kosten der UN-Friedenstruppen
niedrig halten? Ein Weg besteht darin, sowenig Missionen wie absolut nötig in die Wege zu leiten. Die
Charta der Vereinten Nationen stellt eindeutig fest,
daß regionale Organisationen die Führungsrolle bei
der Lösung regionaler Konflikte übernehmen sollten.
Diesen Ansatz unterstützen wir uneingeschränkt.
Ich darf Ihnen versichern, daß wir die UN-Friedenstruppe nicht als Retter einer verlorenen Sache ansehen, die nolens volens in ein Krisengebiet entsandt
wird, wenn alles andere zum Scheitern verurteilt ist.
Wenn wenige Friedensmissionen in die Wege geleitet
werden, müssen sie über ein so klar wie möglich
definiertes Mandat verfügen. Die Dauer einer neuen
Mission sollte vorzugsweise konkret festgelegt und an
einen Prozeß gebunden werden, der eindeutig zu einer
Lösung der zugrundeliegenden Probleme führt. Die
derzeitigen UN-Friedensmissionen in Angola, El Salvador und Kambodscha sowie die erfolgreich beendete in Namibia haben diese Kriterien gemein.
Selbst wenn die Dauer einer Friedensmission nicht
klar umrissen werden kann, müssen wir allen Parteien
verdeutlichen, daß Friedenssicherung durch die Vereinten Nationen kein Selbstzweck ist. Die UN-Friedenstruppen dienen nicht als ewige Garanten eines
Waffenstillstands. Die Resolution des Sicherheitsrats
zur Friedenssicherung in Jugoslawien knüpfte beispielsweise die Stationierung von UN-Friedenstruppen an die Versuche, eine Lösung der Krise während
der EG-Konferenz über Jugoslawien auszuhandeln.
Wir rechnen mit dem Erfolg dieser Gespräche. Falls
sie jedoch scheitern und die Parteien ihre Bestrebungen zur Beilegung ihrer Meinungsverschiedenheiten
einstellen, wird der UN-Sicherheitsrat das Mandat
dieser Mission überprüfen müssen.
Ein weiterer Weg zur Kostendämpfung besteht darin
zu gewährleisten, daß jede einzelne Mission so gezielt
und wirksam wie möglich ist. Wir stehen in ständiger
Verbindung mit dem UN-Sekretariat um sicherzustellen, daß sich die Zahl derfür jede Mission stationierten
UN-Friedensstruppen auf das absolute Minimum zur
Erfüllung des Mandats dieser Mission beschränkt.
Femer drängen wir das Sekretariat, möglichst hohe
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*

freiwilliger Beiträge der Gastländer dieser Friedensmission und Länder mit besonderem Interesse an der
jeweiligen Mission sicherzustellen. Diese Ansätze
haben die Einsparung von Hunderten Millionen Dollar
gegenüber den ursprünglich von den Vereinten Nationen für die Friedensmissionen in Namibia und Angola
vorgelegten Schätzungen zur Folge gehabt. Wir
erwarten, daß sie zu noch größeren Einsparungen im
Hinblick auf die bevorstehenden Missionen in Kambodscha und Jugoslawien führen werden.
Schließlich möchte ich Ihnen versichern, daß wir die
Frage prüfen, ob es einen fairen und gerechten Weg
gibt, den von uns getragenen Prozentsatz der Kosten
für die UN-Friedensmissionen anzupassen. Wir können uns der Tatsache nicht entziehen, daß unsere
Volkswirtschaft mehr als doppelt so groß ist wie die
jeder anderen Nation. Wir können nicht leugnen, daß
wir die einzige verbleibende Supermacht der Welt
sind. Wir können uns der Realität nicht verschließen,
daß unsere Interessen in Übersee umfassender und
zwingender sind als die aller anderen Länder. Im
Rahmen dieser Parameter kämpfen wir jedoch noch
immer darum, daß der amerikanische Anteil an den
UN-Friedensmissionen auf ein absolutes Minimum beschränkt bleibt. Mir scheint es zu hoch angesetzt, daß
die Vereinigten Staaten weiterhin 30,4 Prozent der
Gesamtkosten der UN-Friedensmissionen tragen.
Die Zukunft
Wir sind an einem Scheideweg im 20. Jahrhundert
angelangt. Wir haben den kalten Krieg ebenso gewonnen wie den Ersten und den Zweiten Weltkrieg. Unser
Prestige und Einfluß in der Welt befinden sich auf dem
Höhepunkt, in gewisser Weise sind wir jedoch vom
Kampf ermüdet und wollen uns nach innen wenden.
Unsere innenpolitischen Probleme sind vielfältig und
verlangen nach Aufmerksamkeit. Wir möchten jemanden - irgendjemanden - der die Last in Übersee übernimmt.
Wenn wir jedoch auf lange Sicht der Welt den Rücken
kehren, in der wir leben müssen, wäre dies ein Verhängnis. Wir alle erinnern uns des Isolationismus der
zwanziger Jahre und seines bösen Bruders - wirtschaftlicher Protektionismus - ebenso wie wir uns an
das Chaos erinnern, das sie auf der Weltbühne geschaffen haben. Dies darf niemals wieder geschehen.
Wir haben die Chance, Großes zu vollbringen: zur
Stabilisierung der aufstrebenden Demokratien in Ländern beizutragen, die seit Jahrzehnten nur Tyrannei
kannten, Menschenrechte weltweit zu fördern, die
Vereinten Nationen und die entsprechenden regionalen Organisationen zu nutzen, um mehr Frieden und
Stabilität zu schaffen, als die Welt jemals erlebt hat.
Die Guten werden jetzt eindeutig gewinnen. Wenn wir,
die Vereinigten Staaten, jedoch den Kampf aufgeben,
wird das Ergebnis sehr viel düsterer aussehen.
*

*
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�KSZE
1. April 1992

EAGELBURGER BEZEICHNET KSZE ALS
"GEWISSEN DIESES KONTINENTS"
Rede beim KSZE-Folgetreffen
HELSINKI - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Stellvertretenden Außenministers Lawrence
Eagleburger und Leiters der US-Delegation beim Folgetreffen der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE), das am 24. März 1992 in Helsinki begann.

Zunächst möchte ich Präsident Koivisto und dem
finnischen Volk meinen Dank für die Veranstaltung
dieser Ministerkonferenz aussprechen, mit der das 4.
KSZE-Folgetreffen seit der Unterzeichnung der Schlußakte von Helsinki im Jahr 1975 eröffnet wird.
Diese Zusammenkunft in der Stadt, deren Namen
einen so hohen Stellenwert für diejenigen einnimmt,
die so lange für ihre Freiheit gekämpft haben, ist - mit
den Worten eines großen amerikanischen Präsidenten - ein Rendevouz mit dem Schicksal. Wir kommen
heute in einem Europa zusammen, das sich in den
Geburtswehen revolutionären Wandels befindet. Es
ist ein Europa, das sich selbst vom Würgegriff des
Totalitarismus befreit und die unnatürliche Teilung
zwischen Ost und West überwunden hat - sowohl
zwischen Nationen als auch auf dem Kontinent als
Ganzes. Es ist ein Europa, in dem sich die Achtung der
Menschenrechte von leeren Versprechungen in greifbare Realität gewandelt hat. Und es ist ein Europa, das
bald zum ersten Mal in seiner Geschichte ganz demokratisch sein wird. Und weil wir uns im Gegensatz zu
1975 in einem Europa versammeln, das nicht durch
ideologische Konflikte gespalten oder gelähmt ist, liegt
es in unserer Macht, Großes und Dauerhaftes zu
vollbringen.
Die Aufgabe dieser Konferenz bestoht in der Definition
des Kurses für die nächste Phase der europäischen
Entwicklung. Implizit wissen wir natürlich, daß diese
Aufgabe niemals vollendet werden kann. Wir sind uns
der Tatsache bewußt, daß sich die demokratische
Regierungsform immer weiterentwickelt, selbst dort,
wo sie schon am längsten praktiziert wird, und die
Sache der Menschenrechte ein niemals endender
Kampf ist. In meinem Land, in dem die Demokratie
über 200 Jahre alt ist, bewahren wir immer noch die
Skepsis unserer Gründerväter über Regierungen und
die Perfektion des Menschen. Um James Madison zu
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zitieren: "Was ist die Regierung anderes als das beste
aller Spiegelbilder der menschlichen Natur? Wenn die
Menschen Engel wären, wäre die Regierung unnötig.
Würden Engel die Menschen regieren, wären weder
externe noch interne Kontrollen der Regierung notwendig."
Madisons vorsichtige Worte sind der Erinnerung wert,
wenn wir in dieses neue Zeitalter der Demokratie
eintreten. In mancher Hinsicht war unsere Aufgabe
leichter - oder zumindest leichter zu verstehen -, als die
Gegner von Demokratie und Menschenrechten ihren
Zynismus offen und ohne jegliche Entschuldigung zur
Schau stellten. Heute könnten sich Selbstgefälligkeit
und Selbstzufriedenheit als unser größter Feind erweisen. Trotz der Tatsache, daß wir uns alle der Schlußakte von Helsinki verpflichtet und die besten Absichten
haben, benötigen wir daher die KSZE - das Gewissen
dieses Kontinents - morgen ebensosehr wie gestern.
Zweifelsohne ist es inzwischen offenkundig, daß dieses neue Zeitalter der Demokratie auch ein Zeitalter
tiefgreifenden Wandels ist. Auf der anderen Seite
haben die Revolutionen der vergangenen drei Jahre
unsere Mitgliederzahl erweitert und Einigung bezüglich unserer Zielsetzung hervorgebracht.
Diese
Umwälzungen haben dieses Gremium jedoch auch mit
neuen Herausforderungen konfrontiert. Revolutionäre
Veränderungen der von uns erlebten Art bergen nicht
nur Hoffnungen, sondern auch ein gewisses Maß an
Unsicherheit und Instabilität. Weit davon entfernt, zu
Ende zu sein, ist die Geschichte in Bewegung.
Aus diesem Grund benötigen wir die KSZE bei Verhandlungen in einer Phase kontinuierlicher Veränderungen. Unsere Aufgabe besteht zweifelsohne jedoch
nicht darin, den Wiener Kongreß zu kopieren. Unser
Ziel ist weder die Schaffung rigider Strukturen, die
Veränderungen ersticken, noch die Anwendung rein
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�mechanischer Lösungen auf die Probleme des europäischen Gleichgewichts. Statt dessen müssen wir
realistische Ziele für die KSZE festsetzen in der Erkenntnis, daß dieses Gremium eine von mehreren
ineinander übergreifenden Institutionen ist, durch die
wir einen Staatenbund demokratischer Nationen aufbauen wollen. Das Atlantische Bündnis, die Europäische Gemeinschaft, die WEU und der Nordatlantische
Kooperationsrat müssen in unserer euro-atlantischen
Gemeinschaft alle eine Rolle spielen. Jede dieser
Organisationen sieht sich mehr als genug Herausforderungen gegenüber. Vor allem müssen wir versuchen, die einzigartige Rolle der KSZE als die moralische Stimme und letztliche Quelle der Legitimität des
neuen Europas aufrechtzuerhalten und zu stärken.
Aus dem Blickwinkel der Vereinigten Staaten sieht sich
die KSZE in der Zeit nach dem kalten Krieg mit zwei
umfassenden Herausforderungen konfrontiert: erstens, die Konsolidierung der KSZE-Prinzipien unter
den neuen demokratischen Mitgliedsstaaten herbeizuführen und zweitens, die Institutionen und Mechanismen der KSZE zu stärken, um konzertierte Aktionen für eine konstruktive Bewältigung des Wandels in
Europa zu ermöglichen.
Im Hinblick auf die erste Priorität sollte es niemanden
verwundern, daß die Demokratie zu Beginn ihrer Entwicklung eine schwierige Phase durchläuft. Wir sollten
uns vergegenwärtigen, daß Demokratie stets zumindest den Anschein von Instabilität erweckt. Freiheit
bringt schließlich Unordnung mit sich, eine Tatsache,
die den neuen Demokratien - die das von der Diktatur
hinterlassene Vermächtnis von Intoleranz und wirtschaftlichem Ruin überwinden müssen - sicherlich
schon bewu ßt geworden ist. Unter diesen Umständen
muß ein Hauptziel darin bestehen, die KSZE-Mechanismen einzusetzen, um unsere gemeinsame Erfahrung bei der Praktizierung der Demokratie dem Wohl
aller zugute kommen zu lassen. Darüber hinaus müssen wir sicherstellen, daß die Übereinstimmung dieses
Gremiums bei den Prinzipien in all unseren Mitgliedstaaten von der jüngsten bis zur ältesten Demokratie
in die Praxis umgesetzt wird.
Unsere zweite Priorität muß der Bewältigung des
Wandels gelten - insbesondere dem Umgang mit dem
durch den Zusammenbruch der alten europäischen
Ordnung hervorgerufenen unvermeidlichen Ausbruch
von Streitigkeiten innerhalb und zwischen Mitgliedstaaten. So sind wir seit über einem Jahr bereits
Zeugen innerer und grenzüberschreitender Unruhen
auf dem Balkan und im Kaukasus. Sicherlich ist es
Aufgabe dieser Organisation, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um diesem Bruderkrieg ein Ende zu
setzen.
Mit diesem Ziel vor Augen haben wir in den letzten
Jahren im Rahmen der KSZE Mechanismen zur Kon-

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fliktbewältigung geschaffen und verfeinert. Wir sollten
diese weiter ausbauen, aber wir sollten uns auch
bemühen zu gewährleisten, daß uns die Instrumente
zur Verfügung stehen, um Probleme vor dem Ausbruch von Krisen und Konflikten an der Wurzel zu
packen. Mit anderen Worten: in den kommenden
Jahren müssen wir die Konfliktverhütung - ebenso wie
die Bewältigung von Konflikten - zur Priorität machen.
Zu Beginn dieser Folgekonferenz ist es unerläßlich,
daß wir uns der Tatsache erinnern, daß wir, die Mitgliedstaaten, mit der Einlösung des Versprechens von
1975 erfolgreich den Charakter unserer Beziehungen
revolutioniert haben. Die KSZE verkörpert diesen
qualitativen und historisch einmaligen Wandel. Während wir souverän Handelnde bleiben, sind wir auch
Mitglieder einer moralischen Gemeinschaft - einer
Gemeinschaft mit Instrumenten und Einfluß, die gewährleistet, da ß der Schwächste unter uns angesichts
antidemokratischer Bedrohungen oder Tendenzen im
eigenen Land oder von außen nicht alleine steht.
Wenn wir den uns vereinenden Werten treu bleiben
und bereit sind, das Potential auszuloten, das diesem
Gremium so eindeutig innewohnt, könnten wir in der
Tat einen Frieden erlangen, der wesentlich weitreichender und dauerhafter ist als jedes prekäre Gleichgewicht, das jemals von den Praktikern der Realpolitik
und des Machtgleichgewichts erreicht wurde.
Mit anderen Worten: wir könnten zu dem Schluß
kommen, daß wir in diesem demokratischen Zeitalter
eine neue Definition von Sicherheit artikuliert haben eine Definition, die Menschenrechte und Wirtschaftsfragen ebenso umfaßt wie Rüstungskontrolle und die
Verhütung und Beilegung von Konflikten. Meine
Regierung hofft, daß diese Konferenz in den kommenden Monaten die immensen Veränderungen der vergangenen drei Jahre mit Blick auf die Ausarbeitung
dieser erweiterten Definition von Sicherheit überprüfen wird. Und wenn unsere Arbeit im Juli abgeschlossen wird, sollten wir eine Erklärung verabschieden, in
der festgelegt ist, wie wir dieses Gremium einsetzen
möchten, um mit den sich durch den Wandel in ganz
Europa ergebenden Problemen umzugehen. Diese
Erklärung sollte den Ministerrat und den Ausschuß
hochrangiger Beamter anweisen, ihre Arbeit nach
Beendigung dieser Konferenz fortzusetzen. Sie sollte
uns ferner dazu verpflichten, eine gründliche Untersuchung möglicher Krisen und konzertierte Aktionen
durchzuführen, um Krisen vor und nicht nach dem
Beginn von Blutvergießen beizulegen.
Insgesamt streben die Vereinigten Staaten eine KSZE
an, die in der Lage sein soll, vier grundlegende Funktionen zu erfüllen:
als Standard für die Bewertung der Einhaltung
von Demokratie und Menschenrechten zu dienen,

AMERIKA DIENST 13

�ein Forum für politische Konsultationen und
konzertierte Aktionen zur Bewältigung des
Wandels bereitzustellen,
als wichtigstes Forum für Gespräche über konventionelle Rüstungskontrolle in Europa zu dienen und

Eine KSZE, die diese Funktionen umfaßt, wird uns
helfen, eine Familie von Nationen zu schaffen, die
nicht nur demokratisch ist, sondern die auch die Bedeutung von Sicherheit neu definiert und damit für all
ihre Mitgliedstaaten von Vancouver bis Wladiwostok
einen echten und dauerhaften Frieden gesichert hat.

die Arbeit zum Aufbau demokratischer Institutionen und marktwirtschaftlicher Reformen zu
unterstützen.
* * *

AMERIKA DIENST 13

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�US - A U S S E N P O L I T I K
I.April 1992

ENTWICKLUNGSHILFE, WIRTSCHAFTLICHE
REALITÄTEN UND DIE NEUE WELTORDNUNG
von Stephen D. Cohen
WASHINGTON - (AD) - Dr. Stephen D. Cohen, Professor an der School of International Service an der American
University in Washington und Experte für internationale Wirtschaftsbeziehungen, erörtert in seinem folgenden
Artikel Entwicklungshilfeprogramme in einer veränderten Welt und verweist darauf, daß Entwicklungshilfe nicht
unbedingt mit wirtschaftlicher Entwicklung gleichzusetzen ist. Er gibt Empfehlungen, wie Industrieländer den
Entwicklungsländern und ehemals kommunistischen Ländern am besten helfen können.
Entwicklungshilfe präsentiert die Geber- und Empfängerländer mit mehr Problemen und Unsicherheiten als
irgendein anderer Sektor der Außenwirtschaftspolitik.
Verglichen mit Handelspolitik oder internationaler Finanzpolitik hat Entwicklungshilfe unklarere Ziele, eine
weniger beeindruckende Erfolgsbilanz und ein problematischeres Verhältnis von Ursache und Wirkung.
Umfassendere Entwicklungshilfeprogramme wurden
vor allem als Teil der Bestrebungen der freien Welt
erarbeitet, um die Verbreitung des sowjetischen Expansionismus in Westeuropa, Japan und den - später
sogenannten- Entwicklungsländern in Lateinamerika,
Afrika und Asien zu verhindern. Heute hat die Auflösung des sowjetischen Imperiums zahlreiche neue
Dilemmas in der Entwicklungshilfe mit sich gebracht,
die erneut die Debatte entfachen, wie die reichen
Länder des Nordens den weniger wohlhabenden Volkswirtschaften helfen können.
Die politische Ökonomie der Entwicklungshilfe
Entwicklungshilfe liegt irgendwo in der Mitte zwischen
einer der freimütigsten Ausdrucksweisen echter Sorge, mit der die Menschheit den weniger Begüterten
helfen will und einer der unsinnigsten Verschwendungen von Steuergeldern. Wenn wir Anstrengungen zum
Wiederaufbau der beschädigten Infrastruktur in Westeuropa und Japan unmittelbar nach dem Zweiten
Weltkrieg au ßer acht lassen und nur die Bestrebungen
zur Schaffung einer starken, blühenden Marktwirtschaft betrachten, wo es vorher keine gab, gibt es bei
jeder eindeutigen Erfolgsbilanz zahlreiche Beispiele
für gescheiterte Entwicklungshilfe.
Auf dem Höhepunkt des kalten Krieges zwischen
Kommunismus und Demokratie wurde Entwicklungshilfe zum Wettbewerb politischer Popularität, bei dem

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sowohl die Vereinigten Staaten als auch die Sowjetunion großzügige Kreditprogramme einsetzen, um Entwicklungsländer von einer Hinwendung zur kapitalistischen oder kommunistischen Ideologie abzuhalten.
Zu jeder Zeit kümmerten sich wenige der maßgeblichen Personen darum, ob einige wenige Entwicklungsländer zu Industrienationen wurden. Das Hauptkriterium der Geberländer für die Gewährung von
Entwicklungshilfe war offensichtlich: die Empfänger
mußten der Politik und Wirtschaft der anderen Supermacht abschwören. Heute ist die weltpolitische Lage
völlig anders. Der kalte Krieg ist vorüber, und der
Kapitalismus hat gewonnen. Der kommunistische
Block, bis vor kurzem noch eine wichtige Quelle von
Entwicklungshilfegeldern, ist jetzt selbst um umfangreiche Entwicklungshilfe bestrebt, um seinen gigantischen Wiederaufbaubedarf zu finanzieren.
Der weltpolitische Grund für Entwicklungshilfe mag
sich drastisch verändert haben, aber die wirtschaftliche Notwendigkeit ist größer als je zuvor. Das Hauptmerkmal der entstehenden neuen Weltordnung ist das
Fehlen bedeutender politischer Argumente in den
wichtigsten Ländern - eine zumindest in den letzten
300 Jahren einmalige Situation. Das Ergebnis ist ein
besonders günstiger Zeitpunkt für Veränderungen des
Laufs der Geschichte - zum besseren. Dies ist eine
Chance, die wir nicht verpassen dürfen, weil man es
nicht geschafft hat, das weit verbreitete Leiden, die
Armut und Hoffnungslosigkeit auf diesem Planeten zu
mindern.
Das Streben nach einer neuen Harmonie auf der Welt
auf der Basis von Demokratie und Kapitalismus hat
keine sichere Aussicht auf Erfolg und Dauerhaftigkeit.
Vergleichsweise wenig Menschen leben in vergleichsweise wenigen wohlhabenden Industrieländern, die

Seite 1

�einen unverhältnismäßig großen Anteil der WeltreichFörderung von Exporten der Geberländer in die
tümerkontrollieren. Diese Länder müssen ihrer Aufgaam wenigsten entwickelten Länder,
be besser gerecht werden, die soziale und wirtschaftÜbernahme der Kosten zur Verwirklichung der
liche Entwicklung der gegenwärtig in den vielen untermit dem Übergang von zentral gelenkten Wirtentwickelten Ländern lebenden armen Mehrheit auf
schaften
zu marktorientierter Dezentralisierung
der Welt zu leiten und zu finanzieren. Es ist unzumuteinhergehenden
Wirtschaftsreformen und
bar, daß über eine Milliarde Menschen - ein Fünftel der
Weltbevölkerung von weniger als einem Dollar täglich
Finanzierung der direkt zu Wirtschaftwachstum
leben (Quelle: Weltbank). Marktwirtschaftliche Mebeitragenden Programme und Projekte.
chanismen allein werden die weltwirtschaftlichen
Mißstände nicht heilen. Wenn man sie nicht behebt, Mindestens drei dieser Ziele der Entwicklungshilfe
werden diese Mißstände die Anfälligkeit für Demago- stehen nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit
gen erhöhen und oftmals zu Diktaturen führen.
wirtschaftlicher Entwicklung. Die sich abzeichnende
neue Weltordnung wird die Tendenz der Geberländer
Entwicklungshilfe und wirtschaftliche Entwick- nicht zwangsläufig schmälern, ihre Hilfsbestrebungen
lung sind keine Synonyme
eher auf aufgeklärte Eigeninterressen auszurichten
Wenn die neue Weltordnung tatsächlich in ein Zeitalter als auf abstrakte wirtschaftliche Prinzipien von gerinpolitischer Harmonie und wirtschaftlichen Wohlstands gem Interesse für die Steuerzahler.
führen soll, müssen Entwicklungshilfeprogramme
Eine traditionell ebenso wichtige wirtschaftliche Realibessere Ergebnisse hervorbringen als in der Vergantät ist, daß selbst ein hervorragend zugeschnittenes
genheit. Den Fehlern der Vergangenheit mu ß grö ßere
Hilfsprogramm unangemessene, kontraproduktive
Aufmerksamkeit zuteil werden. Alte wirtschaftliche
Wirtschaftsmaßnahmen in den Empfängerländem nicht
Realitäten bestimmen immer noch, wie effektiv Geberausschalten kann. Mit der Erklärung, daß "die Ausländer Wirtschaftshilfe leisten und wie effektiv Emsichten der Entwicklungsländer vornehmlich in ihren
pfängerländer diese nutzen. Nicht einmal die EinfühHänden liegen", unterstrich der Weltbankbericht über
rung einer friedlicheren, marktorientierten Weltordinternationale Entwicklung von 1991 die absolute
nung kann das kritische Bindeglied zwischen EntwickNotwendigkeit für die Entwicklungsländer, gleichzeitig
lungshilfe und wirtschaftlicher Entwicklung verändern:
vier Richtlinien bei der Reform ihrer Maßnahmen zu
die Geberländer müssen bei der Vergabe ihrer Hilfe
verfolgen:
wissen, was sie tun und was funktioniert, Empfänger
müssen eine wachstumsorientierte EntwicklungspoliInvestitionen in das Humankapital (Ausbildung,
tik verfolgen, um der Hilfe gerecht zu werden. Seit
Gesundheitsfürsorge usw.),
Einführung von umfassenden Entwicklungshilfeprogrammen vor fast 50 Jahren hat keine Seite dieser
weitere Öffnung der Volkswirtschaften für interGleichung außergewöhnliche Erfolge erzielt.
nationalen Handel und Investitionen,
"Entwicklung" entsteht aus einer komplexen Mischung
wirtschaftlicher, sozialer, institutioneller und politischer
Faktoren, deren Mischungsverhältnis sich von Land zu
Land unterscheidet. Das richtige Verhältnis der Bestandteile zu finden, um diese Faktoren angemessen
und gleichzeitig zu verändern, ist ein immanent schwieriger, langfristiger Prozeß, der öfter scheitert als er
erfolgreich ist. Manchmal spiegelt das Scheitern die
Tatsache wider, daß Geberländer stärker daran interessiert sind, ihre eigenen kurzfristigen Interessen zu
verfolgen als daran, in einer unterentwickelten Volkswirtschaft die Kräfte langfristigen Wandels vorsichtig
zu nähren.

Verbesserung des Klimas für Privatunternehmen durch Minimierung staatlicher Einflußnahme auf Preismechanismen und Maximierung
öffentlicher Investitionen in die Infrastruktur,
Korrektur der makroökonomischen Maßnahmen
durch Eindämmung von Haushaltsdefiziten und
Inflation.

Die These, die Wirtschaftspolitik im Inland - nicht der
Fluß an Auslandshilfe an sich - sei die entscheidende
Variable der Entwicklung, wird durch das deutlich
uneinheitliche Wachstum des Bruttoinlandsprodukts
(BIP) in einzelnen Regionen der dritten Welt untermauert. Zwischen 1980 und 1989 variierte das durch
Es gibt bei der Gewährung von Entwicklungshilfe fünf
schnittliche jährliche Wachstum des BIP von -1,2 ProHauptziele:
zent in Afrika südlich der Sahara und -0,4 Prozent in
Humanitäre Bestrebungen, mit denen der Grund- Lateinamerika bis +6,2 Prozent in Ostasien. Das
bedarf der ärmsten Menschen mit dem niedrig- günstige Wirtschaftsklima, disziplinierte makroökonomische Maßnahmen, niedrige Inflation und eine exsten Lebensstandard gedeckt werden soll.
portfördernde Handelspolitik waren in zahlreichen der
Verfolgung außenpolitischer Strategien zur sogenannten asiatischen Schwellenländer der gemeinFörderung der Dankbarkeit und Freundschaft same Nenner für erfolgreiche Wachstumsstrategien.
anderer Länder.
Auf der anderen Seite können weitverbreitete Beispi9-

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AMERIKA DIENST 13

�le wachstumshemmender Verhaltensweisen wie relativ unbegrenzte makroökonomische Maßnahmen,
umfassende staatliche Eingriffe in die Preismechanismen (insbesondere im Agrarsektor) und eine Importe
ersetzende Handelspolitik in den von langsamerem
Wachstum gekennzeichneten Ländern in Lateinamerika, Afrika und auf dem indischen Subkontinent festgestellt werden. Es liegt auf der Hand, daß die
wirksamste entwicklungspolitische Reaktion der Industrienationen in solchen Fällen in der Begrenzung der
Auslandshilfe besteht, bis sich die Regierungen dieser
Länder auf Wirtschaftsreformen im Inland geeinigt
haben.
Unterstützung des wirtschaftlichen Wandels in
der ehemaligen Sowjetunion und Osteuropa
Der plötzliche und rasche Zerfall des Kommunismus
und die Hinwendung zu demokratischen und kapitalistischen Prinzipien in der ehemaligen Sowjetunion und
Osteuropa sind bahnbrechende Ereignisse in der internationalen Geschichte. So begrüßenswert diese
Ereignisse sind, ist ein erfolgreicher globaler Übergang zu politischer Freiheit und freien Marktwirtschaften jedoch nicht automatisch. Kurz nachdem die
ehemaligen Opfer der kommunistischen Mißwirtschaft
auf den Geschmack der Freiheit des einzelnen gekommen waren, machte sich der bittere Geschmack der
wirtschaftlichen Realität breit. Wie alle demokratisch
gewählten Regierungen werden die neuen Regime in
Osteuropa einen soliden und sich verbessernden
Lebensstandard bieten müssen. Wenn ihnen dies
nicht gelingt, kann man bestenfalls politische Unruhen
und schlimmstenfalls eine Rückkehr zu autoritärer
Herrschaft vorhersagen.
Die mit der tiefgreifenden wirtschaftlichen Umgestaltung einhergehenden Schwierigkeiten und Kosten sind
so enorm und allgegenwärtig, daß langfristige Hilfe der
demokratischen Industrieländer für den Erfolg absolut
unabdingbar ist. Die Schwierigkeiten des Übergangs
von einer Kommando- zur Marktwirtschaft können kaum
überschätzt werden. Dem Diktat eines Fünfjahresplans zu folgen, ist eine ungenügende Vorbereitung für
den Konkurrenzdruck in einer hochmodernen, dynamischen Weltwirtschaft, die schon vor langer Zeit an
der Sowjetunion und Osteuropa vorbeigegangen ist.
Es gibt keinen Präzedenzfall und daher keinen Leitfaden für die Verwirklichung der außergewöhnlich vielfältigen wirtschaftlichen Aufgaben, m«t denen sich der
ehemalige sowjetische Block konfrontiert sieit: Privatisierung der Staatsbetriebe, Schaffung von Rechtsund Buchführungssystemen auf der Grundlage von
Privateigentum, Einführung von Banksystemen und
Kapitalmärkten, Schaffung wirksamer Verteilungssysteme, Ausbildung der Arbeitskräfte für ein auf Wettbewerb und Profit ausgerichtetes Umfeld und so weiter.

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Die Wirtschaftslage in der Sowjetunion und Osteuropa
ist für die Erarbeitung eines ständigen Auslandshilfeprogramms noch zu neu und fließend. Doch selbst die
außergewöhnlichen politischen und wirtschaftlichen
Ereignisse in diesem Gebiet der Welt sind demselben
wirtschaftlichen Diktat unterworfen, das Hilfsprogrammen für die dritte Welt zugrundeliegt. Die Struktur,
Zielsetzung und Qualität der Bereitstellung von Hilfe
wird entsprechend der Ziele und Relevanz der Bestrebungen der Geber variieren, während die Auswirkungen aller Wirtschaftshilfeleistungen sich aufgrund der
von dem jeweiligen Empfängeriand ergriffenen wirtschaftlichen und sozialen Maßnahmen unterscheiden,
sei es in einer relativ gut funktionierenden Volkswirtschaft wie Ungarn oder in einer mit größeren Problemen und Unsicherheiten behafteten.
Die Maximierung der Hilfe für die ärmeren Länder
Empfehlungen, wie die Industriestaaten den Entwicklungsländern sowie den ehemals kommunistischen
Staaten am besten helfen können, lassen sich in zwei
prägnante Kategorien einteilen: 1. Entwicklungshilfeprogramme und 2. umfassendere wirtschaftliche
Maßnahmen auf internationaler Ebene. Die erste
Kategorie umfaßt ausschließlich Instrumente zur Verbesserung des bestehenden Verfahrens für die Vergabe von Auslandshilfe in einer neu entstehenden Weltordnung, die auf der Wahrung von Rechtsstaatlichkeit
und marktwirtschaftlicher Wirtschaftsentwicklung beruht. Keine Veränderung der Weltordnung ist so groß,
daß die häufig entscheidenden Hilfsbeiträge in Form
von Ausbildung, politischen Verbesserungen, Verbreitung von Technologien und neuen Ideen, Stärkung von
Institutionen, Aufbau der Infrastruktur und Finanzierung von Importen dringend benötigter Waren und
Dienstleistungen für Konsum- oder Investitionszwekke außer acht gelassen werden könnten. Darüber
hinaus kann kein Wandel der Weltordnung etwas an
der Tatsache ändern, daß sich die Industriestaaten
von vielen der negativen Auswirkungen gravierender
Wirtschaftsprobleme in den ärmeren Ländern - insbesondere der zunehmenden Schädigung der Umwelt
und illegaler Drogenexporte - nicht abschotten können.
Die jüngsten Änderungen in der Weltordnung bieten
eine ausgezeichnete Chance für notwendige Verbesserungen in der Struktur der Auslandshilfe. Soweit
Übereinstimmung darüber besteht, daß nichthumanitäre Entwicklungsbemühungen am erfolgreichsten sind,
wenn potentielle Empfänger für ihre Innenpolitik rechenschaftspflichtig sind, sollten die Geberländer den
multilateralen Kreditinstitutionen, also der Weltbank
und regionalen Entwicklungsbanken, mehr Verantwortung - und finanzielle Mittel - übertragen. Internationale Beamte konzentrieren sich mehr auf die tech-

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�nischen Aspekte der Kreditvergabe. Als Voraussetzung für wichtige Infrastrukturkredite werden sie viel
eher Wirtschaftsreformen verlangen als nach politischem Goodwill des Empfängerlandes zu streben.

dem zugutekommen. Wie die Erfahrung der asiatischen Schwellenländer erst in jüngster Vergangenheit
gezeigt hat, stellen verstärkte Produktion und Exporte
von Fertigungsgütern die wichtigste Lokomotive der
Wirtschaftentwicklung dar. Für alle außer den am
In Verbindung mit der wachsenden weltweiten Beto- wenigsten entwickelten Ländern ist die Fähigkeit zu
nung freier Marktwirtschaften sollten Geberländer wie exportieren eine wesentlich größere Deviseneinnahdie Vereinigten Staaten und Japan die Ressourcen für mequelle als Auslandshilfe.
die Bereitstellung von technischer Hilfe wesentlich
erhöhen. Diese Länder verkörpern die gro Ben Erfolgs- Die Nachfrage nach Exporten aus den Entwicklungsgeschichten der Privatwirtschaft und des Industriali- ländern wird insgesamt auch von stetigem, nichtinflasierungsprozesses. Niemand weiß besser als sie, tionärem Wachstum im Norden profitieren. Die Fähigwelches die besten Mittel zur Förderung und Regelung keit der Industriestaaten, die Extreme der Rezession
unternehmerischer Aktivität sind. Mehr technische und der Notwendigkeit zum Abbremsen inflationären
Ausbildung sollte von Regierungen und privaten Un- Drucks durch wachstumshemmende hohe Zinssätze
ternehmern bereitgestellt werden. Darüber hinaus zu vermeiden, liegt im allseitigen Interesse des gesamsollte ein weltweites "Wirtschaftskorps" entweder auf ten internationalen Systems.
multilateraler Ebene oder seitens einzelner Länder
gegründet werden. Dieses Korps sollte sich haupt- Abschließend noch ein Wort zu den internationalen
sächlich aus pensionierten Managern und Wirtschafts- finanziellen Fragen. Weitere Fortschritte müssen beim
experten aus den Industriestaaten zusammensetzen, Abbau der Belastungen durch die Bedienung ausländie praktische Erfahrung mit der Entwicklung leistungs- discher Schulden erzielt werden, die von einer Reihe
fähiger Märkte für Agrar- und Industrieprodukte ha- von Entwicklungsländern und osteuropäischen Staaben. Aus- und Fortbildung bietet erhebliche Vorteile ten getragen werden. Das Schuldenproblem hat dazu
gegenüber simplen Finanztransfers, indem sie in Ländern geführt, daß die Vergabe neuer privater Kredite an
mit begrenzter oder nichtvorhandener Erfahrung bei diese Länder zu einer Zeit stark eingeschränkt wurde,
der Entwicklung eines funktionierenden privatwirtschaft- in der ihre wertvollen Deviseneinnahmen zunehmend
für die Rückzahlung alter Schulden anstatt für den
lichen Systems auf Dauer entscheidende Fähigkeiten
Kauf notwendiger Importe verwendet werden müssen.
entwickelt.
Ein effektiverer Mittelweg mu ß angestrebt werden, der
sowohl
die Erwartungen der Kreditgeber auf RückzahUnabhängig von ihrer Qualität sind Auslandshilfeprolung
befriedigt
als auch die schmerzliche Situation
gramme weder heute noch vielleicht jemals in Zukunft
vermeidet,
daß
Entwicklungsländer in den späten
das einzige oder notwendigerweise beste Mittel für
achtziger
Jahren
zu Nettoexporteuren von Kapital in
den Transfer von Ressourcen in unterentwickelte Länder.
den
Norden
wurden.
Weitere ausgehandelte HerabEs gibt effektivere Methoden als Hilfe, um Privatfirmen
setzungen
des
Nominalwerts
eines Teils der Schulden
und Unternehmer zu fördern. Wichtige Wachstumssowie
die
Umwandlung
eines
anderen Teils in garanhemmnisse können von außen durch wirtschaftspolititierte
langfristige
Anleihen
sollten
ein dauerhafter Teil
sche Maßnahmen und Tendenzen in den Industrielänkünftiger
Entwicklungsbemühungen
sein.
dern aufgetürmt werden. Deshalb ist es notwendig,
eine zweite Kategorie von Empfehlungen zu berücksichtigen, die umfassendere Aspekte der internationa- Die wirtschaftlichen Bedingungen in den Entwicklungsländern und Osteuropa werden sich weiterentwickeln,
len Wirtschaftsbeziehungen berühren.
und Auslandshilfestrategien werden sich dem bestänDie vorteilhafteste Einzelmaßnahme zur Unterstüt- digen Wandel anpassen müssen. Oberstes Gebot für
zung von Entwicklungsländern ist gegenwärtig der die Geberländer ist es jedoch, künftige Bemühungen
erfolgreiche Abschlu ß der Uruguay-Runde multilatera- auf die zunehmend einleuchtenderen Lehren der Verler Handelsgespräche. Das Schlußabkommen sollte gangenheit zu gründen. Man kann der alten ökonomineue marktöffnende Maßnahmen des Nordens für schen Regel nicht entgehen, derzufolge eine unzureiWaren wie etwa Textilien enthalten, die in den Entwick- chend strukturierte Mittelvergabe und ineffiziente
lungsländern günstiger hergestellt werden können. Wirtschaftspolitik in den Empfängerländem wahrscheinEine solche Handelsliberalisierung würde zumindest lich mehr Verschwendung als wirtschaftliche Entwickteilweise auch den Verbrauchern in den Industrielän- lung produzieren.
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�UMWELT
I.April 1992

DER BERICHT ÜBER UMWELTQUALITÄT
Eine Übersicht des Weißen Hauses
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine am 24. März 1992 vom Weißen Haus herausgegebene Übersicht über Präsident Bushs Vorschläge für Gesetzesentwürfe und internationale politische
Maßnahmen zur Umwelt, die im 22. Jahresbericht des Rats für Umweltqualität dargelegt werden.
Heute hat der Präsident den 22. Jahresbericht des
Rats für Umweltqualität (Council on Environmental
Quality - CEQ) vorgelegt. In diesem Bericht werden
Schlüsselthemen und politische Maßnahmen im Bereich Umwelt für das vergangene und kommende Jahr
erörtert. Er ist die umfassendste Statistik der Regierung über Umwelttendenzen.
In dem Bericht fordert der Präsident den Kongreß auf,
ausgewogene nationale Energiegesetze zu
verabschieden, die etwa gleichwertige Maßnahmen für Umweltschutz und Produktion vorsehen,
der Umweltschutzbehörde Kabinettsrang einzuräumen,
jeweils den Haushalt für Umwelt- und Naturschutzprogramme gemäß seines Antrags für
das Haushaltsjahr 1993 zu erhöhen. Dazu
zählen
1.1,8 Milliarden Dollar (gegenüber dem Haushaltsjahr
1992 eine Steigerung von 17 Prozent) für das Programm
America the Beautifui, um Nationalparks, Wälder,
Naturschutzgebiete und anderen staatlichen Grundbesitz auszubauen, in diesem Jahrzehnt Milliarden
Bäume zu pflanzen und den Bundesstaaten zu helfen,
Parks und Freizeiteinrichtungen zu schaffen (der
Kongreß hat die Forderungen des Präsidenten für
diese Programme gekürzt);
2. die Rekordsumme von 5,5 Milliarden Dollar (gegenüber dem Haushaltsjahr 1992 eine Steigerung von 26
Prozent) für die Beseitigung von Altlasten in Einrichtungen des Energieministeriums, die mit der Herstellung von Atomwaffen betraut sind sowie anderen Einrichtungen der Bundesregierung;
3. 201 Millionen Dollar (fast das Doppelte des Betrags
im Haushaltsjahr 1992) für die Altlastenbeseitigung in

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der Grenzregion zwischen den Vereinigten Staaten
und Mexiko, im Einklang mit dem Umweltaktionsplan,
den er dem Kongreß im vergangenen Jahr im Rahmen
des neuen Nordamerikanischen Freihandelsabkommens vorgelegt hat;
4. Programme zur Verbesserung der Qualität der
Küstengewässer, Beschleunigung der Altlastenbeseitigung im Rahmen von Superfund, Durchführung des
Gesetzes zur Luftreinhaltung, Schutz von Feuchtgebieten und Beschleunigung der Programme für saubere Energie und Verkehr.
Im Hinblick auf den "Earth Summit" der Vereinten
Nationen hat der Präsident die internationale Staatengemeinschaft zu folgenden Maßnahmen aufgefordert:
eine umfassende Rahmenkonvention über Klimaveränderungen abzuschließen;
Schritte zu unternehmen, die zu einer globalen
Rahmenkonvention zum Schutz und zur Erhaltung aller Wälder auf der Welt führen;
Maßnahmen zur Erhaltung der Artenvielfalt zu
vereinbaren, und wenn möglich eine zufriedenstellende globale Rahmenkonvention über Artenvielfalt zu unterzeichnen;
Eine Strategie zu verabschieden, um die Situation der Ozeane und Meerestiere zu verbessern;
Initiativen auf den Weg zu bringen, um die
Zusammenarbeit bei Umwelttechnologie auf
freien Märkten zu fördern und
die Gewährung finanzieller Hilfe an Entwicklungsländer durch die Weltumwelthilfe (Global
Environmental Facility - GEF) ebenso zu vereinbaren wie Reformen in den Umwelt- und Entwicklungsbehörden der Vereinten Nationen.

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�Folgende positive Tendenzen wurden im CEQ-Jahresbericht verzeichnet:
Die US-Produktion des ozonzerstörenden FCKWs liegt
bereits 42 Prozent unter dem Niveau, wie es das
Gesetz zur Luftreinhaltung und das Montrealer Protokoll fordern.

Die Konzentration von Luftschadstoffen in der AtmoSphäre ist weiter zurückgegangen, was einen kontinuierlichen Fortschritt des Gesetzes zur Luftreinhaltung
widerspiegelt,
Das Ausmaß des Verlusts von Feuchtgebieten hat
sich in den Vereinigten Staaten verlangsamt.

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�LANDWIRTSCHAFT
I.April 1992

MADIGAN: LANDWIRTE PROFITIEREN
VOM UMWELTSCHUTZ
Rede des US-Landwirtschaftsministers
PARIS - (AD) - Der amerikanische Landwirtschaftsminister Edward Madigan geht davon aus, daß die verstärkte Sorge über den Schutz der Umwelt Landwirten in der ganzen Welt größere Chancen auf höhere Einnahmen
verschafft.
In einer Rede beim Treffen der Landwirtschaftsminister der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) erklärte Madigan am 26. März 1992 in Paris, die Vereinigten Staaten verstärkten
zusammen mit anderen Ländern die Erforschung der alternativen Nutzung von Feldfrüchten, insbesondere für
industrielle Zwecke.
Als ein Beispiel führte Madigan die Tatsache an, daß die Nachfrage nach abgasärmeren Treibstoffen in den
Vereinigten Staaten "unvermeidlich" zum verstärkten Einsatz von Äthanol führen werde, einem Alkoholtreibstoff,
der aus Feldfrüchten wie etwa Mais gewonnen wird. Er verwies darauf, daß im Rahmen des Landwirtschaftsgesetzes von 1990 für die Jahre 1991 bis 1995100 Millionen Dollar für Forschung und Entwicklung im Bereich
Biotreibstoffe bewilligt wurden.
Nachfolgend veröffentlichen wir Madigans Rede bei der OECD im Wortlaut.

Die Landwirtschaft - die ganze Welt - steht an der
Schwelle eines neuen Jahrhunderts. Weil sich die
Welt ständig fortentwickelt, müssen auch unsere politischen Maßnahmen weiterentwickelt werden. Die
Reform der Landwirtschaft hat dabei entscheidenden
Stellenwert, und die Vereinigten Staaten engagieren
sich für dieses Ziel. Konstruktive Reformen bereiten
solchen Maßnahmen ein Ende, die die Preise für
landwirtschaftliche Erzeugnisse auf dem Weltmarkt
drücken, indem sie zu Überproduktion ermutigen, die
sodann mit Hilfe von Exportsubventionen auf dem
Weltmarkt verschleudert wird, was die Preise noch
weiter drückt. Konstruktive Reformen werden zu einem besseren und effizienteren Weltagrar- und Handelssystem, zu höheren Einkommen und Wirtschaftswachstum führen.
Wenn wir über landwirtschaftliche Reformen und Leitlinien für das 21. Jahrhundert und darüber hinaus
nachdenken, sind Treffen wie das heutige unerläßlich.
Ich gehe davon aus, daß die Wegbeschreibung für die
Zukunft ein Weltatlas sein muß. Die OECD stelt uns
heute ein wertvolles Forum zur Verfügung, in dem wir
die Debatte auf die Fragen von morgen zuschneiden
können. Ich weiß diese Gelegenheit zu schätzen, die
Standpunkte meines Landes mitzuteilen.
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Ich möchte die Analysen des landwirtschaftlichen Direktoriums im Bereich der Landwirtschaftsreformen
besonders hervorheben. Untersuchungen der Maßnahmen in ausgewählten Ländern haben den Wissensstand über einzelne landwirtschaftliche Sektoren
wesentlich erweitert. Andere Arbeiten über die Messung von Stützungsmaßnahmen und Einkommensverschiebungen (Erzeuger-/Verbrauchersubventionsäquivalente), mengenmäßige Beschränkungen, direkte Einkommensstützung sowie über die Fragen, wie
Märkte funktionieren und welchen Einfluß Marktinterventionen ausüben, haben uns dabei geholfen, uns
den Problemen und Konsequenzen von Reformen zu
widmen und diese zu verstehen. Und obwohl die
Vereinigten Staaten nicht immer einer Meinung mit
dem landwirtschaftlichen Direktorium waren, sind sie
doch der Ansicht, daß die OECD zum Potential für
bedeutsame Reformen beigetragen hat.
Die Uruguay-Runde
Seit Eröffnung der Uruguay-Runde vor nahezu sechs
Jahren befinden wir uns auf einem langen, schwierigen
und bisweilen frustrierenden Weg - insbesondere im
Hinblick auf den landwirtschaftlichen Teil der Verhandlungen. Unsere Position ist jedoch weiterhin unverän-

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�dert: unser Endziel bleibt die Reduzierung handelsverzerrender Maßnahmen und die Förderung eines freieren und faireren Weltagrarhandels.
Der vom Generaldirektor des GATT, Arthur Dunkel,
am 20. Dezember 1991 vorgelegte "Entwurf der Schlußakte" ist ein wichtiger Schritt in den Verhandlungen.
Der landwirtschaftliche Text stellt Dunkels Versuch
dar, die Meinungsverschiedenheiten über eine Reihe
umstrittener Fragen zu überbrücken. Deshalb enthält
dieser Text eine Reihe von Elementen, die nicht so
sind, wie wir es uns gewünscht hätten. Andererseits
stellt er einen bedeutenden Fortschritt bei den Bemühungen dar, die Regeln des Agrarhandels zu reformieren. Obwohl der Dunkel-Text bei weitem nicht perfekt
ist, ist er eine Grundlage, auf der die Uruguay-Runde
erfolgreich abgeschlossen werden kann.
Eine Einigung der Uruguay-Runde zur Landwirtschaft
muß den Prozeß bedeutsamer landwirtschaftlicher
Reformen einleiten - Reformen, die mit dem langfristigen Ziel eines fairen und marktorientierten Agrarhandelssystems in Einklang stehen.
Die Vorteile des Handels
Zu Beginn dieses Jahres stellte Präsident Bush fest:
"Künftiger Fortschritt und Wohlstand der Welt hängen
in der Tat vom freien Handel ab." Die Vereinigten
Staaten engagieren sich für Maßnahmen, die dies
gewährleisten. Präsident Bush bekräftigte sein Engagement für den freien Handel vor vier Tagen in Gesprächen mit Bundeskanzler Helmut Kohl, bei denen der
Präsident feststellte: "...weit besser als Hilfsprogramme ist offener Handel."
Die Vorteile des internationalen Handels sind mannigfaltig. In den vergangenen vierzig Jahren war die
drastische Ausweitung des Handels eine der Hauptantriebskräfte für Wirtschaftswachstum, die Schaffung
von Arbeitsplätzen und die Hebung des Lebensstandards auf der ganzen Welt.
Die künftige Richtung landwirtschaftlicher
nahmen

Maß-

Wir leben in einer dynamischen, ständigem Wandel
unterworfenen Welt. Wer hätte gedacht, daß die sich
rasch verändernde geopolitische Lage in Ost- und
Mitteleuropa sowie der ehemaligen Sowjetunion einen
solchen Verlauf nehmen würde? Wenn Maßnahmen
konstruktiv sein sollen, müssen sie sich dem Wandel
der Bedingungen anpassen und Marktsignale widerspiegeln. Die künftige Richtung landwirtschaftlicher
Maßnahmen muß eine stärkere Orientierung auf den
Markt beinhalten.
Zusätzlich zu den Problemen in der Landwirtschaft und
dem dringenden Bedarf an agrarpolitischen Reformen
ist die Aufmerksamkeit der Politiker auch bei anderen
Themenbereichen gefordert. Wir müssen uns verstärkt auf Umweltprobleme und die Entwicklung des
ländlichen Raums konzentrieren.
Seite 2

In einzelnen Ländern werden bereits politische Maßnahmen zur Bewältigung von Umweltproblemen und
ländlicher Entwicklung formuliert. Bei unserer Erarbeitung politischer Schritte müssen wir uns vergegenwärtigen, daß eine Maßnahme, die einzelne Probleme
löst, auch andere Bereiche beeinflußt. Zum Beispiel
hat die Landwirtschaftspolitik Auswirkungen auf die
Umwelt, und die Umweltpolitik beeinflußt die Landwirtschaft, wobei beide sich auf den ländlichen Raum
auswirken. Dennoch können wir weder landwirtschaftliche Probleme mit Umweltpolitik lösen noch die Probleme des ländlichen Raums durch Agrarpolitik.
Umgekehrt sollten wir nicht versuchen, die Landwirtschaft unter dem Vorwand einer Umwelt- oder Entwicklungspolitik für den ländlichen Raum zu subventionieren, und wir sollten auch nicht versuchen, Probleme
der Umwelt oder Entwicklung des ländlichen Raums
durch Agrarreformen zu lösen. Obwohl die Probleme
miteinander verflochten sind, fordert jedes einzelne die
besondere Aufmerksamkeit der Politiker.
Die OECD erkennt, daß das Verhältnis zwischen
Landwirtschaft und Umwelt vielschichtig ist: Agrarpolitik beeinflußt die Umwelt, und Umweltpolitik beeinflußt die Landwirtschaft. Maßnahmen, die Auswirkungen auf die Wirtschaft haben, sind nicht unabhängig,
sondern eingebunden durch ihre Auswirkungen auf
den Markt. Meiner Ansicht nach erkennen und akzeptieren wir alle, daß gegenwärtige politische Ziele unserer Länder in den Bereichen Landwirtschaft, Handel,
Umwelt und Entwicklung des ländlichen Raums nicht
ausreichend aufeinander abgestimmt sind.
Die Verbindungen zwischen diesen politischen Berei
chen kann nicht länger ignoriert werden. In den
Vereinigten Staaten lautet die offizielle Bezeichnung
für das Farmgesetz von 1990: Gesetz über Nahrungsmittel, Landwirtschaft, Umweltschutz und Handel von
1990. Zum ersten Mal seit über zwanzig Jahren
erscheinen andere Begriffe neben "Nahrungcmitteln"
und "Landwirtschaft" im Titel. Die öffentliche Meinung
wurde bekundet, und die politischen Entscheidungsträger haben reagiert. Die Umwelt ist Anlaß wachsender Besorgnis. Man ist sich zunehmend der Tatsache
bewußt, daß der Landwirtschaft gewährte Unterstützung nicht automatisch ländliche Gemeinden fördern.
Und die Besorgnis über die Entwicklung und wirtschaftliche Lebensfähigkeit des ländlichen Raums nimmt
zu.
Zum Beispiel führt eine Politik der umfangreichen
Förderung der Landwirtschaft, die die Produktion
subventioniert, zu einem starken Einsatz von Industrieprodukten. Die exzessive Nutzung von Düngemitteln und Pestiziden führt zu einer Belastung der
Gewässer. Starker Einsatz von Pflanzenschutz, Pflanzennahrung, Hormonen und Biotechnologie werfen
Fragen nach der Gefahrlosigkeit von Lebensmitteln
auf. Die landwirtschaftliche Nutzung von ökologisch
empfindlichen Flächen kann zu Bodenerosion führen
und natürliche Lebensräume zerstören. Die ÜberproAMERIKA DIENST 13

�duktion hat Überschüsse hervorgebracht, die auf den
Weltmärkten billig angeboten werden, was zu einem
Preisverfall führt. Wie sollen diese Probleme gelöst
werden?. Läßt sich durch die Verwirklichung einer
neuen Politik eine Antwort finden? Wenn das der Fall
ist, welche Politik sollte für Handel, Landwirtschaft,
Entwicklung des ländlichen Raums und die Umwelt in
Betracht gezogen werden?
Es bewirkt wenig, wenn man Umweltprogramme durchführt, um die Wasserqualität zu verbessern, wenn die
Landwirtschaftspolitik Anreize zum starken Einsatz
von Pestiziden und Düngemitteln bietet, mit denen die
Umwelt geschädigt wird. In ähnlicher Weise wird die
Landwirtschaft durch die Politik für Umwelt, Handel
und Entwicklung des ländlichen Raums beeinflußt.
Zum Beispiel könnten Umweltschutzvorschriften Landwirte von einer effektiven Produktion abhalten.
Darüber hinaus ist man sich zunehmend der Misere im
ländlichen Raum bewußt. Das Einkommensniveau
hinkt hinter dem der Städte hinterher, es mangelt an
der Grundversorgung im Gesundheits- und Bildungswesen, und die Beschäftigungsmöglichkeiten sind
beschränkt.
Durch die Schaffung neuer Arbeitsplätze in nichtlandwirtschaftlichen Sektoren hat sich die Abwanderung aus den ländlichen Gebieten verlangsamt. Zum
Beispiel haben neue Arbeitsplätze im Dienstleistungsbereich und in der verarbeitenden Industrie die Ausdünnung der Landbevölkerung aufgehalten, weil sie
genug Einkommen bieten, um Familien die Fortsetzung der Landbewirtschaftung auf Teilzeitbasis zu
gestatten. Innovative Produktentwicklung, Marketing
und neue Wege der Wertsteigerung landwirtschaftlicher Erzeugnisse können neue Möglichkeiten bieten
und das Einkommen von Höfen und nichtlandwirtschaftlichen Betrieben im ländlichen Raum steigern.
Dennoch liegt das Potential für ein Beschäftigungswachstum zumeist außerhalb der Höfe.
Die künftige Lebensfähigkeit der Wirtschaft auf dem
Land hängt von zwei Faktoren ab: der Geschwindigkeit, mit der strukturelle Anpassungen in der Landwirtschaft - dem Primärsektor - vollzogen werden und der
Geschwindigkeit, mit der Arbeitsplätze in anderen
Sektoren geschaffen werden. Um dem langfristigen
Bedarf des ländlichen Raums gerecht zu werden, sind
eine Reihe von Maßnahmen zur Entwicklung des
ländlichen Raums erforderlich, die Reformen in der
Agrarpolitik ergänzen. Darüber hinaus sollten solche
Maßnahmen die Wettbewerbsfähigkeit des ländlichen
Raums in anderen Sektoren fördern, insbesondere
dort, wo sich künftiges Beschäftigungswachstum verwirklichen läßt.
Ich möchte an dieser Stelle kurz auf die Lebensmittelhygiene eingehen. Eine Methode, um diesbezügliche
Sorgen zu zerstreuen, wäre die systematische Aufdeckung und Quantifizierung potentieller Risiken. Dabei
müßte man die Kosten ebenso abschätzen wie die
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Bereitschaft, für bessere Hygiene mehr zu zahlen.
Dabei muß die OECD eine Rolle spielen. Femer
könnten staatliche Programme und Handelspraktiken
so zugeschnitten sein, daß sie auf die wirtschaftlich
wichtigsten Risiken eingehen.
Darüber hinaus müssen wir berücksichtigen, daß unterschiedliche Produktionspraktiken und Verbrauchergewohnheiten ebenso wie Erfahrungen mit Vorschriften in manchen Ländern unterschiedliche Sorgen in
der Öffentlichkeit hervorrufen. Unser Argument dazu
lautet, daß alle Länder der öffentlichen Besorgnis auf
der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse Rechnung
tragen sollten. Unterschiedliche politische Kräfte in
jedem Land werden - in unterschiedlichem Umfang - zu
Versuchen führen, die Sorge über Lebensmittelhygiene fürdie Errichtung von Handelsschranken zu nutzen.
Ich fordere alle Minister auf, nicht die Errichtung von
Handelsschranken zuzulassen, die als Lebensmittelhygiene verbrämt sind.
Wenn die Landwirtschaft in Zukunft erfolgreich sein
soll, muß sie meiner Ansicht nach erweitert werden.
Eine meiner wichtigsten Prioritäten gilt der Erforschung
alternativer Nutzung unserer Agrargüter, insbesondere außerhalb des Lebensmittelsektors. Mir ist bekannt, daß manche Länder Ressourcen für Forschung
und Entwicklung der alternativen Nutzung landwirtschaftlicher Erzeugnisse aufwenden. Obwohl wir die
Vorteile dieser Aktivitäten erkennen, wollen wir sicherstellen, daß Entscheidungen in der Landwirtschaft von
Marktsignalen geleitet werden. In den Vereinigten
Staaten sucht die Industrie nach neuen Möglichkeiten
der Nutzung landwirtschaftlicher und neuer Produkte,
die dem Bedarf und den Wünschen der Verbraucher
besser gerecht werden. Die Sorge um die Umwelt und
Lebensmittelhygiene ist eine wichtige Kraft hinter diesen Veränderungen und bietet der Landwirtschaft
weltweit große Chancen.
Die Sorge um die Umwelt ermutigt uns alle, saubere
Treibstoffe zu finden, die weniger Schadstoffe ausstoßen. Produkte aus Landwirtschaft und Forsten können diesen Bedarf decken. Zusätzlich zu Vorteilen für
die Umwelt und die Landwirtschaft deuten langfristige
Tendenzen darauf hin, daß Marktkräfte dem US-Energiesektor unweigerlich Biobrennstoffe bescheren
werden. Äthanol und biologische Dieseltreibstoffe
sind erste Schritte. Die Vereinigten Staaten setzen
sich für die Beschleunigung der Forschung und Entwicklung von Biotreibstoffen ein. Unser Landwirtschaftsgesetz von 1990 bewilligt 100 Millionen Dollar
für die Erforschung von Biotreibstoffen von 1991 bis
1995.
Biotreibstoffe sind ein wichtiger Aspekt der Finanzierung und Durchführung von Forschungsvorhaben des
US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) bei der Entwicklung neuer wettbewerbsfähiger Agrarprodukte. Ein
zentrales Thema unserer Bestrebungen ist die Verwendung emeuerbarer Ressourcen zur Herstellung

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�von umweltverträglichen Produkten. Die Entwicklung
solcher Produkte ist heute aufgrund der enormen
Zunahme an Forschungsmethoden - vor allem Biotechnologie - leichter als je zuvor. Im folgenden einige
Beispiele:

Möglichkeiten, die nur darauf warten, ergriffen zu
werden.
Zusammenfassung und Schlußbemerkung

Wie ich bereits sagte, befinden wir uns an der Schwelle
Ein Drittel der pro Jahr produzierten 27 Milliar- zu einem neuen Jahrhundert - einem Jahrhundert der
den kg von aus Petrochemikalien hergestelltem Herausforderungen und Chancen. Wir haben einen
Kunststoff wird für Einwegverpackungen ver- weiten Weg bei der Entwicklung der Landwirtschaft
braucht. Das US-Landwirtschaftsministerium und Agrarpolitik zurückgelegt. Wir kennen die Grenerforscht Wege zur Herstellung biologisch ab- zen, UnWirtschaftlichkeit, hohen Kosten und Marktverbaubarer Plastikfolien für Müllbeutel und Fla- zerrungen, die bisherige Maßnahmen weltweit zur
Folge hatten. Wir wissen, daß Umweltprobleme und
schen.
die Entwicklung des ländlichen Raums vordringlich
Sojabohnenöl wird zu SpezialChemikalien sind und die Minister veranlassen, dem Einfluß der
umgewandelt wie etwa Ersatzstoffe für aus Erdöl Landwirtschaft auf diese Bereiche Rechnung zu trahergestellte Schmiermittel. USDA hat ferner gen.
eine patentierte Technologie für aus SojabohUnsere Herausforderung besteht darin herauszufinnen hergestellte Druckerschwärze entwickelt.
den, ob die von uns vertretenen Länder sich für die
Aus den Fasern der einjährigen Kenafpflanze Vorteile der Reformen entscheiden - größeres Wirtläßt sich sehr gut Druckerschwärze herstellen. schaftswachstum, zunehmender Wohlstand und verbesserte Beschäftigungsmöglichkeiten - oder das Risiko
Erucasäure aus Rapssamen kann zur Herstel- eingehen, diese Chancen zur Aufrechterhaltung des
lung von Kunststoff, Getriebeflüssigkeiten und Status quo zu vergeuden. Jetzt ist es an der Zeit für
Hochdruck-Schmiermitteln verwendet werden. Entscheidungen. Es ist an der Zeit zu entscheiden, ob
wir als Staatengemeinschaft kühn die Zukunft in AnIch könnte noch weitere Beispiele anführen, gehe
griff nehmen oder übervorsichtig an der Vergangenheit
jedoch davon aus, Sie verstehen, worauf ich abziele. festhalten.
Im Bereich der Landwirtschaft bieten sich enorme
* * * * *

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Seite 4

AMERIKA DIENST 13

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                <text>&lt;strong&gt;1. Libyen&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;USA fordern internationalen Gerichtshof zur Ablehnung libyschen Antrags auf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Vortrag von Rechtsberater Williamson&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Weiterverbreitung&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;USA: Nordkorea an der Schwelle zu Nuklearwaffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von CIA-Direktor Gates vor dem Kongreß&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. UNO&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Friedenstiftende Rolle der UNO wertvoller denn je&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung von Abteilungsleiter Bolton&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. KSZE&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eagleburger bezeichnet KSZE als "Gewissen dieses Kontinents"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede beim KSZE-Folgetreffen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. US-Außenpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Entwicklungshilfe, wirtschaftliche Realitäten und die neue Weltordnung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Stephen D. Cohen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Umwelt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Bericht über Umweltqualität &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht des Weißen Hauses&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;7. Landwirtschaft&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Madigan: Landwirte profitieren vom Umweltschutz &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des US-Landwirtschaftsministers&lt;/em&gt;</text>
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2. April 1992

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GUS-HILFE

BUSH BITTET KONGRESS UM UNTERSTÜTZUNG
FÜR GUS-HILFSPROGRAMM DER G-7
Rede von Präsident Bush

DAS GESETZ ZUR FÖRDERUNG DER FREIHEIT
VON 1992
Eine Übersicht des Weißen Hauses

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�GUS-HILFE
2. April 1992

BUSH BITTET KONGRESS UM UNTERSTÜTZUNG
FÜR GUS-HILFSPROGRAMM DER G-7
Rede von Präsident Bush
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush hat beide Häuser des Kongresses um ihre Unterstützung für ein von den
wichtigsten Industrieländern geschnürtes ehrgeiziges neues Paket internationaler Hilfe gebeten, mit dem
Demokratie und Wirtschaftsreformen in der GUS gefördert werden sollen.
Bei einer Rede vorder Presse im Weißen Haus kündigte Bush am 1. April einen 24-Milliarden-Dollar-Plan der
Gruppe der wichtigsten Industrieländer (G-7) an, im Rahmen dessen 1992 zur Förderung wirtschaftlicher
Reformen 18 Milliarden Dollar bereitgestellt werden plus 6 Milliarden Dollar zur Stabilisierung des Rubel. Zur
Gruppe der Sieben zählen neben den Vereinigten Staaten die Bundesrepublik Deutschland, Frankreich,
Großbritannien, Italien, Japan und Kanada.
Nachfolgend veröffentlichen wir Präsident Bushs Rede im Wortlaut.

Ich möchte eine Erklärung abgeben, die etwas länger
ist als üblich. Soeben bin ich mit den führenden
Politikern des Kongresses zusammengetroffen, um
die Unterstützung beider Parteien für ein neues, umfassendes und integriertes Programm zu erbitten, das
den Freiheitskampf in Rußland, der Ukraine und den
anderen neuen unabhängigen Staaten fördern soll, die
an die Stelle der Sowjetunion getreten sind.
Die Revolution in diesen Staaten kommt an einem
Wendepunkt der Geschichte und hat begreifende Auswirkungen auf Amerikas nationale Interessen. Es
steht genausoviel auf dem Spiel wie zu anderen Zeitpunkten dieses Jahrhunderts. Unser Gegner der
letzten 45 Jahre, das Land, das eine weltweite Bedrohung für Frieden und Freiheit darstellte, ist nunmehr
bestrebt, der demokratischen Staatengemeinschaft
beizutreten.
Ein Sieg der Freiheit und Demokratie in der ehemaligen Sowjetunion bietet die Chance für ein«» neue Welt
des Friedens für unsere Kinder und Enkel. Aber wenn
diese demokratische Revolution niedergeschlagen wird,
könnten wir in eine Welt zurückfallen, die in mancher
Hinsicht gefährlicher wäre als die finsteren Jahre des
kalten Krieges.
Amerika muß sich dieser Herausforderung gemeinsam mit denen stellen, die uns im Kampf gegen den
imperialen Kommunismus beistanden - die Bundesrepublik Deutschland, Großbritannien, Japan, Frank-

reich, Kanada, Italien und andere. Gemeinsam haben
wir den kalten Krieg gewonnen, und heute müssen wir
den Frieden gewinnen.
Diese Anstrengung wird neue Ressourcen von den
demokratischen Industrieländern fordern. Aber das ist
nichts gegen den Preis, den wir zahlen müßten, wenn
Demokratie und Reform in Rußland und der Ukraine,
in Weißrußland, Armenien und den Ländern Zentralasiens scheitern würden. Dies erfordert das Engagement eines vereinigten Amerikas, das von einem
Konsens gestärkt ist, der sogar den erhitzten Parteienstreit eines Präsidentschaftswahlkampfes überlagert.
Heute fordere ich den Kongreß - Republikaner und
Demokraten gleichermaßen - sowie das amerikanische Volk auf, sich hinter diese gemeinsame Anstrengung zu stellen.
Unsere nationale Anstrengung muß Teil einer weltweiten Aktion sein. Ich habe mit Bundeskanzler Kohl,
Premierminister Major, Präsident Mitterrand und anderen wichtigen Verbündeten Kontakt aufgenommen,
um unsere Pläne zu erörtern und ihnen die hohe
Priorität zu versichern, die ich dem Erfolg dieses
Unternehmens beimesse. Im Hinblick darauf möchte
ich heute einen Plan ankündigen, der Demokratie in
den Staaten der früheren Sowjetunion fördern soll.
Dies ist ein komplexer Themenkreis, an dem monatelang gearbeitet wurde - innerhalb der Regierung,

Seite 1

�gemeinsam mit unseren wichtigsten Verbündeten und
mit den Spitzenpolitikern der neuen unabhängigen
Länder der ehemaligen Sowjetunion. Dabei mußten
eine Reihe von Dingen zusammenkommen, um zu
gewährleisten, daß wir es richtig machen.
Dazu möchte ich Ihnen etwas Geschichte liefern. Ich
hatte Außenminister Baker gebeten, unseren grundlegenden Ansatz in seiner Rede am 12. Dezember in
Princeton darzulegen. Ich habe dann in meiner Rede
am 22. Januar bei der Washingtoner Konferenz zur
Koordinierung humanitärer Hilfe über die Notwendigkeit gesprochen, sich um Rußland und die anderen
ehemaligen Sowjetrepubliken zu kümmern.
Am 1. Februar habe ich diese Themen gemeinsam mit
Boris Jelzin in Camp David erörtert. Am selben Tag
traf Außenminister Baker Jelzins wichtigsten Wirtschaftsberater, IgorGaidar, um zu besprechen, wie wir
die Reformen in Rußland fördern könnten.
Eine Woche später kam Jim Baker bei seinem Treffen
mit Außenminister Kosyrew und Boris Jelzin in Moskau darauf zurück. Erst gestern hat der IWF mit
Rußland eine vorläufige Vereinbarung über sein Marktreformprogramm geschlossen. Nach Wochen intensiver Konsultationen in der G-7 hat Bundeskanzler Kohl
- der gegenwärtig den Vorsitz in der G-7 führt - die
Unterstützung dieser Gruppe für ein Rußland-Programm des IWF zugesichert.
Das von mir heute verkündete Programm baut auf
diesem Fortschritt auf und umfaßt drei wichtige Komponenten: Erstens haben die Vereinigten Staaten
gemeinsam mit ihren westlichen Verbündeten und den
internationalen Finanzinstitutionen an einem beispiellosen multilateralen Programm gearbeitet, um Reformen in den neuen unabhängigen Staaten zu unterstützen. Der Erfolg dieses Programms wird von ihrem
Engagement für Reformen und ihrer Bereitschaft
abhängen, mit der internationalen Staatengemeinschaft
zusammenzuarbeiten.
Rußland demonstriert dieses Engagement. Ich verkünde heute, daß die Vereinigten Staaten bereit sind,
sich an dem umfangreichen Paket multilateraler Finanzhilfe zu beteiligen, um Rußlands Reformen zu
fördern. Wir arbeiten gemeinsam mit unseren Verbündeten und dem IWF an der Entwicklung eines Währungsstabilisierungsfonds im Umfang von 6 Milliarden
Dollar, um das Vertrauen in den Rubel zu erhalten.
Darüber hinaus werden sich die Vereinigten Staaten
an multilateralen Bestrebungen beteiligen, 1992 etwa
18 Milliarden Dollar Finanzhilfe aufzubringen, um russische Bestrebungen zur Stabilisierung und Umstrukturierung der Wirtschaft zu fördern. Seit drei Monaten
arbeiten wir gemeinsam mit der russischen Regierung
an der Entwicklung eines Wirtschaftsreformplans, der
den wichtigsten Industrieländern die Gewährung von
Hilfe gestattet.

Seite 2

Wir arbeiten daran, bis Ende April alle Maßnahmen zu
diesem Paket im Umfang von 24 Milliarden Dollar
abzuschließen. Ich sichere in diesem Zusammenhang
die volle Kooperation der Vereinigten Staaten zu.
Zweitens werden die Vereinigten Staaten handeln, um
ihre eigene Kapazität für Hilfe an die neuen Staaten
auszubauen. Ich lege dem Kongreß einen umfangreichen Gesetzentwurf, das Gesetz zur Förderung der
Freiheit (Freedom Support Act) vor, um die Exekutive,
den Kongreß und darüber hinaus den Privatsektor für
ein umfassendes und integriertes Paket zur Förderung
der neuen Staaten zu mobilisieren.
Dieses Paket bewilligt eine Erhöhung der US-Quote
beim IWF von 12 Milliarden Dollar, die zur Förderung
Rußlands und der anderen neuen Staaten entscheidend ist. IWF und Weltbank werden die primäre
Finanzquelle für den Hilfebedarf der neuen Regierungen sein. Die Erhöhung der US-Quote beim IWF
wurde in der Haushaltsvereinbarung ausdrücklich
vorausgesetzt und verursacht keine zusätzlichen
Haushaltsausgaben.
Unterstützen Sie meine gegenwärtige Ermächtigung,
mit der G-7 und dem IWF zusammenzuarbeiten, um
das Stabilisierungsprogramm für Rußland zusammenzustellen und potentielle künftige Programme für andere
Staaten der früheren Sowjetunion zu fördern, die wichtige Reformen durchführen, einschließlich bis zu 3
Milliarden Dollar für Stabilisierungsfonds.
Damit würde auch die Gesetzgebung des kalten Kriegs
außer Kraft gesetzt, so daß die amerikanische Wirtschaft auf diesen neuen Märkten gleichrangig konkurrieren kann. Ich bin entschlossen, daß die amerikanische Wirtschaft die Chance erhalten soll, in den neuen
Staaten zu investieren und mit ihnen Handel zu treiben. Im Hinblick drauf habe ich verfügt, daß die
Vereinigten Staaten mit diesen Ländern so schnell wie
möglich Verträge über Handel und bilaterale Investitionen sowie Besteuerung schließen. Wichtige neue
Handelsbeziehungen können auch Arbeitsplätze in
diesem Land schaffen.
Das Paket wird den Einsatz der 500 Millionen Dollar
erweitem, die der Kongreß im vergangenen Jahr bewilligt
hat, um nicht nur die sichere Zerstörung von Nuklearwaffen herbeizufüren, sondern auch die allgemeineren
Ziele der Sicherheit von Atomreaktoren, Entmilitarisierung und Umwandlung der Rüstungsindustrie zu verwirklichen. Darüber hinaus wird ein Programm persönlicher Kontakte zwischen den Vereinigten Staaten
und den Ländern der früheren Sowjetunion ins Leben
gerufen, um die Art dauerhafter persönlicher Beziehungen zwischen unseren Völkern und in Rußland das
Verständnis für demokratische Institutionen zu schaffen, wie sie für kontinuierlichen Frieden entscheidend
sind.

�Diese Bestrebungen werden unsere bestehenden
Programme vervollständigen und Hunderte von Geschäftsleuten aus der Staatengemeinschaft in die
Vereinigten Staaten führen sowie Hunderte von Mitarbeitern des Peace Corps in die neuen Staaten bringen.
Ich übergebe dieses Bewilligungsgesetz dem Kongreß und fordere ihn auf, in diesem Sinne zu handeln,
um den erforderlichen Ausgaben zuzustimmen, mit
denen dieses Gesetz in die Tat umgesetzt werden
kann.
Drittens kündige ich zusätzlich zu den 3,75 Milliarden
Dollar, die die Vereinigten Staaten seit Januar 1991
gewährt haben, heute 1,1 Milliarden Dollar an neuen
CCC-Kreditbürgschaften für den Erwerb amerikanischer Agrarprodukte an. Sechshundert Millionen davon
werden für US-Verkäufe an Rußland aufgewendet und
zusätzlich 500 Millionen für US-Verkäufe an die Ukraine und andere Staaten.
Ich möchte mit einem persönlichen Wort schließen.
Jeden Tag denke ich an die Herausforderung, dem
amerikanischen Volk eine friedliche Zukunft zu sichern. Ich glaube felsenfest, daß Präsident Jelzins
Reformprogramm jetzt für das russische Volk und die
Sicherheit des amerikanischen Volkes die größte
Hoffnung bietet, da wir die neuen Beziehungen zu
diesem großen Land definieren.
Präsident Jelzin hat sehr mutige Schritte zu Demokratie und freien Märkten unternommen. Ich bin davon
überzeigt, daß es in unserem nationalen Interesse
liegt, ihn dabei voll und ganz zu unterstützen.
*

Über 45 Jahre lang bestand die größte Verantwortung
von neun amerikanischen Präsidenten - Republikanern wie Demokraten - darin, den kalten Krieg zu
führen und zu gewinnen. Ich hatte das Privileg, mit
Ronald Reagan an diesen breitgefächerten Programmen zusammenzuarbeiten und jetzt das amerikanische Volk zu führen, um den Frieden zu gewinnen,
indem wir die soeben erst von der Tyrannei befreiten
Menschen empfangen und sie in der Gemeinschaft
demokratischer Staaten begrüßen.
Ich weiß, daß es Stimmen gibt, die fordern, wir sollten
uns zurückziehen, unsere Energie, unser Interesse
und unsere Ressourcen auf unsere vordringlichen
nationalen Probleme konzentrieren. Sie sind in derTat
sehr wichtig. Aber ich würde sie bitten, sich die
Konsequenzen hier in Amerika vor Augen zu führen,
wenn auf der ganzen Welt Frieden herrscht. Wir
müssen jetzt handeln. Wenn wir uns abwenden und
nicht alles in unserer Macht Stehende tun, damit
Demokratie in den Länder der alten Sowjetunion Fuß
fassen kann, werden wir für unser Versagen einen
hohen Preis zahlen müssen. Wenn wir der Herausforderung gerecht werden und den gleichen Mut haben
wie Präsident Jelzin, der ukrainische Präsident Krawtschuk, der armenische Präsident Ter-Petrosian, werden es uns viele künftige Generationen von Amerikanern danken, daß wir den Weitblick hatten, für Demokratie einzustehen und am Frieden in diesem Jahrzehnt und bis ins nächste Jahrhundert zu arbeiten.

*

Seite 3

�GUS-HILFE
2. April 1992

DAS GESETZ ZUR FORDERUNG
DER FREIHEIT VON 1992
Eine Übersicht des Weißen Hauses
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine am 1. April 1992 vom Weißen Haus herausgegebene Übersicht zu den Bestimmungen des Gesetzes zur Förderung der Freiheit (Freedom Support Act) von
1992, das einen Rahmen für die amerikanische Hilfe an die neuen unabhängigen Staaten der ehemaligen
Sowjetunion bereitstellt.
I. Eine einmalige Chance zur Konsolidierung der
Freiheit
Der Zusammenbruch der Sowjetunion bietet den Vereinigten Staaten eine einmalige Chance dazu beizutragen, daß die Freiheit auf dem Boden Rußlands und
Eurasiens Wurzeln schlägt und gedeiht.
Der Erfolg von Demokratie und offenen Märkten
dort wird unmittelbar unserer nationalen Sicherheit zugutekommen.
Mehr Freiheit wird Wirtschafts- und Investitionsmöglichkeiten für Amerikaner schaffen und die
Chancen für Freundschaft zwischen unseren
Völkern vervielfachen.
Ebenso wie Demokraten und Republikaner im
kalten Krieg zusammenstanden, um für die
Freiheit zu kämpfen, müssen wir jetzt vereint
dafür wirken, den Frieden zu gewinnen.
II. Bereitstellung des Instrumentariums für eine
sicherere Weltordnung nach dem kalten Krieg
Das "Gesetz zur Förderung der Freiheit von 1992"
liefert einen flexiblen Rahmen, um die sich rasch
verändernden und unvorhersehbaren Ereignisse konstruktiv zu beeinflussen, die Rußland und Eurasien
umgestalten. Das Gesetz wird
Exekutive, Kongreß und Privatwirtschaft mobilisieren, um Demokratie und freie Märkte in
Rußland und Eurasien zu unterstützen;
unsere Bemühungen umfassend integrieren und
so gestalten, daß durch den Zusammenbruch
der Sowjetunion geschaffene militärische, politische und wirtschaftliche Möglichkeiten genutzt

und die Verantwortung mit anderen Mitgliedern
der internationalen Staatengemeinschaft geteilt
werden;
die Beschränkungen des kalten Kriegs aufheben, die immer noch die Regierung bei der Bereitstellung von Hilfe lähmen und die amerikanische Wirtschaft dabei behindern, Handel und
Investitionen mit den neuen unabhängigen
Staaten zu entwickeln.

III. Der umfassende und integrierte Plan hat 10
Hauptkomponenten
1. Das Gesetz erweitert die Befugnisse für die Bereitstellung humanitärer Hilfe, um zu gewährleisten, daß
der Grundbedarf gedeckt wird.
In Zusammenarbeit mit anderen Gebern werden die Vereinigten Staaten weiterhin Nahrungsmittel und medizinische Hilfe zur Verfügung
stellen, um die Gefahr humanitärer Notlagen
und von Instabilität zu verringern.
2. Das Gesetz fördert die nukleare Sicherheit und
Demilitarisierung, um nukleare Unfälle und die Verbreitung von Kernwaffen zu vermeiden.
Das Gesetz würde den zulässigen Einsatz der
500 Millionen Dollar erweitern, die im vergangenen Herbst für das Verteidigungsministerium
bewilligt wurden und eine Ermächtigung geben,
um die Bemühungen für Konversion der Rüstungsindustrie, Nichtverbreitung, Zerstörung
von Kernwaffen, die Bewältigung des Problems
der Abwanderung von Wissenschaftlern und
Technikern, die Verlegung der ehemaligen sowjetischen Streitkräfte sowie Reaktorsicherheit
zu unterstützen.

Seite 1

�3. Das Gesetz erweitert die Hilfsmöglichkeiten für den
Aufbau freier Märkte.
Diese Programme gründen sich auf die Bemühungen der Völker in den neuen Staaten, sich
durch Privatisierung und marktorientierte Volkswirtschaften selbst zu helfen. Das Gesetz würde
die Programme im Rahmen des Gesetzes zur
Unterstützung der Demokratie in Osteuropa
(Support for East European Democracy - SEED)
auf die ehemalige Sowjetunion ausdehnen.
4. Das Gesetz verstärkt die Unterstützung demokratischer Institutionen.

9. Das Gesetz unterstützt eine amerikanische Führungsrolle beim Stabilisierungsfonds.
Das Gesetz unterstützt die bestehende Befugnis des Präsidenten, eine führende Rolle bei der
Organisierung und Unterstützung multilateraler
Bemühungen zur makroökonomischen Stabilisierung zu übernehmen. Das Gesetz entspricht
dem Sinne nach der im Kongreß verabschiedeten Hilfe von bis zu 3 Milliarden Dollar für die
amerikanische Unterstützung des internationalen Währungsstabilisierungsfonds, wenn diese
Staaten die notwendigen Reformen einleiten.

10. Das Gesetz erweitert die amerikanische Präsenz
Dieser Vorschlag hilft uns, Programme wie etwa und verstärkt die Kontakte zwischen den Bürgern.
"Amerika Häuser" zu erweitem, um Demokratisierung und Rechtsstaatlichkeit zu fördern.
Das Gesetz würde sowohl die Beziehungen
zwischen den Regierungen als auch die Arbeit
5. Das Gesetz verbessert den Zugang zu Krediten für
von Organisationen wie dem Peace Corps, dem
den Ankauf amerikanischer Nahrungsmittel.
Bürgerkorps Demokratie und anderen Gruppen
erleichtern,
um Kontakte zwischen den Bürgern
Das Gesetz ermutigt zur Fortsetzung amerikazu
fördern.
nischer Nahrungsmittelexporte in die neuen
Staaten, indem deren Engagement für Wirtschaftsreformen bei der Bestimmung ihrer Kreditwürdigkeit für CCC-Bürgschaften berücksichtigt wird.
6. Das Gesetz stimuliert Handel und Investitionen
durch Beseitigung der Beschränkungen des kalten
Krieges.
Das Gesetz würde den Präsidenten in die Lage
versetzen, durch den kalten Krieg verursachte
Beschränkungen aufzuheben, mit denen Maßnahmen von EXIM-Bank und OPIC zur Unterstützung amerikanischer Firmen behindert
werden, die versuchen, in den neuen Staaten
geschäftlich aktiv zu werden.
7. Das Gesetz unterstützt die Entwicklung des Privatsektors.

IV. Bewilligungen und Ermächtigungen
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist keinerlei Ermächtigung erforderlich, um den Rahmen für die umfassende
und integrierte Organisierung unserer Bemühungen in
die Wege zu leiten.
Im Hinblick auf Bewilligungen
existiert bereits ein Antrag von 620 Millionen
Dollar, dem der Kongreß noch zustimmen muß,
besteht darüber hinaus ein weiterer Bewilligungsantrag über 12 Milliarden Dollar an Ausgabeermächtigung für die Quotenerhöhung des IWF,
die keine zusätzlichen Ausgaben erfordert und
das Haushaltsdefizit oder das Haushaltssicherungsgesetz nicht betrifft.

Eine Umschichtung der Ausgabeermächtigungen wird
Das Gesetz fördert amerikanische Investitionen uns ferner erlauben, bestehende Kreditprogramme,
und Handel sowie lokale Untemehmensgrün- EXIM und OPIC anzuzapfen und damit die bestehendungen durch Unternehmensfonds, Program- den Quellen besser auszunutzen.
me für kleine und mittlere Unternehmen sowie
Fortbildungsmaßnahmen für wirtschaftliche Bis zur vollen Nutzung bestehender Programme und
Führungskräfte. Darüber hinaus unterstützt es bis uns eine bessere Schätzung dessen vorliegt, weldie weitere Lockerung der COCOM-Beschrän- che zusätzlichen Mittel gegebenenfalls benötigt wer•den, ist es verfrüht, über zusätzliche Bewilligungen zu
kungen.
diskutieren.
8. Das Gesetz legt Bedingungen für amerikanische
Pläne für Stabilisierungsfonds für andere GUSFinanzbeiträge durch den IWF fest.
Staaten
Eine Quotenerhöhung des IWF ist erforderlich,
um Ressourcen zur Unterstützung der Reform- Das Gesetz unterstützt die Befugnis des Präsidenten,
programme in Rußland und den anderen neuen einen Währungsstabilisierungsfonds für andere StaaStaaten bereitzustellen. Der amerikanische ten einzurichten, falls sich diese dafür qualifizieren.
Beitrag zu dieser Aufstockung, die keine zusätz- Der Umfang dieser Fonds wird von mehreren Faktoren
lichen Haushaltsmittel erfordert oder zum Defiabhängen: der Ernsthaftigkeit der Reformproqramme
zit beiträgt, wird durch andere Beiträge ergänzt.
Seite 2

�dieser Staaten, der Verfügbarkeit von IWF-Mitteln und
dem Typ des Stabilisierungsprogramms.
Der neueste Stand der Hilfen für die ehemalige
Sowjetunion
Bis heute haben die Vereinigten Staaten insgesamt
6,33 Milliarden Dollar (für die Haushaltsjahre 1991 93) zugesagt. Sechzig Prozent der Gesamtsumme
wurden bereits ausgezahlt.
CCC-Kreditbürgschaften: Bis zum 30. März 1992
hatten die Vereinigten Staaten über 24 Millionen Tonnen Nahrungsmittel geliefert und zu diesem Zweck
Bürgschaften in Höhe von über 3,5 Milliarden Dollar in
Anspruch genommen.

Nahrungsmittel und medizinische Hilfsgüter transportiert. Lieferungen von Nahrungsmittelhilfe des USLandwirtschaftsministeriums wurden Anfang März nach
Armenien, Moskau, St. Petersburg und dem Ural aufgenommen. 144 Millionen der angekündigten 165
Millionen Dollar wurden bereits zugesagt und bis zum
27. März 1992 für Nahrungsmittel ausgegeben.
Medizinische Hilfe: Als Teil der Initiative des Präsidenten vom Dezember 1990 wurden medizinische Hilfsgüter im Wert von 30 Millionen Dollar in die ehemalige
Sowjetunion geliefert.
Die EXIM-Bank hat 172 Millionen Dollar an Kreditbürgschaften und Versicherungen bewilligt.
Die Entwicklungsgesellschaft OPIC hat allen Republiken Abkommen vorgeschlagen. Wir werden dieses
Frühjahr mehrere Abkommen unterzeichnen, auch mit
Rußland.

Die letzte CCC-Tranche von 250 Millionen Dollar wird am 1. April 1992 fällig. Die gesamten im
ersten Quartal fälligen 267 Millionen Dollar von
Kreditsumme und Zinsen der CCC wurden fristgerecht ausgezahlt. 1,1 Milliarden Dollar werden mit dem Paket angekündigt.

Das Handels- und Entwicklungsprogramm steht für
wirtschaftliche Aktivitäten in der GUS bereit.

Nahrungsmittelhilfe: Im Rahmen von Aktion Hoffnung
wurden mit 65 Flügen zu 24 Orten 2.200 Tonnen

Technische Hilfe: Ein Programm über 85 Millionen
Dollar wird verwirklicht.

*

* * *

*

Seite 3

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8. April 1992

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5300 Bonn ^

JUGOSLAWISCHE REPUBLIKEN BUSH VERKÜNDET ANERKENNUNG EHEMALIGER JUGOSLAWISCHER REPUBLIKEN
Erklärung des Präsidenten

SICHERHEIT

SICHERHEIT AMERIKAS MIT ALLEN STAATEN
EUROPAS VERKNÜPFT
Rede von Verteidigungsminister Cheney
bei der NATO

KSZE

KSZE WESENTLICHER BESTANDTEIL DER
NEUEN FRIEDENSARCHITEKTUR
Rede von Botschafter Kornblum
bei der KSZE

LASTENTEILUNG

LASTENTEILUNG VERSCHIEBT SICH
ZUGUNSTEN AMERIKAS
Erklärung von Sonderbotschafter Holmes

GUS

DIE AMERIKANISCHEN BEZIEHUNGEN ZUR GUS
Übersicht des US-Außenministeriums

FULBRIGHT-STIFTUNG

FULBRIGHT-STIFTUNG FEIERT 40JÄHRIGES
JUBILÄUM
Rede von Botschafter Robert M. Kimmitt

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�JUGOSLAWISCHE

REPUBLIKEN
8. April 1992

BUSH VERKÜNDET ANERKENNUNG EHEMALIGER
JUGOSLAWISCHER REPUBLIKEN
Erklärung des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush hat am 7. April 1992 die völkerrechtliche Anerkennung Bosnien-Herzegowinas, Kroatiens und Sloweniens durch die Vereinigten Staaten sowie die unverzügliche Aufnahme von
Konsultationen über die Herstellung vollständiger diplomatischer Beziehungen mit diesen drei ehemaligen
jugoslawischen Republiken verkündet.
Bush stellte darüber hinaus fest, die Vereinigten Staaten würden weiterhin intensiv mit der Europäischen
Gemeinschaft zusammenarbeiten, "um die noch bestehenden Probleme zwischen Griechenland und der
Republik Mazedonien rasch zu lösen und damit die Vereinigten Staaten in die Lage zu versetzen, die
Unabhängigkeit dieser Republik ebenfalls formell anzuerkennen".
Nachfolgend veröffentlichen wir Bushs Erklärung im Wortlaut.
Die Vereinigten Staaten erkennen Bosnien-Herzegowina, Kroatien und Slowenien als souveräne und unabhängige Staaten an und werden unverzüglich Konsultationen über die Herstellung vollständiger diplomatischer Beziehungen aufnehmen. Die Vereinigten
Staaten akzeptieren die Republikgrenzen, wie sie vor
der Krise bestanden, als rechtmäßige internationale
Grenzen von Bosnien-Herzegowina, Kroatien und
Slowenien.
Wir tun diesen Schritt, da wir befriedigt sind, daß diese
Staaten die erforderlichen Kriterien für die Anerkennung erfüllen. Wir tragen dem friedlichen und demokratischen Ausdruck des Willens der Bürger dieser
Staaten nach Souveränität Rechnung.
Wir werden weiterhin intensiv mit der Europäischen
Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten zusammenarbeiten, um die noch bestehenden Probleme zwischen Griechenland und der Republik Mazedonien
rasch zu lösen und damit die Vereinigten Staaten in die
Lage zu versetzen, die Unabhängigkeit dieser Republik ebenfalls formell anzuerkennen. Die Vereinigten
Staaten werden ferner mit den Regierungen Serbiens
und Montenegros ihre Interessen erörtern, in einem als
Jugoslawien bekannten gemeinsamen Staat zu verbleiben.
Im Lichte ihrer Entscheidung zur Anerkennung werden
die Vereinigten Staaten die Wirtschaftssanktionen gegen
Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Slowenien und Mazedonien aufheben. Die Sanktionen wurden am 6.
AMERIKA DIENST 14

Dezember 1991 gegen Jugoslawien verhängt. Wir
werden die Sanktionen gegen Serbien und Montenegro aufheben, wenn Belgrad seinerseits die Wirtschaftssanktionen gegen Bosnien-Herzegowina und Mazedonien einstellt. Das UN-Waffenembargo bleibt in
Kraft.
Während der gesamten Jugoslawien-Krise entsprach
es der Politik der Vereinigten Staaten, jede Lösung zu
akzeptieren, die friedlich, demokratisch und durch
Verhandlungen erreicht wird. Die Vereinigten Staaten
unterstützen energisch den von Cyrus Vance ausgearbeiteten Friedensplan der Vereinten Nationen und die
vollständige Stationierung der UN-Friedenstruppe. Wir
unterstützen weiterhin die EG-Friedenskonferenz als
unerläßliches Forum für die Parteien, um eine friedliche Regelung ihres Streits herbeizuführen und die
Grundlage ihrer künftigen Beziehungen zu schaffen.
Die amerikanische Anerkennung enthält keine Präjudizierung dessen, auf welche Art Vereinigung die jugoslawischen Nachfolgestaaten sich künftig einigen
könnten.
Die Vereinigten Staaten betrachten das von den neuen
Staaten unter Beweis gestellte Engagement zur Achtung von Grenzen und zum Schutz aller jugoslawischen Nationalitäten als unverzichtbares Element für
die Herstellung vollständiger diplomatischer Beziehungen. Ebenso betrachten wir ein solches Engagement seitens Serbiens und Montenegros als unabdingbar, um die Gespräche über ihren künftigen Status
fortzusetzen.
Seite 1

�Die Stationierung der UN-Friedenstruppe, die Fortsetzung der EG-Friedenskonferenz und des Prozesses
der internationalen Anerkennung bieten allen ehemaligen jugoslawischen Republiken eine historische
Chance, der tragischen Gewalt eine Absage zu erteilen, von der diese Krise gekennzeichnet war. Das

anhaltende Engagement für den friedlichen Dialog
sollte zur Aussöhnung, zur Integration in Europa und
zu herzlichen und produktiven Beziehungen mit den
Vereinigten Staaten führen. Die Vereinigten Staaten
werden sich weiterhin darum bemühen, diese Ziele zu
verwirklichen.

* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 14

�SICHERHEIT
8. April 1992

SICHERHEIT AMERIKAS MIT ALLEN STAATEN
EUROPAS VERKNÜPFT
Rede von Verteidigungsminister Cheney bei der NATO
BRÜSSEL - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die von Verteidigungsminister Richard Cheney beim Treffen
der NATO-Verteidigungsminister mit Amtskollegen aus Osteuropa am 1. April 1992 gehaltene Rede.
Ich danke Ihnen, Herr Generalsekretär. Auch ich
möchte heute unsere Kollegen aus dem Osten herzlich
willkommen heißen.

würde vielmehrdurch ein vollständig entwickeltes Netz
sich gegenseitig verstärkender Institutionen und Beziehungen geschützt.

Dieses Treffen soll eine Bilanz unserer Bestrebungen
beim Aufbau eines ungeteilten und freien Europas mit
einer starken transatlantischen Bindung ziehen. Für
die NATO-Mitgliedstaaten liegt es auf der Hand, daß
das Nordatlantische Bündnis ein neues Kapitel seiner
Geschichte aufgeschlagen hat. Einen entscheidenden Teil dieses neuen Kapitels bilden unsere heutigen
Bestrebungen zur Erweiterung und Vertiefung unserer
Beziehungen - ein Unterfangen, das einen wichtigen
Beitrag zu unserem Endziel eines vereinten, freien und
friedlichen Europas leisten kann.

Am besten können wir zum Aufbau dieses neuen
Europas beitragen, indem wir unsere Beziehungen
durch einen langfristig auf die Förderung gegenseitiger
Rückversicherung ausgerichteten Prozeß stärken und
enge Bande zwischen all unseren Nationen entwikkeln. Wir sollten einen phantasievollen Ansatz unserer
Zusammenarbeit ermutigen. Wie uns das Jahr 1989
lehrte, kann vieles, was jetzt unmöglich erscheint,
plötzlich möglich werden. Um Präsident Havel vor
dem Europarat im Jahr 1990 zu zitieren: "Es kann
Augenblicke in der Geschichte geben, in denen die
Tatsache, Träume über Prinzipien gehabt zu haben,
sich als praktisch erweisen könnte."

Zukunftsvision
In einer Zeit des Umbruchs stehen Sicherheitsprobleme unweigerlich in einigen Ländern auf der Tagesordnung. Ich kann Ihnen jedoch versichern, wir im Westen
sind davon überzeugt, daß "unsere eigene Sicherheit
untrennbar mit der Sicherheit aller anderen Staaten in
Europa verknüpft ist" - so wie es auch in der NATOGipfelerklärung vom vergangenen November in Rom
niedergelegt wurde.
Und beim Treffen des Nordatlantischen Kooperationsrats in Kopenhagen haben unsere Außenminister folgendes festgestellt:
"Die Festigung und der Schutz demokratischer Gesellschaften und ihr Freisein von jeder Art von Zwang oder
Einschüchterung auf dem gesamten Kontinent sind
daher unser aller Anliegen."
Unsere Vision eines geeinten, freien und friedlichen
Europas ist daher im wesentlichen eine Vision, in der
Sicherheit nicht länger ein Thema für die in diesem
Raum versammelten Nationen ist. Unsere Sicherheit

AMERIKA DIENST 14

Vereinbarte Liaison-Prioritäten
Aus meiner Sicht sollte unser üaison-Programm mehrere
kurzfristige Prioritäten enthalten. Lassen Sie mich
einige der wichtigsten Prioritäten und einige Schlüsselbereiche nennen.
An erster Stelle sollte der Aufbau von Demokratie
durch die Entwicklung einer angemessenen Rolle der
Streitkräfte in den Staaten Europas stehen. Schlüsselbereiche sollten reduzierte Streitkräfte und die demokratische zivile Kontrolle in einem Rechtsstaat umfassen. In dieser Hinsicht möchte ich die Gruppe für
Verteidigungsangelegenheiten auffordern, unverzüglich die Entsendung kleiner Teams ziviler und militärischer Experten für Liaison-Verbindungen in den Verteidigungsministerien und gegebenenfalls anderen
Bereichen zu prüfen.
Eine zweite Priorität besteht in der Förderung von
Stabilität und Sicherheit in ganz Europa. Unsere
Programme sollten beispielsweise starkes gegenseiti-

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�ges Engagement für Sicherheit in der gesamten europäischen Region demonstrieren, größere Vertrautheit
und Transparenz unserer Verteidigungseinrichtungen
und Streitkräfte untereinander fördern sowie eine rein
defensive Strategie und Doktrin ermutigen.
Eine dritte Priorität gilt der Stärkung der Volkswirtschaften Osteuropas. Hier könnten wir uns auf die
Erörterung von Verwaltungsfragen in der Rüstungsindustrie konzentrieren, die Verteidigungslast durch die
Reform der Volkswirtschaftem verringern und Beziehungen zwischen Regierung und Rüstungsindustrie in
einer freien Marktwirtschaft entwickeln.
Viertens streben wir humanitäre Hilfe beispielsweise
durch gemeinsame Such- und Rettungsübungen mit
den Streitkräften der interessierten Nationen an, wobei
der Bekämpfung von Flutkatastrophen, Hilfsmaßnahmen bei Erdbeben und Flugzeugabstürzen besonderes Augenmerk gewidmet wird.
Eine fünfte Priorität sollte darin bestehen, engere
Zusammenarbeit zwischen unseren Streitkräften zu
erlangen, die zur Förderung unseres traditionellen
Ziels eines durch gemeinsame Werte geeinten Europas beiträgt. Unsere Verteidigungseinrichtungen und
Streitkräfte sollten sich selbst als Teil einer demokratischen Staatengemeinschaft mit gemeinsamen Zielen und Werten sehen. Zu den möglichen Projekten
zur Unterstützung dieser Idee zählen:
Umfassende Erweiterung unserer Bildungsprogramme und Erarbeitung von Programmen für
Offiziere aus Osteuropa bei der NATO und
nationalen Militärakademien sowie
Umgestaltung der Flugsicherung in Osteuropa
in ein modernes, mit dem Westen vergleichbares System auf der Grundlage der über die
Kontrolle des Luftraums geführten Gespräche.
Schließlich sollten wir beginnen, gemeinsam mit anderen Institutionen bei der Stärkung von Mechanismen
zur Krisenbewältigung zusammenzuarbeiten.
Mit andern Worten - es gibt viele Bereiche, in denen
unser Verteidigungs-Liaison-Programm einen wesentlichen Beitrag zu Freiheit, Frieden und Sicherheit leisten kann. Ich hoffe, daß der von der Gruppe für
Verteidigungsbelange zu entwickelnde Liaison-Arbeitsplan spezifische Projekte für jeden dieser Bereiche
vorschlägt.
Zusätzliche kurzfristige Prioritäten
Gleichzeitig sollten wir zur Erweiterung unseres Horizonts bereit sein und gegebenenfalls andere kooperative Ideen in Betracht ziehen. Ich weiß zum Beispiel,
daß zahlreiche meiner Kollegen aus Osteuropa sehr
darüber besorgt sind, wie sie den geplanten Abbau
ihrer Verteidigungskomplexe vornehmen sollen. Dies

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setzt eine weitere wichtige kurzfristige Priorität für
unser Liaison-Programm - die sozialen Aspekte der
militärischen Umgestaltung.
Während sowohl der Osten als auch der Westen ihre
Streitkräfte verringern, können wir Erfahrungen darüber austauschen, wie dieser Übergang am besten
bewerkstelligt wird und Beeinträchtigungen der Menschen und Volkswirtschaften so gering wie möglich
gehalten werden. Ich möchte mindestens zwei Schlüsselbereiche nennen: Ausbildung und Umschulung
ehemaliger Angehöriger der Streitkräfte sowie Wohnraumbeschaffung.
Ein Gedankenaustausch kann von großem Nutzen
sein, einschließlich der Demobilisierungserfahrungen
der Vergangenheit wie etwa nach dem Zweiten Weltkrieg. Zu anderen mittelfristigen Schlüsselbereichen
könnten Planungen für den zivilen Notstand, Umstrukturierung der Industrie und Rüstungskonversion zählen.
Weitere Entwicklung von Programmen
Während wir Vertrauen zwischen uns aufbauen, sollten wir auf lange Sicht ehrgeizigere gemeinsame
Unternehmungen in Betracht ziehen. Ein Ansatz
könnte in größerer Offenheit und Transparenz der
Verteidigungsplanung bestehen. Wir sollten eine jährliche Überprüfung unserer Verteidigungsplanung mit
unseren Liaison-Partnern nicht ausschließen. Das
Ziel bestünde in der Förderung von Transparenz und
Vertrauensbildung durch die Bekräftigung des defensiven Charakters unserer militärischen Strukturen.
Unser Programm könnte ferner zur Erweiterung der
europäischen Sicherheitsarchitektur beitragen. Der
Nordatlantische Kooperationsrat (NACC) und andere
Liaison-Gremien könnten entweder einzeln oder als
Durchführungsorgane der KSZE - die positiv auf Hilfsersuchen der KSZE reagieren könnten - als unabhängige Mittler zur Krisenbewältigung und Friedenssicherung in Europa beitragen.
Unter anderem müßten wir erörtern, wie die Ressourcen der NATO einschließlich ihrer Streitkräfte und die
Ressourcen unserer Kooperationspartner am effektivsten genutzt werden könnten. Ich möchte feststellen,
daß die Streitkräfte der NATO-Mitgliedstaaten in den
vergangenen zwei Jahren mindestens achtmal eingesetzt wurden - für Operationen von Wüstensturm bis
zur Evakuierung von Ausländem aus Zaire. Sie kamen
als NATO-Streitkräfte zum Einsatz, als Streitkräfte
unter der Schirmherrschaft der WEU oder als Teil einer
Ad-hoc-Koalition von Nationen wie im vergangenen
Jahr am Persischen Golf.
Wir sollten nicht ausschließen, daß wir zu einem
bestimmten Zeitpunkt die Möglichkeit gemeinsamer
Planung und Ausbildung sowie Übungen für Friedensmissionen in Betracht ziehen möchten.

AMERIKA DIENST 14

�Unsere Vision sollte in der Schaffung einer stabilen
und sicheren euro-atlantischen Gemeinschaft demoUnser Liaison-Programm bietet den Teilnehmern ins- kratischer Werte und Institutionen bestehen, in der
gesamt gesehen eine Chance zur Verwirklichung des keine Nation eine Bedrohung ihrer Nachbarn darstellt.
in Aitikel II des Nordatlantikvertrags verankerten Appells, In diesem Verteidigungsprogramm sehen wir nicht
"zur Entwicklung friedlicher und freundschaftlicher eine unseren neuen Partnern angebotene NATO-Iniinternationaler Beziehungen beizutragen, indem sie tiative, sondern vielmehr ein auf gegenseitigen Reihre freien Einrichtungen festigen, ein besseres Ver- spekt und Konsultationen mit den Verantwortlichen auf
ständnis für die Grundsätze herbeiführen, auf denen allen Seiten gegründetes Programm. Solange wir den
diese Einrichtungen beruhen und indem sie die Vor- Geist enger Zusammenarbeit aufrechterhalten, bin ich
aussetzungen für den Zusammenhalt und das Wohler- zuversichtlich, daß wir einen bedeutenden Beitrag zur
gehen fördern."
künftigen europäischen Sicherheit leisten können.
Schlußbemerkung

* * * * *

AMERIKA DIENST 14

Seite 3

�KSZE
8. April 1992

KSZE WESENTLICHER BESTANDTEIL
DER NEUEN FRIEDENSARCHITEKTUR
Rede von Botschafter Kornblum bei der KSZE
HELSINKI - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die von Botschafter John C. Kornblum, dem Leiter der
amerikanischen Delegation beim Folgetreffen der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa am
31. März 1992 in Helsinki gehaltene Rede, in der er den amerikanischen Ansatz zur KSZE für Helsinki und
darüber hinaus darlegt.

Herr Vorsitzender, ich danke Ihnen für diese Gelegenheit, einige Erwägungen der amerikanischen Delegation zur Arbeit der Konferenz vortragen zu können.
Wie der Stellvertretende Außenminister Eagleburger
in seiner Rede in der vergangenen Woche hier betonte, erachten die Vereinigten Staaten die KSZE als
wesentlichen Bestandteil der neuen Friedensarchitektur. Die KSZE hat in den vergangenen 15 Jahren
Großes vollbracht. Unseres Erachtens ist sie besonders gut geeignet, in den vor uns liegenden Jahren ihre
bisherigen Leistungen noch zu übertreffen.
Für einen genauen Zuhörer zog sich durch die Reden
beim Ministertreffen der vergangenen Woche ein roter
Faden.
Die Entschlossenheit, die KSZE in eine neues
Zeitalter zu leiten und ihre Strukturen und Praktiken an den Bedarf der Zukunft anzupassen.
Die Besorgnis über die Gefahren der Instabilität
in Europa und die Notwendigkeit, Mechanismen
zur Bewältigung möglicher Krisen zu entwickeln.
Das andauernde Engagement für die Grundpfeiler der KSZE - die Konzentration auf Werte
und Menschenrechte, die politische Natur des
Prozesses und die Bedeutung des Konsensprinzips als Grundlage unserer Arbeit.
Und schließlich die Begrüßung unserer neuen
Mitglieder in der Hoffnung, daß sie sich voll und
ganz an unserer Arbeit beteiligen werden.
Die Vereinigten Staaten verpflichten sich jedem dieser
Ziele uneingeschränkt. Meines Erachtens bieten sie
eine nützliche Grundlage für die Arbeit dieser Konfe-

AMERIKA DIENST 14

renz. Sie zeigen femer die Art von Schlu ßfolgerungen
auf, die unser Gipfeltreffen in drei Monaten unserer
Ansicht nach hervorbringen sollte.
Da mein Land so vielfältige Interessen hat und in so
zahlreichen Institutionen engagiert ist, möchte ich
zunächst einen Punkt hervorheben - die KSZE ist
integraler Bestandteil unserer Bestrebungen zur Herstellung eines dauerhaften Friedens in Europa und der
Welt und wird dies auch in Zukunft sein.
Sowohl innerhalb der KSZE als auch in den mit uns
verbündeten Ländern haben wir die Führungsrolle bei
der Entwicklung der KSZE und der Unterbreitung
neuer Lösungen für neue Probleme übernommen.
In diesem Zusammenhang möchte ich auf die von
Außenminister Baker im Dezember 1989 in Berlin
gehaltene Rede verweisen, in der er das Konzept
miteinander verknüpfter Institutionen in Europa darlegte. Das NATO-Gipfeltreffen in London vom Juli
1990 stellte ein Programm zur Entwicklung vor, das in
der Pariser Erklärung beachtlichen Niederschlag fand.
Unser Vorschlag für das Prager Ministertreffen beinhaltete das Büro für Demokratische Institutionen und
Menschenrechte (ODHIR) und das Wirtschaftsforum.
Als Berichterstatter und Pfadfinder waren wir in der
KSZE besonders aktiv. Das hier in der vergangenen
Woche unterzeichnete Abkommen über Offene Himmel gründet sich auf eine weitere Inititative von Präsident Bush. Darüber hinaus haben wir eng mit Norwegen und anderen Ländern zusammengearbeitet, um
den Entwurf eines Mandats für die im Anschluß an
Helsinki stattfindenden Sicherheitsverhandlungen fertigzustellen.

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�Wir werden in Helsinki durch eine große und fähige
Delegation vertreten sein, die in allen Bereichen unserer Arbeit aktiv sein wird. Wir waren bestrebt, Lösungen zu unterbreiten, die - wie ich hoffe - die Arbeit
dieser Konferenz weiter vorangebracht haben. Es
kann kein Zweifel an unserer Entschlossenheit bestehen, die KSZE erfolgreich in ein neues Zeitalter zu
leiten.
Vielfalt und Wandel
Amerika ist eine Nation des Wandels. Unseres Erachtens müssen sich die Institutionen angesichts neuer
Erfordernisse und Erfahrungen entwickeln. Die amerikanische Rechtsprechung gründete sich jedoch auch
auf den Glauben an die Entwicklung flexibler Strukturen statt einem vollständigen Austausch der alten
gegen neue.
Dasselbe gilt für die KSZE. Jeder, der den Reden beim
Ministertreffen der vergangenen Woche zugehört hat,
konnte nicht umhin, von der Vielfalt der Völker und ihrer
Probleme beeindruckt zu sein. Ebenso beeindruckend
war die Unsicherheit über die Bewältigung der vor uns
liegenden Herausforderungen.
Wie der Stellvertretende Außenminister Eagleburger
in seiner Erklärung der vergangenen Woche betonte,
besteht unsere eigentliche Aufgabe in Helsinki darin,
eine gänzlich neue Definition der europäischen Sicherheit zu entwickeln. Diese Definition sollte funktional
sein und den Bedümissen aller Völker der KSZE
gerecht werden. Sie sollte ein im wesentlichen statisches, auf die Existenz zweier Blöcke gegründetes
Konzept durch eine vielseitige und vielschichtige Idee
ersetzen, die von den demokratischen Prinzipien, die
Grundlage der KSZE sind, konkreten Gebrauch macht.
Diese Definition muß der großen Vielfalt Rechnung
tragen, von der die Sicherheitsdebatte in Europa gekennzeichnet ist. Um neue Herausforderungen in den
Griff zu bekommen, müssen wir eine Definition von
Sicherheit erarbeiten, die klare Ziele enthält und flexible Methoden anlegt.
Vor allem sollte diese neue Definition auf der Übereinstimmung zu Grundwerten aufbauen, die heute zwischen uns herrscht. Sie sollte Menschenrechte und
demokratische Institutionen zum operativen Schwerpunkt unseres Handelns machen. Die Arbeit bei der
menschlichen Dimension ist noch nicht beendet, wie
einige behaupten könnten. In Wirklichkeit sind wir
unserem Ziel nur einen Schritt näher gekommen. Einst
waren die Menschenrechte zwischen uns ein zentraler
Streitpunkt. Heute sind sie zum gemeinsamen Prinzip
geworden. Unsere nächste Aufgabe ist es, auf unserer
Vielfalt aufzubauen, um dieses Prinzip in die Praxis
umzusetzen.
Das Geniale an unserem KSZE-Prozeß ist gerade
diese Mannigfaltigkeit und Flexibilität. Die KSZE geht

Seite 2

nicht von denselben Voraussetzungen aus wie beispielsweise NATO und EG. Diese Organisationen
bauen auf dem Gefühl der Sicherheit auf, das bereits
unter ihren Mitgliedern besteht, die eine gemeinsame
Ebene der Entwicklung und des Ansatzes haben.
Die KSZE war auf die Annahme gegründet, daß ihre
Unterzeichner keine gemeinsamen Ansätze hatten.
Sie ist bestrebt, Sicherheit zu schaffen, indem sie
Bereiche der Übereinstimmung inmitten unterschiedlicher Meinungen erweitert. Dieser Konsens wird durch
den politischen Willen ihrer Mitgliedstaaten zur erfolgreichen Definition gemeinsamer Ziele in die Praxis
umgesetzt.
Dieses zugrundeliegende Prinzip ist heute ebenso
gültig wie vor 10 Jahren. Glücklicherweise wurde die
Konfrontation zwischen Streitkräften und Ideologien
überwunden. Es kann jedoch nicht behauptet werden,
daß alle KSZE-Mitgliedstaaten auf der gleichen Entwicklungsstufe stehen oder denselben Ansatz teilen.
Das Konfliktpotential ist nach wie vor groß. Die Notwendigkeit zum Ausbau des demokratischen Konsenses ist lebenswichtiger denn je.
Diese Tatsache wurde uns letzte Woche bei der Einigung über die Konferenz zu Nagomy-Karabach lebhaft
verdeutlicht. Die quälende Suche nach einem Konsens führte zu einer Demonstration des politischen
Willens aller Mitgliedstaaten, die das erste konkrete
Ergebnis bei den Vermittlungsbemühungen zu diesem
tragischen Problem hervorbrachte.
Im Hinblick auf künftige Überlegungen wird es wichtig
sein, diese Beispiele im Auge zu behalten, wenn wii
darüber nachdenken, was bei unserer KSZE wirklich
neu ist.
Es ist kein "neues Denken", bürokratische Organisationen aufzubauen.
Es ist nicht kreativ, geschriebene oder ungeschriebene Regeln anzustreben, mit denen ein
Konsens erzwungen werden soll, wo keiner
existiert.
Es ist kein zukunftsorientiertes Denken, Verträge oder Vereinbarungen anzustreben, um einen
Frieden festzuschreiben, der nicht zunächst durch
die Suche nach einem politischen Konsens
geschaffen wurde.
Dies sind in der Tat die Methoden der Vergangenheit.
Die Geschichte ist voll von gegenseitigen Garantien,
Nichtangriffspakten und Versprechen redlichen Verhaltens.
Was im Hinblick auf den KSZE-Prozeß wahrhaft revolutionär ist, ist deren Fähigkeit, einen politischen Prozeß zwischen Staaten mit vielfältigen Interessen und
Ursprüngen einzurichten und Ergebnisse zu erlangen.

AMERIKA DIENST 14

�Wenn wir bei dieser Konferenz etwas wirklich Kreatives leisten möchten, dann werden wir von der Grundlage der in der Schlußakte dargelegten Werte ausgehen und den politischen Prozeß als operativen Rahmen benutzen.
Ein solches Ziel ist schwerer zu erlangen als eine
Einigung über neue bürokratische Strukturen oder
Schriftstücke. Wenn es verwirklicht werden soll, muß
sowohl in den Staaten des Westens als auch den
neuen Demokratien des Ostens eine Evolution des
Denkens stattfinden.
Insbesondere müssen wir alle damit aufhören, die
Beziehungen innerhalb Europas als eine Art \ on Nullsummenspiel zu betrachten, in dem die Gewinne einer
Gruppe durch Verluste einer anderen ausgeglichen
werden müssen. Unser Ziel lautete heute, die einzelnen Elemente unserer Struktur zu nehmen und sie so
zu kombinieren, daß das Ergebnis größer ist als die
einzelnen Teile des Ganzen.
Um noch einmal den Stellvertretenden Außenminister
Eagleburger zu zitieren - wir gehen davon aus, daß
dieser wahrhaft neue Ansatz bei der KSZE in einer
politischen Erklärung unserer Staats- und Regierungschefs zum Ausdruck kommen sollte, die auf den Errungenschaften der Vergangenheit aufbaut. Sie sollte
folgende Elemente beinhalten:
Die erneute Bestätigung der Grundwerte, an die
die KSZE gebunden ist und die Anwendung
dieser Werte auf einen neuen Verfahrensrahmen.
Die Entwicklung dieses Rahmens auf der Basis
von in Prag formulierten Prinzipien. Das heißt,
daß der Ministerrat und die Zentralorgane des
Ausschusses Hoher Beamter (Committee of
Senior Officials - CSO) in einem politischen
Prozeß verbesserter Konsultationen und konzertierter Aktionen stehen.
Unterstützung für dieses Verfahrensprinzip der
KSZE durch Stärkung der Institutionen und
Methoden. In dieser Hinsicht würden wir Vorschläge zur Entwicklung einer Troika oder des
Konzepts von Planungsgruppen ebenso fördern wie die Expansion und bessere Definition
der Rollen des ODIHR und des Zentrums zur
Konfliktverhütung (Conflici Prävention Center CPC). Wir betrachten unseren Vorsc. .lag für ein
Wirtschaftsforum in diesem selben Kontext.
Die Konzentration der Arbeit dieser Institutionen
auf die zentrale Aufgabe der KSZE in der Welt
nach dem kalten Krieg. Diese Aufgabe wird
vielfach als Konfliktverhütung oder Krisenmanagement beschrieben. Wir würden die Definition erweitern und über den Prozeß der Bewältigung des Wandels sprechen. Veränderungen
finden überall statt, und wir wollen, daß sie
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stattfinden. Aber sie müssen innerhalb bestimmter Grenzen stattfinden. In den kommenden Jahren wird die zentrale politische Aufgabe
der KSZE darin bestehen zu gewährleisten, daß
Veränderungen auf eine positive Art und Weise
stattfinden, die die Entwicklung demokratischer
Institutionen fördert.
Wir stimmen denjenigen zu, die argumentieren, die
KSZE solle ihre Strukturen in diesem Sinne verfeinern
und stärken. In dieser Hinsicht messen wir dem
niederländischen Vorschlag über Frühwarnindikatoren große Bedeutung bei und begrüßen das britische
Papier über Konflikt Verhütung. Unserer Meinung nach
sollte ein bedeutsames Ergebnis dieser Konferenz
eine integrierte Struktur sein, die sich auf die Minister
und den CSO konzentriert und die Fähigkeit der KSZE
zur Bewältigung von Veränderungen steigern.
Abbau der Gefahr von militärischen Konfrontationen und Konflikten durch Vereinbarung einer
umfassenden Struktur für Dialog, Verhandlungen und Kooperation im Bereich militärische
Sicherheit. Die KSZE wird im laufenden Rüstungskontrollprozeß entscheidende Bedeutung
haben und sollte daher ihr eigenes Forum zu
diesem Zweck einrichten. Dieses Forum sollte
jedoch auf seine speziellen Aufgaben beschränkt
bleiben. Es sollte weder Anlaufstelle unserer
Konfliktverhütungsstruktur werden noch der
Grundstein einer Gesamtstruktur für Sicherheit.
Unser Wunsch, des CPC von diesem Forum abzutrennen, basiert auf diesem umfassenden
Konzept. Das CPC sollte allen Aspekten der
Bestrebungen des Rats dienen, die Veränderungen zu bewältigen. Er sollte nicht an ein Segment der KSZE gebunden sein.
Vervollständigung dieser Bestrebungen zum
Verfahren mit kontinuierlichen KSZE-Projekten,
um die tiefliegenden Ursachen der Spannungen
in Angriff zu nehmen. Dies ist der Grund für
unseren Vorschlag zu einem Seminar über
Migration. Wir sind ferner der Meinung, daß
mehr Arbeit zum Thema Minderheiten geleistet
werden sollte. Wichtige Bereiche der Zusammenarbeit bestehen in den Bereichen Wirtschaft,
Wissenschaft, Technik und Umwelt. Darüber
hinaus sind die Bereiche Kultur sowie Presse
und Information für unsere Aufgabe nach wie
vor wichtig.
Vertiefung des Know-hows der KSZE durch den
Ausbau von Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit internationalen Organisationen. Diese
Arbeit sollte mehr Möglichkeiten für Einzelpräsentationen in Gremien und Arbeitsgruppen aller
KSZE-Treffen bieten, eine regelmäßige Teilnahme an Treffen als Beobachter sowie die
Koordination und Kooperation bei speziellen
Projekten vorsehen, die bei der KSZE mit besteSeite 3

�henden Organisationen vereinbart werden. Wir
nehmen das Mandat des Prager Ministertreffens ernst, die Kontakte mit transatlantischen
und europäischen Organisationen auszubauen.
Wir wünschen, es könne jetzt in Kraft treten, da
Helsinki noch läuft. Da dies nicht möglich scheint,
hoffen wir auf eine Vereinbarung zum Ende des
Treffens. In der Zwischenzeit werden wir die
Arbeit der Arbeitsgruppen eingehend beobachten, um sicherzustellen, daß alle relevanten Organisationen an den unterschiedlichen Gruppen teilnehmen, die von ihren Erfahrungen
profitieren können.

rungen am besten in eine positive Richtung geführt
werden können, indem man einen positiven Rahmen
für demokratische Entwicklungen definiert und nicht
subjektive Maßstäbe aufzwingt. Darüber hinaus basiert er auf der Überzeugung, da ß die beste Grundlage
für Frieden in Europa die Entwicklung einer demokratischen Gemeinschaft euro-atlantischer Staaten von
Vancouver bis Wladiwostok ist.
Darum geht es letztlich bei unserer Konferenz. Definieren wir unsere Welt in engen Grenzen, die die
statische Stabilität des kalten Kriegs erhalten wollen.
Oder träumen wir große Gedanken, die den Horizont
all unserer Nationen erweitern? Träumen heißt nicht
verzögern. Ich habe versucht zu demonstrieren, daß
die US-Delegation jetzt viele Ideen für praktische
Sofortmaßnahmen hat, da die Probleme vordringlich
sind.

Ausweitung der Effektivität unserer Arbeit durch
bessere Möglichkeiten der Mitarbeit für nichtstaatliche Institutionen und Organisationen. Die
KSZE darf kein Diplomatenclub werden. Sie
muß die Öffentlichkeit stärker einbeziehen. Wenn
sie das nicht tut, wird sie bald ihre Glaubwürdig- Aber ein Vorgehen ohne Vision ist letztlich richtungslos
und zwecklos. Ich hoffe insbesondere, daß wir diese
keit verlieren.
Plenarsitzungen nutzen können, um unsere gemeinHerr Vorsitzender, ich habe versucht, einen Aktions- same Vision einer euro-atlantischen Welt zu erörtern.
plan zu entwerfen. Er basiert auf einer Definition von Diese Aufgabe ist ebenso wichtig wie viele andere,
Sicherheit, die Veränderungen begrüßt und sie nicht denen wir uns stellen müssen.
fürchtet. Er basiert auf der Annahme, daß Verände-

* * * * *

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AMERIKA DIENST 14

�LASTENTEILUNG
8. April 1992

LASTENTEILUNG VERSCHIEBT SICH
ZUGUNSTEN AMERIKAS
Erklärung vun Sonderbotschafter Holmes
WASHINGTON - (AD) - Dem Sonderbotschafter für Lastenteilung, Allen Holmes, zufolge ist die US-Administration "dem Prinzip verpflichtet, daß Verteidigungskosten gleichmäßig mit unseren Verbündeten geteilt werden
sollten". Dabei habe sich seit seinem Amtsantritt vor drei Jahren die Lastenteilung "erheblich zu unseren Gunsten
verschoben", stellte Holmes am 1. April 1992 vor dem Unterausschuß des Repräsentantenhauses für
Lastenteilung fest.
Holmes erklärte, die Beiträge der Verbündeten würden auf vielfältige Art und Weise erbracht. Er verwies
insbesondere auf die von Deutschland getragenen "erheblichen Kosten" für die Beschleunigung des Abzugs der
ehemals sowjetischen Streitkräfte aus Ostdeutschland, die im Interesse aller NATO-Partner liege sowie auf neue
Arrangements mit Japan und Korea, die "deren Beiträge zu den Kosten für die Stationierung amerikanischer
Streitkräfte auf ihrem Territorium wesentlich erhöhen" werden.
Nachfolgend veröffentlichen wir die vorbereitete Erklärung von Sonderbotschafter Holmes im Wortlaut.

Einleitung
Die amerikanische Regierung ist dem Prinzip verpflichtet, daß die Verteidigungskosten gleichmäßig mit
den Verbündeten geteilt werden sollten. Die Teilung
von Rollen, Risiken, Pflichten und Kosten für den
Schutz der Sicherheitsinteressen aller bleibt ein zentrales Anliegen der amerikanischen Regierung, da sich
aufgrund der Veränderungen im internationalen Umfeld die Beziehungen der Allianz weiterentwickeln.
Die Beiträge der Verbündeten zur Verwirklichung
gemeinsamer internationaler Ziele werden auf vielfältige Art und Weise erbracht. Die amerikanische Regierung anerkennt und würdigt die gesamte Bandbreite
von Maßnahmen, die von unseren Verbündeten zur
Unterstützung unserer wechselseitigen Interessen
ergriffen werden. Zu diesen Maßnahmen gehört der
direkte Ausgleich amerikanischer Stationierungskosten, die Bereitstellung von Streitkräften für Koalitionsaufgaben sowie nichtmilitärische Aktivitäten, mit denen die Ziele aller unterstützt werden. So trägt die
Bundesrepublik Deutschland zum Beispiel erhebliche
Kosten, um den Abzug der ehemals sowjetischen
Streitkräfte aus Ostdeutschland zu beschleunigen.
Dies ist ein direkter Beitrag zur Verwirklichung eines
traditionellen Ziels der NATO - der Beseitigung der
sowjetischen militärischen Bedrohung für Westeuropa. Darüber hinaus bedeutet die finanzielle Unterstüt-

AMERIKA DIENST 14

zung Deutschlands und anderer westeuropäischer
Staaten für die wirtschaftliche Erholung Mittel- und
Osteuropas einen großen Beitrag zu wichtigen wirtschaftlichen und politischen Zielen, die wir alle gemeinsam verfolgen. Sicherlich sind die internationalen
Beiträge in Form von Streitkräften, materieller und
finanzieller Unterstützung für die Operationen Wüstenschild und Wüstensturm ein ausgezeichnetes
Beispiel der Zusammenarbeit zur Erlangung gemeinsamer Ziele. Die Vereinigten Staaten - dies sollte
erwähnt werden - erhielten von ihren Freunden und
Verbündeten Finanz- und materielle Hilfe in Höhe von
etwa 54 Milliarden Dollar.
Wie unser in Kürze zur Veröffentlichung freigegebener
"Bericht über Beiträge der Verbündeten zur gemeinsamen Verteidigung" zeigt, befassen sich die Bemühungen der Administration und die Veränderungen in
Streitkräftestruktur und Strategie der NATO weiterhin
damit, wie Rollen, Risiken, Pflichten und Kosten von
unseren Verbündeten geteilt werden. Wie der Unterausschu ß sehr wohl wei ß, ist die NATO als kollektives
Sicherheitsbündnis selbst ein Mechanismus zur Teilung der Pflichten der gemeinsamen Verteidigung. Die
NATO trägt zur Verteidigung amerikanischer Sicherheitsinteressen ebenso bei wie unsere Präsenz in
Europa die Interessen unserer Verbündeten unterstützt. Die NATO-Partner nehmen uns in vielen kon-

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�kreten Bereichen militärische Lasten ab und unterstützen unsere Ziele au ßerhalb Europas. Und die gemeinsamen Finanzierungsprogramme der NATO - etwa
das Infrastrukturprogramm - helfen uns seit langem
dabei, die Kosten der Verteidigung und der Stationierung amerikanischer Truppen in Europa zu verteilen.
Unsere verschiedenen Verteidigungsabkommen und
die sich daraus ergebenden Pflichten und Beiträge
jedes Mitglieds werden weiterhin wichtige Instrumente
sein, um die Lasten und Vorteile der gemeinsamen
Verteidigung aufzuteilen.
Finanzielle und materielle Unterstützung für die Kosten der Stationierung amerikanischer Streitkräfte in
Übersee ist ein weiterer wichtiger Gesichtspunkt im
gesamten Beziehungsgeflecht der Lastenteilung zwischen den Vereinigten Staaten und den einzelnen
Bündnispartnern. Die Administration hat kürzlich neue
Arrangements mit Japan und Korea ausgehandelt, die
deren Beiträge zu den Kosten für die Stationierung
amerikanischer Streitkräfte auf ihrem Territorium
wesentlich erhöhen werden. Zur Zeit verhandeln wir
innerhalb der NATO über ein kollektives Abkommen
zur Kostenteilung, um Operationen und Instandhaltungskosten unserer Verstärkungseinrichtungen zu
decken. Weitere Verhandlungen mit den europäischen Verbündeten werden folgen. Schließlich ist die
Kostenteilung ein wichtiges Element der andauernden
Gespräche über Verteidigungszusammenarbeit zwischen der amerikanischen Regierung und Staaten am
Persischen Golf.
Vornepräsenz und Teilung der Verteidigungskosten
Die Verwirklichung einer gleichmäßigen Verteilung der
Verteidigungskosten erfordert die Auswertung zahlreicher Faktoren. Zur "Gleichung" der Lastenteilung
insgesamt gehören Zweck und Charakter der amerikanischen Präsenz in Übersee, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der einzelnen Bündnispartner, ihre
militärischen, politischen und wirtschaftlichen Beiträge
zu gemeinsamen internationalen Zielen sowie die
kooperativen Rollen und Verpflichtungen, wie sie in
bilateralen und multilateralen Verteidigungsabkommen
festgelegt sind. Der wichtigste dieser Faktoren ist
jedoch der strategische Vorteil, den die Vereinigten
Staaten selbst aus einem Verteidigungsabkommen
ziehen. Dieser Faktor ist besonders wichtig, wenn
darüber befunden wird, welchen Beitrag Verbündete
gegebenenfalls zur Unterstützung der amerikanischen
Vornepräsenz erbringen sollten.
Vomepräsenz ist nach wie vor eine Grundlage der
amerikanischen Militärstrategie. Obwohl die Anzahl
der amerikanischen in Übersee stationierten Streitkräfte reduziert wird, hängt die Glaubwürdigkeit unserer Fähigkeit und Absicht, auf Krisen zu reagieren,
weiterhin von einer vernüftigen Vornepräsenz ab.
Vornepräsenz ist ferner für die Aufrechterhaltung des
Systems der kollektiven Verteidigung unabdingbar, in

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dem die Vereinigten Staaten mit ihren Freunden und
Verbündeten zum Schutz unserer Sicherheitsinteressen zusammenarbeiten, während die Lasten der Verteidigungsausgaben und unnötiger Rüstungswettbewerb verringert werden.
Die Vereinigten Staaten haben Truppen in Europa, im
Pazifik und andernorts stationiert, weil ihre Präsenz die
amerikanischen Sicherheitsinteressen unterstützt. Die
Vereinigten Staaten haben nach wie vor ein vitales
Interesse an Frieden, Stabilität und Wohlstand in Europa.
Die Geschichte lehrt eindeutig, daß unsere Militärpräsenz in Europa einen stabilisiernden Einfluß hat und
gleichzeitig unserer eigenen Sicherheit dient. Das
selbe gilt für die amerikanischen in Nordostasien stationierten Streitkräfte, die zur Sicherheit einer Region
beitragen, die für die Vereinigten Staaten zunehmend
an Bedeutung gewinnt.
Obwohl Struktur, Vornepräsenz und Verstärkungsfähigkeiten der amerikanischen Streitkräfte vornehmlich
auf den Schutz der amerikanischen Interessen ausgelegt sind, ist es unter bestimmten Umständen auch
angemessen, daß die Verbündeten sich an den Kosten unserer Vornepräsenz beteiligen. Die Administration sondiert neue Wege, um die Kosten der Aufrechterhaltung der amerikanischen Vornepräsenz
angesichts der gegebenen Kürzungen des Verteidigungshaushaltes und Gesetzen zu teilen, die eine
verbesserte Kostenverteilung fordern.
Pläne für Verhandlungen über Kostenverteilung
Die Administration ist sich der Tatsache bewußt, daß
der Kongreß der Kostenverteilung im Verteidigungsbereich hohe Priorität einräumt. Das Gesetz über die
Bewilligung der Verteidigungsausgaben von 1992 forderte den Präsidenten zu Konsultationen mit Freunden und Verbündeten auf, um Abkommen über eine
gerechte Kostenverteilung zu erarbeiten. Die Administration nimmt die in diesem Zusatz zum Ausdruck
gebrachte Besorgnis des Kongresses sehr ernst. Ich
habe mit dem US-Verteidigungsministerium zusammengearbeitet, um dort in gegebenen Bereichen
Abkommen über die Kostenverteilung auszuhandeln.
Wie ich im folgenden ausführen werde, machen wir
meines Erachtens Fortschritte.
Wie ich im vergangenen Jahr im Kongreß dargelegt
habe, hat die Administration ein neues Abkommen zur
Kosten verteilung mit Japan ausgehandelt, im Rahmen
dessen Japan den größten Teil der in Yen kalkulierten
Kosten der Stationierung amerikanischer Streitkräfte
auf japanischem Territorium übernehmen wird, mit
Ausnahme bestimmter Kosten, deren Transfer unangebracht wäre. Die Bereitschaft Japans, einen beträchtlichen und zunehmenden Anteil dieser Kosten zu
tragen, ist ein klarer Hinweis auf den Wert, den Japan
unserer Sicherheitspartnerschaft beimißt. Bis 1995
wird Japan rund drei Viertel der gesamten Stationierungskosten amerikanischer Streitkräfte übernehmen

AMERIKA DIENST 14

�(abzüglich der Gehälter für das amerikanische Militär
und Zivilpersonal). Japan bezahlt zur Zeit fast die
gesamten Baukosten und Mieten für das von den
amerikanischen Streitkräften genutzte Land. Japan
wird bis 1996 die Gesamtkosten für alle Einrichtungen
der US-Streitkräfte in Japan sowie die Gehälter und
Sozialleistungen für das japanisches Personal der
amerikanischen Streitkräfte übernehmen. Die von
Japan getragenen Unterstützungsleistungen des Aufnahmestaats belaufen sich für 1992 auf rund 3,3
Milliarden Dollar. Japan hat femer auch über 1 Milliarde Dollar zu den Operationen Wüstenschild und
Wüstensturm beigesteuert.
Vor kurzem habe ich Gespräche mit koreanischen
Regierungsvertretern über die Durchführung der im
vergangenen Sommer ausgehandelten Vereinbarung
über die Aufteilung von Verteidigungslasten geführt.
Korea hat zugestimmt, bis 1995 ein Drittel der auf der
Grundlage des Won errechneten Stationierungskosten für die amerikanischen Streitkräfte zu übernehmen. Diese Kosten beinhalten Baukosten, einen Anteil
der Arbeitslöhne sowie bestimmte logistische und
operative Ausgaben. Obwohl der koreanische Beitrag
in Dollar gemessen geringer ist als der japanische, ist
der Zuwachs des koreanischen Kostenverteilungsprogramms beeindruckend. Das Programm wurde von 70
Millionen Dollar im Jahr 1990 auf 180 Millionen Dollar
1992 aufgestockt. Bis 1995 könnte sich dieser Betrag
abhängig von unseren Stationierungskosten zu der
Zeit auf über 300 Millionen belaufen. Die Koreaner
haben femer mehreren Verfahrensänderungen zugestimmt, mit denen die Flexibilität des Programms und
die Reaktionsfähigkeit auf den Bedarf der amerikanischen Streitkräfte verbessert wird.
Die koreanischen Beiträge zur Kostenverteilung müssen auch im Kontext der realen und anhaltenden
militärischen Bedrohung aus Nordkorea gesehen
werden. Korea übernimmt Zusehens die Führungsrolle in unserem bilateralen Bündnis. Korea setzt die
Aufrüstung seiner Streitkräfte zur Verbesserung seiner Verteidigungsfähigkeiten fort. Und schließlich hat
Korea eine Reihe weiterer Beiträge zum amerikanischen Verteidigungsbedarf geleistet, einschließlich
finanzieller und materieller Unterstützung der Operation Wüstensturm und Finanzierung der Verlegung
des Stützpunktes Yongson.
Kostenverteilung wird ferner auch als Teil der Verhandlungen über neue Abkommen zur gemeinsamen
Verteidigung in der Region am Persischen Golf erörtert. Das kürzlich mit Kuwait geschlossene Abkommen verpflichtet die kuwaitische Regierung zur Dekkung der Kosten für die Durchführung unserer gemeinsamen Verteidigungsprogramme vor Ort. Das USVerteidigungsministerium zieht bereits Nutzen aus
diesem Kostenverteilungsarrangement in der Form
von kuwaitischer Unterstützung bei gemeinsamen
Übungen. Mit anderen Golfstaaten werden noch
Gespräche geführt, daher bin ich nicht in der Lage,
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über deren Absichten zur Beteiligung an den Kosten zu
sprechen. Dennoch kann ich Ihnen versichern, daß
die amerikanischen Unterhändler gerechte Kosten verteilungsabkommen anstreben.
Die Verteilung der Rollen, Risiken, Pflichten und Kosten der europäischen Sicherheit wird ebenfalls neu
bewertet während die NATO ihre Strategie und Streitkräftestruktur an ein sich veränderndes Umfeld anpaßt. Im weitesten Sinne hat sich die Gleichung der
Lastenverteilung seit der Zeit, zu der mein Tätigkeitsbereich vor drei Jahren vom Kongreß geschaffen
wurde, erheblich zu unseren Gunsten verschoben.
Die Vereinigten Staaten reduzieren ihre Streitkräfte in
Europa um über 50 Prozent. In der Zwischenzeit
sehen die europäischen Verbündeten Reduzierungen
in der Größenordnung von 20 bis 30 Prozent vor und
tragen damit zur Behebung des von vielen als Ungleichgewicht angesehenen Verhältnisses zwischen
den amerikanischen stationierten Streitkräften und
dem bei, was die Verbündeten für ihre eigene Verteidigung aufbringen konnten.
Darüber hinaus erwägt die Regierung auch direktere
Formen der Teilung von Verteidigungsausgaben in
Europa. In Reaktion auf einen Antrag der Vereinigten
Staaten nutzt die NATO Infrastrukturfonds für andere
Vorhaben, um für den Austausch überschüssigen
vertraglich begrenzten Geräts (Treaty Limited Equipment - TLE) unter den Verbündeten zu zahlen. Mit
Hilfe dieses Programms werden die Streitkräfte mehrerer NATO-Staaten modernisiert, und es wird vermieden, daß die Vereinigten Staaten und andere relativ
modernes Gerät nach dem KSE-Vertrag zerstören
müssen. Das Programm ist ferner ein Beispiel dafür,
daß das Infrastrukturprogramm weiterhin als Mechanismus der Lastenteilung im Bündnis funktioniert.
Gestern bin ich von einer Zusammenkunft im NATOHauptquartier zurückgekehrt, bei der sich der Verteidigungsplanungsausschu ß mit einer weiteren wichtigen
US-Initiative zur kollektiven Kostenteilung beschäftigte. Unserem Vorschlag zufolge würde das Bündnis wiederum durch das Infrastrukturprogramm - die Kosten
für den Betrieb und die Wartung von Einrichtungen
übernehmen, die eine Verstärkung in Europa durch in
den Vereinigten Staaten stationierte Streitkräfte unterstützen. Dazu zählen die Einrichtungen für Verstärkungszüge (POMCUS - Prepositioning of organizational materiel), Reserven für Verstärkungszüge auf dem
Gefechtsfeld, gemeinsame Einsatzflugplätze, in Einsatznähe stationiertes Marinegerät und Kosten für die
Lagerung von Erdöl. Insgesamt beliefen sich die
Kosten für Betrieb und Wartung 1991 auf 287 Millionen
Dollar für diese Einrichtungen.
Am Montag hat der Verteidigungsplanungsausschuß
erörtert, ob diese Kosten für eine kollektive Finanzierung in Frage kommen. Aus den Gesprächen ging
eindeutig hervor, daß unsere Verbündeten unserer
Vornepräsenz die größte Bedeutung beimessen und
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�der Ansicht sind, daß unser Vorschlag zur Kostenteilung ausreichend begründet ist, um ernsthafte Erwägungen zu verdienen. Sie erkennen, daß die USVerstärkungsfähigkeit einen einzigartigen und entscheidenden Beitrag für die europäische Sicherheit und
damit etwas Gutes für die gesamte NATO leistet, was
diese wenn möglich unterstützen sollte. Der Verteidigungsplanungsauschuß hat die Initiative an den Infrastrukturausschuß weitergeleitet, der bestimmte Einzelfragen untersuchen und vor Ende April dem Verteidigungsplanungsausschuß vortragen wird. Erwartungsgemäß wird dieser letztlich zustimmen, daß diese Kosten für eine kollektive Finanzierung in Frage
kommen. Wenn das der Fall ist, erwarten wir, daß
Entscheidungen über die Verwendung und Finanzierung so rechtzeitig getroffen werden, daß entsprechende Beiträge der NATO im Haushaltsjahr 1993
geleistet werden können. Die Bereitschaft der NATO
zur Übernahme dieser Kosten wird die Unterstützung
des Bündnisses für eine US-Präsenz in Europa demonstrieren.

hingegen die militärischen Beiträge Japans zu unseren bilateralen Militärbeziehungen ein. Damit kommt
finanzieller Unterstützung in unseren Beziehungen der
Lastenteilung mit Japan eine vergleichsweise höhere
Bedeutung zu.
Wir können auch nicht den Schluß ziehen, die finanzielle Unterstützung für die Operationen Wüstensturm
und Wüstenschild sei ein Vorbild für ähnliche Vereinbarungen mit unseren Freunden und Verbündeten zur
übernähme der Gesamtkosten für die Durchführung
unserer bestehenden bilateralen und multilateralen
Verteidigungsabkommen. Die Unterstützung für
Wüstensturm und Wüstenschild war ein außergewöhnliches Beispiel für verwirklichte Lastenteilung.
Einzelne Länder haben auf der Grundlage ihrer militärischen, finanziellen und materiellen Ressourcen reagiert. Dennoch erfolgte diese überwältigende Unterstützung nur aufgrund der besonderen Situation.

Schließlich müssen die Vereinigten Staaten immer ein
Augenmerk auf ihren Teil der gemeinsamen Rollen,
Die Regierung beabsichtigt femer, mit verschiedenen Risiken, Pflichten und Kosten haben. Wir können nicht
NATO-Verbündeten Fragen der bilateralen Kostentei- erwarten, daß unsere Verbündeten neuen Vereinbalung anzusprechen. Wir werden uns darauf konzen- rungen zur Lastenteilung zustimmen, wenn die Vereitrieren, daß Stationierungskosten auch die Teilung der nigten Staaten zögern, angemessene finanzielle UnKosten für Personal und Einrichtungen sowie andere terstützung für bestehende Programme zu leisten, die
Unterstützungsmittel umfaßt. Ich muß vor unrealisti- kollektiv finanziert werden. Eine bessere Verteilung
schen Erwartungen warnen - sowohl im Hinblick dar- der Verteidigungsausgaben kann auch nicht vor dem
auf, wann diese Vereinbarungen getroffen werden als Hintergrund der Forderung nach drastischen Hausauch über den Umfang der gezahlten Beiträge. Die haltskürzungen und Streitkräftereduzierungen verhanAushandlung neuer Vereinbarungen zur Kostentei- delt werden, die Zweifel an unserem echten Engagelung in Europa wird heute extrem schwierig. Jedes ment für die kollektive Sicherheit aufkommen lassen.
NATO-Land nimmt eine Neugestaltung der Verteidigungspolitik und Haushalte vor, um neuen Bedingun- Wir erwarten, daß unsere Freunde und Verbündeion
gen gerecht zu werden. Darüber hinaus haben einige zur Aufrechterhaltung unserer Verteidigungsvereinbaunserer europäischen Verbündeten - vor allem Deutsch- rungen beitragen. Diese Unterstützung basiert jedoch
land - wichtige neue Belastungen übernommen in auf den gemeinsamen Vorteilen, die wir und unsere
Form von Hilfe für die Länder Mittel- und Osteuropas Partner aus unserem Verteidigungsverhältnis ziehen
und Unterstützung für den Abzug der früheren Sowjet- und der Fähigkeit unserer Verbündeten, sich daran zu
streitkräfte. Diese neuen Beiträge müssen in die beteiligen. Am wichtigsten ist jedoch, aau die VereiGesamtgleichung der Lastenverteilung einbezogen nigten Staaten sich an diesen Vereinbarungen beteiligen, weil sie ihren Sicherheitsinteressen dienen.
werden.
Femer ist es wichtig, sorgfältig zwischen der Teilung
von Rollen, Risiken, Pflichten und Kosten in der NATO
und unseren Erfahrungen der Kostenteilung mit Japan
zu unterscheiden. Beide Fälle sind nicht vergleichbar.
Die NATO ist ein multilaterales Bündnis mit einem
internationalen Hauptquartier, einer integrierten militärischen Kommandostruktur und einem gut entwickelten System der Zuweisung von Verteidigungsaktivposten - einzelner Länder - für bestimmte Rollen und
Missionen der Koalition. Darüber hinaus verfügt die
NATO über ihre eigenen Programme zur Kostenteilung, wie etwa das Infrastrukturprogramm und das
Militärbudget. Die japanische Verfassung schränkt

Zusammenfassung
Eine gerechte Aufteilung der Rollen, Risiken, Pflichten
und Kosten zum Schutz gemeinsamer Sicherheisinteressen ist Ziel unserer internationalen Sicherheitspolitik. Die Regierung arbeitet daran, mehr Kosten zu
teilen, wo solche Veränderungen angemessen und
notwendig sind. Sowohl aufgrund der Verhandlungsbemühungen der Regierung als auch aufgrund der
stärkeren Unterstützung der Verbündeten für einen
friedlichen Wandel in Mittel- und Osteuropa und veränderter Streitkräftestrukturen der NATO wird die
Gleichung der Teilung von Pflichten jetzt gerechter.

* *

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AMERIKA DIENST 14

�GUS
8. April 1992

DIE AMERIKANISCHEN BEZIEHUNGEN ZUR GUS
Übersicht des US-Außenministeriums
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine vom US-Außenministerium am 6. April 1992
herausgegebene Übersicht zu "Bedeutenden Entwicklungen und Beziehungen zur Gemeinschaft Unabhängiger Staaten bis zum 3.April 1992".
Hilfsleistungen
Am Freitag übermittelte der Präsident das Gesetz zur
Förderung der Freiheit von 1992 dem Kongreß.
Die folgenden Luftbrücken sind zur Lieferung von
Hilfsgütern genehmigt worden. Die Vereinigten Staaten werden die Treibstoff-, Flug- und Landekosten für
die in sowjetischen Flugzeugen transportierten Lieferungen übernehmen.
Der Children of Chemobyl Relief Fund hat in
Milwaukee über 70 Tonnen an Arzneimitteln,
medizinischen Versorgungsgütern und medizinischem Gerät sowie Nahrungsmitteln gesammelt. Dieses Material wird voraussichtlich am 7.
April verladen und in Stryi und Temopil in der
Ukraine verteilt.
Die Broadmore United Methodist Church of
Shreveport in Louisiana hat über 108 Tonnen an
Nahrungsmitteln gespendet, die um den 11.
April verladen und mit einer Antonov-124 nach
Jekaterinburg in Rußland geflogen werden.
Die Lacrosse-Dubna Friendship Association hat
zusammen mit der Russian Winter Campaign in
La Crosse (Wisconsin) medizinische Versorgungsgüter, Nahrungsmittel und Kleidung gesammelt, die an ihre Partnerstadt Dubna in
Rußland geliefert werden sollen. Dieser Transport soll voraussichtlich Ende dio^er Woche
stattfinden.
Zusammen mit den Lieferungen an Tadschikistan und
Turkmenistan am 30. März belaufen sich die im Rahmen der medizinischen Initiative des Präsidenten "Aktion Hoffnung" - finanzierten Lieferungen medizinischer und pharmazeutischer Güter inzwischen auf
über 30 Millionen Dollar. Zusätzliche Lieferungen sind
in diesem Monat für Minsk und Kaliningrad vorgesehen.

AMERIKA DIENST 14

Vier Teams des Amts für internationale Entwicklung
(AID) sind am Wochenende nach Rußland, Armenien,
Belarus und in die Ukraine abgereist, um eine genaue
Ermittlung des Energiebedarfs vorzunehmen. Die
Teams sollen drei Wochen vor Ort bleiben, und ein
weiteres Team wird am oder um den 11. April nach
Kasachstan und Kirgistan entsandt.
Die Vereinigten Staaten haben einer Luftbrücke für
eine Gruppe amerikanischer Ölbohrexperten und deren
Gerät nach Usbekistan zugestimmt, um eine in Brand
geratene Ölquelle in der Nähe von Mingbulak in Ostusbekistan unter Kontrolle zu bringen. Die Finanzierung
der Luftbrücke mit bis zu sechs Flugzeugen vom Typ
C-141 der US-Luftwaffe erfolgt durch den vom Verteidigungsministerium verwalteten Titel für humanitäre
Katastrophenhilfe (Emergency Humanitarian Account).
Die Operation wird erwartungsgemäß mindestens
600.000 Dollar kosten. Wenn der Brand der Ölquelle
nicht eingedämmt und die Quelle selbst nicht stillgelegt
wird, könnte ö l in einen nahegelegenen Fluß einfließen und das Trinkwasser ebenso verseuchen wie
bewässerte Felder am Unterlauf. Die Vereinigten
Staaten werden diese Operation dann beginnen, wenn
die mit dem Löschen beauftragte amerikanische Firma
ihre Einsatzbereitschaft bekundet.
Das Büro des AID für Katastrophenhilfe im Ausland
(Office of Foreign Disaster Assistance - OFDA) hat am
31. März einen 2-Millionen-Dollar-Vertrag mit CARE
unterzeichnet. Die Fördermittel werden für drei Bereiche aufgewendet: Überwachung der Verteilung von
Hilfsgütem des Verteidigungsmnisteriums in den neuen
unabhängigen Staaten; Gewährung von Unterstützung für amerikanische private Hilfsorganisationen,
die Hilfsgüter des Landwirtschaftsministeriums in den
neuen unabhängigen Staaten verteilen und Überwachung, an wen die Güter letztlich verteilt werden, und
Entwicklung eines Systems von Indikatoren, um zu
prüfen, welche Bevölkerungsgruppen in den neuen
unabhängigen Staaten zu den schwächsten zählen.
Seite 1

�mit Abgeordneten und Mitarbeitern des Kongresses
zusammen, um das amerikanische parlamentarische
Am 2. April haben Außenminister Baker und der Stell- System zu studieren.
vertretende armenische Premierminister Bagratian das
Handelsabkommen zwischen den Vereinigten Staa- Der Stabschef des Präsidenten von Kirgistan, Ednan
ten und Armenien sowie ein OP IC-Abkommen unter- Karabajew, wird am 15. April zu einem intensiven
zeichnet.
Fortbildungskurs in Washington und Idaho eintreffen,
um sich zu informieren, wie man ein effektives PräsiAm 3. April haben Außenminister Baker und der russi- dialamt aufbaut und leitet. Seine Kollegen aus Kasche Botschafter Lukin das OPIC-Abkommen zwi- sachstan und Armenien haben ebenfalls Einladungen
schen den Vereinigten Staaten und Rußland unter- des USIA für ähnliche Besuche im weiteren Verlauf
zeichnet.
des Frühjahrs angenommen.
Handelsabkommen

Internationale Zentren für Wissenschaft und
Technik

Die Botschaft in Moskau hat soeben Verträge mit drei
russischen Verlagen über die Übersetzung und VeröfVergangene Woche ist der Koordinator im Büro des fentlichung amerikanischer Bücher zu Geschichte,
Stellvertretenden Außenministers, Dr. Robert L. Gal- Wirtschaft und Unternehmensführung abgeschlossen.
lucci, in Moskau mit den anderen Gründungsmitglie- Der Verlag des russischen PEN-Zentrums, PPP, wird
dern des Internationalen Zentrums für Wissenschaft die USIA-Tftel "Outline of American History", "Outline
und Technologie - der EG, Japan und Rußland - of American Economy" und "American Life and Instituzusammengetroffen, um die endgültige Sprachrege- tions" veröffentlichen, während der Verlag Moscow
lung des internationalen Abkommens zur Einrichtung University Press "Macroeconomics" von Dornbusch
des Zentrums festzulegen. Wir erwarten, daß dieses und Fisher sowie "Economics Of The Public Sector"
Abkommen in weniger als zwei Wochen unterzeichnet von Stiglitz herausgeben wird.
werden kann.
USIA unterstützt folgende Gruppenaustauschprogramme:
Gallucci traf in Moskau femer mit prominenten Wissenschaftlern der ehemaligen Sowjetunion zusam"Umweltschutz in den Vereinigten Staaten" (7.
men, um Projekte - einschließlich solcher zum UmMärz bis 4. April, sechs Teilnehmer aus der
gang mit Reaktorsicherheit - zu erörtern, die an der
GUS).
Entwicklung von Waffen beteiligten Wissenschaftlern
und Ingenieuren eine angemessene Beschäftigung im
"Kirche und Staat, Kirche und Gemeinde" (16.
zivilen Bereich verschaffen können. Darüber hinaus
März bis 10. April, neun Teilnehmer aus der
inspizierten Gallucci und andere Vertreter der GrünGUS).
dungsmitglieder des Zentrums mehrere potentielle
"Printjournalismus in den Vereinigten Staaten"
Standorte für das Zentrum in Moskau, andere mögli(23. März bis 17. April, acht Teilnehmer aus der
che Standorte werden Ende April besichtigt.
GUS).
Darüber hinaus führte Gallucci am Donnerstag ver"Entscheidungsfindung in der US-Außenpolitik"
gangener Woche in Kiew Gespräche über die Einrich(30. März bis 24. April, zwei Teilnehmer O-JS der
tung eines Zentrums in der Ukraine. Wir werden mit
GUS).
den anderen Regierungen sprechen und unsererseits
10 Millionen Dollar für dieses Zentrum beantragen.
Weiterhin gehen Bewerbungen für das Benjamin FrankDiese Reihe von Zusammenkünften bringt uns dem lin Fellowship Program ein, das ein- oder zweijährige
Ziel näher, das alle Gründungsmitglieder teilen: das Stipendien an amerikanischen Universitäten für graInternationale Zentrum für Wissenschaft und Techno- duierte Studenten der Rechts- und Wirtschaftswislogie soll im Frühsommer in Moskau eröffnet werden. senschaften sowie der öffentlichen Verwaltung aus
der GUS (und dem Baltikum) vergibt. 4.000 Personen
haben sich bereits um die 160 Stipendien beworben.
Information und Austausch
Das US-Informationsamt (USIA) hat soeben einen
einwöchigen Besuch dreier hochrangiger armenischer
Parlamentarier unter Führung des Parlamentsvorsitzenden, Babgen Ararktsian, veranstaltet. Sie trafen

Wir stellen dem Moskauer Fernsehen, das 32 Millionen Zuschauer erreicht, die von USIA erworbene Serie
"Government by Consent" (in russischer Synchronisierung) zur Verfügung.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 14

�FULBRIGHT - STIFTUNG
8. April 1992

FULBRIGHT-STIFTUNG FEIERT
40JÄHRIGES JUBILÄUM
Rede von Botschafter Robert M. Kimmitt
Berlin - (AD) - Zum 40jährigen Jubiläum der Fulbright-Stiftung hielt Botschafter Robert Kimmitt am 4. April 1992
eine Rede anläßlich der Eröffnung der Berlin-Woche dieser Stiftung.
Diese Rede veröffentlichen wir nachfolgend im Wortlaut.

Ich danke Ihnen, Herr Professor Dr. Knopp. Ich freue
mich, hier gemeinsam mit Ihnen, Herrn Staatsminister
Albring, Herrn Dr. Littmann und den ehrenwerten Gästen
unserer Fulbright-Kommission die Berlin-Woche 1992
eröffnen zu dürfen. Das Engagement und die harte
Arbeit dieser Kommission - und Ihrer Kollegen in
anderen Kommissionen - haben ein unerläßliches
Netzwerk geschaffen, das Studenten und Wissenschaftler auf der ganzen Welt zusammenführt. Ob Sie

In diesem Jahr begehen wir den 40. Jahrestag des
deutsch-amerikanischen Fulbright-Programms, das zu
einem Vorbild geworden ist, an dem die anderen
Programme auf der Welt gemessen werden. Es hält
diese herausragende Stellung aufgrund der kontinuierlichen Unterstützung der deutschen und amerikanischen Regierung in den vergangenen vierzig Jahren
und aufgrund unseres gemeinsamen Engagements
für die transatlantische Gemeinschaft demokratischer

Fulbright-Stipendiat in Deutschland - wie die meisten

Werte, auf denen dieses Programm gegründet wurde.

von Ihnen - oder andernorts in Europa sind: Sie
können sich glücklich schätzen, in dieser aufregenden
Zeit in der Geschichte Deutschlands, Europas und der
Welt hier zu weilen.

Nicht weniger wichtig ist die Verbindung dieses Programms mit Menschen Ihres Kalibers.

Darüber hinaus können wir alle uns glücklich schätzen,
daß Sie, Herr Senator und Frau Fulbright bei uns sind,
um diesen Gedenktag zu feiern - das 40jährige Jubiläum des deutsch-amerikanischen Fulbright-Programms.

1

Als Fulbright-Stipendiat ausgewählt zu werden, heißt
zu den Besten der Besten zu zählen. Wenn ich mich
in diesem Saal umsehe, bin ich von der Mannigfaltigkeit beeindruckt, die Sie repräsentieren. Ihnen allen
wurde die Ehre zuteil, für die Teilnahme am FulbrightProgramm ausgewählt zu werden. Aber jeder von
Ihnen hat dem Programm seinen eigenen Stempel
aufgedrückt und daraus sehr persönliche Eitahrungen
gezogen. Die Geschichte von Fulbright ist die Summe
der Geschichte vieler einzelner Stipendiaten.
Es ist auch die Geschichte phantastischer Erfolge.
Jeder von Ihnen hat ebenso wie die anderen Stipendiaten, die jetzt wieder in den Vereinigen Staaten sind
und die Zehntausende vor Ihnen - dazu beigetragen,
diesen Erfolg zu ermöglichen.

AMERIKA DIENST 14

Heute ehren wir den Mann, der das Programm ins
Leben gerufen, genährt und zu seiner Blüte geführt
hat: Senator J. William Fulbright. Als Senator der
Vereinigten Staaten waren Sie ein ehrenwerter Vertreter unserer Regierung. Aber Sie vertraten die Auffassung, daß Regierungen allein die Völkerverständigung
nur unzureichend verwirklichen können. Sie waren der
Meinung, daß die Menschen selbst, in all ihrer Vielfalt,
über nationale Grenzen hinweg dauerhafter miteinander reden als Regierungen. Sie waren Zeuge der
Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs und haben Völkerverständigung als der Menschheit beste Hoffnung
auf Überleben erachtet. Sie waren tatsächlich ein
Visionär, Herr Senator, weil Sie Ihre Hoffnungen für die
Zukunft auf die Menschen gründeten statt auf die
Politik.
Tatsächlich ist die Weltgeschichte eine Geschichte der
Menschen, nicht der Regierungen. Imperien unterhalten offizielle Beziehungen, aber Händler, Künstler und
Wissenschaftler tauschen Ideen aus. Ihr Austausch
hat Verständnis hervorgebracht und Mißtrauen überbrückt. Ich bin nicht der Meinung, Verständnis heißt,
zwangsläufig all das was wir in anderen Kulturen

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�sehen, zu mögen - und erst recht nicht sich anzueignen. Aber Kommunikation kann persönliche und kulturelle Isolation aufbrechen, und das "Ausländische"
ist nicht länger das "Fremde", etwas, das man fürchten
und vielleicht sogar zerstören muß, sondern vielmehr
ganz einfach etwas anderes, das man verstehen und
sogar mögen kann. Darin liegt die geniale Idee des
Fulbright-Programms und der vielen anderen privaten
und staatlichen Austauschprogramme, die über die
Jahre hinweg nach seinem Vorbild geschaffen wurden.
In sehr realer Weise stehen die von uns in Deutschland
und Mitteleuropa in den vergangenen zwei Jahren
beobachteten historischen Ereignisse - und diejenigen, deren Zeuge wir heute werden - in Zusammenhang mit einem gleichermaßen grundlegenden und
umfassenden Konzept: In einer interdependenten
Welt sind freie Kontakte zwischen Menschen unterschiedlicher Gesellschaften wertvoll, weil sie uns
Auseinandersetzungen der offensten, positivsten und
konstruktivsten Art und Weise ermöglichen. Sie sind
die natürliche Erweiterung des Grundrechts der freien
Meinungsäußerung und ein Gedanke, den 45 Jahre
totalitärer Herrschaft in Osteuropa nicht unterdrücken
konnten.
Betrachten wir uns den Erfolg des Fulbright-Programms,
drängen sich uns mehrere Gedanken auf. Der erste
Gedanke ist, wie umfassend sich das Programm mit
dieser grundlegenden Idee der intellektuellen Freiheit
identifiziert. Sich ungehindert ausdrücken zu können,
ist etwas, das wir in den Vereinigten Staaten seit
langem zu schätzen wissen und das seit Jahrzehnten
als Symbol der Hoffnung für unterdrückte Nationen
weltweit gedient hat. Es repräsentiert die Freiheit
jedes einzelnen zu erforschen und zu analysieren, zu
loben und zu kritisieren. Von größerer Bedeutung ist
jedoch die große Chance, die es bietet - die Chance,
die Gesellschaft durch den schnellen Fluß der Gedanken zu formen. Kritisches Urteilsvermögen - gleichgültig, wie unbequem - ist wunderbar geeignet, uns voranzutreiben und uns aus der Selbstgefälligkeit in Aktion
zu versetzen. Selbstkritik- sowohl konstruktiv als auch
negativ - hilft uns, uns selbst zu definieren und dynamisch zu bleiben.
Der Erfolg des Fulbright-Programms drängt mir noch
einen weiteren Gedanken auf. Er betrifft den Wert von
Austauschprogrammen als Instrument der Außenpolitik mit langfristiger Wirkung. Während wir uns dem
Jahr 2000 nähern, treten wir in eine völlig neue Ära der
transatlantischen Beziehungen ein. Seit über 40 Jahren
konzentrierten sich die Energien des westlichen Bündnisses auf die Eindämmung der Bedrohung der freien
Welt durch die Kräfte des Kommunismus. Während
des kalten Kriegs waren die transatlantischen Beziehungen verständlicherweise von ihrer politischen und
militärischen Dimension beherrscht.

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Eine alte Ordnung gehört der Vergangenheit an. Die
Deutsche Demokratische Republik ist von der Landkarte verschwunden, ersetzt durch ein freies und vereinigtes Deutschland. Der Großteil der beschämenden Mauer, die einstmals einen Kontinent - in der Tat
eine Welt - teilte, ist in Berlin abgerissen und zu
Souvenirs verarbeitet worden. Die wenigen verbleibenden Teile werden künftigen Generationen als
Mahnmal eines dunklen Zeitalters dienen.
Trotz dieser historischen Ereignisse müssen wir uns
jedoch vor Augen führen, daß das Ende des kalten
Kriegs uns nicht eine Ära ewigen Friedens beschert
hat. Die Ost-West-Konfrontation, die unser Leben seit
über 40 Jahren beeinflußt hat, wird durch neue Herausforderungen und Chancen ersetzt. Die politischen
und militärischen Dimensionen, die einst unser Konzept der nationalen Sicherheit definierten - und die
transatlantischen Beziehungen dominierten - sind nach
wie vor wichtig, werden jedoch immer mehr mit den
wirtschaftlichen, ökologischen und sozio-kulturellen
Dimensionen der nationalen Sicherheit verknüpft.
Bei unserem Kampf der Anpassung an diese sich
rasch verändernden Bedingungen dürfen wir auf beiden Seiten des Atlantiks die Grundlage einer erfolgreichen Partnerschaft nicht aus den Augen verlieren, die
uns das beschert hat, was wir heute haben - Verständnis und Wertschätzung der jeweils anderen Gesellschaft. Die transatlantische Bindung ist für unsere
Zukunft mindestens ebenso wichtig wie für unsere
Vergangenheit und wird in den Vereinigten Staaten wie
auch in Europa gleichermaßen der Sorgfalt und Unterstützung bedürfen.
Eine wichtige Dimension der europäisch-amerikanischen Beziehungen hat besondere Auswirkungen für
die Zukunft. Noch vor wenigen Jahren wurde die
politische und intellektuelle Szene in Europa und den
Vereinigten Staaten von Menschen beherrscht, die
persönlich lebhafte Erinnerungen an den Krieg und die
Jahre unmittelbar danach hatten.
In den Vereinigten Staaten und hier sind jedoch inzwischen neue Generationen herangewachsen, die im
Hinblick auf die europäisch-amerikanischen Beziehungen nicht vom Wiederaufbau der vierziger Jahre
oder der engen Zusammenarbeit der fünfziger und
sechziger Jahre geprägt wurden, sondern vielmehr
von den Spannungen der folgenden Jahrzehnte, die
den dramatischen Ereignissen der Jahre 1989 und
1990 unmittelbar vorausgingen. Die meisten von uns
in diesem Saal sind Vertreter dieser neuen Generation. Insbesondere unter zahlreichen jüngeren Europäern und Amerikanern ist deshalb ein besseres Verständnis der jeweils anderen Gesellschaft ein unerläßliches Element für weiterhin enge transatlantische
Bindungen, während sich die Welt kontinuierlich verändert und die transatlantischen Beziehungen weiter
reifen.

AMERIKA DIENST 14

�In dieser Welt rascher Veränderungen und unmittelbarer Kommunikation besteht die ernste Versuchung,
sogar für die kompliziertesten Probleme nach ebenso
raschen Lösungen zu suchen. Internationale Verständigung entwickelt sich jedoch nicht sofort. Sie ist
vielmehr das Produkt von Zeit, ständigem Kontakt und
muß von enormer Geduld und Erfahrung geleitet werden.
Regierungen können über ihre Botschaften ohne Zeitverzögerung miteinander Probleme erörtern, aber die
Verständigung zwischen den von diesen Botschaften
vertretenen Völkern ist etwas, dessen Aufbau Zeit und
Sorgfalt erfordert.
Und dies ist heute nirgends wichtiger als in jenen neu
emanzipierten Staaten des ehemaligen sowjetischen
Imperiums, die sich bemühen, ihre eigenen Formen
der Demokratie aufzubauen. Ich fühle mich ermutigt,
wenn ich die Geschwindigkeit und den Weitblick sehe,
mit denen Organisationen wie das Fulbright-Programm
- und die Regierungen, die sie unterstützen - sich
dieser Herausforderung stellen. Im Hinblick darauf,
daß noch vor 18 Monaten 17 Millionen Deutsche
Bürger eines Warschauer-Pakt-Landes waren, warich
besonders erfreut, am 6. Januar in Neubrandenburg
verkünden zu können, daß die amerikanische Regierung ihre Mittel für die deutsch-amerikanische Fulbright-Kommission um nahezu eine Million Dollar aufstockt. Diese Entscheidung unserer Regierung während eines besonders schwierigen Haushaltsjahres
hat unser Engagement unter Beweis gestellt, die Fulbright-Chancen für Stipendiaten in den neuen Bundesländern zu erhöhen, ohne unsere Unterstützung für
Stipendiaten in Westdeutschland zu verringern.
*

AMERIKA DIENST 14

*

Das Fulbright-Programm hat der Sache der internationalen Verständigung gerade deshalb so gut gedient,
weil es nicht unmittelbare Ergebnisse anstrebt, sondern langfristig angelegt ist. Der Wert des FulbrightProgramms ist immateriell und sehr real zugleich. Was
das Programm schafft, ist mehr als alles andere ein
System gemeinsamer Erfahrungen und eine Gemeinschaft, die Anteil nimmt. Das Programm verführt
Menschen nicht dazu, ihre Herkunft zu verleugnen,
sondern erweitert ihren Horizont - ebenso wie der erste
Spaziergang eines Menschen auf dem Mond unsere
Perspektive von uns selbst und unserer zerbrechlichen Welt für immer verändert hat. Insgesamt wirken
die Einzelerfahrungen der Fulbright-Stipendiaten zusammen, um eine Gruppe von Menschen hervorzubringen, die besser in der Lage sind, mit dem Ehrgeiz
- und der Torheit - ihrer Mitmenschen umzugehen.
Senator Fulbright, die Welt steht aufgrund Ihrer Vision
und Ihrer Hartnäckigkeit, mit der sie jene Vision in das
Programm umsetzten, das Ihren Namen trägt und so
viel zur Schaffung einer besseren und sichereren Welt
beigetragen hat, in der Tat in Ihrer Schuld.
Ich freue mich erneut, mit Ihnen allen gemeinsam in
Berlin sein zu können. Möge Ihre Teilnahme am
Programm dieser Woche erfreulich und produktiv sein,
und mögen Sie Ihre Arbeit als Fulbright-Stipendiaten
dieses Jahr bei guter Gesundheit und mit Erfolg weiterführen.
Ich danke Ihnen.

*

*

Seite 3

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Jugoslawische Republiken&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush verkündet Anerkennung ehemaliger jugoslawischer Republiken&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Sicherheit&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sicherheit Amerikas mit allen Staaten Europas verknüpft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Verteidigungsminister Cheney bei der NATO&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. KSZE&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;KSZE wesentlicher Bestandteil der neuen Friedensarchitektur&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Kornblum bei der KSZE&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Lastenteilung&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Lastenteilung verschiebt sich zugunsten Amerikas&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung von Sonderbotschafter Holmes&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. GUS&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die amerikanischen Beziehungen zur GUS&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Übersicht des US-Außenministeriums&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Fulbright-Stiftung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Fulbright-Stiftung feiert 40jähriges Jubiläum&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Robert M. Kimmitt&lt;/em&gt;</text>
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Embassy of the United States of America

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15. April 1992

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GUS-HILFE

DEMOKRATISCHE TENDENZEN NACH
AUFLÖSUNG DER SOWJETUNION GUTES
ZEICHEN FÜR "ECHTEN FRIEDEN"
Rede von Präsident Bush vor Zeitungsredakteuren

BAKER DRÄNGT AUF VERABSCHIEDUNG DES
GESETZES ZUR FÖRDERUNG DER FREIHEIT
Rede vor dem Auswärtigen Ausschuß des
Senats

NICHTVERBREITUNG

DREI JAHRE FORTSCHRITTE
BEI NICHTVERBREITUNG
Erklärung von Staatsekretär Bartholomew

EBWE

BRADY: EBWE SOLL SICH AUF HILFE FÜR
DEN PRIVATSEKTOR KONZENTRIEREN
Rede des Finanzministers bei der EBWE

WAHLEN '92

ZWISCHENBERICHT ÜBER DIE WAHLEN '92
Anzahl der Delegierten und Ergebnisse
der Vorwahlen

HANDEL

DER US-HANDEL 1992 EIN AUSBLICK
von John Jelacic

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�GUS-HILFE
15. April 1992

DEMOKRATISCHE TENDENZEN NACH
AUFLÖSUNG DER SOWJETUNION
GUTES ZEICHEN FÜR "ECHTEN FRIEDEN"
Rede von Präsident Bush vor Zeitungsredakteuren
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush zufolge sind die in den neuen Staaten des ehemaligen sowjetischen
Imperiums stattfindenden demokratischen Revolutionen zeit seines Lebens "die beste Hoffnung" für "echten
Frieden".
Nach dem Ende des kalten Krieges und dem Zusammenbruch des sowjetischen Kommunismus "befinden wir
uns an der Schwelle zu einer neuen Welt der Chancen und des Friedens", erklärte Bush am 9. April 1992 vor
Mitgliedern der amerikanischen Gesellschaft der Zeitungsredakteure.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede Bushs im Wortlaut mit leichten Kürzungen.
Heute möchte ich mit Ihnen einige ernsthafte Betrachtungen zu den Ereignissen auf der Welt anstellen.
Blicken Sie auf die Welt von heute. Denken Sie an die
Schlagzeilen machenden Ereignisse der vergangenen
Jahre und unseren Sieg im kalten Krieg, den Zerfall
des imperialen Kommunismus, die Befreiung Kuwaits.
Denken Sie an die großen Revolutionen von 1989, die
den Fall der Berliner Mauer bewirkten, die Fesseln des
Kommunismus iösten und Osteuropa eine neue Welt
der Freiheit erschlossen. Und denken Sie an die Rolle,
die diese Nation bei jedem dieser großen Triumphe
gespielt hat - die Opfer, die wir erbrachten und das
Sendungsbewußtsein, das uns leitete.
Jeder Tag eröffnet neue Chancen, neue Realitäten,
neue Hoffnungen, neue Horizonte. Allein in den vergangenen sechs Monaten haben wir 18 völlig neue
Nationen anerkannt. Der Großteil dieser Nationen
wurde natürlich aus einem Ereignis von großer Tragweite heraus geboren: dem Zerfall des sowjetischen
Kommunismus.
Heute möchte ich mit Ihnen über die wichtigste au ßenpolitische Chance unserer Zeit sprechen - eine Chance, die die Sicherheit und Zukunft jedes Amerikaners,
jung und alt, im Verlauf dieses gesamten Jahrzehnts
betreffen wird.
Die in Rußland, Armenien, der Ukraine und den anderen neuen Nationen des alten sowjetischen Imperiums
staffindenden Revolutionen verkörpern zeit meines
Lebens die beste Hoffnung für echten Frieden. Kurz
nach meiner Amtsübernahme umriß ich eine neue
amerikanische Strategie als Reaktion auf die sich in
AMERIKA DIENST 15

der Sowjetunion sowie Ost- und Mitteleuropa vollziehenden Veränderungen. Sie sollte über das Containment hinausgehen, Reformen ermutigen und für die
gefangenen Nationen des Ostens auf immer Freiheit
unterstützen.
Nach den dramatischen Revolutionen in Polen, Ungarn und der Tschechoslowakei, Revolutionen, die
sich dann auf Rumänien, Bulgarien und selbst Albanien ausbreiteten, nach der Vereinigung Deutschlands
in der NATO, nach dem Zerfall der einen Macht - der
UdSSR -, die unsere Lebensart bedrohte, ist diese
Mission jetzt erfüllt. Der kalte Krieg ist vorüber. Das
Gespenst des nuklearen Weltkriegs ist verschwunden. Der Sowjetkommunismus ist zusammengebrochen. Und jetzt befinden wir uns an der Schwelle zu
einer neuen Welt der Chancen und des Friedens.
Mit dem Ende des kalten Kriegs muß jedoch noch eine
neue Ordnung an seine Stelle treten. Die Chancen enorm. Sie sind riesig. Aber ebenso groß sind die
Gefahren. Und so stehen wir im Rampenlicht der
Geschichte - eine neue Welt lockt, während die Geschichte im Dunkeln liegt.
Ich möchte heute einen neuen Auftrag der amerikanischen Politik gegenüber Rußland und den anderen
neuen Nationen der ehemaligen UdSSR umrei ßen. Es
ist ein Auftrag, der unsere Wirtschafts- und Sicherheitsinteressen fördern kann, während er gleichzeitig
den Primat amerikanischer Werte hochhält - Werte,
die wie Lincoln es formulierte, die "letzte, beste Hoffnung der Erde" sind.

Seite 1

�Die Amerikaner haben stets gut reagiert, wenn Neuland lockte. Meines Erachtens besteht das vor uns
liegende Neuland für uns und nachfolgende Generationen darin, einen demokratischen Frieden in Europa
und der ehemaligen UdSSR sicherzustellen, der dauerhaften Frieden für de Vereinigten Staaten von Amerika
gewährleisten wird.

Sie streben danach, die Herrschaft des Zwangs durch
Rechtsstaatlichkeit zu ersetzen. Und sie sind bestrebt,
zum ersten Mal in der Geschichte ihrer Länder Herrschaft nicht im Namen des Volkes zu erzwingen,
sondern Regierungen des Volkes durch und für das
Volk aufzubauen. Und sie streben eine Zukunft freier
und offener Märkte an, in denen die wirtschaftlichen
Rechte beim einzelnen liegen und nicht den Launen
Der demokratische Frieden muß sich auf die beiden zentraler Planer ausgesetzt sind. Sie streben PartnerSäulen politischer und wirtschaftlicher Freiheit grün- schaften an. Sie möchten mit uns Bündnisse eingeden. Der Erfolg der Reformen in Rußland und der hen. Und sie streben danach, Wettlauf und Konflikte
Ukraine, Armenien und Kasachstan, Belarus und dem zu beenden.
Baltikum wird der beste Garant unserer Sicherheit,
unseres Wohlstands und unserer Freiheit sein.
Unsere Ziele sind ihre Ziele. Und in dieser Zeit des
Übergangs gehen sie auf uns zu. Sie möchten unsere
Nach einem langen kalten Krieg ist soviel klar: Demo- Hilfe. Und wenn wir handeln wollen, müssen wir
kraten im Kreml können unsere Sicherheit auf eine Art eindeutig herausfinden, was auf dem Spiel steht.
gewährleisten, wie Raketen es niemals konnten. Ein
Großteil der Außenpolitik meiner Administration war Vor vierzig Jahren hatten Amerikaner die Vorsteldem friedlichen Sieg im kalten Krieg gewidmet. Und lungskraft und Vernunft, besiegten Feinden wieder auf
die nächsten vier Jahre müssen dem Aufbau eines die Beine zu helfen - als Demokratien. Nun, als welch
demokratischen Friedens gewidmet sein - nicht nur für kluge Investition hat sich dies herausgestellt. Diejenidiejenigen von uns, die den kalten Krieg erlebt und gen, denen wir halfen, wurden enge Verbündete und
gewonnen haben, sondern auf Generationen hinaus. wichtige Handelspartner.
Seit den ersten Tagen des kalten Krieges war unsere
Mission das Containment - der Einsatz der kombinierten Ressourcen des Westens, um der Expansion, den
expansionistischen Zielen des sowjetischen Imperiums
Einhalt zu gebieten. Als Präsident habe ich die Politik
verfolgt, über das Containment hinaus zu gehen und
die Macht Amerikas und des Westens einzusetzen,
um den kalten Krieg mit dem Sieg der Freiheit zu
beenden.
Und heute sind wir an einem Wendepunkt angelangt.
Wir haben den imperialen Kommunismus besiegt.
Aber wir haben noch nicht'den Sieg der Demokratie
erlangt. Dieser demokratische Frieden ist nicht leicht
zu erringen. Das Gewicht der Geschichte, der 74
Jahre kommunistischer Mißwirtschaft in der ehemaligen UdSSR lehrt uns, daß der Aufbau von Demokratie
und wirtschaftlicher Freiheit Jahre erfordern wird.
Amerika muß deshalb zu dem Schluß kommen, daß
unser Engagement ebenso fest und dauerhaft sein
muß.
Mit diesem Engagement haben wir die Chance, eine
gänzlich andere Welt aufzubauen - eine Welt, die sich
auf die gemeinsamen Werte politischer und wirtschaftlicher Freiheit zwischen Rußland und Amerika, zwischen Ost und West gründet sowie auf einen Frieden,
der auf gegenseitigem Vertrauen und nicht gegenseitigem Schrecken beruht.

Unsere heutige Wahl ist klar: Mit unserer Hilfe können
Rußland, die Ukraine und andere neue Staaten demokratische Freunde und Partner werden. Und ich möchte
hier feststellen, daß sie unsere Hilfe bekommen werden. Wie nützt dies Amerika, werden sie vielleicht
fragen? Wir können endgültig die nukleare Konfrontation beenden, die unsere gesamte Zivilisation über vier
Jahrzehnte hinweg zur Geisel machte. Die Drohung
eines großen Landkrieges in Westeuropa ist mit dem
Zerfall des Warschauer Pakts verschwunden.
Ein demokratisches Rußland ist die beste Garantie
gegen eine erneuerte Gefahr des Wettlaufs und die
Drohung der nuklearen Rivalität. Das Scheitern des
demokratischen Experiments könnte eine dunkle Zukunft
heraufbeschwören, die Rückkehr des A'itnritarismus
oder einen Sturz in die Anarchie. In jedem Fall wäre
das Resultat auf Jahre hinaus eine Bedrohung unseres Friedens, unseres Wohlstands und unserer Sicherheit.
Wir sollten uns jedoch nicht auf die Gefahren des
Scheiterns konzentrieren, sondern auf die Dividenden
des Erfolgs.

Erstens können wir dieses Jahr und Jahr für Jahr
danach eine echte Friedensdividende in Form dauerhaft verringerter Verteidigungshaushalte ernten. Wir
haben bereits Einsparungen der Verteidigungsausgaben von 50 Milliarden Dollar bis 1997 vorgeschlagen.
Und heute finden wir uns in einer nahezu unvorstellba- Diese Kürzungen erfolgen zusätzlich zu den Einsparen Welt wieder, in der Demokraten, nicht Kommuni- rungen in Höhe von 267 Milliarden Dollar, also über
sten, in Moskau, Kiew und Eriwan an der Macht sind. eine viertel Billion Dollar an vorgesehenen VerteidiIn einer neuen Welt, in der eine neue Sorte von gungsausgaben seit dem Fall der Berliner Mauer.
politischen Entscheidungsträgem - unter anderen Boris Täuschen Sie sich nicht: Ich werde keine rücksichtsJelzin, Lewon Ter-Petrosjan, Leonid Krawtschuk, Askar losen Kürzungen vornehmen, die unsere nationale
Sicherheit grundlegend gefährden würaen.
Akajew - auf Reformen drängen.
Seite 2

AMERIKA DIENST 15

�Zweitens können wir in Zusammenarbeit mit unseren
russischen Partnern und unseren Verbündeten eine
neue internationale Landschaft errichten - eine Landschaft, in der entstehende Bedrohungen eingedämmt
und zunhhte gemacht werden, in der wir konzertiert
handeln, um gemeinsamen Bedrohungen unserer
Umwelt zu begegnen, in der Terroristen keinen sicheren Zufluchtsort finden und in der echte Koalitionen
gleichgesinnter Länder gemeinsam auf Gefahren und
Chancen reagieren.
Drittens schließlich wird der Triumph freier Regierungen und freier Märkte in der alten Sowjetunion große
Chancen für den Welthandel und das Wirtschaftswachstum bedeuten. Ein demokratisches Rußland,
das der freien Marktwirtschaft verpflichtet ist, wird
einen Impuls zu starkem Wachstum des Welthandels
und weltweiter Investitionen geben. Die Bürger der
ehemaligen Sowjetunion sind gut ausgebildet und
hochqualifiziert. Sie möchten für ihre Familien ebenso
eine bessere Zukunft wie jeder von uns für seine
Familie.
Und gemeinsam bilden sie einen potentiell riesigen
Markt, der sich über 11 Zeitzonen erstreckt und nahezu 300 Millionen Menschen umfaßt. Kein Volkswirtschaftler kann den Wert der Handelsmöglichkeiten
genau angeben, die wir uns erhoffen. Es ist unmöglich,
dies zu berechnen. Aber das Potential für Wohlstand
ist groß. Verstärkter Handel bedeutet enorme neue
Märkte für amerikanische Waren, neue Chancen für
amerikanische Unternehmer, neue Arbeitsplätze für
amerikanische Arbeitnehmer. Und ich fühle mich dazu
verpflichtet, der amerikanischen Wirtschaft jede erdenkliche Möglichkeit zu verschaffen, fair und gleichberechtigt auf diesen neuen Märkten zu konkurrieren.
So habe ich in der vergangenen Woche beispielsweise
den amerikanischen Kongreß ersucht, die Stevensonund Byrd-Zusätze aufzuheben, die die Möglichkeiten
der Export import-Bank einschränken, amerikanische
Exporte in die ehemalige UdSSR zu fördern. Und ich
freue mich, daß der Kongreß gehandelt hat. Darüber
hinaus strebe ich den Abschluß von Verträgen über
'-tendel, bilaterale Investitionen und Steuern mit jedem
der neuen Staaten an. Das erste Abkommen zwischen
den Vereinigten Staaten und Armenien wurde letzte
Woche unterzeichnet. Und wir erwarten, daß zahlreiche weitere folgen werden.
Die russische Demokratie liegt im Interesse Amerikas.
Sie steht darüber hinaus mit den wichtigsten Idealen
dieser Nation im Einklang. Über die Grenzen von
Sprache und Kultur, über den Abgrund des durch den
kalten Krieg verursachten Mißtrauens hinweg, fühlen
wir uns zu gemeinsamen Werten hingezogen. Und in
der Prüfung der langen Leidenszeit der Völker des
sowjetischen Imperiums erkennen wir Spuren der
Vergangenheit unserer Nation. In ihren Hoffnungen
und Träumen erkennen wir unsere eigenen.

AMERIKA DIENST 15

Dies ist ein Artikel des amerikanischen Bekenntnisses:
Freiheit ist nicht das besondere Vorrecht einer Nation,
sondern das Geburtsrecht von Männern und Frauen
überall. Und wir haben immer von dem Tag geträumt,
an dem Demokratie und Freiheit in jedem Winkel der
Erde, in jeder gefangengehaltenen Nation und jeder
geschlossenen Gesellschaft triumphieren werden. Und
dies mag zeit unseres Lebens niemals eintreten, aber
es kann nun für die Millionen von Menschen geschehen, die so lange unter der totalitären sowjetischen
Herrschaft gelitten haben.
Manche halten diese Betrachtungsweise der Zukunft
vielleicht für etwas unrealistisch. Ich möchte Sie daran
erinnern, daß drei unserer wichtigsten Partner, die mit
uns der Demokratie in Rußland zum Erfolg verhelfen,
keine geringeren sind als Deutschland, Japan und
Italien. Wenn wir jetzt Rußland in die Gemeinschaft
freier Staaten einbeziehen können, die amerikanische
Ideale teilen, werden wir Hoffnung in einem Jahrhundert verwirklichen, das so viel Leid erfahren hat.
De Tocqueville hat geschrieben, es sei nicht unvermeidlich gewesen, daß sich ausgerechnet Amerika
und Rußland dem Kampf um globale Vorherrschaft
verschrieben haben. De Tocqueville kannte nur ein
despotisches Rußland, aber wir sehen ein demokratisches Rußland, das wir sichern helfen können. Eine
der größten Leistungen Amerikas in diesem Jahrhundert war unsere Führungsrolle in einer bemerkenswerten Staatengemeinschaft; der freien Welt. Diese
Gemeinschaft ist demokratisch. Sie ist stabil. Sie ist
wohlhabend und kooperativ. Sie ist unabhängig. Und
Amerika - wir alle - ist deshalb umso besser. Wir haben
starke Verbündete. Wir treiben umfangreichen Handel
und sind infolge unseres Engagements für diese freie
Welt sicherer.
Jetzt müssen wir diese erfolgreichste Gemeinschaft
erweitem, damit sie unsere früheren Gegner einschließt.
Dies ist jetzt gut für Amerika. Eine Welt, die mit uns
Handel treibt, bringt uns größeren Wohlstand. Eine
Welt, die unsere Werte teilt, stärkt den Frieden. Dies
ist die Welt, die jetzt vor uns liegt. Dies ist die Welt, die
wir hervorbringen können, wenn wir die Vision haben,
nach ihr zu streben. Und dies ist der Frieden, den wir
nicht verlieren dürfen.
Genau dies tun wir jetzt, um den Frieden zu gewinnen.
Strategisch betrachtet, streben wir gemeinsam mit
den Russen nach historischen Reduzierungen von
Nuklearwaffen. Wir drängen auf eine baldige Ratifizierung von START und KSE. Und wir arbeiten mit allen
neuen Staaten zusammen, um die Verbreitung von
Massenvernichtungswaffen zu verhindern. Wir bieten
unsere Hilfe an, um Sicherheit, die Sicherheit von
Nuklearwaffen und deren Zerstörung zu gewährleisten.

Seite 3

�Darüber hinaus engagieren wir uns für ein intensives
Austauschprogramm bei den Militärs, um die Verbindungen zwischen unseren Armeen zu verliefen und
eine einmalige Zusammenarbeit im Verteidigungsbereich aufzubauen - eine Zusammenarbeit, die noch vor
wenigen Monaten undenkbar gewesen wäre.

Durch die Zusammenarbeit mit anderen teilen wir die
Lasten verantwortungsvoll und handeln im besten
Interesse des amerikanischen Steuerzahlers.

Ich weiß, daß eine breite öffentliche Unterstützung für
unsere Bestrebungen zur Verabschiedung dieses
Programms entscheidend ist. Deshalb möchte ich
Auf politischer Ebene sind wir bestrebt, daß Amerika denjenigen, die sagen: "Ja, die Menschen in Rußland
und amerikanische Werte in diesen neuen Ländern und im gesamten alten Sowjetimperium kämpfen, und
repräsentiert sind. Wir sind das einzige Land, das wir wünschen uns ihren Erfolg und daß sie der demoBotschaften in allen früheren Republiken unterhält. kratischen Staatengemeinschaft beitreten. Aber was
Wir planen, Amerika Häuser und amerikanisches Know- ist mit uns? Wie halten wir es mit den Herausforderunhow in die frühere UdSSR zu bringen, Hunderte von gen und Zwängen hier in Amerika? Ist es nicht an der
freiwilligen Helfern des Peace Cors dorthin zu entsen- Zeit, daß wir uns um uns selbst kümmern?" folgendes
den, um beim Aufbau kleiner Betriebe zu helfen, entgegenhalten: Frieden und Wohlstand liegen im
wichtige Austauschprogramme von Studenten, Frei- Interesses jedes Amerikaners, jedes einzelnen Menberuflern und Wissenschaftlern einzuführen, damit schen heute und aller nachfolgenden Generationen.
unser Volk die Bindungen begründen kann, die für den
Als Nation haben wir über 4.000 Milliarden Dollar
dauerhaften Frieden so wichtig sind.
ausgegeben, um den kalten Krieg zu gewinnen. VerIn der Wirtschaft haben wir gemeinsam mit der Euro- glichen mit einem solch ungeheuren Opfer betragen
päischen Gemeinschaft und vielen anderen Ländern die Kosten zur Förderung der Demokratie nur einen
eine globale Koalition gebildet und im letzten Winter Bruchteil dessen, und die Auswirkungen auf Frieden
dringend benötigte Nahrungs- und Arzneimittelhilfe und Wohlstand sind unermeßlich. Amerika muß die
gewährt. Jetzt werden wir Amerikaner entsenden, Führung übernehmen, um diese neue Welt des Friedamit sie Verbesserungen bei der Verteilung von dens zu schaffen.
Lebensmitteln, im Energiesektor, bei der Umwandlung
Dreimal in diesem Jahrhundert wurde Amerika aufgeder Rüstungsindustrie und Demokratisierung leisten.
fordert, an der Konstruktion eines dauerhaften FrieIch habe dem Kongreß das Gesetz zur Förderung der dens in Europa mitzuwirken. Diesen Monat vor 75
Freiheit vorgelegt, ein umfassendes und integriertes Jahren sind die Vereinigten Staaten in den Ersten
Gesetzespaket, das neue Möglichkeiten zur Förde- Weltkrieg eingetreten, um die Waage gegen Aggresrung der Freiheit schafft und alle Gesetze des kalten sion ausschlagen zu lassen. Und dennoch hat sich
Kriegs außer Kraft setzt. In seinen wichtigsten Punk- Amerika nach der gewonnenen Schlacht hinter dem
ten fordert dieses Gesetz den Kongreß auf, meiner Ozean zurückgezogen, und "der Krieg zur Beendigung
Forderung nach 620 Millionen Dollar nachzukommen, aller Kriege" hat einen Frieden hervorgebracht, der
um technische Hilfsprojekte in der früheren UdSSR zu nicht einmal eine Generation überdauerte. Tatsächfördern. Es fordert ferner den Kongreß auf, die US- lich hatte sich der Frieden zur Zeit meiner Geburt, im
Quote beim IWF um 12 Milliarden Dollar zu erhöhen. Jahr 1924, bereits wieder aufgelöst. Wozu hat Deutschlands wirtschaftliches Chaos bald geführt? Zu faschiIch möchte mit beiden Parteien im Kongreß zusam- stischer Diktatur. Die Saat eines anderen, schrecklimenarbeiten, um dieses Gesetz zu verabschieden. cheren Krieges war gesät.
Ich möchte dieses Gesetz noch vor dem Gipfel mit
Präsident Jelzin im Juni in Washington unterzeichnen. Und immer noch blieb der isolationistische Impuls
Ebenso wie die Früchte dieser neuen Welt nicht von stark. Jahre später, als die Nazis über den Kontinent
einem einzigen Land geerntet werden, liegt auch die zu marschieren begannen, kann ich mich daran erinLast nicht nur auf Amerika allein. Zusammen mit nern, daß die Zeitungen hier in den Vereinigten Staaunseren Verbündeten haben wir ein 24-Milliarden- ten immer noch über "Europas Krieg" sprachen, als ob
Dollar-Paket finanzieller Hilfe entwickelt. Sein Ziel: Amerika sich abschotten könnte, als ob wir uns von der
Präsident Jelzins Reformen die dringend benötigte Welt jenseits unserer Ufer abschotten könnten.
Unterstützung zu gewähren.
Infolgedessen - Sie kennen die Antwort - haben wir d&lt;*n
Wir verfolgen eine Politik des kollektiven Engage- teuersten Krieg in der Geschichte der Menschheit
ments und der gemeinsamen Verantwortung. In geführt. Einen Krieg, der das Leben zahlloser MillioZusammenarbeit mit der G-7, dem IWF und der Welt- nen gekostet hat. Am Ende des Krieges erblickten wir
bank wollen wir die wirtschaftliche Umgestaltung för- wieder einmal die Aussicht auf eine neue Welt am
dern, die für einen dauerhaften demokratischen Frie- Horizont. Aber der große Sieg über den Faschismus
wich bald der grausigen Realität einer neuen kommuden so wichtig ist.
nistischen Bedrohung.
45 Jahre nach ihrer Gründung dienen jetzt die von uns
nach dem Zweiten Weltkrieg in Bretton Woods geschaffenen Institutionen ihrem ursprünglichen Zweck.
Seite 4

AMERIKA DIENST 15

�Wir hatten Glück, daß unsere Spitzenpolitiker nach
dem Krieg - Demokraten und Republikaner gleichermaßen - die Lektionen der Vergangeneheit beim Aufbau des Friedens in den nächsten vierzig Jahren nicht
verlernt hatten. Sie bildeten eine Koalition, in der sich
Amerika weiterhin engagierte, die den Frieden im
langen schwierigen Kampf gegen den Sowjetkommunismus aufrechterhielt. Sie lehrten die Lektion, die wir
heute auch beachten müssen: daß es die nobelste
Aufgabe des Siegers ist, den Feind zum Freund zu
machen.
Jetzt hat Amerika zum dritten Mal die Möglichkeit, die
Art dauerhaften Friedens zu schaffen, die uns so lange
versagt blieb. In diesem entscheidenden Augenblick
weiß ich, wo ich stehe. Ich stehe für Amerikas Engagement ein, einen demokratischen Frieden zu fördern,

*

AMERIKA DIENST 15

einen Frieden, der der nächsten Generation eine Welt
bieten kann, die frei von Kriegen und frei von Konflikten
ist.
Nach 50 Jahren der Angst und des Mißtrauens müssen Amerika, Rußland und die neuen Länder der
früheren UdSSR Partner im Frieden werden. Nach 50
Jahren des kalten Kriegs und der scharfen Worte
müssen wir uns für gemeinsame Werte aussprechen
und danach handeln. Und nach 50 Jahren des bewaffneten und unsicheren Friedens müssen wir in eine
neue Welt der Freiheit, Zusammenarbeit, Versöhnung
und Hoffnung eintreten.
Ich danke Ihnen, daß Sie mich heute hierher eingeladen haben. Gott segne die freien Völker des früheren
sowjetischen Imperiums - und Gott segne die Vereinigten Staaten von Amerika.

* * *

*

Seite 5

�GUS-HILFE
15. April 1992

BAKER DRÄNGT AUF VERABSCHIEDUNG DES
GESETZES ZUR FÖRDERUNG DER FREIHEIT
Rede vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats
WASHINGTON - (AD) - Wenn der Kongreß das Gesetz zur Förderung der Freiheit vor der Ankunft von Präsident
Jelzin im Juni verabschiedet, wären die Vereinigten Staaten Außenminister Baker zufolge in der Lage, den
Washingtoner Gipfel als "Sprungbrett für die russisch-amerikanische Partnerschaft und breitere Unterstützung
der Demokratie in ganz Rußland und Eurasien zu nutzen".
In einer Anhörung vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats warnte Baker am 9. April 1992, daß die Beziehungen zu Rußland, der Ukraine, Armenien, Kasachstan und Belarus ohne die Zustimmung zu dem Gesetz
ebenso leiden werden wie "unsere Position in der Welt allgemein".
Das Gesetz zur Förderung der Freiheit würde die Bestrebungen der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten unterstützen, stellte Baker fest, die auf den "Abbau der Bedrohung, Demilitarisierung und nukleare
Sicherheit" abzielen, Mittel für "Konversion der Rüstungsindustrie, Nichtverbreitung, Abzug und Verlegung der
damals sowjetischen Streitkräfte sowie den Abbau der nuklearen Bedrohung" bewilligen.
Baker drängte den Kongreß, jetzt zu handeln und die sich durch das Ende des kalten Kriegs bietenden Chancen
zu ergreifen, "um auf demokratischen Frieden und eine bessere Zukunft hinzuarbeiten". Die Entscheidungen,
"die wir jetzt treffen, werden auf Jahrzehnte hinaus Konsequenzen haben", betonte der Außenminister.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Außenminister Baker im Wortlaut.
Mitte des vergangenen Jahrhunderts prophezeite Alexis
de Tocqueville, Amerika und Rußland seien dazu
bestimmt, jeweils eine Hälfte der Welt in ihren Händen
zu halten. Im Verlauf dieses Jahrhunderts wurden de
Tocquevilles Worte wieder und wieder als Prophezeiung der Rivalität zwischen den Supermächten zitiert,
die die Weltpolitik seit dem Zweiten Weltkrieg beherrscht und geteilt hat.
Heute sind wir zur Erörterung eines Themas zusammengekommen - der demokratischen Revolutionen in
Rußland und Eurasien - das bis weit ins nächste
Jahrhundert tiefgreifende Auswirkungen auf den Frieden und Wohlstand der Vereinigten Staaten haben
wird.
Mit unseren Hoffnungen für das 21. Jahrhundert vor
Augen bin ich heute hierher gekommen, um unsere
Arbeit für ein vorrangiges Ziel voranzubrigen - die
Rivalitäten der Geschichte zu überwinden und statt
dessen mit den Völkern Rußlands und Eurasiens
einen demokratischen Frieden aufzubauen, einen
dauerhaften Frieden, der weit bis ins nächste Jahrhundert zur Einigung der Welt beitragen kann.

AMERIKA DIENST 15

Ich möchte Ihnen heute unsere Vision eines demokratischen Friedens erläutern, der den alten Eisernen
Vorhang für immer heben und die Länder Rußlands
und Eurasiens - und Mittel- und Osteuropas - mit der
demokratischen Staatengemeinschaft vereinigen kann.
Darüber hinaus möchte ich erklären, was bei dieser
historischen Umgestaltung auf dem Spiel steht, wie wir
Demokratie und freie Märkte in Rußland und Eurasien
unterstützen werden und was der Kongreß tun muß.
Bevor ich fortfahre, möchte ich Ihnen unseren Tenor
erläutern. Der Präsident und ich bitten den Kongreß,
das Gesetz zur Förderung der Freiheit bis zur Ankunft
Präsident Jelzins im Juni zu verabschieden. Mit der
Verabschiedung des Gesetzes werden wir in der Lage
sein, den Gipfel im Juni als Sprungbrett für die russisch-amerikanische Partnerschaft und breitere Unterstützung der Demokratie in ganz Rußland und
Eurasien zu nutzen. Ohne das Gesetz zur Förderung
der Freiheit werden nicht nur die russisch-amerikanischen Beziehungen leiden, sondern auch unsere
Beziehungen zu der Ukraine und Armenien, Kasachstan und Belarus sowie unsere Position in der Welt
allgemein.
Seite 1

�Ein demokratischer Frieden
Lassen Sie mich mit unserer Vision der Zukunft beginnen - einer Vision und einem Ansatz, den der Präsident
heute nachmittag darlegen wird, wenn er vor der
Amerikanischen Gesellschaft der Zeitungsverleger
spricht. Wie Sie sehen werden, ist die Vision des
Präsidenten eine zielgerichtete und zwingende Vision
- eine Sichtweise der amerikanischen Beziehungen zu
Rußland und Eurasien, die unseres Erachtens alle
Amerikaner teilen können.
Bis vor kurzem wurde de Tocquevilles Prophezeiung
größtenteils durch die Ereignisse verwirklicht. Amerika und das zaristische Rußland waren niemals enge
Partner, und mit der bolschewistischen Machtübernahme 1917 wurden die neue Sowjetunion und die
Vereinigten Staaten rasch zu Rivalen. Mit Ausnahme
des Zweiten Weltkriegs und der letzten Jahre unter
Präsident Gorbatschow blieben wir Rivalen und Konkurrenten der Sowjetunion.
Obwohl einige das Argument vorbringen mögen, der
kalte Krieg sei primär eine geopolitische, durch konkurrierende Interessen genährte Rivalität, wurde das echte
Feuer der Konfrontation aus einer anderen Quelle
geschürt: einem deutlichen und unversöhnlichen Konflikt
über Grundwerte. Im Kern war der kalte Krieg ein
gigantischer Kampf zwischen Freiheit und Totalitarismus.
Unsere Lösung für diesen schwierigen und unbequemen Zustand war das Containment. Obwohl das
Containment eine erfolgreiche Politik war, war es nie
eine wirklich zufriedenstellende, denn im Grunde war
es eine Politik mit einem negativen Ziel: Die Stalinisten
davon abzuschrecken, weiterzugehen und gleichzeitig
einen Atomkrieg abzuwenden.
Infolgedessen war der Frieden nach dem kalten Krieg
überhaupt kein echter Frieden, sondern in Wirklichkeit
ein durch häufige Krisen zwischen den Supermächten
akzentuiertes sporadisches Entgegenkommen. Frieden war schlicht und einfach die Vermeidung von
Krieg, nicht die Versöhnung der Menschen. Und die
Vermeidung von Krieg wurde nur durch Konfrontation,
Spannung und das Damoklesschwert eines nuklearen
Holocaust erreicht.
Heute sehen wir uns mit einer vollständig anderen und
neuen Situation konfrontiert - der Chance, einen auf
gemeinsame demokratische Werte gegründeten echten Frieden aufzubauen.
Heute leben wir in einer Welt, in der frei gewählte
Politiker in Moskau und Kiew, Eriwan und Bischkek,
Kischinjow und Alma-Ata regieren. Unsere Bestrebungen - der Wunsch, unser Schicksal in politischer
und wirtschaftlicher Freiheit selbst zu bestimmen - sind
gleichermaßen ihre Bestrebungen. Unsere Fundamente - die Rechte des einzelnen, Rechtsstaatlichkeit,
freie Wahlen - werden ihre Fundamente.
Seite 2

Heute haben wir die Chance, radikal mit der Vergangenheit zu brechen. Wir können unseren Blick weit
über das negative Ziel des Containment hinausrichten,
weil jetzt ein positiver Zweck winkt: Die Unterstützung
politischer und wirtschaftlicher Freiheit und die Schaffung eines demokratischen Friedens mit Rußland und
Eurasien.
Ein demokratischer Frieden wäre ein echter Frieden,
nicht nur das Fehlen eines Krieges. Wenn wir von dem
ausgehen, was der Präsident als die beiden Säulen der
politischen und wirtschaftlichen Freiheit bezeichnet, ist
der Boden für Kooperation und gemeinsame Arbeit
bereitet, nicht für Konflikt und militärischen Wettbewerb. Mit einer solchen Grundlage für unsere Beziehungen wäre der Frieden, den wir mit Rußland, der
Ukraine und den anderen neuen Staaten teilen, ein auf
gemeinsame Werte gegründeter Frieden - der dauerhafte Frieden, den wir mit Großbritannien oder Frankreich teilen.
Es wäre ein Frieden, den wir mit ehemaligen Gegnern
wie Deutschland, Italien und Japan teilen, die heute die
gleichen demokratischen Werte wie wir haben. Niemand sieht heute einen Krieg mit diesen Ländern
voraus, und der Grund dafür liegt auf der Hand: Nach
dem Zweiten Weltkrieg haben wir in diesen Nationen
politische und wirtschaftliche Freiheit unterstützt, und
indem wir dies taten, haben wir einem Analysten
zufolge eine Friedenszone aufgebaut.
Indem wir heute den Russen und Kasachen, Usbeken
und Aserbaidschanern unsere Hand reichen, können
wir diese Friedenszone erweitern. Indem wir jetzt
unsere gemeinsamen Werte kultivieren, können wir für
nachfolgende Generationen gefährliche Konflikte
vermeiden. Das ist ein dem amerikanischen Volk
wertes Ziel. Und unseres Erachtens sind alle Amerikaner bereit, dieses Ziel zu unterstützen.
Was auf dem Spiel steht
Dies ist der Grund.
Eine demokratische Regierung in Rußland wird nicht
länger eine eindeutige und allgegenwärtige Bedrohung der Vereinigten Staaten darstellen. Echte
Demokratien beginnen keinen Krieg mit einem anderen Land. Rüstungskontrolle hat sich mit diesem
Symptom befaßt - Nuklearwaffen - während der demokratische Erfolg in Rußland sich der Ursache annimmt:
Totalitarismus.
Demokratie in Ru Bland wird die Chancen für Demokratie in Belarus und der Ukraine, Kasachstan und Usbekistan stützen. All dies wird sich nicht nur zum Vorteil
unserer Verbündeten in Westeuropa erweisen, sondern auch für die Aussichten auf Demokratie in Mittelund Osteuropa sowie im Nahen Osten und Südostasien.

AMERIKA DIENST 15

�So hoffen wir, daß sich die Gemeinschaft demokratischer Nationen bald von Japan bis Europa über die
eurasische Landmasse erstrecken wird, wie sie sich
heute von Europa über die westliche Hemisphäre nach
Japan erstreckt. Dies würde unsere kollektive Arbeit
bei der Bewältigung wachsender neuer Herausforderungen effektiver gestalten: Weiterverbreitung, Terrorismus, Drogenbekämpfung, Umweltschutz.
Ein solcher Zustand liegt nicht nur im strategischen
Interesse der Vereinigten Staaten, sondern im Interesse jedes Amerikaners. Seit Jahrzehnten geben wir
nun schon Billionen Dollar aus, um uns gegen die
kommunistische Bedrohung zu verteidigen. Indem wir
heute in einen demokratischen Frieden invesiieren,
können wir unseren Kindern und Enkeln ein reiches
Erbe hinterlassen - ein Erbe dauerhaften Friedens, ein
Erbe beständiger Chancen, Amerika zu einem besseren Land zu machen.
Das Wachsen von Demokratie und freien Märkten in
Rußland und Eurasien kann für die amerikanische
Wirtschaft und amerikanische Unternehmen eine neue
Quelle des Handels und der Investitionen sein. Diese
Länder sind so reich an Bodenschätzen und gebildeten, talentierten Völkern. Sie möchten, daß wir mit
ihnen Handel treiben und in ihre Unternehmungen und
ihre Zukunft investieren. Dies liegt in unserem beiderseitigen Vorteil. Während wir ihnen helfen, eine freie
Marktwirtschaft aufzubauen, können wir unsere Wettbewerbsfähigkeit verbessern und unsere Ressourcen
einsetzen, um dem Bedarf dieser neuen Märkte gerecht zu werden. Dies wird unsere Wirtschaft stärken,
während wir ihre Bemühungen zur Schaffung freier
Märkte unterstützen.
Überdies wissen wir, daß es unseren Bürgern in einer
demokratischen Welt am besten geht. Je demokratischer die Länder Rußlands und Eurasiens werden,
desto größer sind die Chancen für Frieden und Freundschaft zwischen unseren Völkern. Das ist etwas, das
in unser aller Interesse liegt.
Vor allem aber ist dieses Ziel des amerikanischen
Charakters würdig. In der Vergangenheit haben wir
das amerikanische Volk oft für den Krieg mobilisiert,
um unseren Lebensstil zu verteidigen. Heute streben
wir danach, es zu mobilisieren, um einen demokratischen Frieden aufzubauen und unseren Lebensstil
und unsere Werte auf neue Regionen auszudehnen.
Kollektives Engagement
Herr Vorsitzender, nachdem ich erörtert habe, was auf
dem Spiel steht, möchte ich mich nun dem zuwenden,
was wir zur Unterstützung der Demokratie in Rußland
und den anderen neuen unabhängigen Staaten tun
müssen.
Während sich die Sowjetunion im vergangenen Dezember im Endstadium des Zerfalls befand, appellierte

AMERIKA DIENST 15

ich in einer Rede an der Princeton University an den
Westen, eine Politik des kollektiven Engagements
gegenüber der ehemaligen Sowjetunion zu verfolgen.
Ich erklärte, wir sollten mit unseren Verbündeten zusammenarbeiten und unsere Bemühungen auf die
folgenden drei Aufgaben konzentrieren:
Erstens, Unterstützung bei der Zerstörung und
Kontrolle der militärischen Relikte des kalten
Krieges;
Zweitens, Unterstützung unserer ehemaligen
Gegner beim Aufbau von Demokratie und politischer Legitimität nach dem Scheitern des
Totalitarismus;
Drittens, Unterstützung der Kräfte des freien
Markts bei der Ankurbelung der wirtschaftlichen
Stabilisierung und Gesundung in den Ländern
der ehemaligen Sowjetunion.
Indem wir uns dem gesamten Spektrum dieser Aufgaben widmen, gehen wir auf die zahllosen militärischen,
politischen und wirtschaftlichen Probleme ein, die von
den neuen Staaten beim Aufbau von Demokratie und
freien Märkten überwunden werden müssen. Und seit
Dezember haben wir in Zusammenarbeit mit unseren
Verbündeten bei jedem dieser Punkte Fortschritte
erzielt.
Im militärischen Bereich haben wir mit neuen Vorschlägen von Präsident Bush und Präsident Jelzin zur
nuklearen Rüstungskontrolle ein gutes Stück Weges
zurückgelegt. Dasselbe gilt für neue praktische Schritte, um Rußland, der Ukraine, Belarus und Kasachstan
zu helfen, Kernwaffen zu entschärfen und zu beseitigen und für die Schaffung eines internationalen Wissenschaftszentrums in Rußland und der Ukraine, um
das Problem der Abwanderung von Wissenschaftlern
in den Griff zu bekommen.
Im politischen Bereich haben wir diplomatische Beziehungen mit allen neuen unabhängigen Staaten hergestellt, und wir werden dort Botschaften eröffnen. Überdies
haben wir sie in den Vereinten Nationen, dem Nordatlantischen Kooperationsrat und der Konferenz über
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa willkommen geheißen. Darüber hinaus gab es die historische
Erklärung von Camp David zwischen Präsident Bush
und Präsident Jelzin - ein klares Zeichen für die neue
Ära, in die Ru ßland und Amerika gemeinsam eintreten.
In der Wirtschaft haben wir auf einen besonderen
Assoziierungsstatus der Sowjetunion mit IWF und
Weltbank gedrängt, und wir haben uns in jüngster Zeit
für die Vollmitgliedschaft Rußlands und der neuen
unabhängigen Staaten eingesetzt. Mit der Aktion
Hoffnung haben wir massive Bemühungen unternommen, um der humanitären Notlage zu begegnen. Wir
haben unsere Programme zur technischen Hilfe erweitert. Und bei der Washingtoner Koordinierungskonfe-

Seite 3

�renz haben wir mit unseren Verbündeten umfangreiche und produktive Bemühungen eingeleitet, um die
Hilfe zu koordinieren.
Das Gesetz zur Förderung der Freiheit
Heute, da wir in das nächste Stadium der Unterstützung für Demokratie und freie Märkte eintreten, verschafft uns das Gesetz zur Förderung der Freiheit
größeren Spielraum und mehr Elan.
Es stellt einen umfassenden, integrierten Rahmen dar,
mittels dessen wir die militärischen, politischen und
wirtschaftlichen Probleme Rußlands und Eurasiens
bewältigen können. Es unterstützt unsere Politik des
kollektiven Engagements sowie unsere Bemühungen
zur Koordinierung und Aufteilung der Lasten mit unseren Verbündeten. Das Gesetz zur Förderung der
Freiheit hebt die Beschränkungen des kalten Krieges
auf, aber noch wichtiger ist, daß es unsere Bemühungen zum Aufbau eines demokratischen Friedens unterstützt.
In dieser Hinsicht handelt es sich dabei ebenso um
eine politische Erklärung wie um ein Gesetzespaket.
Was jedoch seine Funktion als legislatives Instrument
angeht, um dessen Unterstützung wir Sie bitten, so
versuchen wir, Exekutive und Legislative in einem
überparteilichen Programm zu vereinen, mit dem das
amerikanische Volk mobilisiert werden kann.
Ich möchte kurz darauf eingehen, wie das Gesetz das
von mir erwähnte dreiteilige Programm unterstützen
kann.
Erstens unterstützt das Gesetz den Abbau der Bedrohung, die Demilitarisierung und nukleare Sicherheit.
Es stellt Mittel bereit, die für Demilitarisierung, Konversion der Rüstungsindustrie, Nichtverbreitung, Abzug
und Verlegung der ehemals sowjetischen Streitkräfte
sowie den Abbau der nuklearen Bedrohung eingesetzt
werden sollen. Es wird ferner die zulässige Verwendung der Nunn-Lugar-Mittel - sowie von Mitteln zur
Finanzierung von Militärhilfe (FMF) - für diese Zwecke
erweitern. Darüber hinaus enthält es Unterstützung
für ein Internationales Wissenschafts- und Technologiezentrum in der Ukraine, das demjenigen ähnelt, das
wir für Rußland vereinbart haben.
Zweitens unterstüzt das Gesetz unsere Demokratisierungsprogramme in Rußland und den anderen neuen
unabhängigen Staaten. Es wird unsere Bestrebungen
zum Aufbau von "Amerika Häusern" fördern - Zentren
für die Bürger der neuen Staaten, in denen sie von in
diesen Staaten lebenden amerikanischen Beratern
etwas über die Vereinigten Staaten erfahren können.
Es wird unser Engagement für das Bürgerkorps
Demokratie des Präsidenten ebenso stärken wie unsere
Fähigkeit zur Unterstützung einer Eurasien-Stiftung.
Diese beiden Organisationen werden als Katalysator
für das Engagement unseres Privastsektors bei diesen Bestrebungen wirken.

Seite 4

Das Gesetz wird ferner die Mittel für neue diplomatische Missionen bewilligen, um eine effektive diplomatische Präsenz in der gesamten ehemaligen Sowjetunion sicherzustellen.
Darüber hinaus unterstützt das Gesetz ein Programm
für internationalen Austausch und die Ausbildung von
Militärs (International Military Exchanges and Training
- IMET) mit Rußland und den anderen neuen unabhängigen Staaten, das die Förderung des demokratischen
Prinzips der zivilen Kontrolle in diesen neuen Staaten
zum Ziel hat.
Drittens unterstützt das Gesetz zur Förderung der
Freiheit freie und offene Märkte durch technische Hilfe,
Förderung von Handel und Investitionen sowie makroökonomische Stabilisierung. Ich möchte jeden
dieser Bereiche getrennt behandeln.
Im Hinblick auf technische Hilfe gestattet das Gesetz
den mit der Unterstützung der osteuropäischen Demokratien (Support for Eastern Europan Democracies SEED) befaßten Behörden die Durchführung vergleichbarer Aktivitäten in Rußland und den anderen neuen
unabhängigen Staaten. Dadurch können wir von den
von einer ganzen Bandbreite amerikanischer Regierungsstellen bei der Bereitstellung technischer Hilfe in
der ehemaligen Sowjetunion gemachten Erfahrungen
profitieren. Das Gesetz verleiht auch den Programmen des US-Landwirtschaftsministeriums größere
Flexibilität.
Was diese neuen unabhängigen Staaten mehr als
alles andere benötigen - wonach sie wirklich dürsten ist Wissen: Aufbau demokratischer Institutionen, wirtschaftliche Aktivitäten in einer freien Marktwirtschaft.
Diese Staaten benötigen nicht die antiquierte "Auslandshilfe", sondern vielmehr etwas sehr viel anderes:
das Wissen, daß durch aktives Engagement eines
dynamischen Privatsektors vermittelt werden kann,
der mit der US-Regierung zusammenarbeitet. Unser
technisches Hilfsprogramm konzentriert sich auf die
Erleichterung einer solchen Partnerschaft.
Im Hinblick auf die Förderung von Handel und Investitionen wird das Gesetz unseren Firmen die Nutzung
von Handels- und Investitionschancen in Rußland und
den anderen neuen unabhängigen Staten erleichtern.
Das Gesetz hebt vor allem ansonsten gültige Begrenzungen von Programmen der Entwicklungsgesellschaft
OPIC und der Export-Import-Bank auf und gestattet
uns, unsere Mittel zur Deckung der Kreditbürgschafter,
zu verwenden. Auf diese Art und Weise können wir die
Mittel der US-Regierung in Handel und Investitionen
des Privatsektors dirigieren. Das ist gut für unsere
Wirtschaft und unseren Handel - ebenso wie für die
Entwicklung von Märkten und Demokratien in den
neuen Staaten.
Das Gesetz räumt dem Präsidenten die Befugnis zur
Aufhebung von Bestimmungen ein, die jetzt die normalen Wirtschaftsbeziehungen beschneiden und ameriAMERIKA DIENST 15

�kanische Unternehmen behindern, einschließlich
Gewährung des allgemeinen Präferenzsystems (GSP)
und Aufhebung der Einschränkungen bei privater
Kreditvergabe im Rahmen des Johnson-Gesetzes über
Zahlungsunfähigkeit. Das Gesetz läßt ferner keinen
Zweifel an unserer Absicht, weitere COCOM-Begrenzungen aufzuheben.

Rußland ist ein an Bodenschätzen und talentierten
Menschen reiches Land. Die Marktwirtschaft ist der
Schlüssel, um diese Ressourcen und Talente anzuzapfen. Märkte werden die Tür zu Wirtschaftswachstum
und Entwicklung öffnen. Aber während sich die Märkte
entwickeln, benötigt Rußland Hilfe bei der Bewältigung
seiner Liquiditätsprobleme.

Die ehemaligen Sowjetrepubliken sind neue Länder.
Sie sollten ihre neue Geschichte frei von Bürden
beginnen und nicht über Gebühr durch auf Stalinisten
abzielende Einschränkungen belastet werden.

Wir betrachten dies nicht als endlosen Kreislauf von
Milliarden Dollar zur Stützung der russischen Wirtschaft. Das gesunde, vom IWF unterstützte Wirtschaftsprogramm, das Präsident Jelzin in die Wege
geleitet hat, wird unserer Meinung nach Wachstum
und Entwicklung fördern. Und dieses Wirtschaftswachstum wird darüber hinaus den von uns angestrebten demokratischen Frieden unterstützen.

Im Hinblick auf die makroökonomische Stabilisierung
wird das Gesetz einen unterstützenden Rahmen bereitstellen, um unsere wichtige Rolle beim multilateralen Stabilisierungsprogramm fortzusetzen, das wir mit
IWF, Weltbank und G-7 entwickeln.
Am wichtigsten ist jedoch, daß das Gesetz die Quotenerhöhung des IWF genehmigt - ein Schritt, den der
Kongreß unbedingt unternehmen muß, um diese
multilateralen Bemühungen zu unterstützen. Dazu
möchte ich anmerken, Herr Vorsitzender, daß Mitglieder des Ausschusses als ich vor zwei Monaten hier
gesprochen habe, mir gegenüber bekräftigten, der
Kongreß werde dazu nichts unternehmen, bevor nicht
der Präsident sein Gewicht in die Waagschale legt.
Herr Vorsitzender, der Präsident hat dies nun - öffentlich und unmißverständlich - getan, und wir erwarten
jetzt vom Kongreß, daß er handelt. Nicht nur brauchen
wir die Genehmigung des Kongresses zur Quotenerhöhung durch das Gesetz zur Förderung der Freiheit,
sondern wir beantragen, daß der Kongreß im gleichen
Sinne handelt, um die notwendigen Bewilligungsgesetze zu verabschieden.
Das Gesetz unterstützt ferner unsere Bemühungen,
eine führende Rolle bei der Unterstützung des makroökonomischen Stabilisierungsprogramms zu spielen,
indem es die Zustimmung des Kongresses für die
amerikanische Beteiligung an einem oder mehreren
Währungsstabilisierungsfonds von bis zu 3 Milliarden
Dollar beinhaltet.
Das Gesetz stellt darüber hinaus klar, daß der Kongreß den Ansatz der Administration unterstützt, durch
IWF und Weltbank die makroökonomische Stabilisierung multilateral zu unterstützen.
Bevor ich schließe, möchte ich noch kurz auf das
makroökonomische Stabilisierungsprogram.i. und
unsere Rolle dabei eingehen.
Die 24 Milliarden Dollar an makroökonomischer Unterstützung der G-7 für den vom Präsidenten angekündigten ehrgeizigen Wirtschaftsreformplan Rußlands
wird grundlegende Hilfe für den Übergang Rußlands
zur Marktwirtschaft bereitstellen.

AMERIKA DIENST 15

Unterstützung der Zahlungsbilanz wird in Form von
Krediten des IWF und der anderen internationalen
Finanzinstitutionen im Kontext eines ausgehandelten
Ad-hoc-Arrangements sowie in Form von bilateraler
Hilfe durch die Länder der G-7 selbst erfolgen. Weitere
Umschuldungen könnten gegebenenfalls Zinszahlungen zum bereits bestehenden Aufschub der Tilgung
von Schulden hinzugefügt werden, die bereits vor
1991 aufgelaufen waren.
Die Details werden mit dem Ziel ausgearbeitet, ein
Abkommen bis Ende April fertigzustellen. Viel wird
davon abhängen, ob Rußland mit dem IWF eine Einigung über ein Ad-hoc-Programm erzielt. Details einer
größeren Umschuldungsaktion müßten von den Gläubigerländern ausgearbeitet werden.
Die G-7 hat ferner beschlossen, einen Währungsstabilisierungsfonds für Rußland einzurichten. Der genaue Charakter und Zweck dieses Fonds werden noch
definiert. Wir werden vorsichtig vorgehen, damit der
Fonds sinnvoll zusammengestellt wird und solide wirtschaftliche Maßnahmen unterstützt. Der Währungsstabilisierungsfonds kann solche Maßnahmen nicht
ersetzen. Wie im Falle Polens könnte ein Währungsstabilisierungsfonds Rußlands Bemühungen entscheidend unterstützen, den Rubel zu einer effektiven
Währung zu machen.
Die Finanzierung des Währungsstabilisierungsfonds
wird voll und ganz aus den Allgemeinen Arrangements
zur Kreditvergabe bestritten, einer in den sechziger
Jahren geschaffene Kreditbewilligung des IWF, um es
letzterem zu ermöglichen, seine Mittel in Zeiten erhöhten Bedarfs aufzustocken. Dieser Fall ist jetzt eingetreten. Der amerikanische Anteil an den Allgemeinen
Arrangements zur Kreditvergabe beträgt 25 Prozent,
so daß wir im Endeffekt 1,5 Milliarden Dollar zu den 6
Milliarden Dollar des Währungsstabilisierungsfonds
beitragen würden. Dafür würden jedoch unter dem
Strich keine zusätzlichen Haushaltsmittel erforderlich.

Seite 5

�Im Prinzip wären wir bereit, die Schaffung eines oder
mehrerer Fonds für die ehemaligen Sowjetrepubliken
zu unterstützen, jeweils abhängig von deren Reformplänen und dem Bedarf. Offengesagt ist jedoch noch
keine der anderen Republiken bei der Entwicklung
eines umfassenden Wirtschaftsreformprogramms in
Zusammenarbeit mit dem IWF so weit fortgeschritten
wie Rußland. Und viele davon werden wahrscheinlich
in die Rubelzone einbezogen werden, anstatt eigene
Währungen einzuführen. Sollte jedoch ein eindeutiger
Bedarf entstehen, werden wir einen Weg finden, um
auch diesem Bedarf gerecht zu werden.
Fortschritte bei mikroökonomischen und strukturellen
Fragen sind ebenso unabdingbar wie die makroökonomische Stabilisierung. Stabilisierungsmaßnahmen
schaffen das Klima für Märkte, aber Rußland und die
anderen Republiken benötigen darüber hinaus durchgreifende Maßnahmen, um Wettbewerb, echte Eigentums-und Vertragsrechte, Entmonopolisierung und
Privatisierung sowie sektorale Reformen zu fördern.
Unsere technische Hilfe wird sich teilweise auf diese
Bereiche konzentrieren. Darüber hinaus erwarten wir,
daß die Weltbank hierbei eine Schlüsselrolle spielen
wird.
Schlußbemerkungen
Herr Vorsitzender, Mitglieder des Ausschusses, abschließend möchte ich folgendes feststellen:
Wie der Präsident verdeutlich hat, befinden wir uns an
einem Wendepunkt für Amerika und die Welt. Mit dem
Ende des kalten Krieges hat uns die Geschichte eine
einzigartige Chance geboten. Die Aufgabe ist beängstigend, und der Erfolg kann nicht garantiert werden.
Aber die Entscheidungen, die wir heute treffen, werden
auf Jahrzehnte hinaus Konsequenzen haben, und ich
bin davon überzeugt, daß wir diese heutige Chance
nutzen müssen, um auf einen demokratischen Frieden
und eine bessere Zukunft hinzuarbeiten.
* *

Seite 6

Es trifft zu, daß die Amerikaner ein kluges, pragmatisches Volk mit wenig Neigung zu außenpolitischen
Abenteuern sind. Wir sind jedoch auch ein mutiges
Volk. In diesen revolutionären Zeiten müssen wir
diesen Mut einsetzen. Wir müssen etwas wagen.
Wir haben diesen Mut in der Vergangenheit bewiesen,
und wir haben auch früher etwas gewagt. In den
langen, dunklen Jahren des kalten Krieges haben wir
zu glauben gewagt, daß der Alptraum des Kommunismus vorübergehen werde. Wir wagten zu glauben,
daß wir eine bessere Welt schaffen würden - eine Welt,
die nicht länger in bewaffnete Lager gespalten ist, eine
Welt frei von den Fesseln der Unterdrückung. Auf dem
Weg zu dieser Welt haben wir schon eine beträchtliche
Strecke zurückgelegt. Es ist an der Zeit, erneut etwas
zu wagen und unsere Arbeit zu vollenden.
Wir müssen zu glauben wagen, daß Amerika groß
genug ist - daß Amerika gut genug ist -, um den Weg
in eine friedlichere, freiere und wohlhabendere Welt zu
weisen.
Wir müssen zu glauben wagen, daß wir im Inland
florieren können, auch wenn wir im Ausland Erfolge
haben.
Wir müssen zu glauben wagen, daß unsere Unternehmen konkurrenzfähig sein können, daß unsere Kinder
ohne Furcht vor Krieg schlafen können, daß unsere
Werte in einem neuen Jahrhundert wachsen und
gedeihen können.
Wir müssen zu glauben wagen, daß wir gleichzeitig mit
der Unterstützung beim Aufbau einer neuen Welt im
Ausland ein neues Amerika hier bei uns zu Hause
aufbauen und daß wir beides zusammen tun können und müssen.

* *

*

AMERIKA DIENST 15

�NICHTVERBREITUNG
15. April 1992

DREI JAHRE FORTSCHRITTE BEI NICHTVERBREITUNG
Rede von Staatssekretär Bartholomew vor dem Repräsentantenhaus
WASHINGTON - (AD) - Dem Abteilungsleiter für internationale Sicherheit im US-Außenministerium, Reginald
Bartholomew, zufolge sind die Vereinigten Staaten die treibende Kraft der'liefgreifenden positiven Revolution"
der vergangenen drei Jahre zur Begrenzung der Verbreitung von Waffensystemen. Bartholomew stellte fest, daß
die Gruppe der Lieferanten von Atommaterial am 3. April 1992 auf amerikanische Initiative zum ersten Mal eine
umfassende Liste von nuklearfähigem Mehrzweckgerät und -technologien verabschiedet hat.
Vor dem Unterausschuß für ausländische Operationen des Bewilligungsausschusses im Repräsentantenhaus
berichtete Bartholomew am 8. April 1992 von einem weiteren diplomatischen Erfolg, als die Vereinigten Staaten
China und die ehemalige Sowjetunion von der Anwendung strengerer Raketenkontrollnormen für deren Exporte
überzeugen konnte.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Abteilungsleiter Bartholomew in wesentlichen Auszügen.
Übersicht
Diese Administration mißt der Verhinderung der Verbreitung nuklearer, chemischer und biologischer Waffen und deren Trägerraketen hohe Priorität bei.
In den vergangenen drei Jahren waren wir mit der
Entwicklung und Durchführung neuer Initiativen in all
diesen Bereichen befaßt. Wir haben die internationalen Kontroll normen verbessert und erweitert. Wir
haben die Liste der Exportkontrollen unterworfenen
Geräte und Technologien sowohl in den Vereinigten
Staaten als auch auf multilateraler Ebene verlängert.
Wir haben regionale Initiativen in die Wege geleitet, um
die Verbreitung in instabilen Regionen der Welt einzudämmen. Und wir haben einen Prozeß erarbeitet, um
(
3n Transfer konventioneller Waffen in den Griff zu bekommen.

Lieferanten von Atommaterial - haben sich auf die
traditionelle amerikanische Position zu "umfassenden
Schutzmaßnahmen" verständigt, das heißt, ein Land,
das einen bedeutenden Bestand an nuklearfähigem
Material bekanntgibt, muß für all seine nuklearen Einrichtungen Schutzmaßnahmen einführen.
Die internationale Liste von aus Gründen der nuklearen Verbreitung kontrollierten Gütern wurde ergänzt
und erweitert.
Auf Initiative der Vereinigten Staaten vereinbarte die
Gruppe der Lieferanten von Atommaterial am 3. April
die Kontrolle einer umfangreichen Liste von nuklearfähigem Mehrzweckgerät und -technologien.

Zunächst möchte ich einige dieser Leistungen im
einzelnen erörtern und dann die Problembereiche
anführen, auf die wir uns derzeit konzentrieren.

Zusammengenommen bedeuten diese Fortschritte einen
entschieden gefestigten institutionellen Rahmen für
nukleare Nichtverbreitung. Sie verschärfen die Barrieren gegen die Beschaffung von Nukleartechnologie
durch Länder, die Nuklearwaffenfähigkeiten anstreben.

1.

2.

Die mit der nuklearen Verbreitung befaßten
Institutionen wurden unter amerikanischer
Führung deutlich gestärkt

Die Zahl der Unterzeichner des Nichtverbreitungsvertrags (NPT) hat sich erhöht. Langjährige Zögerer wie
China und Südafrika sind beigetreten, und Frankreich
steht unmittelbar vor dem Beitritt.
Zahlreiche Länder haben darüber hinaus ihre Exporte
von nuklearfähigem Material strengeren Kontrollen
unterworfen. 27 Länder- die Mitglieder der Gruppe der

AMERIKA DIENST 15

Auch bei vordringlichen regionalen Nuklearproblemen wurden Fortschritte erzielt

Argentinien und Brasilien haben von ihren Ambitionen
zum Erwerb von Nuklearwaffen Abstand genommen.
Wenn sich die Dinge weiterhin positiv entwickeln,
könnten sie bald von der Liste der Länder gestrichen
werden, die zu Sorgen bei der atomaren Verbreitung
Anlaß geben.
Unsere seit langem bestehende Besorgnis über die
südafrikanischen Bestrebungen zur Beschaffung von
Seite 1

�Nuklearwaffen konnte zerstreut werden. Südafrika ist
jetzt dem Nichtverbreitungsvertrag beigetreten und
hat unverzüglich die Schutzmaßnahmen des NPT
erfüllt.

- EPCI) werden in Kürze Lizenzen für alle Exporte zu
Raketenprojekten im Nahen Osten und in bestimmten
anderen Ländern erforderlich, die Anlaß zu Besorgnis
bei der Verbreitung geben.

Wir haben das Programm des Irak zur Entwicklung von
Massenvernichtungswaffen vereitelt. Die irakischen
Programme für Massenvernichtungswaffen wurden
während des Golfkriegs schwer beschädigt, und die
verbleibenden werden unter internationaler Beaufsichtigung zerstört. Die internationale Überwachung wird
auf lange Sicht fortgesetzt, um sicherzustellen, daß
diese Programme nicht wiederaufgebaut werden.

Im Rahmen eines 1990 in den Vereinigten Staaten
verabschiedeten Gesetzes haben wir Sanktionen für
den Handel mit Raketen durch ausländische Körperschaften in mehreren Nationen verhängt, einschließlich China, Pakistan, Südafrika, Nordkorea und iran.

Wir haben bei den Nuklearproblemen mit Nordkorea
einen wesentlichen Fortschritt erzielt, indem wir den
Nord-Süd-Dialog sowie ein nukleares Inspektionsabkommen stärkstens befürworten und Nordkorea zur
vollständigen Einhaltung seiner nuklearen Verpflichtungen im Rahmen des NPT drängen.
3.

Bei der Verbesserung multilateraler Kontrollen von Raketentechnologie waren positive Entwicklungen zu verzeichnen

Die Hauptlieferanten wie Deutschland und die Schweiz
haben ihre nationalen Exportkontrollen verschärft.
Die Mitgliedschaft in den Institutionen hat sich drastisch erhöht. Die Zahl der dem für die Bekämpfung
der Raketenverbreitung verantwortlichen Kontrollregime für Raketentechnologie (Missile Technology Control Regime - MTCR) beigetretenen Länder hat sich
von 7 auf 18 Mitgliedstaaten erhöht, und im Verlauf
dieses Jahres werden mindestens zwei weitere beitreten.
Die Liste der kontrollierten Güter wurde überarbeitet
und ergänzt. Das MTCR hat seinen Rahmen erweitert
und bezieht auch Raketen ein, die als Trägersysteme
für alle Massenvernichtungswaffen dienen können,
einschließlich chemischer, biologischer und nuklearer
Waffen.
Die Vereinigten Staaten haben die Hauptlieferanten
von der strikten Anwendung von MTCR-Raketenexportkontrollnormen überzeugt. Diese beziehen auch
Rußland und China ein. Argentinien hält sich jetzt an
MTCR entsprechende Kontrollen ebenso wie Israel.
Mehrere osteuropäische Länder sind dabei, dies ebenfalls zu tun.
Darüber hinaus führt das MTCR ein aktives Programm
für Nichtmitgliedstaaten durch, um ihnen bei der Durchführung wirksamer Raketenexportkontrollen behilflich
zu sein. Am 30. März haben die Vereinigten Staaten
- unter Beteiligung anderer MTCR-Partner - ein Seminar für osteuropäische Nationen, das Baltikum und die
ehemalige Sowjetunion veranstaltet.
4.

Die Vereinigten Staaten haben Ihre Kontrollen für Raketentechnotogie verschäft

Im Rahmen der Initiative zur erweiterten Kontrolle der
Verbreitung (Enhanced Proliferation Controls Initiative
Seite 2

Das heißt, daß praktisch alle Lieferanten von Raketentechnologie jetzt von Ländern, die diese Technologien
verbreiten, abgeschottet wurden. Nur Nordkorea
exportiert nocht vollständige Raktensysteme der MTCRKlasse.
Wir haben eine Reihe von Ländern dazu veranlaßt, auf
den Erwerb von Raketen zu verzichten. Argentinien
hat vergangenes Jahr die Einstellung seines Programms zur Entwicklung der ballistischen Rakete Condor
bekanntgegeben. Irakische Raketenprogramme unterliegen Bemühungen der Vereinten Nationen zu deren
Beseitigung.
5.

Wichtige Schritte wurden ferner gegen die
Verbreitung chemischer und biologischer
Waffen unternommen

Die internationale Institution, die sich mit der Verbreitung chemischer und biologischer Waffen beschäftigt
- die "Australien-Gruppe" - wurde gestärkt und erweitert. Die Zahl der Mitglieder erhöhte sich von 20 auf 22
(die neuesten sind Finnland und Schweden).
Die Liste der international kontrollierten Güter, die mit
chemischen und biologischen Waffen in Verbindung
stehen, wurde auf Drängen der Vereinigten Staaten
sprunghaft erweitert. Im Jahr 1991 haben die Vereinigten Staaten ihre eigene Liste der kontrollierten Grundstoffe für chemische Waffen erheblich - von 11 auf 50
weltweit - verlängert und Kontrollen für zur Produktion
chemischer und biologischer Waffen in Ray« kommende Mehrzweckausrüstung und ganze chemische
Fabriken eingeführt.
Heute führen alle Mitglieder der Australien-Gruppe
dieselben strengen Kontrollen ein. Darüber hinaus
wurden auch regionale Fortschritte erzielt.
Argentinien, Brasilien und Chile sind letztes Jahr
übereingekommen, eine C- und B-waffenfreie Zone
zu bilden.
In Osteuropa haben sich die Exportkontrollen für biologische und chemische Waffen vervielfacht. Die
Tschechoslowakei, Ungarn, Polen und Rumänien halten
sich an die scharfen Exportkontrollnormen der Australien-Gruppe.
Andere Länder schließen sich dem Trend zu besseren
Kontrollen an. Israel, China und in gewissem Maß
auch Indien haben ebenfalls in diesem Bereich Exportkontrollen eingeführt.

AMERIKA DIENST 15

�Unter dem Strich bestand das Ergebnis dieser hartnäckigen Bemühungen darin, die traditionellen Nachschubquellen für Programme zur Entwicklung chemischer und biologischer Waffen abzuschneiden.
6.

Die fünf wichtigsten Lieferanten konventioneller Waffen haben begonnen, Verantwortungsbewußtsein, Transparenz und Konsultationen beim Transfer konventioneller
Waffen einzuführen

Im Hinblick auf Verantwortungsbewußtsein haben die
Fünf ihre besondere Verpflichtung anerkannt, zu
gewährleisten, daß ihre Waffenlieferungen die Stabilität nicht untergraben.
Im Hinblick auf Transparenz sind sie ferner übereingekommen, daß wir Informationen über Waffenverkäufe
austauschen müssen, um destabilisierende Waffenlieferungen zu identifizieren und abzuwenden.
Im Hinblick auf Konsultationen haben die Fünf zum
ersten Mal vereinbart, ihre Waffentransfers für Debatten und Kritik zu öffnen und sich an gemeinsame
Richtlinien für Waffenlieferungen zu halten.
Kurzum, die Fünf haben sich verständigt, die kollektive
Vernunft der Fünf auf Entscheidungen anzuwenden,
die sie - au ßer den Vereinigten Staaten - nicht mit ihren
Parlamenten teilen.
Dies ist kein business as usual. Es ist sowohl neu als
auch wichtig.
Der gegenwärtige Schwerpunkt: Konvention über
chemische Waffen, Nordkorea, Südasien, Naher
Osten, ehemalige Sowjetunion.
Zu unseren Hauptanliegen gehören die folgenden
Punkte:
Institutionell gilt unsere erste Priorität dem diesjährigen Abschluß der Konvention über chemische Waffen
als grundlegendem Rahmen für den Umgang mit
chemischen Waffen.
Es bestehen mehrere regionale Probleme, die unserer
anhaltenden Aufmerksamkeit bedürfen.
Cai Nordkorea müssen wir sicherstellen, daß der Norden
seine nuklearen Verpflichtungen uneingeschränkt erfüllt. Dazu gehören nukleare Inspektionen im Rahmen
der IAEO sowie das bilaterale Abkommen mit dem
Süden. Wir müssen den Druck auf Nordkorea aufrechterhalten, um der unkontrollierten vVeitergabe von
Raketentechnologie durch dieses Land Einhalt zu
gebieten.
In Südasien machen wir bei der Nichtverbreitung einen
Anfang. Unser Vorschlag einer Fünfmächtekonferenz
ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, und
unsere bilateralen Gespräche dauern an. Vier derfünf
Teilnehmer haben der Konferenz bereits zugestimmt,
und wir stehen weiterhin mit Indien in Kontakt, um auch
dessen Teilnahme zu sichern.

AMERIKA DIENST 15

Im Nahen Osten werden wir weiterhin den Irak zur
Einhaltung seiner Verpflichtungen drängen, seine
Massenvernichtungswaffen zu vernichten und keine
neuen zu beschaffen. Der Iran hat seine Bemühungen
zur Beschaffung von Raketen und Massenvernichtungswaffen verstärkt und seine konventionellen Fähigkeiten vergrößert. Wir werden den Iran weiterhin
genauestens beobachten.
Wir werden gewährleisten müssen, daß Osteuropa
und die ehemalige Sowjetunion nicht zu neuen Quellen
von Nachschub oder Know-how für Länder werden,
die Massenvernichtungswaffen erwerben wollen. Zur
Zeit werden Initiativen verwirklicht, um Exportkontrollen zu verschärfen, Nachweis, Kontrolle und physischen Schutz von Nuklearmaterial zu verbessern und
Wissenschaftler für sinnvolle nichtmilitärische Vorhaben einzusetzen. Unsere Kontakte mit den neuen
unabhängigen Staaten sind ermutigend verlaufen.
Bei konventionellen Waffenlieferungen gedenken wir,
den Prozeß durch die Veranstaltung einer Plenarsitzung dieses Frühjahr voranzutreiben.
Regionale Erfolge: Osteuropa und andere führen
Exportkontrollen ein
Die Ausweitung von Exportkontrollen für chemische
und biologische Waffen außerhalb der AustralienGruppe in den vergangenen 12 Monaten war ermutigend. Polen, Ungarn, die Tschechoslowakei, Rumänien und Bulgarien sind dabei, der Australien-Gruppe
vergleichbare Kontrollen anzuwenden. Israel hat
Kontrollen für alle 50 chemischen Grundstoffe eingeführt. China hat ebenfalls einige Kontrollen chemischer Grundstoffe eingeführt, und dasselbe gilt mit
Abstrichen für Indien.
Im September 1991 haben Chile, Argentinien und
Brasilien den wichtigen Schritt unternommen, eine Cund B-waffenfreie Zone zu bilden.
Die Konvention über chemische Waffen: Vertrag
noch dieses Jahr angestrebt
Die langfristige Lösung des Problems der chemischen
Waffen ist ein weltweites, verifizierbares C-Waffen verbot. Wir streben einen Vertrag in diesem Jahr an.
Letzten Mai forderte Präsident Bush die Beschleunigung der Verhandlungen über eine C-Waffenkonvention (CWC) im Rahmen der Genfer Abrüstungskonferenz. Gleichzeitig machten die Vereinigten Staaten bei
wichtigen Fragen, die in den Gesprächen umstritten
waren, erhebliche Zugeständnisse. In der Folge setzte die Abrüstungskonferenz das Jahr 1992 als Zieldatum für den Abschluß der Konvention fest und verdoppelte die Arbeit daran. Die Vereinigten Staaten bemühen sich energisch, die relativ wenigen wichtigen
ausstehenden Probleme - insbesondere bei der Verifizierung - mit dem Ziel zu lösen, einen Vertrag so bald
wie möglich dieses Jahr fertigzustellen.

Seite 3

�Im März hat Australien bei den Genfer Verhandlungen
über C-Waffen einen neuen Vertragsentwurf vorgelegt. Wir begrüßen diese Initiative. Mit einigen für uns
wichtigen Veränderungen glauben wir, daß dieser Text
als Grundlage für den Abschluß einer Konvention
dienen kann. Wir fordern die anderen an den Verhandlungen über die Konvention beteiligten Staaten und
den Vorsitzenden bei diesen Verhandlungen dringend
auf, den australischen Text als Grundlage für die
Vollendung eines allseits akzeptablen Vertrags zu
benutzen, den wir dieses Jahr unterzeichnen können.
Die Sowjetunion und Osteuropa
Aufgrund des Zusammenbruchs der zentralen Kontrollen und der Versuchungen, die durch schwierige
Wirtschaftsbedingungen hervorgerufen werden, galten Osteuropa und der ehemaligen Sowjetunion intensivierte Bemühungen zur Nichtverbreitung. Ein wichtiges Ziel bestand darin, diese Länder für die Bedeutung der Nichtverbreitung zu sensibilisieren und sie
dazu zu bewegen, angemessene Exportkontroll- und
Durchführungsmechanismen einzuführen.

Kontrollsysteme einzuführen. Obwohl das Ausmaß, in
dem diese Staaten organisiert sind, sehr unterschiedlich ist, waren alle dem Ansatz der Vereinigten Staaten
gegenüber aufgeschlossen. Rußland, das vom Knowhow und den Ressourcen der ehemaligen Sowjetunion
profitiert, hat am ehesten ein effektives Kontrollsystem
verwirklicht.
Wir werden auf unterschiedliche Weise darauf zurückkommen. In naher Zukunft werden Gruppen die ehemalige Sowjetunion besuchen, um den neuen unabhängigen Staaten bei der Einführung effektiver Nichtverbreitungsregime zu helfen. Wir erwarten, daß
mehrere Verbündete in diesen Gruppen mitarbeiten.
Der Präsident hat einen hochrangigen Koordinator
benannt, der die Zusammenarbeit zwischen den Staaten der früheren Sowjetunion bei Angelegenheiten der
Abwanderung von Wissenschaftlern koordinieren soll.

Die Vereinigten Staaten, Rußland, Japan und die
Europäische Gemeinschaft haben die Einrichtung von
Zentren für Wissenschaft und Technologie in Rußland
und der Ukraine vereinbart, um den an der Entwicklung
Gemeinsam mit Partnerländern haben wir uns an einer von Waffen beteiligten Wissenschaftlern der ehemalilangen Serie von Kontakten beteiligt. Im Juli 1990 gen Sowjetunion Arbeit im zivilen Bereich zu verschafführten die Vereinigten Staaten einen Sonderbesuch fen. Das Zentrum wird als Zentralstelle für die Entwicklung, Auswahl, Finanzierung und Überwachung von
in Osteuropa durch, der sich auf die Notwendigkeit
konzentrierte, verantwortungsbewußte und wirksame Projekten dienen, die hauptsächlich in Institutionen
Kontrollen der Nichtverbreitung und des Handels mit und Einrichtungen in Rußland und anderen GUSRüstungsgütern einzuführen. Ein Folgebesuch in der Staaten durchgeführt werden. Man will damit den
Region fand im Oktober 1991 statt. Im Dezember 1990 Rüstungswissenschaftlem und Ingenieuren helfen, ihre
und erneut im Dezember 1991 veranstaltete die Au- Talente für nichtmilitärische Projekte zur Verfügung zu
stralien-Gruppe in Osteuropa und der Sowjetunion stellen und damit die Versuchung minimieren, daß sie
Seminare über chemische und biologische Waffen. ihre Fähigkeiten für Weiterverbreitungsprojekte nutEine multilaterale Gruppe von MTCR-Partnern be- zen. Darüber hinaus werden wir Rußland konkrete
suchte im Oktober 1991 Moskau, um die Verbreitung Hilfe bei der Zerstörung von Atomwaffen leisten. Femer
von Raketen zu erörtern. Im Februar dieses Jahres haben wir Rußland Hilfe angeboten, damit es den
Prozeß der Vernichtung seiner Chemiewaffen aufnehbesuchte ein interministerielles Team Lettland, Litauen und Estland, um über die Notwendigkeit effektiver men kann.
Exportkontrollen zu diskutieren und die Bedeutung der
Rüstungskontrolle im Nahen Osten
Teilnahme an den Nichtverbreitungsregimen zu betonen. Das MTCR organisierte am 30. März ein Seminar
Die Regierung verfolgt ein offizielles Programm, das
für die Länder Osteuropas, des Baltikums und der
Lieferanten und Empfänger zur Zurückhaltung bei
ehemaligen Sowjetunion, und ein drittes Seminar der Waffenlieferungen anhält, seit der Präsident im Mai
Australien-Gruppe wird im Dezember in Budapest nach dem Golfkrieg seine Rüstungskontrollinitiative
stattfinden.
fürden Nahen Osten verkündet hat. Die Regierung hat
Die Ergebnisse in Osteuropa waren äußerst ermutigend. Polen, Ungarn, die Tschechoslowakei, Rumänien und Bulgarien haben bereits Kontrollmaßnahmen
verschiedet - oder sind dabei,dies zu tun -, die denen
der Australien-Gruppe und des MTCR vergleichbar
sind.
Mit der Auflösung der Sowjetunion haben wir eine neue
Reihe von Initiativen ins Leben gerufen, um der veränderten Situation gerecht zu werden. Im Januar 1992
habe ich vier Länder besucht - Rußland, Belarus, die
Ukraine und Kasachstan - und eine Sondergruppe
mitgenommen, die Vorträge über Nichtverbreitung und
die Kontrolle des Handels mit Rüstungsgütem gehalten sowie die neuen Länder ermutigt hat, effektive
Seite 4

dem Kongreß einen Bericht über die von uns mit dieser
Initiative erzielten Fortschritte vorgelegt. Ich möchte
an dieser Stelle kurz Rückschau halten, bevor ich
unsere Ziele erörtere.
Die Initiative des Präsidenten
Der Präsident hat am 29. Mai 1991 die Rüstungskontrollinitiative für den Nahen Osten angekündigt. Diese
Initiative enthält Vorschläge
zur Einführung von Richtlinien für Lieferanten,
die sich Zurückhaltung beim destabilisierenden
Handel mit konventionellen Waffen, Massenvernichtungswaffen und der entsprechenden
Technologie auferlegen sollen,
AMERIKA DIENST 15

�zum Einfrieren und zur eventuellen Zerstörung
der Arsenale von Boden-Boden-Raketen in der
Region,

rigsten ist, wenn die Bedrohung eines bewaffneten
Konflikts realer wird. Aber wir haben einen wichtigen
Anfang gemacht.

zur Einführung eines verifizierbaren Verbots
von Material, das zur Herstellung von Atomwaffen eingesetzt werden kann, in der Region. Alle
Staaten der Region sind aufgefordert, dem Nichtverbreitungsvertrag beizutreten und alle nuklearen Einrichtungen an lAEO-Standards anzupassen.

Die regionalen Teilnehmer am Treffen der Arbeitsgruppe über Rüstungskontrolle in Moskau haben ernsthaftes Interesse bekundet, sich der Sache zu widmen.
Das erste Treffen der Gruppe soll Mitte Mai in Washington stattfinden, und wir freuen uns auf die kontinuierliche Unterstützung der Länder in der Region.

die Staaten in der Region aufzufordern, Mitglieder der Konvention über chemische Waffen zu
werden und ihre vertrauensbildenden Maßnahmen durchzuführen und

Es stimmt, daß wir erhebliche Fortschritte in allen
Bereichen erzielt haben. Gemeinsam mit unseren
Partnern bei der Nichtverbreitung haben wir viel erreicht. Das vergangene Jahr war im Hinblick auf
unsere gemeinsame Arbeit beispielhaft.

eine Stärkung der Konvention über biologische
Waffen zu fordern und die Staaten in der Region
aufzufordern, vertrauensbildende Maßnahmen
für biologische Waffen zu verabschieden.
Die Initiative des Präsidenten fordert die fünf wichtigsten Lieferanten konventioneller Waffen an den Nahen
Osten auf, sich zu treffen, um Richtlinien für ihre
Zurückhaltung beim destabilisierenden Transfer von
konventionellen Waffen, Massenvernichtungswaffen,
ihrer Systeme und Technologie zu erörtern.
Rüstungskontrolle im Nahen Osten - Die Gruppe
für Regionale Sicherheit und Rüstungskontrolle
Im Januar vergangenen Jahres führten die Vereinigten
Staaten und die Russische Föderation ein Vorbereitungstreffen für die multilaterale Phase des Friedensprozesses im Nahen Osten durch. Dabei wurde eine
Arbeitsgruppe für Rüstungskontrolle und Regionale
Sicherheit ins Leben gerufen. Der Prozeß wird nicht
leicht sein, denn aus unserer eigenen Geschichte
wissen wir, daß Rüstungskontrolle immer am schwie*

AMERIKA DIENST 15

Zusammenfassung

Aber es stimmt auch, daß die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen und konventionellen Waffen
eine kontinuierliche Bedrohung darstellt.
Es ist an der Zeit, die Bemühungen zu intensivieren,
nicht gleichgültig zu werden. Wir müssen auf nationaler und internationaler Ebene mehr tun. Der Zusammenbruch der Sowjetunion hat uns eine Chance gegeben, unsere Energie in neue Bahnen zu lenken. Das
Problem der Weiterverbreitung muß eine unserer ersten
Prioritäten sein.
Es gibt kein Patentrezept, das der Weiterverbreitung
Einhalt gebieten kann. Wir müssen vielmehr an allen
Fronten aktiv werden.
Nur in einer konzertierten Aktion können wir die Gefahren der Weiterverbreitung von konventionellen und
nichtkonventionellen Waffen mindern und schließlich
bannen. An dieser wichtigen Aufgabe wollen wir
gemeinsam mit dem Kongreß arbeiten.

* * *

*

Seite 5

�EBWE
15. April 1992

BRADY: EBWE SOLL SICH AUF HILFE FÜR DEN
PRIVATSEKTOR KONZENTRIEREN
Rede des Finanzministers bei der EBWE
WASHINGTON - (AD) - Dem Finanzminister Nicholas Brady zufolge soll die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) sich weiterhin - möglicherweise noch stärker - darauf konzentrieren, das private
Unternehmertum in Osteuropa und der Sowjetunion zu entwickeln.
Bei der ersten Jahresversammlung der Bank am 13. April 1992 in Budapest erklärte Brady, es sei ein
"schwerwiegender Fehler" der Institution, ihre Aufgaben zu verwässern, indem sie sich in anderen Bereichen
engagiert, und es müsse eine "Arbeitsteilung unter den multilateralen Institutionen" stattfinden.
Darüber hinaus stellte er eine Funfpunktestrategie vor, die seiner Meinung nach den Lebensstandard in den
früheren kommunistischen Ländern anheben würde.
Nachfolgend veröffentlichen wir Finanzminister Bradys Rede im Wortlaut. Es gilt das gesprochene Wort.
Herr Präsident, verehrte Vorstandsmitglieder, Delegierte und Gäste. Es ist mir eine Ehre, anläßlich der
ersten Jahresversammlung der Europäischen Bank
für Wiederaufbau und Entwicklung zu Ihnen sprechen
zu dürfen.

und ihre Ziele klar definiert sind, ist ihr Erfolg durch die
harten Realitäten jüngst aufgegebener Systeme und
Wirtschaftsorganisationen behindert, die sich nicht
ohne starken politischen Willen und öffentliche Unterstützung ablösen lassen.

Uns allen, die wir heute hier zusammengekommen
sind, ist klar, daß wir in einer Zeit großer Veränderungen und gro ßer Erwartungen leben. Wir verlassen das
Zeitalter des kalten Kriegs und treten in eine Zeit der
weltweiten Gesundung und tiefgreifenden Hoffnung
ein.

Die Unterstützung der Öffentlichkeit für die Wirtschaftspolitik einer Regierung ist unter Umständen schwach,
wenn gerade erhebliche Veränderungen stattfinden.
Sie hängt von der Verfügbarkeit von Arbeitsplätzen,
Verbrauchsgütern und der relativen Kaufkraft ab. Es
besteht die Versuchung, aus verständlichen innenpolitischen Erwägungen heraus vor einem Engagement
für Reformen zurückzuschrecken. Die in Osteuropa
und den früheren Sowjetrepubliken verfolgten Reformprogramme müssen eine schwierige Gratwanderung
vollführen zwischen der Beibehaltung kurzfristiger
sozialer Stabilität und langfristigen wirtschaftlichen
Umstrukturierungen und Fortschritten. Kurz gesagt es ist schwierig.

Wenn wir uns der Zukunft stellen, erkennen die Länder
in ganz Osteuropa ebenso wie die früheren Sowjetrepubliken, daß die Entstehung eines starken Privatsektors für wirtschaftliche Entwicklung unabdingbar ist.
Und auf die Gepflogenheiten einzelner Länder zugeschnittene marktorientierte Wirtschaftssysteme werden allen Bürgern die wirtschaftlichen Chancen eröffnen, die demokratische und stabile Gesellschaften
fördern. Die Vereinigten Staaten und andere wuctliche
Länder bewundern den Mut und die Entschlossenheit
der Länder Osteuropas und der ehemaligen Sowjetrepubliken auf ihrem nicht vorgezeichneten Weg zu
politischen Reformen und freier Marktwirtschaft.
Im vergangenen Jahr haben wir gemeinsam einige
heilsame Einsichten in die Schwierigkeiten gewonnen,
die beim Prozeß der Umgestaltung von einstmals
planwirtschaftlich orientierten Volkswirtschaften zu
Marktwirtschaften auftreten. Auch wenn ihre Politik
AMERIKA DIENST 15

Wir sind jedoch weiterhin der Überzeugung, daß die
Förderung privaten Unternehmertums, der Privatisierung staatseigener Systeme und eines freundlichen
Investitionsklimas die Grundlage darstellt, um international konkurrenzfähige Volkswirtschaften aufzubauen. Die Mittel sind knapp, und bei dieser empfindlichen
Gleichung müssen wir sorgfältig untersuchen, wie die
EBWE ihren Beitrag am besten leisten kann. Wie
sollte die Bank ihre knappen Mittel und ihren qualifizierten Personalkader einsetzen, um beim wirtschaftli-

Seite 1

�chen Übergang in den Ländern, für die sie zuständig
ist, eine maßgebliche Rolle zu spielen?

Verkauf anstatt Rekapitalisierung staatseigener
Unternehmen. Die Rekapitalisierung defizitärer
Betriebe wird die Aufgabe nicht lösen. Gegebenenfalls müssen Regierungen Staatsfirmen
rationalisieren, um sie durch Direktverkäufe oder
die Ausgabe neuer privater Anteile für Käufer
akzeptabel zu machen.

Erstens kann sie sich ihrem Mandat nicht entziehen,
60 Prozent ihrer Finanzmittel der Privatwirtschaft
zukommen zu lassen - vielleicht sollte sie ihren Schwerpunkt in diesem Bereich sogar noch verstärken.
Nach einem Jahr der Erfahrungen können wir einige
Schlüsse ziehen und ein spezifisches Aktionsprogramm
für die Zukunft der Bank verabschieden. Ich gehe
davon aus, daß es ein schwerwiegender Fehler wäre,
wenn die Bank ihre Mission verwässern würde. Die
Anforderungen Osteuropas und der ehemaligen
Sowjetunion sind enorm, und unter den multilateralen
Institutionen muß Arbeitsteilung herrschen.

Privatisierung des Bankwesens. Vorschriften,
die kleine und mittlere Unternehmen kapitalmäßig aushungern, müssen geändert werden, und
objektive Methoden der Kreditbewertung sollten
eingeführt werden.
Schaffung eines offenen Investitionsklimas. Bei
der Zusammenstellung von Investitionsprojekten in Schuldnerländern sollten rechtliche und
Durchführungshemmnisse für aus- und inländische Investitionen ausgeräumt werden.

Die EBWE kann nicht die gesamte Bandbreite der
Anforderungen abdecken, sie kann nicht alles für alle
Menschen leisten, sie kann nicht hoffen, alle Sektoren,
ob öffentlich oder privat, in allen Ländern abzudecken.
In dieser Hinsicht sind wir nicht von der Notwendigkeit
überzeugt, in neue Umstrukturierungsvorhaben einzusteigen, die bedeutende politische Veränderungen mit
sich bringen und von der eigentlichen Aufgabe der
Bank ablenken.

Unterstützung umweltverträglicher Investitionen.
Reform von Umweltpraktiken bestehender staatseigener Industriezweige bei deren Übergang in
Privathand. Die EBWE und alle Vertreter des
Staates haben ein Mandat zu entschiedenem
Vorgehen, um die Region vordem ökologischen
Verfall zu retten. Die Bereitstellung öffentlicher
Mittel für umweltpolitisch aktive Organisationen
bei der Bewertung von Umweltprojekten durch
die Bank ist ein wichtiger Teil ihres Mandats.

Die EBWE hat eine Schwerpunktaufgabe und das
hehre Ziel, die Energie bereitzustellen, die nur aus dem
Wachstum des Privatsektors entsteht.
Meiner Meinung nach ist nichts wichtiger in der Region
als die Freisetzung der Energie, die mit der raschen
Entwicklung des Privatsektors entsteht. Die EBWE
steht bereit, an diesem Wendepunkt der Geschichte
eine maßgebliche Rolle zu spielen. Wenn sie ihre
Energien konzentrieren und die Bemühungen zur Privatisierung und Investitionsreform anführen kann, wird
sie den Lebensstandard in den Demokratien anheben,
für die sie zuständig ist. Und sie wird dafür in Erinnerung bleiben, daß sie eine entscheidende Rolle gespielt hat.
Dies ist die Herausforderung - die Konzentration von
Energien, um durch eine Fünfpunktestrategie zur Hebung
des Lebensstandards in Osteuropa und den ehemaligen Sowjetrepubliken das ursprüngliche Ziel der Bank
zu verfolgen. Die Aktionsbereiche sind folgende:
Konzentration auf die Bereitstellung von Startkapital für kleine und mittlere Unternehmen, um
den Unternehmergeist einzelner Bürger in der
gesamten Region zu entwickeln.
*

Seite 2

*

Schlußbemerkung
Abschließend möchte ich die in der Vergangenheit
erzielten Leistungen der Staaten Osteuropas sowie
den durch ihre Regierungen und Bürger unter Beweis
gestellten Mut auf dem Weg zu marktwirtschaftlichen
Reformen würdigen. Dies ist ein Zeugnis unserer
gemeinsamen Entschlossenheit, auf offene Gesellschaften, Demokratie und Marktwirtschaft hinzuarbeiten, die für den Wohlstand ihrer Bürgersorgen werden.
Ich möchte Jacques Attali und seinen Mitarbeitern für
ihre Arbeit und ihr Engagement danken, mit dem sie in
Rekordzeit die Bank bei dieser äußerst wichtigen
Aufgabe geführt haben.
Und stellvertretend für meine Delegation möchte ich
der Regierung Ungarns meinen herzlichsten Dank für
die freundliche Begrüßung und die Gastfreundschaft
aussprechen, die sie uns hier in dieser wundervollen
Hauptstadt Budapest entgegengebracht hat.
*

*

AMERIKA DIENST 15

�W A H L E N '92
15. April 1992

ZWISCHENBERICHT ÜBER DIE WAHLEN '92
Anzahl der Delegierten und Ergebnisse der Vorwahlen
WASHINGTON - (AD) - Die nachfolgend veröffentliche inoffizielle Übersicht zeigt die Anzahl der Delegierten,
über die jeder Kandidat zum gegenwärtigen Zeitpunkt (8. April 1992) des US-Wahlprozesses verfügt sowie die
Ergebnisse der Vorwahlen in New York, Kansas, Minnesota und Wisconsin.
Die letzte Zählung der Delegierten

Vorwahlen in Kansas
Demokraten

Prozentsetz der Stimmen

Demokraten (zur Nominierung erforderlich: 2.145)

Brown

13

Clinton

Clinton

51

1.264,25

Tsongas

539,25

Tsongas

15

Nicht gebunden

475,75

Sonstige

7

Brown

264,25

Nicht gebunden

14

Republikaner (zur Nominierung erforderlich: 1. 105)

Republikaner

Bush

Buchanan

15

54

Bush

62

8

Duke

2

Sonstige

5

963

Buchanan
Nicht gebunden

»

Prozentsetz der Stimmen

Ergebnisse der Vorwahlen vom 7. April

Nicht gebunden

Die nachfolgende Übersicht zeigt den Prozentsatz der
Stimmen, die jeder Kandidat bei den Vorwahlen am 7.
April erhalten hat.

Vorwahlen in Minnesota
Demokraten

Vorwahlen in New York
Demokraten

Prozentsatz der Stimmen

Brown

26

Clinton

41

Tsongas

29

Sonstige

4

AMERIKA DIENST 15

16

Prozentsatz der Stimmen

Brown

32

Clinton

AA

33

Tsongas

23

Sonstige

12

Republikaner

Prozentsetz der Stimmen

Buchenen

25

Bush

68

Sonstige

4

Nicht gebunden

3

Seite 1

�Vorwahlen in Wisconsin

Republikaner

Demokraten

Buchanan

17

Prozentsatz der Stimmen

Prozentsatz der Stimmen

Brown

35

Bush

77

Clinton

38

Duke

3

Tsongas

22

Sonstige

1

Sonstige

3

Nicht gebunden

2

Nicht gebunden

2
* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 15

�HANDEL
15. April 1992

Der US-Handel 1992 - ein Ausblick
von John Jelacic
WASHINGTON - (AD) - Der Autor ist Wirtschaftswissenschaftler und Experte für Weltwirtschaft im Handelsministerium. Der nachfolgend veröffentlichte Artikel erschien erstmals am 6. April 1992 in Business America, einer
Publikation des US-Handelsministeriums.
Seit 1987 hat sich die Bilanz des US-Waren handeis
erheblich verbessert. Das Handelsdefizit ist rapide
gesunken, von 152,1 Milliarden Dollar im Jahr 1987 auf
nur 66,3 Milliarden Dollar 1991. Damit befindet sich
das Defizit auf dem niedrigsten Stand seit 1983. Im
Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt fiel das Defizit
von fast 3,5 Prozent 1987 auf 1,3 Prozent im Jahr
1991.
In den letzten vier Jahren sind die Exporte um 66
Prozent gestiegen, von 254,1 Milliarden Dollar 1987
auf 421,6 Milliarden Dollar 1991. Bis 1991 überstiegen
die starken Exportzuwächse die gleichmäßigen, aber
bescheidenen Importsteigerungen erheblich und führten zu einer Verbesserung des Defizits. 1991 stiegen
die Exporte weiterhin, aber die Rezession in den
Vereinigten Staaten führte zu einem geringen Abbau
der Importe, und die Abnahme der Importe machte
etwa 20 Prozent des 35-Milliarden-Rückgangs im Defizit
aus.
Die Aussichten für eine kontinuierliche Verbesserung
im Handelsdefizit 1992 sind vage und hängen zum
großen Teil von den relativen Wachstumsraten in den
Vereinigten Staaten und den Volkswirtschaften der
wichtigsten US-Handelspartner ab. Während der letzten vier Jahre überstieg das Wirtschaftswachstum auf
unseren Auslandsmärkten im wesentlichen das Wachstum in den Vereinigten Staaten. Zusammen mit sehr
konkurrenzfähigen relativen Preisen von US-Exporten
legte die Expansion dieser Märkte den Grundstein für
eine gute Handelsbilanz.
Ausblick auf das Wirtschaftswachstum
Ausland

im

Jüngste Trends und die Prognosen vieler Ökonomen
verweisen auf eine Abnahme des Wachstumsgefälles
zwischen den Vereinigten Staaten und ihren Auslandsmärkten für 1992. Während sich die Vereinigten
Staaten von ihrer Rezession erholen, vollzog sich in
den Volkswirtschaften anderer Industrieländer, insbeAMERIKA DIENST 15

sondere in Deutschland und Japan, in den letzten
Monaten eine schleppende Entwicklung. Andere
Volkswirtschaften - vor allem Kanada, Großbritannien
und Australien - bleiben in der Konjunkturflaute stekken, die bereits vor über einem Jahr begann.
Die Industrieländer - Die Verlangsamung in den Volkswirtschaften der Industrieländer begann 1991 das USExportwachstum zu beeinträchtigen. US-Warenexporte in die Industrieländer stiegen 1991 um lediglich
6,8 Milliarden Dollar und lagen damit erheblich unter
dem durchschnittlich 30 Milliarden Dollar betragenden
Zuwachs im Zeitraum 1987-90. Entwicklungsländer
waren 1991 für etwa 70 Prozent des US-Exportanstiegs verantwortlich.
Mexiko, die Länder Südamerikas, die vier Schwellenländer Asiens (Hongkong, Singapur, Südkorea und
Taiwan) und die Länder des Nahen Ostens waren für
nahezu den gesamten Zuwachs verantwortlich. Für
1992 sind die Aussichten für anhaltend starkes Wachstum in diesen Regionen vielversprechend. Sie bieten
Grund zur Hoffnung, daß US-Exporte in diesem Jahr
rapide zunehmen werden.
1991 stiegen die US-Exporte nach Kanada, unserem
größten Exportmarkt, von 83,7 Milliarden auf 85,1
Milliarden Dollar, um nur 1,7 Prozent und weniger als
ein Drittel so schnell wie 1990. In den vergangenen
drei Jahren wurde in der kanadischen Wirtschaft so gut
wie kein Wachstum erzielt, was zu einer schwachen
Nachfrage nach US-Exporten in Kanada führte. Für
das Jahr 1992 wird eine Erholung in Kanada erwartet,
aber jüngste Statistiken deuten darauf hin, daß bis
Mitte des Jahres kein nennenswertes Wachstum stattfinden wird.
Japans Wirtschaft wuchs 1991 um 3,2 Prozent, eine
erhebliche Abnahme gegenüber der 5prozentigen
Steigerung 1990. 1991 wurde ein großer Teil des
Wachstums im 1. Quartal erzielt, weil sich die Wirtschaft im Laufe des Jahres nur schleppend entwickelSeite 1

�te, wobei das Bruttosozialprodukt beim Übergang vom
3. zum 4. Quartal sank. Jüngste Statistiken belegen,
daß sich das Wachstum im 1. Quartal des Jahres 1992
weiter fortsetzte, aber der Anstieg des Bruttosozialprodukts war gering, und die Aussicht für das Jahr ist
unbestimmt. Manche Analysten prognostizieren, daß
Japans Wirtschaftswachstum 1992 unter 2 Prozent
fallen könnte. Seit der Ölkrise von 1974 gab es in
Japan kein so geringes Wachstum mehr. Die USExporte nach Japan sind leicht gesunken, von 48,6
Milliarden Dollar im Jahr 1990 auf 48,1 Milliarden Dollar
1991, und das Handelsdefizit mit Japan hat sich von
41,1 Milliarden Dollar auf 43,4 Milliarden Dollar erhöht.
Angesichts der Aussichten für Japans Wirtschaftswachstum 1992 ist es unwahrscheinlich, daß sich das
US-Handelsdefizit mit Japan im Laufe des Jahres
verbessern wird.
Die Europäische Gemeinschaft verzeichnete 1991 ein
Wachstum von schätzungsweise 1,5 Prozent, und für
das Jahr 1992 wird ein nur geringfügig höheres Wirtschaftswachstum von vielleicht 2 Prozent erwartet.
US-Lieferungen in die EG stiegen um 5,2 Prozent, von
98,1 Milliarden im Jahr 1990 auf 103,2 Milliarden 1991,
2 Prozentpunkte unter dem Anstieg des gesamten USJahresexports und erheblich unter der 13prozentigen
Wachstumsrate, die 1990 verzeichnet wurde. Im
Laufe des Jahres 1991 verbesserten sich die Exporte
nach Deutschland und Frankreich jeweils um 13,6 und
12,4 Prozent, während die Lieferungen nach Großbritannien um 6,1 Prozent sanken. Eine restriktive Geldpolitik und hohe Zinsen aufgrund der Bestrebungen
Deutschlands, den Anstieg der Inflationsrate zu bremsen, sind in starkem Maße verantwortlich für das
langsame Wachstum in Europa. Die unerwartet hohen
Kosten der deutschen Einheit, die zu hohen Haushaltsdefiziten und rapiden Steigerungen des Konsums
im Inland führten, werden für die steigende Inflation in
Deutschland verantwortlich gemacht. Wie im Falle
Kanadas und Japans werden die US-Exporte nach
Europa wahrscheinlich nicht nennenswert steigen, bis
solide wirtschaftliche Expansionsraten verzeichnet
werden.
Die Entwicklungsländer - Lateinamerika, der Nahe
Osten und Südostasien (einschließlich China) bieten
die meiste Hoffnung auf Wirtschaftswachstum 1992
und sind vielversprechend für US-Exporte. In Lateinamerika bieten die wirtschaftliche Umstrukturierung
einschließlich der Privatisierung, bessere fiskalische
Kontrolle mit niedrigerer Inflation und steigende ausländische Direktinvestitionen dieser Region die besten
Aussichten für mehrere Jahre. Das Wirtschaftswachstum betrug 1991 schätzungsweise 2 bis 3 Prozent, und
für 1992 wird ein noch schnelleres Wachstum erwartet. Diese Wachstumsraten sind die besten seit Jahren und geben US-Exporten in die Region zum ersten
Mal seit der Schuldenkrise der achtziger Jahre echten
Auftrieb. 1991 stiegen die US-Exporte nach Mexiko
um fast 18 Prozent. Bei den Exporten nach Latein-

Seite 2

amerika wurde eine 27prozentige Steigerung verzeichnet, verglichen mit einer durchschnittlichen jährlichen
Wachstumsrate von weniger als 6 Prozent im Zeitraum
1987-90. Rapide Zunahmen der US-Exporte nach
Argentinien, Brasilien, Ecuador und Venezuela bereiteten den Weg.
Im Nahen Osten ist der Wiederaufbau nach dem
Golfkrieg der Hauptgrund für rasche Wachstumsraten,
die große Zuwächse amerikanischer Exporte in die
Region zur Folge haben. Die Exporte der Vereinigten
Staaten in den Nahen Osten stiegen 1991 um 36
Prozent auf 15,3 Milliarden Dollar und dürften auch
1992 beträchtlich zunehmen. Der IWF hat den realen
Zuwachs des BSP in der Region für 1992 auf rund 11
Prozent beziffert.
1991 lagen die Wachstumsraten der vier asiatischen
Schwellenländer plus Thailand, Indonesien und Malaysia zwischen 4,5 und 8,5 Prozent. Für die Mehrzahl
dieser Volkswirtschaften wird 1992 eine leicht höhere
Wachstumsrate erwartet. 1991 exportierten die Vereinigten Staaten allein für 45,6 Milliarden Dollar in die
vier Schwellenländer sowie für weitere 15,3 Milliarden
Dollar in die anderen asiatischen Länder ausgenommen Japan und China. In jüngster Zeit nahmen
größere Investitionen im Inland, insbesondere in den
öffentlichen Sektor, einen höheren Anteil am Wirtschaftswachstum ein als die Exporte. In China sind die
florierenden "besonderen Wirtschaftszonen" im südlichen Küstengebiet Chinas eine Hauptquelle für das
chinesische Wachstum. 1991 verzeichnete die chinesische Volkswirtschaft einen Zuwachs von schätzungsweise 6,5 Prozent. Für 1992 wird eine Wachstumsrate
von rund 7 Prozent erwartet. Die amerikanischen
Exporte nach China stiegen 1991 um 31 Prozent auf
6,4 Milliarden Dollar.
Osteuropa und die Republiken der ehemaligen Sowjetunion - In den vergangenen drei Jahren war eine
drastische Verschlechterung der Volkswirtschaften
Osteuropas und der ehemaligen Sowjetunion zu verzeichnen, die störende Auswirkungen der wirtschaftlichen Umstrukturierungsprogramme in dieser Region
widerspiegelt. Einige der osteuropäischen Volkswirtschaften könnten 1991 den Tiefstand überwunden
haben und 1992 ein gewisses Wachstum verzeichnen.
In den neuen unabhängigen Republiken der ehemaligen Sowjetunion wird jedoch noch mindestens ein
weiteres Jahr des Konjunkturabschwungs erwartet,
obwohl sich das Tempo verlangsamen wird. Da das
Handelsvolumen der Vereinigten Staaten mit dieser
Region gering ist, waren die direkten Auswirkungen
der Umstrukturierung auf die amerikanische Wirtschaft
unerheblich. Weil Westeuropa und insbesondere
Deutschland jedoch die kurzfristigen negativen Konsequenzen dieser Veränderungen zu spüren bekamen, waren erhebliche negative indirekte Auswirkungen auf die amerikanische Wirtschaft zu verzeichnen,
die bis 1992 andauern werden.

AMERIKA DIENST 15

�Der Dollar bleibt wettbewerbsfähig
Amerikanische Produkte hatten 1990 und Anfang 1992
einen beachtlichen Wettbewerbsvorteil aufgrund des
gesunkenen Dollars in diesem Zeitraum und wegen
der kontinuierlichen Verbesserung der realen Lohnkosten in den Vereinigten Staaten verglichen mit den
realen Lohn kosten der führenden Wettbewerber, insbesondere Deutschland. Nach dem Ende des Golfkriegs im Februar 1991 steigerte sich der Wert des
Dollars bis Mitte des Jahres, nahm dann jedoch ab,
und schloß am Ende des Jahres auf demselben Niveau ab, auf dem er begonnen hatte. In den ersten
Monaten des Jahres 1992 verzeichnete der Dollar
einen Aufwärtstrend. Der Dollar kann sich weiter
stabilisieren, wenn die amerikanische Volkswirtschaft
verglichen mit den Volkswirtschaften Japans und
Europas an Dynamik gewinnt. Der Zuwachs des
Dollarwerts wird jedoch wahrscheinlich mäßig sein,
und die Aufwertung des Dollars wird voraussichtlich
geringe Auswirkungen auf die Wettbewerbsposition
amerikanischer Produkte oder auf den Exportzuwachs
der Vereinigten Staaten im Jahr 1992 haben.
Auswirkungen der Importe auf das Wirtschaftswachstum im Inland
1991 nahm der Wert amerikanischer Importe aufgrund
der Rezession und der niedrigeren ölpreise auf dem
Weltmarkt ab. Der Rückgang der Importe betraf
praktisch alle wesentlichen Produktkategorien. Der
geringe Importzuwachs von Kapitalgütern (mit Ausnahme der Automobilindustrie) in Höhe von 4,3 Prozent und Verbrauchsgütern (2,1 Prozent) wurde durch
den rückläufigen Import von Autos und Ersatzteilen,
Nahrungsmitteln, Industriegrundstoffen und insbesondere Erdöl mehr als ausgeglichen. Der Wert der
Erdölimporte sank um über 17 Prozent, vor allem weil
die ölpreise nach dem Ende des Golf kriegs im Februar
1992 drastisch zurückgingen. Der Importwert wird
1992 voraussichtlich zunehmen. Die Größenordnung
des Zuwachses hängt vom Ausmaß der Gesundung
der amerikanischen Volkswirtschaft ab.
~*er Handel mit Industriegütern ist dominierend
Da der Handel mit Fertigwaren einen so großen Anteil
des gesamten amerikanischen Handelsvolumens
ausmacht (1991 rund 80 Prozent der Im- und Exporte), sind Tendenzen im Fertigungsbereich wegweisend für die Gesamthandelsposition der Vereinigten
Staaten. 1991 nahmen die Exporte von Industriewaren um 9,5 Prozent zu, zwei Prozentpunkte schneller
als die Gesamtexporte und nahezu neunmal schneller
als die Wachstumsrate der Importe an Fertigwaren.
Infolgedessen sank das amerikanische Handelsdefizit
bei Industriewaren im Jahr 1991 um 25,8 Milliarden
Dollar auf ein Defizit von 47,7 Milliarden Dollar. Ebenso wie im Falle der Gesamthandelsbilanz wird eine
weitere Abschwächung dieses Defizits in hohem Maße

AMERIKA DIENST 15

von der Wachstumsrate der amerikanischen Volkswirtschaft im Jahr 1992 verglichen mit der Wachstumsrate unserer führenden Handelspartner abhängen.
Exporte von Kapitalgütern weiterhin hoch - Die amerikanischen Exporte von Kapitalgütern machen den
größten Anteil der Exporte von Industriegütern aus.
1991 stellten die Exporte von Kapitalgütern (ausgenommen Autos und Ersatzteile) insgesamt rund 50
Prozent aller Exporte von Industriewaren. Zwischen
1990 und 1991 stiegen die Exporte von Kapitalgütern
von 152,7 Milliarden Dollar auf 166,7 Milliarden Dollar
- ein Zuwachs von 9,2 Prozent. Für 1992 werden
kontinuierliche Exportgewinne in zahlreichen Bereichen von Maschinenbau und Transportgeräten erwartet, und die amerikanischen Exporte von Kapitalgütern
werden 1992 ihren Weltmarktanteil weiterhin vergrößern.
Der Export von Flugzeugen und Flugzeugteilen hat
1991 um über 17 Prozent zugenommen und einen
Gesamtwert von nahezu 35 Milliarden Dollar erreicht.
Auftragsrückstände werden für 1992 kontinuierliche
Lieferungen gewährleisten.
Der Export von Computern und verwandtem Gerät ein weiterer wichtiger Bereich der amerikanischen
Kapitalgüterexporte - nahm 1991 etwas schneller als
1990 um fast 5 Prozent zu. Das verlangsamte Wirtschaftswachstum in den Industrieländern, wachsender Konkurrenzdruck durch ausländische Produzenten und die Produktion amerikanischer Firmen im
Ausland verlangsamen das Wirtschaftswachstum in
diesem Industriezweig. Der Gesamtwert dieser Exporte belief sich 1991 auf 26 Milliarden Dollar.
Im zweiten aufeinanderfolgenden Jahr waren die Importe
von Kapitalgütern schwach. Die Importe von Geräten
zur Energieerzeugung waren leicht rückläufig, die Importe
von elektrischem Gerät nahmen um nur 4 Prozent zu,
und im zweiten aufeinanderfolgenden Jahr blieb der
Wert der Importe von Industriemaschinen praktisch
gleich. Der Import von EDV-Gerät nahm 1991 schneller zu und expandierte um 12 Prozent verglichen mit
nur 5 Prozent im Jahr 1990.
Die Importe von Kapitalgütern nahmen 1991 insgesamt lediglich um 5 Milliarden Dollar oder 4,2 Prozent
gegenüber 1990 zu. Das projizierte Wachstum der
amerikanischen Wirtschaft könnte den Zuwachs dieser Importe im Jahr 1992 beschleunigen.
Sinkende Exporte von Verbrauchsgütem - Exporte
amerikanischer Verbrauchsgüter stiegen 1990 erheblich an und zwar um 19 Prozent. Im Jahr 1991
verlangsamte sich das Exportwachstum jedoch auf
nur 6,5 Prozent. Dies ist auf die wirtschaftliche Abschwächung in den Industriestaaten zurückzuführen.
Trotz des allgemeinen Rückgangs in dieser Kategorie
von Exporten gab es auch einige positive Beispiele.

Seite 3

�Von einem relativ geringen Basisniveau ausgehend,
wuchsen die amerikanischen Bekleidungsexporte im
Jahr 1991 um 28 Prozent auf 3,2 Milliarden Dollar, und
die Exporte von Spielzeug, Spielen und Sportgeräten
stiegen um 16,6 Prozent.
Die amerikanische Rezession führte zu einem zweiten
Jahr mit sehr schwachem Anstieg der Verbrauchsgüterimporte, besonders im Vergleich zu dem starken
Importwachstum in dieser Kategorie zur Mitte des
letzten Jahrzehnts. Im Jahr 1991 stiegen die Verbrauchsgüterimporte nur um 2,2 Prozent. In den
meisten Sektoren, darunter Bekleidung, Schuhe und
Möbel, stagnierten sie oder wiesen unbedeutende
Steigerungsraten auf.
Automobilhandel wird 1992 wachsen - Wert und
Stückzahl der Importe von Automobilen und Automobilteilen sanken im Jahr 1991. Der Wert der Importe in
dieser Kategorie ging um 6,3 Prozent zurück, während
das Importvolumen um 2,9 Prozent abnahm. Hingegen nahmen die Exporte von Automobilen und Automobilteilen sowohl wert- (um 6,7 Prozent auf 39,9
Milliarden Dollar) als auch volumenmäßig (um 4,6
Prozent) zu. Die Besserung der Wirtschaftslage in den
Vereinigten Staaten wird im Jahr 1992 zu einer Zunahme von Importen und Exporten von Automobilen und
Automobilteilen führen. Die Integration der amerikanischen Automobilindustrie, sowohl der inländischen
Unternehmen als auch der Niederlassungen ausländischer Firmen, auf dem gesamten nordamerikanischen
Kontinent nimmt ständig zu. Mit der Zunahme der
Automobilproduktion wird damit der Handel mit Automobilen und Teilen zwischen Werken in Mexiko, Kanada
und den Vereinigten Staaten angekurbelt.
Im Hinblick auf den Handel mit fertig montierten Automobilen stieg der Wert der amerikanischen Importe
aus Japan 1991 um 6,2 Prozent auf 20,4 Milliarden
Dollar, was den ersten Anstieg seit drei Jahren bedeutete. Die zusätzlichen Importe aus Japan bestanden
hauptsächlich in hochpreisigen Luxusmodellen, die
europäischen Hersteilem von Luxuswagen einen immer
größeren Marktanteil abnahmen. Der Wert der Importe von fertig montierten Automobilen aus Kanada
nahm geringfügig zu, während der Wert der Autoimporte aus anderen Ländern erheblich um über 12
Prozent zurückging. Der Importwert von Lastkraftwagen und Automobilteilen nahm im Jahr 1991 ab.
*

Seite 4

Abnehmendes Exportwachstum bei modernen
technischen Produkten (ATP)
Der amerikanische Handelsüberschuß bei ATP nahm
1991 auf 36,7 Milliarden Dollar zu, ein Sprung von 7,3
Prozent gegenüber 1990, lag jedoch wesentlich unter
dem 26prozentigen Anstieg, der im Jahr 1990 verzeichnet wurde. Der Gesamthandel (Importe plus
Exporte) stieg im Jahr 1991 bei modernen technischen
Erzeugnissen auf 163 Milliarden Dollar, ein Sechstel
des gesamten US-Handels. Wie im Fall der Kapitalgüter allgemein sind die amerikanischen ATP-Produkte
auf den Weltmärkten äußerst konkurrenzfähig, und für
1992 ist ein anhaltendes Exportwachstum zu erwarten.
Steigender
erwartet

Agrarhandelsüberschuß

für

1992

Nach einem Jahr, in dem der Wert des US-Agrarhandels, und zwar Exporte und Importe zusammengenommen, nahezu unverändert blieb, wird im Jahr 1992
auf der Grundlage leicht erhöhter Preise und Mengen
ein geringfügiger Anstieg der Agrarexporte erwartet.
Da bei den Importen in dieser Kategorie mit keiner
wesentlichen Veränderung gerechnet wird, dürfte sich
der Handelsüberschuß im Agrarsektor 1992 erhöhen.
Unveränderte Ölimporte im Jahr 1992
Die amerikanischen Zahlungen für Importe von ölprodukten werden im Jahr 1992 etwa auf dem Niveau von
1991 (50 Milliarden Dollar) verharren, wobei niedrigere
ölpreise erwartungsgemäß durch eine Volumensteigerung ausgeglichen werden. Im Jahr 1991 betrugen
die Ölimporte durchschnittlich 7,7 Millionen Faß pro
Tag (mmbd) gegenüber 8,2 Millionen mmbd im Jahr
1990. Die Ölpreise, die in den letzten fünf Monaten des
Jahres 1990 aufgrund der Golfkrise rapide anstiegen,
fielen auf das Niveau vor der irakischen Invasion in
Kuwait und dem folgenden Golfkrieg zurück Im Verlauf des Jahres 1992 werden mäßige Rohölpreise von
17 bis 19 Dollar pro Faß erwartet. Mit Besserung der
Wirtschaftslage im Jahr 1992 wird das Volumen der
Ölimporte zunehmen, was durch den anhaltenden
Abbau der amerikanischen Ölförderung noch verstärkt
wird.

* * *

*

AMERIKA DIENST 15

�</text>
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