<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<itemContainer xmlns="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5" xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance" xsi:schemaLocation="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5 http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5/omeka-xml-5-0.xsd" uri="https://www.amerikahaus-archiv.de/items/browse?output=omeka-xml&amp;page=87&amp;sort_field=Dublin+Core%2CTitle" accessDate="2026-11-04T11:51:20+00:00">
  <miscellaneousContainer>
    <pagination>
      <pageNumber>87</pageNumber>
      <perPage>10</perPage>
      <totalResults>2223</totalResults>
    </pagination>
  </miscellaneousContainer>
  <item itemId="2140" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2151">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/50084d3ef97a7fe4f3cfe6db8183bca0.pdf</src>
        <authentication>d5502a73265403e07cf873ac5c7ef069</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="10819">
                    <text>amcrika
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

United States Information Service
Embassy of the United Si;.:;&gt;s oi A:r,erica
Libiiry Service:;
üeichmanns Aue 29

15

18. April 1990

5300 Bonn 2

UMWELT

PRÄVENTIVMASSNAHMEN GEGEN
TREIBHAUSEFFEKT
Wissenschaftsberater des
Präsidenten erläutert
Maßnahmenkatalog

ZIELE DER KONFERENZ ÜBER
GLOBALE UMWELTVERÄNDERUNGEN
Eine Übersicht des Weißen Hauses

BUSH^HATCHER TREFFEN

BUSH FÜR UNEINGESCHRÄNKTE
SOUVERÄNITÄT DEUTSCHLANDS
Pressekonferenz von Präsident
Bush und Premierministerin
Thatcher

KSZE

KSZE UND NATO UNERLASSLICH
FÜR EUROPA
Rede von Botschafter Maresca

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 23 66
Telex: 8-85432

�UMWELT
18. April 1990

PRÄVENTIVMASSNAHMEN GEGEN
TREIBHAUSEFFEKT
Wissenschaftsberater des Präsidenten erläutert Maßnahmenkatalog
WASHINGTON - (AD) - Dem Berater des Präsidenten für Wissenschaft und Technologie, D. Allan Bromley,
zufolge hat die Bush-Administration Schritte unternommen, die "eine Art Versicherungspolice gegen eventuelle
negative Auswirkungen der Erwärmung der Erdatmosphäre sind".
Vor dem National Press Club erklärte Bromley am 11. April 1990, zu diesen Maßnahmen zählten das geplante Emissionsschutzgesetz über effizientere Nutzung der Energie und Abbau des sauren Regens, das schrittweise Verbot von Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW) zum Schutz der Ozonschicht, eine auf Natur- und Umweltschutz ausgerichtete Energiepolitik sowie Schuldennachlaß als Gegenleistung für Maßnahmen zum Schutz
der tropischen Regenwälder.
Die Ausführungen Bromleys über die Forschungsbestrebungen und Maßnahmen der Administration erfolgten
vor dem Hintergrund möglicher Klimaveränderungen und der vom 17. bis 18. April veranstalteten Konferenz des
Weißen Hauses über wissenschaftliche und wirtschaftliche Forschung im Hinblick auf die weltweiten Klimaveränderungen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Wissenschaftsberater Bromley im Wortlaut.

Wenn Medien wissenschaftlichen Fortschritt beschreiben, konzentrieren sie sich häufig auf ein spezielles
Ereignis, als könne man Fortschritt nur aus dieser
einen Quelle ableiten. Auf diesem Gebiet tätige Wissenschaftlerwissen, daß der Sachverhalt völlig anders
ist. Zahlreiche Schritte sind erforderlich, bevor ein
Vorstoß erfolgen kann und neue Erkenntnisse in bereits bestehendem Wissen ihren Niederschlag finden.
Auch bei der Beschreibung des Entscheidungsfindungsprozesses erliegt man leicht der Versuchung,
ein besonderes Ereignis überzubewerten: Interessenskonflikte, eine Pionierarbeit, klärende Gespräche. Ich wünschte, es wäre so einfach. Ich mußte in
der Tat häufig feststellen, daß Politik in etwa wissenschaftlicher Forschung vergleichbar ist - sowohl im
positiven wie im negativen Sinne. Thomas Jefferson
hat Wissenschaft folgendermaßen beschrieben: "Das
geduldige Aufspüren von Fakten, ihre vorsichtige
Kombination und ihr Vergleich - das ist das harte Los,
dem der Mensch durch seinen Schöpfer ausgesetzt
wird, wenn er sicheres Wissen erhalten will." Ebensogut hätte er die Arbeit am fünften Entwurf einer politischen Erklärung beschreiben können.

AMERIKA DIENST 15

Etwas weniger hochgestochen wird Politik auch gerne
mit der Paarung von Elefanten verglichen - sie findet
unter großem Getöse auf hoher Ebene statt und
benötigt reichlich lange, um greifbare Ergebnisse zu
produzieren.
Heute möchte ich die von der Bush-Administration
ergriffenen nationalen Maßnahmen beschreiben, mit
denen sie zu internationalen Schritten gegen weltweite
Klimaveränderungen beigetragen hat. In den nächsten Wochen werden Sie noch viel über diese Maßnahmen hören, vor allem wegen der internationalen
Konferenz des Weißen Hauses über wissenschaftliche und wirtschaftliche Forschung im Hinblick auf die
weltweiten Klimaveränderungen, bei der ich am kommenden Dienstag und Mittwoch einer der Vorsitzenden sein werde. Aber diese Konferenz ist nur ein
Schritt in dem wesentlich umfassenderen Prozeß, die
möglichen nachteiligen Auswirkungen weltweiter Klimaveränderungen verstehen und darauf reagieren zu
wollen. Seit meiner Ankunft in Washington im vergangenen Sommer habe ich mich ausführlich mit diesem
Thema befaßt. Und meines Erachtens stellen die von
der Bush-Administration ergriffenen - und geplanten -

Seite 1

�Maßnahmen das Engagement des Präsidenten unter
Beweis, sich verantwortungsbewußt mit diesem Thema auseinanderzusetzen.

reiche geophysikalische Experiment", das wir durchführen, indem wir Kohlendioxid in die Atmosphäre
entweichen lassen.

Ein politisches Erwachen

Heute wissen die Wissenschaftler mehr über die Erde
und ihre Bestandteile als zu der Zeit, in der diese
frühen Prognosen angestellt wurden. Allgemeine Zirkulationsmodelle spiegeln das weltweite Klima einigermaßen gut wider. Und wir können die Erde aus dem
Weltraum beobachten, was nicht nur entscheidend zu
unserem Verständnis der Erde sondern auch zu unserer Erkenntnis des Planeten als einheitlichem, leicht
zerstörbarem Umfeld beigetragen hat.

Der Begriff "weltweite Klimaveränderungen" umfaßt
so unterschiedliche aber dennoch zusammenhängende Probleme wie Abbau der Ozonschicht, Treibhausgasemissionen, Klimaveränderungen, Anstieg des Meeresspiegels, Entwaldung, Artenvielfalt sowie Energievorräte. Die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit hat
sich jedoch vornehmlich auf die Erwärmung der Erde
konzentriert. Und aus meiner Sicht kann niemand sich
mit der Möglichkeit der Erwärmung der Erde befassen,
ohne sofort auf ein Paradoxon zu stoßen.
Die Zunahme des Treibhauseffekts ist ein außerordentlich langfristiges und weltweites Problem. Daher
erfordert es langfristige und weltweite Antworten - und
keine Schaumschlägerei.

Unser Wissen über die Erde wird jedoch noch immer
von unserem Unwissen überschattet. Ich weiß, daß
Journalisten im ersten Absatz ihres Artikels die vier
großen Ws beantworten müssen: Wer, Was, Wo und
Wann. Es erübrigt sich, zu sagen, daß der erste
Absatz einer Beschreibung des Treibhauseffekts schwierig zu verfassen wäre.

Dennoch ist das die Erwärmung der Erde umgebende
politische Klima einer Krise vergleichbar. Eine beachtliche Anzahl von Gesetzentwürfen wurde auf dem
Capitol Hill eingebracht, und die jüngsten Forschungsergebnisse - die mögliche Auswirkungen der Erwärmung der Erdatmosphäre teils überbewerten, teils
herunterspielen - machen Schlagzeilen.

Unter Wissenschaftlern besteht generell Konsens, daß
die kontinuierliche Belastung der Atmosphäre mit
Treibhausgasen zur Erwärmung der Erde führen könnte. Dennoch konzentrieren sich die Unwägbarkeiten
und Kontroversen auf Größenordnung, Verhältnis und
Zeitpunkt der Erwärmung.

Es gibt einige einleuchtende Gründe für diese weitverbreitete Besorgnis, einschließlich der Tatsache, daß in
den achtziger Jahren vier der wärmsten Jahre seit
Beginn regelmäßiger Klimabeobachtungen verzeichnet wurden. Meiner Ansicht nach leitet sich ein Großteil der derzeitigen Unruhe aus dem Sommer des
Jahres 1988 ab. In jenem Sommer wurde der Mittelwesten von einer schweren Dürre heimgesucht, weite
Teile des Landes litten unter ungewöhnlich hohen
Temperaturen, Waldbrände vernichteten weite Bereiche des Westens, und ein besonders schwerer Hurrikan verwüstete die Karibik. Der Treibhauseffekt war
auf der Titelseite von Time und Newsweek - obwohl
Wissenschaftler die Ereignisse jenes Sommers noch
nicht überzeugend mit dem Treibhauseffekt in Verbindung bringen können.

Darüber hinaus besteht ein Konsens, daß sich der
Planet im vergangenen Jahrhundert um rund 0,5°C
erwärmt hat. Wenige Wissenschaftler würden jedoch
behaupten, daß sie bereits in der Lage sind, festzustellen, ob diese Erwärmung auf den Treibhauseffekt
zurückgeführt werden kann oder ob natürliche Temperaturschwankungen dafür verantwortlich sind. Und
obwohl einige Klimamodelle eine Erwärmung von 1 bis
2°C durch die Verdoppelung des Kohlendioxids in der
Atmosphäre prognostizieren - und obwohl noch immer
gro ße Ungewi ßheit besteht, ob diese Verdoppelung im
Jahr 2050 oder 2200 stattfinden wird - läßt sich anhand
der Geschichte belegen, daß die durchschnittliche
Temperatur der Erdatmosphäre im gleichen Zeitraum
in gleichem Maße steigen oder fallen könnte, wobei wir
entweder keine Kfimaveränderungen hätten oder doppelt
so hohe wie in den Klimamodellen vorhergesagt. Wir
wissen es einfach noch nicht.

Dieses politische Erwachen hat den Treibhauseffekt
an die oberste Stelle der nationalen und internationalen politischen Tagesordnung gesetzt. Man sollte sich
jedoch vor Augen führen, daß die Wissenschaftler
bereits seit Jahrzehnten über die Zunahme des Treibhauseffekts spekulieren. Der schwedische Chemiker
Svante Arrhenius hat im Jahr 1896 prognostiziert, daß
die Temperatur der Erde um 4 bis 6° Celsius steigen
würde, wenn sich das Kohlendioxid in der Atmosphäre
verdoppelt - eine bemerkenswert präzise Vorhersage,
wenn man bedenkt, daß ein nur unwesentlich geringerer Temperaturanstieg geschätzt wurde, bis die Funktion der Wolken genauer in die weltweiten Zirkulationsmodelle eingearbeitet worden war. Bereits 1957 schrieben Roger Revelle und Hans Süß über das "umfangSeite 2

Wir fangen auch erst an, die Auswirkungen einer
potentiellen Erwärmung der Erde auf landwirtschaftliche Produktivität, Veränderungen des Meeresspiegels, biologische Produktivität der Ozeane, eine Verlagerung der Vegetationsmuster, Häufigkeit und Schwere von Stürmen, Dürrekatastrophen usw. zu verstehen. Von einem quantitativen Verständnis der damit
einhergehenden wirtschaftlichen Auswirkungen sind
wir noch weiter entfernt. Darauf werde ich im folgenden eingehen.
Die größten Schwierigkeiten bestehen bei der Einordnung von Wolken und Ozeanen in generelle Zirkulationsmodelle. Bis vor kurzem wußten GeowissenAMERIKA DIENST 15

�schaftler noch nicht einmal, ob Wolken die Erde aufheizen oder abkühlen. Wir wissen noch nicht sicher, ob
die zunehmende Wolkenbildung, die mit der Erderwärmung in Verbindung gebracht wird, den Treibhauseffekt erhöht oder ihm entgegenwirkt. Das wird von Art
und Höhe der Wolken abhängen.
Was die Meere betrifft, wissen wir, daß nur die Hälfte
des bei der Verbrennung fossiler Energieträger und bei
der Rodung von Wäldern entstehenden Kohlendioxids
in der Atmosphäre bleibt. Jahrelang haben Forscher
angenommen, daß der Rest von den Meeren absorbiert wird, während jüngste Untersuchungen darauf
hindeuten, daß dies wahrscheinlich für nicht mehr als
ein Viertel der Menge zutrifft. Wo bleibt dann der Rest?
Wir sind immer noch nicht sicher, obwohl es heißt, er
bleibe in der Biomasse der gemäßigten Breitengrade
zurück.
Die Ungewißheit über das Verhalten der Wolken und
Meere trägt auch zu einer der grö ßten Schwierigkeiten
mit den gegenwärtigen Modellen zur Atmosphäre bei:
sie lassen keine präzisen regionalen Vorhersagen zu.
Bei den Modellen ist man sich nicht über so grundsätzliche Fragen einig, ob die Mittelpunkte der Kontinente
nasser oder trockener werden, wenn sich die Erde
erwärmt. Diese regionalen Prognosen sind jedoch
unabdingbar, um die möglichen Auswirkungen globaler Veränderungen zu beurteilen.
Aufgrund der Grenzen von Modellen müssen wir immer
auf Überraschungseffekte gefaßt sein. Die Entwicklung des Ozonlochs über der Antarktis war eine solche
Überraschung. Das Loch entwickelt sich durch einen
Mechanismus, der in früheren Modellen der Ozonzerstörung nicht berücksichtigt worden war und eher
zufällig entdeckt wurde. Wir brauchen ein umfassendes Programm zur Beobachtung und Überwachung
der Erde, damit wir solche durch die Emission von
Treibhausgasen hervorgerufenen Überraschungen
entdecken.
Das Ozonloch hat jedoch zweifellos bewiesen, daß
unsere Atmosphäre oder deren Trägheit im Gegensatz zu lange vertretenen Meinungen nicht so unbegrenzt ist, daß menschliche Aktivitäten sie nicht in für
den Menschen wahrnehmbaren Zeiträumen beeinträchtigen können. Die Abgabe von Fluorchlorkohlenwasserstoffen in die Atmosphäre hat in Kombination
mit meteorologischen Bedingungen in nur wenigen
Jahrzehnten ein Ozonloch entstehen lassen, das auf
bekannte chemische Mechanismen zurückzuführen
ist.
Lewis Thomas hat die Erde zum Beispiel mit einem
lebendigen Organismus und insbesondere mit einem
Einzeller verglichen. Der Vergleich trifft sicher in
einem Punkt zu: soviel wir auch noch über das Leben
lernen müssen, wie es sich entwickelt hat und wohin es
sich entwickeln wird, soviel müssen wir auch noch über
die Erde lernen.

AMERIKA DIENST 15

Das nationale Forschungsprogramm
Bertrand Rüssel hat einmal geschrieben: "Die schlimmsten Meinungsverschiedenheiten sind solche, bei denen
es für keine Meinung Beweise gibt." Die Erwärmung
der Erde kommt dieser Kategorie gefährlich nahe.
Wenn die Forschung mehr darüber entdeckt, wie die
Aktivitäten des Menschen das Klima beeinflussen
können, wird uns eine weniger kontroverse Basis für
unsere Maßnahmen zur Verfügung stehen.
Die US-Regierung hat jetzt ein umfangreiches integriertes Programm eingeführt, um Verständnis zu
wecken, von dem sich künftige politische Entscheidungen leiten lassen. Dieses Programm - das Amerikanische Forschungsprogramm für Globale Veränderungen (U.S. Global Change Research Program) wurde
vom interministeriellen Ausschuß für Geowissenschaften (Committee on Earth Sciences - CES) ins Leben
gerufen. Vorsitzender ist Dallas Peck vom U.S. Geological Survey. Der Ausschuß setzt sich aus Leitern
unabhängier Organisationen und aus Abteilungsleitern in Ministerien zusammen, die mit Umweltforschung befaßt sind. An den vom Ausschuß eingerichteten Arbeitsgruppen nehmen hochrangige Experten
teil, die einen bestimmten Bereich abdecken. Das
Amerikanische Forschungsprogramm für Globale Veränderungen wurde zum Beispiel von der Arbeitsgruppe Globale Veränderungen unter dem Vorsitz von
Robert Corell von der National Science Foundation
erarbeitet, und es umfaßt die Programme sieben unterschiedlicher Organisationen.
Der von Präsident Bush dem Kongreß Ende Januar
vorgelegte Haushalt für das Haushaltsjahr 1991 - der
die Forderung des CES nach einem integrierten nationalen Programm aufgriff - forderte eine 57prozentige
Aufstockung der Mittel für dieses Programm auf insgesamt eine Milliarde Dollar. Mit diesen Mitteln könnte
die Forschung, Datensammlung und Erarbeitung von
Modellen mit einer ausgewogenen Mischung land- und
weltraumgestützter Forschung erweitert werden.
Ich möchte auch darauf hinweisen, daß der Erfolg des
Ausschusses für Geowissenschaften Vorbildcharakter für ähnliche Aktivitäten des Büros für Wissenschafts- und Technologiepolitik hat. Wir haben gerade den Koordinierungsausschu ß für Wissenschaft und
Technik - das übergeordnete Gremium des CES umorganisiert und darüber hinaus eine Reihe neuer
interministerieller Ausschüsse für die Bereiche Bildungswesen, Biowissenschaften und industrielle Nutzung von Technologie ins Leben gerufen. Auf diese
Weise hoffen wir, in vielen wichtigen Bereichen von
Wissenschaft und Technik eine stärkere Integration
und bessere Koordinierung herbeizuführen.
Die Arbeitsgruppe Globale Veränderungen
Der Ausschuß für Geowissenschaften konzentriert
sich auf die Forschungsaspekte weltweiter Verände-

Seite 3

�rungen. Das politische Gegenstück zum CES ist die
Arbeitsgruppe Globale Veränderungen, die Präsident
Bush im vergangenen Herbst im Ausschuß für Innenpolitik einrichtete, einen von zwei hochrangigen politischen Ausschüssen mit Kabinettsrang im Weißen
Haus. Die von mir geleitete Arbeitsgruppe leistet im
Bereich Globale Veränderungen Koordinierungsarbeit
auf Kabinettsebene und ist für den Präsidenten eine
wichtige Quelle für Informationen und Empfehlungen.
Kurz nach ihrer Einrichtung forderte die Arbeitsgruppe
drei Sonderuntersuchungen über weltweite Veränderungen. Die erste beschäftigte sich mit den wirtschaftlichen Kosten globaler Veränderungen und Reaktionen auf mögliche Veränderungen unter Berücksichtigung der potentiellen Kosten von Untätigkeit. Die
zweite befaßt sich mit Bedenken und Aktivitäten des
Privatsektors. Die dritte überprüft rechtliche Voraussetzungen für internationale Abkommen und Konventionen über Umwelt. Die Arbeitsgruppe wird darüber
hinaus von hochrangigen Experten über wissenschaftliche und wirtschaftliche Aspekte globaler Veränderungen informiert.
Die Arbeitsgruppe Globale Veränderungen wird weiterhin eine wichtige Rolle im Weißen Haus spielen,
wenn es darum geht, die Politik der Administration zur
Umwelt zu überprüfen. Aber an diesem Punkt möchte
ich von meinem Versprechen abrücken, mich auf
Fortschritte konzentrieren zu wollen und einige politische Maßnahmen erörtern. Die Bush-Administration
vertritt nicht die Auffassung, daß weitere Forschung
irgendein Ersatz für das Handeln ist. Es ist eindeutig,
daß wir unsere Forschung angesichts der Unsicherheiten vorantreiben müssen, aber noch größere Bedeutung kommt in Zeiten der Unsicherheit der Entscheidungsfindung zu.
Aus diesem Grund hat die Administration bereits eine
Reihe politischer Maßnahmen verhängt, um die Emission von Treibhausgasen zu verringern, die auch aus
anderen Gründen gerechtfertigt sind. Der Präsident
bezeichnet sie als Politik "ohne Reue" und "für jedes
Wetter", denn sogar wenn sich unsere Sorge über den
Treibhauseffekt als unbegründet erweist, bringen diese Maßnahmen immer noch andere Vorteile. Ich
betrachte sie als Versicherungspolice gegen eventuelle negative Auswirkungen der Erwärmung der Erdatmosphäre.
Die Vereinigten Staaten engagieren sich für ein
umfassendes Verbot von FCKW bis zum Jahr
2000, um die stratosphärische Ozonschicht zu
schützen, wenn sichere Ersatzstoffe verfügbar
sind, und sie sind damit den Erfordernissen des
Protokolls von Montreal voraus. Wenn FCKW
nicht kontrolliert werden, können sie im nächsten Jahrhundert für 25 Prozent der Steigerung
des Treibhauseffekts verantwortlich sein.

Seite 4

Das Luftreinhaltungsgesetz wird gegenwärtig
im Kongreß erörtert und sieht eine erhebliche
Reduzierung der Emission anderer Treibhausgase vor, indem es den effizienteren Einsatz
von Energie fördert. Der Fonds zum Schutz der
Umwelt hat errechnet, daß allein die Gesetzesbestimmungen über sauren Regen die gleichen
Auswirkungen auf die Emission von Treibhausgasen haben werden wie wenn man zehn Jahre
lang ein Fünftel aller Fahrzeuge (22 Millionen
Autos) von den Autobahnen verbannt.
Das Energieministerium entwickelt eine Nationale Energiestrategie, die sich insbesondere
auf ein aggressives Engagement für die Energieeinsparung und die Entwicklung nichtfossiler
Brennstoffe konzentrieren wird.
Diese Initiativen beschäftigen sich vor allem mit den
Quellen der Treibhausgase. Auch im Hinblick auf
deren Auswirkungen auf die Umwelt unternimmt die
Administration konkrete Schritte.
Das Landwirtschaftsministerium will in ganz
Amerika eine Milliarde Bäume auf Privatgrundstücken pflanzen, die insgesamt etwa 13 Millionen Tonnen Kohlenstoff jährlich absorbieren.
Auf diplomatischer Ebene finden Gespräche
über den Schutz der noch bestehenden Regenwälder durch Mechanismen wie Schuldenerlaß
im Gegenzug für Umweltschutzmaßnahmen statt.
Der rote Faden, der sich durch alle Maßnahmen der
Administration im Hinblick auf die weltweiten Klimaveränderungen zieht, ist die Tatsache, daß sie so wissenschaftlich fundiert wie möglich und technisch wie
ökonomisch solide sind. Dies sind Kriterien, die wir
auch bei künftigen Maßnahmen anwenden werden.
Die Zwischenstaatliche Kommission zur Klimaveränderung (IPCC)
Bis jetzt habe ich lediglich über unsere nationale
Forschungsarbeit und Entscheidungsfindung in bezug
auf die weltweiten Klimaveränderungen gesprochen.
Der Treibhauseffekt macht jedoch nicht vor nationalen
oder politischen Grenzen halt, und sein Verständnis
erfordert Informationen und Analysen, die den gesamten Globus umspannen. Internationale Zusammenarbeit wird deshalb für anhaltende Fortschritte unerläßlich sein.
Das wichtigste internationale Forum zur Erörterung
dieser Fragen ist die Zwischenstaatliche Kommission
zur Klimaveränderung (IPCC), die unter der Schirmherrschaft des Umweltprogramms der Vereinten Nationen und der Weltorganisation für Meteorologie ins
Leben gerufen wurde. An der IPCC beteiligen sich
Hunderte von Wissenschaftlern und Regierungsver-

AMERIKA DIENST 15

�treter aus einer Reihe von Ländern in dem Bestreben,
einen internationalen Konsens über die vermeintlichen
Ursachen und Folgen der Klimaveränderungen herbeizuführen.
Die IPCC setzt sich aus drei Arbeitsgruppen zusammen. Die erste bemüht sich unter der Leitung Großbritanniens um die Entwicklung eines besseren wissenschaftlichen Verständnisses der Klimaveränderungen.
Die von der Sowjetunion geleitete zweite Arbeitsgruppe untersucht deren mögliche umweltpolitische und
sozioökonomische Folgen. Die dritte Arbeitsgruppe
unter dem Vorsitz der Vereinigten Staaten versucht
schließlich, mögliche Antworten auf die weltweiten
Klimaveränderungen zu finden.

Eine Rahmenkonvention über die Veränderung des
Weltklimas könnte dieselbe Funktion erfüllen. Sie
würde zwischenstaatliche Zusammenarbeit begründen und die Mechanismen ins Leben rufen, mit deren
Hilfe künftige Schritte ergriffen werden können. Die
Vereinigten Staaten gehen jedoch davon aus, daß ein
umfassender Ansatz erforderlich ist, der alle Emissionen von Treibhausgasen auf der Grundlage eines
wissenschaftlich begründeten Treibhaus-ÄquivalenzIndexes umfaßt und mögliche Maßnahmen marktorientierte Ansätze benutzen sollten.
Die Konferenz des Weißen Hauses über wissenschaftliche und wirtschaftliche Forschung im
Hinblick auf die weltweiten Klimaveränderungen

Diese drei Arbeitsgruppen werden bis zum Ende des
Sommers Berichte vorlegen. Die politisch Verantwortlichen auf der ganzen Welt werden dann in der Lage
sein, diese Berichte bei der Formulierung nationaler
und internationaler Maßnahmen heranzuziehen.
Daneben wird unsere in der nächsten Woche stattfindende Konferenz über wissenschaftliche und wirtschaftliche Forschung im Hinblick auf die weltweiten
Klimaveränderungen dem Ziel dienen, diese Maßnahmen der IPCC zu ergänzen und unterstützen.

Die Berichte der IPCC-Arbeitsgruppen werden einen
bedeutenden Beitrag zur Rahmenkonvention leisten,
aber die in der nächsten Woche in Washington stattfindende Konferenz des Weißen Hauses wird eine wichtige Ergänzung zur IPCC sein. Präsident Bush ist der
Gastgeber, er wird die Beratungen eröffnen und schließen. Ich bin zusammen mit Michael Deland vom Rat
für Umweltqualität und Michael Boskin vom Rat der
Wirtschaftsberater einer der Vorsitzenden dieser
Konferenz.

Die drei Arbeitsgruppen der IPCC kamen im Februar in
Washington zusammen, und Präsident Bush hielt eine
Rede bei der Eröffnungssitzung. Darin erklärte er:
"Die Vereinigten Staaten engagieren sich voll und
ganzfür den IPCC-Prozeß der internationalen Zusammenarbeit zur weltweiten Klimaveränderung. Wir halten
es für lebenswichtig, daß sich die internationale Staatengemeinschaft in geordneter, disziplinierter und rationaler Art und Weise zusammenfindet, um die Geschichte unserer Umwelt zu studieren, das Potential
künftiger Klimaveränderungen einzuschätzen und
wirksame Programme zu entwickeln."

Die Konferenz wird jeweils die drei ranghöchsten
Vertreter von Wissenschaft, Wirtschaft und Umwelt
aus 17 Ländern, der Organisation für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung und der Europäischen Gemeinschaft zusammenführen. Die Konferenz soll unseren Wissensstand in bezug auf die
wissenschaftlichen und ökomischen Fragen zu den
weltweiten Klimaveränderungen überprüfen und feststellen, bis wann die verbleibenden Unwägbarkeiten
ausgeräumt werden könnten. Die Konferenz wird
ferner Möglichkeiten untersuchen, um die Ergebnisse
wissenschaftlicher und wirtschaftlicher Forschung
vollständiger in den Entscheidungsfindungsprozeß zu
integrieren.

Präsident Bush hat darüber hinaus seine Unterstützung für den nächsten logischen Schritt auf internationaler Ebene bekundet: eine Rahmenkonvention über
Klimaveränderungen soll von den Staaten der Welt
ausgehandelt werden. Beim Gipfeltreffen von Malta
schlug Präsident Bush vor, daß die Vereinigten Staaten die erste Verhandlungsrunde zur Rahmenkonvention ausrichten, und er erneuerte dieses Angebot
gegenüber der IPCC.
Wenn man über die Ziele dieser Rahmenkonvention
nachdenkt, bietet sich die Wiener Konvention als nützliche Analogie an. Im Jahr 1985 unterzeichneten die
Vereinigten Staaten und 20 andere Länder die Wiener
Konvention zum Schutz der Ozonschicht, die einen
Rahmen für die internationale wissenschaftliche und
technische Zusammenarbeit schuf. Die Wiener Konvention sah jedoch keine Emissionsobergrenzen vor.
Sie enthielt stattdessen Verfügungen über die Erarbeitung von Zusatzprotokollen im Zuge der weiteren
wissenschaftliche Entwicklung.

AMERIKA DIENST 15

Ich habe bereits einige der wissenschaftlichen Herausforderungen genannt und möchte mich nun den ökonomischen zuwenden, da diese in vielen Fällen noch
größer sind als die wissenschaftlichen. So kam zum
Beispiel eine kürzlich erstellte Analyse lediglich zu dem
Ergebnis, daß die Kohlendioxidemissionen bis zum
Jahr 2050 wahrscheinlich um das 1,5- bis 12fache des
heutigen Werts ansteigen werden.
Wir benötigen bessere Maßstäbe für die möglichen
Kosten und Vorteile einer Begrenzung oder Anpassung an die weltweiten Klimaveränderungen. Ersten
Studien zufolge könnten die Kosten sehr hoch sein,
aber die solchen Schätzungen zugrundeliegenden Daten
und Annahmen sind mit vielerlei Unwägbarkeiten
behaftet.
Im allgemeinen werden die Sozialwissenschaften für
die Verbesserung des Verständnisses weltweiter Kli-

Seite 5

�maveränderungen ebenso wichtig sein wie die Naturwissenschaften. Selbst wenn die physikalischen und
biologischen Gesichtspunkte eines Problems verstanden werden, mangelt es uns nur allzu oft am Verständnis der unterschwelligen sozialen, verhaltenspsychologischen und wirtschaftlichen Ursachen und Folgen
einer Handlungsweise. Die in der nächsten Woche
stattfindende Konferenz wird sich diesen Aspekten
des Problems mindestens so sehr widmen wie den rein
wissenschaftlichen Gesichtspunkten. Auf diese Weise hoffen wir, dem internationalen Dialog über die
weltweiten Klimaveränderungen eine neue Dimension
zu verleihen.

begehen, ein Ereignis von einmaliger welthistorischer
Tragweite. Wie nicht anders zu erwarten, war Kolumbus ein genauer Beobachter der Natur. Während sein
Schiff vor der Küste Jamaikas ankerte, vermerkte
Kolumbus in seinem Tagebuch, da ß es jeden Nachmittag etwa eine Stunde lang regnete. Kolumbus verwies
außerdem darauf, daß das gleiche Phänomen früher
auf den Kanarischen Inseln und den Azoren aufzutreten pflegte, daß aber diese Regenfälle aufgehört hätten, nachdem die Bäume auf diesen Inseln gefällt
wurden. Mit anderen Worten: Kolumbus beobachtete
als einer der ersten Menschen die Auswirkungen
menschlichen Handelns auf das Klima.

Die Vorsitzenden der Konferenz werden voraussichtlich einen Bericht erarbeiten, der gemeinsame Maßnahmen mit dem Ziel des Ausbaus von Forschung und
Zusammenarbeit zwischen den Staaten definiert. Die
Vereinigten Staaten werden der Konferenz darüber
hinaus eine Reihe von konkreten Vorschlägen unterbreiten, wie etwa den Vorschlag über ein internationales Forschungsprogramm zu den weltweiten Klimaveränderungen, das dem von mir bereits erläuterten nationalen Programm der Vereinigten Staaten auf
internationaler Ebene vergleichbar ist. In der kommenden Woche werden Sie mehr darüber hören.

Meines Erachtens ist es einleuchtend, daß gerade
Kolumbus eine solche Entdeckung machte, denn er
befand sich auf einer großen Entdeckungsfahrt, und
wir befinden uns heute auf einer ähnlichen Reise. Wir
verändern die Welt in nie gekanntem Ausmaß. Und
doch hat der Mensch aufgrund seiner Natur keine
andere Wahl als die Welt zu verändern.

Schlußbemerkung
Zum Schluß möchte ich noch ein Beispiel aus der
Geschichte anführen, das ich auch der Konferenz in
der nächsten Woche erläutern möchte, da es meiner
Meinung nach sehr gut auf unsere heutige Situation
paßt.

Wir haben keinen Grund, solche Veränderungen zu
fürchten. Aber wir müssen unsere Augen offenhalten
und zu verstehen versuchen, wohin die Reise geht und
den Kurs ändern, wenn wir dafür gute Gründe haben.
Wir müssen nicht blind in die Zukunft segeln. Aber wir
müssen vorwärtsschreiten, wenn wir die einander
ergänzenden Ziele einer wirtschaftlich gesunden Welt
und einer intakten Umwelt erreichen wollen.

Im übernächsten Jahr werden wir den 500. Jahrestag
der Entdeckung der neuen Welt durch Kolumbus

*

Seite 6

*

AMERIKA DIENST 15

�UMWELT
18. April 1990

ZIELE DER KONFERENZ ÜBER GLOBALE
UMWELTVERÄNDERUNGEN
Eine Übersicht des Weißen Hauses
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine Übersicht zu der am 17. und 18. April 1990 vom
Weißen Haus veranstalteten Konferenz über wissenschaftliche und wirtschaftliche Forschung in Zusammenhang mit den globalen Umweltveränderungen.

Ziele der Konferenz
Präsident George Bush hat die Staats- und Regierungschefs von 17 Staaten sowie die Europäische Gemeinschaft (EG) und die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) eingeladen, Delegationen auf Ministerebene zur Konferenz
des Weißen Hauses über wissenschaftliche und wirtschaftliche Forschung in Zusammenhang mit den
globalen Umweltveränderungen zu entsenden. Die
Konferenz soll führende Regierungsvertreter aus den
Bereichen Wissenschaft, Wirtschaft, Energieversorgung und Umwelt zusammenführen, die sich mit den
zentralen Forschungsaufgaben in bezug auf diese
Veränderungen beschäftigen. Sie soll ferner das
Verständnis weltweit auftretender Phänomene verbessern, die internationale Zusammenarbeit fördern
und eine Grundlage für künftige zwischenstaatliche
Bemühungen zur besseren Integration von wissenschaftlicher und wirtschaftlicher Forschung in den
politischen Entscheidungsfindungsprozeß schaffen. Die
Konferenz eröffnet dem internationalen Dialog über
die Veränderung der Umwelt eine neue Dimension
anhand der These, daß die Wirtschaftswissenschaften - und zwar sowohl Analyse als auch Forschung in
bezug auf Wirtschaftspolitik und wirtschaftliche Folgen
- ein unerläßliches Bindeglied zwischen der wissenschaftlichen Untersuchung der globalen Umweltveränderungen und den politischen Alternativmaßnahmen darstellen. Wissenschaftliche und wirtschaftliche
Forschung können überdies dazu dienen, die Technologien und politischen Instrumente zu identifizieren
und entwickeln, die das Spannungsverhältnis zwischen Wirtschaftswachstum und Umweltveränderungen abbauen, indem sie größere Fortschritte in beiden

AMERIKA DIENST 15

Bereichen erlauben. Um diese breitgefächerten Ziele
zu erörtern, wird die Konferenz
schwerpunktmäßig für Maßnahmen zur Bewältigung der Klimaveränderungen relevante Fragen der wissenschaftlichen und wirtschaftlichen
Forschung behandeln.
Wichtige Folgemaßnahmen erörtern, um das
internationale Verständnis von Fragen der wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Forschung
in bezug auf die Veränderung des Erdklimas zu
verbessern.
Die besondere Rolle der Wirtschaftswissenschaften bei der Integration der wissenschaftlichen Untersuchung von Veränderungen des
Erdklimas in den Entscheidungsfindungsprozeß hervorheben.
Die Beziehungen zwischen wissenschaftlicher
und wirtschaftlicher Forschung sowie innenund außenpolitischen Prozessen aufzeigen.
Erste Schritte in die Wege leiten, um gemeinsame internationale wissenschaftliche und wirtschaftliche Forschungsbestrebungen zu verwirklichen.
Die Konferenz versteht sich als integraler Bestandteil
des andauernden internationalen Prozesses zum
Verständnis der wissenschaftlichen und politischen
Aspekte globaler Umweltfragen. Die Notwendigkeit
zur erheblichen Verbesserung des Verständnisses
sowohl der wissenschaftlichen als auch der wirtschaftlichen Aspekte des weltweiten Klimawandels ist von
vielen führenden Politikern der Welt erkannt worden.
Seite 1

�Als Ergänzung der laufenden Arbeit der Zwischenstaatlichen Kommission zur Klimaveränderung (IPCC)
und anderer internationaler Foren, die sich um die
Bewältigung weltweiter Klimaveränderung bemühen,
konzentriert sich die Konferenz deshalb auf Fragen der
wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Forschung.
Es besteht berechtigter Grund zu der Annahme, daß
die Ergebnisse der Konferenz einen Beitrag zum IPCCProzeß und anderen internationalen Gesprächen und
Maßnahmen leisten wird.
Die Konferenz widmet sich schwerpunktmäßig den
"weltweiten Veränderungen", einem Forschungsbereich, der sich mit dem Verständnis der grundlegenden
Prozesse beschäftigt, von denen die Funktionsweise
des Erdsystems bestimmt wird. Dazu gehören solch
unterschiedliche und dennoch zusammenhängende
Probleme wie der Abbau der Ozonschicht, Treibhausgase, Klimaveränderungen, Nahrungsmittelversorgung,
Wasservorräte, Veränderungen des Meeresspiegels,
Feuchtgebiete, Entwaldung, Artenvielfalt, demographische Entwicklung und Energienachfrage.
Die Konferenz wird führenden Politikern aus aller Welt
ein Forum bieten, um die komplexen Forschungsfragen anzusprechen, die für den Entscheidungsfindungsprozeß von zentraler Bedeutung sind. Dazu gehören
folgende Fragen:
Wie gut läßt sich die Temperaturentwicklung in
den kommenden Jahrzehnten vorhersagen?
Wie "gut" sind unsere globalen Klimamodelle
der gesamten Erde, zum Beispiel Modelle zur
Vorhersage von Temperaturveränderungen?
Wie gut lassen sich die Verbindungen zwischen

Was sind die wirtschaftlichen Folgen der Anpassung an oder Bekämpfung weltweiter Umweltveränderungen?
Wie "gut" sind die Modelle zur Berechnung
dieser wirtschaftlichen Konsequenzen und deren Auswirkungen auf das Leben der Menschen?
Wir hoffen, daß sich die Staaten mit der Erörterung
solcher Fragen dazu verpflichten werden, die gemeinsamen internationalen Forschungsanstrengungen zu
verstärken, die sich auf die rasche Verbesserung des
wissenschaftlichen und ökonomischen Wissens und
die Entwicklung der zur Durchführung dieser Maßnahmen notwendigen Infrastruktur konzentrieren.
Um diese komplexen, zusammenhängenden Fragen
zu behandeln, hat Präsident Bush die Staats-und
Regierungschefs einer kleinen Gruppe von Staaten
dazu eingeladen, Delegationen auf Ministerebene zu
entsenden. Die Konferenz wurde mit dem Gedanken
ins Leben gerufen, eine repräsentative Gruppe von
Ländern zur Teilnahme einzuladen. Bei der Auswahl
wurden Kriterien zugrundegelegt, wonach Länder oder
Organisationen mit hoher Bevölkerungszahl, großer
geographischer Ausdehnung, starker Industrialisierung, hohem zukünftigen Energiebedarf, umfangreicher wissenschaftlicher Infrastruktur oder die bereits
eine internationale Führungsrolle in Fragen klimatischer und anderer weltweiter Umweltveränderungen
spielen, an dem Treffen teilnehmen sollen. Es wurden
die folgenden Länder und Organisationen ausgewählt:

1. Australien

11. Die Niederlande

2. Brasilien

12. Nigeria

3. Bundesrepublik Deutschland

13. Norwegen

4. Frankreich

14. Polen

5. Indien

15. Sowjetunion

6. Indonesien

16. Vereinigtes Königreich

7. Italien

17. Zaire

8. Japan

18. Europäische Gemeinschaft

9. Kanada

19. Organisation für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung

10 Mexiko

Seite 2

globalen Umweltveränderungen und den daraus resultierenden sozialen und wirtschaftlichen
Folgen vorhersagen?

AMERIKA DIENST 15

�Voraussichtliche Ergebnisse der Konferenz

die mit Forschung und politischen Maßnahmen
bezüglich der Umweltveränderungen befaßt sind.
Insbesondere dürfte diese Konferenz die erste
Chance zum Aufbau einer Partnerschaft zwischen den Bereichen Forschung und Wirtschaft
einerseits und den politischen Entscheidungsträgern andererseits bieten.

Die Konferenz wird eine Gelegenheit zur Erörterung
der wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Forschungsfragen in bezug auf die globalen Umweltveränderungen im Kontext mit dem politischen Entscheidungsfindungsprozeß bieten. Um dies zu verwircklichen, verfolgt die Konferenz folgende Ziele:
Ein erheblich verbessertes Verständnis der
Forschungsvorhaben in den Bereichen Naturund Wirtschaftswissenschaften sowie Umwelt,
die für die Entscheidungsfindung im Hinblick auf
die weltweiten Veränderungen unerläßlich sind.

Als Grundlage zur Erörterung dieser lebenswichtigen
Fragen werden die drei wichtigsten Themen der Konferenz in zwei Plenarsitzungen sowie mehreren Arbeitsgruppen diskutiert:
Die Herausforderungen für die wissenschaftliche und wirtschaftliche Forschung.

Ein solides Verständnis der Unwägbarkeiten im
Hinblick auf die Umweltveränderungen auf
unserem Planeten.
Verbessertes gegenseitiges Verständnis und
Sensibilität gegenüber der wissenschaftlichen
und wirtschaftlichen Forschung in diesen beiden Forschungsbereichen.
Erhöhte Sensibilität der beiden Forschungsbereiche gegenüber den politischen Erfordernissen, etwa in Umwelt- und Energiepolitik, und
vice versa.
Solide und gut durchgeführte wissenschaftliche
und wirtschaftliche Forschungsvorhaben als Ergänzung der aufkeimenden Bemühungen der
Staaten, sich mit den internationalen politischen
Fragen der globalen Umweltveränderungen zu
beschäftigen.
Ein Kommunikationsnetz zwischen den politisch Verantwortlichen der einzelnen Länder,

Die Integration dieser Forschung in den Entscheidungsfindungsprozeß.
Der Aufbau einer Partnerschaft zwischen wissenschaftlicher und wirtschaftlicher Forschung.
Im Verlauf der Konferenz wird voraussichtlich ein
Bericht der Vorsitzenden vorgelegt, der ein Protokoll
der Gespräche enthält und gemeinsame Maßnahmen
zur Verstärkung von Forschung und Zusammenarbeit
zwischen den Staaten aufzeigt.
In seinem Einladungsschreiben stellte Präsident Bush
fest: "Ich hoffe, daß das Fachwissen, die Erfahrung
und die unseren jeweiligen Ländern zur Verfügung
stehenden Daten auf einheitlichere und zusammenhängendere Art und Weise zusammengefaßt werden
können. Durch Zusammenarbeit können unsere Staaten die internationale Kooperation in diesen lebenswichtigen Bereichen fördern und zum Erfolg des andauernden IPCC-Prozesses beitragen."

* * * * *

AMERIKA DIENST 15

Seite 3

�BUSH/THATCHER

TREFFEN
18. April 1990

BUSH FÜR UNEINGESCHRÄNKTE SOUVERÄNITÄT
DEUTSCHLANDS
Pressekonferenz von Präsident Bush und Premierministerin Thatcher
HAMILTON, BERMUDA - (AD) - Anläßlich einer Pressekonferenz mit der britischen Premierministerin Thatcher
am 13. April 1990 sprach sich Präsident Bush für die uneingeschränkte Souveränität Deutschlands aus und wies
damit Vermutungen über einen Verbleib sowjetischer Truppen in der DDR während einer Übergangsphase
zurück. Bush begrüßte die Verwirklichung des "tiefempfundenen Wunsches des deutschen Volkes nach
Überwindung der unnatürlichen Teilung des Landes."
Präsident Bush bekräftigte erneut, daß ein vereinigtes Deutschland Vollmitglied der NATO sein sollte und fügte
hinzu, "Ein vereinigtes Deutschland sollte uneingeschränkte Kontrolle über sein gesamtes Territorium ohne
irgendwelche Einschränkungen seiner Souveränität haben."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Pressekonferenz von Präsident Bush und Premierministerin Thatcher in
wesentlichen Auszügen.

Bush: Zunächst möchte ich dem Generalgouvemeur
und dem Ministerpräsidenten von Bermuda für ihre
Gastfreundschaft danken.
Premierministerin Thatcher und ich hatten Gelegenheit zu ausführlichen und offenen Gesprächen über die
jüngsten Entwicklungen in Europa und die Perspektiven für die Zukunft.
Natürlich haben wir auch über die Aussichten eines
vereinigten Deutschlands gesprochen. Wir begrüßen
beide die Verwirklichung des tiefempfundenen Wunsches des deutschen Volkes nach Überwindung der
unnatürlichen Teilung des Landes. Unsere Regierungen haben die Vereinigung Deutschlands seit über 40
Jahren unterstützt und freuen sich, da ß sie sich endlich
in Frieden und Freiheit vollzieht.
Premierministerin Thatcher und ich stimmen mit Bundeskanzler Kohl überein, daß Deutschland Vollmitglied der NATO einschließlich der integrierten militärischen Struktur sein sollte. Diese Ansicht wird von der
Bundesrepublik Deutschland, der gesamten NATO
und auch einigen Ländern Osteuropas geteilt. Unseres Erachtens liegt die uneingeschränkte Mitgliedschaft Deutschlands in der NATO im Sicherheitsinteresse aller europäischen Staaten.
In diesem Zusammenhang sehen wir der kontinuierlichen Entwicklung der Zwei-plus-Vier-Gespräche über
AMERIKA DIENST 15

die äußeren Aspekte der Wiederherstellung der deutschen Einheit erwartungsvoll entgegen. Diese Gespräche konzentrieren sich auf die Aufhebung der besonderen Rechte und Pflichten der vier Mächte für
Berlin und Deutschland als Ganzes. Ein vereinigtes
Deutschland, sollte uneingeschränkte Kontrolle über
sein gesamtes Territorium ohne irgendwelche Einschränkungen seiner Souveränität haben.
Auch über die Lage in der Sowjetunion und Litauen
hatten wir einen fruchtbaren Gedankenaustausch. Wir
stimmen überein, daß diese Probleme im Wege des
Dialogs bewältigt werden müssen, damit das Recht
des litauischen Volkes auf Selbstbestimmung verwirklicht werden kann.
Vor wenigen Minuten wurde uns eine außerordentlich
beunruhigende Meldung der Nachrichtenagenturen
überreicht. Natürlich hatten wir noch keine Zeit, uns im
einzelnen mit dieser Angelegenheit auseinanderzusetzen oder die Fakten zu analysieren. Aber wir haben
Moskau sowohl öffentlich als auch unter vier Augen
aufgefordert, eine Eskalation zugunsten des Dialogs
zu vermeiden. Es ist an der Zeit für Gespräche.
Bei unserer Diskussion über die Zukunft Europas und
der atlantischen Gemeinschaft haben Premierministerin Thatcher und ich die Möglichkeiten erörtert, die sich
der NATO, der Europäischen Gemeinschaft und der
Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in
Seite 1

�Europa (KSZE) zum Aufbau eines ungeteilten und
freien Europas bieten.
Frau Thatcher hat mir ihre jüngsten Vorschläge über
die Zukunft der KSZE im einzelnen erläutert, und
meines Erachtens sind sie sehr vielversprechend.
Für mich waren die Gespräche mit Frau Thatcher
außerordentlich nützlich. Seit vielen Jahren arbeiten
unsere beiden Länder für Frieden und Freiheit, und wir
haben uns vielerorts und zu manch einer Zeit - gelegentlich allen Widrigkeiten zum Trotz - diese Sache zu
eigen gemacht. Die britisch-amerikanische Freundschaft bedarf keiner Worte. Es ist eine besondere
Freundschaft, die sich zwangsläufig aus unserer
gemeinsamen Vision für die Zukunft der Menschheit
ergibt.
Frau Thatcher, ich danke Ihnen für ein au ßerordentlich
nützliches und aufschlußreiches Gespräch.
Frage: Herr Präsident, haben sie die Frage der
luftgestützten Marschflugkörper erörtert? Sind Sie für
die Stationierung luftgestützter Atomraketen in einem
vereinigten Deutschland?
Bush: Meiner Ansicht nach ist die Frage der Stationierung von Raketen Sache des Bündnisses. Ich möchte
im Augenblick dazu nur sagen, daß wir Konsultationen
mit der NATO führen werden. Unsere Position ist, daß
wir alles in unserer Macht Stehende tun müssen, um
der Rolle der Vereinigten Staaten bei der Bewahrung
des Friedens und der Gewährleistung von Stabilität
und Sicherheit in Europa gerecht zu werden. Ich
möchte dazu nicht ins Detail gehen, aber meiner
Ansicht nach ist die amerikanische Position bekannt,
und sie hat sich im Verlauf dieses Treffens nicht geändert.
Frage: Frau Premierministerin, haben Sie Außenminister Bakers Forderung einer formelleren Vertragsbe-

ziehung zwischen den Vereinigten Staaten und der
Europäischen Gemeinschaft erörtert? Und wie fügen
sich seine Ideen einer Rolle der NATO mit größerem
politischen Gewicht in Ihr Konzept der Weiterentwicklung der KSZE ein?
Thatcher: Den ersten Teil Ihrer Frage haben wir nicht
diskutiert, aber den zweiten - und ich hatte gehofft, das
sei in meiner Eingangserklärung zum Ausdruck gekommen. Ich befürworte einen erweiterten Dialog und
engere Beziehungen zwischen beiden Seiten der atlantischen Gemeinschaft uneingeschränkt.
Aus diesem Grund hat eine Rolle der NATO mit
größerem politischen Gewicht meine ungeteilte Zustimmung, denn meiner Ansicht nach bilden Freiheit
und ihre Verteidigung den Mittelpunkt der atlantischen
Gemeinschaft als Ganzes. Das steht für mich eindeutig fest.
Im Hinblick auf den größeren Kontext, einschließlich
Osteuropas und der Sowjetunion, scheint mir, daß die
Teilnehmerstaaten der KSZE den geeigneten Rahmen für eine erweiterte politische Diskussion bilden.
Meines Erachtens sind sie ein Forum, in das wir einige
der osteuropäischen Nationen zu Gesprächen mit den
Vereinigten Staaten und dem übrigen Europa einbeziehen können, und zwar offizieller und regelmäßiger
als das bisher der Fall war. Das könnte sich für uns alle
als sehr nützlich erweisen.
Auf der einen Seite sollten die Nationen, die sich der
Verteidigung der Freiheit verschrieben haben, engere
politische Kontakte pflegen. Auf der anderen Seite
haben wir eine Brücke über eine Kluft. Beide erfüllen
ihren Zweck und kommen sich gegenseitig nicht ins
Gehege: sie ergänzen einander.
Bush: Ich stimme dem voll und ganz zu.

* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 15

�KSZE
18. April 1990

KSZE UND NATO UNERLÄSSLICH FÜR EUROPA
Rede von Botschafter Maresca
ARLINGTON (Virginia) - (AD) - "Die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) ist weder
dazu bestimmt noch in der Lage, die kollektive Sicherheit des Westens zu garantieren,"erklärte Botschafter John
Maresca bei einem Seminar über militärische Fragen in Deutschland, das am 29. März 1990 in Arlington unter
der Leitung des Institute of Foreign Policy Analysis und der Eagle Research Group stattfand.
"Solange die Sowjetunion umfangreiche Streitkräfte nahe Europa aufrechterhält, braucht der Westen die NATO

für seine Verteidigung gegen Angriffe oder Einschüchterung", bemerkte der Leiter der amerikanischen
Delegation bei den Wiener Verhandlungen über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen (VSBM).
Im zufolge liefert die mögliche "Auflösung" des Warschauer Pakts keinen Grund zur Schwächung der NATO.
Maresca fügte hinzu, es bedürfe einer Reihe multilateraler Institutionen wie etwa der Europäischen Gemeinschaft, der NATO und des KSZE-Prozesses, damit "der Rahmen hergestellt wird, den Europa benötigt", um auch
in Zukunft dauerhafte Sicherheit und Stabilität zu gewährleisten.
Nachfolgend veröffentlichen wir Botschafter Marescas Rede im Wortlaut.

Es ist gerade jetzt eine besondere Herausforderung,
sich über die Zukunft der Sicherheit in Europa Gedanken zu machen, trotz des gerade in Mode gekommenen Spruchs, die Geschichte höre ja nicht auf, sondern
entwickle sich immer weiter - oftmals in einer Weise,
die man unmöglich vorhersehen oder steuern kann.
Niemand hätte die Ereignisse des letzten Jahres in der
Sowjetunion und Osteuropa vorhersagen können - wir
versuchen immer noch, sie zusammen mit ihren Auswirkungen zu verstehen. Und vor uns liegen ebenso
aufregende Ereignisse, die noch weitere Veränderungen mit sich bringen werden. Von einem Ende der
Geschichte sind wir weit entfernt - wir versuchen
vielmehr, Schritt zu halten.
Dies ist ein so vielschichtiges Bild, daß es in einzelne
Bestandteile zerlegt werden muß, wenn wir zu einer
vernünftigen Beurteilung kommen wollen, wobei die
Aufschlüsselung an sich schon eine Herausforderung
darstellt. Keine Art und Weise der Systematisierung
des Materials ist dabei definitiv, und aufgrund der
begrenzten Zeit werde ich einige wichtige Thesen
außer acht lassen. Ich werde mich auf folgende
Punkte beschränken:
eine kurze Bilanz der europäischen Sicherheitsgleichung, wie wir sie bisher verstanden haben,

AMERIKA DIENST 15

eine Zusammenfassung von Auswirkungen der
jüngsten noch andauernden Entwicklungen in
Osteuropa,
einen Blick auf mögliche künftige Bedrohungen
für die Sicherheit in Europa sowie auf neue Zielsetzungen und die Frage eines neuen Sicherheitssystems.
Struktur der europäischen Sicherheit vor 1989
Grundsätzlich war das seit Ende der vierziger Jahre
bestehende europäische Sicherheitssystem von der
Konfrontation zwischen zwei Bündnissen geprägt, die
sich als ideologische Rivalen gegenüberstanden und
jeweils eine militärische Supermacht hinter sich hatten. Bei den Streitkräften beider Seiten herrschte zwar
keine Symmetrie, aber das Gleichgewicht reichte aus,
um kein militärisches Abenteurertum zu ermutigen.
Man muß sich unbedingt vor Augen führen, daß es
zwischen beiden Gruppen niemals moralische oder
politische Übereinstimmmung gab. Der Warschauer
Pakt ist entstanden, weil die Sowjetunion ihren Nachbarn eine fremde Ideologie aufgezwungen hatte, die
von der Mehrheit im Volk niemals akzeptiert worden
war. Sowjetische Soldaten waren gegen den Willen
der meisten Menschen in Osteuropa dort stationiert,
Seite 1

�und die Sowjets setzten eindeutig ihren Willen durch,
wie sich zum Beispiel 1956 in Budapest und 1968 in
Prag gezeigt hat.
Im Gegensatz dazu war und ist das westliche Bündnis
ein freier Zusammenschluß gleichgearteter Staaten
mit denselben Idealen von Demokratie und freiem
Unternehmertum. Hier sind amerikanische Soldaten
stationiert, weil die Europäer der Auffassung sind,
diese seien für ihre Sicherheit unabdingbar. Diese
Diskrepanz zwischen den Grundlagen des Warschauer Pakts und des Nordatlantischen Bündnisses spielt
eine Rolle für die Zukunft, und darauf werde ich noch
einmal zurückommen.
Seit dem Harmel-Bericht von 1967 und insbesondere
seit der ernsthaften Aufnahme des Ost-West-Dialogs
Anfang der siebziger Jahre verfolgte der Westen
gegenüber der Sowjetunion und ihren Satellitenstaaten klare Zielsetzungen, mit denen die militärische
Konfrontation abgebaut und ein neuer Rahmen geschaffen werden sollte. Es ging um Ziele in Rüstungskontrolle und Politik.
Unter der Überschrift Rüstungskontrolle fanden zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
bilaterale Verhandlungen über die Reduzierung strategischer Waffen statt. Gleichzeitig sollte mit multilateralen Verhandlungen zwischen NATO und Warschauer Pakt über konventionelle Streitkräfte Sicherheit auf
niedrigeren Streitkräfteniveaus erzielt werden. Mit
allgemeineren sicherheitspolitischen Verhandlungen
aller 35 Teilnehmerstaaten in Europa und Nordamerika wurde Vertrauensbildung im militärischen Bereich
abgestrebt.
Ich möchte insbesondere auf die Verhandlungen über
Vertrauensbildende Maßnahmen verweisen, an denen ich mitarbeite. Ihr Ziel ist größere Offenheit bei
militärischen Aktivitäten, ausgehend von der Annahme, daß die Planung feindlicher militärischer Aktivitäten schwieriger ist, wenn Beobachtungen, Inspektionen und Besichtigungen stattfinden. Die Stockholmer
Verhandlungen über Vertrauensbildung haben das
einzige, heute gültige Abkommen über konventionelle
Rüstungskontrolle hervorgebracht und einmalige Inspektionsrechte eingeführt.
Das Stockholmer Abkommen von 1986 sieht das
Recht auf kurzfristig anberaumte Inspektionen vor,
wenn bei bestimmten militärischen Aktivitäten Zweifel
aufkommen, und von diesem Recht wurde in der
Sowjetunion und anderen Ländern erfolgreich Gebrauch gemacht. Diese Verhandlungen haben echten
Pioniercharakter und neues Terrain erschlossen. Zum
Beispiel haben wir soeben einen neuen Bereich der
Vertrauensbildung vorgeschlagen - die jährliche Offenlegung unserer Militärhaushalte, einschließlich deren
Erörterung.
All diese Rüstungskontrollverhandlungen verfolgten
Ziele, mit denen die Konfrontation zwischen Ost und
Seite 2

West entschärft werden sollte, indem Sicherheit auf
niedrigeren Niveaus gewährleistet, die Möglichkeiten
für Überraschungsangriffe verringert und militärische
Offenheit als stabilisierender Faktor gefördert werden.
Umfassendere politische Ziele wurden auf bilateraler
und multilateraler Ebene im sogenannten KSZE-Prozeß verfolgt, der sich auf die Schlußakte von Helsinki
aus dem Jahre 1975 stützt. Hier bestand das Ziel
darin, die Sowjetunion und andere kommunistische
Regime zur schrittweisen Umwandlung in pluralistische demokratische Systeme mit Rechtsstaatlichkeit,
Achtung der Menschenrechte und freier Marktwirtschaft zu ermutigen. Diesem Prozeß lag der Prinzipienkataiog der Schlußakte über das zwischenstaatliche Verhalten auch bei Menschenrechten und Selbstbestimmung zugrunde.
Der KSZE-Prozeß ist mit einer Reihe von Konferenzen
vorangetrieben worden - allgemeine Gespräche oder
themenspezifische Zusammenkünfte - die in gemeinsame Resolutionen mündeten. Die Ergebnisse sind
lediglich politisch verbindlich und stellen keine vertraglichen Verpflichtungen dar, aber weil jedes Land politisch motiviert ist, Helsinki zum Erfolg zu verhelfen und
aufgrund des öffentlichen Drucks nach Reformen, sind
bei den Zielen von Helsinki, insbesondere im Bereich
der Menschenrechte, Fortschritte erzielt worden. Die
Veränderungen in Osteuropa sind dabei nur das letzte
anschauliche Beispiel.
Damit hat das europäische Sicherheitssystem, wie wir
es kennen, viel geleistet: ein stabiles Gleichgewicht
zwischen den Blöcken, innere Disziplin auf beiden
Seiten (obwohl auf einer Seite aufgezwungen und auf
der anderen vereinbart) und entwicklungsfähige Ziele
für die Zukunft.
Entwicklungen in Osteuropa
Die jüngsten dramatischen Ereignisse in der Sowjetunion und Osteuropa haben viele Elemente verändert,
auf die sich diese Sicherheitsstruktur gründet und das
ganze System - oder zumindest wesentliche Teile - in
Frage gestellt.
Die meisten Länder Osteuropas befinden sich im Prozeß
der Errichtung demokratischer,

marktwirtschaftlich

orientierter Systeme und weisen damit die ideologische Grundlage ihres Bündnisses mit der Sowjetunion
von sich. Sie fordern die sowjetischen Streitkräfte zum
Verlassen ihres Landes auf und mindern damit die
Stärke der dem Warschauer Pakt zur Verfügung stehenden Streitkräfte und die Bedrohung, die er für den
Westen darstellt. Mit fortschreitender Demokratisierung haben sich die Probleme im Bereich der Menschenrechte drastisch verringert, und in manchen Fällen
sind sie völlig beseitigt.
Die Sowjetunion kämpft gegenwärtig einen innenpolitischen Kampf an vielen Fronten: gravierende wirtschaftliche Probleme, zunehmender Nationalismus und
rapide innenpolitische Reformen - um nur einige zu
AMERIKA DIENST 15

�nennen. Aus diesen und anderen Gründen akzeptiert
sie weitgehend die Entwicklungen in Osteuropa und
konzentirert sich weniger auf Außenpolitik, um besser
mit den innenpolitischen Problemen fertigzuwerden.
Auch hier gibt es immer weniger Probleme bei den
Menschenrechten.

»

Deutschland steht kurz vor der Vereinigung, die mit
vielen Fragen verbunden ist, etwa ob das neue Deutschland Mitglied der NATO sein, in bestimmten Maße
Neutralität oder Sonderstatus genießen wird oder eine
befristete Lösung gelten soll. Was wird aus der Nationalen Volksarmee der DDR, einem wichtigen Bestandteil der Schlachtordnung des Warschauer Pakts? Und
was wird mit den 380 000 gegenwärtig in der DDR
stationierten sowjetischen Soldaten geschehen? Der
KSZE-Prozeß erkennt die Möglichkeit einer friedlichen
Wiedervereinigung beider deutscher Staaten ausdrücklich an, ihr veränderter Status wird aber Auswirkungen
auf die Verhandlungen haben, die von einem Konzept
des Streitkräftegleichgewichts zwischen Ost und West
ausgehen.
Wir dürfen nicht vergessen, daß auch im Westen
Entwicklungen stattfinden. Die Europäische Gemeinschaft ist auf dem Weg zum Europäischen Binnenmarkt, die Vereinigten Staaten sehen sich mit einem
enormen Haushaltsdefizit konfrontiert, das sie bereits
zum Abbau militärischer Stärke zwingt, die jedoch
erforderlich ist, weil die Bedrohung nach wie vor besteht. Dies sind ebenfalls Faktoren in der europäischen Sicherheitsgleichung.
Ausblick

,

•

Was sind nun die wahren Bedrohungen für die Sicherheit Europas in dieser neuen Situation? Natürlich hat
die Bedrohung eines Angriffs durch den Warschauer
Pakt im großen und ganzen abgenommen, und sei es
nur, weil er nicht mehr so einheitlich ist, wie er einmal
war. Aber der Westen darf das weiterhin bestehende
militärische Potential der sowjetischen Streitkräfte nicht
aus den Augen verlieren. Im Augenblick unterhalten
die Sowjets immer noch umfangreiche Streitkräfte in
Osteuropa. Auch wenn sie sich vollständig von dort
zurückziehen, verfügen sie immer noch über ein ungeheures militärisches Potential mit einer großen Zahl
moderner Nuklearwaffen nahe am übrigen Europa.
Das reicht immer noch aus, um das militärische Gleichgewicht des Kontinents zu stören. Solange diese
Situation besteht, braucht Europa die von der NATO
gebotene kollektive Sicherheit - und die fortdauernde
Präsenz der US-Streitkräfte - um mit der Situation
fertigzuwerden.
Die schwindende sowjetische Dominanz in Osteuropa
könnte auch zu einer erneuten Balkanisierung der
Region führen, in der die lange Zeit von autoritären
Regierungen unterdrückten nationalen und ethnischen
Konflikte wieder auftreten. Die Ereignisse der letzten
Monate in Rumänien haben bewiesen, wie schnell

AMERIKA DIENST 15

solche Probleme in offene Konflikte münden können.
Der Präsident hat nach seinem Treffen mit Bundeskanzler Kohl in Camp David auf dieses potentielle
Problem verwiesen und erklärt, unser Feind sei die
Instabilität, und Außenminister Baker hat in Prag erklärt, gerade in diesem Bereich könnten die Verhandlungen über Vertrauensbildende Maßnahmen eine
positive Rolle spielen. Natürlich fördert die NATO
diese Stabilität, und das Bündnis wird erwägen müssen, wie diese neue Herausforderung bewältigt werden soll.
Welche Art von Sicherheitssystem können wir uns jetzt
für Europa vorstellen, da sich einer der beiden Blöcke,
die bisher Bestandteil des alten Systems waren, auflöst? Der KSZE-Prozeß ist vielfach als Rahmen für die
Zukunft Europas bezeichnet worden und wird sicherlich eine Schlüsselrolle spielen. Außenminister Baker
hat ihn als eine der wichtigsten Institutionen für die
Zukunft Europas bezeichnet. Aber bis jetzt war dieser
Prozeß wenig konkret und von der täglichen Realität
der Beziehungen zwischen europäischen Ländern weit
entfernt. Dennoch bietet er als Rahmen einige entscheidende Vorteile:
Er existiert bereits auf der Basis eines Prinzipienkatalogs über internationale Beziehungen,
der westliches Gedankengut widerspiegelt und
den alle Teilnehmer akzeptieren.
Er bezieht alle europäischen Länder ein (außer
Albanien, das aber auf Wunsch teilnehmen
könnte), und stellt die Rolle der Vereinigten
Staaten und Kanadas sicher.
Er blickt auf eine erfolgreiche Tradition der
gemeinschaftlichen Entscheidungsfindung unabhängig von beiden Blöcken zurück und läßt
gleichzeitig Konsultationen unter gleichgesinnten Staaten zu. Vielfach herrscht die Auffassung vor, dieser Aspekt könnte die Basis für
eine alternative Form europäischer Rüstungskontrollverhandlungen sein, wenn es unmöglich
wird, Verhandlungen zwischen den Blöcken zu
führen.
Er deckt die gesamte Bandbreite von Problemen auf der europäischen Tagesordnung ab
und beurteilt sie gemäß dem internationalen
Verhaltenskodex der Schlußakte von Helsinki.
Er ist flexibel und widerstandsfähig, wie seine
Fortschritte auch in schwierigen Phasen beweisen und darüber hinaus dynamisch und entwicklungsfähig.
Aber wenn der KSZE-Prozeß größere Verantwortung
für die europäische Sicherheit übernehmen soll, muß
er verbessert werden und stärker auf konkrete Situationen eingehen. Das wird zweifellos die Hauptaufgabe des für Ende des Jahres geplanten KSZE-Gipfels
sein - wenn ein KSE-Abkommen erzielt werden kann Seite 3

�und auch des regulären KSZE-Folgetreffens im Frühjahr 1992 in Helsinki. Es könnte sich als nützlich
erweisen, zu prüfen, wie konventionelle Rüstungskontrollverhandlungen in Zukunft durchgeführt werden
können - in welchem Forum und mit wie vielen Teilnehmern.
Eins sollte jedoch klar sein. Die KSZE ist weder dazu
bestimmt noch in der Lage, die kollektive Sicherheit
des Westens zu garantieren. Der einzige Mechanismus, der uns dafür zur Verfügung steht, ist die NATO.
Solange die Sowjetunion umfangreiche Streitkräfte
nahe Europa aufrechterhält, braucht der Westen die
NATO für seine Verteidigung gegen Angriffe oder
Einschüchterung. Wie ich bereits ausgeführt habe,
waren NATO und Warschauer Pakt weder moralisch
noch politisch jemals vergleichbar und deshalb besteht
kein Grund für eine Schwächung der NATO, nur weil
der Warschauer Pakt in Auflösung begriffen ist. Die
NATO ist auch nicht mit dem KSZE-Prozeß unvereinbar - vielmehr ergänzen sich beide. Seit Unterzeichnung der Schlußakte von Helsinki war der Westen
gezwungen, seine gemeinsamen Ideale zu formulieren und sich für die Sache der Menschenrechte in
Osteuropa einzusetzen. Das war ein einigender Faktor und hat unser Bündnis mit Westeuropa stark gefestigt.
Ebenso wie Außenminister Baker prognostiziere ich
einen langen Zeitraum, in dem mehrere multilaterale
Institutionen Elemente der Stabilität und Zusammenarbeit in Europa bilden. Dazu zählen vor allem die
Europäische Gemeinschaft, das Nordatlantische
Bündnis und der KSZE-Prozeß. Allein wird keine von
ihnen die Sichehreit in Europa garantieren können,
aber zusammen bilden sie den Rahmen, den Europa
benötigt - sie garantieren dauerhafte Sicherheit und
Stabilität und gestatten gleichzeitig positive Entwicklungen.
Meiner Ansicht nach sollten wir uns auch über unsere
Ziele für die nächsten zehn Jahre, sowohl im Bereich
der Rüstungskontrolle als auch im KSZE-Prozeß,
Gedanken machen. Unter der Überschrift Rüstungskontrolle sollten wir auf jeden Fall Verhandlungen über
nukleare und konventionelle Rüstungskontrolle führen
und umfangreiche Reduzierungen bei den Streitkräfteniveaus, Verpflichtungen zum weiteren Abbau der
bereits reduzierten Streitkräfte und ein umfassendes

* *

Seite 4

Verifizierungssystem festschreiben. Darüber hinaus
müssen wir Maßnahmen ergreifen, um größere militärische Offenheit und Stabilität in einzelnen Regionen
sowie Beschränkungen für die Zeit nach der Herstellung gleicher Streitkräfteniveaus zu erzielen. Beim
KSZE-Prozeß müssen wir den Schwierigkeiten, die
sich aus der Vereinigung beider deutscher Staaten
ergeben und insbesondere den Bedenken der Nachbarstaaten besondere Aufmerksamkeit widmen. Und
wir sollten die Suche nach Mechanismen fortsetzen,
mit denen sich Mißverständnisse oder Konfrontationen vermeiden lassen. Wir müssen unter Umständen
alternative Verhandlungsformen für Abkommen zur
konventionellen Rüstungsreduzierung finden, wenn
es unmöglich werden sollte, diese Verhandlungen auf
der Grundlage eines Gleichgewichts der Blöcke fortzusetzen.
Kürzlich haben wir im Rahmen unserer Wiener Verhandlungen über Vertrauensbildende Maßnahmen ein
Seminar über Militärdoktrinen durchgeführt, an dem
hochrangige Offiziere aller europäischen Länder, der
Vereinigten Staaten und Kanadas teilnahmen. Trotz
aller Anzeichen für das "alte Denken" ergab sich
jedoch im Laufe der Gespräche, daß es an der Zeit ist,
in unserem militärischen Denken die Annahmen der
Vergangenheit über Bord zu werfen. Eine Reihe neuer
Ideen tauchte auf, und es entwickelte sich ein sehr
nützlicher Dialog. Er war ein Spiegelbild der heutigen
Zeit und vermittelte die Botschaft, jetzt bestehe Bedarf
für eine Sicherheitspolitik mit Bedeutung für Gegenwart und Zukunft.
Die Vereinigten Staaten müssen in absehbarer Zukunft zweifellos eine wichtige Rolle in Europa spielen.
Die Niveaus der US-Streitkräfte können verringert
werden, wenn die Umstände - vor allem Rüstungskontrollabkommen - das gestatten, aber das Engagement
und die Koppelung an amerikanische strategische
Streitkräfte sollte beibehalten werden. Der Präsident
hat eindeutig klargestellt, daß US-Streitkräfte solange
in Europa bleiben, wie sie notwendig und erwünscht
sind. Aber die Vereinigten Staaten sollten auch eine
wichtige politische und wirtschaftliche Rolle spielen
und partnerschaftlich mit Westeuropa eine Zukunft in
Wohlstand, Freiheit und Frieden garantieren.
Ich danke Ihnen.
•

* *

*

AMERIKA DIENST 15

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10814">
                <text>18.04.1990</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10815">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10816">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10817">
                <text>Amerikadienst 18.04.1990</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10818">
                <text>&lt;strong&gt;1. Umwelt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präventivmaßnahmen gegen Treibhauseffekt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wissenschaftsberater des Präsidenten erläutert Maßnahmenkatalog&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ziele der Konferenz über globale Umweltveränderungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht des Weißen Hauses&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Bush/Thatcher Treffen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush&amp;nbsp; für uneingeschränkte Souveränität Deutschlands&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Pressekonferenz von Präsident Bush und Premierministerin Thatcher&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. KSZE&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;KSZE und NATO unerlässlich für Europa&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Maresca&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="1808" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="1819">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/6c1bc4e4191026ff266ada564528b894.pdf</src>
        <authentication>f0ab1ad69fff2fff5b11ec8dcfc9a1d1</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="9165">
                    <text>Information
und
Dokumentation

I

United States Information Service

21

18.Mai 1983

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan: USA sind dem Ziel der Nichtweiterverbreitung von
Kernwaffen verpflichtet
- Botschaft des Präsidenten an den amerikanischen Kongreß
Schreiben Reagans an Mitglieder des Senats zum Thema
Rüstungskontrolle
- Wortlaut Ziel der Sowjetunion ist die Zerstörung der NATO
- US-Verteidigungsminister Weinberger im Gespräch mit
europäischen Journalisten Offener Brief Trudeaus zur Erprobung der Marschflugkörper
in Kanada
- Wortlaut -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Neuer Katalysatortyp steigert Ausbeute an synthetischen
Kohlenwasserstoffen

Um Uber/endung von
ßckgcHcmpfcwcn
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40

�i mIE 1Kh

1Dl El ST3
1

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

21

18. Mai 1983

REAGAN: USA SIND DEM ZIEL DER NICHTWEITERVERBREITUNG VON
KERNWAFFEN VERPFLICHTET
• Botschaft des Präsidenten an den amerikanischen Kongreß

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat am 11. Mai 1983 unterstrichen,
daß die Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen (Nonproliferation) ein grundlegendes Sicherheitsziel der Vereinigten Staaten ist.
In einer Botschaft an den amerikanischen Kongreß erklärte der Präsident,
seine Regierung habe dieses Ziel aktiv verfolgt, indem die wesentlichen Maßnahmen zur Nichtweiterverbreitung verstärkt und neue Mittel und Wege erarbeitet wurden, um diese Interessen der USA zu fördern.
Die Botschaft Reagans, die dem Kongreß zusammen mit einem Bericht über
die Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen übermittelt wurde, hat folgenden
Wortlaut:
Die Verhinderung der Weiterverbreitung von Kernwaffen ist ein seit langem bestehendes und grundlegendes Sicherheitsziel.

Meine Regierung ist

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Meine Regierung ist diesem Ziel mit allem Nachdruck verpflichtet und hat es
aktiv verfolgt, indem sie die wesentlichen Maßnahmen zur Nichtweiterverbreitung verstärkt und neue Mittel und Wege erarbeitet hat, um unsere Interessen
der Nichtweiterverbreitung gegebenenfalls zu fördern.
Wie ich in meiner Erklärung vom 31. März betont habe, müssen die Bemühungen, der Weiterverbreitung von Kernwaffen Einhalt zu gebieten, verstärkt
werden, soll die Rüstungskontrolle umfassend sein und die Sicherheit der Welt
gefördert werden.

Wir setzen unsere Anstrengungen mit anderen Ländern im Hin-

blick auf die Notwendigkeit dringender Schritte fort, die Maßnahmen gegen eine
Weiterverbreitung von Kernwaffen zu stärken.
Die Maßnahmen der amerikanischen Regierung bezüglich der Nichtweiterverbreitung und der friedlichen nuklearen Zusammenarbeit im Jahr 1982 sind
in dem Bericht aufgeführt, der aufgrund des Abschnittes 601 des Gesetzes über
die nukleare Nichtweiterverbreitung aus dem Jahr 1978 (Public Law 95-242)
vorgelegt werden muß.
Der Bericht wurde vom Außenministerium in Zusammenarbeit mit anderen
zuständigen Ministerien und Behörden erstellt.

+ + + + +

�1mIE
[

DlEl

1J

Sl

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

21

18. Mai 1983

SCHREIBEN REAGANS AN MITGLIEDER DES SENATS ZUM THEMA ROSTUNGSKONTROLLE
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 12. Mai 1983 in
einem Schreiben an die Senatoren Charles Percy, Sam Nunn und William
Cohen erklärt, daß das Prinzip einer beiderseitigen Rüstungsverringerung
- Verschrottung einer höheren Anzahl alter Waffen als die Anzahl der neu
dislozierten - nützlich sei, wenn es flexibel formuliert und angewandt
sowie im Kontext des modifizierten START-Vorschlags ausgehandelt werde.
Das Schreiben des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Ich danke Ihnen für Ihren jüngsten Brief zum Thema unseres strategischen Modernisierungsprogramms und seines Verhältnisses zu unseren Rüstungsvorschlägen. Ihr Schreiben zeigt jenen überparteilichen Geist, der
meiner Meinung nach dazu beitragen wird, unsere gemeinsamen Ziele zu erreichen: Die Sicherstellung wirksamer Abschreckungsstreitkräfte und ausgeglichene und verifizierbare Rüstungsverringerungen.
Grundlegendes Ziel der Vereinigten Staaten bei den Verhandlungen, die
die Rüstungsverringerung betreffen, und insbesondere bei unserer Haltung

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�unserer Haltung in den START-Verhandlungen, ist es, Vereinbarungen anzustreben, die die Sicherheit und die Stabilität durch eine Verringerung
des Gesamtumfangs der Streitkräfte erhöhen und gleichzeitig die für eine
glaubwürdige Abschreckung notwendige Modernisierung der amerikanischen
Streitkräfte erlauben würde.
Wie Sie wissen, hat die Scowcroft-Kommission festgestellt, daß Elemente unserer START-Vorschläge mit den Ergebnissen der Kommission in
Einklang stehen und diese unterstützen. Ich stimme von ganzem Herzen dem
zentralen Thema der Kommission hinsichtlich der Rüstungskontrolle zu:
Erzielen einer Stabilität auf dem niedrigstmö'glichen Umfang der Streitkräfte.
Die Empfehlungen der Scowcroft-Kommission zu Modernisierung und Rüstungskontrolle stehen in organischer Beziehung zueinander. Unsere Maßnahmen im Hinblick auf diese Empfehlungen müssen gleichermaßen umfassend sein.
Aus diesem Grund wird derzeit von mir eine Überprüfung unseres START-Vorschlags in der Absicht durchgeführt, Änderungen zu entwerfen, wie sie notwendig sind, um die von mir geteilte Haltung der Kommission widerzuspiegeln.
Um nur ein Beispiel zu nennen: Der Bericht der Kommission empfiehlt,
daß die vorgeschlagene Begrenzung bei den dislozierten ballistischen Raketen, wie sie derzeit in der amerikanischen START-Position enthalten ist,
einer Überprüfung unterzogen wird, da sie nicht in Einklang mit der wünschenswerten Entwicklung in Richtung auf kleine Interkontinentalraketen
(ICBM) mit nur einem Sprengkopf steht.
Zur Einarbeitung dieser und anderer Empfehlungen der Kommission in
unsere Position hinsichtlich der Rüstungsverringerungen steht uns eine
ganze Reihe von alternativen Möglichkeiten zur Verfügung. Bei der Modifizierung unseres START-Vorschlags werde ich auch weiterhin Stabilität
auf dem niedrigstmöglichen Streitkräfteumfang anstreben.
Die von

�Die von meiner Administration vorgeschlagene Dislozierung der
"Friecenswahrer"-Raketesteht im Einklang mit der langfristigen Zielsetzung
des Berichtes der Scowcroft-Kommission. Die "Friedenswahrer"-Rakete, disloziert in einer Mischung mit kleinen ICBM mit nur je einem Gefechtskopf,
würde es uns ermöglichen, die Wirksamkeit unserer Abschreckung beizubehalten und die Stabilität zu erhöhen.
Lassen Sie mich gleichzeitig betonen, daß wir keine Erstschlagkapazität anstreben. Zu diesem Zweck haben wir die von uns für eine Dislozierung geplante Menge von "Friedenswahrer"-Raketen auf ein Mindestmaß begrenzt, wie sie nötig ist, um die Wirksamkeit unserer Abschreckung zu garantieren - nichts weiter.Unsere Aufgabe war

natürlich viel leichter,

wenn die Sowjets einer Zusammenarbeit mit uns zustimmen würden, um das Verhältnis von treffgenauen Gefechtsköpfen zu Raketensilos zu verringern.
Es liegt auf der Hand, daß der Gesamtumfang der "Friedenswahrer"Dislozierung im Einklang mit den Erfordernissen unserer nationalen Sicherhiet von den strategischen Programmen der Sowjets und von den Vereinbarungen über Rüstungsverminderungen beeinflußt wird.
Außerdem bin ich mir voll der zentralen Rolle bewußt, die die kleinen, nur mit einem Gefechtskopf bestückten ICBM bei dem in dem Bericht
der Scowcroft-Kommission empfohlenen Gesamtmodernisierungsprogramm spielen.
Wir werden sogleich eine umfassende Anstrengung unternehmen, um den Vorschlag einer kleinen, nur mit einem Gefechtskopf ausgerüsteten Interkontinentalrakete mit höchster Priorität zum Tragen zu bringen.
Bei ihren Erwägungen hinsichtlich der Durchführung des ICBM-Modernisierungsprogramms in seinen wesentlichen Teilen kam die Scowcroft-Kommission zudem zu der Ansicht, daß in den kommenden Monaten eine Reihe von
Entscheidungen - sowohl der Exekutive als auch des Kongresses - notwendig
seien, um die künftige Gestalt unserer ICBM-Streitmacht festzulegen.
Weiterhin stellte
- 3 -

�Weiterhin stellte sie fest, daß nicht alle diese Entscheidungen im
Jahre 1983 getroffen werden könnten oder sollten. Die wohl abgewogene Art
der Entscheidungsfällung, wie sie von einer Reihe von Kongreßmitgliedern
vorgeschlagen wurde, steht voll in Einklang mit den Intentionen des Berichtes der Scowcroft-Kommission. Ich bin mir völlig der Tatsache bewußt,
daß ein dauerhafter Konsens bei einer solch wichtigen Frage sorgfältig
hergestellt werden muß, und ich beabsichtige, mir die Zeit zu nehmen, um
einen solchen dauerhaften Konsens zu schaffen.
Ich möchte jedoch alle Betroffenen darauf hinweisen, daß sie an eines
denken sollten: Wenn wir unsere kritischen Elemente des Entscheidungsfindungsprozesses unnötig lange währen lassen, so werden wir die Sowjets nur
dazu ermutigen, die Verhandlungen zu verzögern, während sie gleichzeitig
mit ihren eigenen Waffenmodernisierungsprogrammen fortfahren.
Um dies zu verhindern, erbitte ich vom Kongreß ein deutliches Zeichen
der Unterstützung, um die Entschlossenheit der Vereinigten Staaten zu signalisieren. Hierzu gehört die offenkundige Notwendigkeit, rasch die Mittel
zu bewilligen, um die "Friedenswahrer"-Raketen zu beschaffen. Gemeinsam
sollte dies erreichbar sein, während gleichzeitig unserem beiderseitigen
Wunsch entsprochen wird, die Probleme de; Dislozierung, wann immer möglich,
auf sorgfältige, überlegte Weise zu lösen.
Sie haben erwähnt, daß bestimmte zusätzliche Initiativen dabei hilfreich sein könnten, uns auf unsere Ziele der Sicherheit und Stabilität bei
einem verminderten Streitkräfteumfang hinzuführen. Eine der hervorstehendsten dieser Initiativen ist der Gedanke eines "garantierten Abbaus".
Das Prinzip eines beiderseitigen Abbaus, wenn flexibel formuliert
und angewendet sowie im Kontext unseres modifizierten START-Vorschlags
ausgehandelt, wäre ein nützliches Mittel, um die Verringerung zu erreichen,
die wir alle anstreben.
Es würde

�Es würde, wenn korrekt angewendet, unsere Absicht unterstützen, die
Anzahl der Gefechtsköpfe bei ballistischen Raketen auf beiden Seiten zu
begrenzen und beide Seiten dazu zu bringen, dieses Niveau im Laufe der
Zeit stetig und beträchtlich herabzusetzen.
Es könnte von beiden Seiten flexibel und mit einem vernünftigen Spielraum angewendet werden, um die Streitkräfte ausgewogen zu machen, die disloziert und reduziert werden. Je nach Notwendigkeit würden variable Bezugsgrößen eher zu stabilisierenden als zu weniger stabilisierenden Systemen
ermutigen.
Es könnte auch in Verbindung mit einer vereinbarten Untergrenze angewendet werden, die - wäre sie einmal erreicht - eine Aufhebung der AbbauVereinbarung und damit Neuverhandlungen auslösen würde.
Wie auch Sie darauf hinweisen, muß ein jegliches Konzept des Abbaus
die Bedeutung der strategischen Modernisierung und die Notwendigkeit anerkennen, während des Abbauprozesses ein Gleichgewicht aufrechtzuerhalten,
um der Tatsache der Asymmetrie zwischen den amerikanischen und den sowjetischen Streitkräften Rechnung zu tragen.
Erforderlich wären natürlich auch Vereinbarungen über wirksame Verifizierungsmaßnahmen - einschließlich Zähl regeln für alle Systeme.
Meine Administration untersucht derzeit die Struktur eines Abbau-Vorschlags, der diesen Kriterien gerecht und ein START-Abkommen erleichtern
würde, das beträchtliche Verringerungen bei den Nuklearwaffen umfaßt. Ich
werde mit Ihnen und Ihren Kollegen bei der Entwicklung eines solchen Vorschlags zusammenarbeiten.
Zum Schluß möchte ich noch den ganz außergewöhnlichen Beitrag erwähnen, den die Scowcroft-Kommission geleistet hat. Er bot die Gelegenheit für die überparteiliche Analyse einer überaus schwierigen Frage als

- 5 -

�Frage als ersten Schritt in Richtung auf die notwendige Liberparteiliche
Unterstützung der dringend notwendigen Modernisierung unserer strategischen Streitkräfte.
Ohne Einzelheiten oder den zeitlichen Ablauf vorzuschreiben, unterbreitet der Bericht der Kommission Richtungen, die bei der weiteren Entwicklung unserer ergänzenden Strategie für die Rüstungsverringerung eingeschlagen werden könnten. Kurzfristig werden weiterführende Vereinbarungen,
zu denen Mitglieder der Kommission herangezogen werden, sowie eine enge
Koordination mit dem Kongreß sowohl technisch als auch politisch äußerst
hilfreich sein, wenn es darum geht, diese Entwicklung zu Ende zu denken.
Wir werden natürlich sorgfältig abwägen, um herauszufinden, welche Vereinbarungen unseren gemeinsamen Zielen am besten gerecht werden.
In dieser Hinsicht scheint mir ein Ausschuß überparteilicher Zusammensetzung und mit wechselnder Besetzung das Beste zu sein, um in diesem
Bereich Rat und Kontinuität sicherzustellen.
Ich werde, auf der Erfahrung der Scowcroft-Kommission aufbauend, mit
dem Kongreß zusammenarbeiten, um den Konsultativ- und Beratungsprozeß zu
stärken und zu ergänzen, damit im Bereich der Rüstungskontrollinitiativen
ein dauerhafter, nationaler, überparteilicher Konsens sichergestellt wird
- ein Konsens, der es verdient, von einer Administration zur nächsten gewahrt zu werden.
+ + + + +

- 6 -

�18. Mai 1983

ZIEL DER SOWJETUNION IST DIE ZERSTÖRUNG DER NATO
US-Verteidigungsminister Weinberger im Gespräch mit
europäischen Journalisten

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Verteidigungsminister Caspar
W. Weinberger erklärte bei einem Informationsgespräch mit eurnDäischen
Korrespondenten am 27. April 1983 in Washington, das größte Ziel der Sowjetunion sei die Zerstörung des Atlantischen Bündnisses.

Weinberqer

gab seiner Überzeugung Ausdruck, daß Moskau "nahezu alles tun werde",
um die Dislozierung von neuen Raketen des Typs PERSHING II und von bodengest'ützten Marschflugkörpern in Europa zu verhindern, die zur Modernisierung des Waffenarsenals der NATO vorgesehen sind.
Die Sowjetunion, betonte Weinberger in einem Gespräch mit den
Journalisten, möchte ihr Monopol bei den weitreichenden Mittelstreckenraketen aufrechterhalten.
Die Fragen der Journalisten und die Antworten Weinbergers haben,
um einige weniger wesentliche Fragen und Antworten gekürzt, folgenden
Wortlaut:
Frage: Gestatten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Frage: Gestatten Sie mir, einen Satz aus Vizepräsident Walter
Mondales gestriger Ansprache vor Zeitungsverlegern herauszugreifen, in
der er sagte, das atomare Wettrüsten könne niemals gewonnen werden. Meine
Frage geht dahin: Fassen Sie je den Stop eines solchen Wettrüstens ins
Auge, oder werden sie ihn je ins Auge fassen? Wenn ich das frage, möchte
ich damit nicht Antwort: Ob ich was je ins Auge fassen werde?
Antwort: Eine Art von Stop, wenn Sie es so wollen, der Eskalation des Antwort: Des Wettrüstens?
Frage: Ja!
Antwort: Ja, gewiß. Wir haben zwei Punkte in Genf auf dem Verhandlungstisch; Vorschläge, die die weitere Ansammlung von Kernwaffen auf beiden Seiten beenden oder ganz erheblich vermindern würden; und das gilt auch für konventionelle Waffen und für Mittelstreckenraketen. Dies sind Methoden, das
Wettrüsten aufzuhalten. Aber man kann solche Verhandlungen nur mit Erfolg
führen, wenn man über genügend Stärke verfügt, um den Sowjets einen Anreiz
fü; Reduzierungen zu bieten, Ich bin der festen Meinung, daß dies möglich
ist. Ich meine, es muß geschehen. Und ich möchte sehr hoffen, daß die Sowjets in einigen dieser Verhandlungen eine entgegenkommendere Haltung einnehmen werden, als bisher ....
Frage: Ich möchte Ihnen eine Frage im Zusammenhang mit dem Problem der
Gefechtsköpfe stellen, die unter anderem von der Scowcroft-Kommission aufgeworfen wurde. Viele Leute meinen, daß es im gegenwärtigen Augenblick
ein wesentlicher Fortschritt wäre, wenn man sich angesichts der Situation
bei der Kernwaffen auf Raketen mit nur einem Gefechtskopf einigen würde.
Damit würden die Kernwaffenarsenale wesentlich verringert und gleichzeitig die Stabilität verbessert werden. Was ist Ihre Meinung hierzu?
Antwort: Es

�Antwort: Es handelt sich um die kleine, mit nur einem Gefechtskopf
ausgestattete Rakete, nicht wahr?
Frage: Nicht nur das, sondern darüber hinaus auch um andere Raketen
mit nur einem Gefechtskopf.
Antwort: Mit nur einem Gefechtskopf.
Frage: Fortfall der MIRVs, der Mehrfachgefechtsköpfe?

Antwort: Sie sollten sich allem voran, meine ich, die grundlegenden
Kriterien vor Augen halten, die der Präsident aufgestellt hat. Sie besagen,
daß wir nachdrücklich für eine Verringerung der Kernwaffen, in der Tat aller Waffen, auf einen Umfang sind, der uns die Parität oder Gleichgewichtig
keit einbringt und vollkommen verifizierbar ist. Das Abgehen von den Gefechtsköpfen, von Mehrfachgefechtsköpfen, und der Übergang auf Einzelgefechtsköpfe wurde als ein Schritt empfohlen, der durch die Scowcroft-Kommission sehr sorgfältig und gründlich sondiert werden müsse; und das geschieht gegenwärtig. Wir verfügen im Augenblick über keine leichte,

mobile

Rakete mit nur einem Gefechtskopf. Wir müßten eine solche von interkontinentaler Reichweite erst noch entwicklen. Man wird - wie wir hoffen - die
Scowcroft-Kommission, will sagen ihren Bericht, akzeptieren. Und wir werden mit der Entwicklungsarbeit beginnen. Dabei ist zu bedenken, daß die
Zahl der Gefechtsköpfe mehr oder weniger eine Funktion der Zahl der Ziele
ist. Deshalb gilt es, den Blick auf die Zahl der Ziele zu richten, die zu
erfassen sind, um eine wirksame Abschreckung aufrechtzuerhalten. Das soll
nicht besagen, daß wir je auf diese Ziele zu feuern oder sie je zu treffen
wünschen. Wir müssen aber in der Lage sein, die andere Seite zu überzeugen.
Die Abschreckung besteht darin, was sich die Sowjets vorstellen. Die Sowjets müssen sich also vorstellen können, daß wir über die Fähigkeit
verfügen, ihnen nach einem Ertsschlag durch sie - wir würden einen Erstschlag nie ausführen - hinreichend Schaden zuzufügen vermögen. Aber auch
- 3 -

�Aber auch nach einem Erstschlag durch sie, darüber müssen sie sich klar
sein, verfügen wir über genügend Stärke, über genügend Vergeltungsstärke,
um ihnen so großen Schaden zuzufügen, daß sie den Erstschlag besser unterlassen. Das läßt sich auf mehreren Wegen dartun. Es läßt sich über Mehrfachgefechtsköpfe erreichen oder über eine größere Zahl von Raketen mit
Ei nzelgefechtsköpfen.
Raketen mit Einzelgefechtsköpfen bieten in einem gewissen Sinne mehrere Vorteile, insofern als jede einzelne Rakete ein weniger kostspieliges
Ziel darstellt als eine Rakete mit zehn Gefechtsköpfen - oder im Falle der
Sowjetunion mit 20 Gefechtsköpfen. Das also kann man als einen Vorteil
ansehen.
Die wirkliche Lösung ist aber meiner Meinung nach sogar einfacher.
Sie ist vielleicht schwerer zu erreichen, ja sie wird sicher schwerer zu
erreichen sein. Eine wirkliche Lösung liegt darin, eine drastische Verminderung der Atomrüstung auf beiden Seiten - der Gefechtsköpfe, der Traglasten und der Sprengkraft zu erreichen - was nach meinem Dafürhalten die
wirksamste Methode zur Bemessung und Verwirklichung wäre drastische Verringerung auf beiden Seiten bis herab zu dem Punkt zu erreichen, an dem
Gleichheit eintritt und an dem sie verifizierbar werden. Das aber bedeutet
Verifizierung an Ort und Stelle, die wir immer angeboten haben und in die
die Sowjets nie eingewilligt haben. Das ist die Methode, nach der wir
meiner Meinung nach einen wirklichen Fortschritt im Abbau der Bedrohung
durch diese Waffen erlangen können.
Und was die Langstreckenraketen auf lange Sicht angeht,- und damit gehe ich weit von Ihrer spezifischer Frage ab - steht alles in den Sternen.
Und damit meine ich die Zahl der Jahre, die es dauern wird - dies und
nichts anderes - bis es uns, wie wir zuversichtlich hoffen, gelingen wird,
eine brauchbare Verteidigung gegen diese Ar + von Raketen zu entwickeln,
und daß diese Verteidigung zuverlässig genug ist, um die Bedrohung, die

- 4 -

�Bedrohung, die sie in die Welt getragen haben, den Terror und die Schrekken abzuwenden. Das ist eine Frage, an der wir weiter arbeiten müssen
und auf di\ wir uns weiter konzentrieren müssen. Wir sind uns aber darüber
im klaren, daß sie erst in einer Reihe von Jahren akut wird, daß wir gegenwärtig über eine solche Möglichkeit nicht verfügen und daß wir unsere Abschreckungskräfte als einen strategischen Schirm die ganze Zeit über beibehalten werden. Wir arbeiten daran, und wir haben eine Menge Arbeit
geleistet. Auch die Sowjets haben eine Menge Arbeit geleistet;

es han-

delt sich um ein erreichbares Ziel, nicht aber um ein Ziel, das wir schon
erreicht haben.
Ich halte den Aufruf des Präsidenten, weitere Schritte zu unternehmen
und diesem Projekt höhere Priorität einzuräumen, für äußerst wichtig. Hier
zeigt sich uns eine Angelegenheit, die ihn - wie ich weiß - seit Jahren,
seit vielen Jahren schon interessiert: die Verteidigung. Das ist einer der
Gründe, aus denen er sich für die Methode der Stationierung in dichten Bündeln entschieden hatte, weil diese Methode angesichts des derzeitigen Standes der Abwehr ballistischer Raketen die ist, die sich am besten für Verteidigungszwecke eignet. Das liegt aber alles weit weg von unserer Ausgangsfrage nach den Raketen mit nur einem Gefechtskopf. Die Beschränkung auf
nur einen Gefechtskopf ist eine weitere Methode, die Abschreckung zu gewährleisten; sie erfordert allerdings sehr weiträunige Dislozierungen und
eine sehr große Zahl von solchen Raketen. Wir müßten dann aber unsere Haltung in einigen der Gespräche über den Rüstungsabbau, bei denen man sich
bisher auf Startanlagen anstatt auf die Zahl der Gefechtsköpfe konzentrierte, in mancher Hinsicht ändern.
Frage: Herr Minister, ich habe eine Frage. Trifft die Feststellung zu,
daß die Doktrin der flexiblen Antwort aufgrund des relativ niedrigen Grades des Vorbereitetseins der NATO auf dem Gebiet der konventionellen
Waffen Schwachstellen aufweist?
Antwort: Die

�Antwort: Die NATO bedarf größerer Stärke im Bereich der konventionellen Verteidigung. Das ist einer der Gründe dafür, daß wir nach neuen Technologien suchen, sehen wir doch darin eine Möglichkeit, die Stärke im konventionellen Bereich zu mehren, ohne die Mannschaftsstärken zu erhöhen
und sehr große stehende Heere zu erhalten, was die Völker in unserer Art
von Ländern, was unsere Gesellschaften nicht so gerne hätten. Wir brauchen aus einer Reihe von Gründen eine stärkere konventionelle Verteidigung.
Einer von ihnen ist genau der gleiche, der für die Abschreckung gilt und das schon, wie ich meine, seit Jahren. Eine der großen Stärken der
NATO besteht darin, daß sie ein Maß an Abschreckungsstärke beibehalten hat,
sowohl bei den strategischen als auch bei den konventionellen Waffen, das
vor einem Krieg abzuschrecken vermochte - und zwar seit 34 Jahren.
Von entscheidender Bedeutung ist, daß dies weiter so bleibt.
Gefährlich ist, daß die Sowjets, sollten sie auf irgendeinem Gebiet
einen hinreichenden Vorsprung erlangen, meinen könnten, das Risiko eines
Vorstoßes wäre nicht allzu groß. Man muß diese Dinge ständig vom Standpunkt
der sowjetischen Planer aus betrachten: Was reicht aus, sie davon zu überzeugen, daß sie einen Erstschlag besser nicht auslösen sollten.
Das andere Problem, das mit dem Versäumnis einhergeht, hinreichende
konventionelle Stärken aufrechtzuerhalten, ist die Tatsache, daß viele Leute in der Vergangenheit meinten, die sowjetische konventionelle Stärke sei
so groß, daß ein sowjetischer Angriff mit konventionellen Waffen in kurzer
Zeit schor zu einer Entgegnung mit nuklearen Waffen eskalieren müsse; das
wiederum wollen wir auf keinen Fall. Wir wollen ein hinreichendes Maß an
konventioneller Stärke aufrechterhalten - vor Ort und auch interkontinental -, damit es zu einem derartigen Angriff erst gar nicht kommt.
Frage: Darf ich Ihnen zwei Fragen stellen, als eine Art Anschlußfrage
im Zusammenhang mit Ihrem Wunsch, unsere konventionelle Verteidigung zu
stärken: Welches Ergebnis erwarten Sie von der Überprüfung der taktischen
nuklearen Arsenale, die die NATO gegenwärtig hinsichtlich der vorhandenen

�der vorhandenen Typen, der Bestände und der Zeitplanung unternimmt - können Sie dazu etwas sagen?
Antwort: Ich halte es für wichtig, daß man die Kapazitäten in allen
Bereichen überprüft. Eine fortgesetzte Überprüfung ist angezeigt. Ich halte jede uns zu Gebote stehende neue Technologie als Stärkung unserer konventionellen Bewaffnung für wichtig, um unsere Streitkräfte auf diese Art
und Weise gewissermaßen multiplizieren zu können; das ist die wohl beste
Methode. Was die taktischen Nuklearwaffen angeht, so haben die Sowjets
solche. Wichtig ist, daß auch wir moderne und wirksame Waffen in diesem Bereich bereithalten - nicht notwendigerweise in großen Mengen oder so.
Was wir aber tun müssen - und hier handelt es sich um einen fortwährend notwendigen Prozeß der Überprüfung - was wir also tun müssen ist, das
aufrechtzuerhalten, was ich diese schrecklichen Gleichungen nenne. Wir müssen fortgesetzt überprüfen, was die Sowjets haben. Nicht wir haben diese
Welt geschaffen. Wir verbergen nichts, und wir in der NATO hegen keine aggressiven Wünsche oder Absichten. Wir müssem versuchen, manchmal fast täglich, eine Gesamtrechnung aufzustellen, was wir auch tatsächlich zu tun versuchen: Grad der Stärke, Ausmaß der Abschreckung, Stärke der Vergeltung
und alles, was notwendig ist, einen eventuellen Angriff zum Stillstand zu
bringen - und das auf allen Ebenen. Die Sowjets haben sehr große taktische
Gefechtsfeld-Nuklearkapazitäten. Wir müssen dem etwas entgegenzusetzen haben. Wir wissen, daß sie einige Verträge auf dem Gebiet der chemischen und
biologischen Kriegführung gebrochen haben, und deshalb müssen wir, zögernd
zwar, auch auf diesem Gebiet gewisse Kapazitäten unterhalten.
Ich kann Ihnen keine spezifischen Zahlen nennen. Ich möchte nur sicherstellen, daß sich die Überprüfung der Stärken durch die NATO an der
Vorstellung dessen orientiert, was wir bedürfen, um einen Grad der Vergeltungsstärke aufrechtzuerhalten und leider so gut wie fortwährend, weil die
Sowjets sehr viel auf diesem Gebiet investieren. Diese Überprüfung hält

- 7 -

�Diese Überprüfung hält nun schon seit über 21 Jahren an, und nichts deutet darauf hin, daß wir sie je einstellen könnten. Was auch immer geschieht, die Wirtschaft, die Gallup-Umfragen bezüglich der Sowjetunion
oder die Anhörungen

durch den Kongreß und alle diese Dinge, sie kennen

keinen Stillstand. Und deshalb haben wir diese Überprüfungen als Fakcor
in unsere Gleichungen von den Entgegnungsmöglichkeiten einbezogen.
Frage: Darf ich Ihnen noch die andere Frage zum Thema der Mittelstreckenraketen stellen? Welche Faktoren sehen Sie als entscheidend für
die zeitliche Abfolge und die Art einer ernsthaften sowjetischen Eingehung auf unseren Vorschlag einer Zwischenlösung,auf die sogenannten Interimsvorschläge, vor? Wie meinen Sie, daß sich die Dinge hier entwickeln
werden?
Antwort: Ich weiß nicht. Voraussagen sind sehr schwer zu treffen.
Ich kann noch nicht einmal vorhersagen, was der Kongreß tun wird, ganz
zu schweigen, was die sowjetischen Verhandlungsführer tun werden?
Frage: Verzeihung. Was ich meine ist, daß jeder VerhandlungsfUhrende eine gewisse Vorstellung davon haben muß, was sein Gegenüber am Verhandlungstisch denkt.
Antwort: Nähme ich an den Verhandlungen teil - und nach meinem Dafürhalten denken einige unserer Leute so -, ginge ich davon aus, daß praktisch nichts geschehen wird, bis die bodengestützten Marschflugkörper und
die PERSHING II disloziert sind, daß die Sowjets am Verhandlungstisch bleiben und reden werden, daß sie uns aber nicht auf nützliche oder wirksame
Art und Weise entgegenkommen werden. Bisher jedenfalls haben sie das
nicht getan. Eine weitere Runde steht uns ja noch im Mai bevor. Ich hoffe,
daß ich mich irre - es würde mich freuen, sollte ich mich irren -, aber
nach meinem Dafürhalten sind die bisherigen öffentlichen Verlautbarungen
zu der vom Präsidenten vorgeschlagenen Zwischenlösung, der InterimsMethode, zur Erreichung der Null-Lösung nicht besonders günstig ausgefallen.

- 8 -

�günstig ausgefallen. Es gibt eine Menge Leute, die da meinen, Hauptziel
der Sowjets sei es, die Dislozierung der als Gegengewicht zur SS-20 vorgesehenen Waffen zu verhindern. Werden diese wirklich disloziert, und es ist
ganz klar, daß die Dislozierung nach Plan erfolgt, werden wir vielleicht
tatsächlich eine Art Gegenvorschlag erhalten. Das scheint logisch, weil die
Sowjets von einer Vereinbarung über eine Verminderung ihrer SS-20 etwas
profitieren müssen. Sie besitzen gegenwärtig nach der letzten von uns publizierten Zählung 351 SS-20 Raketen, und es kommen immer neue dazu. Jede von
ihnen hat drei Gefechtsköpfe. Sie sind sämtlich motorisiert und wiederverwendungsfähig. Die Sowjets haben es nicht nötig, irgendeiner Regelung zuzustimmen oder irgendwelche Verminderung vorzunehmen, solange es keine Gegenwaffe gibt; und es gibt sie wirklich nicht. Deshalb meine ich, daß wir diese
Dislozierungen vornehmen und klarmachen müssen, daß sie planmäßig voranschreiten, ehe wir auf etwas wie eine vernünftige oder nützliche entgegenkommende Antwort rechnen können.
Das diesbezügliche große Ziel der Sowjets steht vollkommen im Einklang
mit dem, was sie immer beabsichtigt haben. Sie versuchen, die NATO zu zerstören - schon von ihrer Gründung an, da dies eines ihrer Hauptprinzipien
ist. Die Versuche, die Vereinigten Staaten von Europa abzukoppeln, sind ein
weiterer Teil ihrer diesbezüglichen Anstrengungen. Sie versuchen ferner,
die Dislozierung jeder möglichen Gegenwaffe zu blockieren, um ihr Monopol
auf dem Gebiet der Mittelstreckenraketen aufrecherhalten zu können. Das
ist noch immer ihr Ziel, das zu verfolgen, sie nicht müde werden. Sie ändern
ihre Politik nicht alle drei oder vier Jahre und sie bewegen sich direkt auf
diesem Pfad voran
Frage: Ich möchte Sie nach zwei Dingen fragen. Begrüßen Sie die Tendenz, von der in Frankreich und in Europa sehr viel die Rede ist, nämlich
die europäischen Verteidigungskapazitäten von Jahr zu Jahr aufzustocken,
damit in Europa immer weniger von den Vereinigten Staaten abhängig wird,
und glauben Sie, daß die neuen französischen Militärprogramme in diesem
Rahmen einen Weg in diese Richtung oder einen Weg zurück in die NATO dar-

- 9-

�NATO darstellen?
Antwort: Zum ersten Teil der Frage scheint mir wichtig, daß wir alle
mehr hinsichtlich unserer Selbstverteidigung tun sollten, mehr, um uns
selbst stark zu machen, und mehr auch, um wirksame Verteidigungskräfte
aufzubauen. Nach meinem Dafürhalten bietet die NATO eine vorzügliche
Möglichkeit hierzu. Sie funktioniert und sie ist ein starkes Bündnis aus
freien, souveränen Ländern. Es wird natürlich immer Meinungsverschiedenheiten geben; das war in den 34 Jahren ihres Bestehens so und wird auch
in Zukunft so sein. Die NATO ist ein starker freier Zusammenschluß unabhängiger selbständiger Länder und als solches ein Bollwerk des Friedens
in Europa.
In dem Ausmaß, in dem ein Mitgliedland seine eigene Stärke mehrt,
ist dem meines Erachtens nur Beifall zu zollen. Ich sehe dies aber nicht
als einen Weg an, der die Vereinigten Staaten in die Lage versetzt, sich
zurückzuziehen oder irgendetwas derartiges zu tun. Ich glaube wir werden
uns immer, wir werden uns immer gegenseitig brauchen. Ich kann mir nicht
vorstellen, daß die Vereinigten Staaten in einer Welt fortbestehen könnten,
in der Europa überrannt worden ist. Und ich halte es für wichtig, daß jeder von uns auf einer völlig unabhängigen, aber in die Wechselseitigkeit
eingebundenen Basis die Verteidigung aller zu stärken hilft. In dem Maße,
in dem ein Land seine eigene Verteidigung stärkt, verbessert es seine
eigene Situation, gewiß aber auch die Weltsituation.
Nach meinem Dafürhalten besteht die wirksamste Methode, dies zu tun,
in einem geeinten und starken Bündnis, und ich meine und hoffe, daß wir
in Einsicht und Stärke fortbestehen und weiter wachsen können. Darin
liegt meines Erachtens für uns alle die beste Hoffnung, das abzuschrekken, was sich als eine gewaltige und rasch wachsende Stärke der Sowjets
auf allen Gebieten erwiesen hat, vor allem auf dem Gebiet der offensiven
Stärke, und so halte ich dafür, daß damit alles gesagt ist
Frage: Kennen
-10-

�Frage: Kennen Sie die genaue Zahl der SS-20, die gegen Ziele in
Europa und Asien gerichtet sind?
Antwort: Es gab nach unserer letzten, der Öffentlichkeit mitgeteilten Zählung 351 SS-20 mit je drei Gefechtsköpfen. Inzwischen wurden es
mehr. Neue SS-20 werden in stetig gleicher Zahl disloziert. Einige von
ihnen stehen östlich des Urals und sind gegenwärtig gegen Asien gerichtet. Die Mehrzahl von ihnen aber steht in Gebieten, von denen aus sie jedes Ziel in Europa zerstören können. Sie sind motorisiert und können innerhalb weniger Stunden an einen anderen Ort verbracht werden. Ihr tatsächlicher momentaner Standort ist mithin nicht so wichtig. Zudem besteht
noch die Möglichkeit der Wiederverwendung. Ältere Zählungen sind mithin
nicht gerade sehr relevant.
Die SS-20 ist eine tödliche Waffe, eine sehr zielgenaue Waffe, eine
Waffe ohne Gegenwaffe mit vergleichbarer Reichweite im Bereich der Mittelstreckenraketen und so halte ich es für entscheidend wichtig, daß wir
ein Gegengewicht für sie schaffen und daß wir die entsprechenden Raketen
so schnell wie möglich an Ort und Stelle bringen.
Die Bedrohung aber ist eine Bedrohung für ganz Europa. Sie ist eine
Bedrohung, die potentiell und tatsächlich heute auch gegen Asien disloziert ist. Die genaue Zahl an diesem oder jenem Ort ist wegen ihrer Mobilität irrelevant. SS-20 können rasch von einem Ort an einen anderen verlegt werden, und alle Angebote, eine gewisse Zahl von ihnen aus Europa
fortzuschaffen und nur auf Ziele in Asien zu richten, sind nicht nur irrelevant, sondern beunruhigen verständlicherweise die Asiaten.
Frage: Wie ernst ist Ihrer Meinung nach dip von den sowjetischen
Medien ausgesprochene Drohung, Raketenabschußbasen unweit der Vereinigten Staaten zu errichten, sofern die amerikanischen Raketen in Europa
disloziert werden und wie würden die Vereinigten Staaten und die NATO
auf diese Bedrohung reagieren oder antworten, sollte sie Wirklichkeit

- 11 -

�sie Wirklichkeit werden?
Antwort: Das sind Drohungen, die zuvor schon mehrmals ausgesprochen
worden sind, und ich habe keine Vorstellung davon, welcher Ernst ihnen zukommt. Wie schon gesagt, die Sowjets tun nach meinem Dafürhalten fast alles,
um die Dislozierung von Gegenwaffen zur SS-20 zu blockieren, weil sie ihr
Monopol behalten wollen. Wenn sie das sagen, versuchen sie allem voran jede
mögliche Art von Opposition dagegen auszulösen. Und nun erklären sie vor
einer Reihe unterschiedlicher Foren - offiziell und inoffiziell, abgesehen
davon, daß, wie ich vermute, alles, was von dort kommt, offiziell ist daß es zu weiteren Dislozierungen kommen werde, wenn die Dislozierung in
Europa erfolgt. Ich sehe keine Möglichkeit zu beurteilen, wie ernst dies
ist.
Und was das angeht, was wir tun würden, wenn die Sowjets mehr täten
als nur davon sprechen, darf ich sagen: Wir haben eine solche Situation
schon einmal gemeistert und ich kann mir vorstellen, daß wir abermals damit fertig werden.

+ + + + +

- 12-

�21

18. Mai 1983

OFFENER BRIEF TRUDEAUS ZUR ERPROBUNG DER MARSCHFLUGKÖRPER IN KANADA
- Wortlaut -

- (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir den Wortlaut eines offenen
Briefes des kanadischen Ministerpräsidenten Trudeau an die Öffentlichkeit
seines Landes, der am 10. Mai 1983 in zahlreichen Zeitungen Kanadas erschien.
Er befaßt sich mit der vorgesehenen Erprobung von Marschflugkörpern in
Kanada.
Der offene Brief hat folgenden Wortlaut:
In den letzten Monaten habe ich eine große Anzahl von Briefen und Petitionen erhalten, in denen gegen die eventuelle Erprobung von Marschflugkörpern in Kanada protestiert wird.

Weil es mir physisch unmöglich ist, all

denen persönlich zu antworten, die mir ihre Besorgnisse ausgedrückt haben,
erwiderte ich darauf in aller Öffentlichkeit, als ich im vergangenen Monat
anläßlich eines Essens zu Ehren von Vizepräsident Bush dazu Stellung nahm.
Weil diese ganze Frage auch weiterhin schwer auf dem Gewissen von Vertretern der Regierung und der Öffentlichkeit lastet, habe ich mich jetzt

�mich jetzt entschlossen, mich direkt mit Hilfe eines offenen Briefes an
die Kanadier zu wenden.

Zweck dieses Briefes ist es, die Position der kana-

dischen Regierung zur Erprobung der Marschflugkörper sowie zu der weitergehenden Frage der Abrüstung darzulegen.
Einleitend möchte ich darauf hinweisen, daß die Freiheit, solche Fragen zu erörtern und sich mit ihnen auseinanderzusetzen, unserer Demokratie
ihre Größe und Stärke verleiht; aber genau diese Freiheit kann uns angesichts
des sowjetischen Totalitarismus verwundbar erscheinen lassen.
In den letzten Jahren hat die Sowjetunion Hunderte von neuen SS-20-Raketen disloziert - jede mit drei nuklearen Gefechtsköpfen ausgestattet und
in der Lage, alle großen Städte in Westeuropa zu erreichen.

Und dennoch

hat es keinen bedeutsamen Protest der öffentlichen Opposition gegeben - weder innerhalb noch außerhalb der Sowjetunion.
Daß die sowjetische Bevölkerung gegen diese Maßnahme ihrer Führung nicht
protestiert hat, überrascht niemanden.

Was allerdings überrascht, ist die

Tatsache, daß diejenigen Kreise im Westen, die gegen neue Kernwaffen opponieren, relativ schweigsam waren im Hinblick auf die Stationierung der SS-20.
Ganz im Gegenteil:

Sie gehen nunmehr auf die Straße, um gegen die mögliche

Dislozierung von amerikanischen PERSHING II-Raketen und von Marschflugkörpern
zu protestieren, die Europa gegen die sowjetische Nukleardrohung schützen
sollen.
Was in Kanada insbesondere überrascht, ist die Tatsache, daß die Demonstranten gegen die mögliche Erprobung von Marschflugkörpern auf kanadischem Territorium protestieren, aber nicht dagegen, daß ähnliche Raketen
bereits in der Sowjetunion erprobt werden, wie dies im Dezember letzten
Jahres von Generalsekretär Andropow bestätigt worden ist.
Weil die Menschen in der freien Welt nicht die Macht haben, die Führung der Sowjetunion zu beeinflussen, liegt die Versuchung sehr nahe, ihre

�nahe, ihre Ängste und Besorgnisse mit aller Kraft gegen die einzigen Entscheidungsträger zu richten, die sensitiv gegenüber der öffentlichen Meinung sind, nämlich gegen die führenden Politiker der demokratischen Länder.
Nachdem sie zu der Überzeugung gelangt sind, daß es nutzlos ist, die SS-20Raketen zu verurteilen, finden diese Menschen es meiner Ansicht nach einfacher, sie schlicht zu vergessen.

Das merkwürdige Ergebnis dieser Vergeß-

lichkeit ist, daß es jetzt irgendwie möglich wird, die Sowjetunion nicht als
Aggressor hinzustellen, sondern als unschuldige Zielscheibe,, Dies zeugt von
einer merkwürdigen Bewußtseinsstörung und bedeutet eine völlige Umkehr der
Rollen - und die sowjetische Führung war sehr schenll dabei, dies für ihre
eigenen Zwecke auszunutzen.
Sie hofft offenbar, daß einseitige Informationen und einseitige Proteste zu einer einseitigen Abrüstung des Westens führen werden.

Ja, es gibt

schon in der öffentlichen Meinung Westeuropas Teile, die sich diese Politik
zu eigen gemacht haben.
Während der ersten Sondersitzung der Vereinten Nationen über Abrüstung
habe ich im Namen Kanadas eine Strategie des Im-Keine-Erstickens vorgeschlagen.

Diese Strategie sollte - selbst schon im Laboratorium - die Entwicklung

neuer Kernwaffensysteme zunichte machen.

Es lag auf der Hand, daß mein Vor-

schlag für beide Seiten oder für keine Gültigkeit haben mußte.

Ganz ohne

Frage wollte ich mit meinem Vorschlag nicht andeuten, daß der Westen einseitig abrüsten sollte.
Weil diese Strategie, die Dinge im Keime zu ersticken, von der Sowjetunion abgelehnt wurde, wie ja die anhaltende Dislozierung von SS-20-Raketen
zeigt - einer Waffe, die den SS-4- und den SS-5-Raketen weit überlegen ist -,
konnte natürlich nicht darauf gedrängt werden, daß die NATO-Länder allein
diese Strategie akzeptieren. Deshalb haben wir uns der Strategie des Doppelbeschlusses unserer NATO-Partner angeschlossen. Die beiden Teile des Beschlusses zielen einmal auf Verhandlungen über die Beseitigung der sowjetischen SS-20-Raketen und zum anderen auf die Vorbereitung der Dislozierung

- 3 -

�der Dislozierung neuer amerikanischer Raketen in Europa ab, um erstens die
Sowjets zu ernsthaften Verhandlungen zu drängen und um zweitens unsere europäischen Verbündeten nicht in einer verwundbaren Position zu belassen, sollten die Verhandlungen über die nuklearen Mittel Streckensysteme fehlschlagen.
Nachdem wir unsere Unterstützung für den Doppelbeschluß erklärt haben,
sollte Kanada seinen fairen Anteil an den Lasten tragen, die eine solche Politik dem NATO-Bündnis auferlegt.
Es ist kaum fair, sich auf den Schutz des Westens durch die Amerikaner
zu verlassen, sich andererseits aber zu weigern, sie zu unterstützen, wenn
sich die Dinge schwierig gestalten.

So gesehen grenzt der Antiamerikanismus

einiger Kanadier an Heuchelei. Sie sind zwar bestrebt, Schutz unter dem
amerikanischen Schirm zu suchen, möchten diesen Schirm aber nicht mithalten.
Wenn wir moralische Prinzipien hinsichtlich dieser Frage anwenden wollen, dann kann man sich sehr leicht in Positionen gefangen finden, die entweder zu kompliziert oder zu einfach sind. Die erstere kann uns lähmen, mit
der zweiten können wir uns etwas vorgaukeln.
In die Falle der Überkompliziertheit geraten jene, die darauf beharren, daß keine moralische Position gültig sei, die nicht jeden nur möglichen
künftigen Durchbruch auf dem Gebiete der nuklearen Waffentechnologie in Rechnung stellt und jede mögliche künftige Schwierigkeit bei der Aufdeckung der
Aktionen der anderen Seite. In die Falle der Übervereinfachung geraten jene,
die sich damit zufriedengeben, nur darüber zu sprechen, wieviel Schüsseln
voll Reis für die Kosten einer Rakete beschafft werden könnten, oder die die
Regierungen dafür verurteilen, daß sie überhaupt etwas für die Verteidigung
ausgeben.
Ich bestreite nicht, daß es ein Element der Wahrheit und der Gültigkeit
in einer bedingungslosen pazifistischen Position gibt.

Ich sage lediglich,

daß es allzu einfach ist, die reale, komplizierte und oft unmoralische Welt

- 4 -

�unmoralische Welt zu ignorieren, auf die unsere moralischen Entscheidungen
angewandt werden müssen.

Der Papst selbst hat dieser Tatsache in einer Bot-

schaft Rechnung getragen, die er im Juni vergangenen Jahres an die zweite
Abrüstungssondersitzung der Vereinten Nationen sandte.

"Unter den gegenwär-

tigen Verhältnissen", so schrieb er, "mag die auf Gleichgewichtigkeit gestützte Abschreckung - sicherlich nicht als Selbstzweck, sondern als Schritt
in Richtung auf eine progressive Abrüstung - immer noch als moralisch akzeptabel beurteilt werden."
Ich glaube, daß die sowjetischen Völker genauso den Frieden wünschen
wie die Völker der freien Welt.
schwer bewaffnet sind.

Aber ich weiß auch, daß die Sowjets überaus

Unter diesen Umständen wäre es nahezu selbstmörde-

risch für den Westen, eine Politik der einseitigen Abrüstung zu verfolgen
oder eine Politik, die die Entwicklung neuer Mittel der Selbstverteidigung
gegen die sowjetischen SS-20 im Keime ersticken würde.

Dies ist eine Art

der heroischen moralischen Entscheidung, die zwar ein Einzelmensch in seinem
persönlichen Leben trifft - aber hat irgendjemand das Recht, diese Entscheidung einer gesamten Nation oder der Gemeinschaft freier Länder aufzuerlegen?
Wenn es um die Entscheidung zwischen Standhaftigkeit oder Schwäche angesichts des Totalitarismus geht, dann sollte uns die Geschichte gelehrt haben,
daß die Weigerung, sein Leben für die Verteidigung der Freiheit zu riskieren,
bedeutet, den Verlust der Freiheit zu riskieren - ohne jede Garantie, daß
man dadurch sein Leben rettet.
Aus diesem Grunde hat die kanadische Regierung sich entschieden - nicht
ohne Besorgnisse oder ohne die volle Erkenntnis des Risikos -, sich unseren
NATO-Partnern bei der Verfolgung einer Politik der Stärke gegenüber der Sowjetunion anzuschließen.
Bei der Unterstützung des Doppelbeschlusses des Atlantischen Bündnisses
werden wir darauf bestehen, daß Fortschritte gleichzeitig im Hinblick auf
beide Teile dieses Beschlusses gemacht werden.

- 5 -

Diese Kombination von Stand-

�von Standhaftigkeit der Zielsetzung und der Bereitschaft, zu verhandeln,
scheint Früchte zu tragen, wie das jüngste Angebot von Generalsekretär
Andropow zeigt, die Anzahl der Gefechtsköpfe wie der Raketen in Rechnung
zu stellen.
Müssen wir nun annehmen, daß diese neue Flexibilität Andropows ein
ehrliches Zeichen des guten Willens ist?

Müssen wir ernsthaft glauben,

daß bei zwei Gelegenheiten seit dem Dezember vergangenen Jahres die Sowjets
öffentlich eine Reduzierung ihrer nuklearen Streitkräfte in Erwägung gezogen hätten, falls wir in unserer Entschlossenheit nachgelassen hätten?
Für mich ist die Antwort klar.

Es ist absolut wichtig, daß die Ver-

einigten Staaten mit ihren Anstrengungen fortfahren, über die Beseitigung
der SS-20-Raketen im Austausch gegen die Nichtdislozierung neuer amerikanischer Raketen in Europa zu verhandeln, oder zumindest doch über eine kleinere Anzahl von Raketen auf beiden Seiten.
Ich hoffe, daß meine Darlegung unserer Politik deutlich gemacht haben
wird, daß, wenn wir einer Zusammenarbeit bei der Erprobung des Leitsystems
der Marschflugkörper zustimmen, dies aufgrund unserer Solidarität mit den
anderen westlichen Demokratien geschieht - in einer Welt, die sich gegenüber der von uns vorgeschlagenen Strategie, diese Dinge im Keime zu erstikken, taub gezeigt hat.
Nachdem ich dies ausgeführt habe, möchte ich jedoch hinzufügen, daß
wir die Hoffnung auf die Beendigung des nuklearen Wettlaufs nicht aufgeben
sollten. Alle Menschen der Welt, ob sie nun Freunde oder Gegner sind, wollen ihr eigenes Leben sowie das Leben jener, die sie lieben, erhalten. Wenn
die Entdeckung der schrecklichen Geheimnisse des Atoms uns die Macht verleiht, unseren gesamten Planeten zu zerstören, dann gibt es doch noch eine
größere und mächtigere Kraft, die ihn retten kann:
Kindern und die Liebe zum Leben.

Unsere Liebe zu unseren

Daher bin

�Daher bin ich weiterhin der Überzeugung, daß unsere Strategie des
Im-Keime-Erstickens die beste Strategie ist.
gern sich, sie jetzt zu akzeptieren.

Die Großmächte der Welt wei-

Aber das wird uns nicht davon abhal-

ten, bei jeder sich bietenden Gelegenheit unseren Vorschlag zu wiederholen,
bis die Anerkennung seiner Wahrheit uns alle von moralischen Nöten und von
Furcht befreit.

+ + + + +

7 -

�18. Mai 1983

NEUER KATALYSATORTYP STEIGERT AUSBEUTE AN SYNTHETISCHEN
KOHLENWASSERSTOFFEN

- (AD) - Die Kohlehydrierung zur Gewinnung von synthetischen ölen
und von Benzin aus Kohle, eine Erfindung des deutschen Chemikers und Nobelpreisträgers Friedrich Bergius aus dem Jahr 1912, erhielt erst nach der
Einführung von Katalysatoren in den Prozeß durch Fischer und Tropsch im
Jahr 1925 und die technischen Weiterentwicklungen der Folgezeit wirtschaftliche Bedeutung. Während des Zweiten Weltkrieges war in Deutschland Kohle
die wichtigste Quelle für Kraftfahrzeug- und Flugzeugtreibstoffe, die nach
dem Fischer-Tropsch-Verfahren erzeugt wurden. Wie kürzlich Robert Huggins,
Professor für Werkstoffwissenschaften und Werkstoff techni'- an der StanfordUniversität (Kalifornien),erklärte, verlange heute der große Bedarf nicht
nur an öl und Treibstoffen, sondern auch an synthetischen Fasern und anderen Materialien neue Anstrengungen, um die Kohle als chemischen Grundstoff
besser zu nutzen. "Fast alle Synthesefasern werden derzeit aus Erdöl hergestellt. Wird dieses knapp, brauchen wir andere Ausgangsmateri lien sowohl für Fasern als auch für Kunststoffe."

Eine ganz wichtige Rolle in der sog. Kohleverflüssigung spielt der
Katalysator, der beim Fischer-Tropsch-Verfahren aus Nickel besteht, übri

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�besteht, übrigens kommen alle wichtigen Katalysatoren aus einer Gruppe
chemischer Elemente, die leicht Elektronen aufnehmen oder abgeben; es sind
Elemente der sog. Nebengruppe im periodischen System. In Anwesenheit von
Nickel werden Moleküle von Kohlenmonoxyd und Wasserstoff in großer Zahl
aufgebrochen, und Einzelatome von Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauersotff
lagern sich an der Oberfläche des Katalysators ab. Normalerweise gehen diese
Atome dann ohne besondere Schwierigkeiten Verbindungen ein und bilden Kohlenwasserstoffe (mit Methan als einfachster Verbindung) sowie Wasser.
An diesem Punkt setzten die neuen Entwicklungen von Professor Huggins
und seinem ehemaligen Schüler und jetzigen Mitarbeiter Turgut Gus ein mit
dem Ziel, die Ausbeute an Kohlenwasserstoffen zu vergrößern. Als Katalysator benutzten sie einen ""ig. Ionenleiter - einen Feststoff mit besonderer
Kristallstruktur, in dem Ionen (Atome mit elektrischer Ladung) den Stromfluß besorgen. Im Gegensatz dazu tun dies bei den Metallen und Halbleitern
die sehr viel kleineren Elektronen.
Huggins legt eine Spannung am Ionenleiter an. Dies bewirkt, daß die
an der Oberfläche des Nickelkatalysators haftenden Sauerstoffatome eine
elektrische Ladung bekommen, noch ehe sie Zeit hätten, sich mit Wasserstoff zu Wasser zu verbinden. Sie werden zu Sauerstoffionen. Man kann sie
nun von der Nickeloberfläche lösen und durch Anlegen einer elektrischen
Spannung durch den Ionenleiter "hindurchziehen". Schließlich werden sie
als Sauerstoffgas auf der anderen Seite freigesetzt.
Dieses kontinuierliche Entfernen oder "Pumpen" von Sauerstoff von der
Katalysatoroberfläche steuert den Umfang der Gesamtreaktion. Mit relativ
niedriger Spannung an der "Ionenpumpe" läßt sich die KohlenwasserstoffProduktion außerordentlich beschleunigen. Ein weiterer Vorteil dieses Verfahrens besteht darin, daß neben Kohlenwasserstoffen reiner Sauerstoff
als Nebenprodukt anfällt. Dieser ist, technisch gesehen, sehr viel wertvoller als das bei dem alten Verfahren anfallende Wasser.
Allerdings ist
- 2 -

�Allerdings ist der neue Prozeß nach Meinung von Professor Huggins
von einer kommerziellen Anwendung noch weit entfernt. Das Hauptproblem
liege gegenwä'rtig darin, daß der bisher benutzte Ionenleiter nur bei Temperaturen über 600 Grad Celsius optimal funktioniert.Aber in diesem Temperaturbereich sind mit Ausnahme von Methan alle Kohlenwasserstoffe instabil. Desha"^ müssen Ionenleiter-Materialien gefunden werden, die bei niedrigeren Temperaturen einsatzfähig sind, um die Gewinnung schwererer Produkte
zu ermöglichen.
Das zum Teil mit Geldern der Nationalen Forschungsstiftung (NSF) der
USA finanzierte Projekt geht auf Forschungen von Professor Huggins zur
katalytischen Zersetzung von Stickoxyden in Auspuffgasen zurück.

+ + + + +

- 3 -

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9162">
                <text>18.05.1983</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9163">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9164">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="13799">
                <text>Amerikadienst 18.05.1983</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="13800">
                <text>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: USA sind dem Ziel der Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen verpflichtet&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Botschaft des Präsidenten an den amerikanischen Kongress -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schreiben Reagans an Mitglieder des Senats zum Thema Rüstungskontrolle&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ziel der Sowjetunion ist die Zerstörung der NATO&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- US-Verteidigungsminister Weinberger im Gespräch mit europäischen Journalisten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Offener Brief Trudeaus zur Erprobung der Marschflugkörper in Kanada&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neuer Katalysatortyp steigert Ausbeute an synthetischen Kohlenwasserstoffen&lt;/p&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2044" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2055">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/55d518d716c70ef099e3934b4365321d.pdf</src>
        <authentication>288534a826e779f3579f09c3707b71d9</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="10237">
                    <text>AMERIKA DIENST
'VON

*

18.

19

Mai 1 9 8 8

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan 'zuversichtlich* ober die Zustimmung
- Pressekonferenz des Präsidenten -

des Senats zu INF

Shultz;
INF 'vorteilhaft" fflr Vereinigte Staaten und NATO
- Erklärung vor dem Auswärtigen Ausschuß des US-Senats Shultz; Technische Probleme der Verifizierung von INF gelSst
- Erklärung des amerikanischen Außenministers in Genf -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Neuer Tollwut-Impfstoff verbilligt die Behandlung
- Ein Produkt der Gentechnik -

* * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

19

18. Mai 1983
REAGAN "ZUVERSICHTLICH" ÜBER DIE ZUSTIMMUNG DES SENATS ZU INF
- Pressekonferenz des Präsidenten -

VIASHINGTON - '• \D) - Präsident Reagan erklärte, er sei "hoffnungsvoll und
zuversichtlich", cViß der Senat angesichts der Aufnahme seiner Debatte über den
INF-Vertrag am 17. Mai ebenfalls zu der Ansicht gelangt, daB es sich bei dem
Vertrag um einen 'diplomatischen Meilenstein" handelt und seine Zustimmung zur
Mitwirkung der Ver einigten Staaten geben wird.
Bei seinem übt rraschenden Auftritt im Besprechungszimmer des Weißen Hauses
am 17. Mai versprach der Präsident dem amerikanischen Volk ebenfalls einen umfassenden Bericht über die Verhandlungen zur Absetzung des panamaischen Machthabers Manuel Noriega und begrüßte die Verbesserungen in der amerikanischen
Außenhandelsbilanz.
Nachfolgend veröffentlichen wir den Text der Pressekonferenz:
Ich
möchte
heute
eine
kurze
Stellungnahme abgaben. Zunächst einmal freue ich mi :h darüber, daß der
Mehrheitsführer im Senat, Bob Byrd,
und der Führer iier Republikanischen
Partei,
Bob
Dole,
übereingekommen
sind, Überlegungen zu einem Vertrag
anzustellen, mit dem eine gesamte Kategorie amerikanischer und sowjetischer Mittelstreckenraketen beseitigt
wird. Dieser im vergangenen Dezember
unterzeichnete Vertrag hat die amerikanisch-sowjetischen
Gespräche
über
Waffensysteme
auf einen
Kurs gebracht, der über Rüstungskontrolle
hinausgeht und eine echte Reduzierung
von Nuklearwaffen ansteuert.

der Ansicht gelangen wird, daß dieser
Vertrag einen diplomatischen Meilenstein darstellt und seine Zustimmung
zur Mitwirkung der Vereinigten Staaten gibt.

Ich bin hoffnungsvoll und zuversichtlich, daß der Senat nach sorgfältigen
Überlegungen ebenfalls zu

Vor einigen Tagen habe ich vom
Kongreß eine Vorlege für ein Handelsgesetz erhalten, meine Botschaft an

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Zweitens gab es gute Neuigkeiten
in der Handelsbilanz von März, die
besten Neuigkeiten in diesem Bereich
seit März 1985. Mit dem um 4 100
Millionen Dollar gesunkenen Handelsdefizit und den um 5 400 Millionen
Dollar gestiegenen Exporten ist dies
ein eindeutiger Beweis dafür, daß die
Handelsbilanz sich mit unserer weiterhin wachsenden Wirtschaft verbessert.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�den Kongreß wird gegenwärtig noch
überprüft, und ich rechne in einigen
Tagen
mit
ihrer
Veröffentlichung.
Aber die Neuigkeiten von heute unterstützen das, worauf wir schon immer
hingewiesen haben - daß dies nicht
die Zeit ist, um dem Handel Bechränkungen
aufzuerlegen,
Anreize
für
freie und offene Märkte zu verringern
oder Arbeitsmöglichkeiten zu eliminieren. Wir wollen mehr, nicht weniger Arbeitsplätze, und wir wünschen
uns einen Arbeitsmarkt, der allen arbeitsfähigen Männern und Frauen offensteht.
Ich bin bereit, mir die Xrmel
aufzukrempeln und wieder einmal gemeinsam mit dem Kongreß ein Handelsgesetz zu erarbeiten, mit dem diese
Tendenz zur weiteren Schaffung von
Arbeitsplätzen und zu größerem wirtschaftlichen
Wachstum
fortgesetzt
werden kann.
Frage:
Herr Präsident, warum haben
Sie ihre Zustimmung dazu gegeben, daß
die Anklage gegen General Noriega wegen
Drogengeschäften
fallengelassen
wird? Liefert das nicht den Demokraten
Munition
für
die
Präsidentschaftskampagne?
Antwort:
Nicht
wenn
sie warten,
bis es etwas zu erklären gibt. Wir
verhandeln gerade, und ich kann keinen Kommentar über laufende Verhandlungen abgeben. Ich wäre dumm, wenn
ich das täte. Manche Dinge muß man
für sich behalten, wenn man mit jemandem argumentiert. Zu einigen Diskussionspunkten ist noch keine Entscheidung getroffen worden, und ich
muß sagen, daß vieles von dem, was
Sie als Berichte behandelt haben, auf
irgendwelchen undichten Stellen oder
Fehlinformationen
beruht,
weil
es
keine Tatsachen gibt, die dies belegen.
Frage: Wenn Sie diesen einen Punkt
noch klären könnten: haben Sie zugestimmt, daß die Anklage gegen irgendein Vergehen Noriegas fallengelassen
wird?

Antwort:
Ich muß wiederum sagen,
daß man bei Verhandlungen - und ich
habe 25 Jahre lang als Gewerkschaftsvertreter an Verhandlungen über Arbeitsbeziehungen mitgewirkt - nicht
der Öffentlichkeit preisgibt, worüber
verhandelt wird.
Frage:
Herr Präsident, jetzt, wo
die
Konservativen
in
Gestalt
der
Washington Times Justizminister Edwin
Meese über Bord geworfen haben, wo im
Ministerium die Moral nachläßt und
das Justizministerium im Land im Hinblick auf seine Integrität an Respekt
verliert - stehen Sie immer noch hinter Meese und haben volles Vertrauen
zu ihm, oder werden Sie ihn aus dem
Amt drängen?
Antwort:
Nein,
Vertrauen zu ihm.
Frage:

ich

habe

volles

Warum?

Antwort:
Weil zwar viele Anschuldigungen erhoben wurden, aber nichts
bewiesen worden ist, und ich habe
keine Beweise für irgendein Fehlverhalten seinerseits, das in den umherschwirrenden Anschuldigungen erkennbar wird.
Und meiner Ansicht nach
sollten Sie gerade über dieses Thema
mit ihm persönlich sprechen.
Ich
denke, daß es im Hinblick auf diese
jüngste Anschuldigung mehr gibt, als
wir uns unmittelbar vorstellen.
Frage:
Was meinen Sie damit?
Worauf beziehen Sie sich?
Heißt das,
Eastland hat etwas getan, um den Justizminister in ein falsches Licht zu
rücken?
Antwort:
Nein, er hat selbst eine
Erklärung abgegeben, daß es bei allem, was geschehen ist, keine Animositäten gegeben hat. Aber ich denke,
Sie sollten mit dem Justizminister
darüber sprechen.
Frage:
Besteht die Rolle des Pressesprechers nun darin, Verteidiger zu
sein?
Antwort:

Nun,

jemand

hat

Spekula-

�tionen darüber abgegeben, daß all
dies einen Grund hatte. Und ich denke, Sie sollten mit dem Justizminister sprechen.

und in den Nachrichten davon gehört.

Frage:
Herr
Präsident, wenn
Siei
nichts zu den Verhandlungen mit Noriega sagen können, möchte ich Siei
dennoch über ihre politischen Zielet
befragen.
Sie haben in der Vergangenheit gesagt, das Ziel bestünde ini
einem
Machtverlust
Noriegas.
Bei
verschiedenen Geelgenheiten haben Sie&gt;
davon gesprochen, er solle das LandJ
verlassen, und bei anderen Gelegenheiten haben Sie das vermieden. Besteht ihr Ziel nicht nur darin, daß5
Noriega die Macht abgibt, sondern1
auch, daß niemand von seinen KumpanenI
in seinem Namen Macht ausübt?

Antwort:
...und
nein,
ich
werde
nichts von dem aufgeben, was wir dort
durchzuführen versuchen.

Antwort:
Ich sagte, dazu würde ichi
keinen Kommentar abgeben, aber etwas3
kann ich doch kommentieren. Wir sind3
daran interessiert, daß in Panama diei
Demokratie
wiederhergestellt
wird..
Es hat nicht etwa mit diesem Mann angefangen, sondern bereits vor einigerr
Zeit rangierte unter jemand anderemn
der Befehlshaber der Nationalgarde ini
Panama plötzlich vor dem Präsidenteni
und hat der Regierung Vorschrifteni
gemacht. Unserer Ansicht nach ist ess
Zeit, daß die Demokratie in Panamaa
wiederherstellt wird.
Und das istt
das Ziel unserer Verhandlungen.
Frage:
Wenn jemand Kontrolle überr
die Regierung ausübt - wenn Noriegaa
der Drahtzieher im Hintergrund ist können Sie das akzeptieren?
Antwort:
Nicht, wenn wir die Demokratie in Panama neu errichtet haben.
Aber ich kann dazu keine weiterenn
Kommentare abgeben. Wir befinden unss
inmitten echter Verhandlungen.
Frage:
Dennoch besteht die Furcht,
,
daß ein Ausverkauf stattfindet.
Man
n
fürchtet, daß Sie einem Pakt zustimmen, der unter dem Feigenblatt derr
Wiederherstellung von Demokratie Noriega an der Macht läßt.
Antwort:

Ich

habe

all

das

Frage:
Nun, wenn Sie dazu
Stellung nehmen möchten...

nicht

Frage:
Herr Präsident, es hat auch
Anschuldigungen gegeben, wonach diese
Regierung von Drogengeschäften in Zusammenhang mit dem Contra-Nachschub
wußte - möglicherweise eine illegale
Operation zur Beschaffung von Nachschub für die Contras.
Können Sie
uns und den Kongreßausschüssen, die
diese Frage untersucht haben, versiehern, daß weder die Regierung noch
die CIA oder irgendeine andere Behörde dieser Regierung an Drogenschmuggel beteiligt waren, für den dieselben Flugzeuge benutzt wurden, die
Waffen für die Contras transportierten?
Und führen Sie Untersuchungen
durch - falls Sie nicht darüber Bescheid wußten -, um herauszufinden,
ob an diesen Behauptungen irgendetwas
wahr ist?
Antwort:
Alles, was
ich
darüber
wußte, bevor eine Anklage erhoben
wurde, die sich offensichtlich auf
ausreichendes Beweismaterial stützte
- daß früher Gerüchte aufgetaucht waren, wonach er Informationen über die
Situation in Mittelamerika lieferte wie ich glaube an unseren Nachrichtendienst CIA. Es gab Gerüchte über
mögliche Drogengeschäfte - aber niemand war je in der Lage, diesen Gerüchten Substanz zu verleihen.
Und
dann geschah dieses letzte Ereignis,
und es ist mir nicht klar, ob er gerade damit angefangen hatte oder ob
die ganze Sache schon länger lief.
Frage:
Aber es gibt weitere Anschuldigungen, denen
zufolge
diese
Regierung in Drogenschmuggel mit denselben Flugzeugen verwickelt ist, mit
denen Waffen an die Contras geliefert
wurden, ohne daß Noriega dabei eingeschaltet war.
Wußten Sie etwas davon? Ist irgendetwas davon wahr?

gelesen
- 3 -

�Antwort:
Nein.
Nein, das einzige,
das ich wußte, war, als wir durch
eine
Geheimoperation
herausfanden,
daß die Sandinisten Drogen aus ihrem
Land herausschmuggelten, und leider
wurde der Pilot des bei dieser Operation benutzten Flugzeuges kurz darauf
in einer amerikanischen Stadt niedergeschossen. ..
Frage:
Aber Sie gehen diesen
sten Anschuldigungen nach?
Antwort:

jüng-

Ja, das tun wir.

Frage:
Herr Präsident, wie können
Sie, wenn man ihre harte Linie zu Beginn der Entwicklung in Panama berücksichtigt - als Sie sagten, Noriega müsse außer Landes gehen und
daß die Dominikanische Republik dafür
nicht weit genug entfernt sei und unter Berücksichtigung unserer Anerkennung von Delvalle als Präsident - wie
können Sie irgendeinen Kompromiß eingehen, ohne dabei Ihre ursprünglichen
politischen Ziele aufzugeben?
Antwort:
Ihre Frage würde wiederum
zu etwas führen, was gegenwärtig diskutiert wird. Und ich kann Ihnen nur
sagen,
daß
wir
einfach
niemanden
reinwaschen werden.
Frage:
Herr Präsident, Sie haben
wiederholt verneint, daß die Astrologie irgendeine Rolle bei der Festlegung der Politik gespielt habe, aber
Sie sind der Frage ausgewichen, ob
sie eine Rolle bei der Festlegung von
Terminen gespielt hat. Neben Mr. Regan hat eine Reihe von Mitarbeitern
angedeutet, daß Astrologie Einfluß
auf die Terminplanung hatte, darunter
auch das Datum für die Unterzeichnung
des INF-Vertrages.
Warum haben Sie
so etwas zugelassen?
Antwort:
So etwas ist nicht geschehen.
Und diese ganze Geschichte
geht auf eine Geschichte zurück, bei
der gedruckt wurde, daß dies mit der
Terminierung einer meiner Operationen
zusammenhänge. Nun, es ist überhaupt
nichts von der Art geschehen.

Und
Sie wissen
auch, daß es
nichts damit zu tun hatte, als ich
als Gouverneur eingeführt wurde, daß
ich den Amtseid um Mitternacht ablegte - genauer, eine Minute nach Mitternacht. Als ich damals zum ersten
Mal zum Gouverneur gewählt wurde, begann der noch amtierende Gouverneur,
den ich besiegt hatte, verschiedene
befristete Stellungen und Richterposten zu besetzen. Dies nahm ein solches Ausmaß an, daß ich bei meinem
Amtsantritt eine völlig neue Regierung vorgefunden
hätte.
Nun, ich
konnte nicht viel daran ändern. Bis
zu meiner Einführung war er noch im
Amt.
ich fragte den Leiter meiner
Wahlkampagne, Bill Roberts, wann der
frühestmögliche
Termin
für
meinen
Amtsantritt
sei.
Und er erklärte
mir:
"Eine Minute nach Mitternacht
am Abend vor der feierlichen Einführung." Und ich erwiderte: "Ich werde eine Minute nach Mitternacht meinen Eid ablegen." So geschah es dann
auch, und so konnte ich zumindest
einen halben Tag früher die Besetzung
von Ämtern stoppen, weil ich ihm dazu
keine Zeit mehr ließ, denn am nächsten Nachmittag wurde ich in mein Amt
eingeführt.
Frage:
Wir
sprechen
von
einigen
bestimmten
Vorfällen.
Bestreiten
Sie, daß weder Sie noch Mrs. Reagan
zu irgendeiner Zeit hier im Weißen
Haus mit Hilfe der Astrologie Termine
für Reisen oder die Unterzeichnung
des INF-Vertrages festgesetzt haben?
Ich muß sagen, daß dies dem widerspricht, was uns von vielen ihrer Berater gesagt wurde.
Antwort:
Nun, ich kann ihnen nur
erzählen, daß ich nach den Schüssen
auf mich, die sicherlich eine traumatische Erfahrung für meine Frau bedeuteten ...
Frage:

Und für Sie.

Antwort: ... Nein, ich war zuversichtlich, daß ich mich wieder erholen würde. Außenstehende können das
nicht wissen. Aber ein Freund - sie
bekam damals viele Anrufe von Freun-

- 4 -

�den - ein Freund rief an und sagte,
er hätte sich gewünscht, vorher gewußt zu haben, was ich an diesem Tag
unternehmen wollte und er erwähnte
jemand, der gesagt habe, das alle
Zeichen schlecht gewesen seien u.s.w.
Und Nancy litt unter diesem Trauma, das nicht so leicht zu überwinden
war, und so kam es für eine kurze
Zeit, daß sie bei ähnlichen Terminen
wie dem, bei dem ich angeschossen
wurde, fragte, wie es denn aussehe.
Aber es wurden niemals irgendwelche
Änderungen vorgenommen.
Frage:
Aber warum die
nung des INF-Vertrages?
Antwort:

Unterzeich-

Wie bitte?

Frage:
Warum ein
Unterzeichnung ...

Ereignis

wie

die

Antwort:
Hein, die war davon nicht
betroffen.
Das
war
wiederum
nur
Schall und Rauch, und wir haben keine
Entscheidungen auf dieser Grundlage
getroffen, wir stellen unser Leben
nicht darauf ab.
Ich möchte aber
niemanden
beleidigen,
der
daran
glaubt oder sich ernsthaft damit beschäftigt. ..
Frage:

Glauben Sie daran?

Antwort:
Ich
lasse
mein
Leben
nicht davon leiten, aber ich kann die
Frage auch nicht verneinen, weil ich
zu wenig darüber weiß, um zu entscheiden, ob wirklich etwas daran ist
oder nicht.
Frage:
Glauben sie daß der Mordanschlag gegen sie hätte verhindert
werden können?
Antwort:
Nein, dieser Freund dachte, daß dies für mich ein denkbar
schlechter Zeitpunkt war, daß ich etwas hätte tun können - nun, wir taten
nichts.
Frage:
Herr Präsident, Sie haben
oft von ihrem Glauben an die Integrität und Ehrlichkeit Ihres Justizmini-

sters gesprochen.
Ich möchte dazu
noch eine andere Frage stellen: Sind
Sie nicht der Ansicht, daß all diese
Rücktritte
und
die
Schwierigkeit,
diesen Posten zu besetzen und die Angriffe aus so vielen Richtungen
selbst wenn er ein Mann von Integrität und Fähigkeiten ist -, meinen Sie
nicht, daß er die Arbeit des Justizministeriums blockiert und ist das
nicht Grund genug für ihn, zurückzutreten?
Antwort:
Nein, denn ich bin der
Ansicht, daß es seit einiger Zeit
eine Tendenz gibt - und das gilt
nicht nur für ihn, auch für andere -,
derzufolge Anschuldigungen oder Behauptungen als Verurteilung aufgefaßt
v/erden.
Und es gab davon viel zu
viel. In diesem unserem Land ist man
unschuldig, solange man nicht ohne
jeden Zweifel für schuldig befunden
wird.
Und nichts ist bewiesen worden. Weiterhin werden diese Anschuldigungen erhoben. Dies traf auch auf
andere zu. Das galt für Ray Donovan,
und sein bissiger Satz paßt meiner
Meinung
nach zu dieser Situation.
Als er gänzlich von jeder Schuld
freigesprochen wurde, sagte er: "Wer
wird mir meinen Ruf zurückgeben?"
Dies
gilt
auch
für
Beggs,
der
schließlich aufstand und von seinem
NASA-Posten zurücktrat - aufgrund von
Dingen, die er angeblich vor seinem
Eintritt in den Staatsdienst getan
hatte -, und er wurde von allen Anschuldigungen freigesprochen. Es gab
nicht den geringsten Beweis für irgendeine dieser Anschuldigungen.
Frage:
Erklären Sie also, daß Mr.
Meese im Amt bleiben sollte, falls
gegen ihn keine Anklage erhoben wird?
Oder kann es geringfügigere Anschuldigungen geben, die zu einer Anklage
nicht ausreichen und trotzdem Grund
für seinen Rücktritt wären?
Antwort:
Meiner Ansicht nach würde
sein Rücktritt bedeuten, daß er, wie
er selbst einmal gesagt hat, in diesem Fall der Rest seines Lebens von
dieser
Angelegenheit
überschattet
würde, ohne daß jemals irgendetwas

- 5 -

�bewiesen wurde.
Frage:
Noch eine Frage zu Noriega.
Die Kombination von Sanktionen und
Verhandlungen ist schon seit geraumer
Zeit
angewandt
worden,
und
es
scheint, als sähen die Vereinigten
Staaten
dabei
zunehmend
schwächer
aus. Sind Sie nicht etwas ärgerlich
darüber, daß es Noriega gelungen ist,
die Vereinigten Staaten zu erniedrigen und bloßzustellen?
Antwort:
Nun, wir hatten gehofft,
daß wir es dem Volk Panamas selbst
ermöglichen könnten, Druck auszuüben
und etwas zu tun. Ich nehme an, die
Tatsache, daß sie dabei mit ihren
eigenen
Streitkräften
konfrontiert
wurden, die bereit waren, auf sie zu
schießen, hat ihren Elan gedämpft.
Wir verhandeln weiter, und unser Ziel
bleibt dasselbe.
Frage:
Xrgern Sie sich nicht über
die Tatsache, daß die Vereinigten
Staaten ein so schwaches Bild abgegeben haben, als sie sich gegen diesen
Mann wandten?
Antwort:
Es tut nichts zur Sache,
ob ich ärgerlich bin oder nicht. Zur
Situation in Panama kann ich keinen
Kommentar über die laufenden Verhandlungen abgeben.
Zu gegebener zeit
werde ich eine eingehende Erklärung
an das amerikanische Volk richten.
Frage:

schließungen, die nicht in dieses
Handelsgesetz passen und daß Sie es
andernfalls unterstützen würden.
Antwort:
Das ist der Hauptpunkt.
Es gibt da andere Dinge, von denen
ich nicht glaube, daß sie hilfreich
sind oder auch nur dahingehören. Es
ist zur Gewohnheit geworden, allen
Gesetzen im Kongreß im Interesse einzelner Staaten liegende Bestimmungen
anzufügen. Und das trifft auch hier
zu. Das ist der Hauptpunkt.
Und all meine Amtskollegen aus
anderen Ländern - die Staats- und Regierungschefs der Länder, zu denen
wir Handelsbeziehungen unterhalten haben mich beim Wirtschaftgipfel zum
"amerikanischen Wunder" befragt. Ich
habe bei der Beantwortung ihrer Fragen festgestellt, daß sie selbst bedauern, wie sehr die staatlichen Regulierungen und Vorschriften in ihren
Ländern sowie die Regeln für Beschäftigungsverhältnisse
sie hemmen und
ihnen die Art von wirtschaftlicher
Erholung versagen ...
Frage:
Sind
batschow?

Sie

bereit

Frage:
Hat Regan ihren Ruf
digt, Herr Präsident?
Antwort:
Ich mache
über seinen Ruf.

mir

Wird das bald geschehen?

Antwort:
das.

Ich

wünschte,

ich

wüßte

Frage:
Herr Präsident, wie stark
sind Sie verletzt worden durch ...
Frage:
Haben
für Don Regan?

Sie

eine

für

Botschaft

Frage:
Manche behaupten, Herr Präsident, wenn der Kongreß ungeachtet
ihres Vetos für das Handelsgesetz
stimmen würde, hätte es einen ähnlichen Effekt wie Smoot-Hawley.
Warum
sagt die Regierung jetzt, es seien
nur die Bestimmungen über Firmen- 6 -

* * * * *

eher

Gor-

geschä-

Sorgen

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

18. Mai 1988

19

SHÜLTZ:

INF "VORTEILHAFT" Für VEREINIGTE STAATEN UND NATO

- Erklärung vor dem Auswärtigen Ausschuß des US-Senats -

WASHINGTON - (AD) - Außenminister Shultz hat in einer Erklärung vor dem
Auswärtigen Ausschuß des US-Senats am 16. Mai den Senat aufgefordert, den Vertrag zur Abschaffung der Mittelstreckenraketen (INF) mit der Sowjetunion zu
ratifizieren. Er nannte die Übereinkunft "vorteilhaft" für die NATO und die
Vereinigten Staaten. Des weiteren betonte der Minister, daß der Vertrag "in
unserem Sicherheitsinteresse liegt". Er "beseitige "ein fü'r alle Male" eine
atomare Bedrohung durch die Sowjets, mit denen die NATO-Verbündeten wie auch
"unsere Freunde und Verbündeten im Pazifik" konfrontiert waren.
Nachfolgend bringen wir die Erklärung im Wortlaut:
Dies ist das dritte Mal, daß ich
mich vor diesem Komitee für den INFVertrag ausspreche. In den zwei Monaten, seit ich das letzte Mal hier
erschien, hat sich die Diskussion
über den Vertrag häufig auf Detailfragen konzentriert, insbesondere auf
einige spezielle Einzelheiten der Verifizierungsregelung.
In
Zusammenhang mit der Diskussion über die
technische Durchführung wurde klar,
daß es erforderlich war, sicherzustellen, daß die Sowjets ihre vertraglichen Verpflichtungen verstanden
und anerkannten.
In einigen Fällen
mußten Fragen geklärt werden, die in
Zusammenhang mit der Anwendung dieser
Verpflichtungen aufgetaucht waren.

und

Zusammen
definierten der Senat
die Administration neun Schlüs-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

selfragen
zur
Durchführung.
Ich
freue mich, berichten zu können, daß
wir alle neun Fragen zu unserer Zufriedenheit gelöst haben, wie in dem
von den Vertragsparteien vergangene
Woche in Genf vereinbarten Dokument
niedergeigt ist.
Während der Senat sich nun anschickt, diesen Vertrag zu debattieren, hoffe ich jedoch, daß sich das
Interesse nicht nur auf die Einzelheiten konzentriert, die wir gerade
diskutiert haben. Ich hoffe, die Debatte wird die Vorzüge des Vertrages
insgesamt zum Gegenstand haben. Wie
ich bei meinem letzten Erscheinen
hier erklärt habe, "gibt es eine
grundlegende Frage, zu deren Beantwortung sie aufgerufen sind, wenn sie
diesen oder jeden anderen Rüstungs-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�kontrollvertrag in Betracht ziehen:
Liegt er im Sicherheitsinteresse der
Vereinigten Staaten?"

setzungen sei. Sie bekräftigten diese Einschätzung während der sechsjährigen Verhandlungen.
Auch heute ist
ihre Haltung dieselbe.

INF und NATO

Nur die Vereinigten Staaten und
die
Sowjetunion
sind
unmittelbare
Vertragspartner.
jedoch
betrachten
unsere Verbündeten - die so viel getan haben, um diesen Vertrag herbeizuführen - ihn auch als ihren Vertrag.

Ich habe damals gesagt und wiederhole heute, daß dieser Vertrag in
unserem
Sicherheitsinteresse
liegt.
Die im NATO-Bündnis verankerte kollektive Sicherheitsverpflichtung ist
seit 1949 ein grundlegender Bestandteil unserer nationalen Sicherheit.
Dieser Vertrag beseitigt ein für alle
Male eine atomare Bedrohung durch die
Sowjets, mit der unsere NATO-Verbündeten - und, wie ich hinzufügen möchte, unsere Freunde und Verbündeten in
Asien und dem Pazifik - über dreißig
Jahre lang konfrontiert waren. Dieser Vertrag stärkt die NATO.
Indem
er dies tut, stärkt er die Sicherheit
der Vereinigten Staaten.
Der Vertrag stellt das erfolgreiche Ergebnis einer Strategie dar,
die von der NATO im Dezember 1979
verabschiedet wurde. Das Bündnis war
damals mit der Bedrohung eines wachsenden Ungleichgewichts zwischen NATO
und Warschauer Pakt bei den INF-Raketen konfrontiert - schlaglichtartig
gekennzeichnet durch die Stationierung der SS-20. Das Bündnis verständigte sich auf eine Handlungsweise
zur Verminderung dieses Ungleichgewichts:
ein Programm amerikanischer
Stationierungen in Europa und ein Angebot amerikanisch-sowjetischer Verhandlungen
zur
Schaffung
eines
Gleichgewichts auf niedrigstmöglichem
Niveau.
Wir waren erfolgreicher als wir
im Jahr 1979 zu hoffen gewagt hatten.
Wir haben das Ungleichgewicht bei den
INF-Raketen nicht nur reduziert, wir
haben es beseitigt.
Als Präsident
Reagan 1981 die Null-Lösung für INF
vorschlug - mit einhelliger Unterstützung des Senats, wie ich vorhin
schon feststellte -, stimmten unsere
Verbündeten zu, daß dies der bestmögliche Weg zur Erlangung der von der
NATO im Jahr 1979 aufgestellten Ziel-

Als ich das letzte Mal vor Ihnen
gesprochen habe, beschrieb ich die
einhellige Unterstützung, die diesem
Vertrag auf dem NATO-Gipfel im März
zuteil wurde. Seither sind die Verteidigungsminister der NATO in Brüssel zu einer der regelmäßigen Sitzungen der Nuklearen Planungsgruppe zusammengekommen.
Sie hätten ihre Ansichten zu diesem Vertrag nicht eindeutiger zum Ausdruck bringen können.
Lassen Sie mich aus ihrem Kommunique
zitieren.
•Das kürzlich zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
abgeschlossene INF-Abkommen ist ein
Meilenstein
in unseren Bemühungen,
einen sichereren Frieden auf niedrigerem Rüstungsniveau
zu erreichen.
Die Erlangung dieses seit langem bestehenden Rüstungskontrollziels
der
NATO wurde durch die Solidarität und
Entschlossenheit der Bündnismitglieder ermöglicht. Wir sehen dem baldigen
Inkrafttreten dieses Abkommens
erwartungsvoll entgegen."
Als ich mich auf dem Rückweg von
Genf am vergangenen Freitag im Brüsseler NATO-Hauptquartier mit meinen
Amtskollegen
traf,
stellten
diese
klar, daß sie die gleiche Auffassung
vertreten.

Beibehaltung des Kurses:
rungen und Verhandlungen

Stationie-

Wie
die
Verteidigungsminister
feststellten, war die Erlangung dieses Ziels nicht einfach. Wir hätten
in den Verhandlungen nichts erreicht,
wenn wir nicht die notwendigen Maß-

- 2 -

�nahmen zur Bewahrung unserer Sicherheit ergriffen hätten. Die NATO hatte den Mut, ihrer Überzeugung treu zu
bleiben und die verabredete Stationierung der amerikanischen Pershing
II und Marschflugkörper auch angesichts
enormen
politischen
Drucks
durchzuführen.
Diese Stationierungen
bildeten den unerläßlichen Grundstein
für unseren Erfolg in Genf. Die Ratifizierung dieses Vertrags wird unsere Freunde bestätigen, insbesondere
in den
INF-Stationierungsländern
die Bundesrepublik Deutschland, Italien, Großbritannien, Belgien und die
Niederlande -, die auch in schwieriger Lage zu ihren Verpflichtungen
standen.
Die Stationierungen waren grundlegend. Aber sie allein konnten keinen guten Vertrag garantieren.
Die
Umsetzung
eines strategischen Konzepts in präzise Details erforderte
Festigkeit, Geduld und harte Arbeit
am Verhandlungstisch, um dem Mut und
der Standhaftigkeit unserer Verbündeten ebenbürtig zu sein.
Botschafter
Nitze begann mit der Arbeit, die Botschafter
Glitman als Mitglied der
NST-Delegation unter Leitung von Botschafter Kampelman später zu einem
erfolgreichen Ende führte.
In der
ganzen Zeit hat der Kongreß unsere
Bemühungen
für die Stationierungen
als auch bei den Verhandlungen vollständig unterstützt, auch mit Hilfe
der Beobachtergruppe des Senats.

Errungenschaften des INF-Vertrags
Das Ergebnis ist der Vertrag, den
der
Präsident
und
Generalsekretär
Gorbatschow im vergangenen Dezember
hier in Washington unterzeichnet haben.
Er entspricht den von uns und
unseren
Verbündeten
aufgestellten
Kriterien:
- Gleiche Rechte und Begrenzungen;
- Begrenzungen nur von amerikanischen und sowjetischen Systemen;
-

weltweite

Begrenzungen,

wobei

keine Verschiebung der Bedrohung von
Europa nach Asien oder umgekehrt zulässig ist;
- keine nachteiligen Auswirkungen
auf die konventionelle Verteidigung
der NATO und
- wirksame Verifizierung.
Der Vertrag schützt Optionen für
die Zukunft, während die NATO sich
anschickt, ein glaubwürdiges atomares
Abschreckungspotential
beizubehalten
und ihre Strategie der flexiblen Reaktion weiterzuführen.
Er betrifft
nicht die bestehenden Strukturen der
Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten oder die zukünftige Kooperation
bei der Modernisierung.
Er stellt
wichtige Präzedenzfälle für die weitere Verfolgung unsere anderen Rüstungskontrollprioritäten
auf.
In
dieser Hinsicht betonten die Staatsund Regierungschefs beim NATO-Gipfel
die asymmetrischen Reduzierungen sowie die einschneidenden Verifizierungsbestimmungen
des Vertrags als
besonders bedeutende Präzedenzfälle.

Reduzierungen und Verifizierung
Diese spiegeln zwei der vom Präsidenten bei seinem Amtsantritt erklärten Hauptziele wider.
Eines bestand darin, das Zeitalter zu beenden, in dem Rüstungskontrolle lediglich eine Leitlinie für die wachsende
Zahl von Atomwaffen darstellte und
einen Prozeß von Verhandlungen über
die Reduzierung von Atomwaffen zu beginnen. Das andere Ziel war die Anhebung der Normen für die Verifizierung, unter anderem dadurch, daß man
es den Sowjets nicht länger gestattete, das Ansinnen von Inspektionen vor
Ort einfach mit "Nein" zu beantworten.
Bei diesen wichtigen Punkten
ist es dem Präsidenten gelungen, die
Sowjets zur Beschäftigung mit unserem
Programm im Bereich der Rüstungskontrolle zu veranlassen.
Die Tatsachen in bezug auf die
durch den INF-Vertrag herbeigeführten

- 3 -

�Reduzierungen sind inzwischen wohlbekannt.
Die Sowjets werden Raketen
zerstören müssen, die in der Lage
sind, fast viermal so viele Gefechtsköpfe zu tragen, wie die von uns zu
vernichtenden stationierten Raketen.
Ich möchte etwas ausführlicher
über den anderen Punkt sprechen, auf
den die Spitzenpolitiker der NATO näher eingegangen sind - die Verifizierungsregelung
des Vertrages.
Die
Verbündeten wissen, wovon sie in diesem Zusammenhang reden: vieles von
dieser Regelung findet auf ihrem Territorium Anwendung. Ebenso wie der
INF-Prozeß sich in seinem gesamten
Verlauf auf Bestrebungen des Bündnisses zurückführen läßt, tragen unsere
Verbündeten zur Verwirklichung der
Verifizierungsregelung bei. Sie unternehmen mit ihrer Legislative und
Exekutive die notwendigen Schritte,
um sicherzustellen, daß wir alle mit
dem Vertrag in Zusammenhang stehenden
Aktivitäten durchführen können, die
auf dem Territorium der Verbündeten
stattfinden. Der Deutsche Bundestag
sprach sich einstimmig für die Durchführung dieser Maßnahmen aus.
Ich wie auch andere haben diesem
Ausschuß wie auch dem Streitkräfteausschuß und dem Geheimdienstausschuß
Einzelheiten zu dieser Regelung vorgetragen. Es ist die detaillierteste, umfassendeste und wirkungsvollste in der Geschichte der Rüstungskontrolle.
Mit diesem Vertrag eröffnen wir
neue Horizonte. Die Vor-Ort-Inspektion ist bei den amerikanisch-sowjetischen
RüstungskontrollVerträgen
über
Nuklearwaffen
ein
wichtiger
Schritt nach vorn. Wir sollten nicht
überrascht sein, wenn dieser Prozeß
nicht immer glatt abläuft. Genau aus
diesem Grund haben wir noch vor dem
Inkrafttreten des Vertrages Gespräche
mit den Sowjets darüber aufgenommen,
wie wir genau die vereinbarten vorgehensweisen durchführen würden.
Wenn
Meinungsverschiedenheiten
zutage traten, haben wir diese beige-

legt. Einige dieser Probleme konnten
auf Expertenebene gelöst werden, andere fanden auf höherer Ebene Aufmerksamkeit. Wie ich bereits erwähnte, haben wir vergangene Woche während meiner Zusammenkunft mit dem
sowjetischen Außenminister Schewardnadse die neun wichtigsten technischen Details im System der Vor-OrtInspektion geklärt.
Um die reibungslose Durchführung
des Vertrages zu gewährleisten, werden wir natürlich mit den Sowjets
weiterhin Gespräche über Verwaltungsfragen führen, etwa zu Einzelheiten
der Unterbringung von Personal. Zusätzliche technische Gespräche, die
bereits verabredet waren, werden diese Woche in Wien aufgenommen.
Aber ich kann ihnen heute mitteilen, daß wir als Ergebnis der gerade
beendeten Gespräche in Genf mit den
Sowjets in bezug auf die in diesem
Vertrag
niedergelegten Rechte und
Pflichten übereinstimmen.
Es gibt keine absolute hundertprozentige Verifizierung.
Aber es
ist unsere Ansicht, daß dieser Vertrag durch seine Abfolge von Vorgehensweisen die notwendigen Maßnahmen
für eine wirkungsvolle Verifizierung
enthält.
Das Ziel des Präsidenten
einer Null-Lösung bei INF zahlt sich
im Hinblick auf die Verifizierung
aus. Das wichtigste ist, daß die Verifizierungsbestimmungen dieses Vertrages dies hervorbringen.

Andere Problembereiche: Waffensysteme der Zukunft und Fragen der Interpretation
Im Verlauf der Betrachtung des
Vertrages durch den Senat wurde eine
Frage aufgeworfen, die über die Verifizierung hinausgeht.
Ich beziehe
mich hier auf das Problem der sogenannten "Waffensysteme der Zukunft".
Die Frage ist, ob alle landgestützten
Marschflugkörper
und
ballistischen
Raketen, die als Trägersysteme der
von diesem Vertrag abgedeckten Reich-

- 4 -.

�weiten fungieren, abgeschafft würden,
einschließlich derer, die "Waffensysteme der Zukunft" transportieren.
Die Regierung vertritt die Ansicht im
Zusammenhang mit der Bilanz der Verhandlungen und angesichts des internationalen Gewohnheitsrechts wie es
sich in der Wiener Konvention zum
Vertragsrecht
widerspiegelt, demonstriere der Vertragstext die bestehende Vereinbarung beider
Parteien
über
ein
Verbot
solcher
Systeme.
Nach Konsultationen mit dem Senat haben wir diese Tatsache vergangene Woche in Genf mit einem formellen Austausch diplomatischer Noten bestätigt.

Präsidenten seine Zustimmung zur Ratifizierung dieses Vertrages zu geben, ohne Zusätze oder Bedingungen.

Es gibt noch eine letzte Frage zu
diesem Vertrag, auf die ich eingehen
sollte.
Das ist der Wunsch einiger
Senatoren, der Resolution über die
Zustimmung zur Ratifizierung eine Bedingung anzufügen, mit der die Autorität des Präsidenten zur Interpretation von Verträgen eingeschränkt würde.
Ich bin sicher, daß Ihnen allen
die Gründe klar sind, aus denen wir
uns einer solchen Bedingung widersetzen.
Die Erklärung von Regierungsmitgliedern
innerhalb
ihrer Verfügungsgewalt ist maßgeblich.
Unserer
Ansicht nach sollten Sie es nicht gestatten, daß
der
INF-Vertrag
zum
Spielball in einer Diskussion über
verfassungsrechtliche
Fragen
wird,
sondern sie sollten den vertrag aufgrund seiner eigenen Vorzüge betrachten.

Zusammenfassung
Ich habe in meiner heutigen Erklärung kurz und in anderen Vorträgen
detaillierter die Vorzüge des Vertrages beschrieben. Der Vertrag ist auf
die Führungsrolle des Präsidenten zurückzuführen, aber er ist ebenfalls
eine bedeutende Leistung beider Parteien wie auch ein Zeugnis der Stärke
und Entschlossenheit des NATO-Bündnisses.
Er ist sowohl für die NATO
als auch die Vereinigten Staaten vorteilhaft.
Ich bitte den Senat, dem
- 5 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
'VON

Dokumentation

4

18. Mai 19i58

19

SHÜLTZ:

TECHNISCHE PROBLEME DER VERIFIZIERUNG VON INF GELÖST

- Erklärung des amerikanischen Außenministers in Genf -

GENF - (AD) - Die noch verbleibenden Problenbereiche beim amerikan_schsowjetischen Vertrag zur Abschaffung von Mittelstreckenraketen (INF) sind "auf
völlig zufriedenstellende Art und Weise" abgehandelt worden, erklärte Außenminister Shultz am 12. Mai nach Abschluß seiner Gespräche mit dem sowjetischen
Außenminister Schewardnadse.
Nachfolgend veröffentlichen wir die anläßlich einer Pressekonferenz abgegebene Erklärung:

Wir haben gerade ein Ministertreffen beendet, mit dem im wesentlichen die Vorbereitungen zum Gipfel
weitergeführt
werden sollten.
Wir
sind übereingekommen, daß es sich
hierbei um eine nützliche, notwendige
und produktive Zusammenkunft handelte. Und meiner Ansicht nach liegt es
auf der Hand, daß dieses Gipfeltreffen selbst sehr interessant werden
wird:
es wird eindrucksvoll sein,
umfangreiche Leistungen widerspiegeln
und es wird eine gute Gelegenheit
bieten, um vorausschauend in die Zukunft zu blicken.
Beim
Ministertreffen
haben wir
all
die Problembereiche
abgedeckt,
die wir normalerweise
behandeln
meiner Ansicht nach mit gutem Ergebnis. Wir haben unsere Gespräche über

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Menschenrechte fortgeführt.
Es war
die Sache wert, denn wir haben aus
der
Sowjetunion
interessante
neue
Ideen vernommen. Wir haben über das
Wiener KSZE-Treffen gesprochen, und
ich hoffe, wir konnten bei den Gesprächen über die Menschenrechtsaspekte dieser Konferenz ebenso wie in
unserer
Diskussion über konventionelle Waffen konstruktive Impulse für
das geben, was gegenwärtig in Wien
verhandelt wird - wie wir es auch bei
anderen Gelegenheiten getan haben,
bei denen wir Fragen abhandeln, für
deren Lösung wir uns in multinationalen Foren einsetzen.
Wir sind vor
einigen Monaten in Moskau übereingekommen, daß wir beide auf einem ausgewogenen Ergebnis bestehen werden,
und wir arbeiten weiter an allen
Teilbereichen der Wiener Verhandlun-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�gen.
Im Bereich der Rüstungskontrolle
haben wir unsere Diskussionen über
strategische Waffen und Verteidigung
im Weltraum fortgeführt. Meiner Ansicht nach sollte man fairerweise erwähnen, daß wir in einzelnen Bereichen kleine Portschritte erzielt haben.
Und ich denke, wenn wir uns
alle die Dinge vergegenwärtigen, die
getan worden sind und all das, was
erreicht wurde, können wir sehr stolz
darauf sein.
Gleichzeitig ist es
jetzt klar, daß keine Möglichkeit besteht, aus diesen Fragen bis zum Gipfel einen Vertragstext zu formulieren. Beide Seiten sind jedoch entschlossen, daran bis zum Gipfel und
beim Gipfel weiterzuarbeiten, und ich
bin sicher, daß beim Gipfeltreffen
Vereinbarungen getroffen werden, um
diesen Verhandlungen Auftrieb zu verleihen. Sie werden fortgeführt.
Früher oder später wird es in
diesen Bereichen Übereinkünfte geben,
und diese Vereinbarungen werden auf
der umfangreichen Arbeit aufbauen,
die geleistet worden ist, und es ist
- wenigstens unserer Ansicht nach umso besser, je eher diese Dinge vereinbart werden.
Wir haben einige Gespräche über
INF geführt, inbesondere auf Expertenebene. Wie Sie wissen, haben uns
Botschafter Glitman und eine Arbeitsgruppe begleitet. Er hat gemeinsam
mit seinem sowjetischen Amtskollegen
diese Bereiche bearbeitet, und wir
haben eine sogenannte diplomatische
Note über zukünftige Waffensysteme
unterzeichnet, die diesen Bereich
meiner Ansicht nach auf vollständig
zufriedenstellende Art und Weise abhandelt. Sie steht in völligem Einklang mit der vor einiger Zeit abgegebenen Erklärung Botschafter Glitmans zu diesem Thema und schreibt
einzelne Bereiche sorgfältig fest.
Wie Sie wissen, haben die Botschafter
Kampelman und Karpow diese Note heute
nachmittag unterzeichnet.
Und

dann

gab

es

neun

weitere

Problembereiche, die als Ergebnis der
Diskussionen zwischen den am Prozeß
der Vertragsdurchführung Beteiligten
zutage traten, und wir haben in all
diesen Bereichen eine vollständig zufriedenstellende
Übereinkunft
erzielt. Was INF betrifft, war dies
ein sehr lohnenswertes Unterfangen.
Ich sollte darauf hinweisen, daß
General Powell und Botschafter Glitman heute abend nach Washington zurückkehren, und sie werden den betreffenden Senatoren darüber direkt
Bericht erstatten, so daß ihnen die
entsprechenden Informationen zugänglich sind, wenn sie den INF-Vertrag
erwägen.
Im Bereich der Atomtests haben
wir, wie Sie wissen, seit einiger
Zeit stetige Fortschritte erzielt.
Die Unterlagen über das gemeinsame
Verifizierungsexperiment sind in ihren Grundzügen vorbereitet. Es ist
erstaunlich, welche Bedingungen erfüllt werden müssen, um das sorgfältig und gut zu tun, aber so wird es
nun einmal gemacht. Nur um eine Vorstellung über den Umfang zu vermitteln: Im Abkommen sind etwa 160 Seiten der Durchführung dieser gemeinsamen Verifizierungsexperimente gewidmet, dazu kommen 37 Anhänge, und
alles außer Kleinigkeiten in drei Anhängen ist abgeschlossen.
Aber es
geht gut voran. In der Zwischenzeit
arbeiten beide Seiten an den Experimenten, und sie leisten die Arbeit im
Einklang mit dem, was im Grunde hier
in Form von Abkommen festgehalten
wird.
Wir sind zuversichtlich, daß diese Unterlagen bis zum Gipfel unterzeichnungsreif sein werden. Es ist
ebenso vereinbart worden, daß wir ein
neues Protokoll zum Vertrag über
Atomexplosionen zu friedlichen Zwekken (PNET) von 1976 erstellen, und
unserer Ansicht nach ist es sehr wohl
möglich - oder wahrscheinlich -, daß
wir in der Lage sein werden, dieses
neue Protokoll rechtzeitig zum Gipfel
untersehriftsreif
fertigzustellen.
Das ist nicht sicher, aber wahr-

- 2 -

�scheinlich.
Im Bereich der chemischen Waffen
haben wir weitere Gespräche geführt,
die wir auch weiterhin vorantreiben
werden, und ich bin sicher, daß wir
bis zum Gipfel zu diesem Thema Interessantes beizusteuern haben.
Wir haben eine Reihe von neuen
Fragen aufgeworfen oder zumindest die
Aufmerksamkeit der Sowjets darauf gelenkt.
Es bleibt abzuwarten, welche
Richtung unsere gemeinsamen Gespräche
nehmen werden, aber wir haben unserer
Sorge über die Weiterverbreitung der
Technologie
ballistischer
Raketen
Ausdruck verliehen.
Es ist eine Ironie des Schicksals, daß genau zu dem Zeitpunkt, an
dem die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion vereinbaren, auf die Produktion und den Besitz ballistischer
Raketen
bestimmter
Reichweiten
zu
verzichten, andere Länder diese herstellen, vertreiben und stationieren.
Wir müssen die Weiterverbreitung ballistischer Raketen - und ich
denke, außer uns beiden auch andere
Länder der Welt - zu unserem Anliegen
machen.
Wir haben dieses Thema aufgegriffen und hoffen, es weiter zu diskutieren. Und ich bin sicher, Sie sind
sich der Tatsache bewußt, daß wir gemeinsam mit den sieben Ländern, mit
denen wir beim Wirtschaftsgipfel zusammenkommen werden, ein System zur
Kontrolle der Technologie ballistischer Raketen erarbeitet haben. Meiner Ansicht nach wird es wichtig
sein, dies im Hinblick auf diejenigen
auszuweiten, die sich daran halten
werden. Wir haben ebenfalls die Aufmerksamkeit auf die Möglichkeit gelenkt, noch vor dem Inkrafttreten eines START-Abkommens, Äußerungen über
vertrauensbildende
Maßnahmen,
unter
ihnen Mitteilungen
über Teststarts
machen zu können.
Im Bereich der bilateralen Fragen
haben wir Dinge abgehandelt, die vereinbart wurden oder kurz vor der Ver-

einbarung stehen - und möglicherweise
können diese Dinge rechtzeitig zum
Gipfel abgeschlossen werden. Es gibt
einige wichtige Vereinbarungen, die
möglicherweise dort abgehandelt werden. Eine davon betrifft die wissenschaftliche
Grundlagenforschung
und
eine andere das Verkehrswesen.
Der
Bereich des Kulturaustausches ist gut
abgedeckt und könnte erneut aufgegriffen werden. Es können möglicherweise Fortschritte bei einem Fischereiabkommen erzielt werden.
Es gibt
eine Vereinbarung - mehrere Vereinbarungen - die unsere Küstenwache und
die
sowjetischen
Schiffahrtsbhörden
betreffen und solche Bereiche wie
Seenotrettung und Kontrolle der Umweltverchmutzung betreffen.
Bei den bilateralen Angelegenheiten werden viele Fortschritte erzielt, und sie bilden einen von vier
Bereichen, in denen wir an der Entwicklung unserer Beziehungen weiterarbeiten.
Im Bereich der regionalen Angelegenheiten haben wir kurz alle Bereiche behandelt, über die wir uns normalerweise austauschen - Afghanistan,
den Nahen Osten, Iran-Irak, Mittelamerika, das südliche Afrika, Äthiopien, die koreanische Halbinsel, Kambodscha. Es war in diesem Zusammenhang
lohnenswert, insbesondere
das
Augenmerk auf die Entwicklungen im
südlichen Afrika zu richten. Vor einer Woche fand eine sehr interessante
Zusammenkunft in London statt, an der
wichtige Betroffene teilnahmen, und
sowohl die Sowjetunion als auch wir
haben daran erhebliches
Interesse.
Wir haben vereinbart, daß unsere beiden
Experten,
Abteilungsleiter
Crocker und der stellvertretende sowjetische
Außenminister
Adamischin,
zusammenkommen sollen - bis jetzt
stehen Ort und Datum noch nicht fest,
aber wir wünschen uns ein Treffen
noch vor dem Gipfel - um in diesem
Bereich eine Bestandsaufnahme zu machen und nach Fortschritten zu suchen.

über

- 3 -

Schließlich haben wir Gespräche
die Dokumentation des Gipfels

�geführt. Wir möchten eine Möglichkeit entwickeln, um die Bereiche dieser Beziehungen seit den Genfer und
Washingtoner Gipfeltreffen festzuhalten, und hier erzielen wir Fortschritte. Das Ergebnis dieser Arbeit
wird, so hoffe ich, bis zum Gipfel
vorliegen.
Ich kann darüber nicht
viel mehr sagen, als daß hier Aktivitäten im Gange sind.
Wie ich bereits zu Beginn erklärt
habe, können wir meiner Ansicht nach
auf ein eindrucksvolles und gutes
Gipfeltreffen vorbereitet sein, und
diese Zusmmenkünfte waren sicherlich
produktiv und nützlich und tragen dazu bei, daß Portschritte erzielt werden.

* * * * *

- 4

�AMERIKA DIENST
^ r ^

*

Wissenschaft und Technik

18. Mai 1988

19

Neuer Tollwut-Impfstoff verbilligt die Behandlung
Ein Produkt der Gentechnik

- (AD) - Das amerikanische Wistar-Institut hat in Zusammenarbeit mit einer
französischen Biotechnik-Firma einen neuen Impfstoff gegen Wildtollwut entwikkelt. Das auf gentechnischen Wege gewonnene Produkt wird derzeit in Belgien
erprobt. Feldversuche in Frankreich sind noch in diesem Jahr vorgesehen. Gegenwärtig bemüht sich das Wistar-Institut um die Zustimmung des US-Landwirtschaftsministeriums, für erste Feldversuche in den USA und damit in Nordamerika überhaupt einige unbewohnte Inseln vor der Küste der amerikanischen Bundesstaaten Virginia oder South Carolina benutzen zu können.
Nach neuesten Erkenntnissen hat
sich in den letzten drei Jahrzehnten
Wildtollwut in den Vereinigten Staaten
verdreifacht.
Fledermäuse,
Skunks
(Stinktiere) und Waschbären
sind dort in erster Linie die Überträger dieser gefährlichen Virusinfektion.
In Europa dagegen sind es
die
Füchse, in Entwicklungsländern
streunende und wildlebende Hunde. Im
Südosten der USA hat sich Tollwut unter Waschbären zu einer regelrechten
Epidemie entwickelt.
Wie Warren Cheaton vom Wistar-Institut berichtete, ist in vielen Teilen der Erde Tollwut "ein ernstes und
ständig zunehmendes Problem, insbesondere in Entwicklungsländern". Bei
der Weltgesundheitsorganisation (WHO)
wurden 1981, dem letzten Jahr, für

United States Information Service
Embassy of the United States of America

das weltweite Statistiken vorliegen,
20 482 Todesfälle registriert.
Epidemiologen sind jedoch davon überzeugt, Cheston zufolge, daß sehr viel
mehr Menschen nach Kontakt mit dem
Speichel eines tollwütigen Tieres der
Krankheit zum Opfer fallen. Die tatsächliche Zahl der Todesfälle dürfte
zehnmal höher liegen, als nach Angabe
der WHO.
Da die Viren das zentrale Nervensystem befallen, ist eine Tollwut-Infektion wegen der sich ausbreitenden
Lähmung fast immer tödlich, wenn der
Betreffende nicht noch vor Auftreten
der ersten Krankheitssymptome geimpft
werden kann.
Hilary Koprowski, Direktor des Wistar-Instituts, verweist
darauf, daß der heute verwendete aus
Gewebekulturen
menschlicher
Zellen

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�gewonnene Heilimpfstoff außerordentlich kostspielig und in vielen Entwicklungsländern nicht verfügbar ist.
Der neue Impfstoff dagegen ist ebenso
wirksam wie erschwinglich.
Er enthält nicht die kompletten Tollwutviren, sondern nur einen - nichtschädlichen - Anteil davon, der aber das
Immunsystem des menschlichen Körpers
veranlaßt, Antikörper gegen die Erkrankung zu bilden, so daß sie nicht
zum Ausbruch komme.
Wichtig sei es, Tollwut "an der
Quelle", d.h. in der Tierwelt, zu bekämpfen, denn alle warmblütigen Tiere
können virusträger und damit Überträger von Tollwutviren sein.
Da der
neue Impfstoff auch oral verabreicht
werden kann, ist es möglich, ihn über
Köder an die Tiere zu bringen. Die
Köder sollen über Versuchsgebieten in
Beuteln
aus
Flugzeugen
abgeworfen
werden. Laborversuche haben gezeigt,
daß dieses Vakzin, in Köder injiziert,
Waschbären
und
Stinktiere
wirksam gegen Tollwut
immunisieren
kann.
Schon vor zwei Jahren hatte
die Pan-Amerikanische Gesundheitsorganisation mit Feldversuchen in Argentinien begonnen, um die Wirksamkeit
des
neuen
Impfstoffes
gegen
Tollwut bei Rindern zu testen, die in
Südamerika ein großes Problem ist.
Obgleich die Bildung von Antikörpern
bei den Tieren nachgewiesen wurde,
ließ die argentinische Regierung nach
einigen Monaten die Durchführung weiterer Versuche stoppen, offenbar weil
die Organisation versäumt hatte, sie
vorher davon zu unterrichten.

* * * * *

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10232">
                <text>18.05.1988</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10233">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10234">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10235">
                <text>Amerikadienst 18.05.1988</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10236">
                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan "zuversichtlich" über die Zustimmung des Senats zu INF&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Pressekonferenz des Präsidenten&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Shultz: INF "vorteilhaft" für Vereinigte Staaten und NATO&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung vor dem Auswärtigen Ausschuß des US-Senats&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Shultz: Technische Probleme der Verifizierung von INF gelöst &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des amerikanischen Außenministers &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;in Genf &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neuer Tollwut-Impfstoff verbilligt die Behandlung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ein Produkt der Gentechnik&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2351" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2362">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/998a5da30d28411afb2bc9b79ada12b9.pdf</src>
        <authentication>914a15c8cffa04f013dddfd5bf4bb2dc</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="12090">
                    <text>amcrika
dienet

Herausgeben U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

19

18. Mai 1994

FRIEDENSOPERATIONEN

POLITIK DER CLINTON-ADMINISTRATION ZUR
REFORM VON FRIEDENSOPERATIONEN
Bericht der US-Regierung

RASSENDISKRIMINIERUNG

SENAT SOLL KONVENTION ÜBER RASSENDISKRIMINIERUNG UNTERSTÜTZEN
Ansprache von John Shattuck

VERBRECHENSBEKÄMPFUNG

NACHRICHTENDIENSTE
UND
VERFOLGUNG
Rede von CIA-Direktor Woolsey

TERRORISMUS

TERRORISMUS WEITERHIN
GLOBALES
PROBLEM
Jahresbericht des Außenministeriums

PORTRÄT

DESIGNIERTER OBERSTER RICHTER IST
PRAGMATISCHER
ARCHITEKT
DES
KONSENSES
Porträt von Stephen Breyer

UMWELT

UMWELTVERTRÄGLICHE ENTWICKLUNG
EINE ILLUSION
von Thomas J. DiLorenzo

FUSSBALL

DIE AUSTRAGUNGSORTE DES
WORLD CUP 1994
Neun amerikanische Städte im Porträt (I)

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

STRAF-

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-33 4102

�FRIEDENSOPERATIONEN
18. Mal 1994

POLITIK DER CLINTON-ADMINISTRATION ZUR
REFORM VON FRIEDENSOPERATIONEN
Bericht der US-Regierung
WASHINGTON - (AD) - Am 5. Mai 1994 gab die US-Regierung den Bericht Die Politik der ClintonAdministration zur Reform von multilateralen Friedensoperationen (The Clinton-Administration's Policy
on Reforming Multilateral Peace Operations) heraus. Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge über die neuen
Richtlinien zur Unterstützung von Friedensoperationen der Vereinten Nationen und anderer Organisationen
durch die Vereinigten Staaten und deren Beteiligung daran.
Notwendigkeit der Reformen
Obwohl UN-Friedensoperationen den Interessen der
Vereinigten Staaten dienen, bedürfen sie weiterhin
der Verbesserung und Reform. Zur Zeit wird jede
Operation getrennt eingeleitet und verwaltet, wodurch knappe Ressourcen verloren gehen. Weitere
organisatorische Veränderungen im UN-Hauptquartier würden entsprechend Effizienz und Effektivität
verbessern. Ein völlig unabhängiges Büro eines
Generalinspekteurs sollte unverzüglich eingerichtet
werden. Der Beitragssatz der Vereinigten Staaten
sollte auf 25 Prozent gesenkt werden.
Da die Unterstützung von UN-Friedensoperationen
gelegentlich in unserem Interesse liegt, ist es für uns
auch von Interesse, die Fähigkeiten der Vereinten
Nationen zur Friedenssicherung zu stärken, die
Operationen billiger zu machen und die Verwaltung
der Friedenssicherung offenzulegen.
Rolle der amerikanischen Außenpolitik
Die UN- und anderen multilateralen Friedensoperationen sind manchmal der beste Weg zur Verhinderung, Eindämmung oder Lösung von Konflikten, die
ansonsten kostenintensiver und todbringender
wären. In solchen Fällen ziehen die Vereinigten
Staaten einen Nutzen daraus, nur einen Teil der
Last tragen zu müssen. Wir profitieren auch davon,
um die Stimme der internationalen Staatengemeinschaft zugunsten der von uns unterstützten Sache
bitten zu können. So ist die Schaffung einer Fähigkeit zur Durchführung multilateraler Friedensoperationen Teil unserer nationalen Sicherheitsstrategie
und unserer nationalen Militärstrategie.

AMERIKA DIENST 19

Obwohl der Präsident den Oberbefehl über die
amerikanischen Streitkräfte nie abgibt, kann die
Beteiligung amerikanischen Militärs an UN-Operationen unter bestimmten Umständen amerikanischen
Interessen dienen. Erstens kann die amerikanische
militärische Beteiligung gelegentlich notwendig sein,
um andere von der Teilnahme an Operationen zu
überzeugen, die amerikanischen Interessen dienen.
Zweitens könnte die amerikanische Beteiligung ein
Weg zur Ausübung des Einflusses der Vereinigten

Staaten für eine wichtige UN-Mission sein, ohne
unilateral die Last zu tragen. Drittens könnten die
Vereinigten Staaten gebeten werden, einzigartige
Fähigkeiten für wichtige Operationen zur Verfügung
zu stellen, die andere Länder nicht bieten können,
und sich zu deren Bereitstellung entscheiden.
Mit der Verbesserung unserer Fähigkeiten für Friedensoperationen werden andere Instrumente zur
Erlangung von Zielen der Vereinigten Staaten nicht
außer acht gelassen oder geschwächt. Die Vereinigten Staaten werden die Fähigkeit beibehalten, im
Alleingang oder im Rahmen von Koalitionen zu
handeln, wenn unsere wichtigsten Interessen oder die
unserer Freunde und Verbündeten auf dem Spiel
stehen.
Die Vereinigten Staaten unterstützen weder ein
stehendes Heer der Vereinten Nationen noch werden
wir spezifische amerikanische Militäreinheiten zur
Beteiligung an UN-Operationen zuweisen.
Es ist nicht die Politik der Vereinigten Staaten, die
Zahl von UN-Friedensoperationen oder die amerikanische Teilnahme an solchen Operationen zu erweitern.

Seite 1

�Unterstützung der richtigen Friedensoperationen
Entscheidung für Friedensoperationen
Die Vereinigten Staaten werden gut definierte Friedensoperationen im allgemeinen als Instrument zur
Schaffung fest umgrenzter Möglichkeiten unterstützen, damit die Kombattanten ihre Differenzen beilegen und gescheiterte Gesellschaften mit ihrem
Wiederaufbau beginnen können. Friedensoperationen sollten keine Verpflichtungen mit offenem Ende,
sondern vielmehr an konkrete politische Lösungen
gebunden sein, ansonsten sollten sie nicht unternommen werden. Jede UN-Friedensoperation sollte
in möglichst hohem Maße einen an unmittelbare
oder endgültige Ziele gebundenen festgelegten
Zeitrahmen, eine mit anderen humanitären Hilfsbestrebungen gut koordinierte integrierte politischmilitärische Strategie, spezifische Truppenstärken
und eine fest umrissene Budgetkalkulation haben.
Die Vereinigten Staaten werden das UN-Sekretariat
und die Mitglieder des Sicherheitsrats weiterhin zur
Verpflichtung zurigorosen,regelmäßigen Auswertungen aller vorgeschlagenen neuen Friedensoperationen auffordern.
Die Administration wird die nachfolgend genannten
Faktoren bei der Entscheidung in Erwägung ziehen,
ob sie für eine vorgeschlagene neue UN-Friedensoperation stimmen (Kapitel VI oder Kapitel VII) oder
eine regional geförderte Friedensoperation unterstützen:

Bei traditionellen Friedensoperationen (Kapitel VI)
sollte ein Waffenstillstand verhängt worden sein
und vor der Entsendung der Streitmacht die
Zustimmung der Parteien eingeholt werden.
Zur Friedensschaffung (Kapitel VII) wird die
Bedrohung des internationalen Friedens und der
Sicherheit als wesentlich angesehen.
Die Mittel zur Erfüllung der Mission stehen zur
Verfügung, einschließlich der Streitkräfte, Finanzierung und eines für die Mission geeigneten
Mandats.
Die politischen, wirtschaftlichen und humanitären
Konsequenzen der Untätigkeit seitens der internationalen Staatengemeinschaft wurden abgewogen und werden als inakzeptabel erachtet.
Die vorraussichtliche Dauer der Operation ist an
klare Ziele und realistische Kriterien für die Beendigung der Operation gebunden.
Diese Faktoren sind eine Hilfe bei der Entscheidungsfindung, sie sind nicht per se ein Patentrezept.
Entscheidungen wurden und werden vom Gesamtgewicht der Faktoren abhängen und ein Einzelfaktor
ist nicht zwangsläufig die absolute Determinante.

a.

Internationale Aggression oder

Bei der Berücksichtigung der oben genannten Faktoren werden die Vereinigten Staaten darüber hinaus
weiterhin alle bestehenden Friedensoperationen
genau prüfen, wenn sie dem Sicherheitsrat zur
regulären Verlängerung vorgetragen werden, um den
Sinn ihrer Fortsetzung zu prüfen. In geeigneten
Fällen werden die Vereinigten Staaten um freiwillige
Beiträge der Nutznießer oder größere Unterstützung
des Gastlandes zur Verringerung oder zumindest
teilweisen Deckung der Kosten bestimmter UNOperationen ersuchen. Die Vereinigten Staaten
werden auch in Betracht ziehen, gegen die Verlängerung bestimmter, seit langem bestehender,
konkrete Ziele nicht erfüllender Friedensoperationen
zu stimmen, um militärische und finanzielle Ressourcen für dringendere UN-Missionen freizusetzen.

b.

eine dringende humanitäre Katastrophe
gekoppelt mit Gewalt,

Beteiligung an UN- und anderen Friedensoperationen

c.

eine plötzliche Störung der bestehenden
Demokratie oder gravierende Verletzung von
Menschenrechten verbunden mit Gewalt
oder der Androhung von Gewalt.

Die Administration wird auch weiterhin noch strengere
Normen bei der Beurteilung anwenden, ob dem
Präsidenten die Beteiligung amerikanischen Personals an einer Friedensoperation empfohlen werden
soll. Neben den oben genannten werden wir folgende Faktoren in Betracht ziehen:

Das UN-Engagement fördert die Interessen der
Vereinigten Staaten und es gibt eine internationale Interessengemeinschaft zur Bewältigung des
Problems auf multilateraler Ebene.
Es gibt eine Bedrohung oder einen Bruch des
internationalen Friedens und der Sicherheit,
häufig mit regionalem Charakter, die als ein
Aspekt oder eine Kombination folgender Punkte
angesehen werden:

Es gibt klar umrissene Ziele und das Wissen, wie
sich die Mission in das Spektrum zwischen
traditioneller Friedensschaffung und Friedenssicherung fügt.

Seite 2

Die Beteiligung fördert die Interessen der Vereinigten Staaten, und das alleinige sowie das

AMERIKA DIENST 19

�generelle Risiko für amerikanisches Personal
wurden abgewogen und als akzeptabel eingestuft.
Personal, Mittel und andere Ressourcen stehen
zur Verfügung.
Die Beteiligung der Vereinigten Staaten ist für
den Erfolg der Operation notwendig.
Die Rolle der amerikanischen Streitkräfte ist an
klar umrissene Ziele gebunden, und ein Endpunkt
für die amerikanische Beteiligung kann ausgemacht werden.
Die Unterstützung der Bevölkerung und des
Kongresses ist vorhanden oder kann mobilisiert
werden.
Die Führungsarrangements sind annehmbar.
Darüber hinaus werden noch strengere Faktoren
angewandt, wenn die Möglichkeit maßgeblicher
Beteiligung der Vereinigten Staaten an Kapitel VIIOperationen wahrscheinlich
Kampfhandlungen
beinhaltet:
Man ist entschlossen, zur Erlangung klar umrissener Ziele eine ausreichende Anzahl von Streitkräften zu entsenden.
Es gibt einen Plan zur uneingeschränkten Erlangung dieser Ziele.
Es besteht die Verpflichtung, zur Erreichung
unserer Ziele Umfang, Zusammensetzung und
Disposition unserer Streitkräfte gegebenenfalls zu
überprüfen und anzupassen.
Jede Empfehlung an den Präsidenten wird sich auf
das Gesamtgewicht der oben genannten Faktoren
gründen und ein Einzelfaktor wird nicht zwangsläufig
die absolute Determinante sein.

cherheitsrats bewirken wollen, hängt die Unterstützung der Vereinigten Staaten von der Einhaltung der
Prinzipien der Charta der Vereinten Nationen und der
Erfüllung gültiger Kriterien des UN-Sicherheitsrats ab,
einschließlich Neutralität, Einwilligung der Konfliktparteien, offizielle Aufsicht der Vereinten Nationen und
endgültige, erneuerbare Mandate.
Im Hinblick auf die Frage der Friedenssicherung auf
dem Territorium der ehemaligen Sowjetunion werden
Anträge für die "traditionellen" UN-Blauhelmoperationen auf der gleichen Grundlage wie andere Anträge
unter Anwendung der vorher dargelegten Faktoren in
Betracht gezogen (beispielsweise eine Bedrohung
des internationalen Friedens und der Sicherheit, klare
Ziele und so weiter). Die Unterstützung der Vereinigten Staaten für diese Operationen wird wie bei
anderen derartigen Anträgen von der Einhaltung der
Prinzipien der UN-Charta und gültiger Kriterien des
UN-Sicherheitsrats abhängig gemacht.
Kostensenkung
Die Administration verpflichtet sich zur Reduzierung
des amerikanischen Anteils der Kosten für Friedenssicherung auf 25 Prozent bis zum 1. Januar 1996,
verglichen mit der derzeitigen Rate von 31,7 Prozent.
Wir werden darüber hinaus die Vereinten Nationen
von der voraussichtlichen Weigerung des Kongresses
in Kenntnis setzen, den amerikanischen Beitrag zur
Friedenssicherung nach dem Haushaltsjahr 1995 auf
mehr als 25 Prozent anzusetzen.
Die Administration ist weiterhin besorgt, daß die
Vereinten Nationen die Managementmängel nicht
behoben haben, die zu übermäßigen Kosten sowie
gelegentlich Betrug und Mißbrauch führen. Als eine
Priorität werden die Vereinigten Staaten auch in
Zukunft auf drastische Verbesserungen bei Verwaltung und Management des UN-Systems drängen.
Die Vereinigten Staaten arbeiten besonders hart an
der Gewährleistung, daß neue und andauernde
Friedensoperationen kosteneffektiv sind und entsprechend verwaltet werden.

Die Rolle regionaler Organisationen
Führung der amerikanischen Streitkräfte
In einigen Fällen werden bei der sachgerechten
Durchführung von Friedensoperationen regionale
Organisationen einbezogen. Die Vereinigten Staaten sehen weiterhin die Vereinten Nationen als
vorrangiges internationales Gremium mit der Befugnis zur Durchführung von Friedensoperationen an.
Gleichzeitig werden die Vereinigten Staaten Bestrebungen zur Verbesserung der Fähigkeiten regionaler
Organisationen für Friedenssicherung unterstützen.
Wenn regionale Organisationen oder Gruppierungen
Friedenssicherung mit Zustimmung des UN-Si-

AMERIKA DIENST 19

Die Politik der Vereinigten Staaten lautet: Der
Präsident behält das Kommando über die amerikanischen Streitkräfte und wird es niemals abgeben. Von
Fall zu Fall wird der Präsident die Unterstellung
geeigneter amerikanischer Streitkräfte unter die
operative Kontrolle eines kompetenten UN-Kommandeurs für spezifische, vom Sicherheitsrat angeordnete UN-Operationen in Erwägung ziehen. Je
größer die militärische Rolle der Vereinigten Staaten,
desto weniger wahrscheinlich werden die Vereinigten
Staaten zustimmen, daß ein UN-Kommandeur die

Seite 3

�operative Gesamtkontrolle über die amerikanischen
Streitkräfte ausübt. Jede umfassende Beteiligung
amerikanischer Streitkräfte an einer größeren Friedensschaffungsmission, die wahrscheinlich Kampfhandlungen beinhaltet, sollte für gewöhnlich unter

amerikanischem Kommando und operativer Kontrolle
oder durch kompetente regionale Organisationen wie
die NATO oder Ad-hoc-Koalitionen durchgeführt
werden,

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 19

�RASSENDISKRIMINIERUNG
18. Mal 1994

SENAT SOLL KONVENTION ÜBER
RASSENDISKRIMINIERUNG UNTERSTÜTZEN
Ansprache von John Shattuck
WASHINGTON - (AD) - Der Balkan ist "das gravierendste Beispiel dafür, was geschehen kann, wenn
rassischer und ethnischer Antagonismus zur Entfachung von Gewalt ausgenutzt wird", erklärte John Shattuck,
Abteilungsleiter für Menschenrechte und humanitäre Angelegenheiten im US-Außenministerium.
In seiner am 11. Mai 1994 vor dem Senatsausschuß für auswärtige Beziehungen gehaltenen Ansprache zur
Unterstützung der internationalen Konvention über die Abschaffung aller Formen von Rassendiskriminierung
äußerte Shattuck, eine solche Diskriminierung stehe in direktem Gegensatz zu den grundlegenden Zielen der
amerikanischen Demokratie.
Die Ratifizierung der vor 28 Jahren konzipierten Konvention ist ihm zufolge seit langem überfällig. Sie werde
"ein wertvolles Instrument für unseren Kurs in der uns jetzt konfrontierenden neuen internationalen, von großen
Herausforderungen gekennzeichneten Szene sein".
Herr Vorsitzender, meine sehr verehrten Damen und
Herren, es ist mir eine Ehre, mich heute bei Ihnen
für die Unterstützung der internationalen Konvention
über die Abschaffung aller Formen von Rassendiskriminierung verwenden zu dürfen.

Herr Vorsitzender, aus diesem Grund ist es so
wichtig, daß die Vereinigten Staaten sich entschlossen hinter diese Bestrebungen stellen, jegliche
rassische und ethnische Diskriminierung in Gesetz
und Politik abzuschaffen.

Herr Vorsitzender, es ist eine Binsenwahrheit, daß
wir nach dem Ende des Kalten Krieges und den für
dieses Jahrhundert charakteristischen großen
ideologischen Kämpfen an der Schwelle zu einer
neuen, unbekannten Welt stehen. In dieser Zeit
sollten die in diesem schmerzlichen Kampf erprobten
Grundsätze uns leiten, darunter Demokratie, Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit. Diese Grundsätze sind in der amerikanischen Geschichte tief
verwurzelt und repräsentieren die Bestrebungen von
Männern und Frauen auf der ganzen Welt. Unter
der Führung Präsident Clintons verwandeln die
Vereinigten Staaten sie in die Bausteine der neuen
Welt nach dem Kalten Krieg.

Wir in den Vereinigten Staaten wissen allzu gut, wie
selbst die mit den besten Absichten durchgeführten
demokratischen Experimente durch Rassendiskriminierung vergiftet und im Keim erstickt werden können.
Rassendiskriminierung steht in direktem Gegensatz
zu den grundlegenden Zielen der amerikanischen
Demokratie. Wir haben durch harte Kämpfe viel
erreicht, damit das Ideal der Gleichheit vor dem
Gesetz anerkannt wird. Durch die Ratifizierung der
Ihnen vorliegenden Rassenkonvention wollen wir das
Gelernte in die entstehende Welt nach dem Kalten
Krieg einbinden.

Heute werden wir auf internationaler Ebene mit
schwierigen und äußerst beunruhigenden Problemen
konfrontiert, von denen vielleicht keines so verhängnisvoll ist wie rassische und ethnische Konflikte.
Einige ethnische Konflikte bestehen bereits seit
langer Zeit, andere sind erst kürzlich entstanden.
Heute sehen wir, wie ethnische und rassische
Spannungen für politische Ziele ausgenutzt werden,
gewaltige Feuersbrünste schüren oder in Gesellschaften schleichend am Werk sind.

AMERIKA DIENST 19

Der Konvention zufolge sollen die Vertragsparteien
spezifische Schritte unternehmen, um Rassendiskriminierung abzuschaffen, Rassentrennung und
Apartheid zu verbieten, rassistische Propaganda und
entsprechende Organisationen zu verurteilen, Gleichheit vor dem Gesetz, politische und Menschenrechte
für alle ungeachtet ihrer Rasse, Nationalität oder
ethnischen Herkunft zu garantieren, wirksame Mittel
gegen Verletzungen dieser Bestimmungen zu ergreifen, Vorurteile zu bekämpfen und Toleranz in
Bildung und Kultur zu fördern. Die Konvention ruft
auch einen unabhängigen Ausschuß für die Abschaffung von Rassendiskriminierung ins Leben, der

Seite 1

�'1

die von den Vertragsparteien vorgelegten obligatorischen Berichte prüfen und der Generalversammlung
einen Jahresbericht vorlegen soll.
Die Geschichte zeigt, daß solche Konventionen und
Überprüfungsprozesse bei der Förderung von Zielen
im Bereich der Menschenrechte Wirkung zeitigen.
Das von der Internationalen Arbeitsorganisation
(IAO), der KSZE und dem Helsinki-Komitee Erreichte
sind Beispiele dafür, wie der Schutz der Menschenrechte durch Instrumente wie die Ihnen heute vorgelegten ermutigt werden kann.
Meine Kollegen konzentrieren ihre heutigen Ausführungen auf die rechtlichen Implikationen der
Konvention und auf die Auslegung und Einwände
der US-Regierung. Wenn die Vereinigten Staaten
die Konvention ratifizieren, werden wir auf der
internationalen Bühne unser Engagement für die
Abschaffung von Rassendiskriminierung unter
Beweis stellen und auch die mit Rassendiskriminierung einhergehende schreiende Ungerechtigkeit
sowie sozialen und politischen Erschütterungen.
Natürlich stellt sich die Frage, warum wir diese
Konvention jetzt ratifizieren wollen - 28 Jahre nach
ihrer Abfassung und ungefähr 16 Jahre nach ihrer
ersten Vorlage im Senat.
Die Antwort lautet, daß die Ratifizierung seit langem
überfällig ist und die Konvention ein wertvolles
Instrument für unseren Kurs in der uns jetzt konfrontierenden neuen internationalen, von großen
Herausforderungen gekennzeichneten Szene sein
wird.
Wie Sie alle wissen, wurde die Menschenrechtstagesordnung einschließlich des Kampfes gegen
Rassendiskriminierung während des Kalten Krieges
zu einem politischen Fußball. Dies trifft nicht länger
zu. Wir beobachten jetzt echte, greifbare Fortschritte
beim Kampf gegen rassische und ethnische Diskriminierung.
In Südafrika schließen die mutige Führungsrolle von
Nelson Mandela und F.W. de Klerk sowie die
heroischen Bestrebungen von Millionen Menschen
guten Willens das Kapitel der Apartheid und der
Bewegung zu Demokratie für alle Menschen in
Südafrika ab.
Bei der jüngsten Sitzung der UN-Menschenrechtskommission in Genf konnten wir zum ersten Mal in
der Geschichte der UNO erfolgreich die offene
Verurteilung von Antisemitismus sicherstellen.
Bedauerlicherweise ist das Bild jedoch nicht ausschließlich von Fortschritten gekennzeichnet. Man

Seite 2

kann fairerweise sagen, daß eine der vorrangigen
Herausforderungen für die Vereinigten Staaten und
unsere Verbündeten in den kommenden Jahren darin
besteht, die Entschärfung und Handhabung bitterer
Konfrontationen über rassische und ethnische Differenzen zu erlernen. Der Balkan ist nicht nur das
gravierendste Beispiel dafür, was geschehen kann,
wenn rassischer und ethnischer Antagonismus zur
Entfachung von Gewalt ausgenutzt wird, wenn
Minderheiten unter neuen Regierungsformen Diskriminierung fürchten oder zu Aggression gegen
andere Gruppen verleitet werden.
Es erübrigt sich zu sagen, daß rassische und ethnische Diskriminierung für politische Entscheidungsträger äußerst komplexe Probleme darstellen, und die
Ratifizierung der Rassenkonvention durch uns ist kein
Allheilmittel. Die Ratifizierung ist jedoch aus mehreren Gründen unerläßlich.
Erstens können wir durch die Ratifizierung der
Konvention andere Signatarstaaten besser zur
Einhaltung ihrer Verpflichtungen anhalten. Wir
müssen nicht länger fürchten, dadurch geopolitischen
Gegnern in die Hände zu spielen. Statt dessen
können wir die Konvention als Referenz bei unseren
bilateralen Verhandlungen mit den Staaten verwenden und werden unsere Position in multilateralen
Zusammenkünften stärken.
Zweitens könnten wir uns effektiver an der zur Zeit
stattfindenden Diskussion über sich abzeichnende
internationale Normen in der Welt beteiligen. Wenn
wir uns nicht uneingeschränkt und aktiv in dieser
Debatte engagieren, werden andere die Tagesordnung der internationalen Staatengemeinschaft zu
Rassendiskriminierung festsetzen. Ein Diskussionsforum ist das Komitee für Rassendiskriminierung, an
dem wir uns derzeit nicht beteiligen können, weil wir
die Konvention nicht ratifiziert haben.
Drittens wäre dies Bestandteil unserer Bestrebungen,
neue amerikanische Energien und Zielsetzungen in
das UN-Menschenrechtssystem einzubringen, das bis
jetzt - offen gesagt - nicht so konsequent und effektiv
war wie wir erhofft hatten. Eine Lehre der Weltkonferenz über Menschenrechte vom vergangenen Jahr
in Wien war, daß multilaterale Gremien und nichtstaatliche Organisationen eine zunehmend weitreichende Rolle bei der Gestaltung der Welt nach den
Kalten Krieg spielen. Wir sind erfreut, daß unsere
Bestrebungen zur Einrichtung eines UN-Hochkommissars für Menschenrechte Erfolg hatten. Durch die
Tätigkeit im Rahmen von multilateralen sowie nichtstaatlichen Organisationen und die Zusammenarbeit
mit ihnen können wir unsere Effektivität auf der
internationalen Bühne verbessern.

AMERIKA DIENST 19

�n
Sobald wir die Konvention ratifiziert haben, wird uns
unsere Beteiligung an der Arbeit des Komitees
bessere Chancen zur Vermittlung unserer hart
erarbeiteten und historisch fundierten Erfahrungen
bei der Förderung von Toleranz und der Beendigung
von Diskriminierung zusammen mit anderen Ländern, vor allem den neuen demokratischen Nationen
der Welt, einräumen.

Herr Vorsitzender, abschließend möchte ich nochmals betonen, daß wir durch die Ratifizierung dieser
Konvention viel zu gewinnen haben. Obwohl sie die
rassischen und ethnischen Spannungen der Welt
nicht auf magische Weise löst, wird sie uns eine
konstruktivere Inangriffnahme dieser Probleme
gestatten.
Aus diesen Gründen bitte ich Sie, die Ratifizierung
der Konvention zu empfehlen und stehe Ihnen für
weitere Fragen gerne zur Verfügung.

*

AMERIKA DIENST 19

*

Seite 3

�VERBRECHENSBEKÄMPFUNG
18. Mal 1994

NACHRICHTENDIENSTE UND STRAFVERFOLGUNG
Rede von CIA-Direktor Woolsey
WASHINGTON - (AD) - Am 29. April 1994 hielt R. James Woolsey, der Direktor des amerikanischen
Nachrichtendienstes CIA, vor der American Bar Association eine Rede, die wir nachfolgend veröffentlichen.
40 Jahre lang war ein Hauptmerkmal der amerikanischen Außenpolitik die Eindämmung der Sowjetunion und ihrer Verbündeten, wobei die Nachrichtendienste den Präsidenten und den Kongreß bei der
Bewältigung der Herausforderung des Kalten Krieges unterstützten. Einer der vielfältigen Aspekte
dieser Zeit war, daß sich abgesehen von der Aufgabe der Spionageabwehr die Welten der Strafverfolgung und der Nachrichtendienste selten überschnitten. Jede Welt hatte unterschiedliche - gesetzlich verankerte - Mandate und unterschiedliche
Aufgaben.

internationale Geldwäsche erreichten ein solches
Maß, daß sie die nationalen amerikanischen Sicherheitsinteressen bedrohten. Ich stimmte voll und
ganz überein. Diese und die anderen von mir
genannten Bedrohungen sind nicht länger ausschließlich die Domäne von Nachrichtendiensten oder
Strafverfolgung. Wie ich Anfang dieses Monats vor
dem Senat festgestellt habe, ist die Kooperation
zwischen der Welt der Nachrichtendienste und der
Strafverfolgung keine Wahl, sondern eine Notwendigkeit. Dies ist nicht nur meine Sichtweise, sie wird
auch von der Justizministerin, dem FBI-Direktor Louis
Freeh und den Leitern der anderen Behörden geteilt.

Dies ändert sich jetzt.
Natürlich haben die beiden Welten noch immer
unterschiedliche Aufgaben. Wir bei den Nachrichtendiensten Tätigen müssen den politischen Entscheidungsträgern behilflich sein, die auf den Schutz
der möglichen Gewinne der vergangenen fünf
revolutionären Jahre hinarbeiten, und wir müssen
dem Präsidenten und seinen Beratern die entscheidende Vorwarnzeit für regionale Bedrohungen von
Nationen wie Nordkorea und Irak einräumen, die
eine völlig andere Konzeption der Ära nach dem
Kalten Krieg haben als wir und unsere Freunde und
Verbündeten.
Wir müssen jedoch auch neue und wachsende
Bedrohungen in Angriff nehmen, die Grenzen
überschreiten können: Die Weiterverbreitung von
Massenvernichtungswaffen, Terrorismus, international organisiertes Verbrechen und Drogenhandel
einer Größenordnung, bei der allein die Profite das
Bruttosozialprodukt der meisten Länder weltweit
übertreffen. Im Gegensatz zu den Herausforderungen des Kalten Krieges bringen diese Herausforderungen die Welt der Nachrichtendienste und der
Strafverfolgung zusammen.
Im Herbst vergangenen Jahres erklärte die Justizministerin Janet Reno, Terrorismus, Drogenhandel und

AMERIKA DIENST 19

Ich möchte kurz einige der unsere Welten einander
näherbringenden Bedrohungen beschreiben, angefangen mit der Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen.
Weiterverbreitung ist kein neues Problem, aber ein
wachsendes. Heute entwickeln 25 - viele unseren
Interessen feindlich gesinnte - Länder nukleare,
chemische und biologische Waffen. Einige dieser
Länder sind am Kauf ballistischer Raketen interessiert, mit denen sie bisher außerhalb ihrer Reichweite liegende Länderund Nachbarstaaten bedrohen.
Die Eindämmung der Weiterverbreitung besteht nicht
nur in der Inspektion von Material an Flughäfen oder
der Öffnung von Kisten in Häfen. Unsere Arbeit
beinhaltet die Aufdeckung der Versuche von Ländern,
Technologie, Entwürfe, Komponenten und sogar
vollständige militärische Systeme zu beschaffen.
Dazu zählt das Durchdringen von Transfernetzen, die
Käufer und Verkäufer, Beschaffungsagenten, Makler,
Banken, Hersteller, Frachtuntemehmen, Spediteure
und falsche Endverbraucher aufzubauen versuchen.
Zur Bekämpfung dieses Problems setzen wir politische, militärische, Wirtschafts- und Finanzanalysten,
Ingenieure und Wissenschaftler ein, um die Technologie, das Fachwissen und häufig das zum Aufbau und
zur Unterhaltung verdeckter Käufemetze verwendete

Seite 1

�Geld aufzuspüren. Diese wurden von Ländern wie
dem Irak eingerichtet, um illegal Material zu kaufen.
Wir arbeiten eng mit dem Außenministerium und
ausländischen Nachrichtendiensten bei der Durchbrechung dieser Netze zusammen. Und wir unterstützen das FBI und die Zollbehörde bei ihren
Bestrebungen, Umleitungen aufzudecken, Lieferungen abzufangen und herauszufinden, ob amerikanische Unternehmen in solche Transaktionen verwickelt sind.
Wir befassen uns ferner intensiv mit der Bekämpfung
von Terrorismus, der, wie wir wissen, mit dem
Bombenanschlag auf das World Trade Center in
New York vom vergangenen Jahr und der Ermordung von zwei CIA-Mitarbeitern vor unserem Hauptquartier in Virginia im Januar letzten Jahres seinen
Weg in die Vereinigten Staaten gefunden hat.
1986 gründete Bill Webster das Terrorismusbekämpfungszentrum des CIA, um die operativen, technologischen und analytischen Fähigkeiten der Nachrichtendienste den Strafverfolgungsbeamten zugänglich
zu machen. Wir haben gemeinsam die unerläßlichen nachrichtendienstlichen Informationen zusammengetragen, die zur Verurteilung der des
Bombenanschlags auf das World Trade Center
Angeklagten führten. Im vergangenen Jahr benutzte
der CIA in Zusammenarbeit mit dem FBI und dem
Justizministerium seine analytischen Fähigkeiten und
technischen Analysen um zu beweisen, daß der Irak
hinter dem Komplott zur Ermordung des früheren
Präsidenten Bush stand.
Das internationale organisierte Verbrechen und
seine Hauptertragsquelle - der internationale Drogenhandel - ist eine weitere große Herausforderung
der nationalen Sicherheit. Der Drogenhandel ist
eine den gesamten Globus umspannende Krise:
Lateinamerikanische Drogenhändler, chinesische
organisierte Verbrecherbanden, italienisches organisiertes Verbrechen und nigerianische kriminelle
Unternehmen - das Außenministerium berichtete
Anfang dieses Monats, 35 bis 40 Prozent des
gesamten Heroins werde von Nigerianern in die
Vereinigten Staaten gebracht. Aufgrund der enorm
hohen Profite - 200 bis 300 Milliarden Dollar pro
Jahr - gehen Drogenhandel und Geldwäsche darüber hinaus Hand in Hand und bringen eine riesige
Industrie zur Erfüllung der Bedürfnisse der Drogenbarone hervor, um den illegalen Ursprung ihres
Geldes zu verschleiern.
Organisierte Verbrecherbanden sind nicht nur
mächtig und gewalttätig, sie sind auch technisch
immer versierter, greifen auf modernste Technologie
und internationale Unternehmenstechniken zurück,
um ihre Operationen durchzuführen und sowohl die

Seite 2

Sammlung nachrichtendienstlicher Erkenntnisse als
auch die Strafverfolgungsbestrebungen zu vereiteln.
Das organisierte Verbrechen ist auch für die Zukunft
Rußlands zu einem entscheidenden Thema geworden. In seiner Rede im Februar stellte Präsident
Jelzin fest, organisiertes Verbrechen sei das Problem
Nummer eins, mit dem sich sein Land konfrontiert
sehe. Dem russischen Innenministerium zufolge gibt
es rund 5.700 organisierte Verbrecherbanden in
Rußland, von denen 200 große, moderne kriminelle
Organisationen sind. Sie sind nicht nur in der ehemaligen Sowjetunion, sondern in 21 anderen Ländern
aktiv. In dieser Woche wurde ein für die Verfolgung
des organisierten Verbrechens bekanntes Mitglied
des russischen Parlaments, Andreji Aysderdsis, bei
einem Anschlag im Stil der Mafia niedergestreckt.
Obwohl die russischen kriminellen Banden sich mit
einer Vielzahl illegaler Aktivitäten wie Drogenhandel
befassen, widmen wir dem potentiellen illegalen
Verkauf von spaltbarem Atommaterial besondere
Aufmerksamkeit.
Wir konnten nicht beobachten, daß beträchtliche
Mengen waffenfähigen Materials oder nukleare
Gefechtsköpfe aus der ehemaligen Sowjetunion
geschmuggelt wurden, haben jedoch mehrere Berichte über den Diebstahl von minderwertigem Nuklearmaterial erhalten. In vielen Fällen wurden die Diebe
oder Schmuggler verhaftet. Es gab auch Berichte
über Verkaufsangebote für solches Material auf dem
schwarzen Markt, sie waren in der Regel aber falsch.
Wir sind jedoch weiterhin besorgt über das potentielle
Engagement organisierter Verbrecherbanden in
diesem Bereich, weil ihnen sowohl die Ressourcen,
mit denen sie die Nuklearwaffenhändler oder Wachleute bestechen, als auch die Schmuggelnetze zur
Verfügung stehen, die zum Transport dieses Materials aus der ehemaligen Sowjetunion benutzt werden
könnten.
In Rußland ist das Problem des organisierten Verbrechens derart verbreitet, daß einer im März dieses
Jahres in russischen Städten durchgeführten Umfrage
zufolge 23 Prozent der Bevölkerung der Ansicht sind,
das Land werde vom organisierten Verbrechen
beherrscht. 22 Prozent meinten, daß niemand das
Land regiere, 19 Prozent wußten nicht wer und nur
14 Prozent hielten Präsident Jelzin für den Machthaber.
Diese Liste der Bedrohungen ist keineswegs erschöpfend, und Sie werden mehr über die Zusammenarbeit von Nachrichtendiensten und der Strafverfolgung hören, während wir die Gefahren gemeinsam
bekämpfen.

AMERIKA DIENST 19

�Zusammenarbeit und Spionageabwehr
Wir haben in vielerlei Hinsicht einen Vorsprung bei
der Ausarbeitung unserer von Zusammenarbeit
geprägten Beziehung zu den Strafverfolgungsbehörden aufgrund der Rolle, die jeder von uns in den
Bereichen Nachrichtendienste und Strafverfolgung
seit Jahren bei der Spionageabwehr gespielt hat.
Historisch gesehen sammeln wir im Nachrichtendienst Hinweise zur Spionageabwehr von unseren
zuständigen Beamten und ihren Agenten in Übersee,
unseren Ermittlern sowie die von Nachrichtendiensten befreundeter Länder zur Verfügung gestellten
Informationen. Wie ich bereits erwähnte, konnten
wir nach dem Ende des Kalten Krieges eine beträchtliche Anzahl derartiger Hinweise an unsere
Verbündeten und die Ermittlungsbehörden in den
Vereinigten Staaten weiterleiten.
Generell möchte ich vorschlagen, daß jede Weitergabe von Informationen zwischen den Nachrichtendiensten und den Strafverfolgungsbehörden in
diesem Land - sei es bei Spionageabwehr, Drogenhandel, Weiterverbreitung oder auf einem anderen
Gebiet - die nachrichtendienstlichen Quellen und
Methoden schützen, alle gesetzlichen Bestimmungen
sowohl im nachrichtendienstlichen und Strafverfolgungsbereich erfüllen und die einzigartigen
Erfordernisse dieser beiden Bereiche in Betracht
ziehen sollte. Beispielsweise können von uns dem
FBI zur Verfügung gestellte Informationen zur
Festnahme von Verbrechern beitragen; das darf
jedoch nicht dazu führen, daß als Teil des juristischen Verfahrens Quellen und Methoden offengelegt
werden. Die uns vom FBI übermittelten Daten
ermöglichen eine zielgerichtetere Sammlung nachrichtendienstlicher Informationen in Übersee. Wir
müssen jedoch darauf achten, uns auf Nachrichtendienste im Ausland zu konzentrieren und in Übersee
nicht wie eine Strafverfolgungsbehörde zu handeln.
Im vergangenen Jahr haben die Justizministerin und
ich eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, um die
effektivsten Wege zur Verbesserung der Zusammenarbeit zu prüfen, die für im Nachrichtendienst und in
der Strafverfolgung Tätige von Nutzen ist und
Terroristen, Drogenhändlern und Schmugglern
schadet.
Dieser Bericht ist nahezu abgeschlossen. Eine
seiner Schlußfolgerungen lautet, daß wir keine
zusätzlichen Gesetze über die Verbesserung der
Zusammenarbeit zwischen Strafverfolgungsbehörden
und Nachrichtendiensten benötigen.
Vielmehr
können wir unser Ziel einer verstärkten Kooperation
durch eine Reihe von Initiativen erreichen, beispielsweise gemeinsame Ausbildung von Vertretern der
Strafverfolgungsbehörden und der Nachrichtendien-

AMERIKA DIENST 19

ste. Obwohl die Strafverfolgungsbehörden einerseits
und der Nachrichtendienst andererseits verschiedene
Mandate, Perspektiven und Kulturen haben, kann die
Zusammenarbeit meines Erachtens durch ein Programm praktischer Schritte verbessert werden.
Die von Justizministerin Reno und mir zu Beginn
vergangenen Jahres eingeleiteten Bestrebungen,
Nachrichtendienste und Strafverfolgungsbehörden
aneinander anzunähern, fanden lange vor der Festnahme von Aldrich Arnes statt. Unsere Arbeit wird
fortgesetzt, wobei wir Lehren aus dem Fall Arnes und
anderen Beispielen für Zusammenarbeit zwischen
Nachrichtendiensten und Strafverfolgungsbehörden
ziehen. Nach Ansicht des Präsidenten, der Justizministerin, von FBI-Direktor Freeh und meiner Meinung
nach war der Fall Arnes ein Beispiel für eine solche
Zusammenarbeit. Direktor Freeh formulierte es
kürzlich folgendermaßen: "Der Fall Arnes ... war
meines Erachtens mustergültige Zusammenarbeit."
Zur besseren Umsetzung der Lektionen positiver
Zusammenarbeit und Vermeidung unnötiger Reibungen in den wenigen Fällen, in denen sie stattfinden,
und zusätzlich zu den bereits unternommenen
Anstrengungen werden einige organisatorische
Änderungen in den dem Nationalen Sicherheitsrat
unterstehenden Strukturen durchgeführt, um die
Zusammenarbeit zwischen allen an der Spionageabwehr beteiligten Regierungsbehörden zu verbessern.
Unter der Leitung des Sicherheitsrats werden Vertreter verschiedener Behörden oder Büros zusammenarbeiten, um einen zügigen, effektiven und
angemessenen Umgang mit Fragen der Koordination
und Rechtsprechung sicherzustellen. Vertreter des
Justizministeriums und ich werden in der kommenden
Woche vor den nachrichtendienstlichen Sonderausschüssen des Senats und des Repräsentantenhauses
zu diesen vorgeschlagenen Änderungen aussagen.
Nachdem sich Aldrich Arnes schuldig bekannt hat
und verurteilt wurde, kann ich auch über die Arbeit
des CIA im Hinblick auf die Folgen seiner Verbrechen
sprechen. Ich bin mir bewußt, daß der Kongreß ebenso wie die Mitarbeiter des CIA und ich - frustriert
war, weil bis gestern das Gremium zur Einschätzung
des Schadens und der Generaldirektor nur erste
Schritte unternehmen konnten. Sie werden verstehen, warum das Justizministerium darum gebeten
hat, daß wir uns auf diese vorläufigen Schritte
beschränken, um die strafrechtliche Verfolgung von
Arnes nicht zu erschweren. Jetzt können wir diese
Überprüfung ungehindert fortsetzen.
Wenn die Untersuchung des Generalinspekteurs
abgeschlossen ist, werde ich die Verantwortlichen zur
Rechenschaft ziehen und entsprechende Maßnahmen ergreifen. Ich habe bereits die Beförderung und

Seite 3

�Auszeichnung bestimmter Personen eingefroren und
vom Ergebnis unserer Überprüfungen abhängig
gemacht. Ich werde mich jedoch nicht der juristischen Philosophie der Red Queen aus Alice im
Wunderland anschließen, bei der die Verurteilung
dem Urteil vorangeht. Das von uns begonnene
Verfahren ist gründlich, aber fair. Unsere Mitarbeiter
leisten harte Arbeit und riskieren ihr Leben für ihr
Land. Sie verdienen ein fundiertes Urteil, keine
Schnellverfahren.
Wir planen bereits eine Änderung der Sicherheitsverfahren, beispielsweise eine Überprüfung der Datenbankverwartung und der Nutzung des Lügendetektors.
Andere Schritte erfordern entsprechende Gesetze insbesondere bei der Verbesserung des Zugangs zu
den Daten über die Finanzsituation einiger Angestellter.
Die Finanzfrage ist nichts Neues. 1990 gab das
Jacobs-Gremium, in dem ich kurze Zeit zusammen
mit Lloyd Cutler und Warren Christopher tätig war,
eine Reihe von Empfehlungen zur Verbesserung der
Spionageabwehr an die Senatoren Boren und Cohen
ab, die damals Vorsitzender beziehungsweise Mitglied des Sonderausschusses des Senats für Nachrichtendienste waren. Dazu gehörte auch verbesserter Zugang zu Informationen über die finanzielle
Situation der Mitarbeiter. Diesen Empfehlungen
wurde damals jedoch keine Gesetzeskraft verliehen.
Die Empfehlungen wurden nicht leichtfertig abgegeben. Obwohl bei vielen die irrtümliche Meinung

*

Seite 4

vorherrscht, daß der CIA oder das FBI jederzeit
Informationen über die Finanzlage jedes Mitarbeiters
der Regierung erhalten können, entspricht das nicht
der Realität. Es entspricht nicht einmal annähernd
der Wahrheit. Ein derartig ungehinderter Zugang
widerspricht den vom Kongreß erlassenen Gesetzen
über Datenschutz der Finanzlage des einzelnen. Das
Jacobs-Gremium empfahl 1990 den Senatoren Boren
und Cohen keine umfassenden, in die Privatsphäre
einbrechenden Gesetzesänderungen, die Änderungen
waren jedoch nützlich und wichtig. Ich vertraue
darauf, daß jetzt, nach der Auswertung der von der
Administration auf diesem wichtigen Gebiet abgegebenen Empfehlungen sowie anderer vorgelegter
Gesetzentwürfe der Kongreß handeln und kluge
Maßnahmen ergreifen wird, um den Zugang der
Regierung zu den finanziellen Daten einiger ihrer
Mitarbeiter zu verbessern und dies auf ausgewogene
und angemessene Weise geschehen wird.
Als Präsident Truman die nationale Sicherheitsstruktur modernisierte, und unter anderem den CIA
gründete, bereitete er die Nation auf das vor, was
Präsident Kennedy als den langen Kampf im Zwielicht bezeichnete - den Kalten Krieg. Heute werden
wir mit neuen Herausforderungen konfrontiert, die
neue Ansätze erfordern. Sie setzen aber auch
dieselbe Mischung von Engagement, Beständigkeit,
Weitblick und harter Arbeit voraus, die Präsident
Truman von seinen Mitarbeitern erwartete. Wir im
Nachrichtendienst werden aus unseren früheren
Fehlern und Erfolgen lernen. Wir werden uns ändern
und gemeinsam mit unseren Kollegen bei der Strafverfolgung dem Präsidenten, dem Kongreß und dem
amerikanischen Volk dienen.

* * *

*

AMERIKA DIENST 19

�TERRORISMUS
18. Mai 1994

TERRORISMUS WEITERHIN GLOBALES PROBLEM
Jahresbericht des Außenministeriums
WASHINGTON - (AD) - Dem Jahresbericht des USAußenministeriums zufolge "ist es eindeutig, daß
Terrorismus für uns noch einige Zeit ein Thema sein
wird".
"Die Clinton-Administration richtet ihr Hauptaugenmerk auf globale Fragen, und internationaler Terrorismus gehört zu den todbringendsten und andauerndsten", erklärte Barbara Bodine, amtierende
Koordinatorin für die Terrorismusbekämpfung, in der
Einleitung des Berichts.
Das Dokument - Muster des globalen Terrorismus
1993 (Patterns of Global Terrorism 1993) - wurde
am 9. Mai 1994 freigegeben. Der dem Kongreß
übermittelte Bericht enthält detaillierte Analysen der
Länder, in denen Terroranschläge verübt wurden
und macht Nationen aus, die internationalen Terrorismus wiederholt staatlich unterstützt haben.

pagne gegen türkische Interessen", stellt der Bericht
fest.
Die meisten der 150 Anschläge der Gruppe fanden
an zwei Tagen statt - am 24. Juni und 4. November und waren auf ganz Westeuropa verteilt. "Hätte es
diese beiden Tage koordinierter Anschläge nicht
gegeben, hätte sich der Abwärtstrend bei Terroranschlägen der letzten Jahre fortgesetzt".
Im vergangenen Jahr kamen 109 Menschen bei
Terroranschlägen ums Leben und 1.393 wurden
verletzt - die höchste Anzahl von Opfern in den
vergangenen fünf Jahren.
Westeuropa hatte 1993 mehr internationale Terrorakte zu verzeichnen - insgesamt 180 - als jede andere
Region, vor allem wegen der Gewalttaten der PKK.
Der Nahe Osten folgte an zweiter Stelle mit 101

Anschlägen, gefolgt von Lateinamerika mit 97.
Auf der Liste der internationalen Terrorismus fördernden Staaten stehen immer noch Kuba, Iran,
Irak, Libyen, Nordkorea und Syrien. Im August 1993
wurde zusätzlich der Sudan auf die Liste gesetzt.
"Der Iran ist nach wie vor der aktivste und gefährlichste Terrorismus fördernde Staat der Welt, mit
eigenen Agenten und den von ihm unterstützten
radikalen Gruppen", so der Bericht.
Mit der Feststellung, daß auch der Irak weiterhin
internationalen Terrorismus unterstützt, verweist der
Bericht auf die Tatsache, daß "der Irak die Ermordung des früheren Präsidenten Bush während
seines (privaten) Besuchs in Kuwait im April 1993
plante und seine Agenten für zahlreiche Anschläge
auf internationale humanitäre Einrichtungen und
Hilfspersonal im Irak verantwortlich waren".
1993 waren 427 internationale Terroranschläge zu
verzeichnen - verglichen mit den 364 im Jahr 1992
festgestellten Vorfällen eine Zunahme.
"Der Hauptgrund für die Zunahme war eine von der
kurdischen Arbeiterpartei (PKK) geführte Terrorkam

AMERIKA DIENST 19

Als gravierendste Terrorakte des Jahres 1993 führte
Bodine den Bombenanschlag auf das World Trade
Center, das vereitelte irakische Komplott zur Ermordung Präsident Bushs und die Anschläge der PKK
an.
Der Bericht erachtet den Bombenanschlag auf das
World Trade Center als Akt des internationalen
Terrorismus aufgrund der dem Anschlag zugrundeliegenden politischen Motivation und der Tatsache, daß
die Mehrzahl der festgenommenen Verdächtigen
Ausländer waren. Der Bericht betont, das FBI habe
"keine Beweise, daß eine ausländische Regierung für
den Bombenanschlag verantwortlich war".
Die Politik der Vereinigten Staaten zur Terrorismusbekämpfung und die damit einhergehenden erfolgreichen internationalen
Kooperationsbestrebungen
gründen sich dem Bericht zufolge auf drei Prinzipien:
keine Konzessionen,
Anwendung der Rechtsstaatlichkeit und Verbesserung der Fähigkeiten freundlich gesinnter

Seite 1

�Regierungen zur Bekämpfung der sie konfrontie-1
renden Bedrohung und
Ausübung von Druck auf Terrorismus fördernde
Staaten.
Zur Erläuterung dieser Prinzipien führte Bodine aus,
als die Verantwortung der irakischen Regierung für
das vereitelte Komplott zur Ermordung von Präsident
Bush klar wurde, "setzten die Vereinigten Staaten
militärische Gewalt ein, um Saddam Hussein zu
demonstrieren, daß ein solches Verhalten nicht
toleriert wird". Die Vereinigten Staaten schössen
einen seegestützten Marschflugkörper auf ein Führungszentrum terroristischer Aktivitäten des Irak ab.
Die Vereinigten Staaten ermutigten darüber hinaus
die andauernde internationale Unterstützung der UNSanktionen gegen Libyen und deren Einhaltung, "die
zwingend sind und den ersten Schritt der von den
Vereinten Nationen gegen einen Staat nur wegen
dessen Unterstützung des Terrorismus verhängten
Sanktionen darstellen", äußerte Bodine.
"Der internationale Terrorismus hätte ohne die
Terroristen durch souveräne Staaten gewährte
Finanzierung, Ausbildung, Zuflucht, Waffen und
logistische Unterstützung nicht wie in den vergangenen Jahrzehnten gedeihen können", so der Bericht.
Zu den als Förderer des internationalen Terrorismus
ausgemachten sieben Staaten stellt der Bericht
folgendes fest:
Kuba unterstützt seit langem internationalen
Terrorismus.
Aufgrund der wirtschaftlichen
Schwierigkeiten Kubas kann das Land keinen
maßgeblichen Beitrag leisten. Dennoch bietet es
einigen Terrorgruppen Zuflucht und gewährt
weiterhin Gruppen politische Unterstützung, die
sich mit terroristischen Aktivitäten befassen.

*

Seite 2

Der Iran ist nach wie vor der "gefährlichste" Förderer
und bietet den amerikanischen Politikern den größten
Anlaß zur Sorge. Die iranische Regierung ermordet
weiterhin Dissidenten und andere "Feinde" und
finanziert und bildet Extremisten aus, die freundlich
gesinnte Regierungen wie Ägypten und Tunesien
stürzen wollen.
Trotz der Anforderungen der maßgeblichen
Resolutionen des UN-Sicherheitsrats hat der Irak
die Förderung von Terrorismus wieder aufgenommen. Der Irak war "eindeutig verantwortlich" für
das vereitelte Komplott zur Ermordung von Präsident Bush.
Die Unterstützung Libyens für Terrorismus besteht
"seit langem und ist offenkundig". Obwohl Libyen
eine Reihe rein kosmetischer und leicht rückgängig zu machender Schritte zur Verringerung seiner
Unterstützung des internationalen Terrorismus
unternommen hat, erfüllt das Land die Forderungen des Sicherheitsrats nicht uneingeschränkt.
Unseres Wissens hat Nordkorea seit 1987, als ein
Flugzeug der Korean Airlines im Flug explodierte,
keine Terroranschläge mehr unterstützt. Nordkorea unterhält angeblich Kontakte zu Terrorismus
praktizierenden Gruppen.
Der Sudan wurde im August letzten Jahres auf die
amerikanische Liste der Terrorismus fördernden
Staaten gesetzt, weil die sudanesische Regierung
trotz mehrerer Warnungen zur Einstellung der
Unterstützung radikaler Extremisten internationalen Terrorgruppen Zuflucht gewährte.
Syrien bietet mehreren Gruppen weiterhin Unterstützung und Zuflucht, die sich mit internationalem
Terrorismus befassen. Es gibt keine Beweise,
daß syrische Regierungsvertreter seit 1986 direkt
in die Planung oder Ausführung von Terroranschlägen einbezogen waren.

*

AMERIKA DIENST 19

�PORTRAT
18. Mai 1994

DESIGNIERTER OBERSTER RICHTER IST
PRAGMATISCHER ARCHITEKT DES KONSENSES
Porträt von Stephen Breyer
WASHINGTON - (AD) - Die Amerikaner glauben an
das Gesetz, die Rechte des einzelnen und die
Verfassung, erklärte Stephen Breyer, designierter
Richter am neunköpfigen Obersten Bundesgericht
der Vereinigten Staaten, und sie tun gut daran, denn
das ist für ihr Leben äußerst wichtig.
Bei einer Feierstunde im Rosengarten des Weißen
Hauses am 16. Mai 1994 stellte Breyer fest, die
Verfassung und das Gesetz müßten mehr sein als
nur Worte und sollten für den Menschen eine
praktische Realität darstellen.
Er versprach, sich dafür einzusetzen, daß die
amerikanischen Gesetze "in Wort und Geist" dem
Volk dienen.
Breyer ist seit 1990 als Oberster Richter am Appellationsgericht in Boston tätig, wozu er ursprünglich
1981 nominiert wurde. Im Falle seiner Bestätigung
durch den Senat wird er Nachfolger von Richter
Harry Blackmun, der für das liberalste Mitglied des
Obersten Bundesgerichts gehalten wird.
Der 55jährige Breyer hat etwa 600 Gutachten
erstellt, die von Juristen als politisch neutral bezeichnet werden und Entscheidungen gefällt, die von
gemäßigt bis liberal einzustufen sind.
Präsident Clinton erklärte, Breyer, der bereits im
vergangenen Jahr für die Besetzung dieses Amtes
in Betracht gezogen wurde - die Entscheidung fiel
jedoch zugunsten von Ruth Bader Ginsberg verfüge über "das erforderliche politische Urteilsvermögen". Neben Breyers politischen Fähigkeiten
führte der Präsident dessen "Begabung als Architekt
des Konsenses" an und würdigte ihn als "einen der
herausragenden Juristen unserer Zeit".
Dem Präsidenten zufolge wird Breyer seine Fähigkeit
einbringen, im Obersten Gerichtshof Amerikas
"Brücken der Fairness und Gerechtigkeit" zu bauen.
Er erwarte von seinem Kandidaten, "dem Gericht
Größe zu verleihen".

AMERIKA DIENST 19

Breyer bezeichnete seine juristische Philosophie als
"eher pragmatisch denn theoretisch" und schrieb, das
Gesetz sei "eine Einrichtung des Menschen, die den
grundlegenden Erfordernissen des Menschen und der
Gesellschaft diene". Der designierte Oberste Richter
äußerte, rechtliche Instrumente wie die Verfassung,
die Bill of Rights, Gesetzesbestimmungen und
Vorschriften sollten den Menschen das Zusammenleben in einer Gesellschaft ermöglichen, in der es
eine Vielzahl unterschiedlicher Ansichten und Bedürfnisse gebe.
Breyer möchte als ein Mitglied des öffentlichen
Dienstes bekannt werden, das allen drei Zweigen der
US-Regierung diente: dem Justizministerium, dem
Kongreß und dem Gericht.
In den sechziger Jahren arbeitete er im Bereich des
Kartellrechts für das Justizministerium und war 1973
Mitglied der Sonderuntersuchungsgruppe der Watergate-Affaire. Kurz darauf wurde er Sonderberater
des Justizausschusses des Senats und wirkte an der
Formulierung der Richtlinien fürdie Deregulierung der
Luftfahrtindustrie mit.
Später arbeitete Breyer als Juraprofessor in Salzburg.
Vor seiner Tätigkeit als Richter praktizierte er als
freiberuflicher Anwalt. Ferner gehörte er dem Bundesstrafausschuß an, der erstmals Richtlinien für die
Verurteilung von Verbrechern aufstellte.
Der Verwaltungsrechtsexperte David Bickert äußerte
der Washington Post gegenüber, Breyer verfüge über
"ein außergewöhnlich feines Gespür dafür, welche
Auswirkungen Vorschriften auf den einzelnen haben,
wer schutzbedürftig ist und welche Belastung daraus
für ein Unternehmen entsteht".
Breyer ist unter anderem Verfasser eines Buches mit
dem Titel Breaking the Viclous Circle: Toward
Effectlve Rlsk Regulation. Ferner veröffentlichte er
eine Vielzahl von Fachartikeln und wirkte in Havard
an der Law Review mit.

Seite 1

�Breyers Frau Joanna ist als Psychologin am Krankenhaus tätig, ihr Vater, Lord John Blankenham, war
früher Vorsitzender der Konservativen Partei Großbritanniens. Die Breyers haben drei Kinder - Michael, Neil und Chloe. Der energiegeladene Richter
joggt und fährt Fahrrad.

Seine juristische Laufbahn ist auch für Umweltschützer ansprechend. Er arbeitete an Fällen im Zusammenhang mit Strandbuggys am Küstenstreifen
von Cape Cod, der Säuberung des Bostoner Hafens
und Bedrohungen der gefährdeten Flora und Fauna
von Maine.

Der Kandidat für das Richteramt hat einen trockenen
Humor. Er wuchs in Kalifornien auf, besuchte die
Lowell High School in San Francisco und machte
1959 an der Stanford University seinen Abschluß mit
Auszeichnung. Während seiner Zeit in Stanford war
er auch als Generalsekretär bei einem Modellversuch "Vereinte Nationen" tätig.

Angesichts der starken Unterstützung Breyers durch
beide Parteien erwartet man aus dem Kapitol keinen
Widerstand gegen seine Nominierung. Der Minderheitsführer im Senat, Robert Dole, beschrieb den
Kandidaten als Persönlichkeit mit "hohem Intellekt"
und Integrität. Orrin Hatch, Mitglied im Justizausschuß des Senats und Angehöriger der Republikanischen Partei, äußerte, Breyer werde eine Bereicherung des Obersten Gerichts sein. Der Demokratische
Senator Patrick Leahy erwartet eine problemlose
Bestätigung Breyers vor der im August beginnenden
Sommerpause des Kongresses.

Breyer, der Französisch spricht, studierte als Marshall-Stipendiat Politik und Ökonomie an der Oxford
University und machte 1964 an der juristischen
Fakultät von Harvard sein Examen magna cum
laude.
Mitte der sechziger Jahre war er Assistent von
Richter Arthur Goldberg am Obersten Bundesgericht.
In den siebziger Jahren kehrte Breyer nach Harvard
zurück, wo er Kartell- und Wirtschaftsrecht lehrte.

Die Anhörung zur Bestätigung Breyers vor dem
Justizausschuß des Senats soll im Sommer stattfinden. Bis zu diesem Zeitpunkt will Breyer keine
Antwort auf wesentliche Fragen geben. Er wird
wahrscheinlich zu Bürgerrechten, der Todesstrafe,
Schwangerschaftsabbruch, dem Schulgebet und dem
Recht auf Privatsphäre befragt.

* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 19

�UMWELT
18. Mal 1994

UMWELTVERTRÄGLICHE ENTWICKLUNG EINE ILLUSION
von Thomas J. DiLorenzo
Umweltverträgliche Entwicklung - staatliche Kontrolle der Ressourcen im Namen des Umweltschutzes funktioniert nicht, argumentiert der Verfasser und führt die ehemals kommunistischen Länder als Beispiel an.
DiLorenzo zufolge ist die Ursache der Umweltverschmutzung in der bisher kommunistischen Welt und weltweit
"das Fehlen von Eigentumsrechten und Haftungsgesetzen, die Umweltverschmutzer für ihr Handeln zur
Rechenschaft ziehen... Wenn man das Recht auf Eigentum an Ressourcen hat, besteht ein stärkerer Anreiz
zum Schutz dieser Ressourcen."
Der Autor ist Ökonomieprofessor an der Sellinger School of Business and Management am Loyola College in
Baltimore (Maryland). Er hat zahlreiche Artikel über öffentliches Finanzwesen und politische Themen verfaßt
und Vorlesungen darüber gehalten. Er ist ferner redaktioneller Sachverständiger für 15 wissenschaftliche
Zeitschriften.
Veröffentlichung und Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von The Futurist, Ausgabe SeptemberOktober 1993, herausgegeben von World Future Society, 7910 Woodmont Ave., Suite 450, Bethesda MD
20814. Copyright (c) 1993 World Future Society.
Es gibt keine genaue Definition von umweltverträglicher Entwicklung. Für einige bedeutet sie nur
das Abwägen zwischen Wirtschaftswachstum und
den Zielen des Umweltschutzes - eine relativ unumstrittene Position. Für andere bedeutet sie jedoch
etwas anderes: Eine dramatische Verringerung des
Wirtschaftswachstums in den Industrienationen
gekoppelt mit einer massiven Umverteilung des
internationalen Sozialprodukts.
Den Verfechtern der letzteren Sichtweise zufolge gibt
es weltweit nicht mehr genug Ressourcen zur
Aufrechterhaltung der derzeitigen Wirtschaftswachstumsraten, und diese Wachstumsraten sind außerdem zu schädlich für die Umwelt. Infolgedessen
argumentieren diese Befürworter zugunsten von
staatlicher Regulierung praktisch des gesamten
menschlichen Verhaltens auf nationaler und internationaler Ebene sowie für staatliche Kontrolle von
in Privatbesitz befindlichen Ressourcen weltweit.
Solche Kontrollen könnten durch nationale Regierungen oder internationale Bürokratien wie die Vereinten Nationen durchgeführt werden. Die aus dem
tragischen Scheitern des Sozialismus zur ziehende
"Lehre" - so glauben die Verfechter der umweltverträglichen Entwicklung anscheinend - lautet, daß die
Welt mehr Sozialismus braucht.

AMERIKA DIENST 19

Solche Ansichten würden als bizarr und irrational
abgetan, wenn sie nicht von einer so einflußreichen
Persönlichkeit wie der norwegischen Ministerpräsidentin Gro Hartem Brundtland vertreten würden, die
auch den Vorsitz der Weltkommission für Umwelt und
Entwicklung der Vereinten Nationen führt. Diese
Kommission veröffentlichte ihre Ansichten 1987 in
dem Buch Our Common Future, das den Grundstein
für den im Juni 1992 in Rio de Janeiro abgehaltenen
Erdgipfel legte.
Die in Our Common Future und beim Erdgipfel
befürworteten politischen Vorschläge trugen jedoch
den inhärenten Mängeln staatlicher Planung und
Regulierung nicht Rechnung und ignorieren die
wichtige Rolle des Rechts auf Privateigentum, der
Technologie und des Marktsystems bei der Milderung
von Umweltproblemen.
Der endgültige Zusammenbruch des Kommunismus
im Jahr 1989 enthüllte ein schmutziges Geheimnis:
In der kommunistischen Welt war die Verschmutzung
sehr viel schlimmer als an irgendeinem anderen Ort
des Planeten. Theoretisch hätte dies nicht der Fall
sein dürfen, denn seit langem wurde argumentiert,
das Profitdenken und das Versagen unregulierter
Märkte, Anreize zur Deckung externer Kosten im
Inland zu bieten, seien die Hauptursachen der

Seite 1

�Verschmutzung gewesen. Staatliche Regulierung
oder staatlicher Besitz von Ressourcen wurden als
notwendige Voraussetzung für Umweltschutz angesehen.
Aber das war nur Theorie. Realität ist, daß in den
Ländern, in denen Profitstreben seit Jahrzehnten
verpönt war und die Regierung den Besitz praktisch
aller Ressourcen beanspruchte, die Verschmutzung
und andere Formen von Umweltzerstörung verheerend waren. Dem globalen Umwelt-Überwachungsprogramm der Vereinten Nationen zufolge zählt die
Verschmutzung in Mittel- und Osteuropa zu der
"schlimmsten auf der Erdoberfläche".
In Polen hat der saure Regen beispielsweise die
Eisenbahnschienen so korrodiert, daß die Züge nicht
schneller als 38,4 km pro Stunde fahren dürfen. 95
Prozent des Wassers sind für menschlichen Verbrauch und der Großteil sogar für industrielle Zwekke ungeeignet und so vergiftet, daß es Schwermetalle auflösen würde. Der Industriestaub regnet auf
Städte und lädt Kadmium, Blei, Zink und Eisen ab.
Die Hälfte der polnischen Städte entsorgt nicht
einmal die Abfälle, und die Lebenserwartung der
Männer ist niedriger als vor 20 Jahren.
Ein ähnliches Bild bietet sich in anderen Teilen
Mittel- und Osteuropas, der ehemaligen Sowjetunion
und China. 80 Prozent der Gewässer im früheren
Ostdeutschland sind als ungeeignet zum Fischen,
Trinken oder für sportliche Aktivitäten eingestuft. Ein
Drittel der Seen wurde für biologisch tot erklärt, weil
jahrzehntelang unbehandelte chemische Abfälle dort
abgeladen wurden. Einige Städte haben eine so
hohe Luftverschmutzung, daß die Autos am Tag mit
Licht fahren müssen. Bulgarien, Ungarn, Rumänien,
das ehemalige Jugoslawien und die frühere Tschechoslowakei erlitten während der Jahrzehnte des
Kommunismus ähnliche Umweltschäden.
Diese traurigen Tatsachen lehren die wichtige
Lektion, daß die Theoretiker der umweltverträglichen
Entwicklung nichts gelernt haben. Die Ursache der
Umweltverschmutzung in der bisher kommunistischen Welt und weltweit sind nicht das Profitstreben
und unregulierte Märkte, sondern das Fehlen von
Eigentumsrechten und Haftungsgesetzen, die
Umweltverschmutzer für ihr Handeln zur Rechenschaft ziehen. Die Zerstörung der Umwelt in der
ehemals kommunistischen Welt ist ein Beispiel für
die riesige 'Tragödie der Menschheit", um die von
dem Biologen Garrett Hardin geprägte Formulierung
zu entlehnen. Wo Eigentum in kommunalem oder
staatlichem Besitz ist und als freie Ressource
behandelt wird, werden Ressourcen unweigerlich
unter geringer Berücksichtigung zukünftiger Konsequenzen erschöpft.

Seite 2

Wenn man jedoch das Recht auf Eigentum an
Ressourcen hat, besteht ein stärkerer Anreiz zum
Schutz dieser Ressourcen. Wenn der einzelne ferner
nicht für anderen zugefügte Schäden - einschließlich
der Umweltschäden - verantwortlich gemacht wird,
besteht wenig Hoffnung, daß verantwortungsbewußtes Verhatten die Folge sein wird. Es erübrigt sich zu
sagen, daß der Staat sich nicht für die von ihm in den
ehemals kommunistischen Ländern verursachten
Umweltschäden verantwortlich fühlte. Weit davon
entfernt, eine Antwort auf Umweltprobleme zu sein,
war daher überall vorhandene staatliche Kontrolle der
Rohstoffe die Ursache.
Our Common Future vernachlässigt die Rolle der
Eigentumsrechte und vertraut daher viel zu stark auf
die Wirksamkeit stärkerer staatlicher Kontrolle und
Regulierung als Lösung für Umweltprobleme. Einige
Beispiele ragen heraus.
Rodung der Wälder. Internationale Wirtschaftsbeziehungen "stellen ein besonderes Problem für
arme Länder dar, die ihre Umweltprobleme in den
Griff zu bekommen versuchen", stellt Our Common
Future fest. Beispielsweise ist "der Handel mit
Tropenhölzern... ein Faktor für die Rodung tropischer
Regenwälder. Der Bedarf an Devisen ermutigt viele
Entwicklungsländer zum schnelleren Abholzen der
Wälder als diese sich regenerieren können."
Der Devisenbedarf besteht jedoch nicht nur in den
Entwicklungsländern. Jeder hat lieber mehr als
weniger, aber nicht alle fällen Bäume und verkaufen
sie für einen wirtschaftlichen Profit. Die Rodung der
Wälder war auch in den ehemals kommunistischen
Ländern ein massives Problem, aber der Hauptgrund
war, daß die Wälder sich in kommunalem Besitz
befanden. Infolgedessen konnte jeder sie abholzen
und in Ermangelung von Eigentumsrechten gab es
praktisch keinerlei Anreiz, neue zu pflanzen.
Auch in demokratischen Ländern wurde abgeholzt,
vor allem in an Holzfällereien verpachteten staatlichen Wäldern, die - da das Land nicht ihr Privatbesitz
ist - wenig an der Wiederaufforstung und dem Schutz
ihres künftigen Werts interessiert sind. Einige dieser
holzverarbeitenden Unternehmen tragen in der Tat
Sorge, nicht zu stark zu roden oder ihren eigenen
privaten Waldvorrat wiederaufzuforsten. Sie tun dies
nicht so sehr in dem Wunsch, die Umwelt zu schützen, als vielmehr für den Schutz ihrer Vermögenswerte. Gut umgesetzte Eigentumsrechte und die
Existenz eines Markts für Holzprodukte werden
gewährleisten, daß wahrscheinlich eine kluge Nutzung der Wälder und kein Raubbau betrieben wird.
Versteppung. Die Theoretiker der umweltverträglichen Entwicklung stellen auch eine Fehldiagnose

AMERIKA DIENST 19

�beim Problem der Versteppung - dem Prozeß, durch
den "produktives und teilweise unfruchtbares Land
wirtschaftlich unproduktiv wird", wie Our Common
Future es definiert. Sie machen den Kapitalismus
für die Versteppung verantwortlich, insbesondere
"den Druck auf unabhängige Nahrungsmittelproduktion, kommerziellen Anbau und Fleischproduktion in
fruchtbaren und halbfruchtbaren Gebieten". Ihre
"Lösung" lautet stärkere staatliche Kontrolle bei der
Landwirtschaft.
Die Versteppung ist zweifelsohne ein weltweites
Problem, das auch Teile der Vereinigten Staaten
betrifft. Die Hauptursache ist jedoch nicht die kommerzielle Landwirtschaft, sondern die Tragödie der
Bevölkerung.
Ein besonders anschauliches Beispiel der Bedeutung von Privateigentum für die Versteppung wurde
1974 in einem Artikel der Zeitschrift Science über
die Versteppung der Sahelzone in Afrika geschildert.
Zu dieser Zeit litt die Region unter einer fünfjährigen
Dürreperiode. Die Satellitenfotos der NASA zeigten
ein merkwürdig grünes Fünfeck, das in scharfem
Gegensatz zur übrigen afrikanischen Wüste stand.
Bei Nachforschungen entdeckten die Wissenschaftler, daß der grüne Klecks eine 10.000 Hektar große,
mit Stacheldraht umzäunte, in fünf Sektoren unterteilte Ranch war, und das Vieh pro Jahr nur in einem
Sektor weiden durfte. Die Ranch wurde zu der Zeit
in Betrieb genommen, als die Dürre begann, aber
der dem Land gebotene Schutz reichte aus, um den
Unterschied zwischen Weideland und Wüste zu
bewirken.
Flora und Fauna. Beim Erdgipfel wurde ein "Vertrag über Artenvielfalt" befürwortet, mit dem die
nationalen Regierungen Maßnahmen für eine
Verlangsamung des Verlusts von Pflanzen und
Tieren ergreifen sollten. Die von den Verfechtern
einer umweltverträglichen Entwicklung bevorzugte
Maßnahme umfaßt das Verbot der kommerziellen
Nutzung bestimmter Pflanzen und Tiere, wie etwa
das Verbot der Ausfuhr von Elefantenzähnen aus
Afrika und die Auflistung weiterer "gefährdeter
Arten", die dann von Regierungen in Naturschutzreservaten oder andernorts "geschützt" werden
könnten.
Es gibt jedoch zunehmende Beweise, daß der beste
Weg zur Rettung wirklich gefährdeter Arten nicht in
ihrer Sozialisierung sondern darin besteht, den
Menschen deren Besitz zu gestatten. Um den
Naturschützer Ike Sugg zu zitieren:
"Wenn Regierungen dem einzelnen erlauben,
die Früchte der Erhaltung und des Schutzes
ihrer Flora und Fauna zu ernten, werden

AMERIKA DIENST 19

diese gedeihen. Wenn dem einzelnen die
Chance verwehrt wird, legal von Flora und
Fauna zu profitieren, wird er dies illegal und
ohne das Verantwortungsgefühl tun, das mit
der Verwaltung der Ressourcen einhergeht."
Ein besonders anschauliches Beispiel für Suggs
Argument ist der afrikanische Elefant. Kenia verhängte in den siebziger Jahren das Verbot der
Elefantenjagd, woraufhin sich die Zahl der Elefanten
aufgrund der Wilderei von 140.000 im Jahr 1970
rasch auf heute 16.000 verringerte.
Im Gegensatz dazu hatte Simbabwe 1979 nur 30.000
Elefanten, zählt heute jedoch über 65.000. Der
Hauptgrund für diesen Unterschied ist Sugg zufolge,
daß die Regierung von Simbabwe 1984 den Einwohnern den Besitz von Elefanten auf kommunalem
Gelände gestattete - ein großer Schritt in Richtung
auf die Definition von Eigentumsrechten. Ein Stammeschef, der den Wert von Eigentumsrechten und
der Kommerzialisierung von Elefanten verstand,
drückte es folgendermaßen aus:
"Lange Zeit erklärte uns die Regierung, Flora
und Fauna seien ihre Ressource. Aber ich
sehe, wie lebende Tiere unsere Ressource
sein können. Unser Wohlstand. Unser Weg
zur Verbesserung des Lebensstandards ohne
auf eine Entscheidung der Regierung zu
warten. Ein Wilderer stiehlt nur von uns."
Auch in einigen Gebieten der Vereinigten Staaten
werden gefährdete Arten durch private Eigentumsrechte und freie Märkte in Form von Wildgehegen
geschützt, in denen typischerweise "exotische" oder
nichteinheimische Tiere gehalten werden.
Der
Rancher David Bamberger aus Texas hat beispielsweise 29 der 31 verbliebenen Arten der Oryx-Antilope
erhalten - einer seltenen Antilope, die in ihrem
Herkunftsland Afrika praktisch ausgestorben ist.
Trotz solcher Erfolge haben mehrere Bundesstaaten
Wildgehege aufgrund der Argumentation verboten,
sie seien Blasphemie für die "Religion" der Umweltschützer (ganz zu schweigen von "Tierrechten"), die
lautet, Märkte und Eigentumsrechte dezimierten die
Arten.
Das Prinzip der Nutzung von Eigentumsrechten und
Marktanreizen zum Schutz globaler Ressourcen und
der Umwelt findet auf ein breites Spektrum von
Problemen Anwendung, einschließlich der Ausbeutung von Wasserressourcen im amerikanischen
Westen, dem Mismanagement staatlicher Wälder, der
Überfischung öffentlicher Seen und Flüsse und sogar
der Ozeane. Das Seerechtsgesetz, dessen Unterzeichnung die Vereinigten Staaten bisher verweigert
haben, würde die Ozeane als größtes Gut - und

Seite 3

�unweigerlich als größte Tragödie - der Erde in
staatlichem Besitz und unter staatlicher Verwaltung
definieren.
Dieses elementare Prinzip wird jedoch noch nicht
einmal von den Theoretikern der umweltverträglichen
Entwicklung bei den Vereinten Nationen anerkannt.
Auf die Frage: "Wie können Einzelpersonen ...
überzeugt oder veranlaßt werden, im Interesse des
Allgemeinwohls zu handeln?", antwortete die Brundtland-Kommission mit "Bildung", Undefinierter "Strafverfolgung" und Beseitigung "des Gefälles bei wirtschaftlicher und politischer Macht". Die Rolle der
Eigentumsrechte bei der Formulierung von Anreizen
wurde nicht erwähnt.
Umweltverträgliche Entwicklung - wie von der
Brundtland-Kommission und den Planern des
Erdgipfels definiert - kann bestenfalls als Euphemismus für umweltpolitischen Sozialismus verstanden
werden, der den Regierungen immer mehr Kontrolle
über die Zuweisung von Ressourcen im Namen des
Umweltschutzes einräumt. Wenn jedoch aus dem
Zusammenbruch des Sozialismus in den ehemals
kommunistischen Ländern überhaupt eine Lektion zu
lernen ist, dann, daß der staatliche Besitz und die
staatliche Kontrolle von Ressourcen ein Rezept für
wirtschaftlichen Zusammenbruch und Verschlechterung der Umwelt sind. Sozialismus ist beim Schutz
der Umwelt genausowenig effektiv wie bei der
Schaffung von Wohlstand.
Der staatliche Besitz von Rohstoffen führt unweigerlich zu der Tragödie der Menschheit, dies ist jedoch
allzuhäufig die von der Brundtland-Kommission
angebotene "Lösung". Die Kommission empfiehlt
staatliche Kontrolle für alles vom Weltall bis zur
Energie, die angeblich "zu wichtig für die Entwicklung ist, als daß sie in solcher Weise fortgeführt
werden könnte", wie es der freie Markt gestattet.
Die oberste Priorität der Verfechter von umweltverträglicher Entwicklung ist vielleicht, den internationalen Wohlstandsstaat durch die Verlagerung von
Wohlstand aus "den reichen" Ländern in die Entwicklungsländer zu erweitern. Die gesamte Geschichte
der Entwicklungshilfe vollzieht sich jedoch zwischen
den Regierungen - der Großteil wird für gewöhnlich
zur Finanzierung der Erweiterung von Regierungsbürokratien in den Empfängerländern verwendet was der wirtschaftlichen Entwicklung abträglich sein
kann. Selbst wenn der größte Teil der Hilfe in die
Hände der Einwohner der Empfängerländer gelangen würde, erläutern die Theoretiker der umweltverträglichen Entwicklung nicht, wie dies in Ersparnisse,
Investitionen, Kapitalbildung und Unternehmenstätigkeit umgesetzt werden soll - die Bestandteile der
Wirtschaftsentwicklung.

Seite 4

Und schließlich begeht die Theorie umweltverträglicher Entwicklung den großen Fehler "der Vortäuschung von Wissen", wie es der Nobelpreisträger
Friedrich von Hayek bezeichnete. Die zur effizienten
Herstellung selbst der einfachsten Produkte erforderlichen detaillierten und sich ständig verändernden
"Informationen über Zeit und Ort" sind so enorm und
weitverzweigt, daß kein menschliches Gehirn oder
eine Denkfabrik mit dem größten Computer der Welt
die Effizienz eines dezentralisierten Marktsystems
imitieren könnte. Dies ist letztlich die Hauptlektion,
die aus dem weltweiten Zusammenbruch des Sozialismus zu lernen ist.
Je größer und komplexer die Wirtschaft darüber
hinaus wird, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit,
daß staatliche Planung irgend etwas anderes als ein
bloßes Herumgerate sein könnte. Wie Hayek in
seinen 1988 erschienenen Buch The Fatal Conceit
feststellt:
"Indem wir den der wettbewerbsorientierten
Marktordnung zugrundeliegenden spontan
geschaffenen moralischen Traditionen folgen...
schaffen und speichern wir größeres Wissen
und Wohlstand als je in einer zentral gelenkten
Wirtschaft gewonnen und genutzt werden
könnte... Daher sind sozialistische Ziele und
Programme faktisch unmöglich zu erlangen
oder durchzuführen."
Die Theorie umweltverträglicher Entwicklung fordert
vielfältige Varianten internationaler zentraler Planung
der Wirtschaftsaktivität. Wenn das "vorgetäuschte
Wissen" fatal für Versuche staatlicher Planung auf
nationaler Ebene ist, so ist die Überzeugung unhaltbar, daß internationale oder globale Planung möglicherweise Erfolg haben könnten.
Die Empfehlung der Brundtland-Kommission, daß
jede Regierungsbehörde der Welt sich mit wirtschaftlicher Planung und Regulierung im Namen des Umweltschutzes befassen sollte, würde zu einer massiven Bürokratisierung der Gesellschaft und konsequenterweise einer drastischen Verschlechterung des
Lebensstandards führen. Die Vorstellung von Millionen "grüner" Bürokraten, die in jeden Aspekt unseres
gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens
eingreifen, ist erschreckend.
Die Ironie des Schicksals ist, daß die wohlhabenderen Volkswirtschaften typischerweise gesünder und
sauberer sind als die ärmeren. Durch die Verarmung
der Weltwirtschaft würde "umweltverträgliche Entwicklung" tatsächlich auch schädlich für die Umwelt sein.
Privateigentum, freie Märkte und gute Haftungs-

AMERIKA DIENST 19

�gesetze - Anatheme der Theorie von umweltverträglicher Entwicklung - sind unabdingbar für eine

saubere Umwelt und Wirtschaftswachstum,

* * * *

AMERIKA DIENST 19

*

Seite 5

�FUSSBALL
18. Mal 1994

DIE AUSTRAGUNGSORTE DES WORLD CUP 1994
Neun amerikanische Städte im Porträt (I)

WASHINGTON - (AD) - Die Fußballweltmeisterschaft 1994 in den USA wird in neun Städten veranstaltet.
Beginnend mit Boston, Chicago, Dallas, Detroit und Los Angeles, veröffentlichen wir in den nächsten beiden
Ausgaben des Amerika Dienst kurze Porträts dieser Austragungsorte von Weltmeisterschaftsspielen.

BOSTON
Boston, auch "Beantown" oder "the Hub" genannt,
war eine der ersten europäischen Ansiedlungen in
den Vereinigten Staaten. Die Stadt wurde 1630 von
englischen Puritanern auf der Suche nach Religionsfreiheit gegründet und ist seither die bedeutendste
Stadt von Neu-England. Heute zählt Boston mit
seinen Vororten mehr als vier Millionen Einwohner.
Die Bewohner der Stadt haben seit ihrer Gründung
eine wichtige Rolle bei der Entwicklung des Landes
gespielt. Im nahegelegenen Concord und in Lexington wurde "der Schuß, den die ganze Welt hörte",
abgefeuert. Er markierte den Beginn des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges im April 1775. Am
gegenüberliegenden Ufer des Charles River in
Cambridge übernahm im folgenden Jahr George
Washington den Oberbefehl über das Revolutionsheer. Die Region ist ferner der Geburtsort solch
historisch bedeutender Persönlichkeiten wie Benjamin Franklin, John Adams, John Quincy Adams und
John F. Kennedy.
Die Geschichte der Stadt ist im großen und ganzen
erhalten geblieben und kann im Verlauf des 2,4 km
langen "Freedom Trail" besichtigt werden. Er
beginnt am Boston Common, dem ältesten Park der
Vereinigten Staaten. An dem historischen Weg
liegen ferner das Old State House, das als Sitz der
Kolonialregierung diente, die King's Chapel, Standort
der ersten öffentlichen Schule, der Globe Corner
Book Store, der einst von so berühmten Gelehrten
und Schriftstellern wie Ralph Waldo Emerson, Henry

AMERIKA DIENST 19

Wadsworth Longfellow und Nathaniel Hawthome
besucht wurde, das Old South Meeting House, wo im
Jahr 1773 die Boston Tea Party ihren Ausgang
nahm, und Faneuil Hall, seit 1742 Versammlungsort
von Bürgern, die dort über Politik und Wirtschaft
diskutieren.
Boston setzt sich aus vielen unterschiedlichen
Stadtvierteln zusammen. In der Nähe des Boston
Common befindet sich Beacon Hill, ein Viertel mit
engen Straßen und gut erhaltenen Stadthäusern aus
der Kolonialzeit. Nahe bei Faneuil Hall liegt das
North End, das zahlreiche historische Gebäude
beherbergt, wie etwa die Old North (Christ) Church,
Bostons älteste erhaltene Kirche, und das Paul
Revere House, das Heim des Patrioten aus der
Revolutionszeit. Heute wird das North End hauptsächlich von italienischen Einwanderern bewohnt,
und die zahlreichen Märkte und Restaurants verleihen dem Viertel ein besonderes Flair.
Die Wirtschaftskraft der Stadt gründet sich auf
Finanz- und Versicherungswesen, Niederlassungen
von Unternehmen, Universitäten, medizinische
Einrichtungen, Freizeit und Tourismus, Einzelhandel
und Industrie.
Boston besitzt einen der größten und meistfrequentierten Häfen der Welt. Er ist ferner ein wichtiger
Fischereihafen, und seine Fischrestaurants zählen zu
den besten des Landes.
Über 50 Colleges und Universitäten, darunter einige
der renommiertesten Bildungsstätten des Landes,
sind in Boston und seinen Vororten beheimatet. Dazu

Seite 1

�gehören: Die Harvard University (das älteste College des Landes), das Massachusetts Institute of
Technology (MIT), das Boston College, die Tufts
University, die Northeastem University, die University
of Massachusetts at Boston und das New England
Conservatory of Music.
Die Region von Boston ist auch als Standort zahlreicher High-Tech-Firmen bekannt, die in Cambridge
und entlang von Route 128, einer Ringautobahn um
Boston herum, angesiedelt sind. Ihre Wirtschaftstätigkeit konzentriert sich auf die Bereiche Elektronik,
Computer, Ingenieurwesen und Raumfahrt, und ihre
Mitarbeiter rekrutieren sich in großem Maß aus dem
Talentreservoir der umliegenden Universitäten.
Die Stadt besitzt darüber hinaus ein blühendes
Kulturleben. Die Symphony Hall, eine Konzerthalle
mit weltweit einzigartiger Akustik, ist die Heimat des
Boston Symphony Orchestra und der Boston Pops.
Das American Repertory Theater in Cambridge wird
landesweit für seine avantgardistischen Produktionen
gerühmt.
Natürlich sind die Einwohner Bostons auch begeisterte Sportfans. Im alten Boston Garden spielen
die Basketballmannschaft der Boston Celtics, die
bereits zahlreiche nationale Meisterschaften gewinnen konnte, und das Hockeyteam der Boston Bruins.
Beide Mannschaften werden seit langem von einer
großen Schar loyaler Anhänger unterstützt. Das
beliebte Baseball-Team der Stadt, die Red Sox,
absolviert seine Heimspiele von April bis Oktober im
Fenway Park nahe dem Kenmore Square. Die
Football-Mannschaft der New England Patriots spielt
im Sullivan Stadium von Foxboro (Massachusetts)
südwestlich von Boston.
Boston ist eine Stadt der Fußgänger, denn viele
seiner Attraktionen sind von bekannten Hotels und
vom Stadtzentrum aus zu Fuß zu erreichen. Wanderer werden darüber hinaus den 24 Kilometer
langen Weg am Charles River entlang, vorbei am
MIT, der Boston University und Harvard zu schätzen
wissen.
Für Tages- oder Wochenendausflüge in die nähere
Umgebung bieten die Küsten von North Shore und
South Shore sowie Cape Cod lohnende Ziele. In
North Shore befinden sich Rockport, eine Künstlerkolonie mit Geschäften, Galerien und Kunsthandwerkstudios, Gloucester, einst einer der größten
Fischereihäfen des Landes und heute ein Ort mit
exzellenten Fischrestaurants sowie Salem mit seinen
herrschaftlichen Häusern, die sich Clipperkapitäne
dort bauen ließen. Im Süden liegt Plymouth, wo die
Rekonstruktion der ersten europäischen Siedlung
besucht werden kann. Noch weiter südlich befindet

Seite 2

sich Cape Cod, eine schmale Halbinsel, die für ihre
Fischspezialitäten und sauberen Strände bekannt ist.
Weitere Informationen über Boston und Umgebung
können angefordert werden bei: Greater Boston
Convention &amp; Visitors Bureau, Prudential Tower,
Suite 400, P.O. Box 490, Boston, Massachusetts
02199; Telefon: 617-536-4100.

CHICAGO
Lange bevor die Europäer nach Nordamerika gelangten, kannten die Indianer Chicago als den Ort, an
dem eine niedrige Wasserscheide den Michigan-See
und die anderen Großen Seen von den Gewässern
trennte, die zum Mississippi und dem Golf von
Mexiko fließen. Als erste Europäer erforschten
Franzosen dieses Gebiet; ein schwarzer Trapper mit
dem Namen Jean-Baptiste Point du Sable gründete
die erste Siedlung an dem Ort, der von den Indianern
"Chicagou" genannt wurde, was starker oder mächtiger Ort heißt.
Von Beginn an erkannten die Vereinigten Staaten die
Bedeutung Chicagos; 1803 wurde dort das Fort
Dearborn errichtet. Das 1833 urkundlich als Dorf
eingetragene Chicago verzeichnete seit seiner
Gründung ein enormes Wachstum. Damals wie
heute war der Grund dafür seine Lage. Um die Mitte
des 19. Jahrhunderts bildete die Stadt bereits einen
wichtigen Eisenbahnknotenpunkt und Seehafen, das
Tor zum oberen Mittelwesten und seinen landwirtschaftlichen Reichtümern.
Angeführt von Menschen wie Cyrus McCormick, dem
Erfinder der Mähmaschine, entwickelte sich Chicago
zu einem Zentrum der Produktion; in seinen Silos
wurde ein Großteil des Getreides aus dem mittleren
Westen gelagert und in seinen Schlachthöfen das
Fleisch verarbeitet, das in Haushalten des ganzen
Landes auf den Tisch kam. Heute ist die Stadt die
wichtigste Verkehrsdrehscheibe des Landes, das
Zentrum eines riesigen Netzes von Lastwagen- und
Bahnrouten in das ganze Land sowie von weltweiten
Flugverbindungen.
Chicago vermittelt ein Bild der Stärke und Härte. Der
Dichter Carl Sandberg rühmte sie als die "Stadt der
breiten Schultern". Es ist die Art von schnörkelloser
Stadt, in der Mannschaften wie die Chicago Bulls
dreimal hintereinander Landesmeister im Basketball
werden oder die Chicago Bears, die oft auch die
"Monsters of Midway" genannt werden, in einem
Footballspiel gegen Ende der Saison ihre Gegner
inmitten eines heulenden Schneesturms überrennen.

AMERIKA DIENST 19

�Die Chicago Cubs und die Chicago White Sox
spielen in der "Windy City" bereits nahezu seit der
Jahrhundertwende Baseball. Die Stadt hat ferner
das Profi-Eishockeyteam der Black Hawks sowie den
Meister der North American Soccer League von
1991, Chicago Sting, aufzuweisen.
Die Weltmeisterschaftsspiele werden im SoldierField-Stadion ausgetragen, das nahe am MichiganSee und im Herzen der Stadt gelegen ist. Chicago
ist darüber hinaus der Sitz von U.S. Soccer, dem
Dachverband dieses Sports in den USA.
Im Einklang mit seinem Image der breiten Schultern
hat Chicago drei der fünf höchsten Gebäude der
Welt vorzuweisen: Der 110stöckige Sears Tower,
der Amco Tower und das John Hancock Building.
Die Chicago Symphony, das Field Museum of
Natural History, das Chicago Art Institute und die
Lyric Opera Company tragen zu Chicagos Stellung
als bedeutendem Zentrum des Kulturlebens bei, und
dasselbe gilt für die Präsenz der University of
Chicago, der Northwestern University, Loyola University und DePaul University. Das Daley Center mit
seiner berühmten Plastik von Picasso ist eines der
bekanntesten Freigelände der Stadt, wo häufig
Konzerte oder Demonstrationen stattfinden.
Auch für die Liebhaber des Blues ist Chicago vielleicht einer der attraktivsten Orte auf der Welt.
Jahrzehntelang sind legendäre Sänger, Gitarristen
und Harmonikaspieler vom Delta des Mississippi und
den Baumwollfeldern in Ost-Texas nach Norden
gezogen, um in den Clubs der Southside zu spielen.
Zusätzliche Informationen sind erhältlich bei: Chicago Convention and Tourism Bureau, 2301 South
Lake Shore Drive, McCormick Place on the Lake,
Chicago, Illinois 60616; Telefon: 312-567-8500.
DALLAS
Dallas, auch "Big D" genannt, ist die zweitgrößte
Stadt von Texas, dem zweitgrößten Staat der USA.
Wenn man Texas erwähnt, denken die Menschen an
Ölquellen und Cowboys mit breitkrempigen Hüten,
die über weite Ebenen reiten und Vieherden treiben.
Obwohl Rodeos und Ölarbeiter auch heute noch
häufig anzutreffen sind, ist Texas wesentlich vielfältiger und kosmopolitischer als dieses Image vermuten
läßt.
Dallas wurde 1841 als Handelsstation gegründet.
Zu jener Zeit war Texas eine unabhängige Republik,
die zwar ihre Freiheit von Mexiko errungen hatte,
aber noch nicht Teil der Vereinigten Staaten geworden war. Nachdem die Stadt eine Generation später

AMERIKA DIENST 19

durch zwei Eisenbahnlinien erschlossen wurde,
wuchs die Bevölkerung sprunghaft an.
Um die Jahrhundertwende war Dallas einer der
weltweit bedeutendsten Binnenmärkte für Baumwolle
geworden.
Es war jedoch die überraschende
Entdeckung von Ölvorkommen, die der Stadt seit
Beginn der dreißiger Jahre unverhofften Reichtum
bescherte. Heute haben zahlreiche ölfirmen ihre
Zentrale in Dallas.
Etwa ein Viertel der Bürger ist im Produktionssektor
beschäftigt, und Dallas ist ein bedeutendes Zentrum
der amerikanischen Elektronik- und Elektroindustrie,
des Flugzeugbaus sowie der Herstellung von ölfördergerät und Damenbekleidung. Darüber hinaus gilt
die Stadt als Finanzzentrum für den Südwesten der
Vereinigten Staaten.
In Dallas befinden sich die Southern Methodist
University sowie eine Reihe renommierter Priesterseminare und medizinischer Fakultäten. Darüber
hinaus besitzt die Stadt eine erstklassige Oper und
hervorragende Theaterensembles sowie bodenständige Country &amp; Western-Tanzschuppen, in denen
der "Texas Two Step" der bevorzugte Tanz ist. Jazz,
Rock sowie Rhythm and Blues sind in der Dallas
Alley im historischen West End zu Hause. Der große
Bevölkerungsanteil mexikanischer Einwanderer
verleiht der Stadt ihr charakteristisches texanischmexikanisches Flair, das sich auch in Speisen und
Musik niederschlägt.
Dallas ist eine der fußballfreudigsten Städte in den
Vereinigten Staaten. Vor zwanzig Jahren wurden die
Kinder der Stadt - und deren Eltern, die die zahlreichen Jugendligen von Dallas organisieren - vom
Fußballfieber erfaßt, und dieser Boom hatte wahrhaft
texanische Ausmaße. Die Zahl der Mannschaften hat
sich seit den siebziger Jahren verzehnfacht, und an
der Zahl der aktiven Jugendmannschaften gemessen
liegt Texas an zweiter Stelle hinter Kalifornien. Die
meisten Amerikaner würde diese Tatsache vermutlich
überraschen, da Dallas in den USA hauptsächlich für
American Football steht, nicht für Fußball.
In Big D wird der American Airlines Dallas Cup
ausgetragen, eines der angesehensten Jugendfußballturniere der Welt, und die Stadt ist auch im
Profifußball bereits in Erscheinung getreten: Gemeinsam mit Mexiko-Stadt war sie 1993 Veranstaltungsort
der Meisterschaft für Nord- und Mittelamerika und die
Karibik (CONCACAF). Im Finale schlug Mexiko die
USA mit 4:0.
Die Weltmeisterschaftsspiele werden im Cotton-BowlStadion mit 72.000 Sitzplätzen stattfinden, wo an

Seite 3

�jedem Neujahrstag zwei der besten College-Footballmannschaften des Landes aufeinandertreffen.
Im Sommer strömen die Besucher nicht nur um des
dort stattfindenden Jahrmarkts willen in den State
Fair Park, sondern auch um die Spitzenaufführungen
von Broadway-Musicals zu erleben, die zu einem
Markenzeichen der Stadt geworden sind. Das
Gebäude des Dallas Theater Center ist einzigartig:
Es ist das einzige Theater, das je von dem berühmten amerikanischen Architekten Frank Lloyd Wright
entworfen wurde.
An Einkaufsmöglichkeiten bietet Dallas unter anderem Nieman-Marcus, das legendäre Kaufhaus der
Stadt, sowie den weitläufigen Market Center-Komplex, in dem sich verschiedene Geschäfte für Damen- und Herrenbekleidung sowie Möbel befinden.
Politisch ist Dallas auf tragische Weise mit einem der
erschütterndsten Momente der amerikanischen
Geschichte verbunden - der Ermordung von Präsident John F. Kennedy während einer Fahrt durch die
Stadt am 22. November 1963. Kennedys Nachfolger
Lyndon B. Johnson bot als Texaner vom Scheitel bis
zur Fußsohle - groß und überwältigend - einen kaum
zu überbietenden Kontrast zu seinem Vorgänger.
Mit einem Besuch der Daley Plaza, dem Ort des
Attentats, und im Gedenkmuseum wenige Häuser
weiter kann der Besucher die Wirrungen des Schicksals nachvollziehen, die der Stadt ihren notorischen
Ruf und dem berühmtesten Politiker aus Texas das
Präsidentenamt einbrachten.

Weitere Informationen über Dallas sind erhältlich bei:
Dallas Convention and Visitors Bureau, Suite 2000,
1201 Elm Street, Dallas, TX 75270; Telefon: 214746-6677.

DETROIT
Detroit - Motown - ist zu Recht stolz auf die Tatsache, daß es Fußballgeschichte machen wird. Im
Silverdome bei Pontiac werden zum ersten Mal
Weltmeisterschaftsspiele in einem völlig überdachten
Stadion ausgetragen. Die Mannschaften werden auf
einer von der University of Michigan entwickelten
besonderen Art von Rasen (Rispengras) spielen, der
in 1.800 sechseckigen Behältern angebaut wurde.
Der Rasen hat sich beim 2:1 Sieg Deutschlands
über England beim US-Cup von 1993 bewährt - so
stellte der deutsche Star Jürgen Klinsmann fest, er
habe noch nie auf einem Platz mit solch perfekten
Verhältnissen gespielt - und die Offiziellen vom
Silverdome sind sich sicher, daß er den harten
Weltmeisterschaftsspielen standhalten wird.

Seite 4

Detroit besitzt renommierte Profimannschaften im
Baseball, Basketball und Eishockey. Im Silverdome
mit seinen 76.000 Zuschauerplätzen wurden bereits
zahlreiche Fußballspiele ausgetragen, bis zurück zu
den Zeiten als dort die Heimspiele von Detroit Express in der North American Soccer League stattfanden.
Die Stadt wurde 1701 von einem Händler names
Cadillac gegründet, der den französischen Pelzhandel
schützen wollte. Der von ihm gewählte Ort lag am
Detroit River, an der wichtigen Wasserstraße zwischen den Großen Seen, die drei Jahrhunderte lang
die wichtigste Verbindung zwischen dem Zentrum des
Landes und dem Atlantik bildete. Vor dem Bürgerkrieg (1861-1865) war die Stadt eine wichtige Station
der "Underground Railroad": Über diesen Weg
gelang es Hunderten von Sklaven, in die Freiheit des
nahen Kanada zu entkommen.
Die Stadt wurde durch die Eisen- und Stahlindustrie
sowie andere Industriezweige rasch industrialisiert
und erlebte ihre erste Blütezeit um die Jahrhundertwende. Dann fuhr im Jahr 1896 Charles B. King in
einer Kutsche ohne Pferde durch Detroit, und die
Stadt machte Geschichte. Die drei großen Automobilhersteller - General Motors, Chrysler und Ford haben ihren Sitz im Einzugsgebiet von Detroit. Die
Region gehört femer zu den führenden Produzenten
von Büromaschinen, chemischen Erzeugnissen,
Eisenwaren, Werkzeugmaschinen und Sanitärausrüstung.
Kanada ist von Detroit aus leicht zu erreichen: die
Stadt ist durch eine Brücke und einen Tunnel mit der
kanadischen Stadt Windsor (Ontario) verbunden.
In den sechziger Jahren entwickelte eine Gruppe von
Musikern aus Detroit den charakteristischen MotownSound (abgeleitet von dem Begriff "Motor Town"), der
von Gruppen und Interpreten wie den Temptations,
Smokey Robinson and the Miracles, Marvin Gaye,
Aretha Franklin und den Jackson Five weltweit
berühmt gemacht wurde. Darüber hinaus ist Detroit
Sitz solch renommierter Institutionen wie des Detroit
Institute of Arts, der Detroit Symphony und der
Cranbook Academy of Art.
Für Freizeitaktivitäten bietet sich der 400 Hektar
große Belle Isle Park an, der mit seinen schönen
Stränden, dem Jachthafen, einem Zoo, Aquarium und
Botanischen Garten sowie Sommerkonzerten Tausende von Besuchern anzieht. Der Detroit River wird
von Vergnügungsdampfern und Frachtschiffen, die
zwischen den Großen Seen fahren, stark frequentiert;
durch die Öffnung des St.-Lorenz-Kanals im Jahr
1959 wurde Detroit zum internationalen Seehafen.

AMERIKA DIENST 19

�Weitere interessante Stätten sind das Henry and
Edsel Ford Auditorium, wo das Detroit Symphony
Orchestra spielt, das Kongreß- und Ausstellungsgebäude Cobo Hall sowie ein 73stöckiges Hotel, das
im Renaissance Center am Flußufer integriert ist.
Für Autoliebhaber ist das Henry Ford Museum
sicherlich einen Besuch wert, während das angrenzende Greenfield Village Rekonstruktionen amerikanischer Häuser und alter Handwerkskünste beherbergt.
In Detroit befinden sich die Wayne State University,
die University of Detroit und das Detroit College of
Law. Das unweit von Detroit gelegene Ann Arbor
beherbergt die renommierte University of Michigan.
Weitere Informationen über die Region Detroit
können angefordert werden bei: Metropolitan Detroit
Convention and Visitors Bureau, 100 Renaissance
Center, Suite 1900, Detroit, MI 48243-1056; Telefon:
313-259-4333.
LOS

ANGELES

Los Angeles, LA, Stadt der Engel - sie ist eine der
bekanntesten, am wenigsten verstandenen und
ethnisch vielfältigsten Städte der Welt. Als Unterhaltungshauptstadt Amerikas bietet diese Stadt rund um
die Uhr einen Cocktail aus Fakten und Fiktionen und
verbindet die Realität so nahtlos mit der Illusion, daß
der Unterschied zwischen beiden nicht immer eindeutig zu klären ist.
Eines steht jedoch fest: Im Sommer 1994 wird die
Stadt Gastgeber der Fußballweltmeisterschaft sein.
Es werden Vorrundenspiele, ein Halbfinalspiel sowie,
am 16. und 17. Juli 1994, die beiden Finalspiele dort
stattfinden. Sie werden im Rose-Bowl-Stadion mit
seinen 102.000 Sitzplätzen ausgetragen, das rund
16 Kilometer nördlich vom Stadtzentrum liegt.

den Städten der Vereinigten Staaten weist Los
Angeles heute die zweithöchste Bevölkerungszahl auf
- in ihrem Einzugsgebiet leben nahezu 15 Millionen
Menschen.
Das milde Wetter Südkaliforniens und die spektakuläre Lage zwischen den San-Gabriel-Bergen und dem
Pazifik verleihen Los Angeles bereits seit langem
große touristische Bedeutung. Sonne und Sand
laden den Besucher ein - mit Santa Monica, Malibu
und Venice als populären Stränden zum Schwimmen,
Surfen, Volleyballspielen, zum Rollerbladefahren, um
Menschen bei ihren Aktivitäten zuzusehen oder
einfach die entspannte und freundliche Atmosphäre
Südkalifomiens auf sich wirken zu lassen.
Pasadena, der Vorort, in dem sich das Rose-BowlStadion befindet, ist auch der Sitz des weltberühmten
California Institute of Technology (Caltech). Andere
renommierte Universitäten der Umgebung sind
beispielsweise die University of California at Los
Angeles (UCLA), das Claremont College, das Occidental College und die University of Southern California. An jedem Neujahrstag wird in Pasadena die
Tournament of Roses Parade abgehalten, deren
Festwagen vollständig aus Blumen gefertigt sind.
Nach der Parade findet im Stadion ein landesweit im
Fernsehen übertragenes Endspiel zweier CollegeFootballmannschaften (das Rose-Bowl-Spiel) statt.
Die Region von Los Angeles hat bereits eine stolze
Tradition als Ausrichter von Sportveranstaltungen
vorzuweisen, darunter die Olympischen Spiele von
1932 und 1984. Gemäß ihrem Image als Mekka von
Aktivitäten im Freien nimmt der Sport einen wichtigen
Stellenwert im Leben der Stadt ein. Zu den Profimannschaften gehören die Lakers und die Clippers
(Basketball), die Dodgers und die Angels (Baseball),
die Rams und die Raiders (American Football) und
die Kings (Eishockey).
Auch Fußball ist sehr populär. Mehrere Spieler der
amerikanischen Nationalmannschaft stammen aus
Kalifornien, und die unlängst eröffnete nationale
Fußballeinrichtung befindet sich im nahegelegenen
Mission Viejo.

Los Angeles wurde im Jahr 1771 von spanischen
Missionaren gegründet, die ihre Gemeinde Stadt der
Engel nannten. Sie war mehrmals Hauptstadt der
mexikanischen Provinz Atta California, bis die
Region in den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts
Teil der Vereinigten Staaten wurde. Ein halbes
Jahrhundert später gewann die Stadt durch die
Entdeckung von Ölvorkommen an Bedeutung. Es
war jedoch der Einzug der Filmindustrie in Hollywood in den zwanziger Jahren dieses Jahrhunderts,
der Los Angeles weltweit bekannt machte.

Los Angeles ist eine Stadt mit zahlreichen charakteristischen Stadtvierteln, darunter das East Los
Angeles der Latinos, Chinatown und Little Tokyo. In
der Innenstadt befinden sich ferner die historische
Old Plaza und die Olvera Street, wo noch das Flair
der alten Siedlung aus der Kolonialzeit zu spüren ist.

Die Stadt ist seit 1950 stark gewachsen, als sich
Amerikaner und Einwanderer aus der ganzen Welt
vom LA-"Lifestyle" - jenem Inbegriff kalifornischer
Lebensart - wie magisch angezogen fühlten. Unter

Ein Besuch in Los Angeles wäre nicht vollständig
ohne einen Abstecher ins nahegelegene Hollywood.
Touristen gehen gerne den Walk of Farne entlang,
wo die Fußabdrücke von Unterhaltungsstars in Beton

AMERIKA DIENST 19

Seite 5

�verewigt sind oder bronzene Sterne auf dem Bürgersteig des Hollywood Boulevard und anliegender
Straßen die Namen von Größen des Showbusiness
tragen. In der Nähe befindet sich Mann's (früher
Graumann's) Chinese Theater, dessen verblaßte
Eleganz von den Weltpremieren kündet, die einst
hier stattfanden.
Um Filmgeschichte bei ihrer Entstehung zu erleben,
kann der Besucher sich die Kulissen der im Norden
von Hollywood gelegenen Universal oder WarnerBrothers-Studios ansehen. Alle drei großen amerikanischen Fernsehstationen haben ebenfalls Studios
in Los Angeles und bieten freie Eintrittskarten zu
Game Shows, Talkshows mit berühmten Persönlichkeiten oder Comedy-Serien, die vor einem Studiopublikum aufgezeichnet werden.
Bei einer Bustour zu den Villen von Beverly Hills und
Bei Air westlich von Hollywood kann man vielleicht
einen Blick auf einen der berühmten Stars der Stadt
werfen. Im Herzen von Beverly Hills liegt die exklusive Einkaufsgegend des Rodeo Drive. Andere
Viertel mit Kunstgalerien, Boutiquen und eleganten
Restaurants befinden sich am Wilshire-, Santa
Monica- und La Cienega-Boulevard, alles liegt in
Hollywood und vor der dorfähnlichen Kulisse von
Westwood nahe beieinander.
Los Angeles hat außerdem ein eindrucksvolles
kulturelles Spektrum zu bieten. In der Nähe des
Finanzviertels liegt das Los Angeles County Music
Center for the Performing Arts mit dem Dorothy
Chandler Pavilion - dort findet jedes Jahr die Verleihung der Oscars statt. Das Mark Taper Forum, in

dem Dutzende von Theatertruppen auftreten, ist das
größte Theater der Stadt.
Das neueste kulturelle Juwel von Los Angeles, das
Museum of Contemporary Art, befindet sich in der
Innenstadt, während der größte Kunstausstellungskomplex der Stadt, das Los Angeles County Museum
of Art, am exklusiven Wilshire Boulevard liegt. Das
Museum besteht aus vier Gebäuden mit umfangreichen Sammlungen, die von Kunstschätzen der Antike
bis zu zeitgenössischen Werken reichen. Neben dem
Museum kann man die La Brea Tar Pits besuchen,
wo prähistorische Säugetiere, die sich das falsche
Wasserloch ausgesucht hatten, seither als Fossilien
ruhen.
Die ausgedehnteste Attraktion der Stadt und zugleich
der größte städtische Park der Vereinigten Staaten ist
der Griffith Park, der sich über zerklüftetes, gebirgiges Gelände ausbreitet. Ein weiterer malerischer
Aussichtspunkt ist der Mulholland Drive auf dem
Scheitelpunkt der Hollywood Hills, der besonders bei
Nacht spektakuläre Ausblicke auf die Stadt ermöglicht. Im südlich der Stadt gelegenen Anaheim
befindet sich die populärste Attraktion Kaliforniens,
Disneyland, wo sich riesige Menschenmassen an den
Themenparks Magic Kingdom, Adventureland,
Frontiertand, Fantasyland und Tomorrowland erfreuen.
Weitere Informationen sind beim Greater Los Angeles
Convention and Visitors Bureau, 633 W. 5th St., Suite
6000, Los Angeles, CA, 90071, Telefon: 800-2282452, erhältlich.

* *

Seite 6

*

AMERIKA DIENST 19

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="12085">
                <text>18.05.1994</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="12086">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="12087">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="12088">
                <text>Amerikadienst 18.05.1994</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="12089">
                <text>&lt;strong&gt;1. Friedensoperationen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Politik der Clinton-Administration zur Reform von Friedensoperationen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Bericht der US-Regierung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Rassendiskriminierung&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Senat soll Konvention über Rassendiskriminierung unterstützen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache von John Shattuck&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Verbrechensbekämpfung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nachrichtendienste und Strafverfolgung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von CIA-Direktor Woolsey&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Terrorismus&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Terrorismus weiterhin globales Problem&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Jahresbericht des Außenministeriums&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Porträt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Designierter oberster Richter ist pragmatischer Architekt des Konsenses&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt von Stephen Breyer&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;6. Umwelt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Umweltverträgliche Entwicklung - eine Illusion&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Thomas J. DiLorenzo&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;7. Fußball&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Austragungsorte des World Cup 1994&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Neun amerikanische Städte im Porträt (I)&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="1519" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="1530">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/f99f50c611014d3fdcc36f27423983a7.pdf</src>
        <authentication>dd39a524ab11c30f8fb30bed7635dc49</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="7940">
                    <text>amerika dienst
United
53
Tel:

States

Bonn-Bad

I n f o r m a t i o n

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Nummer

Service

Postfach

300

Information
und
Dokumentation

T e I e x : 08 - 8 5 4 3 2

18. Juni 1975

12
Inhalt

DOKUMENTATION:
Senator Muskie sieht neue weltpolitische Rolle für die USA
- Rede vor dem Chicago Council on Foreign Relations -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:

Kraft-und Wasserwerk im Hause
-Kompakt-Versorgungssystem in Neubaugebieten - Beitrag zur Energieeinsparung-

Kohlenstaub als Einsatzmaterial für MHD-Generator
-Forschungsprojekt der Stanford-Universität - Auch schwefelhaltige Kohle
geeignet-

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

Tel:

8 9 - 3 2 4 0

I n f o r m a t i o n

G o d e s b e r g l ,

Service

Postfach

Telex:

Dokumentation

300

0 8 - 8 54 3 2

12/1975

SENATOR MUSKIE SIEHT NEUE WELTPOLITISCHE ROLLE FÜR DIE USA
Rede vor dem Chicago Council on Foreign Relations

Der einflußreiche demokratische Senator
Edmund S. Muskie aus dem Staate Maine, hat
am 2. Juni in einer Rede vor dem Rat für
Auswärtige Beziehungen in Chicago seine
Auffassungen über die künftige weltpolitische
Rolle der Vereinigten Staaten vorgetragen.
Der Chicago Council on Foreign Relations
ist erst kürzlich durch die von ihm in Auftrag gegebene Harris-Umfrage bekannt geworden.
Wir geben hier die Rede Senator Muskies in
wesentlichen Auszügen wieder.

Sowohl hier in den Vereinigten Staaten als auch im Ausland ist man sich
weitgehend darüber einig, daß die amerikanische Außenpolitik an einem Scheidewege steht. Werden die Vereinigten Staaten weiterhin eine aktive Führungsrolle
in der Weltpolitik spielen? Werden der Kongreß und das Volk den Willen haben,
fundamentale amerikanische Verpflichtungen in Übersee zu tragen? Tritt Amerika
in den Hintergrund?
Es kann kein Zweifel bestehen, daß die Vereinigten Staaten eine schwierige
Periode in der Weltpolitik durchgemacht haben.
schwere Rückschläge erlitten.

Unsere Außenpolitik hat einige

Es ist zwischen der Exekutive und der Legislative
- 1 -

�Legislative zu Unstimmigkeiten über einige Grundfragen gekommen.
nationalen politischen Skandal beispiellosen Ausmaßes gegeben.

Es hat einen
Wir erleben un-

sere größten wirtschaftlichen Schwierigkeiten seit den dreißiger Jahren.
All das war Anlaß zu einer Menge apokalyptischer Schilderungen eines absteigenden Amerika und eines Verlustes der nationalen Kraft.

Ich meine, es

ist an der Zeit, damit aufzuhören, und stattdessen eine vernünftige, leidenschaftslose Debatte über die Welt zu beginnen, in der wir leben, und über unsere Zielsetzungen in dieser Welt.
Eine solche Debatte würde meiner Meinung nach zwei konstruktiven Zwecken
dienen:

Erstens, sie würde ein tieferes Gefühl der Einigkeit über fundamentale

Fragen der Außenpolitik erkennen lassen, als viele Leute glauben ... Der zweite
konstruktive Zweck würde darin liegen, daß sie uns zeigen würde, daß wir heute
in einer ganz anderen Welt leben als die, auf die unsere Außenpolitik nach dem
zweiten Weltkrieg eingerichtet war ...

"

Das internationale System, das sich 1945 herausbildete und das bis in die

*-

sechziger Jahre andauerte, wurde im wesentlichen durch ein bipolares Kräfteverhältnis zwischen zwei großen Vereinigungen von Staaten charakterisiert - gefangen
in einem feindseligen gegnerischen Verhältnis, das man so gerne als

"Kalten Krieg"

bezeichnete.
Die Stabilität dieses Systems beruhte weitgehend auf der Existenz von zwei
Supermächten, deren überragende Bedeutung in ihren jeweiligen Sphären von ihren
eigenen Verbündeten niemals ernsthaft in Frage gestellt wurde.

Diese Stabilität

gründete sich im Laufe der Zeit in zunehmendem Maße auch auf das nukleare Gleichgewicht des Schreckens, das von jeder Seite erforderte, daß sie im Umgang mit
der anderen Vorsicht und Zurückhaltung walten ließ, wenn nicht die Ereignisse
außer Kontrolle geraten und zu einer nuklearen Feuersbrunst führen sollten.

Das

war kein sehr angenehmes System - ja es war sogar recht gefährlich - aber es
schuf durch die gegenseitige Lähmung in den Hauptkonfliktgebieten ein dürftiges
Gleichgewicht.

Wie jemand einmal schrieb, die beiden Supermächte glichen zwei

Skorpionen in einer Flasche, die sich gegenseitig in Schach hielten und die ein-

�'

einander nicht aus dem Auge lassen durften.
Wie wir alle wissen, ist dieser Kalte Krieg einer anderen Art von internationalem System gewichen ... China sagte sich offen von der Sowjetunion los
und trat in ein gegnerisches Verhältnis ein. Frankreich unter de Gaulle wurde
zum lautstarken Widersacher einer amerikanischen Hegemonie in Europa.
Die wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen zwischen beiden Blöcken
wurden intensiver und das Gefühl der Belagerung begann auf beiden Seiten zu
schwinden. Obwohl das militärische Kräfteverhältnis im wesentlichen bipolar
blieb, verwandelte sich in anderer Hinsicht die bipolare Welt des kalten Krieges
in eine multipolare Welt mit mehreren bedeutsamen Machtzentren ...
Diese natürliche Entwicklung weg vom System des Kalten Krieges wurde ferner
durch die konzertierte Anstrengung der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
r

beschleunigt, von einer Konfrontation zu Verhandlungen über Grundfragen zu gelangen, die uns getrennt haben.

^

grenzt gewesen.

Die Zielsetzung der Entspannung ist immer be-

Es handelt sich dabei nicht um ein Bemühen, ein Verhältnis

großer Wärme und gegenseitiger Freundschaft zu entwickeln, sondern einfach um
eine Anstrengung, die gefährlichsten Gebiete des Konflikts zu dämpfen und so
eng wie möglich bei der Erreichung des einen gemeinsamen und über allem stehenden
Zieles zusammenzuarbeiten:

der Vermeidung eines Nuklearkrieges.

Ich bin überzeugt, daß die Entspannung eine kluge und weise Reaktion auf
die Konfrontationspolitik des Kalten Krieges war.

Sie geht von der Erkenntnis

aus, daß sich die beiden Skorpione zwar bisher nicht gegenseitig umgebracht,
daß sie jedoch bisher ihr Glück strapaziert haben. Wie es Stanley Hoffmann von
der Harvard-Universität ausdrückte, hat Außenminister Kissinger

"in sehr kluger

Weise und zurecht versucht, unsere Politik (gegenüber der Sowjetunion) aus
einer Beziehung der Gegnerschaft in eine Beziehung der halben Gegnerschaft und
der halben Zusammenarbeit zu verwandeln." ...
Aber, wie Hoffmann weiter sagte,

"hat Kissinger die Entspannung mit der

Vorstellung in Angriff genommen, daß alles andere sich regeln werde, wenn er
- 3 -

�II

er nur diese Schlüsselbeziehung in der Hand habe.

Das Problem dabei ist je-

doch, daß die beiden Supermächte immer weniger von der Weltpolitik kontrollieren.
Was wir heute erleben, ist die Rache aller anderen Beteiligten, die jetzt ihre
eigenen Interessen verfolgen.

In der ganzen Welt erleben wir eine Selbstbehaup-

tung der kleineren Nationen."
Die Welt, in der wir heute leben, hat sich bereits über das multipolare
Stadium hinaus entwickelt.
werden.

Sie steht im Begriff, völlig dezentralisiert zu

Die Historiker werden sich vielleicht später auf die gegenwärtige Ära

als die Ära der Balkanisierung der Weltpolitik beziehen.

In einer solchen Welt

werden Frieden und Fortschritt der Geduld, der flexiblen Diplomatie und einer
wahrhaft brillanten Staatskunst bedürfen.
in einer solchen Welt tun?

Was können die Vereinigten Staaten

Welche Rolle können sie spielen?

Das Wichtigste, was wir erkennen müssen, wenn wir die heutige Welt betrachten, ist einfach das: Wir sind nicht mehr die Hüter der Welt. Aus dem zweiten*
Weltkrieg sind wir als die vorherrschende Macht hervorgegangen. Unsere Vorherrschaft wurde nach dem Kriege durch kommunistische Erfolge und die Entwick- 9
lung einer Nuklearkapazität in der Sowjetunion untergraben. Und sie ist weiter
dahingeschwunden in dem Maße, in dem unsere eigenen Verbündeten eine unabhängigere Politik einzuschlagen begannen. Und in jüngster Zeit hat unsere Vorstellung von uns selbst als Supermacht einen neuen Tiefschlag erlitten durch
die offensichtliche Fähigkeit kleinerer Staaten - einzeln oder kollektiv, wie
in den Vereinten Nationen - ungestraft auf unseren Interessen herumzutrampeln ...
Es ist jedoch nützlich, sich daran zu erinnern, daß die Erosion unseres
Einflusses in der Welt weitgehend aus dem Entstehen stärkerer und lebensfähigerer
Nationalstaaten unter unseren Verbündeten und in der Dritten Welt herrührt.

Und

gerade eine solche Entwicklung ist ein Grundziel unserer amerikanischen Außenpolitik seit dem zweiten Weltkrieg gewesen.
Harlan Cleveland hat kürzlich darauf hingewiesen, daß unsere gegenwärtigen
Verhältnisse aus unseren eigenen Anstrengungen resultieren, und er hat uns
daran erinnert, daß wir schon vor langer Zeit beschlossen haben, daß wir nicht
- 4 -

�nicht mehr der Hüter der Welt sein wollen.

Und wir wollten auch nicht, daß es

jemand anders sein sollte. Wir haben mit dem Baruch-Plan den Vereinten Nationen
unser Atommonopol angeboten. Wir haben Westeuropa geholfen, Gesundheit und
Selbstvertrauen wiederzugewinnen.

Wir haben den Grundsatz der Entwicklungshilfe

für die unterentwickelten Länder aufgestellt. Wir haben Tausenden junger Menschen in der ganzen Welt eine Ausbildung gegeben.

Wir haben nachgeholfen, daß

viele Kolonien selbständig wurden und haben damit eine neue Mehrheit in den Vereinten Nationen geschaffen.

Unsere Ziele waren richtig und unsere

Erfolge ein-

drucksvoll ...
Die Entstehung dieser neuen Welt schafft jedoch für die amerikanische Außenpolitik echte Probleme. Obwohl wir nicht mehr der Hüter der Welt sind, bleiben
wir doch die stärkste Macht. Wir haben weltweite Interessen und es liegt uns
wirklich etwas daran - ja, es ist vielleicht unsere Hauptverantwortung - den
Frieden zu wahren.

Wir müssen weiterhin Ziele verfolgen, die wir in der Ver-

gangenheit verfolgt haben, aber mit weniger Hebelkraft.

Die Spielregeln haben

sich geändert.
Die traditionellen Werkzeuge der Diplomatie sind in vielen Situationen
nutzlos geworden.

So ist beispielsweise die Aufrechterhaltung eines mili-

tärischen Kräftegleichgewichts noch immer eine notwendige Vorbedingung für unsere Sicherheit - aber sie reicht bei weitem nicht aus ...,

denn die Bedro-

hungen des amerikanischen Einflusses in der Welt konzentrieren sich heute nicht
mehr auf die kommunistische Welt, noch sind sie militärischer Natur.

Die

neuen Bedrohungen sind jene, über die wir wenig Kontrolle haben, die durch die
innere Entwicklung in vielen Ländern beeinflußt werden und die von Persönlichkeiten und Regimen ausgehen, die an die Macht kamen und uns feindlich gesinnt
sind ...
Kurz gesagt, die Vereinigten Staaten können nicht mehr damit rechnen, die
Weltpolitik mit Hilfe der traditionellen Techniken der Macht, der Auslandshilfe,
der geheimen Verschwörung oder der großen Bündnisse zu

"managen". Wir werden

stattdessen eine geschicktere und flexiblere Diplomatie brauchen.

Wir werden

uns mehr auf unsere Köpfe als auf unsere militärischen oder wirtschaftlichen

�wirtschaftlichen Muskeln verlassen müssen.

Und wir müssen einfach lernen,

mit Ereignissen zu leben, die unkontrollierbar sind, so geschickt unsere Diplomatie auch sein mag ...
-

Nehmen wir beispielsweise die Sowjetunion.

Es gelang ihr nicht, nach dem

zweiten Weltkrieg ihre politischen Ziele in Europa zu erreichen, trotz der Tatsache, daß Europa gelähmt zu ihren Füßen lag.

Die Sowjets schmiedeten ein auf-

sehenerregendes Bündnis mit China, nur um es in Stücke fallen zu sehen.

Sie

gewannen einen Zugang zu Kuba, nur um von Präsident Kennedy in der Raketenkrise gedemütigt zu werden.

Sie lieferten den arabischen Staaten Waffen, nur

um zu erleben, daß ihre Militärberater aus Ägypten ausgewiesen wurden.
wo spricht jemand davon, daß die Sowjetunion

Aber

"dahinschwinde"? ...

Wollen wir doch die Dinge weiterhin in der richtigen Perspektive sehen.
Wir stehen nicht am Ende des amerikanischen Einflusses.

Wollen wir uns also

vernünftig darüber unterhalten, wie dieser Einfluß am besten genutzt werden
kann.

Jetzt, da der Krieg in Indochina hinter uns liegt, existiert meiner

Meinung nach eine feste Grundlage für nationale Einigkeit über die Hauptaufgaben, vor denen wir stehen.

Ich möchte diese Aufgaben mit den Worten Harlan

Clevelands zusammenfassen als die Notwendigkeit, in einer führerlosen Welt Institutionen der kollektiven Führung aufzubauen und

"unsere amerikanische Er-

findungskraft auf die humane Bewältigung der Interdependenz anzusetzen."
Außenminister Kissinger hat kürzlich die Hauptaufgaben unserer Außenpolitik aufgezählt, und im Geiste der Überparteilichkeit möchte ich meine eigene
nachdrückliche Unterstützung zum Ausdruck bringen. Zu diesen Aufgaben gehört
die Notwendigkeit, die großen demokratischen Bündnisse aufrechtzuerhalten und
zu stärken, die einen "Anker gemeinsamer Werte und Zielsetzungen" darstellen,
wenn wir darum ringen, mit der Welt von heute fertig zu werden. Wir müssen
auch ein fundamental reformiertes internationales Wirtschaftssystem anstreben,
das den legitimen Ansprüchen der Entwicklungsländer Rechnung trägt ...
Wir können unsere Ziele in der Welt nicht durch militärische Macht allein
erreichen, und selbst mit unserer gewaltigen wirtschaftlichen Macht können
- 6 -

�können wir sie nicht erreichen.

Wir müssen stattdessen unsere Ziele mit

Hilfe einer Kombination von diplomatischem Geschick und internationaler politischer Führung verfolgen - einer Führungsposition, die nicht in erster Linie
durch die Glaubwürdigkeit unserer militärischen Verpflichtungen, sondern durch
die Glaubwürdigkeit der politischen Werte getragen wird, für die wir einstehen.

+ + + + +

�) amerika dienst
United
53

States

B o n n - B a d

T e l :

I n f o r m a t i o n

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

P o s t f a c h
T e l e x :

Wissenschaft
und
Technik

3 0 0

08-85432

12/1975

KRAFT- UND WASSERWERK IM HAUSE
Kompakt-Versorgungssysteme in Neubaugebieten - Beitrag zur
Energieeinsparung

- (AD) - Eine Entlastung der Großkraftwerke und anderer großer Versorgungsbetriebe bei einer gleichzeitigen Minderung der Schwierigkeiten von Kommunen,
ihre Stadtentwicklungsphase fristgemäß zu verwirklichen, könnte durch die Verwendung von "Modular Integrated Utiliy Systems" (MIUS) erreicht werden. Mit
Hilfe von MlU-Systemen, die als "Kompakt-Versorgungssysteme in variabler Kombination"

gebaut werden sollen, wären auch

Energieeinsparungen zwischen 14 und

42 Prozent gegenüber dem Energieverbrauch bei Inanspruchnahme herkömmlicher Versorgungsanlagen denkbar.
Vor allem das US-Wohnungsbauministerium ist an der Entwicklung und Erprobung kombinierter Kompakt-Versorgungssysteme interessiert, die für Einzelaufgaben wie Müllverbrennung, Stromerzeugung, Raum- und Wasserheizung, vielleicht
auch Abwasserbehandlung und Wasseraufbereitung im "Kleinverbund"
werden könnten.

eingesetzt

Sie dürften sich, sofern bestimmte Kriterien (z.B. Schwierig-

keiten bei der Ausweitung der öffentlichen Versorgungsnetze in dicht besiedelten
Gebieten) gegeben sind, für Wohnviertel- und Bürohaus-Neubauprojekte besonders
gut eignen.
Ein
- 1-

�Ein Expertenausschuß der

"National Academy of Engineering"

(NAE) hat

bereits einen Bericht verfaßt, der das Für und Wider von Kompakt-Versorgungssystemen behandelt.
Service"

Er soll in Kürze über den

"National Technical Information

(dem US-Handelsministerium angeschlossen) veröffentlicht werden.

Nach Ansicht dieses Gremiums
Direktor in der

(Vorsitz: G.O. Wessenauer, früher Technischer

"Tennessee Valley Authority") ist das MlU-System allerdings

nur sinnvoll, wenn die Untersysteme in befriedigender Weise zu integrieren sind.
Deshalb wird empfohlen, Forschungs- und Entwicklungsprojekte für Aggregate und
Anlagen, die als Untersysteme - etwa für Raum- und Wasserheizung, Kühlung, Stromerzeugung etc. - in Frage kämen, aufmerksam zu verfolgen und sich nicht mit
der Verwendung dessen zufriedenzugeben, was bereits auf dem Markt ist. Neuentwicklungen könnten durchaus leistungsfähiger sein und wirtschaftlicher arbeiten als die herkömmlichen Aggregate.
Um der totalen Energienutzung mit kombinierter Versorgung und Entsorgung
näher zu kommen, seien Konzeptionen interessant, die die Nutzbarmachung der

,

Abwärme berücksichtigen - z.B. für die Abwasserbehandlung bis zur Neuaufbereitung des Wassers, für

die Abtrennung und Rückgewinnung brauchbaren Altmaterials f

aus festen Abfällen und die Brennstoffgewinnung aus Müll.

Bei sorgfältiger

Abwägung der lokalen und regionalen Umstände und entsprechender Wahl der Untersysteme seien MIUS durchaus geeignet, zur Einsparung von Rohstoffen, Verringerung
des Energieverbrauchs und der Umweltbelastung (einschließlich der "thermischen
Verschmutzung") beizutragen.

Außerdem könnten sie, da die Installierung mit

neuen Projekten der Stadtentwicklung zeitlich abzustimmen sei, die Bemühungen
der Regierung unterstützen, minderbemittelten Familien schneller zu einer Wohnung zu verhelfen.

Die Nutzung und Erschließung von Land würde verbessert, die

Gesamtkosten für die Einrichtung und Unterhaltung von Versorgungssystemen würden
aller Voraussicht nach verringert.
Erstrebenswert sei, wie Fachleute des US-Wohnungsbauministeriums betonen,
die Entwicklung von MIUS, die mit Kohle anstatt mit öl, Gas oder Strom aus Atomkraftwerken betrieben werden können.

Wo bereits konventionelle Versorgungs-

systeme vorhanden seien, werde die Entscheidung für oder gegen MIUS davon bestimmt, welcher Art das konventionelle System ist und inwieweit die Kompakt-

�Kompakt-Systeme zur Einsparung von Energie beitragen können.

Höchste Priorität ist nach Ansicht des Expertengremiums der national Akademie der Entwicklung von kombinierten Demonstrationssystemen einzuräumen,
die Wasserbehandlung bis zur Trinkwassergewinnung, die Verarbeitung von flüssigen
und festen Abfällen und die Nutzbarmachung aller Quellen von Energie innerhalb
des Systems berücksichtigen.

Als neuartige Einzelentwicklungen seien u.a. Ver-

brennungsanlagen mit sinnvoller Wärmenutzung, Speicherung von Wärmeenergie,
Brennstoffzellen, verbesserte Abfallbehandlung, Kühlen und Heizen mit Sonnenenergie empfehlenswert.

In weiteren Studien seien die Wirtschaftlichkeit ver-

schiedener MlU-Systeme nach Größe und Kombination, Kosten-Nutzen-Vergleiche,
wirtschaftliche Risiken, Finanzierung- und Fabrikationsfragen zu untersuchen.

Ungeachtet des großen Interesses der Öffentlichkeit für Sonnenenergie und
mancher spektakulären Versuchsprojekte, bei denen ein Großteil oder angeblich
sogar 100 Prozent des Energiebedarfs durch das Einfangen und die Umwandlung von
Sonnenenergie gedeckt wird, stößt dies in der Praxis auf große Schwierigkeiten.
Dr. Erich Farber, Direktor des Instituts für Sonnenenergie und Energieumwandlung der Universität Florida in Gainesville (Florida), befaßt sich seit mehr
als 20 Jahren mit diesem Problem.

Angesichts der überaus hohen Investitions-

kosten - bei allerdings geringen Betriebskosten - sei vorläufig nicht damit
zu rechnen, daß Sonnenenergie über den Status einer
für Heiz- und Kühlzwecke hinausgelange.
Farber

"Hilfsenergiequelle"

z.B.

"Für die Stromerzeugung", so Prof.

"ist Sonnenenergie einfach zu teuer.

Von den Kosten bei den herkömm-

lichen kommerziellen Systemen sind wir noch um zwei oder gar drei Größenordnungen entfernt.

Das würde sich natürlich sofort ändern, wenn jemandem etwas

einfiele, wie man Sonnenzellen, die sich ja in der Raumfahrt so gut bewährt haben,
für ein Tausendstel der heutigen Kosten produzieren könnte."

+ + + + +

�amerika dienst
U n i t e d
53

States

Bonn-Bad

Tel:

I n f o r m a t i o n

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

300

Wissenschaft
und
Technik

Telex:08-85432

12/1975

KOHLENSTAUB ALS EINSATZMATERIAL FÜR MHD-GENERATOR
Forschungsprojekt der Stanford-Universität - Auch schwefelhaltige
Kohle geeignet

- (AD) - Eine wesentliche Verbesserung des Wirkungsgrades bei der Stromerzeugung aus Kohle ist das Ziel einer zunächst auf drei Jahre befristeten
Studie, die mit einem MHD-Generator im Institut für Hochtemperatur-Gasdynamik
der Stanford-Universität (Kalifornien) durchgeführt wird.

Unter der Leitung

von Prof. Robert H. Eustis (Department für Maschinenbau, Stanford) werden im
Rahmen eines 770 O00-Dollar-Vertrags mit dem "Institut für Elektroenergie-Forschung"

(Electric Power Research Institute - EPRI) in Palo Alto spezielle Ver-

suche zur direkten Umwandlung von Wärme in elektrische Energie durch Verbrennen
von Kohlen-Feinstaub unternommen.

Mit den heißen Abgasen des MHD-Generators

will man zusätzlich konventionelle Dampfturbinen betreiben.

EPRI, eine Grün-

dung der amerikanischen Privatwirtschaft aus dem Jahre 1973, wird zu mehr als
80 Prozent von Kraftwerksunternehmen finanziert.
Die meisten MHD-Generatoren arbeiten mit "sauberen"

Brennstoffen, z.ß.

mit heißem Erdgas oder mit bestimmten Anteilen der Verbrennungsgase von Kohle
und Erdöl.

Die Stanford-Studie soll demonstrieren, daß auch fein pulverisierte

und sogar stark schwefelhaltige Kohle direkt eingesetzt werden kann. Dem
magneto-hiydrodynamisehen (MHD) Generator liegt das Prinzip zugrunde, den Energie*
träger - Gase oder auch Metalldampf - stark zu erhitzen und zu beschleunigen, wo-

�i
wobei viele der Moleküle und Atome ionisiert werden.

Ein intensives, quer

zur Strömungsrichtung verlaufendes Magnetfeld trennt die elektrisch positiv
und negativ geladenen Teilchen.

Sie sammeln sich an Anoden und Kathoden und

bauen ein starkes elektrisches Feld auf, das sich für die Stromgewinnung nutzen
läßt.
Der besondere Vorteil von MHD-Generatoren, bei deren Entwicklung noch
verschiedene Linien verfolgt werden, läge darin, daß sie, wenn die noch bestehenden Probleme gelöst sind, den Wirkungsgrad für die Energie-Umsetzung auf
50 - 60 Prozent erhöhen könnten.

Bei den modernen Kohlekraftwerken, die eben-

falls Kohlenstaub verbrennen, werden über die Dampfturbinen'nur etwa 40 Prozent
der Wärmeenergie als elektrische Energie zurückgewonnen.
In der Stanford-Studie können experimentelle Erfahrungen mit MHD-Generatoren
als Vorschaltaggregat für Dampfturbinen bereits berücksichtigt werden.
beitsprinzip für die Versuchsserien wird folgendermaßen beschrieben:
Brennkammer erzeugte heiße Gas wird mit einer Kaliumverbindung

Das ArDas in der

"geimpft",

die durch die Abgase von Elektronen an das Gas die Ionisation fördert.

Das

»

schnell strömende, ionisierte Gas wird zum MHD-Kanal mit positiven Elektroden
(Anoden) auf der einen und negativen Elektroden (Kathoden) auf der anderen
Seite geleitet.

Das dort wirksame starke Magnetfeld lenkt die elektrisch ne-

gativen Elektronen zu den Anoden, die positiv geladenen Gasmoleküle zu den
Kathoden.

Die Elektroden sind so geschaltet, daß elektrischer Strom zu fließen

beginnt.
Die Kalium-Verbindung hat noch eine zweite Funktion - sie reinigt die
"schmutzige" Kohle und bindet den darin enthaltenen Schwefel durch Bildung
von unschädlichem Kaliumsulfat.

Dieses kann gesammelt und abgetrennt, das

Kalium für den Prozeß wiederverwendet werden.

Eine der Fragen, die das For-

schungsprojekt lösen helfen soll, ist die Wirkung der entstehenden Kohleschlacke
auf den Betriebsablauf.

Prof. Eustis ist der Ansicht, daß die Schlacke sogar

die Leistung des MHD-Generators steigern könnte, weil sie die Elektroden isoliert, den MHD-Kanal vor den korrodierenden Gasen schützt und eine Art ReparaturMechanismus für Schäden in Gang setzt, die durch elektrischen Funkenüberschlag
entstehen.

Etwa

�Etwa 10 Prozent des Kohlenstaubs dürfte Schlacke bilden, die sich als
ca. drei bis sechs Millimeter dicke Schicht an der Innenwand des Kanals ansetzt.

Was darüber hinausgeht, wird ständig abgeschmolzen und von der Strö-

mung mitgerissen.

Die Untersuchungen werden sich zunächst auf sorgfältige Mes-

sungen der Schlackepartikel, auf das Verhalten der Schlackenschicht und ihre
Auswirkungen auf die elektrische Leistung konzentrieren.

Auch werden die ver-

schiedensten Kohlearten, fein pulverisiert, als Brennstoff für das Laboraggregat
erprobt.

Die Ergebnisse der Studie liefern wichtige Beiträge zu einer optimalen

Konstruktion von MHD-Großgeneratoren.

+ + + + +

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="7937">
                <text>18.06.1975</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="7938">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="7939">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="14317">
                <text>Amerikadienst 18.06.1975</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="14318">
                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Senator Muskie sieht neue weltpolitische Rolle für die USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede vor dem Chicago Council on Foreign Relations -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kraft- und Wasserwerk im Hause&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Kompakt-Versorgungssystem in Neubaugebieten - Beitrag zur Energieeinsparung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kohlenstaub als Einsatzmaterial für MHD-Generator&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Forschungsprojekt der Stanford-Universität - Auch schwefelhaltige Kohle geeignet -&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="1694" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="1705">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/b138e49fefb9bf5ca58f76853d709939.pdf</src>
        <authentication>e08b010754960d69914c799cbf005841</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="8680">
                    <text>2J 3IH

Information
und
Dokumentation
\

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

18. Juni 1980

29

INHALT

DOKUMENTATION
Cyrus Vance: US-Außenpolitik muß 10 Jahre vorausdenken
- Rede des ehemaligen US-Außenministers in Cambridge -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Vereinfachtes Schmelzverfahren für die Kupferverhüttung
- Weniger Energieverbrauch - Keine Schwefeldioxid-Belastung
Synthese eines Naturstoffs für die Krebstherapie
- Weniger Nebenwirkungen als beim Naturprodukt -

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�International Communication Agency
Embassy of the United States of America

18. Juni 1980

29

CYRUS VANCE: US-AUSSENPOLITIK MUSS 10 JAHRE VORAUSDENKEN
- Rede des ehemaligen US-Außenministers in Cambridge -

CAMBRIDGE, MASSACHUSETTS - (AD) - Der ehemalige amerikanische
Außenminister Cyrus Vance hat in seiner ersten Rede nach seinem Rücktritt
im April dieses Jahres eine weitblickende Außenpolitik der Vereinigten
Staaten gefordert. Anläßlich der Feierlichkeiten zum Abschluß des Studienganges an der Harvard-Universität in Cambridge im Staate Massachusetts
trat Vance für eine Ratifizierung des SALT II-Vertrages in diesem Jahr
ein, da weder die sowjetische Aggression in Afghanistan noch ein Wahljahr
die USA davon abhalten dürften, in ihrem eigenen nationalen Interesse zu
handeln. Vor allem erinnerte Vance daran, daß die Entscheidungen von 1980
die Welt von 1990 bestimmen werden.
Die Rede des ehemaligen Außenministers hat folgenden Wortlaut:
Sie sind der erste Jahrgang in Harvard, der im achten Jahrzehnt
dieses Jahrhunderts sein Studium abschließt.

Die Entscheidungen, die

unsere Nation heute trifft, werden die Zukunft in diesem Jahrzehnt gestalten,
Wir

Postfach 20 03 00
Bonn 2

0 5 3 0 0

Tel: 0228-89 32 40
T e | e x : 08-85432

�Wir können entweder daran arbeiten, in kluger und wirksamer Weise
die Veränderungen, die heute unsere Welt zu übermannen drohen, mitzugestalten, oder uns durch unkluges Handeln von ihnen in Fesseln legen lassen.
Die Zeit fordert, daß wir grundlegende Ziele setzen und an ihnen
festhalten.

Weder wir noch die Welt können uns eine amerikanische Außen-

politik leisten, die Gefangene von Gefühlen des Augenblicks ist.
Wir müssen an eine Vorstellung von der Welt denken, wie wir sie
in einem Jahrzehnt haben wollen.

Das 1990, das wir anstreben, muß unser

Handeln 1980 bestimmen oder die Entscheidungen von 1980 könnten uns ein
1990 bescheren, das wir bedauern würden.
Unterstützung der Anstrengungen der Länder der Dritten Welt um die
Erhaltung ihrer Unabhängigkeit und um die Verbesserung der Lebensqualität
für ihre Bevölkerung, vor allem in jenen Ländern die am Rande des
Existenzminimums leben; Stärkung der Gesundheit und des Wohlergehens unseres
Wirtschaftssystems im Rahmen einer starken internationalen Wirtschaft:
Das sind die Entscheidungen, die wir zusammen mit der Aufrechterhaltung
des militärischen Gleichgewichts treffen müssen, während wir wirksam
unseren Wettbewerb mit der Sowjetunion bestehen und starke Bündnisse
freier Nationen fördern - das sind die Entscheidungen, die wir heute
treffen müssen.
Diese Ziele sind anspruchsvoll. Es wäre naiv, wollte man etwas
anderes annehmen. Aber wenn wir die Ziele nicht hoch stecken, dann werden
wir nicht weit kommen.
Bedenken wir immer, wie die Welt aussieht, von der wir ausgehen:
Eine Welt, die sich in einem rapiden Wandel befindet, mit wachsenden
Erwartungen, besserer Bildung, rascheren Kommunikationsmitteln; eine
Welt, in der weder die Vereinigten Staaten noch irgend ein anderes Land

�Land über ein Übergewicht an Macht oder ein Monopol der Weisheit verfügen.
Es ist eine Welt der Konflikte zwischen Ländern und Werten, zwischen
Gesellschaftssystemen und aufstrebenden neuen Interessen,,

Es ist eine

Welt, in der im Wettstreit stehende Supermächte unser gemeinsames überleben
1n den Händen halten, die jedoch paradoxerweise nicht in der Lage sind, die
Ereignisse zu ordnen.
Es herrscht eine beunruhigende Furcht in unserem Lande, daß wir
nicht mehr in der Lage sein könnten, unsere Zukunft zu gestalten. Manche
Leute glauben, unsere militärischen Muskeln seien geschwunden. Andere
machen sich Sorgen, daß unser politischer Wille gelähmt sei.
Ich akzeptiere diese düsteren Vorstellungen nicht. Sie lassen jene
uns eigene pragmatische Denkweise außer acht, die Amerika seit seiner
Gründung gekennzeichnet hat.
Ich halte die Auffassung für falsch, daß wir, und wir allein, für
all die verwirrenden Veränderungen verantwortlich seien, die um uns herum
geschehen. Das ist eine völlige Verkennung unserer Verhältnisse, eine
pervertierte Hybris, die unsere Macht und unsere Verantwortung für das
Übel überschätzt und unsere Fähigkeit zum Guten unterschätzt.
Die internationale Verteilung von Macht und Geist ist eine Tatsache.
Sie wird sich nicht ändern.

Sie erfordert neue und vitale Formen des

Handelns, nicht Bedauern und Heimweh nach den angeblich "guten alten Zeiten".
Was zu bedauern ist, ist das Zögern, unsere grundlegenden Zielsetzungen in Einklang mit diesen neuen Verhältnissen zu bringen.

Die

Antworten von gestern werden keine Lösungen für morgen bieten.
Es scheint mir, daß die derzeitige Unzufriedenheit mit der Welt
und mit unserer Rolle in ihr auf gewissen Irrtümern beruht.

- 3 -

Diese Illusionen

�Illusionen müssen erst zerstört werden, ehe unser Land einen einheitlichen
und zielstrebigen Kurs in der Außenpolitik einschlagen kann.
Der erste Irrtum ist, daß eine einzige Strategie - ein großer
Plan - die Antworten für alle und jede der Entscheidungen böte, vor denen
wir in der Außenpolitik stehen.

Welchen Wert diese Vorstellung auch

in einer bi-polaren Welt gehabt haben mag, heute kann sie uns nur schaden.
Die Welt ist pluralistisch geworden, und es tritt zu Tage, daß die Vorstellung
einer Strategie schlechthin - des großen Wurfes - wo die Tatsachen zurecht
gebogen werden, um in die Theorie zu passen, unzulänglich geworden ist.
Bei der Komplexität der Welt, die wir wohl oder über ererbt haben, hat
das Festhalten an einer einzigen Strategie nur die Wirkung, diese Komplexität
zu verwischen und die Völker in Freunde und Feinde zu trennen.
Der zweite weitverbreitete Irrtum ist die Angst vor Verhandlungen,
die Sorge, daß wir bei allen Absprachen immer als zweiter Sieger hervorgehen würden. Dieser Irrtum beruht auf der falschen Vorstellung, daß wir
eine realistische Alternative hätten, die Dinge allein zu regeln, daß wir
uns um die legitimen Interessen und Wünsche anderer Völker nicht zu kümmern
brauchten. Ohne das faire Abkommen durch Verhandlungen und Diplomatie
kann es nur eine fehlgeleitete, zum Scheitern verurteilte Anstrengung geben,
einander seinen Willen aufzuzwingen.
Wenn anderen ein faires Abkommen und seine Vorteile verweigert
werden, dann wird das deren Verhalten nicht ändern und ihre Macht nicht
verringern. Es wird lediglich die Wirkung haben, daß wir uns selbst der
gleichen Vorteile begeben. Wenn Amerika Angst hat, mit seinen Gegnern
zu verhandeln oder zu einem fairen Abkommen mit Ländern der Dritten
Welt zu gelangen, dann werden wir keine Diplomatie haben. Und wir werden,
nicht weniger als die anderen, die Verlierer sein.

�Ein dritter Irrtum, der ausgeräumt werden muß, ist die Vorstellung,
daß das Eintreten für die Werte Amerikas, wie etwa die Menschenrechte,
mit dem Eintreten für unsere Interessen unvereinbar sei.
Das Eintreten für die Menschenrechte muß ohne Frage auf die Praxis
zugeschnitten sein. Wir mllssen ständig abwägen, wie wir den Fortschritt
am besten fördern können, während wir uns die Fähigkeit erhalten, mit
Regierungen - selbst unpopulären Regierungen - 1n Ländern Umgang zu pflegen,
wo wir wichtige Sicherhe1ts1nteressen haben.
Aber wir mlissen letztlich erkennen, daß die Forderung nach Freiheit
des einzelnen und wirtschaftlichem Fortschritt nicht lange unterdrückt
werden kann, ohne nicht die Saat des gewaltsamen Umbruchs zu säen.
Es liegt daher in unserem eigenen Interesse, den konstruktiven
Wandel zu unterstützen, wie wir es beispielsweise in der Dominikanischen
Republik getan haben und wie wir es in Mittelamerika anstreben, bevor die
Alternativen des Radikalismus oder der Unterdrückung gemäßigte Lösungen
mit Gewalt verhindern.
Wir wissen aus unserer eigenen nationalen Erfahrung, daß das Streben
nach Freiheit des Menschen eine gewaltige Macht und Lebenskraft hat.
Dieses Streben ist weltweit; es ist unwiderstehlich und es kann letztlich
nicht unterdrückt werden.
So decken sich also in einem tiefen Sinne unsere Ideale und unsere
Interessen. Denn die Stabilität, die entsteht, wenn Menschen ihrer Hoffnung
Ausdruck verleihen und ihre Zukunft frei aufbauen können, ist ganz und gar
in unserem Interesse.
Und es besteht noch der gefährliche Irrtum, daß es eine militärische
Lösung für nichtmilitärische Probleme gäbe.

- 5 -

Dieser Irrtum wird besonders

�besonders akut in Zeiten der Frustration, wenn die Verhandlungsprozesse
als langsam und mühsam betrachtet werden.
Die militärische Macht Amerikas ist von entscheidender Bedeutung,
um das weltweite militärische Gleichgewicht aufrechtzuerhalten»

Unsere

Verteidigungskräfte müssen modernisiert werden - und sie werden modernisiert.
Aber militärische Macht ist eine Basis und kein Ersatz für die Diplomatie.
Ich habe argumentieren hören, daß unsere Antwort auf eine sich
verändernde Welt in einem neuen Nachdruck auf die militärische Macht
Amerikas und dem Willen, sie einzusetzen, liegen müsse.

Dies kommt in den

vorgeschlagenen neuen Haushaltsprioritäten im Kongreß zum Ausdruck, durch
die unnötige Verteidigungsausgaben innenpolitische Programme und die Auslandshilfe verdrängen.

Es herrscht fast einhellig die Meinung, daß eine Erhöhung

der Verteidigungsausgaben notwendig ist. Aber es ist eine Illusion zu
glauben, daß das ein Ersatz für die Diplomatie und die Mittel wäre, die
wir brauchen, um solche Probleme anzupacken wie inneren Wandel und grundlegende Ansprüche in unseren.Ländern oder eine angeschlagene internationale
Wirtschaft.
Die Anwendung militärischer Gewalt ist keine und darf keine wünschenswerte politische Antwort Amerikas auf die Innenpolitik anderer Länder sein.
Wir sind überzeugt, daß wir das Recht haben, unsere eigene Zukunft selbst
zu gestalten. Wir müssen dieses Recht in anderen Ländern achten. Wir
müssen klar und deutlich den Unterschied begreifen zwischen unserer
Bereitschaft, kraftvoll zu handeln, wenn die Lebensinteressen unserer
Nation, unserer Verbündeten und unserer Freunde bedroht werden, und
unserer Einsicht, daß unsere militärische Macht keine befriedigende Antwort
auf rein interne Probleme anderer Länder bieten kann»
Schließlich existiert da

ein weitverbreiteter Irrtum: daß nämlich

Amerika die Macht besitzen würde, die Welt nach unserem Willen zu gestalten.

- 6 -

�gestalten.

Dabei nimmt man zum Beispiel an, daß wir die Sowjetunion

dominieren könnten, daß wir sie daran hindern könnten, eine Supermacht
zu sein - falls wir uns dazu nur entschließen.

Dieser veraltete Gedanke

hat mehr mit Nostalgie zu tun als mit der Realität von heute.
Die Sowjetunion, die die ausgedehntesten Landräume aller Staaten
dieser Erde umfaßt, hat ihre eigenen strategischen Interessen und Ziele.
Aus einem Zustand der Unterentwicklung und der Verwüstung durch den Krieg
heraus hat sie gewaltige militärische und industrielle Mittel geschaffen.
Wir sollten diese Mittel nicht mehr länger unterschätzen noch überbewerten.
Mit der Sowjetunion müssen wir eine Position eines grundlegenden Gleichgewichts erhalten und bewältigen. Es ist naiv zu glauben, daß die Russen
nach unseren Regeln spielen würden - so wenig wie wir die ihrigen
akzeptieren. Es ist naiv zu glauben, daß sie bereitwillig bei der
militärischen Stärke eine zweitrangige Stellung akzeptieren würden, so
wenig wie wir dazu bereit wären.
Eine gefährliche neue Nostalgie steht hinter all diesen Irrtümern,
eine Sehnsucht nach der alten Zeit, als die Welt - zumindest im Rückblick ein geordneter Platz gewesen zu sein schien, wo die amerikanische Macht
allein diese Ordnung bewahren konnte. Diese Nostalgie untergräbt laufend
das Vertrauen in unsere nationale Führung, denn sie ermutigt zu Erwartungen,
die in keinerlei Beziehung zur Wirklichkeit stehen. Und sie läßt den Wandel
in den Bedingungen dieser Welt nur noch als Bedrohung erscheinen - und
nicht als neue Möglichkeit. Sie läßt eine widerspenstige Welt feindlicher
erscheinen als sie ist. Die Tatsache aber ist doch, daß wir ein Volk sind,
das sich der Veränderung nicht nur gut angepaßt hat, sondern dadurch gediehen
ist.
Die neue Nostalgie führt uns zu vereinfachten Lösungen und zur
Illusion, es alles allein machen zu können - und lenkt unsere Energien ab
von dem Kampf um die Gestaltung des Sich-Wandelnden hin zu konstruktiven

- 7 -

�konstruktiven Richtungen.

Es ist ein selbstgefälliger Unsinn, der uns

in Irrtum, wenn nicht Unheil führen muß.
Welcher Kurs steht uns nunmehr offen?
Unsere echten Probleme sind ihrer Natur nach langfristig.

Es

genügt nicht, dramatische Schritte zu unternehmen und zu versuchen, sich
aus unangenehmen Zwickmühlen mit einem Schlag zu befreien.

Angesichts

der wirklichen Probleme, vor denen wir jetzt stehen, wird diese Methode
nicht nur nicht ausreichen, sondern zusätzliche Probleme schaffen.
Es ist klar, daß man sich mit plötzlichen Krisen in dem Moment
auseinandersetzen muß, da sie auftauchen.
Ereignissen lernen.

Und wir sollten aus solchen

Aber man sollte ihnen nie erlauben, die Ziele unserer

Außenpolitik zu verzerren.
Als Weltmacht haben die Vereinigten Staaten eine ungewöhnliche
Bandbreite von Interessen. Aus diesem Grund müssen wir sicherstellen,
daß die Verfolgung des Erwünschten nicht das Erreichen des Wesentlichen
beeinträchtigt.
Wenn wir bis zum Jahr 1990 keinen Fortschritt in den vier grundlegenden Bereichen erzielt haben, die ich oben aufgeführt habe, wirf die
Welt tatsächlich der unwirtliche Platz sein, den viele befürchten. In
jedem Bereich können wir Fortschritte machen - wenn! Wenn wir auf unsere
Hoffnungen nicht weniger hören als auf unsere Ängste. Wenn wir bereit sind,
jetzt für das künftige Gute ein Opfer zu bringen. Und wenn wir - und dies
ist am wichtigsten - mit anderen Staaten zusammenarbeiten, um die Probleme
zu lösen, die keiner allein zu lösen vermag.
Erstens müssen wir das globale militärische Gleichgewicht aufrechterhalten und gleichzeitig ein Gleichgewicht bei unseren politischen

�politischen Beziehungen mit der Sowjetunion erreichen.
Unsere militärische Stärke ist wichtig für unsere eigene Sicherheit
und für eine starke Außenpolitik, die frei von Zwang ist; sie ist wichtig
fUr das Vertrauen von Verbündeten und Freunden, und sie ist wichtig für
die Zukunft der wechselseitigen Rüstungskontrolle und anderer Verhandlungen.
Unsere Stärke stützt auch regionale Gleichgewichte, die durch direkten oder
indirekten Einsatz sowjetischer Macht gestört werden könnten.
Dieses militärische Gleichgewicht zu erhalten, wird teuer sein.
Um die Kosten in Grenzen zu halten und unsere Sicherheit zu erhöhen,
brauchen wir eine wirkungsvolle Rüstungskontroll politik als integralen
Bestandteil unserer Sicherheitspolitik.
Wenn aber einst die Historiker des Jahres 1990 auf das Jahr 1980
zurückschauen werden, so wird wahrscheinlich ein grundlegender Fehler
festgestellt werden können: das Versäumnis der Ratifizierung des SALT IIVertrags. Als ein Symbol für unsere Hoffnung auf eine friedlichere Welt,
als eine Verpflichtung, durch Rüstungskontrolle auf mehr Sicherheit
hinzuarbeiten und als ein Prozeß, der den Versuch unternimmt, Meinungsverschiedenheiten mit einem Gegner abzubauen, steht dieser Vertrag im
Mittelpunkt einer vernünftigen und weitsichtigen amerikanischen Außenpolitik.
Ohne diesen Vertrag werden unsere Anstrengungen zur Verhinderung
der Weiterverbreitung von Kernwaffen in Gefahr geraten. Wenn es den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion nicht gelingt, konkrete Fortschritte
in Richtung auf die Kontrolle von Kernwaffen und die Unterlassung von
Kernwaffentests zu machen, werden die Nichtnuklearstaaten immer weniger
Grund für eigene Zurückhaltung haben.
Ohne diesen Vertrag werden beide Seiten mehr Kernwaffen haben als
mit ihm. Die Sowjetunion insbesondere wird tausende zusätzlicher nuklearer

- 9 -

�nuklearer Gefechtsköpfe haben.
Ohne diesen Vertrag wird es für uns viel schwieriger sein,
verläßliche Pläne für unsere militärischen Streitkräfte auszuarbeiten, da
wir in einer weniger guten Position sein werden, um zu wissen, was innerhalb
der Sowjetunion vorgeht.

Der Vertrag untersagt Praktiken, die die jeweilige

Seite daran hindert, die Einhaltung der Vertragsinhalte durch die andere
Seite zu verifizieren.
Ohne diesen Vertrag wird in beiden Gesellschaftssystemen weniger
Wert darauf gelegt werden, Meinungsverschiedenheiten ohne Konflikt aus
der Welt zu räumen.

Politische Elemente, die mehr Betonung auf Konflikt

als auf Kooperation legen, werden gestärkt werden.
Ohne diesen Vertrag wird dem Prozeß der Rüstungskontrolle womöglich
ein Schlag versetzt, von dem er sich nie mehr erholt. Kann es irgendeinen
Zweifel darüber geben, daß dies alles das kommende Jahrzehnt gefährlicher
mächen wird?
Noch ist es nicht zu spät; aber bald könnte es dies sein. Ich bin
der Ansicht, daß der Senat den SALT II-Vertrag noch vor Jahresende ratifizieren
muß. Sicherlich müssen wir unsere standhafte und feste Haltung gegenüber
der sowjetischen Aggression in Afghanistan fortsetzen. Aber weder diese
Aggression noch die Tatsache, daß dies ein wahlpolitisches Jahr ist, sind
genügend Gründe, um nicht in unserem eigenen nationalen Interesse zu handeln.
Ich bin mir der politischen Schwierigkeiten bewußt, in dieser Zeit zu
handeln. Aber wenn wir dabei versagen, werden wir uns eines Tages fragen,
warum wir uns durch Überlegungen des Augenblicks blind machen ließen
und dabei eine lebenswichtige langfristige Gelegenheit versäumten. In
einem Wahljahr ist es viel zu leicht möglich daß etwas, das wie schlaue
Politik aussieht, schlechte Politik produziert.
Die

�Die Vereinigten Staaten wie die Sowjetunion werden in den kommenden
Jahren noch härter arbeiten müssen, um äußerst ernste Konfrontationen zu
vermeiden.

Die Gestaltung unserer Beziehungen zur Sowjetunion wird wo-

möglich der bedeutsamste Prüfstein für die Reife unserer Urteilskraft sein,
für die klarsichtige Erkenntnis unserer wirklichen Interessen und für unsere
Fähigkeit zur Führung.
Es ist dumm und gefährlich zu glauben, daß wir diese Beziehung durch
Abschreckung allein gestalten können. Wir werden auch positive Anregungen
anbieten müssen.
Wir müssen unsere Stärke ebenso wie die Aussicht auf beiderseitig
vorteilhafte Abkommen dazu benützen, um den Wettstreit mit der Sowjetunion
zu gestalten. Wir müssen auf stillschweigende, wenn möglich sogar ausdrückliche
Abkommen hinarbeiten, um unseren Wettstreit durch Beschränkungen einzugrenzen, durch verbindliche Regeln für den Wettstreit, die für beide gelten.
Die Mittel zur Erreichung dieses Ziels sind Geduld, Beständigkeit,
Klarheit und Folgerichtigkeit. Moskau gegenüber können wir uns keine wilden
Pendel ausschlage von übertriebener Vertrauensseligkeit bis zur Hysterie
erlauben. Und während wir diesen beständigen Kurs beibehalten, müssen wir
wissen, daß es der ständigen Anstrengung bedarf, um diese verbindliche
Regel für den Wettstreit zu erhalten. Diese Anstrengung muß Abschreckung
ebenso einschließen wie die Möglichkeit der Zusammenarbeit dort, wo sich
unsere Interessen decken.
Wir müssen auch erneut die Art und Weise überdenken, wie wir unser
Verhältnis zur Volksrepublik China im Vergleich zu dem mit der Sowjetunion
gestalten sollen. Bei der Entwicklung nichtmilitärischer Beziehungen zu
China sollten wir zugleich darauf bedacht sein, wieder ein ausgewogeneres
Verhältnis zu beiden Ländern zu bekommen.
Ein

- 11 -

�Ein zweites und überragendes Ziel für unser Land sollte die Förderung
starker Bündnisse zwischen freien Staaten sein.
Aber man kann nicht leugnen, daß die Beziehungen unter demokratischen
Industriestaaten nicht einfach sind.

Wir müssen die Ursachen dafür

anpacken, und sie dürften womöglich viel grundsätzlicherer Natur sein als
wir zuzugestehen bereit sind.
Wir müssen bessere Wege der Koordination unserer Politiken in Gebieten
finden, die außerhalb unserer Staatsgebiete liegen - denn gerade dort
stehen wir in zunehmendem Maß vor immer neuen Problemen.

Wenn auch unser

unmittelbares Interesse in diesen Gebieten manchmal auseinandergeht, so
laufen unsere grundlegenden Interessen doch parallel

und sollten daher eine

Grundlage für gemeinsame Schritte abgeben.
Unsere Verbündeten müssen erkennen, daß sie von Amerika nicht erwarten
können, einen unverhältnismäßig großen Anteil an den Lasten der Abschreckung
zu tragen - auch wenn der amerikanische Nuklearschild unverrückbar und unsere
Verpflichtung zur gemeinsamen Verteidigung unveränderlich sind.
Auch wir unsererseits müssen die andere Seite dieser Medaille nehmen
wie sie ist. Wir brauchen gemeinsame Anstrengungen, denn wir können nicht
die ganze Last allein tragen - und wir haben auch nicht alle Antworten
parat. Was wir geben müssen, ist die Bereitschaft zur Konsultation und
zur Anpassung um der Übereinstimmung im Bündnis willen. Konsultation kann
kein Ersatz für eine klare Richtung sein. Aber es hat keinen Zweck, einander
zu konsultieren, wenn wir danach nicht bereit sind, unseren Kurs zugunsten
einer gemeinsamen Linie anzugleichen.
Teils wegen der Stärke unserer Bündnisse

werden eher die Länder der

Dritten Welt - und weniger die Gebiete unserer Bündnisse- im kommenden
Jahrzehnt das Krisenzentrum sein.
Sicherlich
- 12 -

�Sicherlich stellen die sowjetischen Maßnahmen Drohungen dar, denen
wir uns stellen müssen - wie wir dies bei Afghanistan und auch sonst in
der Dritten Welt gesehen haben.
Aber dies wird wirkungslos sein, wenn wir lediglich reagieren, indem
wir die sowjetischen Taktiken nachahmen - und den militärischen Aspekt zu
Lasten des politischen unterstreichen, und wenn wir die Sehnsucht in den Ländern
der Dritten Welt nach Unabhängigkeit und wirtschaftlicher Gerechtigkeit
ignorieren.
Wir mUssen den ausgeprägten Nationalstolz und Drang nach Unabhängigkeit
in den Entwicklungsländern begreifen. Nachdem sie dafUr gekämpft haben, die
Last äußerer Beherrschung abzuschütteln, werden sie mit allem Nachdruck die
Anstrengungen anderer Staaten zurückweisen, ihnen ihren Willen aufzuzwingen.
Wir sollten diesen Geist der Unabhängigkeit respektieren und stärken.
Uns ist nicht damit gedient, daß sie so sind wie wir; sondern daß sie frei
sind, um sich uns anzuschließen, um auf die Ziele zuzugehen, die wir gemeinsam
haben.
Unterstützung für politische Unabhängigkeit und wirtschaftliches Wachstum
in den ärmeren Ländern ist zunächst einmal wichtig, weil diese Staaten
eine eigenständige Bedeutung haben.
werden.

Ihre Konflikte können auch unsere Kriege

Unser Handel mit ihnen nimmt zu.

Ihre Instabilität kann unsere

Interessen auf vielfache Weise beeinflussen.
Es dient auch unseren nationalen Interessen, wenn wir durch unsere
Hilfe die Sicherheit der Staaten der Dritten Welt unterstützen.

Wenn wir

ihnen bei der Entwicklung ihrer Volkswirtschaften helfen, dann erfüllen
wir nicht nur dringende menschliche Ansprüche, sondern wir investieren
zugleich in wichtige Handelsbeziehungen.

Es dient unseren Interessen, wenn

wir den friedlichen Wandel in diesen Staaten unterstützen und zur friedlichen
Beilegung ihrer Konflikte ermutigen.
Unseren
- 13 -

�Unseren Interessen ist eindeutig durch unsere Anstrengungen gedient,
bei der Lösung des arabisch-israelischen Konflikts zu helfen und dieser
unruhigen und lebenswichtigen Region Frieden zu bringen.
Im Jahre 1990 werden die Probleme der Dritten Welt genau wie 1980
eine zentrale Herausforderung für unsere Klugheit sein.

Und dennoch existiert

noch immer kein realistischer Plan, um die potentiellen Gefahren zu bannen
oder die Pein von Hunderten Millionen von Menschen zu beenden, die in
erniedrigender Armut leben.

Aber im kommenden Jahrzehnt können die Vereinigten

Staaten hinsichtlich des Ernstes dieser Probleme eine positive Änderung herbeiführen - indem sie dabei helfen, Fortschritt und Hoffnung zu schaffen und
ihr Auge, nicht abwenden von Gewalt und Leiden aus Verzweiflung.
Um diese Änderung herbeizuführen, müssen wir zunächst einmal die
Unterschiede zwischen uns und den Ländern der Dritten Welt erkennen und
zugleich dort mit ihnen zusammenarbeiten, wo sich unsere Interessen decken.
Zu einem Frieden in Zimbabwe kam es durch die Fähigkeit Großbritanniens und
der Vereinigten Staaten, mit den afrikanischen Staaten in dieser Zone zusammenzuarbeiten.

Wenn es nach den Gegnern verbesserter Beziehungen mit Mozambique,

Sambia, Tansania und anderen gegangen wäre, wäre die Lage heute wahrscheinlich
sehr viel anders.

Die logische Schlußfolgerung liegt auf der Hand:

Es hat

keinen Sinn, die Regierung von Angola nicht anzuerkennen6 eine Regierung,
mit der wir bei der Suche nach Frieden im südlichen Afrika trotz grundlegender
Meinungsverschiedenheiten bei anderen Fragen zusammengearbeitet haben.
Es ist auch nötig, unsere Hilfsmittel hinter unsere Politik zu
stellen.
Amerikanische Hilfsprogramme umfassen weniger als 1,5 Prozent unseres
Bundeshaushalts.

Sie aber - und nicht die großen Worte und nicht der gute

Wille allein -, machen den ganzen Unterschied bei der Unterstützung unserer
Diplomatie in der Dritten Welt aus und dabei, wie wir jetzt die Ursachen

- 14 -

�Ursachen späterer Krisen anpacken.

Und dennoch werden sie andauernd

im Kongreß und anderswo angegriffen.
Das Ergebnis ist - ich kann an kein anderes
Unser

Wort denken - beschämend.

Sicherheitsbeistand ist in den letzten 20 Jahren um 25 Prozent

zurückgegangen.
Unter den 17 stärksten Industriemächten stehen die Vereinigten Staaten
an 13. Stelle hinsichtlich des Prozentsatzes des Bruttosozialproduktes, der
für Entwicklungshilfe angesetzt ist.

Es ist ziemlich wahrscheinlich, daß

wir noch weiter zurückfallen.
Wir sind weit im Rückstand beider Verwirklichung unserer Versprechungen,
die wir den multilateralen Entwicklungsbanken gegeben haben - und es ist
wahrscheinlich, daß der Rückstand größer wird.
Es reicht nicht aus, unsere Verteidigung zu stärken. Wir müssen auch
die Hilfsmittel ausweiten, die wir brauchen, um unsere Diplomatie zu unterstützen, eine Diplomatie, die dazu dienen soll, die Möglichkeiten zu vermindern, daß unser Militärapparat überhaupt benötigt wird.
Die anderen Länder wollen nicht die großen Worte der amerikanischen
Führung; sie wollen ihre Substanz. Und die müssen wir bieten. Die globalen
Verhandlungen bei den Vereinten Nationen über die Beziehungen zwischen den
Industrieländern und den Entwicklungsländern - die diesen Herbst in New York
beginnen - bieten uns eine vorzügliche Gelegenheit, diese Führungsrolle zu
demonstrieren.
Dies bringt mich zu einem vierten Ziel für dieses Jahrzehnt: eine
starke amerikanische Wirtschaft in einer starken Weltwirtschaft.
Ich

- 15 -

�Ich möchte Sie bitten, über die Schlußfolgerungen für unsere Zukunft
nachzudenken, die sich aus zwei nackten Statistiken ergeben:
•

Der Internationalen Energieagentur zufolge wird die weltweite Nachfrage nach Erdöl im Jahr 1985 wahrscheinlich die weltweite ölförderung um
2 Millionen Faß pro Tag übertreffen, geht man von den derzeitigen Trends
aus.

überdenken Sie die Folgerungen dieser Tatsache für die ölpreise auf

dem Weltmarkt und für unsere eigene Volkswirtschaft, für die hartbedrängten
Volkswirtschaften der ärmeren Länder und für die Beziehungen zwischen den
Industriestaaten, wenn man sich wieder um die Energie reißt.
Die andere Statistik ist ihrer Natur nach innenpolitisch: In den
Vereinigten Staaten ging die Produktivität im Jahr 1979 von Quartal zu
Quartal zurück, nachdem die Zuwachsrate unserer Produktivität im Verlauf
der vorhergehenden zwei Jahrzehnte ständig geringer geworden war. Abnehmende
Produktivität aber heizt nicht nur die Inflation an. Sie untergräbt auch
unsere Handelsposition und die Stärke des Dollar. Und sinkende Produktivität
bedeutet wachsende Forderungen nach Protektionismus im eigenen Lande.
In beiden Fällen - bei der Bewältigung der Energiekrise und bei der
Überwindung des Produktivitätsproblems - können wir uns nicht auf den
Geniestreich irgendeines Volkswirtschaftlers verlassen, der eine neue Lösung
bringt.

Wir brauchen Akte des politischen Willens.

Wenn die Vereinigten Staaten und die anderen Industriestaaten nicht
entschlossen handeln, um das Niveau unseres Energieverbrauchs zu senken und vor allem unsere Nachfrage nach Erdöl-, werden wir gegen Ende des
Jahrzehnts, oder womöglich noch früher, wirtschaftlich am Rande des Ruins
stehen. Die Anstrengung muß jetzt gemacht werden.
Der Präsident erkannte die Gefahr, die sich aus unserer Energieabhängigkeit ergibt, und war von den ersten Tagen seiner Regierung an um eine

- 16 -

�eine umfassende Gesetzgebung bemüht, um das Problem in den Griff zu bekommen.
Skepsis der Öffentlichkeit und Untätigkeit des Kongresses haben die umfassende
Durchführung seines Programms um drei kostbare Jahre verzögert.

In der

Zwischenzeit haben die ölexporteure willkürlich eine Preiserhöhung nach der
andern vorgenommen und ihre ölwaffe zu politischen Zwecken eingesetzt.
Das wird sich nicht ändern, solange wir nicht bereit sind, die Inlandspreise
für Energie die Realitäten des Marktes widerspiegeln zu lassen und übermäßigen
Verbrauch zu besteuern, anstatt die OPEC dies für uns tun zu lassen; solange
wir keine energiesparenden Autos, Häuser und Geräte herstellen und genügend
Mittel in die Entwicklung alternativer Energiequellen stecken; und solange
wir die Lasten der Einsparung nicht mit den anderen Industrieländern teilen
und gegen ungerechtfertigte Preiserhöhungen nicht gemeinsam Front machen.
Voriges Jahr sank die amerikanische Produktivität in allen vier Quartalen.
Auch die Lösung dieses Problems wird teuer sein.

Aber wir brauchen weniger

Verbrauch und eine höhere Rate bei den Kapitalinvestitionen, eine Bereitschaft,
von überalterten Industrien loszukommen, anstatt sie mit protektionistisehen
Handelsschranken am Leben zu erhalten.

Wir brauchen Anreize zur Innovation

und verantwortungsbewußte Lohn- und Preisforderungen bei Industrie und
Gewerkschaften.

Im Ursprung handelt es sich hier nicht um Fragen der Wirt-

schaftstheorie, sondern um eine Frage des nationalen Willens.
Um sich diesen vier von mir beschriebenen Herausforderungen zu stellen,
bedarf es keiner raschen Reparaturen, keiner neuen Notbehelfe, keiner
Täuschungsmanöver oder Drohungen.

Es bedarf der Standhaftigkeit, des

politischen Willens und des Verständnisses für eine Welt im Wandel.
Wenn wir bereit sind, die Schlußfolgerungen aus einer Welt der verteilten
Macht zu ziehen und mit den anderen dort zusammenzuarbeiten, wo wir allein
nicht erfolgreich sein können, braucht es keine unüberwindbaren Hindernisse
für unseren Fortschritt zu geben.
Es

- 17 -

�Es sollte kein Rätsel sein, wie die Ost-West-Beziehungen mit Realismus
und Klugheit gehandhabt werden können, wie kooperativere Bündnisse geschaffen
werden können, wie die Probleme der Dritten Welt angepackt werden können
und wie wir jetzt handeln können, um unsere Volkswirtschaft fUr die Zukunft
zu stä'rken.
Vor dem RStsel wird der Historiker des Jahres 1990 stehen, wenn wir,
geblendet durch die neue Nostalgie Jetzt dabei versagen, unsere Zukunft
zu gestalten. Das Rätsel wird sein, warum wir uns gegen den Wandel in
der Welt stellten und nicht versuchten, Ihn mltzugestalten. Der
Historiker wird daraus den Schluß ziehen, daß wir nicht versagten, well
wir keine Chance hatten, sondern well wir die Chance nicht nutzten; daß
wir nicht versagten, well es uns an den Mitteln mangelte, sondern an der
Klugheit, sich Ihrer zu bedienen; daß wir nicht versagten, well es am
Intellekt fehlte, sondern an Einsicht und Willen.
Das braucht nicht so zu sein, denn auch heute, wie eh und je, H e g t
unser Schicksal in unseren eigenen Händen.

+ + + + +
•

- 18 -

�I 3
29

Wi//en/chaft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

18. Juni 1980

VEREINFACHTES SCHMELZVERFAHREN FÜR DIE KUPFERVERHÜTTUNG
Weniger Energieverbrauch - Keine Schweifeldioxid-Belastung

- (AD) - Ein neues Verfahren zur Gewinnung von Kupfer aus dem Erz,
das sich gegenüber herkömmlichen Verhüttungsverfahren durch beträchtliche
Energieeinsparung und Ausschaltung der Emission von Schwefeldioxid (SO2)
auszeichnet, wurde von einer Wissenschaftlergruppe der Universität Utah
und der Firma Envirotech in Salt Lake City (US-Bundesstaat Utah) entwickelt.

Wie die amerikanische Nationale Wissenschaftsstiftung (National

Science Foundation - NSF), die das Universitätsprojekt finanzierte, berichtet,
ist eine neuartige Elektrolysezelle das Kernstück des neuen Verfahrens. Es
ermöglicht sogar kleinen Bergbauunternehmen, die sich herkömmliche Schmelzöfen wegen der hohen Anlage- und Betriebskosten nicht leisten können, den
Einstieg in die Kupferverhüttung, denn es macht die Öfen überflüssig.
Normalerweise wird Kupfer bei sehr hoher Temperatur erschmolzen.
Der im Mineral enthaltene Schwefel verbrennt mit und liefert einen Teil
der erforderlichen Energie. Aber er bildet Schwefeldioxid - einen Schadstoff, der mit der Abluft in die Atmosphäre gelangt. Der nächste Schritt

Postfach 2 0 0 3 0 0
0 5 3 0 0
Bonn 2

T e l : 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Schritt ist die Reinigung des Rohkupfers durch Elektrolyse, was große
Mengen elektrischer Energie erfordert.
Laut Dr. Donald A. Dahlstrom von der Fa. Envirotech faßt das neue
Verfahren außerdem den komplexen Prozeß, Kupfer zunächst in Lösung zu
bringen, damit es sich im Elektrolysetank an der Plattenkathode als reines
Metall niederschlägt, zu einem einzigen, vereinfachten Schritt zusammen,
der sehr viel weniger Energie erfordert.

Der dabei gewählte Weg zur

Extraktion verlangt jedoch, wie Dr. Mi 1 ton E. Wadsworth, Professor der
Metallurgie an der Universität Utah erklärt, daß das Erz sehr fein gemahlen wird, damit sich das darin enthaltene Kupfer möglichst vollständig
herauslösen läßt.

Mit herkömmlichen Methoden ist dies sehr kostspielig.

Deshalb habe man es, so Wadsworth, mit einer Mahlausrüstung versucht, die
in der Farben- und Pigmentindustrie zur Mineral aufbereitung verwendet wird.
Das Verfahren funktionierte ausgezeichnet.
Der "Electro Slurry" - Prozeß, wie das neue Kombi nationsverfahren
zur Kupfergewinnung bezeichnet wird, eignet sich ferner für andere Zwecke beispielsweise zur Verarbeitung des Schmelzofenstaubs, der reich ist an
Kupfer, Zink, Silber, Gold, Blei und anderen wichtigen Metallen. Aber er
enthält auch gefährliche Verunreinigungen wie Arsen, Antimon und Wismuth.
Wegen der Anreicherung dieser Verunreinigungen im Produkt, die den Metallwert stark mindern, kann in vielen Schmelzöfen der Staub nicht verwertet
werden. Bei Anwendung des ElectroSlurry-Verfahrens wird das Problem der
Verunreinigungen weitgehend entschärft,man gewinnt hochwertiges Metall von
höherem Reinheitsgrad. "Das Verfahren eröffnet einen Weg", erklärt Dr.
Dahlstrom, "alle diese metallischen Stäube zu extrahieren, die heute größtenteils noch verloren gehen." Es verbilligt die Kupfergewinnung für kleinere
Betriebe, ermöglicht ihnen die direkte Raffination und macht die Kupfergewinnung im Lohn-Schmelzverfahren überflüssig. Kupferhütten, die Konzentrate
von kleineren Bergbaubetrieben im Auftrag erschmelzen, haben außerdem wegen der
Beimengung von Verunreinigungen im Konzentrat zusätzliche technische Probleme
zu lösen.
+ + + + +

- 2 -

�I
29

Wi//en/choft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

18. Juni 1980

SYNTHESE EINES NATURSTOFFS FÜR DIE KREBSTHERAPIE
Weniger Nebenwirkungen als beim Naturprodukt

- (AD) - Die synthetische Herstellung der für die Krebstherapie
wichtigen Verbindung Streptonigrin gelang nach sechsjähriger Forschungsarbeit und langwierigen Experimenten Chemikern der Pennsylvania State
University (University Park, Pennsylvanien). Die natürliche Substanz
war im Jahr 1959 von amerikanischen Chemikern aus Bodenorganismen
(Streptomyces floeculus) isoliert worden. Sie gehören zu einer großen
Familie von Pilzorganismen in Erde, Staub und Getreide, die beispielsweise
die Grundlage zur Gewinnung so wichtiger Antibiotika wie Streptomycin,
Aureomycin und Neomycin bildeten.
Untersuchungen mit Streptonigrin in den Vereinigten Staaten,
Frankreich und der Sowjetunion ergaben, daß die Substanz möglicherweise
gegen eine Vielzahl bösartiger Tumore eingesetzt werden könnte und in
ihrer Wirksamkeit z.B, einigen Präparaten entspricht, mit denen bestimmte
Leukämieerkrankungen behandelt werden. Jedoch zeigte die natürliche
Substanz in manchen Fällen stark toxische Nebenwirkungen am Knochenmark.

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Knochenmark. Synthetische Präparate dagegen könnten, wie Prof. Steven M.
Weinreb von der Staatsuniversität Pennsylvanien erklärte, so aufgebaut
werden, daß die Antitumorwirkung erhalten bleibt, aber weniger Nebenwirkungen
auftreten. Prof. Weinreb übergab der amerikanischen National Science
Foundation (NSF - Nationale Wissenschaftsstiftung), die die Forschungen
finanziert hatte, darüber einen ausfuhrlichen wissenschaftlichen Bericht.
.f
u
Mehr als 15 Jahre lang hatten Forscher im Laboratorium nach Möglichkeiten
zur Synthese von Streptonigrin gesucht. Die Aufgabe war deshalb so schwierig,
weil die Struktur der Substanz keinerlei Ähnlichkeit mit dem Aufbau anderer
bekannter Naturstoffe aufwies. Die Molekülgruppen des Streptonigrin waren,
wie das Strukturbild schließlich ergab, in einer bis dahin noch nicht
beobachteten und bei Synthesen noch nicht praktizierten Weise zusammengefügt. Schließlich vermochte die Chemikergruppe künstliches Streptonigrin
mittels einer Serie von 30 speziellen Reaktionen zu synthetisieren. Der
Schlüssel dazu war, wie Weinreb erklärte, die Anwendung eines Verfahrens,
auf das man in der Naturstoffsynthese nur gelegentlich zurückgreift.
"Seitdem vermochten wir die verschiedensten anderen Naturstoffe zu synthetisieren. Die Anwendung dieser Methode eröffnete uns ein Gebiet, dem man bisher
wenig Aufmerksamkeit geschenkt hatte."
Eine detaillierte Darstellung der Forschungsergebnisse erschien im
"Journal of the American Chemical Society", Ausgabe Mai 1980.

+ + + + +

- 2 -

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="8677">
                <text>18.06.1980</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="8678">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="8679">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="13998">
                <text>Amerikadienst 18.06.1980</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="13999">
                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Cyrus Vance: US-Außenpolitik muss 10 Jahre vorausdenken&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des ehemaligen US-Außenministers in Cambridge -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vereinfachtes Schmelzverfahren für die Kupferverhüttung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Weniger Energieverbrauch - Keine Schwefeldioxid-Belastung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Synthese eines Naturstoffs für die Krebstherapie&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Weniger Nebenwirkungen als beim Naturprodukt -&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="1957" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="1968">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/d7aadea10c9a26af2894f9e117bd8a5f.pdf</src>
        <authentication>ea07be7a7e6c0bb88dbc19c1e4dcab2b</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="9781">
                    <text>AMERIKA DIENST
"VON

*

1 8 . J u n i 1986

22

I N H A L T

HINTERGRÜNDMATERIAL

Strategische Modernisierungsprogramme
- Fakten des Weißen Hauses -

Chronologie der Ereignisse in Afghanistan
- Oktober 1985 - Mai 1986 -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK

Ausgewogenheit der Trägersysteme für DS-Raumfahrtprogramm
- Nationale Akademie der Wissenschaften empfiehlt Bau moderner
Raketen für unbemannte Projekte -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
VON

Hintergrundmaterial

&amp;

18. Juni 1986

22

STRATEGISCHE

MODERNISIERUNGSPROGRAMME

- Fakten des Weißen Hauses -

WASHINGTON - (AD) - Die folgende Aufstellung von Fakten mit dem Titel
"Zusammenfassung derjenigen Strategischen Modernisierungsprogramme, bei
denen der Präsident den Kongreß um Ausnahme von den Sparmaßnahmen im Verteidigungsbereich gebeten hat" wurde am 3. Juni 1986 vom Weißen Haus veröffentlicht:
- Der Präsident hat heute den Kongreß aufgefordert, sämtliche Mittel für
sein Strategisches Modernisierungsprogramm und die Strategische Verteidigungsinitiative zu bewilligen.
- Er stellte fest, daß Einsparungen bei diesen Programmen unsere Verhandlungsposition in Genf schwächen würden.
- Die folgenden Programme seines aus fünf Teilen bestehenden Strategischen Modernisierungsprogramms wurden von ihm besonders erwähnt:

Führungs- und Kommunikationsmittel
- PAVE Paws und Frühwarnradarsysteme gegen ballistische Raketen.
Mobile Bodenstationen.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�- Mobile Bodenstationen.
- Militärisches Satelliten-Fernmeldesystem (DSCS III).
- Stör- und abhörsichere Fernmeldesysteme.
- Satellitenprogramm MILSTAR.
- Flugzeug E-6A TACAMO.
- Bodenwellenfunknetz für den Ernstfall.

Der Tarnbomber und der weiterentwickelte Marschflugkörper.
Das U-Boot Trident II und die Rakete D-5.
Die zweite Tranche von 50 Peacekeeper-Raketen und die mobile kleine
Interkontinentalrakete (ICBM).
Die Strategische Verteidigungsinitiative.
- Er stellte fest, daß diese Programme entscheidend zur Abschreckung eines Atomkrieges beitragen und gleichzeitig lediglich 15 Prozent des
Verteidigungshaushalts ausmachen.
- Er verlieh seiner Überzeugung Ausdruck, wonach die Sowjets eine Reduzierung dieser Programme als Zeichen des Verfalls der amerikanischen
Entschlossenheit auslegen würden, eine lebensfähige strategische Abschreckung aufrechtzuerhalten.
- Einzelheiten zu den vom Präsidenten erwähnten Programmen werden im
folgenden dargestellt:
- Führungs- und Kommunikationsprogramme
PAVE PAWS-Radarsysteme. Auf dem kontinentalen Territorium der Vereinigten Staaten (CONUS) werden zur Zeit vier Radaranlagen mit phasengesteuerter Abtastung vom Typ PAVE PAWS disloziert, die genaue Warn- und Auswertungsdaten im Falle von Angriffen gegen CONUS durch U-bootgestützte ballistische Raketen liefern sollen. Zwei Stellungen sind bereits in Betrieb, während zwei weitere PAVE PAWS-Systeme noch im Bau sind. Die betriebsbereiten Stellungen befinden sich auf den Luftwaffenstützpunkten
Otis in Massachusetts und Beale in Kalifornien. Die neuen Stellungen werden sich nahe den Luftwaffenstützpunkten Goodfellow in Texas und Robins in
Georgia befinden. Die neuen Radarsysteme werden 1987 betriebsbereit sein.
Frühwarnradarsysteme für ballistische Raketen. Das Frühwarnsystem für
ballistische Raketen (BMEWS) besteht aus drei Radargroßanlagen für frühzeitige Entdeckung und Warnung vor Angriffen mit Interkontinentalraketen
(ICBM) gegen den nordamerikanischen Kontinent, Europa und Großbritannien.
Diese Radarsysteme werden gegenwärtig verbessert, beginnend mit Thule in
- 2 -

�Thule in Grönland, das 1987 von Clear in Alaska und Fylingdales in Großbritannien gefolgt werden wird.
- Diese Radarsysteme sind permanent in Betrieb, um aus der Sowjetunion
oder China abgeschossene ICBMs zu suchen, zu entdecken und zu verfolgen.
- Die Radarsysteme werden gegenwärtig einer weitgehenden Modernisierung
unterzogen, die sich auf deren Computer, Darstellungsgeräte und die
Radars selbst erstrecken.
Mobile Bodenstationen. Durch.das Satellitenstationsprogramm für die
Mobilen Landstreitkräfte (Ground Mobile Forces - GMF) werden unsere
Streitkräfte unter Zuhilfenahme des Militärischen Satelliten-Fernmeldesystems (DSCS) mit mobilen, abhör- und störsicheren, zuverlässigen und
weltweiten Kommunikationsverbindungen ausgestattet. Mit den GMF-Stationen
können sowohl Hochleistungssprechfunk- als auch Datenübertragungsverbindungen überall da auf der Welt unterstützt werden, wo unsere Truppen stationiert sind.
- Fast 400 DSCS-kompatible GMF-Stationen sind bestellt worden, und die
Auslieferung an das Verteidigungsministerium hat bereits begonnen.
Das Militärische Satelliten-Fernmeldesystem (DSCS). Seit 1966 hat das
Verteidigungsministerium unter Zuhilfenahme von Satelliten ein weltweites
Kommunikationsnetz aufgebaut und aufrechterhalten, das als Militärisches
Satelliten-Fernmeldesystem bezeichnet wird. Heute besteht dieses Netz aus
sechs DSCS II und zwei DSCS III Satelliten in Umlaufbahnen um die Erde.
Vier der DSCS II Satelliten werden in Reserve bereitgehalten. Die neueste
Ergänzung dieser lebenswichtigen Fähigkeit besteht aus dem neuen DSCS III
Satelliten, der wesentlich störungssicherere und extrem überlebensfähige
Kommunikationsverbindungen bietet. Ein DSCS III Satellit hat die doppelte
Lebensdauer wie ein DSCS II (10 Jahre gegenüber 5 Jahren), besitzt eine
höhere Uberlebensfähigkeit gegen nukleare Einwirkung und eine vergrößerte
Leistungsfähigkeit gegenüber dem DSCS II.
Stör- und abhörsichere Fernmeldeverbindungen (JRSC). Zur Unterstützung besonders wichtiger Einsätze wurde vom Verteidigungsministerium eine
kleine Anzahl besonders ausgelegter Satelliten-Fernmeldestationen beschafft. Diese Stationen werden mit Hilfe der Satelliten des Militärischen Satelliten-Fernmeldesystems (DSCS) betrieben und können deshalb
weltweit von jedem beliebigen Stationierungsort betrieben werden.
- Heute sind über 20 solcher Stationen im Einsatz. Diese Stationen sind
mobil (obwohl sie größer als die Stationen der Mobile Ground Force
sind) und stellen abhör- und störsichere Fernmeldeverbindungen bereit.
Widerstandsfähigkeit gegen elektromagnetischen Impuls (EMP) und die
Fähigkeit, in einer unter atomarer Einwirkung stehenden Umgebung zu
funktionieren, gehören zu den Eigenschaften dieser Stationen.
Das Satellitenprogramm MILSTAR. Die MILSTAR-Satelliten werden neue
revolutionäre Fähigkeiten besitzen, wie etwa Widerstandsfähigkeit gegen
- 3 -

�Widerstandsfähigkeit gegen Laser-Waffen, Fernmeldequerverbindungen von Satellit zu Satellit, mobiles Führungssystem sowie bordeigene Schaltfunktionen, um Fernmeldestrahlen zu beeinflussen und die Benutzer verschiedener
Waffengattungen und militärischer Dienstellen mit hoher Geschwindigkeit
weltweit zu verbinden. Beispielsweise wird MILSTAR es einer gelandeten
Eingreiftruppe an irgendeinem abgelegenen Ort der Welt ermöglichen, vom
Führungsfahrzeug ihres Kommandeurs aus eine abhörsichere Fernmeldeverbindung mit einem höheren Befehlshaber auf See oder nationalen Kommandobehörden an einem anderen Ort herzustellen. MILSTAR wird außerdem in dem neuen
B-lB-Bomber eingesetzt werden, wodurch schnelle, abhör- und störsichere
Zweiweg-Verbindungen von jedem beliebigen Punkt der Erde zu allen erforderlichen höheren Kommandos hergestellt werden können.
- Die MILSTAR-Satelliten befinden sich zur Zeit mitten in der technischen Entwicklung und die ersten werden zum Ende dieses Jahrzehnts
einsatzbereit sein, während volle Einsatzbereitschaft in den frühen
neunziger Jahren erreicht sein wird. Der Satellit wird entweder durch
Raumtransporter oder Einwegraketen in die Umlaufbahn gebracht werden.

*

Das E-6A TACAMO-Programm. Die überlebensfähige Hauptkomponente unseres U-Boot-Fernmeldenetzes besteht aus einer luftgestützten Fernmeldeplattform mit der Bezeichnung TACAMO. Gegenwärtig ist über dem Atlantik
und über dem Pazifik eine TACAMO ständig in der Luft.
- Die heutigen TACAMO-Plattformen auf EC-130-Maschinen sind nicht nur
veraltet, sondern besitzen außerdem eingeschränkte Ausdauer und Reichweite. Das Modernisierungsprogramm wird diese Maschinen durch 15
neue, düsengetriebene E-6A-Maschinen ersetzen, die direkt von den
Boeing 707 AWACS-Flugzeugen abgeleitet sind.
- Die neue E-6A hat die erforderliche Reichweite, Nutzlast und Ausdauer,
um den lebenswichtigen Fernmeldeverbindungen für unsere mit Interkontinentalraketen ausgerüsteten U-Boote unabhängig von ihrem Standort
adäquate Unterstützung zukommen zu lassen. Zusätzlich wird das Fernmeldesystem selbst einer Modernisierung unterzogen werden, in deren
Rahmen der E-6A eine gesteigerte Uberlebensfähigkeit verliehen wird.
- Diese neuen TACAMO-II-Maschinen werden in den kontinentalen Vereinigten Staaten stationiert werden, mit vorgeschobenen operativen Stützpunkten an der Ost- und Westküste sowie auf Hawaii. Die ersten Maschinen werden 1989 ausgeliefert werden. Die Auslieferung aller 15
Maschinen wird Ende 1991 abgeschlossen sein.
Bodenwellen-Warnsystem (GWEN). Das Bodenwellen-Warnsystem ist ein
neues, bedeutendes militärisches Fernmeldesystem zur Bereitstellung eines
gesicherten Flusses lebenswichtiger Meldungen zwischen den höchsten militärischen Führern und unseren Truppen.
- Tatsächlich ist GWEN ein Zusatz zu dem öffentlichen Telefonnetz der
Vereinigten Staaten, um größtmögliche Sicherheit dafür zu gewährleisten, daß entscheidende Warninformationen, Alarmmeldungen und
Direktiven vom Präsidenten unsere nuklearen strategischen Truppen

•

*

�strategischen Truppen unter allen voraussehbaren Bedingungen empfangen
werden. Die Ausrüstung und die Funksignale von GWEN können nicht
durch den elektromagnetischen Impuls (EMP) beeinflußt werden, der von
nuklearen Detonationen in großer Höhe resultiert und durch den andere
Fernmeldesysteme, die nicht gegen EMP gesichert sind, gestört werden
können.
- GWEN besteht aus einem Netz unbemannter, landesweit verteilter Funkrelaisstationen, die im Niederfrequenzbereich operieren, ähnlich den
kommerziellen UKW/MW-Radiostationen. Ein Netz von 100-200 Relaistürmen ist bis Ende der achtziger Jahre geplant.

Bomber/Marschflugkörper
- Der Tarnbomber (Advanced Technology Bomber - ATB) ist ein gegen Radarstrahlen unempfindlicher neuer Bomber, der in der Lage sein wird,
die sowjetische Luftabwehrsysteme zu überwinden. Der ATB ist gegenwärtig in der Entwicklung und wird in den frühen neunziger Jahren einsatzbereit sein.
- Der weiterentwickelte Marschflugkörper (ACM) ist ein gegen Radarpeilung unempfindlicher, weitreichender Marschflugkörper mit hoher Zielgenauigkeit, der von B-52 und B-lB-Bombern getragen wird. Sein sehr
geringes Radarecho und seine Fähigkeit des Fluges in geringer Höhe
werden es ihm ermöglichen, alle voraussichtlichen sowjetischen Luftabwehreinrichtungen zu durchbrechen. Der ACM wird Ende der achtziger
Jahre einsatzbereit sein. Der Präsident hat kürzlich das Verteidigungsministerium aufgefordert, mit dem Kongreß zusammenzuarbeiten, um
die Einführung des ACM zu beschleunigen.

ICBM-Programme
- Der Präsident hat kürzlich das Verteidigungsministerium angewiesen,
Empfehlungen für seine Pläne auszuarbeiten, in diesem Herbst zusätzliche Peacekeeper-Raketen zu stationieren. Die sehr erfolgreiche
Peacekeeper-Rakete hat bis heute zwölf perfekte Tests absolviert und
wird dieses Jahr auf dem Lufwaffenstützpunkt F.E. Warren in Wyoming
ihre Einsatzbereitschaft erreichen. Ein vom Präsidenten eingesetzter
Ausschuß unter Leitung von Brent Scowcroft hat 1983 empfohlen, 100
Peacekeeper-Raketen so schnell wie möglich zu stationieren. Bis heute
wurden 50 vom Kongreß bewilligt.
- Die Scowcroft-Kommission hat außerdem die Entwicklung einer neuen,
kleinen und mobilen ICBM empfohlen. Die kleine ICBM wird diesen
Herbst in ihr volles technisches Entwicklungsstadium treten. Im Einklang mit der Direktive des Präsidenten hinsichtlich der einstweiligen
Zurückhaltung wird zu diesem Zeitpunkt das Verteidigungsministerium
seine endgültigen Empfehlungen in bezug auf Anzahl der Gefechtsköpfe
und Einführung unterbreiten.
U-Boot Trident und
- 5 -

�U-Boot Trident und D-5 SLBM
- U-Boot Trident. Das U-Boot Trident ist ein außergewöhnlich leises,
mit ballistischen Raketen ausgerüstetes U-Boot, das dazu dient, die
Uberlebensfähigkeit der amerikanischen seegestützten Abschreckungsmacht bis ins 21. Jahrhundert zu sichern. Gegenwärtig sind sieben
Trident-SSBN in Betrieb; die Seerprobung des achten begann im Mai.
Diese Schiffe sind heute mit Trident-I (C-4) Raketen ausgerüstet; das
neunte und alle weiteren werden die neue, leistungsfähigere Trident-II
(D-5) Rakete bekommen. Der Bau von einem Trident-SSBN pro Jahr ist
geplant.
i

- Trident II (D-5) Rakete. Die Trident II (D-5) Rakete wird eine höhere
Nutzlast als die gegenwärtige Trident I besitzen und wird die erste
unterseebootgestützte, ballistische Rakete sein, die zur effektiven
Vergeltung gegen sowjetische gehärtete Ziele in der Lage sein wird.
Die Trident II befindet sich gegenwärtig mitten in der Entwicklung.
Sie wird gegen Ende dieses Jahrzehnts auf dem neunten und allen folgenden Trident-U-Booten disloziert werden und wird später auch den ersten acht Tridents zugeführt.

Strategische Verteidigungsinitiative (SDI)
- Das SDI-Forschungsprogramm dient dazu, herauszufinden, ob und gegebenenfalls wie fortschrittliche Technologien zu einer wirksamen Verteidigung gegen Angriffe mit ballistischen Raketen beitragen können.
Wenn unsere Forschung erfolgreich ist, werden wir in der Lage sein,
den Frieden auf lange Sicht dadurch zu bewahren, daß wir uns zunehmend
auf Verteidigungssysteme verlassen, die niemanden bedrohen, anstatt
auf die Drohung von Vergeltung mit offensiven atomaren Waffen.
- Das amerikanische SDI-Programm wird in Übereinstimmung mit dem ABMVertrag durchgeführt.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
'VON

Hintergrundmaterial

*

18. Juni 1986

22

CHRONOLOGIE DER EREIGNISSE IN AFGHANISTAN
- Oktober 1985 - Mai 1986 -

Die bisher quartalsweise abgedruckte Chronologie der Ereignisse in Afghanistan wird in Zukunft in etwa halbjährlichen Abständen erscheinen.
Aus diesem Grunde finden unsere Leser hier das 4. Quartal 1985 mit den
bisherigen Entwicklungen des Jahres 1986 zusammengefaßt.

1. Oktober
Wie aus westlichen diplomatischen Quellen in Islamabad verlautet, haben Flugzeuge der sowjetischen und afghanischen Luftwaffe die Gegend um
Paghman, fünfzehn Kilometer nordwestlich von Kabul, in der vergangenen Woche fast täglich bombardiert und dabei am 24. September die Angriffe parallel zu einer großen Bodenoperation durchgeführt. (Mitte September behauptete Kabul, daß der seit langem bestehende Stützpunkt der Mujahedin
"dem Erdboden gleichgemacht" und die Opposition dort "niedergeschlagen"
worden sei.)
Fünf Ausländer, die lediglich als Srzte bezeichnet wurden, entkamen
Berichten zufolge am 15. September einem Hinterhalt in der Nahe von
Mazar-i-Sharif. Die sie begleitenden 39 Mitglieder der Mujahedin-Partei
wurden getötet.
6. Oktober

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�6. Oktober
Einem Zeitungsartikel aus Peshawar zufolge wird die islamische Vereinigung afghanischer Mujahedin, ein im Mai gebildeter Verbund von Parteien
der Widerstandsbewegung, eine Delegation zur Generalversammlung der Vereinten Nationen entsenden. Der Sprecher der Vereinigung, Gulbuddin
Hekhmatyar, sagte, daß die Vereinigung sich auch um Anerkennung durch die
Islamische Konferenz bemühen würde.
7. Oktober
Der UN-Generalsekretär Javier Perez de Cuellar erklärte bei den Sitzungen der Genfer Gespräche über Afghanistan im Juni und August, daß drei
der vier Entwürfe für ein Abkommen zu einer umfassenden Regelung praktisch
fertiggestellt seien, der vierte Entwurf, der sich mit dem Abzug sowjetischer Truppen und der Beziehung der anderen Abkommen untereinander beschäftigt, zögere sich jedoch hinaus, weil Kabul auf unmittelbaren Verhandlungen bestünde und keine "mittelbaren" Verhandlungen durch den Vertreter Pakistans wünsche. (Pakistan lehnte direkte Zusammentreffen ab,
weil es die von der Sowjetunion eingesetzte Regierung Babrak Karmals nicht
anerkennt). Die im Jahr 1982 begonnenen Genfer Gespräche sollen am 16.
Dezember von Diego Cordovez, dem stellvertretenden Generalsekretär für politische Angelegenheiten, der als persönlicher Vertreter des Generalsekretärs fungiert, wiederaufgenommen werden.
8. Oktober
Die im Umkreis von 50 Kilometer nördlich, westlich und südlich von
Kabul liegenden Stützpunkte und Operationsgebiete der Mujahedin wurden in
der vergangenen Woche angegriffen, offensichtlich, um die Hauptstadt vor
wiederholten Raketenangriffen und um Konvois vor Angriffen aus dem Hinterhalt zu schützen. Westliche diplomatische Quellen in Islamabad berichten, die Operationen seien auf die Gegend um Paghman und die Provinzen von
Wardak und Logar gerichtet gewesen. Sowjetische Flugzeuge bombardieren
auch Ende September vier Tage lang das Panjsher-Tal.
19. Oktober
Die Londoner Tageszeitung "The Guardian" berichtet von dem ersten bekanntgewordenen Austausch sowjetischer Gefangener gegen afghanische
Mujahedin, der am 24. August im Logar-Tal stattfand. Der Bericht aus
Islamabad bezog sich auf Quellen der Widerstandsbewegung, denen zufolge
zwei sowjetische Soldaten gegen sechs Mujahedin ausgetauscht wurden - einer der Soldaten war der Sohn eines höheren Beamten der Kommunistischen
Partei aus Kiew, der der Meldung zufolge den Austausch einleitete.
22. Oktober
Die Mujahedin haben vom 10. bis zum 13. Oktober wenigstens zwei MIGs
and vier Kampfhubschrauber abgeschossen, westlichen diplomatischen Quellen
in Islamabad zufolge, "eine ungewöhnlich große Anzahl" in einem so kurzen
Zeitraum. Die Treffer wurden südlich des Salang-Tunnels, in der Gegend
- 2 -

�der Gegend von Kabul und der nahegelegenen Logar-Provinz erzielt. Diplomaten und Sprechern der Widerstandsbewegung zufolge haben sowjetische
Flugzeuge über eine Woche lang die Zugänge zum Panjsher-Tal bombardiert.
24. Oktober
US-Präsident Ronald Reagan schlug in einer Ansprache vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen direkte Verhandlungen zwischen den gegnerischen Parteien vor, ein Anfang in einer Reihe regionaler Friedensinitiativen - er wies in diesem Zusammenhang auf Afghanistan, Angola,
Kambodscha, Xthiopien und Nicaragua hin, deren Konflikte seit Jahren zur
Verschlechterung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen beigetragen haben. Reagans Vorschlag der drei Schritte würde mit direkten Verhandlungen
zwischen den "gegnerischen Parteien" in jedem Land beginnen, auf die dann
amerikanisch-sowjetische Zusammenkünfte folgen würden, bei denen entschieden wird, wie die Verhandlungen "am besten unterstützt" und möglicherweise
"Garantien für bereits erzielte Abkommen erarbeitet" werden sollten. Der
dritte Schritt wäre die Wiedereingliederung der Länder in die Weltwirtschaft. Der Präsident sagte, sein Vorschlag zu einem Frieden in der Region, der die bestehenden Bemühungen um den Frieden unterstützt, sei ein
zentrales Thema bei seinen Gesprächen mit dem sowjetischen Staatsoberhaupt
Gorbatschow im November in Genf.
(Der afghanische Außenminister Shah Mohammed Dost sagt auf einer Pressekonferenz der Vereinten Nationen am 28. Oktober: "Es ist offensichtlich,
daß diese Erklärung (des Präsidenten) weitere von Pakistan aus verübte bewaffnete Angriffe auf Afghanistan provozieren und einleiten soll").
(In einer Erklärung vom 28. Oktober von Radio Kabul, in der das Konzept von Verhandlungen zwischen "gegnerischen Parteien" indirekt zurückgewiesen wurde, heißt es: "Es bleibt niemandem verborgen, daß die regionalen Konflikte, von denen die Vereinigten Staaten sprechen, die Schöpfung
der aggressiven und interventionistischen Politik der Regierung dieses
Landes ist".)
29. Oktober
Die Führer der sieben Widerstandsparteien, zu denen die Vereinigung
der islamischen Mujahedin Afghanistans zählt, eine im Mai gebildete Koalition, sagten auf einer Pressekonferenz in New York, daß sie den Sitz bei
den Vereinten Nationen forderten, der von dem "Marionettenregime" in Kabul
innegehalten werde. Der Sprecher Gulbuddin Hekhmatyar sagte, die Vereinigung stelle "die einzig wahre Vertretung unseres Landes dar" und sie habe
"nichts mit den Russen zu besprechen ohne deren bedingungslosen, vollständigen Abzug" militärischer Truppen. In einem an den UN-Generalsekretär
adressierten Brief vom 24. Oktober baten sie ihn darum, ihr Streben nach
Anerkennung als Vertreter Afghanistans zu unterstützen und baten um eine
Untersuchungskommission der Vereinten Nationen, die ihr Land besuchen
sollte, um über die "zahllosen Greueltaten" zu berichten, die von den Sowjets und der Regierung in Kabul verübt werden.
31. Oktober

�31. Oktober
Radio Kabul zufolge wird beim Iran gegen zwei Angriffe an der Grenze
protestiert. Der Bericht behauptet, daß am 3. Oktober etwa 300 bis 400
Mitglieder der "Hezbollah und der Jamiat-e Islami-Banden zusammen mit einer Reihe von iranischen Revolutionsgarden in der Gegend von Qezaleslam
die Sicherheitsstreitkräfte der DRA angriffen". Die Übertragung gibt weiterhin an, daß der Grenzposten in der Gegend von Shershari in der Nacht
des 25. Oktober von Granatwerfern und rückstoßfreien Geschützen aus iranischem Hoheitsgebiet getroffen wurde, die zwei Menschen töteten und zwei
weitere verletzten.
4. November
Ein Sprecher des Außenministeriums in Washington berichtet, daß der
Gefreite der sowjetischen Armee, der am 31. Oktober das Botschaftsgelande
der Vereinigten Staaten betreten hatte, um Asyl zu suchen, dieses freiwillig wieder verließ, nachdem eer von den sowjetischen Behörden die Zusicherung erhalten hatte, daß er kein Verbrechen begangen habe und nach Hause
in die Sowjetunion zurückkehren könne. Alexander V. Sukanow, der 19jährige Posten beim Hauptquartier des afghanischen Radios in der Nähe der Botschaft, erklärte, er sei mit seinem Leben in Afghanistan unzufrieden. Der
Soldat erhielt die Zusicherung, es würden alle Anstrengungen unternommen,
um ihm in den Vereinigten Staaten Asylrecht zu verschaffen. Er entschied
sich nach zweimaligen Unterredungen mit dem sowjetischen Botschafter im
Beisein amerikanischer Beamter zum Verlassen der Botschaft.
12. November
Das Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten verabschiedet in Ergänzung voraufgegangener Arbeit des Senats eine Resolution, die "die Absicht
des Präsidenten unterstützt, die amerikanische Besorgnis über die sowjetische Präsenz in Afghanistan mit den führenden Männern der Sowjetunion zu
diskutieren...". Der Kongreß antwortete hiermit auf Präsident Reagans Ansprache vom 24. Oktober an die Generalversammlung der Vereinten Nationen,
in der er sagte, er werde während seines Treffens mit dem sowjetischen
Staatsoberhaupt Gorbatschow am 19. und 20. November eine regionale Priedensinitiative in Afghanistan und in vier weiteren Ländern vorschlagen
(siehe hierzu auch 24. Oktober).
13. November
Die Generalversammlung der Vereinten Nationen beendet eine dreitägige
Debatte mit einem protokollierten Mehrheitsbeschluß, der den Abzug "ausländischer Truppen" aus Afghanistan fordert und sich für die Wiederherstellung der Unabhängigkeit des Landes einsetzt. Die Abstimmung verläuft
mit 122 zu 19 Stimmen bei 12 Enthaltungen. Es handelt sich hierbei um die
siebte Resolution der Generalversammlung seit der sowjetischen Invasion
von 1979.

20. November

�20. November
Ein Sonderbericht zur Lage der Menschenrechte in Afghanistan, der zur
Vorlage bei der Generalversammlung der Vereinten Nationen vorbereitet worden war, stellt fest, daß "die Lage der Menschenrechte in Afghanistan weit
davon entfernt sei, sich zu verbessern und sich im Jahr 1985 weiter verschlechtert habe". Von der Gemeinschaft der Welt und "den direkt beteiligten Parteien" wird die dringende Aufnahme von entsprechenden Maßnahmen
erwartet. "Jede verlorene Stunde gereicht der Bevölkerung und der Situation der Menschenrechte im Land zum Schaden".
Der Bericht wurde von Dr. Felix Ermacora, Professor der Rechtswissenschaften an der Universität Wien, erstellt, der nach einer Resolution des
Wirtschafts- und Soazialrates von der Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen zum besonderen Berichterstatter ernannt worden war. Der Bericht wird im Dezember vom Ausschuß für soziale, humanitäre und kulturelle
Fragen für eine mögliche Betrachtung und Verwendung in der Generalversammlung diskutiert werden (das Komitee billigte den Bericht am 6. Dezember).
Ernacoras Bericht nimmt indirekt Bezug auf das Regime Babrak Karmals
in Kabul und auf die Sowjetunion: "Die Regierung geht mit Hilfe ausländischer Truppen streng gegen Gegner oder verdächtige Gegner des Regimes
vor, ohne dabei Menschenrechtsverpflichtungen zu respektieren... Als Ziele dienen besonders die Zivilbevölkerung, die Dörfer und die landwirtschaftliche struktur".
Der Bericht vermerkt "Vorgehensweisen" wie "wahllose Massaker an Zivilisten, besonders Frauen und Kindern" und "den zunehmenden Gebrauch schwerer Waffen mit höchstmöglicher zerstörerischer Wirkung", ebenso wie "systematische Diskriminierung" nicht-kommunistischer
Parteimitglieder und das "Nicht-Akzpetieren von Mitgliedern der afghanischen Widerstandsbewegung als Kriegsgefangene. Um Zivilisten vor den Gefahren der Kämpfe zu schützen, empfiehlt Ermacora die Einrichtung "neutraler Zonen unter internationaler Beobachtung".
21. November
Nach den Genfer Gesprächen vom 19. und 20. November zwischen Präsident
Reagan und Generalsekretär Gorbatschow wurde eine gemeinsame amerikanisch-sowjetische Erklärung herausgegeben. Obwohl Afghanistan darin nicht
ausdrücklich genannt wurde, stellt die Erklärung an einer Stelle fest:
"Angesichts der Tatsache, daß der Gedankenaustausch hinsichtlich regionaler Fragen auf Expertenebene sich als nützlich erwiesen hat, kamen sie
überein, einen solchen Austausch auf regelmäßiger Basis fortzuführen".
Präsident Reagan wies in seinen Bemerkungen zur Herausgabe der Erklärung
darauf hin, daß das Problem der Zusammenarbeit bei der Lösung regionaler
Konflikte noch zu lösen sei. Generalsekretär Gorbatschow sagte anläßlich
einer Pressekonferenz dazu: "Wir haben im Prinzip nichts gegen die Diskussion nationaler Probleme hier oder dort oder dagegen, Wege zu finden, wie
wir dazu beitragen können, Dinge wieder ins Lot zu setzen. Gleichzeitig
betonen wir aber weiterhin, daß wir eben dies ohne Einmischung in die inneren Angelegenheiten irgendeines Landes tun werden".
Außenminister Shultz

�Außenminister Shultz berichtete Genfer Journalisten gegenüber, daß Afghanistan "in angemessenem Umfang" bei einer "sehr guten Diskussion über
regionale Probleme" behandelt werde. Ein höherer Beamter der Administration sagte in einem Informationsgespräch zu Genfer Journalisten, daß das
Problem Afghanistan "intensiver angegangen werden müsse, dabei jedoch weniger sichtbar, als das bisher der Fall war. Ich denke, daß hierfür Hoffnung besteht". Ein sowjetischer Sprecher sagte am 20. November gegenüber
Reportern, daß Moskau seine Truppen abziehen wolle und nach einem Weg
suche, das unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen auch zu tun.
23. November
In seiner wöchentlichen Radioansprache nimmt Präsident Reagan auf Afghanistan Bezug, indem er auf sein jüngstes Zusammentreffen mit Generalsekretär Gorbatschow eingeht: "In unseren Gesprächen nahmen regionale Konflikte eine wichtige Rolle ein, und wir werden sehr genau nach irgendwelchen Veränderungen sowjetischer Aktivitäten in der Dritten Welt Ausschau
halten. Eine weitere noch nachhaltende Abstimmung der Generalversammlung
der Vereinten Nationen hat gerade den sowjetischen Rückzug aus Afghanistan
gefordert. Im nächsten Monat wird eine neue Gesprächsrunde zu diesem Problem stattfinden, ebenfalls unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen. Wenn diese Gespräche Erfolg haben sollen, müssen die Sowjets einen Zeitplan für ihren Rückzug vorlegen und anerkennen, daß die Freiheitskämpfer nicht besiegt werden können". (Reagan nimmt Bezug auf die von
Diego Cordovez, dem stellvertretenden Generalsekretär der Vereinten Nationen, geleiteten Genfer Gespräche vom 16. bis 20. Dezember).
Anfang Dezember
Einem Bericht aus Kandahar zufolge wurden 20 sowjetische Soldaten wegen Befehlsverweigerung und Ablehnung des Angriffs auf Truppen des Widerstandes hingerichtet. Angeblich behaupteten sie, daß nur Truppen der Demokratischen Republik Afghanistan (DRA) gegen die Widerstandsbewegung
kämpfen sollten.
3. Dezember
Zeitungsartikel aus Islamabad berichten, daß afghanische Mujahedin
entweder am oder um den 25. November südlich des Salang-Tunnels zwei sowjetische Nachschub-Konvois getroffen haben, und in einem Angriff 16 Tanklastzüge und in einem weiteren 20 Lastwagen zerstört haben. Westliche
Diplomaten berichten über vereinzelte Kämpfe in der Provinz Paktia, bei
denen zwei afghanische Armeehubschrauber abgeschossen wurden sowie die
Wiederaufnahme schwerer Kämpfe in Kandahar, wo Mujahedin Teile der Stadt
besetzt halten.
11. Dezember
Radio Kabul berichtet, daß bei einer starken Bombenexplosion in der
Nähe des Ministeriums für Zivilluftfahrt und der technischen Hochschule am
8. und 9. Dezember 30 Personen getötet und mehr als 100 verletzt wurden.
12. Dezember

�12. Dezember
Die im Mai gebildete Vereinigung afghanischer Widerstandsparteien, die
Vereinigung islamischer Mujahedin Afghanistans, verkündete in Peshawar die
weitere Ausweitung ihrer Organisationsstruktur, um den Krieg in Afghanistan weiter zu verfolgen. In den Bereichen Politik, Information, Kultur, Gesundheit, Erziehung und Flüchtlingsangelegenheiten sind einem Kommunique zufolge Komitees gebildet worden. Der Sprecher der Vereinigung,
Gulbuddin Hekhmatyar, antwortete auf eine Frage, daß "unsere gegenwärtig
bestehende Verbindung wie eine Regierung aufgebaut ist. Endgültige Entscheidungen darüber sind noch nicht gefällt".
13. Dezember

i

Die Vereinigten Staaten haben erklärt, daß sie bereit sind, als Garant
einer verhandelten afghanischen Lösung zu fungieren, wenn das Abkommen den
Abzug sowjetischer Truppen aus dem Land umfasst. Der stellvertretende Außenminister John C. Whitehead sagt in einer in Washinton gehaltenen Rede:
"Wir haben den Generalsekretär der Vereinten Nationen schriftlich von unserer Bereitschaft informiert, eine angemessene Rolle als Bürge im Zusammenhang mit einem umfassenden und ausgewogenen Abkommen zu spielen". Unter Hinweis auf die am 16. Dezember unter dem stellvertetenden Generalsekretär Diego Cordovez wiederaufgenommenen Gespräche sagt er: "Wir haben unsere Bereitschaft bekundet, das Instrument der entworfenen Garantien anzunehmen, das Herr Cordovez den beteiligten Parteien und uns vorgelegt hat,
vorausgesetzt, daß die zentrale Frage des sowjetischen Truppenabzugs und
seiner Verbindung zu den anderen Instrumenten gelöst wird". (Die bis
jetzt geführten Verhandlungen sehen ein Abkommen zwischen Vertretern der
Regierung Pakistans und Kabuls vor, bei dem die Vereinigten Staaten und
die Sowjetunion als Bürgen fungieren).
Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hat zum ersten Mal seit
der sowjetischen Invasion von 1979 eine Resolution verabschiedet, in der
sie "tiefe Besorgnis" über die fortgesetzten Menschenrechtsverletzungen in
Afghanistan ausdrückt. Die Abstimmung verlief mit 80 zu 22 Stimmen bei 40
Enthaltungen. Die Versammlung entschied auf der Basis des Berichts der
Menschenrechtskommission, erstellt von Dr. Felix Ermacora. (Siehe hierzu
auch 20. November).
15. Dezember
Etwa 400 Angehörige des Hazara-Stammes, die für Einheiten der DRAMiliz angeworben worden waren, laufen gemeinsam zur Widerstandsbewegung in
der Nähe von Ghazni über. Die Miliz war erst in jüngster Zeit aufgestellt
und mit Kalaschnikows ausgerüstet worden, die Mitglieder erhielten den
Lohn für sechs Monate im voraus. Kurz darauf legen 250 reguläre Soldaten
der DRA - zu der die Miliz gehört - ihre Waffen nieder, nachdem sie von
Mujahedin umzingelt worden waren. Ein Soldat der DRA wird getötet.
19. Dezember
Die in diesem Jahr dritte Sitzung der von den Vereinten Nationen un-

�Vereinten Nationen unterstützten direkten Gespräche über Afghanistan, die
am 16. Dezember in Genf begannen, werde für zwei bis drei Monate ausgesetzt, so der stellvertretende Generalsekretär Cordovez. Er berichtete
bei einer Pressekonferenz in Genf, daß seine gesonderten Gespräche mit den
Außenministern von Pakistan und des Regimes in Kabul über eine umfassende
Regelung eine "Wand des Mißtrauens" zwischen den beiden Parteien sähen,
die erst überwunden werden müsse, bevor Verhandlungen über das letzte ungelöste Hauptproblem fortschreiten könnten. Dieses Problem, das er als
"zentral und sehr wichtig" bezeichnete, ist der Abzug sowjetischer Truppen
aus Afghanistan und die Beziehung der drei anderen entworfenen Instrumente
oder Teile eines Abkommens. Er sagt, die drei Instrumente des Dokuments
zur Einigung seien praktisch fertiggestellt (Nicht-Einmischung und NichtIntervention, Rückkehr afghanischer Flüchtlinge, internationale Garantien). Er weist darauf hin, daß die Vereinigten Staaten angeboten haben,
als Garant für eine umfassende Einigung zu fungieren.
Die sechste und letzte Sitzung der Gesprächsrunde (die seit 1982 einmal im Jahr abgehalten wird) bezeichnete Cordovez als "sehr schwierig".
"Es wurde wiederum die Frage der Gestaltung der Gespräche aufgeworfen, die
ungelöst bleibt" und "es gibt große Meinungsverschiedenheiten darüber".
Kabul fordert wiederum, daß die Gespräche direkt mit dem Vertreter
Pakistans durchgeführt werden, aber Pakistan erkennt Babrak Karmals Regime
nicht an. Der Vertreter der Vereinten Nationen, der den Generalsekretär
persönlich vertritt, sagte, er habe beiden Parteien Vorschläge zur Gestaltung der Gespräche unterbreitet und er erwarte, daß die Gespräche Ende
Februar oder Anfang März wieder aufgenommen werden könnten.
21. Dezember
In Ghazni schössen Mujahedin einen DRA-Hubschrauber ab, wobei alle Insassen, zu denen ein Russe zählte, getötet wurden.
In Paktia griffen Mujahedin Einheiten der DRA in der Gegend von
Alikehl (Jaji) an und töteten oder verwundeten 25 Soldaten; bei dem Angriff wurden drei Mujahedin getötet. Die Sowjets üben Vergeltung, indem
sie nahegelegene Dörfer bombardieren.
22. Dezember
In der Provinz Panjsher greifen Mujahedin sowjetische Stellungen bei
Peshgor an und töten dabei 23 sowjetische Soldaten, beschädigen zwei Kettenfahrzeuge und zwei Lastwagen. Vier Mujahedin, einschließlich eines
ortsansässigen Kommandeurs, Mohammad Gada, werden getötet.
26. Dezember
Das Regime in Kabul verkündet eine Anzahl von Stellen auf Kabinettsebene, um den Eindruck zu geben, daß die DRA ihre Basis ausweitet. Aber
Informationen über sechs Stelleninhaber lassen klar erkennen, daß die neuen Gesichter so neu nicht sind. Eine Person, die zum stellvertretenden
Premierminister ernannt worden war, hatte bereits als stellvertretender
Minister für die Klein- und Nahrungsmittelindustrie gearbeitet, andere,
- 8 -

�gearbeitet, andere, die zu Ministern ohne Geschäftsbereich, stellvertretenden Ministern oder Leitern staatlicher Komitees ernannt worden waren,
fungierten bereits in verschiedenen Ministerien als Vertreter des Regimes. Einer von ihnen, ein ehemaliger Leiter von Radio Afghanistan, war
früher der Vorsitzende der Gesellschaft für afghanisch-sowjetische Freundschaft.
Ein sowjetischer Hubschrauber wird angeblich in der Nähe von Charikar
in der Provinz Parwan abgeschossen, als es am 25. Dezember zwischen
Mujahedin und sowjetischen/DRA-Streitkräften zu Zusammenstößen kommt.
27. Dezember
Präsident Reagan bestätigte in einer Erklärung anläßlich des sechsten
Gedenktages der sowjetischen Invasion in Afghanistan wiederum die Unterstützung der Vereinigten Staaten für das afghanische Volk in seinem Kampf
gegen die Sowjets und das Marionettenregime der DRA.
Wie er sagte, haben die Vereinigten Staaten seit 1980 mehr als 430
Millionen Dollar an Hilfe für die jetzt in Pakistan lebenden afghanischen
Flüchtlinge gezahlt. Weiterhin hätten die Vereinigten Staaten im momentanen Zwei Jahresrahmen den tapferen Menschen, die in Afghanistan bleiben,
fast 25 Millionen Dollar Unterstützung zukommen lassen. Laut Präsident
Reagan sehen sich diese Menschen immer schwierigeren Bedingungen in ihrem
Land gegenüber, die weitgehend auf die verstärkten sowjetischen Angriffe
gegen Zivilisten zurückzuführen sind, die verdächtigt werden, dem System
feindlich gegenüberzustehen.
Westliche Diplomaten berichten, daß der Gedenktag in Kabul ohne größere Operationen dsr Mujahedin verging. Dennoch gab es weiter Raketenangriffe auf Darulaman - dem Gebiet der sowjetischen Botschaft, Wohngebiet
von Diplomaten und Standort des Verteidigungsministeriums. Eine andere
sowjetische Enklave, Microrayon, wurde in der Nacht vom 27. auf den 28.
Dezember angegriffen.
28. Dezember
In Herat schließen sowjetische und DRA-Truppen die Stadt ein und stoßen in der Nähe des Mawafaq-Hotels, ehemals ein erstklassiges Hotel genau
in der Stadtmitte, mit Mujahedin zusammen. Auf jeder Seite werden sechs
oder acht Kämpfer getötet oder verwundet.
31. Dezember
Mujahedin greifen einen Suchtrupp von sowjetischen und DRA-Soldaten in
der Nähe von Bagh-e-Omumian an und töten 25 Soldaten der Sowjets und der
DRA. Die sowjetische Luftwaffe bombardiert den Shikarpur-Bazaar im Stadtzentrum, wobei es zahlreiche Todesfälle gibt.
1. Januar
Mujahedin lauern einem aus 17 Lastwagen bestehenden Konvoi in der Nähe
- 9 -

�der Nähe des Salang-Tunnels auf, der unter anderem gerade in der Sowjetunion gedrucktes afghanisches Geld transportiert.
3. Januar
Ein stundenlang andauerndes Gefecht im und um den Arg-Palast gibt zu
Gerüchten Anlaß, daß es eine Spaltung innerhalb der Partei gibt, ähnlich
wie beim Feuergefecht im vergangenen September, das zur Verstärkung der
sowjetischer Garden vor dem Palast führt.
6. Januar
i

Sowjetische Truppen beschossen das Quazi Beg-Gebiet in Kandahar; sechs
Zivilisten wurden dabei getötet und eine Reihe von Häusern zerstört.
7. Januar
Westlichen Diplomaten zufolge wurden in der vergangenen Woche vier Generäle der afghanischen Armee verhaftet, weil sie angeblich Informationen
über einen geplanten sowjetischen Angriff auf Ahmed Shah Masud, den berühmten Führer des Widerstands im Panjsher-Tal, weitergegeben hatten.
10. Januar
Die 16. Islamische Außenministerkonferenz in Fez in Marokko bekräftigte erneut ihre Verpflichtung gegenüber den Mujahedin und forderte den sofortigen, totalen und bedingungslosen Abzug aller ausländischer Truppen
aus Afghanistan. Sie forderte zudem dringliche Anstrengungen, um die Achtung vor den unveräußerlichen nationalen Rechten des afghanischen Volkes,
seine eigene Regierungsform zu bestimmen und sein wirtschaftliches, politisches und soziales System ohne irgendeine Einmischung oder Zwang von außen zu wählen. Der Delegation der Afghanischen Widerstandsallianz, geführt von Sayed Ahmed Gailani von der Nationalen Islamischen Front wurde
ein de facto Beobachterstatus zugewiesen.
12. Januar
Am sechsten Jahrestag der Einsetzung der afghanischen Geheimpolizei Khad - wurde sie in den Status eines Ministeriums, des Ministeriums für
Staatssicherheit, angehoben.
13. Januar
Eine Gruppe von Widerstandskämpfern, als Polizeioffiziere getarnt,
griff das Polizeihauptquartier der Provinz Kandahar an.
Eine Mujahedin-Einheit griff einen Militärbus auf der Straße zwischen
Stadt und Flugplatz an. Das Fahrzeug wurde in Brand gesteckt und rund 10
Soldaten wurden getötet, weitere 10 verwundet.

16. Januar
- 10 -

�16. Januar
Mujahedin griffen in Paghman eine sowjetische Einheit an und beschädigten einen Panzer, wobei sie fünf Soldaten töteten. Ein sowjetisch-afghanische Einheit von 200 Mann durchsuchte ein Dorf in dem Distrikt und
verschleppte zwei junge Frauen, wobei den Berichten zufolge sieben weitere
getötet wurden, die Widerstand leisteten.
18. Januar
Das Regime verkündete, daß der Revolutionsrat um 79 neue Mitglieder
verstärkt worden sei. Viele davon seien keine Parteiangehörigen, doch
standen praktisch alle seit langer Zeit mit dem Regime in irgendeiner Weise in Verbindung.
19. Januar
Nördlich von Ghazni schössen Mujahedin zwei Flugzeuge ab, zerstörten
sechs Panzer und nahmen im Verlauf mehrerer Kampfhandlungen über eine Zeit
von acht Tagen acht Sowjets gefangen. Als Vergeltung führten sowjetischafghanische Hubschrauber gegen mindestens drei Dörfer Vergeltungsschläge
aus. zwei Moscheen wurden zerstört und eine große Zahl von Häusern dem
Erdboden gleichgemacht; über 100 Menschen wurden dadurch obdachlos.
20.-27. Januar
In Kabul richteten die Medien des Regimes ihre ganze Aufmerksamkeit
auf das Programm von zwanzig westlichen Journalisten, die am 20. Januar in
Kabul angekommen waren. Die Gruppe traf sich mit mehreren Ministern,
machte den üblichen Besuch in Bagrami, um ländliche potemkinsche Dörfer
vorgeführt zu bekommen und wurde dann zu einem eintägigen Besuch nach
Jallalabad. Am 26. Januar traf die Gruppe mit Babrak Karmal zusammen.
27. Januar
Mujahedin griffen den Flugplatz von Kabul mit Raketen und schwerem Maschinengewehrfeuer an; Berichten zufolge urde zumindest ein Zivilist getötet.
29. Januar
In der Nähe des Kunartals wurden zwei Hubschrauber durch Bodenfeuer
abgeschossen.
2. Februar
Ein Armeekonvoi wurde in der Nähe von Chamkani in der Provinz Paktia
angegriffen, wobei 15 Soldaten getötet bzw. verwundet wurden.
4. Februar
Mujahedin lauerten in der Nähe von Andkoi in der Provinz Fariab einem
- 11 -

�Fariab einem Militärkonvoi auf; 10 bis 15 Soldaten wurden getötet, 17 gefangengenommen .
6. Februar
Mujahedin lauerten in der Nähe von Nahrin in der Provinz Baghlan einem
Militärkonvoi auf. Rund ein Dutzend Panzer und Panzerwagen wurden zerstört bzw. verlassen, sieben Offiziere und eine Vielzahl sowjetischer und
afghanischer Soldaten getötet.
7. Februar
über dem Logar-Tal wurde ein Hubschrauber abgeschossen und bei Rabatak
in der Nähe von Pul-e-Khumri ein Lebensmittelkonvoi überfallen.
«
10. Januar
Zusammenprall zwischen Mujahedin und sowjetischen Streitkräften in der
Provinz Farah bei der Grenze zu Iran. Berichten zufolge wurden 14 Panzer
und Panzerfahrzeuge zerstört.
Ein afghanischer Brigadegeneral, der der Polizeiakademie in Kabul zugeteilt worden war, lief zusammen mit seiner Familie zur anderen Seite
über.
18. Februar
Schwere Gefechte gab es seit Ende Januar in der Nähe von Nazyan in der
Provinz Nangarhar zur Grenze nach Pakistan. Sowjetische Streitkräfte, die
zunächst nur in Reserve gehalten worden waren, wurden später in direktere
Kampfhandlungen einbezogen, als sie versuchten, die Versorgungslinien der
Widerstandsbewegung zu unterbrechen.
20. Februar
Ein der Polizeiakademie in Kabul zugewiesener Oberst lief nach
Pakistan über.
Berichten der vergangenen zwei Wochen zufolge gab es wiederholt Hubschrauberangriffe gegen Dörfer in der Nähe der Stadt Herat. Mehrere Dörfer und deren Bewässerungssysteme sollen dabei systematisch zerstört worden sein.
22. Februar
Mujahedin um Kabul schössen nach dem 20. Februar innerhalb von drei
Tagen drei sowjetische Hubschrauber ab. Infolgedessen schössen die sowjetischen Flugzeuge, die den dortigen Flugplatz benutzten, verstärkt
Leuchtraketen ab.

23. Februar
- 12 -

�23. Februar
Babrak Karmal flog nach Moskau, um dort, wie es hieß, am 27. Parteikongreß teilzunehmen.
26. Februar
Di&lt;; Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen veröffentlichte
ihren zweiten Bericht über die Lage in Afghanistan. Felix Ermacora, Leiter der Untersuchungen, kam zu dem Schluß, daß die einzige Lösung des Problems der Menschenrechtsverletzungen in Afghanistan der Abzug der ausländischen Truppen sei.
De: Bericht schätzt, daß es 1985 rund 35 000 Tote bzw. Verwundete unter der Zivilbevölkerung gegeben hat. Er verwies darauf, daß die häufige
Brutalität der ausländischen Truppen zu den folgenden schrecklichen Vorkommnissen geführt hat: Massaker an rund 100 Zivilisten in dem Dorf
Lachapjr in der Provinz Nangarhar Januar/Februar 1985; nach einem Angriff
auf das Dorf Kho; in der Provinz Nangarhar am 27. Dezember 1985 wurden 16
Zivilisten gefesselt und aus einem fliegenden Hubschrauber geworfen.
6. März
Bei einem Mujahedinangriff in der Nähe von Baghlan wurden ein Divisionskommandeur der afghanischen Armee verwundet sowie ein Oberst und fünf
Soldaten getötet.
Einem Berich aus Jallalabad zufolge wurden 600 Jugendliche des
Afridi-Stammes an der Grenze zu Pakistan von den Sowjets ausgebildet und
ausgerüstet, um die Mujahedin zu bekämpfen. Bei ihrem ersten Kampf in der
Nähe von Nazyan in der Provinz Nangarhar stellten sich die Afridi jedoch
gegen die Sowjets und töteten, unterstützt von den Mujahedin, viele von
ihnen. Danach entkamen die Afridi über die Berge in ihr Heimatgebiet entlang der Grenze zu Pakistan südlich des Khaiber-Passes.
10. März
Sowjetische Bodentruppen, von Panzern und Hubschraubern unterstützt,
beendeten eine fünftägige Durchsuchung des Logar-Tales, angefangen bei
Kabul 3is hin nach Ghazni. Sie entdeckten geringe Lebensmittel- und Waffenvorräte, doch gab es keine Berichte über Kampfhandlungen mit den
Mujahelin.
14. März
Seit zwei Wochen schwere Kämpfe in und um Kandahar. Berichten zufolge
wurden vier Hubschrauber und zwei Düsenflugzeuge abgeschossen, ein afghanischer Major und bis zu 70 Askari (Soldaten des afghanischen Regimes) gefangengenommen.

16. März
- 13 -

�16. März
Eine zweitägige Anhörung zum Thema Afghanistan gab es in Oslo: zu den
afghanischen Teilnehmern gehörten die Kommandeure zweier der sieben größten Wiederstandsgruppen, die die Allianz in Peschawar bilden. Auch ein
desertierter sowjetischer Soldat, der sieben Monate lang in Afghanistan
diente, sagte als Zeuge aus. Er erklärte, die sowjetische Armee unterscheide nicht zwischen Widerstandskämpfern und Zivilisten.
20. März
Außenminister Shultz sagte in einer Erklärung zur Feier des afghanischen Neujahrstages am 21. März^ es könne erst eine Lösung der Krise in
Afghanistan geben, wenn die Rote Armee abziehe. Er erklärte, die Vereinigten Staaten seien entschlossen, die Sache des heldenhaften afghanischen
Widerstandes so lang zu unterstützen, wie es nötig sei, um die Unabhängigkeit und Freiheit Afghanistans wiederherzustellen.
22. März
Abdul Hakami, Kommandeur der Mujahedin, wurde bei einem Hinterhalt im
Dorf Qarah Bagh getötet. Die Mujahedin griffen als Vergeltung eine Stellung der afghanischen Armee beim Dorf Qallah Kuhna an und töteten über 40
Soldaten.
30. März
Präsident Babrak Karmal flog Berichten zufolge zu medizinischer Behandlung nach Moskau.
31. März
Mujahedin griffen einen von etwa 40 Regierungssoldaten bemannten
Posten in einem Tal bei Khost an. Obgleich die meisten der Soldaten getötet wurden, gab es auch auf Seiten der Mujahedin große Verluste, da der
Posten mit Minen abgesichert war.
Ein sowjetischer Hubschrauber wurde durch Bodenfeuer bei Bazarak im
Panjsher-Tal abgeschossen; ein sowjetischer Offizier wurde getötet.
1. April
Ein sowjetischer Hubschrauber wurde in der Provinz Logar durch schweres Maschinengewehrfeuer abgeschossen. Alle vier Besatzungsmitglieder
wurden getötet.
2. April
In der Provinz Nangarhar wurden drei Hubschrauber abgeschossen.

4. April
- 14 -

�4. April
Sowjetische and afghanische Einheiten begannen mit einem Angriff auf
Zhawar im Khost-Gebiet der Provinz Paktia unmittelbar jenseits der Grenze
im pakistanischen Waziristan, wo sich einer der Hauptnachschubwege der
Mujahedin befindet. Als stärkste Mujahedin-Basis bekannt und mit unterirdischen Bunkern und Flugabwehr ausgerüstet, hatte sie vorangegangenen Angriffen des sowjetischen und afghanischen Militärs widerstanden.
6. April
Eine Autobomoe explodierte am Nachmittag in der Nähe des Kabul-Hotels
und verwundete 22 Zivilisten. Das afghanische Regime machte die Mujahedin
verantwortlich, obgleich nicht wenige Afghanen der Ansicht waren, es habe
sich um einen ungeschickten Versuch des Regimes gehandelt, das Ansehen der
Mujahedin zu beschmutzen.
8. April
Beim Polytechnischen Institut im Südwesten Kabuls explodierte eine
Bombe und richtete an dem Gebäude Schäden an, ohne jedoch zu Verletzten
oder Toten zu führen. Die Bombe könnte von Mujahedin gelegt worden sein,
um eine Sltestenversammlung zu stören, die dort abgehalten wurde.
9. April
Unterstützt durch Mujahedin, die selbst von Peschawar hereikamen, töteten die Verteidiger von Zhawar rund 600 Infanteristen der Regierungstruppen oder nahmen sie gefangen. Die Truppen waren nach Bombardements,
die eineinhalb Tage gedauert hatten, mit Hubschraubern gelandet.
Flugzeuge bombardierten mehrere Dörfer in der Nähe von Maidanshahr in
der Provinz Wardak; im Anschluß führten sowjetische und afghanische Truppen, die mit Hubschraubern gelandet waren, Suchaktionen durch. Sie verlegten Minen in Feldern, auf Wegen und auf Pfaden, die zu den Dörfern führen.
10. April
Bei Kämpfen um Khost wurden ein Panzer zerstört und 30 Regierungssoldaten getötet. In der vergangenen Woche gab es schwere Kämpfe in diesem
Gebiet, wobei Berichten zufolge 9 Hubschrauber in der Provinz Paktia abgeschossen wurden. Bei einem Hubschrauberabsturz kam ein hoher sowjetischer
Berater um. Bei der Garnison in der Provinzhauptstadt Gardez kam es Berichten zufolge zu schweren Kämpfen mit den sowjetischen Truppen, die die
meisten Angriffe selbst leiteten.
Mujahedin griffen eine Stellung der Regierungsstreitkräfte nördlich
Kabuls an. Gewehrfeuer und Bomben auf die Dörfer und Berge der Umgebung
waren die Antwort. Über 30 Soldaten der afghanischen Armee liefen mit ihren Waffen zu den Mujahedin über.
17. April
- 15 -

�17. April
Mujahedin griffen einen afghanisch-sowjetischen Posten nahe Charikar
an. Die Afghanen gaben auf und wandten sich selbst gegen die anwesenden
Sowjets. Vier Sowjets wurden getötet und zwei gefangengenommen.
Mujahedin griffen einen Militärposten im Haji Arab-Gebiet von Kandahar
an; 20 Soldaten wurden getötet bzw. verwundet.
19. April
Mujahedin überfielen einen sowjetisch-afghanischen Militärkonvoi bei
Mukur auf der Landstraße von Ghazfti nach Kalat. Reisenden zufolge, die
später durch dieses Gebiet kamen, lagen ausgebrannte sowjetische Panzerfahrzeuge und Lastwagen ein bis zwei Kilometer die Landstraße entlang verstreut.
20. April
Sowjetisch-afghanische Truppen, bestehend aus vielen afghanischen und
nur einem sowjetischen Regiment, nahmen Zhawar nach schweren Kämpfen ein.
Die Basis wurde überrannt, nachdem sich die Mujahedin angesichts schwerer
Artillerie und Luftangriffe zurückzogen, die allerdings auch die Sowjets
12 Hubschrauber und Flugzeuge kosteten. Auf beiden Seiten gab es Berichten zufolge Hunderte von Toten, wobei die Mujahedin rund 300 afghanische
Soldaten gefangennahmen.
21. April
Premierminister Sultan Ali Kishtmand flog nach Moskau, um dort Babrak
Karmal zu treffen, was zu Spekulationen über einen bevorstehenden Führungswechsel Anlaß gab. Offiziell diente der Besuch Kishtmands dazu, den
afghanischen Fünfjahresplan mit den Sowjets zu besprechen.
22. April
Sowjetisch-afghanische Truppenm zogen sich aus Zhawar zur Garnison in
Khost zurück.
Die Mujahedin, die noch immer in der Nähe gelegene Stützpunkte besetzt
hielten, rückten vor. Gefangene afghanische Soldaten wurden eingesetzt,
um die Minenfelder zu säubern, die die sowjetisch-afghanischen Truppen angelegt hatten.
23. April
Der Vorsitzende des Ministerrats in Afghanistan, Sultan Ali Kishtmand,
kehrte aus Moskau zurück, nachdem er dort Wirtschafts- und Handelsabkommen
sowie ein Wirtschaftsprotokoll mit der Sowjetunion für die Jahre 1986-1990
unterzeichnet hatte.
24. April

�24. April
Mujahedin nahmen in der Nähe von Sang Kot in der Shomali-Region nördlich von Kabul vier sowjetische Soldaten gefangen.
Mujahedin griffen bei Chamkani in der Provinz Paktia einen Militärposten an, wobei sie fünf Soldaten und einen Leutnant töteten.
Nach einer zweiwöchigen Unterbrechung ihrer Flüge gelang es der afghanischen Fluglinie endlich wieder, einen Flug nach Kabul durchzuführen.
25. April
Premierminister Keshtmand stand an der Spitze einer großen Delegation
nach Khost, zu der auch der ehemalige Geheimdienstchef Najibullah und Verteidigungsminister Nazar Mohammad gehörten. Das afghanische Fernsehen
zeigte, wie sie Orden an Soldaten verteilten, die an den dortigen schweren
Kämpfen teilgenommen hatten.
27. April
Babrak Karmal blieb in Moskau und erschien auch nicht bei den Revolutionsfeierlichkeiten am 27. April in Kabul, wo die Plätze der Ehrentribüne
von dem ehemaligen Geheimdienstchef Najibullah, Premierminister Keshtmand
und Politbüromitglied Noor Ahmad Noor eingenommen wurden. Die Hauptrede
hielt Verteidigungsminister Nazar Mohammad.
Mujahedin zerstörten zwei Hubschrauber auf der Landebahn des Mazar-iSharif-Flughafen in der Provinz Balkh. Bei Kämpfen mit der 18. Division
der afghanischen Armee wurden 14 ihrer Angehörige getötet.
1. Mai
Babrak Karmal kehrte nach fast einmonatigem Aufenthalt in Moskau nach
Kabul zurück. Am Flughafen gab es weder einen offiziellen Empfang noch
eine Zeremonie.
2. Mai
Babrak Karmal erschien nicht zur Eröffnung der dreitägigen Sitzung des
Zentralkomitees der Partei.
Mit ungewöhnlichen Sicherheitsmaßnahmen riegelten afghanische Truppen
in Kabul einen großen Teil der Stadt um den Arg-Palast, die Residenz des
Premierministers und Sitz des Zentralkomitees ab. Sowjetische Truppen bezogen an den wichtigsten Punkten in der Nähe des Palasts Stellung.
3. Mai
Am späten Nachmittag bezogen sowjetische Luftlandetruppen Stellung um
die sowjetische Siedlung Microrayon, das sowjetische Krankenhaus und die
sowjetische Botschaft. Mangelnde Informationen seitens des afghanischen
- 17 -

�des afghanischen Rundfunks und Fernsehens ließen Gerüchte über den Tod
Babrak Karmals aufkommen.
4. Mai
Radio Kabul meldete, daß der afghanische Präsident Babrak Karmal als
Vorsitzender der Kommunistischen Partei Afghanistans zurückgetreten sei,
jedoch den niedrigeren Rang als Präsident des Revolutionsrates beibehalte.
Premierminister Kishtmand verlas Karmals Erklärung vor dem Parteiplenum,
das einstimmig Dr. Najibullah, den Sekretär des Zentralkomitees, zum Nachfolger ernannte.
Bei gleichen Sicherheitsvorkehrungen wie in den vorangegangenen Nächten bewachten zwei mit sowjetischen Soldaten bemannte leichte Panzer den
Arg-Palast bis in den frühen Morgen.
5. Mai
In Genf begann die siebente Runde der von den Vereinten Nationen unterstützten Stellvertretergespräche zwischen Pakistan und Afghanistan.

* * * * *

- 18 -

�;e° s&gt;

'VON

AMERIKA DIENST
4

Wissenschaft und Technik

18. Juni 1986

22

AUSGEWOGENHEIT DER TRÄGERSYSTEME FÜR US-RAUMFAHRTPROGRAMM
Nationale Akademie der Wissenschaften empfiehlt Bau moderner
Raketen für unbemannte Projekte -

- (AD) - Mit "höchster Priorität" sollten die Vereinigten Staaten Ausgewogenheit zwischen Startgeräten für unbemannte und für bemannte Raumfahrtmissionen schaffen, um nach dem CHALLENGER-Unglück den Zugang zum
Weltraum sicherzustellen. Das fordert das Gremium für Weltraumforschung
des Nationalen Forschungsrates (NRC) der USA, des wichtigsten Organs der
Nationalen Akademie der Wissenschaften und der Nationalen Akademie für
Technik. Der Vorsitzende des Gremiums für Weltraumforschung, Thomas
Donahue, brachte auf einer Pressekonferenz am 21. Mai 1986 die schon seit
Jahren bestehenden Besorgnisse über die Entscheidung zur Sprache, den Bau
von sogenannten Verlustgeräten für den Start wissenschaftlicher Satelliten, d.h. von nicht bergungs- und wiederverwendungsfähiger Trägerraketen,
auslaufen zu lassen.
Diese Entscheidung habe dazu geführt, daß seit den letzten Starts
wichtiger Forschungssatelliten wie z.B. der beiden VOYAGER-Sonden im Jahr
1977 mindestens ein Jahrzehnt verstreiche, bis die nächsten vergleichbaren
Missionen unternommen werden können, zu diesen zählten GALILEO, das auf
zehn Jahre aktiven Einsatz ausgelegte Hubble-Weltraumteleskop und das Projekt ULYSSES.
GALILEO, bestehend aus einem Orbiter für den Planeten Jupiter und vier
seiner Monde, dazu einer Sonde zur Erforschung der Jupiteratmosphäre, das

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Jupiteratmosphare, das Hubble-Teleskop und die deutsch-amerikanische Sonde
ULYSSES hätten in diesem Jahr vom Shuttle aus gestartet werden sollen.
Nach dem CHALLENGER-Unglück dürften sich die beiden erstgenannten Projekte
um mindestens 18 Monate verzögern. ULYSSES wird wahrscheinlich erst Mitte
1988 oder gar erst Mitte 1989 auf die sechsjährige Reise gehen können, bis
die Sonde die vorgesehene Bahn zur Beobachtung der beiden Polregionen der
Sonne erreicht. Donahue zufolge waren für die nächsten zwei Jahre insgesamt sieben komplette wissenschaftliche Missionen vorgesehen, eine Anzahl
weiterer in der Folgezeit.
In der vom NRC-Gremium veröffentlichten Erklärung wird u.a. festgestellt, daß Mitte der sechziger Jahre von den Vereinigten Staaten fünf bis
sechs wissenschaftliche Satelliten pro Jahr gestartet wurden. Ein Maßstab
für die Zuverlässigkeit und Aktivität des amerikanischen Raumfahrtprogramms vor 1980 sei die Tatsache, daß in dieser Zeit neun interplanetare
Geräte auf den Weg gebracht wurden, die noch immer wertvolle Daten aus dem
Weltraum übermitteln. Zu ihnen zähle die Sonde VOYAGER 2, die im Januar
1986 aufsehenerregende Fotos und Meßdaten vom Planeten Uranus zur Erde
funkte und sich jetzt auf einem Kurs befindet, auf dem sie in drei Jahren
den Planeten Neptun passieren wird.
In der Erklärung des NRC-Gremiums heißt es u.a.: "Seit 1974 blieb das
Jahresbudget für das zivile Raumfahrtprogramm nahezu konstant bei 7,5 Milliarden Dollar (inflationsbereinigt). Demgegenüber waren die Zuweisungen
Mitte der sechziger Jahre, auf dem Höhepunkt des APOLLO-Programms, dreimal
so hoch... Nach dem APOLLO-Projekt versäumte es die Nation, klare Ziele
für ihr Raumfahrtprogramm zu nennen. Dennoch versuchte sie, ein Aktivitätsniveau zu erlangen, das erheblich über der Grenze lag, die durch die
tatsächlich verfügbaren Mittel gegeben war.
Das große neue Programm in der bemannten Raumfahrt, das in den siebziger Jahren genehmigt wurde, war der Raumtransporter - als einziges nationales System für den Zugang zum Weltraum gedacht, von dem man letztlich
auch erwartete, daß es sich wirtschaftlich selbst trägt. Später stoppten
darauf basierende Schritte die Beschaffung von Einweg-Trägergeräten, noch
ehe der Raumtransporter ein bewährtes, zuverlässiges System geworden war.
Sie verhinderten die planvolle Entwicklung modernerer unbemannter Startsysteme und ermutigten zur Planung von zwei ehrgeizigen wissenschaftlichen
Missionen - GALILEO und ULYSSES. Der Raumtransporter sollte in einer Weise benutzt werden, die seine Leistungsfähigkeit bei den ersten Versuchen,
überaus wichtige wissenschaftliche Satelliten zu starten, einer harten
Probe unterziehen würde. Diese Entscheidungen führten dazu, daß unbemannte Raumfahrtmissionen samt Weltraumforschung von bemannten Geräten, insbesondere vom Raumtransporter, in einer Weise abhängig wurden, die für beide
Aspekte des Raumfahrtprogramms ernste Probleme verursachte..."
Donahue wollte diese Stellungnahme jedoch nicht als Gegnerschaft des
Gremiums gegen den bemannten Raumflug verstanden wissen. "Die meisten von
uns sind überzeugt", sagte er, "daß es im Orbit Funktionen gibt, die vom
Menschen im Interesse von Forschung und Technik sehr gut auszuüben sind,
beispielsweise in der Werkstofftechnik, in den Lebenswissenschaften, beim
Einholen, bei der Wartung, beim Wiederinstandsetzen von Satelliten. Der

�Satelliten. Der Raumtransporter wird in Zukunft gebraucht, um Menschen
zur Raumstation und zurück zu befördern." Jedoch sei ein bemanntes Raumfahrzeug wie der Space Shuttle für manche anderen Funktionen eben nicht
geeignet. Das gelte z.B. für den Start von Planetensonden, da die komplizierte Prozedur "die Sicherheit unserer Astronauten und den Erfolg wissenschaftlicher Missionen unnötig gefährdet".
In der Erklärung des NRC-Gremiums für Weltraumforschung heißt es wörtlich: "Als eine Sache von höchster Priorität in einem wieder mit Leben
erfüllten nationalen Raumfahrtprogramm, das eine realistische Unterstützung erfährt, fordern wir dringend die Aufstellung einer ausgewogenen
Flotte von Trägergeräten, die den(Zugang zum Weltraum für alle in unserem
nationalen Weltraumprogramm verlangten Aktivitäten gewährleistet. Die
Merkmale dieser Trägergeräte sollten vom Bedarf und den Erfordernissen aller potentiellen Benutzer bestimmt werden - Militär, Wirtschaft und Weltraumforschung. Wir empfehlen die rasche Anschaffung von Transport- und
Startsystemen, die den Einsatz von Menschen ermöglichen, wo diese gebraucht werden und besonders effektiv sein können, die aber ebenso die
Verwendung unbemannter Geräte als Träger der Wahl für andere Missionen zulassen. Eine Politik, die nur die Verwendung vorhandener kommerzieller
Einweg-Trägergeräte im Auge hat, wäre keine angemessene Reaktion auf diese
Empfehlung... Die Ziele der bemannten und unbemannten Elemente des Raumfahrtprogramms sollten nicht derart vermischt werden, daß der Nutzeffekt
von beiden verringert wird. Damit riskierten wir, unsere wissenschaftliche und technologische Führungsrolle im Weltraum zu verlieren."
In Forscherkreisen dringe man darauf, so Donahue, die NASA (US-Behörde
für Luft- und Raumfahrt) in Konstruktion und Auftragsvergabe für den Bau
von "Verlust"-Raketen einzuschalten, die große wissenschaftliche Nutzlasten zu transportieren vermögen. Ahnliches sei seitens des amerikanischen Verteidigungsministeriums bereits in Angriff genommen, um für
Nutzlasten, die der nationalen Sicherheit dienen, solche Träger zu entwikkeln. Die amerikanischen Luftstreitkräfte orderten zehn unbemannte Raketen in der Größenordnung des Shuttle-Trägersystems, von denen die ersten
im Jahr 1988 ausgeliefert werden sollen. Die 60 m hohe Rakete (TITAN 34
D7), die von der Firma Martin Marietta Aerospace gebaut wird, soll große
militärische Satelliten in Umlaufbahnen bis zu 36 000 km Höhe befördern.
Eine wichtige Basis für die unmittelbare Zukunft des bemannten Raumfahrtprogramms, verbunden mit der bestmöglichen Gewährleistung von Sicherheit für die Astronauten, wird der Bericht der Rogers-Kommission über die
Ergebnisse ihrer Untersuchung der CHALLENGER-Katastrophe sein, über langfristige Aspekte der Raumfahrt äußerte sich inzwischen die vom Weißen Haus
eingesetzte "Nationale Raumfahrtkommission" (National Commission on
Space), die am 23. Mai dem Präsidenten und dem amerikanischen Kongreß ihre
im Verlauf eines Jahres ausgearbeiteten Empfehlungen unterbreitete. In
dem 200 Seiten umfassenden Bericht werden eine erste Kolonie auf dem Mond
für das Jahr 2005 und eine erste Marskolonie für das Jahr 2015 anvisiert.
Bis zum Jahr 2030 sollte der Etat der NASA auf 40 Milliarden Dollar aufgestockt werden, empfiehlt die Kommission. Wissenschaft, Technik und
Wirtschaft auf der ganzen Erde würden von dem Bestreben profitieren,
menschliche Aktivitäten immer stärker auf Ziele im Weltraum zu richten.
* * * * * *
- 3 -

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9778">
                <text>18.06.1986</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9779">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9780">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="13519">
                <text>Amerikadienst 18.06.1986</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="13520">
                <text>&lt;strong&gt;1. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Strategische Modernisierungsprogramme&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Fakten des Weißen Hauses -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Chronologie der Ereignisse in Afghanistan&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Oktober 1985 - Mai 1986 -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ausgewogenheit der Trägersysteme für US-Raumfahrtprogramm&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Nationale Akademie der Wissenschaften empfiehlt Bau moderner Raketen für unbemannte Projekte -&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2675" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2642">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/0496b1ba52af88b8c509af79d48c9c99.pdf</src>
        <authentication>a5f36f1a2aa22677d5988719c6353544</authentication>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="14828">
                <text>Amerikadienst 18.07.1956</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="49">
            <name>Subject</name>
            <description>The topic of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="14829">
                <text>Allgemeines</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="14831">
                <text>18.07.1956</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="14892">
                <text>Herausgeben U.S. Information&#13;
Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="20188">
                <text>&lt;strong&gt;1. USA führend in der Reaktorentwicklung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Forschung hat den Vorrang&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wer sagt, nicht zeichnen können?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bericht über die Ausstellung "Recent Drawings, USA" im New Yorker Museum of Modern Art&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Die Wahrheit über Kardinal Mindszenty&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eine Mutter durchbricht die Mauer des Schweigens&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Joseph Vecsey - I. Teil&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Aus der Arbeit des New Yorker Tschechow-Verlags&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Anhang&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA um ein Programm zur Beschränkung der Kernwaffen bemüht&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut der am 13. Juli 1956 vor der UN-Abrüstungskommission abgegebenen Erklärung des amerikanischen Vertreters, James Wadsworth.&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="20189">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2874" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2739">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/8f769739838d8a167b1a61fc9e52c2f8.pdf</src>
        <authentication>3c2dd950afa27c632f3f5e89fffdc166</authentication>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="15440">
                <text>Amerikadienst 18.07.1958</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="49">
            <name>Subject</name>
            <description>The topic of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="15441">
                <text>Allgemeines</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="15442">
                <text>Herausgeben U.S. Information&#13;
Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="15443">
                <text>18.07.1958</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="15444">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="20343">
                <text>&lt;strong&gt;1. Zum internationalen geophysikalischen Jahr&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Explorer III erforschte wissenschaftliches Neuland&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Parallelstrom zum Äquator im stillen Ozean&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Polarlichtbeobachtungen im antarktischen Winter&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Technischer Fortschritt&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Handels- Unterseeboote und Flügelschiffe&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Amerikansiche Forschung auf der Suche nach neuen Möglichkeiten im Schiffbau&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Politik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Feinde des Regimes&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Die Minderheiten machen Peking zu schaffen&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von James W. Berner&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;I. Teil&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="1461" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="1472">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/4835bd5adaaa7c4abd5fce9a4f73c512.pdf</src>
        <authentication>82cdb91f5d4c32eb80e585cbe19eba86</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="7705">
                    <text>amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Nummer

Information

G o d e s b e r g t ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

300

Information
und
Dokumentation

T e I e x : 08 - 8 54 32

18 . Juli 1973

27

Inhalt

DOKUMENTATION:

Rogers gibt weltpolitischen Überblick
-Auszüge aus der Rede in Tokio vom 16. JuliRush: USA eindeutig gegen einseitige Truppenreduzierungen in Europa
-Auszüge aus der Erklärung des Stellvertretenden US-Außenministers&lt;
S

Schlesinger fordert glaubwürdige Abschreckung
-Auszüge-

WIRTSCHAFT:
Finanzminister erörtern noch offene Währungsfragen
Von Eugene Brake
USA rechnen für 1973 mit wesentlich höheren Ernteerträgen
Von John Uhler

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Materialpolitik - Schlüsselelement einer neuen "Umweltethik"
-Arbeitsgruppe des US-Forschungsrates veröffentlicht Bericht "Mansch,
Materialien und Umwelt"
SKYLAB-Radar mißt Sturmwellen
-Synchronbeobachtungen von Bord eines ForschungsflugzeugesEinfacher Bluttest auf Bleivergiftung

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

I n f o r m a t i o n

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Dokumentation

Service

Postfach

300

T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

27/1973

ROGERS GIBT WELTPOLITISCHEN ÜBERBLICK
-Auszüge aus der Rede in Tokio vom 16.Juli-

TOKIO—(AD)— Der amerikanische Außenminister William Rogers hat auf dem
neunten Treffen des Gemeinsamen Amerikanisch-Japanischen Kabinettsausschusses in Tokio am 16. Juli eine Rede gehalten, in der er neben amerikanisch-japanischen Angelegenheiten auch eine Reihe von weltpolitischen
Fragen behandelte. Die wesentlichen Teile der Ausführungen Rogers haben
folgenden Wortlaut:
.

•

'

.

.

•

Europa
Zu Anfang dieses Monats nahm ich zusammen mit 34 weiteren Außenministern aus Europa und Nordamerika an einer Ministersitzung der Konferenz
über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa teil. Dieses Treffen fand in
einer Atmosphäre der Zurückhaltung und der Konzilianz statt, was dazu beitragen sollte, daß die sich jetzt anschließende Konferenzphase in Genf
einen echten Beitrag zur Entspannung in Europa leistet. Dennoch wurde klar,
daß es wesentliche Meinungsunterschiede zwischen Ost und West hinsichtlich
der Gestaltung der Beziehungen zwischen den einzelnen Staaten sowie dem
freieren Fluß von Menschen, Informationen und Gedanken innerhalb Europas
gibt. Eine bis ins einzelne gehende Einigung über diese Fragen ist notwendig, wenn diese Konferenz ein sichereres und kooperativeres Europa näher
bringen soll..,
Bei

-1-

�Bei den Gesprächen in Helsinki und bei den bevorstehenden Gesprächen in
Genf war und ist es das Ziel der Vereinigten Staaten und ihrer europäischen
Verbündeten, die Spannungen auf dem europäischen Kontinent zu vermindern,
ohne daß dadurch in irgendeiner Weise die europäische Sicherheit geschwächt
wird. Zusammen mit unseren europäischen Verbündeten sind wir überzeugt, daß
die Stärke des NATO-Bündnisses ein wesentliches Element des Fortschritts in
Richtung auf eine Entspannung darstellt.
Wichtig ist ferner, daß einige Länder der NATO und des Warschauer Paktes sich am 30. Oktober offiziell in Wien treffen, um nach Wegen für eine
Reduzierung der in Mitteleuropa stationierten Streitkräfte

zu suchen.

Wahrscheinlich werden sich solche ersten Truppenreduzierungen auf die in
diesem Gebiet stationierten amerikanischen und sowjetischen Streitkräfte
konzentrieren.

Die Beziehungen der USA zu Moskau und Peking
Im vergangenen Monat haben Präsident Nixon und Generalsekretär Breschnew
Maßnahmen ergriffen, die zu einer stabileren und sichereren internationalen
Lage führen sollen. Wir hoffen, daß solche Treffen zu einem regulären Bestandteil der sowjetisch-amerikanischen Beziehungen werden, auf denen beide
Lände sich darum bemühen, die Möglichkeiten einer Konfrontation zwischen
ihnen zu vermindern und dafür ein Netz kooperativer Beziehungen zu schaffen, von denen ein stabiler Friede abhängt. Das vom Präsidenten und vom Generalsekretär unterzeichnete Abkommen über die Verhinderung eines Nuklearkrieges war von besonderer Bedeutung für die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen. Dieses Abkommen sollte ebenfalls wesentlich dazu beitragen, daß
die Gefahr eines nuklearen Krieges überall auf der Welt vermindert wird,
ohne daß dadurch unsere anderen Verpflichtungen und Zusagen beeinträchtigt
werden....
Die

-2-

�J

Die Beziehungen zwischen den USA und der Volksrepublik China nehmen
weiterhin einen ordentlichen Verlauf. In der Tat hat sich der Handel schneller als erwartet entwickelt, und der Handel in beiden Richtungen dürfte
dieses Jahr die 700-Millionen-Dollar-Grenze erreichen, was mehr als das
Zweifache früherer Schätzungen ist. Wir rechnen mit einem weiteren Anwachsen, sobald die damit verbundenen Fragen der privaten amerikanischen Ansprüche gegen die Chinesen und der in den USA eingefrorenen chinesischen
Guthaben gelöst sind. Die Verhandlungen über diese Fragen dauern an, wir
hoffen jedoch, daß eine endgültige Einigung zu einem baldigen Zeitpunkt
erreicht werden kann.
Als von besonderer Bedeutung sehen wir die beiderseitigen Verpflichtungen an, die von China gegenüber Japan und den Vereinigten Staaten eingegangen worden sind, auf Hegemonieambitionen in Asien zu verzichten und
sich allen Versuchen anderer, eine solche Hegemonie aufzuzwingen, zu wideri

setzen. Das neue Verhältnis zwischen uns und Peking hat uns nicht veran»

laßt, unsere Freundschaft zur Republik China oder unsere Entschlossenheit
zur Erfüllung unserer Verpflichtungen gegenüber diesem Land zu vermindern. . ..

«
Die Veränderungen,die sich in den Beziehungen zwischen den Vereinigten
Staaten und China sowie zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion vollzogen haben, haben wesentlich zu einer sichereren und kooperativeren Welt beigetragen. Wir sind uns darüber im klaren, daß die Fragen,
von denen Frieden und Zusammenarbeit abhängen, nicht zwischen den Vereinigten Staaten und ihren Gegnern alleine geregelt werden können. Die Beiträge und die Zusammenarbeit unserer Verbündeten sind von entscheidender Bedeutung. Und im Zuge der Verbesserung unserer Beziehungen zu Moskau und Peking haben wir nichts unternommen und werden wir auch nichts unternehmen,
wa

s die Interessen unserer Verbündeten beeinträchtigen oder unsere Bünd-

nisse schwächen könnte.
Der

-3-

�Der Nahe Osten
Auf dem Gipfeltreffen wurde auch die Situation im Nahen Osten erörtert...
Die Sowjets und wir stimmten darin überein, daß eine Regelung in Übereinstimmung mit den Interessen aller Staaten dieses Gebietes

sowie in Über-

einstimmung mit deren Unabhängigkeit und Souveränität stehen und die legitimen Interessen des palästinensischen Volkes berücksichtigen sollte.
Die Vereinigten Staaten sind überzeugt, daß ein gerechter und dauerhafter Friede im Nahen Osten nur durch einen aktiven Verhandlungsprozeß erreicht werden kann, der direkt oder indirekt zwischen den direkt betroffenen
Parteien durchgeführt werden sollte. Obwohl Fortschritte in dieser Richtung
enttäuschend langsam waren, herrscht weiterhin eine Waffenruhe, und wir hoffen, daß alle Parteien sich auch künftig Zurückhaltung auferlegen werden. Wir
sind uns über die in der derzeitigen Situation bestehenden Risiken im klaren
und verfolgen sie mit aktiver Aufmerksamkeit.

Ostasien und der Pazifik
Mit Interesse haben wir den Vorschlag von Ministerpräsident Tanaka zur
Kenntnis genommen, eine allgemeine Konferenz der asiatischen und pazifischen
Nationen einzuberufen. Wenn wir in die Zukunft blicken, so könnte eine Konferenz überaus nützlich sein, die auf die Entwicklung der Prinzipien und der
Mechanismen abzielt, durch die die interessierten Länder den Frieden, die Zusammenarbeit und den Abbau von Spannungen in diesem Gebiet fördern könnten....
Der Friede in Indochina ist weiterhin ein bedeutsames Anliegen für uns.
Wenn auch noch eine Reihe von Problemen gelöst werden müssen, so sind doch
die Kampfhandlungen und der Verlust an Menschenleben glücklicherweise sehr
viel geringer geworden. Das Verhandlungsklima hat sich sehr verbessert.

In

�In Vietnam ist das Erbe aus Jahrzehnten der Feindschaft nur sehr schwer
zu bewältigen, aber die beiden Parteien sprechen doch direkt miteinander. In
ähnlicher Weise haben in Laos die militärischen Operationen fast aufgehört,
und die Aussichten auf eine baldige politische Regelung sind vielversprechend. In Kambodscha ist die Situation besonders kompliziert. Wie Präsident
Nixon jedoch im vergangenen Monat versichert hat, werden wir alles in unseren Kräften stehende tun, um am Zustandekommen eines Friedens dort mitzuwirken. Die verminderten Feindseligkeiten in diesem Raum ermöglichen es uns,
unsere Aufmerksamkeit der wichtigen Aufgabe des Wiederaufbaues und der Entwicklung zuzuwenden...
Nicht weniger als die Regierung hat auch der Kongreß klargestellt, daß
er dem kooperativen Beitrag anderer Länder zum Nachkriegs-Wiederaufbau und
zur Entwicklung große Bedeutung beimißt... Wir unsererseits hoffen, daß wir
mit den Wiederaufbau-und Entwicklungsprogrammen vorangehen können, die ein
entscheidender Faktor für den Frieden in diesem Gebiet sein können. Lassen
Sie mich schließlich noch auf unsere starke Unterstützung der konstruktiven
Vorschläge hinweisen, die Präsident Park zum weiteren Abbau der Spannungen
auf der koreanischen Halbinsel unterbreitet hat... Unsere Sicherheitsverpflichtungen in Korea haben zu einer Situation beigetragen, in der die Koreaner bereit sind, auf normalere Beziehungen hinzuarbeiten. Wir werden
auch weiterhin fest zu unseren Verpflichtungen stehen.

Wirtschaftliche Zusammenarbeit
Wenn wir uns diesen multilateralen Fragen zuwenden, dann tun wir dies
unter stärkerer Beachtung der veränderten wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den großen Handelsnationen... Die Wirtschaftsordnung nach dem Kriege
baute sich auf der dominierenden wirtschaftlichen Position der Vereinigten
Staaten auf. Heute hat kein Land eine derartig überragende dominierende
Position. Alle Länder werden in zunehmendem Maße interdependent.
Im

-5-

�Im Hinblick auf wirtschaftliche Fragen müssen die entwickelten Demokratien, insbesondere Japan, die Vereinigten Staaten und die Europäische Gemeinschaft, eine konstruktive Führungsrolle übernehmen. Die industrialisierten Demokratien haben mit Handels-und Währungsverhandlungen begonnen oder
werden es bald tun.
Wenn wir und unsere Partner nun in diese Verhandlungen eintreten, so
ist es von größter Bedeutung, daß wir im Interesse des Wachstums und der
Stärke von uns allen auch für uns alle denken und handeln. Sollten wir unsere gemeinsamen Interessen - unsere Interdependenz - aus dem Auge verlieren,
dann werden wir alle Schaden davontragen.

Die Entwicklungswelt
Die Schaffung einer stärker prosperierenden, sichereren und kooperativeren Welt, die uns vorschwebt, dürfte nicht gelingen, wenn die Entwicklungswelt kein stetiges wirtschaftliches Wachstum erreicht. Während die ärmeren
Länder die Hauptverantwortung für eine gesunde Entwicklungspolitik tragen
müssen, können sowohl Japan als auch die Vereinigten Staaten einen nützlichen Beitrag zu deren Bemühungen um ein besseres Leben für ihre Bürger
leisten.
Wir stimmen darin überein, daß unsere Leistungen auf dem Gebiete der
Entwicklungshilfe verbessert werden können und sollten. Dies ist das Ziel,
das wir uns gesetzt haben....
Ausländische Privatinvestitionen können einen überaus wichtigen Beitrag
zum beschleunigten wirtschaftlichen Wachstum der ärmeren Länder leisten.
Sollen

solche Investitionen prosperieren, dann müssen wir gemeinsam darauf

hinwirken, daß unsere Privatfirmen gewiß sein können, im Falle einer Enteignung eine gerechte und effektive Entschädigung zu erhalten. Um das Vertrauen

-6-

�I

Vertrauen zu fördern und unsere Investoren zu schützen, sind die Vereinig•
ten Staaten weiterhin an der Entwicklung multilateraler Methoden interessiert, die bei Investitionsstreitigkeiten zum Tragen kommen...

-7-

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Dokumentation

Service

Postfach

300

T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

27/1973

RUSH: USA EINDEUTIG GEGEN EINSEITIGE TRUPPENREDUZIERUNGEN IN EUROPA
-Auszüge aus der Erklärung des Stellvertretenden US-Außenministers-

WASHINGTON — ( A D ) — Der Stellvertretende Außenminister der Vereinigten
Staaten, Kenneth Rush, hat am 10. Juli vor dem Außenpolitischen Ausschuß
des Repräsentantenhauses mit allem Nachdruck erklärt, daß die Nixon-Administration sich "eindeutig jeder einseitigen Verringerung der amerikanischen Streitkräfte in Westeuropa widersetzt." Rush machte im wesentlichen folgende Ausführungen:
"Um jeden etwa bestehenden Zweifel zu beseitigen, möchte ich versichern, daß wir uns eindeutig jeder einseitigen Verringerung der amerikanischen Streitkräfte in Westeuropa widersetzen und daher auch jenen Vorschlägen, die Ihrem Ausschuß vorliegen und die den Kongreß zu einer solchen Maß«
nähme verpflichten oder die Administration an eine solche Maßnahme binden
würden.
Darf ich damit beginnen, daß wir uns durchaus der veränderten Umstände bewußt sind, die die NATO, unsere Verteidigung und unser Verhältnis zu
Europa berühren.
- Erstens, wir stehen in einer Periode aktiver Verhandlungen - SALT,
KSZE und MBFR - von denen jede in einem direkten Zusammenhang mit der Sicherheit unserer Verbündeten und unserer eigenen steht. Zusammen mit den

-1-

�den Gipfeltreffen bilden sie einen Teil unserer allgemeinen Anstrengung, ein
normaleres Verhältnis zwischen Ost und West zu schaffen. Obwohl wir glauben, daß ein Fortschritt erzielt worden ist, so hat dieser Prozeß doch
erst begonnen, und in der nächsten Phase werden wir uns mit den schwierigeren Fragen der Verringerung militärischer Spannungen befassen müssen.
- Zweitens, dieser Prozeß findet in einer Zeit statt, da in jedem der
verbündeten Länder, nicht nur in den Vereinigten Staaten, ein wachsender
Druck zu spüren ist, Mittel für innenpolitische Aufgaben abzuzweigen.
- Drittens, unsere Verbündeten sind heute wirtschaftlich stärker als
je zuvor und machen bedeutsame Schritte zu größerer politischer und wirtschaftlicher Einheit. Gleichzeitig kennzeichnet ein beachtliches Bündel
gemeinsamer Handels-und Währungsprobleme unsere wirtschaftlichen Beziehungen.
Letztens, wir stehen vor einer strategischen Nuklearsituation, in der
an die Stelle der Vorherrschaft der Vereinigten Staaten gegenüber der
UdSSR mehr oder weniger ein Gleichgewicht getreten ist, das einer konventionellen Abschreckung erhöhte Bedeutung verleiht.
Ich halte es für wesentlich, daß sich der Kongreß völlig im klaren
darüber ist, was getan wird, um die NATO und unsere Präsenz in Europa diesen Realitäten anzupassen.
Wir packen diese Aufgabe auf dreifache Weise an:
1. Wir streben in diesem Jahr Europas danach, unser

Verhältnis zu un-

seren Verbündeten neu zu bestärken und einen Rahmen zu schaffen, innerhalb
dessen wir die Fragen des Handels, der Finanz und der Sicherheit produktiv
behandeln können.
2. Als Ergebnis der jüngsten Tagungen der Außen-und Verteidigungsminister der NATO arbeiten wir Programme aus, die darauf abzielen:
- die Verteidigungsposition der NATO zu verbessern;
- einen multilateralen Mechanismus für eine gerechtere Verteilung der
Lasten und eine Erleichterung unserer militärischen Zahlungsbilanz-2-

�Zahlungsbilanzp'robleme zu entwickeln; und
- einige der grundlegenden Verteidigungskonzeptionen hinsichtlich
der Spezialisierung und der wirksameren Nutzung knapper Verteidigungsmittel zu revidieren.

3. Wir haben ein Übereinkommen erzielt, daß in etwas mehr als 90 Tagen,
am 30. Oktober, eigentliche Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen beginnen werden. Wir arbeiten gegenwärtig einen
Bündnisstandpunkt aus, der zu amerikanischen und sowjetischen Verringerungen führen könnte.
Alles in allem sind wir mit unseren Verbündeten dabei, das Nachkriegs-,
Handels-und Währungssystem zu verbessern; wir sind in der NATO dabei,
eine gerechtere und effektivere Sicherheitsposition aufzubauen, und wir
sind mit der Sowjetunion dabei, Mittel und Wege zu suchen, um die Verteidigungslasten unserer Völker ohne Verlust unserer fundamentalen Sicherheit zu erleichtern.
Dies ist ein Unterfangen von beispielloser Größe und Bedeutung für das
künftige Wohlergehen Amerikas. Es dürfte auf der Hand liegen, daß wir in
all diesen Anstrengungen einen Fehlschlag riskieren, wenn wir:
- Erstens, unseren Verbündeten erklären, daß wir ohne Rücksicht auf
ihre Wünsche, sich unseren gegenseitigen Erfordernissen anzupassen, unseren
Beitrag zur gemeinsamen Verteidigung einseitig kürzen werden, und
- zweitens, unseren Gegnern erklären, daß wir unsere Streitkräfte einseitig reduzieren werden, obwohl wir beiderseitige Reduzierungen wollen.
Praktisch würden wir unseren Verbündeten erkl ären, daß wir wollen,
daß sie in Handel, Finanz und Sicherheit mehr für Amerika tun, und wir dafür weniger tun werden. Und wir würden den östlichen Ländern erklären, daß
sie etwas umsonst erwarten können.
Darüber

-3-

�Darüber hinaus gibt es drei spezifische Gründe, die nach meiner Überzeugung von fundamentaler und entscheidender Bedeutung sind. Nämlich:
Die Unabhängigkeit und Sicherheit Westeuropas ist für jeden Amerikaner lebenswichtig wegen ihres entscheidenden Einflusses auf seine Sicherheit, sein wirtschaftliches Wohlergehen und den Fortbestand seiner demokratischen Lebensweise.
Die Unabhängigkeit Westeuropas hängt von der Aufrechterhaltung einer
glaubwürdigen Abschreckung und Verteidigung gegen einen Angriff ab, und
in einer solchen Verteidigungsposition spielen amerikanische Streitkräfte
eine lebenswichtige Rolle.
Der Prozeß der Aufrechterhaltung einer verläßlichen Verteidigungsposition würde in einer Zeit der Verhandlungen über eine geordnete und ausgewogene Verringerung der sich in Europa gegenüberstehenden Streitkräfte
durch eine einseitige Verringerung unserer Streitkräfte in katastrophaler
Weise unterlaufen.

-Amerikas lebenswichtiges Interesse an Westeuropa•

r

Unser Lebensinteresse an Westeuropa ist keineswegs nur eine Sache der
Geschichte oder der Gewohnheit. Ohne Westeuropa gäbe es für uns keine
Prosperität. Es ist in der Tat ein immer mächtigeres Zentrum der Weltwirtschaft geworden. Es ist unser wichtigster Markt und unser wichtigster Versorger. Amerikanische Firmen haben in Westeuropa über 28 Milliarden Dollar
investiert, die amerikanischen Investoren fast drei Milliarden Dollar im
Jahr einbringen. Wollen wir uns keinen Täuschungen hingeben. Unsere Prosperität und die Prosperität der ganzen Welt werden von Westeuropa zutiefst beeinflußt. Das bedeutet Arbeitsplätze für Amerikaner, Dividenden für Amerikaner und Lebensstandard für Amerikaner.
Gerade

�Gerade weil wir und unsere westeuropäischen Verbündeten uns unserer
Interdependenz so voll und ganz bewußt sind, unternehmen wir gegenwärtig gemeinsame Anstrengungen, um unsere gemeinsame Wirtschaft durch globale Handelsverhandlungen und durch eine Reform des Weltwährungssystems zu stärken.
Weder ein erweiterter Welthandel noch eine Währungsreform können ohne ein
volles Maß an westeuropäischer Mitarbeit Zustandekommen.
Die Verteidigung Westeuropas hängt von drei Bedingungen ab:
Erstens, sie hängt von dem Willen der Europäer ab, unabhängig zu sein
und sich selbst zu verteidigen..Zweitens, sie hängt von der Verpflichtung
der Vereinigten Staaten gegenüber ihren europäischen Verbündeten ab, daß
sie angesichts der eindrucksvollen militärischen Mittel ihrer Nachbarn im
Osten zu ihnen stehen werden, um vor einer Aggression abzuschrecken und unsere gemeinsamen Interessen zu verteidigen, sollte die Abschreckung nicht wirken. Drittens, sie hängt von der Existenz eines Verteidigungssystems ab,
dessen Kapazität nicht nur für die osteuropäischen Staaten überzeugend ist,
sondern auch für unsere NATO-Verbündeten und auch für uns selbst.
Die Erfüllung dieser drei Bedingungen erfordert eine unablässige Anstrengung seitens der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten...
Geschichtlich gesehen war es die Hauptfunktion der NATO - und ist
auch heute noch ihre wichtigste Funktion -,ihre Mitglieder vor einem Angriff
oder einem Druck von Außen zu beschützen. Ich weiß, daß sich die Beziehungen
der Sowjets zu ihren Nachbarn in Europa und auch zu uns in den vergangenen
Jahren wesentlich verbessert haben. Wir begrüßen diese Verbesserung . Ich
weiß aber auch, daß die Sowjetunion immer noch weitaus mächtiger als irgendein anderer Staat oder eine Staatengruppe in Europa ist. Ich weiß, daß es
keine Gewißheit dafür gibt - und eine solche auch nie wird geben können -,
daß die sowjetische Macht niemals dazu benutzt werden wird, die Interessen
der NATO-Mitgliedstaaten zu bedrohen. Eine derartige Macht könnte zu einem
konstanten politischen Druck auf die westeuropäischen Staaten werden, sich

-5-

�sich der sowjetischen Politik anzupassen, sofern ihr in der NATO nicht weiterhin ein Gegengewicht gesetzt wird.
Die Staaten des Warschauer Paktes sehen keinen Widerspruch zwischen
Verhandlungen zur Verringerung der Spannungen in Europa und der Beibehaltung, ja Verstärkung ihrer militärischen Macht. Es besteht auch notwendigerweise kein Widerspruch. Die sowjetischen Verhandlungen von einer Position
der Stärke aus haben unsere Bemühungen um bessere Beziehungen zum Osten
nicht behindert. Ja, diese Position hat wahrscheinlich sogar die eigentliche Basis für die Entwicklung der sowjetischen Politik in ihrer jetzigen
Form ergeben. Die Länder des Ostens werden zweifellos auch weiterhin von
dieser Basis aus verhandeln. Wichtig ist dabei, daß sie niemals Grund zu
der Annahme bekommen, daß wir es anders tun würden.
An dieser Stelle möchte ich mich mit einem nach unserer Auffassung
trügerischen Argument befassen, das vorgebracht wird, um einen einseitigen
amerikanischen Truppenabzug zu rechtfertigen. Es besagt:
- Die NATO verfügt nur über eine Art Stolperdrahtverteidigung, so daß
wir im Falle eines Angriffs innerhalb weniger Tage, wenn nicht Stunden,
unsere Zuflucht zu nuklearen Waffen nehmen müßten. Daher - so argumentiert
man - sei es nicht notwendig, daß die Vereinigten Staaten 300 000 Mann an
Truppen in Europa stationiert hielten, um als eine Art Stolperdraht zu
dienen.
Die Prämisse von der Stolperdrahtverteidigung ist falsch, und so ist
auch der aus ihr gezogene Schluß. Jedoch könnte eine größere Reduzierung
der amerikanischen Truppen und ihre Auswirkung auf die Moral und Bereitschaft unserer Verbündeten sehr leicht eine Stolperdrahtsituation herbeiführen, bei der die Anwendung von Gewalt in Europa automatisch die Gefahr
eines Nuklearkrieges für jeden Amerikaner heraufbeschwören könnte.
Die

�Die Doktrin von der •massiven Vergeltung» wurde sinnlos, als die
Sowjetunion sich zu einer wirklichen nuklearen Macht entwickelt hatte, die
in der Lage war, entsprechende Vergeltungsschläge auszuteilen. Aus diesem
Grunde ist es erstaunlich, Vorschläge zu vernehmen, daß man Westeuropa verteidigen könne, indem man sich einzig auf die Kernwaffen verläßt. Diese
sozusagen durch die Hintertür erneut zur Geltung kommende Doktrin von der
massiven Vergeltung fällt zeitlich zusammen mit dem Entstehen einer Art Parität in den strategischen Waffensystemen zwischen den Vereinigten Staaten und
der Sowjetunion. Aber eine nukleare Parität läßt eine massive Vergeltung als
Mittel zur Abschreckung aller Formen von Aggression in Kuropa noch weniger
glaubhaft erscheinen. Der Vorschlag einer Rückkehr zu diesem Konzept, ob
man es nun »massive Vergeltung» oder 'Stolperdraht* nennt, an Stelle der
von der NATO vereinbarten Kapazität einer flexiblen Antwort, läßt nur zwei
Rückschlüsse: Entweder es handelt sich um ein Mißverständnis über die mit
der strategischen Parität verbundenen Implikationen oder aber um ein elegantes Sichdrücken um die Möglichkeit, daß es zu weniger als einem totalen Krieg
in Europa kommen könne.
Eine absolute Sicherheit kann es niemals geben. Aber ich bin über ein
so simples Urteil doch bestürzt: Daß der Krieg in Europa wahrscheinlich auch
weiterhin auf allen Ebenen abgewehrt werden könne durch dieselben Mittel,
mit denen man seit über einem Jahrzehnt vor ihm abgeschreckt habe. Die NATO
plante in den sechziger Jahren voraus, um eine eventuelle strategische Parität zwischen Ost und West hierbei einzubeziehen. Man traf die Entscheidung,
die konventionellen Waffen aufzustellen, die notwendig sein würden, um den
konventionellen Möglichkeiten des Warschauer Paktes entgegentreten zu können, militärische Mittel in vielfältiger Form einzusetzen, ohne direkt zu
einem strategischen Krieg überzugehen. Jetzt in den siebziger Jahren sehen
wir uns genau den Verhältnissen gegenüber, für die diese Pläne gemacht wurden. Es erscheint absurd, wollte man die so erfolgreich getroffenen Vorbereitungen zur Begegnung der vorausgesagten Gefahr, die nunmehr existiert,
aufgeben.

Kurz
-7-

�Kurz gesagt, die Notwendigkeit eines überzeugenden konventionellen
Potentials zur Verteidigung Westeuropas und zur Abschreckung vor einem
Krieg ist größer als je zuvor. Und heute haben unsere Verbündeten wie auch
wir Programme und Maßnahmen, die unseres Erachtens auch weiterhin ein
solches Potential für die Zukunft gewährleisten.
Der...Grund, warum einseitige Truppenreduzierungen unklug wären, ist,
daß ein solcher Schritt unsere behutsamen Bemühungen, beiderseitige Trupreduzierungen auszuhandeln, stark beeinträchtigen würde.
Wir stehen jetzt im Begriff, eine Serie von Verhandlungen aufzunehmen,
die sich als die bedeutungsvollsten der Nachkriegszeit erweisen könnten.
Es wäre unvorstellbar, daß wir solche Verhandlungen durch einseitige
Maßnahmen gefährden. Ein solcher Schritt würde das Führen von auf Gegenseitigkeit beruhenden Verhandlungen nahezu unmöglich machen. Allein schon
die Möglichkeit eines solchen Schrittes würde den Staaten des Warschauer
Paktes den Anreiz nehmen, überhaupt zu verhandeln.
Außerdem würde eine einseitige Reduzierung der amerikanischen Truppen
die NATO-Allianz ernstlich spalten. Da die USA ihre Truppen ohne Rücksicht
auf die militärischen Konsequenzen reduziert hätten, würden unsere Verbündeten unter dem politischen Druck ihrer Parlamente stehen, entsprechende einseitige Truppenkürzuingen vorzunehmen. Das gesamte System unserer gemeinsamen Beschlußfassung könnte zerfallen. Und während die Regierung wahrscheinlich jede weitere Truppenreduzierung - ob auf Gegenseitigkeit beruhend
oder nicht - ablehnen würde, wäre der Prozeß einer Auflösung der Verteidigung des Westens in Friedenszeiten doch im Gange und würde von den Vereinigten Staaten selbst begonnen worden sein.
Wir wissen jetzt noch nicht genau, wohin die Bemühungen um beiderseitige Truppenreduzierungen schließlich führen werden. Gleich SALT verspricht
dies ein Prozeß zu werden, der nicht nur beträchtliche militärische Ergebnisse zeitigen, sondern auch zu einem ständigen politischen Gespräch führen

-8-

�führen wird, das für uns durchaus wertvoll sein könnte. Bei SALT haben unsere offenen Gespräche mit der Sowjetunion viel dazu beigetragen, falsche Auffassungen auf beiden Seiten zu zerstreuen. Die gleichen Möglichkeiten ergeben
sich für uns bei MBFR. Ich ersuche Sie alle dringend, den Beitrag nicht zu
unterschätzen, den MBFR zu unserer Sicherheit und zu einer Verringerung der
internationalen Spannungen leisten könnte.
Die vielversprechenden Aussichten dieser umfassenden Verhandlungen würden jedoch durch einen einseitigen Beschluß der Vereinigten Staaten, ihre
NATO-Streitkräfte zu reduzieren, zunichtegemacht. Ein solcher Abzug würde
die NATO sprengen, das bestehende Ost-West-Gleichgewicht untergraben und den
Prozeß einer beiderseitigen Truppenreduzierung abrupt zu einem Stillstand
bringen.

Einseitige Truppenreduzierungen unnötig -

Unsere Haushaltsansätze für die Stationierung unserer 300 000 Soldaten
in Europa, und dies schließt auch den Mittelmeerraum ein, belaufen sich für
das Finanzjahr 1973/74 auf 4 Milliarden Dollar. Dies sind die Kosten, die
durch Gehälter und Unterbringung dieser Soldaten und ihrer Familienangehörigen in Europa entstehen.
Wenn wir jedoch die Kosten der Nachschubeinrichtungen für diese Truppen
in den Vereinigten Staaten und die Kosten für Waffen und Ausrüstung einbeziehen, so erhöhen sich die Gesamtkosten für das Finanzjahr 1973/74 auf 7,7
Milliarden Dollar. Hierin ist auch die oben genannte Zahl von 4 Milliarden
Dollar eingeschlossen. In diesen Zahlen sind die Mehrkosten für die Stationierung unserer Truppen in Europa - im Vergleich zu den Kosten entsprechender Truppen in den Vereinigten Staaten - enthalten. Sie belaufen sich auf
rund 400 Millionen Dollar pro Jahr und setzen sich weitgehend aus solchen
Ausgaben wie Transport usw. zusammen.
Dies

-9-

�Dies sind also die haushaltsmäßigen Kosten für die Stationierung der
300 000 Soldaten und ihrer Familienangehörigen in Europa. Wenn Sie diese
Soldaten nach den USA zurückbringen und unsere NATO-Verpflichtungen einhalten wollen, dann müssen Sie sie unter Waffen halten, es ergeben sich zusätzliche Transportkosten, und es muß eine Zweitausrüstung an schweren Waffen in Europa belassen werden, damit die Truppen schnell bei einem Einsatz
dorthin zurückgebracht werden können. In diesem Falle würden die jährlichen
Haushaltskosten über den gegenwärtigen liegen.
Der entscheidende Punkt ist, daß die Stationierung unserer Truppen in
Europa zwar bescheidene Mehrkosten bringt, diese Mehrkosten aber nicht dadurch eingespart werden können, daß wir diese Truppen nach Hause zurückbringen, wenn es uns gleichzeitig damit ernst ist, das Nötige zu tun, um
weiterhin unseren Verpflichtungen nachzukommen.
Ein zweiter Punkt hier sind die Auswirkungen auf die Zahlungsbilanz.
Das Ergebnis der Stationierung von 300 000 Soldaten und ihren Familienangehörigen in Europa war im Finanzjahr 1971/72 ein Defizit in unserer militärischen Zahlungsbilanz von 1,5 Milliarden Dollar. Aber dieses Defizit in
unseren militärischen Konten von 1,5 Milliarden Dollar macht nur einen relativ kleinen Teil unseres Zahlungsbilanzdefizits aus. Im Jahre 1972 belief
sich unser Defizit in der Grundbilanz auf 9,2 Milliarden Dollar. Und hiervon entfiel nur ein Sechstel (das sind 1,5 Milliarden Dollar) auf unsere
militärischen Ausgaben in Europa, bei denen unsere Truppenstationierung
mit einem wesentlichen Teil zu Buche schlägt.
Es ist ganz klar, daß die Vereinigten Staaten nicht auf unbegrenzte Zeit
ein Defizit von 9 Milliarden Dollar in ihrer Grundbilanz verkraften können.
Wir können jedoch dieses Defizit nicht einfach dadurch beseitigen, daß wir
die einzelnen Punkte wie die militärischen Konten anpacken. Die Ursachen
des Defizits sind grundlegender Natur, und es bedarf grundlegender Änderungen, um sie zu beseitigen. Aus diesem Grunde sind wir so energisch vor-

-10«

�vorgegangen, um dieses Problem durch eine Abwertung des Dollar sowie durch
das Bestehen auf einer konstruktiven Reform des internationalen Währungssystems zu korrigieren.
Die Ergebnisse unserer monetären Maßnahmen beginnen sich auszuwirken.
Unsere Zahlungsbilanz begann sich zu bessern, nachdem die Wende sich als konstant erwies. Die Statistiken des Handelsministeriums für das erste Quartal
dieses Kalenderjahres zeigen einen Rückgang des Defizits in unserer Grundbilanz von 3,8 Milliarden Dollar im ersten Quartal 1972 auf 1,2 Milliarden in
diesem Jahr. Das ist eine sehr eindrucksvolle Verbesserung. Unsere Wirtschaftler sind der Ansicht, daß der Trend zurück zu einem Ausgleich trotz
einiger anfänglicher Schwächen weiter anhalten und daß sich dabei das Tempo
beschleunigen wird. Wir müssen unsere Verbündeten weiter drängen, einen größeren und gerechteren Teil der Kosten der Verteidigung Europas zu tragen.
Wenn ich unsere Verbündeten auffordere, einen größeren Teil der Verteidigungslasten zu übernehmen, so möchte ich damit nicht bei Ihnen hier den
Eindruck erwecken, sie würden nicht bereits erheblich zur Verringerung unseres militärischen Zahlungsbilanzdefizits beitragen....
Die Bundesregierung hat nicht nur beträchtliche Waffenkäufe in den Vereinigten Staaten vorgenommen, sondern auch für 621 Millionen Dollar mittelfristige Schuldverschreibungen der amerikanischen Regierung übernommen, für
die sie Zinsen zahlt, und sie hat 186 Millionen Dollar für die Renovierung
amerikanischer Unterkünfte in Deutschland aufgewandt, wovon sowohl unsere
Zahlungsbilanz wie auch unser Haushalt profitieren. Der Gesamtwert dieses
Offset-Abkommens für den Zweijahres-Zeitraum beläuft sich für die USA auf
2 065 Milliarden Dollar. Wir verhandeln jetzt über ein neues Offset-Abkommen
mit der Bundesrepublik.
Darüber hinaus - und das ist langfristig von Bedeutung - haben die
NATO-Verteidigungsminister im vergangenen Monat eine Prüfung des Problems
vereinbart, wie weitere multilaterale Wege gefunden werden können, um die
von den Vereinigten Staaten als Folge ihrer Truppenstationierung in Europa

-11-

�Europa getragenen nachteiligen wirtschaftlichen Auswirkungen zu verringern.
Wir betrachten dies als einen wichtigen Schritt, der die zusätzlichen haushaltsmäßigen Belastungen und die Auswirkungen auf die Zahlungsbilanz verringern kann, die sich dadurch ergeben, daß Streitkräfte im Ausland statt
im Inland stationiert werden."

+H-

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

I n f o r m a t i o n

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

Dokumentation

300

T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

27/1973

SCHLESINGER FORDERT GLAUBWÜRDIGE ABSCHRECKUNG
-Auszüge-

WASHINGTON — ( A D ) — D e r amerikanische Verteidigungsminister James R.
Schlesinger hat am 11. Juli vor dem Außenpolitischen Ausschuß des amerikanischen Repräsentantenhauses die Notwendigkeit einer glaubwürdigen NAT0=
Abschreckung unterstrichen, um der Sowjetunion nicht die Möglichkeit eines
Wagnisses zu minimalen Kosten zu bieten und um die Möglichkeit eines Nuklearkrieges auszuschalten. Die wesentlichen Teile der Erklärung Schlesingers haben folgenden Wortlaut:
"... Wir haben früher schon das Argument gehört, daß die NATO kein
direktes Gegengewicht gegen die überlegenen konventionellen Streitkräfte
des Warschauer Paktes brauche, weil sie ja eine Überlegenheit hinsichtlich
der taktischen und strategischen Kernwaffen besitze. Das mag in den fünfziger Jahren noch richtig gewesen sein, heute aber befinden wir uns in
einer Periode einer ungefähren nuklearen Parität. Das heißt ganz sicher
nicht, daß es von nun an keinen nuklearen Krieg mehr geben kann. Auch besagt es nicht, daß die amerikanische nukleare Verpflichtung gegenüber unserer eigenen Sicherheit und der unserer Verbündeten von der Entwicklung überholt worden ist. Unsere Verpflichtung ist fest und unerschütterlich. Es bedeutet jedoch, daß unseren nuklearen Streitkräften nicht länger das gleiche

-1-

�gleiche entscheidende Gewicht in der Balance der Abschreckung zukommt, wie
sie es zu einer früheren Zeit besassen, und dies weist den konventionellen
militärischen Kapazitäten der NATO einen höheren Wert zu.
Sollte es in einem früheren Zeitabschnitt nicht so wichtig gewesen
sein, so ist es heute doch für die Staaten der NATO ganz sicher von entscheidender Bedeutung, sicherzustellen, daß wir über eine glaubwürdige Abschreckung - nuklearer und nicht-nuklearer Art - über das ganze Spektrum
der Risiken hinweg verfügen, um für die Sowjetunion nicht die Möglichkeit
eines Wagnisses zu minimalen Kosten zu bieten und die Möglichkeit eines
Nuklearkrieges auszuschalten. Niemand will einen Krieg. Und wenn wir die
geeigneten Schritte tun, dann ist ein Krieg auch nicht zu erwarten. Aber
jedenfalls ist ein Krieg weniger wahrscheinlich, wenn wir sowohl über eine
nukleare wie eine nicht-nukleare Abschreckung verfügen. Und in einer Zeit,
in der die Folgen

eines Krieges weltzerstörerisch sein könnten, scheint

mir die durch angemessene Abschreckungsstreitkräfte gewährte Sicherheit
doch wohl ihre Kosten wert zu sein.
Wir haben auch die Behauptung gehört, daß die NATO kein Gegengewicht
an konventionellen Streitkräften gegen den Warschauer Pakt zu in Friedenszeiten irgendwie auch nur annehmbaren Kosten erstellen könne. Zwar sind
im mittleren Raum Europas die Streitkräfte des Warschauer Paktes denen der
NATO zahlenmäßig etwas überlegen, doch ist dies weder hoffnungslos noch besonders beruhigend..Tatsache jedenfalls ist, daß die NATO bereits über einen
großen Teil der Kapazitäten verfügt, die für eine starke konventionelle Verteidigung notwendig sind. Während bedeutsame Verbesserungen in der Tat notwendig sind, kann die NATO doch die bei ihr vorhandenen Mängel mit begrenzten zusätzlichen Anstrengungen überwinden, wenn die NATO-Staaten, einschließlich der Vereinigten Staaten, darauf achten, daß unsere Verteidigungsanstrengungen sich ergänzen, wenn wir gewährleisten, daß unsere Hilfsquellen
dort eingesetzt werden, wo sie am meisten benötigt werden, und wenn wir

-2-

�wir klug und entschlossen sind, eine ständige Verteidigungsanstrengung zu
unternehmen.
Es gibt keinen eigentlichen Grund, warum die NATO gegenüber dem Warschauer Pakt eine Unterlegenheit hinsichtlich der konventionellen Streitkräfte akzeptieren müßte. In den grundsätzlichen Positionen ist die NATO
dem Warschauer Pakt ganz erheblich überlegen. Die Bevölkerungszahl des
Bündnisses liegt um 54 Prozent höher. Unsere vereinten Bruttosozialprodukte sind um über das Dreifache größer. Was wir jetzt tun müssen, ist, die
Hilfsquellen der NATO, die für die konventionellen Streitkräfte in Europa
eingesetzt werden, genauer auf den Charakter der von den Staaten des Warschauer Paktes ausgehenden Bedrohung abzustellen,, Und - auf einer grundsätzlicheren Ebene - wir müssen der Tatsache entgegensehen, daß die Alternative für ein angemessenes konventionelles Potential der NATO in Europa
ein schnellerer Rückgriff auf Kernwaffen wäre, mit all den Risiken, die
eine solche Politik in unserer Ära der nuklearen Parität mit sich bringt.
Es ist ferner gesagt worden, daß unsere Verbündeten sich keine Gedanken über ihre eigene Verteidigung machten oder daß sie nicht gewillt seien,
einen fairen Teil der Lasten zu tragen. Diese Behauptung wird den in den
letzten Jahren gemachten beträchtlichen Anstrengungen nicht zur Genüge gerecht. Der frühere Verteidigungsminister Richardson hat im März 1973 in
seinem Jahresbericht an den Kongreß auf die in den letzten drei Jahren vorgenommenen Erhöhungen der Verteidigungsausgaben der Verbündeten verwiesen
- die Verteidigungshaushalte der Verbündeten liegen um 30 Prozent höher als
1970, wobei weitere beträchtliche Erhöhungen in dem britischen und dem
deutschen Verteidigungshaushalt für dieses Jahr geplant sind. Der stellvertretende Außenminister Rush, der vorher selbst stellvertretender Verteidigungsminister war, hat Ihnen gestern über einige der europäischen Modernisierungsprogramme berichtet. Ich kann Ihnen versichern, daß diese erhöhten Ausgaben und die neuen Programme sowie die bereits für die Zukunft geplanten Programme einen beträchtlichen Beitrag zu dem Potential der NATOStreitkräfte darstellen.
Ferner

3-

�(
\

Ferner trägt die Bundesrepublik Deutschland, wie Sie wissen, dazu bei,
durch beachtliche Maßnahmen einen Ausgleich für die Kosten unserer Truppen
in Deutschland zu schaffen. Das derzeitige Abkommen zwischen unseren beiden
Ländern beläuft sich für die Jahre 1972 und 1973 auf über zwei Milliarden
Dollar. Ein neues Abkommen für den nächsten Zeitraum wird jetzt ausgehandelt. ..
Dies soll nicht besagen, daß die gegenwärtige Stärke der amerikanischen
Truppen in Europa nicht verändert werden kann. Dies soll nur besagen, daß
wir - bei den konventionellen wie auch bei den strategischen Streitkräften die Stärke unserer Truppen in einer Relation zu den gegnerischen Truppen
festlegen sollten und zwar unter voller Berücksichtigung der Kapazitäten
unserer Verbündeten...
Alles in allem stehen unsere Truppen nach über 20 Jahren immer noch in
Europa - nicht aufgrund einer schlechten Politik; nicht aufgrund von Untätigkeit; nicht, um unseren europäischen Verbündeten die Mühen und Kosten
ihrer eigenen Verteidigung zu ersparen; nicht, um lediglich eine amerikanische 'Präsenz8 aufrechtzuerhalten, und nicht, um lediglich als •Stolperdraht* zu dienen. Unsere Truppen stehen vielmehr in Europa, weil die Stärke
der von der Sowjetunion und deren Verbündeten dislozierten Truppen nicht
verringert worden, ja in Wirklichkeit ständig erhöht worden ist; weil eine
vorgeschobene Verteidigung gemeinsam mit unseren Verbündeten für die Vereinigten Staaten die bestmögliche Verteidigungsposition bedeutet; weil unsere
Truppen wesentlich zu dem konventionellen

militärischen Gleichgewicht zwi-

schen der NATO und dem Warschauer Pakt beitragen - ein Gleichgewicht, das
in einer Zeit der nuklearen Parität von größerer und nicht von geringerer Bedeutung ist- und weil die kollektive militärische Stärke des Bündnisses zur
Gewährleistung der politischen Stabilität sowie zur Stärkung der Aussichten
auf eine Entspannung zwischen Ost und West ohne nichtakzeptierbare Risiken
beiträgt.
Ich

-4-

�Ich bin mir voll im Klaren darüber, daß viele im Kongreß eine umgehende Reduzierung der amerikanischen Truppenstärke in Europa wünschen. Aber ich
kann Ihnen nicht guten Gewissens eine einseitige Reduzierung zu diesem entscheidenden Zeitpunkt empfehlen. Zum ersten Male seit dem zweiten Weltkrieg
hat die Sowjetunion ein ernsthaftes Interesse an einer Verhinderung der
Spannungen in Europa sowie an Verhandlungen über beiderseitige Truppenreduzierungen gezeigt. Es wäre in der Tat unbesonnen, wenn wir diesem Prozeß,
der so gut begonnen hat, nicht eine Chance geben würden. Ferner sollten Sie
sich darüber im klaren sein, daß, falls der Kongreß einseitige Reduzierungen der konventionellen Truppen beschließen sollte, die einzig mögliche Alternative zu einer anfänglichen konventionellen Verteidigung ein frühzeitiges Zurückgreifen auf den Einsatz von Nuklearwaffen wäre - eine Alternative,
die, wie Sie wissen, andere Administrationen abgelehnt haben. Meines Erachtens steht für uns politisch zu viel auf dem Spiele und sind die potentiellen Folgen für unsere Sicherheit viel zu groß, als daß wir die sich aus einseitigen Truppenreduzierungen ergebenden unvermeidbaren Risiken akzeptieren könnten.
Was ich empfehle, sind engere Konsultationen zwischen Kongreß und Exekutive mit dem Ziel, eine konventionelle Truppenstärke in Europa zu unterhalten, die unserem Interesse an Europa Rechnung trägt, die dem Fortschritt
der Verhandlungen mit dem Warschauer Pakt entspricht und die die Möglichkeit
einer größeren Aufteilung der Lasten innerhalb des Bündnisses berücksichtigt.
Dies ist der Weg, der meines Erachtens für die Vereinigten Staaten größte
Sicherheit und maximalen Vorteil bringen würde. Aus diesem Grunde ersuche ich
Sie nachdrücklich, Vorschläge für einseitige
sitiv zu entscheiden."

+-H-

-5-

Truppenreduzierungen nicht po-

�? a m e r i k a dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

I n f o r m a t i o n

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

Telex:

^v'irtSCnart

300

08-85432

27/1973

FINANZMINISTER ERÖRTERN NOCH OFFENE WAHRUNGSFRAGEN
Von Eugene Brake
WASHINGTON «.-(AD)-« Nachdem die technischen Experten alle im Rahmen ihrer
Vollmachten liegenden Möglichkeiten ausgeschöpft haben, um einen gemeinsamen
Weg zur Errichtung eines neuen internationalen Währungssystems zu finden,
werden sich nunmehr die Finanzminister, die letztlich ohnehin die politisch
delikaten Entscheidungen zu treffen haben, mit den noch verbliebenen Problemen befassen.
Das Ergebnis der dreitägigen Beratungen des Stellvertreterausschusses
in Washington hat sein Vorsitzender Jeremy Morse zusammengefaßt, als er am
13. Juli betonte, die soeben beendete Konferenz sei insofern von besonderem
Interesse gewesen, als in den Sitzungen wie auch außerhalb des Verhandlungsraumes eine Reihe von Vorschlägen gemacht worden seien, um die noch verbliebenen Probleme durch Kompromisse, durch eine Kombination bereits vorliegender Vorschläge oder auch durch neue Vorschläge zu lösen. Zwar sei nur eine
geringe weitere Annäherung der Standpunkte erzielt worden, aber die schon
früher für den 30. und 31. Juli nach Washington einberufene Ministersitzung des Zwanziger-Ausschusses sei genau zu dem richtigen Zeitpunkt anberaumt worden.
Morse

�Morse zeigte sich hinsichtlich der Fortschritte bei den Reformgesprächen keineswegs pessimistisch und wies darauf hin, daß jetzt ein entscheidendes Stadium erreicht worden sei, in dem Entscheidungen getroffen werden
und die Stellvertreter hierzu Anweisungen von den Minister erhalten müßten.
In dem Ministerausschuß wie auch im Stellvertreterausschuß der ZwanzigerGruppe sind praktisch alle Mitglieder des Internationalen Währungsfonds
(IWF) -entweder direkt oder indirekt- vertreten.
Verschiedene, in einem engen Zusammenhang miteinander stehende entscheidend wichtige Fragen harren immer noch einer Lösung. Wie strikt sollen
zum Beispiel die Bestimmungen für eine Anpassung von Zahlungsbilanzen gehandhabt werden? Und wie einschneidend dürfen die Bestimmungen über Konvertierbarkeit und das Ausgleichssystem sein?
Alle Stellvertreter stimmen offensichtlich darin überein, daß in dem
künftigen internationalen Währungssystem Länder mit großen und ständigen
Zahlungsbilanzüberschüssen und Defizitländer gemeinsam dafür verantwortlich •
sind, daß ein Ausgleich der internationalen Geldtransaktionen gewährleistet
ist - entweder durch Anhebungen der Wechselkurse der betreffenden Währungen
oder durch andere wirksame Maßnahmen. Die Frage ist lediglich, wieviel Druck
seitens der internationalen Völkergemeinschaft auf ein Überschußland ausgeübt werden und wieviel Handlungsfreiheit einer Regierung eines solchen Landes bleiben sollte.
Der amerikanische Vorschlag enthält objektive Indikatoren, die aussagen, wann ein Überschußland handeln muß. Es war unter anderem angeregt worden, daß die Höhe der Reserven eines Landes den besten Indikator abgeben
würde. Nach den Worten von Morse hat sich eine beträchtliche Annäherung der
Ansichten auf diesem Gebiet vollzogen, seit die Vereinigten Staaten im vergangenen September erstmalig diesen Gedanken vorgetragen haben.
Die

-2-

�Die USA haben von Anfang an klarzustellen versucht, daß die Art der
Maßnahme - Wechselkursanpassung, Handelsliberalisierung, Erhöhung der Auslandshilfe usw. - der betreffenden Regierung überlassen bleiben sollte. Es
besteht jetzt weitgehende Übereinstimmung darüber, daß andere Indikatoren
als eine Art Gegenprobe ebenfalls beobachtet werden sollten - vor allem
die Grundbilanz eines Landes, die den Zu-und Abfluß von Geldern aufgrund
der meisten nicht unter den Kapitalverkehr fallenden sonstigen internationalen Transaktionen ausweist. Ferner wurde allgemein akzeptiert - selbst von
denen, die zunächst skeptisch waren -, daß Indikatoren in dem neuen System
eine gewisse Rolle zu übernehmen haben.
Die entscheidende Frage ist jetzt: Die Vereinigten Staaten bestehen darauf, daß - sobald ein Indikator einen bestimmten Punkt erreicht hat und eine
internationale Lagebeurteilung nicht zu dem Schluß führt, daß der Indikator
ein falsches Signal gesetzt hat - davon ausgegangen werden muß, daß das betreffende Land zu handeln hat, sofern nicht ein internationales Gremium eine
gegenteilige Entscheidung trifft. Andere Verhandlungsteilnehmer würden es
jedoch lieber sehen, wenn die Indikatoren nur generell auf die Notwendigkeit
hinweisen, daß ein Land handeln sollte.
Was die neuen Bestimmungen über Konvertierbarkeit und das Ausgleichssystem anbetrifft, so wird es das wichtigste Ziel sein, sicherzustellen, daß
keine nationale Währung in einem Ausmaß als Reservewährung benutzt wird, die
es dem betreffenden Lande ermöglichen würde, auf unbegrenzte Zeit hinaus Zahlungsbilanzdefizite auszuweisen. In der Vergangenheit sah sich zum Beispiel
der amerikanische Dollar in einer solchen Position.
Es besteht auch allgemein Übereinstimmung darüber, daß die Sonderstellung des Dollar beendet werden sollte und keine andere nationale Währung an
seine Stelle treten dürfe. Aber offensichtlich gehen die Meinungen immer
noch weit darüber auseinander, wie streng die Bestimmungen über eine weitere
Anhäufung nationaler Währungen für Reservezwecke gehandhabt werden sollen.
Ein

3

�Ein anderer noch offener Punkt ist die künftige Rolle der IWF-Sonderziehungsrechte. Alle Konferenzteilnehmer waren sich darüber einig, daß das Gold
wie auch der Dollar in dem künftigen internationalen Währungssystem eine geringere Rolle spielen sollten. Doch hinsichtlich der Rolle der Sonderziehungsrechte, die an deren Stelle treten würden, blieben zahlreiche Fragen
offen.
Auch hinsichtlich der gegenwärtig im Ausland vagabundierenden US-Dollar
wußte die Konferenz noch keine endgültige Antwort zu geben. Diese Frage kann
praktisch erst im Zusammenhang mit einer Entscheidung über Sonderziehungsrechte gelöst werden. Und bei der Frage, in welchem Zusammenhang die Zuteilung von Sonderziehungsrechten und die Hilfe an die Entwicklungsländer zu
sehen sei, die auf der Tagung erörtert worden war, gehen die Ansichten noch
weit auseinander. Zahlreiche Entwicklungsländer wünschen direkte Sonderzuteilungen von Sonderziehungsrechten als Entwicklungshilfe. Andere Länder möchten
den internationalen Finanzierungsgremien Sonderziehungsrechte zugeteilt wissen. Und wieder andere Länder sind gegen jede derartige Bindung, weil sie be?fürchten, daß dadurch die Rolle der Sonderziehungsrechte als internationale
Reservewährung beeinträchtigt wird.
I

Die Stellvertreter werden die offenen Fragen nunmehr am 30. und 31. Juli
ihren Ministem vortragen, die sie erörtern, aber über die sie noch nicht
entscheiden werden. Auch ist im Anschluß an die Ministertagung nicht mit einem
Kommunique zu rechnen. Doch werden die Finanzminister unmittelbar vor der Jahrestagung des IWF in Nairobi, wahrscheinlich am 22. und 23. September, erneut
zusammenkommen, und auf dieser Sitzung hoffen sie dann, die meisten der anstehenden Fragen lösen zu können. Doch auch dann, wenn auf dieser Septemberkonferenz der Finanzminister eine allgemeine Übereinstimmung erzielt wird,
dürfte es noch eines weiteren Jahres technischer Vorbereitungen bedürfen, bis
die Verträge abschlußreif sind. Doch können zahlreiche wichtige Punkte bereits
lange vor der offiziellen Bestätigung in Kraft gesetzt werden. Morse konnte
also am 13. Juli mit Recht sagen, daß die Verhandlungen nunmehr in ein wichtiges Stadium eintreten.

+++

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Wirtschaft

Service

Postfach

300

T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

27/1973
USA RECHNEN FÜR 1973 MIT WESENTLICH HÖHEREN ERNTEERTRÄGEN
Von John Uhler

WASHINGTON — ( A D ) — Die diesjährige Ernte in den Vereinigten Staaten
wird bei den meisten Agrarprodukten weitaus höhere Erträge als 1972 erbringen. Nach Ansicht maßgebender Regierungsstellen ist es jedoch noch zu
früh, jetzt bereits sagen zu können, ob die tatsächlich erzielten Ernteerträge ausreichen werden, um den einheimischen Bedarf wie auch die inter»
nationale Nachfrage voll befriedigen zu können. Eine Entscheidung darüber,
inwieweit nach dem Einbringen der Ernte die Exportbeschränkungen noch beibehalten werden müssen oder ob sie voll aufgehoben werden können, ist kaum
vor dem 9. August zu erwarten. Zur Zeit sind die Exporte von Sojabohnen
und Sojabohnenerzeugnissen Beschränkungen unterworfen, und bei 48 weiteren
Agrarerzeugnissen sind die Exporteure gehalten, alle Exportaufträge zu
meiden.
Nach den am 10. Juli vom amerikanischen Landwirtschaftsministerium veröffentlichten neuesten Ernteschätzungen wird für Mai bei einer um neun Prozent größeren Anbaufläche mit rund 150 Millionen metrischen Tonnen ein
um sechs Prozent höherer Ertrag als 1972 erwartet. Bei Sojabohnen ist die
Anbaufläche gegenüber dem Vorjahr um 22 Prozent und gegenüber 1971 sogar
um 31 Prozent erweitert worden, während die Erträge mit rund 43 Millionen

-1-

�43 Millionen metrischen Tonnen um 24 Prozent über der vorjährigen Ernte
liegen dürften. Dagegen ist bei Upland-Baumwolle die Anbaufläche um sechs
Prozent zurückgegangen; sie liegt aber immer noch um sechs Prozent höher
als 1971. Bei Weizen wird eine Ernte von 47 Millionen metrischen Tonnen
erwartet; 13 Prozent mehr als im Vorjahr und 8 Prozent mehr als 1971.
Auch Tabak dürfte bei einer um 5 Prozent erweiterten Anbaufläche mit rund
520 000 Tonnen einen um 13 Prozent höheren Ertrag als im Vorjahr erbringen.
Die nächste Erntevoraussage des US-Landwirtschaftsministeriums wird
für den 9. August erwartet. Die Landwirtschaft selbst hat die diesjährigen
Ernteaussichten, wie eine Umfrage vom 1. Juli ergab, zwischen gut und ausgezeichnet bezeichnet. Und ein führender Vertreter des Landwirtschaftsministeriums meinte dieser Tage, trotz Überschwemmungen, Treibstoff»und Düngemittelverknappungen sowie Transportengpässen hätten die Optimisten wieder
die Führung übernommen. Der Unterstaatssekretär im US-Landwirtschaftsministerium, Carroll Brunthaver, erklärte am 10. Juli sogar, "wenn das Wetter weiter gut bleibt, werden wir eine Rekordernte haben".
Aber auch bei Fleisch und Molkereierzeugnissen wird sich nach Ansicht
des Landwirtschaftsministeriums aufgrund der positiven Ernteschätzungen
eine Entspannung anbahnen. Bei einer sofortigen Aufhebung des Preisstopps
für Lebensmittel, so wird allerdings eingeräumt, dürften die Fleischpreise
gleich ansteigen. Längerfristig werde jedoch der inflationistische Druck
nachlassen, und eine gute Ernte dürfte dann mit Sicherheit auch eine Lockerung des Preisstopps in der Phase IV zulassen.
In diesem Zusammenhang wird von Seiten des Landwirtschaftsministeriums
erneut unterstrichen, daß die Sojabohnenexporte im laufenden Erntejahr
- trotz der gegenwärtigen, vorübergehenden Exportbeschränkungen - im 14.
aufeinanderfolgenden Jahr wieder einen neuen Höchststand erreichen werden,
wobei die Zuwachsrate gegenüber dem Erntejahr 1971/72 rund 19 Prozent betragen werde. Die Sojabohnenexporte würden sich auf 13,3 Millionen metrische Tonnen - 11,3 Millionen metrische Tonnen im vorangegangenen Erntejahr -

-2-

�Erntejähr - und bei Sojabohnenschrot auf 4,3 Millionen metrische Tonnen
- gegenüber 3,5 Millionen metrische Tonnen im letzten Erntejahr - stellen.
Dabei wird darauf hingewiesen, daß zum Beispiel die Nachfrage nach Sojabohnenschrot in den USA um 7 Prozent hinter dem letzten Jahr zurückgeblieben
sei. Aufgrund des gegenwärtigen Nachfragestosses aus dem Ausland, so wird
betont, hätten jedoch zur Sicherstellung des eigenen Bedarfs Exportkontrollen
verfügt werden müssen. Im Augenblick sei nicht ganz klar, ob ein Teil der
Auslandsnachfrage nicht spekulativer Natur sei, da sich der Handel angesichts der steigenden Preise rechtzeitig habe eindecken wollen. So seien
die Preise für Sojabohnenschrot von 100 Dollar pro metrische Tonne im Oktober 1972 auf 365 Dollar im Juni angestiegen und bis zum 10. Juli wieder auf
184 Dollar zurückgegangen. Gerade bei Sojabohnen, Weizen und Mais seien
aber Auslandskontrakte in einer beträchtlichen Größenordnung bisher noch
nicht realisiert worden. Es könne also theoretisch durchaus der

Fall ein-

treten, daß bei weiterer Ausweitung der Anbaufläche in den USA und steigenden Ernteerträgen bereits in einem Jahr wieder bei verschiedenen Agrarprodukten in den Vereinigten Staaten beträchtliche Überschüsse anfielen.

+-H-

-3-

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Wissenschaft
und

Service

Postfach

Telex:

Technik

300

08-85432

27/1973

MATERIALPOLITIK - SCHLÜSSELELEMENT EINER NEUEN "UMWELTETHIK"
-Arbeitsgruppe des US-Forschungsrates veröffentlicht Bericht "Mensch,
Materialien und Umwelt"— ( A D ) — Ein umfassender Bericht mit Empfehlungen zur Material-und industriellen Produktionspolitik, den die Arbeitsgruppe Umweltstudien des Nationalen
Forschungsrates der USA zusammengestellt hat, wurde kürzlich von der "National Commission on Materials Policy" in Washington veröffentlicht. Der Report mit dem Titel "Man, Materials and Environment" (Mensch, Materialien
und Umwelt) versucht unter Berücksichtigung internationaler, wirtschaftlicher, gesundheitlicher und versorgungstechnischer Aspekte der Probleme von
Umweltschutz und Rohstoffversorgung Richtlinien für eine Neuorientierung der
nationalen Politik auf Regierungs-und Wirtschaftsebene zu geben. In dem 227
Seiten starken Bericht wird eine "neue Umweltethik in bezug auf die Innenund Außenpolitik und bei öffentlichen und privaten Entscheidungen" gefordert, da "Energie, Materialien, Land, Wasser, Bevölkerung, Qualitätsminderung und Verschmutzung der Umwelt ein Geflecht ineinander verwobener Elemente darstellen, von denen keines gesondert und schon gar nicht im Zusammenhang mit politischen Grenzen betrachtet werden kann...".
Die Verfasser fordern u.a. eine Regierungspolitik, die der Verschwendung von so wichtigen chemischen Rohstoffen wie Mineralöl und Erdgas als
Ausgangsmaterialien für die Energieproduktion ein Ende bereitet. Als Energie-

-l-

�Energiequelle stehe z.B. Kohle, deren Aufbereitung zu sauberen Brennstoffen vorangetrieben werden müsse, ausreichend zur Verfügung. Die Vereinigten Staaten und die anderen Industrieländer müßten gewisse Vorstellungen
aufgeben oder zumindest ändern, die lange Zeit als richtungweisend galten;
1) Verwendung natürlicher Hilfsquellen entsprechend der Nachfrage
der Öffentlichkeit nach Waren und Dienstleistungen und dem Bestreben der
Produzenten, die Märkte auszuweiten;
2) die Vorstellung, daß steigende Produktionsziffern, Mehrverbrauch
pro Kopf der Bevölkerung von Industrieprodukten sowie höherer Verbrauch an
Materialien und Energie ein Maßstab für die Verbesserung der sozialen Verhältnisse seien;
3) daß technologische Entwicklungen so wie bisher auch künftig zum
pro Kopf-Materialbedarf beitragen und ihn sogar beschleunigen müßten.
Vielmehr sollten sich Regierung und Wirtschaft darauf konzentrieren,
Produkte von größerer Lebensdauer auf den Markt zu bringen anstatt ihr Veralten

schon von vorneherein einzuplanen. Sie sollten ferner durch die Ver-

wendung bestimmter Materialien und Produktionsverfahren den Einsatz von Gebraucht-und Altmaterial erleichtern und die Interessen der Konsumenten auf
Produkte lenken, die zu einer Verringerung der Umweltbelastungen führen können. Die Kosten für den Umweltschutz sollten bei allen Industrieprodukten
von vorneherein einkalkuliert werden. Die mit einer solchen Neuorientierung
einhergehenden Veränderungen der Produktionsmaschinerie, die Abkehr von der
bisherigen Konzentration auf knappe Rohstoffe und von dem rapide steigenden
Energieverbrauch sowie die Anpassung an Normen, die der Umweltschutz einfach
verlange, seien nicht gleichbedeutend mit sinkendem Lebensstandard, Rückgang der Produktion und der Beschäftigtenzahl. Wirtschaftliches Wachstum sei
so betont der Bericht, auch unter diesen neuen Aspekten gesichert, vor allem
auf den Sektoren, wo Umweltschutz gebührend berücksichtigt werde. Allerdings
sei im Laufe der Zeit mit erheblichen Schwerpunktverlagerungen auf dem Arbeitsmarkt zu rechnen.

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Wissenschaft
und

Service

Postfach

Technik

300

T e I e x : 0 8 - 8 54 32

27/1973

SKYLAB-RADAR MISST STURMWELLEN
-Synchronbeobachtungen von Bord eines Forschungsflugzeuges--(AD)-- In einer bisher einzigartigen "Versuchsanordnung" wurde der
Hurrikan Ava, der erste Wirbelsturm der diesjährigen Saison, im Ostpazifik, von Bord einer als fliegendes Laboratorium ausgerüsteten
C-130 und aus der SKYLAB-Raumstation gleichzeitig beobachtet. Das Forschungsflugzeug flog ca. 500 km südwestlich von Acapulco (Mexiko) in
das Sturmgebiet ein und führte eine Anzahl von Messungen in Höhen zwischen 150 und 3 000 m durch. Gleichzeitig passierte SKYLAB in 435 km
Höhe mehrmals diese Region.
Den Wissenschaftlern des US-Bundesamtes für Meeres-und Atmosphärenforschung ging es vor allem um die Klärung der Frage, in welchem Umfang
es möglich ist, aus dem Weltraum mit Radar und anderen Spezialinstrumenten den Seegang zuverlässig zu messen und Sturmgebiete auch unter diesem
Gesichtspunkt ausmachen zu können. Deshalb war die C-130 mit ähnlichen
Meßinstrumenten ausgerüstet, wie sie sich auch an Bord der SKYLAB-Raumstation befinden und bei den bevorstehenden Missionen SKYLAB II und III
zur Erdbeobachtung eingesetzt werden sollen. Das Flugzeug gelangte in
150 m Höhe in die Sturmfront, flog dann weiter bis zu einem Bereich, in
dem 65 Knoten Windgeschwindigkeit gemessen wurden

und stieg anschlies-

send auf 3 000 m, um in das kreisrunde "Auge" des Orkans vorzustoßen.

-l-

�vorzustoßen. Über die kurze Strecke von nur 16 km steigerten sich die
Windgeschwindigkeiten von 60 auf 130 Knoten.
Der Hurrikan Ava, der weder Land berührte noch irgendwelchen Schaden
anrichtete, machte sich am 2. Juni ca. 350 km südlich von Salina Cruz in
Mexiko zum ersten Mal als Wirbelsturm bemerkbar. Er wanderte bis zum 8. Juni
in westlicher Richtung, um anschließend nach West-Nordwest zu drehen, wobei er sich immer weiter abschwächte. Am 6. Juni registrierte ein Wetterflugzeug der US-Luftstreitkräfte im Sturmzentrum (Durchmesser 27 km) den
extrem niedrigen Druck von 915 Millibar. Als maximale Windgeschwindigkeit
wurden 140 Knoten gemessen. Ava zählt demnach zur Kategorie der Superhurrikane.
Bei den Radar-und Laserausrüstungen zur Höhenmessung an Bord des Flugzeuges und von SKYLAB handelt es sich um aktive Sensoren. Als Wellenlänge
werden 1,4 Gigahertz und 13 Gigahertz benutzt ( 1 Gigahertz=l Milliarde
Schwingungen pro Sekunde). Für Funkwellen im 1,4-Gigahertz-Bereich sind mit
Wasser beladene Sturmwolken völlig, für 13 Gigahertz begrenzt "durchsichtig",
so daß durch Abtasten der Wasseroberfläche die Höhe der Wellenberge und
die Rauhigkeit der See ermittelt werden kann. Die Messungen ergaben im offenen Meer maximale Wellenhöhen von 12 m in etwa 160 km Abstand vom "Auge"
des Hurrikans. Auffallend war eine unerwartet starke Schaumbildung an der
Wasseroberfläche, die ein passives Mikrowellen-Meßinstrument ausmachte. Dieses Phänomen ist nach Meinung der Wissenschaftler für die bei einem Wirbelsturm auftretenden Wechselwirkungen zwischen Meer und Atmosphäre besonders
aufschlußreich.

-2-

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Wissenschaft
und
Technik

Service

Postfach 300

T e I e x : 08 - 8 54 32

27/1973
EINFACHER BLUTTEST AUF BLEIVERGIFTUNG
--(AD)-- Wegen der verhältnismäßig großen Menge an venösem Blut, das für
eine Untersuchung auf Bleivergiftung erforderlich ist, bereitet es bei
Kindern, vor allem bei Kleinkindern, oft große Schwierigkeiten, die notwendigen Untersuchungen vorzunehmen. Toxische Industrieabgase oder auch
Bleifarben, wie sie als Anstrich in den Wohnungen von alten Stadtvierteln
noch angetroffen werden, sind die Ursachen für solche Vergiftungen, die
beispielsweise allein im Staate New York 380 000 Kinder im Alter zwischen
1 und 5 Jahren gefährden.
Um Massenuntersuchungen an diesen Kindern durchführen zu können, entwickelten Dr. Douglas G. Mitchell, Dr. Kenneth M. Aldous und Dr. Gordon
B. Patrie vom Gesundheits-Department des Staates New York einen neuen,
gegenüber früheren Verfahren erheblich vereinfachten Bluttest auf Blei.
Und da dafür nur ein paar Blutstropfen aus der Fingerspitze genügen, sind
nicht nur die technischen, sondern auch die psychologisch bedingten Schwierigkeiten wesentlich geringer als bei der Anwendung des bisherigen Verfahrens. Denn die Angst der Kinder vor der Prozedur der Blutentnahme bewog
manche Eltern, die Untersuchung zu meiden.
Mit Hilfe eines Analysenautomaten und der Auswertung der Ergebnisse
durch einen Computer wird bei dem neuen Verfahren der Bleispiegel im Blut
schnell, zuverlässig und mit geringeren Laborkosten als bei allen bisher

-1-

�bisher angewandten Meßverfahren bestimmt. Für die Vorarbeiten leisteten die
Medizinischen Bundesforschungsanstalten der USA (N1H) erhebliche Zuschüsse.
Da bei Kindern leicht die Gefahr besteht, daß das Analysenergebnis
bei einer Blutabnahme an den Fingerspitzen trotz vorausgegangener Reinigung
durch Schmutz-oder Fremdstoffe auf der Haut verfälscht wird, gingen die
New Yorker Ärzte dazu über, zuvor eine Schicht Kollodium aufzusprühen. Nachdem diese getrocknet ist und einen Film gebildet hat, ist es überaus einfach, mit der Blutlanzette diesen Film und die Haut zu durchstechen und ein
paar Blutstropfen aus der Fingerspitze zu drücken, ohne daß dabei Fremdstoffe in die Blutprobe gelangen. Der Test wurde sowohl an Erwachsenen
als auch an Kindern von ein bis sieben Jahren erprobt, wobei sich die oben
beschriebene Technik als die günstigste erwies.
Ein weiterer Vorteil ist die Schnelligkeit, in der die Analyse im
Laborautomaten durchgeführt wird. Von der Verdampfung der Probe bis zum
ausgedruckten Ergebnis vergehen nur 10 Sekunden. Das Verfahren soll jetzt
im gesamten Staat New York angewendet werden. Wie die bisherigen Ergebnisse von Tests auf Blei zeigen, war bei 10 Prozent aller untersuchten Kinder der Bleispiegel gefährlich hoch.

+++

-2-

�BERICHTIGUNGEN

In der Nummer 26/1973 muß es in dem Beitrag von Eugene Brake
"US-Notenbank verfügt über beträchtliche Mittel zur Dollar-Stützung"
im zweiten Absatz letzter Satz richtig heißen: "Im Rahmen der Swap-Vereinbarungen könnten aber auch die ausländischen Notenbanken, falls
notwendig, Dollar bis zu einem Betrage von 17 980 Millionen Dollar
für etwaige Interventionen aufnehmen."

Lesen Sie bitte außerdem unter"Wissenschaft und Technik" die Überschrift des zweiten Artikels richtig:
US-Wissenschafts-und Technologiepolitik:

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="7702">
                <text>18.07.1973</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="7703">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="7704">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="14434">
                <text>Amerikadienst 18.07.1973</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="14435">
                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rogers gibt weltpolitischen Überblick&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus der Rede in Tokio vom 16. Juli -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rush: USA eindeutig gegen einseitige Truppenreduzierungen in Europa&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus der Erklärung des Stellvertretenden US-Außenministers -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schlesinger fordert glaubwürdige Abschreckung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Finanzminister erörtern noch offene Währungsfragen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Eugene Brake&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA rechnen für 1973 mit wesentlich höheren Ernteerträgen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von John Uhler&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Materialpolitik - Schlüsselelement einer neuen "Umweltethik"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Arbeitsgruppe des US-Forschungsrates veröffentlicht Bericht "Mensch, Materialien und Umwelt"&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;SKYLAB-Radar misst Sturmwellen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Synchronbeobachtungen von Bord eines Forschungsflugzeuges -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Einfacher Bluttest auf Blutvergiftung</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
</itemContainer>
