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                    <text>AMERIKA DIENST
V,DN

4

1 8 . F e b r u a r 1987

I N H A L T

HINTERGRUNDMATERIAL
Strategie zur Nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten
- Bericht der Reagan-Administration an den Kongreß Teil IV

Ein Sieg der Demokratie in Nicaragua liegt auch im
Interesse Europas
- Von Elliott Abrams, Stellvertretender Außenminister der
Vereinigten Staaten -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Leistungsfähig fürs 21. Jahrhundert
- Forscher als Partner der Industrie

Reform des naturwissen-

schaftlichen Unterrichts -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial
18. Februar 1987

V

STRATEGIE ZUR NATIONALEN SICHERHEIT DER VEREINIGTEN STAATEN
- Bericht der Reagan-Adminstration an den Kongreß Teil IV

IV. Die Verteidigungspolitik der
Vereinigten Staaten

Einleitung
Die Verteidigungspolitik der Vereinigten
Staaten erfordert Streitkräfte, deren Organisation, Zusammensetzung, Ausbildung
und Ausrüstung
auf Abschreckung
und, wenn nötig,
auch darauf ausgerichtet ist, in der
gesamten
Bandbreite möglicher Konflikte eine Aggression niederzuschlagen. Unsere Strategie zur nationalen

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Sicherheit, unsere weltweiten Zielsetzungen und die Art der Bedrohung
erfordern
die Bereitschaft, unsere
Interessen in einem so weiten Umkreis
wie möglich um Nordamerika zu verteidigen.
Demgemäß stützt sich unsere
Strategie erheblich auf die weitere
Stationierung einsatzbereiter Truppen
und wird von engen Beziehungen im
Bündnis
zusätzlich gefestigt.
Zur
Unterstützung dieser Beziehungen werden wir in Friedenszeiten auch weiterhin wichtige Vorne-Stationierungen
bei den Land- , See- und Luftstreitkräften in Europa, im Atlantik und im

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Pazifik vornehmen wie auch andere
Stationierungen in der westlichen Hemisphäre und im Indischen Ozean. Der
Gesamtumfang und die Zusammensetzung
unserer
Streitkräfte
werden
durch
diese Erfordernisse stark beeinflusst.
Wir sehen uns hier einer dynamischen und komplexen Herausforderung
gegenüber.
Bei
den
Streitkräften
bleibt ein erhebliches Ungleichgewicht in einigen wichtigen Bereichen
zugunsten der Sowjets bestehen. Darüber hinaus sind Staaten der Dritten
Welt zunehmend mit moderner und hochentwickelter militärischer Ausrüstung
bewaffnet.
Zum Abbau von Risiken für unsere
nationale Sicherheit ist ein umfassender
und phantasievoller Verbund
militärischer Fähigkeiten der Vereinigten Staaten und der Verbündeten
erforderlich.
Da unser politisches
und soziales Erbe gegen die Aufstellung und Unterstützung umfangreicher
Truppen in Friedenszeiten sprechen,
sind wir genötigt, mit Hilfe von Amerikas nationalem Talent für technologische Innovationen, dem Umfang und
der Vielfalt unserer heimischen Wirtschaft
und
der
Zusammenarbeit
im
Bündnis nach Sicherheit zu streben.
Die Vereinigten Staaten müssen Strategien für einen Wettbewerb mit den
Sowjets verfolgen, die unseren vergleichbaren Vorteil in diesen Bereichen betonen.
Das
gesamte
Spektrum
militärischer
Fähigkeiten der Vereinigten
Staaten sollte durch ein angemessenes
Gleichgewicht von Kampf- und Unterst ützungselelernenten
gekennzeichnet
sein und eine geeignete Mischung zwischen aktivem Dienst und Reserve darstellen.
Die
Vereinigten
Staaten
müssen
spezialisierte
Streitkräfte
unterhalten - von solchen, die zur
nuklearen
Abschreckung
erforderlich

sind bis hin zu Einheiten, die zur
Bekämpfung des Terrorismus zusammengestellt werden, und wir sollten ferner Streitkräfte für allgemeine Zwekke haben, die in der Lage sind, Konflikte von hoher Intensität durchzustehen und gleichzeitig wirksame Fähigkeiten für kleinere Auseinandersetzungen und Spezialoperati^rien aufrechterhalten.
Gleichzeitig
müssen
wir unsere Prioritäten bei der Verteidigung unter den konkurrierenden
Bedürfnissen nach Bereitschaft, Erhaltung, Modernisierung sowie Erweiterung
der
Streitkräfte
in
ein
Gleichgewicht bringen.
Die Streitkräfte der Vereinigten
Staaten müssen ferner durch Pläne,
Führungs- und Einsatzgrundsätze
und
Unterstellungsverhältnisse
unterstützt werden, die eine wirkungsvolle
Integration
und die Einbeziehungen
aller Elemente unserer militärischen
Macht bieten.
obwohl der mögliche
Gebrauch von Kernwaffen ein Bestandteil unserer gesamten militärischen
Strategie bleiben muß, sollten nukleare Streitkräfte niemals
lediglich
als
kostengünstige
Alternative
zu
konventionellen
Streitkräften
betrachtet werden.
Die Streitkräfte
der
Vereinigten
Staaten
sollten
schnell eingreifen können und größere
Krisen oder Konflikte abzuschrecken
in der Lage sein. Sie müssen ferner
im Falle eines Versagens der Abschreckung
die Fähigkeit besitzen,
den Umfang und die Intensität von
Kampfoperationen zu erhöhen und wenn
nötig, den Konflikt zu für die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten
günstigen Bedingungen zu beenden.
Die Vereinigten
Staaten müssen
effektive und robuste Kräfte der Reserve und der Nationalgarde unterhalten, deren Ausbildungs- und Ausrüstungsniveau
ihren
Aufträgen
im
Kriegsfall angemessen sind, wie auch

�eine Küstenwache und andere Einheiten, die die Aufrechterhaltung der
nationalen
Sicherheit
unterstützen.
Die Vereinigten Staaten müssen ferner
ihre Fähigkeiten verbessern, Arbeitskräfte oder industrielle Ressourcen,
denen eine Schlüsselfunktion zukommt,
zu erhöhen oder zu mobilisieren, um
im Fall von Krisen oder Krieg den
wirkungsvollsten Einsatz verfügbarer
strategischer Warnsysteme zu planen.

Ausnutzung amerikanischer
und sowjetischer Schwäche

Stärke

Einer der wichtigsten Grundsätze
unserer Verteidigungspolitik besteht
darin, daß die Vereinigten Staaten
mit der Sowjetunion keinen Gleichstand bei den Waffen anstreben. Wir
werden vielmehr daran arbeiten, die
zahlenmäßige
Überlegenheit der Sowjetunion zu überwinden, indem wir
die den Bündnissen, die sich aus demokratischen, industrialisierten Länder mit freier Marktwirtschaft zusammensetzen, immanente Stärke maximal
ausnutzen.
Technologie:
Die
Vereinigten
Staaten und Ihre Verbündeten genießen
gegenüber der Sowjetunion in den meisten Bereichen der militärischen Anwendung anhaltende Überlegenheit auf
technologischem Gebiet. Dieser technologische Vorteil ergibt sich aus
der grundlegenden Natur unserer beiden Gesellschaftssysteme.
Der den
Westen charakterisierende Geist der
Forschung und der freie Informationsfluß
bringen
es unweigerlich
mit
sich, daß Technologie und Innovation
in größerem Umfang blühen als sie
dies in einer geschlossenen Gesellschaft tun würden.
Die Vereinigten
Staaten und ihre Verbündeten genießen
einen
einzigartigen Vorteil, nicht
nur bei der Erfindung, sondern auch
bei der praktischen Nutzung moderner

Technologien.
Gesellschaften
mit
wettbewerbsfähigen, freien Unternehmen sind immer leistungsfähiger als
Volkswirtschaften mit zentraler Planung, wenn es darum geht, Innovation,
Wachstum
und die Anwendung
neuer
Technologien in einer ganzen Reihe
von Bereichen zu fördern.
Die Technologie hat eine zweifache Auswirkung auf unsere nationale
Sicherheit. Erstens trägt die Fähigkeit zur Nutzung und Anwendung von
Technologie
zur
allgemeinen
wirtschaftlichen Gesundheit der Vereinigten Staaten
und ihrer Verbündeten
bei, die ihrerseits ein Schlüsselelement für nationale Macht ist. Zweitens
fördert die Ausnutzung eines
technologischen Vorteils direkt die
Verteidigung.
Präzisionsgesteuerte
Munition hilft uns zum Beispiel dabei, den großen sowjetischen Vorteil
bei den Panzereinheiten wettzumachen.
Unsere
zur
Tarnung
entwickelte
("stealth") Technologie hilft uns bei
der Bekämpfung massiver sowjetischer
Investitionen
in die Luftverteidigung.
Fortschritte bei Technologien
zur Bekämpfung von U-Booten und solche für geräuscharme U-Boote helfen
uns bei der Erhaltung der maritimen
Überlegenheit trotz einer zahlenmäßigen Überlegenheit
der sowjetischen
Marine.
Die vielleicht bedeutungsvollste Tatsache ist, daß der amerikanischen
Durchbruch
bei ComputerTechnologie und Software für das gesamte Spektrum der Kriegführung militärisch bedeutsam ist.
Die Sowjets sind sich natürlich
des westlichen Vorteils im Bereich
der Technologie bewußt und haben massive Bemühungen unternommen, um westliche Technologie zu erwerben und zu
nutzen.
Es ist daher ein unerläßlicher Bestandteil unserer Verteidigungspolitik, den Technologietransfer
zu kontrollieren und der Geheimhal-

- 3 -

�tung unterliegende Informationen, die
sich auf militärisch nutzbare Technologie beziehen, zu schützen.
Unter
Berücksichtigung dieser Kriterien haben wir erhebliche Anstrengungen unternommen, um unsere Pläne und Fähigkeiten in den Bereichen der Nationalen Abschirmung und Gegenmaßnahmen zu
verbessern, wie ich bereits in meinem
Bericht an den Kongreß von November
1986 dargelegt habe.
Wettbewerbsstrategien:
Wettbewerbsstrategien zielen darauf ab, unseren
technologischen
Vorteil
auf
eine überlegte und systematische Art
und Weise zu nutzen, mit dem Ziel,
daß die Sowjets in Bereichen militärischer Anwendung weniger leistungsfähig und weniger wirkungsvoll konkurrieren.
Mittels solcher Strategien
wird versucht, Teile der gewaltigen
sowjetischen
Militärmaschinerie
schneller veralten zu lassen und die
Sowjets zu zwingen, ihre Ressourcen
auf eine ihnen nicht weniger angenehme Art und Weise anzuwenden wie
auch auf eine Art, die nicht notwendigerweise unsere eigenen Streitkräfte
bedroht.
Die
Tarntechnologie
z.B., kann einen erheblichen Teil des
Luftverteidigungspotentials
veralten
lassen und macht es notwendig, daß
die Sowjets ihre Mittel von Offensivwaffen auf Defensivwaffen umverteilen. Der Beitrag, den neue Technologien für unsere Wettbewerbsstrategien
leisten können, muß bei Beschaffungsentscheidungen
im
Verteidigungsbereich ausdrücklich in Betracht gezogen werden.
Bündnisse: Einen dritten Bereich
amerikanischer
Stärke
und
sowjetischer Schwäche stellen die Bündnisbeziehungen dar. Während die Sowjetunion ein Reich regiert, das in den
vergangenen vierzig Jahren mehrmals
Schauplatz bewaffneter Aufstände geworden
ist, sind
die Vereinigten
- 4

Staaten Führungsmacht eines freiwilligen Zusammenschlusses gleichwertiger Staaten.
Die Verbündeten der
Vereinigten Staaten, besonders unsere
NATO-Partner,
tragen
einen
großen
Teil zur gesamten militärischen Stärke des Westens bei. In Anerkennung
dieses Beitrags gründet sich unsere
Verteidigungspolitik auf die grundlegende Annahme, daß wir nicht im Alleingang, sondern zusammen mit unseren Verbündeten rund um den Erdball
auf der Basis ausgewogener Lastenteilung, danach streben, die sowjetische
Macht auszugleichen.
Innerhalb der NATO heißt das, daß
wir unsere erhebliche Unterstützung
der Bemühungen im Bündnis fortsetzen
müssen, mit deren Hilfe das gesamte
konventionelle
Gleichgewicht
im
Westen verbessert werden kann. Dazu
gehören auch angemessene wirtschaftliche und militärische Hilfe für die
Verbündeten an der wichtigen Südflanke der NATO.
Das bedeutet ferner,
wir müssen den Beitrag der NATO-Partner in unsere Strategie integrieren die Vereinigten Staaten haben ja keine separate militärische
Strategie
zur Verteidigung Europas, sondern sie
sind ein Partner in der Abschreckungund Verteidigungsstrategie des NATOBündnisses.
Außerhalb Europas streben die Vereinigten Staaten nach engen Beziehungen mit Ländern rund um
den Erdball, helfen befreundeten und
verbündeten Ländern dabei, ihre militärischen Fähigkeiten zu verbessern
und ermutigen sie gleichzeitig dazu,
bei ihrer eigenen Verteidigung eine
größere Rolle zu spielen.
Die Stärke des Einzelnen: Einer
unserer größten Vorteile im Wettbewerb mit der Sowjetunion liegt in unserem Volkscharakter begründet. Westliche Gesellschaften mit ihrer Betonung der Bedeutung des Einzelnen stehen dem repressiven System des so-

�wjetischen staatens diametral entgegen.
Die Initiative, der Unternehmungsgeist und die Motivation freier
Völker bilden eine Quelle erheblicher
Stärke, wenn Individuen im Kampf der
höchsten Prüfung unterworfen werden.
Obwohl es sich hier um immaterielle
Werte handelt, stellen diese Qualitäten einen wichtigen Vorzug dar, mit
dem es die Sowjets nicht aufnehmen
können.
Die
Verteidigungspolitik
geht darauf ein, indem sie Wert legt
auf Integration der Einheiten und auf
Führung, während
unsere Ausbildung
und Taktik der Initiative des Einzelnen und der aggressiven Nutzung von
Chancen großen Wert beimißt.

Grundlage durch unsere strategischen
Streitkräfte und die sie unterstützende Doktrin. Nukleare Abschreckung
verlangt wie jede andere Art der Abschreckung auch von uns, nicht zu bedenken, was uns abschrecken würde,
sondern was die Sowjets abschrecken
könnte, weil deren Vorstellung von
der Welt wie auch ihr Wertesystem von
den
unseren grundverschieden
sind.
Da wir niemals völlige Sicherheit
über die sowjetischen Vorstellungen
gewinnen
können, ist es ungeheuer
wichtig, daß die Wirksamkeit unserer
strategischen Fähigkeiten - und unser
Wille, auch von ihnen Gebrauch zu
machen - niemals in Zweifel gezogen
werden.

Aufrechterhaltung der strategischen Abschreckung

Im Interesse einer
gesicherten
Abschreckung
unterhalten
die Vereinigten Staaten ein breites Spektrum
strategischer Waffen, um einen entwaffnenden Erstschlag zu umgehen, sowjetische Angriffspläne zu erschweren
und sich gegen technologosche Überraschungen zu wappnen, die einen Teil
unserer
strategischen
Streitkräfte
bedrohen könnten.
Deshalb unterhalten wir eine Anzahl von Stationierungsformen, Abschußrampen
und Angriffsträgern. Durch eine Triade von
SLBMs, ICBMs und Bombern gewährleisten wir Vielfalt.
Angemessene und
über lebensfähige
Führungseinrichtungen sind ein grundlegendes Element
der
Struktur
unserer
strategischen
Streitkräfte und entscheidend für die
Glaubwürdigkeit unserer strategischen
Abschreckung.

Abschreckung
ist
der
grundlegendste Bestandteil unserer Verteidigungspolitik und Grundpfeiler unserer
Beziehungen im Bündnis. Mittels Abschreckung sollen nicht nur konventionelle und nukleare Angriffe auf
die Vereinigten Staaten verhindert,
sondern ein solcher Schutz muß auch
für unsere Verbündeten gelten. Abschreckung kann am besten erreicht
werden, wenn durch unsere Verteidigungshaltung die Sowjets oder ein anderer Gegner das Ergebnis eines Krieges als so gefährlich und unsicher
einschätzen, daß dadurch jeder mögliche Anreiz zum Beginn eines Konflikts genommen wird.
Abschreckung
hängt sowohl von nuklearen als auch
von konventionellen Fähigkeiten ab,
ferner vom Beweis eines starken Willens, wenn es notwendig sein sollte,
militärische Macht zur Verteidigung
unserer
lebenswichtigen
Interessen
einzusetzen.
Obwohl Abschreckung
Fähigkeiten
für das gesamte Konfliktspektrum erfordert, so erhält sie ihre wichtige

Unsere strategischen Streitkräfte
und die damit verbundene Zielplanung
müssen einer jeglichen Berechnung zufolge so aufgefaßt werden, daß dadurch nukleare Kriegführung zu einer
unannehmbaren und wenig einträglichen
Aussicht für die sowjetische Führung
wird. Demgemäß muß unsere Strategie:

- 5 -

�- den Sowjets die Fähigkeit verwehren, wichtige militärische Zielsetzungen zu erlangen, indem wir
die
sowjetische
Fähigkeit
der
Kriegführung einem Risiko unterwerfen. Das schließt die gesamte
Bandbreite sowjetischer militärischer Kräfte ein wie auch die
Industriezweige, die Kriegsmaterial liefern, so den Grundstein
für die sowjetische Militärmacht
legen und dadurch die sowjetische
Fähigkeit zur Durchführung eines
langwierigen Konflikts unterstützen.
- diejenigen
politischen
Gebilde
gefährden, die die wichtigsten
Stützen der sowjetischen Führung
sind: den Mechanismen zur Sicherung der Uberlebensfähigkeit der
kommunistischen Partei und ihrer
Führungskader und zur Erhaltung
der Kontrolle über die sowjetischen Völker und die des Sowjetsblocks seitens der Partei.
Diese grundlegende Strategie, die
auf solche Bereiche abzielt, die für
die sowjetische Fähigkeit der Kriegführung wie auch zur politischen Kontrolle
unerläßlich
sind,
bestimmt
seit mehreren Jahren die Politik der
Vereinigten Staaten. Bei der Anwendung dieser Strategie stellt für die
Vereinigten Staaten nicht die Bevölkerung
das
eigentliche
Ziel dar;
vielmehr ist sie darauf ausgerichtet,
Begleitschäden
durch
zielgenauere
Waffen mit geringerem Detonationswert
so klein wie möglich zu halten.
Wir können es nicht zulassen, daß
sich irgendein Präsident einer Situation gegenübersieht, in der die einzig mögliche Reaktion auf einen Angriff in Kapitulation oder massiver
Zerstörung besteht.
Deshalb

müssen

die

Vereinigten

Staaten zusätzlich zur Verunsicherung
in den für die sowjetische Führung
wichtigen Bereichen bei der Verwendung ihrer strategischen Streitkräfte
flexibel sein. Es ist wichtig, daß
uns bei einer Reaktion Optionen offenstehen, die der ganzen Bandbreite
möglicher
Situationen
angemessen
sind. Diese Fähigkeit zur flexiblen
Reaktion unterstützt die Glaubwürdigkeit unserer Abschreckung, indem sie
den Sowjets klar vor Augen führt, daß
die Vereinigten Staaten eine Reihe
militärischer Optionen haben, mit deren Hilfe sie auf einen Angriff reagieren könnten.
Schließlich
brauchen
die Vereinigten Staaten auch eine genügend
starke Restfähigkeit, um Einfluß auf
die baldige Beendigung eines Krieges
nehmen zu können und Unterwerfung in
einer Welt nach einem solchen Konflikt zu vermeiden. Aus diesem Grunde unterhalten wir eine nukleare Reserve als integralen Bestandteil unserer
strategischen
Streitkräfte.
Wir unterhalten ferner Programme, die
Kontinuität
der
Regierungsgeschäfte
sichern, als wesentlichen Bestandteil
der
Abschreckung, um
den
Sowjets
klarzumachen, daß sie nicht nach einem schnellen "Enthauptungs"-Angriff,
der darauf abzielt, die politische
und militärische Führung der Vereinigten Staaten zu lähmen, der Vergeltung entgehen können.
Diese Fähigkeiten implizieren jedoch nicht, daß die Bereitschaft der
Vereinigten Staaten darauf aus sind,
in einem Nuklearkrieg zu kämpfen.
Ich habe wiederholt betont, daß ein
Nuklearkrieg
nicht gewonnen werden
kann
und
niemals
gekämpft
werden
darf. Aber wir streben danach, einen
Gegner mit einer ganz anderen Einstellung als unserer abzuschrecken einer Einstellung, die der Fähigkeit
zur Führung eines Nuklearkrieges gro-

�ße Bedeutung beimißt.
Es ist unerläßlich, daß die Sowjets verstehen,
daß sie unter keinen vorstellbaren
Umständen
ihre Zielsetzungen durch
eine nukleare Kriegführung verwirklichen können. Um dies zu erreichen,
müssen wir
sicherstellen, daß man
dort klar einsieht, daß die Vereinigten Staaten die Fähigkeit besitzen,
auf jedweden sowjetischen Versuch zur
Führung eines Nuklearkriegs angemessen zu reagieren, und daß wir die
Mittel besitzen, dies auf eine Weise
zu tun, die den sowjetischen Zielsetzungen eine Niederlage beibringt, ohne notwendigerweise massive Schläge
mit Nuklearwaffen herbeizuführen.
Strategische Verteidigung: Unsere Politik der flexiblen Reaktion und
der Abschreckung durch Androhung offensiver Vergeltung hat die Sicherheit der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten seit Jahrzehnten bewahrt. Gleichzeitig hat die sowjetische
strategische
Aufrüstung
das
Fundament bedroht, auf dem die Abschreckung seit langem ruht. Für die
Zukunft bietet die Strategische Verteidigungsinitiative der Vereinigten
Staaten
eine Möglichkeit, die Abschreckung durch ein größeres Vertrauen in eine strategische Verteidigung auf eine sicherere und stabilere
Basis zu stellen.
Eine solche Verteidigung,
die
niemanden
bedroht,
könnte
die
Abschreckung
erheblich
verbessern, indem sie die sowjetische
Einschätzung der Fähigkeit zur Erlangung wesentlicher militärischer Zielsetzungen bei einem Erstschlag wesentlich
unsicherer
macht.
Eine
"lückenlose" Verteidigung wäre zu Anfang nicht erforderlich, um den Sowjets ihr Vertrauen auf die Erziehung
bedeutsamer
militärischer
Ziele zu
nehmen.
Sogar weniger perfekte Verteidigungssysteme könnten die Stabilität erheblich erhöhen, indem sie
überzeugende Anreize für einen so-

wjetischen Erstschlag ausschalteten.
Bei der Beurteilung der Eignung des
Systems für eine baldige Stationierung werden wir uns auch weiterhin
von den Kriterien der militärischen
Wirksamkeit, überlebensfähigkeit und
am Rande auch von der Kosten-Nutzenrechnung leiten lassen.
Indem wir den militärischen Wert
ballistischer
Raketen
abbauen
und
diese letztendlich überflüssig werden
lassen, würden die strategischen Verteidigungssysteme
Anreize
dafür
schaffen, daß die Sowjets bedeutungsvolle Rüstungskontrollabkommen akzeptieren. In einer Welt ohne ballistische Raketen wäre jedoch der Anreiz
für einen Betrug seitens der Sowjets
größer.
Strategische Verteidigungssysteme können diese Anreize wirkungsvoll zunichte machen, indem sie
die militärische Verwendbarkeit heimlich angehäufter Raketen ausschließen. Dadurch bieten sie die Aussicht
auf eine sicherere, stabilere Welt,
in der einschneidende Reduzierungen
bei strategischen Offensivwaffen sowohl verhandelbar als auch durchführbar werden.
Kurz gesagt ist es bei weiterer
Beschäftigung mit strategischen Verteidigungssystemen möglich, den bedeutungsvollsten Wandel in der Strategie zur Nationalen Sicherheit der
Vereinigten
Staaten seit Ende des
Zweiten
Weltkriegs
herbeizuführen.
Strategische
Verteidigungssysteme
würden, indem sie es uns gestatten,
von der Androhung massiver Zerstörung
zur Abschreckung einer Aggression abzurücken, das gesamte amerikanischsowjetische
strategische
Verhältnis
auf positive Art und Weise verändern
und somit die Sicherheit der Völker
beider Nationen wie auch ihrer Verbündeten erhöhen. Wir werden weiterhin versuchen, die Sowjets zu überzeugen, gemeinsam mit uns einen sta-

- 7 -

�bilen Übergang zu diesem vernünftigen
und erreichbaren Ziel zu erarbeiten.
Strategische
Modernisierungsprogramme der Vereinigten Staaten: Die
Fortsetzung einer Modernisierung des
strategischen Potentials ist unerläßlich zur Sicherung von verläßlicher
Abschreckung, Verbesserung der Stabilität und Schaffung einer sowjetischen Motivation, die notwendig ist,
um über einschneidende, beiderseitige
und verifizierbare Reduzierungen bei
strategischen Offensivwaffen zu verhandeln.
Obwohl wir der Anwendung
von Rüstungskontrolle als einem Bestandteil unserer Politik und einer
Verbesserung der Sicherheit der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten verpflichtet sind, wäre es doch
sehr gefährlich, einen Erfolg bei der
Rüstungskontrolle
vorwegzunehmen.
Die Vernachlässigung einer Modernisierung des strategischen Potentials
in Erwartung von Abkommen zum Rüstungsabbau hätte den umgekehrten Effekt einer geringeren Wahrscheinlichkeit solcher Abkommen, weil sie einen
der wichtigsten sowjetischen Anreize
für ein Abkommen verringern würden.
Die Geschichte zeigt, daß der demonstrierte Wille, ein militärisches
Gleichgewicht mit den Sowjets aufrechtzuerhalten und ihnen nicht zu
gestatten,
einen
bedeutungsvollen
strategischen Vorteil
zu erlangen,
die wesentliche Grundlage für ernsthafte
Rüstungskontrollabkommen
bildet. Es waren die Vereinigten Staaten, die das Ungleichgewicht korrigiert und so die Sowjets dazu gebracht haben, die wichtigen in Reykjavik diskutierten Verringerungen in
Betracht zu ziehen.
Auch wenn wir
bei der Erlangung der von uns angestrebten Abkommen Erfolg haben, werden die Vereinigten Staaten dennoch
weiterhin
modernisierte,
operativ
wirkungsvolle
und
überlebensfähige
- 8

Nuklearwaffen brauchen, um eine Abschreckung zu schaffen, Stabilität zu
fördern und sich während eines Übergangs zu neuen, geringeren Waffenniveaus gegen einen sowjetischen Betrug
oder deren Ablehnung abzusichern.
Die Sowjets
investieren
ihrerseits weiterhin heftig in ihre strategische Modernisierung und betonen
dabei
zielgenaue,
schnellfliegende
ballistische Flugkörper, die harte
Ziele zerstören können. Ihr Ziel ist
und bleibt die Erzielung einer wirkungsvollen entwaffnenden Erstschlagfähigkeit.
Sie haben immer danach
gestrebt, die Verbesserung der Uberlebensfähigkeit
ihrer
ICBMs
durch
Härtung
der
Silos
zu
verbessern.
Kürzlich haben sie dasselbe durch Mobilität zu erzielen versucht, einschließlich einer fortgesetzten Stationierung ihrer mobilen SS-2 5 und
der Vorbereitung
zur Stationierung
der schienengestützten SS-X-24.
Gleichzeitig investieren die Sowjets weiterhin fast denselben Betrag
in ihre strategischen Verteidigungsprogramme wie in die Modernisierung
ihrer Offensivwaffen.
Sie erweitern
und verbessern das einzige auf der
Welt stationierte ABM-System.
Sie
verletzen auch weiterhin den ABM-Vertrag durch ihren Radar in Krasnojarsk
und verbessern ihre Fähigkeit, durch
schnelle Stationierung eines landesweiten Raketenabwehrsystems aus dem
ABM-Vertrag auszubrechen.
Zu ihren
umfangreichen zivilen Verteidigungsprogrammen gehört ein ausgedehntes
und wachsendes Netz von unterirdischen Führungszentralen, die darauf
abzielen, im Falle eines Krieges die
überlebensfähigkeit
der
Kontrolle
seitens der kommunistischen
Partei
über den sowjetischen Staat, seine
Wirtschaft und seine Streitkräfte sicherzustellen.
Ihre
strategischen
Kommunikationssysteme sind in höch-

�schließlich
Stationierung
des
B-lB und die Nutzung der wichtigen Führungsrolle der Vereinigten
Staaten bei Technologien zur Tarnung durch Entwicklung moderner
Bomber und Marschflugkörper.

stem Maße widerstandsfähig, überlebensfähig
und
gegen
Auswirkungen
durch Nuklearwaffen resistent.
Ihre
aktiven und passiven Verteidigungssysteme, ihre hartnäckige Aufrüstung
bei den Offensivwaffen und ihre veröffentlichte
Militärdoktrin
liefern
Beweise für die sowjetischen Auffassung zur nuklearen Kriegführung und
unterstreichen die unbedingte Bedeutung, die Effektivität der amerikanischen
strategischen
Abschreckung
aufrecht zu erhalten.
Aus diesem Grunde haben wir 1981
das Strategische Modernisierungsprogramm aufgenommen, um die unbedingt
notwendige
Überlebensfähigkeit
und
Effektivität unserer eigenen Streitkräfte angesichts des fortgesetzten
qualitativen und quantitativen Steigerung
der
sowjetischen
Bedrohung
aufrechtzuerhalten.
Heutige Bestandteile dieses Programms, das im Rahmen
der Verteidigung unsere höchste Priorität bleibt, umfassen:

- Strategische
Verteidigungsprogramme, einschließlich SDI und
der
Luftverteidigungsinitiative,
um die seit langem bestehende
Vernachlässigung
von
Verteidigungsprogrammen
im
allgemeinen
wettzumachen und das Potential zu
nutzen, das uns die moderne Technologie zur radikalen Umgestaltung der Grundlage für die Abschreckung
bietet
und
um
den
Grundstein für ein sichereres und
stabileres strategisches Verhältnis mit der Sowjetunion zu legen.

Rüstungskontrolle

- Modernisierung
der
SLBM,
einschließlich Stationierung des UBoots vom Typ Trident sowie Entwicklung
und Stationierung der
Trident II-Rakete.

Rüstungskontrolle ist kein Ziel
an sich, sondern ein integraler Bestandteil unserer gesamten Strategie
zur Nationalen Sicherheit. Es sollte
als lediglich eines von mehreren Mitteln zur Verbesserung unserer nationalen Sicherheit und zur Förderung
unseres grundlegenden nationalen Interesses an einem überleben der Vereinigten Staaten als freie und unabhängige
Nation
betrachtet
werden.
Unsere Zielsetzungen im Bereich der
Rüstungskontrolle sind in unsere Außen- und Verteidigungspolitik
vollständig integriert und dienen gemeinsam
der Verbesserung
unserer
Abschreckung, dem Risikoabbau, der Unterstützung unserer Bündnisbeziehungen wie auch dazu, sicherzustellen,
daß die Sowjets keinen wesentlichen
einseitigen Vorteil über die Vereinigten Staaten erlangen.

- Kampfwertsteigerung
von
Bombern
und
Marschflugkörpern,
ein-

Auf dieser Auffassung
stungskontrolle als Beitrag

- Verbessertes
strategisches
Führungs- und
Kommunikationswesen,
um die rechtzeitige Warnung vor
einem Angriff und ein sicheres
Mittel zur Übermittlung von Befehlen zu einer Vergeltung an unsere
strategischen
Streitkräfte
sicherzustellen.
- Modernisierung der ICBMs, hauptsächlich
des
Typs
Peacekeeper
(MX) und kleiner ICBMs, die beide
eine verbesserte überlebensfähigkeit durch Mobilität haben werden.

- 9 -

von Rüzu einer

�starken nationalen Verteidigungshaltung basierend, wurde die Rüstungskontrollpolitik der Vereinigten Staaten seit Beginn dieser Regierung von
verschiedenen
grundlegenden
Prinzipien geleitet:
- Die Vereinigten Staaten streben
nur solche Abkommen an, die zu
ihrer Sicherheit und der ihrer
Verbündeten beitragen.
- Die Vereinigten
Staaten
wollen
Abkommen erzielen, mit deren Hilfe Waffen reduziert und nicht deren Zuwachs kodifiziert wird.
- Eine Erlangung von Abkommen über
einen weitgesteckten, einschneidenden und beiderseitigen Abbau
nuklearer
Offensivwaffen
stellt
im Bereich der Rüstungskontrolle
die höchste Priorität der Vereinigten Staaten dar.
- Innerhalb der Kategorie nuklearer
Offensivwaffen
räumen die Vereinigten Staaten dem Abbau der am
meisten destabilisierenden Waffen
Priorität ein: der schnell fliegenden, nicht-rückrufbaren
ballistischen Rakete.
- Die Vereinigten Staaten bestehen
auf Abkommen, die wirksam verifiziert und vollständig eingehalten
werden.
Rüstungskontrollabkommen
ohne wirksame Maßnahmen zur Verifizierung
sind
schlechter
als
überhaupt
keine Abkommen, weil
sie der Möglichkeit eines einseitigen sowjetischen Vorteils Vorschub leisten und bei der Planung
der Vereinigten Staaten und ihrer
Verbündeten ein falsches Gefühl
des Vertrauens hervorrufen könnten.
Diese Prinzipien stehen in krassem Gegensatz zum sowjetischen Ansatz

zur Rüstungskontrolle.
Die Sowjets
haben durch ihre Geschichte hinweg
danach
gestrebt,
den
Rüstungskontrollprozeß
dazu
zu nutzen, sich
durch Verschiebung des militärischen
Gleichgewichts zu ihren Gunsten einen
einseitigen Vorteil zu verschaffen.
Gleichzeitig strebten sie nach zusätzlichen Vorteilen, indem sie wichtige
Bestimmungen
bestehender
Rüstungskontrollabkommen
nicht
eingehalten haben und gleichzeitig sicher
sein konnten, daß die Vereinigten
Staaten sie nicht betrügen und sie
sich auf deren völlige Einhaltung
rechtskräftiger
Abkommen
verlassen
können.
Dieser Ansatz hat sich für die
Sowjets in der Vergangenheit wenigstens zum Teil als erfolgreich erwiesen.
Die
Rüstungskontrollabkommen
der 70er Jahre haben die planvolle
strategische Aufrüstung der Sowjets
größtenteils legitimiert, während sie
gleichzeitig die Modernisierung unserer eigenen Systeme eingeschränkt haben indem uns die öffentliche Unterstützung wichtiger strategischer Programme versagt blieb.
Typisch für
die Fehler der Vergangenheit ist der
SALT II-Vertrag, ein grundlegend mangelhaftes Abkommen, das nie ratifiziert wurde. Dieser in seinen wichtigen Bestimmungen unausgewogene und
nicht verifizierbare Vertrag war den
den Sicherheitsinteressen
der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten wie auch der Stabilität des strategischen Verhältnisses zwischen den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion abträglich.
So unzulänglich diese frühen Rüstungskontrollabkommen auch waren, so
wurden ihre Mängel durch die sowjetische Nicht-Einhaltung wichtiger Bestimmungen auf die Spitze getrieben ein Versagen, das auch heute noch besteht.
Sie verschlüsseln die mit

- 10 -

�ballistischen Raketen in Zusammenhang
stehenden
telemetrischen
Daten so,
daß
eine
Verifizierung
unmöglich
wird. Sie haben ferner einen verbotenen zweiten neuen Typ von ICBM, die
SS-25, geschaffen, wie auch die zahlenmäßige Beschränkung
bei strategischen Trägersystemen überschritten.
Die Sowjets haben ferner das SALT I
Interimabkommen verletzt, und im Hinblick auf den ABM-Vertrag stellt der
Radar von Krasnojarsk weiterhin eine
eindeutige Verletzung dar.

gen strategischer Offensivwaffen ein
Hauptziel
der
Vereinigten
Staaten
bilden, so engagieren wir uns auch
bei einer Reihe von Verhandlungen und
Diskussionen über andere Themen, wir
streben nur nach solchen Übereinkünften, die beiderseitig verifizierbar
sind und unsere Sicherheit wie auch
die unserer Verbündeten verbessern.

Als ein Ergebnis sowohl der Besorgnis der Vereinigten Staaten über
die Struktur von SALT als auch auf
Grund der mangelhaften Dokumentation
einer
sowjetischen Einhaltung habe
ich mich im Mai 1986 entschlossen,
daß die Vereinigten Staaten in Zukunft ihre Entscheidungen über den
Aufbau
ihrer
strategischen Streitkräfte von Art und Umfang der Bedrohung abhängig machen werden, die von
sowjetischen
strategischen
Streitkräften ausgeht und nicht von den Niveaus, die in einem mangelhaften,
nicht-ratifizierten und abgelaufenen
Vertrag niedergelegt sind, der von
den Sowjets wiederholt verletzt wurde.
Gleichzeitig
habe ich darauf
hingewiesen,
daß
die
Vereinigten
Staaten - wenn bei der Bedrohung, der
wir uns gegenübersehen, kein bedeutender Wandel eintritt - nicht mehr
strategische Trägersysteme oder nukleare
Gefechtsköpfe
stationieren
werden als die Sowjetunion.
Deshalb
werden sich die Vereinigten Staaten,
obwohl sie weiterhin eine angemessene
strategische Abschreckung sicherstellen, die größtmögliche Beschränkung
auferlegen, um die notwendige Atmosphäre für eine sowjetische Zustimmung zu einem bedeutsamen Abbau herbeizuführen.
Obwohl im Bereich der Rüstungskontrolle einschneidende Verringerun- 11 -

Insbesondere heißt das:
- Im Bereich nuklearer Mittelstrekkenwaffen (INF) streben wir nach
vollständiger
Abschaffung
einer
gesamten Waffenklasse: der landgestützten
Raketen
längerer
Reichweite
(LRINF).
Als Ubergangsziel wollen wir ein globales
Abkommen erzielen, bei dem sich
die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion
auf
jeweils
100
LRINF-Gefechtsköpfe
beschränken,
die im asiatischen Teil der Sowjetunion wie auch in den vereinigten Staaten stationiert werden sollen. Von keiner der beiden Seiten werden solche Stationierungen in Europa vorgenommen.
- Im Einklang mit unserer Überzeugung, daß die strategische Verteidigung eine sicherere, stabilere Grundlage für die Abschrekkung schaffen kann, wollen wir
die sowjetische
Zustimmung
für
einen ordnungsgemäßen Übergang zu
einer Welt erhalten, die verstärkt auf Verteidigung vertraut.
- Wir haben ein effektiv verifizierbares weltweites Verbot chemischer Waffen vorgeschlagen.
- Wir
streben nach Verhandlungen
zwischen den Bündnissen, um bei
den konventionellen Streitkräften
vom Atlantik bis zum Ural ein
stabileres Gleichgewicht zu erlangen. Solch ein Abbau muß ef-

�fektiv verifizierbar sein und die
geographischen
Ungleichheiten
zwischen
beiden Seiten berücksichtigen.
- Bei den Atomtests streben wir
nach wesentlichen Verbesserungen
bei der Verifizierung, die eine
Ratifizierung bestehender Verträge, wie des Schwellenvertrags und
des Vertrags über Atomexplosionen
zu friedlichen Zwecken erlauben.
Sobald unsere Besorgnisse ausgeräumt und der Ratifizierungsprozeß abgeschlossen ist, wären wir
umgehend dazu bereit, mit den Sowjets
in Verhandlungen darüber
einzutreten, wie ein schrittweise
durchgeführtes Programm zur Begrenzung und letztendlich zur Abschaffung von Atomtests angewandt
werden kann, in Zusammenhang mit
einem
Programm
zum Abbau
und
letztendlich zur Abschaffung aller Nuklearwaffen.
- Schließlich streben wir auch nach
einer Verbesserung der Stabilität
mittels
effektiverer
Maßnahmen,
die in Krisenzeiten Mißverständnisse vermeiden könnten. Wir haben bei solchen Maßnahmen Fortschritte bei der jüngst beendeten
Konferenz in Stockholm erzielt.

ben werden, die ich dem Kongreß über
die sowjetische Nicht-Einhaltung vorgelegt habe.
Bei meinem Treffen mit Generalsekretär Gorbatschow im Oktober 1986
in Island wurde ein solider Fortschritt erzielt, um im Bereich der
Rüstungskontrolle die Ziele der Vereinigten Staaten zu erreichen.
Bei
unserem Zusammentreffen einigten wir
uns in etwa auf einen 50prozentigen
Abbau
strategischer
Offensivwaffen
und auf einen drastischen weltweiten
Abbau von Mittelstreckenrakten (INF).
Mittelfristig werden wir unsere Aufmerksamkeit auf die Erarbeitung einer
Übereinkunft in diesen Bereichen konzentrieren.
Im Einklang mit unserer
Priorität des radikalen Abbaus der am
meisten
destabilisierend
wirkenden
strategischen Systeme - als Reaktion
auf den sowjetischen Wunsch nach einer 10jährigen Verpflichtung auf den
ABM-Vertrag - schlugen wir vor, solch
eine Verpflichtung bis 1996 zu akzeptieren. In dieser Zeit würde die im
ABM-Vertrag
genehmigte
Forschung,
Entwicklung
und
Erprobung
fortgesetzt.
Die vorgeschlagene Übereinkunft sieht ferner vor:

In all diesen Bereichen sind wir
der
Überzeugung, daß wirkungsvolle
Verifizierung ebenso wichtig ist wie
speziell
ausgehandelte
Obergrenzen;
über beide sollte gleichzeitig verhandelt werden.
Wir können keine
Verpflichtungen akzeptieren, die unsere militärischen Programme begrenzen, bis wir nicht die sowjetische
Einhaltung ebendieser Verpflichtungen
wirkungsvoll
verifizieren
können.
Das ist besonders wichtig angesichts
des
fortgesetzten
Musters
sowjetischer Vertragsverletzungen, wie sie
in verschiedenen Berichten beschrie- 12 -

- einen 50prozentigen Abbau strategischer Offensivwaffen der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion in den ersten fünf Jahren
des Zehnjahreszeitraumes
- die Abschaffung aller amerikanischen und sowjetischen ballistischen Offensivraketen jeglicher
Reichweite in den nächsten fünf
Jahren.
- das Abkommen, daß jede Seite nach
Ablauf
des
ZehnJahreszeitraumes
moderne
strategische
Verteidigungssysteme stationieren könnte,
wenn
nichts
Gegenteiliges
von
beiden Seiten vereinbart wird.

�Es ist noch zu früh, um den zukünftigen Kurs der Rüstungskontrolle
nach Reykjavik vorherzusehen. Vieles
hängt von der Einstellung der Sowjetunion ab. Die Vereinigten Staaten haben bei den Genfer Verhandlungen Vorschläge unterbreitet, die in
Reykjavik erzielte Übereinkünfte widerspiegeln, während die Sowjetunion
Vorschläge einbrachte, die die Errungenschaften von Reykjavik nur teilweise
reflektierten.
Wenn die Sowjets bei ihrer momentanen Haltung
bleiben und alle Fortschritte davon
abhängig machen, daß die Vereinigten
Staaten ihre Strategische Verteidigungsinitiative einstellen, sind die
Aussichten auf Fortschritte düster.
Wenn sie jedoch bereit sind, die in
Reykjavik
erzielten
Übereinkünfte
durchzuführen, könnten wir uns auf
die Erlangung größerer Stabilität und
einer
sichereren
Welt
hinbewegen.
Bei der Hinwendung zu dieser Welt
werde ich mein Engagement für umfassende, einschneidende, beiderseitige
und
verifizierbare
Reduzierungen
aufrechterhalten, die besonders auf
den Bereich ballistischer Raketen abzielen, wie auch mein Engagement für
die Strategische Verteidigungsinitiative als Basis für die Hinwendung zu
einer sichereren, stabileren Form der
Abschreckung.
Schließlich sollte ich betonen,
daß sich Erfolg bei der Rüstungskontrolle nicht an der zahl der abgehaltenen Treffen oder der unterzeichneten Abkommen messen läßt.
Deshalb
werden die Vereinigten Staaten, obwohl sie weiterhin kreativ und geduldig bleiben werden, weiterhin Forderungen nach solchen Abkommen zurückweisen, die nicht die Sicherheit der
Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten verbessern und zur weltweiten
Stabilität beitragen.

Aufrechterhaltung eines konventionellen Abschreckungspotentials
Vorne stationierte konventionelle
Verteidigungsfähigkeit:
Strategische
Fähigkeiten sind für die Abschreckung
unerläßlich,
reichen
aber
allein
nicht aus.
Die Vereinigten Staaten
und ihre Verbündeten brauchen widerstandsfähige
konventionelle
Streitkräfte als integralen Bestandteil unserer
gesamten
Abschreckung.
Die
Strategie zur Nationalen Sicherheit
der Vereinigten Staaten baut auf der
Konzeption der Vorneverteidigung und
der Solidarität im Bündnis auf.
Im
Einklang mit dieser Strategie unterhalten wir in Friedenszeiten große,
vorne stationierte Streitkräfte auf
See und auf dem Territorium unserer
Verbündeten in der NATO und in Asien.
Der Gesamtumfang und die Fähigkeiten
der amerikanischen Streitkräfte werden erheblich von dem Bedarf der Aufrechterhaltung einer solchen Präsenz
beeinflußt, die wiederum notwendig
ist zur Abschreckung einer Aggression.
Die
anspruchsvollste
Bedrohung,
mit der diese Streitkräfte fertigwerden müssen, ist die Bedrohung durch
die
Sowjets.
Die
sowjetischen
Streitkräfte
werden
unseren
wahrscheinlich immer zahlenmäßig überlegen sein - sogar wenn die Streitkräfte unserer Verbündeten mit hinzugezählt werden. Aus diesem Grunde müssen wir sorgfältig darauf achten, daß
wir die qualitative Überlegenheit unserer
Streitkräfte auf dem Niveau
halten, das notwendig ist, um ihren
Auftrag
der
Abschreckung
und
im
Kriegsfall zu verwirklichen.
Eine weitere Grundlage amerikanischer Verteidigungspolitik besagt,
daß die Vereinigten Staaten nicht
versuchen, der von der Sowjetunion
ausgehenden Bedrohung ohne Hilfe zu

- 13 -

�begegnen.
Ein
System
dynamischer
Bündnisse ist die einzig wirkungsvolle Art und Weise zur Abschreckung der
Sowjets. Das wichtigste dieser Bündnisse ist die NATO, die seit über einer Generation Frieden und Sicherheit
in Europa bewahrt hat.
Obwohl es
kein einzelner NATO-Partner mit den
starken konventionellen Streitkräften
der Sowjetunion aufnehmen kann, so
sind wir doch gemeinsam in der Lage,
ein mächtiges Abschreckungspotential
aufzustellen.
Der Beitrag der Vereinigten Staaten zur NATO: Die Vereinigten Staaten tragen zu dieser NATO-Abschrekkung auf verschiedene Art und Weise
bei.
Die offensichtlichste ist die
in Friedenszeiten stationierte Zahl
von
300 000 Militärangehörigen
auf
dem europäischen Schauplatz.
Obwohl
unsere Verbündeten die Mehrheit der
konventionellen Streitkräfte in Europa stellen und dies auch in Krisenzeiten und im Fall einer Mobilisierung tun würden, weist jedoch die
Präsenz
der amerikanischen Streitkräfte darauf hin, daß es nicht möglich ist, einen NATO-Partner anzugreifen, ohne gleichzeitig die gesamte militärische Macht der vereinigten
Staaten miteinzubeziehen.
Über die direkte Bereitstellung
von Truppen hinaus gewähren die Vereinigten Staaten denjenigen NATO-Verbündeten Militärhilfe, deren Volkswirtschaften es ihnen nicht gestatten, einen solch großen Beitrag zur
gemeinsamen Verteidigung zu leisten,
wie sie oder wir es für wünschenswert
halten. Eine solche Hilfe dient als
kostengünstiger
Kräftemultiplikator
und erhöht sowohl die politische Solidarität wie auch die militärische
Effektivität der NATO.
Schließlich
leisten die Vereinigten Staaten den
Hauptbeitrag
zum
nuklearen
Schirm
über der NATO, der seit Jahrzehnten
- 14

eine
ist.

der

Säulen

der

NATO-Strategie

Die Strategie der Flexiblen Reaktion: Die Abschreckungsstrategie der
NATO verlangt eine Fähigkeit zur flexiblen Reaktion, die einer sowjetischen Provokation
angemessen
ist.
Zusätzlich
zu
widerstandsfähigen
Streitkräften der Vereinigten Staaten
und ihrer Verbündeten und mit Unterstützung der strategischen Fähigkeit
der Vereinigten Staaten, muß diese
Strategie
auch durch
wirkungsvolle
und substantielle nicht-strategische
nukleare
Streitkräfte
unterstützt
werden. Die Vereinigten Staaten tragen zu allen Teilen der "NATO-Triade"
bei: den konventionellen Streitkräften, den nicht-strategischen nuklearen Streitkräften
und den strategischen Streitkräften. Die Entscheidung der NATO von 1979, ihre nuklearen Streitkräfte durch Stationierung
der
landgestützten
Marschflugkörper
und Pershing II-Raketen zu modernisieren, hat zur Beseitigung des Ungleichgewichts geführt, das durch die
sowjetische Stationierung der SS-20Raketen, die gegen NATO-Territorium
gerichtet sind, hervorgerufen wurde.
Sie hat ferner dem Entschluß der NATO
Ausdruck verliehen, die Wirksamkeit
und Integrität ihrer Fähigkeit zur Abschreckung
aufrechtzuerhalten
und
hat dazu beigetragen, die Grundlage
für wirksame Rüstungskontrollverhandlungen zu legen, die darauf abzielen,
die gegen die NATO gerichtete Bedrohung durch ballistische Raketen abzubauen.
Im klaren Gegensatz zur Sowjetunion besteht die Politik der NATO
darin,
nichtstrategische
Nuklearstreitkräfte auf dem niedrigsten Niveau zu unterhalten, das zur Abschreckung der Bedrohung durch den
Warschauer Pakt ausreicht.
In Verfolgung dieser Politik beschloß das

�Bündnis im Oktober 1983, die Anzahl
der Gefechtsköpfe in Europa - zusätzlich zum 1980 beendeten Abbau um
1 000 Gefechtsköpfe - um 1 400 zu
verringern. Diese unabhängig von Rüstungskontrollabkommen
vorgenommenen
Reduzierungen werden das nukleare Arsenal der NATO in Europa auf das
niedrigste Niveau seit über 20 Jahren
verringern.
Daher ist es unabdingbar, daß der verbleibende Bestand
über lebensfähig, reaktionsfähig
und
wirksam ist.
Abschreckung chemischer Kampfführung: Obwohl weder die NATO noch die
Vereinigten Staaten danach streben,
mit der Sowjetunion Waffe für Waffe
gleichzuziehen, würde die Abschrekkung geschwächt, wenn man es der Sowjetunion gestattete, eine Fähigkeit
aufzubauen, der keinerlei vergleichbare Fähigkeit der NATO entgegenstünde. Diese Prämisse, die dem Beschluß
der NATO zur Modernisierung
ihrer
kriegsschauplatzgebundenen
Nuklear streitkräfte
zugrundeliegt,
gilt
ebenso für unsere eigene Entschlossenheit, die amerikanischen Fähigkeiten bei den chemischen Waffen durch
die Entwicklung moderner, sicherer
binärer
Munition zu modernisieren.
Diese Modernisierung wird uns befähigen, einen Erstgebrauch
chemischer
Waffen durch die Sowjets abzuschrekken.
In Ermangelung einer solchen
Fähigkeit werden wir zur Abschreckung
einer Anwendung durch die Sowjets
weiterhin von einem veralteten Arsenal unitärer, für moderne Trägersysteme schlecht geeigneter chemischer
Waffen sowie von den atomaren Fähigkeiten des Bündnisses abhängig sein zweifellos eine unerwünschte und risikoträchtige Situation.
Ausmaß und Intensität eines Konflikts: unsere Strategie erkennt die
Tatsache an, daß die Sowjetunion zusammen mit ihren verbündeten Streit-

kräften zu gleichzeitigen Aggressionen in mehr als einer Region der Welt
fähig ist. Im Falle einer Aggression
in
mehreren
Regionen
gleichzeitig
würden die militärischen Reaktionen
der Vereinigten Staaten von bestehenden Verpflichtungen, allgemein strategischen
Prioritäten,
den
spezifischen Umständen und der Verfügbarkeit von Streitkräften bestimmt sein.
Diese Reaktionsfähigkeit würde durch
die in unseren Streitkräften eingeführte Flexibilität verstärkt.
Dazu
gehören unsere Fähigkeiten zu strategischer Mobilität und Einsatz von
Macht in globalem Maßstab. Diese Fähigkeit zu wirksamer Reaktion auf
entfernten Kriegsschauplätzen vermindert unser Risiko, jemals wirklich
auf solche Angriffe antworten zu müssen.
Wenn wir auf einen solchen Angriff reagieren müssen, würde unser
übergeordnetes Ziel darin bestehen,
den Krieg so schnell wie möglich zu
beenden, und zwar auf dem niedrigstmöglichen Niveau von Gewaltanwendung,
das eine Wiederherstellung des Friedens zu Bedingungen ermöglicht, die
für die Vereinigten Staaten und ihre
Verbündeten
günstig sind.
Sollten
jedoch unsere anfänglichen Versuche
zur Niederschlagung einer Aggression
fehlschlagen, so ermöglicht die amerikanische Strategie die flexible und
ausreichende
Anwendung
von
Gewalt
während der Gesamtdauer der Kampfhandlungen, um sicherzustellen, daß
kein Gebiet von vitalem Interesse
verloren wird.
Sollte es zu einer
Eskalation kommen, würden wir versuchen, unsere Kräfte so einzusetzen,
um den Gegner von einer weiteren Eskalation abzuschrecken und unsere nationalen Ziele zu erreichen.

von
und

- 15 -

Deshalb geht unsere Strategie daaus, daß Charakter, Schauplätze
Intensität unserer militärischen

�Handlungen in einem Konflikt mit der
Sowjetunion von einer Reihe unterschiedlicher Faktoren beeinflußt werden. Unsere Strategie besteht darin,
nicht zu versuchen "überall gleichzeitig" zu kämpfen. Wir würden das
unter
den herrschenden
Bedingungen
strategisch Vernünftige und operativ
Erreichbare tun. Aber wir benötigen
die Fähigkeit weltweiter glaubwürdiger Reaktionen auf schwerwiegende Bedrohungen, um sicherzustellen, daß
unsere
Gegner
nicht
durch
unsere
Schwäche in Versuchung geführt werden.
Andere Verpflichtungen der Vereinigten Staaten: Die NATO ist nicht
unser einziges Bündnis.
Die Vereinigten Staaten unterhalten mit 43
Nationen in der ganzen Welt bilaterale oder multilaterale Sicherheitsverpflichtungen.
Zur
Unterstützung
dieser
Verpflichtungen und zur Abschreckung des
von der Sowjetunion und ihren Vasallenstaaten ausgehenden Abenteurertums
unterhalten
die
Vereinigten
Staaten in vielen strategisch wichtigen
Regionen
vorne
stationierte
Streitkräfte.
Zusätzlich
zu ihrer
Mittelmeerflotte unterhalten die Vereinigten Staaten eine umfassende Militärpräsenz
im Westpazifik.
Eine
geringere Präsenz im Indischen Ozean
dient der Unterstützung unserer Interessen in Südwestasien.
Im gesamten
pazifischen
Raum
stationierte
amerikanische
Luftstreitkräfte
leisten Hilfe bei der Erfüllung unserer
Sicherheitsverpflichtungen in Staaten
wie Japan und den Philippinen. Erhebliche
Land- und
Luftstreitkräfte
sind in Korea stationiert, um die
Streitkräfte der Republik Korea bei
der Abschreckung einer Aggression aus
dem Norden zu ergänzen.
Unsere
Streitkräfte

vorne
in der

stationierten
ganzen Welt er-

füllen mehrere Funktionen.
Sie sind
unentbehrlich für die Schaffung regionaler Kräftegleichgewichte, durch
welche die Sowjets von Aggressionen
abgeschreckt und die allgemeine regionale Stabilität gefördert werden;
sie unterstützen die politische Unabhängigkeit von Nationen an der sowjetischen
Peripherie und besitzen
deshalb
eine Schlüsselfunktion
für
das grundsätzliche strategische Ziel
der Vereinigten Staaten, die Vermeidung sowjetischer Hegemonie über die
eurasische
Landmasse;
schließlich
liefern sie eine unmittelbar verfügbare Fähigkeit zur Bewältigung von
Krisen geringeren Ausmaßes.
Obwohl die Sowjetunion die größte
Bedrohung für die Vereinigten Staaten
und ihre Verbündeten darstellt, ist
sie, wie bereits erwähnt, nicht die
einzige Bedrohung. Vorne stationierte Truppen können auch lokal begrenzte Aggressionen verhindern, zur regionalen Stabilität beitragen und als
sichtbare Symbole des Willens und der
Fähigkeit
der
Vereinigten
Staaten
dienen, ihre Interessen zu schützen.
Im Falle von militärischen Krisen ohne Beteiligung der Sowjetunion sind
die Vereinigten Staaten jedoch primär
daran interessiert, daß die daran beteiligten Staaten
für ihre eigene
Verteidigung sorgen.
Das direkte Engagement amerikanischer Truppen ist ein letztes Mittel, das nur dann angewendet werden
sollte, nachdem klare politische Ziele definiert worden sind, unser politischer Wille eindeutig feststeht und
angemessene militärische Fähigkeiten
verfügbar sind. Beim Einsatz amerikanischer
Kampftruppen
würden
die
Vereinigten Staaten danach trachten,
Ausmaß und Schärfe des Konflikts zu
begrenzen, eine Beteiligung der Sowjetunion zu vermeiden und die amerikanischen
Zielsetzungen so schnell

�wie möglich zu erreichen.
Wir
haben
in
den
vergangenen
sechs Jahren bedeutende Fortschritte
bei der Verbesserung der Fähigkeiten
unserer vorne stationierten Streitkräfte in bezug auf den Schutz amerikanischer Interessen, die Durchführung unserer nationalen Strategie und
die Unterstützung unserer Bündnisverpflichtungen erzielt. Wir sind weiterhin der stetigen Verbesserung unserer stationierten Kräfte verpflichtet, um unsere auf Vorneverteidigung
und Bündnisse gegründete Strategie zu
unterstützen.
In den folgenden Abschnitten werden ausgewählte Fähigkeiten behandelt, die grundlegende
Elemente für diese Strategie bereitstellen.
Aufrechterhaltung von Fähigkeiten
zur weltweiten Unterstützung und Mobilität: Die Fähigkeit, vorne stationierte Truppen zu verstärken und mit
Nachschub zu versorgen, ist für die
Durchführung der amerikanischen Strategie der Vorneverteidigung und Bündnissolidarität
unverzichtbar.
Die
schnelle Verstärkung
der
NATO
in
Spannungszeiten
ist
beispielsweise
entscheidend für eine wirksame Abschreckung .
Im Hinblick auf die Länder der
eurasischen Randgebiete besitzen die
Sowjets einen natürlichen geographischen Vorteil sowie die wachsende Fähigkeit, Offensiven gleichzeitig in
Europa, Südwestasien und dem Fernen
Osten zu starten.
Unter Ausnutzung
der inneren Verkehrswege können sie
Truppen über weite Gebiete verlegen
und mit Nachschub versorgen. Mit ihren Bemühungenen haben die Sowjets in
den letzten Jahren den militärischen
Zugang zu strategisch wichtigen Gebieten entlang der sowjetischen Südgrenze auf Schiene und Straße erheblich verbessert.
- 17

Unsere Fähigkeit
zu weltweiter
Unterstützung und Mobilität, darunter
Luft- und Seetransport sowie Voreinlagerung von Ausrüstung sind deshalb
unbedingt erforderlich, damit wir militärischen Herausforderungen an der
Peripherie
des
eurasischen
Kontinents, der weiterhin im Mittelpunkt
sowjetischer
expansionistischer
Interessen steht, entgegentreten können.
Durch Voreinlagerung zu Land
oder auf See können unsere Reaktionszeiten bedeutend verringert werden.
In den meisten Krisenfällen würden
anfängliche Verstärkungen durch Luftbrücken, das schnellste und flexibelste unserer mobilen Instrumente,
transportiert
werden.
Zwangsläufig
wird jedoch die Masse unserer Verstärkungen
und
unseres
Nachschubs
über See transportiert werden, wie
dies auch in Krisen der Vergangenheit
der Fall war. Um die Reaktionszeiten
zu verkürzen, verbinden die Vereinigten Staaten auf integrierte Weise die
Voreinlagerung
mit
Luft- und
Seetransport.
Mobilität ist besonders
entscheidend
für
unsere Strategien
zur Bewältigung von Krisensituationen
in Südwestasien, wo wir keinerlei militärische Stützpunkte oder dauernd
stationierte Truppen unterhalten.
Im Einklang mit unserem Bündnisansatz zu Fragen der Sicherheit leisten die Verbündeten der Vereinigten
Staaten entscheidende Beiträge zu unseren mobilen Fähigkeiten. Sie stellen nicht nur Flugplätze und Seehäfen
zur Verfügung. Sie verstärken außerdem
unsere
Lufttransportfähigkeiten
und stellen den Großteil unserer Seetransportkapazitäten bereit. Schließlich ist Zusammenarbeit mit den Verbündeten eine einleuchtende Voraussetzung für die Voreinlagerung.
Zu Beginn dieses Jahrzehnts standen wir vor ernsten Schwierigkeiten,

�wenn wir größere Streitkräftekontingente schnell genug heranführen wollten, um eine sowjetische Aggression
abzuschrecken, wenn wir Truppen zu
zwei
oder
mehr
Kriegsschauplätzen
gleichzeitig verlegen oder Gerät effektiv in weniger entwickelte Regionen schaffen wollten. Mit Unterstützung des Kongresses haben wir seit
1981 große Fortschritte bei der Behebung dieser Schwächen gemacht und unsere Luft- und Seetransportfähigkeiten erheblich erweitert sowie zusätzliche große Mengen an Gerät im Ausland stationiert. Nicht alle unsere
Ziele sind jedoch erreicht worden.
Insbesondere ist die stetige Abnahme
der amerikanischen Handelsmarine und
des Bestandes an privaten Schiffen
unter amerikanischer Flagge eine besorgniserregende Angelegenheit.
Dieses Problem wird noch verschlimmert
durch den Niedergang der Flotte unter
amerikanischer Flagge insgesamt, wodurch es zu einer Verringerung der
Seebesatzungen zur Bemannung unseres
gesamten Schiffsbestandes unter amerikanischer Flagge kommt - und dies
gilt auch für die Schiffe der Einsatzreserve, der Reserveflotte
zur
nationalen Verteidigung und allen unter effektiver
amerikanischer
Kontrolle stehenden Schiffe, die neu bemannt werden müßten.
Der Mangel an
Seeleuten aus der Handelsmarine könnte kurzfristig unsere Fähigkeit untergraben, Truppen durch strategischen Seetransport in ausreichendem
Maß zu verlegen und unterhalten.
Aufrechterhaltung einer angemessenen Logistikbasis: Zur Unterhaltung
eines
starken
konventionellen
Abschreckungspotentials ist es lebenswichtig, daß wir den amerikanischen
Streitkräften eine ausreichende logistische
Unterstützung
bereitstellen. Eine solide logistische Infrastruktur stärkt die Abschreckung, indem sie unsere Vorbereitungen auf

Feindseligkeiten jeder Intensität und
für die Zeitspanne, die zur Verteidigung amerikanischer Interessen notwendig
ist, demonstriert.
Ausreichende und anhaltende Unterstützung
leistet einen Beitrag zur Anhebung
der nuklearen Schwelle, stärkt die
Abschreckung und verbessert die Aussichten auf einen frühzeitigen Erfolg
im Konfliktfall. Gegner dürfen nicht
zu dem Schluß gelangen, daß die Fähigkeiten der Vereinigten Staaten und
ihrer Verbündeten im Falle einer Konfrontation mit einem komplexen oder
lang andauernden militärischen Feldzug allmählich abnehmen würden.
In den vergangenen sechs Jahren
haben wir erhebliche Fortschritte bei
der
Verbesserung
unserer
militärischen Logistikbasis erzielt und dadurch im Lauf der Zeit die Unterstützung
unserer
Abschreckungsstrategie
verstärkt.
Mit
Unterstützung
des
Kongresses werden wir dauerhafte Verbesserungen bei dieser unspektakulären, aber notwendigen Komponente der
Militärmacht anstreben.
Gleichzeitig
werden wir gegenüber unseren Verbündeten weiterhin die Bedeutung einer
Verbesserung der logistischen Grundlage ihrer eigenen Streitkräfte betonen, um sicherzustellen, daß ihre
Ausdauer im Kampf der unserer Truppen
ebenbürtig ist.
Aufrechterhaltung
ausreichender
aktiver Streitkräfte: Die Unterstützung
unseres
konventionellen
Abschreckungspotentials
bedingt
die
Aufrechterhaltung
ausgewogener
und
wirkungsvoller aktiver Streitkräfte,
die in Quantität und Qualität dazu
ausreichen, unsere nationale militärische Strategie glaubwürdig zu gestalten.
Im
Kontext
mit
unseren
Bündnisbeziehungen verlangt die Abschreckung und, falls notwendig, die
Niederwerfung der sowjetischen Bedrohung
eine sorgfältig
strukturierte

- 18 -

�Mischung aus amerikanischen und verbündeten Land- und Seestreitkräften,
die in der Lage sind, die vereinbarte
Strategie so lange durchzuführen, bis
sie durch Mobilisierung in den entsprechenden Ländern verstärkt werden.
Im Fall der NATO sprechen die Nähe
der Land- , Luft- und Seestreitkräfte des Warschauer Pakts zum Bündnisgebiet, die Geschwindigkeit, mit der
sich ein moderner Konflikt entfalten
kann, die bedeutenden zahlenmäßigen
Vorteile des Warschauer Pakts und die
starke Betonung des Überraschungsmoments in der sowjetischen Militärdoktrin für starke, qualitativ moderne und
flexible amerikanische und
verbündete konventionelle Streitkräfte.
Die primäre Verantwortung für die
Abwehr
eines sowjetischen Angriffs
und die Verteidigung des Bündnisgebiets sowie die gleichzeitige Bekämpfung und Vernichtung der Folgestaffeln, auf die sich die sowjetische
Strategie zur Ausnutzung von Anfangserfolgen
stützt, fällt
den
Landstreitkräften der Vereinigten Staaten
und ihrer Verbündeten zu. Die amerikanischen und verbündeten Landstreitkräfte müssen mit taktischer Luftunterstützung in der Lage sein, einen
Angriff des Warschauer Pakts zum Stehen zu bringen und die Integrität des
Bündnisgebiets
wiederherzustellen,
wenn die politischen und militärischen Ziele der NATO verwirklicht
werden
sollen.
Bei
Nichtbestehen
dieser Fähigkeit muß sich die Strategie des Bündnisses stark auf die Drohung mit atomaren Waffen stützen, um
die grundlegenden Abschreckungs- und
Kriegsziele zu erreichen.
Seit
Jahrzehnten
ist
es
ein
grundsätzliches Ziel der Vereinigten
Staaten, das Risiko eines Nuklearkrieges durch eine möglichst hoch angesetzte nukleare Schwelle zu verrin-

gern.
Um dieses Ziel zu erreichen,
ist es notwendig, daß die Streitkräfte der Vereinigten Staaten und ihrer
Verbündeten die Fähigkeit besitzen,
ihren
Auftrag
mit
konventionellen
Waffen zu erfüllen. Im Fall unserer
in Europa eingesetzten
Landstreitkräfte verlangt dies eine stetige
Kampfwertsteigerung
und
Modernisierung, um angesichts des zahlenmäßig
überlegenen
Warschauer
Pakts einen
qualitativen Vorsprung zu erhalten.
Obwohl die Erfordernisse der NATO
zu Recht einen Großteil der Aufmerksamkeit unserer Landstreitkräfte einnehmen, bedingt der weltweite Charakter der potentiellen Bedrohung amerikanischer Interessen die Aufrechterhaltung
flexibler
und vielfältiger
Landstreitkräfte, die schnell in Gebiete
von
strategischer
Bedeutung
verlegt werden und dort wirkungsvoll
operieren können. Dies hat das Heer
dazu veranlaßt, fünf schnell zu verlegende leichte Divisionen aufzubauen. Während dessen wurden die Bemühungen zur Verstärkung der Fähigkeiten des Marine Corps fortgesetzt.
Diese Landstreitkräfte stellen zusammen mit angemessener taktischer Luftunterstützung
grundlegende
Elemente
unserer
Fähigkeit,
mit
weltweiten
Krisenerfordernissen fertig zu werden.
Taktische Luftunterstützung dient
der Erreichung von Zielen der Landstreitkräfte durch die Aufrechterhaltung von Luftüberlegenheit auf dem
Gefechtsfeld, die Bereitstellung reaktionsfähiger und wirksamer Feuerkraft für bewegliche Einheiten des
Heeres und die Durchführung von Abriegelungsoperationen
gegen
feindliche Truppen in der Tiefe sowie Führungsmittel und Quellen logistischer
Unterstützung.
Zusätzlich spielt sie
eine entscheidende Rolle bei der Sicherstellung
von Verstärkungen
und
Nachschub für unsere vorne eingesetz-

- 19 -

�ten Truppen durch Schutz unserer Seeund Flughäfen sowie der Verkehrswege
vor Angriffen und Zerstörung.
Die
Befähigung der Luftstreitkräfte zur
schnellen Verlegung von Einheiten in
Krisenfällen trägt zu unserer Fähigkeit bei, Bedrohungen unserer Interessen in weit entfernten Gebieten abzuschrecken und im Fall eines Versagens der Abschreckung
militärische
Macht wirksam einzusetzen.
Die Seestreitkräfte spielen bei
der Unterstützung
unserer militärischen
Strategie eine einzigartige
Rolle. Berücksichtigt man die Realitäten unserer geostrategischen Lage
an zwei Weltmeeren, so ist die Überlegenheit zur See ein entscheidender
Faktor für die Unterstützung unserer
Bündnisbeziehungen und unserer vorne
stationierten Truppen.
Obwohl die
Seeüberlegenheit vornehmlich von den
Fähigkeiten
unserer
Seestreitkräfte
abhängt, leisten die zu Lande stationierten
Luftstreitkräfte
ebenfalls
einen bedeutenden Beitrag zu ihrer
Aufrechterhaltung, darunter die Frühwarnung vor feindlicher Bedrohung aus
der Luft, Unterstützung seegestützter
taktischer Flugzeuge durch Luftbetankung und das Verlegen von Minen gegen
U-Boote.
Die Seeüberlegenheit befähigt uns
dazu, sowjetische, auf geographischen
Gegebenheiten
beruhende
verwundbare
Stellen auszunutzen und den sowjetischen Interessen eine globale Bedrohung entgegenzusetzen.
Dies spielt
eine Schlüsselrolle bei den Plänen
zur Verteidigung der NATO-Verbündeten
an den europäischen Flanken. Es erlaubt außerdem den Vereinigten Staaten, die sowjetischen Seestreitkräfte
in einer Verteidigungshaltung zu binden, um die sowjetischen U-Boote mit
ballistischen Raketen und die Seezugänge zum sowjetischen Festland zu
schützen.
Dadurch
wird
die
in
- 20

Kriegszeiten zu erwartende Bedrohung
der Seewege für die Heranführung von
Verstärkungen und Nachschub nach Europa verringert.
Der mobile Charakter der Seestreitkräfte erlaubt es diesen, Feldzüge zu Lande durch die Anwendung
seegestützter taktischer Luftstreitkräfte direkt zu beeinflussen und mit
amphibischen
Kräften
strategisch
wichtige Gebiete in Besitz zu nehmen,
über See erreichbare Verbündete zu
verstärken oder die maritimen Flanken
gegnerischer Landstreitkräfte zu bedrohen.
Diese Fähigkeit zur Verlagerung
militärischer Macht in Gebiete, die
weit
von
unseren Küsten
entfernt
sind, ist besonders wichtig, wenn man
die zentrale Lage der Sowjetunion innerhalb der eurasischen Landmasse,
die Tatsache, daß viele der wichtigsten
Verbündeten
der
Vereinigten
Staaten sich an der Peripherie Eurasiens und auf vorgelagerten Inseln
befinden und die Gefährdung vieler
Gebiete in der Dritten Welt ohne amerikanische Militärpräsenz berücksichtigt. Unsere Fähigkeiten zur Verlagerung militärischer Macht zur See
würde eine grundlegende Rolle bei jeder potentiellen Krise in Südwestasien spielen.
Unentbehrlich für unsere Strategie in Kriegszeiten, spielt die Überlegenheit zur See eine ebenso entscheidende Rolle im Frieden. Mobile
Seestreitkräfte, die in Krisenzeiten
leicht disloziert werden können, sind
ein traditionelles
Symbol für den
Willen und die Fähigkeit unserer Nation, ihre vitalen Interessen zu verteidigen.
Für jeden amerikanischen
Präsidenten seit dem Zweiten Weltkrieg haben sie sich als ein unverzichtbares Instrument des Krisenmanagements erwiesen.
Dadurch, daß sie

�den schnellen Einsatz amerikanischer
Macht ermöglicht, trägt die Seeüberlegenheit schließlich auch zu regionaler Stabilität bei, sei es im Indischen Ozean, in Mittelamerika, dem
Mittleren Osten oder anderen Gebieten
von strategischer Bedeutung.
Im maritimen
Bereich
ist der
Trend im allgemeinen günstig.
Wir
sind stetig dabei, wieder auf unser
Ziel einer aus 600 Schiffen und 15
Trägerkampfverbänden bestehenden Marine hinzuarbeiten. Mit andauernder,
energischer Unterstützung durch den
Kongreß werden die Vorhaben dieser
Administration
unsere
grundlegende
Überlegenheit zur See für den Rest
dieses Jahrhunderts sicherstellen.
Aufrechterhaltung effektiver Reservestreitkräfte und nationale Mobilisierungsgrundlage:
Die
effektive
Mobilisierung von Menschen und industriellen Ressourcen im Falle eines
Konflikts würde die unabdingbare Unterstützung für unsere militärischen
Fähigkeiten liefern.
Da etwa sechs
Prozent des BSP für die Verteidigung
verwendet werden, konzentriert sich
unsere Wirtschaft in Friedenszeiten
vornehmlich auf die Bedürfnisse des
zivilen Marktes und nicht auf die militärischen Bedürfnisse unseres Landes. Wir verlassen uns auf die der
amerikanischen Wirtschaft innewohnende Größe und Stärke als letzter Verteidigungslinie und entnehmen der zivilen Produktion nur soviel, wie es
die jeweilige Situation verlangt.
Deshalb benötigen wir die Fähigkeit,
unsere
industrielle
Basis
schnell zu erweitern, um das in einem
Konflikt benötigte Kriegsmaterial zu
produzieren.
Die Gesundheit der industriellen
Basis
besitzt
deshalb
eine klare militärische und strategische Bedeutung. Demgemäß wird die
Regierung
der
Vereinigten
Staaten

weiterhin Initiativen fördern, durch
die Verbesserungen
bei
der
industriellen Produktivität und Modernisierung unterstützt werden.
Zusätzlich
versucht
der
Staat
durch seine Beschaffungsverfahren Anreize zu verbesserter Produktivität
sowie zu besseren Herstellungsverfahren zu bieten und die amerikanische
Wettbewerbsfähigkeit
auf dem Weltmarkt zu verbessern.
Zur Ergänzung unserer industriellen
Mobilisierungsprogrammen
haben
die Vereinigten Staaten seit über 30
Jahren ein Bevorratungsprogramm aufrechterhalten, um den Nachschub an
entscheidend wichtigen Rohstoffen zur
Unterstützung
militärischer
und
grundlegender ziviler Bedürfnisse im
Krisenfall sicherzustellen.
Es ist
wichtig, daß wir unser Bevorratungsprogramm weiterführen, um mit aktuellen Entwicklungen, Veränderungen der
industriellen Leistungsfähigkeit und
neuen Entwicklungen bei Herstellung
und Technologie Schritt zu halten.
Da mit dem Kongreß fundamentale Meinungsverschiedenheiten
in bezug auf
die Bevorratung bestehen, müssen wir
unsere Anstrengungen zur Beseitigung
von Differenzen verstärken sowie realistische Ziele und politische Verfahren entwickeln, wodurch ein modernisierter Lagerbestand für die Zukunft geschaffen wird.
Was den Personalaspekt angeht, so
hat die in den frühen siebziger Jahren eingeführte Gesamtstreitkräftepolitik ("Total Force policy") die Verantwortung der Reservekomponente der
amerikanischen
Streitkräfte
vergrößert. Heute werden volle 50 Prozent
der Kampfeinheiten für die Landkriegführung von Reserveeinheiten bereitgestellt.
Reserveeinheiten
nehmen
wichtige Aufgaben war und leisten
ständig
Unters tutzungsfunktionen.

- 21 -

�Ihre Prioritäten in bezug auf Personal, Ausbildung
und Modernisierung
von Ausrüstung beruhen nicht auf ihrem Friedensstatus als Streitkräfte
"in Reserve", sondern auf ihrer unmittelbaren Integration in operative
Planung und Aufträge. Vielfach würden Reservekomponenten im Konfliktfall Seite an Seite mit und bisweilen
noch vor den aktiven Streitkräften
disloziert werden.
Um die Kostenrentabilität der Gesamtstreitkräftepolitik
zu maximieren, müssen wir weiterhin die Kampfund
Unterstützungselemente
unserer
Struktur von aktiven und Reservestreitkräften, deren Kosten und die
mit
ihnen verbundenen
Risikoebenen
ausgewogen gestalten. Obwohl es bestimmte Auftragsbereiche gibt, in denen die Rolle der Reservekomponenten
erweitert werden kann, müssen wir
sorgfältig
vermeiden, Anforderungen
an unser Personal zu stellen, die den
Charakter des Reservedienstes grundlegend verändern würden. Unser Einsatztempo im Frieden, unsere vorne
stationierten
Verbände
und
unsere
Strategie der Abschreckung im allgemeinen machen substantielle, ausgewogene
und
einsatzbereite
aktive
Streitkräfte notwendig.

Unterstützung der nationalen
Sicherheit aus dem Weltraum
Die Vereinigten Staaten benutzen
weltraumgestützte
Systeme, um eine
Reihe von Unternehmungen durchzuführen, die für unsere nationale Sicherheit von essentieller Bedeutung sind.
Dazu gehören Führung und Kommunikation, Navigation, Umweltbeobachtung,
Warnung, Aufklärung und Überwachung
von
Verträgen.
Zur
Unterstützung
dieser wichtigen Aufgaben benötigen
die Vereinigten Staaten den gesicherten Zugang zum Weltraum, der durch

eine effiziente und berechenbare Trägerfähigkeit unterstützt wird.
Deshalb habe ich gegen Ende des vergangenen Jahres verfügt, daß die nationale Trägerfähigkeit auf einer ausgewogenen Mischung von TrägerSystemen,
und zwar aus Weltraumtransportersystem und Verlustraketen (ELV), beruhen muß.
Die Elemente dieser Mischung dienen der Unterstützung von
Aufträgen für die nationale Sicherheit, zivile Regierungsaufgaben und
kommerzielle
Sektoren der amerikanischen Raumfahrt.
Zur Unterstützung dieses Ansatzes
hat das Verteidigungsministerium Bemühungen
unternommen, um
ein
ELV
mittlerer Größe zu entwickeln und beschaffen. Damit werden die Raumfähre
sowie die heutigen kleinen und großen
ELV ergänzt werden.
Zusätzlich werden ausgewählte Satelliten der Regierung auf Kompatibilität mit Raumfähre
oder ELV ausgelegt sein.
In
Anbetracht
des
zunehmenden
Vertrauens amerikanischer und verbündeter Streitkräfte auf Unterstützung
aus dem Weltraum müssen wir darauf
vorbereitet sein, unsere Weltraumsysteme gegen feindliche Eingriffe zu
schützen. Demzufolge gehören zu den
weiteren Facetten
des Weltraumprogramms zur nationalen Sicherheit die
Entwicklung von Konzepten und Techniken, die solchen Systemen das Überleben in Krisen erlauben sowie die Entwicklung einer Anti-Satelliten-Fähigkeit, um Bedrohungen amerikanischer
Weltraumsysteme abzuschrecken und dem
Gegner die Nutzung seiner weltraumgestützten Ressourcen im Verteidigungsfall zu verwehren, womit ein ernstes
Ungleichgewicht in den Weltraumfähigkeiten der Vereinigten Staaten und
der
Sowjetunion
korrigiert
würde.
Die Sowjets haben ihr Anti-Satelliten-System
(ASAT) vor
über
einem
Jahrzehnt eingeführt.
Heute ist es

�das einzige operative ASAT-System der
Welt. Das vom Kongreß verhängte Verbot von Tests unseres in der Entwicklung befindlichen ASAT-Systems gegen
Ziele im Weltraum beläßt den Sowjets
ein Monopol bei der ASAT-Fähigkeit
und sollte aufgehoben werden.
Im großen und ganzen sind die
Weltraumprogramme der Sowjets umfangreich und wachsen weiter an.
Ihre
von breiter Öffentlichkeitsarbeit begleiteten bemannten Raumfahrprogramme, ihre ehrgeizigen Programme zur
wissenschaftlichen
Erforschung
des
Weltraums und ihre fast erreichten
Fähigkeiten
zum Transport schwerer
Lasten in den Weltraum werden in naher Zukunft bedeutende Herausforderungen der amerikanischen Führungsrolle im Weltraum aufwerfen. Zusätzlich liefern diese Fähigkeiten die
Grundlage für die schnelle Entwicklung und Dislozierung militärischer
Mittel im Weltraum in Krisen oder
Krieg.
Eine aufkommende Technologie mit
bedeutenden
Anwendungsmöglichkeiten
im Bereich der Sicherheit wie auch im
zivilen und kommerziellen Bereich ist
das Raumflugzeug ("National Aerospace
Plane"). Der Entwurf dieses Flugzeuges verbindet moderne Luft- und Raumfahr ttechnologien , um ein Flugzeug
hervorzubringen, das sowohl in der
Erdatmosphäre als auch im Vakuum des
Weltalls
funktioniert.
Der
erste
Flug eines experimentellen Raumflugzeuges, das aus bedeutenden amerikanischen Vorteilen im technologischen
Bereich Nutzen zieht, könnte um die
Mitte der neunziger Jahre erfolgen.

Nachrichtendienstliche Unterstützung der nationalen Sicherheit
Zur Entwicklung und Durchführung
einer soliden Strategie der nationa-

len Sicherheit werden wirksame nachrichtendienstliche Fähigkeiten benötigt, um gründliche und genaue Bewertungen der bestehenden oder potentiellen Bedrohungen unserer nationalen Sicherheit zu liefern. Frühwarnung vor Entwicklungen, die Risiken
für entscheidende amerikanische Interessen darstellen könnten, ist lebenswichtig, wenn wir die geeigneten
Elemente nationaler Macht zeitgerecht
einsetzen und Bedrohungen entgegentreten sollen, bevor sie nicht mehr
zu bewältigen sind oder das Risiko
eines großen Konflikts nach sich ziehen.
Unsere
Abschreckungsstrategie
baut wesentlich auf verläßliche Informationen über Strategien, Streitkräfte, Führungs- und
Einsatzgrundsätze, Stärken, Schwächen und mögliche Handlungsabläufe beim potentiellen
Gegner.
Nachrichtendienstliche Informationen liefern außerdem
grundlegende Einsichten darüber, wie
wir selbst von diesen Gegnern eingeschätzt werden. Eine Beurteilung ihrer Vorstellungen von unseren Fähigkeiten, unserem politischen Willen,
den nationalen Interessen und unserer
wahrscheinlichen Reaktion auf feindselige Provokationen
liefert einen
wichtigen Maßstab für die Effektivität unserer Abschreckung. Mit nachr ichtendienstlichen
Informationen
wird außerdem unsere Fähigkeit verbessert, Verletzungen von Rüstungskontrollabkommen
und
potentielle
technologische Durchbrüche zu entdekken, die negative Auswirkungen auf
die Stärke unseres strategischen oder
konventionellen
AbsehreckungsPotentials haben
könnten.
Nachrichtendienstliche
Informationen
gestatten
es uns, unsere Strategien und Streitkräfte so zu planen, daß wir die
Schwächen unserer Gegner ausnutzen,
unsere eigenen Schwächen korrigieren
und mehr Nutzen aus Bereichen ziehen,

- 23 -

�in denen wir vergleichsweise
teil sind.

im VorKonflikte geringer Intensität

Die Fähigkeit zur
Durchführung
verdeckter Operationen ist ein grundlegendes Attribut unserer nachrichtendienstlichen Fähigkeiten und gestattet es uns, heraufziehenden Bedrohungen unserer Sicherheit entgegenzutreten, noch bevor sie die Anwendung
amerikanischer
Militärmacht
oder andere Handlungen erfordern, die
höhere Kosten oder Risiken verursachen.
Die Fähigkeit, der Bedrohung der
Vereinigten Staaten durch gegnerische
Nachrichtendienste
entgegenzutreten,
liefert ebenfalls eine wichtige Unterstützung unserer Strategie der nationalen
Sicherheit.
Die außergewöhnlich
umfangreichen
und aktiven
Nachrichtendienste
der
Sowjetunion,
ihrer
Vasallen
und
Stellvertreter
führen sehr subtile Operationen zur
Sammlung und Auswertung von Nachrichten durch, die gegen uns, unsere Verbündeten und Freunde gerichtet sind.
Die Sowjets stützen sich stark auf
Spionage und die illegale Beschaffung
westlicher
militärisch
nutzbarer
Technologie, um weitgesteckte strategische Ziele zu erreichen und materielle Hilfe bei der Verschiebung der
weltweiten
"Kräftekorrelation"
zum
sowjetischen Vorteil zu leisten. Die
in den letzten Jahren erfolgten Festnahmen von Agenten, die an besonders
schädigenden Spionageoperationen gegen die Vereinigten Staaten beteiligt
waren, hat die Schärfe dieser Bedrohung dramatisch unterstrichen.
Als
Teil unserer nachrichtendienstlichen
Strategie haben wir in den vergangenen Jahren eine Reihe von Schritten
unternommen, um unsere Sicherheit und
unsere Spionageabwehr zu verstärken.
Diese Bemühungen werden als eine Angelegenheit
von
hoher
nationaler
Priorität weitergehen.
- 2

Konflikte
in der Dritten Welt
können zu ernsten Bedrohungen der
amerikanischen
Sicherheitsinteressen
führen.
Konflikte geringer Intensität, die auf Niveaus unterhalb eines
konventionellen Krieges, jedoch oberhalb des normalen, friedlichen Wettstreits zwischen den Staaten stattfinden, können besonders unangenehm
sein.
Mit ihnen geht oft ein lang
andauernder Kampf zwischen konkurrierenden Prinzipien und Ideologien einher.
Konflikte niedriger Intensität
können
mit
verschiedenen
Mitteln
gleichzeitig
ausgefochten
werden,
darunter die Nutzung von Instrumenten
aus
den
Bereichen
Politik, Wirtschaft, Informationswesen und Militär.
Oft sind sie lokal begrenzt;
sie können jedoch bedeutende Auswirkungen auf die regionale und weltweite Sicherheit haben.
Hauptursachen von Konflikten geringer Intensität sind Instabilität
und ein Mangel an politischer und
wirtschaftlicher Entwicklung in der
Dritten Welt (obwohl solche Konflikte
auch in Regionen außerhalb der Dritten Welt auftreten können).
Diese
Bedingungen bilden einen fruchtbaren
Boden für Unruhen sowie für Gruppen
oder Nationen, die Unruhen für ihre
eigenen Zwecke ausnutzen wollen. Die
hieraus entstehenden Konflikte sind
dann für die Vereinigten Staaten von
Belang, wenn sie die nationalen Interessen und die Sicherheit, Werte
oder politischen Grundlagen der Vereinigten Staaten, unserer Freunde und
Verbündeten angreifen. Konflikte geringer Intensität können nach und
nach zur Isolierung der Vereinigten
Staaten, ihrer Verbündeten und wichtigen Handelspartner von der Dritten
Welt und voneinander führen.
Diese

�Isolierung
politisch
stieren.

kann
und

sich wirtschaftlich,
militärisch
manife-

- Maßnahmen ergreifen, um befreundete Staaten, die sich inneren
oder
äußeren Bedrohungen
ihrer
Unabhängigkeit
und
Stabilität
ausgesetzt sehen, zu stärken, indem
sie
in
Koordination
mit
Freunden und Verbündeten systematisch das ganze Spektrum politischer, wirtschaftlicher, informatorischer
und
militärischer
Machtinstrumente
anwenden.
Wo
immer dies möglich ist, werden
Maßnahmen
ergriffen, bevor
die
Instabilität zu Gewalt führt.

Auswirkungen von Konflikten geringer Intensität können insbesondere
sein:
- Unterbrechung westlichen Zugangs
zu lebenswichtigen Naturschätzen.
- Stufenweiser
Verlust amerikanischer
Stützpunkt- und
Zugangsrechte.
- Erweiterte Bedrohung entscheidender Seeverbindungswege.

- daran arbeiten, die Ursachen, die
Instabilität
und
Konflikten
in
der Dritten Welt zugrundeliegen,
auszuräumen, indem sie Auslandshilfe, Handels- und Investitionsprogramme
verfolgen, mit denen
wirtschaftliche
Entwicklung
und
das Heranwachsen
demokratischer
sozialer und politischer Ordnungen gefördert werden.

- Stufenweise Abwendung von Verbündeten und Handelspartnern von den
Vereinigten Staaten und Hinwendung zu Positionen der Anpassung
an gegnerische Interessen.
- Erweiterte Chancen für politische
und militärische Gewinne der Sowjets .

- möglicherweise
bestimmte
Widerstandsbewegungen
unterstützen,
die in Opposition zu den amerikanischen Interessen abträglichen
Regimen stehen. Eine solche Unterstützung wird mit Freunden und
Verbündeten koordiniert und kann
politische,
informatorische,
wirtschaftliche und militärische
Elemente enthalten.

Eine wirksame amerikanische Antwort auf diese Art der Kriegführung
erfordert den nationalen Willen zur
Aufrechterhaltung langfristiger Verpflichtungen.
Die Vereinigten Staaten sind gegen die Ausdrucksformen
von Konflikten geringer
Intensität
mit einer harten Linie gegen den Terrorismus,
Unterstützung
demokratischer Widerstandsbewegungen und politischer, wirtschaftlicher sowie militärischer Hilfe für Entwicklungsländer vorgegangen, um diesen dabei zu
helfen, derartige
Herausforderungen
zu verhindern oder zu bekämpfen.
Die amerikanische Politik zur Behandlung von Konfliktsituationen geringer Intensität läßt sich folgendermaßen zusammenfassen: Wenn es im
amerikanischen Interesse liegt, werden die Vereinigten Staaten

- Schritte unternehmen, um die Sowjets und andere von staatlich
gefördertem Abenteurertum
abzuhalten und den Preis für diejenigen zu erhöhen, die Stellvertreter oder terroristische und umstürzlerische Kräfte benutzen, um
in der Dritten Welt bestehende
Instabilität auszunutzen.
Die Strategien für Konflikte geringer Intensität, die zur Unterstüt-

- 25 -

�zung dieser Politik dienen, müssen
die Anwendung einer Reihe von Instrumenten zu deren Durchführung zwischen
verschiedenen
amerikanischen
Regierungsbehörden wie auch international
koordinieren. Zur Behandlung solcher
Konflikte können Instrumente aus den
Bereichen Wirtschaft, Politik und Informationswesen
sowie
Militärhilfe
genutzt werden.
Wirtschaftspolitik und Konflikte
geringer
Intensität:
Die
amerikanische Politik in bezug auf Konflikte
geringer Intensität erkennt die Tatsache an, daß langfristige politische
und wirtschaftliche Entwicklung die
der Instabilität in der Dritten Welt
zugrundeliegenden
Ursachen
abschwächen, zur Schädigung der Anziehungskraft
totalitärer Regime beitragen
und schließlich zu Bedingungen führen
wird, die
den
amerikanischen
und
westlichen
Interessen
förderlich
sind. Deshalb werden wir die Ausweitung des freien Handels, die Entwicklung privaten Unternehmertums sowie
die Erweiterung
und Unabhängigkeit
der lokalen Volkswirtschaften ermutigen. Diese Politik wird durch amerikanische
Entwicklungsund
Wirtschaf tshilfeprogramme
erleichtert.
Außerdem werden wir private Investitionen in der Dritten weit ermutigen,
wenn solche Investitionen ein ausgewogenes
Wirtschaftswachstum
unterstützen .
Informationspolitik und Konflikte
geringer Intensität: Konflikte geringer Intensität sind politische Kämpfe, in denen Ideen genau so wichtig
sein können wie Waffen.
In diesem
Bereich besitzen wir bedeutende Vorteile gegenüber unseren Gegnern. Im
Gegensatz zu diesen besitzen wir ein
offenes politisches System, das auf
Grund von Kommunikation und Wahrheit
gedeiht.
Wir müssen jedoch sicherstellen, daß zutreffende Informatio- 2

nen über die amerikanischen Ideale
und Ziele in der gesamten Dritten
Welt erhältlich sind und daß die dafür notwendigen Mittel zur Verfügung
gestellt werden.
Politische Instrumente und Konflikte geringer Intensität: Wir sind
uns der Tatsache bewußt, daß andere
Staaten nicht notwendigerweise
die
gleiche
demokratische
Entwicklung
nehmen wie wir. Trotzdem streben wir
danach, die Entwicklung politischer
Systeme zu ermutigen, die die Rechte
des Einzelnen schützen und für repräsentative Regierungen, freie Institutionen und ein Umfeld sorgen, in dem
die Menschenwürde gedeihen kann, wir
tun dies teilweise durch unser eigenes Beispiel und durch die Verteidigung unserer ideale, wenn diese herausgefordert werden. Wir können die
Entwicklung humaner Gesellschaftsordnungen auch dadurch fördern, daß wir
Hilfe bei der Beseitigung von Bedrohungen der Sicherheit und von Ursachen leisten, die Unruhen und Instabilität zugrundeliegen.
Militärische Instrumente und Konflikte geringer Intensität: Der wichtigste Grundsatz
für die amerikanische Strategie bei der Behandlung
von Konflikten geringer Intensität,
die sich gegen unsere Freunde und
Verbündeten richten, besteht darin,
daß die militärischen Institutionen
in bedrohten Staaten dazu befähigt
werden müssen, die Sicherheit ihrer
Bürger
und Regierungen zu gewährleisten.
Die amerikanische Politik
in bezug auf solche Konflikte erkennt
deshalb die Tatsache an, daß die indirekte - eher als direkte - Anwendung
amerikanischer
militärischer
Macht der geeignetste und kostenwirksamste Weg zur Erreichung nationaler
Ziele ist.
Das wichtigste militärische Instrument bei Konflikten geringer Intensität ist deshalb die Mi-

�litärhilfe.
Die primäre Rolle der amerikanischen
Streitkräfte
in Konflikten
geringer Intensität besteht deshalb
in der Unterstützung und Begünstigung
des
Militärhilfeprogramms.
Die
Streitkräfte müssen auch dafür bereitstehen, direktere Formen der Militärhilfe zur Verfügung zu stellen,
wenn dies gewünscht wird. Meist besteht diese Hilfe in technischer Ausbildung und logistischer Unterstützung.
Die Teilstreitkräfte und gemeinsamen Kommandos müssen außerdem
bereit sein für die Durchführung von
Krisen- und
Befriedungsoperationen,
wenn
solche
Operationen
für
den
Schutz nationaler
Interessen nötig
sind.
Amerikanische
Kampftruppen
werden in Konflikte geringer Intensität nur als letztes Mittel eingreifen
und wenn vitale nationale Interessen
nicht auf andere Weise geschützt werden können.
Drogenhandel und Konflikte geringer
Intensität:
Der
Drogenhandel
kann, wo immer er auftritt, Gewalt
hervorbringen, Instabilität anheizen
und die Regierungsinstitutionen bedrohen. Die gigantischen Summen, die
durch den illegalen Verkauf von Drogen verdient werden und die damit
einhergehende Benutzung der internationalen Finanzwelt als Waschanlage
für die Erträge aus diesen Transaktionen können zu einer Art von Instabilität führen, die den Boden für
Konflikte geringer Intensität bereitet. Deshalb liefern unsere Maßnahmen zur Bekämpfung des Drogenhandels
eine wichtige Unterstützung unserer
Bemühungen bei der Behandlung von
Konflikten geringer Intensität.

ringer Intensität darstellen.
Diese
Administration hat bedeutende Schritte unternommen, um politische Schritte zur Bekämpfung des internationalen
Terrorismus zu definieren und anzuwenden.
Diese Maßnahmen konzentrieren sich auf Abschreckung, Prävention
und wirksame Reaktion auf internationale terroristische Anschläge. Unsere Politik in bezug auf Konflikte geringer Intensität geht jedoch darüber
hinaus und widmet sich dem umfangreicheren Problem der Unterstützung
von Gruppen und Regierungen, gegen
die der Terrorismus als subversive
Waffe benutzt wird.
Wir müssen erkennen, daß Konflikte geringer Intensität oft Kämpfe von
langer Dauer sind.
Außerdem haben
die meisten Machtmittel, mit denen
wir sie beeinflussen können, eine indirekte und sehr langfristig angelegte Wirkung.
Deshalb müssen wir bei
solchen
Auseinandersetzungen
Geduld
haben. Es ist wichtig, daß wir uns
behaupten, aber
es
ist
besonders
wichtig für uns, zu erkennen, daß
dies oft nicht so leicht oder schnell
möglich ist.
Andererseits besitzen
wir bedeutende Vorteile. Wir vertreten ein Modell politischer und wirtschaftlicher Freiheit, das Freiheit
von politischer Dominanz und wirtschaftlichem Mangel verspricht. Wenn
es uns gelingt, unsere eigene Sicherheit zu schützen und ein Umfeld von
vernünftiger Stabilität, offenem Handel und offener Kommunikation in der
gesamten Dritten Welt aufrechtzuerhalten, dann werden die politischen,
wirtschaftlichen
und
gesellschaftlichen Kräfte schließlich zu unseren
Gunsten arbeiten.

Terrorismus und Konflikte geringer Intensität: Unter gewissen Umständen kann der Terrorismus einen
wichtigen Aspekt bei Konflikten ge- 27 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
'VON

4

Hintergrundmaterial

18. Februar 1987

EIN SIEG DER DEMOKRATIE IN NICARAGUA LIEGT AUCH IM INTERESSE EUROPAS
- Von Elliott Abrams, Stellvertretender Außenminister
der Vereinigten Staaten -

Die amerikanische Politik zu Nicaragua war im Jahr 1986 von Diskussionen
und Entscheidungen geprägt.
Im Frühjahr
und Sommer
fanden im
Kongreß
Debatten
zu
dieser
Frage
statt, woraufhin der Kongreß dem Vorschlag Präsident Reagans zustimmte,
dem nicaraguanischen Widerstand 100
Milionen Dollar an Hilfe zur Verfügung zu stellen. Gegen Ende des Jahres begannen die demokratischen Kräfte Hilfsleistungen zu erhalten, die
nach der Beendigung von Militärhilfe
durch den Kongreß um die Mitte des
Jahres 1984 nur noch unregelmäßig von

United States Information Service
Embassy of the United States of America

privaten
ren.

Quellen

weitergeflossen

wa-

Die Sowjets diskutierten 1986 nicht über Nicaragua. Sie hatten ihre
Entscheidungen zu Nicaragua ja schon
getroffen, als die Sandinisten noch
gar nicht an der Macht waren.
Für
sie war 1986 ein Jahr der Aktio- nen,
um dem Regime der Sandinisten bei der
Konsolidierung
seiner
Macht
zu
helfen.
Nach heutigen
Schätzungen
haben die Sowjets in den ersten elf
Monaten des Jahres 1986 mehr militärische Ausrüstung geliefert - 18 800

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Tonnen im Wert von 280 Millionen Dollar - als in irgendeinem Jahr davor.
Diese Lieferungen bestanden aus Waffen und Material für den Krieg der
Sandinisten gegen den demokratischen
Widerstand,
darunter
sechs
neue
Kampfhubschrauber vom Typ MI-24 HIND,
die von den Sowjets auch bei der Bekämpfung des Widerstandes in Afghanistan eingesetzt werden.
Die Sowjets sind weiterhin der einzige Lieferant der Sandinisten für Rohöl, so
wie der kommunistische Block insgesamt die einzige Quelle der Sandinisten für die Ausbildung von Militärs und inneren Sicherheitsdiensten
ist.
Die Sandinisten selbst haben im
Jahr 1986 nur wenig Diskussion zugelassen. Die Unterdrückung, unter der
die politische Opposition Nicaraguas
seit 1979
leidet, erreichte einen
symbolischen Höhepunkt, als die Zeitung La Prensa, das letzte Überbleibsel freier öffentlicher Meinungsäußerung, im Juni geschlossen wurde. (Die
Medien der Katholischen Kirche, Radio
Catolica und die Zeitschrift Iglesia,
waren schon vorher zum Schweigen gebracht worden.)
An der militärischen Front fuhren
die Sandinisten mit dem Bau des Luftwaffenstützpunktes Punta Hueta fort,
einer
Einrichtung, die
für
jedes
Kampf-, Transport- oder
Bombenflugzeug des sowjetischen Arsenals geeignet ist.
(Diese Basis würde es sowjetischen
Langstreckenüberwachungsmaschinen
gestatten,
entlang
der
Westküste der Vereinigten Staaten zu
patrouillieren, so wie durch sowjetische Einsätze von Cuba aus heute die
Atlantikküste der Vereinigten Staaten
überwacht wird.) Die Sandinisten haben die Grenzen ihrer Nachbarstaaten
Hunderte
von
Malen
überschritten,
aber
zwei
größere
Einfälle
nach
Honduras im März und Dezember haben

erregten weithin Aufsehen. Im Dezember waren nicht nur die Widerstandskräfte das Ziel der Sandinisten, sondern die honduranische Armee selbst.
All diese Aktivitäten in einem
Land, das so klein wie Nicaragua ist,
weist auf die große Bedeutung hin,
die dem Ausgang dieses Konflikts beizumessen ist, bietet Nicaragua den
Sowjets doch die Möglichkeit, eine
zweite große Basis im karibischen
Raum zu konsolidieren.
Die Sowjets
bezeichnen seit langem dieses Gebiet
als den "strategischen Rücken" der
Vereinigten Staaten - ein Gebiet, in
dem politische, wirtschaftliche und
militärische Konflikte amerikanische
Aufmerksamkeit
von anderen strategischen Interessen ablenken und Amerikas
Fähigkeit
zur
Verteidigung
westlicher Interessen in anderen Teilen der Welt begrenzen können. Dies
erklärt, warum die Sowjets und ihre
Verbündeten seit 1979 so viel in die
Sandinisten investiert haben.
Für
die
Sandinisten
ist
die
Festigung ihrer Macht nach innen lebensnotwendig für die Erfüllung ihrer
ideologischen Mission:
als "Avantgarde" nach
innen die "sozialistische" Umgestaltung
der nicaraguanischen Gesellschaft anzuführen und
als "Internationalisten" im Ausland
kommunistischen
Revolutionären
in
Nachbarstaaten Hilfe zu leisten, wie
etwa den Guerillas in El Salvador und
der M-19 in Kolumbien. Diese Rollen
werden als untrennbar angesehen. Wie
einer der sandinistischen Commandantes einmal sagte: "Wir können nicht
aufhören, Internationalisten zu sein,
wenn wir nicht aufhören, Revolutionäre zu sein."
Das Schicksal Nicaraguas ist für
die westlichen Demokratien sowohl aus
strategischen als auch aus moralischen Gründen von Bedeutung.
Eine

�neue sowjetische Machtbasis in der
Karibik wird eine neue Bedrohung für
die lebenswichtigen Seewege darstellen, die für 60% des amerikanischen
per Schiff transportierten Nachschubs
an die NATO-Verbündeten in einer Krise benutzt würden. Die Festigung der
Macht der Sandinisten würde für die
benachbarten Demokratien eine dauernde Bedrohung darstellen und für die
demokratischen Hoffnungen in Nicaragua selbst den Tod bedeuten. An einem einst von Diktaturen geprägten
Isthmus bildet Nicaragua eine traurige,
bedrohliche
Anomalie, während
sonst allgemein ein Prozeß der Demokratisierung stattfindet.
Als im Jahr 1986 der Kongreß seine
Debatte
zu Nicaragua
abhielt,
herrschte zwischen dem Kongreß und
der Administration schon seit langem
Einverständnis über die grundlegenden
Ziele der Vereinigten Staaten in Mittelamerika:
die
Errichtung
neuer
Stützpunkte der Sowjetmacht zu verhindern,
Nicaraguas
Nachbarn
zu
schützen und die Demokratie in der
gesamten Region zu fördern. Die Natur und die Absichten der Sandinisten
konnten
nicht
länger
angezweifelt
werden.
Jahrelange
innenpolitische
Unterdrückung, Beweise für Subversion
und ihre diplomatische Unnachgiebigkeit in der Vergangenheit hatten alle
Illusionen zerstört, die Sandinisten
seien
Sozialdemokraten,
die
ein
blockfreies, demokratisches und nationalistisches
revolutionäres
Programm durchführten.
Zum ersten Mal
beschäftigte die Debatte sich nicht
damit, wer die Sandinisten sind, sondern damit, welche Schritte die Vereinigten Staaten unternehmen sollten,
um auf die Bedrohung zu reagieren,
die sie für die westlichen Interessen
darstellen.
Und
zum
ersten
Mal
stimmte der Kongreß mit der Einschätzung Präsident Reagans überein, daß
bedeutende Militärhilfe für die Kräf-

te der Demokratie in Nicaragua für
die Sache von Frieden und Gerechtigkeit in Mittelamerika unabdingbar sei.
Das Mittel der Militärhilfe an
den demokratischen Widerstand Nicaraguas war weder für den Kongreß noch
für
die Administration
die
erste
Wahl. Sie wurde jedoch in einer Atmosphäre als unentbehrlich angesehen,
in der die Sandinisten alle Möglichkeiten
für eine Verhandlungslösung
des inneren Konflikts in Nicaragua
zunichte gemacht hatten.
Im Juni
1986 verkündete Präsident Ortega, daß
jeder
Nicaraguaner, der
es wagen
sollte, die nicaraguanische Krise als
inneren Konflikt zwischen Nicaraguanern zu bezeichnen, "als Komplize der
terroristischen
Politik der amerikanischen Regierung handelt" und dafür "zur Verantwortung gezogen" würde.
Auf
diplomatischen
Kanälen
stellten die Sandinisten ihre Absicht
klar, jede Friedensregelung abzulehnen, die das politische System in Nicaragua öffnen und ihr Machtmonopol
bedrohen könnte. (Gleichzeitig betonten sie weiterhin ihre Unterstützung
des CONTADORA-Prozesses, obwohl die
Ziele der CONTADORA-Gruppe Vereinbarungen fordern, die sowohl Frieden
wie auch Demokratie garantieren.)
Tatsächlich bildete das Machtmonopol der Sandinisten die Wurzel des
nicaraguanischen Konflikts, und dies
ist auch weiterhin der Fall.
Nach
einem harten Freiheitskampf im Jahr
1979 ersetzten die Sandinisten Somoza
durch eine Regierung, die Demokratie
und Pluralismus versprach. Nach sieben Jahren der Herrschaft durch die
Sandinisten sieht das nicaraguanische
Volk, daß seine Revolution verraten
wurde. Eine Diktatur wurde mit einer
noch schlimmeren vertauscht, die die
Zukunft ihres Landes an die Sowjetunion verkauft hat. Sie haben ihre
Hoffnung auf Demokratie nicht aufge-

- 3 -

�geben, und sie sind mehr denn je dazu
bereit, für die Freiheit zu kämpfen,
die ihnen im Jahr 1979 greifbar nahe
war. Wie Präsident Jose Azcona Hoyo
von Honduras beobachtete:
"Es kann
keinen Frieden geben, selbst wenn die
Sandinisten ihre gesamte Artillerie
und ihre Kampfhubschrauber in den Managua-See werfen, wenn in Nicaragua
keine demokratische Öffnung stattfindet.
Das nicaraguanische Volk, sowohl im Innern wie auch im Ausland,
wird weiterhin
für seine Freiheit
kämpfen..."
Die Lösung liegt also in der Demokratisierung Nicaraguas.
Eine demokratische
Regierung
in Nicaragua
wird Frieden und Gerechtigkeit bringen, wird das ursprüngliche Versprechen der Revolution von 1979 erfüllen
und gleichzeitig den moralischen und
strategischen Interessen des Wetens
dienen. Die Rechte der Nicaraguaner
würden geschützt und die Bedrohung
für die Sicherheit der benachbarten
Demokratien
würde
beendet
werden.
Der Gefahr neuer Stützpunkte zur Verlagerung
der
sowjetischen Militärmacht in eine Region, die lebenswichtig für die Sicherheit des Westens
ist, würde ebenfalls ein Ende bereitet.
Solange die Sandinisten ein militärisches Machtmonopol besitzen, werden sie einer unbewaffneten Opposition, die ihre totalitäre Ausrichtung
ablehnt, keine politische Freiheit
zugestehen.
Die
Entscheidung
der
amerikanischen Regierung, den bewaffneten
Widerstand
zu
unterstützen,
wird dieses Monopol brechen und dem
Widerstand dabei helfen, die Sandinisten dazu zu zwingen, eine Wahl zu
treffen: ihre Versprechen einzuhalten
und volle demokratische Freiheiten zu
gewähren
oder
einer
Volksbewegung
nachzugeben, die sie dazu zwingt, die
Macht aufzugeben.

Kann sich der Widerstand durchsetzen?
Beim Widerstand gegen die Tyrannei der Sandinisten haben die Nicaraguaner großen Mut und Entschlossenheit gezeigt.
Die freien Gewerkschaften und politischen Parteien haben ihre Arbeit fortgesetzt obwohl
die
Sandinisten
ihre
Mitglieder
zwecks Einschüchterung ins Gefängnis
werfen.
Die Sandinisten haben die
Katholische
Kirche behindert
indem
sie
ihre Vermögen
beschlagnahmten,
Seminaristen zum Wehrdienst einzogen
und Mitglieder des Klerus auswiesen.
Aber die Kirche setzt ihre Arbeit unerschrocken
fort.
Die Sandinisten
strangulieren
die
Privatwirtschaft
durch
staatliche Kontrollen.
Aber
die Unternehmer verteidigen weiterhin
ihr Recht auf wirtschaftliche Freiheit, über 20 000 Nicaraguaner haben
zu den Waffen gegriffen in der größten aufständischen Bewegung in der
Geschichte Lateinamerikas, einer demokratischen Revolte, die größer ist
als alle kommunistischen Untergrundbewegungen im heutigen Lateinamerika
zusammengenommen.
Die Frage ist nicht, ob sich das
Volk von Nicaragua durchsetzen kann,
sondern ob die freie Welt die Geduld
und Beharrlichkeit besitzt, sie während dieses langen Weges zu unterstützen.
Der nicaraguanische Widerstand braucht Zeit. Sein Gegner ist
eine
kommunistische
Regierung, die
sieben Jahre Zeit hatte, um ihre Kontrolle durch Geheimpolizei, Blockkomitees, die volle Kontrolle der inländischen Informationsmedien und die
größte Militärmacht in Mittelamerika
zu konsolidieren.
Durch diese totalitäre Kontrolle bieten die Sandinisten ein wesentlich schwierigeres
Ziel als dies bei Somoza im Jahr 1979

�der Fall war.
Die
Sandinisten
sind
jedoch
grundsätzlich verletzbar. Ihre Armee
ist keine nationale Armee sondern die
Parteiarmee der Sandinisten - sie ist
auf Zwangsrekrutierung aufgebaut und
wird
von
Desertionen
heimgesucht.
Das nicaraguanische Volk ist nicht
loyal gegenüber einer Revolution, die
ihren Glauben und ihre Werte mit den
Füßen tritt, den Nationalismus durch
die Einladung zu ausländischer Okkupation
pervertiert, die Wirtschaft
ruiniert, die benachbarten Demokratien unterwandert und im eigenen Land
einen
Bürgerkrieg
schafft.
Diese
Faktoren sind für das schnelle Anwachsen des Widerstandes verantwortlich und gewähren Unterstützung von
Seiten des Volkes, um viele Monate
tief innerhalb Nicaraguas operieren
zu können. Effektive politische Arbeit und verstärkte militärische Aktivität wird noch mehr Nicaraguaner
für diesen Kampf gewinnen.
Der Sieg der Demokratie in Nicaragua wird mehr als dem Eigeninteresse der Nicaraguaner dienen, die die
Freiheit wünschen - er wird weitergespannten wstlichen Interessen der Sicherheit
und
der
Ausbreitung
der
Freiheit
dienen.
Die Nicaraguaner
sind bereit, den Kampf auf sich zu
nehmen und bitten lediglich um Material von ihren Freunden.
Sicherlich
können wir es uns leisten, ihnen dies
sowie Verläßlichkeit und Geduld zu
gewähren. Wenn wir uns nicht in der
Zukunft einer schwereren Krise zu höheren Kosten aussetzen wollen, dann
können es sich die Vereinigten Staaten in der Tat nicht leisten, diese
Hilfe nicht zu gewähren.
So wie die Niederlage einer Demokratie die Gemeinschaft der Demokratien verkleinert, werden alle freien
Völker vom Erfolg neuer Demokratien

bereichert.
Die Ausdehnung demokratischer Freiheit über ganz Lateinamerika ist ein Erfolg, über den sich
alle Demokraten freuen sollten. Sie
ist eine historische Entwicklung, in
der sich für Lateinamerikaner die Erfüllung
eigener
Ideale
ausdrückt,
aber in einigen Fällen hat internationale Unterstützung beim Umschwung
zu einer gewählten Regierung mitgewirkt.

El Salvador ist ein gutes Beispiel
Das Jahr 1979 bezeichnete den Beginn der Hinwendung El Salvadors zur
Demokratie.
In den ersten Jahren
dieses
Experiments
glaubten
viele
gutinformierte und erfahrene Beobachter, daß die salvadoranische Demokratie nicht überleben würde. Die sozialen, politischen und wirtschaftlichen
Spannungen
seien
zu
groß.
Trotz der Anstrengungen ziviler Reformer
forderte
der
heimtückische
Krieg
der kommunistischen
Guerilla
einen hohen Zoll.
Die
Demokratie
hatte
mächtige
Feinde. Aber die Demokratie hatte in
El Salvador
auch Verbündete.
Das
salvadoranische Volk
selbst
zeigte
immensen Mut und Hartnäckigkeit. Demokraten in der gesamten Hemisphäre
halfen der Salvadoranern beim Aufbau
der Wirtschaft, dem Schutz ihrer Demokratie und Verteidigung gegen die
Kommunisten.
Heute halten die Kämpfe in Teilen
von El Salvador an, aber Präsident
Duarte und seine zivile christdemokratische
Regierung hat bedeutende
Fortschritte erzielt. Seit 1982 hat
das Land eine Reihe freier und geplanter Wahlen abgehalten, von denen
eine jede die schon erreichten demokratischen
Fortschritte
verstärkte.
Die zivilen Institutionen nehmen an

- 5 -

�Stärke zu.
Die politische Gewalt
wurde stark zurückgedrängt und nimmt
weiter ab.
Der politischen Opposition wird die freie Meinungsäußerung
gestattet - im Parlament, in der
Presse, in Gewerkschaften und Demonstrationen auf der Straße.
Das
vielleicht
hoffnungsvollste
Zeichen für den Erfolg der Demokratie
ist die Rückkehr von Exilanten. Salvadoraner, die ihre Heimat verlassen
hatten, weil freie Meinungsäußerung
ihr Leben gefährdete, sind in das
Land zurückgekehrt, um ihre Zukunft
innerhalb des demokratischen Prozesses abzustecken.
Einige von ihnen
waren einst der Überzeugung gewesen,
daß die gewaltsame Revolution die
einzige Antwort sei.
Der Erfolg der Demokratie in El
Salvador birgt in sich eine Lehre:
wenn Demokraten ihre Werte verteidigen, sich zusammenschließen und geduldig daran arbeiten, können sie Ergebnisse erzielen.
Heute besteht die größte Herausforderung für die Freiheit in Mittelamerika in Nicaragua - eine gänzlich
andere Situation als in El Salvador
in den Jahren 1980-1982 und ein Fall,
auf den die Lehre der demokratischen
Solidarität erst noch angewendet werden muß.

Das erste Problem - die direkte
Herausforderung
für die Sicherheit
der Vereinigten Staaten - ist nichts,
wo die Europäer sehr viel tun könnten.
Mittelamerika und die Karibik
sind weit von Europa entfernt und den
Vereinigten Staaten nah.
Sichelich
muß die Hauptverantwortung für die
militärische
Sicherheit
im Karibischen
Becken
bei
den
Vereinigten
Staaten liegen. Daß die Vereinigten
Staaten andere Mittel als eine militärische Intervention gewählt haben,
um den sowjetischen Versuch, dort die
beherrschende Macht zu werden, zu
durchkreuzen mag für einige beruhigend sein, aber bei dem besonderen
militärischen Problemann Europa verständlicherweise keine wichtige direkte Rolle spielen.
Das zweite Problem - die Zukunft
der Demokratie in Nicaragua und seinen Nachbarstaaten - ist jedoch derart, daß Europa eine entscheidende
Verantwortung trägt. Und es ist eine
Herausforderung, von der Europa sich
nur abwenden kann mit dem Risiko, die
ideelle Kraft hinter der atlantischen
Zusammenarbeit
aufzugeben.
Es ist
die Demokratie, die unserem gemeinsamen Kampf gegen Faschismus und totalitäre Übergriffe den Sinn verliehen
hat.
Es ist Zeit zu erkennen, daß
Demokratie
kein westliches Monopol
ist, daß nur von guten bürgerlichen
Würdenträgern genossen werden soll.

Was hat all dies mit Europa zu tun?
Eine ganze Menge.
Der Ausgang
des Freiheitskampfes in Nicaragua betrifft zwei grundlegende europäische
Interessen. Das erste ist die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten, Europas wichtigstem Partner im
atlantischen Bündnis. Das zweite ist
die Zukunft der Demokratie, was Impetus und bindende Kraft für das atlantische Bündnis selbst darstellt.

Amerikanern ist es oft schwergefallen zu verstehen, warum einige Europäer Nicaragua so viel Hilfe gewährt haben lange nachdem der Verrat
der demokratischen Werte durch die
Sandinisten
der
Welt
klargeworden
ist. Im Jahr 1985 ging zum Beispiel
über die Hälfte der von der Europäischen Gemeinschaft an Mittelamerika
gewährten Hilfe an das totalitäre Nicaragua, nicht an die Demokratien.

�Die mittelamerikanischen Demokratien
werden durch Zeichen ermutigt, daß
dieses Verhaltensmuster nun umgekehrt
wird.
Der Siegeszug der Demokratie in
ganz Lateinamerika ist eine dramatische historische Entwicklung
und
eine mächtige Kraft, die die verbleibenden Diktaturen in der Region bedrängt,
ihrem Volk
die
Regierung
selbst zu überlassen.
Umgeben von
Demokratien,
darunter
drei
neuen,
fühlen
die
Sandinisten
Nicaraguas
diesen Druck jeden Tag.
Ihre demokratische Maske hat das nicaraguanische Volk
nicht getäuscht.
Wie
Violeta de Chamorro, die Besitzerin
von La Prensa, Präsident Ortega in
einem Schreiben kurz nach der Schließung ihrer Zeitung durch die Sandinisten mitteilte: "....Das nicaraguanische Volk
verliert seinen Freiheitsgeist nicht und wird in selbst
in den schlimmsten Gulags, die Sie
sich ausdenken mögen, niemals verlieren."
Amerikaner und Europäer haben
allen
Grund,
dem
nicaraguanischen
Volk beizustehen, ihm zu helfen, seine Freiheit zu erringen und sich seinen Nachbarn in einer neuen Ära der
demokratischen Entwicklung in Mittelamerika anzuschließen.

* * * * * *
- 7 -

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik
18. Februar 1987

LEISTUNGSFÄHIG FÜRS 21. JAHRHUNDERT
Forscher als Partner der Industrie - Reform des naturwissenschaftlichen Unterrichts -

WASHINGTON - (AD) - Im Zusammenhang mit Präsident Reagans "Botschaft
zur Lage der Nation" veröffentlichte
das Weiße Haus Informationsmaterial
über einen dem US-Kongreß zugeleiteten Katalog von Maßnahmen und Vorschlägen zur Niveauverbesserung auf
wichtigen
Gebieten
des wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Lebens. Sie sind darauf abgestellt, für die Herausforderungen
des 21. Jahrhunderts besser gewappnet
zu sein und Chancen besser zu nutzen.
Die
überlegene
Wettbewerbsfähigkeit
Amerikas in der Weltwirtschaft sei

United States Information Service
Embassy of the United States of America

von größter Bedeutung für den Lebensstandard und die nationale Sicherheit, heißt es in der Faktensammlung.
Der Präsident strebe mit Regierungsmitteln ein Sechs-Pnkte-Programm an,
das helfen solle, ein hohes Leistungsniveau bis weit in das nächste
Jahrhundert hinein zu halten.
Vor
allem in die menschlichen Ressourcen
müsse mehr als bisher investiert werden.
Deshalb sei es u.a. erforderlich,
die Schul- und Bildungsreform fortzusetzen, Flexibilität am Arbeitsplatz

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�durch Umschulungsmaßnahmen, aber auch
die Mobilität der Arbeitskräfte zu
fördern. Desgleichen müsse die Weiterentwicklung von Naturwissenschaften und Technik unterstützt werden.
Dies geschehe nicht nur durch Verdoppelung des Budgets der Nationalen
Wissenschaftsstiftung
("National
Science Foundation"-NSF) im Verlauf
der nächsten fünf Jahre, sondern auch
durch die Schaffung neuer Wissenschafts- und Technologiezentren unter
gemeinsamer Regie von Staat und Privatwirtschaft, durch die Förderung
universitärer und industrieller Austauschprogramme
für
Wissenschaftler
und Ingenieure aus der Industrie und
deren zeitweilige Mitarbeit in Nationalen
Forschungslaboratorien.
Die
Zentren sollen an Universitäten eingerichtet werden und interdisziplinären Charakter haben.
Man wird sich
dort auf Grundlagenforschung konzentrieren, die direkte Beiträge zur
wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit
liefern
kann.
Insbesondere sollen
langfristige
naturwissenschaftlichtechnische Projekte auf Gebieten wie
Robotertechnik für die automatisierte
Fertigung
und die Mikroelektronik,
zur Verarbeitung
neuer
Materialien
und auf dem weiten Feld der Biotechnologie durchgeführt werden.
Durch
Regierungserlaß wird
die
Industrie
Zugang
zu
bundeseigenen
Wissenschafts- und
Technologieentwicklungen erhalten. Damit wird auch
der Informationsfluß von der Forschung
zur Industrie beschleunigt.
Wissenschaftler in bundeseigenen Laboratorien werden ermutigt, sich über
Patentrechte und Lizenzvergabe um die
Kommerzialisierung
ihrer Arbeit zu
bemühen, damit auch der private Sektor und die Masse der Konsumenten davon profitieren können. Die Beratertätigkeit
für die Wirtschaft soll
ausgebaut werden.

- 2

über
"Wissenschaftsunternehmer"
mit Verbindungen zu Laboratorien und
Wirtschaft, zu Wagniskapital und Universitäten will man den Technologietransfer und die Nutzbarmachung von
Spin-off-Produkten und Verfahren aus
Forschungs- und
Entwicklungsprogrammen von Bundeslaboratorien fördern.
Auf Weisung des Präsidenten werden
außerdem die amerikanischen Bundesministerien für Landwirtschaft, Handel,
Energie, Gesundheit und soziale Dienste, ferner die US-Behörde für Luftund Raumfahrt (NASA) ein "Technologie"-Teilhabeprogramm"
in
Angriff
nehmen.
Es beinhaltet
mehrjährige
gemeinsame Projekte aus der reinen
und angewandten Forschung durch Konsortien
amerikanischer
Firmen
und
Universitäten.
Damit die Industrie und die akademische Welt in den USA auch von
ausländischer Forschung und Technologie profitieren können, werden das
Außen- und
Handelsministerium
sowie
die NSF einen geeigneten Mechanismus
entwickeln, der gewährleistet, daß
entsprechende
Informationen
sofort
und effizient verfügbar werden. Auch
wird das Außenministerium für Wissenschaftler und Ingenieure aus Bundesbehörden, von Universitäten und aus
der Industrie Möglichkeiten schaffen,
um an amerikanischen Botschaften im
Ausland tätig zu sein.
Präsident Reagan schlägt vor, die
Grundlagenforschung, die seit 1981
bereits eine zusätzliche Förderung um
47 Prozent erfuhr, mit Regierungsgeldern künftig noch mehr zu unterstützen.
Im Haushaltjahr 1988 sind in
den um 12 Prozent angehobenen Mitteln
für Forschung und Entwicklung vier
Prozent für Grundlagenforschung vorgesehen.
Als Schwerpunkte von Forschungsund Entwicklungstätigkeit gelten:

�- Konstruktion
station;

und Bau einer

- Lithiumbatterien, die im Volumenoder Gewichtsvergleich eine fünfbis zehnfache Kapazität zum Speichern von Energie haben;

Raum-

- Entwicklung eines Raumflugzeuges;
- Radar
höchster
Zuverlässigkeit
für Kontrollsysteme der Luftfahrt
und für kommerzielle Flugzeuge;

- Weiterentwicklung von Raumfahrttechniken
für
nichtmilitärische
Zwecke auf der Basis bereits existierender Technologie im Interesse der amerikanischen Führungsrolle im Weltraum;
- weltweites
geowissenschaftliches
Forschungsprogramm, bei dem von
vornherein unser Planet samt Meeren und Atmosphäre als Ganzes
verstanden wird;
- Pflanzenforschungsprogramm,
das
auf die Verbesserung der Qualität
landwirtschaftlicher Produkte abzielt;
- verbesserte Fertigungstechniken;
- superschnelle
kreise;

integrierte Schalt-

- detaillierte Entschlüsselung und
Sequenzbestimmung
des
menschlichen Erbmaterials DNS.
Vom
US-Verteidigungsministerium,
dem in diesem Jahr etwa 17 Prozent
mehr Mittel für Forschung und Entwicklung,
Erprobung
und
Bewertung
(mehr als das Doppelte seit 1982) zur
Verfügung stehen sollen, fordert Präsident Reagan mehr Anstrengungen zu
einer beschleunigten Umsetzung seiner
Entwicklungen in "Spin-off"-Produkte
für die nichtmilitärische Anwendung.
Es werden folgende Schwerpunkte genannt:
- keramische Verbundmaterialien
leistungsfähigere Automotoren
Turbinen;

für
und

- Enzyme für bessere Verfahren zur
Beseitigung toxischer Abfälle und
zur Dekontaminierung.
Auch aus dem SDI-Programm dürften
sich wichtige Nebenprodukte für die
allgemeine Forschung und Entwicklung
ergeben, wie es schon beim APOLLO—
und Raumtransporterprogramm der Fall
war.

Appell an die Jugend
Zum ersten Jahrestag des CHALLENGER-Unglücks, bei dem am 28. Januar 1986 sieben amerikanische Astronauten ihr Leben verloren, kündigten
die Familien der Toten an, zum Gedächtnis ihrer Angehörigen ein "CHALLENGER-Zentrum" in Houston mit Zweigstellen im ganzen Land einrichten zu
wollen. Diese Zentren sollen der Jugend Ansporn geben und Informationen
über die vielfältigen Gebiete von
Raumfahrttechnik und Weltraumwissenschaften
vermitteln.
Schulkinder
sollen gemeinsam mit ihren Lehrern
mit Geräten arbeiten, selbst Experimente durchführen und sich mit Raumfahrttechnik vertraut machen können.
Präsident Reagan griff die Anregung auf und erklärte in einer Proklamation zum CHALLENGER-Jahr: "...Eines der Ziele der CHALLENGER-Mission
ist
es
gewesen,
wissenschaftliche
Aufgaben im Weltraum direkt ins Klassenzimmer zu bringen."
Die Jugend
solle motiviert werden, sich für Naturwissenschaften zu begeistern und

- 3 -

�Hervorragendes
zu leisten.

in

deren

Disziplinen

Inzwischen gab die Nationale Wissenschaftsstiftung bekannt, mit einem
großangelegten Programm zur Verbesserung der Lehrpläne in den Elementarund Sekundärschulen beizutragen und
naturwissenschaftlich
interessierte
Jugendliche in den höheren Klassen
der Oberschulen besonders zu fördern.
Die
frühzeitige
Ermutigung
aller
Schüler für Kernfächer durch logisch
aufgebaute Lehrpläne sei dabei ein
ganz kritischer Punkt.
Den einzelstaatlichen und lokalen Schulbehörden
sollen baldmöglichst Vorschläge zur
Reform der Lehrpläne für die ersten
Schuljahre gemacht werden, damit die
Schüler - für die Mehrzahl sei dies
erforderlich - in der Oberschule den
Anforderungen der naturwissenschaftlichen Fächer auch wirklich gewachsen
seien.
Schulbuch- und Lehrmittelverlage seien besonders gefordert, Material anzubieten, das Lehrer und Schüler
gleichermaßen
in
seinen
Bann
zieht.
Begabten Oberschülern werde
u.a. die Möglichkeit geboten, an einigen von der Bundesregierung mitfinanzierten Forschungslaboratorien zu
hospitieren.

* * * * * *

�</text>
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18. Februar 1993

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Bericht zur Lage der Nation

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wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Fax:0228-33 41 02

�LAGE

DER

NATION
18. Februar 1993

CLINTON ERLÄUTERT SEIN
WIRTSCHAFTSPROGRAMM
Bericht zur Lage der Nation
WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton hat im Kongreß ein weitreichendes Wirtschaftsprogramm vorgestellt,
das die amerikanische Wirtschaft wiederbeleben, das Haushaltsdefizit erheblich reduzieren und staatliche
Verschwendung und Ineffizienz abbauen soll.
In seinem Bericht zur Lage der Nation erklärte Clinton am 17. Februar 1993, er werde mittels scharfer Ausgabenkürzungen und durch Steuererhöhungen das Defizit innerhalb von vier Jahren um 140 Milliarden Dollar
kappen. Darüber hinaus versprach er jedoch auch mehr Investitionen in die öffentliche Infrastruktur, eine Reform
der Krankenversicherung sowie "einen Plan..., die Sozialhilfe in der uns bekannten Form zu beenden".
Nachfolgend veröffentlichen wir den vom Weißen Haus freigegebenen Text von Clintons Ansprache vor beiden
Häusern des Kongresses im Wortlaut. Es gilt das gesprochene Wort.

Wenn Präsidenten von diesem Podium zum Kongreß
und zur Nation sprechen, kommentieren sie für gewöhnlich das gesamte Spektrum der vor uns liegenden
Herausforderungen und Chancen. Dies sind jedoch
keine gewöhnlichen Zeiten. Bei all den vielen Aufgaben, die unsere Aufmerksamkeit erfordern, sind wir
aufgerufen, uns zu konzentrieren, uns zu vereinen und
zu handeln. Gemeinsam müssen wir unserer Wirtschaft zu neuer Blüte verhelfen.
Es ist allzu lange her - mindestens drei Jahrzehnte -,
seit ein Präsident die Amerikaner dazu aufgerufen hat,
mit ihm gemeinsam unseren großen nationalen Weg
zu gehen, nicht einfach die heute vorhandene Fülle zu
konsumieren, sondern für ein besseres Morgen zu
investieren.
Ebenso wie jeder einzelne müssen Nationen letztlich
entscheiden, wie sie ihr Leben gestalten möchten was diejenigen von ihnen denken sollen, mit denen sie
leben, und - später - wie sie von der Geschichte
beurteilt werden möchten. Wie jeder Mann und jede
Frau müssen sie entscheiden, ob sie bereit sind, mit
den ihnen von der Geschichte gegebenen Chancen zu
wachsen.
Wir sind stets ein Volk voll jugendlicher Energie und
Wagemut gewesen. Und in diesem historischen
Augenblick, da der Kommunismus abgetreten ist, da
sich die Freiheit auf der ganzen Welt ausbreitet, da

Sonderdienst

eine Weltwirtschaft vor unseren Augen Gestalt annimmt, haben die Amerikaner den Wandel gefordert und jetzt ist es an uns, den in diesem Saal Versammelten, die Erwartungen zu erfüllen.
Unsere Nation braucht einen neuen Kurs. Heute
abend stelle ich Ihnen unseren umfassenden Plan vor,
um unsere Nation auf diesen neuen Kurs zu bringen.
Ich gehe davon aus, daß wir unseren neuen Kurs in
den Grundwerten finden werden, die uns hierher gebracht
haben: Chancen, Verantwortlichkeit des einzelnen,
Gemeinde, Arbeit, Familie und Glaube. Wir müssen
mit den alten Gewohnheiten beider politischer Parteien in Washington brechen. Wir müssen sagen, daß es
nicht länger für nichts eine Gegenleistung gibt, und
darin sind wir alle vereint.
Die Bedingungen, die uns an diesen Punkt gebracht
haben, sind wohlbekannt. Zwei Jahrzehnte niedriger
Produktivität und stagnierender Löhne, anhaltender
Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung. Jahre riesiger Staatsdefizite und abnehmender Investitionen in
unsere Zukunft, explodierender Kosten im Gesundheitswesen und mangelnden Krankenversicherungsschutzes. Legionen armer Kinder, schulische und
Ausbildungschancen, die den Anforderungen einer
Wirtschaft mit hohen Löhnen und starkem Wachstum
unangemessen waren. Zu lange sind wir ohne echten
Sinn für Ziele, Verantwortlichkeit oder Gemeinschaft

Seite 1

�dahingetrieben, und unser politisches System wurde
allzu oft von Interessengruppen, Parteiengezänk und
der schieren Komplexität unserer Probleme gelähmt.

jedoch möchte ich sagen: Die Regierung kann dies
nicht allein leisten. Der Privatsektor ist die Lokomotive
des Wirtschaftswachstums in Amerika. Und jeder von
uns kann eine Lokomotive des Wandels in unserem
Ich weiß, daß wir es besser machen können, weil dies eigenen Leben sein. Wir müssen den Menschen mehr
nach wie vor das großartigste Land der Welt ist, die Chancen geben, aber wir müssen als Gegenleistung
stärkste Volkswirtschaft und die einzige militärische auch mehr Verantwortlichkeit fordern.
Supermacht der Welt. Wenn wir die Vorstellungskraft,
den Willen und das Herz haben, die Veränderungen Unsere unmittelbare Priorität gilt der Schaffung von
vorzunehmen, die wir vornehmen müssen, werden wir Arbeitsplätzen jetzt. Einige behaupten, wir befänden
mit Möglichkeiten in das 21. Jahrhundert eintreten, die uns in einer wirtschaftlichen Erholung. Nun, wir alle
sich unsere Eltern nicht einmal hätten träumen lassen, hoffen dies. Aber wir schaffen einfach keine Arbeitsund wir werden den Amerikanischen Traum für uns plätze. Und kein Konjunkturaufschwung ist einen
selbst und für künftige Generationen gesichert haben. Pfifferling wert, wenn er nicht mit neuen Arbeitsplätzen
beginnt.
Ich erinnere mich sehr gut daran, wie vor zwölf Jahren
Ronald Reagan an diesem Podium stand und dem Um Arbeitsplätze zu schaffen und einen nachhaltigen
amerikanischen Volk erklärte, wenn man unsere Schul- Aufschwung zu garantieren, fordere ich den Kongreß
den in Dollarscheinen aufeinandertürmte, ergäbe sich auf, ein Sofortprogramm zur Schaffung von Arbeitsein Haufen von 67 Meilen Höhe. Heute wäre dieser plätzen in Höhe von über 30 Milliarden Dollar zu
Haufen 267 Meilen hoch.
verabschieden. Wir werden den Menschen unverzüglich Arbeit bringen und eine halbe Million neuer ArbeitsIch erzähle ihnen das nicht, um jemandem die Schuld plätze schaffen: Arbeitsplätze, mit denen unsere
für dieses Problem zu geben. Man kann überall Autobahnen und Flughäfen erneuert, Häuser renoSchuldzuweisungen vornehmen - bei beiden Seiten viert, neues Leben in ländliche Kleinstädte getragen
der Regierung und beiden Parteien. Die Zeit der und Hoffnung und Chancen bei der Jugend unseres
Schuldzuweisungen ist beendet. Ich bin hierher ge- Landes verbreitet werden, die allein in diesem Somkommen, um Verantwortung zu übernehmen. Ich mer nahezu 700.000 Arbeitsplätze erhalten soll. Und
möchte, daß Sie Verantwortung für die Zukunft dieses ich lade die führenden Köpfe der amerikanischen
Landes übernehmen, und wenn wir es richtig machen, Wirtschaft ein, sich uns in diesen Bemühungen anzudann ist es mir egal, wer dafür die Lorbeeren erntet.
schließen, damit wir gemeinsam in Städten und armen
ländlichen Gebieten eine Million Ferienjobs für junge
Unser Plan besteht aus vier grundlegenden Kompo- Menschen schaffen können.
nenten:
Erstens kehrt er unseren wirtschaftlichen Ab- Zweitens weist unser Plan über den gegenwärtigen
schwung um, indem die Wirtschaft kurzfristige Wirtschaftszyklus hinaus, weil unsere Bestrebungen
Impulse erhält und langfristig in unsere Men- in das nächste Jahrhundert reichen. Der Kern unseres
schen, ihre Arbeitsplätze und ihre Einkommen Planes ist langfristig angelegt. Er beinhaltet ein Investitionsprogramm, das in den Bereichen, die für unsere
investiert wird.
wirtschaftliche Zukunft entscheidend sind, öffentliche
Zweitens verwandeh er das Geredevon gestern und private Investitionen ankurbeln soll. Und er beinin die Taten von heute, indem Arbeit und Familie haltet ein Programm zum Defizitabbau, das die für
in jedem Teil unseres Lebens geschätzt wer- Investitionen des privaten Sektors zur Verfügung stehenden Ersparnisse erhöhen, die Zinssätze senken,
den.
den von Zinszahlungen aufgefressenen Prozentsatz
Drittens sieht er eine erhebliche, ehrliche und des Bundeshaushalts abbauen und das Risiko von
glaubwürdige Verringerung des Defizits im Bun- Turbulenzen auf den Finanzmärkten verringern wird,
deshaushalt vor.
die die Wirtschaft belasten könnten.
Schließlich verdient er sich das Vertrauen des
amerikanischen Volkes, indem diese Pläne zuerst
durch Einschnitte bei staatlicher Verschwendung und Ineffizienz bezahlt werden - Kürzungen, nicht Tricks, bei den Staatsausgaben - und
endlich einmal durch Fairneß in der Art und
Weise, wie die Lasten getragen werden.
Heute abend möchte ich zu Ihnen darüber sprechen,
was die Regierung tun kann, weil ich der Ansicht bin,
daß unsere Regierung mehr für die hart arbeitenden
Menschen tun muß, die für sie bezahlen. Zunächst

Seite 2

Langfristig sollte all dies zu stärkerem Wirtschaftswachstum, verbesserter Produktivität, höheren Löhnen, mehr qualitativ anspruchsvollen Arbeitsplätzen
und einer verbesserten Wettbewerbsposition in der
Weltwirtschaft führen.
Um öffentliche Investitionen und Defizitabbau zu verwirklichen, werden die Staatsausgaben gesenkt und
die Steuern erhöht. Unsere Ausgabenkürzungen wurden
sorgfähig durchdacht, um zu versuchen, wirtschaftliche Auswirkungen zu minimieren, die Friedensdividende für Investitionszwecke zu nutzen und die Gewichte

Sonderdienst

�im Haushalt vom Verbrauch zu Investitionen zu verschieben. Die Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen sind beide darauf angelegt, zu gewährleisten,
daß die Kosten dieses historischen Programms zur
Behandlung und Bewältigung unserer Probleme von
denen getragen werden, die sich diese Kosten am
ehesten leisten können.

te zur Reformierung unseres Krankenversicherungssystems unternehmen. Die Unternehmen der Vereinigten Staaten werden niemals stark sein, die Familien
Amerikas werden niemals sicher sein und die Regierung der Vereinigten Staaten wird niemals solvent
sein, wenn wir nicht unsere Krise in der Krankenversicherung in den Griff bekommen.

Unser Plan zielt darauf ab, die Gesundheit der amerikanischen Wirtschaft durch niedrigere Zinssätze, eine
verbesserte Infrastruktur, besser ausgebildete Arbeitnehmerund eine stärkere Mittelschicht zu verbessern.
Weil kleine und mittlere Unternehmen die meisten
Arbeitsplätze schaff en, beinhaltet u nser Plan die kühnsten auf kleinere Unternehmen gerichteten Anreize in
der Geschichte. Wir schlagen eine auf Dauer bestehende Steuervergünstigung für Investitionen von Kleinunternehmen sowie neue Vorteile für Unternehmer
vor, die bereit sind, Risiken einzugehen. Wir werden
kleineren Unternehmen Zugang zu den brillanten
Technologien unserer Zeit und zu den Krediten verschaffen, die sie benötigen, um zu blühen und zu
gedeihen.

Die steigenden Kosten und der Mangel an medizinischer Versorgung gefährden sowohl unsere Wirtschaft
als auch unser Leben. Die Kostendämpfung im Gesundheitswesen wird mehrere hundert Milliarden Dollar für Investitionen und Wachstum und neue Arbeitsplätze freisetzen. Langfristig ist die Reform der Krankenversicherung unerläßlich, um unser Defizit abzubauen und die Investitionen zu erhöhen.

Mit einem neuen Netz von Gemeindeentwicklungsbanken sowie 1 Milliarde Dollar, um den Traum von
Unternehmenszonen zu verwirklichen, werden wir
beginnen, neue Hoffnung und neue Arbeitsplätze indie
Geschäfte und Fabriken von Süd-Boston bis SüdTexas und South-Central Los Angeles zu tragen.
Unser Plan investiert in unsere Straßen, Brücken,
Nahverkehrssysteme, in Hochgeschwindigkeitszüge
und spitzentechnologische Informationssysteme sowie in die ehrgeizigste Beseitigung von Umweltschäden unserer Zeit.
An der Schwelle des neuen Jahrhunderts hängt Wirtschaftswachstum wie nie zuvor von der Öffnung neuer
Märkte in Übersee ab. Deshalb werden wir auf fairen
Handelsregeln auf den internationalen Märkten bestehen.
Ein Teil unserer nationalen Wirtschaftsstrategie muß
die Ausweitung des Handels zu fairen Bedingungen
sein, darunter der erfolgreiche Abschluß der jüngsten
Runde von Welthandelsgesprächen. Ein Nordamerikanisches Freihandelsabkommen mit angemessenen
Sicherheiten für Arbeitnehmer und die Umwelt. Gleichzeitig benötigen wir einen aggressiven Versuch zur
Schaffung zukunftsträchtiger Arbeitsplätze in der Spitzentechnologie, besondere Konzentration auf angeschlagene Branchen wie Flugzeugbau und Fluggesellschaften sowie besondere Hilfen für freigesetzte Arbeitskräfte, etwa in unserer Rüstungsindustrie.
Ich verspreche, daß Wirtschaft, Regierung und Gewerkschaften partnerschaftlich zusammenarbeiten
werden, um Amerika für den Wandel zu stärken.
Alle unsere Bemühungen zur Stärkung der Wirtschaft
werden jedoch scheitern, wenn wir nicht kühne SchritSonderdienst

Dieses Frühjahr werde ich dem Kongreß einen umfassenden Plan zur Reform der Krankenversicherung
unterbreiten, der endlich die Kosten unter Kontrolle
bringen wird. Wir werden allen unseren Familien
Sicherheit gewähren, damit niemandem der benötigte
Versicherungsschutz verwehrt wird. Wir werden Betrug und unverschämte Gebühren ausmerzen und
gewährleisten, daß Sie oder Ihr Arzt nicht länger von
der Bürokratie erstickt werden. Und wir werden amerikanische Standards aufrechterhalten - die qualitativ
beste medizinische Versorgung der Welt und die
Wahlmöglichkeiten, die wir verlangen und verdienen.
Das amerikanische Volk erwartet von uns, daß wirdas
Problem der Krankenversicherung bewältigen. Und
wir müssen dies jetzt tun.
Der vielleicht grundlegendste Wandel, den unser neuer
Kurs bietet, liegt in seiner Konzentration auf die Zukunft und die Investitionen, die wir bei unseren Kindern
anstreben.
Jeder Tag der Verzögerung fordert einen hohen Preis.
Die Hälfte unserer Zweijährigen erhalten keine Schutzimpfungen gegen tödliche Krankheiten. Unser Plan
wird sie für jedes in Frage kommende Kind bereitstellen. Und wir sparen zehn Dollar für jeden Dollar, den
wir ausgeben, indem wir verhütbare Kinderkrankheiten beseitigen.
Das Ernährungsprogramm für Frauen, Säuglinge und
Kinder (WIC) wird ausgebaut werden, damit jede
Schwangere, die unserer Hilfe bedarf, sie erhält.
Head Start - ein Programm, das Kinder auf die Schule
vorbereitet - ist eine Erfolgsgeschichte. Es spart Geld,
aber es erreicht heute lediglich ein Drittel aller in Frage
kommenden Kinder. Im Rahmen unseres Planes
werden wir jedes anspruchsberechtigte Kind einbeziehen. Investitionen in Head Start und WIC sind nicht nur
richtig, sie sind klug. Für jeden Dollar, den wir heute
investieren, sparen wir morgen drei.
Amerika muß mehr von unseren Schülern, unseren
Lehrern und unseren Schulen verlangen. Und wir

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�müssen ihnen die Mittel geben, die sie benötigen, um Wir bitten die Väter und Mütter, mehr Verantwortung
hohe Normen zu erfüllen.
für ihre Kinder zu übernehmen. Und wir werden hart
gegen die Eltern vorgehen, die sich vor UnterhaltszahWir werden Wirtschaft und Schulen zusammenbrin- lungen für ihre Kinder drücken wollen.
gen, um neue Lehrstellen zu schaffen und jungen
Menschen die Fähigkeiten zu vermitteln, die sie heute Wir wollen unsere Familien vor Gewaltverbrechen
benötigen, um die produktiven Arbeitsplätze von mor- schützen, die die Menschen in Angst und Schrecken
gen zu finden.
versetzen und unsere Gemeinden zerreißen. Wir
müssen ein strenges Gesetz zur Bekämpfung der
Lebenslanges Lernen wird Arbeitnehmern während Kriminalität verabschieden. Wir brauchen auf unseren
ihrer gesamten Karriere nützlich sein. Wir müssen ein Straßen 100.000 zusätzliche Polizisten, müssen für
neues einheitliches Ausbildungssystem für Arbeitneh- nicht gewalttätige Erststraftäter Erziehungslager einmer schaffen, damit Arbeitnehmer unabhängig davon richten und abgebrühte Kriminelle hinter Gitter brinausgebildet werden, warum sie ihren Arbeitsplatz gen. Wir haben die Pflicht, den Waffenbesitz von
verloren haben.
Kriminellen zu verhindern. Wenn Sie das BradyGesetz verabschieden, werde ich es unterzeichnen.
Unser Programm eines nationalen Dienstes wird allen
Amerikanern Kredite für den Collegebesuch verfügbar Damit die Regierung den Steuerzahlern aus der Mittelmachen und sie dazu auffordern, ihrem Land etwas schicht dient und nicht besonderen Interessengrupzurückzugeben - als Lehrer, Polizeibeamte, Sozialar- pen, müssen wir unser politisches System reformiebeiter. Dies wird ein historischer Wandel von der ren.
Dimension der Land Grant Colleges und der Gl Bill
sein. Hundert Jahre später werden Historiker, die ihre Ich bitte den Kongreß, eine wirkliche WahlkampffiAusbildung unserem Plan für einen nationalen Dienst nanzreform durchzuführen. Wir wollen die Macht
verdanken, Ihrer Vision ihren Respekt bezeugen.
bestimmter Interessengruppen verringern und die
Beteiligung der Bevölkerung erhöhen. Wir sollten die
Wir glauben an Arbeitsplätze, wir glauben an das Steuersenkungen für den Lobbyismus bestimmter
Lernen, und wir glauben an die Belohnung von Arbeit. Interessengruppen abschaffen und das Geld zur
Wir glauben an die Wiederherstellung der Werte, die Säuberung unseres politischen Systems verwenden.
Amerika zu einem besonderen Ort machen.
Und wir sollten schnell die entsprechenden Gesetze
verabschieden, um Lobbyisten zur Offenlegung ihrer
Jede Arbeit hat ihre Würde, und alle Arbeitenden
müssen in Würde leben. Denjenigen, die unsere Aktivitäten zu zwingen.
Kranken pflegen, sich um unsere Kinder kümmern und
die erschöpfendsten und schwierigsten Arbeiten verrichten, können wir im Rahmen unseres neuen Kurses
die feierliche Versprechung geben:

Um die Regierung von Grund auf umzugestalten,
müssen wir jedoch sicherstellen, daß sie nicht über
ihre Verhältnisse lebt. Und das beginnt an der Spitze
- im Weißen Haus. In den letzten Wochen habe ich 25
Durch die Ausweitung der Steuervergünstigung für Prozent des Personals im Weißen Haus abgebaut und
selbstverdientes Einkommen werden wir Geschichte damit zehn Millionen Dollar eingespart. Ich habe
machen: Wir werden dazu beitragen, daß die Arbeit Kürzungen im Verwaltungsbudget von Behörden und
von Millionen einkommensschwacher berufstätiger Ministerien angeordnet und 100.000 Stellen in der
Amerikaner belohnt wird. Unser neuer Kurs zielt Verwaltung der Bundesregierung abgebaut, was insdarauf ab, ein ebenso mächtiges wie einfaches Prinzip gesamt zu einer Einsparung von 9 Milliarden Dollar
in die Praxis umzusetzen: Wer ganztätig arbeitet, führen wird. Fürdie Regierung ist die Zeit gekommen,
ebenso bescheiden zu leben wir jeder andere Haushalt
sollte nicht arm sein.
in Amerika. Aus diesem Grunde begrüße ich die
Im Laufe dieses Jahres werden wir einen Plan vorle- heutige Entscheidung des Kongresses, ähnliche Schritgen, die Sozialhilfe in der uns bekannten Form zu te zur Kostensenkung im eigenen Haus zu unternehbeenden.. Niemand möchte das Sozialhilfesystem so men. Gemeinsam können wir dem amerikanischen
gerne ändern wie diejenigen, die darin gefangen sind. Volk zeigen, daß wir seinen Ruf nach Wandel gehört
haben.
Wir werden den von der Sozialhilfe Abhängigen die
Bildung und Ausbildung, Kinderbetreuung und Ge- Aber wir können noch weiter gehen. Heute abend
sundheitsfürsorge anbieten, die sie brauchen, um wieder habe ich ein einjähriges Einfrieren der Gehälter für
auf die Beine zu kommen. Nach Ablauf von zwei Beschäftigte der Bundesregierung gefordert. Nach
Jahren müssen sie dann wieder arbeiten - wenn möglich Ablauf dieser Zeit werden diese Gehälter in geringein der Privatwirtschaft, wenn nötig im öffentlichen rem Maße steigen als die Inflationsrate.
Dienst. Jetzt ist die Zeit gekommen, den Bezug von
Wir müssen die Regierung neu erfinden, damit sie wieSozialhilfe als Lebensform zu beenden.
der funktionsfähig wird. Wir werden auf eine innovatiUnser nächstes großes Ziel ist die Stärkung der ve Bildungsreform drängen, um den Lernprozeß zu
verbessern und nicht einfach mehr Geld ausgeben.
amerikanischen Familien.
Seite 4

Sonderdienst

�Wir werden den Superfund zur Beseitigung der Um- Im Rahmen der Umstrukturierung der US-Streitkräfte
weltverschmutzung nutzen und nicht einfach das Ein- zur Bekämpfung der neuen Gefahren in der Welt nach
kommen der Juristen erhöhen. Wir werden unser dem Kalten Krieg können wir unseren VerteidigungsBundesbanksystem gesetzlich regeln, nicht nurumdie etat auf verantwortungsvolle Weise kürzen. Niemand
Sicherheit unserer Finanzinstitutionen zu gewährlei- sollte jedoch einen Zweifel daran haben, daß die unter
sten, sondern auch um uns aus der Kreditfalle zu der Flagge der Vereinigten Staaten dienenden Männer
befreien. Wir werden die gesamte Ausrichtung unse- und Frauen die am besten ausgebildeten, am besten
rer Programme zur Bekämpfung der Armut ändern - ausgerüsteten, am besten vorbereiteten Streitkräfte
von Anspruchsdenken zu Befähigungsdenken.
der Welt sein werden, solange ich Präsident bin.
Jahrelang wurde ständig überdas Defizit geredet, aber
wenige glaubwürdige Anstrengungen zu seinem Abbau unternommen. Dieser Plan befaßt sich mit diesem
Problem. Unser Plan nimmt das Haushaltsdefizit in
Angriff - ernsthaft und langfristig. Wir werden eine der
größten Reduzierungen des Haushaltsdefizits und die
größte Änderung unserer staatlichen Prioritäten in der
Geschichte zur gleichen Zeit durchführen.

Mit Unterstützung einer gestrafften und effektiveren
Landesverteidigung und einer stärkeren Wirtschaft
wird unsere Nation bereit sein, die Führungsrolle in
einer Welt zu übernehmen, die sich den Herausforderungen ethnischer Konflikte, der Verbreitung von
Massenvernichtungswaffen, der globalen demokratischen Revolution und dem Schutz unserer Umwelt
stellen muß.

Wir bauen nicht das Defizit ab, weil uns die Experten
dazu raten. Wir bauen das Defizit ab, damit es sich Ihre
Familie leisten kann, die Kinder aufs College zu schikken. Wir bauen das Defizit ab, damit Ihre Kinder eines
Tages in der Lage sind, sich ein eigenes Haus zu
kaufen. Wir bauen das Defizit ab, damit Ihr Unternehmen in die Umschulung seiner Angestellten und die
neue Ausrüstung seiner Fabriken investieren kann.
Wir bauen das Defizit ab, damit die Regierung Investitionen tätigen kann, die uns stärker, klüger und sicherer machen.

Unser Wirtschaftsplan ist ehrgeizig, aber er ist notwendig, damit unser Land weiterhin Rang und Macht hat.
Und wir werden auf faire Weise dafür zahlen - indem
wir in der Regierung Einsparungen vornehmen und
von denen, die in der Vergangenheit am meisten
profitiert haben, jetzt das meiste erwarten - indem wir
mehr Amerikaner um ihren Beitrag heute bitten, damit
es allen Amerikanern morgen besser geht.

Wenn wir jetzt nicht handeln, werden wir dieses Land
in zehn Jahren nicht mehr wiedererkennen. In zehn
Jahren wird das jährliche Haushaltsdefizit auf 635
Milliarden Dollar angewachsen sein, die nationale
Verschuldung wird sich auf nahezu 80 Prozent unseres Bruttoinlandsprodukts belaufen. Die Zinszahlungen für diese Schulden werden das kostspieligste
Regierungsprogramm überhaupt sein, und wir werden
weiterhin der größte Schuldner der Welt sein, der
einen Großteil seiner Investitionen nur in Abhängigkeit
von Auslandsgeldern tätigen kann.
Unser Haushalt wird bis 1997 140 Milliarden Dollar
unseres Defizits abbauen - eine der größten tatsächlichen Einsparungen auf der Ausgabenseite, die jemals von einem amerikanischen Präsidenten vorgenommenen wurden. Wir nehmen mehr als 150 schwierige, schmerzhafte Kürzungen vor, wodurch die Staatsausgaben um 246 Milliarden Dollar gesenkt werden.
Wir streichen nutzlos gewordene Programme, beispielsweise bei der Forschung und Entwicklung von
Atomkraft. Wir werden bei Subventionen drastische
Kürzungen vornehmen und verschwenderische Projekte einstellen. Viele dieser Programme hatten früher
durchaus ihre Berechtigung. Aber wenn wir mit neuen
Plänen beginnen, müssen wir alte abschaffen. Die
Regierung hat ihre Fähigkeit zum Entwurf von Programmen unter Beweis gestellt. Jetzt müssen wir
zeigen, daß wir auch zu ihrer Begrenzung fähig sind.

Sonderdienst

Ich fordere Sie auf, den Spitzensteuersatz für die
Wohlhabendsten - diejenigen, die mehr als 180.000
Dollar im Jahr verdienen - von 31 Prozent auf 36
Prozent zu erhöhen. Unser Plan empfiehlt eine zehnprozentige Ergänzungsabgabe auf 250.000 Dollar im
Jahr übersteigende Einkommen. Wir werden die
Schlupflöcher stopfen, die es einigen ermöglichen,
ohne Steuerzahlungen davonzukommen.
Für Unternehmen mit einem zu versteuernden Einkommen über 10 Millionen Dollar werden wir die Körperschaftssteuer auf 36 Prozent erhöhen. Und wir
werden die Steuersenkungen für Aufwandsentschädigungen abbauen.
Unser Plan nimmt die Steuersubventionen in Angriff,
die diejenigen Unternehmen belohnen, die Aufträge
nach Übersee vergeben. Wir werden durch eine
wirksame Kontrolle der Steuerzahler sicherstellen,
daß ausländische Unternehmen, die in Amerika Gewinne
erzielen, unserem Land die Steuern zahlen, die sie ihm
schulden.
An die Angehörigen der Mittelschicht gerichtet sage
ich folgendes: Sie sind nicht länger alleine; Sie werden
nicht länger vorgeschickt; Sie werden nicht länger
mehr zahlen und weniger bekommen. 98,8 Prozent
aller amerikanischen Familien werden keinen höheren
Einkommensteuersatz haben. Nur bei den reichsten
1,2 Prozent wird dieser Satz steigen.
Ich möchte eines klarstellen: Es wird keine erneuten
Leistungskürzungen für die bei Medicare Versicherten

Seite 5

�geben. Es wird Kürzungen bei den Zahlungen an
diejenigen geben, die Leistungen erbringen - Ärzte,
Krankenhäuser und Laboratorien -, um die Kosten im
Gesundheitswesen zu kontrollieren. Diese Kürzungen
sind lediglich ein Notbehelf bis zur Reform des gesamten Gesundheitssystems. Ich möchte das noch einmal
wiederholen, denn das ist mir sehr wichtig und wie ich
weiß auch Ihnen: Dieser Plan sieht keine erneuten
Leistungskürzungen für die bei Medicare Versicherten
vor.
Die einzige Änderung, die wir im Rentenversicherungssystem vornehmen, besteht darin, unsere älteren Mitbürger mit höherem Einkommen, die nicht allein
von der Rente leben, um einen größeren Beitrag zu
bitten. 80 Prozent der Rentenbezieher sind davon
nicht betroffen. Wenn Sie jetzt ihre Renten nicht
versteuern müssen, werden Sie das auch unter diesem neuen Plan nicht tun müssen.
Unser Plan umfaßt eine Energiesteuer als bestes
Mittel, uns neue Einnahmen zur Senkung des Defizits
und für Investitionen in unsere Menschen zu verschaffen. Außerdem reduziert diese Steuer im Gegensatz
zu anderen Steuern die Umweltverschmutzung, verbessert die Energienutzung und vermindert unsere
Abhängigkeit von aus instabilen Regionen der Welt
stammendem Erdöl.

Heute abend muß das amerikanische Volk erfahren,
daß wir Veränderungen brauchen. Aber es wird
wahrscheinlich auch fragen, ob wir die Kraft haben,
diese Veränderungen auch herbeizuführen. Es weiß,
daß sobald wir dieses hohe Haus verlassen haben, die
Interessengruppen mit aller Macht ans Werk gehen
und die von uns angestrebten Veränderungen zu
verhindern trachten. Die Verfechter des "gesunden
Menschenverstands" werden tausend Gründe finden,
warum dies und jenes nicht getan werden kann. Unser
Volk wird dem zusehen und sich fragen, ob etwa doch
alles beim Alten bleibt.
Daher müssen wir die Mauern seiner Skepsis Stein für
Stein abbauen, nicht mit Worten, sondern mit Taten.
Nach so vielen Jahren des Festgefahrenseins und der
Unschlüssigkeit, nach so vielen hoffnungsvollen Anfangen und so wenigen vielversprechenden Ergebnissen werden die Amerikaner ein hartes Urteil fällen,
wenn wir die Stunde nicht nutzen.
Dieser Wirtschaftsplan kann nicht jedem genehm sein.
Wenn man dieses Paket auseinandernimmt, wird jeder etwas finden, das ihn ärgert. Aber insgesamt
genommen, wird es uns allen helfen.

Widerstehen Sie der Versuchung, sich lediglich auf die
Ausgabenkürzung zu konzentrieren, die Ihnen nicht
gefällt oder auf nicht getätigte Investitionen. Niemand
Zusammengenommen kosten diese Maßnahmen eine freut sich über Steuererhöhungen. Aber wir wollen den
amerikanische Familie mit einem Einkommen von Tatsachen ins Auge sehen: 20 Jahre lang sind die
40.000 Dollar pro Jahr weniger als 17 Dollar im Monat. Einkommen nicht gestiegen. Seit Jahren sind die
Aufgrund weiterer von uns vorgeschlagener Program- Schulden explosionsartig angestiegen. Wir können es
me werden Familien mit einem Jahreseinkommen uns nicht länger leisten, die Augen vor der Realität zu
unter 30.000 Dollar praktisch überhaupt keine zusätz- verschließen. Wir müssen mit den Karten spielen, die
lichen Steuern zahlen. Infolge unserer öffentlich be- wir auf der Hand haben.
kundeten Entschlossenheit, das Defizit abzubauen,
sind die Zinssätze seit der Wahl gefallen. Für die Wir können unser Programm nicht einfach auf die
Mittelschicht bedeutet das, daß die erhöhten Energie- Frage hin untersuchen: Was kommt dabei für mich
kosten durch die niedrigeren Zinsen für Hypotheken, heraus? Vielmehr muß die Frage lauten: Was kommt
Verbraucherkredite und Kreditkarten mehr als aus- dabei für uns heraus?
geglichen werden. Das ist eine weise Investition zu
Wenn wir hart arbeiten - und zusammenarbeiten -,
Ihrem Nutzen und zu dem Ihres Landes.
wenn wir uns wieder der Stärkung unserer Familien,
Ich fordere alle Amerikaner auf, sich vor Augen zu der Schaffung von Arbeitsplätzen und der Neugestalhalten, was es kosten würde, nichts zu ändern, keinen tung der Regierung widmen, können wir die Geschicke
neuen Kurs einzuschlagen. Wenn wir nicht den Mut Amerikas wieder zum Besseren wenden.
haben, unsere Zukunft zu gestalten, anstatt uns etwas
Heute abend bitte ich jeden hier im Kongreß Anwesenvon ihr zu borgen, verurteilen wir uns selbst zu einer
den - und jeden Amerikaner - in sich zu gehen, Hoffjahrelangen, nur von Rezessionen unterbrochenen
nung zu wecken, die Phantasie spielen zu lassen. In
Stagnation, zu langsamem Wachstum von Arbeitsunserer Nation gibt es so viele gute Dinge, so viele
plätzen, keinerlei Einkommenserhöhungen, zu höheChancen, so viel Interessantes. Wenn wir, wie das
rer Verschuldung und größerer Enttäuschung.
führende Länder tun sollten, mutig handeln, werden
Was noch schlimmer ist: Wenn wir nichts ändern, Fortschritt und Wohlstand unser Vermächtnis sein.
wenn wir nicht das Defizit abbauen, die Investitionen Das wird dann Amerikas neuer Kurs sein. Wir wollen
und die Produktivität erhöhen und damit Arbeitsplätze allen Mut zusammennehmen, um die Stunde zu nutschaffen, werden wir unsere Kinder und Kindeskinder zen.
zu weniger Lebensqualität und einem schlechteren
Ich danke Ihnen. Guten Abend. Gott segne Amerika.
Los verurteilen.
* * * * *
Seite 6

Sonderdienst

{

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                <text>&lt;strong&gt;1. Literatur&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Amerikanische Roman - neun repräsentative Stimmen unserer Zeit (III)&lt;br /&gt;&lt;em&gt;3. Folge einer Serie von 4 Artikeln&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Erziehungswesen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Lernen wird Vergnügen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Die "Lehrmaschine" - neues Hilfsgerät für den Unterricht&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von George R. Price&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Die Wissenschaft notiert&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neue Versuche zur Farbwahrnehmung des Auges&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Millionen andere "Erden" im Universum?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Untersee-Schluchten und Sandströme im Pazifik entdeckt&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Strahlenbeständige Flüssigkeiten und Schmiermittel&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Magnetfeld verzögert Rotationsbewegung der Satelliten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Blick über 1 Milliarde Lichtjahre&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Anhang&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Westmächte veröffentlichen gemeinsamen Abrüstungsplan&lt;br /&gt;&lt;em&gt;US-Außenministerium veröffentlichte am 15. März 1960 den Fünf-Mächte-Arbeitsplan für Genf&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
VON

4

1 8 . März 198 7

11

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan nimmt Weinberger und Shultz in Schutz
- Präsident Reagans Rundfunkansprache -

Wick; Sowjetischer "Glasnosf-Kampagne mit Vorsicht begegnen
- Auszüge aus einer Ansprache vor dem Verband der amerikanischen
Werbewirtschaft -

HINTERGRUNDMATERIAL
An Erprobung und Stationierung von SDI festhalten
- Von Henry Kissinger -

Positive Einschätzung von Amerikas Rolle in der Welt - Unterstützung
für NATO
- Meinungsumfrage des Chicago Council on Foreign Relations -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Resistenzentwicklung bei chemischer Krebstherapie

* * * * * *

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

'V,oN **

1 8 . März 1987

11

REAGAN NIMMT WEINBERGER UND SHULTZ IN SCHUTZ
- Präsident Reagans Rundfunkansprache -

WASHINGTON - (AD) - In seiner landesweit übertragenen wöchentlichen Rundfunkansprache erklärte Präsident Reagan am 14. März 1987, daß sowohl Verteidigungsminister Weinberger als auch Außenminister Shultz ihm eindringlich geraten hätten, keine Waffenverkäuf^ an den Iran zu unternehmen.
"Sie hatten
recht und ich unrecht" gestand der Präsident.
Präsident Reagans Ansprache hat folgenden Wortlaut:

Meine
amerikanischen
Mitbürger,
heute nachmittag möchte ich Sie von
den
wichtigen Veränderungen
unterrichten, die in jüngster Zeit in unserer
Administration
stattgefunden
haben und auch unser Programm für die
kommenden Monate beeinflussen werden.

Baker
als meinem Stabschef, Frank
Carlucci als Nationalem Sicherheitsberater und der Nominierung von Richter William Webster als neuem Direktor
des Geheimdienstes
ist meine
Gruppe für die nationale Sicherheit
wieder vollständig.

Zunächst einmal hat jede Regierung ihre eigene Arbeitsgruppe für
die nationale Sicherheit, eine Gruppe
von Beamten, die den Präsidenten bei
der Gestaltung der Außenpolitik unserer Nation
unterstützen.
Mit der
jüngsten Ergänzung von Senator Howard

Außenminister Shultz und Verteidigungsminister Weinberger sind seit
längerer Zeit Mitglieder dieser Arbeitsgruppe, und ich möchte hierbei
betonen, daß nie zwei Männer einem
Präsidenten in seinem Nationalen Sicherheitsrat besser gedient haben.

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Embassy of the United States of America

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Sie haben dieser Nation in langen
Jahren in verschiedenen wichtigen Regierungsämtern treu gedient. Die Nation kann ihnen genau wie ich dankbar
sein für ihre Intelligenz, ihre Hingabe und Integrität. Sie haben eine
feste Überzeugung und zögerten niemals, mir ihre unverblümten Ansichten
über anstehende Fragen der nationalen
Sicherheit mitzuteilen. Sie sind bereit, ihre Meinung zu äußern, ungeachtet der Stärke des Widerstandes in
der naturgemäßen Tendenz der Bürokratie, Kompromisse einzugehen oder denselben Weg einzuschlagen.
Deshalb
schätze ich sie so sehr.
Im Falle
der Waffenverkäufe an den Iran rieten
mir sowohl Außenminister Shultz als
auch Verteidigungsminister Weinberger
entschieden davon ab, diese Initiative weiter zu verfolgen. Ich habe ihren Rat überdacht, bin aber zu dem
Schluß gekommen, daß die Initiatve
das Risiko wert war und habe sie
fortgeführt.
Wie wir jetzt wissen,
hat
sich
herausgestellt, daß
sie
recht hatten und ich unrecht. Aber
sie haben ihre Pflicht als meine Berater und als meine Mitarbeiter erfüllt, und ich bin sehr dankbar dafür, daß sie mir in den nächsten Monaten weiterhin mit ihren Ansichten
zu unserem anstehenden Programm zur
Seite stehen werden.

Zur Außenpolitik möchte ich bemerken, daß Amerika sich in der Welt
großen Problemen, aber noch größeren
Möglichkeiten
gegenübersieht.
Wir
sehen
eine
Chance
für
bedeutsame
Fortschritte
bei den Verhandlungen
mit der Sowjetunion über einen Rüstungsabbau, wenn wir einen klaren
Kurs verfolgen und hart verhandeln.
Gleichzeitig müssen wir mit dem sowjetischen
Abenteurertum
fertigwerden.
Besonders Mittelamerika bleibt
für die Vereinigten Staaten von entscheidender Bedeutung.
Und hier muß
unser Kongreß wesentliche Entscheidungen darüber treffen, ob unsere Nation die Demokratie und den Widerstand gegen die Diktatur in einer Region ernsthaft unterstützen will, die
so nah an unsere grenzt. Mein Engagement
bleibt
felsenfest bestehen.
Ich werde jede Bemühung bekämpfen,
die eine Unterstützung für die nicaraguanischen
Freiheitskämpfer
beschneiden und sie dem Tod oder der
Niederlage preisgeben will.

In den kommenden Monaten wird das
Wort "Programm" Bedeutung erlangen.
Ich habe hier im Weißen Haus diese
wichtigen Veränderungen vorgenommen,
um dafür zu sorgen, daß wir wieder
das Steuer in der Hand haben und mit
dem fortfahren, zu dessen Vollendung
Sie mich gewählt haben.
Im Inland
wird unser Programm Veränderungen im
Bereich des Haushalts und auch weitreichende Reformen bei der Wohlfahrt
beinhalten, die den Kreis der Armut,
in den so viele bedürftige Amerikaner
geraten sind, durchbrechen sollen.

Bitte erlauben Sie mir, daß ich
mich nun anderen Fragen von erheblicher Bedeutung zuwende.
Zunächst
einmal bedeutete die Steuerreform vom
vergangenen Jahr, daß Millionen von
Amerikanern in diesem Jahr Formulare
(W-4) ausfüllen mußten, die sehr verwirrend waren.
Ich weiß das, weil
ich selbst ein solches auszufüllen
hatte.
Wir haben Ihre Beschwerden
vermerkt und zusammen mit der Steuerbehörde IRS (Internal Revenue Service) ein neues einfacheres Formular
erarbeitet, das in etwa einem Monat
erhältlich sein wird.
Das amerika-

- 2

Sowohl in der Innen- wie auch in
der Außenpolitik dreht sich alles um
denselben Kern. Wir haben eine Aufgabe, und wir werden diese in den
kommenden beiden Jahren mit Ihrer
Hilfe und Unterstützung auch ausführen.

�nische Volk ist also gegen den Fiskus
angetreten und hat gewonnen.
Dann hat unsere Administration
Anfang dieser Woche Reformen bei der
Bundesprüfstelle
für
Nahrungsmittel
und pharmazeutische Präparate angekündigt, die es Opfern von AIDS und
anderen lebensbedrohenden Krankheiten
leichter machen, neue Arzneimittel zu
erhalten, die sich noch im Versuchsstadium
befinden.
Dieser Schritt,
durch den der Regierungsapparat noch
weiter
zurückgedrängt wird, könnte
weniger Leid und Schmerz für Tausende
von schwer erkrankten Amerikanern bedeuten. Das wäre eine Maßnahme, die
im wahrsten Sinne des Wortes human zu
nennen wäre.
Wenn Sie mir erlauben, möchte ich
noch ein letztes Wort zu einem Thema
sagen, daß meine irische Seele betrifft, zum St. Patrick-Gedenktag.
Seit der Hundersnot in der Mitte des
vergangenen Jahrhunderts sind Millionen der Söhne und Töchter Er ins nach
Amerika gekommen, um hier ein besseres Leben zu finden. Aber ob irisch
oder nicht, fast alle Amerikaner verfolgen ihre Ahnenlinie bis hin zu
Vorfahren aus fernen Ländern, Männern
und Frauen, die mit dem festen Entschluß nach Amerika gekommen sind, zu
arbeiten und die nur Freiheit forderten.
Ich glaube daher, daß wir am
kommenden Dienstag als Amerikaner alle berechtigt sind, zu feiern.
Bis nächste Woche und vielen Dank
fürs Zuhören. Gott schütze Sie.

* * * * *
- 3 -

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

11

18. März 1987
WICK:

SOWJETISCHER "GLASNOST"-KAMPAGNE MIT VORSICHT BEGEGNEN
- Auszüge aus einer Ansprache vor dem Verband der
amerikanischen Werbewirtschaft -

WASHINGTON - (AD) - Der Direktor des US-Informationsamts (USIA), Charles
Z. Wick, hat am 13. März 1987 in einer Rede vor dem Verband der amerikanischen
Werbewirtschaft die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten dazu aufgerufen,
der neuen Kampagne der Offenheit oder "Glasnost" seitens der Sowjetunion mit
"Vorsicht und Wachsamkeit" zu begegnen. Das Ziel der neuen sowjetischen Strategie bestehe darin, "die Regierungen der Freien Welt - insbesondere diejenigen in Westeuropa, Japan und den Vereinigten Staaten - dazu zu drängen, im
Sinne der sowjetischen Interessen zu handeln".
Nachfolgend bringen wir die Ansprache von Direktor wick
lichen Auszügen:

Seit
1945 ist die Welt das
Schlachtfeld eines "Krieges der Ideen" gewesen - eines Krieges, in dem
die großen Traditionen der westlichen
Demokratien, wie etwa
die Philosophien von Jefferson, Madison und
Lincoln sich im Kampf gegen die Ideologien von Marx, Lenin, Stalin und
Mao befanden.
In jüngster Zeit ist dieser Wettbewerb jedoch immer subtiler geworden. Die Machtübernahme von Generalsekretär Gorbatschow hat einen neuen
und dynamischeren Führungsstil ermu-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

in ihren wesent-

tigt.
Die Sowjets vermarkten ein
neues Image der Offenheit gegenüber
der Welt.
Sie nennen ihr Produkt
"Glasnost". Aber "Glasnost" ist mehr
als ein Produkt. Es ist eine Kampagne der Öffentlichkeitsarbeit.
Die
Sowjets versuchen, den Krieg der Symbole zu gewinnen. Wenn sie ihn gewinnen, dann haben sie auch den Krieg
der öffentlichen Diplomatie gewonnen.
Was würden
verlieren?

wir

in

diesem

Fall

Am schlimmsten wäre, daß wir un-

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�sere Sicherheit
verlieren könnten.
Wir müssen nicht eigens daran erinnert werden, daß es im Falle eines
Krieges keinen Gewinner geben wird.
Der Verlierer wird ebenso wie der Gewinner verlieren. Dies wird die endgültige
Bestrafung
einer
Fehleinschätzung sein.

- die Abkoppelung von SDI von
INF-Verhandlungen in Genf;

Längerfristig könnten wir, falls
wir den "Krieg der Ideen" verlieren,
die Seele der Freien Welt in Gefahr
bringen, ihre heutige Existenz und
ihr Versprechen für die Sicherheit
von morgen.

- die Enthüllungen in der sowjetischen Presse zu Katastrophen wie
Tschernobyl,
Schiffsunglücken,
dem Untergang eines Atom-U-Bootes
und
selbst
zu
innenpolitischen
Unruhen in der Sowjetunion;

Deshalb ist folgende Frage von
einem in unserer gesamten Geschichte
vielleicht niemals dagewesenen Ernst.
Kündigt dieses neue Image einen Wandel in den sowjetischen Zielen an,
oder hüllen sich die Sowjets lediglich in einen Deckmantel falscher Gerechtigkeit, falscher Wirtschaftspolitik, falscher Brüderlichkeit und
falscher Versprechungen?

- eine verstärkte Bereitschaft, auf
die westliche Kultur zuzugehen,
einschließlich
der Bildung von
Gemeinschaftsunternehmen.

Wie Sie es vielleicht ausdrücken
würden, entspricht bei "Glasnost" der
Inhalt der Verpackung oder handelt es
sich um eine Mogelpackung?
Dies ist heute die zentrale Frage. Und die Antwort darauf ist entscheidend
für all diejenigen, die
einen dauerhaften Frieden wollen.
Bis heute ist die Antwort unklar.
Aber wir beobachten täglich eine positive
und vielleicht vielversprechende Litanei sowjetischer Handlungen.
Sie verkaufen ein Image von
"Glasnost" und Fortschritt zu einer
besseren Welt.
Sie nehmen die Aufmerksamkeit von Menschen in der ganzen Welt gefangen, besonders dort, wo
die
Frontlinien
des
Ost-West-Konflikts verlaufen.
Denken Sie einen
Moment nach.
Wie reagieren Sie auf
das folgende:
- 2

- die Freilassung Andrei Sacharows,
Juri
Orlows, Anatoli
Schtscharanskis und anderer politischer
Gefangener;
den

Diese
Marketing-Bemühungen
sind
auf die Völker der Welt ausgerichtet.
Ihr strategisches Ziel besteht darin,
eine sowjetisch-informierte Weltmeinung zu schaffen, die Regierungen der
Freien Welt - insbesondere diejenigen
in Westeuropa, Japan und den Vereinigten Staaten - zu drängen, im
Sinne der sowjetischen Interessen zu
handeln.
Um
dieser
Bedrohung
energisch
entgegenzutreten, haben wir von USIA
unsere eigenen
Initiativen
entwikkelt, um den amerikanischen Wettbewerbsvorteil
in
diesem
weltweiten
"Krieg der Ideen" zu bewahren.
Zum Glück können wir dabei von
einer Position der Stärke ausgehen.
Jede gute Werbekampagne hofft auf
ein gutes Produkt. Wir besitzen ein
großartiges Produkt - die Wahrheit
über diese große Nation, ihr Volk,
ihr Leben und ihre Vision von der Zukunft .
Wer

ist dabei

unser Publikum und

�welches unser Markt?
Ich kann dies
kurz beantworten: die ganze Welt
besonders
aber
diejenigen,
denen
glaubwürdige Nachrichten und Informationen vorenthalten werden und die in
ihren stillen Kämpfen von besseren
Tagen träumen.
Warum aber die ganze Welt?
Erstens hängt unsere Sicherheit
von einer Welt ab, in der unsere
grundlegendsten politischen und wirtschaftlichen
Prinzipien
aufrechterhalten werden - die Prinzipien der
Selbstbestimmung und des freien Handels. Eine Welt, die diesen Prinzipien gegenüber feindselig eingestellt
ist, ist eine Welt, in der wir nicht
überleben können.
Es gibt aber etwas noch grundlegenderes - eine Verpflichtung gegenüber anderen Menschen.
Die Botschaft
unseres Produkts
ist umfassender als jede Gesellschaft
und jede Regierung. Sie ist im Grunde die Botschaft der Freiheit selbst,
und sie lebt in der Seele jedes Menschen als ein "inneres Maß" seines
höchsten und ehrenwertesten Trachtens.
Darin liegt die Grundlage unserer
Stärke.
Aber, mehr als das, die Freiheit
- und ihre Vorzüge - dient als Grundlage für die Einstufung von Regierungen und Völkern.
In der Werbung ist ein Markenzeichen das Merkmal zur Identifizierung
einer Ware, ein Symbol, daß gewisse
Merkmale des Produkts anzeigt, wie
etwa seine Qualität und Zusammensetzung und auch sein Prestige.
In der öffentlichen
Diplomatie
benutzen wir ebenfalls Identifizie- 3

rungsmerkmale
- ein Markenzeichen,
das die Lebensqualität eines Landes
sowie die Qualität seiner Institutionen und seiner Regierung symbolisiert.
Stellen Sie die Markenzeichen der
Bundesrepublik
Deutschland
und der
DDR, Nord- und Südkoreas, Nicaraguas
und
Costa
Ricas, Kambodschas
und
Singapurs gegenüber.
Jedes Länderpaar besitzt vergleichbare Kulturen,
Traditionen
und eine ähnliche Geschichte.
Und doch sind z. B. die
Bundesrepublik
Deutschland
und die
DDR Länder verschiedener Güteklassen
mit
verschiedenartigen
Identifizierungsmerkmalen.
In jedem Fall sind
die "Markenzeichen" der Freiheit
die Bundesrepublik Deutschland, Südkorea, Costa Rica und Singapur - in
ihrem wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Leben dynamisch.
Die anderen "Markenzeichen",
die sich unter Repression und Kontrolle abmühen - die DDR, Nordkorea,
Nicaragua und Kambodscha - entbehren
des Wachstums, der Hoffnung und Lebenskraft, die zum Markenzeichen ihrer Nachbarn gehören.
Wenn man dies unter dem Gesichtspunkt des Marketing betrachtet, dann
bedeuten diese Unterschiede an sich
schon ein bedeutendes Marketing-Mittel.
Aber, genau wie Sie, benutzen wir
eine Mischung von Techniken und Mitteln - einige alte, einige neue -, um
unsere Produkte zu verkaufen.
Die
unseren sind: Worldnet, ein neues
weltweites
Satelliten fernsehnetz...
die
Stimme Amerikas... ein
neuer
Dienst
für
Kuba, Radio Marti....
Eine
weltweite
Nachrichtenagentur,
die schon bald über Satellit direkt
mit den Nachrichtenzentren der Medien
der Welt verbunden werden soll...
Magazine...
Austauschprogramme
für
die Menschen...
kulturelle Darbie-

�tungen...
159 Bibliotheken...
200
Kulturzentren in 100 Ländern... drei
Auslandspressezentren
in
den
Vereinigten Staaten für 3 000 Auslandskorrespondenten...
sowie ein Vortragsprogramm in Übersee... Ausstellungen... Botschafter aus den Bereichen Sport und Kunst...
und unser
eigenes engagiertes Korps von Diplomaten in 206 Posten in 127 Ländern.
Alle diese Ressourcen werden täglich angewendet und ebenso wie bei
Ihnen im Geschäftsleben, erhalten wir
ein wichtiges "Echo" über die Auswirkungen, die sie auf unser Publikum
haben. Zuhörer und Zuschauer überall
auf der Welt schreiben uns ihre Reaktionen und Vorschläge. Unsere weltweiten
Dienststellen
beliefern
uns
mit Post unserer Hörer und den Stellungnahmen der ausländischen Medien
sowie von offizieller Seite.
Verschiedene Regierungsbehörden vermitteln uns Auswertungen unserer Schwerpunkte und Programme. Wir geben Projekte über ausländische Standpunkte
und Meinungen in Auftrag. Diese kontinuierliche und andauernde Auswertung - die sowohl eine informelle als
auch
eine
formelle
Meinungsumfrage
darstellt - ist uns bei der Bewertung
des Erfolges unserer Kampagnen und
bei der noch effektiveren Planung für
die Zukunft behilflich.
Dieses "Echo" ist die Grundlage
für meine allmorgendlichen Besprechungen
mit dem Außenminister und
seinen wichtigsten Vertretern, bei
denen ich sie über die Stellungnahmen
in der ausländischen Presse und über
gegenwärtige politische Tendenzen und
Themenkomplexe informiere. Die ganze
Nacht über treffen Fernschreiben allen Ländern der Welt in unserem Führungszentrum ein, werden zusammengefaßt und rechtzeitig vor meinem Morgentermin mit dem Außenminister zu
mir nach Hause geschickt.

Als Werbefachleute sind Sie sich
sicherlich bewußt, daß "Publikumsecho
und Auswertung" die entscheidenen Bestandteile jeder erfolgreichen Strategie sind. Dies hat heute ganz besondere Gültigkeit.
Die Einstellungen eines Volkes beeinflussen heute
mehr denn je die Handlungen, Politik
und in manchen Fällen sogar das Überleben eines Regimes.
Internationale
Rundfunksendungen
der Freien Welt haben zum Beispiel
dazu beigetragen, daß das polnische
Volk in Solidarnosc - Solidarität mit einer gemeinsamen Stimme sprechen
konnte.
In El Salvador, Haiti und
auf den Philippinen erlangten die demokratischen Kräfte aufgrund von Ideen ihren Sieg - Ideen, die in der
ganzen Welt durch die modernen Telekommunikationsmittel in den Wohnzimmern unterstützt
und dadurch noch
mächtiger wurden.
Wir werden niemals vergessen, daß
für unseren Kunden - Amerika - ein
Rückschlag im "Krieg der Ideen" eine
potentielle Bedrohung der nationalen
Sicherheit unseres Landes darstellen
würe.
Es ist daher nicht überrraschend,
daß die USIA-Bilanz im Verlauf der
letzten drei Jahrzehnte positiv war.
Von USIA durchgeführte Meinungsumfragen haben gezeigt, daß die Vereinigten Staaten und unsere demokratische
Lebensweise sich weiterhin einer hohen Wertschätzung erfreuen.
Die Beweise dafür sehen wir täglich.
Die Bürger der sogenannten sozialistischen
Demokratien
stimmen
weiterhin auf die einzige ihnen mögliche Art und Weise ab - mit ihren
Füßen. Wir haben noch nie davon gehört, daß jemand in die andere Richtung über die Berliner Mauer geklet-

�tert ist.

Prozent der Erwachsenen die "Stimme".

Seit 1979 ist die Welle der Demokratie sogar über zehn Länder Lateinamerikas hinweggerollt.

In Berlin beherrscht RIAS (Radio
im amerikanischen Sektor) mehr als 50
Prozent der Marktanteile und ist damit zweifelsohne der beliebteste Radiosender in der geteilten Stadt.

Wie effektiv ist die USIA-Strategie jedoch im einzelnen auf dem Markt
der Ideen?
Lassen Sie mich einige
Beispiele anführen.
In den ersten drei Jahren seit
seiner
Inbetriebnahme hat Worldnet
insgesamt vier Milliarden Zuschauer
erreicht. In diesem kurzen Zeitraum
haben wir weltweit mehr Medien erfaßt
als dieses Amt in den vergangenen 30
Jahren erreichen konnte.
Worldnet
genießt
bei
führenden
Journalisten und ausländischen Regierungsoberhäuptern hohes Ansehen und
viele von ihnen bitten regelmäßig um
Tonbandaufzeichnungen und Kopien von
Worldnet-Programmen.
In der Anfangszeit von Worldnet schrieb eine führende
belgische
Zeitschrift,
die
"Westliche Welt": "Langfristig könnte
sich dieses Kommunikationsbindeglied
zwischen Westeuropa und den Vereinigten Staaten als wichtiger für das
Bündnis erweisen als die 'Ankoppelung' der Verteidigung der beiden
Kontinente
durch die
Stationierung
amerikanischem
Pershing
II
und
Marschflugkörper in Europa".
Während das Fernsehen dramatische
Ereignisse in der Freien Welt verbreitet, ist der Rundfunk das einzig
wirkungsvolle
Mittel, um Millionen
von Menschen hinter dem Eisernen Vorhang und anderen unterdrückten Gebieten zu erreichen.
Unsere
treuesten
Zuhörer
haben
wir in Osteuropa, wo die Zuhörerschaft - oder der Marktanteil - weiterhin im Ansteigen begriffen ist,
vor allem in Polen.
Dort hören 45
- 5

Zusammenfassend möchte ich nochmals auf die eingangs von mir gestellte Frage zurückkommen: Ist dieses neue Image ein Anzeichen
für
einen Wandel der sowjetischen Ziele?
Oder hüllen sie sich nur in den messianischen Mantel falscher Gerechtigkeit,
falscher
Wirtschaftspolitik,
falscher Brüderlichkeit und falscher
Versprechungen?
Entspricht
bei
"Glasnost" der Inhalt der Verpackung
oder ist es eine Mogelpackung?
Wir vermuten letzteres.
Warum? - wird Ihre Frage lauten.
Können Sie uns diese Frage beantworten?
Ist es "Glasnost", wenn die Sowjets ständig die "Stimme Amerikas"
stören und dafür auf ihrem Staatsgebiet soviel ausgeben wie das gesamte
Budget der "Stimme Amerikas" weltweit?
Ist es "Glasnost", wenn die Sowjets den CIA fälschlicherweise des
Jim Jones Massakers in Guyana beschuldigen oder, wenn sie die US-Armee öffentlich der Erzeugung und Verbreitung des AIDS-Virus in Afrika beschuldigen, aber insgeheim zugeben,
daß dies nicht richtig ist?
Ist es "Glasnost" , wenn die Sowjets Dokumente fälschen und absichtlich Natur und Zweck unserer Strategischen Verteidigungsinitiative verzerren und dabei zynisch mit den Gefühlen unschuldiger Männer und Frauen
spielen, die auf eine bessere und
friedlichere Welt hoffen und für sie

�beten.
Ist es "Glasnost", wenn die Sowjets amerikanische Buchhandlungen in
der Sowjetunion nicht erlauben, wohingegen sowjetische Buchläden hier
überall zu finden sind?
Ist es "Glasnost", wenn unsere
für Rußland bestimmte Musik, unsere
Filme und Literatur zensiert, durchleuchtet und wegen des politischen
Inhalts abgelehnt wird?
Ist es "Glasnost", wenn die Sowjets hochrangigen Amerikanern das
Auftreten im sowjetischen Fernsehen
verweigern - mit Ausnahme einiger weniger Amerikaner bei feierlichen Anlässen - wogegen 43 hochgestellte Sowjets in den vergangenen Jahren ungehindert 200 mal im amerikanischen
Fernsehen erscheinen konnten?
Ist es "Glasnost", wenn die Freilassung einiger weniger sowjetischer
politischer
Gefangener
weltweit
Schlagzeilen macht, aber Hundertausende noch unter unerträglichen und
menschenunwürdigen Bedingungen gefangengehalten werden?
Lenin hat einmal gesagt: "Gedanken sind sehr viel tödlicher als Gewehre".
Die Sowjets haben zwar die
Macht der Gedanken längst erkannt,
haben aber Stil, Image, Öffentlichkeitsarbeit
und Werbung erst seit
kurzem Bedeutung beigemessen.
Langfrisitg gesehen erhebt sich
folgende Frage: Wird ihr "Glasnost"Produkt über den Zustand einer Erscheinungsform
hinausgehen
und
zu
einer wirklichen Öffnung werden und
damit Ausdruck des elementaren Wunsches des Menschen nach Freiheit und
Frieden?
Wird "Glasnost" den Deckmantel der Täuschung ablegen und anstelle
dessen wahre Gerechtigkeit,
- 6

wahre Wirtschaft, wahre Brüderlichkeit, wahre Abkehr von sowjetischer
Unterdrückung und Agression und das
wahre Versprechen zukünftigen Friedens schaffen?
Oder wird es "glossover-nost" sein, das Weitermachen wie
bisher, wobei die Täuschung und das
Verbreiten von Lügen über Amerika im
Mittelpunkt
stehen und wie jemand
einmal sagte:
"Wir werden Euch begraben" .
Die Antwort der Sowjets auf diese
Fragen wird letzlich über den Erfolg
der Marketingstrategie
der Sowjets
auf dem Markt konkurrierender Gedanken entscheiden.
Wenn ihr Produkt
echt ist - wenn es ein Waffenstillstand für Offenheit und Gerechtigkeit
ist, der nach innen auf das Streben
des Einzelnen nach größerer Freiheit
reagiert und nach außen den Wunsch
aller Menschen nach Frieden und Stabilität wiederspiegelt - dann wird es
ein erfolgreiches Produkt für eine
bessere Welt sein.
Ist dies nicht
der Fall, dann zeichnet sich zum wiederholten Male ein anhaltender Konflikt mit endlosen Spannungen ab.
Im Moment sind wir zwar unsicher,
aber dennoch voller Hoffnung, daß die
Sowjets bei der Entwicklung
eines
neuen Führungsstils und eines neuen
Image von dessen Annahme durch die
Freie Welt geleitet sind.
Kurzfristig gesehen soll "Glasnost" andauern
und dies ist eine positive Entwicklung. Wenn wir die Entwicklung jedoch vor dem geschichtlichen und philosophischen
Hintergrund
betrachen,
müssen wir wachsam und vorsichtig
bleiben.
Wie immer die Dinge sich auch
weiterentwickeln, USIA muß und will
ihre Arbeit fortführen und gute Arbeit leisten.
Im Wettkampf um den
"Krieg der Gedanken" dürfen wir nicht
selbstgefällig werden. Es steht zu-

�viel auf dem Spiel.
USIA, das auf die Bedürfnisse unseres Kunden - die Vereinigten Staaten zugeschnittene Amt, muß erfolgreich sein. Und ich darf Ihnen
allen versichern, daß wir nicht vorhaben, dieses Ansehen zu verlieren.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und wünsche Ihnen weiterhin
alles Gute.

- 7

�^^°s^&lt;

'^7

"""

AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

A&lt;

1 8 . März 1987

11

AN ERPROBUNG UND STATIONIERUNG VON SDI FESTHALTEN
- Von Henry Kissinger -

- (AD) - Das US-Informationsamt (USIS) druckt diesen Artikel mit freundlicher Genehmigung des Los Angeles Times Syndicate, wo dieser ursprünglich erschien.
Copyright (c) 1987, Los Angeles Times Syndicate.

Es ist bemerkenswert, wie bereits
geringfügige Veränderungen im Inland
das Grundmuster der Außenpolitik von
Supermächten
beeinflussen.
In den
Vereinigten
Staaten
verfolgt
eine
konservative Administration, die vor
sechs Jahren noch
leidenschaftlich
einen neuen Ansatz bei den Ost-WestBeziehungen
propagierte, heute das
traditionelle Programm der vergangenen zwei Jahrzehnte mit lediglich geringen Veränderungen. in der Sowjetunion sucht eine eindrucksvolle neue
Führungspersönlichkeit die heimische
Wirtschaft zu reformieren, aber im

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Bereich der Außenpolitik verfolgt er
die von seinem Vorgänger übernommene
Grundlinie, wenn auch mit erheblich
verbesserten Fähigkeiten bei der Öffentlichkeitsarbeit.
Grundeinstellungen
halten
sich
noch hartnäckiger.
Die Vereinigten
Staaten wurden über alle Regierungswechsel
hinweg von der nationalen
Überzeugung geleitet, daß Frieden den
Normalzustand darstellt und daß Spannungen
durch Mißverständnisse
oder
böswillig hervorgerufen werden. Jeder neue sowjetische Führer wurde mit

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�der Erwartung begrüßt, daß jetzt ein
neues und besseres Zeitalter heranbricht; wir haben das in den vergangenen Jahren dreimal beobachten können. Die amerikanische Hoffnung, daß
eine sowjetische Hinwendung zu westlichen Werten ein Ende der Spannungen
bedeuten könnte, hatte zu mangelnder
Übereinstimmung geführt, wodurch ein
leidenschaftliches Engagement für den
Frieden sich kaum in ein vollständiges Programm umwandeln ließ.
Als Leninisten
engagieren sich
die sowjetischen Politiker nicht für
die abstrakte Idee des Friedens. Für
sie ergibt sich Frieden - wie auch
jeder andere Aspekt der Außenpolitik
nicht als Ergebnis persönlicher
Präferenzen, sondern aus der richtigen
Beurteilung
eines
ausgewogenen
Machtverhältnisses.
Sowjetische Unterhändler kümmern sich nicht - wie
ihre amerikanischen Kollegen - um
Kompromisse oder persönliches Wohlwollen, sondern um das schrittweise
Vorantreiben von Verhandlungen, mit
deren
Hilfe
sich
die
sowjetische
Macht ausbauen läßt.
Wenn die Sowjets
zahlenmäßig
unterlegen
sind,
fordern sie gleiche Zahlen; in den
Kategorien, in denen sie uns voraus
sind, fordern sie beiderseitige Reduzierungen, die ihren verhältnismäßigen Vorteil verbessern.
Jeder Gipfel zwischen Politikern
aus Ost und West hat diesen unterschiedlichen Ansatz offengelegt. Das
jüngste Beispiel für diese "Personalisierung" der Außenpolitik waren die
beiden
Treffen
zwischen
Präsident
Reagan und dem sowjetischen Vorsitzenden Gorbatschow. Reagan als alter
Gegner des Kommunismus kam nach dem
ersten Treffen in Genf offensichtlich
zu der Überzeugung, daß er ein besonderes persönliches Verhältnis erlangt
hatte, das er bei zukünftigen Treffen
nutzen konnte, um auf diplomatischer
- 2

Ebene Durchbrüche zu erzielen. Daher
seine Bereitschaft, zu einem im wesentlichen unvorbereiteten Gipfel in
Reykjavik zu fahren und dort über ein
sowjetisches Papier
zu verhandeln,
das er nie zuvor gesehen hatte.
Gorbatschows Einstellung zu Genf
war eine ganz andere. Er betrachtete
es als eine Plattform, auf der er
sich selbst der öffentlichen Meinung
des Westens als versöhnlich präsentieren konnte; er muß damit gerechnet haben, daß er mit der Zusage für
zwei weitere Gipfel - in Washington
und Moskau - den Termindruck auf
einen Präsidenten verstärken konnte,
zu dessen Stärken nicht die Beherrschung von Detail fragen zählt. Aber
der Preis, den er dafür bezahlt hat Reagans
in Genf erworbene beherrschende Stellung in der Öffentlichkeit - war offensichtlich zu viel für
seine weniger phantasiebegabten Kollegen.
Das muß seine Entscheidung
herbeigeführt
haben, aus Reykjavik
faßbarere Ergebnisse mit nach Moskau
zu bringen; praktisch gesehen, ein
Dokument, daß sich in eine Verbesserung des "Kräfteverhältnisses" aus
sowjetischer Sicht umarbeiten läßt.
Die Sackgasse in Reykjavik spiegelt einen grundlegenden Unterschied
im Ansatz beider Gesellschaftssysteme
wider - einen Unterschied, der mir
während eines kürzlichen Besuchs in
Moskau wiederum bewußt wurde. Reformen im Inland haben es noch nicht
fertiggebracht, die enorme, von sowjetischen Gesprächspartnern errichtete Front aufzubrechen.
Hinweise
auf mehr Flexibilität werden sorgfältig gesteuert. Wenn ein sowjetischer
Wissenschaftler ein technisches Argument vorbringt, das geringfügig von
der
offiziellen
Linie
abweicht,
stellt sich in der Regel als Versuchsballon auf dem nächsten diplomatischen Schlachtfeld heraus.

�Amerikaner
hingegen
betrachten
Verhandlungen weniger als ein Mittel
zur Erlangung einer Zielsetzung, sondern vielmehr als Instrument zur Problemlösung.
In jeder amerikanischen
Delegation - auch in den offiziellen
- gibt es aufrichtige Unterhändler,
die ernsthaft daran glauben, daß sie
und die Sowjets nicht etwa als Gegner, sondern als Kollegen ein gemeinsames Problem behandeln.
Sie versuchen sich an möglichen Kompromissen, als ob sie an einem Seminar an
der Universität teilnähmen und geben
so den Sowjets wenigstens einen Überblick über mögliche Veränderungen in
der amerikanischen Position. Als ich
noch der Regierung angehörte, gab es
verschiedene Gelegenheiten, bei denen
unsere Beamten eine mögliche sowjetische Meinung als das wiedergaben,
was sie selbst dem sowjetischen Vertreter zugeschoben hatten.
Eine Reihe hochgeschätzter amerikanischer Prinzipien verleihen diesem
Prozeß Dynamik. Die meisten Amerikaner sind davon überzeugt, daß ein
Kompromiß der Mitte gefunden werden
sollte, wenn zwei Parteien sich nicht
einig sind. Aber bei diplomatischen
Verhandlungen
fördert
eine
solche
Maxime Unnachgiebigkeit.
Amerikanische Unterhändler verhandeln fast immer aus ihrer Position des Zurückweichens. Und die Sowjets bekommen zwei
Möglichkeiten, dies zu ändern: wenn
die Vereinigten Staten ihre Position
des Zurückweichens aufgeben und wenn
sie versuchen, Sackgassen durch einen
erneuten Kompromiß aufzustoßen.
Die
gegenwärtigen
Verhandlungen
zur
Strategischen
Verteidigungsinitiative liefern ein gutes Beispiel
für diese selbstauferlegten Hindernisse.
Zum Vor- oder zum Nachteil das von Reagan vorgeschlagene Verteidigungssystem ist zur Stationierung

im Weltraum gedacht. Der sowjetische
Vorschlag - daß jegliche Erprobung
von SDI nur in Labors stattfinden
sollte - zielte offenkundig darauf
ab, SDI zunichte zu machen. Seit der
Niederlage von Reykjavik haben die
Sowjets anklingen lassen, daß "Labor"
weitgehender definiert werden könnte,
und sie haben die Vereinigten Staaten
ermutigt, qualitative Einschränkungen
bei
der
Erprobung
vorzuschlagen.
Wenn diese Beschränkungen vorgelegt
werden, ist es vorauszusehen, daß die
Sowjets sie dazu nutzen werden, um
praktische
Einschränkungen
auszuarbeiten, mit deren Hilfe die Entwicklung von SDI so gut wie unmöglich
wird.
Und doch ist solch ein gänzlich
formaler Kompromiß genau das, was auf
breiter Front sowohl in den Vereinigten Staaten als auch bei den Verbündeten propagiert wird. All dies verdeckt die Realität, daß kein Kompromiß zwischen
der sowjetischen Absicht, SDI zunichte zu machen und dem
Engagement der Regierung möglich ist,
es aufrechtzuerhalten. Westliche Unterhändler sind vielmehr verpflichtet, an zwei Fronten zu verhandeln:
mit ihren sowjetischen Gegnern und
ihrer eigenen öffentlichen Meinung.
Diese zweite Debatte schließt zwei
unausgesprochene Annahmen ein.
Befürworter von SDI glauben, daß eine
Strategie, die sich auf die Massenvernichtung
einer
Zivilbevölkerung
stützt, Demokratien am Ende zum Pazifizmus führen wird. Gegner von SDI
sehen sie als Hindernis für ihre geliebte Rüstungskontrolle: sie wollen
die Bedrohung der Apokalypse nicht
abmildern, aus Angst, damit die Versuchung
für einen Nuklearkrieg zu
steigern.
Seit wenigstens zwei Jahrzehnten
wurden jeder neuen strategischen Waffe
von
leidenschaftlichen
Gegnern

- 3 -

�zwei widersprüchliche Argumente entgegengestellt: daß bestehende Waffen
zur Massenvernichtung ausreichen und
daß jede Superwaffe dieses Maß überschreite.
Die gestrigen Gegner der
MX-Raketen sind heute die Gegner von
SDI.
Die Sowjets unterliegen der Versuchung, das Ende dieser Kontroversen
abzuwarten, um festzustellen, ob sie
ihre Ziele ohne Gegenleistungen erlangen können.
Die
amerikanischen
Verbündeten
verstärken das Problem noch.
Zahlreiche Politiker
fördern den Eindruck, daß sie als Mittler zwischen
einem
unversöhnlichen
Amerika
und
einer nachgebenden Sowjetunion handeln. So sehr sie aber vom amerikanischen Schutz abhängig sind und an
amerikanischer Technologie teilhaben
wollen, so zurückhaltend sind sie,
wenn es darum geht, die Verantwortung
für eine Vereitelung amerikanischer
strategischer Programme zu übernehmen.
Sie neigen daher dazu, sich
hinter
Durchführbarkeitsuntersuchungen zu verbergen, die sich unendlich
verlängern lassen wie auch hinter Unterscheidungen zwischen Forschung und
Stationierung, was das Problem nicht
trifft.
Das Ergebnis
ist Wunschdenken.
Die
Reagan-Administration
engagiert
sich für SDI, Gegner im Inland versuchen eine Verlangsamung des Prozesses, indem sie Mittel abbauen und
eine Erprobung einschränken; die Verbündeten unterstützen die Erprobung,
aber behindern eine Anwendung, weil
sie einen Kompromiß herbeiführen wollen.
Die Vereinigten Staaten haben
einem Zehnjahresmoratorium über SDI
zugestimmt, das auf eine zweijährige
Verhandlungsphase folgen soll.
Der im Augenblick gepriesene Kom-

promiß will die Sackgasse bei den Rüstungskontrollverhandlungen
öffnen,
indem er die Erprobung von SDI im
Weltraum gestattet, aber deren Qualität einschränkt. Wie ich in Moskau
vernommen habe, sind Sensoren - Aufklärungssatelliten - für die Sowjetunion
möglicherweise
akzeptabel.
Aber die Erprobung von Geräten zur
Zerstörung von Raketen ist untersagt,
ebenso wie alle Systeme, die Zerstörungsmittel mit Sensoren in Verbindung bringen.
Das würde die Sowjets in die Lage
versetzen, die
Aufklärungsfähigkeit
ihres landgestützten Verteidigungssystems zur Raketenabwehr zu verbessern.
Zusammen mit einem Stationierungsmoratorium würde damit auch SDI
zunichte gemacht. Wenn die Sowjets wie auch einige amerikanische Beamte
- ihren Willen bekämen, wäre das Ergebnis eine in ihrem verheerensten
Zustand eingefrorene Nuklearstrategie.
Die größte Herausforderung
für
die Ost-West-Verhandlungen liegt damit in den Demokratien selbst. Rüstungskontrollverhandlungen, wie sie
im Augenblick
durchgeführt werden,
räumen den Sowjets fast ein Vetorecht
für
jegliche
neuen
Programme
des
Westens ein. Eine jüngste Stellungnahme der bundesdeutschen Regierung
verdeutlicht diese Position: "Für die
Bundesregierung ist es ein wesentliches
Kriterium,
ob
Entscheidungen
über das SDI-Programm und den ABMVertrag für die Genfer Verhandlungen
von Vor- oder von Nachteil sind".
Kein neues sowjetisches Waffenprogramm ist jemals durch westliche Bemühungen
herausgefordert
oder
zum
Stillstand gebracht worden. Aber von
der Neutronenwaffe über Mittelstrekkenraketen in Europa hin zu SDI hat
die Sowjetunion versucht, neue westliche Technologien dadurch zu behindern - es ist ihr bereits gelungen,

�diese zu verlangsamen - daß sie sie
als "Hindernis" für den "Rüstungskontrollprozeß"
bezeichnet
hat.
Es
bleibt die wesentliche Frage zu stellen: Für welche nützliche Rüstungskontrollmaßnahme genau stellt SDI ein
Hindernis dar? Ich fürchte, die Antwort dient der psychologischen Erleichterung über die bloße Tatsache
eines Abkommens.
Dies ist ebenso der einzige Vorteil der Abschaffung von sowjetichen
und amerikanischen Mittelstreckenraketen aus Europa, wie es jüngst auch
von Gorbatschow in einem separaten
Paket vorgebracht wurde.
Die sogenannte Nullösung baut auf keine bedeutende Art und Weise die sowjetische nukleare Bedrohung für Europa
ab.
Sie schafft das amerikanische
Instrument für eine Vergeltung von
Europa vollständig aus ab.
Sie ist
für die Rüstungskontrolle von geringem Nutzen; sie stellt ferner einen
wichtigen Schritt bei der politischen
Abkopplung Europas von den Vereinigten Staaten dar. Die nächste Herausforderung an die westlichen Demokratien wird die Frage sein, ob mit SDI
fortzufahren ist.
Dieser
Entscheidung
kann nicht
durch Durchführbarkeitsstudien ausgewichen werden; für zahlreiche Gegner
von SDI sind Durchführbarkeitsstudien
eine List, mit deren Hilfe das Prinzip angegriffen werden kann. Es kann
aber auch nicht durch eine juristische Auslegung von Abkommen verwirklicht werden, die vor 15 Jahren geschlossen wurden, als Weltraumverteidigung noch dem Bereich der Science
Fiction zuzurechnen war. Ich persönlich glaube, daß die weite Auslegung
des ABM-Vertrages eher korrekt ist
als die enge Interpretation.
Aber
ein
wichtiges
Programm
läßt
sich
nicht dadurch rechtfertigen, was manche als juristische Finessen bezeich- 5

nen. Es wäre besser, eine eindeutige
Stellungnahme darüber zu veröffentlichen, was die Vereinigten Staaten
wollen und diese dann in ein neues,
mit den Sowjets auszuhandelndes Abkommen einzuarbeiten.
und wenn sie
es blockieren
sollten, können die
Vereinigten Staaten immer noch, sollte dies notwendig werden, damit drohen, den ABM-Vertrag außer Kraft zu
setzen.
Wenigstens wird diese Verfahrensweise allen die Zielsetzungen
der Vereinigten
Staaten vor Augen
führen.
Dieser Ansatz ist auch für das
weitere Feld der Verhandlungen mit
den Sowjets relevant. Seit allzulanger Zeit war die amerikanische Haltung zur Rüstungskontrolle das Produkt von Verhandlungen zwischen gegnerischen Lagern innerhalb der Administration und deren Ergebnis ein widersprüchliches Paket, das Punkte zur
Beschwichtigung jeder Partei enthielt.
Der Präsident muß von seinen Beratern eine Verhandlungsposition fordern, die in sich geschlossen ist und
eine langfristige nationale Strategie
widerspiegelt. Er hat das Recht, zu
erwarten, daß die amerikanischen Verbündeten dies als Teil einer gemeinsamen Strategie betrachten und nicht
als Innenpolitik.
Die sich aus diesem Prozeß ergebende Haltung der Vereinigten Staaten
sollte folgende Elemente umfassen:
a) eine Stellungnahme
Strategie,

zur

gesamten

b)

eine Verpflichtung auf die Fortführung der Erprobung und Stationierung von SDI,

c)

ein Angebot an die Sowjets, quantitative Einschränkungen bei der
Stationierung und Erprobung von

�SDI vorzunehmen, die auf den Bestand der Offensivwaffen gerichtet sind (allerdings keine qualitativen Beschränkungen) ,
d)

ein Angebot zum Abbau strategischer Waffen auf eine Weise, die
die Fähigkeit für einen Überraschungsangriff auf beiden Seiten
beschränkt,

e)

ein erstes
Interimabkommen zur
Reduzierung strategischer Streitkräfte, einschließlich der Mittelstreckenraketen,
um
einen
festgesetzten Prozentsatz innerhalb von drei Jahren (etwa um 30
Prozent) , zusammen mit einer Erweiterung der Außerkraftsetzungsklausel für den ABM-Vertrag um
zwei Jahre.

Ein Programm, das diese Bestandteile umfaßt, würde zeigen, ob ein
mit westlichen Sicherheitsinteressen
zu vereinbarendes Abkommen zu erlangen
ist.
Die
Demokratien
können
nicht garantieren, daß Gorbatschow
ein ernsthaftes Programm akzeptieren
wird.
Aber sie sind sich selbst
Ernsthaftigkeit schuldig.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial
1 8 . März 1987

11

POSITIVE EINSCHÄTZUNG VON AMERIKAS ROLLE IN DER WELT - UNTERSTÜTZUNG
FÜR DIE NATO
- Meinungsumfrage des Chicago Council on Foreign Relations -

WASHINGTON - (AD) - In seinem Bericht über eine im Jahr 1986 durchgeführte
Meinungsumfrage kommt der Chicago Council on Foreign Relations, eine gemeinnützige Organisation, die sich die Schaffung eines verstärkten öffentlichen
Bewußtseins für die Außenpolitik der Vereinigten Staaten zum Ziel gesetzt hat,
zu dem Schluß, daß die Amerikaner "eine aktivere Rolle der Vereinigten Staaten
in der Welt zunehmend unterstützen". Damit stehen die Ergebnisse dieser Umfrage im Gegensatz zu ähnlichen, in den Jahren 1974, 1978 und 1982 durchgeführten Befragungen.
Nachfolgend bringen wir eine Zusammenfassung des Berichts:

Während die in den siebziger Jahren vom Chicago Council on Foreign
Relations (CCFR) in Auftrag gegebenen
Meinungsumfragen zum Ergebnis gekommen waren, daß sich die Amerikaner
vordringlich mit Fragen wie Inflation, Arbeitslosigkeit und Energieproblemen beschäftigten und eher dazu
tendierten, sich aus der internationalen
Verantwortung
zurückzuziehen
und sich ein Gefühl
militärischer
Schwäche und Unsicherheit breit gemacht hatte, ist die Besorgnis über
solche Probleme heute zurückgegangen.
Ein wachsendes Verständnis für die

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Bedeutung auswärtiger Beziehungen ist
offensichtlich und steht in Zusammenhang mit dem Wunsch nach einer größeren Rolle der Vereinigten Staaten in
der Welt.
Sowohl die amerikanische
Bevölkerung allgemein wie auch die
Führungskräfte sind heute davon überzeugt, daß ein befriedigendes Gleichgewicht mit der Sowjetunion wiederhergestellt wurde und daß die Vereinigten
Staaten
eine bedeutendere
Rolle in der Welt spielen. Aber obwohl die Amerikaner sich jetzt sicherer fühlen, läßt ihre Unterstützung
für
höhere
Verteidigungsausgaben

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�nach.
Die meisten Amerikaner sind
aber bereit, die Verteidigungsbemühungen auf dem jetzigen Niveau aufrechtzuerhalten.
Eine Konsequenz dieser Einschätzungen und Gefühle ist die andauernde
Unterstützung
der
Rüstungskontrolle
und eine geringfügig stärkere Befürwortung von Maßnahmen, die mit der
Entspannungspolitik gegenüber der Sowjetunion zusammenhängen.
Im Gegensatz zu ihrer Unterstützung der Wiederherstellung
des
militärischen
Gleichgewichts durch die Reagan-Administration
befürworten
die meisten
Amerikaner jedoch nicht einige der
aggressiveren Elemente ihrer Außenpolitik, darunter militärische Interventionen im Ausland, die aktive Förderung der Demokratie und die Anwendung der Reagan-Doktrin durch verdeckte Operationen gegen kommunistisch ausgerichtete Regime in Afghanistan, Angola und Nicaragua.
Trotz
wachsender
Meinungsverschiedenheiten über Handels- und Finanzfragen zwischen den Vereinigten
Staaten und ihren wichtigsten Partnern in der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), bleibt die Haltung
der Bevölkerung insgesamt gegenüber
Westeuropa und Japan weiterhin sehr
positiv; im Falle Japans ist sie etwas überraschend sogar noch positiver
geworden.
Dagegen ist seit Beginn
dieses Jahrzehnts das amerikanische
Interesse am Mittleren Osten zurückgegangen.
Die Bereitschaft der Bevölkerung zum Einsatz von Truppen in
Westeuropa
oder
Japan
betreffenden
Krisen ist größer denn je, während
das Widerstreben, Truppen in anderen
Regionen der Welt, wie etwa Mittelamerika, zum Einsatz zu bringen, unverändert anhält.
Die

Amerikaner

stellen

ihr Eigeninteresse
in den Vordergrund, und der Wunsch nach Schutz
amerikanischer Arbeitsplätze oder Sicherung des Zugangs zu Energie hat
weiterhin Priorität über solch altruistische Ziele wie Förderung der Demokratie, Verteidigung der Menschenrechte oder Verbesserung des Lebensstandards in anderen Ländern.
Es besteht weiterhin eine tiefe
Kluft zwischen den Haltungen der Bevölkerung allgemein und der Führungskräfte und, bei vielen Fragen, zwischen den Ansichten der Bevölkerung
und denen von Vertretern der ReaganAdministration.
Die Haltungen von
ausländischen Politikern und Regierungsvertretern stehen einander näher
als der Bevölkerung allgemein. Eine
interessante Entwicklung besteht jedoch
in der Herausbildung
starker
Meinungsunterschiede zwischen den Ansichten von Regierungsvertretern und
Vertretern
von Gewerkschaften, Medien, Bildungswesen und Kirchen.
Dies sind einige der wichtigsten
Schlußfolgerungen dieses Berichts des
Chicago Council on Foreign Relations
zur amerikanischen öffentlichen Meinung und der amerikanischen Außenpolitik. Die Studie baut auf folgenden
Grundlagen auf:

weiterhin
- 2 -

1.
Persönliche
Interviews
mit
einer repräsentativen Auswahl von
1 585
erwachsenen
Männern
und
Frauen in den Vereinigten Staaten, die von Ende Oktober bis
Mitte November von Gallup durchgeführt wurde.
2. Persönlichen und telefonischen
Interviews mit einer Auswahl von
343
führenden
Persönlichkeiten
aus Regierung, Wirtschaft, Gewerkschaften,
Universitätswesen,
Massenmedien, religiösen Institutionen, privaten außenpolitischen

�Organisationen und besonderen Interessengruppen,
die
von
Ende
September bis Ende November ebenfalls durch Gallup durchgeführt
wurde.
3. Aufgrund der Iran-Krise wurde
Gallup Mitte Januar vom Chicago
Council
beauftragt,
bestimmte
Fragen noch einmal zu stellen.
Bei diesen Fragen ergaben sich
keine
bedeutenden
Abweichungen,
mit Ausnahme eines Rückgangs in
der öffentlichen Einschätzung von
Ronald
Reagans Außenpolitik
im
allgemeinen und seinem Umgang mit
dem Problem des Terrorismus im
besonderen.

Wirtschaftliche Sorgen und Eigeninteresse
Die relative Bedeutung von Sorgen
über allgemeine wirtschaftliche Probleme, darunter Arbeitslosigkeit und
Inflation,
hat
abgenommen.
Eine
Mehrheit
der Amerikaner
betrachtet
die Außenwirtschaftspolitik weiterhin
unter dem Gesichtspunkt des Eigeninteresses, jedoch hat das Verständnis
für die Bedeutung und Interdependenz
von amerikanischer Wirtschaftsund
Außenpolitik in den vergangenen vier
Jahren
nachgelassen.
Obwohl
eine
Mehrheit
von Amerikanern
weiterhin
erkennt, daß die Außenpolitik bedeutende Auswirkungen auf den Benzinpreis, den Wert des Dollars im Ausland und die Arbeitslosigkeit hat,
ist die Anteilnahme an diesen Fragen
stark
zurückgegangen.
Trotz
des
weltweiten Überangebots von öl bleibt
der Zugang zu Energievorräten weiterhin wichtig.
Saudi Arabien wird von
der Bevölkerung allgemein weiterhin
als eines der für die amerikanischen
Interessen wichtigsten Länder angesehen. Unter den Führungskräften wurde
weiterhin Besorgnis über das hohe De-

fizit im Bundeshaushalt, die Staatsverschuldung und übertriebene Staatsausgaben geäußert.
57 Prozent der
Befragten äußerten sich besorgt über
diese Probleme, was einen Anstieg von
45 Prozent gegenüber der letzten Umfrage unter Führungskräften im Jahr
1982 darstellt.
Trotz des massiven Handelsdefizits hat sich in den vergangenen vier
Jahren gleichwohl die öffentliche Unterstützung
für
protektionistische
Maßnahmen meßbar abgeschwächt, während sich der Rückhalt
für Wirtschaftshilfe an andere Länder geringfügig verstärkte. Die Führungskräfte
befürworteten weiterhin energisch den
freien Handel - zwei Drittel der Befragten waren für die Abschaffung von
Zöllen auf Importwaren und weniger
als 30 Prozent glaubten an die Notwendigkeit von Zöllen.
Wie in der
Vergangenheit steht die öffentliche
Meinung dazu in scharfem Gegensatz;
53 Prozent waren davon überzeugt, daß
Zölle und Handelsbeschränkungen notwendig seien, und nur 20 Prozent befürworteten
ihre
Abschaffung.
Im
Verlauf des letzten Jahrzehnts haben
sich diese beiden Meinungstrends einander jedoch angenähert.
Die Führungskräfte sind etwas protektionistischer und die Bevölkerung etwas weniger
protektionistisch
geworden.
Die Kluft hat sich in den vergangenen
acht Jahren um 15 Prozent verringert.
Ein
weiteres
außenpolitisches
Thema
mit starken
wirtschaftlichen
Untertönen sind die Beziehungen zur
Regierung von Südafrika.
insgesamt
57 Prozent der Öffentlichkeit und 79
Prozent der Führungskräfte befürworteten
begrenzte
oder
harte Wirtschaftssanktionen gegen Südafrika.

Internationalismus

- 3 -

�Die "nach innen gerichtete" Haltung, die in den siebziger Jahren
charakteristisch für die meisten Amerikaner war, ist ebenfalls auf dem
Rückzug.
Die Gruppe der Führungskräfte ist innerhalb des vergangenen
Jahrzehnts praktisch der Meinung treu
geblieben, daß die Vereinigten Staaten eine aktive Rolle in der Welt
spielen sollten. In der Bevölkerung
ist die Anzahl derer, die sagten, daß
die Vereinigten Staaten eine "aktivere Rolle in der Welt" spielen sollten, von 54 Prozent im Jahr 1982 auf
64 Prozent im Jahr 1986 gestiegen.
Der Anteil der Bevölkerung, der ein
großes Interesse an Nachrichten über
fremde Länder oder die Beziehungen
der Vereinigten Staaten zu anderen
Ländern besitzt, ist ebenfalls stetig
größer
geworden.
Die
Nachrichten
über die Beziehungen der Vereinigten
Staaten zu anderen Ländern nehmen in
der Bedeutungsskala heute sogar den
zweiten Platz hinter den Lokalnachrichten, aber noch vor den nationalen
Nachrichten ein.
Ein weiteres bemerkenswertes Ergebnis der jetzigen Studie war der
erheblich größere Prozentsatz unter
der Bevölkerung und den Führungskräften mit der Meinung, daß die Vereinigten Staaten heute eine "bedeutendere" Rolle in der Welt spielten
als vor zehn Jahren. 41 Prozent der
Bevölkerung glaubten, daß die Vereinigten Staaten heute eine wichtigere Rolle spielen, im Vergleich zu 27
Prozent im Jahr 1982. 26 Prozent der
Bevölkerung und 27 Prozent der Führungskräfte glaubten, die Vereinigten
Staaten seien weniger bedeutend, im
Vergleich zu 44 und 52 Prozent vor
vier Jahren. Im Einklang mit diesem
Trend zu einer Höherbewertung der internationalen Rolle ist der geringfügig
stärkere
Rückhalt
für
Wirtschafts- und Militärhilfe an andere
Länder in der Öffentlichkeit.

Regionen von entscheidender Bedeutung
Wie
in früheren Untersuchungen
anerkannten die Bevölkerung insgesamt
wie auch die Führungskräfte, daß die
Vereinigten Staaten in vielen verschiedenen Landern vitale Interessen
besitzen.
Die Haltungen
gegenüber
verschiedenen Ländern sind immer bemerkenswert konstant geblieben, insbesondere im Hinblick auf Westeuropa,
Japan und unsere Nachbarländer, wo
eine hohe Einschätzung der vitalen
Interessen
registriert wurde.
Ein
hoher Prozentsatz der Führungskräfte
und der Bevölkerung insgesamt sehen
vitale Interessen in Westeuropa und
der westlichen
Hemisphäre, wo die
Vereinigten Staaten starke kulturelle, politische, wirtschaftliche wie
auch sicherheitspolitische Bindungen
unterhalten. Im Fall von Kanada und
Lateinamerika ist die geographische
Nähe ebenfalls ein wichtiger Faktor.
Japan
bleibt
Amerikas
wichtigster
Handels- und
Sicherheitspartner
in
Asien sowie ein wirtschaftlicher Konkurrent
auf
den
Industriemärkten.
Vitale
Interessen
werden
auch
im
Mittleren Osten angenommen, besonders
in Zusammenhang mit Israel, Ägypten
und Saudi Arabien.
Die Führungskräfte besitzen eine
umfassendere Sichtweise vitaler nationaler
Interessen,
obwohl
ihre
Prioritäten in den meisten Fällen die
gleichen sind.
Trotz scharfer Meinungsverschiedenheiten
zwischen
den
Vereinigten Staaten und Verbündeten
in Europa und Japan während der vergangenen vier Jahre werden diese Bereiche zusammen mit Kanada und Mexiko
weiterhin am höchsten bewertet.
In
all den Jahren sind die wichtigsten
Länder im Hinblick auf die von der
Bevölkerung und den Führungskräften

�angenommenen vitalen Interessen insgesamt gleich geblieben.
Im Jahr
1986 waren diese Länder für die Bevölkerung
insgesamt
Großbritannien,
Kanada,
Japan,
die
Bundesrepublik
Deutschland, Saudi Arabien und Israel.
Für die Führungskräfte waren
die sechs wichtigsten Länder im Jahr
1986 die Bundesrepublik Deutschland,
Japan, Mexiko, Kanada, Großbritannien
und die Volksrepublik China. Länder,
die seit 1982 zunehmend als wichtig
betrachtet werden, sind für die Bevölkerung allgemein Indien, Italien,
Südafrika, Südkorea und Syrien und
für die Führungskräfte Südafrika und
Südkorea.
Bei der Bitte an die Befragten
aus der Bevölkerung, die verschiedenen Länder auf einer Temperaturskala
der Gefühle einzustufen, wurden meist
dieselben Länder genannt.
Die führenden Staaten waren: Kanada, Großbritannien,
die
Bundesrepublik
Deutschland, Japan, Mexiko und Israel. Mit einer "mittleren Temperatur" von 61 Grad hatte Japan in den
letzten vier Jahren einen Zuwachs von
acht Grad, ein überraschendes Ergebnis, wenn man die bedeutenden Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und Japan sowie die harte Kritik
amerikanischer Führungskräfte aus Politik und Regierung, Wirtschaft und
Gewerkschaften
berücksichtigt.
Die
Philippinen wurden 1986 zum ersten
Mal einbezogen und erreichten in der
Bevölkerung den siebten Platz mit 59
Grad.

Europa
Die hohe Priorität, die den Beziehungen mit Westeuropa zugebilligt
wird, schlägt sich deutlich in der
andauernden
starken
Unterstützung
seitens der amerikanischen Bevölkerung und Führungskräfte für das Mili-

tärbündnis mit diesen Staaten und Kanada nieder, der NATO. Auf gleichem
Niveau wie vor vier Jahren meinen 70
Prozent der Bevölkerung und 85 Prozent der Führungskräfte, daß wir entweder
ein
verstärktes
oder
ein
gleichbleibendes militärisches Engagement in der NATO unterstützen sollten. Als die Führungskräfte vor die
Wahl gestellt wurden, die amerikanischen Truppen einstweilen in Europa
zu belassen oder sie in den nächsten
fünf Jahren abzuziehen und Europa
selbst für seine atomare und konventionelle Verteidigung sorgen zu lassen, sprachen sich 82 Prozent für den
Status Quo und gegen Veränderungen
aus.
Dies ist bemerkenswert, wenn
man die anhaltende Diskussion in den
Vereinigten Staaten über die Ratsamkeit unserer konventionellen militärischen Präsenz auf dem europäischen
Kontinent betrachtet.
Eine Reihe weiterer an die Auswahl von Führungskräften gerichteter
Fragen deutete keine bedeutende Verlagerung von Prioritäten nach Asien
auf Kosten Europas an. Auf die Frage, welche Region für die Vereinigten
Staaten wichtiger
sei, entschieden
sich 46 Prozent der Führungskräfte
für Europa und 18 Prozent für Asien,
während 34 Prozent meinten, beide Regionen seien gleich wichtig.
Die
amerikanischen Führungskräfte stimmten mit 69 zu 15 Prozent deutlich für
Europa und gegen Asien bei der Frage
nach der bevorzugten Region zur Vervollständigung ihrer Universitätsbildung für ihre Söhne und Töchter.
Eine ähnliche Frage nach bevorzugten
Fremdsprachen zeigte eine starke Tendenz zum Spanischen (34 Prozent) und
Französischen (22 Prozent) gegenüber
Japanisch (16 Prozent) und Chinesisch
(12 Prozent) . Es zeigte sich, daß
innerhalb der Gruppe der Führungskräfte diejenigen im Kongreß etwas
stärker als die Regierungsvertreter

- 5 -

�die weitere Stationierung von Truppen
in Europa und weiterführende Studien
in Europa bevorzugten, obwohl die
Auswahl von Personen hier sehr klein
war.

Der Mittlere Osten
Ein
weiterer
Themenkomplex von
vorrangiger Bedeutung in den vergangenen Jahren, der Mittlere Osten, hat
für die Außenpolitik der Vereinigten
Staaten etwas von der ihm beigemessenen
Dringlichkeit
verloren.
Dies
wurde offensichtlich, als die wichtigsten
Probleme der Außenpolitik,
mit denen sich das Land konfrontiert
sieht, oder die Bedeutung der öllieferungen und der damit verbundenen
Energieprobleme
behandelt
wurden.
Gleichzeitig hat sich im Verlauf der
letzten vier Jahre die bevorzugte
Einstufung Israels in der Öffentlichkeit weiter vergrößert; Israel und
Saudi Arabien werden als Länder von
vitalem Interesse für die Vereinigten
Staaten angesehen.
Wenig überrraschend befand sich der Iran an unterster Stelle des Thermometers mit 23
Grad, noch unterhalb der Sowjetunion
mit 32 und Syrien mit 34 Grad.

Militärische Angelegenheiten
Die deutlichste Verlagerung in
der Meinung der Bevölkerung und der
Führungskräfte, die sich im Verlauf
der vier von dem Chicagoer Rat für
Auswärtige Beziehungen durchgeführten
Umfragen abzeichnete, fand bei den
auf Verteidigungsausgaben
bezogenen
Themen statt. Zwischen 1974 und 1978
nahm die Unterstützung für wachsende
Verteidigungssausgaben
beträchtlich
zu. Die Umfrage des Rats deutet zusammen mit anderen Meinungsumfragen
darauf hin, daß in dem Zeitraum von
Ende der siebziger Jahre bis Anfang
- 6

1981 eine ausgeprägte Verlagerung in
der amerikanischen öffentlichen Meinung zugunsten zusätzlicher Verteidigungsausgaben beobachtet werden konnte. Im Jahr 1974 überwog die Befürwortung von Kürzungen gegenüber einer
Aufstockung des Verteidigungshaushaltes im Verhältnis von drei zu eins.
Bis 1978 gab es doppelt soviele Befürworter der Aufstockung als Anhänger einer Reduzierung des Verteidigungshaushaltes.
Die
Umfrage
von
1982 zeigte eine Umkehrung dieser
Tendenz mit großer Übereinstimmung der Mehrheit der Bevölkerung - bezüglich der Aufrechterhaltung des gegenwärtigen Umfangs der Verteidigungsausgaben im Gegensatz zu einer Aufstockung oder Kürzung. Im Jahr 1986
befürworteten sowohl die Bevölkerung
als auch die Führungskräfte die Beibehaltung des Status Quo und lehnten
zusätzliche Verteidigungausgaben ab.
Dies ist zwar keine Ermutigung der
Bemühungen der Reagan-Administration
um eine Erweiterung des PentagonEtats, aber die Bevölkerung ist auch
nicht für eine Kürzung des gegenwärtigen Umfangs der Verteidigungsausgaben.
Dieser
Mangel
an Unterstützung
für zusätzliche Verteidigungsausgaben
muß vor dem Hintergrund der Einschätzung der nationalen Stärke und der
vor allem in der Bevölkerung verbreiteten Meinung gesehen werden, daß die
Vereinigten Staaten der Sowjetunion
jetzt in militärischer Hinsicht ebenbürtig oder überlegen sind.
Frühere
Meinungsumfragen ergaben ein Gefühl
der Unterlegenheit gegenüber der anderen Supermacht.
Eine der bedeutendsten Errungenschaften der ReaganAdministration ist dieser Prozeß der
Meinungsbildung
in den Vereinigten
Staaten.
Mehr
als
in anderen Bereichen
scheint die Einstellung zu Verteidi-

�gungsausgaben vornehmlich von parteipolitischer Zugehörigkeit geprägt zu
sein. Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen der Zugehörigkeit zur
Demokratischen Partei mit der Unterstützung einer Kürzung der Verteidigungsausgaben und der Zugehörigkeit
zur Republikanischen Partei mit dem
Wunsch nach
einer Aufstockung des
Verteidigungshaushaltes.
Diese sich
bereits
im Jahr
1982 abzeichnende
Verbindung hat sich in den vergangenen vier Jahren verstärkt.
Die Ergebnisse
früherer
Meinungsumfragen
belegen, daß die parteipolitische Zugehörigkeit
in der gesamten Nachkriegszeit scheinbar eng mit der Einstellung gegenüber Verteidigungsausgaben verflochten ist.
In früheren
Jahren, besonders in den fünfziger
und Anfang der sechziger Jahre, war
das Verhältnis jedoch umgekehrt - die
Demokraten tendierten mehr zugunsten
von Verteidigungausgaben und die Republikaner waren weniger dafür.

Die Beziehungen zur Sowjetunion
Ebenso wie im Jahr 1982 waren die
Bevölkerung und die Führungskräfte im
Jahr 1986 über die Gefahren eines
Krieges und Fortschritte bei den Rüstungskontrollbemühungen mit der Sowjetunion besorgt. 1986 nannten zehn
Prozent der repräsentativ befragten
Personen einen Atomkrieg und damit
zusammenhängende Themen auf die Frage
nach zwei oder drei der gravierendsten Probleme, mit denen sich das
Land heute konfrontiert sieht.
Im
Gegensatz dazu nannten 1978 so wenige
der Befragten Krieg oder einen Atomkrieg als die größte Sorge, daß die
Antwort
nicht gesondert
aufgeführt
wurde. 17 Prozent der 1986 befragten
Führungskräfte sahen in der Rüstungskontrolle oder dem Mangel an Rüstungsbegrenzungsabkommen die schwierigsten Probleme des Landes. In den

Jahren 1982 und 1978 wurden dagegen
nur ein Prozent in dieser Spalte aufgeführt.
22 Prozent der befragten
Bevölkerung gaben die Beziehungen mit
der Sowjetunion als eines der außenpolitischen Probleme an, das für sie
am besorgniserregendsten ist, im Vergleich zu 15 Prozent, die dieses Thema im Jahr 1982 erwähnten.
Rüstungskontrolle und damit verbundene gemeinsame Maßnahmen mit der
Sowjetunion finden sowohl von der Bevölkerung insgesamt als auch von den
Führungskräften weiterhin starke Unterstützung.
Insgesamt 80 Prozent
der Bevölkerung und 95 Prozent der
Führungskräfte befürworteten Verhandlungen über Rüstungsbegrenzungsabkommen zwischen den beiden Supermächten.
78 Prozent der Bevölkerung und 98
Prozent der Führungskräfte sind für
die Wiederaufnahme
kultureller
und
bildungspolitischer Austauschprogramme.
57 Prozent der Bevölkerung und
82 Prozent der Führungskräfte möchten
einen Zuwachs der Getreideverkäufe an
die Sowjetunion und nur 37 Prozent
der Bevölkerung und 24 Prozent der
Führungskräfte
sind
für eine Einschränkung
des
amerikanisch-sowjetischen Handels.
Starker Widerspruch
gegen gemeinsame Unternehmungen zeigte sich einzig in so sicherheitsempfindlichen Bereichen wie dem Verkauf
moderner Computer und der Beteiligung
der Sowjets an technischen Informationen über die Verteidigung gegen
Raketenangriffe und - eine Frage, die
nur an die Führungskräfte gestellt
wurde - Subventionierung der Getreideverkäufe an die Sowjetunion. Diese
umfassende Unterstützung gemeinsamer
Unternehmungen
mit der
Sowjetunion
hielt über einen langen Zeitraum hinweg an.
Die gegenwärtige Einschätzung, daß die Vereinigten
Staaten
stärker im Vergleich zur Sowjetunion
sind, hat in gewissem Umfang die bereits beträchtliche Unterstützung der

- 7 -

�Entspannung noch verstärkt.
Insbesondere
im
Hinblick
auf
Atomwaffen ist die Bevölkerung insgesamt sowie vor allem die Gruppe der
Führungskräfte weiterhin der Ansicht,
daß die Vereinigten Staaten den Bau
von Atomwaffen nur dann einstellen
sollten, wenn die Sowjetunion das
Gleiche
tut..
Diese
Einstellung
herrscht bei 58 Prozent der Bevölkerung und 79 Prozent der Führungskräfte vor.
Bei den Befürwortern der
Einstellung,
daß
die
Vereinigten
Staaten den Bau von Atomwaffen einstellen sollte, selbst wenn die Sowjetunion ihrerseits nicht dazu bereit ist, war eine leichte Abnahme zu
verzeichnen.
Ein beiderseitiges Einfrieren der
Atomwaffen fand wie im Jahr 1982 große Unterstützung. 67 Prozent der Bevölkerung und 77 Prozent der Führungskräfte würden ein beiderseitiges
sofortiges Einfrieren, vorbehaltlich
der sowjetischen Zustimmung, befürworten. Nur 14 Prozent der Bevölkerung und acht Prozent der Führungskräfte waren der Meinung, daß ein
Einfrieren nur dann erfolgen sollte,
nachdem die Vereinigten Staaten ihre
Atomwaffen aufgestockt haben.

Interventionismus
Bei
der
langfristigen
Tendenz
einer allmählich ansteigenden Bereitschaft der Bevölkerung, amerikanische
Truppen unter bestimmten Umständen in
Übersee einzusetzen, zeichnete sich
weiterhin Kontinuität ab. Die Mehrheit der Bevölkerung und der Führungskräfte wären bereit, amerikanische Truppen zu entsenden, wenn sich
entweder Japan oder Westeuropa einer
Invasion durch die Sowjetunion ausgesetzt
sähen.
Zurückhaltung
zeigte
sich jedoch bei der Entsendung von

amerikanischen Truppen unter anderen
Umständen. Die Mehrheit der Bevölkerung war gegen den Einsatz von Truppen eingestellt, falls Nordkorea in
Südkorea
einmarschieren würde, die
Araber ihre öllieferungen an die Vereinigten Staaten einstellen würden,
Nicaragua in Honduras einmarschieren
würde, um die Stützpunkte der Contras
zu zerstören, die Regierung von El
Salvador von den Guerillas besiegt
würde oder falls arabische Streitkräfte in Israel einmarschieren würden.
Die Gruppe der Führungskräfte
war ebenso wie in früheren Umfragen
dem Einsatz von Truppen gegenüber
sehr viel positiver eingestellt. Die
Mehrzahl befürwortete einen Truppeneinsatz nicht nur in den bereits genannten Fällen Westeuropa und Japan,
sondern auch im Falle einer arabischen Invasion in Israel, eines nordkoreanischen Einmarschs in Südkorea
oder falls die nicaraguanische Regierung der Sowjetunion den Aufbau von
Raketenstützpunkten in ihrem Land gestatten würde. Die Reaktion der Bevölkerung auf die Frage der Raketenstützpunkte in Nicaragua war gleichmäßig aufgeteilt.
Die Mehrheit von
45 Prozent befürworteten den Truppeneinsatz, 42 Prozent waren dagegen.
Insgesamt kann man sagen, daß die Bereitschaft zum Einsatz von Truppen in
Übersee eng mit der Einschätzung der
vitalen Interessen verbunden ist.

Die Rolle des Kongresses und des CIA
Sowohl die Bevölkerung als auch
die Führungskräfte waren im großen
und ganzen für eine Unterstützung der
Administration im Herbst des Jahres
1986, vor allem im Vergleich zu 1982,
bezüglich der dem Kongreß bei außenpolitischen Belangen zufallenden Rolle. Bei beiden Gruppen nahm die Zahl
derer, die von einer zu schwachen
Rolle des Kongresses überzeugt waren,

�beträchtlich ab.
Innerhalb der Bevölkerung nahm die Zahl derjenigen
leicht zu, die den Kongreß als zu
mächtig einschätzten, wohingegen sie
sich bei der Gruppe der Führungskräfte bedeutend erhöhte.
Die Umfrage
vom Januar 1987 zeigte einen leichten
Anstieg der öffentlichen Unterstützung zugunsten einer stärkeren Rolle
des Kongresses. Eine ähnliche Verlagerung zeichnete sich sowohl bei der
Meinung der Bevölkerung als auch der
Führungskräfte
bezüglich der
Frage
ab, ob der CIA zu verdeckten Aktivitäten zum Sturz eines der Regierung
der
Vereinigten
Staaten
gegenüber
feindlich eingestellten Regimes ermutigt werden sollte. Ein beträchtlicher Meinungsumschwung von 13 Punkten
zeigte sich bei den Führungskräften
in bezug auf größere Unterstützung
der verdeckten Rolle des CIA und eine
ebenso krasse Abnahme zeigte sich auf
der Gegenseite. Innerhalb der Bevölkerung insgesamt war der Umschwung
weniger gravierend.

Die Kluft zwischen der Administration, der Bevölkerung und den Führungskräften
Zwischen den Meinungen der Führungskräfte und der Bevölkerung insgesamt herrscht eine tiefe Kluft bezüglich einer Vielzahl von außenpolitischen Themenkomplexen.
In einigen
Bereichen befinden sich die Ansichten
dieser beiden Gruppen im Widerspruch
zu der Politik und dem Vorgehen der
Reagan Administration. Die Führungskräfte befürworten weiterhin eine aktivere Rolle der Vereinigten Staaten
in der Welt, sind generell eher interventionistisch eingestellt und für
eine Unterstützung der "Reagan-Doktrin" der Hilfe für antikommunistische Guerrillas in einigen Ländern
der Welt.
Die Führungskräfte sind
auch weiterhin internationalistischer

eingestellt, vor allem bei der Unterstützung der freien Marktwirtschaft,
sowie bei Militär und Wirtschaftshilfe.
Die Führungskräfte messen der
Verteidigung der Sicherheit der Alliierten als Ziel der Außenpolitik hohe
Priorität bei und legen geringere Betonung auf die Stärkung der Vereinten
Nationen.
Insgesamt sind sie über
den
Schutz amerikanischer Arbeitsplätze im Inland und die Förderung
der amerikanischen Geschäftsinteressen im Ausland weniger besorgt. Die
Führungskräfte
zeigen geringe Neigung, dem Ziel der "Eindämmung des
Kommunismus" beizupflichten, sondern
sind mehr geneigt, die Machtübernahme
durch eine kommunistische Regierung
in Ländern wie Mexiko, Saudi Arabien
oder Frankreich als eine "große Bedrohung" anzusehen.
Ein hoher Prozentsatz von 42 Prozent der Führungskräfte unterstützt
Militärhilfe an
andere Länder und ist entschieden weniger besorgt über die Hilfe für Mittelamerika, die zu dem militärischen
Engagement
der Vereinigten
Staaten
dort führte. Ebenso wie die Bevölkerung insgesamt sind die Führungskräfte in überwältigender Zahl gegen Verhandlungen mit Terroristen.
Im Gegensatz zur Bevölkerung befürworten
sie eher einen militärischen Einsatz
zur Bekämpfung terroristischer Gruppen, aber neigen weniger zu einer Ermordung terroristischer Anführer.
Im Hinblick auf die Beziehungen
mit der Sowjetunion räumen sowohl die
Führungskräfte als auch die Bevölkerung insgesamt gemeinsamen Unternehmungen höhere Priorität ein als die
Reagan-Administration und stehen der
Handhabung der Beziehungen mit der
Sowjetunion durch die Administration
kritisch
gegenüber.
Beide Gruppen
nehmen ebenfalls zu dem Vorgehen der
Administration im Mittleren Osten und
auf Gebieten wie internationaler Handelspolitik, Menschenrechten und Ter-

- 9 -

�rorismus eine kritische Haltung ein.
Spürbare Differenzen zeigten sich
auch
innerhalb des
representativen
Querschnitts der Führungskräfte bezüglich
dem
Verteidigungshaushalt,
der "Reagan-Doktrin", der verdeckten
Rolle des CIA und einigen anderen
Themen.
Zwischen den Vertretern der
Administration und den Vertretern anderer Führungsschichten, insbesondere
der Bereiche Arbeitsfragen, Medien,
Erziehungswesen
und
Religion,
herrschten
außerordentlich
unterschiedliche Meinungen über eine Unterstützung der Invasion in Grenada,
der Bemühungen zum Sturz der Regierung von Nicaragua, der Bombardierung
Libyens und erhöhter Verteidigungsausgaben.
Ein
bedeutendes
Gesamtergebnis
dieser Umfrage ist, daß die Unterstützung durch die Bevölkerung für
eine aktivere Rolle der Vereinigten
Staaten in der Welt zugenommen hat.
Dies stellt einen Meinungsumschwung
verglichen mit früheren Umfragen dar
und spiegelt zweifelsohne die Einschätzung eines günstigen Wandels in
dem sowjetisch-amerikanischen Kräfteverhältnis wieder sowie die hohe Anerkennung der von den Vereinigten
Staaten zur Zeit in der Welt gespielten Rolle und der Rolle, die das Land
spielen sollte. Zusammenfassend kann
man sagen, daß es bezüglich spezieller politischer Themenbereiche starke
Meinungsverschiedenheiten
mit
der
Reagan-Administration gibt, aber die
Bemühungen
der
Administration
zur
Wiederherstellung
des
militärischen
Gleichgewichts - und größeres Vertrauen in die Rolle der Vereinigten
Staaten als Weltmacht - in hohem Maße
unterstützt werden.

+ + + + +
- 10

�AMERIKA DIENST
'VON

4

Wissenschaft und Technik
1 8 . März 1987

11

RESISTENZENTWICKLUNG BEI CHEMISCHER KREBSTHERAPIE

- (AD) - Nach anfänglichem Erfolg
bereitet die Chemotherapie von Krebs
jetzt
zunehmend
Schwierigkeiten.
Präparate, die während der ersten Wochen und Monate ihrer Anwendung gut
geeignet erschienen, Krebszellen und
Geschwülste abzubauen oder zumindest
an der Ausbreitung zu hindern, zeigen
plötzlich keine Wirkung mehr.
Der
Krebs kommt zurück und ist nun viel
hartnäckiger als zuvor.
Mit der Frage, was dieser "erworbenen
Resistenz"
zugrunde
liegen
könnte,
befaßt
sich
Dr.
Robert

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Schimke, Professor der Biologie an
der amerikanischen Stanford-Universität, seit fast zwei Jahrzehnten. Ein
erstes wichtiges Ergebnis seiner Untersuchungen war 1977 die Beobachtung, daß zum Beispiel Zellen aus
Mäusetumoren unter der Einwirkung von
Methotrexat entscheidende Veränderungen auf Gen-Ebene erfahren.
Dieses
Zytostatikum, seit 1948 bekannt und
in der Chemotherapie bestimmter Formen von Krebs auch recht gut bewährt,
wirkt krebshemmend, weil es ein Enzym
blockiert, das für die DNS-Synthese
wichtig ist.

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�Bei diesem Enzym handelt es sich
um Dihydrofolat-Reduktase (DHFR). Es
wird benötigt, um am Aufbau einer
identischen
Kopie
des
Desoxyribonucleinsäuremoleküls
(DNS) mitzuwirken, ehe sich die Zelle teilt. Mit
dieser Kopie werden sämtliche genetischen Informationen der Mutterzelle
an die Tochterzelle weitergegeben.
Die DHFR-Produktion wird durch
Gene gesteuert, die in ganz bestimmter Zahl vorhanden sind. Unter Methotrexat-Behandlung
beginnen
jedoch
manche Krebszellen
sehr viel mehr
solcher Gene hervorzubringen - ein
Phänomen, das der Biologe als "GenVerstärkung" bezeichnet.
Zellen mit
verstärktem DHFR-Gen produzieren das
Enzym in so großer Menge, daß therapeutische Dosen von Methotrexat die
Folsäurereduktase nicht völlig zu unterdrücken vermögen, um so die DNSSynthese zu blockieren.
Das bedeutet, daß die Zellteilung trotz Chemotherapie
weitergeht.
Krebszellen
vermehren sich wieder, bösartige Tumore wachsen erneut.
Zusammen
mit
dem
Krebsspezialisten Richard Horns fand Schimke vor
drei Jahren den gleichen Effekt bei
menschlichen Krebszellen, und zwar an
Blutzellen einer Patientin mit Leukämie:
Vor der Methotrexat-Behandlung
enthielten
die leukämischen
Zellen
nur ein einziges aktives DHFR-Gen,
nach Einsetzen der Resistenz gegen
das Chemotherapeutikum
drei Monate
später dagegen eine stark erhöhte Anzahl.
Auch bei Patienten mit Ovarial- und Lungenkrebs wurde dies inzwischen beobachtet. Andere Forscher
seien, so Schimke, zu ähnlichen Resultaten gekommen.
Bei seinen jüngsten Untersuchungen zur Klärung der Frage, auf welchem Wege
das
DHFR-Gen
verstärkt
- 2

wird, wies Schimke u.a. nach, daß es
keineswegs nur bei Anwendung des Zytostatikums Methotrexat zu einer GenVerstärkung kommen könne. Sie trete
auch bei Sauerstoffmangel, bei Einwirkung von ultraviolettem Licht und
von sogenannten karzinogenen Stoffen
bzw. Faktoren auf, die erfahrungsgemäß Krebs erzeugen können.
So verschiedenartig die genannten
"Ursachen" sind, eines haben sie doch
gemeinsam:
Wie Methotrexat hemmen
auch sie die DNS-Synthese. Nach Meinung Schimkes führt dies bei manchen
Zellen zu einer Fehlsteuerung in der
Weise, daß sie nun vor der Teilung zu
viele
Kopien einzelner
Komponenten
des DNS=Moleküls produzieren.
Zwar
gehe
die
Mehrzahl
solcher
Zellen
durch die Methotrexat-Behandlung zugrunde. Jene Zellen aber, die - mit
verstärktem
DHFR-Gen
überleben,
seien von nun an gegen das Zytostatikum resistent.
"Wir studieren einen
der fundamentalen Zellprozesse - die
Reduplikation des DNS-Moleküls", sagt
Prof. Schimke.
Die Wissenschaftler
müßten zunächst einmal im Detail verstehen, wie die normale DNS-Reduplikation funktioniere, ehe sie die GenVerstärkung und damit auch die Resistenzentwicklung von Krebszellen gegen Chemotherapeutika verstehen und
erklären könnten.

•

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan nimmt Weinberger und Shultz in Schutz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Präsident Reagans Rundfunkansprache -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wick: Sowjetischer "Glasnost"-Kampagne mit Vorsicht begegnen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus einer Ansprache vor dem Verband der amerikanischen Werbewirtschaft -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;An Erprobung und Stationierung von SDI festhalten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Henry Kissinger -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Positive Einschätzung von Amerikas Rolle in der Welt - Unterstützung für NATO&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Meinungsumfrage des Chicago Council on Foreign Relations -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Resistenzentwicklung bei chemischer Krebstherapie&amp;nbsp;</text>
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US-AUSSENPOLITIK

^

#

18. März 1992

SP

BUSH: AKTIVE AUSSENPOLITIK, STARKE
VERTEIDIGUNG ERFORDERLICH
Rede des Präsidenten zur Rolle der
Vereinigten Staaten
DIE NEUE WELT
Rede von Präsident Nixon

GUS-WISSENSCHAFTLER

WISSENSCHAFTSZENTRUM SOLL VERBREITUNG VON WAFFEN VERHINDERN
Außenminister Baker über ein
neues Projekt in Rußland

MITTEL-/OSTEUROPA

USA WOLLEN ZUSATZLICHE GELDER
FÜR MITTEL- UND OSTEUROPA
Eagleburger vor Unterausschuß des
Repräsentantenhauses

WAHLEN '92

DIE VORWAHLERGEBNISSE DES
"SUPERDIENSTAGS"
Der Stand der Delegiertenstimmen

VORWAHLEN UND PARTEIVERSAMMLUNGEN
AM "SUPERDIENSTAG"
Amerikanische Pressestimmen

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�US-AUSSENPOLITIK
18. März 1992

BUSH: AKTIVE AUSSENPOLITIK,
STARKE VERTEIDIGUNG ERFORDERLICH
Rede des Präsidenten zur Rolle der Vereinigten Staaten
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush zufolge müssen die Vereinigten Staaten einen Weg finden, "um die
Unterstützung der Öffentlichkeit für eine aktive Au ßenpolitik und eine starke Verteidigung zu sichern, auch wenn
es für die Sicherheit unserer Nation keine wesentiche Bedrohung von außen gibt und dies in Zeiten ernster
Haushaltsprobleme bewerkstelligen."
"Wir haben so viel investiert, um den kalten Krieg zu gewinnen. Wir müssen alles Erforderliche investieren, um
den Frieden zu gewinnen", erklärte Bush bei einer unter der Schirmherrschaft der Richard Nixon Library and
Birthplace veranstalteten Konferenz über "Amerikas Rolle in der sich abzeichnenden Welt" am 11. März 1992.
Ein Scheitern werde Sicherheitsprobleme sowohl für Europa und Asien als auch die Vereinigten Staaten zur
Folge haben, ein Erfolg werde jedoch die Demokratie stärken und neue Marktwirtschaften schaffen, stellte Bush
fest. "Wir müssen Reformen nicht nur in Rußland, sondern in der gesamten ehemaligen Sowjetunion und
Osteuropa fördern."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Präsident Bush in wesentlichen Auszügen.

Ein Autor hat einmal über Richard Nixon geschrieben,
sein Leben "war in gewisser Weise entscheidend für
die Erfahrung, in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts Amerikaner zu sein". Ich bin mit Stolz erfüllt,
heute abend einen Präsidenten würdigen zu dürfen,
der etwas bowirkt hat - nicht nur, weil er dies wünschte,
sondern weil er es wollte.
Als unser 37. Präsident setzte er Verbrechen und
Drogen auf unsere innenpolitische Tagesordnung, er
rief ein Pilotprogramm zur Krebsbekämpfung ins Leben, er schaffte die Wehrpflicht ab und gründete das
Umweltschutzamt EPA. Und seit der Gründung des
EPA haben wir unermüdlich über den Schutz der
gefleckten Eule debattiert. Aber dennoch...
Wie ich bereits sagte, als diese Bibliothek eröffnet
wurde, wird man Richard Nixon aus einem anderen
Grund im Gedächtnis behalten: Weil er sein Leben der
hehrsten Sache gewidmet hat, die sich einem Präsidenten je stellt - der Sache des Friedens zwischen
Nationen. Dies hat er in seinen inzwischen neun
Büchern festgehalten, die alle auf den berühmten
gelben Blöcken geschrieben wurden.
Es ist mit eine besonders große Freude - und ich weiß,
iu i spreche auch im Namen von Barbara - heute abend
hier sein zu dürfen, und es ist mir eine Ehre, vor diesem
Publikum zum Thema "Amerikas Rolle in der sich
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abzeichnenden Welt" sprechen zu können. Das Thema könnte zu keinem besseren Zeitpunkt erörtert
werden, und es gibt keinen geeigneteren Veranstalter.
Die Richard-Nixon-Bibliothek - ich hatte die Ehre, bei
der Eröffnung anwesend sein zu dürfen - steht als
Symbol für einen Präsidenten und eine Administration,
die sich einem aktiven, durchdachten und vor allem
realistischen Ansatz zur Weltpolitik verschrieben haben.
Die vor Präsident Nixon liegenden Herausforderungen
hätten nicht schwieriger sein können: Wie könnte er
sich innenpolitisch weiterhin die Unterstützung einer
durch die zunehmende sowjetische Bedrohung erzwungene Außenpolitik zu einer Zeit sichern, in derein
überlastetes Amerika einen unpopulären Krieg in Vietnam kämpfte. Was daraus hervorging - die Entspannungspolitik und die Doktrin, die den Namen des 37.
Präsidenten trägt - schuf ein Gleichgewicht zwischen
Konfrontation und Kooperation.
Präsident Nixon hat dies und sehr viel mehr bewältigt
- uns aus dem Krieg geführt, das erste umfassende
amerikanisch-sowjetische Rüstungskontrollabkommen
ausgehandelt, Beziehungen mit China in die Wege
geleitet, bei den Friedensverhandlungen im Nahen
Osten vermittelt - all dies, während er im Inland einen
Konsens für dauerhaftes Engagement in internationalen Angelegenheiten aufrechterhielt.
Seite 1

�Die heutigen Herausforderungen sind zweifelsohne
völlig anders gelagert. Dennoch sind wir uns wahrscheinlich alle einig, daß sie eine gewisse Ähnlichkeit
haben. Wieder einmal müssen wir einen Weg finden,
um die Verantwortung der Führungsrolle in der Welt
mit den Bedürfnissen der Erneuerung im Inland in
Einklang zu bringen. Wir müssen einen Weg finden,
um die Unterstützung der Öffentlichkeit für eine aktive
Außenpolitik und eine starke Verteidigung zu sichern,
auch wenn es für die Sicherheit unserer Nation keine
wesentliche einzelne Bedrohung von außen gibt und
dies in Zeiten ernster Haushaltsprobleme bewerkstelligen. In dieser Welt nach dem kalten Krieg stehen wir
vor der wunderbaren, aber nicht weniger realen oder
schwierigen Herausforderung, mit dem Erfolg fertigzuwerden.
Diese Herausforderung ist keineswegs einmalig. Denken
Sie nur an das Zeitalter nach dem Ersten Weltkrieg
oder die Jahre unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg. In beiden Fällen wollte das amerikanische Volk
unbedingt seine siegreichen Soldaten nach Hause
bringen und seine Energie auf die Verwirklichung des
amerikanischen Traums konzentrieren.
Vielleicht noch lehrreicher sind die Unterschiede zwischen unseren Reaktionen auf die beiden großen
Kriege unseres Jahrhunderts. Nach dem Ersten
Weltkrieg zogen sich die Vereinigten Staaten hinter
ihre Ozeane zurück. Wir weigerten uns, den Völkerbund zu unterstützen. Wir haben es zugelassen, daß
unsere Streitkräfte kleiner und fast überflüssig wurden.
Wir haben die Flaute des Welthandels gefördert, dem
Opfer des Protektionismus, der nur den eigenen Leistungsbilanzüberschuß im Auge hatte. Und wir haben
zugesehen, als Deutschlands Demokratie in ihrem
Existenzkampf, die Weimarer Republik, unter der Last
der Reparationen, des Protektionismus und der Depression scheiterte und dem Schrecken, den wir als
das Dritte Reich kennen, den Weg bereitet hat.
Ebenso zeigte unsere erste Reaktion auf den Sieg im
Zweiten Weltkrieg, daß wir wenig gelernt hatten. Aber
aktiviert von einerneuen kommunistischen Bedrohung
durch eine imperialistische Sowjetunion haben die
Vereinigten Staaten gehandelt. NATO, IWF, Weltbank, Marshallplan - diese und andere Institutionen
beweisen, daß Amerikaner den Charakter der Herausforderung ebenso erkannt haben wie die Notwendigkeit zu reagieren. Unser Militär wurde modernisiert,
der freie Handel gefördert, die amerikanische Unterstützung für die früheren Gegner Deutschland und
Japan großzügig. Es paßt ins Bild, daß Dean Acheson
seine Memoiren "Present atthe Creation" nannte, weil
diese Jahre tatsächlich kreativ waren.
Das Ergebnis ist, wie gesagt, Geschichte. Wir haben
den Frieden bewahrt. Wir haben den kalten Krieg
gewonnen. Die Demokratie ist auf dem Vormarsch.
Jetzt steht dieses Land zum dritten Mal nach einem
Krieg der großen Mächte - dem kalten Krieg - auf der
Seite 2

Seite des Gewinners. Deshalb sind wir jetzt mit
derselben Frage konfrontiert: Wir haben den Krieg
gewonnen, aber sind wir bereit, den Frieden zu sichern?
Das ist die Herausforderung, der wir uns stellen müssen. Dennoch gibt es bereits Stimmen aus dem
gesamten politischen Spektrum, die Amerika - manchmal nachdrücklich - auffordern, "heimzukehren, die
Verteidigung zu reduzieren, die Friedensdividende
auszugeben, den Markt gegen ausländische Waren
abzuschotten und Auslandshilfe zu streichen".
Diese Schlagworte kennen wir alle. Sie kennen auch
die sogenannten Lösungen: Protektionismus. Isolationsmus. Aber wir haben die Verpflichtung und die
Verantwortung gegenüber unseren Kindern, die falschen Antworten der Isolation und Protektion zurückzuweisen und die Lektionen der Geschichte zu beachten. Sich von der Welt abzuwenden, ist keine Antwort.
Es kümmert mich nicht, wie schwierig unsere wirtschaftlichen Probleme im Inland sind. Im Gegenteil die Zukunft der Vereinigten Staaten und der Welt sind
untrennbar miteinander verknüpft.
Der Grund dafür könnte nicht eindeutiger sein. Gestern gab es Konflikte, und heute ist die Welt ein
sichererer Ort. Die von uns so gefürchtete aggressive
Sowjetunion gibt es nicht mehr. Aber die Nachfolgerepubliken kämpfen immer noch darum, sich als Demokratien zu etablieren und den Übergang zum Kapitalismus zu leisten. Wir haben so viel investiert, um den
kalten Krieg zu gewinnen. Wir müssen alles Erforderliche investieren, um den Frieden zu gewinnen. Wenn
wir versagen, werden wir neue und tiefgreifende Probleme für unsere Sicherheit und die Europas und
Asiens schaffen. Wenn wir Erfolg haben, stärken wir
die Demokratie, bauen neue Marktwirtschaften auf
und schaffen Amerika große neue Märklö. Wir müssen Reformen nicht nur in Rußland, sondern in der
gesamten ehemaligen Sowjetunion und Osteuropa
fördern.
Als ehemaliger Präsident ist Richard Nixon ein produktiver Autor. Als Präsident schrieb er ein Kapitel, das die
neue Weltordnung vorhersah. Heute bauen wir auf
den Grundsteinen auf, die in Tel Aviv, Kairo, Moskau
und Beijing gelegt wurden. Betrachten Sie nur die
Staaten der ehemaligen Sowjetunion, die sich jetzt am
Westen orientieren. Betrachten Sie die aufstrebenden
Demokratien hier auf unserem eigenen Kontinent. Sie
sprechen über eine aufregende Geschichte - betrachten sie, was südlich des Rio Grande geschieht. Alle
Länder außer einem wenden sich der Demokratie zu.
Betrachten Sie Kambodscha und seine Nachbarn in
Südostasien, die den Jahrzehnten der Gewalt ein
Ende bereiten wollen. Oder den historischen Friedensprozeß im Nahen Osten - der auf eine Versöhnung Israels mit seinen arabischen Nachh«m hoffen
läßt. Es bleibt noch viel zu tun, aber man spricht
zumindest miteinander. Betrachten Sie die Vereinten
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�Nationen, die letztlich in der Lage sein könnten, die
Vision ihrer Gründer zu erfüllen.
Betrachten Sie Afrika und die Veränderungen in Südafrika. Ebenso die aufregenden Veränderungen in
Angola oder die Geschehnisse in Sambia. Der Erfolg
jedes einzelnen hängt von der Unterstützung und
Führungsrolle der Vereinigten Staaten ab. Denken Sie
auch an die Bedrohungen, die keine Grenzen kennen:
diese schleichenden Bedrohungen wie Drogen, Terrorismus, Krankheiten und Umweltverschmutzung und
vor allem - was mich am meisten beunruhigt - die
Verbreitung von Massenvernichtungswaffen und deren Trägersystemen. Auch sie werden dazu führen,
daß Amerika wachsam und stark ist.
In der Nixon-Bibliothek in Yorba Linda gibt es einen
Saal für große Persönlichkeiten der Welt, den Sie
hoffentlich alle gesehen haben - wenn nicht, sollten Sie
das nachholen. In diesem Raum werden die großen
Männer gewürdigt, die Führungsstärke bewiesen haben
- Churchill, Zhou Enlai und Charles de Gaulle. Präsident Nixon hat nicht nur die größten Staatsmänner des
zwanzigsten Jahrhunderts gekannt, sondern er ist
selbst einer von ihnen geworden - wie sie beurteilt nach
den abgewendeten Katastrophen und verwirklichten
Träumen.
Ein früherer Mitarbeiter hat einmal erzählt, wie Präsident Nixon sich nach der Wirkung einer außenpolitischen Rede erkundigte. Der Mitarbeiter schüttelte den
Kopf. "Ehrlich gesagt", erklärte er, "sie wird nicht die
Welt in Aufruhr versetzen". Präsident Nixon schüttelte
au^n den Kopf. "Das ist der Kern unserer Außenpolitik", sagte er fast zu sich selbst, "nicht die Welt in
Aufruhr zu versetzen."
Ja, die Übernahme der Führungsrolle bei der Bestimmung des Kurses, den die Welt, wie sie sich heute
entwickelt, einschlagen soll, wird Geld kosten. Aber
wie bei einer Versicherungspolice ist die Prämie bescheiden im Vergleich zu den Kosten des Lebens in
einer kriegerischen und feindseligen Welt. Im Kongre ß
fordern heute viele - vielleicht aus verständlichen
Gründen, aus innenpolitischen Erwägungen - die Friedensdividende. Sie möchten, daß wir unsere Verteidigungsausgaben weit unter den bereits reduzierten
Stand kürzen, der unserer Einschätzung nach vertretbar ist. Dem müssen wir widerstehen. Die Vereinigten
Staaten müssen bereit und fähig bleiben, den Frieden
zu uewahren. Gut ausgebildete und ausgerüstete
Streitkräfte lassen sich nicht über Nacht aufbauen,
wenn sich die Notwendigkeit dazu ergibt. Jeder, der
jemals in den Krieg gezogen ist, wei ß, daß der Frieden
selbst eine Dividende darstellt.
Diejenigen, die uns veranlassen möchten, weniger zu
tun, ignorieren die enge Wechselbeziehung zwischen
Entwicklungen in Übersee und denen im Inland. Hätten wir der Aggression am Golf vor einem Jahr nicht
widerstanden, hätten wir Kuwait nicht befreit und die

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Invasionsarmee des Irak besiegt, wären wir heute
nicht mit den wirtschaftlichen Folgen einer milden
Rezession, sondern mit einer schweren Wirtschaftskrise konfrontiert, verursacht durch Saddam Husseins
Kontrolle über den Großteil der Weltölreserven. Und
ich bin ganz sicher - ich nehme an, in diesem Saal mit
so vielen hervorragenden Denkern ließe sich darüber
eine gute und lebhafte Debatte führen -, aber ich bin
ganz sicher, daß Saddam Hussein heute in SaudiArabien stünde, wenn wir nicht gegen ihn vorgegangen
wären. Die Koalition wäre zerfallen, er stünde in SaudiArabien, und wir wären mit einer Agonie konfrontiert,
wie wir sie in der Geschichte unseres Landes noch nie
erlebt hätten.
Es ist ein Hirngespinst anzunehmen, daß wir unsere
Gesellschaft oder unsere Wirtschaft irgendwie von der
Welt jenseits unserer Grenzen isolieren könnten. Damit
will ich nicht sagen, daß wir nicht mehr im Inland tun
sollten. Natürlich sollten wir das. Aber auch die
Außenpolitik ist ein mächtiger bestimmender Faktor
für die Lebensqualität hier im Inland.
Der Isolationismus ist nicht die einzige Versuchung,
der wir aus dem Weg gehen müssen. Der Protektionismus ist ein weiterer Sirenengesang, dem schwer zu
widerstehen ist. Es gibt in der Tat zahlreiche Beispiele
unfairer Handelspraktiken, durch die amerikanische
Unternehmen aufgrund von verschiedenen Handelsschranken oder staatlichen Subventionen von staatlich beherrschten Auslandsmärkten ausgeschlossen
werden. Aber man kann Handelsschranken im Ausland nicht dadurch abbauen, daß man selbst welche
errichtet. In Handelskriegen gibt es keine Gewinner,
nur Verlierer.
Das Exportwachstum ist eine erprobte Lokomotive für
die Wirtschaft. Jede Milliarde Dollar an Warenexporten schafft unseren Berechnungen zufolge 20.000
Arbeitsplätze für Amerikaner. Und wir sollten uns
keine Sorgen über die Befähigung unserer Arbeitnehmer und Landwirte machen, in einer Welt des Wettbewerbs erfolgreich zu bestehen. Unser Ziel muß lauten,
den Handel zu verstärken, nicht zu verringern. Ein
Ausstieg, sei es unter dem Banner des Protektionismus oder dem des Isolationismus, ist lediglich ein
Rezept für Schwäche und letztlich für eine Katastrophe. Und das ist der Grund, warum ich so entschlossen bin, alles in meiner Macht Stehende zu tun, um die
Uruguay-Runde des GATT erfolgreich abzuschließen
und ein Nordamerikanisches Freihandelsabkommen
mit Mexiko und Kanada zu erlangen. Es ist wichtig für
uns. Es schafft Arbeitsplätze in den Vereinigten Staaten.
Wenn ich also ein Thema wählen könnte, das Sie
heute von dieser Veranstaltung mit nach Hause nehmen, so wäre es folgendes: Es gibt keinen Unterschied dazwischen, wie es uns im Ausland ergeht und
wie wir im Inland leben. Außen- und Innenpolitik sind
zwei Seiten der gleichen Medaille. Natürlich werden

Seite 3

�wir keine Führungsrolle im Ausland spielen können,
wenn wir im Innern nicht geeint und stark sind. Aber es
ist nicht weniger richtig, daß wir in einer Welt, in der
militärische und wirtschaftliche Kriegführung die Norm
sind, in unserem eigenen Land nicht zum Aufbau der
von uns angestrebten Gesellschaft in der Lage sein
werden.
Meine Damen und Herren, die Verantwortung für die
Unterstützung einer aktiven Außenpolitik liegt bei jedem einzelnen Amerikaner. Aber diese Aufgabe betrifft in mancher Hinsicht besonders die heute abend
hier Versammelten. Wir treten in eine Welt ein, die
wahrscheinlich noch komplizierter wird - obwohl meines Erachtens unsere schwierigste Zeit die der Konfrontation mit dem imperialen Kommunismus war. Es
wird jedoch schwieriger und nicht leichter werden, eine
Führungsrolle in dieser Welt zu spielen. Und auch hier
haben Sie eine besondere Verantwortung, den Weg zu
weisen, Sie alle.

Jahren in der Küche in Moskau bei jenem berühmten
Treffen mit dem damaligen Premierminister Chruschtschow benutzten.
Sie beschreiben die Szene sehr lebendig in Ihrem
letzten Buch mit dem Titel "Seize the Moment". Als
Chruschtschow sich damit brüstete, daß "Ihre Enkelkinder im Kommunismus leben werden", antworteten
Sie, seine Enkel würden in Freiheit leben. Er hatte
unrecht, aber zu jener Zeit waren Sie nicht sicher, daß
er unrecht behalten würde. Heute wissen wir, daß Sie
recht hatten - genauso, wie Sie zu Recht beim Aufbau
einer sichereren, friedlicheren Welt mitwirkten.
Wenn wir in die Zukunft blicken, ist das einzig Sichere
die Tatsache, daß sie eine neue Welt bringen wird.
Unsere Aufgabe - unsere Chance - lautet, es ordentlich
zu machen, eine neue Weltordnung des Friedens, der
Demokratie und des Wohlstands aufzubauen. Wir
sollten uns dazu verpflichten, das Beste aus dieser
kostbaren Chance, aus diesem Privileg zu machen.

Herr Präsident, es sind sicherlich Millionen Worte über
Sie geschrieben worden. Wie Präsident Reagan ein- Ich danke Ihnen. Herr Präsident, ich bedanke mich.
mal sagte, waren einige davon sogar wahr. Ich möchte Es ist eine Freude, bei Ihnen zu sein. Gott schütze die
jedoch mit den Worten schließen, die Sie selbst vor 33 Vereinigten Staaten.

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 11

�US-AUSSENPOLITIK
18. März 1992

DIE NEUE WELT
Rede von Präsident Nixon
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine Rede mit dem Titel Die neue Welt, die der
ehemalige Präsident Nixon am 11. März 1992 bei der Konferenz über nationale Politik über Amerikas Rolle in
der sich abzeichnenden Welt gehalten hat. Die Konferenz wurde von der Nixon-Bibliothek organisiert.

Wir kommen zu einer Zeit großer Herausforderungen
zusammen, einer Zeit der Herausforderungen auch in
der Geschichte Amerikas. Wir treffen uns zu einer
Zeit, da drei Jahre von Ereignissen hinter uns liegen,
die die Welt verändert haben. Ich beziehe mich
natürlich auf den Zusammenbruch des Kommunismus
in Osteuropa und der Sowjetunion und auf unseren
Sieg über die Aggression im Golfkrieg. Infolge dieser
Ereignisse leben wir in einer neuen Welt, und es stellt
sich die Frage, wie die Führungsrolle der Vereinigten
Staaten in dieser neuen Welt aussehen soll.
Andere Teilnehmer dieser Konferenz und in anderen
Foren - an denen ich teilnehmen werde und an denen
hoffentlich auch Sie alle teilnehmen können - werden
darauf eingehen, wie die Politik der Vereinigten Staaten in dieser neuen Welt idealerweise aussehen soll.
In diesem politisch wichtigen Jahr werde ich mich in
meinen Ausführungen nicht nur darauf konzentrieren,
wie unsere Politik sein sollte, sondern darauf, was
politisch möglich ist. In diesem Zusammenhang sollte
ich erwähnen, bei politischen Kampagnen ist es die
Regel, daß der Kandidat aufsteht und sagt: "Dies ist
die wichtigste Wahl in der Geschichte". Ich weiß, daß
ich das oft gesagt habe. Natürlich ist jeder Wahlkampf
für den Kandidaten sehr wichtig. In diesem Fall ist er
auch für das Land sehr wichtig.
In den letzten 44 Jahren war ich Zeuge von 12 Präsidentschaftswahlen und habe an fünf Kampagnen als
Kandidat teilgenommen. In all den 44 Janren hat es
niemals einen Wahlkampf gegeben, in dem Außenpolitik weniger diskutiert wurde und dennoch so wichtig
war, weil derjenige, der in den nächsten vier Jahren
Präsident ist, die Führungsrolle übernehmen muß, die
erweisen wird, ob Frieden und Freiheit in der Welt
liberieben. Auf Grund dessen ist es eminent wichtig,
daß Außenpolitik im Mittelpunkt unserer Überlegungen steht.

AMERIKA DIENST 11

Im Hinblick auf die Au ßenpolitik haben wir eine Achterbahnfahrt hinter uns. Nach dem Sieg der Kommunisten in Vietnam waren die meisten Amerikaner der
Meinung, au ßenpolitisch könnten wir doch nichts erreichen, nach unserem Sieg im Golfkrieg hingegen war
man allgemein der Ansicht, wir könnten doch etwas
erreichen, und nach dem Zusammenbruch des Kommunismus, insbesondere in der Sowjetunion, sah man
sich darin bestätigt, alles erreicht zu haben.
Infolge dieser Ereignisse beobachten wir einen neuen
Isolationismus in beiden politischen Parteien. Der
neue Isolationist ist vorwiegend der Meinung, daß die
Vereinigten Staaten keine Führungsrolle mehr in der
Welt spielen können und sollen. Manche meinen, wir
könnten uns das nicht leisten, andere sind der Auffassung, es sei nicht notwendig, diese Rolle zu spielen
und wieder andere erklären, jemand anders solle diese
Rolle übernehmen.
Wenn wir uns diese Meinungen vor Augen führen,
erinnert mich das in etwa an eine improvisierte Band,
vielleicht eine Ragtime Band. Manche marschieren zu
unterschiedlichen Schlagzeugern, andere singen falsch,
aber alle haben dieselbe Melodie, dasselbe Lied komm nach Hause, Amerika.
Tatsächlich beobachten wir auch, daß ehemalige
Verfechter einer starken außenpolitischen Rolle der
Vereinigten Staaten jetzt erklären, es sei an der Zeit,
sich nach innen zu wenden, wir könnten uns unsere
Außenpolitik nicht mehr leisten, und unsere innenpolitischen Sorgen seien so groß, daß wir uns darauf konzentrieren sollten.
Die Verfechter dieser Linie berücksichtigen jedoch
eins nicht: Außen- und Innenpolitik sind wie siamesische Zwillinge - der eine kann ohne den anderen nicht
überleben. Sie denken auch nicht daran, daß das
amerikanische Volk keine starke Außenpolitik unter-

Seite 1

�stützt, wenn wir keine starke Innenpolitik haben, die
sich mit den Problemen im Inland befaßt. Und sie
berücksichtigen auch nicht, daß Außenpolitik auch
Auswirkungen auf unser innenpolitisches Verhalten
hat. In einer kriegerischen Welt können wir nicht in
Frieden leben, und wir können in einer kranken Weltwirtschaft keine gesunde amerikanische Wirtschaft
aufbauen. Nehmen wir zum Beispiel die Große Depression, an die wir uns alle erinnern - ich zumindest,
Sie werden darüber gelesen haben, während ich sie
durchlebt habe. Sie begann 1931 als Rezession und
weitete sich 1932 zur Depression aus, vor allem, weil
die Vereinigten Staaten mit dem Smoot-Hawley-Zollgesetz einer protektionistischen Politik anhingen.

anderen jetzt unabhängigen Staaten Osteuropas ignorieren. Rußland möchte ich nur als Musterbeispiel
benutzen. Was ich über Rußland sage, gilt auch für
andere.
Im Hinblick auf das Rußland von heute stellte mir
jemand am Tisch die folgende Frage: Wird es funktionieren? Werden sie überleben? Wird die Freiheit
überleben? Und die Antwort ist, daß es dabei hart auf
hart gehen wird.

Es wird hart auf hart gehen, weil zum jetzigen Zeitpunkt
zahlreiche negative Faktoren bestehen. Wie Dmitri
Simes in einem Artikel unlängst ausgeführt hat, gehört
dazu die um sich greifende Korruption. Darüber hinaus
Von dieser Position sehen wir ab und wenden uns der das Problem der ethnischen Auseinandersetzungen.
grundsätzlichen Frage zu: Ist es notwendig, daß die Wir haben femer das Problem des enormen Leids, das
Vereinigten Staaten angesichts all dieser Ereignisse in durch den Versuch ausgelöst wurde, wirtschaftliche
der neuen Welt eine Rolle spielen? Diejenigen, die Veränderungen durchzuführen, um in Rußland eine
darauf mit Nein antworten, gehen dabei meines Erach- freie Marktwirtschaft aufzubauen.
tens von einer falschen Voraussetzung aus, die da in
Einer der wichtigsten Gründe dafür, daß überhaupt
etwa lautet: der kalte Krieg ist vorbei, und wir haben ihn
ernsthaft die Frage besteht, ob die Freiheit in Rußland
gewonnen. Es ist Zeit heimzukehren. Das stimmt nur
Erfolg haben kann, ist das Fehlen einer Managerkaste.
zur Hälfte. Es stimmt in bezug auf den kalten Krieg,
Wenn ich vom Fehlen einer solchen Kaste spreche, so
aber die Kommunisten haben ihn verloren. Es stimmt
ist dies zugleich ein Hinweis darauf, warum die Analojedoch nicht, daß die freie Welt ihn gewonnen hat.
gie zum Marshallplan nicht funktioniert. Wenn wir
Wir müssen uns vor Augen führen, daß der kalte Krieg nämlich Rußland betrachten und zum Vergleich die
kein traditioneller Krieg ist, den große Mächte um Situation in Europa und auch in Japan nach dem
Territorium gefochten haben. Es war ein Krieg der Zweiten Weltkrieg nehmen, so wurde durch die fünf
Ideen, der Ideen des Kommunismus gegen die Ideen Kriegsjahre die Gruppe der Manager in Westeuropa
der Freiheit. Wir können diesen Krieg am eindeutig- und Japan nicht beseitigt. Siebzig Jahre des totalitästen in Rußland beobachten, wo die Saat des Kommu- ren Kommunismus in Rußland haben jedoch die
nismus zuerst gesät wurde. Das russische Volk hat die Managerkaste in Rußland zerstört. Deshalb muß ein
sehr bitteren Früchte dieser Saat geemtet und danach anderer Ansatz gewählt werden als einfach ein neuer
dem Kommunismus abgeschworen. Sie haben ihm Marshallplan. Dies sind die negativen Punkte.
abgeschworen, weil er nicht funktioniert hat.
Es bestehen aber auch einige positive Faktoren, die
Aber jetzt steht die Freiheit auf dem Prüfstand, und
wenn die Freiheit nicht funktioniert, wird das russische
Volk nicht aufgrund dessen zum Kommunismus zurückkehren, sondern meiner Ansicht nach zu einem
sogenannten neuen Despotismus greifen, in dem es
seine Freiheit gegen Sicherheit eintauscht, die Führungsrolle abgibt und seine Zukunft in die Hände jener
legt, die ihm das Lebensnotwendige sichern und Versprechungen machen, wobei sie auch über die Möglichkeiten verfügen, diese zu verwirklichen. Dieser
neue Despotismus, eine Nachwirkung des sterbenden
Kommunismus, der sich in Rußland in imperialistischen Aktivitäten äußern würde, wie sie immer wieder
in der russischen Geschichte vorkamen - dieser neue
Despotismus könnte eine sehr viel gefährlichere Bedrohung für Frieden und Freiheit in der Welt - insbesondere für den Frieden - sein als der alte sowjetische
Totalitarismus. Deshalb müssen wir hier und heute
darauf eingehen.
Wenden wir uns also Rußland zu. Beim Mittagessen
habe ich zu Dr. Brzezinski gesagt, ich sei nicht der
Meinung, man solle die Ereignisse in der Ukraine und
Seite 2

wir bisweilen übersehen, und einer davon ist der, daß
Rußland ein äußerst reiches Land ist, reich an Bodenschätzen und reich an Menschen. Es ist ein hochindustrialisiertes Land. Das russische Volk ist ein großartiges Volk, ein starkes Volk. Wir müssen uns der
Tatsache bewußt sein, daß 95 Prozent der Russen
lesen und schreiben können. Wir müssen berücksichtigen, daß etwa 90 Prozent der Erwerbstätigen einen
unserer High School vergleichbaren Abschluß haben.
Wir müssen darüberhinaus anerkennen, daß Rußland
einige der besten Wissenschaftler, der besten Ingenieure hervorbringt, insbesondere im Rüstungsbereich.
Manch einer vergißt, daß der erste Mensch im Weltraum kein Amerikaner, sondern ein Russe war.
Auf der Habenseite steht noch ein weiterer Faktor, den
wir häufig übersehen. Puschkin schrieb im 19. Jahrhundert, daß Aufstände in Rußland meist sinnlos und
gewalttätig seien. Besonders bedeutsam an der
Revolution, die sich gerade vollzogen hat, war die
Tatsache, da ß sie nicht gewalttätig und schon gar nicht
sinnlos war. Und dies ist ganz besonders Gorbatschow und Jelzin zu verdanken.

AMERIKA DIENST 11

�Der wichtigste Faktor auf der Habenseite ist jedoch die
Tatsache, daß Rußland, das neue Rußland, eine
starke Führungspersönlichkeit hat. Es besteht allerdings die Tendenz, Boris Jelzin zu unterschätzen.
Einige behaupten, er sei in seiner Politik nicht demokratisch genug. Andere wiederum meinen, er sei
intellektuell nicht leistungsfähig und sozial nicht umgänglich genug.
Ich habe in den vergangenen 44 Jahren viele politische
Entscheidungsträger erlebt. Ich würde sowohl Gorbatschow als auch Jelzin als politische Schwergewichte
bezeichnen. Beide wurden als Bauernsöhne geboren.
Gorbatschow wurde ein Mann von Welt, Jelzin blieb
ein Mann des Volkes. Und Jelzin darf dies jetzt niemals
vergessen.
Wenn er nun die Weltbühne betritt, muß er stets im
Gedächtnis behalten, daß er, wenn er die Welt verändern möchte, zunächst Rußland verändern muß. Er
muß es von der Diktatur zu einer Demokratie verwandeln. Er muß eine Kommandowirtschaft in eine Marktwirtschaft verwandeln. Und wenn er dies verwirklichen
will, wird er Hilfe brauchen. Die Frage lautet: Sollten
wir diese Hilfe bereitstellen?
Betrachten wir zunächst die positiven Faktoren im
Hinblick auf Jelzin. Jelzin hat seinen persönlichen Mut
bewiesen, als er sich auf einen Panzer stellte und einer
Bande von parteibuchtragenden Killern gegenübertrat, die einen stalinistischen Putsch anzettelten.
Darüber hinaus stellen wir fest, daß Jelzin - und dies ist
meines Erachtens sogar noch wichtiger - politischen
Mut hat. Mit der Freigabe des Rubelwechselkurses hat
er seine große Popularität aufs Spiel gesetzt. Es gibt
dort eine enorme Inflation, die erhebliche wirtschaftliche Härten verursacht und infolgedessen seine Popularität verringert hat. Es war jedoch der notwendige
erste Schritt, um von einer Kommandowirtschaft zu
einer freien Marktwirtschaft zu kommen.

Was benötigt er? Er benötigt eine Reihe von Dingen.
Um nur einige kurz zu erwähnen: er benötigt beispielsweise Hilfe vom IWF und aus anderen Quellen, und es
wird Milliarden Dollar erfordern, um den Rubel zu
stabilisieren. Er benötigt mehr offene Märkte für die
Exporte, die Rußland, das neue Rußland, im Westen
und in anderen Teilen der Welt erzielen möchte. Er
benötigt darüber hinaus die Hilfe des Westens im
Hinblick auf humanitäre Hilfe. Und es muß zweifellos
eine Einrichtung geben, eine westliche Gruppe, die alle
Bedürfnisse analysieren und bewerten sollte und dann
ein Programm entwickeln würde, um mit der Privatwirtschaft und den Regierungen zu erarbeiten, wie diese
Bedürfnisse erfüllt werden können.
Ich möchte nicht weiter ins Detail gehen, weil die
Experten Sie darüber informieren können. Um jedoch
eine sehr kurze Zusammenfassung zu geben, es ist für
uns wichtig zu erkennen, daß Jelzin sehr substantielle
Wirtschaftshilfe aus dem Westen benötigt. Nicht nur
aus den Vereinigten Staaten, wie ich betonen möchte,
sondern aus dem Westen. In ihrem heutigen Leitartikel schätzt die New York Times die Kosten der Hilfe
für einige der von mir erwähnten und andere Bereiche
auf etwa 20 Milliarden Dollar jährlich für einen Zeitraum
von fünf Jahren. Das ist viel Geld. Wie die Londoner
Financial Times jedoch gestern ausführte, müssen
20 Milliarden Dollar jährlich mit der zwanzigmal so
hohen Summe verglichen werden, die der Westen
noch im letzten Jahr vor dem Zusammenbruch des
Kommunismus für die Verteidigung gegen den Sowjetkommunismus ausgab. Unter diesen Umständen wird
somit alles in die richtige Perspektive gerückt.

Im Gegensatz zu Gorbatschow - lesen Sie dessen
erste Kolumne in der New York Times vor wenigen
Tagen - hat Jelzin nicht nur dem Kommunismus,
sondern auch dem Sozialismus eine Absage erteilt. Er
hat überdies alle von Gorbatschow geerbten Auslandshilfeprogramme eingestellt, die im Jahr 1990 den
russischen Haushalt mit 15 Milliarden Dollar belasteten. Dazu gehörte die Unterstützung einer Reihe von
Staaten, einschließlich Kubas, die dem Westen und
den Vereinigten Staaten ablehnend gegenüberstanden. Und wir alle wissen, daß er im Bereich der
Rüstungskontrolle mit der mutigen Rüstungskontrollinitiative Präsident Bushs nicht nur gleichgezogen hat,
sondern diese noch übertraf.

Kommen wir jetzt zu den harten politischen Fragen.
Was tun die Vereinigten Staaten? Wie werden wir
diesem Problem gerecht, insbesondere wenn wir uns
inmitten eines Präsidentschaftswahlkampfs und einer
Rezession befinden? Und das erste vorgebrachte
Argument, das auch gut aufgenommen wird, lautet,
daß die Vereinigten Staaten lange genug diese Last
getragen haben, es sei jetzt für andere an der Zeit, sie
zu übernehmen, daß wir nach dem Zweiten Weltkrieg
natürlich unseren Verbündeten Hilfe geleistet hätten,
aber auch unseren besiegten Feinden und diesen
damit die Erholung von den Folgen des Zweiten Weltkrieg ermöglicht hätten. Es sei deshalb an der Zeit,
daß diejenigen, denen wir geholfen haben, die Lasten
für die Unterstützung Rußlands, der anderen unabhängigen Staaten der ehemaligen Sowjetunion und
Osteuropas übernehmen, es sei an der Zeit, daß
diejenigen, denen wir bei der Erholung von den Folgen
des Zweiten Weltkriegs halfen, nun den anderen bei
der Erholung von den Folgen des kalten Krieges
helfen. Sie haben recht.

Was stellen wir also fest? Wir stellen fest, daß Jelzin
der prowestlichste Führungspolitiker in der russischen
Geschichte ist. Unter diesen Umständen verdient er
deshalb unsere Hilfe.

Die Hauptlast zur Erfüllung des Bedarfs in Rußland
und den anderen Ländern, die Hilfe benötigen, muß
von den Ländern Europas und Japan getragen werden, denen wir nach dem Zweiten Weltkrieg geholfen

AMERIKA DIENST 11

Seite 3

�haben. Die Vereinigten Staaten sind jedoch die reichste und stärkste Nation der Welt, und wir müssen die
Führungsrolle übernehmen. Dies können wir nur tun,
wenn wir am Verhandlungstisch sitzen. Wie Ben Stein
in einem anderen Zusammenhang sagte, kann man
nur am Tisch sitzen, wenn man auch Chips setzen
kann. Und wir haben genügend Chips, um ein ernsthafter Mitstreiter für die Führungsrolle zu sein.
In einem Wahljahr sehen wir uns jetzt mit einer grundlegenden Frage konfrontiert. Was haben wir davon?
Was haben wir davon, den Menschen in Rußland, der
Ukraine und den anderen unabhängigen Ländern der
ehemaligen Sowjetunion und Osteuropas zu helfen?
Und die Antwort lautet, wir haben sehr viel davon.
Das Sprichwort sagt, jeder ist sich selbst der Nächste,
und ich stimme zu. Die Hilfe für Rußland, und ich
spreche hier insbesondere von Rußland, ist jedoch
kein Almosen. Wir müssen uns vor Augen führen, falls
Jelzin scheitert, ist die Alternative nicht besser, sondern unendlich viel schlechter. Wir müssen uns vor
Augen führen, wenn Jelzin versagt, wenn die Freiheit
versagt, wird die neue an ihre Stelle tretende Tyrannei
bedeuten, daß es mit der Friedensdividende vorbei ist,
daß wir wiederaufrüsten müssen und dies unendlich
viel mehr kosten wird als die Hilfe, die wir zur Zeit
bereitstellen. Es würde auch bedeuten - wenn Jelzin
scheitert, wenn die Freiheit in Rußland scheitert - daß
die große Woge der Freiheit, die die Welt in den
vergangenen zwei oder drei Jahren überflutet hat, zu
verebben beginnt und Diktatur statt Demokratie die
Woge der Zukunft sein wird.
Sollte der Freiheit in Rußland jedoch Erfolg beschieden sein, würde dies folgendes bedeuten. Es bedeutet, daß Rußland anderen - insbesondere China und
den anderen noch verbleibenden kommunistischen
Ländern - als Beispiel dient, auch für andere nichtkommunistische Diktaturen der Welt Modellcharakter hat
und sie wie ein starker Magnet anzieht.
Es würde auch bedeuten, daß wir mit dem Erfolg
Rußlands eine völlig neue Weltordnung scharfen würden
- eine neue Weltordnung in dem Sinne, was sie für
jeden bedeuten kann, insbeondere für uns in den
Vereinigten Staaten. Denken Sie nach. Seit siebzig
Jahren hat das kommunistische Rußland versucht,
den Kommunismus weltweit zu exportieren. Wenn
Jelzin und die Reformen Erfolg haben, wird ein demokratisches, freies Rußland das Positive und die Ideen
der Freiheit weltweit exportieren. Und das heißt, daß
wir in den kommenden Jahren Auswirkungen erleben
werden, die weit über Rußland, Europa und die ganze
Welt hinausgehen. Wirtschaftlich gesprochen bedeutet dies, daß das neue Rußland mit all der Produktionskapazität, die ihm in einer freien Wirtschaft zur Verfügung steht, gute Märkte für amerikanische Produkte
bietet. Das bedeutet Milliarden Dollar an Handel und
potentiell Millionen Arbeitsplätze.

Seite 4

Wenn Jelzin Erfolg hat, wenn die Demokratie überlebt,
bedeutet dies auch, daß unsere Kinder und Enkelkinder die Angst vor einem möglichen Atomkrieg beseitigt
haben, die sie jetzt verfolgt, weil Demokratien keine
Kriege anzetteln.
Wir kommen jetzt jedoch zu einer anderen politischen
Frage, und soweit ich weiß, interessieren sich die
Leute heutzutage für Politik. Die politische Frage
lautet: Alle Meinungsforscher sagen ihren Kandidaten, sprich nicht die Außenpolitik und insbesondere
nicht die Auslandshilfe an, weil Auslandshilfe als politisches Thema Gift ist. Sie haben unrecht, und die
Geschichte belegt dies.
Ich erinnere mich noch so lebhaft als sei es gestern
gewesen daran, was Harry Truman 1947 tat. Lassen
Sie mich erläutern, was er tat und warum er es tat. Im
Januar des Jahres 1947 lag Harry Trumans Popularitätsrate bei 35 Prozent. Die überwiegende Mehrheit
des Kongresses war republikanisch. Er hatte bei der
Wahl des 80. Kongresses im November zuvor eine
enorme Niederlage erlitten. Und ich erinnere mich als
sei es gestern gewesen, daß Harry Truman - unbekümmert, einige sagen sogar ein wenig großspurig vor einer gemeinsamen Sitzung des Kongresses Millionen Dollar an Hilfsleistungen für Griechenland und
die Türkei beantragte, um die kommunistische Subversion und eine mögliche kommunistische Aggression abzuwenden. Es war eine außerordentlich knappe Abstimmung für zwei sehr junge und - wie die Geschichte später lehrte - recht ehrgeizige Kongre ßabgeordnete.
Die liberalen Demokraten in Jack Kennedys Wahldistrikt Massachusetts waren gegen militärische Auslandshilfe. Und die konservativen Republikaner in
meinem Distrikt Kalifornien waren gegen alle Auslandshilfe. Angesichts der Umstände und nach sorgfältigem Abwägen stimmten wir jedoch beide dafür,
und eine Mehrheit im republikanischen Repräsentantenhaus und im Senat stimmte für das Programm, das
später zum Mashallplan und noch später zur NATO
weiterentwickelt wurde, das nicht nur den Kommunismus eindämmte, sondern die Zeit einräumte, die zum
Scheitern des Kommunismus erforderlich war, so wie
er unweigerlich im vergangenen Jahr in der Sowjetunion und natürlich vor zwei Jahren in Osteuropa scheiterte.
Dies war ein unerläßlicher Akt. Im folgenden Jahr
gewann Harry Truman, der im Januar 1947 nur eine
Zustimmungsrate von 35 Prozent hatte, die Präsidentschaftswahl. Noch wichtiger ist jedoch, daß diese von
einem demokratischen Präsidenten eingeleitete und
von einem republikanischen Kongreß unterstützte Aktion,
Hilfe für Griechenland und die Türkei bereitzustellen,
den Grundstein legte. Es war ein unerläßlicher Schritt
zur Eindämmung des Kommunismus und der allmählichen Schaffung der Grundlage für den Sieg der

AMERIKA DIENST 11

�Freiheit in Rußland und der Sowjetunion. Und dann
gibt es die aktuelle Situation, in der ein republikanischer Präsident mit einem demokratischen Kongreß
die Chance hat, Maßnahmen zu ergreifen, um Rußland und den anderen Ländern Hilfe zur Verfügung zu
stellen, die wir hier erwähnt haben, die den Sieg der
Freiheit gewährleisten. Dies ist ein politisches und
auch ein außenpolitisches Thema.
Wir haben also eine Situation, die folgendermaßen
zusammengefaßt werden kann. Während des kalten
Kriegs taten die Vereinigten Staaten und die anderen
Nationen alles in ihrer Macht Stehende, um den Erfolg
grundsätzlich schlechter Ideen zu vereiteln. Jetzt
müssen wir alles in unserer Macht Stehende tun, um
den Erfolg der Ideen sicherzustellen, die gut sind.
Wenn die Vereinigten Staaten und die Menschen in
den Vereinigten Staaten beispielsweise so hervorragend reagieren könnten wie damals und das von mir
erwähnte Programm unterstützen würden, das Harry
Truman vor 47 Jahren in die Wege geleitet hat - ein
Programm, dessen Zweck in der Verhinderung und
Abwehr eines Kriegs besteht - wäre es nicht noch
erhebender, wenn die Vereinigten Staaten sich anderen Nationen bei einem Programm anschließen würden, das die Segnungen des Friedens bewirkt?
Mit anderen, einfachen Worten: Der Krieg bringt das
schlechteste und das beste im Menschen hervor.
Wirklicher Frieden kann und wird nur das beste hervorbringen. Dies ist die Frage, der sich alle, nicht nur die
politisch interessierten Amerikaner heute stellen müssen,
und meines Erachtens kennen wir die Antwort.

* *

AMERIKA DIENST 11

Wenn wir in die Zukunft blicken, müssen wir uns vor
Augen führen, daß wir diese große Verantwortung
tragen, daß dies aber auch eine einmalige Chance ist.
Das 20. Jahrhundert wird als Jahrhundert der Kriege in
die Geschichte eingehen. Mit unserer Führungsrolle
zu dieser Zeit können wir dazu beitragen, das
21 Jahrhundert zu einem Jahrhundert des Friedens
und der Freiheit zu machen. Das ist unsere Herausforderung.
In seiner Rede zum Eisernen Vorhang erklärte Winston Churchill: "Im Augenblick steht Amerika auf dem
Höhepunkt der Weltmacht. Dies ist ein feierlicher
Augenblick für die amerikanische Demokratie, denn
der Primat der Macht geht mit einer schrecklichen
Rechenschaftspflicht für die Zukunft einher."
Den Pessimisten und Negativem zum Trotz besitzen
diese Worte heute noch dieselbe Gütigkeit wie vor
genau 45 Jahren.
Amerika hat heute diese Verantwortung, und wir sagen, warum nicht jemand anderes? Und wenn die
Amerikaner nicht die Führungsrolle übernehmen, wer
dann? Die Japaner? Die Chinesen? Die Russen? Die
Deutschen? Sie sind die einzigen Nationen der Welt,
die das Potential derwirtschaftlichen und militärischen
Macht besitzen, um im nächsten Jahrhundert zu führen. Dies ist unser Augenblick der Größe. Dies ist
unser Augenblick der Wahrheit. Wir müssen diesen
Augenblick ergreifen, denn wir halten die Zukunft in

unseren Händen.

* *

*

Seite 5

�GUS -

WISSENSCHAFTLER
18. März 1992

WISSENSCHAFTSZENTRUM SOLL VERBREITUNG
VON WAFFEN VERHINDERN
Außenminister Baker über ein neues Projekt in Rußland
BRÜSSEL - (AD) - Am 11. März 1992 sagte Au ßenminister Baker die Unterstützung der Vereinigten Staaten für
ein neues Internationales Zentrum für Wissenschaft und Technologie in Moskau zu, das sowjetischen
Wissenschaftlern, die an der Entwicklung von Waffen beteiligt sind, neue Arbeitsplätze bieten soll. Baker
erklärte, "unsere Aufgabe ist vordringlich".

Die Vereinigten Staaten, die Europäische Gemeinschaft und Japan würden entscheidende Beiträge zu diesem
Zentrum leisten, das Baker zufolge frühere sowjetische Wissenschaftler davon abhalten soll, für andere Länder
an nuklearen, chemischen oder biologischen Waffen, Trägersystemen für Raketen oder modernen militärischen
Technologien zu arbeiten.
Bei einer Sondersitzung zu dem neuen Zentrum erinnerte Baker daran, bei einem kürzlichen Besuch in
Tscheljabinsk 70, einer der wichtigsten Entwicklungsstätten für Atomwaffen der früheren Sowjetunion, habe er
"Besorgnis vernommen, daß sich die wirtschaftlichen und beruflichen Bedingungen bis zu einem Punkt
verschlechtern könnten, an dem sogar sehr patriotische und verantwortungsbewußte Spezialisten versucht sein
könnten, ihre Fähigkeiten skrupellosen Regimen auf der ganzen Welt zur Verfügung zu stellen".
Bakar zufolge würde das Zentrum dieses "Ausbluten" verhindern und "einige der besten Köpfe daransetzen, die
quälendsten Probleme der Menschheit" lösen zu helfen und etwas Positives für das Wohl" der Menschen in
Rußland zu tun.
Baker bemerkte, von offizieller Seite hoffe man das auf russische Kosten errichtete Zentrum im Frühsommer
eingerichtet und funktionsfähig sowie die Projekte bewilligt und finanziert zu haben.
Nachfolgern veröffentlichen wir den vorbereiteten Redetext von Außenminister Baker.
Erst vor drei Wochen hatte ich die einmalige Gelegenheit, Tscheljabinsk 70 zu besuchen - eine der wichtigsten Forschungseinrichtungen für Atomwaffen in der
früheren Sowjetunion. Dies ist ein Ort, dem einige der
fähigsten Köpfe einer ganzen Generation ihre kreative
Energie zur Verfügung stellten, um Waffen zu entwickeln, die dem kalten Krieg seine bedrohlichste Dimension gaben.
uo.1 wurde mir bewußt, daß der Umbruch, der die
frühere sowjetische Gesellschaft außerhalb der stark
gesicherten Tore dieser abgelegenen Gemeinschaft in
den Bergen des Urals grundlegend verändert hat,
auch das Leben der Spezialisten im Innern auf den
Kopf stellt. Ich bin mit einer Gruppe hochrangiger
Mitarbeiter und Spezialisten zusammengetroffen und
habe mir angehört, was das Ende des kalten Kriegs und die daraus resultierende schwindende Nachfrage
h ihr^n Talenten - für sie bedeutete.

AMERIKA DIENST 11

Was ich dabei vernommen habe, war die tiefe Unsicherheit der Wissenschaftler über das, was die Zukunft bringen mag und Angst vor den möglichen negativen Auswirkungen für ihre Familien. Ich sah die
Entmutigung auf ihren Gesichtern über das, was hochqualifizierte Wissenschaftler wohl am meisten fürchten - das Fehlen intellektuell anspruchsvoller Arbeit.
Ich vernahm ferner die Besorgnis, daß sich die wirtschaftlichen und beruflichen Bedingungen bis zu einem Punkt verschlechtern könnten, an dem sogar sehr
patriotische und verantwortungsbewußte Spezialisten
versucht sein könnten, ihre Fähigkeiten skrupellosen
Regimen auf der ganzen Welt zur Verfügung zu stellen.
Aber ich hörte auch einige sehr ermutigende Dinge von
den Wissenschaftlern in Tscheljabinsk. Ich hörte von
ihrer Bereitschaft - vielmehr ihrem Engagement - ihre
Fähigkeiten, die sie bisher für die Entwicklung von

Seite 1

�Waffen einsetzten, für nichtmilitärische Zwecke zur
Verfügung zu stellen. Ferner wurde der Wunsch laut,
nach Jahrzehnten physischer und intellektueller Isolation am internationalen Austausch der wissenschaftlichen Welt teilzunehmen und dringende technische
Probleme zu lösen, mit denen sich die Gesellschaft als
Ganzes konfrontiert sieht, nicht nur der kleine Teilbereich der Rüstungsindustrie.
Mit anderen Worten, in Tscheljabinsk 70 stieß ich auf
eine realistische Einschätzung der schwierigen vor
uns liegenden Herausforderungen zusammen mit dem
starken Wunsch, sich diesen Herausforderungen direkt zu stellen. Was fehlt, sind die finanzielle Förderung und der institutionelle Rahmen, um die Unterstützung dorthin zu lenken, wo sie benötigt wird.
Deshalb ist unser heutiges Treffen wichtig. Durch die
Einrichtung eines gut finanzierten Internationalen
Zentrums für Wissenschaft und Technologie können
wir in der Waffenentwicklung tätigen Wissenschaftlern
und Technikern gute Möglichkeiten bieten, um ihre
Talente in nichtmilitärischen Bereichen produktiv einzusetzen. Dadurch können wir die Anreize für hochqualifizierte Mitarbeiter minimieren, Tätigkeiten aufzunehmen, die der Verbreitung von nuklearen, chemischen oder biologischen Waffen, Trägersystemen für
Raketen oder anderer moderner militärischer Technologie dienen.
Der Kampf gegen die Weiterverbreitung - die vordringlichste sicherheitspolitische Herausforderung der
neunziger Jahre und darüber hinaus - sollte daher ein
Kernpunkt der von diesem Zentrum finanzierten Projekte sein. Durch die Verwirklichung dieses wichtigen
Ziels können die Projekte des Zentrums auch umfassenderen Zielen gerecht werden. Sie können einen
Beitrag zu kontinuierlichen Bestrebungen leisten,
Massenvernichtungswaffen zu reduzieren und zu
zerstören. Sie können zu den Anstrengungen der
früheren Sowjetrepubliken beitragen, die schwierige
Umstellung von hochmilitarisierten Kommandowirtschaften zu marktorientierten Systemen zu schaffen, die
dem zivilen Bedarf gerecht werden. Und sie können
helfen, Lösungen für wichtige nationale und internationale Probleme zu finden, etwa im Zusammenhang mit
Umwelt, Gesundheit und Energie.
Unsere Aufgabe ist vordringlich. Wir müssen die Idee
eines Internationalen Zentrums für Wissenschaft und
Technologie so schnell wie möglich in die Tat umsetzen. Deshalb freuen wir uns, daß Vertreter aus der
Europäischen Gemeinschaft, Japan und den Vereinigten Staaten - drei Parteien, die erwartungsgemäß
wichtige finanzielle Beiträge für das Zentrum leisten

werden - jetzt gemeinsam mit Rußland ein internationales Abkommen zur offiziellen Gründung des Zentrums vorbereiten. Wir sollten alles in unserer Macht
Stehende tun, um die Unterzeichnung und das Inkrafttreten dieses Abkommens vor Ende März zu gewährleisten. Dann sollten wir mit konkreten Schritten
fortfahren, damit das Zentrum im Frühsommer eröffnet werden kann und funktionsfähig ist - mit bewilligten
und finanzierten Projekten. Die von uns heute veröffentlichte gemeinsame Erklärung beschreibt eine Reihe
von Maßnahmen für die nächsten Monate, damit das
Zentrum im Sommer seinen Betrieb aufnehmen kann.
Der Erfolg des Zentrums wird breite internationale
Unterstützung erfordern - von Regierungen, dem Privatsektor und auch von der Gemeinschaft internationaler Wissenschaftler. Wir begrüßen heute hier die
Teilnahme der Staaten der früheren Sowjetunion und
freuen uns auf den Meinungsaustausch mit ihnen über
die Organisation und die Funktionsweise des Zentrums.
Darüber hinaus begrü ßen wir die Beteiligung potentieller Sponsoren, einschließlich der hochrangigen Vertreter der Hauptgeberländer, die die ersten Vorstandsmitglieder des Zentrums sein werden. Wir hoffen, die
Zahl der Länder steigern zu können, die umfangreiche
Beiträge zu dem Zentrum leisten und gemeinsam mit
uns den Vorstand bilden werden. In diesem Zusammenhang möchte ich heute bestätigen, daß die Vereinigten Staaten jetzt aktiv die erforderlichen Schritte
unternehmen, um die 25 Millionen Dollar bereitzustellen, mit denen wir das Zentrum ins Leben rufen und
seine Projekte finanzieren wollen.
Das Problem, das wir hier lösen müssen, wird manchmal auch als "Ausbluten" bezeichnet - der Abfluß von
Talenten insbesondere an Orte, wo dieses Talent für
nicht wünschenswerte Ziele eingesekl v»;id. Das
Internationale Zentrum für Wissenschaft und Technologie, wie wir es ins Leben rufen wollen, kann dieses
Ausbluten stoppen.
Aber es kann noch mehr tun. Es kann einige der
besten Köpfe daransetzen, die quälendsten Probleme
der Menschheit lösen zu helfen. Es kann eine Rolle bei
der Umlenkung der produktiven Ressourcen der früheren Sowjetunion spielen und und etwas Positives für
das Wohl der Menschen tun. Die gemeinsamen
wissenschaftlichen Projekte des Zentrums werden
nicht nur die Grenzen der Wissenschaft erweitern - sie
werden die freundschaftlichen Bande zwischen unseren Ländern verstärken.
Für uns ist dies Rettung vor dem Ausbluten. Es ist eine
Lösung, in die es sich zu investieren lohnt.
•

*

Seite 2

*

"§C ff

AMERIKA DIENST 11

�MITTEL-/OSTEUROPA
18. März 1992

USA WOLLEN ZUSÄTZLICHE GELDER
FÜR MITTEL- UND OSTEUROPA
Eagleburger vor Unterausschuß des Repräsentantenhauses
WASHINGTON - (AD) - Die Bush-Administration hat im Haushalt 1993 450 Millionen Dollar für die Unterstützung der neuen Demokratien in Mittel- und Osteuropa beantragt. Dies sind 50 Millionen Dollar mehr als im
laufenden Haushaltsjahr, wie der Stellvertretende US-Außenminister Lawrence Eagleburger vordem Unterausschuß des Repräsentantenhauses für Bewilligungen feststellte.
Eagleburger zufolge sind diese zusätzlichen Mittel erforderlich, weil die Vereinigten Staaten heute mehr Staaten
in der Region helfen. Zu den sechs bisherigen Hilfeempfängern sind Estland, Lettland, Litauen und Albanien
hinzugekommen.
Die zusätzlichen Staaten haben laut Eagleburger "mit die dringendsten und langfristigsten Bedürfnisse in der
Region".
Präsident Bush möchte darüber hinaus in den Haushaltsjahren 1992 und 1993 620 Millionen Dollar an
humanitärer Hilfe und technischer Unterstützung für die ehemalige Sowjetunion bereitstellen. Diese Mittel
werden Eagleburger zufolge mit den bereits bewilligten 860 Millionen Dollar kombiniert.
Eagleburger appellierte an den Kongreß, diese "vergleichsweise bescheidenen Summen" zu bewilligen, da dies
im wirtschaftlichen Eigeninteresse der Vereinigten Staaten liege.
Nachfolgend veröffentlichen wir Eagleburgers Erklärung vor dem Unterausschuß im Wortlaut.
In den vergangenen Jahren waren wir Zeugen atemberaubender Veränderungen in Mittel- und Osteuropa
sowie der ehemaligen Sowjetunion. Über vier Jahrhunderte lang war Rußland ein imperialer, autoritärer
Staat, der seine Nachbarn dominierte und die Stabilität
sowohl in Europa als auch in Asien bedrohte. Heute
jedoch haben der Zusammenbruch des sowjetischen
Imperiums und die Diskreditierung des Kommunismus
bei 400 Millionen Menschen in der Region neue Hoffnungen auf Frieden und Wohlstand aufkeimen lassen.
Infolgedessen bietet sich uns die Aussicht auf ein
demokratisches Rußland, das sein Imperium aufge'öst hat und seine Energien auf innere Reformen
anstatt auf äußere Expansion lenkt. Dies ist eine
Aussicht, die sich unmittelbar auf die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten auswirkt, und es liegt
deshalb in unserem nationalen Interesse, sie zu unterstützen.
Aber diese Aussicht birgt noch viele Unsicherheiten,
und sie könnte leicht einem historisch bekannteren
Zustand weichen. Es gibt keine Garantie dafür, daß
sich die neuen Staaten Mittel- und Osteuropas oder
diejenigen der ehemaligen Sowjetunion zu befreunde-

AMERIKA DIENST 11

ten, wohlhabenden Demokratien entwickeln werden.
Sie sind auf ihrem Weg der Reformen mit enormen
Hindernissen konfrontiert, da der Kommunismus diese
Länder und ihre Volkswirtschaften an den Rand des
Ruins getrieben hat. Letztlich wird der Erfolg vom
Willen und der Entschlossenheit der Regierungen und
Völker der Region abhängen. Die westliche Hilfe kann
jedoch etwas bewirken, und wir haben die Pflicht vor
der Geschichte und gegenüber künftigen Generationen, unseren Teil dazu beizutragen, um ihrem demokratischen Experiment zum Erfolg zu verhelfen. Für
uns steht dabei auf dem Spiel, ob die jüngste Metamorphose von gefährlichen Gegnern zu Freunden und
Partnern ein dauerhaftes oder vorübergehendes
Phänomen ist.
Sicherlich besitzen die Vereinigten Staaten keine
unbegrenzten Mittel, insbesondere in einer Zeit ernster wirtschaftlicher Schwierigkeiten im Innern. Aber
das amerikanische Volk, das Billionen Dollar für die
Führung und den Gewinn des kalten Krieges ausgab,
ist hoffentlich willens, heute vergleichsweise bescheidene Summen aufzuwenden, um zu gewährleisten,
daß wir nicht unter anderem Vorzeichen erneut mit

Seite 1

�einer alten Bedrohung konfrontiert werden. Wenn wir
heute das Richtige tun, werden wir alles in unserer
Macht Stehende geleistet haben, um unseren Kindern
das Gespenst des Atomkrieges und die kolossalen
Verteidigungsausgaben zu ersparen, mit denen unsere Generation seit dem Zweiten Wettkrieg leben mußte.
Auch unser Wohlstand steht auf dem Spiel. Die Völker
Mittel- und Osteuropas sowie der ehemaligen Sowjetunion bilden einen enormen neuen Markt für Handel
und Investitionen des Westens. Wir müssen uns aktiv
darum bemühen, den amerikanischen Privatsektor in
den Wiederaufbau dieser Region einzubinden. Ein
solches Engagement wird den USA nicht nur neue
wirtschaftliche Chancen eröffnen, sondern auch dazu
beitragen, Präsenz und Einfluß der Vereinigten Staaten in diesen aufstrebenden Demokratien zu stärken.
Sicherlich möchten wir nicht, daß der ehemalige
COMECON-Block durch Maßnahmen und Vereinbarungen mit anderen Handelspartnern für amerikanischen Handel und amerikanische Investitionen verschlossen ist. Unser Privatsektor kann positive Beispiele für die Werte des freien Marktes liefern, die
sowohl bei uns als auch im Ausland Grundlage des
Wohlstands sind. Durch den Einsatz amerikanischer
Waren und Dienstleistungen im Gegensatz zur bloßen
Überreichung von Schecks an ausländische Regierungen schafft unser Hilfsprogramm Arbeitsplätze im Inland sowie in Übersee.
Die amerikanischen Programme in Mittel-und
Osteuropa
Beim Beginn unserer Hilfsprogramme in den neuen
unabhängigen Staaten können wir uns auf die bisher in
Mittel- und Osteuropa gewonnenen Erfahrungen stützen. Als wir unser Hilfsprogramm im Jahr 19ß9 mit
dem Gesetz zur Unterstützung der osteuropäischen
Demokratien (SEED) einleiteten, unternahmen lediglich Polen und Ungarn umfassende Reformbemühungen. Heute unterhalten wir Programme in zehn Staaten Mittel- und Osteuropas. In den vergangenen 2 1 /
2 Jahren haben wir gemeinsam mit dem Kongreß ein
kreatives Hilfsprogramm entwickelt, das traditionelle
Maßnahmen mit innovativen Ansätzen verbindet, so
etwa die Unternehmensfonds in Polen, Ungarn, der
Tschechoslowakei und Bulgarien. Wir haben ebenso
wie die Osteuropäer gelernt, was rasch funktioniert
und was nicht, und wir streben weiterhin danach,
unsere Programme nach Bedarf anzupassen, um unsere
Ziele zu fördern.
Die in unsere Programme eingebaute Flexibilität hat
entscheidend dazu beigetragen, daß wir Mittel gegebenenfalls verlagern konnten, um auf plötzliche Veränderungen in einzelnen Empfängerstaaten zu reagieren
- Veränderungen, die unvermeidlich sind, wenn man
die zur Zeit durchgeführten beispiellosen Reformen
und die damit einhergehenden Umwälzungen berücksichtigt. Hätten wir zum Beispiel jedem Land in jedem

Seite 2

Haushaltsjahr Mittel zugewiesen, so wären wir nicht in
der Lage gewesen, Mittel zu transferieren, um auf die
dramatischen Ereignisse des vergangenen Jahres in
Bulgarien, Albanien und den baltischen Staaten zu
reagieren.
Meines Erachtens war es auch korrekt, daß wir den
Großteil unserer Hilfe direkt auf den Privatsektor konzentriert haben. Der Sturz des Kommunismus bedeutete eine Ablehnung staatlichen Einflusses im Alltagsleben. Wir möchten die noch in den Kinderschuhen
steckenden privaten Institutionen in diesen Ländern
stärken, anstatt bürokratische Strukturen zu verfestigen. Überdies gehen wir davon aus, daß der wichtigste Grund dafür, daß die Vereinigten Staaten die
Auszahlung ihrer Hilfszusagen mehr als doppelt so
schnell wie die Europäische Gemeinschaft leisten
konnte, darin liegt, daß wir unmittelbar mit dem privaten und nichtstaatlichen Sektor zusammenarbeiten
anstatt überstaatliche Institutionen der Empfängerländer zu gehen.
Darüber hinaus waren wir bestrebt, unser Hilfsinstrumentarium mit neuen Initiativen zu verbinden, die
amerikanische Handelsmöglichkeiten verbessern und
amerikanische Investitionen stärken sollen. Langfristig wird die Wirkung von Kapital, Waren und Dienstleistungen des amerikanischen Privatsektors auf die
Entwicklung freier Märkte im Ausland wesentlich größer sein als jede staatliche Hilfe, die wir anbieten
könnten.
Das Programm der Administration für Mittel- und
Osteuropa im Haushaltsjahr 1993
Bei der weiteren Bereitstellung humanitärer und technischer Hilfe für die unabhängigen Staaten der ehemaligen Sowjetunion ist es unerläßlich, daß wir keine
Mittel aus unseren Programmen für Mittel- und Osteuropa abziehen. Erfolg oder Scheitern dcc politischen
und wirtschaftlichen Umbruchs vom Baltikum bis zum
Schwarzen Meer wird entscheidende Auswirkungen
auf die Aussichten für eine erfolgreiche Umgestaltung
in Rußland und den anderen unabhängigen Staaten
haben.
Die Finanzierung unseres Programms für Osteuropa
bleibt deshalb von unserem GUS-Programm streng
getrennt. Darüber hinaus beantragen wir für das
Haushaltsjahr 1993 eine Erhöhung der Gelder für
Mittel- und Osteuropa um 50 Millionen Dollar - auf 450
Millionen Dollar gegenüber 400 Millionen im Haushaltsjahr 1992. Der Zuwachs in unserem Antrag trägt
der Tatsache Rechnung, daß wir heute mehr Ländern
helfen. Als wir den Haushalt 1992 einbrachten, unterhielten wir Hilfsprogramme für sechs Länder. Seither
haben wir Estland, Lettland, Litauen und Albanien in
die Liste aufgenommen, und die Nachzügler haben mit
die dringendsten und langfristigsten Bedürfnisse in der
Region.

AMERIKA DIENST 11

�Mit der Veränderung in der Zahl der Empfängerländer
haben sich auch die Bedürfnisse gewandelt, die wir zu
erfüllen trachten. Obwohl wir weiterhin den Übergangscharakter unseres Hilfsprogramms für Osteuropa betonen, sind wir uns der Tatsache bewußt, daß wir
einigen Teilen der Region über einen erheblich längeren Zeitraum als ursprünglich geplant Hilfe leisten
müssen. Albanien zum Beispiel entspricht einem
traditionellen Entwicklungsland, in dem die Vereinigten Staaten und andere Geberländer wahrscheinlich
auf viele Jahre hinaus beim Aufbau von Institutionen
engagiert sein werden.
Im Hinblick auf das Programm möchten wir auf unseren Erfolgen aufbauen. Hier sind unsere Pläne für das
Haushaltsjahr 1993:
Polen wird im Einklang mit seiner Größe und
Bedeutung weiterhin der größte Einzelempfänger von Hilfe sein.
Wie in der Vergangenheit werden wir unser
Programmbudget auf Projekte für demokratische Initiativen (etwa 7,5 Prozent des Gesamtbetrages), zur Verbesserung der Lebensqualität (17,5 Prozent) und zur wirtschaftlichen
Umstrukturierung (75 Prozent) aufteilen.
Die Unternehmensfonds werden den größten
Einzelposten aus dem Haushalt 1993 erhalten,
da sie recht erfolgreich und rasch auf die Bedürfnisse des Privatsektors reagiert haben. Wir
gehen davon aus, daß die Fonds weitere Unterstützung von Gebern und Privatsektor anziehen
werden, wie bereits von den polnischen und
ungarischen Fonds unter Beweis gestellt wird.
Ein weiteres Schlüsselprogramm ist die amerikanische Unternehmensinitiative, mit der Handel und Investitionen der Vereinigten Staaten in
Osteuropa gefördert werden sollen. Damit wird
gleichzeitig amerikanischen Unternehmen geholfen und neue Arbeitsmöglichkeiten für die
Osteuropäer geschaffen.
Auch die Förderung von privaten landwirtschaftlichen Betrieben und Agrarunternehmen ist nach
wie vor oberste Priorität.
Wir werden weiterhin alle Länder Mittel- und
Osteuropas ermutigen, die Privatisierung voranzutreiben. Unsere Programme in diesem
Bereich machen einen bedeutenden Anteil
unserer Hilfe im Haushaltsjahr 1993 aus.
Das Programm der Administration für die neuen
unabhängigen Staaten im Haushaltsjahr 1993
Im Hinblick auf unserer Aktivitäten in der ehemaligen
Sowjetunion werden wir auf unsere Erfahrungen in
M?«a|- und Osteuropa zurückgreifen. Diese Paralle-

AMERIKA DIENST 11

len sind jedoch nur begrenzt gültig. Es handelt sich
hierbei um zwölf völlig neue Länder, die mit unterschiedlicher Geschwindigkeit und in unterschiedlicher
Weise Fortschritte bei den Reformen erzielen werden.
Die Herausforderungen, mit denen wir uns in der
ehemaligen Sowjetunion konfrontiert sehen, sind
umfangreicher als die, denen wir uns in Mittel- und
Osteuropa gegenübersahen. Die Region ist sehr viel
größer, hat sehr viel mehr Bewohner, und die Probleme sind tiefgreifender. Der unmittelbare humanitäre
Bedarf erstreckt sich auf zahlreiche Bereiche, und die
Risiken politischer Instabiltät in bestimmten Gegenden
sind hoch. Private Geschäftsbeziehungen und soziale
Kontakte mit dem Westen sind verglichen mit dem
Großteil Osteuropas vor drei Jahren sehr viel weniger
entwickelt. Neue Regierungstrukturen werden gerade
erst geschaffen und die Gesetze noch geschrieben.
Und natürlich gibt es eine enorme Verteidigungsindustrie einschließlich einer atomaren Komponente, der
im Rahmen unserer Hilfsprogramme besondere Aufmerksamkeit gewidmet wird.
Mit anderen Worten: Die vor uns liegenden Herausforderungen sind beispiellos. Nur Geld in den Topf zu
werfen - vor allem Geld, das wir in diesen Zeiten
schwerlich vergeuden können - wird diese Probleme
nicht lösen. Willkürlich in die Region gepumptes Geld
könnte in der Tat Reformen verhindern und eben die
Abhängigkeiten schaffen, die zu lange in diesen Ländern bestanden haben. Wir müssen Vorsicht walten
lassen und die Ressourcen einzelner amerikanischer
Regierungsbehörden und eines engagierten Privatsektors bündeln, um die dringendsten humanitären
Krisen zu überwinden und politische Instabilität zu
verhindern. Darüber hinaus müssen wir auch die zur
Förderung tragfähiger Wirtschaftsreformen erforderlichen Marktmechanismen schaffen. Entscheidend für
diese Bestrebungen ist, die Beteiligung amerikanischer und westlicher Unternehmen an Handel und
Investitionen zu fördern.
Um diese beiden gleich wichtigen Ziele zu erreichen,
hat der Präsident für die Haushaltsjahre 1992 und
1993 neue Bewilligungen für die ehemalige Sowjetunion in Höhe von 620 Millionen Dollar beantragt. Diese
Mittel würden zur Bereitstellung von Hilfslieferungen
und technischer Hilfe zur Unterstützung demokratischer Reformen und Förderung der wirtschaftlichen
Umstrukturierung verwendet.
500 Millionen Dollar dieses Betrags würden für
humanitäre und technische Hilfe zur unmittelbaren Erfüllung dringenden Bedarfs aufgewendet.
Die technische Hilfe soll die notwendige Brücke
zwischen kurzfristiger humanitärer Hilfe zur
Bewältigung der Engpässe und der mittelfristigen Entwicklung zur Förderung des erfolgreichen Übergangs zu einer demokratischen
Gesellschaft und Marktreformen schlagen.

Seite 3

�Im Haushaltsjahr 1993 werden 100 Millionen
Dollar des Wirtschaftshilfefonds für technische
Hilfe zur Förderung demokratischer Reformen
und wirtschaflticher Umgestaltung bereitgestellt.

Förderung von Investitionen in den Energiesektor und dessen zunehmende Effizienz.
Förderung von bilateralem Handel und Investitionen, um den amerikanischen Privatsektor zu
ermutigen, in den neuen unabhängigen Staaten
tätig zu werden.

10 Millionen Dollar aus dem Entwicklungshilfefonds werden im Haushaltsjahr 1993 für Entwicklungshilfe in den ärmsten Staaten aufgeInitiativen zur Förderung der Entwicklung einer
wendet, und im Haushaltsjahr 1993 werden 10
demokratischen
Gesellschaft einschließlich
Millionen Dollar aus dem Fonds PL480 bewilligt,
Rechtsstaatlichkeit,
Bildungsreform, öffentlicher
um amerikanische Landwirte und AgrarexperVerwaltung
und
Medienprogrammen.
ten in die neuen unabhängigen Staaten zu entsenden, damit sie ihren dortigen Kollegen mit
Genausowenig wie in Osteuropa beabsichtigen wir,
Ausbildung und Rat zur Seite stehen.
bestimmte Obergrenzen für unsere Hilfe an die einzelDie Mittel werden den gesetzlich bereits bewilligten nen Staaten bei gleichzeitiger Umverteilung unserer
Ressourcen in Höhe von 860 Millionen Dollar zuge- Ressourcen festzusetzen, um sich wandelnde Bedürfschlagen. Sie werden folgendermaßen aufgeschlüs- nisse zu erfüllen und die unterschiedlichen Ebenen der
Reformbestrebungen anzusprechen. Unseren Schätselt:
zungen zufolge wird ungefähr die Hälfte der amerikaRund 210 Millionen Dollar an Nahrungsmittelhil- nischen Hilfsleistungen aufgrund der Größe und Befe (Nahrungsmittel im Wert von 165 Millionen deutung Rußlands dorthin gehen. Der Ukraine, Armeund überschüssige Bestände des US-Verteidi- nien, Kasachstan und Kyrgysstan räumen wir ebengungsministeriums in Höhe von 45 Millionen falls Priorität ein und werden sie entsprechend berücksichtigen.
Dollar).
100 Millionen Dollar vom US-Verteidigungsministerium zum Transport der Hilfslieferungen.
400 Millionen Dollar aus dem Verteidigungshaushalt zur Beseitigung atomarer und chemischer Waffen.
30 Millionen zur Bereitstellung dringend benötigter medizinischer Güter.

Generell wollen wir die Hilfe auf allen Ebenen - national
oder lokal - so angemessen und wirksam wie möglich
gestalten und sowohl mit staatlichen als auch nichtstaatlichen Gremien zusammenarbeiten. Wir werden
neue Mechanismen vorschlagen wie etwa die Eurasia
Foundation - eine Privatorganisation mit dem Ziel,
rasch auszahlbare Fonds für technische Hilfe, Ausbildung von Führungskräften und den Aufbau demokratischer Institutionen bereitzustellen.

120 Millionen Dollar an Mitteln vom Amt für
internationale Entwicklung (AID) und CCC-Kreditbürgschaften für technische Hilfsprogramme.

Obwohl noch viel zu tun bleibt, haben die Vereinigten
Staaten eine Führungsrolle bei der Erfüllung der vordringlichsten Bedürfnisse übernommen. Wir haben 21
Darüber hinaus hofft das Peace Corps bis zum Ende Millionen Tonnen an Getreide und andeien Nahrungsdes Haushaltsjahres 1993 bis zu 500 Freiwillige in die mitteln sowie Medikamente und medizinische Versorneuen unabhängigen Staaten zu entsenden, und wir gungsgüter im Wert von über 35 Millionen Dollar
werden mit Hilfe der Entwicklungsgesellschaft OPIC geliefert. Bis heute haben wir nahezu 70 Prozent
und der Eximbank amerikanische Investitionen und unserer Verpflichtungen erfüllt (einschließlich der landwirtschaftlichen Kredite) - ein sehr viel höherer ProExporte in die Region fördern.
zentsatz als andere Geberländer. Wir haben bereits
Unsere technischen Hilfsprogramme sind auf folgende Botschaften in elf der neuen Staaten eröffnet oder sind
Bereiche zugeschnitten:
dabei, dies zu tun. Wir sind damit befaßt, eine AIDVertretung vor Ort zu schaffen. Und, wie Sie vielleicht
Programme zur Privatisierung und Umstruktu- wissen, hat der Außenminister vergangene Woche
rierung der nochmilitarisierten Volkswirtschaf- Richard Armitage, der die Aktion Hoffnung erfolgreich
ten der neuen unabhängien Staaten durch die organisiert hat, zum Koordinator unseres gesamten
Konversion der Rüstungsindustrie und Umrü- Hilfsprogramms für die neuen unabhängigen Staaten
stung zu verbraucherorientierter Produktion.
ernannt.
Aktivitäten zur Förderung der Marktwirtschaft In Anbetracht der vor uns liegenden Herausforderunund zwar sowohl der makro- als auch der mikro- gen muß auch festgestellt werden, daß die amerikaniökonomischen Seite.
sche Hilfe nur ein Teil der internationalen Reaktion ist,
Verbesserungen bei Verteilung und Transport an der über 50 Nationen und multilaterale Institutionen
von Nahrungsmitteln sowie der Systeme für hu- beteiligt sind, um den neuen unabhängigen Staaten
Hilfe im Wert von rund 27 Milliarden Dollar zu leisten.
manitäre Dienstleistungen.
Bei der im Januar in Washington abgehaltenen KoorSeite 4

AMERIKA DIENST 11

�dinierungskonferenz kamen 54 Delegationen zusammen, um spezifische Aktionspläne für die Bereiche
Nahrungsmittel, Medikamente, Energie und technische Hilfe zu erarbeiten. Auch auf bilateraler und
multilateraler Ebene sind wir mit Vertretern der neuen
unabhängigen Staaten zusammengetroffen, um diese
Initiativen zu erörtern und durchzuführen. Wir übernehmen eine Führungsrolle bei der Unterstützung der
baldmöglichen Mitgliedschaft der neuen Staaten in
den internationalen Finanzinstitutionen, um die erforderliche makroökonomische Stabilisierung und Strukturveränderung zu fördern.
Zusammenfassend sollten wir uns vor Augen führen,
daß die westliche Staatengemeinschaft unter amerikanischer Führung zusammengearbeitet hat, um

während der dunklen Jahre des kalten Kriegs Demokratie und freies Unternehmertum zu schützen. Wir
haben den Menschen, die unter der Last des Totalitarismus leben mußten, Auftrieb und Hoffnung gegeben.
Es ist nun an uns allen, danach zu trachten, daß das
Versprechen einer Welt mit mehr Sicherheit und
Wohlstand verwirklicht wird. Unter amerikanischer
Führung haben die westlichen Demokratien erneut
eine Partnerschaft geschmiedet - dieses Mal mit unseren ehemaligen Gegnern - um unseren Kindern eine
stabilere Zukunft zu bieten. Wir blicken der Zusammenarbeit mit dem Kongreß bei der Erweiterung der
Hilfe erwartungsvoll entgegen, die so sehr in unserem
nationalen Interesse liegt.

* * * *

AMERIKA DIENST 11

*

Seite 5

�W A H L E N '92
18. März 1992

DIE VORWAHLERGEBNISSE DES "SUPERDIENSTAGS"
Der Stand der Delegiertenstimmen
Nachfolgend veröffentlichen wir eine Übersicht über die Zahl der Delegierten, die jeder Präsidentschaftskandidat nach den Ergebnissen des "Superdienstags" am 10. März 1992 für sich in Anspruch nehmen kann.

Demokraten (zur Nominierung erforderlich: 2.145)

Parteiversammlungen in Hawaii

Clinton

707,25

Brown

14

Tsongas

349,25

Clinton

50

Nichtgebunden

300,75

Tsongas

13

Brown

81,25

Sonstige

23

Republikaner (zur Nominierung erforderlich: 1.105)

Louisiana

Bush

560

Brown

7

46

Clinton

69

Tsongas

11

Sonstige

13

Buchanan
Nichtgebunden

6

Die
Ergebnisse
der
Vorwahlen
Parteiversammlungen am "Superdienstag"

und

Massachusetts
Demokraten

Stimmenanteil (%)
Brown

15

Clinton

11

Tsongas

66

Sonstige

8

Parteiversammlungen in Delaware
Brown

19

Clinton

21

Tsongas

30

Nichtgebunden

30

Mississippi
Brown

10

Clinton

73

Tsongas

8

Sonstige

9

Florida
Brown

12

Clinton

52

Tsongas

34

Sonstige

2

AMERIKA DIENST 36

Seite 1

�Parteiversammlungen in Missouri

Louisiana

Brown

7

Buchanan

27

Clinton

45

Bush

62

Tsongas

11

Duke

9

Nichtgebunden

37

Sonstige

2

Mississippi

Oklahoma
Brown
Clinton

17

Buchanan

71

Bush

Tsongas (keine
Teilnahme)
Nichtgebunden

Duke
0

Oklahoma

12

Buchanan

Rhode Island

70
3

19

Duke

Clinton

21

Rhode Island

Tsongas

53

Buchanan

Sonstige

17

Bush
Sonstige

Brown

8

Clinton

67

Buchanan

Tsongas

19

Bush

Sonstige

6

Texas

32

5

Tennessee

Sonstige

5

Texas

Brown

8

Clinton

65

Bush

Tsongas

19

Sonstige

Sonstige

8

Republikaner

11

Bush

Brown

Tennessee

1?

Buchanan

Stimmenanteil (%)

Florida
Buchanan

32

Bush

68
* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 36

�WAHLEN

'92
18. März 1992

VORWAHLEN UND PARTEIVERSAMMLUNGEN AM
"SUPERDIENSTAG"
Amerikanische Pressestimmen
Eine Reihe amerikanischer Zeitungen haben ihre Leitartikel den Ergebnissen der Vorwahlen und Parteiversammlungen vom "Superdienstag" am 10. März 1992 gewidmet. Nachfolgend einige Auszüge aus den
Kommentaren.

The Miami Herald
Im zweiten Anlauf bewirkte der Superdienstag für die
Demokraten, was seine Erfinder die ganze Zeit beabsichtigt hatten: Er machte einen Gemäßigten aus dem
Süden, Gouverneur Bill Clinton aus Arkansas, im
Nominierungsprozeß rechtzeitig genug zum Spitzenkandidaten der Partei, um starke rationale Anerkennung und Unterstützung für ihn aufzubauen... März ist
häufig der Monat der Zerreißproben für die Präsidentschaftskandidaten. Während sich das Feld verkleinert, verlagert sich die Gunst der Wähler von der
Frage, wer der beste Kandidat für ihre Partei ist zu der
Frage, wer der beste Präsident für die Nation wäre.
Das ist die entscheidende Frage für den letzten Superdienstag - den ersten Dienstag im November.
Detroit Free Press
Der Superdienstag hat einige wichtige Fragen über
den Auswahlprozeß bei den Präsidentschaftswahlen
beantwortet, läßt jedoch noch grundlegende Probleme
für uns in Michigan und unsere Nachbarn in Illinois
offen. Unsere Präsidentschaftsvorwahlen haben Pilotcharakter. Die am Superdienstag beteiligten Staaten haben dem Wahlkampf ihren Stempel aufgedrückt.
Wir hoffen, wir in Michigan können an unserem "Dienstag" den Auswahlprozeß entscheidend beeinflussen.
Baltimore Sun
Der enorme Stimmengewinn, den der Gouverneur von
Arkansas, Bill Clinton, im Süden einschließlich des
wankelmütigen Staates Florida für sich verbuchen
konnte, versetzt den ehemaligen Senator von MassacnusbuS, Paul Tsongas, in eine defensive Situation im
Hinblick auf die Vorwahlen der nächsten Woche, in der
Sieg ein Muß ist... Präsident Bush... hat die NominieAMERIKA DIENST 11

rung fest in der Tasche, und Patrick Buchanan wird
früher oder später entscheiden müssen, wie lange er
noch am Image des Amtsinhabers seiner Partei kratzen will.
Christian Science Monitor
Der Wahlkampf der Demokraten ist nicht vorbei. Tsongas
könnte am nächsten Dienstag in Illinois und Michigan
mit starken Auftritten neuen Auftrieb erhalten. Aber
nach dem Superdienstag hat Tsongas fast einen stehenden Start.
Auf der republikanischen Seite hat sich ein inzwischen
erprobtes Muster bewährt: Bush hat alle Wahlkämpfe
leicht gewonnen, konnte jedoch die verteufelten Proteststimmen nicht abschütteln. Er wird versuchen, die
Sorgen der Wähler anzusprechen, indem er den
Wahlkampfpfad verläßt und sich wieder als "Präsident" gibt. Der Herausforderer Pat Buchanan steht
eher als verdrießlicher Verlierer da. Der Wahlkampf
der Republikaner ist jetzt stinklangweilig geworden.
Erst beim Parteitag im August wird er wieder spannend.
The Washington Post
Da die Nominierung der Republikaner endlich entschieden scheint, ist der Wahlkampf der Demokraten
im Augenblick fesselnder. Vieleicht weil sie sich so
sehr an schlechte Nachrichten gewöhnt haben, scheinen zahlreiche Demokraten entschlossen, einige gute
Nachrichten, die ihren Weg kreuzten, in schlechte
umzumünzen. Zwischen ihren Kandidaten, die etwas
zu sagen haben, spielt sich ein ziemlich lebhafter,
interessanter und inhaltsreicher Wahlkampf ab. Der
Gedanke, ein unbeleckter Dritter könnte auftauchen
und gekrönt werden, scheint sich abzuschwächen: Es
Seite 1

�ist keinesfalls klar, ob dieser Dritte bei den Wählern
besser abschneiden würde als die drei Mitstreiter es
bereits im Wahlkampf tun. Es wurde zu Recht weithin
festgestellt, daß Gouverneur Clinton begonnen hat,
die demokratische Koalition wiederzubeleben, die in
jüngster Zeit kurz vor der Auflösung stand. Seine
Fähigkeit, eine schwarze Wählerschaft und eine wei ße
Arbeiterklasse zu mobilisieren, ist ein Durchbruch für
die Demokraten, die während der vergangenen Wahlen mehr gehandelt und gefeilscht haben als sich der
Aufgabe zu widmen, eine Koaliton zu schmieden, die
einen sozialen, rassischen und wirtschaftlichen Querschnitt bietet.
New York Times
Von allen Zahlen, die nach dem Superdienstag bekanntgegeben wurden, fällt eine besonders ins Auge.
Der weiße Südstaatler Bill Clinton gewann in Florida
die Hälfte der demokratischen Wählerstimmen, aber
etwa 75 Prozent der Stimmen von den Schwarzen.
Gouverneur Clinton mag die Nominierung der Demokraten gewinnen oder auch nicht, und er mag Präsident Bush im Herbst ein schwieriges Rennen bereiten
oder auch nicht. Wie auch immer - diese eine Zahl
bezeugt vielleicht zum ersten Mall seit der Vorwahlkampagne Robert Kennedys in Indiana im Jahr 1968,
daß es politisch möglich ist, arme schwarze und der Arbeiterschicht entstammende weiße Wähler zusammenzubringen. Letztlich ist es möglich, daß Amerikaner ihre rassische Teilung überwinden und sich statt
dessen auf ihre gemeinsamen Interessen konzentrieren.
Clintons Wahlkampf mag noch andere Schläge erleiden, die Beziehung von ihm und seiner Frau zu einem
gescheiterten Sparkassenangestellten muß noch geklärt
werden. Oder vielleicht verschafft ihm die Vorwahl
nächste Woche in Illinois einen entscheidenden Vorteil. Wie auch immer, Clintons Wahlkampf hat bereits
etwas erreicht, an das man sich erinnern wird: Die
Amerikaner können ohne Bitterkeit sagen: Schwarze
und Weiße stehen zusammen.
Kolumnist George Will
Clinton verfügt über viel Geld und wird wahrscheinlich
nominiert werden, obwohl er bedenklich viele Schwachstellen hat. Tatsächlich gewinnt er gerade aufgrund
derer: die Menschen bewundem die Art und Weise,
wie er sich durchbeißt und all die Last trägt. Aber die
Last bleibt, und im Herbst werden die Republikaner
sich in dieser Hinsicht nicht zurückhalten.
Dennoch tritt Clinton gegen einen Präsidenten an, den
ein Drittel der Republikanischen Partei und zwei Drittel
seiner Basis republikanischer Anhänger ablehnen.
Bush, der über die gesamte Exekutive gebietet, hat
zugelassen, daß das Thema des Wahlkampfes von
einem Kolumnisten auf Urlaub bestimmt wird. Erstaunlich.
Seite 2

Kolumnist Carl Rowart
Eines der bemerkenswertesten Dinge an den Wahlen
am Superdienstag ist die Tatsache, daß Gouverneur
Bill Clinton schließlich die armen Weißen und die
armen Schwarzen überzeugt, daß sie dasselbe Schicksal haben. Er scheint die Armen in Florida - wo es etwa
eine halbe Million Arbeitslose gibt - davon zu überzeugen, daß sie es sich nicht leisten können, sich gegenseitig zu bekämpfen, während privilegiertere Menschen Bildungschancen und Arbeitsplätze abstauben.
Clinton bekam nicht nur einen hohen Anteil der Stimmen von den armen Weißen und der weißen Mittelklasse, sondern auch drei von vier Stimmen aus der
schwarzen Bevölkerung.
Kolumnist Paul Greenberg
Es geht jetzt um die Nominierung von Bill Clinton für
das Amt des Präsidenten. Die 'White Hope' aus Hope
in Arkansas müßte sich schon einiges leisten, um zu
verlieren. Er hat die Delegierten aus dem Süden hinter
sich, wenn er in die von der Rezession angeschlagenen Staaten im Rostgürtel geht, nach Michigan und
Illinois. Er hat das Geld, und er verfügt über die
Organisation. Er hat die Helfer und die Unterstützung
seiner Partei. Er hat die Jugend und den Jargon, Züge
von Kennedy, und er verfügt über die Fähigkeit, uns zu
erzählen, was wir hören wollen. Er verkörpert den
echten, authentischen Geist der neunziger Jahre. Er
wird die Gewerkschaften gewinnen, auch wenn Bill
Becker von der AFL-CIO in Arkansas versucht, sie zu
warnen, wer wen bekommt. Er hat Hillary, das typische Mädchen aus Park Ridge, Illinois. Er hat alles
außer Charakter, und wann war dieser Mangel je ein
Hindernis für politisches Fortkommen in diesem oder
irgendeinem anderen Land?
Kolumnist William Murchison
Clintons Aufschwung am Superdienstag verändert die
Lage zugunsten Bushs Wiederwahl kaum. Bush, ein
potentieller Jimmy Carter? Ich habe Neuigkeiten für
Gennifer Flowers Seelenverwandte: Bill, Sie sind nicht
Ronald Reagan. Pat Buchanan mit seinem Ergebnis
von etwa 30 Prozent ist wahrscheinlich sogar in konservativen Staaten wie Texas fast am Ende.
Newsday
Erster Kommentar von Paul Tsongas: "Am Superdienstag sollten Leute w&lt;o ich aus dem Rennen geworfen werden. Nun, ich bin immer noch da." Beim
zweiten Teil seiner Aussage hat er recht, nicht ganz
jedoch beim ersten. Konservative Demokraten hatten
sich vom Superdienstag eine defensive Maßnahme
erwartet, um irgendeinen liberalen Yankee davon
abzuhalten, sich mit der Nominierung der Partei zum
Präsidentschaftskandidaten davonzumachen, während
andere Kandidaten noch in den Startlöcherr. ctsckien.

AMERIKA DIENST 11

�Und dieses Jahr hat es funktioniert... Es hat so gut
funktioniert, da ß der Gouverneur von Arkansas nun als
Favorit in die Vorwahlen der nächsten Woche geht.
Kolumnist Richard Cohen
Trotz all ihrer Unberechenbarkeit sind die Vorwahlen in
bestimmter Hinsicht doch berechenbar. Sie sind immer
instruktiv. Wir haben viel über Clinton erfahren (man
benötigt schon eine silberne Gewehrkugel, um ihn
aufzuhalten) und über Tsongas (er ist nicht ganz
derjenige, für den man ihn hielt). Seit New Hampshire
und insbesondere im Fernsehen erwies sich Tsongas
als weinerlicher, nörgelnder, unverbesserlicher Rechthaber, der einfach keinen Frohsinn erzeugt. "Ich
werde Ihnen etwas sagen, Bill Clinton", erklärte er am
Dienstag abend, "solange ich da bin, werden Sie sich
Ihren Weg ins Wei ße Haus nicht erschleichen." Das ist
das Programm eines Streithammels, kein Schlagwort,
hinter dem sich Millionen sammeln können.
Es liegt nicht an Tsongas, daß er ein Wei ßer aus einem
Nordstaat mit einem relativ kleinen schwarzen Bevölkerungsanteil ist. Und es sollte eine Rolle spielen, daß
er zwei Jahre freiwillig als Entwicklungshelfer in Äthiopien diente. Ausschlaggebend ist aber die Tatsache,
daß die Schwarzen im Süden für Bill Clinton stimmten
- ein Ausdruck des Vertrauens, den die Demokratische
Partei nicht übersehen kann und der überdies einem
Gouverneur zugutekam, der mit einer Art von Reform
der Sozialhilfe in Verbindung steht, der Konservative

applaudieren können.
Wall Street Journal

großartig es wäre, wenn er sich ohne Opposition für die
republikanische Nominierung bewerben würde, ohne
den Partisanenkrieg Buchanans. Dann könnte er sich
auf den quicklebendigen Gouverneur aus Arkansas
konzentrieren. Was der Präsident und das Land statt
dessen zur Zeit dringend benötigen, ist ein ernsthafter
politischer Wettbewerb zwischen ernsthaften Kandidaten mit ernsthaften Ideen. Zum jetzigen Zeitpunkt
scheinen wir eher in die entgegengesetzte Richtung zu
gehen. Kein Wunder, daß die Wähler so verdrossen
sind.
Los Angeles Times
Bush ist die Hauptzielscheibe der Unglücklichen, denn
er ist der einzige Präsident, den Amerika hat, und der
Präsident ist nun einmal das sichtbare Symbol des
politischen Establishments in Amerika.
Bush verliert bei jeder Vorwahl zwischen einem Viertel
und einem Drittel der republikanischen Wählerstimmen. Unmittelbarer Nutznießer ist Buchanan, dessen
fragwürdige oder besorgniserregende Ansichten über
Handel, Juden, Schwarze und zahlreiche andere Dinge ihn offenkundig für das Präsidentenamt ungeeignet
machen.
Eine Art Glück im Unglück für die Nation, eine Art
Silberstreif am Buchanan-Horizont ist die Tatsache,
daß der belesene und bisweilen scharfzüngige politische Journalist dem ehemaligen Ku-Klux-Klan-Führer
David Duke Stimmen entzieht, dessen Präsidentschaftswahlkampf in Louisiana ins Leere gelaufen zu sein
scheint.

Wir bezweifeln, daß das, was die Vereinigten Staaten
heute benötigen, eine leichte Wiederwahl von George
Bush ist. Der Präsident sprach gestern davon, wie

*

AMERIKA DIENST 11

*

Seite 3

�</text>
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                <text>&lt;div&gt;&lt;strong&gt;1. US-Außenpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush: aktive Außenpolitik, starke Verteidigung erforderlich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Präsidenten zur Rolle der Vereinigten Staaten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die neue Welt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Präsident Nixon&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. GUS-Wissenschaftler&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wissenschaftszentrum soll Verbreitung von Waffen verhindern&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Außenminister Baker über ein neues Projekt in Rußland&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Mittel-/Osteuropa&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;USA wollen zusätzliche Gelder für Mittel-und Osteuropa&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eagleburger vor Unterausschuß des Repräsentantenhauses&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wahlen'92&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Vorwahlergebnisse des "Superdienstags"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Der Stand der Delegiertenstimmen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vorwahlen und Parteiversammlungen am "Superdienstag"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Amerikanische Pressestimmen&lt;/em&gt;&lt;/div&gt;</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Familienzusammenführung ist ein Gebot der Menschlichkeit&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das Kennedy-Gesetz und seine Auswirkungen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Brüsseler Weltausstellung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;165 junge Amerikaner als Fremdenführer in Brüssel&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Atom - Wissenschaft - Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ionenmotor für Raumraketen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dispersionsverfahren erleichtert Behandlung radioaktiver Abfälle&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hochreines Uran-Metall&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tonband und Kleinempfänger als Museumsführer&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Von Kunst und Künstlern&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Poesie - Eine Liebhaberzeitschrift mit Tradition&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Norman Smith&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Nummer

Service

Postfach

300

Information
und
Dokumentation

T e I e x : 08 - 8 54 3 2

18. April 1973

16

Inhalt
DOKUMENTATION:
Die Handelsbotschaft Präsident Nixons
-WortlautNixon will Rohstoffe aus strategischen Reservebeständen freigeben
-Wortlaut der Botschaft an den US-Kongreß-

WIRTSCHAFT:
Eberle fordert Liberalisierung des Agrarhandels
-Wortlaut«

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Mehr Forschung zur Erschließung neuer Energiequellen
-Arbeitsgruppe des US-Kongresses legt Bericht vor»
Herzschrittmacher mit Radioisotop als Energiequelle
-Amerikanisches Modell in der Erprobung-

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

I n f o r m a t i o n

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Dokumentation

Postfach 300

T e I e x : 08 - 8 54 32

16/1973

DIE HANDELS BOTSCHAFT PRÄSIDENT NIXONS
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Nixon hat dem amerikanischen Kongreß
am 10. April sein neues Gesetz für eine Handelsreform unterbreitet. Die
begleitende Botschaft des Präsidenten, in der dieser seine Vorschläge im
einzelnen erläutert, hat folgenden Wortlaut:
Das Gesetz für eine Handelsreform von 1973, das ich heute dem Kongreß
vorschlage, sieht die wohl wesentlichsten Veränderungen seit über einem
Jahrzehnt für die Initiative Amerikas auf dem Gebiet des Welthandels vor.
Dieses Gesetz kann mehr und bessere Arbeitsplätze für die amerikanischen
Arbeitnehmer bedeuten.
Es kann dazu beitragen, daß die amerikanischen Verbraucher mehr für ihr
Geld bekommen.
Es kann eine Ausweitung des Handels und einen wachsenden Wohlstand sowohl
für die Vereinigten Staaten als auch für unsere Handelspartner bedeuten.
Am wichtigsten ist jedoch, daß diese Vorschläge uns helfen können,
die internationalen Spannungen abzubauen und das Gebäude des Friedens zu
stärken.
Die Notwendigkeit für eine Handelsreform ist dringend. Die große Aufgabe
einer Handelsreform bedingt eine wirksame, funktionierende Partnerschaft

�Partnerschaft zwischen der Exekutive und der Legislative. Die von mir
heute vorgelegte Gesetzgebung ist in engen Konsultationen mit dem Kongreß
ausgearbeitet worden und sieht auch nach ihrer Verabschiedung eine kontinuierliche Zusammenarbeit vor. Ich ersuche den Kongreß nachdrücklich,
diese Vorschläge in einem Geist konstruktiver Partnerschaft zu prüfen
und über sie umgehend und positiv zu entscheiden. Dieses Gesetz wird uns
helfen:
- Verhandlungen über ein offeneres und gerechteres Welthandelssystem
zu führen;
- uns auf wirksame Weise mit den schnell steigenden Importen zu befassen, die zu Störungen auf den Binnenmärkten und zur Freisetzung
amerikanischer Arbeiter führen;
- unsere Fähigkeit, unfairen Wettbewerbspraktiken zu begegnen, zu
stärken;
- unsere Handelspolitik wirksamer zu betreiben und zu nutzen, um mit
besonderen Fällen, wie sie unsere Zahlungsbilanz- und Inflationsprobleme darstellen, fertig zu werden; und
- die Vorteile neuer Handelsmöglichkeiten zu nutzen, während wir
gleichzeitig den Beitrag steigern, den der Handel zur Entwicklung
ärmerer Länder leisten kann.

Stärkung des Gebäudes des Friedens

Die Welt befindet sich gegenwärtig in einem tiefgreifenden und
historischen Wandel von einer Konfrontation zu Verhandlungen über die
Lösung internationaler Meinungsverschiedenheiten. In immer stärkerem
Maße haben die einzelnen Länder in den letzten Jahren erkannt, daß der
beste Weg zur Förderung ihrer eigenen Interessen darin besteht, die
friedlichen Kontakte zu anderen Völkern auszuweiten. Wir haben daher damit
begonnen, ein dauerhaftes Gebäude des Friedens in der Welt zu errichten,
das allen Nationen nützen kann und an dem alle Nationen ein Interesse haben.
Dieses

�Dieses Gebäude des Friedens kann jedoch nicht stark sein, wenn es
nicht auch die internationalen Wirtschaftsfragen mit einschließt. Unser
Fortschritt in Richtung auf eine Welt des Friedens und der Stabilität
kann beträchtlich unterminiert werden durch wirtschaftliche Konflikte,
die Brutstätten politischer Spannungen sind und die Sicherheitsbande
schwächen. Es ist daher unbedingt erforderlich, daß wir unsere Verhandlungsanstrengungen umgehend der Aufgabe zuwenden, die Probleme auf wirtschaftlichem Gebiet zu lösen.
Meine Vorschläge für eine Handelsreform würden uns das nötige Werkzeug
an die Hand geben, diese Aufgabe zu bewältigen. Sie würden uns helfen, eine
neue Wirtschaftsordnung zu schaffen, die den von uns in politischen Fragen
gemachten Fortschritt widerspiegelt und verstärkt. So habe ich im September
vergangenen Jahres vor den Gouverneuren des Internationalen Währungsfonds
(IWF) erklärt, es sollte unser gemeinsames Ziel sein, "eine Wirtschaftsstruktur zu schaffen, die das historische Fortschreiten der Welt in Richtung
auf den Frieden fördert und nicht behindert."

Der Weg zu einer neuen internationalen Wirtschaftsordnung
Die wichtigsten Institutionen, die heute die Weltwirtschaft lenken,
gehen auf das Ende des zweiten Weltkrieges zurück. Damals hatten die
Vereinigten Staaten eine dominierende Stellung inne. Unsere Industrieund Landwirtschaftssysteme waren trotz des Krieges praktisch intakt geblieben. Unsere beträchtlichen Reserven ermöglichten es uns, einengrossen
Teil des internationalen Wiederaufbaus zu finanzieren. Wir setzten großzügig unsere Hilfsquellen und unsere führende Stellung dafür ein, der
Weltwirtschaft zu helfen, wieder auf die Beine zu kommen.
Das Ergebnis waren 25 Jahre beachtlicher wirtschaftlicher wirtschaftlicher Leistungen - und tiefgreifender wirtschaftlicher Veränderungen.
An Stelle eines zersplitterten und erschütterten Europas gibt es heute eine
neue und pulsierende Europäische Gemeinschaft. An Stelle eines darniederliegenden Japans gibt es heute dort eine der stärksten Volkswirtschaften
der freien Welt. In allen Teilen der Welt haben sich neue wirtschaftliche
Strukturen entwickelt und sind neue wirtschaftliche Kräfte freigesetzt worde
Diese

�Diese Erfolge haben nunmehr die Welt in eine völlig andere Zeit
eintreten lassen. Amerika ist nicht mehr die einzige, dominierende Wirtschaftsmacht. Die neue Ära ist die einer wachsenden wirtschaftlichen
Interdependenz, einer gemeinsamen wirtschaftlichen Führung und dramatischer wirtschaftlicher Veränderungen.
Dies em umfassenden Umbruch standen jedoch keine ausreichenden Veränderungen unserer Handels- und Währungssysteme gegenüber. Die Initiativen
die uns in den Jahren unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg so gute Dienste
geleistet haben, sind jetzt überholt; sie entsprechen ganz einfach nicht
m

ehr den Herausforderungen unserer Zeit.
Das Ergebnis waren zunehmende Spannungen und Belastungen in der Welt-

wirtschaft, und es führte sogar zu einem Wiederaufleben des wirtschaftlichen
Isolationismus, da einige sich gegen die Veränderungen abzuschirmen suchten.
Wenn wir unsere neue Wirtschaftsära zu einer Zeit des Fortschritts und des
Wohlstandes für alle Völker der Welt machen wollen, müssen wir dem Impuls
widerstehen, sich nach innen zu wenden, und statt dessen alles in unseren
Kräften stehende tun, damit unsere internationalen Wirtschaftsabkommen
wesentlich verbessert werden.
Kräfte des Wandels
Die Vereinigten Staaten haben bereits eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, um mit zum Aufbau einer neuen internationalen Wirtschaftsordnung
beizutragen und um unsere Interessen innerhalb dieser Ordnung zu wahren.
- Unsere neue, am 15. August 1971 verkündete Wirtschaftspolitik hat
mit dazu beigetragen, die Leistungen unserer Binnenwirtschaft zu verbessern,
die Arbeitslosigkeit abzubauen, und die Inflation zu verringern. Und sie hat
auf diese Weise unsere Wettbewerbsposition verstärkt.
- Die auf Grund des Smithsonian-Abkommens vom 18. Dezember 1971 sowie
durch die Anpassungen der letzten Wochen erreichte neue Festsetzung der
Wechselkurse hat die amerikanischen Erzeugnisse auf dem In- und dem Auslandsmarkt gegenüber ausländischen Erzeugnissen ebenfalls wettbewerbsfähiger gelacht.

A CU
J
- Aufbauend

�- Aufbauend auf dem Smithsonian-Abkommen haben wir weitreichende
Vorschläge für eine dauerhafte Reform des internationalen Währungssystems
vorgelegt.
- Wir haben ein Handelsabkommen mit der Sowjetunion abgeschlossen,
das das Gefüge von Wohlstand und Frieden zu stärken verheißt.
- Möglichkeiten für einen beiderseits nutzbringenden Handel mit der
Volksrepublik China bahnen sich an.
- Wir haben mit der erweiterten Europäischen Gemeinschaft sowie mit
mehreren Ländern, mit denen diese besondere Handelsabkommen abgeschlossen
hat, Verhandlungen über Entschädigungen aufgenommen, die uns auf Grund ihrer
neuen Abkommen zustehen.
Trotz all dieser Anstrengungen bleiben die zugrunde liegenden Probleme
jedoch bestehen. Wir brauchen eine grundlegende Handelsreform, und wir
brauchen sie jetzt. Unsere Bemühungen um eine Verbesserung des internationalen Währungssystems werden zum Beispiel niemals dauerhaften Erfolg
haben, sofern nicht ebenfalls auf dem Gebiet des Welthandels grundlegende
Verbesserungen erreicht werden.

Schaffung einer fairen und offenen Handelswelt
Eine Vielzahl von Handelsschranken verzerren immer noch die wirtschaftlichen Beziehungen innerhalb der Welt; sie schaden unseren eigenen
Interessen und denen anderer Länder.
- Quantitative Beschränkungen beeinträchtigen den Handel mit zahlreichen Rohstoffen, unter ihnen auch einige unserer potentiell gewinnbringendsten Exporte.
- Beschränkungen für den Agrarhandel begrenzen und verzerren den Handel
mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen, wobei der amerikanischen Wirtschaft
auf Grund unseres Wettbewerbsvorteils auf dem Agrarsektor besonderer Schaden
entsteht.
- Die

�- Die Präferenzhandelsabkommen haben sich immer mehr ausgeweitet
und schließen

den größten Teil Westeuropas und Afrikas sowie andere

an das Mittelmeer grenzende Länder ein.
- Die nicht-tarifären Handelsschranken haben sich wesentlich vermehrt, je stärker die Zölle gesenkt wurden.
Diese Handelsschranken, in anderen Ländern und in unserem Lande, kosten
die Vereinigten Staaten gegenwärtig mehrere Milliarden Dollar im Jahr in
Form höherer Verbraucherpreise und unrationeller Nutzung unserer Hilfsquellen.
Selbst eine Volkswirtschaft, die so stark wie die unsrige ist, kann sich
derartige Verluste schlecht leisten.
Glücklicherweise haben sich unsere großen Handelspartner gemeinsam
mit uns verpflichtet, im kommenden Herbst umfassende multilaterale Handelsverhandlungen aufzunehmen. Diese Verhandlungen werden eine einzigartige
Gelegenheit für einen Abbau der Handelsschranken und eine Ausweitung des
Welthandels bieten.
Es liegt im besten Interesse eines jeden Landes, anderen Ländern die
Güter zu verkaufen, die es rationeller produzieren kann, und von diesen die
Güter zu kaufen, die sie rationeller herstellen können. Wenn wir auf dieser
Basis arbeiten können, dann können sowohl die Einkommen unserer Arbeiter als
auch die Kaufkraft unseres Dollar wesentlich gesteigert werden.
Aber wie der Handel offener sein sollte, so sollte er auch fairer sein.
Dies bedeutet einmal, daß die Bestimmungen und Handelspraktiken für alle
Länder fair sein sollten. Zum anderen bedeutet dies, daß die aus dem Handel
erwachsenden Vorteile auf faire Weise zwischen den amerikanischen Arbeitern,
Farmern, Geschäftsleuten und Verbrauchern aufgeteilt werden und daß der Handel
für keine dieser Gruppen ungebührliche Belastungen schaffen sollte.
Ich bin zuversichtlich, daß unsere freie und dynamische amerikanische
Volkswirtschaft mehr als nur ihre Stellung in einem offenen internationalen
Wettstreit behaupten kann. Aber wir müssen stets darauf bestehen, daß ein
solcher Wettbewerb unter gerechten Regeln ausgetragen wird.
Handeln

�Handeln tut not
Den Schlüssel zum Erfolg unserer bevorstehenden Handelsverhandlungen
bildet die Verhandlungsvollmacht, mit der die Vereinigten Staaten in diese
Verhandlungen hineingehen. Sofern unsere Unterhändler nicht mit ausreichenden Vollmachten für die Vereinigten Staaten sprechen können, werden die
anderen Länder sich zweifellos vorsichtig verhalten und keine Verpflichtungen
eingehen - und die Möglichkeit für Veränderungen wird verlorengehen.
Wir müssen umgehend handeln und unsere Unterhändler mit den Vollmachten ausstatten, die ihre Aufgabe erfordert. Verzögerungen können nur
die Belastungen vermehren, unter denen wir bereits zu leiden haben.
Störungen auf den internationalen Finanzmärkten, Defizite in unserer Handelsbilanz, Inflation auf den Weltmärkten und Spannungen auf diplomatischem
Gebiet erfordern alle umgehende und entschiedene Maßnahmen. Das gleiche gilt
für die Situation jener amerikanischen Arbeiter und Firmen, die durch die
schnell steigenden Importe geschädigt werden oder deren Erzeugnisse auf den
Auslandsmärkten auf Beschränkungen stoßen.
Aus all diesen Gründen ersuche ich den Kongreß, über meine Empfehlungen
so schnell wie möglich zu entscheiden. Wir stehen hier und jetzt vor
dringenden Problemen. Wir können mit ihrer Lösung nicht bis morgen warten.

Gewährung neuer Verhandlungsvollmachten
Die Unterhändler anderer Länder werden zu der bevorstehenden Runde
von Handelsgesprächen mit umfassenden Vollmachten für eine Änderung ihrer
Handelsschranken kommen. Derartige Ermächtigungen machen sie zu wirksameren
Unterhändlern; ohne solche Vollmachten wären die Hände eines jeden Unterhändlers stark gebunden.
Leider verfügen der Präsident der Vereinigten Staaten und diejenigen,
die auf seine Anweisungen hin Verhandlungen führen, nicht über Vollmachten,
die denen entsprechen, mit denen die anderen Länder in diese Verhandlungen
gehen. Wenn uns derartige Vollmachten nicht eingeräumt werden, werden wir
bei unseren Bemühungen, die amerikanischen Interessen zu vertreten und
unser

Handelssystem zu verbessern, stark beeinträchtigt sein.

�Die von mir vorgeschlagene Gesetzgebung ersucht daher den Kongreß
um Übertragung beträchtlicher neuer Verhandlungsvollmachten an die Exekutive.
Seit mehreren Jahrzehnten wissen beide, der Kongreß wie auch der Präsident,
daß die Handelspolitik ein Gebiet ist, auf dem eine solche Delegierung
unerläßlich ist. Diese Auffassung ist fest begründet; die Fragen die bleiben,
sind, in welchem Ausmaß eine solche Übertragung angebracht ist und unter
welchen Bedingungen von ihr Gebrauch gemacht werden sollte
Das von mir heute unterbreitete Gesetz legt nur das Ausmaß der Übertragung dar, das ich zur Förderung der nationalen Interessen für notwendig
und angebracht erachte. Und so wie wir bei der Ausarbeitung dieses Gesetzes
enge Konsultationen mit dem Kongreß geführt haben, wird die Exekutive auch
den Kongreß eingehend konsultieren, wenn sie von den erhaltenen Verhandlungsvollmachten Gebrauch macht. Ich ersuche den Kongreß, den ihm am besten für
engere Konsultationen und Zusammenarbeit geeigneten Mechanismus zu schaffen,
um sicherzustellen, daß seine Auffassungen im Verlaufe der Handelsverhandlungen richtig vertreten werden.
Es ist wichtig, daß Amerika am internationalen Verhandlungstisch mit
Vollmachten ausgestattet ist und mit einer einzigen Stimme spricht. Aber
es ist ebenfalls wichtig, daß zur Formulierung des amerikanischen Standpunktes zahlreiche Stimmen beitragen.
Das vorgeschlagene Gesetz für die Handelsreform von 1973 würde die
folgenden neuen Ermächtigungen vorsehen:
Erstens ersuche ich um eine Ermächtigung, Zölle im Rahmen ausgehandelter Abkommen aufzuheben, zu senken oder heraufzusetzen. Obwohl diese
Ermächtigung für einen Zeitraum von fünf Jahren beantragt wird, beabsichtige und erwarte ich, die Abkommen in einer weit kürzeren Zeit abschließen zu können. Im Oktober vergangenen Jahres haben die Mitgliedsregierungen der Europäischen Gemeinschaft der Hoffnung Ausdruck gegeben,
daß die bevorstehende Runde von Handelsverhandlungen bis 1975 abgeschlossen
sein wird. Ich stimme diesem Zeitplan zu, und unsere Unterhändler werden
sich an den Bemühungen , ihn einzuhalten, voll beteiligen.
Zweitens
- 8-

�Zweitens ersuche ich darum, daß sich der Kongreß in einer Deklaration
für Verhandlungen und Abkommen über nicht-tarifäre Handelsschranken ausspricht. Ich ersuche ferner darum, daß als Option ein neues Verfahren geschaffen wird, um, wenn dies angebracht ist, die Zustimmung des Kongresses
zu solchen Abkommen zu erhalten. Gegenwärtig müssen beide Häuser des
Kongresses positive Beschlüsse fassen, bevor ein derartiges Abkommen, das
Änderungen der amerikanischen Gesetze bedingt, in Kraft tritt - ein Prozeß,
der das Erreichen von Abkommen erschwert, da unsere Handelspartner wissen,
daß diese großen Unsicherheitsfaktoren und Verzögerungen unterliegen. Nach
der neuen Vereinbarung würde der Präsident den Kongreß von seiner Absicht ,
das Verfahren anzuwenden,wenigstens 90 Tage vor Abschluß des Abkommens
in Kenntnis setzen, um den zuständigen Ausschüssen des Repräsentantenhauses
und des Senats Zeit zur Prüfung der betreffenden Fragen und zur Äußerung
ihrer Ansichten zu geben. Sobald ein Abkommen ausgehandelt ist, würde der
Präsident dieses Abkommen sowie die vorgeschlagenen Durchführungsbestimmungen dem Kongreß unterbreiten. Wenn keines der beiden Häuser dieses
Abkommen innerhalb eines Zeitraums von 90 Tagen mit absoluter Mehrheit
ablehnt, würden das Abkommen und die Durchführungsbestimmungen dann in
Kraft treten.
Drittens ersuche ich um eine Vorausvollmacht, um beiden Seiten zum
Vorteil gereichende Abkommen über spezifische Zollfragen, in erster Linie
Zollwertfestsetzung und Kennzeichnung des Herkunftslandes der Güter,
durchzuführen.
Die von mir in meinem vorgeschlagenen Gesetz umrissenen Vollmachten
würden unseren Unterhändlern den Spielraum und die Flexibilität geben, die
sie benötigen, um ausländische

Handelsschranken für amerikanische Er-

zeugnisse abzubauen oder zu beseitigen. Diese Vorschläge würden die Verhandlungsposition Amerikas bei den bevorstehenden Handelsverhandlungen
wesentlich stärken.
Ziel

- 9-

�Ziele auf dem Gebiet des Agrarhandels
Ich beantrage keine besonderen Verhandlungsvollmachten für den
Agrarhandel. Die Beschränkungen dieses Handels sind entweder tarifärer
oder nicht-tarifärer Natur und können im Rahmen der von mir geforderten
allgemeinen Vollmachten behandelt werden.
Eines unserer Hauptziele bei den bevorstehenden Verhandlungen ist es,
für eine Ausweitung des Agrarhandels zu sorgen. Die Stärke der amerikanischen Landwirtschaft hängt von einer weiteren Ausweitung unserer Absatzwichtigsten
markte in der Welt ab - vor allem bei den/Massengütern, die unsere Farmer
so rationell anbauen. So wie wir uns hier im Inland auf Grund des Landwirtschaftsgesetzes von 1970 in eine starke Abhängigkeit von den Kräften
eines freien Marktes begaben, so sind wir auch bemüht, die Rolle, die die
Marktkräfte auf internationaler Ebene spielen, durch Abbau und Beseitigung
der Beschränkungen für den Handel mit Agrarerzeugnissen zu erweitern.
Ich bin überzeugt, daß der Sorge, die alle Länder um ihre Landwirtschaft und die Verbraucher haben, am wirksamsten Rechnung getragen werden
kann, wenn der Markt selbst eine weit größere Rolle bei der Festlegung
der Struktur von Agrarerzeugung und Verbrauch spielt. Eine Entwicklung
in dieser Richtung kann viel dazu beitragen, eine ausreichende Nahrungsmittelversorgung zu gewährleisten und den Druck auf die Verbraucherpreise
zu mildern.

Importentlastung
In dem Maße, in dem andere Länder einem Abbau ihrer Handelsschranken
zustimmen, werden wir auch die unsrigen abbauen. Das Ergebnis wird eine
Ausweitung des Handels, die Schaffung von mehr und besseren Arbeitsplätzen
für die amerikanische Bevölkerung und ein vermehrtes Angebot einer größeren
Vielzahl von Erzeugnissen aus anderen Ländern sein.
Es ist natürlich richtig, daß ein Abbau von Importschranken in einigen
Fällen zu plötzlichen Importstößen geführt hat, die nachteilige Auswirkungen auf die Binnenwirtschaft hatten. Es ist jedoch wichtig, darauf

- 10 -

�darauf hinzuweisen, daß die meisten durch Importstöße hervorgerufenen
ernsten Probleme nicht in Zusammenhang mit dem Abbau von Importbeschränkungen standen.

Schritte in Richtung auf eine offenere Handels-

ordnung wirken sich im allgemeinen eher positiv als negativ auf den
einheimischen Arbeitsmarkt aus.
Trotzdem müssen abträgliche Importstöße - gleichgültig, welche
Ursache sie haben - für unser Volk und unsere Regierung Anlaß zur Besorgnis sein. Meines Erachtens sollten wir wirksame, schnell verfügbare
Mittel haben, um mitzuhelfen, schwerwiegende Importschäden zu vermeiden
und den amerikanischen Industrien und Arbeitnehmern Zeit für eine geregelte Anpassung an die erhöhten Importe zu geben. Das von mir vorgeschlagene Gesetz zeigt neue Maßnahmen auf, um dieses Ziel zu erreichen.
Zunächst möchte ich eine weniger restriktive Prüfung bei der Anwendung von Importbeschränkungen empfehlen. Heute werden Beschränkungen
nur genehmigt, wenn die Zollkommission feststellt, daß Importe "die
Hauptursache" für eine schwerwiegende Schädigung oder Bedrohung der
einheimischen Industrie sind, was besagt, daß ihre Auswirkung größer
als die aller übrigen Ursachen zusammen sein muß. Nach meinem Vorschlag
sollten Beschränkungen bereits genehmigt werden, wenn der Importwettbewerb
"die vorwiegende Ursache" einer solchen Schädigung ist, was besagt, daß
er lediglich die größte Einzelursache sein muß. Weiter würde das derzeitige Erfordernis, daß die Schädigung aus früheren Zollkonzessionen
herrühren muß, fallengelassen werden.
Ich empfehle ferner eine neue Methode, um festzustellen, ob Importe
tatsächlich die vorwiegende Ursache einer schwerwiegenden Schädigung der
einheimischen Erzeuger sind. Nach meinem Vorschlag wäre die Feststellung
"einer Marktstörung" ein glaubwürdiger Beweis für diesen Tatbestand.
Eine Marktstörung wäre so zu definieren, daß sie gegeben ist, wenn die Importe beträchtlich sind, wenn sie schnell steigen - sowohl absolut wie

-11-

�wie auch prozentual gemessen am gesamten inneramerikanischen Verbrauch und zu Preisen angeboten werden, die erheblich unter denen der konkurrierenden einheimischen Erzeugnisse liegen.
Das von mir vorgeschlagene Gesetz würde dem Präsidenten größere Flexibilität geben, um bei Importproblemen eine geeignete Hilfe gewähren zu können - dies schließt auch Marktabsprachen, höhere Zölle oder Quoten ein.
Beschränkungen könnten für einen ersten Zeitraum von fünf Jahren verfügt und
nach Ermessen des Präsidenten für einen weiteren Zeitraum von zwei Jahren
verlängert werden. In besonderen Fällen könnten Beschränkungen nach einem
Zwei-Jahreszeitraum und einer anschließenden erneuten Untersuchung durch
die Zollkommission sogar noch weiter verlängert werden.

Verbesserte Anpassungshilfe
Unsere Verantwortung für die Erleichterung der Probleme der um ihren
Arbeitsplatz gekommenen Arbeiter darf nicht auf diejenigen beschränkt bleiben, deren Arbeitslosigkeit auf den Import zurückgeführt werden kann. Alle
diese Arbeiter haben Anspruch auf eine ausreichende Unterstützung, während
sie sich einen neuen Arbeitsplatz suchen. Nur wenn alle Arbeiter wissen, daß
sie fair behandelt werden, ist eine wirksame Anpassung unserer Wirtschaft an
die Veränderungen möglich.
Ich werde daher in einer gesonderten Botschaft an den Kongreß ein neues
Gesetz zur Verbesserung unseres Arbeitslosenversicherungs- und Unterstützungssystems vorschlagen. Meine Vorschläge würden Mindestbundesnormen für die
Unterstützungssätze in den einzelstaatlichen Programmen vorsehen und die
gleiche Behandlung aller von solchen Programmen erfaßten Arbeiter gewährleisten, gleichgültig, welche Ursache ihre unfreiwillige Arbeitslosigkeit
hat. Für die Zwischenzeit, bis diese Normen in Kraft treten, empfehle ich
im Rahmen meiner Vorschläge für eine Handelsreform, daß wir umgehend Unter-

-12-

�Unterstützungssätze festlegen, die diesen vorgeschlagenen allgemeinen Normen
für solche Arbeiter entsprechen, deren Arbeitsplätze durch den Import verloren gingen.
Ich schlage weiter vor, daß wir bis zu dem Inkrafttreten der neuen Normen für die Arbeitslosenversicherung schneller Unterstützung für Arbeiter
bereitstellen, indem wir die derzeit gültige

Bestimmung

fallen lassen,

daß ihre Arbeitslosigkeit durch frühere Zollkonzessionen verursacht worden und
der Import "die Hauptursache" für den ihnen zugefügten Schaden sein muß.
Statt dessen würde solche Unterstützung gewährt werden, wenn der Arbeitsminister feststellt, daß die Arbeitslosigkeit im wesentlichen auf mit dem Import zusammenhängende Ursachen zurückzuführen ist. Für durch Importe arbeitslos gewordene Arbeiter würde es ferner Ausbildung am Arbeitsplatz, Zuwendungen bei der Arbeitssuche, Arbeitsvermittlungsdienste und Umzugsunterstützung
als ständige Funktionen der Handelsanpassungshilfe geben.
Darüber hinaus werde ich dem Kongreß ein umfassendes Gesetz für eine Reform der Pensionen unterbreiten, das mit dazu beitragen würde, die Arbeiter
vor einem Verlust der Pensionsbezüge zu schützen, wenn sie ihren Arbeitsplatz
verlieren. Dieses Gesetz würde eine bindende Übertragungsverfügung enthalten,
die im besonderen im Hinblick auf ältere Arbeitnehmer ausgearbeitet worden
ist.
Das vorgeschlagene Gesetz für eine Handelsreform von 1973 würde das
derzeitige Programm für eine Anpassungshilfe an einzelne Firmen beenden. Ich
empfehle diese Maßnahme, weil dieses Programm meines Erachtens weitgehend unwirksam war, zu Diskriminierungen für Firmen eines Industriezweiges führt
und einzelne Firmen unnötig auf Kosten des Steuerzahlers subventioniert. Die
veränderten Wettbewerbsbedingungen wirken sich kennzeichnenderweise nicht auf
bestimmte Firmen, sondern auf eine Industrie als ganzes aus, und ich habe
meine Vorschläge für eine Importentlastung für ganze Industrien vorgesehen.

Unfaire

-13-

�Unfaire Handelspraktiken
Der Präsident der Vereinigten Staaten verfügt über eine Vielzahl von
Vollmachten, um gegen unfaire Handelspraktiken anzugehen. Zahlreiche dieser Vollmachten müssen jetzt auf den neuesten Stand gebracht werden, wenn
wir wirksam und unparteiisch auf unfairen Importwettbewerb im Inland und
auf Praktiken antworten sollen, die auf unfaire Weise unsere Exportmöglichkeiten im Ausland schmälern.
Um unfairen Wettbewerbspraktiken auf unseren eigenen Märkten zu begegnen, würde das von mir vorgeschlagene Gesetz Ergänzungen für unsere AntiDumpinggesetze sowie die Gesetze über Ausgleichszölle bringen, um eine
schnellere Untersuchung und Entscheidung zu ermöglichen. Es würde für diese Gesetze verschiedene verfahrensmäßige und sonstige Änderungen vorsehen,
um ihr wirksames Funktionieren zu gewährleisten. Das Gesetz würde ferner
das gegenwärtige Statut über Patentverletzungen in Fällen, die den Import
betreffen, ähnlichen Rechtsverfahren wie sie für einheimische Verstöße
unterwerfen
gelten/und faire Prozesse und wirksame Maßnahmen in Fällen gerichtlicher
Verzögerungen vorsehen. Ich schlage ferner vor, daß das Gesetz über die
Bundeshandelskommission ergänzt wird, damit wir besser gegen ausländische
Produzenten vorgehen können, deren Kartell-oder Monopolpraktiken zu Preiserhöhungen auf unserem Markt führen oder auf andere Weise durch Einschränkung
des Handels unsere Interessen schädigen.
Darüber hinaus ersuche ich um Abänderung und Verlängerung meiner Vollmacht, Beschränkungen gegenüber Ländern einzuführen, die unangemessen und
ungerechtfertigt unseren Export einschränken. Die bestehenden Gesetze sehen
eine solche Vollmacht nur im Falle eines ganzen Komplexes verschiedener Bedingungen vor, die je nach den Praktiken oder Exporten unterschiedlich sind.
Das von mir vorgeschlagene Gesetz würde die Vollmacht und ihre Anwendung
vereinfachen. Ich würde es natürlich vorziehen, daß andere Länder sich bereit erklären, von sich aus derartige Beschränkungen aufzuheben, so daß wir

- lh -

�wir von dieser Vollmacht keinen Gebrauch machen müssen. Ich werde jedoch
ihre Anwendung nur erwägen, wenn klar wird, daß unsereHandelspartner nicht
bereit sind, unangemessene oder ungerechtfertigte Beschränkungen gegen unseren Export aufzuheben.

Andere wichtige Bestimmungen
Meistbegünstigtenvollmacht. Das von mir vorgeschlagene Gesetz würde
den Präsidenten ermächtigen, die Meistbegünstigtenbehandlung auf jedes Land
auszudehnen, wenn er dies im nationalen Interesse für richtig hält. Nach mei
nem Vorschlag könnte jedoch ein Veto gegen eine solche Einbeziehung von Ländern, denen die Meistbegünstigtenbehandlung derzeit nicht eingeräumt wird,
von einer Mehrheit entweder des Repräsentantenhauses oder des Senats innerhalb eines Zeitraumes von drei Monaten eingelegt werden.
Diese neue Vollmacht würde es uns ermöglichen, das mit der Sowjetunion
ausgehandelte Handelsabkommen durchzuführen, und damit gewährleisten, daß
dieses Land seine Pacht-und Leihschulden zurückzahlt. Sie würde uns ferner
gestatten, unseren Verpflichtungen gegenüber Rumänien nachzukommen und die
Möglichkeiten zum Abschluß vorteilhafter Abkommen mit weiteren Ländern zu
nutzen, denen gegenwärtig noch nicht die Meistbegünstigtenbehandlung eingeräumt wird.
Was die Sowjetunion anbetrifft, so weiß ich um die tiefe Besorgnis, die
viele im Kongreß wegen der bei solchen Sowjetbürgern erhobene

Steuer ge-

äußert haben, die in andere Länder auswandern möchten. Ich halte jedoch eine
Politik, den sowjetischen Exporten eine Meistbegünstigtenbehandlung zu verweigern, nicht für einen geeigneten oder auch nur für einen wirksamen Weg,
um dieses Problem zu lösen.
Eines der wichtigsten Elemente unseres Handelsabkommens mit der Sowjetunion ist die Klausel, die von beiden Partnern eine Reduzierung des Exports
von Erzeugnissen fordert, die Marktstörungen in dem anderen Land hervorrufen. Obwohl ich keinerlei Grund habe, daran zu zweifeln, daß die Sowjetunion

-15-

�Sowjetunion ihren Verpflichtungen gemäß dieser Klausel nachkommen wird,
falls dies notwendig werden sollte, so sollten wir doch die Vollmacht für
einseitige Maßnahmen haben, um Marktstörungen zu verhindern, wenn derartige Maßnahmen erforderlich sind.
Aufgrund eines besonderen Verfahrens ,nach dem Länder mit einem staatlichen Handel ihre Erzeugnisse im Ausland absetzen, möchte ich zwei Modifizierungen in der Art und Weise empfehlen, wie wir solche Maßnahmen ergreifen. Einmal sollte die Zollkommission lediglich festzustellen haben, daß
"eine materielle Schädigung" und nicht "eine schwerwiegende Schädigung" durch
Importe gegeben ist, um entsprechende Beschränkungen einführen zu können.
Zum anderen sollten derartige Beschränkungen nur auf Exporte des Landes angewandt werden, das einen derartigen Verstoß begangen hat. Diese Empfehlungen können zu einer Vereinfachung unserer Gesetzes in bezug auf DumpingMaßnahmen von Ländern mit einem staatlichen Handel beitragen, und die schwierigen und zeitraubenden Probleme beseitigen, die sich bei dem Versuch ergeben, einen abgeleiteten Wert für ihre Exporte festzulegen.

Zahlungsbilanzvollmacht. Die

Handelspolitik kann, obwohl sie nur un-

ter außergewöhnlichen Umständen eingesetzt werden sollte, manchmal ein wirksames zusätzliches Instrument sein, wenn wir uns mit unseren internationalen
Zahlungsungleichgewichten befassen. Ich ersuche daher um eine flexiblere
Vollmacht zur Heraufsetzung oder zum Abbau von Importbeschränkungen auf temporärer Basis, um so zur Korrektur von Defiziten oder Überschüssen in unseren
Zahlungsbilanzpositionen beizutragen. Derartige Beschränkungen könnten auf
Importe aus allen Ländern linear oder auch nur aus solchen Ländern angewandt
werden, die einen ständigen und zu großen Überschuß in ihrer weltweiten Zahlungsbilanzposition nicht korrigieren.
Anti-Inflationsvollmacht.

-16-

�Anti-Inflationsvollmacht. Meine Handelsempfehlungen schließen ferner
einen von mir am 30. März im Rahmen der Bemühungen dieser Administration
unterbreiteten Vorschlag ein, dem Anstieg der Lebenshaltungskosten Einhalt
zu gebieten. Ich habe den Kongreß damals ersucht, dem Präsidenten eine neue
ständige Vollmacht für einen vorübergehenden und begrenzten Abbau bestimmter Importbeschränkungen zu erteilen, sofern er feststellt, daß ein solcher
Schritt zur Abschwächung des inflationistischen Druckes in den Vereinigten
Staaten notwendig ist. Ich ersuche heute erneut dringend um eine umgehende
Billigung dieser wichtigen Waffe in unserem Kampf gegen die Inflation.
Allgemeine Zollpräferenzen. Eine weitere wichtige Bestimmung des von
mir vorgeschlagenen Gesetzes würde es den Vereinigten Staaten gestatten,
gemeinsam mit anderen Industriestaaten - unter ihnen Japan und die Mitglieder der Europäischen Gemeinschaft - dazu beizutragen, den ärmeren Ländern
einen besseren Zugang zu den Märkten der Industriestaaten zu gewähren. Im
Rahmen einer solchen Vereinbarung würden bestimmte Erzeugnisse der Entwicklungsländer für einen Zeitraum von zehn Jahren eine bevorzugte Behandlung erfahren, so daß diesen Ländern neue Exportmöglichkeiten geschaffen, ihre Devisenerlöse gesteigert und ihnen Möglichkeiten zur Finanzierung des höheren
Importvolumens gegeben werden, das sie für ein schnelleres wirtschaftliches
Wachstum benötigen.
Dieses Gesetz würde für eine große Zahl von Fertigwaren und Halbzeugen
sowie für eine ausgewählte Liste von Agrarerzeugnissen und Rohprodukten, die
gegenwärtig noch von Zöllen erfaßt werden, zollfreie Behandlung gestatten.
Wir beabsichtigen, bestimmte importempfindliche Waren wie z.B. Textilererzeugnisse, Schuhwaren, Uhren und bestimmte Stahlerzeugnisse zusammen mit
solchen Erzeugnissen, die gegenwärtig unter besondere Verfügungen zur Import-Einschränkung fallen, von einer solchen bevorzugten Behandlung auszunehmen. Wie bei der Vollmacht für die multilateralen Verhandlungen würden
öffentliche Anhörungsverfahren abgehalten werden,bevor derartige Präferenzen
gewährt werden, und die bevorzugten Importe würden unter die von mir oben
empfohlenen Bestimmungen für eine Importentlastung fallen. Sobald ein

-17-

�ein bestimmtes Erzeugnis eines bestimmten Landes voll wettbewerbsfähig ist,
wäre es jedoch nicht mehr für eine besondere Behandlung qualifiziert.
Die Vereinigten Staaten würden solche Zollpräferenzen auf der Basis
eines internationalen Fair Play gewähren. Wir würden die Maßnahmen anderer
Präferenzen gewährender Länder in Rechnung stellen und solchen Ländern keine
Präferenzen einräumen, die unsere Erzeugnisse gegenüber Erzeugnissen aus anderen Industriestaaten diskriminieren, sofern diese Länder sich nicht bereit
erklären, solche Diskriminierungen einzustellen.

Ständige Durchführungsvollmachten. Um eine wirksamere

und flexiblerere

Handhabung der amerikanischen Handelspolitik zu ermöglichen, ersuche ich um
eine ständige Vollmacht, begrenzte Senkungen unserer Zölle als eine Art Kompensation gegenüber anderen Ländern vornehmen zu können. Eine solche Kompensation könnte dann notwendig werden, wenn wir im Rahmen der oben erörterten
neuen Importbeschränkungen bestimmte Handelsschranken erhöht haben, und sie
würde eine Alternative in Fällen erhöhter Handelsschranken für unsere Exporte sein.
Ich ersuche ferner um eine ständige Vollmacht, Senkungen bestimmter amerikanischer Handelsschranken anzubieten, um wichtige Vorteile für den amerikanischen Export zu erlangen. Derartige Senkungen würden streng begrenzt
sein; es würde hier um Zollsenkungen um nicht mehr als 20 Prozent gehen, die
sich auf nicht mehr als zwei Prozent der gesamten amerikanischen Importe in
einem Jahr erstrecken.

Reform der internationalen Handelsbestimmungen
Die bevorstehenden multilateralen Handelsverhandlungen werden uns eine
ausgezeichnete Möglichkeit bieten, die internationalen Handelsbestimmungen
zu reformieren und auf den neuesten Stand zu bringen. Es gibt mehrere Gebiete, auf denen wir derartige Änderungen anstreben werden.
Eine

-18-

�Eine wichtige Notwendigkeit ist der Einsatz der Handelspolitik zur Förderung des Gleichgewichtes des internationalen Zahlungssystems. Wir werden
Bestimmungen für Veränderungen anstreben, die es Ländern in außergewöhnlichen Fällen, falls notwendig, gestatten, eine lineare Erhöhung oder einen
linearen Abbau der Handelsschranken vorzunehmen, um so zur Korrektur ihrer
Zahlungsbilanzungleichgewichte beizutragen. Wir werden ferner eine neue Bestimmung anstreben, die Ländern die Einführung von Importbeschränkungen gegenüber einzelnen Staaten erlaubt, die keine wirksamen Maßnahmen zur Korrektur eines zu großen Überschusses in ihrer Zahlungsbilanz ergreifen. Diese
Bestimmung würde der von mir beantragten Vollmacht entsprechen, amerikanische Importbeschränkungen zur Lösung unseres eigenen Zahlungsbilanzproblems
einzusetzen.
Ein zweites Gebiet, dem unser Interesse gilt, ist die Notwendigkeit für
ein multilaterales System zur Begrenzung des Imports als Schutz gegen Marktstörungen, die durch die sich schnell ändernden internationalen Handelsgepflogenheiten ausgelöst werden. Wie ich zuvor empfohlen habe, brauchen wir
ein wirksameres inneramerikanisches Verfahren, um mit derartigen Problemen
fertig zu werden. Aber es ist ebenso wichtig, daß neue Abmachungen auf internationaler Ebene entwickelt werden, um mit Marktstörungen fertig zu werden, die durch das sich beschleunigende Tempo der Veränderungen im Welthandel ausgelöst werden.
Wir werden daher neue internationale Bestimmungen anstreben, die Ländern durch Einführung von Importbeschränkungen Zeit zur Anpassung geben würden, ohne daß sie ihre Handelspartner durch einen gleichzeitigen Abbau von
Handelsschranken bei anderen Erzeugnissen kompensieren müssen. Gleichzeitig sollten die Interessen der Exportländer dadurch geschützt werden, daß
solche Schutzmaßnahmen nach einer angemessenen Zeitspanne auslaufen.

Förderung

-19-

�Förderung der Ausweitung des Exports
Mit dem Abbau der Handelsschranken überall auf der Welt werden sich die
amerikanischen Exporte wesentlich erhöhen und wird unsere gesamte Volkswirtschaft gesunden.
Unsere Anstrengungen zur Ausweitung der amerikanischen Exporte haben
bereits auf zahlreichen Gebieten Fortschritte erzielt. Wir haben unsere Exporte durch Neufestsetzung der Wechselkurse wettbewerbsfähiger gemacht. Seit
1971 gestattet unser neues Gesetz die Errichtung amerikanischer internationaler Verkaufsgesellschaften, die amerikanische Unternehmen dabei unterstützen, ihre Exporttätigkeit wirksamer zu organisieren. Die Ermächtigung
der Export-Import-Bank zur Übernahme von Krediten, Ausfallbürgschaften und
Versicherungen ist erhöht und ihr Geschäftsbereich erweitert worden, so daß
jetzt auch kurzfristige Discount-Kredite einbezogen sind. Das Handelsministerium hat seine Exportförderungseinrichtungen reorganisiert und seine Dienste
für Exporteure erweitert. Das Außenministerium legt gegenwärtig - in Zusammenarbeit mit dem Handelsministerium - vermehrten Nachdruck auf kommerzielle
Dienstleistungsprogramme unserer Auslandsmissionen.
Darüber hinaus unterbreite ich heute ein

getrenntes Gesetz zur Erwei-

terung des Export-Handelsgesetzes, um den rechtlichen Rahmen klarzustellen,
in dem Vereinigungen von Exporteuren arbeiten können. Eine Ergänzung würde
klarstellen, daß das Gesetz nicht nur für den Export von Gütern, sondern auch
bestimmter Arten von Dienstleistungen gilt - z.B. Architekten-, Bau-und
technische Leistungen, Ausbildung und Unternehmungsberatung . Eine andere Ergänzung würde klarstellen, wo Exportvereinigungen von unseren inneramerikanischen Anti-Trust-Gesetzen ausgenommen sind, und gleichzeitig eindeutige Kriterien für Unterrichtung, Offenlegung und Ausführungsbestimmungen setzen, um
sicherzustellen, daß die öffentlichen Interessen voll gewährt werden.
In einer Zeit, in der immer mehr Länder sich um ausländische Kontrakte
für ganze Industrieprojekte bewerben - die von technischen Studien über die
Lieferung der Ausrüstungen bis zum Bau der Anlage reichen - ist es notwendig,

-20-

�notwendig, daß unsere Gesetze für gemeinsame Exportvorhaben es uns gestatten, unsere ausländische Konkurrenz auf einer fairen und gleichen Basis zu
begegnen.
Ausweitung der internationalen Investitionen
Die schnelle Ausweitung der internationalen Investitionen in den letzten
Jahren hat für Wirtschaft und Regierungen neue Fragen aufgeworfen und sie
vor neue Aufgaben gestellt. In unserem eigenen Lande befürchteten beispielsweise einige, daß die amerikanischen Auslandsinvestitionen zu einem Verlust
amerikanischer Arbeitsplätze führen würde. Unsere Studien zeigen jedoch, daß
solche Investitionen im Schnitt mehr und bessere Arbeitsplätze für die amerikanischen Arbeitnehmer bedeutet, unsere Handelsbilanz und unsere Gesamtzahlungsbilanz verbessert und unsere Wirtschaft ganz allgemein gestärkt
haben. Weiter bin ich der festen Überzeugung, daß ein offenes internationales
Investitionssystem, das künstliche Anreize und Hindernisse hier und im Ausland ausschaltet, große Verheißungen für einen höheren Wohlstand auf der gesamten Welt bietet.
Es ist durchaus möglich, daß neue Bestimmungen und neue Mechanismen für
die internationale Investitionstätigkeit

erforderlich sein werden. Doch be-

darf es einer gewissen Zeit, um sie auszuarbeiten. Und es ist wichtig, daß
sie weitmöglichst auf internationaler Ebene entwickelt werden. Wenn wir den
amerikanischen Firmen die Chancen beschneiden, Investitionsmöglichkeiten im
Ausland zu nutzen, dann steht nur zu erwarten, daß ausländische Firmen diese Möglichkeiten ergreifen und auf unsere Kosten Geschäfte machen.
Ich ersuche daher den Kongreß, davon Abstand zu nehmen, neue umfassende Änderungen unserer Gesetze über direkte Auslandsinvestitionen zu beschliessen, bis wir sehen, welche Möglichkeiten sich für multilaterale Abkommen
ergeben.
Unter diesem Gesichtspunkt müssen wir auch unser System für die Besteuerung im Ausland erzielter Gewinne amerikanischer Firmen sehen. Unser

-21-

�Unser derzeitiges System gestattet es amerikanisch kontrollierten Firmen
in anderen Ländern, unter der gleichen steuerlichen Belastung wie ihre ausländischen Konkurrenten dort zu arbeiten. Ich halte dieses System für im
Grunde genommen gesund. Wir sollten amerikanische Firmen nicht dadurch bestrafen, daß wir sie gegenüber ihren ausländischen Konkurrenten benachteiligen.
Die amerikanischen Unternehmen im Ausland zahlen gegenwärtig beträchtliche ausländische Steuern auf ihren Gewinn. In den meisten Fällen investieren amerikanische Firmen nicht wegen der attraktiven steuerlichen Situation
im Ausland, sondern wegen der attraktiven Geschäftsmöglichkeiten. Unsere
Einkommensteuer ist nicht die Ursache unserer Handelsprobleme, und Steueränderungen können diese nicht lösen.
Der Kongreß hat diesen gesamten Fragenkomplex 1962 eingehend untersucht, und der Schluß, zu dem er damals gelangte, ist immer noch gültig:
es gibt keinen Grund, unsere Bestimmungen für Steuerkredite und Stundungen
drastisch zu ändern.
Auf der anderen Seite haben zehnjährige Erfahrungen gezeigt, daß in bestimmten Sonderfällen Mißbrauch mit amerikanischen Auslandsinvestitionen
getrieben werden kann. Es bestehen immer noch einige künstliche Anreize für
solche Investitionen, die zu Verzerrungen des Kapitalflusses führen und unnötige Härten verursachen. In solchen Fällen, in denen ungewöhnliche Steuervorteile als Anreiz für Investitionen gewährt werden, die sonst nicht vorgenommen würden, sollten wir diese Anreize beseitigen.
Eine Reihe anderer Länder gewährt gegenwärtig beträchtliche steuerliche Anreize wie zum Beispiel eine längere Freistellung von der einheimischen Steuer, um dadurch Investitionen aus dem Ausland anzuziehen. Um derartige Praktiken einzuschränken, werde ich den Kongreß um eine Ergänzung unserer Steuergesetze ersuchen, so daß die Erträge aus künftigen amerikanischen
Investitionen, bei denen derartige Anreize ausgenutzt werden, in den Vereinigten Staaten dann versteuert werden, wenn sie entstehen - selbst wenn

-22-

�wenn diese Erträge nicht in die Vereinigten Staaten repatriiert werden. Die
einzige Ausnahme von dieser Bestimmung würde in solchen Fällen gewährt werden, in denen bilaterale Steuerabkommen derartige Ausnahmen unter beiden
Seiten zum Vorteil gereichenden Bedingungen zulassen.
Amerikanische Firmen investieren im Ausland manchmal nur, um Erzeugnisse in die Vereinigten Staaten zu reexportieren. Dies ist eine klassische
Situation einer "Unternehmensflucht". In den Fällen, in denen die Tochtergesellschaften amerikanischer Unternehmen Erträge aus dem Export nach den
USA erzielen, die 25 Prozent des Gesamtgewinns dieser Tochtergesellschaften
übersteigen, empfehle ich, daß ihre Gewinne ebenfalls nach den derzeitigen
amerikanischen Steuersätzen

versteuert werden. Diese neue Bestimmung wür-

de jedoch nur für neue Investitionen und in Situationen gelten, in denen die
niedrigeren Steuern des anderen Landes mit ein Faktor für die Entscheidung
waren, dort zu investieren. Diese Bestimmung würde ebenfalls Ausnahmen in
solchen ungewöhnlichen Fällen zulassen, in denen unser nationales Interesse
ein anderes Ergebnis erfordert.
Es gibt Fälle, in denen amerikanische Gesellschaften ihre Auslandstätigkeit so gestalten, daß das amerikanische Finanzministerium den Schaden
hat, wenn sie mit Verlust arbeiten und diese Verluste von ihrer Steuer absetzen. Aber wenn die gleiche Gesellschaft mit Gewinn arbeitet, kommt ein
ausländisches Finanzministerium in den Genuß der auf diese Gewinne entfallenden Steuern. Ich werde den Kongreß darum ersuchen, entsprechende Änderungen
der Bestimmungen vorzunehmen,die gegenwärtig solche Ungerechtigkeiten ermöglichen.
Wir haben ferner festgestellt, daß die Besteuerung mineralischer Importe amerikanischer Unternehmen von ihren Tochtergesellschaften im Ausland
lange verzögert wird. Ich habe daher das Finanzministerium angewiesen, nach
Konsultationen mit dem Justizministerium und den betreffenden Unternehmen
ein Verfahren auszuarbeiten, um den innerbetrieblichen Preis und die darauf
entfallende Steuer im voraus festzulegen. Wenn nicht freiwillig ein einzu-

-23-

�einzuhaltendes Programm entwickelt wird, werde ich um eine gesetzliche Vollmacht nachsuchen, ein solches einzuführen.

Die Aufgaben in einer sich wandelnden Welt
Während des vergangenen Jahres hat diese Administration wiederholt die
Wichtigkeit unterstrichen, ein gerechteres und offeneres Welthandelssystem
zu schaffen. Wir haben die anderen Länder aufgefordert, dieses Ziel in gemeinsamen Verhandlungen zu verwirklichen. Die Deklaration der europäischen
Staatsmänner auf ihrem Gipfeltreffen im Oktober letzten Jahres beweist,
daß sie sich dem Erfolg solcher Anstrengungen verschrieben haben. Japan,
Kanada und andere Länder teilen diese Einstellung.
Die Impulse dafür sind gegeben. Jetzt müssen wir hier in den Vereinigten Staaten den Augenblick nutzen, damit dieser Schwung erhalten bleibt.
Wenn einmal die Geschichte unserer Zeit niedergeschrieben wird, dann
wird sie bestimmt als eine Zeit tiefgreifender Veränderungen dargestellt werden. Diese Veränderungen waren besonders dramatisch auf dem Gebiet der Weltwirtschaft.
Umfang und Tempo der wirtschaftlichen Veränderungen stellen uns heute vor
politische Fragen von gewaltiger und unmittelbarer Bedeutung. Änderungen können größere Verzerrungen und mehr Leid, aber auch erhöhten Wohlstand bedeuten. Sie können neue Formen der Ausbeutung und Diskriminierung, aber auch vermehrten Anteil an den Segnungen des Fortschritts bringen. Sie können Konflikte zwischen Menschen und Völkern, aber auch wachsende Chancen für einen fairen und friedlichen Wettstreit bedeuten, bei dem alle Beteiligten letztlich
gewinnen.
Das von mir vorgeschlagene Gesetz für eine Handelsreform von 1973 soll
sicherstellen, daß die sich in unserer Zeit vollziehenden unvermeidbaren Veränderungen von Nutzen für unser Volk und für die Völker überall auf der
Welt sind.
Ich

-24-

�Ich ersuche den Kongreß, diese Vorschläge zu verabschieden, damit wir
mithelfen können, unser Land und unsere Welt weg von Handelskonfrontationen
und hin zu Handelsverhandlungen zu führen - heraus aus einer Zeit,in der
der Handel eine Quelle internationaler und innerer Reibungen war, in eine
neue Zeit, in der der Handel zwischen den Ländern zur Errichtung einer
friedlichen und blühenderen Welt beiträgt.

-25-

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

I n f o r m a t i o n

Service

Dokumentation

G o d e s b e r g l , -Postfach 300

8 9 - 3 2 4 0

Telex:

0 8 - 8 54 32

16/1973

NIXON WILL ROHSTOFFE AUS STRATEGISCHEN RESERVEBESTANDEN FREIGEBEN
-Wortlaut der Botschaft an den US-Kongreß-

WASHINGTON —(AD)-- Präsident Nixon hat den amerikanischen Kongreß am 16.
April um die Ermächtigung nachgesucht, Rohstoffe aus strategischen Reservebeständen für den Verkauf freizugeben. Die Botschaft des Präsidenten hat
folgenden Wortlaut:
"In unserem gegenwärtigen Kampf gegen die steigenden Preise ist eine
Waffe, unsere strategische Rohstoffreserve, bisher noch nicht wirksam eingesetzt worden. Ich ersuche heute den Kongreß um die Ermächtigung, solche Rohstoffe aus den Reservebeständen für den Verkauf freizugeben, bei denen eine
Reservehaltung zur Gewährleistung unserer nationalen Sicherheit nicht länger
erforderlich ist.
Aufgrund der schnellen Ausweitung der Weltwirtschaft ist die kurzfristig
ge Nachfrage nach zahlreichen industriellen Rohstoffen schneller gestiegen
als das kurzfristig verfügbare Angebot. Infolgedessen sind die Preise für
industrielle Rohstoffe in letzter Zeit auf eine untragbare Höhe gestiegen
- in einigen Fällen allein in den letzten 12 Monaten um über 30 Prozent.

Diese

.1.

�f

Diese Preissteigerungen werden sich schließlich in höheren Preisen für
den amerikanischen Verbraucher niederschlagen, wenn wir jetzt nicht entschlossen handeln.
Durch Freigabe nicht mehr benötigter Rohstoffe der strategischen Reserve können wir für den amerikanischen Verbraucher etwas Entscheidendes tun.
Der Zweck der strategischen Rohstoffreserve der USA ist, eine ausreichende Vorratshaltung bei entscheidend wichtigen Rohstoffen für Zeiten eines
Krieges zu gewährleisten, ohne unserer Zivilbevölkerung unnötige Härten aufzuerlegen. Die grundlegende Konzeption ist schon alt und geht auf das Gesetz
über strategisch wichtige und knappe Rohstoffe von 1946 zurück. 95 Prozent
der gegenwärtigen Reservebestände wurden vor 1959 - der Großteil während
des Korea-Krieges - angelegt.
Die gegenwärtig in der strategischen Reserve eingelagerten Materialien
haben einen Wert von insgesamt 6,7 Milliarden Dollar und reichen von Metallen, Mineralien, Gummi und Industriediamanten bis zu Grundstoffen wie Jod.
Aufgrund der Dynamik unserer Wirtschaft und Technologie können wir heute viel eher

als in der Vergangenheit Ersatzstoffe für knappe Materialien

finden. Wir können heute den Verteidigungsbedarf an Grundstoffen während eines potentiellen größeren Konfliktes decken, ohne der Wirtschaft große Lasten
aufzubürden oder auf riesige Vorratsbestände zurückgreifen zu müssen, wie
dies früher einmal nötig war.
Nach einer eingehenden und umfassenden Überprüfung der gegenwärtigen
Reservebestände habe ich neue Richtlinien gebilligt, um Art und Menge der
eingelagerten Grundstoffe den nationalen Sicherheitserfordernissen der siebziger Jahre anzupassen. Die neuen Reservebestände würden wesentlich niedriger sein, sie würden jedoch die entscheidend wichtigen Grundstoffe enthalten,
die wir aus nationalen Sicherheitsgründen in ausreichender Menge haben
müssen.
Unsere

-2-

�&gt;

Unsere neuen Richtlinien würden sicherstellen, daß wir über die erforderlichen Rohstoffe zur Deckung des Bedarfs im ersten Jahre eines größeren
Konflikts in Europa oder in Asien verfügen. Im Falle eines längeren Konflik»
te^ würden diese 12 Monate uns genügend Zeit für eine entsprechende Mobilia
sierung geben3 so daß wir unsere Verteidigungsanstrengungen so lange durchhalten können, wie dies notwendig ist, ohne der Wirtschaft oder der Zivilbevölkerung untragbare Lasten aufzubürden.
Nach den derzeitigen Gesetzen ist die Regierung ermächtigt, Rohstoffe
aus Reservebeständen, darunter beträchtliche Mengen an Zink, Aluminium und
Blei,im Werte von rund 1,9 Milliarden Dollar zu verkaufen. Um jedoch über
die restlichen nicht mehr benötigten Grundstoffe im Werte von 4,1 Milliarden
Dollar verfügen zu können, bedarf es einer Ermächtigung durch den Kongreß.
Bisher mußte für den Verkauf eines bestimmten Rohstoffes ein gesondert es Gesetz erlassen werden, aber dieses Verfahren braucht viel Zeit und ist
überflüssig. Zu seiner Verbesserung ist das von mir dem Kongreß empfohlene
Ermächtigungsgesetz in Form eines alle überschüssigen Grundstoffe der stra»
regischen Reserve umfassenden Sammelgesetzes gehalten; es schließt Einzelermächtigungen für 16 wichtige Grundstoffe ein.
Unsere neuen Richtlinien für die Vorratshaltung gewährleisten unsere
nationale Sicherheit und die Gesundheit unserer Wirtschaft im Falle eines Not~
Standes voll und ganz; sie sind außerdem vom nationalen Standpunkt rationell
und wirtschaftlich. Und vor allem würden sie es uns gestatten,, im Laufe der
nächsten Jahre nicht mehr für die Reservehaltung benötigte Grundstoffe im
Wert von rund 6 Milliarden Dollar zu verkaufen.
Ich ersuche den Kongreß, das von mir vorgelegte Gesetz über die Vorratshaltung umgehend und positiv zu verabschieden. Damit wird der Kongreß seine
Bereitschaft unter Beweis stellen, mit der Exekutive positiv in einer Form
zusammenzuarbeiten, die im besten Interesse aller Amerikaner ist."
In

-3-

�!

In einer vom Weißen Haus gleichzeitig veröffentlichen Erklärung wird
darauf hingewiesen, daß die neuen Richtlinien vom Nationalen Sicherheitsrat
in Zusammenarbeit mit den zuständigen Regierungsstellen und nach eingehender
Überprüfung der bisherigen Bevorratungspolitik entwickelt worden sind. Man
gehe, so wird betont, immer noch von der Notwendigkeit aus, für einen konventionellen Krieg von drei Jahren Vorsorgen zu müssen, doch halte man eine
Bevorratung für einen einjährigen Konflikt aufgrund der technologischen
Fortschritte für ausreichend, sofern die Bevölkerung ihren Verbrauch während
der Umstellungszeit etwas einschränke.
Die in der amerikanischen Rohstoffreserve gegenwärtig eingelagerten
91 Roh-und Grundstoffe haben nach Angaben des Weißen Hauses einen Marktwert
von 6,7 Milliarden Dollar, wobei über die Hälfte der Vorräte auf sieben Rohstoffe - Aluminium, Kupfer, Blei, Silber, Zinn, Wolfram und Zink - entfallen. Während für Gummi, Silber und Platin eine gewisse Aufnahmebereitschaft
des Marktes bestehe, so wird betont, könnten besonders hohe Überschußbestände zum Beispiel bei Blei, Wolfram, Mangan oder Industriediamanten nur im
Laufe mehrerer Jahre auf dem Markt abgesetzt werden. Aufgrund der neuen Richtlinien sollen im Finanzjahr 1973/74 Überschußbestände im Werte von 1,4
Milliarden Dollar verkauft werden, darunter Rohstoffe im Werte von 0,6 Milliarden Dollar, für deren Verkauf bereits eine Ermächtigung vorliegt, sowie Roh-und Grundstoffe im Werte von 0,8 Milliarden Dollar aufgrund des neuen
Gesetzes.
Der Verkauf von Roh- und Grundstoffen aus der strategischen Reserve der
USA wird nach Ansicht des Weißen Hauses in vielen Fällen die Preise positiv
beeinflussen. Präsident Nixon hoffe, so wird betont, daß diese Maßnahme
sich preisstabilisierend auswirken werde.

+++

-4-

�V

amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

Codesberg

8 9 - 3 2 4 0

Service

1, Postfach

Wirtschaft

300

T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

16/1973

EBERLE FORDERT LIBERALISIERUNG DES AGRARHANDELS
Wortlaut

WASHINGTON - (AD) - Der Sonderbeauftragte Präsident Nixons für Handelsverhandlungen, William D. Eberle, hat am 16. April vor einen Unterausschuß
des Senats erneut eine Liberalisierung des Agrarhandels gefordert. Die Erklärung Eberles hat folgenden Wortlaut:

Wir befinden uns heute, was die Ausweitung der Nachfrage nach und des
Handels mit Agrarerzeugnissen anbetrifft, in einer außergewöhnlichen Epoche
der Geschichte.

Dies zeigt sich in den USA ganz deutlich an der starken Zunahme unserer
Agrarexporte. Unsere Rekordagrarexporte werden im laufenden Finanzjahr 11 Milliarden Dollar übersteigen. Dies bedeutet gegenüber dem vorangegangenen Finanzjahr eine Zunahme um 3 Milliarden Dollar. Zugegeben, ein großer Teil
dieser Zunahme ist auf das Wetter und hiermit zusammenhängende Preisentwicklungen zurückzuführen; bei Ausschaltung dieser Faktoren wird der Wert
dieser Exporte aber immer noch um 9 Milliarden Dollar über dem des Vorjahres
liegen, was ein neuer Höchststand ist. Gegenüber 1960 bedeutet dies eine Zunahme der kommerziellen Ausfuhren um rund 200 Prozent. Diese reale Zunahme
konnte durch Ausweitung alter und Erschließung neuer Märkte erzielt werden.

Dennoch
- 1 -

�Dennoch wurde die tatsächliche Ausweitung unserer Agrarexporte durch
unsere eigene Innen- und Handelspolitik wie auch die unserer Handelspartner
beeinträchtigt.

Wir werden immer noch durch Handelsschranken behindert.

Trotz des bedeutenden, seit Ende des zweiten Weltkrieges erzielten Fortschritts gibt es immer noch eine Vielzahl von Handelsschranken. Sie führen
zu Verzerrungen der internationalen Wirtschaftsbeziehungen und schaden
unseren eigenen Interessen wie auch denen anderer Länder, weil sie das Prinzip des Wettbewerbsvorteils nicht in weitestmöglichem Maß zum Tragen kommen
lassen und weil sie Erzeugern und Verbrauchern nicht gestatten, frei auf die
vom Markt ausgehenden Signale zu reagieren.

Es liegt im Interesse der Völkergemeinschaft der Welt, wenn jedes Land
den anderen die Güter verkauft, die es am rationellsten herstellen kann,
und von den anderen Ländern die Güter kauft, die diese rationeller herstellen
können.

Ein solcher Austausch kann zu höherem Lebensstandard, mehr Zusammenarbeit, Befriedigung und Zufriedenheit für alle Menschen führen, ohne Rücksicht
darauf, in welchem Lande sie wohnen.

Heute stellen wir fest, daß sich Einstellung und innere Bedingungen in
zahlreichen Ländern vielfach stark ähneln. Dies schafft bisher noch nie dagewesene Möglichkeiten für wesentliche Fortschritte in Richtung auf einen Abbau der Handelsschranken. Und dies wiederum wird dazu beitragen, die Nachfrage zu steigern; es wird jedem von uns helfen, diese Nachfrage zu befriedigen, und es wird den Menschen der Welt die Möglichkeit geben, das zu kaufen,
was sie kaufen wollen, und zwar von dem Händler, der ihren Bedarf am besten
decken kann.

Erstens herrscht gegenwärtig in den meisten Industriestaaten und auch
in einigen Entwicklungsländern Inflation. Gleichzeitig besteht dort eine
- 2-

�"v

eine äußerst starke Nachfrage nach Lebensmitteln, da die Volkswirtschaften
schnell expandieren und die Verbrauchereinkommen steigen. Die Folge ist, daß
die Verbraucher die Lebensmittelpreise in die Höhe treiben, was im besonderen
für die populären Lebensmittel, zu denen auch tierische Erzeugnisse zählen,
zutrifft. Während die Verbraucher einerseits die Preise in die Höhe treiben,
sind sie gleichzeitig auch über die Preissteigerungsraten besorgt. Der Preisdruck macht sich bemerkbar und, wo möglich, werden Maßnahmen zur Milderung
dieses Druckes eingeleitet. Zum Beispiel haben die Vereinigten Staaten, die
Europäische Gemeinschaft und andere Länder Maßnahmen zur Steigerung der Einfuhr von Rindfleisch und anderen tierischen Erzeugnissen getroffen.

Zweitens setzt sich immer mehr die Erkenntnis durch, daß die derzeitige
Agrarpolitik nicht die Nachfrage nach solchen tierischen Erzeugnissen decken
kann, die die Verbraucher wollen. Die Weltmarktpreise für Rindfleisch sind trotz der Ausweitung der Erzeugung in den sechziger Jahren um rund 40 Prozent - erheblich gestiegen. Eine kürzliche Zusammenstellung der Lebensmitteleinzelhandelspreise ergab die folgenden Preise für Rindfleisch:
Bonn

Roastbeef

2,08 D o l l a r

Brüssel

Roastbeef

2,54

H

Kopenhagen

Kalbsfilet

6,51

H

London

Rumsteak

2,25

ti

Paris

Rinderkeule

2,57

H

Rom

F i l e t s t e a k vom Rind

2,79

ii

Stockholm

Porterhousesteak

3,81

ti

Den Haag

Rindergehacktes

2,77

H

Tokio

Rinderlende

11,90

II

Washington, D.C.

F i l e t s t e a k vom Rind

1,69

II

Drittens hat der schnelle technologische Fortschritt zu einem rapiden
Rückgang der Zahl der Farmer und landwirtschaftlichen Arbeitskräfte geführt,
die für eine rationelle Erzeugung der benötigten Lebensmittel und Fasern
notwendig war. Dies ist ein Problem, das alle Industriestaaten der Welt gemeinsam haben. In den Vereinigten Staaten waren im Jahre 1960 rund 5,5 Mil-

- 3-

�Millionen Menschen in der Landwirtschaft beschäftigt; bis 1970 war die Zahl
der in der Landwirtschaft Beschäftigten auf 3,5 Millionen oder um über ein
Drittel zurückgegangen. Während der gleichen Zeit ging die Zahl der Beschäftigten in der Landwirtschaft in Frankreich von 4,2 auf 2,9 Millionen
(31 Prozent), in Deutschland von 3,6 auf 2,4 Millionen (33 Prozent), in
Italien von 6,6 auf 3,7 Millionen (44 Prozent), in Spanien von 4,9 auf 3,7
Millionen (24 Prozent), in Japan von 13,4 auf 8,9 Millionen (34 Prozent) und
in Griechenland von 1,9 auf 1,7 Millionen (11 Prozent) zurück. Diese Zahlen
dürften auch repräsentativ sein für die Veränderungen, die sich in anderen
Ländern überall auf der Welt vollzogen haben. Ferner gibt es in gewissen Industriestaaten das Problem der Unterbeschäftigung, und besonders akut ist
dieses Problem in den Entwicklungsländern.

Viertens wächst die Unzufriedenheit über die Kosten der Regierungsprogramme. In den Vereinigten Staaten ist es ganz offensichtlich, daß die Kosten
der Regierungsprogramme zu hoch sind und gesenkt werden müssen. In der Europäischen Gemeinschaft geben die wachsenden Kosten des gemeinsamen Agrarprogrammes Anlaß zu Alarm. In dem Maße, wie die Weltmarktpreise weiter steigen,
muß ein immer größerer Teil der Kosten der EG-Programme durch Beiträge der
Mitgliedstaaten statt durch variable Abschöpfungen aufgebracht werden. Eine
kürzliche Schätzung aller im Zusammenhang mit der gemeinsamen Agrarpolitik
entstehenden Kosten veranschlagt diese auf 14 bis 16 Milliarden Dollar. Vor
einigen Monaten berichtete ein Regierungsvertreter eines der EG-Mitgliedsländer, daß die Kosten des gemeinsamen Agrarprozesses für sein Land jetzt
größer als der Gesamtbeitrag seien, den die Landwirtschaft zum Bruttosozialprodukt leistet.

Fünftens hat die Erweiterung der Europäischen Gemeinschaft wesentliche
Auswirkungen auf das Gebiet der Handelsliberalisierung. In den beigetretenen
Ländern liegen die Agrarpreise unter dem Niveau des gemeinsamen Agrarprogramms.
Dies wird dazu führen, daß die finanziellen Lasten für den Verbraucher steigen,
während sie für den Steuerzahler abnehmen - eine Entwicklung, die zu einem
Zeitpunkt äußerst unangebracht ist, da die Verbraucher sich gerade erst ihrer
Macht bewußt zu werden beginnen.
Sechstens

�Sechstens vollzieht sich in Japan eine Änderung des LebensmittelVerbrauchs in Richtung auf die Verbrauchsgepflogenheiten in den Vereinigten
Staaten und in Westeuropa, auch wenn der Verbrauch an Fleisch- und Fleischwaren immer noch weit geringer als in den meisten anderen Industriestaaten
ist. Diese Situation und die stark steigenden Verbrauchereinkommen verheißen für die kommenden Jahre einen guten Absatzmarkt.

Siebtens sind die Einkommen aus nicht-landwxrtschaftlicher Arbeit für
die Bauern in den meisten Ländern, vor allem aber in den USA und Japan, von
wachsender Bedeutung. In den Vereinigten Staaten z.B. war 1971 das Einkommen
aus nicht-landwirtschaftlicher Arbeit auf Farmen mit einem Umsatz von weniger
als 10 000 Dollar weit größer als das erzielte Nettoeinkommen aus landwirtschaftlicher Arbeit. Farmen mit Umsätzen von weniger als 2,500 Dollar hatten
im Durchschnitt ein Einkommen aus nicht-landwirtschaftlicher Arbeit von
8 500 Dollar, während die Netto-Einkünfte aus landwirtschaftlicher Arbeit
lediglich 1 OOO Dollar betrugen. In Japan erhöhten sich die Einkünfte aus
nicht-landwirtschaftlicher Tätigkeit in den sechziger Jahren um das Vierfache.
Der Anteil der Einkünfte einer Bauernfamilie aus landwirtschaftlicher Arbeit
ging von 55 Prozent im Jahre 1960 auf 40 Prozent im Jahre 1969 zurück.

Diese gegenwärtige Situation führt zu dem Schluß, daß wir wesentlichen
Fortschritt in Richtung auf eine Handelsliberalisierung erzielen könnten, wenn
wir es verstehen, aus:
- unseren gemeinsamen Anschauungen und Übereinstimmungen;
- unserer gemeinsamen Abneigung gegenüber Importsubventionen;
- der gemeinsamen Notwendigkeit, Änderungen der Agrarstruktur zu erleichtern;
- unseren gemeinsamen Inflationsproblemen und dem rapiden Anstieg der
Lebensmittelpreise; sowie
- aus der gemeinsamen Notwendigkeit einer Suche nach Mitteln und Wegen
zur Bewältigung des gemeinsamen Problems der durch Niedrigeinkommen
der ärmeren Landbevölkerung erwachsenden Schwierigkeiten durch Verbesserung der Arbeitschancen und Arbeitsplätze im nicht-landwirt-

�f

nicht-landwirtschaftlichen Sektor - oder wo dies nicht möglich ist durch frühzeitige Pensionierung oder produktionsneutralen Einkommenstransfer - Nutzen zu ziehen.

Welches sind nun die wesentlichsten Beschränkungen für den Agrarhandel?

Zu den wichtigsten Handelsschranken gehören Mengenbeschränkungen, Exportsubventionen, restriktive Handelspraktiken und vorgeschriebene technische
Normen sowie Verfahren. Zusammen mit Zöllen werden sie zum Schutz der Landwirtschaft und der weiterverarbeitenden Industrie gegen ausländischen Wettbewerb eingesetzt.

Lassen Sie uns jetzt genauer untersuchen, wie und in welchem Ausmaß
die Vereinigten Staaten und deren wichtigste Agrarhandelspartner - die
Europäische Gemeinschaft und Japan - ihre Märkte gegen den Import abschirmen
und ihren Export subventionieren.

- Die amerikanischen Handelsschranken -

Die meisten amerikanischen Agrarzölle sind gegenüber ihrem Höchststand
in den dreißiger Jahren - zu einem großen Teil um 50 Prozent oder mehr - gesenkt worden. Die meisten dieser Zollsätze sind zur Zeit niedrig. Hohe Zölle
(mehr als 15 Prozent ad valorem) gibt es nur für eine kleine Zahl landwirtschaftlicher Importgüter - Molkereierzeugnisse, frisches und eingemachtes
Obst und Gemüse, bestimmte Mühlenerzeugnisse, Wein und Ballentabak.

Importquoten gibt es nur für fünf Warengruppen: Weizen für Nahrungsmittel, Baumwolle, Erdnüsse, Molkereierzeugnisse und Zucker. Die Quoten
für die ersten vier sind auf Grund des Artikel 22 des Landwirtschaftlichen
Anpassungsgesetzes verfügt worden. Zwar bestehen nicht für alle Molkereierzeugnisse Quoten, doch sind diese jetzt auch für bestimmte Käsesorten und

- 6 -

�und andere Erzeugnisse eingeführt worden. Die Quoten nach Artikel 22 E
sind vor allem verfügt worden, um eine Beeinträchtigung der amerikanischen
Landwirtschaftsprogramme zu verhindern.

Die Quoten für Rohzucker und Süßwaren wurden auf Grund des Zuckergesetzes eingeführt. Die anderen Ländern zugeteilten Quoten decken 38 Prozent
des Grundbedarfs der USA an Zucker sowie 35 Prozent des angestiegenen amerikanischen Zuckerbedarfs.

Das Gesetz über den Import von Fleisch von 1964 (P.L. 88-482) gibt die
Ermächtigung für die Einführung von Quoten für Rind-, Kalb-, Hammel- und
Ziegenfleisch. Der Präsident hat sowohl Fleischimportquoten verfügt wie
auch wieder aufgehoben. Die Importbeschränkungen sind für das Kalenderjahr
1973 ausgesetzt worden.
Die Programme für direkte Exportsubventionen sind in den Vereinigten
Staaten eingestellt oder ausgesetzt worden, so daß es im Augenblick keine
laufenden Programme für den Verkauf von Gütern im Ausland zu Preisen gibt,
die unter den inländischen Preisen liegen. Nach Artikel 33 und auf Grund
der Satzungen für die Tätigkeit der Commodity Credit Corporation dürfen
die Vereinigten Staaten Exporte beim Zusammenfallen bestimmter Umstände
subventionieren.

- Handelsschranken der Europäischen Gemeinschaft In der Europäischen Gemeinschaft wirken sich hohe Zölle einschränkend
auf den Handel mit bestimmten Gemüsekonserven, Frischgemüse, Margarine
und Rohtabak aus.

Die von der Europäischen Gemeinschaft hauptsächlich angewandte Schutzmaßnahme ist die variable Abschöpfung. Durch sie werden über zwei Drittel

- 7-

�r

Drittel der Agrarerzeugung der Gemeinschaft geschützt. Diese Abschöpfung
entspricht der Differenz zwischen dem Schwellenpreis und dem niedrigsten
bereinigten CIF-Preis. Diese Abschöpfung gewährt praktisch unbegrenzten
Schutz und beeinträchtigt die amerikanischen Agrarexporte in die Gemeinschaft bei den ihr unterliegenden Erzeugnissen stark. Zu den wichtigsten
von der variablen Abschöpfung betroffenen Agrarexporten gehören Futtergetreide, Weizen, Reis, Geflügel, Eier, Schweinefleisch und Schweineschmalz.
Nationale Quoten gibt es in bestimmten Fällen bei Frischobst, Frischgemüse
und Konserven. Eine EG-Quote betrifft Rind- und Kalbfleisch zur Weiterverarbeitung.

Tabakmonopole in Frankreich und in Italien kontrollieren die nationalen
Märkte. Sie sind die einzigen Importeure von Ballentabak, die einzigen Hersteller von Tabakerzeugnissen und sie haben das Recht, Lizenzen an den Einzelhandel zu vergeben.

Die Europäische Gemeinschaft verfügt über ein Programm zur Subventionierung von Exporten, um "überschüssige" Produkte auf die Weltmärkte zu
leiten. Solche Subventionen sind erforderlich, da die internationalen Preise
nicht dazu festgelegt werden, die Gemeinschaft auf den Weltmärkten wettbewerbsfähig zu erhalten, und so haben sich häufig Überschüsse herangebildet.
Unter die restriktiven Maßnahmen fällt weiter die Anwendung von Richtpreisen
für die Kontrolle des Imports von Frischobst und Frischgemüse, Saatgetreide
und Wein. Sobald importierte Erzeugnisse unter den Richtpreisen liegen,
unterliegen sie einer Ausgleichssteuer.

Die bestimmten Ländern eingeräumte bevorzugte Behandlung diskriminiert
eine große Zahl amerikanischer Agrarexporte.

- Japanische Handelsschranken Gewisser Fortschritt ist beim Abbau der japanischen Zölle erzielt
worden, doch schränken viele von ihnen immer noch den Import ein.
Quotenbeschränkungen
- 8-

�-

Quotenbeschränkungen wirken sich auf den Import zahlreicher Erzeugnisse
aus, bei denen amerikanischerseits ein Export-Interesse besteht, unter ihnen
Rindfleisch, bestimmte Fleischwarenprodukte, Schmelzkäse, getrocknete Erbsen
und andere Hülsenfrüchte, bestimmte Sorten von Frischobst und Frischgemüse
sowie Obst- und Gemüsekonserven und -produkte, Weizen und Weizenerzeugnisse,
Reis, Gerste, Speiseeispulver, Milchpulver für Kindernahrung und andere in
erster Linie aus Milch bestehende Erzeugnisse.

Anstelle von Quoten sind variable Abschöpfungen getreten, um die Einfuhr lebender Schweine, von Schweinefleisch, Schinken und Speck einzuschränken.

Die Kontrolle des Imports wird bei den meisten Agrarerzeugnissen durch
den staatlichen Handel ausgeübt, die sich jedoch nicht restriktiv auswirkt.
Das Lebensmittelverteilungssystem läßt es nicht zu, daß die Einzelhandelspreise unmittelbar auf Preisänderungen der Importgüter reagieren.

Ich habe hier nur einige Länder und die von ihnen zur Einschränkung
des Handels angewandten Praktiken angeführt.Diese Praktiken sowie auch
andere Maßnahmen werden aber auch von anderen Industriestaaten und von Entwicklungsländern angewandt. Der Unterschied dabei liegt in der Kombination
der Praktiken und im Ausmaß ihrer Anwendung. Warum gibt es diese Schranken?

Die Handelsschranken sind zum Schutz der einheimischen Agrarprogramme
(und zur Stützung der landwirtschaftlichen Einkommen), zur Gewährleistung
der nationalen Sicherheit, zum Schutz der Gesundheit der Bevölkerung, zur
Abwehr einer von anderen betriebenen "unfairen" Politik, zum Schutz einer
jungen Industrie, zur Verbesserung der Zahlungsbilanz und/oder zur Vermeidung schmerzlicher wirtschaftlicher Anpassungen errichtet worden. In den
meisten Ländern gibt es irgendwelche Kombinationen solcher Handelsschranken,
wobei die Prioritäten unterschiedlich sind, und entsprechend den veränderten
Gegebenheiten verlagert werden.

In
- 9-

�In den Vereinigten Staaten bestand vor 1965 ein Hauptziel des Protektionismus in dem Schutz der einheimischen Agrarprogramme. Bis zu diesem Zeitpunkt basierte die einheimische Agrarpolitik auf einer hohen Preisstützung
und begleitenden Maßnahmen mit dem Ziel, die Einkommen in der Landwirtschaft
aufzubessern. Ein solches Preisstützungsniveau war nicht mit den Verhältnissen
auf den Weltmärkten zu vereinbaren, die von Angebot und Nachfrage bestimmt
werden. Daher wurde eine Förderungspolitik eingeschlagen, die die amerikanische Landwirtschaft gegen den vollen Wettbewerbsdruck abschirmen sollte.
Seit Mitte der sechziger Jahre wurden die Vereinigten Staaten immer stärker
marktorientiert. Bei den meisten Agrarerzeugnissen näherten sich die Stützpreise dem Weltmarktniveau. Das Landwirtschaftsgesetz von 1970 hob nacheinander die Anbaubeschränkungen bei Weizen, Futtergetreide und Baumwolle auf
und ließ damit den amerikanischen Erzeugern größeren Spielraum, sich nach
der Nachfrage auf den Merkten zu richten. Mit der umfassenden Unterstützung
einer marktorientierten Agrarpolitik, wie sie auf Grund des Landwirtschaftsgesetzes von 1970 erreicht wurde, und mit den jüngsten Vorschlägen der Regierung , das Gesetz von 19 70 zu verlängern und es noch stärker auf die
Marktorientierung abzustellen, haben die Vereinigten Staaten sich ganz eindeutig dazu bekannt, in ihrer Landwirtschaft vom Protektionismus abzugehen.

Die Europäische Gemeinschaft verfolgt weiterhin eine Politik der
Stützung hoher Binnenmarktpreise, die den Erzeugern ohne irgendeine Begrenzung des Anbaues garantiert werden.

Diese Preisstützung soll die Probleme der landwirtschaftlichen Einkommen lösen und ein Präferenzsystem für die im Lande selbst angebauten Erzeugnisse aufrecherhalten. Eine solche Politik erzeugt einen Druck und die
Notwendigkeit, den Markt abzuschirmen.

Japan hat hohe Stützpreise für Reis aufrechterhalten. Die Steigerung
des landwirtschaftlichen Einkommens ist ein wichtiges Ziel seiner Getreidepolitik. Diese Politik hatte wiederum andere Stützmaßnahmen zur Folge, die
den Binnenmarkt schützen sollen. Die hohen Stützpreise für Reis haben zur

- 10 -

�zur Einlagerung von Reis geführt und hohe Subventionen notwendig gemacht,
um seine Verwendung für Futterzwecke zu fördern. Sie haben ferner hohe Subventionszahlungen erforderlich gemacht, damit Anbauflächen für Reis zu
anderen Zwecken verwendet werden.

Warum Handelsliberalisierung?

Diese hohen, nicht-wettbewerbsorientierten Preisgarantien sollten die
Einkommensprobleme der Landwirtschaft lösen; aus einer Vielzahl von Gründen
blieben sie weitgehend erfolglos.

Einerseits erhält nur ein kleiner Prozentsatz von Erzeugern - die Großbauern - bei weitem den größten Teil der Zuwendungen aus der Preisstützung
sowie aus anderen Programmen, die sich nach dem Volumen der Erzeugung richten.
In den meisten Ländern gibt es sehr viele Bauern mit niedrigen Einkünften.
Auf sie entfällt nur ein kleiner Marktanteil, daher können sie aus der hohen
Preisstützung keine wesentlichen Vorteile ziehen.

Zum anderen regen hohe Stützpreise eine Überschußproduktion an, die zu
Importbeschränkungen und einer Subventionierung des Exports von Gütern mit
hohen Gestehungskosten führt.

Drittens verhindern sie, daß vom Markt die notwendigen und "richtigen"
Signale ausgehen, damit die Bauern ihre Erzeugung der mit steigenden Einkommen sich ändernden Verbrauchernachfrage anpassen.

Viertens führen sie zu einem Zuviel an "falschen" Hilfsquellen in der
Landwirtschaft - zu viele Bauern bauen auf zu viel Land mit zu wenig erforderlichen Hilfsmitteln zu viel Erzeugnisse an.

Fünftens ist zur Genüge klar geworden, daß hohe Stützpreise sich in
hohen Landpreisen niederschlagen, die nur den gegenwärtigen Landbesitzern
künftigen Nutzen bringen. Nach den aus den OECD-Ländern verfügbaren Statist-

- 11 -

�Statistiken betrug die Zuwachsrate des Wertes des landwirtschaftlichen Eigentums, vor allem Land, in den Jahren von 1960 bis 1965 rund 9 Prozent. Die
Folge ist, daß die hohen Stützpreise sich für die gegenwärtigen Eigentümer
in erster Linie in höheren Anlagewerten niederschlugen - ein Gewinn, der zum
Zeitpunkt des Verkaufs realisiert werden kann. Dieser Gewinn für den gegenwärtigen Eigentümer bedeutet jedoch höhere Kapitalkosten für den neuen Käufer
und behindert die erforderlichen Anpassungen in der Landwirtschaft. Die
durchschnittlichen Bodenwerte in den westeuropäischen Ländern betragen das
zwei- bis zehnfache des Durchschnitts in den Vereinigten Staaten. Die
japanischen Bodenwerte liegen 14 Mal so hoch wie in den Vereinigten Staaten.

Sechstens fördern hohe Preisgarantien die Fehlleitung von Hilfsquellen,
zum Beispiel die Verwendung größerer Mengen von Dünger, Insektenvertilgungsmitteln oder sonstiger nicht-landwirtschaftlicher Importgüter.
Siebtens sind die innenpolitischen Programme im Gefolge der Preisstützung nicht nur unwirksam für die Lösung des Problems der niedrigen Einkommen der ländlichen Bevölkerung, sondern sie sind auch kostspielig für
Verbraucher und Steuerzahler, da sie höhere Lebensmittelpreise und höhere
Kosten für die Regierungsprogramme bewirken. Professor D. Gale Johnson von
der Universität Chicago hat geschätzt, daß sich "durch die Kombination
von Handelsschranken an den Grenzen und Preisstützung sowie Subventionen
im Innern" für die Welt jährliche Kosten von fast 40 Milliarden Dollar ergeben, wovon etwa 13 Milliarden Dollar auf die Europäische Gemeinschaft und
fast 10 Milliarden Dollar auf die Vereinigten Staaten entfallen.

Bei den Kostenschätzungen für die Vereinigten Staaten entfällt ein beträchtlicher Teil der Kosten auf die Programme, Land aus der Bestellung zu
nehmen - also durch die Anpassung des Angebots ausgelöste Probleme, die sich
für die USA durch den beschränkten Zugang zu den Absatzmärkten ergeben haben,
der ihnen durch hohe Stützpreise und Importbeschränkungen anderer Länder
sowie dadurch verwehrt wird, daß diese mit wenigen Ausnahmen keinen Versuch
unternehmen, die Erzeugung einzuschränken oder den Absatz zu kontrollieren.
Händelsliberalisierung
- 12 -

�(

Handelsliberalisierung oder freierer Handel würden es allen Verbrauchern
erlauben, auf niedrigere Preise zu reagieren.

Sie würden jeden einzelnen, jedes Gebiet oder jedes Land ermutigen, sich
auf das zu spezialisieren, was sie zu den niedrigsten relativen Kosten erzeugen können, und dann mit allen anderen Handel zu treiben.

Sie würden die wirklichen Kosten für Nahrungsmittel und Fasern verringern
und die dem Steuerzahler durch die Regierungsprogramme entstehenden Kosten
beseitigen. Eine Ausnahme wäre, wenn Länder feststellen, daß die landwirtschaftlichen Einkommen zu niedrig sind, und sie daraufhin Einkommensumschichtungen durchführen. Wo solche Einkommensumschichtungen vorgenommen werden,
würden sie ein Minimum an Auswirkungen - oder überhaupt keine - auf die Erzeugung haben. Ferner würden im Falle solcher Zahlungen die vollen Kosten
derartiger Umschichtungen direkt von den betreffenden Ländern getragen werden.

Sie würden den Markt in die Lage versetzen, wirksamer seine ihm zufallende Rolle zu spielen und die Signale zu geben, die für vernünftige Produktions- und Absatzentscheidungen erforderlich sind. Eine solche Tätigkeit
wäre einem System von Regierungsgarantien weit überlegen, das die Anbaugewohnheiten geographisch verzerrt und die Landwirtschaft daran hindert, dem
Bedarf der Verbraucher zu entsprechen.

Sie würden für den einzelnen Bauern ein Klima schaffen, in dem er ganz
nach eigenem Interesse handeln, die Erzeugung auf ein maximales Einkommen
ausrichten und die Wettbewerbsfähigkeit der Landwirtschaft im In- und Ausland verbessern kann.

Welche Möglichkeiten gibt es?
Mit der Liberalisierung des Handels wollen wir die Systeme in den einzelnen Ländern nicht verändern, sondern Anregungen geben und sie ermutigen,
in den Mechanismen Änderungen oder Modifizierungen vorzunehmen, die erforder-

- 13 -

�erforderlich sind, um die Märkte zu entlasten und die Bauern zu ermutigen,
die Erzeugung auf den Bedarf und die vom Markt ausgehenden Signale abzustellen und so zu einer Ausweitung des internationalen Wirtschaftssystems
und seiner wachsenden Interdependenz beizutragen.

Das Gebiet, auf dem eine Handelsliberalisierung tatsächlich die besten
Chancen bietet, ist der Sektor: Futtermittel und Weidewirtschaft. In dem
Maße wie die Verbrauchereinkommen steigen, vollzieht sich überall auf der
Welt eine Entwicklung zum vermehrten Verbrauch von Schlachtvieh und Fleischwaren. Wenn die Möglichkeiten, die die expandierende Nachfrage nach Fleisch
bieten, durch Senkung der Futtermittelkosten und damit der Kosten für den
Verbraucher voll realisiert werden könnten, dann könnte ein

wesentlicher

Teil der bisher zu wenig genutzten Hilfsquellen dafür eingesetzt werden,
die steigende Nachfrage nach Fleisch zu decken. Dies würde wiederum dazu
beitragen, die Realeinkommen durch eine höhere Produktion sowie durch Einsparungen bei den Futtermittelkosten zu steigern. Die Landwirtschaft tritt
jetzt mit der Expandierung der Märkte in eine neue Epoche. Die Nachfrage hat
auf der Welt einen Höchststand erreicht.

Die Bauern können damit rechnen, daß die Kapazität ihrer Hefe zu 100
Prozent, oder fast so hoch, ausgenutzt werden kann - und daß dies Gewinn
bringen wird. In der Industrie wie auch in der Landwirtschaft hat ein Betrieb,
der mit einer Kapazitätsauslastung von 80 Prozent arbeitet,höhere Stückkosten, als wenn er mit einer höheren Kapazitätsauslastung arbeitet. Wenn
nun die Nachfrage nach Fleisch steigt, gehen die Gestehungskosten für Lebensmittel zurück. Dies ist auch der Grund, warum die Ziele - hohes Einkommen in
der Landwirtschaft und angemessene Lebensmittelpreise für die Bürger - in den
USA voll und ganz miteinander zu vereinbaren sind.

Es sollte unterstrichen werden, daß wir, wenn wir jetzt in Verhandlungen
eintreten, die Landwirtschaft nicht von der Industrie trennen können, denn
beide sind voneinander abhängig. Sie verhalten sich wie der linke Arm zum
rechten Arm.
Schließlich
- 14 -

�(

Schließlich sollte wohl bekannt sein, daß nur dann Hoffnung auf erfolgreiche Agrarverhandlungen besteht, wenn diese zu beiderseitigen Vorteilung für alle beteiligten Länder führen. Änderungen, die eine sensiblere
Reaktion bei der Anpassung der Produktion auf Veränderungen der Verbrauchernachfrage zulassen, entsprechen diesem Grundsatz.

- 15 -

�amerika dienst
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16/1973

MEHR FORSCHUNG ZUR ERSCHLIESSUNG NEUER ENERGIEQUELLEN
-Arbeitsgruppe des US-Kongresses legt Bericht vor-

--(AD)-- Nach zweijährigen Untersuchungen hat jetzt die "Arbeitsgruppe
Energie" des US-Kongresses einen ausführlichen Bericht über die Energiesituation in den USA vorgelegt. Das 404 Seiten umfassende Dokument wurde
in enger Zusammenarbeit mit dem Ausschuß des Repräsentantenhauses für Wissenschaft und Raumfahrt unter der Leitung des demokratischen Abgeordneten
Mike McCormack erarbeitet, der vor der Übernahme seines politischen Amtes
in der kerntechnischen Forschung tätig war.
Unter der Voraussetzung, daß die Forschung erheblich intensiviert wird,
sind nach Ansicht des Gremiums die Möglichkeiten der Energieversorgung in
den Vereinigten Staaten aus einheimischen Quellen (Öl, Gas, Kohle, Ölschiefer, Uran und Thorium) zumindest für die nächsten Jahrzehnte optimistisch
zu beurteilen. Der Bericht fordert eine Steigerung der Aufwendungen für
Forschung und Entwicklung um 1 Milliarde Dollar pro Jahr.
Gegenwärtig werden etwa 1,5 Milliarden Dollar pro Jahr - das entspricht
0,15 des Bruttosozialproduktes der Vereinigten Staaten - auf Forschung und
Entwicklung für den Energiesektor verwandt. Davon bringt die Bundesregierung

-l-

�i

Bundesregierung 600 Millionen Dollar, die Privatindustrie 900 Millionen
Dollar auf. Eine Intensivierung der Forschung, die nach Ansicht McCormacks
zunächst auf die Öl-und Gasgewinnung aus Kohle konzentriert werden und im
Stil der Anstrengungen beim APOLLO-Programm in Angriff genommen werden sollte, sei u.a. auch deshalb notwendig, um Amerika von Importen aus den Mittelostländern unabhängig zu machen.
In einem Ende 1972 veröffentlichten Bericht des US-Innenministeriums
war errechnet worden, daß schon Mitte des nächsten Jahrzehnts die USA ca.

40 Prozent ihres Ölbedarfs und 25 Prozent ihres Erdgasbedarfs bei einem
Kostenaufwand von 30 Milliarden Dollar pro Jahr durch Importe decken müs:.ten, wenn sich an der gegenwärtigen Politik nichts ändere. In dem wachsenden Einfluß der OPEC (Organization of Petroleum Exporting Countries Organisation der Ölexportländer) auf dem Welterdölmarkt sieht die Arbeitsgruppe Energie jedoch "einen neuen Faktor, der die Notwendigkeit, sich auf
Kohle zu konzentrieren und die Arbeiten für ihre Nutzung als neue Energiequelle zu beschleunigen, wieder in den Vordergrund rückt." Deshalb sei
es u.a. erforderlich:
- Technologien zur Gewinnung sauberer Energie aus Kohle so schnell
wie möglich weiter zu entwickeln, um die kommerzielle Demonstrationsphase
zu erreichen.... Zwei Prototyp-Anlagen für die Kohlevergasung wurden bereits
gebaut, zwei weitere sind geplant. Zwei Betriebe zur Kohleverflüssigung
arbeiten schon, ein dritter ist geplant.
- Die Weiterentwicklung sicherer, zuverlässiger Brutreaktoren mit
Flüssigmetall-Kühlung vordringlich zu betreiben.... Die kommerzielle Demonstration der Bruttechnik ist das wichtigste technologische Ziel der USAtomenergie-Kommission für die achtziger Jahre... Die Bundesenergie-Kommission rechnet damit, daß die Energieproduktion in den Vereinigten Staaten im
Jahre 1980 zu 21 Prozent, im Jahre 1990 zu 38 Prozent auf Atomstrom
basiert.
-Forschung

-2-

�J

- Forschung und Entwicklung für die Nutzung der Sonnenstrahlung als
Quelle elektrischer Energie finanziell einschneidend zu fördern....
- Die kontrollierte thermonukleare Fusion voranzubringen ... Ein nach
diesem Prinzip arbeitendes Kraftwerk ist eine der idealsten Energiequellen.
Der Rohstoff wäre praktisch unbegrenzt vorhanden....
- Eine technologisch vielversprechende, praktisch aber noch kaum demonstrierte Form der Energiegewinnung ist die Ausnutzung der Meeresströmungen, der unterschiedlichen Temperaturen im Meer und die Nutzbarmachung der
Gezeiten....
- Die Möglichkeiten zur wirtschaftlichen Produktion von technisch reinen Flüssigkeiten aus Ölschiefer müssen erst demonstriert werden...
- Energie aus Wind-und Wasserkraft dürfte in den Vereinigten Staaten
kaum mehr ausbaufähig sein, jedoch sollten die Untersuchungen auch in bezug
auf diese Energiequellen weitergeführt werden.
McCormack verwies in einer Pressekonferenz darauf, daß im Rahmen solcher und anderer einschlägiger Projekte die angewandte Forschung auf zahlreichen Gebieten ebenfalls ausgebaut werden müsse. Als vordringlich nannte
er in diesem Zusammenhang Werkstofftechnik, Heiztechnik für Wohnbauten und
Industriezwecke, Klimatechnik, Wasserversorgung, Kraftwerkstechnik für Anlagen auf der Erde und schließlich auch für Produktionsstätten im Weltraum.

-Nutzung von Sonnenenergie und Erdwärme als CCMS-ProjektAuf der achten Plenarsitzung der CCMS-Gruppe der NATO (10.-11.April
1973 in Ottawa, Kanada) schlug der amerikanische Chefdelegierte Russell E.
Train die Aufnahme eines wissenschaftlich-technischen Gemeinschaftsprojekts

-3-

�Gemeinschaftsprojekts zur Erschließung der solaren und geothemischen Energie in die CCMS-Programme vor. Damit solle, wie der Vorsitzende des Beirats Präsident Nixons für Umwelthygiene erklärte, die Möglichkeit geschaffen werden, die Beanspruchung fossiler Brennstoffe abzubauen und außerdem
umweltfreundlicheren Energiequellen Vorrang zu geben. Train appellierte an
die Mitgliedstaaten des NATO-Ausschusses für die Aufgaben der modernen Gesellschaft (CCMS), ähnlich wie bei den bereits in Angriff genommenen Modellprojekten ein Aktionsprogramm mit entsprechendem internationalen Informationsund Erfahrungsaustausch für die Nutzung dieser Energiequellen in die Wege zu
leiten.
Train nannte in bezug auf die Erschließung der Erdwärme als Energiequelle die Prospektierung als einen der Hauptpunkte für internationale Aktionen. Auch die Probleme der Energie-Umwandlung seien im Rahmen internationaler
Zusammenarbeit besser zu bewältigen. Im Juli 1973 sollen in Paris anläßlich
der Tagung der "Gesellschaft für Sonnenenergie" (2.-5.Juli 1973) entsprechende Programme mit Wissenschaftlern aus den CCMS-Ländern ausgearbeitet werden.
Anschließend sind Besuche in europäischen Laboratorien vorgesehen, wo man
sich mit der Umwandlung von Sonnenenergie in elektrische Energie befaßt.

-H-f

-4-

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" amerika dienst
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53

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16/1973

HERZSCHRITTMACHER MIT RADIOISOTOP ALS ENERGIEQUELLE
-Amerikanisches Modell in der Erprobung-

--(AD)-- Die Entwicklung von Herzschrittmachern, die mit einem Radionuklid anstatt mit einer chemischen Batterie arbeiten, ist in den Vereinigten Staaten soweit gediehen, daß jetzt bei acht Patienten die ersten Geräte implantiert werden konnten. Die "nuklearen" Schrittmacher mit
400 Milligramm Plutonium-238 als Energiequelle stammen aus den Werkstätten der Firma Arco Nuclear Co. in Leechburg (Pennsylvanien). Das Unternehmen befaßt sich im Auftrag der US-Atomenergie-Kommission (AEC) seit
Jahren mit diesem Projekt, für das die AEC seit 1966 ca. 5,5 Millionen Dollar aufgewendet hat.
In der gegenwärtigen Phase der Erprobung am Menschen sind zunächst weitere 20 Implantationen geplant. Aber erst nach einer eingehenden Beobachtung der Patienten, bei denen das neue Modell als Schrittmacher zur Regulierung der Herztätigkeit verwendet wurde, ist damit zu rechnen, daß es
für den allgemeinen Gebrauch freigegeben wird. Ein ähnliches Programm
läuft in den USA seit Juli 1972 mit einem in Frankreich entwickelten Modell.

-l-

�r

Modell. Dieser "Atomschrittmacher" wird von der Firma Medtronics Inc.
(Minnesota) hergestellt; 20 Herzpatienten tragen ihn bereits. Mit 150 Gramm
Gewicht ist er allerdings 30 Gramm schwerer als das Arco-Modell. Bei diesem besorgen winzige Thermoelemente aus Metall die Umwandlung der Zerfallswärme des Radioisotops Plutonium 238 in elektrischen Strom; bei dem französischen Modell sind es Materialien, wie sie in Transistoren Verwendung
finden.
Wie ein Sprecher der Fa. Arco Co. erklärte, habe man sich für die
Thermoelemente als Energiewandler entschieden, weil man sie für zuverlässiger als die Transistor-Elemente halte. Allerdings werde erst die Praxis zeigen, ob diese Annahme richtig ist. Das Gerät hat die Abmessungen 6x5x3,2 cm;
das radioaktive Material ist in einer kleinen Vakuumkammer eingeschlossen.
In den Vereinigten Staaten leben etwa 70 000 Menschen mit elektrischen Schrittmachern. Sie helfen, durch automatisch über kleine Elektroden
gegebene Impulse den sogenannten Herzblock zu überwinden. Darunter sind
Störungen in der Funktion des Reizleitungssystems im Herzen zu verstehen,
die die Herztätigkeit auf gefährliche Weise aus dem Takt bringen. Im Vergleich zu den bisher verwendeten Schrittmachern, deren Batterie in günstigen Fällen etwa zwei Jahre ihren Dienst tun und dann in einer neuen Operation wieder ersetzt werden müssen, dürfte der Radionuklid-Schrittmacher
etwa 10 Jahre funktionsfähig bleiben.
Im Institut für Herz-und Lungenforschung der Medizinischen Bundesforschungsanstalten der USA (NIH) wurde kürzlich eine Patientin vorgestellt,
der acht Stunden zuvor ein "Atomschrittmacher" aus der Arco-Entwicklung implantiert worden war. Die 39jährige Frau, Mutter von fünf Kindern, hatte
in den letzten zehn Jahren bereits zehn Operationen am Herzen durchmachen
müssen. Mit dem Radionuklid-Schrittmacher,den ihr Dr.Charles L.McIntosh
einsetzte, hofft sie jedoch,die nächsten zehn Jahre vor solchen Eingriffen
sicher zu sein. Das neue Gerät reguliert den Herzschlag auf 72 Schläge in
der Minute.
+++
-2-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Handelsbotschaft Präsident Nixons&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nixon will Rohstoffe aus strategischen Reservebeständen freigeben&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Botschaft an den US-Kongress -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eberle fordert Liberalisierung des Agrarhandels&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Mehr Forschung zur Erschließung neuer Energiequellen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Arbeitsgruppe des US-Kongresses legt Bericht vor -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Herzschrittmacher mit Radioisotop als Energiequelle&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Amerikanisches Modell in der Erprobung -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation

I 1

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

18. April 1979

14

INHALT
DOKUMENTATION
SALT und die nationale Sicherheit
- Von Zbigniew Brzezinski US-Verteidigungsminister legt die militärischen Aspekte von SALT II dar
- Wortlaut der Ansprache vom 5. April 1979 Bilaterale amerikanisch-israelische Grundsatzyereinbarung über Sicherheitsgarantien
Amerikanisch-israelische Grundsatzvereinbarung über die Ölversorgung
Erklärung des US-Außenministeriums zu den amerikanisch-israelischen
Grundsatzverei nbarungen
HINTERGRUNDMATERIAL
Erläuterungen des Weißen Hauses zum Energieprogramm der US-Regierung
Lehren von Harrisburg
- Bessere Sicherheitskonzeptionen für Atomkraftwerke unerläßlich Meeresbergbaugesetz erneut vor US-Kongreß
- Regierung wünscht Übergangsregelung bis zum Seerechtsvertrag Produktivität braucht Forschung
- Sonderbotschaft Präsident Carters über Wissenschaft und Technologie -

Um Ubcr/cnJung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

18. April 1979

14

SALT UND DIE NATIONALE SICHERHEIT
Von Zbigniew Brzezinski

Der Berater Präsident Carters für
Fragen der nationalen Sicherheit,
Zbigniew Brzezinski, hat am 4. April
1979 in einer Rede vor dem Rat für
Auswärtige Beziehungen in Chicago
die politischen Aspekte des in Bälde
zu erwartenden SALT II-Abkommens
dargelegt. Wir geben seine Ausführungen im Wortlaut wieder.
- (AD) - Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion stehen an der
Schwelle eines historischen Ereignisses: des Abschlusses eines umfassenden
Abkommens zur Begrenzung der nuklearen strategischen Offensivwaffen. Unser
Land steckte dieses Ziel seit Aufnahme der SALT-Verhandlungen vor nahezu
zehn Jahren und während dreier aufeinanderfolgender Administrationen an.
Heute möchte ich zu Ihnen über die Wichtigkeit dieses SALT-Abkommens für
unsere nationale Sicherheit und unsere Beziehung zur Sowjetunion sprechen.
Die

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�*

Die Unterzeichnung des SALT II-Abkommens wird eine lebhafte und, wie
wir hoffen, kluge nationale Debatte auslösen, die hoffentlich zur Ratifizierung
des SALT II-Abkommens durch den Senat führen wird.

Ebenso wichtig ist, daß

dieser nationale Dialog einen neuen Konsensus bezüglich einer Politik zustande
bringt, die unsere nationale Sicherheit in den achtziger Jahren gewährleisten
soll.

Präsident Carter leitete diesen Dialog in seiner jüngsten Ansprache

vor dem Georgia-Institute of Technology in Atlanta ein,, Verteidigungsminister
Harold Brown wird morgen in

New York die militärischen und die Verteidigungs-

aspekte des Vertrages darlegen.
Die Sicherheit der Vereinigten Staaten kann nur durch die uneingeschränkte Mitwirkung unserer gewählten Führer und des ganzen amerikanischen
Volkes gewährleistet werden.

Wie wir alle wissen, werden die Streitfragen,

die uns während der Verhandlungen zu SALT II in die Schranken gefordert
haben, durch Unterzeichnung und Ratifizierung des Vertrages nicht
aus der Welt geschafft werden.
Die Aufrechterhaitüng einer konstruktiven strategischen Relation zur
Sowjetunion wird auf unserer nationalen Tagesordnung soweit in die Zukunft
hinein stehen bleiben, wie wir gegenwärtig sehen können. Demzufolge muß
sich unsere Politik auf Realismus, Geduld und Klugheit bezüglich der Zukunft
stützen. Das amerikanische Volk muß diese Politik verstehen, Das sollten
auch unsere Verbündeten und die führenden Politiker der Sowjetunion verstehen.

SALT und die amerikanische Politik gegenüber der Sowjetunion
Wie Präsident Carter betonte, werden die amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen auch weiterhin eine Mischung aus Wettbewerb und Zusammenarbeit
bleiben. Unsere Politik muß so gestaltet werden, daß sie beiden Zwecken

�Zwecken dient und ein wirksames Gleichgewicht zwischen beiden herstellt.
Sie muß darauf gerichtet sein, die Zusammenarbeit dort zu verbreitern,
wo wir das können, und den Herausforderungen des Wettbewerbs gerecht zu
werden, wo wir uns dazu gezwungen sehen.
Die Sowjetunion ist eine militärische Supermacht, die gegenwärtig
darauf drängt, eine echte Weltmacht zu werden.

In manchen Teilen der Erde

fordert die Sowjetunion unsere Sicherheitsinteressen und die unserer engen
Freunde und Verbündeten in die Schranken.
In der Verfolgung ihrer Ziele stützt sich die Sowjetunion in erster
Linie auf ihre militärische Macht. Das ist ihre Stärke - eireStärke, der
wir Gleichwertiges entgegensetzen können - in vieler Hinsicht aber auch
Quelle ihrer Schwäche. Indem die Sowjetunion ihrer zivilen Wirtschaft
beträchtliche Ressourcen entzieht, um ihre Militärmaschine weiter auszubauen, schwächt sie die Stärke ihrer Gesellschaft.
Im Gegensatz hierzu haben die Vereinigten Staaten viele einzigartige
Pluspunkte aufzuweisen: unsere wirtschaftliche und technologische Dynamik;
unsere blühende und stabile Gesellschaft, unseren Staat, der der echten
Mitwirkung und Unterstützung der Öffentlichkeit gewiß sein kann, und unsere
Fähigkeit, auf Verbündete zu zählen, die sich uns in einem freien Bund angeschlossen haben.
Die ideologische Anziehungskraft der Sowjetunion im In- und Ausland
ist im Schwinden begriffen. Ihr wirtschaftliches und politisch© System
gilt
heute nirgendwo mehr als ein Modell. Einer der bemerkenswertesten
Aspekte der politischen Isolierung der Sowjetunion besteht vielleicht
darin, daß sie entdecken mußte, wie schwer es ist, rohe militärische
Macht in politischen Gewinn umzumünzen. Wohl hat sie Verbündete, Abhängige
und Helfershelfer, die stellvertretend für sie handeln; dabei handelt es
sich um Zusammenschlüsse, die gewöhnlich auf der Macht der Sowjets, nicht

- 3 -

�&lt;

nicht aber auf gegenseitiger Achtung oder auf dem jeweiligen Eigeninteresse
beruhen.
Die Grenzen für ein offenes und freies politisches Engagement in der
Völkergemeinschaft - Beziehungen, wie wir sie in reichem Maße genießen zwingen die Sowjetunion,sich weitgehend auf ihre Macht zu stützen, wenn es
darum geht, Einfluß zu gewinnen.

Das verleitet die Sowjets dazu, gegenüber

anderen bestimmter aufzutreten und bezüglich ihrer Position ängstlicher
zu sein als andere.

Dies wiederum ist eine Kombination, die unsere Stand-

haft!* gkeit und Entschlossenheit auf eine ernste Probe stellt.

Wir werden

dieser Herausforderung heute gerecht, und wir werden ihr auch in Zukunft
gerecht werden.
Gleichzeitig beginnt die Sowjetunion allmählich zu begreifen, welche
Risiken einem Wettbewerb innewohnen, der so stark von militärischen Gesichtspunkten beeinflußt wird.

Die Sowjetunion ist eine Nation, die die

ganze Wucht des schlimmsten Konflikts unserer modernen Zeit zu spüren
bekommen hat.

Genau wie wir

ist auch die Sowjetunion zu der Erkenntnis

gelangt, daß SALT mithelfen kann, die Risiken einer nuklearen Katastrophe
zu begrenzen, die ein ungehinderter Wettstreit im Bereich der strategischen
Rüstungen auslösen könnte.

Infolgedessen

vermag SALT im größeren Rahmen

der programmierten amerikanischen strategischen Kapazitäten das erforderliche
strategische Gleichgewicht für einen Fortschritt in den politischen Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern zu gewährleisten.
Selbst nach Abschluß dieses SALT-Abkommens werden die wettbewerbsspezifischen Elemente in unseren Beziehungen zur Sowjetunion fortbestehen.
Es wird fortgesetzter und langfristiger Bemühungen bedürfen, um unsere
Interessen und die unserer Freunde zu schützen.

Dieser Wettbewerb aber

läßt sich sicherer und wirksamer steuern, wenn beide Länder die Gefahren
einer nuklearen Konfrontation durch eine verbindliche und beiderseitige
Mäßigung in Grenzen halten.
Was
- 4 -

�Was die beiderseitige Mäßigung auf dem Wege über SALT angeht, machen
wir uns heute Gedanken nicht nur über die Sowjetunion von heute, sondern
auch über die von morgen.

Während der nächsten Jahre wird sich die

sowjetische Führung verändern.

Wir können im voraus nichts über das Wesen

der neuen Führer und die Hauptaspekte der künftigen Sowjetpolitik aussagen.
Wir können aber heute Vorsorge treffen, daß die sowjetischen Führer der
Gegenwart wie die der Zukunft die Politik und die Ziele der Vereinigten
Staaten verstehen:

sowohl unsere Entschlossenheit, unsere Interessen und

jene unserer Freunde und Verbündeten zu schützen, als auch unseren Wunsch,
die Detente und die Zusammenarbeit zu verbreitern.

Wenn sich die nächste

sowjetische Führungsgeneration anschickt, ihre Politik auf dem Gebiet
der strategischen Rüstung und gegenüber den Vereinigten Staaten festzulegen, dann wünschen wir, daß sie in klare, und vertraglich vereinbarte
Beschränkungen im Wettbewerb auf eben diesem Gebiet eingebunden ist. Wir
wünschen, daß dies die Beschränkungen des SALT II-Abkommens sind - nicht
die weit weniger strengen Begrenzungen des SALT I-Interimabkommens.

Sie

soll dann, so wünschen wir überzeugende Beweise an der Hand haben, daß
die Vereinigten Staaten für ihre Interessen eintreten und diese erfolgreich
gegen jede Herausforderung verteidigen werden.

Sie sollen ferner wissen,

daß sie sich mit uns zu dem Zwecke zusammentun können, die Detente und
die Zusammenarbeit auszuweiten.

Das ist eines der entscheidenden Ziele der neuen SALT II-Vereinbarungen:
einen Rahmen schaffen zu helfen, in dem die Sowjetunion ihre künftigen
Beziehungen zu den Vereinigten Staaten sieht, Grenzen zu setzen im Bereich
der strategischen Rüstungen und die Chancen zu mehren, daß Beschränkungen
bei diesen Waffen zu friedlicheren Beziehungen insgesamt führen.

Was

- 5-

�Was ist SALT?
Unsere Ziele in SALT sind denen unserer Wirtschaftsstrategie vergleichbar:

zu größerer Stabilität beizutragen, auf beiden Seiten den

Anreiz zu vermindern, sich nuklearer Streitkräfte zu bedienen, den
Pressionen zum Ausbau der strategischen Rüstungen Grenzen zu setzen

und

unsere nationalen Interessen und die unserer Freunde und Verbündeten zu
schützen.
Der SALT-Vertrag von 1972 begrenzte die Dislozierung ballistischer
Raketenabwehrsysteme (Anti-Bailistic Missiles - ABM) auf beiden Seiten.
Er unterband ein kostspieliges und gefährliches Wettrüsten auf dem Gebiet
der Raketenabwehr, den keine Seite wirklich wünschte, von dem aber beide
fürchteten, daß die Gegenseite im Begriff stehe, ihn vom Zaum zu brechen.
So brachten wir relativ leicht eine umfassende Abmachung zustande, da
eine ausgedehnte Dislozierung von ABMs noch nicht begonnen hatte und
keine Seite sicher sein konnte, ob ihre ABM-Technologie erfolgreich sein
werde.
Die Aufgaben, die sich während der Verhandlungen über eine umfassende
Vereinbarung zur Begrenzung der strategischen Offensivwaffen stellten, waren
weit größer, weil beide Seiten bereits derartige Systeme in großer Zahl
disloziert haben. Ausgeprägte Unterschiede in der Zusammensetzung der
sowjetischen und amerikanischen Offensivstreitkräfte machten es darüber
hinaus äußerst schwierig, Begrenzungen zu formulieren, die ausgewogen
und gerecht zugleich sind.
Wir haben beharrlich verhandelt, und das in Aussicht stehende Abkommen
wird weit über das SALT-Interimsabkommen hinausgehen.

Es ist viel um-

fassender und den strategischen Erfordernissen Amerikas weit besser angepaßt.

Lassen Sie mich einige der wichtigsten Pluspunkte der SALT II-

Vereinbarung hier aufzeigen:
Es setzt
- 6 -

�-

Es setzt zum ersten Mal eine einheitliche Obergrenze für alle
wichtigen interkontinentalen strategischen Trägersysteme und die
wichtigen Unterkategorien der mit unabhängig-zielgesteuerten
Mehrfachgefechtsköpfen ausgestatteten Raketen (MIRVs).

-

Es setzt ferner eine wirksame Obergrenze für die Zahl der Gefechtsköpfe fest, die jede mit Mehrfachgefechtsköpfen ausgestattet
interkontinentale Rakete mit sich führen darf. Das ist von
entscheidender Bedeutung, weil dies unsere strategische Planung
für die Zukunft vereinfacht und uns größere Gewißheit hinsichtlich
unserer militärischen Projektionen gewährt.

-

Das Abkommen beschränkt beide Seiten bis 1985 auf die Entwicklung
und Dislozierung von nur einer völlig neuen Interkontinentalrakete.
Diese Bestimmung wird eine qualitative Ausweitung des Wettrüstens
verhindern und uns dennoch gestatten, eine neue Interkontinentalrakete und auch eine sicherere Methode zur Basierung unserer vorhandenen Interkontinentalraketenkräfte zu entwickeln. Dies ist
notwendig für uns, weil Verbesserungen der sowjetischen militärischen
Kapazitäten die Verletzlichkeit unserer Interkontinentalraketen
vom Typ MINUTEMAN verstärken. Das SALT-Abkommen gibt uns die
Flexibilität, derer wir bedürfen, um dieses Problem zu lösen.

SALT II geht mit allen diesen Bedingungen über SALT I hinaus, indem
es Höchststärken für alle von ihm erfaßten Waffentypen festsetzt. Diese
Bedingung entspricht einer Schlüsselforderung des Senats für die SALT IVerhandlungen,, Das vereinbarte Prinzip der Gleichheit erfordert auf
Seiten der Sowjetunion sogar eine tatsächliche Verminderung der Interkontinentalkräfte. Sie wird mehr als 350 Systeme abbauen müssen - was man
in seiner Bedeutung nicht unterschätzen sollte. Das Abkommen könnte durchaus der Vorläufer für noch beträchtlichere und bedeutsamere Verminderungen
der Rüstung auf beiden Seiten sein.
Im
- 7 -

�Im übrigen läuft der SALT II-Vertrag - das zu wissen, ist wichtig nur bis Ende 1985. Auch wenn unser langfristiges Ziel ein permanenter
Vertrag bleibt, verläuft die Entwicklung von Offensivwaffen auch fernerhin viel zu dynamisch, um vertrauenswürdige Vorhersagen über die Zeit
Ende der achtziger Jahre und darüber hinaus zu treffen.

Immerhin ver-

mindert der SALT II-Vertrag unsere Ungewißheit bezüglich der sowjetischen
Streitkräfte zu Anfang der achtziger Jahre erheblich - in dieser Zeit müssen
wir unsere eigenen strategischen Kräfte verbessern, damit sie einen
eventuellen sowjetischen Angriff überstehen können.

Die notwendigen

Verbesserungen auf unserer Seite wären weit kostspieliger, und wir könnten
weit weniger zuversichtlich hinsichtlich ihres Erfolges sein, wenn die
Begrenzungen nicht zustande kämen, die SALT II den sowjetischen Kräften
auferlegen wird.
Wir haben schon vor langem erkannt, daß SALT II nur von geringem Wert
wäre, wenn wir nicht sicher sein könnten, daß sich auch die Sowjetunion
an seine Bestimmungen hält. Deshalb spielte die Frage der Verifizierung
eine so wichtige Rolle in den Verhandlungen. Der Vertrag spiegelt unsere
diesbezüglichen Besorgnisse wider. Er bekräftigt unmißverständlich, daß
die Verifizierung ein notwendiger Bestandteil von Rüstungskontroll Vereinbarungen im allgemeinen und von SALT II im besonderen ist. Er besagt,
daß nationale technische Mittel zur Verifizierung - zum Beispiel Satellitenaufnahmen - legitime Mittel zur Gewährleistung der Erfüllung des Vertrages
darstellen. Er verbietet sowohl die Störung derartiger Hilfsmittel als
auch vorsätzliche Vertuschungsmaßnahmen, die die Sammlung notwendiger
Informationen behindern könnten. Das Abkommen fordert des weiteren, daß
sich beide Seiten an spezifische Verfahren halten, um eine Verifizierung
zu erleichtern.
Diese Vorkehrungen vermindern die Ungewißheit bezüglich des Ausmaßes
der Bedrohung, der jedes der beiden Länder ausgesetzt ist, erheblich.
Eines der wichtigsten auslösenden Momente für eine Verschärfung des Wett-

�Wettrüstens ist die Ungewißheit hinsichtlich dessen, was auf der Gegenseite vorgeht.

Der SALT Il-Vertrag unternimmt einen entscheidenden Schritt,

diese Ungewißheit zu verringern.
Lassen Sie mich betonen, daß uns der SALT Il-Vertrag die Möglichkeit
bietet, mit der Verbesserung unserer Streitkräfte innerhalb eines Rahmens
der Vorhersagbarkeit und des Vertrauens fortzufahren.

Was SALT nicht ist!
Auf diese Weise wird SALT II unsere Sicherheit stärken und mithelfen,
die Basis für weitere Begrenzungen der strategischen Rüstungen in der
Zukunft zu schaffen.

Eine vernünftige Beurteilung der SALT II-Vereinbarung

setzt aber auch ein klares Verständnis dessen voraus, was sie nicht bringt
und nicht bringen kann.
Allem voran ist der SALT Il-Vertrag keine Vereinbarung, die von
Vertrauen getragen wird. Er trägt sich selbst. Er basiert auf gemeinsamen
Interessen, die ihren Ausdruck in harten Verhandlungen und Kompromissen
gefunden haben. Er gewährleistet die ausreichende Verifizierung der Einhaltung seiner wichtigsten Vorschriften und gründet sich auf die großen
Möglichkeiten der Vereinigten Staaten, auf gegenwärtige wie künftige
militärische Erfordernisse zu reagieren.
Der SALT II signalisiert mit Sicherheit nicht das Ende des Ost-WestWettbewerbs. Wenn unsere Interessen bedroht werden, werden wir sie verteidigen. Und wenn sich die Möglichkeit bietet, die Entspannung ausweiten
und neue Formen der Zusammenarbeit mit der Sowjetunion erreichen zu können,
werden wir sie nutzen.
SALT II bedeutet nicht das Ende des militärischen Wettbewerbs - auch
- 9 -

�auch nicht auf dem Gebiet der strategsichen Waffen

Während der letzten

beiden Jahrzehnte hat die Sowjetunion ihre Streitkräfte auf allen Gebieten
erweitert und modernisiert. Der ständig steigende sowjetische Verteidigungshaushalt beansprucht mehr als zehn Prozent des Bruttosozialprodukts.
Infolgedessen sehen wir uns auf vielen Gebieten in einen militärischen
Wettstreit verwickelt, und wir müssen uns hierauf einstellen.
Der SALT II-Vertrag wird die Erfordernisse hierzu in diesem Bereich dem der strategischen Rüstung
machen.

verringern, sie aber nicht überflüssig

Das dringendste Problem, dem wir uns gegenübersehen, ist die zu-

nehmende Verwundbarkeit unserer Interkontinentalraketen.

Darüber hinaus

müssen wir unsere nuklearen Gefechtsfeldwaffen und unsere konventionellen
Streitkräfte modernisieren und verbessern.

Wir können und werden das tun;

es steht nichts im SALT II-Vertrag, was uns davon abhält, die notwendigen
Schritte unsererseits und im Verein mit unseren Verbündeten zu unternehmen.
Niemand sollte den SALT II-Vertrag als ein Instrument ansehen, das
der Sowjetunion in ihrer Militär- und Außenpolitik oder gar in ihrer
Gesellschaftspolitik im eigenen Land enge Beschränkungen auferlegt. In
unserer nationalen Debatte über SALT stellen manche Beobachter die Frage,
ob wir ein Abkommen unterzeichnen können, das es zuläßt, daß die Sowjetunion im Ausland gegen unsere Interessen handelt und im eigenen Lande die
Anerkennung der Menschenrechte verweigert. Diese Stimmen bestehen mithin
auf ein Junktim.
Unsere Haltung zur Frage eines solchen Junktims ist klar: Beschränkunge
der strategsichen Rüstungen sind auch für sich allein wünschenswert. Die
Suche nach derartigen Beschränkungen sollte nicht als Pfand für andere
amerikanische oder sowjetische politische Aktionen oder für die Zusammenarbeit zwischen uns benutzt werden. Wir akzeptieren überhaupt kein derartiges Junktim - auch nicht, beispielsweise, ein Junktim zwischen einer
engeren amerikanisch-chinesischen Zusammenarbeit bei der Lösung einer Reihe

- 10 -

�Reihe unterschiedlicher Probleme und SALT und wir würden auch alle
sowjetischen Bemühungen energisch zurückweisen, einen solchen negativen
Zusammenhang herzustellen.,

Aus dem gleichen Grund dürfen wir nicht

darauf bestehen, daß uns die Sowjetunion - als Vorbedingung für eine
Vereinbarung mit den Vereinigten Staaten bezüglich der Beschränkung der
strategischen Rüstungen - in Angelegenheiten entgegenkommt, die uns
Sorge bereiten.

Ein solches Junktim zu verlangen liefe darauf hinaus,

daß kein Problem der sowjetisch-amerikanischen Beziehungen gelöst werden
kann, solange nicht alle anderen wichtigen Streitfragen gleichzeitig bereinigt werden können

Das ist kein Rezept für die Führung der Politik,

sondern für deren völlige Paralysierung,,
Demgemäß besteht unsere Aufgabe darin, eine gute SALT-Vereinbarung
zustandezubringen und sowjetischen Herausforderungen in angemessener Weise
zu begegnen, wo und wann immer es zu solchen kommen mag.

Argumente der Kritik und deren Widerlegung
In den vor uns liegenden Wochen wird der SALT II-Vertrag Gegenstand
eingehender Erörterungen im Senat und im Volk der Vereinigten Staaten sein ein normaler Vorgang in einem demokratischen Land. Eine Vereinbarung
auszuhandeln, die jedermanns Beifall findet, ist unmöglich. Die Kritiker
des SALT II-Vertrags werden zahlreiche Einwendungen vorbringen. Es dürfte
meines Erachtens die Atmosphäre klären, wenn ich hier versuche, auf einige
der häufigsten kritischen Einwände gegen diese Vereinbarung einzugehen.
Man wird behaupten, das Abkommen gehe nicht weit genug, die Obergrenzen seien zu hoch und die Beschränkungen zu bescheiden.

Ich darf

Ihnen versichern, daß niemand dieserKritik aufrichtiger beipflichtet
als Präsident Carter,

Er erkennt jedoch - und das müssen wir alle tun -, daß

- 11 -

�daß das Streben nach dem Besten nicht der Erzielung des Guten im Wege
stehen darf.

Die Ergebnisse des SALT Il-Vertrags sind nützlich und real.

Sie verbessern die Aussichten auf Frieden und Stabilität weit über das Maß
hinaus, das im Falle des Fehlens dieses Vertrags bestünde«

Der Weg zu

ehrgeizigeren Beschränkungen der strategsichen Rüstungen führt über die
Billigung dieser Vereinbarungen zu noch weitergesteckten Zielen,
Gewisse Kreise werden argumentieren, dieses Abkommen verurteile unser
Land - trotz des Prinzips der Gleichheit, auf dem dessen entscheidende
Bestimmungen beruhen - zu einem gewissen Maß an strategischer Inferiorität
Meiner Auffassung nach ist diese Kritik unverdient schwarzseherisch und
ich möchte auch klarstellen, warum:
-

Man wird sagen, der Vertrag gestehe der Sowjetunion sehr schwere
Raketen zu, während unsere sehr viel leichter sind. Wir waren
jedoch nie daran interessiert, schwere Raketen zu bauen und verlassen
uns hierbei auf unseren qualitativen Vorsprung, Es ist uns zudem
gelungen, in SALT II wirklich wichtige Beschränkungen bezüglich der
Nutzung der schweren Raketen seitens der Sowjets zu erzielen,
dergestalt, daß die Zahl der Gefechtskbpfe, die diese mit sich
führen können, begrenzt wird;

-

man wird sagen, die Vereinbarung schließe die sowjetischen BackfireBomber nicht ein, die die Vereinigten Staaten erreichen können.
Die Vereinbarung erlegt uns aber auch keine Beschränkung bezüglich
unserer in Großbritannien stationierten Bomber vom Typ F-lll und
anderer Flugzeuge auf, die wir gegen die Sowjetunion einsetzen
könnten; und

-

man wird sagen, die Vereinbarung verfüge Beschränkungen bezüglich
der Marschflugkörper, die für uns wichtiger als für die Sowjetunion
sind.

Es ist uns jedoch gestattet, eine umfangreiche Flotte

�Flotte von luftgestützten Marschflugkörpern beliebiger Reichweite
aufzubauen.

Die Begrenzungen bezüglich see- und landgestützter

Marschflugkörper werden zudem vor dem Zeitpunkt erlöschen, vor dem
wir derartige Geräte dislozieren könnten.
Ich führe diese Beispiele - die sich noch vermehren lassen - hier aus
einem einfachen Grunde an: Wir haben für jeden Vorteil, den wir der Sowjetunion zugestanden, einen Vorteil dazugewonnen oder beibehalten. Und dort,
wo sowjetische Kapazitäten ein echtes militärisches Problem darstellen, bleibt
es uns freigestellt, innerhalb der Bestimmungen der Vereinbarung angemessene
Gegenmaßnahmen zu treffen und unsere Sicherheit zu gewährleisten. Das ist
genau das, was ein gutes und gerechtes Abkommen ausmacht: Nicht die
Symmetrie der Systeme, sondern ein Rahmen für gleichgewichtige Sicherheit.
Darüber hinaus wird sich die Kritik am SALT II-Vertrag auf die Frage
konzentrieren, ob er hinreichend verifiziert werden kann. Wir sind
vollkommen zuversichtlich, das dies der Fall sein wird. Wir verfügen über
ein umfangreiches Arsenal hochtechnischer und sehr kostspieliger Mittel,
um entdecken und beobachten zu können, was die Sowjetunion hinsichtlich
ihres strategischen Programms unternimmt. Diese Mittel unterstehen samt
und sonders unserer eigenen Kontrolle; sie gestatten es uns, nicht einfach
auf den guten Willen der Sowjets zu bauen. Diese Mittel schaffen einen
Ausgleich für einen der wichtigsten Unterschiede zwischen unseren beiden
Systemen, zwischen unserer offenen und ihrer geschlossenen Gesellschaft.
Wir können viele Aspekte der Entwicklung, Erprobung, Produktion, Dislozierung,
Ausbildung und Operationen der sowjetischen strategischen Streitkräfte beobachten - trotz der Abgeschlossenheit der sowjetischen Gesellschaft und
trotz der Tatsache, daß die Sowjets auf Geheimhaltung versessen sind.
Sicherlich kann kein Mittel der Verifizierung absolut vollkommen
sein. Dennoch können wir unter größten Anstrengungen - unter Benutzung
der fortschrittlichsten Technologie und dank der Tüchtigkeit einiger

- 13 -

�einiger zehntausender unserer bestausgebildeten Mitbürger - zuversichtlich
sein, Jaß uns jede signifikante Verletzung der SALT II-Vereinbarung lange
vor dem Zeitpunkt zur Kenntnis gelangen wird, an dem wir auf sie militärisch
zu reagieren hätten. Und im SALT II-Vertrag wird auch der Fortbestand der
Ständigen Konsultativkommission in Genf gewährleistet, an die wir uns wie auch die Sowjetunion - in allen Fragen bezüglich der Erfüllung des
Vertrags wenden können.
Bei den Verhandlungen zu SALT II war es von entscheidender Wichtigkeit
für uns, die Sicherheit und das Interesse unserer NATO-Verbündeten ebenso
zu wahren, wie unsere eigenen.

Wir haben bezüglich SALT II bei jedem Schritt

Konsultationen mit unseren Verbündeten mit einer Gründlichkeit und Intensität
gepflegt, die fast ohne Beispiel waren.
Wir haben unseren Verbündeten versichert, daß ihre Interessen in diesem
Vertrag voll gewahrt bleiben. Der beste Beweis für den Erfolg unserer
fortgesetzten Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten in bezug auf SALT II
dürften wohl deren Reaktionen hierauf sein: Das nachhaltige Eintreten für
den Vertrag seitens alliierter Spitzenpolitiker einschließlich der öffentlichen
Erklärungen von Bundeskanzler Schmidt, Premierminister Callaghan und
Präsident Giscard auf Guadeloupe.
Wir sind ferner entschlossen, dafür Sorge zu tragen, daß die Fortführung des SALT-Prozesses unsere Aufmerksamkeit nicht von der anhaltenden
Herausforderung durch die sowjetische Militärmacht ablenkt, oder unsere
Entschlossenheit untergräbt, dieser Herausforderung zu begegnen. Diese
Entschlossenheit steht in keinem Zusammenhang mit dem inneren Wert der
vorgeschlagenen Vereinbarung, sondern beruht auf unserer Vernunft und
unseren nationalen Willen.
i

Mit oder ohne SALT II werden wir - mit dieser Vereinbarung oder jeder
denkbaren Alternative - auch in Zukunft vor der Aufgabe stehen, uns ein

�ein Urteil über die militärische Herausforderung für die Vereinigten Staaten
und unserer Verbündeten zu bilden und hierauf mit wirksamen Gegenmaßnahmen
zu antworten.

Wir müssen in jedem Falle nüchterne und realistische Vorsorge

für die gemeinsame Verteidigung treffen.

Und wir werden dies auch in jedem

Falle tun.
Im Verlauf der nächsten Jahre werden wir eine Reihe schwieriger Entscheidungen bezüglich der Position unserer Streitkräfte auf mehreren Gebieten treffen müssen. Wir werden diese Entscheidungen in der nüchternen
Erkenntnis treffen, daß die Vereinigten Staaten eine militärische Stärke
beibehalten müssen, die ausreicht, um vor jedem Angriff auf uns und unsere
Verbündeten abzuschrecken und uns in die Lage versetzt, jedem Angriff
welcher Größenordnung auch immer - sollte es zu einem Angriff kommen - entgegenzutreten und unsere Interessen und die unserer Freunde und Verbündeten
überall auf der Welt zu verteidigen.

Die Zukunft von SALT
Die SALT II-Vereinbarung ist ein entschiedener Schritt in Richtung auf
eine Beschränkung der strategischen Rüstungen - aber eben nur ein Schritt.
Deshalb werden wir in Zukunft hinsichtlich einer vielschichtigen Tagesordnung
zu Fragen der Rüstungskontrolle - einschließlich erheblicher Verringerungen
der strategischen Waffen, weitergehende"qualitativer Rüstungsbeschränkungen
und laufender Verbesserungen unserer Fähigkeit zur Verifizierung von
Rüstungsbegrenzungsvereinbarungen - prompt handeln müssen. Wir werden bei
jedem Schritt auf diesem Wege eng mit unseren NATO-Verbündeten zusammenarbeiten, um sicherzustellen, daß unsere Anstrengungen in bezug auf SALT III
ihre wie unsere Sicherheit gleichermaßen mehren werden.
Wir werden uns weiterhin um zusätzliche und bessere Vereinbarungen
auf dem Gebiet der Rüstungsbeschränkungen bemühen.
- 15 -

Und wir werden auch nicht

�nicht zögern, jedes Verteidigungsprogramm einzustellen, dessen militärische
Erfordernisse durch erfolgreiche Rüstungsbegrenzungsvereinbarungen wirksam
und auf sichere Art und Weise gewährleistet werden können.
Letztlich müssen wir bei einer Beurteilung des SALT II-Vertrags stets
dessen eingedenk bleiben, was damit erreicht wird.

Der SALT-Prozeß ist ein

in der Geschichte der Menschheit bisher einmaliges Unterfangen.

Nie zuvor

haben sich zwei unterschied! ich geartete und im Wettstreit miteinander liegende
Großmächte an Anstrengungen oeteiligt, die geeignet sind,ihre Aktionsfreiheit
in Fragen ihres eigenen Überlebens und des Überlebens der Menschheit einzuengen.

Nie zuvor haben sich zwei solche Mächte zu der Vorstellung bekannt,

daß ihnen aus gegenseitiger Mäßigung beim Aufbau ihrer zerstörerischsten
Waffen größere Sicherheit erwachsen kann als aus der Fortführung eines uneingeschränkten Wettbewerbs.

Diese gemeinsame Erkenntnis basiert nicht auf

Vertrauen oder auf einer Blindheit gegenüber unserer tiefen und anhaltenden
Meinungsverschiedenheiten.
Sie ist vielmehr die Einsicht in die entscheidende Wichtigkeit einer
Verminderung der strategischer, Unsicherheit
und der Gefahren einer
nuklearen Krise und der Zerstörung. Unsere Bemühungen um die Kontrolle
der Nuklearwaffen werden auch künftig schwierig, aufreibend und ungewiß
sein. Sie werden Geduld, Klugheit und Anstrengungen ohnegleichen erfordern,
wollen wir zu einem gesunden Urteil gelangen. Sie werden mir meines Erachtens
beipflichten, daß dies lohnende Anstrengungen sind, die sich auf Ziele
richten, deren Erreichung für uns und die gesamte Menschheit von lebenswichtiger Bedeutung ist.

+ + + + +

- 16 -

�IfiHfWi
I

14

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

18. April 1979

US-VERTEIDIGUNGSMINISTER LEGT DIE MILITÄRISCHEN ASPEKTE VON SALT II DAR
- Wortlaut der Ansprache vom 5. April 1979 -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Verteidigungsminister Harold
Brown hat am 5. April 1979 in einer Rede vor dem Rat für Auswärtige Beziehungen und der Gesellschaft für Außenpolitik in New York die militärischen
Aspekte des in Bälde zu erwartenden SALT II-Abkommens dargelegt. Seine Ausführungen haben folgenden Wortlaut:
Ich freue mich über diese Gelegenheit, heute zu Ihnen über die Begrenzungen der strategischen Rüstungen und die nationale Verteidigung
sprechen zu können. Ich bin der Überzeugung - und ich glaube, der Präsident
und viele von Ihnen werden zustimmen - daß das anstehende SALT-Abkommen
mit der Sowjetunion das bedeutsamste bilaterale Übereinkommen zwischen den
globalen Supermächten in den siebziger Jahren sein wird.
SALT ist heute ein Bestandteil des Gefüges der internationalen Beziehungen. Es ist ein Element der Stabilität und zwar nicht nur in
militärischer Hinsicht, sondern im weltweiten politischen Gleichgewicht,

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Gleichgewicht.

Die Erfahrung hat gezeigt, daß SALT allein weder den

politischen Wettstreit zwischen

uns und der Sowjetunion beenden noch all

unsere Hoffnungen auf Kooperation oder all unsere Bedürfnisse nach strategischer
Sicherheit erfüllen kann. Aber - wie es der Sicherheitsberater des
Präsidenten gestern sagte - es ist notwendig für ein kluges Management
beider Aspekte unserer Beziehungen.
Wegen dieser tiefen Bedeutung des Abkommens ist es von entscheidender
Bedeutung, daß die öffentliche Debatte über seinen Wert nicht nur gründlich,
sondern auch wohl informiert geführt wird.

Wenn ich heute hier spreche, so

hoffe ich, zu diesen beiden wesentlichen Punkten einen Beitrag leisten zu
können.
•

.

.

•

,

.

.

.

'

Lassen Sie mich meine Erörterungen über SALT und die nationale Verteidigung damit beginnen, daß ich Ihnen über den Status der Verhandlungen
berichte.

Obwohl wir einem Abkommen sehr nahe sind, bleiben doch zumindest

noch zwei oder drei wichtige Probleme - speziell jene, die die Verifizierung
und die Begrenzung der neuen Raketen betreffen - und zwar Probleme von
solcher Bedeutung, daß wir sicher sein müssen, daß sie zufriedenstellend
gelöst werden konnten, ehe wir das Vertrauen haben können, daß ein SALT IIAbkommen Zustandekommen kann.

Ob - und daher auch wann - ein Abkommen

erzielt werden kann, hängt weitgehend von der Aushandlung dieser Fragen ab.
Die Aussichten dafür sind nach meiner Ansicht auch weiterhin gut.
Unter unserem Regierungssystem wird die endgültige Entscheidung der
Vereinigten Staaten, ob ein Vertrag wirksam wird oder nicht, vom Senat
gefällt. So wird denn die formelle Debatte über die Ratifizierung im
Senat geführt werden und erst beginnen, wenn der Vertrag unterzeichnet
und dem Senat unterbreitet worden ist. Praktisch gesehen aber hat die
Debatte über SALT II bereits begonnen und ist faktisch schon so lange im
Gange wie die Verhandlungen selbst, ja sogar noch länger, Darüber hinaus
ist es eine Debatte, die weitreichend ist und sich mit Recht auf unsere

�unsere umfassenderen Ziele und Programme der strategischen Politik sowie
auf die Bestimmungen des Abkommens selbst gerichtet hat.
Ich glaube, die Kernfrage, die jeder von uns beantworten muß, betrifft
das Abkommen selbst: wird die Billigung dieses Abkommens die Vereinigten
Staaten sicherer machen, als sie es ohne ein solches Abkommen oder bei
seiner Ablehnung sein würden? Diese Frage aber kann nur beantwortet - und
SALT nur dann richtig bewertet - werden, wenn sie im Zusammenhang gesehen
wird mit:

den Zielen und der Politik der Vereinigten Staaten in der Frage

der strategischen Waffen; mit dem Status des amerikanisch-sowjetischen
Gleichgewichts, wie es jetzt besteht

und wie wir es für die Zukunft erwarten,

und mit den Programmen, die wir unternommen haben, um unsere strategische
Politik durchzuführen.

Die sowjetische Herausforderung
Unsere nationale Sicherheit beruht auf weitaus mehr als nur unserer
militärischen Stärke. Das militärische Gleichgewicht ist nur ein Teil allerdings ein entscheidend wichtiger Teil - unserer nationalen Sicherheits
Position in ihrer Gesamtheit. Es besteht kein Zweifel, daß die sowjetische
militärische Macht heute weitaus größer ist, als sie es in den sechziger
Jahren war, und zwar sowohl absolut gesehen als auch im Verhältnis zu
unserer eigenen. Die sowjetischen militärischen Ausgaben haben in jedem
der letzten fünfzehn Jahre ständig zugenommen. Nach unseren derzeitigen
Schätzungen müßten wir 40 Milliarden Dollar mehr aufbringen, als wir jetzt
in jedem Jahr für unsere Verteidigung ausgeben, um militärische Streitkräfte und Programme von dem Umfang und der Art zu unterhalten, wie sie
die Sowjets verfolgen.
Das militärische Gleichgewicht zwischen Ost und West ist heute in

- 3 -

�in etwa ausgewogen - wobei aber beunruhigende Tendenzen sowohl auf dem
Gebiet der strategischen wie taktischen Nuklearwaffen in Erscheinung
treten.

Es ist nicht das derzeitige Gleichgewicht, sondern vielmehr der

mächtige Impuls der sowjetischen strategischen Programme, der Anlaß zu
Besorgnis gibt.
Trotz der sowjetischen militärischen Leistungen und Errungenschaften
verfügt die Sowjetunion in nuklearer Hinsicht über keinen militärischen
Vorteil;

sie ist nicht in der Lage, ihre strategischen Waffen zum Einsatz

zu bringen oder einen Kurs zu steuern, der zur Anwendung von Kernwaffen
führen könnte, ohne sich selbst unannehmbaren Risiken auszusetzen.

Ein

strategisches Gleichgewicht besteht heute, weil die Abschreckungskräfte
auf beiden Seiten im wesentlichen gleichwertig sind.

Keine der beiden

Seiten könnte einen Erstschlag führen, der die andere Seite daran hindern
würde»mit einer Vergeltung von verheerenden Ausmaßen zu antworten.

Keine

Seite kann die andere wirksam mit ihren strategischen Streitkräften einschüchtern.
Angesichts dieser Umstände der sowjetischen Herausforderung und
Konkurrenz verfolgen wir - und müssen wir auch weiterhin verfolgen zwei sich ergänzende Kurse des Handelns.
Der erste Kurs besteht darin, innerhalb der Einschränkungen von
SALT zu gewährleisten, daß unsere strategischen Streitkräfte in der Lage
sind, unsere Verteidigungsziele trotz der anhaltenden strategischen
Aufrüstung der Sowjets zu erreichen. Der Verteidigungshaushalt 1980
und unser Fünfjahresprogramm für die Verteidigung für 1980-84 dienen
diesem Zweck.
Der zweite Kurs besteht darin, im Rahmen eines SALT II-Abkommens
spezifische und verifizierbare Bestimmungen zu erreichen, die die
strategischen Streitkräfte der Sowjets als Teil des Prozesses der
Begrenzung eines weiteren strategischen Wettrüstens zwischen den Vereinigten
- 4 -

�Vereinigten Staaten und der Sowjetunion einschränken,

Die amerikanischen Ziele
Der Planung der strategischen Streitkräfte der USA liegen zwei
Konzeptionen zu Grunde:
Abschreckung und wesentliche Gleichwertigkeit.
Die Abschreckung vor einem Nuklearkrieg ist unser fundamentalstes
Verteidigungsziel» Eine glaubwürdige Abschreckung kann nur erreicht werden,
wenn wir die militärische Stärke besitzen, die notwendig ist, unsere Gegner
davon zu überzeugen, daß sie - wie immer die Umstände sein mögen - wenn sie
einen Kurs des Handelns einschlagen, der zum Krieg führen könnte, entweder:
-

einen unannehmbaren Preis für die Erreichung ihres Zieles bezahlen
müssen;

-

oder daß

ihre Anstrengungen zur Erreichung dieses Zieles vereitelt werden.

Unsere Grundstrategie erfordert, daß wir in der Lage sind, einem
potentiellen Gegner solchen Schaden zuzufügen, daß - wie die Umstände auch
immer sein mögen - der Schaden, mit dem er rechnen muß, ihn von einem
Angriff auf die Vereinigten Staaten, unsere Verbündeten oder unsere lebenswichtigen Interessen abhält. Um das zu erreichen, brauchen wir vor allem
eine überlebensfähige Kapazität, die Industrie und die Städte der Sowjetunion zu zerstören. Gewährleistete Zerstörungskapazität - um das handelt
es sich bei dem, was ich gerade ausgeführt habe - ist das Fundament der
nuklearen Abschreckung. Es genügt jedoch nach meiner Auffassung nicht
allein als strategische Doktrin. Massive Vergeltung mag nicht angebracht

- 5 -

�angebracht sein,noch wird ihre Erwartung immer ausreichen glaubwürdig
sein, um vor dem ganzen Bereich von Aktionen abzuschrecken, die wir zu
verhüten versuchen.
Wir brauchen Kapazitäten, die in überzeugender Weise in der Lage sind
und bei denen man unter allen Umständen, die die Sowjets als realistisch
betrachten, damit rechnen muß, den Schaden zu
als wirklich abschreckend betrachten.

verursachen, den die Sowjets

Um es anders auszudrücken, die

Vorstellungen jener, die wir abschrecken wollen, können bestimmen, was
für die Abschreckung unter den verschiedenen Umständen notwendig ist.
Für eine voll wirksame Abschreckung müssen wir in der Lage sein, auf der
angemessenen Ebene auf die Art und das Ausmaß eines sowjetischen Angriffs
reagieren zu können.

Voll wirksame Abschreckung erfordert Streitkräfte

einer ausreichenden Größe und Flexibilität, selektiv einen Bereich von
militärischen und anderen Zielen angreifen zu können und uns in die Lage
zu versetzen, bedeutende Reserven zurückzubehalten.
Diese Fähigkeit zu einer angemessenen Vergeltung als Antwort auf
Angriffe unterhalb der Schwelle des totalen Angriffs - und damit die
Fähigkeit, die Sowjets von der Vorstellung abzuhalten, sie könnten auf
irgendeiner Ebene des nuklearen Konflikts einen echten Vorteil herausschlagen - ist für eine glaubwürdige Abschreckung wesentlich.
Aber welche Zweifel man auch immer haben mag, ob ein Nuklearkrieg
in Grenzen gehalten werden könnte - und ich selbst habe schwere Zweifel
daran - so wäre es doch der Gipfel der Torheit, die Vereinigten Staaten
in eine Position zu bringen, in der die unkontrollierte Eskalation der
einzig mögliche Kurs des Handelns wäre.
Nach allen vernünftigen Maßstäben verfügen wir heute über eine
glaubwürdige Abschreckung, und wir werden auch in der absehbaren Zukunft
über eine solche verfügen. Wir besitzen - und werden sie auch weiterhin
besitzen - überlebensfähige Streitkräfte, die selbst nach einem totalen

�totalen Überraschungsangriff noch in der Lage sind, den sowjetischen
Städten und dem sowjetischen Industriepotential massive Zerstörungen zuzufügen.

Und wir besitzen auch - und in den kommenden Jahren in zunehmendem

Maße - sowohl die Streitkräfte als auch die Ziel- und Einsatzpolitik, die
eine selektive Anwendung nuklearer Macht erlauben, um auf begrenztere
Provokationen reagieren zu können. Die rasche sowjetische Aufrüstung der
strategischen Streitkräfte während der letzten zehn Jahre im Vergleich zu
unseren bescheideneren Verbesserungen der Streitkräfte sollten die grundlegende Stärke und Glaubwürdigkeit unserer Abschreckung nicht verwischen.
Die Probleme, vor denen wir stehen - besonders was die wachsende Verwundbarkeit unserer Interkontinentalraketen (ICBM) in festen Silos anbetrifft - zwingen uns keineswegs, zwischen Total angriff auf Städte auf der
einen und der Kapitulation auf der anderen Seite zu wählen. Unsere
Kapazität, selektive Schläge gegen militärische und andere Ziele zu führen
und gleichzeitig eine Reserve aufrechtzuerhalten, ist heute groß und wird
in der Zukunft trotz Verwundbarkeit der ICBM wachsen.
Wesentliche Gleichwertigkeit - unser zweites generelles Ziel unterscheidet sich etwas von glaubwürdiger Abschreckung.

Sie ist ein

mögliches Kriterium für eine solche Abschreckung, vor allem wenn wir
wollen, daß unsere Nuklearstreitkräfte einen Effekt haben, der über die
Abschreckung vor einem totalen strategischen Überraschungsnagriff hinausgeht.

Wenn man sich wesentliche Gleichwertigkeit als Ziel setzt, dann

spiegelt das die Realität wider, daß Nuklearstreitkräfte, wie andere
Streitkräfte, eine weitergefaßte politische Rolle haben, die nicht ausschließlich durch technische, strategische (numerische) oder sogar dynamische
(kriegsplanerische) Berechnungen der militärischen Kapazität bestimmt wird.
Solange

unser Verhältnis zur Sowjetunion mehr konkurrierend als ko-

operativ ist - und das ist, was das Militärische anbetrifft, eindeutig
der Fall - ist die Aufrechterhaltung der wesentlichen Gleichwertigkeit der

- 7 -

�der strategischen Streitkräfte notwendig, um zu verhindern, daß die
Sowjets aus einem tatsächlichen oder eingebildeten strategischen Ungleichgewicht politische Vorteile ziehen.
Wesentliche Gleichwertigkeit verlangt daher, daß unsere Streitkräfte
nicht nur pari mit denen der Sowjetunion sind, sondern auch die Einsicht,
daß dem so ist.

Wir brauchen - und wir sollten - die sowjetischen Streit-

kräfte nicht imitieren im Sinne einer unausweichlich

nutzlosen, ungeheuer

kostspieligen und potentiell sehr gefährlichen Anstrengung, auf jedem nur
vorstellbaren Index der strategischen Macht mit den Sowjets gleichzuziehen
oder sie gar zu übertreffen.

Wenn wir jedoch sagen, daß wir einige "Lücken"

dulden können, die durch amerikanische Vorteile im Bereich anderer Maßnahmen
ausgeglichen werden, dann heißt das nicht, daß wir ein Ungleichgewicht insgesamt tolerieren können, sei es real oder eingebildet.
Heute existiert eine wesentliche Gleichwertigkeit.

Während die

Sowjets einige Vorteile haben, beispielsweise beim Wurfgewicht der ICBM
und der Megatonnage der Gefechtsköpfe, haben wir ausgleichende Vorteile,
was die Zahl der Gefechtsköpfe, die Treffsicherheit und die Kapazität
der Unterseebootbekämpfung angeht.
Was jedoch am wichtigsten ist, bleibt die Tatsache, daß zwar niemand
den Ausgang eines nuklearen Schlagabtausches voraussagen kann, daß aber
weder wir noch die Sowjets aus einem solchen Konflikt in vernünftigem Sinne
etwas gewinnen könnten.
Es ist einer kurzen Überlegung wert, ob diese Ziele ehrgeizig genug
sind:
-

Sollten wir uns mit Gleichwertigkeit und damit zufrieden geben,
durch Abschreckung sowjetische Handlungen zu

verhindern?
Sollten

- 8 -

�-

Sollten wir statt dessen unsere Ressourcen und unsere Technologie
ausschlachten, um eine strategische Überlegenheit zu gewinnen?

Zunächst einmal erwies sich eine massive numerische Überlegenheit bei
den strategischen Streitkräften, selbst als wir sie in den fünfziger und
sechziger Jahren besaßen, nicht als ein Wundermittel für unsere militärischen
Erfordernisse und noch weniger für unsere diplomatischen Probleme.

Wir und

unsere Verbündeten brauchten starke konventionelle Streitkräfte für unsere
Sicherheit,

Die potentielle Nutzlosigkeit jedes Strebens nach Überlegenheit stammt
nach meiner Meinung aus den Realitäten der Nuklearwaffentechnik und den
bilateralen Beziehungen der Supermächte.

Die Technologie moderner Nuklear-

waffen ist derart, daß Gleichwertigkeit ein realistisches Ziel ist, Überlegenheit hingegen nicht, wenn man davon ausgehen muß, daß die andere Seite
letztere unbedingt verhindern will.

Jede Supermacht kann durch Maßnahmen,

die durchaus im Rahmen ihrer technischen und wirtschaftlichen Fähigkeiten
liegen, die andere daran hindern, einen totalen Vorteil zu erringen, geschweige denn eine Übermacht.

Das System balanciert sich nicht selbst aus,, Weder Gleichwertigkeit
noch Abschreckung werden automatisch aufrechterhalten.

Wenn wir eine

Unterlegenheit vermeiden wollen, dann müssen wir den Willen und die
Entschlossenheit haben, die Dinge zu tun, die uns in die Lage versetzen
werden, das strategische Gleichgewicht aufrechtzuerhalten.

Denn wenn es

den Sowjets jemals gelänge, eine Überlegenheit zu erreichen, dann würden
sie nach meiner Überzeugung alle Anstrengungen unternehmen, das politisch
und sogar militärisch auszunutzen.

Ich bin überzeugt, daß wir auch weiter-

hin den Willen und die Entschlossenheit an den Tag legen werden, die Sowjets
daran zu hindern, eine Überlegenheit zu erlangen.

Aber ich glaube, es

wäre ebenso falsch, davon auszugehen, daß die Sowjets, würden sie zu einem
Wettlauf um die Überlegenheit herausgefordert, uns einen solchen Vorteil
passiv überlassen würden.
Kurz
- 9 -

�Kurz gesagt, Gleichwertigkeit und Abschreckung sind gleichzeitig
unsere maximal erreichbaren - und minimal tragbaren - Ziele.

Und derzeit

entsprechen unsere Streitkräfte diesen Zielen.
Aber auch wenn das derzeitige Kräfteverhältnis im Sinne unserer
Zielsetzungen der Gleichwertigkeit und der Abschreckung ausreichend ist,
so wird uns doch die Zukunft Herausforderungen bringen, die wir nicht
gefahrlos ignorieren können.

Wenn wir heute ein zufriedenstellendes

Verhältnis zur Sowjetunion haben, wie sieht es morgen aus, weniger
schwülstig ausgedrückt, wie wird sich das strategische Gleichgewicht
während der Planungshorizonte gestalten, von denen wir vernünftigerweise
ausgehen können?
Einige Trends verursachen echte Besorgnis. Die Sowjets holen in
einer Reihe von entscheidenden Gebieten auf, vor allem auf den Gebieten
der Treffsicherheit und der Zahl der ballistischen Raketen (mit Wiedereintritt). Darüber hinaus können die Verbesserungen, die die Sowjets
auf dem Gebiet der weiter reichenden Gefechtsfeldnuklearstreitkräfte vorgenommen haben, von großer Bedeutung werden, da das zentrale Kräfteverhältnis ausgeglichener wird. Ferner könnte die zunehmende Verwundbarkeit
unserer landgestützten Raketenstreitmacht Anfang der achtziger Jahre,
wenn sie nicht korrigiert wird, zu einer Vorstellung von einer strategischen
Unterlegenheit der USA beitragen, die stark negative politische Konsequenzen und potentiell destabilisierende militärische Konsequenzen haben könnte.
Wenn wir die Herausforderungen betrachten, die die Sowjets auf dem
strategischen Gebiet stellen, dann dürfen wir nicht vergessen, daß die
Vereinigten Staaten nicht untätig waren. In den letzten zehn Jahren
haben wir mehr als ein Tausend Raketen mit Mehrfachgefechtsköpfen disloziert
und damit die Zahl unserer Raketen-Gefechtsköpfe um fast das Vierfache
erhöht. Die Kurzstrecken-Angriffsrakete (SRAM) hat die Kapazität unserer
B-52-Bomberstreitmacht verstärkt. Darüber hinaus haben wir Programme,
um jedes der drei Elemente der amerikanischen Triade der strategischen
- 10 -

�strategischen Streitkräfte zu verbessern:
-

In diesem Jahr werden wir mit der Einführung der neuen Trident
C4-Rakete bei unserer Unterseebootflotte beginnen

Ferner werden

die ersten neuen Trident-Unterseeboote Ende 1981 ihren Dienst aufnehmen.

Sie werden leiser sein - und damit akustisch schwerer zu

orten - und werden in der Lage sein, länger auf ihren Positionen zu
bleiben.

Wir beginnen auch mit den Arbeiten an einer wesentlich

verbesserten Trident II-Rakete für Unterseeboote.
-

Unsere Programme für Marschflugkörper (Cruise Missiles) werden die
Wirksamkeit des Bomber-Elements der Triade beträchtlich steigern.
Flugzeuge vom Typ B-52, die in der Lage sind, die sowjetische
Luftverteidigung zu durchdringen, werden weiterhin zur Lebensfähigkeit
des bemannten Bomber-Elements der Triade bis Ende der achtziger Jahre
beitragen. Wir arbeiten an der Technologie für Bomber und Marschflugkörper auf längere Sicht,

-

Wir verbessern Treffsicherheit und Wirkung bei den MinutemanVerbänden. Wir bemühen uns um eine besser gegen Zerstörung geschützte mobile Basis für einen Teil der Interkontinental-Raketenstreitkräfte und werden dabei unter einer Reihe von Optionen die
Wahl treffen, um auf diese Weise das Problem der Verwundbarkeit
zu meistern.

Für die MX-Rakete wurden zu diesem Zwecke die Finanz-

mittel für die technische und konstruktionsmäßige Weiterentwicklung
für das im Oktober beginnende neue Finanzjahr bereitgestellt.
Zusammenfassend läßt sich über die derzeitige Situation sagen:

Trotz

des von den Sowjets in militärischer Hinsicht Erreichten besitzen weder die
Sowjetunion noch die Vereinigten Staaten einen klaren militärischen Vorteil, und wir wollen, daß es dabei auch bleibt.

Unsere Programme sind hierzu

ausreichend, wenn wir vom Kongress die Unterstützung erhalten, indem er die

- 11 -

�die für ihre Durchführung notwendigen Mittel zur Verfügung stellt.

Die Rolle der Rüstungskontrolle
Die strategische Rüstungskontrolle ist ein wichtiger Weg, auf dem wir
die militärischen Herausforderungen, vor denen wir stehen, begrenzen können.
Sie ist daher ein integraler Teil unserer Gesamtanstrengungen zur Verwirklichung unserer nationalen Sicherheitsziele.

Daher sollten die SALT II-

Abkommen vom Kongress und von der amerikanischen Öffentlichkeit zuallererst
hinsichtlich des Beitrags, den sie zu unserer Sicherheit und der unserer
Verbündeten leisten, beurteilt werden.

Und im Sinne dieses Kriteriums will

ich heute vor Ihnen die Schwerpunkte meiner Bewertung dieses Abkommens
setzen.
Wir sollten uns jedoch bewußt sein, daß neben dem spezifischeren
militärischen Sicherheitsproblem der Wert von SALT und den SALT-Verhandlungen
noch in einem umfassenderen politischen Zusammenhang einzuschätzen ist.
Bei diesem umfassenderen Zusammenhang geht es auch um unsere Rolle als
Führungsmacht im atlantischen Bündnis und um den politischen Schaden,
der unserem Status bei Verbündeten und Freunden zugefügt werden würde,
wenn der Eindruck entstünde, die Vereinigten Staaten würden die strategischen
Rüstungsbegrenzungen vernachlässigen oder gar ablehnen. Der Prozess der
SALT-Verhandlungen ist als solcher für die weitere Entwicklung der
amerikanisch-sowjetischen und der gesamten Ost-West-Beziehungen wichtig.
SALT bildet die Basis für den Fortschritt bei der Schaffung einer dauerhaften politischen Beziehung zur Sowjetunion, die die Spannungen verringert
und die wichtige sichtbare Grenzen für unseren ideologischen, politischen
und militärischen Wettstreit setzt.
Die Grundelemente des SALT II-Abkommens sind Ihnen vertraut:

- 12 -

�-

Ein Vertrag, der bis 1986 dauert und der gleiche Begrenzungen
bei den strategischen Nuklearträgern setzt;
verschiedene Untergrenzen bei den Systemen mit Mehrfachgefechtsköpfen und den schweren Bombern, die mit luftgestützten Marschflugkörpern (Cruise Missiles) ausgerüstet sind, festlegt;
jede Seite auf einen neuen Interkontinentalraketen-Typ mit einem
Maximum von 10 Gefechtsköpfen mit Wiedereintritt begrenzt;
eine Erhöhung der Zahl der Mehrfachgefechtsköpfe bei den vorhandenen Interkontinentalraketen ausschließt sowie Maßnahmen
vorsieht, um eine ungehinderte Verifizierung mit den nationalen
technischen Mitteln zu ermöglichen*

-

ein Protokoll, das eine Dauer von drei Jahren haben soll und
das:
die Dislozierung von boden- oder schiffsgestützten Marschflugkörpern
(Cruise Missiles) mit Reichweiten, die über 600 Kilometer liegen,
für diesen Zeitraum ausschließt, dabei aber die unbehinderte
Erprobung und Entwicklung solcher Marschflugkörper bis zu jeder
Reichweite gestattet;
die Dislozierung mobiler Interkontinentalraketen oder ballistischer
Luft-Boden-Raketen während dieses Zeitraums ausschließt;
der Vertrag wird die Dislozierung dieser Systeme nach Ablauf des
Protokolls gestatten,

-

Das Abkommen schließt ferner ein:
Eine für SALT III richtungsweisende Grundsatzerklärung und einen
Austausch von Erklärungen über den sowjetischen Backfire-Bomber.

Ich bin fest überzeugt, daß SALT II ein bedeutsamer und äußerst wichtiger

- 13 -

�r

wichtiger Schritt in einem, wie wir hoffen, kontinuierlich weiterlaufenden
Prozess ist.
Das SALT I-Abkommen vom Jahre 1972 hat wesentlich zur Stabilität
beigetragen und zwar durch das Verbot nationaler ABM-Abwehrsysteme und die
Koupierung des weiteren Ausbaus der strategischen Offensivwaffen durch
die Begrenzung der Zahl der Raketenabschußrampen auf die bereits vorhandenen
oder im Jahre 1970 im Bau befindlichen.

Die Übereinkunft von Wladiwostok

vom Jahre 1974 legte gleichwertige Höchstgrenzen aller strategischen
nuklearen Trä'gersysteme auf die Zahl von 2400 fest und setzte eine Untergrenze für die Systeme mit Mehrfachgefechtsköpfen mit 1320 fest.
Im Jahre 1977, zu Beginn dieser Administration, versuchten wir, zu
einem umfassenden Rüstungskontrollabkommen zu gelangen, das erheblich
einschränkender als das Abkommen von Wladiwostok - oder der SALT II-Vertrag gewesen wäre, aber eine Reihe von technischen und politischen Faktoren
verhinderten den Erfolg.

Wir schlugen daher den Doppelweg ein, zu versuchen,

die größtmögliche Reduzierung bei den Interims-Höchstgrenzen auszuhandeln
und dabei zugleich ernsthaft bemüht zu sein, die qualitativen Verbesserungen
bei den neuen Systemen zu begrenzen.

In beiden Richtungen haben wir reale

Erfolge erzielt.
Es ist uns gelungen, Senkungen der Begrenzungen von Wladiwostok
auszuhandeln - auf 2 250 strategische Nuklearträger und 1 200 Raketen
mit Mehrfachgefechtsköpfen - wie auch eine neue Untergrenze von 820
landgestützten Interkontinentalraketen mit Mehrfachgefechtsköpfen, die
das destabilisierendste Element der strategischen Streitkräfte darstellen.
Darüber hinaus haben wir auf dem qualitativen Gebiet Neuland betreten, indem wir Begrenzungen für die Zahl der Träger mit Wiedereintritt
bei Interkontinentalraketen und unterseebootgestützten ballistischen
Raketen (SLBM) erreicht haben und jeder Seite nur einen neuen Typ v_oii

- 14 -

�von Interkontinentalraketen erlauben.
Zusammen genommen haben diese beiden Wege den Prozess der Rüstungskontrolle ein gutes Stück weiter geführt.

Die Aussicht auf eine Fort-

setzung dieses Prozesses ist ein unantastbares Faktum in der Debatte.
Aber das SALT II-Abkommen ist mehr, als daß es nur als eine Station auf
dem Weg zu SALT III und darüber hinaus verteidigt zu werden braucht.

Es

kann um seiner selbst willen voll und überzeugend gerechtfertigt werden.
Der einfachste Weg ist die Feststellung, daß ohne das SALT II-Abkommen
die Sowjetunion fast ein Drittel mehr an strategischen Systemen besitzen
könnte als mit dem Abkommen. Und das hätte entsprechende Auswirkungen
auf andere Maßnahmen. So könnte die Sowjetunion beispielsweise statt der
2 250 strategischen Nuklearträ'gerwaffen, die im Vertrag vorgesehen sind,
über 3 000 besitzen. Natürlich wissen wir nicht, was die Sowjets ohne
einen Vertrag tun würden, aber dieser höhere Stand der strategischen
Systeme liegt durchaus im Rahmen ihrer Kapazität. Und die Geschichte
des Nuklearzeitalters ist voll von den Trümmern vertrauensvoller amerikanischer
Voraussagen, daß die Sowjets an diesem oder jenem Punkt aufhören würden,
den Stand ihrer Rüstung über das zu jenem Zeitpunkt Bestehende hinaus zu
erhöhen, das - nach Angaben der amerikanischen Voraussager - bereits so
groß sei, wie es sich der Kreml nur wünschen könnte. Nach meiner Auffassung
ist es wahrscheinlich, daß wir ohne SALT II in eine Zeit größerer Unsicherheit
sowohl militärisch als auch politisch - eintreten würden, die zu verstärkten
strategischen Streitkräften auf beiden Seiten führen würde, um dieser
Unsicherheit vorzubauen.
Angesichts einer solchen sowjetischen Aufrüstung könnten - und wie
ich überzeugt bin - würden die Vereinigten Staaten entsprechend reagieren.
Wenn man von unserer Entschlossenheit ausgeht, die wesentliche Gleichwertigkeit zu

erhalten, und von der sowjetischen Entschlossenheit, selbst mit

großen Kosten eine strategische Unterlegenheit zu verhindern, dann wäre
das Nettoresultat eines solchen numerischen Wettrüstens ein höherer Stand
- 15 -

�Stand der strategischen Streitkräfte mit gewaltig größeren Kosten und
einem hohen Risiko für die Stabilität.
Die Vereinigten Staaten haben keine unbegrenzten Mittel für strategische
Waffenprogramme, ohne daß dadurch andere Verteidigungsprioritäten in Mitleidenschaft gezogen würden - wie etwa die Verbesserungen der konventionellen
Streitkräfte - und auch andere Regierungsprogramme, wie etwa die Bekämpfung
der Inflation.

Aber wir müssen ausreichende Mittel ausgeben, und was aus-

reichend ist, hängt zum Teil von den Maßnahmen unserer Gegner ab.
SALT wird nicht alle unsere Probleme lösen.

Selbst mit SALT werden

wir unsere Anstrengungen auf strategisch nuklearem Gebiet über den gegenwärtigen Stand hinaus ausdehnen müssen, und es wird uns erlaubt sein.
Dieser Stand liegt übrigens, in konstanten Dollar gemessen, etwa um die
Hälfte niedriger als Mitte der sechziger Jahre.

Aber SALT wird größere

Stabilität und größere Vorhersehbarkeit der strategischen Herausforderungen
bedeuten, und so kann das Kräfteverhältnis auf einem wesentlich niedrigeren
Stand der Zerstörungskraft aufrechterhalten werden.

Darüber hinaus wird

es für die Vereinigten Staaten wesentlich billiger (vielleicht bis zu 30
Milliarden Dollar billiger in den nächsten zehn Jahren) sein, diese Kräfteverhältnisse aufrechtzuerhalten.
SALT II wird zwar dem sinnlosen numerischen Wettrüsten vorbeugen,
aber es wird uns auf der anderen Seite die Flexibilität belassen, Programme
durchzuführen, die den Herausforderungen begegnen, die der Vertrag nicht
beseitigt. Wir können jedes unserer geplanten Programme entwickeln, erproben und dislozieren - Marschflugkörper, Trident, MX - und zwar auf
die Weise und nach dem Zeitplan, wie wir es vorgesehen haben. Abgesehen
davon, daß wir unsere luftgestützten Marschflugkörper (ALCM) und Marschflugkörper-Träger mit einigen Unterscheidungsmerkmalen versehen müssen
(um die Zählung im Rahmen von SALT zu erleichtern), werden wir durch
SALT II nicht gezwungen, unsere strategischen Programme zu ändern, die wir

- 16 -

�wir brauchen, um einen Ausgleich für die sowjetischen Programme zu schaffen,
die im Rahmen von SALT II gestattet und bereits weitgehend disloziert sind.
Zumindest in einem wichtigen Punkt - der Verwundbarkeit unserer
Minuteman-Raketen - wird SALT II die Lösung des Problems leichter machen
als ohne Abkommen. SALT II wird die Zahl der sowjetischen Interkontinentalraketen mit Mehrfachgefechtsköpfen wesentlich unterhalb des vorher projektierten
Standes begrenzen, wird die Zahl der Gefechtsköpfe auf vorhandenen ballistischen
Trägerraketen einfrieren und wird die Zahl der für neue Interkontinentalraketen zugelassenen Gefechtsköpfe mit Wiedereintritt begrenzen. Diese
Einschränkungen stellen eine starke Verringerung des sowjetischen Vorteils
auf dem Gebiet des Wurfgewichts dar, denn ohne Begrenzung könnten die
Sowjets beispielsweise ihre größten Interkontinentalraketen mit 20 oder
vielleicht sogar 40 Gefechtsköpfen bestücken.
Die Kombination der Begrenzungen für Trägerraketen und der Zahl
der Gefechtsköpfe wird die Schwierigkeit der Aufrechterhaltung der Überlebensfähigkeit unserer landgestützten Interkontinentalraketen etwas
verringern. Die Dislozierung eines neuen mobilen Interkontinentalraketensystems - welcher Stützart auch immer - wird leichter zu erreichen sein,
weil eine Obergrenze für die Zahl der Gefechtsköpfe festgelegt wird, deren
Zielplanung auf die Zielpunkte gerichtet werden kann, die eine solche
Dislozierung bieten würde. SALT II wird damit zu einem wichtigen Element
der Gewährleistung der Überlebensfähigkeit der Interkontinentalraketen.
Ebenso wichtig ist, daß SALT II uns freie Hand lassen wird, mit
unseren Verbündeten zusammen die wichtige Frage der Modernisierung der
nuklearen Gefechtsfeldstreitkräfte weiter zu verfolgen und Rüstungskontrollinitiativen auf diesem Gebiet zu erwägen.
SALT wird den amerikanischen Interessen dienlich sein. Es fördert
die Stabilität der Abschreckung und beläßt uns die Flexibilität, die

- 17 -

�die notwendige Modernisierung unserer strategischen Streitkräfte in
Angriff zu nehmen, ohne dadurch ein weiteres teures und potentiell destabilisierendes Wettrüsten auszulösen.

Ich hege keinen Zweifel an

unserer wirtschaftlichen oder technischen Fähigkeit, auf dem Gebiet
der strategischen Waffen mit den Sowjets erfolgreich zu konkurrieren.
Ich frage mich jedoch, ob eine solche Anstrengung die beste Verwendung
unseres nationalen Budgets - ja sogar des Verteidigungsbudgets - wäre.
Und ich glaube nicht, daß wir uns durch eine derartige Anstrengung mehr
Sicherheit kaufen würden.
Mit dem Vertrag können wir eine flexible und glaubwürdige Abschreckungsmacht aufrechterhalten und im wesentlichen eine Gleichwertigkeit sicherstellen.
Ohne den Vertrag würde uns dies auch möglich sein, aber es wäre
kostspieliger und weniger sicher.

Ich sehe den Vertrag als eine wertvolle

Methode zur Verwirklichung unserer strategischen Ziele - als eine der
Hauptkomponenten in unserer Strategie zusammen mit unseren Waffenprogrammen.
Nach meinem Dafürhalten stellt er eine sehr wichtige Komponente dar, auch
wenn wir uns darüber im klaren sein müssen, daß substantielle amerikanische
Verteidigungsprogramme - und zwar erweiterte Programme auf strategischem
Gebiet - hinzutreten müssen.

Verifizierung
Unter den Besorgnissen, die im Zusammenhang mit dem Abkommen geäußert
werden, ist die eine von besonderer Art, die Frage nämlich:

"Wird der

Vertrag verifizierbar sein?" Es ist klar, daß man die Abgrenzungen eines
Vertrages mit der Sowjetunion nicht als in sich selbst gewährleistet ansehen kann.

Die Vereinigten Staaten müssen in der Lage sein, mit dem

�dem notwendigen Vertrauen durch ihre eigenen Nachrichtensysteme zu verifizieren, daß die Sowjets auch in der Tat den Bestimmungen des Vertrages
nachkommen.
Das SALT-II-Abkommen wird durch unsere nationalen technischen Mittel,
wozu die Foto-Aufklä'rungssatelliten und andere technischen Vorkehrungen
gehören, verifizierbar sein. Diese Mittel ermöglichen es uns, viele Aspekte
der Entwicklung, Erprobung, Produktion, Dislozierung, Ausbildung und
operativen Verwendung der sowjetischen Streitkräfte zu überwachen. Trotz
der Abgeschlossenheit der sowjetischen Gesellschaftsform, sind wir zuversichtlich, daß kein erheblicher Verstoß gegen den Vertrag erfolgen
könnte, ohne daß die Vereinigten Staaten dies entdeckten. Dank unserer
energisch vorangetriebenen Dislozierung und unserer Forschungs- und
Entwicklungsanstrengungen wären wir imstande, mit angemessenen Maßnahmen
darauf zu reagieren, ehe das strategische Gleichgewicht in ernsthafter
Weise nachteilig beeinflußt werden könnte.
Es ist in jüngster Zeit viel über den Verlust der Beobachtungs- und
Nachrichtenpositionen im Iran geschrieben worden und wie wichtig diese
Positionen für die SALT-Verifizierung gewesen wären. Die Art von Daten,
wie wir sie von diesen Positionen erhielten, sind wichtig für unsere Beurteilung der sowjetischen strategischen militärischen Programme, einschließlich einiger der Aspekte, die durch SALT II begrenzt werden. Wir
prüfen alternative Mittel zur Sammlung solcher Daten, und die Frage ist
nicht, ob wir uns diese Kapazität wieder beschaffen werden, sondern wie,
wo und wie schnell wir dies zu tun vermögen. Diese und andere Fragen der
Verifizierung werden während des Ratifizierungsprozesses ausführlich
erörtert werden.
Wir befinden uns nun voll in einer nationalen Debatte und zwar nicht
nur über den Vertrag, sondern über unsere strategische Politik - und über
den Zustand der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen insgesamt. Ich möchte

- 19 -

�Ich möchte hoffen, daß im Verlauf dieser Debatte all jene, die sich für
besonnene Vertreter der militärischen Sicherheit halten, und jene, die
sich als besonnene Befürworter einer Rüstungsbegrenzung ansehen, sowie
auch jene, zu denen ich mich selbst zähle, die nämlich beides zu ihrem
Anliegen machen, sich auf die spezifische Frage konzentrieren können,
ob unserer Sicherheit und mit ihr den Aussichten für den Frieden mit
dem Vertrag besser gedient wird als ohne ihn.
Der Präsident der Vereinigten Staaten - und auch ich - sind der
Meinung, daß die Antwort klar ist - ein gediegenes SALT-Abkommen liegt
im Interesse sowohl der Vereinigten Staaten als auch der Sowjetunion,
trotz des Konkurrenzkampfes zwischen unseren beiden Systemen, der anderwärts besteht - und der in der Tat auch in bezug auf die strategischen
nuklearen Streitkräfte weitergeführt werden wird.

SALT II wird eine

festere Basis für andere Maßnahmen zur Kontrolle des Anwachsens und der
Proliferation
Welt bieten.

nuklearer und konventioneller Kapazitäten auf der ganzen
Wenn die Sowjetunion aber mehr Nachdruck auf die Kooperation

statt auf den Konkurrenzkampf legen will, dann wird SALT II sogar einen
gesünderen Zustand der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen ermöglichen.
All diese Erwägungen haben mich zu dem Schluß geführt, daß unter
der Voraussetzung, die noch verbleibenden Fragen lassen sich zu unserer
Zufriedenheit lösen, die Unterzeichnung und Ratifizierung von SALT II
eindeutig im nationalen Interesse der Vereinigten Staaten liegt. Für
mein eigenes Denken bin ich mit diesem Schluß zufrieden; ich erkenne
aber an, daß besonnene Menschen von gutem Willen und hoher Zielsetzung
zu einem anderen Urteil gelangen mögen. Ich hoffe, daß die kommende
Debatte unser Verständnis und unseren Entschluß stärken wird, den Vertrag
zu unterzeichnen und zu billigen und damit zu einer Stärkung unserer
nationalen Sicherheit beizutragen. Ja, ich bin zuversichtlich, daß dies
das Ergebnis - und daß es ein für uns alle gutes Ergebnis - sein wird.
Ich danke Ihnen.
+ + + + +

- 20 -

�a
»

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

13

11. April 1979

BILATERALE AMERIKANISCH-ISRAELISCHE GRUNDSATZVEREINBARUNG
ÜBER SICHERHEITSGARANTIEN

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten und Israel haben am
26. März 1979 eine Grundsatzvereinbarung (Memorandum of Agreement) getroffen, nach der die USA Israel bestimmte Sicherheitsgarantien leisten.
Die von den Außenministern der beiden Länder unterzeichnete Vereinbarung
hat folgenden Wortlaut:
Grundsatzvereinbarung zwischen den Regierungen der Vereinigten
Staaten von Amerika und des Staates Israel
In der Erkenntnis der Bedeutung des Abschlusses des Friedensvertrages zwischen Israel und Ägypten und in Abwägung der Wichtigkeit der
vollen Durchführung des Friedensvertrages für die Sicherheitsinteressen
Israels und des Beitrages des Abschlusses des Friedensvertrages für die
Sicherheit und die Entwicklung Israels wie auch seiner Bedeutung für den
Frieden und die Stabilität in der Region und die Aufrechterhaltung des
internationalen Friedens und der internationalen Sicherheit; und

in

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432
D5300 Bonn 2

�in der Erkenntnis, daß der Abzug vom Sinai Israel zusätzliche schwere
Sicherheits-, militärische und wirtschaftliche Belastungen auferlegt;
bekräftigen die Regierungen der Vereinigten Staaten von Amerika
und des Staates Israel, vorbehaltlich ihrer verfassungsmäßigen Verfahren
und ihres geltenden Rechts, folgendes:
1.

Im Hinblick auf die Rolle der Vereinigten Staaten bei Zustande-

kommen des Friedensvertrages und den Wunsch der Vertragsparteien, daß die
Vereinigten Staaten ihre Unterstützungsbemühungen fortsetzen, werden die
Vereinigten Staaten geeignete Maßnahmen ergreifen, um die volle Einhaltung
des Friedensvertrages zu fördern.
2. Sollte es zur Vergewisserung der Vereinigten Staaten klar erwiesen werden, daß es eine Verletzung oder die Drohung einer Verletzung
des Friedensvertrages gegeben hat, so werden die Vereinigten Staaten sich
mit den Vertragsparteien in bezug auf die Maßnahmen beraten, um die
Verletzung zu stoppen oder zu verhindern, die Einhaltung des Friedensvertrages sicherzustellen, freundschaftliche und friedliche Beziehungen
zwischen den Vertragsparteien zu bestärken und den Frieden in der Region
zu fördern, und werden solche Abhilfe schaffenden Maßnahmen treffen, wie
es geeignet erscheint, wozu diplomatische, wirtschaftliche und militärische
Maßnahmen gehören können, wie unten beschrieben wird.
3. Die Vereinigten Staaten werden ihnen geeignet erscheinende Unterstützung für von Israel als Antwort auf solche erwiesenen Verletzungen
des Friedensvertrages ergriffenen Maßnahmen gewähren; insbesondere
wenn eine Verletzung des Friedensvertrages als Bedrohung der Sicherheit
Israels erachtet wird, wozu unter anderem auch eine Blockade der
israelischen Benutzung der internationalen Wasserwege, eine Verletzung
der Bestimmungen des Friedensvertrages bezüglich der Begrenzung der Streitkräfte oder ein bewaffneter Angriff gegen Israel gehören, werden die

- 2 -

�die Vereinigten Staaten bereit sein, auf dringender Basis solche Maßnahmen,
wie die Verstärkung der Präsenz der Vereinigten Staaten in dem Gebiet,
die Gewährung von Lieferungen im Notfall an Israel und die Ausübung der
maritimen Rechte in Erwägung zu ziehen, um die Verletzung zu stoppen.
4. Die Vereinigten Staaten werden die Rechte der Vertragsparteien
auf Schiffahrt und überfliegen als Zugang zu dem einen oder dem anderen
Land durch und über die Straße von Tiran und den Golf von Agaba gemäß dem
Friedensvertrag unterstützen.
5.

Die Vereinigten Staaten werden sich jeder Aktion oder Resolution

in den Vereinten Nationen, die sich nach ihrem Urteil nachteilig auf den
Friedensvertrag auswirkt, entgegenstellen und, wenn notwendig, dagegen
stimmen.
6.

Vorbehaltlich der Ermächtigung und Billigung durch den Kongreß

werden die Vereinigten Staaten bestrebt sein, militärische und wirtschaftliche Hilfeanforderung Israels zu berücksichtigen und verständnisvoll
zu behandeln.
7. Die Vereinigten Staaten werden weiterhin Restriktion auf von
ihnen an ein anderes Land gelieferte Waffen zur Anwendung bringen, durch
die ihre unerlaubte Weitergabe an eine dritte Partei verboten wird. Die
Vereinigten Staaten werden solche Waffen nicht liefern und die Weitergabe
solcher Waffen für einen bewaffneten Angriff gegen Israel nicht erlauben
und werden Schritte unternehmen, um eine solche unautorisierte Weitergabe zu verhindern.
8.

Bestehende Abkommen und Zusicherungen zwischen den Vereinigten

Staaten und Israel werden durch den Abschluß des Friedensvertrages nicht
beendet noch abgeändert, mit Ausnahme derjenigen, die in den Artikeln
5, 6, 7, 8, 11, 12, 15 und 16 der Grundsatzvereinbarungen (Memorandum of

- 3 -

�of Agreement) zwischen der Regierung der Vereinigten Staaten und der
Regierung von Israel vom 1. September 1975 (Amerikanisch-israelische
Zusicherungen) enthalten sind.
9. Dieses Memorandum bezeugt das volle Einverständnis der Vereinigten Staaten und Israels in bezug auf die zwischen ihnen hiermit
behandelten Themen und soll in Einklang mit seinen Bestimmungen ausgeführt werden.
Unterzeichnet für die Regierung der Vereinigten Staaten:
(gez.) Cyrus R. Vance
für die Regierung von Israel:
(gez.) Moshe Dayan
26. März 1979

+ + + + +

- 4 -

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

14

18. April 1979

AMERIKANISCH-ISRAELISCHE GRUNDSATZVEREINBARUNG ÜBER DIE ÖLVERSORGUNG

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten und Israel haben am
26. März 1979 eine Grundsatzerklärung (Memorandum of Agreement) - mit
Anhang - über die Sicherstellung der Ölversorgung von Israel getroffen.
Die von den Außenministern der beiden Länder unterzeichnete Vereinbarung
hat folgenden Wortlaut:
Grundsatzerklärung zwischen den Regierungen der Vereinigten Staaten
und Israel
Die Vereinbarung zwischen den Regierungen der Vereinigten Staaten
und Israel vom 1. September 1975 über die Ölversorgung, im Anhang aufgeführt, bleibt in Kraft. Es soll eine Grundsatzvereinbarung ausgehandelt und abgeschlossen werden, um eine Abmachung für die Ölversorgung
auf insgesamt 15 Jahre, einschließlich der in der Vereinbarung vom
1. September 1975 vorgesehenen fünf Jahre, zu gewährleisten.
Die Grundsatzvereinbarung, einschließlich des Beginns dieser Ver-

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Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Vereinbarung und der Preisbestimmungen, werden von den Vertragsparteien
innerhalb von 60 Tagen nach Inkrafttreten des Friedensvertrages zwischen
Ägypten und Israel gegenseitig vereinbart werden.
Es ist die Absicht der Vertragsparteien, daß die von Israel
für von den Vereinigten Staaten in diesem Rahmen geliefertes öl bezahlten
Preise mit laufenden Weltmarktpreisen zum Zeitpunkt der Lieferung vergleichbar sein sollen und daß die Vereinigten Staaten in jedem Falle von
Israel für die Kosten entschädigt werden, die den Vereinigten Staaten
durch öl lieferungen an Israel in diesem Rahmen entstehen.
In der Abmachung vom 1. September 1975 vorgesehene Experten werden
auf Antrag zusammenkommen, um Fragen zu erörtern, die sich aus diesem
Verhältnis ergeben.
Die Regierung der Vereinigten Staaten verpflichtet sich, umgehend
zusätzliche gesetzliche Vollmachten zu erhalten, die für die volle Durchführung dieser Vereinbarung notwendig sein könnten.
Für die Regierung von Israel:
(gez.) Moshe Dayan
Für die Regierung der Vereinigten Staaten:
(gez.) Cyrus R. Vance

ANHANG ZUR GRUNDSATZVEREINBARUNG
Israel wird seine eigenen unabhängigen Vorkehrungen für die Ölversorgung treffen, um seinen Bedarf durch normale Verfahren zu decken.
Falls Israel nicht in der Lage sein sollte, seinen Bedarf auf diese

- 2 -

�diese Weise zu decken, wird die Regierung der Vereinigten Staaten, nachdem sie von der Regierung von Israel von dieser Tatsache in Kenntnis gesetzt worden ist, fünf Jahre lang wie folgt handeln, wobei nach Ablauf
dieses Zeitraums jede Seite diese Vereinbarung mit einjähriger Frist aufkündigen kann.
a) Wenn das öl, das Israel für seinen gesamten normalen Bedarf für
den einheimischen Verbrauch benötigt, nicht zum Kauf zur Verfügung steht
unter Bedingungen, unter denen keine quantitativen Einschränkungen für
die Fähigkeit der Vereinigten Staaten bestehen, ül zur Deckung ihres
normalen Bedarfs einzukaufen, wird die Regierung der Vereinigten Staaten
umgehend öl für den Ankauf durch Israel zur Verfügung stellen, damit der
oben angeführte normale Bedarf Israels gedeckt werden kann. Wenn Israel
nicht in der Lage sein sollte, die notwendigen Mittel zum Transport
dieses Öls nach Israel zur Verfügung zu stellen, wird die Regierung der
Vereinigten Staaten alle Anstrengungen unternehmen, um Israel bei der
Bereitstellung der notwendigen Transportmittel zu helfen.
b) Wenn das öl, das Israel für seinen gesamten normalen Bedarf für
den einheimischen Verbrauch benötigt, nicht zum Kauf zur Verfügung steht
unter Bedingungen, unter denen ein Embargo oder sonstwie quantitative
Einschränkungen auch die Vereinigten Staaten daran hindern, ihren normalen
Bedarf zu decken, wird die Regierung der Vereinigten Staaten unverzüglich
öl zum Ankauf durch Israel zur Verfügung stellen in Übereinstimmung mit
der Einsparungs- und Zuteilungsformel der Internationalen Energieagentur,
wie sie für die Vereinigten Staaten gilt, um den wesentlichen Bedarf
Israels zu decken. Wenn Israel nicht in der Lage sein sollte, die notwendigen Mittel für den Transport zur Verfügung zu stellen, wird die
Regierung der Vereinigten Staaten alle Anstrengungen unternehmen, um Israel
bei der Bereitstellung der notwendigen Transportmittel zu helfen.
Israelische und amerikanische Experten werden jährlich, oder auf

- 3 -

�auf Ersuchen der einen oder der anderen Vertragspartei häufiger, zusammenkommen, um den laufenden öl bedarf Israels zu prüfen.

+ + + + +

- 4-

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

14

18. April 1979

ERKLÄRUNG DES US-AUSSENMINISTERIUMS ZU DEN
AMERIKANISCH-ISRAELISCHEN GRUNDSATZVEREINBARUNGEN

WASHINGTON

- (AD) - Das amerikanische Außenministern'um hat zu

Berichten über ägyptische Bedenken gegen die zwischen den USA und Israel
getroffene bilaterale Grundsatzvereinbarung bezüglich der Sicherheit
Israels folgende Stellungnahme abgegeben:
"Ägypten hat uns gegenüber sein Unbehagen über die israelische Grundsatzvereinbarung zum Ausdruck gebracht. Wir sind der Meinung, daß dies
auf einer Mißdeutung dieses Dokuments beruht. Wir haben Ägypten weit im
voraus davon in Kenntnis gesetzt, daß Israel eine Zusicherung gegeben
werden würde. Ägypten hat ja auch mehrfach zu verstehen gegeben, daß es
keinen Einwand gegen Sicherheitsbürgschaften oder -garantien in Verbindung
mit dem Frieden haben würde.
Die israelische Grundsatzvereinbarung geht nicht davon aus, daß eine
Vertragsverletzung durch Ägypten wahrscheinlich sei.

Im Gegenteil, wir

haben volles Vertrauen, daß Ägypten und Israel entschlossen sind, ihre

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Tel: 0 2 2 2 1 - 8 9 3 2 4 0
Telex:08-85432

�ihre Vertragsverpflichtungen zu erfüllen.
Ein ähnliches Dokument wurde Ägypten angeboten.
lehnt.

Dies wurde abge-

Das Angebot bleibt weiterhin offen.

Der einzige Zweck der israelischen Grundsatzvereinbarung zusammen
mit der, die Ägypten angeboten wurde, besteht darin, die Aufrechterhaltung
des Friedens in dem Gebiet zu erleichtern."

+ + + +

- 2 -

�3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America
18. April 1979

14

ERLÄUTERUNGEN DES WEISSEN HAUSES ZUM ENERGIEPROGRAMM DER US-REGIERUNG

- (AD) - Im Zusammenhang mit der Rede Präsident Jimmy Carters vom
5. April 1979 über neue Maßnahmen auf dem Energiesektor gab das Weiße Haus
eine Dokumentation mit Erläuterungen heraus, die wir im folgenden auszugsweise veröffentlichen:

I. Einsparung
Sowohl kurz- als auch langfristig gesehen bleiben Einsparungen ein Eckpfeiler der amerikanischen Energiepolitik. In den meisten Fällen ist es noch
immer billiger, ein Faß öl zu sparen, als eines von ausländischen oder einheimischen Quellen zu kaufen. Die vom Präsidenten bekanntgegebenen Initiativen basieren auf den bemerkenswerten neuen Befugnissen zur Durchführung von
Sparmaßnahmen, die das im November 1978 unterzeichnete Nationale Energiegesetz enthält.
Sowohl in bezug auf weniger Vergeudung von Energie als auch auf die Erzielung eines höheren Nutzeffekts der von uns verbrauchten Energie haben die
Vereinigten Staaten bereits beträchtliche Fortschritte erzielt. Aber es ist
auch klar, daß die USA sehr viel mehr tun können.

Das müssen wir auch, wenn

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Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�wenn wir unser kurzfristig angesetztes Ziel, unsere ölimporte um fünf Prozent
des für Ende 1979 geschätzten Verbrauchs zu verringern, und unser langfristiges
Ziel einer sicheren Energieversorgung erreichen wollen.

Kurzfristige Energi esparmaßnahmen

Um sicherzustellen, daß wir diese Ziele erreichen, kündigte der Präsident
folgende Maßnahmen an:

1) Vorschriften über Temperaturhöchstwerte in Gebäuden
Der Präsident ersuchte

den Kongreß, rasch einen die Sparmaßnahmen unter-

stüzenden Plan zu genehmigen, der vorschreibt, daß in nicht als Wohnung genutzten
Gebäuden die durch Thermostat geregelten Temperaturen im Winter 18 Grad' Celsius
nicht überschreiten und im Sommer 27 Grad Celsius nicht unterschreiten...
Hierdurch könnten bis zum Jahr 1985 Importe im Umfang von schätzungsweise
390 000 Faß öl pro Tag eingespart werden.

2) Freiwillige Maßnahmen der Bundesstaaten zur Verringerung des Benzinverbrauchs
Der Präsident wird für jeden einzelnen Bundesstaat Einsparungsziele für den
Benzinverbrauch festsetzen.

Jeder Staat wird ersucht, auf freiwilliger Basis

einen Plan eigener Wahl in die Tat umzusetzen...
3) Zwangsweise vorzunehmende Teil- oder Voll Schließung von Tankstellen an
Wochenenden
Wenn die freiwilligen einzelstaatlichen Sparprogramme sich als nicht ausreichend erweisen und es zu Benzinverknappungen kommt, müßten Zwangsmaßnahmen
eingeführt werden.

Der Präsident unterbreitete am 1. März 1979 dem Kongreß einen

Plan, der ihn im Notfall ermächtigt, die zeitweilige oder vollständige Schließung von Tankstellen an Wochenenden zu verfügen...

Dadurch ließen sich schätzungs-

weise 120 000 bis 270 000 Faß öl pro Tag einsparen...

4) Austausch
- 2 -

�4) Austausch von elektrischem Strom
Der Präsident rief alle Elektrizitätsgesellschaften auf, mit dem USEnergieministerium zusammenzuarbeiten, um die Produktionskapazität der nicht
mit öl beheizten Kraftwerke maximal zu nutzen.

Wenn durch freiwillige Zusam-

menarbeit nicht die notwendigen Einsparungen zu erzielen sind, um ölverknappungen zu vermeiden, ist der Präsident bereit, das Energieministerium anzuweisen,
..., Stromaustausch unter den Kraftwerken zu verfügen...

Dadurch würden Ein-

sparungen von schätzungsweise 100 000 bis 200 000 Faß öl pro Tag möglich...

5) Umstellung von öl auf Erdgas
Der Präsident forderte die amerikanischen Versorgungsunternehmen und ÖlGroßverbraucher der Industrie auf, wo immer möglich ihre Anlagen auf Erdgas umzustellen.

Das US-Energieministerium wird die Realisierung dieser Forderung

durch eine Reihe organisatorischer Maßnahmen auf bundesstaatlicher, regionaler
und nationaler Ebene erleichtern.

Sie könnte zur Einsparung von 250 000 bis

400 000 Faß öl pro Tag führen...

6) Heizöl mit niedrigem Schwefelgehalt
Wo Verknappungen an Heizöl mit niedrigem Schwefelgehalt auftreten und der
betreffende Bundesstaat um die vorübergehende Aufhebung der einschlägigen Vorschriften zur Luftreinhaltung ersucht, wird das US-Bundesamt für Umweltschutz
(EPA) aufgrund ungewöhlich großer Preisdifferenzen zwischen vorschriftsmäßigen
und nicht-vorschriftsmäßigen Brennstoffen empfehlen, einem entsprechenden Antrag des Staates auf Aussetzung der Vorschriften stattzugeben...
7) Späterer Termin für weitere Reduzierung des Bleigehalts von Benzin
Der gegenwärtige Zeitplan der EPA sieht vor, daß ab 1. Oktober 1979 Normalbenzin nur noch 0,13 Gramm Blei enthalten darf.

Die volle Einhaltung dieses

Termins würde eine Verringerung des Benzinangebots um 350 000 bis 450 000 Faß/
Tag bedeuten...

Um die mit der Verringerung des Bleigehalts verbundenen Verluste an Benzin
und Rohöl so klein wie möglich zu halten, gleichzeitig aber dem Schutz der Ge- 3 -

�Gesundheit der Öffentlichkeit Genüge zu tun, hat der Präsident die EPA angewiesen, die Reduzierung des Bleigehalts auf 0,13 Gramm um ein Jahr zu verschieben und bis dahin eine Höchstgrenze von 0,21 Gramm vorzuschreiben...
•

8) Fünfprozentige Verringerung des Energieverbrauchs durch Regierungsbehörden
Der Präsident hat die Chefs von Bundesbehörden angewiesen, den Energieverbrauch um fünf Prozent zu senken... Dadurch könnten jährlich sieben Millionen
Faß öl

ngespart werden

Aktivitäten des Verteidigungsministeriums, die für

die Aufrechterhaltung der Betriebs- und Einsatzbereitschaft erforderlich sind,
sind duvon ausgenommen.
Im Etat für 1980 sind außerdem 234 Millionen Dollar für Umrüstungsmaßnahmen
von Bundesbauten zur Energieeinsparung enthalten.

Es wird weiterhin Wert darauf

gelegt, Kraftwagen mit geringem Kraftstoffverbrauch für Behörden anzuschaffen
und Neubauten energiesparend zu konzipieren.
•

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Der Präsident hat die Gouverneure der Bundesstaaten zu ähnlichen Aktionen
aufgerufen, um auch im einzelstaatlichen Bereich den Energieverbrauch zu verringern.
9) Freiwillige Maßnahmen
... Der Präsident fordert jeden Fahrer eines Kraftfahrzeuges in den Vereinigten Staaten auf, wöchentlich zehn bis 20 Meilen weniger zu fahren. Wenn
alle Autofahrer die gefahrene Strecke nur um 10 Meilen pro Woche verringern würden, könnte dies allein pro Tag 300 000 Faß öl einsparen...
•

Kurzfristig mögliche Gesamteinsparung
Wenn jede dieser Maßnahmen voll durchgeführt wird, können die Vereinigten
Staaten das vom Präsidenten gesetzte Ziel erreichen, den Ölverbrauch bis um fünf
Prozent zu drosseln.

Diese fünf Prozent würden die Auswirkungen des Rückgangs

der Lieferungen des Iran voll ausgleichen und es uns erlauben, Vorräte von Roh-

�Rohöl, Benzin, Heizöl und Mineralöldestillaten anzulegen, um Verknappungen in
der Zukunft zu verhindern.

Vereinbarung im Rahmen der Internationalen Energieagentur

... Auf einer Konferenz des Direktoriums der Internationalen Energieagentur (IEA) am 1. und 2. März 1979 haben die Vereinigten Staaten und die anderen 17 IEA-Mitgliedstaaten vereinbart, den Ölverbrauch um fünf Prozent zu
drosseln...
Der Übereinkunft gemäß sollen durch Sparmaßnahmen und andere, vom Präsidenten bekanntzugebende Schritte Einsparungen auf folgenden Gebieten erzielt
werden:
Temperaturregelung in Gebäuden

195 000 - 390 000 Faß/Tag

Stromaustausch

100 000 - 200 000

Umstellung von öl auf Gas

200 000 - 400 000 "

Fristverlängerung zur Reduzierung
des Bleigehalts im Benzin

20 000

zusätzliche öl Produktion aus
einheimischen Quellen

80 000 - 250 000

Einsparungen durch Bundesbehörden

19 000 - (19 000)

freiwillige Sparmaßnahmen

(Anmerkung:

"

30 000

200 000 - 500 000

Sobald sich die durch die Aufhebung der Preiskontrollen gegebenen

Anreize auswirken, werden die Einsparungen noch wesentlich höher sein.

So dürf-

ten z.B. ab 1982 Einsparungen als Folge der Aufhebung der Preiskontrollen 520 000
600 000 Faß Öl/Tag erreichen.)

Sparmaßnahmen

�Sparmaßnahmen auf weitere Sicht
... Der Präsident gibt Anweisung, daß folgende Schritte unternommen werden,
um den allgemeinen Nutzeffekt der verbrauchten Energie und Einsaprungen zu erhöhen:
1) Beendigung des freien Parkens für Bundesbedienstete
... Allein im Bereich der Bundeshauptstadt Washington ließen sich von
diese

Maßnahmen zur Einschränkung des Individualverkehrs

- von der Ausnahmen

nur bei zwingenden Gründen gestattet sein sollen - täglich 21 000 bis 23 000
Liter Benzin einsparen.

Bundesweit angewandt, wären beträchtliche Einsparungen

zu erzielen...
2) Energiebezogene Normen für Gebäude
... Das Bundesministerium für Wohnungsbau und Stadtentwicklung und das
Bundesenergieministerium

wurden angewiesen, energiebezogene Normen für neuge-

baute Wohnungen und öffentliche bzw. kommerzielle Bauten auszuarbeiten.

Diese

Normen, die im Februar 1980 veröffentlicht werden, schreiben bestimmte Werte
vor (z.B. Heizenergie pro qm pro Jahr)...
3) Spar-Dienstleistungen von Versorgungsbetrieben für Verbraucher
... Der Präsident ersucht Versorgungsunternehmen und Heizölhändler, ihren
Kunden Spar-Dienstleistungen, die auf freiwilliger Basis anzuwenden wären, baldmöglichst anzubieten... Das Energieministerium ist bereit, bei den einzelstaatlichen öffentlichen Kommissionen für Versorgungsunternehmen zu intervenieren,
um die Annahme günstiger Pläne der Betriebe zu gewährleisten und die Versorgungsunternehmen zur Einleitung entsprechender Programme zu ermutigen...
4) Bildung von Koordinierungsausschüssen zur Verbesserung der Energienutzung
auf nationaler Basis
Der Präsident hat Energieminister Schlesinger angewiesen, dem Koordinierungsausschuß für Energiefragen eine Sonderarbeitsgruppe anzugliedern, die Empfehlungen für eine bessere Energienutzung ausarbeitet.

Sie wird sich weniger auf Kurz-

zeit-Sparprobleme, sondern in erster Linie auf die Identifizierung langfristiger
6 -

�langristiger Maßnahmen konzentrieren, um die Produktivität auf dem Energiesektor
in allen Wirtschaftsbereichen stetig zu erhöhen...

II. Neue Initiativen zur Energieversorgung

... Der Präsident kündigt eine Anzahl neuer Programme an, die darauf abgestellt sind, die einheimische Produktion von öl, Erdgas und Kohle zu erhöhen
und die Nutzung dieser Rohstoffe zu verbessern.

Dabei ist die Aufhebung von

Preiskontrollen für in den USA produziertes Rohöl von großer Bedeutung.

Der Prä-

sident leitet ein Programm ein, mit dem stufenweise die Preiskontrollen bis spätestens 30. September 1981 aufgehoben werden.

Er ersucht außerdem den Kongreß

dringend um Maßnahmen zur Besteuerung der konjunkturbedingten Gewinne der Mineralölfirmen im Zusammenhang mit der Aufhebung der Preiskontrolle, um die Öffentlichkeit vor ungerechtfertigten Gewinnsteigerungen der Mineralölfirmen zu schützen.

1) Preisgestaltung bei Rohöl
... Bei dem jetzt der Preiskontrolle unterliegenden öl sind im allgemeinen
zwei Kategorien zu unterscheiden:

Niedriger eingestuftes oder "altes" öl, de-

finiert als öl aus Vorkommen, die vor 1973 entdeckt und erschlossen wurden, und
höher eingestuftes oder "Neuöl", zu dem alle danach aufgefundenen Vorkommen gehören, für die keine Ausnahmeregelung gilt.

(Einige Kategorien sind auch heute

von Preiskontrollen ausgenommen, darunter öl von Quellen, die weniger als 10 Faß
pro Tag liefern, öl aus dem Norden Alaskas und aus regierungseigenen Vorkommen
wie z.B. der nationalen Erdölreserve Elk Hills in Kalifornien.)
zwei Drittel allen in den USA produzierten

Schätzungsweise

Öls steht z. Zt. unter Preiskontrolle.

Das restliche Drittel fällt unter eine der Ausnahmekategorien,

Niedrig einge-

stuftes öl kostet heute sechs Dollar pro Faß, höher eingestuftes öl etwa
13 Dollar ...

Zeitplan

�•

I

,

Zeitplan für die Aufhebung der Preiskontrollen
...Ab 1. Juni 1979 darf neu entdecktes öl zu Weltmarktpreisen gehandelt
werden.

Während zu Beginn nur eine geringe Menge unter diese Kategorie fiele,

wird Neuöl in dem Maße, in dem neue Vorkommen gefunden und erschlossen werden,
immer mehr zur Versorgung der USA beitragen.
•

"...Das Energieministerium hat eine Anordnung veröffentlicht, derzufolge
am 1. Juni 1979 00 Prozent der Produktion aus wenig ergiebigen Quellen zum höheren
Preis verkauft werden dürfen.

Es handelt sich um Quellen, die je nach Bohrloch-

tiefe unter einer bestimmten ölmenge pro Tag liefern, , Am 1. Januar 1980 werden
auch die restlichen 20 Prozent dieser "Marginalquellen" für die höhere Preiskategorie freigegeben.
..„Ab 1. Juni 1979 kann jeder zusätzliche Ertrag aus neuer Produktion von
Quellen, bei denen besondere Verfahren zur Produktionssteigerung angewandt werden (z.B. Tertiärförderung) auf Weltmarktpreis angehoben werden. Ab 1 Januar
1980 können Produzenten, die Investitionen für fortgeschrittene Fördertechniken
tätigen, bestimmte Mengen von subventioniertem Billigöl in die höhere Preisklasse
bringen, um die Investitionen zu finanzieren... Ab 1. Januar 1980 wird der Preis
für das höher eingestufte öl von Monat zu Monat um den gleichen Betrag weiter
versteuert, bis er am 1. Oktober 1981 das Niveau des Weltmarktpreises erreicht,
Am 5. April 1979 hat das Energieministerium eine Vorschrift veröffentlicht,
derzufolge bei Billigöl eine monatliche Produktionsreduzierung um dre&lt; Prozent
zugestanden wird. Vom 1. Juni 1979 bis 1. Januar 1980 wird eine Minderleistung
der Förderung um 1,5 Prozent pro Monat eingeräumt, die ungefähr dem natürlichen
Rückgang entspricht, wie er im Jahr 1978 bei Billigöl fördernden älteren Quellen
beobachtet wurde... Der Präsident ist auch weiterhin befugt, Preiskontrollen
in jeder erforderlichen Weise den Gegebenheiten anzupassen,
Besteuerung

�Besteuerung von Konjunkturgewinnen

Um zu verhindern, daß den ölproduzenten übermäßig hohe neue Gewinne zufließen, ersuchte der Präsident den Kongreß um Zusammenarbeit für den Erlaß
eines Konjunkturgewinnsteuer-Gesetzes.

Diese Konjunkturgewinnsteuer in Höhe

von 50 Prozent würde angewendet bei:

- Einkünften der Produzenten vom Verkauf von nicht preisgebundenem öl,
die weiteren Preiserhöhungen seitens der OPEC-Länder (Erdöl-Förderländer) zuzuschreiben sind,

- Einkünften der Produzenten aus dem Verkauf von öl der niedrigeren und
höheren Preisklasse, die sich aus der Aufhebung der Preiskontrolle ergeben.
2) Reform von Auslands-Steuerabschreibungen für Mineralölgesellschaften
Multinationale Mineralölgesellschaften haben ungerechtfertigte Vorteile
durch Auslandssteuerabschreibungen, die die amerikanischen Steuerzahler jährlich Millionen Dollar kosten...

Der Präsident wird ein Gesetz vorschlagen, das

die Steuerabschreibung in den Vereinigten Staaten für die öl- und Gasfördersteuer im Ausland strikt auf die Einkünfte begrenzt, auf die diese Steuern erhoben werden,

überhöhte Steuerabschreibungen "aufgrund von Einkünften durch

öl- und Gasförderung im Ausland könnten dann nicht mehr, wie bisher, auf andere
Einkünfte aus niedrigbesteuertem Einkommen wie aus der Tankerflotte und aus Auslandsraffinerien angewandt werden...

Außerdem überprüft das Finanzministerium gegenwärtig die Vorschriften
im Zusammenhang mit einer Straffung der Auslandssteuerabschreibungen für Einkünfte aus öl und Gas, indem vernünftige Prinzipien zur Anwendung der Vorschriften für die Unterscheidung ausländischer Einkommensteuern (die gegen amerikanische
Einkommensteuern aufgerechnet werden können) von Erträgen und Verbrauchssteuern,
die nur steuermindernd wirken können, zugrunde gelegt werden.

3) Verstärkte Produktion von Bohrinseln auf bundeseigenen ölfeldern und
Offshore-Verpachtungsplan für das nationale Erdölvorkommen in Alaska
Der
- 9-

�Der Präsident hob die Bedeutung von Exploration und Erschließung amerikanischer Offshore-Vorkommen von Erdöl und Erdgas hervor.

Das Bundesinnenmi-

nisterium verfolgt bereits einen zügig vorangetriebenen Plan zur Verpachtung
von Offshore-Feldern, demzufolge jährlich fünf Verträge abzuschließen sind.
Bisher wurde dieser Zeitplan mit einem Minimum an Verzögerung eingehalten...
Die Verabschiedung von Zusatzbestimmungen zum Gesetz über Offshore-Gebiete im vergangenen Jahr machte den Weg frei für die Zuteilung noch größerer
Offshore-Plots als je zuvor in der amerikanischen Geschichte,..

Erschließung der nationalen Erdölvorkommen in Alaska
Die nationalen Erdölvorkommen im Norden Alaskas gelten schon lange als
vielversprechende Reserven an Erdöl und Erdgas.

Obgleich die Schwierigkeiten

für Exploration und Erschließung unter arktischen Verhältnissen die Produktion
aus diesem Gebiet zu einer langfristigen Angelegenheit machen, wird der Präsident dem Kongreß Vorschläge zur Exploration und Erschließung unter sorgfältig
kontrollierten Bedingungen durch private Firmen unterbreiten.

Diese Empfehlungen

gründen sich auf eine Erhebung des US-Innenministeriums zu den nationalen Erdölvorkommen in Alaska, die gegenwärtig fertiggestellt wird.

Die Ergebnisse

dieser Erhebungen werden eine Grundlage für die Empfehlungen abgeben, die der
Präsident im Spätherbst dieses Jahres dem Kongreß unterbreitet.
4) Kohle
... Der Präsident hat folgende Schritte angeordnet:
- Verpachtung und Erschließung von Kohlefeldern
... Der US-Innenminister hat den Abschluß von Pachtverträgen für Kohlefelder auf bundeseigenem Land beschleunigt, so daß für 1978 und 1979 die Zahl
der Verträge im Vergleich zu den vorangegangenen sieben Jahren größer ist. Soweit erforderlich werden zusätzliche Verpachtungen von Kohlefeldern auf Bundesland genehmigt.

Der Präsident hat außerdem die Chefs der Bundesbehörden, die
- 10 -

�die in erster Linie für die Regelung der Aktivitäten der Kohleindustrie verantwortlich sind, angewiesen, sich innerhalb von 60 Tagen zu Möglichkeiten für
eine Steigerung von Produktion, Erschließung und Anwendung von Kohle zu äußern.
Die zuständigen Behörden sind das Innenministerium, das Energieministerium und
das Amt für Umweltschutz.
- Kohlevergasung
Der Präsident ersuchte das Energieministerium auch um künftige Unterstützung beim Abbau regulativer, finanzieller und institutioneller Barrieren im
Zusammenhang mit der Kohlevergasung auf das notwendige Mindestmaß...
- Gesetz über Pipel ineis für den Transport von Kohleschlamm
Um die Möglichkeiten zur Nutzung von Kohle zu verbessern und sie aus den
Förderregionen bei Verbraucherbetrieben anzuliefern, setzt sich die Regierung
für gesetzliche Regelungen ein, die gewährleisten, daß für Pipelines zum Transport geschlämmter Kohle die erforderliche Trassenführung genehmigt wird.
5) Garantien zur Kreditgewährung
Der Präsident hat das Energieministerium angewiesen, dem Kongreß eine Vorlage zur Vereinfachung der gegenwärtigen Befugnisse des Energieministeriums zur
Erteilung von Kreditgarantien für ein breites Spektrum von Energietechnologien
zu unterbreiten...
6) Käufe von mexikanischem Erdgas
Während des Besuchs Präsident Carters im Februar 1979 in Mexiko kamen er
und Präsident Lopez Portillo überein, Erörterungen auf Regierungsebene über mögliche Verkäufe von mexikanischem Erdgas auf amerikanischen Märkten wieder aufzunehmen.

Eine Gruppe hoher Beamter des US-Außenministeriums, des US-Energie-

ministeriums und des Nationalen Sicherheitsrates hielt sich vom 3. - 4. April
in Mexiko City zu Gesprächen mit Vertretern der mexikanischen Regierung über
den Umfang der für den Export zur Verfügung stehenden Gasmengen und eine angemessene Preisgestaltung auf...
7) Notwendigkeit

- 11 -

�7) Notwendigkeit breit gestreuter öl lieferquellen
... Der Präsident konnte bereits die Weltbank ermutigen, Explorationen
zur Auffindung von Kohlenwasserstoffen in
finanzieren.

bestimmten Entwicklungsländern zu

Die breit angelegte internationale Strategie der Regierung sieht

außerdem zusätzliche Optionen auf die Finanzierung der Exploration und Erschließung von Erdöl vor.
8) Die Standard Oil Company of Ohio (SOHIO)
Der Präsident hat verfügt, daß das Energieministerium mit Kalifornien
bei der Vorbereitung eines Bundesgesetzes zusammenarbeitet, das gewährleistet,
daß die SOHIO-Pipeline gebaut werden kann...

Sie würde ein wirksames Mittel

darstellen, um Rohöl vom Norden Alaskas, das im Bereich der Westküste nicht benötigt wird, den Inlandmärkten zuzuführen...
9) Pipeline zur Bedienung der Nordregion der Vereinigten Staaten
Es liegt unbedingt im nationalen Interesse, ein leistungsfähiges System
für den Transport von Rohöl aus Alaska von der Westküste in die Bundesstaaten
im Innern der USA zur Verfügung zu haben. Aufgrund des Nationalen Energiegesetzes wird derzeit ein beschleunigtes Verfahren durchgeführt, das dem Präsidenten die Entscheidung erlaubt, welche Pipeline oder Pipelines dem nationalen
Interesse am besten dienen. Der Präsident hat den Innenminister ersucht, die
Vorauswahl noch rascher durchzuführen, damit der Präsident vor Jahresende die
endgültige Entscheidung treffen kann. Mit Kanada wurde bereits erörtert, wie
Empfehlungen der kanadischen Regierung zu den vorgeschlagenen Pipeline-Systemen
beschleunigt zu erhalten wären...
10) Bundesinspektor für Erdgaspipeline aus Alaska
Am 1. April unterbreitete der Präsident dem Kongreß Vorschläge zu einem
Reorganisationsplan, denen zufolge für das Pipeline-System für Erdgas aus
Alaska ein Bundesinspektionsamt eingerichtet würde. Die Schaffung des Amtes
und die Gewährung der notwendigen Befugnisse für Koordinierung und Durchführung
stellen einen überaus wichtigen Schritt zur Fertigstellung der Alaska-Erdgaspipeline dar..j
11) Änderung
- 12 -

�11) Änderung der Restriktionsbestimmungen für den Verkauf von Alaska-Öl
Die Kompetenz des Präsidenten, Exporte von Alaska-Öl oder Tauschgeschäfte
damit in Erwägung zu ziehen, ist aufgrund der Zusatzbestimmungen zum ExportDurchführungsgesetz (Export Administration Act) stark eingeschränkt.

Dieses Ge-

setz erlischt am 22. Juni 1979, und der Präsident hat die verschiedenen Behörden,
die mit der Fortführung des Export-Durchführungsgesetzes nach diesem Zeitpunkt
befaßt sind, angewiesen, sich um eine Streichung dieser einschränkenden Bestimmungen zu bemühen.

Während bisher kein

Vorschlag zum Export oder zu Tauschgeschäften mit

Alaskaöl gemacht wurde - und vielleicht nie gemacht werden wird -, ist es wichtig, dem Präsidenten ausreichende Flexibilität zuzugestehen, damit er verschiedene Alternativen für eine Steigerung der Produktion von unseren Ölvorkommen in
Alaska in Erwägung ziehen kann.

Tauschgeschäfte könnten zu beträchtlichen Ein-

sparungen von Transportkosten führen, die Verbindungen zu Mexiko stärken und
die amerikanische Zahlungsbilanz entlasten.

Außerdem wäre eine solche Flexibili-

tät wichtig, weil sie wirksames Mittel zur Erfüllung unserer ölliefer-Vereinbarungen mit Israel schaffen würde.

Jedoch müssen noch viele andere Faktoren in

Erwägung gezogen werden, um über die Zweckmäßigkeit und die genau definierten
Komponenten eines Alaskaöl-Tauschgeschäfts zu entscheiden.

Eine Abänderung der

Kompetenzen des Präsidenten ermöglichte jedoch promptes Handeln, wann immer
dies erforderlich wäre.
12) Regierungsverordnung zur Stationierung von Bundeseinrichtungen auf dem
Energiesektor
Der Präsident wird eine Regierungsverordnung unterzeichnen, die das Amt
für Planung und Haushalt dahingehend instruiert, einen Organisationsplan zu
schaffen, nach dessen Richtlinien Termine für Bundesentscheidungen über Genehmigungsanträge für wichtige Energieanlagen gesetzt werden.

Die Bundesstaaten er-

sucht der Präsident dringend, ähnl iche Zeitpläne, die streng einzuhalten sind,
für die von den Einzelstaaten zu genehmigenden Aktionen zu schaffen...

13) Gesetz

- 13 -

�• -

13) Gesetz über die Partnerschaft bei der Durchführung von Energieprojekten
(EMPA)
Der Präsident wird dem Kongreß einen Gesetzesvorschlag zur Reform der bestehenden Zuschußprogramme für einzelstaatliche Energieprojekte, die vom USEnergieministerium betreut werden, unterbreiten...
14) Kernenergie
Wie der Präsident bereits in seiner Rede erwähnte, hat der kürzliche Störfall im Kernkraftwerk Three Mile Island uns alle besorgt gemacht.

Als Reaktion

auf diesen Störfall verfügte der Präsident, daß eine völlig unabhängige Expertenkommission berufen werde, um zu untersuchen:
- Die Umstände, die zu dem Störfall führten, und die Kette der Folgeereignisse;
- die technischen Fragen, die dieser Störfall hinsichtlich des Funktionierens der Sicherheits- und Reservesysteme dieser Anlage samt ihrer ganzen
Konstruktion aufwirft;
- Art und Angemessenheit der Reaktionen von Regierungsstellen auf allen
Ebenen auf diesen Störfall.
Es wird vorausgesetzt, daß diese Kommission umgehend die Arbeit aufnimmt
und so rasch wie möglich dem Präsidenten Bericht erstattet.
Der Präsident appellierte an die Nation, objektiv und angemessen auf diesen Störfall zu reagieren und zu bedenken, daß fast 13 Prozent der amerikanischen
Stromproduktion aus Kernkraftwerken kommen.
Er ersuchte die Nukleare Aufsichtskommission (NRC), eine unabhängige
Körperschaft, schneller als zunächst vorgesehen in jedem Atomkraftwerk einen
ständigen NRC-Inspektor zu stationieren., Aufgrund der gegenwärtigen Bestimmungen sind Inspektoren bei 20 Reaktoranlagen stationiert und haben 26 einzelne

�einzelne Reaktorblöcke zu überwachen.

Nach dem Störfall im Atomkraftwerk Three

Mi 1e Island hat die NRC außerdem Inspektoren zu den drei weiteren Standorten
entsandt, wo sich Reaktoranlagen der gleichen Konstruktion befinden
Der Präsident instruierte ferner das Energieministerium, mit der NRC
eng zusammenzuarbeiten, um zu ermitteln, ob und welche zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen erforderlich seien.
Um mit dem Kongreß die bereits im vergangenen Jahr begonnenen wichtigen
Erörterungen über Standortwahl für Atomkraftwerke und Genehmigungsverfahren
wieder aufnehmen zu können, wird der Energieminister in Kürze Gesetzesvorschläge
über Standortwahl und Genehmigungsverfahren unterbreiten. Es ist überaus wichtig, daß Fragen darüber, ob der Zeitplan für die Durchführung des Verfahrens
auch den Sicherheitserfordernissen entspricht, gründlich überprüft werden und
entsprechende Abänderungen erfolgen, Die Regierung wünscht eine enge Zusammenarbeit mit dem Kongreß bei der Festsetzung der geeigneten nächsten Schritte für
die Verbesserung des Verfahrens von Standortwahl und Genehmigung, um sowohl mehr
Sicherheit als auch optimale Ergebnisse zu erreichen.

III,, Der Energi e sie he ru ^9 s f Q nd s
1. Beihilfe für Bevölkerungsschichten mit niedrigem Einkommen
Die Aufhebung der Preiskontrollen bei öl werden sich bei allen Bürgern unseres Landes auswirken. Aber die Bürde wird am schwersten für Familien mit niedrigem Einkommen sein, die sowieso einen großen Teil ihrer Einkünfte für Heizung,
Strom, Transportmittel und andere energiebezogene Erfordernisse aufwenden.
Hauptzweck des Energiesicherungsfonds wird es deshalb sein, solche Familien zu
unterstützen, die von der Erhöhung der Brennstoffpreise als Folge der Aufhebung
der Preiskontrollen am meisten betroffen sind.
Der
- 15 -

�Der 0&gt;~äsident wird den Kongreß ersuchen, einen Teil der Einkünfte aus der
Konjunkturgewinnsteuer, die im Energiesicherungsfonds anfallen, für Bevölkerungsschichten mit niedrigem Einkommen bereitzustellen.

Dieses Hilfsprogramm sähe

im Durchschnitt für eine Familie dieser Einkommensgruppe pro Jahr etwa 100 Dollar
vor...

2. Verbesserung der Massenverkehrsmittel
... Falls der Kongreß die Energiesicherungssteuer beschließt, wird der
Präsident vorschlagen, die Finanzierung von Verkehrsprojekten zu erweitern, die
baldmöglichst gute Resultate versprechen.

Im Verlauf der nächsten 10 Jahre wür-

den insgesamt 3,1 Milliarden Dollar aus dem Energiesicherungsfonds für solche
Zwecke abgezweigt - zusätzlich zu den Mitteln, die heute für Projekte auf dem
Gebiet des Massenverkehrs geplant sind...

3. Investitionen auf dem Sektor Energie
... In seinen Vorschlägen für den Etat zum Haushaltsjahr 1980 ersuchte
der Präsident den Kongreß bereits, mehr als 3,6 Milliarden Dollar für Energieforschung und Technologie-Entwicklungen zu genehmigen. Diese Mittel werden
helfen, ein breites Spektrum neuer technologischer Optionen zu entwickeln, wodurch es möglich wird, einheimische Energiequellen in größerem Umfang sicher
und mit geringer Umweltbelastung zu nutzen,..
Darüber hinaus ist der Einsatz von Kreditgarantien und Steuerabschreibungen
in Höhe von Millionen von Dollar dafür bestimmt, zu einer umfangreicheren Nutzung einheimischer Energiequellen zu ermutigen.

Unsere Investitionen für Energie-

technologien sind allein so hoch wie die aller übrigen Länder der nicht-kommunistischen Welt zusammen. Aber selbst auf diesem Niveau reichen sie nicht aus, dem
tatsächlichen Bedarf gerecht zu werden.

Die Verabschiedung des Gesetzes über

eine Konjunkturgewinnsteuer durch den Kongreß und die Schaffung des Energiesicherungsfonds wird uns in die Lage versetzen, unsere Energieinvestitionen fast
- 16 -

�fast zu verdoppeln...

Entwicklung von Kleinprojekten als Reserve

Das US-Energieministerium wird in Verbindung mit dem Aufbau des Energiesicherungsfonds ein Programm zur Entwicklung von Kleinprojekten in Angriff nehmen.

Außerdem wird das Energieministerium den Umfang der Kontrakte über Klein-

projekte ausweiten...

Regionale Speicherkapazitäten für die strategische Erdölreserve

... Die zentrale Lagerung von Rohöl in der Region der Golfküste war eigentlich als Schutzmaßnahme für die gesamte amerikanische Bevölkerung gedacht.
Aber übermäßige Transportschwierigkeiten und die hohe Abhängigkeit von importierten Mineralölprodukten lassen eine stärker regional ausgerichtete Lagerung
von Rohöl und Mineralöl Produkten insbesondere im Hinblick auf Hawaii und den
Nordosten der USA besser geeignet erscheinen.

Aus dem Energiesicherungsfonds würden die anfallenden Kosten für die Erschließung und den Unterhalt von Lagervorrichtungen bezahlt, um in Reserve zu
halten:
- 10 Millionen Faß Schweröl in der Nordostregion;
- 10 Millionen Faß Heizöl in den Speicheranlagen an der Golfküste zur Verwendung in den Nord-Ost-Staaten; und
- 3 Millionen Faß Erdöl in Hawaii (2,3 Millionen Faß Rohöl und 700 000
Faß Flugzeugtreibstoff)...

Mehr Geldmittel für Kohleforschung und -entwicklung»eine zweite Demonstrationsanlage für den SRC-Prozeß sowie Kreditgarantien für Demonstrationsanlagen

... Im Voranschlag des Präsidenten für das Haushaltsjahr 1980 sind für das

- 17 -

�das Energieministerium 663 Millionen Dollar für Forschungs- und Entwicklungsprojekte auf dem Kohlesektor angefordert.

Falls der Kongreß die Energiesi-

cherungssteuer verabschiedet, stehen mehr Mittel zur Verfügung, die sich gewinnbringend einsetzen lassen, um bessere Wege zu vermehrter Nutzung dieses
Rohstoffes zu finden.
Es würden dann zusätzliche 10 Millionen Dollar pro Jahr aus dem Energiesicherungsfonds dafür verwendet, die Entwicklung von Technologien zu beschleunigen, welche eine umfangreichere Nutzung der Kohle erlauben, ohne daß Zugeständnisse an wichtige Aufgaben des Umweltschutzes gemacht werden müßten...
Aus dem Energieentwicklungsfonds werden Mittel für Kreditgarantien zur
Finanzierung von Energieentwicklungsprojekten bereitgestellt, die staatliche
Hilfe nur benötigen, um neue Technologien auf dem Markt einzuführen...

Steuerabschreibungen für die Erschließung von Ölschiefer
Falls öl aus Ölschiefer zu einem wettbewerbsfähigen Preis und in einer
für die Umwelt akzeptablen Weise hergestellt werden kann, könnten die ölschiefervorkommen in den USA bis zu 700 Millionen Faß öl liefern - ein Vielfaches
dessen, was die bis heute bekannten Rohölvorkommen Saudi-Arabiens enthalten.
Der Präsident schlägt vor, Steuerabschreibungen bis zu 3 Dollar pro Faß
aus der SchieferölProduktion mit Geldern des Energiesicherungsfonds zu finanzieren, um bis Mitte der achtziger Jahre Demonstrationsanlagen für den kommerziellen Abbau von Ölschiefer für die wirtschaftlichsten und umweltschonendsten
Verfahren zur Verfügung zu haben. Die Steuerabschreibungsmöglichkeiten werden
auszulaufen beginnen, wenn die Weltmarktölpreise 20 Dollar pro Faß erreichen
(unter Berücksichtigung der Inflation), und sie werden völlig eingestellt, wenn
die 23-Dollar-Marke erreicht ist. Es ist zu erwarten, daß im letzten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts bis zu 300 000 Faß öl pro Tag aus Ölschiefer gewonnen werden.
- Steuerabschreibungen

�Steuerabschreibungen für holzbeheizte Öfen
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... Beim Kauf und der Installation leistungsfähiger holzbeheizter Öfen
wären Steuerabschreibungen möglich.

Aufgrund dieser Initiative könnten leistungs-

fähige Holzöfen in das Steuerabschreibungsgesetz von 1978 für Energiesparmaßnahmen einbezogen werden.

Steuerabschrei bungen für ^Sol a ranlagen

Die Regierung hat bereits wichtige Schritte unternommen, um die im Zusammenhang mit Solarenergie gesetzten Ziele zu erreichen.

Die Aufwendungen

für technologische Entwicklungen unter Nutzung der Sonnenenergie sind im Haushaltsvoranschlag des Präsidenten für 1980 um 22 Prozent höher als 1979,

Diese

Steigerung zeigt, wie sehr sich die Regierung für die Nutzung von Sonnenenergie
einsetzt, selbst in einer Zeit strikter finanzieller Sparmaßnahmen.,,

Der Präsident beabsichtigt, aus dem Energiesicherungsfonds Mittel für
folgende Zwecke bereitzustellen:

- Steuerabschreibungen bis zu 20 Prozent des Anschaffungswertes von passiven Solarenergieeinheiten (höchstens 4 Einheiten) beim Bau von Wohnhäusern,
sofern die Konstruktion bestimmten Leistungsnormen entspricht (ein Maximal betrag pro Einheit wird festgesetzt)...

- Zusätzliche Steuerabschreibungen für die Kosten solarer Heizanlagen
für die Erzeugung von Prozeßwärme bei Verwendung von Ausrüstungen mit bestimmten technischen Leistungsnormen.

Kleine Wasserkraftwerke

... Das Energieministerium stellt Mittel für Sondierungsstudien für die
Anlage kleiner Wasserkraftwerke bereit.
- 19 -

Im Rahmen der bestehenden Programme

�Programme werden andere Bundesbehörden Zuschüsse, Kredite und Kreditgarantien
für eine beschleunigte Durchführung solcher Projekte geben.

Steuerbefreiung bei der Verwendung von GASOHOL
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Um die Verwendung und die Produktion von GASOHOL (Benzin mit mindestens
10 Prozent Alkohol) auszuweiten, bemüht sich der Präsident um ein Gesetz, das
die gegenwärtige Befreiung von GASOHOL aus der Benzin-Besteuerung zu einer
Dauereinrichtung macht...

Synthetische Brennstoffe
Zur Zeit befinden sich vielversprechende Verfahren zur Herstellung
synthetischer Brennstoffe, einschließlich Benzin, in der Entwicklung... Der
Präsident hat den Energieminister angewiesen, in Zusammenarbeit mit anderen
geeigneten Bundesbehörden Programme zu entwickeln, die die Privatwirtschaft
ermutigen, sich dieser wichtigen neuen Technologien anzunehmen und sie weiter
auszubauen. Auch dieses Programm wird mit Mitteln des Energiesicherungsfonds
finanziert...

Strategie für die Energietechnologie der Zukunft
Wir werden in den vor uns liegenden Jahren ausreichend Energie zur Verfügung haben, wenn wir heute unsere wissenschaftlichen und technologischen
Ressourcen auf die Entwicklung alternativer Energiesysteme konzentrieren. Wir
sehen uns der Aufgabe gegenüber, eine ordnungsgemäße Überleitung zur Nutzung
sicherer, sauberer und praktisch unerschöpflicher Energiequellen im nächsten
Jahrhundert zu schaffen.
Kurz-

�Kurz- und mittelfristig gesehen werden fossile Brennstoffe - öl, Gas und
in zunehmendem Maße Kohle - unsere wichtigsten primären Energiequellen sein,
während wir gleichzeitig Alternativenergien entwickeln.

Durch technisch ständig weiter verbesserte Exploration und Förderung
sowie die Entwicklung von Technologien für die kommerzielle Nutzung von Ölschiefer, Schweröl und Teersanden werden wir unsere Inlandsproduktion von öl
und Gas erhöhen,und wir werden unsere Lieferquellen für Importöl noch stärker
streuen, wenn immer mehr Länder zu wichtigen Lieferanten für den Weltmarkt
werden.

Kohle wird in zunehmendem Maße öl und Gas als Primärquelle für die Stromerzeugung und für industrielle Prozesse ersetzen.

Weiterentwickelte Technolo-

gien, z.B. Verbrennung im Wirbelbett, werden uns in die Lage versetzen, Kohle
mit höherem Nutzeffekt und geringerer Umweltbelastung zu verwenden.

Und die

Verflüssigung und Vergasung von Kohle gibt uns die Möglichkeit, Ersatz für Erdöl, Benzin und Erdgas unter Verwendung unserer umfangreichsten fossilen Energiequellen zu bekommen.

Bei weiteren technologischen Fortschritten kann eine sichere, zuverlässige und das vorhandene Uran besser nutzende Kernkraft eine wichtige Rolle in
der Gesamtstromerzeugung spielen.

Nukleare Abfälle werden in Tiefen, nach geo-

logischen Gesichtspunkten ausfindig gemachten Lagerstätten sicher gelagert,
die eine sorgfältige Auswahl, sorgfältigen Ausbau und umfassende Erprobung
erfordern.

Gleichzeitig werden wir aber auf eine ständig steigende Nutzung erneuerungsfähiger Energiequellen dringen.

Solarheizung, Erzeugung von Wärme,

Strom und Alkohol aus sog. Biomassen wie Holz und landwirtschaftlichen Abfällen, kleine Wasserkraftwerke, Erdwärme und Windkraft - all dies wird in
größeren Umfang genutzt werden.

Auch Solarzellen und Windenergie werden be-

achtliche Beiträge leisten.
Fortschritte
- 21 -

�Fortschritte bei der Energieeinsparung sowie Neuerungen bei der Anwendung
der bisher ..Wichen Technologien und die Einführung neuer Technologien sind geeignet, dramatische Entwicklungen herbeizuführen.
- Die Industrie wird in zunehmendem Maße zu einer besseren Energienutzung
kommen, wie neue Betriebe und Anlagen mit modernsten Ausrüstungen eingesetzt
werden.
- Verbrauchsgüter wie z.B. Kraftfahrzeuge werden weitaus energieeffizienter sein.
- Neubauten werden Energie mit einem höheren Wirkungsgrad nutzen, besser
isoliert sein und mehr Gebrauch von passiven Solarenergieanlagen machen.
- In dem Maße, in dem die direkte Verwendung von Kohle und anderen Substitionsenergien zunimmt, wird die Verwendung kostspieliger flüssiger und gasförmiger Brennstoffe auf bestimmte Gebiete beschränkt bleiben - beispielsweise Verkehrswesen und Wohnhausbeheizung, wo sie am vorteilhaftesten einzusetzen sind.
- Die Wiederverwendung von Abfall kann zu einer wichtigen Quelle sowohl
für Energie als auch für andere Rohstoffe werden.
- Technologiefortschritte werden es uns ermöglichen, noch mehr Elektrizität einzusetzen, um flüssige und gasförmige Brennstoffe beispielsweise im Verkehrswesen einzusparen. Neuartige Gebührenordnungen könnten dazu führen, daß
sowohl die Industrie als auch der private Haushalt den Stromverbrauch wirtschaftlicher gestalten.
Wenn wir gut planen und umgehend handeln, können wir hochentwickelte alternative Energiesysteme schon lange vor dem Zeitpunkt zur Verfügung haben,
an dem - irgendwann im nächsten Jahrhundert - die fossilen Brennstoffe zu Ende
gehen.

Das amerikanische Volk wird in zunehmendem Maße weitgehend unerschöpf-

liche Energiequellen benutzen, nicht zuletzt unter dem Druck der hohen Kosten
- 22 -

�Kosten der sich allmählich erschöpfenden fossilen Brennstoffe und möglicherweise
auch unter dem Druck von Umweltproblemen.

Dennoch können synthetische flüssige

und gasförmige Brennstoffe noch von großer Bedeutung bleiben.
Für die Stromproduktion gibt es drei wichtige Quellen:
- Systeme für die Umsetzung von Sonnenlicht in Strom;
- Verbesserte sichere, weiterentwickelte Nukleartechnologien, einschließlich Brutreaktoren;
- Kernfusion, eine saubere Energiequelle unter Einsatz von reichlich vorhandenen Wasserstoffisotopen als Rohstoff.
Damit fortgeschrittene Technologien nicht erschöpfbare" Energiequellen
aller Wahrscheinlichkeit nach zur Stromproduktion benutzt werden, wird die
amerikanische Nation auch neue Wege der Nutzung von Elektrizität gehen und in
zunehmendem und ständig verfeinertem Maße Computer beim Einsatz von Energie
verwenden.
Auch andere regenerationsfähige Energiequellen - Biomassen, Erdwärme, Windkraft und die Wärmeenergie der Weltmeere - werden wichtige Rollen spielen.
Wir können heute nicht wissen, welche Technologien es im einzelnen se^n
werden, mit denen künftig unser Energiebedarf gedeckt wird. Aber wir kennen
die Aufgaben, die vor uns 'iegen, Und angesichts der heutigen Errungenschaften
amerikanischer Wissenschaft und Technik können wir die Saat für eine sichere
Energiezukunft erkennen. Der vom Präsidenten vorgeschlagene Energiesicherungsfonds ist eine Investition in diese Zukunft - in Forschung, Entwicklung und Demonstrationsanlagen, die notwendig sind, um den Übergang zu alternativen, reichlich vorhandenen, sicheren und sauberen Energiequellen zu beschleunigen.

+ + + + +

- 23 -

�18. April 1979

14

LEHREN VON HARRISBURG
Bessere Sicherheitskonzeptionen für Atomkraftwerke unerläßlich

- (AD) - Die Vorfälle im Kernkraftwerk Three Mile Island bei Harrisburg im amerikanischen Bundesstaat Pennsylvania vom 28. März 1979, die
sich im Zusammenwirken von technischen Pannen und menschlichem Versagen
zu einer Katastrophe auszuweiten drohten, führen jetzt weltweit zu einer
Neubewertung der Sicherheitsprobleme bei der Nutzung der Kernenergie.
Präsident Carter kündigte inzwischen die Überprüfung der Sicherheitssysteme
bei allen amerikanischen Kernkraftwerken an.
Am sechsten Tag nach der Kette von Pannen, die eine höchst gefährliche
Situation aufbauten, konnte Dr. Harold R. Denton von der Nuklearen Aufsichtskommission (NRC) der Vereinigten Staaten auf einer Pressekonferenz
im nahegelegenen Middletown berichten: "Die Lage normalisiert sich
allmählich. Das System zur Beseitigung der Wasserstoffblase im Druckbehälter funktioniert. Der Reaktorkern ist stabil und kühlt sich ab."
Als die zunächst wichtigste Entwicklung war die Tatsache anzusehen,

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn2

Tel )2221-89 3240
Tele. 08-85432

�anzusehen, daß man die Wasserstoffblase über dem Reaktorkern, die noch
zwei Tage zuvor als mögliche und besonders gefährliche Ursache für die
Auslösung einer Explosion galt, zum Verschwinden hatte bringen können "dank unserer Maßnahmen und einigem Glück", wie Dr. Denton sagte.
Erst seit 100 Tagen war der Block Zwei des Atomkraftwerks in Betrieb,
mit dem die "Metropolitan Edison Company" die zentrale Region im Süden
des Bundesstaates Pennsylvania mit Strom versorgte.

Block Eins war wegen

des routinemäßigen Austauschs der Brennstoffstäbe sowieso abgeschaltet.
Es handelt sich um ein Atomkraftwerk mit Druckwasserreaktoren von 960
Megawatt Stromleistung, die von der Firma Babcock &amp; Wilcox gebaut worden
waren.

•

- Die Ereignisse Die Kettenreaktion der Störungen begann mit dem Ausfall eines Ventils
in einem Speisewassersystem "außerhalb der Reaktor-Sicherheitszone", wie
Denton erklärte - ein Ventil an einer Filteranlage, in der Speisewasser
vor der Rückführung in den Wasserkreislauf entmineralisiert wird, öffnete
sich nicht mehr. Dadurch wurde automatisch eine Wasserpumpe abgeschaltet.
An diesem Punkt hätten Reservepumpen in Aktion treten müssen. Aber diese
Pumpen waren zwei Wochen zuvor von Technikern geprüft worden, die dann
vergessen hatten, geschlossene Ventile wieder zu öffnen. So wurde die
Wasserzufuhr zur Dampfturbine unterbrochen. Die Turbine schaltete sich
automatisch ab. Dies wiederum löste die automatische Abschaltung des
Reaktors durch das Einfahren sämtlicher Kontroll Stäbe in den Reaktorkern
aus. Die Kettenreaktion der Atomkernspaltung wurde unterbrochen. Der
radioaktive Zerfall beim Kernbrennstoff ging weiter, jedoch nur mit einem
winzigen Bruchteil der Energie und Wärmeentwicklung, wie sie die Kettenreaktion erzeugt. Aber der im inneren (primären) System vorhandene Dampf,

�Dampf, dessen

Wärmeenergie normalerweise im Wärmeaustauscher auf den

zweiten Dampfkreislauf für den Antrieb der Turbinen übertragen wird und
der sich auf diese Weise abkühlt, strömte in den Primärkreislauf zurück
und erhöhte dort Temperatur und Druck.

Die dem Reaktor angeschlossene

Druckanlage gab über ein automatisches Ventil Dampf in den sogenannten
Kühlkessel ab.
Nächste Pannen: Dieses Ventil schloß sich nicht mehr, der Wasserverlust im Reaktorkreislauf wurde zu groß. Dann strömten radioaktive
Gase in die durch eine 1,20 m dicke Stahl- und Betonmauer nach außen abgeschirmte Sicherheitskammer. Der Kühlwasserverlust setzte die Notkühlung
für den Reaktorkern in Gang - aber ein Techniker schaltete aus irgendwelchen
Gründen dieses System zunächst für eine halbe Minute, dann noch einmal für
10 Minuten ab. Wäre dies nicht geschehen, wäre es vermutlich nicht zu
der nun folgenden gefährlichen Entwicklung gekommen. Durch das Abschalten
der Notkühlung begannen sich die 177 Brennstäbe zu überhitzen. Die
Temperatur im Reaktorkern erreichte stellenweise mehr als 370 Grad Celsius.
Die Zirkonhülsen der Brennstäbe beulten sich aus und bekamen Risse, Wasser
drang zu den Brennelementen ein. Als schließlich das Notkühlsystem wieder
in Gang kam, wurde offenbar Wasser bei der Berührung mit den überhitzten
Metall hülsen zum Teil in seine Bestandteile - Wasserstoff und Sauerstoff gespalten. Und diese Reaktion führte zusammen mit den aus den Brennstoffhülsen austretenden Gasen zur Bildung der Wasserstoffblase über dem
Reaktorkern.
Als Gase in die Reaktorhalle strömten, hätten dort alle Schotten,
die entweder zum Nebengebäude oder ins Freie führten, erschlossen sein
müssen. Aber das war nicht der Fall, so daß radioaktive Gase in die
Atmosphäre entwichen und das Nebengebäude verseuchten. Am 30. März wurde
in der unmittelbaren Umgebung des Atomkraftwerks am Boden eine Radioaktivität
von 20 - 25 Millirem pro Stunde gemessen; am Morgen hatten Betriebsingenieure radioaktive Gase aus Abfalltanks abgelassen. NRC-Direktor
Dr. Joseph M. Hendrie empfahl Gouverneur Thornburg, im Umkreis bis zu
- 3 -

�zu acht Kilometern alle schwangeren Frauen und die Kinder im Vorschulalter Zu evakuieren.

Die Schulen wurden geschlossen und für alle Be-

wohner des Gebiets bis 16 km irr Umkreis Evaku^erungspläne vorbereitet.
Diese Pläne brauchten jedoch nicht in die Tat umgesetzt zu werden.,

- Keine akute Gefahr mehr Acht Tage nach dem Reaktorun^all war die akute Gefahr vorbei.

Seit

dem 5. April untersucht und überwacht ein Roboter, der vom Kernforschungszentrum Oakridge (Tennessee) herangeschafft wurde, die stärker verseuchten
Räume im Betriebs- und Wartungsgebäude unmittelbar neben der Reaktorhalle.
Es gilt zunächst einmal, das Ausmaß der Verseuchung zu ermitteln, beschädigte Leitungen, Pumpen und andere Systeme in diesem Bereich abzustützen und zu reparieren und das Inaangsetzen eines Planes für die
"Kaltstillegung"

des Kernreaktors vorzubereiten.

Schon einige Tage

zuvor hatte die Betriebsleitung bekanntgegeben, daß nach Abkühlung des
Reaktors auf 177°C und Senkung des Drucks auf 2,5 kg/qcm ein Kühl verfahren
vorgesehen sei, das die Zerfallswärme ableite und schließlich zu einer
"Kaltstillegung" führe, bei der die Temperaturen im Innern unter der
Siedetemperatur von Wasser liegen.

Dieser Punkt dürfte nach frühestens

10 - 15 Tagen erreicht werden.
Inzwischen hatte man dafür einen neuen Plan ausgearbeitet, der den
Betrieb von Pumpen und anderen Ausrüstungen innerhalb der Reaktorschale
auf ein Minimum beschränkt. Unter der Einwirkung der intensiven Strahlung
waren einige Teile funktionsunfähig geworden. Der neue Kühl plan reduziert
auch ein Freiwerden von verseuchtem Material auf ein Minimuii, weil das
radioaktive Gas aus dem Nebengebäude in die Sicherheitskammer zurückgepumpt wird. Aufgrund der neuen Pläne wird der Dampfgenerator zum Kühlen
statt zum Aufheizen von Wasser, und natürliche Zirkulation (aufsteigendes

_ 4 .

�(aufsteigendes heißes Wasser und absinkendes kühleres Wasser) wird für
die Reaktorkühlung benutzt.

Heißes Wasser vom Reaktor fließt durch Röhren

zum oberen Teil des Generators, kühlt sich während des Weiterleitens zum
unteren Teil ab und fließt von dort über ein weiteres Röhrensystem zum
Reaktor zurück.

Das Verfahren ist einsatzfähig, sobald die Abschirmung

und Filteranlagen im Nebengebäude betriebsfertig sind.
In den ersten Tagen liefen im Nebengebäude 30 000 Liter verseuchten
Wassers aus Abwassertanks aus. Inzwischen konnte man das meiste wieder
einsammeln, aber Rückstände von radioaktivem Jod und Kobalt haften noch
am Boden und an den Wänden. Aus Rohrleitungen müssen laufend Wasserproben
entnommen werden, über die der Reaktorkammer Kühlwasser zugeleitet wird.
Der zwei Meter große Roboter, dessen Instrumente durch dickes Glas und
Stahl abgeschirmt sind, hat einen auf vier Meter ausfahrbaren Manipulator,
mit dem Gegenstände bis 73 kg Gewicht gehoben und bis zu 227 kg Gewicht
gezogen werden können. Mit seiner zweifingrigen Klauenhand vermag er
Strahlenmeßgeräte und andere Instrumente aufzunehmen und an bestimmten
Stellen abzusetzen. Zwei geschützte Fernsehkameras an Auslegern zu beiden
Seiten des Armes bilden die "Augen" für die Kontrolleure des Roboters,
die ihn mehr als 30 verschiedene Bewegungen und Funktionen ausführen
lassen können. Er wird über ein 233 m langes Kabel gesteuert und bewegt
sich auf 1,5 m langen raupenähnlichen Bändern.
Im abgeschirmten Reaktorgehäuse selbst befinden sich noch ca. eine
Million Liter verseuchtes Wasser zusammen mit stark radioaktivem Gas.
Die Strahlung von Wasser und Gas hat das gesamte Material Spektrum eines
Reaktorkerns als Quelle, u.a. Spaltprodukte von Strontium 90, Rubidium 86
und 89

bis zu Caesium und Tritium.

An das Reinigen dieses Teils des

Atomkraftwerks und schließlich an die Entfernung und Untersuchung der
Brennstoffstäbe wird man erst in Monaten bzw. Jahren gehen können.
Entseuchungspläne wurden bereits in Angriff genommen. Wände und
Kuppel der Reaktorschale, Gas und Wasser sowie sämtliche Ausrüstungen
- 5 -

�Ausrüstcngen müssen entweder gereinigt ode:* entfernt bzw. zerlegt und in
strahlensicheren Behältern an sichere Orte in Südkarol uia, Nevada oder im
Bundesstaat Washington für die Zwisehen!agerüng gebracht werden
für eine Langzeit.lagerung

Anlagen

stark radioaktiven Materials wurden bisher von

der US-Regierung noch nicht genehmigt.

Wie Robert M, Bernero

von der

NRC erklärte, kann das Wasser durch verschiedene Verfahren, einschließlich
Sieden und Verwendung chemischer oder anderem Filter, gereinigt werden,, Das
Gas würde durch chemische oder kältetechnische Verfahren verflüssigt,,
Radioaktives Xenon ließe sich ausfrieren, Jod mittels Aktivkohle abfiltrieren.
Für feste, radioaktiv gewordene Partikel, die mit dem Wasser durch den
Reaktorkern strömten, gibt es ebenfalls wirksame Abscheidungsverfahren.

- Strahlenrisiko In einer am 6,. April vom Weißen Haus veröffentlichten Erklärung
wurde eine Gefährdung der Bevölkerung durch Nahrungsmittel aus der näheren
und weiteren Umgebung des Reaktorstandorts verneint- Zwei Tage zuvor
hatte Gesundheitsminister Joseph A„ Califano in seiner Stellungnahme vor
einem Untei usschuß des US-Senats die mögliche Strahlenexposition der
Bevölkerung in Reakto»*nähe erörtert. Er erklärte u.a.:
"Die Einheit, die gewöhnlich zur Messung einer Strahlendosis benutzt
wird, ist das REM, das sich auf die Strahlenmenge bezieht, die ein bestimmtes Ausmaß an biologischer Schädigung in Gewebe verursacht.

Da aber

ein REM eine viel zu große Einheit ist, um damit die relativ niedrigen
Strahlenpegel vieler Arten von UmweHstrahlung zu beschreiben, werden die
Dosen in Tausendstel REM oder Mi 1 U r e m ausgedrückt.
Boden emittieren natürliche radioaktive Strahlung.

Luft, Wasser und
Sie macht etwa 50

Prozent der Strahlung aus, der im Durchschnitt der Mensch ständig ausgesetzt ist.

Von den übrigen 50 Prozent stammen neun Zehntel von medizinisch

- 6 -

�medizinisch eingesetzten Röntgenstrahlen und Radionukliden, das restliche
Zehntel aus radioaktivem Fallout, industriellen Prozessen, Erzeugung von
Kernkraft und Gebrauchsgütern.
Die durchschnittliche Jahresdosis aus natürlicher "Hintergrundstrahlung" beträgt in den USA für jede Person ca. 130 Millirem, aus
medizinischen Quellen nahezu 70 Millirem, so daß, alle Strahlungsquellen
berücksichtigt, die Exposition pro Jahr bei etwa 200 Millirem liegt.
Aufgrund der bisher vorliegenden NRC-Daten ist anzunehmen, daß die höchste
Dosis, die ein Einwohner in der unmittelbaren Umgebung des Atomkraftwerks
Three Mile Island (ca. 25 000 Menschen im Umkreis bis 8 km) während der
ersten fünf Tage insgesamt abbekommen hat, ca. 80 Millirem beträgt,
während sie für die Bevölkerung im Umkreis bis zu 80 km (ungefähr zwei
Millionen Menschen) mit neun Zehntel eines Millirem anzunehmen ist. Während
die Auswirkungen hoher Strahlendosen auf Versuchstiere, aber auch auf den
menschlichen Körper gut bekannt sind, weiß man jedoch von den Auswirkungen
sehr niedriger Dosen, wie sie hier in Frage kommen, noch sehr wenig. Das
gilt insbesondere für die Auswirkungen bei Langzeitexposition. Deshalb
beauftragte mich Präsident Carter bereits im Mai 1978, ein entsprechendes
umfassendes Forschungsprogramm in die Wege zu leiten und zu koordinieren,
auf Grund dessen entsprechende Empfehlungen über Maßnahmen zur Redizierung
der Strahlenexposition ausgearbeitet werden sollen. Die Studien sind noch
im Gang - und es zeigt sich, daß noch große Wissenslücken über die Wirkungen
niedrig dosierter Strahlung bestehen."

- Kernkraftnutzung in den USA Der Anteil der Kernkraft an der gesamten Stromproduktion liegt in
den Vereinigten Staaten bei 12 Prozent. Insgesamt 72 Atomkraftwerke
sind in Betrieb, weitere 140 in Bau oder geplant. Jedoch sieht sich die

- 7 -

�die Industrie wachsenden Schwierigkeiten gegenüber.

In den letzten vier

Jahren haben die KraftwerksgesellSchäften Aufträge für 31 Anlagen zurückgezogen, und die Schätzung der Regierung über den Anteil der Kernenergie
an der Stromproduktion im Jahr 2 000 werden ständig weiter nach unten
korrigiert.

Ein Grund dafür ist die niedrige Zuwachsrate für den Strom-

verbrauch pro Kopf seit 1973, ein weiterer die wachsende Opposition der
Öffentlichkeit gegen Kernkraft.
Im Durchschnitt dauert es 10 bis 12 Jahre, bis ein neues Kernkraftwerk
in Betrieb gehen kann.

Die Baukosten sind enorm gestiegen, und die Industrie

sagt, jede Verzögerung nur um einen weiteren Monat koste jeweils 10
Millionen Dollar mehr.

Präsident Carter ersucht den Kongreß um Zustimmung

zu einem zügigeren Durchschleusen der Genehmigung.

Einige einflußreiche

Abgeordnete und Senatoren wollen jedoch diese Frage mit der Frage der
Atommüll-Beseitigung gekoppelt sehen.
getroffen.

So wurde bisher keine Entscheidung

Sie dürfte angesichts der Vorfälle im Kernkraftwerk Three Mile

Island weiter auf sich warten lassen.

+ + + + +

�nd-

I

International CommuniCdtu»n Agency
Embassy of the United States of America

14

18. April 1979

MEERESBERGBAUGESETZ ERNEUT VOR US-KONGRESS
Regierung wünscht Übergangsregelung bis zum Seerechtsvertrag

- (AD) - In Stellungnahmen vor dem Kongress der Vereinigten Staaten
setzten sich Vertreter der amerikanischen Regierung erneut für ein Gesetzeswerk ein, das den rechtlichen Rahmen für die Gewinnung von Rohstoffen aus
der Tiefsee abgeben soll. Die Mehrzahl der gegenwärtig an der achten
Plenarsitzung der Seerechtskonferenz der Vereinten Nationen in Genf teilnehmenden Länder ist gegen ein solches einseitiges Vorgehen der Vereinigten
Staaten. Dennoch sah sich die Administration in Washington veranlaßt,
die entsprechende Gesetzesvorlage erneut einzubringen, weil derzeit nicht
mit Sicherheit gesagt werden kann, daß das Problem des Bergbaus im Meer
durch Verhandlungen gelöst und, sofern es doch dazu käme, wann dies geschehen wird. Die Vertreter der Regierung betonen jedoch, daß es die
Vereinigten Staaten vorziehen würden, wenn der Abbau der Rohstoffe vom
Meeresboden im Rahmen eines umfassenden internationalen Seerechtsvertrages
geschähe.
Allan Berlind, der im amerikanischen Außenministerium die Abteilung

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex: 08-85432

�Abteilung für die Seerechtsverhandlungen leitet, erklärte am 29. März 1979
vor einem gemeinsamen Senatsunterausschuß für Energie und natürliche
Hilfsquellen u.a.: "Wir betrachten keineswegs die Seerechtsverhandlungen
als eine hoffnungslose Sache

Realistisch gesehen ist es aber wahr-

scheinlich, daß ein akzeptabler Vertrag in den nächsten Jahren in Kraft
treten kann.

Deshalb ist die Regierung der Ansicht, daß die Vereinigten

Staaten handeln sollten, um zwischenzeitlich ein stabiles Rahmenwerk für
den Meeresbergbau zu schaffen, bis der Seerechtsvertrag erfolgreich abgeschlossen und ratifiziert ist."
Direktor Berlind verlas die vorbereitete Erklärung in Vertretung
von Botschafter Elliot Richardson, der sich als Leiter der US-Delegation
für die Seerechtskonferenz der Vereinten Nationen in Genf aufhält.

Im

Verlauf der Anhörung hob der Ausschußvorsitzende, Senator Spark Matsunaga
(Hawai),hervor, daß die jetzt erneut eingebrachte Gesetzesvorlage, die der
letzte Kongress nicht mehr habe verabschieden können, das Ergebnis von
mehr als achtjährigen Erörterungen im amerikanischen Kongress sei.

Selbst-

verständlich wäre eine internationale Regelung vorzuziehen, und auch er
persönlich setze sich immer wieder für den Abschluß eines Seerechtsvertrages ein.

Aber "der Kongress kann nicht länger mit der Verabschiedung

des Gesetzes warten, um endlich eine ordnungsgemäße und umweltschonende
Erschließung der harten mineralischen Rohstoffe der Tiefsee durch unsere
Unternehmen in Gang bringen zu können".
Ein halbes Dutzend amerikanischer Firmen sind in den vier wichtigsten
internationalen Konsortien vertreten, die zur Zeit Explorationsarbeiten
für die Förderung der sogenannten Manganknollen durchführen. Dabei handelt
es sich um mangan -, nickel-, kupfer- und kobalthaltige Erzklumpen, die
in mehr als 4000m Wassertiefe am Meeresboden liegen. Die zur Zeit in
Frage kommenden Lagerstätten befinden sich im Pazifik, und zwar außerhalb der Hoheitsgewässer von Anliegerstaaten dieses Ozeans. Zwei wichtige
Probleme, die eine kommerzielle Ausweitung der Erschließungsarbeiten beein-

�beeinträchtigen, sind 1) das Fehlen von Garantien für die Förderrechte in
einem bestimmten Abbaugebiet durch entsprechende Gesetze des Heimatstaates
oder durch internationales Gesetz (laut Aussagen der Industrie sind
solche Förderrechtsgarantien notwendig, um die Finanzierung des Meeresbergbaubetriebs zu sichern), und 2) das Fehlen einer Stellungnahme der
zuständigen amerikanischen Bundesbehörde zu

den Auswirkungen auf die

Umwelt und darauf fußenden Vorschriften, was bei verspäteter Bekanntgabe
ein kostspieliges Umrüsten bei Geräten und Abbauverfahren notwendig machen
könnte.
Die jetzt eingebrachte Gesetzesvorlage ist darauf abgestellt, für
diese Probleme zum mindesten eine Zwischenlösung zu finden, bis ein
internationaler Vertrag vorliegt. "Wir sind bereit, die Verhandlungen
so lange fortzusetzen, bis ein annehmbares Ergebnis erzielt wird", erklärte Berlind vor dem Ausschuß. "Seit ich jedoch (1977) für ein Meeresbergbau-Gesetz plädierte, ist der Zeitplan für die Entwicklung der Bergbautechnologie wegen der fortgesetzten Baisse auf den Metallmärkten und
der Rechtsunsicherheit für die im Meeresbergbau engagierten Firmen bis
zum Abschluß eines annehmbaren Seerechtsvertrages weiter in Verzug geraten."
Wie Berlind weiter ausführte, opponieren etwa 130 der 158 Staaten,
die an der Seerechtskonferenz teilnehmen - prinzipiell die 119 Mitglieder
der Gruppe von 77 Entwicklungsländern - gegen eine einseitige amerikanische
Aktion, und zwar unter Berufung auf die UN-Resolution, die die TiefseeRessourcen zum "Gemeinsamen Erbe der Menschheit" erklärt.

Diese Resolution

wird von den Vereinigten Staaten, die ja auch für sie gestimmt haben,
voll anerkannt. Aber nach dem bisher vorgeschlagenen Vertragstext, so
Berlind,würde praktisch die Kontrolle über den Meeresbergbau jenen Ländern
in die Hand gegeben, die keinerlei Investitionsrisiken tragen.

Dies aber

würde jegliche Innitiative zur Erschließung der Meeresboden-Ressourcen
ersticken.
Die
- 3 -

�Die gegenwärtige Plenarkonferenz, die achte im Verlauf von fünf
Jahren, begann am 19. März 1979 und soll bis zum 27. April dauern.

Noch

lasse sich wie Berlind erklärte, nicht absehen, welche Richtung die
Erörterungen nehmen werden, in denen die internationale Regelung des
Meeresbergbaus eine zentrale Frage darstellt.
Hierbei geht es vor allem um die Erschließung der Tiefsee-Erze
als künftige Rohstoffquelle.

Die ungefähr kartoffelgroßen Manganknollen

finden sich in ausgedehnten Feldern am Meeresboden.
sind sich die Geologen noch nicht sicher.

Ober ihre Entstehung

Einigen Hypothesen zufolge könnten

Meeresorganismen, die bestimmte Spurenmetalle aufnahmen, anreicherten und
wieder ausschieden, eine Rolle in diesem Prozeß gespielt haben.

Vom

Vorhandensein der Erzklumpen im Meer erfuhr die Wissenschaft zum ersten
Mal im Jahr 1875, als das britische Forschungsschiff "Challenger" von
seiner aufsehenerregenden Expedition durch die Weltmeere zurückkehrte.
Aber sie galten lange Zeit bestenfalls als ein wissenschaftliches Kuriosum.
Es dauerte fast neunzig Jahre, bis man sich wieder an sie erinnerte.

Wie

Dr. Vincent McKelvey vom geologischen Bundesamt der Vereinigten Staaten
berichtet, begannen um 1960 wissenschaftliche Publikationen, die Aufmerksamkeit auf den riesigen Erzreichtum der Meere zu lenken, der der
Erschließung harrte.
Natürlich fehlte noch die Technologie, um die Tiefsee-Erze zur Oberfläche zu bringen. In den sechziger und siebziger Jahren begannen
amerikanische, europäische und japanische Firmen mit der Gründung von
Konsortien mit dem Ziel, Techniken zur Förderung und Aufbereitung der Erze
zu entwickeln und die Exploration zur Auffindung von geeigneten Lagerstätten systematisch voranzutreiben. Die Unternehmungen waren mit hohen
finanziellen Risiken verbunden. So wurden zum Beispiel in einer Studie
des Massachusetts Institute of Technologie (Boston, USA) die Kosten
allein für die notwendigen Forschungs- und Explorationsarbeiten zur
Einrichtung einer Förderstation auf 25 bis 50 Millionen Dollar geschätzt.

- 4 -

�geschätzt.

Die Installierung von Fördervorrichtungen samt Förderschiffen

sowie von Aufbereitungsanlagen an Land kostet weitere 350 bis 600 Millionen
Dollar.

Die höchste Manganknollendichte entdeckte man bisher im Pazifik

südöstlich von Hawai zwischen dem 110. und 160. Längengrad bei 5° bis 20°
nördlicher Breite.
In den letzten Jahren ließ das amerikanische Bundesamt für Ozeanund Atmosphärenforschung (NOAA) eine Reihe von Umweltstudien durchführen,
um zu ermitteln, ob und in welcher Weise die Lebensbedingungen der Organismen
am Meeresboden durch den Meeresbergbau beeinträchtigt würden. Man hatte
z.B. befürchtet, daß das Aufwallen von Sand- und anderen Partikelwolken durch
den Förderbetrieb sich als schädlich erweisen könnte. Aber obgleich die
Untersuchungen noch nicht abgeschlossen sind,hält es Dr. McKelvey für
möglich, daß ein auf diese Weise bewerkstelligtes "Umrühren" des Meeres
sogar einen zusätzlichen Bonus bringt. Nährstoffreiches Wasser wird näher
an die Oberfläche zum Phytoplankton herangeführt, was die Fördergebiete
für Manganknollen auf hoher See zu regelrechten "Gärten der Meere" machen
könnte.

+ + + + +

- 5 -

�I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America
18. April 1979

14

PRODUKTIVITÄT BRAUCHT FORSCHUNG
Sonderbotschaft Präsident Carters über Wissenschaft und Technologie

- (AD) - Vermehrte Anstrengungen in der wissenschaftlichen und industriellen Forschung können, wie Präsident Carter in seiner "Botschaft über Wissenschaft und Technologie" hervorhebt, die Produktivität Amerikas verbessern, die
Wettbewerbsfähigkeit der Vereinigten Staaten im Welthandel steigern und andere
schwerwiegende Probleme im Inland wie in der übrigen Welt lösen helfen. In
der 17seitigen Sonderbotschaft, die am 27. März 1979 dem amerikanischen Kongreß
zugeleitet wurde, fordert der Präsident dringend mehr wissenschaftliche und
technologische Zusammenarbeit mit anderen Ländern und verstärkte staatliche
Förderung der Wissenschaft in den USA - auch in dieser Zeit allgemeiner Sparmaßnahmen.
Präsident Carter gibt seiner Überzeugung Ausdruck, daß verstärkte Forschungsanstrengungen u.a. der Schlüssel zur Lösung wichtiger Aspekte von Problemen der Inflation, Arbeitslosigkeit, ausländischer Konkurrenz und geringeren
Zuwachses der Produktivität seien.

Denn "30 bis 40 Prozent des amerikanischen

Wirtschaftswachstums in den letzten drei Jahrzehnten war technologischen Innovationen zu verdanken", heißt es in der Botschaft.

Industrien mit einem

hohen Grad technologischerlnnovation seien auch heute die produktivsten Branchen und auf den Weltmärkten besonders konkurrenzfähig.

Dagegen werde als

Folge nachlassender Produktivität die Inflation weiter verschlimmert.

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Die Verringerung des Produktivitätszuwachses hat in den USA zu beträchtlicher Besorgnis geführt.

Die Erörterung der möglichen Ursachen steht bei den

Wirtschaftsexperten an erster Stelle. Sie scheinen sich keineswegs darüber
einig zu sein, wo denn die eigntliche Ursache zu suchen sei. So wurden unter
anderem der wachsende Anteil junger Arbeiter und unerfahrener weiblicher
Arbeitskräfte an der berufstätigen Bevölkerung, die niedrige Investitionsrate
der Wirtschaft während einer langen Zeit der Rezession sowie die Tatsache verantwortlich gemacht, daß eine rasch fortschreitende Inflation den Wirtschaftsertrag von Investitionen für neue Betriebe oder neue Technologien verringert
habe.

Wie dem auch sei - nach Meinung der Experten war jedenfalls die Verlang-

samung des Wirtschaftswachstums von einer Verringerung der Beiträge der Wirtschaft für Forschung und Entwicklung begleitet, wenn dies auch nicht zwangsläufig als Ursache angesehen werden könne. Jedenfalls ist der Regierung Carter
daran gelegen, daß sich dieser Trend umkehrt.
In seiner Botschaft an den Kongreß betont Präsident Carter die Verantwortung der Bundesregierung, "Forschung und Entwicklung zu betreiben, wenn es im
Interesse der Nation notwendig ist, den Anteil neuer Technologien auf dem Privatsektor schneller zu vergrößern". Dies gelte vor allem dort, wo, wie bei
der Entwicklung einiger Energie-Technologien, ein großes Risiko eingegangen
werde oder die Kosten ungewöhnlich hoch seien. Jedoch erwarte die Regierung
Carter von der Privatindustrie, daß sie Forschung und Entwicklung in Bereichen
finanziere, wo Aussicht auf baldige wirtschaftliche Rentabilität bestehe.
Die führenden Persönlichkeiten der amerikanischen Wirtschaft wünschen, so besagt die Sonderbotschaft Carters, "eher ein der Innovation förderliches Klima
als die direkte Unterstützung von Forschungen und Entwicklungen mit einem möglichen kommerziellen Potential".
Die Botschaft nennt keine speziellen Schritte seitens der Regierung, um
die amerikanische Industrie zu verstärkten Forschungs- und Innovationstätigkeit
anzuspornen.

Entsprechende Vorschläge werden gegenwärtig im Rahmen einer umfas-

senden Überprüfung unter Mitarbeit von 30 Regierungsbehörden und vielen Beratergruppen aus der Industrie, den Gewerkschaften, Universitäten und Öffentlichkeit
unter Leitung von US-Handelsministerin Juanita Kreps ausgearbeitet.
- 2 -

Präsident

�Präsident Carter erwartet von dieser Überprüfung "viele praktische Empfehlungen,
die dazu beitragen, unsere Industrie innovationsfreudiger zu machen."

Die Sonderbotschaft läßt klar erkennen, daß die Regierung nicht in Handelsbarrieren, sondern in verbesserter Produktivität und mehr Innovation auf Seiten
der Industrie den Weg sieht, um mit der Konkurrenz durch verstärkte Importe aus
jungen Industrieländern fertig zu werden.

"Immer mehr Länder werden zu In-

dustrienationen und bauen Industrien auf, in denen die USA einmal führend waren.
Es sind Länder mit gesunder Wettbewerbsfähigkeit.
tät.

Wir begrüßen ihre Prosperi-

Wir wollen ihr Wachstum nicht durch Zölle und andere Handelsschranken be-

grenzen.

Vielmehr müssen wir danach streben, unsere eigene Leistung durch er-

neute Innovationen auf Gebieten zu steigern, auf denen wir einen besonders hohen Standard besitzen - z.B. in der Landwirtschaft, bei Arzneimitteln, in der
Mikroelektronik, Computertechnik, im Flugzeugbau, bei Entwicklung und Aufbau
von Satellitensystemen und vielen anderen Technologien.

Wir müssen ferner un-

sere weniger stark an die moderne Technologie gebundenen Industrien durch Innovationen wettbewerbsfähiger machen", heißt es in der Botschaft.

Die Bedeutung einer Förderung der Grundlagenforschung durch die US-Regierung wird wegen ihres Einflusses auf die Entwicklung neuer Technologien besonders hervorgehoben.

Seit seiner Amtsübernahme setzte sich Präsident Carter

immer wieder für die Erhöhung der staatlichen Mittel für Grundlagenforschung
ein, sie wurden bisher um 20 Prozent angehoben.

In der Sonderbotschaft an den

Kongreß wird eine Vielzahl von Fragen zur Wissenschafts- und Technologiepolitik
angeschnitten, u.a. Anwendungsmöglichkeiten auf dem Gebiet der Energieversorgung, der Weltraumforschung, des Gesundheitswesens, der internationalen Zuteilung von Funkfrequenzen, bei weltweiten Umweltproblemen, in der Verteidigung
und beim Fortschritt von Entwicklungsländern.

Und es wird auch betont, daß die

kostspieligsten und wichtigsten Projekte nur in internationaler Zusammenarbeit
sinnvoll durchzuführen seien.

Als Beispiele werden Offshore-Explorationsboh-

rungen am äußeren Rand der Schelfgebiete, die nächste Generation von HochenergieBeschleunigern für die physikalische Grundlagenforschung und Forschungsanlagen
für die Erschließung der Fusionsenergie angeführt.

Was die amerikanische Raum-

fahrtpolitik angehe, so sei diese so ausgelegt, daß sie "die Anwendung der

- 3 -

�der Raumfahrttechnologie im Interesse der Bedürfnisse des Menschen hier auf
der Erde unterstützt".

Gleichzeitig ermutige sie zur Weiterführung der wissen-

schaftlichen Erforschung des Universums.

Entwicklungsländern den Zugang zur Technik erleichtern
Das neue "Institut für wissenschaftliche und technologische Zusammenarbeit",
dessen Schaffung Präsident Carter schon im vergangenen Jahr dem amerikanischen
Kongreß vorschlug, würde den Entwicklungsländern helfen, die für sie geeigneten
Technologien auszuwählen und zu entwickeln.

In der Sonderbotschaft, die die

Aufgaben dieses Instituts noch einmal darlegt, heißt es dazu unter anderem:
"Die USA können und müssen wissenschaftliche Erkenntnisse und geeignete technologische Verfahren mit den Entwicklungsländern teilen.

Es ist unser Wunsch, an-

deren Ländern zu helfen, Technologien für ihren eigenen Bedarf zu entwickeln.
Wir müssen diesen Vorsatz sowohl aus humanitäten Gründen als auch deshalb verwirklichen, weil die Überwindung der Probleme von Armut, Überbevölkerung, Mangel an Nahrung und natürlichen Hilfsquellen eine stabile Welt erfordert, was
auch unserer eigenen Sicherheit und unserem Wohlergehen zugute kommt.
Angesichts dieser Tatsachen unterbreite ich zusätzliche Vorschläge über
die Schaffung eines Instituts für wissenschaftliche und technologische Zusammenarbeit, das die, Aufgabe hat, Entwicklungsländern zu helfen und ihre Fähigkeiten
auf wissenschaftlichem und technologischem Gebiet zu verbessern. In Zusammenarbeit mit dem Amt für Internationale Entwicklung wird das Institut die Nutzung
von Wissenschaft und Technik ausweiten und vertiefen, damit die einer Entwicklung entgegenstehenden Hindernisse überwunden werden.
Das Institut wird einzelnen Entwicklungsländern helfen, Technologien auszuwählen und aufzubauen, die ihren eigenen Bedürfnissen entsprechen,
zeitig wird es sie in die Lage versetzen, Beiträge zur Lösung von Problemen zu
leisten, von denen sowohl Industrieländer als auch Entwicklungsländer betroffen sind. Das Institut wird beispielsweise mit Entwicklungsländern zusammenarbeiten, um für landwirtschaftliche Gebiete, die sich nicht für den fortgesetzten
- 4 -

�fortgesetzten Anbau von Nahrungsgetreide eignen, vielgestaltige Feldkulturen
zu entwickeln.

Es wird ferner Unterstützung leisten, um z.B. sauberes Wasser

zu gewinnen und Abwässer in ländlichen Gebieten, wo die Mehrheit der armen Bevölkerung lebt, zu beseitigen, moderne Informationssysteme aufzubauen, Tropenkrankheiten zu verhüten und zu behandeln und geeignete Energie-Versorgungssysteme zu entwickeln.

Das Institut wird Entwicklungsländern die Wege ebnen,

damit sie die Unterstützung amerikanischer Regierungsbehörden, Universitäten
und Fachinstitute sowie der Privatindustrie in Anspruch nehmen können. Auf
diese Weise trägt das Institut zu einer besseren Koordinierung der internationalen Aktivitäten unserer Behörden bei.

Besondere Bedeutung kommt der Aufgabe des Instituts zu, mit den bereits
fortgeschrittenen Ländern der Dritten Welt zusammenzuarbeiten.

Diese Länder

besitzen bereits die Infrastruktur und die wissenschaftlich-technische

Kapazi-

tät, um als Partner gemeinsam mit uns regionale und internationale Probleme
bei der Mehrheit der armen Länder anzugehen und deren Bedürfnissen gerecht zu
werden.

Das Institut wird sich an die Industrie, an die Gewerkschaften und an

private Freiwilligen-Organisationen wenden, um Entwicklung und Management sowie
die Verbesserung des Gesundheits- und Sicherheitsstandards in den in der Modernisierungsphase befindlichen Gesellschaften zu fördern...

Auch auf der

UN-Konferenz über Wissenschaft und Technik für Entwicklungsaufgaben im Sommer
dieses Jahres wollen wir eine aktive Rolle spielen.

Ich betrachte diese Kon-

ferenz als eine gute Gelegenheit, technologiebezogene Probleme, die Entwicklungsländer ganz besonders beschäftigen, zu erörtern und zu Obereinkünften über gemeinsame Ziele zu kommen."

+ + + + +

- 5-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;SALT und die nationale Sicherheit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Zbigniew Brzezinski -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Verteidigungsminister let die militärischen Aspekte von SALT II dar&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Ansprache vom 5. April 1979 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bilaterale amerikanisch-israelische Grundsatzvereinbarung über Sicherheitsgarantien&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;nbsp;Amerikanisch-israelische Grundsatzvereinbarung über die Ölversorgung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung des US-Außenministeriums zu den amerikanisch-israelischen Grundsatzvereinbarungen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erläuterungen des Weißen Hauses zum Energieprogramm der US-Regierung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Lehren von Harrisburg&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Bessere Sicherheitskonzeptionen für Atomkraftwerke unerlässlich -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Meeresbergbaugesetz erneut vor US-Kongress&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Regierung wünscht Übergangsregelung bis zum Seerechtsvertrag -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Produktivität braucht Forschung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Sonderbotschaft Präsident Carters über Wissenschaft und Technologie -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

18. April 1984

16

INHALT

DOKUMENTATION
Reagan:

USA können Mittel amerika nicht den Rücken kehren

- Rundfunkan spräche des US-Präsidenten Weißes Haus: Keine rlei PI äne für Militäreilisatz in Mittelameri ka
- Erklärung */om 10.April 1984 Adelman hält Abkommen über AntiSatellitenwaffen für möglich
Anhörung vor einem Ausschuß des Repräsentantenhauses am 10. April 1984

HINTERGRUNDMATERIAL
Die Sandinisten entziehen sich ihren Verpflichtungen
- Von Langhorne Motley

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Beobachtung von Gehirnfunktionen
- PET - diagnostisches Hilfsmittel der Psychiatrie
Ziel:

Selbsttätige Tests für Computerchips

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 B o n n 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�16

18. April 1984

REAGAN: USA KÖNNEN MITTELAMERIKA NICHT DEN RÜCKEN KEHREN
- Rundfunkansprache des US-Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - In seiner wöchentlichen Rundfunkansprache nahm Präsident Reagan am 14. April 1984 zu den Ereignissen in Mittelamerika Stellung.
Er begründete dabei, was ihn dazu veranlaßt hat, von seiner gesetzlichen Vollmacht Gebrauch zu machen, um Gelder für die Verteidigung El Salvadors bereitzustellen.
Die Ansprache des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Liebe Mitbürger.

In der letzten Zeit ist viel über die uns angemessene

Rolle in Mittelamerika und insbesondere hinsichtlich Nicaraguas gesagt worden.
Unglücklicherweise wurden bei dieser Debatte zum größten Teil die entscheidenden Tatsachen unberücksichtigt gelassen.

Mittelamerika nämlich ist Schauplatz

für einen dreisten Versuch der Sowjetunion, Kubas und Nicaraguas geworden,
den Kommunismus mittels Gewalt in dieser ganzen Hemisphäre einzuführen.
In ihrem

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�In ihrem Bemühen um Demokratie werden Costa Rica, Honduras und El
Salvador von einer - durch den Sowjetblock und Kuba unterstützten - Armee
und Sicherheitsmacht der Sandinisten in Nicaragua bedroht, die innerhalb
von weniger als fünf Jahren von etwa 10 000 Mann unter der vorhergegangenen
Regierung auf jetzt über 100 000 Mann angewachsen ist.
Allein im vergangenen Jahr lieferte der Sowjetblock für über 100 Millionen Dollar Militärmaterial.

Die Sandinisten haben mittlerweile eine schlag-

kräftige Artillerie, Mehrfachstartgeräte für Raketen sowie Panzer in einem Arsenal, das größer ist als die Arsenale aller anderen Staaten dieser Region zusammengenommen.
In Nicaragua wurden über 40 neue Militärbasen und Nachschublager errichtet - all dies mit Unterstützung des Sowjetblocks und Kubas und einer Investitionssumme von über 300 Millionen Dollar.

Neben Geld und Gewehren gibt es in

Nicaragua als Unterstützung der Sandinisten nunmehr über 2500 kubanisches und
sowjetisches Militärpersonal, zusätzliche 5000 sogenannte "zivile Berater"
sowie Helfer der PL0, aus Ostdeutschland und aus Libyen»
Aber das ist noch nicht alles. Unsere Freunde in der Region stehen zudem vor einem Export der Subversion über ihre Grenzen hinweg, die die demokratische Entwicklung untergräbt, die Institutionen polarisiert und ihre Volkswirtschaften runiert. Diese Terrorgewalt fühlen alle Nachbarn Nicaraguas nicht nur El Salvador. Es gab Bombenattentate im friedlichen Costa Rica sowie
eine Vielzahl anderer Versuche, Honduras zu infiltrieren - einer der letzten
im vergangenen Sommer, als die Sandinisten eine ganze Guerillakolonie einschleusten, die auf Kuba und in Nicaragua ausgebildet und ausgerüstet worden
war.
El Salvador - im Bemühen um die Abhaltung demokratischer Wahlen und um
die Verbesserung der Lebensbedingungen seines Volkes - ist Hauptziel der verdeckten Aggression Nicaraguas. Trotz ihrer Versprechungen, damit aufzuhören,
bilden die Sandinisten noch immer Terroristen in El Salvador aus und lenken

�und lenken sie, stellen sie noch immer die Waffen und die Munition zur Verfügung, die jene gegen das salvadorianische Volk einsetzen.

Ohne Nicaragua

wären die Probleme von El Salvador in den Griff zu bekommen, könnten wir uns
auf wirtschaftliche und soziale Verbesserungen konzentrieren.

Ein Großteil des Terrors der Sandinisten zielt auf das nicaraguanische
Volk selbst ab.

Die Sandinisten, die Nicaragua regieren, haben Zehntausende

der Miskito-, Rama- und Suma-Indianer brutal ermordet, sie ins Gefängnis geworfen und aus ihrer Heimat vertrieben.

Religiöse Verfolgung von Christen

nimmt zu, und die jüdische Gemeinde ist aus dem Land geflohen.

Die Presse

wird zensiert, und die Tätigkeit der Gewerkschaften und der Geschäftswelt
wird behindert.

Die Sandinisten haben für November Wahlen angekündigt - aber erwarten
Sie nicht zuviel.

Werden neue Parteien erlaubt?

zur Presse, zum Fernsehen und zum Rundfunk haben?
Beobachter geben?

Werden sie freien Zugang
Wird es überparteiliche

Wird jeder erwachsene Nicaraguaner wählen dürfen?

Ange-

sichts der bisherigen Repression sollten wir uns nicht darüber wundern, daß
die Opposition, der die anderen Mittel der Meinungsäußerung verwehrt sind,
zu den Waffen gegriffen hat.

Wir haben den Sandinisten gegenüber eine klare Politik verfolgt - in der
Hoffnung, daß sie durch Verhandlungen auf friedlichem Weg vom Abgrund zurückgehalten werden könnten.

Wir bemühen uns über den CONTADORA-Prozeß um ein

verifizierbares, multilaterales Abkommen, das sicherstellt, daß die Sandinisten ihren Export der Subversion einstellen, den Umfang ihrer Militärstreitmacht verringern, ihren demokratischen Verpflichtungen gegenüber der Organisation Amerikanischer Staaten gerecht werden und das Militärpersonal des Sowjetblocks und Kubas zurückschicken.

Aber die Sandinisten - wenig erfreut über den prüfenden Blick und die Besorgnis ihrer Nachbarn - haben sich einen wohlwollenderen Zuhörer ausgesucht.
Sie haben den Fall vor die Vereinten Nationen und nunmehr vor den Internatio^

- 3-

�den Internationalen Gerichtshof gebracht.

Das trägt wenig zu einer Verhand-

lungslösung bei. Aber es macht Sinn, wenn einer versucht, dem hellen Licht
der Verantwortung zu entgehen.
Was ich heute gesagt habe, hört sich nicht fröhlich an. Aber es ist
wichtig, daß Sie wissen, daß Mittelamerika für unsere Interessen und für unsere Sicherheit von lebenswichtiger Bedeutung ist. Dort liegt nicht nur der
Panamakanal, sondern dort verlaufen auch einige der wichtigsten Seewege der
Welt - Seewege, auf denen eine sowjetisch-kubanische Seestreitmacht erst in
dieser Woche Manöver abgehalten hat.
In dieser Region leben Millionen Menschen, die Freiheit wollen und sie
verdienen.

Wir können dieser Krise vor unserer Tür nicht den Rücken kehren.

Vor fast 23 Jahren warnte Präsident Kennedy vor der Gefahr einer kommunistischen Durchdringung unserer Hemisphäre.

Er sagte:

"Ich möchte ganz deutlich

machen, daß diese Regierung nicht zögern wird, ihrer obersten Verpflichtung
nachzukommen - und dies ist die Sicherheit unserer Nation."

Wir können auch

heute nicht weniger tun.
Ich habe mich daher - nach Konsultation mit dem Kongreß - entschlossen,
von meiner gesetzlichen Vollmacht Gebrauch zu machen, um Gelder bereitzustellen und so der Regierung von El Salvador dabei zu helfen, sich zu verteidigen,

+ + + + +

�18. April 1984

16

WEISSES HAUS: KEINERLEI PLANE FÜR MILITAREINSATZ IN MITTELAMERIKA
- Erklärung vom 10. April 1984 -

WASHINGTON - (AD) - Das Weiße Haus in Washington hat mit Nachdruck unterstrichen, daß keinerlei Pläne für einen Einsatz amerikanischer Streitkräfte in
Mittelamerika bestehen.

In einer in dieser Form ungewöhnlichen schriftlichen

Erklärung, die am 10. April 1984 vom stellvertretenden Pressesprecher des
Weißen Hauses, Larry Speakes, veröffentlicht wurde, heißt es, angesichts einer
schrillen und verwirrenden Debatte über die Ziele der US-Regierung in Mittelamerika liege es im Interesse der Öffentlichkeit, daß die Dinge in das richtige Licht gerückt würden.
Die Erklärung des Weißen Hauses hat folgenden Wortlaut:
Die nachstehende Erklärung erfolgt in Übereinstimmung mit Außenminister
George Shultz, Verteidigungsminister Caspar Weinberger, dem Direktor des
Zentralamtes für Nachrichten und Abwehr, William Casey, und dem Berater des
Präsidenten für nationale Sicherheitsfragen, Robert McFarlane:
In den letzten

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�In den letzten Tagen hat sich eine schrille und oftmals verwirrende
Debatte über unsere Ziele, Pläne und Aktivitäten in Mittelamerika entwickelt.
Weil diese Debatte, die vielfach auf nichtinformierte und nichtgenannte Quellen
zurückgeht, die wahre Situation verschleiert, sind wir der Auffassung, daß es
im öffentlichen Interesse liegt, die Dinge hinsichtlich unserer Ziele, unserer
Politik und unserer Handlungen in das richtige Licht zu rücken.
Erstens, es ist behauptet worden, daß wir mit Hilfe amerikanischer Kampftruppen eine Invasion in Mittelamerika durchzuführen gedächten.

Wir erklären

mit großem Nachdruck, daß wir weder den Einsatz amerikanischer Streitkräfte
für eine Invasion Nicaraguas oder anderer mittelamerikanischer Länder in Erwägung gezogen, noch Pläne dafür entwickelt haben.

Verteidigungsminister Wein-

berger hat dies in seinem Fernsehinterview am Sonntag ausdrücklich betont.
Einige Kreise haben ihm nicht geglaubt, und haben bewußt oder unbewußt das, was
sie als "Invasions"-Pläne bezeichneten,durcheinandergebracht mit unseren seit
langem bestehenden Verpflichtungen gemäß dem Vertrag von Rio aus dem Jahr 1947,
unseren Vertragsverpflichtungen zur Verteidigung des Panamakanals oder unseren
Notstandsplänen für eine Katastrophenhilfe, für humanitäre Unterstützung oder
Notevakuierungen.

Seit einer Generation haben wir, so wie Vorsicht und Klug-

heit es gebieten, diese Notstandspläne aufrechterhalten und auf einen modernen
Stand gebracht.

Wir planen jedoch nicht, unsere Streitkräfte für die Invasion

irgendeines Landes in dieser Region einzusetzen.
Zweitens, einige Kreise haben unterstellt, wir planten, nach den Wahlen
ein militärisches Unternehmen in Mittelamerika durchzuführen.
einfach nicht der Fall.

Dies ist ganz

Wie schon erklärt worden ist, planen wir weder jetzt

noch nach den Wahlen eine derartige Maßnahme.
Drittens, von Kritikern der Regierung ist behauptet worden, die zuständigen Kongreßausschüsse seien über gewisse Aktivitäten in der mittel amerikanischen Region nicht ausreichend unterrichtet worden.
Fall:

Das Gegenteil ist der

Die Kongreßausschüsse, die in voller Übereinstimmung mit dem Gesetz

eine Jurisdiktion ausüben, sind bis ins einzelne über alle amerikanischen Akti-

- 2 -

�amerikanischen Aktivitäten in Mittelamerika informiert worden.

Darüber

hinaus hat der Präsident in der vergangenen Woche (4. April) dem Mehrheitsführer im Senat, Howard Baker, ein Schreiben übermittelt, in dem diesem
versichert wird, daß sich unsere Ziele in der Region nicht geändert haben daß insbesondere "die Vereinigten Staaten nicht versuchen, die Regierung von
Nicaragua zu destabilisieren oder zu stürzen."
Viertens, und das ist vielleicht am bedeutsamsten, die gegenwärtige Debatte tendierte dazu, Verwirrung zu stiften hinsichtlich der mit unserer Hilfe in El Salvador erreichten Verbesserungen und der tatsächlichen Vorgänge in
Nicaragua.
Unsere Politik ist konsequent, indem wir den multilateralen Dialog im
sogenannten CONTADORA-Prozeß unterstützen.

Wir pflichten den 21 Zielen der

CONTADORA-Gruppe bei, mit denen die Forderung erhoben wird, daß Nicaragua
den Export von Subversion einstellt, die Größe seines Militärapparates vermindert, seine gegenüber der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) eingegangenen Verpflichtungen einhält und für den Abzug des Militärpersonals des
Sowjetblocks und Kubas sorgt.
durchtrieben und zynisch.

Die Antwort Nicaraguas war die ganze Zeit über

Es wurde versucht, eine umfassende Lösung für die

Region dadurch zu verhindern, daß jegliche Diplomatie auf bilaterale Fragen
reduziert wurde.

Nicaragua versucht, regionale Fragen und Probleme der He-

misphäre dadurch zu umgehen, daß es bei den Vereinten Nationen Propaganda macht.
Jetzt wird in zynischer Weise versucht, Verhandlungen dadurch auszuweichen,
daß der Internationale Gerichtshof angerufen wird.

Eine Regierung, die sich

geradezu fanatisch der Intervention über die eigenen Grenzen hinaus verschrieben hat, sucht auf diese Weise eine ehrenhafte internationale Institution zu
benutzen, um sich vor den eigenen Bürgern zu schützen, die sich gegen diese
Regierung wenden.

Diese Administration läßt sich nicht täuschen und wird die-

ses Spiel auch nicht mitspielen.

Dem Beispiel anderer Länder folgend, haben

die Vereinigten Staaten diesem Manöver durch eine temporäre und begrenzte Einschränkung unserer Akzeptierung der Rechtsprechung des Gerichts Einhalt geboten.
Nicaragua ist
- 3 -

�Nicaragua ist auch weiterhin die Quelle regionaler Subversion und regionalen Aufruhrs.

Im Mai 1983 kam der Ständige mit nachrichtendienstlichen

Fragen befaßte Ausschuß des Repräsentantenhauses zu dem Schluß, daß "die
sandinistische Regierung Nicaraguas bei der Ausbildung von Insurgenten hilft
und ihnen durch Nicaragua hindurch Waffen liefert und finanzielle Unterstützung gewährt.
zur Verfügung.

Sie stellt den Insurgenten ferner Operationsbasen in Nicaragua
Ebenso offenkundig ist das Engagement Kubas, insbesondere

durch die Lieferung von Waffen."
In El Salvador haben wir andererseits erlebt, wie die Menschen dieses
Landes ein anspornendes Beispiel an Mut und Eintreten für den demokratischen
Prozeß gegeben haben.

Ende vergangenen Monats sind diese mutigen Menschen

der Gewalt und Sabotage der Guerilla entschlossen entgegengetreten und haben
ihre Stimme für den nächsten Präsidenten abgegeben.
Der Mut und das Vertrauen in die Demokratie, beides vom salvadorianischen
Volk an den Tag gelegt, verdienen unsere Bewunderung und unsere volle Unterstützung. Mehr denn je muß unsere Unterstützung des demokratischen Prozesses
heute über reine Worte hinausgehen. Die uninformierten Kommentare der letzten
Zeit haben die Aufmerksamkeit von der zentralen Fragen abgelenkt. Unsere Administration hat ein langfristiges Programm vorgeschlagen, das sich auf die
Empfehlungen der nationalen überparteilichen Kommission für Mittelamerika
stützt. Wir haben auch unsere Begründung für eine dringliche Militärhilfe
für El Salvador dargelegt. Diese Begründung ist vernünftig,und der anhaltende Wahlprozeß in El Salvador mit dem Ziel einer Stichwahl erfordert unsere
Unterstützung, damit das Land eine sichere Durchführung garantieren kann.
Es ist von entscheidender Bedeutung, daß das amerikanische Volk versteht, was in der mittel amerikanischen Region auf dem Spiele steht. Mittelamerika ist strategisch bedeutsam für die Vereinigten Staaten. In Mittelamerika befindet sich nicht nur der Panamakanal, über diesen Raum laufen auch die
wichtigsten Seeverbindungen der Welt. Und was am bedeutsamsten ist: In
Mittelamerika leben Millionen von Menschen, die frei sein wollen und sich

- 4 -

�und sich nach Demokratie sehnen.

Die wahre Frage ist, ob wir in den Vereinig-

ten Staaten untätig warten und zusehen wollen, wie eine kommunistische Regierung in Nicaragua Gewalt und Terrorismus exportiert, und ob wir zulassen wollen, daß die Macht der Wahlurne durch die Macht des Gewehrlaufes zerstört wird.
Es kann keinen Zweifel daran geben:

Die Sowjetunion und Kuba wollen, daß sich

der Kommunismus in Mittelamerika weiter ausbreitet.

Die Frage ist: Werden

die Vereinigten Staaten jene Länder unterstützen, die die Demokratie wünschen
und bereit sind, für ihre eigene Freiheit zu kämpfen?

+ + + + +

- 5 -

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

18. April 1984

16

ADELMAN HÄLT ABKOMMEN ÜBER ANTISATELLITENWAFFEN FÜR MÖGLICH
- Anhörung vor einem Ausschuß de's Repräsentantenhauses am 10. April 1984

Washington - (AD) - In einer Anhörung vor dem Unterausschuß für Internationale Sicherheit des Außenpolitischen Ausschusses des amerikanischen
Repräsentantenhauses gab Kenneth Adelman, der Direktor der amerikanischen
Rüstungskontroll- und Abrüstungsbehörde (ACDA), am 10. April 1984 zu verstehen, daß er ein amerikanisch-sowjetisches Abkommen zur Begrenzung des
Einsatzes von Antisatellitenwaffen nicht für ausgeschlossen halte. Adelman sagte, daß Verifikationsprobleme einem umfassenden Abkommen zwar im
Wege stünden, er ein Abkommen über Teilaspekte der Problematik aber für
denkbar halte.
Seine Ausführungen haben folgenden Wortlaut:

Ich möchte mich auf die rüstungskontrollpolitischen Aspekte der amerikanischen Haltung zur Frage der Antisatellitenwaffen (Anti-satellite
Weapons, abgekürzt ASAT) und auf das Problem ihrer Begrenzung konzentrieren. Ich möchte dabei dem Bericht an den Kongreß von letzter Woche noch
einiges hinzufügen. Ich beabsichtige, zunächst die wichtigsten rüstungskontrollpolitischen Aussagen des Berichts zu rekapitulieren, um dann auf
einige Fragen

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�einige Fragen zu sprechen zu kommen, die im Hinblick auf unsere Politik
aufgeworfen worden sind.

Es gibt bereits ein umfangreiches Netz von Abkommen und völkerrechtlichen Bestimmungen, die Aktivitäten im Weltraum bestimmten Regeln unterwerfen und die Weltraumwaffen entweder verbieten oder begrenzen. Dieser
juristische Rahmen umfaßt u.a.:
- Das in der UN-Charta enthaltene und auch im Weltraum gültige Verbot
der Anwendung von Gewalt zu anderen Zwecken als dem der Selbstverteidigung;
- das im Vertrag über die friedliche Nutzung des Weltraums verankerte
Verbot, im Weltraum nukleare oder andere Massenvernichtungswaffen zu
stationieren;
- der begrenzte Teststop-Vertrag, der Atomwaffenversuche im Weltraum
verbietet;
- das im ABM-Vertrag verankerte Verbot, Raketenabwehrsysteme oder
Teile davon im Weltraum zu erproben oder zu stationieren oder weltraumgestützte Systeme dieser Art zu entwickeln.

Im Hinblick auf die Begrenzung von Antisatellitenwaffen sind zwei
Unternehmungen auf der internationalen Bühne von besonderem Interesse:
- Bei den bilateralen Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten
und der Sowjetunion, die von 1978 bis 1979 auf eine amerikanische Initiative hin stattfanden, stellte sich heraus, daß zwischen beiden Seiten
in einer Reihe von Fragen, u.a. in der der Verifikation, Meinungsverschiedenheiten bestanden. Nach der sowjetischen Invasion in Afghanistan wurden
die Verhandlungen nicht wieder aufgenommen.
- Unter der Reagan-Administration haben die Vereinigten Staaten Überlegungen auf der Abrüstungskonferenz unterstützt, Fragen der Rüstungskontrolle im Weltraum für sich zu behandeln. Die Vereinigten Staaten werden solche Überlegungen auch weiterhin unterstützen.

In seinen Ausführungen zur Weltraumpolitik hat der Präsident immer
wieder erklärt, daß seine Administration die Möglichkeiten für Rüstungskontrolle im Weltraum weiter prüfen und dabei insbesondere rüstungskontrollpolitische Maßnahmen in Betracht ziehen werde, die verifizierbar
sind, den

�sind, den Interessen aller Seiten gerecht werden und geeignet sind, die
Erprobung oder Einführung bestimmter Waffen zu verbieten oder in anderer
Weise zu begrenzen. Voraussetzung sei, daß solche Maßnahmen die nationale
Sicherheit der USA nicht beeinträchtigten. Der Präsident hat diesen Standpunkt in dem Schreiben, das dem Bericht an den Kongreß beigefügt ist,
nochmals bekräftigt.

Die Rüstungskontroll- und Abrüstungsbehörde (ACDA) spielt auf diesem
Gebiet eine wichtige Rolle. Beispielsweise sind wir federführend in der
interministeriellen Arbeitsgruppe über die Begrenzung von Antisatellitenwaffen. Es war diese Gruppe, die man damit betraut hatte, den Bericht an
den Kongreß zu entwerfen. Unser Ziel ist, Ansätze zu entwickeln, die den
vom Präsidenten vorgegebenen Kriterien gerecht werden. Wie in dem Bericht
ganz offen eingeräumt wird, ist die Konzeption von rüstungskontrollpolitischen Ansätzen für den Bereich des Weltraums indes eine ungemein schwierige Angelegenheit.
Der Bericht an den Kongreß

Im Folgenden sollen die Aussagen des Berichts zu einigen besonders
wichtigen Aspekten dieser Thematik nochmals hervorgehoben werden.

Ein Abkommen zur Begrenzung von Antisatellitenwaffen, das den Interessen aller Beteiligten entspräche, das wirksam verifiziert werden könnte
und das eingehalten würde, wäre in mehrfacher Hinsicht von Nutzen. Je
nachdem, wie umfassend und wirksam ein solches Abkommen wäre, könnte es
ganz bestimmte Bedrohungen für Satelliten begrenzen und darüberhinaus zukünftige Bedrohungen für Satelliten, die in Schlüsselfunktionen, z.B. in
Frühwarnsystemen, verwendet werden, in Grenzen halten. Ein solches Abkommen könnte ferner die politische Schwelle für Angriffe auf Satelliten heraufsetzen und einige weltweit bestehende Befürchtungen wegen der möglichen Nutzung des Weltraums für militärische Zwecke beschwichtigen.

Diese Vorteile, die ein solches Abkommen theoretisch haben würde,
werden in der Praxis jedoch schwer zu erlangen sein, und zwar aufgrund
von fünf Kernproblemen:
1. Verifizierung
- 3-

�1. Verifizierung: Im Allgemeinen ist die Verifizierung von Rüstungskontrollabkommen für die Vereinigten Staaten wichtiger als für die Sowjetunion, denn während die Vereinigten Staaten eine sehr offene Gesellschaft
sind, ist die Sowjetunion eine vergleichsweise geschlossene Gesellschaft.
Was die Bedeutung der Verifizierung eines Verbots von Antisatellitenwaffen noch erhöht, ist die Tatsache, daß die Zahl der Satelliten, die zur
Gewährleistung der Sicherheit der USA und ihrer Verbündeter beitragen,
nur klein ist. Selbst ein Betrug in kleinem Umfang könnte unverhältnismäßige Risiken für die Vereinigten Staaten heraufbeschwören.

2. Ausbrechen: Mit Ausbrechen bezeichnen wir die Gefahr, daß eine
Nation bei Auslaufen eines Abkommens dadurch, daß sie bei der Dislozierung eines bis dahin verbotenen Waffentyps einen erheblichen Vorsprung
genießt, ihre Position einseitig verbessern könnte. Die Möglichkeit zu
einem Ausbrechen könnte für die Sowjets unter Umständen bestehen, und
zwar selbst dann, wenn sie all ihre bereits bestehenden Waffensysteme
zerstören würden, denn wegen ihrer Erfahrung mit den gegenwärtigen
Systemen wäre ihnen die Fähigkeit zu einem schnellen Wiederaufbau entsprechender Waffen kaum zu nehmen.

3. Definition: Es ist schwierig, für Rüstungskontrollzwecke zu
definieren, was das Wesen einer Weltraumwaffe ausmacht. Wir kennen verschiedene Arten: Orbitalabfangwaffen (d.h., Waffen, die zunächst in eine
Erdumlaufbahn gebracht werden, um von dort aus anfliegende Feindraketen
abzufangen); direkt aufsteigende Abfangwaffen, wie z.B. außeratmosphärische Raketenabwehr-Raketen; Raketen mit modifiziertem Lenksystem (d.h.,
Raketen, die eigentlich zum Einsatz gegen Bodenziele vorgesehen sind,
deren Lenksysteme aber zum Einsatz gegen Flugziele umprogrammiert werden
können); Richtenergiewaffen wie Laser und Partikelstrahler und weitere
wichtige Waffenkategorien. Die Probleme der Waffendefinition werden noch
weiter kompliziert durch die Tatsache, daß nicht-kriegerische Weltraumsysteme, u.a. auch solche von kommerzieller oder sonstwie ziviler Natur,
Eigenschaften haben können, die es schwer machen, sie von Waffensystemen
zu unterscheiden. Aus der Tatsache, daß es viele Systeme gibt, die eigentlich nicht als Antisatellitenwaffen konzipiert, dabei aber technisch so
geartet sind, daß sie dennoch in einer solchen Funktion eingesetzt werden
könnten, wie
- 4 -

�könnten, wie aus den oben dargelegten Verifikationsproblemen ergibt sich
die Schlußfolgerung, daß ein wirklich umfassendes Verbot der Erprobung
jeglicher Art von Mitteln zur Bekämpfung von Satelliten schlicht unmöglich ist.

4. Verwundbarkeit der Satellitenhilfssysteme. Selbst wenn die Wirksamkeit
eines Verbots von Antisatellitenwaffen zu gewährleisten wäre, würde es
nicht alle Bestandteile eines Weltraumsystems unangreifbar machen können.
Angriffe auf bestimmte Teile eines Weltraumsystems wie z.B. Bodenstationen, Startanlagen oder Nachrichtenverbindungen können unter Umständen einfacher und doch wirkungsvoller sein als Angriffe auf die eigentlichen
Satelliten.

5. Bedrohung durch sowjetische militärische Weltraumsysteme, die keine eigentlichen Waffen sind: Wenn man die Möglichkeiten für eine Rüstungskontrolle im Weltraum analysiert, dann muß man dabei die wachsende Bedrohung berücksichtigen, die sich aus schon bestehenden und geplanten sowjetischen Weltraumsystemen ergibt, die zwar selbst keine Waffen sind, deren
Zweck aber in der unmittelbaren Unterstützung der sowjetischen Streitkräfte auf der Erde im Ernstfall besteht. Dazu gehören u.a. Aufklärungssatelliten, deren Aufgabe es ist, mittels Radar und anderer elektronischer Aufklärungsmittel sowjetische Waffenträger mit Zieldaten zu versorgen und so
deren Angriffe gegen die Flotten und konventionellen Landstreitkräfte der
Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeter zu erleichtern.

Seit 1977 entwickeln wir ein Antisatellitensystem, nämlich das
Kleinstflugkörper-System (Miniature Vehicle System, abgekürzt MV), und
zwar hauptsächlich aus zwei Gründen: Erstens, um vor einer Bedrohung
unserer eigenen Weltraumsysteme dadurch abschrecken zu können, daß wir
zur Vergeltung imstande sind; zweitens, um die Abschreckung gegen einen
nuklearen oder konventionellen Krieg auf der Erde dadurch zu verstärken,
daß wir, in den Grenzen, die das Völkerrecht steckt, gewisse Satelliten
bedrohen, deren Aufgabe die Unterstützung der feindlichen Streitkräfte
ist.
Dies ist

- 5-

�Dies ist eine wohlerwogene Antwort auf die sowjetische Antisatellitenwaffe und auf die in den letzten Jahren erfolgte Indienststellung
einer Anzahl von militärischen Satelliten, die, obgleich selbst keine
Waffen, zur direkten Unterstützung der sowjetischen Streitkräfte auf der
Erde im Ernstfall bestimmt sind. Da ein vergleichbares amerikanisches
System oder ein verifizierbares Abkommen über eine Begrenzung von Antisatellitenwaffen nicht existieren, haben die Sowjets dank ihres Antisatellitensystems einen nicht unerheblichen militärischen Vorteil.

Es mag sein, daß diese sorgsam bemessene Antwort auf die sowjetische
Bedrohung aus dem All von einigen Leuten als Wettrüsten im Weltraum verstanden wird. Meines Erachtens ist das jedoch nicht so. Diese Antwort
schließt auch zukünftige Verhandlungen über Antisatellitenwaffen nicht
aus, die durchaus stattfinden könnten, falls wir faire und verifizierbare
Übereinkommen finden könnten, die unserer nationalen Sicherheit nicht abträglich sind.

Was nun die multilaterale Weltraum-Rüstungskontrollpolitik angeht, so
haben die Vereinigten Staaten die Erörterung einer breiten Spanne von Fragen der Rüstungskontrolle im Weltraum auf der Abrüstungskonferenz befürwortet. Gemeinsam mit unseren Verbündeten haben wir 1983 auf der Abrüstungskonferenz die Einrichtung einer Arbeitsgruppe für Weltraumfragen
unterstützt, deren Aufgabe es sein sollte, die bestehenden Rechtssatzungen und verschiedene Fragen der Rüstungskontrolle im Weltraum im einzelnen zu untersuchen. Dieser Ansatz erschien auch der Gruppe der Neutralen
und Blockfreien auf der Abrüstungskonferenz akzeptabel, wurde indessen
von den Sowjets und ihrem Anhang blockiert. Unlängst haben wir nun die
Vollmachten unserer Delegation bei der Abrüstungskonferenz erweitert. Zum
gegenwärtigen Zeitpunkt kann ich Ihnen noch keine Auskunft darüber geben,
ob die Sowjets auch diesen Ansatz blockieren werden. Aber ich kann feststellen, daß die Vereinigten Staaten eine ernsthafte und verantwortungsbewußte Prüfung der Problematik der Rüstungskontrolle im Weltraum auf der
Abrüstungskonferenz befürworten.

Bislang ist es jedoch nicht gelungen, ein zufriedenstellendes Konzept für ein umfassendes Verbot von Antisatellitenwaffen zu entwickeln.
Weniger weitreichende
- 6 -

�Weniger weitreichende Optionen, die gegenwärtig geprüft werden, stellen
auf eine Beschränkung spezieller Arten von Waffen, Handlungen oder Bedrohungen ab. Da wir unsere Satelliten gegen Bedrohungen absichern müssen,
die ohne unser Wissen entwickelt werden könnten, ist es besonders wichtig, einen Weg zu finden, wie die Systeme begrenzt werden könnten, gegen
die eine Verteidigung am schwersten möglich ist. Wir streben Begrenzungen
an, die wirksam zu verifizieren wären und die einen Schutz der Streitkräfte der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten vor der Bedrohung durch
sowjetische Satelliten gewährleisten würden. Andere Optionen stellen darauf ab, gewisse bedrohliche Aktivitäten im Weltraum einschränkenden Bestimmungen zu unterwerfen. Die Tür zur Ausdehnung der Rüstungskontrollpolitik auf das Gebiet der Antisatellitenwaffen ist nicht verschlossen.
Die Administration setzt ihre aktive Suche nach praktikablen Möglichkeiten der Rüstungskontrolle im Bereich der Antisatellitenwaffen fort.

Ich meine, daß unsere Politik dem Wunsch Rechnung trägt, den wir alle
hegen, nämlich die Rüstung überall dort zu begrenzen, wo dies der Sicherheit der Vereinigten Staaten dienlich ist. Angesichts der Probleme, die
ich aufgezählt habe, liegt jedoch auf der Hand, daß die Vereinigten Staaten sich derzeit nicht in der Lage sehen, in Verhandlungen auf diesem Gebiet einzutreten. Obwohl ich einige der Ziele teile, die in der vom Abgeordneten Moakley und anderen eingebrachten Gemeinsamen Resolution Nr. 120
des Repräsentantenhauses genannt werden, glaube ich daher nicht, daß eine
Verabschiedung dieser Resolution uns der Verwirklichung dieser Ziele näher bringen würde.

Kernfragen
Ich möchte mich nun einigen der Kernfragen zuwenden, die im Hinblick
auf unsere Politik am häufigsten aufgeworfen worden sind.

Eine dieser Fragen bezieht sich auf den Zusammenhang zwischen der rüstungskontrollpolitischen Erfassung von Antisatellitenwaffen, der Entwicklung solcher Waffen durch die Vereinigten Staaten und der Initiative
des Präsidenten im Bereich der strategischen Verteidigung. Ist diese Initiative - und nicht die Liste von Problemen, die ich vorgetragen habe der "wahre
- 7 -

�der "wahre Grund", aus dem die Administration es ablehnt, Verhandlungen
über Antisatellitenwaffen aufzunehmen ?

Die Antwort lautet Nein. Das letztendliche Ziel der Initiative des
Präsidenten zur Entwicklung einer strategischen Verteidigung ist die
Verringerung der Bedrohung durch kernwaffentragende Raketen. Was zum
gegenwärtigen Zeitpunkt läuft, ist ein reines Forschungsprogranm, das mit
allen unseren vertraglichen Verpflichtungen ohne weiteres zu vereinbaren
ist, auch mit dem ABM-Vertrag, der die Entwicklung, Erprobung und Stationierung von raumgestützten Raketenabwehrsystemen oder von Bestandteilen
solcher Systeme verbietet. Dieses Forschungsprogramm ist so ausgelegt,
daß Anfang der 90er Jahre eine fundierte Entscheidung darüber getroffen
werden kann, ob wir in vollem Umfang zur Entwicklung und Einführung von
solchen Systemen übergehen wollen.

Zu diesem Zeitpunkt werden wir besser wissen, welche Rolle die
Rüstungskontrollpolitik spielen würde, wenn wir uns im Bereich der strategischen Nuklearwaffen auf ein verteidigungsorientiertes Konzept umstellen
würden, insbesondere auch während der Zeit des Übergangs zu einem solchen
Konzept. Da das Forschungsprogramm aber gerade erst angelaufen ist, wäre
es zum gegenwärtigen Zeitpunkt unklug, unsere Haltung in der Frage der
Rüstungskontrolle im Weltraum auf bloße Vermutungen darüber zu gründen,
ob ein Übergang zu einem solchen Konzept stattfinden wird oder nicht.

Andere Fragen betreffen die Richtung, in die wir uns gedanklich bewegen. Welche Optionen werden geprüft ? Was ist gemeint, wenn davon die
Rede ist, gewisse bedrohliche Aktivitäten im Weltraum "einschränkenden
Bestimmungen" zu unterwerfen ? Wann werden die Ergebnisse dieser Studien
bekanntgegeben ?

Wie in unserem Bericht zum Ausdruck kommt, sind wir zu dem Schluß gelangt, daß ein umfassender Teststop für Antisatellitenwaffen, durch den
alle Mittel zur Bekämpfung von Satelliten beseitigt werden würden, nicht
wirksam verifiziert werden könnte. Es ist in der Tat so, daß die Verifizier ungsprobleme umso größer werden, je umfassender man eine Begrenzung
dieser Systeme zu gestalten versucht. Deshalb konzentrieren wir uns bei
unseren gegenwärtigen

�unseren gegenwärtigen Studien auf weniger weitreichende Optionen, die
lediglich darauf abzielen, ganz bestimmte Arten von Waffensystemen oder
Aktivitäten zu begrenzen. Begrenzungen müssen wirksam verifizierbar sein,
wenn sie zur Erlangung von Stabilität und Sicherheit beitragen sollen.

Wir prüfen auch Optionen, die darauf abzielen, gewisse bedrohliche
Aktivitäten im Weltraum einschränkenden Bestimmungen zu unterwerfen. Solche Bestimmungen könnten parallel zu anderen stabilisierenden Maßnahmen,
wie z.B. den "vertrauensbildenden Maßnahmen", die die Vereinigten Staaten
bei den START- und INF-Verhandlungen vorgeschlagen haben, vereinbart werden bzw. diese ergänzen. Was diese Maßnahmen anbelangt, so sind diejenigen von besonderem Interesse, die in einem speziellen Zusammenhang mit
Antisatellitenwaffen oder Aktivitäten im Weltraum stehen. Beispiele für
solche Maßnahmen im Rahmen von START oder INF sind etwa die Vorankündigung von Raketenstarts oder von militärischen Großübungen.

Unsere Studien über Rüstungskontrolle im Weltraum gehen weiter. Die
laufende Information des Kongresses und der Öffentlichkeit über den Fortgang dieser Studien und etwaige Schlußfolgerungen ist gewährleistet.

Eine dritte Frage, die aufgeworfen worden ist, bezieht sich auf den
Zusammenhang zwischen unserer Politik und der von Senator Tsongas eingebrachten Zusatzklausel zum Haushaltsgesetz über den Verteidigungshaushalt
1984. Diese Zusatzklausel verpflichtet den Präsidenten, vor der Erprobung
des Kleinstflugkörper-Systems gegen Raumflugobjekte zu erklären, daß die
Vereinigten Staaten bestrebt und guten Willens sind, ein verifizierbares,
umfassendes Verbot von Antisatellitenwaffen auszuhandeln. Wie es in unserem Bericht heißt, sind wir bemüht, dem in Tsongas Zusatzklausel zum Ausdruck kommenden Anliegen dadurch gerecht zu werden, daß wir uns im Rahmen
unserer laufenden Studien auf begrenztere Übereinkünfte der von mir beschriebenen Art konzentrieren, die spezielle Arten von Waffensystemen,
Aktivitäten oder Bedrohungen verbieten oder in anderer Form beschränken
würden.

Eine vierte häufig gestellte Frage bezieht sich darauf, ob wir nicht
eine einmalige und unwiederbringliche Gelegenheit versäumen, diese Waffen
zu begrenzen,
- 9 -

�zu begrenzen,, bevor sie tatsächlich eingeführt werden.

Diese Annahme geht ein wenig am wahren Stand der Dinge vorbei. Die
Sowjetunion besitzt seit über einem Jahrzehnt ein einsatzfähiges Antisatellitensystem, das amerikanische Satelliten in erdnahen Umlaufbahnen
gefährdet. Das amerikanische Kleinstflugkörper-Programm stellt eine sinnvolle Antwort auf dieses System dar und ist, wie schon gesagt, außerdem
geeignet, vor Angriffen auf amerikanische Satelliten abzuschrecken. Keines dieser Systeme steht einem zukünftigen Abkommen über Antisatellitenwaffen im Wege, dessen Sinn darin liegen müßte, einer noch wirksameren
und gefährlicheren Bedrohung unserer Satelliten Grenzen zu setzen.

Wie oben bereits dargelegt, sind Weltraumwaffen bereits einer Reihe
von Beschränkungen unterworfen. Bevor wir versuchen, in diesem Bereich
des rasanten technologischen Wandels weitere Beschränkungen einzuführen,
müssen wir sicherstellen, daß wir Vorschläge unterbreiten können, die den
Interessen aller Beteiligten gerecht werden, verifizierbar sind, und die
Sicherheit der Vereinigten Staaten nicht beeinträchtigen. Mit Abkommen,
die diesen Kriterien nicht entspächen, wäre niemandem gedient.

Eine fünfte Frage betrifft den von der Sowjetunion im August vorigen
Jahres den Vereinten Nationen unterbreiteten Entwurf eines Vertrags über
Rüstungskontrolle im Weltraum und den sowjetischen Vorschlag für ein
Moratorium in der Erprobung von Antisatellitensystemen und für bilaterale Verhandlungen zur Erörterung der Verifizierungsprobleme.

Wir haben die sowjetischen Vorschläge sorgfältig geprüft. Der vorgeschlagene Vertrag würde die Anwendung oder Androhung von Gewalt durch
oder gegen Raumflugkörper verbieten. Er würde insbesondere die Erprobung
oder Stationierung von Waffen im Weltraum und die Erprobung und Entwicklung von Antisatellitensystemen verbieten und die Zerstörung bestehender Antisatellitensysteme erfordern. Er sieht Verifikation durch "nationale technische Mittel" vor, geht darüber aber nicht hinaus.

Unzureichende Verifikationsmöglichkeiten bilden denn auch eine seiner
größten Schwachstellen. Die Beseitigung des sowjetischen Antisatellitensystems allein
- 10 -

�Systems allein durch nationale technische Mittel zu verifizieren, ist
praktisch unmöglich. Ebenso wie die unsere ist auch die sowjetische Satellitenabwehrwaffe relativ klein und auf eine Trägerrakete montiert, die
auch für andere Raumflugunternehmen verwendet wird. Wir wissen nicht, wie
viele von diesen Satellitenabwehrwaffen hergestellt worden sind. Es wäre
denkbar leicht für die Sowjets, insgeheim einen gewissen Bestand an solchen Abwehrwaffen zu behalten, die sehr schnell wieder einsatzbereit gemacht werden könnten. Die sowjetische Forderung nach einem Verbot von
weltraumgestützten Waffen hat auch noch andere Verifizierungsprobleme aufgeworfen. Wie Sie sich vorstellen können, könnte sich die Verifikation
der Funktionen und Anwendungsmöglichkeiten von Raumflugkörpern als recht
schwierige Angelegenheit erweisen.

Der Vertragsentwurf schlägt vor, daß "von einem menschlichen Piloten
gelenkte" Raumfahrzeuge nicht zu "militärischen Zwecken" verwandt werden
sollten. Wir haben den starken Verdacht, daß diese Bestimmung dazu gedacht ist, den Einsatz unserer Raumfähre zu beschränken, die in den kommenden Jahren sowohl bei zivilen Raumflugunternehmen als auch bei solchen, die im Dienst der nationalen Sicherheit stehen, als das hauptsächliche Beförderungsmittel fungieren wird. Gleichzeitig würde der Vertrag
jedoch augenscheinlich die nicht von einem menschlichen Piloten gesteuerte sowjetische Raumstation keinerlei Beschränkungen unterwerfen.

Was nun das von der Sowjetunion vorgeschlagene Moratorium für die
Erprobung von Antisatellitensystemen anbelangt, so würde ein Eingehen
darauf für die Vereinigten Staaten schwerwiegende Nachteile mit sich
bringen. Während die Sowjets ihr einsatzbereites und viele Male getestetes Antisatellitensystem behalten würden, wären die Vereinigten Staaten
an der Erprobung ihrer Satellitenabwehrwaffe gehindert. Darüberhinaus
würde ein Teststop nicht notwendigerweise zur Verkümmerung des einsatzbereiten Systems der Sowjets führen. Nach einer mehrjährigen Pause bei
der Erprobung von Antisatellitenwaffen haben sich die Sowjets durchaus
imstande gezeigt, die Versuche mit ihrem System ohne irgendeinen wahrnehmbaren Leistungsabfall wiederaufzunehmen. Programme hingegen, die sich
noch im Forschungs- und Entwicklungsstadium befinden, was bei unserem ins
Auge gefaßten Antisatellitensystem der Fall ist, werden von einem Teststop sehr
- 11 -

�stop sehr viel nachhaltiger betroffen.

So lange wir schließlich nicht sagen können, ob die Definitions- und
Verifizierungsprobleme, die sich im Zusammenhang mit Rüstungskontrolle im
Weltraum ergeben, lösbar sind, wäre es unseres Erachtens nicht sehr zweckdienlich, in offizielle bilaterale Verhandlungen über diese Thematik mit
der UdSSR einzutreten. Wir würden es aber selbstverständlich begrüßen,
wenn die Sowjets näher erläutern würden, wie sie sich die Verifikation
ihres Vertragsentwurfs vorstellen.

Eine letzte Frage betrifft die Beziehung zwischen Rüstungskontrolle
im Weltraum und in anderen Bereichen. Warum schlägt die Administration
Verhandlungen über einen Vertrag über chemische Waffen vor, dessen Verifizierung auf ernste Probleme stoßen müßte, während sie es gleichzeitig
ablehnt, über einen Teststop für Antisatellitenwaffen zu verhandeln ?
Zugegeben, die Schwierigkeiten mit der Verifizierung sind in beiden Fällen groß. Im Bereich der C-Waffen werden wir zur Lösung dieser Probleme
kühne, kooperative Maßnahmen vorschlagen, die die Verifizierung erleichtern dürften. Was jedoch schwerer wiegt, ist die Tatsache, daß wegen der
geringen Anzahl von wirklich wichtigen Aufklärungs- und sonstigen militärischen Satelliten, die die Vereinigten Staaten besitzen, eine Mißachtung
der Bedingungen eines Abkommens über Antisatellitenwaffen selbst dann unverhältnismäßige Risiken heraufbeschwören würde, wenn sie nur in kleinem
umfang vorkäme. Die Dinge liegen hier anders als im Bereich der C-Waffen,
wo die Abschreckung viel wirksamer und effektiver ist, oder als im Bereich der nuklearen Mittelstreckenwaffen, wo ein Betrug im kleinen Umfang
wahrscheinlich kein derartiges Risiko ausmachen oder das strategische
Gleichgewicht verändern würde.

Schlußfolgerungen

Abschließend möchte ich gern die Schlußfolgerungen unseres Berichts
zusammenfassen. Rüstungskontrolle im Bereich der Antisatellitenwaffen ist
eine Angelegenheit, die schwerwiegende Probleme aufwirft, an deren Lösung
wir intensiv arbeiten und auch weiterhin arbeiten werden. Die Möglichkeiten für Initiativen in diesem Bereich werden von uns umfassend und gründlich ausgelotet.
- 12 -

�lieh ausgelotet. Wir sind jedoch der Meinung, daß wir keine Verhandlungen
aufnehmen können oder sollten, so lange wir nicht in der Lage sind, konkrete und sinnvolle Vorschläge zu entwickeln. Sie dürfen jedoch versichert sein, daß wir die Hoffnung nicht aufgegeben haben, daß wir doch
noch Vorschläge dieser Art ausarbeiten können.

++++

- 13

�18. April 1984

16.

DIE SANDINISTEN ENTZIEHEN SICH IHREN VERPFLICHTUNGEN
Von Langhorne Motley

Der Verfasser dieses zuerst in der "Los Angeles Times"
erschienenen Artikels ist Unterstaatssekretär
für inter-amerikanische Angelegenheiten im
amerikanischen Aussenministerium.
Washington - AD - Im Juli 1979 versprachen Nicaraguas neue Führer
ihrem Volk und - über die Organisation Amerikanischer Staaten - auch den
Völkern Mittelamerikas und der ganzen Hemisphäre, dass sie freie Wahlen
abhalten, eine blockfreie Politik verfolgen und das Recht der
Selbstbestimmung der Völker achten würden.

Im September 1983 ging die Regierung von Nicaragua eine noch
weitergehende Verpflichtung ein. Es wurde mit den mittelamerikanischen
Nachbarländern und der aus Kolumbien, Mexiko, Panama und Venezuela
zusammengesetzten Contadora-Gruppe Übereinstimmung erzielt, Verhandlungen
zu führen, um 21 klar definierte ziele zu erreichen. Dazu gehören die
Herstellung demokratischer Verhältnisse, die Beendigung der Unterstützung
Umstürzlerischer Tätigkeiten und verschiedene militärische
Abbaumassnahmen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Abbaumassnahmen - Kürzungen nicht nur bei den Waffen und hinsichtlich
der Zahl der Soldaten, sondern auch bei den ausländischen Militär- und
Sicherheitsberatern, um diese schliesslich ganz abzuschaffen.

Am 8. Januar 1984 einigten sich Nicaragua und die mittelamerikanischen Staaten über bestimmte Verfahren bei den Verhandlungen über
einen Vertrag, der diese Ziele und auch die Uberprüfungsmassnahmen im
Hinblick auf die Einhaltung beinhalten sollte.

Wenn die Sandinisten diese Verpflichtungen gegenüber dem eigenen Volk
und den Nachbarn wirklich erfüllten, wären die grundlegenden Zielsetzungen der Vereinigten Staaten für Nicaragua bereits erreicht. Wir
verlangen von den Sandinisten nicht mehr als das, was sie selbst ihrem
Volk öffentlich versprochen haben und was auch die zunehmend beunruhigten
Nachbarn von ihnen fordern.

Das Problem besteht natürlich darin, dass sich die Sandinisten gleich
von Anfang an im Jahr 1979 in die entgegengesetzte Richtung bewegt haben.
Ihre Macht beruht nicht auf Wahlen, sondern auf einer internen Militarisierung und auf der Unterstützung durch die Sowjetunion.

Sie haben die

grosse nationale Koalition, die zu Somozas Sturz führte, systematisch
zerstört. Sie haben ferner politische Kritiker, die Nachrichtenmedien,
Geschäftsleute und Gewerkschafter, Minderheiten, ja sogar die katholische
Kirche verfolgt und schikaniert. Sie haben eine Militärmacht errichtet,
die um ein Vielfaches grösser ist, als Somozas Nationalgarde es seinerzeit war. Sie haben mehr als 2 500 Kubaner und mindestens 100 Militärund Sicherheitsberater aus dem Sowjetblock ins Land gebracht, die beim
Aufbau eines allgegenwärtigen internen Sicherheitsapparats und bei der
Unterstützung des gegen El Salvador und andere Nachbarländer gerichteten
Guerillakampfes mitwirken.

Was wir also von Nicaragua wollen, sind Taten, nicht Worte. Taten,
um die Militär- und Sicherheitsverbindungen zu Kuba und zum Sowjetblock
abzubrechen. Taten, um jeglicher Unterstützung von Guerillagewalt und
Terrorismus in Mittelamerika ein Ende zu bereiten. Taten, um Nicaraguas
Aufrüstung auf ein Mass zurückzuschrauben, das ein Gleichgewicht mit den
Nachbarn herstellen

�Nachbarn herstellen würde. Taten, um ein wirklich demokratisches politisches System zu errichten.

Um diesen Verpflichtungen gegenüber dem eigenen Volk und der
Organisation Amerikanischer Staaten nachzukommen, könnten die Sandinisten
entweder unilateral vorgehen oder aufgrund von Ergebnissen von
Verhandlungen, wie zum Beispiel im Rahmen des Contadora-Entwicklungsprozesses. Wie sie die Versprechungen einhalten wollen, ist ihre Sache.
Was wir brauchen, sind Taten, je früher desto besser.
Statt dessen haben wir bisher hauptsächtlich rhetorische Übungen
erlebt.

Sie klingen vielversprechend, aber es sind noch keine Taten

erbracht worden.

Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass wir ohne das

entscheidend wichtige Zusammenspiel zwischen den militärischen und den
diplomatischen Aspekten unserer Politik nicht einmal diese schönen Reden
hören würden, sondern uns nur dem destruktiven Trotz und Hohn gegenübersehen würden, mit dem die Sandinisten jedermann - angefangen von
Arturo Cruze bis zum Papst - begegnet sind.

Im Oktober 1982 beschlossen wir in San Jose (Costa Rica) gemeinsam
mit sieben anderen demokratisch gewählten Regierungen faire und
harmonisch abgestimmte Vorschläge für Frieden in der Region.

(Wer an der

amerikanischen Unterstützung der von der Contadora-Gruppe in jüngster
Zeit festgelegten Ziele zweifelt, sollte diese mit den nahezu identischen
Grundsätze des Abkommens von San Jose vergleichen.) Nicaragua aber
weigerte sich, den Aussenminister von Costa Rica als den Abgesandten
dieser Gruppe überhaupt zu empfangen.

Im vergangenen Jahr führten die Schwierigkeiten, mit denen die
Sandinisten es zu tun hatten, zu neuen Überlegungen.

Gegner des Regimes

gaben klar zu erkennen, dass sie sich nicht einschüchtern lassen würden.
Die internationale Unterstützung durch demokratische Bewegungen erfolgte
nicht mehr automatisch. Die vereinigten Staaten führten militärische
Manöver durch, um das regionale militärische Gleichgewicht
aufrechterhalten zu helfen. Die Contadora-Länder bestanden darauf, dass
sich Nicaragua mit den von den Nachbarn vorgebrachten Beschwerden befasse.
Den grundlegenden
- 3 -

�Den grundlegenden Anliegen, die ich hier umrissen habe, ist von
Nicaragua bisher nicht einmal annähernd entsprochen worden. Die
Sandinisten sind ihren Verpflichtungen gegenüber der Organisation
Amerikanischer Staaten nicht nachgekommen. Es bleibt abzuwarten, ob
Nicaragua tatsächlich bestrebt sein wird, die 21 Ziele zu erreichen. Was
wir in den letzten Monaten erlebt haben, scheint den Verdacht zu
rechtfertigen, dass eher eine Propagandakampagne als eine Anstrengung in
Richtung auf seriösere Verhandlungen unternommen worden ist.

Der in sechs Punkte gegliederte Friedensvorschlag, den Daniel Ortega
in seiner Eigenschaft als Koordinator der Junta im Juli 1983 unterbreitete, war so einseitig, dass er jeder ausländischen Unterstützung der
Regierung von El Salvador Einhalt geboten hätte, während sich an der
kubanischen und sowjetischen Unterstützung der Regierung Nicaraguas
überhaupt nichts geändert hätte.

Die vier Vertragsentwürfe, die Nicaragua im vergangenen Oktober
vorlegte, liessen die Schaffung demokratischer Einrichtungen als eine
Zielsetzung der Contadora-Gruppe ausser acht, befassten sich überhaupt
nicht mit der Frage der ausländischen Militärberater und enthielten keine
sinnvollen Vorschläge für eine Überprüfung der Einhaltung der
Vereinbarungen.

Dadurch, dass Nicaragua diese Vertragsentwürfe bereits

zu einem Zeitpunkt vorlegte, als die Tinte, die man bei der Festlegung
der 21 Ziele verwendet hatte, noch nicht einmal trocken war, wollten die
Sandinisten den Contadora-Entwicklungsprozess verfahrensrechtlich
unterlaufen und wesentlich einschränken. Die sandinistische Führung hat
mehrmals versucht, der Contadora-Gruppe die Zuständigkeit für diesen
Dialog abzusprechen - so im vergangenen Herbst bei dem vergeblichen
Versuch, ihn in die Vollversammlung der Vereinten Nationen zu verlegen,
oder wie gerade in diesen Tagen im Sicherheitsrat.

Im November 1983, nach der kollektiven Aktion auf Grenada, liess
Nicaragua verlauten, dass es die kubanische Präsenz verringern und die
Salvadorianisehen FMLN/FDR-Vertreter zum Verlassen von Managua auffordern
werde.

In Wirklichkeit waren die Abreise von Kubanern, wie Innenminister Tomas

- 4 -

�minister Tomas Borge auch zugab, lediglich ein routinemässiger Austausch
von Lehrern zum Jahresende; sie betraf keine Militär- und Sicherheitsberater. Die infrastraktur und das Hauptquartier der Salvadorianischen
Guerilla gibt es weiterhin in Nicaragua.

Nun hat Nicaragua "Wahlen" für den 4. November angekündigt. Wir
würden tatsächlich offene Wahlen, an denen alle repräsentativen
politischen Gruppen teilnehmen könnten, durchaus begrüssen.

Besonders

Costa Rica als demokratischer Nachbar von Nicaragua würde sich erleichtert fühlen. Trotzdem wird nach wie vor eine willkürliche Zensur der
Medien ausgeübt, und es ist noch kein Rahmen zu sehen, der freie und
faire Wahlen gewährleisten würde: freier Zugang zu den Medien, Aufhebung
des Notstandes, Aufhebung des Beschlusses, den meisten Oppositionsführern
keine politische Arbeit zu gestatten, und Begrenzungen der sandinistischen Ausnützung der Mittel und Einrichtungen des Staates für
Parteizwecke.

Ebenso wie andere demokratische Länder, sind auch wir skeptisch, doch
haben wir den neuen Tonfall in einigen der jüngsten Erklärungen aus
Nicaragua öffentlich begrüsst. Wir haben klargestellt, dass wir echte
Änderungen wollen, nicht blosse Rhetorik - echte Massnahmen, keine blosse
Kosmetik bei unseren vier Zielen.

Zu dem jüngsten Gedankenaustausch kam

es am 4. April, als Sonderbotschafter Harry w. Shlaudeman und ich mit
nicaraguanischen Führern in Managua sprechen konnten. Die Sandinisten
bleiben unnachgiebig und behaupten, dass sie weder jetzt noch früher die
Aufständischen in El Salvador versorgt hätten, und sie stellen sich auch
auf den Standpunkt, dass ihrerseits gar keine Aktion notwendig sei, um
den Frieden in der Region wiederherzustellen.
getan werden muss.

Sie wissen jedoch, was

Jetzt ist es an der Zeit, dass sie damit beginnen.

+ + + + +

- 5 -

�18. April 1984

BEOBACHTUNG VON GEHIRNFUNKTIONEN
PET - diagnostisches Hilfsmittel der Psychiatrie -

- (AD) - Das PET-Verfahren (PET - Abkürzung für "Positronen-EmissionsTomographie") gibt die Möglichkeit, das Gehirn als Ganzes in Funktion zu beobachten und gleichzeitig Aktivitätsunterschiede in den einzelnen Regionen
zu ermitteln.

Nach Ansicht von Dr. Monto S. Buchsbaum, Prof. für Psychiatrie

und Verhaltensforschung an der Universität von Kalifornien in Irvine, könnte
der PET-Scanner zu einem wichtigen diagnostischen Hilfsmittel in der Psychiatrie werden.

Bei PET-Untersuchungen an schizophrenen Patienten zeigte sich

z.B. eine relativ geringe Aktivität im Stirnhirn, dessen Zonen für spezielle
Assoziationsleistungen wie Planung, Organisation und Koordination motorischer
Aktivitäten von Bedeutung sind, dagegen eine auffallend hohe Aktivität in der
Sehsphäre.

Diese ist ein Teil der Hirnrinde im Hinterhauptlappen des Groß-

hirns und bildet einen Bereich, in dem sich "Erkennen" und "Vorstellen" vollzieht.

Ober das Sinnesorgan der Augen konnten jedoch die Patienten nichts

wahrnehmen, weil sie sich in einem abgedunkelten Raum befanden und die Augen
geschlossen hielten.
Vermutlich werde,

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Vermutlich werde, wie Buchsbaum in seinem Referat auf der Jahrestagung
1983 der "American Psychiatric Association" sagte, mit dem PET-Scanner das
Halluzinationsphänomen erfaßt.
heitsbildern der Schizophrenie.

Es ist eines der Hauptsymptome bei den KrankDie höhere Aktivität im Hinterhauptlappen

stimme mit den klinischen Beobachtungen des Verhaltens schizophrener Personen
ü'berein.

Sie verarbeiten Informationen in exzessiver Form, entwickeln Wahn-

ideen und haben Halluzinationen.

Außerdem scheinen ihre Aktivitäten weniger

geplant und organisiert zu sein als die gesunder Personen.
Buchsbaum nimmt an, daß eines Tages PET-Scanner-Bilder in der Diagnostik
von Geisteskrankheiten und Psychosen eine ähnlich wichtige Rolle spielen werden wie heute die Bluttests bei der Erkennung einer großen Zahl von körperlichen Krankheiten.

+ + + + +

- 2 -

�18. April 1984

16

ZIEL: SELBSTTÄTIGE TESTS FÜR COMPUTERCHIPS

- (AD) - Einer der größten Kostenfaktoren in der Herstellung von
Computerchips ist das Prüfen.

Es ist erheblich teurer als die eigentliche Pro-

duktion, weil alle Siliziumchips auf einer Leiterplatte (Platine) einzeln getestet werden müssen.

Dies geschieht mit "automatischen Testausrüstungen"

(ATE), von denen eine einzige Apparatur ca. 500 000 Dollar kostet. Manche
Unternehmen müssen allein für den Prüfprozeß Millionen von Dollar
ren.

investie-

Aber angesichts der raschen Fortschritte der Mikroelektronik mit immer

kleineren Einzelelementen auf einem Chip sind die Testausrüstungen stets schon
nach kurzer Zeit veraltet.

Deshalb wird jetzt versucht, Chips zu entwickeln,

die sich gewissermaßen selbsttätig testen.
Die "Arbeitsgruppe für zuverlässige Computer-Operationen" unter der
Leitung von Prof. Edward J. McCluskey (Stanford-Universität, Kalifornien)
will dies durch den Einbau spezieller Schaltkreise in die Chips erreichen.
Sie arbeitet gegenwärtig an der Entwicklung eines Testverfahrens, bei dem
die Schaltsysteme nach logischen Funktionen anstatt nach Baustein-Flächen in
Segmente aufgeteilt sind. Dabei läßt sich jedes Segment mit allen denkbaren
Eingabemustern durchtesten, und mehrere Segmente können gleichzeitig geprüft

Postfach 20 03 OO
D 5300 Bonn 2

I ei U?28-339 2035
Telex 8-85432

�gleichzeitig geprüft werden.

Die Genauigkeit sei wesentlich größer als bei

den anderen derzeit in der Entwicklung befindlichen selbsttätigen Testverfahren, sagte Prof. McCluskey, der am Department für Elektrotechnik und am
Department für Computerwissenschaft lehrt.

Seiner Arbeitsgruppe gehören ne-

ben Wissenschaftlern von verschiedenen Fachbereichen auch 12 Doktoranden an.
Die fortschreitende Miniaturisierung und Steigerung der Integrationsdichte der Chips hat zu einem weiteren Problem geführt, das vor allem die
C-MOS-Schaltkreise betrifft.

Sie vereinen zwei Arten von Halbleiterelementen

auf einem Chip, um Computersignale zu speichern und zu verändern»

Dabei kann

es zu Ladungsdurchbrüchen zwischen Schaltkreisen kommen, was die Speicherund Ausgabeinformationen unbrauchbar macht.

Bei C-MOS-Speichern entstehen

vor allem dann leicht Ladungsinstabilitäten, wenn die Eingabesignale verändert werden und die Ladungen einen neuen Leitungsweg nehmen müssen.

So kann

es passieren, daß bei rascher Signalveränderung die Ladungen sich andere als
die vorgesehenen Wege suchen.

Es besteht die Gefahr, daß die gespeicherte

Information gelöscht, ja ein regelrechter

Ladungsstrom

("Ladungsdurchbruch")

ausgelöst wird, der in wenigen Minuten den Chip zerstört.
Mark Pinto, Doktorand am Stanford-Zentrum für Integrierte Systeme,
arbeitet z. Zt. an Programmen für die größten an der Universität verfügbaren
Rechenanlagen, um Entstehung und Ablauf solcher Durchbrüche simulieren zu
können. Gleichzeitig sucht er nach Wegen für die Konstruktion von Halbleitern, um solche Durchbrüche technisch zu verhindern. Am meisten verspricht
er sich, wie er erklärt, zunächst vom Einbau von Siliziumdioxid-Sperren, die
wie eine Wand in die Tiefe gehen und einen Tunnel ström unter den Leitungsbahnen unterbinden.
.!
\

+ + + + +

- 2 -

�</text>
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        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: USA können Mittelamerika nicht den Rücken kehren&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rundfunkansprache des US-Präsidenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Weißes Haus: Keinerlei Pläne für Militäreinsatz in Mittelamerika&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung vom 10. April 1984 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Adelman hält Abkommen über Antisatellitenwaffen für möglich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Anhörung vor einem Ausschuss des Repräsentantenhauses am 10. April 1984 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Sandinisten entziehen sich ihren Verpflichtungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Langhorne Motley -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Beobachtung von Gehirnfunktionen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- PET - diagnostisches Hilfsmittel der Psychiatrie -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ziel: Selbsttätige Tests für Computerchips</text>
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