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Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America
^TION

4

Z12462C
46

NAFTA

17. November 1993

CLINTON MACHT SICH FÜR
VERABSCHIEDUNG DES NAFTA STARK
Radioansprache des Präsidenten
CLINTON: KONGRESS WIRD NAFTA
ZUSTIMMMEN
Zusammenfassung der Pressekonferenz im
Weißen Haus und Eingangserklärung des
Präsidenten

TERRORISMUS

SANKTIONEN GEGEN LIBYEN SIND BEWEIS
FÜR WIDERSTAND GEGEN TERRORISMUS
Erklärung Albrights vor UN-Sicherheitsrat

LANDMINEN

USA FÜR WELTWEITES VERBOT DES
VERKAUFS VON LANDMINEN
Rede von Senator Leahy vor
UN-Generalversammlung

MEDIEN

DIE ROLLE FREIER MEDIEN IN DER
DEMOKRATIE
Rede Shattucks bei KSZE-Seminar

BEVÖLKERUNG

BEVÖLKERUNGSENTWICKLUNG IST
WICHTIGES AUSSENPOLITISCHES THEMA
Vorbereitung für Weltkonferenz

JOHN F. KENNEDY

DER PRÄSIDENT, DER HOFFNUNGEN
WECKTE
Persönliche Erinnerungen von David Pitts

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-33 4102

�NAFTA
17. November 1993

CLINTON MACHT SICH FÜR VERABSCHIEDUNG
DES NAFTA STARK
Radioansprache des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - In einer Radioansprache am 13. November 1993 würdigte Präsident Clinton die
amerikanischen Kriegsveteranen und drängte auf Unterstützung für das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (North American Free Trade Agreement - NAFTA).
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Präsidenten im Wortlaut.

Meine Damen und Herren, in dieser Woche feierten die
Amerikaner den Tag der Kriegsveteranen - den Tag,
an dem wir denjenigen danken, die für uns gedient,
unsere Sicherheit gewährleistet und zur Bewahrung
der Freiheit beigetragen haben, die unser aller höchstes Gut ist.
Nachdem ich am Donnerstag auf dem Friedhof Arlington der Veteranen gedacht habe, kam ich mit zwei die
Generationen umspannenden Gruppen von Patrioten
zusammen - den Veteranen des Ersten Weltkriegs und
den Angehörigen des Militärs im aktiven Dienst, die in
Somalia solch ausgezeichnete Arbeit geleistet haben.
Diese tapferen Amerikaner sind durch den Heldenmut,
mit dem sie unserer Nation dienten, über die Generationen miteinander und mit der Geschichte verbunden.
Keiner von ihnen hat sich der Gefahr oder Herausforderung entzogen. In unruhigen Zeiten haben sie
unsere Interessen über unsere Grenzen hinaus geschützt.
Und während sich auf der Welt der tiefgreifendste
Wandel seit 50 Jahren vollzieht, können wir heute eine
eindringliche Lehre aus ihrem Mut und ihrer Vision
ziehen. Ebenso wie wir niemals beim Schutz unseres
Land es vor einer militärischen Bedrohung zurückgeschreckt sind, können wir unseren Wohlstand nicht
schützen, wenn wir uns nicht den wirtschaftlichen
Herausforderungen stellen.
Seit meinem Amtsantritt als Präsident hat sich unsere
Administration der Wiederbelebung der amerikanischen Wirtschaft verschrieben, sich dafür engagiert,
daß sich Arbeit wieder für alle Amerikaner bezahlt
macht und die Bedingungen zu schaffen, dank derer

AMERIKA DIENST 46

unser Privatsektor mehr Arbeitsplätze, höhere Einkommen und mehr Chancen für alle verwirklichen
kann. Dieses Wirtschaftsprogramm beginnt zu funktionieren. Wir haben das Defizit gesenkt, die Inflation
niedrig gehalten und die Zinssätze auf einen Rekordtiefstand gedrückt. Millionen Amerikaner haben ihre
Häuser und Unternehmen neu finanziert. Und obwohl
wir noch nicht so viele Arbeitsplätze haben wie wir
möchten, hat der Privatsektor in den vergangenen 10
Monaten mehr Arbeitsplätze geschaffen als in den
letzten vier Jahren zusammengenommen.
Der einzige Weg, wie eine wohlhabende Nation wachsen, Arbeitsplätze hervorbringen und die Einkommen
erhöhen kann, besteht jedoch letztlich im Abbau der
Handelshemmnisse und der Erweiterung des Handels
in einer wachsenden Weltwirtschaft. Es gibt einfach
keinen anderen Weg, mit dem ein reiches Land Arbeitsplätze schaffen und die Einkommen erhöhen kann,
als andere Kunden für seine Waren und Dienstleistungen zu finden. Die Vereinigten Staaten sind keine
Ausnahme. Wir haben die Chance, dies in einigen
Tagen zu tun, wenn der Kongreß über das als NAFTA
bezeichnete Handelsabkommen berät.
Das Nordamerikanische Freihandelsabkommen wird
die mexikanischen Hemmnisse für amerikanische
Exporte abbauen. Wenn diese Schranken fallen,
werden wir im nächsten Jahr allein an Mexiko weitere
55.000 in Amerika hergestellte Autos verkaufen. Wir
werden weitere Hunderttausende Computer verkaufen und in den nächsten beiden Jahren 200.000 neue
gutbezahlte Arbeitsplätze schaffen. NAFTA ist ein
wirlich gutes Geschäft für Amerika. Und wenn wir
Mexiko nicht für unsere Produkte öffnen, können Sie
Seite 1

�davon ausgehen, daß die Europäer oder die Japaner
dies für ihre Produkte tun. Wenn das NAFTA verabschiedet wird, haben wir auf dem mexikanischen Markt
einen Wettbewerbsvorteil gegenüber den Japanern
und Europäern. Sollte es zum Scheitern verurteilt sein
und Japan oder Europa nehmen die Herausforderung
an, der wir uns nicht gesteift haben, werden sie einen
Vorteil gegenüber uns haben.
Warum haben also einige unserer Mitbürger solche
Angst vor dem NAFTA? Weil sich ihre Welt in den
vergangenen 20 Jahren so stark verändert hat - und
häufig nicht zum Besseren. Technologie kann man
heute überall auf der Wert finden. Geld und Informationen umkreisen den Globus in Millisekunden. Qualifikationen, die einstmals nur wir besaßen, haben jetzt
auch andere. Diese neue Weltwirtschaft hat enorm
viele Chancen geschaffen, aber auch viele Härten mit
sich gebracht.
Wir mußten viele Anpassungen vornehmen. Zur Zeit
arbeiten wir daran, unser veraltetes Arbeitslosensystem durch ein neues - genannt Wiederbeschäftigung
- zu ersetzen, damit jeder, der aus irgendeinem Grund
seinen Arbeitsplatz verliert, sofort Zugang zu der von
ihm benötigten Ausbildung, Fortbildung und Arbeitsplatzvermittlung hat. Wir haben das Gesetz über den
Urlaub aus familiären Gründen verabschiedet, so daß
niemand seinen Arbeitsplatz verliert, wenn er wegen
eines Neugeborenen oder zur Pflege kranker Eltern
eine Zeitlang nicht arbeitet. So können die Menschen
gleichzeitig gute Arbeitnehmer und gute Familienmitglieder sein.

Die amerikanischen Arbeitnehmer sind heute wieder
die produktivsten weltweit. Wir können im Wettbewerb
und bei der Produktion überall jeden anderen übertreffen. Wir werden wieder für eine lange Zeit die Nummer
eins sein, wenn wir uns dem Wettbewerb in der Welt
öffnen. Aus diesem Grund haben amerikanische
Arbeitnehmer vom NAFTA nichts zu befürchten, sondern sollten sich vielmehr Sorgen machen, wenn wir
gegen das NAFTA stimmen und Mexiko, den anderen
Ländern Lateinamerikas und den sich uns bietenden
Chancen den Rücken kehren.
Am Tag nach der Kongreßabstimmung über das NAFTA
werde ich in Seattle mit führenden Politikern vieler
asiatischer Länder - einschließlich Chinas und Japans
- zusammentreffen, und sie um Öffnung ihrer Märkte
auch für unsere Produkte bitten. Bis Ende dieses
Jahres werde ich mich entschieden dafür einsetzen,
ein noch umfassenderes weltweites Handelsabkommen abzuschließen, das die Handelshemmnisse für
den Export unserer Produkte nach Europa und in die
übrige Welt abbauen soll.

Gemeinsam mit anderen Nationen können wir das
Wachstum der Weltwirtschaft buchstäblich erneut
ankurbeln und Millionen neuer Arbeitsplätze und Exportmöglichkeiten für alle Amerikaner schaffen. Hierzu müssen wir jedoch als ersten Schritt diese Woche
für das NAFTA stimmen, das nicht nur eine Handelsvereinbarung mit Mexiko darstellt, sondern auch zum
Symbol unseres Engagements für Wachstum und
Handel auf der ganzen Welt geworden ist. Glauben
Sie mir: Wie auch immer der Kongreß abstimmen
mag, er wird jeder Nation auf der Welt signalisieren,
Wir benötigen eine Reform des Gesundheitswesens welche Absichten wir verfolgen - ob wir unsere Fühund haben einen Plan vorgelegt, der zum ersten Mal in rungsrolle in der Weltwirtschaft beibehalten und bei
unserer Geschichte allen Amerikanern eine Gesund- anderen auf die Öffnung ihrer Märkte für Produkte und
heitsfürsorge anbietet - selbst wenn sie ihren Arbeits- Dienstleistungen unseres Landes und anderer Staaplatz verlieren. Und wir sind entschlossen zur Be- ten drängen, oder ob wir uns in den Protektionismus
kämpfung der Kriminalität mit mehr Polizisten, mehr flüchten.
Lagern für jugendliche Straftäter sowie mehr Gefängniszellen für diejenigen, die das brauchen. Das sind Wenn wir das NAFTA verabschieden, werden wir zum
einige der Maßnahmen aus der Gesetzesvorlage zur Zentrum des weltweit größten Handelsblocks mit Kanada
Bekämpfung der Kriminalität, die dem Kongreß zur und Mexiko, der sich durch die Aufnahme der übrigen
Zeit vorliegt.
Länder Lateinamerikas schnell vergrößern wird. Tun
wir das nicht, geraten wir in eine festgefahrene SituaFolglich leisten wir in den Bereichen Erziehung, Ge- tion, während jemand anders diese Gelegenheit ersundheit, Urlaub aus familiären Gründen und Bekämp- greift.
fung der Kriminalität harte Arbeit, um dem amerikanischen Volk die Sicherheit zu geben, die wir alle ange- Diese Abstimmung wird viel darüber aussagen, wer
sichts der uns konfrontierenden Veränderungen benö- wir, die Amerikaner des Jahres 1993, eigentlich sind.
tigen. Wir können die Welt jedoch nicht zu dem Große Nationen werden nicht nur durch ihre Taten
machen, was sie einmal war. Wir können unsere definiert, wenn die Spielregeln und die Zukunft klar und
Arbeitnehmer, ihre Arbeitsplätze und Einkommen einfach die Zeiten leicht sind, sondern durch die von ihnen
nicht vor den Unwägbarkeiten des weltweiten Wettbe- getroffenen Entscheidungen in Zeiten großer Veränwerbs schützen, indem wir Mauern zu errichten versu- derungen, wenn die Zukunft im Dunkeln liegt, die
chen. Die einzige Möglichkeit zur Bereitstellung wirt- Menschen mit Schwierigkeiten kämpfen und ihre Zukunft
schaftlicher Sicherheit und größerer Chancen für die gestalten müssen.
Mittelschicht in unserem Land besteht darin, sich
dieser neuen Welt direkt zu stellen, zu konkurrieren Dies ist ein für Amerika entscheidender Zeitpunkt.
Werden wir die Chance ergreifen? Werden wir uns für
und zu gewinnen. Und wir können gewinnen.
Seite 2

AMERIKA DIENST 46

�die Hoffnung anstelle der Angst entscheiden? Die
Geschichte der Größe Amerikas läßt darauf schließen. Wir haben immer gesiegt, wenn unsere Nation
sich in der Welt engagiert und ihre großen Herausforderungen angenommen hat. Durch die Verabschiedung des NAFTA kann der Kongreß demonstrieren,
daß wir in einer prosperierenden Weltwirtschaft konkurrieren und gewinnen wollen. Wir übernahmen die

Führungsrolle bei ihrer Schaffung und werden das
angesichts des bevorstehenden 21. Jahrhunderts wieder
tun müssen. Wir können eine Zukunft aufbauen, die
wir unseren Kindern mit Stolz hinterlassen können und die Zukunft beginnt am Mittwoch mit einer positiven Abstimmung über das Nordamerikanische Freihandelsabkommen.

* * * *

AMERIKA DIENST 46

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Seite 3

�NAFTA
17. November 1993

CLINTON: KONGRESS WIRD NAFTA ZUSTIMMEN
Zusammenfassung der Pressekonferenz im Weißen Haus
und Eingangserklärung des Präsidenten

WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton zufolge wird
das beabsichtigte Nordamerikanische Freihandelsabkommen (North American Free Trade Agreement NAFTA) zwischen den Vereinigten Staaten, Kanada
und Mexiko genügend Stimmen für seine Verabschiedung erhalten, wenn es dem Kongreß am 17. November 1993 vorgelegt wird.
In einer landesweit im Fernsehen übertragenen Pressekonferenz am 10. November warnte der Präsident,
ein Scheitern des Abkommens könnte die Fähigkeit
der Vereinigten Staaten beeinträchtigen, andere Nationen davon zu überzeugen, daß die Zeit reif für ein
neues weltweites Handelsabkommen ist.
"Wir können gewinnen", betonte der Präsident. "Und
wir müssen ab nächster Woche entscheiden, ob wir
uns dem Wettbewerb stellen und gewinnen oder uns
zurückziehen wollen."
Mit der Verabschiedung des NAFTA hätten die Vereinigten Staaten, so Clinton, "einen entschieden besseren Einfluß auf die internationale Staatengemeinschaft,
um auf den Abschlu ß einer weltweiten Handelsvereinbarung vor Ende des Jahres - dieses neuen GATTAbkommens - zu drängen."
Der Präsident verwies darauf, daß alle noch lebenden
ehemaligen amerikanischen Präsidenten und Außenminister sich ebenso wie 80 Prozent der derzeitigen
Gouverneure von Bundesstaaten und eine beeindrukkende Vielzahl von Nobelpreisträgern für Wirtschaft
zugunsten des NAFTA ausgesprochen haben.
Auf die Frage, ob ein Scheitern des NAFTA seinen
Stand beim bevorstehenden Ministertreffen mit den
Staats- und Regierungschefs des Forums für asiatisch-pazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit (AsiaPacific Economic Cooperation - APEC) in Seattle
beeinträchtigen würde, antwortete Clinton: "Meines
Erachtens wird es meine Fähigkeit zur Ausübung der
Außenpolitik nicht schmälern, außer im wirtschaftlichen Bereich. Es würde vielmehr mein Argument
AMERIKA DIENST 46

entkräften, daß die Asiaten ihre Märkte weiter öffnen
sollten."
Zur Zeit, so der Präsident, betrage das Handelsdefizit
der Vereinigten Staaten mit Japan 49 Billionen Dollar
jährlich, mit China 19 Billionen und mit Taiwan 9
Billionen Dollar. Im Gegensatz dazu belaufe sich der
Handelsüberschuß der Vereinigten Staaten mit Mexiko auf 5,4 Billionen Dollar.
Dem Präsidenten zufolge hätte ein Scheitern des
NAFTA negative Auswirkungen auf die amerikanischen Beziehungen zu den lateinamerikanischen
Nationen.
Sollte der Vorschlag nicht verabschiedet werden, warnte
Clinton, würden die Vereinigten Staaten eine Chance
zum Verkauf ihrer Produkte an Mexiko verpassen, die
Auslagerung von Arbeitsplätzen südlich der Grenze
nicht verhindern können und die Kosten Mexikos für
Umweltschutz und Arbeitskräfte weiter drücken, wodurch amerikanischen Firmen ein weiterer Wettbewerbsnachteil entstünde.
Auf die Frage, ob die Vereinigten Staaten auf den
Devisenmärkten zur Unterstützung des mexikanischen
Peso intervenieren müßten, wenn das NAFTA verabschiedet würde, erwiderte Clinton: "Meines Erachtens
... würde der Peso aufgrund der Zustimmung zum
NAFTA steigen, weil er die mexikanische Wirtschaft
stärken würde."
Clinton ging auch auf andere Themen ein wie Haiti,
Bosnien-Herzegowina, die Beziehungen zwischen Israel
und Jordanien sowie seine außenpolitischen Berater.
Er betonte, die Haitianer müßten verstehen, daß die
für das Embargo gegen ihr Land Verantwortlichen der
Chef des haitianischen Militärs, Raoul Cedras, und der
Polizeichef Michel Francois seien, weil sie das New
Yorker Abkommen gebrochen hätten.
Clinton verlieh seiner Überzeugung Ausdruck, daß der
haitianische Ministerpräsident Robert Malval und
Seite 1

�Präsident Jean-Bertrand Aristide "zu Gesprächen in
gutem Glauben bereit sind und eine Lösung herbeizuführen versuchen, dank der wir auf den Weg zur
Demokratie und Verwirklichung dieses Abkommens
zurückfinden könnten".

die nichts mit den Kontroversen zu tun haben, die bei
meinem Amtsantritt ein heißes Eisen waren und heute
noch sind - Somalia, Haiti und Bosnien. Es wäre ein
großer Fehler, dies falsch zu interpretieren."

Auf die Frage, waserzurEntschärfung der Situation in
Bosnien-Herzegowina unternehme, stellte der Präsident fest, unter den derzeitigen Bedingungen "ist das
einzige, was wir tun können, die Verluste an Menschenleben in dem bevorstehenden Winter so gering
wie möglich zu halten. Wir müssen versuchen, die Zustimmung der Vereinten Nationen zur Position der
NATO zu erhalten, daß die Vereinigten Staaten im
Falle einer ernsthaften Bombardierung Sarajevos
Luftstreitkräfte bereitstellen, und dies eine aktuelle,
echte Option ist - nicht nur Theorie. Wir wollen
sicherstellen, daß unser humanitäres Programm funktioniert."

Meine Damen und Herren, gegen Ende dieser Sitzungsperiode des Kongresses, kurz vor dem Erntedankfest, sollte unser Volk wissen, daß wir hier in
Washington endlich die Themen angehen, die für alle
Amerikaner von zentraler Bedeutung sind, und die
Pattsituation durch Fortschritte zum Wohle aller ersetzen.

Nach der Wahrscheinlichkeit der Unterzeichnung eines Friedensvertrags zwischen Israel und Jordanien
am 12. November 1993 - dem Datum, an dem der
Besuch des israelischen Ministerpräsidenten Jitzhak
Rabin im Weißen Haus vorgesehen ist - befragt,
antwortete der Präsident, er sei erfreut über "die Berichte von Fortschritten" in den israelisch-jordanischen
Beziehungen, glaube jedoch nicht, "daß in dieser
Hinsicht am Freitag irgend etwas abend geschieht".

wobei die dramatische Erhöhung des Einkommensteuerfreibetrags berufstätigen Amerikanern mit Kindern und einem bescheidenen Einkommen aufgrund
von Steuersenkungen ein besseres Leben ermöglicht.
Wir haben mehr amerikanische Produkte aus dem
High-tech-Bereich exportiert. Wir haben das Gesetz
über den Erziehungsurlaub verabschiedet. Wir haben
die Möglichkeit für Investitionen in neue Unternehmen
in diesem Land erhöht. Und wir haben einen umfassenden Plan vorgelegt, der jedem Amerikaner eine
wirklich sichere Gesundheitsversorgung anbietet.

Erklärung des Präsidenten
Er wolle nicht, daß "noch jemand in Haiti verletzt wird",
fügte Präsident Clinton hinzu und erklärte, "wir müssen Nachfolgend veröffentlichen wir die Eingangserkläein weiteres Abkommen anstreben, damit das Land rung von Präsident Clinton bei der Pressekonferenz im
Weißen Haus am 10. November 1993.
zur Normalität zurückkehren kann".

In den vergangenen Monaten haben wir das größte
Paket zum Abbau unseres Haushaltsdefizits der
Geschichte verabschiedet, die Zinssätze und die Inflationsrate befinden sich weiterhin auf einem historischen Tiefstand, Millionen von Amerikanern konnten
ihre Häuser neu finanzieren, die Investitionstätigkeit
Die von den Vereinigten Staaten angeführte Luftbrük- steigt, und in den letzten zehn Monaten sind in unseke nach Bosnien, betonte Clinton, "dauert bereits rem Land mehr neue Arbeitsplätze geschaffen worden
länger an als die Berliner Luftbrücke, und es ist eine der als in den vergangenen vier Jahren.
umfassendsten humanitären Hilfsbestrebungen" in der Es wurden echte Anstrengungen zur Verbesserung
Geschichte.
der Sicherheit erwerbstätiger Familien unternommen,

Im Zusammenhang mit Berichten über einen Brief
Rabins an Präsident Clinton mit der Bitte um teilweisen
Erlaß der Haftstrafe für den verurteilten Spion Jonathan Pollard bestätigte Clinton, der Ministerpräsident
habe ihm wegen Pollard geschrieben und fügte hinzu:
"Ich habe das Justizministerium um Überprüfung dieses Falles gebeten." Der Präsident erklärte, er habe
"noch keinen Bericht vom Ministerium erhalten, und ich
werde keine Entscheidung zum Fall Pollard treffen,
bevor mir das Ministerium stichhaltige Gründe dafür
nennt".
Clinton erläuterte ferner, er beabsichtige keine drastischen personellen Veränderungen in seinem außenpolitischen Team und dementierte, daß der am 8.
November 1993 zurückgetretene Stellvertretende
Außenminister Clifton R. Wharton zum "Opferlamm"
gemacht worden sei.
Der Präsident stellte fest, Wharton "hat gute Arbeit
geleistet... er war mit einer Reihe von Themen befaßt,
Seite 2

Wir bemühen uns um eine effizientere Gestaltung
unserer Regierung, um mit weniger mehr zu bewirken,
und ich bin stolz darauf sagen zu können, daß der
Kongreß heute deutlich seine Entschlossenheit zur
Reform der Gesetze über Wahlkampffinanzierung
demonstriert. Vor mehreren Monaten verabschiedete
der Senat eine entsprechende Gesetzesvorlage. Heute
wird der Ausschuß des Repräsentantenhauses über
ein Gesetz abstimmen, welches das Repräsentantenhaus meines Erachtens annehmen wird.
Das ist eine Bilanz einmaliger Leistungen. In den
nächsten Wochen bis zum Ende der Sitzungsperiode
wird der Kongreß jedoch mit der Herausforderung
konfrontiert, noch größere Schritte zum Schutz der
persönlichen Sicherheit der Amerikaner zu unternehmen sowie zur Schaffung vermehrter Chancen, wertwert zu konkurrieren und zu gewinnen.

AMERIKA DIENST 46

�Der Senat schließt zur Zeit die Arbeit an unserem
Gesetz über Verbrechensbekämpfung ab, das das
von mir in meiner Wahlkampagne gemachte Versprechen erfüllt, 100.000 zusätzliche Polizisten einzustellen, Verbrecher hinter Gittern zu halten, die Kriminellen
von der Straße zu holen, Jugendlager und alternative
Einrichtungen für jugendliche Straftäter anzubieten
und denjenigen die Waffen wegzunehmen, in deren
Besitz sie sich nicht befinden sollten. Wir verfügen
jetzt wirklich über die Schlagkraft, das Brady-Gesetz
zu verabschieden. Nach Jahren -12 Jahren - heroischen Einsatzes von Jim und Sarah Brady ist der
Kongreß meines Wissens endlich entschlossen, sich
der Lobby gegen das Brady-Gesetz zu widersetzen
und gegen die Kriminalität vorzugehen, die für die
meisten Amerikaner den wichtigsten Aspekt ihrer
persönlichen Sicherheit darstellt.

sen folgen und den Wählern in ihren Wahlkreisen die
Gründe für ihre Entscheidung darlegen. Und wenn die
vorläufigen Ergebnisse der gestrigen Debatte ein Indikator sind, dann können die Mitglieder des Repräsentantenhauses dem amerikanischen Volk die Tatsachen und ihre eigenen Überzeugungen anvertrauen.

Diese Abstimmung erfolgt an einem für unsere Nation
bedeutenden Moment. Wir haben schwere Zeiten
hinter uns. Während der vergangenen 20 Jahre haben
60 Prozent der Amerikaner für die gleichen oder sogar
niedrigere Löhne härter gearbeitet. Wir hatte große
Schwierigkeiten mit der Produktivitätssteigerung, die
für die Schaffung von Arbeitsplätzen und die Steigerung der Einkommen unabdingbar ist. Aber es ist uns
gelungen. Dieses Land ist jetzt auf einer Vielzahl von
Gebieten im Herstellungs- und Dienstleistungsbereich
das produktivste der Welt. Wir können gewinnen. Und
Heute in einer Woche wird der Kongreß die Entschei- wir müssen ab nächster Woche entscheiden, ob wir
dung darüber treffen, ob durch das Nordamerikani- uns dem Wettbewerb stellen und gewinnen oder uns
sche Freihandelsabkommen die Exporte erhöht und zurückziehen wollen.
Arbeitsplätze geschaffen werden. Niemand hätte das
NAFTA entschiedener und beredter verteidigen kön- Bevor ich auf Ihre Fragen eingehe, möchte ich noch
nen als Vizepräsident Gore es gestern abend in seiner einen Punkt zum NAFTA ansprechen, der gestern
Debatte mit Herrn Perottat. Gestern abend bewies der Abend zu kurz gekommen ist. Dieses Abkommen
Vizepräsident, daß allein die Darlegung der Fakten bedeutet mehr Arbeitsplätze, aber der reale Zuwachs
über das NAFTA sowie die Formulierung unserer an Arbeitsplätzen in Amerika wird stattfinden, wenn
Sorge um das Wohlergehen der amerikanischen Ar- zwei weitere Schritte unternommen worden sind. Er
beitnehmer die Ängste und verzerrten Darstellungen wird stattfinden, wenn alle Demokratien und freien
überwinden können, die gegen das NAFTA vorge- Marktwirtschaften Lateinamerikas sich ebenfalls dem
bracht wurden. Das NAFTA bedeutet Exporte, Expor- großen Handelsblock Mexiko, Kanada und Vereinigte
te bedeuten Arbeitsplätze. Kein wohlhabendes Land Staaten angeschlossen haben. Denn wenn das einder Weh kann mehr Arbeitsplätze schaffen, ohne seine mal geschehen ist, haben wir einen entschieden besseren Einfluß auf die internationale StaatengemeinExporte zu steigern.
schaft, um auf den Abschluß einer weltweiten HanDas amerikanische Volk hat gestern abend bewiesen, delsvereinbarung vor Ende des Jahres - dieses neuen
daß es bereit ist, den Diskussionen über diese Frage GATT-Abkommens - zu drängen. Wenn das Repräzuzuhören und sich nicht nur Millionen anderer Ame- sentantenhaus sich für das NAFTA entscheidet, wird
rikaner anzuschließen, wie denjenigen, die der Vize- das Auswirkungen auf Asien und auf Europa haben.
präsident gestern abend anführte, sondern jedem Für dieses Land steht folglich ziemlich viel auf dem
ehemaligen Präsidenten, Außenminister, Nobelpreis- Spiel. Ich bin überzeugt, daß das Repräsentantenträger für Wirtschaft sowie über 80 Prozent der amtie- haus das Richtige tun wird.
renden Gouverneure.
Ich möchte heute auch den Kongreßabgeordneten
Der Gegensatz am gestrigen Abend war deutlich. Herr Hoagland, Kreidler, Dicks und Valentine sowie SenaPerot warnte die Mitglieder des Repräsentantenhau- tor Nunn für ihre erklärte Unterstützung des NAFTA
ses vor schrecklicher Vergeltung, falls siedem NAFTA danken. Ich denke, daß sich in den nächsten Tagen
zustimmten. Der Vizepräsident rief die Abgeordneten noch mehr Abgeordnete für das NAFTA aussprechen
auf, sich für Hoffnung statt für Angst zu entscheiden werden und wir zum Zeitpunkt der Abstimmung über
und dem Vorschlag zuzustimmen, daß die Amerikaner die für einen Sieg erforderliche Stimmenzahl verfügen
in der Weltwirtschaft konkurrenzfähig sein und Gewin- werden.
ne machen können, bei der Abstimmung ihrem Gewis-

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AMERIKA DIENST 46

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Seite 3

�TERRORISMUS
17. November 1993

SANKTIONEN GEGEN LIBYEN SIND BEWEIS
FÜR WIDERSTAND GEGEN TERRORISMUS
Erklärung Albrights vor UN-Sicherheitsrat
VEREINTE NATIONEN - (AD) - Der amerikanischen Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Madeleine
Albright, zufolge sind die vom UN-Sicherheitsrat verabschiedeten härteren Wirtschaftssanktionen gegen Libyen
ein Beweis für die feste Entschlossenheit der Völkergemeinschaft zur Bekämpfung des internationalen
Terrorismus.
In einer am 11. November 1993 vor dem UN-Sicherheitsrat abgegebenen Erklärung äußerte Albright: "Der
Terrorismus stellt für jede Nation der Welt eine Herausforderung dar. Als Reaktion darauf ist meine Regierung
entschlossen, Gerechtigkeit herbeizuführen. Dieses Bestreben muß unter Umständen auch vom Sicherheitsrat
beschlossene, verbindliche Sanktionen umfassen."
Die mit 11 Jastimmen, keiner Gegenstimme und 4 Enthaltungen angenommene Resolution des Sicherheitsrates sieht das Einfrieren libyscher Auslandsguthaben, ein Verbot des Verkaufs von Erdölfördergeräten an das
Land sowie die Schließung von Büros libyscher Luftfahrtgesellschaften vor. Diese Maßnahmen gegen Libyen
sind auf die Weigerung des Landes zurückzuführen, zwei mutmaßliche Täter des Bombenanschlags von
Lockerbie den amerikanischen oder britischen Anklagebehörden auszuliefern und mit Frankreich bei der
Untersuchung des Bombenanschlags auf Flug UTA 772 einer französischen Verkehrsmaschine zusammenzuarbeiten.
Durch die Verabschiedung der Resolution hat der Sicherheitsrat Botschafterin Albright zufolge den flexiblen
Einsatz von "Sanktionen als Mittel der Diplomatie" unter Beweis gestellt.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache von Botschafterin Albright im Wortlauf.

Herr Präsident, die heutige Resolution soll für alle
sichtbar die Entschlossenheit dieses Rates zur Bekämpfung des internationalen Terrorismus demonstrieren. Der Weg zu dieser Resolution war nicht
leicht, aber das ist der Weg der Gerechtigkeit ohnehin
nur selten.
Angehörige von 30 Nationen sind Opfer der Terroranschläge geworden, die auf Pan Am-Flug 103 und UTAFlug 772 verübt wurden. Vor nahezu zwei Jahren
nahm der Sicherheitsrat die Resolution 731 an. Die
libysche Regierung weigerte sich schlichtweg, diese
Resolution zu beachten. Seit damals hat Libyen keine
Anstrengung gescheut, die auch in privaten Gesprächen unterbreiteten Angebote des Sicherheitsrates
auszuschlagen und der internationalen Staatengemeinschaft falsche Versprechungen zu machen, um
ihre Entschlossenheit zu unterminieren - und die heutige Aktion zu verhindern.

AMERIKA DIENST 46

Der Sicherheitsrat kann stolz darauf sein, daß die
Bemühungen Libyens zur Verhinderung dieser Resolution gescheitert sind. Der Terrorismus stellt für jede
Nation der Welt eine Herausforderung dar. Als Reaktion darauf ist meine Regierung entschlossen, Gerechtigkeit herbeizuführen. Dieses Bestreben muß unter
Umständen auch vom Sicherheitsrat beschlossene,
verbindliche Sanktionen umfassen.
Herr Präsident, der Kampf gegen den internationalen
Terrorismus muß eine kollektive Anstrengung sein.
Die Vereinigten Staaten haben in Zusammenarbeit mit
Großbritannien und Frankreich diesen Bemühungen
vorgestanden. Wir haben eng mit jedem Mitglied des
Sicherheitsrates zusammengearbeitet. Die uns vorliegende Resolution ist ausgewogen und hat ein klar
definiertes Ziel. Ihre Hauptmerkmale sind das Einfrieren libyscher Guthaben, ein begrenztes Embargo gegen
die libysche petrochemische Industrie sowie eine

Seite 1

�Verschärfung früherer, unter Resolution 748 erlasse- sie. Diese Resolution richtet sich einzig und allein
ner Sanktionen. Diejenigen, die sie für nicht ausrei- gegen Libyen. Mit jedem Tag, an dem sich die libysche
chend halten, möchte ich folgendes fragen: Warum Regierung nicht an die Beschlüsse der Vereinten
hat Libyen so große Anstrengungen unternommen, Nationen hält, wird der vom libyschen Volk zu zahlende
diese Resolution zu verhindern, wenn die Auswirkun- Preis höher.
gen der neuen Sanktionen kaum spürbar sind?
Herr Präsident, ich möchte noch etwas Allgemeines
Libyen weiß genau, was es tun muß. Wir erwarten die hervorheben. Durch den heutigen Beschluß zur VerAuslieferung der des Bombenanschlags von Locker- schärfung der Sanktionen hat der Sicherheitsrat wiebie Angeklagten. Wir erwarten die Zusammenarbeit der den flexiblen Einsatz von Sanktionen als Mittel der
der libyschen Regierung mit den französischen Justiz- Diplomatie unter Beweis gestellt. Und je mehr wir
behörden. Wir erwarten Schadenersatzzahlungen für demonstrieren, daß dieser Rat Sanktionen verhängen,
die Opferdes libyschen Terrorismus. Und wir erwarten aufheben, aussetzen oder verschärfen kann, desto
die klare und erwiesene Ablehnung des Terrorismus besser dienen sie als Mittel unserer Diplomatie.
durch die libysche Regierung.
Herr Präsident, die tragischen Anschläge auf Pan AmDie Vereinigten Staaten haben seit längerem Sanktio- Flug 103 und UTA-Flug 772 forderten unschuldige
nen gegen Libyen verhängt, die weit über die vom UN- Menschenleben. Ihre Familien erwarten von uns eine
Sicherheitsrat verabschiedeten hinausgehen. Wir haben Antwort. Heute kommt die Reaktion des Sicherheitsuns jedoch zu einem fairen und gerechten Vorgehen rats. Wir müssen jetzt auf die Einhaltung der Bestimbei dem zu unserer heutigen Abstimmung führenden mungen durch Libyen warten, jedoch mit hartnäckiger
Verfahren verpflichtet. Wir haben die Ansichten der Entschlossenheit, bis der Gerechtigkeit Genüge getan
Staaten, für die in wirtschaftlicher Hinsicht mehr auf ist. Vielen Dank, Herr Präsident.
dem Spiel steht als für uns, erwogen und respektieren

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Seite 2

AMERIKA DIENST 46

�LANDMINEN
17. November 1993

USA FÜR WELTWEITES VERBOT DES
VERKAUFS VON LANDMINEN
Rede von Senator Leahy vor UN-Generalversammlung
VEREINTE NATIONEN - (AD) - Die Vereinigten Staaten haben der UN-Generalversammlung eine Resolution
über ein Moratorium für den Export von gegen lebende Ziele gerichteten Landminen unterbreitet.
Bei der Vorlage der Resolution im Namen der Vereinigten Staaten und 46 Mitunterzeichnerstaaten am 11.
November 1993 erklärte Senator Leahy, "es gab Zeiten, in denen Landminen nur benutzt wurden, um den
Vormarsch des Gegners in Kriegszeiten zu verhindern, und es wurde sorfältig registriert, wo die Minen verlegt
wurden. Heute werden Landminen von einigen als Waffe für Terroranschläge verwendet. Man findet sie auf
Brücken, Straßen und Fußwegen, in Feldern und an Wasserstellen - praktisch an jedem Ort, an dem es Zivilisten
gibt."
"Das Ziel des amerikanischen Moratoriums ist", so Leahy, "als Katalysator für konzertierte internationale
Aktionen zur Beendigung dieses sinnlosen Abschlachtens unschuldiger Menschen zu fungieren."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Senator Leahy im Wortlaut.

Ich möchte heute im Namen der Vereinigten Staaten
eine Resolution mit dem Titel "Moratorium für den
Export von gegen lebende Ziele gerichteten Landminen" unterbreiten. Sie ist in Dokument A/C.1/48/L.42
enthalten. Sie fordert alle Staaten zur Zustimmung
und Durchführung eines Moratoriums für den Export
von Landminen auf, die eine ernsthafte Gefahr für Zivilisten darstellen. Darüber hinaus wird der Generalsekretär in der Resolution um die Erstellung eines Berichts über Fortschritte bei dieser Initiative gebeten,
einschließlich möglicher Empfehlungen für weitere
Restriktionen für den Export dieser Waffen.
Als ich vor einigen Jahren durch Mittelamerika reiste,
traf ich einen jungen Honduraner, der durch eine
Landmine ein Bein verloren hatte. Er stammte aus
einer armen Bauernfamilie und konnte nicht mehr auf
dem Feld arbeiten. Seine Familie konnte sich nicht um
ihn kümmern, und zwei Jahre lang hatte er nur mit einer
selbstgebastelten Krücke als Behelf in einem Krankenhaus verbracht. Ich fragte ihn, welche Seite der
Kriegsgegner die Mine dort gelegt hatte. Er wußte es
nicht - und welchen Unterschied würde das machen?
Sein Leben würde niemals mehr dasselbe sein.
Seit damals habe ich die schreckliche Wirkung von
Landminen in vielen Ländern gesehen, und diese
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Erfahrung hat mich in der Entschlossenheit bestärkt,
etwas zurBekämpfungdieser Geißel zu unternehmen.
Als Vorsitzender des Senatsunterausschusses für
auswärtige Operationen habe ich ein Programm ins
Leben gerufen, um kriegsversehrten Zivilisten mit
künstlichen Gliedmaßen und Rehabilitation behilflich
zu sein. Dieses Programm besteht noch heute.
Medizinische Hilfe wird dringend benötigt. Das größere Problem von Millionen willkürlich über riesige Landstriche verteilten Landminen ist jedoch weiterhin akut.
Dieser honduranische Junge ist nureinervon Hunderttausenden unschuldiger Zivilisten - viele von ihnen
Kinder - die durch Landminen getötet oder schrecklich
verkrüppelt wurden. Heute sind über 85 Millionen
dieser Waffen in mehr als 60 Ländern verteilt. Landminen, vor allem gegen lebende Ziele gerichtete, haben
eine medizinische, soziale, wirtschaftliche und umweltpolitische Krise globalen Ausmaßes verursacht.
Viele von Ihnen kommen aus diesen Ländern. In
Afghanistan gibt es 10 Millionen Minen. Ganze Gebiete des Landes sind unbewohnbar. Es kann Generationen dauern, bevor man wieder sicher in diesen Gegenden leben kann. In Angola, wo jeden Tag neue Minen
gelegt werden, gibt es bereits 9 Millionen Minen, und in

Seite 1

�Kambodscha 55 Millionen. Beide Länder haben über
20.000 Amputierte. In Kambodscha, wo bis zu 300
Menschen pro Monat durch Landminen getötet oder
verstümmelt werden, hat jeder 236. ein Bein oder
einen Arm verloren.

glieder des Senats einstimmig für die Verlängerung
des amerikanischen Moratoriums um weitere drei Jahre.
Der Präsident wird dieser dreijährigen Verlängerung
Ende dieses Monats durch seine Unterschrift Gesetzeskraft verleihen.

Die Verbreitung von Landminen hat tragische Konsequenzen lange nachdem der Konflikt beendet ist.
Minen verhindern die sichere Rückkehr von Flüchtlingen und anderen Vertriebenen, und sie haben eine
Vielzahl verkrüppelter und verarmter Menschen zur
Folge, für die gesorgt werden muß. Die wirtschaftlichen Konsequenzen von Landminen sind verheerend
für die armen Entwicklungsländer, wo sie am meisten
verbreitet sind.

Mit ist natürlich bewußt, daß ein Exportmoratorium
eines Landes keine Lösung ist. Das Ziel des amerikanischen Moratoriums ist, als Katalysator für konzertierte internationale Aktionen zur Beendigung dieses sinnlosen Abschlachtens unschuldiger Menschen zu fungieren. Während wir die gefährliche, kostenintensive
und zeitaufwendige Aufgabe der Räumung von Millionen alter Landminen in Angriff nehmen, besteht unsere Herausforderung darin sicherzustellen, daß sie nicht
durch neue ersetzt werden. Dies können wir nur durch
eine internationale Führungsrolle und Kooperation
erreichen.

Es gab Zeiten, in denen Landminen nur benutzt wurden, um den Vormarsch des Gegners in Kriegszeiten
zu verhindern, und es wurde sorfältig registriert, wo die
Minen verlegt wurden. Heute werden Landminen von
einigen als Waffe für Terroranschläge verwendet. Man
findet sie auf Brücken, Straßen und Fußwegen, in
Feldern und an Wasserstellen - praktisch an jedem
Ort, an dem es Zivilisten gibt. Es werden kaum
Versuche unternommen, um ihre Lokalisierung aufzuzeichnen, und Zivilisten können Wochen oder Monate
später getötet oder verletzt werden, wenn die Mine
plötzlich explodiert.
Landminen sind billig, leicht herzustellen und können
ganze Gebiete unzugänglich machen. Für rund 3
Dollar kann man eine Landmine kaufen, die ein Bein
oder einen Arm abreißt oder ein Kind tötet. Für 75
Dollar kann man einen etwas weiterentwickelten Typ
kaufen, zum Beispiel eine Mine mit Selbstzerstöreinrichtung oder eine selbstentschärfende Mine.
Nur 3 Dollar für eine Landmine - dennoch schätzen die
Vereinten Nationen in Kambodscha die Kosten für die
Beseitigung dieser einen Landmine auf 1.000 Dollar.
Es würde Milliarden Dollar kosten, um die Minen in nur
diesem Land zu räumen.

Das in dieser Resolution geforderte internationale
Exportmoratorium ist ein wichtiger erster Schritt. Meine
Regierung unterstützt darüber hinaus Bestrebungen
zur Verbesserung von Protokoll 11 der Konvention über
konventionelle Waffen von 1980.
Wir erwägen weitere mögliche Schritte für umfassendere Bestrebungen zur Bewältigung der Landminenkrise . Und wir unterstützen die vor kurzem in einer
Resolution der Generalversammlung befürwortete
Initiative der Europäischen Union, die einen Bericht
über die Möglichkeit eines Treuhandfonds zur Minenentschärfung fordert. Die Räumung der Minen wird mit
enormen Kosten verbunden sein. Als Mitglied des
amerikanischen Senats werde ich alles in meiner
Macht Stehende tun um zu gewährleisten, daß die
Vereinigten Staaten ihren Teil zur Beseitigung dieser
Minen beitragen.

Herr Vorsitzender, die Vereinigten Staaten wissen die
Unterstützung der 46 Mitunterzeichnerstaaten dieser
Resolution zu schätzen. Wir hoffen, daß andere
Staaten sich uns anschließen und drängen sie dazu.
Die Menschen auf der ganzen Wert wollen der durch
Im vergangenen Jahr habe ich mich erfolgreich für eine Landminen verursachten menschlichen Tragödie ein
Gesetzesvorlage im Kongreß über ein einjähriges Ende setzen. Es ist an uns, die Führungsstärke unter
Moratorium füramerikanische Exportevon Landminen Beweis zu stellen, damit dies geschieht.
eingesetzt. Vor zwei Monaten votierten die 100 Mit-

* *

Seite 2

AMERIKA DIENST 46

�MEDIEN
17. November 1993

DIE ROLLE FREIER MEDIEN IN DER DEMOKRATIE
Rede Shattucks bei KSZE-Seminar
WARSCHAU - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die am 2. November 1993 beim KSZE-Seminar über freie
Medien in Warschau vom Abteilungsleiter für Menschenrechte und humanitäre Angelegenheiten im USAußenministerium, John Shattuck, gehaltene Eröffnungsansprache im Wortlaut.

Es ist mir eine Ehre, diese Woche als Leiter einer
amerikanischen Delegation in Warschau zu sein, zu
der prominente Vertreter der US-Medien und der
akademischen Welt zählen. Ich möchte dem Büro für
demokratische Institutionen und Menschenrechte für
die Veranstaltung dieses Seminars danken und freue
mich auf eine Woche offener Diskussionen über die
Prinzipien und Praktiken freier Medien in einer freien
Gesellschaft. Ich möchte Polen meinen Dank für die
Gastfreundschaft aussprechen.
Warschau als Ort der Veranstaltung eines Seminars
scheint mir besonders geeignet, denn hier haben
Menschen, denen die Redefreiheit verweigert wurde,
dennoch ihre Stimme erhoben. Mutig. Entschlossen.
Mit Engagement. Und die in Polen friedlich mit Ideen
geführte Revolution hat dazu beigetragen, das Blatt in
Osteuropa zu wenden. Polen ist ein unmißverständliches Beispiel für die Macht der Rede, die sich von der
Zensur zu befreien sucht, um die Ungrechtigkeit anzugreifen und zu berichtigen. Polen ist der Beweis für die
Macht des Volkes - seiner Ideen, seiner Worte und
seiner Träume - über die Tyrannei.
Seit jenen ersten berauschenden Tagen der Freiheit
hat Polen den sich rasch verändernden politischen und
wirtschaftlichen Systemen inhärenten Tumult erlebt.
In eben solchen Zeiten des Wandels wollen Regierungen manchmal die Pressefreiheit beschneiden mit
dem Argument, die Redefreiheit müsse gegen andere
Bedürfnisse der Gesellschaft abgewogen werden. In
einer Demokratie, in der die Souveränität beim Volk
liegt, ist die Redefreiheit das wichtigste Recht. Vor
sechzig Jahren, mitten in der Großen Depression, als
Zehntausende Amerikaner arbeitslos waren, schrieb
der Richter am Obersten Bundesgericht, Benjamin
Cardozo: "Die Freiheit des Ausdrucks ist die Matrix,
die unerläßliche Bedingung, für nahezu jede andere
AMERIKA DIENST 46

Form der Freiheit." Eine Regierung, die ihr Volk und
ihre Presse zum Schweigen bringt, ist nicht demokratisch. Denn ein Volk, dem ein Maulkorb angelegt und
Information verweigert wird, ist ein Volk ohne Macht,
ein Volk ohne die Fähigkeit zur Bewältigung seiner
Probleme.
Hier in Europa waren die Medien und die Kommunikationstechnologie entscheidend für die friedlichen Revolutionen, die den Kontinent erfassen, sowie für die
kontinuierliche Entwicklung neuer politischer Systeme. In Rußland und der ehemaligen Tschechoslowakei wurden die Hoffnungen der Menschen jahrzehntelang dank Samizdat und Kopiermaschinen am Leben
erhalten. In Rumänien wurden mutige Bürger bei
ihrem Protest gegen eine Rede von Ceausescu im
Fernsehen gezeigt, bevor die Zensoren das Programm
unterbrechen konnten. Dies und die verwirrte Reaktion des Regimes verliehen dem rumänischen Volk
Mut. In der Tschechoslowakei trotzten Fernsehjournalisten der Nachrichtensperre und zwangen die
Geschäftsleitung, die Demonstrationen der sanften
Revolution zu übertragen. Eine der ersten Taten der
neuen tschechischen Regierung war, den staatlichen
Zensor zu feuern. Die Bürger in ganz Osteuropa und
der ehemaligen Sowjetunion haben sich mit Begeisterung ihrer neuentdeckten Redefreiheit bemächtigt.
Dennoch wird die Verpflichtung der Regierungen zu
freien Medien häufig auf die Probe gestellt - in meinem
Land ebenso wie in Europa. Kritik an der Regierung
beschneidende Gesetze und staatliche Kontrolle des
Handwerkszeugs der Medien - Druckerpressen, Zeitungsverlage, Fernsehstationen, Subventionen und
Vertrieb - engen eben die Redefreiheit ein, die Grundlage von Stabilität und Legitimität all unserer Nationen
ist.

Seite 1

�Als mit dem Aufbau unserer Nation vertrauter Amerikaner kann ich mich mit dem Kampf der osteuropäischen Länder und der neuen unabhängigen Staaten
sehr gut identifizieren. Skeptiker bezüglich des Werts
der Pressefreiheit argumentieren, daß die Erfahrung
der Vereinigten Staaten einzigartig und aus diesem
Grund für Erörterungen der Rolle von Medien andernorts irrelevant ist. Ich bin anderer Meinung. Die
amerikanische Erfahrung ist nicht einzigartig. Auch wir
sahen uns bei der Geburt unserer Nation mit Kämpfen
im Inland und Bedrohungen aus dem Ausland konfrontiert. Ebenso wie Sie versuchten wir ein neues politisches System zu gründen. Im gesamten Verlauf
unserer Geschichte haben wir mit der Herausforderung gerungen, eine starke Regierung zu schaffen und
gleichzeitig das Volk vor einer nicht rechenschaftspflichtigen Regierung zu schützen - so übermächtig,
daß sie repressiv werden konnte. Seit 200 Jahren
bilden die Medien das Kernstück unserer Gesellschaft
und sehen sich dennoch konstantem Druck durch
staatliche Zensur ausgesetzt.

Das Gesetz über Ausländer und Aufwiegler lief einige
Jahre nach seinem Inkrafttreten aus, aber die daraus
gezogenen Lehren sind eindeutig: In einem Land wie
unserem ist die Pressefreiheit zu Zeiten der größten
Instabilität einer Nation dem höchsten Risiko ausgesetzt. Die Stimmen der Opposition in solchen Zeiten
zum Schweigen zu bringen, heißt, die Gesellschaft
konstruktiver Kritik zu berauben, das Risiko zu laufen,
friedlichen Protest in gewalttätigen Widerstand ausarten zu lassen und zu verhindern, Sprache zum Mittler
demokratischen Wandels zu machen.

Die amerikanische Verpflichtung zur Redefreiheit ist
kein Luxus einer modernen Gesellschaft. Redefreiheit
ist der Ursprung von Kreativität in unserer Gesellschaft
und der Stabilität unserer Regierungsform. Thomas
Jefferson hat einmal die Theorie aufgestellt, die Menschen müßten alle 17 Jahre das Joch ihrer Regierung
abwerfen. 217 Jahre später hat sich dies als unwahr
erwiesen, und zwar eben weil die Redefreiheit die
friedliche Umgestaltung einer Gesellschaft ermöglicht.
Rede- und Pressefreiheit sind kein Luxus in einem
Die Geschichte eines Druckers namens John Peter neuen demokratischen Staat, sondern eine NotwenZenger in der damaligen Kolonie New York wird häufig digkeit und eine Entscheidung, die eine Demokratie
als Beispiel der amerikanischen Verpflichtung zur immer wieder treffen muß.
Redefreiheit angeführt. Im Jahr 1735, vor der Gründung unserer Nation, wurde Peter Zenger wegen In diesem Jahrhundert wurde die Pressefreiheit in den
ketzerischer Reden der Prozeß gemacht. Sein Verge- Vereinigten Staaten wiederholt auf die Probe gestellt.
hen war die Anmaßung, Kritik am britischen Gouver- Sie wurde während der beiden Weltkriege herausgeneur gedruckt zu haben. Unter anderem beschuldigte fordert, während der Bürgerrechtsbewegung und von
er den Gouverneur, die Kolonie französischen Angrif- den Vietnamkriegsgegnern, die uns noch frisch in
fen auszusetzen. Die Geschworenen stimmten für Erinnerung sind. Rede- und Pressefreiheit werden
Freispruch anhand von Beweisen für die Wahrheit der heute unter dem einen oder anderen Deckmantel
Anschuldigung. Diese Geschichte wird gelegentlich weiterhin diskutiert. Wir sind eine Gesellschaft, die
erzählt, um zu demonstrieren, daß die Amerikaner in erörtert, ob von der Regierung finanzierten Künstlern
einzigartiger Weise aufgeschlossen gegenüber einer Zwänge auferlegt werden sollen, ob die Gewalt in
freien Presse sind. Das ist jedoch nicht der Punkt. unseren Städten die Kontrolle von GewaltdarstellunObwohl die Amerikaner ihre Freiheit lieben, wäre die gen im Femsehen und Kino erfordert, ob die AbtreiBehauptung, wir seien anders als andere Menschen, bungsgegner das Recht haben, Abtreibungskliniken
eine Verzerrung unserer und Ihrer Geschichte. Der aufsuchenden Frauen ihren Protest buchstäblich ins
Kampf um das Prinzip einer freien Presse wurde nicht Gesicht zu schreien, ob die Regierung richtig oder
über Nacht gewonnen. Erst jahrzehntelange Kämpfe falsch handelte, als sie während der Golfkrise eine
und der Mut unzähliger Einzelpersonen führte zu sei- Nachrichtensperre verhängte. An den Universitäten,
ner Verankerung in der amerikanischen Bill of Rights. die traditionsgemäß das Hauptforum der freien Rede
sind, wird heute das Argument vorgebracht, die Redefreiheit
sollte eingeschränkt werden, wenn die Rede
Trotz der Verfassung der Vereinigten Staaten und trotz
Angehörige
einer ethnischen rassischen, relgiösen
der kühnen Aussage des ersten Zusatzartikels, "Der
oder
sozialen
Gruppe angreift. Aus meiner Sicht sind
Kongreß darf kein Gesetz erlassen, das ... die Redeall
dies
Bedrohungen
der freien Rede, aber auch
oder Pressefreiheit ... einschränkt", verabschiedete
Themen
lebhafter
Diskussionen.
unser Kongreß im Jahr 1798 das Gesetz über Ausländer und Aufwiegler, mit dem das Recht zu r Kritik an der
Regierung beschnitten wurde. Warum stimmte der In dieser Woche werden wir Gedanken über die RechtsKongreß einer solchen Gesetzesvorlage zu, und war- grundlage freier Medien austauschen. Eben weil die
um verlieh Präsident John Adams, ein Unterzeichner Pressefreiheit gleichermaßen unerläßlich für die
der Unabhängigkeitserklärung, ihm Gesetzeskraft? Demokratie und einer ständigen Bedrohung ausgeGelehrte verweisen auf die Besorgnis über eine Bedro- setzt ist, vertreten wir die Auffassung, da ß eine veriashung der Vereinigten Staaten durch Frankreich sowie sungsmäßige Garantie - kein Gesetz - den besten
auf die Rivalität zwischen der Föderalistischen Partei Schutz der Pressefreiheit darstellt. Ein von der Legisvon John Adams und der Republikanischen Partei lative gewährtes Recht kann von dieser wieder entzogen werden.
seines Vizepräsidenten Thomas Jefferson.

Seite 2

AMERIKA DIENST 46

�Hinsichtlich der internationalen Verpflichtungen begrüßen wir die von der Menschenrechtskommission
der Vereinten Nationen getroffene Entscheidung, einen Sonderberichterstatter über Meinungs- und Redefreiheit zu ernennen. Die Resolution über die Einrichtung dieses Amtes verleiht der tiefen Besorgnis über
die Verfolgung von Journalisten, Redakteuren, Schriftstellern, Verlegern und Druckern Ausdruck sowie
derjenigen, die lediglich von ihrem Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit Gebrauch
machen.
Wir begrüßen auch die Wiener Deklaration, sind jedoch der Ansicht, daß sie beim Schutz der Pressefreiheit nicht weit genug geht. Das "Rahmenwerk nationaler Gesetze" mag nicht immer eine angemessene
Grundlage für die Gewährleistung einer freien Presse
sein, insbesondere wenn die Regierung der Presse
ablehnend gegenübersteht. Das gleiche Problem besteht
bei Artikel 10 der Europäischen Menschenrechtskonvention und der Resolution des Europarates von 1993,
die "akzeptable" journalistische Praktiken definiert. Ich
fürchte, durch diese Bestimmungen werden freie Medien
nicht gewährleistet, sondern beschränkt.

Entscheidungen werden vom Menschen getroffen, sei
es, wofür das Geld ausgegeben wird, wer gewählt wird
oder wem Glauben geschenkt wird. Die Erfahrung hat
wiederholt gezeigt, daß das beste Mittel gegen Falschinformation mehr Information ist.
Wenn wir einen juristischen Rahmen für freie Medien
erörtern, sollten wir die natürliche Spannung zwischen
den Regierenden und denjenigen, die über sie berichten, in Betracht ziehen. Die Aufgabe der Medien ist die
Überwachung der Regierung, nicht umgekehrt. Die
Medien lassen für gewöhnlich Politiker nicht in Ruhe.
In Polen nimmt die satirische Femsehserie "Polskie
Zoo" die Politiker aufs Korn, obwohl viele von ihnen
diejenigen waren, die im Kampf Polens für Redefreiheit an vorderster Front standen. Das geschieht in
jeder freien Gesellschaft. Als George Washington aus
dem Amt ausschied, versahen die Karikaturisten einen
Esel mit seinem Kopf, und eine Zeitung in Philadelphia
schrieb: " Jedes Herz, das die Freiheit und das Glück
des Menschen wünscht, sollte höher schlagen aus
Jubel darüber, daß der Name Washington von diesem
Tag an nicht länger politische Schandtaten und legalisierte Korruption nährt." Selbst Gründerväter werden
nicht unbedingt respektvoll behandelt.

Auf der Tagesordnung dieser Woche stehen journalistische Freiheit und Verantwortung. Ich bin über
dieses Thema beunruhigt, da es anzudeuten scheint,
Regierungsvertreter hätten das Recht zur Definition
von 'Verantwortungsbewußtem" Verhalten. Seitens
der Regierung eine gute Beurteilung der Presse zu
erwarten, ist ebenso töricht wie die Erwartung, alles
mögen, befürworten oder auch nur lesen zu wollen,
was an einem Zeitungskiosk zum Verkauf angeboten
wird.

Die Debatte dauert noch heute an. Wenn Amerikas
leidenschaftliche Verteidigung der Pressefreiheit charakteristisch für unsere Nation ist, dann aber auch die
Tatsache, daß keine Einrichtung öfter am Pranger
steht als die Presse, niemand von der Öffentlichkeit
schneller zum Sündenbock gemacht wird. "Die Medien" werden von Politikern und Aktivisten aus dem
gesamten ideologischen Spektrum als Quelle verschiedener Übel verurteilt - von schlechter Politik bis
zum Verfall des Wertesystems. Während unseres
Als ich vor kurzem in der Schlange an der Kasse eines letzten Präsidentschaftswahlkampfes war einer der
Supermarktes stand, hatte ich die Auswahl unter beliebtesten Aufkleber der Republikanischen Partei
Publikationen mit Titelgeschichten, die von Präsident "Ärgert die Medien: Wählt wieder Bush!" Und es
Clintons Reformplan für das Gesundheitswesen über verging nicht viel Zeit nach der Amtsübernahme Prädie Herbstmode, neue Angebote für Autos und Kabel- sident Clintons, bis die Leitartikelschreiber seine
femsehen bis zu so verführerischen Überschriften Administration zu kritisieren begannen, was einige
reichten wie "Elvis beim Frühstücken gesehen", "Fünf Demokraten zu Klagen über die "unfaire Behandlung"
Fitnessübungen beim Telefonieren" und "Opfer rätsel- ihres Präsidenten veranlaßte.
hafter Krankheit vergessen Tiernamen - erinnern sich
aber an alles andere". Diese Titel zeigen zumindest, Die freien Medien sind für gewählte Politiker ein ständaß es keine Garantie für guten Geschmack gibt. Es diges Ärgernis. Die freien Medien werden oft vom Volk
gibt keine Sicherheit dafür, daß alles, was die Men- kritisiert. Die freien Medien verleihen oft Ideen Ausschen in einer Demokratie schreiben oder lesen wol- druck, die nicht jeder mag oder befürwortet.
len, tiefgründig, erhebend oder wahr ist. Freie Rede
kann ebensogut albern, verletzend oder vollkommen Der große russische Dichter Turgenjew schrieb 1882:
unwahr sein. Die Frage ist jedoch, wer die Medien bei "An den Tagen des Zweifeins und des traurigen Grüihren Exzessen mäßigen sollte und was der Preis für belns über das Schicksal meines Landes bist Du allein
mein Stab und meine Stütze - mächtige, wahre, freie
die Kontrolle einer freien Presse ist.
russische Sprache!" Rußland erlebt eine sehr harte
Zur ersten Frage: Ich würde argumentieren, Journali- Zeit. Unser Respekt für Rußland hat nicht abgenomsten sollten in objektiver Berichterstattung ausgebildet men, die Vereinigten Staaten haben jedoch in der
werden und die Redakteure über die Veröffentlichun- Öffentlichkeit und in Gesprächen ihre Ablehnung der
gen entscheiden. Ihre Entscheidung wiederum sollte Zensur in Rußland und des Verbots der Oppositionsvom Markt geleitet werden. Die Essenz eines freien presse deutlich gemacht. In der ehemaligen SowjetIdeenmarktes ist dieselbe wie die der Demokratie: Die union genoß Rußland den Ruf, die freiesten Medien zu
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Seite 3

�haben. Die Medien haben beim Schutz der Demokratie in Ru Bland eine Rolle gespielt: Die Fernsehberichterstattung über den Putschversuch von 1991 und die
Proteste im Oktober riefen die demokratischen Kräfte
auf den Plan. Angesichts der gegenwärtigen Krise und
der bevorstehenden Wahlen müssen die Menschen
eine Stimme und eine Vielfalt von Informationsquellen
zur Verfügung haben.

freie Presse ist immer wieder eine Kraft zur Behebung
von haßbedingtem Unrecht gewesen. Die schlechte
Behandlung von Arbeitnehmern, Korruption und Rechtsbrüche finden statt, weil wir Menschen sind. Eine freie
Presse hat sich wiederholt als Korrektiv erwiesen.
Politische Inkompetenz oder Machtmißbrauch ereignen sich nicht aufgrund der Nachlässigkeit der Demokratie, sondern weil die Politiker Menschen sind.
Machtmißbrauch oder der unkluge Umgang mit Macht
Freie Medien sind der beste Schutz einer Demokratie sind so alt wie die Menschheit und ebenso Bestandteil
und ein Urheber für friedlichen sozialen Wandel. Unter der menschlichen Natur wie Ehrgeiz und Angst, Mitleid
normalen Umständen stellen freie Medien das Mittel und Vorurteil, derWunsch, Gutesund die Versuchung,
dar, durch das die Wählerschaft sich bildet und ihren Böses zu tun. Eine freie Presse weist immer wieder
Ansichten über aktuelle Fragen Ausdruck verleiht. Es auf politische Inkompetenz und Machtmißbrauch hin
gibt auf der Welt nicht einen gewählten Politiker, der und hilft der Demokratie erneut auf die Füße. In einer
nicht den Tag mit der Lektüre von Nachrichten und Demokratie erstreben wir eine Beschränkung der
Leitartikeln beginnt. In bewegten Zeiten gewähren die schlimmsten Eingebungen der Regierenden und eine
freien Medien die Ideenvielfalt und stellen ein Forum Freisetzung der besten Eingebungendes Volkes. Das
für abweichende Meinungen dar.
Ergebnis ist auf kurze Sicht manchmal das Gegenteil
des Erwünschten, auf lange Sicht jedoch eine DemoIn den Vereinigten Staaten fallen uns viele Beispiele für kratie, die unter dem Schutz der Pressefreiheit in
die positiven Auswirkungen freier Medien auf die kreativen, stabilen und gerechten Gesellschaften in
Gesellschaft ein. Die Presse brachte zur Jahrhundert- Nationen Früchte trägt, die in Harmonie, nicht in Bürwende die inhumanen Bedingungen in amerikanischen gerkrieg leben.
Fabriken und Mietshäusern ans Licht, die Presse
stellte ein Forum für die Gegner des Vietnamkriegs Die Vereinigten Staaten sind der festen Überzeugung,
dar. Die größte Veränderung, die die Presse in den daß Menschenrechte und Demokratie die PressefreiVereinigten Staaten bewirkte, fand vielleicht bei den heit voraussetzen. Als Abteilungsleiter für MenschenRassenbeziehungen statt. Wie viele andere hier ver- rechte und humanitäre Angelegenheiten im Außenmitretene Nationen werden die Vereinigten Staaten seit nisterium beschäftige ich mich nicht nur zeitweilig mit
langer Zeit mit ethnischen und rassischen Spannun- freien Medien - vielmehr sind sie ein zentraler Bestandgen konfrontiert, oftmals weil das in unserer Verfas- teil meiner Arbeit. Nach dem Ende des Kalten Krieges
sung verankerte Recht auf Freiheit und Würde einigen und angesichts der Bestrebungen einer Vielzahl von
Menschen aufgrund ihrer Rasse verweigert wurde. Ländern zum Aufbau funktionierender Demokratien
Die Abschaffung der Sklaverei hing von einer freien besteht für uns die Chance eines dauerhaften FriePresse ab, beispielsweise William Lloyd Garrisons dens und einer anhaltenden Verpflichtung zur Freiheit.
abolitionistischerZeitung. Die Bürgerrechtsbewegung Der Philosoph Tacitus schrieb vor langer Zeit: "Rar
in diesem Jahrhundert basierte ebenfalls auf der sind jene glücklichen Zeiten, in denen Gedanken und
Redefreiheit - auf dem Recht von Martin Luther King Worte frei sind." Wenn wir uns mit Wachsamkeit für die
und Malcolm X, ihre Meinung zu äußern und Märsche Freiheiten einsetzen, von denen ich spreche, können
anzuführen, auf dem Recht der Presse zur Berichter- wir gemeinsam darauf hinarbeiten, daß uns allen
stattung über Unterdrückung. Martin Luther Kings unwiderruflich solche Zeiten bevorstehen.
Rede "Ich habe einen Traum ..." inspiriert die Menschen noch heute, und ohne Redefreiheit und eine Ich danke Ihnen.
freie Presse würde dieser Traum im Dunkeln bleiben.
Wir haben keine Vorurteile aufgrund von Redefreiheit,
sondern weil sie in der Naturdes Menschen liegen. Die

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AMERIKA DIENST 46

�BEVÖLKERUNG
17. November 1993

BEVÖLKERUNGSENTWICKLUNG IST WICHTIGES
AUSSENPOLITISCHES THEMA
Vorbereitungen für Weltkonferenz

Einrichtung eines Referats für Bevölkerungs-,
VEREINTE NATIONEN - (AD) - "Die BevölkerungsFlüchtlingsund Migrationsfragen im US-Auentwicklung ist ein bedeutendes au ßenpolitisches Anßenministerium,
um bevölkerungspolitische
liegen, dem die Clinton-Administration einen beträchtAspekte
stärker
in
den Vordergrund zu rücken
lichen Teil seiner Energie widmet", und die Vereinigten
sowie
Staaten werden aktiv an den Vorbereitungen für die
bevorstehende Weltkonferenz über Bevölkerung und
Entwicklung einer umfassenden neuen BevölEntwicklung teilnehmen, erklärte der amerikanische
kerungspolitik.
Botschafter Victor Marrero vor der UN-Generalversammlung.
1993 leisteten die Vereinigten Staaten einen Beitrag
von
14,5 Millionen Dollar zum UN-Bevölkerungsfonds
"Die Vereinigten Staaten verpflichten sich, alles in ihrer
und
beabsichtigen für 1994 eine Beitragserhöhung auf
Macht Stehende zu tun, um die Kairoer Konferenz
40
Millionen
Dollar. Die Vereinigten Staaten hatten
erfolgreich zu gestalten", äußerte Marrero am 4. Noden
Fonds
im
Jahr 1986 wegen der Finanzierung von
vember. Sie haben ihm zufolge zur Vorbereitung der
Programmen
zum
Schwangerschaftsabbruch durch
Konferenz einen Beitrag in Höhe von 1 Million Dollar
die
Behörde
und
des
Programms zur zwangsweisen
geleistet.
Familienplanung in China verlassen. Zu diesem ZeitMarrero, der Stellvertreter von Botschafterin Albright punkt beliefen sich die amerikanischen Beiträge auf
bei den Vereinten Nationen, wies darauf hin, daß die insgesamt 46 Millionen Dollar.
Vereinigten Staaten seit dem Amtsantritt Präsident
Clintons vor neun Monaten vier konkrete Schritte zur In seiner Rede vor der UN-Generalversammlung im
Erneuerung der amerikanischen Führungsrolle bei September erneuerte Präsident Clinton das Engageinternationalen Bevölkerungsfragen unternommen ment Amerikas zur Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen, um mehr Informationen und Dienstleihätten:
stungen im Bereich der Familienplanung bereitzustelUmkehr der sogenannten Mexiko-City-Politik, len.
die amerikanische Finanzbeiträge an Organisationen beschränkte, die im Zusammenhang mit Der Zweite Ausschuß der UN-Generalversammlung
Schwangerschaftsabbrüchen stehende Aktivi- erörtert zur Zeit die Vorbereitungen für die Weltkonferenz über Bevölkerung und Entwicklung, die für Septäten verfolgen,
tember 1994 in Kairo anberaumt ist. Die von zwei
erstmalige finanzielle Unterstützung seit 1986 wichtigen Teilnehmerländern - den Vereinigten Staades Fonds der Vereinten Nationen für Bevölke- ten und Ägypten - in dem Ausschuß abgegebenen
rungsfragen (United Nations Fund for Popula- Erklärungen demonstrierten die erstaunliche Annähetion Activities - UNFPA) sowie der internationa- rung der Ansichten über diese Themen sowie neue
len Föderation für Familienplanung (Planned Ansätze bei Bevölkerungsfragen in Industriestaaten
Parenthood Federation) und des Familienpla- und Entwicklungsländern - im Gegensatz zu der
nungsprogramms der Weltgesundheitsorgani- umstrittenen Konferenz von Mexico City im Jahr 1984.
sation (World Health Organization - WHO),

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Seite 1

�Nafis Sadik, der Direktor des UN-Bevölkerungsfonds
und Generalsekretärder Konferenz, stellte fest, das im
Mai abgehaltene vorbereitende Treffen "war eine äußerst
positive Bestätigung für das Engagement der internationalen Staatengemeinschaft bei bevölkerungs- und
entwicklungspolitischen Fragen."
"Die Kairoer Konferenz ist unsere historische Chance,
der Bevölkerung den ihr gebührenden Stellenwert bei
Maßnahmen und Aktionen zu sichern, die den Bedürfnissen und Wünschen der Menschheit Rechnung tragen. Dies zu verwirklichen, schulden wir nicht nur uns
selbst, sondern insbesondere künftigen Generationen", erklärte Sadik gegenüber den Delegierten.

Die Vereinigten Staaten drängten femer auf einen
expliziten Wortlaut der Empfehlungen bezüglich der
Notwendigkeit von verbesserten Informations- und
Bildungsprogrammen sowie zu den Bereichen Technologie, Forschung und Entwicklung.
Ägypten sei darüber hinaus bestrebt sicherzustellen,
daß die Empfehlungen die Verbindung zwischen
Bevölkerung, umweltverträglichem Wirtschaftswachstum und umweltverträglicher Entwicklung hervorheben.

Der ägyptische Minister für Bevölkerung und Familienfürsorge, Mäher Mahran, erläuterte, die "Verantwortung und Beteiligung der Männer an Programmen zur
"Die Vereinigten Staaten hoffen, das Dokument hebt Kontrolle des Bevölkerungswachstums kann nicht länger
eindeutig hervor, daß die Stabilisierung des Weltbevöl- ignoriert werden. Frauen haben bis heute einen grokerungswachstums ein allen anderen Zielen zugrun- ßen Teil der Last getragen - und dies gilt sowohl für die
deliegendes und sie verstärkendes Ziel ist", fügte Industrie- als auch die Entwicklungsländer."
Marrero hinzu.
"Es ist unser Wunsch, daß Familienplanung gleicherDem amerikanischen Botschafter zufolge erwarten die maßen von Männern und Frauen übernommen wird",
Vereinigten Staaten von den Empfehlungen "ein klar so Mahran.
formuliertes Programm für künftiges Vorgehen" mit
Mahran forderte ferner größere Betonung von Proeiner Mindestanzahl von Empfehlungen.
grammen, die den Stand der Frau in der Gesellschaft
" Familien sowie die Vereinbarkeit von Arbeit und El- verbessern, das Analphabetentum unter erwachseternrolle betreffendenEmpfehlungen müssen auch nen Frauen bekämpfen sowie Informationen über die
ausdrücklich die Tatsache berücksichtigen, daß diese Mutterschaft anbieten, und erklärte, den PrivatorganiVereinbarkeit nicht nur von angemessenen Kinderta- sationen müsse die Freiheit eingeräumt werden, "ihre
gesstätten sowie anderen Sozialmaßnahmen und historische Kreativität und Pionierarbeit" ohne ungeProgrammen abhängt, sondern auch vom Zugang zu bührliche staatliche Einschränkungen auszuüben.
den Kontrollmitteln für die Anzahl der Kinder und den
Zeitabstand zwischen ihrer Geburt", stellte er fest. In den vergangenen neun Jahren ist Ägypten dem
"Die Kontrolle der Frau über die Empfängnis ist unab- Minister zufolge zu einer Erfolgsgeschichte der Bevölkerungskontrolle geworden. Die Geburtenrate sei von
dingbar zur Erlangung voller Gleichberechtigung."
3,98 auf 2,99 Prozent gesunken, 48 Prozent der BevölFamilienplanungsprogramme sollten freiwillig erfolgen kerung verwendeten Kontrazeptiva und die Kinderund Bestandteil eines umfassenderen Gesundheits- sterblichkeit betrage 3,5 Prozent.
programms sein, das Vorbeugungsmaßnahmen gegen AIDS, den Bedarf an Kontrazeptiva, sicheren
Schwangerschaftsabbruch und Schwangerschaftsdienste anspricht, fuhr er fort.
* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 46

�JOHN

F.

KENNEDY
17. November 1993

Der Präsident, der Hoffnungen weckte
Persönliche Erinnerungen von David Pitts
WASHINGTON - (AD) -Aus Anlaß des 30. Jahrestages der Ermordung von John F. Kennedy am 22. November
1993 veröffentlichen wir persönliche Erinnerungen an den 35. Präsidenten der Vereinigten Staaten. Der Autor
des nachfolgenden Artikels, David Pitts, erlebte die Kennedy-Zeit als Junge in England.

Würde John F. Kennedy noch leben, wäre er jetzt 76
Jahre alt - ein ernüchternder Gedanke für eine Generation, die erwachsen wurde, als er die Idee der "New
Frontier" entwickelte, und die jetzt mittleren Alters oder
älter ist. Es ist eine Generation, die ihn nicht vergessen
kann, obwohl seit jenem schrecklichen Tag in Dallas
jetzt dreißig Jahre vergangen sind.
John F. Kennedy trat 1961 mit einem äußerst knappen
Wahlergebnis als jüngster Präsident der Vereinigten
Staaten sein Amt an. Doch als er 1.000 Tage später
ermordet wurde, war die Welt in ihrer Trauer geeint.
Die seitdem vergangene Zeit hat unweigerlich zu einer
Neubewertung seiner Leistungen geführt. Wir haben
gelernt, seine Worte von seinen Taten zu trennen,
seine Vision von seiner Politik und seinen Witz von
seiner Klugheit.
In der Wert Anfang der sechziger Jahre hatte Kennedy
jedoch keine leichte Aufgabe. Von Anfang an war
seine Amtszeit von schweren au ßenpolitischen Krisen
überschattet, die in der Nachkriegszeit ihresgleichen
suchten.
Der Kommunismus in Kuba und Südostasien, die
Bedrohung durch Nikrta Chruschtschow wegen Westberlin und gefährliche Krisen wie im Kongo (jetzt Zaire)
beherrschten die Aufmerksamkeit des jungen Präsidenten und der intelligenten jungen Männer, die er mit
nach Washington brachte.
Trotz der Unlösbarkeit vieler dieser Probleme waren
deutliche Erfolge zu verzeichnen, die ein neues Bild
von den Vereinigten Staaten als einem Land schufen,
das sich nicht nur für eine sicherere, sondern auch eine
fürsorglichere Welt einsetzte. Das Peace Corps, die
Allianz für den Fortschritt sowie der Vertrag über das

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Verbot von Atomtests waren anschauliche Beispiele
für ein Amerika, das sich von seiner besten Seite
zeigte.
Auch gab es neue, kühne Versuche zur Bekämpfung
von Armut und Rassendiskriminierung, die nicht nur im
Inland, sondern auch in Übersee Anlaß zu neuer
Hoffnung gaben.
Es sind jedoch nicht die Errungenschaften oder Fehlschläge der Kennedy-Jahre, an die wir uns erinnern,
und auch nicht die Widersprüche dieses höchst komplizierten Mannes. Wir erinnern uns an das von John
F. Kennedy vermittelte Gefühl, daß wir die Welt neu
gestalten können, wir auf diesem Planeten Herr über
unser eigenes Schicksal sind, die Menschheit nicht
dem Untergang geweiht ist, daß "auf der Wert" - wie er
sagte - "Gottes Werk das Vorbild für unser eigenes
sein mu ß". Das ist kein geringer Anspruch, und wir alle
erfüllen seine Erwartungen nicht.
Ich war ein Junge und wuchs in England auf, als ich
Kennedys Amtsantrittsrede sah. Wir mußten geschlagene 24 Stunden darauf warten. Das war in den Tagen
vor dem Satellitenfernsehen, als die Videokassetten
mit Verzögerung per Flugzeug ankamen. Ich erinnere
mich, daß ich fasziniert von seiner Rede war, obwohl
ich als 13jähriger noch nicht ihre Auswirkungen verstand.
Ebenso wie Amerika schloß auch Europa John F.
Kennedy an diesem Tag ins Herz, und zwei Jahre und
zehn Monate lang war das Ansehen der Vereinigten
Staaten höher als jemals zuvor oder danach. In den
Augen der Europäer war Kennedy der Inbegriff des
amerikanischen Ideals: Jung, erfolgreich, energiegeladen, optimistisch, unkonventionell, aber mit sehr viel
Stil.

Seite 1

�Als er im Sommer seines letzten Lebensjahres, 1963, halt des Lebens sind. Nun weilt er nicht mehr unter
Europa bereiste, waren die Europäer enthusiastisch, uns. Heute trauern wir um ihn. Morgen und in der
insbesondere in Irland, dem Land seiner Vorfahren. Zukunft werden wir ihn vermissen. Und so werden wir
Es ging ihnen ebenso um John F. Kennedy, den Mann, nie wissen, wie anders die Welt ausgesehen haben
den sie liebten, wie um den Präsidenten John F. könnte, wenn das Schicksal dieses unglaubliche TaKennedy.
lent am Leben erhalten hätte und er an der unvollständigen Tagesordnung für Frieden und Fortschritt für alle
Den erfahrenen alten Politikern Europas - DeGaulle in hätte mitwirken können."
Frankreich, Adenauer in der Bundesrepublik Deutschland, MacMillan in England - erschien Kennedys Konzept Die Welt von heute unterscheidet sich stark von der
einer "New Frontier" naiv. Die Europäer waren jedoch Anfang der sechziger Jahre. Wir befinden uns in einem
davon angetan. Lord Harlech, der damalige britische Zeitalter der Beschränkungen, wird gesagt. DiejeniBotschafter in Washington, stellte fest: "Jeder wollte gen unter uns, die jene Jahre erlebten, werden jedoch
damals, daß die Vereinigten Staaten die Führungsrolle nie die Stimme mit dem Bostoner Akzent vergessen,
übernahmen. Es gefiel ihnen, Präsident Kennedy als die uns drängte, die Dinge zu tun, die getan werden
führenden Politiker der westlichen Welt zu haben".
müssen, um das Leben für die ganze Menschheit zu
dem zu machen, was es sein sollte.
Es ist ein Tribut an die bemerkenswerte Weitsicht
Präsident Kennedys, daß selbst nach dem Ende des Wäre er nicht vor 30 Jahren ermordet worden, wäre er
Kalten Krieges viele der Fragen, die er Anfang der natürlich nicht länger jung und vielleicht nicht einmal
sechziger Jahre so energisch ansprach, 30 Jahre mehr kraftvoll. Aber ich wage zu behaupten, daß er
später immer noch auf der Tagesordnung stehen: Die immer noch engagiert wäre und sich weiterhin der
Notwendigkeit der Eindämmung der Weiterverbrei- unvollendeten Tagesordnung der Menschen für Frietung von Atomwaffen, der Kampf um rassische Ge- den und Fortschritt widmen würde.
rechtigkeit, die weltweite Kluft zwischen Arm und Reich.
In einer Rede sprach er einst über seine Hoffnungen
Unweigerlich fragen wir uns, in was für einem Land, in für Amerika, und diese Worte sind auch im Jahr 1993
was für einer Welt wir leben würden, wäre John F. noch von Bedeutung:
Kennedy nicht gestorben - eine quälende Frage der
Geschichte. Der französische Botschafter zitierte bei "Ich sehe einer großen Zukunft für Amerika entgegen,
Kennedys Tod Stendhal: "Er verkörperte eine wunder- einer Zukunft, in der unser Land seine militärische
Stärke unserer moralischen Zurückhaltung anpassen
bare Hoffnung."
wird, seinen Wohlstand unserer Klugheit, seine Macht
Genau das verfolgt Kennedys Generation noch heute unserem Ziel. Ich sehe einem Amerika entgegen, das
- die unerfüllten Hoffnungen, der Schmerz unerfüllter keine Angst vor Anmut und Schönheit hat, das die
Träume. Für uns wurde er zu einer Metapher - nicht Naturschönheiten schützt, das die alten großen amenur für die Zerbrechlichkeit von Hoffnungen, sondern rikanischen Häuser, Plätze und Parks unserer nationalen Vergangenheit bewahrt und das schöne und gut
auch für die schreckliche Unsicherheit des Lebens.
geplante Städte für unsere Zukunft bauen wird. Ich
Adlai Stevenson, der amerikanische Botschafter bei sehe einem Amerika entgegen, das Errungenschaften
den Vereinten Nationen, sprach über dieses Gefühl der Künste belohnt, wie wir Errungenschaften in Wirtverlorener Hoffnung in der vielleicht eloquentesten, schaft oder Staatskunst belohnen... Ich sehe einem
kurz nach John F. Kennedys Tod gehaltenen Gedenk- Amerika entgegen, dem auf der ganzen Welt Respekt
rede. "Präsident Kennedy", erklärte er, "war so sehr gebührt, nicht nur wegen seiner Stärke, sondern auch
ein Mann unserer Zeit, engagierte sich so für unsere wegen seiner Zivilisation. Und ich sehe einer Welt
Welt, gehörte so in unsere Zeit, reagierte so stark auf entgegen, die nicht nur Demokratie und Vielfalt schützt,
ihre Herausforderungen, daß er wie das Symbol der sondern auch die Leistung des einzelnen."
Vitalität und Lebensfreude schien, die der Wesensge-

*

Seite 2

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                <text>&lt;strong&gt;1. NAFTA&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton macht sich für Verabschiedung des NAFTA stark&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Radioansprache des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Clinton: Kongress wird NAFTA zustimmen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Zusammenfassung der Pressekonferenz im Weißen Haus und Eingangserklärung des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Terrorismus&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Sanktionen gegen Lybien sind Beweis für Widerstand gegen Terrorismus &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung Albrights vor UN-Sicherheitsrat&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Landminen&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;USA für weltweites Verbot des Verkaufs von Landminen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Senator Leahy vor UN-Generalversammlung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Medien&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Rolle freier Medien in der Demokratie&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede Shattucks bei KSZE-Seminar&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Bevölkerung&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Bevölkerungsentwicklung ist wichtiges außenpolitisches Thema&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Vorbereitung für Weltkonferenz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. John F. Kennedy&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Präsident, der Hoffnungen weckte&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Persönliche Erinnerungen von David Pitts&lt;/em&gt;</text>
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dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

17. November 1994

45

BOSNIEN

USA FORDERN AUFHEBUNG DES WAFFENEMBARGOS GEGEN BOSNIEN
Rede von Botschafterin Albright

KONGRESSWAHLEN

CLINTON SAGT ZUSAMMENARBEIT MIT
NEUEM KONGRESS ZU
Erklärung des Präsidenten bei Pressekonferenz

FRUSTRATION DER WÄHLER WAR
SCHLÜSSELFAKTOR BEI WAHLERGEBNIS
Analyse der Wahlen zum amerikanischen Kongreß

PLANE DER REPUBLIKANER
Zusammenarbeit erforderlich

i

KRIEGSVERBRECHEN

USA UNTERSTUTZEN KRIEGSVERBRECHERTRIBUNAL FÜR RUANDA
Botschafterin Albright vor dem UN-Sicherheitsrat

DROGEN

US*A WARNEN VOR WACHSENDEM
DROGENPROBLEM
Rede von Abteilungsleiter Gelbard

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-33 41 02

�BOSNIEN
17. November 1994

USA FORDERN AUFHEBUNG DES WAFFENEMBARGOS
GEGEN BOSNIEN
Rede von Botschafterin Albright
VEREINTE NATIONEN - (AD) - "Die größte Gefahr in Bosnien" besteht darin, "daß wir die bosnischen Serben
diktieren lassen, was wir tun und was wir nicht tun können", erklärte die Botschafterin der Vereinigten Staaten
bei den Vereinten Nationen, Madeleine Albright, am 9. November 1994 vordem UN-Sicherheitsrat.
In einer Rede zum Abschluß einer zweitägigen Debatte über die Aufhebung des von den Vereinten Nationen
gegen die bosnische Regierung verhängten Waffenembargos äußerte Albright, wenn sich der Sicherheitsrat
den Drohungen der bosnischen Serben beuge, "werden wir die Glaubwürdigkeit der Kontaktgruppe
unterminieren, Zynismus unter den Kriegsparteien in Bosnien säen, die einer Einigung zugestimmt haben, und
weiteren Übergriffen der bosnischen Serben grünes Licht geben".
Die Vereinigten Staaten unterstützen einen Resolutionsentwurf im Rat, der das Waffenembargo gegen die
muslimische Regierung Bosniens in einem halben Jahr aufheben würde, falls die bosnischen Serben nicht den
Friedensplan der Kontaktgruppe akzeptieren. Mehr als vierzig Staaten sprachen sich im Sicherheitsrat für die
Annahme der Resolution, acht Ratsmitglieder - Frankreich, Rußland, Großbritannien, die Tschechische
Republik, Neuseeland, China, Brasilien und Spanien - dagegen aus. (Zur Annahme einer Resolution im Rat
sind neun Stimmen ohne Veto erforderlich.)

Die Gegner der Resolution befürchten, eine Aufhebung des Embargos würde zu einer Eskalation des Krieges
führen und Tausende nach Bosnien entsandte Blauhelme Angriffen durch die bosnischen Serben aussetzen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Botschafterin Albright im Wortlaut.

Bei dieser Debatte wurde deutlich, daß es für die
Aufhebung des Waffenembargos gegen Bosnien
breite und tiefempfundene Unterstützung gibt.
Es trifft auch zu, daß Vertreter mehrerer an der
UNO-Schutztruppe UNPROFOR beteiligter Nationen
darauf hingewiesen haben, eine Aufhebung des
Embargos würde die Vereinten Nationen und diejenigen, denen das Schicksal der Menschen in Bosnien
am Herzen liegt, mit einigen schwierigen, praktischen Fragen konfrontieren.
Es ist kein Geheimnis, daß meine Regierung der
Auffassung ist, zur Beendigung des Krieges seien
entschlossene neue Aktionen erforderlich. Im Juli
legte die Kontaktgruppe einen Vorschlag für eine
Neuverteilung des Gebietes vor, der vom Sicherheitsrat unterstützt wurde. Zu diesem Zeitpunkt war
die Kontaktgruppe der Ansicht, wenn eine Partei
dem Plan nicht zustimmte, müßte sie einen hohen

AMERIKA DIENST 45

Preis für ihre Weigerung zahlen. Seitdem haben die
bosnische Regierung und die bosnischen Kroaten
den Plan akzeptiert. Nur die bosnischen Serben
lehnen ihn weiterhin ab.
Meine Regierung hat eine Resolution unterbreitet das Hauptthema der heutigen Debatte - welche die
Vorstellungen der Kontaktgruppe in die Tat umsetzen
würde. Demnach soll das derzeit gegen die bosnische Regierung verhängte Waffenembargo in einem
halben Jahr aufgehoben werden, falls die bosnischen
Serben nicht bis dahin einer Lösung zugestimmt
haben.
Die von meiner Regierung vorgelegte Resolution
enthält sowohl grundsätzliche als auch pragmatische
Fragen, wobei die grundsätzlichen Fragen leichter zu
beantworten sind.

Seite 1

�Schließlich gibt es in rechtlicher oder gesetzlicher
Hinsicht keine Grundlage dafür, der bosnischen
Regierung das Recht auf Selbstverteidigung vorzuenthalten. Bosnien hat nicht seine Nachbarn
angegriffen, den internationalen Terrorismus unterstützt oder sonst seine Verpflichtungen als souveräner Staat verletzt. Zudem sind die führenden Politiker Bosniens dem Prinzip des ethnischen Pluralismus verpflichtet. Ich bezweifele, daß die Mitglieder
dieses Rates jetzt die Verhängung eines Waffenembargos gegen Bosnien in Erwägung ziehen würden,
wenn es nicht vor drei Jahren gegen das ehemalige
Jugoslawien verhängt worden wäre.
Und wie lauten die pragmatischen Fragen?
Was geschieht, wenn das Embargo aufgehoben wird
und die bosnischen Serben Vergeltung an den UNFriedenstruppen üben oder Präventivschläge durchführen?
Was geschieht, wenn die Angst mancher Länder vor
Vergeltung zum Abzug ihrer zur UNPROFOR
entsandten Truppen führt?
Was geschieht, wenn ein plötzlicher Anstieg von
Gewalt die humanitären Hilfslieferungen gefährdet,
von denen die Bosnier aller Nationalitäten abhängen?
Was geschieht, wenn die Regierung von Serbien/
Montenegro erneut dem Krieg beitritt?
Das sind in der Tat schwierige Fragen. Sie basieren
auf begründeter Angst vor dem Verhalten der
bosnischen Serben: Sie reflektieren den Wunsch
aller Mitgliedstaaten sicherzustellen, daß den UNOFriedenstruppen nichts geschieht und sie ihre
Aufgabe erfüllen können. Meine Regierung erkennt
die von der UNPROFOR geleistete humanitäre
Arbeit ebenso an wie die anderen Mitgliedstaaten,
die ihrer Würdigung bereits Ausdruck verliehen
haben. Humanitäre Ziele können jedoch langfristig
nur dann erreicht werden, wenn die bosnischen
Serben den von ihnen verschmähten gerechten und
ehrenhaften Frieden akzeptieren.
Aber eine Politik auf der Grundlage von Angst hat
keine Zukunft. Kluges Verhalten darf nicht zu
Lähmung führen. Wir haben nach dem Massaker
auf dem Marktplatz und dem Angriff auf Gorazde
gesehen, daß die bosnischen Serben nur dann
zurückweichen, wenn der Rat mit mehr als nur mit
Worten vortritt.
Die wirkliche uns vorliegende Frage lautet also, ob
dieser Rat endlich seinen Worten Taten folgen läßt.
Nur durch mutige Aktionen kann der für eine Beendi-

Seite 2

gung des Krieges erforderliche Druck ausgeübt
werden. Ich möchte meine Kollegen in diesem Rat
daran erinnern, daß wir immer dann unsere schönsten Momente und größten Erfolge erlebt haben,
wenn wir die für mutige Aktionen erforderliche Einheit
und Entschlossenheit an den Tag gelegt haben.
Mit anderen Worten besteht die größte Gefahr in
Bosnien darin, daß wir die bosnischen Serben
diktieren lassen, was wir tun und was wir nicht tun
können. Wenn wir uns ihren Drohungen beugen,
werden wir die Glaubwürdigkeit der Kontaktgruppe
unterminieren, Zynismus unter den Kriegsparteien in
Bosnien säen, die einer Einigung zugestimmt haben,
und weiteren Übergriffen der bosnischen Serben
grünes Licht geben. Dadurch wird das Risiko für die
UNO-Friedenstruppen in Bosnien nicht vermindert.
Nachgiebigkeit wird die Arbeit der Angehörigen
humanitärer Hilfsdienste nicht erleichtern und nicht zu
einem früheren Ende des Krieges führen. Vielmehr
ist dies eine Einladung zu vermehrten und intensiveren Kriegshandlungen auf einem immer größer
werdenden Schlachtfeld.
Gemäß der von uns vorgelegten Resolution würden
Waffen auf legalem Wege erst in einem halben Jahr
nach Bosnien gelangen. Während dieser Zeit könnten wir durch strengere Sanktionen die Fähigkeiten
der bosnischen Serben zur Kriegsführung beschränken, ihren Aktionsradius durch rigorose Druchsetzung
von Schutzzonen und Sperrzonen eingrenzen, ihre
Erfolgsaussichten durch eine Konsolidierung der
Konföderation zwischen der Regierung und den
Kroaten vermindern und durch Einigkeit innerhalb des
Rates ihre diplomatischen Optionen verringern. Die
Aussicht auf eine Aufhebung des Embargos bei
fortgesetzt ablehnender Haltung der bosnischen
Serben wird diesen außerdem einen guten Grund
geben, den Vorschlägen der Kontaktgruppe für eine
Gebietsneuverteilung zuzustimmen.
Wir sollten eines nicht vergessen: Als wir mutig
handelten - wie im Fall des Ultimatums von Sarajevo
- haben die bosnischen Serben erst gedroht, sich
aber am Ende gefügt. Das sollte uns eine Lehre
sein.
Einige vertreten die Ansicht, eine Aufhebung des
Waffenembargos würde es den Vereinten Nationen
unmöglich machen, in Bosnien unparteiisch zu
bleiben. Aber was bedeutet Unparteilichkeit im Falle
Bosniens? Die Mitarbeiter der Vereinten Nationen
sollten natürlich bedürftigen Zivilisten ungeachtet ihrer
ethnischen Zugehörigkeit humanitäre Hilfe zukommen
lassen. Die Resolutionen des UN-Sicherheitsrats
sollten natürlich gerecht durchgesetzt werden. Die
UNO-Blauhelme sollten natürlich nur innerhalb ihres
Aufgabenbereichs tätig werden. Aber Unparteilichkeit

AMERIKA DIENST 45

�erfordert nicht, daß der Sicherheitsrat diejenigen
gerecht behandelt, die andere nicht gerecht behandeln.
Andere verurteilen Bosnien aufgrund seiner jüngsten
Angriffe auf die bosnischen Serben in Zentral- und
Westbosnien. Meine Regierung bedauert jegliche
Fortsetzung der Kämpfe. Aber wir dürfen nicht
Angriffe, die zur Rückgewinnung der durch Aggression eroberten Gebiete durchgeführt wurden, mit
Aggression verwechseln. Wir dürfen nicht die Handlungen einer erklärtermaßen friedensuchenden
Regierung mit denen einer Gruppe verwechseln, die
in ihren kriegerischen Bestrebungen nicht nachläßt.
Die bosnische Regierung hat diesen Krieg nicht
begonnen und ist bereit, ihn zu beenden. Die bosnischen Serben haben diesen Krieg angezettelt und
sind entschlossen, ihn zu verlängern. Diese Unterschiede sind von Bedeutung und sollten sich in den
Aktionen und der Haltung dieses Rates niederschlagen.
Die bosnischen Serben haben die Option, sicher und
in Frieden mit ihren Landsleuten zu leben. Trotz der
Bitterkeit dieses Krieges wären viele Dinge möglich,
wenn die Waffen beiseite gelegt und die Energien
auf die harte Arbeit des Wiederaufbaus konzentriert
würden. In der heutigen Zeit kann kein Volk in
bitterer Isolation ein angenehmes und annehmbares
Leben führen. Die bosnischen Serben haben guten
Grund, den Frieden zu akzeptieren, aber ihre Führer
haben sich geweigert. Das wird sich nicht ändern,
wenn sich unser Ansatz nicht ändert.

automatischen Aufhebung des Waffenembargos
gehört. Sie haben uns schwierige Fragen gestellt,
von denen ich einige hoffentlich in meiner Ansprache
beantwortet habe.
Ich habe jedoch selbst einige schwierige Fragen an
den Rat, die im Zusammenhang mit dieser Resolution
beantwortet werden müssen.
Wie lange wird sich die internationale Staatengemeinschaft vormachen, daß Pales entschlossenes
"Nein" durch diplomatische Bastelei zu einem "Ja"
wird?
Wie lange kann die Kontaktgruppe noch zulassen,
daß die bosnischen Serben den vorgeschlagenen
gerechten und ehrenhaften Frieden ablehnen?
Wie lange können wir noch zusehen, wie die
Streitkräfte der Vereinten Nationen - trotz all ihrer
guten und hehren humanitären Bestrebungen und
Errungenschaften - von den Feinden des Friedens
zum Schutz für die durch den Krieg gemachten
Profite benutzt oder als Grund dafür angeführt
werden, daß die bosnischen Serben keinen hohen
Preis für die Verletzung der Sperrzonen zahlen
müssen?
Wie lange werden wir uns hier noch treffen und
zulassen, daß die grundsätzlichen und eloquenten
Forderungen des Vertreters von Bosnien-Herzegowina nach dem Recht seines Volkes auf Selbstverteidigung auf taube Ohren stoßen?

Alle unsere Optionen in Bosnien enthalten ein
Risiko. Wir haben nur die Wahl zwischen unvollkommenen Lösungen. Wir können den Forderungen
der bosnischen Serben entsprechen und somit die
direkten Gefahren möglichst gering halten. Oder wir
können stärkeren Druck zur Beendigung dieses
Krieges ausüben.

Und schließlich muß ich die anderen Mitglieder
des Sicherheitsrates noch fragen, wann wir die
Entscheidung über unsere wirklichen Zielsetzungen fällen. Warten wir auf Karadzic, warten wir
auf Godot, oder warten wir auf irgendeine andere
magische Kraft, damit sie die Verantwortung
übernimmt, die nur diesem Rat zukommt?

Meine Regierung ist der Überzeugung, daß dieser
Rat eine entschlossene Linie verfolgen sollte. Diese
Debatte und das Votum der Generalversammlung
von letzter Woche beweisen, daß eine große Mehrheit der UN-Mitgliedstaaten die Aufhebung des
Waffenembargos gegen Bosnien befürwortet. Auch
von den Ständigen Mitgliedern des Sicherheitsrates
haben wir große Einwände gegen das Konzept einer

Abschließend möchte ich das Problem so einfach wie
möglich formulieren. Nach 30 Monaten Krieg müssen
wir die bosnischen Serben dazu zwingen, sich für
eine Lösung zu entscheiden, mit der sie leben
können, oder für Konsequenzen, mit denen sie nicht
leben können. Das ist jetzt der Prüfstein für den Rat.
Das ist die Verantwortung, die wir gemeinsam
übernehmen müssen.

*

AMERIKA DIENST 45

*

Seite 3

�KONG R E S S W A H LEN
17. November 1994

CLINTON SAGT ZUSAMMENARBEIT
MIT NEUEM KONGRESS ZU
Erklärung des Präsidenten bei Pressekonferenz
WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton führte die großen Stimmenverluste der Demokraten bei den jüngsten
Wahlen zum amerikanischen Kongreß auf das Unvermögen seiner Partei zurück, den Wandel schnell und
weitgehend genug durchzusetzen und sagte zu, er werde mit der neuen Mehrheit der Republikaner im Kongreß
zusammenarbeiten, um die in den ersten zwei Jahren seiner Amtszeit begonnene Arbeit fortzusetzen.
Der Präsident teilte am 9. November 1994 bei einer Pressekonferenz im Anschluß an die Bekanntmachung
der Wahlergebnisse mit, er habe bei der Umstrukturierung der Regierung "einen guten Anfang" gemacht, indem
er das Haushaltsdefizit gesenkt, fünf Millionen neuer Arbeitsplätze geschaffen, den Regierungsapparat
verkleinert, das Bildungswesen reformiert, den Handel erweitert und die Kriminalität bekämpft habe. Da die
Demokraten bisher im Kongreß die Mehrheit hatten, seien sie auch zur Rechenschaft gezogen worden. Jetzt
hätten die Republikaner im Kongreß größere Verantwortung und er werde mit ihnen zusammenarbeiten, so
der Präsident.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Eingangserklärung des Präsidenten bei der Pressekonferenz im Wortlaut.
Meine Damen und Herren, gestern nacht und heute
morgen habe ich mit Republikanern und Demokraten
gleichermaßen gesprochen, den Siegern gratuliert
und die Verlierer getröstet. Ferner habe ich mich mit
den Mehrheitsführern des nächsten Kongresses,
Senator Dole und dem Kongreßabgeordneten
Gingrich, in Verbindung gesetzt, um ihnen nach
diesem harten Wahlkampf mitzuteilen, daß wir zur
Zusammenarbeit bereit sind, damit dem amerikanischen Volk auf überparteiliche Weise gedient wird.

der Fortsetzung der von uns begonnenen Arbeit
verpflichtet. Bei dieser Arbeit gab es in Washington
jedoch zu viele politische Überlegungen, zu viele
parteipolitische Konflikte, zu wenige Reformen im
Kongreß und im politischen Prozeß. Und obwohl wir
Fortschritte erzielten, hatten nicht genug Menschen
das Gefühl, sie seien wohlhabender und sicherer
oder wir würden ihrem Wunsch nach grundlegendem
Wandel der Rolle der Regierung in ihrem Leben
entsprechen.

Das amerikanische Volk hat uns hierher entsandt,
um den Amerikanischen Traum Wiederaufleben zu
lassen und die Arbeitsweise Washingtons zu verändern, damit unser Land wieder im Dienst des
einfachen Bürgers steht. Wir haben einen guten
Anfang gemacht, indem wir das Haushaltsdefizit
abbauten, den Regierungsapparat verkleinerten und
die Regierung derart umgestalteten, daß wir mit
weniger Mitteln mehr erreichen können. Wir haben
unsere Investitionen in Bildung und Handel erhöht
und im Bereich der Wirtschaft über fünf Millionen
Arbeitsplätze geschaffen.

Da die Demokraten sowohl das Weiße Haus als auch
den Kongreß unter sich hatten, wurden wir gestern
zur Rechenschaft gezogen. Ich übernehme meinen
Teil der Verantwortung für das Wahlergebnis.

Im Kampf gegen die schreckliche Geißel von Verbrechen und Gewalt in diesem Land haben wir
ernsthafte erste Schritte unternommen. Ich bleibe

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Wenn die Republikaner im Repräsentantenhaus und
im Senat die Führung übernehmen, werden sie auch
größere Verantwortung dafür tragen, im Interesse des
amerikanischen Volkes zu handeln. Ich wende mich
heute an sie und bitte sie, zusammen mit mir an der
öffentlichen Debatte darüber teilzunehmen, welche
Fortschritte im Interesse der nächsten Generation von
Amerikanern unternommen werden müssen.
Demokraten und Republikaner haben schon oft
zusammengearbeitet, wenn das eindeutig im nationa-

Seite 1

�len Interesse lag. Beispielsweise haben sie häufig
internationale Angelegenheiten über die Politik
gestellt. Ich fordere die Republikaner dazu auf, mit
der Annahme des GATT-Abkommens in diesem Jahr
ebenso zu handeln. Davon hängt unser Wohlstand
ab, und wir können keine Kompromisse eingehen,
wenn unser nationales Interesse und das Wohlergehen der Amerikaner auf dem Spiel stehen.
Gestern haben sich die Wähler nicht nur für tiefgreifenden Wandel ausgesprochen, sondern verlangt, daß der Kongreß in einer neuen Zusammensetzung beider Parteien im Interesse des amerikanischen Volkes enger mit dem Präsidenten zusammenarbeitet. Ich hoffe, daß wir das beim GATT tun
können und damit den Weg für weitere Zusammenarbeit bei der Reform des Sozialsystems und der
Gesundheitsfürsorge, weiteren Investitionen in die
Bildungsmöglichkeiten unserer Bürger sowie fortgesetzte wirtschaftliche Stärke ebnen.
Wir müssen auch etwas unternehmen, um das
Vertrauen unserer Bürger in die politischen Institutionen wiederherzustellen und sollten im Bereich
unserer Außenpolitik traditionsgemäß unter Überwindung parteipolitischer Trennungen zusammenarbeiten.
An die Adresse derjenigen gerichtet, die für Fortschritte plädieren, möchte ich nochmals sagen, daß
ich alles in meiner Macht Stehende unternehmen
werde, um den Führern und Mitgliedern dieses
neuen Kongresses entgegenzukommen. Es muß
möglich sein, eine effektivere, besser funktionierende
Institution zu schaffen. Es muß uns möglich sein,
unserem Volk eine kleinere, effektivere Regierung zu
bieten, die unsere Interessen und Werte gleichermaßen widerspiegelt.

*

Seite 2

*

Denjenigen, die diese Wahlen dazu benutzen möchten, um uns zurückzuwerfen, sage ich folgendes: Ich
werde alles tun um zu verhindern, daß irgend jemand
unsere wirtschaftliche Erholung gefährdet, indem er
uns zu einer Politik zurückführt, die schon einmal
gescheitert ist. Ich werde mich weiterhin für das
einsetzen, was Amerika stark macht - starke Familien, verbesserte Bildung und Ausbildung, sicherere
Straßen, besser bezahlte Arbeitsplätze, eine wohlhabendere und friedlichere Welt.
Für unsere Kinder und unsere Zukunft steht viel
zuviel auf dem Spiel, als daß wir anders handeln
könnten.
Seit gestern hat sich natürlich vieles
geändert. Der Grund, warum ich hierher entsandt
wurde und die Delegierten des Kongresses hierher
entsandt werden, hat sich jedoch nicht geändert: Zur
Wiederherstellung des Amerikanischen Traums und
Gewährleistung, daß dieses Land, diese Regierung,
diese Stadt sich für die Interessen unserer Bürger
einsetzen. Das amerikanische Volk erwartet das von
uns.
Gestern hat das Volk deutlich gemacht, daß es mit
den von uns erzielten Fortschritten nicht zufrieden ist.
Das Volk sagte, die Demokraten hätten im Weißen
Haus und im Kongreß die Kontrolle innegehabt. Es
forderte einen Wandel und führte ihn herbei. Aber es
strebt immer noch dasselbe Ziel an. Am heutigen
Tag verpflichte ich mich zur Zusammenarbeit mit
allen Mitgliedern des Kongresses, insbesondere mit
der Republikanischen Führung, zur Erreichung dieses
Ziels. Wenn die Republikanische Führung mit mir
zusammenarbeitet - und das hat sie heute zugesagt können wir im Interesse dieses Landes große Fortschritte erzielen. Wir sollten optimistisch sein und
diesen Optimismus Realität werden lassen.

*

*

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w

•

�KONGRESSWAHLEN
17. November 1994

FRUSTRATION DER WAHLER WAR
SCHLÜSSELFAKTOR BEI WAHLERGEBNIS
Analyse der Wahlen zum amerikanischen Kongreß
WASHINGTON - (AD) - Der Sieg der Republikaner
bei den Wahlen zum amerikanischen Kongreß am 8.
November 1994 war viel größer als erwartet und
demonstrierte das Ausmaß der Unzufriedenheit der
Wähler mit "politics as usual", erklärten Analysten
der Wahlen von allen Seiten des politischen Spektrums.
"Wir hätten nicht einmal von den Zahlen zu träumen
gewagt, die wir erreicht haben", äußerte der republikanische Meinungsforscher Neil Newhouse, Teilnehmer eines am 9. November von der American
Association of Political Consultants organisierten
Seminars zur Analyse der Wahlergebnisse.
Der Sieg der Republikaner erreichte auf allen
Ebenen der Politik ein "unglaubliches Ausmaß" vom amerikanischen Kongreß, wo die Republikaner
im Senat und im Repräsentantenhaus gleichermaßen die Mehrheit erzielten, über die Parlamente der
Bundesstaaten bis zur kommunalen Ebene, so
Newhouse, und dadurch erhielten die Republikaner
eine politische Basis, von der sie bei zukünftigen
Wahlen operieren können.
"Hier handelt es sich um eine Flutwelle, die nur einoder zweimal in einem Jahrhundert zu beobachten
ist", erklärte Charles Cook, Redakteur des Cook
Political Report und Leiter einer Vereinigung der
Demokraten für politische Analysen. "Das Ausmaß
und die Stärke der Ereignisse waren atemberaubend", fügte er hinzu.
Cook führte die Ergebnisse auf die Unzufriedenheit
der Wähler mit der regierenden Partei zurück. Die
Wähler seien "sauer" gewesen. 1992 hatten sie
einen von den Demokraten kontrollierten Kongreß
gewählt, um Probleme zu lösen, aber allzu viele
Probleme blieben ungelöst, und somit wurden die
Demokraten bei diesen Wahlen der Macht enthoben,
so Cook.

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Im Vergleich dazu wurde kein einziger republikanischer Amtsinhaber im Repräsentantenhaus, Senat
oder bei den Gouverneurswahlen besiegt.
"Die Wähler halten die Demokraten für zu liberal",
äußerte Geoffrey Garin, Meinungsforscher aus dem
Lager der Demokraten. Nachdem im Herbst 1993
das Gesetz über den Abbau des Haushaltsdefizits
angenommen wurde, "verloren wir den Sinn für
unsere wichtigste Botschaft... Unser größtes Problem
war nicht ein zu starker Linksruck, sondern daß es
uns nicht gelang, einen eindeutigen Grund dafür zu
formulieren, warum die Wähler 1994 weiterhin für die
Demokraten stimmen sollten". Garin betonte jedoch,
Präsident Clinton habe bei der Entscheidung der
meisten Bürger "keine wichtige Rolle gespielt", und
die Wahlergebnisse stellten im allgemeinen "keine
Ablehnung des Präsidenten" dar.
Edward Rollins, ein bekannter Stratege der Republikaner, stimmt nicht mit dieser Einschätzung überein.
Clinton habe für das Wahlergebnis "eine äußerst
wichtige Rolle gespielt". "Das Beste für den Präsidenten war, daß er nicht selbst zur Wahl stand."
Mit Blick auf die Zukunft erklärte Rollins, die Republikaner müßten mit dem von den Demokraten kontrollierten Weißen Haus zusammenarbeiten, damit die
Öffentlichkeit Fortschritte sehe. Andernfalls bekämen
die Republikaner dieselben Schwierigkeiten wie die
Demokraten bei diesen Wahlen.
Republikaner und Demokraten gleichermaßen müßten parteipolitische Grenzen überwinden, erklärte er.
Senator Bob Dole, der zukünftige Mehrheitsführer im
Senat, und der Abgeordnete Newt Gingrich, der
Speaker des Repräsentantenhauses wird, müssen
Rollins zufolge Staatsmänner anstelle von Sprachrohren der Opposition werden.
AI From, Präsident des Democratic Leadership
Council, einer 1985 als Forum für Demokraten der
Mitte gebildeten Gruppe, sprach von tiefempfundener

Seite 1

�Frustration der amerikanischen Bürger über die
Politik.
Ihm zufolge stellen die Wahlergebnisse den Abschluß der Politik des New Deal und des Liberalismus alten Stils dar, wogegen die Politik der Zukunft
Gemäßigte beider Parteien bei einer neuen Tagesordnung vereint. Clinton sei ebenso wie jeder
andere Bürger des Landes in der Lage, diese
Tagesordnung zu artikulieren und entsprechend zu
regieren, erläuterte From.
Gary Nordlinger, Wahlkampfstratege der Demokraten, stimmt mit der Ansicht überein, die Wahlergebnisse reflektierten die Frustration der Wähler über
die Regierung. Die Republiker hätten mit Hilfe einer
Koalition fundamentalistischer christlicher Gruppen
eine gut durchdachte Wahlkampfstrategie verfolgt.
Zudem hätten die Republiker Vorteile aus der 1992
erfolgten Neuaufteilung der Wahlkreise für Abgeordnetensitze im Kongreß gezogen.
Wayne LaPierre, Präsident der Vereinigung der
amerikanischen Waffenbesitzer (National Rifle
Association), erklärte, unter den Wählern herrsche
das Gefühl, die in der Verfassung verankerten
Freiheiten würden ausgehöhlt, insbesondere beim
Thema Waffen. Die Wähler seien der Ansicht, die
Bundesregierung schmälere die verfassungsmäßigen
Rechte des einzelnen - wie das Recht, Waffen zu
tragen.
Ralph Reed, dem geschäftsführenden Direktor der
Christian Coalition zufolge war ein wichtiges Kriterium der Kongreßwahlen 1994 die große Wahlbeteiligung weißer Evangelisten. 30 bis 33 Prozent der
Evangelisten, die ihre Stimme abgegeben hatten,
bezeichneten sich selbst als "wiedergeborene"
Christen, so Reed. Ein Drittel aller Wähler seien
regelmäßige Kirchgänger und eher konservativ
eingestellt.
Die Demokratische Partei habe "diese Wählergruppe
völlig falsch eingeschätzt", erläuterte Reed. Sie

*

Seite 2

habe versucht, "diese Wähler als nebensächlich und
stereotyp einzustufen", was sich als nachteilig erwiesen habe.
Reed prognostizierte, Themen wie die Familie, ein
ausgewogener Haushalt und die Reform des Sozialwesens würden wichtige Punkte auf der Tagesordnung des neuen Kongresses.
Die Republikaner haben eine Tagesordnung und
wissen, was sie wollen, stellte William Pascoe,
juristischer Direktor der American Conservative
Union, einer konservativen Denkfabrik, fest. Die
Probleme würden vom liberalen Flügel der Republikanischen Partei im Kongreß kommen, dessen
Mitglieder jetzt den Vorsitz über eine Reihe wichtiger
Ausschüsse führen werden, argumentierte Pascoe.
"Wenn sie sich mit dem Weißen Haus einigen, wird
dies ernsthafte Probleme für die konservative Tagesordnung verursachen." Die Republikaner müßten
sich vor Augen führen, so Pascoe, daß das Land
Konservatismus will.
Moe Biller, Vorsitzender der amerikanischen Postgewerkschaft, stimmte zu, daß den Liberalen Kämpfe
bevorstünden. Die Wahlergebnisse seien ein "Rückschlag in der politischen Geschichte der Vereinigten
Staaten" gewesen, führte er aus, "aber die Welt wird
nicht zusammenbrechen". Clinton habe zahlreiche
wichtige positive Veränderungen in den Vereinigten
Staaten herbeigeführt, aber die Wähler verstünden
die Veränderungen nicht.
"Die Geschichte lehrt uns", erläuterte Biller, "daß die
Demokraten Erfolg haben, wenn sie für ihre Überzeugungen kämpfen, aber verlieren, wenn sie vor den
liberalen Prinzipien davonlaufen und sich verstecken."
"Wir sind vielleicht an einem Tiefpunkt meines
Lebens angelangt, aber es besteht Hoffnung." Die
Republikaner, führte Biller aus, "werden jetzt vom
amerikanischen Volk für das zur Rechenschaft
gezogen, was in den nächsten beiden Jahren geschieht".

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•

�KONGRESSWAHLEN
17. November 1994

PLÄNE DER REPUBLIKANER
Zusammenarbeit erforderlich
WASHINGTON - (AD) - Die Republikaner, die
während der im Januar beginnenden 104. Sitzungsperiode die Mehrheit in beiden Kammern des Kongresses haben, erklärten in einer Reihe von Interviews in Fernseh-Talk-Shows am Wochenende, daß
sie trotz Meinungsverschiedenheiten zur Erlangung
ihrer Ziele zusammenarbeiten müßten.

Stelle der Tagesordnung" des Senats, fügte jedoch
hinzu, er würde dies erst in einigen Jahren vorschlagen. Auf die Frage, ob ein ausgeglichener Haushalt
in diesem Jahr möglich wäre, antwortete er: "Ja,
aber dies würde so traumatische, dramatische
Auswirkungen haben, daß ein solches Vorgehen
unklug wäre."

Senator Robert Dole, der neue Mehrheitsführer der
Republikaner im Senat, stellte fest: "Es muß eine
Partnerschaft sein, wenn wir irgend etwas erreichen
wollen."

Zur Frage der Steuersenkungen erläuterte Gingrich,
er befürworte Anhörungen im Kongreß über Einkommensteueränderungen, "aber in der ersten Phase
sollte man versuchen, eine Expandierung der Wirtschaft herbeizuführen, Arbeitsplätze zu schaffen und
einen Kinderfreibetrag von 500 Dollar einzuführen".

Der Kongreßabgeordnete Newt Gingrich, neuer
Speaker des Repräsentantenhauses, führte aus, er
erwarte "gute Zusammenarbeit" mit Dole, "aber man
kann den Senat und das Repräsentantenhaus nicht
im Gleichschritt leiten".
Gingrich betonte, daß die Tagesordnung des Repräsentantenhauses aus dem vor der Wahl unterzeichneten "Vertrag mit Amerika" (Contract with
America) bestehen werde, in dem die Republikaner
sich zu einer Reform des Kongresses, Steuersenkungen und einer Kürzung der staatlichen Ausgaben
verpflichten.
Dole erklärte, die Tagesordnung des Senats konzentriere sich auf die Führungsrolle "und unterscheidet
sich nicht wesentlich von dem 'Vertrag mit Amerika'".
Der Senat, so Dole, "muß koordinieren, was das
Repräsentantenhaus als erstes vorbringen wird und
was wir als erstes vorbringen werden... Jede
Kammer muß ihre Prioritäten setzen."
Dole zufolge gelten "die vordringlichsten Aufgaben
dem Kongreß, sei es die Verringerung des Mitarbeiterstabs, die Reform des Berufsethos, des
Lobbying oder der Abstimmung über die Dauer der
Amtszeit, damit die Amerikaner wissen, daß wir über
Belange abstimmen, die ihnen Anlaß zur Sorge
bereiten".
Im Hinblick auf die Forderung des Vertrags nach
einem ausgeglichenen Etat im Haushaltsjahr 1996
stellte Dole fest: "Dieser Punkt steht an oberster

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Zu außenpolitischen Themen äußerte Gingrich, es sei
wichtig, "die Ressourcen auf die Raketenabwehr zu
verlagern" und die gesamte Auslandshilfe zu überprüfen, "insbesondere die vornehmlich zwischenstaatlichen Elemente, die abgeschafft werden sollten".
Gingrich zufolge ist Haiti "eine Zeitbombe, die jede
Minute explodieren kann", und die Vereinigten
Staaten sollten ihre Truppen "so schnell wie möglich"
aus dem Land abziehen.
Dole fügte hinzu: "Wir sollten die Truppen bis
Thanksgiving aus Haiti abziehen. Wir müssen nicht
herumsitzen, während dort die Wahlen verschoben
werden... Wir sollten Haiti verlassen, bevor es
Blutvergießen gibt."
Der Mehrheitsführer im Senat ergänzte: "Die Vereinigten Staaten sollten prüfen, ob sie in Nordkorea
ein gutes Abkommen abgeschlossen haben. Was
Bosnien anbetrifft, so üben wir endlich etwas Druck
auf unsere Verbündeten aus, meines Erachtens
sollten wir jedoch das Waffenembargo aufheben und
den Bosniern gemäß Artikel 51 der Charta der
Vereinten Nationen eine Chance zur Selbstverteidigung geben."
Obwohl die Republikaner gerade die Kontrolle über
beide Kammern des amerikanischen Kongresses
errungen haben, ist ihre langfristige Zukunft aus der

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�Sicht zweier renommierter Beobachter der Kongreßwahlen weiterhin unsicher.
Die kurzfristigen Aussichten sind "dynamisch", so
Thomas Mann von der Brookings Institution, da die
Republikaner Anzeichen einer mutigen Führung im
Repräsentantenhaus erkennen lassen.
Norman Omstein vom American Enterprise Institute
verweist jedoch darauf, daß die Strategie der Republikaner noch nicht bekannt sei - ob sie bei Gesetzesfragen aktiv vorgehen oder nur reagieren.
Und, so fügte er hinzu, jegliche Uneinigkeit innerhalb
der republikanischen Reihen könnte dazu führen,
daß die Demokraten bei den nächsten Wahlen die
Kontrolle wiedererlangen.
Die beiden Wissenschaftler nahmen an einem vom
Congresslonal Quartely am 10. November 1994
veranstalteten eintägigen Seminar über die Perspektiven nach den Kongreßwahlen teil. Ihnen
zufolge gab es zahlreiche Faktoren, die bei dem
entschiedenen Wahlsieg der Republikaner eine Rolle
spielten.
Mann erklärte, dazu zähle eine Feindseligkeit der
amerikanischen Wähler gegenüber den Demokraten
als Regierungspartei, eine Neuaufteilung der Wahlkreise im Süden zugunsten der Republikaner und
* *

Seite 2

die Bestrebungen der Republikaner, in vielen Wahlkreisen für die Abgeordneten zum Repräsentantenhaus starke Kandidaten aufzustellen.
Ornstein fügte hinzu, die Wähler seien unzufrieden
mit dem Weißen Haus unter Clintons Führung, weil er
sich frühzeitig auf Themen wie die Homosexuellen im
Militär konzentriert habe.
Die vom Congresslonal Quarterly erstellten statistischen Daten zur Wahl am 8. November 1994 ergaben, daß die Anzahl der Frauen im Repräsentantenhaus von 48 auf 49 und im Senat von sieben auf acht
angestiegen ist. Die Schwarzen errangen einen
zusätzlichen Sitz im Repräsentantenhaus, wodurch
sich die Zahl ihrer Sitze auf 40 erhöhte.
Congressional Quartely stellte ferner fest, während
die Republikaner den ihnen lange verweigerten
Triumph feierten, hätten Präsident Clinton und seine
Mitarbeiter darum gekämpft, "seine Beziehungen zu
einem erneuerten Kongreß und einer entfremdeten
Wählerschaft neu zu gestalten".
Dem Wahlbeobachter Mann zufolge sind die Wahlergebnisse "eine Bekräftigung der Tatsache, daß
Wahlen in den Vereinigten Staaten immer noch
funktionieren".

*

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,
•

�KRIEGSVERBRECHEN
17. November 1994

USA UNTERSTÜTZEN KRIEGSVERBRECHERTRIBUNAL
FÜR RUANDA
Botschafterin Albright vor dem UN-Sicherheitsrat
VEREINTE NATIONEN - (AD) - Die Vereinigten Staaten hoffen, daß das vom UN-Sicherheitsrat am 8.
November 1994 eingerichtete Kriegsverbrechertribunal für Ruanda Gerechtigkeit und nationale Versöhnung
für die ruandische Bevölkerung fördern kann, erklärte die Botschafterin der Vereinigten Staaten bei den
Vereinten Nationen, Madeleine Albright, am 8. November vor dem UN-Sicherheitsrat.
Ebenso wie im ehemaligen Jugoslawien bestehe in Ruanda die Notwendigkeit, Harmonie zwischen
verschiedenen ethnischen Gruppen der Bevölkerung zu schaffen, indem die für solch abscheuliche Verbrechen
Verantwortlichen ungeachtet ihrer gesellschaftlichen Stellung zur Verantwortung gezogen werden.
Der Sicherheitsrat nahm mit 13 zu einer Stimme und der Enthaltung Chinas eine Resolution über die
Einrichtung eines internationalen Kriegsverbrechertribunals für Ruanda sowie ein begleitendes Statut mit
Richtlinien für die Arbeit des Tribunals an. Ruanda stimmte gegen diese Resolution und machte unter anderem
den Einwand geltend, das Statut sehe keine Todesstrafe vor.
Das Tribunal wird Einzelpersonen, einschließlich hoher Regierungsmitglieder, vor Gericht bringen, die des
Genozids und anderer Verletzungen internationaler humanitärer Gesetze seit dem 1. Januar 1994 verdächtigt
werden.

Im Frühjahr fand in Ruanda ein Völkermord statt.
Außerdem wurde der Staat auch von anderen
schwerwiegenden Verletzungen des Völkerrechts
heimgesucht. Der Sicherheitsrat hat sich während
des Großteils dieses Jahres mit diesen entsetzlichen
Geschehnissen befaßt. Der Rat selbst war auch
nicht vor Kritik gefeit. Der heutige Tag ist jedoch
das Ergebnis monatelanger, äußerst harter und
ausdauernder Arbeit unserer Regierungen, des
Sekretariats, der Expertenkommission und dieses
Rates zur Schaffung eines Ad-hoc-Tribunals für die
Ermittlung und strafrechtliche Verfolgung von Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und
Kriegsverbrechen in Ruanda sowie durch ruandische
Bürger in den Nachbarstaaten Ruandas verübter
Verbrechen.
Wir bedauern, daß die ruandische Regierung gegen
diese Resolution gestimmt hat. Wie bereits von
anderen Mitgliedern des Rates ausgeführt, haben
die Förderer des Tribunals hart daran gearbeitet,
eine Reihe ruandischer Belange einzubeziehen; wir

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waren dazu jedoch nicht bei allen Punkten in der
Lage. Obwohl wir die Besorgnis Ruandas bei verschiedenen wichtigen Angelegenheiten verstehen und bei der Todesstrafe könnten wir sogar einer
Meinung sein - war es einfach nicht möglich, diesen
Sorgen Rechnung zu tragen und gleichzeitig im
Sicherheitsrat breite Unterstützung zu finden. Aus
diesem Grund hält meine Regierung es für den
richtigen Ansatz, das Tribunal einzurichten, wie es
diese Tragödie erfordert, anstatt auf eine Einigung zu
warten, die niemals erzielt wird.
Wir fordern die ruandische Regierung trotzdem dazu
auf, Ihre Verpflichtung zur umfassenden Zusammenarbeit mit dem internationalen Tribunal einzuhalten
und die erforderlichen Ermittlungen vorzunehmen,
damit diejenigen strafrechtlich verfolgt werden, die
unaussprechlicher Akte des Völkermords und anderer
Greueltaten schuldig sind. Wir wissen die Bestrebungen des Rechtsberaters der Vereinten Nationen,
Hans Corell, zu würdigen, mit der ruandischen
Regierung in Kigali über diese Resolution und die

Seite 1

�Satzung für das Tribunal zu beraten. In den vergangenen Monaten hat dieser Rat sich mit Entschiedenheit für eine möglichst baldige Einrichtung des
Tribunals eingesetzt.
Der Staatsanwalt wird eng mit der Regierung Ruandas zusammenarbeiten müssen, um in diesem
Land eine Präsenz zu errichten und seine Ermittlungs- und Strafverfolgungstätigkeit frei ausüben zu
können. Meine Regierung unterstützt uneingeschränkt die Einrichtung eines Büros des Tribunals
in Kigali sowie die Bewältigung eines Großteils der
Arbeit des Tribunals in Ruanda. Ferner sehen wir
Konsultationen über den offiziellen Sitz des Tribunals
erwartungsvoll entgegen. Das Tribunal muß effizient, sicher und gemäß der allgemeinen Entwicklung internationaler humanitärer Gesetze operieren.
Wir sind gespannt auf die Meinung des Generalsekretärs und des Staatsanwalts.

der Arbeit des Tribunals. Wir möchten jedoch
betonen, daß wir angesichts der wachsenden haushaltspolitischen Erfordernisse des internationalen
Tribunals für das ehemalige Jugoslawien die Aufgabe
haben, beide Ad-hoc-Tribunale mit soviel Geldmitteln
zu versorgen, daß sie ihre Aufgabe erfüllen können.
Das Rechtssystem Ruandas muß ebenfalls wiederaufgebaut werden, um die enorme tägliche Aufgabe
des Strafvollzugs sowie der strafrechtlichen Verfolgung der vielen Verdächtigen zu bewältigen, mit
der sich das Tribunal nicht befassen kann. Meine
Regierung ist bereit, Ruanda bei dieser wichtigen
Aufgabe beizustehen, und wir fordern andere Regierungen dazu auf, ebenso zu handeln.

Als oberster Vertreter der Anklage wird Richter
Goldstone bei diesem Unternehmen dieselbe Integrität und dieselben Fähigkeiten einsetzen wie schon
beim internationalen Tribunal für das ehemalige
Jugoslawien. Wir wollen Richter Goldstones Arbeit
in jeglicher Hinsicht erleichtern. Und wir sehen der
Wahl eines stellvertretenden Staatsanwalts für
Ruanda erwartungsvoll entgegen, der große Verantwortung für die Ermittlungen und strafrechtliche
Verfolgung tragen wird.

Die Ermittlungen im Fall von Genozid sind in der Tat
eine äußerst grausame Arbeit. Wir sind jedoch dafür
verantwortlich sicherzustellen, daß das internationale
Tribunal für Ruanda dieses Ziel erreichen kann, das
auch von diesem Rat zunehmend erkannt wird: Den
einzelnen für seine Verletzungen internationaler
humanitärer Gesetze zur Rechenschaft zu ziehen.
Ebenso wie im ehemaligen Jugoslawien besteht in
Ruanda die Notwendigkeit, Harmonie zwischen
verschiedenen ethnischen Gruppen der Bevölkerung
zu schaffen, indem die für solch abscheuliche Verbrechen Verantwortlichen ungeachtet ihrer gesellschaftlichen Stellung zur Verantwortung gezogen
werden.

Die Einrichtung eines internationalen Tribunals für
Ruanda ist erst der Anfang. Eine wichtige Herausforderung für uns ist die angemessene Finanzierung
des Tribunals. Wir bitten alle Mitgliedstaaten um
freiwillige Beiträge. Noch wichtiger ist die Bereitstellung ausreichender Fonds durch die Vereinten
Nationen für diese ersten, entscheidenden Monate

Abschließend möchte ich der Hoffnung meiner
Regierung Ausdruck verleihen, daß der von uns
heute unternommene Schritt zu Gerechtigkeit und
nationaler Versöhnung führt, damit das ruandische
Volk nicht in den Erinnerungen an den Wahnsinn und
die Barbarei gefangen bleibt, die es gerade durchlebt
hat.

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Seite 2

*

* *

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�DROGEN
17. November 1994

USA WARNEN VOR WACHSENDEM DROGENPROBLEM
Rede von Abteilungsleiter Gelbard
VEREINTE NATIONEN - (AD) - Die Vereinigten Staaten warnten am 2. November 1994, die Welt befinde sich
"am Vorabend einer Heroinkatastrophe". Vordem Dritten Ausschuß der UN-Generalversammlung erklärte der
Abteilungsleiter im US-Außenministerium für internationale Suchtstoffangelegenheiten, Robert Gelbard, die
Vereinigten Staaten hätten die Befürchtung, es mangele an internationaler Aufmerksamkeit für die einzigartigen
Probleme im Zusammenhang mit Heroin.
"Der Umfang und die Komplexität des internationalen Heroinhandels könnten möglicherweise die Ressourcen
der internationalen Drogenbekämpfung übersteigen, wenn diese nicht gezielt eingesetzt und sorgfältig
koordiniert werden", erklärte er.
Gelbard legte die Politik der Vereinigten Staaten zur Bekämpfung des illegalen Drogenhandels dar und
äußerte, zwar sei eine Kontrolle der Nachfrage zwingend geboten, aber ebenso wichtig sei der Kampf gegen
den Anbau von Drogenpflanzen und die Herstellung von Suchtstoffen. Bestrebungen zur Beschlagnahmung
der Rauschmittel an der Quelle müssten Hand in Hand mit Alternativen zu von der Drogenherstellung
abhängigen Volkswirtschaften gehen.
Ferner skizzierte Gelbard die amerikanische Strategie im Kampf gegen die Kokainproduzenten und -händler
und warnte, die Vereinigten Staaten würden ihre Hilfe sowie Kredite multinationaler Entwicklungsbanken an
die Länder einstellen, die nicht in vollem Umfang an den Bestrebungen zur Bekämpfung des Drogenhandels
teilnehmen.

Vielen Dank, Herr Vorsitzender. Seit der ersten
Zusammenkunft dieser Art bei den Vereinten Nationen haben wir bei der Bekämpfung des Drogenhandels einen langen Weg zurückgelegt. Noch vor
zehn Jahren hätten uns in diesem Saal die Ohren
geklungen angesichts der stereotypen Debatte
zwischen Produzenten- und Konsumentenländern
von Drogen, wer für die Drogenkrise der Welt
verantwortlich ist. Diese Debatte ist glücklicherweise
beendet. Wir alle tragen unseren Teil der Verantwortung für das Problem, wir alle leiden unter den
Konsequenzen, und wir alle müssen gemeinsam an
einer Lösung arbeiten.
Größere Kooperation und Konsens finden in den von
der Generalversammlung erzielten Fortschritten
ihren Niederschlag. In den letzten fünf Jahren
wurden das Internationale Drogenkontrollprogramm
der Vereinten Nationen (United Nations Drug Control
Program - UNDCP) ins Leben gerufen und ein
umfassender Aktionsplan ausgearbeitet.
(Wir
beglückwünschen Generaldirektor Giacomelli zu den
von ihm erzielten Fortschritten und danken ihm für
seine heute abgegebene wichtige Erklärung.) In

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jüngster Zeit hat auf Initiative der mexikanischen
Delegation eine Gruppe von Delegationen, einschließlich meiner eigenen, gemeinsam an einem
konsensfähigen umfassenden Text über das Drogenproblem gearbeitet. Wir zollen den anderen Förderern dieses Unternehmens große Anerkennung für
ihre konstruktive Arbeit.
Die Vereinigten Staaten sind sich bewußt, daß wir als
Nation verpflichtet sind, unser ernstes Problem des
Drogenmißbrauchs gezielt anzugehen. Obwohl der
gelegentliche Konsum illegaler Drogen in den Vereinigten Staaten seit Mitte der achtziger Jahre
gesunken ist, haben sich die von harten Drogen
Abhängigen dem Wandel widersetzt.
Infolgedessen befaßt sich die Drogenkontrollstrategie
der Vereinigten Staaten mit den Problemen des
Drogenkonsums in unserem Land und konzentriert
sich auf die Therapie und Rehabilitation von Drogenabhängigen, insbesondere von Konsumenten harter
Drogen. Wir haben Fortschritte dabei erzielt, unsere
jungen Menschen davon zu überzeugen, nicht mit
dem Konsum von Drogen zu beginnen, und wir

Seite 1

�verstärken unsere Drogenpräventionsprogramme,
um diesen Prozeß fortzusetzen.
Eine Kontrolle der Nachfrage ist unumgänglich, aber
eine Kontrolle des Anbaus von Drogenpflanzen und
der Produktion von Suchtstoffen ist ebenfalls erforderlich. Bestrebungen zur Beschlagnahmung von
Drogen an der Quelle müssen mit Entwicklungshilfe
kombiniert werden, damit den vom Drogenanbau
abhängigen Volkswirtschaften ökonomische Alternativen geboten werden können.
Der internationale Kokainhandel, der für die Gesellschaft in den Vereinigten Staaten und vielen anderen Ländern die direkteste Gefahr darstellt, ist
äußerst unberechenbar. Die großen internationalen
Drogensyndikate setzen sich aus geschickten,
skrupellosen Geschäftsleuten zusammen.
Sie
erweitern ihre Operationen und Märkte insbesondere
auf Regionen mit schwacher politischer Kontrolle.
Zu ihrer Bekämpfung benötigen wir verstärkte
internationale Zusammenarbeit.
Im Kampf gegen den Kokainhandel wurden bereits
beträchtliche lobenswerte Fortschritte gemacht:
Abnahme der Anbaus von Kokapflanzen in
verschiedenen Gebieten Südamerikas, obwohl
wir nicht vergessen dürfen, daß er sich in anderen Regionen weiter verbreitet.
Die mutige und kostenaufwendige Zerschlagung
des Medellin-Kartells in Kolumbien, der vielleicht
gefährlichsten Verbrecherorganisation des vergangenen Jahrzehnts.
Eine Intensivierung der Ermittlungen in vielen
Ländern, die stärkeren Druck auf Drogenbarone
und Geldwäscher ausüben.
Einleitende Schritte zur Reorganisation von
Rechtsinstitutionen und Erarbeitung von Gesetzen zur gezielten Bekämpfung von Drogenhändlerringen.

Meine Regierung möchte auf dem aufbauen, was
sich in der Vergangenheit als funktionierender Ansatz
erwiesen hat. Unsere Strategie im Kampf gegen
Kokain konzentriert sich auf vier Elemente:
Erstens. Angriff auf den Kern des Handels, indem
der Schwerpunkt von den Transitländern zu den
Produzentenländern verlagert wird. Wir wollen
unsere Ressourcen dort konzentrieren, wo der
Handel begrenzter und möglicherweise ungeschützter ist.
Zweitens. Konzentration auf die Drogenbarone
und ihre Organisationen. Wir können den Drogenhandel nur zerschlagen, wenn wir die Händlerorganisationen und ihre Führer vernichten. Diese
Drogenbarone - die mit Hilfe von Korruption und
Einschüchterung überleben - stellen für die Regierungen auf der ganzen Welt eine reale und
ernsthafte Bedrohung dar.
Drittens. Stärkung der nationalen Institutionen zur
Bekämpfung des Drogenhandels. Wir alle müssen einen größeren Anteil der Last internationaler
Drogenkontrolle übernehmen.
Reformen des
Rechtswesens sind ein wichtiger Bestandteil
dieser Bestrebung.
Viertens. Streben nach engerer internationaler
Zusammenarbeit im Rahmen der Vereinten
Nationen, der Organisation Amerikanischer Staaten und anderer multilateraler Foren, unter besonderer Berücksichtigung von Institutionen der
Gesetzgebung, Justiz und strafrechtlichen Verfolgung sowie tragfähige Entwicklungshilfe für
Produzentenländer, die sich für eine Abschaffung
des Drogenanbaus einsetzen.
Diese vier Elemente richten sich gegen die Macht
und Stärke des Kokainhandels. Gestützt auf Milliarden Dollar an Gewinnen aus dem letzten Jahrzehnt
haben die führenden Drogenhändler sich auf viele
unserer gegen sie gerichteten Bestrebungen eingestellt - mit einer Ausnahme: dem Verlust ihrer
Freiheit und ihres Wohlstands.

Abnahme der Nachfrage nach Kokain durch
Gelegenheitskonsumenten.
Diese Errungenschaften erhöhen das Risiko der
Händlerorganisationen, aber wir haben noch nicht
gewonnen. Der Drogenhandel wirft weiterhin enorme Profite ab, und die größten Syndikate sind nach
wie vor nicht eingeschüchtert. In vielen Teilen der
Welt weitet sich der Konsum von Kokain aus, und
die Zahl der von harten Drogen Abhängigen in den
Vereinigten Staaten hat nicht abgenommen.

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Diese Bedrohung

scheinen sie immer noch zu fürchten.
Das ist unsere heutige Sicht der Maßnahmen zur
Bekämpfung des Kokainhandels. Meine Delegation
ist besorgt darüber, daß die internationale Aufmerksamkeit gegenüber den einzigartigen Herausforderungen des Heroinproblems abnimmt. Mehrere Statistiken deuten darauf hin, daß wir am Vorabend einer
Heroinkatastrophe stehen:
Erstes: Das Ausmaß der Produktion. Jüngsten
Schätzungen zufolge beläuft sich die weltweite
illegale Opiumproduktion auf ungefähr 3.700 Tonnen

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�- doppelt soviel wie den Schätzungen von 1986
zufolge. Das reicht aus, um 370 Tonnen reines
Heroin herzustellen.
Zweitens: Der Umfang der Produktion. Der Anbau
der Kokapflanze konzentriert sich auf eine Region
der Welt. Illegaler Opiumanbau findet auf jedem
Kontinent der Erde mit Ausnahme der Antarktis statt
und weitet sich aus. Die Ernte des führenden
Opiumherstellers von 2.575 Tonnen machte 1993
etwa 70 Prozent der weltweiten Produktion aus aber mindestens 10 weitere Länder sind bedeutende
Hersteller.
Manche dieser Produzentenländer
beteiligen sich erst seit einigen Jahren am Handel.
Drittens: Das Problem des Zugangs zur Opium- und
Heroinherstellung in entlegenden Teilen der Welt. In
Südost- und Südwestasien wird das Opium von
Stämmen oder ethnischen Gruppen produziert, die
halbautonomen, gut bewaffneten und gewalttätigen
Kriegsherren und großenteils nicht der Kontrolle
durch die Kommunalregierung unterstehen.
Viertens: Die schnell ansteigende Nachfrage nach
Heroin, die den Produktionsanreiz erhöht. Die
Drogenkonsumenten in den Produzentenländern
wechseln von Opium zu Heroin. Die Abhängigkeit
von Heroin verbreitet sich in den Transitländern und
bereitet in einigen anderen Gebieten weiterhin den
größten Anlaß zur Sorge. Wir sehen Anzeichen für
steigenden Heroinkonsum in den Ländern, in denen
bisher nur ein kleiner Teil der Bevölkerung heroinabhängig war.
Schließlich ist noch die Ausbreitung des zunehmend
komplexen Händlernetzes zu nennen, das praktisch
jeden Kontinent umspannt. Für neue Organisationen
eröffnen sich ne'ue Chancen. Einst an der Peripherie des Handels befindliche Länder spielen jetzt bei
Handel und Verteilung eine wichtige Rolle.
Der Umfang und die Komplexität des internationalen
Heroinhandels können möglicherweise die Ressourcen der internationalen Drogenbekämpfung übersteigen, wenn diese nicht gezielt eingesetzt und
sorgfältig koordiniert werden.
Die Vereinigten Staaten engagieren sich für den
größtmöglichen Einsatz multilateraler Organisationen, insbesondere des UNDCP, bei der Bekämpfung
des Heroinhandels. Die Vereinten Nationen spielen
nicht nur dabei eine Rolle, die internationale Aufmerksamkeit verstärkt auf dieses Problem zu lenken,
sondern auch bei der Koordination und Durchführung globaler, regionaler und länderspezifischer
Bestrebungen zur Verringerung der Produktion und
Weitergabe von Heroin.
Multilaterale Gruppen
spielen eine wichtige Rolle bei der Erarbeitung von

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Richtlinien zur Kontrolle des Handels mit Chemikalien, die zur Gewinnung von Heroin und anderen
Drogen verwendet werden. Diese Gruppen müssen
ebenfalls im Mittelpunkt der internationalen Koordination zur Bekämpfung von Geldwäsche stehen.
Unsere bilateralen Programme zielen darauf ab,
Institutionen zur Bekämpfung des Drogenhandels in
den wichtigsten Produzenten- und Transitländern zu
stärken, die sich für eine Kontrolle des Drogenhandels einsetzen. Unsere internationalen Programme
müssen alle auf nationaler Entschlossenheit basieren.
Wir müssen auf klaren Ergebnissen bestehen. Ich
möchte ganz offen sein. Wenn der Präsident der
Vereinigten Staaten entscheidet, daß ein wichtiges
Produzenten- oder Transitland nicht umfassend mit
uns zusammengearbeitet oder selbst angemessene
Schritte zur Kontrolle des Drogenhandels unternommen hat, werden wir unsere materielle Hilfe
kürzen und gegen die Gewährung von Darlehen
durch multilaterale Entwicklungsbanken stimmen.
Das gebietet das Gesetz, aber auch der gesunde
Menschenverstand.
Anfang dieses Jahres traf
Präsident Clinton in dieser Hinsicht die schwierigsten
Entscheidungen. Es gibt keinen Grund zu erwarten,
daß er im nächsten Jahr weniger engagiert ist.
Die Kontrolle des Anbaus bleibt ein entscheidendes
Element jeder wirksamen Strategie. Sie erfordert
großes Engagement einer Reihe von Produzentenländern in dieser Hemisphäre und in Thailand. Das
Vorgehen in diesen Ländern zeigt, daß eine Abschaffung des Anbaus von Drogenpflanzen funktionieren kann, es unterstreicht aber auch, welche für
langfristigen Erfolg erforderlichen Bedingungen
derzeit in allzu vielen entlegenen und unzugänglichen
Anbaugebieten nicht gegeben sind: Zugang der
Regierung zu der Region, Verpflichtung zu Erntekontrollen, Verfügbarkeit wirtschaftlicher Alternativen.
Ermutigend ist, daß die zentralasiatischen Staaten
jetzt erste Reaktionen auf die problematische Ausweitung des Drogenhandels in der Region zeigen.
Wir hoffen auf eine schnelle und starke Reaktion, um
diese Region vor der weiteren Ausbeutung durch
Verbrechersyndikate zu schützen, die neue Transitwege, eine Ausweitung des Anbaus und neue Märkte
anstreben.
Die neue Regierung Südafrikas sieht sich riesigen
Herausforderungen gegenüber, von denen eine
bedauerlicherweise der internationale Drogenhandel
ist. Wir teilen die Sorge Südafrikas, da wir wissen,
wie internationale Händlerringe oftmals eine Ausweitung ihrer Märkte und Transportoperationen in im
Umbruch befindliche Länder anstreben. Wir unterstützen die Bestrebungen in Südafrika, den Drogenhändlern zuvorzukommen.

Seite 3

�Herr Vorsitzender, wir sind alle mit finanziellen
Engpässen konfrontiert. Aus diesem Grund müssen
wir unsere Bestrebungen und Ressourcen koordinieren. Um Engagement in Taten umzusetzen,
müssen wir auf internationaler und nationaler Ebene
gleichermaßen Ressourcen mobilisieren. Im vergangenen Jahr unterstützte meine Regierung intensivierte Bestrebungen, um durch den systemumspannenden Aktionsplan die gesamte UNO in die Bekämpfung des Drogenhandels einzubinden, insbesondere die für Entwicklung zuständigen Unterorganisationen.
Wir sind uns bewußt, daß schon viel unternommen
wurde und möchten darauf aufbauen. Im Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen
(United Nations Economic and Social Council ECOSOC) wurde die Verbindung zwischen einer
Förderung globaler, wirtschaftlicher und sozialer
Entwicklung und der Bekämpfung des internationalen Drogenhandels unterstrichen.
Die Idee, der Drogenhandel sei eine schwere Belastung für die Wirtschaft und Lebensfähigkeit eines
Landes kann unpopulär und unkonventional erscheinen. Die Drogenherstellung verlagert sich, gefördert
durch den Mangel an ökonomischen Alternativen,
jedoch zunehmend in einige der ärmsten, am wenigsten entwickelten und entlegendsten Teile der Welt.
Und mit zunehmendem Anstieg der Drogenherstellung in diesen Gebieten fassen auch die problematischen Begleiterscheinungen Drogenmißbrauch,
Kriminalität und Gewalt Fuß und breiten sich aus.
Die sozialen Konsequenzen des Drogenhandels und
-mißbrauchs unterminieren die vom Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (United Nations
Development Program - UNDP), der Ernährungsund Landwirtschaftsorganisation der Vereinten
Nationen (Food and Agriculture Organization of the
United Nations - FAO), der Weltbank sowie weiteren
Organisationen geförderten und finanzierten Entwicklungsprogramme.
Der ECOSOC unterstrich die Pflicht jedes Mitglieds
der internationalen Staatengemeinschaft zu gewährleisten, daß Ziele im Bereich der Entwicklung und
der Drogenbekämpfung gleichermaßen gefördert
werden. Meine Regierung hat damit begonnen,
multilaterale Entwicklungsbanken in ernsthafte
Initiativen zur Bekämpfung des Drogenhandels

*

Seite 4

*

einzubinden. Als großenteils unerschlossene Ressource können diese Organisationen eine wertvolle
Rolle bei der Unterstützung tragfähiger Entwicklungsprogramme spielen, die Einkommens- und
Beschäftigungsalternativen zur Drogenherstellung
bieten. Diese Initiativen können jedoch nur dann zu
einer Verminderung der Gefahr durch Suchtstoffe
führen, wenn sie von glaubwürdigen Maßnahmen im
Bereich der Strafverfolgung begleitet werden.
Die Weltbank und andere Geberinstitutionen zeigen
zunehmende Bereitschaft zur Unterstützung der
Drogenbekämpfung. Es ist an der Zeit, daß die
Mitgliedstaaten diese Programme fördern und auf
bilateraler Ebene und im Rahmen der leitenden
Behörden solche Hilfe erbitten. Wir ermutigen die
wichtigsten Länder, die Opium herstellen und Kokapflanzen anbauen, Vorschläge zur Nutzung dieser
Hilfe zu unterbreiten.

1

,

Schließlich möchte meine Regierung auf ein Anliegen
hinweisen, das vom geschäftsführenden Direktor des
UNDCP, Giacomelli, formuliert wurde. Die Mitgliedstaaten fordern die Vereinten Nationen zur Übernahme einer größeren Rolle auf und stellen gleichzeitig weniger Mittel zur Verfügung. Wir können nicht
eine relativ kleine Anzahl von Regierungen bitten, für
ein weltweites Problem zu zahlen. Das UNDCP sieht
sich 1995 mit einem Haushaltsdefizit konfrontiert. Wir
fordern die Mitgliedstaaten dringend auf, eine Erhöhung ihrer freiwilligen Beiträge für das UNDCP in
Erwägung zu ziehen.
Herr Vorsitzender, es gibt keine einfache Lösung für
das weltweite Drogenproblem. Meine Regierung ist
der festen Überzeugung, daß die Vereinten Nationen
nicht bloß eine Einrichtung zur Friedensschaffung und
-Sicherung sind. Sie sind ein Forum für die Konfrontation mit den Feinden der Demokratie. Wenn wir
diesen Ort heute verlassen, sollten wir fest dazu
entschlossen sein, den internationalen Drogenhandel
und -mißbrauch zu verurteilen. Dieser Entschlossenheit sollten in den führenden Gremien der UNOProgramme und den multilateralen Entwicklungsbanken, zur Unterstützung des UNDCP sowie unserer
Innenpolitik Taten folgen. Es steht für uns zuviel auf
dem Spiel, als daß wir es uns leisten könnten, uns
von diesen wichtigen internationalen Bestrebungen
zur Bekämpfung von Drogenhandel und -mißbrauch
zurückzuziehen.

*

*

AMERIKA DIENST 45

,

t

�WIRTSCHAFT
17. November 1994

Korrektur
Dem aufmerksamen Leser dürfte bei der Lektüre des Artikels von Finanzminister Lloyd Bentsen "Warum das
Haushaltsdefizit? Der finanzielle 'Kater' aus den achtziger Jahren" in der Ausgabe 44 des Amerika Dienst
klargewesen sein, daß es sich bei den Angaben von Billiarden Dollar um Billionen und bei den Billionen um
Milliarden Dollar handelt.

AMERIKA DIENST 45

Seite 1

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Bosnien&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA fordern Aufhebung des Waffenembargos gegen Bosnien&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafterin Albright&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Kongresswahlen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton sagt Zusammenarbeit mit neuem Kongress zu&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Präsidenten bei Pressekonferenz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Frustration der Wähler war Schlüsselfaktor bei Wahlergebnis&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Analyse der Wahlen zum amerikanischen Kongreß&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Pläne der Republikaner&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Zusammenarbeit erforderlich&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Kriegsverbrechen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA unterstützt Kriegsverbrechertribunal für Ruanda&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Botschafterin Albright vor dem UN-Sicherheitsrat&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Drogen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA warnen vor wachsendem Drogenproblem&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Abteilungsleiter Gelbard&lt;/em&gt;</text>
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United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

300

Information
und
Dokumentation

T e l e x : 0 8 - 8 5 4 32

Nummer 4 8

17. Dezember 1973

Inhalt

DOKUMENTATION
Kissinger: Die erfolgreichste Partnerschaft in der Geschichte bewahren
- Rede des US-Außenministers vor der Pilgrims Society in London -

UNSERE NÄCHSTE AUSGABE ERSCHEINT AM 16. JANUAR
WIR WÜNSCHEN ALLEN UNSEREN BEZIEHERN EINE
GESEGNETE WEIHNACHT
UND EIN
ERFOLGREICHES NEUES JAHR

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�• amerika dienst
i

United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

8 9 - 3 2 4 0

I n f o r m a t i o n

G o d e s b e r g

Service

1, Postfach

Dokumentation

300

T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

48/1973

KISSINGER: DIE ERFOLGREICHSTE PARTNERSCHAFT IN DER GESCHICHTE BEWAHREN
- Rede des US-Außenministers vor der Pilgrims Society in London -

LONDON - (AD) - Der amerikanische Außenminister, Dr. Henry Kissinger,
hat in einer vielbeachteten Rede vor der Pilgrims Society in London am
12. Dezember die "Pflicht und das Selhstinteresse" der atlantischen Verbündeten unterstrichen, "die erfolgreichste Partnerschaft in der Geschichte
zu bewahren". Gleichzeitig schlug Dr. Kissinger vor, daß die Vereinigten
Staaten, das übrige Nordamerika, Europa und Japan eine "Energie-Aktionsgruppe" bilden, die innerhalb von drei Monaten ein Programm für die Zusammenarbeit bei der Lösung des Energieproblems ausarbeiten soll.

Die Rede des amerikanischen Außenministers hat folgenden Wortlaut:

"Ich bin sehr dankbar für die Gelegenheit, heute abend zu Ihnen sprechen
zu können, denn wie die meisten Amerikaner erfaßt mich eine Mischung von
Stolz und Beklemmung, wenn ich eingeladen werde, vor einem britischen Publikum zu sprechen. In meinem besonderen Fall, und dies fällt keinesfalls
auf diese hochverehrte Versammlung hier zurück, ist es wahrscheinlich mehr
Beklemmung als Stolz, denn es geht kein Weg daran vorbei - und das kann jeder
hören - daß meine Vorfahren die Mayflower um einige 300 Jahre verpaßt haben.

Unsere beiden Völker sind enger miteinander verbunden als irgend zwei
andere Nationen in der modernen Geschichte - ob in Kultur und Wirtschaft, ob
- 1 -

�ob in Frieden oder Krieg. Wir haben manchmal Meinungsverschiedenheiten gehabt, aber das beherrschende Thema unserer Beziehung in diesem Jahrhundert
sind enges Bündnis und gewaltige schöpferische Leistungen.

Als das Atlantische Bündnis die Schaffung einer ständigen politischen
Körperschaft erwog, hat im Jahre 1950 mein großer Vorgänger Dean Acheson
vor dieser Gesellschaft gesprochen. In Beschreibung der Geburtswehen stellte
Acheson fest, daß eine 'seltsame und verwirrende Dissonanz die transatlantischen Frequenzen überlagere.' Aber so fügte er hinzu 'diese Dissonanz entspringt eben dem Bewußtsein, daß schwierige Entscheidungen getroffen werden
müssen und daß sie ein Teil dieses EntScheidungsprozesses ist'.

Heute befinden sich Amerika und Westeuropa wieder in einem Augenblick
großer Verheißung und offensichtlicher Schwierigkeit - in einem Augenblick
erneuter Anstrengungen zur Einheit und alter Probleme, die trennen. Es ist
für uns alle, die wir die gemeinsam aufgebaute Partnerschaft schätzen, eine
Zeit der Hoffnung und der Sorge. Heute stehen wir und Europa wie 1950 vor
der Notwendigkeit, der Chance und dem Dilemma der grundlegenden Entscheidung.

Das Jahr Europas
Da ein historisches und vertrautes Verhältnis zwischen uns besteht,
möchte ich heute abend in aller Offenheit über das sogenannte 'Jahr Europas'
sprechen - über die Schwierigkeiten des Jahres 1973 und über die Möglichkeiten
des Jahres 1974 und darüber hinaus.

Im April dieses Jahres ersuchte mich der Präsident, den Vorschlag zu
machen, daß Europa und die Vereinigten Staaten sich gemeinsam um eine Neubelebung unserer Partnerschaft bemühen. Er tat dies, weil es auf der Hand lag,
daß die Voraussetzungen, auf denen sich das Bündnis gründete, durch die Ereignisse überholt waren.

- Die

�»

- Die wirtschaftliche Stärke Europas, sein politischer Zusammenhalt
und sein neues Vertrauen - die monumentalen Leistungen westlicher Einheit haben ein Verhältnis radikal geändert, das ursprünglich in einer Zeit der
Schwäche Europas und der Vorherrschaft Amerikas geformt worden war.

- Das nukleare Monopol Amerikas ist einer nuklearen Parität gewichen,
wodurch völlig neue Probleme der Verteidigung und der Abschreckung geschaffen
wurden - Probleme, die eine umfassende Überprüfung unserer Verteidigungserfordernisse sowie des verhältnismäßigen Beitrags hierzu seitens der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten erfordern.

- Die verminderte Konfrontation zwischen Ost und West bietet neue Hoffnung für ein Nachlassen der Spannungen sowie für neue Chancen einer kreativen
Diplomatie.
- Es ist völlig klar geworden, daß die großen industrialisierten Demokratien - Japan, Europa und Nordamerika - nur auf Kosten ihrer Prosperität
und ihrer Partnerschaft verschiedene Wege verfolgen können.

Diese historischen Veränderungen erfolgten in einem ganz und gar veränderten psychologischen Klima im Westen. Die nächste Generation der führenden
Männer in Europa, Kanada und Amerika wird weder die persönliche Erinnerung
noch die emotionellen Verpflichtungen gegenüber dem Atlantischen Bündnis besitzen, wie die Gründer des Bündnisses. Ja, es ist heute so, daß eine Mehrheit auf beiden Seiten des Atlantik nie die Drohung kennengelernt hat, die
zur Gründung des Bündnisses führte, oder je das Gefühl des Erfolges empfunden
hat, das mit seinem stetigen Wachstum verbunden war. Ja, es ist heute so, daß
sich in den Vereinigten Staaten über 40 Senatoren immer wieder für eine massive,
einseitige Reduzierung der amerikanischen Streitkräfte in Europa aussprechen.
Ja, es ist heute so, daß manche Europäer der Ansicht sind, daß ihre Identität
an ihrer Distanz zu den Vereinigten Staaten gemessen werden sollte. Auf beiden Seiten des Atlantik sehen wir uns der anomalen - und gefährlichen - Situation gegenüber, daß die öffentliche Meinung außenpolitische Erfolge in zunehmendem Maße mit einem Ausbau der Beziehungen zu unseren Gegnern identifi- 3-

�identifiziert, während die Beziehungen zu unseren Veröühdeten durch Hader
und ein Auseinanderstreben gekennzeichnet zu sein scheinen.

Es besteht also die echte Gefahr einer allmählichen Unterhöhlung der
Atlantischen Gemeinschaft, die 25 Jahre lang ihren Nationen den Frieden bewahrt und ihren Völkern Prosperität beschert hat. So schien eine größere Anstrengung zur Erneuerung der atlantischen Beziehungen und zur Vertiefung
unserer Freundschaft in einem neuen schöpferischen Akt dringend erforderlich.
Wir hofften, daß das Drama der großen Demokratien in ihrem erneuten Engagement um die Definition einer gemeinsamen Zukunft unsere atlantische Partnerschaft mit neuen emotionellen und geistigen Kräften erfüllen würde. Dies war
die Wurzel der Initiative, die man dann 'das Jahr Europas1 nannte.

Lassen Sie mich jetzt gewisse falsche Vorstellungen über die amerikanischen
Absichten ausräumen:

- Die Initiative des Präsidenten kam nach sorgfältigen Vorbereitungen
zustande. In all unseren Gesprächen mit zahlreichen europäischen Führern im
Winter und Frühjahr 1972/73 bestand Übereinstimmung darüber, daß die atlantischen Beziehungen der dringenden Aufmerksamkeit bedürften, um die Möglichkeit eines wachsenden Argwohns und einer Entfremdung zwischen Europa und
Amerika zu verhindern.

- Wir akzeptieren nicht die Vorstellung, daß die Stärkung der atlantischen
Einheit und die Definition einer europäischen Identität miteinander unvereinbar seien. Diese beiden Prozesse haben einander von Anfang an gestärkt und
können dies auch in Zukunft tun. Die Vereinigten Staaten haben immer wieder
und ausdrücklich die europäische Entscheidung begrüßt, eine unabhängige Identität in allen Dimensionen - politisch wie wirtschaftlich - zu schaffen. Ja,
wir haben seit langem - und beharrlicher als viele Europäer - das Ziel eines
politischen Zusammenschlusses unterstützt.

- Wir haben nicht die Absicht, die internationale Rolle Europas auf regionale Fragen zu beschränken. Aus unserer Sicht sollte die europäische Eini-

�Einigung Europa in den Stand setzen, weitergefaßte Ve ranuwortlichkeiten
den Weltfrieden zu übernehmen, die schließlich nur zum gemeinsamen Interesse
beitragen können. Die amerikanische Initiative sollte Europas neue Stellung
auf der Weltbühne wie auch innerhalb der nordatlantischen Gemeinschaft herausheben.

- Eine umfassende Überprüfung aller Aspekte unseres Verhältnisses - wirtschaftlich, politisch und militärisch - ist unbedingt erforderlich. Es ist
eine Tatsache, daß unsere Truppen sich als eine lebenswichtige Komponente der
gemeinsamen Verteidigung in Europa befinden. Es ist ferner eine Tatsache, ja
in der Tat schon ein Allgemeinplatz, daß sowohl politische, militärische als
auch wirtschaftliche Faktoren zu unserem Verhältnis gehören. Unserer Meinung
nach ist die These von der alles durchdringende Natur unserer Interdependenz
kein Instrument für eine gegenseitige Erpressung. Im Gegenteil, sie ist die
Rechtfertigung für schlichtende Lösungen. Denn die spezialisierten Interessen
der Experten und Techniker haben ein Eigenleben und sind von engen nationalen
oder gar sektiererischen Vorurteilen getragen. Der Zweck unserer Initiative
bestand darin, diese trennenden Einstellungen zu überwinden, indem die höchsten
zuständigen Stellen in jedem Lande auf den Grundsatz verpflichtet werden, daß
unser gemeinsames und höchstes Interesse in einer weitgefaßten Zusammenarbeit
liegt.

Die europäische Identität

Seit April dieses Jahres hat Europa große Fortschritte in Richtung auf
die Einheit gemacht - insbesondere hinsichtlich der politischen Koordination.
Die Vereinigten Staaten haben diesen Prozeß nachdrücklich unterstützt. Aber
als alte Freunde sind auch wir empfindlich hinsichtlich dessen, was dieser
Prozeß bezüglich der traditionellen Bindungen bedeutet, die unserer Ansicht
nach weiterhin entscheidend wichtig für das gemeinsame Interesse sind.

Die Einigung Europas darf nicht auf Kosten der atlantischen Gemeinschaft
erfolgen, oder beide Seiten des Atlantik werden darunter leiden. Das bedeutet

- 5-

�bedeutet nicht, daß wir wegen der schwerfälligen Maschinerie des entstehen
Europas ungeduldig wären. Es ist vielmehr die Tendenz, statt der Einheit mit
uns die Spaltung herauszustellen, die uns mit Sorge erfüllt.

Ich wäre nicht aufrichtig, wurde ich unser Unbehagen über einige der
kürzlichen Praktiken der Europäischen Gemeinschaft auf politischem Gebiet verbergen. Wollte man uns die Entscheidungen eines sich einigenden Europas als
fait accompli präsentieren, ohne daß man nutzotingend darüber sprechen könnte,
dann wäre dies nicht im Sinne der Tradition der amerikanisch-europäischen Beziehungen.

Dies mag als eine merkwürdige Beschwerde seitens eines Landes erscheinen,
das wiederholt beschuldigt worden ist, selbst Maßnahmen zu ergreifen, ohne vorher in angemessener Weise seine Verbündeten konsultiert zu haben. Es besteht
kein Zweifel daran, daß die Vereinigten Staaten zuweilen nicht genügend oder
angemessene Konsultationen gepflogen haben - vor allem in Situationen, die
sich rasch veränderten. Aber wir tun dies keineswegs gerne, sondern dies ist
ein Abweichen von der offiziellen Politik und der etablierten Praxis und erfolgt eigentlich nur unter dem Druck der Notwendigkeit. Demgegenüber scheint
die Haltung des sich einigenden Europas darin zu bestehen, zu versuchen, die
Verweigerung der Konsultation zu einem Prinzip der Definition der europäischen
Identität zu erheben. Nach den jüngsten Erfahrungen zu urteilen, wird eine
Konsultation mit uns vor einer Entscheidung ausgeschlossen, und eine Konsultation post festum wird praktisch gegenstandslos. Denn dann ernennt Europa einen
Sprecher, der bevollmächtigt ist, uns über die getroffenen Entscheidungen zu
informieren, der aber nicht die Vollmacht hat, zu verhandeln.

Wir haben nichts gegen einen gemeinsamen Sprecher, wir sind aber der
Meinung, daß den Vereinigten Staaten als einem alten Verbündeten die Möglichkeit gegeben werden sollte, ihre Besorgnisse zum Ausdruck zu bringen, ehe endgültige, ihre Interessen berührende

Entscheidungen getroffen werden. Und es

sollte nicht zugelassen werden, daß bilaterale Kanäle der Diskussion und der
Verhandlung austrocknen - zumindest nicht, bevor die europäische politische
Einheit voll verwirklicht worden ist. Würde man den natürlichen Dialog durch

�durch extrem formalistische Verfahren ersetzen, würden damit abrupt enge
und unantastbare Bindungen des Vertrauens und der Kommunikation zerstört
werden, die über Jahrzehnte hinweg entwickelt wurden und unseren gemeinsamen
Zielsetzungen gute Dienste geleistet haben.

Die Vereinigten Staaten sind sich sehr wohl über die Probleme einer Übergangsperiode im klaren, da Europa sich jetzt zur Einheit hin entwickelt. Wir
begreifen die Schwierigkeiten der ersten zögernden Schritte der politischen
Koordination. Aber wir können nicht gleichgültig gegenüber der Tendenz sein,
die europäische Identität als Mittel zur Förderung der Isolierung von den Vereinigten Staaten zu rechtfertigen - die europäische Einheit steht unserer
Meinung nach nicht im Widerspruch zur atlantischen Einheit.

Wir unsererseits werden keine Anstrengung scheuen, um die kooperativen
Beziehungen mit einem sich einigenden Europa zu stärken, um die Gemeinsamkeit
unserer Ideale zu bekräftigen und um das atlantische Verhältnis neu zu beleben. Das war der Sinn und Zweck unserer Initiative vom April dieses Jahres.
Dies bleibt das zentrale Ziel unserer Außenpolitik.

Die gemeinsame Aufgabe

In dieser Woche kommen die führenden Männer der Europäischen Gemeinschaft zusammen. Sie werden über das Wesen einer europäischen Einheit sprechen.
Und sie werden ohne Frage zu gemeinsamen Politiken und Standpunkten gelangen.
Lassen Sie mich angesichts dieser wichtigen Konferenz den Standpunkt der Vereinigten Staaten umreißen.

- Die Entspannung ist ein Gebot der Stunde. In einer von der Gefahr der
nuklearen Katastrophe überschatteten Welt gibt es keine vernünftige Alternative zu dem Streben nach einem Abbau der Spannungen. Aber wir müssen aufpassen, daß das Streben nach Entspannung nicht die Freundschaften untergräbt,
die die Entspannung möglich machen.
- Die
- 7 -

�- Die gemeinsame Verteidigung ist eine Notwendigkeit. Wir rrüssen bereit
sein, uns an sich verändernde Verhältnisse anzupassen und Lasten gleichmäßig
zu verteilen. Wir brauchen eine Definition der Sicherheit, hinter die sich
unsere Völker stellen können und die unsere Gegner in einer Periode verringerter Spannungen respektieren werden.

- Die europäische Einheit ist eine Realität. Die Vereinigten Staaten
begrüßen und unterstützen sie in all ihren Dimensionen, ob politisch oder
wirtschaftlich. Wir sind der Überzeugung, daß diese Einheit dergestalt sein
muß, daß sie nicht mehr rückgängig gemacht werden kann und daß sie die transatlantischen Bindungen stärken muß.

- Die wirtschaftliche Interdependenz

ist eine Tatsache. Wir müssen das

Paradoxon wachsender gegenseitiger Abhängigkeit und sprießender nationaler
und regionaler Identitäten auflösen.

Wir sind entschlossen, den konstruktiven Dialog mit Westeuropa fortzusetzen. Wir haben keine entgültigen Antworten dargeboten - die Weisheit Europas ist uns willkommen. Wir sind der Überzeugung, daß diese Chance nicht so
bald wiederkehren wird.

Wollen wir uns also erneut der Vollendung der Aufgabe der Erneuerung
der atlantischen Gemeinschaft verschreiben.

Lassen Sie uns als erstes die vorliegende Arbeit vollenden - wollen wir
uns auf eine Reihe von Deklarationen einigen, die dem Anlaß entsprechen, damit
sie unseren Regierungen als Tagesordnung und unseren Völkern als Beispiel und
Inspiration dienen mögen.

Lassen Sie uns als zweites dann diese Deklarationen in praktischen und
sichtbaren Fortschritt umsetzen. Wir werden unser gegenseitiges Vertrauen
wiederherstellen, wenn unsere Politiken unsere gemeinsamen Zielsetzungen zu
unterstützen beginnen, statt gegen sie zu wirken. Wollen wir uns doch rasch
daranmachen, den Prozeß der Konsultation in beiden Richtungen zu verbessern.

- 8-

�verbessern. Die amerikanische Regierung hat in dieser Hinsicht auf der kürzlichen Tagung der Außenminister im Nordatlantikrat konkrete Vorschläge unterbreitet.

Lassen Sie uns aber auch nicht vergessen, daß selbst die beste Konsultationsmaschinerie den gemeinsamen Blick und gemeinsame Ziele nicht ersetzen
kann: Sie kann nicht an die Stelle des ganzen Gewebes oft nicht greifbarer
Verbindungen treten, die die eigentliche Seele der transatlantischen und vor
allem der anglo-amerikanischen Beziehungen gewesen sind. Wir müssen aufpassen,
daß wir, wenn wir die europäische Einheit in einem zu legalistischen Sinne definieren, nicht das verlieren, was unser Bündnis so einzigartig werden ließ:
daß nämlich im tiefsten Sinne Europa und Amerika einander nicht als fremde
Einheiten betrachten, die sich auf dem Wege traditioneller Diplomatie begegnen,
sondern als Mitglieder einer größeren Gemeinschaft, die manchmal schmerzlich
aber letztlich immer kooperativ in einem gemeinsamen Unterfangen engagiert
ist. Das Treffen, zu dem mich die Außenminister der Gemeinschaft freundlicherweise eingeladen haben, stellt einen bedeutsamen Schritt vorwärts in der Wiederherstellung dessen dar, was im transatlantischen Dialog nicht greifbar ist.

Wollen wir den falschen Argwohn hinter uns lassen. Der Präsident hat im
Kongreß nicht so hart um unsere Truppen in Europa, um eine starke Verteidigung,
um ein versöhnliches Handelsgesetz, um die Unterstützung für Verbündete in
der ganzen Welt gekämpft - er ist nicht für eine so kontinuierliche Konsultation über SALT und die Ausarbeitung gemeinsamer Standpunkte zu MBFR eingetreten
- er hat sich den Herausforderungen bei Krisen in der ganzen Welt nicht so
nachdrücklich gestellt - um plötzlich die Sicherheit Westeuropas auf dem Altar
eines Kondominiums zu opfern. Unser Schicksal - so wie auch die volle Stärke
unserer Militärmacht - ist unlösbar mit dem Ihrigen verbunden.

Wenn wir in die Zukunft blicken, dann können wir uns Aufgaben vorstellen,
im Vergleich zu denen unsere gegenwärtigen Dispute trivial sind. An die Stelle
der Struktur der unmittelbaren Nachkriegsjähre tritt ein neues internationales
System. Die Außenpolitiken Chinas und der Sowjetunion befinden sich in einer
Periode des Übergangs. Westeuropa ist auf dem Wege zur Einigung. Neue Nationen
- 9 -

�Nationen suchen ihre Identität und eine angemessene tolle. Heute ändern sich
selbst wirtschaftliche Beziehungen rascher als die Strukturen/denen sie entsprungen sind. Wir, Europa, Kanada und Amerika, haben nur zwei Alternativen:
Zusammen schöpferisch oder auseinander unbedeutend zu sein.

Nahost und Energie

Die Nahostkrise zeigt uns, wie wichtig es ist, das Langfristige vom Kurzlebigen zu unterscheiden. Die Meinungsverschiedenheiten der letzten Monate resultierten nicht so sehr aus einem Mangel an Konsultation, als aus einer unterschiedlichen Vorstellung in den drei entscheidenden Fragen: Handelt es sich
bei dem Krieg in erster Linie um einen lokalen Konflikt oder hatte er weiterreichende Bedeutung? Ist Die Energiekrise in erster Linie durch den Krieg verursacht worden oder hat sie tiefere Ursachen? Kann unsere gemeinsame Energiekrise anders gelöst werden als durch kollektives Handeln?

Was die Natur des Nahostkonfliktes angeht, so ist es nur fair zu sagen,
;

wie zahlreiche Europäer,einschließlich Ihres Außenministers, es getan haben,
daß die Vereinigten Staaten vor dem Krieg nicht alles in ihrer Kraft stehende
getan haben, um eine dauerhafte Lösung im Nahen Osten zu fördern. Nachdem der
Krieg begonnen hatte, zeigten die Vereinigten Staaten große Zurückhaltung, bis
die sowjetischen Anstrengungen den Punkt einer massiven Intervention erreichten.
Nachdem dies geschehen war, war die Frage, ob der Westen irgendeinen Einfluß
behalten würde, um zur Gestaltung der politischen Zukunft eines Gebietes beizutragen, von dem Europa noch entscheidender abhängig ist als die Vereinigten
Staaten. Wir engagierten uns in dem Bemühen, den Nachschub wieder aufzufüllen,
keine Partei in dem Konflikt zu ergreifen, sondern die Möglichkeit zu wahren,
daß nach dem Krieg das Ziel einer gerechten, dauerhaften Lösung angestrebt
werden kann, zu der uns einige unserer Verbündeten seit 1967 ständig gedrängt
hatten.

Gleichzeitig müssen wir uns die tieferen Ursachen der Energiekrise vor
Augen halten; sie ist nicht einfach nur ein Ergebnis des arabisch-israelischen

- 10 -

�arabisch-israelischen Krieges, sie ist die unvermeidliche Konsequenz des explosiven Anwachsens der weltweiten Nachfrage, die den Anreiz zum Angebot tibersteigt. Der Nahostkrieg ließ zwar eine chronische Krise akut werden, aber eine
Krise wäre in jedem Fall eingetreten. Selbst wenn der Vorkriegsproduktionsstand wieder erreicht wird, wird das Problem bestehen bleiben, den Stand des
Öls, das die Welt produziert, mit dem Stand des Verbrauchs in Einklang zu
bringen.

Die einzige langfristige Lösung besteht in einer massiven Bemühung, den
Produzenten einen Anreiz zu bieten, ihr Angebot zu vergrößern, die Verbraucher
zu ermutigen, die vorhandenen Vorräte rationeller zu nutzen

und weitere

Energiequellen zu entwickeln.

Das ist eine Aufgabe, die die Vereinigten Staaten alleine nur mit großen
Schwierigkeiten und die Europa isoliert überhaupt nicht lösen könnte. Wir bevorzugen mit allem Nachdruck - und Europa braucht - eine gemeinsame Anstrengung.
Zu diesem Zweck haben die Vereinigten Staaten vorgeschlagen, daß die Länder
Europas, Nordamerikas und Japan

eine Energie-Aktionsgruppe bilden,der erfahrene

und angesehene Persönlichkeiten angehören, die den Auftrag erhalten, innerhalb
von drei Monaten ein erstes Aktionsprogramm für die Zusammenarbeit auf allen
Gebieten des Energieprogramms zu entwickeln. Wir würden es den Neun überlassen,
ob sie es vorziehen, als Europäische Gemeinschaft daran teilzunehmen.

Die Sicherstellung der erforderlichen Energieversorgung zu vernünftigen
Preisen würde das Ziel dieser Gruppe sein. Sie würde allgemeine Grundsätze
der Zusammenarbeit definieren

und sie würde Maßnahmen auf spezifischen Gebieten

einleiten:

- Energie durch eine rationellere Nutzung der bestehenden Vorräte einzusparen;
- die Entdeckung und Erschließung neuer Energiequellen zu fördern;
- den Produzenten einen Anreiz zur Erhöhung des Angebots zu geben;
- ein Internationales Forschungsprogramm zur Entwicklung neuer Techno- 11 -

�Technologien zu koordinieren, durch die Energie wirksamer genutzt wird und
die Alternativen zum Öl bieten.

Die vereinigten Staaten wären bereit, ihre speziellen Erfahrungen auf
solchen Gebieten wie der Erschließung des Meeresbettes beizutragen.

Die Energie-Aktionsgruppe sollte keine exklusive Verbraucherorganisation
sein. Die ölproduzierenden Länder sollten aufgefordert werden, ihr von Anfang
an beizutreten, da es um Fragen gemeinsamen Interesses geht. Das Problem, angemessene Möglichkeiten für die Entwicklung zu finden, sowie die Investition
der Einkünfte aus dem Verkauf von Energieträgem dürften ein besonders wichtiges Gebiet der Zusammenarbeit zwischen Verbraucher und Produzenten sein.

Als ein Beispiel dafür, welche Aufgabe die Energie-Aktionsgruppe zu bewältigen hätte, würde ich das Gebiet der Urananreicherung für die Nutzung in
Kernkraftreaktoren anführen. Wir wissen, daß die Kraftwerke ihre Versorgung
zu möglichst geringen Kosten sicherstellen möchten. Wir wissen, daß europäische
Länder und Japan ihre eigenen Einrichtungen zur Produktion zumindest eines
Teils ihres Bedarfs an angereichertem Uran besitzen möchten. Solche Anlagen
erfordern gewaltige Kapitalinvestitionen. Was könnte also vernünftiger sein
als eine gemeinsame Planung, um sicherzustellen, daß die knappen Hilfsquellen
nicht durch unnötige Überschneidungen vergeudet werden?

Die Vereinigten Staaten sind bereit, einen sehr bedeutsamen finanziellen
und wirtschaftlichen Beitrag zu dem Ziel zu leisten, das Energieproblem auf
einer gemeinsamen Basis zu lösen. Es gibt kein technisches Problem, das die
großen Demokratien nicht gemeinsam lösen könnten - wenn sie nur den Willen
und den Einfallsreichtum aufbringen können.

Die Energiekrise des Jahres 1973 kann das wirtschaftliche Äquivalent zur
Sputnik-Herausforderung des Jahres 1957 werden. Das Ergebnis kann das gleiche
sein. Nur könnte dieses Mal der Riesenschritt für die Menschheit darin bestehen
daß Amerika und seine engsten Partner ihn gemeinsam zum Nutzen der ganzen
Menschheit tun.
Wir
- 12 -

�Wir haben aus Pflicht und Selbstinteresse allen Grund, die erfolgreichste
Partnerschaft in der Geschichte zu bewahren. Die Vereinigten Staaten haben
sich verpflichtet, die atlantische Gemeinschaft zu einer lebenswichtigen positiven Kraft für die Zukunft zu machen, wie sie dies in der Vergangenheit
gewesen ist. Was jüngst noch als selbstverständlich hingenommen wurde, muß
jetzt erneuert werden. Das ist keine amerikanische Herausforderung an Europa,
das ist die Herausforderung der Geschichte an uns alle.

Großbritannien befindet sich unserer Ansicht nach in einer einzigartigen
Position. Wir begrüßen Ihre Mitgliedschaft in der Europäischen Gemeinschaft
- cbwchl die Lockerung einiger unserer alten Bindungen manchmal schmerzhaft
gewesen ist. Aber Sie können einen weiteren historischen Beitrag leisten, indem Sie mithelfen, daß zwischen den Vereinigten Staaten und einem sich einigenden Europa dasselbe besondere Vertrauen und das enge Verhältnis entwickelt wird,
das unseren beiden Ländern über Jahrzehnte hinaus von so großem Nutzen gewesen
ist. Wir sind bereit, einem sich einigenden Europa ein 'besonderes Verhältnis'
anzubieten, denn wir sind der Ansicht, daß die Einheit der westlichen Welt
von entscheidender Bedeutung für das Wohlergehen aller ihrer Bestandteile ist.

In seinen Memoiren beschrieb Außenminister Acheson den Ablauf seines Besuches in London im Frühjahr 1950. Er beschrieb dort die Forderung seiner Zeit
nach einem 'Willensakt', eine 'Entscheidung,etwas zu tun'

und zwar zu einem

kritischen Zeitpunkt.
Wir fordern einen weiteren Willensakt - die Entschlossenheit, taktische
Streitigkeiten und legalistische Vorurteile zu überwinden und zum Gestalter
unseres eigenen Geschickes zu werden. Wir hier in diesem Raum haben ein reiches
Erbe an Vertrauen und Freundschaft übernommen. Wenn wir uns selbst treu bleiben,
dann steht es in unserer Macht, dieses Erbe auf ein vereintes Europa zu übertragen und es - bereichert und noch wertvoller - an nachfolgende Generationen
weiterzugeben."
+ + + + +

- 13 -

�</text>
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                <text>Amerikadienst 17.12.1973</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kissinger: Die erfolgreichste Partnerschaft in der Geschichte bewahren&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des US-Außenministers vor der Pilgrims Society in London -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;</text>
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Dokumentation

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17.

25

Dezember 1975

Inhalt
INFORMATION:
Labor- und Analysengeräte
-Ausstellung und Fachtagung im US-Handelszentrum Frankfurt am Main-

WIRTSCHAFT:
US-Unterstaatssekretär erläutert Bestimmungen über Gegenzölle
-Interview mit dem USIA-Korrespondenten John J. HarterWorum es bei den multilateralen HandelsVerhandlungen in Genf geht
Von Frederick B. Dent - Sonderbeauftragter Präsident Fords für
hundelsverhandlungen

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Probleme der Luftreinhaltung
-Auch die Natur trägt zur Verschmutzung bei
Vorsorgeuntersuchung an der Stratosphäre
-Explorer 55 soll Veränderungen der Ozonschicht erfassen-

Um

Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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25/1975

LABOR - UND ANALYSENGERÄTE
- Ausstellung und Fachtagung im US-Handelszentrum Frankfurt am Main Vom 27.-30. Januar 1976 stellen amerikanische Firmen im Rahmen einer Ausstellung "Labor- und Analysengeräte" ihre neuesten Entwicklungen auf diesem
Sektor dem deutschen Fachpublikum vor.
Fortschrittliche Technologien in allen Industriezweigen Deutschlands,
verstärkte Investitionen für Projekte, die von der öffentlichten Hand getragen oder unterstützt werden und nicht zuletzt der günstige Dollarkurs tragen
dazu bei, daS die amerikanischen Hersteller eine faire Chance haben, einen
erhöhten Anteil am expandierenden deutschen Markt für nicht-automatische,
automatische sowie computergesteuerte Laborinstrumente zu erringen.
Von dem deutschen Markt für Laborinstrumente, der im Jahre 1974 rund
217 Millionen Dollar ausmachte, wurden 48 Prozent durch Importe gedeckt. Der
amerikanische Importanteil beträgt bisher 35 % oder 15 % des Gesamtmarktes
(rund 33 Millionen Dollar).
Die jährliche Zuwachsrate auf dem Laborinstrumenten-Sektor betrug zwischen 1972 und 1974, lach Markterhebungen des US Department of Commerce,
15 %. Für die Jahre i975 bis 1979 wird sie voraussichtlich bei 5 tfespektive

- 1 -

�respektive 6 % liegen.
Das Produktspektrum, welches auf dieser Ausstellung vorgestellt wird,
umfaßt: Gaschromatographen, Flüssigkeitschromatographen, Massenspektrometer,
NMR-Spektrometer, pH-Meßgeräte, Thermoanalysatoren, automatische Analysatoren,
Röntgenanalysatoren, Sauerstoffanalysatoren, Spektrophotometer, Spektrumanalysatoren, Laborzentrifugen sowie Minicomputer.
Angeschlossen an die Ausstellung ist ein Seminar, dessen genauer Zeitpunkt noch bekanntgegeben wird.

Weitere Informationen und komplette Programme durch:
US-Handelszentrum, 6 Frankfurt/Main, Bockenheimer Landstraße 2/4, Tel
0611 72 08 Ol, Telex: 416535

XXX

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25/1975

US-UNTERSTAATSSEKRETÄR ERLÄUTERT BESTIMMUNGEN OBER GEGENZÖLLE
- Interview mit dem USIA-Korrespondenten John J. Harter -

WASHINGTON --(AD)-- Der Unterstaatssekretär im US-Finanzministerium, David
R.Macdonald hat in einem kürzlich veröffentlichten Interview mit dem USIAKorrespondenten John J. Hartler die Bestimmungen des neuen amerikanischen
Handelsgesetzes von 1974 über Gegenzölle sowie Anti-Dumpingverfahren erläutert.
Gleichzeitig betonte Macdjnald, daß alle beim Finanzministerium gestellten
Anträge auf Einleitung entsprechender Verfahren, soweit sie - gemessen am
Handelswert - von größerer Bedeutung sind, erledigt oder niedergeschlagen
sind. So sei in der Frage der subventionierten Käseimporte aus der Europäischen Gemeinschaft eine für alle Betroffenen befriedigende Regelung gefunden
worden. Und hinsichtlich der angeblich subventionierten Stahlexporte von
sieben europäischen Ländern habe das Finanzministerium am 20. Oktober bekanntgegeben.daß eine Untersuchung nicht eingeleitet wird. Die nunmehr noch schwebenden Verfahren beträfen ein sehr geringes Handelsvolumen.

Die wesentlichen Teile des Interviews haben folgenden Wortlaut:
Frage:

�Frage: Als das Handelsgesetz von 1974 rechtskräftig wurde, ist es als
wichtiger Schritt in Richtung auf eine weltweite Handelsliberalisierung begrüßt worden. Einige Kritiker im Ausland haben sich jedoch beklagt, daß dieses
Gesetz zahlreiche restriktive Handelsbestimmungen enthalte. Können Sie dieses
Paradoxon erläutern?
Antwort: Es besteht keinerlei Zweifel, daß das Handelsgesetz die Vereinigten Staaten in die Lage versetzen sollte, sich an der Tokio-Runde von Handelsverhandlungen zu beteiligen, die gegenwärtig in Genf stattfindet. Von diesen
Verhandlungen wird erwartet, daß sie zu einem wesentlichen Abbau der Zollund der nicht-tarifären Schranken führen werden.
Gleichzeitig hat das Handelsgesetz eine Reihe von Bestimmungen in amerikanischen Gesetzen klar gestellt, die unfaire Handelspraktiken anderer Länder
betreffen - vor allem unser Gesetz über Gegenzölle und unser Anti-Dumpinggesetz. Ganz allgemein hat das neue Gesetz Fristen für administrative Verfahren
aufgrund dieser Gesetzesbestimmungen gesetzt, und in einigen Fällen hat es unsere Auffassung darüber konkretisiert, was wir meinen, wenn wir von unfairen
Handelspraktiken anderer Länder sprechen.
,

j

•

...

,•

Frage: Könnten Sie die wichtigsten Bestimmungen des Gesetzes erläutern,
soweit sie die Gegenzölle betreffen?
Antwort: Das neue Handelsgesetz fordert, daß das Finanzministerium eine
"vorläufige Entscheidung" trifft, ob bei einem bestimmten importierten Erzeugnis eine "Prämie" oder eine anderweitige "nicht rückzahlbare Zuwendung" gewährt wurde, und zwar innerhalb von sechs Monaten, gerechnet vom Zeitpunkt des
Eingangs und Annahme einer Beschwerde nach diesem Gesetz. Innerhalb von zwölf
Monaten müssen wir eine endgültige Entscheidung fällen, ob eine solche Prämie
oder Zuwendung gewährt worden ist, und falls dies zutrifft, müssen wir sagen,
was das ausmacht und ob wir von der neuen, in unser Ermessen gestellten Sondervollmacht in diesem Fall Gebrauch machen werden.
Das
- 2 -

�Das neue Handelsgesetz gibt uns ferner die Möglichkeit, Gegenzölle bei
Waren zu erheben, die zuvor zollfrei in die Vereinigten Staaten eingeführt
worden sind - eine Ermächtigung, die wir bisher nicht hatten. Wir dürfen von
dieser neuen Ermächtigung jedoch nur Gebrauch machen, wenn die amerikanische
Industrie aufgrund der zollfreien Warer,eincuhr einen Schaden erleidet. Und
außerdem enthält das Gesetz über Gegenzölle eine neue Bestimmung über ein
Beschwerdeverfahren für amerikanische Produzenten, deren Erzeugnisse im Wettbewerb mit subventionierten Importen stehen.
Das neue Gesetz enthält ferner wichtige neue Ermessensbestimmungen, die es
dem Finanzminister ermöglichen, die Einführung von Gegenzöllen auszusetzen,
falls drei bestimmten Erfordernissen entsprochen wird. Zwei dieser Bedingungen
stehen in einem Zusammenhang mit den Verhandlungen im Rahmen der Tokio-Runde
und der Wahrscheinlichkeit, daß diese Verhandlungen zu neuen internationalen
Praktiken und Verfahren für die Lösung derartiger Streitfragen führen werden.
Diese beiden Erfordernisse sind:
Erstens muß berechtigte Aussicht bestehen, daß mit den anderen Ländern
erfolgreich Abkommen über einen Abbau oder eine Beseitigung der Handelsschranken abgeschlossen werden, und
zweitens müsste eine Verhängung von Gegenzöllen zu einer ernsten Gefährdung dieser Verhandlungen führen.
Das dritte Erfordernis, dem in einem solchen Fall entsprochen sein muß,
bevor eine Verhängung von Gegenzöllen unterbleiben kann, ist, daß die nachteiligen Auswirkungen der betreffenden Subvention beseitigt oder wesentlich
verringert worden sind.
Frage: Wenn Sie von Subventionen sprechen, meinen Sie dann Exportsubventionen? Kann man immer zwischen Exportsubventionen und einer Subventionierung der Produktion unterscheiden?
Antwort:

�•»

Antwort: Nein, meines Erachtens ist eine solche Entscheidung nicht immer
möglich. Unser neues Handelsgesetz - und die betreffenden Bestimmungen des
Allgemeinen Zoll-and Handelsabkommens (GATT) - besagen beide ganz eindeutig,
daß Gegenzölle angewandt werden sollten, wenn immer die betreffenden Erzeugnisse subventioniert sind,sei es auf der Produktionsebene oder beim Export.
Frage: Halten Sie einige Arten von Subventionen für angebracht oder wären
Ihrer Meinung nach alle Subventionen ungesetzlich?
Antwort: Das derzeitige amerikanische Handelsgesetz verlangt, daß eine
Entscheidung getroffen wird - erstens hinsichtlich Art und Umfang der etwaigen Subvention in dem betreffenden Fall und zweitens, ob Gegenzölle verhängt
werden sollen oder ob darauf verzichtet werden soll. Die Kriterien des neuen
Gesetzes sind sehr genau und so haben wir keinen Ermessensspielraum in der
Handhabung dieser Fragen. Die von Ihnen angeschnittene Frage wird jedoch in
der Tokio-Runde aufgeworfen werden. Meines Erachtens könnten die Verhandlungen
mit einem internationalen Abkommen abschließen, demzufolge einige Subventionen
dann zulässig wären.
Frage: Welche Subventionen zum Beispiel könnten von der internationalen
Völkergemeinschaft Ihres Erachtens akzeptiert werden?
•

Antwort: Jedes Land führt bestimmte Arten von Programmen zur Förderung
des Handels durch - zum Beispiel Handelsmessen. Rein technisch gesehen stellen solche Messen bereits eine Subvention des Produzenten dar, der aus ihnen
Nutzen zieht. Ich möchte jedoch meinen, daß die Regierungen bestimmte Grenzen
für Exportförderungsmaßnahmen dieser Art setzen könnten.

Frage: Könnte ein solcher Kodex Ihrer Meinung nach auch Exportkredite
einschließen?
Antwort:

- 4 -

�Antwort: Unser Gesetz über Gegenzölle schließt heute ganz eindeutig
solche Güter ein, die in die Vereinigten Staaten unter Exportfinanzierungspraktikeneingeführt werden, bei denen der Exporteur Zinsen zahlt, die noch unter
den kommerziellen Sätzen liegen. Die sich hieraus für den Exp rteur ergebenden Vergünstigungen stellen Subventionen dar, auf die Gegenzölle erhoben werden können. Möglicherweise können sich die Regierungen auf Bestimmungen einigen, die einen bestimmten Zinssatz zulassen. Bei jedem darunter lieaenden
Zins könnten dann Gegenzölle erhoben werden. Ein internationaler Kodex darüber, inwieweit die einzelnen Regierungen ihren Export finanzieren dürfen, ohne
die akzeptierbaren internationalen Wettbewerbsnormen zu untergraben, wäre im
höchsten Maße wünschenswert. Damit würden eine Menge internationaler Reibungsflächen beseitigt werden.
Frage: Wäre es denkbar, daß ein im Rahmen der Tokio-Runde ausgehandelter
internationaler Kodex auch Bestimmungen über staatliche Programme einschliessen könnte, die das Einkommensgefälle zwischen den ärmeren und den reicheren
Gebieten der jeweiligen Länder einengen sollen?

Antwort: Das ist möglich. Oder dieses Problem könnte auch unter einer
allgemeiner gehaltenen Bestimmung zusammengefaßt werden, um so einen Unterschied zwischen solchen Praktiken und einer direkten Exportsubventionierung
zu machen.
Frage: Die von Botschafter Moynihan im Namen von Außenminister Kissinger
auf der 7. Sondersitzung der UN-Vollversammlung abgegebene Erklärung beweist, daß die Vereinigten Staaten sich an Verhandlungen über einen Kodex beteiligen werden und zwar auf der Basis, daß den Entwicklungsländern unter genau umrissenen Bedingungen bestimmte Subventionen für einen Zeitraum zugestanden werden, der zur Erreichung bestimmter Entwicklungsziele notwendig ist,
ohne daß hierdurch Gegenzölle ausgelöst werden. Können Sie sich hierzu
äußern?
Antwort:

- 5 -

�Antwort: Diese Erklärung besagt eindeutig, daß der Situation der Entwicklungsländer bei jedem Kodex über

Subventionen und Gegenzölle, der während

der Tokio-Runde vereinbart wird, besondere Beachtung geschenkt wird. Es ist
sehr schwer zu sagen, was fair sein würde und was unser Kongreß akzeptieren
würde. Ich bin mir noch nicht klar darüber, was dabei herauskommen wird. Das
Ergebnis wird von den Verhandlungen abhängen. Wir werden natürlich prüfen,
wie sich die jeweiligen Sondervereinbarungen auf unsere Binnenwirtschaft auswirken würden.
Frage: Wird den Entwicklungsländern - unabhängig vom Ausgang der TokioRunde und vom Abschluß irgendwelcher Sondervereinbarungen, die im Rahmen dieser Verhandlungen getroffen werden könnten - bei der Handhabung der Bestimmungen über Gegenzölle eine besondere Behandlung zuteil?

Antwort: Nein, es gibt keine rechtliche Basis dafür, die Entwicklungsländer hier bevorzugt zu berücksichtigen. Im Augenblick macht das Gesetz keinen
Unterschied, und die Importe aus diesen Ländern werden genauso wie die Einfuhren aus den Industriestaaten behandelt.
Frage: Könnten Sie uns etwas zu einigen der noch schwebenden großen Verfahren über Gegenzölle sagen?
Antwort: Es ist uns gelungen, die Frage der subventionierten Käseexporte
aus der Europäischen Gemeinschaft zur Zufriedenheit aller Betroffenen zu regeln. Wir haben am 20. Oktober unseren Beschluß bekanntgegeben, daß wir keine
Untersuchung bezüglich der angeblichen Subventionierung von Stahlexporten aus
sieben europäischen Ländern einleiten werden. Im November haben wir erklärt,
daß wir auf Gegenzölle bei importiertem Büchsenschinken verzichten werden
- eine delikate Frage, bei der es um ein beträchtliches Handelsvolumen ging.
Mir ist kein weiteres schwebendes Verfahren bekannt, bei dem es um ein sehr
beträchtliches Handelsvolumen geht. Natürlich ist jeder derartige Fall für
die Länder "wichtig", deren Export betroffen wird, sowie für die einheimischen

- 6 -

�t

einheimischen Erzeuger, die unter einem subventionierten Wettbewerb zu leiden
glauben.
Frage: Wer stellt nach dem neuen Handelsgesetz Antrag auf Verhängung von Gegenzöllen und wie geht das vor sich?
Antwort: Jeder kann an das Finanzministerium Antrag stellen, aufgrund des
Gesetzes eine Untersuchung einzuleiten. Das Finanzministerium wird einen solchen Antrag von jeder Stelle annehmen, wenn er vernünftig begründet zu sein
scheint, und dann eine Untersuchung zur Feststellung der relevanten Fakten
durchführen. Das Gesetz verlangt nicht, daß eine Schädigung der binnenwirtschaftlichen Interessen vorliegen muß, außer im Falle einer Einfuhr zollfreier
Waren.
Frage: Leitet die Regierung eine solche Untersuchung von sich aus nicht
ein, falls kein Antrag von privater Seite gestellt worden ist?
Antwort: Nein, die Regierung leitet keinerlei Maßnahmen in solchen Fällen
ein. Wir könnten dies tun, aber wir haben es bisher nur in einem Fall vor Jahren getan. Anträge, auf die hin wir etwas unternehmen, werden gewöhnlich von
amerikanischen Produzenten solcher Erzeugnisse eingereicht, die im Wettbewerb
mit den Importgütern stehen.
Frage: Das neue Handelsgesetz enthält ferner neue Anti-Dumpingbestimmungen.
Wie unterscheiden sich diese von den zuvor gültigen Gesetzen?
Antwort: Es gibt eine neue Bestimmung, die die Weiterleitung von Beschwerden an die Internationale Handelskommission - die frühere Zollkommission vorsieht, in deren Kompetenzbereich eine erste Entscheidung darüber fällt, ob
die binnenwirtschaftlichen Interessen aufgrund des angeblichen Dumpings geschädigt worden sind. Diese Bestimmung soll eine frühere Rechtsunsicherheit beseitigen, ob nämlich Informationen über eine solche Schädigung geprüft weifden

- 7 -

�werden sollen, sobald eine Dumpingbeschwerde erhoben wird. Die neue Bestimmung steht eindeutig mit dem Allgemeinen Zoll-und Handelsabkommen in Einklang.
Darüber hinaus sind dem Finanzministerium Fristen gesetzt worden, bis zu
denen es zu einem Entscheid darüber gekommen sein muß, ob die Anti-Dumpinggesetze verletzt worden sind. Doch kommt dem nicht so große Bedeutung wie im
Falle der Gegenzölle zu, da die neue Bestimmung lediglich die Fristen gesetzlich festlegt, die dem Finanzministerium bereits durch Verordnung gesetzt worden sind. Das neue Handelsgesetz hat auf dem Anti-Dumpingbereich zu keinen
wesentlichen Änderungen geführt und die Handhabung des Gesetzes hat sich auf
diesem Bereich nicht wesentlich geändert.
•

Frage: Können Sie uns erläutern, was der Begriff "Dumping" besagt?
Antwort: Ein Dumping liegt vor, wenn ein Erzeugnis im Ausland zu einem
niedrigeren Preis als im Inland verkauft wird. Es handelt sich also um eine
Art von internationaler Preisdiskriminierung. In unserem Anti-Dumpinggesetz
reicht jedoch der Nachweis diskriminierender Preispraktiken nicht aus, um ein
Dumping festzustellen. Eine Schädigung der in den Vereinigten Staaten mit
diesen Importen konkurrierenden einheimischen Industrie muß ebenfalls eindeutig nachgewiesen werden. Sind diese beiden Tatbestände gegeben, so wird das
importierte Erzeugnis mit einem Zoll belegt, der der Preisdifferenz zwischen
Binnen-und Exportmarkt entspricht.
In der Praxis sind diesbezügliche Untersuchungen viel komplizierter, als
aus dieser vereinfachten Darlegung hervorgeht, denn die Kosten für Fracht
und sonstige Steuern müssen herausgenommen, Anpassungen für Unterschiede
in den Verkaufsmethoden oder für Sonderrabatte bei Abnahme großer Mengen
müssen vorgenommen und anderweitige Erwägungen müssen angestellt werden. Grundsätzlich geht dieses Verfahren jedoch von dem Vergleich zwischen Binnenmarktund Exportpreis aus.
Fra e:

9

�Frage: Die Internationale Handelskommission stellt fest, ob eine Schädigung der binnenwirtschaftlichen Interessen vorliegt?
Antwort: Das ist richtig. Das Finanzministerium stellt lediglich fest,
ob Verkäufe zu einem Preis stattfinden, der unter dem fairen Wert liegt.
Frage: Bei dem schwebenden großen Anti-Dumpingfall geht es offensichtlich
um Kraftfahrzeuge. Könnten Sie uns etwas über den Stand dieses Verfahrens
sagen?
Antwort: Das Finanzministerium steht im Augenblick mitten in einer Untersuchung darüber, ob der Verkauf von Kraftfahrzeugen, die aus acht anderen Ländern in die Vereinigten Staaten importiert worden sind, in den Vereinigten
Staaten zu einem Preis erfolgte, der unter dem fairen Wert liegt. Wir rechnen
damit, daß dieses Verfahren etwa in der Zeit zwischen Februar und Mai nächsten Jahres abgeschlossen sein wird. Sollten wir feststellen, daß bei einigen
oder allen diesen Kraftfahrzeugen solche Verkäufe stattgefunden haben, so werden wir die Internationale Handelskommission ersuchen, eine Entscheidung zu
treffen, ob die amerikanische Autoindustrie hierdurch Schaden erlitten hat.
Frage: Hat sich die Internationale Handelskommission nicht bereits mit
diesem Fall befaßt?
Antwort: Als das Finanzministerium die erste Beschwerde erhielt, haben
wir die Handelskommission ersucht, sich mit diesem Fall zu befassen. Mit vier
gegen zwei Stimmen ist diese zu dem Beschluß gekommen, sie könne nicht sagen,
daß in diesem Fall keine Möglichkeit eines Schadens bestanden habe. Sie wird
diese Frage noch gründlicher untersuchen, sobald sie aufgefordert worden ist,
ein endgültiges Urteil über den Fall abzugeben.
Frage:

- 9 -

�Frage: Werden gegenwärtig noch andere Anti-Dumpingfälle

geprüft?

Antwort: Es werden immer einige Fälle geprüft, aber gegenwärtig steht
kein Verfahren an, daß auch nur annähernd die Bedeutung des Kfz-Falles hat.

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25/1975

WORUM ES BEI DEN MULTILATERALEN HANDELSVERHANDLUNGEN IN GENF GEHT
Von Frederick B. Dent
Sonderbeauftragter Präsident Fords für Handelsverhandlungen

--(AD)-- Die ehrliche Serge einzelner Länder über die steigende Arbeitslosigkeit, die Wirtschaftsflaute und die bedeutend höheren Energiekosten hat zeitweise die arbeitsplatzschaffende und wachstumsfördernde Wirkung eines freieren
Welthandels in den Hintergrund treten lassen. Immerhin haben sich neunzig
nationale Regierungen dennoch zu den Verhandlungen bekannt, die gegenwärtig
in Genf über die Schaffung eines freieren und faireren internationalen Handelssystems geführt werden.
Abgesehen von einer überraschend kleinen Zahl geringfügiger und in den
meisten Fällen nur temporärer Ausnahmen haben die großen Handelsnationen der
Welt in einer Zeit weltweiter wirtschaftlicher Rezession ihr Versprechen gehalten, restriktive Handelspraktiken und Maßnahmen zu vermeiden. Und trotz aller
Befürchtungen, es könnte zu einer Rückkehr zum Protektionismus kommen, hat
bisher kein Land die Segel gestrichen oder seinen Kurs geändert. Die Arbeiten
in Genf, für die bevorstehenden harten Verhandlungen einen Rahmen zu setzen,
sind vielmehr laufend vorangeschritten.
Dirf

�y

Die Tokio-Runde ist die wohl weitestgehende der sieben Verhandlungsrunden
seit der Schaffung des Allgemeinen Zoll-und Handelsabkommens (GATT) im Jahre
1947. Ihr Ziel, die in jüngster Zeit einsetzende Vermehrung der nicht-tarifären
Handelshemmnisse abzustoppen, diese Maßnahmen abzubauen oder zu beseitigen,
ist sehr hoch gesteckt. Diese Multinationalen Handelsverhandlungen (MTN) sind
äußerst komplex und werden viel Zeit benötigen, so daß mit einem umfassenden
Paket von endgültigen Abkommen und Vereinbarungen nicht vor Mitte 1977 zu rechnen sein dürfte.
Es gibt einige ermutigende Zeichen. So hat der Wirtschaftsaufschwung in
den USA bereits die meisten Voraussagen überholt und zu zahlreichen neuen,
vielversprechenden Prognosen geführt. In Japan ist ebenfalls die Wende eingetreten, doch Europa, Kanada und zahlreiche Entwicklungsländer sind diesem Trend
bisher noch nicht gefolgt. Und der Welthandel hatte in den ersten neun Monaten
dieses Jahres ein nicht dkzeptierbares Minus von 10 Prozent aufzuweisen. Aber
die Erfahrung bei ähnlichen Entwicklungen in der Vergangenheit muß zu der logischen Folgerung führen, daß für 1976 sichtbare Verbesserungen zu erwarten
sind.
Die Deklaration von Tokio, mit der diese Verhandlungsrunde vor zwei Jahren
offiziell eröffnet wurde, umreißt vielleicht am besten, worum es in diesen Verhandlungen geht. In

Paragraph 4 dieser Deklaration heißt es: "Die Verhandlun-

gen sollen Zölle, nicht-tarifäre Handelsschranken und sonstige Maßnahmen einschließen, die den internationalen Handel sowohl mit Industrie- als auch mit
Agrarprodukten behindern oder verzerren". Und in Paragraph 8 heißt es weiter:
"Die Verhandlungen werden als ein Ganzes betrachtet, dessen verschiedene Elemente gemeinsam voranschreiten müssen".

Diese Koppelung von industriellen und landwirtschaftlichen Abkommen, die
später auch im neuen Landwirtschaftsgesetz der USA gefordert worden war, gab
es in der Kennedy-Runde noch nicht, in der die Landwirtschaft erst an die
Reihe kam, nachdem die industriellen Verhandlungen praktisch abgeschlossen
- 2 -

J

�abgeschlossen waren. Dies hatte damals dazu geführt, daß die Liberalisierung
des Agrarhandels minimal und - gelinde gesagt - enttäuschend war. Heute kommt
dieser Frage eine entscheidende Bedeutung zu vor allem deshalb, weil sie zahlreichen anderen Fragen zugrunde liegt, die in Genf auf dem Verhandlungstisch
sind.
Die nicht-tarifären Maßnahmen, die ganz allgemein zu Behinderungen oder
Verzerrungen des Handels führen, machen keinen Unterschied zwisch *i landwirtschaftlichen und industriellen Exporten oder Importen. Subventionspraktiken
beim Export, die dem Binnenmarkt sowie Märkten in Drittländern einen unfairen
und unökonomischen Vorteil verschaffen, sind in gleicher Weise beim Handel mit
industriellen Erzeugnissen und mit Agrarprodukten zu finden.
Gegenzölle bei Importen, die als Vergeltung verhängt werden können und
aufgrund der einheimischen Gesetzgebung zulässig sind, treffen in gleicher Weise industrielle Erzeugnisse und Agrarprodukte. Für dieses Problem kann es nur
eine gemeinsame Lösung geben; getrennte Lösungen sind nicht möglich.
Eine neue, international vereinbarte Regelung für alle diese Praktiken
hat bei zahlreichen der an den Verhandlungen in Genf beteiligten Länder hohe
Priorität - zugegebenermaßen nicht aus dem gleichen Grunde, aber das gleiche
Endergebnis wird von vielen Ländern mit ganz verschiedenen Interessen und Auffassungen angestrebt.
Die Suche nach einem neuen Weg für die

Annahme eines multilateralen

Mechanismus zur Festsetzung von Normen für Erzeugnisse, Verpackungen und Auszeichnung ist ein weiterer Punkt, der in Genf ansteht. Gesundheitsbestimmungen,
Sicherheitserfordernisse, Mengen- und QuaMtätsbezeichnungen machen keinen Unterschied, ob es sich nun um Lebensmittel oder Maschinen, um Fasern oder elektrische Ausrüstungen handelt.
Eine

- 3 -

�Eine weitere Frage ist der angemessene und gerechte Zugang zu Rohstoffvorkommen und zu Absatzmärkten. Können die internationalen Richtlinien über
eine faire Aufteilung bei Getreide anders sein als bei Erzen?

Kann daher der

Zugang für Agrarprodukte zu den Absatzmärkten unter anderen Zoll- und nichttarifären Bestimmungen ausgehandelt werden als für industrielle Erzeugnisse?
Hieraus wiederum ergibt sich die verständliche Forderung der Entwicklungsländer nach einer Sonderbehandlung, wenn sie an den Vorteilen und Pflichten eines modernisierten Welthandelssystems teilhaben sollen, das den Erfordernissen einer im Wandel begriffenen Weltwirtschaft entspricht. Sollten die
Industriestaaten einen Unterschied machen zwischen tropischen Erzeugnissen wie
Bananen und petrochemischem Dünger, wenn es um eine Sonderbehandlung für die
Entwicklungsländer beim Zugang zu den Märkten geht? Wenn es das Ziel ist, die
Diversifikation der Produktion in den Entwicklungsländern und den Export von
Halbfertigwaren zu fördern, dann ist die Antwort klar.
Ein gemeinsames Vorgehen bei den Verhandlungen über einen freieren und
faireren Handel mit industriellen Erzeugnissen und Agrarprodukten bringt für
alle wirtschaftliche Vorteile.
Die amerikanische Agrarpolitik hat bereits ihre "Revolution" oder vielleicht sollte ich sagen Evolution in Richtung auf einen im Grunde freien Markt
und eine volle Ausnutzung der Produktionskapazitäten hinter sich. Die Fortführung einer solchen Politik setzt einen Zugang auf reiner Wettbewerbsbasis
zu den Exportmärkten und das Angebot einer maximalen Belieferung zu nicht-inflationären Preisen im In-und Ausland voraus.
Dies ist in anderen Ländern noch nicht der Fall, in denen die Produktion
durch Stützpreise gefördert wird, die Binnenmärkte durch willkürlich schwankende Importschranken abgeschirmt werden und der Export subventioniert wird. Eine
solche Politik kann vertretbar sein, wenn sie mit legitimen sozialen und wirtschaftlichen Zielen begründet wird. Wir erkennen solche Ziele an und respek-

�respektieren sie, aber nur solange, wie der Absatz auf unserem Markt oder
unser Export nicht auf unfaire Weise benachteiligt werden. Und auch dies gilt
wieder in gleicher Weise für den Handel mit Agrar- und mit Industrieerzeugnissen.
Wir haben keinerlei ExportförHeruno^maßnahmen oder Importrestriktionen
- sei es auf dem Industriesektor oder auf dem Agrarsektor - vom Verhandlungstisch zurückgewiesen und nichis als nicht-verhandelbar "'de* sakrosankt bezeichnet. Wir haben vorgeschlagen, die in der Tokio-Deklaration geforderte Gegenseitigkeit durch gleichzeitige Verhandlungen über die industriellen und die
landwirtschaftlichen Handelsschranken anzustreben, um so ein ausgewogenes und
allseits befriedigendes Schlußabkommen zu erreichen. Wir bestreiten keineswegs
die Notwendigkeit stabilerer und freierer Märkte und sind bereit, über jeden
vernünftigen Vorschlag zu verhandeln, der diesem Ziel dient. Für uns konzentriert sich diese Frage auf die Notwendigkeit, zu einem vereinbarten internationalen Instrumentarium zu gelangen, um die Auswirkungen von Exportsubventionen auf den

innenmarkt sowie auf Drittmärkte unter Kontrolle zu bringen, sowie

vernünftige Maßnahmen für die Handhabung solcher Importkontrollen zu erreichen.
Wenn unser Ziel ein Abkommen über die Anwendung von Exportsubventionen
ist, so wird jeder in der Welt von uns verlangen, daß wir unser 80 Jahre altes
Gesetz über Gegenzöile in Einklang mit den GATT-Bestimmungen bringen, indem ..ir
es durch eine Bestimmungen über Schadensnachweis ergänzen. Unseres Erachtens
sind diese beiden Ziele keineswegs miteinander unvereinbar. Wir sind uns klar
darüber, wie schwierig es ist, sogenannte "Exportprämien oder Zuschüsse"
festzustellen. Aber wir halten auch die GATT-Verbote illegaler Exportsubventionen für so vage und undurchsetzbar, daß sie praktisch wertlos sind. Was wir
anstreben, ist ein international vereinbarter Kodex, der nicht - wie in der
Vergangenheit - bedeutungslose Definitionen des Begriffs Subventionen enthält,
andern der folgende Kategorien von Exportsubventionen und Praktiken aufführt:

n
- 5 -

�1) akzeptable, weil sie entweder - wie zum Beispiel Handelsmessen kaum ins Gewicht fallen oder weil sie keinen Unterschied zwischen Erzeugnissen
für den Export und Erzeugnissen für den einheimischen Verbrauch machen;
2) nicht-akzeptable, weil sie den Export gegenüber der einheimischen
Produktion begünstigen; oder
3) solche, für die aufgrund dessen, was sie bezwecken oder wie sie angewandt werden, beides zutrifft, beispielsweise regionale Entwicklungshilfen.
Auch hier sind wir der Meinung, daß ein solches Abkommen in gleicher
Weise für den Handel mit Agrar- und mit Industrierzeugnissen gelten sollte.
Wir brauchen ein faireres und ein freieres Welthandelssystem; Exportsubventionen oder Importrestriktionen, die einen ungerechtfertigten Wettbewerbsvorteil geben, müssen unter internationale Kontrolle gebracht werden.
Wir sind uns darüber klar, daß wir tief verwurzelte und grundlegende
Binnenwirtschaftspolitiken nicht in einem Kodex oder in Abkommen von allgemeiner Gültigkeit zusammenfassen können. Wir sind bereit, solche besonders
schwierigen Fragen in besonderen Vereinbarungen zu prüfen.
Auch hier geben wir nicht vor, ohne jeden Fehl zu sein. Und. wir sind bereit, über alle unsere Handelspraktiken zu sprechen. Aber wir werden weiterhin
auf vereinbarte multilaterale Grundregeln drängen.
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Lassen Sie mich einen Punkt unterstreichen; der jetzt offenkundig sein
dürfte. Es ist kein Zufall, daß wir bei den meines Erachtens wichtigen Franen für die Multilateralen Handelsverhandlungen eine gewisse Übereinstimmung
mit den Sorgen finden, die jetzt aus der Privatwirtschaft und aus dem Kongreß
zu vernehmen sind.

Der Grund hierfür ist ein Netz von Beratern und Warnern,

das im Handelsgesetz vorgesehen ist - Industrie, Landwirtschaft, Gewerkschaften und Verbraucher; kurzum: die Öffentlichkeit insgesamt und der Kongreß

- 6 -

�Kongreß beteiligen sich stärker und wirksamer an dieser Runde von Handelsie
sprächen, als dies je zuvor der Fall war. Auf diese Weise wird der traditionelle Prozeß der Formulierung der Handelspolitik in unserer Regierung und
in unserem Lande revolutioniert. Das Ergebnis, das bereits immer stärker sichtbar wird, ist, daß unsere Ziele in den Handelsverhandlungen genauer und treffender den Willen des Landes wiedergeben, das auf der anderen Seite besser informiert wird und sich so besser ein wirkliches und nützliches Urteil bilden
kann.
Die Fragen, um die es in diesen Multilateralen Handelsverhandlungen geht,
sind nicht leicht zu verwirklichen. Aber es sind Ziele, die ein hartes und
geduldiges Verhandeln wert sind.
Wir verfügen über nützliche und wirksame binnenwirtschaftliche Abhilfen
für. die meisten, wenn auch nicht alle Auswüchse bei den Handelspraktiken, die
ich h"i°r angeführt habe. Die meisten von ihnen wurden durch das Handelsgesetz
von 1974 gestrafft. Sie sind für dringende Fälle gedacht, bei denen es sich
um unfairen, illegalen und schädlichen Wettbewerb handelt, der sich auf unsere
Märkte und unsere Arbeitsplätze auswirkt und sofortiges Handeln - statt einer
mehr Zeit verschlingenden Verhandlungslösung - fordert. Aber sie sollten klug,
mit Vorsicht und Zurückhaltung, für den beabsichtigten Zweck angewandt werden
und nicht in einer Weise, daß die im vernünftigen Eigeninteresse liegende aufgeschlossene Handelspolitik, die unserem Lande über vier Jahrzehnte lang so
gute Dienste geleistet hat, in ihr Gegenteil umschlägt.
Wenn wir klug und vorsichtig vorgehen und Zurückhaltung üben, so werden
wir zu einem wesentlich verbesserten, modernisierten, faireren und freieren
Welthandelssystem gelangen, das eine adäquate Lösung für die von mir hier angescnnittenen Fragen bringt. In dieser Zeit einer wachsenden wirtschaftlichen
Interdependenz und angesichts der Vorteile, die ein expandierender Welthandel
bringt, ist dies nicht nur wünschenswert, sondern einfach notwendig.
Wenn
- 7 -

�Wenn dies erfolgreich verwirklicht ist, werden die Vereinigten Staaten
und die gesamte Welt an den gemeinsam erzielten Erfolger, teil haben. Handel
ist kein Glücksspiel, bei dem sich die Zahl der Verlierer und Gewinner letztlich die Waage hält, Es wird keine Gewinner geben, wenn wir Handelspraktiken
aufgreifen, die nur dem kurzfristigen Vorteil auf Kosten unserer Nachbarn dienen. Wenn wir aber den Handel weiterhin dazu benutzen, um uns gegenseitig
unser Wirtschaftswachstum, unsere Arbeitsplätze und den höchstmöglichen Lebensstandard für unsere Völker zu den niedrigstmöglichen Kosten zu erhalten,
dann wird es keine Verlierer geben.
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25/1975

PROBLEME DER LUFTREINHALTUNG
-Auch die Natur trägt zur Verschmutzung bei-

--(AD)-- Ein "realistisches Engagement der Kohlewirtschaft für den Umweltschutz" muß nach Meinung von Russell E. Train, Chef der US-Umweltschutzbehörde
(EPA), Teil jedes nationalen Programms für die erweiterte Inanspruchnahme der
amerikanischen Kohlevorkommen sein. Kosten, Umwelt- und Gesundheitsrisiken
haben dabei als gleichwertige Faktoren beim Abbau und der Verwertung der Kohle
zu gelten.
Die Nutzbarmachung von mehr Kohle soll die Energielücke schließen helfen.
Dies schafft aber auch zwangsläufig neue Aufgaben fuer den Umwelt-und Gesundheitsschutz und bringt Probleme im sozialen und kulturellen Bereich mit sich.
"Wir können diese Probleme nicht einfach wegdiskutieren und so tun, als gäbe
es sie nicht. Auch durch Gesetze und Verordnungen lassen sie sich nicht vom
Tisch wischen", erklärte Train kürzlich vor Vertretern der "National Coal
Association" (Verband der amerikanischen Kohlewirtschaft) in Louisville
(Kentucky).
Die Rekultivierung von Tagebau-Feldern, wie sie z.B. in der Bundesrepublik seit Jahrzehnten erfolgreich betrieben wird, ist laut Train eine der
notwendigen Voraussetzungen für den verstärkten Einsatz von Kohle. Die zweite
Bedingung ist eine ausreichende Entschwefelung der Rauchgase. Denn nach den

- l -

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den gegenwärtigen Regierungsplä'nen soll im Jahre 1985 ca. 77 Prozent mehr
Kohle als 1973, dem Beginn der Ölkrise, in Kraftwerken verwendet werden, die
mit fossilen Brennstoffen arbeiten. Das würde bedeuten, daß 1985 in den Vereinigten Staaten nicht weniger als 72 Prozent dieser Heizkraftwerke ihren
Strom aus Kohle produzieren.
Im Rahmen ihrer Aufgaben und Befugnisse werde die EPA, so Train, künftig
alle Möglichkeiten ausschöpfen, um zur verstärkten Verwendung von Kohle zu
ermutigen und solche Bestrebungen in jeder Weise zu unterstützen. Gerade diesem
Punkt komme "angesichts der gegenwärtigen Atmosphäre von Unsicherheit und
Mißtrauen bei der Privatwirtschaft" gegenüber den staatlichen Energieplänen
besondere Bedeutung zu. Manche Hindernisse wurden in letzter Zeit aus dem Wege
geräumt. So genehmigte im Verlauf dieses Jahres die EPA in sieben von zwölf
amerikanischen Bundesstaaten, wo wegen einer ohnehin hohen Zahl von Kohlekraftwerken besonder^ strenge Auflagen zur Luftreinhaltung (mit Höchstwerten unter
dem nationalen Standard) erfüllt werden müssen, eine Modifizierung der
Durchführungsbestimmungen. Dadurch wird es in dieser Region bis Ende 1975
möglich, ca. 110 Millionen Tonnen Kohle in Kraftwerken zu verfeuern.
In Zusammenarbeit mit der Bundesenergiebehörde FEA (Federal Energy
Agency) benannte die EPA inzwischen 32 Heizkraftwerke, die aufgrund ihrer
Ausrüstung und der für den Betrieb verfügbaren Kohle ohne Schwierigkeiten von
öl- oder Gasbefeuerung auf Kohlebefeuerung umstellen können. Ein vordringliches Begleitprojekt ist dabei die Rauchgasüberwachung, insbesondere die
Überwachung auf Schwefeldioxid (S02)-Emissionen. Vor allem im Nordosten der
USA, in einer 24 Bundesstaaten umfassenden Region, soll ein weiteres Ansteigen der SO«- Konzentration in der Luft verhindert werden.
Die Entwicklung sogenannter Scrubber zur Entschwefelung der Rauchgase
ist soweit fortgeschritten, daß in den letzten zwei Jahren ca. 50 Elektrizitätsgesellschaften weit über 100 solcher Ausrüstungen in Auftrag gegeben
oder bereits eingebaut haben. Damit wird die Schwefeloxidemission von Heiz-

�Heizkraftwerken mit einer Gesamtleistung von rund 47 500 Megawatt kontrolliert. Bis Ende 1980 sollen Kraftwerke von insgesamt 90 000 Megawatt Kapazität
mit Scrubber-Anlagen arbeiten.
Die Emission von Schwefeldioxid (S02) war in den Vereinigten Staaten
voi 23,2 Millionen Tonnen im Jahre 1960 auf 33,4 Millionen Tonnen im Jahre
1970 gestiegen. In den siebziger Jahren ging die Konzentration von SOp in
der Luft im Landesdurchschnitt von 40 auf ca. 25 Mikrogramm pro Kubikmeter zurück, am Ort der EPA-Meßstationen seit Mitte der sechziger Jahre sogar um 50
Prozent der zuvor ermittelten Werte. Letzteres ist zum Teil auf Betriebsumstellungen (z.B. auf schwefelarme Kohle, öl oder Gas), aber auch auf die Wahl des
Standorts für neue Heizkraftwerke abseits der industriellen Ballungszentren
zurückzuführen.
-Gefährliche SulfateInzwischen deutet vieles darauf hin, daß den Sulfaten wahrscheinlich noch
stärkere Aufmerksamkeit gewidmet werden muß als dem korrosionsfördernden
Schwefeldioxid. Sulfate (Schwefelsäure oder Metallsalzverbindungen) entstehen
bei der Oxidation von Schwefel in Brennstoffen und bei der Umbildung von
Schwefeldioxid oder Schwefeltrioxid (SO,) durch Reaktionen in der Atmosphäre.
Studien des Umwelthygiene-Dienstes der EPA, der sich auf die Überwachung von
Wohngebieten konzentriert, lassen vermuten, daß Erkrankungen der menschlichen
Atmungsorgane eher mit Sulfaten als mit Schwefeldioxid zu tun haben. In vieler
Hinsicht scheinen Sulfate giftiger zu sein, sobald die Konzentration acht
Mikrogramm im Kubikmeter Luft über den Zeitraum von 2^ Stunden übersteigt.
Sie treten häufig zusammen mit Feinstaub auf, sind aber offenbar nicht zwangsläufig an sie gebunden und bilden eine Gefahrenquelle für sich.
-Natürlicher SmogDie Überwachung der Emission smogbildender Verbindungen, in erster Linie
von unverbrannten Kohlenwasserstoffen und Stickstoffoxiden, soll einer EPA-

- 3 -

�EPA-Verlautbarung zufolge nach Möglichkeit auf natürliche Quellen ausgedehnt
werden. Unter der Einwirkung des Sonnenlichts werden z.B. Reaktionen in Gang
gesetzt, bei denen Kohlenwasserstoffe aus Autoabgasen mit Stickstoffoxiden
reagieren

und dabei Ozon und andere sogenannte Oxidantien im Städte- und

Industriedunst ("smog") bilden.
In den USA beträgt z.Zt. die zulässige Höchstkonzentration 0,08 ppm
(0,08 Teile pro 1 Million Teile Luft). Enthält 1 Kubikmeter Luft mehr als
160 Mikrogramm, so können innerhalb einer Stunde Augenentzündungen auftreten;
die Atmung bei Menschen mit Bronchitis oder Lungenemphysem wird beeinträchtigt.
Bei Versuchstieren beobachtet man eine erhöhte Anfälligkeit für Erkrankungen
der Atmungsorgane.
Aber nicht nur der Mensch mit seiner Zivilisation und Technik, sondern
auch die Natur trägt zur "Verschmutzung" mit Oxidantien bei. In der freien Natur macht der Anteil weniger als ein Drittel, in Ballungszentren etwa ein Zehnteil der Ärosole aus. Die Ergebnisse von umfangreichen Studien, die in den USA
über einen Zeitraum von mehreren Jahren durchgeführt wurden, legte die EPA in
einem Bericht mit dem Titel vor: "Control of Photochemical Oxidants -Technical Basis and Implications of Recent Findings".
Ozon aus der Stratosphäre, der bei turbulenten Vorgängen

nach unten ge-

langt, die Abgase smogbildender Verbindungen durch Pflanzen und das Aussickern
aus ölführenden Bodenschichten sind solche Verschmutzungsquellen der Natur.
Sie besser zu erforschen und quantitativ zu erfassen gilt als eine wichtige
Aufgabe im Rahmen der allgemeinen Maßnahmen für den Umweltschutz und der Festsetzung von Höchstwerten für Schmutz-und Schadstoffe aus Quellen menschlicher
Aktivität.
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25/1975

VORSORGEUNTERSUCHUNG AN DER STRATOSPHÄRE
-Explorer 55 soll Veränderungen der Ozonschicht erfassen-

— ( A D ) - - Stört der Mensch durch die Produktion von Abgasen, die Verwendung
chlorhaltiger Verbindungen wie der Fluorkohlenwasserstoffe (Sprühdosentreibmittel) und andere Aktivitäten die natürliche Regeneration der Ozonschicht?
EXPLORER 55, ein neuer amerikanischer Satellit für Meßprogramme in der Atmosphäre, soll bis in die unteren Luftschichten "tauchen", um durch direkte
Messungen in der Stratosphäre diese wichtige Frage beantworten zu helfen.
Der Schutzschirm aus Ozonmolekülen, der zwischen etwa 12 und 50 km Höhe
die Erde umgibt und den gefährlichen Anteil der Ultraviolettstrahlung von der
Sonne absorbiert, ist ohnehin nicht stabil. Meßdaten der letzten 15 Jahre von
mehr als 60 rund um den Erdball verteilten Stationen zeigen, daß sich die Ozonkonzentration z. B. mit der Tages- und Jahreszeit ändert, über der nördlichen
Halbkugel nahm sie von 1962 bis 1970 um etwa 1 bis 8 Prozent zu, ging aber in
den siebziger Jahren im Durchschnitt wieder um 0,5 bis 2 Prozent zurück. Regional, z.B. über den USA, entsprachen die Werte von 1974 sogar jenen von 1963.
über südlichen Breiten wird allgemein weniger Ozon als im hohen Norden gemessen.
Auch von der Sonnenfleckenhäufigkeit scheint die Ozonkonzentration abhängig zu sein und im 11-Jahreszyklus mit der Sonnenaktivität zu- und abzunehmen.
(

- l -

D a s

�(D?s letzte Sonnenfleckenmaximum war 1969). Andererseits gibt es Anzeichen
dafür, daß besonders heftige Eruptionen auf der Sonne am Ozon in der Erdatmosphäre zehren. Dafür sprechen Beobachtungen aus den Jahren i960.. 1966 und
IJ/2. Möglicherweise werden durch die in die irdische Lufthülle einströmenden
energiereichen Protonen Reaktionen ausgelöst, die dort vermehrt zur Bildung
von Stickstoffoxid führen. Und diese Verbindung greift unter der Mitwirkung
energiereicher ultravioletter Strahlung Ozonmoleküle an.
Die Erzeugung von Stickstoffoxid durch Atomexplosionen in der Atmosphäre
führte bereits Anfang der sechziger Jahr'-' bei einer Reihe von Wissenschaftlern
zu der Vermutung, daß solche Tests die Ozonkonzentration verändern. Denn die
natürliche Neubildung von Ozon als Folge der Reaktionen von Luftsauerstoff
unter Ultraviolettbestrahlung von der Sonne müsste bei massiver Zufuhr von
Stickstoffoxid aus dem Gleichrewicht kommen. Katastrophale langfristige Auswirkungen wären nach einem großen Atomkrieg zu erwarten - und zwar weltweit, auch
außerhalb der Kampfgebiete. Dies ist eine der Schlußfolgerungen einer Studie
der amerikanischen Nationalen Akademie der Wissenschaften, die im Auftrag des
US-Amtes für Rüstungskontrolle durchgeführt und im Oktober 1975 veröffentlicht
wurde. Für die Ozonschicht wäre nach drei bis zehn Jahren ein Abbau um 30 bis
70 Prozent über der N^rdhalbkugel, um 20 bis 40 Prozent über der Südhalbkugel
zu erwarten. Was diej für die gesundheitliche Gefährdung der Davongekommenen,
für die Zerstörung ganzer Ökosysteme, aber auch die Veränderung von Klima und
Wettergeschehen bedeutet, ist leicht abzuschätzen.

-Gegenwärtige Belastung wird gründlich erforscht Ob und inwieweit gegenwärtig der Mensch durch seine Aktivitäten die Bilanz der komplizierten natürlichen Reaktionsmechanismen verändert, vermag noch
niemand mit Sicherheit zu sagen. Vieles spricht dafür, daß Flugzeugabgase,
vor allem die Abgase hoch fliegender überscha'lflugzeuge und in absehbarer

�absehbarer Zeit auch die des Raumtransporters, die Stratosphäre verstärkt mit
Stickstoffoxid belasten.
Eine ähnliche Wirkung haben die am Boden und in Bodennähe inaktiven und
stabilen Gase aus Spraydosentreibmitteln, Sie steigen im Verlauf von fünf bis
zehn Jahren in immer größere Höhen auf, wo sie beginnen, unter der Einwirkung
ultravioletter Strahlung Chloratome abzuspalten. Diese brechen Ozonmoleküle
auf und verzögern außerdem durch Zwischenreaktionen die Neubildung von Ozon erheblich.
Auf die Stickstoffoxid- und Chlorkomponenten, aber auch auf die Erfassung
zusätzlicher Belastungsfaktoren konzentrieren sich zahlreiche atmosphärische
Meßprogramme, die in jüngster Zeit von Wissenschaftlern amerikanischer Universitäten und staatlicher Institute in Angriff genommen wurden. Sie sollen die
Frage klären helfen, ob und in welcher Weise besondere Maßnahmen für einen
weltweiten Umweltschutz notwendig sind, damit das natürliche Gleichgewicht der
Stoffe und der Energiehaushalt der Atmosphäre erhalten bleiben. Andernfalls bestünde nach Meinung vieler Experten die Gefahr, daß beim Menschen bestimmte
Krankheiten, z.B. Neuerkrankungen an Hautkrebs und Netzhautablösung, zunehmen.
In der Tier- und Pflanzenwelt wäre mit einer höheren Mutationsrate und mit Entwicklungsschäden zu rechnen, das Auftreten gefährlicher neuartiger Krankheitserreger wäre nicht auszuschließen. Und auf weite Sicht könnte es auch ohne Atomkrieg zu ungewollten, einschneidenden Klimaveränderungen kommen.
Einen Teil der Meßaufgaben übernimmt bezw. ergänzt EXPLORER 55, der am
19. November 1975 in Kap Canaveral gestartet wurde. Der 740 kg schwere Satellit
umkreist die Erde im Äquatorbereich zwischen dem 20. Grad nördlicher und südlicher Breite in Höher zwischen 130 km und 3 220 km. Später soll er sogar zeitweilig in Luftschichten unterhalb 50 km eintauchen, um "vor Ort", inmitten der
Ozonschicht, mit einem Spezialspektrometer Messungen vorzunehmen. Kleine Bordtriebwerke sorgen für die notwendige Bahnhöhenänderung.
EXPLORER 55
- 3 -

�EXPLORER 55 baut unter anderem auf Beobachtungen von NIMBUS'4 auf. Dieses
1970 gestartete Gerä't umkreist in ca. 1 100 km Höhe die Erdei und wurde # vor
EXPLORER 55 als bisher einziger Satellit - mit einem "backscatter ultraviolett
spectrometer" (BUV - Instrument zur Erfassung ultravioletter Streustrahlung)
• ausgerüstet. Der neue EXPLORER, vervollständigt außerdem Meßdaten, die mit
EXPLORER 51 (gestartet 1973) und EXPLORER 54 (gestartet im Oktober-1-975, jedoch nur kurze Zeit funktionsfähig) gesammelt wurden. Die beiden Vorläufer
sondierten in Luftschichten oberhalb 130 km^über Bereichen zwischen dem 68.
Grad Nord und Süd sowie aus einer über beide Pole führenden Bahn.
&gt;
i3 Durch EXPLORER 51 wurde bekannt, daß in der Atmosphäre die:Konzentration
von Stickstoffoxid mit der geographischen Breite erheblich zunimmt und mit der
erdmagnetischen Aktivität (einer Funktion der Sonnenaktivität) stark schwankt.
Dabei nimmt die Erdatmosphäre aus Partikel strömen in der Region der Polarlichter häufig mehr Energie auf als von der Ultraviolettstrahlung von der Sonne.
Für die Reaktionsmechanismen innerhalb der Ätmoshäre, insbesondere aber" den
Ozonhaushalt der Stratosphäre, dürfte dies von großer Bedeutung sein. '••"• :•:.
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Labor- und Analysegeräte&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ausstellung und Fachtagung im US-Handelszentrum Frankfurt am Main -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Unterstaatssekretär erläutert Bestimmungen über Gegenzölle&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Interview mit dem USIA-Korrespondenten John J. Harter -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Worum es bei den multilateralen Handelsverhandlungen in Genf geht&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Frederick B. Dent - Sonderbeauftragter Präsident Fords für handelsverhandlungen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Probleme der Luftreinhaltung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auch die Natur trägt zur Verschmutzung bei -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vorsorgeuntersuchung an der Stratosphäre&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Explorer 55 soll Veränderungen der Ozonschicht erfassen -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>MM/iiM

55

17.

Dezember 1980

t

I N H A L T

DOKUMENTATION

Muskie-Interview mit europäischen Fernsehkorrespondenten
- Kontinuität in der US-Außenpolitik Erklärung der USA auf der KSZE_-Fo1geko_nferenz zum
wissenschaftlichen Austausch

HINTERGRUNDMATERIAL
Der große Technologie-Ausverkauf
$

- Von Arnaud de Brochgrave und Michael Ledeen -

%

Um Ubcr/cn Jung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 08-85432

�17. Dezember 1980

55

MUSKIE-INTERVIEW MIT EUROPÄISCHEN FERNSEHKORRESPONDENTEN
- Kontinuität in der US-Außenpolitik -

WASHINGTON

- (AD) - Der amerikanische Außenminister Edmund S.

Muskie hat am 8. Dezember 1980 europäischen Fernsehkorrespondenten in
Washington ein Interview gegeben, in dem er zu zahlreichen Themen,
vor allem auch den Entwicklungen in Polen, Stellung nahm. Muskie, der
am 20. Januar 1980 aus seinem Amt ausscheidet, rechnet mit einer Kontinuität
der amerikanischen Außenpolitik.

Die Korrespondenten waren Kari Grete

Makjan vom norwegischen Fernsehen NTK, Regis Faucon vom französischen
Fernsehen TF-1 und Sergio Telmon vom italienischen Fernsehen RAI.
Das Interview hat folgenden Wortlaut:
FRAGE:

Ich möchte Sie gleich zu Anfang - und das wird Sie nicht

wundern - zu Polen befragen. Wie beunruhigt sind Sie wirklich wegen
einer sowjetischen Intervention in jenem Land?
ANTWORT:

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�ANTWORT:

Der Präsident hat am Sonntag bekanntgegeben, daß die

Sowjets ihre Vorbereitungen, die für eine Intervention notwendig wären,
abgeschlossen haben. Die nächste Frage ist, welche Absichten die Sowjets
von diesem Punkt an hegen, und es ist die Ungewißheit hinsichtlich dieser
Absichten, die große Besorgnis - berechtigte Besorgnis - bei uns und
unseren NATO-Verbündeten auslöst, wie auch bei anderen Ländern, die davon
berührt würden.

Und so, wie die Spannung in dem Gebiet steigt - und sie

(

scheint jeden Tag zu steigen - so bereiten diese Ungewißheiten eine immer
größere Sorge.
FRAGE:

'

Wenn es zu Interventionsprozessen kommt, besteht dann über-

haupt eine Möglichkeit, daß die NATO-Mächte Gewalt anwenden würden, um einer
sowjetischen Intervention Einhalt zu gebieten?
ANTWORT:

Wenn immer Maßnahmen dieser Art in einem nahe dem NATO-

Bereich liegenden Gebiet getroffen werden, dann müssen sich die NATOLänder Gedanken über den Stand ihrer Einsatzbereitschaft und ihrer Bereitschaft machen, mit allen Entwicklungen fertig zu werden, die eintreten
könnten.
Darüber hinaus glaube ich nicht, daß es angebracht wäre, Spekulationen
über Situationen anzustellen, vor deren Eintritt wir abzuschrecken versuchen
und die hoffentlich auch nicht eintreten werden.
FRAGE:

Offensichtlich sind die Vereinigten Staaten nicht zu glücklich

über die Art und Weise, wie die europäischen Verbündeten nach der Invasion
Afghanistans hinsichtlich von Sanktionen reagiert haben. Glauben Sie,
daß die europäischen Verbündeten nach einer Invasion Polens mehr in Übereinstimmung mit den Vereinigten Staaten reagieren würden?
ANTWORT:

�ANTWORT:

Hinsichtlich Afghanistans gab es tatsächlich, wie aus

Veröffentlichungen deutlich wird, einige Meinungsverschiedenheiten mit
unseren Verbündeten hinsichtlich der zu treffenden Maßnahmen.

Die Maßnahmen,

die schließlich ergriffen wurden, haben der Sowjetunion nach meiner Auffassung
Kosten auferlegt»

Was nun Polen angeht, so liegt das natürlich viel

näher am NATO-Gebiet, und da dem so ist, mochte ich annehmen, daß die
Besorgnis (der europäischen Verbündeten) mindestens ebenso groß, wenn
nicht noch größer wäre.
Zweitens, im Falle Afghanistans hat es eine gewisse Enttäuschung
gegeben, daß es zu keiner ausreichenden Konsultation kam ehe das Ereignis
eintrat. Ich glaube, unsere Konsultationsverfahren und -gewohnheiten
haben sich seither verbessert.
Was die Entwicklungen in Polen und Osteuropa angeht, so standen
wir in engen Konsultationen mit unseren Verbündeten, und wir werden
das weiterhin tun. Wir geben alle uns verfügbaren Informationen an
unsere Verbündeten weiter. Und in dieser Woche, in der die Außen- und
Verteidigungsminister der NATO in Brüssel zusammenkommen, bietet sich
für uns eine ausgezeichnete Gelegenheit zu einem Meinungsaustausch, zu
einer Planung für alle denkbaren Ernstfälle, so daß nach meiner Auffassung
die Aussicht auf einen Zusammenhalt des Bündnisses in diesem Falle sehr
günstig ist.
FRAGE:

Wie könnten die Vereinigten Staaten auf eine Intervention

reagieren, ohne daß es eine militärische Reaktion wäre?
ANTWORT:

Zunächst einmal ist es natürlich für alle betroffenen

Länder - und dies schließt alle unsere NATO-Verbündeten sowie andere
Länder ein - wichtig, mit allen nur möglichen Mitteln vor der Maßnahme
abzuschrecken, die wir verhindern wollen.

Und ich glaube, daß alle der

beteiligten Länder, alle der betroffenen Länder dies auch getan haben -

- 3 -

�haben - durch öffentliche Erklärungen und über alle ihnen zur Verfügung
stehenden diplomatischen Kanäle.
Zweitens müssen wir uns natürlich alle untereinander konsultieren
hinsichtlich der Schritte, die im Fall einer Intervention zu unternehmen
wären.

Und eine Intervention kann in unterschiedlicher Gestalt erfolgen.

Etwa in Gestalt von Übungen in den Staaten des Warschauer Paktes,
die eine Intervention überdecken; natürlich könnte sie auch in Gestalt
einer grenzüberschreitenden Intervention erfolgen.

Derzeit scheint das

erstgenannte Szenario eher möglich zu sein.
FRAGE:

Herr Minister, wenn ich noch etwas weiter gehen darf, so

erhält man doch den Eindruck, daß speziell die Vereinigten Staaten und
der Westen im allgemeinen letztlich gar nichts tun können, wenn die Russen
wirklich etwas in Polen unternehmen wollen.

Ich meine, es gibt nichts,

um sie davon abzuhalten, oder sie, sollten sie sich erst einmal in Bewegung
gesetzt haben, aufzuhalten.
ANTWORT: Die Sowjets müssen natürlich die Zielsetzungen, die diese
oder jene Intervention nahelegen, gegen die Kosten einer solchen Intervention
abwägen. Und es gibt Kosten, die sich daraus ergeben könnten: diplomatische,
wirtschaftliche und politische, etwa die Kosten der Gewalt in Polen, falls
eine solche ausbrechen sollte. Es verbinden sich also mit einer sowjetischen
Intervention dieser Art hohe Kosten. Die Fortdauer der Entspannung und
deren Vorzüge - sogar auf ihrem derzeitigen Niveau - wären solche Kosten.
Und diese Kosten können auch aus sowjetischer Sicht sehr hoch und schwer
sein - zumal die Sowjets auch vor der Reaktion der Welt auf Afghanistan
stehen. Die Sowjets müssen also diese Kosten abwägen. Und die Bedeutung
des frühzeitigen Ausdrucks der Besorgnis durch die Verbündeten, einschließlich
der Vereinigten Staaten, liegt darin, den Sowjets klarzumachen, daß eine
jede Intervention dieser Art das hohe Risiko in sich birgt, daß solche

- 4 -

�solche Kosten entstehen werden.
FRAGE:

Herr Minister, glauben Sie, daß die Russen bereit sind,

dieses Risiko einzugehen?

Mit einem Wort:

glauben Sie, daß sie wirklich

in Polen einmarschieren werden oder nicht?
ANTWORT: Ich glaube nicht, daß es nützlich wäre, darüber zu spekulieren,
welches die Absichten der Sowjets derzeit sein könnten. Wir wissen nicht,
ob sie eine Entscheidung getroffen haben.
Andererseits sind die Vorbereitungen für eine Intervention umfangreich
und teuer gewesen.

Und daraus ist zu folgern, daß diese Vorbereitungen -

gleichgültig, ob eine Entscheidung getroffen wurde oder nicht - unternommen
wurden, um die

Ereignisse in Polen zu beeinflussen.

Und dies kann jederzeit

das Risiko einer Intervention erhöhen.
FRAGE:
ANTWORT:

Dies ist eine ziemlich pessimistische Erklärung.
Ich versuche nicht, pessimistisch oder optimistisch zu

sein, sondern die Tatsachen so zu betrachten, wie sie sind.

Und man

kann diese Tatsachen nicht ignorieren, ohne anzuerkennen, daß wir der
Möglichkeit einer Intervention näher sind, als wir sein würden, wenn
diese militärischen Vorbereitungen nicht getroffen worden wären.
FRAGE:

Darf ich fragen, welche Auswirkungen Sie sehen, die eine

sowjetische Invasion Polens auf die stattfindenden Verhandlungen über
nukleare Mittel Streckensysteme in Europa (TNF) haben könnte?
ANTWORT:

Dies ist eine Frage, die wir im Fall einer solchen Intervention

zu beurteilen hätten, und ich glaube, daß wir im Interesse der Festigkeit
des Bündnisses diese Fragen erst diskutieren, bevor wir unilaterale
Erklärungen hierüber abgeben.
Ich
- 5 -

�Ich würde sagen, daß eine Intervention, eine massive Intervention
durch die Sowjetunion diese Gespräche gefährden würde.

Aber ich möchte

zugleich darauf hinweisen, daß dies Kosten für die Welt insgesamt bedeuten
würde, wenn der Schwung in Richtung auf Rüstungskontrolle verlorengeht.
Rüstungskontrolle ist ein bedeutendes internationales Ziel - nicht allein
für die Vereinigten Staaten und unsere Freunde innerhalb der NATO, sondern
für den Weltfrieden insgesamt.
Aber die Last dieses Risikos liegt genauso schwer auf der Sowjetunion wie auf uns.

Und Tatsache ist, daß die Auswirkungen einer sowjetischen

Maßnahme wie in Afghanistan die Aussichten auf Rüstungskontrolle verringern
würden.
Jene ist unmittelbar verantwortlich für die Unterbrechung und wie ich glaube - die Unmöglichkeit der Ratifizierung des SALT II-Vertrags eines Zieles, das unsere europäischen Freunde unterstützten, eines Zieles,
das die Regierung Carter unterstützte, eines Zieles, das ich unterstützte.
Ungeachtet der starken Verpflichtung zur Rüstungskontrolle beeinflusst
diese Art von Maßnahmen die öffentliche Meinung hinsichtlich der Vertrauenswürdigkeit der Sowjetunion bei der Aushandlung und der Einhaltung
solcher Verträge.
FRAGE: Alle sind von der Notwendigkeit der Einheit zwischen den
Vereinigten Staaten und den europäischen Partnern sowie Japan überzeugt.
Aber ist die Regierung Carter Ihrer Meinung nach erfolgreich dabei gewesen,
die westlichen Staaten und Japan davon zu überzeugen, politisch, wirtschaftlich wie auch militärisch mehr für die gemeinsame Verteidigung der
Verbündeten zu tun?
ANTWORT:
Afghanistan

Nun, ich habe bereits hierzu etwas bei der Frage bezüglich
gesagt.

Wir hatten zum Beispiel die Unterstützung der

Verbündeten beim Getreideembargo, das ich für ein höchst wirkungsvolles

- 6 -

�wirkungsvolles Instrument gegen die Sowjetunion halte, das einen hohen
Preis auferlegte und das auch weiterhin einen hohen Preis auferlegt, wenn
man daran denkt, daß die Sowjets in diesem Jahr bereits ihre zweite
schwerwiegende Mißernte haben.
Hinsichtlich des Technologietransfers - besonders in bezug auf
COCOM - hat uns das Bündnis meiner Meinung nach unterstützt; dies gilt
für Japan genauso wie für unsere NATO-Verbündeten. Die Kontakte zwischen
dem Westen und der Sowjetunion waren während dieses Zeitraums eingeschränkt.
Gemischte Unterstützung gab es beim Olympiaboykott, obgleich auch dieser
meiner Meinung nach die Sowjets einer echten Olympiade beraubte - einer
Olympiade, die ihnen die Art von Prestige gebracht hätte, das sie erstrebten,
als sie sich um die Durchführung der diesjährigen Olympischen Spiele
bewarben.
Die Kosten also waren schwerwiegend und hoch, wir hatten die Unterstützung des Bündnisses. Die uns im Fall Afghanistan zur Verfügung
stehenden Optionen sind vielleicht nicht so vielgestaltig, wie dies im
Falle Polen ist.
FRAGE:

Da wir über die NATO sprechen, wie würden Sie die militärische

Bereitschaft der Verbündeten beurteilen?
ANTWORT: Ich glaube, sie hat sich in den vergangenen drei Jahren
erheblich verbessert, und es läuft ein Programm für weitere Verbesserung.
Wir haben die Verpflichtung zu 3 Prozent realem Wachstum pro Jahr. Es
gibt einige Anzeichen dafür, daß die derzeitige Verlangsamung der Konjunktur
in Europa dort zu einer gewissen Verschiebung führen könnte, aber ich
glaube, daß die Verpflichtung noch immer fest steht.
Es

- 7 -

�Es gab eine Entscheidung zur Modernisierung der nuklearen Mittel Streckensysteme in Europa, begleitet von einem Anzeichen der Bereitschaft
zur Verhandlung über Begrenzungen dieser Waffen, und dies - das weiß ich ist wichtig für unsere europäischen Freunde, und es ist wichtig für uns.
Ich glaube daher, daß es Wege gibt, sich damit auseinanderzusetzen.
FRAGE:

Sie erwähnten, daß die Probleme bei der Erfüllung der Zusage

für eine dreiprozentige Erhöhung der Verteidigungsausgaben auf wirtschaftliche
Probleme in den verschiedenen Staaten zurückzuführen sein könnten.
Aber sehen Sie auch ein politisches Verhaltensmuster hinter der
Tatsache, daß die drei Prozent nicht erfüllt werden?
ANTWORT: Nun, lediglich wohl das politische Verhaltensmuster, das
sich aus den wirtschaftlichen Bedingungen ergibt. Und dann auch die
überaus starke Unterstützung der Rüstungskontrolle, die wir in Europa
und an anderen Orten finden, auch in diesem Land, die dazu tendiert,
ebenfalls einen Einfluß auf diese Art von Entscheidungen auszuüben.
Aber wenn die Sowjetunion sich auf diese Art von Abenteuer einläßt, wie
das bei Afghanistan der Fall ist und wie dies bei einer Intervention in
Polen der Fall wäre, dann glaube ich, daß es eine Vorkehrung ist, die alle
Beteiligten zu treffen haben, nämlich, einen neuen Blick auf ihre militärische
Bereitschaft und ihre militärischen Vorbereitungen zu werfen.
Schließlich hat diese Art von Streitkräftebewegung in einem Territorium,
das in solcher Nähe der NATOTiegt, einen potentiellen Übersprungeffekt,
den in Rechnung zu stellen die Klugheit gebietet; und ich würde erwarten,
daß alle westlichen Staaten einen frischen Blick auf ihre Verteidigungspolitik und ihre Verteidigungsausgaben für den Fall einer Intervention
in Polen werfen.
FRAGE:

�FRAGE:

Verteidigungsminister Harold Brown hatte jüngst in einem

Interview mit der "New York Times" einige sehr scharfe Worte für die
europäischen Verbündeten.

Er sagte über die europäischen Länder, und

ich zitiere: "Sie müssen sich so verhalten, als ob ihre militärische
Sicherheit ihnen genauso wichtig ist wie uns."
Spiegelt dies auch Ihre Ansicht wider?
dem Bündnis?

Was empfinden Sie gegenüber

ANTWORT: Nun, Sie haben diesen Satz als "scharf" umschrieben.
Ich glaube, er ist ein Stück Realismus. Sollten das amerikanische Volk
und der amerikanische Kongreß einmal das Gefühl bekommen, Europa sei um
seine eigene Verteidigung nicht ebenso besorgt, wie wir es sind, so könnte
dies die Bündnisbeziehungen beeinflussen. Ich glaube nicht, daß das
der Fall ist.
Ich glaube, das, was wir jetzt sehen, ist eine Antwort auf wirtschaftliche Bedingungen und auf einen konjunkturellen Rückgang.

Ich

meine, daß die Verpflichtung zu den drei Prozent bisher - seit 1977 vorzüglich eingehalten wurde, zumindest, was die größeren NATO-Staaten
angeht.
Zusätzlich hierzu möchte ich noch darauf hinweisen, daß im Mai
dieses Jahres auf dem Treffen der Verteidigungsminister in Brüssel eine
Verpflichtung hinsichtlich der Erwägung zusätzlicher Maßnahmen eingegangen
wurde, um die Lücke zu schließen, die die Vereinigten Staaten in dem
Fall hinterlassen könnten, daß amerikanische Verstärkung redisloziert,
in ein anderes Gebiet als das der NATO disloziert werden müßte. Und
solche Maßnahmen werden diese Woche bei der NATO auf Ministerebene erwogen.
FRAGE:

�FRAGE:

Senator Percy sagte der sowjetischen Führung, daß der

SALT II-Vertrag "mausetot" sei. Sind Sie auch dieser Ansicht?
ANTWORT:

Ich glaube, man muß diese Erklärung von Senator Percy

in Zusammenhang mit einer anderen sehen, die er ebenfalls abgab, und in der
er davon sprach, daß es im SALT II-Vertrag Teile gebe, die gut seien und
die gerettet werden sollten, auf die aufgebaut werden sollte.

Ich

glaube sein Ausdruck "mausetot" bezog sich auf seine Beurteilung der
Aussichten für die Ratifizierung von SALT II in seiner derzeitigen Form.
Was sich daraus ergeben könnte, wäre eine ganze Reihe von Elementen
von SALT II, die in ein anderes Abkommen einbezogen werden könnten.
Ich sage das, ohne wirklich zu wissen, was der neugewählte Präsident
Reagan beabsichtigt und ob er sein Rüstungskontroilpaket tatsächlich
gepackt hat oder nicht.
Aber ich glaube, man muß beide
Erklärungen von Senator Percy
lesen, um genau zu verstehen, was er sagen wollte.
FRAGE: Ja, ich möchte Ihnen gern eine Frage über Frankreich stellen:
können Sie mir sagen, wie Sie die Beziehungen zwischen Frankreich
- manchmal als ein nicht allzu guter Verbündeter betrachtet - und der
abtretenden Regierung einschätzen?
ANTWORT: Ich glaube, daß wir insgesamt gesehen positive und konstruktive
Beziehungen haben. Wir stimmen von Zeit zu Zeit nicht miteinander überein, und die Franzosen haben nie gezögert, ihre abweichenden Meinungen
zum Ausdruck zu bringen. Und es ist meiner Ansicht nach eines der Zeichen
eines gesunden Bündnisses, wenn das Gefühl herrscht, es gebe Raum für
Meinungsverschiedenheit, für Diskussion und die Lösung von Differenzen.
Natürlich eliminieren wir sie nicht alle.
Unsere

- 10 -

�Unsere NATO-Verbündeten operieren von einer anderen Perspektive aus
als wir.

Bei ihnen gibt es unterschiedliche Ebenen der Verbindungen mit

der Sowjetunion und den Ländern des Warschauer Paktes. Und ich meine,
es ist klar, daß sie gelegentlich auch unterschiedliche Ansichten über
die Risiken haben werden sowie über die Maßnahmen, die getroffen werden
sollten, um ihnen zu begegnen und so weiter. Aus diesem Grunde halten wir
ja diese Zusammenkünfte ab.
FRAGE: Ich lebe hier schon seit einiger Zeit und glaube auch persönlich
nicht daran - aber man hört von einigen Leuten, daß es hier in Amerika
eine antifranzösische Stimmung gäbe, um es noch einmal zu sagen, ich
persönlich glaube nicht, daß dies wahr ist.
ANTWORT: Ich glaube nicht, daß ich die Haltung des amerikanischen
Volkes allgemein in dieser Weise charakterisieren würde, nein! Ich
vermute, daß genau so wie es in Frankreich Leute gibt, die durchaus keine
freundschaftlichen Gefühle für die Vereinigten Staaten hegen, auch Amerikaner
geben mag, die sich in ihren Gefühlen in der gleichen Weise gegenüber
Frankreich oder Deutschland oder anderen Ländern verhalten.
Aber ich denke ganz allgemein - und besonders seitdem ich dieses
Amt bekleide - daß die offiziellen Beziehungen zwischen den Vereinigten
Staaten und unseren Verbündeten auf der Basis der Konsultation und hinsichtlich der Bemühungen um Beilegung von Differenzen und Erreichung von
Übereinkommen sehr gesund gewesen sind.
FRAGE: Darf ich eine Frage in bezug auf Norwegen und die nördliche
Flanke der NATO stellen? Die norwegische Regierung hat kürzlich - nach
hitziger Debatte und vielen Kontroversen in meinem Lande - entschieden,
einiges amerikanisches militärisches Gerät in Norwegen vorausstationieren
zu lassen. Denken Sie, daß eine zunehmend angespannte Situation in
Europa besteht, wie die, die wir gerade jetzt mit Polen erleben, die zur

- 11 -

�zur Notwendigkeit einer weiteren Vorausbereitstenung von amerikanischem
militärischem Material im nördlichen Teil Europas führt?
ANTWORT:

Ich glaube, ein solches Urteil wäre voreilig.

Wie ich

bereits sagte, wenn es zu einer sowjetischen Intervention der einen
oder anderen Art kommt, so meine ich, daß wir den Stand unserer Bereitschaft
und Vorbereitung überprüfen müssten, um jedem Risiko für die Verteidigung
der NATO zu begegnen.
Aber in welcher Form solche Verstärkungsmaßnahmen erfolgen würden,
das könnte ich zu diesem Zeitpunkt nicht beurteilen.
FRAGE:

Könnte ich daran anschließen?

Ein Teil der Kontroverse

über die Vorausbereitstellungspläne in Norwegen leitet sich aus der Furcht
und Besorgnis her, daß Norwegen zu einem Kampfgebiet in einem nuklearen
Krieg zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion werden
könnte.

Könnten Sie zu dieser Besorgnis Stellung nehmen?

ANTWORT: Das ist natürlich eine Sorge, die auch auf die Meinung in
anderen europäischen Ländern ihren Einfluß hat. Norwegen ist nicht das
einzige Land zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion und
das ist auch der Grund, warum die NATO-Verteidigungsstruktur aufgebaut
wurde, und unsere eigene Politik bezüglich der strategischen Nuklearwaffen
ist genau so mit Hinblick auf die Verteidigung der NATO wie auf unsere
eigene gestaltet worden.
Im Falle eines nuklearen Krieges wären wir alle verwundbar, nicht
nur Norwegen oder die NATO-Staaten sondern höchstwahrscheinlich die
Vereinigten Staaten wären das primäre Ziel; sodaß es unser Ziel sein muß,
den nuklearen Krieg zu verhindern und vor ihm abzuschrecken und ich denke,
das ist einer der Gründe, warum es in Norwegen und anderen NATO-Staaten
eine so starke Unterstützung für Maßnahmen zur Rüstungskontrolle gibt.

- 12 -

t

�gibt.

Und unsere Aufgabe ist es, auf solche Maßnahmen zu drängen, und

ich kann Ihnen versichern, daß dies auch unser Wunsch ist.
FRAGE:
stellen.

Ich möchte zum Mittleren Osten übergehen und zwei Fragen

Die erste:

Werden Sie Stellung nehmen zu Senator Percys Er-

klärung über einen von Yasser Arafat geführten Palästinenserstaat?

Und,

zweitens, wie ist der derzeitige Stand solcher Verhandlungen über eine
palästinensische Selbstverwaltung?
ANTWORT: Die Ansicht unserer Regierung - die Ansicht dieser Administration, natürlich - ist, daß wir die PLO solange nicht anerkennen oder
mit ihr verhandeln können, wie sie sich weigert, für die Resolution 242
der Vereinten Nationen einzutreten, die nach unserer Ansicht die realistischste
Grundlage für die Lösung des arabisch-israelischen Konflikts bietet. Und
bis die PLO bereit ist, das Recht Israels, als Staat zu existieren, anzuerkennen, ist das unser Standpunkt und wir sind davon nicht abgewichen.
Ich sollte vielleicht hinzufügen, daß in den Abkommen von Camp David
impliziert wurde, daß an einem gewissen Punkt, und wie zu hoffen, sobald
als möglich, die Verhandlungsbasis für die Camp David-Abkommen sich über
die Vereinigten Staaten, Israel und Ägypten hinaus erweitern und Vertreter
des Volkes der Palästinenser aber auch Jordanien und andere Länder in
dem Gebiet einschließen würde.

Die PLO als eine Organisation jedoch hat

politische Positionen eingenommen, die wir als nicht im Einklang mit unseren
und Israels Interessen ansehen.
FRAGE:

Herr Minister, ich möchte eine Frage über die Menschenrechts-

politik und darüber stellen, wie sie von der Regierung Carter gehandhabt
wurde.

Vielleicht ging sie nicht so weit, wie dies beabsichtigt war,

aber immerhin brachte sie mancherorts einige gute Resultate - wie etwa in
Südamerika.

Und natürlich wird jetzt oft gesagt, daß die neue Administration

sich von einer solchen Politik abwenden wird.

- 13 -

Ich nehme an, daß Ihnen das

�das leidtut?
ANTWORT:

Ich meine,daß die Menschenrechte ein wichtiger Bestand-

teil unserer außenpolitischen Zielsetzungen in all den 200 Jahren waren,
seit es dieses Land gibt.
gelegt.

Präsident Carter hat besondere Betonung darauf

Ihre Frage zielt ja eigentlich darauf ab, ob sie überhaupt ein

legitimer außenpolitischer Beweggrund seien.
Lassen Sie es mich so sagen:

Es gibt etwa 16 Millionen Flüchtlinge,

die auf diesem Planeten umherirren, alles Menschen, die sich entschlossen haben, ihr Heim und ihre Heimat aus dem einen oder anderen Grund zu
verlassen.

Die meisten dieser Gründe haben etwas mit den Menschenrechten

zu tun - es sind Flüchtlinge wegen Kriegen, Flüchtlinge vor politischer
Verfolgung, Flüchtlinge aufgrund unzureichender wirtschaftlicher Möglichkeiten, Flüchtlinge vor dem Hunger und Flüchtlinge, die ihrer bürgerlichen
Freiheiten beraubt wurden.

Diese Menschen also verlassen den Ort, an dem

ihre Menschenrechte nicht anerkannt werden - größtenteils, so darf ich
wohl sagen, sowjetisches und von den Sowjets beherrschtes Gebiet.
Daher kann der Kampf um Gerechtigkeit und Frieden auf diesem Planeten
nicht losgelöst werden von Überlegungen im Bereich der Menschenrechte.
Länder, die die Menschenrechte respektieren, sind stabiler, sie werden
bessere Freunde, stärkere Verbündete.

Und das ist es, was die Menschen-

rechte für uns bedeuten.
Nun ist die Welt aber nicht in ihrer Gesamtheit gerecht und menschlich
und mitfühlend - und wir erkennen diese Tatsache an. Man kann diesen
Zustand nicht überall auf der Erde über Nacht erreichen. Aber das muß Zielsetzung nicht nur der Vereinigten Staaten, sondern auch der anderen Länder
sein; und ich sehe, daß die Menschenrechte von allen westlichen, demokratischen Gesellschaften genauso wie von unserer respektiert werden,
mögen sie vielleicht auch unterschiedlich formuliert sein. Daher glaube

- 14 -

�glaube ich, daß sie als ein wesentliches Element unserer Außenpolitik auch
weiterhin wichtig sein werden.

Denn nur, wenn wir erkennen, daß der

Hunger nach den Menschenrechten letztendlich die Ursache für die Instabilität in dieser Welt ist, können wir darauf hoffen, dem Frieden
näherzukommen.
FRAGE:
stellen?

Herr Minister, darf ich Ihnen noch eine Frage über das Bündnis

Sie sind gerade auf dem Weg nach Brüssel und das dortige

Ministertreffen der NATO.
sehr gut.
denken.

Derzeit ist der Zustand des Bündnisses nicht

Weder die Amerikaner noch die Europäer scheinen anders zu
Wo liegen Ihrer Meinung nach wirklich die Sorgen?

ANTWORT: Ich bin mit Ihrer ersten Annahme nicht einverstanden.
Ich glaube, wir haben darüber schon in Beantwortung einer anderen Frage
gesprochen.
FRAGE:

Ist alles o.k.?

ANTWORT: Lassen Sie es mich so sagen: die NATO ist im Wesentlichen
ein zur Verteidigung der Territorien seiner Mitgliedstaaten geschaffenes
Militärbündnis. In dieser Hinsicht sind die Zwecke und Zielsetzungen
des Bündnisses, ist die NATO meiner Meinung nach gesünder als dies viele
Jahre lang der Fall war. Wir haben mit einer Verbesserung unserer Verteidigungsposition, unserer Bereitschaft, unserer Vorbereitung und unseren
Modernisierungsanstrengungen begonnen.
Und bei diesen Zielsetzungen gab es, wenn überhaupt, nur wenig
Meinungsverschiedenheiten.

Wir sind Verpflichtungen eingegangen, auf

die ich bereits im Lauf dieses

Interviews abgehoben habe.

Wenn wir uns

aber mit Sicherheitsproblemen auseinandersetzen, die sich außerhalb des
NATO-Gebietes stellen, dann treten Meinungsverschiedenheiten auf, Unterschiede bei der Fähigkeit, mit diesen entstehenden Krisen fertigzuwerden

- 15 -

�fertigzuwerden und ein größeres Zögern seitens einiger Mitglieder des
NATO-Bündnisses, in diese Probleme einbezogen zu werden, die ihren
Ursprung außerhalb der NATO haben.

Und dies verlangt eine größere An-

strengung zur Führung seitens der Länder, deren Interessen betroffen
sind.
Nehmen wir das Gebiet des Persischen Golfs. Ganz Europa ist davon
betroffen, es geht um seine Sicherheitsinteressen bei jeder Bedrohung
des Gebiets um den Persischen Golf und der Seewege, wodurch ein öl ström
von 15 bis 16 Millionen Barrel täglich unterbrochen werden könnte.
Europa ist von diesem Strom abhängiger als wir in den Vereinigten Staaten.
Aber wir erkennen, daß jede Bedrohung der Sicherheitsinteressen der NATO
auch eine Bedrohung für uns ist.

Und daher sind wir Teil jener Anstrengung,

sind die führende Partei bei dem Unterfangen, die Risiken für das Gebiet
des Persischen Golfs so gering wie möglich zu halten.
Aber was die Rolle der NATO dort angeht, so ermöglichen es uns die
in Brüssel im vorigen Mai getroffenen Entscheidungen, beim Einsatz unserer
Streitkräfte flexibler zu sein, um den Drohungen am Persischen Golf zu
begegnen, und zeigen die Bereitschaft seitens des Bündnisses an, die
Lücke hinter uns zu schließen.

Und ich glaube, wir werden sehen, daß

daran auf den Treffen dieser Woche weitergearbeitet wird.
FRAGE:

Herr Minister, wir haben leider nur noch zwei Minuten.

Da ist noch eine Frage, die wir Ihnen noch nicht gestellt haben, und
es ist eine sehr wichtige.

Es geht um den Iran.

Ich weiß, daß Sie

in der Vergangenheit sehr darum bemüht waren, keine falschen Hoffnungen
zu erwecken.

Aber gibt es vielleicht jetzt irgendeinen Durchbruch?

ANTWORT: Ich muß auch heute wieder genauso vorsichtig sein. Ich
weiß, daß es einige positive öffentliche Erklärungen der iranischen
Führung gibt. Aber wir haben aus der Erfahrung dieser letzten, quälenden

- 16 -

�quälenden Monate gelernt, daß es besser ist, zu warten, bis wir ihre
offizielle Antwort haben, bevor wir ihre eigene Darstellung ihrer Reaktion
wörtlich nehmen.
Natürlich ist die Tatsache, daß wir auch weiterhin über einen Mittelsmann, auf stiller, diplomatischer Grundlage, miteinander verkehren, meiner
Meinung nach positiv, und wir hoffen, daß dies schließlich zu einer Lösung
führen wird.
FRAGE:

Ja. Noch einmal über Iran:

glauben Sie, daß die Iraner

auf die neue Regierung warten könnten, um - nun, Sie wissen!?
ANTWORT: Dies scheint nicht ihre derzeitige Haltung zu sein, aber
ich - noch einmal: ich glaube, daß ich auf diese Frage besser antworten
kann, wenn wir ihre nächste Antwort haben.
Herr Minister, vielen Dank.

+ + + + +

- 17 -

�Doku

ation

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

17. Dezember 1980

55

ERKLÄRUNG DER USA AUF DER KSZE-FOLGEKONFERENZ ZUM
WISSENSCHAFTLICHEN AUSTAUSCH

MADRID - (AD) - Ein Mitglied der Delegation der Vereinigten Staaten auf
der KSZE-Nachfolgekonferenz in Madrid erörterte am 10. Dezember 1980 in einer
Sitzung über Korb 3 der Vereinbarungen von Helsinki die Haltung der USA in
Fragen der wissenschaftlichen Austauschprogramme.

Die Rede hat folgenden Wort-

laut:
"Die Delegation der Vereinigten Staaten nimmt diese Gelegenheit wahr, um
erneut ihrer Überzeugung Ausdruck zu geben, daß die Entwicklung wissenschaftlicher und technologischer Zusammenarbeit zur Stärkung von Sicherheit und Zusammenarbeit beiträgt und deshalb für die Entwicklung von Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa wichtig ist.
Am 3. Dezember beschrieb Dr. Philip Handler, der Präsident der Nationalen
Akademie der Wissenschaften der Vereinigten Staaten und anerkannter Wissenschaftler auf seinem Fachgebiet, vor dem Plenum die wissenschaftliche Zusammenarbeit als eine Entwicklung mit 500jähriger Tradition.

Es dürfte sehr schwie-

rig sein, dies noch beredter als er darzustellen - aber internationale Zusam-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Zusammenarbeit in der Wissenschaft ist, wie er erläuterte, ein unabdingbarer
Bestandteil wissenschaftlichen Bemühens. Wissenschaftler in aller Welt halten naturgemäß Verbindung mit ihren Kollegen und werden dies auch künftig
tun, um in ihrer Arbeit voranzukommen und die Phänomene, die uns umgeben,
besser zu verstehen.

Aufgabe der Regierungen ist es dabei, dieses wissen-

schaftliche Bemühen zu unterstützen und diese Verbindungen zu erleichtern.
Die Bemühungen der Vereinigten Staaten um Durchführung wissenschaftlicher
und technologischer Zusammenarbeit wurden seit Helsinki fortgesetzt, und die
Zusammenarbeit zwischen den USA und den Ländern Osteuropas wurde allgemein
ausgeweitet.

Neue Abkommen über wissenschaftliche und kulturelle Austausch-

programme wurden 1977 mit Bulgarien und Ungarn unterzeichnet, und Programme
mit Rumänien im Rahmen des 1974 geschlossenen Abkommens sind inzwischen erweitert worden.

Unser auf der Vereinbarung von 1974 basierendes Kooperations-

programm mit Polen ist durch weitere neue Projekte umfangreicher geworden.
Wir haben uns einverstanden erklärt, Verhandlungen über ein neues kulturelles
und wissenschaftliches Austauschabkommen mit der DDR Anfang 1981 zu sprechen.
Diese bilateralen Programme bestehen nicht nur bereits oder sind geplant,
sondern darüber hinaus setzt das Internationale Gremium für Forschung und
Austausch (IREX) sein Programm für den Austausch von graduierten Studenten,
Dozenten und Gelehrten mit den osteuropäischen Ländern fort. Das IREX-Programm für 1980/81 sieht Austauschprojekte von 30-Mann-Monaten mit Bulgarien,
von 55 Mann-Monaten mit Ungarn, von 60 Mann-Monaten mit Polen und von 50
Mann-Monaten mit Rumänien vor. Durch ein 1979 geschlossenes Abkommen wurde
auch ein IREX-Programm mit der DDR eingerichtet. Im Zeitraum 1980/81 sind
Austauschprojekte von 40 Mann-Monaten mit der DDR vorgesehen.
Von der Nationalen Akademie der Wissenschaften im Rahmen des FulbrightAustauschprogramme mit den osteuropäischen Ländern durchgeführte Austauschprojekte werden auch weiterhin auf einem Stand gehalten, der mindestens so
hoch ist wie in früheren Jahren.
Auch

�Auch die Zusammenarbeit mit der UdSSR hat im gleichen Zeitraum zugenommen.
Seit Helsinki haben wir nicht zugelassen, daß auch nur einer unserer bilateralen Wissenschafts- und Technologieverträge in Verzug gerät oder abgebrochen
wird. Vielmehr wurden mit der Sowjetunion im Jahr 1977 fünf, 1978 zwei, 1979
zwei Verträge und 1980 ein Vertrag, nämlich der über das Transportwesen, erneuert.

Bis Ende 1979 nahm die Zahl der Wissenschaftler und Projekte unter elf

Austauschverträgen mit der Sowjetunion zu, wie es bei der Aktivität in gewissen
multilateralen Projekten wie dem Internationalen Institut für angewandte
Systemanalyse (IIASA) geschah.

Im Dezember 1979 waren über 220 verschiedene

Projekte aufgrund dieser Abkommen im Gang, an denen einige unserer besten Wissenschaftler mitarbeiteten.

Diese Entwicklungen trugen bis zum Beginn des

Jahres 1980 generell zu ständig wachsender Zusammenarbeit in Wissenschaft und
Technologie bei.
IREX arrangiert auch weiterhin Austauschprojekte mit der UdSSR.

Das

IREX-Programm für 1980/81 sieht Austauschprojekte mit der UdSSR vor, die
450 Mann-Monate umfassen.

Die Vereinigten Staaten unterhalten außerdem ein

Vortragsaustauschprogramm im Rahmen des Fulbright-Programms mit der UdSSR,
das nach wie vor große Aktivität aufweist.
Jedoch wird die wissenschaftliche und technologische Zusammenarbeit von
Problemen mehrerer Kategorien belastet.

Eines davon ist der Informationsaus-

tausch bei unveröffentlichten Forschungsdaten.

Die USA sind der Ansicht, daß

beide Partner eines Gemeinschaftsprojekts ein Recht auf alle dabei erarbeiteten Informationen haben, und zwar sowohl vor wie nach der Publikation, und
ebenso auf entsprechenden gegenseitigen Austausch veröffentlichter Informationen.

An Gemeinschaftsprojekten mit sowjetischen Kollegen beteiligte ameri-

kanische Wissenschaftler haben oft Schwierigkeiten gehabt, an unveröffentlichte Daten, die sich im Rahmen des Projekts ergaben, heranzukommen, und
sie erhielten nicht in jedem Fall veröffentlichte Daten auf der Basis der Gegenseitigkeit für jene Daten, die sie selbst verfügbar machten.
Amerikanischen Wissenschaftler gelingt es häufig nicht, sowjetischen
Wissenschaftlern per Post Zeitschriften und wissenschaftliche Arbeiten zu^
- 3 -

�zukommen zu lassen, und westliche Zeitschriften sind vor der Auslieferung
zensiert worden.
Auch die Nichterteilung von Visen durch Regierungsbehörden für amerikanische Gast-Wissenschaftler und für sowjetische Wissenschaftler, die im Rahmen
ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit ins Ausland reisen wollen, behindert die
Kooperation.

Wir sind der Meinung, daß eine größere Flexibilität in der Ertei-

lung sowohl von Einreise- als auch von Ausreisevisen sowie von Einreisevisen
zu mehrmaliger Benutzung während der Dauer des vorgesehenen Aufenthaltes gerechtfertigt und notwendig ist, um den Bestimmungen der Schlußakte im Zusammenhang mit Austausch und Besuchen von Wissenschaftlern und Technikern gerecht
zu werden.
Amerikanische Wissenschaftler haben die Erfahrung gemacht, daß ihre Anstrengungen zur Realisierung des vollen Potentials wissenschaftlicher Zusammenarbeit mit der UdSSR durch die sowjetische Weigerung behindert wird, Zugang
zu bestimmten Regionen zu erlauben, so in die Arktik und den Permafrost-Gürtel
sowie zu einigen Wissenschaftszentren, z.B. zu dem Institut für theoretische
Physik in Gorki, wo wichtige Arbeit geleistet wird.
Es trifft auch zu, Herr Vorsitzender, daß Entwicklungen auf internationaler Ebene und in bezug auf die Menschenrechte sowjetischer Wissenschaftler
zu einem massiven Rückgang in der wissenschaftlichen und technologischen Zusammenarbeit mit der Sowjetunion geführt haben, wie der Herr sowjetische Delegierte bemerkte.
Die amerikanische Akademikerschaft sah sich gezwungen, ihre Mißbilligung
repressiver Maßnahmen sowjetischer Behörden gegen eine Reihe sowjetischer Wissenschaftler klarzumachen, auf die Dr. Handler teilweise näher einging. Aufgrund dieser Situation reduzierte die Nationale Akademie der Wissenschaften
der Vereinigten Staaten, eine unabhängige, nicht-staatliche Körperschaft, Anfang 1980 Ihr Austauschprogramm, indem Symposien und Seminare mit der Sowjetunion verschoben wurden. Im Mai brachte der Präsident der Akademie in einem
Schreiben an seinen sowjetischen Kollegen erneut die Behandlung von Dr.
- 4 -

�Dr. Sacharow zur Sprache und gab seiner Besorgnis Ausdruck, daß die amerikanischen Wissenschaftler künftige Austauschprojekte möglicherweise nicht mehr
unterstützten, weil sowjetischen Wissenschaftlern Grundrechte vorenthalten
würden.
Auf der Plenarsitzung dieser Konferenz am 3. Dezember bemerkte Dr. Handler:
"In einer bemerkenswerten Aktion ließen kürzlich etwa 8000 amerikanische Wissenschaftler offizielle sowjetische Vertreter wissen, daß sie in keiner Form an
Austauschprogrammen mit der Sowjetunion teilnehmen wollten."

Und Dr. Handler

erklärte weiter, ihre Zahl werde steigen - gleichgültig, wer in Amerika Präsident sei - , solange es keine glaubhafte Gewähr dafür gebe, daß der Gang der
Ereignisse, der sie so besorgt mache, eine Umkehrung erfahre.
Herr Vorsitzender, diese von so vielen Angehörigen einer der prominentesten
Gruppen in den Vereinigten Staaten unternommene Aktion war und ist noch immer
eine sehr schmerzliche Angelegenheit.

Unsere Wissenschaftler waren erfreut über

die Austauschprogramme und profitierten davon.
Kollegen und persönliche Freunde.

Sie gewannen Wissenschaftler-

Die Aktion ist für sie ein persönliches Op-

fer, mit dem sie ihre Befürchtungen zum Ausdruck bringen.
In einer davon getrennten Entwicklung reduzierte die Regierung der Vereinigten Staaten als Reaktion auf die Invasion Afghanistans durch sowjetische
Truppen im Dezember 1979 den Personenaustausch im Rahmen der bilateralen Abkommen mit der UdSSR. Auf dem Höhepunkt dieser Austauschprogramme waren etwa
200 verschiedene Projekte im Gang; im Jahr 1979 konnten ca. 1500 amerikanische
und sowjetische Wissenschaftler einander in ihren Laboratorien besuchen. Wir
ließen die sowjetischen Behörden wissen, daß wir die Invasion als eine ernste
Verletzung der Verpflichtungen erachteten, die in der Schlußakte und an anderer Stelle festgeschrieben sind, und wir machten unseren Standpunkt deutlich,
daß damit die Basis des für kooperative zweiseitige Aktivität notwendigen gegenseitigen Vertrauens zerstört worden sei. Solange diese Grundlage des gegenseitigen Vertrauens fehlt, sehen wir uns außerstande, bilaterale Aktivitäten
auf der gleichen Basis wie zuvor fortzusetzen. Unsere bilateralen Abkommen über

- 5 -

�über Wissenschaft und Technologie bleiben bestehen, wenn auch in eingeschränkter Form.
Herr Vorsitzender, internationale Zusammenarbeit ist nach wie vor tief
eingebettet in die Politik der Vereinigten Staaten zur Entwicklung von Wissenschaft und Technologie.

Tausende von Wissenschaftlern in öffentlichen, pri-

vaten und industriellen Laboratorien und in Universitätsinstituten unterhalten
und erweitern Beziehungen mit Kollegen in der ganzen Welt, einschließlich den
auf dieser Konferenz vertretenen Ländern.

Wir schätzen diese Zusammenarbeit;

wir bemühen uns ernsthaft darum, ihr Wachstum zu fördern; und wir werden das
auch künftig tun.
Wir hoffen auf den Tag, an dem sowjetische Aktionen das Minimum an internationaler Stabilität und an internationalem Vertrauen wiederherstellen, das
erforderlich ist, um die Zusammenarbeit in Wissenschaft und Technologie auch
mit der UdSSR wieder aufzunehmen.

+ + + + +

�71

Hintergrund
materiell
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

17. Dezember 1980

55

DER GROSSE TECHNOLOGIE-AUSVERKAUF
Von Arnaud de Borchgrave und Michael Ledeen

A. de Borchgrave war Chefkorrespondent
für Auslandsberichterstattung des Nachrichtenmagazins NEWSWEEK. Michael Ledeen
ist Chefredakteur der Zeitschrift
"Washington Quarterly".
Der Artikel erschien in der Zeitschrift
THE NEW REPUBLIC.
Nachdruck mit dem Vermerk "Copyright 1980
by THE NEW REPUBLIC, Inc." gestattet.

- (AD) - Seit fast zwei Jahrzehnten finanziert der Westen zwei getrennte
Verteidigungsbudgets - sein eigenes
Aufwendungen des Sowjetblocks.

und einen ständig steigenden Anteil der

Einige der engsten Berater des künftigen Prä-

sidenten Ronald Reagan bestehen darauf, daß die neue Regierung die Initiative
ergreift, um strengere Kontrollen für den Strom von Informationen und modernster
Technologie in die Sowjetunion und in andere Länder des Warschauer Paktes zu
schaffen.

Aber obgleich auch selbst die Regierungschefs der NATO-Länder und

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�und Japans dieser Meinung sind, werden sie sich dagegen sträuben, die Geschäfte in hochwertiger Technik mit den kommunistischen Ländern einzuschränken.
In einem der am häufigsten zitierten Lenin-Worte wird prophezeit, daß die
kapitalistischen Länder eines Tages der Sowjetunion noch den Strick verkaufen
würden, mit dem diese sie aufknüpft.

Und heute ist nach den Worten von Se-

nator Henry Jackson "unser Exportkontroilsystem ein Trümmerhaufen.

Die Ver-

einigten Staaten und ihre Verbündeten verkaufen den Strick an die Sowjets.
Was wir nicht verkauft haben, verschleudern wir in der Form von Bildungs-, Regierungs- und technischen Austauschprogrammen.

Was wir nicht verkauft oder

verschleudert haben, stehlen sie."
Allein in den letzten zehn Jahren haben die westlichen Länder den Sowjets
Waren im Wert von 50 Milliarden Dollar verkauft - u.a. Werkzeugmaschinen,
Starkstromleitungen, hochwertige Technologie, die bei Raketen und Panzern eingesetzt wird, Kommando-, Kontroll- und Nachrichtensysteme, Spionagesatelliten
und Radar.

Auch waren die Russen in der Lage, modernste Fertigungsanlagen,

mit westlichen Krediten entworfen und gebaut, zu erwerben, die einen Teil ihres
militärischen Arsenals produzieren.
Einschränkungen westlicher Lieferungen an die Sowjets sind in den letzten
Jahren merklich schwächer geworden. Dies kommt zum Teil daher, daß die Personen und Institutionen, die diese Geschäfte regeln sollen, im allgemeinen wenig geeignet sind, die möglichen Auswirkungen von Technologie-Transfer zu beurteilen. Und zum Teil beruht es auf einem blinden Glauben an die Vorzüge
von Ost-West-Handel.
Im vorigen Jahr beispielsweise verkaufte die schwedische Firma DATSAAB
der Sowjetunion ein Luftverkehr-Kontroll System, mit dem jede Art von fliegendem Objekt (auch wenn kein Funksignal existiert) geortet werden kann; damit
vermag man auch herauszufinden, ob es sich bei dem Objekt um ein feindliches
Flugzeug oder einen feindlichen Flugkörper handelt.

Das DATSAAB-System kann

den Flugkurs des Objektes errechnen und innerhalb kurzer Zeit seine jeweilige
künftige Position zu jedem beliebig gewählten Zeitpunkt errechnen.

Kurzum,

�Kurzum, das der Sowjetunion verkaufte "Flugverkehr-Kontrollsystem" besitzt
Merkmale, die für militärische Zwecke einzigartig geeignet sind.

Dieses

schwedische System - für Moskauer Flughäfen bestimmt - enthält amerikanische
integrierte Schaltkreise und wurde mit amerikanischer Zustimmung an Moskau
geliefert, obgleich einige Beamte im Pentagon Besorgnisse äußerten.
Im Jahr 1972 genehmigte die US-Regierung den Verkauf von 164 Schleifmaschinen des Typs Bryant Centalign-B an die Sowjetunion. Diese Maschinen fabrizieren winzige Kugellager in bemerkenswert präziser Ausführung - mit einem
Millionstel Millimeter Maßgenauigkeit. Solche Kugellager sind unerläßlich für
Flugkörperführungssysteme modernster Konstruktion. Die Russen hatten erstmals
in den sechziger Jahren das Bryant-System angefordert, und die Regierung
Eisenhower genehmigte den Verkauf. Im folgenden Jahr gaben auch die Experten
Präsident Kennedys ihre Zustimmung, aber Kennedy annullierte das Geschäft,
nachdem eine Untersuchung durch den Kongreß das enorme militärische Potential
dieser Technologie aufgezeigt hatte. Ein Fachmann erklärte vor dem Senat,
"unser Herstellungsverfahren für diese kleinen Vorrichtungen ist kein Geheimnis - aber die Fähigkeit, sie in guter Qualität und wirtschaftlich herzustellen, hat Jahre der Entwicklung gebraucht und dürfte nicht an einen potentiellen
Gegner verkauft werden... Es geht ja nicht darum, unseren Gegnern einen Schläger zu verkaufen, sondern Maschinen, die helfen, bessere Schläger schneller und
billiger zu produzieren."
Zehn Jahre später erlangten die Sowjets von der Nixon-Administration
schließlich die Zustimmung, weil das Bryant-Verfahren angeblich von anderen
Ländern, beispielsweise der Schweiz, nachgeahmt werden könnte.

Zu dieser fol-

genschweren Entscheidung war man nach einer 24stündigen Blitzreise amerikanischer Ingenieure in die Schweiz gelangt.
Das 20-Millionen-Dollar-Geschäft war für die Sowjets ein Glückstreffer,
denn es gab ihnen die Möglichkeit, eine neue Generation von Interkontinentalraketen hoher Treffgenauigkeit zu bauen.

Jetzt müssen die Vereinigten Staaten

womöglich soundsoviele Milliarden Dollar aufwenden, um ihre eigenen Raketenstellungen gegen diese neue sowjetische Bedrohung zu verteidigen.
- 3 -

"Man kann

�kann schwerlich annehmen", so erklärte Lawrence Brady (ehemaliger stellvertretender Direktor des Amtes für Exportfragen) einem Senatsausschuß, "daß in
Qualität und Produktionsleistung vergleichbare Maschinen woanders hätten erworben werden können, wenn die Sowjets 11 Jahre darauf gewartet haben, eine
Ausfuhrgenehmigung

für Bryant-Maschinen zu bekommen."

In beiden Fällen mag man einwenden, daß amerikanische Beamte das militärische Potential der Verkäufe an die Sowjets einfach nicht erkannten.

Aber

selbst wenn die militärischen Auswirkungen nur zu deutlich wurden, hat es die
amerikanische Regierung - wie auch die Regierungen anderer westlicher Länder versäumt, zu handeln.

Beispielsweise erfuhren im Jahr 1977 die Amerikaner,

daß im Zil-Lastwagenwerk in Moskau zahlreiche Raketenabschußlafetten hergestellt und Tausende von Zil-Lastwagen in Militärbasen geschickt werden. Zuvor waren Lastkraftwagen vom Typ Zil-131 in Vietnam zum Materialtransport
über den Ho-Tschi-Minh-Pfad verwendet worden.

Dennoch genehmigten die Ver-

einigten Staaten auch weiterhin den Export von Computern, von Computerteilen
und sogar eines Laser-Systems für die Zil-Werke zur Verwendung sowohl im Lastwagenwerk als auch in ihrem Laboratorium in Moskau.

Zur gleichen Zeit konnten

amerikanische Experten nachweisen, daß Lastwagen aus dem mit massiver amerikanischer Hilfe gebauten Werk am Kama-Fluß für militärische Zwecke verwendet
wurden und daß es auch hier keine Maßnahme gab, um Genehmigungen für weitere
Unterstützung zu stoppen.

Die amerikanische Beteiligung am Kama-Projekt

wurde erst ausgesetzt, als sich herausstellte, daß Kama-Lastwagen im Zusammenhang mit der sowjetischen Invasion in Afghanistan eingesetzt wurden.
Am Beispiel Kama und Zil zeigte sich, wie falsch eine der wichtigsten
Theorien über die Entspannung war - die Theorie nämlich, daß die Sowjetunion
in ein Netz von Abkommen mit dem Westen und ineinandergreifenden Interessen
eingebunden würde.

Statt dessen "verhielt sich", wie Senator Jackson sagte,

die Carter-Regierung "wie eine kranke Spinne, die sich im eigenen Netz gefangen hatte und nicht fähig ist, sich daraus zu befreien".
Andere westliche Länder zeigten einen ähnlichen Mangel an Wahrnehmungsfähigkeit.

Die Westdeutschen exportierten computergesteuerte, für Mehrfach- 4 -

�Mehrfachbetrieb geeignete Maschinen zur Titanbehandlung - und erleichterten
damit die Entwicklung der modernsten Generation sowjetischer Raketen und des
neuen Riesenunterseeboots, das fast doppelt so groß ist wie die amerikanische
TRIDENT.

Und als die Vereinigten Staaten nach der sowjetischen Invasion in

Afghanistan die Exportkontrollen strenger handhabten, gaben die Franzosen
Pläne bekannt, von Creusot-Loire, ihrem führenden Stahl Produzenten, ein Elektrostahlwerk - ein 350-Millionen-Dollar-Projekt - in der Sowjetunion bauen zu
lassen.

Dies verärgerte die Amerikaner derart, daß Creusot-Loire-Stähle mit

mehr als 2,5 Prozent Nickel in den Vereinigten Staaten nicht mehr zugelassen
wurden (mit der Begründung, daß das Nickel aus Kuba komme und nach wie vor
unter ein allgemeines amerikanisches Embargo falle).

Die Grundidee für den westlichen Beitrag zur sowjetischen Technologie
erklärte der Chef der Fiat-Werke, Giovanni Agnelli:

"Es ist unmöglich, zu

beweisen - mit Ausnahme einiger weniger Gebiete hochwertiger Technologie -,
daß der Ost-West-Handel die Macht der Sowjets mehr stärkt, als daß er zum
Wohlergehen der westlichen Volkswirtschaften beiträgt."

Mit Außenhandel be-

faßte Beamte in den meisten europäischen Ministerien und das amerikanische
Handelsministerium scheinen dem zuzustimmen.

Aber viele Militärexperten sagen

etwas ganz anderes.

Dr. Miles Costick, der Präsident des in Washington ansässigen Instituts
für strategischen Handel, gab zu Protokoll, daß "selten, falls überhaupt ein
Land ähnlich wie die Sowjetunion in der Lage war, die Länder, gegen die ihre
Rüstung zum größten Teil gerichtet ist, dazu zu bringen, so viel von dieser
Aufrüstung zu finanzieren."

Und eine auffallend große Anzahl von Emigranten und Personen, die sich
aus dem Sowjetblock abgesetzt habe, berichtet, die westliche Technologie sei
von entscheidender Bedeutung für das Wachsen der Sowjetmacht - auf weite
Sicht zum Schaden für den Westen.

Dr. Igor S. Glagolev, als Forscher lang-

jähriges Mitglied der Sowjetischen Akademie der Wissenschaften, bis er im Oktober 1976 in den Vereinigten Staaten das erbetene Asyl erhielt, erklärte,
"die Sowjetgesellschaft sähe sich ohne all die Unterstützung, die sie von
- 5 -

�von westlichen Ländern erhält, unerträglichen Belastungen gegenüber".
Vor allem nutzten die Sowjets die übliche Offenheit des Westens - insbesondere in der Periode der Entspannung - aus, um in den Besitz westlicher
Industriegeheimnisse zu gelangen.

Beispielsweise betreffen 80 Prozent aller

der amerikanischen Regierung im Rahmen des Gesetzes über Informationsfreiheit
vorgelegten Anträge industrielle und wissenschaftliche Informationen.
Teil dieser Anträge kommt aus dem Sowjetblock.

Ein

Verschiedene Bundesministerien

werden mit Anträgen in bezug auf Patente, Fabrikationsverfahren und Konstruktionspläne geradezu überschwemmt, und oft haben sie keine Möglichkeit, nachzuprüfen, wer tatsächlich hinter den Anträgen steckt.

"Angesichts der Hunderte

von Einzelinformationen, die ich jährlich freigebe", so bemerkte ein hoher Beamter im Pentagon, "schaudert mich bei dem Gedanken daran, welches Gesamtbild
die Russen über unsere Aktivitäten zusammenfügen können".
Sowjetische Experten nehmen an wissenschaftlichen Konferenzen des Westens,
an hochspezialisierten Seminaren in westlichen Universitäten teil und haben Zugang zu fortgeschrittenen Forschungsprojekten in westlichen Laboratorien. Aber
Forscher aus dem Westen haben in der Sowjetunion keine derartigen Chancen.
Tatsächlich spricht ein Vergleich der Forschungsprojekte der 45 graduierten Studenten und Dozenten aus der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten, die im
Jahr 1980 im jeweils anderen Land studieren, Bände, um zu erkennen, welche Vorteile die Sowjets davon haben. Fast alle Projekte der Sowjets sind hochtechnischer Natur (einschließlich solcher Themen wie "Wechselwirkung von Ionen und
Plasma mit festen Oberflächen", "automatische Kontrolle, auf Raumschiffe angewandt" ."Prinzipien der Konstruktion von Analogcomputern", außerdem so interessante Themen wie "Forschungen über die Hintergründe der amerikanischen
Mittelost-Politik auf der Basis offizieller amerikanischer und israelischer
Regierungsdokumente", während die amerikanischen Gelehrten in der Sowjetunion
sich fast ausschließlich mit humanistischen Themen wie "Sowjetisches Schadensersatzrecht", "Eine vergleichende semantische Analyse des verbalen Aspekts im
Russischen und Serbo-Kroatischen" und "Musikalische Genren in russischer Musik" befassen.
Darüber

�Darüber hinaus spielen die Sowjets natürlich auf vielen Instrumenten,
um Begeisterung für einen Ost-West-Technologie-Transfer wach zu halten. So
richteten sie 1972 in Moskau eine Ausstellung ihrer neuesten Computer aus
- der sogenannten Ryad-Serie.
Memorex Corporation:
fähig.

Dazu Eugene Douglas von der Direktion der

"Ein großer Teil der Ausrüstungen war nicht betriebs-

Einige Modelle waren weiter nichts als leere Boxen, Maschinenattrap-

pen, die nur zur Schau gestellt waren."
sollte zweierlei bezweckt werden.

Mit diesen "Potemkinschen Computern"

Erstens wollte man westliche Firmen dvon

überzeugen, daß - nach einem Motto der Sowjets - "ein enormer unerschlossener
Computermarkt" bestehe.

Zweitens sollte damit suggeriert werden, die Russen

hätten so große Fortschritte in der Computertechnik gemacht, daß Gründe der
nationalen Sicherheit nicht länger angeführt werden könnten, um ihnen unsere
eigene Computertechnik vorzuenthalten.

Die Russen haben sogar schon begonnen, einflußreiche Beteiligungen an
westlichen Firmen in so sensitiven Bereichen wie der Elektronik zu erwerben.
Eine dieser Firmen ist Unitronex in Des Piaines im Staate Illinois.

Unitronex

gehört zum Teil einem polnischen Computer-Elektronik-Konzern namens Unitra
und befaßt sich mit einigen der fortschrittlichsten Computertechnologien, die
es in den USA heute gibt.

Aus dem Pentagon verlautet, daß Firmen wie

Unitronex Zugang zu modernster Technologie erlangen können, deren Export wahrscheinlich nicht genehmigt würde.

In den Vereinigten Staaten gibt es jetzt über 25 solcher Firmen, eine
Entwicklung, die, wie es heißt, im Sommer dieses Jahres den Nationalen Sicherheitsrat veranlaßte, dieses Thema in einer Denkschrift zu erörtern.

Als die

Studie des Nationalen Sicherheitsrates von einem interministeriellen Gremium
geprüft wurde, drang das Pentagon darauf, die Namen dieser Firmen zu veröffentlichen, damit jedermann erfahre, wer sie seien.

Aber das State Department

riet der US-Regierung, von einer Intervention Abstand zu nehmen, und hob die
Bedeutung guter allgemeiner Beziehungen zur Sowjetunion hervor.

Natürlich

istdieses Instrument des Sowjetblocks nichts Illegales - amerikanische Firmen
mit ausländischer kommunistischer Beteiligung dürfen sich genauso wie jedes
andere amerikanische Unternehmen betätigen.
Eines
- 7-

�Eines der Grundthemen sowjetischer Propaganda für einen Zugang zu westlicher hochwertiger Technologie möchte glauben machen, daß ein solcher Zugang
den Russen helfen könne, ihre eigenen Energievorkommen zu entwickeln und damit
die Versuchung zu verringern, einen militärischen Schlag im Gebiet des Persischen
Golfs zu führen.

Dies war eines der Hauptthemen in der Debatte über das soge-

nannte Dresser-Geschäft.
Im Jahr 1978 erlangte das Unternehmen Dresser Industries in Dallas, ein
führender Hersteller von ölbohrausrüstungen, Exportgenehmigungen für ein Fertigungsprojekt im Wert von 144 Millionen Dollar für ein Werk zur Herstellung
von Steinmeißeln für ölbohrausrüstungen und für eine computergesteuerte Elektronenschweißanlage, die zur Herstellung der Meißel verwendet werden konnte. Die
Genehmigungen wurden sowohl vom Handels- als auch vom Verteidigungsministerium
erteilt, aber der ständige Untersuchungsausschuß Senator Jacksons wandte sich
gegen die Entscheidung der Regierung Carter.

In seiner Aussage vor dem von

Senator Jackson geleiteten Unterausschuß stellte Dr. J. Fred Bucy vom Direktorium der Fa. Texas Instruments als das zentrale Problem heraus:

"Es gibt

keine Politik zu der Frage, ob es die Vereinigten Staaten für eine gute oder
eine schlechte Sache halten, den Sowjets zu helfen, ihre Energieressourcen
zu erschließen.

Bis diese Entscheidung gefällt wird, müssen wir, so scheint

mir, die Option offen halten, ihnen entweder zu helfen oder nicht zu helfen.
Nach meinem Gefühl haben wir uns im Grunde dieser Option begeben, wenn diese
Bohrmeißelfabrik genehmigt wird."
Die Carter-Administration schob die endgültige Genehmigung des DresserGeschäfts zwei Jahre auf, und die Angelegenheit wurde offenbar kurz nach den
Präsidentschaftswahlen beigelegt, als der Berater für Nationale Sicherheit,
Brzezinski, im Namen des Präsidenten bekanntgab, das Dresser-Werk solle nicht
für die Sowjets gebaut werden.
Die Entscheidung Carters war keine Lösung für das Grundproblem; der künftige Präsident wird die weitergehende Frage, ob der Westen das sowjetische
Energieprogramm zu unterstützen wünsche, ansprechen müssen.
Es
- 8 -

�Es gibt

eine internationale Organisation für die Kontrolle von Exporten

in den Sowjetblock, COCOM (Koordinierungskomitee) genannt, dem Japan und alle
NATO-Länder mit Ausnahme Islands angehören.

COCOM führt bestimmte Technologien

auf, die ohne Sondergenehmigung nicht an den Ostblock geliefert werden dürfen.
Vor der Präsidentschaft Carters gingen die meisten Ausnahmegenehmigungen an
westeuropäische Länder.

In den letzten Jahren jedoch entfallen mehr als 60

Prozent der Sondergenehmigungen auf die Vereinigten Staaten, was es diesen erschwert, von den Verbündeten mehr Zurückhaltung zu fordern.

Während im amerika-

nischen Außenhandel Exporte in den Osten nur einen kleinen Prozentsatz ausmachen,
sind diese für die Europäer von viel größerer Bedeutung.

Ein Streitfall ergibt sich gegenwärtig aus dem westdeutschen Tauschgeschäft von Technologie gegen sowjetisches Erdgas.

Die Sowjets versuchen, den

größten Teil Westeuropas in das 12-Milliarden-Dollar-Projekt zu involvieren.
Ein belgisches Bankenkonsortium verhandelt gegenwärtig mit den Sowjets über
einen Kredit in Höhe von 1 Milliarde Dollar, und die größte Bank des Landes
- Societe Generale - hat die belgische Regierung um eine Garantie für den
Kredit ersucht.

Die Sowjets würden diese Kredite für den Ankauf von Röhren

und Fahrzeugen zur Röhrenverlegung in Übergröße (worüber gegenwärtig mit der
Caterpillar Corporation in Washington verhandelt wird) sowie von anderen Ausrüstungen verwenden.

Die Bezahlung würde in der Form sowjetischen Erdgases

erfolgen.

Sollte dieses Tauschgeschäft Zustandekommen, wird die Bundesrepublik
Deutschland schließlich zu 30 Prozent ihres Erdgasbezugs von der Sowjetunion
abhängig werden, während die Sowjets all die Technologie bekommen, die zur
Entwicklung ihrer eigenen Ressourcen und sogar zum Bau einer Pipeline in die
Region des Persischen Golfs notwendig ist.

Dies wird es der neuen Reagan-Ad-

ministration noch schwerer machen, die Verbündeten Amerikas von der Dringlichkeit strikter Kontrollen über künftige Aktionen von Technologie-Transfer zu
überzeugen, denn die Russen werden in beträchtlichem Umfang Einfluß auf die
westliche Energieversorgung erlangt haben.

Vom

�Vom künftigen Präsidenten weiß man, daß er eine Politik der Verbindungen
mit den Sowjets befürwortet und Technologie-Transfer soll ja eine wichtige
Rolle in dieser Politik spielen.

Reagan hofft, das abenteuerliche Vorgehen

der Sowjets in der Dritten Welt einschränken zu können, indem hochwertige
Technik zurückgehalten wird, solange das Verhalten des Kreml unannehmbar ist.
Aber eine Stornierung der Verbindungen verlangt die volle Mitarbeit aller
Mitglieder des COCOM.

Deshalb muß der neue Präsident im Technologie-Transfer

ein Problem sehen, das zu Meinungsverschiedenheiten führen könnte.

- 10 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Muskie-Interview mit europäischen Fernsehkorrespondenten&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Kontinuität in der US-Außenpolitik -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung der USA auf der KSZE-Folgekonferenz zum wissenschaftlichen Austausch&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der große Technologie-Ausverkauf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Arnaud de Brochgrave und Michael Ledeen -&lt;/em&gt;</text>
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17. Dezember 1980

55 A

I N H A L T

INFORMATION
Alexander M. Haig, Jr.: Außenminister in spe
Caspar W. Weinberger:
Donald Regan:

Verteidigungsminister in spe

Finanzminister in spe

William French Smith:

Justizminister in spe

Malcolm Baldrige:

Handelsminister in spe

Andrew L. Lewis:

Verkehrsminister in spe

Raymond J. Donovan:
Richard S. Schweiker:

Arbeitsminister in spe
Minister für Gesundheit und Sozialwesen in spe

Dave Stockman:

Direktor des Amtes für Haushaltsplanung in spe

William Casey:
in spe

Direktor des Zentralamtes für Nachrichten und Abwehr

Um Über/endung von
ßckgcHcmplorcn
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 08-85432

�^

ITT
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

17. Dezember 1980

55

ALEXANDER M. HAIG, JR.:

AUSSENMINISTER IN SPE

- (AD) - Mit der Nominierung des früheren Generals Alexander
M. Haig, Jr. zum Außenminister der Regierung Ronald Reagans wird in das
Machtzentrum Washingtons ein Mann zurückkehren, dessen Wirken sowohl
während republikanischer als auch demokratischer Regierungen ihn als
einen Mann ausweist, der sich durch seine Intelligenz, seine harte Arbeit
und seine Effizienz in vielen Krisenlagen bewährt hat.
Viele halten es für das Verdienst Haigs, als Stabschef des Weißen
Hauses in den letzten Monaten der durch den Watergate-Skandal erschütterten
Regierung Nixons die Präsidentschaft selbst vor dem Zusammenbruch bewahrt
und den Weg für einen geordneten Übergang der Macht an Gerald Ford bereitet
zu haben.
Respekt erwarb sich Haig danach als NATO-Oberbefehlshaber durch
seine Verbesserungen bei Ausbildung und Strategie des Bündnisses. Zugleich machte er sich für die Einführung der Neutronenwaffe stark. Es
hieß, daß er 1978 ernste Differenzen mit der Regierung Carter hierüber

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432
i

�hierüber hatte und mit seinem Rücktritt wegen der Entscheidung Washingtons
drohte, die Produktion dieser Waffe hinauszuschieben.

Bei der NATO

verbrachte Haig viereinhalb Jahre; sein Rücktritt als Vier-Sterne-General
kam 1979 dennoch recht unerwartet und war begleitet von seinen beredt
vorgetragenen Besorgnissen über die intensiven militärischen Anstrengungen
der Sowjets in Europa und ihre "offenkundige, illegale ... Intervention
in der Dritten Welt."
1947 ging Haig von der amerikanischen Militärakademie ab und erhielt
1961 seinen M.A. in Internationalen Beziehungen von der Georgetown-Universität.
Zu Beginn der sechziger Jahre arbeitete er als Assistent für Cyrus Vance,
der damals Armeeminister und später Stellvertretender Verteidigungsminister
war.

Mitte der sechziger Jahre nahm Haig als Kommandeut des 1. Battaillons

der 26. Infantriedivision am Krieg in Vietnam teil.
Zu Beginn der Präsidentschaft Richard Nixons machte Henry Kissinger
als Nationaler Sicherheitsberater Haig zu seinem Berater für Militärfragen im Nationalen Sicherheitsrat. Unter Haig wurde dessen Stab
reorganisiert, um den Informationsfluß und Gedankenaustausch zu verbessern.
Er hielt die Verbindung zwischen Pentagon und Außenministerium und leitete
die Sitzungen des Nationalen Sicherheitsrates in Abwesenheit von Kissinger.
Für diesen war er ein "unentbehrlicher Stellvertreter".
1970 stieg Haig zu einem der wichtigsten Helfer des Präsidenten
auf und besuchte mehrmals Vietnam, um Nixon unmittelbare Eindrücke der
Kriegslage zu verschaffen.

Dabei gelang es Haig auch, die südvietnamesische

Einwilligung in das Waffenstillstandsabkommen von 1973 zu erhalten.
1972 ging er in die Volksrepublik China, um die Vorbereitungen
für den historischen Besuch Nixons in diesem Land zu treffen.
Trotzdem

�Trotzdem zog es Haig wieder zum Militär, und so beförderte ihn
Nixon vom Zwei-Sterne-Generalmajor zum Vier-Sterne-General.

Im Januar 1973

wurde Haig Stellvertretender Stabschef der Armee.
Mitte 1973 erzwang die Watergate-Krise jedoch den Rücktritt der
engsten Mitarbeiter Richard Nixons; Haig kam ins Weiße Haus zurück und
wurde Stabschef, wobei Nixon sich mit Verschärfung der Krise zunehmend
auf ihn stützte. Haig war sich des Opfers und der Last bewußt, die er
auf sich nahm, und bemerkte damals ironisch, er sei "ein historisches
Phänomen: der erste General im aktiven Dienst, der vom Militärdienst
zurücktreten muß, um in den Kampf zu ziehen." Andererseits habe er
"keine Alternative, als zu kommen".
Sechs Wochen noch war Haig dann Stabschef unter Präsident Ford,
bevor ihm dieser die beiden angesehensten militärischen Positionen übertrug, die es für einen amerikanischen Offizier im Ausland gibt: er ernannte
ihn zum Alliierten Oberbefehlshaber in Europa und zum Oberkommandierenden
der amerikanischen Streitkräfte in Europa.
Gefragt, ob ihm seine Tätigkeit in den letzten Tagen der Regierung
Nixons schaden könnte, antwortete Haig: "Ich hege absolut keine Gewissensbisse hinsichtlich meines Verhaltens in jener Zeit.

Ich nehme an, daß

die eine oder andere Entscheidung auf diesem Weg im nachhinein etwas
anders hätte ausfallen können.

Aber im wesentlichen bin ich stolz auf das,

was ich getan habe."
Haig, der jetzt 56 Jahre alt ist, legt bei seiner Rückkehr nach
Washington den Posten eines Präsidenten bei der Firma "United Technologies"
nieder, ein Unternehmen, das zu den 20 größten der Vereinigten Staaten
gehört.
(Auch Haig muß nach Regierungsantritt von Ronald Reagan am 20. Januar 1981
noch offizell nominiert und vom Senat bestätigt werden.)
+ + + + +

- 3 -

�17. Dezember 1980

55

CASPAR W. WEINBERGER: VERTEIDIGUNGSMINISTER IN SPE

- (AD) - Caspar Weinberger, den der designierte Präsident Ronald
Reagan fUr das Amt des Verteidigungsministers ausersehen hat, verfügt
über eine reiche Erfahrung im Regierungsdienst und in der Wirtschaft.
Jahrgang 1917, ist Weinberger Vizepräsident der Bechtei Power Corporation,
einer Kraftwerkgesellschaft in San Franzisko, und gilt als Vertrauter
Reagans.
Dem Mann, der unter Präsident Nixon Direktor des wichtigen Amtes
für Haushaltsplanung war, wird zu getraut, das notwendige Geld für notwendige neue Waffensysteme aufzubringen und gleichzeitig den Verteidigungshaushalt zu straffen. Aus jener Zeit stammt sein Spitznamen "Cap the
Knife", frei nach Mackie Messer, denn es gelang ihm in jenen Jahren,
den Bundeshaushalt zurückzustutzen.
Schon als Budgetdirektor war sich Weinberger über die "komplexen
Faktoren" des Verteidigungshaushaltes im klaren, bei dem es um die
komplizierteste Technologie, heikelste Diplomatie und komplizierteste

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�komplizierteste Strategie gehe, wobei man nur bedingt künftige Ereignisse
voraussagen oder beeinflussen könne.
Weinberger hatte unter Nixon auch den Posten des Ministers für
Gesundheit, Erziehung und Sozialwesen inne.
Caspar W. Weinberger wurde am 18. August 1917 in San Franzisko
geboren und besuchte nach seiner Schulzeit dort das College und anschließend die Juristische Fakultät der Harvard-Universität.

Im Zweiten

Weltkrieg trat er in die amerikanische Armee ein, wo er zuletzt in der
Aufklärungsabteilung im Hauptquartier von General McArthur tätig war
und als Hauptmann entlassen wurde.
Nach dem Kriege begann Weinberger eine Anwaltspraxis in Kalifornien
und kam zum erstenmal mit der Republikanischen Partei in Berührung. Er
wurde dreimal als Abgeordneter in die Gesetzgebende Versammlung (Parlament)
des Staates Kalifornien gewählt (1952-58). Er wurde 1960 Stellvertretender
Vorsitzender des Zentralausschusses der Republikanischen Partei in Kalifornien und 1962 dessen Vorsitzender.
Anfang bis Mitte der sechziger Jahre galt Weinberger als Liberaler,
als er jedoch Ende der sechziger Jahre Finanzdirektor des damaligen
Gouverneurs des Staates Kalifornien, Ronald Reagan, v^urde, nahm er in
zunehmendem Maße eine finanzpolitisch konservative Haltung ein. Die
Tendenz zu immer höheren Staatsausgaben, so seine Auffassung, sei nicht
"unausweichlich". Als er 1975 sein Amt als Gesundheitsminister in
Washington aufgab, warnte Weinberger vor der Gefahr einer alles überwuchernden Bundesregierung.
"Wenn diesem Wachstum nicht Einhalt geboten wird", sagte er damals,
"dann könnte es uns unserer kostbarsten persönlichen Freiheiten berauben.
Es erschüttert auch die Grundlagen unseres Wirtschaftssystems."
Erst
- 2 -

�Erst kürzlich, als von Reagan berufener Vorsitzender des Koordinierungsausschusses für die Wirtschaftspolitik, forderte er sofortige und tiefgreifende Ausgabenkürzungen.

Niemand, auch nicht die Minderheiten, sollten

sich jedoch wegen dieser Kürzungen Sorgen machen, da es um eine Straffung
und Verbesserung vor allem des Sozialsystems gehe, wie sie Reagan als
Gouverneur in Kalifornien erfolgreich praktiziert habe.
Weinberger ist mit der geborenen Jane Dal ton verheiratet und hat
zwei Kinder.
(Weinberger muß wie alle seine Kabinettskollegen nach dem Amtsantritt des neuen Präsidenten am 20. Januar 1981 von diesem offiziell
nominiert und vom Senat in seinem Amt bestätigt werden.)

+ + + + +

- 3 -

�17. Dezember 1980

55

DONALD REGAN: FINANZMINISTER IN SPE

- (AD) - Donald T. Regan, den der designierte Präsident zum Finanzminister
bestimmt hat, wird einen Posten übernehmen, den viele Kenner der politischen
Szene als die für Wirtschaftsfragen entscheidende Schaltstelle der Regierung
ansehen.

So wird der kommende Finanzminister als eine seiner ersten bedeut-

samen Aufgaben die von der neuen Regierung geplanten umfangreichen Steuersenkungen verwirklichen müssen.

Dabei macht ein Blick auf die Rezepte, die Regan

zur Heilung der Wunden des amerikanischen Wirtschaftslebens bereithält, deutlich, daß sie sich nur wenig von denen des neuen Präsidenten unterscheiden.
Im Verlauf einer Anhörung vor dem zuständigen Ausschuß des Repräsentantenhauses, schlug Regan im Rahmen eines dreiteiligen Anreizprogramms bei den Steuern unter anderem eine großzügigere Abschreibung vor, die es der Wirtschaft
erlauben soll, die Kosten neuer Investitionen rascher von ihrem zu versteuernden Einkommen abzusetzen, als dies gemäß derzeit geltendem Recht der Fall ist.
Außerdem regte er eine Verminderung der Kapitalertragssteuer auf einen Höchstsatz von 21 Prozent an sowie eine Ausweitung der gegenwärtigen Steuerklassen,
um die Inflationswirkung auszugleichen. Alle diese Vorschläge werden vom designierten Präsidenten unterstützt. Genau wie dieser glaubt Regan daran,
daß Steuersenkungen das Wirtschaftswachstum ankurbeln werden, ohne zugleich

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Telex: 08-8543

�zugleich inflationär zu wirken.

"Zusätzliches Wirtschaftswachstum und zusätz-

liche Steuereinnahmen würden durch günstige Stellenangebote, Ersparnisse und
die Auswirkungen auf Investitionsanreize geschaffen, die die Steuersenkungen
hervorrufen würden", unterstreicht Regan.
Regan setzt sich außerdem für eine Gesetzgebung ein, die auf ein niedrigeres Niveau der öffentlichen Ausgaben abzielt.

Derzeit machen diese Ausgaben

etwa 22 Prozent des amerikanischen Bruttosozialproduktes aus.
Auf einer Pressekonferenz am 11. Dezember betonte Regan, daß die Inflation
noch immer das Hauptproblem der amerikanischen Wirtschaft darstelle.

Deshalb

muß seiner Meinung nach das Wirtschaftsprogramm der neuen Regierung auch beides
umfassen: Steuersenkungen und Ausgabenkürzungen.

Nur so könne das Land seine

Verteidigungsausgaben erhöhen, ohne zusätzliche inflationäre Kräfte freizusetzen.

Bis zur endgültigen Ausarbeitung des Programms besteht nach Ansicht Regans

die einzig richtige Art der Inflationsbekämpfung in einer Politik des knappen
Geldes.
Regan wurde am 21. Dezember 1918 in Cambridge im Bundesstaat Massachusetts
geboren.

Nachdem er 1940 seine Studien an der Harvard-Universität abgeschlossen

hatte, trat er in das Marinekorps ein und ging am Ende des Zweiten Weltkrieges
im Range eines Oberstleutnants ab.
Neben seiner Tätigkeit als Präsident der bekannten Börsenmaklerfirma
Merrill Lynch war Regan von 1972-75 Stellvertretender Vorstandsvorsitzender
der New Yorker Börse. Außerdem ist er Mitglied des privaten Rates für Auswärtige Beziehungen und anderer privater und gemeinnütziger Organisationen, die
geschaffen wurden, um Geschäfts- und Wirtschaftsbeziehungen in aller Welt zu
fördern.

Schließlich war Regan von 1974 bis 1978 Vorsitzender des Kuratoriums

der Universität von Pennsylvania.

Außerdem veröffentlichte er ein Buch und

zahlreiche Artikel über Finanz- und Wirtschaftsfragen.
(Regan muß nach Regierungsantritt von Ronald Reagan am 20. Januar 1981
noch offiziell nominiert und vom Senat bestätigt werden.)
+ + + + +
- 2 -

�17. Dezember 1980

55

WILLIAM FRENCH SMITH: JUSTIZMINISTER IN SPE

- (AD) - Für den Posten des amerikanischen Justizministers hat der designierte Präsident Ronald Reagan den 63jährigen William French Smith nominiert,
mit dem ihn ein über fünfzehnjähriges enges Vertrauensverhältnis verbindet.
Smith ist Anwalt und Mitinhaber (senior partner) eines der größten Anwaltsbüros von Los Angeles.

Zu seinem Spezialgebiet gehören Verhandlungen

mit den Gewerkschaften, bei denen er die Belange der Arbeitgeber vertreten hat.
Smith hat sich auch viele Jahre lang aktiv in der Politik betätigt und
im Jahre 1972 auf dem Republikanischen Konvent die Delegation von Kalifornien
geführt. Bei den Wahlkampagnen Reagans war er ein entschiedener Befürworter
der Nominierung seines Freundes zum republikanischen Präsidentschaftskandidaten.
Als Gouverneur von Kalifornien berief Reagan ihn in den Senat der Universität von Kalifornien.

Seit 1971 gehört Smith dem amerikanischen Beratungs-

ausschuß für Fragen der Weltpolitik, der Erziehung und Kultur an.

Er ist außer-

dem Präsident des Rates für weltpolitische Angelegenheiten von Los Angeles und
Mitglied des beratenden Ausschusses des Zentrums für strategische und internationale Studien der Georgetown-Universität.
Smi th

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D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Smith hat ferner einen Sitz im Aufsichtsrat dreier großer amerikanischer
Firmen:

der Pacific Lighting Corporation, der Jorgensen Steel Company und

der Pullman, Incorporated.
Smith wurde in New Hampshire geboren und wuchs in Boston auf. Er studierte an der Universität von Kalifornien und schloß sein Studium mit den höchstmöglichen Noten ab. Während des Zweiten Weltkrieges diente er bei der Marine
und wurde zum Leutnant befördert.
(Smith muß nach Regierungsantritt von Ronald Reagan am 20. Januar 1981
noch offiziell nominiert und vom Senat bestätigt werden.)

- 2 -

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International Communication Agency
Embassy of the United States of America

17. Dezember 1980

55

MALCOLM BALDRIGE: HANDELSMINISTER IN SPE

- (AD) - Malcolm Baldrige, Leiter eines führenden Industrieunternehmens, wurde von Ronald Reagan zum Handelsminister seiner Regierung
auserwählt.
Baldrige, 58 Jahre alt, steht derzeit noch an der Spitze der Firma
Scovill-Aktiengesellschaft in Watersbury, Connecticut. Er trat 1962
in das Unternehmen ein und wurde bereits ein Jahr später Vorsitzender
des Vorstands. Unter seiner Führung verlagerte Scovill seine Aktivitäten
im Metallbereich und in der Herstellung von Industriegütern hin zu einer
diversifizierten Produktion von Haushaltsgeräten, mechanischen AusrUstungsgütern und automatischen Industrieanlagen. Zur Firma gehören 85 Zweigstellen in den Vereinigten Staaten sowie in 22 anderen Staaten. Ihr
Umsatz stieg von 169 Millionen Dollar im Jahr 1963 auf 929 Millionen im
Jahr 1979. Dies brachte ihr den 300. Rang in der von der Fachzeitschrift
"Fortune" herausgegebenen Liste der 500 führenden Industrieunternehmen in
den Vereinigten Staaten ein.

Die

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�Die Hauptaufgabe des Handelsministeriums besteht darin, die wirtschaftliche Entwicklung der Vereinigten Staaten zu stärken.

Dies geschieht

durch eine vielfältige Dienstleistung, zu der die Sammlung statistischer
Unterlagen ebenso gehört wie Hilfestellung für Firmen und Förderung
amerikanischer Exporte.
Im Laufe einer Veranstaltung in Washington am 11. Dezember 1980,
auf der einige der neuernannten Mitglieder der Regierung Ronald Reagans
der Presse vorgestellt wurden, erklärte Baldrige, daß er eine seiner Hauptaufgaben im Handelsministerium darin sehe, die Produktivität des amerikanischen
Geschäftslebens zu erhöhen.

Zu den Überlegungen in diesem Rahmen gehören

seiner Meinung nach steuerliche Maßnahmen, Erleichterungen im Bereich
von Regierungsvorschriften und Verbesserung nicht nur der Arbeitsproduktivität,
sondern auch der Produktivität im Management.
Während der Vorwahlen des Jahres 1980 leitete Baldrige den erfolgreichen
Wahlkampf des Vizepräsidentschaftskandidaten der Republikanischen Partei,
George Bush, im Bundesstaat Connecticut. Nachdem Reagan von seiner Partei
zum Präsidentschaftskandidaten ausersehen worden war, wurde Baldrige
stellvertretender Vorsitzender einer landesweiten Vereinigung, die sich
"Geschäftsleute für Reagan" nannte.
Baldrige, der schon seit langem als ein gemäßigter Republikaner
gilt, wurde am 4. Oktober 1922 in Omaha im Bundesstaat Nebraska geboren.
Als Jugendlicher verbrachte er seine Sommerferien auf Rinderfarmen und
wurde dabei zum Spezialisten mit dem Lasso - ein Hobby, dem er auch heute
noch nachgeht: er gewann eine Vielzahl von Rodeo-Meisterschaften und war
ehemals Direktor des Verbandes der Rodeo-Reiter.
Im Jahr 1943 ging Baldrige mit einem B.A. von der Yale-Universität
ab und diente von 1943 bis 1946 in der amerikanischen Armee, wo er es
bis zum Hauptmann brachte. Den Krieg erlebte er im Pazifik. 1947 trat

- 2 -

�trat er in die "Eastern Company" ein, einer Metallwarenfirma in Connecticut,
und arbeitete sich zum Präsidenten dieser Firma empor, bevor er zu
Scovill überwechselte.
Neben seiner Tätigkeit bei dieser Firma sitzt Baldrige zudem noch im
Vorstand mehrerer anderer großer Unternehmen. Er ist Mitglied des "Business
Council", einer Organisation führender amerikanischer Geschäftsleute;
außerdem noch im Rat für auswärtige Beziehungen und in der Internationalen
Handelskammer.
Baldrige ist verheiratet und hat zwei Töchter.
(Baldrige muß wie alle seine Kabinettskollegen nach dem Amtsantritt
des neuen Präsidenten am 20. Januar 1981 von diesem offiziell nominiert
und vom Senat in seinem Amt bestätigt werden).

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�International Communication Agency
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17. Dezember 1980

55

ANDREW L. LEWIS: VERKEHRSMINISTER IN SPE

- (AD) - Wenn die Wahl des designierten Präsidenten Ronald Reagan für
den Verkehrsminister der Vereinigten Staaten auf Andrew L. Lewis, Jr. fiel,
dann hat das sicherlich mit dessen reicher Erfahrung mit den amerikanischen
Eisenbahnen zu tun.
Während der letzten zehn Jahre war Andrew Lewis - "Drew", wie ihn seine
Freunde nennen - Mitglied des Aufsichtsrates der Reading Company of
Pennsylvania, die ein Fracht- und Massentransit-Eisenbahnnetz betreibt, das
Williamsport in Pennsylvania und Wilmington in Delaware mit New York verbindet.

(Die Eisenbahnen in den USA werden von Privatgesellschaften betrieben.)

Lewis ist Mitglied der Delaware River Port Authority - Hafenaufsichtsbehörde - und war auch in dem privaten World Affairs Council - Rat für Weltpolitik -,dem Direktorium der Temple-Universität in Pennsylvania und in zahlreichen anderen öffentlichen Interessengruppen aktiv tätig. Der Republikanischen
Partei ist er seit über zehn Jahren verbunden und hat die Präsidentschaftskandidatur Reagans nachdrücklich unterstützt. Seit 1968 hat er an jedem Parteikonvent der Republikaner teilgenommen. Seine Kandidatur für das Amt des Gouverneurs von Pennsylvania im Jahre 1974 schlug jedoch fehl.
Seit

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�Seit 1975 leitet Lewis seine eigene Finanz- und Unternehmensberatungsfirma, zu deren Kunden führende Firmen, wie die First Pennsylvania Bank und
Builders Investment Group gehören.

Die Reading Eisenbahngesellschaft, der

sein Hauptinteresse während der letzten zehn Jahre galt, hat rund 10 000 Beschäftigte und befördert jährlich rund 10 Millionen Passagiere. Sie hat ferner eine Tochtergesellschaft für den Straßengüterverkehr; ihr Bruttoertrag
für 1979 wird mit 150 Millionen Dollar, das Anlagevermögen mit rund 325 Millionen Dollar angegeben.
Im Jahre 1976 wurden die Reading Company und fünf weitere Eisenbahngesellschaften im Nordosten der Vereinigten Staaten zu einem neuen Verbund,
der Consolidated Rail Corporation, zusammengeschlossen.

An dieser Neuord-

nung, deren letzte Maßnahmen Ende 1980 abgeschlossen werden, war Lewis wesentlich beteiligt.
In den sechziger Jahren war Lewis in leitender Position bei einer ganzen
Reihe von Firmen tätig gewesen, darunter die Simplex Wire and Cable Company
in Boston und die National Gypsum Company in Buffalo.
Andrew L. Lewis wurde am 3. November 1931 in Philadelphia geboren, absolvierte das Haverford College in Pennsylvania und erwarb 1955 an der
Harvard-Universität seinen Master of Business Administration

(Betriebswirt-

schaft).
Lewis ist verheiratet mit der geborenen Marilyn Stoughton und hat drei
Kinder.
(Lewis muß nach Regierungsantritt von Ronald Reagan am 20. Januar 1981
noch offiziell nominiert und vom Senat bestätigt werden.)

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�17. Dezember 1980

55

RAYMOND J. DONOVAN: ARBEITSMINISTER IN SPE

- (AD) - Als Arbeitsminister hat der künftige Präsident Ronald Reagan
den Spitzenmanager einer Straßenbaufirma im Bundesstaat New Jersey vorgesehen,
der für seine Fähigkeit bekannt ist, bei Verhandlungen mit den Gewerkschaften
hart, aber fair aufzutreten. Bei den Baugewerkschaften im Nordosten der USA
genießt Raymond J. Donovan Achtung, weil er ihren Standpunkt am Verhandlungstisch stets gewürdigt hat. Hierfür ist nicht zuletzt die Tatsache verantwortlich, daß Donovan selbst einmal Gewerkschaftsmitglied war. Seine Rolle bei
Lohnverhandlungen führte ihn zu der Schlußfolgerung, daß "die Gewerkschaften
eine ganze Menge zu unserem Wirtschaftsleben und unserem Land beitragen."
Der 50jährige Donovan übernimmt das Arbeitsministerium in einer Zeit, da
die Beziehungen zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern verhältnismäßig gespannt sind.

Die vom Arbeitsministerium erarbeiteten und durchgesetzten Re-

geln und Bestimmungen werden von großen Teilen der Geschäftswelt und des
Kongresses zunehmend in Frage gestellt. Während die Gewerkschaften sich im
allgemeinen für eine strengere Durchsetzung etwa der Sicherheitsbestimmungen
für die Arbeiter starkmachen, führen viele Geschäftsleute und Unternehmer an,
daß dies die Produktionskosten erhöhe, ohne den Arbeitern wirklich konkrete
Vorteile zu verschaffen.
Eine

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�Ein weiterer wahrscheinlicher Streitpunkt zwischen Unternehmern und
Gewerkschaften wird wohl die geplante Erhöhung der amerikanischen Mindestlöhne sein, die sich gerade 1981 wegen der derzeitigen Konjunkturschwäche
der amerikanischen Wirtschaft besonders stark bemerkbar machen dürfte.
Während die Gewerkschaften zudem noch Mindestlöhne anstreben, die inflationssicher sein sollen, sehen die Unternehmer, aber auch viele Wirtschaftswissenschaftler darin einen Faktor, der ebenfalls zu der hohen Arbeitslosenrate bei Jugendlichen und ungelernten Arbeitern beiträgt.
Donovan, der in Bayonne im Bundesstaat New Jersey geboren wurde, wurde
1950 Mitglied der Gewerkschaft der Brauereiarbeiter, als er aushilfsweise im
Sommer bei der Ballantine-Brauerei beschäftigt war.

1952 und 1953 war er

Mitglied der Elektrikergewerkschaft.
Nachdem er seine Studien am Notre Dame-Seminar in New Orleans, Louisiana,
mit einem Diplom in Philosophie abgeschlossen hatte, arbeitete Donovan von
1953 bis 1958 für eine amerikanische Versicherungsgesellschaft in New Jersey.
Nachdem er 1959 in die Baufirma Schiavone eingetreten war, wurde er dort
bereits 1971 zum Verwaltungsdirektor ernannt.

Für die Gewerkschaften ist er

zudem der entscheidende Ansprechpartner seiner Firma.
Donovan ist verheiratet und hat drei Kinder, zwei Söhne und eine Tochter.
(Donovan muß nach Regierungsantritt von Ronald Reagan am 20. Januar 1981
noch offiziell nominiert und vom Senat bestätigt werden.)

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International Communication Agency
Embassy of the United States of America

17. Dezember 1980

55

RICHARD S. SCHWEIKER: MINISTER FÜR GESUNDHEIT UND SOZIALWESEN IN SPE

- (AD) - Mit Richard Schweiker holte sich Reagan einen Mann in das Kabinett,
der ihm bestens vertraut ist. Hatte er ihn doch 1976 bei seinem fehlgeschlagenen
Versuch, die Präsidentschaftskandidatur seiner Partei zu erringen, als Vizepräsidentschaftskandidaten vorgesehen.
Senator Schweiker aus Pennsylvania übernimmt als Minister für Gesundheit
und Sozialwesen ein Ministerium, dessen Haushalt der zweitgrößte hinter dem
Verteidigungshaushalt ist, hier werden rund ein Drittel der Bundesausgaben und
45 Prozent der nicht militärischen Ausgaben verwaltet.
Vor vier Jahren galt Schweiker als einer der liberalsten Republikaner im
Senat; nachdem 1976 sein Streben nach der Vizepräsidentschaftskandidatur fehlschlug, wandte er sich jedoch mehr und mehr dem traditionellen konservativen
Denken der Republikanischen Partei zu. Während seiner 20 Jahre im Kongreß erwarb er sich den Ruf eines harten Arbeiters, der in jeder Frage eine eigene
Meinung vertrat. Schweikers Devise wurde die "Unabhängigkeit" und er haßte
immer vorgeformte Ansichten.
Beobachter

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�Beobachter bezeichnen Schweiker als einen pragmatischen Politiker, der
sich auf seine Wähler einstellt.
konservativ.

Freunde bezeichnen ihn als flexibel und

Während seiner acht Jahre im Repräsentantenhaus vertrat er die

mehr konservative Haltung seiner Wähler im Vorort von Philadelphia, als Senator des Staates Pennsylvania legte er eine liberalere Haltung an den Tag.
Allerdings legte er als Maßstab an alle Programme den Erfolg an.

Der Kongreß

müsse nicht nur unnötige Dinge ablehnen, sagte er, sondern auch untersuchen,
ob ein vielleicht sogar gutes Programm wirklich lebenswichtig sei.
Im Januar 1979, zwei Jahre vor Ablauf seiner Wahlperiode als Senator
(sechs Jahre), gab er bekannt, daß er auf eine weitere Kandidatur verzichten
und sich für die Nominierung Reagans als Präsidentschaftskandidat der Republikanischen Partei einsetzen wolle.
• Richard S. Schweiker wurde am 1. Juni 1926 in Norristown in Pennsylvania
geboren und wuchs in dem nahegelegenen Worcester auf.

Im Alter von 17 Jahren

trat er in die amerikanische Marine ein und diente während des Zweiten Weltkrieges an Bord eines Flugzeugträgers.

Nach dem Kriege besuchte er die Staats-

universität von Pennsylvania und schloß 1950 seine Studien erfolgreich ab.
Bevor er sich zum erstenmal für den Kongreß zur Wahl stellte, war Schweiker
zwei Jahre in der Firma seines Vaters im Verkauf von Ziegeln und Fließen
tätig.
Nach viermaliger Wahl zum Abgeordneten bewarb er sich 1968 um die Wahl
in den amerikanischen Senat, die er auch gewann.

Im Senat war er Mitglied

des Unterausschusses für die Bewilligung der Gelder für das Gesundheits- und
Sozialwesen.
Schweiker gehört einer kleinen protestantischen Sekte,der Central
Schwenkenfeiders Church.an, die im Jahre 1734 aus Deutschland nach Pennsylvania
kam und heute rund 3000 Mitglieder zählt.
Er

- 2 -

�1

Er ist mit der geborenen Ciaire Coleman verheiratet und hat fünf Kinder.
(Schweiker muß nach Regierungsantritt von Ronald Reagan am 20. Januar 1981
noch offiziell nominiert und vom Senat bestätigt werden.)

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i

�17. Dezember 1980

55

DAVE STOCKMAN: DIREKTOR DES AMTES FÜR HAUSHALTSPLANUNG IN SPE

- (AD) - In den Hallen des amerikanischen Kongresses kennt man David
Stockman, auf den die Wahl Ronald Reagans für die Stelle des Direktors des
Amtes für Haushaltsplanung gefallen ist, als Verfechter einer konservativen,
am freien Unternehmertum ausgerichteten Wirtschaft. Stockman, republikanischer Kongreßabgeordneter für den Bundesstaat Michigan, ist einer der herausragenden Vertreter jener Wirtschaftstheorie, die sich für umfangreiche
Steuersenkungen, höchstmögliche Senkung der öffentlichen Ausgaben und
drastische Verringerung der staatlichen Regelungen für die Geschäftswelt
einsetzt. Diese Maßnahmen würden, so Stockman, zu einem Anstieg der Produktivität und zu erhöhter Produktion ohne Beschleunigung der Inflation
führen.
Als Direktor des Amtes für Haushaltsplanung wird Stockmans Hauptaufgabe darin bestehen, den Bundeshaushalt vorzubereiten, den der Präsident jährlich dem Kongreß vorzulegen hat.

Auf einer Pressekonferenz erklärte Stockman

am 11. Dezember, daß er beabsichtige, die von dem designierten Präsidenten
Reagan eingegangene Verpflichtung zu erfüllen, die Bundesausgaben im laufenden Haushaltsjahr, das am 30. September 1981 zu Ende geht, um 2 Prozent gegenüber ihrem derzeitigen Stand zu kürzen.

"Es gibt keinerlei Anzeichen dafür,

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A

�dafür, daß wir uns dieser Verpflichtung entziehen".
Stockman ist außerdem ein entschiedener Verfechter des Kemp-RothSteuervorschlags, der darauf abzielt, die Steuern der Bürger im Lauf der
nächsten drei Jahre um 30 Prozent zu senken:

"Der Plan von Kemp-Roth stellt

nicht einfach eine simple Empfehlung für die Steuertabellen der Finanzämter
dar; er ist vielmehr eine neue Prämisse des wirtschaftlichen Wachstums, der
sozialen Mobilität und des nichtinflationären Wohlstands", schrieb Stockman
in einem Artikel der "Washington Post" am 15. Juli 1980.

"Die Idee von

Kemp-Roth richtet das Interesse wieder auf Anreize und Möglichkeiten für den
Produzenten, auf die Wunderwirkung der Leistung des Marktes, auf Kompetenz
und Innovation, auf die derzeit eingeholte Flagge einer stabilen Währung."
Stockman wendet sich gegen staatliche Eingriffe ins Marktgeschehen.
Er lehnte jenes Gesetz aus dem Jahr 1979 ab, das Darlehensgarantien gab,
um die Autofirma Chrysler vor dem Bankrott zu bewahren - und dies, obgleich
Chrysler in Michigan ansässig ist, dem Bundesstaat,aus dem er in den Kongreß
gewählt wurde.
Stockman wurde am 10. November 1946 in Texas geboren, wuchs in St. Joseph,
Michigan, auf und schloß seine Studien an der Staatsuniversität von Michigan
1968 mit einem Diplom für Geschichte ab. Im gleichen Jahr schrieb er sich
an der Harvard Divinity School ein und unterbrach diese Studien lediglich
1970, um einen Posten beim Stab des Republikaners John Anderson anzunehmen.
Im Jahre 1972 wurde Stockman zum Exekutivdirektor des "Republican
Conference Comittee" des Repräsentantenhauses ernannt, ein Amt, das er 1975
niederlegte, um sich auf seinen Wahl kämpf als Kongreßabgeordneter zu konzentrieren.

1976 gewann er die Wahl für das Repräsentantenhaus und wurde

1978 sowie im vorigen November wiedergewählt.
Stockman

�Stockman, der Junggeselle ist, interessiert sich im Kongreß vor allem
für die Themen Energie und Wirtschaft.

Er ist Mitglied des Zwischenstaat-

lichen Ausschusses und des Ausschusses für Außenhandel.
(Stockman muß nach Regierungsantritt von Ronald Reagan am 20. Januar 1981
noch offiziell nominiert und vom Senat bestätigt werden.)

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�17. Dezember 1980

55

WILLIAM CASEY: DIREKTOR DES ZENTRALAMTES FÜR NACHRICHTEN UND
ABWEHR IN SPE

WASHINGTON - (AD) - William Casey, Leiter des Wahlkampfes von Ronald
Reagan und während des Zweiten Weltkrieges als Nachrichtenoffizier in Europa
tätig, wurde vom designierten Präsidenten zum neuen Chef des amerikanischen
Zentralamtes für Nachrichten und Abwehr (CIA) vorgesehen.
Casey übernahm im Februar 1980 die führende Rolle im Wahl kämpf Reagans,
genau zu einem Zeitpunkt, da dieser im Bundesstaat Iowa gegen seinen Mitbewerber um die Nominierung, George Bush, verloren hatte. Da dies zum Teil an
der Weigerung Reagans gelegen hatte, mit seinem Herausforderer zu debattieren, drängte Casey darauf, ein aktives Image von Reagan zu verbreiten und
jede Chance zu einer öffentlichen Debatte zu nützen. Reagan nahm den Rat
Caseys, der selbst eher als scheu und zurückhaltend gilt, an und erklärte
sich mit zwei Debatten in New Hampshire einverstanden. Die große Publizität,
die diese ihm einbrachten, führten in wieder an die Spitze und dort sollte er
von da an auch bleiben.
Von

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�Von Beruf Rechtsanwalt in New York, arbeitete Casey bereits im Office
of Strategie Services (OSS), dem Vorläufer des jetzigen CIA.

Er war Nach-

richtenchef im Hauptquartier von General Eisenhower und in dieser Eigenschaft
verantwortlich für Sabotageplanung und Einsatz von Nachrichtendienstgruppen
im besetzten Europa.
Nach dem Krieg setzte er sich für die Verwirklichung des Marshall-Plans
zum Wiederaufbau Europas ein.
Als Rechtsanwalt erarbeitete sich Casey anschließend ein kleines Vermögen und kehrte erst wieder ins öffentliche Leben zurück, als ihn Präsident
Nixon dazu auswählte, die "Security and Exchange Commission" - Bank- und
Börsenaufsichtskommission - zu leiten.

Danach war er unter Außenminister

Henry Kissinger als Unterstaatssekretär für Wirtschaftliche Angelegenheiten
tätig.

Präsident Ford schließlich ernannte ihn zum Präsidenten der Export-

Import-Bank, die ausländischen Importeuren amerikanischer Waren Darlehen gewährt.
Zudem war Casey Mitglied in verschiedenen, von Präsidenten der Vereinigten Staaten eingesetzten Kommissionen wie etwa der Kommission zur Ausarbeitung
und Durchführung der Außenpolitik, der Beratungskommission für Rüstungskontrolle
und der Sonderkommission für internationale Entwicklung.
Während der Regierungszeit des demokratischen Präsidenten Jimmy Carter
zog sich Casey erneut ins Privatleben zurück.
Als er dann in den Wahlkampf Ronald Reagans einstieg, gab es zunächst
Unklarheit darüber, wer die Kampagne leiten sollte: Casey oder Edwin Meese.
Aber Casey stellte rasch Klarheit her mit den Worten: "In jedem Wahlkampf
muß es einen obersten Schiedsrichter geben. Und der bin ich."
Meese selbst beurteilt ihn so:

"Casey ist eine seltene Mischung aus

irischem Humor, Erfahrung und Scharfsinn.

Er ist unabhängig, hat einen starken

Willen und ist ein erstaunlich harter Arbeiter."
Casey
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�Casey wurde am 13. März 1913 in New York geboren und studierte an der
Fordham University und der St. John's Law School. Seine Neigung für die
Künste beweist eine eigene Bibliothek mit über 10 000 Büchern und seine lebhafte Teilnahme am Kunstleben der Stadt New York.

Casey ist verheiratet und

hat eine Tochter.
(Casey muß nach Regierungsantritt von Ronald Reagan am 20. Januar 1981
noch offiziell nominiert und vom Senat bestätigt werden.)

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Dokumentation
Embassy of the United States of America

18. Januar 1984

INHALT

DOKUMENTATION
Auszüge aus dem Bericht der Kissinger-Kommission über
Mittelamerika

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
A r t i s t i k im Weltraum
- Neue flugtechnische Aufgaben bei der zehnten
Raumtransportermission -

Um Über/endung von
ßcIcgcHcmplaren
wird gebeten

D 5300 Bonn 2

Telex: 8-85432

�I

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

18. Januar 1984

AUSZÜGE AUS DEM BERICHT DER KISSINGER-KOMMISSION ÜBER MITTELAMERIKA

WASHINGTON - (AD) - Die "Nationale Überparteiliche Kommission für Mittelamerika" unter Leitung des ehemaligen amerikanischen Außenministers Henry
Kissinger hat am 11. Januar 1984 ihren 132 Seiten starken Bericht vorgelegt.
Präsident Reagan würdigte die ausgezeichnete und umfassende Arbeit der 12köpfigen Kommission und stimmte zu, daß eine verstärkte Unterstützung der demokratischen Entwicklung, die Verbesserung der Lebensbedingungen, der Schutz
der Menschenrechte sowie Sicherheitshilfe für Mittelamerika notwendig sind.
Auf einer Pressekonferenz bei der Vorstellung des Berichtes teilte
Kissinger unter anderem mit, daß die Kommission in sechsmonatiger Arbeit 30
ganztägige Sitzungen abgehalten, rund 200 Experten persönlich befragt, an 170
außenstehende Fachleute Fragebogen versandt und rund 200 einschlägige Dokumente
eingeholt und ausgewertet habe sowie neun Tage gereist sei, um sich an Ort und
Stelle ein Bild zu machen.

Kernstück des Berichtes ist die Empfehlung von acht

Milliarden Dollar an Entwicklungshilfe für Mittelamerika auf fünf Jahre verteilt.
Der Bericht ist in acht Kapitel gegliedert:
1. Einleitung und

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�/

1. Einleitung und Grundthemen;
der westlichen Hemisphäre gestellt;

2. die Krise wird in den Zusammenhang
3. eine historische Perspektive;

4. Prü-

fung der Aussichten für die wirtschaftliche und politische Entwicklung mit entsprechenden Empfehlungen;

5. die Untersuchung der sozialen Fragen - vor allem

des Gesundheits- und Bildungswesens - mit entsprechenden Empfehlungen;
fung der Sicherheitsfragen und entsprechende Empfehlungen;

6. Prü-

7. Untersuchung der

diplomatischen Aspekte mit Empfehlungen für Lösungen auf dem Verhandlungswege;
und 8. Zusammenfassung.
Nachfolgend wesentliche Auszüge aus dem Bericht:

KAPITEL 1
Einleitung
Für die Mitglieder dieser Kommission brachten diese letzten Monate eine
außerordentliche Erfahrung, die wir für ein gemeinsames Privileg halten...
In diesem Bericht schlagen wir wesentliche Aufmerksamkeit und Hilfe für
ein bisher vernachlässigtes Gebiet der Hemisphäre vor. Manche Leute, die das
Gebiet nicht so untersucht haben wie wir, könnten dies als unverhältnismäßig
betrachten und es als die natürliche Reaktion einer Kommission abtun, die zur
Untersuchung eines einzigen Problems geschaffen wurde. Ein solches Urteil wäre
nach unserer Auffassung ein schwerer Fehler...
Erstens, Mittelamerika ist unser naher Nachbar.

Darum werden hier unsere

eigenen Sicherheitsinteressen in entscheidender Weise berührt.

Aber darüber

hinaus beruht das, was auf unserer Türschwelle geschieht, auch unser Gewissen.
Geschichte, Nachbarschaft und Blutsverwandtschaft - all dies verbindet uns mit
der übrigen westlichen Hemisphäre; und es verbindet uns besonders mit den Nationen Mittelamerikas.

Als Franklin Roosevelt die "Politik der guten Nachbar-

- 2 -

�gu.en Nachbarschaft" proklamierte, war das mehr als ein Schlagwort.

Es war

ein Konzept, das an den Kern zivilisierter Beziehungen nicht nur unter Menschen,
sondern auch unter Völkern rührt.

Wenn unsere Nachbarn in Schwierigkeiten sind,

dann können wir nicht die Augen verschließen und uns trotzdem treu bleiben.

Zweitens, die Krise geht uns etwas an, weil wir etwas ändern können.
Weil die Nationen klein sind, weil sie nahe sind, können Anstrengungen, die
im Verhältnis zu anderen Krisen klein sein mögen, eine große Auswirkung auf
diese Krise haben.

Drittens, wie groß die Kosten auf kurze Sicht auch sein mögen, wenn
wir jetzt handeln, sie sind weit geringer als die langfristigen Kosten, wenn
wir jetzt nicht handeln.

Viertens, eine Großmacht kann sich aussuchen, auf welche Herausforderungen sie reagieren will, aber sie kann sich nicht aussuchen, wo sie auftreten
und wann.

Und sie kann auch einer bewußten Entscheidung nicht ausweichen.

Einmal herausgefordert, hat eine Entscheidung4 zu reagieren, ebenso
Konsequenzen wie eine Entscheidung, nicht zu reagieren.
Mittelamerika herausgefordert.

Heute werden wir in

Eine Agonie der Unentschlossenheit wird diese

Herausforderung nicht vertreiben.

Der Wunsch, es leichter zu haben, wird es

nicht leichter machen.

Vielleicht hätten die Vereinigten Staaten Mittelamerika schon früher
größere Beachtung schenken sollen.
weniger intervenieren sollen.

Vielleicht hätten wir im Laufe der Jahre

Aber all das sind Fragen der Vergangenheit.

Welche Wurzeln sie in der Vergangenheit auch haben mag, die Krise in Mittelamerika existiert unmittelbar und heute, und ihre erfolgreiche Beilegung ist
von entscheidender Bedeutung für die Zukunft...

Bestimmte rote Fäden laufen durch alle Kapitel.

Erstens, die

�Erstens, die geplagte Geschichte Mittelamerikas ist so verlaufen, das
weder die militärischen, noch die politischen, die wirtschaftlichen und die
sozialen Aspekte der Krise für sich allein betrachtet werden können.

Wenn es

nicht gelingt, rasche Fortschritte an der politischen, wirtschaftlichen und
sozialen Front zu machen, dann wird der Frieden an der militärischen Front
kaum erreichbar und zerbrechlich sein.

Aber wenn den von außen unterstütz-

ten Aufständen nicht Einhalt geboten und die Gewalt eingedämmt wird, dann wird
es kaum einen Fortschritt an den anderen Fronten geben, und der wäre zerbrechlich.
Zweitens, die Wurzeln der Krise liegen im eigenen Land und im Auslände
Die Unzufriedenheit ist wirklich vorhanden, und ein Großteil der Bevölkerung
lebt im Elend.

So wie Nicaragua reif war für die Revolution, so sind auch

anderswo in der Region die Verhältnisse vorhanden, die zur Revolution einladen.

Aber diese Verhältnisse sind von feindlichen Kräften von außen ausge-

nutzt worden - vor allem von Kuba, das von der Sowjetunion unterstützt wird
und von Nicaragua aus operiert - , die jede Revolution, derer sie sich bemächtigen, in einem totalitären Staat enden lassen, der die Region bedroht und die
Bevölkerung ihrer Hoffnungen auf Freiheit beraubt.
Drittens, einheimische Reform, ja selbst einheimische Revolution, sind
keine Bedrohung der Sicherheit der Vereinigten Staaten. Aber das Eindringen
aggressiver Kräfte von außen, die lokale Mißstände ausnützen, um ihren eigenen
Einfluß und die militärische Kontrolle auszudehnen, stellen eine ernsthafte
Bedrohung der Vereinigten Staaten und der ganzen westlichen Hemisphäre dar0
Viertens, wir haben ein humanitäres Interesse an der Behebung des Elends
und wollen den Völkern Mittelamerikas helfen, ihre eigenen sozialen und wirtschaftlichen Ansprüche zu befriedigen; und zusammen mit anderen Nationen der
Hemisphäre haben wir ein nationales Interesse an der Stärkung demokratischer
Institutionen, wo immer sie in der Hemisphäre schwach sind.
Fünftens, Mittelamerika

�Fünftens, Mittelamerika braucht Hilfe, sowohl materielle als auch moralische, von Regierungsseite wie von privater Seite.

Sowohl die Gebote des Ge-

wissens als auch Berechnungen unseres eigenen nationalen Interesses verlangen,
daß wir Hilfe leisten.
Sechstens, letztlich wird die Lösung der Probleme Mittelamerikas von den
Bewohnern Mittelamerikas selbst abhängen.
sere Hilfe wird allein nicht ausreichen.

Sie brauchen unsere Hilfe, aber unInnere Reformen, Hilfe von außen,

energische eigene Anstrengungen und eine andere Wirtschaftspolitik - all das
ist notwendig, und all das muß richtig koordiniert werden.

Und andere Natio-

nen, die dazu in der Lage sind - nicht nur in der westlichen Hemisphäre, sondern auch in Europa und Asien - sollten sich diesen Bemühungen anschließen.
Siebtens, die Krise wartet nicht, es ist keine Zeit zu verlieren...

KAPITEL 2
Eine Hemisphäre im Umbruch
Die Kommission ist beauftragt worden, Empfehlungen für Mittelamerika
zu unterbreiten.
klar.

Wir sind uns über die geographischen Grenzen unseres Mandats

Aber als wir die Landenge untersuchten, wurde uns deutlich, daß die

Krise, die die Gründung dieser Kommission veranlaßte, Teil einer weitergefaßten Realität ist und daß die Politik der Vereinigten Staaten in Mittelamerika
eine klare Erkenntnis ihres hemisphärischen Rahmens widerspiegeln muß.
Die ganze Hemisphäre befindet sich im Umbruch:

Die Schwierigkeiten

Mittelamerikas sind in die lateinamerikanische Erfahrung eingebettet, die anders ist als unsere eigene...

Zwei Herausforderungen

�Zwei Herausforderungen
Die Herausforderungen der Hemisphäre sind wirtschaftlicher und politischer Natur.

Diese doppelte Herausforderung gilt zwar für ganz Lateinamerika,

aber sie nimmt jetzt in Mittelamerika ihre akuteste Form an.

Die wirtschaftliche Herausforderung
Erstens, die herausragende wirtschaftliche Frage in ganz Lateinamerika
ist die Armut seiner Bevölkerung.

Die Nationen der Hemisphäre - nicht zuletzt

die Mittelamerikas - haben in den sechziger und siebziger Jahren bemerkenswerte
Fortschritte gemacht.

Das Wachstum war stark, aber es wurde nicht annähernd

genug getan, um die Kluft zwischen reich und arm zu schließen, die aus alten
wirtschaftlichen, sozialen und politischen Strukturen entstanden war...
Keine Mittelamerikapolitik der Vereinigten Staaten, die diesen Namen
verdient, kann daran vorbeigehen, sich dieser wirtschaftlichen, sozialen und
finanziellen Herausforderung zu stellen, noch können wir Mittelamerika getrennt
für sich von der übrigen Hemisphäre betrachten. Das Schrumpfen der Volkswirtschaften der Länder der Hemisphäre und die Verarmung ihrer Bevölkerung müssen
ins Gegenteil verwandelt werden. Es muß wieder ein echtes Wachstum geben.

Die politische Herausforderung
Zweitens, bei der politischen Herausforderung geht es im wesentlichen
um die Legitimität der Regierung.

Auch hier wieder nimmt dieses Problem in

Mittelamerika eine besonders akute Form an.
In fast jedem Land der Hemisphäre sind starke Kräfte auf dem Marsch,
um herauszufinden, wie die Länder organisiert und welche Prozesse der Autorität eingeführt und legitimiert werden sollen. Wer soll regieren und unter
- 6 -

�und unter welcher Form - das sind die zentralen Fragen in dem Prozeß des
Wandels, der jetzt in einem Land nach dem andern in ganz Lateinamerika und
in der Karibik stattfindet.

Drei Grundsätze
Der erste Grundsatz ist die demokratische Selbstbestimmung.
Die Lebenskraft des interamerikanischen Systems liegt mehr denn je darin, daß wir eine feste Verpflichtung seiner Mitgliedstaaten akzeptieren zu politischem Pluralismus, Meinungsfreiheit, Achtung der Menschenrechte, Aufrechterhai tung eines unabhängigen und effektiven Rechtssystems und dem Recht der
Bevölkerung, ihr eigenes Schicksal ohne Repression, Zwang oder ausländische
Manipulation durch freie Wahlen zu bestimmen.

Unsere gemeinsame Anstrengung

muß im wesentlichen auf die Legitimation von Regierungen durch freien Konsens
abzielen - auf die Ablehnung von Gewalt und Mord als Instrumente der Politik,
des Aufzwingens der Herrschaft von oben, der Benutzung der Macht des Staates
zur Unterdrückung von Opposition und Dissens. Wir müssen vielmehr alles in
unserer Macht Stehende tun, um die Demokratie in der westlichen Hemisphäre zu
fördern.
Der zweite Grundsatz ist die Förderung der wirtschaftlichen und sozialen
Entwicklung, die in fairer Weise allen zugute kommt.
Die Wucherungen der Armut müssen eingedämmt werden, die Rezession muß
umgekehrt werden, und die Prosperität muß vorangetrieben werden.

Zum Fest-

halten an diesem Grundsatz gehört etwas mehr als nur die kurzfristige Behebung von Notfällen.

Dazu muß die Grundlage für ein anhaltendes und breitan-

gelegtes wirtschaftliches Wachstum gelegt werden.

Dazu bedarf es der Ermuti-

gung jener Anreize, die eine freie Wirtschaft liberalisieren und beflügeln.
Der gefühllosen Vorstellung, daß einige Gruppen auf ewig "Habenichtse" bleiben werden, muß ein Ende bereitet werden.

- 7 -

Was immer an Politik für die He-

�für die Hemisphäre vorgeschlagen wird, muß die Notwendigkeit in Rechnung stellen, die Volkswirtschaften der Länder auszuweiten und die Hoffnungen ihrer
Völker neu zu beleben.
Der dritte Grundsatz ist Zusammenarbeit bei der Abwehr der Bedrohungen
der Sicherheit der Region.
Der gegenwärtige internationale Rahmen für die Bewältigung der Herausforderungen der gemeinsamen Sicherheit der amerikanischen Staaten ist schwach.
Was Mittelamerika angeht, so ist es dem interamerikanischen System nicht gelungen, eine koordinierte Reaktion auf die Drohung der Subversion und des Einsatzes sowjetischer und kubanischer Helfershelfer zu finden, die sich seit den
Tagen ausgebreitet haben, als die Instrumente der interamerikanischen Zusammenarbeit erst entwickelt wurden...
In früheren Tagen waren andere Teile der Hemisphäre Brennpunkte der
Unruhe. Heute konzentrieren sich die Krisen auf Mittelamerika. Die nachfolgenden Kapitel befassen sich mit dieser Region und bringen Vorschläge für
spezifische politische, wirtschaftliche und sicherheitspolitische Maßnahmen,
die nach Auffassung der Kommission notwendig sind. Wir sehen keinen Weg, um
einer umfassenden Anstrengung auszuweichen, zusammen auf diese Fragen zu antworten. Der übrige Teil des Berichts legt die Mittel und Wege dar, wie nach
Auffassung der Kommission eine übereinstimmende wirtschaftliche, politische
und sicherheitspolitische Anstrengung aufrechterhalten werden kann - eine Anstrengung, die die besten Bemühungen der Völker Mittelamerikas, ihrer Nachbarn und der Vereinigten Staaten koordiniert. Die Art und Weise, wie man diese Krisen anpackt - oder jedes Versagen, sie mit der Dringlichkeit und in dem
Umfang anzupacken, wie dies notwendig ist -, wird nicht nur unsere nationalen
Interessen berühren, sondern auch die Interessen der ganzen Hemisphäre allgemein.

KAPITEL 3

�KAPITEL 3
Die Krise in Mittelamerika:

Ein historischer Überblick

Mittelamerika wird heute von einer tiefen Krise heimgesucht.

Diese

Krise hat ihre Wurzeln tief in der Geschichte der Region, aber sie enthält
auch Elemente recht jungen Ursprungs.

Um sie zu begreifen, muß man sich mit

beiden bekannt machen.
Die Auswirkung der Krise auf die Völker Mittelamerikas war erschütternd.
Ihre potentielle Auswirkung auf die westliche Hemisphäre, auf die Vereinigten
Staaten und - in einem größeren Sinne - auf die ganze Welt ist weitreichend.
Selbst wenn es sich bei dieser Krise um eine rein lokale Angelegenheit
handeln würde, bei der es nur um die Völker der Region allein ginge, würde
sie die dringende Aufmerksamkeit der Bevölkerung der Vereinigten Staaten verdienen - schon aus Gründen der einfachen Humanität. Ihre größeren Dimensionen
geben uns darüber hinaus starke Gründe des nationalen Selbstinteresses, daß
wir wirklich an dem Endergebnis interessiert sein müssen.
Es hat eine beträchtliche, manchmal heftige Kontroverse darüber gegeben, ob die grundlegenden Ursachen der Krise einheimisch oder ausländisch
sind. Die Krise ist in Wirklichkeit das Produkt einheimischer wie ausländischer
Faktoren. Sie hat Wurzeln tief in der schmerzlichen Geschichte und dem schmerzlichen Leben der Region, aber sie ist auch von äußeren Kräften stark mitgestaltet worden. Armut, Unterdrückung, Ungerechtigkeit - all das war vorhanden und
hat Furcht und Haß geboren und im Rahmen einer Weltrezession ein starkes
Teufelsgebräu angerührt, während Kräfte von außen interveniert haben, um die
Unruhe in der Region weiter anzuheizen und die Verzweiflung auszunutzen.
Diese Kräfte von außen haben der Krise eine Dimension gegeben, die über
Mittelamerika hinausreicht.

Die Vereinigten Staaten werden nicht durch ein-

heimischen Wandel, ja nicht einmal durch revolutionären Wandel in Mittelamerika

- 9 -

�in Mittelamerika bedroht. Aber die Vereinigten Staaten müssen sich Sorgen
machen über das Eindringen aggressiver Kräfte von außen in Mittelamerika...

Die amerikanischen Interessen in der Krise
Wenn strategische Interessen im Gegensatz zu moralischen Interessen
stehen, dann stellt dieser Widerspruch eine der klassischen Herausforderungen
dar, vor denen Völker und Staatsmänner stehen. Aber in Mittelamerika stimmen
heute unsere strategischen und moralischen Interessen überein.
Wir werden uns später in dem Bericht damit befassen, wie diese Interessen im einzelnen aussehen.

Aber generell gesehen gehört folgendes dazu:

Die Erhaltung der moralischen Autorität der Vereinigten Staaten; daß
wir von anderen als eine Nation angesehen werden, die das Rechte tut, denn
das Rechte ist eines der wichtigsten .iützpfeiler unseres Landes.
Die Verbesserung der Lebensbedingungen der Völker Mittelamerikas; denn
sie sind Nachbarn.

Ihre menschliche Not ist wie Zunder, der nur darauf war-

tet, entzündet zu werden.

Und wenn er entzündet wird, dann könnte der Zusammen-

stoß die gesamte Hemisphäre bedrohen.
Die Förderung der Sache der Demokratie im allgemeinen Sinne in der
ganzen Hemisphäre.
Die Stärkung des Systems der Hemisphäre» indem heute das gestärkt wird,
was wirtschaftlich und sozial gesehen eines der schwächsten Bindeglieder ist.
Die Förderung des friedlichen Wandels in Mittelamerika, während wir
gleichzeitig der Verletzung der Demokratie durch Gewalt und Terror entgegentreten.
Es muß
- 10 -

�Es muß verhindert werden, daß feindliche Kräfte die Kontrolle in einem
strategisch lebenswichtigen Gebiet der westlichen Hemisphäre übernehmen und
ausweiten.
Es muß verhindert werden, daß die Sowjetunion entweder direkt oder mit
Hilfe Kubas einen feindlichen Brückenkopf auf dem amerikanischen Kontinent
festigt, um ihre strategischen Ziele zu verfolgen.
Kurz gesagt, die Krise in Mittelamerika ist großer und unmittelbarer
Anlaß zur Besorgnis der Vereinigten Staaten, weil Mittelamerika unser enger
Nachbar und ein strategischer Knotenpunkt von globaler Bedeutung ist; weil
Kuba und die Sowjetunion sich intensiv bemühen, ihre Brückenköpfe dort auszubauen, um Pläne in der Hemisphäre zu verfolgen, die den amerikanischen Interessen ausdrücklich zuwiderlaufen, und weil die Völker Mittelamerikas
schwer heimgesucht sind und dringend unsere Hilfe benötigen.

Die Zukunft
Wir glauben, daß wir diese Herausforderung bestehen können - und müssen.

Die Kommission schöpft Mut aus der Tatsache, daß sich die Mittelamerika-

ner weigern, der Verzweiflung zu unterliegen,

überall haben wir Hoffnung auf

eine demokratische Zukunft und eine Bereitschaft angetroffen, für dieses Ziel
Opfer zu bringen.

Der hohe Stand eines anhaltenden Wirtschaftswachstums in

der Nachkriegsperiode zeigt, daß Mittelamerika über die menschlichen und materiellen Mittel für eine rasche Entwicklung verfügt.

Die Führer der Region

in der Regierung und auf dem Privatsektor haben ihr Verständnis dafür zum Ausdruck gebracht, daß bei der Verteilung der wirtschaftlichen Erfolge größere
Gleichheit herrschen muß und in den sozialen Beziehungen größere Gerechtigkeit.

Wenn diese Einsicht in die Praxis übersetzt wird, dann dürfte die

Chance für eine ausgewogenere und anhaltende Entwicklung gegeben sein.
KAPITEL 4

- 11 -

�KAPITEL 4
Auf dem Wege zu Demokratie und wirtschaftlicher Prosperität
Die Krise in Mittelamerika hat nicht nur eine einzige, einfache Ursache.

Ein wesentlicher Faktor jedoch ist die schlechte Wirtschaftstätig-

keit in dem Gebiet.

Diese Länder gehörten in den sechziger Jahren und Anfang

der siebziger Jahre zu den dynamischsten der Welt.

Aber das Wachstum war un-

gleichmäßig verteilt, und die Armut plagte weiterhin die meisten Menschen in
der Region.

Wie in dem Schlußdokument der Konferenz der katholischen Bi-

schöfe Lateinamerikas in Puebla in Mexiko 1979 ganz richtig erkannt wurde,
bestand eine "wachsende Kluft zwischen reich und arm", die die Konferenz als
einen Widerspruch zur christlichen Existenz bezeichnete.

Dies trug in mehre-

ren Ländern zu einer wachsenden politischen Frustration bei, die durch die
Tatsache verschärft wurde, daß einige Gruppen dieser Gesellschaften sich eines
wirtschaftlichen Erfolges erfreuten...

Die Art der amerikanischen Entwicklungshilfe
Wir fordern eine starke Erhöhung der Finanz- und Wirtschaftshilfe der
Vereinigten Staaten und anderer Länder für Mittelamerika.
Wir schlagen jetzt vor, daß die Wirtschaftshilfe während des Fünfjahreszeitraums beginnend von 1985 an auf insgesamt acht Milliarden Dollar erhöht
wird. Obwohl die makrowirtschaftlichen Voraussagen, auf denen dieser Vorschlag
beruht, sich nicht ganz genau in die Haushaltsanträge eines Budgets der Bundesregierung übersetzen lassen, so würden zu dieser Gesamtzahl direkte Zuwendungen wie auch EventualVerpflichtungen, wie Versicherungsgarantien, gehören.
All das würde praktisch eine Verdoppelung der amerikanischen Wirtschaftshilfe
gegenüber dem Stand von 1983 bedeuten.
Wegen des

- 12 -

�Wegen des großen Umfangs der notwendigen Anstrengungen und der Bedeutung einer langfristigen Verpflichtung fordern wir ferner, daß der Kongreß
Mittel für Mittelamerika auf einer mehrjährigen Basis bewilligt.
len dringend eine Bewilligung von Mitteln

Wir empfeh-

für fünf Jahre, wobei ein Teil der

Mittel über die vorgeschlagene Mittelamerika-Entwicklungsorganisation geleitet
würde, von der später in diesem Kapitel die Rede ist. Mit dem Rest würden
Wirtschaftshilfeprogramme finanziert, die von bestehenden amerikanischen Regierungsbehörden verwaltet werden...
Was jetzt notwendig ist, ist eine feste Verpflichtung der mittel amerikanischen Länder, neue Wirtschaftspolitiken, einschließlich einer Reform des
Steuersystems, einzuschlagen, um das Privatunternehmen und die persönliche
Initiative zu fördern, ein günstiges Investitionsklima zu schaffen, die Korruption zu unterbinden, wo sie besteht, und einen ausgewogenen Handel zu fördern.

Das kann die Grundlagen für ein anhaltendes Wachstum schaffen...

Wir empfehlen, daß die Vereinigten Staaten ihre wirtschaftliche Hilfe
für demokratische Institutionen und die Ausbildung von Führungskräften ausweiten.
Zu den wesentlichen Initiativen, die bereits angelaufen sind oder geplant werden sollten, gehören:
Die Ermutigung von Nachbarschaftsgruppen, Kommunal Verbesserungsorganisationen und Erzeugerkooperationen, die ein Feld der Ausbildung für demokratische Beteiligung bieten und dazu beitragen, die Regierung gegenüber den
Forderungen der Bürger aufgeschlossener zu machen.
Die binationalen Zentren des Amerikanischen Informationsdienstes (USIS)
bieten wertvolle Einsichten in die Vorteile der persönlichen Freiheiten in den
Vereinigten Staaten.

Eine wesentliche Erhöhung der Mittel würde es diesen

Einrichtungen ermöglichen, ihre Büchereien, Lehrkurse und Programme auszubauen.
Austausch- und
- 13 -

�Austausch- und Ausbildungsprogramme für führende Persönlichkeiten
demokratischer Institutionen, das Internationale Besucherprogramm des USInformationsamtes (USIA) und des GeorgeMeany-Instituts des Gewerkschaftsverbandes AFL-CIO sind Beispiele für erfolgreiche Programme, um führende Persönlichkeiten aus Mittelamerika wie auch aus anderen Regionen zu Bildungsprogrammen nach den Vereinigten Staaten zu bringen.

Es sollten zusätzliche Programme

eingerichtet werden, um Führer solcher demokratischer Institutionen, wie Gewerkschaften, Kommunalbehörden, Gesetzgebung und Berufsverbände, zum Studium
der entsprechenden Organisationen in die Vereinigten Staaten einzuladen.
Wir empfehlen ferner eine Anzahl politischer Maßnahmen und Programme
des öffentlichen und privaten Sektors in den Vereinigten Staaten auf den Gebieten des Handels, der Investition und der Landwirtschaft.

Auch das sind

wichtige Elemente einer breitangelegten Anstrengung, um den Ländern Mittelamerikas zu helfen, wieder zu gedeihen - und wir wenden uns jetzt diesen Möglichkeiten zu.

Verbesserte Handelschancen
Eine rasche wirtschaftliche Entwicklung Mittelamerikas erfordert verstärkte Deviseneinnahmen dieser Länder. Auf kurze Sicht wird die Region
weiterhin im wesentlichen von den Einnahmen aus dem Export von Rohstoffen
abhängen. Die Kommission hat sich mit Vorschlägen befaßt, die Rohstoffpreise oder Exporteinnahmen daraus zu stabilisieren, und hat diese Vorschläge
als unwirksam oder ungeeignet abgelehnt. Daher sind die Aussichten auf eine
wesentliche Zunahme der Exporterlöse begrenzt, solange nicht die Nachfrage
nach den Rohstoffen, die Mittelamerika produziert, wieder steigt...
Wir befürworten die Ausweitung des zollfreien Handels anderer großer
Handelsnationen mit Mittelamerika...
Wir fordern

- 14 -

�Wir fordern die Vereinigten Staaten auf, nicht-tarifäre Handelsschranken gegen Importe aus Mittelamerika zu überprüfen...
Wir empfehlen technische und finanzielle Unterstützung von Exportförderungsanstrengungen.
Die amerikanische Wirtschaftshilfe sollte dafür eingesetzt werden, die
technische und finanzielle Unterstützung für Handels- und Exportmarketingfirmen und ausländischer Unternehmer zu gewähren. Das ist bereits ein wichtiges Element des laufenden Hilfsprogramms; in Zukunft sollte dem oberste
Priorität eingeräumt werden...
Wir empfehlen eine Ausweitung der Verfügbarkeit von OPIC-Garantien
in der Region...
Wir empfehlen die Entwicklung von Hilfsprogrammen zur Förderung von
Kleinbetrieben, auch von Kleinstbetrieben...
Insbesondere empfehlen wir, daß die finanziellen Grundlagen für die
Bemühungen um größeren Landerwerb gestärkt und reformiert werden.
Wir haben argumentiert, daß eine gerechtere Verteilung von Einkommen
und Wohlstand, einschließlich des Landbesitzes, für die wirtschaftliche, soziale und politische Entwicklung der Region wichtig ist.

In den Programmen

der Landreform sollten Wege gefunden werden, um zu gewährleisten, daß die
Neuverteilung des Bodens die neuen Besitzer mit einem gültigen Eigentumsnachweis ausstattet und daß die Regierungen sofort die Mittel für die wirksame
Entschädigung der früheren Eigentümer bereitstellen, sobald diese Mittel verfügbar werden, und daß das System letztlich den Anreiz zur Ausweitung der
landwirtschaftlichen Erzeugung insgesamt dient.
Wir empfehlen die Bereitstellung von finanziellen Mitteln, um Kreditund Investitionsprogramme auszubauen.
Eine wesentliche
- 15 -

�Eine wesentliche Stoßrichtung der bilateralen amerikanischen Hilfe sollte der Ausbau nationaler und regionaler Kreditprogramme für die Landwirtschaft
sein.

Das ist ein Element des Hilfsprogramms, das in Zukunft unbedingt er-

weitert werden sollte.

Mittelfristig sollte das Programm für saisonale land-

wirtschaftliche Kredite für importierte Leistungen und Arbeitskapital, das zum
Notstabilisierungsprogramm gehörte, neu gefaßt und erweitert werden.
Wir empfehlen verstärkte wirtschaftliche Unterstützung der Kooperativen.
Landwirtschaftliche Kooperativen sind für die ländliche Entwicklung in
den Vereinigten Staaten und in Mittelamerika wichtig gewesen.

Sie fördern

nicht nur eine höhere Produktion durch die Zusammenfassung von Mitteln und
die Verteilung des Risikos, sondern sie tragen auch zu einer breiteren Einkommensverteilung bei. Wir empfehlen, daß die Vereinigten Staaten ihre Unterstützung solcher Organisationen im Rahmen ihrer bilateralen Hilfsprogramme
verstärken.

KAPITEL 5
Humanitäre Entwicklung
Eine umfassende Bemühung um die Förderung von Demokratie und Wohlstand
in den mittel amerikanischen Staaten bedarf als Eckpfeiler einer beschleunigten "humanitären Entwicklung".

Weitverbreiteter Hunger und Unterernährung,

Analphabetentum, schlechte Erziehungs- und Ausbildungsmöglichkeiten, unzureichende medizinische Versorgung und schlechte Wohnverhältnisse sind unstabile Grundlagen für die Bemühung um den Aufbau lebensfähiger demokratischer
Institutionen.
In diesem

- 16 -

�In diesem Kapitel konzentrieren wir uns auf die sozialen Bedingungen
und auf die Bemühungen, die sowohl kurz- wie mittelfristig unternommen werden können, um den Mittelamerikanern bei der Verbesserung ihrer Lebensbedingungen zu helfen.

Die Last des Handelns liegt - noch weit mehr als in ande-

ren Regionen - hier hauptsächlich bei den Mittelamerikanern selbst.
wie wohlgemeint die Absichten auch sein mögen:

Gleich,

Kein Staat kann das Volk ei-

nes anderen Landes ernähren, erziehen, medizinisch versorgen, kleiden und für
dessen Behausung sorgen, ohne dessen Regierung zu untergraben oder kulturelle
Konflikte herbeizuführen.

Allerdings können die Vereinigten Staaten einige

der Hilfsmittel bereitstellen, die die Mittelamerikaner benötigen, damit ihre eigenen Programme funktionieren; und die Vereinigten Staaten können hinsichtlich der Gestaltung dieser Programme ihren Rat geben.
Viele Mittelamerikaner, mit denen wir zusammentrafen, unterstrichen
die Bedeutung mutiger Initiativen zur Verbesserung der dortigen Lebensbedingungen.

Ganz in diesem Geist sind wir der Überzeugung, daß die nachste-

hend genannten Zielsetzungen für die achtziger Jahre zwar ehrgeizig, gleichwohl aber realistisch sind:
Verringerung der Unterernährung.
Beseitigung des Analphabetentums.
Grundausbildung für jedermann.
Gesundheitsvorsorge für jedermann.
Deutliche Verringerung der Kindersterblichkeit.
Anhaltende Verringerung der Zuwachsraten der Bevölkerung.
Deutliche Verbesserung bei den Wohnverhältnissen.
Die von uns nachstehend ausgeführten Programme sollen den Mittelamerikanern dabei behilflich sein, diese Ziele zu erreichen.

Die Mittel, wie sie

von der amerikanischen Regierung gefordert werden würden, wären Teil des erweiterten Wirtschaftshilfeprogramms, das im vorigen Kapitel beschrieben wurde...
Die Kommission

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�Die Kommission gelangt zu dem Schluß, daß oberste Priorität für die Erziehung in Mittelamerika Ernährungsprogramme sein sollten, die so ausreichend
sein müßten, daß die Kinder in normaler körperlicher und geistiger Verfassung
zur Schule geschickt werden können.
Wir empfehlen, daß die Vereinigten Staaten ihre Nahrungsmittelhilfe
auf der Basis einer Notlagesituation steigern sollten...
Wir empfehlen, daß das Friedenskorps seine Anwerbung von Lehrern verstärken sollte, die vor Ort arbeiten, um gegen das Analphabetentum anzugehen...
Wir empfehlen, die Aktivitäten des Friedenskorps auf dem Volksschul-,
Mittel schul- und Berufsschulniveau auch dadurch auszugestalten, daß ein Mittelamerikanisches Lehrerkorps erstellt wird, das sich aus dem spanischsprachigen Teil der Bevölkerung der Vereinigten Staaten rekrutiert...
Wir empfehlen eine Ausweitung des Programms
und beruflichen Weiterbildung...

im Bereich der technischen

Wir empfehlen die Ausweitung des International Executive Service
Corps (IESC)...
Damit empfehlen wir ein Programm von 10 000 Stipendien, die von der
Regierung getragen werden, um damit mittel amerikanische Studenten in die
Vereinigten Staaten zu bringen...
Unserer Meinung nach sollte ein solches Programm die folgenden Elemente
enthalten:
Sorgfältige Auswahl, damit die Beteiligung junger Menschen aus allen
sozialen und wirtschaftlichen Schichten ermöglicht wird.
Aufrechterhaltung bestehender

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�Aufrechterhaltung bestehender Teilnahmebedingungen - obgleich diese in
der Vergangenheit bisweilen ein Hindernis darstellten - durch die Ermöglichung
intensiver Englisch- und anderer Kurse als Teil des Programms.
Mechanismen, die es ermöglichen, daß Studenten nach Abschluß ihrer Ausbildung in ihr Heimatland zurückkehren - etwa dadurch, daß ein Teil ihrer Stipendien in Form von Darlehen gewährt wird und das Erlassen dieser Darlehen
an eine solche Rückkehr gebunden wird.
Arrangements, mittels derer die mittelamerikanischen Staaten einen Teil
der Kosten des Programms übernehmen.
Zumindest 100 bis 200 dieser Stipendien sollten für Angehörige des
mittleren öffentlichen Dienstes bereitgestellt werden; weitere 100 für den
Austausch von Vertretern der Hochschulfakultäten...
Wir empfehlen, daß die Vereinigten Staaten in enger Partnerschaft mit
den mittelamerikanischen Regierungen und Universitäten einen Langzeitplan zur
Stärkung der wichtigsten Universitäten in Mittelamerika entwerfen.
Kernpunkt dieser Hilfsanstrengungen sollte es sein, bei der Verbesserung
der Qualität der mittelamerikanischen Universitäten zu helfen.

Ein ausgewoge-

nes Hilfsprogramm würde umfassen:
Technische Hilfe, um beim Schulunterricht und den Lehrplänen sofortige
Verbesserungen zu ermöglichen.
Ausgewählte Investitionen zur Verbesserung von Bibliotheken, Labors
und studentischen Einrichtungen.
Besondere Anstrengungen zur Ernennung und Weiterbildung jüngeren Universitätspersonals und junger Verwaltungsangehöriger.
Ein ergänzendes

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�Ein ergänzendes Programm zur Weiter- und Fortbildung des bestehenden
Personals bei Lehrkörper und bei Verwaltung.
Ein erweitertes Programm der Partnerschaft zwischen amerikanischen und
mittelamerikanischen Colleges und Universitäten.
Eine deutliche Ausweitung von Möglichkeiten für Lehrkräfte, Studenten
und Verwaltungsangehörige, die Vereinigten Staaten für einen Zeitraum zwischen einigen Wochen und mehreren Jahren zu besuchen.
Wir empfehlen die Hilfe der Vereinigten Staaten bei der Stärkung der
Rechtssysteme Mi ttelameri kas...
Insbesondere empfehlen wir den Einsatz amerikanischer Wirtschaftshilfe
- zur Verbesserung der Ausbildung und der Mittel von Richtern, Gerichtspersonal und staatsanwaltschaftlichen Einrichtungen;
- zur Verbesserung und Modernisierung der Möglichkeiten von Kriminalämtern;
- zur besseren Verfügbarkeit von Justizmaterial, für Mittel für die
Rechtsfakultäten und zur Unterstützung örtlicher Anwaltsvereinigungen.
Wir empfehlen eine erheblich vergrößerte Anstrengung - mit der Unterstützung der amerikanischen Regierung über die Nationale Stiftung für die Wissenschaften - zur Ausbildung hochqualifizierter Übersetzer, damit dadurch
die Übersetzung wichtiger Bücher in beide Sprachen erleichtert und ihre Veröffentlichung subventioniert wird, um sie auf diese Weise einem größeren
Leserkreis zugänglich zu machen.

Die Gesundheitszustände

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�Die Gesundheitszustände der Region
Wenn Disraelis Ansicht richtig ist, daß "die ökonomische Gesundheit
einer Nation in erster Linie von der Gesundheit ihrer Bevölkerung abhängt",
so ist es von entscheidender Bedeutung, die gesundheitlichen Bedingungen
Mittelamerikas als Vorbedingung einer wirtschaftlichen Erholung zu verbessern.
Die Menschen Mittelamerikas leiden unter äußerst schlechten gesundheitlichen Bedingungen, auch wenn es zwischen den einzelnen Staaten erhebliche Unterschiede gibt.

Die Häufigkeit von Infektionen, von Parasiten-

krankheiten, von Unterernährung, Tuberkulose und Kindersterblichkeit hat
sich in den vergangenen zehn Jahren praktisch nicht geändert.

Das Wieder-

auftreten der Malaria und des Denguefiebers allein würde alle Hoffnungen
auf soziale oder wirtschaftliche Hilfe zunichte machen, würde man hier nicht
eingreifen.

Krankheiten der Atemwege, Durchfallkrankheiten sowie infektiöse

und parasitäre Krankheiten, die man in den Industrieländern entweder völlig
beseitigt hat oder doch heilen kann, sind in Mittelamerika noch allzu oft
tödlich.

Und wie bereits in diesem Kapitel erwähnt, untergräbt die weit-

verbreitete Unterernährung die Grundlagen des Gesundheitswesens genau wie
die der Ausbildung...
Management und Planung beim wirksamen Einsatz rarer Mittel stehen im
Mittelpunkt einer Verbesserung der heilenden wie der präventiven Medizin.
Um hier Besserung zu erzielen, schlagen wir vor, die vom US-Amt für
Internationalen Entwicklung (AID) unterstützten technischen Hilfsprogramme
auszuweiten...
Außerdem sind weitere Maßnahmen nötig:
Wir empfehlen eine Wiederaufnahme des von AID unterstützten Programms
zur Ausrottung von ansteckenden Krankheiten wie Malaria und Denguefieber...
Wir empfehlen,
- 21 -

�Wir empfehlen, daß die Vereinigten Staaten eine Ausweitung der Programme
für Schluckimpfung ermöglichen,um auf diese Weise Kinderkrankheiten und Kindersterblichkeit in Mittelamerika während der nächsten fünf Jahre um ein Beträchtliches zu verringern.
Wir empfehlen die Fortführung der Bevölkerungs- und Familienplanungsprogramme, wie sie derzeit von dem Amt für Internationale Entwicklung unterstützt werden...
Wir empfehlen, daß die mittelamerikanischen Ausbildungsinstitutionen
dazu ermutigt werden, sich verstärkt auf die Ausbildung von Mitarbeitern der
elementaren medizinischen Versorgung, von Krankenschwestern, von Zahnarzthelfern und von Personal in den medizinischen Hilfsdiensten konzentrieren...

Wohnungsbau
Die Verstädterung in ganz Mittelamerika verändert rasch den Charakter
der ganzen Region, überall dort bedeutet die Bewegung der Menschen vom Land
hin zur Stadt Druck auf die städtischen Einrichtungen. Die nationalen und
lokalen Regierungen sind nicht in der Lage, den Bedürfnissen der neuen Zuwanderer gerecht zu werden. Wohnungsbau und städtische Dienstleistungen
sind entscheidende Bedürfnisse, die bis zu drei Viertel der Bevölkerung vor allem die Armen - betreffen...
Die amerikanische Hilfe sollte sich auf zwei Bereiche konzentrieren.
Erstens empfehlen wir ein erweitertes Wohnungs- und Infrastrukturprogramm. ..
Zweitens empfehlen wir der amerikanischen Regierung die beschleunigte
Ausbildung von Angehörigen der Verwaltung, die sich auf dieses Gebiet spezialisieren...
Humanitäre Hilfe
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�Humanitäre Hilfe
Die Tragödie der mehr als eine Million Vertriebenen in Mittelamerika
- durch Gewalt und aus Angst vor Gewalt aus ihrer Heimat vertrieben - ist allen
bekannt.

Jene, die in Mexiko, in Honduras und in Costa Rica Zuflucht gefunden

haben, werden unter der Schirmherrschaft des UN-Fllichtlings-Hochkommissars
versorgt.

Dennoch:

Hunderttausende leben noch immer in El Salvador und in

Guatemala unter den elendsten Bedingungen...
Wir empfehlen verstärkte Unterstützung für angemessene Hilfsanstrengungen über das Amt für Internationale Entwicklung und das Flüchtlingsprogramm
des Außenministeriums...

KAPITEL 6
Mittel amerikanische Sicherheitsfragen
Wir wünschen zutiefst, es bestünde keine Notwendigkeit für ein Kapitel
über Sicherheit in einem Bericht über Mittelamerika.

Aber leider besteht eine

solche Notwendigkeit.
Die Region ist von Krieg und Kriegsdrohungen zerrüttet.
aber den Frieden, um zu Fortschritt zu gelangen.

Sie braucht

Sie braucht Sicherheit, um

Frieden zu bekommen.
Die Konflikte, die die Nationen Mittelamerikas heimsuchen, haben sowohl einheimische als auch ausländische Wurzeln. Zur Wiederherstellung von
Frieden und Stabilität bedarf es einer Kombination der sozialen und politischen
Reformen, des wirtschaftlichen Fortschritts, der diplomatischen Bemühungen
und der militärischen Anstrengungen. In den vorstehenden Kapiteln haben wir

- 23 -

�haben wir uns mit den sozialen, den wirtschaftlichen und den politischen
Aspekten auseinandergesetzt; im nächsten Kapitel werden wir die möglichen
diplomatischen Schritte diskutieren.

Wir hoffen, daß Verhandlungen Früchte

tragen werden, damit die Menschen Mittelamerikas ihre Energien darauf verwenden können, ihre Lebensumstände zu verbessern.

Wir ziehen dies ganz eindeu-

tig vor - eine kraftvolle, konkrete und umfassende diplomatische Bemühung
wird daher im nächsten Abschnitt dargelegt.

Aber genau wie militärische Maß-

nahmen notwendig sind, um die wirtschaftlichen und sozialen Programme zu
schützen, so sind sie auch als Attribut der Diplomatie von entscheidender
Bedeutung...
Wir haben es bereits betont, und wir wiederholen es hier:

örtliche

Reformbewegungen, sogar örtliche Revolutionen sind nicht in sich selbst ein
Sicherheitsproblem für die Vereinigten Staaten.

Die Geschichte hat Beispiele

für echte Volksrevolutionen, die in ihrer Gänze den Wurzeln des eigenen Landes entwachsen.

In dieser Hemisphäre ist Mexiko deutliches Beispiel hierfür.

Aber in den vergangenen zwei Jahrzehnten standen wir vor einem neuen Phänomen.
Das Zusammenwirken der Macht der Sowjetunion und Kubas zur Ausweitung ihrer
Präsenz und ihres Einflusses in verletzlichen Bereichen der westlichen Hemisphäre stellt eine direkte Bedrohung der amerikanischen Sicherheitsinteressen dar.

Diese Art von Rebellion gibt es derzeit in Mittelamerika.

Militärische Hilfe
Obgleich es in El Salvador um wichtige amerikanische Interessen geht
und obgleich wir einen hohen politischen Preis - sowohl im Lande selbst als
auch im Ausland - für die Unterstützung der dortigen Streitkräfte zahlen,
haben die Vereinigten Staaten noch immer nicht genug Militärhilfe zur Verfügung gestellt, um die. Methoden der Aufstandsbekämpfung zu unterstützen, auf
die wir drängen. Gleichzeitig können die Vereinigten Staaten nicht die brutalen alternativen Methoden der Aufstandsbekämpfung unterstützen, die mit
einer Gewalt gegenüber der Zivilbevölkerung einhergehen, die nicht tole- 24 -

�nicht toleriert werden kann.

Unserem Urteil nach ist das gegenwärtige Aus-

maß an militärischer Hilfe nicht einmal ausreichend, um die derzeit bestehende
militärische Pattsituation über längere Zeit hinweg aufrechtzuerhalten.

An-

gesichts der steigenden Schäden - sowohl physisch als auch politisch -, die
der Wirtschaft wie der Regierung von El Salvador durch eine Guerilla zugefügt werden,die ihre Stärke auch weiterhin beibehält, ist ein Zusammenbruch
nicht unvorstellbar.
Der Plan der salvadorianischen Regierung für eine nationale Kampagne
verbindet militärische Operationen mit anschließenden zivilen Aktionen, um
Landwirtschaft und Handel wiederherzustellen. Dem Plan zufolge sollen sichere
Gebiete ermögicht werden, innerhalb derer der Landarbeiter von El Salvador
seine Ernte einbringen und vermarkten und wo die Industrie wieder produzieren
kann. Der Plan geht davon aus, daß landesweit genug Sicherheit geschaffen
wird, um den Aufstand zumindest zwei Jahre lang auf einem niedrigen Niveau
zu halten. Allerdings müssen die Streitkräfte der Regierung rasch um ein
Beträchtliches verstärkt werden, damit dieser Plan Erfolg hat. Hierzu gehören folgende Forderungen:
Verstärkte Luft- und Bodenmobilität, um die Regierungsstreitkräfte in
die Lage zu versetzen, ihren unter Angriff stehenden Positionen Entsatz bringen zu können und schließlich die Guerilla aufzuspüren und zu bekämpfen.
Verstärkte Ausbildung zur taktischen Verbesserung der Streitkräfte
und zum umfassenderen Einsatz moderner, menschlicherer Methoden zur Bekämpfung

des Aufstandes, einschließlich auch der zivilen Methoden selbst.

Zu

letzteren gehören nicht nur Straßenbau und einfachere technische Projekte,
sondern vor allem auch Bereitstellung von Gesundheitsvorsorge durch Sanitätspersonal .
Mehr Streitkräfte, um die Regierungsstreitkräfte in die Lage zu versetzen, sowohl wichtige Objekte zu sichern, als auch den Krieg zur Guerilla
selbst zu tragen; derzeit gibt es lediglich die Wahl zwischen einem Zusehen

- 25 -

�einem Zusehen bei der Zerstörung der lebensnotwendigen Infrastruktur oder
einer endlosen Verlängerung des Krieges.
Mehr an Ausrüstung und an Vorräten, um hierdurch eine einheitliche
Kampfbem'ühung zu unterstützen.
Verbesserte Bedingungen für die Truppen, um weniger ausgebildetes
Personal zu verlieren, vor allem durch die Bergung von Verwundeten; derzeit
ist die Verlustrate wegen Mangels an Bergungshubschraubern sehr hoch.
Es könnte Argumente dafür geben, überhaupt nichts zu tun, um der Regierung von El Salvador zu helfen.
noch viel mehr zu tun.

Es könnte auch Argumente dafür geben,

Aber es gibt kein logisches Argument dafür, zwar

Hilfe zu gewähren, aber nicht genug.

Die schlechtestmögliche Politik für El

Salvador besteht darin, gerade genug Hilfe zu bieten, um den Krieg weitergehen zu lassen, aber zu wenig, um ihn mit Erfolg zu führen.
Wie wir bereits in diesem Bericht deutlich gemacht haben, ist die Kommission zu dem Schluß gekommen, daß der derzeitige Umfang amerikanischer
Hilfe unangemessen ist.
Wir sind nicht in der Lage zu beurteilen, welche Mengen und welche
Arten von erhöhter Hilfe notwendig sind. Wir stellen fest, daß das amerikanische Verteidigungsministerium schätzt, es wären annähernd 400 Millionen
Dollar an amerikanischer Militärhilfe für die Jahre 1984 und 1985 notwendig,
um die militärische Pattsituation aufzubrechen und zu ermöglichen, daß der
Plan einer nationalen Kampagne durchgeführt wird. Das Ministerium ist der
Meinung, daß danach der Umfang der Hilfe auf einen beträchtlich bescheideneren Umfang gebracht werden könnte.
Die Kommission empfiehlt, daß die Vereinigten Staaten El Salvador unter den Bedingungen, die wir in diesem Kapitel noch genauer darlegen werden - so rasch wie möglich eine deutlich erhöhte Militärhilfe gewährt, damit
- 26 -

�gewährt, damit die salvadorianische Regierung in der Gewißheit handeln kann,
daß die notwendige Hilfe kommt.
Die Ausbildung und die Verbesserung der salvadorianischen Streitkräfte
bis zu dem Punkt, da sie wirksame Aufstandsbekämpfung betreiben kann, wird
Zeit brauchen.

Ja, angesichts der Komplexität der internen wie der externen

Probleme, vor denen El Salvador steht, wird die dortige Situation auch weiterhin prekär bleiben - sogar mit erhöhter militärischer Hilfe.

Eine solche Hil-

fe allein kann nicht die Elemente nationaler Einheit und nationalen Willens
garantieren, die für einen Erfolg notwendig sind.

Abe1 dem Urteil der Kom-

mission zufolge wird sich die Lage ohne eine solche Hilfe sicherlich verschlechtern.
Die Kommission hat hinsichtlich der Verteidigungserfordernisse von
Honduras keine gleichermaßen detaillierte Studie unternommen.

Aufgrund der

Zeugenaussagen, die wir haben, kommen wir zu dem Urteil, daß eine verstärkte
amerikanische Militärhilfe für Honduras für Ausbildung und Ausrüstung notwendig ist, um eine glaubwürdige Abschreckung aufzubauen und damit erneuten
Aufstandsversuchen entgegenzutreten.

Die Administration sollte dem Kongreß

in dieser Hinsicht ein angemessenes Programm vorlegen.
Unter entsprechenden Bedingungen wäre Hilfe für Guatemala ratsam,
um das Land in die Lage zu versetzen, eine konsistentere und menschlichere
Strategie zur Aufstandsbekämpfung zu verfolgen.

Diese Frage wird weiter un-

ten behandelt...

Die Menschenrechte
Die Frage des Verhältnisses zwischen Militärhilfe und Menschenrechtsverletzungen ist sowohl äußerst schwierig als auch äußerst wichtig.

Es geht da-

bei um den potentiellen Zusammenstoß zweier grundlegender amerikanischer Zielsetzungen.

Einerseits sind wir darum bemüht, die Gerechtigkeit zu fördern,
- 27 -

�zu fördern, und finden es abstoßend, Streitkräfte zu unterstützen, die fundamentale amerikanische Werte verletzen - oder doch deren Verletzung tolerieren.

Andererseits haben wir uns in El Salvador und in Mittelamerika allgemein

engagiert, weil wir fundamentalen amerikanischen Interessen dienen, die über
alle einzelnen Regierungen hinausgehen.
Unsere Politik muß daher beide Ziele gleichzeitig anvisieren und verfolgen.

Es ist klar, daß weitere öffentliche und internationale Unterstüt-

zung in großem Maße davon abhängt, inwieweit wir bei der Harmonisierung dieses Doppelzieles Erfolg haben.

Vor diesem Hintergrund haben wir die Notwendig-

keit unterstrichen, die amerikanische Entwicklungshilfe eindeutig von raschen
Fortschritten in Richtung auf demokratischen Pluralismus und Achtung vor den
Menschenrechten sowie von der Wirtschaftslage abhängig zu machen.

Die Achtung

vor den Menschenrechten ist außerdem von großer Bedeutung für verbesserte
Sicherheit in Mittelamerika sowie für die Selbstachtung der Vereinigten Staaten.

Wir erkennen, daß die Art und Weise, wie das Problem in dieser Richtung

angegangen wird, von entscheidender Bedeutung ist, denn genau dies ist Mittelamerika auch für unsere nationale Sicherheit.
Die Regierung der Vereinigten Staaten hat ein Recht, bestimmte Mindestanforderungen hinsichtlich der Achtung vor den Menschenrechten als eine Vorbedingung dafür zu verlangen, daß einem Land Militärhilfe gewährt wird.
Was El Salvador angeht, so sollte die Militärhilfe - über eine Gesetzgebung geleistet, die regelmäßige Berichte erfordert - von deutlichem Fortschritt in Richtung auf freie Wahlen abhängig gemacht werden; von Fortschritt
in Richtung auf Versammlungsfreiheit, auf die Herrschaft des Rechts und ein
effizientes Rechtssystem sowie die Einstellung der Aktivitäten der sogenannten
Todesschwadronen und tatkräftige Verfolgung jener, die eines Verbrechens schuldig sind und - soweit möglich - die Aburteilung von Schuldigen der Vergangenheit. Diese Bedingungen sollten mit Nachdruck gefordert werden...
Desgleichen sollten

- 28 -

�Desgleichen sollten die Vereinigten Staaten Maßnahmen - einschließlich
der Verweigerung eines Visas, der Auslieferung und der Untersuchung finanzieller Transaktionen - gegen Ausländer in den Vereinigten Staaten treffen, die
mit Aktivitäten der Todesschwadronen in El Salvador und andernorts in Verbindung stehen...

Schlußfolgerung
Die Kommission ist zu der Schlußfolgerung gelangt, daß in Mittelamerika
in einem erheblichen Umfang die Sicherheitsinteressen der Vereinigten Staaten
auf dem Spiel stehen; daß außerdem diese Interessen ein beträchtlich größeres
Programm militärischer Hilfe sowie erheblich ausgeweitete Unterstützung für
wirtschaftliches Wachstum und soziale Reform erfordern; daß es weiterhin zu
einem Ende der massiven Menschenrechtsverletzungen kommen muß, wenn in Mittelamerika Sicherheit herrschen soll; und daß die externe Unterstützung des Aufruhrs aus dem gleichen Zweck neutralisiert werden muß - ein Problem, das wir
I'm nächsten Kapitel behandeln werden.

Die Verschlechterung der Lage in Mittelamerika ist dergestalt, daß wir
es uns nicht leisten können, bei der Verteidigung unserer nationalen Interessen
und beim Verfolg unserer nationalen Zielsetzungen gelähmt zu sein.

Die Tat-

sache, daß eine solche Lähmung auf einen Mangel an nationalem Konsens hinsichtlich der Außenpolitik in den Vereinigten Staaten zurückzuführen wäre, würde
nicht die Folgen eines Fehl Schlags mildern.

Wir sind der Meinung, daß bei ei-

ner Frage von solcher Bedeutung für die nationale Sicherheit der Vereinigten
Staaten ein Konsens möglich ist und ein solcher erreicht werden muß.
Wir hoffen zudem, daß eine eindeutige amerikanische Verpflichtung zu
einem solchen Kurs wiederum die Aussichten auf erfolgreiche Verhandlungen verbessert - so daß die Waffen die Diplomatie unterstützen würden, statt diese zu
ersetzen.
KAPITEL 7
- 29 -

�KAPITEL 7
Die Suche nach dem Frieden
Die amerikanische Diplomatie in bezug auf Mittelamerika kann weder in
einem Vakuum gestaltet noch in einem solchen verwirklicht werden.

Sie muß

die umfassenderen Realitäten der Hemisphäre wie die der ganzen Welt widerspiegeln.

Zudem muß sie eine Strategie zur Förderung amerikanischer Interessen in

der Region beinhalten, die auch langfristig durchgehalten
Strategie umfaßt viele Faktoren.

werden kann.

Diese

Diskussionsthemen sind dabei, welche Maßnahmen

im einzelnen ergriffen werden sollten, welcher Art das Geben und Nehmen sein
sollte, welches Gleichgewicht erzielt werden sollte und welche Verantwortlichkeiten von uns und von anderen übernommen werden sollten,

über folgendes müß-

ten wir uns allerdings im klaren sein:
über den Kontext unserer Diplomatie,
über die Natur unserer Zielsetzungen,
über die Beharrlichkeit unserer Politik.
Geschichte wie Erfahrung lehren, daß eine wirkungsvolle Diplomatie die
Koordination vieler Elemente erforderlich macht. Von entscheidender Bedeutung
für den Fortschritt sind dabei Anreize. Und desgleichen die Strafen bei einem
Versagen. In vielen Fällen müssen befreundete Streitkräfte sowohl durch Wirtschafts- als auch durch Sicherheitshilfe unterstütz werden. Den Aggressoren
muß deutlich gemacht werden, daß ein unannehmbares Verhalten Risiken in sich
birgt. Sie müssen außerdem wissen, daß ein anderes Verhalten wiederum beträchtliche Vorteile mit sich bringen kann.
Eine erfolgreiche politische Strategie in Mittelamerika muß bestimmte
grundlegende Voraussetzungen haben.

So erfordert sie

- umfangreiche Mittel zur Förderung des wirtschaftlichen Fortschritts;
- tatkräftige Bemühungen zur Förderung von Demokratie und sozialer Reform;
- andere Anreize und Strafmaßnahmen - abgesehen von Gewalt - zur Durchsetzung unserer Diplomatie...
El Salvador
- 30 -

�El Salvador

Es i s t offenkundig, daß die Zukunft von M i t t e l ™
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Die Regierung von El Salvador muß a l l e angemessenen Maßnahmen
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gende Weise vorgegangen werden:
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31 -

£

�1. Die salvadorianische Regierung würde die FDR-FMLN dazu einladen, ein
für beide Seiten annehmbares Verfahren auszuhandeln, um für die kommenden Wahlen einen Rahmen zu schaffen...
2. Als Teil dieses Rahmens würde eine alle politischen Richtungen repräsentierende Wahlkommission eingesetzt, zu der auch Vertreter der FDR-FMLN gehören...
3. Alle Parteien sollten Gewaltanwendung einstellen, damit für alle
Seiten befriedigende Vereinbarungen zwischen Regierung, regierungsnahen Parteien, den verschiedenen oppositionellen Gruppen und den Gruppen der Aufständischen während des Wahlkampfes und während der Wahlen sich in der Realität bewähren können...
4. Es sollte ein System der internationalen Beobachtung erstellt werden,
um Glauben und Vertrauen aller Parteien in die Redlichkeit und die Ausgewogenheit der Arrangements für die Wahlen zu stärken...

Hierzu könnten Berater der

Wahlkommission gehören, die von den OAS-, den CONTADORA- und Drittweltstaaten
kommen und über die sich alle Konfliktparteien einigen.
Zusammenfassend gesagt sollten die Vereinigten Staaten eine gewaltige
Anstrengung unternehmen, um El Salvador bei der Schaffung einer Gesellschaft
zu unterstützen, die aus sich selbst lebensfähig ist und die sich der offenen
Teilnahme an ihrem politischen Prozeß, der sozialen Gerechtigkeit, der wirtschaftlichen Freiheit, dem Wachstum und der Entwicklung verschreibt.

Ein El

Salvador, das auf diese Ziele hinarbeitet, verdient auch weiterhin unsere Unterstützung.

Dazu gehören angemessene Wirtschafts- und Sicherheitshilfe, die

wiederum einen Druck in Richtung auf ein politisch ausgehandeltes Ende der
Kämpfe hervorbringen könnten...

Nicaragua

- 32 -

�Nicaragua
Die Streitkräfte der Sandinisten sind potentiell stärker als alle übrigen Streitkräfte Mittelamerikas zusammengenommen.

Die Regierung in Managua

bot der Kommission unaufgefordert eine vertrauliche Unterrichtung an, die keinen
wirklichen Zweifel daran ließ, daß Nicaragua in das kubanische - und damit auch
in das sowjetische - nachrichtendienstliche Netz eingebunden ist. Die Kommission traf auf keine führende Persönlichkeit in Mittelamerika - auch nicht in
dem demokratischen und unbewaffneten Costa Rica -, die nicht äußerst besorgte
Vorahnungen hinsichtlich der Auswirkungen eines militarisierten, totalitären
Nicaragua auf den Frieden und die Sicherheit der Region zum Ausdruck brachten.
Verschiedene vertraten die Ansicht, daß ihre eigene Freiheit, ja ihre Unabhängigkeit, gefährdet seien, sollte das Sandinista-Regime jetzt als totalitärer
Staat konsolidiert werden...
Obwohl die Kommission der Auffassung ist, daß das Sandinista-Regime auch
weiterhin eine Gefahr für die Stabilität in der Region darstellen wird, befürworten wir dennoch keine Politik der reinen Eindämmung.
Stattdessen empfehlen wir vor allem eine Anstrengung, um zu einer umfassenden regionalen Regelung zu gelangen.

Diese würde sich aus den 21 Zielen

der CONTADORA-Gruppe entwickeln und auf ihnen aufbauen.

Innerhalb des Rahmens

der grundsätzlichen Prinzipien würde sie:
- eine Verknüpfung zwischen Demokratisierung und Sicherheit in dieser Region anerkennen;
- die Anreize für verstärkte Entwicklungshilfe und Handelskonzessionen mit
der Annahme gegenseitiger Sicherheitsgarantien verbinden;
- die Vereinigten Staaten und andere Industrieländer in das regionale Friedenssystem einbinden; und
- in der
- 33 -

�- in der Region einen institutionellen Mechanismus zur Verwirklichung dieses Systems schaffen.

Der Rahmen für regionale Sicherheit
Die Kommission ist der Auffassung, daß eine umfassende regionale Regelung sich auf die weiter unten spezifizierten Grundsätze stützen sollte.

Eine

solche Regelung würde nicht die Beseitigung der sandinistischen Regierung und
auch nicht den offiziellen Verzicht auf ihre revolutionären Ideale implizieren,
sondern nur bedeuten, daß sie sich dem legitimierenden Test freier Wahlen unterwirft.

Es liegt deshalb nicht außerhalb des Bereiches der Möglichkeiten, daß

Nicaragua und die anderen Staaten der Region sich diese Regelung zu eigen machen
werden.

Das grundlegende Rahmenwerk wäre ein Abkommen über die Sicherheit in

Mittelamerika, das zwischen den "Fünf" (Costa Rica, El Salvador, Guatemala,
Honduras und Nicaragua) ausgehandelt wird und folgende Grundelemente enthält:
- Respektierung der Souveränität, Unabhängigkeit sowie Integrität aller
mittelamerikanischer Staaten.
- Eine umfassende und konkrete Verpflichtung zur Demokratie und zu den
Menschenrechten.
- Eine verifizierbare Verpflichtung eines jeden Landes, seinen Nachbarn
nicht anzugreifen und keine Waffen - offen oder im geheimen - an irgendwelche Aufständischen weiterzugeben, kein Militärpersonal eines mittel amerikanischen Staates auszubilden und keinerlei Subversion - direkt
oder indirekt - gegenüber seinen Nachbarn zu praktizieren.
- Eine verifizierbare Verpflichtung eines jeden Landes, keine Waffen zu
besitzen, die über ein gewisses Ausmaß, gewisse Typen sowie eine gewisse
Kapazität hinausgehen.

Die zulässige Gesamtstärke der Streitkräfte eines

jeden Landes könnte in der Weise festgelegt werden, daß sie eine vereinbarte Höhe, die wesentlich geringer ist als gegenwärtig, nicht Uber- 34 -

�nicht überschreitet.

Streitkräfte, Stützpunkte oder Berater nicht-

mittel amerikanischer Länder wären nicht gestattet.

Respektierung des Abkommens und Mitarbeit seitens der Vereinigten Staaten
Dazu würde die Bereitschaft gehören, die Militär- und Sicherheitsvereinbarungen in Mittelamerika zu unterstützen, sowie die Verpflichtung, jedwede
innenpolitischen Vereinbarungen zu respektieren, die sich aus rechtmäßigen
Wahlen ergeben, solange an den Grundprinzipien von Pluralismus im eigenen Land
und Zurückhaltung nach außen kontinuierlich festgehalten wird.

Weiter die

Verpflichtung aller Länder zum Pluralismus, zu friedlicher politischer Aktivität und zu freien Wahlen, an denen alle politischen Parteien teilnehmen können
und zwar frei von Drohung und Gewalt.

Insbesondere müßten die Zusicherungen

Nicaraguas vom Juli 1979 gegenüber der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS),
die durch die CONTADORA-Gruppe bekräftigt wurden, erfüllt werden. Alle Insurgentengruppen müßten ihre militärische Aktivität einstellen.
Dauerhafte Verifizierung:

Die Vereinigten Staaten wären bereit, tech-

nische Unterstützung zu gewähren, damit eine wirksame Verifizierung gewährleistet ist.

Die CONTADORA-Länder könnten hier eine wesentliche Rolle spielen

Die mittelamerikanischen Länder, die dem Abkommen angehören, könnten andere Länder zu einer Assoziierung einladen. Sie könnten sich ferner dafür einsetzen, daß andere Länder der Hemisphäre gegenseitige Verpflichtungen der Nichteinmischung abgeben.
Die Befolgung des Abkommens wäre Bedingung für eine Beteiligung an dem
Entwicklungsprogramm, das in den Kapiteln vier und fünf beschrieben wurde. Die
mittel amerikanische Entwicklungsorganisation würde - wie dort empfohlen - eine
kontinuierliche Überwachung und Überprüfung hinsichtlich der Einhaltung der Verpflichtung zur Nichteinmischung im Ausland und zur Demokratisierung im Inland
durchführen.
Die Außenminister
- 35 -

�Die Außenminister sowie andere Minister würden - zusammen mit den Vereinigten Staaten, Mexiko, Panama, Kolumbien und Venezuela als Beobachter - regelmäßig zusammentreffen, um die Vereinbarungen sowie deren Einhaltung zu überprüfen.

Der Rat würde Verfahren für die Lösung von Konflikten unter den Mit-

gliedstaaten ausarbeiten...

Die CONTADORA-Gruppe
Die Vereinigten Staaten haben ein großes Interesse daran, die Länder
Mittelamerikas zur Übernahme einer größeren Verantwortung hinsichtlich regionaler Vereinbarungen zu ermutigen.

Unser Engagement wird akzeptierbarer sein,

wenn es einen regionalen Konsens reflektiert.

Wenn Länder der Region die Ini-

tiative ergreifen und wenn man in uns nicht jemanden sieht, der regionale
Zielsetzungen aufzwingen will, dann werden die Aussichten für eine konstruktive
Entwicklung, die sich auf gemeinsame Ziele stützt, wachsen.

Ein Hauptziel der

Vereinigten Staaten sollte es deshalb sein, die Entwicklung eines unabhängigen
Systems regionaler Beziehungen zu fördern, das gestärkt wird durch amerikanische Wirtschaftshilfe, diplomatische Unterstützung und MilitärhTlfe.

Wenn

eine regionale Abmachung letztendlich von Dauer sein will, dann muß sie auf
amerikanische Unterstützung rechnen können.

Wenn sie jedoch diese Unterstüt-

zung erhalten will, dann müssen Zusammenarbeit und guter Wille unserer Schwesterrepubliken im Süden ersichtlich sein.
Eine erfolgreiche Diplomatie innerhalb Mittelamerikas muß auf den Interessen der mittel amerikanischen Länder selbst basieren. Diese Interessen müssen
sich in weitergefaßten regionalen Vereinbarungen widerspiegeln, die gegenseitige
Verpflichtungen auferlegen, gemeinsame Anreize für die Achtung nationaler Rechte
schaffen und eine Überprüfung der Befolgung und der für Verletzungen verhängten
Strafen vorsehen.
Die vier angrenzenden CONTADORA-Staaten - Kolumbien, Mexiko, Panama und
Venezuela - sind aktiv und kreativ bei dem Versuch, eine regionale Diplomatie
zu entwickeln, die den Erfordernissen Mittelamerikas gerecht werden kann. Ihre
- 36 -

�kann.

Ihre Rolle war konstruktiv in dem Bestreben, die anhängigen Fragen i

definieren und die Verpflichtung der wichtigen lateinamerikanischen Länder aufzuzeigen, Stabilität und eine friedliche Entwicklung in der Region zu bewirken. ..
Die Vereinigten Staaten sollten innerhalb dieses Rahmens den CONTADORAProzeß nachdrücklich unterstützen.

Wir sollten auch weiterhin in echter Weise

und auf regelmäßiger Basis Konsultationen mit den Mitgliedstaaten pflegen. Wir
sollten weiterhin das 21-Punkte-Programm der CONTADORA-Staaten unterstützen,
während wir gleichzeitig auf eine spezifischere Regelung drängen.

Angesichts

der Größe und der Kompliziertheit der Aufgabe ist es nicht verwunderlich, daß
sich der Fortschritt nur allmählich und auf allgemeiner Ebene vollzieht. Wie
bereits gesagt, stehen die Grundsätze des regionalen Rahmenwerkes, wie sie
oben dargelegt sind, in voller Übereinstimmung mit dem CONTADORA-Programm.
diese Grundsätze sollen dem Programm klarere Konturen verleihen.

Ja,

Welche Rolle

die CONTADORA-Gruppe bei der tatsächlichen Gestaltung von Regelungen auch immer spielen wird, sie wird gewiß hinsichtlich der Durchführung und Überwachung
dieser Regelungen einen zentralen Platz einnehmen.

Kuba und die Sowjetunion
Sowohl die Rolle, die das sandinistische Regime in Mittelamerika spielt,
als auch die Bedrohungen in den Nachbarländern erhalten aufgrund des aktiven
Engagements Kubas zusätzliche Bedeutung für die Region und für die Vereinigten
Staaten.

Wie bekannt ist, hat sich Kuba seit langem der revolutionären Gewalt

als wichtigem Teil seiner Ideologie verschrieben; ja, diese Haltung findet sogar in seiner Staatsverfassung ihren Niederschlag.

Kuba ist ferner ein enger

Verbündeter der Sowjetunion und anderer Staaten des kommunistischen Blocks, es
erhält von ihnen Unterstützung und fördert deren Interessen in der Region des
Karibischen Beckens...
Es ist sicherlich unmöglich, ein Engagement der Sowjetunion in Mittelamerika, das sich auf den Handel, auf diplomatische Beziehungen und auf_eine
- 37 -

�auf eine gewisse Einflußnahme auf einzelne Länder erstreckt, auszuschließen.
Andererseits ist ein wie immer geartetes sowjetisches Engagement in der Region,
das eine Bedrohung für die Vereinigten Staaten darstellt, sicherlich unannehmbar.

Die politische Frage ist erstens, zu entscheiden, wo zwischen diesen bei-

den Extremen eines sowjetischen Engagements der Punkt des Gleichgewichts für die
amerikanischen Interessen liegt, und zweitens, die notwendigen Maßnahmen zu treffen, um diese Interessen zu wahren.

Die Vereinigten Staaten können kein mili-

tärisches Engagement der Sowjets in Mittelamerika und der Karibik akzeptieren,
das über das hinausgeht, was wir zögernd in Kuba tolerieren...
Vor diesem Hintergrund verspricht sich die Kommission wenig von Verhandlungen mit der Sowjetunion über Mittelamerika. Die Sowjets würden fast mit
Sicherheit Verhandlungen dazu benützen, ihre Präsenz in der Region zu legitimieren. Sie würden eine Erörterung von Einflußsphären der Supermächte begrüßen, die sofort Ansprüche auf Vorherrschaft Moskaus und die Notwendigkeit
einer amerikanischen Enthaltung an der sowjetischen Peripherie, wie in Osteuropa und in Afghanistan, auslösen würde. Für die Vereinigten Staaten ist das
Konzept von Einflußsphären unannehmbar. Sollten die Vereinigten Staaten einem
solchen Konzept jetzt zustimmen, würde die Sowjetunion beträchtliche Vorteile
erlangen.
Kurz gesagt, die Vereinigten Staaten können nicht alles politische Engagement und allen Einfluß der Sowjets in Mittelamerika und der Karibik beseitigen. Aber wir müssen die sowjetische Militäraktivität in der Hemisphäre
zügeln. Und wir können die sowjetischen Möglichkeiten reduzieren und für andere
die Anreize erhöhen, keine Bindungen mit Moskau zu knüpfen, die den Interessen
der Vereinigten Staaten und der Region schaden würden.

Umfassendere Anstrengungen
Die Aussichten auf Sicherheit und Fortschritt werden die Anstrengungen
sowohl der Länder der Region als auch der Vereinigten Staaten ankurbeln.

- 38 -

Lang-

�ankurbeln.

Langfristig muß der Hauptnachdruck auf einer fortschrittlichen

Reform der Gesellschaften, der Stärkung des politischen Prozesses und der Verbesserung der wirtschaftlichen Verhältnisse liegen.

Das Zueigenmachen dieser

Ziele sowie die Gewährung der erforderlichen Mittel werden nicht an sich schon
Sicherheit und Fortschritt gewährleisten.

Aber ohne diese weitergesteckten

Anstrengungen kann keine diplomatische Strategie Erfolg haben oder von Dauer
sein.
Es gibt für die Vereinigten Staaten keine leichten Antworten in Mittelamerika.
den

am

Es wird auch kein baldiges Ende unserer innenpolitischen Debatte über
besten einzuschlagenden Weg geben.

Dennoch müssen wir energisch

diplomatische und politische Methoden - zusammen mit den anderen Möglichkeiten
unserer Politik - verfolgen, um ein regionales Rahmenwerk für Sicherheit, Frieden, Entwicklung und Demokratie zu schaffen.

KAPITEL 8
Zusammenfassung
Wir haben diese Untersuchung in der Überzeugung abgeschlossen, daß Mittelamerika sowohl voller Lebenskraft als auch verwundbar ist und daß die Vereinigten Staaten - welche andere Krise auch immer die Aufmerksamkeit unserer Nation in Anspruch nehmen mag - es sich nicht leisten können, sich von dieser
bedrohten Region abzuwenden.

Die Krise Mittelamerikas ist unsere Krise.

Allzu häufig sind es Kriege oder Kriegsdrohungen, die die Aufmerksamkeit
auf den einen oder anderen Teil der Welt lenken.
der Fall.

Das war auch in Mittelamerika

Die dortige militärische Krise nahm unsere Aufmerksamkeit in Anspruch,

aber dennoch wurden wir uns auch zahlreicher anderer Erfordernisse der Region
bewußt.

Wenn auch vielleicht spät, so hat sie doch unsere Sinne geschärft.
Was nun
- 39 -

�Was nun diese Kommission angeht, so war es eine Auswirkung dieser Konzentration, daß wir das Bild, das wir von den Ländern Mittelamerikas hatten,klären
konnten.

Oft wird der Fehler begangen, daß andere Länder mehr als

Karikaturen

statt als Wirklichkeit gesehen werden; daß das eine oder andere Charakteristikum
übertrieben wird und die Sicht für subtilere Nuancen verlorengeht, auf die sich
ein so großer Teil menschlicher Erfahrung stützt.

Bei unserer Untersuchung ist

uns ganz deutlich geworden, welch großer Fehler es wäre, diese Länder nur eindimensional zu sehen.

Ein außerordentlich kompliziertes

Zusammenwirken von

Kräften hat ihre Geschichte gestaltet und definiert auch weiterhin ihre Identität; bestimmt ihr Geschick.
Wir haben ein großes Mitgefühl entwickelt für jene in Mittelamerika,
die bestrebt sind, diese Kräfte unter Kontrolle zu bringen und ihre Länder
erfolgreich durch diese Periode des politischen und sozialen Umbruchs zu führen. Als Region ist Mittelamerika in der Mitte des Weges von vorwiegend autoritären Mustern der Vergangenheit zu einer Form, die mit Entschlossenheit,
Hilfe, Glück und Frieden zu einem vorwiegend demokratischem Pluralismus der
Zukunft werden wird. Ein solcher Umbruch ist schwierig, selten verläuft er
glatt, manchmal gewaltsam. In Nicaragua haben wir die Tragödie einer verratenen Revolution erlebt; dieselben Kräfte, die den Beginn der Demokratie in
Nicaragua niedergetrampelt haben, bedrohen jetzt El Salvador. In El Salvador
selbst werden jene,die bestrebt sind, demokratische Institutionen zu schaffen,
von der Gewalt der Extremisten beider Seiten heimgesucht. Aber der Geist der
Freiheit ist überall in der Region stark, und es besteht die Entschlossenheit,
ihn zu stärken, wo er bereits vorhanden ist, und ihn zu schaffen, wo dies noch
nicht der Fall ist.
Die Benutzung Nicaraguas als Basis für sowjetische und kubanische Anstrengungen, das übrige Mitte]amerika zu durchdringen - wobei El Salvador das
Ziel der ersten Wahl ist -,gibt dem dortigen Konflikt eine bedeutsame strategische Dimension. Das direkte Engagement aggressiver fremder Truppen stellt
eine Herausforderung für die Sicherheit der Hemisphäre und ganz spezifisch
für die Sicherheitsinteressen der Vereinigten Staaten dar.
Aber darüber
- 40 -

�Aber darüber hinaus sind wir herausgefordert, auf die dringenden menschlichen Ansprüche der Bevölkerung Mittelamerikas zu reagieren.

Mittelamerika

ist eine Region, die sich wirtschaftlich, sozial und politisch in der Krise befindet.

Seine Völker sind unsere Nachbarn, und sie brauchen unsere Hilfe.

Das ist einer jener Fälle, wo die Erfordernisse des nationalen Interesses und
die Gebote des Gewissens sich decken.
Im Laufe der Jahre hat es eine Art natürlichen Fortschritt in den Bindungen unseres Landes zu anderen Teilen der Welt gegeben.
sie fast exklusiv mit Europa.

Zunächst bestanden

Dann erweiterten wir unsere transpazifischen

Bindungen, ohne die mit Europa zu lockern.

Jetzt führt uns die Krise in Mit-

telamerika lebhaft vor Augen, daß wir unsere Bindungen mit dem Süden - genauso wie mit dem Osten und dem Westen - vertiefen müssen.
Unsere Reaktion auf die gegenwärtige Krise in Mittelamerika darf kein
vorübergehendes Phänomen sein. Die Vereinigten Staaten wurden aus einer Vision heraus geboren, die die Welt zwei Jahrhunderte lang inspiriert hat. Diese Vision leuchtet am hellsten, wenn sie auch von anderen geteilt wird. So,
wie wir die Freiheit für uns wünschen, wünschen wir auch die Freiheit für
andere. Genauso, wie wir unsere Vision hochhalten und schätzen, sollten wir
andere ermutigen, sich ihre eigene zu schaffen. Ja, das, was wir für uns
selbst wünschen, ist weitgehend auch das, was die Menschen in Mittelamerika
für sich wünschen. Sie haben auch die Vision von der Zukunft, die unsere Ideale darstellen, und die Zeit ist für uns gekommen, ihnen dabei zu helfen, nicht
nur nach einer solchen Vision zu streben, sondern sie daran teilhaben zu lassen.
Unsere Aufgabe als Nation ist es nun, die Krise in Mittelamerika zu
einer großen Chance umzuwandeln:

Die Impulse und den Anstoß zu geben, die

darin enthalten sind, und dies zu benutzen, um unseren Nachbarn dabei zu helfen, nicht nur ihre Freiheit von Aggression und Gewalt zu sichern, sondern
auch die Politik und die Prozesse in Gang zu setzen und die Institutionen zu
schaffen, die den Menschen dort Prosperität bringen und sie frei machen.
Wenn uns dies gemeinsam gelingt, dann werden die Verfechter der Gewalt das

- 41 -

�Gewalt das Gegenteil von dem erreicht haben, was sie beabsichtigten: Sie
werden uns angespornt haben, nicht nur die Flut des Totalitarismus abzuwenden, sondern auch neue Hoffnung und neue Möglichkeiten für die Menschen in
Mittelamerika entstehen zu lassen.
Weil dies unsere Chance ist, ist es wahrhaftig auch unsere Pflicht.

- 42 -

�18. Januar 1984

ARTISTIK IM WELTRAUM
Neue flugtechnische Aufgaben bei der zehnten Raumtransportermission -

- (AD) - Die Raumfähre CHALLENGER steht in Kap Canaveral für den nächsten
Flug bereit.

Es wird der zehnte Weltraumeinsatz eines amerikanischen Raumtrans-

porters sein.

Kürzlich wurden die drei Hilfsaggregate am Heck gegen neue Ein-

heiten ausgetauscht.

Denn als Ursache des Aussickerns von Hydrazin, das bei

der Landung des Schwesterschiffs COLUMBIA im Dezember 1983 zu einem Brand und
zwei kleineren Explosionen an zwei der drei Einheiten geführt hatte, wurden
Risse in Zuleitungen infolge Korrosion und Materialalterung ermittelt.

Die Tur-

binenaggregate, die unabhängig voneinander arbeiten, erzeugen den Druck für
Hydrauliksysteme des Raumgleiters in der Start- und Landephase.

Auch die Stö-

rungen an zwei der fünf Bordcomputer kurz vor der Landung beim Unternehmen STS-9
(COLUMBIA, 28. November bis 8. Dezember 1983) sind geklärt.

Schuld waren win-

zige Metallpartikel zwischen elektrischen Komponenten.
Nach dem gegenwärtigen Stand der Vorbereitungen soll CHALLENGER am 3.
Februar 1984 starten und am 11. Februar zurückkehren.

Bei günstigen Wetter-

bedingungen ist die Landung auf der neuen Piste des Weltraumbahnhofs Kap
Canaveral in der Morgendämmerung vorgesehen.

Sind sie nicht gegeben, landet

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�gegeben, landet CHALLENGER wieder in Kalifornien.

Für diesen Fall haben Komman-

dant Vance Brand und Kopilot Robert Gibson ausgiebig Nachtlandungen mit Trainingsflugzeugen der NASA geprobt.

Die beiden Astronauten unternehmen den Flug

STS-10 gemeinsam mit drei Missionsspezialisten.

Es sind Bruce McCandless,

Ronald McMair und Robert Stewart, die dem Astronautenteam schon seit Jahren
angehören und jetzt zu ihrem ersten Raumflug starten.

Freier Flug mit Manövriergerä't
Ein vielseitiges Arbeitsprogramm mit einer ganzen Reihe neuer technischer
Aufgaben wartet auf die CHALLENGER-Besatzung.

Das spektakulärste Ereignis wer-

den sicherlich die jeweils sechsstündigen Außenbordmanöver von McCandless und
Stewart am fünften und siebenten Flugtag sein.

Die beiden erproben im Weltraum

zum ersten Mal Ausrüstungen, die ihnen völlig selbständiges Manövrieren außerhalb des Raumschiffs und sogar das "Andocken" an einen Satelliten erlauben.
Auf eine Verbindung mit dem Mutterschiff durch eine Sicherungsleine, wurde verzichtet, weil diese eher als hinderlich denn als Hilfe empfunden wird.

Die

Fortbewegung erfolgt über die Aktivierung von Düsen, die mit Stickstoffgasen
arbeiten.
McCandless wird als erster aussteigen. Von der Ladebucht der CHALLENGER
aus schwebt er, mit dem Rücken zum Orbiter, hinaus in den Raum. Vance bringt
dazu den Orbiter in eine senkrechte Position - Heck zur Erde, Unterseite in
Flugrichtung. Sobald McCandless die Driftgeschwindigkeit von 60 m/sec erreicht hat, versetzt er sich in langsame Rotation, damit er, während er sich
weiter entfernt, den Raumgleiter in Sicht behalten kann.
Der erste "Ausflug" soll 45 m weit gehen und nach 10 Minuten beendet
sein. Dann folgt ein zweiter bis auf ca. 90 m Abstand vom Mutterschiff. Dies
entspricht etwa jener Entfernung, die im April 1984 McCandless' Kollege George
Nelson zurücklegen muß, um vom Orbiter aus den nicht mehr funktionstüchtigen,
außer Kontrolle geratenen Forschungssatelliten SOLAR MAX zu erreichen.

- 2 -

Dieser

�erreichen.

Dieser soll dann nach weiterer Annäherung des Orbiter von Nelson

an dem aus dem Laderaum ausgefahrenen ROBOTARM befestigt und eingeholt werden.
Die Reparatur des drei Tonnen schweren Satelliten will man nach Möglichkeit an
Bord vornehmen, um ihn vor der Rückkehr des Raumtransporters zur Erde in der
Umlaufbahn wieder abzusetzen.
Die Entfernung bis auf 90 m vom Orbiter gilt aufgrund der Erfahrungen,
die bei den zahlreichen Simulatorversuchen gemacht wurden, als eine Strecke,
die mit der Manövrierausrüstung leicht im Sichtflug zurückgelegt werden kann.
Während der Raumschi ffkommandant den Abstand zu McCandless mittels RendezvousRadar bestimmt, benutzt dieser in der umgekehrten Richtung ein optisches Hilfsmittel, nämlich einen mit Markierungskerben versehenen Stab, mit dem er die je
nach Entfernung unterschiedliche Größe des Orbiter mißt.
Stewart hält sich unterdessen in der Ladebucht auf.

Um den beiden Astro-

nauten die Umstellung auf den niedrigeren Druck im Schutzanzug zu erleichtern,
wurde schon am Tag zuvor für die gesamte Besatzung der Kabinendruck von 1 at
auf 0,71 at gesenkt.

Dadurch kann die notwendige Zeit für die Sauerstoff-Vor-

atmung, die vor Beginn der Außenarbeiten nicht gelösten Stickstoff aus dem Korper entfernen und vor Dekompressionserscheinungen schützen soll, von drei Stunden auf eine Stunde verringert werden.
Bis McCandless zurückkehrt, hat Stewart die T-förmige Dockausrüstung
vorbereitet.

Mit Hilfe Stewarts legt McCandless sie an seinem Schutzanzug

an, um nun an einem Trainingsstutzen im Nutzlastraum der CHALLENGER "anzukoppeln".

Dies ist ebenso ein Obungsexperiment für das Einholen des SOLAR MAX-

Satelliten im April wie das Anbringen einer Arbeitsplattform am Ende des 15 m
langen, mehrgliedrigen und überaus wendigen Greifarms (ROBOTARM), der vom
Cockpit aus ferngesteuert wird.
tung.

Dies besorgt Ronald McNair durch Handschal-

Auch das Nachfüllen von Stickstoff für den Antrieb des Manövriergeräts

(es wird zu diesem Zweck abgelegt und an seiner Halterung im Laderaum befestigt)
ist eine der Aufgaben beim Außenbordmanöver.

Sie nimmt jeweils etwa lo Minu-

ten in Anspruch.
Sobald McNair

�Sobald McNair vom Schaltpult aus seinen Kollegen Stewart auf der Arbeitsplattform am Ende des Greifarms draußen im Laderaum zu McCandless herangefahren hat, reicht dieser Stewart Werkzeuge zu, damit er sie auf der Plattform
verstaut.

Mehrmals tauschen die beiden ihre Plätze, um möglichst viele prak-

tische Erfahrungen mit der Fußhalterung für Astronauten auf der Arbeitsplattform zu sammeln.

Denn die Stehsicherheit spielt beim Einholen eines Satelliten

eine ganz wichtige Rolle.
Nun ist die Reihe an Stewart, mit dem Manövriergerät zweimal
Flug hinaus in den Raum und zurück zu unternehmen.
ter-Ladebucht wird

den freien

Zum Andocken in der Orbi-

er SPAS benutzen, den wiederverwenbaren Satelliten der Fa.

MBB, der an einer Seite des Laderaums noch verankert ist.

Dieser deutsche

"Shuttle Pa_llet ^atellite" war bereits beim Unternehmen STS-7 im Juni 1983 dabei; er wurde damals samt den darauf montierten Experimenten von der amerikanischen Astronautin Dr. Sally Ride betreut.

Die Modulbauweise des SPAS, eines

überaus praktischen Trägergeräts für wissenschaftliche Instrumente und Ausrüstungen, macht es möglich, die Palette den jeweiligen Nutzlasten einer Mission im Weltraum anzupassen.

Zum Verstauen in der Ladebucht des Raumtranspor-

ters ist er gewissermaßen maßgeschneidert.

Mit dem Greifarm kann er aus dem

Laderaum gehievt und für kürzere oder auch lange Zeit in der Umlaufbahn abgesetzt werden - wie es die Experimente gerade erfordern.
Beim Unternehmen STS-10 trägt SPAS nochmals die Experimente aus den
Gebieten Mikroelektronik, Biologie und Werkstoffwissenschaften, mit denen der
Satellit auch beim ersten Einsatz im Weltraum bestückt war. Er ist aber auch
mit einem Koppelstutzen versehen, an dem Stewart mehrmals "anlegt". Außerdem
befindet sich auf der Oberseite des SPAS eine Nachbildung der elektrischen
Schaltzentrale des SOLAR MAX-Satelliten. An dieser üben beide Astronauten
von der Arbeitsplattform aus mit Werkzeugen das Ausschalten aller Stromleitungen sowie das Trennen und Verbinden von Kabeln, wie es im Ernstfall bei der
Bergung von SOLAR MAX notwendig sein wird.
Am übernächsten

�Am übernächsten Flugtag ist SPAS bereits abgesetzt und befindet sich
über der CHALLENGER, wenn McCandless und Stewart ihr Außenbordmanöver im Laderaum beginnen.

Bei Nacht, nur mit Scheinwerferlicht, prüfen sie ihre Manörvier-

geräte durch, um bei Morgendämmerung (d.h. bei Sonnenaufgang für CHALLENGER in
der Umlaufbahn) abflugbereit zu sein.

In dieser tageszeitlichen Folge werden

im April die Vorbereitungen für die Bergung des Forschungssatelliten getroffen
- dies ist die Generalprobe dafür.
Nacheinander werden die beiden Astronauten versuchen, am langsam rotierenden SPAS draußen im Weltraum anzukoppeln.

Dazu wird es erforderlich sein,

sich der Drehbewegung mit Hilfe des Manöviergeräts anzupassen.

McCandless und

Stewart prüfen außerdem die Antriebseinheit auf ihre Flugstabilität unter verschiedenen Bedingungen und werden z.B. untersuchen, wie sich Armbewegungen oder
das Austreten von Gasen aus dem Lebenserhaltungssystem auswirken.

Rendezvous mit einem Ballon
Vorübungen zum Rendezvous mit SOLAR MAX sind die Anflugmanöver Vance Brands
und Gibsons auf einem vom Orbiter abgesetzten Ballon.

Er wird auf 2 m Durch-

messer aufgeblasen; zur Drall Stabilisierung erhält er eine Ballastmasse von
91 kg Wolfram.

Die Position von CHALLENGER zu der des Ballons wird im Verlauf

von 15 Stunden ca. 255 km zurückverlagert.

Nun pirscht sich der Raumtransporter

in zwei flachen Loopings, bei denen er bis zu 15 km tief unter der Ballonbahn
durch-"taucht", an das Ziel heran, wobei das Annäherungsradar erprobt wird.
Dieses spricht ab etwa 23 km Abstand an. Jedoch sind von Anfang an auch Bodenstationen in die Messungen und die Überwachung der Entfernung zwischen Orbiter
und Ziel Objekt eingeschaltet.
Dieses Manöver ist für den ersten und zweiten Flugtag geplant, an denen
auch zwei Nachrichtensatelliten für den Start zu Stationierungspunkten auf der
36 000 km-Bahn abgesetzt werden. Es handelt sich um WESTAR 6 (im Auftrag des
privaten amerikanischen Fernmeldeunternehmens Western Union) und PALAPA B2

- 5 -

�und PALAPA B2 (im Auftrag der indonesischen Regierung).

Und falls bei den

Außenbordmanövern während der achttägigen Mission noch Zeit für Versuche zum
Auftanken eines Satelliten mit Hydrazin bleibt (für diesen Fall sind im Laderaum die Tankstutzen von LANDSAT 4 installiert), wäre ein wichtiger Schritt
zur Rettung des Erderkundungssatelliten getan.

LANDSAT 4 könnte während einer

Orbiter-Mission im Oktober 1985 neu aufgetankt, repariert und wieder funktionstüchtig gemacht werden.

+ + + + +

- 6-

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                    <text>AMERIKA DIENST

18. Januar 1989

INHALT

DOKUMENTATION
Pariser Konferenz verurteilt den Einsatz chemischer Waffen
- Die Gemeinsame Abschlußerklärung -

INFORMATION
Botschafter Vernon A. Walters
- Porträt des zukünftigen amerikanischen Botschafters in Bonn Atomexperte soll Energieministerium leiten
- Porträt von James David Watkins Eagleburger bringt langjährige Erfahrung in Bushs Außenpolitik ein
- Porträt des designierten Stellvertretenden Außenministers William Bennett für Härte im Kampf gegen Drogen
- Porträt des designierten Direktors für die Anti-Drogenpolitik -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Koordinierung der Wissenschaftspolitik gefordert
- Vorschläge der Nationalen Akademie der Wissenschaften

Themenindex AMERIKA DIENST 1988

* * * * * *

United States Information Service
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�AMERIKA DIENST
Dokumentation
18. Januar 1988

PARISER KONFERENZ VERURTEILT DEN EINSATZ CHEMISCHER WAFFEN
- Die Gemeinsame Abschlußerklärung -

PARIS - (AD) - Die Teilnehmerstaaten der Pariser Konferenz über das Verbot chemischer Waffen haben den Einsatz von Chemiewaffen verurteilt und ihr
Engagement dafür bekräftigt, daß solche Waffen nicht verwendet werden.
Die am 11. Januar veröffentlichte Abschlußerklärung betont ferner die Notwendigkeit zur "baldigen Verabschiedung einer Konvention über das Verbot der
Entwicklung, Herstellung Lagerung und des Einsatzes chemischer Waffen und
über deren Zerstörung".
Nachfolgend veröffentlichen wir den einmütig verabschiedeten Text der Abschlußerklärung :
Die Vertreter der Teilnehmerstaaten an der vom 7. bis 11. Januar in
Paris abgehaltenen Konferenz über ein
Verbot chemischer Waffen, zu denen
die Unterzeichner des Genfer Protokolls von 1925 wie auch andere interessierte Staaten
zählen, erklären
feierlich:

verurteilen.
Sie erinnern an ihre
ernsthafte Besorgnis angesichts jüngster Verletzungen, die bei den zuständigen Stellen der Vereinten Nationen registriert und verurteilt
wurden. Sie unterstützen die den Opfern chemischer Waffen geleistete humanitäre Hilfe.

1. Die Teilnehmerstaaten sind entschlossen, im Einklang mit der Charta
der Vereinten Nationen den Frieden
und die Sicherheit auf der Welt sowie
wirksame Abrüstungsmaßnahmen zu fördern.
In diesem Zusammenhang sind
sie entschlossen, jeden Rückgriff auf
chemische Waffen zu verhindern, indem
sie diese vollständig beseitigen werden. Sie bekräftigen feierlich ihre
Verpflichtung
keine chemischen Waffen einzusetzen und deren Einsatz zu

2. Die Teilnehmerstaaten
erkennen
die Bedeutung und anhaltende Gültigkeit des am 17. Juni 1925 in Genf unterzeichneten
Protokolls über das
Verbot des Einsatzes von Giftgas, Erstickungs- und anderen Gasen sowie
biologischen Methoden der Kriegführung. Die Unterzeichner des Protokolls bekräftigen erneut das damals
niedergelegte Verbot.
Sie fordern
alle Staaten, die das noch nicht getan haben, dazu auf, dem Protokoll

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�beizutreten.
3. Die Teilnehmerstaaten betonen die
Notwendigkeit
der baldigen Verabschiedung einer Konvention über das
Verbot der Entwicklung, Herstellung,
Lagerung und des Einsatzes chemischer
Waffen und über deren Zerstörung.
Diese Konvention soll weltweit gelten, umfassend und wirksam verifizierbar und von unbefristeter Dauer
sein. Aus diesem Grunde forderen sie
die Genfer Abrüstungskonferenz auf,
ihre Anstrengungen zu erhöhen, um die
verbleibenden Probleme vordringlich
und so schnell wie möglich zu lösen
und baldmöglichst eine Konvention zu
verabschieden.
Alle Staaten sind
aufgefordert, auf angemessene Art und
Weise und durch Anstrengungen in den
entsprechenden Bereichen einen bedeutenden Beitrag zu den Genfer Verhandlungen zu leisten. Die Teilnehmerstaaten vertreten daher die Auffassung, daß jeder Staat, der den Wunsch
hegt, sich an den Verhandlungen zu
beteiligen, dies tun sollte. Darüber
hinaus rufen sie alle Staaten auf,
dieser Konvention unmittelbar nach
deren Abschluß beizutreten und ihr
somit den unerläßlichen allgemeingültigen Charakter zu verleihen.
4. Die Teilnehmerstaaten sind, solange es chemische Waffen gibt und
diese verbreitet sind, tief besorgt
über die zunehmende Gefahr für Frieden und Sicherheit auf der Welt durch
das Risiko ihres Einsatzes. In diesem Zusammenhang betonen sie die Notwendigkeit eines baldigen Abschlusses
und Inkrafttretens dieser Konvention,
nach der alle Staaten gleich behandelt werden sollen. In der Zwischenzeit sehen sie die Notwendigkeit für
jeden Staat, sich Zurückhaltung aufzuerlegen und im Einklang mit den
Zielen der vorliegenden Erklärung
verantwortlich zu handeln.
5. Die Teilnehmerstaaten bestätigen
den Vereinten Nationen bei der Ausübung ihrer unerläßlichen Rolle gemäß
ihrer Charta ihre volle Unterstützung. Sie bestätigen, daß die Vereinten Nationen den Rahmen abstecken

und ein Instrument der internationalen Staatengemeinschaft sind, um im
Hinblick auf das Verbot des Einsatzes
chemischer Waffen Wachsamkeit walten
zu lassen. Sie bestätigen ihre Unterstützung für entsprechende angemessene und wirkungsvolle Maßnahmen
der Vereinten Nationen gemäß ihrer
Charta.
Sie erneuern ferner ihre
volle Unterstützung für den Generalsekretär bei der Ausübung seiner
Pflicht der Nachforschungen im Falle
mutmaßlicher Verletzungen des Genfer
Protokolls.
Sie
bekunden
ihren
Wunsch nach baldigem Abschluß der Arbeit, die unternommen wurde, um die
Wirksamkeit bestehender Verfahrensweisen zu stärken und fordern die Zusammenarbeit aller Staaten, um die
Tätigkeit des Generalsekretärs zu erleichtern.
6. Die Teilnehmerstaaten erinnern an
das Schlußdokument der ersten Sondersitzung der Vollversammlung der Vereinten Nationen über Absrüstung im
Jahr 1978 und unterstreichen die Notwendigkeit, entschiedene Anstrengungen zu verfolgen, um überall eine
vollständige Abrüstung unter effektiver internationaler Kontrolle durchzuführen und das Recht aller Staaten
auf Frieden zu Sicherheit zu gewährleisten.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
%,

^

Information

#

18. Januar 1989

BOTSCHAFTER VERNON A. WALTERS
- Porträt des zukünftigen US-Botschafters in Bonn -

WASHINGTON - (AD) - Vernon A.
Walters wurde am 8. Februar 1985 von
Präsident Reagan zum Ständigen Vertreter der Vereinigten Staaten bei
den Vereinten Nationen ernannt und
wurde am 22. Mai 1985 nach einstimmiger Bestätigung durch den Senat vereidigt. Als Chefdelegierter der Vereinigten Staaten bei den Vereinten
Nationen ist er gleichzeitig Mitglied
in Reagans Kabinett.
Vor seiner Berufung in die Vertretung der Vereinigten Staaten bei
den Vereinten Nationen diente Botschafter Walters als ranghöchster Berater von Außenminister Alexander
Haig bis zu seiner Nominierung durch
den Präsidenten zum Sonderbotschafter
- eine Position, die er von Juli 1981
bis Mai 1985 innehatte. In dieser

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Funktion bereiste er über 108 Länder
und legte als höchster diplomatischer
Friedenstifter der Reagan-Administration anderthalb Millionen Meilen zurück.
Botschafter Walters diente von
1941 bis 1976 in der Armee der Vereinigten Staaten und trat im Rang
eines Generalleutnants in den Ruhestand. Während seiner militärischen
Laufbahn fand er Verwendung als Sonderberater und Dolmetscher für eine
Reihe von amerikanischen Regierungsvertretern, hochrangigen Diplomaten
und Präsidenten. Im Anschluß an Reisen nach Italien, Brasilien, Vietnam
und Frankreich, in deren Verlauf er
ebenfalls als Sonderberater und Dolmetscher für die Präsidenten Truman,
Eisenhower und Nixon auf deren Aus-

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�landsreisen tätig war, wurde General
Walters im Jahr 1972 zum stellvertretenden Direktor des amerikanischen
Nachrichtendienstes
CIA
ernannt.
Während
seiner
viereinhalbjährigen
Amtszeit beim CIA war er auch fünf
Monate lang geschäftsführender Direktor. Von 1976 bis 1981 arbeitete er
als Berater, Referent und Autor.
Im Ruhestand schrieb General Walters seine Memoiren, "Silent Missions", eine Autobiographie, die im
Jahr 1978 von Doubleday herausgegeben
wurde. Unter seinen Werken sind ferner "Sunset at Saigon" und "The Mighty And The Meek". Er ist auch Verfasser zahlreicher Artikel und Buchrezensionen.
Am 3. Januar 1917 in New York geboren, lebte Botschafter Walters dort
bis 1923, als er mit seinen Eltern
nach Europa ging. Er blieb mehr als
10 Jahre lang in Europa, besuchte die
St. Louis Gonzaga Schule in Paris und
Stonyhurst College in Großbritannien.
Von mehreren Universitäten wurden im
akademische Grade ehrenhalber verliehen.

Botschafter Walters spricht sieben Sprachen fließend: Französisch,
Protugiesisch, Spanisch, Italienisch,
Deutsch, Holländisch und Russisch.
Ihm wurden zahlreiche Auszeichnungen
und Dekorationen für herausragende
Dienste verliehen: die amerikanische
National Security Medal, die Distinguished Service Medal (mit doppeltem
Eichenlaub), die Legion of Merit
(Eichenlaub), der Bronze Star, die
Air Medal, die Distinguished Intelligence Medal und zahlreiche andere, im
Kampf erworbene Medaillen. Er wurde
von den Regierungen der Länder Frankreich (Legion of Merit), Italien,
Brasilien, Vietnam, Spanien, Protugal, Marokko und Peru ausgezeichnet.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
'VON

Information

4

18. Januar 1989

ATOMEXPERTE SOLL ENERGIEMINISTERIUM LEITEN
- Porträt von James David Watkins -

WASHINGTON - (AD) - Der neue
Präsident George Bush schloß die Zusammenstellung seines Kabinetts mit
der Ernennung von James David Watkins
als Leiter des Energieministeriums ab.
Der
Kernenergieexperte
Watkins
wird in seiner neuen Stellung schwierige Aufgaben übernehmen müssen, deren vordringlichste darin besteht,
eine Möglichkeit zu finden, um Produktionsstätten
für Kernwaffen zu
säubern und wieder in Betrieb zu nehmen.
Im Rahmen seiner Ernennung erklärte Bush am 12. Januar, er habe
aufgrund der besonderen Probleme, die
sich gegenwärtig bei der Kernenergie
stellen, einen Atomexperten statt eines Fachmanns für Öl und Gas als Mi-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

nister ausgewählt.
"Ich verpflichte mich, die Probleme im Rahmen des Komplexes der mit
der Verteidigung zusammenhängende unklaren Produktinosstätten zu lösen,"
erklärte Bush. "Ich bin sicher, daß
mir dies mit Jim Watkins an meiner
Seite gelingen wird."
Der neue Präsident erklärte, er
werde sich "voll und ganz" für die
Säuberung von Kernreaktoren entsetzen. Aber er verwies darauf, daß die
Energieprobleme des Landes nicht allein durch die Entwicklung von aus
Kohle hydrierten Brennstoffen und
passiven Energiequellen gelöst werden
kann.
"Wir

müssen

Kernenergie

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sicher

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�nutzen", erklärte er.
Watkins erklärte nach der Mitteilung Bushs gegenüber Reportern^ er
habe "in Fragen der sicheren und effizienten Betreibung von Kernreaktoren viele Jahre Erfahrung in Ausbildung und Praxis bei der Armee und in
jüngster Zeit im Privatsektor. Diese
Erfahrung hat meine seit langem bestehende Überzeugung bestätigt, daß
die Ziele der Umwelt- und Energiepolitik miteinander vereinbart werden
können. Ich vertraue darauf, daß ...
ich dazu beitragen kann, das gewünschte und ausgewogene Konzept zu
finden, demzufolge Sicherheit niemals
untergraben, die Umwelt angemessen
geschützt wird und die nationale Sicherheit und andere Ziele im Bereich
der Energie im Einklang miteinander
erreicht werden können."
Der 61jährige Watkins schloss
1949 die U.S. Naval Academy ab und
erwarb sein M.A. in Maschinenbau an
der U.S. Naval Post Graduate School,
ein Examen, das einen sechsmonatigen
Kurs über Reaktortechnologie an der
Oak Ridge School umfaßt.
Im Jahr 1959 wurde er von Admiral
H.G. Rickover, dem "Vater" der atomgetriebenen U-Boote für die Teilnahme
am Programm für Atom-U-Boote augewählt. Zusätzlich zu seinen Einsätzen auf Atom-U-Booten war Watkins
verantwortlich für die Auswahl, Ausbildung und Weiterbildung des mit
Wartung und Betrieb von Produktionsstätten für die nuklearen Triebwerke
der Marine befaßten Personals.
Zu Beginn der sechziger Jahre war
er drei Jahre lang Assistent von
Rickover und später Leiter einer Abteilung für Kernenergie im Personalbüro der Marine. Er war darüber hinaus für die Atomenergiekommission Manager von Reaktoren der Marine, Kommandeur der Kreuzer- und Zerstörereinheit der Siebten Flotte, NATO-Befehlshaber der Sechsten Flotte und
Stellvertretender
Personalchef
für
Marineoperationen und Stellvertretender Leiter für Marineoperationen.

Watkins wurde im Juni 1982 in die
höchste Position der Marine, zum Chef
des Operationstabes
berufen.
Als
Mitglied der Vereinigten Stabschefs
war er ein starker Verfechter des
Konzepts, daß nukleare Abschreckung
zur Verhinderung eines Nuklearkrieges
notwendig ist.
Nach seinem Ausscheiden aus der
Marine im Juni 1986 wurde Watkins von
Präsident Reagan zum Leiter der Arbeitsgruppe des Präsidenten über AIDS
ernannt. Im Entwurf seines Berichts
an den Präsidenten forderte er eine
neue Bundesgesetzgebung, mit der die
Diskriminierung
aller
Virusträger
verhindert wird.
Im Juni 1988 wurde Watkins zum
Leiter der Elektrizitätswerke von
Philadelphia gewählt und in den Kernenergieausschuß dieses Unternehmens
berufen, wo ihm die Überwachung aller
kerntechnischen Operationen oblag.
"Er ist ein energischer Manager
und eine Führungskraft, die keine
Verschwendung oder nachlässige Arbeit
duldet", bemerkte ein Marineexperte
zu Beginn der 80er Jahre über Watkins.
Ein anderer Experte erklärte im
vergangenen Jahr gegenüber der New
York Times, Watkins "betrachtet jedes
Problem aus moralischer und aus praktischer Sicht.... Es macht nichts,
wenn andere seine Meinung nicht teilen. Wenn er ein Problem überdacht
hat und zu einem Schluß gekommen ist,
ist er nur schwer umzustimmen, auch
wenn er sich mit seiner Meinung unbeliebt macht.
In seiner militärischen Laufbahn
wurde Watkins mehrmals mit Orden ausgezeichnet, darunter dreimal der Legion of Merit für besonders verdienstvolle Leistungen bei der Ausübung herausragender Aufgaben und dem
Bronze Star für Heldentum ausgezeichnet.
Watkins ist verheiratet und hat
sechs Kinder.

- 2 -

* * * * *

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^

18. Januar 1989

EAGLEBURGER BRINGT LANGJÄHRIGE ERFAHRUNG IN BUSHS AUSSENPOLITIK EIN
- Porträt des designierten stellvertretenden Außenministers -

WASHINGTON - (AD) - Die Nominierung von Lawrence S. Eagleburger für
den Posten des stellvertretenden Aussenministers stellt erneut die Entschlossenheit der künftigen Bush-Administration unter Beweis, gemäßigte
und erfahrene Pragmatiker für außenpolitische Schlüsselpositionen zu ernennen.
Wie der für das Amt des nationalen Sicherheitsberaters von Bush ernannte Brent Scowcroft - mit dem zusammen Eagleburger bis vor kurzem bei
der Beratungsfirma Kissinger Associates tätig war - ist Eagleburger ein
erfahrener außenpolitischer Experte,
der in weiten Kreisen der mit außenpolitischen Angelegenheiten Vertrauten hohes Ansehen genießt.

Der
27 Jahre im auswärtigen
Dienst der Vereinigten Staaten tätige
Eagleburger erregte zum ersten Mal
als Berater des damaligen Außenministers Henry Kissinger in den siebziger Jahren landesweit Aufsehen. Zu
jener Zeit war er Verwaltungschef des
Außenministeriums und eignete sich in
dieser Funktion detaillierte Kenntnisse in der Gestaltung der Außenpolitik an.
Während der Carter-Administration
war er Botschafter in Jugoslawien und
unter Reagan Unterstaatssekretär für
politische Angelegenheiten.
Dieser
Posten ist der Position, für die er
jetzt nominiert wurde, direkt untergeordnet .
Berichten

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in der Öffentlichkeit

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�zum Trotz, er leide an einem Emphysem
- Eagleburger, 58, ist als Kettenraucher bekannt -, wird Eagleburgers Gesundheit als gut genug beurteilt, um
diesen Posten auszuüben.
Während seiner Amtszeit als Unterstaatssekretär für politische Angelegenheiten wurde Eagleburger - der
für seine persönliche Offenheit und
manchmal etwas informelle Kleidung
bekannt ist - als einflußreichster
Berater von Außenminister Shultz angesehen, eine wichtige Rolle, da
Shultz bei seinem Amtsantritt nur geringe unmittelbare Erfahrung in der
Außenpolitik besaß.
In dieser Stellung spielte Eagleburger Presseberichten zufolge die
Rolle des "Erzkonservativen" im Aussenministerium, obwohl ultrakonservative Reagan-Anhänger
ihm aufgrund
seiner Verbindung zu Kissinger, dem
Vater der Entspannungspolitik der
siebziger Jahre, mißtrauten.
Die Wirkung seines freimütigen
Führungsstils wurde während seiner
gesamten Laufbahn dadurch gemildert,
daß er viele seiner Kollegen persönlich kennt und viele von ihnen beim
Vornamen nennt.
Nach dem Studium an der University of Wisconsin trat Eagleburger 1957
im Alter von 27 Jahren In den auswärtigen Dienst ein; er hatte ein Plakat
gesehen, auf dem zur Teilnahme am
Auswahlverfahren für den auswärtigen
Dienst aufgerufen wurde und nahm aus
einer Laune heraus daran teil. Bis
Mitte der sechziger Jahre hatte er
sich schon den Ruf eines der besten
Europa-Kenner des US-Außenministeriums erworben.
Der große Sprung in Eagleburgers
Laufbahn fand im Jahr 1968 statt, als
er während des Übergangs von der
Johnson- zur
Nixon-Administration
Verbindungsmann zu Henry Kissinger
wurde. Kissinger mochte den Karrierediplomaten und noch vor seinem
vierzigsten Geburtstag war er Kissingers Spitzenberater im Stab des na-

tionalen Sicherheitsrats.
Eagleburger sagt, er sei gerne in
der Gesellschaft von Kissinger wegen
dessen "Intellekt - da sprühen die
Funken und man wird angeregt. Am Ende merkt man, das man wirklich seinen
Verstand anstrengen mußte."
Eagleburger wurde von Präsident
Carter aus dem Zentrum der Macht entfernt, der ihn als Botschafter nach
Jugoslawien entsandte.
Nachdem er
zum ersten Außenminister unter Präsident Reagan ernannt wurde, holte Alexander Haig ihn zurück.
Eine von
Shultz' ersten Amtshandlungen nach
der Ablösung von Haig bestand darin,
Eagleburger auf seinem Posten zu belassen.
Im Jahr 1984 wurde Eagleburger
Präsident von Kissinger Associates in
New York (Scowcraft war Repräsentant
der Firma in Washington), eines Consultingunternehmens,
in
dem
die
fähigsten Köpfe im Bereich der Außenpolitik zusammenarbeiten.
In
jüngsten
Erklärungen
ist
Eagleburger ausführlich auf das eingegangen, was er als widersprüchliche
Tendenzen in der amerikanischen Aussenpolitik seit der Zeit betrachtet
als Vietnam und Watergate das Vertrauen der Öffentlichkeit in die
Grundsätze der Außenpolitik erschütterten.
Dennoch ist dies Eagleburger zufolge von einem "wichtigen Führungswechsel" in der Sowjetunion aufgewogen worden.
In einer Monographie von 1985
kritisiert Eagleburger die "amerikanische Unberechenbarkeit und Naivität" und warnt vor sozialen und kulturellen Spannungen, die die NATO
schwächen oder spalten könnten. Ferner weist er darauf hin, daß ein
wirtschaftlich wenig wettbewerbsfähiges Westeuropa sich eher der Sowjetunion zuwenden könnte.
In der Monographie wägt

er die

�Schwächen
des
Westens
ab
und
schreibt, die Sowjets befänden sich
angesichts der Entwicklung der Informationstechnologie
gegenwärtig
im
"Abseits".
"Sie werden sicher im Bereich der
Informatik viel bessere Fähigkeiten
entwickeln, als sie gegenwärtig besitzen" so Eagleburger "und sie werden diese wirkungsvoll für militärische Zwecke nutzen. Dennoch geht die
Entwicklung einer umfassenden neuen
Informationstechnologie, die auch die
Gesellschaftsform verwandelt, meiner
Ansicht nach sicherlich über ihre
Leistungsfähigkeit hinaus."
"Die Sowjetunion wird immer mehr
dem Dinosaurier gleichen, der sich
ebenfalls nicht an seine Umgebung anpassen konnte. Der Dinosaurier starb
jedoch langsam aus und war in der
Zwischenzeit gefährlich." So wie die
Sowjetunion ihre "Haltung gegenüber
den Vereinigten Staaten verändert,
könnte sie eher in stärkerem als in
geringerem Maße gefährlich werden."
In anderen Kommentaren erklärte
Eagleburger in jüngster Zeit, wenn
der Westens nicht fest und einmütig
auf den Terror reagiere, würde sich
der Terror wie eine Epidemie ausbreiten.
Eagleburger war zweimal verheiratet und hat drei Kinder.

* * * * *

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$ &lt;

18. Januar 1989

WILLIAM BENNETT FÜR HÄRTE IM KAMPF GEGEN DROGEN
- Porträt des designierten Direktors für die Anti-Drogenpolitik -

WASHINGTON - (AD) - William Bennett bringt den Ruf von Aggressivität
und unabhängigem Denken in das neue
Amt des Direktors für die Anti-Drogenpolitik, das Kabinettsrang hat.
Der neue Präsident Bush nominierte Bennett am 12. Januar 1989 für
dieses vom Kongreß im vergangenen
Jahr geschaffene Amt. Bennett bedarf
noch der Zustimmung des Senats.
In seinen vorherigen Regierungsämtern als Vorsitzender der Nationalen Stiftung für die Geisteswissenschaften und Erziehungsminister profilierte sich Bennett mit scharfen
Verurteilungen von Institutionen und
Ideen, die er dem Wohl der Vereinigten Staaten für abträglich hielt.
Voraussichtlich wird er diese Haltung

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an der Spitze des Kampfes gegen Drogenhandel und -mißbrauch beibehalten.
Bennett wurde am 31. Juli 1943 in
New York geboren.
Seinen Aussagen
zufolge haben seine streng jesuitische Erziehung und seine sportlichen
Leistungen in der Schule erheblich zu
seiner Standhaftigkeit in allen Lebensbereichen beigetragen.
Seine Familie zog nach Washington
um, als Bennett im Teenager-Alter
war. Er besuchte das Williams College in Massachussetts, an dem er im
Jahr 1965 sein Abschlußexamen ablegte. Danach ging er zur University of
Texas und promovierte dort im Jahr
1970. Im Jahr 1971 schloß er ein Jura-Studium an der Harvard University
ab.

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�Bennett war nach seiner Ausbildung als Dozent und Verwaltungsexperte an der Boston University tätig.
Er kam bald zu der Schluß, daß "jegliche Erziehung Erziehung des Charakters ist". Er trat 1976 in das Nationale Zentrum für Geisteswissenschaften in North Carolina ein und
wurde im Jahr 1979 dessen Präsident
und Direktor.
Während dieser Zeit
lehrte er zudem Philosophie an der
University of North Carolina und
schrieb Artikel über konservative
Standpunkte für verschiedene Publikationen.
Er unterstrich die seiner
Meinung nach durch Quotenregelungen
zur Durchsetzung rassischer Ausgewogenheit in öffentlichen und privaten
Institutionen zum Ausdruck gebrachte
Unmoral.

ment .

Präsident Reagan bat Bennett im
Dezember 1981, die Leitung der Nationalen Stiftung für die Geisteswissenschaften zu übernehmen. Während der
drei Jahre an der Spitze der Stiftung
beendete Bennett deren liberalen Kurs
und straffte ihren Haushalt.
Er
hielt sich an eine enge Auslegung des
Begriffs "Geisteswissenschaften" und
förderte geisteswissenschaftliche Seminare an den höheren Schulen.

Bennett trat im September 1988
vom Posten des Erziehungsministers
zurück, um eine bildungspolitische
Denkfabrik aufzubauen, die als Madison Center bekannt geworden ist.
Ferner unternahm er landesweite Vortragsreisen.

Zum Teil aufgrund von Bennetts
Arbeit und Ansichten bei der Stiftung
ernannte Präsident Reagan ihn im Januar 1985 zum Nachfolger von T.H.
Bell als Erziehungsminister. Bennett
wurde vom Senat einstimmig bestätigt.
Eine seiner ersten Amtshandlungen
im Erziehungsministerium bestand darin, auf eine Kürzung der Darlehen an
Studenten zu dringen, da er davon
überzeugt war, viele Personen gehörten nicht auf die Colleges. Er behauptete, viele Studenten an den höheren Bildungsanstalten seien nicht
ausreichend an akademischer Arbeit
interessiert, um aus dieser Erfahrung
Nutzen zu ziehen.
Er bestand darauf, daß der Erziehungsminister für "das amerikanische
Volk" arbeiten solle, und nicht für
"das
bildungspolitische
Establish-

Er sprach sich für Erziehungsgutscheine
(education
vouchers) und
Steuergutschriften für Studenten sowie für Zulagen an Lehrkräfte für
außergewöhnliche Leistungen aus.
Er unterstützte einen Verfassungszusatz, der es dem Kongreß verwehren würde, das Schulgebet vorzuschreiben oder zu verbieten.
Die Reform der Lehrpläne war
ebenfalls ein wichtiges Anliegen von
Bennett. Er bemühte sich ferner um
die Reorganisierung des Erziehungsministeriums und die Schaffung eines
neuen Systems der Sammlung von Daten
zu bildungspolitischen Fragen.

Er nahm weiterhin dezidiert zu
öffentlichen Problemen Stellung, was
sein anhaltendes Interesse an der
Entscheidungsfindung
innerhalb
der
Regierung unterstreicht.
Er befürwortete umfassende AIDS-Tests und den
Einsatz des Militärs im Kampf gegen
den Drogenhandel. Diese und andere
Positionen sowie seine Regierungserfahrung ließen ihn zum logischen Kandidaten für die Führung im Kampf gegen Drogen werden.
Bennett, der selbst starker Raucher ist, versprach am 12. Januar
1989, er werde ein Beispiel geben,
indem er sofort mit dem Rauchen aufhöre. Seinem Ruf für Entschlossenheit getreu, verkündete er:
"Sie
werden keinen Direktor für Anti-Drogenpolitik haben, der raucht."

*****

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Wissenschaft und Technik

18. Januar 1989

KOORDINIERUNG DER WISSENSCHAFTSPOLITIK GEFORDERT
Vorschläge der Nationalen Akademie der Wissenschaften

Ein von der amerikanischen Nationalen Akademie
der Wissenschaften
(NAS), der Nationalen Akademie für
Ingenieurwissenschaften und dem Instituts für Medizin berufenes Sonderkomitee fordert in einem am 20. Dezember 1988 veröffentlichten Bericht
eine Umstrukturierung der Etataufstellung für Forschung und Entwicklung. Der größte Mangel im gegenwärtigen Verfahren sei darin zu sehen,
daß die Erfordernisse für Programme,
in die mehrere Ministerien bzw. Regierungsbehörden eingeschaltet sind,
nicht ordnungsgemäß bewertet werden
können. Regierung und Kongreß müßten
daher Wege finden, um vorrangige nationale
Wissesschaftsprogramme
wie
AIDS-Forschung, Weltraumforschung und
kommerzielle Erschließung der Supraleitfähigkeit wirksamer und nutzbrin-

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gender als bisher zu finanzieren.
NAS-Präsident Frank Press verwies
darauf, daß beispielsweise Reaktionen
auf Veränderungen in weltweiten Umweltbedingungen wie die allgemeine
Erwärmung Programme berührten, die
unter die Zuständigkeit der Bundesumweltschutzbehörde EPA, des Energieministeriums, der US-Behörde für Luftund Raumfahrt (NASA) und einer Reihe
anderer Behörden fielen.
Um entscheiden zu können, ob für dieses
Spezialgebiet genügend Bundesmittel
vorgesehen sind, seien behördenübergreifende Prüfungen erforderlich, die
im Rehmen der jetzt angewandten Verfahrensweisen kaum zu erreichen seien.
Die Kommisssion empfahl, daß der

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�Präsident mit Unterstützung des Wissenschaftsberaters im Weissen Haus
und des Direktors des Amtes für Management und Budget Prioritäten im Wissenschaf tsund
Technologieprogrammen
setzt, mit denen verschiedene Behörden befaßt sind. Auch wurde hervorgehoben, daß von den mehr als 62 Milliarden Dollar, die im Haushaltsjahr
1989 für wissenschaftliche und technologische Aktivitäten bewilligt wurden, mehr als 30 Milliarden dem Verteidigungsministerium für die Entwicklung modernster Technologien und
militärischer Ausrüstungen zugeteilt
wurden. Das restliche Budget sei für
Grundlagen- und angewandte Forschung
sowohl für zivile als auch militärische Zwecke bestimmt.
Nach Dr. Robert White, dem Präsidenten der Nationalen Akademie für
Ingenieurwissenschaften,
führt
das
Zusammenwerfen von Forschungsund Entwicklungsaufgaben militärischer und
ziviler Behörden "zu Verzerrungen in
unserer Bewertung der Frage, wieviel
Geld wir in Forschung und Entwicklung
investieren.
Auch Gemeinschaftsprogramme von Regierung und Industrie
dürften immer mehr an Bedeutung gewinnen. Das gelte vor allem für die
Supraleiter-Technik
und die neuen
Technik der Röntgenstrahlen-Lithographie, die nach Ansicht von Experten
die "Dichte", d.H. die Speicherfähigkeit von Chips für Daten, tausenfach
vergrößern und gleichzeitig die Größe
von Computern um ein Vielfaches verringern könnte.
Ein weiterer Bericht, den das der
NAS angeschlossene Institut für Medizin veröffentlichte, empfiehlt höhere
Gehälter und mehr Unaghängigkeit für
wissenschaftliche Führungskräfte an
den "Medizinischen Bundesforschungsanstalten der USA" (NIH - National
Institutes of Health in Bethesda, Maryland).
Dort befinden sich die
wichtigsten regierungseigenen Institute, in denen sich Forscher mit der
Entwicklung neuer bzw. verbesserter
Strategien zur Bekämpfung von AIDS
und anderer Erkrankungen befassen.
Nach Ansicht des neugeschaffenen "Na- 2

tionalen Komitees zur Überprüfung gegenwärtiger Genehmigungsverfahren für
neue Krebsund AIDS-Medikamente" müsse
man angesichts des bisher üblichen
Modus nach Möglichkeiten suchen, um
neue Entwicklungen früher in die Therapie einzubringen. Auch die pharmazeutische Industrie sei gefordert,
ihre Forschungsanstrengungen, wo immer möglich, besser zu organisieren
oder zu integrieren, um so ihren Beitrag noch effektiver zu gestalten.
Vorschläge, die NIH-Institute in
eine unabhängige Behörde umzuwandeln
oder ihre Projekte an private Unternehmen zu vergeben, werden von den
Vertretern des Instituts für Medizin
nicht gutgeheißen.

* * * * *

&gt;

�THEMENINDEX AMERIKA DIENST
Nachstehend eine Liste der Themen, die im AMERIKA DIENST 1988
erschienen sind. Sie gibt einen Überblick über die wichtigsten
Themenkreise. Angegeben ist jeweils die Nummer der Ausgabe, in der das
betreffende Thema behandelt wird.

THEMENKREIS

NUMMERN DER AUSGABEN

Afghanistan

1, 15, 16

Mittelamerika

1, 4, 12, 13

Ost-West-Beziehungen,
sicherheitspolitische Themen
Ost-West-Beziehungen allg.
Reagan-Go rbat schow-Tre f fen Moskau
Nuklear- und Weltraumwaffen
Chemische Waffen
Sicherheitsstrategie
Rüstungskontrolle
Konventionelle Rüstung
SDI
INF
NATO
START
Desinformationen

17, 20, 23, 25, 29, 30,
31, 45, 46
20, 21, 22
3, 6, 25, 43, 44
20, 29
3, 4
11, 18, 28, 32, 36, 42,
47
10
15
5, 9, 17, 19
9, 10, 18, 31, 33, 37,
44, 47
13, 35
15

Vereinigte Staaten
Bericht zur Lage der Nation
Präsident Reagans Haushaltsvorlage
Jahreswirtschaftsbericht des Präsidenten
Wirtschaft/Handel

Die Wahlen in Amerika 1988

Präsidentschaftskandidaten
Notninierungen
Porträts
Pre!sverleihungen
Rentner-Krankenversicherung
Reagans Prokl. Tag der Deutsch-Amerikaner
Arafat Einreiseverweigerung

4
8
8
2, 10, 13, 14, 16, 23,
29, 31, 34, 38, 40, 41,
43, 45, 46
1, 15, 16, 20, 23, 24,
26, 27, 28, 29, 30, 33,
34, 35, 37, 38, 39, 41
5, 6
2, 23, 29,
42, 43, 44, 45, 46, 47
7
28
36
44

�Internationale Probleme
Außenpolitik
Naher Osten/Golf
KSZE
OECD
Drogen
AIDS
Ozon
Antarktis
Menschenrechte

6, 7, 9, 40
12, 14, 16, 26, 27, 28
10
20
5, 18, 37, 40, 45
10, 26, 29, 32
12
24, 35
33, 46

Wissenschaft und Technik
Forschung

1, 2, 7, 9, 11, 14, 15,
16, 19, 22, 24, 27, 30,
33, 35, 42, 43, 44, 46,
47
11
3, 9, 14, 31, 34, 36, 46
8, 39

Krebs
NASA/Shuttle-Programm
Raumfahrt

- 2 -

�Reden, Artikel und Erklärungen des amerikanischen Botschafters
Richard R. Burt
20. Januar 1988
Der INF-Vertrag:
AD Nr. 3

Die richtigen Lehren ziehen

24. Februar 1988
Singularisierung:
AD Nr. 8

Ein Produkt der Phantasie

13. April 1988
Die Sicherheitspolitik des Bündnisses im Zeitalter sich wandelnder
Ost-West-Bezlehungen
Rede vor den Delegierten beim außenpolitischen Kongreß der CDU
(Sonderdienst)
13. Juli 1988
Burt: Vereinigte Staaten unterstützen europäischen Binnenmarkt
- Ansprache bei Grundsteinlegung für Frankfurter Messeturm AD Nr. 27
7. September 1988
Gedenken an die Opfer von Ramstein
- Ansprache von Botschafter Burt bei Trauerfeier AD Nr. 32

SONDERDIENST

4. Mai 1988
Die sowjetische Militärmacht 1988
- Siebte Dokumentation des amerikanischen Verteidigungsministeriums

- 3 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Pariser Konferenz verurteilt den Einsatz chemischer Waffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Die Gemeinsame Abschlußerklärung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Botschafter Vernon A. Walters&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt des zukünftigen amerikanischen Botschafters in Bonn&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Atomexperte soll Energieministerium leiten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt von James David Watkins&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Eagleburger bringt langjährige Erfahrung in Bushs Außenpolitik ein&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt des designierten Stellvertretenden Außenministers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;William Bennett für Härte im Kampf gegen Drogen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt des designierten Direktors für die Anti-Drogenpolitik&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Koordinierung der Wissenschaftspolitik gefordert&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Vorschläge der Nationalen Akademie der Wissenschaften&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

18.Januar 1995

03

..

WIRTSCHAFT

"WIRTSCHAFTLICHES ENGAGEMENT"
IN MITTEL- UND OSTEUROPA
Rede von Wirtschaftsminister Brown

AUSSENPOLITIK

AUSSENPOLITISCHE JAHRESBILANZ UND
ZUKÜNFTIGE ZIELE
Rede von Staatssekretär Peter Tamoff

SOZIALGIPFEL

USA KONZENTRIEREN SICH AUF
ARBEITSPLÄTZE, ARMUT UND FRAUEN
Rede von Staatssekretär Wirth

USA-DEUTSCHLAND

DEUTSCH-AMERIKANISCHE BEZIEHUNGEN
UNTER VERÄNDERTEN VORZEICHEN
Rede des Gesandten J. D. Bindenagel

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-33 41 02

�WlRTSCHAFT
18. Januar 1995

"WIRTSCHAFTLICHES ENGAGEMENT"
IN MITTEL- UND OSTEUROPA
Rede von Wirtschaftsminister Brown
WASHINGTON - (AD) - US-Wirtschaftsminister Ron Brown zufolge können die Vereinigten Staaten die
Bestrebungen mittel- und osteuropäischer Nationen zum Wiederaufbau ihrer Volkswirtschaften am besten durch
eine Strategie des "wirtschaftlichen Engagements" unterstützen.
Diese Strategie würde Brown zufolge den Vereinigten Staaten den Abbau von Handelshemmnissen sowie eine
Erhöhung ihrer Exporte gestatten und gleichzeitig anderen Ländern die für schnelles Wachstum erforderlichen
Instrumente geben.
In seiner in Cleveland (Ohio) am 12. Januar 1995 gehaltenen Rede bei einer vom Weißen Haus veranstalteten
Konferenz über Handel und Investitionen in Mittel- und Osteuropa erklärte der Wirtschaftsminister femer, kleine
und mittelständische amerikanische Unternehmen eigneten sich aufgrund ihrer Größe eher als riesige
multinationale Unternehmen zu wirtschaftlicher Tätigkeit in Mittel- und Osteuropa.
Aus diesem Grund werde das dem Wirtschaftsministerium unterstehende Business Information Center für
Osteuropa in Zusammenarbeit mit der Verwaltung für mittelständische Unternehmen sowie anderen Behörden
eine zentrale Einrichtung ins Leben rufen, um kleineren Firmen den Zugang zu Finanzdienstleistungen und
Informationen der amerikanischen Regierung zu erleichtem.
Die Clinton Administration wird sich - durch Aktivitäten wie die vom Weißen Haus veranstaltete Konferenz auf die Förderung von Handel mit mittel- und osteuropäischen Staaten und Investitionen in diesen Ländern
konzentrieren. Dies erfordere, so Brown, daß amerikanische Unternehmen die Chancen erkennen und das
Wirtschaftsklima in der Region weiter verbessert wird.
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text der Rede des Wirtschaftsministers.

Verehrte Minister, Exzellenzen, meine Damen und
Herren, es ist mir eine große Freude, Sie im Namen
des Präsidenten der Vereinigten Staaten zu dieser
Konferenz des Weißen Hauses - der ersten ihrer Art
- über Handel und Investitionen in Mittel- und Osteuropa willkommen zu heißen.
Ich möchte meinem guten Freund, Bürgermeister
Michael White, für seine harte Arbeit danken, dieser
Konferenz zum Erfolg zu verhelfen.
Michaels
Fähigkeiten als Bürgermeister sind bereits in den
gesamten Vereinigten Staaten bekannt, und sein Ruf
wird sich nach dieser Konferenz auch im Ausland
verbreiten.

Ferner möchte ich Sie im Namen des Business
Council for International Understanding begrüßen,
einer herausragenden Organisation, die gemeinsam
mit uns diese Konferenz veranstaltet. Hinweisen
möchte ich auch auf die wertvolle Rolle zahlreicher
anderer Sponsoren aus der Geschäftswelt.
Ich
danke Ihnen allen.
Ganz besonders möchte ich unsere Gäste aus Mittelund Osteuropa begrüßen. Es ist uns eine Ehre, daß
über 230 Teilnehmer die weite Reise aus ihrer
Heimat gemacht haben, um heute mit uns in Amerika
zusammenzukommen.
Bei Ihrer Reise hierher folgen Sie der jahrhundertealten Fährte Ihrer Mitbürger, die auf der Suche nach

AMERIKA DIENST 03

Seite 1

�Frieden, politischer Freiheit und wirtschaftlichen
Chancen nach Amerika kamen. Sie fanden diese
Dinge hier jedoch nicht vor. Sie schufen sie selbst mit ihren eigenen Fähigkeiten, Energien und Träumen. Amerika bot den Söhnen und Töchtern Mittelund Osteuropas die Chance, durch harte Arbeit ihre
Träume zu verwirklichen. Und durch ihre harte
Arbeit wurde Amerika zu einer großartigeren und
vielfältigeren Nation.
Die Nachfahren dieser Einwanderer haben jetzt eine
neue Chance für Freiheit und Wohlstand. Die Polen
und Tschechen können ihre Fähigkeiten einsetzen.
Die Ungarn und Bulgaren können ihre Energien zum
Tragen bringen. Die Einwohner Sloveniens und
Rumäniens verwirklichen ihren Traum von der
Umgestaltung ihrer Nationen zu einem Symbol der
Chancen, wie Amerika dies schon immer war.
Ich begrüße auch die anwesenden hochrangigen
Vertreter der amerikanischen Wirtschaft. Ich freue
mich, daß so viele von Ihnen besonderes Engagement für unsere Aufgabe zeigen, die ihre Wurzeln in
Europa hat - oder in einem Stammbaum, der nach
dem ungarischen Aufstand von 1956 abrupt verpflanzt wurde, im Prager Frühling oder der Solidaritätsbewegung von 1980. Ich weiß, daß Sie alle
ungeduldig darauf warten, die Herausforderungen
neuer Märkte und wachsender junger Volkswirtschaften anzugehen.
Last but not least begrüße ich meine Kollegen aus
der US-Regierung, die das Engagement amerikanischer Unternehmen im Ausland mit außergewöhnlicher Energie unterstützen. Besonders möchte ich in
diesem Zusammenhang die Arbeit unserer Botschafter in Mittel- und Osteuropa hervorheben. Sie
und ihre Mitarbeiter sind die Stütze unserer Bestrebungen in der Region.
Das Ende des Kalten Krieges hat unseren Nationen
erneut die Chance gegeben, zusammen auf gemeinsame Ziele hinzuarbeiten. Und es hat unseren
wirtschaftlichen Zielen neue Bedeutung verliehen.
Die Sicherheit unserer Nationen hängt zunehmend
von unserer wirtschaftlichen Stärke ab.
Heute kommen wir bei der Gestaltung eines neuen
Zeitalters der Sicherheit, des Wohlstands und der
Freiheit als Partner zusammen. Die Vereinigten
Staaten, die in so hohem Maße von Ihren Beiträgen
profitierten, wollen Sie beim Wiederaufbau Ihrer
Volkswirtschaften unterstützen.
In den letzten fünf Jahren sind in den Ländern Mittelund Osteuropas freie Gesellschaften entstanden, die
sich auf den schwierigen, aber interessanten Weg
der Umgestaltung ihrer Nationen und ihrer Volkswirt-

Seite 2

schaften machten. Meines Erachtens können die
Vereinigten Staaten diese Bestrebungen am besten
durch den Aufbau starker Wirtschaftsbeziehungen
zwischen und innerhalb von Nationen fördern. Wir
bezeichnen unsere Strategie als "wirtschaftliches
Engagement".
Wirtschaftliches Engagement macht Handel und
Investitionen zum Ausgangspunkt für umfassenderen
Dialog - der uns eine Erweiterung unserer Beziehungen in viele Richtungen gestattet.
Diese langfristige Strategie erlaubt den Vereinigten
Staaten, eine Erhöhung ihrer Exporte und einen
Abbau von Handelshemmnissen anzustreben, während sie gleichzeitig anderen Ländern die für schnelles Wachstum erforderlichen Instrumente anbieten.
Wirtschaftliches Engagement kann Millionen europäischer und amerikanischer Familien kurzfristig wirtschaftlichen Nutzen bringen, selbst während Regierungsvertreter sich um einen methodischeren Ansatz
zur Lösung politischer und strategischer Fragen
bemühen.
Der die wirtschaftliche Umstrukturierung begleitende
anfängliche Produktionsrückgang ist zum Stillstand
gekommen. Der wirtschaftliche Ertrag in der Region
fiel zwischen 1989 und 1993 um 25 Prozent - ein
Rückgang, der mit der amerikanischen Erfahrung
während der Weltwirtschaftskrise vergleichbar ist.
1994 waren wir Zeuge des Beginns von Stabilität und
Wachstum. Das Bruttoinlandsprodukt stieg um 3
Prozent. Die polnische Wirtschaft, auf die ein Drittel
des gesamten Ertrags der Region entfällt, erlebt
bereits das dritte Jahr ihres Wachstums - im letzten
Jahr beeindruckende 6 Prozent. Die Wachstumsrate
Albaniens von 1993 war mit 8 Prozent europaweit die
höchste.
Mittel- und Osteuropa sind über den Berg. Der
Fortschritt hat noch nicht überall dasselbe Niveau
erreicht, und es bleiben Hindernisse bestehen. Die
erste und schwierigste Umstrukturierungsphase ist
jedoch abgeschlossen.
Jetzt können wir unsere Bestrebungen darauf konzentrieren, durch unser internationales Engagement
für Handel und Investitionen das Wachstum zu
beschleunigen. Die Liberalisierung des Handels und
wirtschaftliche Umstrukturierung haben zu einer
bemerkenswerten Umlenkung ihres Handels auf
westliche Länder geführt. Die Importe mittel- und
osteuropäischer Länder aus den Industriestaaten
steigen seit drei Jahren um jährlich etwa 15 Prozent
an und belaufen sich auf 50 Milliarden Dollar.
Der Handel der Vereinigten Staaten mit der Region
ist ebenfalls schnell expandiert. Die Exporte nach

AMERIKA DIENST 03

�Mittel- und Osteuropa haben sich innerhalb von fünf
Jahren verdreifacht. Auch unsere Importe aus der
Region sind schnell gestiegen - auf ungefähr 2
Milliarden. 1994 sanken jedoch angesichts einiger
Probleme, mit denen wir uns befassen müssen, die
amerikanischen Exporte in die Region beträchtlich.
Die Investitionen haben ebenfalls zugenommen. Sie
sind ein wichtiger Input nicht nur von Kapital, sondern auch von Know-how und Technologie. Die
westlichen Investitionen in Mittel- und Osteuropa
liefern jedoch nicht die erforderliche Kapitalmenge.
Wir sind heute hier zusammengekommen, um die
Handels- und Investitionstätigkeit zwischen den
Vereinigten Staaten und Mittel- und Osteuropa
anzukurbeln.
Die Erhöhung der Handels- und Investitionstätigkeit
erfordert zweierlei: Erstens ein gesteigertes Bewußtsein amerikanischer Unternehmen für die Chancen
in der Region und zweitens eine weitere Verbesserung des Unternehmensklimas in Mittel- und
Osteuropa.
Aus diesem Grund wollten Präsident Clinton und ich
ein Forum wie dieses schaffen, in dem führende
Politiker, mögliche Partner und erfahrene Helfer
gemeinsam auf die Erreichung dieser Ziele hinarbeiten können.
Ralph Gerson, Walter Catlow, Bill Butler und andere
weitblickende amerikanische Wirtschaftsvertreter
werden über die blühenden Unternehmen berichten,
die sie in Mittel- und Osteuropa aufgebaut haben und über die ernsten Probleme, mit denen sie noch
konfrontiert werden.
Es werden Vertreter von
Wirtschaft und Regierung der mittel- und osteuropäischen Länder zu Wort kommen.
Und Sie werden am heutigen Abend an einer
einzigartigen Veranstaltung teilnehmen - einer
Kombination von Empfang und Messe, bei der 14
Länder Stände mit Informationsmaterial über Geschäftsmöglichkeiten sowie Gespräche über sofortige
Unternehmensgründungen anbieten werden.
Die Bandbreite der Möglichkeiten zeigt sich an den
für die Publikation des Amts zur Förderung des
Handels (U.S. Trade Development Agency), "Handels- und Investitionsmöglichkeiten in Mitteleuropa",
ausgewählten 100 Chancen:
Zusätzliche 600
Ratschläge zur Unternehmensgründung sind auf der
in ihren Konferenzunterlagen enthaltenen Diskette zu
finden. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs.
Bei dieser Konferenz möchte ich Sie daran erinnern,
daß wir alle wegen eines gemeinsamen Ziels hier
sind, das nur erreicht werden kann, wenn amerikani-

AMERIKA DIENST 03

sche Unternehmer gegenüber ihren Kollegen aus
Mittel- und Osteuropa offen und ehrlich sind. Neue
Chancen beleuchten schlaglichtartig die verbleibenden Probleme. Die Bankensysteme sind nicht für
den Umgang mit marktwirtschaftlichen Gegebenheiten ausgestattet. Das Konkursrecht ist unzureichend.
Die Infrastruktur bedarf einer substantiellen Modernisierung. Die staatlichen Stellen mischen sich oft
noch zu sehr ein, und der Umgang mit ihnen ist
schwierig.
Es muß mehr Wert auf die Privatisierung gelegt
werden, insbesondere was faire und offene Verfahren
für ausländische Investoren betrifft. Ein besonderes
Problem ist die zunehmende Neigung, Zölle auf
amerikanische Exportartikel zu erheben, während
Mittel- und Osteuropa Assoziierungsabkommen mit
der Europäischen Union abschließen. Wir begrüßen
diese engeren Verbindungen, müssen jedoch einen
Weg finden um zu gewährleisten, daß amerikanische
Exporteure und Arbeitnehmer nicht den Preis dafür
zahlen müssen.
Wir sind aber auch nicht perfekt. Daher bitte ich Sie,
anderen amerikanischen Regierungsvertretern und
mir gegenüber offen und ehrlich zu sein. Sagen Sie
uns, was wir richtig machen. Und sagen Sie uns,
was wir falsch machen oder unterlassen haben.
Aufgrund der Vorschläge des Privatsektors hat das
Wirtschaftsministerium bereits das Business Information Center für Osteuropa umstrukturiert, damit mehr
und bessere Wirtschaftsinformationen zur Verfügung
gestellt werden können. Wir wenden uns ferner an
Internet, um amerikanischen Unternehmen On-Iine
sofortigen Zugang zu neuen wirtschaftlichen Möglichkeiten zu verschaffen. Aber ich weiß, daß wir zur
Erfüllung Ihres Bedarfs mehr tun können.
Ich freue mich, heute eine besondere Initiative
bekanntgeben zu können, mit der die Exporte amerikanischer mittelständischer Unternehmen nach Mittelund Osteuropa gefördert und erweitert werden sollen.
Unseres Erachtens sind amerikanische mittelständische Unternehmen besser für Geschäfte mit dem
aufstrebenden Privatsektor in Mittel- und Osteuropa
geeignet als große multinationale Unternehmen. Eine
Reihe kleiner amerikanischer Firmen erzielt bereits
Gewinne in der Region. In Zusammenarbeit mit der
Verwaltung für mittelständische Unternehmen und
anderen Behörden errichtet das dem Wirtschaftsministerium unterstehende Business Information
Center für Osteuropa eine zentrale Einrichtung, um
kleineren Firmen den Zugang zu Finanzdienstleistungen und Informationen der amerikanischen Regierung
zu erleichtern.
Unsere Handelsabteilungen für
Amerika und das Ausland in Mittel- und Osteuropa

Seite 3

�werden einen wichtigen Bestandteil dieser Bestrebungen bilden.
Ein breites Spektrum amerikanischer Handelsbehörden hat sich hier angesiedelt, darunter das Amt für
Handel und Entwicklung, die Eximbank und die
Entwicklungsgesellschaft OPIC. Sprechen Sie mit
ihnen. Um effektivere Partner zu werden, müssen
wir von Ihnen hören.
Ich möchte betonen, daß die heutige Konferenz kein
einmaliges Ereignis ist, sondern der Beginn eines
neuen Stadiums in den Wirtschaftsbeziehungen
zwischen den Vereinigten Staaten und Mittel- und
Osteuropa. In den kommenden Wochen und Monaten werden amerikanische und europäische Behörden mit erneuter Kraft zusammenarbeiten und
enorme Chancen in echte, greifbare Geschäfte
umsetzen.
Wir bereiten bereits Missionen und Konferenzen vor,
die auf potentielle Wachstumssektoren abzielen. In
Kürze werden wir eine Umwelttechnologie-Handelsmission in die Tschechische Republik, nach Ungarn
und Polen entsenden.

*

Seite 4

Darüber hinaus habe ich die Ehre, in diesem Sommer
den Vorsitz bei der Vierten West-Ost-Konferenz der
Handels- und Wirtschaftsminister zu führen - eine
Konferenz, bei der die führenden Volkswirtschaften
Mittel- und Osteuropas sowie der neuen unabhängigen Staaten der ehemaligen Sowjetunion vertreten
sein werden.
Die von Ihnen heute und morgen geführten Gespräche über den industriellen Sektor werden als Richtschnur für diese und folgende Maßnahmen dienen.
Ich lade Sie alle ein, sich aktiv an den Diskussionen
dieser Konferenz zu beteiligen und fordere Sie auf,
sich vehement am Aufbau der Volkswirtschaften
Mittel- und Osteuropas zu beteiligen und Chancen für
die dort lebenden Menschen zu schaffen. Wie
Präsident Clinton es in seinem Vorschlag für diese
Konferenz formulierte, ist unsere jeweilige Sicherheit
mit unserem jeweiligen Wohlstand eng verknüpft.
Aus diesem Grund nimmt der Präsident der Vereinigten Staaten persönlich an dieser Konferenz teil,
und aus diesem Grund wird die amerikanische
Regierung alles in ihrer Macht Stehende tun, damit
unser Handel mit Mittel- und Osteuropa und unsere
Investitionen in dem Land expandieren.

* * * *

AMERIKA DIENST 03

�AUSSENPOLITIK
18.Januar 1995

AUSSENPOLITISCHE JAHRESBILANZ UND
ZUKÜNFTIGE ZIELE
Rede von Staatssekretär Peter Tarnoff
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die im Washingtoner Zentrum für die ausländische
Presse gehaltene Rede des Staatssekretärs für politische Angelegenheiten im US-Außenministerium, Peter
Tarnoff, über die Außenpolitik der Vereinigten Staaten im Jahr 1994 und die außenpolitischen Prioritäten für
das kommende Jahr.

Ich möchte über ein oder zwei Themen sprechen,
die für die politisch-militärische Seite erhöhter
Sicherheit der Vereinigten Staaten von essentieller
Bedeutung sind. Und in diesem Zusammenhang
möchte ich - auch wenn es Sie überraschen mag als erstes auf Rußland eingehen.
Es gibt für die Vereinigten Staaten viele Gründe,
weiterhin auf Reformen und eine demokratische

Öffnung in Rußland zu drängen und diese zu ermutigen. An oberster Stelle der Liste dieser Gründe
stehen jedoch unsere nationalen Sicherheitsinteressen. Rußland unterhält natürlich weiterhin ein
enormes Nuklearpotential sowie beträchtliche
Streitkräfte, weshalb bei unserem Dialog mit Rußland das Sicherheitselement - die sicherheitspolitische Dimension unseres Interesses an einem
weiteren Engagement in Rußland - außerordentlich
hohen Stellenwert einnimmt.
Wir haben in den letzten beiden Jahre gute Ergebnisse erzielt. Die Russen haben ihre Truppen aus
den baltischen Staaten abgezogen. Rußland und
die Vereinigten Staaten haben sich darauf geeinigt,
ihre ballistischen Interkontinentalraketen nicht länger
auf Ziele im jeweils anderen Land zu richten. Wir
haben die Umsetzung des START I-Vertrags vereinbart und beginnnen mit der Ratifizierung von START
II. Ferner führen wir mit den Russen äußerst
wichtige Gespräche über eine Einschränkung von
Waffenexporten in sicherheitsempfindliche Gebiete,
den Schmuggel mit Nuklearmaterial sowie ein breites
Spektrum anderer Sicherheitsfragen.
Beim Thema Rußland kann man nicht umhin, die
jetzige Situation in diesem Land anzusprechen,
insbesondere Tschetschenien und die Auswirkungen

AMERIKA DIENST 03

des Konflikts auf die politische Zukunft Rußlands und
unserer Beziehungen. Es ist offensichtlich noch zu
früh, eine Aussage über die politischen Konsequenzen des Vorgehens in Tschetschenien für Rußland zu
treffen. Es ist jedoch nicht zu früh für die Feststellung, daß ein von den Vereinigten Staaten entschieden unterstütztes, weltweites Interesse an einer
weiteren Unterstützung der Reformen und der demokratischen Evolution in Rußland besteht. Die Möglichkeit, daß die demokratischen Reformen in Rußland von den Ereignissen in diesem Land stark
beeinträchtigt werden könnten, ist natürlich für die
internationale Staatengemeinschaft äußerst ernüchternd, und während wir die Ereignisse dieser Tage in
Tschetschenien verfolgen, sind wir uns dessen stets
bewußt.
Die Vereinigten Staaten stellen nicht in Frage, daß
Tschetschenien zu Rußland gehört. Sie stellen
jedoch - wie Sie wissen und aus verschiedenen
Quellen gehört haben - die Art und Weise der dort
durchgeführten Operation und die daraus resultierenden Opfer in Frage und hoffen, daß die Russen und
Tschetschenen einen Dialog über eine Klimaverbesserung und eine Lösung der Krise aufnehmen können. Wir haben während der vergangenen Wochen
in öffentlichen und privaten Gesprächen auf diesen
Punkt hingewiesen - auch in Unterredungen mit den
Russen.
Im Bereich der Sicherheit haben wir eine äußerst
aktive Politik gegenüber verbrecherischen Staaten
verfolgt.
Ich möchte hierzu keine Einzelheiten
nennen, aber ganz oben auf unserer diesbezüglichen
Liste stehen Iran, Irak und Libyen.

Seite 1

�Im Hinblick auf den Irak vertreten die Vereinigten
Staaten nach wie vor die Ansicht, daß entschlossene
Sanktionen für Frieden und Stabilität in der Region
absolut erforderlich sind. Ich habe im November
den Staaten des Golfkooperationsrats einen Besuch
abgestattet und mit vielen Regierungen über die vom
Irak ausgehende, fortgesetzte Bedrohung gesprochen. Sie werden sich erinnern, daß die Vereinigten
Staaten stolz auf ihre im Oktober gespielte Führungsrolle waren, als die Staatengemeinschaft sich
der von den bedrohlichen Truppenbewegungen im
Süden des Irak ausgehenden, sehr realen Gefahr
bewußt wurde. Der Irak überschritt zwar nicht die
Grenze zu Kuwait, wir hatten jedoch keinen Grund
zu der Annahme, er könnte das nicht tun.
Die Vereinigten Staaten riefen die Operation Vigilant
Warrior ins Leben, die von Regierungen auf der
ganzen Welt sowie durch eine Resolution des UNSicherheitsrats unterstützt wurde. Unsere Wachsamkeit in diesem Teil der Welt stellt für uns eine
hohe Priorität dar, und das wird auch in Zukunft der
Fall sein, bis die Regime in diesem Teil der Welt, die
für unsere Freunde und unsere eigenen Interessen
eine Gefahr darstellen, einen Umwandlungsprozeß
durchlaufen haben.
Die dritte Kategorie sind Frieden und Demokratie,
und hier haben wir ebenfalls eine lange Liste. Für
1994 habe ich jedoch nur zwei Beispiele ausgewählt.
Der Friedensprozeß im Nahen Osten, der natürlich
in vielerlei Hinsicht ein historisches Jahr erlebte.
Nach der Grundsatzerklärung zwischen Israel und
der PLO aus dem Jahr 1993 schlössen Israel und
Jordanien im vergangenen Jahr einen Friedensvertrag, und es wurden gute Fortschritte bei den Verhandlungen zwischen Israel und Syrien erzielt, die
von den Vereinigten Staaten gefördert werden.
Wie Sie wissen, fand in Casablanca eine von den
Vereinigten Staaten und anderen Ländern veranstaltete Konferenz statt, bei der Vertreter des öffentlichen und Privatsektors aus dem gesamten Nahen
Osten und Europa sowie anderen Teilen der Welt
einen Prozeß ökonomischer Integration und des

Aufbaus einer der möglicherweise größten Wirtschaftsregionen der Welt begannen. Dieser Prozeß
mag vielleicht Jahrzehnte erfordern, aber die Tatsache, daß er überhaupt begonnen wurde und Ende
dieses Jahres eine Folgekonferenz im jordanischen
Amman stattfindet, deutet darauf hin, daß im Nahen
Osten nach der Wiederherstellung des Friedens
Aussichten auf beträchtliches, tragfähiges Wirtschaftswachstum bestehen. Die Vereinigten Staaten
unterstützen dies.
Die andere Leistung im Bereich des Friedens war
1994 die Wiederherstellung der Demokratie in Haiti.

Seite 2

Die Clinton-Administration zeigte sich entschlossen
bei der Erreichung dieses Ziels. Wir haben Grund
zur Zufriedenheit über die bei dieser Operation
erzielten Ergebnisse. Die Tatsache, daß die Operation die Unterstützung des UN-Sicherheitsrats fand,
der im vergangenen Herbst den Mitgliedstaaten in
einer Abstimmung die Befugnis erteilte, alle zur
Wiederherstellung der Demokratie in Haiti erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, signalisierte unseres
Erachtens den Regierungen auf der ganzen Welt,
daß es Zeiten gibt, in denen die internationale
Staatengemeinschaft reagiert. Wir können nicht
prognostizieren, unter welchen Umständen das
geschieht. Wir erwarten in absehbarer Zeit keine
weitere Operation dieser Art in irgendeinem Teil der
Welt. Die Fähigkeit der Staatengemeinschaft, so zu
handeln, war jedoch unserer Ansicht nach ein Meilenstein - nicht nur für die westliche Hemisphäre, sondern die ganze übrige Welt.
Was sind unsere Prioräten für dieses Jahr? In vielen
Bereichen werden sie gleichbleiben. Bei vielen der
von mir besonders hervorgehobenen Fragen
- unseren Wirtschaftsinteressen und dem Friedensprozeß im Nahen Osten - werden weiterhin energische Fortschritte erzielt werden.
An oberster Stelle der Liste zeichnet sich jedoch auch
ein breites Spektrum von Nichtverbreitungsbelangen
ab, die ich ebenfalls erwähnen möchte. Als erstes
möchte ich die Umsetzung des zwischen den Vereinigten Staaten und Nordkorea Ende vergangenen
Jahres abgeschlossen Abkommens ansprechen. Wir
sind der festen Überzeugung, daß es sich hierbei um
ein gutes Abkommen handelt und werden dies
öffentlich und vehement im Verlauf der in diesem
Land und im Kongreß geführten Debatte äußern. Es
ist ein gutes Abkommen für die Vereinigten Staaten
und es ist ein gutes Abkommen für die Welt, weil es
das Einfrieren der Nuklearaktivitäten Nordkoreas
vorsieht. Es verfügt ferner, daß Nordkorea in Kürze
die Nuklearaktivitäten einstellen wird, die das Risiko
eines Beitrags zur Entwicklung eines Nuklearwaffenprogramms bergen. Das Abkommen verpflichtet
Nordkorea darüber hinaus, Informationen über
bisherige Nuklearaktivitäten des Landes bereitzustellen, deren es - wie Sie wissen - seit einiger Zeit
verdächtigt wird. Wir sind erfreut, daß eine so gute
Zusammenarbeit wie mit der Republik Korea und
Japan möglich war, die - wie ich hinzufügen möchte eine zentrale Rolle bei der Finanzierung des Leichtwasserreaktors spielen werden, der in den nächsten
acht bis zehn Jahren in Nordkorea gebaut wird. Wir
sind der Überzeugung, daß sich mit der Zeit zumindest eine gewisse Evolution in Nordkorea vollziehen wird, bei der sich die neue Führung des
Landes entscheidet, ein verantwortlicheres Mitglied
der internationalen Staatengemeinschaft zu werden.

AMERIKA DIENST 03

�Die Verwirklichung dieses Ziels läßt sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt schwer vorhersagen. Es ist nicht
ein Abkommen, das auf Vertrauen gegründet ist,
sondern eines, das auf den nationalen Interessen
der Vereinigten Staaten und unserer Fähigkeit
basiert, die Einhaltung des Abkommens durch
Nordkorea bei jedem Schritt auf diesem Weg zu
verifizieren.
Auch die europäische Sicherheitsarchtitektur wird im
Jahr 1995 eine sehr wichtige Priorität für uns darstellen. Wie Sie wissen, traf die NATO auf Initiative
von Präsident Clinton vor einem Jahr die Entscheidung, einen Prozeß der NATO-Erweiterung einzuleiten. Die Entscheidung wurde ziemlich genau
vor einem Jahr beim NATO-Gipfeltreffen in Brüssel
im Januar getroffen. Die Partnerschaft für den
Frieden wurde gegründet - eine Organisation, die
jetzt 23 Mitglieder hat, die zwar selbst nicht offiziell
Mitglied der NATO sind, aber individuelle Abkommen
mit der NATO abgeschlossen haben, die zunehmende militärische Kooperation zwischen den Ländern
der ehemaligen Sowjetunion, des früheren Warschauer Pakts und der NATO gestatten, und dies ist
eine Entwicklung, der häufig nicht die Aufmerksamkeit gewidmet wurde, die sie unseres Erachtens
verdient. Sie birgt die Möglichkeit für die NATO, die
Länder im Osten einzubeziehen und eine aktive
Partnerschaft mit dem Bündnis selbst zu beginnen.
1995 wird das Bündnis eine Studie über das "Warum" und "Wie", nicht das "Wer" und "Wann" erstellen. Es geht nicht darum, welches Land zu
welchem Zeitpunkt beitritt, sondern darum, was es
bedeutet, ein Mitglied der NATO zu sein, individuell
mit den Ländern zusammenzuarbeiten, jedem
Mitglied der Partnerschaftsfamilie, das zu diesem
Thema informiert werden möchte, die Erfordernisse
der NATO-Mitgliedschaft zu erklären, damit die
NATO selbst ein besseres Verständnis erhält und die
eine Mitgliedschaft in der NATO anstrebenden
Länder ihre Pflichten besser verstehen können.
Gleichzeitig wird die NATO ihre Beziehungen zu
Rußland überprüfen.
Rußland ist Mitglied der
Partnerschaft für den Frieden. Wir hoffen, daß
Rußland in Kürze das individuelle Partnerschaftsabkommen unterzeichnet. Die NATO-Mitgliedstaaten
haben zu einem frühen Zeitpunkt beschlossen, daß
zu Rußland selbst während der NATO-Erweiterung
besondere Beziehungen unterhalten werden müssen, und das ist eine Entwicklung, deren Beschleunigung wir in diesem Jahr erwarten.
Zwei weitere Themen stehen an oberster Stelle
unserer Tagesordnung für 1995. Offenkundig ist
Bosnien eine noch immer ungelöste Frage und in
mancher Hinsicht eines der schwierigsten Probleme,

AMERIKA DIENST 03

mit denen wir uns in den vergangenen beiden Jahren
befaßt haben. In den letzten Wochen konnten wir
gewisse Fortschritte auf dem Weg zu einer Verhandlungslösung feststellen - bescheidene Fortschritte,
aber ein bißchen mehr, als wir in den letzten zweieinhalb bis drei Jahren beobachten konnten. Wir
hoffen, auf der Tatsache des vor kurzem vereinbarten
Waffenstillstands und der Einstellung der Feindseligkeiten zwischen den Konfliktparteien in Bosnien
aufbauen zu können. In der Region werden jetzt
Gespräche der Kontaktgruppe aufgenommen, zu der
die Amerikaner, die Europäer, die Russen und die
Vereinten Nationen gehören.
Wir hoffen, daß die Experten der Kontaktgruppe in
den kommenden Tagen nach Pale und Sarajevo
reisen werden. Sie sollen herausfinden, ob die
bosnische Regierung und die bosnischen Serben zu
der Schlußfolgerung gelangen können, daß es jetzt
an der Zeit für Gespräche über eine endgültige
Lösung ist. Solange diese sich auf den Plan der
Kontaktgruppe gründet - was unsere von anderen
Mitgliedern der Kontaktgruppe geteilte unerschütterliche Position ist, könnten wir in den nächsten Wochen
zumindest die Aufnahme von Verhandlungen zwischen den Parteien beobachten.
In unserem Land gibt es ein politisches Thema, das
Sie wie ich weiß verfolgt haben, und das ich meines
Erachtens kommentieren sollte. Es ist der auch im
Kongreß unterbreitete Vorschlag über eine einseitige
Aufhebung des Waffenembargos durch die Vereinigten Staaten. Ich möchte eindeutig und klar
betonen, daß die Administration gegen eine einseitige
Aufhebung des Waffenembargos eingestellt und in
dieser Haltung unerschütterlich ist. Wir haben das
Gefühl, daß es zu einem bestimmten Zeitpunkt im
Verlauf dieses Prozesses erforderlich sein wird, eine
multilaterale Aufhebung des Embargos in Erwägung
zu ziehen. Das ist eine ganz andere Position. Wir
werden uns jedoch ganz entschieden jedem Versuch
widersetzen, dem Präsidenten die Verpflichtung zu
einer einseitigen Aufhebung des Waffenembargos in
Bosnien aufzuerlegen.
Auf unserer Liste stehen auch die Beziehungen zu
den Vereinten Nationen - ebenfalls eine in diesem
Land erörterte Angelegenheit - weil es viele Fragen
zur Natur der amerikanischen Beziehungen zu den
Vereinten Nationen, zur Frage der Behörden, des
Führungskommandos, der Effizienz und der Kosten
gibt, zu deren Übernahme die Vereinten Nationen die
Vereinigten Staaten jedes Jahr zwingen. Aus unserer
Sicht sind die Vereinten Nationen eine unerläßliche
Organisation. Sie vollbringt wichtige friedenssichernde Arbeit. Ihre Sonderorganisationen leisten beispiellos gute Arbeit, wenn es zu speziellen Missionen

Seite 3

�größtenteils humanitärer Art auf der ganzen Welt
kommt.
Gleichzeitig vertreten wir jedoch die Auffassung, daß
die Vereinten Nationen verbessert werden müssen.
Organisatorisch müssen ihre friedenssichernden
Operationen effizienter gestaltet und modernisiert
werden. In den kommenden fünf oder zehn Jahren
werden wir mit anderen an der Umgestaltung der
Vereinten Nationen zu der Art von Organisation
zusammenarbeiten, die sehr viel effizienter als jetzt
im Interesse der internationalen Staatengemeinschaft
und der Vereinigten Staaten handelt.
Abschließend möchte ich nur sagen, daß 1995 ein
kritisches Jahr der Herausforderungen wird. Bei
seinem Treffen mit dem neuen Speaker des Repräsentantenhauses und dem neuen Mehrheitsführer
im Senat hat der Präsident ausdrücklich festgestellt,
daß wir zur Zusammenarbeit mit der republikani-

*

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sehen Mehrheit in diesen beiden Kammern bereit
sind. Wir sind überzeugt, daß es in den kommenden
beiden Jahren die Chance zu ziemlich großem
Konsens zwischen den Demokraten und den Republikanern bei vielen der wichtigen Themen gibt, über
die ich gesprochen habe.
Wie Sie wissen, haben wir im Gegensatz zur Praxis
in vielen Ihrer Länder die Tradition einer Art von
Gewaltenteilung in den Vereinigten Staaten, wobei
die Exekutive in den Händen einer Partei und die
Legislative in den Händen der anderen ist. In diesen
Fällen war zwischen der Exekutive und der Legislative häufig gute Zusammenarbeit bei der Außenpolitik
möglich, und wir sind der Ansicht, daß die Fortsetzung dieser Tradition im nationen Interesse liegt,
und auch das amerikanische Volk diesen Wunsch
teilt.
Ich danke Ihnen.

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AMERIKA DIENST 03

�SOZIALGIPFEL
18.Januar 1995

USA KONZENTRIEREN SICH AUF ARBEITSPLÄTZE,
ARMUT UND FRAUEN
Rede von Staatssekretär Wirth
NEW YORK - (AD) - Der bevorstehende Sozialgipfel der Vereinten Nationen sollte ein globales Forum für
Diskussionen über die Schaffung von mehr und besseren Arbeitsplätzen sein, die Entschlossenheit von
Regierungen zur Bekämpfung der schlimmsten Formen von Armut fördern und die entscheidende
Notwendigkeit unterstreichen, Frauen mehr Entscheidungsbefugnisse zu verleihen, erklärte der Staatssekretär
für globale Angelegenheiten im US-Außenministerium, Timothy Wirth, in einer am 10. Januar 1995 vor einer
Gruppe von Religionsvertretern gehaltenen Rede.
Wirth erläuterte, bei der UN-Konferenz sollte ein Informationsaustausch über erfolgreiche Strategien in
Bereichen wie der Schaffung von Arbeitsplätzen vorgenommen und Bilanz gezogen werden, wie gut die
einzelnen Länder bei der Verwirklichung von Zielen abschneiden, die bereits bei anderen internationalen
Zusammenkünften festgesetzt wurden, statt neue Tagesordnungen zu verabschieden, die nicht umgesetzt
werden können, wenn so grundlegende Ziele wie die Bekämpfung der Armut nicht bewältigt werden.
Der offiziell als Weltgipfel über soziale Entwicklung bezeichnete Gipfel findet vom 6 . - 1 2 . März 1995 in
Kopenhagen statt. Ziel des Gipfels ist, die sich verschärfenden Probleme der Armut, Arbeitslosigkeit und
sozialen Unruhen in der Zeit nach dem Kalten Krieg in Angriff zu nehmen.

Es ist mir eine Freude, Ihnen heute morgen im
Vorfeld des Weltgipfels über soziale Entwicklung
meine Gedanken zur sozialen Entwicklung und den
Zielen der Clinton-Administration darlegen zu können.
Dies ist eine Zeit tiefgreifender Veränderungen für
unser Land und die Welt. In der Tat vollzieht sich
der Wandel überall um uns herum - bei den Wahlergebnissen vom November, in der veränderten
Geopolitik der Zeit nach dem Kalten Krieg und in
den Beziehungen zwischen Mensch und Natur.

Staaten und die internationale Staatengemeinschaft
jetzt gegenübersehen, fordern von uns ebenso viel
wie die uns seit 1945 bekannten. Aber die Art,
Vielfalt und Geschwindigkeit, mit der die neuen
Herausforderungen auftreten, diktieren das Verständnis der langfristigen Herausforderungen unserer
Außenpolitik und eine Neubewertung unserer Prioritäten für eine amerikanische Führungsrolle bei der
Bewältigung neuer Tests und der Gestaltung einer
besseren Welt.

Nationen erkennen jetzt allmählich ihre Chancen und
ihre Pflicht, über die Krisen des Augenblicks auf die
zugrundeliegenden Ursachen zu blicken, die die
Welt immer komplexer machen und die Prioritäten
für langfristige nationale Sicherheit und globale
Stabilität neu definieren.

Wie immer besteht unser Interesse in dauerhaftem
Frieden und Wohlstand. Neu sind die diffusen
Trends, die diese Interessen in der Zukunft bestimmen werden, wenn wir die Aufgabe der Regierungsführung an unsere Kinderweitergeben. Diese neuen
Herausforderungen weisen uns den Weg zu tragfähiger Entwicklung - der beim Erdgipfel entstandenen
hehren Idee.

Der Kalte Krieg, der über 40 Jahre die langfristige
Sicherheit definierte, wird schnell zu einer weit
zurückliegenden Ära. An seiner Stelle sehen wir uns
mit einer Reihe unbekannter Herausforderungen in
einer Welt konfrontiert, die sich ebenfalls fast bis zur
Unkenntlichkeit verändert hat. Die Veränderungen
und Entscheidungen, denen sich die Vereinigten

In der Natur ist Wandel nicht neu. Veränderungen
haben sich vollzogen, seit dieser Planet existiert. Für
unsere Atmosphäre und unser Klima waren diese
Veränderungen historisch durch allmähliche, natürliche und tausendjährige Verlagerungen der Chemie,
Biologie und Geologie gekennzeichnet. Wir verstehen nicht alle Aspekte oder Kräfte, die diese

AMERIKA DIENST 03

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�langfristigen Veränderungen in der Vergangenheit
herbeigeführt haben. Aber wir verstehen ein Phänomen, das die Natur heute beeinflußt und zu einer
mächtigen Kraft für die Umgestaltung unserer
Umwelt und unseres Planeten geworden ist.
Die Erkenntnis, daß wir kollektiv die Fähigkeit zu
grundlegenden Veränderungen wichtiger ökologischer Systeme haben, erlegt allen Einzelpersonen
eine enorme Last auf, das Konzept und die Konsequenzen tragfähiger Entwicklung zu verstehen.
Bei einer Konferenz in Moskau vor einigen Jahren
erklärte Dean Morton: "Unsere Beziehungen zur
Biosphäre gründen sich nicht dogmatisch auf Eigentum, sondern vielmehr auf das Privileg, in der
Schöpfung Gottes zu leben, und die Verpflichtung,
ihr Hüter zu sein. Die Erde gehört dem Herrn."
Was bedeutet dies für unsere Regierungsstrategie?
Für mich weist diese Erkenntnis zu tragfähiger
Entwicklung, das heißt, die Volkswirtschaften der
Welt - einschließlich unserer eigenen - sollten
versuchen, die Erfordernisse der heutigen Generation ohne Kompromisse oder Entbehrungen für
künftige Generationen zu erfüllen. Richtig verstanden und umgesetzt, kann die Idee tragfähiger
Entwicklung die mächtigen wirtschaftlichen und
umweltpolitischen Kräfte integrieren, die in der
heutigen Welt am Werk sind. Es ist ein in der
Erkenntnis der sich gegenseitig verstärkenden Natur
von wirtschaftlichen und umweltpolitischen Fortschritten begründetes Konzept. Ökologische Systeme sind die wirkliche Grundlage der modernen
Gesellschaft - in der Wissenschaft, Landwirtschaft,
bei der sozialen und wirtschaftlichen Planung. Von
unserem ökologischen Kapital zu leben, wird sich
langfristig als ruinöse Wirtschaftsstrategie erweisen.
Gleichzeitig streben die meisten Menschen und
Nationen Wirtschaftswachstum sowie wissenschaftlichen und technologischen Fortschritt an, die wiederum die unabdingbaren Bausteine umweltpolitischer
Sicherheit sind.
Sicherheit wird jetzt auch im Kontext der menschlichen Sicherheit verstanden. Menschliche Sicherheit betrifft die 1 Milliarde Menschen, die in schlimmster Armut leben. Sie betrifft die 800 Millionen
Menschen, die jeden Tag hungern - und die 240
Millionen Unterernährten. Die 17 Millionen, die jedes
Jahr an Krankheiten sterben, die leicht hätten
verhindert werden können, fallen unter diese Definition von Sicherheit ebenso wie die 1,3 Milliarden
Menschen ohne Zugang zu sauberem Wasser und
die mehr als 2 Milliarden, die keine Kanalisation
haben. Es gibt über 20 Millionen nationale Grenzen
überquerende Flüchtlinge und eine alarmierende

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Anzahl innerhalb von Nationen, die voreinander auf
der Flucht sind.
Der Ansatz der Vereinigten Staaten zum bevorstehenden Weltgipfel über soziale Entwicklung und
seine Tagesordnung, Arbeitsplätze zu schaffen, die
Armut zu bekämpfen und soziale Integration herbeizuführen - unter der wir ein Mittel zur Konzentration
auf die Stärkung von Gemeinden verstehen - wurzelt
in unserem Engagement für tragfähige Entwicklung.
Die Aufrechterhaltung der Gesundheit der Menschen,
der Umwelt und der Wirtschaft sollte unseren Rahmen darstellen und bildet die Grundlage unseres
Ansatzes zu dieser Gipfelkonferenz.
In zwei Monaten werden die Vereinten Nationen den
Sozialgipfel in Kopenhagen einberufen. Der erklärte
Zweck des Gipfels besteht in der Förderung der in
der Charta der Vereinten Nationen eingegangenen
Verpflichtung, "die Verbesserung des Lebensstandards, die Vollbeschäftigung und die Voraussetzungen für wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt und
Aufstieg" herbeizuführen.
Dies ist ein hehres Ziel, dem sich 170 Nationen mit
der Veranstaltung des Gipfeltreffens verpflichteten.
Die Herausforderung besteht jetzt darin, den Gipfelprozeß und die Dokumente spezifisch genug zu
machen, um ein modernes, umsetzbares Ergebnis
hervorzubringen.
Die Delegation der Vereinigten Staaten arbeitet
darauf hin, den Sozialgipfel auf eine kleine Reihe
wichtiger, praktikabler Ergebnisse zu konzentrieren.
Wir sind der Ansicht, daß der Gipfel ein Erfolg wird,
wenn er im wesentlichen drei Dinge vollbringt:
Erstens, wenn er die globale Diskussion über die
Schaffung von mehr und besseren Arbeitsplätzen
voranbringt.
Zweitens, wenn er die globale Entschlossenheit
bekräftigt und stärkt, die schlimmsten Formen von
Armut in den ärmsten Ländern bis Anfang des
nächsten Jahrhunderts auszumerzen.
Drittens, wenn er die entscheidende Notwendigkeit
unterstreicht, Frauen mehr Entscheidungsbefugnisse zu verleihen.
Ich möchte auf jedes dieser Ergebnisse im einzelnen
eingehen.
Erstens die Schaffung von mehr und besseren
Arbeitsplätzen. Das Ende des Kalten Krieges beendete die globale Diskussion über die relativen Verdienste des kapitalistischen und des kommunistischen

AMERIKA DIENST 03

�Systems. Es beendete jedoch nicht die Diskussion,
warum manche Nationen sehr viel erfolgreicher als
andere bei der Schaffung von Arbeitsplätzen sind.
Im Gegenteil, die dramatischen Veränderungen in
der globalen Wirtschaft erfordern, daß solche Diskussionen fortgesetzt und verlieft werden.
Der Sozialgipfel sollte dem Informationsaustausch
über erfolgreiche Strategien zur Schaffung von mehr
und besseren Arbeitsplätzen dienen und Arbeitslosigkeit abbauen, wie es bei der erfolgreichen
Arbeitsplatzkonferenz von Detroit im vergangenen
Jahr der Fall war. Andere Länder haben viel von
der Fähigkeit zur Schaffung von Arbeitsplätzen der
amerikanischen Volkswirtschaft zu lernen, und wir
wollen aus den Erfolgen anderer Länder lernen. Wir
sind uns bewußt, daß es kein Patentrezept für die
Lösung des Problems der Arbeitslosigkeit gibt, mit
dem sich viele Länder konfrontiert sehen. Das ist
genau der Grund, warum diese Diskussion fortgesetzt werden muß.
Die Vereinigten Staaten haben mit ihrer Fähigkeit
zur Schaffung von Arbeitsplätzen eine Führungsrolle
in der Welt übernommen. Unsere Volkswirtschaft
hat in den letzten 22 Monaten über fünf Millionen
neue Arbeitsplätze hervorgebracht. Wir haben die
niedrigste Arbeitslosenquote seit vier Jahren. Und
jüngste, vom Arbeitsministerium veröffentlichte
Statistiken belegen, daß 1994 mehr Arbeitsplätze
geschaffen wurden als zu jedem anderen Zeitpunkt
seit 1988. Die amerikanische Volkswirtschaft bringt
mehr Arbeitsplätze hervor und verringert die Arbeitslosigkeit schneller als die Experten für möglich
hielten, und das bei einer anhaltend niedrigen
Inflationsrate. Das sind sehr gute Nachrichten.
Wir hoffen, daß das unmittelbar vor dem Gipfel
stattfindende Treffen als Beispiel für erfolgreiche
Bestrebungen zur Schaffung von Arbeitsplätzen
genutzt wird. Arthur White und seine Organisation Arbeitsplätze für die Zukunft - sind ein erfolgreiches
Beispiel für die tatkräftige Anpassung der Erfordernisse an die Ressourcen.
Die Clinton-Administration ist sich absolut bewußt,
daß die Schaffung von Arbeitsplätzen und der Abbau
der Arbeitslosigkeit allein nicht ausreichen, um
sozialen Wohlstand hervorzubringen.
Ein Großteil der großartigen amerikanischen Mittelschicht hat nicht von den Vorteilen des jüngsten
starken Wirtschaftswachstums profitiert. Arbeitsminister Reich hat vor kurzem das Problem mit
folgenden Worten umrissen: "Die bisherige Mittelschicht ist zu einer besorgten Klasse geworden nicht nur besorgt um die Sicherung ihres Einkommens, sondern auch um den Erhalt ihrer Arbeits-

AMERIKA DIENST 03

plätze und ihrer Krankenversicherung. ... Ein Fünftel
(der Amerikaner), die seit Anfang 1991 einen Vollzeitarbeitsplatz verloren haben, sind immer noch ohne
Arbeit. Und unter denen, die einen neuen Job
gefunden haben, verdient nahezu die Hälfte - 47
Prozent - jetzt weniger als vorher." Warum ist das
so? Zwei Faktoren haben die Regeln neu definiert:
Erstens hat die Technologie Routinearbeitsplätze
abgeschafft oder umstrukturiert, die jetzt von
einem Computer übernommen werden können
und gleichzeitig hochbezahlte Arbeitsplätze aufgewertet, die Problemlösungsfähigkeiten des
menschlichen Gehirns erfordern.
Zweitens gefährdet der globale Wettbewerb die
Arbeitsplätze ungelernter, niedrig bezahlter Arbeiter und belohnt hochqualifizierte Arbeitnehmer.
Die Lösung besteht in der Umsetzung von Strategien,
die den einzelnen ermutigen, sein gesamtes Leben
lang zu lernen und seine Fähigkeiten zu verbessern.
Das ist die Herausforderung für Amerika.
Der
Privatsektor muß dabei die größte Rolle spielen.
Aber der Regierung kommt auch eine beträchtliche
Unterstützungsfunktion zu.
Die Clinton-Administration hat bereits wichtige Schritte unternommen, um auf diese neuen Herausforderungen zu reagieren: Der Einkommensteuerfreibetrag
trägt dazu bei, 16 Millionen Arbeitnehmerfamilien aus
der Armut zu führen, niedrige Zinssätze für Kredite
ermöglichen Studenten den Collegebesuch, durch die
Arbeitslosenversicherung finanzierte Umschulungszentren fördern die berufliche Bildung und neue
Initiativen für eine "Bill of Rights der Mittelschicht"
werden, vorbehaltlich ihrer Verabschiedung durch den
Kongreß, die Steuern der Mittelschicht senken, den
Collegebesuch leichter finanzierbar machen und die
lebenslangen Lernprogramme erweitern. Wir hoffen,
auch die aktuellen Programme zur beruflichen
Bildung im Rahmen der Konzentration auf die Wiederherstellung des Wohlstands für alle Amerikaner
modernisieren und konsolidieren zu können.
Die Vereinigten Staaten vertreten ferner die Auffassung, daß der Sozialgipfel die Bestrebungen zur
besseren Einhaltung zentraler Arbeitsnormen wie das
Verbot von Zwangs- und Kinderarbeit, Koalitionsfreiheit und das Recht, sich zu organisieren und
Tarifverhandlungen zu führen, sowie Nichtdiskriminierung bei der Beschäftigung fördern sollte.
Unser zweites Ziel ist die Bekämpfung der Armut.
Wir haben den Vorschlag unterbreitet, daß der
Sozialgipfel das internationale Abkommen des
Weltgipfels über Kinder von 1990 und andere internationale Treffen zur Bekämpfung der schlimmsten

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�Formen der Armut in unserer Welt bis Anfang des
nächsten Jahrhunderts weiter festigt.
Unseres Erachtens ist der Sozialgipfel der Ort für
alle Regierungen, internationalen und nichtstaatlichen Organisationen (NGOs), sich erneut zu den
globalen Bestrebungen zur Behebung gravierender
Unterernährung, der Bereitstellung medizinischer
Grundversorgung, der Förderung von universellem
Zugang zu sicherer und freiwilliger Familienplanung
und reproduktiven Gesundheitsdiensten zu verpflichten sowie der Bekämpfung des Analphabetentums, der Versorgung mit sauberem Trinkwasser
und dem Bau von Kanalisation für alle. Dies sind
die Grundvoraussetzungen für die Bekämpfung der
Armut.
Unserer Ansicht nach sollten die Regierungen und
internationalen Organisationen in Kopenhagen
vereinbaren, daß die Bekämpfung der schlimmsten
Formen der Armut eine so entscheidende Priorität
ist, daß sie besondere Anstrengungen zur Förderung und zum Schutz der Fortschritte bei der Erlangung dieser Ziele unternehmen.
Bei früheren UN-Konferenzen haben wir eine Reihe
ehrgeiziger Ziele festgesetzt - wir wollen unsere
Fortschritte überprüfen - statt neue Tagesordnungen
zu formulieren, die gut klingen mögen, aber nicht
verwirklicht werden, solange so grundlegende Ziele
wie die Bekämpfung der Armut unerreichbar bleiben.

Entwicklungsbanken auf die Förderung tragfähiger
Entwicklung. Wir streben konzertierte Aktionen der
multilateralen Entwicklungsbanken an, um die Armen
zu erreichen und in einen offenen Prozeß einzubinden.
Ebenso wie die Dokumente für den Sozialgipfel
konzentriert sich unser Vorschlag zur Bekämpfung
der Armut auf die Notlage der Ärmsten in den ärmsten Ländern und ist daher für Afrika südlich der
Sahara von besonderer Bedeutung. Wir sind bereit,
im Zusammenhang mit dem Sozialgipfel andere
Maßnahmen für Afrika zu erörtern.
Bei dem Sozialgipfel müssen auch Bestrebungen zur
Verminderung der Armut in allen Ländern erörtert
werden. Die beim kürzlich veranstalteten AmerikaGipfel abgegebene Grundsatzerklärung stellt fest:
"Es ist politisch untragbar und moralisch nicht akzeptabel, daß einige Schichten unserer Bevölkerungen
ausgegrenzt werden und keinen vollwertigen Anteil
an den Vorteilen des Wachstums haben." Der
Schlüssel zur Bekämpfung der Armut in allen Ländern ist der allgemeine Zugang zu Bildung und
Ausbildung, bessere Beschäftigungsmöglichkeiten,
gerechter Zugang zu grundlegender Gesundheitsfürsorge, Stärkung der Rolle der Frau in der Gesellschaft und Förderung produktiver, leistungsfähiger
Unternehmen, einschließlich kleinerund mittelständischer Unternehmen.

Wir ermutigen auch die multilateralen Entwicklungsbanken und andere Geber zur Errichtung eines
Sicherheitsnetzes mit einer klaren Zielgruppe, um
die am stärksten Betroffenen vor den negativen
Auswirkungen erforderlicher Anpassungen zu
schützen. Ferner sollten sie Kredite zur Unterstützung der Anpassungsbestrebungen mit effektiven
Investitionen zum Nutzen der Armen ergänzen.

Wir sind uns bewußt, daß wir das, was wir weltweit
propagieren, auch vor unserer eigenen Haustüre
praktizieren müssen. Die Clinton-Administration setzt
sich für die Verminderung der Armut in den Vereinigten Staaten durch kreative Kombinationen von
Wohnungsrenovierungen, Bildung, Ausbildung und
berufliche Bildung sowie Initiativen zur Verbrechensbekämpfung ein. Auf diesen Gebieten sollte die
Bundesregierung in zunehmendem Maße mit den
Regierungen der Bundesstaaten und den Kommunalverwaltungen zusammenarbeiten. Die besten Aktionen dieser Art bauen auf den Gemeinden auf, für
deren Stärkung sie sich einsetzen - ebenso wie die
weltweite Arbeit religiös motivierter nichtstaatlicher
Organisationen. Wir verbessern das Leben von
Kindern durch die Initiative zur Impfung von Kindern.
Wir fördern die Kinderbetreuung und erweitern und
verbessern die Qualität von Head Start. Kleinunternehmen, Schwangerschaften unter Teenagern und
Ökonomie der Innenstädte sind Bereiche, in denen
wir noch viel zu lernen haben. Wir hoffen, daß wir
auch aus den von anderen erzielten Erfolgen Lehren
ziehen können.

Die Clinton-Administration engagiert sich für die
Zusammenarbeit mit anderen Ländern zur Stärkung
des Einflusses von Operationen der multilateralen

Unser drittes Ziel ist es, den Frauen mehr Entscheidungsbefugnisse zu geben. Dieses Thema war von
Anfang an die Grundlage der Politik dieser Admini-

Unser Vorschlag spricht auch die zentrale Rolle an,
die internationale Finanzinstitutionen dabei spielen,
den Ländern bei der Schaffung des für die Bekämpfung der Armut erforderlichen Wirtschaftswachstums
behilflich zu sein.
Wirtschaftliche Anpassung sollte so geplant werden,
daß sie den Menschen an die erste Stelle setzt. Wir
erwarten, daß die Regierungen und internationalen
Finanzinstitutionen vorrangig Maßnahmen ausmachen und abschaffen, die den Armen schaden und
statt dessen Maßnahmen fördern, die die Erwerbsfähigkeit der Armen verbessern.

Seite 4

AMERIKA DIENST 03

�stration - von der Wiener Menschenrechtskonferenz
im Jahr 1993 bis zur internationalen Kairoer Konferenz über Bevölkerung und Entwicklung 1994.
Vermehrte Entscheidungsbefugnisse für Frauen sind
so entscheidend für den Erfolg sozialer Entwicklung,
daß diese Aufgabe in der beim Gipfel abgegebenen
Erklärung als besondere Verpflichtung hervorgehoben wird. Dieses Thema verbindet die Kairoer
Konferenz mit dem Sozialgipfel und der für diesen
September anberaumten Vierten Weltkonferenz über
Frauen.
Die Gewährleistung einer umfassenden Mitwirkung
von Frauen in Politik und Wirtschaft steht im Einklang mit einer Vielzahl weltweit angestrebter Ziele Frieden, Wohlstand, Umweltschutz und Stabilisierung
des Bevölkerungswachstums.
Frauen sind die
globalen Mittler des in allen diesen Bereichen erforderlichen Wandels. Die Förderung der sozialen,
politischen und wirtschaftlichen Rechte von Frauen

Früher vollzogen sich unsere Beziehungen von
Hauptstadt zu Hauptstadt, was ich als die "Nabe-undSpeichen"-Regierungsmethode bezeichnen würde.
Washington war die Radnabe, die Speichen verbanden es mit anderen Hauptstädten - Delhi, Seoul,
Lagos - und diese Speichen stellten die Wirtschaftsverbindungen der Nationen dar.
Dies hat sich grundlegend gewandelt.
Unsere
heutige Regierungsmethode ist viel komplizierter
geworden und nähert sich einem Muster an, das ich
als auf- bzw. abwärtsgerichtete Beziehungen bezeichnen würde:
Aufwärtsgerichtet zu komplexeren, multinationalen
Institutionen und
abwärts auf eine Reihe von Basis- und nichtstaatlichen Organisationen auf Gemeindeebene
gerichtet.

sowie die Erweiterung unseres Engagements für die

Ausbildung von Frauen, die Reduzierung der Kindersterblichkeit sowie eine sichere Schwangerschaft
tragen zur weltweiten Stabilisierung bei. Der Ertrag
dieser Initiativen im Hinblick auf Stabilität, Umweltschutz und wirtschaftliche Produktivität wird die
Kosten für jede Generation bei weitem aufwiegen.
Die Vereinigten Staaten haben die Erhöhung der
Entscheidungsbefugnisse von Frauen zur einem
Hauptziel ihrer Entwicklungshilfe gemacht. Wir
wissen beispielsweise, daß Bildung und Ausbildung
junger Mädchen von essentieller Bedeutung für
Entwicklung sind, und daß in allzuvielen Ländern
eine tiefe Kluft zwischen den Bildungsmöglichkeiten
von Jungen und Mädchen besteht. Die vom Amt für
internationale Entwicklung (U.S. Agency for International Development - USAID) geförderten Programme zielen in zahlreichen Ländern darauf ab,
diese Lücke zu schließen.
Eine Erhöhung der Entscheidungsbefugnisse von
Frauen stand im Mittelpunkt unserer Teilnahme an
der internationalen Konferenz über Bevölkerung und
Entwicklung vom letzten Jahr. Wir werden uns auch
bei der für den kommenden September anberaumten Weltkonferenz über Frauen bemühen, eine
Führungsrolle zu übernehmen. Und beim Sozialgipfel sollte unsere kollektive Unterstützung der sozialen, politischen und wirtschaftlichen Rechte von
Frauen bekräftigt werden.
Ich möchte auch noch kurz auf den institutionellen
Hintergrund dieser bedeutenden Tagesordnung
eingehen. Ebenso wie die wirtschaftlichen und
politischen Institutionen auf der ganzen Welt durchlaufen auch unsere Regierungsinstitutionen einen
grundlegenden Veränderungsprozeß.

AMERIKA DIENST 03

Unsere Probleme machen nicht vor Grenzen halt:
Die globale Erderwärmung. In einem Land dient
Kohle als Brennstoff, was zu erhöhten Kohlendioxidemissionen sowie einer Erwärmung der Erde
führt.
Bevölkerung. In Osteuropa findet eine politische
Revolution statt, und im gesamten Westen werden
die Flüchtlingsgesetze geändert.
Drogenhandel. Im Goldenen Dreieck wird Mohn
angepflanzt, und in der ehemaligen Sowjetunion,
in Afrika und der Karibik werden die Regierungen
mit Drogengeldern bestochen.
Wir müssen uns in zunehmendem Maße im Rahmen
internationaler Institutionen auf weltweite Zusammenarbeit und die Fähigkeit zur Lösung dieser Probleme
stützen: Das Drogenkontrollprogramm der Vereinten
Nationen (United Nations Drug Control Program UNDCP), den Bevölkerungsfonds der Vereinten
Nationen (United Nations Population Fund) unter
Nafis Sadik und das von Gus Speth geleitete Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (United
Nations Development Programme - UNDP).
Die Vereinten Nationen müssen ihre inneren Reformen fortsetzen und eine Umgestaltung im Einklang
mit der heutigen Zeit vornehmen.
Der Sozialgipfel kann dazu beitragen, den im Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen (United
Nations Economic and Social Council - ECOSOC)
dringend erforderlichen Reformprozeß voranzutreiben. Es ist von entscheidender Bedeutung, daß in
dem Forum, in dem innerhalb der Vereinten Nationen

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�T

die meisten Fragen sozialer Entwicklung erörtert
werden, der Reformprozeß - der in die richtige
Richtung weist, jedoch noch einen langen Weg vor
sich hat - in Kopenhagen gefördert wird.

Intrauterinpessars oder Entwicklung eines Buchführungssystems - ist eher im privaten, nichtstaatlichen Bereich zu finden als in der staatlichen
Bürokratie.

Der UNO-Generalsekretär hat in seiner Agenda für
Entwicklung den Vorschlag der Ausarbeitung eines
allgemeinen Rahmens für die Veranstaltung von
Folgekonferenzen größerer UN-Konferenzen unterbreitet. Er schlug vor, die auf diesen Konferenzen
vereinbarten Zielsetzungen sollten "harmonisiert, mit
einem Kostenvoranschlag versehen, nach Prioritäten
geordnet und mit einem vernünftigen Zeitplan für
ihre Umsetzung versehen werden". Wir stimmen
dem zu.

Es gibt eine Vielzahl von Beispielen für diese Evolution in Richtung der Basis:

Die Folgekonferenzen dieser und anderer Veranstaltungen der Vereinten Nationen sollten sorgfältig
überwacht werden. Dor Wirtschafts- und Sozialrat
sollte die Umsetzung des Aktionsprogramms des
Gipfels prüfen und bewerten, den Prüfungsstellen
zur Seite stehen und gegenüber der UN-Generalversammlung Empfehlungen für eine mögliche Verbesserung der kollektiven Reaktion auf die beim Gipfel
gefaßten Beschlüsse aussprechen.
Ich brauche Ihnen nicht zu sagen, daß im Kongreß
und in der amerikanischen Öffentlichkeit viele eine
extrem skeptische Einstellung gegenüber den Möglichkeiten der Vereinten Nationen haben, mehr zu
tun als Debatten zu führen und Konferenzen zu veranstalten. Wir müssen hart gegen diese Skepsis
ankämpfen, um diese Bürokratie beschneiden und
sichergehen zu können, daß die Vereinten Nationen
sich der von uns bewilligten Gelder und Unterstützung würdig erweisen, die in einer sich schnell
wandelnden Welt nötig sind.
Ebenso wie Druck von unten das Regieren erschwert, gilt das auch für Druck von oben. Der
Prozeß wurde durch mehrere Kräfte zunehmend
horizontal:
Das Streben nach Demokratie und Selbstverwaltung sowie zunehmend fähigere und deutlichere Strömungen zum Ausdruck ethnischer und
religiöser Überzeugungen.
Moderne Kommunikations- und Verkehrssysteme,
damit die Menschen erfahren, was andernorts
geschieht und die ihnen gestatten, miteinander in
Verbindung zu treten, Informationen auszutauschen und es den Regierungen schwierig, wenn
nicht unmöglich machen, ihre Bürger zu isolieren.
Die Vielschichtigkeit der Fragen und der erforderlichen Institutionen - die Expertise zur Messung
von Kohlendioxidemissionen, Einsetzen eines

Seite 6

Beim Erdgipfel in Rio wurden die Agenda für
Klimawandel, Artenvielfalt und der Großteil der
Agenda 21 von Fachleuten aus dem Privatsektor
entwickelt. Obwohl über 100 Staatsoberhäupter
an dem Gipfel teilnahmen, waren die Helden von
Rio die nichtstaatlichen Organisationen, über die
mehr als 9.000 Journalisten aus der ganzen Welt
berichteten.
Diese Erfahrung wiederholte sich bei der Menschenrechtskonferenz 1993, bei der die nichtstaatlichen Organisationen (die ein Stockwerk
unter den Regierungsvertretern tagten) die wichtigsten Themen identifizierten. Sie waren Auge,
Ohr und Lobbyisten fortschrittlicher Delegationen
wie unserer eigenen und retteten meines Erachtens die Konferenz und das weltweite Engagement für die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte.
Dasselbe geschah im Vorfeld der Kairoer Bevölkerungskonferenz, bei der Frauen aus der ganzen
Welt die Bedingungen und den Rahmen änderten,
innerhalb deren die Staaten die schwierige Debatte über Bevölkerung und Entwicklung führen.
Ich vermute, daß die chinesische Regierung viel
über Demokratie lernen wird, wenn sie im September in Peking Gastgeber der Vierten Weltkonferenz über Frauen ist, an der Vertreter von
schätzungsweise 20.000 nichtstaatlichen Frauenorganisationen teilnehmen werden.
Die nichtstaatlichen Organisationen leisten ihren
größten Beitrag als Förderer der Entwicklung auf
kommunaler Ebene. Bereits 13 Prozent der Auslandshilfe stammen von NGOs, und es wird erwartet,
daß diese Zahl weiter steigt. Die NGOs sind aber
mehr als nur ein Kanal für kostengünstige Hilfe. Was
wir beispielsweise alle mit der Auslandshilfe des Amts
für internationale Entwicklung erzielen wollen - daß
sie die wirklich Bedürftigen erreicht und ihr Leben
tatsächlich und dauerhaft verändert - erfordert die
Sensibilität, Begeisterungsfähigkeit und nicht zuletzt
Kreativität, die von der Basis ausgehen kann.
Abschließend möchte ich Präsident Clinton zitieren,
der in seiner Rede vor der UN-Generalversammlung
im September vergangenen Jahres den Optimismus
zeigte, der auf dem Sozialgipfel herrschen sollte. Er

AMERIKA DIENST 03

�erklärte: "Das Ende des Kalten Krieges, die Explosion in den Bereichen Technologie, Handel und
Wirtschaft haben den Menschen auf der ganzen
Welt eine neue Chance gegeben, ihre Träume zu
verwirklichen und ihr von Gott gegebenes Talent zu
entfalten. Dies ist ein Zeitalter der Hoffnung."
In der letzten Dekade dieses Jahrtausends haben
wir die Macht und enorme Verantwortung, den
Wandel zum Nutzen der Vereinigten Staaten und der
gesamten Welt zu gestalten. Tragfähige Entwicklung
- um noch einmal aufzugreifen, was ich eingangs

*

AMERIKA DIENST 03

sagte - stellt ein Organisationsprinzip dar, das unserer gemeinsamen Bestrebungen und gemeinsamen
Sache wert ist. Ich weiß, daß Sie alle diesem Ziel
verpflichtet sind. Wenn wir zusammenarbeiten, sind
unsere Talente, Energie und Macht mehr als angemessen für die Herausforderungen und betroffenen
Institutionen. Wir wollen alle sicherstellen, daß
unsere Aktionen, einschließlich der beim Sozialgipfel,
die Menschen auf der ganzen Welt diese Chancen
erkennen lassen. Wie im Talmud geschrieben steht:
"Der Tag ist kurz und es gibt viel Arbeit."

* * *

*

Seite 7

�USA

-DEUTSCHLAND
18.Januar 1995

Deutsch-amerikanische Beziehungen
unter veränderten Vorzeichen
Rede des Gesandten J.D. Bindenagel
BONN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text der vom Gesandten der Amerikanischen
Botschaft, J.D. Bindenagel, am 18. Januar 1995 vor dem Collegium Humanum in Bonn gehaltenen Rede.

Sehr geehrte Damen und Herren,

gration in die wichtigsten Institutionen des Westens
erreichte.

es ist mir eine große Freude, heute abend mit Ihnen
über die deutsch-amerikanischen Beziehungen zu
sprechen. Ich danke Ihnen für die Einladung, eine
Rede vor dem Collegium Humanum halten zu dürfen
- einer renommierten Akademie, an der Themen des
öffentlichen Lebens erörtert werden. Ich bin inzwischen zum fünften Mal nach Deutschland versetzt
worden, worüber ich mich allerdings nicht beklage.

Zweifel an der Verläßlichkeit der Deutschen bestanden bei uns nicht. Die parlamentarische Demokratie
in der Bundesrepublik hatte sich als belastbar erwiesen und war von der deutschen Bevölkerung angenommen worden. Die Integration in die westliche
Staatengemeinschaft war geglückt; Deutschland hatte
sich als zuverlässiger Partner im Atlantischen Bündnis erwiesen.

Einleitung

Und was insbesondere für die europäischen Partner,
aber auch für uns von Bedeutung war: Die politische
Elite dieses Landes hat die Risiken von "Sonderwegen" gemieden. In der "Stunde der Wahrheit",
während des Einigungsprozesses, hat die Bundesregierung souverän an den Grundüberzeugungen
festgehalten, die den Aufbau der Bundesrepublik
nach dem Zweiten Weltkrieg bestimmten und die
erfolgreiche Rückkehr in die zivilisierte Staatengemeinschaft letztlich möglich gemacht haben.

Als ich nach Deutschland zurückkehrte, fiel mir auf,
wie grundlegend die Ereignisse zwischen 1989 und
1991 unsere Welt verändert haben. Es wird nie
wieder wie früher sein. Das ist die Herausforderung
für die deutsch-amerikanischen Beziehungen. Als
die DDR 1989 zusammenbrach, war ich Gesandter
der amerikanischen Vertretung in Ost-Berlin und
konnte so hautnah mitverfolgen, wie das Regierungs- und Parteisystem von seinen Bürgern hinweggefegt wurde. Die Geschwindigkeit, mit der dies
geschah, war schlichtweg umwerfend. Der damalige
amerikanische Botschafter in Bonn, Vernon Walters,
gehörte zu den wenigen, die die deutsche Vereinigung kommen sahen, was wir in der DDR nur
ahnen konnten. Mein Land hat frühzeitig die Chancen dieser Umwälzung erkannt und die Bundesregierung unter Kanzler Kohl bei der Realisierung
der äußeren Einheit nachhaltig unterstützt.
Die Vereinigten Staaten sahen die deutsche Einheit
als das natürliche Ergebnis einer beständigen Politik,
die den freien Teil Deutschlands in die westliche
Wertegemeinschaft zurückführte und die feste Inte-

AMERIKA DIENST 03

Die Veränderungen in Zentral- und Osteuropa in den
Jahren 1989 bis 1991 haben das internationale
System grundlegend verändert. Nach Glasnost und
Perestroika, nach dem Fall der Mauer, dem friedlichen Umbruch in den Staaten des ehemaligen
Ostblocks und dem Ende der Sowjetunion stehen wir
nun vor neuen Herausforderungen. Herausforderungen, die sich nicht von alleine lösen werden und die
schwierige Fragen aufwerfen.
Die epochalen Veränderungen am Ende dieses
Jahrhunderts lassen schon jetzt darauf schließen,
daß wir uns anstrengen müssen, wenn wir deren
Folgen entsprechend unseren Wertvorstellungen und
Prinzipien gestalten wollen.

Seite 1

�Mit der Vereinigung stellt sich für die Deutschen die
Frage nach ihrer nationalen Identität. Wie kann ein
Volk, das unter verschiedenen staatlichen Formen
nebeneinander exisitierte, zusammenkommen?
Welche Rolle wird das vereinte Deutschland auf der
internationalen Bühne in Brüssel, New York und
weltweit spielen?
Die erste Frage über die deutsche Identität muß und
wird natürlich von den Deutschen beantwortet werden. Die vielfach vernommene Feststellung, das
vereinte Deutschland sei mehr als eine geographisch
erweiterte Bundesrepublik, ist zutreffend. Deutschland hat mit der Erlangung der Einheit an Gewicht
und Bedeutung zugenommen. Daran knüpfen sich
einerseits Befürchtungen, anderseits Erwartungen,
wie Deutschland damit umgeht und welche Auswirkungen dies auf die europäischen Nachbarn hat.
Erst wenn die innere Einheit vollendet ist, wird sich
allerdings zeigen, wie sich Deutschland in seiner
neuen Rolle zurecht findet, wie es mit seiner Vergangenheit umgeht und ob es neue außenpolitische
Prioritäten setzt.
Wir Amerikaner erkennen die Schwierigkeiten an, die
mit der Vereinigung entstanden sind und deren
Lösung noch geraume Zeit und erhebliche Kraftanstrengungen nach sich ziehen wird. Hinsichtlich
des Zusammenwachsens der Deutschen sind aber
in den letzten Jahren enorme Erfolge erzielt worden.
Für viele junge Leute ist die vierzigjährige Teilung
nur noch Geschichte. Und die Begriffe "Ost" und
"West" werden wieder das, was sie ursprünglich
waren: geographische Richtungsweiser. Für uns
hat Deutschland eine Schlüsselrolle bei der Bewahrung des Friedens, der Stabilität und Sicherheit in
Europa eingenommen.
Ich sehe noch vor mir, wie Präsident Clinton und
Bundeskanzler Kohl im Sommer letzten Jahres
gemeinsam durch das Brandenburger Tor schritten.
Und zwar von West nach Ost, um dadurch zu
dokumentieren, daß zwar die Herausforderungen
aus dem Osten kommen, aber der Westen den
nötigen Rückhalt bereitstellt.
In seiner Rede hat denn auch Präsident Clinton das
amerikanische Vertrauen in das deutsche Volk
hervorgehoben, indem er sagte: "Wir stehen an
Ihrer Seite, jetzt und für immer."
Damit hat er die Zweifel jener in- und ausländischen
Kommentatoren beseitigt, die angesichts des Zusammenbruchs der Sowjetunion und der Vertiefung
und Erweiterung der Europäischen Union die These
vertraten, die Vereinigten Staaten würden sich
demnächst aus Europa zurückziehen. Dies kann

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weder im amerikanischen, noch im deutschen oder
europäischen Sinne und Interesse sein.
Wir bilden eine Wertegemeinschaft, die nicht leichtfertig zur Disposition gestellt werden sollte, nachdem
sich einige grundlegende Strukturveränderungen im
internationalen System ergeben haben. Wie wichtig
"Europa" für die Vereingten Staaten ist, kann man
auch an der Häufigkeit der Präsidentenbesuche
ablesen. Im vergangenen Jahr war Präsident Clinton
viermal in Europa und hat dabei zehn Ländern einen
Besuch abgestattet. Die Vereinigten Staaten verstehen sich nach wie vor als eine europäische Macht,
die ihren Beitrag zur Bewahrung der Stabilität, der
Sicherheit und des Friedens leistet.
Strategische Beziehungen
Aber lassen Sie mich noch einen weiteren Aspekt zu
Deutschlands Rolle in der Welt hinzufügen. Ich
glaube, daß die Deutschen heute vor einer einmaligen Chance stehen. Sie haben nämlich die Möglichkeit, zum ersten Mal ihre geographische Lage als ein
Element der Integration des bisher geteilten Kontinents zu nutzen. Deutschland ist der Ort, an dem
sich der Osten mit dem Westen trifft. Und wir unterstützen Deutschland bei dieser Aufgabe. Die Vereinigten Staaten teilen mit Ihnen die Besorgnis über
die Entwicklung in Rußland und den GUS-Staaten.
Unser Interesse darf trotz der gegenwärtigen Umstände nicht nachlassen, demokratische Verhältnisse
zu fördern und den gesellschaftlichen wie auch
wirtschaftlichen Umbau zu fördern. Stabilität und
Sicherheit in diesem geographischen Raum ist für
uns alle von überragender Bedeutung. Das immense
Nuklearwaffenpotential der ehemaligen Sowjetunion
darf nicht zu einer erneuten Bedrohung für Europa
oder andere geographische Räume werden. Zusammen mit anderen demokratischen Regierungen
wollen wir sicherstellen, daß dies nicht geschieht.
Dennoch muß man erfreulicherweise konstatieren,
daß sich mit dem Ende des Kalten Krieges die
Rahmenbedingungen unserer bilateralen Beziehungen verändert haben. Mein Land muß nicht länger
die territoriale Integrität der Bundesrepublik vor
sowjetischen Bedrohungen schützen; sie ist nicht
mehr gefährdet.
In diesem Zusammenhang möchte ich einige Worte
zur anhaltenden Diskussion über die Rolle der NATO
sagen. Die transatlantische Wertegemeinschaft hat
sich bewährt. Darüber besteht kein Zweifei! Sie ist
nicht, wie vielfach nach dem Zusammenbruch der
Sowjetunion angenommen worden war, auseinandergefallen. Sie war eben kein Kind des Kalten
Krieges, sondern Teil des jahrhundertealten kulturel-

AMERIKA DIENST 03

�len Beziehungsgeflechts zwischen den Vereinigten
Staaten und Europa.
Sie ist während der Jahrzehnte der externen Bedrohung gereift, weil die beteiligten Staaten darin
auch eine Chance sahen, friedliche und stabile
Beziehungen zu entwickeln. Sie bilden heute das
Fundament, auf dem der Westen den osteuropäischen Ländern entgegenkommen kann.
Militärische Zusammenarbeit, wie sie in der NATO
abläuft, ist ein wirksames Korrektiv, das vor einer
Renationalisierung unserer Verteidigungsanstrengungen schützt. Wir halten an dieser militärischen
Zusammenarbeit fest, weil sie sich als gewinnbringend für alle Beteiligten erwiesen hat. Wir haben
nach dem Zweiten Weltkrieg unsere Lektion gelernt:
Europas Sicherheit ist auch unsere Sicherheit. Die
Vereinigten Staaten werden deshalb auch künftig
circa 100.000 Mann in Europa stationieren, einen
Großteil davon in Deutschland. Obwohl sich die Art
und Weise, wie wir Sicherheit erzielen, verändert
hat, bleibt doch die Zielsetzung gleich: Sicherheit
bedeutet nach wie vor Frieden in Freiheit.
Mit dem Aufbrechen der Blockstruktur begann nicht
das "Ende der Geschichte", wie der amerikanische
Autor Fukuyama meinte. Wir mußten zu unserer
Überraschung feststellen, daß eine Unzahl von
nationalen und ethnischen Konflikten neu aufbrachen, nachdem der Druck der kommunistischen
Regime beseitigt war.
Vertreibung, ethnische
Säuberungen, Kriege, Stammesauseinandersetzungen und endlose Menschenrechtsverletzungen
waren die Folge. Wie aber auf solche Konflikte
reagieren?
Die Entscheidung, in einem derartigen Konflikt zu
intervenieren, sei es nun aus humanitären Gründen
oder aber, um die Konfliktparteien zu Verhandlungen
zu zwingen, ist nicht leicht zu treffen. Deutschland
hat eine schwierige Geschichte, und die Frage, ob
Deutschland sich an Auslandseinsätzen beteiligen
soll, bestimmt noch immer die politische Diskussion.
Das Bundesverfassungsgericht hat im Juli letzten
Jahres entschieden, daß Auslandseinsätze der
Bundeswehr möglich sind. Die diversen Einsätze in
Kambodscha, Somalia und Ruanda sowie die
Beteiligung an der Überwachung der UNO-Sanktionen gegenüber dem ehemaligen Jugoslawien
erfolgten nicht nur in einem rechtlich einwandfreien
Rahmen, sondern auch in der Erkenntnis, daß
Deutschland als souveräner Staat - wie andere
Staaten auch - Verantwortung zu tragen hat. Verantwortung gegenüber jenen, die zu Opfern einer
gewalttätigen Politik werden.

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Ich will hier keiner Überbewertung der militärischen
Dimension das Wort reden, doch gibt es Situationen,
die einen Einsatz von Streitkräften erforderlich
machen, um den politischen Zielen zum Durchbruch
zu verhelfen. Um Friedrich den Großen zu zitieren:
"Diplomatie ohne Schwert ist wie Musik ohne Instrumente."
Die unvoreingenomme Wahrnehmung von Rechten
und von Pflichten ist natürlich auch die Voraussetzung für Deutschlands Ansinnen, einen festen Sitz im
Sicherheitsrat der UNO zu erhalten. Wir unterstützen
dieses Vorhaben, weil wir Vertrauen in die politische
Stabilität der Bundesrepublik Deutschland haben.
Vertrauensbildung kann auch durch militärische
Zusammenarbeit erfolgen, wie wir vielfach erfahren
haben. Mit dem Programm Partnerschaft für den
Frieden werden wir nun auch mit den Staaten des
ehemaligen Warschauer Pakts die militärische
Zusammenarbeit praktizieren. Seit das Programm im
Januar letzten Jahres von der NATO verabschiedet
worden ist, sind über 23 Staaten dem Kooperationskonzept beigetreten.
Partnerschaft für den Frieden ist das Angebot der
NATO, einen institutionalisierten Rahmen zu schaffen,
in dem sich die ehemals kommunistischen und
andere interessierte Staaten gemeinsam an militärischer Planung, Ausbildung und Übungen beteiligen
können. Damit wird die Rolle von Streitkräften in
demokratischen Regierungssystemen und deren zivile
Kontrolle deutlich gemacht.
Letztlich trägt das
Programm dazu bei, die Aufnahme neuer Mitglieder
in die NATO vorzubereiten.
Auf dem KSZE-Gipfel vor einem Monat in Budapest
hat Präsident Clinton erklärt, die NATO-Erweiterung
werde die Sicherheit aller europäischen Staaten
erhöhen, "denn das Bündnis ist eine defensive
Organisation". Bei der Erweiterung der NATO geht
es eben nicht um die Schaffung eines neuen Gleichgewichts oder die Rivalität zweier Machtblöcke,
sondern die Verwirklichung eines europaweiten
Friedens in Freiheit. Es sollen keine neuen Abgrenzungen durch Europa gezogen werden.
Darüber hinaus muß die Zusammenarbeit im Rahmen
der KSZE bzw. OSZE - wie sie inzwischen heißt intensiviert werden. Wir glauben - und Präsident
Clinton hat das in seiner Budapester Rede hinreichend deutlich gemacht - daß wir die Wirksamkeit der
OSZE in den Bereichen Konfliktverhütung und Schutz
von Minderheiten verbessern können.
Wirtschaftliche Partnerschaft

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�Aber Sicherheit und Freiheit werden nicht allein
durch militärische Vorsorge und diplomatische
Zusammenarbeit garantiert, sondern auch durch
wirtschaftliche Prosperität und demokratische Strukturen. Dementsprechend verfolgen wir die evolutionäre Einbindung der osteuropäischen Staaten in
Institutionen wie die neue Welthandels-Organisation
(WTO), die OECD und auch die Europäische Union.
Das Angebot der Europäischen Union auf ihrem
Gipfeltreffen in Essen, die mittel- und osteuropäischen Staaten aufzunehmen, ist ein wichtiger Schritt
in die richtige Richtung. Das heißt aber auch, daß
wir unsere Märkte für Exporte aus dieser Region
öffnen müssen.
Wirtschaftliche Erwägungen spielen aber nicht nur in
diesem überregionalen Kontext eine große Rolle,
sondern haben auch im bilateralen Verhältnis
Deutschland - Vereinigte Staaten einen prominenten
Platz eingenommen. Zusammen mit dem kulturellen
Austausch haben die Wirtschafts- und Handelsbeziehungen nach dem Ende des Kalten Krieges
eine Renaissance erlebt.
Die Clinton-Administration hat die Verbesserung der
Außenwirtschaftsbeziehungen zu einer "top priority"
der amerikanischen Außenpolitik erklärt. Dies ist
eine Folge der Erkenntnis, daß die wirtschaftliche
Stärke eines Landes zum Maßstab seiner Machtposition geworden ist.
Während des Kalten Krieges hat sich das freie
Europa zu einem wirtschaftlichen Konkurrenten
entwickelt, der uns neben Japan am stärksten die
Märkte streitig macht. Deutschland und die Vereinigten Staaten sind Handelspartner und konkurrieren auf dem Weltmarkt miteinander. Beide ziehen
aber an einem Strang, wenn es um den freien
Welthandel geht, die Öffnung von neuen Märkten,
fairen Wettbewerb und Deregulierungsmaßnahmen.
Beide Staaten haben intensiv an dem neuen GATTAbkommen gearbeitet. Um so wichtiger ist es,
Streitigkeiten zwischen den Handelspartnern zu
vermeiden, um nicht die schwierigen konjunkturell
und strukturell bedingten Anpassungsprozesse der

jeweiligen Volkswirtschaften zu behindern.
Der amerikanische Handelsminister Brown hat einen
6 Punkte umfassenden Plan vorlegt, wie sich die
europäisch-amerikanischen Wirtschaftsbeziehungen
zum beiderseitigen Vorteil entwickeln sollten: Dazu
gehören erstens verstärkte und uneingeschränkte
Handels- und Investitionstätigkeit. Zweitens eine
enge europäisch-amerikanische Zusammenarbeit in
der WTO. Drittens eine beschleunigte Integration
der osteuropäischen Volkswirtschaften in den Weltmarkt. Viertens die Konzentration auf potentielle
Wachstumsmärkte in den Entwicklungsländern.

Seite 4

Fünftens die Förderung der Informationstechnologie
zum Nutzen breiter Bevölkerungsschichten und
sechstens die Realisierung einer neuen amerikanischen Exportstrategie für den europäischen Binnenmarkt.
Von einer vertieften ökonomischen Zusammenarbeit
sowie der Öffnung neuer Märkte können sowohl
amerikanische Firmen wie auch deutsche und europäische Unternehmen profitieren. Letztlich profitieren
die Verbraucher von besseren Produkten zu niedrigeren Preisen.
Die deutsch-amerikanischen Wirtschafts- und Handelsbeziehungen sind in den letzten Jahren stetig
gewachsen. Die amerikanischen Direktinvestitionen
in Deutschland sind im internationalen Vergleich die
höchsten; andererseits investieren deutsche Unternehmen am meisten in den Vereinigten Staaten.
Viele amerikanische Firmen haben in Ostdeutschland
investiert und Arbeitsplätze geschaffen. Mittlerweile
sind rund 600.000 Deutsche in amerikanischen
Unternehmen tätig, während deutsche Firmen schätzungsweise eine halbe Million Amerikaner beschäftigen.
Die amerikanischen Investitionen in Ostdeutschland
erfolgten nicht nur aus primär ökonomischem Interesse. Natürlich steht das "Geld verdienen" bei den
Unternehmen im Vordergrund, aber nicht ausschließlich. Wir hatten im letzten Herbst in Leipzig zu einer
Wirtschaftskonferenz geladen, um einmal aus erster
Hand zu erfahren, welche Gründe für die amerikanischen Firmen entscheidend gewesen sind, um sich in
Ostdeutschland wirtschaftlich zu engagieren. Bei
diesem hochkarätigen Erfahrungsaustausch wurde
sehr schnell deutlich, daß auch gesellschaftspolitische
Motive bei diesen unternehmerischen Entscheidungen eine Rolle spielten.
Die Aufbauleistung von John Noble, dessen Vater in
den dreißiger Jahren eine Kamerafirma in Deutschland gegründet hat, ist ein gutes Beispiel für das
persönliche Engagement, ohne das es nun mal nicht
geht. John Noble war als junger Mann sowohl unter
den Nazis als auch unter den Sowjets mehrere Jahre
lang inhaftiert. Dann kehrte er in die Vereinigten
Staaten zurück und wurde ein erfolgreicher Geschäftsmann. Nach der Maueröffnung machte er sich
dann zur Aufgabe, in Dresden das väterliche Unternehmen zu sanieren.
Die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit unserer Gesellschaften ist die Voraussetzung, die es uns ermöglicht,
zusammenzuarbeiten und gemeinsam Probleme von
übernationaler Bedeutung zu lösen. Ohne volkswirtschaftliche Ausdauer und gesellschaftliche Kohärenz

AMERIKA DIENST 03

�können Staaten heute keinen Respekt mehr voreinander entwickeln.
Gemeinsames kulturelles Erbe
Für die These, daß unsere Gesellschaften "Referenzgesellschaften" sind, spricht einiges. Die These
besagt, daß unsere Gesellschaften auf beiden
Seiten der atlantischen Gemeinschaft unter denselben Krankheiten leiden, wenn auch in verschiedenen
Stadien und mit verschiedenen Symptomen. Deshalb ist es von großer Bedeutung, miteinander im
Gespräch zu bleiben und gemeinsam über Diagnose
und Therapie zu beraten.
Die Fortschritte der Kommunikationstechnologie
haben dazu geführt, daß wir immer mehr Informationen voneinander erhalten. Trotz einer - fast möchte
ich sagen unüberschaubaren - Informationsflut muß
man immer wieder feststellen, daß Klischees nach
wie vor das gegenseitige Verständnis prägen. Es ist
und bleibt ein Fehler, die Vereinigten Staaten als ein
irgendwie vergrößertes Europa zu betrachten und
entsprechend zu beurteilen. Es ist unzweifelhaft
richtig, daß die amerikanische Gesellschaft europäischen Ursprung hat, aber im Verlauf unserer Geschichte hat sich daraus eine amerikanische Kultur
entwickelt, die nicht ganz einfach zu definieren ist.
Die seltsame Mischung von Ähnlichkeiten und
Unterschieden führt immer wieder zu Mißverständnissen zwischen Amerikanern und Europäern.
Deshalb ist es wichtig, sich über die kulturellen
Bindungen im klaren zu sein, die unsere Beziehungen tragen und unterschwellig beeinflussen. Es ist
wichtig, die Bedeutung von Informationen, Eindrücke
und Perzeptionen zu erfassen und sie in diesen
kulturellen Kontext einzuordnen.
Amerikanische Unterhaltung, Musik, Kinofilme finden
in Europa große Zustimmung. Architektur - dieseits
und jenseits des Atlantiks - hat sich immer wieder
auf verschiedenste Weise beeinflußt. Ich möchte
nur an den Baustil von Walter Gropius und das
Bauhaus erinnern, die in den USA Widerhall fanden.
So hatte Präsident John F. Kennedy Mies van der
Rohe, einem Bauhausschüler, für sein architektonisches Lebenswerk die amerikanische "Freedom
Medal" verliehen.
Aber die gegenseitige kulturelle Wertschätzung, die
durchaus ambivalente Züge haben kann, reicht nur
zu einem gewissen Grad, um die Beziehungen
zwischen Völkern zu festigen. Ohne persönliche
Erfahrungen bleibt Völkerverständigung eine leblose
Worthülse.

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Es würde zu weit führen, all die unzähligen Beispiele
anzuführen, die für die tiefergehenden kulturellen
Bindungen zwischen Deutschen und Amerikanern
stehen. Wir sind gehalten, diese Kontakte und
Bindungen auszubauen und zu vertiefen, gerade
auch weil nicht mehr so viele amerikanische Soldaten
nach Deutschland kommen können. Ich selbst war
einer der zwölf Millionen Gls, die im Laufe der letzten
vier Jahrzehnte Ihr Land aus der militärischen Warte
kennenlernen konnten. Viele Soldaten sind später
wiedergekommen, um Deutschland nicht nur als
Touristen zu besuchen, sondern auch als Geschäftsleute, Wissenschaftler, Künstler.
Ich habe bislang über die Herausforderungen gesprochen, denen sich Deutschland nach der Erlangung
der Einheit stellen muß, ohne dabei zu erwähnen,
daß es anderen Ländern ähnlich geht. Bei der
Neubestimmung der eigenen Rolle befindet sich
Deutschland in guter Gesellschaft. Deutschland steht
wahrlich nicht allein vor dieser Aufgabe, eine neue
Rolle auf dem internationalen Parkett zu finden.
Das Land, das ich hier repräsentieren darf, befindet
sich derzeit auf der Suche nach einer neuen weltpolitischen Rolle. Auch wir Amerikaner müssen uns mit
Fragen nach unserer Identität und unserer Rolle in
diesen neuen Zeiten auseinandersetzen und uns
fragen, welche Aufgaben wir noch auf uns nehmen
können und von welchen wir Abstand nehmen
müssen.
Wer sich ein wenig mit Amerika beschäftigt hat, weiß,
daß die Auseinandersetzungen über das Rollenverständnis zyklisch verlaufen. Wandel und Veränderungen werden bei uns als Normalität der gesellschaftlichen Entwicklung betrachtet und antizipiert. Folglich
fällt es uns leichter, einen derartigen Transformationsprozeß, wie er derzeit in Deutschland abläuft, als
Herausforderung zu verstehen. Daß die Regierungen
dabei nicht immer nur geradlinig auf das selbstgesteckte Ziel zusteuern, ist verständlich, wenn man
die Komplexität der gegenwärtigen Lage berücksichtigt.
Schlußbemerkung
Die Kongreßwahlen im November letzten Jahres
haben nach der Wahl des demokratischen Kandidaten Bill Clinton zum 42. Präsidenten der Vereinigten Staaten das politische Machtverhältnis umgedreht. Als Diplomat bin ich gerne bereit, zwei oder
drei Anmerkungen zur innenpolitischen Lage in den
USA zu machen:
Zum ersten Mal seit vierzig Jahren werden die
Republikaner im 104. Kongreß die Mehrheit in beiden
Kammern - dem Repräsentantenhaus und dem Senat

Seite 5

�- stellen. Dies ist wegen seiner Seltenheit ein
durchaus als historisch zu bezeichnender Wechsel.
Mit diesem Wechsel verbinden die Wähler die
Erwartung, daß den innen-, sozial- und wirtschaftspolitischen Herausforderungen vom politischen
Establishment gebührende Aufmerksamkeit gewidmet wird.
Präsident Clinton hat sich für eine konstruktive
Zusammenarbeit mit dem neuen Kongreß ausgesprochen. Gleiches schlug der neue Führer der
Mehrheitsfraktion des Repräsentantenhauses vor.
Große Reformvorhaben stehen auf der Tagesordnung: Die neuerliche Debatte über die Reform des
Gesundheits- und Sozialwesens und natürlich die
Fortführung einer restriktiven Fiskal- sowie einer
weitblickenden Wachstumspolitik.
Ich nehme an, daß die Zusammenarbeit zwischen
Kongreß und dem Präsidenten im Hinblick auf die
außenhandels- und außenpolitischen Fragestellungen zwar nicht konfliktfrei, doch von einem überparteilichen Konsens über deren Zielsetzung geprägt
sein wird. Ich darf Sie daran erinnern, daß Vertreter
der Republikanischen Partei für die Ratifizierung des
NAFTA und des GATT-Abkommens gestimmt haben.
In der Nachkriegsgeschichte gibt es einige Beispiele,
die zeigen, daß der Kongreß und das Weiße Haus
zur gedeihlichen Zusammenarbeit fähig waren,
obgleich sie nicht von derselben Partei kontrolliert
wurden. "Divided government" muß nicht zwangs-

läufig in totaler Lähmung des politischen Prozesses
enden, wie Kommentatoren vielfach befürchteten.
"Unified government", in der eine Partei das Weiße
Haus, den Senat und das Repäsentantenhaus
kontrolliert, bietet angesichts der jüngsten Erfahrungen keine Gewähr für legislativen Erfolg und die
Gefolgschaft der eigenen Kongreßmitglieder.
Ob und inwieweit die politischen Machtverhältnisse im
amerikanischen Kongreß Auswirkungen auf die
amerikanische Außenpolitik im allgemeinen und das
deutsch-amerikanische Verhältnis im besonderen
haben, bleibt abzuwarten. Ich gehe davon aus, daß
das Verhältnis auch unter dem neuen Kongreß so
stabil und fest bleiben wird wie bisher.
Lassen Sie mich zum Schluß meiner Ausführungen
kommen. Die deutsch-amerikanischen Beziehungen
sind gut. Ich habe keine Zweifel, daß sie sich auch
in Zukunft im Sinne unseres beiderseitigen Interesses
fortentwickeln. Unsere Freundschaft, die sich auch
über schwierige Zeiten hinweg im Laufe der letzten
Jahrzehnte immer stärker gefestigt hat, gründet auf
den gemeinsamen Idealen der Freiheit, Demokratie
und Gerechtigkeit. Sie war stets ein wichtiger Beitrag
zu Frieden und Stabilität in Europa. Anders formuliert: Beide Staaten hätten viel zu viel zu verlieren,
wenn wir zulassen würden, daß unsere Beziehungen
durch wohlwollende Indifferenz beeinträchtigt würden.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und stehe
Ihnen nun gerne für Ihre Fragen zur Verfügung.

* * * * *

Seite 6

AMERIKA DIENST 03

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                <text>Allgemeines</text>
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                <text>Herausgeben U.S. Information &#13;
Service Embassy of the United States of America</text>
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            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
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                <text>18.02.1981</text>
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            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Bericht sieht erhöhte Chancen für Rüstungskontrollverhandlungen durch Nachrüstungsbeschluss&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;State Department: Kein einheimischer Aufstand in El Salvador&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von unserer Korrespondentin Marie Koenig -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schwachstellen der achtziger Jahre&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Senator Paul Laxalt -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Revolutionäre Entwicklungen für Ölmärkte zu erwarten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Dr. S. Fred Singer -&lt;/em&gt;</text>
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