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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

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28. November 1990

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5 3 00 Bonn

GOLFKRISE

AUSSENMINISTER NEHMEN AN SITZUNG DES
SICHERHEITSRATS TEIL
Baker sucht Unterstützung für Einsatz von Gewalt
DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse
vom 1. bis 15. November 1990

KSZE-GIPFEL

BUSH: RECHTSSTAATLICHKEIT MUSS
WELTWEIT DIE NORM WERDEN
Ansprache beim KSZE-Gipfel

UMWELT

BUSH UNTERZEICHNET GESETZE ZUR
ERFORSCHUNG DER ERDERWÄRMUNG,
SCHUTZ DER ANTARKTIS
Übersicht des Weißen Hauses

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-33923 66
Telex: 8-85432

�GOLFKRISE
28. November 1990

AUSSENMINISTER NEHMEN AN SITZUNG DES
SICHERHEITSRATS TEIL
Baker sucht Unterstützung für Einsatz von Gewalt

WASHINGTON - (AD) - Außenminister Baker hat die
Außenminister der 14 Mitgliedstaaten des UN-Sicherheitsrats zur Erörterung "weiterer Schritte" zu einem
Treffen nach New York eingeladen, um den Irak zur
Einhaltung der 10 vom Sicherheitsrat seit der irakischen Invasion Kuwaits Anfang August verabschiedeten Resolutionen zu zwingen.

erörtern. Augenzeugenberichte und Videoaufzeichnungen irakischer Aktionen werden ihm zufolge von
den kuwaitischen Behörden zur Verfügung gestellt.
Botschafter Thomas Pickering, der Ständige Vertreter
der Vereinigten Staaten bei den Vereinten Nationen,
beabsichtigt, am 28. November 1990 im Rat eine Rede
zu halten.

"Wir erwarten ein gutes Ergebnis", erklärte der Stellvertretende Sprecher des Außenministeriums, Richard
Boucher, bei einer Pressekonferenz am 26. November. Ein von den Vereinigten Staaten erarbeiteter
Entwurf einer Resolution wird unter den Mitgliedern
des Sicherheitsrats verteilt, Boucher nannte jedoch
keine Einzelheiten.

"Zwar mußten die Kuwaitis die Hauptlast der irakischen Aggression ertragen, aber auch eine große Zahl
von Ausländem hatte unter den irakischen Truppen zu
leiden", erklärte Boucher. "Bei dieser Sitzung wird
eine Bilanz der anhaltenden Repression durch irakische Behörden und der unverhüllten Aggression des
Irak in Kuwait vorgelegt."

Die Nachrichtenagentur Reuter und andere Medien
veröffentlichten einen Entwurf, mit dem die UN-Mitgliedstaaten ermächtigt würden, "alle erforderlichen
Schritte zu unternehmen, um die als Reaktion auf die
irakische Invasion und Besetzung Kuwaits verabschiedeten Resolutionen aufrechtzuerhalten und durchzuführen", es sei denn, der Irak "befolgt" die Resolutionen am oder vor dem 1. Januar 1991 "uneingeschränkt".

Nach Konsultationen mit praktisch allen Mitgliedstaaten des Sicherheitsrats forderte Außenminister Baker
in seiner Eigenschaft als Ratspräsident am 24. November die Einberufung einer Sitzung auf Ministerebene in New York am 29. November. "Wir werden
erörtern, welche zusätzlichen Schritte der Rat unternehmen könnte, um die Durchführung der als Reaktion
auf die unprovozierte irakische Invasion und andauernde Besetzung Kuwaits bereits verabschiedeten
zehn Resolutionen zu verwirklichen", so Baker in einer
am 24. November veröffentlichten Erklärung.

"Wir haben eindeutig klargestellt, daß die internationale Staatengemeinschaft sich bei dieser Frage gegen
Saddam Hussein verbündet hat", betonte der Stellvertretende Sprecher. "Bisher hat er noch keine Bereitschaft zur Einhaltung der UN-Resolutionen und der
Entscheidung der internationalen Staatengemeinschaft
angedeutet."
Vor der Ministertagung plant der Sicherheitsrat ein von
der kuwaitischen Regierung erbetenes zweitägiges
Treffen, um - mit Bouchers Worten - "die systematischen Bestrebungen des Irak zur Entmachtung der
kuwaitischen Regierung, Vertreibung des kuwaitischen
Volks und Kuwait dem Erdboden gleichzumachen", zu
AMERIKA DIENST 47

"Wenn der Rat gemäß der Charta der Vereinten Nationen Maßnahmen ergreift, um internationalen Frieden
und Sicherheit wiederherzustellen, müssen diese
Maßnahmen durchgeführt werden", erklärte Baker.
"Unsere Entschlossenheit zur Gewährleistung ihrer
Durchführung sollte Saddam Hussein die Notwendigkeit demonstrieren, diese Krise friedlich und unverzüglich beizulegen."
Baker wird voraussichtlich am 28. November 1990
nach New York fliegen und bei den Vereinten Nationen
Seite 1

�Konsultationen mit allen Mitgliedstaaten des Sicherheitsrats, einschließlich Kuba, führen. Boucher zufolge ist jedoch noch ungewiß, ob Baker persönlich mit
Vertretern der kubanischen Regierung zusammentrifft. Kuba ist das einzige Mitglied des Sicherheitsrats,
mit dem er während der dreiwöchigen intensiven diplomatischen Reisetätigkeit keine direkten Kontakte hatte, die mit Bakers Treffen mit Vertretern der kolumbianischen Regierung in Bogota und dem malaysischen
Außenminister in Los Angeles am 24. November beendet
wurde.
Boucher verwies darauf, daß Baker die Vorbereitung
für eine Sondersitzung des Sicherheitsrats auf Ministerebene und die Zielsetzung des Resolutionsentwurfs am Wochenende eingehend erörtert habe und er
keine weiteren Einzelheiten nennen könne.
"Wir sprechen von einer Resolution, die eine politische
Grundlage für den möglichen Einsatz von Gewalt
bilden würde, wenn es uns nicht gelingt, eine friedliche
und politische Lösung der Krise herbeizuführen", erklärte Baker am 24. November bei seinem Flug von
Los Angeles nach Houston vor Journalisten.
Wenn der Einsatz von Gewalt nicht als mögliche
Option ausgeschlossen wird, erklärte der Außenminister, muß er sowohl eine politische als auch militärische Grundlage haben, um glaubwürdig zu sein. Baker
zufolge ist es die Absicht der Vereinigten Staaten,
"daß der Rat eine Resolution in Erwägung zieht, die
den Einsatz aller erforderlichen Mittel genehmigen
würde", um die bisherigen zehn Resolutionen des
Sicherheitsrats durchzuführen.
"Meiner Ansicht nach wird der Rat eine Resolution
prüfen wollen, aus der eindeutig hervorgeht, daß sich
die Mitgliedstaaten nach einem bestimmten Zeitpunkt
aller verfügbaren Mittel bedienen, um die bisherigen
Resolutionen durchzusetzen", erklärte der Außenminister, ohne ein bestimmtes Datum zu nennen. "Eine
solche Resolution würde eindeutig die Botschaft an
Saddam Hussein enthalten, daß immer noch die
Möglichkeit besteht, diese Angelegenheit in einem
bestimmten Zeitrahmen friedlich und politisch zu lösen. Der Grund, warum der Rat unserer Meinung nach
eine solche Resolution erwägen sollte, liegt darin, daß
sie die besten Aussichten auf eine friedliche und
politische Lösung bietet," konstatierte Baker.
Baker wollte keine Prognosen darüber abgeben, wieviele der 15 Mitgliedstaaten des Rates zugunsten einer
solchen Resolution stimmen würden. Ein hochrangiger Vertreter der US-Regierung an Bord der Maschine
des Außenministers erinnerte die Journalisten jedoch
daran, daß Baker dem Sicherheitsrat keine solche
Resolution vorschlagen würde, "wenn nicht die Auffassung bestünde, sie könne eine erfolgreiche Wende
bedeuten". Nach dem Treffen mit dem malaysischen
Außenminister Hassan in Los Angeles am 24. Novem-

Seite 2

ber erklärte Baker vor Journalisten, "wir haben eine
Reihe von bindenden Zusagen erhalten".
Davor hatte Baker nach seinen Zusammenkünften mit
Präsident Gaviria und Außenminister Jaramillo aus
Kolumbien in Bogota betont, "wir ziehen eindeutig eine
friedliche und politische Lösung dieser Krise vor, und
das haben wir auch bisher angestrebt". Aber, so
Baker, "vielleicht besteht die beste Möglichkeit für eine
friedliche Lösung für uns darin, die Option einer möglichen Gewaltanwendung nicht auszuschließen. Dies
könnte das einzeige sein, was Saddam versteht. Wenn
das so ist, wäre es bedauerlich, aber dennoch müssen
wir - wenn diese Option glaubwürdig sein soll - eine
angemessene militärische und politische Grundlage
dafür schaffen. Und das streben wir mittels enger
Konsultationen mit den anderen Mitgliedern des Sicherheitsrats an."
"Wir hoffen, daß die Botschaft jetzt klar und deutlich
vernehmbar ist," erklärte Baker am 24. November
gegenüber Journalisten auf dem Weg nach Houston.
"Dies ist ein Grund, warum die internationale Staatengemeinschaft unserer Meinung nach handeln soll, um
die zehn vom Sicherheitsrat bereits verabschiedeten
Resolutionen durchzuführen. Wenn der Sicherheitsrat
tatsächlich handelt, scheint er mir damit ein klares,
deutliches und unmißverständliches Signal auszusenden."
Auf die Frage, ob die neue Resolution am 30. November - dem letzten Tag des Vorsitzes der Vereinigten
Staaten im Sicherheitsrat - bereits verabschiedet sein
werde, erklärte Boucher: "Ich möchte keine Prognosen darüber abgeben, wann bestimmte Dinge stattfinden. Ich möchte nur auf die Erklärung des Außenministers verweisen, daß wir die Minister am Donnerstag
zu einer Sitzung eingeladen haben, um weitere Schritte zu erörtern." Baker erklärte am Wochenende, er
hoffe, daß der Rat am 29. oder 30. November "in der
Lage ist, abzustimmen".
Auf die Frage, warum eine neue Resolution Saddam
Hussein dazu bringen könne, die bestehenden zehn
Resolutionen durchzuführen, erklärte der Stellvertretende Sprecher: "Meiner Ansicht nach haben wir nicht
gesagt, die Verabschiedung der Resolution würde ihn
dazu bringen, die bisherigen einzuhalten. Es ist vielmehr die Fortsetzung des internationalen Zusammenhalts und der auf ihn ausgeübte Druck, die ihn zu einer
Einhaltung veranlassen können. Darüber hinaus hat
der Außenminister darauf verwiesen, daß wir auch
über eine glaubwürdige Option für den Einsatz von
Gewalt verfügen müssen."
Nachfolgend die Erklärung von Außenminister Baker
zu seiner beabsichtigten Zusammenkunft des Sicherheitsrats:
Nach Abschluß unserer Konsultationen mit nahezu
allen im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen vertre-

AMERIKA DIENST 47

�tenen Mitgliedstaaten laden wir in unserer Eigenschaft
als gegenwärtiger Vorsitzender des Rats diese Länder
am 29. November 1990 in New York zu einer Sitzung
auf Ministerebene ein. Bei dieser Gelegenheit werden
wir erwägen, welche zusätzlichen Schritte der Rat
unternehmen könnte, um die Durchführung der zehn
Resolutionen zu erreichen, die bereits als Reaktion auf
die nichtprovozierte Invasion und andauernde Besetzung Kuwaits durch den Irak verabschiedet wurden.

*

AMERIKA DIENST 47

Als Mitglieder des Sicherheitsrats haben wir eine
besondere Verantwortung gegenüber der übrigen Welt.
Wenn der Rat nach der Charta der Vereinten Nationen
Maßnahmen zur Wiederherstellng von Frieden und
Sicherheit auf der Welt ergreift, dann müssen diese
Maßnahmen durchgeführt werden. Unsere Entschlossenheit, ihre Durchführung zu garantieren, sollte Saddam
Hussein die Notwendigkeit demonstrieren, diesen
Konflikt friedlich und und unverzüglich zu lösen.

* * *

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Seite 3

�GOLFKRISE
28. November 1990

DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse vom 1. bis 15. November 1990
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend führen wir die Chronologie der Ereignisse am Golf für die Zeit vom 1. bis
15. November fort.

2. November
Unter Führung der Organisation "Bürger für ein freies
Kuwait" halten im Exil lebende Kuwaitis Mahnwachen
in den Vereinigten Staaten, Ägypten, Großbritannien
und Irland zum Gedenken daran, daß drei Monate seit
der irakischen Invasion in Kuwait vergangen sind.

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Die Ausbildung irakischer Techniker auf einem sowjetischen Marinestützpunkt in der Nähe von Riga (Lettland) wird aufgrund einer Entscheidung des lettischen
Parlaments gegen die weitere Ausbildung von irakischem Militär auf lettischem Territorium abgekürzt.
4. November

Berichten zufolge sind drei französische Soldaten
während einer Patrouille in die Hände irakischer Soldaten gefallen. Sie werden angeblich der Französischen
Botschaft in Bagdad übergeben.

Der irakische Informationsminister Latif Nassif al-Jassem erklärt, Kuwait existiere nicht länger, und die Welt
solle die Unabhängigkeit Kuwaits aus ihrem Gedächtnis streichen.

Der österreichische Außenminister Alois Mock ordnet
"aufgrund der kontinuierlich wachsenden Gefahr eines
Krieges am Golf" die Ausrüstung aller diplomatischen
Vertretungen im Nahen Osten mit Gasmasken an.

5. November

Das Weiße Haus gibt bekannt, daß Präsident Bush
das Erntedankfest bei den in der Golf region stationierten amerikanischen Streitkräften verbringen und mit
saudiarabischen, ägyptischen und kuwaitischen Politikern Konsultationen über die Lage am Golf führen
wird.
3. November
Die Regierung von Tansania verbietet eine von der
irakischen Botschaft unterstützte Kampagne, tansanische Jugendliche für den Militärdienst im Irak anzuwerben, mit der Begründung, die Regierung wünsche
kein Engagement ihrer Staatsbürger bei der Golfkrise.
Der iranische Präsident Akbar Hashemi-Rafsanjani
erklärt, die Organisation der Islamischen Konferenz
(OIC) müsse sich zur Intervention in der irakischkuwaitischen Krise verpflichtet fühlen, da sie jetzt die
moslemische Welt bedrohe und die islamischen Staaten spalte.

AMERIKA DIENST 47

Die bolivianische Regierung erhebt bei der irakischen
Regierung Protest gegen den Angriff auf die bolivianische diplomatische Vertretung in Kuwait. "Bestimmte,
von Angehörigen der irakischen Streitkräfte gegen
unsere diplomatische Mission in Kuwait ergriffene
illegale Maßnahmen ... stellen eine eindeutige Verletzung des Völkerrechts dar, für die der Irak zur Verantwortung gezogen werden kann", stellt ein vom bolivianischen Außenministerium herausgegebenes Kommunique fest.
Der italienische Finanzminister Mario Sarcinelli gibt
bekannt, daß die durch das UN-Embargo gegen Irak
am härtesten betroffenen Länder Hilfsleistungen in
Höhe von 13 Milliarden Dollar von der Golfkrise-Finanzkoordinierungsgruppe erhalten werden. Die Summe
für 1990-1991 wurde von den 24 bei der Ausschußsitzung der Koordinierungsgruppe am 5. November
anwesenden Ländern festgesetzt. Zu den begünstigten Ländern gehören Jordanien, Ägypten, die Türkei,
Syrien und Marokko. Die 24 Mitglieder der GolfkriseFinanzkoordinierungsgruppe sind Belgien, Dänemark,
Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland,

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�Großbritannien, Irland, Italien, Japan, Kanada, Katar,
Korea, Kuwait, Luxemburg, Niederlande, Österreich,
Portugal, Saudi-Arabien, Schweden, Schweiz, Spanien, Vereinigte Arabische Emirate und die Vereinigten Staaten.
7. November
Der Irak kündigt die Freilassung von über 120 Geiseln,
zumeist Deutschen, aber auch einer ungenannten
Zahl Briten, Italiener, Amerikaner sowie anderer Nationalitäten an. In der Zwischenzeit fliegen 74 Japaner
nach dreimonatiger Gefangenschaft im Irak zurück in
die Freiheit.
8. November
Saddam Hussein entläßt seinen Generalstabschef,
Generalleutnant Nizar Khazraji - Berichten zufolge
aufgrund von Meinungsverschiedenheiten bezüglich
der Durchführung der Invasion, einschließlich der
geduldeten Flucht der kuwaitischen Königsfamilie nach
Saudi-Arabien während der ersten Stunden der irakischen Invasion in Kuwait am 2. August. Er ernennt
seinen Cousin und Schwiegersohn, Hussein Rashid,
zum Nachfolger Khazrajis.
Im Anschluß an ein Treffen mit seinem sowjetischen
Amtskollegen Schewardnadse erklärt Außenminister
Baker, die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion
stimmten in ihrer Ablehnung einer Teillösung der irakischen Invasion Kuwaits überein. Baker fügt hinzu, die
beiden Seiten hätten ferner Einigung erzielt, daß "wir
eine friedliche politische Lösung der Krise - definitiv bevorzugen, andere Optionen jedoch nicht ausschließen können".
Präsident Bush ordnet die zusätzliche Stationierung
von Land-, See- und Luftstreitkräften am Golf an Berichten zufolge soll es sich um bis zu 200 000
Soldaten handeln - und erklärt, er ziehe eine friedliche
Lösung der Krise auf der Basis der UN-Resolutionen
vor, werde aber den Einsatz von Gewalt nicht ausschließen, wenn andere Lösungen versagen. Bush
zufolge ist die Verstärkung erforderlich, um eine potentielle Gewaltanwendung glaubwürdig erscheinen zu
lassen.
9. November
Der Präsidialausschuß der UN-Generalversammlung
lehnt die Anfrage des Irak ab, einen Punkt auf die
Tagesordnung der UN-Generalversammlung zu setzen, der die militärische Konzentration der Vereinigten
Staaten am Golf als Bedrohung für Frieden und Sicherheit der arabischen Länder und der ganzen Welt
bezeichnet. Ausschußmitglieder verweisen vielmehr
darauf, daß der Irak die Bedrohung für die Region
darstellt, brandmarken den Irak als Aggressor und
beschuldigen Bagdad der Verzerrung, amoralischer
Aktionen, Arglistigkeit und Verkehrung von US-Aktionen.
Dem Präsidialausschuß gehören der Präsident der
Generalversammlung, die 21 Vizepräsidenten und die
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Vorsitzenden der sieben Hauptausschüsse der Generalversammlung an. Er spricht Empfehlungen zur
Annahme der Tagesordnung, Plazierung der Punkte
und Organisation der Arbeit aus. In der laufenden
Sitzungsperiode kommt der Präsident aus Malta, die
21 Vizepräsidenten aus Ägypten, Brasilien, China,
Fidschi, Frankreich, Ghana, Großbritannien, Honduras, Indonesien, Jugolawien, Kanada, Libanon, Mauritius, Mosambik, Ruanda, Saint Lucia, Senegal, Sowjetunion, Vereinigte Arabische Emirate, Vereinigte
Staaten und Zypern. Die sieben Ausschuß Vorsitzenden sind aus Barbados, Chile, Griechenland, Kongo,
Nepal, der Tschechoslowakei und Uganda.
Außenminister Baker erklärt nach Gesprächen mit der
britischen Premierministerin Margaret Thatcher, zwischen den Vereinigten Staaten und Großbritannien
herrsche im Hinblick auf die Durchführung der UNResolutionen des Sicherheitsrats zum Irak "völlige
Übereinstimmung" und "Teillösungen würden nicht
akzeptiert".
10. November
Außenminister Baker erklärt zum Abschluß seiner
einwöchigen Reise nach Bahrain, Saudi-Arabien,
Ägypten, in die Türkei, die Sowjetunion, nach Großbritannien und Frankreich - mit der er die internationale
Koalition zur Abwehr der irakischen Aggression gegen
Kuwait stärken wollte - bei einer Pressekonferenz in
Paris, die gegen Bagdad angetretenen Länder seien
sich einig, daß es in der Golfkrise keine "Teillösung"
geben kann.
12. November
Nach einen Außenministertreffen der EG und der
Arabischen Maghreb Union (Algerien, Libyen, Marokko, Mauretanien und Tunesien) erklärt der algerische
Außenminister Sid Ahmed Ghazali bei einer Pressekonferenz, die Arabische Maghreb Union wolle den
Irak davon überzeugen, zu Verhandlungen über die
Freilassung der Geiseln eine UN-Delegation zu empfangen. Ghazali zufolge stehen alle fünf Maghrebstaaten in ständigem Kontakt mit Irak.
13. November
Der Vorsitzende der Republikaner im Senat, Robert
Dole, und der republikanische Senator und ehemalige
Vorsitzende des Streitkräfteausschusses, Richard Lugar,
erklären, Präsident Bush solle die Unterstützung des
Kongresses für seine Politik am Golf einholen, um in
der amerikanischen Öffentlichkeit einen Konsens für
mögliche US-Aktionen in der Region zu bilden.
14. November
Der saudische Außenminister Prinz Saud al-Faisal
erklärt, der von Marokko vorgeschlagene arabische
Gipfel zur Golfkrise sei Zeitverschwendung, wenn sich
der Irak nicht aus Kuwait zurückzieht.
Führende Politiker beider Parteien im Senat bitten
Präsident Bush um Einberufung einer Sondersitzung

AMERIKA DIENST 47

�des Kongresses, um die Lage auf der Arabischen
Halbinsel zu erörtern.
Nach einem Treffen mit den Führern beider Parteien
im Kongreß erklärt Außenminister James Baker, Präsident Bush werde die in der Verfassung verankerten
Schritte einhalten, bevor er eine Offensive amerikanischer Streitkräfte im Golf anordnet.
15. November
Einer Meinungsumfrage der Wirthin Group zufolge
unterstützt die öffentliche Meinung in elf wichtigen
Städten der Welt eindeutig die Bestrebungen der
Vereinten Nationen, einschließlich eines militärischen
Einsatzes, um die irakischen Truppen zum Abzug aus
Kuwait zu zwingen und die rechtmäßige Regierung in

*

AMERIKA DIENST 47

*

Kuwait wiedereinzusetzen. Bei den untersuchten
Städten handelt es sich um Ankara, Frankfurt, London,
Moskau, Rom, Tokio, Brüssel, Lagos, Mexiko City,
Paris und Tel Aviv.
In Niger bricht ein Interventionsbataillon aus 481 Soldaten (Operation Zoumounchi) auf, um sich der multinationalen Streitmacht in Saudi-Arabien anzuschließen. Das Bataillon aus 21 Offizieren, 110 Unteroffizieren und 350 einfachen Soldaten umfaßt im wesentlichen Freiwillige, die das "heilige Land des Islam"
verteidigen wollen. Zum ersten Mal entsendet Niger
Truppen ins Ausland. Ihre Abreise wird mit besonderen Feierlichkeiten in Anwesenheit des Präsidenten,
des Premierministers, der Abgeordneten und des
diplomatischen Korps begangen.

*

*

Seite 3

�KSZE-GIPFEL
28. November 1990

BUSH: RECHTSSTAATLICHKEIT MUSS
WELTWEIT DIE NORM WERDEN
Ansprache beim KSZE-Gipfel
PARIS - (AD) - Präsident Bush zufolge hinterließe das Ende des kalten Krieges in Europa einen bitteren
Nachgeschmack, wenn in anderen Teilen der Welt das Prinzip der Rechtsstaatlichkeit mit Fü ßen getreten würde.
In einer Ansprache beim Pariser Gipfeltreffen der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
(KSZE) lobte Bush die diplomatischen Bemühungen, an deren Ende das Abkommen steht, das die politischen
und Menschenrechte der Völker in Ost- und Westeuropa festschreibt.
Jedoch kann "unser Erfolg hier", so Bush vor den Delegierten 33 anderer Länder Europas und Nordamerikas,
"weder durchgreifend noch dauerhaft sein, wenn das Prinzip der Rechtsstaatlichkeit andernorts schamlos
mißachtet wird". Bush verwies dabei ausdrücklich auf die irakische Aggression am Persischen Golf.
Wir veröffentlichen die Rede Präsident Bushs beim KSZE-Gipfel nachfolgend im Wortlaut.

Herr Vorsitzender, dies ist ein glorreicher Tag für
Europa. Heute morgen habe ich für mein Land ein
Rüstungskontrollabkommen unterzeichnet, mit dem
die militärische Konfrontation beendet wird, die jahrzehntelang wie ein Fluch auf diesem Kontinent lastete.
Heute nachmittag würdigen wir ein Gipfeldokument,
eine Pariser Charta, in der die gemeinsamen Bestrebungen unserer Gesellschaft zum Ausdruck kommen.
Mit Recht versammeln wir uns hier in dieser prächtigen
Stadt, einer Wiege der Zivilisation, um unsere Hoffnungen für die Zukunft zu erläutern und einen großen
Wendepunkt im Lauf der Geschichte zu markieren.
Heute werden wir den Begründern der Schlußakte von
Helsinki gerecht. Dank des Mutes so vieler Menschen,
die nicht nur zu hoffen, sondern auch zu handeln
wagten, haben die von ihnen gesetzten Ziele ihren
Wert bewiesen. Wir grüßen die mutigen Männer Havel und Masowiecki und Antall, die heute bei uns
sind - sowie all die anderen Aktivisten, die die Ziele von
Helsinki zu feierlichen Verpflichtungen machten und
litten, damit diese Verpflichtungen zu Ehren kämen.
Und wir grüßen all die Einzelpersonen und privaten
Gruppen im Westen, die bewiesen haben, daß der
Schutz der Menschenrechte nicht nur Aufgabe der
Regierungen ist, sondern die Aufgabe aller: nichtstaatlicher Organisationen, der Presse, der Kirchenvertreter und gewöhnlicher Bürger. Ihre Träume gehen
AMERIKA DIENST 47

vor unseren Augen in Erfüllung. Die aufstrebenden
Demokratien Mittel- und Osteuropas haben Jahrzehnte der Depression überwunden, um ihr angestammtes
Recht auf Freiheit geltend zu machen. In der Sowjetunion ist die Saat der Demokratie und der Menschenrechte auf fruchtbaren Boden gefallen, und die grausame Teilung Deutschlands wurde endlich beendet.
Ein so lange in Feindschaft erstarrter Kontinent wurde
zu einem Erdteil revolutionären Wandels. Um zu
gewährleisten, daß sich diese Veränderungen in einem sicheren Umfeld vollziehen, haben wir einen
Vertrag über konventionelle Rüstungen fertiggestellt,
der die militärische Landkarte dieses Kontinents
umgestaltet. Wir verabschieden Vertrauens- und sicherheitsbildende Maßnahmen, die durch Offenheit zu
dauerhaftem Frieden beitragen. Heute morgen haben
22 von uns eine feierliche Verpflichtung zur Nichtanwendung von Gewalt unterzeichnet.
Heute jedoch, da alte politische Trennlinien verschwinden, treten neue Spannungsherde zutage, von denen
einige schon länger und andere erst seit kurzem schwelen. Nationalitätenkonflikte dauern an. Die Mißachtung von Minderheiten- und Menschenrechten besteht
weiter. Wo einstmals Millionen die Freizügigkeit verwehrt wurde, fühlen sich heute Millionen zum Wegggehen gezwungen, um vor wirtschaftlicher und politischer Bedrängnis zu fliehen.
Seite 1

�In mehreren Ländern beobachten wir das häßliche
Wiederaufleben des Antisemitismus und anderer ethnischer, rassischer und religiöser Intoleranz. Bigotterie und Haß haben in zivilisierten Ländern keinen Platz.
Minderheiten bereichern unsere Gesellschaften. Der
Schutz ihrer Rechte ist eine Vorbedingung der Stabilität.
Europa betritt Neuland. Für ihre Mitgliedstaaten ist die
KSZE eine ideale Richtschnur. Wir haben hervorragende Verhaltensnormen festgeschrieben, und heute
besteht unsere Aufgabe darin, die KSZE für den politischen Alltag nutzbar zu machen und auf ihrer Stärke
aufzubauen, um neuen Herausforderungen zu begegnen.
Meine Regierung hat dieses Jahr bereits einige Ideen
zur künftigen Entwicklung der KSZE vorgelegt, und ich
hoffe, daß sie zu den von den Mitgliedstaaten der
NATO beim Londoner Gipfel im Juli verkündeten Initiativen beigetragen haben und freue mich, daß so viele
der dort diskutierten Ideen in der Gipfelerklärung zum
Ausdruck kommen, die wir diese Woche unterzeichnen werden.
Ich möchte hervorheben, wie einige dieser Initiativen
und auch andere meines Erachtens der KSZE dabei
helfen werden, ihre Prinzipien in die Praxis umzusetzen. Die von uns zu unterzeichnende Erklärung legt
eine Tagesordnung fest, die unsere Arbeit bis zu
unserem nächsten Treffen in Helsinki leiten wird. Dies
betrifft wichtige Arbeit bei vielen für uns alle lebenswichtigen Fragen, etwa der friedlichen Beilegung von
Streitigkeiten, der Rolle von Minderheiten in unseren
Gesellschaften, dem Aufbau demokratischer Institutionen und, was von allem das Wichtigste ist, der
Förderung der Menschenrechte.
Darüber hinaus sind wir übereingekommen, daß wir
die Sicherheit unserer Gemeinschaft verbessern
müssen, indem wir unsere Gespräche über die konventionellen Streitkräfte abschließen, die Vorteile vertrauensbildender Maßnahmen ausbauen und das
Abkommen über offene Himmel erfolgreich fertigstellen. Und schließlich erkennen wir an, daß Europa
seine Wunden heilt, damit die KSZE zur vollen Blüte

gelangen kann.
Wir haben einen Rahmen für regelmäßige politische
Konsultationen geschaffen und Institutionen ins Leben
gerufen, um diesen Rahmen zu verstärken. Das
Sekretariat, das Büro für Freie Wahlen sowie das
Zentrum für Konfliktverhütung sind zwar, wie wir uns
eingestehen müssen, bescheidene, aber auch bedeutsame Schritte zu der von uns allen angestrebten
neuen Ordnung.
Ferner begrüßen wir die Forderung einer neuen parlamentarischen Dimension der KSZE, die den von uns
*

Seite 2

allen geteilten demokratischen Werten weitere Unterstützung verleihen kann.
Vor zwei Tagen habe ich in Prag an Europa und die
Vereinigten Staaten appelliert, gemeinsam auf einen
neuen Bund der Freiheit hinzuwirken, der auf diesen
gemeinsamen Prinzipien beruht, nämlich dem Glauben an die grundlegende Würde und die Rechte des
Menschen, daß Regierungen ihre Macht nur aus der
Zustimmung des Volkes ableiten und diesem rechenschaftspflichtig sind, daß der einzelne die Früchte
seiner Arbeit genießen kann und daß Regierungen und
Staaten als Voraussetzung für menschlichen Fortschritt das Prinzip der Rechtsstaatlichkeit wahren
müssen. Dies sind die Grundsätze, von denen unsere
Nationen und die KSZE geleitet werden. Um sie
jedoch in unseren beiden Kontinenten zu sichern,
müssen sie in der ganzen Welt gewährleistet sein.
Heute, da wir uns hier diesen Prinzipien verschreiben,
werden dieselben Grundsätze am Persischen Golf
brutal mißachtet.
Ich möchte einen Satz aus der von Präsident Gorbatschow und mir im September in Helsinki verabschiedeten gemeinsamen Erklärung zitieren: "Nichts unterhalb der vollständigen Verwirklichung der Resolutionen des UN-Sicherheitsrats ist akzeptabel." Nun,
kann es hier auf diesem Kontinent, der so sehr unter
Aggressionen und ihrem Begleiter, der Beschwichtigungspolitik, gelitten hat, Platz für eine andere Ansicht
geben?
Die Prinzipien, die der KSZE Leben eingehaucht und
unseren Erfolg in Europa bewirkt haben, kennen keine
geographischen Grenzen. Unser Erfolg hier kann
weder durchgreifend noch dauerhaft sein, wenn das
Prinzip der Rechtsstaatlichkeit andernorts schamlos
mißachtet wird.
Zu Beginn des kalten Krieges im Frühjahr 1947 machte
der amerikanische Außenminister George Marshall
eine Feststellung, die ich hier zitieren möchte: "Probleme, die sich unmittelbar auf die Zukunft unserer
Zivilisation auswirken, können nicht durch allgemeines
Gerede oder vage Formulierungen aus der Welt geschafft werden. Sie verlangen nach konkreten Lösungen für präzise und äußerst komplizierte Fragen, Fragen,
die mit Grenzen zusammenhängen, mit der Macht zur
Verhinderung militärischer Aggression, mit Menschen,
die bittere Erinnerungen haben, mit der Produktion und
Kontrolle von Dingen, die für das Leben von Millionen
Menschen unerläßlich sind."
Wir in der KSZE haben in den vergangenen Monaten
große Fortschritte bei der Erarbeitung dieser konkreten Lösungen gemacht. Und heute sollten wir auf
diesem Erfolg an diesem Ort aufbauen und ihn andernorts standhaft verteidigen.

*

AMERIKA DIENST 47

�UMWELT
28. November 1990

BUSH UNTERZEICHNET GESETZE ZUR
ERFORSCHUNG DER ERDERWÄRMUNG,
SCHUTZ DER ANTARKTIS
Übersicht des Weißen Hauses
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine vom Weißen Haus herausgegebene Übersicht zu
acht Umweltgesetzen, die am 16. November 1990 von Präsident Bush unterzeichnet wurden und damit in Kraft
getreten sind:

Schutz der Natur
Das Gesetz zum Schutz der Antarktis von 1990 (Antarctic Protection Act - H.R. 3977) stärkt den Schutz der
Umwelt in der Antarktis - einem ursprünglichen, nicht
verschmutzten Kontinent, dessen einzigartige Natur
eine Vielfalt an Wildtierarten beherbergt und uns ein
natürliches Laboratorium bietet, von dem aus wir entscheidende Aspekte des Abbaus stratosphärischen
Ozons und globaler Umweltveränderungen beobachten können. Es besteht eine seitens der internationalen Staatengemeinschaft anerkannte Notwendigkeit,
diese zerbrechliche Umwelt besser vor ungezügelter
Wirtschaftstätigkeit zu schützen. Das Gesetz H.R.
3977 bietet diesen Schutz. Indem die Vereinigten
Staaten Aktivitäten zum Abbau von Mineralien in der
Antarktis bis zur Verabschiedung eines neuen internationalen Mineralienabkommens durch den Kongreß
verbieten, senden sie der übrigen Welt ein starkes
umweltpolitisches Signal. Dieses Gesetz wurde vom
amerikanischen Kongreß in einer Art und Weise
modifiziert, die mit der Haltung der Administration, die
ein energisches Umweltschutzabkommen zur Ergänzung des Antarktis-Vertrags befürwortet, in Einklang
steht.
Das Gesetz über das Naturschutzgebiet Florida Keys
(Florida Keys National Marine Sanctuary and Protection Act - H.R. 5909) bestimmt 2 600 Quadratseemeilen von Küstengewässern vor den Florida Keys zum
neunten nationalen Seenaturschutzgebiet der Verei-

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nigten Staaten. Damit soll ein langfristiger Schutz des
ökologisch einzigartigen Korallenriffs vor Florida gewährleistet werden. Insbesondere wird das Korallenriff vor dem Aufgrundlaufen von Schiffen geschützt,
wodurch das Riff in der jüngeren Vergangenheit geschädigt wurde sowie vor Wasserverschmutzung und
Raubbau. Gleichzeitig wird eine Nutzung des Naturschutzgebietes, die mit dem Ziel des Schutzes in
Einklang steht, weiterhin gestattet. Durch die Erklärung zum Naturschutzgebiet wird es heutigen als auch
künftigen Generationen ermöglicht, sich an der dortigen Natur zu erfreuen.
Das Allgemeine Gesetz zum Schutz der Natur und
Tierwelt (Omnibus Natural Ressources and Wildlife
Program - H.R. 3338) enthält zahlreiche wichtige
Programme, die zum Schutz und zur Erhaltung einiger
der bedeutendsten Naturreservate des Landes führen
werden. Insbesondere werden durch H.R. 3338 zwei
neue Nationale Wildtierparks (National Wildlife Refuges - NWR) geschaffen - der 18 000 Morgen umfassende Bayou Cocodrie NWR in Louisiana und der
Walkill River NWR in New Jersey auf einer Fläche von
7 500 Morgen. Darüber hinaus verbessert das Gesetz
die Unterstützung von Projekten, die entscheidend für
den Schutz und die Erhaltung von Feuchtgebieten und
anderer Lebensräume von Fischen und Wildtieren
sind. Femer wird durch das Gesetz eine Nationale
Waldstiftung (National Forest Foundation) ins Leben
gerufen, die Maßnahmen zur Unterstützung des Forstdienstes des US-Landwirtschaftsministeriums durch-

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�führen wird. Schließlich verbessert H.R. 3338 regionale Meeresforschungsprogramme durch das Nationale
Amt für Ozeanographie und Atmosphäre, es verlangt
eine verstärkte Verfolgung von Umweltvergehen durch
das Umweltschutzamt (EPA) und gestattet die Freigabe zusätzlicher Mittel für die Wiederherstellung der
Fischbestände in bestimmten kleineren Flüssen in
Neuengland.
Durch das Red Rock Canyon National Conservation
Area Establishment Act von 1990 (H.R. 4559) werden
83 100 Morgen Land in Süd-Nevada zum Naturschutzgebiet Red Rock Canyon erklärt. Der in der MojaveWüste Nevadas gelegene Red Rock Canyon ist reich
an geologischen, landschaftlichen Naturschätzen, an
Wildtieren und Potential für Erholungssuchende. Das
Gebiet beheimatete verschiedene Kulturen, darunter
die prähistorischen Anasazi- und Pueblo-Indianer und
später die Paiutis. Darüber hinaus bietet es einen
Lebensraum für verschiedene Wildtierarten von Wüstenschafen, Wildpferden und -eseln bis zu den vom
Aussterben bedrohten Wüstenschildkröten und Gila
Monstern. Das Gebiet wird ferner von verschiedenen
Vogelarten bewohnt, darunter bedrohte Wanderfalken
und Goldadler. Das Büro für Landverwaltung (BLM)
des Innenministeriums wird dieses Gebiet zum Schutz
und zur Verbesserung dieser Naturschätze verwalten.
Der mit 62 000 Morgen größte Teil dieses Naturschutzgebiets wird bereits gemeinsam vom BLM und
der Nevada Division of State Parks verwaltet. Mit
diesem Gesetz wird das Innenministerium zur Beschaffung weiterer 21 000 Morgen durch Spenden,
Ankauf, Austausch oder Übereignung durch andere
Bundesbehörden ermächtigt.
Das Gesetz zur Verbesserung der Küstengebiete
(Coastal Barrier Improvement Act - H.R. 2840) von
1990 wird die Größe des bestehenden geschützten
ökologischen Systems im Küstengebiet nahezu verdreifachen. Nach H.R. 2840 werden dem System
818 000 Morgen hinzugefügt, womit sich seine Gesamtgröße auf 1,25 Millionen Morgen beläuft und
Küsten mit einer Gesamtlänge von 1 211 Meilen am
Atlantik, Golf von Mexiko und den Großen Seen. H.R.
2840 schützt die bedrohten Ökosysteme der Küstengebiete des Landes (die hervorragende Lebensräume
für Fische und wildlebende Tiere bieten, wichtigen
Schutz für die Strände liefern und hervorragende Plätze für Freizeitsport sind), indem Ausgaben und Beihilfen der Bundesregierung zur Erschließung bestimmter
Küstengebiete begrenzt werden. Es fordert ferner,
daß alle im Besitz der Bundesregierung befindlichen
Flächen in einem Küstengebiet dem System zugeführt
werden. Darüber hinaus wird eine Arbeitsgruppe über
Küstengebiete aus 11 Vertretern der Bundesregierung
ins Leben gerufen, die Arbeitsweise und Effektivität
des ökologischen Systems der Küstengebiete analysieren und darüber berichten sollen.

Seite 2

Forschung und Aufklärung
Das Gesetz zur Aufklärung über nationale Umweltprobleme (National Environmental Education Act - S.
3176) leistet einen wichtigen Schritt hin zu Fortschritten für die Umwelt unseres Landes und legt den
Grundstein, damit alle Generationen von Amerikanern
unsere Verantwortung bei der Verwaltung und den
klugen Umgang mit unseren Ressourcen besser verstehen - das heißt, wir wollen in diesem Land um mehr
Verständnis für die Umwelt werben. Die Gesetzgebung verbessert die Lernmöglichkeiten in allen Altersgruppen, konzentriert sich jedoch vornehmlich auf
Schüler und Lehrer. Dazu zählt der Vorschlag des
Präsidenten zur Vergabe von Preisen des Präsidenten
an Lehrer als Auszeichnung für Umwelterziehung.
Verschiedene andere Bestimmungen des Gesetzes
ermutigen Kreativität auf kommunaler Ebene durch
Stipendien, Preise und Ausbildungsprogramme und
sehen eine Führungsrolle auf nationaler Ebene durch
die Schaffung eines Büros für Umwelterziehung beim
Umweltschutzamt und einen Beratungsausschuß auf
breiter Basis vor.
Das Gesetz zur Erforschung globaler Umweltveränderungen (Global Change Research Act - S. 169) von
1990 unterstreicht die Führungsrolle der Vereinigten
Staaten bei der Erforschung von Umweltveränderungen auf der Welt. Der Haushalt sieht 1991 über 1
Milliarde Dollar (gegenüber dem Haushaltsjahr 1990
eine Steigerung um 57 Prozent) für dieses wichtige
Forschungsprogramm vor, dem der Kongreß im allgemeinen zugestimmt hat. S. 169 wird unserem Land
insbesondere helfen, die große wissenschaftliche
Unsicherheit abzubauen, die bei vordringlichen weltweiten Umweltproblemen henscht. Es geht auf die
Bestrebungen der Regierung ein, in dem es den Ausschuß für Geo- und Umweltwissenschaften (Committee on Earth and Environmental Sciences - CEES)
legitimiert, den der Präsident durch den Bundeskoordinierungsrat für Wissenschaft und Technologie ins
Leben gerufen hatte. Der CEES soll ein amerikanisches Programm zur Erforschung globaler Umweltveränderungen erarbeiten, um wissenschaftliche Grundlagen zur Lösung umweltpolitischer Fragen zu erarbeiten. Spitzenpolitiker auf der ganzen Welt zeigen
zunehmend Interesse an den wirtschaftlichen und
sozialen Auswirkungen weltweiter Umweltveränderungen und benötigen daher angesichts der großen wissenschaftlichen Unsicherheit immer mehr und bessere Informationen, wenn sie die Funktionsweise vieler
Prozesse auf der Erde vorhersagen wollen.
Das Gesetz über Soforthilfe für die Großen Seen
(Great Lakes Critical Programs Act - H.R. 4323) wird
den Bestrebungen der Vereinigten Staaten erheblichen Auftrieb verleihen, in Zusammenarbeit mit unseren kanadischen Nachbarn für die Sauberkeit der

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�Großen Seen zu sorgen. Dabei sind große Fortschritte
erzielt worden, aber es bleibt noch viel zu tun, insbesondere im Hinblick auf die Lösung des Problems der
Verseuchung der Großen Seen. Das Gesetz liefert
das Instrumentarium, um Fortschritte bei den so dringend benötigten Planungs- und Säuberungsaktivitäten erzielen zu können. Das Gesetz konzentriert

Bestrebungen der Bundesregierung, Einzelstaaten und
Gemeinden in Zusammenarbeit mit Kanada auf Lake
Champlain, ein Wasserreservoir, das für die Menschen in Nordosten der Vereinigten Staaten geschichtlich von großer Bedeutung ist und einen hohen Freizeitwert hat.

* * * * *

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                <text>&lt;strong&gt;1. Golfkrise&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Außenminister nehmen an Sitzung des Sicherheitsrats teil&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Baker sucht Unterstützung für Einsatz von Gewalt&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Golfkrise&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Chronologie der Ereignisse vom 1. bis 15. November 1990&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. KSZE-Gipfel&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush: Rechtsstaatlichkeit muss weltweit die Norm werden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache beim KSZE-Gipfel&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Umwelt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush unterzeichnet Gesetze zur Erforschung der Erderwärmung, Schutz der Antarktis&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Übersicht des Weißen Hauses&lt;/em&gt;</text>
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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

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5. Dezember 1990

48

GOLFKRISE

BUSH BEZWEIFELT DEN ALLEINIGEN
ERFOLG DER SANKTIONEN GEGEN IRAK
Ansprache und Pressekonferenz
des Präsidenten
DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse vom
16. bis 30. November 1990

GATT

HILLS WARNT VOR FEHLSCHLAG
DER URUGUAY-RUNDE
Erklärung der US-Handelsbeauftragten

EINWANDERUNG

EINWANDERUNGSGESETZ VON 1990
Übersicht des Weißen Hauses

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 0300
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 23 66
Telex: 8-85432

�GOLFKRISE
5. Dezember 1990

BUSH BEZWEIFELT DEN ALLEINIGEN ERFOLG
DER SANKTIONEN GEGEN IRAK
Ansprache und Pressekonferenz des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Obwohl Präsident Bush die Auffassung vertritt, die nach dem Einmarsch in Kuwait gegen
den Irak verhängten UN-Sanktionen "zeitigen zwar eindeutig Erfolge", äußerte der Präsident am 30. November
1990 Zweifel, daß solche Maßnahmen allein den Irak zum Abzug aus Kuwait zwingen und die Wiedereinsetzung
der rechtmäßigen Regierung in Kuwait bewirken können.
"Ich kann Ihnen nicht sagen, ob die Sanktionen allein funktionieren werden", erklärte Bush im Rahmen einer
Pressekonferenz im Weißen Haus, "und deshalb begrüße ich die gestern beschlossene Vorgehensweise der
Vereinten Nationen", die den Einsatz aller notwendigen Mittel zuläßt, um Kuwait von der irakischen Besetzung
zu befreien, wenn sich die Truppen nicht bis zum 15. Januar 1990 zurückziehen.
Bush verwies insbesondere darauf, daß die neuen Demokratien in Osteuropa und die Entwicklungsländer in
Afrika und der westlichen Hemisphäre "erhebliche Schäden durch die wirtschaftlichen Auswirkungen" der
Aggression des irakischen Präsidenten Saddam Hussein erleiden.
Der Präsident erklärte, die Anhänger der Meinung, man könne "monatelang" zusehen, bis die Sanktionen den
Irak zur Einhaltung der UN-Resolutionen zwingen, "müssen sich die verheerenden Schäden vor Augen führen,
die täglich den schwachen Volkswirtschaften der Länder zugefügt werden, die es am wenigsten vertragen
können".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Stellungnahme des Präsidenten und die anschließende Pressekonferenz im
Wortlaut.

Bush: Ich möchte eine Erklärung abgeben, die etwas
länger als gewöhnlich ausfallen wird, weshalb ich um
Nachsicht bitte, und ich werde dann später gern Ihre
Fragen beantworten.
Wir sind am Golf, weil die Welt Aggression nicht
belohnen darf und kann. Und wir sind dort, weil unsere
lebenswichtigen Interessen auf dem Spiel stehen.
Und wir sind aufgrund der Brutalität Saddam Husseins
am Golf. Wir haben es mit einem gefährlichen Diktator
zu tun, der zur Gewaltanwendung nur allzu bereit ist,
der über Massenvernichtungswaffen verfügt und neue
entwickelt und der eine der wichtigsten Ressourcen
der Welt kontrollieren möchte - all dies zu einer Zeit in
der Geschichte, da die Gesetze der Zeit nach dem
kalten Krieg neu geschrieben werden.

AMERIKA DIENST 48

Unsere Zielsetzungen sind von Anfang an dieselben
geblieben. Wir wollen den unverzüglichen und bedingungslosen Abzug aus Kuwait. Wir wollen die Wiedereinsetzung der rechtmäßigen kuwaitischen Regierung.
Wir wollen die Freilassung aller Geiseln und die ungehinderte Arbeit aller Botschaften. Und wir streben
nach Stabilität und Sicherheit dieser wichtigen Weltregion.
Mit diesen Zielsetzungen stehen wir nicht allein. Die
Vereinten Nationen stimmen uns, von ihrem neuen
Auftrag ermutigt, voll und ganz zu. Der Sicherheitsrat
der Vereinten Nationen hat zwölf Resolutionen verabschiedet, mit denen die unprovozierte Invasion und
Besetzung Kuwaits verurteilt und strenge Wirtschaftssanktionen verhängt werden, um den Handel mit dem

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�Irak zu unterbinden, und er hat dem Einsatz von
Gewalt zugestimmt, um Saddam Hussein zur Einhaltung zu zwingen.
Saddam Hussein hat alles in seiner Macht Stehende
unternommen, um dies in einen Kampf zwischen dem
Irak und den Vereinigten Staaten ausarten zu lassen,
und er ist damit eindeutig gescheitert. Die Streitkräfte
aus 26 Ländern stehen unseren Truppen am Golf zur
Seite. Tatsache ist, daß hier nicht die Vereinigten
Staaten dem Irak gegenüberstehen, sondern der Irak
der ganzen Welt, und es hat niemals eine eindeutigere
Demonstration der weltweiten Geschlossenheit gegenüber Beschwichtigungspolitik und Aggression
gegeben.
Die gestern verabschiedete Resolution des UN-Sicherheitsrats hatte historischen Charakter. Wiederum
hat der Sicherheitsrat die berechtigte Funktion der
Vereinten Nation zur Friedenssicherung bewiesen.
Bis gestern konnte Saddam Hussein vielleicht noch
nicht wissen, wie die Weltmeinung aussieht, der er sich
stellen muß, und ich hoffe, jetzt wird ihm klar, daß er
Kuwait unverzüglich verlassen muß.
Ich werde ständig gefragt, wie effektiv die am 6. August
in Kraft getretenen UN-Sanktionen sind, und auf diese
Frage weiß ich keine Antwort. Die Sanktionen zeitigen
eindeutig Erfolge, aber ich kann Ihnen nicht sagen, ob
sie allein etwas bewirken. Und deshalb begrü ße ich die
gestern beschlossene Vorgehensweise der Vereinten
Nationen.
Die aufstrebenden Demokratien in Osteuropa erleiden
erhebliche Schäden durch die wirtschaftlichen Auswirkungen der Aggression des irakischen Präsidenten
Saddam Hussein. Die Entwicklungsländer in Afrika
und in unserer Hemisphäre werden Opfer des Übergriffs dieses Diktators auf seinen Nachbarn Kuwait.
Die Anhänger der Meinung, man müsse monatelang
warten, müssen sich die verheerenden Schäden vor
Augen führen, die täglich den schwachen Volkswirtschaften der Länder zugefügt werden, die es am
wenigsten vertragen können.
Der Präsident der Zentralbank, Alan Greenspan, hat
erst kürzlich darauf verwiesen, daß der Anstieg der
Ölpreise infolge Saddams Invasion auch unserem
Land schadet. Und ich habe bereits erläutert, daß
unsere Wirtschaft bestenfalls eine Verlangsamung
hinnehmen muß. Wenn die Unsicherheit auf den
Energiemärkten fortbesteht, wird die Verlangsamung
schlimmer werden.
Ich habe Ihnen bereits unsere Gründe für die Entsendung von Truppen an den Golf dargelegt. Lassen Sie
mich Ihnen dalegen, was mich am meisten beunruhigt.
Als erstens möchte ich die Amoralität der Invasion in
Kuwait selbst ansprechen. Kein Land sollte seinen
Nachbarn vergewaltigen, plündern und brutal bekämpfen. Kein Land sollte imstande sein, ein Mitglied der
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Vereinten Nationen und der Arabischen Liga von der
Weltkarte zu streichen. Ich bin ferner tief beunruhigt
über all die Geiseln - unschuldige Menschen, die
gegen ihren Willen und in eindeutiger Verletzung des
Völkerrechts festgehalten werden. Und dann gibt es
diese zynische und brutale Politik, bei der Menschen
gezwungen werden, um ihre Freilassung zu betteln,
bei der einzelne Menschen wie Frachtgut an ihre
Familien und die Emissäre überstellt werden.
Ich bin in großer Sorge um unsere Botschaft in Kuwait.
Die Fahne weht noch, eine Handvoll belagerter Amerikaner befindet sich immer noch in der Botschaft und
darf sie nicht verlassen. Diese Behandlung unserer
Botschaft verletzt jedes zivilisierte Prinzip der Diplomatie. Und sie bedeutet eine Erniedrigung für unsere
Bürger und unser Land. Ich bin entschlossen, daß
diese Botschaft, wie es Resolution 674 des UN-Sicherheitsrats fordert, vollständig wiederherstellt wird
und unsere Bürger nach Hause zurückkehren dürfen.
Welchen Präzedenzfall werden diese Maßnahmen für
die Zukunft schaffen, wenn Saddam Hussein das
Völkerrecht ungestraft verletzen darf?
Ich bin ebenfalls in tiefer Sorge über die Zukunft
Kuwaits. Die Geschichten von Vergewaltigung und
Mord, das kaltblütige Töten und zügellose Plünderungen übersteigen fast die Vorstellungskraft. Die gesamte zivilisierte Welt muß sich zusammenschließen
und erklären, daß diese Behandlung von Menschen
aufhören muß und diejenigen, die dem kuwaitischen
Volk Gewalt angetan haben, zur Rechenschaft gezogen werden müssen.
Ich bin darüber hinaus in großer Sorge über Saddam
Husseins Bestrebungen zum Erwerb von Atomwaffen.
Stellen Sie sich seine Fähigkeit vor, seine Nachbarn zu
erpressen, wenn er über Atomwaffen verfügt. Wir sind
Zeuge geworden, wie er Chemiewaffen gegen sein eigenes Volk eingesetzt hat. Wir sind Zeuge geworden,
wie er aus seinem eigenen Land, das wohlhabend und
erfolgreich sein sollte, ein armes Land gemacht hat - all
dies aufgrund seines unstillbaren Verlangens nach
Waffen und Eroberungen.
Ich bin gefragt worden, warum ich mehr Truppen an
den Golf entsende. Ich hege weiterhin die Hoffnung
auf eine friedliche Lösung für diesen Konflikt. Aber
wenn Gewalt notwendig wird, werden wir und die
anderen 26 Länder, die in der Region Streitkräfte
haben, genug Macht besitzen, um das Notwendige zu
veranlassen.
Ich weiß, daß in unserem Land Befürchtungen über ein
neues Vietnam herrschen. Ich möchte Ihnen jedoch
versichern, daß sich, auch wenn ein militärischer Einsatz erforderlich wird, Vietnam nicht wiederholen wird.
Es wird keinen lang andauernden Krieg geben. Die
aufgestellten Streitkräfte sind anders, der Gegner ist
ein anderer und auch der Nachschub für Saddam
Husseins Truppen unterscheidet sich, die gegen ihn
AMERIKA DIENST 48

�verbündeten Länder der Vereinten Nationen sind anders,
ebenso die Topographie Kuwaits. Darüber hinaus ist
die Motivation unserer Freiwilligentruppe hervorragend.
Ich will den Frieden. Frieden, nicht Krieg, aber wenn
es einen Krieg geben muß, werden wir nicht zulassen,
daß unseren Truppen die Hände gebunden werden,
und ich versichere Ihnen, es wird kein unklares Ende
geben. Wenn ein amerikanischer Soldat kämpfen
muß, dann wird er genug Streitkräfte hinter sich haben,
um zu siegen und das Schlachtfeld so schnell wie
möglich zu verlassen, sobald die Zielsetzungen der
Vereinten Nationen erreicht sind. Ich werde einem
halbherzigen Einsatz niemals zustimmen.
Ich möchte es noch einmal wiederholen. Wir haben
keinen Streit mit dem irakischen Volk. Wir empfinden
für die Menschen dort nur Freundschaft. Und ich
möchte auch nochmals wiederholen, daß wir nicht den
Wunsch haben, einen einzigen amerikanischen Soldaten auch nur einen Tag länger am Golf zu lassen als es
für die Erlangung der oben beschriebenen Ziele notwendig ist.
Niemand wünscht sich mehr als ich eine friedliche
Lösung für diesen Konflikt, und gleichzeitig ist niemand
entschlossener als ich, die Aggression Saddam Husseins rückgängig zu machen.
Schließlich mahnen die Menschen nun zu Geduld. Die
Vereinigten Staaten und die ganze Welt waren geduldig. Ich werde mich auch weiterhin in Geduld fassen,
aber die gestern beschlossene UN-Resolution - die 13.
des UN-Sicherheitsrats - erklärt Saddam Hussein
eindeutig: "Die Zeit läuft ab. Sie müssen aus Kuwait
abziehen, und wir haben Ihnen Zeit gegeben, um
genau das zu tun."
Viele Menschen haben mit Saddam Hussein und seinem AußenministerTarikAsis persönlich gesprochen.
Alle waren frustriert über Iraks eisernen Widerstand,
nicht aus Kuwait abziehen zu wollen.
Um aber dem Frieden noch eine letzte Chance zu
geben, werde ich Außenminister Asis einladen, Ende
der Woche um den 10. Dezember an einem beiderseitig genehmen Zeitpunkt zu einem Gespräch mit mir
nach Washington zu kommen. Dazu werde ich auch
die Botschafter verschiedener Koalitionspartner am
Golf einladen.
Darüber hinaus bitte ich Außenminister Baker, nach
Bagdad zu reisen, um sich mit Saddam Hussein zu
treffen, und ich werde dem irakischen Präsidenten
vorschlagen, den Außenminister zu einem beiderseits
genehmen Zeitpunkt zwischen dem 15. Dezember
und dem 15. Januar nächsten Jahres zu empfangen.
Im Rahmen des Mandats der UN-Resolution werde ich
ebenso wie Außenminister Baker bereit sein, alle
Aspekte der Golfkrise zu erörtern. Um dennoch diese

AMERIKA DIENST 48

Bestrebungen zur Ausschöpfung aller Mittel zur Erlangung der politischen und diplomatischen Lösung klar
zu umreißen - ich möchte keine Gespräche, die weniger hervorbringen als den vollständigen Abzug aus
Kuwait, die Wiedereinsetzung der rechtmäßigen kuwaitischen Regierung und Freiheit für alle Geiseln.
Frage: Da Sie jetzt über eine eindeutige UN-Resolution zum Einsatz von Gewalt verfügen, werden Sie
damit nicht in die Lage kommen - wenn die Gespräche
zwischen den Außenministern ergebnislos verlaufen am 15. Januar Gewalt anwenden zu müssen, wenn
Saddam Hussein nicht abgezogen ist? Und wenn
nicht, würden wir nicht als diejenigen angesehen, die
als erste klein beigeben?
Antwort: Dieses Datum bedeutet nicht, daß dann
Gewalt angewandt werden muß.
Frage: Dazu noch eine Frage. Werden Sie den
Kongreß um Zustimmung zu dieser Resolution bitten?
Soll der Kongreß Ihrer Meinung nach dieselbe Resolution verabschieden wie die Vereinten Nationen?
Antwort: Es wäre mir sehr recht, wenn der Kongreß
mit einer Resolution enthusiastisch dem zustimmt,
was die Vereinten Nationen beschlossen haben. Aber
darüber konsultieren wir noch, und ich plane noch nicht
die Einberufung einer Sondersitzung. Ich bin nicht
dagegen. Aber gegenwärtig stehen wir in Konsultationen. Ich habe mit mehreren Angeordneten gesprochen. Ebenso mit führenden Politikern im Repräsentantenhaus. Auch mit Republikanern und Demokraten
im Senat. Ich möchte sicher sein, daß die Konsultationen abgeschlossen sind.
Vielfach wird die Auffassung vertreten, daß eine Sitzung des alten Kongresses keinen Wert hat und die
neuen Mitglieder das Recht haben sollten, etwas zu
sagen. Andere wiederum vertreten die Meinung, wir
sollten jetzt etwas tun. Wie Sie wissen, war im Kongreßbeschluß über eine Vertagung die Bestimmung
über eine mögliche Wiederaufnahme enthalten. Sie
sind ein gleichberechtigter Teil der Regierung. Sie
können das tun, wenn sie wollen.
Aber wir werden unsere Konsultationen fortführen.
Zufällig finden sie heute mit der Führung statt. Ich
werde also im Laufe dessen etwas herausfinden können.
Frage: Sie haben sich zuversichtlich gezeigt, daß USTruppen gegen Saddam Hussein bestehen können.
Antwort: Absolut.
Frage: Aber zu welchem Preis? Wie viele Amerikaner?
Antwort: Ich kann Ihnen natürlich keine Zahlen nennen. Ich kann jedoch sagen, daß die Verlegung dieser
zusätzlichen Streitkräfte das Leben aller Amerikaner
und aller Verbündeten am Golf schützt.
Seite 3

�Frage: In den letzten Tagen haben führende Vertreter
der Administration den Gedanken einer Entsendung
besonderer Emissäre oder von Sonderbotschaftern in
den Irak weit von sich gewiesen, um darüber in Ihrem
Auftrag zu sprechen. Wie ist es zu Ihrem Sinneswandel gekommen?

Frage: Mir fiel auf, daß Sie anfangs, als Sie Ihre Ziele
aufzählten, die Stabilität in der Region einbezogen. Sie
schienen sie zusammenzufassen, als Sie über diese
Gespräche mit Saddam Hussein sprachen, aber Sie
erwähnten dabei nur die ersten drei, nicht aber die
Stabilität in der Region.

Antwort: Die UN-Resolution bietet meines Erachtens
eine gute Gelegenheit, um Saddam Hussein klarzumachen, wen er gegen sich hat. Ich bin jedoch noch
nicht zu dem Schluß gekommen, daß er die Botschaft
verstanden hat. Ich hoffe, daß dies dazu beitragen
wird. Ich gehe davon aus, daß diese beiden von mir
angeregten persönlichen Treffen allen Menschen in
der Welt - gewiß aber dem amerikanischen Volk garantieren werden, daß Saddam Hussein keinen
Mißverständnissen oder Fehlurteilen unterliegt. Ich
höre immer wieder: "Man informiert ihn einfach nicht
richtig." Im Gegensatz zum amerikanischen Präsidenten, der gute wie schlechte Nachrichten sehr wahrheitsgetreu erhält, überbringen die Truppen Saddam
Husseins ihm angeblich keine schlechten Nachrichten. Darüber hinaus wurde mir gesagt, daß er ziemlich
isoliert ist. Und die UN-Resolution wird ihm meines
Erachtens dabei helfen, diese Isolierung in gewisser
Weise zu überwinden. Die beiden von mir gemachten
Vorschläge werden einen Beitrag dazu leisten. Es
handelt sich also nur um einen zusätzlichen Schritt,
und diese Entscheidung wurde von mir persönlich
getroffen.

Antwort: Ich sprach dabei von der UN-Resolution und Stabilität und Sicherheit waren meines Erachtens
nicht in der UN-Resolution enthalten. Aber dies ist
sicherlich Teil der Zielsetzung der internationalen
Staatengemeinschaft. Möglicherweise handelt es sich
nur um einen technischen Unterschied.

Frage: Sie haben angedeutet, daß dieses Datum kein
Ultimatum für den Einsatz von Gewalt darstellt, sondern lediglich einen Zeitpunkt, nach dem Gewaltanwendung erlaubt ist. Wie wollen Sie vermeiden, daß
bei einem Verzicht auf den Einsatz militärischer Mittel
nach diesem Datum der Eindruck entsteht, die amerikanisch geführte Koalition habe nur geblufft?
Antwort: Nun, wir müssen die Lage betrachten, wenn
dieser Zeitpunkt eingetreten ist. Es wird meines Erachtens jedoch nie der Eindruck bestehen, daß die
Vereinigten Staaten in dieser Lage bluffen werden.
Gerade darum ist es mir bei einigen Formulierungen
meiner Erklärung gegangen.
Frage: Sie sprachen gerade über Massenvernichtungs- und Kernwaffen sowie darüber, daß eines Ihrer
Ziele darin besteht, Stabilität in der Region herbeizuführen. Können Sie Stabilität in der Region erreichen,
solange Saddam Hussein an der Macht ist?
Antwort: Ich gehe davon aus, daß die meisten Länder
- die Mitglieder der Vereinten Nationen - der Meinung
sind, es sollten einige Vorkehrungen getroffen werden,
um Sicherheit und Stabilität am Golf zu gewährleisten.
Der Status quo ante wird deshalb voraussichtlich nicht
ausreichen. Zur Zeit sind Sanktionen in Kraft, und es
wäre sicher der geeignete Moment, über diese Vorkehrungen zu sprechen, wenn die Resolutionen der
Vereinten Nationen vollständig verwirklicht worden
sind.
Seite 4

Aber dies ist entscheidend und äußerst wichtig.
Frage: Ich möchte Sie fragen, ob aufgrund Ihrer
Äußerungen über die Botschaft in Kuwait der Schluß
gerechtfertigt ist, daß Sie die Botschaft weder schließen noch erlauben werden, daß die Amerikaner dort
ausgehungert werden.
Antwort: Ich werde weder sagen, was ich tun, noch,
was ich unterlassen werde.
Wir erhielten heute morgen einen sehr interessanten
Bericht, demzufolge einige Iraker unsere Botschaft in
Kuwait besuchten und Obst, Gemüse sowie eine Stange
irakischer Zigaretten dort abgaben. Wahrscheinlich
wird morgen eine weitere Lieferung erfolgen, darunter
auch Limonade. Und sie fragten, welche Arzneimittel
benötigt werden.
Frage: Militärs?
Antwort: Das ging nicht daraus hervor. Die Botschaft
wird voraussichtlich morgen eine Liste übergeben.
Der Strom ist aber weiterhin abgeschaltet.
Dies ist also eine interessante kleine Entwicklung.
Jemand fragte mich: "Was tun wir, wenn es zu
Provokationen kommt?" Diese Frage wurde beim
Treffen mit der Führung des Kongresses gestellt. Ich
antwortete: "Betrachten Sie mich als provoziert, wenn
es um die amerikanische Botschaft geht. Betrachten
Sie mich als provoziert, wenn ich sehe, daß Amerikaner ohne ausreichende Nahrung und Arzneimittel sind."
Frage: Entnehmen Sie dem Kommunique, das Sie
erhielten, daß die Iraker diesen Hinweis verstanden
haben und diesen potentiellen Gefahrenherd ausschalten wollen?
Antwort: Ich weiß es nicht. Das ist eine sehr gute
Frage, und auch wir erörtern sie. Wir sollten optimistisch sein und sagen, daß dies ein positives Zeichen
sein könnte. Aber trotzdem ist dies noch zu weit von
der Wahrung des Völkerrechts entfernt, als daß ich
darüber jubeln könnte. Es ist aber eine sehr interessante Entwicklung.
Frage: Wie Sie wissen, gab es bei den Anhörungen
des Kongresses diese Woche einige für Sie ziemlich

AMERIKA DIENST 48

�negative Äußerungen. Heute morgen erklärten Sie,
dies würde kein lang andauernder Krieg wie in Vietnam. General Odom, der frühere Leiter der Nationalen
Sicherheitsbehörde NSA, hat erst heute morgen vor
dem Streitkräfteausschuß des Senats festgestellt, daß
wir tatsächlich jahrzehntelang dort bleiben müssen.
Wahrscheinlich meint er doch, daß wir selbst nach
einem militärischen Konflikt im Rahmen einer Streitmacht zur Sicherung des Friedens Leute dort stationieren müssen. Besteht Ihrer Ansicht nach unsererseits eine solch langfristige Verpflichtung dort?
Antwort: Nein, das ist nicht der Fall.
Frage: Ich möchte Sie noch etwas anderes fragen. AI
Gore hat sich gestern kritisch mit ihren Äußerungen
und einigen Ihrer Berater, etwa Brent Scowcroft, auseinandergesetzt, die darauf hinauslaufen, daß Saddam innerhalb von Monaten eine Kernwaffe produzieren könnte. Gore, der anscheinend einige Male privat
von diesen Leuten unterrichtet wurde, meint, die Erklärungen Ihrer Administration seien irreführend...
Antwort: Ich bin anderer Meinung als der Senator. Er
kann über den Bau einer Atomwaffe durch Saddam
Hussein spekulieren, ich tue dies jedenfalls nicht. Ich
kenne die Berichte der Nachrichtendienste im Detail.
Ich kann darüber natürlich nicht sprechen, da wir über
nachrichtendienstliche Angelegenheiten nie Auskunft
geben. Ich bin jedoch besorgt, und als ich das erste
Mal über dieses Thema gesprochen habe - ich glaube
das war im August, habe ich Massenvernichtungswaffen erwähnt. Ich bin darüber besorgt. Wenn Senator
Gore eine andere Meinung vertritt und sich keine
Sorgen macht, so gibt es da zwischen uns einen
offenkundigen Meinungsunterschied.
Ich bin besorgt über Saddam Husseins Versuch, den
Bau oder die Beschaffung einer Atombombe zu beschleunigen, und das teile ich Ihnen hier so offen ich
kann mit.
Frage: Meinen Sie, er könnte nächstes Jahr einen
Gefechtskopf entwickeln?
Antwort: Ich möchte hier keinen zeitlichen Rahmen
nennen, aber Sie haben ja die Schätzungen in den
Zeitungen gelesen, von denen einige wohl zutreffend
sind. Es gibt eine Menge Wissenschaftler, die auf
verschiedenen Seiten Position bezogen haben. Senator Gore ist sicherlich ein intelligenter Mann, aber ich
glaube nicht, daß er Zugang zu absolut allen Quellen
hat - vielleicht hat er ihn -, aber ich werde bei dieser
Frage nicht den Fehler einer Unterschätzung begehen.
Frage: Ihre Ankündigung über TarikAsis und Außenminister Baker - haben Sie irgendwelche Signale oder
Andeutungen aus Bagdad erhalten, daß sie dies begrüßen würden, daß man dort diese Art Kommunikation erwartet?

AMERIKA DIENST 48

Antwort: Nein. Das einzige, was ich gehört habe, ist,
daß sie reden wollen. Es besteht eine Chance, aber
ich habe keinerlei diplomatische oder andere Signale
erhalten.
Frage: Und wieviele von diesen 26 Nationen in der
Region, die Sie aufgezählt haben, sind ebenso bereit
zu offensiven Maßnahmen, anstatt zur reinen Defensive?
Antwort: Ich kann Ihnen darauf keine Antwort geben,
weil ich dies wirklich nicht weiß. Ich erwarte jedoch,
daß bei all diesen Ländern für die gestern getroffene
UN-Maßnahme Unterstützung besteht.
Frage: Mit allem Respekt, sollten Sie nicht wissen,
wieviele Ihren Truppen in die Schlacht folgen würden?
Antwort: Ich weiß, daß das, was ich gesagt habe, für
den Fall gilt, daß wir kämpfen müssen, und ich bin
damit zufrieden. Ich habe meinen Pflichten als Oberbefehlshaber gemäß eingehend untersucht, was geschehen würde, wenn wir zum Einsatz von Gewalt
gezwungen wären. Ich wiederhole, ich hoffe, daß wir
niemals einen einzigen Schuß im Zorn abfeuern müssen.
Frage: Der Irak hat ständig zum Dialog aufgerufen.
Sind Sie nicht besorgt, daß diese beiden Missionen,
Tarik Asis und James Baker, Saddam Hussein zu der
Behauptung verleiten werden, die Vereinigten Staaten
zeigten ein Zeichen der Schwäche?
Antwort: Weil Baker nach Bagdad reist?
Frage: Machen Sie sich keine Sorgen, daß Sadam
Hussein diese Haltung einnehmen könnte?
Antwort: Nein, das tue ich nicht. Ich bin besorgt
darüber, daß einige erklären könnten, dies sei ein
Ultimatum, das ihn dazu veranlassen soll, die Verpflichtung der Vereinigten Staaten zu verstehen, zu
verstehen, daß sich alles innerhalb der Grenzen der
verabschiedeten UN-Resolutionen abspielen soll, daß
es da keinen Spielraum mehr gibt. Es kann keine
Wahrung des Gesichts geben. Das ist nicht der Inhalt.
Es soll sichergestellt werden, daß er versteht, wie sehr
der Präsident die Verwirklichung der UN-Position bis
zum letzten i-Tüpfelchen befürwortet.
Einige haben mir gesagt, er werde nie verstehen, wie
entschlossen wir sind. Ich kann mir zum gegenwärtigen Zeitpunkt keinen besseren Weg vorstellen, um
dies zu tun, als dieses persönliche Treffen nach Verabschiedung der UN-Resolution. Ich bin nicht sicher, ob
er dem zustimmen wird.
Frage: Die heutige Pressekonferenz scheint wieder
einmal mehr auf die Vorbereitung eines Krieges fixiert.
Können Sie erläutern, welches Ihrer Meinung nach
Ihre Verpflichtungen gegenüber dem Kongre ß sind, da
Sie sich dagegen zu sträuben scheinen, eine der UNResolution vergleichbare Resolution zu beantragen.

Seite 5

�Worin besteht Ihrer Meinung nach Ihre Verpflichtung
gegenüber dem Kongreß und seinen Wählern?
Antwort: Umfassende Konsultationen.
Frage: Und seine Unterrichtung, bevor Sie etwas
unternehmen?
Antwort: Ich unterrichte den Kongreß darüber, wie
meiner Meinung nach zur Zeit die Sachlage ist, und Sie
haben meine Erläuterungen mit Ihrer Interpretation
versehen. Es gab zahlreiche Kommentare, in denen
die Hoffnung zum Ausdruck kam, daß eine friedliche
Lösung zustandekommt und die beste Antwort zur
Erzielung einer friedlichen Lösung darin besteht, Saddam
Hussein wissen zu lassen, wie entschlossen alle sind.
Die gestrige UN-Resolution war meines Erachtens ein
Schritt zum Frieden, nicht zum Krieg, weil ich davon
ausgehe, daß Saddam Hussein in Kuwait dasselbe tun
wird was er in Iran getan hat, wenn er endlich erkennt
und versteht, wogegen er sich stellt - wenn man die
Weltmeinung und andere Dinge betrachtet.
Frage: Die Sowjetunion hat in der Tat bei der Resolution, die gegebenenfalls, Gewaltanwendung zuläßt, zu
Ihren Gunsten abgestimmt. Werden wir der Sowjetunion dafür eine Kompromißlösung bei den Exportkrediten anbieten? Wie Sie wissen, besteht einige Besorgnis, weil sie der Meinung sind, es gäbe de facto ein
Getreideembargo, da wir ihnen in dieser Zeit der Not
keine Exportkredite anbieten.
Antwort: Diese Dinge sind völlig getrennt zu sehen
und hängen nicht miteinander zusammen. Ich habe
mit Präsident Gorbatschow über unsere Bereitschaft
gesprochen, Vorschläge im Bereich Nahrungsmittel
zu prüfen. Dies gilt insbesondere dann, wenn sich
Berichte über den harten Winter und die Härten als
zutreffend erweisen, die dies der sowjetischen Bevölkerung auferlegen würde.
Ich habe führende Regierungsvertreter unseres Landes gebeten, mir nächste Woche Empfehlungen bezüglich Jackson-Vanik zu unterbreiten. Ich habe stets
die Position vertreten, daß die Sowjets die erforderlichen Auswanderungsgesetze erlassen sollten. Dies
ist nicht geschehen. Es wird jedoch argumentiert, daß
ich jetzt größere Kompetenzen zur Aufhebung von
Bestimmungen habe als ich dachte. Ich möchte keinen Bereich der amerikanischen Wirtschaft irgendwelchen Problemen aussetzen. Ich bin einer der vehementesten Gegner eines Getreideembargos, und
dennoch muß ich hören, die amerikanische Mittelschicht habe das Gefühl, unsere Position führe quasi
zu einem Getreideembargo. Ich möchte mich strikt
dagegen verwahren, daß ich ein Befürworter des
Getreideembargos bin.
Die Sowjets sind über zahlreiche Aspekte dieses
Gesetzes besorgt. Ich stehe also vor der Entschei-

Seite 6

dung über das weitere Vorgehen. Sollten wir versuchen, Vanik aufzuheben und dann die Kredite im
Rahmen des CCC aufstocken? Es gibt andere Agrarprogramme, die wir meines Erachtens voranbringen
können, ohne Jackson-Vanik aufzuheben. Dies ist
jedoch ein sehr komplexes Thema, und ich weiß nicht
ganz genau, was ich machen werde, weil wir zwischen
sehr starken und verständlichen Wirtschaftsinteressen im Inland und unserer Befürwortung freier und
fairer Auswanderung andererseits manövrieren.
Man kann jedoch nicht umhin, festzustellen, daß die
Zahl - der Exodus - sowjetischer Juden aus der Sowjetunion groß ist, und dies ist nicht zuletzt das Verdienst
unserer Administration, weil wir den Exodus sowjetischer Juden immer wieder ermutigt haben. Dies wird
meine Erwägungen beeinflussen, wenn ich die endgültige Entscheidung über die Aufhebung von JacksonVanik treffen muß.
Frage: Erwägen Sie in diesem Zusammenhang eine
Aufstockung der Quote - der Personenzahl - die in die
Vereinigten Staaten einwandern kann? Würden wir
die Zahl der Einwanderungsgenehmigungen erhöhen?
Antwort: Wir überprüfen diese Angelegenheit derzeit.
Frage: Arabienkennern zufolge hat Saddam Hussein
angedeutet, er würde gerne irgendeinen Handel eingehen, jedoch nicht unbedingt an seinen Forderungen
festhalten. Sie sagen jetzt, Sie seien zu einem Treffen
mit ihm bereit. Sind Sie bereit, ihm in diesen Gesprächen irgendein Angebot - wie etwa eine Nahostkonferenz - als Gegenleistung für seinen Rückzug zu machen?
Antwort: Nein. Diese beiden Punkte sind völlig
unabhängig voneinander. Wir haben das eindeutig
klargestellt. Und ich habe gesagt, daß diese Gespräche im Rahmen des UN-Mandats stattfinden. Ich habe
keine allzugroße Hoffnung, daß sehr viel dabei herauskommen wird. Es bedeutet, noch einen Schritt zu
machen. Ich kann Ihnen jedoch sagen, daß wir in
dieser ganzen Angelegenheit großen Erfolg haben
werden, weil die Welt geschlossen hinter der Tatsache
steht, daß wir ohne die UN-Resolutionen keine vollständige Einhaltung garantieren können.
Frage: Was ist dann der Zweck dieses Treffens?
Stellen Sie nur ein Ultimatum?
Antwort: Nein, dies ist überhaupt kein Ultimatum.
Und ich hoffe, es demonstriert, daß wir bereit sind, ihm
persönlich zu sagen, wie fest wir den UN-Resolutionen
verpflichtet sind. Wie ich Ihnen bereits gesagt habe,
hatte ich nicht das Gefühl, daß er dieses Engagement
gespürt hat. Er mag es vielleicht jetzt etwas stärker
gespürt haben, wo der UN-Sicherheitsrat - entgegen
der Ansicht vieler Skeptiker - tatsächlich zusammengekommen ist und diese außerordentlich wichtige
Resolution verabschiedet hat.

AMERIKA DIENST 48

�Er muß sich darüber klarwerden, was die Alternativen
zur Befolgung der UN-Resolution sind. Das beste
Mittel, ihm das zu verdeutlichen, ist ein persönliches
Gespräch zwischen Außenminister Baker und ihm.
Mir wurde gesagt, er gehe nicht zwangsläufig davon
aus, daß ich nicht von meinen Worten abrücke - und
hier bietet sich eine gute Gelegenheit, ihm dies unter
vier Augen klarzumachen.
Wir wollen ihn persönlich dazu bewegen, die UNResolutionen zu befolgen. Wir wollen ihm durch den
Außenminister, der unermüdlich an der Verabschiedung dieser Resolution gearbeitet hat, die Kraft des
Engagements der internationalen Staatengemeinschaft
beweisen. Und dann versuchen, ihn zu überzeugen,
seine Position zu überdenken und die für eine friedliche Lösung der Krise erforderlichen Schritte zu unternehmen.
Sie müssen jedoch wissen, daß es sich hierbei nicht
um eine Reise der Zugeständnisse handelt. Wen
jemand tut, was er getan hat, dann sind meines Erachtens Zugeständnisse - die Chance, das Gesicht zu
wahren - fehl am Platze. Auf diese Weise geht man
nicht gegen Aggression vor, und wir werden ihn nicht
anders behandeln als ich hier aufgezeigt habe.
Frage: Sie haben den Schaden erwähnt, den die
hohen ölpreise der Weltwirtschaft zufügen. Sollten
Saudi-Arabien und die anderen Ölförderstaaten ihren
unverhofften Gewinn großzügiger mit den anderen
teilen?
Antwort: Meines Erachtens übernehmen sie bereits
einen Großteil der Kosten für mehrere Länder und
helfen Drittländern, die durch dieses Ereignis betroffen
sind. Jeder sollte jedoch noch einen Schritt tun, um
anderen zu helfen.
Es hat mich gefreut, beispielsweise in den Gesprächen
mit Präsident Salinas in Mexiko zu erfahren, daß er
durch den Verkauf von Öl zu wert unter dem aufgeblähten Weltmarktniveau liegenden Preisen versucht, die
Last zu mindern. Jeder sollte versuchen zu helfen. Die
Saudis sind anderen Ländern gegenüber vielfältige
Verpflichtungen zur Hilfe eingegangen, und ich bin
zuversichtlich, daß sie das auch weiterhin tun werden.
Frage: Sollte Saudi-Arabien die Wehrpflicht einführen?
Antwort: Das müssen die Saudis entscheiden. Übrigens finde ich nicht, daß die Vereinigten Staaten sie
benötigen.
Frage: Wenn Sie letztlich das Gefühl haben, Sie
müssen die Amerikaner um ihre Unterstützung für den
Einsatz von Gewalt bitten, so heißt das natürlich, Sie
müssen einige Eltern bitten, das Leben ihrer Kinder
aufs Spiel zu setzen.
Antwort: Dessen bin ich mir bewußt.

AMERIKA DIENST 48

Frage: Wir alle wissen, wie wichtig Ihre Kinder für Sie
sind. Haben Sie das Gefühl, dieses Problem ist so
gravierend, daß Sie sich vorstellen könnten, eines
ihrer Leben dafür zu opfern?
Antwort: Dies ist eine außerordentlich schwierige
Frage. Ich werde gefragt: "Wie viel Menschenleben
können Sie vergeuden?" Jedes einzelne ist wertvoll.
Ich möchte mich hier nicht in Reminiszenzen ergehen
- aber ich war auch dabei. Ich weiß, was es bedeutet,
Kameraden fallen und junge Männer im Kampf sterben
zu sehen.
Nur dem Präsidenten sollte die Entscheidung darüber
zukommen: Ist es dies alles wirklich wert? Wie viele
Menschenleben ist es wert? Lohnt es sich, ein Menschenleben zu opfern, ein Menschenleben aufs Spiel
zusetzen, um diese Ziel zu verwirklichen? Aus diesem
Grund möchte ich eine friedliche Lösung dieser Frage.
Sie sollten meine Post lesen. Es ist herzergreifend.
Voller Unterstützung - und dennoch, "bitte, bringen Sie
mein Kind zurück. Bitte bringen Sie meinen Mann
zurück." Es ist ein schwieriges Problem, aber der
Präsident muß die richtige Entscheidung treffen und
hierbei handelt es sich um weltweite Prinzipien von
moralischer Bedeutung. Ich werde alles in meiner
Macht Stehende tun, um diese Kinder zurückzubringen, ohne daß ein einziger Schuß im Zorn gefallen ist.
Und wenn ein Schuß im Zorn fällt, möchte ich all
denjenigen versichern, daß ihr Kind, dessen Leben auf
dem Spiel steht, ein Höchstmaß an Unterstützung
erfährt und die besten Chancen hat, lebend zurückzukommen.
Aus diesem Grund, wegen dieser Frage, die auf meiner Seele lastet, habe ich heute morgen hinzugefügt,
daß dies nicht ein zweites Vietnam wird. Aus diesem
Grund arbeite ich so hart wie möglich, um diese
Koalition nicht nur zusammenzuhalten, sondern sie zu
stärken. Der beste Weg, das Leben der Amerikaner zu
schützen, ist, daß Saddam Hussein tut, was er schon
vor langer Zeit hätte tun sollen. Und wenn Gewalt
angewendet werden muß, besteht der beste Weg,
Menschenleben zu schützen in der Bereitschaft zu
deren Einsatz. Das ist meine Position.
Frage: Es scheint, als würden Sie den Volksvertretern
die Möglichkeit verweigern, über diese Angelegenheit
zu sprechen und ihrer Meinung Ausdruck zu verleihen.
Sie kennen den Kongreß, und dennoch vermeiden Sie
ihn. Sie wissen, die Verfassung gewährt ihm nicht nur
das Recht zur Kriegserklärung, das Geld bereitzustellen und seine Meinung darüber abzugeben, was mit
den Truppen geschehen soll. Das ist die Verfassung.
Dennoch scheinen Sie das zu vermeiden. Die Fachleute auf dem Capitol Hill sagen, Sie hätten mit Vorankündigung gehandelt, zwei oder drei Kongreßabgeordnete zu sich berufen und ihnen erklärt, "Wir sind auf
dem Weg". Sie haben die Entscheidung bereits getroffen, sie benachrichtigen den Kongreß nur - das ist

Seite 7

�Vorankündigung, das sind keine Konsultationen mit
dem Kongreß. Die Kongreßabgeordneten sagen, Sie
sollten sich mit ihnen zusammensetzen und alles im
einzelnen mit ihnen erörtern - ich werde Sie daran
erinnern, wenn Foley als Sprecher des Repräsentantenhauses das Wort hat. Er mag Sprecher des Hauses
sein, aber ohne jeden Zweifel spricht er nicht für Florida
oder Texas.
Antwort: Sie haben genau das Dilemma aufgezeigt,
in dem ich mich befinde. Ich begrüße die Anhörungen
im Kongreß. Wir haben Anhörungen, wir konsultieren.
Aber ich will ehrlich zu Ihnen sein - ich kann mich nicht
mit 535 Abgeordneten auseinandersetzen, von denen
jeder seinen eigenen Willen hat. Weder kann ich es,
noch bin ich durch die Verfassung dazu verpflichtet.
Ich glaube, jeder stimmt mit mir überein, daß ich mehr
Konsultationen als vorangegangene Administrationen
geführt habe.
Frage: In unserem Land gibt es einen Mehrheitsbeschluß, und Sie scheinen sich davor zu fürchten.
Antwort: Nein, keineswegs. Wir haben Gewaltenteilung, und ich kenne die Stärken und Grenzen der
Präsidentschaft.
Dies ist eine interessante Debatte. Und ich kenne
meine Grenzen. Ich weiß, was ich tun kann, ich weiß,

* *

Seite 8

was vorherige Präsidenten getan haben. Und ich bin
immer noch entschlossen, bei Konsultationen noch
einen Schritt zu machen.
Frage: Sie und Außenminister Baker scheinen den
anderen Ländern und den Vereinten Nationen die
Möglichkeit zum Gespräch zu geben - aber dem Volk
der Vereinigten Staaten wollen Sie keine Chance zur
Diskussion mit Ihnen einräumen.
Antwort: Das ist absolut absurd. Es finden Anhörungen statt, es wird gesprochen. Im Rahmen der Sitzungsresolution hat der Kongreß das Recht, in dieser
Minute zusammenzutreten. Einige im Repräsentantenhaus wollen jetzt eine Sitzung einberufen, andere
wollen später daüber sprechen. Einige im Senat
wollen jetzt sofort zusammenkommen und unverzüglich ihre Unterstützung für das Vorgehen des Präsidenten und die Resolution des UN-Sicherheitsrats zum
Ausdruck bringen, und ich bin dafür. Andere nicht.
Also gehen die Konsultationen weiter. Bitte unterstellen Sie mit kein unlauteren Motive. Wir - sie - besprechen sich zur Zeit. Es finden endlose Anhörungen mit
einer unendlichen Zahl von Experten statt, von denen
jeder einen etwas unterschiedlichen Standpunkt vertritt. Das ist die amerikanische Art und Weise, und das
ist richtig so. Ich kenne die Verantwortlichkeiten des
Präsidenten, und ich werde ihnen gerecht.

* *

*

AMERIKA DIENST 48

�GOLFKRISE
5. Dezember 1990

DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse vom 16. bis 30. November 1990
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend führen wir die Chronologie der Ereignisse am Golf für den Zeitraum vom
16. bis 30. November fort.

16. November

22. November

Der Verwaltungsrat der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) beschließt bei seiner Sitzung in Genf vom
12. bis 16. November 1990, eine Beschwerde der drei
kuwaitischen Mitgliedsgruppen (Regierung, Arbeitnehmer- und Arbeitgeberorganisation) gegen die irakische Behandlung von Arbeitgebern und Gewerkschaften in Kuwait an den IAO-Ausschuß für Assoziationsfreiheit zu überweisen. Der Bericht soll im Februar
1991 abgeschlossen sein.

Am amerikanischen Erntedankfest besuchen Präsident Bush und seine Frau amerikanische Truppen in
Saudi-Arabien.

Der Verwaltungsrat der ILO akzeptiert eine Beschwerde des ägyptischen Gewerkschaftsdachverbands gegen
die Regierung des Irak wegen der Verletzung der
Rechte ägyptischer Gastarbeiter im Irak. Die Beschwerde wird zur Untersuchung und Beschlußfassung an einen drittelparitätisch besetzten Ausschuß
verwiesen.
20. November
Saddam Hussein ordnet die Freilassung aller deutschen Geiseln an.
21. November
Präsident Bush erklärt in getrennten Treffen mit dem
im Exil lebenden Emir von Kuwait und dem saudiarabischen König Fahd, Saddam Husseins Grausamkeit
und Barbarei würden in der folgenden Woche bei den
Vereinten Nationen in den Mittelpunkt des Weltinteresses gerückt werden. "Die Gerechtigkeit verlangt, daß
die Welt zuhört und genau versteht, welche Brutalität
er unschuldigen Familien zugefügt hat. Was er heute
den Geiseln in Kuwait antut, ist erschreckend."

AMERIKA DIENST 48

23. November 1990
In einer Plenarsitzung verabschiedet das Europaparlament in Straßburg zum dritten Mal in drei Monaten
eine Resolution, in der der Irak wegen seiner "brutalen
und ungerechtfertigten" Invasion Kuwaits aufs schärfste verurteilt und Besorgnis über die von Bagdad
gegen die Bürger Kuwaits durchgeführte "Terrorkampagne" ausgedrückt wird.
24. November
Das fünfte Gipfeltreffen des Südasiatischen Verbands
für Regionale Zusammenarbeit (SAARC) in Male fordert den "unverzüglichen und bedingungslosen Abzug
der irakischen Streitkräfte aus Kuwait und die Wiedereinsetzung seiner rechtmäßigen Regierung". Die
Mitgliedstaaten des SAARC werden durch den Präsidenten von Bangladesh, Hussain Muhammad Ershad,
den König von Bhutan, Jigme Singye Wangehuck, den
Premierminister von Indien, Chandra Shekar, den
Präsident der Malediven, Maumoon Abdul Gayoom,
den Premierminister von Nepal, Krishna Prasad Bhattari, den Premierminister von Pakistan, Mohammad
Nawaz Sharif und den Premierminister von Sri Lanka,
Dingiri Banda Wijetunga, vertreten.
Präsident Bush und Ägyptens Präsident Hosni Mubarak treffen in Kairo zusammen, um über die Golfkrise
und den Status der amerikanischen und ägyptischen

Seite 1

�Truppen in Saudi-Arabien zu beraten. Zu Beginn des
Treffens mit Bush erklärt Mubarak vor Reportern, er
sei "pessimistisch" in bezug auf Chancen für eine
friedliche Lösung, weil "es auf der anderen Seite
keinerlei Bewegung gegeben hat".
26. November
In einer Rede vor dem Obersten Sowjet warnt Präsident Michail Gorbatschow den irakischen Präsidenten
Saddam Hussein, seine Aggression gegen Kuwait
werde bestraft, und er gelobt, das Bündnis gegen den
Irak werde nicht unterlaufen.
27. November 1990
Der in einer Sondersitzung zusammengetretene UNSicherheitsrat hört detaillierte Berichte von sechs
kuwaitischen Flüchtlingen über menschenunwürdige
Behandlung durch die irakischen Besatzungstruppen
in Kuwait. Irakische Soldaten haben "in Kuwait auf
eine Weise gefoltert, vergewaltigt und geplündert, die
Erinnerungen an die Zeit der Piratenüberfälle und der
Kriege primitiver Urvölker wach werden läßt", erklärt
der kuwaitische Botschafter Mohammad Abulhasan
anhand von Videoaufzeichnungen, die aus Kuwait
herausgeschmuggelt wurden.
Berichten des US-Verteidigungsministeriums zufolge
sind im Golf zum Zweck der Durchführung der UNSanktionen 4 162 Schiffe abgefangen worden. In 500
Fällen wurden Überprüfungen an Bord vorgenommen,
und 19 Schiffe wurden umgeleitet. Von den Kontrollen
haben die Vereinigten Staaten 320 durchgeführt, die
verbündeten Streitkräfte 162 und die US-Truppen
zusammen mit den Verbündeten 18.
Die Abteilung zur Kontrolle von Auslandsvermögen im
US-Finanzministerium erklärt, sie werde eine offizielle
Untersuchung der in den Vereinigten Staaten eingefrorenen irakischen Vermögenswerte durchführen, die
auf 1 Milliarde Dollar geschätzt werden.
28. November
Die Generalversammlung verurteilt am 28. November
mit der überwältigenden Mehrheit von 148 zu 1 Stimme Gewaltakte gegen diplomatische und konsularische Vertretungen und ihre Mitarbeiter und verweist
dabei insbesondere auf die Vorgehensweise des Irak
im besetzten Kuwait.
Die Resolution fordert die unverzügliche Aufgabe der
Zuwiderhandlungen im Sinne der Resolutionen 664,
667 und 674 des Sicherheitsrats, die Iraks Verletzungen des Völkerrechts seit der Besetzung Kuwaits
betreffen.
Der kuwaitische Botschafter bei den Vereinten Nationen, Mohammad Abulhasan, bittet die Vereinten Nationen um den Schutz der kuwaitischen Aktenbestände und berichtet dem UN-Sicherheitsrat, die iraki-

Seite 2

sehen Besatzungstruppen hätten kuwaitische Meldekarteien konfisziert, die Registraturen zahlreicher
Ministerien - einschlie ßlich vieler Bevölkerungsstatistiken - verbrannt sowie Häuser und Grundstücke mit
Gewalt beschlagnahmt, um Kuwaitis zum Verlassen
ihrer Heimat zu zwingen.
Der UN-Sicherheitsrat verabschiedet einstimmig die
Resolution 677, in der irakische Bestrebungen zur
Veränderung der kuwaitischen Bevölkerungsstruktur
und die Vernichtung der Unterlagen der rechtmäßigen
Regierung Kuwaits verurteilt werden. Die Resolution
ermächtigt den UN-Generalsekretär Perez de Cuellar,
eine Kopie des kuwaitischen Melderegisters vom Stand
1. August 1990 in Verwahrung zu nehmen, die nach
der Invasion am 2. August aus Kuwait herausgeschmuggelt wurde. Die Resolution wird von Äthiopien,
Cöte d'lvoire, Finnland, Großbritannien, Kanada,
Rumänien und Zaire unterstützt.
29. November
Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verabschiedet Resolution 678 mit 12:2 Stimmen (Jemen, Kuba),
die den Einsatz aller erforderlichen Mittel genehmigt,
um den Irak zum Abzug aus Kuwait zu zwingen, wenn
er die UN-Resolutionen nicht befolgt und sich bis zum
15. Januar 1991 aus Kuwait zurückzieht. China enthält
sich der Stimme.
Resolution 678 des Sicherheitsrats fordert die uneingeschränkte Einhaltung der UN-Resolutionen durch
den Irak mit der Bedingung, daß er seine Truppen aus
Kuwait abzieht und die rechtmäßige Regierung in
Kuwait wiedereinsetzt. Sie stellt fest, die Mitgliedstaaten seien zum Einsatz "aller erforderlichen Mittel" zu
ihrer Aufrechterhaltung und "Wiederherstellung des
internationalen Friedens und der Sicherheit" berechtigt, falls der Irak die vorangegangenen Resolutionen
nicht bis zum 15. Januar 1991 voll und ganz verwirklicht.
In Genf gibt die Internationale Arbeitsorganisation
bekannt, sie werde die irakischen Behörden bitten,
einer Delegation die Reise nach Kuwait zu gestatten,
um über die seit der irakischen Invasion am 2. August
immer schlechter werdenden Bedingungen für Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu berichten. Die irakischen
Behörden werden aufgefordert, zu Beschuldigungen
von Plünderungen und Zerstörung der Einrichtungen
der kuwaitischen Arbeitgeberorganisation und Gewerkschaftsbewegung sowie der Verhaftung und Ausweisung ihrer Vorsitzenden Stellung zu nehmen.
30. November
Die irakische Regierung veröffentlicht eine Erklärung,
in der Resolution 678 des UN-Sicherheitsrats als
"unrechtmäßig und ungültig" erklärt wird. In Radiosendungen Stunden nach der UN-Abstimmung lehnen
der regierende Revolutionäre Kommandorat Bagdads

AMERIKA DIENST 48

�und die Arabische Sozialistische Baath-Partei, die
beide von Saddam Hussein angeführt werden, auch
das Ultimatum der Vereinten Nationen ab, bis Mitte
Januar aus Kuwait abzuziehen oder sich dem Einsatz
von Gewalt ausgesetzt zu sehen.
Präsident Bush gibt bekannt, daß die Vereinigten
Staaten Außenminister Tarik Asis nach Washington
einladen werden und unterbreiten den Vorschlag, daß
der irakische Präsident Saddam Hussein im Gegenzug Au ßenminister James Baker zu einem beiderseits
genehmen Termin zwischen dem 15. Dezember und
15. Januar empfangen soll.
Die zu einem Treffen in La Paz zusammengekommenen Präsidenten des Andenpakts aus Bolivien, Ecuador, Kolumbien, Peru und Venezuela verfassen ge-

*

AMERIKA DIENST 48

meinsam ein Schreiben an Saddam Hussein, in dem
sie ihrer Überzeugung Ausdruck verleihen, daß der
Irak die Resolutionen des UN-Sicherheitsrats "einhalten muß" und den Irak zum Abzug aus Kuwait auffordern. Die Präsidenten, die die Golf krise auf irakischen
Wunsch erörtern, erklären femer, sie "wiederholen
ihre Verpflichtung zu einer friedlichen Lösung ... und
fordern deshalb einen Dialog zwischen den betroffenen Parteien im Anschluß an den Abzug (des Irak) aus
dem besetzten Gebiet - der unerläßlichen Bedingung
für den erwünschten Abbau der Spannungen". Das
Schreiben ist von den Präsidenten Jaime Paz Zamora
(Bolivien), Cesar Gaviria Trujillo (Kolumbien), Rodrigo
Boria Cevallos (Ecuador), Alberto Fujimori Fujimori
(Peru) und Carlos Abdres Peres (Venezuela) unterzeichnet.

* * *

*

Seite 3

�GATT
5. Dezember 1990

HILLS WARNT VOR FEHLSCHLAG
DER URUGUAY-RUNDE
Erklärung der US-Handelsbeauftragten
BRÜSSEL - (AD) - Der US-Handelsbauftragten Carla Hills zufolge wird die Uruguay-Runde nur dann erfolgreich
enden, wenn sich die beteiligten Staaten auf präzise Reduzierungen von Stützungsmaßnahmen im Inland,
Handelsschranken und Exportsubventionen in der Landwirtschaft verständigen.
"Die Vereinigten Staaten wünschen den Erfolg dieser Verhandlungen", erklärte Hills bei der Eröffnung des
Ministertreffens der GATT-Runde am 3. Dezember 1990 in Brüssel. "Diese Runde wird jedoch nur dann
erfolgreich sein, wenn sie als Schwert dient, mit dem Handelsschranken beseitigt werden, nicht als Schild, hinter
dem sie aufrechterhalten oder errichtet werden."
Wir veröffentlichen die Erklärung der US-Handelsbeauftragten nachfolgend im Wortlaut.

Dies ist die letzte - ich wiederhole - die letzte Woche der
Uruguay-Runde. Es wird keine Verlängerung geben.
Die Zeit der Rhetorik ist vorbei. Jetzt ist der Zeitpunkt
zu offenen Gesprächen und Grenzziehungen gekommen.
Ein Erfolg in dieser Woche bedeutet einen dramatischen Zuwachs an weltweitem Wohlstand, ein Scheitern das Abgleiten in den Protektionismus und die
durch ihn hervorgerufene politische Instabilität.
Nur eine Sache steht zwischen uns und der Einleitung
einer weltweiten wirtschaftlichen Renaissance: das
Patt in der Landwirtschaft. Eine grundlegende Reform
der Landwirtschaft wird von den Staaten das Eingehen
präziser Verpflichtungen erfordern, um Stützungsmaß
nahmen im Inland, Marktschranken und Exportsub
ventionen zu reduzieren. Ausgleichsbestimmungen
sind der Feind von Reformen, weil sie Märkte verschließen. Der Prozeß der Tariffierung ist unerläßlich
für Reformen, weil er einen Mechanismus bietet, um
Märkte zu öffnen und sie offen zu halten.
Die Vereinigten Staaten, die 13 Mitgliedstaaten der
Caims-Gruppe und andere Agrarexportländer unterstützen diese Grundprinzipien. In diesen Verhandlungen besteht ein Patt, weil einige wenige Länder sich
geweigert haben, über präzise Verpflichtungen zum
Abbau handelsverzerrender Stützungsmaßnahmen im

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Inland, zur Öffnung ihrer Märkte für Importe und
Reduzierung des Einsatzes von Exportsubventionen
zu verhandeln. Das Schicksal der Runde ist in der
Schwebe.
Die Vereinigten Staaten wünschen den Erfolg dieser
Verhandlungen. Diese Runde wird jedoch nur dann
erfolgreich sein, wenn sie als Schwert dient, mit dem
Handelsschranken beseitigt werden, nicht als Schild,
hinter dem sie aufrechterhalten oder errichtet werden.
Kurzum: die einzig akzeptablen Vereinbarungen sind
solche, die der Marktöffnung dienen. Deshalb haben
wir über den Bereich der Reform des Agrarsektors
hinaus diese Woche noch viel Arbeit zu leisten. Wir
müssen insbesondere:
die in Montreal gesetzten Ziele im Hinblick auf
Marktzugang erreichen oder übertreffen. Die
Vereinigten Staaten haben angeboten, ihre
Schranken um nahezu 40 Prozent abzubauen,
und wir sind bereit, in Schlüsselbereichen über
die weltweite vollständige Abschaffung von Zöllen
zu verhandeln, darunter bei Stahl, Aluminium,
Papier, Elektronik und Arzneimitteln;
durchgreifende Regeln zum Schutz und zur
Durchsetzung der Rechte an geistigem Eigentum vereinbaren und ein freieres Umfeld für
Investitionen fördern;

Seite 1

�die GATT-Regeln und Disziplinen im Hinblick
auf Subventionen, Zahlungsbilanzen, Schutzvorkehrungen und Schlichtung von Streitfällen
verbessern.
Schließlich müssen wir über ein marktöffnendes Abkommen bei Dienstleistungen verhandeln, darunter
auch solche im Finanzwesen. Die Vereinigten Staaten
sind der offenste Markt für Dienstleistungen der Welt.
Wir möchten, daß auch Ihre Märkte für Dienstleistungen ebenso offen sind wie der unsrige.
Die Verhandlungen über den Dienstleistungsbereich
beschäftigten sich hauptsächlich mit einer Kontroverse über die Meistbegünstigungsbestimmungen des
Abkommens. Die Verpflichtung, in dieser Hinsicht kein
Land zu diskriminieren, ist ein Grundprinzip des GATT,
das von den Vereinigten Staaten uneingeschränkt
unterstützt wird.
Ohne Verpflichtungen zur Marktöffnung bedeuten solche
Meistbegünstigungsverpflichtungen, daß Länder mit
offenen Märkten jedermann offenstehen müssen,
während Länder mit geschlossenen Märkten für jedermann verschlossen bleiben und keinen Anreiz bekommen, ihre Märkte für irgendjemanden zu öffnen.

Meistbegünstigung verpflichtet ist, solange es keine
Marktöffnungsverpflichtungen mit anderen Ländern
abgeschlossen hat. Die Vereinigten Staaten haben
Angebote zu Verhandlungen über solche Verpflichtungen in über 30 Sektoren vorgelegt. Nur die Schweiz,
Japan und heute Kanada haben sich uns dabei angeschlossen.
Bei Dienstleistungen - wie in der Landwirtschaft, bei
Marktzugang, Textilien, Regeln und den anderen neuen
Fragen - engagieren sich die Vereinigten Staaten für
die multilaterale Öffnung der Märkte. Wir haben mit
Nachdruck auf dieses Ziel hingearbeitet und dabei
Pragmatismus und Flexibilität bewiesen, und das wird
auch weiterhin der Fall sein.
Es gibt auf dem Weg zu einem Abkommen in all diesen
Bereichen hier in Brüssel keine unüberwindlichen
Hindernisse. In den wenigen uns zur Verfügung stehenden Tagen sollten wir gemeinsam den politischen
Willen aufbringen, unsere Handelsschranken abzubauen und damit die Weltwirtschaft in den neunziger
Jahren um über 4 Billionen Dollar zu vergrößern.
Wir können es schaffen. Aber es wird unseren ganzen
Einsatz erfordern.

Aus diesem Grund haben die Vereinigten Staaten
vorgeschlagen, daß kein Land zur Gewährung der

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�EINWANDERUNG
5. Dezember 1990

EINWANDERUNGSGESETZ VON 1990
Übersicht des Weißen Hauses
Die folgende Übersicht über das Einwanderungsgesetz von 1990 wurde vom Weißen Haus am 29. November
1990 veröffentlicht.

Im Einwanderungsgesetz von 1990 findet die umfassendste Reform unserer Einwanderungsgesetze seit
66 Jahren ihren Niederschlag. Das Gesetz ist die
Verwirklichung dessen, was die Administration von
Beginn des Einwanderungsreformprozesses angestrebt
hat: stärkere Einwanderung qualifizierter Personen
zur Erfüllung unseres wirtschaftlichen Bedarfs bei
gleichzeitiger Aufrechterhaltung unseres Engagements
zur Familienzusammenführung. Das Gesetz trägt
dem einzigartigen Vorteil der Vereinigten Staaten
Rechnung, Magnet für ehrgeizige und talentierte
Menschen aus aller Welt zu sein.
Die wesentlichsten Punkte des Gesetzes sind:
Die Einwanderungsquote wird von 540 000 Personen
im Jahr 1989 von 1992 bis 1994 auf insgesamt 700 000
pro Jahr aufgestockt. Danach wird sich die Einwanderungsquote auf mindestens 675 000 Personen belaufen.
Mit einer Arbeitserlaubnis verbundene Einwanderungsanträge werden mehr als verdoppelt, von 54 000 pro
Jahr auf 140 000 jährlich. Den neuen Kriterien zufolge
wird sichergestellt, daß die Mehrzahl dieser Arbeitnehmer hochqualifiziert sind. Diese Aufstockung qualifizierter Einwanderer trägt dazu bei, unsere Engpässe
bei Arbeitskräften in technologischen Schlüsselbereichen zu beheben und die Wettbewerbsfähigkeit unserer Erwerbsbevölkerung zu verbessern. Dank besonderer Klauseln für Investoren sollen im ländlichen
Raum neue Arbeitsplätze geschaffen und Investitionskapital angezogen werden.
Einwanderungsanträge aus familiären Gründen werden in allen wesentlichen Kategorien in größerer Zahl

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genehmigt und bis zum Jahr 1994 jährlich 520 000
betragen. Diese Zahl enthält die Sondergenehmigung
von 55 000 Visa pro Jahr von 1992 bis 1994 für
Ehegatten und minderjährige Kinder von Personen,
denen im Jahr 1986 Amnestie gewährt wurde. Ab
1995 wird sich die Einwanderungsquote aus familiären
Gründen auf mindestens 480 000 Personen jährlich
belaufen.
Pro Jahr werden 40 000 neue Visaanträge von Einwanderern unterschiedlichster Nationalitäten genehmigt, um die Nationalitätenvielfalt zu erweitern. Ab
1995 wird diese Zahl auf 55 000 Personen pro Jahr
angehoben. Bildungs- und Ausbildungsbestimmungen stellen sicher, daß diese Einwanderer rasch produktive Mitglieder unserer Gesellschaft werden.
Einige veraltetete und restriktive Einwanderungsbestimmungen werden aufgehoben. Zum ersten Mal seit
Jahrzehnten werden damit die Einwanderungsbestimmungen gelockert.
Neue Klauseln unterstützen den Kampf gegen Drogen
und Gewaltverbrechen. Die Ausweisung krimineller
Ausländer wird beschleunigt. Darüber hinaus erteilt
das Gesetz Beamten der Einwanderungs- und Einbürgerungsbehörde der Vereinigten Staaten die generelle Befugnis zur Festnahme Verdächtiger.
Die im Einwanderungsreform- und kontrollgesetz von
1986 (The Immigration and Control Act of 1986 - IRCA)
enthaltenen Punkte zur Gleichstellung von Arbeitnehmern wurden verbessert. Mit dem Gesetz sollen
Benachteiligungen verhindert werden, die sich aus
den Klauseln über Arbeitgebersanktionen im IRCA
ergeben könnten.

Seite 1

�Eine neue Erleichterung, der sogenannte "Status zeitweiligen Schutzes", wird eingeführt. Mit dieser Klausel
sollen Ausländer geschützt werden, die aufgrund von
Krieg, Naturkatastrophen oder anderer au ßergewöhlicher Umstände nicht in ihr Heimatland zurückkehren
können. Ausländern mit diesem Status wird eine
Arbeitserlaubnis und Aufenthaltsgenehmigung bis zu
dem Zeitpunkt erteilt, an dem die Lage in ihrem Heimatland ihre Rückkehr gestattet. Einer Sonderklausel
zufolge fallen Bürger von El Salvador derzeit in den
Vereinigten Staaten bis Juli 1992 unter den Status
zeitweiligen Schutzes.

auch die Einbürgerung von philippinischen Kriegsveteranen gestattet, die im Zweiten Weltkrieg dem Kommando der Vereinigten Staaten unterstellt waren.
Das Einwanderungsgesetz von 1990 ist ein große
Errungenschaft im innenpolitischen Programm des
Präsidenten. Es wird dazu beitragen, eine ausreichende Zahl qualifizierter Arbeitskräfte zu gewährleisten,
um den Erfordernissen der neunziger Jahre gerecht zu
werden, die Bande erhalten, die für eine Familie so
lebenswichtig sind und die Nationalitätenvielfalt unserer Einwanderer erhöhen.

Das Verwaltungsverfahren für Einbürgerungsanträge
wurde beschleunigt. Dem neuen Gesetz zufolge wird

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 48

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                <text>&lt;strong&gt;1. Golfkrise&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush bezweifelt den alleinigen Erfolg der Sanktionen gegen Irak&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache und Pressekonferenz des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Golfkrise&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Chronologie der Ereignisse vom 16. bis 30. November 1990&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. GATT&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Hills warnt vor Fehlschlag der Uruguay-Runde&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung der US-Handelsbeauftragten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Einwanderung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Einwanderungsgesetz von 1990&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Übersicht des Weißen Hauses&lt;/em&gt;</text>
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Deichmanns Aue 29

5300 Bonn 2

12. Dezember 1990

49

GOLFKRISE

BAKER FORDERT HUSSEINS
UNVERZÜGLICHEN RÜCKZUG AUS KUWAIT
Erklärung des Außenministers vor Senatsausschuß

GATT-

LANDWIRTSCHAFT WEITERHIN SCHLÜSSEL
ZUM ERFOLG BEI GATT-GESPRÄCHEN
Pressekonferenz der US-Delegation in Brüssel

MENSCHENRECHTE

SCHIFTER: DEMOKRATIE IM AUFWIND
Rede zum Tag der Menschenrechte

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392366
Telex: 8-85432

�GOLFKRISE
12. Dezember 1990

BAKER FORDERT HUSSEINS UNVERZÜGLICHEN
RÜCKZUG AUS KUWAIT
Erklärung des Außenministers vor Senatsausschuß
WASHINGTON - (AD) - In einem Appell an den Kongreß und das amerikanische Volk forderte Außenminister
Baker am 5. Dezember 1990, dem irakischen Präsident Saddam Hussein ein unmißverständliches Signal zu
senden, "sich jetzt aus Kuwait zurückzuziehen oder alles zu riskieren".
"Bis heute deuten alle verfügbaren Erkenntnisse darauf hin", daß die vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen
verhängten Wirtschafts- und Handelssanktionen gegen den Irak "Saddam Husseins Neigung zum Abzug kaum
beeinflußt haben", erklärte Baker in einer Anhörung vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats. Der
Außenminister forderte kontinuierliche Unterstützung der militärischen Vorbereitungen, "um die Option einer
Offense zur Befreiung Kuwaits glaubwürdig zu machen".
Saddam Hussein müsse demonstriert werden, daß "die Zeit gegen ihn arbeitet", so Baker. "Selbst wenn er
glaubt, den Sanktionen trotzen zu können - und diese Überzeugung mag zutreffen - mu ß er wissen, daß wir ihm
gegebenenfalls durch den Einsatz von Gewalt einen noch höheren Preis abverlangen können und werden."
Außenminister Bakers Rede hat folgenden Wortlaut.

Ich stehe heute zum dritten Mal seit der Besetzung
Kuwaits durch den Irak am 2. August vor Ihnen.
Ich möchte Sie heute erneut konsultieren, weil ein - bis
an die Zähne bewaffneter - außerordentlich gefährlicher Diktator eine äußerst wichtige Region in einem
entscheidenden Augenblick der Geschichte bedroht.
Ihm muß Einhalt geboten werden - mit friedlichen
Mitteln, wenn möglich und mit Gewalt, falls nötig.
Mein Manuskript konzentriert sich auf drei Aspekte der
Situation:
Erstens die Erläuterung der Strategie des Präsidenten,
zweitens die detaillierte Begründung dafür, daß die
Vorbereitungen für den möglichen Einsatz von Gewalt
- und in der Tat die Bereitschaft zur Gewaltanwendung,
falls erforderlich - zur Erlangung einer friedlichen Lösung
unabdingbar sind, und
drittens die Darlegung des zwingenden Interesses,
das wir daran haben, die brutale Aggression Saddam
Husseins zunichte zu machen.

AMERIKA DIENST 49

Strategie
Von Anfang an hat die internationale Staatengemeinschaft vier Zielsetzungen verfolgt:
Erstens den unverzüglichen, uneingeschränkten und
bedingungslosen Abzug des Irak aus Kuwait,
zweitens die Wiedereinsetzung der rechtmäßigen
Regierung Kuwaits,
drittens die Freilassung aller Geiseln, und
viertens die Verpflichtung zu Sicherheit und Stabilität
am Persischen Golf.
Der Präsident hat wiederholt festgestellt, daß wir diese
Ziele mit friedlichen Mitteln erlangen wollen. Er hat
auch klargestellt, daß wir sie mit den geringsten Kosten für uns und die anderen Mitglieder der internationalen Koalition erreichen wollen.
Von Anfang an bestand unsere Strategie zur Verwirklichung dieser Ziele darin, Saddam Hussein einen
solch hohen Preis für seine Aggression abzuverlan-

Seite 1

�gen, daß erzürn Rückzug aus Kuwait veranlaßt würde.
Wir zielten darauf ab, Saddam für seine Aggression
zahlen zu lassen, indem wir den Druck und die Schmerzgrenze immer weiter erhöht haben - politisch, wirtschaftlich und militärisch. Wirtschaftssanktionen und
militärische Vorbereitungen bilden hierzu keine Alternative, sondern verstärken und beschleunigen diese
Strategie.
Trotz unseres Wunschs nach Frieden haben wir von
Anfang an in dem Bewußtsein gehandelt, daß wir
angesichts der auf dem Spiel stehenden lebenswichtigen Interessen zum Einsatz von Gewalt bereit sein
müssen, wenn diese Ziele nicht mit friedlichen Mittin
erreicht werden können.
Aus diesem Grund hat die von den Vereinigten Staaten
angeführte internationale Koalition dem Irak vom 2.
August an Kosten für seine Aggression auferlegt.
Am Tag der Invasion hat der Sicherheitsrat Resolution
660 verabschiedet, die den unverzüglichen Abzug des
Irak aus Kuwait fordert. Als diese Bestrebungen und
die diplomatischen Bemühungen der Arabischen Liga
von Saddam Hussein uneingeschränkt abgelehnt
wurden, verhängte der Sicherheitsrat am 6. August
obligatorische Wirtschaftssanktionen, um den Druck
auf den Irak zu verstärken und ihm höhere Kosten für
seine Aggression abzuverlangen, in der Hoffnung, daß
Saddam Hussein sich aufgrund der politischen und
wirtschaftlichen Isolierung zurückziehen werde.
Gleichzeitig mit diesen diplomatischen und wirtschaftlichen Maßnahmen wurden zur Abschreckung weiterer Aggression und als Unterstützung der Resolutionen
des Sicherheitsrats Streitkräfte in der Region stationiert. Bis heute haben sich 27 Nationen dieser wahrlich einmaligen multinationalen Streitmacht angeschlossen.
Bis heute konnte die internationale Koalition beachtliche Fortschritte bei der Isolierung des Irak verzeichnen und hat ihn für seine Besetzung Kuwaits zahlen
lassen. Wir bedauern die Leiden, die den unschuldigen Bürgern des Irak damit zugefügt werden - einem
Volk, mit dem wir nicht im Streit liegen.
Wir sehen uns jedoch jetzt mit der Frage konfrontiert,
ob die Saddam Hussein in Form von Sanktionen
auferlegten Kosten allein hoch genug sein werden, um
ihn zum friedlichen Rückzug aus Kuwait zu bewegen.
Wir müssen uns der Tatsache bewußt sein, daß in
diesem seit vier Monaten andauernden Konflikt keine
unserer Bemühungen irgendein Anzeichen eines Sinneswandels in Saddam Hussein bewirkt hat. Er macht
keinerlei Anstalten, auch nur eine der Resolutionen
des Sicherheitsrats zu befolgen.
Statt dessen scheint er seinen Einsatz zu verdoppeln.
Er hat durch systematische Ausplünderung und Entrechtung eines souveränen arabischen Staats ver-

Seite 2

sucht, Kuwait zu einem Teil des Irak zu machen. Er hat
die Bevölkerung terrorisiert, indem seine Soldaten
unerhörte Verbrechen gegen unschuldige Kuwaitis
verübt haben. Er hat den Sturz von König Fahd und
Präsident Mubarak gefordert. Er hat mit Terror und
Massenvernichtung seiner arabischen Nachbarn und
Israels gedroht. Er hat mit Geiseln und ihren Familien
und auch mit unseren Diplomaten in Kuwait ein grausames Spiel getrieben.
Vorbereitung auf den Krieg, um Frieden zu erlangen
Nach ernsten und nüchternen Konsultationen verabschiedete der UN-Sicherheitsrat am vergangenen
Donnerstag mit überwältigender Mehrheit eine zwölfte
Resolution - die alle notwendigen Mittel, einschließlich
der Anwendung von Gewalt, zuläßt, um Saddam Hussein
nach dem 15. Januar 1991 aus Kuwait zu vertreiben.
Mit der Verabschiedung dieser Resolution gibt die
internationale Staatengemeinschaft Saddam Hussein
eine weitere - in der Tat seine letzte - Chance, zur
Besinnung zu kommen.
Mit der Verabschiedung der Resolution vom vergangenen Donnerstag übermittelt die internationale Staatengemeinschaft Saddam Hussein die folgende eindeutige Botschaft: "Wir streben weiterhin eine diplomatische Lösung an. Der Friede ist Ihre einzige vernünftige
Option. Sie können den Frieden wählen, indem Sie
den Willen der internationalen Staatengemeinschaft
respektieren. Tun Sie das jedoch nicht, so werden Sie
alles aufs Spiel setzen. Sie haben die Wahl."
Um zu gewährleisten, daß Saddam Hussein diese
Wahl versteht, hat der Präsident den irakischen Außenminister nach Washington eingeladen und mich
angewiesen, nach Bagdad zu reisen.
Offengestanden ist dies die letzte Chance für eine
friedliche Lösung. Wenn wir dabei irgendeine Aussicht
auf Erfolg haben wollen, so muß ich mit der uneingeschränkten Unterstützung des Kongresses und des
amerikanischen Volkes für die Botschaft der internationalen Staatengemeinschaft nach Bagdad reisen.
Ich möchte eines klarstellen: Dieses Treffen wird keine
Aufnahme von Verhandlungen über die Bedingungen
der UNO-Resolutionen bedeuten. Diese Bedingungen
sind eindeutig: vollständiger, unverzüglicher und
bedingungsloser Abzug des Irak, Wiedereinsetzung
der rechtmäßigen Regierung Kuwaits und Freilassung
aller Ausländer.
Dies ist auch nicht der Beginn von Verhandlungen über
Themen, die nichts mit der brutalen irakischen Besetzung Kuwaits zu tun haben. Ich werde weder über das
Palästina-Problem noch über den Bürgerkrieg im Libanon verhandeln. Saddam ist nicht in Kuwait eingefallen, um den Palästinensern zu helfen. Er tat dies, um
seine eigene Macht zu vergrößern. Wie Eduard Sche-

AMERIKA DIENST 49

�wardnadse sagte, versklavt man nicht ein Volk, um ein
anderes zu befreien.
Meine Mission in Bagdad ist lediglich der Versuch,
Saddam die ihm zur Verfügung stehende Wahl zu
verdeutlichen: Erfüllung der Ziele des Sicherheitsrats
oder das Risiko eines Desasters für den Irak.
Um diese Worte zu untermauern, hat der Präsident
den Verteidigungsminister, den Vorsitzenden der
Vereinigten Stabschefs und mich angewiesen, mit den
anderen Mitgliedern der internationalen Koalition zusammenzuarbeiten, um die multinationale Streitmacht
am Golf zu verstärken und ihre Bemühungen zu koordinieren. Unser Ziel besteht darin zu gewährleisten,
daß eine Anwendung von Gewalt gegebenenfalls
überraschend, massiv und entscheidend durchgeführt
wird.
Bedeuten die Truppenverstärkungen und die Resolution des Sicherheitsrats, daß ein Krieg unvermeidlich
ist? Sicherlich nicht. Ein friedlicher Ausgang ist
möglich - ein Ausgang, der Aggression nicht belohnt und jeder, einschließlich Saddam Husseins, weiß, wie
er aussieht. Er kann den Frieden wählen, indem er sich
bedingungslos aus Kuwait zurückzieht und alle Geiseln freiläßt.
Erwird diese Wahl fürden Frieden jedoch nicht treffen,
wenn er nicht versteht, daß die Alternative zur friedlichen Einhaltung darin besteht, zur Einhaltung gezwungen zu werden. Das ist die Botschaft, die wir ihm zu
vermitteln versuchen. Das ist die Bedeutung der
Schritte, die von der internationalen Staatengemeinschaft im Verlauf des vergangenen Monats getroffen
wurden. Dies ist keine neue Strategie, sondern eine
Fortsetzung und Festigung der von uns seit August
verfolgten Strategie.
Ich weiß, daß einige hier und im ganzen Land ein
ungutes Gefühl im Hinblick auf die Möglichkeit eines
Kriegs haben. Niemand von uns wünscht einen Krieg.
Sie nicht, der Präsident nicht und ich nicht. Niemand
von uns wollte diesen Konflikt, und wir unternehmen
alles in unserer Macht Stehende, um dies friedlich
beizulegen, ohne den Aggressor zu beschwichtigen.
Ich kenne die Argumente derer, die der Ansicht sind,
Zeit und das Wirtschaftsembargo allein würden die
friedliche Lösung dieses Konflikts herbeiführen. Wir
müssen den Tatsachen jedoch ins Auge blicken.
Wenn die Sanktionen erfolgreich sein sollen, dann
müssen sie mehr bewirken, als den Irak lediglich
wirtschaftlich zu schwächen. Sie müssen Saddam
soviel Schaden zufügen, daß er sein Verhalten ändert
und aus Kuwait abzieht. Das ist das Kriterium für den
Erfolg, an dem die Sanktionen gemessen werden
müssen.
Wenn wir die Rolle der Sanktionen in unserer Strategie
betrachten, müssen wir uns folgende Fragen stellen:

AMERIKA DIENST 49

Können Wirtschaftssanktionen allein einen
Diktator vom Schlage Saddams zwingen, die
politisch schwierige Entscheidung zum Abzug
aus Kuwait zu treffen?
Wird Saddam ohne eine glaubwürdige militärische Bedrohung die Maßnahmen des Sicherheitsrats ernst nehmen?
Gibt es im bisherigen Verhalten Saddam Husseins irgendwelche Anhaltspunkte dafür, daß
Sanktionen allein ihn aus Kuwait vertreiben
werden?
Ich möchte versuchen, diese Fragen aufgrund der
bisher gewonnenen Erkenntnisse zu beantworten. Nach
vier Monaten eines durchgreifenden Embargos haben
die Sanktionen zweifelsohne Auswirkungen auf die
irakische Wirtschaft. Wir müssen jedoch der Tatsache
ins Auge blicken, daß niemand sagen kann, daß
Sanktionen allein jemals in der Lage sein werden,
Saddam einen Preis abzuverlangen, der hoch genug
ist, um ihn zum Abzug zu veranlassen. Bis heute
deuten alle verfügbaren Erkenntnisse darauf hin, daß
sie seine Neigung zum Abzug kaum beeinflußt haben.
Das ist teilweise darauf zurückzuführen, daß Saddam
in beträchtlichem Maß entscheiden kann, wer im Irak
unter den Sanktionen zu leiden hat. Sie können darauf
wetten, daß die irakische Bevölkerung als erste und
am einschneidendsten darunter zu leiden hat - nicht
das irakische Militär oder Saddam selbst. Saddam ist
seit jeher dafür bekannt, daß er dem irakischen Volk
große Opfer und großes Leid abverlangt. Es ist für ihn
nichts Neues, dem irakischen Volk große Opfer aufzuerlegen, um seine eigenen ehrgeizigen Pläne zu
verwirklichen.
Wir müssen uns der Tatsache erinnern, wen wir aus
Kuwait vertreiben wollen. Saddam ist ein rücksichtsloser Diktator. Er hat eine übersteigerte Einschätzung
der Macht des Irak und eine hohe Schmerzschwelle.
Saddam geht zweifelsohne davon aus, daß er Wirtschaftssanktionen überdauern kann. Sicherlich versteht er jedoch die Folgen militärischer Gewaltanwendung besser.
Ein weiteres Abwarten gibt Saddam nicht nur Zeit, die
Sanktionen zu durchbrechen, sondern erlegtauch uns
Kosten auf.
Während wir abwarten, wird Saddam weiterhin Kuwait
foltern und es als Nation vernichten.
Während wir abwarten, wird er weiterhin sein Spiel mit
den Geiseln treiben und damit versuchen, die Koalition
zu spalten.
Während wir abwarten, wird er weiterhin Kuwait zur
Festung ausbauen, chemische und biologische Waffen herstellen und an der Erlangung von Atomwaffen
arbeiten.

Seite 3

�Während wir warten, rechnet er damit, daß unsere
Aufmerksamkeit von anderen Ereignissen abgelenkt,
unsere Entschlossenheit geschwächt und die internationale Koalition aufgelöst werden.
Während wir warten, lastet die Bürde von Saddams
Verbrechen immer schwerer auf der Welt.
Das ist der Grund, weshalb wir unseren Vorbereitungen für den Einsatz von Gewalt Glaubwürdigkeit verleihen müssen.
Die internationale Staatengemeinschaft hat eindeutig
zugestimmt, daß vor dem 15. Januar nächsten Jahres
keine Gewalt angewandt wird, wenn Saddam keine
Reaktion provoziert. Demnach müssen wir uns vor
Augen führen, daß bis jetzt niemand eine Entscheidung zugunsten eines Krieges getroffen hat. Vielmehr
hat der Präsident mit seiner Bitte an mich, nach
Bagdad zu reisen, deutlich gemacht, daß er die nächsten sechs Wochen zur Ausschöpfung aller diplomatischen Möglichkeiten nutzen wird.
Der Präsident hat jedoch auch unterstrichen, daß wir
zur Förderung dieser diplomatischen Bemühungen
weiterhin Unterstützung für unsere militärischen Vorbereitungen erhalten müssen, um die Option einer
Offensive zur Befreiung Kuwaits glaubwürdig zu machen.
Ohne die Entscheidung über eine potentielle Gewaltanwendung nach dem 15. Januar vorwegnehmen zu
wollen, kann ich doch unmißverständlich sagen, daß
sich mindestens drei gefährliche Konsequenzen ergeben werden, wenn wir die Vorbereitungen nicht fortsetzen.
Erstens würde unser diplomatischer Einfluß unterminiert, indem die Alternative für einen friedlichen Abzug
- Gewaltanwendung - beseitigt wird. Damit würde dem
Irak die falsche Botschaft vermittelt: "Versuchen Sie
nur weiter, Zeit zu gewinnen. Sie werden genug davon
haben, weil die Resolutionen des Sicherheitsrats nur
ein Bluff sind. Die internationale Koalition zieht die
Option der Gewaltanwendung nicht einmal in Betracht,
geschweige denn, daß sie diese in die Tat umsetzen
würde." Genau diese Botschaft dürfen wir nicht vermitteln.
Wir müssen Saddam zeigen, daß die Zeit nicht für ihn
arbeitet. Selbst wenn er glaubt, den Sanktionen trotzen zu können - und diese Überzeugung könnte zutreffen - mu ß er wissen, daß wir ihm gegebenenfalls durch
den Einsatz von Gewalt einen noch höheren Preis
abverlangen werden.
Zweitens würden nicht durchgeführte Vorbereitungen
für die glaubwürdige Option einer militärischen Offensive höchstwahrscheinlich den Status quo bestätigen
und für einige die brutale Besetzung legitimieren, die
Saddam jetzt Kuwait und seinen Bewohnern aufzwingt.
Drittens würde das Versäumnis angemessener Vorbereitungen zum gegenwärtigen Zeitpunkt bedeuten,

Seite 4

daß wir im Falle eines Konflikts in verantwortungsloser
Weise größere Verluste riskieren würden und damit
das Leben der jungen Amerikaner, die bereits an den
Frontlinien am Persischen Golf stehen, mehr als nötig
gefährden. Der Präsident wird das nicht vertreten.
Und das amerikanische Volk auch nicht.
Was auf dem Spiel steht
Wir schlagen diesen Weg nicht ein, ohne uns der damit
verbundenen Gefahren und Risiken bewußt zu sein.
Aber es darf kein Zweifel daran bestehen, daß der
Erfolg dieses Unternehmens - hoffentlich auf friedlichem Wege, gegebenenfalls durch Gewalt - eindeutig
im Interesse des amerikanischen Volks liegt.
Oftmals werden Stimmen laut, daß keine klare Antwort
auf die Frage erfolgt ist, warum wir am Golf sind. Das
ist vielfach die Folge der Suche nach einem einzigen
Grund für unser Engagement, einem einzigen Grund,
den der Präsident anführen könnte, um zu erklären,
warum das Leben amerikanischer Soldaten in der
arabischen Wüste, auf See oder in der Luft aufs Spiel
gesetzt werden soll.
Diese Suche sollten wir beenden. Wir sollten uns
selbst und anderen gegenüber aufrichtig sein. Es gibt
vielfältige Gründe, Gefahren und Bedrohungen. Jeder
einzelne von ihnen ist zwingend. Insgesamt betrachtet
ist das Problem überwältigend.
Um es deutlich zu sagen: Ein sehr gefährlicher Diktator bedroht - bis an die Zähne bewaffnet - in einem
entscheidenden Augenblick der Geschichte eine wichtige Region.
Es ist die Kombination dieser Gründe - wer unsere
Interessen bedroht, welche Fähigkeiten er hat und
entwickelt, wo er seine Aggression durchführt und
welchen Zeitpunkt er dafür gewählt hat - die dazu
führen, daß wir alle einen hohen Preis zahlen müssen.
Ich möchte Ihnen das erläutern.
Strategisch betrachtet ist Saddam ein unberechenbarer Diktator, dessen Machtgelüste so maßlos sind wie
seine Brutalität, mit der er sie zu befriedigen sucht. Er
hat zwei Nachbarstaaten besetzt, gewährt Terroristen
Unterschlupf und vernichtet Kuwait jetzt systematisch.
Saddam setzt Giftgas ein - sogar gegen sein eigenes
Volk, entwickelt tödliche Chemikalien und ist unermüdlich bestrebt, sich Atombomben zu beschaffen. Er hat
die sechstgrößte Armee der Welt aufgebaut, verfügt
über die fünftgrößte Panzertruppe der Welt und hat
ballistische Raketen stationiert.
Geographisch betrachtet hat Saddams Aggression in
einem politischen Pulverfaß stattgefunden, das an drei
Kontinente grenzt. Sein Erfolg würde lediglich mehr
Hader, mehr Konflikte und möglicherweise einen Krieg
für mehr Länder bedeuten. Es bestünde nur wenig
Hoffnung für Bestrebungen um einen Frieden im Nahen
Osten.
AMERIKA DIENST 49

�Wirtschaftlich betrachtet gefährdet Saddams Aggression die ungehinderte Ölversorgung der Welt, es besteht die Gefahr einer Rezession und Depression hier
und im Ausland, die insbesondere die schwachen
Demokratien treffen würde, die damit am wenigsten
fertigwerden würden. Seine Aggression ist der Versuch, den wirtschaftlichen Aufschwung der Welt nach
dem kalten Krieg an die Launen eines einzelnen Mannes
zu verpfänden.

i

Moralisch gesehen müssen wir so handeln, daß das
Völkerrecht und nicht das Unrecht von Verbechern die
Welt nach dem kalten Krieg regiert. Wir müssen so
handeln, daß Recht und nicht Macht den Erfolg in der
Welt nach dem kalten Krieg bestimmen. Wir müssen
so handeln, daß unschuldige Männer, Frauen und
Diplomaten in der Welt nach dem kalten Krieg geschützt und nicht als Geiseln genommen werden.
Historisch gesehen müssen wir dem kuwaitischen
Volk beistehen, so daß die Annexion Kuwaits nicht die
erste Realität wird, die uns den Blick auf eine neue
Weltordnung trübt. Wir müssen mit der internationalen
Staatengemeinschaft fest zusammenstehen, damit
die Vereinten Nationen nicht den Weg des Völkerbunds gehen.
Politisch gesehen, müssen wir zur amerikansichen
Führungsrolle stehen, nicht weil wir sie anstreben,
sondern weil niemand anders sie übernehmen kann.
Und wir haben nicht vierzig Jahre Einigkeit demon-

*

AMERIKA DIENST 49

* *

striert, um den kalten Krieg zu einem friedlichen Ende
zu führen und dann die Welt Leuten wie Saddam
Hussein zu überlassen.
Dies alles steht auf dem Spiel.
Wenn Saddam jetzt nicht Einhalt geboten wird, wenn
seine aggressiven Pläne nicht - wenn möglich, mit
friedlichen Mitteln, falls nötig mit Gewalt - durchkreuzt
werden, werden wir später alle einen höheren Preis
zahlen müssen.
Ebenso wie der Sicherheitsrat dies vergangenen
Donnerstag getan hat, müssen dieser Kongreß und
das amerikanische Volk Saddam Hussein gegenüber
durch Wort und Tat unmißverständlich zum Ausdruck
bringen:
"Verlassen Sie Kuwait unverzüglich oder Sie riskieren
alles."
Wir müssen jetzt - mehr als zu irgendeinem anderen
Zeitpunkt dieser Krise - mit der internationalen Staatengemeinschaft bei der uneingeschränkten Unterstützung der Resolutionen des Sicherheitsrats Einigkeit demonstrieren.
Einfach gesagt, ist dies eine Entscheidung zwischen
richtig und falsch.
Meiner Meinung nach haben wir den Mut und die
Stärke, das Richtige zu wählen.

*

*

Seite 5

�GATT
12. Dezember 1990

LANDWIRTSCHAFT WEITERHIN SCHLÜSSEL ZUM
ERFOLG BEI GATT-GESPRÄCHEN
Pressekonferenz der US-Delegation in Brüssel
BRÜSSEL - (AD) - In einer Pressekonferenz nach der Vertagung der Handelsgespräche im Rahmen der
Uruguay-Runde bekräftigten die amerikanischen Unterhändler am 7. Dezember 1990 in Brüssel, daß ihrer
Meinung nach der Reform des Agrarhandels weiterhin eine Schlüsselfunktion bei der Liberalisierung des
gesamten Welthandels zukomme.
So erklärte die US-Handelsbeauftragte Carla Hills, "ohne eine grundlegende Reform der Landwirtschaft wird
man diejenigen Länder, denen es nur um die Landwirtschaft geht, nicht einbeziehen können". Diese Staaten
würden im Gegenzug für Reformen im Agrarbereich ihre Märkte für Dienstleistungen öffnen, den Schutz
geistigen Eigentums gewährleisten und Hemmnisse für Investoren beseitigen.
Hills zufolge "verschwenden" die Industriestaaten jährlich etwa 250 Milliarden Dollar für protektionistische Maßnahmen in der Landwirtschaft "und entziehen den Entwicklungsländern damit Marktchancen, was wiederum
wirtschaftliche Verluste für sie zur Folge hat und vielleicht Instabilität sät".
Neben Hills nahmen an der Pressekonferenz, die wir nachfolgend im Wortlaut veröffentlichen, US-Landwirtschaftsminister Clayton Yeutter, Wirtschaftsminister Robert Mosbacher und der Stellvertretende Arbeitsminister
Roderick DeArment teil.

&gt;

*&gt;

Hills: Die Vereinigten Staaten sind mit der Bereitschaft nach Brüssel gekommen, ehrgeizige, marktöffnende Vereinbarungen in allen 15 Bereichen der Uruguay-Runde auszuhandeln. Wir haben diese Woche
sichtbare Fortschritte in vielen dieser Bereiche erzielt.
In einigen wurden die Meinungsverschiedenheiten sogar
wesentlich verringert.
Es tritt jedoch nun eindeutig zutage, daß das Patt im
Agrarbereich hier in Brüssel nicht durchbrochen werden kann. Der Vorsitzende der Landwirtschaftsgruppe
hat einen kreativen Vorschlag unterbreitet, der eine
Grundlage für den erfolgreichen Abschluß der Verhandlungen lieferte. Leider wurde dieser Vorschlag
von einigen wenigen, wirtschaftlich starken Ländern
abgelehnt, die nicht bereit waren, durchgreifende
Agrarreformen auszuhandeln. Dies war umsomehr
enttäuschend angesichts der äußerst konstruktiven
Haltung, die im Verlauf der Runde von zahlreichen
Entwicklungsländern eingenommen wurde.

AMERIKA DIENST 49

Wir müssen uns der Einsicht anschließen, daß eine
Verlängerung des Brüsseler Treffens keinem sinnvollen Zweck dienen kann. Mit der Vertagung trägt der
Vorsitzende Gross-Espiell lediglich dieser Tatsache
Rechnung. Wir ermutigen die Teilnehmer, sich diese
Chance zunutze zu machen und ihre Positionen auf
höchster politischer Ebene zu überdenken. Darüber
hinaus unterstützen wir den Vorschlag von Generaldirektor Dunkel, unter geeigneten Bedingungen seine
guten Dienste in Anspruch zu nehmen, um mit den
Teilnehmern Differenzen abzubauen.
Ich spreche für den Präsidenten, wenn ich sage, daß
sich die Vereinigten Staaten weiterhin der Aufrechterhaltung und Stärkung des multilateralen Handelssystems sowie einem positiven und raschen Abschluß
der Uruguay-Runde verpflichtet fühlen. Wir werden
alles in unserer Macht Stehende unternehmen, um
dieses Ergebnis zu erlangen. Gleichzeitig werden wir
jedoch darauf bestehen, daß die Vereinbarungen wirk-

Seite 1

�lieh den Handel liberalisieren. Wenn feststeht, daß es
eine Grundlage für den erfolgreichen Abschluß dieser
Runde gibt, werden die Vereinigten Staaten an den
Verhandlungstisch zurückkehren. Zusammen mit
meinen Kollegen werde ich nun gerne Ihre Fragen
beantworten.
Frage: (unverständlich)
Hills: Das Gesetz, das wir als Beschleunigungsvereinbarung bezeichnen, existiert bereits. Es schreibt
vor, daß dem Kongreß zum 1. März eine Mitteilung
zugehen muß, wenn wir das Recht zur Beschleunigung in Anspruch nehmen wollen. Das heißt - für
diejenigen unter Ihnen, die mit unserer Gesetzgebung
nicht so vertraut sind -, daß der Kongreß lediglich über
ein Paket von Handelsvereinbarungen abstimmen muß,
daß wir dies bis zum 1. März beantragen müssen und
das Abkommen bis zum 1. Juni unterzeichnet werden
muß. Uns steht also nicht mehr viel Zeit zur Verfügung,
wenn wirdiese beschleunigte Behandlung in Anspruch
nehmen wollen.
Frage: Sicherlich wissen Sie, daß unter allen Regierungen der Europäischen Gemeinschaft die britische
seit jeher die kritischste Haltung zu einzelnen Elementen der Gemeinsamen Agrarpolitik einnimmt. Heute
und diese Woche haben britische Minister jedoch Ihre
Verhandlungstaktik als empörend beschrieben. Sie
ärgerten sich darüber, wie der weltgrößte Handelsblock vom zweitgrößten angegangen wurde und erklärten im allgemeinen, daß Ihre Ziele völlig unrealistisch seien. Sind Sie wirklich schon mit dem Wissen
hierhergekommen, daß eine Agrarvereinbarung unerreichbar war?
Und zweitens möchte ich Sie bitten, den weiteren nicht
mit Handelsfragen verbundenen politischen Schaden
einzuschätzen, der von diesem Patt verursacht wird.
Hills: Wie ich bereits am Tag unserer Ankunft erklärte,
sind wir mit der festen Absicht angereist, die UruguayRunde hier in Brüssel abzuschließen. Wir sind bei den
Verhandlungen über durchgreifende Agrarreformen
auf enorme Hindernisse gestoßen. Ich möchte darauf
verweisen, daß die Mehrzahl der hier versammelten
Staaten grundlegende Agrarreformen befürworteten,
die in allen drei Bereichen spezifische Verpflichtungen
erfordern, also Reduzierung der Exportsubventionen,
Reduzierung der Schutzmaßnahmen an den Grenzen
und Reduzierung der Beihilfen im Inland, die mit handelsverzerrenden Auswirkungen verbunden sind. Wir
werden weiterhin über durchgreifende Agrarreformen
verhandeln. Wir hoffen, daß wir bei Verhandlungen,
die in gutem Glauben für hohe Prinzipien und eine
Liberalisierung des Handels geführt werden, mehr
anstatt weniger Ruhe zwischen den großen Handelspartnern gewährleisten können. Wir hoffen, daß wir
unsere Ziele durch Verhandlungen in gutem Glauben
verwirklichen können.

Seite 2

Frage: Frau Hills, in den vergangenen Jahren waren
Sie sehr erfolgreich bei der Abwehr von Druck seitens
des Kongresses sowie der Privatwirtschaft, Sie zu
Maßnahmen gemäß 301 und anderer Mechanismen
zu veranlassen. Wie lange können Sie diesem Druck
angesichts des Zustands dieser multilateralen Gespräche noch standhalten?
Hills: Der Kongreß betrachtet den Einsatz einseitiger
Maßnahmen gemäß 301 als Mittel zum Abbau von
Handelsschranken, die uns vom Handel im Rahmen
des internationalen Handelssystems abhalten. Solange wir keine vereinbarten multilateralen Regeln haben,
ist es sehr schwierig ,den gewählten Vertretern unseres Volkes zu erklären, daß sie die nationalen Interessen nicht schützen dürfen. Wir werden mit dem
Kongreß zusammenarbeiten, wir werden sehr regelmäßig Konsultationen mit dem Kongreß abhalten, und
wir werden Maßnahmen zu ergreifen versuchen, die
im Einklang mit der Bewahrung und dem Ausbau des
multilateralen Systems stehen, während wir gleichzeitig unsere nationalen Interessen schützen.
Frage: ... einige der Cairns-Länder, die zur Gruppe
der Agrarprodukte exportierenden Entwicklungsländer gehören, werden nicht nach Genf zurückkommen,
wenn die EG im Bereich der Landwirtschaft keine
Fortschritte erzielt? Ich weiß, daß Sie sich in der
Vergangenheit besorgt darüber geäußert haben, daß
sich einige dieser Länder ganz zurückziehen könnten.
Hills: Ich glaube nicht, daß eine Verringerung der
Meinungsverschiedenheiten in den anderen 14 Verhandlungsgruppen möglich ist, ohne daß die Verhandlungen in der Landwirtschaftsgruppe fortgesetzt werden, und die lateinamerikanischen Länder haben
zusätzlich zu den aktiven Mitgliedern der Cairns-Gruppe ziemlich deutlich gemacht, daß sie eine grundlegende Reform der Landwirtschaft benötigen, wenn sie
mit den Verhandlungen fortfahren sollen. Ich hoffe
also, daß diese Botschaft die höchsten politischen
Kreise erreicht und wir in der Lage sein werden, die
Verhandlungen in der Landwirtschaft fortzuführen.
Frage: Zwei Frage, die erste an Frau Hills. Kann ich
Ihrer Eingangserklärung entnehmen, daß die Vereinigten Staaten nicht bedingungslos der Rückkehr an
den Verhandlunstisch in Genf verpflichtet sind? Zweitens
eine Frage für Minister Yeutter. Vor vier Jahren wurde
allgemein vorausgesagt, daß die Vereinigten Staaten
genau diesen Ausgang riskierten, indem sie eine
maximalistische Haltung bei den Exportbeihilfen einnahmen. In welchem Umfang fühlen sich die Vereinigten Staaten für dieses Ergebnis verantwortlich, indem
sie diese Voraussagen ignorierten?
Hills: Zu Ihrer ersten Frage: weder die Vereinigten
Staaten noch irgendein anderes Land werden nach
Genf zurückkehren, um die Gespräche fortzuführen,
bis der Generaldirektor bei seinen Sondierungen zu

AMERIKA DIENST 49

�dem Schluß gekommen ist, daß die Bedingungen
geeignet und solche Gespräche vorteilhalft und effektiv für die Verwirklichung unserer Ziele sind. Wir hoffen
zutiefst, daß diese Bedingungen schon bald zutage
treten, aber ich habe keine Gewähr, daß dies der Fall
sein wird.
Yeutter: Ich möchte darauf eingehen und vielleicht
noch etwas zu der früheren Frage sagen, derzufolge
die Vereinigten Staaten eine unrealistische Haltung
einnahmen. Ich stimme dem ganz uns gar nicht zu,
und diese Meinung wird auch von der überwiegenden
Zahl der Länder nicht geteilt. Wenn irgendjemand von
Ihnen gestern abend oder die ganze Woche über bei
den Gesprächen anwesend gewesen wäre, dann wäre
ihm das klar geworden. Es erhebt sich die Frage, ob
sich die Gemeinschaft in bezug auf die Agrarhandelspolitik von der Realität entfernt hat oder ob dies für den
Rest der Welt gilt. Und es saßen eine Reihe von
Delegierten in dieser Woche an den Verhandlungstischen, die einheitlich und generell der Ansicht waren,
daß sich die Gemeinschaft in diesem Bereich von der
Realität entfernt hat.
Im Hinblick auf die Exportbeihilfen im besonderen wird
mich niemand jemals davon überzeugen können, daß
wir, die Vereinigten Staaten oder wir, die Exportländer
- darunter die gesamte Cairns-Gruppe - mit dem
Vorschlag eines Abbaus der Exportsubventionen eine
unrealistische Haltung eingenommen haben. Denn:
Exportsubventionen bieten keinerlei Vorteile. Jeder
versteht das. Ich glaube nicht, daß man in der ganzen
Welt einen Praktiker der Handelspolitik finden wird, der
mit dieser Behauptung nicht einverstanden ist. Die
Frage lautet also, wie weitgehend und wie schnell.
Tatsache ist, daß die Vereinigten Staaten von Anfang
an dazu bereit waren, ein vernünftiges Ergebnis bei
dieser Frage auszuhandeln. Wir waren diese Woche
bereit, das zu tun, und wir deuteten unsere Bereitschaft dazu ebenfalls im Kontext des Hellstrom-Vorschlags vom gestrigen Abend an. Zu keinem Zeitpunkt
diese Woche hat die Europäische Gemeinschaft einen
Vorschlag unterbreitet, der irgendwelche spezifischen
Verpflichtungen zur Reduzierung oder zum Abbau der
Exportbeihilfen in der Landwirtschaft enthielt. Es gab
lediglich die Verpflichtung, über dieses Thema zu
sprechen, aber niemals in all diesen vier Tagen wurde
ein spezifischer Vorschlag unterbreitet.
Frage: Vertreten die Vereinigten Staaten die Auffassung, daß die EG die Hellstrom-Vorschläge im weitesten Sinne - sei es im Hinblick auf die Anzahl oder das
Konzept - akzeptieren müssen, um darauf aufzubauen, damit eine klare Basis für die Wiederaufnahme der
Gespräche geschaffen wird?
Hills: Es sollte deutlich geworden sein, daß der
Vorsitzende DeZeeuw bei der Unterbreitung seines
Berichts als Vorsitzender der Arbeitsgruppe in Genf
erklärt hat, sowohl Exportsubventionen als auch Schutz
der Grenzen und nationale Beihilfen seien für eine
AMERIKA DIENST 49

grundlegende Reform unabdingbar. Der Vorsitzende
Hellstrom, der hier in Brüssel wirklich sehr gute Arbeit
geleistet hat, hat genau dasselbe gesagt. Und darüber
hinaus hat Minister Yeutter deutlich darauf hingewiesen, eine grundlegende Agrarreform sei unmöglich,
wenn nicht Exportsubventionen angesprochen würden, die wirklich eine Form wirtschaftlicher Kriegführung gegen die Nachbarn darstellen. Man exportiert
seine Probleme in andere Länder und fordert von
ihnen, für sie zu bezahlen, und das ist für die Mehrheit
der Länder auf der Welt unannehmbar.
Frage: Frau Hills, Sie haben zu Beginn erklärt, einige
Länder mit erheblichem wirtschaftlichem Potential hätten
Hellstroms Vorschläge zurückgewiesen. Besteht nicht
die "Realpolitik" dieser Zusammenkunft darin, daß
diese Länder beim Mißerfolg der Uruguay-Runde weniger
zu verlieren haben als die Vereinigten Staaten oder die
Cairns-Gruppe? Wenn die ganze Sache sich als Flop
erweist, werden die EG und Japan - unter dem Strich,
in Dollars und Cents - in geringerem Maße benachteiligt sein als Sie oder irgendjemand anders. Ist dies
nicht das Ergebnis des Treffens dieser Woche?
Hills: Nein. Wir alle verlieren durch ein Scheitern der
Uruguay-Runde viel. Und dabei spielt es keine Rolle,
ob es sich um Europa, die Vereinigten Staaten oder die
Entwicklungsländer handelt - alle verpassen die Chance zum Wachstum - das für die Weltwirtschaft in den
neunziger Jahren um über 4 Billionen Dollar höher
liegen könnte. Man verzichtet auf die Gelegenheit,
mehr Harmonie und wirtschaftlichen Frieden unter den
Handelspartnern der Welt zu schaffen. Und was
vielleicht noch egoistischer und schlimmer ist - man
macht die Hoffnungen der Entwicklungsländer auf
wirtschaftliche Gewinne zunichte. Dadurch erleiden
wir also alle Verluste, weil dieser letzte Punkt bedeutet,
daß politische Instabilität wahrscheinlicher ist als politische Stabilität. Und meiner Ansicht nach muß deshalb in allen Ländern der Welt auf höchster Ebene der
politische Wille aufgeboten werden, um diese Probleme zu lösen, die uns entzweien. Und eines davon hat
sich als grundlegend erwiesen.
Frage: Würden Sie sagen, daß diese Position der
Gemeinschaft signalisiert, welche Haltung Europa von
nun an einnehmen wird? Sehen wir uns insgesamt der
Schaffung zweier neuer wirtschaftlicher Blöcke gegenüber? Haben wir jetzt diese zwei wirtschaftlichen
Blöcke, die sich gegenüberstehen?
Hills: Wir müssen nicht zu dem Schluß kommen, daß
die Welt sich infolge des Brüsseler Treffens auf der
Stelle in zwei Blöcke spaltet. Ganz und garnicht. Wir
haben immer noch die Möglichkeit, die Uruguay-Runde zu einem erfolgreichen Abschluß zu bringen. Und
die Vereinigten Staaten werden nichts unversucht
lassen, um dieses Ziel zu erreichen. Und ich hoffe, daß
sich andere Länder der Welt uns dabei anschließen
werden - einige haben bereits Zustimmung demonstriert.

Seite 3

�Frage: Frau Hills, den Vereinigten Staaten gegenüber
verhält sich die Europäische Gemeinschaft widerspenstig und unfähig, auf die Liberalisierungsimpulse
zu reagieren. Würden die Vereinigten Staaten Disziplinierungsmaßnahmen wie etwa Super 301 oder Ausgleichszölle in Erwägung ziehen?
Hills: Meiner Ansicht nach ist dies kaum der Augenblick für eine Bitte an den Kongreß, seine Maßnahmen
zum Schutz nationaler Interessen aufzugeben, und wir
haben kein Konzept für multilaterale Regeln zum Schutz
nationaler Interessen erarbeitet. Natürlich werde ich
meine ganze Energie für den erfolgreichen Abschluß
der Uruguay-Runde aufbieten.
Frage: Um nochmals auf die Frage meines Kollegen
zurückzukommen - wenn man die Schärfe in den
Gesprächen dieser Woche gehört hat, ist es nur schwer
vorstellbar, daß die Vereinigten Staaten und die EG
Verbündete sind. Können Sie uns sagen, wie sich die
Vereinigten Staaten und die EG nächsten Monat bei
einer möglichen Golfkrise verhalten werden, wenn
dies Damoklesschwert über dem Bündnis hängt?
Hills: Zunächst einmal haben Sie von mir bestimmt
keine scharfen Bemerkungen gehört, und ich arbeite
ungeachtet unserer Meinungsverschiedenheiten sehr
effektiv mit meinen EG-Kollegen zusammen. Ich
hoffe, die Ergebnisse des Brüsseler Treffens und das
offensichtliche Ergebnis einer Mehrheit aller Länder
der Welt mit dem Wunsch nach einer grundsätzlichen
Reform der Landwirtschft sowie Regeln in dem einen
Drittel des Handels, für das wir noch keine Regeln
haben, werden bei der EG den politischen Willen
auslösen, Agrarreformen anzusprechen. Es bedarf
also nicht der Schärfe. Und tatsächlich gibt es unter
meinen Kollegen keinen einzigen, der Schärfe gegenüber der EG oder irgendeinem anderen Land befürworten würde. Wir wollen ganz einfach eine Grundsatzreform unseres Handelssystems und die Chance,
einen potentiellen wirtschaftlichen Aufschwung anzufachen, wenn wir den Marktzugang schaffen, wie ihn
mein Kollege - der die Uruguay-Runde vor vier Jahren
initiierte - für möglich gehalten hat.
Frage: Ich möchte eine Frage an Minister Yeutter
richten, der, wie Sie sagten, die Uruguay-Runde vor
vier Jahren ins Leben gerufen hat. Haben Sie Ihrer
Ansicht nach einen Fehler gemacht, indem Sie die
Grundsatzreform der Landwirtschaft so aggressiv
vorangetrieben und so viele Bereiche eingebracht
haben, die ursprünglich nicht Bestandteil des GATT
waren?
Yeutter: Botschafter Hills kann Ihnen das näher
erläutern. Natürlich glaube ich nicht, daß es ein Fehler
war, der Landwirtschaft in der Uruguay-Runde die
Priorität einzuräumen. Das war seit langem fällig. Sie
wissen sehr wohl, daß Landwirtschaft in früheren
Runden der Handelsverhandlungen erörtert wurde,
aber daraus ist überhaupt keine Arbeitsgrundlage

Seite 4

entstanden. Mit anderen Worten, aus praktischen
Erwägungen ist die Landwirtschaft seit mehr als 40
Jahren von den GATT-Regeln unberührt geblieben,
obwohl sie eine der wichtigsten Aktivitäten des Welthandels darstellt. Es liegt also an uns, ob wir erwarten,
in dieser Welt eine politische Führungsrolle zu spielen
und ob wir erwarten, eine Institution wie das GATT
weiterzuentwickeln, die dies leisten kann. Es ist unsere Pflicht, die wichtigsten Probleme des Welthandels
von heute zu lösen. Das betrifft auch die Landwirtschaft. Die Landwirtschaft ist in den vergangenen
vierzig Jahren der Geschichte des GATT im wesentlichen ignoriert worden. Sie darf aber nicht außer acht
gelassen werden - dafür ist sie für den Welthandel zu
wichtig. Wir müssen also effektive Regeln für den
Agrarhandel erarbeiten. Deshalb steht er auf der
Tagesordnung der Uruguay-Runde. Er verdient diesen Stellenwert. Es ist bedauerlich, daß wir noch keine
Vereinbarung für umfangreiche Reformen des Agrarhandels erzielen konnten. Er ist heute der Sektor, der
den Welthandel am stärksten verzerrt. Es gibt zweifellos mehr Handelsverzerrungen in der Landwirtschaft
als in irgendeinem anderen Bereich des Handels.
Deshalb sehen wir uns mit diesem Problem unmittelbar konfrontiert. Das gilt ebenso für Botschafter Hills
wie für mich und jeden anderen Wirtschafts- und
Landwirtschaftsminister auf der Welt. Es wird nicht
verschwinden, ungeachtet der Ereignisse hier in Brüssel oder anderswo in der Uruguay-Runde. Aber wir
sollten nicht davon ausgehen, daß wir diese grundsätzliche Reform in der Uruguay-Runde nicht erzielen
können. Zeit für dieses Urteil ist beim Abschluß der
Uruguay-Runde, nicht heute. Wir haben diese Reformen nicht hier in Brüssel erzielt.
Frage: Mit dem Abschluß dieses Treffens geht für die
meisten Teilnehmer auch das Gefühl für die Dringlichkeit verloren, nicht jedoch in den Vereinigten Staaten,
weil man dort diesen Termin des 1. März gesetzt hat.
Müssen Sie nicht angesichts der Tatsache, daß die
Unmittelbarkeit für die meisten anderen nicht mehr
besteht, den Kongreß um Verlängerung des gesetzlich
verfügten Mandats zur beschleunigten Behandlung im
Kongreß bitten? Wenn Sie das tun, glauben Sie, daß
der Kongreß Ihnen unter diesen Umständen diese Verlängerung gewähren wird?
Hills: Zunächst möchte ich auf diese Prämisse eingehen . Ich glaube schon, daß die 107 Nationen sehr wohl
das Gefühl der Dringlichkeit haben, und ich kann nicht
darüber spekulieren, wie schnell - oder ob überhaupt wir unsere Meinungsverschiedenheiten in den Bereichen verringern, die heute das Problem darstellen. Ich
hoffe, wir werden das tun. Wenn wir - nach dem Monat
März - um ein Mandat zur beschleunigten Behandlung
im Kongreß bitten müssen, werde ich mit dem Kongreß eingehende Konsultationen führen müssen. Meiner
Ansicht nach liegen Sie richtig mit der Meinung, daß
dies ohne nachweisbare Fortschritte sehr schwierig
sein wird. Gegenwärtig gibt es keine nachweisbaren

AMERIKA DIENST 49

�Fortschritte, so daß es uns allen nützt, wenn wir schnell
handeln, damit wir keine unmöglichen Hindernisse
überwinden müssen.

gen des Vorsitzenden Hellstrom zur Landwirtschaft
sehr konstruktiv. Zu Ihrer zweiten Frage, wie meine
Hoffnungen ...

Frage: Was werden Sie den Befürwortern der Runde
in den Bereichen Dienstleistungen und geistiges Eigentum sagen oder denjenigen mit anderen Interessen als der Landwirtschaft? Worauf sollten Sie Ihre
Hoffnungen richten, welchen Anlaß für Optimismus
haben sie bei einem erfolgreichen Abschluß der Uruguay-Runde, wenn man das zugrundelegt, was hier
passiert?

Frage: Wie haben sich die Hoffnungen zerschlagen?

Hills: Natürlich sollen sie ihre Hoffnungen nicht aufgeben. Und sie werden ihr Ausmaß an Optimismus
selbst bestimmen müssen. Die Grundsatzfrage, in der
wir nicht übereinstimmen, lautet, ob wir das Problem
Landwirtschaft lösen können, das Minister Yeutter
zufolge seit über 30 Jahren ansteht und immer noch
nicht gelöst ist. Dies ist der Schlüssel, um die Entwicklungsländer davon zu überzeugen, daß sie diese Fragen über Dienstleistungen, Investitionen und Schutz
geistigen Eigentums ansprechen müssen - Bereiche,
die Sie genannt haben. Ob man in der verarbeitenden
Industrie oder in der Hochtechnologie tätig ist oder
ganz einfach nur Farmer in Nebraska - man muß eine
grundsätzliche Reform in der Landwirtschaft anstreben. Denn ohne eine grundlegende Reform der Landwirtschaft wird man diejenigen Länder, denen es nur
um die Landwirtschaft geht, nicht einbeziehen können,
die aber als Gegenleistung Zugang zu Dienstleistungen, Schutz geistigen Eigentums und Abbau der
Restriktionen für Investoren gewähren. Und genau
darum geht es bei den Verhandlungen. Wir wollen
Zugang für Unternehmer aus allen Bereichen. Und
dazu ist eine Beteiligung von 107 und nicht einer
Elitegruppe von nur einigen wenigen erforderlich. Damit
alle am Verhandlungstisch bleiben, wie wir das gestern
abend beobachten konnten, muß eine grundlegende
Reform der Landwirtschaft stattfinden.
Frage: Botschafter Hills, ich möchte Sie fragen, ob
diese Woche Ihrer Ansicht nach ein Mi ßerfolg war, und
zweitens hegte jeder gestern bestimmte Hoffnungen,
die im Laufe des gestrigen Abends zerstört wurden.
Was ist genau geschehen?
Hills: Meiner Ansicht nach war diese Woche kein
Mißerfolg. Wir haben 107 Wirtschaftsminister veranlaßt, sich sehr intensiv mit Problemen zu beschäftigen,
die die meisten vorher nicht so eingehend behandelt
hatten. Ich glaube, wir konnten Meinungsverschiedenheiten in einigen Gruppen abbauen. Der Vorsitz
war effektiv, und er hat Vorsitzende von sieben verschiedenen Gruppen ernannt, die bestimmte Themen
bearbeiten sollten. Er hat ferner die zwischen den
einzelnen Ländern bestehenden Differenzen herausgestellt und Annäherung in vielen Bereichen der Dienstleistungen, Schutz geistigen Eigentums und handelsbezogener Investitionsmaßnahmen (TRIMs) erzielt.
Und meiner Meinung nach waren auch die Bestrebun-

AMERIKA DIENST 49

Hills: Der Vorsitzende Hellstrom hat einen Vorschlag
unterbreitet, der jeden der drei Bereiche behandelt
hätte, in denen wir grundlegende Agrarreformen für
notwendig erachten, und die Gemeinschaft war nicht
bereit, auf bestimmte Verpflichtungen einzugehen, die
in den Bereichen Exportsubventionen und Marktzugang erforderlich sind. Minister Yeutter hat an den
Gesprächen teilgenommen, und vielleicht können Sie
erläutern, was Ihrer Meinung nach gestern abend
geschehen ist, das unsere Hoffnungen des vergangenen Tages zunichte gemacht hat.
Yeutter: Nur eine kurze Bemerkung hierzu. Natürlich
zeichnete sich gestern nach Andeutungen der Gemeinschaft, sie sei - wie von Botschafter Hills umrissen
- zur Erwägung spezifischer Verpflichtungen in jedem
dieser drei Bereiche bereit, Hoffnung ab. Dies war ein
beachtlicher Schritt nach vorn, und wir hoffen, er wird
noch über Brüssel hinaus Wirkung zeitigen. Eine
solche Verpflichtung haben wir seit vielen Monaten
von der Gemeinschaft erwartet. In Weiterführung
dieser guten Nachrichten entwickelte der Vorsitzende
Hellstrom einen bestimmten Vorschlag - ein Arbeitspapier-, das allen anwesenden Mitgliedstaaten zur Erörterung vorgelegt wurde und von vielen Seiten einschließlich der Vereinigten Staaten großen Beifall erhielt.
Es zeichnete sich ab, daß die Gemeinschaft - allerdings nur unter bestimmten Bedingungen - zu gewissen Verpflichtungen in diesen drei Bereichen bereit
war. Diese Bedingungen wurden seit langem nicht nur
von den Vereinigten Staaten sondern auch von den
übrigen Nationen für inakzeptabel erklärt. Als nun
deutlich wurde, daß sich diese Voraussetzung für
Verhandlungen nicht geändert hatte, wurde ebenfalls
deutlich, daß wir alle nur unsere Zeit vergeuden,
zumindest im Hinblick auf das Brüsseler Treffen. Wir
hoffen, daß sich die Situation in Zukunft ändern wird.
Ich möchte noch eine Bemerkung hinzufügen. In der
verfügbaren Zeit möchte ich nicht nur über Landwirtschaft sprechen, aber wie Sie wissen, haben Anfang
der Woche 30 000 Bauern demonstriert und damit
ihrer Sorge über die Agrarhandelsreform Ausdruck
verliehen. Ich möchte jedoch insbesondere diesen
Bauern durch die europäische Presse mitteilen lassen,
daß wir alle das Einkommen unserer Bauern erhöhen
und Bedingungen schaffen wollen, die zu größerer
Lebensqualität für diese Bauern führen. Das steht hier
überhaupt nicht zur Debatte. In der Uruguay-Runde
versuchen wir nicht, die Agrareinkommen in Westeuropa zu schmälern. Weder in dem amerikanischen
Vorschlag noch in dem der Cairns-Gruppe war diesbezüglich etwas enthalten.
Frage: Botschafter Hills, in den vergangenen zwei bis
vier Jahren sind zugunsten eines erfolgreichen AbSeite 5

�Schlusses der Uruguay-Runde eine Reihe von Beschwerden amerikanischer Interessengruppen abgewiesen worden. Als Handelsbeauftragter hat Herr
Yeutter eine von Reisbauern gegen Japan erhobene
Beschuldigung bezüglich gewisser Handelspraktiken
aufgrund der ausdrücklichen Versicherung der Japaner abgewiesen, daß sie konstruktiv an dieser Runde
mitarbeiten würden. Mit Europa und Korea bestehen
heute Probleme bei verschiedenen Themen. Was wird
in den nächsten Monaten mit diesen Problemen geschehen?
Hills: Die mir vorliegenden Petitionen werden im
Rahmen der Gesetze geprüft, entsprechend der von
uns bei Amtsübernahme eingegangenen Verpflichtung.
Frage: Vor dem EG-Gipfeltreffen im Oktober sind der
Präsident und der Außenminister bei den EG-Staats und
Regierungschefs vorstellig geworden, um sie zur Aufhebung des Patt zu bewegen. Können Sie vor dem
EG-Gipfel am kommenden Wochenende weitere Aktionen für diese Woche vorhersagen, und sind Sie zweitens - der Auffassung, daß die Abwesenheit der
politischen Führung Deutschlands und insbesondere
Japans in dieser Woche die Verhandlungen unterminiert haben?
Hills: Präsident Bush hat den erfolgreichen Abschluß
der Uruguay-Runde und den Aufbau eines starken
multilateralen Handelssystems zur ersten Priorität im
Handel erklärt. Und bei der Verwirklichung dieses
Ziels war er effektiver und energischer als irgendein
Präsident vor ihm. Er hat dieses Ziel an die erste Stelle
seiner Tagesordnung beim Gipfeltreffen in Houston
gesetzt, er ist sogar noch weitergegangen und hat mit
allen politisch Verantwortlichen intensive Gespräche
über die Notwendigkeit zur Modernisierung und zum
Ausbau eines guten Handelssystems geführt. Meines
Erachtens bleibt er diesen Zielen verpflichtet. Die hier
aufgetretenen Probleme sind sattsam bekannt und
werden den Staats- und Regierungschefs weltweit
dank Ihrer Berichterstattung noch besser verdeutlicht.
Wir hoffen, sie alle werden Führungsstärke beweisen
und versuchen, Maßnahmen zu ergreifen, die uns zu
einem erfolgreichen Abschluß dieser Runde verhelfen. Ich bin nicht hier, um auf irgendeine Regierung
oder irgendeinen Staatschef mit dem Finger zu zeigen
und seine mangelnde Führungsstärke der Vergangenheit zu kritisieren. Was wir von allen 107 benötigen, ist
starke Führung - jetzt und in Zukunft.
Frage: (unverständlich)
Hills: Wir haben niemals den Vorschlag zu einem
zweijährigen Moratorium unterbreitet und ich würde
dies auch zum jetzigen Zeitpunkt nicht empfehlen.
Frage: (unverständlich)
Hills: Das Papier des Vorsitzenden Hellstrom wird
zumindest den Arbeitspapieren gleichgesetzt, die Teil
Seite 6

des Protokolls dieser Sitzung sind. Meines Erachtens
war dies ein außerordentlich kreativer und konstruktiver Versuch, zukünftigen Verhandlungen einen Rahmen geben zu wollen. Das Problem im Agrarbereich,
nicht aber in den anderen 14 Bereichen ist, daß es
keinen vereinbarten Rahmen für die Verhandlungen
gibt. Es ist absolut unerläßlich, daß wir in den Bereichen Exportsubventionen, Stützmaßnahmen im Inland und Schutz der Grenzen Verhandlungen führen.
Auch die anderen Vorsitzenden haben meiner Meinung nach wertvolle Beiträge geleistet. Die schwedische Vorsitzende Gradin war Leiterin der TRIMsGruppe und ich glaube, sie ist bei ihren bi- und multilateralen Gesprächen auf größere Unterstützung für
TRIMs und geringere Meinungsverschiedenheiten
gestoßen. Dasselbe gilt für handelsbezogenes geistiges Eigentum (TRIPs).
Frage: (unverständlich)
Yeutter: Ich befürworte Marktaufteilung in keiner
Weise. Das läuft meiner eigenen Wirtschaftsphilosophie und der Präsident Bushs sowie den Grundregeln
des GATT und der Uruguay-Runde zuwider. Nichts
dergleichen ist in irgendeinem der Verhandlungsvorschläge, die ich gesehen habe, enthalten, und ich
bezweifle, daß es in Zukunft erwogen wird. Es ist
unabdingbar, daß wir bei Exportsubventionen extreme
Disziplinen greifen lassen. Das ist der Kern der Sache.
Es geht nicht um die Höhe des Geldes, das jeder von
uns für Exportsubventionen ausgibt, denn diese variieren je nach Marktlage, verfügbarem Angebot, der
Nachfrage und einer ganzen Reihe anderer Faktoren.
Das Problem bei Exportsubventionen ist die Größenordnung, in der Produkte auf den Weltmarkt geworfen
werden und damit die Marktlage verzerren und stören.
Wir müssen also anfangen, das Volumen subventionierter Produkte zu verringern, die von den jeweiligen
Nationen durch unterschiedliche Mechanismen auf
den Markt gebracht werden. Volumendisziplinen sind
entscheidend, es besteht jedoch überhaupt keine
Notwendigkeit, sie in eine Vereinbarung bezüglich
Marktaufteilung münden zu lassen. Tatsächlich wird
genau das Gegenteil der Fall sein, wenn diese Disziplinen greifen. Immer mehr der auf den Weltmarkt
gebrachten Produkte werden auf der Grundlage freien
und offenen Handels bewegt, und dies ist genau das
Gegenteil von Marktaufteilung.
Frage: Wie sind die Aussichten für das amerikanische
Exporterweiterungsprogramm angesichts der Tatsache, daß das Patt im Agrarsektor anhält und sehen Sie
für die kommenden Monate und Jahre Agrarhandelskriege voraus?
Yeutter: Meines Erachtens sollte keiner von uns im
Anschluß an Brüssel oder zu irgendeinem anderen
Zeitpunkt mit Handelskriegen drohen. Mir scheint, der
internationale Handel ist für alle von uns zu wichtig, um
dies geschehen zu lassen.

AMERIKA DIENST 49

�Gleichzeitig müssen wir der Tatsache Rechnung tragen, daß wir uns heute aufgrund einiger verzerrender
Kriterien der Handelspolitik verschiedener Nationen,
die wir heute morgen erörtert haben, beim Agrarhandel
in einem äußerst kontroversen Umfeld bewegen. Mit
anderen Worten, im Agrarbereich ist das System defekt und muß repariert werden. Und bis es repariert ist,
wird dies ein kontroverses und umstrittenes Thema
bleiben. Das ist genau das, womit sich dieser Aspekt
der Uruguay-Runde befaßt. Aus diesem Grund wird
dem Agrarbereich in der Uruguay-Runde ein so hoher
Stellenwert beigemessen, und aus diesem Grund
müssen wir letztlich ein Abkommen erzielen. Wie ich
bereits gesagt habe, sollten wir die Verhandlungen
nicht aufgeben, und wenn wir in absehbarer Zukunft
Fortschritte und ein erfolgreiches Abkommen erzielen,
wird die von Ihnen gestellte Frage irrelevant. Wenn
nicht, werden wir natürlich weiterhin in dieser Situation
großen Belastungen ausgesetzt sein. Ich habe bei
meinen Reisen durch Europa häufig den Eindruck
gewonnen, daß große Sorge besteht, erfolgreiche
Argrarverhandlungen würden der europäischen Landwirtschaft einen enormen politischen und wirtschaftlichen Preis abverlangen. Ich bin fest davon überzeugt,
daß ein Scheitern der Agrarverhandlungen einen noch
höheren Preis fordern wird, und das sollte in dieser
Woche hier in Brüssel deutlich geworden sein. Wir
hoffen also, daß dies im Laufe der Zeit eine geänderte
Einstellung bewirken wird.
Frage: Mr. Mac Sharry und Mr. Andriessen haben
erklärt, die Erwartungen der Vereinigten Staaten und
anderer Länder seien viel zu hoch, und die Verhandlungen gingen um Geben und Nehmen, davon sei in
dieser Woche jedoch von Ihrer Seite nichts zu spüren
gewesen.
Hills: Meines Erachtens waren unsere Positionen seit
einigen Wochen flexibel und konstruktiv. Sie von der
Presse und unsere Kollegen bei der Brüsseler Sitzung
haben in der Tat geänderte Positionen bei einer ganzen Bandbreite von Themen festgestellt. Mr. Mac
Sherry und Mr. Andriessen verwechseln wohl das
Problem, daß wir einen Vorschlag für eine tiefgreifende Reform unterbreitet haben, der sich mit Exportsubventionen befaßt. Sie haben auf diesen Vorschlag

* *

AMERIKA DIENST 49

nicht reagiert. Sie haben uns mitgeteilt, sie hätten im
Hinblick auf Exportsubventionen kein Verhandlungsmandat. Praktisch jede Nation der Welt glaubt, die
Exportsubventionen müßten abgebaut werden, oder
es gibt keine durchgreifende Reform der Landwirtschaft. Und ohne eine grundlegende Reform der
Landwirtschaft werden diese die Mehrheit bildende
Nationen nicht konstruktiv über andere Themen verhandeln. Der Schlüssel für unseren jeweiligen Erfolg
- den von Mr. Andriessen und unseren Erfolg - liegt
daher in einer tiefgreifenden Reform der Landwirtschaft, die Verhandlungen über Exportsubventionen
erfordert.
Frage: (unverständlich)
Hills: Wir haben einen unseres Erachtens absolut
soliden Vorschlag unterbreitet. Der Vorsitzende der
Agrargruppe in Genf hat einen Vorschlag eingebracht,
der unserm Vorschlag bis zu einem gewissen Grad
folgt. Zumindest behandelt er Exportsubventionen.
Der Vorsitzende Hellstrom hat gestern abend einen
Vorschlag unterbreitet - ein Arbeitspapier - der in vieler
Hinsicht von unsererm Vorschlag abweicht, jedoch im
Hinblick auf Exportsubventionen eine tiefgreifende
Reform fordert. Unserer Meinung nach ist die Feststellung realistisch, daß sich die Europäische Gemeinschaft mit Exportsubventionen befassen muß. Aufgrund von Protektionismus im Agrarbereich verschwenden die wohlhabenden Nationen 250 Milliarden Dollar
pro Jahr und entziehen den Entwicklungsländern damit
Marktchancen, was wiederum wirtschaftliche Verluste
für sie zur Folge hat und vielleicht Instabilität sät. Aus
dieem Grund müssen wir dieses Thema ansprechen.
Ich denke, unsere Erwartungen sind realistisch, und
die Frage lautet: "Reicht der politische Wille unserer
Verhandlungspartner in Europa aus, um sich mit dieser höchst augenfälligen Notwendigkeit auseinanderzusetzen?"
Yeutter: Ich möchte dem nur einen Satz hinzufügen.
Ich möchte darauf verweisen, daß die Europäische
Gemeinschaft bisher keine definitiven Disziplinen zu
Exportsubventionen für auch nur eine Tonne oder ein
Pfund irgendeines Produkts angeboten hat. Unseres
Erachtens deutet dies wohl kaum auf Reformwillen hin.

* *

*

Seite 7

�MENSCHENRECHTE
12. Dezember 1990

SCHIFTER: DEMOKRATIE IM AUFWIND
Rede zum Tag der Menschenrechte
WASHINGTON - (AD) - Dem Abteilungsleiter für Menschenrechte und humanitäre Angelegenheiten im
amerikanischen Außenministerium zufolge befindet sich die Demokratie trotz einiger Rückschläge im Bereich
der Menschenrechte weltweit seit dem vergangenen Jahr "im Aufwind".
In seiner Rede bei einer Konferenz des US-Außenministeriums zum Tag der Menschenrechte am 10. Dezember
1990 würdigte Schifter den Fortschritt in Osteuropa bis zu den beispiellosen von der sowjetischen Führung
unternommenen Schritten, ihren Staatsbürgern "die Chance, sich in einem völlig neuen Klima der Meinungsfreiheit zu bestätigen", zu gewähren.
Schifter erklärte, auch in Chile, Nicaragua und Benin hätten positive Veränderungen stattgefunden, und in
Südafrika "werden echte Fortschritte bei der Beendigung der Apartheid erzielt".
Nachfolgend veröffentlichen wir Schifters Ansprache im Wortlaut.

In seinen Jahren als Abgeordneter des District of
Columbia war Richter Skelly Wright für seine unbeugsame Haltung bei der Bekämpfung von Rassendiskrimierung und Rassentrennung bekannt. Er war aus
Louisiana hierher gekommen, wo er zunächst Befürworter der Rassentrennung gewesen war. Auf die
Frage, wie er zum Verfechter gleicher Rechte für
Schwarze und Weiße geworden sei, deutete Richter
Wright auf seinen Kopf und erwiderte: "Hier oben hat
es eines Tages einfach 'klick' gemacht."

machte der Präsident der Sowjetunion folgende Aussage über die Entwicklungen in seinem Land: "Es ist
allgemein anerkannt, daß der historische Wandel in
der Sowjetunion eine der tiefgreifendsten Veränderungen in der Welt darstellt, einen Wandel von Totalitarismus zu Freiheit und Demokratie, vom bürokratischen
Kommandosystem zu Rechtsstaatlichkeit und politischem Pluralismus, vom wirtschaftlichen Staatsmonopol zu gerechter Verteilung von Besitz und Marktbeziehungen..."

In den vergangenen 35 Jahren hat es bei ziemlich
vielen Amerikanern beim Thema Gleichberechtigung
'geklickt'. Rückblickend ist Richter Wrights einfache
Erklärung einleuchtend. War sein Land nicht auf das
Prinzip gegründet worden, daß alle Menschen gleich
sind? Und stellten nicht Sklaverei und Rassendiskriminierung einen eklatanten Verstoß gegen dieses fundamentale Gebot dar? Der Wandel, der sich in unserem
Land in der letzten Generation vollzogen hat, zielte
darauf ab, unsere Praktiken mit unserer in der Unabhängigkeitserklärung verankerten grundlegenden
Verpflichtung in Einklang zu bringen.

Diese Charakterisierung des in der Sowjetunion vollzogenen Wandels ist keine leere Rhetorik. Die Worte
Präsident Gorbatschows beschreiben zutreffend und
präzise den massiven politischen Umbruch in der
Sowjetunion der letzten Jahre, einen Umbruch, der
das Ende des von Lenin geschaffenen Einparteiensystems herbeigeführt hat.

Als wir im letzten Jahr zusammenkamen, war Rumänien noch eine totalitäre Diktatur. Heute ist Albanien
das einzige europäische Land, das noch dem Leninismus anhängt. Beim jüngsten Pariser Gipfeltreffen
AMERIKA DIENST 49

Anhänger des Leninismus zu sein, war nicht leicht. Es
bedeutete die Akzeptanz eines komplexen Gefüges
von Überzeugungen. Es bedurfte mehr als eines
einfachen 'Klicks' in den Köpfen der Menschen, um
diesen Übergang zu vollziehen. Vielleicht bedurfte es
einer Vielzahl von 'Klicks' - aber zumindest fand dieser
'Klick' statt. Wie Präsident Gorbatschow zu Recht
feststellte, ist die Welt nicht mehr das, was sie noch vor
zwei Jahren war.
Seite 1

�Vor vierzig Jahren gaben sechs renommierte Schriftsteller - Arthur Koestler, Andre Gide, Ignazio Silone,
Louis Fischer, Richard Wright und Stephen Spender einen Band von Essays heraus, in dem sie ihre Gründe
dafür darlegten, warum sie ihrer Überzeugung oder
ihrer Sympathie für den Kommunismus abgeschworen
hatten. Das Buch trug den Titel "The God That Failed".

erhebliche Bewegung im Sinne der Demokratie statt.
In Südafrika werden echte Fortschritte bei der Beendigung der Apartheid erzielt, die, wie wir hoffen, zu einem
demokratischen Vielparteienstaat ohne Rassenschranken führen werden. Und in Asien vollzog sich eine
Entwicklung zur Demokratie in der Mongolei und in
Nepal.

In den siebziger und achtziger Jahren folgten Millionen
in Osteuropa diesen Vorreitern eines früheren Zeitalters. Diejenigen, die in jüngster Zeit ihre Ansichten
geändert haben, waren von den gleichen Gründen,
den gleichen Denkprozessen beeinflußt wie die Autoren von "The God That Failed" bei ihrer Abkehr von
leninistischer Überzeugung oderSympathisantentum.
Aber dieses Mal gab es einen Unterschied. Die
Menschen, die in jüngster Zeit ihre Ansicht änderten,
waren keine einzelnen Literaten am Rande der internationalen kommunistischen Bewegung. Die Menschen,
die dieses Mal ihre Sichtweise änderten, waren die
Menschen im Herzen der Bewegung. In diesem
Zusammenhang hat Margot Honecker angeblich zu
ihrem Mann gesagt: "Wer hätte gedacht, daß die
Konterrevolution in Moskau beginnen würde?"

Das soll nicht heißen, daß es nicht auch Rückschläge
gegeben hat, denn wir haben das Ende der Geschichte
noch nicht erreicht. Über das Problem repressiver
staatlicher Maßnahmen hinaus erleben wir heute in
vielen Teilen der Welt die Unmenschlichkeit des
Menschen gegenüber anderen Menschen in Zusammenhang mit Konflikten zwischen einzelnen Volksgruppen. Unsere Länderberichte zu den Menschenrechten, die in etwa 60 Tagen veröffentlicht werden,
werden zahlreiche ernste und andauernde Probleme
im Bereich der Menschenrechte aufführen.

Wenn wir über das heutige Europa nachdenken, müssen
wir in erster Linie derjenigen gedenken, die in den
Jahren der Unterdrückung den Mut besaßen, für die
Sache der Freiheit zu sprechen und damit ihre Einkerkerung, die Einweisung in psychiatrische Anstalten
oder sogar ihr Leben riskierten.
Wir können jedoch die Tatsache nicht außer acht
lassen, daß im Jahr 1989 und seither noch ein anderer
Faktor zum Tragen kam, ein Faktor, der diesen Umbruch um den Preis eines Minimums an Menschenleben ermöglichte. Es war der grundlegende Wandel,
auf den sich Präsident Gorbatschow in seiner Pariser
Rede bezog. Für die von der sowjetischen Führung in
den vergangenen Jahren ergriffenen Maßnahmen
scheint es keinen Präzedenzfall zu geben. Nachdem
sie absolute Macht ererbt hatten, traten Präsident
Gorbatschow und seine Berater diese freiwillig und
bewu ßt ab und gaben dem Volk die Möglichkeit, seinen
Einfluß in einer völlig neuen Atmosphäre der Redefreiheit geltend zu machen.
Die Hinwendung zu einer offenen, demokratischen
Gesellschaft fand nicht nur auf einem Kontinent, in
Europa, statt. Auch andernorts ist die Demokratie im
Aufwind. In der westlichen Hemisphäre sind wir 1990
Zeugen der Einführung einer demokratisch gewählten
Regierung in Chile sowie des Wahlsiegs der demokratischen Kräfte in Nicaragua geworden. In anderen
lateinamerikanischen Staaten hat der friedliche Wechsel von einer demokratischen Regierung zur nächsten
bewiesen, daß die demokratischen Fortschritte der
vergangenen Jahre konsolidiert werden.
Darüber hinaus hat in Benin eine demokratische
Regierung ihr Amt angetreten, und in ganz Afrika fand

Seite 2

Heute möchten wir uns jedoch dem positiven Aspekt,
dem Triumph der Sache der Freiheit in so vielen Teilen
der Welt zuwenden.
Was hat den Dissidenten in Osteuropa die Kühnheit
verliehen, öffentlich Stellung zu beziehen ? Was hat die
sowjetische Führung dazu veranlaßt, seit langem
bestehende Doktrinen und Praktiken zu überdenken?
Was bewirkte den Umschwung zur Demokratie in
Benin und in der Mongolei? Ein wichtiger Faktor bei
der Beantwortung der ersten Frage war zweifelsohne
der unauslöschliche Freiheitsdrang des Menschen.
Die Antwort auf die zweite Frage lautet, daß die
sowjetische Führung jenen Instinkt anerkannte und
begrüßte.
Und nun zur Antwort auf die dritte Frage. In diesem
Zeitalter der grenzüberschreitenden Kommunikation
erreichten Gedanken und Ideen aus dem Westen den
Osten und andere Teile der Welt mit zunehmender
Häufigkeit. Sie erreichten den Mann auf der Straße,
aber auch die herrschenden Eliten, und sie beeinflußten beide.
Es wäre unnötige und unangebrachte Bescheidenheit,
wenn ich an dieser Stelle unerwähnt ließe, daß es die
Vereinigten Staaten waren, die bei diesen Bemühungen die führende Rolle spielten. Der Einsatz für die
Sache der Freiheit ist bei uns eine seit langem bestehende Tradition. Unsere Unabhängigkeitserklärung
versuchte - wie ich vorhin bereits sagte - die allgemeine
Wahrheit zu formulieren, wonach "alle Menschen gleich
geschaffen sind". Wir haben unsere Bill of Rights seit
jeher als Vorbild betrachtet, dem alle Regierungen bei
ihrem Verhalten gegenüber ihren Bürgern nacheifern
sollten. Wir haben ausländische Regierungen weniger
nach ihrer Haltung gegenüber den Vereinigten Staaten
sondern nach ihrer Behandlung ihrer eigenen Staatsbürger beurteilt. Unsere Betrachtungsweise ausländischer Regierungen im Licht ihrer Maßnahmen gegenüber ihren eigenen Bürgern hat sich - obwohl auf

AMERIKA DIENST 49

�Idealismus gegründet - als äußerst praktisch erwiesen. Die Geschichte hat immer wieder gezeigt, daß
eine Regierung, die für ihre eigene Bevölkerung eine
Bedrohung darstellt, letztlich zur Bedrohung für ihre
Nachbarn wird. Die Regierung Saddam Husseins, die
seit vielen Jahren wahllos ihre eigenen Staatsbürger,
seien sie Araber oder Kurden, Schiiten oder Sunniten,
ermordet, ist lediglich das jüngste Beispiel für die
Gültigkeit dieser Behauptung.
Es nimmt nicht wunder, daß es nach Gründung der
Vereinigten Staaten eine Amerikanerin - Eleanor
Roosevelt - war, die die Kampagne für die Verabschie-

*

AMERIKA DIENST 49

*

düng der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte
anführte. Ferner ist es auch nicht überraschend, daß
diese Erklärung eine enge Verwandtschaft mit der Bill
of Rights und anderen Prinzipien aufweist, die in
unserer Verfassung, unseren Grundgesetzen verankert sind. Es ist deshalb besonders passend und
angemessen, daß wir bei dieser Gelegenheit, dem 42.
Jahrestag der Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, auch des Beginns der
Zweihundertjahrfeier unserer Bill of Rights gedenken
und dabei die Ehre haben, den Obersten Richter
Burger in unserer Mitte zu wissen.

*

*

Seite 3

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50

GOLFKRISE

U
5300 ßonn

19. Dezember 1990

USA WERDEN SICH AN AUFWEICHUNG
DES UNO-ULTIMATUMS NICHT BETEILIGEN
Pressekonferenz des Präsidenten
HOFFNUNGEN AUF EINE NEUE
WELTORDNUNG HÄNGEN VON BEENDIGUNG
DER BESETZUNG KUWAITS AB
Rede von Außenminister Baker
vor dem Nordatlantikrat
DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse vom
1. bis 15. Dezember 1990

USA-SOWJETUNION

AUFHEBUNG DER
JACKSON-VANIK-BESTIMMUNG
Eine Übersicht des Weißen Hauses
BUSH STELLT NAHRUNGSMITTELEXPORTKREDITE FÜR UDSSR BEREIT
Eine Übersicht des Weißen Hauses
BUSH RUFT PROJEKTGRUPPE FÜR
MEDIZINISCHE VERSORGUNG DER UDSSR
INS LEBEN
Eine Übersicht des Weißen Hauses
BUSH SCHLÄGT BEITRITT DER SOWJETUNION ZU IWF UND WELTBANK VOR
Übersicht des Weißen Hauses

Wir wünschen unseren Beziehern ein
frohes und gesegnetes Weihnachtsfest
und ein
friedliches und erfolgreiches Neues Jahr
Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 23 66
Telex: 8-85432

�GOLFKRISE
19. Dezember 1990

USA WERDEN SICH AN AUFWEICHUNG DES
UNO-ULTIMATUMS NICHT BETEILIGEN
Pressekonferenz des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush wünscht weiterhin eine friedliche Beilegung der Golfkrise, wird sich
jedoch "nicht an einer Umgehung oder Aufweichung der von den Vereinten Nationen gesetzten Frist beteiligen",
bis zu der sich der Irak aus Kuwait zurückziehen muß.
Vor Reportern stellte Bush in einer Pressekonferenz am 14. Dezember 1990 in Washington fest, er habe dem
Irak 15 mögliche Termine für einen Besuch von Außenminister Baker in Bagdad vor dem 3. Januar 1991
angeboten, während der Irak nur einen Terminvorschlag gemacht habe, der überdies zu nahe am 15. Januar
liegt, an dem das UNO-Ultimatum abläuft.
Es gebe allerdings keine Frist, bis zu der Bagdad sein Angebot für diesen Besuch und den Besuch des irakischen
Außenministers Tarik Asis in Washington annehmen müsse. "Wir setzen keine Frist. Das Treffen mit Asis ist
noch in der Schwebe."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Äußerungen von Präsident Bush im Wortlaut.

Bush: Ich möchte zunächst zwei kurze Erklärungen
abgeben.
Erstens habe ich heute eine hervorragende Beamtin
und von mir geschätzte Mitarbeiterin gebeten, den
Posten des Arbeitsministers anzunehmen. Lynn Martin,
eine ehemalige Kongreßabgeordnete aus Illinois, hat
sich bereiterklärt, die Leitung dieses wichtigen Kabinettsressorts zu übernehmen. Wir kennen uns bereits
seit vielen Jahren. Sie war ein herausragendes Mitglied des Kongresses und meine inoffizielle Beraterin.
Sie hat mir bei zahlreichen Gesetzesvorhaben mit Rat
und Tat zur Seite gestanden, und ich freue mich, daß
wir zu Beginn der neunziger Jahre gemeinsam im
Bereich Arbeit tätig werden können.
Sie ist eine Mutter, die sich der Notwendigkeit der
Kinderbetreuung bewußt ist. Sie hat umfassende
Berufserfahrung und ist deshalb mit dem Verhältnis
zwischen den Tarifparteien vertraut. Als Kongreßabgeordnete hat sie sich über Jahre hinweg den Anliegen
und Bestrebungen der arbeitenden Amerikaner aus
allen Schichten gewidmet. Ich weiß, daß sie in unserem Kabinett hervorragende Arbeit leisten wird.
Lynn hielt sich bei meinem Anruf heute nachmittag in
Illinois auf, und sie wird am Montag (17. Dezember) in
AMERIKA DIENST 50

Washington sein. Ich freue mich, sie im Weißen Haus
zu empfangen und mit ihr über den künftigen Kurs des
Arbeitsministeriums zu sprechen.
Und nun möchte ich mich einem zweiten Thema zuwenden. Am 30. November habe ich mich mit meinem
Angebot zu persönlichen Gesprächen zwischen den
Vereinigten Staaten und dem Irak bereitgefunden,
alles nur Erdenkliche zu tun, um eine friedliche Beilegung der Golf krise zu ermöglichen. Ich wollte Saddam
Hussein von der absoluten Entschlossenheit der Koalition
überzeugen, die von ihm die vollständige Einhaltung
der Resolutionen des UN-Sicherheitsrats erwartet.
Die irakische Aggression darf nicht belohnt werden.
Ich habe deshalb den Außenminister gebeten, sich für
einen Besuch in Bagdad zu jeder Zeit bis einschließlich
3. Januar bereitzuhalten, also über fünf Monate nach
der Invasion Kuwaits und nur 12 Tage vor Ablauf des
UN-Ultimatums für den Abzug. Dieses Ultimatum ist
eine Tatsache.
Um Flexibilität zu zeigen habe ich 15 verschiedene
Termine für Außenminister Bakers Besuch in Bagdad
angeboten, während die Irakis nur einen Terminvorschlag gemacht haben. Mit meinem Angebot, alles
Erdenkliche für den Frieden zu tun, habe ich jedoch
Seite 1

�nicht vorgeschlagen, mich an Saddam Husseins
Manipulation zu beteiligen.

Frage: Muß er Ihr Angebot zu einem bestimmten
Termin annehmen?

Saddam Hussein ist nicht zu beschäftigt, um kurzfristig
Kurt Waldheim, Willy Brandt, Muhammad Ali, Ted
Heath, John Connolly, Ramsey Clark und zahlreiche
andere empfangen zu können. Es ist einfach nicht
glaubwürdig, daß er in einem Zeitraum von zwei Wochen
nicht zwei Stunden Zeit für ein Treffen mit dem Au ßenminister zu einem sehr wichtigen Thema finden kann außer, er versucht, das UN-Ultimatum zu unterlaufen.

Antwort: Nein, wir setzen keine Termine. Das Treffen
mit Asis ist, soweit ich wei ß, erst einmal zurückgestellt.
Aber ich sage "soweit ich wei ß", weil wir ihnen deutlich
gemacht haben - es ist gewissermaßen eine Vereinbarung mit Hin- und Rückspiel.

Ich möchte eine friedliche Beilegung dieser Krise. Ich
werde mich jedoch nicht an einer Umgehung oder
Aufweichung der von den Vereinten Nationen gesetzten Frist beteiligen, die meines Erachtens die beste
Chance für eine friedliche Lösung bietet. Ich wollte
Ihnen damit meine Haltung zu diesen vorgeschlagenen Treffen erläutern.
Frage: Was ist an dem von ihm vorgeschlagenen
Termin am 12. Januar so schlecht? Warum würde dies
aufweichend wirken, oder haben Sie Angst, er könnte
irgendein Angebot machen?
Antwort: Erstens fordern die UNO-Resolutionen seinen
Abzug aus Kuwait. Ich wünschte jetzt, ich wäre bei
meiner ersten Ankündigung etwas deutlicher darauf
eingegangen, was ich unter beiderseits geeigneten
Terminen verstand. Heute bin ich jedoch nicht bereit,
diesem Mann zu gestatten, die Reise des Außenministers zu Manipulationszwecken zu mißbrauchen.
Wir haben zahlreiche Termine vorgeschlagen. Aber
vergessen Sie nicht, daß die UNO-Resolution den
vollständigen Rückzug zu diesem Termin verlangt.
Frage: Bedeutet Ihre heutige Erklärung, daß Sie auch
nicht den 5., 7. oder 9. Januar akzeptieren würden.
Antwort: Ja, wir haben 15 Tage vorgeschlagen, und
er sollte Schritte unternehmen und etwas vernünftiges
tun, wenn er wirklich Frieden will.
Frage: Gibt es ein Datum, bis zu dem Sie Ihre Offerte
für diese Treffen zurückziehen werden? Die Senatoren haben heute morgen erklärt, Sie seien jetzt soweit,
ganz auf die Gespräche zu verzichten.
Antwort: Wir werden sie nicht zu Bedingungen führen, die der Welt als Umgehung der UNO-Resolution
erscheinen würde. Er hat massive Streitkräfte stationiert, und diese Streitkräfte sollen der UNO-Resolution
zufolge am 15. Januar dort abgezogen sein. Wir
werden sehen, was passiert.
Meiner Meinung nach haben wir so viele Alternativen
aufgezeigt, daß er eine davon akzeptieren sollte, wenn
er es ernst meint. Wenn es ihm nur darum geht zu
manipulieren, dann möchte ich damit nichts zu tun
haben.

Seite 2

Frage: Sie haben erklärt, das Ultimatum ist eine
Tatsache. Heißt das, Sie haben freie Bahn, am oder
nach dem 15. Januar den Krieg anzufangen?
Antwort: Ich will damit sagen, daß die UNO-Resolution im Hinblick auf den 15. Januar sehr eindeutig ist.
Und ich werde jetzt alles daransetzen, um eine friedliche Lösung herbeizuführen.
Frage: Sie denken, danach Krieg zu führen. Ist das
richtig?
Antwort: Was meinen Sie mit "Krieg führen"?
Frage: Sie können ihn beginnen.
Antwort: Meiner Ansicht nach sollten die UNOResolutionen vollständig verwirklicht werden.
Frage: Werden Sie den Kongreß, wenn er im Januar
zurückkehrt, um eine Sonderermächtigung für eine
Offensive bitten?
Antwort: Das steht gegenwärtig zur Debatte, und ich
freue mich über die Unterstützung, die wir im Kongreß
erhalten haben. Und ich freue mich auch über die
Unterstützung durch das amerikanische Volk. Ich
denke, daß die Menschen in den Vereinigten Staaten
durch die Rückkehr der Geiseln viel besser verstanden
haben, was auf dem Spiel steht. Meiner Ansicht nach
haben auch die so überzeugend in den Vereinten
Nationen vorgetragenen Anhörungen über die Brutalität gegen das kuwaitische Volk dazu geführt, daß die
Menschen gesagt haben: Diese Politik verdient unsere Unterstützung. Über diese Unterstützung freue ich
mich. Ich denke, das schlägt sich auch in mehr
Unterstützung durch den Kongreß nieder.
Aber ich werde auch mit den Politikern sprechen und
weiterhin Konsultationen führen. Erst vor wenigen
Wochen habe ich ihnen im Kabinett erklärt - wenn sie
das unterstützen, was ich zur Durchführung der UNOResolutionen tue, begrüße ich das. Denn davon würde
ein sehr starkes und eindeutiges Signal an die Welt
ausgehen.
Frage: Warum haben Sie Angst, vor den Kongreß zu
treten, dort Konsultationen zu führen und ihn um Rat
und Zustimmung zu bitten?
Antwort: Ich habe erst heute morgen fünf Kongreßabgeordnete konsultiert. Und wir werden weiterhin
Konsultationen mit ihnen führen.

AMERIKA DIENST 50

�Frage: Das sind nicht 535.
Antwort: Wir tun es die ganze Zeit. Ich telephoniere
nahezu täglich mit ihnen. Wir hatten ein hochrangiges
Treffen nach dem anderen. Ich habe Ihnen das aber
bereits vor kurzer Zeit beantwortet. Genau diese
Frage.
Frage: Hei ßt das, wenn sich mit Saddam Hussein kein
Treffen bis zum 3. Januar arrangieren läßt, wird es
überhaupt keins geben?
Antwort: Wir haben ihm 15 Termine genannt, und er
sollte sich für einen von ihnen entscheiden. Ich möchte
hier keine Fristen setzen. Es müßte für mich einen
zwingenden Grund für eine Änderung geben, weil ich
nicht mit dem UNO-Ultimatum in Konflikt geraten möchte.
Wenn Sie die UNO-Resolution lesen, werden Sie
sehen, daß er am 15. Januar den Abzug aus Kuwait
vollständig vollzogen haben soll. Das ist ein ungeheures Unterfangen.
Frage: Dazu noch eine Frage. Sie haben gesagt,
vielleicht am 4. oder 5. Januar...
Antwort: Das haben Sie gesagt. Ich habe es so
deutlich wie möglich formuliert und hoffe, es gibt keine
Verwirrung.
Frage: Wie denken Sie über Saddam Husseins nukleare und chemische Fähigkeiten? Werden die internationalen Sicherheitsmaßnahemn ausreichen, um
das zu kontrollieren oder...
Antwort: Das bereitet mir große Sorge. Meiner
Ansicht nach gibt dies auch dem Kongreß und dem
amerikanischen Volk zunehmend Anlaß zur Sorge. Es
sind nicht nur die nuklearen Fähigkeiten, die mir Sorge
bereiten, sondern andere nichtkonventionelle Fähigkeiten der Kriegführung. Ich spreche in diesem Zusammenhang zum Beispiel von chemischen Waffen,
die er bereits gegen sein eigenes Volk eingesetzt hat.
Darüber bin ich sehr besorgt. Und jede Regelung, mit

*

AMERIKA DIENST 50

der der Rest der Welt glücklich werden soll, muß sich
mit dieser nichtkonventionellen Kriegführungsfähigkeit Saddam Husseins auseinandersetzen. Jedem,
der so rücksichtslos handelt, wie er es gegenüber
seinem Nachbarn mit militärischen Mitteln getan hat,
muß in diesem Zeitalter Einhalt geboten werden, da
uns allen die Weiterverbreitung von Atomwaffen Sorge
bereitet.
Ich bin Ihnen dankbar, daß Sie dieses Thema angeschnitten haben, weil ich heute morgen eine Gruppe
von Befürwortern unserer Politik getroffen habe. Sie
versicherten mir im Namen des amerikanischen Volkes, wie besorgt alle darüber sind, daß er diese Waffen
besitzt und Atomwaffen erwerben will. Bei einer Pressekonferenz, an der die meisten von Ihnen teilgenommen haben, habe ich die Frage: "Wie lange wird er
benötigen, um Waffen zu beschaffen?" dahingehend
beantwortet, daß er in einem sehr kurzen Zeitraum
Waffen erwerben könnte. Man mu ß also das Schlimmste befürchten. Und das ist ein Faktor, der so ernst ist,
daß ich darüber nachdenke, wie man ihn zur Einhaltung der UNO-Resolutionen zwingen könnte.
Frage: Gegenwärtig ist der Besitz chemischer Waffen
und Atomwaffen nicht Bestandteil der UNO-Resolution. Werden Sie die Vereinten Nationen bitten, dies
zur Bedingung für Saddam Hussein zu machen? Und
werden Sie dabei einseitig vorgehen?
Antwort: Ich denke nicht, daß man dies als einseitiges
Vorgehen bezeichnen kann, weil meiner Ansicht nach
alle Koalitionspartner meine Auffassung über seinen
Besitz nichtkonventioneller Waffen und sein Streben
nach mehr teilen. Aber ich habe zum gegenwärtigen
Zeitpunkt noch keine Pläne, dies in den Vereinten
Nationen vorzutragen. Aber glauben Sie mir: Ich
denke unablässig darüber nach, welche Maßnahmen
erforderlich sind, um die UNO-Resolutionen durchzuführen.

*

Seite 3

�GOLFKRISE
19. Dezember 1990

HOFFNUNGEN AUF EINE NEUE WELTORDNUNG
HÄNGEN VON BEENDIGUNG DER BESETZUNG
KUWAITS AB
Rede von Außenminister Baker vor dem Nordatlantikrat
BRÜSSEL - (AD) - Außenminister Baker zufolge hängen die Hoffnungen auf eine neue "Weltordnung" und
Frieden im Nahen Osten von der Beendigung der irakischen Aggression gegen Kuwait ab.
In seinen Ausführungen vor dem Nordatlantikrat erklärte Baker am 17. Dezember 1990: "Wir wollen eine
friedliche Beilegung dieser Krise ... Sie ist jedoch nur möglich, wenn Saddam Hussein begreift, daß er zum
Rückzug gezwungen wird, wenn er nicht aus Kuwait abzieht."
Darüber hinaus erörterte Baker die Beziehungen des Westens zur Sowjetunion und anderen osteuropäischen
Ländern sowie die in der NATO erzielten Fortschritte bei der Anpassung an die veränderten Gegebenheiten in
Europa.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Außenminister Baker in wesentlichen Auszügen.

Wir sind heute hier als Bündnis von Völkern zusammengekommen, die durch gemeinsame Geschichte
und Werte verbunden sind. Ich möchte meine heutigen Ausführungen auf die drei vordem Bündnis liegenden Herausforderungen konzentrieren:
Erstens die brutale Besetzung Kuwaits durch
den Irak und die Bestrebungen der internationalen Staatengemeinschaft zur Behebung dieser
Aggression,
zweitens die Dezentralisierung und Umgestaltung der Machtverhältnisse in Mittel- und Osteuropa und der Sowjetunion, und
drittens den kontinuierlichen Anpassungsprozeß der NATO einschließlich der Überprüfung
unserer internen Strategie und die Frage einer
europäischen Sicherheitsidentität.
Ich möchte jeden dieser Punkte im einzelnen erörtern.
Beendigung der irakischen Aggression gegen
Kuwait
Wir haben häufig über die Golfkrise gesprochen und
von Beginn der Krise an herrschte Konsens, daß die
AMERIKA DIENST 50

irakische Aggression beendet werden muß. Darüber
hinaus stimmten wir überein, daß Saddam Hussein in
keiner Weise von dieser Aggression profitieren darf.
Jede Hoffnung auf eine neue, auf den Rechtsstaat und
nicht das Gesetz des Dschungels gegründete Weltordnung hängt davon ab. Jede Hoffnung auf Frieden
im Krisengebiet des Nahen Ostens hängt davon ab und nicht zuletzt von der Demonstration, daß Saddam
Husseins Vorgehensweise nicht funktioniert und nicht
das Gebot der Zukunft in der Region sein kann.
Wir wollen eine friedliche Beilegung dieser Krise. Und
wir glauben, daß dies immer noch möglich ist. Sie ist
jedoch nur möglich, wenn Saddam Hussein begreift,
daß er zum Rückzug gezwungen wird, wenn er nicht
aus Kuwait abzieht.
Präsident Bush hat eindeutig klargestellt, daß er bei
der Suche nach einer friedlichen Lösung alles in seiner
Macht Stehende tun wird. Aus diesem Grund haben
wir das Angebot zu einem Treffen mit Außenminister
Asis in Washington und meiner Reise nach Bagdad zu
einem Gespräch mit Saddam Hussein unterbreitet.
Mit diesem Angebot wollte der Präsident sicherstellen,
daß die Iraker direkt von uns über die vor ihnen

Seite 1

�liegenen Optionen und die Konsequenzen ihrer Aktionen unterrichtet werden.
Obwohl der Präsident zu einem solchen weiteren
Schritt gewillt ist, war und ist er nicht bereit, zum
Spielball von Saddam Husseins Manipulationen zu
werden. Er war und ist nicht bereit, Bestrebungen zur
Umgehung oder Aufweichung des in Resolution 678
des UN-Sicherheitsrats verhängten, am 15. Januar
auslaufenden Ultimatums zu teilen.
Wir sind immer noch zu einem Treffen bereit. Wir
möchten Tarik Asis immer noch zu einem Gespräch
mit dem Präsidenten in Washington empfangen. Der
Präsident ist immer noch bereit, mich nach Bagdad zu
entsenden. Und er ist immer noch bereit, mich an
einem der 15 genannten Termine reisen zu lassen,
einschließlich dem 1. Weihnachtstag oder dem Neujahrstag.
Wenn Saddam Hussein nicht willens ist, mich an
einem der 15 Termine zu empfangen, nachdem er mit
unzähligen selbsternannten Emissären aus zahlreichen Ländern zusammengekommen ist, beweist er
uns allen, daß er nicht an Kommunikation sondern
Manipulation interessiert ist.
Wir sind zu Kommunikation bereit, nicht aber, Saddam
Husseins Spiel zu spielen. Und niemand sonst sollte
dies tun. Jeder sollte dem Irak dieselbe Botschaft
zukommen lassen:
Hören Sie auf, aus dem Treffen in Bagdad ein
Vabanquespiel zu machen,
akzeptieren Sie die Realität Ihrer Situation und
den Willen der internationalen Staatengemeinschaft,
machen Sie sich klar, daß Sie die internationale
Staatengemeinschaft nicht spalten können, und
werden Sie sich bewußt, daß die internationale
Staatengemeinschaft den Einsatz von Gewalt
unterstützt, wenn Sie sich weigern, die Resolutionen des UN-Sicherheitsrats vollständig einzuhalten.
Die Übermittlung dieser Botschaft und die Verdeutlichung, daß es keine Belohnung und kein Junktim mit
anderen Themen gibt, sind unabdingbar, um Saddam
Hussein davon zu überzeugen, daß er erstens keinen
Keil zwischen uns treiben kann und zweitens die Zeit
ausläuft.
Eine friedliche Lösung hängt von seiner Einsicht ab,
da ß er nur zwei Alternativen hat. Jedes Treffen mit den
Irakis sollte die Unmißverständlichkeit der Alternativen
verdeutlichen, es sei denn, mangelnde Kommunikation verleitet sie zu einer erneuten Fehleinschätzung,
mit der sich das Kriegsrisiko in der Tat nur vergrößert.

Seite 2

Wir sollten uns meines Erachtens darauf gefaßt machen, daß Saddam Hussein wahrscheinlich beabsichtigt, den kollektiven Willen der internationalen Staatengemeinschaft zum Einsatz von Gewalt zu unterhöhlen,
je mehr wir uns dem Ablauf des Ultimatums am 15.
Januar nähern und die Alternativen unmißverständlich
aufgezeigt werden. Ich bin ebenso der Überzeugung,
daß er die Geiseln nur aus diesem Grund freigelassen
hat, und am oder um den 15. Januar herum einen
dramatischen Schritt unternehmen wird. Er könnte
einen teilweisen Abzug vornehmen.
Wir sind alle der Meinung, daß Teillösungen oder
Resultate, die von anderen Themen abhängen und an
diese geknüpft sind, inakzeptabel sind. Wir müssen
Saddam Husseins mögliches Vorgehen antizipieren,
auf ein Komplott mit teilweisem Abzug gefaßt sein und
unsere Reaktionen genau koordinieren.
Bevor ich zur Sowjetunion komme, möchte ich noch
einen entscheidenden Punkt im Hinblick auf die Teilung von Verantwortung am Golf ansprechen, einer
Region, die für uns alle lebenswichtig ist. Als ich das
letzte Mal mit Ihnen dieses Thema erörterte, hatten wir
unsere Truppen am Golf noch nicht verstärkt, um eine
glaubwürdige Offensivfähigkeit aufzubauen. Dies war
für uns ein äußerst schwieriger Entschluß - nicht
theoretisch, sondern im Hinblick auf die beteiligten
Menschen. Es bedeutete die Einberufung von Reservisten und die Trennung Tausender Familien. Es
bedeutet für uns neue, erhebliche finanzielle Belastungen. Und es bedeutet reale Risiken und reale Opfer
seitens des amerikanischen Volkes. In diesem Zusammenhang werden wir erneut auf Sie zukommen,
um zu erörtern, wie wir diese zusätzlichen Kosten und
Risiken in verantwortungsbewußter Weise teilen können.
Politisch müssen wir gemeinsam dafür Sorge tragen,
daß unsere Öffentlichkeit diese Krise als Probe einer
neuen Weltordnung und unserer Hoffnungen auf ein
neues Zeitalter des Friedens versteht.
Wirtschaftlich müssen wir gleichmäßig die Verantwortung für die Begleichung der gewaltigen Kosten teilen,
die uns, der dem Irak gegenüberstehenden Koalition

und den Staaten, denen die Unterstützung der Vereinten Nationen die größten Opfer abverlangt hat, entstanden sind. Ich habe Ihnen gegenüber bereits früher
die Auswirkungen auf einen unserer Mitgliedstaaten,
die Türkei, erläutert. Es ist unerläßlich, daß die gegenüber der Türkei eingegangenen Verpflichtungen erfüllt
und noch verstärkt werden.
Militärisch teilen wir die Verantwortung, Saddam Hussein
zu zeigen, vor welcher Wahl er wirklich steht und daß
er die Bedingungen der Vereinten Nationen erfüllen
muß.

AMERIKA DIENST 50

�Die Sowjetunion und Osteuropa
Ich möchte mich nun einerweiteren großen Herausforderung für den Westen zuwenden - unseren Beziehungen zu einer sich rasch verändernden Sowjetunion.
Dazu möchte ich Ihnen folgende Beobachtungen mitteilen:
Erstens handelt Moskau bei vielen Themenbereichen
weiterhin als solider Partner, wie mein Treffen mit
Außenminister Schewardnadse in Houston unterstrichen hat. Das neue Denken ist in der Tat zunehmend
zur neuen Politik Moskaus geworden. Es besteht eine
Partnerschaft am Golf. In bezug auf den Nahen Osten
lassen unsere Gespräche den Schluß zu, daß die
Sowjets einen praktischen und nicht nur rhetorischen
oder symbolischen Ansatz zum Friedensproze ß unterstützen werden. Zu Angola, Afghanistan und El Salvador kommen wir der Beendigung des Blutvergießens
und der Verwirklichung von Frieden näher.
Bei START haben wir gute Fortschritte zur Ausräumung unserer verbleibenden Differenzen zu hochtechnischen Fragen erzielt. Wir sind zuversichtlich,
daß der START-Vertrag bei Präsident Bushs für Februar angesetztem Besuch in Moskau unterzeichnungsreif sein wird.
Zweitens bestand unsere Reaktion auf die sich verschlechternde innenpolitische Lage in der Sowjetunion
darin, Soforthilfe zu leisten, um den Sowjets bei der
Überwindung dieser kritischen Übergangszeit zu helfen. Wie der Präsident am vergangenen Mittwoch
ankündigte, wird unsere Hilfe in Form von medizinischen Gütern, Bürgschaften für Nahrungsmittelkredite, einschließlich der Aufhebung der Jackson-VanikBestimmung sowie technischer Wirtschaftshilfe gewährt werden. Darüber hinaus haben wir vorgeschlagen, den Sowjets einen Sonderstatus in IWF und
Weltbank einzuräumen. Unsere Hilfe ergänzt die von
vielen Mitgliedstaaten des Bündnisses und der Europäischen Gemeinschaft bereitgestellte Unterstützung.
Mit der Gewährung dieser Hilfe haben wir gleichzeitig
versucht, den Sowjets klarzumachen, daß es sich
dabei nur um eine Übergangshilfe handelt. Wir drängen sie weiterhin darauf, sicherzustellen, daß jegliche
vom Westen bereitgestellte Unterstützung in Einklang
mit den langfristigen Zielen der Demokratie und Marktwirtschaft steht. Dies ist besonders wichtig, wenn man
berücksichtigt, daß die Sowjets gegenwärtig in eine
kritische innenpolitische Phase eintreten.
Drittens lautet kurzfristig die Frage, mit der sich die
sowjetische Führung konfrontiert sieht, nicht so sehr,
ob den Reformen Erfolg beschieden sein wird, sondern ob Anarchie und Chaos vermieden werden können. Es besteht die Gefahr, daß alle Bemühungen,
das Chaos durch die Stärkung derjenigen Sektoren
der sowjetischen Gesellschaft einzudämmen, die mehr
auf zentralisierte, kommandoorientierte Lösungen fiAMERIKA DIENST 50

xiert sind - insbesondere Militär und KGB -, unerwünschte Folgen haben könnte.
Viertens schließlich hat niemand Interesse an Instabilität und Chaos in der Sowjetunion. Wir sind jedoch der
Überzeugung, daß der einzige Weg zur langfristigen
Sicherung der Stabilität darin besteht, politische und
wirtschaftliche Reformen gleichermaßen fortzusetzen
und noch zu beschleunigen. So wäre es etwa verhängnisvoll, wenn Moskau gegen die wie Pilze aus dem
Boden schießenden Kooperativen und informellen
Märkte vorgehen würde. Dies hätte eine gegenteilige
Wirkung auf wirtschaftliche und politische Reformen
und würde die Probleme Moskaus noch verschärfen.
Auch in Mittel- und Osteuropa sind die Reformen an
einem kritischen Punkt angekommen. Die einfachen
Schritte sind bereits vollzogen worden. Jetzt bleiben
nur noch schwere Entscheidungen übrig. Wir müssen
zusammenarbeiten, um zu gewährleisten, daß die
demokratischen Errungenschaften des Jahres 1989
nicht zu den Fehlschlägen des Jahres 1991 werden.
Während wir Milliarden für die Übergangshilfe für die
Sowjetunion aufbringen, dürfen wir die Länder nicht
vergessen, die schwierige Entscheidungen auf dem
Weg zu Reformen getroffen haben und zu Versuchslabors für den Erfolg des demokratischen Experiments
geworden sind.
Das Bündnis muß sicherstellen, daß unsere Verbindungsstellen im Osten ihren Zweck wirklich erfüllen,
unsere ehemaligen Gegner in die Gemeinschaft
demokratischer Staaten zu integrieren. Die Mitgliedstaaten des Bündnisses müssen bilateral und im Rahmen
der KSZE ihre Bemühungen fortsetzen, Demokratie
und marktwirtschaftliche Reformen in Mittel- und
Osteuropa zu unterstützen. Diese Regierungen sind
von der Golfkrise besonders hart betroffen.
Leitlinien für eine Anpassung der NATO
Die dritte Herausforderung besteht darin, die andauernde Anpassung der NATO in geordneter Weise
durchzuführen. Unsere in den vergangenen 18 Monaten insbesondere beim Londoner Gipfel geleistete
Arbeit hat viel bewirkt und einen Kurs für weitergehende Veränderungen vorgezeichnet.
Trotzdem liegen die grundlegendsten Aufgaben noch
vor uns: Wir müssen unseren Erfolg bewältigen. Wir
müssen uns neuen Bedrohungen unserer gemeinsamen Sicherheit anpassen, die wirund die Öffentlichkeit
in unseren Ländern erst zu erkennen beginnen.
Meine Ausführungen zum Irak, der Sowjetunion sowie
Mittel- und Osteuropa sollten keinen Zweifel daran
lassen, daß die Welt - gerade die Welt Europas und
dessen unmittelbaren Umfelds - weiterhin ein Ort der
Unruhe und Gefahr ist.
Während sich unsere Sicherheitspolitik über 40 Jahre
hinweg auf die vorherrschende sowjetische Bedro-

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�hung im Osten konzentrierte, muß sich heute und in
der Zukunft unser kollektiver Schwerpunkt meines
Erachtens auf einen breiteren Gesichtskreis richten.
Meiner Ansicht nach müssen wir fünf Aufgaben erfüllen:
Erstens müssen wir unseren Mitgliedern weiterhin eine
Absicherung gegen die Gefahren bieten, die von der
Sowjetunion und ihren immer noch umfangreichen
konventionellen und nuklearen Fähigkeiten ausgehen.
Der Charakter dieser Gefahr hat sich zweifellos gewandelt, und unsere unmittelbare Aufgabe besteht im
Umgang mit der - gegenwärtigen und potentiellen sowjetischen Macht, indem wir Wege finden, um die
UdSSR in eine europäische Ordnung einzubinden, die
Demokratie und Stabilität Vorschub leistet.
Zweitens haben wir ein starkes gemeinsames Interesse an der Förderung eines stabilen Sicherheitsgefüges
in ganz Europa - insbesondere in Mittel- und Osteuropa - auf der Basis des Wachstums demokratischer
Institutionen und zunehmenden Engagements für friedliche Konfliktlösungen. Tatsächlich war die europäische Sicherheit oftmals durch das Ausufern politischer
Instabilität und Konflikte angrenzender Länder gefährdet. Die - politischen, wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen - Herausforderungen der um ihre Existenz
kämpfenden Länder Mittel- und Osteuropas stellen
uns ebenfalls vor Herausforderungen. Es liegt in
unserem Interesse, daß diese Länder nicht erneut die
düsteren Kapitel ihrer Geschichte durchleben müssen.
Drittens müssen wir erkennen, daß auch aus anderen
Richtungen reale und potentielle Bedrohungen für das
Territorium unserer Mitgliedstaaten bestehen, - insbesondere aus dem Süden und Südosten. Das wird
insbesondere in der Türkei deutlich und sollte auch im
Mittelmeer gelten.
Viertens stellt die irakische Aggression im Pulverfaß
des Nahen Ostens natürlich eine Gefahr für Westeuropa dar, der ebensolche Bedeutung zukommt wie jeder
direkten Bedrohung für das Territorium der NATO.
Wenn wir zulassen, daß Bestrebungen des Bündnisses zur Bewältigung dieser Gefahren durch Formalismus gelähmt werden, werden wir die fatalen Fehler
früherer Generation wiederholen. Und dies ist wahrscheinlich nicht die letzte Herausforderung, die von
dieser Nachbarregion auf uns zukommt.
Fünftens kann dieses Bündnis - wie es Artikel IV des
Nordatlantikvertrags vorsieht - als transatlantisches
Forum für Konsultationen der Verbündeten über alle
Themen dienen, die unsere lebenswichtigen Interessen berühren und zur Koordinierung unserer Bestrebungen um Rüstungskontrolle. Dies sollte auch die
Arbeit gegen die Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen umfassen, eine Gefahr, die möglicherweise eine der entscheidensten und schwierig-

Seite 4

sten Bedrohungen für unsere Sicherheit ist, der wir uns
in den neunziger Jahren stellen müssen.
Ich freue mich, daß die Gipfel von London und Paris
durch ein Zusammenspiel sicherheitspolitischer Maßnahmen bereits Fortschritte bei der Neuorientierung
unseres Bündnisses auf dieses Fünf-Punkte-Programm
markieren. Insbesondere unsere neuen Verbindungen
friedlicher Kooperation mit der Sowjetunion und den
Ländern Mittel- und Osteuropas sind ein guter Anfang,
auf dem wir aufbauen müssen.
Aber die Überprüfung unserer Strategie ergibt auch,
daß wir im Zuge einer Neuorientierung des Bündnisses und Bewältigung dieser größeren Bandbreite sicherheitspolitischer Fragen ebenfalls bewerten müssen, wie Europa und Nordamerika ihre gemeinsamen
Sicherheitsbestrebungen in den kommenden Jahren
gestalten werden. Unser neuer Realismus über ein
weiter gefaßtes Sicherheitsprogramm muß von einer
realistischen Einschätzung des Interesses an einer
europäischen sicherheitspolitischen Identität begleitet
sein.
Die Vereinigten Staaten unterstützen seit langem eine
stärkere europäische Rolle innerhalb des Bündnisses.
Wir begrüßen also die Aussicht auf Erhaltung der
transatlantischen Partnerschaft im sicherheitspolitischen Bereich mit einem selbstbewußteren und vereinigten Europa - einer Partnerschaft im Einklang mit
dem Nordatlantikvertrag. Wir wissen, daß die uns
verbindenden gemeinsamen Werte größeren Zusammenhalt bieten als jede Bedrohung von außen.
In der Tat kommt meiner Ansicht nach einer stärkeren
europäischen Identität innerhalb des Bündnisses
angesichts der sich wandelnden sicherheitspolitischen
Tagesordnung noch größere Bedeutung zu. Wir interessieren uns insbesondere dafür, wie ein europäisches Verteidigungsgefüge dazu beiträgt, mit diesen
von mir bereits erwähnten Herausforderungen umzugehen, mit denen sich die NATO noch nicht beschäftigt
hat. In dieser Hinsicht haben wir Vorschlägen besonderes Interesse entgegengebracht, daß die WEU eine Organisation, die bereits zweimal auf Bedrohungen in der Golfregion reagiert hat - Grundlage eines
solchen Gefüges sein kann. Ein auf den Erfahrungen
der WEU basierender europäischer Pfeiler für das
Bündnis könnte uns helfen, die alte, festgefahrene
Diskussion über die Rolle in bündnisfremden Gebieten
hinter uns zu lassen.
Entwicklungen in diesem Bereich sind natürlich für die
WEU und die EG von zentraler Bedeutung. Diese
Entwicklungen betreffen darüber hinaus jeden einzelnen Verbündeten an diesem Tisch.
Der Weg, den wir im Hinblick auf reifere Sicherheitsbeziehungen einschlagen, wird ernste und andauernde
Konsequenzen für unsere Beziehungen und unsere

AMERIKA DIENST 50

�gemeinsamen Sicherheitsinteressen haben. Wir müssen
es richtig machen.
Ich bin mir bewußt, daß die Geschichte der europäischen Integration sich oftmals erfolgreich auf eine
Vision gestützt hat, die dann in vielen fruchtbaren und
schwierigen Verhandlungen ausgearbeitet wurde. In
diesem Fall muß sich der europäische Prozeß meiner
Meinung nach auf eine Weise entwickeln, die eine
eingehende Erörterung seiner Auswirkungen auf beteiligte Institutionen und Verbündete gewährleistet.
Eine Weltordnung, die Frieden schafft, Stabilität sicherstellt und Wohlstand und Freiheit fördert, kann
nicht aus einem Europa entstehen, das von Nordamerika getrennt ist. Die neue Weltordnung kann sich
keine "Insel" Europa oder ein "isolationistisches" Nordamerika leisten.
Ich bin zuversichtlich, daß wir, wenn Europa die Entwicklung einer Sicherheitsidentität beabsichtigt, einen
klarer definierten europäischen Sicherheitspfeiler
schaffen können, mit dem die NATO ihre sicherheitspolitischen Herausforderungen besser lösen kann. Im
Hinblick darauf freue ich mich auf die Weiterführung
enger Konsultationen bei der Überprüfung der NATOStrategie und die in den nächsten Monaten parallel
dazu verlaufenden Prozesse der EG. Wenn wir all

*

AMERIKA DIENST 50

diese neuen Wege einschlagen, müssen unsere Beratungen unbedingt offen sein und unsere Schlußfolgerungen auf engen und eingehenden Konsultationen
mit allen beteiligten Ländern und Institutionen basieren. Der Konsens der Vergangenheit muß in Zukunft
Bestand haben.
Wir müssen zusammenarbeiten, um sicherzustellen,
daß die transatlantischen Beziehungen in den nächsten vierzig Jahren ebenso erfolgreich sind wie in den
vergangenen vierzig Jahren. Wenn wir jetzt zusammenarbeiten - zu einer Zeit, da viele entwicklungsfähige Ideen auf dem Tisch liegen - können wir sicherstellen, daß eine dauerhafte und reife transatlantische
Partnerschaft entsteht.
Schlußbemerkung
Zum Schlu ß freue ich mich über diese Gelegenheit, im
einzelnen sowohl unsere unmittelbaren Herausforderungen als auch die erforderlichen Leitlinien zu erörtern, um die politische Seite der Überprüfung unserer
Strategie zu fördern. Die von uns bereits erzielten
umfangreichen Fortschritte zeigen, daß wir der Aufgabe gewachsen sind, wenn wir das Ziel und die gemeinsamen Werte im Auge behalten, die uns zusmmengeführt haben.

* * *

*

Seite 5

�GOLFKRISE
19. Dezember 1990

DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse vom 1. bis 15. Dezember 1990
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend führen wir die Chronologie der Ereignisse am Golf für den Zeitraum vom
1. bis 15. Dezember 1990 fort.

1. Dezember
Vizepräsident Dan Quayle zufolge bedeuten die von
Präsident Bush vorgeschlagenen Treffen zwischen
dem Irak und den Vereinigten Staaten keinen Wandel
in dem Beharren der Vereinigten Staaten auf dem
irakischen Abzug aus Kuwait. Er erklärte: "Es stellt
lediglich einen letzten Appell an Saddam Hussein dar,
die UNO-Resolutionen zu erfüllen".
2. Dezember

i

*

Die Präsidenten der Andenpaktstaaten schicken einen
gemeinsamen Brief an Saddam Hussein, in dem sie
ihre Auffassung bekunden, daß der Irak die Resolutionen des UN-Sicherheitsrats einhalten muß. Sie fordern ferner den Irak zum Abzug aus Kuwait auf. Die
Präsidenten "bekräftigen ihr Engagement für eine
friedliche Lösung und fordern daher einen Dialog zwisehen den interessierten Parteien nach dem irakischen Abzug aus dem besetzten Territorium, der
entscheidenden Vorbedingung für den erwünschten
Abbau der Spannungen", nach der Entscheidung des
UN-Sicherheitrats für ein Ultimatum an den Irak für
seinen Abzug aus Kuwait. Der Brief ist unterzeichnet
von den Präsidenten Jaime Paz Zamora (Bolivien),
Cesar Gaviria Trujillo (Kolumbien), Rodrigo Borja
Cevallos (Ecuador), Alberto Fujimori (Peru) und Carlos Andres Perez (Venezuela).
3. Dezember
Der kuwaitische Botschafter Mohammed Abulhasan
erklärt, der Irak habe in Kuwait systematisch landwirtschaftliche Programme im Wert von mehr als 100
Millionen Dollar zerstört, wobei die Nahrungsmittel
knapper werden und das kuwaitische Volk von Lebensmittellieferungen abgeschnitten wird. In einem Brief an
AMERIKA DIENST 50

die Vereinten Nationen erklärt Abulhasan, Kuwaitis,
die keine irakischen Pässe entgegennehmen wollen,
erhielten grundsätzlich weder Lebensmittel noch Treibstoff.
Der Menschenrechtsausschuß der UNO-Generalversammlung verurteilt mit überwältigender Mehrheit die
"gravierenden Menschenrechtsverletzungen gegen das
kuwaitische Volk und Drittstaatler" durch den Irak und
stimmt 132 zu 1 bei einer Enthaltung. Der Resolutionsentwurf wird von mehr als 30 Ländern aus allen Teilen
der Erde eingebracht und geht insbesondere auf "Folter,
Verhaftungen, Massenexekutionen und Entführungen"
ein. Der Ausschuß erklärt seine "ernste Sorge" über
den systematischen Abbau und die Plünderung der
wirtschaftlichen Infrastruktur Kuwaits und "tiefe Besorgnis" über die zunehmend schwierigen Lebensbedingungen im besetzten Kuwait. Lediglich der Irak
stimmt gegen die Resolution, Sambia enthält sich der
Stimme. Sieben arabische Länder - Algerien, Jemen,
Jordanien, Libyen, Mauretanien, der Sudan und Tunesien - stimmen nicht ab.
5. Dezember
Außenminister Baker erklärt dem Auswärtigen Ausschuß des Senats, wenn man es aufschiebe, den Irak
zum Abzug aus Kuwait zu zwingen, könnte dies dem
irakischen Präsidenten Saddam Hussein helfen, Kuwait
als ganzes Land zu zerstören.
Der neue britische Premierminister John Major schließt
Verhandlungen mit dem Irak sowie "alle Teillösungen
oder Junktims mit anderen Problemen" aus.
Der Irak akzeptiert Präsident Bushs Vorschlag für
gegenseitige Besuche auf höchster Ebene offiziell.

Seite 1

�Der Irak beginnt mit der Ausstellung von Ausreisevisa
für über 3 200 Sowjetbürger.

tiert wurde, Saddam Hussein könnte einen Teilrückzug planen.

Neuseeland entsendet symbolisch Truppen in die
Golfregion, indem das Land zwei Transportflugzeuge
und ein Militärärzteteam anbietet.

Die kuwaitische Exilregierung stellt fest, sie sei nicht
bereit, auch nur einen Zentimeter kuwaitischen Bodens preiszugeben und brandmarkt Berichte, sie führe
Geheimverhandlungen mit der Bagdader Regierung,
als "völlig aus der Luft gegriffen". Außenminister
Sabah al-Ahmed al-Jaber erklärt gegenüber der kuwaitischen Nachrichtenagentur, Berichte der britischen
Zeitung The Independent beruhten "auf fabrizierten
Gerüchten".

Die in Riad zusammenkommenden Verteidigungsminister aus sechs Golfstaaten wollen die Befreiung des
besetzten Kuwait unterstützten. In einer bei Abschluß
des Treffens veröffentlichten Erklärung, die von Prinz
Sultan Bin Abd al-Aziz AI Saud aus Saudi-Arabien,
Scheich Hamad Bin Isa al-Khalifa aus Bahrain, Scheich
Hamad bin Khalifa al-Thanki aus Katar, Qaboos bin
Said AI Said aus Oman, Muhammad bin Rashid bin
Sa'id AI aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und
Nawwaf al-Ahmad al-Jabir al-Sabah aus Kuwait unterzeichnet wurde, erklären die Außenminister die irakische Invasion in Kuwait zur Aggression gegen alle
Länder des Golf-Kooperationsrats.
In Washington bittet eine Gruppe aus 54 demokratischen Abgeordneten den Bundesrichter Harold Greene um einen Gerichtsbeschluß, der es Präsident Bush
verbietet, eine Offensive am Golf zu führen, ohne das
ausdrückliche Einverständnis des Kongresses einzuholen, wobei sie verfassungsrechtliche Vorbehalte
anführen.
6. Dezember
Saddam Hussein bittet das irakische Parlament um
Zustimmung zur Freilassung aller im Irak und in Kuwait
festgehaltenen Ausländer.
7. Dezember
Das irakische Parlament stimmt Saddam Husseins
Entscheidung zur Freilassung aller im Irak festgehaltenen Ausländer mit überwältigender Mehrheit zu.

Das Komitee für Frieden und Sicherheit am Golf erklärt, der irakische Präsident Saddam Hussein dürfe
für seine Aggression gegen Kuwait nicht belohnt werden. Das Komitee ist eine überparteiliche Gruppe aus
führenden Vertretern des Kongresses und ehemaligen
US-Beamten und unterstützt die Politik der BushAdministration am Golf.
Dem von dem demokratischen Kongreßabgeordneten
aus New York, Stephen Solarz, ins Leben gerufenen
Komitee gehören ferner der demokratische Abgeordnete Tom Lantos aus Kalifornien, der demokraitsche
Abgeordnete Dave McCury aus Oklahoma, der demokratische Abgeordnete John P. Murta aus Pennsylvania, der demokratische Abgeordnete Robert G. Torricelli aus New Jersey sowie die republikanischen Senatoren Richard Lugar aus Indiana und John McCain aus
Arizona an.
11. Dezember
Dem Pariser Fernsehsender Antenne 2 zufolge entsendet Frankreich sechs weitere Kampfflugzeuge nach
Saudi-Arabien, darunter vier Jaguar Kampfbomber
und zwei Mirage 2000 zur Luftverteidigung.
13. Dezember

Der irakische Botschafter in den Vereinigten Staaten,
Mohamad al'Mashat, entschuldigt sich in einem Fernsehinterview für das Festhalten der Geiseln und erklärt, sein Land erwarte nichts für deren Freilassung.

Saddam Hussein wechselt seinen Verteidigungsminister Saidi Tumah Abbas gegen einen jungen Generalleutnant aus, der von 1980-88 im Krieg gegen den Iran
kämpfte und als Anhänger der harten Linie Saddam

Dem US-Außenministerium zufolge bestehen die
Vereinigten Staaten darauf, daß die Termine für die
beiden vorgeschlagenen amerikanisch-irakischen
Treffen auf höchster Ebene vor dem ersten Treffen
vereinbart sein müssen.

Husseins gilt. Darüber hinaus verkündet der Irak die

10. Dezember
Der irakische Informationsminister LatifJassim erklärt,
jegliches Gerede über einen irakischen Abzug aus
Kuwait sei "nichts als Träumerei und Wunschdenken".
Die Londoner Zeitung Observer berichtet, der Irak
scheine seine Grenzen zu Kuwait neu festzulegen. Es
werde ein Stacheldrahtzaun durch den nördlichen Teil
Kuwaits gezogen, was als Anzeichen dafür interpre-

RA»O 9

Bildung von 370 Zivilverteidigungszentren in Bagdad.
Hausbesitzer werden angewiesen, Luftschutzräume
einzurichten.
Der Verwaltungsrichter Harold Greene weist den Antrag einer Gruppe demokratischer Kongreßabgeordneter auf Erlaß einer einstweiligen Verfügung ab, mit
der Präsident Bush der Befehl zum Angriff gegen den
Irak ohne Zustimmung des Kongresses untersagt werden
soll. Richter Greene zufolge beruht die Abweisung auf
der Tatsache, daß keinerlei stichhaltige Beweise für
eine bevorstehende Auseinandersetzung zwischen
Legislative und Exekutive sowie dafür vorlägen, daß
die Administration kurz davor stehe, einen Angriff

AMERIKA DIENST 50

�auszulösen oder die Mehrheit im Kongreß eine Kriegserklärung für unklug hielte.
14. Dezember
Präsident Bush erklärt, die von ihm vorgeschlagenen
irakisch-amerikanischen Treffen auf höchster Ebene
seien "in der Schwebe" bis Bagdad sich bereiterkläre,
Au ßenminister Baker bis spätestens 3. Januar 1991 zu
empfangen. Bush stellt fest, er wolle eine friedliche
Lösung der Golfkrise, aber er werde sich "nicht an der
Umgehung oder Aufweichung der von den Vereinten
Nationen gesetzten Frist beteiligen", bis zu der sich
der Irak aus Kuwait zurückgezogen haben muß.
Außenminister Baker ist bereit, jederzeit bis einschließlich dem 3. Januar 1991 nach Bagdad zu reisen.
Der algerische Präsident Chadli Benjedid deutet an, er
habe eine diplomatische Mission in Bagdad ohne
Ergebnis beendet. In einem vor seiner Abreise aus der
irakischen Hauptstadt veröffentlichten Kommunique
fordert Benjedid die "Wiederherstellung der arabischen Einheit".
Die letzten Angehörigen der amerikanischen Botschaft
in Kuwait, darunter Botschafter Nathaniel Howell, die
Gesandte Barbara Bodine und drei andere Mitarbeiter
treffen nach der Abreise aller Amerikaner aus Kuwait,
die dies wünschten, auf dem Luftwaffenstützpunkt

*

AMERIKA DIENST 50

*

Andrews ein. Die amerikanische Botschaft "bleibt
offiziell geöffnet, auch wenn sie gegenwärtig nicht
besetzt ist".
15. Dezember
Der irakische Informationsminister und der Revolutionäre Kommandorat verkünden, daß der irakische
Au ßenminister Tarik Asis am 17. Dezember nicht nach
Washington fliegen werde und daß "allein der Irak"
einen Termin für den Besuch Außenminister Bakers in
Bagdad festlegen werde.
Das Weiße Haus erklärt, die irakische Ankündigung
einer fehlenden Übereinstimmung zu den Besuchen
"ist lediglich eine Bekräftigung der nicht vorhandenen
irakischen Bereitschaft, sich ernsthaft mit dem Problem zu beschäftigen".
Die Regierungschefs der 12 EG-Staaten verurteilen
die "unmenschliche und unterdrückerische Besetzung"
Kuwaits durch den Irak und warnen Saddam, er allein
sei dafür verantwortlich zu entscheiden, ob ein Krieg
vermieden werden kann. In einer zum Abschluß ihres
zweitägigen Gipfeltreffens in Rom verabschiedeten
Erklärung fordern die Regierungschefs den vollständigen irakischen Abzug aus Kuwait sowie die Wiederherstellung von Souveränität und rechtmäßiger Regierung Kuwaits.

*

*

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�USA -

SOWJETUNION
19. Dezember 1990

AUFHEBUNG DER JACKSON-VANIK-BESTIMMUNG
Eine Übersicht des Weißen Hauses
WASHINGTON - (AD) - Aufgrund der Aufhebung des 1974 erlassenen Jackson-Vanik-Gesetzes durch Präsident Bush können die Vereinigten Staaten der Sowjetunion für den Erwerb amerikanischer Agrarprodukte
Kreditbürgschaften von bis zu 1 Milliarde Dollar gewähren.
Mit dieser neuen Regelung kann die Sowjetunion bei der Export-Import-Bank der Vereinigten Staaten bis zu 300
Millionen Dollar an Krediten und Kreditbürgschaften erhalten.
Die Jackson-Vanik-Bestimmung schränkt den Handel mit Ländern ein, die keine freie Ausreise zulassen. Wenn
Bush Jackson-Vanik aufhebt, muß er dem Kongreß zusichern, daß die neue Regelung dem Ziel der freien
Ausreise Vorschub leistet. Der Kongreß kann sich dann in einer Abstimmung dagegen aussprechen.
Nachfolgend veröffentlichen wir eine am 12. Dezember 1990 herausgegebene Übersicht zu diesem Erlaß.
Der Präsident hat entschieden, daß die Sowjetunion
die im Jackson-Vanik-Gesetz (Abschnitt 402) des
Handelsgesetzes von 1974 enthaltenen Bestimmungen über freie Ausreise erfüllen und diesen Zusatzartikel aufgehoben. Jackson-Vanik verbietet denjenigen
Ländern Zugang zu staatlichen Krediten und Kreditbürgschaften, die Ausreisebeschränkungen verhängen. Der Präsident begründet seine Entscheidung
folgendermaßen:
Die Liberalisierung der sowjetischen Auswanderungspolitik in den letzten Jahren, im Zuge derer bis Ende
1990 schätzungsweise 360 000 Personen das Land
verlassen werden,
die Zusicherung, daß diese Politik fortgeführt wird und
um der Sowjetunion Nahrungsmittel - in Form von
einer Milliarde Dollar Kreditbürgschaften der Preisstützungsbehörde für die Landwirtschaft (CCC) für den
Erwerb landwirtschaftlicher Produkte - zugänglich zu
machen.
Der Erlaß des Präsidenten wird bis mindestens Juli
1991 gelten. Dann wird er über eine eventuelle Verlängerung entscheiden müssen.
Trotz dieser Entscheidung über Jackson-Vanik plant
der Präsident zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht, das
beim Washingtoner Gipfel im Juni 1990 unterzeichnete amerikanisch-sowjetische Handelsabkommen an
den Kongreß weiterzuleiten. Nur wenn das Handelsabkommen die Zustimmung des Kongresses findet

und in Kraft tritt, kann die Sowjetunion den Meistbegünstigungsstatus erhalten.
Die unmittelbare Auswirkung der Maßnahme des
Präsidenten besteht darin, daß die Sowjetunion nunmehr im Rahmen des CCC Kreditbürgschaften für den
Erwerb amerikanischer Agrarprodukte in Anspruch
nehmen kann. Diese Form der Nahrungsmittelhilfe
erfüllt die sowjetische Bitte um Kreditbürgschaften und
wird den zuständigen sowjetischen Stellen helfen, ihre
Lebensmittelknappheit zu bewältigen. Im Rahmen
dieses Erlasses kann die Sowjetunion wieder Kredite
und Bürgschaften der Export-Import-Bank in Anspruch
nehmen.
Dennoch begrenzen der Stevenson-Zusatzartikel zum
Gesetz der Eximbank und der Byrd-Zusatzartikel zum
Handelsgestz von 1974 Kredite und Bürgschaften auf
300 Millionen Dollar, mit einer Untergrenze von 40
Millionen Dollar und anderen Beschränkungen für
Eximbank-Kredite oder Bürgschaften zur Unterstützung der Industrie für fossile Brennstoffe.
Im Einklang mit den Bestimmungen von JacksonVanik wird der Präsident vor der offiziellen Aufhebung
des Artikels dem Kongreß seine Auffassung darlegen,
daß eine neue Regelung in der Sowjetunion dem Ziel
der freien Auswanderung Vorschub leisten wird. Dieser Bericht wird ebenfalls darauf eingehen, daß er die
erforderlichen Zusicherungen zur sowjetischen Ausreisepraxis erhalten hat.

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AMERIKA DIENST 50

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�USA - S O W J E T U N I O N
19. Dezember 1990

BUSH STELLT NAHRUNGSMITTELEXPORTKREDITE
FÜR UdSSR BEREIT
Eine Übersicht des Weißen Hauses
WASHINGTON - (AD) - Aufgrund der Aufhebung des Jackson-Vanik-Zusatzes durch Präsident Bush kann die
Preisstützungsbehörde des Landwirtschaftsministeriums der Sowjetunion jetzt Kreditbürgschaften von rund 1
Milliarde Dollar für Nahrungsmittelkäufe gewähren.
Im Rahmen dieses Programms wird der Sowjetunion durch Privatanleihen der Kauf von amerikanischem
Weizen, Futtergetreide, Olsamen und anderen Gütern gestattet, die über Kreditbürgschaften der US-Regierung
abgesichert sind.
Nachfolgend veröffentlichen wir die am 12. Dezember 1990 vom Weißen Haus herausgebene Übersicht über
die Vereinbarung im Wortlaut.

Aufgrund der Entscheidung des Präsidenten zur Aufhebung des Jackson-Vanik-Zusatzartikels zum Handelsgesetz von 1974 hat die Sowjetunion Anspruch auf
vom US-Landwirtschaftsministerium (USDA) bereitgestellte Exportkreditbürgschaften. Exportkreditbürgschaften werden für Agrarprodukte der Preisstützungsbehörde für die Landwirtschaft (CCC) angeboten, um
amerikanische Agrarexporte zu fördern. Das Hauptprogramm mit dem Titel GSM-102 räumt Rückzahlungsfristen von bis zu drei Jahren ein und deckt für
gewöhnlich 98 Prozent der Warenwerts der Transaktion ab.
Auf Wunsch gewährt die Preisstützungsbehörde des
Landwirtschaftsministeriums Bürgschaften für die
Finanzierung über reguläre Geschäftskanäle. Da der
größte Anteil des Risikos somit von der Preisstützungsbehörde getragen wird, können den Nutznießern dieses Programms Geschäftskredite in größerer
Höhe und zu günstigeren Bedingungen eingeräumt
werden als es sonst möglich wäre. Obwohl die Kredit-

bedingungen günstiger sind, werden die Zinssätze
gemäß dem Programm nicht subventioniert und entsprechen in etwa dem LIBOR (London Interbank Off ered Rate).
Für GSM-102 wird zur Zeit jährlich eine Gesamtsumme von 5 Milliarden Dollar bewilligt. Die Verkäufe an
25 Länder beliefen sich im Haushaltsjahr 1990 auf 4
Milliarden Dollar, was rund 10 Prozent aller amerikanischen Agrarexporte entspricht.
Jedes ausschließlich in den Vereinigten Staaten erzeugte Agrarprodukt kommt für das Programm in
Frage. Das Programm wurde zur Finanzierung des
Erwerbs von Weizen, Futtergetreide, ölsamen, Pflanzenöl, Vieh und Molkereiprodukten, Baumwolle sowie
einer Vielzahl anderer Güter verwendet.
Die Hauptnutznie ßer dieses Programms sind im Haushaltsjahr 1991 Mexiko (1,2 Milliarden Dollar) und Algerien (675 Millionen Dollar).

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AMERIKA DIENST 50

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�USA - S O W J E T U N I O N
19. Dezember 1990

BUSH RUFT PROJEKTGRUPPE FÜR MEDIZINISCHE
VERSORGUNG DER UdSSR INS LEBEN
Eine Übersicht des Weißen Hauses
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush hat erklärt, er werde eine Projektgruppe für die medizinische Versorgung der Sowjetunion ins Leben rufen, die der Sowjetunion mit staatlicher und privater Unterstützung angesichts
des akuten Mangels an Arzneimitteln und anderen medizinischen Versorgungsgütem helfen soll.
Nachfolgend veröffentlichen wir eine dazu am 12. Dezember 1990 herausgebene Übersicht des Wei ßen Hauses.

Der Präsident hat entschieden, mit staatlicher und
privater Hilfe ein Arzneimittelhilfeprojekt ins Leben zu
rufen, um der Sowjetunion bei der Bewältigung ihres
akuten Mangels an Arzneimitteln und Material für die
medizinische Grundversorgung zu helfen. Dieses
Projekt stützt sich auf private ehrenamtliche Hilfsorganisationen, die mit Unterstützung der US-Regierung
Arzneimittel und medizinische Versorgungsgüter in
der Sowjetunion verteilen. Zumindest im Anfangsstadium sollen diese Arzneimittel und Artikel für den Krankenhausbedarf von US-Firmen gestiftet werden.
Die amerikanische Projektgruppe mit Vertretern der
US-Regierung und privaten ehrenamtlichen Hilfsorganisationen soliden gesamten Einsatz koordinieren und
planen.
Das Amt für Internationale Entwicklung (A.I.D.) wird
sich mit privaten Hilfsorganisationen und Arzneimittelfirmen in Verbindung setzen, um Spenden zu erbitten.
A.I.D. leistet den sich beteiligenden privaten Hilfsorganisationen Finanzhilfe.

Private Hilfsorganisationen in den Vereinigten Staaten
werden den Transport und die Verteilung der von
privater Seite gespendeten Arzneimittel und medizinischen Versorgungsgüter in der Sowjetunion übernehmen.
Die Amerikanische Botschaft in Moskau wird in Zusammenarbeit mit den zuständigen sowjetischen Stellen in der Zentralregierung, den einzelnen Republiken
und Städten sowie mit den bereits in der UdSSR
operierenden privaten Hilfsorganisationen zusammenarbeiten, um den Bedarf festzustellen und bei der
medizinischen Versorgung Prioritäten zu setzen.
Der Umfang des Programms und das gelieferte Material werden von dieser eingehenden Bewertung des
Bedarfs und dem privaten Interesse an diesem Projekt
abhängen.
Im Idealfall soll die amerikanische Hilfe solchen Bevölkerungsgruppen zugute kommen, die bestimmte
medizinische Versorgungsgüter benötigen (zum Beispiel Einwegspritzen für Kleinkinder, Insulin für Diabetiker, Mittel gegen Leukämie).

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�USA - S O W J E T U N I O N
19. Dezember 1990

BUSH SCHLÄGT ANSCHLUSS DER SOWJETUNION
AN IWF UND WELTBANK VOR
Übersicht des Weißen Hauses
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush hat eine "besondere Anbindung" der Sowjetunion an den Internationalen Währungsfonds und die Weltbank vorgeschlagen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Übersicht des Wei ßen Hauses vom 12. Dezember 1990 zur Erläuterung des
Vorschlags.

Präsident Bush hat eine besondere Anbindung der
Sowjetunion an den Internationalen Währungsfonds
(IWF) und die Weltbank vorgeschlagen, die Moskau
Zugang zum finanzwirtschaftlichen Know-how dieser
Institutionen gewähren soll. Bush bat Finanzminister
Brady als amerikanischen Gouverneur bei IWF und
Weltbank, diesen Vorschlag mit den Institutionen und
anderen Ländern zu verfolgen und gemeinsam mit
ihnen alles erforderliche zu veranlassen.

Der IWF nimmt ähnlich dem Konsultationsprozeß in Artikel IV eine Jahresbilanz der sowjetischen Wirtschaft vor, die jetzt für alle IWFMitgliedstaaten erstellt wird.
Die Institutionen entsenden technische Experten nach Moskau, um kontinuierliche Hilfe und
die Koordinierung der Aktivitäten zu gewährleisten.
Die Sowjets nehmen wie im Jahr 1990 auch
weiterhin an der Jahressitzung teil.

Unseres Erachtens ist es für die UdSSR am besten,
mit diesen Institutionen zunächst solch eine Beziehung einzugehen, bevor das Thema der Vollmitgliedschaft angesprochen wird.
Der Status einer "besonderen Anbindung" könnte
folgende Elemente enthalten:
Der IWF stellt den Sowjets technische Hilfe bei
Maßnahmen im makroökonomischen und finanziellen Bereich sowie bei der Festsetzung
der Wechselkurse zur Verfügung und berät zu
anderen Themen wie etwa Finanzpolitik, Steuerreform und Zentralbankfragen.
Die Weltbank bietet Beratung bei spezifischen
Strukturproblemen an wie Verbesserung des
Transport-, Energie- und Finanzwesens sowie
bei kritischen makroökonomischen Fragen wie
etwa der Erschließung von Märkten.

Weltbank und Währungsfonds laden die Sowjets zur Teilnahme an von ihren jeweiligen
Ausbildungsinstituten angebotenen Kursen ein.
Gemeinsam mit der Organisation für Wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und dem
designierten Präsidenten der Europäischen Bank für
Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) schließen IWF
und Weltbank jetzt die beim Wirtschaftsgipfel in Houston in Auftrag gegebene Studie der sowjetischen
Wirtschaft ab. Aufgrund des neuen Status' der besonderen Anbindung könnten IWF und Weltbank auf diese
Arbeit aufbauen und den Prozeß der Wirtschaftsreform und Liberalisierung in der Sowjetunion voranbringen.

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23

9. Januar 1991

GOLFKRISE

EIN ANGRIFF AUF DIE ENTSPANNUNG
Warum Saddam Hussein seine Beute
nicht behalten darf
DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse vom
16. bis 3 1 . Dezember 1990
INTERNATIONALE REAKTIONEN AUF DIE
IRAKISCHE INVASION KUWAITS
Übersicht über wirtschaftliche
und politische Maßnahmen

WIRTSCHAFT

DIE WIRTSCHAFT IM 2 1 . JAHRHUNDERT
Von William Van Düsen Wishard

US-ENTWICKLUNGSHILFE

US-ENTWICKLUNGSHILFE FÖRDERT
WACHSTUM ARMER LÄNDER
Übersicht über den Entwicklungshilfeetat für das Haushaltsjahr 1991

»

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 23 66
Telex: 8-85432 /

�GOLFKRISE
9. Januar 1991

Ein Angriff auf die Entspannung
Warum Saddam Hussein seine Beute nicht behalten darf
Bonn - (AD) - Der Artikel von Botschafter Vernon Walters, den wir nachfolgend mit freundlicher Genehmigung
der Wochenzeitung Die Zelt veröffentlichen, erschien dort am 28. Dezember 1990.

Die Annexion des souveränen Staates Kuwait durch
den Irak liegt bereits mehr als vier Monate zurück.
Seitdem hat sich Kuwait, ein einst friedliches, blühendes und sicheres Land in einen Ort der Zerstörung und
Verwüstung verwandelt. Täglich werden kuwaitische
Kinder, Frauen und Männer auf menschenverachtende Weise terrorisiert und ermordet.

Dollar pro Jahr für die Verteidigung aufgebracht, errechnet in konstanten Preisen des Jahres 1990; daraus ergibt sich für diesen Zeitraum ein Gesamtbetrag
von 3086 Milliarden Dollar.
Nur im Märchen ist den Menschen ein Leben im Glück
vergönnt, ohne daß sie dafür Opfer zu bringen haben
- die Geschichte verläuft leider anders.

Um eine

Der Einfall Iraks in Kuwait ist ein eindeutiger Akt der
Aggression. Zudem lassen der von Saddam Hussein
ehrgeizig forcierte Aufbau einer der größten Armeen
der Welt und die Produktion von Massenvernichtungswaffen vermuten, daß Kuwait nicht das letzte Eroberungsziel auf seiner Liste ist. Der eigentliche Grund für
die enormen diplomatischen und militärischen Bemühungen der internationalen Staatengemeinschaft liegt
deshalb darin, Aggression dieser Art endlich Einhalt zu
gebieten. Die Welt hat die bittere Lektion verstanden,
die ihr durch die Geschichte dieses Jahrhunderts
erteilt wurde. Saddam Hussein ist nicht Hitler. Aberbei
der Antwort auf die irakische Aggression sollte man
sich doch vor Augen halten, daß Deutschland die
Leiden und die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs
erspart geblieben wären, wenn Hitler frühzeitig Einhalt
geboten worden wäre. Bis heute hat sich Saddam
Hussein geweigert, die Forderungen des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen zu erfüllen. Aber die
internationale Staatengemeinschaft einschließlich der
Vereinigten Staaten faßt sich weiterhin in Geduld. Es
ist das Ziel aller, eine friedliche Lösung des Konflikts zu
erreichen.

glückliche Zukunft zu haben, müssen wir unseren
internationalen Verpflichtungen entschlossen nachkommen und unseren Prinzipien ohne Rücksicht auf
finanzielle Kosten treu bleiben. Es gibt auch gute
Gründe, weshalb wir jetzt nicht unbeschränkt zuwarten können:

Nach vierzig Jahren voller Opfer, die wir Amerikaner
erbracht haben, um zur Beendigung des Kalten Krieges
beizutragen, hätte kein Land eine Atempause in den
internationalen Spannungen mehr begrüßt als die
Vereinigten Staaten. Von 1981 bis 1991 hat das
amerikanische Volk durchschnittlich 280,5 Milliarden

Schließlich sollten jene, die ein Jahr oder mehr
abwarten wollen, um die Sanktionen voll wirksam werden zu lassen, nicht vergessen, daß
Irak ein ehrgeiziges Programm zur Entwicklung
von Atomwaffen hat.

AMERIKA DIENST 1

Saddam Hussein ist ein gefährlicher Diktator; er
verfügt über chemische und biologische Waffen
und hat sie sogar gegen sein eigenes Volk
eingesetzt.
Die Auswirkungen der Golfkrise sind nicht auf
die unmittelbare Region beschränkt. Die Volkswirtschaften der Nachbarstaaten wie der Türkei, Jordaniens und Ägyptens werden durch das
Handelsembargo und die Auswirkungen anderer Sanktionen stark beeinträchtigt.
Die labile volkswirtschaftliche Basis der jungen
Demokratien in Osteuropa und insbesondere
vieler Länder in der Dritten Welt wird zunehmend Schaden nehmen, wenn die Golfkrise
weiterhin ungelöst bleibt.

Seite 1

�Wenn Saddam sich für Frieden entscheidet - indem er
sich aus Kuwait zurückzieht und die Forderungen der
Resolutionen des Sicherheitsrats vollständig erfüllt -,
dann deshalb, weil er die Stärke der gegen ihn gerichteten internationalen Koalition und ihre Entschlossenheit anerkennt, nötigenfalls Gewalt anzuwenden.

bewußt und gewähren zusätzliche Unterstützung für
die multinationalen Maßnahmen. Außerdem wird sich
das vereinigte Deutschland aufgrund seiner gewachsenen Bedeutung in Europa bald entscheiden müssen, welche Mittel es zur Verteidigung seiner vitalen Interessen in einer Region wie dem Golf einsetzen will.

Wir sind dankbar, daß die deutsche Regierung trotz
der Inanspruchnahme durch Wahlen und die Vereinigung die internationalen Bemühungen unterstützt hat.
Wir dürfen aber nicht übersehen, daß bei einem Anhalten der Krise weitere Kosten entstehen werden, die
eine menschliche wie finanzielle Dimension haben.
Wir hoffen, die Bundesrepublik und andere beteiligte
Staaten bleiben sich dieser steigenden Anforderungen

Die Welt steht vor einer Entscheidung. Nimmt sie hin,
daß ein gefährlicher Diktator die Früchte seines brutalen Angriffs ernten kann? Oder macht sie Saddam
Hussein und allen, die es ihm nachtun wollen, unmißverständlich klar, daß sich solche Überfalle nicht auszahlen? Die irakische Aggression richtet sich nicht nur
gegen Kuwait, sie richtet sich gegen die neue Ära des
Friedens und der Entspannung.

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AMERIKA DIENST 1

�GOLFKRISE
9. Januar 1991

DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse vom 16. bis 31. Dezember 1990
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend führen wir die Chronologie der Ereignisse am Golf für den Zeitraum vom
16. bis 31. Dezember 1990 fort.

17. Dezember
Nach Gesprächen mit den Botschaftern aller Koalitionsländer gibt Präsident Bush gegenüber der Presse
bekannt, "niemand von uns will Krieg, aber niemand ist
bereit, eine Teillösung zu akzeptieren".
Dem amerikanische Botschafter in Kuwait, Nathaniel
Howell, zufolge unternehmen die Iraker nichts, aus
Kuwait abzuziehen, sondern "machten ihre Stellungen
winterfest", als er das Land verließ. Präsident Bush
trifft mit Howell zu einem Gespräch unter vier Augen
zusammen.
Dem designierten US-Botschafter in Kuwait, Edward
Gnehm, zufolge werden über Sanktionen hinausgehende Schritte erforderlich sein, wenn man Saddam
Hussein davon überzeugen will, Kuwait zu verlassen.
Gnehm erklärt gegenüber dem Middle East Institute,
"der Irak hat seine Militärpräsenz in Kuwait um zehn
Prozent erhöht", seit Präsident Bush angeboten hat,
Außenminister Baker nach Kuwait zu entsenden und
den irakischen Außenminister Tarik Asis in Washington zu empfangen.
Der irakische Präsident Saddam Hussein befiehlt allen
wehrfähigen Männern über 33, sich zu melden. Hierbei handelt es sich um den dritten größeren Aufruf von
Reservisten in den letzten Wochen.
Vierzehn ehemalige führende Vertreter der US-Regierung aus dem militärischen und zivilen Bereich schreiben einen offenen Brief an den irakischen Außenminister Tarik Asis, in dem sie "Iraks versuchte Vernichtung Kuwaits und Saddam Husseins Fähigkeiten und
Drohungen zum Einsatz von Massenvernichtungswaffen" anprangern. Die ehemaligen hochrangigen
Regierungsvertreter erklären, den Einsatz von Gewalt

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gegen Kuwait unterstützten zu wollen, wenn das Land
sich weigert, gemäß Resolution 678 des UN-Sicherheitsrats seine Truppen aus Kuwait bis zum 15. Januar
abzuziehen. Zu der Gruppe von Regierungsvertretern
zählen der frühere Sicherheitsberater Präsident Reagans, Richard V. Allen, Admiral Thomas H. Moorer,
der ehemalige Stellvertretende Verteidigungsminister
und Kongreßabgeordnete Robert Ellsworth, der frühere Sicherheitsberater Präsident Reagans, Robert C.
McFarlane, der ehemalige Marineminister John F.
Lehman und der frühere Befehlshaber der US-Marineinfanteristen General P.X. Kelly.
Der Charge d'affaires der US-Botschaft, Joseph Wilson, überbringt dem irakischen Staatssekretär Nizar
Hamdoun eine Note, in der das Angebot von Au ßenminister Baker wiederholt wird, sich zu einem beliebigen
Zeitpunkt zwischen dem 20. Dezember und dem 3.
Januar mit Saddam Hussein zu treffen. In Washington
wird dem irakischen Botschafter in den Vereinigten
Staaten, Mohamed Al-Mashat, eine gleichlautende
Botschaft überbracht.
Die in Brüssel zusammentreffenden 16 Außenminister
des Nordatlantikrats veröffentlichen eine Erklärung, in
der bekräftigt wird, daß der Irak sich vollständig und
bedingungslos aus Kuwait zurückziehen muß. Zu
einem früheren Zeitpunkt hatte Außenminister Baker
den NATO-Verbündeten erklärt, der Irak könne sich als Schachzug - unter Umständen teilweise aus Kuwait
zurückziehen, um die Koalition zu spalten.
Die beiden letzten westlichen Diplomaten in Kuwait,
der britische Botschafter in Kuwait und sein Konsul,
besteigen ein Flugzeug nach London.
Das britische Außenministerium gibt eine Warnung an
britische Staatsbürger - unter ihnen 10 400 Frauen

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�und Kinder in Bahrain, Katar und Teilen Saudi-Arabiens - aus, vor dem 15. Janaur auszureisen.
18. Dezember
Vizepräsident Dan Quayle erklärt bei einer Konferenz
des Foreign Policy Research Institute in Washington
den Grund für Präsident Bushs Angebot, Außenminister Baker nach Bagdad zu entsenden, "weil der
Präsident beim Streben nach Frieden nichts unversucht läßt".
Der irakische Präsident Saddam Hussein erklärt in
einem türkischen Fernsehinterview, er schließe Friedensverhandlungen mit den Vereinigten Staaten aus,
wenn sie beabsichtigen, sich auf die UN-Resolutionen
zu versteifen, die Bagdad bereits abgelehnt hat.
Die Generalversammlung der Vereinten Nationen
verurteilt mit einer überwältigenden Mehrheit von 144
zu 1 Stimme Iraks "schwere Verletzungen der Menschenrechte gegenüber dem kuwaitischen Volk und
Drittstaatlern". Mit lediglich einer Gegenstimme des
Irak und keinen Enthaltungen verabschiedet die Versammlung eine 10-Punkte-Resolution, in der die fortgesetzten und zunehmenden Akte der Folter, Verhaftungen, Massenexekutionen und Entführungen irakischer Besatzungstruppen verurteilt werden. Die
Resolution verleiht darüber hinaus ihrer "großen Sorge" über die systematische Zerstörung und Plünderung der kuwaitischen Volkswirtschaft Ausdruck und
ihrer "tiefgreifenden Besorgnis" über die zunehmend
schwierigen Lebensbedingungen insbesondere der
Frauen, Kinder, älteren Bürger und Drittstaatler im
besetzten Kuwait.
19. Dezember
Amnesty International veröffentlicht einen ausführlichen Bericht, der den Irak für unzählige Menschenrechtsverletzungen in Kuwait verantwortlich macht
und die irakische Regierung auffordert, die Brutalität,
Vergewaltigungen, Verhaftungen, Folter und den vorsätzlichen Völkermord am kuwaitischen Volk zu beenden. Der Bericht enthält umfangreiche Augenzeugenberichte über Mord und vielfältige Formen der Folter an
kuwaitischen Bürgern nach Berichten von Mitarbeitern
des Roten Halbmonds, Ausländern, ehemaligen kuwaitischen Regierungsvertretern sowie kuwaitischen
Geschäftsleuten und Krankenhausärzten.
Bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus erklärt
Präsident Bush, die Vereinigten Staaten "werden
weiterhin versuchen, eine Lösung für die Golfkrise zu
finden". Aber der Präsident besteht darauf, daß es
sich um keine Lösung handeln darf, die den irakischen
Präsidenten Saddam Hussein "für ein einziges Zugeständnis" belohnt.
20. Dezember
Vertreter der zivilen Verteidigung und der regierenden
Baath-Partei veröffentlichen Verhaltensmaßregeln für
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die Evakuierung von etwa einer Million Einwohner
Bagdads in ein nicht näher bezeichentes Gebiet außerhalb der Hauptstadt. In den vergangenen zwei
Wochen sind mehr als 130 000 Iraker in ziviler Verteidigung ausgebildet worden und die Medien in Bagdad
haben die Öffentlichkeit informiert, was im Falle eines
Luftangriffs oder Einsatzes chemischer oder nuklearer
Waffen zu tun ist. Eine ähnliche Aktion wird in der
zweitgrößten Stadt des Irak, in Basra, durchgeführt.
Der Mehrheitsführer im Senat, George Mitchell, und
die Mitglieder einer Delegation amerikanischer Senatoren erklären nach ihrer Rückkehr von einer Reise an
den Persischen Golf, sie seien nunmehr stärker als je
zuvor davon überzeugt, daß "der Irak aus Kuwait
abziehen muß" - zu welchem Preis auch immer. "Wenn
es zum Krieg kommt, haben die Vereinigten Staaten
gute Chancen, zu gewinnen und können gegebenenfalls Mitte Januar angreifen," erklärte Mitchell. Die
Vereinigten Staaten "stehen einig hinter einer Politik,
die gewährleistet, daß der Irak Kuwait verlassen muß",
fügte der Senator hinzu.
21. Dezember
Nach einem einstündigen Treffen mit dem neuen britischen Premierminister John Major erklärt Außenminister Baker, das Verhalten des Irak biete kaum Anlaß zu
Optimismus für eine friedliche Lösung der Krise am
Persischen Golf. "Wir können die (irakische) Aggression ganz einfach nicht beschönigen", erklärt Baker.
Aber er weist auf "die starke Präferenz" Großbritanniens und der Vereinigten Staaten für eine friedliche
und diplomatische Lösung am Golf hin, "wenn das
möglich ist".
Im amerikanischen Fernsehen erklärt der britische
Premierminister Major, Saddam Husseins einzige
Chance zur friedlichen Beilegung der Krise bestehe im
vollständigen Abzug der irakischen Truppen aus Kuwait.
Major fügt hinzu, Saddam Hussein "kann kein Spiel
treiben. Ein Teilabzug ist inakzeptabel. Er hat einen
festen Termin. Es gibt die Resolutionen des UNSicherheitsrats. Entweder, er befolgt sie, oder er muß
die Konsequenzen der Nichteinhaltung tragen."
In einer Zusammenfassung einer Reihe von Anhörungen im Repräsentantenhaus zur Invasion Kuwaits
erklärt der Vorsitzende des Streitkräfteausschusses
im Repräsentantenhaus, Les Aspin, Sanktionen allein
seien "nicht die Antwort" zur Lösung der Golfkrise.
Aspin zufolge hat zwischen der Administration und
dem Kongreß im gesamten Verlauf der Krise "ein
hohes Maß an Übereinstimmung" bestanden.
23. Dezember
Verteidigungsminister Richard Cheney und Colin Powell,
der Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs, erklären
bei einer Pressekonferenz in Saudi-Arabien im Anschluß an einen fünftägigen Besuch am Golf, die
300 000 in Saudi-Arabien und am Persischen Golf
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�stationierten amerikanischen Soldaten seien einsatzbereit. Bei Besuchen auf amerikanischen Kriegsschiffen, Luftwaffenstützpunkten und in Wüstencamps stellt
Cheney fest, die irakischen Streitkräfte in Kuwait und
im Süden des Irak beliefen sich jetzt auf 500 000 Mann
und Saddam Hussein zeige keine Bereitschaft zur
Einhaltung der Resolutionen des UN-Sicherheitsrats,
die den Abzug des Irak aus Kuwait fordern.
Bei einem Treffen mit dem ägyptischen Präsidenten
Mubarak und Verteidigungsminister Abu Taleb erklärt
Cheney in Kairo, "jeder Tag, der verstreicht, jede
Woche ohne Anzeichen des irakischen Abzugs bringen uns immer näher an den Punkt, an dem die
Mitglieder der (internationalen) Koalition keine andere
Option als den Einsatz militärischer Gewalt zur Verwirklichung unserer (von der UNO verfügten) Ziele
haben."
25. Dezember
Die Vertreter des Golf-Kooperationsrats aus Bahrain,
Katar, Kuwait, Oman, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten kommen in Doha zusammen und einigen sich auf umfassende Vereinbarungen
zur Sicherheit und Verteidigung, mit denen die regionale und nationale Sicherheit der Mitgliedstaaten des
Golf-Kooperationsrats gewährleistet werden sollen. In
der Erklärung von Doha betonen sie die Notwendigkeit
des "bedingungslosen und vollständigen Abzugs der
irakischen Streitkraft aus Kuwait und die Wiedereinsetzung seiner rechtmäßigen Regierung unter dem
Emir, im Einklang mit den arabischen, islamischen und
internationalen Resolutionen."
26. Dezember
Der ägyptische Mufti, Mohammed Sayyed Tantawi,
gibt eine Erklärung ab, in der die irakische Invasion
Kuwaits gemäß dem islamischen Gesetz Scharia als
illegal verurteilt wird. Der Religionsführer appelliert an
die Mitgliedstaaten der Arabischen Liga, in jedem Land
einen Mufti zu benennen, der so bald wie möglich mit
den anderen zusammenkommen und eine rechtlich
bindende islamische Entscheidung zu den Ereignissen am Golf bekanntgeben soll.
Die Presse in Bangladesch berichtet, daß 75 000
entlassene Arbeiter aus Bangladesch, die am Golf
gearbeitet haben, sich zur Teilnahme an einem Krieg
gegen den Irak verpflichteten. In Leitartikeln werden
die irakische Besetzung Kuwaits verurteilt, die Hoffnung auf einen Erfolg der diplomatischen Bestrebungen am Golf zum Ausdruck gebracht und alle Parteien
aufgefordert, eine Lösung auf dem Verhandlungsweg
anzustreben.
Mit dem Ziel, die Evakuierung ihrer Staatsbürger aus
Irak bis zum 10. Januar abzuschließen, entsendet die
Sowjetunion zwei hochrangige Emissäre nach Bagdad. Sie hofft, praktisch alle der 1 700 noch im Irak
unter Vertrag stehenden sowjetischen Fachleute und
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Berater bis fünf Tage vor Ablauf des UN-Ultimatums
zum Abzug des Irak aus Kuwait in die Sowjetunion
zurückholen zu können.
27. Dezember
Präsident Bush verfügt den vollständigen Erlaß der
Restschulden Ägyptens in Höhe von 1 Milliarde Dollar
der Gesamtschulden von 6,7 Milliarden Dollar bei den
Vereinigten Staaten für Waffenkäufe, um Ägypten
einen Teil der Lasten abzunehmen, die diesem Land
durch seine Rolle bei der Koalition zur Bekämpfung der
irakischen Aggression gegen Kuwait entstanden sind.
Mit dieser Maßnahme wird das vom amerikanischen
Kongreß verabschiedete Paket zum Schuldenerlaß im
Rahmen des Auslandshilfeprogramms für 1991 vervollständigt.
28. Dezember
Beim größten Aufmarsch amerikanischer Kriegsschiffe seit Vietnam werden 16 000 amerikanische Seeleute und Marineinfanteristen von 5 Häfen an der amerikanischen Ostküste zu Kampfstationen im Persischen
Golf entsandt.
Zum zweiten Mal binnen einer Woche schießt der Irak
eine Boden-Boden-Rakete ab und provoziert damit
dem amerikanischen Zentralkommando zufolge Alarmbereitschaft. Sie war nicht auf die multinationale
Streitmacht in Saudi-Arabien gerichtet, und es könnte
sich um einen Test gehandelt haben. Unter fast den
gleichen Umständen feuerte der Irak am 26. Dezember eine Rakete ab, so das amerikanische Militär.
Der Vorsitzende des Streitkräfteausschusses im
amerikanischen Repräsentantenhaus, Les Aspin, gibt
ein "Weißbuch" heraus, in dem die Richtlinien zur
Beurteilung einer diplomatischen Beilegung der Golfkrise umrissen sind. Aspin verweist darauf, daß alle
diplomatischen Bestrebungen durch militärischen und
wirtschaftlichen Druck seitens der Koalition gegen den
Irak unterstützt und ergänzt werden müssen. Hierbei
handelt es sich um eines von drei Weißbüchern, die
Aspin in den folgenden Wochen der Anhörungen zur
Golfkrise vor dem Ausschuß veröffentlichen wird.
30. Dezember
Die Außenminister der Europäischen Gemeinschaft
vereinbaren eine Sondersitzung am 4. Januar, um eine
Initiative zu erörtern, die darauf abzielt, den Irak vor
Ablauf des UN-Ultimatums am 15. Januar vom Abzug
seiner Streitkräfte aus Kuwait zu überzeugen. Die
Sitzung der EG wird in Luxemburg anberaumt, das am
1. Januar für sechs Monate die Präsidentschaft der
Europäischen Gemeinschaft übernimmt.
Vizepräsident Dan Quayle tritt eine Dreitagesreise an
den Persischen Golf zum Besuch amerikanischer
Truppen und einem Treffen mit dem saudiarabischen
König Fahd und dem kuwaitischen Emir an.

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�biologische Kriegführung zu lagern. Er droht massive
Vergeltung an, falls der Irak biologische oder chemiDem britischen Verteidigungsminister Archie Hamilton sche Waffen gegen die verbündeten Streitkräfte im
zufolge hat Großbritannien begonnen, Medikamente Golf einsetzt.
für die eventuelle Impfung britischer Truppen gegen
31. Dezember

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AMERIKA DIENST 1

�GOLFKRISE
9. Januar 1991

INTERNATIONALE REAKTIONEN AUF DIE
IRAKISCHE INVASION KUWAITS
Übersicht über wirtschaftliche und politische Maßnahmen
Die nachfolgende Übersicht über die von der internationalen Staatengemeinschaft als Reaktion auf die irakische
Invasion in Kuwait ergriffenen Maßnahmen stützt sich auf bis zum 19. Dezember 1990 eingegangene
Informationen und ist gegebenenfalls unvollständig.

NATO
Am 17. Dezember veröffentlicht der Nordatlantikrat
nach einem Ministertreffen eine Erklärung, in der die
Einhaltung des vom UN-Sicherheitsrat für den irakischen Rückzug aus Kuwait gesetzten Termins, des
15. Januar 1991, verlangt wird. Die Minister stellen
darüber hinaus fest, die irakische Invasion sei eine
"grundlegende Herausforderung für die internationale
Ordnung", die "die historisch einmalige Chance" der
UNO gefährde, ihre "ursprüngliche Vision" von der
Förderung des Weltfriedens zu verwirklichen. Der
Verteidigungsplanungsausschuß der NATO bekräftigt
nach einem Ministertreffen in seinem am 7. Dezember
1990 veröffentlichten Kommunique die Absicht des
Bündnisses, weiterhin die vollständige Einhaltung der
einschlägigen Resolutionen des UN-Sicherheitsrats
zu gewährleisten. Darin heißt es weiter: "Iraks Überfall auf Kuwait widerspricht der Vision einer friedlichen
Weltordnung und unterstreicht die Notwendigkeit, daß
alle Länder, die sich zu Frieden und Völkerrecht bekennen, zusammenstehen müssen." Die 16 Bündnispartner hatten unmittelbar nach der irakischen Invasion
Kuwaits bis heute andauernde Konsultationen aufgenommen. Die Außenminister trafen am 10. August
1990 im NATO-Hauptquartier zusammen, um die
Reaktion der Bündnispartner auf die Krise zu erörtern
und die Verpflichtung der NATO zur Verteidigung der
Türkei im Falle eines Angriffs durch den Irak zu bekräftigen. Die wichtigsten Ausschüsse der NATO kamen
weiterhin regelmäßig - zum Teil täglich - zusammen,
um Maßnahmen zu koordinieren und Informationen
sowie nachrichtendienstliche Erkenntnisse auszutauschen. Die Außenminister der NATO-Partner kamen

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am 10. September 1990 zusammen, um die Koordinierung zu intensivieren.
NATO-Mitgliedstaaten

Belgien
Ölembargo, Einfrieren der irakischen und kuwaitischen
Vermögenswerte. Entsendung von zwei Minensuchbooten und einem Versorgungsschiff in den Golf von
Oman. Zwei C-130 werden für den Heimflug ägyptischer Flüchtlinge aus Kuwait zur Verfügung gestellt,
eine Fregatte wird zur Begleitung und zum Schutz von
Schiffen, die eine Durchsetzung des Embargos gewährleisten, zum Golf entsandt. Vier weitere C-130
werden für die WEU-Länder bereitgestellt.
Bundesrepublik Deutschland
Setzt das Embargo des UN-Sicherheitsrats unverzüglich in Kraft und friert irakische Vermögenswerte ein.
Entsendung von Minensuchbooten und einem Versorgungsschiff ins östliche Mittelmeer, um die Seewege
zu schützen und die Verlegung von Schiffen der NATO
für den Einsatz im Golf zu ermöglichen. Genehmigt die
Nutzung von amerikanischen Stützpunkten in Deutschland zur Unterstützung der Golfmission und beschleunigt die Abwicklung von Überfluganträgen. An Hilfsleistungen für die Flüchtlinge in Jordanien stellt die
Bundesrepublik zunächst 4,5 Tonnen Nahrungsmittel,
Zelte und Krankenwagen sowie zwei Charterflugzeuge für den Rückflug von Ägyptern aus Jordanien bereit.
Leistet Zahlungen in Höhe von 187 Millionen Dollar an
den EG-Fonds für die Golfkrise. Verpflichtet sich zur
Zahlung weiterer 2,2 Milliarden Dollar an zusätzlichen

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�Hilfsleistungen, einschließlich militärischem Gerät,
Hilfsleistungen an die Frontstaaten sowie für die Verlegung von Streitkräften und Gerät. 60 ABC-Spürpanzer des Typs Fuchs werden für den Einsatz der Streitkräfte in der Golf region modernisiert und umgerüstet.
Darüber hinaus stellt sie Ausbildung der Mannschaften
und logistisches Material zur Verfügung und übernimmt die Kosten. Deutschland hat als finanziellen
Beitrag für die Operation Wüstenschild 267 Millionen
Dollar an die Vereinigten Staaten überwiesen. Mit
diesem Beitrag sind die von Bundeskanzler Kohl für
1990 eingegangenen finanziellen Verpflichtungen erfüllt.
Dänemark
Die Korvette "Olfert Fischer" ist im Golf eingetroffen.
Die Kosten der Operation belaufen sich bis Ende 1990
schätzungsweise auf 22,5 Millionen Kronen. Das
Parlament hat 7 Millionen Kronen als Anschubfinanzierung für ein Lazarettschiff bewilligt, das gegebenenfalls im Golf eingesetzt werden soll. Die dänische
Regierung trägt 4 Millionen Dollar zur Unterstützung
von Flüchtlingen aus dem Irak und Kuwait bei. Erlaubt
die Nutzung seiner Handelsschiffe im Golf als Versorgungsschiffe der multinationalen Streitmacht in SaudiArabien. Die Regierung hat sich darüber hinaus bereiterklärt, im Bedarfsfall Seetransportdienste zur Verlegung von ägyptischen Truppen und Material an den
Golf zur Verfügung zu stellen. Dänemark hat ferner
seine Bereitschaft zur Teilnahme an einer eventuellen
UN-Friedensmission am Golf erklärt. Hat positiv auf
die Bitte reagiert, ABC-Schutzausrüstung an die saudiarabische Regierung zu liefern. Will darüber hinaus
Lücken in der NATO-Verteidigung schließen, die sich
aus der Verlegung von Gerät der Bündnispartner an
den Golf ergeben könnten, insbesondere der Seestreitkräfte. Unterstützt Sanktionen der EG gegen den
Irak und das UN-Ölembargo.

zusetzen. Aufgrund des irakischen Angriffs auf die
Residenz des französischen Botschafters in Kuwait
gibt Präsident Mitterand am 15. September die Entsendung von 4 000 Mann Bodentruppen nach SaudiArabien bekannt. Marineeinheiten einschließlich eines Flugzeugträgers verstärken die zwei bereits in den
Golf entsandten Kriegsschiffe. Befehl an die 3 000
Mann starken Seestreitkräfte, gegebenenfalls Gewalt
zur Durchsetzung des Embargos einzusetzen. Aufklärungstruppen des französischen Heeres sind Teil eines Truppenkontingents, das die Regierung auf die
Arabische Halbinsel verlegen wird. Eine nachrichtendienstliche Einheit des Heeres soll in die Vereinigten
Arabischen Emirate entsandt werden. Frankreich
schließt sich der UN-Resolution über wirtschaftliche
Sanktionen gegen den Irak an. Öl- und Waffenembargo, Einfrieren der irakischen Vermögenswerte, Unterbindung des Handels mit Ausnahme von Arznei- und
Nahrungsmitteln für humanitäre Zwecke. Drastische
Einschränkung der Bewegungsfreiheit einer Gruppe
irakischer Offiziere und Staatsbürger aus Sicherheitsgründen, die in Frankreich in der Bedienung von militärischem Gerät und Radaranlagen ausgebildet wurden.
Griechenland
Entsendung einer Fregatte ins Rote Meer. Unbürokratische Bereitstellung von vier unter griechischer Flagge fahrenden Schiffen für militärische Transporte.
Vollständige Einhaltung der UN- und EG-Sanktionen,
einschließlich des Ölembargos. Einfrieren der irakischen Vermögenswerte. Überflugerlaubnis für Militärflugzeuge der Vereinigten Staaten und verbündeter
Länder auf dem Weg zum Golf. Uneingeschränkte
Zusammenarbeit bei Zwischenlandungen und Auftanken von Flugzeugen. Bereitstellung der Hafenanlagen
für verbündete Seestreitkräfte.
Großbritannien

Frankreich
Am 11. Dezember wird bekanngegeben, daß Frankreich ca. 4 300 Mann als Verstärkung nach SaudiArabien entsenden wird. Damit belaufen sich die
französischen Truppen auf rund 10 000 Mann. Der
französische Verteidigungsminister erklärt, die Entscheidung sei eine direkte Folge von UN-Resolution
678, die das Ultimatum für den Abzug irakischer Truppen aus Kuwait für den 15. Januar festsetzt. Frankreich entsendet ferner 6 zusätzliche Kampfflugzeuge 4 Jaguar-Kampfbomber und 2 Mirage 2000 zur Luftverteidigung. Zur Zeit befinden sich rund 6 250 mit
Panzerabwehr-Hubschraubern und leicht gepanzerten Fahrzeugen, 8 Jaguar-Kampfbombern, 8 Mirage
F1-CR Aufklärungsflugzeugen und 8 Mirage 2000
ausgerüstete französische Soldaten in Saudi-Arabien.
Die französische mit Hubschraubern bestückte Korvette LA MOTTE-PIQUET ist anstelle der Fregatte
MONTCALM in die Straße von Hormuz entsandt worden,
um das internationale Embargo gegen den Irak durch-

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Entsendet weitere 14 000 Mann Bodentruppen in die
Region, mit denen der personelle Beitrag zu Operation
Wüstenschild nahezu verdoppelt wird. Bis Ende Januar werden sich die britischen Streitkräfte in der
Region auf rund 30 000 Mann belaufen. Darüber
hinaus entsendet Großbritannien zur Verstärkung der
120 bereits stationierten weitere 43 Panzer des Typs
Challenger sowie zwei Minensuchboote. Bereits stationiert sind: Mit Rapier-Flugabwehrraketen ausgerüsteten Einheiten, 4 Kampfschiffe mit Unterstützungseinheiten, ein Geschwader Tornado-Abfangjäger, ein
Geschwader Tornado-Kampfflugzeuge, ein Geschwader Jaguar-Kampfbomber, VC 10-Tankf lugzeuge und
Nimrod-Seeaufklärer, 2 Schiffe für den Seetransport.
Friert als zweites Land die kuwaitischen und irakischen
Vermögenswerte (im Gesamtwert von 7,2 Milliarden
Dollar) ein. Uneingeschränkte Unterstützung der UNWirtschaftssanktionen zu beträchtlichen Kosten für
die britische Handelsbilanz. Die Königliche Marine
beteiligt sich aktiv am Abfangen von Schiffen, in denen

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�unter Verletzung der Sanktionen für den Irak oder
Kuwait bestimmte Güter vermutet werden. Unterbrechung sämtlicher Luft- und Seeverkehrsverbindungen
mit dem Irak und Kuwait, au ßer für Evakuierungsflüge.
Bewilligt 10,8 Millionen Dollar an Flüchtlingshilfe, wovon
4,2 Millionen im Rahmen des EG-Beitrags zur Verfügung gestellt werden.

werden für die EG-Bemühungen in der Region und 1,3
Millionen Dollar für Hilfe an die Türkei, Jordanien,
Ägypten und Bangladesch zur Verfügung gestellt.
Unterstützung des Ölembargos, Einfrieren der irakischen Vermögenswerte.

Island

Uneingeschränkte Finanzsanktionen gegen den Irak,
Ölembargo, Einfrieren irakischer Vermögenswerte.
Entsendung von zwei Fregatten und einem Versorgungsschiff in den Golf. Angebot zur Entsendung
eines Geschwaders von 18 F-16 in die Golfregion.
Kostenlose Lieferung von 50 000 ABC-Schutzanzügen im Gesamtwert von 20,4 Millionen Dollar an die
Türkei. Bereitstellung von 3 Millionen Dollar Flüchtlingshilfe. Eine weitere Million wird von privaten Geldgebern gespendet.

Erklärt seine uneingeschränkte Unterstützung der UNWirtschaftssanktionen gegen den Irak. Gibt die Bereitstellung von 2,5 Millionen Dollar an Flüchtlingshilfe
bekannt, die folgendermaßen aufgeteilt werden sollen:
Isländisches Rotes Kreuz, Nahrungsmittel und Versorgungsgüter für Flüchtlinge in Jordanien und Ägypten, die Persischer-Golf-Mission des Roten Kreuzes
auf Zypern, Flüchtlingshilfe kirchlicher Stiftungen und
noch zu benennende andere Kanäle.

Italien
Berichten zufolge will Italien seine Seepräsenz im Golf
um 4 bis 5 Einheiten und rund 300 Mann aufstocken,
falls sich die Lage in der Region verschlechtert. Acht
Tornado-Kampfflugzeuge wurden in die Vereinigten
Arabischen Emirate entsandt. Vier Marineschiffe wurden
in die Golfregion verlegt. Gibt die Ausweisung der
irakischen Militärattaches und die Einschränkung der
Bewegungsfreiheit irakischer Diplomaten bekannt.
Vollständiges Handelsembargo. Einfrieren irakischer
und kuwaitischer Vermögenswerte. Verbot irakischer/
kuwaitischer Luft- und Seetransportdienste. Erlaubnis zur Nutzung von US-Stützpunkten in Italien. Bereitstellung von Hilfsgütern als Flüchtlingshilfe. Sagt
die Bereitstellung von zivilen Transportschiffen zur
Verlegung amerikanischer Truppen und Versorgungsgüter zu. Genehmigt Hilfsleistungen in Höhe von 160
Millionen Dollar für die Frontstaaten, die unmittelbar
von der Blockade des Irak betroffen sind.
Kanada
Entsendet ein CF-18-Geschwader, zwei Zerstörer und
ein Versorgungsschiff zur Verstärkung der multinationalen Streitmacht an den Golf. Verspricht Hilfsleistungen in Höhe von 75 Millionen Dollar für die Türkei,
Ägypten, Jordanien, die Philippinen, Sri Lanka und
Bangladesch. Abbruch der Wirtschafts- und Handelsbeziehungen mit Irak. Verpflichtung zur Bereitstellung
von 2,2 Millionen Dollar in bar, die als Flüchtlingshilfe
zwischen dem Internationalen Komitee vom Roten
Kreuz und zwischenstaatlichen Organisationen aufgeteilt werden sollen.
Luxemburg
Die Regierung stellt vorläufig 2 Millionen Dollar als
Beitrag zu den Transportkosten für Männer und Material in die Region bereit. Diese Mittel werden für die
Hilfsleistungen der WEU-Partner Belgien, Niederlande und Portugal gewährt. Weitere 2 Millionen Dollar

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Niederlande

Norwegen
Humanitäre Hilfe in Höhe von 52,6 Millionen Dollar,
darunter 30 Millionen an die Türkei, Ägypten und
Jordanien sowie 20 Millionen für die Repatriierung von
Flüchtlingen aus Bangladesch, Indien, Pakistan und
Sri Lanka, um die für diese Länder durch die Krise
entstehenden Kosten zu mildern. Militärflugzeuge
werden für den Transport von Nahrungsmitteln und
medizinischer Ausrüstung nach Jordanien und von
Flüchtlingen nach Kairo bereitgestellt. Angebot von
Dekontaminierungsgerät sowie ABC-Schutzkleidung
für die multinationale Streitmacht. Norwegen stellt im
Rotationsverfahren ein Schiff für den ständigen Einsatzverband Atlantik der NATO zur Verfügung und
bietet die Bereitstellung zweier weiterer Schiffe an, um
zum Golf entsandte Schiffe der Verbündeten zu ersetzen. Ein Schiff der norwegischen Küstenwache befindet sich zur Unterstützung der dänischen Korvette im
Golf. Sechzehn Luftabwehrraketen werden der dänischen Marine zur Verfügung gestellt und 9 Freund/
Feind-Erkennungssysteme an Großbritannien ausgeliehen. Norwegen berät mit den Vereinigten Staaten
über die Bereitstellung eines Tankers mit Treibstoff für
die Marinestreitkräfte im Golf. Einfrieren kuwaitischer
und irakischer Vermögenswerte. Bereitstellung von
Nahrungsmitteln für die Flüchtlinge.
Portugal
Vollständige Einhaltung des UN-Embargos. Den
Vereinigten Staaten wird die Nutzung des Stützpunkts
auf den Azoren für Truppentransporte gestattet. Ein
über die WEU bereitgestelltes Marinetransporlschiff
befördert gegenwärtig eine erste Lieferung von Nahrungsmitteln und Medikamenten zu den britischen
Truppen am Golf. Britische Fregatten nehmen an der
NATO-Übung "on call force" im östlichen Mittelmeer
teil. Zwei Handelsschiffe werden an die American
Maritime Authority für Transportoperationen vermietet. Portugiesisches Ärzteteam wird in jordanische
Flüchtlingslager entsandt, Regierung bietet ein Feldla-

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�zarett, Medikamente sowie deren Transport an. Eine
C-130 der Luftwaffe wird zur Unterstützung des Transports ägyptischer Flüchtlinge aus Jordanien bereitgestellt. Öl- und Waffenembargo. Vollständige Durchführung aller anderen von der UNO beschlossenen
Sanktionen.
Spanien
Entsendung einer Fregatte und zweier Korvetten in die
Straße von Hormuz und das Rote Meer als Teil der
WEU-Bemühungen zur Durchsetzung des Embargos.
Einfrieren irakischer Vermögenswerte und Handelsembargo. Erhebliche Unterstützung für den Transit
amerikanischer Einheiten durch gemeinsame Nutzung
militärischer Einrichtungen in Spanien. Benutzung
spanischer Häfen für logistische Unterstützung und
Reparatur von Transportschiffen. Spanische Luftwaffe liefert humanitäre Hilfsmittel für Flüchtlinge in Jordanien und hilft bei der Repatriierung ägyptischer und
asiatischer Flüchtlinge aus Jordanien.
Türkei
Einfrieren irakischer Vermögenswerte. Verweigert die
Verladung irakischen Öls am Ende der irakischen
Pipeline. Untersagt die Entladung zweier Schiffe mit
Nahrungsmitteln für den Irak im südlichen Hafen Mersin.
Verweigert die Einfahrt eines mit Natriumzyanid beladenen Schiffes in den Hafen Mersin, dessen Ladung
voraussichtlich über den Iran in den Irak transportiert
werden soll. Vollständiges Handelsembargo mit Ausnahme von dringend benötigten Nahrungs- und Arzneimitteln. Vollständige Einhaltung des Luftverkehrsembargos. Hat mindestens zwei zivile Flugzeuge mit
Ziel Irak aufgehalten und ihnen die Benutzung des
türkischen Luftraums untersagt. Eröffnet ein Auffanglager in Habur, um Tausenden von Flüchtlingen (zumeist
aus Bangladesch und Pakistan), die Irak auf dem
Landweg verlassen, Unterkunft und Verpflegung zu
bieten. Das Parlament ermächtigt die Regierung im
Falle eines Angriffs durch den Irak zur Kriegserklärung, zur Entsendung von Kampftruppen und zum
Einsatz ausländischer Truppen auf türkischem Hoheitsgebiet.
Vereinigte Staaten
Geben die Entsendung weiterer 200 000 Mann der
Luft-, See- und Landstreitkräfte an den Golf bekannt.
Derzeit beläuft sich das Truppenniveau auf über 250 000
Mann der Land- und Seestreitkräfte. Zur Zeit befinden
sich 9 Kriegsschiffe und zwei Flugzeugträger im Golf.
Verhängung eines vollständigen Handelsembargos,
das kommerzielle Nahrungsmittellieferungen einschließt,
gegen den Irak und das besetzte Kuwait. Aussetzung
der Kredite, Anleihen und Zuschüsse. Einfrieren der
irakischen und kuwaitischen Vermögenswerte. Die
Vereinigten Staaten werden zur Unterstützung der
UN-Sanktionen irakische Öllieferungen in der Golfregion abfangen. Weisen 36 der 55 zuvor an der
irakischen Botschaft in Washington akkreditierten
Seite 4

Personen aus, verfügen die Ausweisung von drei
weiteren Diplomaten bis zum 28. September. Die
Vereinigten Staaten verpflichten sich zu Hilfsleistungen in Höhe von 28 Millionen Dollar für die Flüchtlinge
in der Region. Die Vereinigten Staaten leiten Initiativen
zur Unterstützung der durch die Golfkrise wirtschaftlich betroffenen Länder sowie zur Verteilung der Kosten der Militäroperationen im Golf in die Wege.
Andere europäische Nationen
Andorra
Verbietet Importe und Exporte jeglicher Vermögenswerte aus und in den Irak und Kuwait sowie die
Bereitstellung von Dienstleistungen und Krediten.
Bulgarien
Unterbindung aller Lieferungen militärischer Güter an
den Irak und Erweiterung der Wirtschaftssanktionen.
Berichten zufolge bildet das Land eine aus Freiwilligen
bestehende Sanitätseinheit, einschließlich eines Teams
zur Abwehrchemischer Kriegführung, zur Entsendung
an den Golf aus. Bulgarien hat sich als Urlaubs- und
Erholungsort für die amerikanischen Streitkräfte am
Golf angeboten. Bulgarien hat seine Unterstützung für
Resolution 678 des UN-Sicherheitsrats zum Ausdruck
gebracht und bekräftigt seine Verpflichtung zu umfassenden Sanktionen.
Finnland
Unterstützung der Resolution des UN-Sicherheitsrats
über Sanktionen, vollständige Durchführung der UNMaßnahmen einschließlich eines uneingeschränkten
Handelsembargos. Ernennung des finnischen Botschafters bei den Vereinten Nationen zum Leiter der
Gruppe von Ländern, die die Einhaltung der UNSanktionen gegen Irak überwachen. Bereitstellung
von 11,2 Millionen Dollar für humanitäre Zwecke und
Wirtschaftshilfe für die Golfregion.
Irland
Irland unterstützt uneingeschränkt die vom UN-Sicherheitsrat im Zusammenhang mit der Golfkrise bereits
verabschiedeten Resolutionen. Beteiligt sich voll und
ganz an den Wirtschafts- und Handelssanktionen der
Europäischen Gemeinschaft.
Jugoslawien
Verurteilung der irakischen Invasion in Kuwait, fordert
den Irak zum Abzug der Invasionstruppen auf. Weigerung, die irakische Annexion Kuwaits anzuerkennen.
Durchführung der UN-Wirtschaftssanktionen gegen
den Irak.
Liechtenstein
Einfrieren kuwaitischer und irakischer Vermögenswerte, Handelsembargo mit Ausnahme von Arznei- und
Nahrungsmitteln für humanitäre Zwecke.
AMERIKA DIENST 1

�Malta
Verbot aller Ex- und Importe aus und nach Irak und
Kuwait.
Österreich
Vollständige Einhaltung der UN-Sanktionen gegen
den Irak, Waffenembargo für die Region. Blockiert den
Transfer irakischer Vermögenswerte. Erteilt amerikanischen militärischen Transportflugzeugen die Überflugerlaubnis für Österreich. Beitrag von etwa einer
Million Dollar an Hilfe für Ägypten, Jordanien und die
Türkei.
Polen
Vollständige Einhaltung des Handelsembargos gegen
den Irak. Waffenembargo, Verurteilung der Annexion
Kuwaits. Strikte Einhaltung der Resolutionen des UNSicherheitsrats. Regierung kündigt Entsendung eines
Lazarettschiffs und eines Feldlazaretts zur Unterstützung der multinationalen Streitmacht in der Golf region
an. Vorübergehende Einstellung des Betriebs der
polnischen Botschaft in Kuwait, weil der Irak Strom und
Wasser abgesperrt, die Telefonverbindungen unterbrochen hat, Wachen der irakischen Armee den Zugang zum Gebäude verweigern - und damit den normalen Betrieb der Botschaft unmöglich machen. Diese
Entscheidung hat keinerlei Einfluß auf die erklärte
Position Polens im Hinblick auf die irakische Aggression in Kuwait und die Annexion dieses Landes, die
Polen nicht anerkennt.
Rumänien
Wird UN-Sanktionen gegen den Irak befolgen. Während seiner Präsidentschaft im UN-Sicherheitsrat im
August stimmte Rumänien zugunsten der Resolutionen zum Irak. Zusätzlich zur Einhaltung der UNOSanktionen gegen den Irak hat Rumänien den am Golf
stationierten amerikanischen Truppen Erholungseinrichtungen, Raffinerieanlagen für Flugzeugtreibstoff
sowie ein Ärzteteam zur Unterstützung der multinationalen Streitmacht angeboten.
Schweden
Vollständige Durchführung und Einhaltung sämtlicher
UN-Sanktionen. Wirtschaftsembargo gegen den Irak
mit Ausnahme von Gütern für humanitäre oder medizinische Zwecke. Sperrung des schwedischen Luftraums für Flugzeuge mit Gütern für oder aus Irak und
Kuwait. Stellt 20 Millionen Dollar an Flüchtlingshilfe
bereit und verpflichtet sich zur Zahlung weiterer 23
Millionen Dollar für Jordanien, Ägypten und die Türkei.
Schweiz
Öl- und Waffenembargo. Einfrieren von Vermögenswerten, Beschränkungen für den sonstigen Handel,
au ßer mit medizinischen Gütern für humanitäre Zwekke. Die Schweiz beteiligt sich zum ersten Mal in ihrer
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Geschichte an UN-Wirtschaftssanktionen. Entsendet
ein Hilfsteam für Flüchtlinge.
Sowjetunion
Verurteilung der Invasion und Annexion Kuwaits durch
den Irak. Verhängung eines einseitigen Waffenembargos gegen den Irak. Unterstützt UN-Wirtschaftssanktionen gegen den Irak. Verabschiedung gemeinsamer Erklärungen mit den Vereinigten Staaten, Japan und der Europäischen Gemeinschaft, in denen die
irakische Aggression verurteilt und der Abzug der
irakischen Streitkräfte aus Kuwait gefordert wird.
Ermutigt zur Anwendung multilateraler Mechanismen,
wie etwa des UN-Sicherheitsrats und des Generalstabsausschusses des UN-Sicherheitsrats. Betont
weiterhin die Notwendigkeit einer politischen Lösung
für diese Krise. Als Ständiges Mitglied des UN-Sicherheitsrats stimmt die Sowjetunion für den Einsatz aller
möglichen Mittel, um den Abzug des Irak aus Kuwait zu
erzwingen.
Tschechoslowakei
Waffenembargo, Verurteilung der irakischen Aggression. Durchführung der UN-Sanktionen, einschließlich
Unterbindung aller Exporte und Importe von und nach
Irak und Kuwait. Präsident Havel erklärt die Bereitschaft seiner Regierung zur Entsendung einer 200
Mann starken Sanitätseinheit zur Abwehr chemischer
Waffen, um die multinationale Streitmacht in SaudiArabien zu verstärken. Die ersten 61 Fahrzeuge für
eine 170 Mann starke Heereseinheit zur Abwehr chemischer Waffen wurden nach Saudi-Arabien verlegt.
Die Einheit soll saudiarabische Soldaten ausbilden
und die Zivilbevölkerung mit Schutzmaßnahmen gegen Massenvernichtungswaffen vertraut machen.
Ungarn
Öl- und Handelsembargo. Die Regierung schlägt dem
Parlament die Entsendung eines Sanitätsteams in die
Golfregion vor.
Vatikan
Verurteilung der irakischen Invasion Kuwaits. Lobt die
Resolutionen der Vereinten Nationen über Sanktionen
gegen den Irak.
Zypern
Unterstützung der Sanktionen gegen den Irak.
Andere Organisationen - regional und international
Afghanische Interimsregierung
Das Kabinett der Afghanischen Interimsregierung stimmt
der Entsendung eines Kontingents von 2 000 Mujahedin nach Saudi-Arabien zur Verstärkung der multilateralen Streitmacht offiziell zu.

Seite 5

�Andenpakt
Die Präsidenten von Bolivien, Ecuador, Kolumbien,
Peru und Venezuela geben eine Erklärung ab, mit der
der Irak zur Einhaltung der UN-Resolutionen und zum
Abzug aus Kuwait aufgefordert wird. Die Präsidenten
bekräftigen ihre Unterstützung für eine friedliche Lösung der Golfkrise im Einklang mit der Charta der
Vereinten Nationen und fordern einen Dialog zwischen
den interessierten Parteien nach dem Abzug des Irak
aus Kuwait.
Arabische Liga
Die arabische Liga spricht sich (mit 12:3 Stimmen von
20 Mitgliedstaaten) für die Entsendung einer arabischen Streitmacht nach Saudi-Arabien aus, um das
Land gegen eine mögliche irakische Aggression zu
schützen. Jordanien, Mauretanien und der Sudan
stimmen für die Resolution, machen jedoch "Bedenken" geltend. Der Irak, Libyen und die PLO stimmen
dagegen. Der Jemen und Algerien enthalten sich.
Tunesien ist nicht vertreten. Die Resolution bekräftigt
darüber hinaus die Resolutionen 660,661 und 662 des
UN-Sicherheitsrats.
Bewegung der Blockfreien
Verurteilung des Einsatzes von Gewalt durch den Irak
sowie Forderung nach Rückzug der Invasionstruppen.
Europäische Gemeinschaft
Die EG erklärt die Ausweisung aller irakischen Militärattaches sowie die Einschränkung der Bewegungsfreiheit der anderen irakischen Diplomaten, die in den
Hauptstädten der 12 Mitgliedstaaten akkreditiert sind,
aus Protest gegen die irakischen Übergriffe auf die
diplomatischen Missionen Frankreichs, Belgiens und
der Niederlande in Kuwait. Verhängt allgemeines
Handelsembargo gegen den Irak und das besetzte
Kuwait. Einfrieren von irakischen und kuwaitischen
Vermögenswerten sowie Einstellung jeglicher Zusammenarbeit mit dem Irak und dem besetzten Kuwait.
Unterstützt uneingeschränkt alle UN-Resolutionen zum
Irak und fordert die Freilassung aller Geiseln in Irak und
Kuwait. Die EG stellt 78 Millionen Dollar in Form von
Transport, Nahrungsmitteln und humanitärer Hilfe für
Flüchtlinge bereit. Die EG-Außenminister haben die
italienischen Botschafter in asiatischen, lateinamerikanischen und afrikanischen Ländern angewiesen,
diplomatische Schritte zur Förderung der Reise eines
Sonderbeauftragten der Vereinten Nationen zu unternehmen, der in Bagdad die Freilassung der in Irak und
Kuwait festgehaltenen Ausländer erwirken soll. Italien
hat zur Zeit die Präsidentschaft der EG inne. Die
italienischen Diplomaten werden von Diplomaten aus
Irland und Luxemburg unterstützt.
Europaparlament
Verabschiedung einer Reihe von Resolutionen, in denen
die Invasion des Irak in Kuwait, die irakischen BestreReite 6

bungen zur "Auslöschung der kuwaitischen Identität"
und die Festsetzung der Geiseln verurteilt werden. Die
Gespräche mit dem irakischen Parlament werden
ausgesetzt, bis alle Geiseln freigelassen sind und der
Irak vollständig und bedingungslos aus Kuwait abgezogen ist. Unterstützung der Wirtschaftssanktionen
gegen den Irak.
Golf-Kooperationsrat
Verurteilung der irakischen Aggression gegen Kuwait
und Forderung nach Rückzug der irakischen Streitkräfte. Hat rund 7 000 Mann Bodentruppen zur Verstärkung der multinationalen Streitmacht in SaudiArabien stationiert. Saudi-Arabien hat die Vereinigten
Staaten und andere Länder um militärische Hilfe zur
Verteidigung gegen eine mögliche irakische Aggression gebeten. Saudi-Arabien verpflichtet sich darüber
hinaus zu höherer Ölförderung, um die Produktionsausfälle in Irak und Kuwait wettzumachen. Verweigert
einem irakischen Tanker das Anlegen an einem saudischen Verladeterminal im Roten Meer. Die Vereinigten Arabischen Emirate öffnen ihre militärischen Einrichtungen für multinationale Streitkräfte und verweigern einem irakischen Tanker die Einfahrt in den Hafen
von Dubai. Katar stellt seine militärischen Einrichtungen der multinationalen Streitmacht zur Verfügung.
Berichten zufolge öffnen auch Bahrain und Oman ihre
militärischen Einrichtungen. Der Golf-Kooperationsrat
ist eine regionale Organisation, die aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, Saudi-Arabien, Bahrain,
Oman, Katar und Kuwait besteht. Die Föderation der
Kammern der Mitgliedstaaten im Golf-Kooperationsrat
beschließt, die Mitgliedschaft des Irak zu beenden.
Internationale Arbeitsorganisation
Die Internationale Arbeitsorganisation (IAO), eine
Unterorganisation der UNO, fordert den Irak auf, unverzüglich Schritte zur Freilassung aller in Irak und
Kuwait festgehaltenen ausländischen Arbeitnehmer
zu ergreifen. Der Verwaltungsrat der IAO beschließt,
eine Beschwerde der drei kuwaitischen Mitgliedsgruppen (Regierung, Arbeitnehmer- und Arbeitgeberorga-.
nisation) gegen die irakische Behandlung von Arbeitgebern und Gewerkschaften in Kuwait an den IAOAusschu ß für Assoziationsfreiheit weiterzuleiten. Der
Bericht soll im Februar 1991 abgeschlossen sein. Der
Verwaltungsrat der IAO akzeptiert eine Beschwerde
des ägyptischen Gewerkschaftsdachverbands gegen
die Regierung des Irak wegen der Verletzung der
Rechte ägyptischer Gastarbeiter im Irak. Die Beschwerde wird zur Untersuchung und Beschlußfassung an einen drittelparitätisch besetzten Ausschuß
verwiesen. Im November gibt die IAO bekannt, daß sie
die irakischen Behörden ersuchen will, die Reise einer
IAO-Delegation nach Kuwait zu genehmigen, die Berichte
über sich verschlechternde Bedigungen für Arbeitnehmer und Arbeitgeber und deren Verbände seit der
irakischen Invasion in Kuwait prüfen soll. Die irakischen Behörden werden gebeten, zu angeblichen

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�Plünderungen und der Zerstörung von Einrichtungen
der kuwaitischen Arbeitgeberorganisation und der
Gewerkschaftsbewegung sowie der Verhaftung oder
Ausweisung ihrer Vorsitzenden Stellung zu nehmen.
Karibische Gemeinschaft und Gemeinsamer Markt
Verurteilung der irakischen Invasion Kuwaits und
Forderung nach unverzüglichem und bedingungslosem Abzug der Invasionsstreitkräfte. Die CARICOM
besteht aus Antigua und Barbuda, den Bahamas,
Barbados, Dominica, Grenada, Guyana, Jamaica,
Montserrat, St. Kitts-Nevis, St. Lucia, St. Vincent sowie
Trinidad und Tobago. Die Dominikanische Republik,
Haiti und Surinam haben Beobachterstatus.
Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit
in Europa (KSZE)
Die Außenminister der KSZE-Staaten verabschieden
am 2. Oktober in New York eine Erklärung, mit der sie
sich den Vereinten Nationen "bei der Verurteilung der
irakischen Invasion und Besetzung Kuwaits" anschließen. Darüber hinaus fordern sie die Regierung des
Irak zum unverzüglichen und bedingungslosen Abzug
aus Kuwait auf und erklären ihre volle Unterstützung
für die UNO-Resolutionen zur Verurteilung des Irak.
Sie bringen ferner ihre Entschlossenheit zum Ausdruck, "die vollständige und wirksame Durchsetzung"
der UN-Sanktionen zu gewährleisten und unterstützen
"die Länder, die aufgrund der vom Irak herbeigeführten Krise besonders gelitten haben". Die KSZE umfaßt 34 Nationen, darunter die Vereinigten Staaten, die
Sowjetunion und praktisch ganz Europa.
Koordinationsrat der Gewerkschaften des Südlichen Afrikas
Verurteilung des irakischen Einmarschs in Kuwait und
Forderung nach unverzüglichem Abzug der Invasionstruppen. Unterstützt die UN-Wirtschaftssanktionen
gegen den Irak. Bittet die Gewerkschaften des südlichen Afrikas, jeglichen Bruch des Embargos zu melden und zu verurteilen.
Nordischer Rat
Verabschiedung einer Erklärung, in der die irakische
Weigerung, Staatsbürgern der nordischen Staaten
und anderen Ausländern das Verlassen des Irak und
Kuwaits zu gestatten, scharf verurteilt wird. Der Nordische Rat ist eine regionale Organisation, die sich aus
Vertretern Dänemarks, Finnlands, Islands, Norwegens und Schwedens zusammensetzt.
OPEC
Verständigung auf einen Plan, der den OPEC-Mitgliedern eine Erhöhung ihrer Erdölförderung über die
vereinbarten Quoten hinaus gestattet, um den durch
das Embargo gegen den Irak verursachten Produktionsausfall von 4 Millionen Barrel täglich wettzuma-

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chen. Saudi-Arabien und Venezuela hatten ihre Ölförderung bereits erhöht. Die Vereinigten Arabischen
Emirate, Nigeria, Gabun und Ecuador werden ihre
Fördermenge wahrscheinlich in Kürze erhöhen. Der
Iran und Libyen stimmen gegen die Resolution, planen
jedoch angeblich auch eine Erhöhung ihrer eigenen
Produktion.
Organisation Amerikanischer Staaten
Verurteilung der irakischen Invasion und Annexion
Kuwaits. Unterstützt alle diesbezüglichen Resolutionen des UN-Sicherheitsrats gegen den Irak. Fordert
die Freilassung aller ausländischen Geiseln im Irak.
Die OAS ist eine regionale Organisation mit Vertretern
der Karibikstaaten sowie aller Staaten Mittel-, Süd und
Nordamerikas außer Kuba.
Organisation der Islamischen Konferenz (OIC)
Am 1. Oktober veröffentlichen die Außenminister bei
den Vereinten Nationen das Schlußkommunique des
jährlichen Koordinationstreffens, in dem die OIC die
irakische Invasion und Besetzung Kuwaits "auf das
schärfste verurteilt", die Annexion Kuwaits durch den
Irak für null und nichtig erklärt und die Entschlossenheit der Mitgliedstaaten bekräftigt, die Durchführung
der UN-Resolutionen zu dieser Krise anzustreben.
Der Irak wird ferner aufgefordert, "seine Truppen
vollständig, unverzüglich und bedingungslos abzuziehen", alle Geiseln freizulassen sowie seinen internationalen Verpflichtungen im Hinblick auf diplomatische
und konsularische Vertretungen nachzukommen. Die
"volle Unterstützung und Solidarität" der OIC mit SaudiArabien und anderen Mitgliedstaaten in der Golfregion
wird bekräftigt.
Südasiatischer Verband für Regionale Zusammenarbeit (SAARC)
Der Südasiatische Verband für Regionale Zusammenarbeit (SAARC) veröffentlicht am 23. November eine
Erklärung, in der die Einhaltung der Resolutionen des
UN-Sicherheitsrats zum Irak bekräftigt wird. Der SAARC
fordert den unverzüglichen und bedingungslosen Abzug
der irakischen Streitkräfte aus Kuwait sowie die Wiedereinsetzung der rechtmäßigen Regierung Kuwaits,
betont jedoch gleichzeitig die Notwendigkeit einer friedlichen Lösung der Krise.
Vereinte Nationen
Der UN-Sicherheitsrat hat bisher 12 Resolutionen zur
Invasion des Irak in Kuwait verabschiedet. Sie haben
folgenden Wortlaut:
1.

Resolution 660 vom 2. August 1990 - Verurteilung der irakischen Invasion in Kuwait und Forderung nach unverzüglichem und bedingungslosem Abzug der irakischen Streitkräfte aus Kuwait.

Seite 7

�2.

Resolution 661 vom 6. August 1990 - Anordnung
eines Handels- und Finanzembargos gegen den
Irak und Kuwait.

3.

Resolution 662 vom 9. August 1990 - Erklärung
der irakischen Annexion Kuwaits für null und
nichtig.

4.

Resolution 664 vom 25. August 1990 - Forderung nach Freilassung aller Ausländer durch
den Irak.

5.

Resolution 665 vom 25. August 1990 - Der
internationalen Staatengemeinschaft wird das
Recht eingeräumt, das Wirtschaftsembargo
gegen den Irak durchzusetzen, indem die
Schiffahrt nach und aus diesem Land unterbunden wird.

6.

Resolution 666 vom 13. September 1990 - Die
Vereinten Nationen legen strenge Verfahrensweisen für die Lieferung von Arznei- und Nahrungsmitteln für humanitäre Zwecke in den Irak
und das besetzte Kuwait fest.

7.

Resolution 667 vom 16. September 1990 - Verurteilung des Irak aufgrund von Gewalttaten gegen ausländische Botschaften und deren Personal im besetzten Kuwait.

8.

Resolution 669 vom 24. September 1990 - Die
Vereinten Nationen beauftragen den Sanktionsausschuß mit der Prüfung aller Unterstützungsanträge der Länder, die von dem Embargo
gegen den Irak wirtschaftlich stark betroffen
sind.

9.

Resolution 670 vom 25. September 1990 - Verhängung eines Luftverkehrsembargos gegen
den Irak.

10.

Resolution 674 vom 29. Oktober 1990 - Forderung, daß sich der Irak menschlicher gegenüber
Angehörigen von Drittstaaten und Diplomaten
verhält. Darüber hinaus wird der Irak für die von
der Invasion Kuwaits verursachten Schäden
verantwortlich gemacht und dazu aufgefordert,
Geiselnahmen sowie die Mißhandlung und
Unterdrückung von Kuwaitern und Bürgern aus
Drittstaaten unverzüglich einzustellen sowie die
Ausreise aller Angehörigen von Drittstaaten und
Diplomaten, die dies wünschen, zu gestatten
und zu fördern. Ferner wird erklärt, daß der
Sicherheitsrat weitere Maßnahmen im Rahmen
der UNO-Charta ergreifen wird, wenn sich der
Irak nicht an die UNO-Resolutionen hält.

11.

Resolution 677 vom 28. November 1990 - Entscheidung, Daten über Kuwaits Bevölkerungsstatistik zu sammeln.

12.

Resolution 678 vom 29. November 1990 - Dem
Irak wird "eine letzte Chance" zum Abzug aus

Seite 8

Kuwait eingeräumt. Erklärung, daß die Mitgliedstaaten "alle erforderlichen Mittel einsetzen"
dürfen, um die UNO-Resolutionen durchzusetzen und "internationalen Frieden und Sicherheit" in der Region wiederherzustellen, wenn
der Irak die UNO-Resolutionen nicht bis zum 15.
Januar 1991 vollständig verwirklicht hat.
Westeuropäische Union
Die neun Mitgliedstaaten der WEU verständigen sich
darauf, die Marineoperationen im Nahen Osten auszuweiten und "ihre Operationen eng aufeinander abzustimmen". Darüber hinaus erklären sie sich bereit,
zusammen mit den Vereinigten Staaten Verantwortung für die Durchsetzung der UNO-Sanktionen gegen
den Irak zu übernehmen. Vier WEU-Mitglieder - die
Niederlande, Belgien, Italien und Spanien - sowie
Griechenland als Nichtmitglied der WEU kündigen die
Entsendung von Kriegsschiffen in den Nahen Osten
an, die sich den bereits dort stationierten französischen und britischen Luft- und Marineeinheiten anschließen sollen. Zur Zeit sind 35 Kriegsschiffe der
WEU-Mtigliedstaaten an der Durschsetzung des
Seembargos gegen den Irak beteiligt. Die WEUMitgliedstaaten haben darüber hinaus für die von der
Krise am härtesten betroffenen Länder finanzielle Mittel
und logistische Unterstützung bereitgestellt. Beim
Treffen der WEU am 10. Dezember wurde die Verpflichtung zur Beilegung der Krise auf der Grundlage
der Resolutionen des UN-Sicherheitsrats bekräftigt.
Die WEU ist eine politische Organisation mit Vertretern
aus Belgien, der Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Luxemburg, den Niederlanden, Portugal und Spanien.
Nichteuropäische Staaten
Ägypten
Stimmt mit der Arabischen Liga zugunsten der Resolutionen 660, 661 und 662 des Sicherheitsrats der
Vereinten Nationen und spricht sich für die Entsendung einer arabischen Streitmacht nach Saudi-Arabien aus. Hat bereits 15 000 Soldaten zur Verstärkung
der multinationalen Streitmacht nach Saudi-Arabien
geschickt. Geplant ist die Entsendung von zusätzlichen 15 000 Soldaten zusammen mit Panzern und
Schützenpanzern. Ausweisung des irakischen Verteidigungsattaches und zweier weiterer irakischer Diplomaten.
Äthiopien
Präsident Mengistu Haile Mariam kritisiert die irakische Invasion Kuwaits, fordert die Wiederherstellung
der Souveränität Kuwaits und betont "den festen Standpunkt und die Verurteilung der Einmischung in die
inneren Angelegenheiten souveräner Staaten" durch
Äthiopien. Unterstützt eine friedliche Beilegung der
Krise.

AMERIKA DIENST 1

�Algerien
Verurteilt die irakische Invasion Kuwaits. Einhaltung
der UN-Sanktionen gegen den Irak, ausgenommen
Lieferungen von Nahrungsmitteln und Medikamenten
aus humanitären Gründen. Präsident Chadli Bendjedid setzt sich für die arabischen Vermittlungsbemühungen ein, die einen Dialog zwischen Saudi-Arabien
und dem Irak sowie den Abzug der irakischen Streitkräfte aus Kuwait zum Ziel haben.
Argentinien
Verurteilt die Invasion Kuwaits durch den Irak und
fordert den Rückzug der Invasionstruppen. Befolgt die
Wirtschaftssanktionen gegen den Irak. Stellt finanzielle Transaktionen mit Irak und Kuwait ein. Entsendet
zwei Kriegsschiffe in die Region. Verhandelt gegenwärtig mit Saudi-Arabien über die Entsendung von
zwei Transportmaschinen der Luftwaffe sowie Bodentruppen.

zur Unterstützung der multinationalen Streitmacht.
Durchführung der UN-Sanktionen gegen den Irak,
einschließlich des Handels mit Waren und Dienstleistungen und der Lieferung von Tee.
Belize
Verurteilung des irakischen Einmarschs in Kuwait und
Forderung nach Rückzug der Invasionstruppen.
Benin
Verurteilung des irakischen Einmarschs in Kuwait und
Forderung nach unverzüglichem Rückzug der Invasionstruppen.
Bermuda
Schließt sich den britischen Wirtschaftssanktionen
gegen den Irak an. Verhängt eigene Finanzsanktionen.
Bolivien

Aruba
Wirtschaftssanktionen gegen den Irak.
Australien
Teilnahme am gemeinsamen Marineeinsatz. Entsendung zweier Lenkwaffenfregatten und eines Versorgungsschiffs sowie eines Sanitätsteams zum Persischen Golf. Abriegelung des Golfs für irakische Schiffe, um die UN-Sanktionen zu unterstützen. Öl- und
Waffenembargo. Einfrieren von Vermögenswerten.
Bahamas
Verurteilung der irakischen Invasion Kuwaits und
Forderung nach Abzug der Invasionsstreitmacht.
Einfrieren irakischer und kuwaitischer Vermögenswerte.
Bahrain
Als Mitglied der Arabischen Liga und des Golf-Kooperationsrats verurteilt Bahrain die irakische Invasion in
Kuwait und fordert den vollständigen und bedingungslosen Rückzug der Invasionstruppen. Einfrieren irakischer und kuwaitischer Vermögenswerte. Unterstützung und vollständige Einhaltung der Resolutionen
des UN-Sicherheitsrats. Hat Einheiten seiner Streitkräfte für die multinationale Streitmacht in Saudi-Arabien zur Verfügung gestellt. Hat einer erheblichen
Aufstockung der multinationalen Marine- und Luftstreitkräfte in seinen Einrichtungen zugestimmt. Hat seinen
Botschafter in Kuwait City belassen. Hat Tausende
kuwaitischer Flüchtlinge aufgenommen und ihnen
geholfen.
Bangladesch
Verurteilung des irakischen Einmarschs in Kuwait.
Entsendet über 2 000 Soldaten nach Saudi-Arabien

AMERIKA DIENST 1

Verurteilt den irakischen Einmarsch in Kuwait. Unterstützt die Sanktionen der Vereinten Nationen gegen
den Irak.
Botswana
Hat den Handel mit dem Irak und dem besetzten
Kuwait bis zum Abzug der irakischen Truppen aus
Kuwait eingestellt.

Brasilien
Öl- und Waffenembargo. Abbruch sämtlicher Handelsbeziehungen, einschließlich Nahrungsmittellieferungen.
Chile
Wirtschaftssanktionen, Waffenembargo.
China
Verurteilt den irakischen Einmarsch in Kuwait und
fordert den Rückzug der Invasionstruppen. Waffenembargo. Einhaltung der Sanktionen zum WirtschaftsSchiffs- und Luftverkehr mit dem Irak dauert an.
Unterstützt die UN-Resolutionen zur Verurteilung der
irakischen Invasion und Annexion Kuwaits und Forderung nach Wirtschaftssanktionen. Lehnt den Einsatz
von Gewalt zur Beilegung der Krise ab. Fordert eine
Verhandlungslösung der Krise durch die arabischen
Staaten.
Costa Rica
Zur Unterstützung der UN-Resolutionen gegen den
Irak verurteilt Costa Rica den irakischen Einmarsch in
Kuwait, die Annexion Kuwaits und die irakische Anordnung zur Schließung der Botschaften.

Seite 9

�Cote d'lvoire

Indien

Unterstützt die Resolutionen des UN-Sicherheitsrats
gegen den Irak.

Fordert den Abzug der irakischen Truppen aus Kuwait.
Premierminister Singh erklärt, Indien werde zu seiner
in den Vereinten Nationen gegebenen Zustimmung zu
Wirtschaftssanktionen gegen den Irak stehen. Vollständiges Handelsverbot mit dem Irak und Kuwait,
außer für Arnzei- und Nahrungsmittel zu humanitären
Zwecken.

Ecuador
Präsident Borja und Außenminister Cordovez haben
die Absicht ihrer Regierung bekräftigt, alle UN-Resolutionen zur Golfkrise vollständig zu befolgen, einschließlich der Wirtschaftssanktionen. Ecuador unterhielt vor
der Krise jedoch keine Handelsbeziehungen zum Irak,
und es existieren allen Erkenntnissen zufolge keine
irakischen oder kuwaitischen Firmen oder Vermögenswerte im Land.

Indonesien
Einstellung des Handels mit dem Irak, Ölembargo.
Verstärkung der eigenen Erdölförderung.
Iran

El Salvador
Verurteilt die irakische Invasion Kuwaits und bekräftigt
seine Anerkennung der rechtmäßigen Regierung
Kuwaits unter Führung des Emirs. Fordert den unverzüglichen und bedingungslosen Abzug der irakischen
Truppen aus Kuwait. Uneingeschränkte Unterstützung der Resolutionen des UN-Sicherheitsrats.
Gabun
Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait, unterstützt
alle UN-Sanktionen gegen den Irak.
Gambia
Verurteilt die irakische Invasion Kuwaits und fordert
den Abzug der Truppen.
Guatemala
Uneingeschränktes Wirtschaftsembargo gegen den
Irak und das besetzte Kuwait.
Guayana
Unterstützt die Resolutionen des UN-Sicherheitsrats
gegen den Irak. Unterzeichnet die CARICOM-Erklärung mit der Forderung nach unverzüglichem Rückzug
der irakischen Truppen aus Kuwait.
Haiti
Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait.
Honduras
Lehnt die irakische Invasion in Kuwait ab und fordert
den Abzug der Invasionstruppen. Bietet die Entsendung eines Truppenkontingents an, das sich der multilateralen Streitmacht am Golf anschließen soll. Hat
an konkreten Maßnahmen zur Durchsetzung der Wirtschaftssanktionen des UN-Sicherheitsrats gegen den
Irak mitgearbeitet.
Hongkong

Ablehnung der Annexion Kuwaits durch den Irak. Der
Iran erklärt sich zur Steigerung der Ölförderung bereit,
um die Ausfälle in Irak und Kuwait auszugleichen.

Israel
Unterstützt die UN-Sanktionen gegen den Irak.
Jamaica
Verurteilt die Invasion und befolgt die UN-Sanktionen
gegen den Irak. Unterstützt die von der Organisation
Amerikanischer Staaten ins Leben gerufene Initiative,
im Rahmen derer die irakische Invasion in Kuwait auf
das schärfste verurteilt wird.
Japan
Ölembargo, Einstellung von Handel und Hilfe. Einfrieren kuwaitischer Vermögenswerte in Japan. Zieht
unter Berufung auf die irakische Invasion und Annexion Kuwaits "und andere Maßnahmen" - Berichten
zufolge werden 139 Japaner in wichtigen Einrichtungen als "menschliche Schutzschilde" festgehalten seine Einladung an den Irak zurück, am 12. November
an der Inthronisation von Kaiser Akihito teilzunehmen.
Stellt Finanzhilfe in Höhe von 4 Milliarden Dollar bereit,
davon 2 Milliarden Dollar für die multinationale Streitmacht. Dazu gehören Beiträge zur Unterstützung von
Streitkräften, Ausrüstung und Gerät.
Entsendet
medizinisches Personal zur Arabischen Halbinsel, das
bis zu 100 Personen umfassen wird. Die restlichen 2
Milliarden Dollar sind als Finanzhilfe für die Türkei,
Ägypten und Jordanien bestimmt, um die durch die
irakische Invasion in Kuwait verursachten wirtschaftlichen Härten zu mildern. Stellt weitere 22 Millionen
Dollar an Flüchtlingshilfe bereit. Veröffentlichung
gemeinsamer Erklärungen mit der Sowjetunion und
Gro ßbritannien, in denen der Irak zur Freilassung aller
ausländischen Geiseln und zum Abzug seiner Truppen aus Kuwait aufgefordert wird. Stellt gegenwärtig
ein UN-Friedenskorps auf, das die Entsendung ausgewählten Personals nach Übersee in Zusammenhang
mit Operationen zur Friedenssicherung gestatten würde.

Schließt sich den britischen Wirtschaftssanktionen
gegen den Irak an. Friert irakische und kuwaitische
Vermögenswerte ein.
Seite 10

AMERIKA DIENST 1

�Jemen
Befolgt die UN-Wirtschaftssanktionen gegen den Irak.
Jordanien
Einhaltung der UN-Sanktionen gegen den Irak. Stimmt
mit der Arabischen Liga zugunsten der UN-Resolutionen 660,661 und 662 und spricht sich für die Entsendung einer arabischen Streitmacht nach Saudi-Arabien aus, jedoch unter "Vorbehalten".
'
»

Macao
Befolgt die UN-Sanktionen.

Katar

Madagaskar

Als Mitglied der Arabischen Liga und des Golf-Kooperationsrats verurteilt Katar die irakische Invasion in
Kuwait und fordert den Abzug der Invasionstruppen.
Stellt der multinationalen Streitmacht seine militärischen Einrichtungen zur Verfügung.

Präsident Ratsiraka verurteilt am 5. August die irakische Invasion Kuwaits und bekundet seine Zustimmung zu den Maßnahmen des Sicherheitsrats.

Kenia

Vizepräsidentschaft des UN-Sanktionsausschusses,
der die Einhaltung der Sanktionen überwacht.

Unterstützt die UN-Resolution zu Sanktionen gegen
den Irak. Vollständige Einhaltung der Sanktionen,
Einfrieren kuwaitischer Vermögenswerte. Erhöht die
Ölproduktion um 55 000 Barrel pro Tag auf die Höchstmenge von 650 000 Barrel pro Tag, um den Bedarf der
Länder zu decken, die von irakischem und kuwaitischem Öl abhängen. Spendet für die Flüchtlingshilfe
in Jordanien Nahrungsmittel im Wert von 100 000
Dollar.

Korea (Rep.)

Malediven

Kündigt uneingeschränkte Unterstützung für die Resolutionen des UN-Sicherheitsrats gegen den Irak an.
Waffen- und Ölembargo, Einstellung des Handels,
außer mit Gütern für medizinische oder humanitäre
Zwecke. Ankündigung eines 220-Millionen-DollarPakets zur Unterstützung der multilateralen Verteidigungsbemühungen und betroffenen Frontstaaten.

Fordern den Abzug irakischer Truppen aus Kuwait.

President Moi erklärt, daß Kenia alle Resolutionen des
UN-Sicherheitsrats im Hinblick auf die Invasion Kuwaits unterstützt.
Kolumbien

Kuba
Befolgung der UN-Sanktionen gegen den Irak.
Laos
&gt;

'

Lage am Golf verursacht. Der Generalversammlung
der Vereinten Nationen teilt er mit, daß Lesotho "diesen Akt nicht nur als illegal und den vorherrschenden
Geist internationaler Entspannung vergiftend, sondern auch als gefährlichen Präzedenzfall für die weitere Existenz und Sicherheit kleiner Staaten" verurteilt.

Verurteilt in einer Erklärung den irakischen Einsatz von
Gewalt und fordert den unverzüglichen Abzug des Irak
aus Kuwait.
Libanon
Fordert den Abzug der irakischen Truppen aus Kuwait.
Stimmt mit der Arabischen Liga zugunsten der UNResolutionen 660,661 und 662 und spricht sich für die
Entsendung einer arabischen Streitmacht nach SaudiArabien aus.
Lesotho
Der Vorsitzende des Militärrats und des Ministerrats,
Generalmajor J. M. Lekhanya erklärt, die irakische
Invasion habe eine neue und völlig unannehmbare

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Malaysia

Mali
Verurteilt den irakischen Einmarsch in Kuwait.
Mauritius
Verurteilt die irakische Invasion und Annexion Kuwaits, fordert den Abzug der Invasionstruppen und die
Freilassung aller Ausländer in Irak und Kuwait. Befolgt
die Resolutionen des UN-Sicherheitsrats zum Irak und
hat Maßnahmen ergriffen, um alternative Versorgungsquellen für bisher aus Kuwait importiertes Öl zu sichern.
Marokko
Stimmt mit der Arabischen Liga zugunsten der UNResolutionen 660,661 und 662 und spricht sich für die
Entsendung einer arabischen Streitmacht nach SaudiArabien aus. Hat etwa 1 200 Soldaten nach SaudiArabien und 5 000 in die Vereinigten Arabischen Emirate
zur Verstärkung der multinationalen Streitmacht entsandt. Ausweisung zweier irakischer Beamter aus
Marokko als Vergeltung für die irakische Entscheidung
zur Schließung der marokkanischen Botschaft in Kuwait
und die Festsetzung seiner Diplomaten im Irak. Bemüht
sich auf diplomatischem Wege aktiv im Einklang mit
den Forderungen der Vereinten Nationen um eine
Beilegung der Krise.

Seite 11

�s

Mexiko
Plant die Steigerung der Ölförderung um 100 000
Barrel pro Tag in den nächsten zwei Monaten.
Myanmar
Befolgt die Resolutionen der Vereinten Nationen zum
Irak.
Nepal
Verurteilt die irakische Invasion Kuwaits und fordert
den Abzug der Invasionstruppen. Unterstützt die UNSanktionen gegen den Irak.
Niederländische Antillen
Einfrieren irakischer Vermögenswerte, Einstellung des
Zahlungsverkehrs mit dem Irak und dem besetzten
Kuwait.
Neuseeland
Verbot von Exporten in den Irak, geplantes Verbot von
Importen. Umleitung der Nahrungsmittellieferungen,
die sich auf dem Weg in den Irak befinden. Ölembargo,
Einfrieren der irakischen Vermögenswerte. Stellt den
Vereinten Nationen für den Einsatz am Golf zwei
Transportflugzeuge zur Verfügung. Spendet Milchpulver für Flüchtlinge aus dem Irak und Kuwait. Übernimmt die Wartung von Transportflugzeugen für die
Evakuierung von Flüchtlingen nach Pakistan und Manila.
Bietet den Vereinten Nationen zwei zivile Flugzeuge
mit Besatzungen und dem Internationalen Komitee
vom Roten Kreuz ein 40köpfiges ziviles medizinisches
Versorgungsteam für den Einsatz in Saudi-Arabien an.
Nicaragua
Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait und fordert
den Abzug der Invasionstruppen.
Niger
Entsendung eine Kontingents von 481 Soldaten an
den Golf zur Verteidigung Saudi-Arabiens vor irakischer Aggression und Beteiligung am Schutz der heiligen Stätten des Islam. Zum ersten Mal setzt Niger
seine Streitkräfte außerhalb des Landes ein. Außenminister Sani Bako zufolge werden die Truppen stationiert, weil Niger als Signatarstaat der Charta der
Vereinten Nationen die Annexion eines Mitgliedstaats
der Vereinten Nationen durch ein anderes Mitglied
nicht akzeptieren kann und Niger auf den Appell der
moslemischen Länder reagiert, sich am Schutz der
heiligen Stätten des Islam zu beteiligen.

Resolutionen des UN-Sicherheitsrats, in denen der
Irak zum Abzug aus Kuwait aufgefordert wird. Begrü ßt
alle friedlichen Bemühungen zur Beilegung der Krise.
Oman
Die omanische Botschaft in Kuwait bleibt geöffnet, und
das Sultanat erkennt die irakische Besetzung Kuwaits
in keiner Weise an. Oman hat der Arabischen Liga,
dem Golf-Kooperationsrat und den UN-Resolutionen
seine Unterstützung zugesagt und fordert den Abzug
der Invasionstruppen.
Pakistan
Im politischen Bereich unterstützt Pakistan die Resolutionen und Sanktionen des UN-Sicherheitsrats gegen den Irak. Die Regierung hat die Behörden angewiesen, die Sanktionen durchzuführen und etwa 2 000
Soldaten zur Verteidigung Saudi-Arabiens entsandt.
Einstellung des Luft- und Seeverkehrs mit dem Irak
und dem besetzten Kuwait. Schließt sich dem Appell
von sechs nichtarabischen islamischen Staaten Asiens
an Saddam Hussein an, sich in Einklang mit den UNResolutionen aus Kuwait zurückzuziehen. Verpflichtet
sich zur Entsendung weiterer 3 000 Soldaten nach
Saudi-Arabien, so daß die Gesamtstärke einer Infanteriebrigade mit Unterstützungseinheiten erreicht wird.
Das zweite Kontingent steht bereit, ist jedoch noch
nicht verlegt worden, da die Arrangements mit SaudiArabien im Hinblick auf Transport und logistische
Unterstützung noch nicht abgeschlossen sind.
Panama
Unterstützt die Sanktionen. Verbietet Handelsschiffen
die Ladung oder das Löschen jeder Art von Waren aus
dem Irak oder Kuwait. Die Bankaufsichtsbehörde
erläßt Vorschriften für die Behandlung irakischer und
kuwaitischer Vermögenswerte. Der irakischen Schiffahrt
wird die Durchquerung des Panamakanals gestattet.
Papua Neuguinea
Verurteilt die irakische Invasion Kuwaits auf s schärfste
und unterstützt die UN-Resolutionen, mit denen die
Souveränität und Integrität Kuwaits wiederhergestellt
werden soll.
Paraguay
Verurteilt die Invasion Kuwaits durch den Irak. Untersagt jeglichen Handel, alle finanziellen Transaktionen
und Geschäftsbeziehungen mit dem Irak. Die Abgeordnetenkammer verabschiedet einstimmig eine Resolution, in der die irakische Invasion verurteilt und die
UN-Sanktionen unterstützt werden.

Nigeria
Peru
Verurteilt die irakische Invasion Kuwaits und fordert
den Truppenabzug, plant eine Steigerung der Ölf örderung um 200 000 Barrel pro Tag (vorbehaltlich der
Zustimmung anderer OPEC-Staaten). Unterstützt die

Seite 12

Unterstützung und Einhaltung aller Resolutionen der
Vereinten Nationen zum Irak.

AMERIKA DIENST 1

�Philippinen

Sri Lanka

Erkennen den bindenden Charakter der Sanktionen
an; Ölembargo. Präsidentin Aquino gibt bekannt, daß
die Philippinen ein medizinisches Versorgungsteam
nach Saudi-Arabien entsenden werden, um ihre uneingeschränkte Unterstützung für dieses Land sowie die
gemeinsamen Bestrebungen mit anderen Ländern zu
demonstrieren, im Einklang mit den Resolutionen des
UN-Sicherheitsrats eine friedliche Lösung der Golfkrise anzustreben.

Wird alle erforderlichen Schritte unternehmen, um die
Wirtschaftssanktionen der Vereinten Nationen gegen
den Irak durchzusetzen.

Salomonen
Führen Wirtschaftssanktionen gegen den Irak durch.
Saudi-Arabien
In internationalen Foren, der Arabischen Liga und im
Golf-Kooperationsrat hat Saudi-Arabien den irakischen
Einmarsch in Kuwait verurteilt und den bedingungslosen und unverzüglichen Abzug der Invasionstruppen
gefordert. Bittet eine multinationale Streitmacht, darunter Streitkräfte der Vereinigten Staaten, um die
Verteidigung Saudi-Arabiens. Der Transport irakischen Erdöls durch Saudi-Arabien wurde eingestellt.
Erhöht die Ölförderung, um die Ausfälle in Irak und
Kuwait auszugleichen. Saudi-Arabien hat sämtliche
von der UNO gegen den Irak verhängten Sanktionen
ohne wenn und aber verwirklicht.
Senegal
Verurteilt den irakischen Einmarsch in Kuwait und
fordert den bedingungslosen Abzug der Invasionstruppen sowie die Wiedereinsetzung der rechtmäßigen
Regierung Kuwaits. Entsendet am 17. September 500
Soldaten nach Saudi-Arabien. Einhaltung der UNSanktionen, Einfrieren irakischer und kuwaitischer
Vermögenswerte, ausgenommen der Mittel für den
Weiterbetrieb der Botschaften.
Simbabwe
Stellt den Handel mit dem Irak und dem besetzten
Kuwait ein, setzt alle bilateralen Abkommen mit dem
Irak außer Kraft.
Singapur
Wirtschaftsembargo gegen den Irak und das besetzte
Kuwait. Finanztransaktionen der rechtmäßigen Besitzer kuwaitischer Vermögenswerte werden unter bestimmten Bedingungen gestattet.
Somalia
Verurteilt die irakische Invasion und Annexion Kuwaits
und fordert den unverzüglichen und bedingungslosen
Abzug der Invasionsstreitkräfte sowie die Wiedereinsetzung der rechtmäßigen Regierung Kuwaits. Unterstützt alle Resolutionen des UN-Sicherheitsrats und
der Arabischen Liga zur Golfkrise. Bietet die Entsendung von Truppen zum Schutz Saudi-Arabiens an.
AMERIKA DIENST 1

Sudan
Der Sudan "zollt der Charta der Vereinten Nationen
Respekt und bekundet seine Verpflichtung zu den
Resolutionen" 660, 661, 663 und 665.
Südafrika
Verurteilt die irakische Invasion Kuwaits und fordert
den unverzüglichen Abzug der irakischen Streikräfte.
Präsident de Klerk bekräftigt später im Weißen Haus,
daß Südafrika die irakische Aggression auf das schärfste ablehnt.
Surinam
Verurteilt die irakische Invasion und Annexion Kuwaits. Wird die Wirtschafts- und Finanzsanktionen
der Vereinten Nationen gegen den Irak einhalten.
Swasiland
Bei der Generalversammlung der Vereinten Nationen
erklärt Premierminister Diamini am 5. Oktober seine
uneingeschränkte Unterstützung für die Resolutionen
des Sicherheitsrats zur Golfkrise. Er verurteilt die
irakische Invasion und Geiselnahme und fordert den
Irak zum Abzug aus Kuwait auf.
Syrien
Stimmt mit der Arabischen Liga zugunsten der UNResolutionen 660,661 und 662 und spricht sich für die
Entsendung einer arabischen Streitmacht nach SaudiArabien aus. Syrien unterhält 4 000 Soldaten der
Landstreitkräfte in Saudi-Arabien und den Vereinigten
Arabischen Emiraten als Teil der multinationalen Streitmacht. Zusätzlich werden 10 000 Soldaten und 300
Panzer entsandt.
Taiwan
Lehnt die irakische Invasion Kuwaits energisch ab und
spricht sich für die Unterstützung der UN-Sanktionen
gegen den Irak aus. Erklärt, in Taiwan befänden sich
keine irakischen Vermögenswerte, stoppt die Lieferung aller in Taiwan hergestellten Waren in den Irak,
unterbindet Erdölimporte aus dem Irak. Gibt bekannt,
daß Taiwan Jordanien, der Türkei und Ägypten Direkthilfe in Höhe von 30 Millionen Dollar gewähren wird.
Tansania
Bekundet seine Ablehnung der irakischen Invasion in
Kuwait und fordert den unverzüglichen Abzug der
Invasionstruppen. Unterstützt die UN-Sanktionen gegen
den Irak.

Seite 13

�Togo
Verurteilt die irakische Invasion Kuwaits und erklärt
seine Unterstützung für die Resolution des UN-Sicherheitsrats, in der der Irak zum Abzug aus Kuwait aufgefordert wird. Begrü ßt alle Bemühungen zur friedlichen
Beilegung der Krise.
Trinidad/Tobago
Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait und fordert
den Abzug der Invasionstruppen. Unterstützt die UNSanktionen gegen den Irak.

Tunesien
Fordert den Abzug der irakischen Truppen aus Kuwait.
Erklärt seine Bereitschaft, alle Resolutionen des UNSicherheitsrats zum Irak einzuhalten, einschließlich
der Handelssanktionen. Friert irakische Vermögenswerte ein und beschränkt den zivilen Luftverkehr.
Tunesische Diplomaten bleiben in der Botschafterresidenz in Kuwait.
Uganda
Fordert den Abzug der irakischen Streitkräfte aus
Kuwait. Unterstützt die Resolutionen des UN-Sicherheitsrats zur Verhängung von Sanktionen gegen den
Irak.
Uruguay
Verurteilt den Einsatz von Gewalt durch den Irak und
fordert den UN-Sicherheitsrat auf, Frieden und Sicherheit in der Region wiederherzustellen. Befolgt die
Sanktionen der Vereinten Nationen gegen den Irak

und wird jedes Angebot kostenlosen Öls aus dem Irak
ablehnen. Prüft die Möglichkeit der Entsendung von
Truppen an den Golf für den Fall, daß dies angebracht
und notwendig ist und realistisch zur raschen Beilegung der Krise beitragen könnte.
Vanuatu
Verurteilt die irakische Invasion Kuwaits und fordert
den Abzug der Invasionstruppen. Erklärt die vollständige Einhaltung aller UN-Sanktionen gegen den Irak.
Venezuela
Unterstützt die UN-Sanktionen gegen den Irak. Wird
im Dezember 1990 die Ölförderung auf 500 000 Barrel
pro Tag erhöhen.
Vereinigte Arabische Emirate
Als Mitglied der Arabischen Liga und des Golf-Kooperationsrates verurteilen die Vereinigten Arabischen
Emirate die irakische Invasion in Kuwait und fordern
den bedingungslosen und unverzüglichen Abzug der
Invasionstruppen sowie die Wiedereinsetzung der
rechtmäßigen Regierung Kuwaits. Gewähren den
Vereinigten Staaten und anderen an der Operation
Wüstenschild beteiligten Ländern die umfassende
Nutzung von militärischen Einrichtungen und Unterstützung. Rigorose Durchführung aller von der UNO
beschlossenen Sanktionen gegen den Irak und Erhöhung der Ölförderung, um die Ausfälle in Irak und
Kuwait wettzumachen. Stellen femer 1 Milliarde Dollar
bereit, um von den Sanktionen betroffene Staaten zu
unterstützen.

* * * *

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*

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�WIRTSCHAFT
9. Januar 1991

DIE WIRTSCHAFT IM 21. JAHRHUNDERT
von William Van Düsen Wishard
Der nachfolgende Beitrag wurde in gekürzter Form der Mai-Juni 1987 Ausgabe von The Futurist entnommmen.
Mit freundlicher Genehmigung der World Future Society, 4916 St. Elmo Avenue, Bethesda, Maryland 20814.
Copyright (c) 1987 World Future Society.

Die Geschichte ist von Wandel und Wachstum gekennzeichnet. Ausmaß, Geschwindigkeit und Verflechtung des derzeit stattfindenden Wandels und
Wachstums verleihen dem letzten Viertel des 20.
Jahrhunderts eine einzigartige Qualität.
Ein Bereich des Lebens, der sich heute in rasendem
Tempo verändert, ist die Wirtschaft - die Mittel, mit
denen der Mensch Wohlstand produziert und verteilt.
Im folgenden wird ein kurze Analyse einiger - von der
internationalen Presse aufgegriffener - Trends und
Ereignisse vorgenommen, die in ihrer Gesamtheit
betrachtet die Dimensionen des wirtschaftlichen Wandels
andeuten, der heute die Welt verändert.
Neue Erkenntnisse
Die treibende Kraft der Weltwirtschaft heute ist die Flut
neuer Erkenntnisse, die aus den Forschungslabors
der Welt strömt. Wissenschaftler schätzen, daß sich
weltweit das Potential wissenschaftlicher Erkenntnisse jedes Jahrzehnt verdoppelt.
Die Vereinigten Staaten, die ungefähr 5 Prozent der
Weltbevölkerung ausmachen, bringen rund die Hälfte
der wissenschaftlichen Informationen der Welt hervor.
Noch vor 10 Jahren waren es 75 Prozent, und nach
einem weiteren Jahrzehnt könnten sie nur noch ein
Drittel des Gesamtvolumens ausmachen. Dieser Abstieg
ist nicht darauf zurückzuführen, daß die Vereinigten
Staaten weniger Informationen hervorbringen, sondern die restlichen 95 Prozent der Welt mehr produzieren werden. Diese Sintflut an Forschungsergebnissen
produziert mit solcher Geschwindigkeit neue Technologien, daß die meisten dieser Technologien binnen

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fünf bis sieben Jahren veraltet sind. Im Elektroniksektor sind es nur zwei bis drei Jahre.
Internationalisierung
Ein zweiter entscheidender Trend ist die Verlagerung
von autarken Volkswirtschaften zu einem integrierten
System weltweiter Produktion. Japan, Deutschland,
China und Frankreich haben jeweils Vereinbarungen
getroffen, um sich die an amerikanischen Universitäten betriebene Forschung zu moderen Computertechnik, Molekularbiologie, Materialverarbeitung und Ozeanographie nutzbar zu machen. Das Georgia Institute
of Technology und die chinesische Gesellschaft für
Wissenschaft und Technologie haben zur Modernisierung der chinesischen Industrie ein Joint Venture
gegründet. Die Mitarbeiter des Georgia Institute übernehmen eine Beraterfunktion, und 1,4 Millionen chinesische Wissenschaftler und Techniker unterrichten
das Joint Venture über die jüngsten Modernisierungsbestrebungen Chinas.
Dank preiswerter Computer-Telekommunikationsnetze haben Techniker und Geschäftsleute von Brasilien
bis Korea in der verarbeitenden Industrie unmittelbar
Zugriff auf die neuesten Technologien und Produktionstechniken. So werden Mikrochips in Kalifornien
entworfen, zur Fabrikation nach Schottland geschickt,
zur Erprobung und Montage in den Femen Osten
verschifft und dann in den Vereinigten Staaten verkauft.
Kapitalbewegungen
Der Welthandel hat ein Volumen von rund 2 Billionen
Dollar jährlich. Die Devisentransaktionen betragen
Seite 1

�jedoch ungefähr 150 Milliarden Dollar pro Tag oder
rund 35 Billionen Dollar pro Jahr. Darüber hinaus
beläuft sich der Betrag der privaten Pensionskassen
der 24 OECD-Mitgliedstaaten - Mittel, die konstant
zwischen den Kapitalmärkten der Welt transferiert
werden - heute auf 1,4 Billionen Dollar und wird in fünf
Jahren voraussichtlich die 3-Billionen-Dollar-Grenze
erreichen. Daher sind vielmehr Kapitalbewegungen
als der Handel zur treibenden Kraft der Weltwirtschaft
geworden. Die Waren- und Dienstleistungswirtschaft
und die Geld-, Kredit- und Kapitalwirtschaft sind nicht
länger eng miteinander verknüpft. Sie bewegen sich in
verschiedene Richtungen und mit unterschiedlicher
Geschwindigkeit.
Die Wirtschaftstheorie lehrt, daß der relative Vorteil bei
Kosten für Löhne und Gehälter, Energie und Transport
die Wechselkurse bestimmt. In zunehmendem Maße
entscheiden jedoch die Wechselkurse den Vergleich
zwischen den Lohnkosten von Land zu Land. Eines
Tages werden niedrige Lohnkosten wahrscheinlich im
internationalen Handel einen geringeren Stellenwert
einnehmen, schlicht und einfach, weil Lohnkosten mit
zunehmender Automatisierung in den Industriestaaten einen geringeren Teil der Gesamtkosten ausmachen.
Die Wechselkurse der führenden Währungen sind
heute zu einem entscheidenden Faktor geworden.
Das hei ßt, jedes in der Weltwirtschaft tätige Unternehmen betreibt zwei Geschäfte gleichzeitig: Es ist ein
Hersteller von Waren oder Anbieter von Dienstleistungen, und es ist ein Finanzunternehmen.
Börsengeschäfte rund um die Uhr
Der Effektenverkehr mittels Computer führt zu einer
neuen Generation von Finanztransaktionen. Während
man mit dem Personalcomputer Echtzeitdaten erhält,
hat sich das Tempo des Effektenverkehrs beschleunigt und an Umfang zugenommen.
In den vergangenen 10 Jahren ist das Volumen der
Effektentransaktionen sprunghaft um über 700 Prozent angestiegen. Die Zahl der von Wertpapierfirmen
angestellten Börsenmakler ist um 400 Prozent in die
Höhe geschnellt, und die Zahl der Anlageberater hat
sich mehr als verdreifacht. Informationen, die bis vor
nicht allzu langer Zeit per Mundpropaganda weitergegeben wurden, laufen heute über den Computer.
Computer tasten die Devisenmärkte auf der ganzen
Welt konstant ab, um die Händler unverzüglich darauf
aufmerksam zu machen, wenn sie von Schwankungen
bei Dutzenden von Wechselkursen profitieren können.
Echtzeitinformationen vereinen die Finanzwelt.
NASDAQ - das automatische Kursnotierungssystem nennt die Preise für 300 britische und andere internationale bei der Londoner Börse notierte Effekten. Die
Effekten von über 500 führenden Unternehmen der
Welt werden mindestens an einer ausländischen Bör-

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se gehandelt. Das Globalangebot von British Telecommunications PLC wurde auf fünf Märkten in London , New York und Tokio gehandelt. Börsengeschäfte
rund um die Uhr werden voraussichtlich in fünf Jahren
überall zu finden sein.
Keine Entindustrialisierung in Amerika
Die Produktion der verarbeitenden Industrie als Prozentsatz des amerikanischen Bruttosozialprodukts ist
von 1950 bis 1984 in etwa gleich geblieben. Im Jahr
1950 betrug sie 21,4 Prozent, 1985 lag sie bei 21,7
Prozent. Veränderungen ergeben sich durch den
zunehmenden Einsatz modernster Technologie, mit
der sich die Zahl der Beschäftigten in der Fertigungsindustrie verringert.
In den Jahren 1973 bis 1985 stieg jedoch die Produktion der verarbeitenden Industrie in den Vereinigten
Staaten um etwa 40 Prozent. Dennoch sind heute in
der amerikanischen Fertigungsindustrie fünf Millionen
weniger Fabrikarbeiter beschäftigt als 1975.
Trotzdem ist in den vergangenen 12 Jahren die Beschäftigtenrate in den Vereinigten Staaten schneller
gewachsen als jemals zuvor in der Geschichte irgendeines Landes in Friedenszeiten - von 1973 bis 1985
von 82 auf 110 Millionen. Seit 1970 ist die Zahl der
Arbeitsplätze bei den Anbietern von Dienstleistungen
sprunghaft von 47,3 Millionen auf 72,4 Millionen angestiegen. Nahezu 90 Prozent davon entfallen auf den
Dienstleistungsbereich.
Höhere Produktivität in der Fertigungsindustrie könnte
bedeuten, daß die Vereinigten Staaten nicht mehr wie
1980 etwa 25 Prozent aller Arbeitskräfte in der verarbeitenden Industrie beschäftigen, sondern zu Beginn
des nächsten Jahrhunderts weniger als 10 Prozent.
Die japanische Herausforderung
Japan ist auf dem besten Weg, der führende Investor
und Gläubiger der Welt zu werden. Japans wirtschaftlicher und finanzieller Einfluß könnte möglicherweise
die Macht Großbritanniens im 19. Jahrhundert und der.
Vereinigten Staaten nach dem Zweiten Weltkrieg in
den Schatten stellen. Der Wert japanischer Vermögenswerte im Ausland beträgt gegenwärtig 100 Milliarden Dollar mehr als ausländische Investitionen in
Japan. Damit steht Japan vor den Vereinigten Staaten
und Großbritannien an erster Stelle bei internationalen
Investoren.
Japan verfügt über den zweitgrößten Finanzmarkt der
Welt. An der Tokioter Börse wurden 1986 Aktien im
Wert von 817 Milliarden Dollar gehandelt, in New York
für 1,7 Billionen und in London für 290 Milliarden Dollar.
In den letzten zwei Jahren haben japanische Unternehmen über 25 neue Forschungslabors für die Industrie eröffnet. Allein 1985 wurden 15 neue Labors
geschaffen. Diese Labors werden die zukünftigen

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�Möglichkeiten von Biochips, künstlicher Intelligenz,
Keramik, Robotik, elektrisch leitfähigen Kunststoffen,
modernen Materialien für die Elektronik und Chancen
der Biowissenschaften erforschen.

in einer Weltwirtschaft bestehen kann, die von Interdependenz, rasanten technischen Entwicklungen und
der Notwendigkeit schneller Entscheidungen geprägt
ist.

Einige japanische Beobachter verwerfen nicht leichtfertig den Appell der Mayekawa-Kommission, die japanische Wirtschaft umzustrukturieren. Sie erinnern
daran, daß Japan zweimal in einem Jahrhundert auf
ausländischen Druck hin seine Wirtschaft umstrukturiert hat. Beide Male - nach der Meiji-Restauration
1886 und nach dem Zweiten Weltkrieg war Japan in
der Weltwirtschaft konkurrenzfähiger. Wieder einmal
fordert Japan eine nationale Umstrukturierung, im
Rahmen derer sogar das Bildungswesen neu gestaltet
werden soll, um Arbeitnehmer heranzubilden, die mehr
Individualismus und Initiative demonstrieren. In diesem Zusammenhang haben die Japaner verschiedene amerikanische Universitäten gebeten, sich an der
Einrichtung neuer Universitäten amerikanischen Stils
in Japan zu beteiligen, damit eine Neuorientierung im
Bildungswesen stattfinden kann.

Sowjetische Joint Ventures

Angesichts der neuen Realität des starken Yen sind
japanische Unternehmen bestrebt, in der Nähe ihrer
wichtigsten Märkte Betriebe zu bauen oder zu vergrößern, billige Arbeitskräfte im Ausland zu rekrutieren
und die Konkurrenz aufstrebender Industrieländer aus
dem Feld zu schlagen. Die Firma Matsushita Electronics, die gegenwärtig 17 Prozent ihrer Produktion in 26
Auslandsbetrieben herstellt, plant eine Steigerung ihrer
Auslandsproduktion auf 30 Prozent. Sony fertigt etwa
47 Prozent seiner Produkte in Betrieben außerhalb
Japans. Mazda plant, einen in Korea gebauten Kleinwagen zu erwerben und an Ford weiterzuverkaufen,
das ihn dann in den Vereinigten Staaten vertreibt.
Privatisierung
Eines der augenfälligsten Merkmale in der Weltwirtschaft ist der Abbau zentral kontrollierter Produktion
und die Förderung privaten Unternehmertums. In
Großbritannien hat die Regierung seit 1979 Staatseigentum im Wert von 11 Milliarden Dollar verkauft und
hofft auf den Absatz von weiterem Besitz im Wert von
30 Milliarden. Die französische Regierung plant die
Privatisierung von neun führenden Konzernen und 36
Banken, und dem französischen Kabinett gehört ein
Minister für Privatisierung an. Mexiko hat seine Absicht bekundet, 482 Staatsbetriebe zu veräußern, zu
schließen oder zusammenzulegen.
Bis 1990 werden private Aktionäre das japanische
Telephonnetz, die größte Fluglinie und die nationale
Eisenbahngesellschaft kontrollieren. China führt zum
ersten Mal seit über 35 Jahren Aktien ein und zahlt den
im Betrieb beschäftigten Aktionären Dividenden.
Mit dem Übergang ins 21. Jahrhundert tritt immer
deutlicher zutage, daß eine Planwirtschaft mit ihren
Verkrustungen und dem Mangel an Wettbewerb nicht

AMERIKA DIENST 1

Die Sowjetunion erwägt die Möglichkeit von Joint
Ventures mit westeuropäischen und japanischen Firmen. So kann sie sich westliche Technologie sichern,
ohne ihre schrumpfenden Devisenreserven angreifen
zu müssen.
Solche Joint Ventures wären Bestandteil einer Kampagne, mit der die sowjetische Industrie gezwungen
werden soll, ihre Produktion auf Weltniveau anzuheben. Gegenwärtig entsprechen lediglich 29 Prozent
aller in der UdSSR hergestellten technischen Produkte
internationalen Maßstäben. Die Sowjets hoffen, den
Prozentsatz in den neunziger Jahren auf vielleicht 85
Prozent erhöhen zu können.
Darüber hinaus stellen Joint Ventures eine wichtige
Veränderung in der sowjetischen Ideologie dar, weil
damit verdeutlicht wird, daß ausländisches Kapital,
ausländisches Eigentum und ausländische Gewinne
eine Rolle in der wirtschaftlichen Entwicklung eines
sozialistischen Landes spielen können.
Umfangreiche Verschuldung
Solomon Brothers, eine Brokerfirma an der Wall Street,
weist darauf hin, daß in den sechziger Jahren - größtenteils einer Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs die Verschuldung in den Vereinigten Staaten jährlich
um 7,25 Prozent zunahm. Gegenwärtig beträgt ihr
Anstieg 12 Prozent. Die Verschuldung der Unternehmen belief sich 1985 auf 12,4 Prozent gegenüber
durchschnittlich 9,4 Prozent in den sechziger Jahren.
Die Schulden der Privathaushalte betrugen 1986 11,8
Prozent, verglichen mit durchschnittlich 8,6 Prozent in
den sechziger Jahren. Die Staatsverschuldung hat bei
einer Wachstumsrate von 2 Prozent in den sechziger
Jahren über 9 Prozent in den siebziger Jahren auf 16
Prozent in den achtziger Jahren zugenommen.
Umstrukturierung von Unternehmen
Angesichts der rasanten Veränderungen in der verarbeitenden Industrie ist jedes Großunternehmen in
Amerika gezwungen, seinen Geschäftsbereich neu zu
definieren.
Deshalb haben nahezu 30 Prozent der 900 führenden
amerikanischen Unternehmen seit Anfang 1984 eine
"betriebliche Umstrukturierung" vorgenommen - durch
Übernahme, Verkauf oder Konsolidierung von Unternehmen. So ist etwa General Motors nicht nur Hersteller von Automobilen. GM ist heute der größte Hypothekenanbieter des Landes. Darüber hinaus ist das
Unternehmen in den Bereichen Rüstung und Datenverarbeitung tätig, es bietet Finanzdienstleistungen

Seite 3

�an, arbeitet in den Bereichen Robotik und künstliche
Intelligenz und ist gegenwärtig im Begriff, seine Aktivitäten auf das Gesundheitswesen auszudehnen und
eine Broker-Firma zu erwerben.
Da die Entwicklungskurven der Produkte ständig schrumpfen (sie sind heute nur noch halb so lang wie vor zehn
Jahren), streben die Unternehmen nach mehr Flexibilität. Unternehmen, die stets danach trachteten, so viel
wie möglich selbst herzustellen - von der Rohstoff gewinnung bis zur Wartung der von ihnen hergestellten
Produkte beim Endverbraucher -, wenden sich heute
an andere Firmen, um Teile und Produkte zu erwerben.
Einer der wichtigsten Gründe für diese Veränderungen
in der Industrie besteht darin, daß die Technik solch
rasanten Veränderungen unterworfen ist, daß die
Unternehmen nicht unbedingt Kapazitäten mit der
Herstellung eines bestimmten Produkts binden möchten. Joint Ventures und andere Kooperationsformen
bieten in einem sich rasch verändernden Umfeld weit
größere Flexibilität.
Umgang mit der Automatisierung
Die Führungskräfte der neunziger Jahre werden ihre
Unternehmensentscheidungen in einem industriellen
Umfeld treffen, in dem Roboter agieren könnten, die
ebenso große oder sogar noch mehr Intelligenz besitzen als Menschen, deren Bewußtsein im Hinblick auf
ihre eigene Existenz dem menschlichen ähnelt und die
in gewisser Hinsicht vernunftbegabt sind. Einige
Experten gehen davon aus, daß wir noch vor der
Jahrhundertwende Mikroprozessoren besitzen werden, deren Schaltkreise kleiner als Mikroben sein
werden, jeder Chip aber ebensoviele Informationen
enthalten wird wie eine Straßenkarte der gesamten
Vereinigten Staaten. Damit könnte jeder Gymnasiast
per Knopfdruck sämtliches Wissen von seinem Schreibtischcomputer abrufen.
Berufliche Weiterbildung
Jahr für Jahr geben amerikanische Unternehmen über
30 Milliarden Dollar für die Weiterbildung ihrer Beschäftigten in schulähnlichen Organisationsformen aus.
Die Industrie bietet über 3 000 verschiedene Lehrgänge an. Allein IBM wendet jährlich 900 Millionen Dollar
für Fortbildungszwecke auf.
Führungsstil
Die Tatsache, daß sich der Schwerpunkt der amerikanischen Wirtschaftstätigkeit von der Schwerindustrie
in den Dienstleistungsbereich und zur Hochtechnologie verschoben hat, erfordert einen neuen Typus von

Führungskräften. Der "Organisator" wird von einem
Managertyp verdrängt, der an persönliche Verdienste
glaubt, risikobereit ist, das mittlere Management verkleinert, stark an Persönlichkeit und Intuition glaubt
und persönliche Phantasie entwickelt.
Die neuen Manager sind am Erfolg ihres Unternehmens beteiligt und bieten ihren Beschäftigten erhebliche Beteiligungen am Aktienkapital an. Ihr Stil ist eher
am Menschen orientiert - insbesondere in den am
stärksten automatisierten Unternehmen. Im Informationszeitalter sind Menschen wertvoller als Kapital.
Die neuen Führungskräfte sind völlig international, und
ihr Markt ist die Welt.
Einige Schlußfolgerungen für die Zukunft
Welche Schlüsse sind aus der weltweiten Dimension
des stattfindenden wirtschaftlichen Wandels für die
Zukunft zu ziehen? Welcher Kern schält sich als
Grundlage der zukünftigen wirtschaftlichen Entwicklung heraus?
Erstens muß sich die Entwicklung auf sämtliche Bereiche menschlichen Seins beziehen - Wirtschaft, Umwelt, Soziales, Kultur und geistige Entwicklung. All
diese Elemente müssen zusammenwirken, sonst ist
der Fortschritt eine Illusion.
Zweitens scheinen Länder in allen Erdteilen aufs neue
die grundsätzliche wirtschaftliche Tatsache zu lernen,
daß Wohlstand durch die Bemühungen des einzelnen
entsteht, nicht durch staatliche Verfügungen. Die
Funktion des Staates besteht in der Entwicklung eines
politischen Umfelds, das die Privatinitiative fördert und
gleichzeitig die unvermeidlich entstehenden Nachteile
abmildert.

Drittens wird der Blickwinkel der wirtschaftlichen und
politischen Analyse von der nationalen auf die weltwirtschaftliche Ebene erweitert werden müssen. Diese
Entwicklung hat wahrscheinlich bereits begonnen.
Schließlich ist jede Wirtschaftstheorie im Grunde eine
Wiederspiegelung der Haltungen und Werte der Kul-.
tur, in die sie eingebettet ist. Sie ist Ausdruck des
kollektiven Willens eines Volkes, das in der Natur
schlummernde Potential nutzbar zu machen. Damit
besteht die wirtschaftliche Realität letztlich in der Sichtweise eines Volkes in bezug auf die tiefere Bedeutung
und Möglichkeiten seiner Existenz. Mit der fortschreitenden Globalisierung wirtschaftlicher Tätigkeit im 21.
Jahrhundert tritt deshalb eine Vision von unserer Zukunft
auf diesem Planeten als Gemeinschaft von Menschen
mit einem gemeinsamen Schicksal notwendigerweise
in den Vordergrund.

rt rt

Seite 4

AMERIKA DIENST 1

�US-ENTWICKLUNGSHILFE
9. Januar 1990

US-Entwicklungshilfe fördert Wachstum armer Länder
Übersicht über den Entwicklungshilfeetat für das Haushaltsjahr 1991

WASHINGTON - (AD) - Das von Präsident Bush am 5.
November 1990 unterzeichnete Entwicklungshilfegesetz bewilligt bilaterale und multilaterale Programme
im Umfang von 15,3 Milliarden Dollar für wirtschaftliche und militärische Hilfe im Haushaltsjahr, das am 30.
September 1991 endet.
Das Ausgabengesetz sieht 3,6 Milliarden Dollar für
bilaterale Entwicklungshilfe, 1,9 Milliarden Dollar für
multilaterale Wirtschaftshilfe, 3,1 Milliarden Dollar für
Wirtschaftshilfefonds und 5,3 Milliarden Dollar für bilaterale Militärhilfe sowie kleinere Beträge für diesbezügliche Ausgaben und angeschlossene Programme
vor.
Das Entwicklungshilfegesetz entspricht mit einem
Mehraufwand für Aufbauhilfe und verringerter Militärhilfe den Erfordernissen der Zeit nach dem kalten
Krieg. Verglichen mit dem Haushaltsjahr 1990 weist
das Gesetz bei der bilateralen Entwicklungshilfe einen
Anstieg von 340 Millionen Dollar auf, während die
Militärhilfe um 252 Millionen Dollar zurückging. Die
Aufwendungen für den Wirtschaftshilfefonds stiegen
um 403 Millionen Dollar für diejenigen Länder, an
denen die Vereinigten Staaten ein besonderes sicherheitspolitisches Interesse haben.
Im Hinblick auf die Veränderungen in der Zeit nach
dem kalten Krieg wird Osteuropa etwa 370 Millionen
Dollar Wirtschaftshilfe erhalten, die vom Amt für Internationale Entwicklung (Agency for International Development-A. I.D.) in Form von Programmen für technische Hilfe und Ausbildung, Wohnungsbau, Energie
und Umwelt sowie Programmen zur Förderung des
demokratischen Pluralismus vergeben werden.
Die Ausgaben im Rahmen des Entwicklungshilfegesetzes gliedern sich wie folgt:

AMERIKA DIENST 1

Bilaterale Entwicklungshilfe
(in Millionen Dollar)

Entwicklungsfonds für Afrika

800,0

Auswanderungs- und Flüchtlingshilfe

485,6

Landwirtschaft, ländliche Entwicklung
und Ernährung

481,6

Bevölkerung

250,0

Peace Corps

186,0

Umwelt- und Energieprogramme
für den Privatsektor

152,2

Internationale Drogenbekämpfung

150,0

Gesundheit

135,0

Aus- und Fortbildung

134,2

Kinderhilfsfonds

100,0

Andere

755,4

Insgesamt

3 630,0

Multilaterale Wirtschaftshilfe
(in Millionen Dollar)
Internationale Entwicklungsorganisation
Internationale Organisationen
und Programme
Asiatischer Entwicklungsfonds

1 064,2
254,7
126,9

Seite 1

�Weltbank

110,6

Afrikanischer Entwicklungsfonds

105,5

Interamerikanische Entwicklungsbank

78,3

Europäische Entwicklungsbank

70,0

Internationale Finanz-Corporation

40,3

Internationaler Fonds für
landwirtschaftliche Entwicklung

30,3

Andere

43,5

Insgesamt

1 924,0

Wirtschaftshflfefonds
(in Millionen Dollar)
Israel

1 200,0

Ägypten

815,0

Projektgebundene Kredite

300,0

Hilfe zur Drogenbekämpfung (Andenregion) 62,5
Jordanien

35,0

Marokko

20,0

Zypern

15,0

Westjordanland und Gazastreifen

12,0

Andere
Insgesamt

681,5
3 141,0

Militärhilfe
(in Millionen Dollar)
Rüstungsgeschäfte auf Kreditbasis
Militärische Ausbildungshilfe
Andere
Insgesamt

4 663,4
47,2
664,9
5 375,5

Bilaterale Entwicklungshilfe
Afrika südlich der Sahara: Über das AID und ähnliche
Behörden werden den Ländern südlich der Sahara 800
Millionen Dollar an Entwicklungshilfe zur Verfügung
gestellt. Davon sind mindestens 50 Millionen Dollar
zur Unterstützung von Maßnahmen der Konferenz für
die Koordinierung der Entwicklung im südlichen Afrika
und bis zu 3,5 Millionen für den Aufbau von privaten
Kleinunternehmen durch benachteiligte Südafrikaner
vorgesehen.
Auswanderungs- und Flüchtlingshilfe: Aus dem Auslandshilfebudget werden 485,6 Millionen Dollar für das
Internationale Komitee vom Roten Kreuz, das ZwiSeite 2

schenstaatliche Komitee für Auswanderung sowie den
Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen
bereitgestellt, darunter mindestens 45 Millionen für
sowjetische, osteuropäische und andere Flüchtlinge,
die sich in Israel niederlassen wollen. Weitere 8
Millionen Dollar sollen an Flüchtlinge im thailändischkambodschanischen Grenzgebiet und 500 000 Dollar
an tibetische Flüchtlinge gehen. 35 Millionen Dollar
sind für Notmaßnahmen, etwa die Hilfe an Flüchtlinge
aus der Golfregion, vorgesehen.
Landwirtschaft, ländliche Entwicklung und Ernährung:
481,6 Millionen Dollar werden für vom AID und anderen Behörden durchgeführte Gesundheits-, Ernährungs- und ländliche Entwicklungsprogramme in der
dritten Welt bereitgestellt. Dazu gehören mindestens
10 Millionen Dollar für ein Programm zur Bekämpfung
des Vitamin A-Mangels.
Bevölkerung: 250 Millionen Dollar sind für Familienplanung und Maßnahmen zu deren Unterstützung
vorgesehen. Das Gesetz beinhaltet jedoch einen
Passus, demzufolge keinerlei Mittel für Kliniken bereitgestellt werden dürfen, die Zwangsabtreibungen oder
unfreiwillige Sterilisationen durchführen. Weitere 100
Millionen Dollar werden an den Kinderhilfsfonds vergeben.
Gesundheit: 52 Millionen Dollar werden für die Erforschung von AIDS in Entwicklungsländern bereitgestellt, darunter 23 Millionen Dollar für das weltweite
AIDS-Programm der Weltgesundheitsorganisation
(WHO). Weitere 3 Millionen Dollar sollen das Überleben von Kindern und die Familienplanung in Rumänien
unterstützen.
Aus- und Fortbildung: Für Projekte in diesen Bereichen werden 134,2 Millionen Dollar bereitgestellt,
einschließlich von 67,1 Millionen Dollar für Bildungsprojekte an Grund- und weiterführenden Schulen. Ein
Teil dieser 67,1 Millionen Dollar wird dem für Afrika
südlich der Sahara vorgesehenen Entwicklungshilfefonds entnommen. Weitere20 Millionen Dollar werden
Studentenaustauschprogrammen zufließen. Davon
sind 3 Millionen Dollar für Studenten aus Polen, der
Tschechoslowakei und Ungarn vorgesehen.
Umwelt und Energie: 152,2 Millionen Dollar sind für
diesen Bereich veranschlagt, wobei 80 Millionen Dollar
für spezifische Umwelt- und Energiemaßnahmen
vorgesehen sind. Von dieser Summe sind 30 Millionen
Dollar für die "Erderwärmungsinitiative" und 10 Millionen Dollarfür das Montrealer Protokoll überozonschädigende Substanzen eingeplant. Darüber hinaus werden
15 Millionen Dollar für Maßnahmen zur Erhaltung der
Artenvielfalt eingesetzt.
Internationale Drogenbekämpfung: Von den 150 Millionen Dollar, die für diesen Zweck bereitgestellt werden, dürfen laut Gesetz bis zur Vorlage eines Berichts
des Außenministers, in dem die zur Behebung von

AMERIKA DIENST 1

�Mißständen auf Managementebene im Internationalen Amt für Drogenfragen ergriffenen Maßnahmen
erläutert werden, höchstens 117,8 Millionen ausgegeben werden.
Kleinunternehmen: 75 Millionen Dollar sind für Projekte zur Entwicklung von Kleinunternehmen vorgesehen. Ein Teil dieser Mittel stammt aus dem Wirtschaftshilfefonds.
Multilaterale Wirtschaftshilfe
Das Gesetz bewilligt 1,064.2 Milliarden Dollar als
amerikanischen Beitrag zur Internationalen Entwicklungsorganisation, 110,6 Millionen Dollar für die Weltbank sowie 40,3 Millionen Dollar für die Internationale
Finanz-Korporation.
Weitere 126,9 Millionen Dollar wurden für den Asiatischen Entwicklungsfonds, 105,5 Millionen Dollar für
den Afrikanischen Entwicklungsfonds, 78,3 Millionen
Dollar für die Interamerikanische Entwicklungsbank
und 70 Millionen Dollar für die Europäische Bank für
Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) bewilligt.
Für internationale Organisationen und Programme
wurden als amerikanischer Anteil der Etataufstockungen zusätzlich 254,7 Millionen Dollar bereitgestellt.
Von der Gesamtsumme gehen 109 Millionen Dollar an
das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen,
75 Milionen Dollar an das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, 23,6 Millionen Dollar an die Internationale Atomenergie-Organisation, 15,8 Millionen Dollar an
das Umweltprogramm der Vereinten Nationen und 6,5
Millionen Dollar an den Afghanistan-Trustfonds der
Vereinten Nationen.
Wirtschaftshilfefonds (ESF)
Mit dem Gesetz wird die derzeitige Obergrenze des
Wirtschaftshilfefonds für gebundene Kredite von 5
Millionen auf 300 Millionen Dollar erhöht. Darüber
hinaus wird verfügt, daß maximal diese Summe des
ESF zur Finanzierung gebundener Unterstützungskredite bereitgestellt werden darf, vorbehaltlich der
Entscheidung des Präsidenten, daß dies im nationalen
Interesse liegt.

Unterstützung bei der Strafverfolgung an Kolumbien,
Bolivien, Ecuador und Peru bei der Verwirklichung der
Drogenbekämpfungsprogramme zugewiesen werden.
Das Gesetz verfügt, daß Zaire keine Mittel aus dem
ESF bewilligt werden, da dieses Land keine Fortschritte auf dem Weg zur Demokratie erzielt.
Von El Salvador werden die für die Sondermittlungseinheit bestimmten 1,5 Millionen Dollar zur Untersuchung der Ermordung amerikanischer Staatsbürger
einbehalten, bis vom amerikanischen Außenminister
ein Bericht vorgelegt wird, der gewährleistet, daß die
Einheit ziviler und nicht militärischer Kontrolle untersteht.
Initiativen zur besonderen Unterstützung
Das Gesetz bewilligt 160 Millionen Dollar für die philippinische multilaterale Unterstützungsinitiative, von denen
60 Millionen Dollar zu gleichen Teilen durch Entwicklungshilfe und den Wirtschaftshilfefonds bereitgestellt
werden. Weitere 40 Millionen Dollar können unter
bestimmten Bedingungen an die Philippinen überwiesen werden.
Insgesamt 369,7 Millionen Dollar werden Osteuropa
als wirtschaftliche Sonderhilfe zur Verfügung gestellt.
113,7 Millionen Dollar sind für technische Hilfe und
Ausbildung, 15 Millionen für Wohnungsbau, 75 Millionen für Umweltschutzmaßnahmen und Energiewirtschaft sowie 19 Millionen für Aktivitäten zur Förderung
des demokratischen Pluralismus vorgesehen. Weitere 90 Millionen Dollar werden für den polnischamerikanischen und den ungarisch-amerikanischen
Unternehmensfonds und 27 Millionen Dollar für andere privatwirtschaftliche Aktivitäten in Osteuropa bewilligt. Darüber hinaus wird zur Unterstützung der Agrarhilfeprogramme ein Agrarkonto in Höhe von 40 Millionen Dollar für Osteuropa eingerichtet.
Andere Bestimmungen des Gesetzes
Hilfsleistungen aus dem Militär- und Wirtschaftshilfefonds für Pakistan in Höhe von 600 Millionen Dollar,
wurden aufgrund des von diesem Land verfolgten
Kernwaffenprogramms unterbunden.

Bis zu 62,5 Millionen Dollar des ESF können für
Wirtschaftshilfe, Rechtsprechung, militärische Hilfe und

*

AMERIKA DIENST 1

* * *

*

Seite 3

�</text>
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                <text>Amerikadienst 09.01.1991</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Golfkrise&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ein Angriff auf die Entspannung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Warum Saddam Hussein seine Beute nicht behalten darf&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Golfkrise &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Chronologie der Ereignisse vom 16. bis 31. Dezember 1990&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Internationale Reaktionen auf die irakische Invasion Kuwaits&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Übersicht über wirtschaftliche und politische Maßnahmen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Wirtschaft im 21. Jahrhundert&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von William Van Dusen Wishard&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. US-Entwicklungshilfe&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Entwicklungshilfe fördert Wachstum armer Länder&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Übersicht über den Entwicklungshilfeetat für das Haushaltsjahr 1991&lt;/em&gt;</text>
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dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Yh.Z.

16. Januar 1991

GOLFKRISE

BAKER: KEINERLEI FLEXIBILITÄT
DES IRAK ERKENNBAR
Pressekonferenz des US-Außenministers in Genf
DIE KRISE AM GOLF
Amerikanische Pressestimmen
DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse vom
1. bis 15. Januar 1991

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 0300
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392366
Telex: 8-85432

�GOLFKRISE
16. Januar 1991

BAKER: KEINERLEI FLEXIBILITÄT DES IRAK
ERKENNBAR
Pressekonferenz des US-Außenministers in Genf
GENF - (AD) - Nach über sechsstündigen Gesprächen mit dem irakischen Außenminister Asis in Genf stellte USAußenminister Baker am 9. Januar 1991 bei einer Pressekonferenz fest, er habe "nichts vernommen, was mir
gegenüber irgendeine Flexibilität des Irak im Hinblick auf die Einhaltung der Resolutionen des UN-Sicherheitsrats
angedeutet hätte".
Baker zufolge bestand der Zweck des Genfer Treffens nicht darin, mit dem Irak zu verhandeln, sondern zu
kommunizieren. "Es hat zu viele irakische Fehleinschätzungen gegeben", erklärte der Außenminister undführte
die Fehleinschätzungen der internationalen Reaktion auf die Invasion Kuwaits, der Reaktion auf die "barbarische
Politik des Festhaltens Tausender von Ausländern als Geiseln" sowie die Annahme an, der Irak könne die
internationale Staatengemeinschaft spalten.
"Lassen Sie uns hoffen, daß der Irak nicht erneut einer Fehleinschätzung unterliegt," stellte Baker fest. "Die
irakische Führung darf nicht daran zweifeln, daß die 28 Nationen, die zur Unterstützung der Vereinten Nationen
Streitkräfte zum Golf entsandt haben, sowohl die Macht als auch den Willen besitzen, den Irak aus Kuwait zu
vertreiben."
Nachfolgend veröffentlichen wir Bakers Genfer Pressekonferenz im Wortlaut.

Baker: Meine Damen und Herren. Ich habe soeben
Präsident Bush umfassend über unser heutiges Treffen unterrichtet. Ich habe ihm mitgeteilt, daß Minister
Asis und ich ein ernsthaftes und ausführliches diplomatisches Gespräch abgeschlossen haben, um eine
politische Lösung für die Krise am Golf zu finden.
Ich habe mich heute mit Minister Asis nicht getroffen,
um zu verhandeln, wie wir dies klargemacht hatten das heißt, wir würden nicht von den Resolutionen des
UN-Sicherheitsrats abrücken -, sondern ich habe mich
heute mit ihm getroffen, um zu kommunizieren. Und
kommunizieren heißt, sowohl zuhören als auch selbst
Stellung zu nehmen, und genau dies haben wir beide
getan.
Die Botschaft, die ich von Präsident Bush und unseren
Koalitionspartnern übermittelte, lautete, daß sich der
Irak entweder dem Willen der internationalen Staatengemeinschaft fügen und sich friedlich aus Kuwait zurückziehen muß, oder daß er mit Gewalt von dort

AMERIKA DIENST 2

vertrieben wird. Bedauerlicherweise habe ich heute in
über sechs Stunden nichts vernommen, was mir gegenüber irgendeine Flexibilität des Irak im Hinblick auf
die Einhaltung der Resolutionen des UN-Sicherheitsrats angedeutet hätte.
Es hat zu viele irakische Fehleinschätzungen gegeben. Die irakische Regierung hat die internationale
Reaktion auf die Invasion Kuwaits falsch eingeschätzt,
indem sie erwartete, die internationale Staatengemeinschaft werde die Hände in den Schoß legen,
während die irakischen Truppen systematisch einen
friedlichen Nachbarstaat ausplünderten.
Sie hat meines Erachtens die Reaktion auf die barbarische Politik des Festhaltens Tausender von Ausländern als Geiseln falsch eingeschätzt, indem sie annahm, daß deren zynische Freilassung in kleinen
Gruppen ihr irgendeinen politischen Vorteil bringen
könnte. Und sie unterlag der Fehleinschätzung, sie
könne die internationale Staatengemeinschaft spalten

Seite 1

�und dadurch irgendeinen Vorteil aus ihrer Aggression
ziehen. Lassen Sie uns hoffen, daß der Irak nicht
erneut einer Fehleinschätzung unterliegt.

hen, daß der Generalsekretät der Vereinten Nationen
in den uns noch verbleibenden etwa sechs Tagen
seine guten Dienste zur Verfügung stellt.

Die irakische Führung darf nicht daran zweifeln, daß
die 28 Nationen, die zur Unterstützung der Vereinten
Nationen Streitkräfte zum Golf entsandt haben, sowohl die Macht als auch den Willen besitzen, den Irak
aus Kuwait zu vertreiben. Wenn er sich dafür entscheiden sollte - und die Entscheidung liegt beim Irak - seine
brutale Besetzung Kuwaits fortzusetzen, wird sich der
Irak für eine militärische Konfrontation entscheiden,
die er nicht gewinnen kann und die für den Irak
verheerende Folgen haben wird.

Ich habe bereits erwähnt, daß ich nichts vernommen
habe, was mir gegenüber Flexibilität demonstriert hätte
und auch keine neuen Vorschläge gehört habe. Ich
nehme jedoch die Tatsache zur Kenntnis, daß der
Minister den Vorschlag wiederholt hat, die Vereinigten
Staaten sollten ihm ein Datum für einen Besuch in den
Vereinigten Staaten nennen und der Irak ein Datum für
einen Besuch von mir in Bagdad vorschlagen.

Ich habe Minister Asis gegenüber diese Punkte dargelegt nicht um zu drohen, sondern um zu informieren.
Ich tat dies nicht mit einem Gefühl der Befriedigung,
denn wir sind voll und ganz um eine friedliche Lösung
bestrebt, und - wie der Präsident und ich oftmals erklärt
haben - das Volk der Vereinigten Staaten liegt nicht mit
dem Volk des Irak im Streit.
Ich wollte lediglich so wenig Spielraum wie möglich für
eine weitere tragische Fehleinschätzung seitens der
irakischen Führung zulassen. Und ich möchte Ihnen
gegenüber betonen, daß diese Konfrontation immer
noch vom Irak vermieden werden kann.
Der Weg des Friedens bleibt offen, und dieser Weg ist
in den 12 vom UN-Sicherheitsrat in den vergangenen
fünf Monaten verabschiedeten Resolutionen sehr klar
definiert.
Nun jedoch obliegt die Entscheidung der irakischen
Führung. Sie hat die Wahl, und wir alle hoffen, daß
diese Führung die Weisheit besitzt, den Weg des
Friedens zu wählen.
Frage: Was planen Ihre Verbündeten als nächstes,
um diese Botschaft zu verdeutlichen?
Antwort: Sie fragen "Was planen die Verbündeten als
nächstes", und ich meine, es ist wichtig, daß jeder
feststellt, daß dies eine Koalition ist. Es handelt sich
nicht um den Irak gegen die Vereinigten Staaten. Der
Irak steht gegen die internationale Staatengemeinschaft. Dies war das erste Mal, daß wir Übereinstimmung zwischen den Vereinigten Staaten und dem Irak
in bezug auf ein Treffen hatten.
Ich weiß also nicht, wie die nächsten Schritte aussehenwerden. Ich weiß jedoch folgendes: die Zeit läuft.
Nach fünf Monaten und zwölf Resolutionen des UNSicherheitsrats erscheint es mir als nahezu offensichtlich, daß die Zeit für Gespräche abläuft. Für den Irak
ist es Zeit zu handeln, und zwar schnell zu handeln und
aus Kuwait abzuziehen.
Aber dies ist eine Koalition, und wir streben nach
Durchführung der feierlichen Resolutionen der Vereinten Nationen. Deshalb könnte ein Weg darin beste-

Seite 2

Diejenigen unter Ihnen, die mit uns gereist sind, kennen unsere Antwort darauf. Wir haben sie in den
vergangenen vier oder fünf Tagen gegeben, und ich
habe sie dem Minister gegenüber wiederholt. Wir
haben 15 verschiedene Tage für einen Besuch in
Bagdad angeboten. Der Präsident der Vereinigten
Staaten hat den Vorschlag persönlicher Gespräche
gemacht. Wir freuen uns, daß der Irak diesen angenommen hat, weil wir sechs Stunden hatten, in denen
wir ihnen unsere Position erläutern und sie uns mit
ihrer Position vertraut machen konnten.
Was jedoch die nächsten Schritte angeht, daß es
angesichts der Tatsache, daß wir hier von einer Koalition und der Verwirklichung der UNO-Resolutionen
sprechen - ich kenne die Position des Irak zu dieser
Frage nicht - vielleicht unsererseits die Möglichkeit
gibt, die guten Dienste des Generalsekretärs der
Vereinten Nationen in Anspruch zu nehmen.
Frage: Herr Minister, hat der irakische Außenminister
seine Forderungen nach - wie er es bezeichnet "Gerechtigkeit und Fairneß" für die Palästinenser
wiederholt? Gab es irgendwelche Abweichungen in
der amerikanischen Position, die Sie ihm gegenüber
zum Ausdruck gebracht haben, derzufolge die beiden
Fragen nicht miteinander verbunden sind?
Antwort: Nein. Er hat seine Position dargelegt. Es
gab keinerlei Veränderung in unserer Position, die
darin besteht, daß beide Fragen nicht miteinander
verknüpft sind. Ich habe jedoch betont, daß meines
Erachtens kaum jemand daran glaubt, der Irak sei in
Kuwait eingefallen, um den Palästinensern zu helfen
und daß sie, falls dies so sein sollte, einer weiteren
Fehleinschätzung unterlegen seien, weil es den Palästinensern nicht geholfen hat.
Meines Erachtens gehen die meisten Menschen davon aus, daß der Irak Kuwait zum Zweck der Vergrößerung des Irak überfallen hat, und die meisten Menschen sind sich darüber im klaren, daß der Irak versucht, die Palästinafrage zu benutzen, um seine
Aggression gegen Kuwait zu bemänteln. Diese bleibt
meines Erachtens zumindest ein Hindernis auf dem
Weg zu einem umfassenden Frieden in der Region und
ist kein Katalysator für die Erlangung eines solchen
umfassenden Friedens.

AMERIKA DIENST 2

�Ich habe darüber hinaus verdeutlicht, daß eine Belohnung des Irak mit einem Junktim zum arabisch-israelischen Friedensprozeß in diesem ausschlaggebenden Moment der Geschichte nicht nur den ehrlichen
Friedensstiftern in der Region, sondern auch anderen
potentiellen Aggressoren ein schreckliches Signal
senden würde.

*
„

Frage: Herr Minister, sind die Vereinigten Staaten
bereit, vor dem 15. Januar erneut mit dem Irak zu
sprechen und haben Sie mit dem Präsidenten über die
Möglichkeit gesprochen, daß Sie doch noch nach
Bagdad reisen könnten.
Antwort: Ich hatte dies bereits mit Präsident Bush
erörtert, und ich hatte Ihnen bereits erklärt, was ich
davon hielt. Der Präsident selbst hat - wenn ich mich
recht erinnere - gesagt: "Es wird keine Reise nach
Bagdad geben." Der von ihm ursprünglich gemachte
Vorschlag wurde letztlich vom Irak zurückgewiesen.
Wir haben 15 verschiedene Termine angeboten. Sie
bestanden stets auf einem einzigen Datum - dem 12.
Januar, was von uns damals und auch heute als
Versuch interpretiert wurde und wird, die am 15. Januar ablaufende Frist zu umgehen, und daran haben
wir kein Interesse.
Unseres Erachtens ist diese Frist eine Realität, und
unsere Koalitionspartner denken ebenso.
Frage: Haben Sie darüber heute mit dem Präsidenten
gesprochen?
Antwort: Ich habe den Präsidenten selbstverständlich vollständig unterrichtet.
Frage: Könnten Sie uns, da Sie sechs Stunden
miteinander gesprochen haben, einen Einblick in den
Ablauf der Gespräche geben? Womit haben Sie
begonnen? Womit hat er gekontert? Warum erachteten Sie es nach zwei Stunden als notwendig, mit dem
Präsidenten zu telefonieren?
Antwort: Nun, wir haben eine Mittagspause eingelegt. Und dieses Treffen ist meines Erachtens wichtig
genug, um den Präsidenten anzurufen, und das tat ich
auch, genau wie nach Abschluß des Treffens.

s

Frage: Haben Sie zu Beginn den Brief vorgelesen...
Antwort: Ich habe mit der Erklärung begonnen, daß
ich nicht zu Verhandlungen sondern zur Kommunikation hier bin, daß ich zu einem ernsthaften Dialog und
im Versuch hier bin, eine politische und friedliche
Lösung zu finden, daß sie aber nicht erwarten sollten,
wir würden von den Resolutionen des UN-Sicherheitsrats abrücken und daß die Bedingungen dieser Resolutionen bereits feststünden.
Ich habe dem Minister ferner mitgeteilt, ich würde mich
beim Ablauf dieses Treffens ganz auf seine Wünsche
einstellen. Ich überließ ihm die Wahl, und er entschied
sich dafür, mich den Anfang machen zu lassen. Ebenso
AMERIKA DIENST 2

ließ ich ihn darüber entscheiden, wer Sie als erster
unterrichten sollte, und er entschied, mich als ersten
hier auftreten zu lassen.
So sind wir dorthin gekommen, wo wir heute stehen.
Aber ich möchte darauf hinweisen, daß ich ihm dargelegt habe, wie wir die Situation sehen, wie sich unserer
Ansicht nach die Resolutionen des Sicherheitsrats
entwickelt haben, was meiner Meinung nach bei Befolgung dieser Resolutionen geschehen könnte und was
ich für den Fall der Nichteinhaltung dieser Resolutionen durch den Irak befürchte.
Daraufhin hat er mir die Position des Irak dargelegt. Er
wird in einigen Minuten hier sein - hier können wir
natürlich nicht die gesamten sechs Stunden durchgehen, weil niemand sonst Gelegenheit hätte, Fragen zu
stellen.
Frage: Dazu noch eine Frage: Wie detailliert haben
Sie über den Umfang der Truppen gesprochen, die
gegen den Irak eingesetzt würden, wenn er die UNOResolutionen nicht bis zum 15. Januar durchführt?
Antwort: Ich habe nicht eingehend Dinge erörtert, die
in den Bereich konkreter sicherheitspolitischer Maßnahmen fallen. Ich hoffe, zumindest meinen Standpunkt zur 28 Nationen umfassenden multinationalen
Streitmacht deutlich dargelegt zu haben, die gegenwärtig im Golf stationiert ist.
Frage: Herr Außenminister, sind die Vereinigten Staaten
an einem gegebenenfalls unter Aufsicht der Vereinten
Nationen erfolgenden stufenweisen Abzug interessiert? Wenn ein solcher Abzug am 15. Januar beginnen würde, würden die Vereinigten Staaten dann
garantieren, daß kein militärischer Angriff auf den Irak
erfolgt?
Antwort: Ich habe dem Minister folgendes zugesichert: wenn sie die UNO-Resolutionen durchführen,
aus Kuwait abziehen und die Wiedereinsetzung der
rechtmäßigen Regierung Kuwaits zulassen, könnte
ich ihm zusichern, daß die Vereinigten Staaten keinen
militärischen Schlag führen. Unter diesen Umständen
würde auch kein anderes Mitglied der internationalen
Koalition militärisch eingreifen.
Um noch einmal auf die erste Frage zurückzukommen,
so sprechen die UNO-Resolutionen für sich. Wir sind
Mitglied einer internationalen Koalition, ein Land von
insgesamt 28. Darüber hinaus haben andere Länder
finanzielle und wirtschaftliche Unterstützung geleistet.
Und es geht nicht an, daß wir von den hehren Resolutionen der Vereinten Nationen abrücken.
Frage: Herr Außenminister, Sie haben zu einem
früheren Zeitpunkt erklärt, zum Einsatz von Gewalt die
Zustimmung auf höchster Ebene einholen zu wollen.
Befinden Sie sich in dem Prozeß jetzt an einem Punkt,
an dem Sie den Einsatz von Gewalt von anderen
Regierungen fordern?

Seite 3

�Antwort: Nein. Aber die Zeit läuft, und das habe ich
dem Minister heute deutlich zu verstehen gegeben.
Was uns betrifft, so hat der Präsident der Vereinigten
Staaten, der in unserer Exekutive diese Entscheidung
allein treffen kann, diese nicht getroffen. Und meines
Wissens haben andere Regierungen das auch nicht
getan.
Frage: Herr Außenminister, würden Sie in den verbleibenden sechs Tagen bis zum UNO-Ultimatum eine
Initiative der europäischen Verbündeten oder arabischer Staaten wie etwa Algerien begrüßen, im Rahmen derer möglicherweise ein europäischer Außenminister nach Bagdad entsandt würde, um sich um eine
friedliche Lösung zu bemühen?
Antwort: Dies ist eine internationale Koalition - das
kann ich nicht oft genug wiederholen - und ich habe
Ihnen bereits erklärt, daß diese internationale Koalition
die feierlichen Resolutionen der Institution zu verwirklichen sucht, die sich der Friedenssicherung und Sicherheit in der Welt verschrieben hat. Und meines
Erachtens könnten zum Beispiel die guten Dienste des
Generalsekretärs vjllejcht nützlich sein.
Aber ich habe gestern abend und auch schon Monate
vorher erklärt, daß wir jedwede diplomatischen Bestrebungen begrüßen, um diese Krise auf friedlichem
und politischem Wege zu lösen. Wir wollen, daß sie
friedlich und politisch gelöst wird. Ich bin natürlich
enttäuscht, daß wir heute keinerlei Hinweise auf eine
flexible Haltung des Irak erhalten haben.
Wir begrüßen also jedwede diplomatische Bestrebung. Wenn es Bemühungen von Mitgliedern der
internationalen Koalition gibt, daß eine einheitliche
Botschaft übermittelt werden soll, wie das fünf Monate
lang der Fall war, sollte es keine uneinheitliche Botschaft werden. Aber wir wollen eine friedliche und
politische Lösung.
Frage: Herr Außenminister, sie haben wiederholt
erklärt, keine Hinweise auf Flexibilität wahrgenommen
zu haben. Hat der irakische Außenminister Ihnen
tatsächlich gesagt, daß der Irak Kuwait behalten und
sich nicht aus dem Land zurückziehen will?
Antwort: Das hat er so nicht gesagt, aber er hat nicht
angedeutet, daß irgendeine Chance für den Abzug
bestünde. Ich sehe, offen gesagt, keine Flexibilität in
ihrer Haltung. Sie können ihn ja fragen, wenn er
hierherkommt.
Frage: Herr Außenminister, haben Sie in Beantwortung der von Außenminister Asis aufgeworfenen Probleme des Nahen Ostens die Bestrebungen erörtert,
die die Vereinigten Staaten in der Vergangenheit unternommen haben, um Frieden zwischen Arabern und
Israelis zu schließen?
Antwort: Ja.

Seite 4

Frage: Konnten Sie den Irak überzeugen, daß die
Vereinigten Staaten es ernst meinen und ernsthaft an
der Lösung dieser Probleme interessiert sind?
Antwort: Ja. Wir haben einen großen Teil der
Geschichte der persönlichen Bemühungen erörtert,
die ich seit 14 Monaten unternehme, um einen Dialog
zwischen Palästinensern und Israelis herbeizuführen.
Wir haben die Erfahrung gemacht, daß die Vereinigten
Staaten die Vereinbarung von Camp David geschlossen und dem Frieden zwischen Israel und Ägypten
Vorschub geleistet haben, und wir ha,ben zu djesem
Thema eingehende Gespräche geführt.
Ich möchte klarstellen, daß ich sehr deutlich gesagt
habe, es werde kein Junktim dieser Frage mit Iraks
Abzug aus Kuwait geben. Und wir würden keiner
Bedingung für ihren Abzug zustimmen, derzufolge
später bestimmte Schritte unternommen werden
müßten. Sie haben diese Frage aufgeworfen, und wir
haben darüber sehr eingehende Gespräche geführt.
Frage: Wie lautete ihre Antwort?
Antwort: Wir sind dagegen. Wir sind eindeutig
dagegen. Und ich habe Ihnen bereits erklärt, warum
meiner Ansicht nach ein Junktim keine gute Idee ist.
Ich denke, es wird dem Frieden in der Region nicht
Vorschub leisten. Es wird als Belohnung für Aggression interpretiert und den künftigen Frieden in der
Region gefährden.
Frage: Herr Außenminister, was haben Sie dem
irakischen Außenminister über die Bereitschaft des
amerikanischen Volkes gesagt, in den Krieg zu ziehen
und über die Auswirkungen des politischen Drucks auf
die Entscheidungsfindung des Präsidenten?
Antwort: Ich habe gesagt, unterschätzen Sie nicht die
Entschlossenheit des amerikanischen Volkes, das nicht
leicht zu verärgern ist, aber fest an Prinzipien glaubt
und daran, daß Aggression nicht belohnt werden sollte
und daß große Länder mit einer mächtigen Militärmaschinerie ihre friedlichen Nachbarn nicht überfallen,
besetzen und terrorisieren dürfen.
Frage: Herr Außenminister, Sie haben uns gesagt,
was Sie nicht gehört haben. Sie haben nichts über
Flexibilität vernommen, und Sie haben uns etwas über
längere historische Betrachtungen erzählt. Können
Sie uns sagen, was Sie gehört haben? Haben Sie vom
irakischen Außenminister Rechtfertigungen erhalten?
Wurde das wiederholt, was sie seit einiger Zeit öffentlich erklären?
Antwort: Ich habe einiges vernommen, was ich, um
ehrlich zu sein, kaum glauben konnte, aber ich möchte,
daß er näher darauf eingeht. Ich habe zum Beispiel
gehört, daß ihre Invasion Kuwaits defensiven Charakter hatte und daß sie von Kuwait bedroht wurden. Und
darauf werde ich Ihnen ebenso antworten wie dem

AMERIKA DIENST 2

�Minister: ich kann mir nicht vorstellen, daß irgendein
Land auf der Welt dies glaubt.
Frage: Herr Außenminister, obwohl Sie heute hier
sechs Stunden mit Außenminister Asis gesprochen
haben, hatten Sie in den letzten fünfeinhalb Monaten
wenig Kontakt zum Irak. Wie kann man die Historiker
davon abhalten, den Schluß zu ziehen, daß die Diplomatie hier versagt hat und wir unweigerlich in den Krieg
schlittern?
Antwort: Es hat viele Gespräche mit dem Irak gegeben - alle jedoch ohne Erfolg. Der Generalsekretär hat
bereits eine erfolglose Mission hinter sich. Es hat eine
Reihe arabischer Bemühungen zur Lösung dieser
Krise gegeben - alle ohne Erfolg. Es hat ferner
Bemühungen anderer westlicher Regierungen gegeben. Die Sowjetunion hat sich große Mühe gegeben.
Sie haben Treffen abgehalten. Wir haben Treffen
abgehalten. Die Leute könnten also schreiben, was
immer sie wollen.
Tatsache ist jedenfalls, daß die internationale Koalition
einen sehr verantwortungsbewu ßten und angemessenen Ansatz verfolgt hat. Wir sind nicht, wie manche
vielleicht meinen, halbwegs überfahren worden. Wir
sind in den Vereinten Nationen geduldig vorgegangen
und haben im Sicherheitsrat an einem Konsens gearbeitet. Und erst nach fünfeinhalb Monaten und 12
Resolutionen des UN-Sicherheitsrats sind wir an dem
Punkt, wo der Einsatz von Gewalt erörtert wird.
Meiner Ansicht nach haben wir in dieser Krise mehr
diplomatische Bestrebungen unternommen als jemals
zuvor. Ich möchte Sie in diesem Zusammenhang
jedoch um eins bitten - nicht Diplomatie mit Beschwichtigung gleichzusetzen. Diesen Fehler haben wir in den
dreißiger Jahren, zumindest von unserer Seite, gemacht. Wir haben nicht die Absicht, ihn zu wiederholen.
Frage: Meine Frage hat zwei Teile. Hat der Außenminister angedeutet, der Irak werde aus Kuwait abziehen, wenn es ein Junktim gäbe, wie etwa die Franzosen oder andere behaupten? Und wenn das so ist, ist
dann das Junktim ein Grund für den Verlust von vielen
Menschenleben?
Antwort: Ich denke nicht, daß er das ausdrücklich
gesagt hat. Es war in seinen Äußerungen enthalten.
Aber er wird ja hierher kommen, und sie können ihn
selbst fragen. Es geht um mehr als um ein Junktim,
wenn ich sie recht verstehe. Man müßte Konferenzen
vereinbaren, die über ein Junktim hinaus etwas leisten.
Frage: Herr Außenminister, hat Minister Asis einen
bestimmten Vorschlag gemacht, demzufolge der Irak
aus Kuwait abziehen würde? Wie unannehmbar er
auch fürSie gewesen sein mag - gab es ihn überhaupt?
Antwort: Nein, es gab keinen solchen Vorschlag. Er
hat die Position wiederholt, die der Irak bisher öffent-

AMERIKA DIENST 2

lich vertreten hat. Er hat den Schlag der Invasion und
Besetzung Kuwaits verteidigt. Er hat erklärt, wie dies
seiner Meinung nach zu rechtfertigen ist. Aber er wird
ja selbst hierherkommen, und dann können Sie ihn
fragen.
Frage: Herr Außenminister, Sie haben eindeutig
klargestellt, daß Sie nicht nach Bagdad reisen werden.
Aber haben Sie und Außenminister Asis über zukünftige diplomatische Kontakte auf Ihrer Ebene zwischen
den Vereinigten Staaten und dem Irak gesprochen?
Oder stellt dieses sechseinhalbstündige Treffen das
Ende der diplomatischen Initiativen seitens der Vereinigten Staaten dar?
Antwort: Wir werden unsere diplomatischen Verbindungen bis zum 12. Januar über unseren Charge
d'affaires in Bagdad aufrechterhalten. Ich habe um die
persönliche Zusicherung von Außenminister Asis
gebeten und sie auch erhalten, daß Joe Wilson und
den vier anderen Amerikanern in unserer dortigen
Botschaft die Ausreise am 12. Januar gestattet wird.
Frage: Herr Außenminister, Sie machen einen relativ
bedrückten Eindruck. Können Sie Ihre Verfassung
und Ihre Stimmung nach den heutigen Ereignissen
beschreiben?
Antwort: Bedrückt.
Frage: Raten Sie zur Evakuierung?
Antwort: Das habe ich nicht gesagt. Ich habe
festgestellt, daß wir um das Zugeständnis ersucht und
es auch erhalten haben, daß unsere verbleibenden
fünf Diplomaten am 12. Januar ausreisen dürfen. Wie
Sie wohl wissen, kommt dieses Datum dem am 15.
Januar auslaufenden Ultimatum sehr nahe und ist der
Termin, auf dem der Irak seit drei Wochen für ein
Treffen bestanden hat.
Frage: Was ist mit den anderen Amerikanern?
Antwort: Soweit ich weiß, haben die meisten Amerikaner den Irak verlassen. Alle die ausreisen wollten,
haben dies meines Wissens getan.
Frage: Können Sie uns etwas zu dem Brief von
Präsident Bush sagen? War er auf Arabisch? Welchen Tenor hatte er? Enthielt er graphische Darstellungen militärischer Szenarien, die auf Einschüchterung abzielten?
Antwort: Ich bedauere, Ihnen mitteilen zu müssen,
daß der Außenminister es vorgezogen hat, den Brief
von Präsident Bush nicht in Empfang zu nehmen. Er
hat ihn sehr langsam und äußerst sorgfältig gelesen,
aber weder er noch die Irakische Botschaft in Washington haben eine Übersetzung in Arabisch entgegengenommen. Sie werden Außenminister Asis fragen müssen, warum er den Brief nicht angenommen
hat.

Seite 5

�Meines Erachtens - und das ist nur eine Mutmaßung war er nicht befugt, ein Schreiben anzunehmen.

Frage: Wären Sie immer noch bereit, auch am 12.
Januar - anstatt mit Außenminister Asis - mit Saddam
Hussein selbst zusammenzutreffen? Es sind noch
drei Tage bis dahin.

Frage: Haben Sie die Möglichkeit einer erneuten
Sitzung der Vereinten Nationen zur Erörterung der
Golfkrise angeschnitten? Sie wissen, daß Präsident "Antwort: Wir sagen seit drei Wochen, daß der 12.
Mitterrand vorgeschlagen hat, eine neue Gesprächs- Januar für uns unannehmbar ist, weil dies nur einen
runde könnte höchstwahrscheinlich möglich und hilVersuch zur Umgehung des Ultimatums darstellt. Das
freich sein. Haben Sie diese Möglichkeit mit dem ist offensichtlich. Aus diesem Grund wurde der 12.
irakischen Minister erörtert?
ursprünglich vorgeschlagen. Wir haben seit langem
gesagt, daß dieser Termin für uns inakzeptabel ist und
Antwort: Nein, das wurde bei meinem heutigen bleibt.
Treffen mit dem irakischen Minister nicht erwähnt. Ich
habe diese Frage jedoch vor ein oder zwei Tagen Frage: Haben Sie Ihre Vision dargelegt, wie die
angeschnitten, und auch Präsident Bush hat darüber Golfregion nach einem friedlichen Abzug der Iraker
gesprochen.
aussehen würde? Mit anderen Worten, einige der
Restriktionen erwähnt, von denen Sie gesprochen
Ich weiß nicht, was ein weiteres Treffen des UNhaben, die dem Irak selbst im Falle eines Rückzugs
Sicherheitsrats zu diesem Zeitpunkt bewirken könnte. auferlegt werden müßten? Haben Sie ihm diesen Plan
Wir sprechen hier über die getreue Durchführung der
erörtert?
Resolutionen des Sicherheitsrats, von denen die letzte
verfügt, wenn der Irak bis zum 15. Januar null Uhr nicht Antwort: Ja, bei unserer ersten Unterredung heute
aus Kuwait abgezogen ist, kann zur Durchsetzung des morgen. Ich habe nicht die Zeit, dies jetzt im einzelnen
Abzugs Gewalt angewandt werden. Es gibt dazu 12 mit Ihnen durchzugehen. Es fällt jedoch genau in die
Resolutionen des UN-Sicherheitsrats.
Kategorie der Zusicherungen, daß seitens der Vereinigten Staaten im Falle des Abzugs aus Kuwait und der
Frage: Präsident Mitterrand hat diesen Vorschlag Wiedereinsetzung der rechtmäßigen Regierung Kuunterbreitet.
waits gegen den Irak keine militärische Gewalt angewandt wird.
Antwort: Ich kann Ihre Frage nicht beantworten. Ich
möchte Sie an Präsident Mitterrand verweisen. Wie Frage: Haben Sie über Nuklear- und chemische
ich jedoch gerade gesagt habe, könnte es sich als Waffen, die Größe des irakischen Militärs und die
nützlich erweisen, die guten Dienste des GeneralseDinge gesprochen, die vielen in der westlichen Koalikretärs in Anspruch zu nehmen.
tion über die Besetzung Kuwaits hinaus Sorge bereiFrage: Herr Außenminister, haben Sie Grund zu der
Annahme, daß noch irgendeine Möglichkeit zur Vermeidung eines Kriegs besteht?
Antwort: Ja, ich hoffe sehr. Für diese Möglichkeit ist
noch keine Entscheidung getroffen worden. Ich möchte nochmals auf meine Eröffnungsrede verweisen, in
der ich meiner Hoffnung Ausdruck verliehen habe, daß
es keine weiteren Fehleinschätzungen seitens der
irakischen Regierung gibt.
Darüber hinaus möchte ich auch die von Präsident
Bush, mir und anderen Mitgliedern der Koalition zum
Kurs der vergangenen Tage und Wochen abgegebenen Erklärungen erwähnen, die ich heute gegenüber
dem Minister wiederholt habe - nicht als Drohung,
sondern schlicht und einfach, damit er weiß, wo wir
stehen, wie wir fühlen und denken und das Ultimatum
vom 15. Januar aus unserer Sicht eine Realität ist.
Der Irak hat die Wahl, dies zu glauben oder nicht, aber
dieser Termin ist für uns und die Koalitionspartner eine
Realität. Wir hoffen, es ist ihnen bewußt, daß dieses
Datum für uns eine Realität ist, und daß sie handeln,
um die feierlichen Resolutionen der Vereinten Nationen zu verwirklichen.

Seite 6

ten?
Antwort: Wir haben die Frage der Massenvernichtungswaffen ausführlich erörtert. Ich habe die Interessen der Vereinigten Staaten dargelegt, wie wir sie
zuvor bei der Erörterung dieser Fragen und Probleme
zum Ausdruck gebracht haben. Wir haben über die
multinationale Präsenz in der Region und die Erklärung Präsident Bushs gesprochen, daß wir keinen
Wunsch nach einer ständigen militärischen Präsenz
von Landstreitkräften im Nahen Osten, sprich am Golf,
haben. Wir wollen, daß unsere Truppen nach Hause
zurückkehren sobald es die Sicherheitslage erlaubt.
Diese Art von Fragen haben wir - wie Sie sich denken
können - erörtert.
Frage: Würden Sie uns bitte erläutern, an welchem
Punkt die Gespräche abgebrochen wurden? Warum
und wie geschah es? Haben Sie oder Außenminister
Asis das Treffen beendet? Oder gab es einfach nichts
mehr zu besprechen?
Antwort: Es war einfach so, daß wir nach sechsstündigen Gesprächen beide mehr oder weniger die Punkte vorgebracht hatten, die wir vorbringen wollten, und
das war es. Ich glaube nicht, daß irgendetwas ungesagt blieb. Meines Erachtens hat er alles gesagt, was

AMERIKA DIENST 2

�er vorbringen wollte, und dasselbe gilt für mich. Offen
gesagt, dauerte das Gespräch länger, als man am
Anfang vermutet hätte.
Frage: Sie haben erwähnt, daß Sie die amerikanischen Diplomaten zurückberufen werden. Werden
Sie am 12. Januar auch die irakischen Diplomaten zum
Verlassen der Vereinigten Staaten auffordern?
Antwort: Nein. Wir werden die irakische Regierung
auffordern, am 12. Januar ihre diplomatische Präsenz
in den Vereinigten Staaten abzubauen. Ich habe
Außenminister Asis gegenüber angedeutet, daß wir
bereit wären, die Präsenz eines kleinen diplomatischen Kontingents in Washington zu gestatten.
Frage: Haben Sie das Gefühl, wenn Sie ein Junktim
akzeptiert hätten, könnte der Irak zum Abzug aus
Kuwait eingewilligt haben?
Antwort: Ich weiß nicht. Warum stellen Sie diese
Frage nicht Außenminister Asis. Ich bin nicht ganz
sicher, was Sie unter "akzeptiertem Junktim" verstehen. Meinen Sie, wenn wir es akzeptiert, die Bereitschaft angedeutet hätten, an einer internationalen
Konferenz zur Nahostfrage teilzunehmen - stellen Sie
ihm die Frage, es wäre sehr interessant.
Unsere Position ist Ihnen seit langem bekannt. Unseres Erachtens würde ein außerordentlich unglücklicher Präzedenzfall geschaffen und auf lange Sicht
kein Beitrag zu Frieden sondern zu Instabilität in der
Region geleistet, weil es so aussähe, als ob man
Aggressoren für ihre Aggression belohnt. So etwas
können wir schlicht und einfach nicht in Erwägung
ziehen.
Frage: Gab es irgendein Thema, bei dem die Differenzen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Irak im
Verlauf dieser sechseinhalb Stunden abgebaut wurden?

*

AMERIKA DIENST 2

Antwort: Wie bereits gesagt, haben wir meines
Erachtens eine ernsthafte Diskussion geführt. Der
Tenor war so gut wie man ihn unter diesen Umständen
erwarten könnte. Wir haben nicht auf den Tisch
gehauen und uns angebrüllt. Es war ein sehr sachliches und - ich glaube - verantwortungsvolles Gespräch zwischen zwei Diplomaten, die wirklich um eine
friedliche und politische Lösung dieses Problems bemüht
waren.
Ich konnte in der Position des Irak nicht die in den
vergangenen Tagen angekündigte Flexibilität ausmachen. Ich verweise nochmals auf meine Eröffnungsansprache. Uns bleiben noch sechs Tage. Ich hoffe
nur, daß sie über dieses Treffen nachdenken, sich
darauf konzentrieren und, wenn Außenminister Asis
zurückkehrt und seinem Präsidenten berichtet, vielleicht eine Änderung ihrer Position erfolgt.
Es kann hier keine Verhandlungen geben, weil die
Resolutionen des UN-Sicherheitsrats in Debatten in
den Vereinten Nationen ausgearbeitet wurden und die
internationale Koalition diesen Resolutionen verpflichtet ist.
Frage: Wären Sie bereit, Saddam Hussein an einem
anderen Ort als Bagdad zu treffen, und wurde ein
solcher Vorschlag gemacht?
Antwort: Das wurde nicht zur Sprache gebracht und
nie vom Irak vorgeschlagen. Seit einigen Wochen
lautete der irakische Vorschlag wie Sie wissen: "Wir
wählen einen Termin für Bakers Besuch in Bagdad,
Sie setzen einen Termin für den Besuch von Außenminister Asis in Washington, und dann sehen wir weiter."
Dieser Vorschlag existiert seit sehr langer Zeit, und
von etwas anderem war nie die Rede.

*

Seite 7

�GOLFKRISE
16. Januar 1991

DIE KRISE AM GOLF
Amerikanische Pressestimmen
Die Zeitungen in den Vereinigten Staaten nehmen in ihren Leitartikeln weiterhin zur Krise am Golf und ihren
möglichen Konsequenzen Stellung. Nachfolgend veröffentlichen wir einige Pressestimmen zu diesem Thema.

The New York Times, Anthony Lewis
Wer immer noch glaubt, der irakische Präsident werde
aus Kuwait abziehen, sieht folgendes Szenarium: Der
Generalsekretär der Vereinten Nationen, Javier Perez
de Cuellar, reist nach Bagdad. Mehr Balsam für
Saddam Husseins Ego und wahrscheinlich ein weiteres Nein von ihm. Aber dann, in den letzten Stunden vor
Ablauf des Ultimatums am 15. Januar, stimmt er einer
"arabischen Lösung" mit diplomatischen Vertretern
Algeriens, der PLO oder aus anderen Ländern zu.
Der springende Punkt eines solchen Szenariums ist,
daß ein als "arabische Lösung" bezeichneter Rückzug
aus Kuwait einen etwas geringeren Gesichtsverlust
bedeuten würde. Ein Treffen zwischen dem amerikanischen und dem irakischen Außenminister war wohl
der am wenigsten geeignete Rahmen für ein Einlenken
Husseins...
Die Vereinigten Staaten würden ein Junktim weiterhin
ablehnen - weil, so Baker, Aggressoren "nicht für ihre
Aggression belohnt werden dürfen". Könnten die
Vereinigten Staaten jedoch in einen Krieg eintreten,
um eine Nahost-Friedenskonferenz zu verhindern?
Würden ihre Koalitionspartner zustimmen?
Wenn ein Krieg verhindert werden soll, so wahrscheinlich mit einer Variante dieser Arrangements. Der Irak
wird sich, "überzeugt" durch seine arabischen Freunde, aus Kuwait zurückziehen müssen. Die Vereinigten
Staaten werden, ohne einen Handel einzugehen, ihre
Bereitschaft erkennen lassen, daß sie einer internationalen Konferenz nicht im Weg stehen.
Natürlich ist dies alles nur eine Hoffnung. Saddam
Hussein könnte sich ausrechnen, bis zum Ende Nein
zu sagen, weil die Amerikaner nicht kämpfen werden.
AMERIKA DIENST 2

Wenn dem so ist, begeht er einen verhängnisvollen
Fehler, der viele mit ihm ins Verderben stürzt.
The Baltimore Sun, George F. Will
Sollte es zum Krieg kommen, kann die hauchdünne
"Koalition" die Tatsache nicht verschleiern, daß es die
Vereinigten Staaten sind, die einen Krieg gegen ein
arabisches Land mit radikalen und destabilisierenden
Auswirkungen für die gesamte arabische Welt führen.
Der Preis, den die Vereinigten Staaten für die neuerliche Gunst der arabischen Welt zahlen müssen, wird
eine internationale Konferenz sein. Der Zweck der
Konferenz besteht darin, Israel in vielleicht vernichtende Verletzbarkeit zu zwingen.
Wenn ein Krieg vermieden wird, dann weil die arabischen Länder dem Trugschluß erlegen sind, die irakische Aggression sei aus reinem Altruismus für die
Palästinenser erfolgt. Die Krise wird sich dann auf der
arabischen Konstante einpendeln - Feindseligkeiten
gegenüber Israel, dem einzigen dauerhaften Verbündeten der Vereinigten Staaten in der Region.
Die Krise, die damit begann, daß die Vereinigten
Staaten ein Banner mit der Aufschrift "Kein München"
entrollten, könnte mit einem München enden, einer
internationalen Konferenz, um eine unbequeme
Demokratie zu gestalten.
The New York Times, A.M. Rosenthal
In jedem Fall sieht sich der Präsident jetzt mit der
Wahrheit konfrontiert, daß Saddam Hussein sich nicht
durch ein Embargo aus Kuwait vertreiben läßt, dessen
Ende so viele unserer Verbündeten kaum erwarten
können und das Gewalt oder die Bereitschaft zu deren
Einsatz erfordert, um ihn zum Rückzug zu bewegen.
Seite 1

�Warum sollte Saddam das Datum vom 15. Januar
freiwillig akzeptieren? Es besteht die Möglichkeit, daß
er vor oder kurz nach Ausbruch des Krieges den an
einen Ausverkauf Israels geknüpften Rückzug anbietet und auf amerikanische Uneinigkeit und europäische Gier zählt, um dies erfolgreich durchzuführen.
Damit würde sein Weg zur Dominanz des Nahen
Ostens ohne einen jetzt begonnenen Krieg geebnet.
Bush hat jetzt getan, was so viele Amerikaner wünschten - dem Kongreß das Thema politisch zur Abstimmung vorgelegt. Denn diejenigen, die glauben, es sei
besser, sich Saddam Husseins Bedrohung jetzt als
dann zu stellen, wenn er über Nuklearwaffen verfügt
und die arabische Welt in einen heiligen Krieg gegen
den Westen führt, werden den Präsidenten ohne Wenn
und Aber unterstützen.
Aber auch diejenigen Kongreßabgeordneten, die immer
noch der Meinung sind, man könne Saddam Hussein
durch Gespräche oder Sanktionen zum Abzug aus
Kuwait bewegen, haben die Pflicht, den Präsidenten
zu unterstützen. Sie sollten wissen, daß Saddam - falls
der Kongreß Bush seine Unterstützung verweigert Kuwait erst aufgeben würde, wenn der Nahe Osten in
dem Meer von Blut schwimmt, aus dem seine Träume
gemacht sind.
The Washington Post, Stephen Rosenfeld
Wie verdächtig seine Motive und Taktiken auch sein
mögen, die von Saddam Hussein ausgelöste Krise hat
in beispielloserweise gezeigt, daß die Palästinafrageeine so schwierige und komplizierte Angelegenheit,
die man vernünftigerweise auf keinen Fall zwei kleinen
miteinander streitenden Parteien auf einem Küstenstreifen des Mittelmeers überlassen darf für das politische Wohlergehen und das strategische Gleichgewicht des gesamten Nahen Ostens und darüber hinaus von entscheidender Bedeutung ist.
Wie unglückselig, daß Saddam nicht die Schläue
besaß zu erkennen, was er bereits erreicht hat. Könnte der Generalsekretär diese Botschaft übermitteln?
Es ist denkbar, daß dies Saddam Hussein zu der
Behauptung verhelfen würde, seine große Mission sei
erfüllt. Und die Vereinigten Staaten könnten sich nicht
beschweren, man habe Bagdad ein unverdientes
Feigenblatt geliefert. Die amerikanische Absicht bestand lediglich darin, Saddams Anspruch auf ein
unmittelbares und explizites politisches Junktim zwischen Kuwait und dem israelisch-palästinensischen
Zwist zu widerlegen.
Darüber hinaus kann kein Gedanke im Hinblick auf
künftige Maßnahmen - etwa eine internationale Konferenz - von vornherein als Appeasement, Verrat, Belohnung von Aggression und dergleichen bezeichnet
werden. Solche Etiketten verhindern die unabhängige
Bewertung von Vorschlägen, die auch Israel potentiell
nützen...

Seite 2

The Washington Post, William Raspberry
Ebenso wie bei Bush kann die Notwendigkeit irgendeiner Art von Gesichtswahrung für Saddam nicht nur
persönlich gesehen werden. Sie hat Auswirkungen
auf die regionale Stabilität, die Weltwirtschaft und die
langfristigen Beziehungen der Vereinigten Staaten mit
der arabischen Welt. Der Preis einer Erniedrigung
Saddams (angenommen, er wird sich nicht einfach
zurückziehen) könnte in Dollar, Blut und Weltfrieden
gemessen unangebracht hoch sein.
Trotzdem scheint Präsident Bush entschlossen, ihm
jegliche Grundlage für die Wahrung des Gesichts zu
verweigern: keine internationale Konferenz zu Gesprächen über das gesamte Spektrum der Probleme in
der Region, kein "Junktim" mit der festgefahrenen
israelisch-palästinensischen Lage, keine Verhandlungen.
Ohne einen großen Glücksfall könnte jedoch die
Gesichtswahrung von Präsident Bush zum Verlust
Tausender amerikanischer und irakischer Menschenleben führen. Ist diese Art von Glücksfall zu erwarten ?
Die beste Chance ruht gegenwärtig auf den Überredungskünsten des UNO-Generalsekretärs Javier Perez
de Cuellar, der gestern abend nach Bagdad gereist ist
und auf Frankreich, das angeblich versucht, die Europäische Gemeinschaft bei einer neuen Initiative anzuführen, mit der die Krise kurz vor Ausbruch eines
Krieges gelöst werden könnte.
Zumindest erkennen der Generalsekretär und die
Franzosen die Bedeutung - für den Frieden und die
Weltordnung - Saddam zu geben, was Bush hartnäkkig zuzugestehen sich weigert: einen Ausweg aus
dem von ihm selbst verursachten Schlamassel ohne
Gesichtsverlust.
The Washington Post, Charles Krauthammer
Historisch gesehen ist das Ausmaß öffentlicher Unterstützung für den Einsatz von Gewalt am Golf ungewöhnlich groß. Everett Ladd, Leitender Direktor des
Roper Center for Public Opinion Research, stellte im
vergangenen Monat fest, daß er "keinen anderen Fall
in den 45 Jahren seit dem Zweiten Weltkrieg finden
konnte, in dem ein solch großer Teil der amerikanischen Öffentlichkeit die Verlegung amerikanischer
Truppen vor ihrem wirklichen Einsatz unterstützt hat".
Es trifft sicherlich zu, daß selbst die Amerikaner, die
der Meinung sind, der Einsatz von Gewalt könnte
notwendig werden, angesichts dieser Aussicht besorgt und zwiespältig sind. Die Meinungsumfragen
enthüllen eine Vielzahl gegensätzlicher Gefühle: eine
solide Mehrheit von 63 Prozent ist bereit, in den Krieg
zu ziehen, aber wenn der Fragesteller Verluste erwähnt oder einen schmerzlosen Ausweg anbietet etwa durch Sanktionen -, zieht eine erhebliche Zahl die
Alternativen vor.

AMERIKA DIENST 2

�Die heutigen Meinungsumfragen wie die Umfragen vor
50 Jahren zeigen, daß die Amerikaner im Falle eines
Kriegsausbruchs dasselbe wollen, was jeder vernünftige Mensch will: das Unmögliche. Haltet Euch aus
dem Krieg heraus - und erreicht unsere vitalen Ziele.
Das einzige Problem besteht darin, daß sich diese
Ziele gegenseitig ausschließen können. Und in diesem Fall, wenn ihre Unvereinbarkeit nicht mehr zu
leugnen ist, kommt die Ambivalenz der Öffentlichkeit
zum Ausdruck.
,

A

In dieser von Angst und Ambivalenz geprägten Situation ohne leicht durchführbaren politischen Plan ist der
Mut zur Wahl ein Zeichen von Führungsstärke. Der
Präsident hat sie demonstriert. Es ist jetzt am Kongreß, sie zu beweisen.
The Washington Post, David Broder
Das Problem stellt sich nunmehr auf dem Capitol Hill,
wo die Demokraten als Mehrheitspartei ihr übliches
Schauspiel der Unordnung aufführen. Die Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses und des Streitkräfteausschusses im Repräsentantenhaus unterstützen
den Präsidenten, können jedoch nicht ihre eigenen
Führer - den Sprecher und den Mehrheitsführer - von
der Richtigkeit ihres Urteils überzeugen. Bei den
Demokraten im Senat ist die Situation weniger konfus,
vermittelt aber dem Präsidenten im wesentlichen nur,
daß er sich dort weitere Ratschläge holen kann.
Bei aller Anspannung, Strapaze und düsteren Stimmung liegt ein Grundsatz klar auf den Hand: Der
Präsident hat im Namen der internationalen Koalition
und mit Autorisierung der Vereinigten Staaten die
amerikanische Politik von dem einzigen Ort in der
Regierung definiert, der diese Möglichkeit bietet. Die
beste Hoffnung auf Rettung des Friedes besteht in
einer einhelligen Erklärung der Unterstützung des
Kongresses für seine Poitik, so daß Saddam Hussein
die schreckliche Alternative versteht, der er sich stellen muß.

t

Und dann müssen die Vereinigten Staaten bereit sein,
den Preis zu zahlen, den die Führungsrolle in der Welt
verlangt.

^

The Washington Post, Jim Hoagland
Bush selbst trägt einen Großteil der Verantwortung für
das Mißtrauen unter den Demokraten und der Bevölkerung insgesamt... Die Forderung des Präsidenten in
seiner Rundfunkansprache am letzten Wochenende
nach außenpolitischer Unterstützung beider Parteien
klingt unter diesen Umständen hohl.
Aber dies soll nicht von der Tatsache ablenken, daß
Saddam Hussein Tarik Asis nicht nach Genf entsandt
hat, um Frieden zu schließen, sondern um den Ame-

*

AMERIKA DIENST 2

rikanern eine Niederlage beizubringen. Eine Abstimmung, die Bush den Einsatz von Gewalt verweigert,
würde Saddam davon überzeugen, daß er in Kuwait
bleiben, die Sanktionen überstehen und überleben
kann. Der Krieg hätte verschoben, nicht aber vermieden werden können.
Die letzte Chance, Krieg zu vermeiden und Saddam
von den Absichten der Vereinigten Staaaten zu überzeugen, würde verspielt, wenn eine Kammer des
Kongresses sich für die Rückkehr zu einer Politik
ausspricht, die vorgibt, Amerika könne es sich leisten,
Saddam Husseins Aggression zu ignorieren oder zu
unterstützen.
The Baltimore Sun, Jonathan Power
Der Rest der Welt muß viele Antworten finden. Die
Verbündeten sind zornig über den Irak, stacheln
Washington zu einem harten Kurs an und haben eine
Position bezogen, die darauf hinausläuft, daß die
Vereinigten Staaten alle anderen in den Krieg treiben.
Die Vereinigten Staaten tragen den größten Teil der
Last, und sie werden im Falle eines Kriegs am meisten
kämpfen und das meiste Blut vergießen. Moskau hat
all die Lorbeeren geerntet, die es durch die Unterzeichnung jedes ihm von Washington vorgelegten politischen Schecks erhalten hat, sich aber geweigert,
einen einzigen Soldaten zu entsenden.
Die nackte Tatsache lautet: die internationale Staatengemeinschaft hätte nicht durch den Sicherheitsrat
ihre Zustimmung für etwas geben sollen, das vor allem
ein amerikanischer Militäreinsatz mit einer Armee ist,
die sich aus der christlich-jüdischen Kultur rekrutiert.
Sie hätte den Mut aufbringen sollen, tatsächlich repräsentative internationale Streitkräfte zu fordern oder
sich für das Embargo mit mehr oder weniger gerecht
geteilten Opfern zu entscheiden.
The Baltimore Sun, James K. Kiipatrick
Saddam Hussein ist kein Verückter. Er ist skrupellos,
arrogant, schlau, kriegerisch, hinterlistig - aber er ist
kein Verrückter. In der Öffentlichkeit besteht er weiterhin darauf, daß er niemals nachgeben wird. Aber wenn
er einen Ausweg wünscht, könnte das schwere Gewicht von 12 UNO-Resolutionen die nötigen Feigenblätter liefern. Wenn der Irak abzieht - bedingungslos
abzieht - verändert das die Situation. Wir würden nicht
mehr von der Befreiung Kuwaits sondern von der
Bestrafung des Irak reden.
Dann könnte man sich Zeit für Gespräche über Reparationen nehmen und die Zerstörung atomarer und
chemischer Waffen erörtern. Es wären nicht die
Vereinigten Staaten, sondern die Vereinten Nationen,
die dem Irak ihren Willen aufzwingen würden.

* * *

*
Seite 3

�GOLFKRISE
16. Januar 1991

DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse vom 1. bis 15. Januar 1991
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend führen wir die Chronologie der Ereignisse am Golf für den Zeitraum vom
1. bis 15. Januar 1991 fort.

2. Januar

5. Januar

Auf Bitten der Türkei um Beistand bei der Abschrekkung einer Bedrohung durch den Irak gestattet der
Verteidigungsplanungsausschuß der NATO die Stationierung von Flugzeugen aus Belgien, Deutschland

In einer landesweit ausgestrahlten Fernsehansprache
erklärt Präsident Bush, daß Außenminister Baker bei
dem Treffen mit seinem irakischen Kollegen in Genf
"eine persönliche Botschaft an Saddam Husein übergeben will - sich bedingungslos und unverzüglich aus
Kuwait zurückzuziehen oder die schrecklichen Konsequenzen tragen zu müssen".

und Italien im Südwesten der Türkei.

3. Januar
Präsident Bush erklärt seine Bereitschaft, Außenminister Baker zu Gesprächen mit dem irakischen Außenminister Tarik Asis nach Genf zu entsenden.
Die London Press Association berichtet, daß die britische Regierung 75 Iraker aus Großbritannien ausweist, unter ihnen sieben Diplomaten. Ein Sprecher
des Außenministeriums erklärt, es sei "nur vernünftig,
alle Vorkehrungen zu treffen".
Die Außenminister Pakistans, des Iran und der Türkei
fordern auf ihrem eintägigen Treffen in Islamabad den
vollständigen Abzug irakischer Truppen aus Kuwait
und die uneingeschränkte Wiederherstellung der
Unabhängigkeit und Souveränität Kuwaits im Einklang
mit den Resolutionen des UN-Sicherheitrats und der
Erklärung der Organisation der Islamischen Konferenz. Die Minister fordern den Generalsekretär der
OIC auf, alles in seiner Macht Stehende zu tun und im
Rahmen dessen eine Dringlichkeitssitzung einzuberufen, um die Golfkrise zu einer friedlichen Lösung zu
führen.
4. Januar
Der Irak erklärt, Au ßenminister Tarik Asis am 9. Januar
zu Gesprächen mit Au ßenminister Baker nach Genf zu
entsenden.
AMERIKA DIENST 2

7. Januar
Der portugiesische Premierminister Cavaco Silva
bekräftigt bei einem Treffen mit den Oppositionsführern Portugals seine Unterstützung für die UNO-Resolutionen und Aktivitäten der Koalition im Golf und "ist
bereit, seinen Beitrag zu den Bestrebungen der Verbündeten zu erhöhen".
Der norwegische Au ßenminister Thorwald Soltenberg
erklärt, die fünf nordischen Länder engagierten sich
politisch, finanziell und praktisch, um den Vereinten
Nationen bei der Entwicklung eines langfristigen Sicherheitsarrangements im Nahen Osten zu helfen.
Zur Gewährleistung des irakischen Abzugs und Förderung der Stabilität bieten die nordischen Länder Friedenstruppen und Beobachter unter der UN-Flagge an.
8. Januar
Beim Eintreffen der Außenminister Baker und Asis in
Genf bezeichnet Präsident Bush in einer Fernsehansprache Bakers Mission als "vielleicht die letzte Chance" zur friedlichen Lösung des Konflikts. Auf dem Weg
nach Genf trifft Baker die Verbündeten in Frankreich,
Deutschland und Italien.

Seite 1

�Präsident Bush fordert den US-Kongreß auf, eine
Resolution zu verabschieden, derzufolge "er den Einsatz aller erforderlichen Mittel zur Durchführung der
Resolution 678 des UN-Sicherheitsrats unterstützt".
In einem Brief an die führenden Politiker im Kongreß
erklärt Bush, eine solche Resolution "würde die allerdeutlichste Botschaft an Saddam Hussein übermitteln,
daß er sich bedingungslos und unverzüglich aus Kuwait
zurückziehen muß".
Der Vorsitzendes des Streitkräfteausschusses im
Repräsentantenhaus, Les Aspin (Demokrat aus Wisconsin) veröffentlicht ein drittes "Weißbuch" zur Golfkrise, demzufolge eine militärische Offensive eine
"vernünftige Option" darstellt, wenn diplomatische
Bestrebungen den Irak nicht aus Kuwait vertreiben
können.
Bei einem Besuch britischer Truppen in Saudi-Arabien
schließt der britische Premierminister John Major eine
nukleare Antwort auf einen irakischen Angriff mit
chemischen Waffen aus. "Wir verfügen über zahlreiche andere Waffen", so Major.
Der belgische Außenminster Mark Eyskens erklärt in
einem Interview in Brüssel, der Einsatz von Gewalt zur
Vertreibung des Irak aus Kuwait könne mit einem
gelockerten Handelsembargo, den Wetterbedingungen und der Zerbrechlichkeit des westlichen Bündnisses gerechtfertigt werden. Ein langfristiges Embargo,
so Eyskens, könne Länder wie Ägypten, Jordanien
und die Türkei hart treffen und destabilisieren.
9. Januar
Außenminister Baker und sein irakischer Amtskollege
Tarik Asis führen in Genf secheinhalbstündige Gespräche. Bei einer Pressekonferenz im Anschluß an
das Treffen erklärt Baker: "Bedauerlicherweise habe
ich nichts vernommen, das auf Flexibilität seitens des
Irak im Hinblick auf die Einhaltung der Resolutionen
des UN-Sicherheitsrats hindeutet." Darüber hinaus
weigere sich Tarik Asis, einen Brief von Präsident
Bush an den irakischen Präsidenten Saddam Hussein
entgegenzunehmen.
In Bagdad erklärt Saddam Hussein bei einer Sitzung
der Baath-Partei, "Sie (die Amerikaner) werden in
ihrem Blut schwimmen", wenn ein Krieg ausbricht.
Bei einer Pressekonferenz stellt Präsident Bush fest,
obwohl er "entmutigt" über das Ergebnis der Gespräche sei, werde er "weiterhin versuchen, Saddam Hussein
entgegenzukommen". "Wir werden um des Friedens
willen noch einen Schritt weitergehen. Wenn Saddam
Hussein jedoch nichts unternimmt, wird die UNOResolution 678 vollständig Anwendung finden."
UNO-Generalsekretär Javier Perez de Cuellar gibt
seine Reise nach Bagdad zu Gesprächen mit dem
irakischen Präsidenten Saddam Hussein bekannt.

Seite 2

10. Januar
Das amerikanische Außenministerium verkündet, daß
die amerikanischen Diplomaten und der Charge d'affaires Joseph Wilson Bagdad am 12. Januar an Bord
eines Charterflugzeugs verlassen werden. Die Vereinigten Staaten geben ferner den weiteren Abbau der
offiziellen amerikanischen Präsenz im Jemen bekannt
und weisen amerikanische Staatsbürger an, nicht
zwingende erforderliche Reisen nach Algerien, Marokko und Tunesien aufgrund der "unsicheren Lage in der
Region wegen der Nichteinhaltung der UNO-Resolutionen durch den Irak" aufzuschieben.
Das dänische Folketing verabschiedet einstimmig eine
Resolution mit der Forderung nach dem vollständigen
Abzug des Irak aus Kuwait und der uneingeschränkten
Unterstützung fürdie Schlichtungsversuche des UNOGeneralsekretärs Perez de Cuellar.
12. Januar
Mit 250 zu 183 Stimmen im Repräsentantenhaus und
52 zu 47 Stimmen im Senat verabschiedet der amerikanische Kongreß eine gemeinsame Resolution, mit
der Präsident Bush die Befugnis zum Einsatz amerikanischer Streitkräfte erteilt wird, um die irakischen Truppen aus dem besetzten Kuwait zu vertreiben und die
Einhaltung der UNO-Resolutionen zu erzwingen. Nach
der Abstimmung lädt der republikanische Minderheitsführer im Senat Robert Dole aus Kansas den irakischen Botschafter Mohamed al-Mashat in sein Büro zu
einem Treffen mit 10 Senatoren beider Parteien ein,
die erklären, ihre Abstimmung sei ein Versuch in letzter
Minute gewesen, einen Krieg durch den Abzug irakischer Streitkräfte aus Kuwait zu vermeiden. Der
Botschafter erklärt, er werde die Botschaft nach Bagdad weiterleiten.
Präsident Bush zufolge ist die Abstimmung des Kongresses das "deutlichste Signal an den Irak, daß er das
Ultimatum vom 15. Januar nicht ignorieren kann".
Bush fügt hinzu, wenn der Irak nicht aus Kuwait
abziehe, werde ein Angriff "eher früher als später"
erfolgen.
Das Weiße Haus veröffentlicht den Wortlaut von Präsident Bushs Brief an den irakischen Präsidenten
Saddam Hussein vom 5. Januar, in dem unter anderem erklärt wird, "dies ist ein Krieg, der nur durch die
vollständige und bedingungslose Einhaltung der Resolution 678 des UN-Sicherheitsrats durch den Irak
beendet werden kann. Wir bevorzugen eine friedliche
Lösung... Alles andere als die vollständige Einhaltung
der Resolution 678 des UN-Sicherheitsrats und der
vorausgegangenen Resolutionen ist unannehmbar."
Der stellvertretende Abteilungsleiter im US-Außenministerium Jock Covey fordert den irakischen Botschafter al-Mashat auf, das Botschaftspersonal auf ingesamt 4 Personen einschließlich des Botschafters zu

AMERIKA DIENST 2

�reduzieren. Das übrige Botschaftspersonal muß die
Vereinigten Staaten bis zum 15. Januar null Uhr verlassen haben.
13. Januar
UN-Generalsekretär Javier Perez de Cuellar trifft mit
Saddam Hussein zu Gesprächen zusammen, die weithin
als letzte Chance zur Abwendung eines Krieges betrachtet werden. Perez de Cuellar erklärt nach dem
dreieinhalbstündigen Meinungsaustausch, er könne
keinen Fortschritt dabei feststellen, den Irak bis zum
Ablauf des Ultimatums am 15. Januar zum Abzug aus
Kuwait zu bewegen.

)

I

Verteidigungsminister Cheney erklärt in einem Fernsehinterview, der Zweck eines Einsatzes von Gewalt
in der Golfkrise sei die "Befreiung Kuwaits", fügt
jedoch hinzu, es werde "für die irakischen Streitkräfte
keinen Zufluchtsort im Irak" geben.
In einem Gespräch mit Außenminister Baker in Kairo
deutet der ägyptische Präsident Hosni Mubarak die
Bereitschaft seines Landes an, gegebenenfalls an
offensiven Aktionen gegen den Irak teilzunehmen. Der
saudische König Fahd war zuvor bereits dieselbe
Verpflichtung eingegangen.
14.Januar
Die 250 Abgeordneten der irakischen Nationalversammlung stimmen per Akklamation für einen Krieg,
anstatt sich den Forderungen der Vereinten Nationen
nach einem Rückzug aus Kuwait zu beugen. Die
Abgeordneten erheben sich von ihren Plätzen und
rufen "lang lebe Saddam" und rezitieren Verse aus
dem Koran, in denen das Märtyrertum in der Schlacht
gepriesen wird.

,

Die zwölf Außenminister der Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaft (Belgien, Dänemark, Deutschland, Griechenland, Großbritannien, Irland, Italien,
Luxemburg, Niederlande, Portugal und Spanien) beschließen einstimmig, keine Friedensmission in letzter
Minute nach Bagdad zu entsenden. Sie verständigen
sich darauf, keine Einzelinitiativen zu ermutigen.
Bei seiner Rückkehr nach New York bekräftigt UNGeneralsekretär Javier Perez de Cuellar, ihm sei "von
der irakischen Regierung nichts angeboten worden,
was ich als Schritt zum Frieden betrachten kann. Was
mich betrifft, so habe ich getan, was ich tun muß - ich
weiß nicht, ob andere etwas tun werden, aber es
scheint mir, daß es vielleicht ein wenig zu spät ist, um
noch weitere Friedensbemühungen zu starten." Bei
einer Zwischenlandung in Paris hatte Perez de Cuellar
erklärt, er habe mit Präsident Mitterrand, dem britischen Premierminister Major, dem luxemburgischen
Außenminister Jacques Poss, der gegenwärtig den
Vorsitz in der EG führt, sowie den Botschaftern der
*
AMERIKA DIENST 2

Vereinigten Staaten und der Sowjetunion gesprochen.
Mitterrand habe dabei keine Alternativen angeboten.
Der Generalsekretär der Organisation der Islamischen
Konferenz, Hamid Algabid, erneuert von Jeddah aus
den Appell an den irakischen Führer, den Geboten des
Islam zu folgen und den Krieg zu vermeiden.
Der Jemen als einziges arabisches Mitglied des Sicherheitsrats schlägt in den arabischen Hauptstädten
einen Sechs-Punkte-Friedensplan vor, der jedoch bei
den Vereinten Nationen nicht weiterverfolgt wird.
Französische Diplomaten legen eine Friedensinitiative
vor, die den Abzug des Irak aus Kuwait fordert und
Garantien enthält, daß der Irak nach dem Abzug nicht
angegriffen würde. UN-Streitkräfte würden zur Aufrechterhaltung des Friedens eingesetzt. Angeblich
soll der UN-Sicherheitsrat nach der Einigung über
einen Zeitplan fürden Rückzug einen "aktiven Beitrag"
zur Lösung anderer Nahostprobleme leisten, darunter
die Einberufung einer internationalen Friedenskonferenz "zum geeigneten Zeitpunkt".
Der amerikanische UNO-Botschafter Thomas Pickering lehnt den französischen Vorschlag ab, weil die
Vereinigten Staaten "keine Schritte unterstützen, die
ein künstliches Junktim schaffen" oder den zwölf bereits verabschiedeten UNO-Resolutionen zuwiderlaufen.
Der Exekutivausschuß der Weltgesundheitsorganisation lehnt mit 11 zu 3 Stimmen bei 8 Enthaltungen
einen vom Irak beantragten Tagesordnungspunkt ab,
der eine Diskussion über das UN-Embargo auf Medikamente, Impfstoffe und Nahrungsmittel für Menschen
in Notlagen vorsieht. Die WHO erklärt, es genüge ihr,
daß der UN-Sicherheitsrat mit seinen 12 Resolutionen
zur Golfkrise die notwendigen Schritte unternommen
habe, um den irakischen Bedarf an medizinischen
Gütern zu berücksichtigen. Sie stellt darüber hinaus
fest, dem Irak sei mitgeteilt worden, er könne die von
ihm angeforderten medizinischen Güter, Milch und
Säuglingsnahrung bei Erstattung der Kosten von der
WHO beziehen. Der Irak habe die WHO jedoch nicht
gebeten, dies zu tun.
15. Januar
Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Perez de
Cuellar, fordert den irakischen Präsidenten Saddam
Hussein in einem letzten Appell auf, "den Lauf der
Ereignisse von einer Katastrophe abzuwenden". Am
Vorabend des Ablaufs der von den Vereinten Nationen
fürden irakischen Rückzug aus Kuwait gesetzten Frist
drängt Perez de Cuellar den Irak, "unverzüglich mit
dem vollständigen Abzug aus Kuwait zu beginnen".

* * *

*

Seite 3

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Golfkrise&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Baker: keinerlei Flexibilität des Iraks erkennbar &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Pressekonferenz des US-Außenministers in Genf&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Krise am Golf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Amerikanische Pressestimmen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Golfkrise&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Chronologie der Ereignisse vom 1. bis 15. Januar 1991&lt;/em&gt;</text>
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U.S. Information Service
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. C.TA.V.

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23.Januar 1991

GOLFKRISE

BUSH: OPERATION WUSTENSTURM
WIRD LÄNGER ANDAUERN
Pressekonferenz des Präsidenten
DER KRIEG AM GOLF
Amerikanische Pressestimmen

THEMENINDEX

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

DER AMERIKA DIENST
(2. Halbjahr 1990)

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 23 66
Telex: 8-85432

�GOLFKRISE
23. Januar 1991

BUSH: OPERATION WÜSTENSTURM WIRD
LÄNGER ANDAUERN
Pressekonferenz des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush zufolge haben sich die Streitkräfte der Vereinigten Staaten und der
Koalition bei der Operation Wüstensturm "tapfer, professionell und effektiv" verhalten, man müsse sich jedoch
vergegenwärtigen, daß die Aktion noch Zeit in Anspruch nehmen wird.
"Saddam Hussein hat seit zehn Jahren nahezu alle Ressourcen des Irak für den Aufbau dieser mächtigen
Militärmaschinerie verwendet. Wir können nicht erwarten, sie über Nacht zu vernichten," erklärte Bush bei einer
Pressekonferenz am 18. Januar 1991.
Der Präsident fügte hinzu, "wir müssen realistisch sein, Es wird Verluste geben. Hindemisse werden sich
auftürmen. Ein Krieg ist niemals billig oder einfach."
Bush zufolge wird der Aufbau einer neuen Weltordnung "eine sehr kluge Diplomatie" erfordern, sobald der Krieg
gegen den Irak gewonnen ist. "Wenn all dies vorüber ist", so Bush, "wollen wir die Wunden heilen. Wir wollen
alles in unserer Macht Stehende tun, um das zu fördern, was ich optimistisch als neue Weltordnung bezeichnen
möchte."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Pressekonferenz von Präsident Bush im Wortlaut.

Bush: Ich möchte eine kurze Einführung voranschikken und werde dann gern Ihre Fragen entgegennehmen.
Vor 37 Stunden hat die Operation Wüstensturm und
die Befreiung Kuwaits begonnen. So weit, so gut. Die
Streitkräfte der Vereinigten Staaten und der Koalition
haben sich tapfer, professionell und effektiv verhalten.
Man muß sich jedoch zwei Dinge vergegenwärtigen:
Erstens, die Aktion wird noch einige Zeit in Anspruch
nehmen. Saddam Hussein hat seit zehn Jahren
nahezu alle Ressourcen des Irak für den Aufbau dieser
mächtigen Militärmaschinerie verwendet. Wir können
nicht erwarten, sie über Nacht zu vernichten, insbesondere, wenn wir Verluste bei den Streitkräften der
Vereinigten Staaten und der Koalition und die Leiden
unschuldiger Zivilisten so gering wie möglich halten
wollen.
Zweitens, wir müssen realistisch sein. Es wird Verluste geben. Hindernisse werden sich auftürmen. Ein

AMERIKA DIENST 3

Krieg ist niemals billig oder einfach. Und ich sage dies
nur, weil mich die anfängliche Euphorie in einigen
Berichten und Reaktionen auf die Entwicklung des
ersten Tages mit Besorgnis erfüllen. Niemand sollte
letztlich den Erfolg in Zweifel ziehen oder in Frage
stellen, weil wir uns behaupten werden. Aber ich möchte
auch nicht, daß wir darüber allzu euphorisch werden.
Unsere Ziele haben sich nicht verändert. Wir streben
immer noch dasselbe an wie die internationale Staatengemeinschaft, das heißt, den vollständigen und
bedingungslosen Abzug des Irak aus Kuwait und die
uneingeschränkte Einhaltung der Resolutionen des
UN-Sicherheitsrats.
Ich möchte ferner darauf hinweisen, wie empört ich
über den jüngsten irakischen Akt der Aggression bin in diesem Fall gegen Israel. Wiederum erkennen wir,
daß kein Nachbar des Irak sicher ist. Ich möchte hier
in aller Öffentlichkeit betonen, wie sehr ich Israels
Zurückhaltung von Anbeginn dieser Krise an begrüße.

Seite 1

�Ministerpräsident Schamir und seine Regierung haben
großes Verständnis für die Interessen der Vereinigten
Staaten und anderer an dieser Krise beteiligter Koalitionsmitglieder bewiesen.
Wir stehen weiterhin in engen Konsultationen mit
Israel. Gleichzeitig führen wir enge Konsultationen mit
unseren Koalitionspartnern. Erst vor wenigen Minuten
habe ich mit dem kanadischen Premierminister Brian
Mulroney gesprochen. Heute morgen habe ich eine
lange Unterredung mit dem sowjetischen Präsidenten
Gorbatschow geführt, in der wir die Lage am Golf
eingehend erörtert haben. Und natürlich habe ich die
Gelegenheit ergriffen, um erneut meiner tiefen Besorgnis über die baltischen Staaten Ausdruck zu verleihen und die Notwendigkeit für eine friedliche Lösung
der dortigen Situation zu unterstreichen.
Ich möchte an dieser Stelle schließen und nochmals
darauf hinweisen, wie sehr wir die Taten unserer
Soldaten zu schätzen wissen. Dieses Land ist sich
einig. Natürlich gibt es Proteste, aber grundsätzlich
sind wir uns einig. Und ich möchte, daß diese Botschaft all denen vermittelt wird, die für dieses Land
kämpfen.
In der Zeitung habe ich einen Kommentar gelesen,
dessen Autor besorgt war, daß die Demonstrationen in
diesem Land, die er im Fernsehen gesehen hatte, den
Willen des Volkes repräsentieren könnten. Unseren
Soldaten am Golf möchte ich bei dieser Gelegenheit
sagen, daß Ihr Land hinter Ihnen steht, wie es auch der
Kongreß mit überwältigender Mehrheit bestätigt hat.
Bei Ihnen allen darf kein Zweifel darüber aufkommen
- Sie haben die volle und einhellige Unterstützung der
Vereinigten Staaten. Ich grüße Sie. Sie verdienen
unsere uneingeschränkte Unterstützung, und wir können
stolz auf Sie sein.
Frage: Haben die Vereinigten Staaten Israel gebeten,
keinen Vergeltungsschlag gegen den Irak zu führen,
und welche Zusagen haben die Vereinigten Staaten
bei diesen mit Israel geführten Konsultationen erhalten? Wie lange wird Israel Ihrer Ansicht nach nicht
eingreifen, wenn diese Angriffe andauern?
Antwort: Diese gegenwärtig mit Israel erörterten
Themen werde ich vertraulich behandeln. Keine Frage, daß der Angriff auf Israel eindeutig einen Terroranschlag darstellt. Er hatte militärisch überhaupt keine
Bedeutung. Und diese Art von Agriff ist symptomatisch für die Art von Staatsmann, wie ihn die Welt mit
Saddam Hussein vor sich hat. Und - ich wiederhole es
nochmals - der Mann wird besiegt werden.
Aber Israel hat große Zurückhaltung bewiesen. Das
habe ich bereits erklärt. Meiner Meinung nach können
wir alle verstehen, daß sich daraus für das Land eigene
Probleme ergeben. Aber darauf möchte ich nicht
näher eingehen, weil wir uns mit Israel mitten in
Konsultationen befinden. Ebenso wie wir möchten sie

Seite 2

nicht, daß sich der Krieg ausweitet, sie sind aber
dennoch entschlossen, ihre Bevölkerung zu schützen.
Und ich kann Ihnen versichern, daß unsere Verteidigungsfachleute mit unseren Befehlshabern in engem
Kontakt stehen, um sicherzustellen, daß wir alles in
unserer Macht Stehende tun, um die Stützpunkte der
Raketen zu zerstören, die nicht nur in Israel, sondern
in anderen, unbeteiligten Ländern Verwüstungen anrichten können. Dabei möchte ich es belassen, und ich
bin zuversichtlich, daß dieses Problem gelöst werden
kann.
Frage: Sind Sie besorgt, daß der Krieg einen anderen
Verlauf nehmen könnte?
Antwort: Meiner Ansicht nach sollten wir uns vor
allem hüten, das den Lauf des Krieges verändern
könnte. Ich denke, jedem ist klar, was Saddam Hussein versucht hat zu tun, um dem Krieg eine andere
Richtung zu geben und die Koalition zu schwächen.
Dabei wird er scheitern. Als die Sowjetunion eine so
eindeutige Erklärung abgab, war das sehr beruhigend.
Darüber hinaus stehen wir in engen Konsultationen mit
unseren Koalitionspartnern, und diese Koalition wird
nicht auseinanderbrechen. Davon bin ich überzeugt.
Frage: Vor zwei Tagen haben Sie einen Krieg begonnen, und der Krieg hat immer zwei Seiten. Warum
sollten Sie überrascht oder empört sein, wenn es zu
einem Vergeltungsschlag kommt?
Antwort: Gegen ein Land, das unschuldig und unbeteiligt ist - darum geht es doch. Israel ist nicht beteiligt.
Israel ist nicht an den Kämpfen beteiligt. Und dieser
Mann hat entschieden, ohne jedweden militärischen
Plan einen Terroranschlag gegen israelische Städte
zu führen. Es ist empörend, die ganze Welt weiß es,
und die meisten Länder der Welt sprechen sich dagegen aus. Einen solchen Akt kann man nur verdammen.
Frage: Warum erachtet das Weiße Haus alle Bestrebungen um eine friedliche Lösung als zum Scheitern
verurteilt?
Antwort: Meiner Meinung nach ist sich die Welt in
ihrem Wunsch einig, daß die UNO-Resolutionen eingehalten werden sollen. Jeder möchte einen Weg
finden, um die Kämpfe zu beenden. Aber es wird kein
Ende geben, wenn keine vollständige Einigung, Kooperation und Einhaltung dieser UNO-Resolutionen erzielt
wird. Dieser Mann wird keinen Sieg davontragen,
indem er Terroranschläge gegen ein unbeteiligtes
Land führt, und ich spreche hier von Israel.
Ich denke, jeder wünscht ein Ende herbei, aber es wird
kein Ende geben, bevor nicht unsere Ziele vollständig
erfüllt sind.
Frage: Sie haben vor einigen Wochen an dieser Stelle
versichert und heute wiederum bekräftigt, daß sich die

AMERIKA DIENST 3

�Koalition einem Versuch der Einbeziehung Israels
widersetzen würde oder vielleicht sogar Israels Vergeltung gegen einen Angriff. Könnten Sie uns heute
näher erläutern, worauf sich diese Aussage stützt?
Antwort: Ein Großteil der Diplomatie hat hinter den
Kulissen stattgefunden, und ich bin zu diesem Thema
sehr zuversichtlich.
Frage: Dazu noch eine Frage. Eine besonders
schwierige Situation ergibt sich für Jordanien, das in
dieser Region eine besonders exponierte Stellung hat.
Können Sie uns über mögliche Vereinbarungen oder
diplomatische Initiativen informieren, mit denen Jordanien möglicherweise Zusicherungen gemacht werden
oder mit denen Jordanien überzeugt werden soll,
nichts zu unternehmen, oder darüber, was geschehen
würde, wenn sie etwas unternehmen?
Antwort: Meines Wissens gibt es zum gegenwärtigen
Zeitpunkt diesbezüglich keine Absprachen mit Jordanien. Daher konnte ich dazu nicht Stellung nehmen.
Frage: Gestern nacht gab es Anzeichen - ich weiß,
daß Sie uns nicht sagen können, was im Moment vor
sich geht - aber gestern nacht schien es, als ob
israelische Flugzeuge in Richtung Irak abhoben. Hat
unsere Regierung einen geplanten israelischen Vergeltungsschlag vereitelt?
Antwort: Nein.
Frage: Zweitens, versuchen wir, Saddam Hussein zu
töten? Wir haben mehrere Gebäude bombardiert, in
denen er sich gestern nacht aufgehalten haben könnte.
Antwort: Wir haben keine Einzelpersonen zum Ziel.
Frage: Können Sie dem israelischen Volk irgendwelche Zusagen machen, daß die Zurückhaltung der
israelischen Regierung keine Risiken für die Bevölkerung in sich birgt?
Antwort: Meines Erachtens wissen sie um unsere
Entschlossenheit, sie nach oder vor diesem Angriff zu
schützen. Und wir werden unsere Bemühungen mit
dem entscheidendsten Such- und Vernichtungseinsatz verdoppeln, der je in diesem Gebiet geführt wurde. Ich hoffe, daß dies für die israelische Bevölkerung
beruhigend ist.
Frage: Könnte es sein, daß Saddam Hussein ein sehr
viel größeres Durchhaltevermögen besitzt als ursprünglich angenommen, oder gründet sich diese Annahme
auf einen bevorstehenden Landkrieg, der sich aller
Voraussicht nach in die Länge zieht?
Antwort: Nein, ich glaube nicht, daß irgendetwas auf
ein größeres Durchhaltevermögen als angenommen
hindeutet. Ich warne jedoch vor einer gewissen Euphorie, die sich gestern hier abzeichnete, weil alles
außerordentlich gut verlief - vom militärischen Stand-

AMERIKA DIENST 3

punkt aus außergewöhnlich gut. Das wurde auf der
ganzen Welt mit Freude aufgenommen. Ich möchte
nur davor warnen, daß es nicht immer so leicht sein
wird. Wir haben unsere Einschätzung über die Schwierigkeit der vor uns liegenden Aufgabe nicht revidiert.
Frage: Sie sagten, die Israelis hätten Zurückhaltung
gezeigt. Sind Sie sicher, daß sie auch weiterhin
zurückhaltend sein werden?
Antwort: Wir arbeiten daran, und ich hoffe, sie werden
zurückhaltend sein. Sie waren sehr kooperativ.
Außenminister Baker hat gestern abend mit Premierminister Schamir gesprochen. Ich werde wahrscheinlich in wenigen Minuten mit ihm telephonieren und
könnte diese Frage anschließend besser beantworten. Ich denke jedoch, sie sind sich über die Vielschichtigkeit dieser Situation im klaren. Wir sind es
zweifelsohne. Aber was auch immer geschieht - ich bin
sicher, daß diese Koalition zusammenhalten wird.
Frage: Werden Sie Premierminister Schamir eine
verbindliche Zusage machen können, daß alle Raketenstützpunkte zerstört sind?
Antwort: Das Problem hierbei ist, daß wir ihm nur
bezüglich einiger Raketenstützpunkte verbindliche
Zusagen machen können, weil es sich um mobile
Raketen handelt, die versteckt werden können.
Ich weiche hier etwas von meinem Terrain ab, weil ich
dem Verieidigungsministerium versprochen habe, auf
diese militärischen Fragen antworten zu dürfen. Aber
es liegt wohl auf der Hand, daß es außerordentlich
schwierig ist, die Erfassung aller mobilen Raketen
sicherzustellen, wenn man sie so verstecken kann, wie
es die Iraker getan haben.
Frage: Sie sagen, es liegen harte Tage vor uns. Es
gab jedoch auch ziemlich viele Diskussionen über die
unerwartet geringe Reaktion seitens der Iraker. Haben
Sie das erörtert, und was denken Sie? Wie läßt sich
dies Ihrer Ansicht nach erklären?
Antwort: Ich weiß es nicht. Ich denke, daß sie mit
jeder Stunde weniger zu einer Reaktion in der Lage
sein werden. Und ich sage das ohne Angeberei. Ich
sage dies nur, weil es das ist, was dort geschieht.
Es kann sehr gut sein, daß Saddam Hussein seine
mobilen Raketen zurückgehalten hat und sie beispielsweise dann auffährt, wenn er glaubt, sie seien unentdeckt und einige dieser Raketen mitten ins Stadtzentrum von Haifa abfeuert, um eine Art politische Aussage zu machen. Es könnten jedoch noch weitere
Raketen auf andere Länder gerichtet sein. Wer weiß?
Aber im Hinblick auf seine Fähigkeit zu einer militärischen Reaktion kann ich der Welt garantieren, daß er
mit jeder Stunde weniger zu einer Reaktion in der Lage
sein wird, sich gegen die gesamte Welt zu stellen - die
in diesen UNO-Resolutionen ausgedrückte Meinung
der Welt.

Seite 3

�Frage: Verfügen Sie über definitive nachrichtendienstliche Erkenntnisse, die darauf hindeuten, daß
immer noch eine akute Bedrohung mit chemischen
Waffen von Saddam Hussein ausgeht?
Antwort: Meines Erachtens besteht eine Bedrohung,
weil chemische Waffen verbreitet wurden. Er hat sie
gegen sein eigenes Volk eingesetzt. Und davor sind
unsere Truppen, das israelische Volk und natürlich alle
anderen in der Region gewarnt worden. Ich kann nicht
sagen, daß alle chemischen Waffen vernichtet wurden. Ich habe in meinen Ausführungen im Oval Office
festgestellt, daß seine Fähigkeit zur Herstellung chemischer Waffen nicht existiert. Ich möchte Sie mit
dieser Frage jedoch ans Pentagon verweisen.
Frage: Dies ist das erste Mal, daß es andauernde
Erörterungen zwischen amerikanischen Soldaten und
arabischen Streitkräften gegeben hat. Bezüglich der
Reaktion der arabischen Welt bestanden enorme
Bedenken. Wie besorgt sind Sie über dieses Problem
nun, da der Krieg ausgebrochen ist? Kann irgendetwas getan werden, um den Schaden an den Beziehungen zwischen den arabischen Ländern und den Vereinigten Staaten so gering wie möglich zu halten?
Antwort: Sie sprechen darüber nicht im Zusammenhang mit dem Angriff auf Israel?
Frage: Mehr im Hinblick auf die arabischen Nationalisten.
Antwort: Ich bin nie davon ausgegangen, daß die
Araber gegenüber dem jetzigen Vorgehen eine ablehnende Haltung einnehmen würden. Wenn man sieht,
wie die Arabische Liga und selbst Ägypten mit der
größten Bevölkerungszahl der arabischen Länder uns
uneingeschränkt unterstützt, dann ist die Idee, die
Saddam Hussein zu verkaufen suchte - Araber gegen
Amerikaner - ein Scheinargument.
Wahrscheinlich befinden sich im Augenblick arabische
- kuwaitische oder saudische - Streitkräfte in der Luft.
In dieser Koalition gibt es ein starkes arabisches
Element. Innerhalb der Arabischen Liga sind viele
Länder gegen Saddam Hussein eingestellt und haben
lange das Gefühl gehabt, von ihm tyrannisiert zu
werden. Und es an der Zeit sei, seine Aggression zu
beenden. Daher mache ich mir diesbezüglich auf
lange Sicht keine Sorgen. Wenn all dies vorüber ist,
werden wir sehr diplomatisch vorgehen müssen, aber
zum gegenwärtigen Zeitpunkt bin ich davon überzeugt, daß viele Menschen und die Mehrheit der
arabischen Bevölkerung verstehen und billigen, was
die Vereinten Nationen getan haben und jetzt tun. Ich

* *

Seite 4

mache mir also keine Sorgen.
Es gibt natürlich einige andere Elemente, die mich in
gewisser Weise beunruhigen, aber mehr für die Zukunft gesehen als in der Gegenwart. Wenn all dies
vorüber ist, wollen wir die Wunden heilen. Wir wollen
alles in unserer Macht Stehende tun, um das zu
fördern, was ich optimistisch als neue Weltordnung
bezeichnen möchte.
Diese neue Weltordnung sollte jedoch eine versöhnende Komponente enthalten. Sie sollte den Ländern,
die sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt auf der anderen
Seite befinden - und davon gibt es nicht sehr viele verdeutlichen, daß sie Teil dieser neuen Weltordnung
sind. Sie bilden einen Teil dieses Ganzen - sie können
eine wichtige Rolle dabei spielen, daß die Welt im
Nahen Osten und andernorts in Frieden leben kann.
Natürlich sind einige gegen uns. Es gibt einige radikalere Elemente, die immer gegen den Westen und die
Vereinigten Staaten sein werden.
An dieser Aktion sind Länder beteiligt, die - um einen
antiquierten diplomatischen Ausdruck zu gebrauchen
- Saddam Hussein und dem Irak zugeneigt waren, die
in dieser neuen Weltordnung eindeutig im Vordergrund stehen. Ich schreibe Jordanien nicht ab. Wir
unterhalten seit Jahrzehnten Beziehungen zu König
Hussein, aber er befindet sich in einer äußerst schwierigen Lage. Wir hatten einige Differenzen, und ich
würde es begrü ßen, wenn er in der Öffentlichkeit etwas
grö ßeres Verständnis für das was die Vereinten Nationen hier zu vollbringen versuchen und die Rolle der
Vereinigten Staaten zeigen würde. Ich möchte damit
keinesfalls andeuten, daß Jordanien, weil es diese
Position bezogen hat, nicht weiterhin ein außerordentlich wichtiges Land in dieser neuen Weltordnung sein
wird. Ich wehre mich gegen die Prämisse, die Saddam
Hussein der Welt verkaufen wollte, daß es hier um die
arabische Welt gegen die Vereinigten Staaten gehe.
Es gibt überwältigende Beweise dafür, daß er unrecht
hat. Er versuchte offensichtlich, die Aufmerksamkeit
der Welt von seiner brutalen Aggression gegen Kuwait
abzulenken. Sie haben es in der Pressekonferenz von
Außenminister Asis gehört. Wenn es je einen Beweis

•.

i

.

für meine Worte gab, dann sein Verhalten bei dieser
Pressekonferenz.
i

Meines Erachtens herrscht Einverständnis mit unserem Vorgehen. Und vielleicht sogar Respekt für die
Koalition, denn ich glaube, die arabische Welt sieht
ebenso wie ich, daß sich hieraus eine Chance für
dauerhaften Frieden ergeben kann.

* *

*

AMERIKA DIENST 3

�GOLFKRISE
23. Januar 1991

DER KRIEG AM GOLF
Amerikanische Pressestimmen
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus Leitartikeln in der amerikanischen Tagespresse, die sich mit dem
Kriegsausbruch am Persischen Golf befassen.

The New York Times
Saddam Hussein konnte die Botschaften weder überhört noch mißverstanden haben, die ihm vom Rest der
Welt wiederholt übermittelt wurden, nachdem sich
seine Truppen im vergangenen August Kuwait einverleibt hatten. Sicherlich kann er die Botschaft nicht
überhört haben, die Mittwoch nacht durch Wellen von
Bombern und Raketen übermittelt wurde.
Dies ist eine gerechte Botschaft, die vornehmen Zielen
dient.
Damit sollen weder der Irak zerstört, noch Tausende
von Zivilisten getötet werden, und damit soll auch nicht
die gesamte Angelegenheit so schnell wie möglich mit
dem größtmöglichen Einsatz von Gewalt erledigt werden.
Die Vereinigten Staaten und die Vereinten Nationen
haben die Ziele definiert.
Das Ziel ist die Befreigung Kuwaits, wie der Präsident
Mittwoch abend mit großem Ernst erklärte; die Stabilität in der Region soll gesichert werden; Saddam
Husseins Würgegriff um die Energiereserven der Welt
soll abgewendet und die Krise in einer Art und Weise
bewältigt werden, die einen entschiedenen, angemessenen Präzedenzfall für die Aufrechterhaltung kollektiver Sicherheit in der Welt nach dem kalten Krieg
schafft.
Die Verwirklichung dieser Ziele hängt in erster Linie
von Saddam Hussein ab. Alle von ihm ausgesandten
Anzeichen deuten jedoch darauf hin, daß er ein eiskaltes Kalkül verfolgt.
Nachdem er im achtjährigen iranisch-irakischen Krieg
Hunderttausende von Toten und Verwundeten in Kauf
genommen hat, mag er heute davon überzeugt sein,
AMERIKA DIENST 3

daß er in einem sich hinziehenden Landkrieg viele
tausend weitere hinnehmen kann - während ein paar
tausend Verluste die amerikanische Öffentlichkeit zu
hastigen, zaghaften Verhandlungen veranlaßten...
Die Amerikaner stehen gemeinsam hinter den amerikanischen und anderen Streitkräften, die ihr Leben
gegen einen brutalen Tyrannen einsetzen. Darüber
hinaus können sie gemeinsam inbrünstig hoffen, daß
Saddam Hussein endlich zuhört.
The Washington Post
Mit dem Eintritt der Nation in den Krieg stehen die
Amerikaner zweifelsohne geschlossen zu denen, die
für sie kämpfen, ungeachtet der politischen Meinungsunterschiede, die eine andauernde nationale Debatte
ausgelöst haben. Jetzt, da der Präsident die Entscheidung getroffen hat, trägt er als Oberbefehlshaber der
Streitkräfte die Verantwortung dafür, dieses Gut mit
der größtmöglichen Sorge zu behandeln, die im Einklang mit den Zielen der Aktion steht. Daran wird der
Präsident zunächst gemessen werden. Seine nüchterne Ansprache an die Nation vom gestrigen Abend
zeigte deutlich, daß er beabsichtigt, dieser Verpflichtung gerecht zu werden.
Unserer Meinung nach hat Mr. Bush seine Sache
überzeugend dargelegt. An der Bedrohung, die Saddam Hussein für das amerikanische Interesse an einer
geordneten Welt darstellte, kann kein Zweifel bestehen. Er hat nicht nur einen souveränen Staat überfallen, vergewaltigt und von der Landkarte ausradiert - ein
Akt nackter Aggression, der ihn jedoch noch nicht
hinreichend von all den anderen Tyrannen unterscheidet. Das Charakteristische an dieser Bedrohung ist die
Kombination von strategischer Lage, seinem immen-

Seite 1

�sen Ehrgeiz, seiner Skrupellosigkeit und seinem Haß
gegenüber dem Westen mit der Fülle an Waffen, mit
denen er seine Ziele erreichen will. Saddam Hussein
hoffte - und besaß die Fähigkeit -, nach Kuwait eine
Region zu destabilisieren und dominieren, die für das
weltweite Gleichgewicht entscheidend ist.
Der Präsident hat verkündet, daß britische und saudische Flugzeuge zusammen mit den Amerikanern am
ersten Schlag beteiligt waren. Trotzdem werden Fragen zum amerikanischen Anteil an den Lasten und
dem Zeitpunkt der Militäraktion den Beginn der Feindseligkeiten wahrscheinlich überdauern...
The Philadelphia Inquirer
Der Kriegsbeginn kann unsere Überzeugung nicht
revidieren, daß Präsident Bush zu früh vom Embargo
zum Krieg übergegangen ist. Wie Millionen Amerikaner (offensichtlich jedoch nicht die Mehrheit) waren
auch wir der Ansicht, daß die Zeit zum Krieg noch nicht
angebrochen war - nicht, bevor das Embargo sich als
völliger Fehlschlag erwiesen hätte und nicht, bevorder
Diplomatie eine weitere Chance eingeräumt worden
wäre.
Präsident Bush jedoch hat anders entscheiden... Und
er tat dies, nachdem der Kongreß leidenschaftlich über
alle Optionen debattiert und ihm eindeutig die Befugnis
erteilt hatte, so zu handeln. Nicht einmal seine Kritiker
werden sagen können, er habe seine verfassungsmäßigen Vollmachten überschritten.
In diesem ernsten Moment können alle Amerikaner in
der Achtung für den Dienst, den Mut und die potentiellen Opfer von Hunderttausenden von Männern und
Frauen vereint sein, die sich der Gefahr aussetzen...
Und nun können sich die Amerikaner auch ohne Zwist
oder Parteilichkeit in der Hoffnung zusammenschließen, daß dieser Krieg rasch beendet wird, daß die
Vereinten Nationen ihr Ziel der Befreiung Kuwaits
verwirklichen werden und der Blutzoll auf beiden Seiten weniger groß als befürchtet ausfällt. Schließlich ist
dies eine Zeit zum Gebet dafür, daß die Nationen einen
gerechten und dauerhaften Frieden aus der Asche des
Krieges erstehen lassen.
The Baltimore Sun
Mit Ausbruch des Kriegs am Persischen Golf sollte das
amerikanische Volk nicht nur zusammenstehen, um
unsere kämpfenden Truppen zu unterstützen, sondern um die hehren Prinzipien durchzusetzen, die
unserem Eingreifen zugrundeliegen. Der Tag, an dem
wir darüber streiten konnten, ob wir jetzt oder später
eingreifen, ob wir Gewalt oder Sanktionen einsetzen,
ist vorbei.
Bei diesem Konflikt geht es nicht nur um Öl, obwohl
Kontrolle über die wichtigsten Energievorräte der Welt
kein unwichtiger Faktor ist. Es geht nicht allein darum,
in Kuwait einem feudalistischen Emirat wieder an die
Seite 2

Macht zu verhelfen oder den skrupellosen irakischen
Diktator zu stürzen, obwohl diese Ziele an sich verdienstvoll wären.
Dies ist vielmehr ein Kampf für die Rechtsstaatlichkeit
in einer Welt, die für Rechtlosigkeit äu ßerst anfällig ist.
Es ist eine Schlacht, in der ein für allemal festgelegt
werden muß, daß der Untergang der kommunistischen Diktatur nicht von einem Machtvakuum gefolgt
wird, in dem regionale Tyrannen den Vereinten Nationen die Stirn bieten, Nachbarn erpressen und sich über
die Grundregeln von Würde und Anstand hinwegsetzen. Es geht bei diesem Kampf um Frieden, Ordnung
und Stabilität.
Vor etwa 50 Jahren, am Tag nach Pearl Harbor, hieß
es in dieser Zeitung, "wir können und werden nicht
hinnehmen, daß die Ehre aller Länder der Welt zerstört
wird, die Schwachen den Starken Tribut entrichten
müssen und die Welt und ihre Ressourcen unter den
selbsternannten Herrschern über die Menschlichkeit
aufgeteilt werden". An Größe kann Saddam Hussein
es nicht mit Hitler oder Tojo aufnehmen. Aber die
Massenvernichtungswaffen, über die heute Inhaber
von Petrodollars und rücksichtslosem Ehrgeiz verfügen sind so grauenhaft, daß verbrecherische Regime
in Schach gehalten werden müssen...
Dies ist ein Moment für Gebete, Standfestigkeit, für
den Glauben an die Rechtmäßigkeit der Sache unseres Landes. Wir ziehen zögernd, aber entschlossen in
den Krieg.
The Wall Street Journal
Beim Ausbruch des Krieges am Golf steht Amerika fest
zusammen. Später werden wir genug Zeit haben, um
die Veränderungen zu bewerten, die dieser Konflikt im
politischen Leben der Vereinigten Staaten und der
Welt hervorrufen wird. In diesem Augenblick ist es
richtig, vereint hinter den US-Streitkräften und ihren
Koalitionspartnern zu stehen, um den gemeinsamen
Feind zu besiegen.
Es darf kein Zweifel daran bestehen, daß Saddam
Hussein ein Feind all der Männer und Frauen ist, die
jetzt ihr Leben riskieren, um seine Pläne zu durchkreuzen. Seit Monaten hat er in erstaunlich harten und
gewalttätigen Worten seine Absicht und Bereitschaft
bekundet, seine Waffenarsenale gegen die Soldaten
Amerikas, Israels und anderer Länder einzusetzen.
Um dieses Ziel zu verwirklichen, hat Saddam Hussein
eine Armee mit modernen Waffen aufgestellt, die
gegebenfalls durch die Geißel chemischer und nuklearer Waffen ergänzt werden kann.
Er wird keinen Erfolg haben. Es ist unsere Überzeugung, daß das amerikanische Volk über die militärische Stärke und den politischen Willen verfügt, um
Saddams ruchlosen Raubzug niederzuschlagen.
Präsident Bush hat vergangene Nacht erklärt, "was
getan werden muß", um sicherzustellen, daß Männer
AMERIKA DIENST 3

�vom Schlage Saddams Husseins nicht die freie Welt in
den Würgegriff nehmen, deren Zukunft sich so verheißungsvoll darstellt.
USA Today
Saddam stellt eine echte, keine eingebildete Gefahr
dar. Sein unverfrorenes Ziel bestand - und besteht
vielleicht immer noch - darin, die arabische Welt zu
beherrschen.

Jetzt, da der Krieg begonnen hat, mu ß der erste Schritt
darin bestehen, ihn so schnell und mit so geringen
Verlusten wie möglich zu beenden. Zweitens muß für
die Menschen in Amerika maximale Sicherheit vor
terroristischen Vergeltungsschlägen gewährleistet sein.
Dann muß die Nation sich an die Beantwortung der
schwierigen Fragen begeben, die sich nach einem
Sieg stellen:
Wie wird uns dieser Krieg davor bewahren, in
dieser Region jemals wieder kämpfen zu müssen? Wie kann der Sieg genutzt werden, um die
gefährlichste Region der Welt zu stabilisieren?

Um dieses Ziel zu erreichen, hätte er jedes Land am
Persischen Golf angegriffen, dem Öl zu Macht verholten hat. Er hätte versucht, die Demokratie in Ägypten
zu zerstören. Und er hat offen zugegeben, daß er
Israel vernichten würde.

Wie werden wir den Konflikt zwischen Palästinensern und Israelis lösen, dessen Beilegung
für den regionalen Frieden unabdingbar ist?

Solche Aktionen hätten zu einem Krieg geführt, bei
dem die Aussicht auf Sieg geringer und das Blutbad
größer gewesen wäre als heute.

Kann der Sieg helfen, den Terrorismus zu beenden und ein friedliches Betätigungsfeld für die
islamischen Fundamentalisten zu schaffen?

Als der Krieg wahrscheinlicher wurde, hat auch die
Redaktion von USA Today zu Geduld geraten - um
jeder Option außer einem Krieg eine Chance zu geben.
Das wäre ein klügerer Kurs mit der Möglichkeit gewesen, das Leben unschuldiger Menschen zu retten.
Aber die Ziele derjenigen, die Geduld angeraten haben
und des Präsidenten, der sich für Krieg ausgesprochen hat, sind deckungsgleich...

Wie können wir der Demokratie Vorschub leisten, um die Region zu stabilisieren, wenn es
sich bei den von uns verteidigten beiden Ländern um Monarchien handelt?
Heute befinden wir uns im Krieg, Mit der Zeit kommt
der Sieg...

* * * * *

AMERIKA DIENST 3

Seite 3

�THEMENINDEX
23. Januar 1991

DER AMERIKA DIENST
(2. Halbjahr 1990)
Nachstehend eine Liste der Themen, die im Amerika Dienst (2. Halbjahr 1990) erschienen sind. Angegeben
ist jeweils die Nummer der Ausgabe, in der das betreffende Thema behandelt wird.

THEMA

NUMMER DER AUSGABEN

APEC

30

Bush in Prag

46

Chemische Waffen,
Richtigstellung zu AD 29

31

Deutsch-Amerikanischer Tag

40

Deutsche Einheit

39,40

Deutschlandpolitik

36

Einwanderung

48

GATT

47, 48, 49

Golfkrise

Sonderdienst (10. 8. 1990)
32, 33, 34, 35, 36, 37, 38, 39, 41
42, 43, 44, 45, 46, 47, 48, 49, 50

AMERIKA DIENST 3

Seite 1

�Irak
Irak-UNO
IWF/Weltbank

Kernwaffen
KSE
KSZE
KSZE-Gipfel
Kongreß/Golf krise

Landwirtschaft

Meinungsumfragen in Amerika
Menschenrechte

NATO

Osteuropa

Sicherheitspolitik
Sowjetische Militärmacht
Südostasien

Terrorismus

Umwelt
US-Außenpolitik
USA-Europa
USA-UdSSR

Seite 2

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dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

30. Januar 1991

Unfted States Information S?-v!ö8
Embassy oi !f;a United S:;^:::. oi America

libtary Services
Deichmanns Aue 29

530G Bonn 2

BERICHT ZUR LAGE
DER NATION

BUSH VERSPRICHT ERFOLG DER
KOALITION AM GOLF
Bericht des Präsidenten zur Lage der Nation

GOLFKRISE

BUSH VERSPRICHT AUSSERSTE
ANSTRENGUNGEN ZUR BESEITIGUNG
DER ÖLKATASTROPHE IM PERSISCHEN GOLF
Pressekonferenz des Präsidenten
WIE DER IRAK SEINE
KRIEGSMASCHINERIE AUFBAUTE
Hintergrundinformation zu Iraks Militärapparat

GOLFKRISE/KSZE

MARESCA: DIE WELT HAT
SADDAM HUSSEIN GEWARNT
Botschafter Maresca bei der KSZE

WIRTSCHAFT

GREENSPAN: ENDE DER REZESSION IN DEN
USA GEGEN MITTE DES JAHRES ERWARTET
Rede des Direktors der US-Bundesbank
im Kongreß

BALTIKUM

DIE SITUATION IM BALTIKUM
Amerikanische Pressestimmen

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-33923 66
Telex: 8-85432

�BERICHT ZUR LAGE DER NATION
30.Januar 1991

BUSH VERSPRICHT ERFOLG
DER KOALITION AM GOLF
Bericht des Präsidenten zur Lage der Nation
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush verprach am 29. Januar 1991, die Bestrebungen der Koalition am
Persischen Golf "werden erfolgreich sein" und erklärte, die Aggression des irakischen Präsidenten Saddam
Hussein "wird sich nicht behaupten".
In seinem Bericht zur Lage der Nation konstatierte Bush, Saddam Husseins "nichtprovozierte Invasion" Kuwaits
"hat alles verletzt, was der internatioalen Staatengemeinschaft heilig ist. Die Welt hat erklärt, seine Aggression
werde sich nicht behaupten - und sie wird sich nicht behaupten."
Der Präsident erklärte ferner, es ermutige ihn, daß die Vereinigten Staaten nicht allein die finanzielle Belastung
des Kampfes um die Befreiung Kuwaits von der irakischen Besetzung tragen müssen.
"Im vergangenen Jahr haben unsere Freunde und Verbündeten den größten Teil der Kosten für die Operation
Wüstenschild getragen, und da ich inzwischen Zusagen im Umfang von über 40 Milliarden Dollar für die ersten
drei Monate des Jahres 1991 erhalten habe, bin ich zuversichtlich, daß sie während der Durchführung von
Operation Wüstensturm eingehalten werden," bemerkte Bush.
Die Rede des Präsidenten ging auf die Entwicklungen am Persischen Golf ebenso ein wie auf das Verhältnis
zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion, die Handelsbeziehungen, die US-Wirtschaft und andere
innenpolitische Themen, einschließlich Bürgerrechten, Verbrechensbekämpfung und Gesundheitswesen.
Nachfolgend veröffentlichen wir den Bericht des Präsidenten zur Lage der Nation im Wortlaut.

Herr Präsident, Herr Vorsitzender, verehrte Abgeordnete des amerikanischen Kongresses. Ich trete vor
dieses Haus des Volkes, um zu Ihnen und allen
Amerikanern zu sprechen, weil wir uns in einer entscheidenden Stunde befinden.
Auf der anderen Seite des Erdballs führen wir in der
Luft, zu Wasser und zu Lande einen großen Kampf.
Wir wissen, warum wir dort sind. Wir sind Amerikaner
und damit Teil eines übergeordneten Ganzen.
Seit zweihundert Jahren haben wir für die Freiheit hart
gearbeitet. Und heute abend führen wir die Welt in der
Machtprobe einer Bedrohung gegen Anstand und
Menschlichkeit.
Es steht mehr auf dem Spiel als nur ein kleines Land
- eine große Idee: eine neue Weltordnung, in der
unterschiedliche Nationen in einer gemeinsamen Sache
zusammenstehen, um die universellen Hoffnungen
der Menschheit zu verwirklichen: Frieden und Sicherheit, Freiheit und Rechtsstaatlichkeit. So sieht eine
AMERIKA DIENST 4

Welt aus, für die es sich zu kämpfen lohnt und die der
Zukunft unserer Kinder wert ist.
Die internationale Staatengemeinschaft ist einmütig
zusammengetreten, um die gesetzlose Aggression zu
verurteilen und zurückzuschlagen. Saddam Husseins
nichtprovozierte Aggression - seine ruchlose, systematische Vergewaltigung eines friedlichen Nachbarn hat alles verletzt, was der internationalen Staatengemeinschaft heilig ist.
Die Welt hat erklärt, seine
Aggression werde sich nicht behaupten - und sie wird
sich nicht behaupten.
Gemeinsam sind wir der Falle der Beschwichtigung,
des Zynismus und der Isolation entgangen, die für
Tyrannen eine große Versuchung darstellt. Die Welt
hat Saddam Husseins Invasion mit 12 UNO-Resolutionen beantwortet, beginnend mit der Forderung nach
dem unverzüglichen und bedingungslosen Abzug des
Irak und untermauert von Streitkräften aus 28 Ländern
in 6 Kontinenten. Mit wenigen Ausnahmen hält die
Welt jetzt zusammen.
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�Das Ende des kalten Kriegs war ein Sieg für die ganze
Menschheit. Vor anderthalb Jahren habe ich in Deutschland erklärt, unser Ziel sei ein ungeteiltes und freies
Europa. Heute ist Deutschland vereinigt. Europa ist
ungeteilt und frei geworden - und Amerikas Führungsrolle hat es möglich gemacht.
Unsere Beziehungen zur Sowjetunion sind nicht nur
für uns, sondern für die ganze Welt von Bedeutung.
Diese Beziehungen haben uns geholfen, diese und
andere historische Veränderungen zu gestalten. Aber
wie viele andere Länder sind auch wir tief besorgt über
die Gewalt im Baltikum, und diese Sorge haben wir
auch der sowjetischen Führung übermittelt.
Unsere Leitlinie ist einfach: unser Ziel besteht darin,
den Völkern im Baltikum bei der Realisierung ihrer
Hoffnungen zu helfen, nicht die Sowjetunion zu bestrafen. Bei unseren jüngsten Gesprächen mit der sowjetischen Führung haben wir Vorträge gehört, die bei
ihrer Umsetzung in die Tat zum Abzug einiger Teile der
sowjetischen Streitkräfte, einer Wiederaufnahme des
Dialogs mit den Teilrepubliken und zu einer Abkehr von
Gewalt führen würden.
Wir werden genau beobachten, wie sich die Situation
entwickelt. Und wir werden unsere Kontakte mit der
sowjetischen Führung pflegen, um weiteres Engagement für Demokratisierung und Reform zu fördern.
Wenn möglich möchte ich ein dauerhaftes Fundament
für amerikanisch-sowjetische Kooperation undfüreine
friedlichere Zukunft der gesamten Menschheit schaffen.
Der Triumph demokratischer Ideen in Osteuropa und
Lateinamerika - und der anhaltende Kampf für Freiheit
in anderen Teilen der Welt - sind eine Bestätigung für
die Klugheit unserer Staatsgründer.
Heute abend arbeiten wir gemeinsam, um einen anderen Sieg zu erringen - einen Sieg über die Tyrannei und
brutale Aggression.
Gemeinsam treten wir in das letzte Jahrzehnt des 20.
Jahrhunderts ein und sind dankbar für die Wohltaten,
die uns zuteil werden, sind uns standhaft in unserem
Ziel unserer Schwierigkeiten bewußt und tragen die
Verantwortung für unsere Pflichten im In- und Ausland.
Seit zweihundert Jahren dient Amerika der Welt als
leuchtendes Beispiel für Freiheit und Demokratie. Seit
Generationen übernimmt Amerika die Führungsrolle
im Kampf um die Erhaltung und Ausdehnung der
Wohltaten der Freiheit. Und heute, in einer sich rasch
verändernden Welt, ist die Führungsrolle Amerikas
unabdingbar. Amerika weiß, daß eine Führungsrolle
auch Belastungen mit sich bringt und Opfer fordert.
Aber wir wissen, warum die Hoffnungen der Menschheit auf uns gerichtet sind.

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Wir sind Amerikaner. Wir haben eine einzigartige
Verantwortung, die harte Arbeit der Freiheit zu leisten.
Und wenn wir das tun, funktioniert Freiheit.
Die Überzeugung und der Mut, wje wir sie heute am
Persischen Golf beobachten, zeigen ganz einfach den
amerikanischen Charakter in Aktion. Der unbeugsame Geist, der zu diesem Sieg für Frieden und Gerechtigkeit in der Welt beiträgt, ist derselbe Geist, der uns
die Macht und die Möglichkeit gibt, unseren größten
innenpolitischen Herausforderungen gerecht zu werden.
Wir sind entschlossen und erfinderisch. Wenn wir
selbstlos dem Bösen in einem so weit entfernten Land
die Stirn bieten können, dann können wir ganz sicher
dieses Land zu dem machen, was es sein sollte.
Wenn Ihnen jemand erzählt, Amerika habe seine besten
Tage hinter sich, sehen sie das falsch.
Heute abend trete ich vor dieses Haus und vor das
amerikanische Volk mit einem Aufruf zur Erneuerung.
Dies ist nicht nur ein Aufruf zu neuen Regierungsinitiativen, sondern ein Appell für neue Initiative der Regierung, unserer Gemeinden und von jedem Amerikaner
- sich auf das nächste amerikanische Jahrhundert
vorzubereiten.
Amerika hat immer ein Beispiel gegeben. Wer von uns
wird dieses Beispiel geben? Wer von unseren Bürgern
wird uns in das nächste amerikanische Jahrhundert
führen? Jeder, der einen Schritt nach vorn macht und
einen Süchtigen bewegt, Drogen aufzugeben. Der
einen Jugendlichen in Not davon überzeugt, nicht
aufzugeben - der einen AIDS-Kranken tröstet - der
einem hungrigen Kind hilft.
Die Hoffnung auf ein erneuertes Amerika liegt in Reichweite. Wir können einen Sinn und die Erfüllung finden,
indem wir uns einem höheren Ziel verschreiben einem leuchtenden Ziel, der Entfachung tausender
Lichter. Es wird von allen ausgedrückt, die die unwiderstehliche Macht einer Kinderhand kennen, die Macht
eines Freundes, der einem zur Seite steht, die großzügige Geste eines Freiwilligen, eine Idee, die ganz
einfach richtig ist.
Die vor uns liegenden Probleme mögen anders sein,
aber der Schlüssel zu ihrer Lösung bleibt derselbe: es
ist der einzelne, der einen Schritt nach vorn macht.
Und unser Staatenbund wird von von allen gebildet, er
ist die Summe unserer Freundschaften, Ehen, Familien und Gemeinden.
Wir alle haben etwas zu geben. Wenn Sie lesen
können, suchen Sie jemanden, der es nicht kann.
Wenn Sie einen Hammer haben, suchen Sie einen
Nagel. Wenn Sie keinen Hunger haben, nicht einsam
oder in Schwierigkeiten sind - suchen Sie jemanden,
dem Sie helfen können.

AMERIKA DIENST 4

�Treten Sie der verantwortungsbewußten Gemeinschaft
bei. Leisten Sie die harte Arbeit des Friedens. Dadurch definiert sich unser Staatenbund.
Seit Gründung unserer Nation war "Wir, das Volk"
Quelle unserer Stärke. Was die Regierung allein
leisten kann, ist begrenzt - aber die Möglichkeiten des
amerikanischen Volkes kennen keine Grenzen.
Wir sind eine Nation, die von steinhartem Realismus
und klarsichtigem Idealismus geprägt ist. Wir sind
Amerikaner: Wir sind ein Land, das an seine Zukunft
glaubt. Wir sind ein Land, das die Zukunft gestalten
kann.
Und wir haben angefangen, genau das zu tun - durch
Stärkung der Macht und Wahlfreiheit des einzelnen
und der Familie.
Gemeinsam haben wir in den letzten zwei Jahren das
Geld für die Kinderbetreuung direkt den Eltern und
nicht mehr der Bürokratie zukommen lassen. Wir
haben das Potential behinderter Amerikaner freigesetzt. Die Kreativität der Marktwirtschaft in den Dienst
der Umwelt und der sauberen Luft gestellt. Und wir
haben es ermöglicht, daß mehr Amerikaner ein eigenes Haus besitzen können.
Die Stärke der Demokratie liegt nicht in der Bürokratie.
Sie liegt bei den Menschen und ihren Gemeinden. Bei
allem, was wir tun, müssen wir das Potential unserer
wertvollsten Ressourcen freisetzen - unsere Bürger.
Wir müssen Familien, Gemeinden, Bezirken, Städten,
Staaten und Institutionen aller Art wieder die Macht
geben, ihr eigenes Schicksal zu bestimmen und ihnen
die Freiheit und Chancen einräumen, die starkes Wirtschaftswachstum bieten. Darum geht es in Amerika.
Ich weiß, daß heute abend in einigen Teilen dieses
Landes Menschen in echter wirtschaftlicher Not sind.
Ich höre sie.
Anfang dieses Monats schrieb mir Kathy Blackwell aus
Massachusetts einen Brief darüber, was bei einer
wirtschaftlichen Flaute passieren kann: "Mir tut das
Herz weh, und ich denke, Sie sollten es wissen - Ihr
Volk hier draußen leidet großen Schmerz."
Ich verstehe das. Und ich bin nicht unrealistisch im
Hinblick auf die Zukunft. Aber es besteht Grund zum
Optimismus über unsere Wirtschaft.
Erstens müssen wir keine zweistellige Inflation bekämpfen. Zweitens müssen die meisten Industrieunternehmen ihre Produktion nicht erheblich drosseln,
weil sie keine großen Lagerbestände angesammelt
haben. Und drittens exportieren wir stetig und in
gewohntem Umfang. Tatsächlich exportieren amerikanische Unternehmen in nie dagewesenem Maße.
Diese Zeit muß man im richtigen Blickwinkel sehen.
Seit 1981 haben wir gemeinsam fast 20 Millionen

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Arbeitsplätze geschaffen, die Inflation und die Zinssätze halbiert.
Es stimmt, daß die größte wirtschaftliche Expansion
der Geschichte in Friedenszeiten zeitweise unterbrochen ist. Aber unsere Wirtschaft ist immer noch
doppelt so groß wie die unseres größten Konkurrenten.
Wir werden diese Rezession hinter uns bringen und bald - wieder auf den Wachstumskurs zurückkehren.
Wir werden den Weg zu einem neuen Expansionsrekord einschlagen und die Stärke im Wettbewerb erlangen, die uns ins nächste amerikanische Jahrhundert
führt.
Wir sollten unsere Bestrebungen heute auf die Förderung des Wirtschaftswachstums richten, in die Zukunft
investieren und dem einzelnen Macht und Chancen
geben.
Dabei müssen wir mit der Kontrolle der Bundesausgaben beginnen. Aus diesem Grund unterbreite ich einen
Haushalt, der den Ausgabenzuwachs unter der Inflationsrate hält. Und deshalb haben wir, trotz allen
Wehklagens bei der Haushaltsdebatte im letzten Jahr,
durchführbare Ausgabenkürzungen verabschiedet, so
daß künftige Debatten über die Ausgaben ein Kampf
der Ideen sind, kein Machtkampf.
Trotz aller Kontroversen hat die Haushaltsvereinbarung der Bundesregierung schließlich einen Mechanismus zur gleichzeitigen Anhebung von Ausgaben
und Steuern (pay-as-you-go-plan) auferlegt - und das
Schuldenwachstum um nahezu 500 Milliarden Dollar
gesenkt. Damit werden Mittel zum Sparen und für
Investitionen zur Schaffung von Arbeitsplätzen frei.
Wir wollen noch mehr tun. Mein Haushalt umfaßt auch
steuerfreie Sparguthaben für Familien, straffreie Auszahlungen aus der Rentenkasse für Ersteigentümer
von Häusern und zur Vermehrung von Arbeitsplätzen
und Wachstum eine gesenkte Steuer für langfristige
Kapitalerträge.
Ich weiß, daß wir über die Auswirkungen eines Anreizes für Kapitalerträge unterschiedlicher Meinung sind.
Deshalb fordere ich heute abend die Kongre ßabgeordneten und die Notenbank auf, gemeinsam mit uns unter Leitung von Alan Greenspan - eine Untersuchung durchzuführen, um unsere technischen Schwierigkeiten aus dem Weg zu räumen, so daß wir eine
Rückkehr zu unproduktivem Zank zwischen den Parteien vermeiden können.
Aber ebenso wie unsere Bestrebungen jetzt und in
Zukunft Wirtschaftswachstum hervorbringen, müssen
sie von langfristigen Investitionen für das nächste
amerikanische Jahrhundert begleitet sein.
Das erfordert einen zukunftsorientierten Aktionsplan und genau den werden wir dem Kongreß übergeben.

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�Wir haben eine Reihe detaillierter Vorschläge erarbeitet:
Einen Haushalt, der Investitionen in Amerikas Zukunft
fördert- in Kinder, Ausbilung, Infrastruktur, das Weltall
und Hochtechnologie.
Gesetze, die - aufbauend auf der Partnerschaft mit 50
Gouverneuren beim Bildungsgipfel - Leistung im Bildungswesen fördern, im Rahmen derer Eltern die
Schulen ihrer Kinder wählen können und dazu beitragen, daß Amerika in Mathematik und Naturwissenschaften die Nummer 1 wird.
Einen Plan für ein neues nationales Autobahnnetz eine wichtige Investition für unser Verkehrsnetz.
Ein Forschungs- und Entwicklungsprogramm mit einem Rekordumfang an Investitionen der Bundesregierung und einen Steuerfreibetrag zur Förderung privater Forschung und Entwicklung und Schaffung von
Arbeitsplätzen.
Ein umfassendes nationales Energieprogramm, das
Erhaltung und effektive Nutzung von Energie ebenso
fordert wie stärkere Entwicklung und umfangreicheren
Einsatz alternativer Brennstoffe.
Einen Reformplan für die Banken für den Übergang
des amerikanischen Finanzwesens ins 21. Jahrhundert - so daß unsere Banken sicher bleiben und
weiterhin Kredite an Fabriken und Unternehmen zur
Schaffung von Arbeitsplätzen und an Hauskäufer
vergeben können. Ich denke, man war zu pessimistisch. Gesunde Banken sollten mehr Kredite bereitstellen und die Zinssätze sollten - jetzt - sinken.
Zusätzlich zu diesen Vorschlägen müssen wir der
Tatsache Rechnung tragen, daß unsere wirtschaftliche Stärke von unserer Wettbewerbsfähigkeit auf den
Weltmärkten abhängt. Wir müssen das Exportvolumen der Vereinigten Staaten weiter aufstocken. Ein
erfolgreicher Abschuß der Uruguay-Runde von Welthandelsgesprächen wird mehr Arbeitsplätze und größeres reales Wachstum - für alle Nationen - schaffen.
Sie und ich wissen, wenn die Spielregeln stimmen,
können die amerikanischen Arbeitnehmer und Landwirte es mit jedem zu jeder Zeit und an jedem Ort
aufnehmen.
Mit dem mexikanischen Freihandelsabkommen und
unserer Initiative zur Unternehmensförderung in allen
Ländern Amerikas können wir unseren Partnern helfen, ihre Wirtschaft zu stärken und auf dem gesamten
Kontinent eine Freihandelszone zu schaffen.
Die Haushaltsvorlage enthält ferner einen Aktionsplan, der jedem einzelnen hier in unserem Land mehr
Macht und Chancen bieten will. Dies bedeutet neue
Initiativen zur Schaffung von Arbeitsplätzen in unseren
Stadtkernen durch Ermutigung von Investitionen in

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Gewerbegebiete. Es bedeutet ferner Mietermitbestimmung und Eigentumsförderung im öffentlichen
Wohnungsbau. Die Freiheit der Wahl sollte nicht das
Privileg der Wohlhabenden sein. Sie ist das Geburtsrecht jedes Amerikaners.
Bürgerrechte sind ebenso entscheidend bei der Gewährleistung gleicher Chancen. Jeder von uns trägt
die Verantwortung, sich gegen Rassismus, Bigotterie
und Haß auszusprechen. Wir werden die bestehenden Statuten weiterhin vehement durchsetzen, und ich
werde den Kongreß nochmals auffordern, die Gesetze
gegen Diskriminierung am Arbeitsplatz ohne unfaire
Bevorzugung zu verbessern.
Wir sind ferner entschlossen, ein weiteres grundlegendes Bürgerrecht zu schützen - Kriminalität und Furcht
zu bekämpfen, die in unseren Städten umgeht. Der
Justizminister wird in Kürze eine Zusammenkunft der
Strafverfolgungsbeamten unseres Landes zur Verbrechensbekämpfung einberufen. Um zu ihrer Unterstützung beizutragen, benötigen wir eine strenge Gesetzgebung zur Verbrechensbekämpfung - und wir brauchen sie jetzt.
Bei der Verbrechensbekämpfung werden wir unsere
nationale Strategie zum Kampf gegen den Drogenmißbrauch voll und ganz verwirklichen. Jüngste Statistiken belegen, daß wir Fortschritte machen, aber es
bleibt noch viel zu tun. Wir werden nicht ruhen, bis wir
allen Drogenhändlern für immer das Handwerk gelegt
haben.
Gesundheit ist das Recht und die Verantwortung jedes
Amerikaners. Aus diesem Grund schlagen wir ein
aggressives Programm neuer Vorsorgeinitiativen vor für Kleinkinder, Jugendliche, Erwachsene und ältere
Mitbürger - um ein gesünderes Amerika zu schaffen
und die Kostenexplosion im Gesundheitswesen einzudämmen.
Es ist an derzeit, den Mitbürgern ein größeres Mitspracherecht bei der Regierung einzuräumen, indem wir
das Ideal des bürgernahen Politikers wiederbeleben,
der dient und nicht nur sein Amt verteidigt. Einer der
Gründe für die starke Befürwortung begrenzter Amtszeiten ist, daß das amerikanische Volk zunehmend
über den Einfluß des Geldes in der Politik besorgt ist.
Wir müssen über die nächste Wahl hinausblicken und
zukünftige Generationen im Auge behalten. Es ist an
der Zeit, nationales Interesse über Einzelinteresse zu
stellen - und politische Aktionskomitees vollständig
abzuschaffen.
Damit gäbe es größere Konkurrenz bei den Wahlen,
und dem einzelnen würde mehr Macht verliehen. Und
wo Macht nicht direkt in die Hände des einzelnen
gelegt werden kann, sollte sie dem Volk nähergebracht
werden - weiter entfernt von Washington.

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�Die Bundesregierung behandelt staatliche Programme zu häufig, als seien sie in Washington, von Washington und für Washington gemacht. Einmal eingeführt, scheinen Bundesprogramme unsterblich zu
werden.
Es ist an der Zeit für eine dynamischere Programmfolge: Einige Programme sollten erweitert werden. Andere
abgebaut. Einige sollten beendet, und wieder andere
sollten der Zuständigkeit der Bundesstaaten übergeben werden.
Mein Haushaltsentwurf enthält eine Liste von eventuell
abzustoßenden Programmen, die sich insgesamt auf
über 20 Milliarden Dollar belaufen. In Zusammenarbeit mit dem Kongreß und den Gouverneuren schlage
ich vor, daß wir Programme im Wert von mindestens
15 Milliarden Dollar aussuchen und sie mit einem vollständig finanzierten - einmaligen konsolidierten
Zuschuß an die Bundesstaaten übergeben, damit diese
sie flexibel verwalten können.
Der Zweck dieser Übung liegt auf der Hand. Sie
gestattet der Bundesregierung eine Reduzierung der
laufenden Kosten und den Bundesstaaten eine flexiblere und effizientere Verwaltung. Macht und Entscheidungsfindung werden dem Volk nähergebracht.
Und sie bekräftigt eine Leitlinie dieser Administration:
Würdigung und Ermutigung des Innovationsgeistes
von "Bundesstaaten als Versuchslabors".
Diese Nation wurde von politisch Verantwortlichen
gegründet, die erkannten, daß die Macht in die Hand
des Volkes gehört. Sie planten für die Zukunft. Das
müssen auch wir tun - hier und in der übrigen Welt.
Als Amerikaner wissen wir, daß es Zeiten gibt, in
denen wir einen Schritt nach vorn machen und unsere
Verantwortung übernehmen müssen, die Welt aus
dem dunklen Chaos der Diktatoren in eine vielversprechendere Zukunft besserer Tage zu führen.
Vor nahezu 50 Jahren haben wir den langen Kampf
gegen aggressiven Totalitarismus aufgenommen. Heute
befinden wir uns in einer weiteren entscheidenden
Stunde für die Vereinigten Staaten und die Welt.
Niemand leistet mehr harte Arbeit für die Freiheit als
jeder Soldat und jeder Seemann, jeder Marineinfanterist, Flieger und Küstenwachmann - jeder Mann und
jede Frau, die heute am Persischen Golf dienen.
Jeder von ihnen hat sich freiwillig zur Verteidigung
dieser Nation bereiterklärt - und jetzt führen sie einen
mutigen Kampf, um für die Vereinigten Staaten, die
Welt und zukünftige Generationen einen gerechten
und dauerhaften Frieden zu erlangen.
Unsere Verpflichtung ihnen gegenüber muß ihrer
Verpflichtung gegenüber ihrem Land entsprechen. Sie
sind die Besten, die Amerika hat.

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Wir wollten den Krieg am Golf nicht. Wir haben hart
daran gearbeitet, Krieg zu vermeiden. Zusammen mit
der Arabischen Liga, der Europäischen Gemeinschaft
und den Vereinten Nationen haben wir über fünf Monate
lang versucht, alle diplomatischen Kanäle auszuschöpfen. UNO-Generalsekretär Perez de Cuellar, die
Präsidenten Gorbatschow, Mitterrand, Özal, Mubarak
und Bendjedid, die Könige Fahd und Hussein, die
Premierminister Major und Andreotti - um nur einige zu
nennen - haben alle an einer Lösung gearbeitet. Aber
immmer wieder hat Saddam Hussein den Kurs der
Diplomatie und des Friedens rundweg abgelehnt.
Die Welt weiß sehr wohl, wie und wann dieser Konflikt
begann: Er begann am 2. August, als Saddam Hussein in einen kleinen, wehrlosen Nachbarstaat einmarschierte und ihn sich einverleibte. Und ich bin sicher,
wie er enden wird. Damit der Frieden obsiegt, werden
wir dort ausharren.
Es ist mir eine Freude, heute abend berichten zu
können, daß wir auf Kurs liegen. Iraks Fähigkeit zur
Kriegführung wird zerstört. Unsere Investitionen, unsere
Ausbildung und Planung - all dies macht sich bezahlt.
Die Zeit wird Saddam Hussein nicht retten.
Unser Ziel am Persischen Golf ist und bleibt: den Irak
aus Kuwait zu vertreiben, die rechtmäßige Regierung
Kuwaits wiedereinzusetzen und Stabilität und Sicherheit in dieser entscheidenden Region zu gewährleisten.
Ich möchte eindeutig klarstellen, was ich unter Stabilität und Sicherheit in der Region verstehe. Wir wollen
nicht die Vernichtung des Irak, seiner Kultur oder
seines Volkes. Wir wünschen vielmehr, daß der Irak
seine riesigen Ressourcen nicht zur Zerstörung einsetzt oder in den Dienst eines ehrgeizigen Tyrannen
stellt, sondern zur Schaffung eines besseren Lebens
für sich und seine Nachbarn. Unser Ziel ist ein Persischer Golf, an dem nicht länger Konflikt die Regel ist,
wo die Starken weder versucht noch fähig sind, die
Schwachen einzuschüchtern.
Die meisten Amerikaner wissen instinktiv, warum wir
am Golf sind. Sie wissen, wir mußten Saddam Hussein jetzt aufhalten - nicht später. Sie wissen, dieser
brutale Diktator wird alles tun, jede Waffe einsetzen
und jede Greueltat begehen - gleichgültig, wie viele
Unschuldige leiden müssen.
Sie wissen, wir müssen sicherstellen, daß die Kontrolle
über die Ölreserven der Welt nicht in seine Hände fällt,
nur um weitere Aggression zu finanzieren. Sie wissen,
daß wir einen neuen, dauerhaften Frieden schaffen
müssen - nicht auf Wettrüsten und Konfrontation,
sondern auf gemeinsame Prinzipien und Rechtsstaatlichkeit gegründet.

Seite 5

�Und wir alle erkennen, daß unsere Verantwortung als
Katalysator für Frieden in der Region nicht mit der
erfolgreichen Beendigung dieses Krieges endet.
Demokratie birgt das unveräußerliche Recht des konstruktiven Widerspruchs - und wir haben hier in unserem Land anderslautende Meinungen vernommen einige unbesonnen, die meisten verantwortungsbewußt. Aber die Tatsache, daß alle das Recht haben,
ihre Meinung auszusprechen, ist ein Grund, warum wir
seit 200 Jahren in Ziel und Grundsätzen übereinstimmen.
Unser Fortschritt in diesem großen Kampf ist das
Ergebnis jahrelanger Wachsamkeit und der unerschütterlichen Verpflichtung zu einer starken Verteidigung.
Angesichts beachtlicher technologischer Fortschritte
wie der Patriot-Rakete können wir uns heute gegen
Angriffe ballistischer Raketen auf unschuldige Bürger
verteidigen.
Mit Blick auf die Zukunft habe ich verfügt, daß unser
SDI-Programm sich erneut darauf konzentriert, Schutz
vor begrenzten Angriffen mit ballistischen Raketen zu
gewähren - gleichgültig welcher Herkunft. Wir wollen
ein SDI-Programm verfolgen, das jeder zukünftigen
Bedrohung der Vereinigten Staaten, unserer Streitkräfte in Übersee und unserer Freunde und Verbündeten gewachsen ist.
Dank der amerikanischen Arbeitnehmer hat uns die
Qualität der amerikanischen Technologie in die Lage
versetzt, erfolgreich mit schwierigen militärischen Situationen fertig zu werden und den Verlust an Menschenleben so gering wie möglich zu halten. Wir
haben unseren Männern und Frauen unser Bestes
gegeben. Und sie verdienen es.
Wir alle bewahren einen Platz in unserem Herzen für
die Familien unserer am Golf dienenden Männer und
Frauen. Sie sind heute abend hier durch Frau Schwarzkopf vertreten. Wir sind General Schwarzkopf und
allen, die mit ihm dienen, zu großem Dank verpflichtet.
Und den Familienangehörigen möchte ich sagen, unsere
Streitkräfte werden keinen Tag länger als zur Beendigung ihrer Mission nötig am Golf bleiben.
Der Mut und der Erfolg der Piloten - aus Kuwait, SaudiArabien, Frankreich, Kanada, Italien, Katar und Bahrain - sind Beweis dafür, daß sich die internationale
Staatengemeinschaft zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg einig ist. Die bisher als Idealvorstellung
geltende Führungsrolle der Vereinten Nationen bestätigt jetzt die Vision ihrer Gründer.
Es berührt mich tief, daß wir die finanzielle Belastung
dieses Kampfes nicht allein tragen müssen. Im vergangenen Jahr haben unsere Freunde und Verbündelen den größten Teil der Kosten für die Operation
Wüstenschild übernommen, und da ich inzwischen

Seite 6

Zusagen im Umfang von über 40 Milliarden Dollar für
die ersten drei Monate des Jahres 1991 erhalten habe,
bin ich zuversichtlich, daß sie während der Durchführung von Operation Wüstensturm eingehalten werden.
Aber die Welt wundert sich vielleicht, was der irakische
Diktator wohl denkt. Wenn er glaubt, Vorteile zu
erlangen indem er unschuldige Zivilisten in Israel und
Saudi-Arabien zur Zielscheibe macht, liegt er ganz
falsch. Wenn er denkt, seine Sache durch tragischen
und verabscheuungswürdigen Umweltterrorismus
vorantreiben zu können, liegt er ganz falsch. Und
wenn er glaubt, durch brutalen Umgang mit den Kriegsgefangenen der Verbündeten Vorteile erlangen zu
können, liegt er ebenfalls falsch.
Wir werden im Golf Erfolg haben. Und wenn wir das
tun, wird dies ein für allemal eine Warnung der internationalen Staatengemeinschaft für jeden Diktator oder
Despoten - der Gegenwart oder Zukunft - sein, der
gesetzlose Aggression in Betracht zieht.
Die Welt kann deshalb diese Gelegenheit ergreifen,
um die langgehegte Hoffnung auf eine neue Weltordnung zu erfüllen - in der Brutalität nicht zum Ziel führt
und Aggression auf kollektiven Widerstand stößt.
Die Vereinigten Staaten übernehmen einen großen
Teil der Führungsrolle in diesem Bestreben. Unter den
Ländern der Welt verfügen lediglich die Vereinigten
Staaten über die moralische Standfestigkeit und die
Mittel zu ihrer Durchsetzung. Wir sind das einzige
Land auf der Welt, das diese Friedensstreitkräfte
zusammenbringen konnte.
Dies ist die Last der Führungsrolle - und die Stärke, die
Amerika zum Symbol der Freiheit in einer Welt macht,
die sich auf der Suche befindet.
Dieses Land hat Krieg niemals als ruhmreiche Angelegenheit angesehen. Unser Volk wollte niemals die
Vorzüge von Heimat und Arbeit zugunsten ferner
Länder und tödlicher Konflikte aufgeben. Wenn wir in
Empörung kämpfen, dann nur, weil wir überhaupt
kämpfen müssen. Und wir alle streben eine Welt an,
in der wir niemals wieder kämpfen müssen.
Jeder von uns wird für sich selbst den Wert dieses
großen Kampfes erkennen. Jeder Verlust an Menschenleben liegt au ßerhalb unseres Ermessens. Aber
der Preis, um den wir die Augen vor der Aggression
verschließen würden, liegt außerhalb der Vorstellungskraft des Menschen überhaupt.
Wir wissen eins: Unsere Sache ist gerecht. Unsere
Sache ist moralisch, und unsere Sache ist richtig.
Künftige Generationen sollen die Belastungen und die
Vorzüge der Freiheit erkennen. Wir können ihnen
sagen, daß wir aufgestanden sind, als uns die Pflicht
rief.

AMERIKA DIENST 4

�Sie sollen wissen, daß wir als verantwortungsbewußte
Gemeinschaft alles für Amerika und die Welt getan
haben.

daß wir im In- und Ausland über den Willen verfügen,
das zu leisten, was geleistet werden muß - harte Arbeit
für die Freiheit.

Der Wind des Wandels weht aus unserer Richtung.
Die Kräfte der Freiheit sind vereint. Wir treten zuversichtlicher als je zuvor in das nächste Jahrhundert ein,

Möge Gott die Vereinigten Staaten von Amerika schützen.

* * * * *

AMERIKA DIENST 4

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�GOLFKRISE
30. Januar 1991

BUSH VERSPRICHT ÄUSSERSTE ANSTRENGUNGEN
ZUR BESEITIGUNG DER ÖLKATASTROPHE IM
PERSISCHEN GOLF
Pressekonferenz des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) -Am 25. Januar 1991 versprach Präsident Bush, "alle Anstrengungen zu unternehmen",
um die weitere Einleitung von Öl in den Persischen Golf zu unterbinden, die der Irak durch Sabotage an den
wichtigsten Pumpstationen für Kuwaits Supertanker verursacht hat.
Bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus erklärte Bush, "ich kann Ihnen versichern", daß alle Wissenschaftler, Öl- und Militärexperten aus Saudi-Arabien, Kuwait und den Vereinigten Staaten "in sehr engen Konsultationen stehen".
Darüber hinaus bekundete Bush seine Absicht, den Kongreßabgeordneten Edward Madigan aus Illinois zum
Landwirtschaftsminister zu nominieren. Er soll an die Stelle Clayton Yeutters treten, der zum Vorsitzenden des
Nationalen Komitees der Republikaner ernannt worden ist.
Im Rahmen der Pressekonferenz ging der Präsident ferner auf die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen, die
Lage im Baltikum und die Probleme am Persischen Golf ein.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Pressekonferenz in wesentlichen Auszügen.

Bush: Ich möchte diese Pressekonferenz mit der
Ankündigung beginnen, daß ich meinen guten Freund
undhervorragendenn Kongreßabgeordneten, Edward
Madigan, zum neuen Landwirtschaftsminister nominieren möchte. Ed Madigan ist seit 19 Jahren Mitglied
des Repräsentantenhauses. Er ist mit allen landwirtschaftlichen Fragen bestens vertraut und rangältestes
Mitglied der Minderheitspartei im Landwirtschaftsausschuß des Repräsentantenhaus. Ich kenne ihn seit
langem. Ich habe ihn als Freund und Führungspersönlichkeit in unserer Partei sowie als Mensch schätzengelernt, dem die Landwirtschaftspolitik unserer Regierung und die Landwirte in Amerika am Herzen liegen.
Er kennt die Landwirte in Illinois genau. Er kennt ihre
Bedürfnisse, ihre Sorgen und - was am wichtigsten ist
- ihre Hoffnungen für die Zukunft der Landwirtschaft.
Dies sind keine leichten Zeiten für die kleinen Landwirte, aber es sind wichtige Zeiten. In der Nahrungsmittelproduktion gelten wir - die Vereinigten Staaten - der
Welt als Vorbild. Dennoch haben amerikanische
Bauernfamilien nicht immer den Wohlstand genossen,
den sie verdienen. Meiner Ansicht nach ist Ed Madi-

AMERIKA DIENST 4

gan der Mann, der sich dieser Probleme annehmen
kann. Er setzt sich für die Sache ein und wird ihr im
Wei ßen Haus Gehör verschaffen, wenn wir die Zukunft
der amerikanischen Landwirtschaft erörtern...
Frage: Herr Präsident, was können Sie bei der Einleitung von Öl in den Golf durch den Irak unternehmen?
Wie kann sie gestoppt werden?
Antwort: Im Augenblick wird viel unternommen, um
herauszufinden, mit welchem Verfahren man dieser
Katastrophe Herr werden und die Ölpest stoppen
kann.
Saddam Hussein verblüfft weiterhin die Welt. Erst
benutzt er diese Scud-Raketen, die überhaupt keinen
militärischen Wert haben. Dann spielt er mit dem
Leben von Kriegsgefangenen, läßt sie aufmarschieren
und droht sie als menschliche Schutzschilde einzusetzen. Offensichtlich sind sie brutal behandelt worden.
Jetzt nimmt er sogar schwere Umweltschäden in Kauf
und läßt Unmengen Öl abfließen. Davon hat er überhaupt keine militärischen Vorteile. Es wird ihm überhaupt nicht helfen...

Seite 1

�Frage: Wird damit die Invasion nicht verhindert?
Antort: Ganz und gar nicht. Es hat damit überhaupt
nichts zutun. Deshalb weiß ich nicht, was das soll. Die
ganze Welt ist über ihn empört. Aber um auf Ihre Frage
zurückzukommen - vor etwa zwei Stunden sind Besprechungen beendet worden. Ein Kurs, über den ich
keinen Kommentar abgeben möchte, steht kurz vor
der Vereinbarung. Genaueres kann ich dazu noch
nicht sagen, aber ich kann Ihnen versichern, daß alle
Anstrengungen unternommen werden, um den weiteren Ölfluß in den Golf zu stoppen und zu verhindern,
da ß er weiter südwärts zieht. Das ist nicht einfach, weil
dieser Mann Kuwait besetzt hält und die Anlagen dort
in dieser Weise benutzt. Aber ich kann Ihnen versichern, daß die Wissenschaftler, die Öl- und Militärexperten zusammen mit den Saudis, den Kuwaitis und
der amerikanischen Seite in sehr engen Konsultationen stehen.
Frage: Sprechen Sie hier von einem Vergeltungsschlag?
Antwort: Nein, ich spreche gerade davon, was wir mit
diesem Ölteppich machen können. Darauf können wir
später eingehen.
Frage: Herr Präsident, Sie haben neulich gesagt,
niemand wäre böse darum, wenn Saddam Hussein zur
Rechenschaft gezogen würde. Denken Sie dabei an
ein Kriegsgerichtsverfahren für Saddam Hussein?
Können Sie eindeutig sagen, daß Saddam Hussein
nicht erlaubt wird, an der Macht zu bleiben, wenn all
dies vorüber ist?
Antwort: Nein. Ich bleibe nach wie vor bei unseren
Zielsetzungen. Sein Vorgehen ist ein eindeutiger
Bruch der Genfer Konvention, und wir müssen abwarten, wie sich das alles weiterentwickelt. Wir müssen
abwarten, wie Kuwait nach der Befreiung und der Irak
aussehen. Aber unsere Ziele bleiben dieselben.
Frage: Sie haben darauf hingewiesen, daß Saddam
Hussein viel unternommen hat, von dem eigentlich
nichts als militärische Offensive zu bezeichnen ist.
Ziehen Sie daraus den Schluß, daß er nicht kämpfen
wird?

Antwort: Nein, diese Schlußfolgerung ziehe ich
überhaupt nicht, weil die Scud-Raketenangriffe natürlich eine unmittelbare Vergeltung herausfordern, wenn
man die mobilen Abschußvorrichtungen finden kann.
Diese Nachforschungen führen wir weiterhin durch,
wie ich bereits erklärt habe.
Frage: Was tut er dann?
Antwort: Meiner Ansicht nach geht es ihm darum, in
einigen der Länder um Unterstützung zu werben, in
denen sie ihm vermutlich zuteil wird. Mit den Angriffen
auf Israel will er die Koalition spalten und in Teilen der
Welt antiisraelische Stimmungen schüren.

Seite 2

Was er damit bezwecken will, daß er die Ölreserven
abfließen läßt, weiß ich nicht, es sei denn, er will SaudiArabien oder jemand anderem seine Stärke beweisen.
Ich weiß auch nicht, was er bezweckt, wenn er auf
brutale Weise amerikanische Gefangene - auch britische Kriegsgefangene oder einen italienischen Piloten
- vorführt. Das ist meiner Meinung nach keine Vorführung, die ihm irgendwo eine gute Meinung einbringt.
Frage: Herr Präsident, viele Amerikaner möchten
wissen, warum Sie nicht Saddam Hussein selbst als
Zielscheibe nehmen, da alle Probleme immer wieder
auf ihn zurückzuführen sind. Besteht ein Zusammenhang mit den Komplikationen, die sich ergeben haben,
als Manuel Noriega zur Strecke gebracht werden
sollte?
Antwort: Dabei gab es keine Komplikationen. Es hat
sechs oder sieben Tage gedauert, aber es gab keine
Komplikationen. Auch keine Peinlichkeiten. Es gab
einen Mann, der aufgrund seiner Verbechen in diesem
Land gesucht wurde. Er sitzt jetzt im Gefängnis und
wird eines Tages vor dem Richter stehen. Ich möchte
mich also gegen den Begriff verwahren - es gab keine
Komplikationen. Aber wir haben unser Ziel abgesteckt. Unsere Koalitionspartner befinden sich im
Einklang mit diesen Zielen, und auch wir werden diese
Ziele beibehalten.
Frage: Aber warum haben Sie es nicht auf Saddam
Hussein abgesehen?
Antwort: Weil wir unser Ziel klar abgesteckt haben.
Diese Ziele sind mit der Koalition abgestimmt, und wir
werden uns daran halten - genau deshalb.
Frage: Eine andere Frage. Hat es heute für Sie
geringere Bedeutung, Gorbatschow beim politischen
Überleben zu helfen? Sind Sie von seiner Vorgehensweise im Baltikum so enttäuscht, daß Sie jetzt anders
darüber denken?
Antwort: Ich bin vom sowjetischen Vorgehen im
Baltikum enttäuscht, weil der Einsatz von Gewalt kein
Weg ist, um dieses Problem zu lösen. Und ich hatte
Gelegenheit, darüber mit dem Präsidenten zu sprechen, so daß ich die Schwierigkeiten kenne, denen er
sich gegenübersieht. Aber ich habe die Tatsache nicht
aus den Augen verloren, daß Gorbatschow als Katalysator vieler Veränderungen in Osteuropa fungiert und
die Wiedervereinigung Deutschlands gefördert hat,
die natürlich im Interesse der Deutschen und der
Vereinigten Staaten liegt. Er hat auch dazu beigetragen, daß wir bei der Krise am Persischen Golf eine
gemeinsame Basis haben.
Aber die Probleme im Baltikum und der Einsatz von
Gewalt dort bereiten uns große Schwierigkeiten. Die
Gespräche zwischen Baker und Bessmertnych werden eine große Bandbreite von Themen behandeln.
Es gibt Themen, bei denen wir eine breite gemeinsame

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�Basis haben, solche, bei denen unsere gemeinsamen
Ziele noch nicht verwirklicht sind und Bereiche, in
denen wir unterschiedlicher Meinung sind. An diesem
Punkt werde ich ansetzen, um herauszufinden, was
getan werden muß. Und genau das werden die
Sowjets meiner Ansicht nach auch tun.
Frage: Die Berichte aus Israel legen jetzt die Vermutung nahe, daß die Verletzten und vielleicht sogar
Toten unter der Zivilbevölkerung auf Patriot-Raketen
zurückzuführen sein könnten, die ihre Ziele verfehlt
haben oder - wenn sie trafen - zumindest Trümmer der
Rakete herunterfielen. Damit stellt sich erneut die
Frage nach der Funktionstüchtigkeit von Patriot-Raketen und ob Sie nun zusätzliche Maßnahmen in Erwägung ziehen, um dieses offensichtlich anhaltende
Problem in den Griff zu bekommen?
Antwort: Natürlich befassen wir uns die ganze Zeit
damit und wollen Mittel und Wege zu seiner Bewältigung finden. Wir möchten Wege finden, um diese
brutalen, sinnlosen, militärisch wertlosen Angriffe auf
die Zivilbevölkerung zu beenden.
Frage: Können Sie einen Anhaltspunkt geben, wieviel
Vertrauen Sie in die Israelis setzen, daß sie weiterhin
Zurückhaltung üben? Offensichtlich ist es heute nicht
leichter für sie als vorher.
Antwort: Ich bin nicht sicher, ob uns bereits alle
Einzelheiten über diesen letzten Angriff zur Verfügung
stehen. Ich setze nach wie vor großes Vertrauen in die

Patriot. Sie funktioniert außerordentlich gut. Ich
möchte lieber keinen Kommentar dazu abgeben, ob es
sich um Trümmer der Abfangrakete handelte oder
nicht, weil wir es einfach noch nicht sicher wissen.
Frage: Nochmals zu Saddam Hussein. Wäre es
angesichts der Aussage Ihrer Befehlshaber, sie hofften, diese Armee trete eher den Rückzug an als
Kämpfe zu führen, die in eine blutige Bodenoffensive
münden, militärisch nicht durchaus angebracht, Saddam Hussein ins Visier zu nehmen?
Antwort: Saddam Hussein ist nicht unser Ziel. Ich
habe unsere Ziele dargelegt, und ich möchte dem
britischen Premierminister Major nochmals beipflichten, daß niemand Saddam Hussein hinterherweinen
würde. Wir haben unsere Ziele artikuliert, und wir
stehen dazu.
Aber wer weiß, was geschieht, wenn er heute gehen
würde? Ich wünschte mir, was ich wieder und wieder
gesagt habe - daß wir mit der irakischen Bevölkerung
nicht im Streit liegen - würde im Irak Resonanz finden.
Wir möchten keinen destabilisierten Irak, wenn dies
alles vorüber ist. Genausowenig wünschen wir jedoch
eine Fortsetzung seiner Aggression. Wir werden eine
Fortsetzung dieser Brutalität nicht dulden. Daher
sehen wir uns mit einer Mischung von Problemen
konfrontiert. Diese Probleme beziehen sich jedoch
nicht auf die Bevölkerung in den Straßen von Bagdad.
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Frage: Herr Präsident, einige Fragen zu den Auswirkungen der Golfkrise auf unsere Innenpolitik. Erstens,
können Sie den Amerikanern in etwa sagen, was
dieser Krieg kosten wird, insbesondere, da Sie und
Außenminister Baker sich an die Verbündeten und
Koalitionspartner wenden, damit sie einen Teil der
Kosten übernehmen? Wie lauten Ihre Prognosen?
Was können Sie dem amerikanischen Volk sagen?
Und zweitens, wie antworten Sie Clayton Yeutter und
den anderen, die versuchen, dieses Thema politisch
gegen viele Demokraten auszuschlachten, die sich
gegen die Resolution zum Einsatz von Gewalt ausgesprochen haben?
Antwort: Den ersten Teil der Frage möchte ich dem
Pentagon zur Beantwortung überlassen. Es wird noch
gerechnet. Die Zahlen werden dem amerikanischen
Kongreß natürlich vorgelegt, der nicht nur das Recht
auf Information sondern vor allem die Pflicht bezüglich
der Finanzierung dieser Angelegenheiten hat. Ich bin
mit der Zusammenarbeit und Beteiligung des Auslands außerordentlich zufrieden. Ich glaube, Außenminister Baker wird heute eine Erklärung über die
Beteiligung Kuwaits abgeben oder hat dies bereits
getan. Gestern haben Sie vernommen, zu welcher
Beitragsaufstockung Japan bereit ist. Dies begrüßen
wir. Aller Voraussicht nach werden wir in der nächsten
Woche mehr derartige Informationen erhalten.
Die außerordentlich wichtige Lastenverteilung funktioniert also ziemlich gut. Der Kongreß ist daran sehr
interessiert und ich natürlich auch. Wir werden diese
Zahlen zusammen mit der Kostenrechnung dem
Kongreß vorlegen. Ich kann Ihnen die Zahlen jedoch
nicht im einzelnen nennen.
Frage: Würden Sie bitte den zweiten Teil der Frage
beantworten?
Antwort: Ja, natürlich. Ich vertrete die Ansicht, daß
es sich hierbei nicht um eine Parteiangelegenheit
handelt. Meines Erachtens hat Lee Hamilton diese
Frage sehr gut beantwortet. Er sagte, er werde seine
Stimme in jeder Hinsicht verteidigen. Und ich glaube,
jeder sieht es so. Ich kann mich nicht genau erinnern,
was Clayton Yeutter sagte, daher möchte ich dazu
nicht Stellung nehmen. Heute hat er erklärt, er habe
keinerlei Absicht, den Krieg zu einer Parteiangelegenheit zu machen, da wir von beiden Häusern des
Kongresses starke Unterstützung erhalten haben. Es
handelt sich um eine überparteiliche Sache.
So habe und werde ich mich verhalten. Natürlich
werden immer wieder Stimmen gegen uns in dieser
Sache laut. Wenn ich etwas derartiges höre, denke ich
jedoch nicht, daß die Demokratische Partei oder Clayton Yeutter dies zu einem Parteiproblem machen
wollen.
Frage: Beabsichtigen Sie, in Ihrem Haushaltsentwurf,
den Sie im Februar vorlegen werden, den Vorschlag
zur Kapitalertragssteuer zu wiederholen?
Seite 3

�Antwort: Warten Sie ab.
Frage: Wenn Sie Dienstag nacht (29. Januar) Ihren
Bericht zur Lage der Nation im großen Saal des
Repräsentantenhauses bei einer gemeinsamen Sitzung von Senat und Repräsentantenhaus vorlegen
werden, böte sich angesichts all der anwesenden
Mitglieder des Kabinetts und Obersten Gerichtshofs,
der Diplomaten, Ihrer Frau und Ihnen eine ausgezeichnete Gelegenheit für Terroristen, wenn sie durchkommen könnten. Warum verlesen Sie den Bericht zur
Lage der Nation nicht einfach im Weißen Haus?
Antwort: Viele Präsidenten haben den Bericht zur
Lage der Nation von Boten hierhin schicken lassen.
Ich weiß nicht, ob jemals einer ihn vom Weißen Haus
aus verlesen hat. Aber wenn ich zum Kapitol gehe,
habe ich uneingeschränktes Vertrauen in den Sicherheitsapparat dieses Landes. Ich mache mir überhaupt
keine Sorgen.
Ich weiß, daß dieser Mann Terrorismus gefördert hat,
und wir werden uns weiterhin in jeder erdenklichen
Weise dagegen schützen. Aber das Kapitol der Vereinigten Staaten wird ein sicherer Ort sein. Ich bin
darüber überhaupt nicht beunruhigt. Vielleicht sollte
ich das sein - ich bin jedoch nicht unbedingt fatalistisch
in dieser Angelegenheit, weil ich denke, wir machen
alles, um das Kapitol des Volkes sicher zu machen.

Das Leben geht werter. Die Priorität besteht darin,
diesen Krieg richtig zu Ende zu bringen. Wir werden
jedoch im Hinblick auf unsere innenpolitische Tagesordnung nicht alles auf Stop stellen. Wir werden auch
nicht alle Freizeitvergnügungen auf Eis legen - ich
nenne nur Super Bowl. Und ich werde aus Angst vor
Saddam Hussein nicht mein Leben ändern. Dies ist
meiner Meinung nach ein gutes, eindeutiges Signal für
alle Amerikaner rund um den Erdball.
Ich gebe zu, er handelt irrational. Was heute geschehen ist, beunruhigt mich sehr, weil es jeder Rationalität
entbehrt. Es sieht nach Verzweiflungstat aus. Es sieht
aus, als ob er in den letzten Zügen liegt. Es entspricht
keinerlei militärischer Doktrin. Aber es entspringt
einem kranken Gehirn. Und dennoch lassen wir uns
von dieser frevelhaften Tat nicht lähmen. Genausowenig wie durch die Bombardierung der Wohngebiete
oder die brutale Zurschaustellung amerikanischer
Kriegsgefangener. Das hat mich wirklich bis ins Mark
getroffen. Sein Tun ist wirklich ungeheuerlich.
Frage: Herr Präsident, könnte das Öl nicht amphibische Landungen erschweren? Ergibt das militärisch
keinen Sinn?
Antwort: Nein, das trifft nicht zu.

* * * * *

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�GOLFKRISE
30. Januar 1991

WIE DER IRAK SEINE KRIEGSMASCHINERIE
AUFBAUTE
Hintergrundinformation zu Iraks Militärapparat

WASHINGTON - (AD) - Seit über zwanzig Jahren hat
der Irak systematisch eine mächtige Kriegsmaschinerie mit konventionellen und nichtkonventionellen (chemischen, biologischen und nuklearen) Waffen sowie
massiven Bodentruppen aufgebaut. Dank dieser zielstrebigen Bemühungen ist der Irak aus dem achtjährigen Krieg mit Iran mit einem breiten Spektrum der
modernsten strategischen Fähigkeiten in der arabischen Welt hervorgegangen.

ein breitgefächertes Arsenal ballistischer Raketen
aufgebaut. Seine wichtigsten Raketensysteme, die AIHussein und Al-Abbas, sind modifizierte SCUD-BRaketen mit verlängerter Reichweite, die der Irak
durch Modernisierung der von der Sowjetunion gelieferten Raketen produziert. Sowohl AI-Hussein als
auch Al-Abbas bieten Langstrecken-Schlagfähigkeit
und können vermutlich mit konventionellen und chemischen Gefechtsköpfen bestückt werden.

Außenminister Baker erklärte in einer Anhörung vor
dem Auswärtigen Ausschuß des Repräsentantenhauses im Dezember 1990, Iraks Präsident Saddam Hussein
"hat die sechstgrö ßte Armee der Welt aufgebaut..., die
fünftgrößte Panzerwaffe und ballistische Rakten stationiert." Der Pentagon-Sprecher Pete Williams fügte
im Januar hinzu, "Schätzungen der Vereinigten Staaten zufolge beläuft sich die Zahl der irakischen Truppen jetzt auf 545 000 Mann und 4 200 Panzer."

"Die vom Irak erworbenen chemischen und biologischen Waffen und seine in greifbare Nähe gerückte
Fähigkeit zur nuklearen Kriegführung sind Teil einer
komplizierten Geschichte, die 1974 begann und noch
nicht richtig erzählt wurde", schreibt ein Sonderkorrespondent der renommierten britischen Tageszeitung
The Independent.

Mitte der siebziger Jahre leitete der Irak nukleare und
chemisch-biologische M1 MO-Waffenprogramme in die
Wege und erwarb Angriffssysteme wie die sowjetische
SCÜD-B-Rakete. Heute bilden chemische Waffen ein
Schlüsselelement der Fähigkeiten des Irak bei strategischen Waffen.
Die chemische Fähigkeit des Irak hängt von der Effektivität seiner Trägersysteme ab. Saddam Hussein hat
anhaltende und systematische Versuche zur Beschaffung militärischer Ausrüstung, Abschuß- und Trägersysteme für Gefechtsköpfe unternommen, die zur
Verwirklichung dieses Ziels von entscheidender Bedeutung sind.
Dank umfangreicher Käufe vornehmlich aus Europa
stammender ausländischer Technologie hat der Irak

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"Die Entscheidung zur Beschaffung dieser Waffen
enstand in den Köpfen eines im Jahr 1974 gebildeten,
aus drei Männern bestehenden Ausschusses unter
Leitung des damaligen Vizepräsidenten Saddam
Hussein", so The Independent. Dem Bericht zufolge
ist von den dreien heute nur noch Saddam Hussein am
Leben.
Laut The Independent warb der Irak zwischen 1974
und 1977 über 4 000 Wissenschaftler mit Kenntnissen
in Atom-, Bio-, chemischen und verwandten Wissenschaften aus Marokko, Algerien, Syrien, den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Kanada und Brasilien zur
Teilnahme an gesamtarabischen militärischen Forschungsprojekten an.
Den Sturz des Schahs von Persien im Jahr 1979
nutzend, strebte der Irak Zugang zu den Seehäfen am
Persischen Golf an, forderte Souveränität über den

Seite 1

�Wasserweg zwischen Iran und Irak - das Schatt-al
Arab - und den Abzug des Iran von den umstrittenen
Inseln im Golf. Der Irak griff Iran 1980 an, um eine
diplomatische Vereinbarung mit militärischen Mitteln
rückgängig zu machen.
Zu Beginn des Kriegs engagierte die irakische Regierung den weltberühmten Artillerieexperten Gerald V.
Bull, der sein Leben lang vom Bau einer "Superkanone" - einer riesigen Haubitze - besessen war, die
Satelliten ins All oder Artilleriegranaten Tausende von
Meilen entfernt in feindliches Gebiet schießen konnte.
Obwohl dieser Traum nicht zu verwirklichen war, entwarf Bull einige der wirksamsten Artilleriegeschütze
der Welt.
Als in Kanada geborener Astrophysiker hatte Bull
früher Forschungsverträge mit der US-Army, dem
kanadischen Verteidigungsministerium und der McGill
Universität. Ehemaligen Geschäftspartnern zufolge
trennte er sich in den siebziger Jahren vom Pentagon
und baute Firmen auf, um verbesserte Versionen der
von ihm für eine Reihe ausländischer Regierungen,
einschließlich Iran, Chile, Taiwan und China, entwikkelten Technologie zu verkaufen.
Über seine eigene Firma in Quebec - Space Research
Corporation - und eine belgische Tochtergesellschaft
- European Poudreries Reunies de Belgique - konnte
Bull sein bestes Gefechtsfeld-Artilleriegeschütz produzieren, die GC-45-Kanone, die Geschosse 25 Meilen mit einem doppelt so hohen Wudgewicht wie dem
der von den westlichen Armeen eingesetzten Kanone
abfeuern kann.
"Kurz nach Ausbruch des iranisch-irakischen Kriegs
schickte die irakische Regierung ein Privatflugzeug
nach Genf... um Bull nach Bagdad zu bringen", erklärt
Lawrence Surtees, Korrespondent des Toronto Globe and Mail. So begann eine lange Verbindung
zwischen Bull und der irakischen Regierung und ihrem
damaligen Verteidigungsminister Saddam Hussein.

*

Seite 2

"Bull stand nahezu zehn Jahre lang in Geschäftsverbindungen mit dem Irak - sechs Jahre länger als
frühere Berichte angaben", so der Journalist von Toronto
Globe and Mail unter Berufung auf ein unveröffentlichtes Manuskript über Bulls Leben, das von einem
engen Freund und Kollegen angefertigt wurde - Donald
Mordeil - dem verstorbenen Dekan der Fakultät Maschinenbau an der McGill Universität in Montreal.
Der Irak ist nur einer von vielen Staaten, die im Besitz
der von Bull entwickelten Kanonen sind. Zu seinen
Kunden zählen bekanntermaßen sein Geburtsland
Kanada, die Vereinigen Staaten, Südafrika, Iran, Chile, Taiwan, China und Libyen.
Die beuruhigendsten der von Gerald Bull von Mitte
1981 bis zu seinem Tod am 22. März 1990 entwickelten Kanonen sind seine 300 155mm Haubitzen modernisierte Versionen der von Bull in den siebziger
Jahren entwickelten GC-45-Kanone. 200 dieser GHN-45 genannten und in Österreich hergestellten Kanonen wurden 1985 über Jordanien zum Einsatz im
iranisch-irakischen Krieg in den Irak transportiert. Die
übrigen 100 wurden in Südafrika hergestellt, wo sie
unter dem Namen G-5 verkauft werden. Militärexperten zufolge kann die G-5 mit einem taktischen Atomsprengkopf, chemischen Granaten oder jeder 155mm
Standardgranate der NATO bestückt werden.
Ebenso beunruhigend sind modifizierte Bull-Raketengefechtsköpfe, mit denen die Reichweite irakischer
SCUD-Raketen verlängert wurde.
Darüber hinaus hat Bull zwei moderne Artilleriesysteme auf Selbstfahrlafetten für die Iraker entworfen: das
210mm AI Fao und das 155mm Majnoon. Mit einem
Gewicht von 48 Tonnen kann AI Fao vier 109 Kilogrammgranaten pro Minute über eine Reichweite von
35 Meilen aus seinem 11 Meter langen Geschützrohr
abfeuern. Die Iraker behaupten, daß AI Fao und
Majnoon eine Höchstgeschwindigkeit von 72 bis 88
Stundenkilometern auf der Straße ereichen können.

* * *

*

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�GOLFKRISE / KSZE
30. Januar 1991

MARESCA: DIE WELT HAT SADDAM HUSSEIN
GEWARNT
Botschafter Maresca bei der KSZE
WIEN - (AD) - Botschafter John Maresca erklärte am 28. Januar 1991, die Welt habe den irakischen Präsidenten Saddam Hussein gewarnt, sie werde "nicht länger tatenlos zusehen, wie er brutale militärische Gewalt zum
Zweck der Eroberung einsetzt und alle Bestrebungen um eine friedliche Lösung mit Mißachtung straft".
In einer Plenarsitzung beim Treffen hoher Beamter der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in
Europa (KSZE) konstatierte Maresca im Hinblick auf die irakische Invasion Kuwaits im August vergangenen
Jahres und die darauffolgenden Kampfhandlungen im Golf: "All unsere Anstrengungen in diesem Forum werden
natürlich vom Golfkrieg überschattet, in dem eine Reihe von hier vertretenen Ländern damit befaßt sind, einen
skrupellosen Tyrannen aus einem Land zu vertreiben, das er mit der ruchlosesten militärischen Aggression
erobert hat, die seit vielen Jahren in der Welt stattgefunden hat."
Botschafter Maresca erklärte ferner, "obwohl der Golf krieg eigentlich außerhalb des KSZE-Gebiets stattfindet,
sind wir alle davon betroffen. Wie die Erklärung unserer Außenminister in New York von Oktober vergangenen
Jahres zeigt, stimmen unsere Länder überein, daß Kuwait seinen Bürgern zurückgegeben werden und seine
rechtmäßige Regierung wiedererhalten muß, wie es auch in zahlreichen UNO-Resolutionen gefordert wird."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung von Botschafter Maresca im Wortlaut.

Herr Vorsitzender, dies ist das erste Treffen des Ausschusses Hoher Beamter, wie in die Charta von Paris
verankert. Wir betrachten dies nicht nur als wichtigen
Schritt im KSZE-Prozeß und erste Zusammenkunft im
Programm regelmäßiger politischer Konsultationen
zwischen den 34 Teilnehmerstaaten. Unserer Ansicht
nach sollte dieses konsultative Programm jetzt seinen
Platz als zentrale Institution der KSZE einnehmen und
unser wichtigstes Diskussionsforum sein.
Aus diesem Grund begrüßen wir auch die von Ihnen,
Herr Vorsitzender, vorgeschlagene Tagesordnung. Sie
spiegelt überzeugend das diesem Ausschuß von der
Pariser Charta verliehene Mandat wider und wird für
unsere künftigen Treffen ein nützliches Vorbild sein.

Reihe von hier vertretenen Ländern damit befaßt sind,
einen skrupellosen Tyrannen aus einem Land zu vertreiben, das er mit der ruchlosesten militärischen
Aggression erobert hat, die seit vielen Jahren in der
Welt stattgefunden hat. Die an dieser gemeinsamen
Arbeit Beteiligten haben den irakischen Präsidenten
Saddam Hussein gewarnt, die Welt werde nicht länger
tatenlos zusehen, wie er brutale militärische Gewalt
zum Zweck der Eroberung einsetzt und alle Bestrebungen um eine friedliche Lösung mit Mißachtung
straft.

Der erste Punkt auf unserer Tagesordnung - die Prüfung aktueller Fragen - ist für unsere Arbeit ein unerläßlicher Ausgangspunkt, insbesondere in diesen
unruhigen Zeiten rapide Veränderungen.

Obwohl der Golfkrieg eigentlich außerhalb des KSZEGebiets stattfindet, sind wir alle davon betroffen. Wie
die Erklärung unserer Au ßenminister in New York von
Oktober vergangenen Jahres zeigt, stimmen unsere
Länder überein, daß Kuwait seinen Bürgern zurückgegeben werden und seine rechtmäßige Regierung
wiedererhalten muß, wie es auch in zahlreichen UNOResolutionen gefordert wird.

All unsere Anstrengungen in diesem Forum werden
natürlich vom Golfkrieg überschattet, in dem eine

Die KSZE steht für die Rechte aller Bürger: ihre
Menschenrechte und ihr Recht auf Wahl ihrer eigenen

AMERIKA DIENST 4

Seite 1

�Regierungen. Dies ist die zentrale Aussage der KSZE
seit Unterzeichnung der Schlußakte von Helsinki im
Jahr 1975. Als wichtigste Leistung hat die Schlußakte
anerkannt, daß solche Rechte grenzübergreifend sind
und im berechtigten Interesse aller Länder, aller
Menschen und aller Regierungen liegen.

Darüber hinaus haben wir die Ereignisse im Baltikum
beim KSZE-Treffen über die friedliche Beilegung von
Konflikten in Valletta angesprochen, weil wir unsere
Überzeugung bekräftigen wollten, das Problem der
Baltenstaaten müsse auf friedlichem Wege und durch
Verhandlungen gelöst werden.

Dieses grundlegende Konzept wurde im November
vergangenen Jahres von einer neuen Generation Staatsund Regierungschefs in der Charta von Paris bestätigt
und gutgeheißen.

Herr Vorsitzender, ich möchte unsere Position eindeutig darlegen. Wir haben die sowjetischen Bestrebungen um eine Hinwendung zu Reformen begrüßt. Wir
betrachten die Politik von Glasnost und Perestrojka als
positive Entwicklungen, die den Wunsch der sowjetischen Regierung und des Volkes widerspiegeln, mit
den wichtigsten Entwicklungen in Europa Schritt zu
halten. Aber die jüngsten Ereignisse im Baltikum
scheinen eine Abkehr von Glasnost und Perestrojka zu
dokumentieren, zurück zu der repressiven Politik, wie
wir sie in der Vergangenheit beobachten konnten.

Aus diesem bemerkenswerten Dokument ein Zitat.
"Menschenrechte und Grundfreiheiten sind allen
Menschen von Geburt an eigen; sie sind unveräußerlich und werden durch das Gesetz gewährleistet. Sie
zu schützen und zu fördern ist vornehmste Pflicht jeder
Regierung. Ihre Achtung ist wesentlicher Schutz gegen
staatliche Übermacht. Ihre Einhaltung und uneingeschränkte Ausübung bilden die Grundlage für Freiheit,
Gerechtigkeit und Frieden.
Demokratische Regierungen gründen sich auf den
Volkswillen, der seinen Ausdruck in regelmäßigen,
freien und gerechten Wahlen findet. Demokratie beruht auf Achtung vor dem einzelnen und Rechtsstaatlichkeit. Demokratie ist der beste Schutz für freie
Meinungsäußerung, Toleranz gegenüber allen gesellschaftlichen Gruppen und Chancengleichheit für alle.
Die Demokratie, ihrem Wesen nach repräsentativ und
pluralistisch, erfordert Verantwortlichkeit gegenüber
der Wählerschaft, Bindung der staatlichen Gewalt an
das Recht sowie eine unparteiische Rechtspflege.
Niemand steht über dem Gesetz."
Was sollen wir im Lichte dieser Verpflichtungen von
einer Regierung halten, die militärische Gewalt einsetzt, um Druck auf eine frei gewählte Regierung
auszuüben, die Maschinengewehre und Panzer gegen Zivilisten einsetzt und Greueltaten nicht scharf
verurteilt oder die erforderlichen Schritte unternimmt,
um Verbrecher zur Rechenschaft zu ziehen?
Viele der hier vertretenen Länder haben die sowjetische Regierung um eine Erklärung für die vielen
Menschenrechtsverletzungen gebeten, die eindeutig
in den letzten Wochen im Baltikum stattgefunden
haben. Die Vereinigten Staaten haben am 25. Januar
im Rahmen der menschlichen Dimension der KSZE
ein solches Gesuch unterbreitet. Dazu haben wir
gemäß dem KSZE-Prozeß das Recht.
Praktisch alle Teilnehmerstaaten haben einen vor zwei
Wochen an dieser Stelle unterbreiteten Vorschlag
unterstützt, eine Sondersitzung zur Erörterung dieser
beunruhigenden Ereignisse einzuberufen. Dies fand
ebenfalls im Einklang mit den vereinbarten KSZEVerfahren statt, wurde aber vom Vertreter der UdSSR
blockiert, der als einziger einen Konsens verhindert
hat.

Seite 2

Die internationale Staatengemeinschaft ist allgemein
entrüstet über die Massaker sowjetischer Soldaten in
Vilnius und Riga und den anhaltenden Druck auf die
rechtmäßigen Regierungen aller drei Baltenstaaten.
Solche Akte sind Abbild der vergangenen Tyrannei
und passen nicht in die Welt von heute. Wir fordern die
sowjetische Regierung auf, diese Situation unverzüglich zu korrigieren, jeglichen Einsatz von Gewalt zu
verdammen und die Verantwortlichen des Massakers
zur Verantwortung zu ziehen. Der Einsatz von Gewalt
kann Streitfälle dieser Art nicht lösen - das kann nur
friedlicher Dialog.
Außenminister Baker hat erst kürzlich daran erinnert,
daß die Vereinigten Staaten die Annexion der Baltenstaaten durch die Sowjetunion infolge des berüchtigten Hitler-Stalin-Pakts niemals anerkannt haben.
Darüber hinaus gibt es Präsident Bush zufolge keine
Rechtfertigung für den Einsatz von Gewalt gegen die
Zivilbevölkerung.
Es würde uns interessieren, eine sowjetische Erklärung zu den jüngsten Ereignissen im Baltikum zu
erhalten.
Herr Vorsitzender, ich werde allen Delegationen die
Erklärung der US-Regierung zu diesem Thema zugänglich machen, weil es meiner Ansicht nach für alle
Anwesenden nützlich ist, unsere Meinung zu kennen.
Als Beispiel möchte ich in diesem Zusammenhang die
einstimmig von beiden Häusern unseres Kongresses
verabschiedeten Resolutionen anführen, in denen die
sowjetische Vorgehensweise in Vilnius und Riga verurteilt wird. Solche Resolutionen sind höchst außergewöhnlich und spiegeln ein ungeheures Ausmaß der
Besorgnis in der Öffentlichkeit wider, sogar in einer
Zeit, da Washington sich vornehmlich auf den Golfkrieg konzentriert.
Darüber hinaus sind wir in tiefer Sorge über einen
möglichen Einsatz von Gewalt in Jugoslawien. Wir
haben bei zahlreichen Gelegenheiten erklärt, daß wir

AMERIKA DIENST 4

�jeglichen Einsatz von Gewalt, Einschüchterung oder
Aufwiegelung zur Beilegung dieser Art von Streitigkeiten scharf verurteilen und fordern die friedliche Schlichtung der gegenwärtigen Differenzen. Die Vereinigten
Staaten unterstützen voll und ganz Einheit, demokratische Veränderungen, Achtung der Menschenrechte
und marktwirtschaftliche Reformen in Jugoslawien.

Unserer Meinung nach muß Demokratie im Einklang
mit der Schlußakte von Helsinki und der Charta von
Paris das dauerhafte Fundament für eine vereinigte,
wohlhabende und freiwillig beschlossene jugoslawische Union sein.
Herr Vorsitzender, ich danke Ihnen.

* * * *

AMERIKA DIENST 4

*

Seite 3

�WIRTSCHAFT
30. Januar 1991

GREENSPAN: ENDE DER REZESSION IN DEN USA
GEGEN MITTE DES JAHRES ERWARTET
Rede des Direktors der US-Bundesbank im Kongreß
WASHINGTON - (AD) - Dem Direktor der amerikanischen Bundesbank, Alan Greenspan, zufolge konnte die
amerikanische Wirtschaft den durch die irakische Invasion Kuwaits im August verursachten Ölschock auffangen
und wird die Rezession voraussichtlich bis Mitte des Jahres überwunden haben.
"Hätten keine anderen Ereignisse stattgefunden, könnte man gut und gerne ein Rechenexempel anstellen,
demzufolge sich die Wirtschaft gegen Mitte des Jahres auf dem Tiefstand befindet und dann einen Aufschwung
erlebt", erklärte Greenspan am 22. Januar 1991 im Kongreß.
Ein langer Krieg mit dem Irak würde jedoch teuer und könnte "die Wirtschaft schwächen", so Greenspan vor dem
Haushaltsausschuß des Repräsentantenhauses.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Alan Greenspan im Wortlaut.

Herr Vorsitzender, es ist mir eine Ehre und ein Vergnügen, heute vor diesem Ausschuß sprechen zu dürfen.
Wie Sie wissen, wird die Bundesbank ihren Halbjahresbericht zur Geldpolitik dem Kongreß im nächsten
Monat vorlegen. Der Bericht wird die Ziele der Bundesbank für 1991 sowie unsere Wachstums- und Inflationserwartungen im einzelnen darlegen. Sie werden
sicherlich verstehen, daß ich diese Prognosen selbst
unter normalen Umständen nur ungern vorwegnehme.
Wir sind jedoch von normalen Umständen weit entfernt
und werden uns zweifelsohne in einer besseren Position für einen präziseren Ausblick befinden, sobald
einige der mit dem Golfkonflikt verbundenen Unwägbarkeiten behoben worden sind. Wir können uns heute
jedoch konstruktiv mit einigen anderen Erwägungen
auseinandersetzen, die Auswirkungen auf unsere
Wirtschaftslage und den richtigen politischen Kurs
unter den aktuellen Umständen haben.
Alles deutet darauf hin, daß die Wirtschaftstätigkeit im
4. Quartal 1990 beträchtlich nachgelassen hat. Bei
meiner Rede vor dem Bankenausschuß des Respräsentantenhauses im November habe ich festgestellt,
daß die Gesamtproduktion in den Monaten Oktober
und November rückläufig war. Der Einbruch hielt bis in
den Dezember an. Auf dem Arbeitsmarkt nahm die
Zahl der Erwerbstätigen insgesamt nach noch höheAMERIKA DIENST 4

ren Zahlen in den vorausgegangenen Monaten um
weitere 75 000 ab, und die Arbeitslosenquote der
zivilen Erwerbspersonen stieg weiter auf 6,1 Prozent.
Die Produktion des Verarbeitenden Gewerbes sank
weiterhin rapide, und der Industrieproduktionsindex
fiel Schätzungen zufolge um weitere 0,6 Prozent.
Mit dem Einbruch der Industrieproduktion vom Dezember beträgt die Abnahme seit September insgesamt 3 Prozent. Nahezu die Hälfte davon ist auf die
Kürzung der Produktion von Fahrzeugen und -teilen
zurückzuführen. Darüber hinaus verlief auch die
Herstellung von Baumaterialien außergewöhnlich
schwach, und in anderen Bereichen wurden ebenfalls
Einsparungen vorgenommen.
Die Ereignisse am Persischen Golf waren eindeutig
der ausschlaggebende Faktor für das merkliche Nachlassen der Wirtschaftstätigkeit im vergangenen Herbst.
Insbesondere der Preisanstieg bei Rohöl hinterließ
einen spürbaren Einschnitt im real verfügbaren Einkommen der Haushalte und trug somit zur Zurückhaltung bei Ausgaben für ein breites Spektrum von Waren
und Dienstleistungen bei. Darüber hinaus schränkten
zahlreiche Firmen, deren Gewinnspanne bereits durch
höhere Energiekosten unter Druck geraten war, die
Produktion ein, um einen Überhang an LagerbestänSeite 1

�den zu vermeiden. Als Reaktion auf eine tatsächliche
oder erwartete verringerte Nachfrage als Folge des
Energiepreisanstiegs haben sie ferner ihre Investitionspläne beschnitten.
Der durch die Golfkrise verursachte Schaden ging
jedoch über den direkten Effekt höherer Ölpreise hinaus. Die enorme Unsicherheit über das Wie und Wann
ihrer Beilegung trug zu einem beträchtlichen Vertrauensschwund bei Verbrauchern und Unternehmen
bezüglich der Wirtschaftslage bei. Angesichts solcher
Unwägbarkeiten neigen Hersteller wie Konsumenten
dazu, von ihren normalen Aktivitäten abzuweichen
während sie auf eindeutigere Signale der Wirtschaftsentwicklung warten und vermeiden Verpflichtungen,
die nur unter Kosten rückgängig gemacht werden
könnten.
Natürlich war die Golf krise nicht der einzige Faktor, der
die Wirtschaftstätigkeit hemmte. Erkenntnisse belegen, daß insbesondere die Banken - zusammen mit
anderen Kreditgebern - ihre Konditionen und andere
Bedingungen der Kreditvergabe verschärft haben, und
einige Kreditnehmer stie ßen zweifelsohne auf größere
Schwierigkeiten, finanzielle Mittel zu erhalten. Solche
Schwierigkeiten sind auf dem gewerblichen Immobilienmarkt am offenkundigsten, erstrecken sich jedoch
auch auf Kredite für eine Vielzahl anderer Zwecke.
Eine Prognose der Wirtschaftslage ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt ein besonders riskantes Unterfangen und nicht nur wegen der enormen Unsicherheit im
Zusammenhang mit dem Krieg am Persischen Golf.
Zweifelsohne waren die Informationen über die Wirtschaftstätigkeit in den vergangenen Wochen außerordentlich dürftig. Soweit wir es beurteilen können,
enthalten die jüngsten Statistiken einige Hinweise, daß
die Auswirkungen des anfänglichen Schocks vom
vergangenen August im großen und ganzen das System durchlaufen haben, und der Druck auf die Wirtschaftstätigkeit nachlassen könnte. Dennoch müssen
wir auch der Möglichkeit Rechnung tragen, daß die
Tätigkeit insgesamt weiterhin rückläufig ist, bevor ein
Aufschwung stattfindet. Ein solches Ergebnis könnte
erfolgen, wenn sich beispielsweise eine ernsthafte
Strukturkrise in einigen Teilen des Landes auf Regionen ausdehnt, in denen die Wirtschaftstätigkeit stärker
ist oder - alternativ - das Vertrauen von Verbrauchern
und Unternehmen durch die Ereignisse vom letzten
August so erschüttert wurde, daß weitere Ausgabenkürzungen bevorstehen.
Zweifelsohne werden die Probleme auf dem Immobilienmarkt eine Zeitlang nachteilige Effekte auf die
Wirtschaft haben, insbesondere angesichts der Rolle,
die sie bei der Verschärfung der Schwierigkeiten gespielt haben, mit denen sich die Finanzinstitutionen
konfrontiert sehen. Auf dem privaten Wohnungsmarkt
scheinen Sorgen über Häuserpreise sowie um den
Arbeitsplatz und gesichertes Einkommen potentielle
Käufer abzuschrecken - obwohl Häuser angesichts

Seite 2

der niedrigen Hypothekenzinsen heute erschwinglicher sind als vor einiger Zeit. Im gewerblichen Bereich
ist der Überhang an leerstehenden Büro- und Geschäftsräumen trotz der heute geringen Bautätigkeit
immer noch gravierend. Bewilligte Ausgaben für Nichtwohngebäude machen nur 1 Prozent des Bruttosozialprodukts (BSP) aus, und daher sind die direkten Auswirkungen selbst drastisch verminderter Bautätigkeit
auf die Wirtschaftstätigkeit insgesamt begrenzt. Da
der aktuelle Besitz an Nichtwohngebäuden jedoch
einen solch großen Anteil des Bestands an Vermögenswerten ausmacht, die finanziert werden müssen,
bedeutet ein einschneidender Wertverlust dieser
Gebäude beträchtliche Verluste für die Bilanzen der
Banken und anderer Finanzinstitutionen mit Auswirkungen, die nicht nur die Bauwirtschaft betreffen.
Gleichzeitig berechtigen andere Faktoren zu Optimismus bei Prognosen für die Wirtschaftstätigkeit. Erstens sollte die Abwertung des Dollars im Verlauf des
letzten Jahres das Exportvolumen ankurbeln, selbst
angesichts einer Verlangsamung wirtschaftlicher
Expansion im Ausland. Darüber hinaus sollte sie zu
einer Beschränkung der Importe beitragen und damit
einen Teil der Binnennachfrage auf amerikanische
Hersteller verlagern. Das soll jedoch nicht hei ßen, daß
der niedrigere Dollar nur ein Segen ist: Er verschärft
den Inflationsdruck und könnte zu Instabiität auf den
Finanzmärkten beitragen.
Ein Aspekt der bisherigen Entwicklungen, der für die
Wirtschaftstätigkeit besondere Vorteile verspricht, ist
die offensichtliche Geschwindigkeit, mit der die Hersteller auf die erwartete geringere Nachfrage reagiert
haben. Die verfügbaren Daten sind dürftig und bedürfen der Überarbeitung, aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt scheint es nur vereinzelt Überhänge an Lagerbeständen zu geben, die besser in den Griff zu bekommen sind, als dies bei Konjunktureinbrüchen der Vergangenheit der Fall war. Wenn der Umsatz anhält und ich bin nicht sicher, daß wir davon ausgehen
können -, könnte der größte Teil der Produktionsanpassung hinter uns liegen. Eine verstärkte Endnachfrage würde darüber hinaus wahrscheinlich rasch eine
Belebung der Produktion zur Folge haben.
Die Autohersteller sind ein Paradebeispiel für dieses
Verhalten: Sie haben die Produktion schnell drastisch
gekürzt, obwohl die Verkaufszahlen nur mäßig gesunken und die Bestände bei den Händler verglichen mit
der Vergangenheit nicht extrem hoch waren. Zweifelsohne war die tatsächliche Nachfrage schwächer als
die angegebenen Verkaufszahlen, die beachtliche Käufe
gro ßer Mietwagenfirmen enthielten, und die Bestandszahlen müssen im Licht der Tatsache ausgewertet
werden, daß viele dieser Fahrzeuge in nur wenigen
Monaten als "Jahreswagen" wieder auf den Markt
kommen. Die Drosselung der Automobilherstellung
Ende letzten Jahres war jedoch prompt und beträchtlich. Bei ansonsten gleichbleibenden Werten war sie
groß genug, um die jährliche Zuwachsrate des realen
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�BSP im 4. Quartal um über 2 Prozentpunkte zu reduzieren. Die gute Nachricht ist, daß Kürzungen bei der
Automobilherstellung, den aktuellen Produktionsplänen tür das 1. Quartal nach zu urteilen, größtenteils wenn nicht sogar ganz - hinter uns liegen.
Abgesehen von den mit den Energiepreisen einhergehenden Unwägbarkeiten scheinen sich die Aussichten
im Hinblick auf die Inflation in den vergangenen Monaten verbessert zu haben. Relativ viele Anzeichen
deuten auf nachlassenden Druck bei Löhnen und
Gehältern hin, und ein weiterer Rückgang der Inflation
in diesem Bereich scheint im Zusammenhang mit der
Flaute wahrscheinlich, die sich in den vergangenen
Monaten auf dem Arbeitsmarkt abzeichnete. Darüber
hinaus lag der Inflationssockel bei den Verbraucherpreisen in den vergangenen Monaten unter dem zu
Beginn des Jahres verzeichneten Sockel.
Vor diesem Hintergrund hat die Bundesbank eine
Reihe der in den vergangenen anderthalb Jahren
ergriffenen Maßnahmen erweitert, um der Geldpolitik
Vorschub zu leisten. Infolgedessen ist der Tagesgeldsatz seit dem Frühjahr 1989 von etwa 10 Prozent auf
6,75 Prozent und damit durchschnittlich um rund 3
Prozentpunkte gefallen. Andere kurzfristige Raten
sind ebenfalls merklich gefallen, und die langfristigen
Raten für Schatzanleihen befinden sich am unteren
Ende der Skala für das vergangene Jahr.
Die Durchführung der Geldpolitik in diesem Zeitraum
erforderte ein sorgfältiges Abwägen der Notwendigkeit, einerseits auf Signale des merklichen Rückgangs
der Wirtschaftstätigkeit zu reagieren und andererseits
den inflationären Druck einzudämmen. Die zwischen
Juni und Dezember 1989 unternommenen ersten Schritte
zur Erleichterung waren zum größten Teil eine Reaktion auf Entwicklungen, die auf eine mögliche Abschwächung der Inflation hindeuteten, da sich die
Anzeichen für ein langsameres Wirtschaftswachstum
mehrten und der Geldzuwachs gemessen am üblichen
Jahresumfang schleppend blieb. Die Politik wurde
insgesamt in der ersten Hafte des Jahres 1990 kaum
verändert, da die Wirtschaftstätigkeit - wenn auch
gebremst - belebt wurde, aber dennoch waren die
Informationen über die Inflation enttäuschend.
Mitte des Jahres gab es Hinweise auf eine Abschwächung der Inflation nach dem anfänglichen plötzlichen
Anziehen, und vorliegende Informationen deuteten auf
eine Stagnation der Wirtschaftstätigkeit hin. Darüber
hinaus legte eine Beschränkung bei der Kreditbeschaffung der Banken - teilweise signalisiert durch
einen verzögerten Geldzuwachs - die Vermutung nahe,
daß die Kreditbedingungen strenger als beabsichtigt
waren, und die Politik wurde infolgedessen im Laufe
des Sommers geringfügig gelockert.
Weitere Maßnahmen sind angesichts Ihrer steuerpolitischen Schritte im vergangenen Herbst, der schwächeren Volkswirtschaft, anhaltender Probleme der

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Kreditbeschaffung und langsamen Wachstums der
Geldbestände getroffen worden. Zu ihnen zählen eine
Senkung des Diskontsatzes Mitte Dezember um einen
halben Prozentpunkt auf 6,5 Prozent, der Abbau bestimmter notwendiger Reserven und andere Operationen, mit denen Reserven verfügbarer gemacht werden sollten.
Erwartungsgemäß werden unsere bis heute getroffenen Maßnahmen der Wirtschaftstätigkeit in den kommenden Quartalen Vorschub leisten. Dabei wissen wir
nicht, ob weitere politische Anpassungen notwendig
werden, weil Entscheidungen dieser Tragweite von
sich abzeichnenden Tendenzen auf den Finanzmärkten und der Wirtschaft abhängen. Im Hinblick darauf
wollen wir sicherstellen, daß sich Geld und Kredite auf
angemessenem Wachstumskurs befinden. Wir sind
insbesondere besorgt über die Stagnation der Geldmenge in den vergangenen Monaten, und unsere
jüngste Maßnahme wurde größtenteils durch weitere
Anzeichen schwachen Geldwachstums bewirkt. Darüber hinaus beobachten wir die Kreditlandschaft eingehend und werden die Wirtschaftsdaten weiterhin auf
Anzeichen einer sich verschärfenden Rezession hin
prüfen. Gleichzeitig müssen wir alles daransetzen,
eine allzu stimulierende Politik zu vermeiden. Das
Ausmaß der wirtschaftlichen Flaute ist historisch betrachtet nicht groß, und eine zu aggressive Niedrigzinspolitik könnte sich letzten Endes als kontraproduktiv erweisen. Unser Ziel sollte darin bestehen, eine
dauerhafte Gesundung zu fördern und nicht nur Ungleichgewichte zu stützen, die zum nächsten Rückgang der Wirtschaftstätigkeit führen.
Auch die Haushaltsexperten müssen sich in den
kommenden Monaten auf schwierige Entscheidungen
gefaßt machen. Ich nehme an, daß die wirtschaftlichen Prognosen der Haushaltsbehörde des Kongresses (CBO) und der Administration sowohl im 4. Quartal
1990 als auch im 1. Quartal 1991 einen Rückgang
beim realen BSP aufweisen. In diesem Fall muß der
Senat - und das Repräsentantenhaus kann - eine
gemeinsame Entschließung erwägen, in der die Durchführungsbestimmungen des Gesetzes zur Abstimmung des Haushalts ausgesetzt werden.
Die Abstimmmung über eine Aufhebung der Durchführungsbestimmungen ohne zwingende Beweise einer
tiefgreifenden oder anhaltenden Rezession wäre ein
Fehler. Sie haben zusammen mit der Regierung im
vergangenen Jahr lange und hart gearbeitet, um ein
annehmbares Paket aus Ausgaben, Steueränderungen und Reformen des Haushaltsprozesses zusammenzustellen. Mit Inkrafttreten der Haushaltsvereinbarung haben Sie den Finanzmärkten eine gewisse
Garantie für Stabilität und künftige Erleichterungen bei
der Kreditaufnahme der Bundesregierung gegeben.
Ein Unterlaufen dieser Zusage könnte sich nachteilig
auf die langfristigen Zinssätze auswirken, und sie
würde damit wirkungslos.

Seite 3

�Ich bin mir darüber im klaren, daß Sie wahrscheinlich
erheblichem Druck ausgesetzt sein werden, Maßnahmen zu ergreifen, die letztlich das Haushaltsdefizit
steigern würden. Besorgnis über die Angemessenheit
einer zurückhaltenden Steuerpolitik in einer Zeit schwacher Wirtschaftsleistung ist verständlich. Dennoch
muß sie gegen die Vorteile abgewogen werden, die
sich aus der Zustimmung zu einer Haushaltsstrategie
zugunsten langfristiger Erfordernisse in der Wirtschaft
ergeben. Diesen Erfordernissen wird man am besten
gerecht, wenn man sicherstellt, daß das zugrundeliegende oder "strukturelle" Defizit weiterhin rückläufig
ist, auch wenn das tatsächliche Defizit zeitweise von
den Auswirkungen der schwachen Wirtschaft aufgebläht wird.
Darüber hinaus wird der Haushalt, auch ohne politische Maßnahmen, einen stark stabilisierenden Effekt
auf die Wirtschaft haben - was bei Ausarbeitung des
neuen Haushaltsverfahrens eindeutig beabsichtigt war.
Unter anderem beseitigt die gesetzlich verfügte Konzentration auf Abbau des Defizits und nicht so sehr die
Höhe des Defizits selbst die Notwendigkeit, daß politische Anpassungen die Auswirkungen veränderter
wirtschaftlicher Gegebenheiten ausgleichen, und damit
können die automatischen Stabilisatoren wie beabsichtigt funktionieren.
Darüber hinaus sind die bisherigen Anzeichen für die
Durchführung einer willkürlichen antizyklischen Haushaltspolitik nicht ermutigend. In der Vergangenheit
haben wir oftmals Programme verabschiedet, mit denen
die Wirtschaft stimuliert werden sollte, die jedoch erst
spät nach dem Einsetzen des Aufschwungs in die Tat
umgesetzt wurden. Wenn die vorherrschende wirtschaftliche Prognose für 1991 in etwa stimmt, könnte
die Ergreifung stimulierender Maßnahmen jetzt zu
einer Wiederholung dieses Musters führen. In diesem
Fall würde wenig zur Lösung unserer gegenwärtigen
Schwierigkeiten erreicht und gleichzeitig die Aussichten für zunehmende Kapitalbildung sowie Produktivitätssteigerungen zunichte gemacht.
Ferner unterliegt die Operation Wüstensturm nicht der
Kürzung der Verteidigungsausgaben, die im Haushaltsjahr 1991 zweifellos erheblich höher sein werden
als letzten Herbst vorhergesagt. Erwartungsgemäß
werden sich andere Länder an den Kosten für den
Krieg beteiligen, und ihr Beitrag wird die Auswirkungen
auf das Haushaltsdefizit dämpfen helfen. Aber ungeachtet wer dafür zahlt - die Ausgaben für neu produzierte Inlandsgüter im Rahmen von Wüstensturm werden
das BSP der Vereinigten Staaten steigern.
Darüber hinaus müssen die Probleme des Einlagensicherungssystems behandelt werden, denn auch sie
zeitigen Auswirkungen auf den Haushalt und komplizieren die Auslegung der Steuerpolitik. Nach dem
neuen Haushaltsverfahren werden die Nettoaufwendungen für Einlagensicherungen weiterhin in den offiziellen Haushaltszahlen enthalten sein und auch in die

Seite 4

umfassenderen Maßnahmen des Gesamthaushalts
einbezogen werden. Die Einbeziehung der Einlagensicherung in den Gesamthaushalt reduziert seinen
Nutzen als Indikator für die Auswirkungen des Bundeshaushalts auf die Wirtschaft. Da Einlagensicherungen
die Anreize für leitende Angestellte von Finanzinstitutionen verändern, hatten sie zweifellos erhebliche
Auswirkungen auf die Wirtschaft an sich, aber die
tatsächlichen Auszahlungen haben geringe Nebeneffekte auf Kreditmärkte, Zinssätze oder Wirtschaftstätigkeit.
Deshalb sollte sich die Aufmerksamkeit auf Haushaltszahlen konzentrieren, die keine Einlagensicherung
enthalten. Dies ist die alternative Berechnung des
Defizits, wie sie von der Haushaltsbehörde des Kongresses in ihrer Zwischenbilanz der Haushaltsvereinbarung von 1990 vorgestellt wurde und das Defizit, wie
es in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung
(National Income and Product Accounts - NIPA) aufgenommen ist. Obwohl der Haushalt in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung dem Gesamthaushalt
in vieler Hinsicht ähnelt, behandelt er die Kreditvergabe- und Finanzaktivitäten der Bundesregierung in einer
Weise, die für die Analyse des Verhältnisses von Sparund Investitionstätigkeit und die Auswirkungen der
Steuerpolitik auf die Wirtschaftstätigkeit nützlicher ist.
Insbesondere zeigt er die im Laufe finanzieller Transaktionen gezahlten oder erhaltenen Zinsen, aber er
schließt die Transaktionen selbst aus.
Im Prinzip erfaßt die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung das derzeitige Volkseinkommen und die Produktion und schließt daher Transaktionen aus, die im
wesentlichen ein Austausch von Aktiva und Passiva
sind. Solche Transaktionen wirken sich auf die Vergabe und Verteilung von Einnahmen und Produktion aus
und können damit erhebliche Auswirkungen auf die
Wirtschaft haben, werden aber angemessener innerhalb eines Rahmens analysiert, wie ihn der Finanzmarkt steckt. Ausgaben für Einlagensicherungen sind
im wesentlichen eine Begleichung früher eingegangener finanzieller Verpflichtungen. Sie stellen kein laufendes Einkommen für ihre Empfänger dar, denn die
Anleger werden nicht in dem Moment reicher, in dem
ihre Bank oder Sparkasse von der Regierung übernommen wird. Deshalb werden sie nicht von NIPA
erfaßt.
Die Kreditreformbestimmungen im Abstimmungsgesetz zum Haushalt verbessern im Gesamthaushalt die
Offenlegung neuer Kredite und Kreditbürgschaften
und schließen eine konzeptionelle Lücke zwischen
den beiden Haushaltsberechnungen. Das Gesetz
weist ferner die Haushaltsbehörde (Office of Management and Budget - OMB) und die CBO an, die haushaltsmäßige Behandlung von Einlagensicherungen zu
untersuchen, die derzeit noch auf Barzahlungsbasis
abgewickelt wird. Ausgaben für Einlagensicherungen
verursachten eine umfangreiche Abweichung zwischen
den Defiziten, wie sie im Haushaltsjahr 1990 in der
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�volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung und im Gesamthaushalt errechnet worden waren, und sie werden zweifellos auch 1991 und 1992 stark voneinander
abweichen. Deshalb ist es von besonderer Bedeutung, die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung zu
beobachten und zu verstehen, die insbesondere auf
die Bereitstellung von Informationen ausgerichtet ist,
wie sich die Steuerpolitik auf die Wirtschaft auswirkt.

In der gegenwärtigen Lage gibt es viele Unsicherheitsfaktoren, und das Risiko politischer Fehler ist groß. Wir
müssen natürlich die Ereignisse am Persischen Golf
und ihre Auswirkungen auf die Wirtschaft aufmerksam
verfolgen. Darüber hinaus müssen wir aber sicherstellen, daß unsere Politik mit der Verwirklichung unserer
wirtschaftlichen Ziele auf lange Sicht im Einklang steht.

* * * * *

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Seite 5

�BALTIKUM
30. Januar 1991

DIE SITUATION IM BALTIKUM
Amerikanische Pressestimmen
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus Leitartikeln in der amerikanischen
Tagespresse zur Situation in Estland, Lettland und Litauen.

The New York Times
Erst Litauen, jetzt Lettland - aber die Welt ist vom
Golfkrieg gelähmt. Obwohl der Kreml wiederum todbringende Gewalt einsetzt, sieht er sich mit empörtem
Widerstand von innen konfrontiert.
In der gesamten Sowjetunion erheben sich mutige
Bürger zu Tausenden, um gegen die Kehrtwendung
zur Unterdrückung zu demonstrieren...
Die Demonstranten sind für Michail Gorbatschow eine
Warnung, daß der Einsatz von Gewalt durch eine
diskreditierte Partei, den Militär- und Sicherheitsapparat die Sowjetunion nicht regierbarer macht.
Gorbatschow hat am Dienstag (22. Januar) darauf
bestanden, daß er mißverstanden wird und immer
noch beabsichtigt, auf Reformen zu drängen.
Es fällt schwer zu verstehen, wie er Reformen erzielen
kann, wenn er genau die Menschen entfremdet, die er
benötigt, um sie hervorzubringen.

die mit den Folgen leben müssen. Es ist ebenfalls eine
Tragik für die Vereinigten Staaten, die so viel Hoffnung
auf Gorbatschow und ein neues Zeitalter amerikanisch-sowjetischer Zusammenarbeit gesetzt haben.
Ist dieses Zeitalter jetzt zu Ende? Das könnte wohl der
Fall sein, wenn die neue Dynamik der sowjetischen
Innenpolitik zu einer Diktatur führt - mit oder ohne
Gorbatschow.
In der Zwischenzeit sollten die Vereinigten Staaten
alles in ihrer Macht Stehende tun, um Gorbatschow
und die übrige sowjetische Führung zu überzeugen,
daß der von ihm eingeschlagene Kurs im Baltikum
moralisch falsch und zum Scheitern verurteilt ist. Die
Bush-Administration sollte jedoch der Versuchung
widerstehen, die Tragödie im Baltikum für eine Vergeltung zu nutzen, die nicht zum gewünschten Ziel führen
wird. Solche Gesten könnten lediglich der KGB- und
Militärfaktion Munition liefern, die eine Zusammenarbeit zwischen Ost und West verhindern und die Sowjetunion wieder in die Konfrontation und den kalten
Krieg treiben will...

The Washington Post
...Gorbatschow sieht offensichtlich keine Diskrepanz
zwischen seinem Aufruf zur Achtung von Bürgerrechten im Nahen Osten und seinem verabscheuungswürdigen Vorgehen in den Baltenrepubliken. Nach sechs
Jahren vielbejubelter innen- und außenpolitischer
Reformen ist ein Träger des Friedensnobelrepreises
von seinem hohen moralischen Sockel gestürzt und
hat sich als so schwach erwiesen wie die von ihm
regierte marode Nuklearmacht. Dies ist eine Tragödie
für die Menschen im Baltikum und in der Sowjetunion,

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Vertrauensvolle Zusammenarbeit kann nur in einem
Umfeld gedeihen, in dem gleiche Verhaltensregeln
gelten. Dies ist die Botschaft, die Amerikaner dem
Kreml eindringlich vermitteln sollten - sicherzustellen,
daß die stark vertretenen Verfechter des harten Kurses die Bedeutung verstehen, die den Ereignissen im
Baltikum von den Vereinigten Staaten beigemessen
wird. Die krasse Alternative bestünde in der Verweigerung amerikanischer Wirtschaftshilfe, auch wenn damit
die sowjetische Beteiligung am Golf gefährdet würde.
Damit wäre niemandem von uns gedient.

Seite 1

�The Christian Science Monitor
Michael Gorbatschow führt einen Nervenkrieg - auch
mit Waffen - gegen die um ihre Unabhängigkeit kämpfenden Balten. Da der russische Bär jetzt die Türen in
Lettland eintritt, scheint es, daß Moskau die Unterdrükkung und Kontrolle aller drei Baltenrepubliken ins Auge
gefaßt hat.
Diese Entwicklung wird von neuen Angriffen auf liberale Strömungen und Glasnost begleitet. Die Presse hat
weniger Freiheiten. Sieben wichtige Berater Gorbatschows und Mitbegründer der Perestrojka wurden am
Samstag ihrer Ämter enthoben.
Wo ist der Westen? Vor dem Fernseher und beobachtet Angriffe von Scud-Raketen im Nahen Osten...
Gorbatschow stellt sich beim Kernproblem des Nationalitätenkonflikts stockstaub. Der sowjetische Präsident könnte mit dem von sowjetischem Öl, Gas, Handel,
von Nahrungsmitteln und wahrscheinlich auch sicherheitspolitisch abhängigen Baltikum einen Kompromiß
eingehen. Er könnte eine Abmachung treffen, die den
Interessen beider Seiten Rechnung trägt. Statt dessen zwingt er zu einem Handel, der mit Blut bezahlt
werden muß. Die Abspaltungsversuche der Moldaurepublik, der Ukraine und Aserbaidschans erleichtern
die Sache nicht unbedingt.
Die liberalen Kräfte in der Sowjetunion müssen unterstützt werden. Boris Jelzin gilt jetzt als Held. Der
Präsident der russischen Republik ist ein Fürsprecher
der Demokratie im Baltikum - er flog nach Estland, um
einen Vertrag zu unterzeichnen, demzufolge die Vereinten Nationen im Baltikum intervenieren sollten.
Das ist mehr als der Westen getan hat. Präsident Bush
war beschäftigt. Wenn er jedoch nicht vorsichtig ist,
wird er den Niedergang der neuen Weltordnung, wie er
sie 1989 übernommen hat, ebenso erleben wie den
Untergang des Baltikums. Klingt das nicht nach Breschnew?
Das Weiße Haus muß mehr tun. Die russische Aggression darf sich nicht behaupten.
The Baltimore Sun
...In Litauen wird eine demokratisch gewählte Regierung mit eigener Verfassung allmählich von Fallschirmjägern gestürzt, die dem Ruf einer zweifelhaften Gruppe moskautreuer Kommunisten folgen. Solche "Hilferufe" von Kollaborateuren gehören in der Sowjetunion
von der Annexion der baltischen Staaten 1940 bis zu
den Invasionen in Ungarn, der Tschechoslowakei und
Afghanistan zur Standardtaktik. Ihre gegenwärtige
Wiederholung schockiert Millionen im Westen besonders, weil sie ihre Hoffnung auf Gorbatschow gesetzt
haben.
Wenn Präsident Gorbatschow mit der mörderischen
Operation der Fallschirmjäger nicht einverstanden war,
Seite 2

hatte er reichlich Gelegenheit, das zu sagen. Statt
dessen versuchte der Kremlchef zu erklären, daß der
Einsatz militärischer Gewalt von einem Befehlshaber
vor Ort angeordnet worden war und er erst später
davon erfahren hatte. Dagegen erklärte der Kommandant Wladimir N. Uschkocknik, er habe seine Befehle
vom Präsidenten erhalten.
Eindeutig trägt Gorbatschow die volle Verantwortung
für das Blutvergießen und die groben Gesetzesverstöße, die jetzt das gesamte Gebäude des Rechtswesens
erschüttern, mit dem verhindert werden sollte, daß die
Sowjetunion jemals wieder in die Willkür des Stalinismus zurückfällt...
Zu einer Zeit, da die Aufmerksamkeit der Welt auf die
Krise am Persischen Golf gerichtet ist, wird um die
Sowjetunion gekämpft. Es ist ein Kampf zwischen
Reformern und Reaktionären - mit Gorbatschow in
seiner neuen Rolle als trauriges Beispiel eines Mannes, der seine professionellen Ideale verrät.
The Wall Street Journal
Am Samstag (12. Januar) haben hochrangige Vertreter des Weißen Hauses Journalisten gegenüber erklärt, die ins Baltikum entsandten sowjetischen Truppen dienten nur der Einschüchterung der Bürger Litauens. Michail Gorbatschow habe nicht die Absicht,
"tatsächlich Blut zu vergießen". Nur wenige Stunden
später eröffneten sowjetische Panzer das Feuer...
Gorbatschows westliche Anhänger argumentieren, daß
ohne ihn Chaos herrschen würde. Inzwischen sollte
klar sein, daß Gorbatschow kein Chaos verhindert - er
verursacht es. Litauen war ein friedlicher und um
Verständigung mit Moskau bestrebter Ort, bevor seine
Truppen dort einfielen. Und natürlich ist die Regierung
Litauens durch Wahlen ins Amt gekommen - im Gegensatz zu Gorbatschow.
Wir halten Gorbatschow nicht für eine blutrünstige
Figur im Stil Stalins und Saddam Husseins. Aber er ist
eindeutig um die Erhaltung des sowjetischen Imperiums und dessen Kontrolle durch die Kommunistische
Partei bestrebt. Er hat sich gegneüber wirtschaftlichen
Reformen aufgrund des Widerstands der Partei abwartend verhalten. Jetzt hat er nach Unabhängigkeit
strebende Balten in dem verzweifelten Versuch getötet, die Macht der Partei zu erhalten...
Gorbatschow selbst hat den Grundstein für dieses
scharfe Vorgehen mit der Forderung gelegt, daß die
Litauer "die Einsetzung der Präsidialregierung" fordern - eine Absurdität. Der Zeitpunkt war günstig
gewählt, denn er fiel genau mit dem Ultimatum am Golf
zusammen, und das Ziel war aus strategischen Gründen gewählt, um allen Unabhängigkeitsbewegungen
der Republiken eine Botschaft zu übermitteln. Andere
Republiken wurden gewarnt, daß sie die nächsten sein
werden...

AMERIKA DIENST 4

�Saddam Hussein stellt immer noch das vordringlichste
Problem der Welt dar. Vielleicht sollte es keine umfangreichen Bestrebungen geben, um davon abzulenken. Aber westliche Spitzenpolitiker können der Hilfe
für die Sowjetunion zweite Priorität einräumen. Sie
können ebenfalls bestätigen, daß Gorbatschow nicht
länger die Interessen von Freiheit und Demokratie
vertritt. Das bedeutet, die Kommunistische Partei
abzuschreiben und diplomatische Kontakte mit den
demokratischen Alternativen insbesondere in den
Baltenrepubliken aufzunehmen.
Unsere Aufgabe besteht nunmehr darin, Gorbatschow
und den Kommunisten den Abgang zu erleichtern. Der
Status quo ist lediglich ein Rezept für noch mehr
Massaker.
Seattle Times
Die Seattle Times erhielt eine Reihe von Leserbriefen
zur Lage in Litauen. Nachfolgend einige Auszüge:
Das Überleben der Demokratie in Litauen wurde durch
das Massaker an unbewaffneten Zivilisten in Vilnius
aufs Spiel gesetzt. Die frei gewählte Regierung Litauens ist durch das barbarische Eingreifen sowjetischer
Panzer und Fallschirmjäger bedroht... Wenn wir nicht
mehr tun als Herrn Gorbatschow für diese unverantwortlichen, brutalen Akte auf die Finger zu klopfen,
wird die Bush-Administration als Präsidentschaft in die
Annalen der Geschichte eingehen, die Demokratie in
Litauen verkauft hat, während sie amerikanisches Blut
für Öl vergoß.
Es scheint, als ob Gorbatschow von dieser einzigartigen Möglichkeit zur Wiederherstellung von "Recht und
Ordnung" in den baltischen Ländern profitiert. Während sich die übrige Welt auf den Nahen Osten konzentriert, marschierten sowjetische Truppen in Litauen als
warnendes Beispiel für andere aufsässige Sowjetrepubliken ein, die es wagen, Moskau in die Quere zu
kommen.
Ist Bush einen weiteren schändlichen außenpolitischen Handel eingegangen? Ebenso wie Franklin D.
Roosevelt, der einen Handel mit dem größten Tyrannen dieses Jahrhunderts - Stalin - abmachte und im
Anschluß daran Millionen von Osteuropäern über 45
Jahre lang zu Sklaven machte, hat auch Bush die
Freiheit einer weiteren Generation von Befürwortern
des Kapitalismus verschachert, um Gorbatschows
Unterstützung für seine Golfpolitik zu gewinnen...
The Sacramento Bee
Es war unvermeidbar, daß Michail Gorbatschow gegen die baltische Unabhängigkeitsbewegung scharf
durchgreifen würde. Er bedurfte keines außergewöhlichen taktischen Gespürs, um zu erkennen, daß der
geeignete Zeitpunkt gekommen war, als die gesamte
Aufmerksamkeit der übrigen Welt und insbesondere
der amerikanischen Medien und Regierung - berüch-

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tigt dafür, daß sie sich auf nicht mehr als eine Sache
konzentrieren können - auf den Golfkrieg gelenkt war.
Er mußte scharf durchgreifen, denn ein anderes Vorgehen hätte für ihn bedeutet, die Unterstützung der
entscheidenden Elemente des Machtmonopols zu
verlieren: in der Armee, der Polizei und im Parteiapparat. Das hat nichts damit zu tun, ob er ein bewundernswerter Bursche ist oder den Nobelpreis verdient oder
unseres Dankes für das würdig ist, was er bisher
erreicht hat. Er hat praktisch keine Alternative zu
seinem jetzigen Vorgehen...
Ein revolutionärer Prozeß treibt den Machthaber automatisch zum rechten Flügel, ebenso wie jede Krise im
Machtzentrum neue Fraktionen zur Linken absplittert
und jede darauffolgende Herausforderung radikaler
wird...
Im Fall der baltischen Republiken ist der richtige Kurs
unmißverständlich. Bei Gorbatschow und der sowjetischen Regierung und Armee darf auch nicht der
geringste Zweifel aufkommen, daß die westliche Hilfe
an die Sowjetunion absolut gebunden ist: Sie hängt
voll und ganz von der Fortführung des friedlichen
Reformkurses in der Sowjetunion ab, bei dem alle
Konflikte durch Verhandlung und Schlichtung gelöst
werden.
Der sowjetischen Regierung muß deutlich gesagt
werden, daß offiziell geschürte Gewalt in den baltischen Staaten und politische Manipulationen der althergebrachten und schändlichen Art, die "nationale
Rettungskomitees" erfinden, um Interventionen der
sowjetischen Armee gegen "bourgeoise" nationalistische Kräfte "zu erbitten", mit guten Beziehungen zum
Westen nicht in Einklang zu bringen sind...
The Houston Post
Heute wird Litauen, eine der zivilisiertesten und wohlhabendsten Regionen der Sowjetunion, von Unsichtbaren regiert.
Die Gruppe bezeichnet sich selbst als "Nationales
Rettungskomitee", aber wenn von ihr irgendeine Rettung ausgeht, geht sie an den tapferen Litauern vorbei,
die dem brutalen Vorgehen des Militärs am Sonntag
(13. Januar) widerstanden haben...
Der sowjetische Präsident Gorbatschow unterstützt
die blutige militärische Besetzung der litauischen Fernsehanstalt, während er leugnet, sie befohlen zu haben.
Das ist kein Trost. Wenn er lügt, hat er seinem in den
vergangenen Jahren so sorgfältig aufgebauten Image
der Offenheit einen ziemlichen Schlag versetzt. Spricht
er die Wahrheit, dann hat er die Kontrolle über sein
Militär mehr oder weniger verloren...
Was die Administration tun sollte - aber wahrscheinlich
nicht tut - ist, Gorbatschow zu sagen, daß seine
schwer erkämpften amerikanischen Hilfsleistungen in

Seite 3

�Form von Agrarprodukten in Milliardenhöhe gestrichen sind. Im selben Atemzug sollten wir ihm klarmachen, daß die Versorgung im Austausch für glaubwürdige Zusagen einer besseren Behandlung der leidenden Bevölkerung durch Moskau wieder aufgenommen
werden kann. Obwohl die Vereinigten Staaten Gorbatschows lang erkämpften Reformen Erfolg wünschen,
braucht er uns sehr viel nötiger als wir ihn...
Detroit Free Press
Moskaus Druck auf die baltische Unabhängigkeitsbewegung hält an, trotz wenig überzeugender Versuche
Präsident Gorbatschows, die jüngsten brutalen Akte in
Vilnius nicht der Roten Armee zuzuschreiben. Was wir
in Litauen beobachten, ist militärisches Eingreifen im
Stile Jaruzelskis, nur in Zeitlupe - wahrscheinlich in der
Hoffnung, die Art von scharfer westlicher Reaktion zu
vermeiden, die polnische Generäle bei der Niederschlagung der Solidarität im Jahr 1981 so verblüffte.
Mitten im Krieg mit dem Irak ist dies wohl der schlechteste Moment für die Bush-Administration, etwas gegen
die sich abzeichnende Tragödie im Baltikum unternehmen zu wollen. Die amerikanische Reaktion auf die
Niederschlagung und die insgesamt schärfere Gangart bei Gorbatschows Innenpolitik muß jedoch über
eine verbale Verurteilung hinausgehen.
Angesichts so vieler Kräfte im Spiel könnte eine starke
westliche Reaktion auf die Entwicklungen in Litauen
Eindruck auf den Kreml machen - und wahrscheinlich
einen echten Unterschied bewirken.
Chicago Tribüne
Blutiger Mord. Das ist der einzig richtige Ausdruck für
das Eingreifen der sowjetischen Armee am Wochenende des 12. und 13. Januar in Vilnius, in der Absicht,
die litauischen Unabhängigkeitsbestrebungen niederzuschlagen und gleichzeitig eine Warnung an gleichgesinnte Verfechter der Unabhängigkeit in anderen
sowjetischen Republiken auszusprechen.
Michail Gorbatschow - gleichgültig, ob er das Eingreifen befahl oder nicht - muß die Verantwortung dafür
tragen, weil er es unvermeidbar machte. Selbst nach
dem Eingeständnis, daß die Sowjetunion Litauen und
die anderen baltischen Staaten unrechtmäßig annektiert hatte, bestimmte er Konditionen für ihre Unabhängigkeit, die nicht erfüllt werden konnten und zwangsläufig zu Frustration, Widerstand und Konflikt führen,
mußten.
Dennoch ist Präsident Bush gut beraten, sich Forderungen nach einer Bestrafung Gorbatschows durch
die Absage des Gipfeltreffens am 11. Februar in Moskau
zu widersetzen. Die wichtigsten Gipfelthemen - Verträge über Rüstungskontrolle und Streitkräftereduzierungen - sind für eine noch immer von Nuklearwaffen
überschattete Welt von zu großer Bedeutung. Und die
erst vor kurzem bewilligte Nahrungsmittelhilfe wieder

Seite 4

zu entziehen, hieße, die Bedingungen weiter zu verschlechtern, die einen Großteil der sowjetischen Unruhen ausgelöst haben.
Ob dieses Eingreifen die Wiederkehr des Stalinismus
signalisiert oder nicht, scheint es - wie der litauische
Außenminister bekräftigte - definitiv das Ende der Ära
Gorbatschow von Reform und Liberalisierung anzudeuten...
Es stellt sich die Frage, ob die Ereignisse von Vilnius
Gorbatschow und die alten Löwen der Roten Armee,
des KGB und der Kommunistischen Partei zu gewalttätigem Vorgehen in anderen rebellierenden Republiken einschließlich Lettland und Estland ermutigen
werden? Oder könnten sie zu der Einsicht gelangen,
daß durch ihr Vorgehen in Vilnius Märtyrer für die
Sache geschaffen wurden, die sie zu unterdrücken
hofften?
Was Präsident Bush anbetrifft, so könnte er in Moskau
sehr viel Schlimmeres tun als zwei Sätze seiner Rede
vom Sonntag (13. Januar) zu wiederholen:
"Rechtmäßigkeit wird nicht durch Gewalt geschaffen.
Sie wird durch den Konsens des Volkes durch Offenheit und die Achtung der grundlegenden Menschenund politischen Rechte erlangt."
The Arizona Republic
Bei den Nürnberger Prozessen machten ehemalige
SS-Angehörige ihre Vorgesetzten für die von ihnen
begangenen Greueltaten verantwortlich. Der sowjetische Präsident Michail Gorbatschow beschuldigt seine "Untergebenen" für die Morde in Litauen. Er habe
zu dem Zeitpunkt geschlafen - sagt er -, und der Befehl,
auf unbewaffnete Zivilisten zu schießen, sei von dem
Ortskommandeur erteilt worden.
Er kann sich nicht reinwaschen. Gorbatschow ist
entlarvt worden. Einzig sein Stil unterschied ihn von
seinen Vorgängern. Nun hat sich selbst der gewandelt. Am Mittwoch (16. Januar) hat Gorbatschow
tatsächlich die sowjetische Legislative aufgefordert,
vorübergehend die Kontrolle über die Medien zu übernehmen...
Wir hätten auf den verstorbenen Andrej Gromyko
hören sollen. Als Gromyko Gorbatschow als Generalsekretär nominierte, warnte er, der neue Staatsmann
habe ein "breites Lächeln, aber ein Gebiß aus Stahl"...
Gipfeltreffen können abgesagt, ein Getreideembargo
verhängt, Resolutionen verabschiedet und der Verkauf technischen Geräts begrenzt, aber die Richtung
der sowjetischen Führung kann wohl nicht geändert
werden...
In der Ansprache anläßlich der Verleihung des Nobelpreises an Gorbatschow im vergangenen Jahr zitierte
das norwegische Nobelpreiskomitee Gorbatschows

AMERIKA DIENST 4

�"führende Rolle im Friedensprozeß" und erklärte, dieser
Prozeß, "zu dem Gorbatschow so maßgeblich beigetragen hat, eröffnet der internationalen Staatengemeinschaft neue Möglichkeiten zur Lösung der drängenden Probleme über ideologische, religiöse, historische und kulturelle Grenzen hinweg".

Die Überschreitung der Grenzen, die Gorbatschow
jetzt mit seinen Panzern vollzogen hat, zeitigen sehr
viel größere Wirkung. Das Nobelpreiskomitee sollte
den Preis und das damit verbundene Geld zurückverlangen...

* * * * *

AMERIKA DIENST 4

Seite 5

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Bericht zur Lage der Nation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush verspricht Erfolg der Koalition am Golf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Bericht des Präsidenten zur Lage der Nation&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Golfkrise&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush verspricht äußerste Anstrengungen zur Beseitigung der Ölkatastrophe im persischen Golf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Pressekonferenz des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie der Irak seine Kriegsmaschinerie aufbaute&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Hintergrundinformation zu Iraks Militärapparat&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Golfkrise/ KSZE&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Maresca: die Welt hat Saddam Hussein gewarnt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Botschafter Maresca bei der KSZE&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Greenspan: Ende der Rezession in den USA gegen Mitte des Jahres erwartet&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Direktors der US-Bundesbank im Kongreß&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Baltikum&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Situation im Baltikum&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Amerikanische Pressestimmen&lt;/em&gt;</text>
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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

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630°
6. Februar 1991

GOLFKRIEG

MENSCHENRECHTSVERLETZUNGEN DES
IRAKS BELEGEN GEFAHR REPRESSIVER
REGIME
Einleitung des Berichts
über Menschenrechtsverletzungen

WIE DER IRAK SEINE KRIEGSMASCHINERIE AUFBAUTE
Hintergrundinformation über die
Umgehung von Exportkontrollen

HAUSHALT

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

US-VERTEIDIGUNGSHAUSHALT SIEHT
ABBAU DER STREITKRÄFTE VOR
Auszüge aus dem Haushaltsentwurf für 1992-1993

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 23 66
Telex: 8-85432

�GOLFKRIEG
6. Februar 1991

MENSCHENRECHTSVERLETZUNGEN DES IRAK
BELEGEN GEFAHR REPRESSIVER REGIME
Einleitung des Berichts über Menschenrechtsverletzungen
WASHINGTON - (AD) - Die durch die "brutale Invasion" des Irak in Kuwait verursachten Menschenrechtsverletzungen führen dem US-Außenministerium zufolge der Welt "die Gefahren, die repressive Regime für die regionale Sicherheit und Weltordnung bedeuten können", vor Augen.
In der Einleitung des am 1. Februar 1991 veröffentlichten Berichts über Menschenrechtsverletzungen stellte das
Außenministerium fest, für den größten Teil des Jahres 1990 "haben sich die 1989 erzielten Fortschritte im
großen und ganzen trotz der enormen Probleme konsolidiert, mit denen sich die auf dem schwierigen Übergang
von einer Kommando- zur freien Marktwirtschaft und von totalitärem Kommunismus zur Demokratie befindlichen Länder konfrontiert sahen".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Einleitung des Berichts.

Bericht über Menschenrechtsverletzungen 1990
Dieser Bericht wird dem Kongreß vom Außenministerium gemäß Abschnitt 116(d)(1) und 502B(b) des
Gesetzes über Auslandshilfe von 1961 vorgelegt.
Das Gesetz fordert Berichte über Menschenrechtsverletzungen in allen Ländern, die von den Vereinigten
Staaten Hilfe empfangen und allen Ländern, die Mitglied der Vereinten Nationen sind. In der Annahme,
daß diese Informationen für den Kongreß und andere
Leser von Interesse sein könnten, haben wir auch
Berichte über die wenigen Länder einbezogen, die in
keine dieser Kategorien und damit nicht unter die
Kongreßbestimmungen fallen.
Der Kongreß hat das Gesetz über Auslandshilfe und
die vorstehend erwähnten Abschnitte des Gesetztes
geändert, um bei der Erwägung von Hilfsprogrammen
für ein bestimmtes Land auf diese Berichte zurückgreifen zu können. Eine äußerst wichtige - vielleicht
unbeabsichtigte - Konsequenz dieser Gesetzesbestimmungen ist, daß sie Menschrechtsbelange zum
integralen Bestandteil der täglichen Berichterstattung
und des täglichen EntScheidungsprozesses im Außenministerium gemacht hat. Ein Beamter in einer
Botschaft im Ausland, der einen guten Jahresbericht
überdie Menschenrechtssituation in dem Land, in dem

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er tätig ist, verfassen will, muß die Entwicklungen im
Bereich der Menschenrechte im Verlauf des Jahres
täglich sorgfältig überprüfen und beobachten. Infolgedessen wird er über alle wesentlichen Entwicklungen
im Bereich der Menschrechte in dem Land berichten,
in das er entsandt wurde. In den vergangenen 12
Jahren wurde das Außenministerium entschieden besser
informiert und gegenüber den auf der Welt stattfindenden Menschenrechtsverletzungen sensibilisiert.
Vor einem Jahr haben wir an diesem Ort die Frage
gestellt, ob die im Jahr 1989 in Osteuropa und anderen
Teilen der Welt erzielten Fortschritte bei der Menschenrechtssituation dauerhafte Errungenschaften sein
würden oder ob die Gefahr eines Rückschritts bestünde. Für den größten Teil des Jahres 1990 haben sich
die 1989 erzielten Fortschritte im großen und ganzen
trotz der enormen Probleme konsolidiert, mit denen
sich die auf dem schwierigen Übergang von einer
Kommando- zur freien Marktwirtschaft und von totalitärem Kommunismus zur Demokratie befindlichen
Länder konfrontiert sahen. Die brutale Invasion des
Irak in Kuwait vom 2. August 1990 löste eine Herrschaft des Terrors und Menschenrechtsverletzungen
aus, die der Welt die Gefahren vor Augen führen, die
repressive Regime für die regionale Sicherheit und
Weltordnung bedeuten können.

Seite 1

�In Europa haben in den Ländern, die zur Sowjetunion
und dem Warschauer Pakt gehörten, Wahlen mit
Beteiligung mehrerer Parteien stattgefunden. Nach
solchen Wahlen vereinigte sich die ehemalige Deutsche Demokratische Republik aufgrund der Entscheidung einer demokratisch gewählten Regierung mit der
Bundesrepublik Deutschland. Freie Wahlen fanden
ferner auch in allen Teilrepubliken Jugoslawiens statt.
Selbst im regimetreuen Albanien gab es Anzeichen für
zunehmenden Druck des Volkes auf größere Freiheit.
In Osteuropa und der Sowjetunion wurde der Demokratisierungsprozeß in einigen Regionen durch das
totalitäre Erbe und Nationalitätenkonflikte behindert,
die seit Jahrzehnten unterdrückt worden waren. Die
Vereinigten Staaten brachten ihre Besorgnis über Gewalt
gegen soziale und ethnische Gruppen in Rumänien
zum Ausdruck. Die von der serbischen Republik
gegen die Albaner ergriffenen repressiven Maßnahmen waren mit die schlimmsten des Jahres 1990 in
Europa. Dennoch konnten auch einige positive Entwicklungen in den Beziehungen zwischen den jeweiligen Nationalitäten in der Region beobachtet werden.
Dank ^Jer Auswirkungen der Demokratisierung und
zunehmenden Achtung der Menschrechte konnte
Bulgarien die Behandlung seiner ethnischen und religiösen Minderheiten erheblich verbessern.
In der Sowjetunion erfreute sich ein Großteil der Bürger im Jahr 1990 weiterhin der neu erworbenen politischen Rechte, einschließlich der Meinungs-, Versammlungs- und Religionsfreiheit. Hunderttausenden wurde die Ausreise gestattet. Die Reformen wurden
jedoch uneinheitlich im Land durchgeführt, und viele
der Reformen sind noch nicht gesetzlich verankert und
werden nicht durch ein unabhängiges Gericht abgesichert. Gegen Ende des Jahres 1990 und Anfang 1991
gab das Vorgehen der Zentralregierung, ihre Rechte in
den Teilrepubliken durchzusetzen und insbesondere
der Einsatz von Streitkräften in Litauen und Lettland
Anlaß zu Besorgnis über die Zukunft der jüngsten
Reformen mit gefährlichen Implikationen für das gesamte Land.
Während Europa um die Konsolidierung seiner demokratischen Errungenschaften kämpfte, waren die neuen
demokratischen Bestrebungen in Afrika am augenfälligsten. In Südafrika konnte die Abkehi von der Apartheidpolitik beobachtet werden, und in zahlreichen
anderen Ländern südlich der Sahara wurden wichtige
Schritte zur Demokratisierung unternommen. Nach
Mehrparteienwahlen trat Namibia im März der Gemeinschaft der unabhängigen Staaten bei. Eine der
Demokratie und den Menschenrechten verpflichtete
Regierung folgte dem Regime in Benin. Gesetze, die
neue politische Parteien zuließen und somit freie Wahlen
gestatteten, wurden in Gabun, Cote d'lvoire, Kongo
und Sambia verabschiedet. Tatsächlich wurden in
Gabun und Cote d'lvoire freie Wahlen abgehalten. Auf
den Kapverdischen Inseln Sao Tome und Principe
verloren die Einparteienregierungen die freien Wahlen

Seite 2

und erklärten, das Wahlergebnis anzuerkennen. Die
internen Rivalitäten in vielen Teilen des Kontinents
hatten jedoch Tod und Vernichtung großen Ausmaßes
zur Folge. Die zum Sturz von Präsident Doe von
Liberia führenden Feindseligkeiten, die kriegerischen
Auseinandersetzungen zwischen einzelnen Stämmen
in Somalia, Kämpfe in Äthiopien mit eritreischen und
tigrischen Rebellen, Bürgerkrieg im Sudan, die von
Mauretanien gegen seine schwarze Bevölkerung im
Süden ergriffenen Maßnahmen und die Gewalt unter
den Schwarzen in Südafrika hatten Hunderte von
Toten in einigen und Tausende in anderen Ländern zur
Folge. Das Versagen der sudanesischen Regierung
bei der Nahrungsmittelbeschaffung könnte im Jahr
1991 zu einer größeren Hungersnot im südliche Sudan
führen.
In Mittelamerika machte die Wahl und Amtsübernahme einer demokratischen Regierung in Nicaragua die
repressive Diktatur Fidel Castros zum letzten marxistisch-leninistischen Regime in der Region. Nach fast
17jähriger Militärherrschaft traten ein demokratisch
gewählter Präsident und Kongreß in Chile ihr Amt an.
In freien und fairen Wahlen wurde auf Haiti ein neuer
Präsident gewählt. Demokratisch gewählte Regierungen und Achtung der Menschenrechte verfestigten
sich in anderen Ländern des Kontinents, obwohl der
Kampf um Demokratie in Surinam andauert. In vier
demokratischen Ländern - Kolumbien, El Salvador,
Guatemala und Peru - verursachten linke Rebellen (in
Kolumbien und Peru zeitweise mit Drogenhändlern
verbündet) und die Überreaktion der staatlichen Sicherheitskräfte zahlreiche Todesfälle unter der Zivilbevölkerung in El Salvador, Hunderte in Kolumbien und
Guatemala und 3 000 bis 4 000 in Peru.
Auf dem riesigen asiatischen Kontinent gibt es höchst
unterschiedliche kulturelle Bräuche und politische
Systeme. Einige der positiven wie auch der negativen
Entwicklungen, die in anderen Teilen der Welt beobachtet werden konnten, betrafen auch eine Reihe
asiatischer Länder. Zwei extrem unterschiedliche
Länder - die marxistisch-leninistische Mongolei und
die traditionelle Monarchie Nepal - schlugen im Verlauf
des Jahres den Kurs zur Demokratie ein. Es besteht

jetzt Hoffnung, daß die Demokratie in Bangladesch
Fuß faßt. In China, Nordkorea, Vietnam und in etwas
geringerem Umfang in Laos, Kambodscha und Afghanistan ist Marxismus-Leninismus weiterhin die offizielle Ideologie. Nordkorea ist nach wie vor eines der
repressivsten Regime der Welt.
In China waren auch im Jahr 1990 ernsthafte Menschenrechtsverletzungen zu verzeichnen. Ende des
Jahres befanden sich immer noch Hunderte von Chinesen wegen ihrer Beteiligung an der demokratischen
Bewegung in Haft während Studenten und Intellektuelle, die bei den Protesten des Jahres 1989 eine Führungsrolle übernommen hatten, unter Anklage gestellt
und zu Gefängnisstrafen verurteilt wurden.

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�Die Situation in Burma ist von grausamer und brutaler
Repression gegen alle politischen Dissidenten gekennzeichnet. Die Militärregierung hatte freie Wahlen
zugelassen und sich dann geweigert, das Ergebnis
anzuerkennen und mißachtete damit den überwältigenden Wunsch des Volkes nach Rückkehr zur parlamentarischen Demokratie.
Die beiden südasiatischen Demokratien Indien und Sri
Lanka wurden von durch ethnische, religiöse und
politische Differenzen ausgelösten Konflikten erschüttert, die Tausende von Toten in diesen beiden Ländern
zur Folge hatten.
In den besetzten Gebieten hält die palästinensische
Intifada an. In Israel und den besetzten Gebieten
wurden insgesamt 148 Palästinenser und 17 Israelis
bei Gewaltakten zwischen Palästinensern und Israelis
getötet, und 145 Menschen starben bei Terroranschlägen der Palästinenser untereinander.
Nun, da die Bilanz der Menschenrechtssituation für
1990 gezogen ist und wir auf weitere Fortschritte im
Jahr 1991 hoffen, wird eine Kernfrage von der Sowjetunion gestellt. Wird die Kombination von verkrusteten
konservativen Kräften, wirtschaftlicher Unsicherheit
und sozialem Aufruhr die Reformära beenden? Oder
werden - alternativ - die unterschiedlichen demokratischen Kräfte und die Verfechter der freien Marktwirtschaft den Gegenangriff der Betonköpfe abwehren
und die bisher erzielten Fortschritte im Bereich der
Menschenrechte verfestigen und institutionell verankern? Wenn ja, wird ihr Erfolg nicht nur in der Sowjetunion sondern auch in der übrigen Welt spürbar sein.
Eine weitere wichtige Region, die im Auge behalten
werden muß, ist Afrika südlich derSahara. Werden die
ersten Anzeichen von Demokratisierung zu weiteren
wichtigen politischen Bewegungen reifen? Werden
die autoritären Regime der Region freie und faire
Wahlen zulassen und dann die Macht friedlich an die
vom Volk Gewählten abgeben?
Und schließlich stellt sich die Frage nach den Folgen
des Vorgehens der internationalen Staatengemeinschaft, dem von Saddam Hussein ausgelösten Verbrechen ein Ende zu bereiten. Welche Nebenwirkungen werden sie auf die internationale Unterstützung
der Menschrechtsgrundsätze haben?
Definition der Menschenrechte
Die Menschenrechte, wie in Abschnitt 116(a) des
Gesetzes über Auslandshilfe definiert, umfassen Schutz
vor Folter oder anderen grausamen, unmenschlichen
oder entwürdigenden Formen der Behandlung oder
Bestrafung, vor längerer Inhaftierung ohne Anklage,
Entführung oder Festsetzung sowie jeder anderen
eklatanten Verweigerung des Rechts auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person. International anerkannte Arbeitnehmerrechte, wie in Abschnitt 502(a)
des Handelsgesetzes definiert, umfassen (A) Koalitionsfreiheit, (B) das Recht, sich gewerkschaftlich zu

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organisieren und Tarifverhandlungen zu führen, (C)
Verbot irgendeiner Form von erzwungener oder Zwangsarbeit, (D) ein Mindestalter für die Beschäftigung von
Kindern, und (E) akzeptable Bedingungen im Hinblick
auf Mindestlöhne, Arbeitszeit, Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz.
Zusätzlich zur Erörterung der im Gesetz niedergelegten Punkte erstrecken sich unsere Berichte wie in den
vergangenen Jahren auch auf andere international
anerkannte politische und bürgerliche Rechte und
beschreiben das politische System jedes Landes.
Bei der Anwendung dieser international anerkannten
Normen versuchen wir, objektiv zu sein. In den Berichten findet jedoch offenkundig die amerikanische Sichtweise ihren Niederschlag, daß das Recht auf Selbstbestimmung ein grundlegendes politisches Recht ist,
daß Regierungen nur rechtmäßig sind, wenn sie auf
die Zustimmung des Volkes gegründet sind, und daß
solcherart gegründete Regierungen niemals Leben,
Freiheit und das Streben nach Glück verweigern sollten. Der einzelne in der Gesellschaft hat das unveräußerliche Recht auf Schutz vor Verletzung der Würde
des Menschen durch den Staat. Er hat das unveräußerliche Recht auf bürgerliche Freiheiten wie Meinungs-, Versammlungs- und Religionsfreiheit sowie
Freizügigkeit ohne Diskriminierung aufgrund von Rasse,
Herkunft oder Geschlecht und das Recht, seine Regierung auf friedlichem Wege zu ändern. Der Bericht trägt
darüber hinaus der Tatsache Rechnung, daß Terroristen und Guerrillagruppen häufig töten, foltern, Menschen zu Krüppeln machen oder sie ihrer Freiheiten
berauben. Solche Verstöße sind ebenso verwerflich,
wenn sie von gewalttätigen Gegnern der Regierung
begangen werden wie von der Regierung selbst.
Wir haben festgestellt, daß das Konzept wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Rechte von repressiven
Regierungen häufig - gelegentlich absichtlich - verwischt wird, die vorgeben, um diese "Rechte" zu
fördern, könnten sie ihren Bürgern das Recht auf
Unantastbarkeit der Würde des Menschen ebenso wie
politische und bürgerliche Rechte verweigern. Es
besteht ein fundamentaler Zusammenhang zwischen
Menschenrechten und der Wirtschaftsentwicklung. Die
Erfahrung lehrt, daß die Freiheit des einzelnen den
Weg für wirtschaftliche und soziale Entwicklung ebnet
und Repression sie erstickt. Diejenigen, die versuchen, die Unterordnung politischer und bürgerlicher
Rechte mit dem Argument zu rechtfertigen, sie konzentrierten sich auf wirtschaftliche Bestrebungen, erreichen zweifelsohne keines von beiden. Aus diesem
Grund erachten wir es für zwingend notwendig, die
Aufmerksamkeit vornehmlich auf Verletzungen grundlegender politischer und bürgerlicher Rechte zu lenken. Wenn diese Grundrechte nicht gewährleistet
sind, werden - wie die Erfahrung lehrt - auch die Ziele
der Wirtschaftsentwicklung nicht erreicht. Diesen Punkt
scheinen die Reformkräfte in der Sowjetunion erkannt
zu haben.

Seite 3

�Die Menschenrechtspolitik der Vereinigten StaaAusgehend von der Prämisse, daß grundlegende
Menschenrechte weder eingeschränkt noch verwehrt
werden dürfen, folgt, daß unsere Menschenrechtspolitik sich mit der Begrenzung der staatlichen Macht
befaßt, die erforderlich ist, um die Unantastbarkeit der
Würde des einzelnen zu gewährleisten. Darüber hinaus liegt es in unserem nationalen Interesse, demokratische Prozesse zu fördern, um ein für die Wahrung der
Menschenrechte günstigeres Umfeld zu schaffen, das
somit Stabilität und Frieden dienlich ist. Aus diesem
Grund haben wir eine zweigleisige Politik entwickelt,
die in dem Sinne reaktiv ist, daß wir weiterhin bestimmte Menschenrechtsverletzungen ablehnen, wo immer
sie stattfinden, die jedoch gleichzeitig aktiv auf die
langfristige Stärkung der Demokratie hinarbeitet.
In einem Großteil der Welt haben die Vereinigten
Staaten eine Vielfalt von Mitteln zur Verfügung, um auf
Menschenrechtsverletzungen zu reagieren. Wir nutzen die herkömmliche Diplomatie, insbesondere mit
freundlich gesinnten Regierungen, mit denen ein offener diplomatischer Austausch möglich und konstruktiv
ist. Wo die Möglichkeiten der Vereinigten Staaten
begrenzt sind, mittels bilateraler Beziehungen maßgeblichen Einfluß auszuüben, greifen wir auf öffentlich
abgegebene Erklärungen unserer Besorgnis zurück
und lenken die Aufmerksamkeit auf die Länder, in
denen die Achtung der Menschenrechte nicht gegeben ist. In einer Reihe von Fällen machen wir uns eine
Mischung herkömmlicher Diplomatie und öffentlicher
Bekräftigung der amerikanischen Interessen an dem
Problem zunutze.
Darüber hinaus verwenden die Vereinigten Staaten
eine Reihe von Mitteln, um die Wahrung der Menschenrechte auf lange Sicht zu ermutigen. Seit 1983

hat die Nationale Stiftung für Demokratie Programme
mit dem Ziel durchgeführt, demokratische Praktiken
im Ausland zu fördern, an denen sich die beiden
größten politischen Parteien der Vereinigten Staaten,
Gewerkschaften, Geschäftsleute und zahlreiche Privatinstitutionen beteiligen. Gemäß Abschnitt 116(e)
des Gesetzes über Auslandshilfe werden vom Amt für
internationale Entwicklung Mittel für Programme bereitgestellt, die auf die Förderung bürgerlicher und
politischer Rechte im Ausland ausgerichtet sind. Darüber
hinaus streben wir durch die Tätigkeit der Vereinten
Nationen und anderer internationaler Organisationen
sowie mit den von der Konferenz über Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa ausgearbeiteten Verfahren größeres internationales Engagement beim Schutz
der Menschenrechte und bei der Achtung von Demokratie an.
Die Erstellung der Jahresberichte bildet ein wichtiges
Element unserer Menschenrechtspolitik. Da dieser
Prozeß die kontinuierliche und öffentlich bekanntgegebene Konzentration auf Menschenrechte beinhaltet, hat er zur Verbesserung der internationalen Tagesordnung zu Menschenrechtsfragen beigetragen.
Zahlreiche Länder, die starke Verfechter der Menschenrechte sind, unternehmen eigene Schritte zur
Berichterstattung über die Menschenrechtssituation
und haben Büros gegründet, die speziell für die internationale Menschenrechtspolitik zuständig sind. Selbst
in Ländern ohne eine besonders gute Bilanz in Menschenrechtsfragen nimmt die Empfänglichkeit für diese Berichte zunehmend die Form konstruktiver Reaktion an, oder zumindest die Bereitschaft, sich an einer
Diskussion der Menschenrechtspolitik zu beteiligen.
Indem er das Außenministerium zur Erstellung dieser
Berichte auffordert, hat der Kongreß ein nützliches
Instrument geschaffen, um die Sache der Menschenrechte voranzubringen.

* * * * *

Seite 4

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�GOLFKRIEG
6. Februar 1991

WIE DER IRAK SEINE KRIEGSMASCHINERIE
AUFBAUTE
Hintergrundinformation über die Umgehung von Exportkontrollen

WASHINGTON - (AD) - Der legendäre Waffenkonstrukteur und -händler Gerald Bull, der beeindruckendes militärisches Gerät für den Irak entwickelte, war
nur einer von vielen, die zum Aufbau von Saddam
Husseins Kriegsmaschinerie beitrugen, zu der bereits
1974 auch chemische Waffen gehörten.
Bis im Januar die Bombenangriffe der alliierten Streitkräfte begannen, glaubte man, der Irak verfüge über
mindestens fünf Einrichtungen zur chemischen Kriegführung. Die bekannteste ist der riesige Komplex in
Samarra mit zur Herstellung von zwei Nervenkampfstoffen - Tabun und Sarin - sowie Senfgas ausgelegten
Lagerbunkern und Produktionsstätten.
Unter häufiger Umgehung des Exportkontrollsystems
und indem er sich Iraks politische Verbündete im
iranisch-irakischen Krieg zunutze machte, erwarb
Saddam Hussein in den vergangenen zehn Jahren
Material für C-Waffen- und Nuklearprogramme.
Obwohl der Irak ein Signatarstaat des Nichtverbreitungsvertrags (NPT) ist und seine Nuklearanlagen den
Schutzvorschriften der Internationalen AtomenergieOrganisation (IAEO) unterliegen, "belegen eindeutige
Beweise, daß der Irak Ende der siebziger und in den
achtziger Jahren beabsichtigte, die Fähigkeit zur Produktion von Nuklearwaffen zu erwerben", so der Experte für politisch-militärische Angelegenheiten am
Washingtoner Institut für Nahostpolitik, Michael Eisenstadt.
Eines der Hauptprobleme, mit denen sich die Staaten
bei der Durchführung internationaler Exportkontrollen
konfrontiert sehen, sind absichtliche Versuche, die
Lieferanten über den wahren Zweck der Beschaffung
zu täuschen. Illegale Technologie kann durch Aufteilung der Aufträge in scheinbar unzusammenhängende
Gruppen von Einzelteilen und Vergabe an unterschied-

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liche internationale Lieferanten erworben werden, um
die Lizensierung, Exportkontrollen und Zollbestimmungen der Länder zu umgehen, in denen die Lieferanten
ihre Produktionsstätten haben.
Im April 1990 beschlagnahmten britische Zollbeamte
riesige Stahlzylinder, die der Irak zur angeblichen
Verwendung in der petrochemischen Industrie in
Großbritannien bestellt hatte. Westliche Militärexperten gelangten jedoch zu dem Schluß, daß diese Teile
- zusammen mit von anderen Ländern erworbenen verwendet werden konnten, um eine von Gerald Bull
entworfene Kanone zu bauen, die chemische oder
nukleare Granaten mehrere hundert Kilometer weit
schießen kann.
Britischen Beamten zufolge waren die Rohre für ein 40
Meter langes Artilleriegeschütz bestimmt, mit dem der
Irak in der Lage wäre, nukleare oder Nervengasgranaten auf Israel oder den Iran abzufeuern. Darüber
hinaus hatte Eagle Trust PLC, eine Tochtergesellschaft der britischen Herstellerfirma, einen dringenden
Auftrag zur Herstellung eines "Positionierungsmechanismus" (Zielmechanismus) erhalten, mit dem das
riesige rohrähnliche Gerät in einem Winkel von 60°
herumgeschwungen werden könnte. "Niemand von
uns hat je von einem Ölrohr gehört, das 60° zur Seite
geschwungen werden muß", wurde der Vorsitzende
von Eagle Trust, David James, in einem Artikel des
Wall Street Journal vom April 1990 zitiert.
Der Irak bestand jedoch weiterhin darauf, daß die
langen Röhren mit einem Innendurchmesser von 1
Meter zur Verwendung in einer petrochemischen Anlage bestimmt seien.
Der Irak importierte ferner "Mehrzweckteile", für die
bei der Lizenzvergabe ein harmloser Zweck angegeben wird, die jedoch tatsächlich in Nukleartechnologie

Seite 1

�umgewandelt werden. In 40 solcher den Irak betreffenden Fälle laufen dem amerikanischen Zollamt zufolge jetzt Gerichtsverfahren oder Ermittlungen.
Als der Irak 1987 versuchte, sein Nuklearwaffenprogramm nach der Bombardierung des Osiraq-Reaktors
im Jahr 1981 wiederaufzubauen und an mehrere Orte
zu verlegen, begannen die Iraker Technologie zur
Urananreicherung durch die Gaszentrifugenmethode
zu erwerben.
In Europa schufen irakische Beamte ein Netz von
Briefkastenfirmen und militärischen Beziehungen in
vier Kontinenten, um ihre Beschaffungsbestrebungen
zu verschleiern. Einige dieser Firmen haben Anteile an
anderen europäischen Hochtechnologiekonzemen mit
nuklearen und konventionellen Waffenfähigkeiten
erworben, berichtete die New York Times im Dezember 1990.
Dem Times-Bericht zufolge wurde gegen 25 Firmen
wegen ihrer Beteiligung an dem irakischen Beschaffungsnetz ermittelt.
Im Juli 1990 vereitelte die amerikanische Regierung
die irakischen Bemühungen, von der Consarc Corporation in New Jersey einen "Skull" Hochofen zu erwerben. Britische und amerikanische Experten erklärten,
der Hochofen arbeite mit Temperaturen, die Plutonium
und Uran zur Verwendung im Atombombenkern und
Titan für Raketenspitzen und andere entscheidende
Raketenteile schmelzen.
"Der Skull-Hochofen sollte durch drei weitere Hochöfen ergänzt werden: einen Elektronenstrahlofen von
Consarc sowie Hochöfen für Vakuuminduktion und
Wärmebehandlung von Consarcs britischer Tochtergesellschaft", so der Direktor des Wisconsin-Projekts
zur nuklearen Rüstungskontrolle, Professor Gary
Milhollin. "Gemeinsam eingesetzt, hätten die vier
Hochöfen ein umfangreiches Fabrikationsprogramm
ergeben, das den Bedarf des Irak an der von ihm
vorgegebenen Anfertigung von Prothesen für die Opfer
des iranisch-irakischen Kriegs bei weitem überstieg",
erklärte Milhollin im September 1990 vor einem Ausschuß des amerikanischen Kongresses.
Anläßlich eines ähnlichen irakischen Beschaffungsmanövers in Europa berichte das Wochenmagazin
Der Spiegel im Dezember 1989, der Irak habe zwischen 1987 und 1989 vermutlich spezielle Drehbänke
zur Herstellung von Gaszentrifugen von der deutschen
Firma H. und H. Metallform, GmbH, in Drensteinfurt
erhalten. Gegen das Unternehmen läuft ein Ermittlungsverfahren westdeutscher Behörden.
In einem weiteren berüchtigten Fall war der Irak nicht
erfolgreich bei dem Versuch, von der kalifornischen
Firma Maxwell Laboratories Inc. 185 Hochleistungskondensatoren zu beschaffen, die zur Detonation
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nuklearer Gefechtsköpfe in großen Höhen verwendet
werden können. Von Maxwell im Mai 1989 informierte
Zollbeamte verhinderten die Lieferung der Kondensatoren an das irakische Ministerium für Hochschulausbildung und wissenschaftliche Forschung, da sie für
militärische Zwecke umgerüstet werden könnten.
Die irakischen Einkäufer wandten sich als nächstes an
die mit dem amerikanischen Zoll zusammenarbeitende kalifornische Firma CSI Technologies. Die Kondensatoren wurden durch Attrappen ersetzt und von CSI
an den Auftragnehmer Euromac Ltd., eine irakische
Briefkastenfirma mit Sitz in London verschifft. Der
Geschäftsführer von Euromac, Ali Ashour Daghir,
wurde von den britischen Behörden verhaftet. Irakische Ingenieure in den Vereinigten Staaten, die bei
früheren Einkäufen mit Maxwell zusammengearbeitet
hatten, wurden ebenfalls verhaftet. Alle wurden am 31.
März 1990 in Kalifornien unter Anklage gestellt.
Am 8. Mai 1990 gab Saddam Hussein bekannt, der
Irak habe ein geheimes elektronisches Gerät erworben, das zur Detonation einer Atombombe geeignet
sei und der Irak die Zünder selbst herstellen könne.
Amerikanischen Beamten zufolge hätte der Irak vermutlich nicht versucht, hochwertige Kondensatoren
aus den Vereinigten Staaten zu schmuggeln, wenn er
der Erforschung ihrer Herstellungstechnik so nahe
war. In einer Sendung des irakischen Fernsehens
erklärte Saddam Hussein später, "Wir brauchen keine
Atombombe. Wir haben die Mehrzweckchemikalien."
Der Irak "verfügt jetzt über das größte C-Waffenprogramm der Dritten Welt", erklärte CIA-Direktor William
Webster im September 1990 vorder Au ßenpolitischen
Gesellschaft in New York und fügte hinzu, "noch
beunruhigender ist das ehrgeizige Raketenentwicklungsprogramm des Irak - das aggressivste und modernste
der arabischen Welt. Er (Saddam Hussein) verfügt
heute über ein breites Spektrum an Trägeroptionen."
In einem Presseinterview erklärte Webster Mitte Dezember, die irakischen Streitkräfte hätten einen Bestand von rund 1 000 Tonnen todbringender chemischer Kampfstoffe zur Verfügung, mit "denen praktisch jeder Waffentyp bestückt ist". Bei der ersten
öffentlichen Bestätigung der irakischen Fähigkeit durch
einen amerikanischen Regierungsvertreter stellte
Webster fest, zum Bestand gehöre auch ein "seßhafter" Nervenkampfstoff.
Bei der Anhörung vor dem Kongreß warnte Milhollin:
"Der Irak steht heute zu Recht im Mittelpunkt unserer
Besorgnis, aber auch in anderen Ländern der dritten
Welt machen die Militärprogramme Fortschritte, und
wenn wir keine wirksamen Mittel zur Bewältigung
dieses Problems finden, werden wir weitere Operationen wie Wüstenschild durchführen müssen", um
andernorts den von Waffenlieferanten angerichteten
Schaden zu beheben.
*

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AMERIKA DIENST 5

�HAUSHALT
6. Februar 1991

US-VERTEIDIGUNGSHAUSHALT SIEHT
ABBAU DER STREITKRÄFTE VOR
Auszüge aus dem Haushaltsentwurf für 1992-1993
WASHINGTON - (AD) - Verteidigungsminister Cheney legte dem Kongreß am 4. Februar 1991 einen Haushaltsentwurf für die nächsten beiden Jahre vor, der einen Abbau der Streitkräfte fordert, um den sich wandelnden
Gegebenheiten in der Sowjetunion und Osteuropa sowie der vorgesehenen Reduzierung konventioneller und
strategischer Rüstungen Rechung zu tragen.
Im neuen Haushalt sind die Ausgaben für die Operation Wüstensturm nicht berücksichtigt, die in einem Zusatz
zur Haushaltsvorlage behandelt werden.
Nachfolgend veröffentlichen wir den Verteidigungshaushalt in wesentlichen Auszügen.

Der Haushaltsentwurf des amerikanischen Verteidigungsministeriums für 1992 fordert eine Ausgabeermächtigung in Höhe von 278,3 Milliarden Dollar sowie
283,0 Milliarden an Ausgaben. Inflationsbereinigt
bedeutet dies eine reale Abnahme der Ausgabeermächtigung von 1 Prozent verglichen mit 1991, von 12
Prozent verglichen mit 1990 und 24 Prozent verglichen
mit 1985. Der Etat für das Haushaltsjahr 1993 beläuft
sich auf 277,9 Milliarden Dollar an Ausgabeermächtigungen und 279,1 Milliarden an Ausgaben. Im Haushaltsjahr 1996 wird die reale Abnahme seit 1985
insgesamt 34 Prozent betragen.
Der Umfang der Ausgabeermächtigung des Pentagon
für die Haushaltsjahre 1991 bis 1995 deckt sich mit der
beim Haushaltsgipfel im vergangenen Herbst festgelegten Obergrenze für nationale Verteidigungsausgaben. Das bedeutet, die Ausgabeermächtigung des
Pentagon von rund 278 Milliarden Dollar wird mit
Beginn des Haushaltjahres 1992 eingefroren. Die
gesamte Ausgabeermächtigung des Verteidigungsministeriums für die Haushaltsjahre 1991 bis 1995 wird
131 Milliarden Dollar weniger betragen als den Schätzungen im Haushaltsentwurf des Präsidenten vom
Januar 1990 zufolge. Nach der realen Abnahme von
11,3 Prozent im Haushaltsjahr 1991 wird sich die
Ausgabeermächtigung des Pentagon in realen Zahlen
bis zum Haushaltsjahr 1996 durchschnittlich um 3
Prozent verringern.
AMERIKA DIENST 5

Die Ausgaben des Verteidigungsministeriums als
Prozentsatz des Bruttosozialprodukts (BSP) der Vereinigten Staaten werden im Haushaltsjahr 1996 voraussichtlich auf 3,6 Prozent fallen - den niedrigsten
Stand seit den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg. Sie
liegen damit weit unter den rückläufigen Verteidigungsausgaben der siebziger Jahre von 4,7 Prozent.
Operation Wüstenschild / Operation Wüstensturm
Beim Haushaltsgipfel 1990 wurde vereinbart, daß die
mit Operation Wüstenschild verbundenen zusätzlichen Kosten als Notstandsfonds behandelt werden
und nicht unter die in der Vereinbarung enthaltenen
Verteidigungsbegrenzungen fallen. Im Verteidigungsetat des Präsidenten für die Haushaltsjahre 1992 und
1993 und den prognostizierten langfristigen Ausgaben
sind diese Kosten einschließlich des möglichen Pentagon-Bedarfs infolge der Operationen Wüstenschild
und Wüstensturm nicht berücksichtigt. Es ist möglich,
daß ein Teil der Programmentscheidungen im Haushaltsentwurf für 1992 und 1993 im Anschluß an die
Golfkrise angepaßt werden müssen.
Im Haushaltsjahr 1990 wurden die mit Operation
Wüstenschild und gestiegenen Ölpreisen verbundenen zusätzlichen Kosten durch eine Umschichtung
bereits bewilligter Pentagon-Mittel (800 Millionen) und
eine Nachtragsbewilligung in Höhe von 2,1 Milliarden

Seite 1

�Dollar abgedeckt. Die zusäztlichen Kosten für Operation Wüstenschild/Wüstensturm für das Haushaltsjahr
1991, die nicht durch Beiträge der Verbündeten oder
Verrechnung mit anderen Verteidigungsposten erfaßt
sind, werden in einem Nachtrag behandelt.

leisten. Effizienterer Beschaffung wird besondere
Aufmerksamkeit gewidmet. Dieses Ziel beinhaltet die
Finanzierung kontinuierlicher Produktionsquoten für
entscheidende Programme sowie die Einstellung weniger
wichtiger Programme.

Wichtigste Punkte des Pentagon-Haushaltsentwurfs für 1992-1993

Streitkräftestruktur

Die Haushaltsvorlage der Administration für 1992 und
1993 ist die erste Aufstellung des umfassenden, von
1992 bis 1997 ausgelegten Verteidungsprogramms
des Pentagon. Das Programm ist das Ergebnis einer
gründlichen Analyse des Verteidigungsministeriums
der zur Unterstützung der neuen amerikanischen
Verteidigungsstrategie erforderlichen Fähigkeiten, die
formuliert wurde, um die Bedrohungen abzuwehren,
mit denen sich die Nation in den neunziger Jahren
wahrscheinlich befassen muß. Das Hauptziel ist die
Rationalisierung und Umstrukturierung der amerikanischen Streitkräfte, um diese notwendigen Fähigkeiten
auch angesichts der prognostizierten Haushaltsengpässe bereitstellen zu können.
Der Haushaltsentwurf des Pentagon für 1992 und
1993 setzt Prioritäten, die sich direkt aus der neuen
Strategie ergeben. Rasche Reaktion auf internationale Krisen erfordert die Aufrechterhaltung der aktuellen
hohen Qualität und herausragenden Fähigkeiten der
amerikanischen Streitkräfte, insbesondere in Anbetracht der Reduzierung ihrer Gesamtstärke. Dies
wiederum erfordert kontinuierliche Unterstützung der
hohen Qualität des amerikanischen Militärs, energische Verteidigungsforschung und -entwicklung, die
Inbetriebnahme modernster militärischer Systeme zum
frühestmöglichen Zeitpunkt sowie die Erhaltung entscheidender Elemente der industriellen und technologischen Basis der Vereinigten Staaten. Dank dieser
Prioritäten kann das US-Verteidigungsministerium femer
gegebenenfalls ein umfassenderes Einsatzkonzept
wiederherstellen.
Eine weitere Priorität ist die Fähigkeit, Streitkräfte
unverzüglich in Gebiete von strategischem Interesse
für die Vereinigten Staaten zu verlagern. Die neue
Strategie erfordert darüber hinaus, daß die amerikanischen Streitkräfte ihre traditionell hohe Einsatzbereitschaft aufrechterhalten. Um eine glaubwürdige nukleare Abschreckung sicherzustellen, unterhält das
Pentagon starke nukleare Offensivstreitkräfte sowie
eine strategische und gefechtsfeldgebundene Verteidigung, um sich gegen aktuelle und zukünftige nukleare Bedrohungen zu schützen.
Der Haushaltsentwurf des Pentagon spiegelt ferner
Verteidigungsminister Cheneys Verpflichtung zur
weiteren Verbesserung der Verwaltung und Rationalisierung der amerikanischen Verteidigungsinfrastruktur wider, um bei zunehmender Verknappung der
Ressourcen den höchsten Sicherheitswert zu gewähr-

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In Anbetracht der geringeren Wahrscheinlichkeit eines
weltweiten Konflikts enthält der Etat für 1992-93 Reduzierungen der amerikanischen Streitkräftestruktur, die
eine Fortsetzung des sorgfältig abgestuften Plans
darstellen, die für die neue Strategie und Bedrohungsanalyse festgesetzten Streitkräfteziele zu verwirklichen. Bis Ende des Haushaltsjahres 1995 werden die
amerikanischen Streitkräfte sich diesen Zielen angenähert haben und weit unter dem Niveau des Jahres
1990 liegen. Bis zum Haushaltsjahr 1995 wird auch
eine umfassende Umstrukturierung der Streitkräfte
erfolgt sein, um die neue Strategie so wirksam wie
möglich zu unterstützen.
Die strategischen Streitkräfte der Vereinigten Staaten
sollen im Einklang mit den Erwartungen bezüglich
Rüstungskontrollabkommen reduziert werden und das
Pentagon in die Lage versetzen, mit möglichst niedrigen Kosten eine glaubwürdige strategische Abschrekkung aufrechtzuerhalten. Die Ausmusterung der
Minuteman Il-Streitmacht beginnt Anfang des Haushaltsjahres 1992, die von Unterseebooten mit der
veralteten Poseidon-Rakete soll beschleunigt werden.
In den neunziger Jahren wird die gegenwärtig 34 mit
Poseidon- und Trident-Raketen bestückte Einheiten
umfassende Flotte auf 18 mit Trident I (C-4) und
Trident II (D-5) ausgerüstete Einheiten reduziert. Die
strategischen Bomber werden mit der Ausmusterung
älterer B-52 und der Umrüstung des FB-111 zum
taktischen Einsatz von 268 im Haushaltsjahr 1990 auf
171 im Jahr 1993 abgebaut.
Die konventionellen Streitkräfte der Vereinigten Staaten werden so umstrukturiert, daß sie die neue Strategie optimal unterstützen können. Zu der umstrukturierten Streitmacht gehören umfangreiche Luft- und
Seetransportfähigkeiten, umfassende und außerordentlich effektive See- und Landungsstreitkräfte, ein
breites und hochmodernes Spektrum von Kampfflugzeugen, leichte und schwere Heeresdivisionen sowie
entsprechende Spezialeinheiten.
Bis Ende des Haushaltsjahres 1993 gelten - verglichen
mit 1990 - folgende Zahlen: bei der US-Armee werden
6 (4 aktive) Divisionen aufgelöst, bei der US-Marine 81
Kampfschiffe und bei der US-Luftwaffe 9 (8 aktive)
taktische Jagdgeschwader ausgemustert. Weitere im
Etatentwurf enthaltene Änderungen betreffen die
Ausmusterung älterer Angriffs-U-Boote und amphibischer Kriegsschiffe sowie der beiden verbliebenen
Schlachtschiffe.

AMERIKA DIENST 5

�Personalprogramme
Im Zusammenhang mit der Rationalisierung der amerikanischen Streitkräfte wird die Truppenstärke in den
kommenden Jahren beträchtlich abnehmen. Bis Ende
des Haushaltsjahres 1995 wird die Truppenstärke der
aktiven Streitkräfte auf 1 653 000 Mann abgebaut und
liegt damit 24 Prozent unter dem höchsten Stand nach
dem Vietnamkrieg im Haushaltsjahr 1987. Im Haushaltsjahr 1995 beträgt die Sollstärke an Reservisten
906 000 Mann und liegt 21 Prozent unter der des
Haushaltsjahres 1987.
Obwohl die Gesamttruppenstärke abnehmen wird,
bleiben die Gehaltszahlungen und andere zur Aufrechterhaltung der hohen Qualität und Moral der
amerikanischen Streitkräfte gedachten Anreize des
Verteidigungsministeriums unverändert. Im Haushaltsentwurf werden Lohnerhöhungen von 4,2 Prozent
und 4,7 Prozent für die Haushaltsjahre 1992 und 1993
gefordert. Diese Vorschläge gründen sich auf die im
Personalkostenindex prognostizierten Zuwächse.
Im Haushaltsjahr 1993 wird die Zahl der zivilen Angestellten auf 976 000 reduziert und liegt damit um 9
Prozent unter den Zahlen des Haushaltsjahres 1990.
Den Prognosen zufolge soll die Zahl der zivilen Angestellten bis zum Haushaltsjahr 1995 auf 940 000 abgebaut werden - rund 17 Prozent unter dem mit 1 133 000
Beschäftigten höchsten Stand nach dem Vietnamkrieg im Haushaltsjahr 1987. Dieser Rückgang ist auf
die ausgedünnte Streitkräftestruktur und Verbesserungen in der Pentagon-Verwaltung zurückzuführen.
Einsatzbereitschaft
Die vorgesehenen Reduzierungen der amerikanischen
Streitkräfte machen die Aufrechterhaltung ihrer Einsatzbereitschaft und des qualitativen Vorteils über
mögliche Gegner unabdingbar. Die Haushalts vorläge
für 1992-1993 umfaßt Ausgaben für Ausbildung, Wartung
und andere wichtige Posten in ausreichendem Umfang, um den traditionell hohen Bereitschaftsgrad der
amerikanischen Streitkräfte aufrechtzuerhalten.
Dem Haushaltsentwurf zufolge soll die Ausbildung in
etwa mit demselben Tempo wie im Haushaltsjahr 1991
erfolgen. Aktive Ausbildungsoperationen der US-Armee
zu Lande und in der Luft belaufen sich weiterhin auf

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AMERIKA DIENST 5

800 Meilen pro Jahr für Kampffahrzeuge und 14,5
Flugstunden monatlich für Besatzungen taktischer
Flugzeuge. Die Seetage der US-Marine bleiben mit
50,2/29,0 Tagen pro Quartal für stationierte/nichtstationierte Flottenverbände unverändert. Die Flugstunden für aktive Besatzungen taktischer Flugzeuge
werden mit 19 Stunden pro Monat auf dem gleichen
Stand gehalten.
Investitionen
In den Haushaltsjahren 1992-1993 wird die Erprobung
moderner Waffensysteme fortgesetzt, obwohl zahlreiche Programme unter Berücksichtigung des sich
abzeichnenden Bedarfs und der Notwendigkeit angepaßt wurden, die Beschaffungspläne mit den gekürzten Verteidigungsausgaben in Einklang zu bringen.
Beim B-2-Bomber, dem C-17-Transportflugzeug, dem
SSN-21-Angriffs-U-Boot und den Milstar-Fernmeldesatellitenprogrammen wurden beispielsweise größere
Anpassungen vorgenommen.
Die Strategische Verteidigungsinitiative (SDI) wird
modifiziert und soll umfassenden Schutz gegen begrenzte Schläge ballistischer Raketen gleich welcher
Herkunft bieten. Die Modifizierung ermöglicht umfangreiche Einsparungen - verglichen mit dem früheren
Plan rund 20 Prozent im Verlauf der nächsten 6 Jahre.
Für die Haushaltsjahre 1992 und 1993 werden 4,6
beziehungsweise 4,9 Milliarden Dollar für SDI gefordert.
Die von der US-Armee im Jahr 1980 begonnenen umfassenden Modernisierungsbestrebungen bei den konventionellen Streitkräften sind nahezu abgeschlossen. Beim Leichten Hubschrauber und gepanzerten
Fahrzeugen werden jedoch weiterhin entscheidende
Entwicklungen vorgenommen.
Der Abbau militärischer Stützpunkte wird mit Auflösung oder Schließung von 86 Stützpunkten im Inland
und 139 in Übersee fortgesetzt. Darüber hinaus
werden 5 inländische Stützpunkte vorübergehend
geschlossen und weitere 25 im Ausland abgebaut. Im
Jahr 1991 wird eine neu gebildete Kommission die
Vorschläge von Verteidigungsminister Cheney zur
weiteren Schließung und Umrüstung von Stützpunkten prüfen sowie Empfehlungen als Entscheidungshilfe für den Präsidenten und den Kongreß erarbeiten.

* * *

*

Seite 3

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                <text>&lt;strong&gt;1. Golfkrieg&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Menschenrechtsverletzungen des Iraks belegen Gefahr repressiver Regime&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Einleitung des Berichts über Menschenrechtsverletzungen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie der Irak seine Kriegsmaschinerie aufbaute&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Hintergrundinformation über die Umgehung von Exportkontrollen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Haushalt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Verteidigungshaushalt sieht Abbau der Streitkräfte vor &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Auszüge aus dem Haushaltsentwurf für 1992-1993&lt;/em&gt;</text>
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13. Februar 1991

1^
GOLFKRIEG

BAKER: USA STREBEN STABILITÄT
UND SICHERHEIT AM GOLF AN
Rede des Außenministers
vor dem Repräsentantenhaus
DIE GOLFKRISE
Chronolgie der Ereignisse im Januar 1991

EUROPA/NATO

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

TAFT ERÖRTERT EUROPÄISCHE
SICHERHEIT IN EINER NEUEN
WELTORDNUNG
Rede des Ständigen US-Vertreters im NATO-Rat

Postfach 200300
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 23 66
Telex: 8-85432

�GOLFKRIEG
13. Februar 1991

BAKER: USA STREBEN STABILITÄT
UND SICHERHEIT AM GOLF AN
Rede des Außenministers vor dem Repräsentantenhaus
WASHINGTON - (AD) - Außenminister Baker zufolge ist das Ziel der Vereinigten Staaten und der Koalitionspartner am Persischen Golf "die Befreiung Kuwaits, nicht die Zerstörung des Irak oder eine Veränderung seiner
Grenzen".
Die Vereinigten Staaten lägen nicht im Streit mit der irakischen Bevölkerung, erklärte Baker vor dem Auswärtigen Ausschuß des Repräsentantenhauses am 6. Februar 1991 in einer Debatte über den außenpolitischen
Haushalt.
Die Ziele der Koalition seien "eindeutig" die Vertreibung des Irak aus Kuwait und die Wiedereinsetzung der
rechtmäßigen Regierung Kuwaits sowie die Gewährleistung von Stabilität und Sicherheit in der Region, fügte
Baker hinzu.
Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen verwies Baker auf die von der israelischen Regierung geübte Zurückhaltung, auf die irakischen Raketenangriffe mit einem Vergeltungsschlag zu reagieren. Der Au ßenminister ging
ferner auf die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen ein und äußerte Besorgnis über das Verhalten Moskaus
bei der Bewältigung der Probleme im Baltikum sowie weitere "beunruhigende Entwicklungen" wie erneute
wirtschaftliche Zentralisierung, Medienzensur, Erweiterung der Befugnisse von Armee und KGB und die
generelle Abkehr der Regierung vom eingeschlagenen Reformkurs. Baker fügte hinzu: "Dieses Vorgehen steht
absolut nicht im Einklang mit dem Kurs friedlichen Wandels, demokratischen Prinzipien, der Rechtsstaatlichkeit
und echten Wirtschaftsreformen."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Außenminister Baker im Wortlaut.

Es ist mir eine Ehre, vor diesem Ausschu ß zu unserem
Budgetentwurf 1992 für Auswärtige Angelegenheiten
Stellung nehmen zu dürfen. Mit Ihrer Erlaubnis möchte
ich meine schriftlichen Ausführungen ins Protokoll
aufnehmen lassen. Noch mehr als in den vergangenen Jahren sollten die beantragten Mittel als Investition in eine bessere Zukunft betrachtet werden - eine
Welt sicherer Nationen, freier Völker und friedlichen
Wandels.
Ich bin mir der Tatsache bewußt, daß eine solche Welt
in weiter Ferne zu liegen scheint, während am Persischen Golf ein Krieg geführt wird. Dennoch ist es
meines Erachtens von vordringlicher Bedeutung, die
sich uns stellenden Herausforderungen auch als Chance
zum Aufbau einer sichereren und gerechteren Weltordnung zu sehen. Aus diesem Grund möchte ich
heute unsere Gedanken zu den Herausforderungen
AMERIKA DIENST 6

und Vereinbarungen nach Bewältigung der Krise erläutern.
Der Golf krieg
Seit nunmehr drei Wochen führt die internationale
Koalition einen Krieg gegen den Irak mit eindeutigen
Zielen: Vertreibung des Irak aus Kuwait, Wiedereinsetzung der rechtmäßigen Regierung Kuwaits sowie
die Gewährleistung von Stabilität und Sicherheit in
dieser entscheidenden Region. Ich möchte zum
bisherigen Verlauf des Konflikts einige Anmerkungen
machen.
Erstens stand die internationale Koalition unerschütterlich zu ihrem Ziel und Kurs. Eine herausragende
Leistung während der derzeitigen Krise war die Fähigkeit der Vereinten Nationen, im Sinne ihrer Gründer zu
handeln. Vor dem 15. Januar dienten den Vereinigten
Seite 1

�Staaten und anderen Nationen die 12 Resolutionen
des UN-Sicherheitsrats als Leitlinie, während wir
gemeinsam auf diplomatischer, politischer und wirtschaftlicher Ebene die irakische Aggression bekämpften. Wir haben so gehandelt, weil wir alle von der
Überzeugung geleitet sind, daß dieser brutale und
gefährliche Diktator aufgehalten werden muß - und
zwar jetzt. Seit dem 16. Januar konnten wir dank der
in Resolution 678 des UN-Sicherheitsrats sanktionierten Aktionen einen Krieg führen, weil wir alle gleichermaßen überzeugt sind, daß jedwede friedlichen Mittel
zur Beendigung von Saddam Husseins Aggression
sondiert und erschöpft sind.
Ich möchte Ihnen die umfassenden Bestrebungen der
Vereinigten Staaten und der anderen Nationen im
einzelnen darlegen. In den 166 Tagen zwischen der
Invasion Kuwaits am 2. August 1990 und dem Ablauf
des UNO-Ultimatums für den Abzug des Irak am
15.Januar 1991 habe ich persönlich über 200 Treffen
mit ausländischen Regierungsvertretern abgehalten,
10 diplomatische Missionen durchgeführt und über
100 000 Meilen zurückgelegt. Ich habe mit dem
irakischen Außenminister sechseinhalbstündige Gespräche geführt - sechseinhalb Stunden, in denen die
irakische Führung den Gedanken des Abzugs aus
Kuwait, sogar die bloße Erwähnung des Rückzugs,
rundweg abgelehnt hat. Wie Sie wissen, haben auch
andere einen Versuch unternommen - die Arabische
Liga, die Europäische Gemeinschaft, der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Könige, Präsidenten
und Premierminister.
Niemand hatte Erfolg, weil Saddam Hussein jeden und
alles zurückwies.
Zweitens trägt die Koalition gemeinsam die Verantwortung für die wirtschaftlichen Lasten des Konflikts.
Die Unterstützung der amerikanischen Verteidigungsausgaben erstreckt sich sowohl auf die Verpflichtungen für Operation Wüstenschild 1990 als auch auf die
Aufwendungen für die Operationen Wüstenschild/
Wüstensturm von Januar bis März 1991. Darüber
hinaus wurden auch Mittel zum Ausgleich der wirtschaftlichen Verluste bewilligt, mit denen sich die
Frontstaaten in der Region konfrontiert sehen.
Bis heute haben wir über 50 Milliarden Dollar zur
Unterstützung unserer militärischen Bestrebungen und
mehr als 14 Milliarden Dollar an Hilfe für die Front- und
andere Staaten für ihren wirtschaftlichen Bedarf bereitgestellt.
Drittens spiegelt unsere sich entwickelnde militärische
Strategie voll und ganz unsere politischen Absichten
wider. Dies ist der geeignete Ort, um nochmals - wie
es der Präsident so häufig getan hat - zu wiederholen,
daß wir nicht mit der irakischen Bevölkerung im Streit
liegen. Unser Ziel ist die Befreiung Kuwaits, nicht die
Zerstörung des Irak oder eine Veränderung seiner
Grenzen.

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Wir führen eine äußerst professionelle und wirksame
militärische Kampagne durch. Unsere jungen Männer
und Frauen sowie die Koalitionspartner schreiben neue
Annalen des Muts und Geschicks. Es handelt sich
jedoch um ein vornehmes Ziel, und keiner sollte Saddam Husseins militärische Fähigkeiten unterschätzen.
Der Irak ist keine drittklassige Militärmacht. Milliarden
an Mitteln für friedliche Zwecke wurden abgezweigt,
um in diesem kleinen Land das viertgrößte Heer der
Welt aufzustellen. Der Irak hat mehr Kampfpanzer als
Großbritannien und Frankreich zusammen. Er hat
mehr Kampfflugzeuge als Deutschland, Frankreich
oder Großbritannien. Den Irak aus Kuwait zu vertreiben, wird nicht leicht sein, aber - um Präsident Bush zu
zitieren: "Damit der Frieden obsiegt, werden wir dort
ausharren."
Darüber hinaus geben wir unser Bestes, um einen
gerechten Krieg auf gerechte Weise zu führen. Unser
Ziel sind militärische Einrichtungen, und wir tun alles in
unserer Macht Stehende, um die Opfer unter der
Zivilbevölkerung und die Beschädigung religiöser und
kultureller Stätten so gering wie möglich zu halten. Wie
General Schwarzkopf ausgeführt hat, setzen sich die
Koalitionsstreitkräfte sogar Gefahren aus, um das
Risiko für unschuldige Menschenleben zu minimieren.
In schockierendem Gegensatz dazu steht Saddam
Husseins Verhalten. Seine Kriegführung gleicht seinem Verhalten vor dem Krieg: ein schonungsloser
Angriff auf die Werte der Zivilisation. Er hat Raketen
gegen israelische und saudiarabische Städte abgefeuert - Raketen, die nicht auf militärische Ziele gerichtet
waren, sondern in voller Absicht ein Massaker unter
der Zivilbevölkerung anrichten sollten. Er hat Kriegsgefangene mißbraucht und vorgeführt und erklärt, sie
als "menschliche Schutzschilde" zu benutzen - ein
Vorgehen, das eine fundamentale Verletzung der Genfer
Konvention darstellt. Und er hat sogar die Natur in dem
Versuch angegriffen, die Gewässer des Persischen
Golfs mit Erdöl zu verseuchen, das der Garant für die
wirtschaftliche Zukunft der Region ist.
Wir haben Saddam Husseins Drohung, chemische
und biologische Waffen einzusetzen, gehört, und wir
nehmen sie bitter ernst. Wir haben ihn gewarnt - und
er wäre gut beraten, unsere Warnung nicht in den Wind
zu schlagen -, daß wir den Einsatz solcher Waffen
nicht dulden werden. Jeder Einsatz chemischer oder
biologischer Waffen wird ernsthafte Konsequenzen
haben. Und wir werden weiterhin darauf bestehen,
daß der Irak seine Verpflichtungen gemäß der Genfer
Konvention im Hinblick auf die Kriegsgefangenen der
Koalitionsstreitmacht erfüllt.
Meines Erachtens beruht unsere Kriegführung auf
großer Stärke, der Stärke aus dem Bewußtsein heraus, das richtige auf die richtige Weise zu tun. Und
Saddam Husseins anhaltende Brutalität verdoppelt
unsere Entschlossenheit und die Überzeugung der

AMERIKA DIENST 6

�ganzen Koalition über die Richtigkeit unseres Kurses.
Die Beendigung von Saddam Husseins Aggression
bedeutet auch einen Schlag für staatlich geförderten
Terrorismus.
Dies ist der geeignete Ort, um unsere tiefe Wertschätzung und große Bewunderung für die außerordentliche Zurückhaltung der israelischen Regierung zu formulieren. Israelische Städte wurden von Saddam
Hussein angegriffen, weil ein Teil seiner Strategie
darin bestand, seine Aggression zu konsolidieren,
indem er die Golfkrise in einen arabisch-israelischen
Konflikt ummünzte. Trotz ihres eindeutigen Rechtsauf
Reaktion hat die israeliche Regierung mit Zurückhaltung und Verantwortungsbewußtsein gehandelt. Die
Vereinigten Staaten standen in sehr engem Kontakt
mit den höchsten israelischen Regierungsstellen und
werden dies auch in Zukunft tun. Wir haben Israel
Batterien von Patriot-Raketen angeboten - einige inklusive amerikanischer Besatzung - um sich gegen die
SCUD-Raketen zu verteidigen, und Israel hat unser
Angebot angenommen. Wir werden weiterhin besondere militärische Anstrengungen unternehmen, um die
SCUDs und ihre Abschußvorrichtungen zu zerstören.
Jeder sollte wissen: Wenn wir von unserer unerschütterlichen Verpflichtung gegenüber der israelischen
Sicherheit sprechen, meinen wir das wörtlich.
Meine vierte Anmerkung lautet folgendermaßen: Die
große internationale Koalition, die jetzt den Krieg gewinnt,
muß auch stark genug sein, um den Frieden sicherzustellen. Winston Churchill hat einmal gesagt: "Die Zeit
wird weisen, wie absolut die Notwendigkeit eines breiten Spektrums von zahlreichen Staaten über Jahre
hinweg gemeinsam vorgenommener internationaler
Aktionen ist, unabhängig von Ebbe und Flut der Innenpolitik." Wenn wir die jetzt von den tapferen Männern
und Frauen erbrachten Opfer wiedergutmachen wollen, die unsere Freiheit mit ihrem Leben verteidigen,
dann müssen wir einen Frieden schaffen, der ihres
Kampfes wert ist. Und dies kann getan werden, wenn
wir die durch den Krieg gestählte Koalition in Friedenszeiten zusammenhalten.
Als der Kongreß für die Befugnis des Präsidenten
stimmte, zur Unterstützung der UNO-Resolutionen
Gewalt einzusetzten, stimmte er auch für Frieden einen Frieden, der solche Kriege in Zukunft verhindern
könnte. Meines Erachtens unterstützt das amerikanische Volk unsere Rolle in der Koalition nicht nur, um
einen Aggressor zu bezwingen, sondern um ein gewisses Maß an Gerechtigkeit und Sicherheit für die Zukunft zu gewährleisten.
Herausforderungen der Nachkriegszeit
Herr Vorsitzender, wir und jede an diesem Konflikt
beteiligte Nation denken über die Situation nach dem
Krieg nach und planen für die Zukunft. Es wäre
unverantwortlich, dies nicht zu tun. Gleichzeitig wäre
es sowohl verfrüht als auch unklug von uns, einen

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detaillierten Plan über die Lage am Golf nach dem
Krieg oder sogar die Region insgesamt vorlegen zu
wollen.
Der Krieg selbst und wie er beendet wird, werden
sowohl die Sicherheit am Golf als auch das übrige
Gebiet beeinflussen. Tiefste Emotionen wurden aufgewühlt. Die jetzt stattfindenden militärischen Aktionen fordern zwangsläufig zahlreiche Opfer, große
Härten und zunehmende Angst vor der Zukunft. Schwere
Zeiten liegen vor uns.
Wir sollten deshalb die Nachkriegsprobleme mit einem
angemessenen Gefühl der Bescheidenheit angehen.
Die Respektierung der Souveränität der Menschen am
Golf und im Nahen Osten muß an oberster Stelle
stehen. Die neuere Geschichte hat belegt, daß kein
Land allein dem Nahen Osten seinen Willen für lange
Zeit aufzwingen oder ihn nach seinen eigenen Vorstellungen ummodeln kann. Schließlich ist das einer der
Gründe, warum wir gegen Saddam Hussein kämpfen.
Unter all den Schwierigkeiten, mit denen wir uns konfrontiert sehen, ragt jedoch eine Tatsache heraus: Die
Menschen am Golf und nicht zuletzt im gesamten
Nahen Osten brauchen dringend Frieden. Ich bin fest
davon überzeugt, daß es in gemeinsamen Konsultationen mit allen betroffenen Nationen einen Weg gibt,
um den Kurs zu bestimmen, der größere Sicherheit
und dauerhaften Frieden für alle mit sich bringt. Aus
diesem Grund sollten wir alles in unserer Macht Stehende tun, um nicht nur am Persischen Golf sondern
auch in der übrigen Region nach diesem Krieg zu
helfen, die es so bitter nötig hat.
Ich möchte daher einige Herausforderungen erörtern,
denen wir uns meines Erachtens in der Nachkriegszeit
stellen müssen.
Eine Herausforderung ist größere Sicherheit am Persischen Golf. Nach zwei Kriegen in 10 Jahren benötigt
diese entscheidende Region neue und andere Sicherheitsvereinbarungen. Aus unserer Sicht müssen drei
grundlegende Probleme gelöst werden: Ziele oder
Prinzipien der Sicherheitsabkommen, die Rolle der
Staaten in der Region, regionaler Organisationen und
der internatioalen Staatengemeinschaft sowie die
militärischen Anforderungen nach dem Krieg, bis die
Stabilität in der Region hergestellt ist und für die Zeit
danach.
Meiner Meinung nach erzielen wir bereits ein hohes
Maß an Übereinstimmung bezüglich unserer Prinzipien. Dazu zählen:
Abschreckung einer Aggression aus jeder Richtung.
Territoriale Integrität. Die bestehende Souveränität
aller Staaten und die Unverletzbarkeit der Grenzen
müssen respektiert werden.
Friedliche Lösung von Konflikten. Grenzprobleme und
andere Dispute, die eine lange Geschichte haben - und
es gibt zahlreiche, abgesehen von dem Beispiel Irak/

Seite 3

�Kuwait - sollten, wie in der Charta der Vereinten
Nationen verankert, mit friedlichen Mitteln beigelegt
werden.
Diese Prinzipien müssen in erster Linie von den Staaten in der Region in die Praxis umgesetzt werden, so
daß Konflikte verhindert und Aggression abgeschreckt
werden kann. Wir gehen davon aus, daß die Staaten
am Golf und regionale Organisationen wie der GolfKooperationsrat die Führungsrolle beim Aufbau eines
verstärkenden Gefüges neuer und verbesserter Sicherheitsbeziehungen übernehmen. Kein Staat in der
Region sollte aus diesen Vereinbarungen ausgeklammert werden. Nach dem Krieg könnte der Irak einen
wichtigen Beitrag leisten, ebenso wie der Iran als
wichtige Macht am Golf.
Auch die anderen Nationen und die internationale
Staatengemeinschaft, einschließlich der Vereinten
Nationen, könnten eine Rolle bei der Förderung solcher Vereinbarungen spielen und sie untermauern.
Was die Vereinigten Staaten anbetrifft, so haben wir
seit der Truman-Regierung im Jahr 1949 stets eine
kleine Seestreitmacht im Golf stationiert. Wir hatten
und haben au ßerordentlich starke bilaterale Beziehungen zu Saudi-Arabien und anderen Staaten in der
Region. Und im Laufe der Jahre haben wir gemeinsame Übungen mit unseren Freunden in der Region
durchgeführt und sie mit militärischem Gerät versorgt.
Der Präsident hat erklärt, daß wir nicht beabsichtigen,
die ständige Präsenz von Bodentruppen auf der Arabischen Halbinsel aufrechtzuerhalten, sobald der Irak
aus Kuwait vertrieben ist und die Bedrohung nachläßt.
Bevor die Sicherheit gewährleistet ist, müssen jedoch
wichtige Fragen beantwortet werden. Unmittelbar
nach dem Krieg werden wir bei der Herstellung der
Stabilität eine entscheidende Übergangsphase durchlaufen. Ich möchte kurz einige der Fragen aufzählen,
die beantwortet werden müssen.
Sollte unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen oder regionaler Organisationen wie dem GolfKooperationsrat eine ständige, aus Streitkräften in der
Region gebildete und in der Region stationierte Bodentruppe geschaffen werden?
Wie kann die internationale Staatengemeinschaft die
Abschreckung am Golf verstärken - durch die Entsendung von Streitkräften oder andere politische Vereinbarungen wie Resolutionen oder Sicherheitsabkommen?
Niemand kennt die Antworten auf diese und andere
Fragen. Einige werden vielleicht niemals beantwortet.
Unabhängig von unserer möglichen Vorgehensweise
werden wir umfassende Konsultationen mit allen von
solchen Vereinbarungen betroffenen Parteien führen.
Eine zweite Herausforderung wird zweifelsohne die
Verbreitung und Kontrolle von Waffen in der Region
sein. Dies bezieht sich sowohl auf konventionelle als
auch Massenvernichtungswaffen. Es ist eine erschrek-

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kende Tatsache, daß selbst die konventionellen Arsenale mehrerer Staaten im Nahen Osten diejenigen der
meisten europäischen Nationen in den Schatten stellen. Fünf Länder im Nahen Osten habe mehr Kampfpanzer als Großbritannien und Frankreich. Es ist an
der Zeit, das destruktive Muster des militärischen
Wettbewerbs und der Verbreitung von Waffen in der
Region zu ändern und Waffenlieferungen in ein Gebiet
zu reduzieren, das bereits überbewaffnet ist. Dies legt
den Schluß nahe, daß wir und andere Länder in der
Region und weltweit darüber beraten müssen, wie wir
die Mehrschichtigkeit des Problems am besten angehen:
Wie können wir zusammenarbeiten, um die Fähigkeiten des Irak nach dem Krieg zu begrenzen, seine
Massenvernichtungswaffen und destabilisierendsten
konventionellen Waffen zu behalten oder wiederaufzubauen?
Wie können wir mit anderen zusammenarbeiten, um
Schritte zu umfassenderer Zurückhaltung in der Region bei Beschaffung und Einsatz konventioneller
Rüstungen und Massenvernichtungswaffen zu ermutigen? Welche Rolle könnte die Art von Vertrauensbildenden Maßnahmen am Golf und im Nahen Osten
spielen, die Konflikte in Europa abgebaut haben?
Welche weltweiten Aktionen würden schließlich Schritte zu Rüstungskontrolle am Golf und im Nahen Osten
unterstützen? Darunter könnte der rasche Abschluß
schwebender internationaler Abkommen wie der Vertrag über chemische Waffen ebenso fallen wie sehr
viel schärfere Lieferbeschränkungen für Waffen und
Mehrzwecktechnologie in die Region. Und welche
Implikationen hat dies für Waffenlieferungen und Verkauf spraktiken?
Eine dritte Herausforderung liegt in wirtschaftlichem
Wiederaufbau und wirtschaftlicher Gesundung. Den
Golf und seine Handelspartner hat eine Wirtschaftskatastrophe getroffen. Kuwait wurde geplündert und
zerstört. Hunderttausende von Arbeitern haben ihren
Arbeitsplatz verloren und sind geflohen. Handelsfluß
und Märkte wurden unterbrochen.
Ich bin sicher, daß das kuwaitische Volk sein Land
wiederaufbauen wird. Ebenso wie wir mit den Kuwaitern in der Stunde der Prüfung zusammengearbeitet
haben, blicken wir der Kooperation mit ihnen in der
Stunde der wirtschaftlichen Gesundung zuversichtlich
entgegen.
Niemand sollte vergessen, daß sich das irakische Volk
zum zweiten Mal in einem Jahrzehnt von einem verheerenden Konflikt erholen muß. Die Zeit des Wiederaufbaus und der Gesundung sollte nicht die Gelegenheit für Rachefeldzüge gegen ein Land sein, das von
den Ambitionen eines Diktators in den Krieg gezwungen wurde. Eine Zukunft mit Sicherheit und Wohlstand, auf die jeder in der Region hofft, muß auch den
Irak einbeziehen.

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�Die meisten Ressourcen für den Wiederaufbau werden zwangsläufig dem Golf entnommen. Sollten wir
jedoch nicht an mehr als Wiederaufbau denken? Eine
Länderkoalition könnte sich möglicherweise sowohl
regionaler als auch externer Ressourcen bedienen,
um die Perspektiven für die Region zu verändern indem sie freien Handel und Investitionen zur Unterstützung der Entwicklung sowie wachstumsorientierte
Wirtschaftsmaßnahmen fördert, die sich weltweit
bewährt haben.
Bei allen wirtschaftlichen Anstrengungen kommt
Wasseraufbereitung ein besonderer Stellenwert zu.
Über die Hälfte der im Nahen Osten lebenden Menschen hängen mit ihrer Wasserversorgung von internationale Grenzen überquerenden Flüssen oder
Meerwasserentsalzungsanlagen ab. Wir alle waren
über Saddam Husseins absichtliche Verseuchung des
Golfs empört, die einen Großteil von Saudi-Arabiens
Trinkwasserversorgung beeinträchtigen könnte.
Und schließlich wollen wir mit den Regierungen des
Nahen Ostens und anderer Regionen über spezifische
Vereinbarungen sprechen, die der Wirtschaftskooperation in der gesamten Region am besten dienen. Eine
solche Kooperation trüge zweifelsohne zur Verstärkung unserer Ziele insgesamt bei: Schrittweiser Abbau
der Konfliktherde und der Hemmnisse für Sicherheit
und Wohlstand im gesamten Gebiet.
Eine vierte Herausforderung besteht darin, das Streben nach Frieden und echter Aussöhnung für Israel,
die arabischen Staaten und die Palästinenser wiederaufzunehmen. Unter Aussöhnung verstehe ich nicht
nur Frieden anstelle von Krieg, sondern einen auf
dauerhaften Respekt, Toleranz und gegenseitiges
Vertrauen gegründeten Frieden. Wie Sie wissen, habe
ich vor Ausbruch des Krieges persönlich beträchtliche
Anstrengungen unternommen, einen Dialog zwischen
Israel und den Palästinensern zu fördern - unabdingbares Element eines generellen Friedensprozesses.
Wir sollten uns keiner Selbsttäuschung hingeben. Der
Verlauf dieser Krise hat bei Israelis und Palästinensern
Emotionen aufgewühlt, die nicht leicht in Aussöhnung
münden werden. Dennoch wird es nach diesem Krieg
- wie bei früheren Kriegen - Chancen für Frieden geben
- wenn die betroffenen Parteien dazu bereit sind. Und
wenn sie wirklich wollen, werden wir eng mit ihnen
zusammenarbeiten, um einen wirksameren Friedensprozeß zu gestalten.
Die hier zu bewältigenden Probleme sind natürlich
bekannt und stellen eine größere Herausforderung dar
als je zuvor.
Wie können Israelis und Palästinenser versöhnt werden? Welche konkreten Schritte können von jeder
Seite unternommen werden?
Welche Rolle werden die arabischen Staaten bei der
Förderung dieses Prozesses und ihren Friedensverhandlungen mit Israel einnehmen?

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Wie werden regionale Rüstungskontrollvereinbarungen diesen Prozeß beeinflussen?
Was ist das beste diplomatische Instrument, um diesen Prozeß in die Wege zu leiten?
Auch hier werden wir mit unseren Freunden und allen
Parteien, die bei der Beilegung dieses Konflikts eine
konstruktive Rolle spielen können, Konsultationen
abhalten und sehr eng zusammenarbeiten.
Die fünfte und letzte Herausforderung betrifft die Vereinigten Staaten: Wir müssen entschieden mehr tun,
um unsere Abhängigkeit von Energiequellen abzubauen. Wie Präsident Bush betont hat, können wir unsere
Ziele nur dank einer umfassenden Strategie erreichen.
Unsere Strategie sollte Energiesparmaßnahmen, verstärkte Entwicklung, mehr Vorräte und Reserven sowie
bessere Nutzung alternativer Brennstoffe umfassen.
Wir müssen diese Aufgabe mit derselben Entschlossenheit angehen, mit der wir jetzt diesen Krieg führen.
Wie Sie sehen, Herr Vorsitzender, sind hier einige
politische und wirtschaftliche Elemente enthalten, andere
stehen zwangsläufig mit Sicherheit in Verbindung.
Dies legt den Schluß nahe, daß Sicherheit nicht nur in
militärischen Begriffen, sondern als Teil einer umfassenderen Perspektive für die Region gesehen werden
muß. Ohne gesundes Wirtschaftswachstum werden
wir keinen dauerhaften Frieden und Wohlstand erlangen. Es kann kein gesundes Wirtschaftswachstum
geben, wenn Nationen bedroht oder überrollt werden oder kostbare Ressourcen und immer mehr Waffen
vergeuden. Einen Weg zur Zusammenarbeit für die
Menschen im Nahen Osten zu finden, wird entscheidend sein, wenn wir unsere Augen auf eine bessere
Zukunft richten.
Die Sowjetunion am Scheideweg
Bevor ich zum Ende komme, möchte ich einige Worte
über die anderen Herausforderungen anmerken, mit
denen wir uns konfrontiert sehen: unsere Beziehungen zur Sowjetunion.
Präsident Bush hat häufig von einer neuen Weltordnung gesprochen, in der Freiheit und Demokratie
gedeihen mögen, und die frei von den Ängsten des
kalten Kriegs ist. Wir haben bezüglich einer solchen
Ordnung berechtigte Hoffnungen gehegt - zum Teil
aufgrund der wachsenden Zusammenarbeit zwischen
den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion. Im
Herbst 1989 habe ich Zusammenarbeit als Suche
nach wechselseitig profitablen Punkten beschrieben.
Und diese Suche hat gute Erfolge gezeitigt.
Ich möchte nur drei Beispiele anführen. Erstens hat
sich im vergangenen Jahr ein demokratisches Deutschland als Vollmitglied der NATO in Frieden vereinigt.
Der Eiserne Vorhang ist gefallen, und damit wurde der
kalte Krieg beendet. Zweitens haben die Länder
Mittel- und Osteuropas ihre Rechte zurückerhalten
und können Demokratie und wirtschaftliche Freiheit

Seite 5

�ungehindert verwirklichen. Drittens ist die Sowjetunion
der internationalen Koalition gegen die irakische Aggression beigetreten. Wie Außenminister Alexander
Bessmertnych in der vergangenen Woche nochmals
betonte, wird die Sowjetunion die vollständige Durchführung der Resolutionen des UN-Sicherheitsrats
uneingeschränkt unterstützen.
Während unsere beiden Länder an der Formulierung
dieser und anderer wechselseitig profitabler Punkte
zusammengearbeitet haben, war beiden Seiten seit
langem klar, daß das Potential für langfristige Zusammenarbeit oder sogar Partnerschaft zwischen unseren
Ländern letztlich vom Kurs der innenpolitischen Reformen in der Sowjetunion abhängt. Aus diesem Grund
habe ich im vergangenen Herbst beiderseits vorteilhafte Wege - nicht nur einzelnen Punkte - gefordert und
habe darüber hinaus unserem Wunsch Ausdruck verliehen, einen umfassenderen demokratischen Dialog
mit den sowjetischen Reformkräften zu führen. Nicht
nur Wirtschaftsreformen, sondern tiefgreifende politische Reformen könnten die Sowjetunion in eine völlig
andere Gesellschaft umwandeln.
Im Verlauf mehrerer Gipfeltreffen und zahlreicher
Gespräche wurde uns das Auf und Ab der Perestrojka
- die enormen und erschreckenden Schwierigkeiten,
den Grundkurs der Gesellschaft und viele ihrer Werte
nach 70 Jahren zu verändern - sehr viel vertrauter.
In den vergangenen Monaten mußten wir jedoch eine
Reihe beunruhigender Ereignisse beobachten. Dazu
zählen die gewalttätigen Ausschreitungen im Baltikum, die offensichtliche Hinwendung zu erneuter wirtschaftlicher Zentralisierung, weniger freie Medien,
Erweiterung der Befugnisse von Armee und KGB
sowie der Rücktritt oder die Amtsniederlegung der
entschiedenen Verfechter des Reformkurses.
Dieses Vorgehen steht absolut nicht im Einklang mit
dem Kurs friedlichen Wandels, demokratischen Prinzipien, der Rechtsstaatlichkeit und echten Wirtschaftsreformen. Es gibt schlicht und einfach keine Rechtfertigung für den Einsatz von Gewalt gegen friedliche und
demokratisch gewählte Regierungen. Wir empfinden
tiefe Sympathie für die mutigen Menschen im Baltikum, die stets mit Würde und Zurückhaltung gehandelt
haben.
Präsident Bush und ich haben diese Entwicklungen mit
Präsident Gorbatschow und anderen sowjetischen
Regierungsvertretern umfassend erörtert. Wir und
unsere europäischen Verbündeten haben die unvermeidlichen Konsequenzen aufgezeigt, wenn die sowjetische Regierung auf diesem Weg bleibt. Und wir
haben unserer Überzeugung Ausdruck verliehen, daß
die Sowjetunion bei der Verwirklichung ihrer Ziele nicht
auf Erfolg hoffen darf, wenn sie Perestrojka, Demokratisierung und Glasnost aufgibt.
Im Hinblick auf das Baltikum zitiere ich am besten
Präsident Bushs Worte aus dem Bericht zur Lage der

Seite 6

Nation: "...unser Ziel besteht darin, den Völkern im
Baltikum bei der Realisierung ihrer Hoffnungen zu
helfen, nicht die Sowjetunion zu bestrafen".
Wir haben von der sowjetischen Führung Zusicherungen über ihre anhaltende Verpflichtung zu Reformen,
friedlichem Dialog mit den Baltenrepubliken und der
Gestaltung einer vom Gesetz und nicht von Gewalt
regierten Gesellschaft vernommen. Wir werden die
Lage genau beobachten und abwarten, ob diese
Zusicherungen dauerhafte Realität werden.
Ich hoffe, die Sowjetunion wird die Lektionen ihrer
schweren Erfahrungen rasch wieder lernen: der alte
Kurs war nicht richtig. Mit vorgehaltenem Gewehr
kann die Perestrojka keine Erfolge zeitigen. Natürlich
können wir die Möglichkeit nicht ausschließen, daß
sich die Dinge noch weiter zum Schlechten wenden.
Gleichzeitig müssen wir uns jedoch hüten, voreilige
Schlußfolgerungen zu ziehen.
Die sowjetische Führung befindet sich am Scheideweg. Wir haben eindeutig klargestellt, daß ihre letzten
Schritte sie auf einen Kurs geführt hat, der weder ihr,
uns, noch sonst irgendwem von Nutzen ist. Um der
Geschichte und der Welt willen hoffe ich, daß sie den
Weg fortsetzt, der die gesamte Welt zu Hoffnungen auf
eine bessere Zukunft berechtigte.
Ich möchte meine heutigen Ausführungen mit folgender Beobachtung zusammenfassen. Als ich vor einem
Jahr an diesem Ort eine Übersicht über unsere Au ßenpolitik vornahm, befanden wir uns auf dem Weg zu
einem ungeteilten und freien Europa, das durch expandierende amerikanisch-sowjetische Zusammenarbeit bei der Lösung der herausragenden politischen
und militärischen Probleme des Kontinents abgesichert war. Die Möglichkeit, selbst der Gedanke an
diesen schrecklichen Konflikt am Golf überstieg unser
aller Vorstellungskraft. Dennoch sehen wir uns heute
mit den Herausforderungen eines Kriegs am Golf und
der wachsenden Unsicherheit über den sowjetischen
Reformkurs konfrontiert.
Es mag unterschiedliche Ansichten über die Bewältigung dieser Situationen geben. Ich sehe Ihrem Rat
und ihren Empfehlungen zu beiden Themenkomplexen gerne entgegen. Bei einem Punkt haben wir
jedoch meines Erachtens bereits grundsätzlich Übereinstimmung erzielt: die Notwendigkeit der amerikanischen Führungsrolle. Wenn wir nicht unseren Teil
leisten, werden die von Churchill zitierten und von
zahlreichen Staaten gemeinsam vorgenommenen
Aktionen nicht möglich sein. Und Churchill warnte:
"Der aus dem Wunsch nach Sicherheit und einem
ruhigen Leben eingeschlagene Mittelweg könnte direkt ins Zentrum des Verderbens führen." Noch offensichtlicher als wir es noch vor einem Jahr oder nur
sechs Monaten gedacht hätten, wird die Welt vom
Ende der Nachkriegszeit an von den Vereinigten Staaten und ihren internationalen Verbündeten gestaltet
werden. Unser beständiges Ziel muß lauten, diese

AMERIKA DIENST 6

�Welt zu einem geeigneten Ort für freie Menschen zu
machen.
Übersicht über die beantragten Mittel
Ich möchte mich nun den für Auswärtige Angelegenheiten beantragten Mitteln zuwenden. Für das Haushaltsjahr 1992 fordern wir21,9 Milliarden Dollar Ausgabeermächtigung für Haushaltstitel 150/lnternationale
Angelegenheiten, was einer Aufstockung von 1,8 Milliarden Dollar gegenüber dem Haushaltsjahr 1991
entspricht. Darüber hinaus beantragen wir eine einmalige Ermächtigung von 12,2 Milliarden als amerikanischen Anteil an der weltweiten Beitragsanhebung
des Internationalen Währungsfonds.
Im Einklang mit den Verfügungen des Haushaltsgesetzes sieht unser Antrag trotz der beispiellosen Ansprüche an die amerikanische Führung weltweit bestimmte
strikte Obergrenzen für unsere Ausgaben vor.
Um diese weltweiten Ziele im Rahmen der Haushaltsengpässe verwirklichen zu können, ist zusätzliche Flexibilität erforderlich. Im vergangenen Jahr habe ich an
diesen Ausschu ß appelliert, konstruktive Beratungen keine Bereitstellung von Mitteln - vorzunehmen, die
das Hauptinstrument zur Erlangung eines Konsenses
bei Programmzielen sind. Ich freue mich, feststellen
zu können, daß wir in der letzten Sitzungsperiode Fortschritte in diese Richtung gemacht haben.
Die Mittelzuweisung für unseren Wirtschaftshilfefonds
(EconomicSupport Fund- ESF) wurde von 82 Prozent
im Haushaltsjahr 1990 auf etwas über 68 Prozent
gekürzt. Bei den Rüstungsgeschäften auf Kreditbasis
(Foreign Military Financing - FMF) war die Abnahme
etwas weniger drastisch, aber immer noch beträchtlich
- von 92 auf 87 Prozent. Dies ist eine begrüßenswerte
Entwicklung, die wir weiterhin fördern wollen.
Wir haben jedoch noch einen weiten Weg vor uns. Um
unseren Antrag in diesem Jahr unterstützen zu können, möchte ich die Bereitschaft der Administration zur
Zusammenarbeit mit dem Kongreß zum Ausdruck
bringen, bei unseren staatlichen Operationen und den
Gesetzen zur Auslandshilfe größere Flexibilität zu
entwicklen. Als Leitlinie für diese Bestrebungen möchte ich fünf umfassende Ziele für unsere internationalen
Kooperationsprogramme umreißen, die sich auf die
fünf außenpolitischen Herausforderungen gründen,
die ich bei meiner Anhörung vor diesem Ausschu ß im
vergangenen Jahr dargelegt habe.
Erstens, Förderung und Konsolidierung demokratischer Werte, einschließlich freier und fairer Wahlen
und Achtung der Menschenrechte. Wie Präsident
Bush in seinem Bericht zur Lage der Nation feststellte,
steht dieses grundlegende amerikanische Prinzip seit
über zwei Jahrhunderten als Symbol für die Menschen
auf der ganzen Welt.
Wie schwierig der Übergang zur Demokratie auch sein
mag, er kann nicht isoliert von der übrigen Welt vollzo-

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gen werden. Die wesentlichen Bestandteile der
Demokratie - Achtung der Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit, freie und faire Wahlen sowie politische
und wirtschaftliche Chancen - sind gleichzeitig die
elementaren Bausteine der neuen Weltordnung.
Zweitens, Förderung des Prinzips der freien Marktwirtschaft und Stärkung der amerikanischen Wettbewerbsfähigkeit. Anhaltende Wirtschaftsentwicklung geht
Hand in Hand mit der Verabschiedung solider, wachstumsorientierten Maßnahmen. Zusammengenommen
können sie die amerikanischen Interessen im Ausland
fördern. Indem wir die Marktkräfte durch Deregulierung, Privatisierung und Förderung von freiem Handel
und Investitionen stützen, können reformorientierte
Länder entsprechend zu Aufbau und Gewährleistung
von Demokratie beitragen. Darüber hinaus können sie
auf florierende Märkte für amerikanische Exporte und
die entsprechenden Arbeitsplätze vordringen. Die
amerikanischen Exporte in vier ehemalige Empfängerländer von Auslandshilfe - Kolumbien, Chile, Taiwan
und Korea - sind mehr als doppelt so hoch wie unser
gesamtes Budget für Auslandshilfe weltweit. Unser
langfristiges Ziel sollte darin bestehen, mehr Länder
aus der Entwicklungshilfe in Handels- und wechselseitig profitable Investitionsbeziehungen mit den Vereinigten Staaten zu entlassen.
Drittens, Förderung des Friedens durch Entschärfung
regionaler Konflikte, Stärkung der Sicherheit unserer
regionalen Partner und Bestrebungen zu Rüstungskontrolle und Nichtweiterverbreitung von Waffen.
Wie die Krise am Persischen Golf gezeigt hat, gibt es
keinen Ersatz für eine starke amerikanische Führungsrolle. Wir spielen nach wie vor eine lebenswichtige Rolle bei der Verbesserung der Sicherheit unserer
regionalen Verbündeten auf der Welt. Ägypten und die
Türkei- über Jahre hinweg Nutznießer amerikanischer
Militärhilfe - sind das Bollwerk der Koalition gegen
Saddam Hussein.
Nationale und regionale Sicherheit sind die Voraussetzungen für das Gedeihen von Demokratie und freiem
Unternehmertum. Saddam Husseins Aggression ist
eine dramatische Erinnerung an die andauernde Notwendigkeit, die Sicherheit regionaler Staaten zu schützen, die für die Vereinigten Staaten und unsere Verbündeten von lebenswichtigem Interesse sind. Die
Verbreitung von Raketensystemen sowie chemischen
und biologischen Waffen trägt noch zur Schärfung
unseres Interesses an der Förderung regionaler Stabilität bei.
Viertens, Schutz vor grenzüberschreitenden Bedrohungen, insbesondere der Umwelt sowie der Geißeln
Drogen und Terrorismus.
Um aus meiner ersten Rede vor dem Kongre ß vor zwei
Jahren zu zitieren: "Die Zukunft unserer Zivilisation
fordert auch, daß wir gemeinsam bei der Bewältigung
einer neuen Art von Problemen vorgehen, die transna-

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�tionaler Art sind." Dazu zählen Nichtweiterverbreitung
von Waffensystemen, Umweltschutz sowie die Bekämpfung von Terrorismus und Drogenmißbrauch.
In all diesen Bereichen haben wir Fortschritte erzielt.
Wir haben weltweit die Bestrebungen zur Verschärfung von Waffenexportkontrollen angeführt. Wir arbeiten weiterhin an der Verbesserung unseres umweltpolitischen Programms. Wir arbeiten aktiv an der Bekämpfung von staatlich gefördertem Terrorismus, um
diesem weltweit ein Ende zu bereiten. Und unsere
internationalen Bestrebungen bei der Zerschlagung
des Drogennachschubs werden durch Berichte über
die nachlassende Nachfrage im Inland ergänzt.
Fortschritte werden jedoch gelegentlich langsam,
unspektakulär und schwer erzielt. Das irakische Verhalten nach der Invasion Kuwaits ist eine brutale
Erinnerung an die durch die Wechselwirkung solcher
grenzüberschreitenden Bedrohungen entstehende
Gefahr. Saddam Husseins jüngste Aktionen verdeutlichen, wie althergebrachte Konzepte der Bedrohung
nationaler Sicherheit erweitert werden müssen. In der
Tat hat der Irak zusammengenommen:
Eine glaubwürdige Bedrohung zum Einsatz chemischer und biologischer Waffen.
Auf verabscheuungswürdige Weise Raketentechnologie als Terrorwaffe gegen die unschuldige Zivilbevölkerung eingesetzt.
Vielleicht zum ersten Mal absichtlich eine Umweltkatastrophe als Kriegswaffe eingesetzt, mit ungeahnten
Konsequenzen für die gesamte Region auf Jahre
hinaus, und
weltweit zu Terroranschlägen aufgerufen, die teilweise
von Botschaften im Ausland in fundamentaler Verletzung der Grundprinzipien der Diplomatie unterstützt
werden.
Diese Herausforderungen an die Weltordnung können
durch eine engagierte internationale Staatengemeinschaft mit Unterstützung der unerschütterlichen amerikanischen Führungsrolle und den erforderlichen
geeigneten Ressourcen bewältigt werden.
Schließlich spiegelt die Erfüllung dringender humanitärer Bedürfnisse weiterhin die tiefe und anhaltende
Besorgnis des amerikanischen Volkes wider. Die
Bilanz der Vereinigten Staaten bei unverzüglicher und
substantieller Erleichterung schwerer durch die Natur
oder den Menschen verursachter Katastrophen ist
beispiellos. In diesem Zusammenhang möchten wir
die amerikanischen Bürgerinitiativen und privaten Helfer
zu ihrer Rolle beglückwünschen. Die Erfüllung der
drängendsten menschlichen Grundbedürfnisse durch
Nahrungsmittel-, Katastrophen- und Flüchtlingshilfe
wird stets einen wesentlichen Bestandteil der amerikanischen Politik darstellen.
Wir sind zur Zusammenarbeit mit dem Kongreß bei der
Formulierung von Gesetzen bereit, die auf diese grund-

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legenden Ziele aufbauen, um unseren Bestrebungen
bei wirtschaftlicher Zusammenarbeit mehr Flexibilität
und Transparenz zu verleihen. In Zusammenarbeit mit
unseren internationalen Partnern denken wir an die
Anwendung von fünf entscheidenden Mechanismen,
um dieses Programm weltweit voranzubringen:
Erstens, flexible und integrierte bilaterale Behörden
zur Verwaltung der Hilfsleistungen. Wir streben flexiblere Abrechnungsverfahren sowie bessere Möglichkeiten an, Mittel auf und zwischen den jeweiligen
Konten zu transferieren, um die dringendsten, unvorhergesehenen Bedürfnisse zu erfüllen. Wir hoffen, ein
Hilfsprogramm zu erarbeiten, das sich im oben ausgeführten Sinn um eine Reihe von Hauptzielen gliedert.
Als ersten Schritt zur Verwirklichung dieses Ziels haben
wir einen bescheidenen Nothilfefonds des Präsidenten
in unserem Haushaltsantrag für 1992 vorgeschlagen.
Flexibilität ist besonders nötig in Zeiten, in denen die
Entwicklungen auf der Welt sich so rasch und unvorhersehbar vollziehen, während unsere Fähigkeit, mit
zusätzlichen Mitteln darauf zu reagieren, durch die
Haushaltsengpässe drastisch beschnitten ist. Die
Golfkrise, die Wiedereinsetzung demokratischer Regierungen in Nicaragua und Panama sowie die dramatischen Entwicklugnen in Osteuropa, der Sowjetunion
und Südafrika im vergangenen Jahr verdeutlichen
anschaulich, daß mehr Flexibilität noch dringlicher
wird, wenn unvorhergesehene Anforderungen an die
amerikanische Führungsrolle mft begrenzten Ressourcen einhergehen.
Zweitens sehen wir Raum für den kreativeren Einsatz
multilateraler Mechanismen zur Förderung unserer
Ziele, sowohl durch die internationalen Finanzinstitutionen als auch die Vereinten Nationen.
Die Bretton Woods- Institutionen haben jetzt alle osteuropäischen Länder aufgenommen und spielen eine
zentrale Rolle bei der Erarbeitung solider, angemessen finanzierter Programme, um deren Übergang zu
Marktwirtschaften auf der Basis von Privatinitiative zu
erleichtern. Sollte die Sowjetunion den Kurs wirtschaftlicher und politischer Strukturreformen weiterverfolgen, müßten IWF und Weltbank auch bei der
Erleichterung dieses Übergangs eine Rolle spielen.
Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) wird die Entwicklung von Infrastruktur,
Umweltprogrammen und des Privatsektors in den
reformorientierten Ländern Mittel- und Osteuropas
fördern. Durch unsere Initiative zur Förderung der
Privatwirtschaft in allen Ländern Amerikas wird die
Interamerikanische Entwicklungsbank erwartungsgemäß eine führende Rolle bei der Förderung einer
gesunden Investitionspolitik auf unserem Kontinent
übernehmen.
Um die Bestrebungen dieser Institutionen zu unterstützen, schlagen wir erneut eine vollständige Finanzierung für die multilateralen Entwicklungsbanken vor einschließlich aller Schulden - und zusätzlich eine

AMERIKA DIENST 6

�regelmäßige Beitragserhöhung für den Internationalen Währungsfonds. Mit diesen Finanzmitteln werden
die Institutionen in der Lage sein, Beiträge freizusetzen, um uns unserem Ziel der Förderung einer gesunden, wachstumsorientierten Wirtschaftspolitik in den
Entwicklungsländern näherzubringen.
Präsident Bush hat in seinem Bericht zur Lage der
Nation darauf verwiesen, daß die Vereinten Nationen
in der Golfkrise eine historische Rolle gespielt haben,
die der Vision ihrer Gründerväter sehr nahekommt.
Die 12 Resolutionen des Sicherheitsrats, mit denen
der Grundstein zur Beendigung dieses Konflikts gelegt
wurde, symbolisierte die Einheit der internationalen
Staatengemeinschaft gegen die irakische Aggression
und hat das Prinzip kollektiver Sicherheit als Eckpfeiler
des Zeitalters nach dem kalten Krieg etabliert. Gleichzeitig haben die humanitären UNO-Organisationen
Hunderttausenden von Flüchtlingen geholfen, die vor
der irakischen Aggression geflohen sind. Die Vereinigten Staaten haben ein vitales Interesse an der Stärkung dieser neubelebten Vereinten Nationen als vollwertigem Partner beim Aufbau einer Welt nach dem
kalten Krieg, in der Frieden, Stabilität und Wohlstand
ihren Platz haben.
Drittens setzen wir größeres Vertrauen auf kreative
Teilung der Verantwortung, wenn wir unsere weltweiten Beziehungen mit den Mitgliedern der Europäischen Gemeinschaft und insbesondere Japan stärken. Viele Kongreßabgeordnete haben darauf verwiesen, daß unsere eigene schwierige Haushaltslage
solchen Bestrebungen besondere Bedeutung verleiht,
da es um die Förderung eines gemeinsamen Programms mit Partnern geht, die unsere Werte und
Interessen teilen.
Kein Unternehmen veranschaulicht die kollektive
Reaktion der internationalen Staatengemeinschaft zur
Verteidigung des Weltfriedens besser als unser erfolgreiches Ersuchen um weltweite Unterstützung für die
Operationen Wüstenschild und Wüstensturm sowie
für die Frontstaaten, deren Volkswirtschaften durch
Saddam Husseins Aggression erhebliche Rückschläge hinnehmen mußten.
Im Jahr 1990 haben unsere Koalitionspartner zur
Deckung der Kosten von Operation Wüstenschild 9,7
Milliarden Dollar und damit 88 Prozent der etwa 11
Milliarden Dollar der gesamten zusätzlichen Kosten
aufgewandt, die wir aufbringen müssen. Bei Ausbruch
der Feindseligkeiten haben unsere Verbündeten wiederum sofort und großzügig reagiert, um ihren gerechten Anteil an den Militärausgaben der Koalition für
Operation Wüstensturm zu übernehmen. In den letzten drei Wochen haben wir aus Saudi-Arabien, Kuwait,
den Vereinigten Arabischen Emiraten, Japan, Deutschland und Korea beispiellose Zusagen von insgesamt
über 40 Milliarden Dollar erhalten, um die in den ersten
drei Monaten des Jahres 1991 erwarteten Kosten zu
decken.

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Die internationale Staatengemeinschaft hat darüber
hinaus rasch und großzügig auf die Bedürfnisse der
Frontstaaten - besonders Ägypten und der Türkei reagiert, da sie beim Widerstand gegen Saddam
Husseins Aggression erhebliche Kosten tragen müssen. Durch die Koordinierungsgruppe Golfhilfe unter
dem Vorsitz der Vereinigten Staaten haben die Golfstaaten, Europa, Japan und Korea über 14 Milliarden
Dollar zugesichert, um zu gewährleisten, daß die Volkswirtschaften der betroffenen Länder in der Region
stabilisiert werden und ihr Engagement für unseren
gemeinsamen Kurs bekräftigt wird. Die Vereinigten
Staaten haben mit Unterstützung des Kongresses
ihren Teil dieser Bestrebungen übernommen und
Ägyptens 6,7 Milliarden Dollar Schulden für Rüstungskäufe getilgt. Damit haben sie einem wichtigen Verbündeten in der Region eine große Last abgenommen.
Andere Länder sind nachgezogen und haben zusätzliche 8 Milliarden Dollar der ägyptischen Schulden
getilgt.
In der Zwischenzeit hat in Osteuropa der erfolgreiche
Prozeß der G-24 unter dem Vorsitz der Europäischen
Kommission mehr als 18 Milliarden Dollar für die
Länder Polen und Ungarn mobilisiert, um ihnen den
Übergang zur Marktwirtschaft zu erleichtern. Auf den
Philippinen war die Initiative multilateraler Hilfe (Multilateral Assistance Initiative - MAI) dafür verantwortlich,
daß der Umfang internationaler Hilfe für diese ums
Überleben kämpfende Demokratie nahezu verdoppelt
wurde. Darüber hinaus hoffen wir, daß uns unsere
weltweiten Partner bei der Tilgung von Schulden
Panamas und Nicaraguas gegenüber den internationalen Finanzinstitutionen und bei der Finanzierung der
verbesserten Schuldenstrategie helfen. Schließlich
ermutigen wir Europa und Japan, gemeinsam mit uns
jährlich über einen Fünfjahreszeitraum hinweg 100
Millionen Dollar bereitzustellen, mit denen ein Multilateraler Investitionsfonds für Lateinamerika und die
Karibik geschaffen werden kann. Dieser Fonds ist ein
wichtiger Bestandteil der Initiative des Präsidenten für
die Förderung der Privatwirtschaft in allen Ländern
Amerikas und wird eine entscheidende Rolle dabei
spielen, daß Länder von der Entwicklungshilfe weg zu
Handel und Privatinvestitionen als den wichtigsten
Antriebsfaktoren wirtschaftlichen Wachstums gelangen.
In jedem Fall haben sowohl die starke Führungsrolle
der Vereinigten Staaten und eine Interessengemeinschaft viel dazu beigetragen, eine breite weltweite
Reaktion hervorzurufen.
Viertens sehen wir einen kreativeren Einsatz der Handelsund Investitionspolitik voraus, die als Motor zur Förderung amerikanischer Intressen beim Wachstum der
Weltwirtschaft dienen und gleichzeitig unsere eigene
wirtschaftliche Stärke fördern soll.
Wichtiger Bestandteil dieser Bestrebungen in den
vergangenen vier Jahren war unsere Entschlossen-

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�heit, einen erfolgreichen Abschluß der Uruguay-Runde von Handelsgesprächen zu verfolgen. Wir sind
auch weiterhin der Ansicht, daß die Uruguay-Runde
tiefgreifende politische und wirtschaftliche Implikationen für die Gestaltung der Welt im nächsten Jahrhundert in sich birgt. Ein erfolgreicher Abschluß der Runde
ist unabdingbar für das Wirtschaftswachstum und die
Stabilität der aufstrebenden Demokratien in Osteuropa und für die große Bandbreite der Entwicklungsländer, die letztlich von der Expansion des Welthandels
als dem wichtigsten Faktor zur Schaffung von Arbeitsplätzen und dauerhaftem Wirtschaftswachstum - nicht
der Entwicklungshilfe - abhängen.
Auf unserem Kontinent stellt die Initiative des Präsidenten zur Förderung der Privatwirtschaft in allen
Ländern Amerikas eine umfassende Anstrengung zur
Förderung von Wirtschaftswachstum und Stabilität in
der Region dar, indem sie freien Handel und Investitionen - die wichtigsten Triebfedern des Wachstums - mit
Schuldenabbau und Umweltinitiativen kombiniert.
Als wesentlichen Schritt zu dem letztlichen Ziel des
freien Handels auf dem Kontinent beabsichtigt die
Regierung, eine nordamerikanische Freihandelszone
mit Mexiko und Kanada zu gründen, die unserer
Überzeugung nach allen drei Ländern wichtige wirtschaftliche Vorteile bringen wird. Seit der Ankündigung des Präsidenten im Juni vergangenen Jahres,
ein Freihandelsabkommen mit Mexiko anzustreben,
stehen wir in umfangreichen Konsultationen mit dem
Kongreß und dem Privatsektor. Kanadas Beteiligung
an diesen Gesprächen wird eine Freihandelszone im
größten Markt der Welt schaffen, mit einem Handelsvolumen von über 6 Billionen Dollar und mehr als 350
Millionen Verbrauchern. Die sich daraus ergebende
Belebung der Exporte und die Eröffnung neuer Handelsmöglichkeiten wird als wichtiger Motor für die
Schaffung von Wachstum und Arbeitsplätzen fungieren.
In der Zwischenzeit haben die Vereinigten Staaten
aktiv mit ihren asiatischen Partnern im Wirtschaftsverband für Asien und den Pazifik (Asian Pacific Economic Cooperation - APEC) zusammengearbeitet, um
marktorientierte Zusammenarbeit unter den Mitgliedstaaten zu fördern.
Unser Programm für einen Bilateralen Investitionsvertrag war ein wichtiger Motor, mit dem ein offenes und
liberales Investitionsklima für amerikanische Investoren und Exporteure gewährleistet werden konnte. Im
letzten Jahr haben wir Verhandlungen mit Polen und
der Tschechoslowakei abgeschlossen, und gegenwärtig verhandeln wir mit neun anderen Ländern, die
Programme zur Umstrukturierung der Wirtschaft in die
Wege leiten.
Schließlich stellt sich den Vereinigten Staaten die
Herausforderung, im Rahmen eines Budgets für das
Außenministerium, das einen aktiven Ansatz zu den
diplomatischen Herausforderungen einer sich wan-

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delnden Welt darstellt, eine energische Diplomatie zu
betreiben. Ich möchte nochmals die Notwendigkeit
finanzieller Flexibilität hervorheben, insbesondere da
sie unsere Fähigkeit betrifft, Mittel innerhalb unserer
sehr angespannten Haushaltslage im Außenministerium zu transferieren.
Bilaterale Hilfe
Bilaterale militärische und wirtschaftliche Hilfe wird ein
wichtiges Instrument bei der Förderung amerikanischer Interessen in den neunziger Jahren sein, aber
nur wenn die notwendige Flexibilität aufgebracht werden kann, um den sich abzeichnenden Bedürfnissen
gerecht zu werden. Kein anderes uns zur Verfügung
stehendes Mittel ist so geeignet, um unseren Freunden und Verbündeten auf der ganzen Welt zur rechten
Zeit Beistand zu leiten. Unser Interesse an politischem
Pluralismus, marktorientierter Wirtschaftsentwicklung,
Frieden und Stärkung von Bündnissen - all dies kann
durch den vernünftigen Umgang mit den Mitteln für
bilaterale Hilfe gefördert werden.
Für das Haushaltsjahr 1992 beantragen wir eine Ausgabeermächtigung für bilaterale Hilfsprogramme von
insgesamt 13,1 Milliarden Dollar. Das bedeutet eine
6,5prozentige Steigerung gegenüber den für das
Haushaltsjahr 1991 vom Kongreß bewilligten 12,3
Milliarden Dollar. Unser Antrag enthält im einzelnen
folgende Punkte:
4,6 Milliarden Dollar für Rüstungsgeschäfte auf Kreditbasis, wobei das Programm einen Gesamtumfang von
4,9 Milliarden Dollar anstrebt,
3.2 Milliarden für den Wirtschaftshilfefonds, verglichen
mit bisher 3,1 Milliarden Dollar,
1.3 Milliarden Dollar Entwicklungshilfe, ebensoviel wie
im vergangenen Jahr,
800 Millionen Dollar für den Afrikanischen Entwicklungsfonds,
400 Millionen Dollar für Mittel- und Osteuropa, eine
leichte Steigerung gegenüber der Bewilligung im
Haushaltsjahr 1991,
160 Millionen Dollar für die Initiative multilateraler Hilfe
für die Philippinen,
1,3 Milliarden Dollar für bilaterale Nahrungsmittelhilfe
(PL-480) zur Förderung der Exporte von 5,9 Millionen
Tonnen US-amerikanischer Waren,
171 Millionen Dollar für die Drogenbekämpfung plus
zusätzlicher Hilfe für bessere Sicherheit zur Förderung
dieser Bestrebungen.
Multilaterale Hilfe
Für die multilateralen Entwicklungsbanken beantragen wir für das Haushaltsjahr 1992 eine Ausgabeermächtigung von 1,7 Milliarden Dollar, verglichen mit
1,6 Milliarden Dollar im Haushaltsjahr 1991. Dies
umfaßt 1,1 Milliarden Dollar zur Finanzierung der Inter-

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�nationalen Entwicklungsorganisation, zinsverbilligte
Kredite der Weltbank, um den ärmsten Ländern der
Welt vorrangig zu helfen und eine vollständige Finanzierung der Europäischen Bank für Wiederaufbau und
Entwicklung und anderer regionaler Entwicklungsbanken.
Unsere Vorlage für das Haushaltsjahr 1992 umfaßt
darüber hinaus eine Ausgabeermächtigung in Höhe
von 12,2 Milliarden Dollar für die vorgeschlagene
Erhöhung des Anteils der Vereinigten Staaten am
Internationalen Währungsfonds, wie ihn das Haushaltsgesetz vorsieht. Damit soll gewährleistet werden,
daß der IWF über die erforderlichen Mittel verfügt, um
seinen Verpflichtungen als wichtigster Finanzinstitution der Welt nachzukommen. In der dritten Welt
unterstützen IWF-Maßnahmen eine marktorientierte
Anpassung und fördern den Schuldenabbau gemäß
dem Brady-Plan. Der IWF hat darüber hinaus die
Wirtschaftsreform in Osteuropa angeführt und energisch reagiert, um den Ländern zu helfen, die von der
Krise am Persischen Golf ernsthaft betroffen sind.
Ferner fordern wir 250 Millionen Dollar für freiwillige
Beiträge zu internationalen Organisation wie dem
Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (115
Millionen) und UNICEF (55 Millionen Dollar).
Flüchtlingshilfeprogramme
Die Vereinigten Staaten spielen weiterhin eine Vorreiterrolle bei der Lösung des Problems der Flüchtlinge
auf der Welt - durch unsere internationale Hilfe und
nationale Umsiedlungsprogramme sowie mittels diplomatischer Bestrebungen, mit denen eine dauerhafte
Lösung für die Flüchtlinge gefunden werden soll.
Für das Haushaltsjahr 1992 fordern wir 491 Millionen
Dollar für Auswanderungs- und Flüchtlingshilfe, verglichen mit 486 Millionen Dollar im Haushaltsjahr 1991.
Für unsere Flüchtlingshilfeprogramme im Ausland
beantragen wir 233 Millionen Dollar im Haushaltsjahr
1992, gegenüber dem Haushaltsjahr 1991 eine Steigerung von 20 Millionen Dollar. Diese Programme
werden weiterhin ihren Schwerpunkt bei der Überlebenshilfe für die schwächsten Bevölkerungsgruppen
setzen und dauerhafte Lösungen unterstützen, indem
Möglichkeiten freiwilliger Rückführung und lokaler Integration unterstützt werden.
Zur Finanzierung der Aufnahme und Umsiedlung von
Flüchtlingen beantragen wir im Haushaltsjahr 1992
192 Millionen Dollar. Damit werden die Ausgaben für
schätzungsweise 120 000 Flüchtlinge - derselben Zahl
wie im vergangenen Jahr - gedeckt. Die meisten
Flüchtlinge kommen aus der Sowjetunion und Vietnam, aber auch aus Osteuropa, Afrika, Lateinamerika
und dem Nahen Osten werden Flüchtlinge aufgenommen. Familienzusammenführungen werden weiterhin
ebenso hohe Priorität haben wie die Umsiedlung verfolgter religiöser Minderheiten und ehemaliger politischer Gefangener.

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Darüber hinaus fordern wir 20 Millionen Dollar zur
Auffüllung des vom Präsidenten ins Leben gerufenen
Nothilfefonds für Auswanderer und Flüchtlinge, damit
wir weltweit auf unvorhergesehene Auswanderungsund Flüchtlingsprobleme reagieren können.
Ein weiterer wichtiger Bestandteil unserer Vorlage zur
internationalen Entwicklungshilfe ist die Forderung
nach 200 Millionen Dollar zur Deckung der laufenden
Kosten des Peace Corps.
Investitionen in die Diplomatie
Die Golfkrise liefert ein anschauliches Beispiel für die
"Vorreiterrolle" des Außenministeriums beim Schutz
amerikanischer Bürger und der Verteidigung amerikanischer Interessen im Ausland. Dies ist eine zunehmend teure Verpflichtung, die noch durch die Anforderungen an das Ministerium verstärkt wird, seine Arbeit
zu erweitern, um neuen politischen und wirtschaftlichen Gegebenheiten auf der ganzen Welt gerecht zu
werden. Fluktuationen bei den Wechselkursen, höhere Inflationsraten im Ausland und die anhaltende Notwendigkeit zur Verbesserung der Sicherheit unserer
Vertretungen und Mitarbeiter im Ausland tragen zur
weiteren Verschärfung des Problems bei. Heute sehen
wir uns mit einer potentiellen und beunruhigenden
Schwächung der Infrastruktur unseres auswärtigen
Dienstes konfrontiert und dies zu einer Zeit, in der wir
aufgefordert sind, außergewöhnlichen und neuen
Herausforderungen gerecht zu werden.
Seit Januar 1989 messen wir unserer verbesserten
Fähigkeit zum Umgang mit knappen Mitteln größere
Priorität bei:
Um die nationalen Interessen bessermitden verfügbaren Ressourcen in Einklang zu bringen, unternehmen
wir Schritte zur besseren Integration von politischer
Planung und Haushaltsprozeß.
Zur verbesserten Leitung der Mitarbeiter im auswärtigen Dienst führen wir erstmals wichtige Vorschläge
der Bremer- und der Thomas-Kommission durch.
Um Personal und finanzielle Mittel einzusparen, haben
wir ein neues Zentrum ins Rosslyn (Virginia) gegründet, in dem Tausende von Asylanträgen aus der
Sowjetunion bearbeitet werden. Dies soll Modellcharakter für künftige Anforderungen im konsularischen
Bereich haben.
Zur Erhaltung unserer Immobilien im Ausland haben
wir einen professionellen Verwaltungsapparat errichtet und die Durchführung eines Fünfjahresplans in die
Wege geleitet, der Neubauten, Wiederaufbau, Reparatur und Wartung vorsieht.
Um die Rentabilität unserer Sicherheitsbestrebungen
zu fördern, haben wir Reformen auf den Weg gebracht,
die unsere weitreichenden Bestrebungen in über 250
Vertretungen im Ausland länderspezifischen Bedrohungsprofilen anpassen.

Seite 11

�Für die Gehälter und Ausgaben des Außenministeriums beantragen wir eine Ausgabeermächtigung von
2 Milliarden Dollar im Haushaltsjahr 1992, was gegenüber dem laufenden Haushaltsjahr eine Steigerung
von 179 Millionen Dollar darstellt. Dies ist das Minimum der von uns benötigten Mittel zur Finanzierung
unserer Operationen im In- und Ausland: über zwei
Drittel des Zuwachses ergeben sich aus Preissteigerungen und veränderten Wechselkursen. Der Rest
wird zur Unterstützung bestimmter notwendiger Finanzierungen eingesetzt:

Hinwendung zu Reformen in Haushalt und Verwaltung
bei den Vereinten Nationen und ihren Unterorganisationen bekanntgeben zu können. Niemand, der Zeuge
der Reaktion des UN-Sicherheitsrats auf die jüngsten
Ereignisse am Persischen Golf geworden ist, könnte
die Bedeutung einer finanziell stabilen UNO für die
Interessen der Vereinigten Staaten leugnen.
Wir engagieren uns auch weiterhin für die vollständige
Finanzierung der gesetzlich vorgesehenen amerikanischen Beiträge und unserer Zahlungsrückstände aus
dem vergangenen Jahr über die nächsten vier Jahren
hinweg. Wir begrüßen die im Haushaltsjahr 1991
erhaltene vollständige Finanzierung, die eine Anschubfinanzierung für den notwendigen Prozeß der Abzahlung von Rückständen beinhaltete. Für das Haushaltsjahr 1992 beantragen wir eine Ausgabeermächtigung
von 750 Millionen Dollar, um unsere gegenwärtigen
Beiträge an internationale Organisationen zahlen zu
können, plus zusätzliche 371 Millionen für die Abzahlung von Rückständen, die in den kommenden vier
Jahren erfolgen soll. Für internationale Aktivitäten zur
Bewahrung des Friedens fordern wir 69 Millionen
Dollar, um unseren finanziellen Verpflichtungen gerecht zu werden, plus 132 Millionen für die Zahlungsrückstände.

Erweiterung unserer diplomatischen Präsenz in der
Sowjetunion und Osteuropa (25 Millionen Dollar),
Reaktion auf zunehmenden Bedarf bei der Bearbeitung von Einwanderungsanträgen aufgrund der Verabschiedung des Einwanderungsgesetzes von 1990
(24 Millionen Dollar),
Stärkung unserer Informations- und Finanzsysteme
durch Verbesserung der Infrastruktur (13,5 Millionen
Dollar),
Für Bautätigkeit im Ausland haben wir für das Haushaltsjahr 1992 Mittel im Umfang von 570 Millionen
Dollar gefordert. Von dieser Gesamtsumme sind 440
Millionen Dollar die erste Rate eines Fünfjahresplans
im Umfang von 2,3 Milliarden Dollar, mit dem das Außenministerium die vordringlichsten Umbauarbeiten finanzieren will, unter anderem in den Botschaften in
Bangkok und Bogota. Unser Ziel besteht darin, die Sicherheit und den Betrieb unseres alternden, aber wertvollen Bestands an Einrichtungen im Ausland aufrechtzuerhalten.

Öffentlichkeitsarbeit
Die Öffentlichkeitsarbeit wird eines unserer wichtigsten Instrumente bei unserem Versuch sein, die weltweite Bewegung zu Demokratie und politischem Pluralismus zu fördern. Für die wertvolle Arbeit des USInformationsamts und der Internationalen Rundfunkbehörde fordern wir für das Haushaltsjahr 1992 1,3
Milliarden Dollar und damit etwas mehr als im Vorjahr.
Innerhalb dieses Rahmens wird ein neuer Schwerpunkt auf Information und Kulturprogrammen in Osteuropa, der Sowjetunion und der Islamischen Welt
liegen.

Darüber hinaus beantragen wir 130 Millionen Dollar
zur Finanzierung des Projeks der Botschaft in Moskau.
Es ist unabdingbar, daß wir jetzt eine Entscheidung für
ein neues Gebäude treffen, so daß wir sobald wie
möglich die Arbeit in einem angemessenen und sicheren Umfeld aufnehmen können.

Schlußbemerkung

Beiträge an internationale Organisationen

Herr Vorsitzender, ich danke Ihnen. Wir freuen uns auf
die Zusammenarbeit mit Ihnen und den Mitgliedern
dieses Ausschusses in den kommenden Monaten, um
die erforderlichen Ressourcen zur Durchführung unseres ehrgeizigen außenpolitischen Programms zu
mobilisieren.

Der Präsident hat die Notwendigkeit der Wiederherstellung finanzieller Lebensfähigkeit der Vereinten
Nationen und anderer internationaler Organisationen

betont. Nach mehrjährigen Bemühungen des Kongresses und der Regierung freuen wir uns, eine starke

ifc *

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-k

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�GOLFKRIEG
13. Februar 1991

DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse im Januar 1991
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend führen wir die Chronologie der Ereignisse am Golf für Januar 1991 fort. Der
Teil vom 1. bis 15. Januar 1991 wurde um wesentliche Passagen ergänzt.

2. Januar
Berichten zufolge treffen sich 16 Faktionen der irakischen Opposition in Beirut. Sie veröffentlichen eine
Erklärung, in der die Notwendigkeit zur Beendigung
von Präsident Saddam Husseins Herrschaft, die Aufhebung ungerechter Gesetze, ein Ende der Diskriminierung und die Bildung einer Koalitionsregierung
gefordert wird. Sie bekräftigen die Notwendigkeit
bürgerlicher Freiheiten sowie, dem Willen der Mehrheit
entsprechend, die Genehmigung politischer Aktivitäten und parlamentarischer Verfahrensweisen.
Auf Bitten der Türkei um Beistand bei der Abschrekkung einer Bedrohung durch den Irak gestattet der
Verteidigungsplanungsausschuß der NATO die Stationierung von Flugzeugen aus Belgien, Deutschland
und Italien im Südwesten der Türkei.
3. Januar
Präsident Bush erklärt seine Bereitschaft, Außenminister Baker zu Gesprächen mit dem irakischen Außenminister Tarik Asis nach Genf zu entsenden.
Die London Press Association berichtet, daß die britische Regierung 75 Iraker aus Großbritannien ausweist, unter ihnen sieben Diplomaten. Ein Sprecher
des Außenministeriums erklärt, es sei "nur vernünftig,
alle Vorkehrungen zu treffen".
Die Außenminister Pakistans, des Iran und der Türkei
fordern auf ihrem eintägigen Treffen in Islamabad den
vollständigen Abzug irakischer Truppen aus Kuwait
und die uneingeschränkte Wiederherstellung der
Unabhängigkeit und Souveränität Kuwaits im Einklang
mit den Resolutionen des UN-Sicherheitrats und der
Erklärung der Organisation der Islamischen Konferenz. Die Minister fordern den Generalsekretär der

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OIC auf, alles in seiner Macht Stehende zu tun und im
Rahmen dessen eine Dringlichkeitssitzung einzuberufen, um die Golfkrise zu einer friedlichen Lösung zu
führen.
4. Januar
Der Irak erklärt, Außenminister Tarik Asisam 9. Januar
zu Gesprächen mit Außenminister Baker nach Genf zu
entsenden.
5. Januar
In einer landesweit ausgestrahlten Fernsehansprache
erklärt Präsident Bush, daß Außenminister Baker bei
dem Treffen mit seinem irakischen Kollegen in Genf
"eine persönliche Botschaft an Saddam Husein übergeben will - sich bedingungslos und unverzüglich aus
Kuwait zurückzuziehen oder die schrecklichen Konsequenzen tragen zu müssen".
7. Januar
Der portugiesische Premierminister Cavaco Silva
bekräftigt bei einem Treffen mit den Oppositionsführern Portugals seine Unterstützung für die UNO-Resolutionen und Aktivitäten der Koalition am Golf und "ist
bereit, seinen Beitrag zu den Bestrebungen der Verbündeten zu erhöhen".
Der norwegische Au ßenminister Thorwald Soltenberg
erklärt, die fünf nordischen Länder engagierten sich
politisch, finanziell und praktisch, um den Vereinten
Nationen bei der Entwicklung eines langfristigen Sicherheitsarrangements im Nahen Osten zu helfen.
Zur Gewährleistung des irakischen Abzugs und Förderung der Stabilität bieten die nordischen Länder Friedenstruppen und Beobachter unter der UN-Flagge an.

Seite 1

�8. Januar
Beim Eintreffen der Außenminister Baker und Asis in
Genf bezeichnet Präsident Bush in einer Fernsehansprache Bakers Mission als "vielleicht die letzte Chance" zur friedlichen Lösung des Konflikts. Auf dem Weg
nach Genf trifft Baker die Verbündeten in Frankreich,
Deutschland und Italien.
Präsident Bush fordert den US-Kongreß auf, eine
Resolution zu verabschieden, derzufolge "er den Einsatz aller erforderlichen Mittel zur Durchführung der
Resolution 678 des UN-Sicherheitrats unterstützt". In
einem Brief an die führenden Politiker im Kongreß
erklärt Bush, eine solche Resolution "würde die allerdeutlichste Botschaft an Saddam Hussein übermitteln,
daß er sich bedingungslos und unverzüglich aus Kuwait
zurückziehen muß".
Der Vorsitzendes des Streitkräfteausschusses im
Repräsentantenhaus, Les Aspin (Demokrat aus Wisconsin), veröffentlicht ein drittes "Weißbuch" zur Golfkrise, demzufolge eine militärische Offensive eine
"vernünftige Option" darstellt, wenn diplomatische
Bestrebungen den Irak nicht aus Kuwait vertreiben
können.
Bei einem Besuch britischer Truppen in Saudi-Arabien
schließt der britische Premierminister John Major eine
nukleare Antwort auf einen irakischen Angriff mit
chemischen Waffen aus. "Wir verfügen über zahlreiche andere Waffen", so Major.
Der belgische Außenminister Mark Eyskens erklärt in
einem Interview in Brüssel, der Einsatz von Gewalt zur
Vertreibung des Irak aus Kuwait könne mit einem
gelockerten Handelsembargo, denWetterbedingungen
und der Zerbrechlichkeit des westlichen Bündnisses
gerechtfertigt werden. Ein langfristiges Embargo, so
Eyskens, könne Länder wie Ägypten, Jordanien und
die Türkei hart treffen und destabilisieren.
Der Staatschef von Niger, Ali Saibou, trifft sich in Riad
mit König Fahd von Saudi-Arabien zur Erörterung der
Golfkrise. Saibou erklärt, Niger habe Verständnis für
König Fahds Position und unterstütze ihn bei der
Bewahrung von Frieden und Stabilität in der Region.
Niger hat ein 481 Mann starkes Bataillon zur Verteidigung Saudi-Arabiens gegen die irakische Aggression
in die Region entsandt.
9. Januar
Außenminister Baker und sein irakischer Amtskollege
Tarik Asis führen in Genf secheinhalbstündige Gespräche. Bei einer Pressekonferenz im Anschluß an
das Treffen erklärt Baker: "Bedauerlicherweise habe
ich nichts vernommen, das auf Flexibilität seitens des
Irak im Hinblick auf die Einhaltung der Resolutionen
des UN-Sicherheitsrats hindeutet." Darüber hinaus
weigere sich Tarik Asis, einen Brief von Präsident
Bush an den irakischen Präsidenten Saddam Hussein
entgegenzunehmen.
Seite 2

In Bagdad erklärt Saddam Hussein bei einer Sitzung
der Baath-Partei, "Sie (die Amerikaner) werden in
ihrem Blut baden", wenn ein Krieg ausbricht.
Bei einer Pressekonferenz stellt Präsident Bush fest,
obwohl er "entmutigt" über das Ergebnis der Gespräche sei, werde er "weiterhin versuchen, Saddam Hussein
entgegenzukommen". "Wir werden um des Friedens
willen noch einen Schritt weitergehen. Wenn Saddam
Hussein jedoch nichts unternimmt, wird die UNOResolution 678 vollständig Anwendung finden."
UNO-Generalsekretär Javier Perez de Cuellar gibt
seine Reise nach Bagdad zu Gesprächen mit dem
irakischen Präsidenten Saddam Hussein bekannt.
Der jamaikanische Premierminister Manley erklärt in
einer im Fernsehen übertragenen Rede vor dem Parlament, Jamaika und andere in der Karibischen Gemeinschaft und dem Gemeinsamen Markt (CARICOM) zusammengeschlossene Staaten hätten die
UNO-Resolutionen zur irakischen Invasion in Kuwait
stets uneingeschränkt unterstützt und würden dies
auch in Zukunft tun.
10. Januar
Das amerikanische Außenministerium verkündet, daß
die amerikanischen Diplomaten und der Geschäftsträger Joseph Wilson Bagdad am 12. Januar an Bord
eines Charterflugzeugs verlassen werden. Die Vereinigten Staaten geben ferner den weiteren Abbau der
offiziellen amerikanischen Präsenz im Jemen bekannt
und weisen amerikanische Staatsbürger an, nicht
zwingend erforderliche Reisen nach Algerien, Marokko und Tunesien aufgrund der "unsicheren Lage in der
Region wegen der Nichteinhaltung der UNO-Resolutionen durch den Irak" aufzuschieben.
Das dänische Folketing verabschiedet einstimmig eine
Resolution mit der Forderung nach dem vollständigen
Abzug des Irak aus Kuwait und der uneingeschränkten
Unterstützung für die Schlichtungsversuche des UNOGeneralsekretärs Perez de Cuellar.
Der Gouverneur einer Provinz im Südosten der Türkei,
Hayri Kozakcioglu, erklärt, über 300 irakische Soldaten und Zivilisten seien in den vergangenen Tagen in
die Türkei geflohen. Die Deserteure seien unbewaffnet gewesen. Sollten noch mehr Flüchtlinge kommen,
so Kozakcioglu, sei die Türkei bereit, die notwendigen
Schritte zu ihrer Versorgung und zum Schutz von
Leben und Besitz der Bevölkerung in den östlichen und
südöstlichen Regionen der Türkei bei Ausbruch des
Krieges zu unternehmen.
11. Januar
Nach neunstündiger Debatte gibt das niederländische
Parlament seine Zustimmung zur Kabinettsentscheidung, niederländische Fregatten im Falle eines Krieges
in den Golf zu entsenden.

AMERIKA DIENST 6

�John de Chastelaine, General im kanadischen Verteidigungsstab, befiehlt die Entsendung von sechs zusätzlichen CF-18-Flugzeugen und einem Boeing 707Tankflugzeug an den Golf, um die Luftsicherung der
Marineeinheiten zu gewährleisten.
Beide Häuser des indischen Parlaments verabschieden einstimmig gleichlautende Resolutionen, die alle
an der Golfkrise beteiligten Parteien auffordern, einen
Krieg zu verhüten und entschiedene Anstrengungen
zu unternehmen, durch Dialoge unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen oder in anderer Form
eine friedliche Lösung anzustreben.
12. Januar
Mit 250 zu 183 Stimmen im Repräsentantenhaus und
52 zu 47 Stimmen im Senat verabschiedet der amerikanische Kongreß eine gemeinsame Resolution, mit
der Präsident Bush die Befugnis zum Einsatz amerikanischer Streitkräfte erteilt wird, um die irakischen Truppen aus dem besetzten Kuwait zu vertreiben und die
Einhaltung der UNO-Resolutionen zu erzwingen. Nach
der Abstimmung lädt der republikanische Minderheitsführer im Senat Robert Dole aus Kansas den irakischen Botschafter Mohamed al-Mashat in sein Büro zu
einem Treffen mit 10 Senatoren beider Parteien ein,
die erklären, ihre Abstimmung sei ein Versuch in letzter
Minute gewesen, einen Krieg durch den Abzug irakischer Streitkräfte aus Kuwait zu vermeiden. Der
Botschafter erklärt, er werde die Botschaft nach Bagdad weiterleiten.
Präsident Bush zufolge ist die Abstimmung des Kongresses das "deutlichste Signal an den Irak, daß er das
Ultimatum vom 15. Januar nicht ignorieren kann".
Bush fügt hinzu, wenn der Irak nicht aus Kuwait
abziehe, werde ein Agriff "eher früher als später"
edolgen.
Das Weiße Haus veröffentlicht den Wortlaut von Präsident Bushs Brief an den irakischen Präsidenten
Saddam Hussein vom 5. Januar, in dem unter anderem erklärt wird, "dies ist ein Krieg, der nur durch die
vollständige und bedingungslose Einhaltung der Resolution 678 des UN-Sicherheitsrats durch den Irak
beendet werden kann. Wir bevorzugen eine friedliche
Lösung... Alles andere als die vollständige Einhaltung
der Resolution 678 des UN-Sicherheitsrats und der
vorausgegangenen Resolutionen ist unannehmbar."
Der stellvertretende Abteilungsleiter im US-Außenministerium Jock Covey fordert den irakischen Botschafter al-Mashat auf, das Botschaftspersonal auf ingesamt 4 Personen einschließlich des Botschafters zu
reduzieren. Das übrige Botschaftspersonal muß die
Vereinigten Staaten bis zum 15. Januar null Uhr verlassen haben.

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13. Januar
UN-Generalsekretär Javier Perez de Cuellar trifft mit
Saddam Hussein zu Gesprächen zusammen, die weithin
als letzte Chance zur Abwendung eines Krieges betrachtet werden. Perez de Cuellar erklärt nach dem
dreieinhalbstündigen Meinungsaustausch, er könne
keinen Fortschritt dabei feststellen, den Irak bis zum
Ablauf des Ultimatums am 15. Januar zum Abzug aus
Kuwait zu bewegen.
Verteidigungsminister Cheney erklärt in einem Fernsehinterview, der Zweck eines Einsatzes von Gewalt
in der Golfkrise sei die "Befreiung Kuwaits", fügt
jedoch hinzu, es werde "für die irakischen Streitkräfte
keinen Zufluchtsort im Irak" geben.
In einem Gespräch mit Außenminister Baker in Kairo
deutet der ägyptische Präsident Hosni Mubarak die
Bereitschaft seines Landes an, gegebenenfalls an
offensiven Aktionen gegen den Irak teilzunehmen. Der
saudische König Fahd war zuvor bereits dieselbe
Verpflichtung eingegangen.
14. Januar
Die 250 Abgeordneten der irakischen Nationalversammlung stimmen per Akklamation für einen Krieg,
anstatt sich den Forderungen der Vereinten Nationen
nach einem Rückzug aus Kuwait zu beugen. Die
Abgeordneten erheben sich von ihren Plätzen und
rufen "lang lebe Saddam" und rezitieren Verse aus
dem Koran, in denen das Märtyrertum in der Schlacht
gepriesen wird.
Die zwölf Außenminister der Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaft (Belgien, Dänemark, Deutschland, Griechenland, Großbritannien, Irland, Italien,
Luxemburg, Niederlande, Portugal und Spanien) beschließen einstimmig, keine Friedensmission in letzter
Minute nach Bagdad zu entsenden. Sie verständigen
sich darauf, keine Einzelinitiativen zu ermutigen.
Bei seiner Rückkehr nach New York bekräftigt UNGeneralsekretär Javier Perez de Cuellar, ihm sei "von
der irakischen Regierung nichts angeboten worden,
was ich als Schritt zum Frieden betrachten kann. Was
mich betrifft, so habe ich getan, was ich tun muß - ich
weiß nicht, ob andere etwas tun werden, aber es
scheint mir, daß es vielleicht ein wenig zu spät ist, um
noch weitere Friedensbemühungen zu starten." Bei
einer Zwischenlandung in Paris hatte Perez de Cuellar
erklärt, er habe mit Präsident Mitterrand, dem britischen Premierminister Major, dem luxemburgischen
Außenminister Jacques Poss, der gegenwärtig den
Vorsitz in der EG führt, sowie den Botschaftern der
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion gesprochen.
Mitterrand habe dabei keine Alternativen angeboten.

Seite 3

�Der Genern Isnkretär der Organisation der Islamischen
Konferenz. I lamid Algabid, erneuert von Jeddah aus
den Appell an den irakischen Führer, den Geboten des
Islam 711 folgen und den Krieg zu vermeiden.

Der amtierende Oberrichter von Bangladesch, Shahabuddin Ahmed, appelliert an den irakischen Präsidenten Saddam Hussein, seine Truppen aus Kuwait abzuziehen.

Der Jemen als einziges arabisches Mitglied des Sicherheitsrats schlägt in den arabischen Hauptstädten
einen Sechs-Punkte-Friedensplan vor, der jedoch bei
den Vereinten Nationen nicht weiterverfolgt wird.

Die Türkei entscheidet sich zur "vorübergehenden
Schließung" ihrer Botschaft in Bagdad. Der Botschafter kehrt zusammen mit 20 Botschaftsangehörigen in
die Türkei zurück.

Französische Diplomaten legen eine Friedensinitiative
vor, die den Abzug des Irak aus Kuwait fordert und
Garantien enthält, daß der Irak nach dem Abzug nicht
angegriffen würde. UN-Streitkräfte würden zur Aufrechterhaltung des Friedens eingesetzt. Angeblich
soll der UN-Sicherheitsrat nach der Einigung über
einen Zeitplan fürden Rückzug einen "aktiven Beitrag"
zur Lösung anderer Nahostprobleme leisten, darunter
die Einberufung einer internationalen Friedenskonferenz "zum geeigneten Zeitpunkt".

In Wien beruft der geschäftsführende österreichische
Außenminister Franz Löschnak den irakischen und
sowjetischen Botschafter zu sich. Nach einer Sondersitzung zur Erörterung der Golfkrise fordert das österreichische Kabinett eine friedliche Lösung der Golfkrise im Einklang mit "den Resolutionen der internationalen Staatengemeinschaft".
Bundeskanzler Franz
Vranitzky gibt bekannt, daß das Rote Kreuz ein
30köpfiges medizinisches Versorgungsteam an den
Golf entsenden wird.

Der amerikanische UNO-Botschafter Thomas Pickering lehnt den französischen Vorschlag ab, weil die
Vereinigten Staaten "keine Schritte unterstützen, die
ein künstliches Junktim schaffen" oder den zwölf bereis verabschiedeten UNO-Resolutionen zuwiderlaufen.

Einem Sprecher des türkischen Außenministeriums
zufolge schließt der Irak den Grenzübergang Habur.
Er fügt hinzu, an der türkischen Grenze seien alle
erforderlichen Maßnahmen für diejenigen getroffen
worden, die den Irak verlassen wollen. Die diplomatischen Beziehungen zwischen der Türkei und dem Irak
bestünden jedoch weiterhin fort, so der Sprecher.

Der Exekutivausschuß der Weltgesundheitsorganisation lehnt mit 11 zu 3 Stimmen bei 8 Enthaltungen
einen vom Irak beantragten Tagesordnungspunkt ab,
der eine Diskussion über das UN-Embargo auf Medikamente, Impfstoffe und Nahrungsmittel für Menschen
in Notlagen vorsieht. Die WHO erklärt, es genüge ihr,
daß der UN-Sicherheitsrat mit seinen 12 Resolutionen
zur Golfkrise die notwendigen Schritte unternommen
habe, um den irakischen Bedarf an medizinischen
Gütern zu berücksichtigen. Sie stellt darüber hinaus
fest, dem Irak sei mitgeteilt worden, er könne die von
ihm angeforderten medizinischen Güter, Milch und
Säuglingsnahrung bei Erstattung der Kosten von der
WHO beziehen. Der Irak habe die WHO jedoch nicht
gebeten, dies zu tun.
Nach seinen Gesprächen mit dem irakischen Präsidenten Saddam Hussein erklärt UNO-Generalsekretär Perez de Cuellar den Ministem der Europäischen
Gemeinschaft bei einem Zwischenstopp in Paris am
Vormittag des 14. Januar, von irakischer Seite habe er
außer massiver Kritik am UN-Sicherheitsrat wegen
seiner Verurteilung des Irak nichts vernommen. Auf
die Frage, ob eine europäische Intervention, Initiative
oder Mission in Bagdad sich noch lohne, antwortet
Perez de Cuellar, das derzeitige Klima sei für solch
eine Initiative "nicht geeignet".
Der Generalsekretär der Organisation für Afrikanische
Einheit, Ahmed Salim, fordert in einem Fernsehinterview den bedingungslosen Abzug der irakischen Truppen aus Kuwait und eine friedliche Lösung der Golfkrise.

Seite 4

15.Januar
Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Perez de
Cuellar, fordert den irakischen Präsidenten Saddam
Hussein in einem letzten Appell auf, "den Lauf der
Ereignisse von einer Katastrophe abzuwenden". Am
Vorabend des Ablaufs der von den Vereinten Nationen
fürden irakischen Rückzug aus Kuwait gesetzten Frist
drängt Perez de Cuellar den Irak, "unverzüglich mit
dem vollständigen Abzug aus Kuwait zu beginnen".
Der deutsche Bundestag verabschiedet eine Resolution zum Golf mit dem Inhalt, daß alle bisherigen
Versuche zur friedlichen Beilegung der Krise aufgrund
der unerbittlichen Weigerung der irakischen Führung
gescheitert seien, die unrechtmäßige Annexion Kuwaits zu beenden. Die Resolution fordert die irakische
Führung auf, die Resolutionen des UN-Sicherheitsrats
unverzüglich zu befolgen, die irakischen Streitkräfte
aus Kuwait abzuziehen und den Weg für eine friedliche
Lösung der Golfkrise zu ebnen.
In einem Zeitungsinterview erklärt der italienische
Premierminister Giulio Andreotti, "es muß betont werden,
daß es sich um einen Disput zwischen dem Irak und
den Vereinten Nationen handelt, nicht zwischen dem
Irak und den Vereinigten Staaten".
Der französische Premierminister Michel Rocas beschuldigt Bagdad, alle Gesprächsangebote abzulehnen und erklärt, es sei nun an der Zeit, den Irak mit
Gewalt aus Kuwait zu vertreiben. "Nachdem wir alles
in unserer Macht Stehende getan haben, um dies zu

AMERIKA DIENST 6

�verhindern, ist jetzt bedauerlicherweise die Zeit zum
Handeln gekommen", so der Premierminister.
Um Mitternacht veröffentlicht das Weiße Haus eine
Erklärung folgenden Inhalts: "Der 15. Januar war die
Frist für den Abzug des Irak aus Kuwait. Es war keine
Frist für UNO-Aktionen. Die Entscheidung für Frieden
liegt immer noch bei Saddam Hussein."
Der amerikanische UNO-Botschafter Thomas Pickering verleiht Reportern gegenüber seiner Hoffnung
Ausdruck, daß Saddam Hussein positiv auf Generalsekretär Perez de Cuellars Appell zum bedingungslosen Abzug aus Kuwait reagiert und eine Katastrophe
für sein Land abwendet. Kurz vor Inkrafttreten der
UNO-Resolution 678 um Mitternacht erklärt Pickering,
die multinationale Streitmacht der Vereinten Nationen
"darf die notwendigen Schritte ergreifen", um Kuwait
zu befreien. "Das bedeutet nicht, das sie dies tun
muß", fährt er fort und fügt hinzu, die verbündeten
Nationen "werden kollektiv entscheiden", wann "alle
erforderlichen Maßnahmen" ergriffen werden, um den
Irak aus Kuwait zu vertreiben. Zweifelsohne sei jedoch
die "Zeit des guten Willens", um dem Irak eine letzte
Möglichkeit zur Befolgung der UNO-Resolutionen
einzuräumen, abgelaufen, erklärt Pickering.
16. Januar
Die Befreiung Kuwaits beginnt, als die Koalition kuwaitischer, saudischer, amerikanischer, französischer und
britischer Streitkräfte die Operation Wüstensturm mit
massiven Bombenangriffen auf militärische Ziele in
Irak und Kuwait startet. Die multinationale Aktion
konzentriert sich auf militärische Ziele wie Kommunikationssysteme, Flughäfen, Verkehrswege, militärische Einrichtungen sowie Produktionsstätten für nukleare und chemische Waffen.
Die Vereinigten Staaten, Kuwait und Saudi-Arabien
unterrichten den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen offiziell über den Angriff der Verbündeten. Der
amerikanische UNO-Botschafter Pickering erklärt dem
Rat gegenüber, das Ziel sei die Befreiung Kuwaits,
nicht die Zerstörung oder Zerstückelung des Irak, und
daß der "Irak noch immer weitere Zerstörung durch
den bedingungslosen, unverzüglichen und vollständigen Abzug aus Kuwait verhindern kann."
17. Januar
General Norman Schwarzkopf erklärt in Riad 36 Stunden nach Beginn der Operation, die Koalitionsstreitmacht habe 1 200 Lufteinsätze gegen Irak und Kuwait
geflogen. "Wir tun alles in unserer Macht Stehende,
um der unschuldigen Bevölkerung Verletzungen, Leiden oder Zerstörung zu ersparen", so Schwarzkopf.
Er bestätigt ferner, daß der Irak sieben SCUD-BodenBoden-Raketen auf Israel und eine auf Saudi-Arabien
abgeschossen hat. Die mit hochexplosiven konventionellen Gefechtsköpfen bestückten Raketen waren auf

AMERIKA DIENST 6

Wohngebiete, nicht auf militärische Ziele gerichtet.
Schwarzkopf zufolge erzielten die auf Israel abgeschossenen Raketen "unbedeutende Ergebnisse", und
die auf Dharan gerichtete wurde von einer PatriotRakete zertört, bevor sie irgendeinen Schaden anrichten konnte.
18.Januar
Präsident Bush verurteilt den irakischen SCUD-Raketenangriff auf Zivilisten in Saudi-Arabien und Israel und
warnt, kein Nachbarland des Irak sei vor einem irakischen Raketenangriff sicher. Der Präsident verspricht
äu ßerste Anstrengungen bei der Zerstörung irakischer
Raktenstellungen.
Irakische Regierungsvertreter führen gefangengenommene britische und amerikanische Piloten im Fernsehen vor. General Norman Schwarzkopf bestätigt, "mit
an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" würden
mindestens zwei amerikanische Piloten in Bagdad
gefangengehalten. Der repulikanische Senator John
McCain aus Arizona, ein ehemaliger Kriegsgefangener in Vietnam, erklärt, die Aussagen der Gefangenen
seien "offensichtlich unter Druck" gemacht worden.
Großbritannien bittet das Rote Kreuz, das irakische
Vorgehen zu prüfen.
19. Januar
Die Vereinigten Staaten geben die Entsendung von
Patriot-Luftverteidigungseiheiten zur Unterstützung
Israels bei der Verteidigung gegen Raketenangriffe
des Irak bekannt.
Das amerikanische Außenministerium übermittelt dem
irakischen Geschäftsträger Khalid J. Shewayish eine
Verbalnote, in der Bagdad an seine Verpflichtung
gemäß der Genfer Konvention von 1949 erinnert wird,
Gefangene nicht zu mißhandeln. Washington verspricht ferner, "humane und sichere Haftbedingungen
sowie medizinische Versorgung" für gefangengenommene irakische Soldaten bereitzustellen.
21.Januar
Verteidigungsminister Cheney erklärt, der irakische
Plan, gefangengenommene Piloten der Koalitionsstreitmacht als menschliche Schutzschilde zu benutzen, sei eine Verletzung des Völkerrechts und könne
als Kriegsverbrechen eingestuft werden. "Der Irak ist
ein Signatarstaat der Genfer Konvention über die
Behandlung von Gefangenen. Dies würde eine eindeutige Verletzung der Genfer Konvention darstellen.
Es ist in der Tat ein Kriegsverbrechen. Wer einen
solchen Akt begeht, wird dafür zur Rechenschaft
gezogen".
Staatssekretär Robert Kimmet beruft den irakischen
Geschäftsträger zu sich und warnt den Irak, jeder
Versuch, Kriegsgefangene der Koalitionsstreitmacht

Seite 5

�in militärischen Zielen im Irak festzuhalten, sei ein
Kriegsverbrechen und die dafür Verantwortlichen würden
persönlich zur Rechenschaft gezogen und unter Anklage gestellt.
22. Januar
Bei einem Angriff irakischer SCUD-Raketen auf
Wohngebiete in Tel Aviv werden drei Israelis getötet
und 90 verletzt. Das Wei ße Haus verurteilt den Angriff
erneut als einen "brutalen Akt des Terrors".
Die Außenminister der 12 EG-Mitgliedstaaten bringen
bei einem Treffen in Luxemburg ihre tiefe Besorgnis
über die "gewissenlose" Verwendung von Kriegsgefangenen durch den Irak im Golfkrieg zum Ausdruck.
Die Erklärung der EG erfolgt als Reaktion auf die
irakische Ankündigung, die Kriegsgefangenen in die
Nähe militärischer Stützpunkte und anderer potentieller Ziele gegnerischer Aktionen zu bringen.
23. Januar
Das Weiße Haus gibt bekannt, die verbündeten Streitkräfte hätten eine Produktionsstätte für biologische
Waffen getroffen, die vom Irak als Fabrik zur Herstellung von Babynahrung getarnt war.
24. Januar
Die Firma Nestle erklärt, in der von der Koalitionsstreitmacht bombardierten Fabrik in Bagdad sei nie Babynahrung hergestellt worden, obwohl auf Filmen, die bei
einer von den irakischen Behörden für ausländische
Journalisten organisierten Betriebsbesichtigung aufgenommenen wurden, Produkte mit dem Warenzeichen von Guigoz, einer Tochtergesellschaft von Nestle, zu erkennen sind.
Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK)
in Genf verleiht der irakischen Regierung gegenüber
seiner Besorgnis über die Behandlung der im Golf krieg
gefangengenommenen Piloten der Koalitionsstreitmacht
Ausdruck. Das Komitee erklärt, es habe den Irak an
seine Verpflichtungen im Rahmen der Dritten Genfer
Konvention im Hinblick auf die Behandlung von Kriegsgefangenen erinnert, insbesondere an Artikel 13, der
feststellt, "Kriegsgefangene müssen zu jeder Zeit
geschützt werden, insbesondere vor Gewaltakten oder
Einschüchterung sowie vor Beleidigung und Neugier
der Öffentlichkeit."
Deutschland weist 28 irakische Diplomaten und Regierungsvertreter mit der Begründung aus, die irakischen
Diplomaten an der Anordnung von Terroranschlägen
hindern zu wollen. Die Diplomaten waren dem Auswärtigen Amt zufolge an der irakischen Botschaft in
Bonn und der irakischen Mission in Berlin tätig.
Der ägyptische Präsident Hosni Mubarak erklärt, die
irakischen SCUD-Raketen könnten den Krieg nicht

Seite 6

gewinnen. Er apelliert an den irakischen Präsidenten
Saddam Hussein, das Blutvergießen durch den Abzug
aus Kuwait zu beenden.
25.Januar
Als Reaktion auf Berichte über das massive Einleiten
von Öl in den Persischen Golf aus den vom Irak
besetzten Anlagen erklärt der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, Pete Williams, das absichtliche Verursachen einer Ölpest im Golf stelle "eindeutig
einen Akt des Umweltterrorismus dar".
Präsident Bush zufolge befassen sich Wissenschaftler
aus den Vereinigten Staaten, Saudi-Arabien, Kuwait
und anderen Ländern mit der "Umweltverschmutzung
enormen Ausmaßes und haben sich praktisch auf eine
Methode zur Bewältigung der Ölpest geeinigt". Bush
verspricht, daß "alle Anstrengungen unternommen
werden, um das weitere Einleiten von Öl in den Golf zu
unterbinden und die Ausbreitung des Ölteppichs nach
Süden zu stoppen". Der Sprecher des Weißen Hauses, Marlin Fitzwater, stellt fest, der Irak habe das Öl
mehrere Tage lang aus den Tanklagern in Kuwait in
den Golf eingeleitet, indem er absichtlich "den Hahn
aufdrehte und es fließen ließ". Fitzwater zufolge ist der
Ölteppich um ein Vielfaches größer als die durch den
Öltanker Exxon Valdez vor der Küste Alaskas verursachte Katastrophe. Die Ölpest im Golf bedroht die
Häfen, Raffinerien und Entsalzungsanlagen SaudiArabiens.
Einer Meinungsumfrage von The Wall Street Journal
und NBC News zufolge stimmen 3 von 4 Amerikanern
Präsident Bushs Handlungsweise zu, insbesondere
seiner Entscheidung, einen Krieg zur Befreiung Kuwaits zu führen.
26. Januar
Präsident Bush entsendet ein Expertenteam für Ölverschmutzung und Umweltfragen der amerikanischen
Regierung nach Saudi-Arabien, um den Saudis bei der
Begrenzung von durch die Ölpest verursachten
Umweltschäden behilflich zu sein.
27. Januar
Dem Kommandeur der amerikanischen Streitkräfte,
General Norman Schwarzkopf, zufolge zwingen die
Luftangriffe der Koalitionsstreitmacht die irakische
Luftwaffe in den Iran. Schwarzkopf erklärt, in den
vergangenen 24 Stunden seien über 39 Piloten der
irakischen Luftwaffe mit ihren Flugzeugen in den Iran
geflohen.
Die amerikanische Luftwaffe führt gezielte Bombardierungen in Kuwait durch, um die brennenden Ölleitungen zu löschen und den Kontrollmechanismus zu
unterbrechen, mit dem Öl in den Golf gepumpt wird.
"Schätzungen aufgrund der Länge des Ölteppichs

AMERIKA DIENST 6

�zufolge wurden die Leitungen vermutlich um den 19.
Januar geöffnet", so General Norman Schwarzkopf.
Anhand von Filmmaterial erläutert Schwarzkopf: "Ich
zeige Ihnen hier, was wir bisher unternommen haben,
um dieses außerordentlich schwierige Problem militärisch zu lösen und zwar in solcher Weise, daß wir nicht
die gesamte Volkswirtschaft Kuwaits zerstören. Meines Erachtens hatten wir Erfolg, aber nur die Zeit wird
es zeigen."
28.Januar
Der Iran setzt Generalsekretär Perez de Cuellar offiziell davon in Kenntnis, daß er Bagdad die Verwendung der irakischen Militärflugzeuge und -besatzungen, die in iranisches Gebiet eingedrungen sind, bis
zur Einstellugn der Feindseligkeiten am Persischen
Golf nicht gestatten wird. Im Falle der Notlandung
eines Flugzeugs gleich welcher Seite auf iranischem
Territorium wird das Flugzeug dem Iran zufolge beschlagnahmt und bis zur Einstellung der Feindseligkeiten festgesetzt.
Die Weltgesundheitsorganisation der Vereinten Nationen (WHO) bezeichnet das Einleiten von Öl in den Golf
durch den Irak als "eine Umweltkatastrophe ungekannten Ausmaßes". Die Auswirkungen der Ölpest
werden der Organisation zufolge "lange andauern und
Folgen für die Gesundheit der Bevölkerung haben. Die
größte Gefahr scheint für die Wasserversorgung der
Länder in der Region zu bestehen, die für ihren täglichen Wasserbedarf von Meerwasserentsalzungsanlagen abhängen." Die WHO appelliert an alle betroffenen Regierungen, die Ausbreitung des Ölteppichs
einzudämmen und die Auswirkungen für die Bevölkerung so gering wie möglich zu halten.
29. Januar
Die Parlamentarische Versammlung des Europarats
verabschiedet eine Resolution, mit der die irakischen
Angriffe auf Israel, die Behandlung der Kriegsgefangenen und das Einleiten von Öl in den Golf aufs schärfste
verurteilt werden. "Die Versammlung fordert die Einberufung eines Kriegsverbrechertribunals, das sich
mit den zahlreichen bereits von den irakischen Behörden begangenen Verbrechen ebenso befassen soll
wie mit denen, die begangen werden könnten, bis die
Ziele der UNO-Resolutionen verwirklicht worden sind",
so der Wortlaut der Resolution.
Außenminister Baker und sein sowjetischer Amtskollege Bessmertnych stellen in einer Erklärung im Anschluß an ihre Gespräche in Washington fest, "Eine
Einstellung der Feindseligkeiten wäre möglich, wenn
der Irak die eindeutige Verpflichtung zum Rückzug aus
Kuwait eingehen würde." Eine solche Verpflichtung
"muß durch unverzügliche, konkrete Schritte unterstützt werden, die zur vollständigen Einhaltung der

*
AMERIKA DIENST 6

Resolutionen des UN-Sicherheitsrats führen".
In seinem Bericht zur Lage der Nation erklärt Präsident
Bush, die 28 Nationen umfassende antiirakische Koalition
liege "auf Kurs" und "Iraks Fähigkeit zur Kriegführung
wird zerstört". Er betont jedoch, "Wir wollen nicht die
Vernichtung des Irak, seiner Kultur oder seines Volkes. Wir wünschen vielmehr, daß der Irak seine
riesigen Ressourcen nicht zur Zerstörung einsetzt
oder in den Dienst eines ehrgeizigen Tyrannen stellt,
sondern vielmehr zur Schaffung eines besseren Lebens
für sich und seine Nachbarn."
Dem amerikanischen Verteidigungsministerium zufolge sind inzwischen 80 bis 90 Flugzeuge - 65 Prozent
davon Militärflugzeuge - in den Iran geflogen.
30. Januar
Auf Bitte der NATO entscheidet sich das niederländische Kabinett, zwei Geschwader HAWK-Flugabwehrraketen in die Türkei zu entsenden, um den NATOMitgiiedstaat gegen einen möglichen irakischen Angriff zu verteidigen, gibt ein Sprecher des niederländischen Verteidigungsministeriums bekannt. Die Raketen werden zur Verteidigung von Flughäfen gegen
feindliche Flugzeuge eingesetzt.
Bundeskanzler Helmut Kohl erklärt im Deutschen
Bundestag, Deutschland müsse unerschütterlich hinter der antiirakischen Koalition und Israel stehen und
finanziell zu deren Verteidigung beitragen, selbst wenn
Deutschland keine Truppen an den Golf entsenden
könne. Deutschland bietet Israel ein Verteidigungspaket in Wert von 500 Millionen Dollar an, das Arzneimittel und medizinsches Gerät, Patriot-Raketen, ABCSchutzgerät und finanzielle Unterstützung beim Bau
von zwei U-Booten in deutschen Schiffswerften umfaßt.
31. Januar
Der türkische Religionsführer Mustafa SayitYazicioglu
stellt in einer schriftlichen Erklärung fest, der Aufruf
zum heiligen Krieg gegen die multinationale Streitmacht sei unangebracht. Yazicioglu zufolge handelt
es sich bei dem Krieg am Golf nicht um einen Konflikt
zwischen Christen und Moslems. "Dies ist kein Krieg
zwischen Christen und Moslems. In der Koaltionsstreitmacht gibt es auch moslemische Streitkräfte. Ihr
Ziel ist, die von einem Nachbarn einem anderen Nachbarn aufgezwungene Unterdrückung zu beenden",
erläutert Yazicioglu.
Ein Konvoi des Roten Kreuzes überquert mit 19 Tonnen medizinischer Hilfsgüter für die irakische Bevölkerung die Grenze zwischen Iran und Irak. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz in Genf erklärt, es
handele sich um die erste Mission seit Ausbruch des
Krieges.

* * *

*
Seite 7

�EUROPA/NATO
13. Dezember 1991

TAFT ERÖRTERT EUROPÄISCHE SICHERHEIT IN
EINER NEUEN WELTORDNUNG
Rede des Ständigen US-Vertreters im NATO-Rat
LONDON - (AD) - Der Ständige Vertreter der Vereinigten Staaten im Nordatlantikrat, William Taft, erklärte am
8. Februar 1991, "trotz der Anforderungen des Golfkriegs vernachlässigen wir weder die Entwicklungen im
Baltikum noch die Notwendigkeit ständiger Verbesserungen der Stabilität in ganz Osteuropa".
Taft ging bei seiner Rede am Internationalen Institut für Strategische Studien vor allem auf die Frage europäischer Sicherheit in der neuen Weltordnung ein. Er erläuterte die Ziele der Vereinigten Staaten in Europa, die
Rolle der öffentlichen Meinung in den Vereinigten Staaten und des Kongresses bei der Entscheidungsfindung,
die Bedeutung der NATO und die potentielle Rolle europäischer Institutionen. "Wir unterstützten einen
europäischen Pfeiler und zwar einen, der dieses Bündnis nicht nachahmt, sondern der innerhalb des Bündnisses
wirkt, seine Aufgaben ausführt und der nur außerhalb des Bündnisses tätig wird, wenn sich ihm dort neue
Aufgaben stellen", erklärte Taft.
Nachfolgend veröffentlichen wir William Tafts Rede im Wortlaut.

Obgleich mein Thema heute die Rolle der Vereinigten
Staaten im neuen Europa ist, wäre es nachlässig von
mir, vor dieser Runde zu sprechen, als ob ein Austausch zwischen Wissenschaftlern und Politikern ohne
Bezug zur Realität stattfinden könnte. Da CNN uns
den Krieg bereits ins Büro und nach Hause überträgt,
möchte ich Sie mit dieser Art der Realität nicht belasten, sondern durch die Nebel des Golf kriegs den Blick
auf unsere Zukunft richten. (Da die Iraker jetzt in ihrem
Krieg auf Umweltterrorismus zurückgreifen, ist Ölschlamm vielleicht als Metapher besser als Nebel.)
Wir hatten einen kurzen Frieden - genau vier Wochen
- vom Zeitpunkt der Londoner Erklärung am 6. Juli, als
das Bündnis zu dem Schluß gelangte, daß die Sowjetunion kein Feind mehr sei, bis zum 2. August, als
Saddam Hussein Kuwait besetzte. Es ist die erklärte
Politik der Vereinigten Staaten, diesen Frieden wiederherzustellen und zu bewahren. Trotz der Anforderungen des Golfkriegs vernachlässigen wir weder die
Entwicklungen im Baltikum noch die Notwendigkeit
ständiger Verbesserungen der Stabilität in ganz Osteuropa.

AMERIKA DIENST 6

Präsident Bush hat von einer neuen Weltordnung
gesprochen. Einige Kommentatoren haben diese
Vision angesichts der Unmöglichkeit, den Golfkrieg zu
verhindern, der mangelnden Geschlossenheit der EGMitglieder im Hinblick auf die dortige Situation, angesichts des Scheiterns der Perestrojka und des Einsatzes von Gewalt im Baltikum zu hastig verbannt. Wir
verschließen nicht die Augen vor dieser heiklen Situation. Aber unsere Kritiker sollten auch nicht blind
gegenüber den Möglichkeiten sein, die eine gemeinsame Anstrengung der Koalition und sachkundige Diplomatie uns bieten.
Wir können hoffentlich auf die Frage: "Wo waren Sie
während des Krieges?" antworten: "Wir haben am
Frieden für die kommende Generation gearbeitet."
Wenn wir dabei Erfolg haben, wird es diesen Frieden
nicht nurfür die NATO, sondern auch fürdie Sowjetunion und ihre früheren Verbündeten im Warschauer Pakt
geben, für die Mitglieder der arabischen Koalition im
Golf krieg und auch für den Irak selbst. Die Vereinigten
Staaten befinden sich nicht im Krieg mit dem Irak,
sondern die Welt befindet sich im Krieg mit einem
Tyrannen.
Seite 1

�Ich möchte meinen Blickwinkel etwas auf die Ziele der
Vereinigten Staaten in Europa konzentrieren und sie in
den Kontext einer neuen Weltordnung stellen. Was
will die Regierung?
Vor vierzehn Monaten hat Außenminister Baker in
Berlin von den Bestandteilen einer neuen europäischen Architektur gesprochen: NATO, KSZE und EG.
Während von Diplomaten - wie von Nostradamus immer erwartet wird, daß sie sich öffentlich vage
genug ausdrücken, um den potentiellen Entwicklungen nicht vorzugreifen, war Außenminister Bakers
Rezept ziemlich genau. Mit beträchtlichem Erfolg
diente es im vergangenen Jahr als Leitlinie der sich
abzeichnenden Ordnung in Europa. Die Vereinigten
Staaten haben ihre Beziehungen zu den Institutionen
der EG verbessert. Die KSZE hat die Pariser Charta
hervorgebracht. Deutschland ist vereinigt. Die NATO
hat sich verändert und arbeitet nunmehr an der Entwicklung einer Strategie, die sich nicht nur nach Ereignissen richtet, sondern historische Bedeutung hat.
Gibt es - real oder symbolisch - etwas Eindrucksvolleres als die Nominierung eines Botschafters bei der
NATO durch die Sowjetunion und ihre früheren Verbündeten im Warschauer Pakt? Wenn dies der Fall ist,
dann sind es die häufigen und regelmäßigen Konsultationen, die sich daraus ergeben haben. Zum Beispiel
konnten wir - als Bündnis aus 16 Ländern - unsere
Besorgnis über den Einsatz von Gewalt im Baltikum
Botschafter Afanassiewski in aller Deutlichkeit und mit
allem Nachdruck direkt vortragen. Und er konnte uns
die Interpretation der Ereignisse und die Absichten
seiner Regierung unmittelbar mitteilen. Macht das
einen Unterschied? Sind das nicht nur Worte? Die
Antwort lautet: Ja, das tatsächlich nur Worte. Deshalb
macht es einen Unterschied."
Unser Programm für die Zukunft, die weitere Verbesserung des Gerüsts der Architektur von Außenminister
Baker, umfaßt folgende Punkte:
Förderung und Entwicklung eines europäischen Sicherheitsgefüges im Rahmen des NATO-Bündnisses,
möglicherweise durch die Weiterentwicklung der
Westeuropäischen Union,
Entwicklung eines Mechanismus zur Koordinierung
von Aktivitäten in bündnisfremden Gebieten,
Vervollständigung anderer Elemente der neuen NATOStrategie,

Sicherheitsgefüges, das oftmals auch als europäischer Pfeiler bezeichnet wird.
Was wollen wir? Ich möchte versuchen, diese Frage
zu beantworten, indem ich die Gegenfrage stelle, was
Sie als Europäer wollen. Wollen sie die Integrität des
Bündnisses erhalten? Darüber gibt es hier keine
Diskussionen und keine abweichende Meinung - darin
sind wir uns alle einig.
Wollen Sie ein Bündnis, in dem die Europäer mehr zu
sagen haben? Meiner Ansicht nach lautet die Antwort
darauf ebenfalls Ja. Die Vereinigten Staaten sind
ebenfalls dieser Meinung.
Wollen Sie ein Bündnis, in dem die Europäer mehr
Verantwortung haben? Einige sagen dazu "Ja", andere "Ja, aber...". Und manche schweigen sich aus.
Aber ich höre niemanden, der "Nein" sagt. Was wollen
die Vereinigten Staaten? Wenn Sie eine größere Rolle
spielen wollen, dann muß auch die Verantwortung
größer werden. Dieser Annahme stimmen wir als
logische Schlußfolgerung zu.

&gt;

Wie sollen die Europäer diese Befugnis ausüben?
Durch die EG oder die WEU? Oder wie sonst? Wenn
ich das meine, was ich auf die beiden letzten Fragen
geantwortet habe, dann steht es einem Amerikaner
nicht zu, die Mittel zu bestimmen, mit denen die
Europäer im Kollektiv mehr Autorität ausüben oder
größere Verantwortung übernehmen sollten. Ich kann
jedoch sagen, daß wir enttäuscht sein werden, wenn
Sie diese Rolle nicht gemeinsam mit den Vereinigten
Staaten übernehmen. Das hieße jeder, der es tut - die
EG, die WEU oder irgendeine andere Institution - muß
zumindest die Dinge fortführen, die wir in der Vergangenheit in der NATO vollbracht haben. Ich spreche
mich hier nicht für eine Beibehaltung der alten NATO
aus - aber für eine weiterentwickelte NATO, die engere
Beziehungen zur WEU entwickeln, die Beziehungen
zu den Ländern Mittel- und Osteuropas intensivieren
und gemeinsam an unserem Ziel eines "ungeteilten
und freien" Europa arbeiten könnte.
Wir unterstützen einen europäischen Pfeiler und zwar
einen, der dieses Bündnis nicht nachahmt, sondern
der innerhalb des Bündnisses wirkt, seine Aufgaben
ausfüllt und der nur außerhalb des Bündnisses tätig
wird, wenn sich ihm dort neue Aufgaben stellen. Ich
möchte Ihnen nachfolgend einige positive Prinzipien
vorstellen, die der stärkeren "Europäisierung der NATO"
als Leitlinie dienen könnten.

Abschluß laufender Rüstungskontrollverpflichtungen,
einschließlich START, der Ratifizierung von KSE,
nachdem die Sowjets die statistischen Unstimmigkeiten befriedigend gelöst haben und die Aufnahme von
Gesprächen über Kurzstreckenwaffen.

Erstens sollten alle Veränderungen die Effektivität des
Bündnisses als der Institution verbessern, die eine
große Bandbreite sicherheitspolitischer Fragen abdeckt.

Obwohl all diese Punkte unsere Aufmerksamkeit fordern, werde ich meine Ausführungen auf den ersten
beschränken - die Entwicklung eines europäischen

Zweitens sollten wir weiterhin die Gemeinsamkeit unserer
Werte und Interessen betonen. Das heißt, unser
Bündnis könnte unbeabsichtigt Unterschiede zwischen
uns zutage treten lassen, aber es dient vornehmlich

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 6

i

�der Förderung unserer gemeinsamen Interessen. Wir
müssen es auf eine Weise nutzen, die diesem wichtigen Faktor Rechnung trägt.

•

«

Drittens sollte jedes neue Verfahren zum Ziel haben,
daß sich alle 16 Mitglieder vollständig beteiligen. Es
sollte nicht die zentrale transatlantische Verbindung
lockern oder Bündnismitglieder bei Sicherheitsfragen
benachteiligen. Offen gesagt heißt dies, daß Mitglieder, die nicht in der EG oder WEU sind, von der
Entscheidungsfindung nicht ausgeschlossen werden
dürfen.
Viertens könnten Veränderungen das Grundprinzip
des Bündnisses - die kollektive Bestrebung zur Selbstverteidigung - verbessern. Die Bemühungen der NATO
um einen kollektiveren Ansatz zur Verteidigung - zum
Beispiel die Entwicklung multinationaler Einheiten
innerhalb der integrierten Struktur - sollte mit Fortschritten zu größerer Integration der Europäer in anderen
Bereichen einhergehen.
Interaktion von Sicherheitsinstitutionen
Mit Blick auf eine neue Sicherheitsstruktur über die
NATO hinaus möchte ich die Elemente einer sich
ergänzenden Architektur erörtern. Das Gefüge sollte
drei Voraussetzungen erfüllen:
Schutz vor einer Bedrohung von innen oder außen,
innere Stabilität, sowohl zwischen Ost und West als
auch innerhalb des Westens,
weltweite Friedenserhaltung und wie es die Lage am
Golf zeigt, in gewissem Maß Übertragung von Macht.
NATO

j

Die Vereinigten Staaten vertreten die Auffassung, daß
die NATO als wichtigste Organisation die europäische
Sicherheit gewährleisten mu ß. Die NATO - und nur die
NATO - kann die Größe und Fähigkeiten der Sowjetunion ausgleichen, sowohl in Zeiten derZusammenarbeit als auch in Zeiten der Spannung.
Gemeinsam mit anderen Institutionen teilt sie sich die
Rolle als Garant für Stabilität. Sie spielt nur eine
begrenzte, aber entscheidende Rolle dabei, auf der
ganzen Welt logistische Unterstützung zu leisten, und
sie spielt in diesen Bereichen eine politische Rolle als
wichtigstes Forum transatlantischer Konsultationen.
Angesichts ihres defensiven Charakters und ihrer
geographischen Ausrichtung kann sie ihre militärische
Macht nicht übertragen.
EG
Die EG spielt gemeinsam mit anderen Institutionen
eine Rolle bei der Bewahrung von Stabilität. Sie
entwickelt eine führende sicherheitspolitische Rolle
außerhalb der vereinbarten NATO-Aufgaben. Und sie
könnte auch bei den NATO-Aufgaben eine sicher-

AMERIKA DIENST 6

heitspolitische Rolle spielen, obwohl das noch entschieden werden müßte. Es ist klar, daß sich mit
zunehmender wirtschaftlicher Kompetenz der EG, ihrer
Hinwendung zu einem gemeinsamen politischen Programm und der geplanten Aufnahme neuer Mitglieder
eine gemeinsame Sicherheitspolitik nicht über Nacht
entwickelt.
KSZE
Auch die KSZE spielt eine Rolle bei der Verbeserung
und Aufrechterhaltung der Stabilität. Ihr universeller
Charakter macht sie zu einem besonders wichtigen
Instrument für die Länder Mittel- und Osteuropas. Als
treibende Kraft, die Menschenrechte im europäischen
Bewußtsein verankert hat, geht ihre Rolle über Konfliktlösungen hinaus.
WEU
Im Zusammenhang mit der von Außenminister Baker
dargelegten Architektur möchte ich kurz auf die WEU
eingehen. Ich habe bereits erklärt, es stünde Amerikanern nicht an, vorzuschreiben, wie europäische Institutionen funktionieren sollen. Aber es ist uns nicht
gleichgültig, und wir werden bei der Entscheidung
behilflich sein, wie sie sich gegenüber Institutionen
verhalten, denen wir angehören. Die WEU kann als
Instrument für eine europäische Verteidigungsidentität außerhalb der NATO dienen und die Pflichten
Europas auf der Welt in die Tat umsetzen. Innerhalb
der NATO hat sie eine gewichtigere europäische Stimme als jedes Land für sich allein. Präsident Bush hat
in diesem Zusmmenhang erklärt: "Wir fürchten uns
nicht vor der Zusammenarbeit mit Europa bei der
Verteidigung, sondern wir unterstützen sie - einschließlich der Westeuropäischen Union."
Die Rolle einzelner Länder
In dem von mir beschriebenen Sicherheitsgefüge werden
einzelne Länder schließlich weiterhin unabhängig in
ihren nationalen Zielsetzungen sein, bei denen kollektive Bestrebungen nicht greifen können. Im Augenblick sieht es so aus, als ob Funktionen wie die
Bewahrung des Friedens und die Übertragung von
Macht in diese Kategorie fallen. Sicherlich ist die
Übertragung von Macht eine Rolle, die von der NATO
niemals übernommen wurde. Es ist eine Rolle, für die
der KSZE die Befugnis fehlt. Es ist eine Rolle, für die
die EG nicht bereit ist. Und es ist eine Rolle, die von der
WEU noch übernommen werden muß. Diejenigen
Länder, die Fähigkeit und Neigung für diese Aufgabe
haben, werden sie zumindest eine Zeitlang auf nationaler Ebene durchführen oder dann Koalitionen bilden,
wenn die Ereignisse dies erfordern.
Zum Schluß möchte ich nochmals auf das Thema
NATO zurückkommen. Ich möchte etwas über die
amerikanische Öffentlichkeit und ihre Ansichten zu
diesen Organisation in dieser Zeit der Veränderungen
sagen. Natürlich wird letztlich die öffentliche Meinung
Seite 3

�die Haltung der Vereinigten Staaten zu Aufgaben und
Zukunft der NATO bestimmen.
Die Öffentlichkeit sieht gern Programme, politische
Maßnahmen und Institutionen, die funktionieren. Dafür
liefert die NATO seit vielen Jahren ein gutes Beispiel.
Die Öffentlichkeit mißtraut zuvielen Neuerungen, insbesondere im sicherheitspolitischen Bereich und ebenso denjenigen, die etwas durcheinanderbringen, an
das sie geglaubt und auf das sie sich verlassen haben.
Zum Beispiel hat die Öffentlichkeit der Regierung noch
nicht die Auflösung von AT&amp;T verziehen, trotz greifbarer Vorteile für den Verbraucher.
Zum Thema. Die amerikanische Öffentlichkeit wird
keinen Vorschlag verstehen, der die NATO durch
einen anderen Mechanismus ersetzen will, der seine
wichtigste Aufgabe der Abschreckung und Verteidigung übernimmt. Sie wird natürlich Anpassungen bei
der NATO unterstützen, so daß sie ihre Rolle unter
neuen Gegebenheiten spielen kann.

Die amerikanische Öffentlichkeit würde es nicht verstehen, wenn die Europäer die NATO aufgäben oder
sie durch andere Strukturen zu ersetzen suchten, mit
denen sie ihre traditionellen Aufgaben erfüllen sollte.
Die amerikanische Öffentlichkeit würde es auch nicht
verstehen, wenn die NATO in eine Organisation
umgewandelt würde, die primär der Lösung von Meinungsverschiedenheiten zwischen Europa und Amerika dienen würde - wenn wir ein polarisiertes Bündnis
hätten - und nicht in eine Organisation, in der sich alle
gemeinsamen Risiken und Bedrohungen widersetzen.
Die Regierung wird die Politik der Vereinigten Staaten
bestimmen und die öffentliche Meinung in Amerika
anführen. Aber letztlich wird die Regierungspolitik die
öffentliche Meinung widerspiegeln, wie sie sich in der
Reaktion der Öffentlichkeit, in Meinungsumfragen und
im Kongreß zeigt. Wir müssen die NATO neuen
Gegebenheiten anpassen und innerhalb dieser Begrenzung eine europäische Identität in der Sicherheitspolitik und Verteidigung in Einklang damit bringen.

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AMERIKA DIENST 6

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