<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<itemContainer xmlns="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5" xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance" xsi:schemaLocation="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5 http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5/omeka-xml-5-0.xsd" uri="https://www.amerikahaus-archiv.de/items/browse?output=omeka-xml&amp;page=82&amp;sort_field=Dublin+Core%2CTitle" accessDate="2026-11-04T10:45:05+00:00">
  <miscellaneousContainer>
    <pagination>
      <pageNumber>82</pageNumber>
      <perPage>10</perPage>
      <totalResults>2223</totalResults>
    </pagination>
  </miscellaneousContainer>
  <item itemId="2813" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2696">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/cac5d36f86e6d57c4c18108b5eccc955.pdf</src>
        <authentication>b5aac5effcd680ee3746125930323de3</authentication>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="15240">
                <text>Amerikadienst 17.04.1957</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="49">
            <name>Subject</name>
            <description>The topic of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="15241">
                <text>Allgemeines</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="15242">
                <text>Herausgeben U.S. Information&#13;
Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="15243">
                <text>17.04.1957</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="15244">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="20308">
                <text>&lt;strong&gt;1. Die Rolle der amerikanischen Stiftungen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;III. Die Erschließung neuer Ernährungsreserven für die Meschheit&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Die Stadt von morgen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Langgestreckt - Ländlich - Lebensbejahend&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von John Kerigan&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Das Urteil der Jury in der Rückschau der Jahre&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eine interessante Gegenüberstellung in der Corcoran-Galerie&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Norman Smith&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Kurz berichtet&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA geben weitere 1,5 Mio Dollar für die UNICEF&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;3581 Opernaufführungen während der amerikanischen Theatersaison 1955/56</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="1910" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="1921">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/05c027b2d5e260cf1aac855ffc303ee1.pdf</src>
        <authentication>85971ead651ba094834bc7c8a85b0611</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="9589">
                    <text>16

17. April 1985

&gt;

INHALT

DOKUMENTATION
Neue Realitäten und neue Denkansä'tze
- Von US-Auüenminister George P. Shultz -

HINTERGRUNDMATERIAL

Kampf dem Drogenhandel
- Präsident Reagan und Staatspräsident Betancur unterzeichnen
gemeinsame Erklärung für USA und Kolumbien -

* * * * *

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�17. Mpril 1*85

16

NEU: REALITÄTEN UND NEUE DENKANSÄTZE
- Von US-Außenminister üeorge P. Shultz -

- (AD) - Die englische Üriginalfassung des nachstehenden Beitrags
des amerikanischen Außenministers
George P. Shultz ist in der Frühjahrsausgabe 1985 der Zeitschrift
FOREIGN AFFAIRS erschienen.
Albert Einstein bemerkte einmal, daß die Entwicklung der Kernwaffen
alles verändert habe, außer unserer Denkweise. Wenn so viel Zeit vergehen
mußte, bis selbst eine so dramatische Entwicklung wie die nukleare Revolution in vollem Umfang verstanden wurde, wieviel länger dauert es dann
normalerweise, bis wir die Implikationen der subtileren, schwer greifbaren geschichtlichen Veränderungen verstehen, die sich um uns herum vollziehen.

Die Weltordnung am Ende des gegenwärtigen Jahrhunderts wird sich mit
Sicherheit ganz wesentlich von der Struktur der Weltpolitik bei Beginn
dieses Jahrhunderts unterscheiden. Die Verteilung der Macht und die Dynamik der internationalen Beziehungen sind einem steten Wandlungsprozeß un-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Wandlungsprozeß unterworfen, der von vielerlei t-aktoren vorangetrieben
wird: von der Technik, von wirtschaftlichen und sozialen Veränderungen
und von der oftmals unterschätzten Kraft von Ideen.

Dieser Prozeß geht

weiter, denn die Geschichte kommt niemals zum Stillstand. Während das 21.
Jahrhundert näherrückt, gewinnt Einsteins Beobachtung eine neue Bedeutung: Unsere Denkweise muß sich neuen Realitäten anpassen.

Wir müssen

die neuen Trends unbedingt begreifen und ihre Implikationen verstehen.

Die Vereinigten Staaten von Amerika befinden sich nicht in der Rolle
eines Zuschauers. Wir sind mitbeteiligt, und wir engagieren uns. Wiederum
ist Amerika in der Lage, die Richtung, die der Gang der Dinge nimmt, maßgeblich zu beeinflussen, und die traaitionellen Ziele und Werte des amerikanischen Volkes haben sich nicht verändert, Es ist unsere Ff licht, bei
der Ausgestaltung der sich entwickelnden Strömungen nach Maidgabe unserer
Ideale und Interessen mitzuwirken und dazu beizutragen, die weltweite
Stabilität auf eine neue Grundlage zu stellen, so daB für kommende Generationen Friede, Wohlstand und Freiheit gesichert sind.

Welches sind die Kräfte des Wandels V Welche neuen "Denkweisen" sind
erforderlich ? Und welches sind die möglichen Elemente eines neuen und
sichereren internationalen Systems ?

So oder so bleibt das sowjetisch-amerikanische Verhältnis ein entscheidender Bestimmungsfaktor der Aussichten für den'Weltfrieden, obwohl
die politische Vorrangstellung der beiden Supermächte heute weniger ausgeprägt ist als vor einigen Jahrzehnten, Die Gestaltung dieses Verhältnisses angesichts sich wandelnder Bedingungen bleibt eine der großen planerischen Herausforderungen für die Vereinigten Staaten.

Solange das sowjetische System seine Triebkraft aus der Ideologie und
aus einem nationalen Streben nach Vergrößerung der eigenen Macht und nach
Untergrabung der Interessen der demokratischen Staaten bezieht, werden
echte Freundschaft und Zusammenarbeit unmöglich bleiben.

Wenn' es über-

haupt Hoffnung auf dauerhafte Stabilität geben soll, dann muß der Westen
diesem

sowjetischen Machtstreben mit Entschiedenheit

widerstehen.

Im

�widerstehen.

Im Zeitalter der thermonuklearen Waffen haben jedoch beide

Seiten gleichzeitig ein gemeinsames Interesse am Überleben und daher auch
allen Anlaß, ihre Rivalität nicht bis zum Äußersten zu treiben und sich
zu bemühen, die Entwicklung im Bereich der Kernwaffen im Griff zu behalten und Mittel und Wege zur Verminderung der Kriegsgefahr zu finden. Man
kann nicht absehen, ob eine beständige Politik des Westens von dieser Art
im Laufe der Zeit zu einer Mäßigung des sowjetischen Systems führen wird.
Vielleicht wird dies nicht der Fall sein.

Aber wie dem auch sei:

Der

Westen muß auf jeden Fall sowjetischen übergriffen mit Entschiedenheit
entgegentreten, gleichzeitig aber die Tür für konstruktivere Entwicklungsmöglichkeiten offenhalten.
Die Amtsübernahme Gorbatschows könnte heute eine neue Gelegenheit zur
Auslotung solcher konstruktiveren Möglichkeiten eröffnet haben. Präsident
Reagan geht diese Aufgabe in positivem Geiste an, ist sich dabei aber realistischerweise auch der Tatsache bewußt, daß die Schwierigkeiten zwischen unseren Ländern auf objektiven Gegebenheiten beruhen und daß die
Lösung dieser Probleme harter Arbeit bedarf.

Im Gegensatz zur Sowjetunion hatten die demokratischen Staaten lange
Zeit Mühe, ihrer Politik Beständigkeit und innere Schlüssigkeit zu verleihen und sich ihre Selbstdisziplin und ihr Gefühl für Strategie zu bewahren.

Freie Gesellschaften sind oftmals ungeduldig.

Die Haltung des

Westens hat in der Vergangenheit zwischen den Extremen des Pessimismus
und der Weltuntergangsstimmung einerseits und der naiven Empfänglichkeit
für ein sowjetisches Lächeln andererseits hin und her geschwankt.

Wir

haben zu oft dazu geneigt, uns geistig entweder auf die Erhöhung unserer
Stärke oder auf Verhandlungen zu konzentrieren.

Es ist uns schwergefal-

len, beides gleichzeitig zu tun, obwohl dies eindeutig der vernünftigste
Weg ist und darüber hinaus wahrscheinlich der einzige, auf dem wir sowohl
unsere Verteidigungsanstrengungen als auch unsere Verhandlungsfähigkeit
aufrechterhalten können.

In den vergangenen vier Jahren haben sich nichtsdestoweniger die
Rahmenbedingungen des amerikanisch-sowjetischen

Verhältnisses drastisch

�Verhältnisses drastisch verändert.

Als die Vereinigten Staaten vor zehn

oder 13 Jahren mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen hatten,
ihre Landesverteidigung vernachlässigten und zögerten, ihre Rolle in der
Weltpolitik auszufüllen, machten sich die Sowjets dies zunutze, indem sie
ihre Aufrüstung rücksichtslos vorwärts trieben.

Sie und ihre Schutzbe-

fohlenen traten in der geopolitischen Arena immer kühner auf.

In der

Annahme, daß der Westen zum Widerstand außerstande sei, intervenierten
sie beispielsweise in Angola, Kambodscha, Äthiopien und Afghanistan.

Sie hatten Grund zu der Annahme, daß das, was sie die weltweite "Korrelation der Kräfte" nennen, sich zu ihren Gunsten veränderte.

Heute besteht unter unseren wichtigsten Verbündeten mehr Einmütigkeit
als je zuvor. Die Vereinigten Staaten sind dabei, ihre militärische Stärke und ihre Wirtschaftskraft wiederherzustellen.

Wir haben unser Selbst-

vertrauen zurückgewonnen, und wir haben einen Präsidenten, den die Bürger
unseres Landes erneut damit betraut haben, eine aktive führungsrolle zu
übernehmen.

im Gegensatz dazu sehen sich die Sowjets tiefgreifenden

strukturellen Wirtschaftsproblemen und unruhigen Verbündeten gegenüber.
In vielen Teilen der Welt befinden sich ihre eigene Diplomatie und ihre
Schutzbefohlenen in der Defensive.

Heute haben wir Grund zu der Annahme,

daB sich die "Korrelation der Kräfte" wieder zu unseren Gunsten verschiebt.

Die beschichte wird uns jedoch nicht die Arbeit abnenmen.

Die Erfah-

rung lehrt, daB die Sowjets immer wieder irgendwo irgendetwas tun werden,
das empörend oder unseren Interessen abträglich ist und die Hoffnungen
auf eine Verbesserung des Ost-West-Verhältnisses dämpft.

Das Geschehen

in der Tschechoslowakei und in Afghanistan, der Abschuß des koreanischen
Verkehrsflugzeuges und das Verhalten der Sowjets im Hinblick auf die Menschenrechte bilden Beispiele hierfür.

Die Frage ist, wie der Westen auf

solch empörende Dinge reagieren soll. Unser Ziel sollte eindeutig darin
bestehen, so vorzugehen, daß ein disziplinierender Effekt auf das Verhalten der Sowjets hervorgerufen wird.

Gleichzeitig müssen wir so planen,

daß unsere eigene Strategie nicht immer wieder von solchen Schocks aus
- 4 -

�Schocks aus dem Gleis geworfen wird.

Wir dürfen uns niemals so eingleisig auf die Verbesserung der Beziehungen mit den Sowjets konzentrieren, daß wir blind gegenüber Handlungsweisen werden, die die Grundlagen eines stabilen Verhältnisses untergraben.

Symbolische Reaktionen auf unannehmbare Verhaltensweisen der So-

wjets haben ebenso ihren Stellenwert wie Vergeltungsmaßnahmen und Sanktionen.

Die Erfahrung lehrt jedoch auch, daß wir in der Praxis geopoli-

tische Übergriffe der Sowjets dadurch am besten abschrecken oder rückgängig machen können, daß wir in der einen oder anderen Weise denjenigen
helfen, die an Ort und Stelle Widerstand leisten.

Viele Verhandlungsan-

strengungen und sonstige politische Bemühungen, die wir mit den Sowjets
unternehmen, liegen im beiderseitigen Interesse, und genau das sollte
grundsätzlich der Fall sein.

Wir haben daher harte Entscheidungen zu treffen, üb eine wichtige
Verhandlungsrunde

nach irgendeinem

sowjetischen Übergriff

unterbrochen

werden sollte, wird immer eine Rechnung mit vielen Faktoren sein.

Als

die Sowjets im Jahre 1983 das südkoreanische Verkehrsflugzeug abschössen,
sorgte Präsident Reagan zwar dafür, daß die Welt die ganze, ungeschminkte
Wahrheit über diesen Greuelakt erfuhr, aber er schickte nichtsdestoweniger unsere Rüstungskontrollunterhändler

zurück nach Genf, weil er der

Überzeugung war, daß eine Verminderung der Kernwaffen unbedingten Vorrang
haben müsse.

Kurzum: Unser "Denkansatz" muß sich auf eine längerfristig durcnhaltbare, an den Zielen und Interessen Amerikas orientierte Strategie richten, die dem Verhalten der Sowjets Rechnung trägt, sich aber nicht auf
bloßes Reagieren beschränkt.

Line solche Strategie erfordert eine fort-

währende Bereitschaft, Probleme auf dem Verhandlungswege zu lösen, wo
dies in unserem (und voraussichtlich im beiderseitigen) Interesse liegt.
Unsere Möglichkeiten werden in dem Maße wachsen, in dem es uns gelingt,
objektive Fakten zu schaffen, die die Sowjets zunehmend zu der Einsicht
bringen, daß es in ihrem Interesse liegt, in allen Bereichen bessere Beziehungen zu uns herzustellen.

Solche Fakten schaffen wir, indem wir die

�wir die Modernisierung
Freunden

beistehen

und

unserer Landesverteidigung
sowjetischen

fortsetzen, unseren

Herausforderungen

entgegentreten.

Wenn wir für das kommende Jahrhundert das amerikanisch-sowjetische Verhältnis auf eine stabile Grundlage stellen wollen, dann müssen wir lernen, eine langfristig angelegte Strategie zu verfolgen, die gleichzeitig
sowohl auf Stärke als auch auf Verhandlungen beruht.

Auch in einem verwandten Bereich, nämlich dem der Rüstungskontrolle,
sehen wir uns der geistigen Herausforderung eines neuen Zeitalters gegenüber.

Die andauernde technologische Revolution bedeutet, daß das strate-

gische Gleichgewicht und damit auch die Erfordernisse der Abschreckung
niemals statisch sein können.

Leider hinken die herkömmlichen Denkansät-

ze bezüglich vieler dieser Fragen hinter der Wirklichkeit her.

Im Mittelpunkt der strategischen Doktrin, auf die sich der Westen
seit Jahrzehnten festgelegt hat, steht letzten Endes das Gleichgewicht
des Schreckens, d.h., die Konfrontation offensiver Potentiale, mittels
derer sich beide Seiten wechselseitig mit Massenvernichtung bedrohen. Die
Abschreckung hat unter diesen Bedingungen funktioniert, und wir dürfen
das, was sich als funktionsfähig erwiesen hat, nicht aufgeben, bis wir
sicher sein können, daß etwas Besseres auch wirklich zur Verfügung steht.
Aus politischen, strategischen und selbst aus moralischen Gründen sind
wir es jedoch unseren Bürgern schuldig, zu prüfen, ob es etwas Besseres
gibt als die herkömmliche Einsicht, daß unsere

Verteidigungsstrategie

sich auf Offensivdrohungen stützen und unsere Bürger dabei ohne jeden
Schutz vor Angriffen lassen muß.

Die Sowjets haben ihrerseits der stra-

tegischen Verteidigung stets enorme theoretische und praktische Bedeutung
beigemessen. In diesem Zusammenhang sind nicht nur ihr Luftverteidigungsund ihr Zivilschutzsystem zu nennen, sondern auch ihr modernisiertes,
rings um Moskau in Stellung gebrachtes Raketenabwehrsystem und ihre intensiven Forschungsarbeiten im Bereich neuer Defensivtechnologien.

Der Prozeß der Anpassung unseres strategischen Denkens an die beständigen Fortschritte der Technik ist niemals einfach.

Die Vehemenz eines

Teils der Kritik an der Strategischen Verteidigungsinitiative (SDl) des
- 6 -

�(SDI) des Präsidenten erklärt sich meines Erachtens weniger daraus, daß
die technische Durchführbarkeit dieses Projekts strittig ist - denn die
zukünftigen Forschungsarbeiten werden diese Streitfrage so oder so in objektiver Weise lösen - als vielmehr daraus, da(3 diese Kritiker angesichts
sich wandelnder strategischer Realitäten zur leidenschaftlichen Verteidigung der orthodoxen Doktrin angetreten sind.

Wir treiben die Forschungs-

arbeiten im Rahmen der SDI voran, weil wir hier positive und sogar revolutionäre Möglichkeiten sehen:

Wir könnten Defensivmittel in die Hand

bekommen, die jeden Angriff auf uns oder unsere Verbündeten zum Scheitern
bringen und damit die Gefahr eines offensiven Erstschlags in die Vergangenheit verweisen könnten.

Aller Wahrscheinlichkeit nach wäre ein neues

strategisches Gleichgewicht auf der Grundlage defensiver Technologien und
drastisch verkleinerter Uffensivpotentiale die stabilste und sicherste
Regelung überhaupt.
Unser Konzept laut sich wie folgt beschreiben: Für die nächsten zehn
Jahre besteht das Ziel der Vereinigten Staaten in einer radikalen Verminderung der Schlagkraft der bestehenden und geplanten nuklearen Offensivwaffen und in einer Stabilisierung des Verhältnisses zwischen nuklearen
Offensiv- und Defensivwaffen auf der Erde und im Weltraum.

Wir richten

uns schon heute auf eine Übergangsphase hin zu einer stabileren Welt ein,
in der der Bestand an Kernwaffen erheblich vermindert sein wird und in
der man in verstärktem Maße in der Lage sein wird, die Kriegsverhütung
durch Abschreckung zunehmend auf der Grundlage nicht-nuklearer Abwehrmöglichkeiten gegen nukleare Offensivwaffen zu gewährleisten.

Diese Über-

gangsphase könnte dann schließlich in die völlige Beseitigung aller Kernwaffen, der offensiven wie der defensiven, einmünden.

Eine kernwaffen-

freie Welt bildet das Lndziel, dem wir, die Sowjetunion und alle übrigen
Nationen zustimmen könnten.

Als in den vergangenen Jahrzehnten die politische Vorrangstellung der
Supermächte abzubröckeln begann, vertraten einige Beobachter die Auffassung, dau eine von fünf Mächten beherrschte Welt im Entstehen begriffen
sei, d.h., eine Welt, in der die Vereinigten Staaten, die Sowjetunion,
Westeuropa, China und Japan die Hauptakteure

sein würden.

Nach der

�Nach der Energiekrise Anfang der siebziger Jahre hoben andere hervor, daß
das Nord-Süd-Verhältnis zunehmend an Bedeutung gewinne.

Wieder andere

sahen das amerikanisch-sowjetische Verhältnis weiterhin im Mittelpunkt.

All diese Sichtweisen beinhalten etwas Wahres. Mitte der achtziger
Jahre liegt jedoch m.t. der tiefgreifendste Trend in der Weltpolitik in
einem anderen Moment, nämlich in der wachsenden Dynamik, dem Zusammenhalt
und der Zusammenarbeit gleichgesonnener Nationen, die wichtige, positive
Ziele teilen.

Solch positive Ziele sind auch die treibende Kraft der amerikanischen
Außenpolitik: Friede, Demokratie, Freiheit und Menschenrechte, Gerechtigkeit für alle Rassen, wirtschaftlicher und sozialer Fortschritt, verstärkte Zusammenarbeit und Rechtsstaatlichkeit.

Diese Ziele sind Leit-

bilder für Völker und Nationen überall auf der Welt, und sie könnten sich
durchaus als der organisatorische Rahmen für eine die große Mehrheit der
Menschheit

umfassende Weltordnung erweisen.

Schon heute spiegeln sie

sich in den neueren Strömungen in vielen Regionen der Welt und in vielen
Bereichen der Außenpolitik wider.

Die enysten und dauerhaftesten auswärtigen Beziehungen, die Amerika
unterhält, sind natürlich seine Bündnisse mit den anderen demokratischen
Staaten.

Dies ist kein Zufall. Die Bindungen zwischen uns und unseren

demokratischen Freunden im Ausland sind gerade deshalb so dauerhaft, weil
sie auf einer moralischen Grundlage stehen und nicht nur auf gemeinsamen
strategischen Interessen beruhen.

Als George Washington seinen Mitbür-

gern riet, keine permanenten Bündnisse einzugehen, ergab sich seine Haltung zum Teil aus der Tatsache, daß es damals kaum andere demokratische
Staaten gab.

Der unsere zählte zu den ersten, und wir hatten allen An-

laß, uns davor zu hüten, uns mit Ländern einzulassen, die unsere demokratischen Grundsätze nicht teilten.

Auf jeden Fall definieren wir heute

unsere strategischen Interessen so, daß sie die Sicherneit und das Wohlergehen der gesamten demokratischen Welt mit einschließen.

Die Bedingungen der Gegenwart bestimmen die Aufgaben des atlantischen
- 8 -

�des atlantischen Bündnisses.

So ist man sich neuerdings zum Beispiel

darüber im klaren, wie wichtig eine Verstärkung der konventionellen Verteidigung ist, um die Sicherheit Europas zu erhöhen, während man gleichzeitig den Stellenwert der Kernwaffen im Konzept der NATO zunehmend vermindert.

Ein starkes westliches Abschreckungspotential bildet die soli-

deste Grundlage, wenn es darum geht, den Osten zu konstruktiven Verhandlungen zu bewegen.
Verbesserung

Kurzfristig ergreifen die Verbündeten Schritte zur

der Einsatzbereitschaft

und

der

Infrastruktur

der NATO.

Längerfristig ist das Bündnis bestrebt, andere besonders schwerwiegende
Mängel zu beheben und darüber hinaus die grundsätzliche Aufgabe der Verbesserung der Effizienz der Rüstungsbeschaffung der Verbündeten anzugehen.

üie Vereinigten Staaten waren immer für die Einheit Westeuropas, weil
sie wissen, daß ein starkes Europa zwar in mancher Hinsicht ein Konkurrent sein, insgesamt aber im Interesse der freien Welt liegen würde.

Wir

wünschen der Europäischen Gemeinschaft alles Gute, und wir ermutigen unsere europäischen Freunde zu weiteren Fortschritten bei der Entwicklung
eines wirklich ganz Europa umfassenden Marktes und bei der Beseitigung
der strukturellen Verkrustungen, die sowohl weiterem Wirtschaftswachstum
als auch einer effektiven wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit uns im Wege
stehen.

In Europa beobachten wir auch neue und kreative Uenkansätze im Hinblick auf das weitere Streben nach politischer Einheit und auf die Verstärkung der westeuropäischen Zusammenarbeit im Bereich der Verteidigung.
Wir stehen den beiden genannten Zielen wohlwollend gegenüber. Wenn Europa
eine Hauptrolle in der Weltpolitik spielt, so kann dies dem Westen nur
nützen.

Was die Verteidigung angeht, so sollten die Völker Westeuropas

sie als eine Investition in ihre eigene Zukunft ansehen, nicht aber als
einen Gefallen, den sie den Vereinigten Staaten tun. Bei einigem staatsmännischem Geschick auf beiden Seiten des Atlantiks wird diese Entwicklung die gemeinsame Verteidigung stärken und in den demokratischen Staaten den Sinn dafür schärfen, daß sie gemeinsame politische Zielvorstellungen verfolgen.
Wenn wir über

�Wenn wir über die Entwicklung Europas nachdenken, dann können wir
Osteuropa nicht außer acht lassen.

Seit der Zeit des Marshall-Plans, als

der Westen den Osten zur Mitwirkung einlud, haben wir stets gewollt, daß
der Erfolg Westeuropas wie ein Leuchtfeuer für ganz Europa wirkt,

üie

gegenwärtige politische Teilung des Kontinents ist völlig künstlich.

Sie

besteht nur, weil sie von den Sowjets mit brutalem Machteinsatz erzwungen
wurde, und die Vereinigten Staaten haben sie niemals als legitim oder
dauerhaft anerkannt.
strebungen.

In bestimmten Ländern gibt es Liberalisierungsbe-

Aber alle Völker Osteuropas vermögen Besseres, verdienen

Besseres und sehnen sich nach Besserem.

In den vergangenen Jahren war

ein machtvoller Drang nach freien Gewerkschaften, nach Wirtschaftsreformen, nach politischer und religiöser Freiheit, nach echtem Frieden und
Sicherheit und nach Menschenrechten gemäß den Versprechen der Schlußakte
von Helsinki zu verzeichnen.

Wir hoffen, daß wir den Tag erleben werden,

an dem die Sowjetunion ihre Denkweise ändert und ihre eigene Sicherheit
in Kategorien definiert, die mit der Freiheit, Sicherheit und Unabhängigkeit ihrer Nachbarstaaten in Einklang zu bringen sind.

Auch in Ostasien und dem Pazifik verändern neue Realitäten unser Bild
von der Welt.

Die wirtschaftliche Dynamik dieser Region gewinnt als Fak-

tor des amerikanischen Außenhandels, als wirtschaftliches Modell für die
Entwicklungsländer und als einzigartige und vielversprechende Zukunftsvision immer mehr an Bedeutung.

In den freien Ländern Ostasiens war im

vergangenen Jahrzehnt eine jährliche Wachstumsrate von sieben Prozent zu
verzeichnen.

In den vergangenen fünf Jahren war unser Handel mit den

Staaten Ostasiens und des Pazifiks umfangreicher als unser Handel mit
jeder anderen Region, und seine relative Bedeutung wächst weiter.

Im

Jahre 1984 erreichte der Handel der Vereinigten Staaten mit dieser Region
ein Volumen von 165 Milliarden Dollar, was rund 30 Prozent vom gesamten
Handelsvolumen der Vereinigten Staaten entspricht.
Südostasiatischer Nationen ist zu einem

Der Zusammenschluß

eindrucksvollen Muster wirt-

schaftlicher Entwicklung und regionaler wirtschaftlicher Zusammenarbeit
geworden.

Die Republik Korea bildet ein spektakuläres Beispiel wirt-

schaftlichen

Erfolgs.

Entsprechend

seiner

gewachsenen

Stärke

spielt

Japan inzwischen eine bedeutsamere Rolle und füllt sie verantwortungs- 10 •

�sie verantwortungsbewußt, positiv und kooperativ aus.

in der Volksrepu-

blik China sind die Hoffnungen auf wirtschaftliche Modernisierung klugerweise in ein kühnes Reformprogramm umgesetzt worden. Chinas langer Marsch
zur Marktwirtschaft ist ein Ereignis von wahrhaft historischen Dimensionen:

Eine große Nation entledigt sich veralteter wirtschaftlicher Dok-

trinen und setzt die Energien ihrer begabten Bevölkerung frei.

Es gibt natürlich auch Probleme, die Gefahren für diese vielversprechende wirtschaftliche Zukunft heraufbeschwören: die sowjetische Aufrüstung in der Region, Akte der Aggression durch die Sowjetunion und ihre
Schutzbefohlenen in Afghanistan und Kambodscha, ungelöste Spannungen auf
der koreanischen Halbinsel, innere Probleme in verschiedenen Ländern.
Ostasien hat ein reiches kulturelles Erbe, aber auch eine turbulente, von
bitteren Konflikten durchzogene Geschichte.

Die Symbolik im Schicksal

von Angkor Wat - ein großartiges antikes Monument, das unter den Gewalttätigkeiten der Neuzeit schwer gelitten hat - bildet sowohl eine Paradoxie als auch eine Warnung.

Dennoch ist die tiefgreifendste Strömung in der Region heute positiver Natur, insbesondere der neuerdings zu verzeichnende Trend in Richtung
auf mehr Zusammenarbeit.

Bei vielen Nationen mit einer enormen Vielfalt

von Kulturen, Rassen und politischen Systemen stellt sich das Gefühl ein,
einer pazifischen Gemeinschaft anzugehören.

Man geht in immer stärkerem

Maße zu regionalen Konsultationen über, und es entwickelt sich ein Gefühl
des gemeinsamen Interesses an der Sicherheit der Region. In diesem Sinne
haben die Vereinigten Staaten ein Jahrzehnt nach Vietnam ihre Position in
Asien mehr als wiederhergestellt.

Wir können auf die Lebenskraft unserer

Bündnisse, Freundschaftsbeziehungen und produktiven Bindungen in dieser
vielversprechenden Region stolz sein.
staatsmännischer

Umsicht

handeln,

Wenn die Nationen mit Weisheit und

dann

könnten

wir

durchaus

an der

Schwelle eines neuen Zeitalters der internationalen Beziehungen im pazifischen Becken stehen.

In Lateinamerika tritt eine andere Strömung zutage: der stetige Vormarsch der Demokratie.

Demokratie ist als Idee natürlich nichts Neues,
- 11 -

�nichts Neues, aber diese neue Entwicklung reviaiert einige Annahmen, die
früher in machen Kreisen über die politische Zukunft der Welt yehegt wurden. Manche Pessimisten pflegten zu behaupten, daß die demokratischen Industriestaaten zu einem permanenten Minderheitenstatus in der Völkergemeinschaft verurteilt seien.

Heute deutet jedoch immer mehr darauf hin,

daß das Ideal der Freiheit lebendig ist und nichts von seiner Ausstrahlungskraft verloren hat. In der westlichen Hemisphäre leben heute über 9U
Prozent der Bevölkerung Lateinamerikas und der Karibik unter demokratischen Regierungen. 1979 war es im Gegensatz dazu erst ein Drittel.

In

weniger als sechs Jahren wurden die Diktatoren von Argentinien, Bolivien,
Ecuador, El Salvador, Honduras, Panama, Peru, Grenada, Brasilien und
Uruguay durch vom Volke gewählte Demokraten ersetzt. Guatemala befindet
sich im Übergäre; zur Demokratie.

Nachdem die Hemisphäre so lange im

Zwielicht der Diktatur verharrt hat, ist dieser Trend in Richtung auf
freie Wahlen und Regierungen, die das Volk vertreten, etwas, das Zustimmung und Unterstützung verdient.

Die Vereinigten Staaten waren immer ein Vorkämpfer der Demokratie.
Demokratische Institutionen bilden die beste Garantie für die Einhaltung
der Menschenrechte und langfristig auch die beste Garantie für Stabilität.

Auf allen Kontinenten ist ein Trend in Richtung auf Demokratie oder

doch zumindest ein Verlanyen nach Demokratie zu verzeichnen.

Beides be-

legt eindeutig, dal3 die Idee der Freiheit keineswegs ein kulturgebundenes
Anliegen oder ein Monopol der westlichen Industriestaaten ist.
Heute beobachten wir ein bedeutsames neues Phänomen. Nach Jahren des
von Kommunisten angeführten Guerillakrieges gegen prowestliche Regierungen erleben wir jetzt dramatische und ermutigende Beispiele eines vom
Volke getragenen Untergrundkampfes gegen kommunistische Regime.

Heute

kann man sagen, daß in einer Reihe sehr unterschiedlich gelagerter Fälle
- in Nicaragua, in Afghanistan, in Kambodscha und in Afrika - marxistisch-leninistische Machthaber eindeutig bei dem Versuch gescheitert sind,
das Verlangen nach einer Regierung, die das Volk vertritt, zu unterdrükken. Darüber hinaus haben sich kommunistische Systeme durchweg als wirtschaftliche Katastrophen erwiesen. Das amerikanische Volk blickt auf eine
- 12 -

• ' .

�auf eine lange und ehrwürdige Tradition der Unterstützung von Menschen
zurück, die für Freiheit, Demokratie und Unabhängigkeit kämpfen, im 19.
Jahrhundert unterstützten wir Simon Bolivar, polnische Patrioten und andere, die nach Freiheit strebten, womit wir in gewisser Weise eine Gegenleistung für die Hilfe erbrachten, die uns bei unserer eigenen Revolution
durch andere Nationen wie z.B. Frankreich zuteil geworden war.

Wenn wir

dieser Tradition den Rücken kehrten, würden wir der sowjetischen Auffassung recht geben, daf3 kommunistische Revolutionen unumkehrbar sind, alle
anderen Länder jedoch dem kommunistischen Zugriff weiter offen stehen;
praktisch würden wir dann die Breschnew-Doktrin ins amerikanische Recht
einführen.

So lange kommunistische Diktaturen keinerlei Hemmungen haben,

im Namen des "sozialistischen

Internationalismus"

zum

Untergrundkampf

aufzuhetzen und ihn zu unterstützen, ist auch nicht einzusehen, warum es
den demokratischen Staaten, die die Zielscheibe dieser Bedrohung bilden,
nicht erlaubt sein sollte, ihre eigenen Interessen und die Demokratie
selbst zu verteidigen.

Was in Mittelamerika auf dem Spiel steht, ist nichts anderes als die
Zukunft der Demokratie. Mit sowjetischer und kubanischer Unterstützung
versuchen die Sandinisten, in Nicaragua ein totalitäres System zu konsolidieren und den Untergrundkampf in der gesamten Region anzuheizen. Unsere Politik ist darauf gerichtet, Demokratie, Reformen und Menschenrechte zu fördern, die

wirtschaftliche

Entwicklung

zu unterstützen, zum

Schutz gegen die beizutragen, die mit Gewalt die Tyrannei verbreiten
wollen, und Gespräche und Verhandlungen sowohl innerhalb der Länder der
Region als auch zwischen ihnen anzuregen. Wir unterstützen demokratische
Regierungen und demokratische politische Kräfte gegen die Extremisten der
Rechten und der Linken. Wenn wir die im Stich lassen, die nach Demokratie
streben, dann werden die Extremisten den Sieg davontragen, und die Kräfte
der Mäuigung und des Rechts werden ihre Opfer sein. Mus diesem Grunde hat
die Administration so hart für effektive Verhandlungen, für wirtschaftsund sicherheitspolitische Hilfe und für den überparteilichen, von der
Kissinger-Kommission entwickelten Plan gearbeitet und wird dies auch weiterhin tun. Die vitalen Interessen unserer Nation und unsere moralische
Verantwortung gebieten, da(3 wir unseren Freunden in ihrem Kampf für die

- 15 -

�für die Freiheit und gegen jene, die die gewaltsame Revolution und die
Unterdrückung verherrlichen, beistehen.

Auch in anderen Teilen der Welt beteiligen sich die Vereinigten Staaten aktiv an den Bemühungen um friedliche Lösungen regionaler Konflikte.
Vermittlungsbemühungen dieser Art entsprechen natürlich der traditionellen Rolle Amerikas, aber neue Rahmenbedingungen erfordern beim Streben
nach Fortschritten auf Seiten aller Beteiligten auch stets neue Denkansä'tze.

Im Nahen Osten beispielsweise sind bei einigen der Hauptakteure in
der Region Anzeichen eines neuen Realismus und eines neuen Verantwortungsbewußtseins zu beobachten. Wenn dies anhält, könnten sich hieraus
die Vorbedingungen für Fortschritte ergeben, die sich einstellen werden,
sobald beide Seiten sich darauf verständigen können, sich am Verhandlungstisch zusammenzusetzen. Die Vereinigten Staaten sind nach wie vor
der Überzeugung, daB die Initiative Präsident Reagans vom 1. September
1982 die besten Aussichten auf eine Lösung des Konflikts bietet. Wir
bemühen uns auch in diesem Jahr intensiv, unsere israelischen und arabischen Freunde zu weiteren Schritten in Richtung auf den Frieden zu
ermuntern. Wir

werden

auch

weiterhin

diejenigen

ermutigen, die nach

Frieden streben, und ihnen gegen die beistehen, die für Gewalt sind und
jeglichen Fortschritt zu blockieren versuchen.

Auch im südlichen Afrika müssen die Vereinigten Staaten eine Schlüsselrolle übernehmen. Wir müssen eine doppelte Zielsetzung verfolgen, nämlich Gerechtigkeit für alle Rassen und Sicherheit für die Region. Diese
doppelte Herausforderung verlangt eine ernsthafte Lageanalyse und nüchternes Denken, keinesfalls jedoch emotionale Reaktionen. Wir haben schon
viel erreicht, aber unser EinfluB ist nicht unbegrenzt. Heute sind im
südlichen Afrika grenzüberschreitende Gewaltakte weitaus seltener als zu
jedem anderen Zeitpunkt seit mehr als einem Jahrzehnt. Im Hinblick auf
eine Regelung für Namibia werden Fortschritte erzielt. Wir haben unsere
Beziehungen zu Mosambik und anderen Staaten der Region gefestigt. Die
Republik Südafrika selbst hat mit vielen ihrer Nachbarn von Zusammenar- 14 -

�von Zusammenarbeit geprägte Beziehungen entwickelt.

Innerhalb der Republik Südafrika ist bereits ein dynamischer Entwicklungsprozeß in Gang gekommen. Heute sind mehr positive Veränderungen zu
verzeichnen als während der siebziger, sechziger oder fünfziger Jahre.
Die positiven Auswirkungen der amerikanischen Präsenz - unsere Diplomatie, unsere Firmen, unsere Hilfsprogramme für schwarze Südafrikaner tragen dazu bei, die Grundlagen für einen weitergehenden Wandel zu schaffen. Mit der Apartheid muß Schluß gemacht werden. Wir müssen als eine
Kraft des konstruktiven, friedlichen Wandels in Erscheinung treten, solange die Möglichkeit dazu noch besteht; nur eine solche Vorgehensweise
steht im Einklang mit den Werten Amerikas. Keinesfalls dürfen wir am Rande stehen und die Kräfte der Polarisierung anfeuern, deren Wirken sich
letztendlich in einem Krieg der Rassen entladen könnte, und es kann nicht
unsere Sache sein, den Menschen Südafrikas ihr Leben noch weiter zu erschweren, denn auch dies könnte zu dem genannten Ergebnis führen.

Auch im Bereich der Weltwirtschaft geht eine wichtige Veränderung vor
sich, eine Veränderung geistiger Art. Die Wirklichkeit ist dabei, in einige seit langem bestehende wirtschaftspolitische

Vorstellungen einzu-

dringen. Heute trifft die Äußerung von Lord Keynes, daß Praktiker immer
die Sklaven irgendwelcher längst verstorbener Wirtschaftswissenschaftler
seien, wahrscheinlich weniger zu als in der Vergangenheit.

Oder viel-

leicht beweisen die Auffassungen über den Ursprung des "Reichtums der
Völker", die Adam Smith vor mehr als zwei Jahrhunderten zum Ausdruck
brachte, heute wieder einmal ihre praktische Gültigkeit.

Auf jeden Fall

haben die Erfahrungen der jüngeren Vergangenheit eine allgemeine, seit
langem überfällige Skepsis gegenüber planwirtschaftlichen Lösungen, zentraler Planung und staatlichem Dirigismus genährt.

Diese geistige Veränderung

ist zum Teil auf die

außergewöhnliche

Kraft des Aufschwungs in Amerika zurückzuführen. Die Vereinigten Staaten
haben ihr Steuersystem reformiert, um echte Anreize zur Arbeit, zum Sparen, zum Investieren, zur Risiko- und zur Leistungsbereitschaft zu schaffen.

Wir haben die staatliche Reglementierung, staatliche Eingriffe und
- lt&gt; -

�Eingriffe und staatliche Lenkungsversuche eingedämmt. In den Bereichen
Verkehr, Finanzwesen, Kommunikation, Fertigung und Verteilung haben wir
Möglichkeiten zu freierem Wettbewerb geschaffen.
die deutlichste Steigerung
seit 1951 zu verzeichnen.

des Realwachstums

Im vergangenen Jahr war
des Bruttosozialprodukts

Die Inflationsrate war (gemessen am Preisindex

des Bruttosozialprodukts) die niedrigste seit 1967. All dies zusammengenommen hat die Schaffung von zusätzlichen sieben Millionen neuen Arbeitsplätzen innerhalb von zwei Jahren ermöglicht.

Erfolg regt zum Nacheifern an. Ein Trend zum Dezentralisieren, zum
Entreglementieren, zur Reprivatisierung, zum Aufbrechen erstarrter Strukturen und zu einer Vergrößerung des Spielraums der einzelnen Hersteller
und Verbraucher zur freien Zusammenarbeit über den Markt ist nicht nur in
Ostasien, sondern auf allen Kontinenten - d.h., in den anderen Teilen
Asiens, in Europa, Lateinamerika und Afrika - zu verzeichnen. Im Hinblick
auf Afrika umfaßt die amerikanische Reaktion auf die dortige Ernährungskrise nicht nur umfassende Nothilfeaktionen, sondern auch ein längerfristig angelegtes Hilfsprogramm zur Unterstützung der Anstrengungen, die
die afrikanischen Staaten im Hinblick auf Wirtschaftsreformen, insbesondere im Agrarsektor, unternehmen.

Ernstzunehmende Gefahren für die Weltwirtschaft bleiben zwar bestehen, aber die Zukunftsaussichten sind vielversprechend. Eine weltweite
Revolution in der Wirtschaftspolitik und im wirtschaftspolitischen Denken
hat begonnen.

Sie kommt genau zum richtigen Zeitpunkt, da sie mit einer anderen Revolution zusammenfällt - einer Revolution, die die technologischen Grundlagen der Weltwirtschaft erfaßt hat. Es handelt sich um den Vorgang, den
Walter Wriston als "das mit Macht hereinbrechende Zeitalter der Informationstechnik" bezeichnet hat. Die Mikrochip-Computer, die modernen Mittel
der Telekommunikation und der fortwährende Prozeß der Innovation zusammengenommen verändern nicht nur das Nachrichtenwesen und andere Aspekte
des Alltagslebens, sondern stellen auch die herkömmlichen Vorstellungen
von nationaler Souveränität und von der Rolle der Regierung innerhalb der
- 16 -

�innerhalb der Gesellschaft in frage.

Die bloße Existenz dieser neuen Technologien ist ein weiterer Beleg
für die entscheidende Bedeutung des Unternehmertums - und auch für die
Bedeutung

einer Regierungspolitik, die

schafft - als Quell

technologischer

dem

Unternehmertum

Kreativität

und

Wachstums. Die abgeschlossenen Gesellschaftssysteme

freie Bahn

wirtschaftlichen

des Ustens werden

aller Wahrscheinlichkeit nach auf diesen Gebieten weit zurückfallen, und
auch westliche Gesellschaftssysteme, die die Wirtschaft zu vielen Beschränkungen unterwerfen, laufen Gefahr, dieses Schicksal zu erleiden.
Jede Regierung, die plumpe Versuche unternimmt, den Fluß elektroniscner
Informationen zu lenken, zu reglementieren oder zu besteuern, wird darüber hinaus feststellen müssen, daß sie dabei ist, sowohl das Wachstum
der Weltwirtschaft als auch den Fortschritt im eigenen Lande abzuwürgen.
Dies ist einer der Gründe, aus denen die Vereinigten Staaten auf eine
neue Runde von Handelsgesprächen über diese Dienstleistungsbereiche der
Datenverarbeitung

und der Vermittlung

von Informationen

dringen. Die

gesamte freie Welt hätte durch die Schaffung eines offeneren Systems etwas zu gewinnen, denn gemeinsam können wir schnellere und weitergehende
Fortschritte erzielen, als jeder von uns dies für sich allein vermöchte.

Dies weist auf einen weiteren Vorteil hin, dessen sich der Westen
erfreut. Der freie Fluß von Informationen ist seinem Wesen nach mit unserem politischen System und unseren Werten zu vereinbaren. Die kommunistischen Staaten hingegen fürchten die Revolution der Informationstechnik wahrscheinlich
Westens.

sogar

noch mehr

als die militärische Stärke des

Wir alle erinnern uns noch daran, welche Macht die Botschaft

des Ayatollah, die auf Tonbandkassetten im Iran unters Volk gebracht
wurde, entfalten konnte. Was also könnte im Ostblock

tiefgreifendere

Auswirkungen hervorrufen als ähnliche Kassetten, Rundfunksendungen von
außen, Fernmeldesatelliten oder Photokopierautomaten ? Die totalitären
Gesellschaften stehen vor einem Dilemma: Entweder versuchen sie, diese
Technologien abzuwürgen, was bedeuten würde, daß sie im Rahmen der neuen
industriellen Revolution noch weiter zurückfallen, oder aber sie lassen
diese Technologien zu und müssen sich dann damit abfinden, daß ihre tota- 17 -

�ihre totalitäre Herrschaft unabänderlich verfällt. In Wirklichkeit haben
sie gar keine Wahl, da sie niemals imstande sein werden, die Welle des
technologischen Fortschritts gänzlich abzuwehren.

Die Revolution im weltweiten Kommunikationswesen zwingt daher alle
Nationen, ihr herkömmliches Verständnis von nationaler Souveränität zu
überdenken. Wiederum wird uns die Interdependenz der Welt ins Gedächtnis
gerufen, und wir werden auch daran erinnert, daß nur eine Welt, in der
sich die Freiheit immer weiter ausbreiten kann, mit dem Fortschritt der
Technik und der menschlichen Gesellschaft in Einklang steht.

Die von mir soeben beschriebenen Trends sind überwiegend positiver
Natur. Wir erleben jedoch auch Dinge wie z.ß. durch wirtschaftlichen Wandel bedingte soziale Entwurzelung, Entfremdung in den Städten, politische
Turbulenzen und viele der möglichen Quellen und Formen von Unruhe, die
ich bereits erwähnt habe. Die weitere Entwicklung des internationalen Systems wird nur dann im Sinne dieser positiven Trends verlaufen, wenn wir,
d.h., die Vereinigten Staaten und die gesamte freie Welt, unserer Verantwortung gerecht werden, die gebietet, unsere Interessen zu verteidigen
und den Gang der Dinge gemäß unseren Idealen und Zielen zu gestalten.

Zumindest in einer Hinsicht wird die moderne Welt mit ihrer um sicn
greifenden Technologie, ihrem wachsenden Wohlstand und ihrem Streben nach
Demokratie ironischerweise immer verwundbarer, ich denke natürlich an den
Terrorismus. Obwohl die Welt vor der Gefahr eines großen Krieges immer
sicherer wird, sehen sich die demokratischen Nationen heute paradoxerweise einer zunehmenden Bedrohung durch diese neue Form der Kriegführung gegenüber. Der Terrorismus ist heute immer weniger eine isolierte Erscheinung oder das Werk räumlich begrenzt operierender Fanatiker, sondern zunehmend ein Element einer neuen internationalen Strategie der Feinde der
Freiheit. Er ist eine hinterhältige Waffe, die gezielt gegen die demokratischen Staaten, gegen ihre Interessen, ihre Politik und ihre Freunde,
aber auch gegen vollkommen unschuldige Menschen eingesetzt wird. Es gibt
auch

beunruhigende

Querverbindungen

zum

internationalen

Drogenhandel.

Beim Terrorismus handelt es sich um ein Problem, das uns in stärkerem
- 16 -

�in stärkerem Maße als andere Probleme zur Entwicklung neuer üenkansätze
im Hinblick auf die Sicherung unserer Zukunft zwingt. Während des vor uns
liegenden Jahres müssen wir auf das Auftreten ernstzunehmender terroristischer Bedrohungen in Westeuropa, dem Nahen Osten und Lateinamerika
vorbereitet sein, wobei sich die Terroristen in vielen Fällen der Unterstützung oder Ermutigung durch eine Handvoll skrupelloser Regierungen erfreuen werden.

Eine Gegenstrategie bei der Bekämpfung des Terrorismus muß meines Erachtens viele Faktoren umfassen. Wir und unsere Verbündeten müssen uns
noch nachdrücklicher bemühen, unsere Sicherheit zu verbessern, Informationen auszutauschen, polizeiliche Maßnahmen zu koordinieren und auch
sonst zusammenzuarbeiten. Wir in diesem Lande müssen uns außerdem genau
klarmachen, was in moralischer Hinsicht auf dem Spiel steht. Wenn wir
wirklich an unsere moralischen Werte und an unsere Lebensart glauben,
dann müssen wir auch zu ihrer Verteidigung bereit sein. Passive Maidnahmen
werden wahrscheinlich nicht genügen; Möglichkeiten einer aktiveren Abwehr
und Abschreckung müssen in Betracht gezogen werden und auch den nötigen
politischen Rückhalt finden.

Während wir uns unermüdlich bemühen, den Terroristen keine Uhance zu
lassen und keine Mittel in die Hand zu geben, können und müssen wir
schließlich mit äußerster Standfestigkeit dafür sorgen, daß sie auch ihre
Ziele nicht erreichen. Sie versuchen, uns durch Erpressung zu Kursänderungen in unserer Außenpolitik zu zwingen oder uns aus Ländern oder Regionen zu vertreiben, in denen wir wichtige Interessen haben. Das können
wir nicht zulassen. Unter dieser Art von Druck können wir keine Positionen räumen oder unseren Freunden und unserer Verantwortung den Rücken
kehren. Wenn wir den Terroristen auch nur einen Sieg dieser Art zugestehen, dann machen wir sie nur noch kühner, demoralisieren wir alle, die
sich auf uns verlassen, und machen wir die Weltlage noch gefährlicher.

Das Problem ist natürlich von viel allgemeinerer Art. Es geht um die
Grundfrage des Einsatzes der Macht Amerikas zur Verteidigung unserer Interessen und der Bedeutung unserer Macht als letzter Rückhalt unserer
- 19 -

�Rückhalt unserer Diplomatie. Sie spiegelt sich beispielsweise in dem wider, was oft als die "Herausforderungen der Grauzone" bezeichnet wird.
Dieser Begriff bezieht sich auf die Art von regionalen oder örtlichen
Konflikten oder Krisen, die in einer turbulenten Welt wie der unseren
wahrscheinlich immer wieder auftreten werden und, obwohl sie unterhalb
der Schwelle eines großen Krieges liegen, durchaus wichtige Interessen
des Westens berühren können.

In der Tat verhält es sich so, daß die

meisten der großen Konflikte seit 1945 ihren Ursprung in solchen Konflikten in der Dritten Welt hatten. Das Ende der Kolonialherrschaft hat nicht
zu allgemeinem Frieden und Gerechtigkeit geführt,

Ein großer Teil der

Dritten Welt wird von dem andauernden Kampf zwischen den Kräften der Mäßigung und den Kräften des Radikalismus erschüttert - ein Kampf, der von
der Sowjetunion aktiv ausgenutzt und verschärft wird.

Es wäre absurd, zu glauben, daß Amerika sich solchen Herausforderungen einfach entziehen kann. Die Weltlage ist gekennzeichnet von der Möglichkeit großer Instabilität und zahlreicher Gefahren. Daß wir auf einem
schrunpfenden Planeten und in einer Welt zunehmender Interdependenz leben, ist ein Gemeinplatz. Daraus folgt, daß die Vereinigten Staaten als
die stärkste demokratische Nation der Welt ihrer Verantwortung als Verteidiger der Freiheit, der Werte der Demokratie und des Weltfriedens und
als Bürge für die Sicherheit vieler anderer Nationen gerecht werden müssen.

Die Amerikaner haben stets zutiefst an eine Welt geglaubt, in der

Streitigkeiten friedlich beigelegt werden, eine Welt des Rechts, der internationalen Harmonie und der Menschenrechte. Harte Erfahrungen haben
uns jedoch gelehrt, daß eine solche Welt nicht allein durch guten Willen

und Idealismus geschaffen werden kann. Wir haben gelernt, daß wir stark
sein müssen, um den Frieden erhalten und die Freiheit bewahren zu können,
und daß wir darüber hinaus auch bereit sein müssen, unsere Stärke einzusetzen. Wir sind nicht auf Konfrontation aus, aber wir haben aus den Erfahrungen der dreißiger Jahre die Lehre gezogen, daß Beschwichtigungspolitik gegenüber einem Aggressor nur zur Aggression einlädt und die
Kriegsgefahr erhöht.

Die Amerikaner haben zuweilen zu der Annahme geneigt, daß Macht und
- 2ü -

�Macht und

Diplomatie zwei unterschiedliche Alternativen darstellen. Tat-

sächlich müssen Macht und Diplomatie jedoch stets Hand in Hand gehen,
oder wir werden in dieser Welt sehr wenig erreichen. Macht muß stets von
Zielvorstellungen gelenkt werden.

Gleichzeitig ist es eine harte Tat-

sache, daß eine Diplomatie, die sich nicht auf Stärke stützen kann, stets
Pestenfalls unwirksam

und schlimmstenfalls gefährlich sein wird.

Die

Amerikaner werden immer Hemmungen haben, ihre militärische Stärke einzusetzen; dies ist ein Ausweis unserer moralischen Integrität.

Die Anwen-

dung von Gewalt muß stets das letzte Mittel sein, dessen wir uns nur dann
bedienen, wenn andere Mittel der Einflußnahme sich als unzulänglich erwiesen haben.

Eine Großmacht kann sich jedoch der Last der Entscheidung

nicht so einfach entledigen.

Sie ist für die Konsequenzen dessen, was

sie unterläßt, ebenso verantwortlicn wie für die Konsequenzen dessen, was
sie tut.

Ihre Entscheidungen berühren auf jeden Fall das Schicksal vie-

ler anderer Menschen in vielen Teilen der Welt.

Wenn es um die Entscheidung darüber geht, wie und wo wir unsere Macht
einsetzen sollen, müssen wir klug und umsichtig zu Werke gehen.

Die Ver-

einigten Staaten werden stets politische Lösungen für bestehende Probleme
anstreben.

Solche Lösungen werden sich jedoch nie durchsetzen lassen,

wenn wir der Aggression nicht entgegentreten und wenn unsere Diplomatie
sich nicht auf Stärke stützen kann. Unter der Voraussetzung, daß wir die
Modernisierung unserer strategischen Streitkräfte fortsetzen, sind wir
hinlänglich darauf vorbereitet, einen nuklearen Großangriff der Sowjets
durch Abschreckung zu verhindern.

Wir müssen jedoch physisch wie psy-

chisch ebenso auf die Herausforderungen mittleren Ausmaßes vorbereitet
sein, denen wir uns unausweichlich gegenübersehen werden.

Ich habe eine große Spannbreite von Themen berührt, und aus dem Gesagten lassen sich zwei sehr wichtige, sehr grundlegende Schlußfolgerungen ableiten.

Erstens: Meines Erachtens ist sich das amerikanische Volk über das,
was in der unmittelbaren Zukunft zu geschehen hat, im wesentlichen einig.
Vor uns liegen Ziele, über die weithin Einmütigkeit besteht, und Aufga- 21 -

�und Aufgaben, in deren Rahmen sich ein weiterer wichtiger Trend verstärken dürfte, nämlich die Neubildung eines nationalen Konsensus über die
Hauptelemente unserer Außenpolitik.

Dies könnte sich als der wichtigste

unter all den positiven Trends erweisen, denn ein großer Teil unserer
Schwierigkeiten in den vergangenen Jahrzehnten war weitgehend auf die
Tatsache zurückzuführen, daß unser eigenes Volk in verschiedene Lager
gespalten war.

Zweitens: All die unterschiedlichen Themen, die ich berührt habe,
hängen letzten Endes eng zusammen. Die Vereinigten Staaten wollen Frieden
und Sicherheit; wir wollen wirtschaftlichen Fortschritt; wir wollen die
Freiheit, die Demokratie und die Menschenrechte voranbringen. Der herkömmliche Denkansatz besteht darin, hier unterschiedliche Handlungskategorien zu sehen. Wie wir gesehen haben, setzt sich jedoch heute immer
stärker die Einsicht durch, daß hier ein wichtiger Zusammenhang besteht.

Wie ich bereits dargelegt habe, wird immer klarer erkannt, daß wirtschaftlicher Fortschritt an ein politisches Umfeld

der Offenheit und

Freiheit geknüpft ist. In gewissen Kreisen war man früher der Meinung,
daß der Sozialismus das angemessene Modell für Entwicklungsländer sei, da
ein System der zentralen Planung besser zur Mobilisierung und Zuweisung
knapper Ressourcen in der Lage sei. Die historische trfahrung Westeuropas
und Nordamerikas, deren Industrialisierung sich in einem Zeitalter begrenzter Regierungseingriffe vollzog, hielt man nicht für relevant, uie
Erfahrungen der jüngeren Vergangenheit in der Dritten Welt zeigen jedoch,
daß ein beherrschender Einfluß der Regierung auf eine sich entwickelnde
Volkswirtschaft oftmals die natürlichen Kräfte der Produktion und Produktivität abwürgt und die effektive Verteilung von Ressourcen stört.

In

Entwicklungs- wie in Industrieländern erweist sich als wirklicher Motor
des Wachstums letztlich die natürliche Dynamik von Gesellschaften, die
die Rolle der zentralen Planung so klein wie möglich halten, sich dem
Welthandel öffnen und der Begabung und den Anstrengungen des einzelnen
sowie seiner Bereitschaft zur Übernahme von Risiken und seinen Investitionsentscheidungen freie Entfaltungsmöglichkeiten lassen.
In gleicher Weise
- 22 -

�In gleicher Weise gibt es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch einen Zusammenhang zwischen wirtschaftlichem Fortschritt,
Freiheit und Weltfrieden. In seiner Rede anläßlich der Verleihung des Nobelpreises erklärte Andrei Sacharow:

"Ich bin davon überzeugt, daß internationales Vertrauen, beiderseitiges Verständnis, Abrüstung und internationale Sicherheit undenkbar sind
ohne eine offene Gesellschaft mit Informationsfreiheit, Gewissensfreiheit, Publikationsfreiheit, Reisefreiheit und dem Recht des einzelnen, im
Land seiner Wahl zu leben. Ich bin weiterhin davon überzeugt, daß Gewissensfreiheit im Verein mit anderen Bürgerrechten sowohl die Grundlage für
wissenschaftlichen Fortschritt als auch eine Garantie gegen seinen Mißbrauch für Zwecke, die der Menschheit schaden, darstellt."

Die Implikationen all dessen sind tiefgreifend: Sie besagen, daß die
westlichen Werte der Freiheit und Demokratie, die von gewissen Kreisen
leichthin

als

kulturabhängig,

irrelevant

oder

überholt

wurden, nicht so leicht beiseite geschoben werden können.

abgeschrieben
Diese Werte

bilden den Wuell unserer wirtschaftlichen wie moralischen Stärke, und sie
erweisen sich für die Zukunft der Welt als bedeutsamer, als viele Menschen bislang erkannt haben. Nachdem es mehr als ein Janrhundert lang als
modisch gegolten hat, den marxistischen Mythen über den ökonomischen Determinismus und die "Krise des Kapitalismus" anzuhängen, erweist sich
schließlich, daß der Schlüssel zu Fortschritten der menschlichen Gesellschaft in genau den westlichen Vorstellungen von politischer und wirtschaftlicher Freiheit liegt, von denen der Marxismus zu behaupten pflegte, daß sie veraltet seien. Er hatte unrecht. Der Gipfel der Ironie besteht darin, daß heute gerade das kommunistische System in moralischer
wie in wirtschaftlicher Hinsicht bankrott wirkt. Der Westen hingegen erweist sich als elastisch und regenerationsfähig.

Daher betrifft die wichtigste der Forderungen nacn neuen uenkansätzen
im gegenwärtigen Jahrzehnt unser Selbstverständnis. Wenn Kulturen an sich
glauben, dann gedeihen sie; wenn sie diesen Glauben verlieren, dann verfallen sie. Alle Kulturen treffen auf gewaltige Probleme, aber die Wahr- 23 -

�die Wahrscheinlichkeit, daß eine Gesellschaft

diese

Herausforderungen

meistern kann und sich nicht von ihnen überwältigen läßt, steigt im gleichen Maße, in dem es ihr gelingt, sich diesen unerschütterlichen Glauben
an die Verteidigungswürdigkeit ihrer Werte zu bewahren. Dies ist auch die
Quintessenz der Reagan-Revolution und dessen, wozu der Präsident Amerika
führen wollte.

Im Verlaufe des vergangenen Jahrzehnts hat der Westen eine schwierige
Phase durchlaufen. Aber heute zeichnet sich ein neuer Gang der Dinge ab.
Die nächste Phase der industriellen Revolution wird, wie auch alle vorhergehenden, in der demokratischen Welt eingeleitet, wo dem menschlichen
Geist keine Fesseln angelegt werden und er schöpferisch und innovativ
wirken kann. Auf allen Kontinenten - von Nicaragua bis Kambodscha, von
Polen über Südafrika bis Afghanistan - erweist sich die Sehnsucht nach
Freiheit als die machtvollste politische Kraft dieser Erde.

Während das 21. Jahrhundert näherrückt, ist es an der Zeit, daß sich
die demokratischen Staaten des Wertes ihrer Grundordnung und ihrer Überzeugungen wie auch ihrer Erfolge mit Stolz bewußt werden. Wir sehen uns
zwar Herausforderungen gegenüber, sind aber sehr wohl in der Lage, sie zu
meistern. Die Meinungen darüber, welchem System die Zukunft gehört, wandeln sich. Wenn die freien Nationen ihre Einheit und ihren Glauben an
sich selbst bewahren, dann sind sie wirtschaftlich, technologisch und moralisch im Vorteil.

Die Geschichte steht auf der Seite der Freiheit.

* * * * *

- 24 -

�17. April 1985

16

KAMPF DEJvl DROGENHANDEL

Präsident Reagan und Staatspräsident Betancur unterzeichnen
gemeinsame Erklärung für USA und Kolumbien -

WASHINGTON - (Aü) - Präsident Ronald Reagan und der Staatspräsident
von Kolumbien, Selisario Betancur, setzten sich in einer gemeinsamen Erklärung dafür ein, die Anstrengungen beider Länder zur Ausschaltung des
Handels mit illegalen Drogen "neu zu beleben und zu intensivieren".

Die

am 4. April 1985 in Washington unterzeichnete Erklärung brandmarkt den
Drogenhandel als "verbrecherische Aktivität, die keine Grenzen kennt und
nur durch eine gemeinsame Anstrengung aller darin verwickelten Länder unter Kontrolle gebracht werden kann".

Die Erklärung hat folgenden Wortlaut:

Sei unserem heutigen Gespräch erörterten wir die Geissei "Rauschgift",

die

unsere

beiden

Nationen,

Menschheit insgesamt heimsucht.

die

gesamte

Hemisphäre

und

die

Wir überprüften die Maßnahmen, die un-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Jie unsere beiden Nationen unternehmen und, einzeln und gemeinsam, unternehmen werden, um die Produktion von illegalen Drogen, den Handel mit ihnen, die Nachfrage und den Konsum zu bekämpfen.

Unsere Nationen wissen um die schrecklichen Auswirkurgen, die Drogenmißbrauch auf Gesundheit und Wohlergehen sowohl des einzelnen als auch im
allgemeinen auf die Wirtschaft und die öffentliche Moral beider Sozialgefüge haben.

Besonders beklagenswert ist es, wenn die Drogengifte bei Ju-

gendlichen und sogar bei kleinen Kindern gefunden werden.

Drogenhandel ist eine verbrecherische Aktivität, die keine Grenzen
kennt und nur durch eine gemeinsame Anstrengung aller darin verwickelten
Länder unter Kontrolle gebracht werden kann.

Wir sind beide besorgt, daß

die Finanzkraft, die aus den enormen Profiten aus dem Handel mit illegalem Drogen resultiert, eine schlimme Bedrohung der Demokratien in der
westlichen Hemisphäre bedeutet.

Unser gemeinsames Engagement für den

Kampf gegen Rauschgift ist ein integraler Teil der engen Beziehungen, die
zwischen unseren beiden Nationen existieren.

Wir halten es beide für

lebensnotwendig, für diese intensivierte Anstrengung die Mitarbeit anderer Regierungen zu gewinnen.

Uns ist bekannt, daß die Schwere des Problems eine Folge sowohl illegaler Produktion und Verteilung von Drogen als auch die wachsende Nachfrage danach ist.

Uns ist ferner bekannt, daß diese Faktoren in enger

Beziehung zueinander stehen und alle Anstrengungen, einen davon zu bekämpfen, ohne gleichzeitig ebenso energische Maßnahmen gegen die anderen
zu treffen, nutzlos sind.

Deshalb ist jede der beiden Regierungen zur

Übernahme ihrer Verantwortung bereit, sowonl die illegale Produktion als
auch den Drogenmißbrauch auszuschalten.

Die Vereingten Staaten erkennen die Anstrengungen, den Linsatz von
Ressourcen und die Opfer an, die Kolumbien aufgebracht hat, um Anbauerträge und Laboratorien zu zerstören, Lieferungen zu beschlagnahmen und
des Drogenhandels verdächtige Personen gerichtlich zu verfolgen sowie
Händler auszuweisen, die in den Vereinigten Staaten wegen Rauschgiftver- 2 -

�wegen Rauschgiftverbrechen angeklagt sind.

Was die Vereinigten Staaten

angeht, so werden hier die Vollzugsmaßnahmen ausgeweitet, und Vorbeugungs- sowie Auf klä'rung sprog ramme zeitigen positive Ergebnisse in Form
rückläufigen Drogenmißbrauchs.

Wir stimmen voll und ganz überein, daß es notwendig ist, diese intensivierten Anstrengungen fortzusetzen und die engstmögliche Zusammenarbeit
im Kampf gegen Drogen zu gewährleisten.

Beide Nationen bekräftigen er-

neut die Achtung vor unseren gegenseitigen rechtlichen Verpflichtungen,
Händler gemäß dem zwischen uns geschlossenen Vertrag auszuweisen, und
bleiben in engem Kontakt, um in gewissen Zeitabständen das Rahmenwerk unserer Zusammenarbeit im Rechts- und Gesetzesvollzug zu überprüfen und zu
verbessern, wie dies für die Anpassung an veränderte Bedingungen in Anbetracht unserer Erfahrungen notwendig ist.

Mit Befriedigung haben wir von der Aufnahme neuer Maßnahmen zur Zusammenarbeit im Kanpf gegen das Drogenproblem Kenntnis genommen.

Mrs.

Reagan und Mrs. Betancur, die heute Vormittag im Weißen Haus ein Gespräch
führten, werden an der Konferenz der "First Ladies" über Drogenmißbrauch
teilnehmen, die am 24. April in Washington abgehalten wird.

Wir sind

überzeugt, daß solche Tagungen, bei denen sie eine führende Rolle spielen, von bleibender Wirkung sein werdea

Kolumbien erneuert seine Verpflichtung, auf allen Ebenen den Drogenhandel zu bekämpfen, die Ernte und die Laboratorien zu vernichten, wo
Drogen verarbeitet werden, den Transport zum amerikanischen Markt zu verhindern und sich darum zu kümmern, daß die für den Handel Verantwortlichen hart bestraft werden.

Die Vereinigten Staaten verpflichten sich,

ihre Anstrengungen zur Reduzierung des Gebrauchs und der Nachfrage nach
Drogen zu ernöhen, Pflanzungen zu vernichten und die Unterstützung des
Kampfes gegen Suchtstoffe zu verstärken.

Der Preis des Erfolgs war bereits hoch.

Er forderte das Leben eines

kolumbianischen Ministers, das von Rodrigo Lara Bonilla, und das von
Vollzugsbeamten beider Länder.

Wir können nicht zulassen, daß solche üp- 3 -

�solche Opfer umsonst gewecen sind.

Wir verpflichten uns beide, unsere

Anstrengungen zur Zerstörung der Händlernetze neu zu beleben und zu intensivieren.

Unsere Entscheidung

ist unabänderlich, unser Engagement

allumfassend.

Nichts wird uns davon abhalten, diesen Kampf zu führen.

gez.

gez.

Ronald Reagan

Belisario Betancur

* * * * *

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9586">
                <text>17.04.1985</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9587">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9588">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="13611">
                <text>Amerikadienst 17.04.1985</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="13612">
                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neue Realitäten und neue Denkansätze&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von US-Außenminister George P. Shultz -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kampf dem Drogenhandel&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Präsident Reagan und Staatspräsident Betancur unterzeichnen gemeinsame Erklärung für USA und Kolumbien -&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2191" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2202">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/cc90f51b906e07443e4e219fc9e2432e.pdf</src>
        <authentication>f736d8b7515f752dc11dd24aa14c8fe8</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="11125">
                    <text>cimerikci
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

c$r*AcO

xyrRz* Sn&amp;S 1 3 '

%?s

\P' .,,;,

bC

V^

29
V
2
17. April 1991

15

NEUE WELTORDNUNG

BUSH: NEUES EUROPA MIT NEUEN ROLLEN
UND INSTITUTIONEN
Rede zur "Neuen Weltordnung"

NAHER OSTEN

US-TRUPPEN HELFEN BEI EINRICHTUNG VON
FLÜCHTLINGSLAGERN IM IRAK
Pressekonferenz von Präsident Bush

KOORDINIERTE BESTREBUNGEN ZUR
UNTERSTÜTZUNG DER IRAKISCHEN
FLÜCHTLINGE IN DIE WEGE GELEITET
Darstellung der internationalen Zusammenarbeit
HUMANITÄRE US-HILFE FÜR IRAKISCHE
FLÜCHTLINGE
Eine Übersicht des Weißen Hauses

NICHTVERBREITUNG

DIE NICHTVERBREITUNGSPOLITIK DER
VEREINIGTEN STAATEN
von Ronald F. Lehman II

WIRTSCHAFT

DAS PROGRAMM DES PRÄSIDENTEN ZUR
FÖRDERUNG DES WIRTSCHAFTSWACHSTUMS
Übersicht des Weißen Hauses vom 9. April 1991

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�NEUE

WELTORDNUNG
17. April 1991

BUSH: NEUES EUROPA MIT NEUEN ROLLEN
UND INSTITUTIONEN
Rede zur "Neuen Weltordnung"
MONTGOMERY (ALABAMA) - (AD) - In einer Rede an der Air University auf dem Luftwaffenstützpunkt Maxwell - die erste in einer Reihe von Reden des Präsidenten zur "Neuen Weltordnung" - erklärte Präsident Bush
am 13. April 1991, die Vereinigten Staaten seien sich bewußt, "daß neue Rollen und selbst neue Institutionen
natürliche Folgen des neuen Europas sind". Die Vereinigten Staaten erwarteten von Europa "als Stabilitätsfaktor
außerhalb seiner Grenzen zu wirken".
Zu den Hilfsmaßnahmen fürdie Kurden stellte der Präsident fest, daß die Vereinigten Staaten "keine Störungen"
der massiven Hilfsbemühungen der internationalen Staatengemeinschaft für die "Hunderttausenden von Flüchtlingen" seitens des irakischen Präsidenten Saddam Hussein tolerieren werden.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Präsident Bush in wesentlichen Auszügen.

Über vier Jahrzehnte haben wir in einer geteilten Welt
gelebt, einer Welt, die auf einen Konflikt der Rüstungen
und Ideen fixiert war, den wir als kalten Krieg bezeichnen, - zwischen Ost und West, zwischen zwei Supermächten, die durch Mißtrauen und ständige Feindschaft getrennt waren. Über vier Jahrzehnte konzentrierten die Vereinigten Staaten ihre Energien auf die
Eindämmung der Bedrohung für die freie Welt durch
die Kräfte des Kommunismus. Dieser Krieg ist vorbei.
Die DDR ist völlig von der Landkarte verschwunden.
Heute ist die Berliner Mauer, die einst einen Kontinent
zerschnitt und die Welt in zwei Teile spaltete, zu Staub
zerfallen und existiert nur noch in Form von Souvenirs.
Ihre übriggebliebenen Teile haben nur noch Museumswert.
Der Warschauer Pakt ist vergangene Woche Geschichte geworden, und dies vollzog sich nicht mit
einem Knall, sondern mit einem letzten Aufseufzen,
und sein Hinscheiden war der Washington Post nur
einen Artikel auf Seite A-16 wert.
In den kommenden Wochen werde ich im einzelnen
auf die Möglichkeit einer Neuen Weltordnung nach
dem kalten Krieg eingehen. In den vergangenen
Wochen habe ich mich nicht nur auf den Golf, sondern
auch auf den freien Handel, das Nordamerikanische

AMERIKA DIENST 15

Freihandelsabkommen, die Uruguay-Runde, Handelsgespräche und die Notwendigkeit konzentriert, vom
Kongreß der Vereinigten Staaten eine Verlängerung
des "Fast-Track"-Mandats zu erhalten, um unser Ziel
zu erreichen.
Heute möchte ich jedoch einen anderen Aspekt dieser
Ordnung erörtern, und zwar unsere Beziehungen zu
Europa und zur Sowjetunion.
Zweimal in diesem Jahrhundert wurde ein auf den
Schlachtfeldern Europas geborener Traum nach der
Einstellung des Feuers zunichte gemacht - der Traum
von einer Welt, in der führende Mächte zusammenarbeiten, um den Frieden zu sichern, um ihre Streitigkeiten durch Kooperation und nicht Konfrontation beizulegen. Heute ist ein umgestaltetes Europa seiner
freien und demokratischen Bestimmung näher gerückt
als je zuvor. Endlich macht Europa Fortschritte und
geht einer neuen Welt der Hoffnung entgegen.
Gleichzeitig sind unsere europäischen Verbündeten
und wir von der Politik des Containment zu einer Politik
des aktiven Engagements in einer Welt übergegangen, die nicht mehr von den Spannungen und Animositäten des kalten Krieges geprägt ist. Als nämlich der
kalte Krieg zu Ende ging, erkannten wir die Möglichkei-

Seite 1

�ten einer neuen Weltordnung, in der die Nationen
zusammenarbeiten, um Frieden und Wohlstand zu
fördern. Ich spreche hier nicht über einen Plan, der das
Verhalten der Nationen bestimmen wird, oder über
eine Art von supranationaler Struktur oder Institution.
Die Neue Weltordnung bedeutet nicht, auf unsere
nationale Souveränität zu verzichten oder unsere Interessen preiszugeben. Sie bezeichnet eigentlich eine
Verantwortung, die uns durch unsere Erfolge auferlegt
ist. Sie bezieht sich auf neue Wege der Zusammenarbeit mit anderen Nationen, um Aggression abzuschrekken und Stabilität zu erlangen, um Wohlstand und vor
allem Frieden zu schaffen. Sie erwächst aus Hoffnungen auf eine Welt, die auf einem von kleinen und
großen Nationen geteilten Engagement für eine Reihe
von Prinzipien gründen, die unsere Beziehungen untermauern - friedliche Beilegung von Konflikten, Solidarität gegen Aggression, reduzierte und kontrollierte
Waffenarsenale und gerechte Behandlung aller Völker.
Diese Ordnung, die Fähigkeit zur Zusammenarbeit,
mußte im Golf krieg ihre erste Prüfung bestehen. Zum
ersten Mal wurde ein regionaler Konflikt - die Aggression gegen Kuwait - nicht zum Stellvertreterkrieg für
die Konfrontation der Supermächte. Zum ersten Mal
funktionierte der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen - befreit von dem Zusammenprall der Ideologien
des kalten Krieges - so, wie von seinen Begründern
beabsichtigt - als Kraft für die Lösung von Konflikten
und kollektive Sicherheit.
Am Golf schlössen sich Staaten aus Europa und
Nordamerika, Asien und Afrika sowie der arabischen
Welt zusammen, um der Aggression Einhalt zu gebieten und für andere mögliche Tyrannen in der ganzen
Welt ein Zeichen zu setzen. Indem wir gemeinsam zur
Verteidigung einer kleinen Nation handelten, zeigten
wir, daß wir bei der Verteidigung von Prinzipien gegen
Aggressoren zusammenarbeiten konnten.
Darüber hinaus haben wir erkannt, daß das Ende des
kalten Krieges uns kein Zeitalter des ewigen Friedens
bescherte. Mit dem allmählichen Verschwinden alter
Bedrohungen treten neue auf den Plan. Die Suche
nach einer Neuen Weltordnung ist teilweise eine Herausforderung, um die Gefahren der Unordnung zu
zügeln. Heute ist Kuwait - Gott sei Dank - frei.
Der Aufruhr in jener krisengeschüttelten Region hält
jedoch an. Saddams andauernde Barbarei hat sein
Regime außerhalb der internationalen Ordnung gestellt. Wir werden uns nicht in den Bürgerkrieg im Irak
einmischen. Das irakische Volk mu ß selbst über seine
politische Zukunft bestimmen.
Wenn ich Sie hier sehe und dabei an Ihre Familien
denke, möchte ich dies noch ein wenig eingehender
erläutern. Wir haben unsere Ziele definiert. Diese
durch das Völkerrecht gedeckten Ziele wurden er-

Seite 2

reicht. Ich habe eindeutig klargestellt, daß unsere
Truppen nach Hause kommen werden, sobald unsere
Ziele verwirklicht sind. Trotzdem wolten wir, daß die
Leiden dieser Flüchtlinge beendet werden, und im
Einklang mit dem Mitgefühl und der Anteilnahme unserer
Nation helfen wir in massivem Umfang. Aber ich
möchte unsere Truppen sobald wie möglich aus dem
Irak abziehen und zurück nach Hause holen.
Seit vielen Jahren ist der Irak Schauplatz innerer
Konflikte. Wir stellen Hüte zur Verfügung, und wir
werden diesen Flüchtlingen auch weiterhin helfen. Ich
möchte jedoch nicht, daß ein einziger Soldat in diesen
Bürgerkrieg im Irak gestürzt wird, der seit vielen Jahren
tobt. Und ich werde dies nicht zulassen.
Ich weiß, daß durch die historischen Bemühungen der
Koalition die Fähigkeit Saddam Husseins zu Aggressionen gegen seine Nachbarn zerstört wurde. Sie
haben diese Arbeit geleistet. Aber heute wird die
internationale Staatengemeinschaft darüber hinaus
gewährleisten, daß Saddams Fähigkeit zur Bedrohung seiner Nachbarn völlig beseitigt wird, indem die
Massenvernichtungswaffen des Irak zerstört werden.
Und wie ich bereits erwähnte, werden wir den irakischen Flüchtlingen, den Hunderttausenden von Opfern dieses Mannes - der Brutalität Saddam Husseins
- weiterhin helfen, um ihnen Nahrung und Obdach
sowie Sicherheit und die Möglichkeit zu bieten, unbeschadet in ihre Heimat zurückzukehren. Wir werden
keine Störungen dieser internationalen Hilfsmaßnahmen tolerieren.
Der Irak kann erst dann in die Staatengemeinschaft
zurückkehren, wenn seine politisch Verantwortlichen
die Brutalität und Unterdrückung beenden, die ihr Land
zerstören. Mit Saddam an der Macht wird der Irak ein
Ausgestoßener bleiben, und seiner Bevölkerung wird
die moralische Verbindung mit dem Großteil der
Außenwelt verwehrt bleiben. Wir müssen auf dem
Erfolg von Wüstensturm aufbauen, um dieser neuen
Weltordnung neue Konturen und neuen Auftrieb zu
verleihen, um Macht klug einzusetzen und die Hand
der Anteilnahme auszustrecken, wo immer wir können.
Heute begrüßen wir die Bereitschaft Europas, einen
Gro ßteil dieser Verantwortung übernehmen zu wollen.
Dieses neue Verantwortungsbewußtsein seitens unserer europäischen Verbündeten wird im östlichen Teil
Europas besonders deutlich und ist dort am entscheidendsten. Die Nationen Osteuropas - die so lange Zeit
das andere Europa waren - müssen jetzt ihren Platz
neben ihren Nachbarnim Westen einnehmen. Ebenso
wie wir die politische Teilung Europas überwunden
haben, müssen wir jetzt den Übergang von Anmut zu
Wohlstand erleichtern.
Die Vereinigten Staaten werden wie bisher ihren Teil
dazu beitragen, und wir haben bereits Polens Schulden gegenüber den Vereinigten Staaten um 70 Pro-

AMERIKA DIENST 15

�zent erlassen und unsere Hilfe an Osteuropa in diesem
Jahr um 50 Prozent erhöht. Aber der Schlüssel zur
Entwicklung dieser neuen Demokratien sind Handel
und Investititonen. Die neuen Unternehmer in der
Tschechoslowakei, Polen und Ungarn erwarten weder
von ihren eigenen noch von anderen Regierungen,
daß sie mit Reichtümern überschüttet werden. Sie
erwarten neue Möglichkeiten, neue Freiheiten für den
produktiven Erfindergeist, der 40 Jahre durch staatliche Kontrolle erstickt wurde.
Gestern hat mich mein geschätzter Freund, ein Mann,
den wir alle ehren und zu schätzen wissen - der
tschechische Präsident Vaclav Havel - angerufen und
um Rat und Hilfe des Westens gebeten. Er sieht sich
enormen Problemen gegenüber. Wie Sie wissen,
möchte die Tschechoslowakei demokratisch werden.
Dieser Mann führt sein Volk zur Perfektionierung seiner aufstrebenden Demokratie. Die tschechische
Wirtschaft befindet sich auf dem Weg von einem
gescheiterten sozialistischen Modell zu einer Marktwirtschaft. Wir alle müssen helfen.
Es ist nicht leicht, staatseigene und staatlich betriebene Waffenschmieden in marktorientierte Unternehmen zur Produktion von Konsumgütern umzuwandeln.
Aber^diese neuen Demokratien können mit dem richtigen Rat und der Hilfe des Westens genau das erreichen.
Es liegt im Interesse der Vereinigten Staaten von
Amerika, daß die Tschechoslowakei, Polen und Ungarn diese aufstrebenden Demokratien und ihre im
Entstehen begriffene Marktwirtschaft stärken.
Wir sind uns bewußt, daß neue Rollen und selbst neue
Institutionen natürliche Folgen des neuen Europas
sein werden. Sei es die Europäische Gemeinschaft
oder ein erweitertes Mandat der KSZE - die Vereinigten Staaten unterstützen alle Bestrebungen, um einen
europäischen Ansatz zu der gemeinsamen Herausforderung auf dem Kontinent und der Welt darüber hinaus
in der Erkenntnis zu erarbeiten, daß die langfristige
Sicherheit Europas mit der Amerikas verknüpft und die
NATO nach wie vor das beste Instrument zu ihrer
Gewährleistung ist.
Darüber hinaus erwarten wir von Europa als Stabilitätsfaktor außerhalb seiner Grenzen zu wirken. In
einer so interdependenten Welt kann keine Industrienation ihre Mitgliedschaft in der internationalen Staatengemeinschaft einnehmen, ohne ihren fairen Teil an
Verantwortung für Frieden und Sicherheit zu übernehmen.
Aber selbst angesichts solcher begrüßenswerten
Veränderungen werden die Amerikaner zur Unterstützung des erfolgreichsten Bündnisses der Geschichte
- der NATO - in Europa bleiben. Das amerikanische
Engagement ist der beste Garant für ein sicheres
Europa und ein sicheres Europa ist unabdingbar für die

AMERIKA DIENST 15

amerikanischen Interessen und entscheidend für den
Weltfrieden.
Das ist die grundlegende Logik des atlantischen Bündnisses, die Amerika in Europa verankert. Die Geschichte dieses Jahrhunderts lehrt, daß das Schicksal
und die Interessen der Vereinigten Staaten nicht von
denen Europas getrennt werden können. Im Verlauf
der langen Jahre des kalten Kriegs und Konflikts haben
sich die Vereinigten Staaten unerschütterlich für Freiheit in Europa eingesetzt. Und heute, da Osteuropa
sich den demokratischen Idealen öffnet, werden echte
Fortschritte möglich.
Die Sowjetunion ist mit ihrer tiefgreifenden Umgestaltung befaßt. Die Politik der Konfrontation in Übersee
ruht ebenso wie das diskreditierte Dogma des Kommunismus, dem diese Politik entsprang, und hat vielleicht
sogar ihren Todesstoß erhalten. Vieles hat sich verändert. Der von Präsident Gorbatschow eingeschlagene
und am Persischen Golf am deutlichsten zutage getretene Weg internationaler Zusammenarbeit markiert
einen radikalen Wandel im sowjetischen Verhalten.
Dennoch ist der Kurs der Veränderungen innerhalb der
Sowjetunion entschieden weniger deutlich. Die wirtschaftlichen und politischen Reformen stehen dort vor
einer ernsthaften Herausforderung. Die sowjetischen
Bürger sehen sich angesichts des Zusammenbruchs
der alten Ordnung mit erschreckenden Wirtschaftsbedingungen konfrontiert, während die neue Ordnung
noch in den Geburtswehen liegt. Ihre hart erkämpften
Freiheiten sind durch althergebrachte Nationalitätenkonflikte, Konflikte zwischen den Republiken und zwischen den Republiken und der Zentralregierung gefährdet und kommen zu den monumentalen Herausforderungen hinzu, denen sie sich gegenübersehen.
Die Politik der Vereinigten Staaten gegenüber der
Sowjetunion in diesen schwierigen Zeiten besteht vor
allem darin, die Bestrebungen zum Aufbau kooperativer Beziehungen fortzusetzen, die es unseren beiden
und vielen anderen Nationen ermöglicht haben, den
internationalen Frieden und Stabilität zu stärken.
Gleichzeitig werden wir weiterhin den Reformprozeß in
der Sowjetunion unterstützen, der politische und wirtschaftliche Freiheit zum Ziel hat - einen Prozeß, der
unseres Erachtens auf friedlichen Dialog und Verhandlungen aufbauen muß. Diese Politik verfolgen wir
unerschütterlich sowohl in unseren Gesprächen mit
der sowjetischen Zentralregierung als auch mit allen
im politischen Leben der Sowjetunion engagierten
Elementen.
Lassen Sie mich eines eindeutig klarstellen. Der vor
der Sowjetunion liegende Weg wird schwierig und
gelegentlich außerordentlich schmerzlich sein. Die
Geschichte wiegt schwer auf allen Völkern in der
Sowjetunion - die Befreiung von 70 Jahren kommunistischer Herrschaft, von tausend Jahren der Autokratie. Dieser Prozeß wird sich langsam vollziehen. Es

Seite 3

�wird Rückschläge geben. Aber dieser Reformprozeß,
dieser Umbruch von innen muß weitergehen. Wenn
die Zusammenarbeit mit anderen Ländern und unsere
Fortschritte zu echtem internationalem Frieden von
Dauer sein sollen, muß ihm Erfolg beschieden sein.
Nur wenn diese Umgestaltung vollzogen sein wird,
können wir die sich durch diese neue und umfassende
Weltordnung bietenden Möglichkeiten voll und ganz
ausschöpfen.

Was aber diese Nation definiert, was dieses Amerika
ausmacht, sind nicht unsere Bindungen an ein Stück
Land oder unsere Blutsbande. Was uns Amerikaner
ausmacht, ist unser Glaube an die Idee, daß alle
Völker überall auf der Welt frei sein müssen. Diese
Idee ist so alt und so beständig wie diese Nation selbst.
Sie ist in dem, was wir sind, als implizites Versprechen
an die ganze Welt in den Worten unserer Unabhängigkeitserklärung enthalten.

Die neue Weltordnung ist in der Tat ein Instrument zur
Bewältigung der neuen Welt der Möglichkeiten. Diese
Ordnung erhält ihre Aufgabe und Gestalt nicht nur aus
gemeinsamen Interessen sondern auch aus gemeinsamen Idealen. Und die Ideale, die neue Freiheiten auf
der ganzen Welt hervorgebracht haben, fanden ihren
kühnsten und deutlichsten Ausruckin unserem großen
Land, den Vereinigten Staaten.

Die vor uns liegende neue Welt - und ich wünschte, ich
hätte Ihr Alter - ist eine wundervolle Welt der Entdekkung, eine Welt, die sich der Freisetzung der Versprechungen der Freiheit verschrieben hat. Sie ist genausowenig gegliedert wie ein Traum, genausowenig
reglementiert wie der Geniestreich eines Erfinders.
Wenn wir uns selbst und unseren Werten vertrauen,
wenn wir unseren Pioniergeist zur Erforschung der
Welt jenseits unserer Ufer beibehalten, wenn wir das
Engagement für die Welt anstreben, die uns ruft, dann
und nur dann wird Amerika dem besten in uns gerecht.

Niemals zuvor hat die Welt so sehr auf die Vereinigten
Staaten als Vorbild geblickt wie heute. Nie zuvor
haben so viele Millionen Menschen Hoffnung aus der
amerikanischen Idee geschöpft. Und der Grund dafür
liegt auf der Hand. Im Gegensatz zu allen anderen
Nationen der Welt erfreuen wir Amerikaner uns der
tiefen und geheimnisvollen Bande der Zuneigung und
des Idealismus. Wir fühlen unsere tiefe Verbundenheit
zu Gemeinschaft, Familie und unseren Überzeugungen.

*

Seite 4

Möge Gott unsere große Nation, die Vereinigten Staaten von Amerika, schützen. Ich danke Ihnen allen für
das, was Sie für die Freiheit und unsere grundlegenden Werte getan haben.
Vielen Dank.

* * *

*

AMERIKA DIENST 15

�NAHER

OSTEN
17. April 1991

US-TRUPPEN HELFEN BEI EINRICHTUNG VON
FLÜCHTLINGSLAGERN IM IRAK
Pressekonferenz von Präsident Bush
WASHINGTON - (AD) - Bei einer Pressekonferenz hat Präsident Bush am 16. April 1991 erklärt, er werde als
Teil "erheblich erweiterter und ehrgeizigerer Hilfsbemühungen" amerikanische Truppen in den Nordirak
entsenden, um bei der Einrichtung vorübergehender Flüchtlingslager zu helfen, die den Vereinten Nationen
übergeben würden.
"Wenn wir den in den Gebirgen entlang der türkisch-irakischen Grenze lebenden Kurden keine ausreichende
Nahrung, Kleidung, Medikamente und Unterkünfte liefern können, müssen wir die Kurden ermutigen, in Gebiete
im Nordirak zu gehen, in denen die geographischen Voraussetzungen solch umfangreiche Hilfsmaßnahmen
erleichtern, anstatt sie zunichte zu machen", stellte Bush fest.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Pressekonferenz des Präsidenten in wesentlichen Auszügen.

Bush: Ich werde zunächst eine kurze Erklärung
abgeben und danach gern einige Fragen beantworten.
Vor elf Tagen, am 5. April 1991, habe ich angekündigt,
daß die Vereinigten Staaten Maßnahmen einleiten
würden, die sich bald zur größten amerikanischen
Hilfsaktion der modernen Militärgeschichte entwickelten. Dieses Vorgehen wurde durch die schreckliche
menschliche Tragödie erforderlich, die sich infolge von
Saddam Husseins brutaler Behandlung irakischer Bürger
im und um den Irak ergab.
Innerhalb von 48 Stunden stellte unsere Operation
viele Tonnen Nahrungsmittel, Wasser, Mäntel, Zelte,
Decken und Medikamente für die irakischen Kurden im
Nordirak und in der Südtürkei bereit. Der Umfang
dieser Bemühungen ist wirklich einmalig, und doch
bleibt die Tatsache bestehen, daß das Ausmaß des
Problems noch größer ist. Hunderttausende irakischer Kurden befinden sich in schwer zugänglichen
Bergregionen in der Südtürkei und entlang der türkisch-irakischen Grenze.
Die Regierung der Türkei hat zusammen mit amerikanischen, britischen und französischen Militäreinheiten
und zahlreichen internationalen Organisationen eine
massive Hilfsaktion eingeleitet. Aber trotz dieser
Bemühungen fordern Hunger, Unterernährung, Krankheiten und das Klima ihren grausamen Tribut. Nie-

AMERIKA DIENST 15

mand kann die Bilder sehen oder die Berichte über das
menschliche Leid anhören - von Männern, Frauen und,
was am schmerzlichsten ist, von unschuldigen Kindern -, ohne davon tief betroffen zu sein.
Aus diesem Grund kündige ich heute nachmittag nach
Konsultationen mit Premierminister Major, Präsident
Mitterrand, Präsident özal, Bundeskanzler Kohl und
UN-Generalsekretär Perez de Cuellar erheblich erweiterte und ehrgeizigere Hilfsbemühungen an. Der Ansatz
ist ziemlich einfach: Wenn wir den in den Gebirgen
entlang der türkisch-irakischen Grenze lebenden Kurden keine ausreichende Nahrung, Kleidung, Medikamente und Unterkünfte liefern können, müssen wir die
Kurden ermutigen, in Gebiete im Nordirak zu gehen, in
denen die geographischen Voraussetzungen solch
umfangreiche Hilfmaßnahmen erleichtern, anstatt sie
zunichte zu machen.
Im Einklang mit der Resolution 688 des UN-Sicherheitsrats und in enger Abstimmung mit den Vereinten
Nationen und anderen internationalen Hilfsorganisationen sowie unseren europäischen Partnern habe ich
das amerikanische Militär angewiesen, unverzüglich
damit zu beginnen, mehrere Lager im Nordirak einzurichten, in denen für diese Flüchtlinge Hilfsgüter in
großem Umfang zur Verfügung gestellt und ordnungsgemäß verteilt werden.

Seite 1

�Ich kann gut nachempfinden, daß viele Kurden Grund
haben, bei einer Rückkehr in den Irak um ihre Sicherheit zu fürchten, und ich möchte ihnen hiermit versichern, daß in diesen Übergangslagem ausreichende
Sicherheit durch amerikanische, britische und französische Truppen gewährleistet ist. Auch dies steht im
Einklang mit Resolution 688 des UN-Sicherheitsrats.
Wir hoffen, daß sich auch andere Mitglieder der Koalition an diesen Bemühungen beteiligen werden.
Ich möchte unterstreichen, daß alles, was wir tun, aus
humanitären Gründen geschieht. Wir erwarten weiterhin, daß die Regierung des Irak diese neuesten Hilfsbemühungen in keiner Weise stört. Das Verbot von
Flügen irakischer Starr- und Drehflügler nördlich des
36. Breitengrads bleibt bestehen.
Ich möchte ferner betonen, daß diese neuen Bemühungen trotz ihres Ausmaßes und Umfangs nicht als
Dauerlösung für die Notlage der Kurden gedacht sind.
Im Gegenteil, sie stellen eine vorübergehende Maßnahme dar, um unmittelbare und tiefgreifende menschliche Bedürfnisse zu erfüllen. Unser langfristiges Ziel
bleibt bestehen: daß die irakischen Kurden und alle
anderen irakischen Flüchtlinge, wo immer sie sich
aufhalten, nach Hause zurückkehren und dort in Frieden, ohne Unterdrückung und in Freiheit leben können.
Ich möchte darüber hinaus darauf verweisen, daß wir
uns auch über die irakischen Flüchtlinge entlang der
irakisch-iranischen Grenze und im Iran akute Sorgen
machen. Ich möchte die Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaft für ihre Bemühungen loben, die
Not in diesem Gebiet zu lindern. Auch wir haben
angeboten, zu den internationalen Bemühungen zur
Bewältigung dieser humanitären Herausforderung einen
Beitrag zu leisten.
Wie ich bereits ausgeführt habe, stellen die heute
angekündigten Hilfsmaßnahmen ihrem Ausmaß und
Ansatz nach ein grundverschiedenes Unterfangen dar.
Was sich jedoch nicht verändert hat, ist die zugrundeliegende Politik. Ich habe stets erklärt, daß sich die
Vereinigten Staaten nicht militärisch in die inneren
Angelegenheiten des Irak einmischen und riskieren
werden, sich in einen Sumpf ziehen zu lassen wie in
Vietnam. Das ist auch weiterhin der Fall. Wir werden
auch keine Besatzungsmacht mit amerikanischen
Truppen werden, die auf den Straßen Bagdads patrouillieren.
Wir möchten die Verwaltung sowie die Sicherheit
dieser Orte sobald wie möglich den Vereinten Nationen anvertrauen, so wie wir unsere Verpflichtung
erfüllen, unsere Truppen entlang der Südgrenze des
Irak mit Kuwait abzuziehen und die Verantwortung den
UNO-Truppen zu übergeben.

Seite 2

Wir müssen jedoch alles in unserer Macht Stehende
tun, um das Leben unschuldiger Menschen zu retten.
Das entspricht der amerikanischen Tradition, und wir
werden dieser Tradition weiterhin gerecht werden.
Frage: Herr Präsident, Schätzungen Ihrer Regierung
zufolge sterben täglich bis zu tausend Kurden. Was
entgegnen Sie den Kritikern, die behaupten, Sie hätten
zu wenig und zu spät gehandelt und Sie hätten gerade
den Menschen den Rücken zugekehrt, die Sie zum
Aufstand gegen Saddam Hussein ermutigt haben?
Antwort: Ich bin nicht der Meinung, wir hätten zu
wenig und zu spät reagiert. Es handelt sich hier um ein
äußerst schwieriges logistisches Problem. Und wie ich
in meiner Erklärung feststellte, haben wir große Mengen an Hilfsgütern dorthin geschickt, und zwar nicht
nur die Vereinigten Staaten, sondern auch andere
Länder und zahlreiche private Hilfsorganisationen leisten dort Unterstützung. Dies ist unsere Politik. Ich
glaube jedoch, daß wir heute eine bessere Chance
haben, um die Hilfsmaßnahmen zu erleichtern und die
Kurden durch dieses von mir heute verkündete Programm in eine bessere Lage zu bringen. Es haben
sehr umfangreiche Konsultationen mit den Türken und
anderen stattgefunden, die sich hieran beteiligen. Aber,
das andere von Ihnen Vorgebrachte kann ich einfach
nicht akzeptieren.
Frage: Wie lange wird es Ihrer Meinung nach dauern,
bis die UNO-Truppen von den Amerikanern und anderen Verbündeten die Verantwortung übernehmen
können?
Antwort: Das wissen wir nicht. Natürlich je eher,
desto besser. Die UNO-Truppen werden in den Süden
einrücken - die Blauhelme -, und wir hoffen und erwarten, daß dies in wenigen Tagen geschehen sein wird.
Aber mit diesem Unternehmen beginnen wir gerade
erst, und wir müssen zunächst feststellen, was zu tun
ist. Es könnte eine UNO-Friedenstruppe oder Blauhelme der Vereinten Nationen dort erforderlich werden,
eine neue Resolution des Sicherheitsrats. Dabei geht
es um ein kompliziertes Problem angesichts der Tatsache, daß einige der Mitglieder, die im Rahmen der
Koalition voll und ganz hinter uns standen, mit einem
solchen Vorgehen Probleme haben könnten.
Frage: Herr Präsident, Sie sprechen sich von jeder
Verantwortung frei, und doch haben Sie erwiesenermaßen wiederholt die Iraker aufgefordert, die Angelegenheit selbst in die Hand zu nehmen, und Sie haben
nie gesagt: Nicht ihr, die Kurden oder nicht ihr, die
Schiiten. Wie können Sie dies dann weiterhin sich
selbst gegenüber rechtfertigen, wenn das Gewissen
der Welt dadurch geweckt wurde und wir die Bilder
dieser schrecklichen Leiden sehen...

AMERIKA DIENST 15

�Antwort: Nun, ich denke, daß alle Amerikaner...
Frage: Natürlich wurden Sie davon überrascht, und
Sie hatten keine langfristige Politik für das, was letztlich geschehen würde. Werden sie für den Rest ihres
Lebens Flüchtlinge bleiben?
Antwort: Ich hoffe nicht. Es gibt bereits genug
Dauerflüchtlinge, und wir versuchen, in verschiedenen
Gebieten etwas dagegen zu unternehmen. Die Ziele
waren von Anfang an sehr klar definiert, und zu diesen
Zielen gehörte nie die Eroberung von Bagdad oder der
Tod und die persönliche Vernichtung Saddam Husseins. Es gab viele Leute, die mir von Anfang an
erklärten, ich solle die Sanktionen greifen lassen. Laß
die Sanktionen wirken. Unternimm nichts gegen die
Aggression. Wir haben eine internationale Koalition
historisch einmaligen Ausmaßes angeführt und die
Ziele verwirklicht.
Sie fragen mich, ob ich das Kurdenproblem in diesem
Umfang vorhergesehen habe? Die Antwort lautet:
Nein, das habe ich nicht. Aber müssen sich die
Vereinigten Staaten schuldig fühlen, weil sie den Vorschlag gemacht haben, die Iraker sollten ihr Schicksal
in ihre eigenen Hände nehmen, wobei einige dies wohl
so verstanden haben, die Vereinigten Staaten würden
sie dann militärisch unterstützen? Das stimmte nicht.
Das wollten wir damit nicht sagen.
Glaube ich, Saddam Hussein sollte jetzt abgesetzt
werden? Natürlich, weil es keine normalisierten Beziehungen mit den Vereinigten Staaten und wohl auch
nicht mit den Koalitionspartnern geben wird, bis Saddam Hussein aufgibt. Wir werden die Wirtschaftssanktionen fortführen.
Frage: Geben Sie zu, den Aufstand und den Exodus
gefördert zu haben?
Antwort: Ich gebe nicht zu, den Exodus gefördert zu
haben. Ich habe vorgeschlagen - und darüber gibt es
Unterlagen -, das irakische Volk sollte sein Schicksal in
seine eigenen Hände nehmen und Saddam Hussein
hinauswerfen. Das denke ich immer noch, und ich
hoffe, daß es dazu kommt.
Frage: Es gibt Hunderttausende von Flüchtlingen.
Dazu werden viele Soldaten nötig sein. Wieviele
alliierte und US-Truppen greifen im Norden des Iraks
ein?
Antwort: Ich denke, nur relativ wenige, weil meiner
Ansicht nach Saddam Hussein nicht wagen würde,
Gewalt einzusetzen - wenn man seinen heutigen
Zusagen - denen seiner Vertreter - in den Vereinten
Nationen Glauben schenken darf. Aber das Problem
stellt sich anders dar, als wir glauben. Es lautet, was
denken diese kurdischen Flüchtlinge, denen von diesem Mann Gewalt angetan wurde? Sie denken: wir
können ihn nicht beim Wort nehmen. Wir brauchen
eine gewisse Sicherheit.

AMERIKA DIENST 15

Frage: Sie haben bereits erklärt, die Idee einer Schutzzone im Irak selbst nicht zu mögen, aber wird damit
nicht für Monate absehbar, daß US-Truppen kurdische
Flüchtlinge in dieser Region schützen müssen? Wollen Sie es weiterhin im Dunklen lassen, was die Vereinigten Staten unternehmen würden, wenn die Iraker
gegen die kurdischen (unverständlich)...
Antwort: Ich hoffe, wir sprechen nicht von einer
langfristigen Aktion. Wir arbeiten mit den Franzosen
zusammen, die eine Führungsrolle bei den Maßnahmen übernommen haben, die Kurden zur Rückkehr in
ihre Städte zu bewegen. Eine mögliche Präsenz der
UNO auf den Stationen ihres Rückwegs ist im Gespräch. Das wäre eine gute Idee. Ich habe Herrn
Mitterand erklärt, daß er dabei auf meine Unterstützung rechnen kann.
Aber hierbei sollte man nicht langfristig planen. Der
Hauptpunkt, langfristig oder kurzfristig, war von Anfang an, das Leben der Männer, Frauen und Kinder zu
retten, und dies ist jetzt ein logischer nächster Schritt,
um es zu auf sichere und einfühlsame Weise zu
leisten. Manche mögen dies als Intervention in die
inneren Angelegenheiten des Irak betrachten, aber
meiner Ansicht nach ist das humanitäre Problem der
Flüchtlinge so gravierend, daß man auf Verständnis
zählen kann.
Frage: Werden die US-Streitkräfte diese Gebiete
militärisch schützen, und was werden Sie tun, wenn
die Flüchtlinge angegriffen werden?
Antwort: Diese Art Frage wurde mir vor Beginn des
Kriegs gestellt - was werden Sie tun? Wie werden Sie
darauf reagieren? Ich werde Ihnen keine Einzelheiten
mitteilen, sondern nur erklären, daß diese Menschen
geschützt werden. Wir werden ihnen nicht sagen:
kommen Sie von den Bergen, wir werden Sie schützen, und dann schützen wir sie doch nicht.
Frage: Herr Präsident, wieviele Soldaten werden
voraussichtlich daran beteiligt sein? Und wie sehr
können Sie Ihre Sicherheit garantieren?
Antwort: Eine relativ kleine Zahl, und ich bin im
Hinblick auf ihre Sicherheit sehr zuversichtlich. Wir
haben Luftstreitkräfte dort, falls das erforderlich werden sollte. Wir sind in der Lage, nicht nur unsere
eigenen Leute zu schützen, sondern auch die Menschen, zu deren Schutz wir angetreten sind - in diesem
Falle die Flüchtlinge.
Frage: Können Sie dazu noch etwas sagen? Können
Sie ihre Sicherheit wirklich garantieren, und steht das
Ihrer Meinung nach nicht im Widerspruch zu Ihren
früheren Erklärungen, das Leben von US-Soldaten
nicht aufs Spiel setzen zu wollen?
Antwort: Ja, das kann ich. Ich denke, das ist etwas
ganz anderes, und meiner Ansicht nach ist es genau
das, was erforderlich ist, um diesen Menschen zu

Seite 3

�helfen. Manche mögen es so interpretieren, ich tue
das nicht. Ich denke, es geht nur um humanitäre
Gründe. Meiner Ansicht nach sind heute bereits
Ausführungen gemacht worden, daß diese Menschen
sicher sein würden. Ich hoffe, es wird sich als richtig
erweisen.
Frage: Herr Präsident, Sie haben noch nichts zur Lage
im Süden gesagt, wo es Tausende von Schiiten gibt,
die gleichermaßen besorgt sind, wenn die Amerikaner
abziehen. Geben Sie ihnen die gleichen Zusagen, daß
sie nicht angegriffen werden?
Antwort: Genau dieselben. Die Vereinten Nationen
werden bald dort sein, und meiner Meinung nach ist
das eine gute Versicherung, daß sie nicht angegriffen
werden. Die Menschen vergessen, daß die Vereinigten Staaten lange Zeit gute Arbeit geleistet haben.
Unsere Truppen kann man nicht genug loben, daß sie
diese Arbeit mit großem Einsatz und Mitgefühl verrichtet haben. Sie haben hervorragende Arbeit geleistet.
Ich möchte erleben, daß in dieser - neutralen - Region
die Blauhelme einziehen, und dann möchte ich, daß
unsere Soldaten so schnell wie möglich dort abziehen.
Ich möchte sie nach Hause bringen.
Frage: Ihre Frau hat gestern erklärt, Saddam Hussein
könnte für seine Kriegsverbrechen verurteilt und gehängt werden. Teilen Sie diese Meinung?
Antwort: Ich bin selten anderer Meinung als meine
Frau, und das gilt auch in diesem Punkt. Das wichtigste ist jedoch, Saddam Hussein zu bewegen, dort
aufzugeben. Wenn Sie als Vermittler zu mir kämen
und sagten: "Ich kann ihn dort herausbringen, unter
der Bedingung, daß er in einem anderen Land unbehelligt weiterleben kann. Dann würde er niemals
zurückkehren und sein Volk terrorisieren", müßte ich
zwar darüber nachdenken, aber ich wäre unter Umständen bereit zu sagen, wir werden ihn dort herausbringen. Wir wollen so sehr, daß er das Land verläßt,
und es ist meiner Meinung nach so wichtig für die Ruhe
im Land, daß wir die Bedingungen unter Umständen
akzeptieren könnten.
Ob ich ihn der Kriegsverbrechen für schuldig befinde?
Der Umweltterror, die Vergewaltigung und Plünderung
Kuwaits, was er seinem eigenen Volk angetan hat - es
gibt wohl genug Gründe, aufgrund derer er für Kriegsverbrechen verurteilt werden könnte.
Frage: Herr Präsident, Sie sprechen hier davon,
Saddam Hussein loszuwerden und zusätzliche USTruppen in den Irak schicken zu wollen. Wie können
Sie sicher sein, daß die Vereinigten Staaten nicht in die
inneren Angelegenheiten hineingezogen werden - in
den Bürgerkrieg, den Sie so sehr vermeiden wollen.
Antwort: Ich denke positiv, und so beurteilen das
auch die Menschen, die den Krieg so gut überstanden
haben. Ich denke, er würde das nicht riskieren. Saddam

Seite 4

Hussein wird sich nicht wieder so engagieren wollen.
Wir müssen abwarten. Aber ganz sicher werden alle
US-Truppen - wir sprechen nicht über eine große Zahl,
und ich weiß auch nicht, wieviele es genau sind geschützt. Sie werden gut geschützt. Aber ich nehme
das nicht an. Ich erwarte es nicht und meiner Meinung
nach auch nicht der französische Präsident, der britische Premierminister, der UN-Generalsekretär oder
der türkische Präsident - es gibt viele Leute, die an
diesem Problem arbeiten.
Die Lage wird allgemein so beurteilt - und damit lag
man bisher eher richtig als falsch - daß es soweit nicht
kommen wird. Aber wir sind bereit, wenn Gewalt
gegen diese hilflosen Menschen in den Flüchtlingslagern eingesetzt wird.
Frage: Herr Präsident, einige Abgeordnete, die im
Kongreß zunächst gegen die Resolution zum Krieg
gestimmt hatten, erklären heute, Sie hätten die Aufgabe nicht bewältigt und in der Tat ein zweites Vietnam
geschaffen. Wie lautet Ihre Reaktion darauf?
Antwort: Ich muß mich mit meiner Reaktion zurückhalten - auf wen beziehen Sie sich? Auf diejenigen, die
Sanktionen befürworteten oder diejenigen, die den
Einsatz militärischer Gewalt unter allen Umständen
ablehnten?
Frage: Zum Beispiel hat Senator Kennedy gestern
öffentlich erklärt, Sie seien nicht weit genug gegangen,
um die Aufgabe zu Ende zu bringen.
Antwort: Nun, er kann diese Meinung gerne vertreten. Meines Erachtens haben wir die von uns gesteckten Ziele erreicht. Und ich glaube, die ganze Welt wei ß
das. Jetzt sehen wir uns mit einem anderen Problem
konfrontiert- einem immer wiederkehrenden Problem.
Dieser Mann ist schon früher brutal gegen sein Volk
vorgegangen und tut es jetzt wieder.
Ich möchte die Aufmerksamkeit der Kritiker auf unsere
ursprünglichen Ziele lenken - auf die Forderungen der
Vereinten Nationen. Und meines Erachtens wurden
diese Ziele voll und ganz verwirklicht. Ich bin überrascht über diejenigen, die den Einsatz von Gewalt so
vehement ablehnten und jetzt den Einsatz von Gewalt
zur Lösung der Probleme in Bagdad befürworten - aber
das werden wir nicht tun. Und wenn wir Gewalt
einsetzen würden, müßten wir zweifelsohne einen
diplomatischen Ansatz wählen, und das würde ich
ohne die Unterstützung des Kongresses nicht wünschen.
Ich glaube jedoch nicht, daß das erforderlich ist, und so
sollten wir auch nicht vorgehen. Meiner Ansicht nach
wünscht das amerikanische Volk die Heimkehr seiner
Söhne und Töchter - und sie werden nach Hause
zurückkehren. Die einzige Schwierigkeit bei der Rückkehr besteht darin, daß wir die Verantwortung tragen,
alles in unserer Macht Stehende für diese Flüchtlinge
zutun. Das haben wir vom ersten Tag an getan. Und
AMERIKA DIENST 15

�jetzt, angesichts der Verschärfung des Problems und
der Furcht in den Herzen dieser Menschen, in die Täler
hinabzusteigen, unternehmen wir den nächsten Schritt.

ten gehört, daß einige von ihnen Richter und Ärzte
sind, die ein ziemlich angenehmes Leben in den Städten aufgeben mußten.

Das Entscheidende ist jedoch, unsere Männer und
Frauen nach Hause zurückzubringen, und genau das
tun wir im Süden. Jerry hat die richtige Frage gestellt
- welche Garantie haben wir? Die Garantie besteht in
dem Abkommen der Vereinten Nationen, dem der Irak
zugestimmt hat und der Präsenz der Blauhelme der
UN-Friedenstruppe.

Ich hoffe, es kommt zu einer Aussöhnung. Der leichteste Weg zur Versöhnung in diesem Land wäre eine
neue Führung. Daran besteht kein Zweifel.

Frage: Herr Präsident, die Kurden sagen, sie wollen
ein unabhängiges Kurdistan. Das wurde ihnen nach
dem Zweiten Weltkrieg versprochen. Warum sollen
sie es nicht bekommen?

Antwort: Nein, nicht daß ich wüßte.

Antwort: Wie ich bereits gesagt habe, bestand das
Ziel der Vereinigten Staaten nicht in einem zersplitterten, destabilisierten Irak. Das ist die Position unserer
Regierung und der Koalitionsstreitmacht. Das ist die
Antwort.
Frage: Entschuldigen Sie, es war nach dem Ersten
Weltkrieg, daß ihnen ein eigener Staat versprochen
wurde. Ist das für Sie von Bedeutung?
Antwort:
krieg?

Ein Versprechen aus dem Ersten Welt-

Frage: Ja.
Antwort: Nein. Ich sage nein, weil der Irak meines
Erachtens in Frieden und Aussöhung mit den jeweiligen Minderheiten im Irak leben sollte. Im Süden gibt
es Schiiten, in der Landesmitte die Sunniten und die
Anhänger der Baath-Partei und im Norden die Kurden.
Sie sollten ihre Differenzen beilegen und dieses Land
und seine stolze Tradition intakt halten.
Wir werden jedoch nicht den Vorschlag unterbreiten,
daß das Land aufgeteilt werden soll - falls Ihre Frage
darauf abzielte. Ich hoffe, ich habe das von Anfang an
klargestellt.
Frage: Aber können sie je in ihre Heimat zurückkehren, solange Saddam Hussein an der Macht ist?
Antwort: Ja, ich hoffe sehr. Das ist eine gute Frage.
Sie haben Todesangst, in die Täler hinabzusteigen.
Sie müssen jedoch eine Entscheidung treffen. Ich
hoffe, daß der Plan von Francois Mitterrand zum
Tragen kommt - der Vorschlag, Wegestationen einzurichten, damit die Menschen zurückkehren können.
Saddam Hussein hat ihnen gesagt, sie könnten zurückkommen - aber sie schenken seinen Worten keinen Glauben. Sie sind von ihm getäuscht worden. Ich
hoffe sehr, daß sie eines Tages nach Hause zurückkehren können. Viele von ihnen gehören nicht zur
Landbevölkerung. Gestern habe ich in den Nachrich-

AMERIKA DIENST 15

Frage: Herr Präsident, gibt es Verhandlungen hinter
verschlossenen Türen über Saddam Husseins Zukunft? Kommen Unterhändler zu Ihnen?

Frage: Ist er jetzt eher zur Machtaufgabe bereit?
Antwort: Ich denke ja, aber ich kann es nicht beweisen.
Frage: Und niemand ist zu Ihnen gekommen, um zu
vermitteln?
Antwort: Nun, es gibt zahlreiche Widerstandsgruppen und viele Menschen, die seinen Abgang begrüßen
würden. Aber sie sind nicht an mich herangetreten. Es
besteht jedoch kein Zweifel daran, daß viele Iraker für
seinen Abgang sind. Wenn Ihre Frage jedoch darauf
abzielt, ob sie ins Weiße Haus gekommen sind oder
Vorschläge dieser Art unterbreitet haben - meines
Wissens nicht.
Frage: Herr Präsident, Sie haben erwähnt, die Lage
im Iran sei ebenso schwierig. Ihr Plan scheint sich
jedoch nur mit der Situation im Irak zu befassen, und
vielleicht Ihrem Freund, Präsident Özal, zu helfen.
Warum enthält er keine Vorschläge zu den Flüchtlingen im Iran, die noch zahlreicher sind?
Antwort: Wir haben dem Iran Hilfe angeboten. Wie
Sie wissen, unterhalten wir andere Beziehungen mit
dem Staat Iran. Die Deutschen haben mehrere Hundert Millionen...
Scowcroft: 250 Millionen D-Mark.
Antwort: 250 Millionen D-Mark an Hilfe für die Flüchtlinge im Iran bereitgestellt. Verschiedene Wohltätigkeitsorganisationen haben Hilfsprogramme in die Wege
geleitet - Americare hat bereits Arzneimittel geschickt.
Wir wollen dort helfen. Aber wir müssen realistisch
sein. Der Iran unterhält immer noch gespannte Beziehungen mit den Vereinigten Staaten. Und das wurde
verschiedenen Besuchern gegenüber eindeutig klargestellt. Aber andere springen in die Bresche und
helfen ebenso wie wir den Schiiten im Süden. Bis zu
30.000 Flüchtlingen wurde dank des amerikanischen
Einsatzes geholfen.
Frage: Besteht die Möglichkeit zu einer Verbesserung
unserer Beziehungen zum Iran?

Seite 5

�Antwort: Das hoffe ich. Ich habe immer wieder
gesagt, daß ich verbesserte Beziehungen zum Iran
begrüßen würde. Sie wissen, worum es in unseren
Gesprächen geht - um die Geiseln. Ich werde die als
Geiseln festgehaltenen Amerikaner nicht vergessen.
Ich möchte damit nicht sagen, daß der Iran sie festhält,
aber der Iran könnte großen Einfluß auf ihre Freilassung haben.
Ja, ich hoffe, unsere Beziehungen verbessern sich. Im
Hinblick auf den Iran muß man sich eines vor Augen
führen. Vom ersten Tag an war der Iran besorgt über
die amerikanische Militärpräsenz am Golf. Vom ersten
Tag an bestand sein ganzes Problem darin, daß man
nicht glaubte, wir würden vom Golf abziehen, obwohl
unser Militär schließlich gegen den größten Feind des
Iran eingestzt wurde. Ich hoffe, mit dem Abzug unserer Truppen - und mehrere Hunderttausend sind bereits nach Hause zurückgekehrt und weitere folgen so
rasch wie möglich nach - wird die Furcht, die Iran und
die Vereinigten Staaten getrennt hat, beseitigt.

Frage:
nach?

Wie stehen die Aussichten Ihrer Meinung

Antwort: Ziemlich gut, würde ich sagen. Es gibt zwei
Problembereiche, die wir teilen. Wir beide wünschen
die vollständige Verwirklichung eines KSE-Abkommens. Es gibt ein Abkommen, aber aus unserer Sicht
haben sie einen kleinen Rückzieher gemacht, und wir
versuchen, diese Differenzen beizulegen.
Zweitens haben wir dieses spezielle Gipfeltreffen von
einem START-Abkommen abhängig gemacht. Wir
arbeiten daran. Ich habe mit Richard Burt gesprochen,
der bisher Unterhändler in dieser Angelegenheit war,
und er ist nicht allzu pessimistisch. Aber wir haben die
ganze Zeit gesagt, worauf es ankommt.

Frage: Herr Präsident, was können Sie uns über
Fortschritte im Hinblick auf ein Gipfeltreffen sagen?
Haben Sie und Präsident Gorbatschow Gespräche
geführt?

Das soll jedoch nicht heißen, daß wir uns überhaupt
nicht mit Präsident Gorbatschow zusammensetzen,
wenn diese beiden Probleme nicht gelöst werden. Wir
haben viele gemeinsame Probleme und Anliegen.
Eines davon ist der gesamte Nahe Osten und das
Problem der Flüchtlinge. Wir sollten uns jedoch auf
diesen Gipfel konzentrieren, aber die Möglichkeit haben,
sagen zu können, KSE steht nicht allzu schlecht da,
und ein START-Abkommen wird unterzeichnet.

Antwort: Nicht in jüngster Zeit.

Dies ist meine Position in dieser Angelegenheit.

* * * *

Seite 6

*

AMERIKA DIENST 15

�NAHER

OSTEN
17. April 1991

KOORDINIERTE BESTREBUNGEN ZUR
UNTERSTÜTZUNG DER IRAKISCHEN FLÜCHTLINGE
IN DIE WEGE GELEITET
Darstellung der internationalen Zusammenarbeit

WASHINGTON - (AD) - "Die Welt reagiert rasch und
entschlossen, um Saddam Husseins Einsatz von Gewalt
gegen sein eigenes Volk zu bekämpfen", erklärte der
Pressesprecher des Weißen Hauses, Marlin Fitzwater, am 9. April 1991, und es werden koordinierte internationale Bestrebungen in die Wege geleitet, um den
Hunderttausenden irakischen Flüchtlingen Unterstützung zu gewähren.
"Die internationale Staatengemeinschaft hat erneut
die Reihen geschlossen und besteht darauf, daß der
Irak die Repression beendet und den unverzüglichen
und ungehinderten Zugang internationaler Organisation zu allen Hilfsbedürftigen im Land gestattet", so der
Sprecher des Wei ßen Hauses vor Vertretern der Presse.
Fitzwater stellte fest, daß der Generalsekretär der
Vereinten Nationen, Perez de Cuellar, den ehemaligen
Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen
gebeten hat, die Verantwortung für den Schutz und die
Versorgung der Flüchtlinge und Vertriebenen in den
Gebieten im Süden Iraks zu übernehmen, die jetzt von
den Koalitionsstreitkräften besetzt sind.
Die Vertreter des Flüchtlingskommissars sind Fitzwater zufolge angewiesen, "soviel Hilfe wie möglich und
so schnell wie möglich bereitzustellen und ein Team in
den südlichen Irak zu entsenden, um die Bedürfnisse
der vertriebenen Zivilisten festzustellen."
Um die hohen Summen zur Finanzierung dieser
Operation aufzubringen, so Fitzwater, arbeiten die
Vereinigten Staaten eng mit der Europäischen Gemeinschaft und dem UN-Generalsekretär zusammen.
Er erklärte, die in Europa gelagerten Hilfssendungen

AMERIKA DIENST 15

der Vereinigten Staaten würden unverzüglich in die
Türkei transportiert, wo Schätzungen der Vereinten
Nationen zufolge über 270.000 irakische Kurden die
Grenze überquert haben und sich weitere 250.000 in
unmittelbarer Nähe der Grenze im Irak aufhalten.
"Wir legen einen weltweiten Bestand an Hilfsgütern
an, so daß wir andere Regierungen so bald wie möglich
um die Hilfsgüter bitten können, die von den Flüchtlingen besonders benötigt werden", erklärte Fitzwater.
Beim Aufbringen der Mittel, so der Sprecher, prüfen
amerikanische RegierungsVertreter bestehende Konten auf mögliche Quellen und haben das Problem
Vertretern der Koordinierungsgruppe Golfhilfe vorgetragen, die sich bisher mit der Unterstützung im Golfkrieg befaßt hatten.
Fitzwater erinnerte daran, daß die Vereinigten Staaten
seit Beginn der Krise am 2. August vergangenen
Jahres, als der Irak in Kuwait einfiel, an UN-Behörden
und das Internationale Komitee vom Roten Kreuz 35
Millionen Dollar an Bargeld, Zuschüssen und Sachgütern geleistet haben. Er fügte hinzu, am 5. April hätten
die Vereinigten Staaten erklärt, zusätzlich würden
durch das Rote Kreuz und UNICEF 11 Millionen Dollar
an humanitärer Hilfe bereitgestellt.
Der Sprecher verwies ferner darauf, daß die Europäische Gemeinschaft einen Beitrag von 180 Millionen
Dollar für die Nothilfe zugesagt hat.
Fitzwater erklärte, im Gebiet des von US-Truppen
besetzten südlichen Irak stellten die Streitkräfte den
etwa 40 000 Flüchtlingen und Vertriebenen weiterhin
medizinische Versorgung, Lebensmittel, Wasser und

Seite 1

�Obdach zur Verfügung. In den ersten zwei Tagen
wurden im Rahmen der Operation Provide Comfort der Abwurf von Hilfsgütern aus Militärflugzeugen für
die Flüchtlinge im Norden -18 Einsätze geflogen und
über 80 Tonnen Hilfsgüter für die Bedürftigen abgeworfen.
Im Außenministerium beschrieb der stellvertretende
Sprecher Richard Boucher den Flüchtlingsstrom aus
dem Irak als "massives" humanitäres Problem, das
nach einer "massiven" internationalen Reaktion verlangt. Er erläuterte, daß die Vereinten Nationen befugt
sind, den Flüchtlingen auf beiden Seiten der irakischen
Grenze zu helfen.
Boucher erklärte gegenüber Journalisten, Regierungsvertreter glaubten, die Weltorganisation müsse eine
"zentrale Rolle" bei der Katastrophenhilfe spielen und
sicherstellen, daß die irakische Regierung im Einklang
mit den am 5. April verabschiedeten Bestimmungen
der Resolution 688 des UN-Sicherheitsrats kooperiert.
"Unserer Meinung nach gewährt Resolution 688 das
Recht, den Flüchtlingen grenzüberschreitend zu helfen," erklärte Boucher. "Wenn der Irak eine Kooperation mit dieser internationalen Bestrebung verweigern
würde, müßten wir andere Optionen erwägen, einschließlich weiterer Maßnahmen der Vereinten Nationen." Er fügte hinzu, daß die Vereinigten Staaten der
Meinung seien, die Resolution "bietet die Befugnis,
diese Arbeit zu leisten".
Resolution 688 verurteilt die Unterdrückung der irakischen Zivilbevölkerung durch die Regierung und bezeichnet die Konsequenzen dieser Unterdrückung als
Bedrohung für den Weltfrieden und die Sicherheit in
der Region. Sie fordert, daß der Irak diese Unterdrükkung unverzüglich aufgibt.
Boucher erklärte, der Sicherheitsrat "untersucht eine
Reihe von Vorschlägen zur Notfallhilfe" für die Vertriebenen.
Auf die Frage nach dem Vorschlag der Europäischen
Gemeinschaft, im Norden und Süden Iraks Schutzzonen für die Flüchtlinge zu schaffen, erklärte der stellvertretende Sprecher, dieser Vorschlag werde zusammen mit anderen Erwägungen gegenwärtig in den
Vereinten Nationen erörtert.
Boucher erinnerte daran, "die Idee eines Refugiums,
einer Enklave, einer Pufferzone, ist bei verschiedenen
Gelegenheiten immer wieder diskutiert worden. Darüber sprechen wir mit unseren Verbündeten in New
York."
Er betonte, die grenzüberschreitende Flüchtlingshilfe
beeinträchtige nicht die territoriale Integrität des Irak,
die von den Vereinigten Staaten weiterhin respektiert
wird. "Wir stehen hier vor einem internationalen Problem, einem humanitären Problem", wie diesen Flüchtlingen geholfen werden kann.

Seite 2

Boucher teilte mit, daß Unterorganisationen der UNO
der Türkei Hilfsgüter für 20.000 Menschen und medizinische Ausrüstung für 110.000 Menschen geliefert
hätten. Das US-Amt für Internationale Entwicklung
habe in den vergangenen Tagen 275.000 Dollar für
den Ankauf von Wasser, Decken, Kleidung und Säuglingsnahrung vor Ort zur Verfügung gestellt.
Das US-Verteidigungsministerium habe mitgeteilt, daß
mit 12 militärischen Hilfsflügen - neun amerikanischen,
zwei britischen und einem französischen - am 8. April
57,6 Tonnen Hilfsgüter für Flüchtlinge abgeworfen
wurden. Weitere 17 Hilfsflüge waren für den 9. April
vorgesehen.
Im Hinblick auf die Lage an der irakisch-iranischen
Grenze erklärte der stellvertretende Sprecher, daß
zwischen 400.000 und 700.000 irakische Zivilisten zumeist Kurden - Zuflucht im Iran suchten und möglicherweise 500.000 bis 700.000 weitere die Grenze
bereits überschritten hätten. Das Internationale Rote
Kreuz bemühe sich in Zusammenarbeit mit dem Roten
Halbmond darum, diesen Flüchtlingen zu helfen.
Boucher zufolge sind die Vereinigten Staaten auch
weiterhin bestrebt, den Flüchtlingen im irakisch-iranischen Grenzgebiet über die multilateralen Hilfsorganisationen Hilfsgüter zu liefern.
Im Weißen Haus teilte Fitzwater mit, daß täglich etwa
5.000 amerikanische Soldaten aus dem Golfgebiet
abgezogen werden. Zur Zeit stünden dort noch etwa
350.000 Soldaten, gegenüber 540.000 bei Kriegsende, erklärte er.
Im Hinblick auf die noch im Südirak stehenden Truppen stellte derSprecherdes Präsidenten fest: "Sobald
die UNO-Beobachter ihre Stellungen dort einnehmen,
werden wir unseren Rückzug beschleunigen, bis alle
unsere Truppen das Land verlassen haben. Wir
können nicht genau sagen, wann alle unsere Truppen
dort abgezogen sein werden, aber wir nehmen an, daß
dies eine Frage von Tagen, nicht von Monaten, sein
wird."
"Wir werden während dieses Zeitraums unsere Überwachungsflüge im Land fortsetzen, um zu gewährleisten, daß die Waffenstillstandsresolution der UNO
fristgemäß durchgeführt wird", fügte Fitzwater hinzu.
Der Generalsekretär der Vereinten Nationen beabsichtigt, bis Ende der Woche eine Beobachtertruppe
im Irak zu stationieren. Diese Stationierung solle bis
Ende nächster Woche abgeschlossen sein, erklärte
Fitzwater vor Journalisten. Die Beobachtermission
solle bewaffnetes und unbewaffnetes Militärpersonal
aus Mitgliedstaaten der UNO umfassen und ihre Waffen
nur zur Selbstverteidigung benutzen dürfen.
Fitzwater stellte fest, die Mission, die die entmilitarisierte Zone zwischen dem Irak und Kuwait überwachen wird, werde insgesamt aus 1.400 Personen

AMERIKA DIENST 15

�bestehen, darunter300 Militärbeobachter, eine Einheit
mit Starrflüglem und leichten Hubschraubern sowie
eine Logistikeinheit. Fünf von in der Region stationierten Friedenstruppen ausgeliehene Kompanien würden in den ersten vier Wochen die Sicherheit der
Beobachter gewährleisten.
"Der Generalsekretär geht davon aus, daß die Regierungen von Kuwait und Irak alle Aspekte der zivilen
Verwaltung in den jeweiligen Teilen der entmilitarisierten Zone wahrnehmen werden, einschließlich der
Aufrechterhaltung von Recht und Ordnung", erklärte
Fitzwater. Die UNO schätzt die Kosten für die Operationen im Rahmen dieser Mission auf 83 Millionen
Dollar in den ersten sechs Monaten und 40 Millionen in
den darauffolgenden sechs Monaten, erklärte der
Präsidentensprecher.

abwarten, nach welchen Gesichtspunkten der Generalsekretär diese Truppe zusammenstellt... Wir solltern sehr bald darüber Bescheid wissen."
Bis zum 3. April 1991 hatten 26 Staaten und internationale Organisationen nahezu 137 Millionen Dollar an
Bargeld, Nahrungsmitteln, Hilfsgütern und Gerät für
die Menschen bereitgestellt, die durch die irakische
Invasion Kuwaits und deren Folgen zu Flüchtlingen
wurden.
Der amerikanische Beitrag zu diesen Bemühungen
setzt sich folgendermaßen zusammen (in Dollar):

1.000.000

UNHCR (Hoher Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen)

Das Hauptquartier der Mission wird sich Fitzwater
zufolge in der entmilitarisierten Zone befinden, es wird
jedoch auch eine logistische Basis und Verbindungsbüros in Kuwait City und Bagdad unterhalten. Darüber
hinaus werde es anfänglich auch ein Verbindungsbüro
zu den Koalitionsstreitkräften im Südirak geben.

1.000.000

IKRK (Internationales Komitee
vom Roten Kreuz

750.000

IOM (Internationale Organisation
für Migration)

250.000

"Über die Frage der amerikanischen Beteiligung wurde noch nicht entschieden", erklärte Fitzwater. "Wie
der Präsident am Wochenende feststellte, wären wir
bereit (teilzunehmen), aber wir müssen zunächst

Türkischer Roter Halbmond
(UNDRO)

4.600.000

Nahrungsmittelhilfe
Welternährungsprogramm

AMERIKA DIENST 15

Seite 3

�NAHER

OSTEN
17. April 1991

HUMANITÄRE US-HILFE FÜR IRAKISCHE
FLÜCHTLINGE
Eine Übersicht des Weißen Hauses
WASHINGTON - (AD) - Die nachfolgend veröffentlichte Übersicht über Bestrebungen der Vereinigten Staaten,
den irakischen Flüchtlingen zu helfen, wurde am 11. April 1991 vom Weißen Haus herausgegeben.

I. Frühe Reaktionen und Planungen zum
Flüchtlingsproblem
Die Vereinigten Staaten leisteten für die nach der
irakischen Invasion Kuwaits in Jordanien eintreffenden Flüchtlinge einen Beitrag von 28 Millionen Dollar.
Wir haben uns aktiv an der Organisation internationaler Maßnahmen zur Bewältigung der Krise beteiligt,
insbesondere der Rückführung von Bürgern aus Drittländern.
Später haben die Vereinigten Staaten die Vorbereitungen der Vereinten Nationen für 400.000 potentielle
Flüchtlinge mitorganisiert und dafür 7,6 Millionen Dollar bereitgestellt. Wir erhielten Zusagen in Höhe von
38 Millionen Dollar, und in der Türkei, Jordanien,
Syrien und dem Iran wurden für jeweils 100.000 Flüchtlinge vier Einheiten mit Nachschub für die Flüchtlingshilfe geschaffen.
II. Katastrophenhilfe im besetzten Südirak
Die Vereinigten Staaten leisten seit dem 28. Februar
im Süden des Irak humanitäre Hilfe. Bis heute haben
die CENTCOM-Streitkräfte über 500.000 Mahlzeiten
und 3,8 Millionen Liter Wasser verteilt, mehr als 5.000
kranke Iraker behandelt und über 350 irakische Zivilisten evakuiert, damit sie in amerikanischen oder saudiarabischen Krankenhäusern behandelt werden können. Darüber hinaus haben US-Truppen in Safwan
einen Brunnen für die Zivilbevölkerung gebohrt, der
täglich 110.000 Liter Wasser spendet. Ferner hat man
in Amerika bisher nur einen Bruchteil der guten Taten
von US-Soldaten gesehen, die den irakischen Flüchtlingen Nahrungsmittel und Wasser geben.

AMERIKA DIENST 15

Täglich leistet CENTCOM folgendes:
die klinische Behandlung von über 150 Irakern
täglich, wobei der Schwerpunkt auf der Behandlung von Kindern liegt,
600 Patienten werden täglich ambulant behandelt,
27.000 bis 30.000 Iraker werden täglich mit
Lebensmitteln versorgt,
die Iraker erhalten Material, um selbst Unterstände zu bauen,
südlich von Safwan gibt es ein Lager für 6.000
Flüchtlinge und
Schutz für die irakischen Flüchtlinge
III. Hilfsbestrebungen für die irakischen Kurden
Das dramatische Ausmaß des kurdischen Flüchtlingsproblems wurde in der ersten Aprilwoche deutlich. Bis
zum 4. April waren alternative Vorgehensweisen erarbeitetworden, um auf dem Luftweg massive Unterstützung bereitzustellen und der Präsident traf am Morgen
des 5. April die Entscheidung, dies in die Wege zu
leiten. Die Vereinigten Staaten haben sich ernsthaft
bemüht, den größtmöglichen internationalen Beitrag
zu diesen Bestrebungen zu erhalten.
Dem amerikanischen Militär wurde die Aufgabe übertragen, den Flüchtlingen im Nordirak und der südlichen
Türkei humanitäre Hilfsgüter wie Nahrungsmittel,
Wasser, Zelte und medizinische Notversorgung zu-

Seite 1

�kommen zu lassen, bis internationale Hilfsorganisationen diese Aufgabe übernehmen können. Das Ziel ist,
die 700.000 Flüchtlinge für 30 Tage mit dem Notwendigsten zu versorgen - Nahrungsmitteln, Kleidung und
Schutz für mehr Menschen als die Einwohnerzahl von
Richmond (Virgina) beträgt.
Die Operation Provide Comfort ist die umfassendste
Hilfsbestrebung, die in der modernen Militärgeschichte in die Wege geleitet wurde. In weniger als einer
Woche übertraf sie die massiven Lufttransporte an
Hilfsgütern, die von den Vereinigten Staaten im Dezember 1988 nach Armenien geschafft wurden.
Schlechtes Wetter in dem Gebiet und mangelnde
Navigationshilfen sowie die praktisch nicht existierende Infrastruktur in der Südosttürkei erschweren diese
Operation. Die örtlichen Straßen sind in einem desolaten Zustand, und aus diesem Grund entschied man
sich für das Abwerfen der Güter als schnellste Reaktion.
Dieses außerordentliche Hilfsunternehmen der Vereinigten Staaten vollzieht sich in vier Phasen:
Phase I - Unmittelbare Hilfe. Diese Phase
begann am Sonntagmorgen, dem 7. April, mit
sechs Abwürfen von rund 30 Tonnen Nothilfegütern. Wir gehen davon aus, daß diese Phase
bis etwa zum 17. April dauern wird. Nahrungsmittel, Mäntel, Zelte und Decken werden während dieser Phase zusammen mit ersten medizinischen Versorgungsteams bereitgestellt, die
Vorbereitungen für einen längeren Aufenthalt
treffen.
Phase II - Organisierter Aufenthalt. Gleichzeitig
bereiten wir den Übergang zu einem längeren
Aufenthalt vor. In der Türkei werden vorgezogene Stützpunkte aufgebaut und die Flug- und
Seehäfen vorbereitet. Die amerikanische Regierung hat Aufträge für den Überlandtransport
eines Großteils der Nahrungsmittel vergeben.
Der Übergang von Abwürfen aus den C-130Flugzeugen zu Überlandtransporten wird den
Fluß der Hilfgüter außerordentlich verbessern.
Phase III - Gewährleistung maximaler Hilfslieferungen. Dank der geplanten Hilfsbestrebungen
sollen die 700.000 Flüchtlinge mit einer Mahlzeit
pro Tag versorgt werden. Während dieser
Phase wird das amerikanische Militär seine
gesamte Logistik zur Verfügung stellen, um
kontinuierliche Nachschuboperationen großen
Umfangs zu gewährleisten und die Übertragung
der Verantwortung auf internationale Organisationen vorzubereiten, wenn das amerikanische
Militär abgezogen wird.
Phase IV - Übergabe. Wir hoffen, den internationalen Hilfsorganisationen bis Ende dieses

Monats die logistische Infrastruktur übergeben
zu können, damit sie die HilfsbeströbÜngen
fortsetzen können.
Bis jetzt wurden bei 41 amerikanischen Hilfsflügen mit
C-130-Maschinen 136 Tonnen Fertiggerichte, 45.000
1,5-Liter Flaschen Wasser, 35 Tonnen Decken und
400 Fallschirme (als Zelte zu benutzen) abgeworfen.
Gegenwärtig werden 3.500 Tonnen Nahrungsmittel
für die Flüchtlinge zum türkischen Hafen Iskenderun
transportiert, die mit der USS San Diego am 12. April
und der USNS Sirius am 16. April dort eintreffen
werden. Container und Fracht werden darin auf Lastwagen umgeladen und nach Incirlik zum Weitertransport per Luft oder direkt zu Stützpunkten für die
humanitäre Unterstützung transportiert, von wo aus
sie auf die verschiedenen Punkte an der Grenze
verteilt werden.
Darüber hinaus werden in den nächsten fünf Tagen die
folgenden Hilfsgüter in der Türkei eintreffen, die dann
aus der Luft abgeworfen oder per Lastwagen zu den
Flüchtlingen transportiert werden sollen:
588.000 Decken,
2.800 Zelte,
80.000 Feldjacken.
Die Vereinigten Staaten liefern Hilfsgüter so schnell
wie es die logistische Infrastruktur zuläßt.
Wir haben der irakischen Regierung mitgeteilt, sie
solle diese Hilfsoperationen nicht behindern und in
diesem Zusammenhang weder Starr- noch Drehflügler nördlich des 36. Breitengrads einsetzen. Großbritannien und Frankreich haben sich an unseren Lufttransportmaßnahmen beteiligt, und eine wachsende
Zahl von Staaten leistet Beiträge zur Luftbrücke oder
liefert Hilfsgüter in die Türkei.
In enger Abstimmung mit der türkischen Regierung
und unserem Amt für Internationale Entwicklung sowie
dem Büro für Katastrophenhilfe im Ausland hat das
amerikanische Militär seit Beginn dieser schrecklichen
menschlichen Tragödie die Führung bei der Organisation und Koordinierung dieser historisch einmaligen
Hilfsaktion mit anderen Ländern übernommen.
Wir werden diese Flüchtlinge nicht im Stich lassen und
Saddam Hussein nicht gestatten, die Hilfsoperationen
in den sicheren Gebieten, in denen sie Zuflucht gesucht haben, zu behindern. Darüber hinaus hat der
Präsident angeordnet, daß nichts unversucht gelassen wird, um den Flüchtlingen zu helfen. Er hat
deshalb alle benötigten Mittel bewilligt, um dieser
Verpflichtung gerecht zu werden, bis die internationalen Hilfsorganisationen diese Aufgabe übernehmen
können.

* * * *
Seite 2

*
AMERIKA DIENST 15

�NICHTVERBREITUNG
17. April 1991

DIE NICHTVERBREITUNGSPOLITIK DER
VEREINIGTEN STAATEN
von Ronald F. Lehman II
WASHINGTON - (AD) - Ronald F. Lehman II ist Leiter des US-Amts für Rüstungskontrolle und Abrüstung. Der
nachstehende Überblick über den gegenwärtigen Stand der Bemühungen zur Verhinderung der Verbreitung von
- atomaren, chemischen und biologischen - Massenvernichtungswaffen sowie Kontrolle der Raketen, die als
Trägersysteme verwendet werden können, wurde im März 1991 in Form eines Vortrags vor dem World Affairs
Council in Riverside (Kalifornien) veröffentlicht. Er behandelt die derzeitige Verbreitung dieser Waffen, die
Bereiche, in denen es Fortschritte bei der Eindämmung dieser Verbreitung gibt, die Probleme beim Umgang mit
der Verbreitung der unterschiedlichen Arten von Waffen, die internationalen Abkommen und Institutionen, die
zu ihrer Kontrolle ins Leben gerufen wurden, deren Fortschritte und Leistungen sowie die amerikanische Politik
zur Unterstützung der Nichtverbreitung.

t
1

Das Amt für Rüstungskontrolle und Abrüstung beschäftigt sich intensiv mit den Verhandlungen über Rüstungskontrolle, und zwar sowohl bilateral mit der
Sowjetunion als auch multilateral, etwa im Hinblick auf
das Abkommen über Konventionelle Streitkräfte in
Europa oder die Genfer Verhandlungen über ein weltweites Verbot chemischer Waffen. Heute möchte ich
jedoch einen anderen Aspekt der Rüstungskontrolle
ansprechen: die Eindämmung der Verbreitung von atomaren, chemischen und biologischen - Massenvernichtungswaffen und Raketensystemen, die als deren
Trägersysteme dienen können. Außenminister Baker
bezeichnete die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen unlängst als "die vielleicht größte Herausforderung der Sicherheit in den neunziger Jahren".
Es ist in der Tat eine Ironie - vielleicht der Gipfel der
Ironie unserer Zeit -, daß in dem Moment, in dem sich
die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion ernsthaft
anschicken, ihre Waffenarsenale zu reduzieren und zu
kontrollieren, andere Staaten, von denen zahlreiche in
Spannungsgebieten liegen, sich genau in die entgegengesetzte Richtung bewegen. Die Vereinigten Staaten
sind seit langem bestrebt, einseitige und multilaterale
Mechanismen zu entwickeln, um dieser Verbreitung
Einhalt zu gebieten. Ich möchte heute sowohl den
Charakter des Problems als auch die sehr ernsthaften
Bemühungen der Bush-Administration zu dessen
Bewältigung erörtern.
AMERIKA DIENST 15

Nichts hat unsere gemeinsame Aufmerksamkeit vielleicht so sehr auf das Problem der Verbreitung gelenkt
wie die gegenwärtige Lage im Irak.
Der Irak hat acht Jahre lang einen blutigen Krieg gegen
den Iran geführt, der eine Million Opfer gefordert hat.
Kaum eine Familie im Irak blieb von den Auswirkungen
dieses Krieges verschont. Der Irak hat chemische
Waffen eingesetzt, zuerst gegen den Iran und dann
gegen seine eigenen unschuldigen Bürger und damit
alle internationalen Normen verletzt. Am Ende dieses
Konflikts, während des "Kriegs der Städte", feuerten
der Irak und der Iran Hunderte von Raketen gegen die
Bevölkerungszentren des jeweiligen Gegners ab. Es
gab einen Zeitpunkt, an dem die Hälfte der Bevölkerung Teherans dadurch aus der Stadt vertrieben wurde.
Man hätte annehmen können, daß eine erschöpfte,
verausgabte Nation eine Atempause angestrebt hätte,
eine Zeit zum Wiederaufbau. Statt dessen bemühte
sich der Irak mit einer Armee von einer Million Mann
unverzüglich darum, zur regionalen Supermacht aufzusteigen und forderte bei seinem Streben nach Vorherrschaft in der arabischen Welt sowohl Ägypten als
auch Syrien heraus. Und dann marschierte er in
Kuwait ein. Diese Handlungsweise entbehrte nicht der
Ironie, denn ohne die Hilfe Kuwaits im Krieg gegen den
Iran hätte der Irak diesen Krieg verloren. Ein großer
Seite 1

�Teil des militärischen und anderen Nachschubs für
den Irak wurde über Kuwait abgewickelt. Es war
Kuwait, das einen großen Beitrag zur Vermarktung
des irakischen Öls leistete und sogar eigenes Öl für
den Irak verkaufte, und es war Kuwait, das eine
führende Rolle bei der Vergabe von Krediten spielte,
mit denen die Kriegführung des Irak finanziert wurde.
Es wird angenommen, daß der Irak neben seiner
Chemiewaffenfähigkeit auch biologische Waffen entwickelt. Auch sein Atomprogramm gab Anlaß zu
großer Besorgnis.
Obwohl es den Vertrag über die Nichtverbreitung von
Kernwaffen unterzeichnete, hat Bagdad raffinierte und
umfassende verdeckte Bemühungen durchgeführt, um
mehrfach nutzbare Ausrüstung zum Aufbau einer Infrastruktur für die Waffenproduktion einzusetzen. Wie
auch immer, so war zumindest ein Ergebnis des Golfkrieges ein erheblicher Rückschlag für das Programm
des Irak.
Die irakischen Aktivitäten stellen jedoch nicht unsere
einzige Herausforderung im Bereich der Nichtverbreitung dar und noch nicht einmal die einzige in der
gesamten Region des Nahen/Mittleren Ostens und
Südasiens. Auch andernorts in der Region haben
andere, darunter der Iran, Libyen und Syrien, chemische Waffen beschafft oder schicken sich an, dies zu
tun. Wir alle wissen, daß Israel nichtkontrollierte
nukleare Einrichtungen besitzt. Israel hat darüber
hinaus seine eigene hochentwickelte militärische Infrastruktur. Als Konfliktregion bedeutet der Nahe
Osten für uns eine der größten Herausforderungen im
Bereich der Nichtverbreitung, insbesondere angesichts
von Ausmaß und Entwicklungsstand der Rüstungen.
Weiter im Osten werden die Probleme auch nicht
unkomplizierter. Die keiner internationalen Kontrolle
unterliegenden atomaren Aktivitäten Pakistans und
Indiens geben Anlaß zu tiefer Sorge. Im Jahr 1974
zündete Indien einen nuklearen Sprengsatz und deutete damit seine Fähigkeiten an. Pakistan hat sich um
eine ähnliche Fähigkeit bemüht. Während der gesamten achtziger Jahre war Pakistan ein Hauptempfänger
amerikanischer Auslandshilfe, teilweise aufgrund seiner Unterstützung der internationalen Bemühungen
zur Beendigung der sowjetischen Besetzung Afghanistans.
Seit 1985 ist die Gewährung amerikanischer Hilfe an
Pakistan jedoch von einer Bescheinigung des Präsidenten an den Kongre ß abhängig, derzufolge Pakistan
keine atomaren Sprengsätze besitzt. In den letzten
Jahren ist es immer schwieriger geworden, diese
Bescheinigung auszustellen. Im Jahr 1988 informierte
Präsident Reagan den Kongreß, daß dieser "sich
bewußt sein sollte, daß mit der Zunahme der nuklearen Fähigkeiten Pakistans und bei Anhäufung weiterer
Beweise über dessen Aktivitäten dieses Verfahren der
jährlichen Bescheinigung vom Präsidenten Einschät-

Seite 2

zungen zum Stand der pakistanischen atomaren Aktivitäten erfordern wird, die nur sehr schwer oder unmöglich mit einiger Sicherheit zu erlangen sind".
Präsident Bush hat diese Besorgnis im Jahr 1989
bekräftigt. Die im Oktober 1990 fällige Bescheinigung
für das Haushaltsjahr 1991 wurde noch nicht ausgestellt, und die Angelegenheit wird weiter geprüft. Infolgedessen haben die Vereinigten Staaten Pakistan seit
Oktober 1990 keinerlei neue Wirtschafts- oder Militärhilfe gewährt - diese Hilfe beläuft sich auf 600 Millionen
Dollar jährlich.
Noch weiter im Osten sind die Vereinigten Staaten
besorgt über die anhaltende Weigerung Nordkoreas,
seine Verpflichtungen gemäß dem Vertrag über die
Nichtverbreitung von Kernwaffen (NPT) zu erfüllen.
Nach seinem Beitritt im Jahr 1985 hätte das Land
aufgrund dieses Vertrags innerhalb von 18 Monaten
eine umfassende Kontrollvereinbarung durchführen
müssen - also alle seine nuklearen Einrichtungen der
internationalen Inspektion durch die Internationale
Atomenergieorganisation (IAEO) unterstellen müssen.
Fünf Jahre danach hat Nordkorea trotz zunehmender
internationaler Bestürzung diese Kontrollvereinbarung
immer noch nicht unterzeichnet, gleichzeitig jedoch
weiter an der Entwicklung seines Atomprogramms
gearbeitet. Ich möchte hier eindeutig feststellen:
Nordkoreas Verpflichtung gemäß diesem Vertrag, zu
dessen Beitritt es sich freiwillig entschlossen hat,
besteht ohne Einschränkung. Es gibt keine Sonderbedingungen oder Begrenzungen. Meines Erachtens ist
es unerläßlich, daß Nordkorea sein Engagement für
den Vertrag und das Nichtverbreitungsregime insgesamt beweist, indem es sein umfassendes Kontrollabkommen unterzeichnet und in Zukunft anwendet.
Stellen Sie sich einen Moment die Folgen für die
Sicherheit Ostasiens vor, wenn sich Nordkorea Kernwaffen beschaffen würde. Seine bisherige Handlungsweise, darunter Planung und Ausführung eines terroristischen Bombenanschlags, bei dem nahezu das
gesamte südkoreanische Kabinett ums Leben kam,
läßt uns ob dieser Aussicht erschauern. Wir alle sind
uns durchaus der Tatsache bewußt, wie viel komplizierter unsere Bemühungen am Persischen Golf
gewesen wären, wenn der Irak seine atomaren Ambitionen verwirklicht hätte. Unsere Verbündeten in
Ostasien, einschlie ßlich Südkorea und Japan, sind tief
besorgt über die mangelnde Bereitschaft Nordkoreas,
die Überprüfung seiner atomaren Einrichtungen zu
gestatten, und beide haben der Erfüllung dieser Verpflichtung durch Nordkorea Priorität eingeräumt, da
Nordkorea sich anschickt, seine diplomatische Isolierung zu durchbrechen.
Andernorts besteht im Bereich der Verbreitung von
Kernwaffen meines Erachtens Grund zu Optimismus.
In den vergangenen drei Jahren hat Südafrika, ein
weiteres Land mit nichtkontrollierten atomaren Einrichtungen, eine Annäherung an den NPT vollzogen.

AMERIKA DIENST 15

t

�,

t

Wir hegten sogar die begründete Hoffnung, daß Südafrika im letzten Sommer, als eine der regelmäßigen
Überprüfungskonferenzen zum NPT stattfand, dem
Vertrag beigetreten wäre. Zusammen mit Großbritannien und der UdSSR haben wir alles in unserer Macht
Stehende unternommen, um es dazu zu ermutigen.
Zu unserem Bedauern hat es das nicht getan. Trotzdem hat Südafrika unlängst Vertreter zur IAEO entsandt, um ein Kontrollabkommen auszuhandeln, das
all sein nukleares Material internationalen Inspektionen unterwerfen würde, und ich hoffe weiterhin, daß
Südafrika davon überzeugt werden kann, dem NPT
beizutreten. Obwohl die südafrikanische Regierung
mit einer Vielzahl innenpolitischer Probleme konfrontiert ist, sind die südafrikanischen Stellungnahmen,
wie ich feststellen möchte, weiterhin positiv. Es ist
ferner ermutigend, daß mit Mosambik im vergangenen
Sommer ein Frontstaat dem Vertrag beigetreten ist.
In Südamerika vollziehen sich echte Fortschritte. Die
beiden Länder mit fortgeschrittenen Nuklearprogrammen - Brasilien und Argentinien - haben kürzlich ein
bilaterales Abkommen geschlossen, um alle ihre kerntechnischen Einrichtungen der lAEO-Kontrolle zu
unterstellen. Ihre Vertreter befinden sich heute in
Wien, um dieses Abkommen auszuhandeln, und es
besteht berechtigte Hoffnung, daß die Verhandlungen
vor dem Jahresende abgeschlossen werden. Brasilien und Argentinien haben sich ferner dazu verpflichtet, den Vertrag von Tlatelolco in Kraft zu setzen.
Tlatelolco schafft eine kernwaffenfreie Zone in Südamerika, und es ist deshalb lebenswichtig, daß Argentinien und Brasilien dem Vertrag beitreten.
Ich möchte mich nun unseren nichtnuklearen Anliegen
widmen: chemischen und biologischen Waffen sowie
Raketensystemen. Zunächst zu den chemischen
Waffen. Vor zwanzig Jahren wurde nur von fünf
Staaten angenommen, daß sie chemische Waffen
besaßen. Heute schätzt der Direktor des Nachrichtendienstes CIA vor dem Kongreß, daß diese Zahl auf
etwa 20 gestiegen ist und andere möglicherweise
versuchen, sie zu beschaffen. Die Produktion chemischer Waffen ist relativ preiswert, und ihre Herstellung
erfordert keine hochentwickelte Technik.

•

In fast allen Fällen gibt es für die zur Herstellung
chemischer Waffen erforderlichen Chemikalien und
Apparate berechtigte Anwendungen in der Industrie,
und sie sind freier erhältlich, weil Raffinerien, Düngemittel- und Pestizidfabriken sowie die Pharmaindustrie expandiert haben. Dazu einige Beispiele: Phosphoroxid wird etwa bei der Herstellung von Kunststoffund Gummizusätzen, Pestiziden und Hydraulikölen
eingesetzt. Es kann aber auch zur Produktion des
Nervengases Tabun eingesetzt werden. Phosgen
wird bei der Herstellung von Kunststoffen und Lacken
verwendet, ist aber auch ein Stickgas, das erstmalig im
Ersten Weltkrieg eingesetzt wurde. In ähnlicher Weise
kann ein Großteil der heute produzierten Chemikalien

AMERIKA DIENST 15

und der Produktionsanlagen auch zur Herstellung von
Stoffen zur chemischen Kriegführung eingesetzt werden. Die Leichtigkeit und die Geschwindigkeit, mit der
chemische Waffen verdeckt hergestellt werden können, tragen eindeutig zu ihrer Attraktivität bei - und
erhöhen bei manchen Ländern die Versuchung, damit
die konventionellen Fähigkeiten eines Gegners zu
kompensieren.
Zusätzlich zur Weiterverbreitung chemischer Waffen
findet eine beängstigende Verbreitung biologischer
Waffen statt, obowohl sie durch eine Konvention verboten sind. Biologische Waffen sind potenter als die
schrecklichsten Kampfstoffe zur chemischen Kriegführung. Im vergangenen Jahr erklärte der Direktor
des US-Nachrichtendienstes CIA bei einer öffentlichen Anhörung im Kongreß, daß "sich mindestens
zehn Länder darum bemühen, bereits bekannte und
neue biologische Waffen herzustellen".
Biologische Waffen und ihre Produktionsanlagen sind
in jedem Falle vielseitig verwendbar. Es gibt keine
Substanzen oder Anlagen, die allein zur Herstellung
biologischer Waffen eingesetzt werden können - dieselben Materialien spielen eine entscheidende Rolle in
der medizinischen Forschung. Zahlreiche Substanzen biologischer Waffen kommen in der Natur vor.
Tatsächlich kann jedes Land mit einer halbwegs entwickelten pharmazeutischen Industrie biologische
Waffen herstellen, wenn es das will.
Wenn Länder diese Massenvernichtungswaffen herstellen können, dann benötigen sie dafür auch Trägersysteme.
Ballistische Raketen sind solche Instrumente, und sie
stellen daher eine besonders destabilisierende Waffenkategorie dar. Sie können eine Vielzahl von nuklearen, konventionellen und nichtkonventionellen Waffen mit großer Geschwindigkeit zum Einsatz bringen. Gegenwärtig gibt es gegen viele ballistische
Raketen keine Verteidigung. Darüber hinaus können
sie nach ihrem Abschuß nicht zurückgeholt werden.
Selbst bei Raketen wie der relativ altmodischen SCUD,
die abgeschossen werden kann, funktioniert das nur
auf geringe Distanz. In einer solchen Situation könnten zum Beispiel immer noch giftige Chemikalien auf
das Territorium dessen gelangen, der sich verteidigt.
Daraus folgt, daß ihr Vorhandensein einen Erst- oder
Präventivschlag provozieren und damit in Zeiten einer
Krise oder zunehmender Spannungen weiter zur regionalen Instabilität beitragen könnte.
Es gibt einen starken internationalen Druck gegen den
Einsatz nuklearer und chemischer Waffen, aber im
Hinblick auf Raketen besteht kein solcher internationaler Konsens. In den letzten Jahren haben einige
Länder Mittelstreckenraketen selbst entwickelt oder
stehen kurz vor deren Entwicklung. Andere haben sie
erworben. Wieder andere behaupten, sie würden nur
ihre eigene Raumfahrt entwickeln. Dennoch ist diese

Seite 3

�zivile Technologie identisch mit der Technik für ballistische Raketen. Unglücklicherweise befinden sich viele
Länder mit der Fähigkeit zur Herstellung von Raketen
in spannungsreichen Regionen, insbesondere im Nahen
Osten und Südasien, wo der Einsatz solcher Raketen
bei künftigen Konflikten ihr destruktives Potential erheblich steigern wird.
Sie sehen, die Probleme sind ernst, in gewisser Weise
verzahnt und werden durch das rapide Wachstum und
die Verbreitung von Hochtechnologie noch komplizierter. Der Umgang damit ist ein wichtiges politisches
Anliegen geworden. Eine der vier ACDA-Abteilungen
beschäftigt sich ausschließlich mit der Politik der Nichtverbreitung. Die US-Regierung richtet ihr Augenmerk
auf die gesamte Bandbreite dieser Probleme und
versucht damit, die Verbreitung dieser gefährlichen
Waffen aufzuhalten. In jedem Problemfeld, bei nuklearen, chemisch-biologischen Waffen und Raketen
als deren Trägern üben die Vereinigten Staaten an
vorderster Front Druck aus, um dem System der
Nichtverbreitung Vorschub zu leisten.
Jede US-Regierung hat sich seit Ende des Zweiten
Weltkriegs darauf konzentriert, die Verbreitung nuklearer Waffen zu verhindern. Die Bush-Administration bildet da keine Ausnahme.
Die Institutionen zur Unterstützung des internationalen
Systems der Nichtverbreitung sind die ältesten und
erfahrensten, um die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen zu stoppen. Ihr Eckpfeiler ist der Vertrag
über die Nichtverbreitung von Kernwaffen (NPT), dem
140 Staaten zugestimmt haben und der damit eines
der am meisten akzeptierten Rüstungskontrollvereinbarungen in der Geschichte ist. Er wurde in den
sechziger Jahren ausgehandelt und trat 1970 in Kraft.
Vor seiner Verabschiedung wurde allgemein erwartet,
daß es bis 1990 über 20 Atomwaffenstaaten auf der
Welt geben würde. Durch den NPT haben jedoch 137
Länder gelobt, keine Kernwaffen zu erwerben und ihr
Kernspaltungsmaterial internationaler Kontrolle unterstellt, die von der Internationalen Atomenergieorganisation ausgeübt wird.
Mit seinen vielen Mitgliedstaaten hat der NPT einen
Maßstab gesetzt, der auch nicht daran beteiligten
Ländern Hindernisse bei der Verbreitung von Kernwaffen in den Weg legt. Seit Inkrafttreten hat sich kein
einziges Land zum Atomwaffenstaat erklärt. Lediglich
ein Land - Indien - hat einen Atomtest durchgeführt.
Seit diesem Test vor 16 Jahren hat kein anderer
Nichtatomwaffenstaat einen Atomtest durchgeführt.
Der NPT soll 1995 verlängert werden. Die Vereinigten
Staaten setzen sich für eine bessere Unterstützung
des Vertrags und für eine unbefristete Verlängerung
ein. In den nächsten vier Jahren werden wir seiner
allgemeinen Einhaltung den Weg bereiten. Bei der
vierten Folgekonferenz des NPT im Sommer vergangenen Jahres haben Frankreich und China als die zwei

Seite 4

Atomwaffenstaaten, die nicht Vertragsparteien sind,
erstmals Beobachterdelegationen entsandt. Diese
Entwicklung war begrüßenswert, und wir hoffen, daß
beide Länder unter Umständen dem Vertrag vor 1995
beitreten.
Im Rahmen des NPT existiert der Ausschu ß der Atomexporteure, der auch - nach seinem ersten Vorsitzenden-als Zangger-Ausschuß bekannt ist. Artikel III des
NPT verbietet jeder Partei, Spaltmaterial oder Anlagen
zur Herstellung von Kernwaffen an Nichtatomwaffenstaaten zu liefern, ohne bestimmte Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen. Obwohl alle Atomanlagen von
NPT-Parteien gemäß dem NPT geschützt sind, war
die Vereinbarung einer Liste erforderlich, um darzulegen, welche Nuklearexporte Kontrollmaßnahmen für
Nicht-NPT-Parteien umgehen würden. Die Ausschußmitglieder aus 23 Ländern treffen sich zweimal im Jahr
zur Überprüfung und Aktualisierung der Liste im Sinne
der neuesten Technologie.
Darüber hinaus wurde Mitte der siebziger Jahre eine
weitere Gruppe der Lieferanten von Atommaterial
gegründet. Damit wurden Nicht-NPT-Parteien und
Lieferanten von Atommaterial - hauptsächlich Frankreich - in ein System eingebunden, das im wesentlichen dieselbe Art von eindeutig einsetzbarer Nukleartechnologie kontrolliert wie der Zangger-Ausschuß.
Seit der Irak und andere Länder jedoch versucht
haben, verdeckt Mehrzweckmaterial zu erwerben, um
ihre Kernwaffenprogramme zu modernisieren - das
heißt, Gerät zu erwerben, das nicht einzig und allein
bei der Entwicklung von Kernwaffen eingesetzt werden kann - sind wir zu dem Schluß gekommen, daß
diese Mehrzweckgeräte ebenfalls multilateral kontrolliert werden müssen. Die Vereinigten Staaten führen
diese Kontrollen seit langem durch und fordern in den
meisten Fällen Einzelgenehmigungen, bevor sie exportiert werden dürfen. Unserer Ansicht nach liefert
uns die internationale Sorge über irakische Versuche
zum Erwerb solcher Geräte eine ausgezeichnete
Gelegenheit, auf multilateraler Ebene rigorosere Exportkontrollen zu verhängen. Dieses Ziel verfolgen wir
mit allem Nachdruck.
Die Vereinigten Staaten werden weiterhin aus rechtlichen und politischen Gründen ihre Zusammenarbeit
mit solchen Ländern nicht verstärken, die keine umfangreichen Kontrollen durchführen. Diese Sicherheitsmaßnahmen unterstellen alle zivilen Atomkraftwerke der internationalen Kontrolle, um sicherzustellen, daß kein Spaltmaterial für ein Kemwaffenprogramm abgezweigt wird. Wir haben andere Lieferanten von Atommaterial aufgefordert, dieselben Maßnahmen zu ergreifen.
In jüngster Zeit teilen Japan, Deutschland und die
Niederlande das Konzept der Vereinigten Staaten,
nicht dagegen Großbritannien, Frankreich und die
Sowjetunion. Frankreich verhandelt zum Beispiel
gegenwärtig mit Pakistan über den Verkauf eines
AMERIKA DIENST 15

�Atomreaktors. Der Reaktor selbst wird internationaler
Kontrolle unterstellt, aber Frankreich fordert nicht, daß
alle anderen Atomkraftwerke Pakistans ebenso gesichert sind. Unserer Ansicht nach erhält Pakistan damit
den Vorteil der nuklearen Zusammenarbeit, ohne sich
selbst der nuklearen Nichtverbreitung unterwerfen zu
müssen. Die Vereinigten Staaten werden weiterhin
alles tun, damit alle Lieferanten von Atommaterial
umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen als Bedingung
der nuklearen Zusammenarbeit ergreifen.
Ich möchte ferner insbesondere auf die Bedeutung der
Internationalen Atomenergieorganisation, der IAEO,
hinweisen. Wie ich bereits erläutert habe, hat jeder
Nichtatomwaffenstaat, der dem NPT angehört, umfangreiche Kontrollmaßnahmen verabschiedet. Die
IAEO handelt als internationale Organisation Kontrollabkommen aus und inspiziert Atomanlagen, um sicherzustellen, daß kein nukleares Material für andere
Zwecke abgezweigt wird. Durch die IAEO werden die
meisten Programme der nuklearen Kooperation zu
friedlichen Zwecken durchgeführt. Die Vereinigten
Staaten betrachten die IAEO als unerläßlichen und
wesentlichen Eckpfeiler des Systems der Nichtverbreitung von Kernwaffen. Wir sind bei weitem ihre
wichtigste Finanzierungsquelle, stellen jedes Jahr etwa
25 Prozent ihres Haushalts zur Verfügung und leisten
den größten Beitrag zu ihrem Programm derfreiweilligen nuklearen Kooperation.
Präsident Bush hat auf die Notwendigkeit einer Förderung der IAEO verwiesen. Die Regierung erkennt,
wie wichtig es ist, zu gewährleisten, daß sie über die erforderlichen Ressourcen verfügt, um ihre Kontrollmaßnahmen aufrechtzuerhalten und gegebenenfalls
auszubauen. Bei der NPT-Folgekonferenz im Sommer vergangenen Jahres wurde die IAEO aufgefordert
zu prüfen, wie sie ihrem Recht nachkommen kann,
"Sonderinspektionen" durchzuführen, die über normale routinemäßige Prüfungen von Atomanlagen hinausgehen. Das irakische Atomprogramm deutet klar
darauf hin, daß solche "Sonderinspektionen" manchmal erforderlich sind. Die IAEO untersucht gegenwärtig die Kriterien, nach denen sie durchgeführt werden
könnten.
Die wesentlichen Elemente des nuklearen Nichtverbreitungsregimes sind also in die Praxis umgesetzt.
Wie ich jedoch bereits ausgeführt habe, vertreten die
Vereinigten Staaten die Auffassung, das Regime müsse
verbessert werden. Die Einhaltung des NPT muß
universeller, Exportkontrollen müssen strenger gehandhabt und die Schutzmaßnahmen erweitert werden.
Ich möchte mich nun unserer Politik zu chemischen
und biologischen Waffen zuwenden.
Die erste Priorität der amerikanischen Außenpolitik ist
nach wie vor ein weltweites Verbot der Entwicklung,
Herstellung und Lagerung chemischer Waffen. Das

AMERIKA DIENST 15

beste Kontrollregime für chemische Waffen ist und
bleibt ein weltweites Verbot. Wir verfolgen dieses Ziel
seit einer Reihe von Jahren bei der Genfer Abrüstungskonferenz, in den Rahmen die Verhandlungen
stattfinden. Unser Ziel für eine solche Rüstungskontrollvereinbarung lautet, daß sie wirklich weltweit gelten und verifizierbar sein muß.
Bis zur Verwirklichung eines solchen Verbots unternehmen wir sowohl einseitige als auch gemeinsame
Schritte zur Unterstützung der Genfer Verhandlungen
und zur Verhinderung des Einsatzes und der Verbreitung chemischer Waffen. Im vergangenen Jahr haben
wir mit der UdSSR ein bilaterales Abkommen unterzeichnet, in dem beide Seiten vereinbarten, die Produktion chemischer Waffen einzustellen und mit der
Zerstörung der Arsenale zu beginnen. Im Verlauf der
kommenden Jahre werden beide Seiten 98 Prozent
ihrer chemischen Waffenbestände bis zu einem vollständigen Verbot vernichten.
Als weitere Übergangsmaßnahme arbeiten die Vereinigten Staaten aktiv in der "Australiengruppe" mit,
einem Zusammenschluß von 20 westlichen Nationen,
die untereinander Mittel und Wege zur Eindämmung
der Verbreitung chemischer Waffen erörtern. Die
Gruppe wurde im Jahr 1984 als Reaktion auf den
Einsatz dieser Waffen im iranisch-irakischen Krieg
gegründet. Alle Mitglieder der Gruppe haben unverzüglich eine "Schwarze Liste" mit 11 Chemikalien
erstellt, die nationalen Exportkontrollen mit einer kritischen Überprüfung unterliegen, bevor die Exportlizenz erteilt wird. Darüber hinaus hat die Gruppe eine
inoffizielle "Warnliste" mit weiteren 39 chemischen
Substanzen zum Mehrzweckeinsatz verabschiedet.
Die Mitglieder haben die Liste den chemischen Industrieunternehmen in ihren jeweiligen Ländern zukommen lassen und sie aufgefordert, alle verdächtigen
Transaktionen zu melden. Die Gruppe hat ferner
"Richtlinien" veröffentlicht, um die chemische Industrie für Transaktionen von Anlagen zur Herstellung
chemischer Waffen zu sensibilisieren, das zur Verbreitung dieser Waffen beitragen könnte. Darüber hinaus
hat die Gruppe ein Dokument herausgegeben, um
Industrie, Wissenschaftler und andere betroffene
Gruppen vor den Risiken der unbewußten Hilfe bei der
Verbreitung biologischer Waffen zu warnen.
Ich möchte betonen, daß die Zusammenarbeit der
amerikanischen Chemieindustrie mit der Regierung
ausgezeichnet war. Der Verband der chemischen
Industrie hat dem vorgesehenen Vertrag über chemische Waffen zugestimmt, einen Mechanismus zur
Selbstkontrolle eingeführt und der amerikanischen
Verhandlungsdelegation in Genf unschätzbare Hilfe
bei unseren Bestrebungen geleistet, die Konvention
über das Verbot chemischer Waffen zu einem praktikablen und durchführbaren Vertrag zu machen.
Vor kurzem haben die Mitglieder der Australiengruppe
entschieden, die 39 chemischen Substanzen, die auf
Seite 5

�der inoffiziellen Warnliste gestanden hatten, denselben restriktiven Exportkontrollen zu unterwerfen wie
die 11 Chemikalien auf der ursprünglichen Schwarzen
Liste. Im vergangenen November hat der Präsident
mit einer Durchführungsverordnung eine Erweiterte
Initiative zur Kontrolle der Verbreitung (Enhanced
Proliferation Control Initiative - EPCI) ins Leben gerufen. Im Rahmen von EPCI fordern die Vereinigten
Staaten jetzt Kontrollen durch Exportlizenzen für alle
50 von der Austaliengruppe genannten chemischen
Substanzen. Ferner schreiben wir Exportlizenzen für
Chemieanlagen und deren Entwurf vor. Darüber hinaus verschärfen wir die Kontrollen und die Rechenschaftspflicht für den Transfer von Anlagen und Technologie, bei dem der Exporteur weiß oder von der USRegierung darüber informiert wurde, daß der Export
für Entwurf, Entwicklung oder Herstellung von Raketen, chemischen oder biologischen Waffen verwendet
werden kann. Und schließlich werden amerikanische
Staatsbürger strafrechtlich verfolgt, die wissentlich bei
nicht genehmigten ausländischen C-Waffen- oder
Raketenprogrammen mitwirken.
Darüber hinaus versuchen wir, den Vertrag über biologische Waffen zu verbessern - es handelt sich hierbei
um einen internationalen Vertrag, der 1975 in Kraft trat.
Die Unterzeichnerstaaten dieses Vertrags haben sich
verpflichtet, niemals "biologische Waffen oder ihre
Trägersysteme zu entwickeln, herzustellen, zu lagern
oder anderweitig für feindselige Zwecke in einem
bewaffneten Konflikt zu beschaffen". (In Klammern
möchte ich hinzufügen, daß der Irak nicht Unterzeichner des Vertrags über biologische Waffen ist). Anfang
dieses Jahres haben der Kongreß und die Administration ferner die Beteiligung amerikanischer Staatsbürger an allen biologischen Waffenprogrammen zur Straftat
erklärt.
Zusätzlich zu den von uns zur Kontrolle der Verbreitung von Raketen im Rahmen von EPCI ergriffenen
Initiativen lag der Schwerpunkt unserer Bestrebungen
zur Begrenzung der Verbreitung von Raketensystemen in der aktiven Beteiligung an und der Erweiterung
des Kontrollregimes für Raketentechnologie (Missile
Technology Control Regime - MTCR). Das MTCR ist
eine gegenseitige Absichtserklärung seiner Unterzeichnerstaaten, ein Bündel von Exportkontrollen für Raketen und Raketentechnologie anzuwenden. Im wesentlichen kontrolliert MTCR den Export unbemannter
Trägersysteme einschließlich Marschflugkörpern und
ferngelenkten Trägersystemen (remotely piloted vehicle Systems - RPVS), die eine Nutzlast von 500 kg
300 km weit transportieren können sowie das Material
und die Technologie für solche Raketen.
Seit seiner Gründung im Jahr 1987 hat sich die Teilnehmerzahl am MTCR verdoppelt. Heute zählen
folgende 15 Länder dazu: Australien, Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada, Luxemburg, Neuseeland, die

Seite 6

Niederlande, Norwegen, Spanien und die Vereinigten
Staaten.
Die Vereinigten Staaten haben sich um die ernsthafte
Mitarbeit der führenden Technologielieferanten in Ostund Westeuropa sowie die Zurückhaltung der wachsenden Zahl von Entwicklungsländern bemüht - und
MTCR trägt das seine dazu bei. Die Mitarbeit der
westlichen Industrienationen an dem Regime war bei
der Verzögerung einer Reihe von Raketenprojekten
der dritten Welt entscheidend.
Ein Schwerpunkt des Regimes wird nach wie vor darin
bestehen, die Ueferanten aus Nichtunterzeichnerstaaten davon zu überzeugen, Technologieexporte zu
vermeiden, die Kontrollen zur Nichtverbreitung unterlaufen.
Die UdSSR hat sich öffentlich zur Einhaltung der
MTCR-Richtlinien zur Nichtverbreitung verpflichtet.
Obwohl noch einige wichtige Fragen gelöst werden
müssen - einschließlich der festen Zusage der Sowjetunion, die Lieferung von SCUD-Raketen nach Afghanistan einzustellen - hoffen wir, daß der Beitritt der
Sowjetunion zum MTCR in nicht allzu ferner Zukunft
erfolgen wird.
Obwohl China den Beitritt zum MTCR abgelehnt hat,
wurde doch die Bereitschaft angedeutet, eine Politik
der Zurückhaltung bei zukünftigen Raketentransfers
auszuüben. Dennoch sind wir weiterhin besorgt über
die Möglichkeit, daß die Chinesen eine neue Generation von Raketen auf den Markt bringen werden,
darunter die M-9/M-11, die in mindestens einer öffentlichen Rüstungsausstellung vorgeführt wurde. Wir
haben China wiederholt ermutigt, seine zukünftigen
Exporte in Einklang mit den Nichtverbreitungsnormen

des MTCR zu bringen.
Ein Großteil des von mir bisher Ausgeführten behandelt die sogenannte "Angebotsseite" des Problems.
Wir müssen uns daher mit der "Nachfrageseite" befassen, das heißt, den Motivationen, die Nationen zur
Beschaffung von Massenvernichtungswaffen bewegen. Unsere Hauptsorge über diese Verbreitung
konzentriert sich auf regionale Spannungsherde wie
den Nahen Osten und Südasien, und der Wunsch,
moderne, todbringende Waffenarsenale zu beschaffen, ist zum gro ßen Teil eine Manifestation der zugrundeliegenden politischen Spannungen.
Natürlich versuchen wir, ein nukleares Wettrüsten auf
dem indischen Subkontinent zu verhindern. Indien
und Pakistan haben drei Kriege geführt. Beide beobachten sich mit gegenseitigem Mißtrauen, und im
vergangenen Jahr kam es über den schwelenden
Konflikt in Kaschmir beinahe zum Eklat. Die Vereinigten Staaten sind der festen Überzeugung, daß die
Sicherheit keines Landes durch den Besitz von Kernwaffen verbessert wird, aber wir müssen die zugrundeliegenden, beiden Seiten bewußten politischen Pro-

AMERIKA DIENST 15

�bleme ansprechen, und dies erfordert einen regionalen Ansatz. Zur Zeit führen wir einen Dialog mit beiden
Ländern über die Möglichkeiten einer regionalen Lösung der Probleme, und meines Erachtens sind die
Interessen und Belange der UdSSR und Chinas direkt
betroffen.
Ich möchte mich nun dem Nahen Osten zuwenden.
Die Invasion des Irak in Kuwait, sein bisheriger Einsatz
chemischer Waffen und seine unprovozierten Raketenangriffe auf Israel haben ein Schlaglicht auf die Gefahren der Verbreitung nuklearer, chemischer und
biologischer Waffen und Raketen für Aggressoren
geworfen. Wenn der Golfkrieg beendet ist, muß die
internationale Staatengemeinschaft ihre Bestrebungen zur Begrenzung der Verbreitung dieser Waffen im
Nahen Osten verdoppeln. Vor allem müssen wir
versuchen, den Irak in jedem Fall daran zu hindern,
seine Fähigkeiten zum Erwerb von Massenvernichtungswaffen wiederzuerlangen. Die internationale
Staatengemeinschaft muß wirksame Wege zur Verwirklichung dieses Ziels in Erwägung ziehen, einschließlich der strikten Unterbindung jeglicher Auslandshilfe für solche Aktivitäten.
Falls es je Anlaß zu Hoffnung auf langfristige Sicherheit und Stabilität im Nahen Osten gibt, müssen die
Vereinigten Staaten und andere Nationen darüber
hinaus Nichtverbreitungsmaßnahmen für die gesamte
Region ermutigen. Dabei müssen die Staaten in der
Region sicherlich ihre Tendenz überdenken, sich bei

*

AMERIKA DIENST 15

* *

der Beschaffung von Raketen und anderen nichtkonventionellen Waffen gegenseitig übertrumpfen zu wollen.
Einige politisch Verantwortliche im Nahen Osten, wie
der ägyptische Präsident Mubarak, haben bereits ihrer
Überzeugung Ausdruck verliehen, daß alle Länder in
der Region sicherer wären, wenn keiner von ihnen
Massenvernichtungswaffen besäße. Ich möchte hinzufügen, daß auch einige israelische Politiker diese
Meinung teilen.
Zusammen mit unserer Hoffnung auf Fortschritte in
der Nachkriegszeit bei der Lösung seit jeher schwelender territorialer Konflikte zwischen den Ländern des
Nahen Ostens erwarte ich, daß diese Länder Wege
zum Abbau der Gefahren eines regionalen Wettrüstens im konventionellen und nichtkonventionellen
Bereich suchen. Die Vereinigten Staaten werden
dieses enorm wünschenswerte Ziel fördern und unterstützen.
Ich hoffe, diese Übersicht vermittelt Ihnen einen gewissen Einblick in die ernsthaften Probleme, mit denen wir
uns bei der Verbreitung dieser Waffen konfrontiert
sehen und in den aktiven Ansatz, den die Vereinigten
Staaten bei ihrer Bewältigung verfolgen. Zweifelsohne liegt eine schwere Aufgabe vor uns, und sie wird uns
nicht immer mit sofortigem Erfolg beschieden sein. Ich
bin jedoch zuversichtlich, daß wir echte Fortschritte bei
der Milderung der gefährlichen Bedrohung erzielen
können, der sich die internationale Staatengemeinschaft durch die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen gegenübersieht.

*

*

Seite 7

�WIRTSCHAFT
17. April 1991

DAS PROGRAMM DES PRÄSIDENTEN ZUR
FÖRDERUNG DES WIRTSCHAFTSWACHSTUMS
Übersicht des Weißen Hauses vom 9. April 1991

Der Präsident geht davon aus, daß eine starke, wachsende und dynamische Wirtschaft die Schaffung von
Arbeitsplätzen und Chancen für alle Amerikaner unterstützt. Die Administration verfolgt ein Programm zur
Förderung des Wirtschaftswachstums, das auf vier
Prinzipien aufbaut:
Ermutigung der Spar- und Investitionstätigkeit,
Eröffnung neuer Chancen auf den Weltmärkten,
Förderung einer qualifizierten und dynamischen
Erwerbsbevölkerung,
Abbau bürokratischer Hemmnisse.
I. ERMUTIGUNG DER SPAR- UND
IN VESTITIONSTÄTIG KEIT
Der Präsident engagiert sich für die Schaffung von
Bedingungen, die langfristigem, von den Marktkräften
bestimmtem Wirtschaftswachstum Vorschub leisten.
Die Administration unternimmt wichtige Schritte, um
die Kapitalkosten zu senken und unternehmerische
Initiative, die Spar- und Investitionstätigkeit sowie
Innovationen zu fördern. Der Präsident strebt Maßnahmen an, mit denen Hemmnisses für die Bildung
von Produktivkapital abgebaut werden und die gewährleisten, daß unsere physische, humane und technologische Infrastruktur die beste der Welt bleibt.

Abkommen gesetzten Ausgabenobergrenzen beschränken die Ausgaben zur freien Verfügung, während
neue, zwingend erforderliche Ausgaben durch Steuererhöhungen oder Reduzierungen in anderen Programmen gedeckt werden müssen.
Stärkung der privaten Spar- und Investitionstätigkeit
Der Präsident hat wiederholt eine Reduzierung der
Kapitalertragssteuer gefordert und den Vorsitzenden
der Bundeszentralbank, Alan Greenspan, gebeten,
eine technische Studie zu den wirtschaftlichen Auswirkungen eines Abbaus der Kapitalertragsteuer zu erstellen.
Der Bundeshaushalt für das Haushaltsjahr 1992 beinhaltet ferner Vorschläge für Familiensparkonten, mit
denen notwendige Anreize zum Sparen geschaffen
werden sowie für steuerfreie Abhebungen von privaten
Rentenkonten für Ersterwerber von Wohneigentum.
Förderung eines innovativen und soliden Finanzsystems
Die von der Administration in Angriff genommene
Reform der Finanzwirtschaft wird dazu beitragen, die
anhaltende Stärke unseres Finanzsystems zu sichern.
Eine umfassende Reform des Bankwesens wird unsere überholten Bankgesetze modernisieren, Steuerzahlerund Einleger schützen, zur Erleichterung harter
Kreditbedingungen beitragen und unsere Finanzinstitutionen im In- und Ausland wettbewerbsfähiger machen.

A. Reduzierung der Kapitalkosten
Kontrolle der Staatsverschuldung
Der Präsident bemüht sich energisch um die Kontrolle
der Bundesausgaben. Das Haushaltsabkommen des
vergangenen Jahres wird die Kreditaufnahme der
Bundesregierung in den kommenden fünf Jahren um
nahezu 500 Milliarden Dollar verringern. Die durch das
AMERIKA DIENST 15

B. Investitionen in Infrastruktur, Forschung und
Entwicklung
Erneuerung unserer Verkehrsinfrastruktur
Die Regierung schlägt eine erhebliche Aufstockung
der Mittel für den Fernstraßenbau von 14,6 Milliarden
Seite 1

�Dollar im Haushaltsjahr 1991 auf 20,3 Milliarden im
Jahr 1996 vor. Insgesamt werden in den nächsten fünf
Jahren nahezu 88 Milliarden Dollar für Bau und Unterhaltung von Fernstraßen bereitgestellt. Die Administration schlägt femer einen 17prozentigen Zuwachs
der Mittel für das Luftverkehrswesen vor.
Erweiterung von Forschung und Entwicklung
Der vom Präsident vorgelegte Haushalt 1992 beinhaltet 76 Milliarden Dollar für Forschung und Entwicklung,
also eine Zunahme um 8,4 Milliarden (13 Prozent)
gegenüber 1991. Um Forschung und Entwicklung
seitens des Privatsektors zu ermutigen, unterstützt der
Präsident die zeitlich unbegrenzte Verlängerung der
Steuerererleichterungen für Forschung und Entwicklung.
Durchführung der Nationalen Energiestrategie
Der Präsident hat dem Kongreß im Februar seine
Nationale Energiestrategie zugeleitet. Die Strategie
ist ein umfassender und ausgewogener Plan für eine
sichere, effiziente und umweltfreundliche künftige
Energieversorgung. In den kommenden zwei Jahrzehnten werden mit dieser Strategie unnötige Hemmnisse für die Marktkräfte beseitigt, damit das Wirtschaftswachstum weiterhin durch ausreichend verfügbare kostengünstige Energie gefördert wird.
II. ERÖFFNUNG NEUER CHANCEN AUF DEN
WELTMÄRKTEN
Im gesamten Verlauf der Nachkriegszeit haben die
Vereinigten Staaten eine Führungsrolle dabei übernommen, die Welt zu einem neuen System des freien
Handels und offener Märkte zu führen. Die Vorteile
weltweiter Integration und erweiterten internationalen
Handels waren im In- und Ausland enorm. Der Präsident und die Administration arbeiten eng mit dem
Kongreß zusammen, um die noch bestehenden
Hemmnisse gegen internationalen Handel und Investitionen auf unserem Kontinent und weltweit abzubauen. Heute befinden sich die Vereinigten Staaten in
einem Exportboom. Die Warenexporte sind in den
vergangenen vier Jahren um 55 Prozent gestiegen doppelt so schnell wie die Importe. Die Fortführung
des "Fast-track-Mandats" zur Zustimmung des Kongresses zu Handelsabkommen ist für die Handelsstrategie des Präsidenten unabdingbar.
A. Erfolgreicher Abschluß der Verhandlungen der
Uruguay-Runde
Die erste Priorität des Präsidenten im Bereich des
Handels sind nach wie vor die Verhandlungen der
Uruguay-Runde im Rahmen des Allgemeinen Zollund Handelsabkommens (GATT). Ein erfolgreicher
Abschluß der Uruguay-Runde wird die Öffnung von
Agrarmärkten, den Abbau oder die Beseitigung von
Zöllen auf zahlreiche Produkte, die Stärkung des GATTSystems und seine Ausdehnung auf wichtige neue
Seite 2

Bereiche - wie Dienstleistungen, Investitionen und
geisitges Eigentum - zur Folge haben, die für die
Tragfähigkeit der amerikanischen Wirtschaft entscheidend sind. Ein starkes multilaterales Handelssystem
ist für die wirtschaftliche Zukunft der Vereinigten Staaten unabdingbar, da es den Zugang unserer Unternehmen zu Wachstumsmärkten in Europa und Asien
gewährleistet.
B. Das Nordamerikanische
Freihandelsabkommen
Der Präsident hat sich zusammen mit dem mexikanischen Präsidenten Salinas und dem kanadischen
Premierminister Mulroney zur Aushandlung des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (NAFTA)
verpflichtet. Die Schaffung des NAFTA mit einem
Markt von rund 360 Millionen Verbrauchern und einer
Gesamtproduktion von 6 Billionen Dollar würde als
Katalysator für Wirtschaftswachstum und Entwicklung
in allen drei Ländern wirken.
Das amerikanisch-kanadische Freihandelsabkommen
hat in den ersten beiden Jahren seines Bestehens zum
Wachstum beider Volkswirtschaften beigetragen. Der
bilaterale Handel nahm trotz des schwächeren Wachstums beider Volkswirtschaften von 1988 bis 1989 um
rund 9 Prozent und von 1989 bis 1990 um 4,2 Prozent
zu.
C. Weiterführung der Initiative zur Förderung der
Privatwirtschaft in allen Ländern Amerikas
Die Initiative zur Förderung der Privatwirtschaft in allen
Ländern Amerikas verspricht, Wachstum und Wohlstand auf dem gesamten Kontinent durch den Abbau
von Handels- und Investitionsschranken anzukurbeln.
Diese Initiative zielt ferner auf den offiziellen Schuldenabbau der Länder ab, die sich zu tiefgreifenden Wirtschaftsreformen verpflichtet haben und sich dabei auf
die anhaltende Unterstützung der Administration zum
Abbau der Verschuldung im Handelsbereich stützen.
Die Wiederherstellung des Wirtschaftswachstums in
Lateinamerika wird den amerikanischen Handel abkurbeln, da diese Region ein natürlicher Markt für
amerikanische Waren, Dienstleistungen und Investitionen ist.
D. Abbau unfairer Handelsschranken
Die Administration verfolgt zahlreiche bilaterale Initiativen mit dem Ziel, ausländische Regierungen von der
Öffnung ihrer Märkte und dem Abbau unfairer Hemmnisse für amerikanische Waren, Dienstleistungen und
Investitionen zu überzeugen. Darüber hinaus führt die
Administration bilaterale Verhandlungen mit Japan,
um strukturelle Faktoren auszumachen und abzubauen, die einen Ausgleich der Zahlungsbilanz und wirksame Muster des Welthandels verhindern. Unsere
Politik besteht in der Bewältigung von Handelsproblemen durch die Öffnung ausländischer Märkte und nicht
durch deren Schließung.
AMERIKA DIENST 15

�E. Förderung der amerikanischen Exporte
Der Präsident hat sich verpflichtet, auf diese Initiativen
zur Öffnung der Märkte durch eine Aufstockung amerikanischer Exporte - einer Hauptwachstumsquelle in
den vergangenen Jahren - aufzubauen. Der Koordinierungsausschuß zur Förderung des Handels hat
erstmalig die Ressourcen von 18 Bundesbehörden
gebündelt, damit amerikanische Unternehmen, die
Exporthilfe benötigen, alles unter einem Dach vorfinden. Als Teil dieser Bestrebungen fördert das Handelsministerium landesweit eine Reihe von Seminaren, um möglichen Exporteuren bei der Aufstockung
der Verkäufe ins Ausland behilflich zu sein.
III. FÖRDERUNG EINER QUALIFIZIERTEN UND
DYNAMISCHEN ERWERBSBEVÖLKERUNG
Der Präsident vertritt die Auffassung, daß langfristiges
Wirtschaftswachstum qualifizierte und anpassungsfähige Arbeitnehmer ebenso wie Kapital und neue Technologien erfordert. Die Administration unternimmt
entscheidende Schritte, um sicherzustellen, daß
amerikanische Arbeitnehmer gut ausgebildet und
hochqualifiziert sind und der amerikanische Arbeitsmarkt der dynamischste und flexibelste der Welt bleibt.
A. Umstrukturierung des Bildungswesens
Der Präsident hat sich herausragender Schulbildung
für alle Amerikaner verschrieben. Er befürwortet freie
Schulwahl, größere Flexibilität bei der Finanzierung
des Bildungswesens im Gegenzug zu verbesserter
Rechenschaftspflicht, geänderte Zulassungsbestimmungen für Lehrer und Schulleiter, Auszeichnungen
für hervorragende Lehrer und Schulen, die die Leistungen ihrer Schüler verbessern sowie innovative Ansätze in der naturwissenschaftlichen Ausbildung. In
Zusammenarbeit mit den Gouverneuren des Landes
versucht die Administration festzustellen, wie die Fortschritte bei der Verwirklichung der Bildungsziele des
Landes am besten gemessen und überprüft werden
können. Der Präsident wird in Kürze ein neues Gesetz
über die Verbesserung des Bildungswesens vorlegen.
B. Aufrechterhaltung flexibler Arbeitsmärkte
Der Präsident hat eine Reihe von Schritten unternommen, um die Dynamik zu erhalten, die den Arbeitsmarkt in den Vereinigten Staaten kennzeichnet. Er
widersetzt sich nach wie vor obligatorischen Arbeitgeberanteilen zu den Sozialleistungen, mit denen die
Optionen für Arbeitnehmer eingeschränkt und die
Zunahme an Arbeitsplätzen in der Wirtschaft verlangsamt wird. Der Präsident unterstützt flexible Sozialleistungspakete, die zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern ausgehandelt werden.
Der Präsident bekämpft jüngste Bestrebungen, das
über 50 Jahre bestehende Gleichgewicht in den Arbeitsbeziehungen zu unterminieren. Er widersetzt
sich den gegenwärtigen Gesetzen über Vertretungen

AMERIKA DIENST 15

für Streikende, das den Arbeitgebern verbieten würde,
bei Arbeitskämpfen ihren normalen Betrieb aufrechtzuerhalten, indem sie Zeitarbeitskräfte einstellen.
Zusammenarbeit, nicht Konfrontation, ist der Schlüssel zur internationalen Wettbewerbsfähigkeit.
Das Einwanderungsgesetz von 1990, die erste wichtige Reform der legalen Einwanderung seit 25 Jahren,
wird die Gesamtzahl der Einwanderer und insbesondere der Facharbeiter erheblich erhöhen. Diese neuen
Arbeitskräfte werden ihren Beitrag zum Wirtschaftswachstum in den Vereinigten Staaten leisten.
C. Verbesserung unserer Bestrebungen zur
Berufsbildung
Der Präsident hat Zusatzartikel zum Berufsbildungsgesetz (Job Training Partnership Act - JTPA) vorgeschlagen, das Verbesserungen der Berufsbildung insbesondere für stark benachteiligte erwachsene und
jugendliche Arbeitskräfte zum Ziel hat. Um Jugendliche in armen Stadt- und Landbezirken zu erreichen,
wurde für bestimmte Gebiete, in denen große Armut
herrscht, ein neues Programm für bessere Chancen
von Jugendlichen (Youth Opportunities Unlimited YOU) vorgelegt. Darüber hinaus gestattet das Programm für die Gewährung von Arbeitsmöglichkeiten
und Grundfertigkeiten (Job Opportunities and Basic
Skills Program - JOBS) den Bundesstaaten Flexibilität, um Empfängern von Hilfe für Familien mit unterhaltsberechtigten Kindern (Families with Dependent
Children - AFDC) beim Erwerb dringend erforderlicher
Fähigkeiten für den Arbeitsmarkt zu helfen. Die Regierung bereitet gegenwärtig ein JTPA-Gesetz zur Vorlage im 102. Kongreß vor.

IV. ABBAU BÜROKRATISCHER HEMMNISSE
Die bemerkenswerte Flexibilität der US-Wirtschaft, die
auf dem Vertrauen in freie Märkte basiert, ist ein
wichtiges nationales Gut. Staatliche Vorschriften
reduzieren in der Regel die wirtschaftliche Flexibilität
und sollten daher eine sehr beschränkte Rolle spielen.
Wo Vorschriften erforderlich sind, sollten entsprechende Programme strengen Rentabilitätsanalysen
unterzogen werden, die Macht von Marktkräften im
öffentlichen Interesse nutzen und solche Kräfte nicht
verzerren oder reduzieren.
A. Arbeitsgruppe zur Deregulierung im Rat für
Wettbewerbsfähigkeit
Der dem Vizepräsidenten unterstehende Rat für Wettbewerbsfähigkeit hat eine Arbeitsgruppe gebildet, um
die Auswirkungen der Deregulierung auf die US-Wirtschaft zu prüfen. Diese Arbeitsgruppe wird die Rolle
der Bundesregierung auf dem Markt untersuchen,
indem sie die Geschichte sowie die Kosten und Nutzen
der Deregulierung für zahlreiche Industriezweige Transport und Verkehr, Kommunikation, Energie und
Finanzdienste - prüft.

Seite 3

�B. Ergonomie

D. Arbeitsgruppe über die Zulassung von
Arzneimitteln

Der Rat des Vizepräsidenten über Wettbewerbsfähigkeit hat vor kurzem den Bericht über die nationale
Politik zur Ergonomie veröffentlicht, in dem das Engagement der Regierung für die Entwicklung ergonomischer Produkte nach Marktkriterien dargelegt wird.
Der Bericht gibt 15 Empfehlungen für drei politische
Bereiche: Investitionen in Wissenschaft und Technik,
risikoabhängige Regulierung und ein marktwirtschaftliches Umfeld mit Kapital und Finanzdienstleistungen
und dem Schutz der Rechte auf geistiges Eigentum.

Die Arbeitsgruppe ist einberufen worden, um den
Zulassungsprozeß der FDA zu prüfen und Veränderungen bei Verfahren und Aufbau vorzuschlagen. Mit
dieser Bestrebung soll der Prozeß beschleunigt und
effizienter werden, insbesondere im Hinblick auf neue
Arzneimittel und ohne zusätzliche Risiken. Darüber
hinaus wird die Gruppe den Zustand der US-Pharmakonzerne prüfen und Möglichkeiten zur Beibehaltung
ihrer Stellung im Wettbewerb vorschlagen.

C. Joint Ventures in der Produktion

E. telekommunikation

Der Rat für Wirtschaftspolitik hat einen Vorschlag
erarbeitet, der Konsortien in der Fertigungsindustrie
und Joint Ventures unter Konkurrenten in der Industrie
zuläßt. Gegenwärtig sind solche Gemeinschaftsunternehmen aufgrund der Unsicherheit im Hinblick auf
das Risiko von Strafverfolgung und privatrechtlichen
Gerichtsverfahren nach dem Kartellgesetz verboten.
Den gegenwärtigen Vorschlägen zufolge müßten das
Justizministerium und die Gerichte den weltweiten
Wettbewerb berücksichtigen, wenn es um Kartellfragen geht.

Schätzungen zufolge wird die Deregulierung in der
Telekommunikation der US-Wirtschaft jährlich 45 Milliarden Dollar einsparen. Trotz der höchst dynamischen Struktur werden Verhalten und Leistungen dieser Industrie immer noch größtenteils von rechtlichen
und regulatorischen Entscheidungen und Beschränkungen bestimmt. Telekommunikation ist für die wirtschaftliche Zukunft unseres Landes entscheidend.
Unnötige Hindernisse und Vorschriften müssen beseitigt werden, und unsere Politik der Regulierung muß
ausgewogen und marktwirtschaftlich orientiert sein.

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 15

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11120">
                <text>17.04.1991</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11121">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11122">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11123">
                <text>Amerikadienst 17.04.1991</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11124">
                <text>&lt;strong&gt;1. Neue Weltordnung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush: neues Europa mit neuen Rollen und Institutionen &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede zur "Neuen Weltordnung"&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Naher Osten&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Truppen helfen bei Einrichtung von Flüchtlingslagern im Irak&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Pressekonferenz von Präsident Bush&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Koordinierte Bestrebungen zur Unterstützung der irakischen Flüchtlinge in die Wege geleitet&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Darstellung der internationalen Zusammenarbeit&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Humanitäre US-Hilfe für irakische Flüchtlinge &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht des Weißen Hauses&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Nichtverbreitung&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Die Nichtverbreitungspolitik der Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Ronald F. Lehmann II&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das Programm des Präsidenten zur Förderung des Wirtschaftswachstums&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Übersicht des Weißen Hauses vom 9. April 1991&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2429" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2440">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/a585b1889b5ddf2a46bcda014b620783.pdf</src>
        <authentication>403a40a5c0bc7818305ca46fe77d362e</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="12581">
                    <text>^ e S^&gt;

amcrika
dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C
17. April 1996

08

UMWELT

AMERIKANISCHE DIPLOMATIE UND DIE
GLOBALEN UMWELTPROBLEME DES
21. JAHRHUNDERTS
Rede von Außenminister Christopher

USA-EUROPA

DIE VEREINIGTEN STAATEN UND EUROPA
GLOBALE HERAUSFORDERUNGEN UND
GLOBALE ANTWORTEN
Rede von Botschafter Charles E. Redman

EUROPA SOLLTE NICHT NUR UNTER DEM
ASPEKT DER OST-WEST-BEZIEHUNGEN
GESEHEN WERDEN
Rede von General John Sheehan

BOSNIEN

DER WIEDERAUFBAU BOSNIENS
von Lawrence H. Summers

MENSCHENRECHTE

FRAUENRECHTE SIND MENSCHENRECHTE
Rede von Botschafterin Ferraro

Informationen über die Politik der US-Regierung und
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können
auf der Home Page von USIS-Deutschland
im World Wide Web des Internet unter
http://www.usia.gov/posts/bonn.html
abgerufen werden.

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel. 0228 - 339 23 72
Fax 0228 - 33 31 38
Internet bbsbonn@usia.gov

�-

•«
•

�UMWELT
17. April 1996

Amerikanische Diplomatie und die globalen
Umweltprobleme des 21. Jahrhunderts
Rede von Außenminister Christopher

PALO ALTO - (AD) - In einer Rede vor der Stanford University erklärte Außenminister Warren Christopher am 9.
April 1996, die Vereinigten Staaten müßten sich "der Herausforderung stellen, globale Umweltfragen zu einem
wesentlichen Bestandteil der amerikanischen Außenpolitik zu machen".
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text der Rede des Außenministers.

Vielen Dank für die freundliche Einführung. Es ist mir
eine besondere Ehre, daß Gerhard die einleitenden
Worte gesprochen hat, den ich seit vielen Jahren
kenne und schätze. Selbst wenn ich meine persönlichen Verbindungen außer acht lasse, kann ich mir
keinen besseren Ort für meine heutigen Ausführungen
über die globalen Umweltprobleme vorstellen als diese
Universität. Von der Gründung des Sierra Club im
Jahr 1892 bis zum ersten Tag der Erde im Jahr 1970
haben die Fakultätsmitglieder und Studenten der
Stanford University Bestrebungen zum Erhalt der
natürlichen Ressourcen unseres Landes für künftige
Generationen angeführt. Ihre Zentren für Naturschutz
und die Funktionsweise des globalen Ökosystems
haben Pionierarbeit geleistet. Ich möchte hinzufügen,
daß ich persönlich äußerst dankbar für die Arbeit von
Mr. Montgomery und Mr. Willingham bin, die sich für
die Kontrolle der kalifornischen Bärenpopulation
einsetzen.
Unter der starken Führung von Präsident Clinton und
Vizepräsident Gore hat unsere Administration von
Anfang an erkannt, daß unsere Fähigkeit zur Förderung unserer globalen Interessen untrennbar mit der
Art und Weise verbunden ist, in der wir die natürlichen
Ressourcen der Erde verwalten. Aus diesem Grund
haben wir beschlossen, Umweltfragen dort auf die
Tagesordnung zu setzen, wo sie hingehören: Ins
Zentrum der amerikanischen Außenpolitik. Ich weiß
diese Gelegenheit außerordentlich zu schätzen,
unsere weitreichende Tagesordnung zur vollständigen
Integration unserer Umweltziele in unsere Diplomatie
und unsere Prioritäten für die Zukunft darzulegen.

AMERIKA DIENST 08

Die Umwelt hat in zweierlei Weise tiefgreifende
Auswirkungen auf unsere nationalen Interessen:
Erstens überschreiten Umweltbelange Grenzen und
Ozeane und bedrohen direkt die Gesundheit, den
Wohlstand und die Arbeitsplätze amerikanischer
Bürger. Zweitens ist es häufig entscheidend für die
Erlangung von politischer und wirtschaftlicher Stabilität
sowie die Verfolgung unserer strategischen Ziele auf
der Welt, das Thema natürliche Ressourcen anzusprechen.
Die Vereinigten Staaten übernehmen die Führungsrolle
bei der Förderung von Frieden und Wohlstand weltweit. Wir müssen auch beim Schutz der globalen
Umwelt führend sein, von der Wohlstand und Frieden
letztlich abhängen.
Im Jahr 1946, als ich als Jurastudent nach Stanford
kam, war die Verbindung zwischen Umwelt und
Außenpolitik nicht so offenkundig. Im Inland erlebten
die Amerikaner eine Periode beispiellosen Wohlstands, der durch anscheinend unerschöpfliche
Ressourcen genährt wurde. Im Ausland begannen wir
uns auf den Kampf zwischen den Vereinigten Staaten
und der Sowjetunion zu konzentrieren. Und ich
versuchte, die Tücken von Verträgen, Delikten und
sogenannten Rechtsmitteln in den Griff zu bekommen,
die von der Stanforder Version von John Houseman
gelehrt wurden. Ich versuchte auch, den hohen
Standards gerecht zu werden, die ein junger neuer
Dekan, Carl Spaeth, setzte, der gerade eine äußerst
vielversprechende Karriere im Außenministerium
aufgegeben hatte, um nach Stanford zu kommen, und

Seite 1

�der als erster mein Interesse an der Arbeit weckte, mit
der ich mich nun täglich befasse.
Aber seit 1946 haben Bevölkerungswachstum,
wirtschaftlicher Fortschritt und technologische Neuerungen unsere Welt grundlegend umgestaltet. Es
dauerte mehr als 10.000 Generationen, um eine
Weltbevölkerung von gerade zwei Milliarden zu
erreichen. Allein während der Dauer meines Lebens eine Periode, die vielen der Studenten im Auditorium
als eine Ewigkeit erscheinen mag - hat sich die
Weltbevölkerung auf über fünfeinhalb Milliarden
nahezu verdreifacht.
Aufgrund dieser Veränderungen sind unsere globalen
Ressourcen enormem Druck ausgesetzt. Von 1960
bis 1990 schrumpften die Wälder weltweit in einem
Ausmaß, das der Hälfte des Landgebiets der Vereinigten Staaten entspricht. Zahllose Tierarten und
Pflanzen sind vom Aussterben bedroht, darunter viele
mit potentiellem Wert für die Landwirtschaft und
Medizin. Die Luft- und Wasserverschmutzung bedroht
unsere Gesundheit und unsere Zukunft.
Bei der Umsetzung der amerikanischen Außenpolitik
werden wir natürlich unsere Diplomatie unterstützt von
starken Streitkräften einsetzen, um herkömmliche
Bedrohungen unserer Sicherheit ebenso zu bewältigen
wie neue Bedrohungen in Form von Terrorismus,
Weiterverbreitung von Waffen, Drogenhandel und
internationalem Verbrechen. Wir müssen jedoch auch
die enorme neue Gefahr in den Griff bekommen, der
unsere nationalen Interessen durch die Zerstörung der
Umwelt ausgesetzt sind und die zu globaler und
regionaler Instabilität führen.
Als das Flaggschiff der amerikanischen Außenpolitik
muß das Außenministerium Bestrebungen der Regierung zur Bewältigung dieser Umweltbedrohungen
anführen.
Zusammen mit anderen Regierungsbehörden setzen wir unsere Umweltprioritäten - global,
regional, bilateral und in Partnerschaften mit Unternehmen und nichtstaatlichen Organisationen. Jede dieser
vier Dimensionen ist unerläßlich für den Erfolg unserer
Strategie.

verändernder Stürme. Gefährliche Chemikalien wie
PCB und DDT, die hier verboten sind aber andernorts
noch verwendet werden, legen in der Luft und im
Wasser große Entfernungen zurück. Die Überfischung
der Weltmeere hat Tausende Amerikaner arbeitslos
gemacht. Eine Außenpolitik, die diese Probleme nicht
anspricht, würde die Bedürfnisse des amerikanischen
Volkes ignorieren.
Jede Nation muß individuell Schritte zur Bekämpfung
dieser Umweltbedrohungen unternehmen - wir werden
jedoch keinen Erfolg haben, wenn wir sie nicht gemeinsam effektiv angehen. Von dieser Erkenntnis waren
die bahnbrechenden Bestrebungen der Vereinten
Nationen bei der Stockholmer Konferenz über das
menschliche Umfeld vor 25 Jahren und dem historischen Gipfel von Rio über Umwelt und Entwicklung vor
vier Jahren geleitet. Dort erarbeitete die internationale
Staatengemeinschaft eine neue globale Verpflichtung,
"das Ökosystem der Erde zu erhalten, zu schützen und
wiederherzustellen" sowie wirtschaftliche Entwicklung
in einer Weise zu fördern, die auch unsere natürlichen
Ressourcen erhält.
Seit Rio haben die Vereinigten Staaten ihre globalen
Bestrebungen intensiviert. Wir waren führend bei der
Erlangung eines Abkommens über das schrittweise
Verbot von die Ozonschicht schädigenden Substanzen, bei einem Verbot der Entsorgung von gering
radioaktivem Giftmüll im Meer sowie bei der Erarbeitung eines Konsenses in Kairo über die Stabilisierung des Weltbevölkerungswachstums.
Wir arbeiten an der Reform und Stärkung der wichtigsten Programme der Vereinten Nationen für Umwelt
und tragfähige Entwicklung. Wir haben mit der
Weltbank zusammengearbeitet, um solide umweltpolitische Maßnahmen in Kreditvergabeprogramme
einzubeziehen und Projekte über die globale Umweltfazilität zu finanzieren, die direkt unserer Gesundheit und unserem Wohlstand zugute kommen. Und
über die neue Welthandelsorganisation versuchen wir,
die komplexen Spannungen zwischen der Förderung
von Handel und dem Schutz der Umwelt zu lösen - und
sicherzustellen, daß das eine nicht auf Kosten des

anderen geht.
Erstens muß unser Ansatz zu diesen Problemen global
sein, weil Umweltverschmutzung keine Grenzen
respektiert und die wachsende Nachfrage nach
begrenzten Ressourcen in einem Teil der Welt unweigerlich Druck auf die Ressourcen in anderen ausübt.
In den Vereinigten Staaten leiden die Amerikaner unter
den Konsequenzen der Umweltzerstörung, die weit
von unseren Grenzen entfernt stattfindet. Durch
Kraftwerke, Autos und brennende Wälder auf der
ganzen Welt freigesetzte Treibhausgase beeinträchtigen unsere Gesundheit und unser Klima und
verursachen potentiell Schäden in Milliardenhöhe
aufgrund des Anstiegs des Meeresspiegels und sich

Seite 2

In diesem Jahr werden wir mit der Aushandlung von
Abkommen mit dem Potential beginnen, 1997 zum
wichtigsten Jahr für die Umwelt seit dem Gipfel von Rio
zu machen. Wir streben eine Einigung bezüglich der
weiteren Verringerung der Treibhausgase an, um die
Auswirkungen auf den Klimawandel auf ein Minimum
zu reduzieren. Wir werden eine Führungsrolle in dem
internationalen Prozeß zur Inangriffnahme der durch
toxische Chemikalien verursachten Probleme übernehmen, die in unseren Boden und in unser Wasser
gelangen und sie über Generationen hinweg vergiften.
Wir werden eine Strategie für die nachhaltige Bewirtschaftung der weltweiten Wälder entwickeln - eine

AMERIKA DIENST 08

�Ressource, die jede große Zivilisation als "unerläßlich
für den Fortbestand des Lebens" entdeckt hat, wie der
römische Historiker Pliny einmal schrieb. Wir werden
mit dem Kongreß bei der Ratifizierung der Konvention
über die Artenvielfalt zusammenarbeiten, die Vorteile
für die amerikanische Landwirtschaft und Unternehmen verspricht. Wir streben ferner die Ratifizierung
des Seerechts-Vertrags an, der unseren Zugang zu
ozeanischen Ressourcen gewährleistet. Wir werden
die erforderliche Führungsrolle übernehmen um
sicherzustellen, daß der UN-Gipfel in Istanbul im Juni
dieses Jahres die drängenden Probleme wirksam in
Angriff nimmt, die mit dem explosionsartigen Wachstum der Städte in den Entwicklungsländern einhergehen.
Das Außenministerium wird Ende 1997 eine Konferenz
über Strategien zur Verbesserung der Einhaltung
internationaler Umweltabkommen veranstalten - um
sicherzustellen, daß diese Abkommen dauerhafte
Ergebnisse und nicht nur Versprechungen hervorbringen.
Das ist eine beeindruckende globale Tagesordnung.
Die Erlangung dieser Ziele wird Zeit und Durchhaltevermögen erfordern. Aber ich erinnere mich oft an
Don Kennedys Rat an Collegeabsolventen, "sich einen
höheren Standard zu setzen, als man bequem erreichen kann".
Das zweite Element unserer Strategie - das regionale
Element - besteht in der Inangriffnahme der Umweltverschmutzung und dem Mangel an Ressourcen in
Bereichen, in denen sie die Spannungen innerhalb und
zwischen Nationen dramatisch verschärfen. Das ist
nirgendwo offenkundiger als in den ausgedörrten
Tälern im Nahen Osten, wo der Kampf um Wasser
direkte Auswirkungen auf die Sicherheit und Stabilität
hat. Bei meinen zahlreichen Reisen in die Region
habe ich gesehen, wie rasches Bevölkerungswachstum und Umweltverschmutzung Streitigkeiten über die
Wasservorräte verschärfen können, die so alt sind wie
das Alte Testament. Schimon Peres hat einmal zu mir
gesagt: "Der Jordan führt mehr Geschichte mit sich als
Wasser." Wir helfen den Parteien im Nahostfriedensprozeß bei der Verwaltung der Wasserressourcen der
Region - um eine Quelle des Konflikts zu einer Kraft
des Friedens zu machen.
Es kann kein Zweifel daran bestehen, daß der Aufbau
stabiler marktwirtschaftlicher Demokratien in der
ehemaligen Sowjetunion und in Zentraleuropa unsere
eigene Sicherheit verstärken wird. Damit diese neuen
Nationen Erfolg haben, müssen wir ihnen jedoch bei
der Säuberung der giftigen Fabriken, der rußgeschwängerten Luft und verschmutzten Flüsse helfen,
die ein bitteres Vermächtnis des Kommunismus sind.
Die Erfahrung dieser Region demonstriert, daß
Regierungen, die ihre Bürger zu häufig ausbeuten,

AMERIKA DIENST 08

allzu häufig ein ähnliches Konzept für die Umwelt
haben.
Vor drei Wochen ging ich in Kiew über die Kinderstation eines Krankenhauses, das die Opfer des
Reaktorunfalls von Tschernobyl behandelt. Ich sah mit
eigenen Augen die Schäden, die diese Katastrophe,
die sich vor zehn Jahren ereignete, immer noch den
Menschen der Region zufügt. Wir helfen der Ukraine
sicherzustellen, daß es kein zweites Tschernobyl
geben wird. In Zentralasien sind wir den Nationen
dabei behilflich, sich von den sowjetischen Bewässerungspraktiken zu erholen, die einen Großteil des
Aralsees austrocknen ließen.
Unser regionales
Umweltzentrum in Budapest unterstützt die Bürgerrechtsgruppen in Zentraleuropa, die unerläßlich für
eine gesunde Demokratie und eine gesunde Umwelt
sind.
Die Vereinigten Staaten haben ebenfalls großes
Interesse an der Konsolidierung demokratischer
Institutionen und Öffnung von Märkten in ihrer Hemisphäre.
Zur Vertiefung des bemerkenswerten
Umgestaltungsprozesses, der derzeit in Lateinamerika
und der Karibik stattfindet, fördern wir die Agenda für
tragfähige Entwicklung, die unsere 34 Demokratien
beim gesamtamerikanischen Gipfel in Miami annahmen. Um der Demokratie zum Erfolg zu verhelfen,
müssen wir beispielsweise die Belastung durch
Abholzung und schnelles Bevölkerungswachstum
beseitigen, die sich auf den kahlen Hügeln und
überfüllten Straßen Haitis manifestiert.
Zur Aufrechterhaltung unseres Wohlstands müssen wir die
reiche Vielfalt des Lebens bewahren, die ich im
Regenwald am Amazonas sah. Damit die Wunden
alter Konflikte verheilen können, müssen wir die
Umweltschäden beseitigen, die wirtschaftliche Chancen verringern und illegale Einwanderung aus El
Salvador bewirkten. Und um zur Bekämpfung von
Drogenhandel und -kriminalität beizutragen, ermutigen
wir eine tragfähige Landwirtschaft als Alternative zum
Anbau von Mohn für die Opiumherstellung sowie
Kokapflanzen von Guatemala bis Kolumbien. Diese
Ziele werden beim Gipfel über tragfähige Entwicklung
im Dezember in Bolivien ganz oben auf unserer
Tagesordnung stehen.
In Afrika zielen unsere umweltpolitischen Bestrebungen darauf ab, Tausende von Menschenleben zu
retten, bewaffnete Konflikte zu verhüten und die
Notwendigkeit einer kostspieligen internationalen
Intervention zu vermeiden. Unsere Initiative für das
Hörn von Afrika befaßt sich beispielsweise mit den
Wurzeln der Umweltprobleme, durch die eine Dürre
zur Hungersnot und eine Hungersnot zum Bürgerkrieg
werden kann. Wir dürfen nicht die harten Lektionen
aus Ruanda vergessen, wo erschöpfte Ressourcen
und übermäßiges Bevölkerungswachstum die politischen und wirtschaftlichen Zwänge verschärften, die
schließlich in einer der größten Tragödien dieses

Seite 3

�Jahrzehnts eskalierten. Ferner haben wir ein nationales Interesse daran, den Nationen der Region bei
der Bewältigung der AIDS-Krise zu helfen, die eine
ganze Generation junger Afrikaner dezimiert und die
wirtschaftlichen Ressourcen verschwendet, die
afrikanische Nationen so dringend benötigen, um
stabile Regierungen und eine bessere wirtschaftliche
Zukunft zu schaffen.
Zur Intensivierung unserer regionalen umweltpolitischen Bestrebungen werden wir in den Botschaften
von Schlüsselländern Umweltzentren einrichten.
Diese sollen sich mit drängenden Fragen regionaler
natürlicher Ressourcen befassen, Ziele tragfähigen
Wachstums fördern und amerikanische Unternehmen
beim Verkauf von Umwelttechnologie, bei der sie
führend sind, unterstützen.
Das dritte Element unserer Strategie ist die bilaterale
Arbeit mit bedeutenden Partnern auf der ganzen Welt,
angefangen natürlich mit unseren Nachbarn. Sei es
der Fischfang an der Georges Bank oder im Golf von
Mexiko oder sauberes Trinkwasser von den Great
Lakes oder dem Rio Grande - wir können unsere
Umweltinteressen nicht von denen Kanadas oder
Mexikos trennen.
Wir erweitern unsere jahrhundertealte Zusammenarbeit mit Kanada, um in der Region der Great Lakes
sauberes Wasser zu gewinnen und sie vor Überschwemmungen zu schützen. Wir verbessern den
Naturschutz in unseren angrenzenden Nationalparks.
Im Rahmen der amerikanisch-kanadischen gemeinsamen Kommission schützen wir die Gesundheit des
Menschen und die natürlichen Lebensräume. Und wir
bilden mit allen unseren Nachbarn im Norden eine
Partnerschaft zum Schutz dieser gefährdeten Region.
Unsere gemeinsamen Bestrebungen mit Mexiko haben
seit der Inkraftsetzung des Nordamerikanischen
Freihandelsabkommens NAFTA vor zwei Jahren an
Bedeutung zugenommen. Im Rahmen der Zusatzabkommen des NAFTA über die Umwelt riefen wir
neue Institutionen ins Leben, die Gemeiden auf beiden
Seiten der Grenze beim Schutz gemeinsamer natürlicher Ressourcen Beistand leisten sollen. Gegen Ende
dieses Frühlings werden wir ein innovatives Programm
ins Leben rufen, das führende Wirtschafts- und
Regierungsvertreter aus Texas, New Mexiko und
Ciudad Juarez beim Kampf gegen eine der weltweit
stärksten Luftverschmutzungen unterstützen soll.
Wenn die Kabinette unserer beiden Nationen kommenden Monat in Mexiko City zusammentreffen, werde ich
die Bedeutung einer fortgesetzten Stärkung von
Umweltnormen durch Mexiko unterstreichen.
Im Rahmen unserer gemeinsamen Agenda mit Japan
bündeln die beiden größten Volkswirtschaften der Welt
ihre Ressourcen und Expertise, um das Bevölkerungswachstum zu stabilisieren, Polio auszurotten, AIDS zu

Seite 4

bekämpfen und neue "grüne" Technologien zu entwikkeln.
Unsere neue transatlantische Agenda mit der Europäischen Union verstärkt unsere globalen Bestrebungen
bei Fragen wie Klimawandel und toxischen Chemikalien. Gemeinsam fördern wir bereits unsere Umweltziele in Zentraleuropa und den neuen unabhängigen Staaten der ehemaligen Sowjetunion.
Rußland und China werden beide mit großen Umweltproblemen konfrontiert, die tiefgreifende Auswirkungen
auf ihre - und unsere - Zukunft haben werden.
In Rußland könnte das Schicksal der Demokratie von
ihrer Fähigkeit abhängen, den Lebensstandard des
russischen Volkes anzuheben und der schockierenden
Abnahme der Lebenserwartung Einhalt zu gebieten.
Von Murmansk bis Wladiwostok werden unzureichend
gesicherte Lagerstätten mit nuklearen Abfällen noch
über Jahrhunderte hinaus eine Gefahr für das menschliche Leben darstellen. Wirtschaftsreformen werden
nicht ihr volles Potential entfalten, wenn ein Sechstel
der russischen Landmasse so verschmutzt bleibt, daß
sie selbst für industrielle Zwecke ungeeignet ist, und
wenn russische Kinder durch die Gifte, die sie einatmen und zu sich nehmen, Behinderungen bekommen.
Wir arbeiten mit Rußland an der Bewältigung dieser
Herausforderungen zusammen. In zehn Tagen wird
Präsident Clinton mit Präsident Jelzin und anderen
führenden Politikern in Moskau beim Gipfel über
nukleare Sicherheit zusammentreffen, der den sicheren Betrieb von Nuklearreaktoren und die geeignete
Lagerung von Nuklearmaterial fördern soll. Vizepräsident Gore und Ministerpräsident Tschernomyrdin
leiten gemeinsame Initiativen zum Schutz der arktischen Umwelt, Verringerung der Treibhausgasemissionen und Förderung des richtigen Umgangs mit
elementaren natürlichen Rohstoffen. Wir bedienen uns
sogar der Satellitenbilder, die früher zum Aufspüren
von Raketen und Panzern genutzt wurden, um Altlasten von Militärstützpunkten zu beseitigen und die
Verschmutzung der Meere nachzuweisen.

Wie wir heute morgen in Ihrem Institut für internationale Studien erörterten, sind die umweltpolitischen
Herausforderungen Chinas wahrhaft ernüchternd.
China, auf das 22 Prozent der Weltbevölkerung
entfaHen, besitzt nur sieben Prozent des Trinkwassers
und bebaubaren Landes der Erde, drei Prozent ihrer
Wälder und zwei Prozent der Erdölvorkommen. Die
Kombination von Chinas schnellem Wirtschaftswachstum mit der explosionsartigen Zunahme seiner Bevölkerung vergrößert die enormen Umweltbelastungen,
denen das Land bereits ausgesetzt ist. Dies ist einer
von vielen Gründen, warum unsere Politik des Engagements in China auch die Umwelt einbezieht. Ende
dieses Monats wird Vizepräsident Gore eine Initiative

AMERIKA DIENST 08

�zur Erweiterung der amerikanisch-chinesischen
Zusammenarbeit im Bereich tragfähiger Entwicklung
ins Leben rufen, die auch Elemente wie Energiepolitik
und Landwirtschaft enthält.
Bei anderen bilateralen Beziehungen haben wir
Partnerschaften ins Leben gerufen, die unsere Bande
verstärken und gleichzeitig das veraltete Denken hinter
sich lassen, das früher den unvermeidlichen Kampf
zwischen Nord und Süd bestimmte. Im Rahmen der
vergangenes Jahr mit Indien unterzeichneten gemeinsamen Agenda für die Umwelt arbeiten wir beispielsweise an einer Vielzahl gemeinsamer Anliegen
zusammen - von Investitionen in Umwelttechnologien
bis zur Kontrolle von Pestiziden und toxischen Chemikalien. Während meiner Brasilienreise letzten Monat
stärkten wir eine ähnliche gemeinsame Agenda durch
Abkommen über Zusammenarbeit im Weltraum, die
unser Wissen über Klimaveränderungen vergrößern
und den Umgang mit der Ressource Wald verbessern
wird.
Das vierte und letzte Element unserer Strategie
verstärkt diese diplomatischen Ansätze durch den
Aufbau von Partnerschaften mit Privatunternehmen
und nichtstaatlichen Organisationen.
Amerikanische Unternehmen wissen, daß eine
gesunde globale Umwelt für unseren Wohlstand
unerläßlich ist. Sie erkennen in zunehmendem Maße,
daß die Gegenüberstellung von Wirtschaftswachstum
und Umweltschutz zu "einer falschen Entscheidung"
führt, wie Präsident Clinton es nannte. Beide sind
notwendig, und beide sind eng miteinander verbunden.
Umweltschutz eröffnet auch neue wirtschaftliche
Chancen. Wir engagieren uns für die Unterstützung
amerikanischer Unternehmen bei der Erhöhung ihres
bereits dominierenden Anteils an dem 400-MilliardenMarkt für Umwelttechnologien. Dies war eine der
vielen Bestrebungen meines verstorbenen Kollegen
und Freundes, Wirtschaftsminister Ron Brown. Sein
letzter Besuch in Afrika verhalf einem amerikanischen
Unternehmen zu einem Vertrag, durch den Fischbestände und Trinkwasservorräte für 30 Millionen
Menschen in Uganda, Tansania und Kenia geschützt
werden. Bei meiner jüngsten Reise nach El Salvador
traf ich mit Vertretern amerikanischer Firmen, nichtstaatlicher Organisationen und ihren mittelamerikanischen Partnern zusammen, die bei der Nutzung von
Sonnen- und Windenergie in Kraftwerken Pionierarbeit
leisten.
Mit dem Amt für internationale Entwicklung (Agency for
International Development - AID) zusammenarbeitende nichtstaatliche Organisationen spielten eine
entscheidende Rolle bei der Förderung unserer
Umweltziele im Ausland. Beispielsweise setzt sich der
Sierra Club seit vielen Jahren für internationale
bevölkerungspolitische Belange ein und leistete einen

AMERIKA DIENST 08

bedeutenden Beitrag zur Kairoer Konferenz. Als Teil
dieser gemeinsamen Bestrebungen hilft der World
Wildlife Fund beim Schutz der Artenvielfalt in über 40
Ländern, das World Resources Institute bekämpft die
Abholzung der Wälder in Afrika, und Nature Conservancy schützt Gehege mit wildlebenden Tieren in
ganz Lateinamerika. Im Rahmen der neuen "Partnerschaft für Umwelt und Außenpolitik" des Außenministeriums werden Umweltschutzorganisationen,
Wirtschaftsvertreter und Außenpolitiker zusammentreffen, um unsere Zusammenarbeit bei der Bewältigung umweltpolitischer Herausforderungen zu verbessern.
Es ist die Pflicht des Außenministeriums, eine Führungsrolle bei der Gewährleistung des Erfolgs jedes
der vier Elemente dieser Strategie zu übernehmen, die
ich heute erörtert habe - auf globaler, regionaler,
bilateraler Ebene sowie bei Partnerschaften mit der
Wirtschaft und nichtstaatlichen Organisationen. In
enger Zusammenarbeit mit dem Präsidenten und dem
Vizepräsidenten habe ich unsere Dienststellen und
Botschaften angewiesen, den Einsatz von Diplomatie
zur Förderung unserer Umweltziele zu verbessern.
Wir werden diese Fragen bei jeder Gelegenheit
anschneiden, bei der unser Einfluß nützlich sein kann.
Wir werden unsere Fähigkeit zur Verbindung von
Diplomatie und Wissenschaft sowie zur Aushandlung
globaler Abkommen über den Schutz unserer Gesundheit und unseres Wohlergehens verbessern. Wir
werden dem Staatssekretär für globale Angelegenheiten, dessen Amt zu Beginn unserer Administration für
die Behandlung transnationaler Angelegenheiten
geschaffen wurde, mehr Einfluß geben. Wir werden
unsere gemeinsamen Bestrebungen mit AID zur
Förderung tragfähiger Entwicklung durch wirksame
Umweltschutz- und Familienplanungshilfe verstärken.
Und wir werden die Umweltpartnerschaften untermauern, die wir mit dem Umweltschutzamt sowie dem
Verteidigungs-, Energie-, Wirtschafts-, Innen- und
Landwirtschaftsministerium gebildet haben.
Ferner gebe ich heute bekannt, daß das Außenministerium beginnend mit dem Tag der Erde 1997
einen Jahresbericht über globale Herausforderungen
an die Umwelt veröffentlichen wird. Dieser Bericht wird
ein wichtiges Werkzeug unserer Umweltdiplomatie
darstellen und eine Bewertung globaler Umwelttrends,
weltpolitischer Entwicklungen sowie amerikanischer
Prioritäten für das kommende Jahr vornehmen.
Ich werde weiterhin mit dem Kongreß zusammenarbeiten, um den Erfolg unserer umweltpolitischen
Bestrebungen sicherzustellen. Der derzeitige Kongreß
kürzte die wichtige Finanzierung erforderlicher Umweltprogramme im In- und Ausland. Wir werden den
Kongreß dringend auffordern, die zur Erledigung der
Arbeit notwendigen Mittel bereitzustellen.

Seite 5

�Unsere Stärke als Nation lag immer darin, unsere
Demokratie für die Bewältigung neuer Bedrohungen
unserer Sicherheit und unseres Wohlstands einzusetzen. Unser Credo als Volk lautete stets, das
Morgen für uns und unsere Kinder besser zu gestalten.
In Anlehnung an dieselben Ideale und Interessen, die
Amerikaner von Teddy Roosevelt bis Ed Muskie dazu
veranlaßten, dem Schutz unseres Bodens, unserer

Luft und unseres Wassers Priorität einzuräumen,
müssen wir uns der Herausforderung stellen, globale
Umweltfragen zu einem wesentlichen Bestandteil der
amerikanischen Außenpolitik zu machen. Um künftiger
Generationen willen müssen wir Erfolg haben.
Ich danke Ihnen.

* * * * *

Seite 6

AMERIKA DIENST 08

�USA-EUROPA

17. April 1996

Die Vereinigten Staaten und Europa
- globale Herausforderungen und globale Antworten
Rede von Botschafter Charles E. Redman

BERLIN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine Rede, die der Botschafter der Vereinigten Staaten von
Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, Charles E. Redman, am 2. April 1996 anläßlich der Initiative BerlinUSA hielt.

Es ist mir eine Ehre, heute abend hier sein und vor
diesem erlesenen Publikum sprechen zu dürfen. Und
natürlich freue ich mich immer sehr, wieder in Berlin zu
sein - einer Stadt mit einer langen Tradition deutschamerikanischer Freundschaft.
Seit Jahrzehnten haben wir Amerikaner zusammen mit
unseren britischen und französischen Verbündeten an
der Seite aller Berliner gestanden - sowohl der in den
westlichen Sektoren in einer freien Enklave 200
Kilometer hinter dem Eisernen Vorhang isolierten als
auch jener im Osten, deren Isolation weitaus größer
war.

Schließlich sind wir angeblich die Vertreter des
Zweitältesten Gewerbes der Welt. Und wie beim
ältesten Gewerbe der Welt sind auch für uns die
Amateure unsere größte Konkurrenz.
Natürlich gibt es mehrere Berufe, die den Anspruch
darauf erheben könnten, der weltweit älteste zu sein.
Chirurgen beispielsweise könnten argumentieren,
einer von ihnen hätte Adam eine Rippe entnommen
und damit die menschliche Rasse geschaffen.
Ingenieure könnten darauf erwidern, es sei notwendig
gewesen, aus dem Chaos des Universums heraus die
Erde zu schaffen, bevor Adam und Eva das Paradies
genießen konnten. Aber wir Diplomaten sind immer
noch berechtigt zu fragen: "Und wer war Ihrer Meinung
nach verantwortlich für dieses ganze Chaos?"

Im Verlauf ihrer jahrzehntelangen Teilung wurde diese
Stadt zum Symbol unseres Strebens nach Freiheit.
Dieses Streben hat Erfüllung gefunden. Das geeinte
Berlin liegt im Zentrum Europas - dem Zentrum seiner
Kultur, seiner Wirtschaft und seiner Zukunft. Berlin ist
erneut gleichbedeutend mit Freiheit und Offenheit.
Keine Stadt der Welt außerhalb unserer Grenzen steht
den Amerikanern so nahe. Vor nahezu zwei Generationen wurde durch den Mut, den diese Stadt und die
unerschrockenen amerikanischen und alliierten Flieger
zeigten, die die Luftbrücke ermöglichten, eine dauerhafte Freundschaft geboren - eine Freundschaft, die
von Ihrer Organisation verkörpert und gepflegt wird.

Wer immer auch verantwortlich sein mag, es steht
außer Frage, daß auf der Weltbühne heute immer
noch viel Unruhe und Unsicherheit herrschen. Wandel
ist die einzige Konstante. Das geteilte Europa, das wir
ein halbes Jahrhundert lang kannten, ist mit erstaunlicher Geschwindigkeit Geschichte geworden. Heute
sind weder Deutschland noch Europa geteilt. Die
Sowjetunion existiert nicht mehr, und der Eiserne
Vorhang - und die Berliner Mauer - sind bereits
verblassende Erinnerungen.

Ich bin besonders dankbar, daß Sie sich heute abend
die Zeit nehmen, einem amerikanischen Diplomaten
zuzuhören. Wenn man die Zeitungen liest, sollte man
meinen, daß jeder Redakteur oder Gelehrte besser als
wir Diplomaten weiß, wie die Probleme der Welt gelöst
werden können. Aber das ist ein altes Dilemma.

Die Welt ist aber noch immer ein gefährlicher Ort.
Frieden und Wohlstand werden noch immer von
ethnischem Haß, nationalistischem Extremismus und
religiösem Fanatismus bedroht. Dies ist bereits eine
gefährliche Mischung. Aber sie wird wirklich tödlich
durch die Kombination mit der Weiterverbreitung von

AMERIKA DIENST 08

Seite 1

�Massenvernichtungswaffen, Nuklearschmuggel und
internationalem Terrorismus.

jetzt ein umfassendes Atomtestverbot für alle Länder in
greifbarer Nähe.

In den letzten Monaten wurden wir immer wieder daran
erinnert, wie gefährlich die Welt sein kann: Von
Selbstmordanschlägen in Israel über Bombenanschläge auf das World Trade Center in New York und das
Bundesgebäude in Oklahoma City bis zu der Androhung von Anschlägen der kurdischen Arbeiterpartei
PKK hier in Deutschland.

Als Ergebnis der Rüstungskontrollvereinbarungen mit
Rußland haben wir bereits Tausende von Nuklearwaffen vernichtet. Die Vereinigten Staaten ratifizierten den
START Il-Vertrag, und wir hoffen, daß auch Rußland
bald folgen wird. START II ist das ehrgeizigste
Rüstungskontrollabkommen der Geschichte und wird
zu einer Reduzierung der Nuklearwaffenarsenale
unserer beiden Länder um zwei Drittel führen.

Diese Kräfte des Zerfalls führen einen Krieg gegen die
Menschheit. Ebenso wie Kommunismus und Faschismus versuchen sie, Dunkelheit statt Licht zu verbreiten. Und ebenso wie Kommunismus und Faschismus werden sie nur besiegt, wenn freie Völker sich für
eine gemeinsame Sache einsetzen.
Dies sind die neuen Herausforderungen der "nationalen Sicherheit" im 21. Jahrhundert. Sie haben
globaleren Charakter als je zuvor. Sie können nur mit
Hilfe internationaler Zusammenarbeit bewältigt werden.
In unserem Weltdorf kann sich Fortschritt schnell
verbreiten - aber dasselbe gilt auch für Unruhe. Vor
sechs Jahrzehnten dauerte es mehrere Jahre, bis die
Wirtschaftskrise zu einer globalen Katastrophe wurde.
Heutzutage kann eine Wirtschaftskrise in Mexiko die
Weltwirtschaft innerhalb weniger Stunden beeinträchtigen.
An der Schwelle zum 21. Jahrhundert entwickeln sich
Schwierigkeiten an einem Ende der Stadt schnell zu
einer Plage für jeden. Wir können nicht die Drogenkriminalität ohne die Hilfe der Länder bekämpfen, in
denen Drogen hergestellt werden.
Wir können
Terroristen nicht ohne die Hilfe anderer Regierungen
aufspüren.
Um sicherzustellen, daß Massenvernichtungswaffen
nicht in die falschen Hände geraten, benötigen wir
internationale Zusammenarbeit. Man schätzt, daß
derzeit 40 Länder die Fähigkeit zur Entwicklung von
Nuklearwaffen besitzen.
Mehr als 15 Nationen
verfügen über ballistische Raketen, und viele von
ihnen streben den Erwerb von Massenvernichtungswaffen an oder besitzen sie bereits. Wir vermuten,
daß bereits mehr als zwei Dutzend Länder Chemiewaffenprogramme haben.
Dies sind nicht länger hypothetische Gefahren. Sie
sind äußerst real. Der tödliche Giftgasanschlag in der
Tokioter U-Bahn war der erste Einsatz von Massenvernichtungswaffen gegen die Zivilbevölkerung einer
Stadt - nicht durch eine Regierung, sondern durch
Terroristen.
Jetzt ist es an der Zeit, zu handeln. Die Welt unternahm vergangenes Jahr einen großen Schritt mit der
Entscheidung über die unbegrenzte Verlängerung des
Nichtverbreitungsvertrags. Als nächster Schritt liegt

Seite 2

Diese Arsenale stellen jedoch weiterhin eine Gefahr
dar. Durch den Abrüstungsprozeß werden riesige
Mengen von Nuklearmaterial hinterlassen - ein
verlockendes Ziel für verbrecherische Staaten und
Terroristen. Um es deutlich auszudrücken: Nuklearschmuggel ist nicht mit anderen Arten von illegalem
Schmuggel vergleichbar. Eine kleine Menge Plutonium - von der Größe einer Pampelmuse - reicht aus,
um eine Stadt zu vernichten. Im Zusammenhang mit
Nuklearmaterial können wir es uns nicht leisten, daß
auch nur ein einziger Schmuggelfall erfolgreich
durchgeführt wird.
Auch chemische und biologische Waffen stellen eine
Bedrohung dar. Wir müssen die Chemiewaffenkonvention möglichst bald ratifizieren. Dadurch würde
unsere Fähigkeit zur Kontrolle der Weiterverbreitung
dieser schrecklichen Waffen maßgeblich verbessert.
Wie ich bereits erwähnte, können Fragen dieser Art
nur durch internationale Zusammenarbeit gelöst
werden. Globale Probleme erfordern globale Antworten. Dies ist einer der zwingenden Gründe für die
Aufrechterhaltung und Erweiterung der Bündnisse, die
wir im Kalten Krieg eingingen. Jetzt müssen wir die
Vorteile - und Pflichten - der politischen und wirtschaftlichen Partnerschaften, die in den vergangenen
50 Jahren unsere Stärke darstellten, in möglichst
vielen Teilen der Welt zum Tragen bringen.
Dieser Integrationsprozeß wird uns helfen, eine
gemeinsame Zukunft mit ehemaligen Feinden und
Gegnern zu gestalten, die jetzt nach Wegen suchen, in
ihren Ländern Demokratie und Marktwirtschaft zu
verankern. Der Zusammenbruch des Kommunismus
zerstörte die Diktaturen, aber er hinterließ politische
und Rechtsinstitutionen, die immer noch instabil sind.
Einige würden argumentieren, diese seit kurzem
befreiten Nationen hätten den leichten Teil ihrer
Umgestaltung abgeschlossen - die Zerstörung der
alten Systeme. Jetzt bemühen sie sich - innerhalb von
wenigen Jahren - um die Schaffung neuer Strukturen
und neuer Verhaltensformen, deren Entwicklung im
Westen Jahrzehnte - wenn nicht Jahrhunderte
erforderte.

AMERIKA DIENST 0»

�Dieser Prozeß ist von elementarer Bedeutung. In die
Zukunft Europas führt einer von zwei sehr unterschiedlichen Wegen: Entweder entzweiende Intoleranz, die Bosnien in Schutt und Asche legte, oder
demokratische Integration, nach der die meisten
Nationen Zentraleuropas streben. Damit die richtige
Wahl getroffen wird, muß jede dieser Nationen die
Verantwortung für die Schaffung demokratischer
Stabilität von innen heraus übernehmen. Freie Wahlen
und freie Märkte sind nur der erste Schritt.
Die Schaffung einer wirklich demokratischen Kultur
erfordert nicht nur Toleranz, sondern auch die Respektierung von Menschenrechten und den Meinungen von
Minderheiten. Sie setzt eine freie Presse, freie
Gewerkschaften und ein Netz von Privatorganisationen voraus, die nicht von der Regierung kontrolliert
werden. Dies ist die Herausforderung für die neue
Generation dieser neuen Demokratien.
Die vor uns allen liegenden Herausforderungen sind
tatsächlich gewaltig, aber dasselbe gilt auch für die
Möglichkeiten.
Wir haben jetzt eine historische
Chance zur Erfüllung des Versprechens eines ungeteilten Europas freier Nationen, das sich von Rußland
im Osten bis zum Atlantik im Westen erstreckt.
Es steht enorm viel auf dem Spiel. Die Entscheidungen, die wir jetzt nach dem Ende des Kalten Krieges
treffen, werden unsere Zukunft ebenso beeinflussen,
wie es die bedeutenden Entscheidungen weitblickender Politiker der Alliierten nach dem Zweiten Weltkrieg
taten. Vor fünfzig Jahren schufen der Marshallplan,
die NATO, das GATT und die internationalen Finanzinstitutionen von Bretton Woods die Grundlage für
unsere Gemeinschaft westlicher Demokratien und für
eine zunehmend interdependente Weltwirtschaft.
Obwohl diese Nachkriegsinstitutionen zur Schaffung
von einzigartigem Frieden und Wohlstand für ein
halbes Jahrhundert beitrugen, kam unglücklicherweise
nur die Hälfte des europäischen Kontinents in den
Genuß ihrer Vorteile. Und mit dieser Trennlinie
begann der Kalte Krieg.
Heute haben wir uns zu einem ungeteilten Europa
verpflichtet. Ferner sind wir entschlossen, unser Wort
gegenüber unseren neuen demokratischen Nachbarn
zu halten. Jetzt müssen wir die Tür öffnen, die Stalin
ins Schloß warf, als er den Marshallplan ablehnte.
Keine Nation in Europa sollte je wieder zu einer
Pufferzone zwischen zwei Großmächten oder zur
Einflußsphäre einer anderen Nation gemacht werden.
Aus diesen Grund streben wir die Öffnung unserer
Institutionen für jene ehemals kommunistischen
Länder an, die willens und bereit sind, sich zu multiethnischer Demokratie und offenen Märkten zu verpflichten. Wir arbeiten an der Schaffung eines neuen
transatlantischen Rahmens für das 21. Jahrhundert,

AMERIKA DIENST 08

der diesen Kontinent wieder vereinen und die überholten Grenzen des Kalten Krieges beseitigen wird.
Zur Erreichung dieses Ziels haben wir eine breitgefächerte Strategie für die europäische Sicherheit eingeleitet. Sie beinhaltet eine wiederbelebte NATO, die
Unterstützung für stärkere und umfassendere europäische Integration sowie starke und produktive Beziehungen zu Rußland.
Diese Strategie legt besondere Betonung auf die
Stärkung jener Organisationen, die durch die Schaffung einer Grundlage für Frieden und Wohlstand ihren
Wert unter Beweis gestellt haben. Wir verfügen bereits
über eine solide Basis mit Institutionen wir der NATO,
der Europäischen Union und der Organisation für
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE).
Diese Organisationen waren auf einen geteilten
Kontinent zugeschnitten. Jetzt müssen wir sie an die
neuen Gegebenheiten anpassen und einen neuen
Sicherheitsrahmen schaffen, der auf Integration und
Einbeziehung gründet.
Ein zentrales Element dieser Bestrebungen sind starke
transatlantische Bande. Die Geschichte lehrt uns
unmißverständlich, daß das strategische Engagement
Amerikas in Europa für die Sicherheit von Europäern
und Amerikanern gleichermaßen notwendig ist.
Gemeinsam haben wir Gegner in Verbündete und
Diktaturen in Demokratien umgewandelt. Wir haben
Institutionen geschaffen, die unsere Sicherheit und
wirtschaftliche Stärke gewährleisteten. Wir haben
Seite an Seite gestanden und im Kalten Krieg obsiegt.
Derzeit ist der Weg zum Frieden in Bosnien der
dramatischste Beweis dafür, daß die transatlantische
Partnerschaft für das Streben nach einem friedlichen,
wohlhabenden und ungeteilten Europa von elementarer Bedeutung ist. Bosnien bietet den anschaulichsten
Beweis dafür, daß Amerika der europäischen Sicherheit verpflichtet bleibt.
Trotz Bosnien argumentieren einige, Amerika sei
seiner internationalen Verpflichtungen müde. Ich
stimme dem nicht zu. Die Amerikaner sind dreimal in
diesem Jahrhundert nach Europa gekommen zweimal in heißen Kriegen, einmal in einem kalten
Krieg. Jedesmal taten wir das aus Gründen, die nicht
nur unsere nationale Großzügigkeit und ein Gefühl für
unsere internationalen Verpflichtungen widerspiegeln,
sondern auch ein Eingeständnis unserer lebenswichtigen Eigeninteressen sind.
In den Vereinigten Staaten wird jedoch derzeit eine
ernsthafte Debatte geführt. Einige sind tatsächlich
überzeugt, wir könnten in der Welt eine untergeordnete
Rolle spielen, ebenso wie es manche nach dem
Zweiten Weltkrieg für möglich hielten, und wofür

Seite 3

�andere bereits nach dem Ersten Weltkrieg Sorge
trugen.

Hauptinstitution des amerikanischen Engagements für
die europäische Sicherheit.

Ein Großteil dieser Debatte betrifft die Vereinten
Nationen. Einige Amerikaner fragen, warum wir uns
mit der UNO belasten sollen. Andere beklagen sich
über ihre bürokratische Ineffizienz und veraltete
Prioritätensetzung.

Die NATO ist auch konkreter Ausdruck der transatlantischen Beziehungen.
Der Abzug unserer
Truppen aus Europa ist fast abgeschlossen. Aber
Abzug ist nicht dasselbe wie Disengagement. Mehr
als 80.000 amerikanische Soldaten sind noch in
Deutschland; über 100.000 verbleiben in Europa.
Diese Zahlen reflektieren nicht ein verringertes
amerikanisches Engagement für Europa, sondern nur
eine verringerte Bedrohung.

Diese Argumente sind nicht leicht zu entkräften. Die
Vereinten Nationen sind eindeutig nicht in jeder
Hinsicht das, was wir uns unter ihnen vorstellten, aber
sie sind eine Kraft des Guten und ein Schutz vor dem
Bösen. Sie haben den Krieg nicht abgeschafft, ihn
aber weniger wahrscheinlich gemacht.
Natürlich müssen die Vereinten Nationen reformiert
werden. Wie alle modernen Organisationen müssen
sie ihre allgemeinen Unkosten verringen und lernen,
mit weniger Mitteln mehr zu tun. Hierzu unterbreiteten
die Vereinigten Staaten dem UN-Haushaltsausschuß
spezifische Reformvorschläge, dank derer die Organisation Millionen Dollar sparen könnte.
In der Zwischenzeit dürfen wir nicht vergessen, daß
die Vereinigten Staaten immer noch der größte
Beitragszahler der Vereinten Nationen sind. 1995
zahlten wir mehr als doppelt soviel ein wie jede andere
Regierung und bestritten ein Drittel aller Ausgaben der
Organisation.
Insgesamt bin ich zuversichtlich, daß Amerika 50
Jahren des Erfolgs nicht den Rücken kehren wird.
Wenn diese Jahre uns irgend etwas gelehrt haben,
dann die Tatsache, daß die Vereinigten Staaten die
einzigartige Pflicht und die einzigartige Fähigkeit
haben, auf der ganzen Welt eine Kraft für Frieden und
Fortschritt zu sein. Aber wir können nur erfolgreich
sein, wenn wir weiterhin eine Führungsrolle übernehmen.
Das bedeutet nicht, daß Amerika jedes Problem lösen
kann. Wir können und sollten nicht der Weltpolizist
sein. Aber wie Präsident Clinton erklärte, gibt es
Zeiten, in denen Amerika und die amerikanische
Führungsrolle den Unterschied zwischen Frieden und
Krieg bewirken.
Durch die Entscheidung, führend an der Beendigung
des tragischen Krieges in Bosnien mitzuwirken,
bekräftigen die Vereinigten Staaten erneut, daß ihr
Engagement für die Zukunft Europas eine nationale
Verpflichtung darstellt, die auf einem gemeinsamen
strategischen Ziel, kollektiven Wirtschaftsinteressen
und gemeinsamen Werten fußt.
Kern dieser Verpflichtung ist die NATO. Die NATO
bringt die amerikanische Macht und Zielsetzung auf
dem europäischen Kontinent zum Tragen. Sie ist auch
weiterhin der Garant europäischer Sicherheit und die

Seite 4

Mit Blick auf die Zukunft müssen wir verständlicherweise alles Gute aus der Vergangenheit bewahren.
Die NATO muß ein effektives, funktionierendes
Militärbündnis bleiben, das über die Streitkräfte und
integrierte Befehlsstruktur zur Verteidigung seiner
Mitglieder verfügt.
Kontinuität bedeutet jedoch nicht Selbstgefälligkeit
oder Stagnation. Wie alle wichtigen Institutionen muß
sich auch die NATO kreativ an veränderte Gegebenheiten anpassen. Sie muß eine neue Strategie
entwickeln und eine neue Mission in Angriff nehmen.
Sie muß zur Stärkung der Demokratisierung und
regionalen Stabilität bei unseren neuen demokratischen Nachbarn beitragen.
Zu diesem Zweck hat die NATO bereits neue Initiativen
eingeleitet. Die Partnerschaft für den Frieden beispielsweise ist zur wichtigsten strategischen Entwicklung für die europäische Sicherheit seit dem Ende des
Kalten Krieges geworden. Im Rahmen der PFF halten
Nationen, die in der Vergangenheit Gegner waren, jetzt
gemeinsame friedenssichernde Manöver ab.
In Bosnien stellt die NATO unter Beweis, daß sie dort
ein Garant der transatlantischen Sicherheit ist. Die
bosnische Erfahrung zeigte erneut, daß eine wirksame
Außenpolitik selbst im Zeitalter nach dem Kalten Krieg
immer noch die Fähigkeit voraussetzt, eine glaubwürdige Androhung militärischer Macht zu projizieren.
Somit demonstrierte Bosnien die Notwendigkeit einer
Beteiligung der Vereinigten Staaten und der NATO an
der Wahrung des Friedens in Europa.
Darüber hinaus hat die neue Koalition in Bosnien
historische Implikationen. Dies ist das erste Mal, daß
Soldaten aus jedem Staat und jeder Region Europas
an derselben Militäroperation teilnehmen. Russen und
Litauer, Griechen und Türken, Polen und Ukrainer,
Briten, Deutsche und Franzosen gehen gemeinsam mit
Amerikanern und Kanadiern dieselben Risiken ein unter derselben Flagge zur Erreichung desselben
hehren Ziels. Wenn wir bei der Überwindung der
Spaltung Bosniens helfen, tragen wir auch zur Überwindung der Spaltung Europas bei.

AMERIKA DIENST OB

�Die Mission in Bosnien gibt einigen unserer PFFPartner eine Chance zu beweisen, daß sie die mit der
Mitgliedschaft in einem erweiterten Bündnis einhergehenden Verpflichtungen erfüllen können. Sie sind
sich bewußt, daß sie vor Aufnahme in das Bündnis
demokratische Reformen konsolidieren, ihre Streitkräfte ziviler Kontrolle unterstellen und Streitigkeiten
mit ihren Nachbarn beilegen müssen.
Natürlich wird die NATO erweitert. Das Bündnis hat
sich zur Aufnahme neuer Mitglieder verpflichtet. Es
wird die neuen Demokratien nicht ewig warten lassen.
In diesem Jahr ist die NATO in die zweite Phase des
Erweiterungsprozesses eingetreten, die langsam,
bewußt und transparent verlief. Es wurden intensive
Konsultationen mit interessierten Partnern aufgenommen um zu entscheiden, was diese zur Vorbereitung
ihrer Mitgliedschaft tun müssen und was das Bündnis
tun muß.
Die Erweiterung wird kommen. Aber um erfolgreich zu
sein, muß sie auf eine Art und Weise stattfinden, die
Sicherheit und Stabilität auf dem gesamten Kontinent
stärkt - für Mitgliedstaaten und Nichtmitgliedstaaten
gleichermaßen. Und vor allem darf sie keine neue
Spaltung in Europa bewirken.
Hierbei ist es von entscheidender Bedeutung, daß
Rußland in dem neuen Europa seinen rechtmäßigen
Platz einnimmt. Wir haben klar erkannt, daß die
Zukunft Rußlands im Zentrum unseres Strebens nach
europäischer Stabilität steht. Unser Ziel ist die Evolution eines friedlichen, stabilen und demokratischen
Rußlands, das fest in die Institutionen eines ungeteilten Kontinents integriert ist.
Natürlich darf sich Rußland nicht isolieren. Seine
Integration wird ebenso wie die Zentraleuropas von
den Entscheidungen seiner führenden Politiker und
Bürger abhängen. Auf vielen Gebieten trifft Rußland
die richtigen Entscheidungen. Die Wirtschaft wird
zunehmend von marktwirtschaftlichen Prinzipien
bestimmt. Freie Wahlen werden Tatsache. Aber
Rußland hat noch nicht das ruinöse Vermächtnis von
sieben Jahrzehnten des Kommunismus überwunden ein Erbe, das in Form von Verbrechen, Korruption und
Armut sichtbar wird.
Das Rad der Geschichte kann nicht zurückgedreht
werden. Vor fünf Jahren entschieden sich Millionen
von Bürgern der ehemaligen Sowjetunion für die
Unabhängigkeit. Die Vereinigten Staaten werden sich
weiterhin dafür einsetzen, daß sie ihr Recht darauf
wahrnehmen können.
Von Beginn der Amtszeit dieser Administration an
wußte Präsident Clinton, daß wir nur durch Engagement in Rußland unsere nationalen Interessen schützen können. Unser Engagement brachte konkrete
Ergebnisse hervor, darunter einen massiven Abbau

AMERIKA DIENST 08

unserer Nuklearwaffenarsenale. Gleichzeitig setzten
wir uns für die Beilegung unserer Differenzen über
Fragen wie nukleare Zusammenarbeit mit dem Iran
oder den Krieg in Tschetschenien ein.
Wir sind uns bewußt, daß der Umgestaltungsprozeß
lang und hart wird und es keine Erfolgsgarantie gibt.
Aber wir unterstützen Reformen, weil sie langfristig
nicht nur von Vorteil für das russische Volk, sondern
auch für Europa und Amerika sind.
Wir sind entschlossen, unsere Zusammenarbeit mit
Rußland wo immer möglich fortzusetzen. Wir ermutigen Rußland weiterhin, langfristige besondere Beziehungen zur NATO aufzubauen. Wir sind bereit zu
helfen, aber Rußland muß wissen, daß seine Integration in die westlichen Institutionen von seiner
Bereitschaft abhängt, internationale Normen einzuhalten und auf dem Reformkurs zu bleiben.
Jetzt möchte ich auf die Europäische Union zu sprechen kommen. Diese ist zweifelsohne ein Eckpfeiler
der zukünftigen Sicherheit Europas und bietet die
Grundlage für Wirtschaftswachstum und Wohlstand
auf dem gesamten Kontinent. Nur die EU kann die von
den kürzlich liberalisierten Volkswirtschaften benötigten Märkte bieten. Nur durch eine EU-Mitgliedschaft
können die entscheidenden politischen, wirtschaftlichen und sozialen Reformen in diesen neuentstehenden Demokratien konsolidiert werden.
Wir sind uns bewußt, daß sich die EU in den kommenden Jahren großen Herausforderungen stellen muß,
die wahrscheinlich zu einer Umgestaltung ihrer
Institutionen, Operationen und Identität führen werden.
Die EU muß im Zuge ihrer Erweiterung die Notwendigkeit effizienterer Entscheidungsfindungsprozesse mit
den Anforderungen an eine große und wachsende
Mitgliedschaft in Einklang bringen.
Die Vereinigten Staaten ihrerseits begrüßen Bestrebungen zur Stärkung und Erweiterung der EU, ebenso
wie wir den Prozeß der europäischen Integration in
den vergangenen 50 Jahren unterstützt haben.
Amerikanische Administrationen - Demokraten und
Republikaner gleichermaßen - sind geeint in ihrer
Überzeugung, daß ein starkes Europa starke Vereinigte Staaten bedeutet. Unseres Erachtens trägt
eine erweiterte EU-Mitgliedschaft zur Schaffung eines
stabilen und demokratischen Europas bei.
Ferner fördern wir Schritte der Europäischen Union,
die sie sowohl in Europa als auch weltweit zu einem
stärkeren Partner machen. Um ein solcher Partner zu
werden, dessen politische und diplomatische Stärke
seiner wirtschaftlichen und handelspolitischen Macht
entspricht, muß die EU Wege finden, die über ihren
derzeitigen, oftmals begrenzten Ansatz bei vielen
außenpolitischen Fragen hinausgehen.

Seite 5

�Ich bin optimistisch, daß die Herausforderungen der
EU erfolgreich bewältigt werden. Gemeinsam führen
die Vereinigten Staaten und Europa die Welt zu
offenen Märkten und mehr Wohlstand. Seit einem
halben Jahrhundert haben sie eine gemeinsame Vision
von zunehmend offenem Welthandel, für deren
Realisierung sie sich zusammen einsetzten. Aber
unsere Arbeit ist noch nicht beendet. Wir haben immer
noch die Aufgabe, uns gemeinsam dem Protektionismus zu widersetzen und die Weltmärkte zu öffnen.
Nach dem Abschluß der Uruguay-Runde und der
Gründung der Welthandelsorganisation müssen wir mit
der Schaffung eines transatlantischen Konsenses über
zukünftige Richtungen unseres bilateralen Handels
und der Entwicklung eines gemeinsamen Ansatzes für
die weitere Öffnung der Weltmärkte beginnen.
Insbesondere müssen wir in den Bereichen auf
Fortschritte drängen, in denen die größten verbleibenden Hindernisse für die Ausweitung des transatlantischen Handels bestehen: Öffentliche Versorgungsbetriebe, Beschränkungen im audiovisuellen Bereich
sowie unnötige Normen und Vorschriften. Und es ist
unerläßlich, in dem Bereich schnelle Fortschritte zu
machen, der in der heutigen Weltwirtschaft wohl den
wichtigsten Wachstumssektor darstellt - beim Telekommunikationswesen.
Die Regierung der Vereinigten Staaten traf in den
vergangenen Monaten bedeutende Entscheidungen,
die zu einer weiteren Öffnung des amerikanischen
Telekommunikationsmarktes für ausländische Investoren führen.
Diese Entscheidungen werden
Anreize für Privatinvestitionen geben, den Wettbewerb
fördern, Zugang zur Datenautobahn bieten, universelle
Dienstleistungen verbessern und ein flexibleres
Regelsystem errichten.
Das Gesetz hierzu ist ein weiterer Hinweis auf die
Entschlossenheit der Vereinigten Staaten, bei ihrer
Telekommunikationspolitik einen fortschrittlichen Kurs
zu verfolgen.
Dadurch wird der amerikanische
Telekommunikationsmarkt noch attraktiver für Investitionen ausländischer Unternehmen. Außerdem
unterstreicht das Gesetz, wie wichtig wir Privatinvestitionen und offenen Wettbewerb erachten.
Dies sind wesentliche Schritte zur Öffnung des
Telekommunikationsmarktes weltweit. Sie bieten eine
große Chance, die Europäer und andere nicht verpassen dürfen. Wie der Handelskommissar der Europäischen Union, Sir Leon Brittan, kürzlich äußerte, muß
auch Europa unbedingt seinen Telekommunikationsmarkt öffnen. In diesem Zusammenhang sehen wir
der für Ende dieses Jahres zugesagten Reform des
Telekommunikationswesens in Deutschland erwartungsvoll entgegen.
Dies ist nicht der richtige Zeitpunkt, unsere Wirtschaftsbeziehungen als selbstverständlich hinzuneh-

Seite 6

men. Ohne die Zwänge des Kalten Krieges können wir
nicht länger erwarten, daß handelspolitische Differenzen automatisch den gemeinsamen Sicherheitsanliegen untergeordnet werden. Wir dürfen jedoch
nicht zulassen, daß die unvermeidbaren Kontroversen
bei unseren Handelsbeziehungen die übergeordneten
Vorteile unserer Wirtschaftspartnerschaft unterminieren.
Bei den amerikanisch-europäischen Beziehungen
steht in wirtschaftlicher Hinsicht enorm viel auf dem
Spiel. Europa ist natürlich unser größter und wichtigster Handelspartner. Die jüngsten Zahlen zeigen, daß
die amerikanischen Exporte in die Europäische Union
sich jährlich auf 130 Milliarden Dollar belaufen, damit
noch vor Kanada, unserem zweitgrößten Absatzmarkt,
liegen und mehr als doppelt so hoch sind wir die nach
Japan, unserem drittgrößten Absatzmarkt. Die EU ist
der größte Markt für 29 der 50 amerikanischen Bundesstaaten, einschließlich der im Westen gelegenen
wie Kalifornien und Washington.
Die Zahlen sind nur ein Teil der Geschichte. Der
Großteil internationaler Geschäftstätigkeit erfolgt durch
Investitionen und Produktion auf ausländischen
Märkten - nicht durch Exporte. Während die weltweiten amerikanischen Exporte von Waren und
Dienstleistungen sich auf ungefähr 700 Milliarden
Dollar belaufen, betragen die Verkäufe von Tochtergesellschaften amerikanischer Unternehmen im Ausland
ungefähr 1,6 Billionen Dollar. Mehr als die Hälfte
dieses Absatzes findet in Europa statt. Und wieder ist
es eine in beide Richtungen führende Straße: Die
Niederlassungen europäischer Unternehmen in den
Vereinigten Staaten setzen nahezu 700 Milliarden
Dollar ab.
Die Vereinigten Staaten und die Europäische Union
sind der größte Investor im anderen Land mit Investitionen von jeweils 270 Milliarden Dollar. Das sind
mehr als die Hälfte der amerikanischen Direktinvestitionen im Ausland - 40 Prozent mehr als in Lateinamerika und Asien zusammengenommen.
Die Tochterfirmen europäischer Unternehmen in den
Vereinigten Staaten beschäftigen drei Millionen
amerikanische Arbeitnehmer, und eine ebenso große
Anzahl von Europäern ist bei amerikanischen Firmen
in Europa angestellt.
Die Vermögenswerte amerikanischer Unternehmen in
Europa belaufen sich auf nahezu eine Billion Dollar weitaus mehr als die amerikanischen Vermögenswerte
in Asien in Höhe von 200 Milliarden Dollar. Und die
amerikanischen Neuinvestitionen in Europa sind immer
noch, größer als die Neuinvestitionen in Asien - trotz
des schnellen Wachstums der asiatischen Märkte.
Insgesamt beläuft sich der amerikanisch-europäische
Handel auf rund 1,7 Billionen Dollar jährlich - eine

AMERIKA DIENST 08

�überwältigende Zahl, die nahezu 50 Prozent höher ist
als unser transpazifischer Handel.
Natürlich haben sowohl Europa als auch Amerika
andere bedeutende kommerzielle Interessen. Die
Vereinigten Staaten wollen den Freihandel in Asien
und im Pazifik sowie in der westlichen Hemisphäre
erweitern. Europa möchte den Binnenmarkt weiter
integrieren sowie Zentral- und Osteuropa in diesen
Markt einbeziehen. Das sind wichtige Anliegen.
Unsere Interessen an anderen Orten der Welt lenken
jedoch nicht von der zentralen Bedeutung der
amerikanisch-europäischen Beziehungen ab.
Im
Dezember vergangenen Jahres unternahmen die
Vereinigten Staaten und Europa in Madrid bedeutende
Schritte zur Erweiterung und Vertiefung dieser Beziehungen, indem sie eine neue Tagesordnung der
politischen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit
vereinbarten.
Diese neue transatlantische Tagesordnung unterstreicht das breite Spektrum der Beziehungen und
befaßt sich nicht nur mit traditionellen Handelsfragen,
sondern auch mit einer großen Bandbreite politischer
und wirtschaftlicher Initiativen auf der ganzen Welt.
Gemeinsam werden wir versuchen, unser enormes
Gewicht und unseren Einfluß auf vielfältige Weise
einzusetzen. Zum einen werden wir unsere Bestrebungen zur Förderung von Frieden, Entwicklung und
Demokratie - sei es in Bosnien, dem Nahen Osten, der
Türkei oder andernorts - weiter koordinieren.
Wir werden die Zusammenarbeit bei den von mir
bereits erwähnten
globalen
Herausforderungen
erweitern - der Bekämpfung von organisiertem Verbrechen, Drogenhandel und Terrorismus sowie der
Bewältigung von Umweltproblemen, AIDS und anderen
Epidemien.
Wir haben zugestimmt, eine Führungsrolle bei der
Erweiterung des Welthandels durch die Unterstützung
der Welthandelsorganisation und mit konkreten
Schritten zum Abbau oder der Beseitigung von
Hindernissen für den Fluß von Waren, Dienstleistungen und Kapital zu übernehmen. Wir werden die
nichttarifären Hemmnisse für freien transatlantischen
Handel ansprechen, wie etwa widersprüchliche
Normen, doppelte Erprobungs- und Genehmigungsverfahren sowie andere Widersprüche bei den Bestimmungen.
Das mögen nur kleine Schritte sein. Wenn man sich
jedoch den Umfang der amerikanisch-europäischen
Beziehungen vor Augen hält, bedeutet eine Maßnahme, die den Handel um nur ein Prozent erhöht,
ungefähr 2 Milliarden Dollar an zusätzlichem Handel.
Das ist viel Geld. Und eine einprozentige Aufstockung
- oder mehr - ist in greifbare Nähe gerückt.

AMERIKA DIENST 08

Und schließlich haben wir uns bezüglich der andauernden Notwendigkeit geeinigt, Brücken über den
Atlantik zu schlagen, die bessere Kommunikation
zwischen unseren Bürgern, Wissenschaftlern, Lehrern,
Forschungsinstitutionen und unseren Geschäftsleuten
fördern.
Insgesamt gesehen hoffen wir, daß diese neue
transatlantische Tagesordnung den Rahmen und die
erforderliche Disziplin bietet, um unsere Zusammenarbeit effektiver und kohärenter zu gestalten. Sie wird
die EU für amerikanische Politiker transparenter
machen und das erste Mal markieren, an dem wir uns
umfassend mit der Europäischen Union auseinandergesetzt haben, nicht nur als politische Kraft mit
dem Potential, als Partner an der Seite der Vereinigten
Staaten bei einer Vielzahl außenpolitischer und
diplomatischer Initiativen zu stehen.
Die neuen transatlantischen Verbindungen von heute
werden auch durch ein reiches Vermächtnis kultureller
und familiärer Bande verstärkt, die Jahrhunderte
zurückreichen. Seit dem 17. Jahrhundert haben über
sieben Millionen Deutsche Europa verlassen, um in
Amerika ein neues Leben zu beginnen - und viele von
ihnen kamen aus dieser großartigen Stadt. Heute
zählen die Nachfahren dieser Einwanderer ungefähr
60 Millionen - und machen rund ein Viertel der amerikanischen Bevölkerung aus.
Diese elementaren menschlichen Bande tragen zur
Stärke und Widerstandskraft unserer politischen und
sicherheitspolitischen Beziehungen bei. Es ist unsere
Aufgabe, darauf zu achten, daß diese Verbindungen
konstant erneuert werden. Seit dem Ende des Zweiten
Weltkriegs haben ungefähr 15 Millionen amerikanische
Soldaten und ihre Familienangehörigen in Deutschland
gelebt. Sie sind als Millionen "Botschafter" für Ihr Land
nach Amerika zurückgekehrt.
Während diese Präsenz verringert - oder wie in Berlin
vollständig abgebaut - wird, müssen wir kreativer beim
Sondieren neuer Wege sein, um Amerikaner und
Deutsche in Kontakt zueinander zu bringen. Wir
müssen weiterhin zusammenarbeiten, um die Relevanz und Lebensfähigkeit unserer gemeinsamen
Werte in diesen Zeiten des Wandels sicherzustellen.
Wir sehen uns heute vielfältigen Herausforderungen
gegenüber. Es sind jedoch nicht die ersten, denen wir
uns gemeinsam stellen, und es gibt keinen Grund zu
Pessimismus.
Die uns heute konfrontierenden
Gefahren unterscheiden sich von denen des Kalten
Krieges, aber unsere Antwort muß sich auf dieselben
Prinzipien gründen, die uns seit 50 Jahren so erfolgreich leiten. General Omar Bradley sagte nach dem
Zweiten Weltkrieg einmal: "Jetzt ist es an der Zeit,
anhand der Sterne zu steuern und nicht anhand der
Lichter jedes vorbeiziehenden Schiffs."

Seite 7

�Einer der am hellsten leuchtenden Sterne ist die
transatlantische Partnerschaft. Durch Zusammenarbeit haben wir beispiellosen Frieden und Wohlstand
geschaffen. Dies ist sicherlich nicht die richtige Zeit,
denen Glauben zu schenken, die Protektionismus und
Isolationismus predigen. Amerika und die Welt haben
diesen Kurs in den dreißiger Jahren eingeschlagen und unser Fehler führte zur Weltwirtschaftskrise und
bereitete den Weg für den Zweiten Weltkrieg.

Im Gegenteil, jetzt ist es an der Zeit für Engagement
und Führung. Gemeinsam haben wir jetzt eine
historische Chance zum Aufbau neuer Partnerschaften
über diesen Kontinent hinweg und auf der ganzen
Welt: Rückzug ist keine Option.
Ich danke Ihnen.

* * * * *

Seite 8

AMERIKA DIENST 08

�USA-EUROPA

17. April 1996

Europa sollte nicht nur unter dem Aspekt der
Ost-West-Beziehungen gesehen werden
Rede von General John Sheehan

WILLIAMSBURG - (AD) - "Wir können es uns nicht mehr leisten, Europa ausschließlich unter dem Aspekt der
Ost-West-Beziehungen zu sehen, und wir dürfen Sicherheit nicht nur in einem militärischen Kontext definieren",
erklärte General John Sheehan von der US-Armee am 12. April 1996 bei einer Konferenz über westliche
Sicherheit in Williamsburg (Virginia). Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Generals bei der Konferenz
mit dem Titel "Streben nach westlicher Sicherheit angesichts globaler Unsicherheit", die vom College of William
and Mary und dem Obersten Alliierten Befehlshaber Atlantik (SACLANT) gemeinsam organisiert wurde.

Es ist mir eine Freude, Sie alle begrüßen zu dürfen.
Diese Konferenz ist eine weitere Errungenschaft bei
den beruflichen Beziehungen zwischen dem College of
William and Mary und dem Obersten Alliierten Befehlshaber Atlantik (SACLANT) der NATO. Unsere intellektuelle Verbindung kommt beiden Institutionen zugute.
Aber als jemand, der für zwei Studenten von William
and Mary die Studiengebühren bezahlt hat, sollte ich
nicht unerwähnt lassen, daß ich auch eine finanzielle
Beziehung zu dieser großartigen Universität habe.

Keiner von uns war aufgrund der Entfernung von den
Schrecken in Bosnien abgesondert. Im Zeitalter von
Skynet und CNN gelangen diese Konflikte täglich in
unsere Wohnzimmer.

Das Thema der diesjährigen Konferenz "Streben nach
westlicher Sicherheit angesichts globaler Unsicherheit"
ist höchst aktuell.

Ob es einem gefällt oder nicht: Die Zukunft der NATO
wird von ihrem Erfolg oder Scheitern in Bosnien
beeinflußt. Eine Wiederkehr des Krieges in diesem
Land könnte den Frieden, die Sicherheit und den
Wohlstand aller Nachbarstaaten des ehemaligen
Jugoslawiens bedrohen.

Derzeit versuchen in Bosnien 60.000 Soldaten,
Seeleute, Flieger und Marineinfanteristen aus Mitgliedstaaten und Nichtmitgliedstaaten der NATO, dem
Frieden in dem vom Krieg zerrütteten Land eine
Chance zu geben.
Sie befinden sich dort auf einer noblen, aber schwierigen und komplexen Mission, deren Konsequenzen
weit über die geographischen Grenzen Bosniens oder
sogar des ehemaligen Jugoslawiens hinausgehen.
Die Männer und Frauen der IFOR bemühen sich um
die Beendigung eines Bürgerkrieges, der bereits zum
schlimmsten Blutvergießen in Europa seit dem Zweiten
Weltkrieg geführt hat.

AMERIKA DIENST 08

Mit Bosnien als ernüchterndem Hintergrund erörtert
das transatlantische Bündnis heute einen Sicherheitsrahmen sowie seine eigene Zukunft im Hinblick auf die
potentiellen Auswirkungen eines noch unsicheren
Ergebnisses.

Wir haben seit jenen Tagen überschwenglicher
Begeisterung im Dezember 1989, als wir voller
Staunen Zeugen des Falls der Berliner Mauer wurden,
einen weiten Weg zurückgelegt. Damals prognostizierten viele, das Ende des Kalten Krieges signalisiere
das Ende von Konflikten.
Manche, wie Lady Thatcher, wußten es jedoch besser.
Sie warnte uns, "Euphorie ist ein schlechter Lehrmeister".
Während wir weiterhin eine Zeit dramatischer politischer Veränderungen und Unsicherheit auf der Welt

Seite 1

�erleben, ist die Notwendigkeit veränderter Perspektiven, nüchterner Einschätzungen sowie neuer Ideen
größer als jemals zuvor.
Diese Konferenz, an der Redner und Delegierte von
unterschiedlicher Herkunft, aus verschiedenen
Kulturen und Generationen teilnehmen, sollte uns
helfen, die Chancen und Erfordernisse für den entstehenden Sicherheitsrahmen zu artikulieren.
In der heutigen Welt ohne die Gewißheit der Regeln,
Parameter und Lösungen von vier Jahrzehnten des
Kalten Krieges mangelt es vielen Diskussionen über
die europäische Sicherheit oft an Substanz und Fokus.
Wenn man die Oberfläche ankratzt, wird klar, daß die
konzeptuelle Grundlage vieler Diskussionen immer
noch die Denkweise eines vergangenen, bipolaren
Zeitalters ist.
Wir können es uns nicht mehr leisten, Europa ausschließlich unter dem Aspekt der Ost-West-Beziehungen zu sehen, und wir dürfen Sicherheit nicht nur in
einem militärischen Kontext definieren.
Die heutigen Herausforderungen sind zu komplex und
diffus. Die Schaffung einer gemeinsamen Vision und
die Suche nach einer koordinierten Antwort erfordert,
daß wir neben der gewohnten militärischen Dimension
die politische, wirtschaftliche, kulturelle und sogar
umweltpolitische Dimension der heutigen sicherheitspolitischen Herausforderungen erkennen.
Wenn wir diese Fragen erörtern, sollten wir auch die
Konsequenzen eines möglichen Scheiterns ansprechen. Politiker, Journalisten und Gelehrte gleichermaßen gebrauchen - oder überstrapazieren - oft
Worte wie Krise oder Katastrophe, wenn sie darlegen,
was geschehen wird, wenn wir die heutigen Herausforderungen einer Anpassung und Stärkung existierender Sicherheitsstrukturen nicht bewältigen.
Die fortgesetzte starke Verringerung der Verteidigungsausgaben aller NATO-Mitgliedstaaten sowie der
Wahlkampf in den Vereinigten Staaten zeigen, daß
viele Bürger unserer Nationen nicht von der Notwendigkeit eines weiteren Engagements überzeugt sind.
Bei meinem Versuch, das derzeitige europäische
Sicherheitsumfeld zu verstehen, griff ich kürzlich zu
einem Buch über europäische Geschichte, das von
einem Professor der University of Chicago verfaßt
wurde. Im letzten Kapitel des Buches mit dem Titel "An
der Schwelle zu einem neuen Jahrhundert" (On the
Threshold of a New Century) führt der Autor die
zahlreichen politischen und wirtschaftlichen Errungenschaften europäischer Nationen im vergangenen
Jahrhundert sowie ihre Bedeutung für die Zukunft
Europas auf.

Seite 2

Der Verfasser legt überzeugend dar, politische und
wirtschaftliche Interaktion signalisierten, daß Europa in
ein neues Zeitalter eintrat, in dem Diplomatie, Verhandlungen und Kooperation an die Stelle von Konflikten
treten sollten.
Bedauerlicherweise war die Hypothese des Autors ein
wenig zu optimistisch. Sein Buch wurde nämlich 1911
veröffentlicht. In den sieben Jahren nach seinem
Erscheinen kamen in Europa 10 Millionen Menschen,
darunter mehr als 100.000 Amerikaner und 60.000
Kanadier, ums Leben - in einer als Erstem Weltkrieg
bezeichneten Auseinandersetzung, dem "Krieg zur
Beendigung aller Kriege".
Trotz dieser tragischen Verluste waren die Sieger nicht
in der Lage, nach dem Ersten Weltkrieg ein funktionierendes Sicherheitssystem zu schaffen, und innerhalb
eines Vierteljahrhunderts forderte ein weiterer Krieg in
Europa 50 Millionen Menschenleben, darunter das
von 250.000 Amerikanern und 42.000 Kanadiern.
Wenn man etwas über die Ereignisse der Jahre nach
dem Ersten Weltkrieg liest, ist man erstaunt darüber,
wie der Völkerbund trotz seines großen Versprechens
kollektiver Sicherheit aufgrund der Uneinigkeit und
dem Mißtrauen zwischen den Verbündeten scheiterte.
Nach dem Blutbad des Zweiten Weltkriegs waren
Menschen mit Weitblick und Mut entschlossen, die von
ihren Vorgängern in Versailles gemachten Fehler nicht
zu wiederholen. Einer dieser Visionäre, George C.
Marshall, hatte die mit der Schaffung globaler Sicherheit aus der Asche eines Weltkrieges einhergehenden Herausforderungen verstanden, als er
erklärte:
"Wenn der Mensch eine Lösung findet, um Frieden auf der Welt zu
schaffen, wird das der revolutionärste
Umbruch sein, den wir jemals erlebt
haben."
Als Veteran des Ersten Weltkriegs kannte er die
Konsequenzen, falls sich die wirtschaftlichen, politischen und Verteidigungsinstitutionen Europas nicht
vom Zweiten Weltkrieg erholen sollten. Er verstand
auch die Schwierigkeit der Nationen bei der Beibehaltung ihres Fokus und Engagements in einem Nachkriegsumfeld.
Seine Vision war von ihrem Fokus her einbeziehend
und von ihrem Ton her nicht kriegerisch. In seiner
berühmten Rede in Harvard, die später als Marshallplan bekannt wurde, erklärte er:
"Unsere Politik richtet sich nicht gegen irgendein Land oder eine Doktrin,
sondern gegen Hunger, Armut, Verzweiflung und Chaos. Ihr Ziel sollte

AMERIKA DIENST 08

�die Wiederbelebung einer funktionierenden Weltwirtschaft sein, damit
politische und soziale Bedingungen
geschaffen werden, unter denen freie
Institutionen existieren können."

Trotz anfänglicher Erfolge der IFOR müssen wir uns
immer wieder fragen: Ist es ein Zufall, daß ein großer
Konflikt jeweils am Anfang und am Ende dieses
Jahrhunderts sein Epizentrum an einem Ort namens
Sarajevo hatte?

Die Vision und Errungenschaften General Marshalls
am Ende des Zweiten Weltkriegs führten zu einem
wohlhabenden und friedlichen Westeuropa, aber seine
Vision eines geeinten Europas wurde schon bald vom
Kalten Krieg vereitelt.

Sind unsere Sicherheitsabkommen und -institutionen
der Aufgabe gewachsen, echte kollektive Sicherheit zu
bieten, oder sind sie die modernen Äquivalente des
Versailler Vertrags und des Völkerbundes?

Aufgrund der Lektionen der Zeit nach dem Zweiten
Weltkrieg verfolgen unsere Politiker heute eine kluge
Politik des Engagements bei unseren ehemaligen
Gegnern, anstatt sie während ihrer Übergangszeit zu
isolieren.
Bis heute haben die NATO und ihre Mitgliedstaaten
hart daran gearbeitet, das Militär von NATO-Ländern
und den Staaten des ehemaligen Warschauer Pakts
nach dem Kalten Krieg zusammenzubringen.
Das wichtigste Mittel für diese Interaktion war das im
Januar 1994 eingeleitete Programm der Partnerschaft
für den Frieden (PFF). Seitdem haben wir verschiedene Manöver und Ausbildungsaktivitäten mit einer
Anzahl von Ländern des früheren Warschauer Pakts
und den neuen Militärs der ehemaligen Sowjetunion
durchgeführt.
Beispielsweise veranstalteten wir vergangenes Jahr
die erste Übung der PFF auf amerikanischem Territorium. Bei einem "Cooperative Nugget" genannten
Manöver in Fort Polk (Louisiana) kamen mehr als
4.300 Soldaten aus 14 PFF-Ländern, Kanada, Großbritannien und den Vereinigten Staaten sowie Beobachter aus 11 weiteren PFF-Staaten drei Wochen
lang zu intensiven Friedenssicherungsübungen
zusammen.
Vergangenes Jahr führten wir auch zwei bilaterale
Übungen durch, im Rahmen derer ukrainische und
russische Truppen in die Vereinigten Staaten kamen,
um dort mit ihren amerikanischen Kollegen zusammenzuarbeiten.
Diese Kontakte zwischen den Militärs verschiedener
Länder haben bereits beeindruckende Dividenden
erbracht. Heute zählen Rußland und die Ukraine zu
den vielen PFF-Nationen, die Seite an Seite mit den
Vereinigten Staaten und anderen NATO-Mitgliedstaaten als Teil der IFOR in Bosnien tätig sind.
Vorläufige Berichte weisen auf ein Ausmaß der
Zusammenarbeit zwischen der IFOR und der PFF hin,
das weit über das von einigen Prognostizierte hinausgeht.

AMERIKA DIENST 08

Obwohl die dieses Jahrhundert dominierenden
ideologischen Spaltungen verschwunden sind, tritt jetzt
älterer und sogar noch bösartigerer kultureller und
religiöser Haß an die Stelle dieser Ideologien.
Die Geschichte lehrt uns, daß die Verhütung von
Konflikten weitaus mehr erfordert als guten Willen oder
Wunschdenken. Sie erfordert klare Analyse, intellektuelles Engagement, einen Plan sowie ausreichende
Mittel zu seiner Durchführung.
Obwohl sie nicht perfekt ist, lehrt uns die von der
NATO während des vergangenen halben Jahrhunderts
gemachte Erfahrung, daß kollektive Sicherheit funktioniert. Damit kollektive Sicherheit wirklich effektiv sein
kann, sind ein ernsthaftes Engagement aller Beteiligten
sowie größere Investitionen in Form von Zeit, Mühe
und Ressourcen erforderlich.
Während wir uns dem Ende des gewaltsamsten und
zerstörerischsten Jahrhunderts der Geschichte
nähern, besteht unsere Herausforderung darin, aus
den teuer bezahlten Lektionen des 20. Jahrhunderts
zu lernen, damit wir praktische Lösungen für andauernde Sicherheitsprobleme finden und einen
erneuten Rückfall in die Selbstisolation verhindern.
Bei diesem Symposium geht es um den Austausch
und die Erläuterung unserer Ideen, damit wir diese
historische Chance ergreifen können - die Erfüllung
von Marshalls Vision.
In den kommenden beiden Tagen werden wir vielen
herausragenden Rednern zuhören: Diplomaten,
Wissenschaftlern, Journalisten und einer ehemaligen
Regierungschefin - Lady Thatcher.
Ein solcher intellektueller Austausch ist von elementarer Bedeutung, wenn wir diese neuentstehende Welt
sinnvoll gestalten wollen und - noch wichtiger - die
Saat der Zusammenarbeit säen wollen, die uns helfen
wird, im Zeitalter nach dem Kalten Krieg das zu
erreichen, wofür sich General Marshall und seine
Zeitgenossen nach dem Zweiten Weltkrieg so stark
einsetzten.
Wenn Sie diesen herausragenden Rednern zuhören,
sollten Sie sich daran erinnern, daß unser Ziel die
Bewertung zeitgenössischer amerikanischer und

Seite 3

�europäischer Sicherheitsfragen und die Entwicklung
neuer Ideen oder eines Konsenses darüber sein
sohlte, wie wir unseren Sicherheitsrahmen zur Bewältigung der Herausforderungen des kommenden Jahrhunderts umgestalten.
Da wir Neuland betreten, können wir alle zur Entwicklung neuer Strategien und innovativer Programme
beitragen, die uns einen klugen Einsatz unserer
begrenzten Mittel beim Umgang mit dem neuen
globalen Sicherheitsumfeld gestatten.

Am wichtigsten ist, daß diese Konferenz uns hoffentlich bei der Entwicklung einer gemeinsamen Vision
helfen wird - einer Vision davon, wo wir in der Zukunft
stehen wollen, die unabhängig von unserem derzeitigen Standort ist und definitiv unabhängig davon,
wo wir in der Vergangenheit standen.
Nur dann kann General Marshalls Vision von einem
sicheren, stabilen und demokratischen Bündnis
verwirklicht werden.
Ich danke Ihnen.

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 08

�BOSNIEN
17. April 1996

Der Wiederaufbau Bosniens
von Lawrence H. Summers

WASHINGTON - (AD) - Im Vorfeld der in Brüssel anberaumten Konferenz der Geberländer über die
Wiederaufbauhilfe für Bosnien verfaßte der Stellvertretende Finanzminister und Leiter der US-Delegation bei der
Konferenz, Lawrence H. Summers, nachfolgenden Artikel.

Im vergangenen Jahr spielten die Vereinigten Staaten
in Zusammenarbeit mit ihren europäischen Partnern
eine zentrale Rolle bei der Herbeiführung des Friedens
in Bosnien. Aber die Unterzeichnung des Abkommens
von Dayton ist nur der Anfang eines Prozesses, der
beträchtliche internationale Beteiligung erfordern wird,
wenn wir einen dauerhaften Frieden schaffen wollen.
Die Friedenstruppe der NATO - IFOR - entsendete
unverzüglich ihre Soldaten, und die Gewehre wurden
im großen und ganzen zum Schweigen gebracht.
Wenn es jedoch einen echten und dauerhaften Frieden
für Bosnien geben soll, wenn die Waffen für immer
niedergelegt werden sollen, dann muß das bosnische
Volk eine Friedensdividende erhalten. Die - durch vier
Kriegsjahre verwüstete - Volkswirtschaft des Landes
muß wiederaufgebaut und reformiert werden, damit die
Kombattanten für sich und ihre Kinder im Frieden eine
vielversprechendere Zukunft sehen als in der Rückkehr zum Krieg.

der Föderation ist arbeitslos, und 80 Prozent
der Bosnier bedürfen humanitärer Hilfe.
Die Weltbank hat eine Führungsrolle bei der Erarbeitung eines internationalen Plans mit dreijähriger
Laufzeit in Höhe von 5,1 Milliarden Dollar für den
Wiederaufbau Bosniens übernommen.
Dieses
Programm umfaßt zehn Sektoren der Volkswirtschaft darunter Energie, Landwirtschaft und Verkehr - und
führt die Projekte sowie die erforderliche Unterstützung
der Geberländer für den Wiederaufbau der zerstörten
bosnischen Volkswirtschaft auf. Diese Bestrebungen
verdienen zusammen mit den außergewöhnlichen
Schritten der Bank, den Geldfluß für Bosnien zu
mobilisieren, besonderes Lob.

Dies ist eine enorme Herausforderung, und es steht
sehr viel auf dem Spiel.

Im Dezember vergangenen Jahres veranstalteten die
EU-Kommission und die Weltbank eine Minikonferenz
der Geberländer, um Starthilfe für den Wiederaufbau
zu leisten. Über 600 Millionen Dollar wurden bereits
zugewiesen, darunter 62,5 Millionen Dollar aus den
Vereinigten Staaten sowie großzügige Unterstützung
von Europa und der Weltbank.

Das Pro-Kopf-Einkommen der muslimischen
Bevölkerung sank von 1.900 Dollar vor dem
Krieg auf ungefähr 500 Dollar Ende 1995. Bei
Kriegsende betrug die Industrieproduktion
weniger als 10 Prozent der Zahlen vor dem
Krieg.

An diesem Wochenende werde ich die amerikanische
Delegation bei einer Konferenz der Geberländer für
Bosnien leiten, bei der die restlichen für den Wiederaufbau im Jahr 1996 benötigten 1,2 Milliarden Dollar
aufgebracht werden sollen. Die Vereinigten Staaten
werden ihren Beitrag leisten.

Rund 35 Prozent der bosnischen Straßen, 40
Prozent der Brücken und über 50 Prozent der
Grundschulen wurden zerstört oder beschädigt. Ungefähr 75 Prozent der Bevölkerung

Am 29. März bewilligte der Kongreß ein zusätzliches
Hilfspaket für Bosnien in Höhe von 198 Millionen
Dollar. Präsident Clinton erklärte wiederholt, der
Beitrag der Vereinigten Staaten zum Wiederaufbau
Bosniens würde sich in den nächsten drei Jahren auf

AMERIKA DIENST 08

Seite 1

�600 Millionen Dollar belaufen. Mit diesen Geldern soll
ein bereits eingeleitetes wirksames amerikanisches
Programm finanziert werden. Wir werden die grundlegende Infrastruktur wiederaufbauen und die kommunalen Dienstleistungen wiedereinführen. Wir werden
technische Hilfe zum Aufbau einer marktwirtschaftlichen Ordnung und demokratischen Gesellschaft
gewähren.

besondere in Europa und Japan auf, gemeinsam mit uns einen möglichst großzügigen
Beitrag zu leisten.
Der wirtschaftliche Wiederaufbau muß beschleunigt werden. Wir alle müssen den Mut
haben, unsere Wirtschaftshilfe so bald wie
möglich bereitzustellen. Zusagen müssen in
Auszahlungen umgewandelt werden. Die
Geberländer müssen vor Ort sein und ihre
Aktivitäten enger und intensiver mit dem
Programm der Weltbank koordinieren.

Diese Bestrebungen sind Bestandteil eines weitaus
umfassenderen Engagements der internationalen
Staatengemeinschaft zur Unterstützung der Menschen
in Bosnien beim Wiederaufbau ihrer Nation. Die NATO
trägt einen Großteil der Last bei der Wahrung des
Friedens. Die Vereinigten Staaten und Europa stellen
weiterhin humanitäre Hilfe großen Umfangs bereit, und
Hunderttausende von Flüchtlingen haben in ganz
Europa Zuflucht gefunden. Die internationale Staatengemeinschaft engagiert sich stark, den Menschen in
Bosnien bei der Vorbereitung freier und fairer Wahlen
in diesem Sommer zu helfen, die Rückkehr von
Vertriebenen und Flüchtlingen zu fördern, unerläßliche
staatliche Strukturen zu schaffen, Menschenrechte zu
schützen, eine effektive und fair arbeitende Polizei
aufzubauen und Millionen von Landminen zu entschärfen.
Das sind starke und kooperative Bestrebungen. Aber
die Herausforderungen sind enorm.
Der Bedarf an Ressourcen in Bosnien ist groß,
und wir alle sehen uns mit haushaltspolitischen Engpässen konfrontiert. Damit diese
Konferenz der Geberländer erfolgreich sein
kann, rufe ich alle unsere Verbündeten, ins-

Die Vertreter der Bosnischen Föderation
müssen beim Aufbau grundlegender staatlicher Institutionen und Strukturen bessere
Arbeit leisten. Sie müssen Zölle und Steuern
erheben, ein Haushaltsgesetz verabschieden
und eine solide Währung fördern. Andernfalls
kann ein Großteil unserer Hilfe nicht effektiv
eingesetzt werden und versickert.
Sowohl die Föderation als auch die Republik
Srpska müssen weiterhin das Ihrige zur
Unterstützung des Friedensprozesses unternehmen, indem sie alle Aspekte des Daytoner
Abkommens uneingeschränkt befolgen.
Das dieses Wochenende in Brüssel stattfindende
Treffen ist wirklich von elementarer Bedeutung. Es ist
wesentlicher Bestandteil der Arbeit der internationalen
Staatengemeinschaft zur Förderung eines dauerhaften
Friedens in Bosnien. Um erfolgreich zu sein, müssen
wir zusammenarbeiten und alles in unserer Macht
Stehende tun.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 08

�MENSCHENRECHTE

17. April 1996

Frauenrechte sind Menschenrechte
Rede von Botschafterin Ferraro

GENF - (AD) - In ihrer Rede vor der Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen in Genf erklärte die
Leiterin der amerikanischen Delegation, Botschafterin Geraldine Ferraro, am 10. April 1996, es sei leicht, die
Worte "Frauenrechte sind Menschenrechte" zu sagen, aber schwierig, sie in die Praxis umzusetzen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Botschafterin Ferraro im Wortlaut.

Herr Vorsitzender,
ein frischer, sauberer Wind weht durch diese Hallen
und treibt den Staub der Ungerechtigkeit und Vorurteile
vor sich her. Er steht für ein Konzept, das so alt ist,
daß es jahrhundertelang übersehen wurde, aber doch
so neu ist, daß es häufig Kontroversen auslöst. Er
gründet auf ein Prinzip, das so rein wie das Lachen
eines Kindes, so solide wie ein alpiner Berggipfel und
so gerecht ist, wie eine menschliche Sache sein kann.
Es ist beeindruckend in seiner Einfachheit, revolutionär
in seiner Reichweite und mächtig dank der darin
enthaltenen Möglichkeiten.
Drei Worte formen diesen mutigen neuen Wind - drei
einfache, leichte Worte. Aber sie verändern unsere
Denkweise über die Hälfte der Weltbevölkerung. Ja,
Herr Vorsitzender, wir haben diese Worte bei der
Menschenrechtskommission und bei der Pekinger
Frauenkonferenz gesprochen. Wir haben sie in
unseren Häusern geflüstert und am Arbeitsplatz
wiederholt. Und jetzt sagen wir sie zu Regierungen
auf der ganzen Welt. Diese drei Worte lauten: Frauenrechte sind Menschenrechte.
Wie leicht ist es, sie auszusprechen, wie belebend,
den Lauf der Geschichte zu fühlen, der durch sie fließt.
Und dennoch ist es so schwierig, sie in die Praxis
umzusetzen. Denn Gewalt bedroht Frauen noch
immer und überall. Sie ist eine Pest, die keine Grenzen respektiert. Kein Land und kein Bereich der
Gesellschaft ist vor Ansteckung gefeit.

AMERIKA DIENST 08

Gewalt gegen Frauen ist ein Angriff auf die grundlegenden Menschenrechte aller - Mann oder Frau. Und
dennoch werden in jedem Augenblick des Tages
Frauen geschlagen und mißbraucht; neugeborene
Mädchen ausgesetzt, weil ihre Familien einen Jungen
wollen; junge Mädchen verstümmelt im Namen
althergebrachter Sitten; Teenager in sexuelle Sklaverei
verkauft; Bräute auf dem Altar der Habgier geopfert;
Frauen als Politik des Krieges vergewaltigt; Mütter
gegen ihren Willen sterilisiert; weibliche Flüchtlinge in
die Prostitution gezwungen, weil sie Nahrungsmittel
brauchen und Witwen verbrannt, nur weil ihre Männer
vor ihnen starben.
Und dennoch wendet das Gesetz, das diese Frauen
schützen sollte, allzuoft sein Gesicht ab. Das können
wir nicht länger hinnehmen. Wir haben es viel zu
lange toleriert - als wären Vergewaltigung, Prügel und
Mißbrauch irgendwie eine natürliche Beigabe zur
Weiblichkeit, eine zu schmerzliche und zu alltägliche
Tatsache, als daß in der Öffentlichkeit darüber gesprochen würde.
Es gibt noch eine andere Art der Gewalt, die Frauen
bedroht. Es ist die Gewalt der Beraubung: Frauen und
Kindern die benötigten Nahrungsmittel, Bildung,
Gesundheitsfürsorge oder das Eigentum zu verweigern, um volle und produktive Mitglieder der Gesellschaft zu werden, als ob eine Frau in der Gesellschaft
weniger Wert hätte als ihr Bruder. Das Versagen,
Grundnahrungsmittel und Zugang zu unerläßlicher
Gesundheitsfürsorge bereitzustellen, verurteilt Millionen von Menschen zu Krankheit und sorgt dafür, daß
es künftigen Generationen an der erforderlichen Kraft

Seite 1

�ermangelt, um gesunde und produktive Bürger zu
werden.
Ein Anzeichen ist die Zunahme von
HIV/AIDS-Infektionen unter Frauen. In der Tat sind die
Frauen die am schnellsten zunehmenden Opfer von
HIV/AIDS-Infektionen: Pro Tag infizieren sich ungefähr
3.000. Auch diese Art von Gewalt können wir nicht
hinnehmen, Herr Vorsitzender. Wir haben sie viel zu
lange toleriert, als wären diese Praktiken irgendwie
natürlich, wenn man arm und eine Frau ist.
Die Politik der Machtlosigkeit hält die meisten Frauen
der Welt immer noch in wirtschaftlicher Not gefangen.
Die Statistiken belegen, daß Frauen nur 10 Prozent
des Wohlstands der Weltbevölkerung und ein Prozent
des Landes besitzen, obwohl sie die Hälfte der
Weltbevölkerung ausmachen. Eine solche Ungerechtigkeit ist heutzutage völlig inakzeptabel, denn dadurch
wird sichergestellt, daß Frauen in den Nationen, in
denen sie leben, wenig Einfluß haben.
Aber die Zeiten ändern sich. Und heute stellen Frauen
auf der ganzen Welt - und nicht nur in einigen wenigen
Ländern, sondern in jedem Land - zum ersten Mal in
der Geschichte die Gesetze und Sitten in Frage, die
sie zweitklassig gemacht haben. Durch ihre Leistungen in der Regierung und in allen Lebensbereichen
zwingen sie die Welt, von dem Wandel Notiz zu
nehmen.
Die Zeit unseres Schweigens und unserer Unterwerfung geht zu Ende. Ein neuer Tag bricht für die Hälfte
der Menschen an, und in der Tat für alle. Die Frauen
haben die Worte gefunden, die ihnen vorenthalten
wurden. Frauenrechte sind Menschenrechte. Wir
werden diese schlichte Wahrheit jeder Regierung
gegenüber und in jedem Forum auf der ganzen Welt
äußern. Und mißverstehen Sie mich nicht: Die uns
konfrontierende Gewalt und Ungerechtigkeit werden
ein Ende haben.
Denn bei der Pekinger Frauenkonferenz ist etwas
geschehen. 40.000 Frauen und Männer haben sich
dort versammelt. Sie kamen aus jeder Region der
Welt, vertraten 189 Regierungen, Tausende von
Privatorganisationen - und manchmal nur sich selbst.
Und dort legten sie ein Gelübde ab: Frauen werden
nicht länger die Gefangenen des Schweigens sein.
Aber wir werden nicht nur mit Worten kämpfen. Die
bei der Pekinger Frauenkonferenz verabschiedete
Aktionsplattform bietet eine solide Grundlage, auf die
wir unsere künftigen Aktionen gründen können. In ihr
verpflichteten sich die Nationen der Welt zur Beendigung der Gewalt gegen Frauen in allen ihren Formen.
Sie vereinbarten, daß Mädchen ebenso wie Jungen
geschützt und geschätzt werden müssen, daß Frauen
Zugang zu Bildung und Gesundheitsfürsorge sowie zu
den Schalthebeln der Wirtschaft und politischen Macht
haben müssen, daß die Verantwortung für die Familie
gleichermaßen getragen werden muß, daß Frauen das

Seite 2

Recht zur Kontrolle ihrer Fruchtbarkeit und zu Gleichberechtigung bei sexuellen Beziehungen haben
müssen und schließlich, daß sie die Freiheit haben
müssen, ihre Ansichten zum Ausdruck zu bringen,
denn Redefreiheit ist eine Voraussetzung für andere
Menschenrechte.
Herr Vorsitzender, die Vereinigten Staaten hegen den
starken Wunsch, daß jede Nation, die der Plattform
zugestimmt hat, ihre Bestimmungen einhält. Wir
beglückwünschen alle Teilnehmer zu den aussagekräftigsten politischen Erklärungen, die je von der
internationalen Staatengemeinschaft im Hinblick darauf
abgegeben wurden, Frauen mehr Befugnis zu verleihen.
Aber wir blicken nicht nur auf andere Nationen bei der
Verwirklichung der Pekinger Plattform.
Unsere
Regierung nimmt ihre Verpflichtung, sie in die Praxis
umzusetzen, sehr ernst. Nach der Pekinger Konferenz
hat Präsident Clinton beispielsweise einen interministeriellen Rat für Frauen eingerichtet, der fordert,
daß jedes Ministerium die Empfehlungen der Plattform
durchführt. Um nur zwei Beispiele zu nennen: Das
Büro für Gewalt gegen Frauen des Justizministeriums
hat infolgedessen umfassende nationale Bestrebungen
zur Bekämpfung von häuslicher und anderen Formen
von Gewalt gegen Frauen in die Wege geleitet und
dabei strenge Bundesgesetze mit Unterstützung für
Bundesstaaten und Kommunen bei der Strafverfolgung, Hilfe für Opfer und Verhinderung von Verbrechen kombiniert. Und im Rahmen unserer auswärtigen Beziehungen hat das Amt für internationale
Entwicklung (Agency for International Development AID) neue Programme eingeführt, um die Beteiligung
von Frauen an Kleinstunternehmen zu ermutigen und
dabei auf unsere bisherigen Programme aufgebaut,
verarmten Frauen den Zugang zum politischen Leben
zu ermöglichen.
Herr Vorsitzender, die Menschenrechtskommission hat
von buchstäblich Millionen Frauen gehört, die Petitionen mit der Forderung unterzeichneten, Frauenrechte
als Menschenrechte zu behandeln. Die Antwort der
Kommission bestand in der Einrichtung des Amts eines
Sonderberichterstatters für Gewalt gegen Frauen, der
in diesem Jahr Neuland erschlossen hat, indem er sich
auf Gewalt in Familien als Menschenrechtsanliegen
konzentrierte. Die Kommission hat auch ihre Sonderberichterstatter und Vertragskörperschaften angewiesen, die Rechte von Frauen in ihre Arbeit zu integrieren. Und in über 30 Resolutionen haben die Kommissionsmitglieder im vergangenen Jahr klargestellt, daß
die Rechte von Frauen in der Tat besondere Beachtung verdienen.
Es wird Menschen geben, die versuchen, uns von
unserem Kurs abzubringen, Kräfte, die darauf hinarbeiten, daß die Ergebnisse der Pekinger Frauenkonferenz Worte bleiben und nicht in Taten münden.

AMERIKA DIENST 08

�Aber diejenigen, die so denken, werden sich auf der
falschen Seite der Geschichte wiederfinden - dazu
verurteilt, daß sie ihnen jeden Tag schneller entflieht.
Denn es gibt einen Lauf der menschlichen Geschichte,

und er steht auf unserer Seite. Frauenrechte sind
Menschenrechte. Wir blicken dem Tag äußerst
erwartungsvoll entgegen, an dem diese drei einfachen,
leichten Worte für jeden Realität geworden sind. Ich
danke Ihnen.

* * * * *

AMERIKA DIENST 08

Seite 3

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="12576">
                <text>17.04.1996</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="12577">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="12578">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="12579">
                <text>Amerikadienst 17.04.1996</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="12580">
                <text>&lt;strong&gt;1. Umwelt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikanische Diplomatie und die globalen Umweltprobleme des 21. Jahrhunderts&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Außenminister Christopher&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. USA-Europa&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Die Vereinigten Staaten und Europa - globale Herausforderungen und globale Antworten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Charles E. Redman&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Europa sollte nicht nur unter dem Aspekt der Ost-West-Beziehungen gesehen werden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von General John Sheehan&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Bosnien&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Wiederaufbau Bosniens&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Lawrence H. Summers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Menschenrechte&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Frauenrechte sind Menschenrechte&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafterin Ferraro&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="1397" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="1408">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/e0421f3b2de9eac7e81bb9b6ee20ed3c.pdf</src>
        <authentication>fdf5cd44050555b9bcca80200e59da18</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="7426">
                    <text>amerika dienst
United

States

53 B o n n - B a d
Tel:

Information

Godesbergl,

19-3240

Nummer

Information
d

Service

Postfach 300

UPI

Dokumentation

T e I e x : 08 - 8 54 32

20

17. Mai 1972

Inhalt
HINTERGRUNDMATERIAL
Die militärische Macht der USA im Dienste des Friedens
II. Die US-Armee wird gestrafft
Von Hubert G. Collins
Die
Von
III.
IV.

wahre Mehrheit; 1972
Richard M. Scammon
Die Wahlkampfthemen
Die Persönlichkeit der Kandidaten

WIRTSCHAFT
Volcker zeigt Hauptpunkte für Reform des Weltwährungssystems auf
- Auszüge aus der Rede des US-Staatssekretärs in Montreal Die US-Handelspolitik kämpft an zwei Fronten
Von Eugene Brake

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
US-Innenminister: Alaska-Ölleitung kann gebaut werden
Streptokokken durch Färbetest unterscheidbar
Schizophrenie - eine Enzymmangelkrankheit
Neuer Detektor ermöglicht starke Reduzierung der Strahlenbelastung

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�' amerika dienst
United

States

53 B o n n - B a d
Tel:

Information

Godesbergl,

19-3240

Hintergrundmaterial

Service

Postfach 300

Telex:

08-85432

20/1972

DIE MILITÄRISCHE MACHT DER USA IM DIENSTE DES FRIEDENS
II. Die US-Armee wird gestrafft

Von Hubert G. Collins

Auch die amerikanische Armee wird - wie Marine und Luftwaffe - neue
Konzeptionen entwickeln, um den Aufgaben der Zukunft gerecht werden zu
können. Gerade im Zeitalter des nuklearen Gleichgewichts werden die konventionellen Streitkräfte, d.h. in erster Linie die Armee, den Ausschlag geben.

Der Stabschef der US-Army, General William Westmoreland, hat eine umfassende Studie der Aufgaben der Landstreitkräfte angeordnet, denn die
Armee müsse neue Probleme lösen und neue Lösungen für alte Probleme finden.
Westmoreland, der selbst Oberbefehlshaber der amerikanischen Truppen in
Vietnam war, vertritt die Auffassung, daß sich die Armee aus der "VietnamZwangsjacke" lösen müsse , die zu einem defensiven taktischen Denken geführt
habe.

Wie bei der Marine - und in gewissem Umfang auch bei der Luftwaffe ist die Lösung der künftigen Aufgaben auch ein Personalproblem. Mit der ins
Auge gefaßten Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht in den USA wird man den
Beruf des Soldaten in der Armee einigermaßen attraktiv gestalten müssen, um
junge Menschen anzulocken. Die heutigen höchst komplizierten Waffensysteme
verlangen ein professionelles Interesse und ihre Beherrschung läßt sich _im

- 1 -

�1

im Rahmen einer normalen Ableistung der Dienstpflicht meist kaum erlernen.
Ein Berufsheer wird billiger, schlagkräftiger und effektiver - vorausgesetzt,
es finden sich genug Freiwillige.

Hier sind bereits umfassende Reformen im Gange. Kartoffelschälen und
Bodenschrubben, unnötige Inspektionen und überkommener Formalismus werden
aus dem Dienstplan gestrichen und der Soldat wieder seiner eigentlichen Aufgabe zugeführt. Die Würde des Einzelnen soll über die Schikane triumphieren,
und nach eigenem Geschmack eingerichtete Einzelzimmer sollen an die Stelle
der traditionellen Öde der Kaserne treten. Hier schrecken die amerikanischen
Planer nicht davor zurück, alte Tabus anzupacken.

Das alles gilt auch für das amerikanische Marinekorps, die "Marines"
oder "Ledernacken", die sich als selbständige Truppe zwar eher zur Marine
zählen, aber in ihren eigentlichen Aufgaben doch unter die allgemeine Kategorie des infant.ristischen Einsatzes fallen.

Die US-Armee soll in ihrer gestrafften Form ihre derzeitigen 13 Divi
sionen beibehalten, Zwei davon bilden als Luftlandedivisionen in den Vereinigten Staaten die strategische Reserve, die innerhalb von Stunden in jedem
Teil der Welt eingesetzt werden kann. Eine Luftlandebrigade - eventuell auf
Hawaii stationiert - ist als Eingreifreserve im Pazifik vorgesehen. In Europa
sollen vier Divisionen stationiert bleiben und in Korea eine.

Diese Freiwilligenarmee der Zukunft mit ihren mannschaftsmäßig kleineren
Divisionen wird sich in verstärktem Maße auf die Reserve verlassen müssen.
In der Tat sind bereits heute manchen Reserveeinheiten Aufgaben von regulären
Einheiten übertragen und manche Reserveeinheit könnte rascher in Übersee zum
Einsatz kommen als eine aktive Einheit. Ausrüstung und Waffen der ArmeeReserve werden laufend auf den neuesten Stand gebracht. Da der Unterhalt
einer Reservedivision billiger ist, bekommt man für das selbe

Geld mehr

Abschreckung a s bei einer aktiven Division.
Die

- 2-

�Die Armee experimentiert ferner mit einer neuen, integrierten Division,
bei der Reservebataillone an Wochenenden und in den Sommerwochen gemeinsame
Ausbildung mit den aktiven Einheiten erfahren und mit diesen Übungen abhalten.
Im Falle einer Mobilmachung würden die Reserveeinheiten sofort in die aktive
Division integriert.

Auch bezüglich des Kampfeinsatzes gibt es völlig neue Vorstellungen.
So experimentiert die Erste Kavalleriedivision in Texas mit dem revolutionären
"Dreischlag-Einsatz". Eine Brigade ist mit Panzern und Schützenpanzern ausgerüstet, eine Brigade ist luftmobil, also mit Hubschraubern "beritten", und eine
völlig neue Art von Brigade, die sogenannten "Luftkavallerie-Kampfbrigade"
kombiniert die Feuerkraft der Artillerie mit der Beweglichkeit des Hubschraubers.

Die moderne Luftkavallerie-Division, deren Konzeption sich in Vietnam
bewährt hat und die auch für europäische Verhältnisse geeignet sein dürfte,
wird als das schlagkräftigste Instrument für einen raschen Gegenschlag gegen
einen Aggressor angesehen. Sie wird mit dem Cheyenne-Hub schrauber ausgerüstet
werden, der mit der neuen TOW-Panzerabwehrrakete bestückt ist. Mit dieser
Rakete ist jeder bisher bekannte Panzer im Tag- oder Nachteinsatz zu brechen.

Ob es der verstärkte Einsatz des Computers oder ein mobiles Flugabwehrsystem mit Raketen (SAM-D) ist, die Armee wird sich aller technologischen
Fortschritte bedienen, ohne dabei den Menschen, den Soldaten, aus dem Auge
zu verlieren.

Und auch das Marinekorps wird in Zukunft gestraffter und "reiner" seine
Aufgabe als Elitetruppe erfüllen. Der Krieg in Vietnam hat nicht zuletzt
eine zahlenmäßige Verstärkung dieser Truppe gebracht, und man erwartet, daß
es nach Vietnam wieder sehr viel schwerer werden wird, bei den "Marines"
angenommen zu werden.

Gerade im Zeitalter der Nixon-Doktrin ist es für die USA wichtig,
über eine Streitmacht zu verfügen, die rasch eingesetzt werden kann, um
die Interessen der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten im Notfall ^u
- 3-

�zu schützen. Das Marinekorps, das eine eigene Teilstreitkraft ist, wird sich
in stärkerem Maße auf seine traditionelle Rolle als Landungsstreitmacht konzentrieren. Seine Aufgabe wird es nicht zuletzt sein, verbündete Landstreitkräfte an kritischen Punkten zu unterstützen und eine gegnerische oder vom
Gegner besetzte Küste zu stürmen.

Stärker als bei anderen Waffengattungen werden bei den "Marines"
Disziplin und Drill im Vordergrund stehen, aber auch der Einzel« und Gruppenkämpfer, dem die modernsten technischen. Hilfsmittel zur Verfügung stehen.

Der Befehlshaber des Marinekorps, General Robert Cushman,und sein
Stellvertreter, General Raymond Davis, haben «wie viele Offiziere und Mannschaften - Vietnamerfahrung.
Die Ledernacken sind stolz auf ihre gepanzerten Landungsfahrzeuge
(APC), schachtelartige Panzerfahrzeuge mit einem Maschinengewehrturm ,die
mit robusten Dieselmotoren und Düsen angetrieben durch die Brandung den
Strand erklimmen können und bei einem Aktionsradius von fast 500 km jeweils
25 Mann transportieren.

Der Hubschrauber, vor allem der Chinook (CM-46), spielt ebenfalls eine
entscheidende Rolle für die Beweglichkeit. Hinzu kommt das eigene Luftgeschwader, über das jede Marinekorps-Division verfügt. Für die taktische Luftunterstützung wird man vor allem auf den Senkrechtstarter (VTOL) zurückgreifen,
wie ihn die Briten mit dem Harrier entwickelt haben.

Das Problem des Transports über das Meer wird mit sogenannten Mehrzweckschiffen (LHA) gelöst, moderne Schiffe, die ein Bataillon mit Fahrzeugen,
Hubschraubern und Flugzeugen aufnehmen können. Hier entstehen Kampfeinheiten,
die bis zu 90 Tage selbständig und unabhängig operieren können.

Ob

. 4 -

�Ob bei Armee oder Marinekorps, die Tendenz der Zukunft ist ohne Frage
Qualität an Stelle von Quantität. "Die Armee von heute", so sagte General
Westmoreland kürzlich, "ist eine dynamische Organisation, stolz auf die
Tradition und optimistisch was die Zukunft betrifft ... Sie wird weiterhin
eine furchtbare Streitmacht sein - entschlossen, den Frieden zu wahren."

+ + + +

- 5 -

�• amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

Tel:

Information

G o d e s b e r g l ,

19-3240

Service

Hintergrundmaterial

Postfach 300

Telex:

08-85432

20/1972

DIE WAHRE MEHRHEIT: 1972
Von Richard M. Scammon

III. Die Wahlkampfthemen

Mit der von Jahr zu Jahr wachsenden Zahl der Unschlüssigen bei den Republikanern und Demokraten und bei den erfahrungsgemäß in ihrer Wahlentscheidung schwankenden Unabhängigen ergibt sich eine Lage, in der aktuelle
Probleme und Streitfragen in vielen Fällen eine für den Wahlausgang entscheidender Bedeutung erlangen können als dies in der Vergangenheit der Fall
gewesen ist.

Dazu sei in Parenthese bemerkt, daß ich mit solchen aktuellen Problemen
und Streitfragen » seien sie innen- oder außenpolitischer Natur - Dinge meine,
die die Menschen wirklich bewegen, nicht aber solche, die lediglich das Interesse der Leute wecken. So kann es durchaus sein, daß sich viele Leute außerordentlich für die Arthritis interessieren, was sie aber im allgemeinen kaum
dazu veranlassen dürfte, republikanisch oder demokratisch zu wählen. Wovon
wir sprechen, das sind Fragen, die sie zumindest so stark bewegen, daß sie
und sei es auch nur zeitweilig ihre Loyalität gegenüber ihrer alten Partei
aufgeben und sich zu der anderen bekennen. Wir sprechen also über Dinge, die
die

Menschen dazu bringen, ihre Ansichten zu ändern.
Wie

- 1 -

�Wie steht es nun für das Wahljahr 1972 hinsichtlich solcher Fragen und
Probleme? Welche könnten Einfluß auf die Wahl gewinnen?

Am eigentlichen Wahltag im November dürften die Fragen der Außenpolitik
relativ geringes Gewicht haben. Im großen und ganzen endet die Politik am
eigenen Interessenhorizont des Wählers. Sofern das Interesse über diese Linie
hinausreicht, umfaßt es im allgemeinen jedoch nicht die jeweiligen republikanischen und demokratischen Argumente und Gegenargumente. Meist findet sich
in jeder Partei eine bunte Mischung der verschiedenartigsten Standpunkte in

bezug auf die Außenpolitik. Die amerikanische Außenpolitik ist daher bei
Präsidentschaftswahlen fast nie eine Frage von besonderem Gewicht gewesen,
es sei denn das Land befände sich tatsächlich im Krieg oder es gehe um entscheidende Interessen Amerikas in Übersee. Eine solche Lage bestand im Jahre
1968 - inwieweit sie heute besteht ist fraglich. Wenn Präsident Nixon seine
Politik des Abzugs amerikanischer Truppen aus Vietnam fortsetzt und es doch
noch zu einer Regelung auf dem Verhandlungswege kommt, dann könnte das Engagement der Vereinigten Staaten in Vietnam im November so gering sein, daß
daraus keine Frage von entscheidender Bedeutung für die Wahlen gemacht werden
kann. Man wird allerdings abwarten müssen, ob sich diese Tendenz bis zum November halten wird.

Wenn also die Außenpolitik nur eine geringere Rolle spielt, jedenfalls
eine, die kaum Anlaß geben wird, daß Wähler, die für Nixon stimmten, zu den
Demokraten gehen oder demokratische Wähler im Jahre 1972 zur Partei Nixons
überwechseln, welches werden dann die für die Wahlen entscheidenden Fragen
sein?

Da wäre zuerst einmal die Wirtschaftslage zu nennen, worunter man ganz
allgemein die Frage der Arbeitsplätze, der Einkommen, der Wohnungen und was
das System sonst bietet verstehen kann. Dies wird die wichtige Frage sein, wie
sie es immer in der amerikanischen Politik gewesen ist, besonders aber seit
1932, als Franklin D. Roosevelt zum Präsidenten gewählt wurde. Wenn die Wirtschaft gut läuft, wenn die Einkommen steigen, die Preise aber nicht - und
wenn es reichlich Arbeit gibt, dann dürfte dies ganz zweifellos Präsident
- 2-

�Präsident Nixon helfen. Sollten sich die Verhältnisse anders entwickeln, so
würde es ihm schaden - was zweifellos keine besonders tiefgründige Erkenntnis
ist, aber doch immer wieder gesagt werden muß.
Das einzige, was wirklich zählen wird, ist das, was die Leute in bezug
auf die Wirtschaftslage tatsächlich sehen und spüren. Es wird dabei nicht
darum gehen, ob die Phase II der Nixonschen Wirtschaftspolitik verfassungswidrig ist oder ob wir in den Sozialismus hineintreiben oder uns immer weiter
vom System des freien Unternehmertums wegbewegen oder ob wir mehr oder weniger
Kontrolle in bezug auf dies oder das brauchen. Es wird dabei ganz einfach um
ein sehr pragmatisches Urteil gehen, die Frage nämlich, ob dieser Mann, der
Präsident, "sein Geschäft versteht" - soweit es die Wirtschaft betrifft - oder
nicht1. Ist man überzeugt, daß er es tut, dann gewinnt er. Ist man aber der
Überzeugung, daß er es nicht kann, dann verliert er.

Es gibt ferner eine ganze Fülle von Problemen im Wahljahr 1972, die wir
die sozialen Probleme genannt haben. Es handelt sich dabei um die Kombination
von Problemen im Zusammenhang mit Rasse, Verbrechen, Rauschgift, Pornographie,
Studenten Unruhen, Rassenkonflikten und verlassenen Idealen » wenn man es so
nennen will -, alles Fragen, die für viele Menschen Anlaß zur Sorge sind und
zu denen die Kandidaten Stellung nehmen müssen. Tatsache aber ist, daß auch
dies keines jener großen die Wähler bewegenden Probleme im- Jahre 1972 sein
wird, es sei denn, daß es sich in explosiver, tumultuöser Form "auf der Straße
entlädt - wie es in Watts und Newark der Fall war - oder daß es an den Universitäten oder anderswo zum Ausbruch kommt. Verbrechen ist im allgemeinen
ein Problem lokaler oder kommunaler Art und steht unter der Kontrolle der
zuständigen Organe. Außerdem gibt es für die weiße Bevölkerung - zumindest
in den Stadtzentren des Ostens der Vereinigten Staaten dagegen ein Mittel.
Man läuft davon - und das hat denn auch die weiße Bevölkerung zum großen
Teil getan. Die Flucht aus den Zentren der Städte

in die Vorstädte und Vor-

orte ist eine Weise, wie man mit dem Problem "fertig werden" kann.

Eine

�Eine der sozialen Fragen, die die Nation im Augenblick verbittert, ist
das Problem der Schulbusse, das "busing" - die Beförderung der Schulkinder
in Schulen, die von ihrem Wohnhaus relativ weit entfernt liegen, um auf diese
Weise ein besseres rassisches Gleichgewicht in den Klassen zu erreichen. Diese
Frage bewegt die Schwarzen, die verstreut in von Weißen der mittleren und
unteren mittleren Einkommensgruppe bewohnten Vorstadtsiedlungen leben, vor
allem in Gebieten, in denen das Einkommen der Hausbesitzer nicht ausreicht,
um sich diesem Verfahren durch erneuten Umzug oder Einschulung der Kinder in
Privatschulen zu entziehen. Das "busing" kann durchaus zu einem wichtigen
Wahlthema werden, da sie auch durch den Appell Präsident Nixons an den Kongreß,
ein Moratorium für die

Durchführung zu erwirken, nicht aus der Welt geschaffen

wurde. Es wird auf nationaler Ebene nicht so große Bedeutung erlangen, wie bei
den Vorwahlen in Florida am 14. März, aber es ist ein wichtiges Problem, denn
das Wohlergehen der eigenen Kinder ist eines der elementaren Dinge, das alle
Amerikaner stark bewegt.

+ + + + +

- 4-

�i amerika dienst

(
*

United
53

States

Bonn-Bad

Tel:

Information

G o d e s b e r g l ,

19-3240

Service

Hintergrundmaterial

Postfach 300

Telex:

08-85432

20/1972

IV. Die Persönlichkeit der Kandidaten

Wenn es in Amerika in diesem Wahljahr keine "einschneidenden "Probleme
oder Fragen von entscheidendem Gewicht für den Wahlkampf gibt, welche Bedeutung wird dann die Frage der Persönlichkeit und des Charakters der Kandidaten gewinnen? Welchen Mann soll man mit der "Geschäftsführung" betrauen?
Die Wähler werden sich fragen: Ist er einer, der sich einsetzt und dem man
vertrauen kann? Würde man ihm sein eigenes Haus vermieten? Würde man ihn als
Anwalt haben wollen?

Die Hauptkandidaten müssen bemüht sein - und zwar sowohl in der Nominierungskampagne als auch im eigentlichen Wahlkampf - sich als Führerfigur als eine Persönlichkeit mit hohen Führungsqualitäten

- darzustellen, als

Männer, in die man Glauben und Vertrauen setzen kann, denen man Kredit einräumt und mit denen man gut zu fahren meint, wenn man ihnen für vier Jahre
das höchste Amt anvertraut. Um die Wählerblöcke der Parteikoalitionen zu verstärken muß man sich an die Unabhängigen und an all die Wähler wenden, die
bewußt ihre Stimme aufteilen und im Werben um ihre Gunst ist die Frage der
Persönlichkeit des Kandidaten umso bedeutsamer, wenn es an wirklich "einschneidenden

Fragen" fehlt.

Zur Frage der Persönlichkeit - des Charisma - läßt sich heute wohl nur
sagen, daß keiner der Kandidaten - weder bei den Demokraten noch bei den
Republikanern - solche charismatischen Züge für das amerikanische Volk besitzt. Präsident Nixon wird respektiert aber - wie ich glaube - nicht unbedingt verehrt und geliebt. Von ihm geht ganz gewiß nicht diese besondere per-

- 1 -

�persönliche Ausstrahlung aus, die man bei Präsident Eisenhower fand oder die
Präsident Roosevelt bei der vorigen Generation besaß. Unglücklicherweise gilt
aber das Gleiche auch für die Demokraten. Auch bei den Demokraten gibt es
niemand, der die Leute so zu begeistern vermöchte

wie beispielsweise Prä-

sident Eisenhower dies im Jahre 1952 konnte. Es gibt Kandidaten vom rechten
Flügel der Partei, aus der Parteimitte und vom linken Flügel. Aber ich glaube,
man darf wohl sagen, daß es bisher noch keinem gelungen ist, die Herzen der
Wähler zu packen. Bei keinem von ihnen gibt es diesen kometenhaften Aufstieg
aus dem Nichts wie damals im Jahre 1940 bei Wendeil Willkie. Keiner hat die
Phantasie des amerikanischen Volkes wirklich entflammt - weder der derzeitige
Präsident noch diejenigen,die sich um sein Amt bewerben.

Das sind die Probleme, wie ich sie sehe, und das sind die Bedingungen
der Parteiloyalität und der Reaktionen von Seiten der Wählerschaft. Damit
haben wir sozusagen eine Anatomie der Wahl. Bringt man dies nun alles zusammen und rührt gut um, was ergibt sich dann für das Wahljahr 1972?

Für die republikanische Seite ergibt sich eigentlich nur eine sinnvolle
Möglichkeit und das ist die erneute Nominierung Präsident Nixons.
Für die Demokraten wird der Ablauf des Geschehens weitgehend davon
abhängen, wie die verschiedenen Kandidaten aus den Vorwahlen hervorgehen.
Die "Primaries" und die öffentlichen Meinungsumfragen werden damit auch
weiterhin einen bedeutenden Einfluß auf die Delegierten ausüben, die im Juli
dieses Jahres auf dem Parteikonvent in Miami Beach über die Nominierung ihres
Präsidentschaftskandidaten entscheiden.
Wird das Ergebnis der Meinungsumfragen die Wähler stark beeinflussen?
Die Antwort darauf lautet: Nein! Die Meinungsumfragen haben aber einen gewissen
Einfluß auf die Delegierten, weil diese in ihnen ein Instrument sehen, das wenn auch nicht mit letzter wissenschaftlicher Methodik so doch nach gewissen
wissenschaftlichen Kriterien, die besser sind als die meisten anderen sichere Aufschlüsse darüber gibt, was die Wähler wollen - und gerade darauf
kommt es dem Konvent ja an! Aufgabe des Parteikonvents ist es, unter den Kan- 2-

�Kandidaten denjenigen zu finden, der bei den Wählern den durchschlagendsten
Erfolg verspricht und mit dem man die Wahl im November gewinnen kann.
Die "Primaries" - die Vorwahlen - sind mitentscheidend für die Auswahl
dieses Mannes. Bei den Vorwahlen werden zwei Drittel der Delegierten für die
Nationalkonvente gewählt, während das andere Drittel aus den örtlichen Parteikonventen und Wahlausschüssen hervorgeht. So wichtig diese legale Funktion der
Vorwahlen ist, so wichtig ist ihre psychologische Funktion. Die Vorwahlen
sind außerdem von großer Bedeutung, weil sie uns ein Bild von der relativen
Stärke der einzelnen Kandidaten geben. Schon lange vor der eigentlichen Wahl
lassen sie die für die Wähler bedeutsamen Fragen klarer hervortreten und
helfen mit, die Koalitionen zusammenzuschweißen.

Die hauptsächlichen Veränderungen, die wir heute bei den politischen
Parteien beobachten, sind durch die Schaffung und Erweiterung des Systems
der Vorwahlen entstanden. Wenn man die Macht über die Kontrolle der Nominierungen in die Hände der Allgemeinheit legt,so ändert das natürlich den
Charakter der politischen Parteien. Die alte politische Partei - im Sinne
einer fest organisierten Gruppe, die in einer Stadt die Macht hat - gibt es
schon lange nicht mehr. Die wichtigste Veränderung besteht darin, daß die
Öffentlichkeit nicht länger mehr von den Nominierungen abhängig ist, die
innerhalb der Partei statt von der Allgemeinheit getroffen wurden und daß
der Wähler die Freiheit hat, unter solchen Kandidaten zu wählen, die er aus
Rundfunk und Fernsehen besser kennt als je zuvor.

Der demokratische Prozeß ist schon eine erstaunliche Sache. Er bringt
nicht notwendigerweise den Mann an die Spitze, den man sich wünscht. Nicht
immer ist der geschickteste und tüchtigste Kandidat am Ende auch der Sieger.
Dennoch kann man wohl sagen, daß der demokratische Prozeß ein Resultat erbringt, gegen das man die wenigsten Einwände erheben kann. Ich muß dabei
immer an den ausgezeichneten Kommentar eines namhaften amerikanischen Leitartiklers denken, der erklärte, daß man sich in einer wahrhaft demokratischen
Gesellschaft in der Tat lieber von den ersten zweitausend Personen im Bostoner
Telefonbuch regiert sähe als von der Gesamtheit der Fakultät der HarvardUniversität.
+ + + -t- +
- 3 -

�t

amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

Tel:

Information

G o d e s b e r g l ,

19-3240

Service

Postfach

Wirtschaft

300

T e I e x : 08 - 8 54 3 2

20/1972

VOLCKER ZEIGT HAUPTPUNKTE FÜR REFORM DES WELTWAHRUNGSSYSTEMS AUF
Auszüge aus der Rede des US-Staatssekretärs in Montreal -

MONTREAL, Kanada - (AD) - Der Staatssekretär im amerikanischen Finanzministerium, Paul A. Volcker, hat am 12= Mai in einer Rede auf der internationalen Währungskonferenz 1972 in Montreal die Hauptpunkte aufgezeigt, an
denen sich nach Auffassung der amerikanischen Regierung jedes Reformmodell
eines internationalen Währungssystems orientieren müsse. Der Staatssekretär,
der in seinem Ministerium für Währungsfragen zuständig ist, erklärte hierzu
wörtlich:

" .., Im Verlaufe dieser Konferenz haben wir sehr erhellende und
brillante Darlegungen der Übel gehört, die das Währungssystem heimsuchen,
sowie der Methoden, wie man damit fertig werden kann« Nachdem ich jedoch diesen
weiten Bereich an Meinungen gehört habe, werden Sie, so glaube ich, verstehen
können, warum wir in den Vereinigten Staaten keinen vorfabrizierten Plan für
eine Reform haben, mit dem wir eine wartende Welt überraschen könnten - genau
so wenig wie wir, offen gesagt, andere Nationen schon bereit gefunden haben,
ihr abgewogenes Urteil bekanntzugeben. Selbst die Übereinstimmung, die sich
angeblich herausbildet, daß nämlich eine größere Flexibilität der Wechselkurse in jedem zukünftigen System nötig sei, verbirgt wesentliche Unterschiede des Denkens und geht einfach über einige ungelöste Dilemmas und Schwierigkeiten im Funktionsmechanismus hinweg.
Wir

- 1 -

�Wir haben ferner verschiedene Ansichten über die Konvertierbarkeit, über
Fundierungsmechanismen, über die Art und Weise der Reserveschöpfung, über die
allmähliche Ausschaltung des Dollar als Reservewährung, über die Art des
Zahlungsbilanzausgleichs

sowie über andere Dinge gehört.

Dies sind alles relevante und wichtige Tagungsordnungspunkte, wenn man
über die Währungsreform spricht. Wenn wir an diese Tagesordnung herangehen,
so werden wir in einigen Fragen ieste Auffassungen haben - wie beispielsweise
in der Frage, daß der Trend zu einer geringereren Bewertung des Goldes verstärkt werden sollte -, und in anderen Fragen sind die Aussichten offen beispielsweise was die Rolle der Reservewährungen anbetrifft.

Unserer Meinung nach ist es aber noch wichtiger, daß bei der Erörterung
der verschiedenen Währungsmechanismen diese, unseren gemeinsamen Zielvorstellungen und einer realistischen Einschätzung der zugrundeliegenden wirtschaftlichen Kräfte gegenübergestellt werden. Bestimmte Mechanismen funktionieren gut oder schlecht - je nachdem sie eben einer einhelligen Auffassung
bezüglich der Art eines internationalen Wirtschaftssystems entsprechen, das
die Nationen wirklich wollen. Die grundlegenden Ziele, Vorstellungen und Wirtschaftsstrukturen sollten die Mechanismen bestimmen - nicht umgekehrt.

Ich möchte heute vier der zugrundeliegenden Fragen ansprechen, denen
gegenüber sich jedes Reformmodell bewähren muß. Ich behaupte nicht, daß
diese Liste umfassend ist. Ich glaube jedoch, daß sie Probleme von entscheidend
wichtiger Bedeutung einschließt. Ohne Frage reflektiert sie einige der Hauptanliegen der Vereinigten Staaten.

1. Wir müssen die Auswirkungen des Versuchs, Symmetrie in unseren
monetären Vereinbarungen zu erreichen, genau überprüfen. Das Konzept der
Symmetrie wird gewöhnlich mit Vorstellungen verbunden, die man zusammenfassen
könnte als Schaffung eines reinen Aktiva-Ausgleichssystems (pure asset
•»et:*. L.tnuent

System), das Ende der Rolle der Reservewährungen und die Ein-

führung rechtzeitiger und wirksamer Maßnahmen zur Beseitigung entstehender
Zahlungsbilanzungleichgewichte. Das würde unter anderem einschließen, daß

- 2-

�daß den Vereinigten Staaten die Anwendung von Wechselkursänderungen und
anderen Instrumenten zur Beseitigung äußerer Ungleichgewichte zugestanden
wird, die denen voll entsprechen, die anderen Ländern schon seit langem
zur Verfügung stehen.

Nach mehr als 20 Jahren eines Zahlungsbilanzdefizits und der Erkenntnis der schweren Belastungen für den Dollar gibt es einige Aspekte eines
solchen Systems, die in den Vereinigten Staaten natürlich Anklang finden.
Aber wir müssen auch die übrigen Auswirkungen genau untersuchen. Angesichts
unserer geschwächten finanziellen Auslarlsposition müßten wir zunächst mit
einer Reihe von US-Überschüssen beginnen, die unsere Reserven verstärken
würden. Nach der Anfangsperiode könnte kein Land auf lange Sicht gesehen
damit rechnen, beständig Überschüsse zu halten.

So sieht das logisch aus. Aber wie würde die Praxis aussehen?

Gibt es unter den Überschußländern Kandidaten, die ihre Wechselkurse
ändern, ihre Importe liberalisieren oder andere politische Schritte ergreifen wollen,um Überschußpositionen rasch in Defizite zu verwandeln?
Wir wissen, wie wir einen Druck auf Defizitländer ausüben können; wie
aber sehen die geeigneten Mechanismen und die Zuchtmittel für entsprechende
Maßnahmen gegen Überschußländer aus? Und werden - was nach wirtschaftlichen
Begriffen auf das gleiche hinausläuft - andererseits andere Länder in Zukunft
bereit sein, es hinzunehmen, daß ihre Überschüsse durch die Ausübung der
Freiheit der USA, ihre Wechselkurse oder ihren sonstigen politischen Kurs
zu ändern, in Defizite verwandelt werden?

Wenn dem nicht so ist, dann sollten wir uns besser irgendein anderes
System überlegen. Sicherlich würden wir - wie dies auch jede andere Nation
tun würde - ein System ablehnen, das den Ausgleich nur durch das Mittel
einer Deflation im eigenen Lande erzwingt, die zu akzeptieren keine moderne
Regierung bereit ist.
2. Wenn

3 -

�2. Wenn wir davon ausgehen, daß im Augenblick grundsätzliche Übereinstimmung darüber herrscht, daß ein symmetrisches System und rasche Zahlungsbilanzanpassungen wünschenswert sind, dann bleiben doch prinzipielle Meinungsverschiedenheiten darüber, wie diese Anpassungen vorgenommen werden
sollten. Die Vereinigten Staaten haben tief im Innern eine Auffassung - die
im Denken wie in der Praxis verwurzelt ist - daß wir ein Marktgleichgewicht
wollen - keinen Ausgleich, der nur durch ständige oder immer wiederkehrende
Kontrollen des Kapitals oder anderer Zahlungen aufrechterhalten werden kann.
Ein solches Gleichgewicht bedeutet für die Vereinigten Staaten die Notwendigkeit eines großen laufenden Zahlungsbilanzüberschusses - der wiederum
einen beachtlichen Handelsüberschuß verlangt. Sonst werden wir nicht in der
Lage sein, Hilfe zu gewähren. Wir würden praktisch (gegen die Gesetze der
Natur) verlangen, daß das Kapital bergauf fließt zum reichsten Land und zwar
von den Ländern,die weniger gut ausgestattet sind.

Trotz unserer Grundauffassungen in dieser Frage haben wir es als notwendig erachtet, in dieser Übergangsperiode, bis sich unsere Zahlungsbilanz
dem Ausgleich nähert, die bestehenden Kontrollen für den Kapitalabfluß aus
den Vereinigten Staaten aufrechtzuerhalten. Ein Schreiben, das diese Entscheidung für das ganze Jahr 1972 bestätigt, ist an die Unternehmen abgegangen, die unter dem direkten Investitionsbeschränkungsprogramm arbeiten.
Die einzige Modifizierung des Programms wird darin bestehen, daß besondere
Vorsorge getroffen werden wird, um zu vermeiden, daß die Fähigkeit dieser
Unternehmen, ihre Exporte zu finanzieren, unabsichtlich beeinträchtigt wird.

3. Einige der vorgeschlagenen Modelle für das Währungssystem setzen
von ihrer Natur her ein hohes Maß an Koordinierung der nationalen Währungs-,
Fiskal- und der sonstigen Politik voraus. Niemand von uns, der die Vorteile
des internationalen Handels genießen möchte, kann wie auf einer Insel für
sich allein leben. Die ins Einzelne gehende und ständige Koordinierung der
verschiedenen Instrumente der Politik würden uns jedoch schwere Beschränkungen
auferlegen, die über die hinausgehen, die irgendeine nationale Regierung bereit
oder in der Lage gewesen wäre hinzunehmen.
4. Es

�4. Es gibt noch eine Frage anderer Art und Manifestation, die sich durch
das ganze Gewebe unserer Währungs- und Handelsordnung zieht. Sie hat Auswirkungen für jedes Land, aber im heutigen Zusammenhang kann ich sie mit zwei
Worten ausdrücken:

Wohin Europa?'

Wir hören viel von den Tugenden eines «Eine-Welt-Systems* und von der
Furcht vor Blöcken. Es ist jedoch eine greifbare Tatsache, daß wir einen
großen und sich ausweitenden Präferenz-Handelsblock haben. Es vergeht kaum
eine Woche, da wir nicht einen Bericht über die eine oder andere Zusammenkunft
lesen, um dieses Gebiet durch Präferenzabkommen noch weiter auszudehnen oder
seinen Zusammenhalt auf dem Währungsgebiet zu verstärken.
t

Blockt ist ein emotionsgeladenes Wort, aber ich benutze es nicht un-

bedingt im kritischen Sinne.' Schließlich haben die Vereinigten Staaten lange
genug die Entwicklung des Gemeinsamen Marktes politisch unterstützt. Darüber
hinaus könnte die Währungseinheit in Europa an sich, und wenn sie zustandegebracht werden könnte, per Saldo ein konstruktives Element in einer Weltwährungsordnung werden.

Wovor wir uns fürchten, sind natürlich antagonistische, konkurrierende
Blöcke, die in aggressiver Weise um sich selbst herum ein System von Handelsund Finanzrestriktionen und -kontrollen aufbauen und ausweiten. Wir sind,
offen gesagt, über einige solcher Tendenzen, wie wir sie in Europa sehen,
beunruhigt.

Was bleibt bei der Ausweitung der Gemeinschaft, ergänzt durch Handelspräferenzabkommen - bestehende

oder ins Auge gefaßte - die sich auf über

60 Länder und über die Hälfte des industriellen Handels erstrecken, von jenem
Eckstein unseres Handelssystems, der 'Meistbegünstigungs"-Prinzip genannt
wird? Wird ein regionales Zahlungssystem, statt darin integriert zu werden,
an die Stelle eines multilateralen Systems treten? Was bedeuten Wechselkursanpassungen, wenn auf großen landwirtschaftlichen Sektoren, auf denen
die Vereinigten Staaten und Kanada zu - grob gesagt - den halben Preisen
produzieren wie Europa und wo sie einen großen Wettbewerbsvorteil haben, ein
- 5-

�ein System variabler Abgaben unserer Erzeugnisse automatisch abschreckt?

Wie Sie wohl schon lange gemerkt haben, bin ich bei meinem heutigen
Auftreten hier nicht von der Vorstellung ausgegangen, daß wir vor einer
leichten Aufgabe stünden, die nach einem vorhandenen Plan rasch gelöst
werden könnte. Schließlich stehen wir vor keiner geringeren Aufgabe, als
lebenswichtige nationale Interessen im Rahmen eines vereinbarten, realistischen
und wünschenswerten Währungs- und Handelssystems miteinander in Einklang zu
bringen. Wir müssen unseren Weg durch eine Hindernisbahn politischer Empfindlichkeiten

und einfachen Versagens der Kommunikation suchen.

Auf der anderen Seite jedoch habe ich ein wachsendes Gefühl des Vgrtrauens.
Ich bin überzeugt, daß eine Übereinstimmung über die Art und Weise entsteht, wie wir im Rahmen eines Mandats verfahren, das weitgehend genug ist
und das den gemeinsamen Willen widerspiegelt, voranzukommen und mit den zugrundeliegenden Problemen fertig zu werden» Wir beginnen uns von den Hemmungen zu lösen, etwas Vertrautes verteidigen zu wollen, nur weil es eben
vertraut ist, auch wenn es nicht mehr funktioniert. Was wir gemeinsam haben,
ist die Unzufriedenheit mit dem Gegenwärtigen.
Und was wir auch gemeinsam haben, ist eine Verantwortung für die Zukunft. Es geht um unsere gemeinsame Prosperität und die größere Harmonie
der politischen und wirtschaftlichen Weltgemeinschaft.
Sehen Sie bitte die Rolle der Vereinigten Staaten in all dem nicht
falsch. Es wäre töricht zu glauben, wir könnten es alleine schaffen. Sie
kennen jedoch unsere grundlegenden Traditionen und Neigungen - nach außen
zu blicken, mit anderen zusammenzuarbeiten, unsere Prosperität in einem
größeren Ganzen zu finden. Wir erwarten von anderen, daß sie die große Verantwortung ausüben, zu der Stärke verpflichtet.
Von dieser Basis ausgehend haben wir allen Grund zu der Erwartung,
daß wir zusammen auf den Leistungen der Vergangenheit aufbauen können."
+ 4-4 4 4-

- 6-

�a m e r i k a dienst
United
53

States

Bonn-Bad

Tel:

19-3240

Information

G o d e s b e r g l ,

Postfach

Telex:

Wirtschaft

Service
300

08-85432

20/1972

DIE US-HANDELSPOLITIK KÄMPFT AN ZWEI FRONTEN
Von Eugene Brake

WASHINGTON - (AD) - Die Handelspolitik der amerikanischen Regierung ist
nur dann begreiflich, wenn man sie nicht nur im Zusammenhang mit einer
etwaigen Konfrontation zwischen den USA und anderen Ländern sieht. Es ist
so, daß die Regierung in Washington sozusagen in der Mitte steht und auf
der einen Seite die Angriffe protektionistischer Kräfte abwehren muß und
auf der anderen Seite versucht, ihre liberale Handelspolitik gegenüber anderen
Ländern durchzusetzen.

Wie andere demokratischen Länder können die Vereinigten Staaten ihre Bemühungen um ein offeneres Handelssystem nur fortsetzen, wenn die Regierung
weiterhin genügend politische Unterstützung für ihre liberale Handelspolitik
mobilisieren kann. In den USA ist diese Unterstützung in letzter Zeit gefährlich ausgehöhlt worden - was beispielsweise durch die Tatsache deutlich
wird, daß die amerikanischen Gewerkschaften weitgehend das Lager der Verfechter des Freihandels verlassen haben.

Wenn die amerikanische Regierung die politische Basis für ihre Handelspolitik im eigenen Lande wiedergewinnen will, wird sie gelegentlich nachdrücklicher die Beseitigung von Ungerechtigkeiten im internationalen Handel
fordern müssen, als sie das sonst vielleicht getan hätte. In anderen Fällen

- 1-

�Fällen wird sie Maßnahmen treffen müssen, die auf den ersten Blick als
widersprüchlich zu der verkündeten liberalen Handelspolitik erscheinen
mögen. Kleinere taktische Rückzüge auf politisch so heiklen Gebieten wie
Textil- und Stahleinfuhren mögen jedoch nötig sein, um den anhaltenden
Vormarsch auf breiter Front zu sichern.
Das Dilemma, vor dem die amerikanische Regierung steht, ist von dem
Staatssekretär im US-Finanzministerium, Charls E. Walker, am 21. April
auf einer Tagung der Asiatischen Entwicklungsbank in Wien offen dargelegt
worden:

"Die für die politischen Entscheidungen Verantwortlichen in der NixonAdministration stehen wie ein Mann nachdrücklich für einen liberalen und
expandierenden multilateralen Handel mit möglichst wenig Behinderungen ein",
so sagte er. "Aber es ist und bleibt eine Tatsache, daß für viele arbeitende
Menschen in den USA das Handelsdefizit meines Landes zu Recht oder Unrecht
als ein Export von Arbeitsplätzen angesehen wird." Dies, so betonte er, sei
einer der Hauptgründe für das Anwachsen des protektionistischen Denkens in
den Vereinigten Staaten und stelle Präsident Nixon und seine Berater vor
schwierige politische Entscheidungen. Es sei unbedingt notwendig, den isolationistischen Druck zunächst abzuwehren und ihn dann ins Gegenteil zu verkehren, und zwar mit Hilfe von Maßnahmen, die einer Ausweitung des Welthandels statt seiner Beschränkung dienen. Die neue Wirtschaftspolitik Präsident Nixons vom August vorigen Jahres habe sich gerade das zur Hauptaufgabe gemacht.

Die zentrale Forderung der Nixon-Administration ist eine neue globale
Runde umfassender Handelsverhandlungen, die bereits Ende 1973 beginnen soll.

Wie wird jedoch die amerikanische Regierung die Vollmacht für einen
weiteren Abbau von Handelsschranken in den USA erhalten können, wenn mächtige
Kräfte gleichzeitig weitere Restriktionen fordern?

Die
- 2-

�Die Strategie der Regierung in Washington läuft kurz formuliert darauf
hinaus, sich die Unterstützung der Gruppen zu erhalten, die von einem verstärkten Handel profitieren - vor allem Farmer und exportorientierte

In-

dustriezweige - und den Arbeitern zuzusichern, daß sie nicht die Zeche bezahlen müssen, wenn es darum geht, dem Verbraucher durch freiere Importe
Preisvorteile zu gewähren.

Aus diesen Gründen können Orangen und Grapefruit zu einem wichtigen
Problem der amerikanischen Handelspolitik werden. Schließlich sind die
Farmer immer nachhaltige Befürworter einer liberalen Handelspolitik gewesen, denn für sie sind die Exportmärkte wichtig.

Die Bemühungen, die Auswirkungen verstärkter Importe auf die Arbeitsplätze amerikanischer Arbeiter aufzufangen, können verschiedene Formen annehmen. Ein Weg, der von der Nixon-Administration bevorzugt eingeschlagen
wird, ist der, den betroffenen Firmen bei der Anpassung und der Stärkung der
eigenen Konkurrenzfähigkeit zu helfen, oder sie beim Übergang zur Herstellung
anderer,vom Import weniger gefährdeter Erzeugnisse zu unterstützen. Hier
bietet die Gesetzgebung ausreichende Möglichkeiten, allerdings waren die
Maßstäbe für die Gewährung einer solchen Unterstützung zu strikt. Die Administration wird daher wohl im Rahmen neuer Handelsgesetzesvorlagen hier
eine Abhilfe zu schaffen suchen, indem sie eine Erleichterung für die Anpassungshilfe vorschlagen wird.

Nun mag aber in manchen Fällen eine solche Anpassungshilfe nicht genügen.
Die bestehende "Ausweichklausel'1 - die im Falle ernsthafter Gefährdung amerikanischer Betriebe durch Importe eine völlige oder teilweise Zurückziehung von
Handelskonzessionen erlaubt - ist nicht ganz zufriedenstellend. Weder Befürworter des Freihandels noch importgeschädigte Arbeiter und Unternehmer sind
hundertprozentig mit dieser Klausel zufrieden.

Sowohl die Kommission, die im Auftrage Präsident Nixons die Handels- und
Investitionspolitik der USA überprüft hat, als auch private Gruppen

wie die

Nationale Planungsgesellschaft haben auf die Notwendigkeit eines besseren
3 -

�1

besseren Schutzes hingewiesen. Von allen Seiten werden Verfahren befürwortet,
die den Schock der Anpassung an sich verändernde Verhältnisse im Handel
besser abfangen, aber auf der anderen Seite keine anhaltende Gefährdung der
Vereinbarungen über eine Liberalisierung des Handels mit sich bringen.

Die Frage des Schutzes der einheimischen Wirtschaft dürfte eines der
Themen sein, das bei den kommenden globalen Handelsgesprächen erörtert
werden könnte. Eine Verbesserung der Anpassungshilfe und verbesserte Verfahren zum Schutze einheimischer Industriezweige dürften eine der wichtigsten
Voraussetzungen für einen Fortschritt zu einem offeneren Welthandel sein.

. 4-

�. a m e r i k a dienst
United

States

53 B o n n - B a d
Tel:

19-3240

Information

Godesbergl,

Wissenschaft
und

Service

Postfach

Technik

300

T e I e x : 08 - 8 54 32

20/1972

US-INNENMINISTER: ALASKA-ÖLLEITUNG KANN GEBAUT WERDEN

- (AD) - Nach sorgfältiger Abwägung des Für und Wider in der Frage
der Errichtung einer Ölleitung für den Transport von Rohöl aus dem Fördergebiet von Nordalaska gab jetzt US-Innenminister Rogers C. B. Morton bekannt, daß seine Behörde keine grundsätzlichen Bedenken gegen den Bau einer
Transalaska-Pipeline habe; sie soll die Ölfelder an der Purdhoe-Bucht mit
dem Hafen Valdez an der Südküste Alaskas verbinden.

Diese Zustimmung setzt allerdings die Einhaltung der vorgesehenen umfangreichen Maßnahmen für den Natur- und Umweltschutz voraus. Die Risiken,
die Kosten und der Zeitaufwand für dieses Projekt sind im Vergleich zu den
Problemen, die bei den Alternativplänen in Kauf zu nehmen wären, wesentlich
akzeptabler. Die Pipeline könnte bei planmäßigem Verlauf der Bauarbeiten
1976 in Betrieb genommen werden und schon im Jahr 1980 eine Tageskapazität
von 230 000 bis 280 000 Tonnen Erdöl haben. Ohne das Alaska-Öl beliefe sich
die Eigenproduktion der USA auf etwa 1 285 000 bis 1 715 000 Tonnen täglich,
während der Bedarf an Erdöl bis dahin zwischen 3 000 000 und 3 500 000 Tonnen
pro Tag betragen dürfte.

Das für die Erschließungsarbeiten notwendige Land würde vom Bundesstaat Alaska zur Verfügung gestellt. Das am Bau der Pipeline interessierte
Firmenkonsortium hätte allerdings dafür Sorge zu tragen, daß die Leitung

-

I

-

�Leitung

gegen mögliche Beschädigungen durch Erdbeben mit allen technischen

Mitteln geschützt bzw. ein Auslaufen von Öl verhindert wird. Ähnlich strenge
Bestimmungen ergeben sich für den Weitertransport durch Tanker von Valdez
zu den Häfen der amerikanischen Bundesstaaten am Pazifik.

+ ++++

- 2-

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

Tel:

19-J240

Information

G o d e s b e r g l ,

Wissenschaft
und

Service

Postfach 300

Telex:

08-85432

20/1972

STREPTOKOKKEN DURCH FARBETEST UNTERSCHEIDBAR

- (AD) - Eine neue Methode zur Bestimmung der Virulenz von Streptokokken
und damit zur Unterscheidung pathogener von nicht pathogenen Bakterien dieser
Gruppe entwickelten Wissenschaftler der Georgetown-Universität (Washington,
D.C.) unter der Leitung des Mikrobiologen Dr. Robert I. Krasner. Im wesentlichen handelt es sich um die Abwandlung eines Färbetests mit NitroblauTetrazolium (NBT), der zum Nachweis der im Kindesalter auftretenden Granulosis.
Erkrankung angewandt wird.

Bei früheren Forschungen wurde der NBT-Färbetest u.a. dazu benutzt, die
Fähigkeit weißer Blutzellen zur Zerstörung eindringender Bakterien zu ermitteln. Dabei lag das Schwergewicht der Untersuchungen darauf, ausfindig zu
machen, welche Rolle die Wirtszellen,die weißen Blutzellen also, bei der Abwehr bakterieller Infektionen spielen. Dr. Krasner und seine Kollegen dagegen
wollten am Beispiel der Streptokokken ausfindig machen, was mit den Bakterien
selbst geschieht. Sie stellten fest, daß harmlose (avirulente) Streptokokken
von den weißen Blutzellen aufgenommen und abgetötet werden. Das zeigt sich
an der Farbänderung. Das ursprüngliche Gelb geht infolge der Reduktion zu
Formazan in Blau-Schwarz über, wobei die Dunkelfärbung umso stärker in Erscheinung tritt, je aktiver die weißen Zellen gegenüber den Bakterien sind.
Die virulenten Streptokokken dagegen, die Infektionen wie rheumatisches
Fieber auslösen, werden von den weißen Blutzellen kaum angegriffen, so daß
es praktisch nicht zu einer Farbänderung kommt. Nach Dr. Krasner nimmt der

�der Test nur drei bis vier Stunden in Anspruch. Sein Wert liegt gegenwärtig
vor allem darin, daß er neue Möglichkeiten zur Untersuchung der Eigenschaften
von Bakterien aufzeigt, die Infektionskrankheiten verursachen.

Die Bekämpfung von bakteriellen Infektionen mit dem Antibiotikum Streptomycin und einer Gruppe verwandter Antibiotika ist seit langem gebräuchlich.
Wissenschaftler der Harvard-Universität gelang es nunmehr, die Wirkungsweise
dieser Substanzen bei der Veränderung bzw. Störung der Eiweiß-Synthese in
der Zelle in bezug auf einzelne Phasen dieses Mechanismus aufzuklären. Dr.
Brian J. Wallace (als Gastforscher aus Australien) und Dr. Bernard D. Davis,
Professor für bakterielle Physiologie an der Harvard-Universität in Cambridge
(Mass.), berichteten darüber kürzlich auf der Jahrestagung der Amerikanischen
Gesellschaft für Mikrobiologie in Philadelphia. Das Schlüsselelement bilden
dabei die Ribosomen, Partikel, an denen die Proteinsynthese abläuft und die
durch die sogenannte Boten-RNS (bestimmter Typ von Ribonukleinsäure) miteinander verbunden sind. Obgleich Streptomycin nur einige der zahlreichen
Funktionen eines Ribosoms ausschaltet, setzt es eine zyklische Reaktionskette in Gang, die das Zellwachstum permanent blockiert.

- 2-

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

Tel:

Information

G o d e s b e r g l ,

19-3240

Service

Postfach

300

Wissenschaft
und
Technik

T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

20/1972

SCHIZOPHRENIE - EINE ENZYMMANGELKRANKHEIT?

- (AD) - In einem Vortrag vor der Amerikanischen Gesellschaft für
Psychiatrie in Dallas (Texas) erläuterte einem Bericht der New York Herald
Tribüne zufolge Dr. J. Gottlieb von der Wayne-Universität (Detroit, Michigan)
aufsehenerregende Ergebnisse seiner nahezu 40jährigen Forschungen zur Aufklärung der Ursachen von Schizophrenie. Zusammen mit dem Biochemiker Dr. Charles
Frohman gelang es ihm, ein kleines Eiweißkörperchen zu isolieren, das der
Körper in Stress-Situationen psychischer oder physischer Natur produziert.
Dieses S-Protein besitzt nach Feststellung der beiden Wissenschaftler bei
Schizophrenen eine korkzieherähnliche Form, bei gesunden Personen dagegen
ist es ähnlich wie ein Blasebalg oder eine Feder gefaltet. Dieser Formunterschied sei, so Dr. Gottlieb, maßgebend für die Wirkungsweise des Proteins.
Sie führe bei Schizophrenen zu einer erhöhten Aufnahme von Tryptophan (einer
essentiellen Aminosäure) im Hypothalamus, dem Zwischenhirn mit dem Erregungszentrum. Tryptophan wiederum ist wichtig für die Bildung von Serotonin, das
bei der Übermittlung von Botschaften zwischen den Gehirnzellen eine große
Rolle spielt.

In überaus mühevoller Arbeit untersuchten die Wissenschaftler u.a.,
welche Verbindungen im Zwischenhirn unter dem Einfluß von Tryptophan entstehen. Eine davon, Dimethyltryptamin, ruft Psychosen und Halluzinationen
hervor. Diese Verbindung wurde schon früher im Blut und Urin von Kranken
im akuten Schizophrenie-Anfall in wesentlich höheren Konzentrationen fest-

- l -

�»

festgestellt, als sie bei nicht-schizophrenen Personen zu beobachten ist.
Es muß also eine Substanz geben, die im gesunden Organismus die ganze Reaktionskette und somit auch die Produktion und Aktivität des korkzieherförmigen S-Proteins steuert. Die Substanz von der Natur eines Enzyms Dr. Gottlieb nennt sie Anti-S-Protein - konnte nach langwierigen Tierexperimenten jetzt isoliert werden. Sie ist nur im Gehirn gesunder Tiere
nachzuweisen, nicht aber bei Versuchstieren mit typischen Schizophreniemerkmalen. Sie reguliert die Produktion des korkzieherförmigen S-Proteins,
d.h. sie beschränkt sie im gesunden Organismus auf die Perioden mit besonderen seelischen oder körperlichen Belastungen. Beim SchizophrenieKranken dagegen läuft diese Produktion ungeachtet der jeweiligen Belastungssituation weiter, so daß es zu einer Art "Eigenvergiftung" im Erregungszentrum des Gehirns kommt. Diesen Prozeß mit einer geeigneten Substanz in
der richtigen Dosis am richtigen Ort zu unterbrechen, wäre der nächste
logische Schritt. Nach Meinung Dr. Gottliebs sind dazu noch manche Jahre
wissenschaftlicher Vorarbeit im Laboratorium erforderlich.

+ + + + +

- 2-

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

Tel:

19-3240

Information

G o d e s b e r g l ,

Wissenschaft
und
Technik

Service

Postfach

300

T e I e x : 08 - 8 54 32

20/1972

NEUER DETEKTOR ERMÖGLICHT STARKE REDUZIERUNG DER STRAHLENBELASTUNG

- (AD) - Die Verwendung eines neuartigen Szintillationsdetektors macht
es möglich, die Strahlendosis, der ein Patient während der diagnostischen
Tests bei Verdacht auf Krebs oder bei bestimmten Erkrankungen der Schilddrüse ausgesetzt wird, auf den tausendsten Teil zu reduzieren. Dennoch ist
die Methode, wie Dr. Paul B. Hoffer von der Krebsforschungsklinik der Universität Chicago (Argonne Cancer Research Hospital) erklärte, ebenso genau
wie die übrigen Scanning-Verfahren bei der Verwendung von Radioisotopen zu
diagnostischen Zwecken.

Das in den letzten Jahren bei mehr als 600 Patienten mit Schilddrüsenerkrankungen erprobte neue Gerät arbeitet mit einem Halbleiter-Detektor, der
mit einem Pulshöhenanalysator für sehr schmale Meßfelder gekoppelt ist. Nach
Meinung Dr. Hoffers gibt das Instrument die Möglichkeit, zur Lokalisierung
von Krebsgeschwülsten, u=a. auch im Gehirn, nunmehr gewisse Radioisotope zu
verwenden, die wegen ihrer geringen Strahlenintensität und damit schwierigen
Erfaßbarkeit bisher nicht für diagnostische Untersuchungen in Frage kamen.

+

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="7423">
                <text>17.05.1972</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="7424">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="7425">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="14526">
                <text>Amerikadienst 17.05.1972</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="14527">
                <text>&lt;strong&gt;1. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die militärische Macht der USA im Dienste des Friedens&lt;br /&gt;&lt;em&gt;II. Die US-Armee wird gestrafft&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Hubert G. Collins&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die wahre Mehrheit: 1972&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Richard M. Scammon&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;III. Die Wahlkampfthemen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;IV. Die Persönlichkeit der Kandidaten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Volcker zeigt Hauptpunkte für Reform des Weltwährungssystems auf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus der Rede des US-Staatssekretärs in Montreal -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die US-Handelspolitik kämpft an zwei Fronten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Eugene Brake&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Innenminister: Alaska-Ölleitung kann gebaut werden&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Streptokokken durch Färbetest unterscheidbar&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schizophrenie - eine Enzymmangelkrankheit&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neuer Detektor ermöglicht starke Reduzierung der Strahlenbelastung</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2095" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2106">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/c0451e3199ca841e82e94510d740d2ff.pdf</src>
        <authentication>1d13dc221fcd787842c27b5de677c2aa</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="10545">
                    <text>20

17. Mai 1989

I N H A L T

DOKUMENTATION

USA würden "Rückkehr der Sowjetunion in die Weltordnung begrüßen"
- Rede von Präsident Bush in Texas -

Sowjetische Bedrohung noch nicht als schwacher zu bezeichnen
- Rede von Staatssekretär Kimmitt vor dem Unterausschuß des Senats

HINTERGRUNDMATERIAL
f

Stand der Rüstungskontrollverhandlungen
- Wöchentliche Ü b e r s i c h t -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
S t r e i t f r a g e "Kalte Kernfusion"
- W i s s e n s c h a f t l e r warten auf exakte Angaben zum Versuch und
seinen R e s u l t a t e n -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
VON

Dokumentation

&amp;

17. Mai 1989

20

USA WÜRDEN "RÜCKKEHR DER SOWJETUNION IN DIE WELTORDNUNG BEGRÜSSEN"
- Rede von Präsident Bush in Texas COLLEGE STATION, TEXAS - (AD) - In seiner Ansprache bei der Texas Agricultural and Mechanical University erörterte Präsident Bush am 12. Mai 1989
die Ergebnisse der außenpolitischen Bilanz seiner Administration im Hinblick
auf die Sowjetunion und das Ziel der Vereinigten Staaten, "die Rückkehr der
Sowjetunion in die Weltordnung zu begrüßen".
Der Präsident erklärte, westliche Politik müsse die Entwicklung der
Sowjetunion zu einer offenen Gesellschaft ermutigen. "Diese Aufgabe wird unsere Kraft auf die Probe stellen, unsere Geduld herausfordern und ungeheure
Vorstellungskraft erfordern". Ihm zufolge müßte der Kreml positive Schritte
unternehmen: die sowjetischen Streitkräfte reduzieren, der von den Sowjets
eingegangenen Verpflichtung zur Förderung der Selbstbestimmung aller Länder
Ost- und Mitteleuropas nachkommen, mit dem Westen an diplomatischen Lösungen
für regionale Konflikte auf der ganzen Welt arbeiten, einen dauerhaften politischen Pluralismus und Wahrung der Menschenrechte erreichen und gemeinsam mit
dpn Vereinigten Staaten internationale Probleme behandeln.
Nachfolgend veröffentlichen wir Präsident Bushs Rede im Wortlaut:

Wir müssen uns vor Augen führen,
daß keine Generation ihrer Geschichte
entfliehen kann. Nicht die Eltern wir teilen den brennenden Wunsch, daß
unsere Kinder und deren Kinder eine
bessere und sicherere Welt kennenlernen. Nicht die Studenten - Ihre Eltern und Großeltern haben einen Weltkrieg erlebt und Amerika beim Wiederaufbau der Welt geholfen. Sie haben
das Drama der durch sowjetische Subversion und Gewalt in der Nachkriegszeit geteilten Länder erlebt, die jedoch von der - mit der Berliner Luftbrücke am besten dokumentierten - Reaktion der Verbündeten versorgt wurden.
Kluge Persönlichkeiten - Truman,
Eisenhover, Vandenberg, Rayburn sowie
Marshall, Acheson und Kennan - haben

United States Information Service
Embassy of the United States of America

die Containment-Strategie erarbeitet.
Sie vertraten die Ansicht, daß sich
die Sowjetunion, wenn man ihr den
leichten
Expansionskurs
verweigert,
nach innen und den Widersprüchen ihres
ineffizienten, repressiven und
inhumanen Systems zuwendet.
Und sie
haben recht behalten.
Die Sowjetunion stellt sich dieser harten Realität jetzt öffentlich.
Containment war erfolgreich.
Es
war deshalb erfolgreich, weil unsere
demokratischen
Grundsätze,
Institutionen und Werte gefestigt sind und
immer waren.
Es war erfolgreich,
weil unsere Bündnisses stark sind und
stark waren und weil die Überlegenheit freier Gesellschaftssysteme und
freier Marktwirtschaft über den stagnierenden Sozialismus nicht zu leug-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�nen ist.
Wir nähern uns der Lösung eines
historischen Streits zwischen zwei
Visionen in der Nachkriegszeit
einer Vision der Tyrannei und des
Konflikts und einer anderen von Demokratie und Freiheit. Die von meiner
Administration gerade abgeschlossene
Bilanz der amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen weist einen neuen Weg zur
Lösung dieses Streits.
Unser Ziel ist hoch gesteckt - es
ist ehrgeiziger als alles, was meine
Vorgänger für möglich hielten. Unsere Bilanz deutet darauf hin, daß 40
Jahre Beharrlichkeit uns eine einzigartige Gelegenheit geboten haben.
Jetzt ist es an der Zeit, sich
einer über Containment hinausgehenden
neuen Politik zuzuwenden - einer Politik der neunziger Jahre, die dem
gesamten Umfang des Wandels Rechnung
trägt, der auf der ganzen Welt und
auch in der Sowjetunion stattfindet.
Insgesamt geht das Ziel der Vereinigten Staaten über eine einfache
Eindämmung des sowjetischen Expansionismus hinaus - wir streben die Integration der Sowjetunion in die Staatengemeinschaft an. Während sich die
Sowjetunion größerer Offenheit und
Demokratisierung zuwendet - und damit
der Herausforderung verantwortungsbewußten internationalen Verhaltens gerecht wird - werden unsere Schritte
nicht lange auf sich warten lassen.
Letztlich ist es unser Ziel, die
Rückkehr der Sowjetunion in die Weltordnung zu begrüßen.
Die Sowjetunion bekundet ihre Absicht, mit der Welt in Frieden leben
zu wollen und kritisiert ihre eigene
Politik der Nachkriegzeit. Dies können wir nur begrüßen. Aber ein neues
Verhältnis kann nicht nur von Moskau
erklärt oder von anderen ausgerufen
werden. Es muß verdient werden. Es
muß verdient werden, weil Versprechungen niemals ausreichen. Die Sowjetunion hat früher bereits ein kooperativeres Verhältnis versprochen,

nur um dann ihren Kurs zu ändern und
erneut eine kriegerische Haltung einzunehmen. Die sowjetische Außenpolitik unterlag fast jahreszeitlichen
Schwankungen - Wärme kam vor Kälte,
Tauwetter vor Frost.
Wir streben
eine Freundschaft an, die kein Klima
des Mißtrauens und der Verdächtigungen kennt.
Wir hoffen, daß Perestrojka die
Sowjetunion zu einem Bruch - einem
definitiven Bruch - mit der Vergangenheit veranlaßt.
Wer hätte gedacht, daß wir einmal die Überlegungen des Zentralkomitees auf der Titelseite der Prawda lesen könnten
oder den Dissidenten Andrei Sacharow
in der Nähe der Machthaber sitzen sähen? Wer hätte sich jemals träumen
lassen, daß ein sowjetischer Staatsund
Parteichef
auf
den
Straßen
Moskaus und Washingtons um Stimmen
wirbt? Dies sind hoffnungsvolle und
in der Tat bemerkenswerte Anzeichen.
Niemand darf an unserem ernsthaften
Wunsch nach Fortsetzung und Erfolg
der Perestrojka zweifeln. Aber die
nationale
Sicherheit
Amerikas und
seiner Verbündeten darf sich nicht
auf Hoffnung allein verlassen. Sie
muß sich auf Taten gründen. Wir halten nach dauerhaftem, fest verwurzeltem wirtschaftlichen und politischen
Wandel Ausschau.
Obwohl wir die Hoffnung auf eine
Überwindung des Containment hegen,
stehen wir erst am Anfang eines neuen
Weges. Viele Gefahren und Unsicherheiten liegen noch vor uns. Wir dürfen nicht vergessen, daß die Sowjetunion erschreckende militärische Fähigkeiten erworben hat. Damit mußten
meine Vorgänger leben. Damit haben
unsere Verbündeten immer leben müssen. Und damit werde ich leben müssen.
Bei unserem Streben nach Frieden
müssen wir stark bleiben. Das Ziel
unserer militärischen Stärke besteht
keineswegs in der Ausübung von Druck
auf eine schwache sowjetische Wirtschaft oder im Streben nach militärischer Vorherrschaft.
Es besteht
2 -

�vielmehr in der Abschreckung eines
Krieges. Es besteht in der Verteidigung unseres Landes und unserer Verbündeten - und darüber hinaus wollen
wir die Sowjets davon überzeugen, daß
sich weitere expansionistische Bestrebungen nicht lohnen und davon,
daß ein Streben nach Frieden lohnenswert ist.
Die Politik des Westens muß die
Entwicklung der Sowjetunion zu einer
offenen Gesellschaft ermutigen. Diese Aufgabe wird unsere Kraft auf die
Probe stellen, unsere Geduld herausfordern und eine ungeheure Vorstellungskraft erfordern - die ich Ihnen
erklären möchte. Ich sehe vor mir
eine westliche Hemisphäre demokratischer
wohlhabender
Länder, die
nicht mehr von einem Kuba oder einem
Nicaragua mit den Waffen Moskaus bedroht wird. Ich sehe eine Sowjetunion, die ihre Verbindungen zu terroristischen Ländern - wie Libyen abbricht, die für die rechtmäßige Sicherheit ihrer Nachbarn eine Bedrohung darstellen.
Ich sehe vor mir
eine Sowjetunion, die Chinas Integrität respektiert und die Territorien
im Norden Japans zurückgibt - als
Auftakt zu dem Tag, an dem alle grossen Länder Asiens harmonisch zusammenleben werden.
Aber um diese Vision Wirklichkeit
werden zu lassen, muß die Sowjetunion
positive Schritte unternehmen:
Erstens: Reduzierung der sowjetischen Streitkräfte. Obwohl bereits
kleine Schritte unternommen worden
sind, besitzt der Warschauer Pakt
über 30 000 Panzer, mehr als zweimal
soviel Artillerie und hunderttausend
Soldaten mehr in Europa als die NATO.
Sie sollte ihre Streitkräfte im Verhältnis zu ihren berechtigten Sicherheitsinteressen auf ein weniger bedrohliches Niveau abbauen.
Zweitens: Einhaltung der von den
Sowjets - in den letzten Tagen des
Zweiten Weltkriegs - eingegangenen
Verpflichtung
zur
Förderung
der
Selbstbestimmung aller Länder Ost-

und Mitteleuropas.
Dies erfordert
insbesondere die Aufgabe der Breschnew-Doktrin. Eines Tages sollte es
möglich sein, von Moskau nach München
zu fahren, ohne einen einzigen Wachturm oder einen Stacheldrahtzaun zu
sehen. Kurz gesagt: Reißt den Eisernen Vorhang nieder.
Drittens: Zusammenarbeit mit dem
Westen an positiven, praktischen
und nicht nur rhetorischen - Schritten für diplomatische Lösungen regionaler Konflitke auf der ganzen Welt.
Ich begrüße den sowjetischen Truppenabzug aus Afghanistan und das AngolaAbkommen. Aber auf der ganzen Welt
gibt es noch mehr zu tun. Wir sind
bereit. Wir sollten die Ärmel aufkrempeln und uns an die Arbeit begeben.
Viertens: Erlangung eines dauerhaften politischen Pluralismus und
Wahrung
der
Menschenrechte.
In
Moskau haben bereits dramatische Ereignisse stattgefunden. Wir sind von
den beschränkten, aber dennoch mit
mehreren
Kandidaten
stattfindenden
Wahlen beeindruckt. Wir sind ferner
beeindruckt von der größeren Toleranz
gegenüber Dissidenten. Darüber hinaus macht eine neue Offenheit über
die Ära Stalin Eindruck auf uns. Herr
Gorbatschow, geben Sie jetzt nicht
auf.
Fünftens: Zusammenarbeit bei der
Behandlung internationaler Probleme,
wie des internationalen Drogenhandels
und den Gefahren für unsere Umwelt.
Wir können unseren Kindern eine bessere Welt schaffen.
Wenn sich die Sowjetunion der Rüstungskontrolle und Reformen zuwendet, wird sie im Westen hilfsbereite
Partner finden. Wir streben verifizierbare, stabilisierende Rüstungskontrolle
und
Reduzierungsabkommen
mit der Sowjetunion und ihren Verbündeten an. Dennoch ist Rüstungskontrolle an sich kein Ergebnis, sondern
ein Mittel, um zur Sicherheit Amerikas und zum Frieden auf der Welt beizutragen.
Ich habe Außenminister

- 3 -

�Baker angewiesen, den Sowjets Vorschläge für eine Wiederaufnahme der
START-Verhandlungen im Juni zu unterbreiten. Und wie Sie wissen, haben
die Sowjets zugestimmt.
Unser Konzept ist klar. Bei den
START-Verhandlungen wollen wir das
Risiko eines Atomkrieges abbauen.
Bei den begleitenden Verhandlungen
über Verteidigung im Weltraum werden
wir die Erhaltung unserer Optionen
zur Stationierung eines modernen Verteidigungssystems
zum Ziel haben,
wenn dies fertiggestellt ist. Bei
den Atomtests werden wir weiterhin
die notwendigen Verbesserungen zur
Verifizierung in den bestehenden Verträgen anstreben, damit diese durchgeführt werden können.
Wir werden
nach wie vor ein verifizierbares
weltweites Verbot chemischer Waffen
anstreben. Wir unterstützen die Bestrebungen der NATO zürn Abbau der offensiven sowjetischen Bedrohung in
den Verhandlungen über Konventionelle
Streitkräfte in Europa. Und ich habe
bereits darauf hingewiesen, daß all
diesen Zielen ganz einfach Offenheit
zugrundeliegt.
Unmißverständlich weht ein neuer
Wind über die Steppen und Städte der
Sowjetunion hinweg.
Warum sollte
dieser neuer Geist der Offenheit
nicht zunehmen, und Warum sollten
nicht weitere Schranken fallen? Offen für Auswanderung, für Diskussionen, offen für den Luftverkehr - Offenheit soll die Veröffentlichung und
den Verkauf verbotener Bücher und
Zeitungen in der Sowjetunion bedeuten. Den 19 000 sowjetischen Juden,
die im vergangenen Jahr ausgereist
sind, sollen all diejenigen folgen
dürfen, die in diesem Jahr ausreisen
wollen. Offenheit darf keine geringere Bedeutung haben als Freizügigkeit und den freien Austausch von Büchern und Ideen zwischen Ost und
West. Und darüber hinaus sollte sie
eine weitere Bedeutung erlangen.
Vor 34 Jähren ist Präsident
Eisenhower in Genf mit der sowjetischen
Führungsspitze
zusammenge-

troffen, die nach dem Tod Stalins
einen neuen Ansatz gegenüber dem
Westen versprach.
Er schlug einen
Plan namens "Offene Himmel" vor, im
Rahmen dessen unbewaffnete Flugzeuge
aus den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion das Territorium des anderen Landes überfliegen durften. Damit könnten militärische Aktivitäten
regelmäßig überprüft und laut Präsident Eisenhower "die Welt davon überzeugt werden, daß wir ... die Gefahr
verringern und die Spannungen abbauen" .
Präsident Eisenhowers Vorschlag
stellte die sowjetische Bereitschaft
zur Öffnung ihrer Gesellschaft auf
eine Probe, der der Kreml nicht
standhielt. Wir Wollen diesen Vorschlag erneut untersuchen, aber auf
einer breiteren, eingehenderen und
radikaleren Basis - der sich hoffentlich auch die Verbündenten auf beiden
Seiten
anschließen
werden.
Wir
schlagen vor, daß Länder, die diesen
Vorschlag prüfen möchten, bald zusammenkommen, um außerhalb ariderer Rüstungskontrollverhandlungen die notwendigen technischen Einzelheiten zu
erarbeiten.
Solche Überwachungsflüge ließen
zusammen mit Satelliten eine regelmäßige Prüfung auf beiden Seiten zu.
Ein solch beispielloser Zugang zum
Territorium deö jeweils arideren würde
der Welt die Bedeutung des Konzepts
der Offenheit dokumentieren. Die Bereitschaft der Sowjets zur Akzeptanz
eines solchen Konzepts an sich würde
ihr Engagement für Veränderungen bekunden.
Wo
Zusammenarbeit
stattfiridet,
kanri es umfassendere Wirtschaftsbeziehungen geberi.
Aber die sowjetische Innenpolitik hat die Wirtschaftsbeziehungen gelähmt. Sie haben unter Moskaus Praxis, dem Westen
uriter dem Mäntelchen des Handels
Technologie
zu stehlen; gelitten.
Ein Ende der Benachteiligung amerikanischer Firmen wäre ein hilfreicher
Schritt.
Geschäfte und finanzielle
Tränsaktionen könnten auf der Basis

�normaler Handelsbeziehungen
führt werden.

durchge-

Und wenn die Sowjetunion
ihre
Auswanderungsgesetze
internationalen
Standards anpaßt und ihre neuen Gesetze buchstabengetreu verwirklicht,
bin ich bereit, mit dem Kongreß eine
zeitweise
Aufhebung
des
JacksonVanik-Zusatzartikels zu verfügen und
damit den Status der Meistbegünstigung auf die Sowjetunion zu erweitern. Die soeben von mir beschriebene Politik betrifft Sie alle.
Heute legen Sie ihr Examen ab.
Sie werden einen Beruf ergreifen und
eine Familie gründen. Und Sie werden
Amerikas Elite im nächsten Jahrhundert werden. Was für eine Welt werden Sie kennenlernen?
Möglicherweise
wird die Weltordnung der Zukunft eine
echte Staatengemeinschaft sein.
Es ist eine traurige Wahrheit,
daß wir durch nichts eher dazu gezwungen werden, unsere Verbundenheit
als Menschen zu erkennen als durch
eine Naturkatastrophe.
Ich denke dabei an die Sowjetrepublik Armenien
vor einigen Monaten - eine schuldlos
verursachte Tragödie, eine Zerstörung
wie im Krieg, jedoch nicht durch einen Krieg verursacht.

Mein Sohn nahm unseren zwölfjährigen Enkel mit nach Eriwan. Am Ende
des Tages, an dem sie die Verwundeten
getröstet und den Hinterbliebenen Mut
zugesprochen hatten, setzten sie sich
gemeinsam zwischen die Trümmer und
weinten.
Wie können unsere beiden
Länder diesen schlichten Ausdruck der
Fürsorge noch steigern?
Wie können
wir uns gegenseitig den guten Willen
unseres Volkes übermitteln?
Vor 43 Jahren hat der junge Leutnant Albert Kotzebue, der 1945 hier
an dieser Universität sein Examen abgelegt hat, als erster amerikanischer
Soldat den Sowjets an der Elbe die
Hand gereicht. Wir sind wieder bereit, die Hand auszustrecken und bereit, eine ausgestreckte Hand entgegenzunehmen.
Die Zeit ist erneut
reif für Frieden.

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

%r,os e&lt;

17. Mai 1989

20

SOWJETISCHE BEDROHUNG NOCH NICHT ALS SCHWÄCHER ZU BEZEICHNEN
- Rede von Staatssekretär Kimmltt vor dem Unterausschuß des Senats WASHINGTON - (AD) - Dem Staatssekretär für politische Angelegenheiten im
amerikanischen Außenministerium, Robert Kimmitt, zufolge sollte das westliche
Bündnis die militärische Bedrohung durch die Sowjets noch nicht als schwächer
ansehen. Am 10. Mai 1989 erklärte Kimmitt vor dem Unterausschuß des Senats
für die Bewilligung von Verteidigungsausgaben, es sei voreilig, die sowjetische Bedrohung als "erheblich abgebaut" zu betrachten.
Ihm zufolge wird der NATO-Gipfel Ende Mai "erneut die zentrale Bedeutung
des Bündnisses für die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten herausstellen
und darüber hinaus die vor uns liegenden Herausforderungen behandeln: Modernisierung der Streitkräfte, RüstungskontrollVerhandlungen und die Notwendigkeit besserer Lastenverteilung.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede Kimmitts im Wortlaut:

Herr Vorsitzender, ihre Jahre an
der Spitze des Unterausschusses für
die Verwendung von Mitteln im Ausland
haben Ihnen ein gutes Urteil über die
zur Ausübung
einer wirkungsvollen
Außenpolitik
erforderlichen
Mittel
verschafft.
Der Verteidigungshaushalt steht in enger Beziehung zu dieser Aufgabe, und deshalb freue ich
mich über die Möglichkeit, hier vor
dem Unterausschuß zu sprechen, um
über die Auswirkungen von Entscheidungen zum Verteidigungshaushalt auf
die amerikanische Außenpolitik zu
sprechen.
Ich möchte darum bitten,
daß der Wortlaut meiner Rede in das
Protokoll aufgenommen wird.

Der Umgang mit der Sowjetunion
Die

amerikanische

Militärstrate-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

gie basiert seit langem auf gemeinsamer Sicherheit, Abschreckung, Vorneverteidigung und flexibler Reaktion.
Diese Verteidigungsstrategie
zielt darauf ab, einer massiven,
weltweiten
militärischen
Bedrohung
durch die Sowjets entgegenzutreten.
In jüngster Zeit konnten wir potentielle Veränderungen wahrnehmen, da
die Sowjets zur Durchsetzung ihrer
Ziele in geringerem Maße auf die Androhung oder den Einsatz militärischer Mittel zu vertrauen scheinen
und in ihrer Außenpolitik weniger den
Klassenkampf betonen.
Wir hoffen,
daß die versprochene Neuorientierung
der sowjetischen Politik und Doktrin
zu Veränderungen im Umfang und der
Struktur der sowjetischen Streitkräfte führt und die Bedrohung abbaut,
die sie für unsere nationalen Interessen darstellt.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Es wäre jedoch höchst voreilig,
die sowjetische Bedrohung als erheblich abgebaut zu betrachten. Sicher
hat die Sowjetunion Reduzierungen bei
der Truppenstärke und den konventionellen Streitkräften sowie niedrigere
Verteidigungsausgaben angekündigt und
beseitigt ihre Mittelstreckenraketen
im Einklang mit dem INF-Vertrag.
Dennoch modernisieren
die Sowjets
weiterhin ihre strategischen Atomstreitkräfte mit neuen Klassen von
raketenbestückten U-Booten, strategischen Raketen und Bombern längerer
Reichweite.
Ihre
konventionellen
Streitkräfte
moderner
gepanzerter
Fahrzeuge, Artilliere und taktischer
Kampfflugzeuge sind mit 4,5 Millionen
Soldaten unter Waffen nach wie vor
nahezu die größten der Welt. In den
letzten zehn Jahren hat die Sowjetunion ihre Fähigkeit zum Einsatz ihrer Streitkräfte in entfernten Teilen
der Welt verbessert. Die Sowjets haben kürzlich das größte militärische
Transportflugzeug
der Welt vorgestellt, und der Prototyp einer neuen
Klasse großer Flugzeugträger steht
kurz vor seiner Vollendung
Obwohl
die von Gorbatschow bekundeten Absichten zur Reduzierung der militärischen Stärke der Sowjetunion lobenswert sind, konnten wir eine Umsetzung
dieser Ankündigungen in erhebliche
Veränderungen bei den Fähigkeiten und
der Struktur der sowjetischen Streitkräfte noch nicht beobachten.
Auf regionaler Ebene scheinen die
Sowjets den ausgehandelten Lösungen
einiger Konflitke offener gegenüberzustehen und zeigen ein zunehmendes
Bewußtsein für den Preis einer anhaltenden Expansion.
Dennoch liefern
sie immer noch Waffen und unterhalten
nachrichtendi enstliche
Verbindungen
mit Satellitenstaaten, deren Engagement für die Normen internationalen
Verhaltens in Zweifel zu ziehen ist.
Der Verkauf von Bombern längerer
Reichweite des Typs SU-24 an Libyen
macht dies deutlich. Immer noch gehen umfangreiche Lieferungen an Nicaragua, Angola und Kuba und die Lieferungen militärischer
Güter nach
Libyen, Afghanistan und Nordkorea haben zugenommen.

Wie Sie wissen, weilt Außenminister Baker gegenwärtig zu Gesprächen mit der sowjetischen Führungsspitze in Moskau.
Diese Zusammenkünfte sind Teil langfristiger Bemühungen, die zahlreichen Meinungsverschiedenheiten zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion über
so kritische Punkte wie Rüstungskontrolle, regionale Konflikte, Menschenrechte, bilaterale und zwischenstaatliche Fragen beizulegen.
Wir
sind uns in höchsten Maße bewußt, daß
dies eine günstige Zeit für die Behandlung unserer Probleme ist. Präsident Bush und Außenminister Baker
sind entschlossen, diese Chancen zu
nutzen. Eine starke Verteidigung und
Wachsamkeit bei der Sicherung unserer
Interessen sind für die Bestrebungen
um den Aufbau kooperativerer OstWest-Beziehungen von entscheidender
Bedeutung.
Wir begrüßen das Interesse des
Unterausschusses an dem Beziehungsgeflecht zwischen Außenpolitik und Verteidigungshaushalt.
Die Administration und der Kongreß müssen zusmmenarbeiten, um zu gewährleisten, daß
haushaltspolitische
Entscheidungen
auf eine Weise getroffen und ausgeführt werden, die im Einklang mit unseren nationalen Interessen und siehe rheitspoli tischen
Zielsetzungen
steht.

Der SchlUssel zur Minimierung

von Problemen liegt im gesamten Prozeß bei der Bewertung von Auswirkungen haushaltspoitischer Entscheidungen auf die Außenpolitik.
Die militärischen Fähigkeiten unseres Landes sind in den vergangenen
zehn Jahren notwendigerweise erheblich verstärkt worden. Eine starke
Verteidigung ist für die Vereinigten
Staaten und ihre Verbündeten weiterhin von entscheidender Bedeutung und
verkörpert die Fähigkeit und Entschlossenheit
unseres
Landes
zum
Schutz unserer Freiheit. Eine starke
und von einer gesunden Wirtschaft unterstützte
Verteidigung,
gesunde
Bündnisse und eine aktive Diplomatie,
die alle zusammen von angemessenen
nachrichtendienstlichen
Fähigkeiten
gestützt werden, bilden die Grundlage

�unserer nationalen Sicherheit.
Wir sehen uns nunmehr neuen Herausforderungen und auch neuen Möglichkeiten gegenüber, die sich aus
grundlegenden Veränderungen im internationalen Umfeld ergeben. Die bemerkenswerteste dieser Veränderungen
ist die Verteilung wirtschaftlicher,
politischer und militärischer Macht,
Fortschritte in den Bereichen Technik
und Kommunikation, die Verbreitung
der Demokratie und des Konzepts der
freien Marktwirtschaft und das Phänomen Gorbatschow.
Unsere Pläne und
Maßnahmen müssen diesen Veränderungen
im Ausland und auch den wirtschaftlichen und steuerpolitischen Gegebenheiten im Inland angepaßt werden.
Amerikas Führungsspitze hat viele
dieser Veränderungen in die Wege geleitet.
Unsere Unterstützung für
Länder, die unseren Einsatz für Demokratie und die Wahrung der Menschenwürde teilen, war eine treibende
Kraft beim Aufbau der Bedingungen für
Frieden und Wohlstand. Die erneuerte
Tatkraft des westlichen Bündnisses
hat für den weiteren Prozeß Vorbildcharakter und dient als Leitlinie,
und die jetzt von uns in der Sowjetunion und anderen Ländern beobachteten Veränderungen spiegeln zum Teil
Bedingungen wider, zu denen wir beigetragen haben.
Unsere diplomatischen Bemühungen
haben mit Unterstützung der militärischen Stärke zur echten Chance einer
Lösung für einige der dringlichsten
regionalen Konflikte und zu Fortschritten in Fragen der Sicherheit
und Rüstungskontrolle geführt.
Die
Situation stellt uns vor große Möglichkeiten, und die Administration
befindet sich inmitten einer umfassenden Bilanz ihrer nationalen Sicherheit, die dem sich wandelnden sicherheitspolitischen Umfeld gerecht
werden soll. Diese Bilanz wird die
Integration unserer diplomatischen,
militärischen
und
wirtschaftlichen
Mittel zu einem einheitlichen strategischen Konzept in der amerikanischen
Außen- und Verteidigungspolitik sicherstellen.

Unsere
Verteidigungsbestrebungen
und unsere auswärtigen Beziehungen
sind also eng miteinander verknüpft,
und ich möchte kurz darauf eingehen,
wie der Verteidigungshaushalt und die
amerikanische Außenpolitik in verschiedenen Bereichen zusammenhängen:
im Umgang mit der Sowjetunion, der
sicherheitspolitischen Zusammenarbeit
mit Freunden und Verbündeten, Verhandlungen über strategische Waffen
und Rüstungskontrolle sowie Stationierungen oder Manövern im Ausland.

Nichtsowjetische Bedrohung
Obwohl wir kurz vor der Lösung
einiger der beunruhigendsten regionalen Konflikte der letzten Jahre zu
stehen scheinen, besteht in politisch
instabilen Regionen weiterhin ein hohes Konfliktpotential, das in einigen
Fällen noch ansteigt. Bestimmte regionale Militärregime, deren Streitkräfte mit immer moderneren Waffen
ausgerüstet sind, stellen für ihre
unmittelbaren Nachbarn - und in geringerem Maße auch für die Sicherheitsinteressen der Vereinigten Staaten - eine Bedrohung dar.
Für diese regionalen Bedrohungen
lassen sich bedauerlicherweise zahllose Beispiele anführen.
Im Nahen
Osten ist der Irak aus dem Golfkrieg
mit
umfangreicheren,
moderneren
Streitkräften
und
größeren
politischen
Ambitionen
hervorgegangen.
Der Iran bleibt unberechenbar und unterstützt nach wie vor den internationalen Terrorismus. Die Weiterverbreitung ballistischer Raketen unter
anderem mit chemischen Gefechtsköpfen
- nach Libyen, Syrien, dem Iran, Irak
und in andere Länder - und die Gefahr
der Weiterverbreitung von Atomwaffen
stellen
eine
zunehmende Bedrohung
dar. Der Frieden bleibt für den Libanon nur ein Hoffnungsschimmer, und
der grundsätzliche Konflikt zwischen
Israelis und Arabern scheint nach wie
vor unlösbar zu sein. In SUdasien
liegt
eine Konfrontation
zwischen
Nachbarstaaten weiterhin im Rahmen
des Möglichen. In Mittelamerika bietet die trotz ermutigender diploma-

- 3-

�tischer Entwicklungen weiterhin bestehende Möglichkeit für subversive
Aktivitäten Kubas und Nicaraguas die eine mögliche Lösung auf diplomatischem Wege erschweren könnten - den
Vereinigten Staaten weiterhin Anlaß
zur Sorge. Anhaltende Konflikte in
Kambodscha, Äthiopien, dem Sudan und
anderen Teilen Afrikas und Asiens
fordern immer noch zahlreiche Menschenleben und festigen regionale Instabilität.
Angesichts
dieser
regionalen
Spannungen benötigen die Vereinigten
Staaten in absehbarer Zukunft die Fähigkeit zur Übertragung militärischer
Macht zum Schutz unserer Interessen
in instabilen Regionen. Unsere militärische Präsenz ist - auch wenn sie
nur begrenzt eingesetzt wird - in
vielen für die Vereinigten Staaten
entscheidenden
Bereichen
letztlich
der Garant für regionale Stabilität.

Sicherheitspolitische Zusammenarbeit
und Lastenverteilung
Für unsere Freunde und Verbündeten wie auch für die internationale
Stabilität ist unsere anhaltende Fähigkeit zur Erfüllung unserer Verteidigungspflichten in Übersee von entscheidender Bedeutung. Unser sicherheitspolitisches Konzept basiert auf
der Vornestationierung amerikanischer
Streitkräfte und auf Programmen für
Sicherheitsleistungen.
Etwa
drei
Viertel dieser vorne stationierten
Streitkräfte stehen der NATO, Japan
und Korea zur Verfügung, wo sie zur
gemeinsamen Verteidigung
der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten beitragen.
Der amerikanische
Beitrag zur
NATO ist die umfangreichste unserer
militärischen Aktivitäten in Übersee. Die NATO feiert in diesem Jahr
ihr 40jähriges Bestehen, und sie
bleibt unser bester Garant für den
Frieden in Europa. Der NATO-Gipfel
in diesem Monat wird die zentrale
Rolle des Bündnisses für die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten
bekräftigen und darüber hinaus die

vor uns liegenden Herausforderungen
behandeln:
Modernisierung
der
Streitkräfte,
Rüstungskontrollverhandlungen sowie die Notwendigkeit
einer
besseren
Lastenverteilung.
Diese Probleme berühren unsere Haushalt sentScheidungen und umgekehrt und
sowohl unsere NATO-Verbündeten als
auch der Warschauer Pakt werden unsere Aktionen und Absichten genau beobachten. Wir müssen unser Engagement
für die Verteidigung Europas und die
weiterhin
bestehende
Notwendigkeit
für
umfangreiche
vornestationierte
konventionelle und nukleare Streitkräfte der Vereinigten Staaten bekräftigen.
Die Sowjetunion verfügt nach wie
vor über ungeheure militärische Stärke. Als Reaktion darauf müssen wir
sicherstellen, daß unsere Verteidigungsbündnisse die für unsere Sicherheit und die unserer Verbündeten erforderlichen Streitkräfte aufrechterhalten. Alle von uns beabsichtigten
Veränderungen müssen sorgfältig erwogen werden, auf den bekannten Fähigkeiten unserer Gegner basieren und in
enger Abstimmung mit unsren Verbündeten entwickelt werden.

Lastenverteilung
Wir erarbeiten sowohl in engen
Konsultationen mit unseren europäischen Verbündeten als auch in multilateralen Rüstungskontrollverhandlungen neue Methoden zur Bewältigung des
Problems der Aufrechterhaltung einer
glaubwürdigen Verteidigung in einem
Zeitalter abnehmender Ressourcen.
Andere Verbündete, wie etwa Japan, haben einen größeren Teil der
gemeinsamen Sicherheitslast übernommen, indem sie mehr Auslandshilfe
leisten. Erwartungsgemäß werden sie
noch mehr tun.
Zusätzliche Hilfe
kann eine wertvolle Rolle bei der
Förderung regionaler Stabilität und
der Sicherheit
friedlicher Länder
spielen.

�ropa zieht.

Strategische und konventionelle
Rüstungskontrolle
In einer Zelt knapper Verteidigungshaushalte
müssen
wir
unsere
Prioritäten bei den Verteidigungsausgaben eingehend analysieren. Die gegenläufigen Erfordernisse von Haushaltskürzungen und der Modernisierung
von Streitkräften werden sich auf alle strategischen und konventionellen
Rüstungsprogramme
der
Vereinigten
Staaten auswirken, und amerikanische
Entscheidungen über Ausgaben und die
Stellung der Streitkräfte werden unsere Fähigkeit zum Aushandeln erfolgreicher RUstungskontrollabkommen beeinflussen.
Wenn wir den Anschein erwecken,
daß wir zur einer Bereitstellung von
Mitteln für die Modernisierung und
Erhaltung
unserer
strategischen
Streitkräfte nicht bereit sind, werden die Sowjets geringere Bereitschaft zu konstruktivem Verhalten
zeigen, wenn wir die START-Verhandlungen
wiederaufnehmen.
Ähnliche
einseitige Reduzierungen bei den konventionellen Streitkräften der Vereinigten Staaten würden lediglich einem bereits großen sowjetischen Vorteil Vorschub leisten und darüber
hinaus unsere Fähigkeit zum Aushandeln von Reduzierungen bei den Wiener
KSE-Gesprächen
einschränken.
Bei
diesen Gesprächen scheinen wir generelle Übereinstimmung über den Umfang
erster Reduzierungen sowie über einige Kategorien des zu reduzierenden
Geräts (Panzer, Artillerie und Schützenpanzer) und Schlüsselfragen der
Verifizierung erzielt zu haben. Des
Warschauer Pakt fordert eine Reduzierung von Flugzeugen. Unseres Erachtens ist das unklug, da solche Begrenzungen weder verifizierbar wären
noch militärisch ins Gewicht fielen,
da Flugzeuge schnell in Konfliktzonen
zurückgebracht werden könnten.
In
enger Abstimmung mit unseren Verbündenten streben wir nach einem Ergebnis, das die Verteidigungsfähigkeit
des Bündnisses erhält und gleichzeitig alle Vorteile aus einer möglicherweise
einmaligen
Gelegenheit
zum Abbau des Konfliktrisikos in Eu-

Sowohl bei den strategischen als
auch bei den konventionellen Waffen
gestatten uns die Modernisierungprogramme erhebliche Einflußnahme bei
den Verhandlungen. Wie das Beispiel
des INF-Vertrages zeigt, kann die bekundete
Modernisierungsabsicht
für
die Erzielung eines lohnenden Abkommens entscheidend sein. Wir müssen
sicherstellen, daß jegliche Veränderungen im Verteidigungshaushalt nicht
unsere Fähigkeit
zu erfolgreichen
Verhandlungen unterminieren.

Stationierungen und gemeinsame
Manöver
Außerhalb des Rahmens unserer
formellen Bündnisse fördert die zeitweise Bereitstellung amerikanischer
Streitkräfte
unsere
Interessen in
vielen Bereichen, in denen wir nicht
permanent militärisch präsent sind.
Damit wird die militärische Zusammenarbeit erweitert und friedlichen Ländern Sicherheit geboten, wie dies etwa im Persischen Golf geschah. Sie
fördert darüber hinaus die Entwicklung gesunder Beziehungen zwischen
den Streitkräften, mit denen unsere
diplomatischen
Bestrebungen
sowie
Einfluß und Prestige der Vereinigten
Staaten gefördert werden.
Weniger
zeitweise Stationierungen oder gemeinsame Manöver könnten zusammen mit
zurückgehenden Mitteln bei den Hilfsprogrammen den amerikanischen Einfluß
in vielen Teilen der Welt schmälern,
in denen wir keine Bündnisse haben
oder permanent militärisch sind.
Wie Außenminister Baker in seiner
Anhörung vor dem Senat im Amt erklärte, kann mit einer realisitischen
Führungsrolle der Vereinigten Staaten
die Gelegenheit genutzt werden, in
ein friedlicheres und glücklicheres
Zeitalter überzugleiten. Ein umfangreiches Programm liegt vor uns. Angesichts der Beschränkungen im Haushalt müssen wir herausfinden, wie unsere politische und militärische Effektivität bei gleichzeitigen notwendigen Anpassungen unserer Regierungs-

- 5 -

�ausgaben beibehalten werden kann.
Zur Gewährleistung des anhaltenden
Wachstums und der Sicherheit der Vereinigten Staaten wie auch der ganzen
Welt müssen wir bereit sein, eine
starke diplomatische, wirtschaftliche
und militärische Präsenz in denjenigen Teilen der Welt aufrechtzuerhalten oder aufzubauen, in denen wir
wichtige Interessen haben. Wir sind
der Überzeugung, daß durch die gemeinsamen Anstrengungen des Kongresses und der Administration die Verwirklichung dieses wichtigen Ziels
sichergestellt wird.

* * * * * *

�reo ST&gt;

^7

"*"

AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

^&lt;

17. Mai 1989

20

STAND DER RÜSTUNGSKONTROLLVERHANDLUNGEN
- Wöchentliche Übersicht -

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine am 11. Mai 1989
von US-Informationsamt (USIA) herausgegebene Übersicht über den Stand der Verhandlungen über nukleare Kurzstreckensysteme, amerikanische Truppenpräsenz in
Europa, die START-Verhandlungen sowie Sanktionen gegen den Einsatz oder die
Verbreitung chemischer Waffen.

Arnerikaniseh- sowjeti sehes Treffen
führt zur Wiederaufnahme ßer
Gespräche
Bei Beendigung der Treffen vom
10. und 11. Mai 1989 mit seinem Amtskollegen Schewardnadse erklärte Aussenminister Baker, "wir haben uns auf
eine Wiederaufnahem der Rüstungskontrollverhandlungen in vollem Umfang geeinigt".
Baker zufolge würden die Verhandlungen über die Verringerung strategischer Rüstungen (START) zwischen
dem 12. und 19. Juni in Genf wiederaufgenommen, wobei "ein genauer Termin auf diplomatischem Wege festgesetzt wird".
Der Ständige Konsultativausschuß
(SCC) wird sein Treffen Mitte Juni
fortsetzen, erklärte Baker, um Themen

United States Information Service
Embassy of the United States of America

im Zusammenhang mit dem ABM-Vertrag
aus dem Jahr 1972 sowie der damit
verbundenen Verifizierung und Einhaltung des Vertrags zu erörtern.
Baker stellte ferner fest, daß
die Gespräche über ein Verbot von
Atomversuchen am 26. Juni 1989 in
Genf wiederaufgenommen würden.
"Am Rande der Genfer Abrüstungskonferenz der Vereinten Nationen werden wir im nächsten Monat bilaterale
Gespräche über chemische Waffen führen", erklärte Baker.
Die amerikanischen
und sowjetischen Regierungsvertreter sprachen
ferner über die konventionellen Rüstungskontrollverhandlungen
in Wien
sowie über vertrauensbildende Maßnahmen.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Sie kamen überein, "das Rüstungskontrollprogramm zu erweitern und dem
Problem chemischer Waffen und der
Verbreitung von Raketen größere Aufmerksamkeit zu widmen", stellte Baker
fest.

SNF-Diskussion beherrscht Rüstungsfcontro^ldialog
Der
sowjetische
Außenminister
Schewardnadse brachte im Verlauf seiner Gespräche mit Außenminister Baker
in Moskau das Thema der Modernisierung der Lance-Raketen sowie Verhandlungen über einen Abbau solcher Waffen zur Sprache.
Bei
Beendigung
der
Gespräche
stellte Baker fest, das NATO-Bündnis
"ist im Hinblick auf die Anzahl der
gegenwärtig stationierten taktischen
atomaren Kurzstreckensysteme ins Hintertreffen geraten".
Baker zufolge
haben die Vereinigten Staaten die Sowjetunion aufgefordert, "ihre atomaren Kurzstreckenwaffen abzubauen, um
das Ungleichgewicht geradezurücken.
Und unserer Meinung nach sollte dies
geschehen, bevor wir überhaupt die
Frage von Verhandlungen anschneiden."
Dem vorausgegangen war ein am 5.
Mai zwischen Präsident Bush und Bundeskanzler Kohl begonnener transatlantischer Dialog.
Im Anschluß an
ihre erste private Unterredung erklärte der Sprecher des Weißen Hauses, Marlin Fitzwater, infolge der
Gespräche verstünden die beiden Regierungschefs die jeweilige Position
etwas besser und fügte hinzu, "wir
freuen uns immer über ein Ausloten
von Mitteln und Wegen, mit denen die
Meinungsverschiedenheiten
zwischen
den Bündnispartnern über die Modernisierung und die Frage von Verhandlungen überbrückt werden können".
Die Vereinigten Staaten suchen
"einen Punkt, an dem in etwa ein
Gleichgewicht bei der Kräfteverteilung und Streitkräftestruktur des
Warschauer
Pakts
und
der
NATO
herrscht, bevor sie das Thema SNF anschneiden", stellte Fitzwater fest.
Jedes Gespräch, das zu "einer Entnu-

klearisierung Europas führen würde,
wäre nicht begrüßenswert", fügte er
hinzu.
Im Anschluß an die Gespräche zwischen Bush und Kohl gab die Bundesrepublik bekannt, daß Verteidigungsminister Gerhard Stoltenberg die Vereinigten Staaten vom 17. - 19. Mai zu
weiteren SNF-Gesprächen mit seinem
Amtskollegen Cheney besuchen und Aussenminister Genscher nach Großbritannien reisen werde.
Das Thema SNF löst in Washington
weiterhin heftige Kontroversen aus,
und der Vorsitzende des Unterausschusses des Repräsentantenhauses für
Europa und den Nahen Osten, Lee
Hamilton, erklärte, seiner Ansicht
nach könnten die Vereinigten Staaten
ihre Position nicht aufrechterhalten,
Verhandlungen über SNF abzulehnen.
Hamilton zufolge sollten die Gespräche über konventionelle Rüstungskontrolle und SNF aneinander gekoppelt
werden und die Vereinigten Staaten
sollten ihre ablehnende Haltung zu
SNF-Verhandlungen aufgeben, wenn "wir
zu Verhandlungen über alles andere
bereit sind:
wir verhandeln über
atomare Langstreckensysteme, wir verhandeln über Mittelstreckensysteme,
aber wir sind nicht bereit, über
Kurzstreckensysteme zu verhandeln meiner Meinung nach können wir diese
Position nicht aufrechterhalten."
In der NBC-Fernsehsendung "Meet
the Press" betonte Hamilton, die Stationierung der SNF sei für die Glaubwürdigkeit der Abschreckungsstrategie
der NATO unabdingbar.
"Meiner Ansicht nach kann man das von der Regierung vorgebrachte Argument nicht
von der Hand weisen, man unternehme
eine Gratwanderung zum vollständigen
Abbau aller Waffensysteme, wenn man
Verhandlungen über diese Waffensysteme aufnimmt. Angesichts der sowjetischen Überlegenheit bei den konventionellen Waffen sind wir dagegen.
Die Administration ist meiner Ansicht
nach gut beraten, wenn sie Vorsicht
walten läßt.
Auf die Frage, ob die Vereinigten
Staaten überhaupt nicht zu Verhand-

�lungen bereit seien, antwortete Verteidigungsmnister Cheney am 7. Mai,
"zum jetzigen Zeitpunkt nicht ... im
Augenblick sollte das Schlüsselelement der Rüstungskontrolle in Europa
im Abbau der konventionellen Streitkräfte bestehen; die Sowjets haben
einen überwältigenden Vorsprung im
konventionellen Bereich, und wir haben in Wien einen Vorschlag unterbreitet (ebenso wie die Sowjets) ...
demzufolge die atomaren Kurstreckensysteme jetzt nicht im Mittelpunkt
stehen sollten".
In einem Interview der ABC-Nachrichtensendung "This Week With David
Brinkley" erklärte Cheney, Atomwaffen
seien für Europa wichtig, weil "sie
gegen die konventionellen und nicht
gegen die nuklearen Fähigkeiten der
Sowjets gerichtet sind. Solange das
Ungleichgewicht fortbesteht, benötigen wir diese Atomwaffen."
Ein ehemaliger Rüstungskontrollberater der Reagan-Administration erklärte, seiner Ansicht nach könne
keine Bundesregierung der Modernisierung der veralteten Lance-Rakete oder
Verhandlungen mit den Sowjets über
SNF irgendwelcher Art zustimmen. In
dem gemeinsamen Interview mit Cheney
erklärte
Botschafter
Paul Nitze,
"Dieses Thema ist geeignet, die Bundesrepublik und die NATO in zwei Lager zu spalten."
Er verwies auf die bereits von
Bundeskanzler Kohl abgegebene Erklärung, er wolle durch Verhandlungen
nicht alle SNF abschaffen - eine Meinung, die seiner Ansicht nach von der
Mehrheit
der Bundesbürger geteilt
wird. Nitze zufolge sollten die beiden Bündnisse gleiche Obergrenzen für
SNF anstreben.
"Ich bin nicht sicher, ob die Sowjets dem zustimmen
werden, aber wir sollten es zumindest
versuchen", drängte er.
Der Vorsitzende des Streitkräfteausschusses des Repräsentantenhauses,
Les Aspin, wurde in derselben Sendung
wie Nitze interviewt und erklärte,
die Beseitigung aller SNF "ist inakzeptabel."
Dies
sollte
vielmehr
durch "Mandatsgespräche" als durch

Verhandlungen über SNF vermieden werden. "Damit erhält man eine Feuerpause zwischen den Mandatsgesprächen
und den SNF-Verhandlungen an sich",
fügte er hinzu.
Er erklärte, er hege "gewisse
Sympathie" für die von der Bush-Administration vertretene Ansicht, einmal
begonnene SNF-Gespräche "lösen einen
Erdrutsch aus und am Ende haben wir
eine dritte Null-Lösung (die Beseitigung aller landgestützten Atomwaffen)
und diese Gespräche werden am Ende
weit über die konventionellen Abrüstungsgepräche hinausgehen. Für die
Vereinigten Staaten wäre das die
schlechteste aller möglichen Lösungen."

Keine Veränderung bei der Politik
der Vereinigten Staaten zur Truppenpräsenz in Europa
Der Widerstand der NATO-Mitgliedstaaten gegen die Modernisierug von
SNF hat die Diskussionen im amerikanischen Kongreß über einen möglichen
Truppenabzug aus Europa angeheizt,
das Weiße Haus hat jedoch betont, die
Regierung halte an der bisherigen Politik fest.
Die SNF sind "Bestandteil der
flexiblen Reaktion und Teil der Strategie, die hinter unserer Truppenpräsenz in Europa steht", erklärte der
Sprecher des Weißen Hauses am 9. Mai
1989. "Im Augenblick besteht keinerlei Absicht zu einem Kurswechsel in
dieser Politik."
Verteidigungsminister Cheney betonte am 7. Mai, "wir können uns keine Umstände vorsteilen, unter denen
wir amerikanische Truppen in Westeuropa stationiert haben würden und
nicht gleichzeitig einen beträchtlichen Anteil der aus atomaren Kurzstreckensystemen
bestehenden
Abschreckung aufrechterhalten würden.
Das ist eine Tatsache."
In einem Leserbrief in der Ausgabe der New York Times vom 10. Mai
1989 erklärte der Verteidigungsminister, "Nachdem wir 40 Jahre lang

- 3 -

�zur Abschreckung eines Krieges beigetragen
haben,
beabsichtigen
wir
nicht, irgendetwas zu tun, das die
NATO schwächen könnte. Wir haben die
Absicht, unser weltweites Engagement
aufrechtzuerhalten und sind dabei vom
Konzept der Stärke und Wachsamkeit
geleitet, das bisher gewährleistet
hat, daß der Kalte Krieg kalt bleibt."

die Aufmerksamkeit von den Wiener
Verhandlungen
über
Konventionelle
Streitkräfte in Europa (KSE) abzulenken. Er betonte, es bestünden größere Chancen als je zuvor, "um herauszufinden, ob wir ein Abkommen über
konventionelle
Rüstungen
erzielen
können".

Der Vorsitzende des Streitkräfteausschusses des Repräsentantenhauses,
Les Aspin, unterbreitete am 7. Mai
jedoch den Vorschlag, die Vereinigten
Staaten könnten "zwar nicht in diesem
Jahr, aber in den kommenden Jahren"
ihre Truppen aus der Bundesrepublik
abziehen, wenn sie sich weigern würde, der Stationierung von SNF auf ihrem Gebiet zuzustimmen.
"Wenn der
Wunsch nach einer dritten Null-Lösung
- der Beseitigung aller Atomwaffen besteht, dann rückt das Thema "keine
Atomwaffen, keine Truppen" wieder in
den Vordergrund", erklärte er.

Reduzierungen im strategischen
Bereich bleiben P~riorität~~bei der
Rüstungskontrolle

Lehman will konventionelle Rüstungsgespräche_ voranbringen
Am 10. Mai 1989 erteilte der Auswärtige Ausschuß des Senats seine Zustimmung zur Nominierung von Botschafter Ronald Lehman als designiertem Direktor der amerikanischen RUstungskontroll- und Abrüstungsbehörde
(ACDA).
Die Bestätigung durch den
Senat steht noch aus.
In seiner Anhörung vor dem Senat
erklärte Lehman am 5. Mai, die Verhandlungen über strategische und konventionelle Rüstungen stünden für ihn
nach seiner Bestätigung durch den Senat an erster Stelle.
Auf die Frage, ob ein START-Vertrag seiner Ansicht nach noch vor Ende des Jahres unterzeichnet werden
könnte, erklärte Lehman, angesichts
der Verifizierungsprobleme reiche die
Zeit bis Ende des Jahres 1989 wohl
nicht aus, um ein Abkommen zu erzielen.
Lehman erklärte ferner, sollte
sich die NATO mehr mit Kurzstreckensystemen befassen, liefe sie Gefahr,

Der neue ChefUnterhändler für
Kern- und Weltraumwaffen erklärte am
5. Mai vor dem Senat, dem Abschluß
eines START-Vertrages, komme "in der
Rüstungskontrolle erste Priorität" zu.
Vor dem Auswärtigen Ausschuß des
Senats
bezeichnete
Botschafter
Richard Burt dies als vordringlichen
Punkt, da die Sowjetunion "das einzige Land der Welt ist, das über die
Kapazitäten verfügt, um dieses Land,
seine Menschen und seine Werte zu
zerstören".
Bei der Anhörung vor dem Senat
warnte Burt - der Außenminister Baker
zu seinem Treffen mit dem sowjetischen Außenminister Schewardnadse
am 10. und 11. Mai nach Moskau begleitet hatte, um einen Termin zur
Wiederaufnahme der Gespräche im Juni
auszuhandeln - davor, daß die Lösung
der schwierigsten Fragen bei START
noch bevorstünde, wie etwa mobile Raketen, Verifizierung und die Verfahrensweisen bei den luft- und seegestützten Marschflugkörpern.
Burt bestand darauf, daß Bestrebungen zum Abschluß eines START-Vertrages ohne Einbeziehung von Einschränkungen der Strategischen Verteidigungsinitiative zur Raketenabwehr (SDI) erfolgen müssen. Ein solcher Vertrag "muß unsere Optionen zur
Entwicklung und Stationierung einer
strategischen Verteidigung schützen".
Der Ausschuß vertagte am 10. Mai
die Abstimmung über Burts Nominierung
auf Wunsch des Abgeordneten des republikanischen Abgeordneten Jesse Helms.

- 4 -

�"Grundsätzliche" Unterstützung von
Sanktionen bei chemischen Waffen
Der Abteilungsleiter für militärpolitische Angelegenheiten im Außenministerium, H. Allen Holmes, erklärte am 4. Mai gegenüber dem Kongreß,
die Bush-Administration sei "grundsätzlich" bereit, gesetzliche Sanktionen gegen Länder zu unterstützen,
die chemische Waffen einsetzen oder
ihrer Weiterverbreitung Vorschub leisten.
Er bestand jedoch darauf, daß jeder neue Gesetzentwurf "der Exekutive
vorgelegt werden muß und es keine automatische Reaktion oder rückwirkende
Anwendung" geben dürfe.
Holmes erklärte, die Vereinigten
Staaten ermutigten ihre Verbündeten
"zur Verstärkung der Exportkontrollen" und hätten auf diplomatischem
Wege versucht, Libyen vom Erwerb der
Fähigkeit zur Herstellung chemischer
Waffen abzuhalten.
"Obwohl wir nicht für uns in Anspruch nehmen können, den Handel mit
Material und Technologie für chemische Waffen unterbunden zu haben, haben wir es einzelnen Ländern doch erheblich erschwert, die Fähigkeit zur
Herstellung chemischer Waffen zu beschaffen oder zu erweitern", erklärte
Holmes.
Holmes verwies ferner darauf, daß
die Vereinigten Staaten in Genf weiterhin um die Aushandlung eines weltweiten Verbots chemischer Waffen bestrebt sein werden.

* * * * * *

- 5 -

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik
17. Mai 1989

20

STREITFRAGE "KALTE KERNFUSION"
- Wissenschaftler warten auf exakte Angaben zum Versuch
und seinen Resultaten -

WASHINGTON - (AD) - Forscher in aller Welt sind dabei, die Experimente der
Chemiker Stanley Pons (Universität Utah, USA) und Martin Fleischmann (Universität Southampton, England) auf der Basis der bisher erhaltenen Informationen
zu wiederholen. Die Ergebnisse sind sehr unterschiedlich, offenbar auch die
Meßmethoden und Meßgeräte. Der Schlußfolgerung der beiden als Elektrochemiker
durchaus respektierten Wissenschaftler, mit einem Palladiumstab als Kathode
und einer um diesen plazierten Platinspirale als Anode in einem Gefäß mit
schwerem Wasser bei Raumtemperatur, ohne zusätzlichen Druck und nur mit Strom
aus einer Autobatterie, eine kontrollierte Kernverschmelzungsreaktion unter
Energiegewinn erzielt zu haben, begegnet die Mehrheit der Experten mit wachsender Skepsis.
Pons und Fleischmann erläuterten
ihre Beobachtung des vierfachen Energiegewinns (in Form von Wärme) mit
einer durch elektrochemische Vorgänge
vorbereiteten, dann im Kristallgitter
des Palladiumstabes zustandegekommenen Verschmelzung
von Deuteronen,
d.h. von Kernen des schweren Wasserstoffs
Deuterium.
Wassermoleküle
werden unter Stromeinwirkung zersetzt
und in Sauerstoff- und Wasserstoffionen aufgespalten. Dabei spielt es
keine Rolle ob es sich um lechtes
Wasser (H2O) oder schweres Wasser
(D2O) handelt.
Die elektrisch positiven Ionen - im ersten Fall Protonen (Kerne des normalen Wasserstoffs
H), im zweiten Fall Deuteronen (Kerne
des schweren Wasserstoffs D, bestehend aus einem Proton und einem Neutron) - wandern zum elektrisch nega-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

tiven Pol, der Kathode. Das Halbedelmetall Palladium ist für Wasserstoff besonders stark aufnahmefähig.
Die beiden Chemiker vermuten, daß die
bei
Stromfluß
in das
PalladiumKristallgitter einsickernden Deuteronen nach gewisser Zeit so dicht darin
"gepackt" sind, daß die gegenseitige
Abstoßung der Teilchen gleicher elektrischer Ladung überwunden wird und
es zur Kernverschmelzungen kommt.
Dabei wird Energie frei - aber nach
Meinung der Nuk!earphysiker geht die
Rechnung
mit
den
von
Pons und
Fleischmann ermittelten Umsetzungsdaten nicht auf. Ein sehr wichtiger
und bekannter Faktor fehle - nämlich
Gammastrahlung oder ein dichter Strom
freigesetzter Neutronen.
Vor

einem

Ausschuß

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

des

ameri-

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�kanischen
Kongresses
bezeichnete
Fleischmann am 26. April 1989 das Experiment, über das er und Pons am 23.
März auf einer Pressekonferenz in
Salt Lake City zum ersten Mal berichtet hatten, als eine Form von Fusion,
die der Wissenschaft zuvor unbekannt
gewesen sei.
Sein Kollege und er
hätten jahrelang mit bestimmten Materialien und chemischen Reaktionen im
elektrischen
Feld
experimentiert.
Was sie jetzt erreicht hätten, sei
"kein Schuß ins Blaue" gewesen, sondern basiere auf logischen Überlegungen zu der Fragestellung, was unter
gegebenen Bedingungen geschehen werde. "Natürlich müssen jetzt die theoretischen Überlegungen und Hypothesen verbessert werden ... und diese
Forschung ist eindeutig Sache der
ganzen wissenschaftlichen Welt", sagte Fleischmann.
Angesichts des wachsenden weltweiten Interesses an "kalter Kernverschmelzung" wies das amerikanische
Energieministerium ungeachtet der gegenwärtigen Unklarheiten seine nationalen Laboratorien an, Forschungen zu
verstärken, die zum Verständnis des
Phänomens führen könnten. Energieminister James D. Watkins möchte alle
Möglichkeiten sondiert wissen, die
vielleicht
zur Erschließung einer
neuen Energiequelle führen könnten.
Er verwies jedoch darauf, daß der
Prozeß, der bei den Experimenten zu
der berichteten Freisetzung von Wärme
geführt habe, bisher nicht bekannt
sei - ob es sich nun um einen nuklearen, chemischen, mechanischen oder
anderen Vorgang gehandelt habe. Das
Parlament des amerikanischen Bundesstaates Utah bewilligte inzwischen
fünf Millionen Dollar zur Durchführung weiterer Experimente.
(Bisher
waren von den beiden Wissenschaftlern
ca. 100 000 Dollar dafür aufgewandt
worden.) Unter der Leitung von James
Fletcher, der kürzlich als Chef des
US-Amtes
für
Luft- und
Raumfahrt
(NASA) zurücktrat, sollen die Studien
für das Projekt von Utah aufgeteilt
und die Gelder an Universitäten und
Privatunternehmen vergeben werden.

Kernfusion ist der Prozeß im Innern der Sterne, also auch in unserer
Sonne, bei dem mehr Energie freigesetzt als verbraucht wird. Er wird,
ließe er sich technisch nutzen, als
ideal angesehen, weil dabei relativ
wenig radioaktiver Abfall entsteht.
Und der Brennstoff, schweres Wasser,
wäre in großen Mengen billig aus
Meerwasser zu gewinnen.
Im nicht
kontrollierten Ablauf
besitzt der
Prozeß ein ungeheures Zerstörungspotential
(z.B.
Wasserstoffbombe).
Seit Mitte der fünfziger Jahre beraühen sich Forscher in der ganzen Welt
darum,
eine
kontrollierte,
sich
selbst
erhaltende
Wasserstoff-Fusionsreaktion
zustandezubringen.
Dies aber war bisher nur bei sehr hohen Temperaturen mit mehreren Millionen Grad für sehr kurze Zeit möglich,
und reichte nicht aus, um wenigstens
bis zum "break-even point", d.h. zum
Gleichgewicht
zwischen
Energieverbrauch und Energiegewinn, zu gelangen. In letzter Zeit konzentrierten
sich in den USA viele Hoffnungen auf
die
mit
Magnetkräften
arbeitende
"Compact Ignition Tokamak"-Maschine,
die an der Universität Princeton errichtet werden soll, und auf die
"Nova"-Maschine am Lawrence Livermore
National Laboratory, wo mit enorm hoher Laser-Energie Deuterium in winzigen Kügelchen zum Verschmelzen gebracht wird.
Die Experimente von Pons und
Fleischmann
wurden
inzwischen
in
zahlreichen Instituten der Vereinigten Staaten sowie von Wissenschaftlern in Italien, in der Sowjetunion,
in Ungarn, Indien, Brasilien und in
der Bundesrepublik Deutschland teilweise oder ganz nachvollzogen. Aber
nur ganz selten fand man ähnliche Ergebnisse, die dann häufig nicht wiederholbar waren. Die meisten amerikanischen und europäischen Forschergruppen sind nicht überzeugt, daß es
sich bei dem in Utah beobachteten
Phänomen
um
Kernfusion
handelte.
Pons und Fleischmann berufen sich jedoch darauf, nicht nur die Freisetzung von Wärme, sondern auch von Neutronen sowie die Bildung von Tritium

v

i
*

�und Helium festgestellt zu haben also von erwarteten Nebenprodukten
der
Kernverschmelzungsreaktionen.
Auch sei der "break-even point" überwunden worden.
Die Reaktion habe
mehr Energie erbracht als verbraucht.
Pons und Fleischmann erklärten
ferner, nach dem von ihnen angewandten Prinzip könnten Großanlagen zur
Erzeugung von Wärme und Strom gebaut
werden. Das würde bedeuten, daß saubere, billige Energie praktisch unbegrenzt verfügbar wäre. Ein einziges
Gramm Deuterium setze so viel Energie
frei wie in ca. 9500 Litern Benzin
enthalten sei. Allerdings müsse, so
Fleischmann, zum Verständnis der Vorgänge weiter an den wissenschaftlichen
Grundlagen
gearbeitet
und
außerdem der Wert des Verfahrens für
die Energieökonomie gründlich untersucht werden.
Eine Forschergruppe an der Stanford-Universität (Kalifornien) unter
Leitung von Prof Robert A. Huggins
(Werkstoffwissenschaftler) berichtete
am 18. April, den Fusionstest erstmals in einem Experiment mit exakten
Kontrollbedingungen durchgeführt zu
haben. Man habe zwei Versuchsreihen
nebeneinander laufen lassen, wobei
einige
Palladium-Platin-Zellen
mit
schwerem Wasser, andere mit normalem
(leichtem) Wasser gefüllt waren. Ergebnis: Die Schwerwasser-Version erbrachte 50 Prozent mehr Wärmeenergie,
als verbraucht wurde, die Leichtwasser-Version brachte dagegen keinen
Wärmeüberschuß. Dies wurde als Anzeichen für eine nukleare, nicht für
eine chemische Reaktion verstanden,
da alle denkbaren chemischen Reaktionen in Verbindung mit leichtem Wasser
genauso
ablaufen
müßten wie mit
schwerem Wasser.
George Chapline,
Physiker am Lawrence Livermore National Laboratory, meinte dazu jedoch,
das Experiment der Stanford-Gruppe
beweise "nicht zwangsläufig", daß die
Wärmeentwicklung auf nukleare Reaktionen zurückzuführen sei.

giert, ebenfalls Neutronen aus einer
"kalten Kernfusion" im Labor beobachtet zu haben. Ihren ersten Angaben
hätten
Meßfehler
zugrundegelegen,
sagten beispielsweise Forscher am
Georgia
Institute
of
Technology.
Professor
Ronald
Ballinger
vom
Massachusetts Institute of Technology
(MIT) in Cambridge berichtete dem
Kongreßausschuß, daß seines Wissens
keine Forschergruppe - vielleicht mit
Ausnahme der Stanford-Universität die experimentellen Ergebnisse, die
an der Universität Utah erzielt wurden, habe nachvollziehen können. Am
MIT sei bisher keines der Ergebnisse
bestätigt worden "ungeachtet der Tatsache, daß wir ... sehr viel genauere
und empfindlichere Strahlenmeßmethoden anwenden als die Universität
Utah". Ihm und den anderen Gruppen
fehlten
ohnehin
genügend
wissenschaftliche Details der Utah-Versuche, die garantieren, "daß wir die
Experimente
tatsächlich
genauso
durchführen".
Fleischmann bezeichnete es als
Zeitvergeudung anderer Forschergruppen, nach großen Mengen von Neutronen
und anderen herkömmlichen Begleitproduktion einer Kernfusion zu suchen.
Vielmehr sei man an der Universität
Utah auf eine bislang unbekannte Art
von Kernfusion gestoßen, die als ungewöhnliches
Nebenprodukt
Helium-4
freisetze, dazu sehr viel Wärme und
einige andere Produkte.

Forscher aus anderer Institutionen haben inzwischen Aussagen korri- 3 -

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10540">
                <text>17.05.1989</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10541">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10542">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10543">
                <text>Amerikadienst 17.05.1989</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10544">
                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA würden "Rückkehr der Sowjetunion in die Weltordnung begrüßen"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Präsident Bush in Texas&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sowjetische Bedrohung noch nicht als schwächer zu bezeichnen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Staatssekretär Kimmitt vor dem Unterausschuß des Senats&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Stand der Rüstungskontrollverhandlungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wöchentliche Übersicht&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Streitfrage "Kalte Kernfusion"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wissenschaftler warten auf exakte Angaben zum Versuch und seinen Resultaten&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2405" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2416">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/0273cd5bb92d85c7f0504b9b2dc93f62.pdf</src>
        <authentication>f906303f96d99704f658a27d65e41b85</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="12435">
                    <text>amcrika
dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

17. Mai 1995

18

.

AUSSENPOLITIK

CLINTON SPRICHT ÜBER MOSKAUER GIPFEL
UND SANKTIONEN GEGEN JAPAN
Radioansprache des Präsidenten

USA-IRAK

ALBRIGHT UNTERSTÜTZT FESTE HALTUNG
DER UNO GEGENÜBER DEM IRAK
Ausweitung der Sanktionen

NICHTVERBREITUNG

USA BEGRÜSSEN ENTSCHEIDUNG ÜBER
VERLÄNGERUNG DES N W
Erklärung von Botschafterin Albright

USIA

AMERIKA HAUSER SIND ORGANISCHE
VERBINDUNG ZWISCHEN USA UND
DEUTSCHLAND
Rede von Richard C. Holbrooke

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-33 41 02

�AUSSENPOLITIK
17. Mai 1995

Clinton spricht über Moskauer Gipfel
und Sanktionen gegen Japan
Radioansprache des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - In einer Radioansprache an die Nation äußerte sich Präsident Clinton am 13. Mai 1995
dazu, wie der Moskauer Gipfel die Sicherheit der Vereinigten Staaten stärken wird und warum seine
Administration möglicherweise Sanktionen gegen japanische Importe verhängt.
Der Präsident sprach über sein jüngstes Treffen mit dem russischen Präsidenten Boris Jelzin, auf dem
Einigung über Fortschritte bei der Partnerschaft für den Frieden erzielt wurden und Rußland zusagte, den
Verkauf von Nukleartechnologie an den Iran einzustellen.
Ferner unterstrich Clinton seine Entschlossenheit, den japanischen Automarkt zu erschließen und erklärte:
"Aus diesem Grund habe ich meine Administration angewiesen, eine Liste mit potentiellen Sanktionen gegen
japanische Importe auszuarbeiten. Wir sind bereit zu handeln und werden das notfalls bald tun."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache des Präsidenten im Wortlaut.

Es ist schön, nach meiner Reise nach Rußland und
in die Ukraine wieder zu Hause zu sein. Ich habe
dort mit Vertretern unserer mutigen Alliierten aus
dem Zweiten Weltkrieg des 50. Jahrestages unseres
Sieges über den Faschismus in Europa gedacht.
Ebenso wie wir gedachten Menschen auf der ganzen Welt in dieser Woche der Opfer, die unsere
Freiheit schützten und unsere Welt sicherer machten. Ich habe diese Reise aber auch unternommen,
um die Sicherheit der Amerikaner in der Zukunft zu
erhöhen.
Ich möchte kurz einige der wichtigsten Aspekte
meines Treffens mit dem russischen Präsidenten
Jelzin ansprechen, die unsere Sicherheit vergrößern
sollen.
Erstens. Wir einigten uns auf weitere Fortschritte bei
der Teilnahme Rußlands an der Partnerschaft für
den Frieden, dem Programm über militärische
Zusammenarbeit zwischen der NATO und anderen
europäischen Demokratien, die sich alle der Achtung
der Grenzen und der Zusammenarbeit zur Förderung der kollektiven Sicherheit in Europa verpflichteten.
Zweitens. Präsident Jelzin erklärte sich einverstanden, den Verkauf von Nukleartechnologie an

AMERIKA DIENST 18

den Iran einzustellen, die eindeutig zur Entwicklung
von Nuklearwaffen eingesetzt werden könnte.
Drittens. Wir einigten uns, die Sonderkommission
unter Vorsitz von Vizepräsident Gore und dem
russischen Ministerpräsidenten Tschernomyrdin möge
prüfen, ob der Verkauf russischer Nuklearreaktoren
an den Iran diesem Land bei der Herstellung von
Kernwaffen helfen könnte.
Viertens. Wir befaßten uns mit der Angelegenheit,
wie Rußland bei der Einstellung seines Verkaufs
konventioneller Waffen an den Iran geholfen werden
könnte.
Fünftens. Wir beschlossen den Besuch von Fabriken
zur Herstellung biologischer Waffen im August als
Teil unserer gemeinsamen Bestrebungen zur Reduzierung der Gefahr einer Weiterverbreitung biologischer und chemischer Waffen. Dies ist von besonderer Bedeutung angesichts der jüngsten Giftgasanschläge auf japanische Untergrundbahnen durch eine
radikale Gruppe sowie von Hinweisen, daß solche
Gruppen sich weltweit um den Zugang zu chemischen und biologischen Waffen bemühen.
Sechstens. In Anbetracht der Tragödie von Oklahoma City und der Heimsuchung Rußlands durch das
organisierte Verbrechen vereinbarten wir den Austausch von Technologie, Informations- und Strafver-

Seite 1

�folgungsressourcen zur Förderung unserer gemeinsamen Bestrebungen im Kampf gegen Terrorismus
und organisiertes Verbrechen.

maßen. Wir haben lange genug vor dieser Mauer
gestanden. Jetzt müssen wir handeln, um amerikanische Arbeitsplätze zu schützen und zu schaffen.

Eine weitere wichtige Entscheidung in dieser Woche
wird uns ebenfalls helfen, die Welt in den kommenden Jahren sicherer zu machen. Die Vereinten
Nationen beschlossen eine unbefristete Verlängerung des Nichtverbreitungsvertrags. Dieser Vertrag
ist seit 25 Jahren unsere wichtigste Waffe im Kampf
gegen die Weiterverbreitung von Nuklearwaffen. Sie
kann jetzt unbefristet eingesetzt werden. Es war
kein leichter Kampf, und ich bin sehr stolz darauf,
daß die Vereinigten Staaten die Bestrebungen zur
Verlängerung des Einsatzes dieses unerläßlichen
und mächtigen Instruments anführten, das die
Sicherheit aller Amerikaner und aller Menschen auf
der Welt erhöht.

In den Vereinigten Staaten arbeiten nahezu 2,5
Millionen Menschen in der Automobilindustrie und
ihren Zulieferern, was 5 Prozent unserer Volkswirtschaft entspricht. Aufgrund der anderen von den
Automobilherstellern erworbenen Produkte hat der
Verkauf von mehr Autos positive Auswirkungen auf
unsere gesamte Wirtschaft.

Wir haben uns in dieser Woche nicht nur für eine
sicherere Welt für alle Amerikaner eingesetzt,
sondern auch für die weltweite Erschließung wirtschaftlicher Chancen für unser Volk. Die Vereinigten
Staaten sind dem offenen und fairen Handel zwischen allen Nationen verpflichtet. Aus diesem
Grund habe ich mich in den letzten beiden Jahren
so entschieden für die größten Initiativen zur Marktöffnung seit über einer Generation eingesetzt NAFTA, das Nordamerikanische Freihandelsabkommen, das Welthandelsabkommen GATT. Ich habe
mich dafür eingesetzt, daß sich unsere Partner in
der asiatisch-pazifischen Region und in unserer
eigenen Hemisphäre bis zu einem bestimmten
Zeitpunkt zu freiem und fairem Handel verpflichten.
Aus diesem Grund habe ich mich für den Abbau der
japanischen Handelshemmnisse engagiert, die
konkurrenzfähigen, von amerikanischen Facharbeitern hergestellten Produkten den Marktzugang
verwehren.

Jede Seite profitiert von der Öffnung der japanischen
Märkte. Alte Gewohnheiten und starke Interessen
lassen sich jedoch nur schwer abschaffen. Seit über
20 Jahren hat sich jeder amerikanische Präsident mit
diesem Problem befaßt, und unsere Administration
führt jetzt seit 20 Monaten Gespräche mit Japan. Es
besteht jedoch ein großer Unterschied zwischen
Gesprächen und Ergebnissen. Ich bin zur Öffnung
des japanischen Automarktes entschlossen. Aus
diesem Grund habe ich meine Administration angewiesen, eine Liste mit potentiellen Sanktionen gegen
japanische Importe auszuarbeiten. Wir sind bereit zu
handeln und werden das notfalls bald tun.

Wir schlössen innerhalb von 27 Monaten 14 zielorientierte Abkommen, um den japanischen Markt für
alle Waren zu öffnen - von unseren Äpfeln bis zu
unserem Reis, von unsererTelekommunikationsausrüstung bis zu unseren Leistungen im Wohnungsbau. Diese Abkommen zahlen sich allmählich bei
Arbeitsplätzen und Gewinnen hier in den Vereinigten
Staaten aus.
Im Hinblick auf den Verkauf von Autos und Autoteilen nach Japan stehen wir jedoch vor einer Wand.
Ausländer haben einen Anteil von 30 Prozent an
unserem Markt, aber nur 4 Prozent am japanischen
Markt - bei Kraftfahrzeugen und Autoteilen gleicher-

*

Seite 2

*

Unsere Bestrebungen, die japanischen Märkte
ebenso stark zu öffnen wie die unseren sind für
amerikanische Arbeitnehmer und Unternehmen von
Vorteil. Ferner sind sie gut für die japanischen
Verbraucher, die heute wegen ihrer Handelshemmnisse viel höhere Preise zahlen.

Wir wünschen keinen Handelskonflikt mit Japan,
werden jedoch nicht zögern, für faire Bedingungen für
amerikanische Produkte zu kämpfen. Ich möchte
zweierlei betonen: Wir streben keine Bevorzugung
amerikanischer Autos und Autoteile gegenüber denen
anderer Länder an. Wir wünschen, daß alle Länder
gleichen Zugang zum japanischen Markt bekommen.
Wir werden unsere Chancen immer im fairen Wettbewerb suchen.
Ferner möchte ich hervorheben, daß Japan ein
geschätzter Freund und Partner ist. Wir arbeiten in
vielen wichtigen Fragen zusammen, darunter Bestrebungen zur Öffnung des Handels auf anderen Gebieten sowie zur Förderung unserer gemeinsamen
Sicherheitsinteressen. Japan sollte wieder mit uns an
einem Strang ziehen. Gemeinsam müssen wir
sicherstellen, daß unsere Zukunft nicht nur mehr
Sicherheit, sondern auch mehr Wohlstand bietet - für
das amerikanische Volk und die Menschen auf der
ganzen Welt.

*

*

AMERIKA DIENST 18

'

�USA-IRAK
17. Mal 1995

Albright unterstützt feste Haltung der UNO
gegenüber dem Irak
Ausweitung der Sanktionen
VEREINTE NATIONEN - (AD) - Die "halbherzigen Maßnahmen und offene Täuschung" des Irak als Reaktion
auf die Direktiven des UN-Sicherheitsrats lassen dem Rat keine andere Wahl, als die gegen Baghdad
verhängten Sanktionen aufrechtzuerhalten, erklärte die amerikanische Botschafterin bei den Vereinten
Nationen, Madeleine Albright, am 12. Mai 1995 bei einem Treffen des Rats.
Frau Albright sprach bei einer nichtöffentlichen Sitzung des Sicherheitsrates, in der die 25. periodische
Sanktionsüberprüfung durchgeführt und festgestellt wurde, der Irak habe seine aus dem Waffenstillstand
resultierenden Vereinbarungen nicht ausreichend eingehalten, um eine Änderung der vor fünf Jahren
verhängten umfassenden Wirtschaftssanktionen zu rechtfertigen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache von Botschafterin Albright im Wortlaut.

Da der Irak seine Verpflichtungen aus den relevanten Resolutionen des Sicherheitsrats nicht erfüllt hat,
bleibt dem Rat keine andere Wahl, als die Sanktionen aufrechtzuerhalten. Anstatt sich an die Resolutionen zu halten, bot der Irak dem Sicherheitsrat mit
einer Mischung aus halbherzigen Maßnahmen und
offener Täuschung die Stirn.
Einer konsequenten Täuschungspolitik muß der Rat
mit konsequenter Festigkeit begegnen. Die Behauptungen des Irak, er habe die Bestimmungen von
Resolution 687 des Sicherheitsrats erfüllt, sind
eindeutig nicht fundiert und eine Mißachtung der
Schilderungen des Sonderbeauftragten Ekeus von
der Unzulänglichkeit der sogenannten "vollständigen,
endgültigen und umfassenden" Offenlegung der
irakischen Programme für biologische und chemische Waffen. Der Irak weigert sich weiterhin, eine
Anzahl von Verpflichtungen im Rüstungsbereich
einzuhalten - darunter die äußerst wichtige Resolution 707 des Rates.
Neben der Waffenfrage muß der Irak noch seine
Verpflichtungen zur Rückgabe kuwaitischen Besitzes
erfüllen. Viele der vom Irak gerade "zurückgegebenen" Militärtahrzeuge - eine Kollektion mutwillig
zerstörten und unbrauchbaren Alteisens - sind
tatsächlich Gegenstände, die der Irak vom Iran in
seinem ersten Aggressionskrieg gegen einen Nachbarn erbeutete. Ich wiederhole nochmals, daß es
keine Aussicht auf eine Abänderung der Sanktionen
gibt, bis der Irak die Waffen in funktionierendem

AMERIKA DIENST 18

Zustand zurückgibt, die er dem Land gestohlen und
in seiner eigenen Armee verwendet hat.
Bei Gesprächen über Kuwaitis sowie Angehörige von
Drittländern, die vom Irak umgebracht oder gefangengenommen worden sind, trug der Irak dem Sicherheitsrat Argumente mit zwei falschen Behauptungen
vor, die darauf hinweisen, daß ihr Verfasser nicht die
Resolution 687 des UN-Sicherheitsrats gelesen hat.
Erstens. Die Behauptung, diese Frage stehe nicht
mit Sanktionen in Zusammenhang, ist schlichtweg
falsch. Der Irak muß diese Angelegenheit regeln,
bevor Sanktionen modifiziert werden können. Zweitens. Die hektischen Bestrebungen des Irak, außerhalb des Rahmens des Internationalen Komitees
des Roten Kreuzes ein Abkommen zu schließen,
weisen darauf hin, daß das Land die klaren Instruktionen des Sicherheitsrates nicht verstanden hat.
Der Irak setzt sein internes Embargo gegen den
Nordirak, seine Unterdrückung der Schia und Zerstörung ihres Lebensraums im Süden fort - Aktionen,
die gegen Resolution 688 des UN-Sicherheitsrats
verstoßen.
Der Sicherheitsrat weiß, daß der Irak sich weiterhin
weigert, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen,
die zu einer Aufhebung der Sanktionen führen
könnten. Da er über die Schwierigkeiten besorgt war,
die Nichtmitglieder des Regimes mit der Finanzierung
grundlegender humanitärer Bedürfnisse haben, nahm
er einstimmig Resolution 986 an und ermöglichte

Seite 1

�damit dem Irak Olverkäufe zur Finanzierung von
Lebensmittelimporten, Medikamenten und anderem
humanitären Versorgungsmaterial.
Wir entwarfen eine Resolution, für deren Ablehnung
die irakische Regierung keine Entschuldigung hat.
Die Resolution befaßt sich mit allen Fragen, die von
der irakischen Regierung als Rechtfertigung für ihre
frühere Ablehnung der Durchführung von Resolutionen 706 und 712 angeführt wurden. Der Sicherheitsrat handelte aus Besorgnis um das irakische
Volk; wir waren enttäuscht über die Weigerung des
Irak, die Resolution zu akzeptieren, die der irakischen Bevölkerung mehr Nahrungsmittel und Medizin liefern würde, als die irakische Regierung zu
finanzieren bereit ist. Wir betrachten die irakische
Weigerung jedoch ebensowenig als endgültig wie die
Ablehnung der letzten 30 Resolutionen des Sicherheitsrats durch das Land.
Wenn die Regierung des Irak wirklich um das Wohl
ihrer Bevölkerung besorgt ist, sollte sie Resolution

986 akzeptieren und umsetzen. Wir weisen die
Behauptung Baghdads zurück, es bestehe kein
Bedarf für eine sogenannte Übergangsmaßnahme.
Wir bedauern, daß Baghdad zur Umgehung von
Resolution 986 entschlossen zu sein scheint, indem
es falsche Argumente über Souveränität anführt.
Dies ist zu einem Zeitpunkt, an dem der Rat eine
ausschließlich auf humanitäre Belange ausgerichtete
Resolution angenommen hat, nicht angemessen.
Die Befolgung der Resolutionen des Rates läßt
keinen Raum zum streiten oder feilschen. Das
wesentliche an ihnen ist, daß der Irak seine Bereitschaft unter Beweis stellen sollte, in Frieden mit
seinen Nachbarn und seinem eigenen Volk zu leben.
Der Sicherheitsrat hat das bekräftigt, und der Irak
sollte dementsprechend handeln. Wir sind bereit, auf
reale humanitäre Belange zu reagieren - wie Resolution 986 demonstriert - sind jedoch nicht bereit zur
Aufhebung der Sanktionen auf der Grundlage der von
Baghdad bisher unternommenen halbherzigen
Schritte.

* *

Seite 2

AMERIKA DIENST 18

�NICHTVERBREITUNG
17. Mai 1995

USA begrüßen Entscheidung über Verlängerung des N W
Erklärung von Botschafterin Albright
VEREINTE NATIONEN - (AD) - Die Botschafterin der Vereinigten Staaten bei den Vereinten Nationen,
Madeleine Albright, erklärte am 11. Mai 1995, die internationale Staatengemeinschaft hätte sich mit ihrer
Entscheidung über eine unbegrenzte Verlängerung des Nichtverbreitungsvertrags (NW) "einer historischen
Herausforderung gestellt und den Sieg davongetragen".
Frau Albright erörterte Strategie und Grundprinzipien der Vereinigten Staaten bei ihrer weltweiten Kampagne
zur unbegrenzten, bedingungslosen Verlängerung des Nichtverbreitungsvertrags auf einer Pressekonferenz,
die kurz nach der Entscheidung der Unterzeichnerstaaten über eine unbegrenzte Verlängerung des 25 Jahre
alten N W stattfand. Bei der Konferenz wurden auch andere Dokumente angenommen, darunter eine
Grundsatzerklärung, eine Verpflichtung zu einer Stärkung des Überprüfungsprozesses sowie eine Resolution

über eine Zone im Nahen Osten, die frei von Massenvernichtungswaffen sein soll.
Nachfolgend veröffentlichen wir den Text der von Botschafterin Albright bei der Pressekonferenz abgegebenen
Erklärung.
Meine Damen und Herren, zunächst einmal möchte
ich im Namen der gesamten amerikanischen Delegation bei der Konferenz über die Verlängerung des
N W zum Ausdruck bringen, daß wir einen langen,
schwierigen Weg zurückgelegt, letztlich aber unser
Ziel erreicht haben. Der Nichtverbreitungsvertrag ist
unbegrenzt verlängert worden. Die Gefahr einer
Verbreitung von Nuklearwaffen auch in anderen
Ländern wurde verringert. Durch die Verminderung
des Risikos, daß zusätzliche Länder zu Atommächten werden, sollte dieser außerordentliche Erfolg die
Welt zu einem sichereren Ort für uns alle, unsere
Kinder und Enkelkinder machen.

sowie auf zahlreiche andere Beamte des Außenministeriums, des Verteidigungsministeriums und des
Nationalen Sicherheitsrats.
Last but not least möchte ich den Dank meiner
Regierung an Botschafter Dhanapala, den Präsidenten der Konferenz übermitteln, der uns geschickt
durch aufgewühlte diplomatische Gewässer steuerte,
um die Verlängerung des Vertrags ohne ein entzweiendes Votum zu ermöglichen.

Präsident Clinton machte die Verlängerung des N W
zu einer seiner obersten außenpolitischen Prioritäten. Aus diesem Grund kam Vizepräsident Gore als
Leiter der amerikanischen Delegation nach New
York. Aus diesem Grund befaßte sich Außenminister Christopher in New York und bei verschiedenen
Zusammenkünften weltweit so energisch mit dieser
Frage. Und aus diesem Grund habe ich mich hier
bei den Vereinten Nationen an der Ausarbeitung der
Resolutionen über eine Erweiterung beteiligt und
während meiner letzten Reise an Gesprächen mit
anderen Politikern teilgenommen.

Zu Beginn dieser Konferenz waren die meisten
Kommentatoren der Ansicht, es könne kein Konsens
der Unterzeichnerstaaten über eine unbegrenzte
Erweiterung erlangt werden. Viele argumentierten,
die Vereinigten Staaten gefährdeten durch ihr Beharren auf einer unbegrenzten und bedingungslosen
Erweiterung unnötigerweise die Zukunft des N W .
Viele vertraten die Ansicht, wenn wir nicht auch einer
Verlängerung um eine kürzere Zeit zustimmten,
würden wir einige Länder zu einer Ablehnung oder
Abkehr vom N W veranlassen. Und viele sagten, um
eine Verlängerung des Nichtverbreitungsvertrags zu
erzielen, müßten wir über die Ansicht unserer Regierung zur richtigen Geschwindigkeit der Abrüstung
hinausgehen.

Dies war eine umfassende Bestrebung der USRegierung, während der wir uns stark auf die unermüdliche Expertise von Ralph Earle, Tom Graham
und der gesamten NW-Delegation verlassen haben

Diese Ansichten erwiesen sich allesamt als falsch
oder stark übertrieben. Trotz vieler schwieriger Tage,
in denen wir diese und andere Kritikpunkte zurückwiesen, erledigten die Delegation und die Administra-

AMERIKA DIENST 18

Seite 1

�tion ihre Arbeit auf entschiedene, geschäftsmäßige
Art und Weise.
Ein kurzer Blick auf die heutigen Entscheidungen
zeigt, daß sich unsere Mühe bezahlt gemacht hat.
Erstens haben wir erfolgreich Nutzen aus dieser
einmaligen Chance zu einer dauerhaften Verlängerung dieses entscheidenden Vertrags gezogen. Die
Länder können jetzt zuversichtlich und sicher sein,
daß eine Entscheidung über den Verzicht auf Nuklearwaffen ihrer Nation nicht in einigen Jahren schaden wird.
Zweitens war unsere Strategie, auf einer unbegrenzten Verlängerung zu beharren - selbst wenn das
eine Abstimmung erfordert - die richtige. Indem wir
unsere Entschlossenheit demonstrierten, eine
unbegrenzte Verlängerung sicherzustellen, wurden
sich andere bewußt, daß Verhandlungen in gutem
Glauben über Begleitdokumente und eine anschließende Einigung über eine Verlängerung des Vertrags die klügste Entscheidung darstellten.
Drittens wurde diese unbegrenzte Verlängerung
nicht an Bedingungen geknüpft. Wir vermieden
erfolgreich eine Sprachregelung, die die Zukunft des
N W an einen besonderen Zeitplan für bestimmte
Waffenkontrolle und Abrüstungsziele knüpft. Dies
war entscheidend, weil wir eine Situation vermieden,
in der das gesamte Gebäude der Nichtverbreitung
zusammenfallen würde, wenn ein spezifisches Ziel
der Rüstungskontrolle nicht zu einem bestimmten
Zeitpunkt erzielt würde. Es wurde Zutrauen in die
Dauerhaftigkeit
des
Nichtverbreitungsregimes
geschaffen. Die Länder können jetzt auf Atomwaffen
verzichten, ohne fürchten zu müssen, daß der
Vertrag in naher Zukunft scheitern könnte.
Obwohl mittlerweile fast jedes Land der Welt auf
Kernwaffen verzichtet, haben die Atommächte auf
dem Gebiet der Rüstungskontrolle und Abrüstung
große Schritte unternommen und werden das auch
weiterhin tun. Die Kombination der START I und
START Il-Verträge führte zur Zerstörung Tausender
von strategischen Nuklearwaffen, und die verbleibenden Waffen sind nicht länger auf die Zivilbevölkerung
gerichtet. Die Verhandlungen über die Beendigung
von Atomwaffentests machen gute Fortschritte - und
Präsident Clinton setzt sich für ein solches Verbot im
kommenden Jahr ein. Die Vereinigten Staaten
drängen auf ein globales Verbot der Produktion
spaltbarer Materialien für atomwaffenfähige Zwecke.

Bei der Aushandlung der Begleitdokumente weigerte
sich die Clinton-Administration, zu Verpflichtungen
über Rüstungskontrolle und Abrüstung gedrängt zu
werden, die uns unsolide und unrealistisch erscheinen. Und wir erreichten dennoch die unbegrenzte
und bedingungslose Verlängerung mit einhelliger
Unterstützung aller Vertragsparteien.
Gleichzeitig trugen wir den Anliegen vieler Regierungen, angeführt von der südafrikanischen Delegation
Rechnung, den Verif izierungsprozess des Vertrags zu
stärken. Die unbegrenzte Verlängerung des Nichtverbreitungsvertrags wird nicht unser Engagement für
die Erfüllung unserer Verpflichtungen unter dem
Vertrag schmälern. Ein beschleunigter Überprüfungsmechanismus wird dazu beitragen, dieses Ergebnis
sicherzustellen.

v

Abschließend möchte ich sagen, daß dieses erfolgreiche Ergebnis meines Erachtens auf mehrere
Faktoren zurückzuführen ist. Es ist ein Tribut an die
weltweite Lobbyistenarbeit Präsident Clintons während der vergangenen Monate. Ferner ist es das
Resultat des Goodwills, den die Clinton-Administration weltweit während der vergangenen Monate
aufbaute, während wir zunehmend eine Verfolgung
unserer außenpolitischen Ziele durch multilaterale
Diplomatie anstrebten.
Indem wir die Anliegen
anderer Länder hörten und ihnen - wo möglich Rechnung trugen, stellten wir sicher, daß andere
Länder den wichtigen Anliegen der Vereinigten
Staaten Rechnung tragen. Und natürlich ist unser
heutiger Erfolg das Ergebnis des Engagements vieler
Länder für ein Nichtverbreitungsregime. Ihr Verständnis von der Bedeutung einer unbegrenzten
Verlängerung des Vertrags war ein entscheidender
Faktor.
Als Vizepräsident Gore vergangenen Monat bei
dieser Konferenz eine Rede hielt, verglich er diesen
Moment der Entscheidung mit der Krise, mit der die
Generation des Zweiten Weltkriegs konfrontiert war,
und die Präsident Roosevelt als "Rendezvous mit
dem Schicksal" bezeichnet hatte. Mit der heutigen
Entscheidung haben sich die Länder der Welt - und
die Vereinigten Staaten im besonderen - einer
historischen Herausforderung gestellt und den Sieg
davongetragen. Sie trafen eine kluge Entscheidung,
indem sie eine gefährlichere Welt mit neuen Nuklearwaffen zurückwiesen. Und indem wir eine Welt
sicherstellten, in der nicht durch Unsicherheit und
Angst neue und gefährliche Nuklearwaffen hervorgebracht werden, entschieden wir uns dafür, die
Sicherheit aller zu stärken.

Zusammen mit der Verlängerung des N W haben
diese Schritte die Gefahr eines Atomkriegs stark
verringert. Und das ist natürlich das Ziel all unserer
Bestrebungen.

Seite 2

,

AMERIKA DIENST 18

'

�USI A
17. Mai 1995

Amerika Häuser sind organische Verbindung
zwischen USA und Deutschland
Rede von Richard C. Holbrooke
FRANKFURT/MAIN - (AD) - Die Amerika Häuser sind "ein einzigartiges Kapital", erklärte der Abteilungsleiter
für europäische und kanadische Angelegenheiten im US-Außenministerium, Richard C. Holbrooke, der am 11.
Mai 1995 in der Frankfurter Paulskirche im Namen des US-Informationsamts (United States Information Agency
- USIA), dem die Amerika Häuser angehören, den Leo M. Goodman Award entgegennahm.
Die Amerika Häuser stellten eine "organische Verbindung zu Deutschland" her, äußerte Holbrooke und hob
insbesondere ihre Anpassungsfähigkeit hervor. Sie böten "einen facettenreichen Dialog und Engagement
zwischen unseren beiden Ländern auf vielen Ebenen".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Abteilungsleiter Holbrooke im Wortlaut.
Fred, Außenminister Genscher, Botschafter Redman,
es ist mir eine große Ehre, stellvertretend für die
Amerikanische Botschaft und das US-Informationsamt (United States Information Agency - USIA), dem
die Amerika Häuser in Deutschland angehören, den
Leo M. Goodman Award entgegenzunehmen.
Besonders geehrt fühle ich mich über die heutige
Anwesenheit eines früheren Preisträgers.
Ich
möchte Herrn Genscher meine Dankbarkeit für alles
aussprechen, was er für die deutsch-amerikanischen
Beziehungen sowie die Sache des Friedens und der
Freiheit in Europa und auf der Welt getan hat.
Dr. Joseph Duffey, der Direktor des US-Informationsamts, bedauert es außerordentlich, heute nicht hier
sein zu können. In wenigen Stunden wird er bei der
Anhörung eines Senatsausschusses über die Zukunft des US-Informationsamts sprechen. Ich bin
zuversichtlich, daß der heute den Amerika Häusern
verliehene Preis Dr. Duffey dabei unterstützen wird,
dem Kongreß und dem amerikanischen Volk ein
deutliches Signal zu senden, daß USIA in unserem
außenpolitischen Team eine unerläßliche Rolle
spielt.
Ich finde es sehr erfreulich, daß dieser Preis zwei
Jahre hintereinander einem der Unseren verliehen
wird. Im vergangenen Jahr wurde Senator William
Fulbright für die Gründung des Austauschprogramms
ausgezeichnet, das seinen Namen trägt. Das Ful-

AMERIKA DIENST 18

bright-Programm, dessen Ehrenvorsitzende der USBotschafter in Deutschland und Außenminister Kinkel
sind, fällt ebenfalls in den Aufgabenbereich von USIA.
Wir alle bedauerten vor kurzem den Tod des Senators. Gleichzeitig wurden wir aber auch daran
erinnert, daß gute Werke ein Menschenleben überdauern. Durch das Fulbright-Programm wird sein
Name lange Zeit ein Symbol für Völkerverständigung
und Goodwill bleiben.
Sowohl die Amerika Häuser als auch das FulbrightProgramm bezeugen die Bedeutung des zwischenmenschlichen Austauschs sowie des interkulturellen
Dialogs. Die Amerika Häuser in Deutschland sind
seit einem halben Jahrhundert Foren für freie, offene
und ehrliche Gespräche.
Wenn ich von freien und offenen Diskussionen
spreche, erinnert mich das daran, wie angemessen
dieser Veranstaltungsort - die Paulskirche - ist, die
seit anderthalb Jahrhunderten die Rede- und Meinungsfreiheit symbolisiert.
Hier kam das erste,
demokratisch gewählte Parlament in der deutschen
Geschichte zusammen, um eine Verfassung für ein
freies und geeintes Deutschland auszuarbeiten.
Bedauerlicherweise wurde dieser große Traum
zunichte gemacht, mit militärischer Gewalt unterdrückt. Nach der erfolglosen Revolution der 40iger
Jahre des 19. Jahrhunderts kam ein Strom berühmter
Deutscher, viele der Talentiertesten und Klügsten

Seite 1

�dieses Landes, über den Atlantik und bereicherte
und stärkte die Demokratie in den Vereinigten
Staaten.
Unter ihnen waren Carl Schurz, der amerikanischer
Senator, Innenminister und führender Reformer
wurde; Thomas Nast, der wichtigste politische
Cartoonist unserer Geschichte - er erfand den Esel
als Symbol der Demokratischen Partei, den Elefanten der Republikaner und unser nationales Selbstbildnis, Onkel Sam - sowie Albert Bierstadt, einer der
Gründer der ersten Schule amerikanischer Maler,
der Hudson River School.
Deutsche Einwanderer spielten weniger als 20 Jahre
später eine entscheidende Rolle in der größten Krise
der amerikanischen Geschichte - unserem Bürgerkrieg. Deutsche Einwanderer halfen unserer Nation,
diese Bewährungsprobe zu bestehen und die von
uns stets hochgehaltenen Ideale zu verteidigen. Der
berühmte Südstaatengeneral, Robert E. Lee, soll
gesagt haben: "Wenn die Deutschen nicht gewesen
wären, hätten wir die Yankees geschlagen."
300.000 deutsche Einwanderer kämpften für die
Union, darunter Generäle wie der eben erwähnte
Carl Schurz und Franz Sigel.
Ungefähr 100 Jahre später überquerte ein anderer
Menschenstrom den Atlantik - dieses Mal in Richtung Osten. Ende der 40iger und Anfang der 50iger
Jahre kamen viele Amerikaner nach Deutschland,
um beim Wiederaufbau Ihres Landes zu helfen und
eine starke Grundlage für Ihre Demokratie zu legen.
Zu ihren herausragenden Leistungen zählt die
Errichtung der Amerika Häuser.

In ihren Anfängen

waren es kleine Leseräume in der amerikanischen
Besatzungszone, oft an unmöglichen Orten: Im
Hinterzimmer eines Wirtshauses, in einer Arztpraxis
oder einer Börse. Aus diesen bescheidenen Anfängen entwickelten sich während der ersten Monate
und Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs
in Städten in ganz Westdeutschland amerikanische
Bibliotheken.
Diese Zentren sowie die von ihnen organisierten
Filmvorführungen, Vorträge, Ausstellungen und
Konzerte füllten ein Vakuum in einem Land, das
durch die Diktatur isoliert und vom Krieg zerstört
war. Diese Aktivitäten unterstanden in den Anfangsjahren den amerikanischen Streitkräften und anschließend dem US-Außenministerium.
1953
übernahm das neugegründete US-Informationsamt
diese Aufgaben.
Diese mittlerweile "Amerika Häuser" umgetauften
Institutionen waren für die deutsche Öffentlichkeit
eine Offenbarung. Menschen mit einem gesunden

Seite 2

Mißtrauen gegenüber Propaganda - Ergebnis ihrer
schrecklichen Erfahrungen - waren äußerst beeindruckt von der Offenheit sowie Meinungs- und
Ideenfreiheit, die sie dort vorfanden.
Der US-Hochkommissar für Deutschland, John J.
McCIoy, erklärte 1950: "Das Amerika Haus ist kein
Haus der Propaganda. Es ist ein Ort, an dem freie
Männer und Frauen ihre Ansichten austauschen,
lernen und gegenseitiges Verständnis entwickeln
können."
Dieses Verständnis entstand und entsteht durch
Bücher und Zeitschriften, Besuche amerikanischer
Künstler, Wissenschaftler und Regierungsvertreter,
Kunstausstellungen und Konzerte sowie durch
Austausch- und internationale Besucherprogramme.

,

i

Musiker von John Cage bis Lionel Hampton, Schriftsteller von William Faulkner bis Toni Morrison,
Künstler und Architekten von Edward Steichen bis
Mies van der Rohe kamen im Laufe der Jahre in die
Amerika Häuser.
Während der letzten Jahrzehnte, in denen Deutschland seine eigenen Bibliotheken und Kulturinstitutionen wiederaufbaute und eine stabile und erfolgreiche
Demokratie schuf, sank unweigerlich die Zahl der
Amerika Häuser. Die derzeitigen Häuser - Berlin,
Köln, Frankfurt, München, Hamburg und Leipzig sind Aushängeschilder eines Systems, dem einst
über 50 angehörten.
Leseräume weichen jetzt den CD-ROMs. Digitale
Videokonferenzen nutzen Satellitentechnologie;
umfangreiche Zeitschriften werden auf CDs gespeichert; Multimedia-Computer vergrößern den Zugang
von Studenten, die in den Vereinigten Staaten
studieren wollen, zu mehr Informationen.
Durch Investitionen in neue Konzepte von Service
und Technologie können die Amerika Häuser führenden deutschen Meinungsbildern heute und morgen
mehr Einblick in die Vereinigten Staaten gewähren
als je zuvor. Alle Amerika Häuser sind heute nahtlos
durch ein elektronisches Netz verbunden, das sofort
neueste Informationen über die Vereinigten Staaten
bereitstellt.
Jedes enthält das neue "Information USA"-System,
das weit über die Rolle einer traditionellen Bibliothek
hinausgeht. Das "Information USA"-System umfaßt
den Auskunftsdienst "Reference Service", der Informationen über alle Aspekte amerikanischer Politik
und Gesellschaft bereitstellt, "Study in the USA", das
an einem Studium in den Vereinigten Staaten interessierten Deutschen Beistand leistet, die "Business
Information Centers", die - in Zusammenarbeit mit der

AMERIKA DIENST 18

«

k

�Handelsabteilung des US-Wirtschaftsministeriums spezielle Daten über amerikanische Unternehmen,
Produkte und Dienstleistungen liefern, um unsere
wachsenden Wirtschaftsbeziehungen zu fördern.
Es ist äußerst passend, daß das erste Business
Information Center im Januar vergangenen Jahres
im Amerika Haus Frankfurt eröffnet wurde. Dies ist
eine Anerkennung der Rolle dieser Stadt als eines
der wichtigsten Finanzzentren Europas.
Ich möchte bei dieser Gelegenheit der Amerikanischen Handelskammer für ihre fortgesetzte und
energische Unterstützung der Amerika Häuser
danken. Wie die Verleihung des Leo M. Goodman
Awards demonstriert, profitieren beide Seiten von
diesen Beziehungen. Amerikanische Unternehmen
leisten einen unerläßlichen Beitrag zu Frieden,
Völkerverständigung und Demokratie hier und andernorts.
Die Förderung amerikanischer Unternehmen im
Ausland gehört zu den wichtigsten Aufgaben unserer
Präsenz außerhalb der Vereinigten Staaten. Sie ist
ein Schlüsselelement von Präsident Clintons Plan für
nationales Wirtschaftswachstum und Sicherheit. Wir
in der Regierung pflegen im Rahmen eines Prozesses gemeinsamer Aktionen und der Verständigung
überall Kontakte zu amerikanischen Unternehmen.
Die Business Information Centers, die vom USInformationsamt und der Handelsabteilung des USWirtschaftsministeriums in sechs Städten Deutschlands unterhalten werden, sind ein gut sichtbares
und dynamisches Symbol für die neue Konzentration
auf wirtschaftliche und unternehmerische Interessen
als integraler Bestandteil der Außenpolitik dieser
Administration. Seit ihrer Eröffnung vor einem Jahr
haben die Business Information Centers Tausende
von Anfragen deutscher und amerikanischer Unternehmen beantwortet. Gleichzeitig hat die Zusammenarbeit zwischen dem US-Informationsamt, der
Handelsabteilung des US-Wirtschaftsministeriums,
anderer Regierungsbehörden der Vereinigten Staaten sowie Organisationen wie der Amerikanischen
Handelskammer in Deutschland den Amerika Häusern eine neue Rolle gegeben - als Forum und
Treffpunkt für Wirtschaftsvertreter.
Natürlich vertreten wir Amerika als Ganzes, nicht
einzelne Unternehmen.
Aber wir können hier
interessante Informationen über Wirtschaft und
Unternehmen der Vereinigten Staaten geben. Die
Entwicklung neuer und die Wiederbelebung alter
Industrien - die vielgestaltige Kreativität amerikanischer Unternehmen - sind ein anregendes Beispiel
für unsere fortdauernde nationale Dynamik.

AMERIKA DIENST 18

Am heutigen Abend ist auch ein besonderes Wort
des Dankes an die Adresse der Organisationen und
Freiwilligenverbände engagierter und aufgeschlossener Einzelpersonen angebracht, die über die Jahre
zum Erhalt der Amerika Häuser beigetragen haben.
Ich meine die "Freunde und Förderer des Amerika
Hauses" in Frankfurt, die "Freunde des Amerika
Hauses" in München und Berlin sowie den "Freundeskreis des Amerika Hauses Köln". Diese Gruppen
haben viel dazu beigetragen, die Amerika Häuser zu
den lebenswichtigen Kräften zu machen, die sie
waren und sind. Wir stehen tief in ihrer Schuld.
Würdigen möchte ich auch die Deutsch-Amerikanischen Institute - die GAls - die über die Jahre hinweg
die Fahne hochgehalten haben. Viele waren ursprünglich Amerika Häuser. Sie alle führen solide,
nachdrückliche und kreative Programme durch - trotz
der Rückschläge und Haushaltskürzungen, die uns
alle auf beiden Seiten des Atlantiks betreffen.
Meinen aufrichtigen Dank möchte ich auch der
deutschen Regierung - auf Bundes-, Länder- und
Gemeindeebene - für ihre entschiedene Unterstützung der GAls und der Amerika Häuser aussprechen.
Nur dadurch ist die lebhafte amerikanische Präsenz
in vielen Teilen Deutschlands möglich geworden.
Die Amerika Häuser haben seit ihren bescheidenen
Anfängen viel erreicht. Trotz oder vielleicht gerade
wegen dieses ständigen Wandels stehen sie für
dauerhafte, dynamische Bande zwischen Deutschland
und den Vereinigten Staaten.
Bei der Eröffnung des jüngsten Amerika Hauses in
Leipzig vor drei Jahren erinnerte sich der sächsische
Ministerpräsident Kurt Biedenkopf daran, wieviel er
selber während der fünfziger Jahre von seinen
Besuchen in den Amerika Häusern in Westdeutschland gelernt hatte. Jetzt bietet das neue Amerika
Haus Leipzig den Ostdeutschen, die nahezu sechs
Jahrzehnte lang von der amerikanischen Kultur
abgeschnitten waren, diese Möglichkeit.
Ich freue mich über unsere bisherigen Leistungen,
Amerika und die neuen Bundesländer einander
anzunähern, und sehe der Zukunft erwartungsvoll
entgegen. Zusätzlich zum Programm des Amerika
Hauses Leipzig, das für Sachsen und Thüringen
zuständig ist, erweitert das Amerika Haus Berlin
unsere Aktivitäten in Brandenburg, Sachsen-Anhalt
und Mecklenburg-Vorpommern.
In Zusammenarbeit mit der Universität Halle-Wittenberg, der Leucorea-Stiftung und anderen sind wir
aktiv an der Errichtung eines Centers for Advanced
English and U.S. Studies in Lutherstadt Wittenberg
beteiligt. Radio Charlie der Voice of America wird am

Seite 3

�Samstag in Berlin seinen Sendebetrieb auf der
Frequenz des früheren AFN aufnehmen. Dieses
Projekt - eine Partnerschaft zwischen VOA, die
ebenfalls dem US-Informationsamt untersteht, und
Capital Radio wird einen belebenden Beitrag zur
Medienlandschaft in der am schnellsten wachsenden
und dynamischsten Hauptstadt Europas leisten.
Eine weitere interessante neue Institution, die
Amerikanische Akademie zu Berlin, wird sich auf die
Förderung des Kulturaustausche auf der Ebene der
Geisteswissenschaften über den Atlantik hinweg und
in ganz Mitteleuropa konzentrieren.
Ich habe über unsere Leistungen in der Vergangenheit und Pläne für die Zukunft gesprochen. Diese
Aktivitäten finden jedoch vor dem Hintergrund jahrhundertealter gemeinsamer Geschichte und Erfahrungen statt. Wir, die wir am heutigen Abend hier
versammelt sind -Deutsche und Amerikaner gleichermaßen - wissen, daß unsere beiden Völker über
Jahrhunderte einzigartige Beziehungen entwickelt
haben - entstanden durch die Einwanderung, zerrissen durch Kriege, geheilt und gepflegt durch Wiederaufbau und Bündnisse, aufrechterhalten durch
zwischenmenschliche Kontakte sowie den Austausch
von Menschen und Gütern.
Wir wissen, daß die Geschichte uns auf Gedeih und
Verderb aneinander gebunden hat, daß es einem
unserer Länder nur gut gehen kann, wenn es dem
anderen ebenfalls gut geht.
Wir sind uns auch bewußt, daß eine unserer wichtigsten Aufgaben in der Pflege dieser Beziehungen
besteht und darin, ihre Zukunft treuhänderisch zu
verwalten - die lebenswichtigen Verbindungen aufrechtzuerhalten, die gewährleisten, daß die Lehren
der Geschichte von einer Generation an die nächste
weitergegeben werden.
Wir befinden uns inmitten eines dynamischen Wandels und suchen nach Lösungen für die neuen
Herausforderungen zunehmend komplexer und
zunehmend multikultureller Gesellschaften.
Die
Notwendigkeit einer Anpassung an neue Gegebenheiten besteht immer weiter: Vom Informationszeitalter bis zu einem zunehmend integrierten
Europa, von Haushaltskürzungen bis zu den Erfordernissen einer wirklich globalen Wirtschaft.
Die Amerika Häuser sind Zeugen und Leitfiguren in
den wogenden Wassern des Wandels. Sie stehen
für direktes amerikanisches Engagement - eine
organische Verbindung zu Deutschland. Sie erfassen und reflektieren nicht nur Ihre, sondern auch
unsere regionale Vielfalt.
Sie gehen über die
nationalen Hauptstädte - Bonn und Washington,
Berlin und New York - hinaus und erstrecken sich

Seite 4

auf regionale Hauptstädte wie Hamburg und Chicago,
München und Cincinnati.
Die Amerika Häuser sind ein einzigartiges Kapital.
Sie öffnen jedem die Tür zu den Vereinigten Staaten,
der uns in unserer ganzen Vielfalt kennenlernen
möchte. Sie sind greifbare Symbole unserer dauerhaften Freundschaft und wechselseitigen Abhängigkeit.
Das Geniale an ihnen ist ihre Anpassungsfähigkeit.
Sie bieten einen facettenreichen Dialog und Engagement zwischen unseren beiden Ländern auf vielen
Ebenen. Im übergreifenden Kontext eines Programms des Amerika Hauses wird ein aufmerksamer
Beobachter erstaunliche Nebeneinanderstellungen
und Ähnlichkeiten beispielsweise von Geldwert und
moralischen Werten, von Außen- und Städtepolitik
sehen.
Es war eine kluge Entscheidung, unsere Zentren
"Häuser" zu nennen. Ein Haus ist ein Ort, der
Besucher willkommen heißt, jedoch hauptsächlich der
Familie dienen soll. Ein Haus enthält komplexe und
miteineinander verflochtene Beziehungen, die bisweilen schwierig sind. Es ist jedoch letztlich ein Ort, an
dem man sich umeinander kümmert. Die Amerika
Häuser sind die physische Manifestation dauerhaften
Engagements.
Nationale Politik wird weltweit immer stärker nicht nur
von Eliten, sondern von zunehmend besser informierten Bürgern beeinflußt. Eine äußerst wichtige Rolle
spielen dabei Einzelpersonen und Organisationen, die
sich mit grenzüberschreitenden Fragen befassen wie Handel, Menschenrechte, Umwelt, Rolle der Frau,
Bildung und Einwanderung. Internationale Beziehungen werden immer zersplitterter, unmittelbarer und
persönlicher. Die Ansichten und Aktionen der Öffentlichkeit in den einzelnen Ländern haben einen
größeren Einfluß auf die Weltgeschichte als je zuvor.
Unsere Aufgabe in der amerikanischen Außenpolitik
besteht darin, diesem wachsenden Bedürfnis zu
entsprechen: Zur Förderung unserer nationalen
Interessen zu verstehen, zu informieren und zu
beeinflussen und den Dialog zwischen Amerikanern
und der übrigen Welt zu erweitem.
In diesem Zusammenhang werden USIA und die
Amerika Häuser auch in Zukunft auf glaubwürdige
und sinnvolle Art die Position der Vereinigten Staaten
erklären und verteidigen, Informationen über die
offizielle Politik der Vereinigten Staaten sowie über
die diese Politik gestaltenden Bürger, Werte und
Institutionen geben und amerikanische und deutsche
Bürger gleichermaßen in den Genuß der Vorteile
internationalen Engagements bringen.

AMERIKA DIENST 18

�die alten Welten Griechenlands und Roms
trennte... Unsere Rollen unterscheiden und
ergänzen sich - und wir verfolgen dieselben
Ziele: Frieden und Freiheit für alle Menschen
für alle Zeit in einer Welt des Wohlstands und
der Gerechtigkeit."

Im nächsten Monat sind es 32 Jahre her, daß Präsident John F. Kennedy in diesem Raum Worte
sprach, die heute ebensolche Gültigkeit haben wie
damals:
"... Denn wir leben in einer Welt wechselseitiger Abhängigkeiten sowie der Unabhängigkeit
- einem Zeitalter des Internationalismus sowie
des Nationalismus... heute gibt es keine
ausschließlich deutschen oder amerikanischen
oder sogar europäischen Probleme. Es gibt
internationale Probleme, und unsere beiden
Länder und Kontinente sind bei den Aufgaben
des Friedens ebenso wie im Krieg untrennbar
miteinander verbunden.
Wir sind Partner für den Frieden - nicht in
einem engen, bilateralen Kontext, sondern im
Rahmen einer atlantischen Partnerschaft. Der
Ozean trennt uns weniger, als das Mittelmeer

Die Amerika Häuser und das US-Informationsamt
haben während des vergangenen halben Jahrhunderts einen großen Beitrag dazu geleistet, einen
Konsens über diese gemeinsamen Ziele zu bilden.
Möge dieser großzügige Preis uns zu erneutem
Engagement inspirieren. Wir wollen sicherstellen,
daß diese Institutionen sich in einer wandelnden Welt
weiterhin anpassen, verbessern und unsere beständige deutsch-amerikanische Freundschaft auf Dauer
vertiefen.
Ich danke Ihnen.

*

AMERIKA DIENST 18

*

Seite 5

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="12430">
                <text>17.05.1995</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="12431">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="12432">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="12433">
                <text>Amerikadienst 17.05.1995</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="12434">
                <text>&lt;strong&gt;1. Außenpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton spricht über Moskauer Gipfel und Sanktionen gegen Japan&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Radioansprache des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. USA-Irak&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Albright unterstützt feste Haltung der UNO gegenüber dem Irak&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ausweitung der Sanktionen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Nichtverbreitung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA begrüßen Entscheidung über Verlängerung des NVV&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung von Botschafterin Albright&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. USIA&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerika Häuser sind organische Verbindung zwischen USA und Deutschland&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Richard C. Holbrooke&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2972" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2812">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/e66a245c1849258f921289c92894f0dc.pdf</src>
        <authentication>d243c445da53df9cb987d384b42d9a06</authentication>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="15805">
                <text>Amerikadienst 17.06.1960</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="49">
            <name>Subject</name>
            <description>The topic of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="15806">
                <text>Allgemeines</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="15807">
                <text>Herausgeben U.S. Information&#13;
Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="15808">
                <text>17.06.1960</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="15809">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="20440">
                <text>&lt;strong&gt;1. Die Wissenschaft notiert&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Strahlenströme und Luftfahrt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Meteorologische Forschung soll Gefahrenquellen für Düsenflugzeuge klären&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Leben in den USA&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;"Action" hilft schönere Städte schaffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Private Organisation zur Förderung städtebaulicher Neugestaltung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Beste Berufsaussichten für College-Absolventen&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rund 405 000 Studenten verlassen im Juni die Hochschulen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von John Kerigan&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Funk und Fernsehen in den USA&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;5000 Dollar für das beste Fernsehspiel&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dokumentarfilmbericht "Paris in the Twenties"</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2251" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2262">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/2bf0aa3dc750d94977a6dbf6d7fee9a5.pdf</src>
        <authentication>ef368bb2bd5c89a77297693e61ea159c</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="11490">
                    <text>^ZS7*»

amcrika
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America
'

17. Juni 1992

24

ERDGIPFEL

BUSH DRINGT AUF RASCHE UMSETZUNG DER
KLIMAKONVENTION
Ansprache bei Umweltgipfel in Rio
REILLY SIEHT ZAHLREICHE FORTSCHRITTE
BEI UMWELTKONFERENZ
Pressekonferenz beim Erdgipfel

USA-EUROPA

DAS VERSTÄRKTE AMERIKANISCHE ENGAGEMENT IM NEUEN EUROPA
Rede von Botschafter Kimmitt bei der
Konrad-Adenauer-Stiftung

NATO

NATO: STREITMACHT FÜR DEN FRIEDEN
IN DER ZEIT NACH DEM KALTEN KRIEG
von Paul Wolfowitz

ATOMTESTS

ATOMTESTS: WARUM SIE WEITERHIN
ERFORDERLICH SIND
Weißbuch des US-Verteidigungsministeriums

KONGRESS

NÄCHSTER PRÄSIDENT KÖNNTE VOM
KONGRESS BESTIMMT WERDEN
Perot-Kandidatur könnte allgemeine
Wahl kompliziert gestalten

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�ERDGIPFEL
17. Juni 1992

BUSH DRINGT AUF RASCHE UMSETZUNG
DER KLIMAKONVENTION
Ansprache bei Umweltgipfel in Rio
RIO DE JANEIRO - (AD) - Präsident Bush hat die anderen Industriestaaten dazu eingeladen, gemeinsam mit
den Vereinigten Staaten unverzüglich an die Arbeit zu gehen, um die von ihm und anderen Staats- und
Regierungschefs bei der Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung unterzeichnete
Konvention zum Schutz des Erdklimas umzusetzen.
"Ich schlage vor, daß unsere Länder bis zum 1. Januar zusammenkommen, um unsere nationalen Pläne zur
Erfüllung der speziellen Verpflichtungen der Rahmenkonvention vorzulegen", erklärte Bush in seiner Ansprache
bei der Konferenz am 12. Juni 1992. "Lassen Sie uns gemeinsam die hier gesprochenen Worte in konkrete
Maßnahmen zum Schutz des Planeten umsetzen."
Nachfolgend veröffentlichen wir Präsident Bushs Ansprache in Rio im Wortlaut.

Präsident Collor, Herr Generalsekretär, verehrte Delegationsleiter. Zunächst möchte ich Generalsekretär
Boutros-Ghali meine Bewunderung aussprechen und
mich bei Generalsekretär Maurice Strong für seine
unermüdliche Arbeit bedanken, um diesen "Erdgipfel"
zustande zu bringen. Dies ist wahrhaft eine historische
Versammlung.
Es gibt ein chinesisches Sprichwort: Wenn ein Mensch
die Erde betrügt, wird die Erde den Menschen betrügen. Der Gedanke, den Planeten zu erhalten, damit er
uns erhalten kann, ist so alt wie das Leben selbst. Wir
müssen diese Erde in besserem Zustand hinterlassen
als wir sie vorfanden.
Heute muß diese Binsenweisheit auf neue Bedrohungen angewendet werden, von denen die uns alle am
Leben erhaltenden Ressourcen betroffen sind - die
Atomsphäre und die Ozeane, die Stratosphäre und die
Biosphäre. Wir leben wahrhaft in einem globalen Dorf.
Einige betrachten die vor uns liegenden Herausforderungen als überwältigend. Ich bin der Meinung, daß ihr
Pessimismus unbegründet ist.
Bei der Stockholmer Konferenz vor zwanzig Jahren
war ein Hauptanliegen unserer Vorgänger die schreckliche Drohung eines Atomkrieges - des finalen Umweltverschmutzers. Dies gilt nicht mehr. Nach meiner
Rückkehr aus Rio werde ich in Washington mit dem
russischen Präsidenten Jelzin zusammentreffen, und
das Thema, über das wir sprechen werden, lautet
Kooperation - nicht Konfrontation.
AMERIKA DIENST 24

Vor zwanzig Jahren sprachen einige von den Grenzen
des Wachstums. Heute erkennen wir, daß Wachstum
die Lokomotive des Wandels und der Freund der
Umwelt ist.
Heute ermöglicht ein beispielloses Zeitalter des Friedens, der Freiheit und Stabilität konzertiertes Handeln
für die Umwelt wie niemals zuvor. Dieser Gipfel ist
lediglich ein wichtiger Schritt in dem Prozeß der internationalen Zusammenarbeit bei Umwelt und Entwicklung. Die Vereinigten Staaten werden sich bemühen,
das Versprechen von Rio einzulösen. Denn so wichtig
der Weg nach Rio in der Vergangenheit gewesen sein
mag, noch wichtiger ist der Weg von Rio.
Einige behaupten, Zusammenarbeit zwischen Industrie- und Entwicklungsländern sei unmöglich. Sie
sollten nach Lateinamerika kommen, wo der Erlaß von
Schulden im Tausch gegen Naturschutzmaßnahmen
(debt-for-nature swaps) Wälder in Costa Rica schützt
und Mittel für die Eindämmung der Umweltverschmutzung in Chile bereitstellt.
Einige behaupten, Umweltschutz bedürfe staatlicher
Kontrolle. Sie sollten nach Osteuropa gehen, wo
Kinder mit ihren vergifteten Körpern heute für die
Sünden gestürzter Diktatoren bezahlen - und nur die
neue Brise der Freiheit die Beseitigung von Umweltschäden erlaubt.
Einige erklären, es werde niemals Veränderungen
geben, weil die Interessen des Status quo zu mächtig

Seite 1

�seien. Nun, sie sollten nur hierher nach Brasilien
kommen, wo Präsident Collor einen neuen Ansatz
erarbeitet, der dem wirtschaftlichen Wert der Erhaltung des Regenwaldes Rechnung trägt.

verwirklichen. Wir sind deshalb bereit, die internationale Umwelthilfe der Vereinigten Staaten um 66 Prozent verglichen mit dem Niveau von 1990 zu erhöhen,
zusätzlich zu den über 2,5 Milliarden Dollar, die wir
über die Entwicklungsbanken der Welt für Projekte der
Einige behaupten, Wirtschaftswachstum und Umwelt- Agenda 21 beisteuern.
schutz seien unvereinbar. Sie sollten in die Vereinigten Staaten kommen - wo in den 20 Jahren seit Wir kommen nach Rio mit besseren wissenschaftliStockholm unsere Wirtschaft um 57 Prozent gewach- chen Erkenntnissen über die Umwelt als jemals zuvor
sen ist, während wir den Aussto ß von Blei in die Luft um sowie mit der Einsicht, daß wir vieles tun, dessen
97 Prozent, den von Kohlenmonoxid um 41 Prozent Auswirkungen noch nicht erwiesen sind. Wir sind
und den Teilchenausstoß um 59 Prozent reduziert femer bereit, unsere wissenschaftlichen Erkenntnisse
haben. Wir haben unsere Gewässer gereinigt und zu teilen und die Welt bei einem kontinuierlichen
unsere Parks, unberührte Wildnis und Tierbestände Forschungsprogramm anzuführen.
erhalten.
Wir kommen nach Rio mit der Bereitschaft, die beiEinige behaupten, die politisch Verantwortlichen der spiellosen Bemühungen der Vereinigten Staaten beim
Welt scherten sich nicht um die Erde und Umwelt. Schutz von Arten und Lebensräumen fortzusetzen.
Und dies möchte ich eindeutig feststellen: Unsere
Nun, sie alle sollten nach Rio kommen.
Bemühungen zum Schutz der Artenvielfalt werden die
Herr Präsident, wir sind nach Rio gekommen. Wir Bestimmungen des Vertrages sogar noch übertreffen
haben die Besorgnis nicht nur gesehen, wir teilen sie. - in der Tat übertreffen. Aber jenes vorgeschlagene
Wir sind nicht nur besorgt, wir ergreifen Maßnahmen. Abkommen droht die Gentechnik zurückzuwerfen und
Wir kommen nach Rio mit einem Aktionsplan zum den Schutz von Ideen zu untergraben. Und im GegenKlimawandel. Er betont die effiziente Energieausnut- satz zum Klimaabkommen wird sein Finanzierungszung, sauberere Luft, Wiederaufforstung, neue Tech- plan nicht funktionieren. Es ist niemals leicht sich allein
nologie. Und ich freue mich berichten zu können, daß zu einem Prinzip zu bekennen, aber bisweilen erforich gerade die Rahmenkonvention zum Klimawandel dert eine Führungsrolle, dies zu tun. Und heute ist ein
unterzeichnet habe.
solcher Zeitpunkt.
Und heute lade ich meine Kollegen aus den Industriestaaten ein, gemeinsam unverzüglich die Umsetzung
der Konvention in Angriff zu nehmen. Ich schlage vor,
daß unsere Länder bis zum 1. Januar zusammenkommen, um unsere nationalen Pläne zur Erfüllung der
speziellen Verpflichtungen der Rahmenkonvention
vorzulegen. Lassen Sie uns gemeinsam die hier
gesprochenen Worte in konkrete Maßnahmen zum
Schutz des Planeten umsetzen.
Wir sind nach Rio mit dem Vorschlag gekommen, die
internationale Forsthilfe zu verdoppeln. Wir sind zur
Zusammenarbeit bei gleichzeitiger Wahrung der nationalen Souveränität bereit, um neue Strategien zum
künftigen Schutz der Wälder zu erarbeiten. Als Anzahlung werden wir nächstes Jahr die bilaterale amerikanische Hilfe verdoppeln, und wir werden im Inland
Reformen durchführen, indem wir den in amerikanischen Wäldern als Norm geltenden Kahlschlag abschaffen und uns bemühen, jährlich eine Milliarde
Bäume anzupflanzen.

Ich gebe zu, es hat einige Kritik an den Vereinigten
Staaten gegeben. Aber ich muß Ihnen sagen, daß wir
mit Stolz auf das von uns Geleistete und mit dem
festen Engagement nach Rio kommen, die Bilanz
amerikanischer Führung bei Umweltfragen zu erweitem. In den Vereinigten Staaten bestehen weltweit die
strengsten Abgas- und Emissionsvorschriften für
Automobile und Fabriken, die fortschrittlichsten Gesetze zum Schutz von Land und Gewässern sowie der
offenste Prozeß zur Beteiligung der Öffentlichkeit.
Und nun noch eine Binsenwahrheit. Die amerikanische Bilanz beim Umweltschutz ist unerreicht. Ich bin
also nicht hierher gekommen, um mich zu entschuldigen. Wir sind hierher gekommen, um auf wohlüberlegte Ziele und entschlossene Maßnahmen zu drängen.
Und solche Maßnahmen werden unser anhaltendes
Engagement für die Führungsrolle und internationale
Zusammenarbeit beim Umweltschutz unterstreichen.

Wir gehen davon aus, daß der Weg nach Rio gleichermaßen zu Umweltschutz und Wirtschaftswachstum,
Wir kommen nach Rio mit einem umfangreichen Pro- zu Umwelt und Entwicklung weisen muß. Jetzt steht
gramm zur technologischen Zusammenarbeit. Wir fest, für eine kontinuierliche Entwicklung müssen wir
sind bereit - und zwar Regierung und Privatsektor - zur die Umwelt schützen und um die Umwelt zu schützen,
Verbreitung grüner Technologie beizutragen und eine müssen wir die Entwicklung bewahren.
neue Generation sauberen Wachstums einzuleiten.
Es ist gesagt worden, daß wir die Welt nicht von
Wir kommen nach Rio mit der ErkenntnU daß die unseren Vorfahren erben, sondern von unseren KinEntwicklungsländer beim weltweiten Schutz der Umwelt dern ausleihen. Und wenn unsere Kinder auf diese
eine Rolle spielen müssen, aber Unterstützung benö- Zeit und diesen Ort zurückblicken, werden sie dankbar
tigen werden, um dieses sauberere Wachstum zu dafür sein, daß wir uns in Rio getroffen haben. Und sie
Seite 2

AMERIKA DIENST 24

�werden sicherlich über die erklärten Absichten und
eingegangenen Verpflichtungen erfreut sein. Aber sie
werden uns nach den Maßnahmen beurteilen, die wir
von diesem Tag an ergriffen haben. Wir sollten sie
nicht enttäuschen.

Herr Präsident, ich möchte Ihnen nochmals gratulieren. Herr Generalsekretär, Ihnen gilt unser aufrichtiger
Dank. Und vielen Dank an Sie alle.

* * * * *

AMERIKA DIENST 24

Seite 3

�ERDGIPFEL
17. JunM992

REILLY SIEHT ZAHLREICHE FORTSCHRITTE
BEI UMWELTKONFERENZ
Pressekonferenz beim Erdgipfel
RIO DE JANEIRO - (AD) - Die Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung konnte in vielen
Bereichen erfolgreich abgeschlossen werden und hat dem Leiter der amerikanischen Delegation zufolge die
Erwartungen übertroffen.
William K. Reilly, der Direktor des US-Umweltschutzamts, erläuterte am 12. Juni vor Journalisten vereinbarte
Deklarationen und Konventionen zu Wäldern, Klima, Ozeanen, Bevölkerung und anderen Themen wie auch die
kurz vor der endgültigen Verabschiedung stehende Agenda 21, eine 800 Seiten umfassende Liste von
Umweltzielen und Maßnahmen zu deren Verwirklichung.
Reilly erklärte, die Vereinigten Staaten seien "zufrieden mit dem Verlauf der Konferenz", und verteidigte die
amerikanische Umweltpolitik mit den Worten: Im Hinblick auf die Umwelt "ist, glaube ich, die Ansicht ziemlich
weitverbreitet, daß niemand mehr als die Vereinigten Staaten getan hat".
Zu einer Reihe kontroverser Themen bei der Konferenz stellte Reilly fest, die Vereinigten Staaten "werden unter
gar keinen Umständen unserer Industrie vorschreiben, ihre Patente weiterzugeben oder ihre Technologie auf
Konzessionsbasis anderen zugänglich zu machen", und fügte hinzu, die Vereinigten Staaten hätten eine
eindeutigere Erklärung zum Schutz der Wälder begrüßt.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Eingangserklärung und nachfolgende Pressekonferenz in wesentlichen
Auszügen.
Wir nähern uns der Endphase dieser Konferenz über
Umwelt und Entwicklung hier in Rio. Sie haben vor
kurzem die Rede des Präsidenten gehört. Meines
Erachtens hat diese Rede sowohl den Ton der Konferenz getroffen als auch im wesentlichen die amerikanischen Erfahrungen erfaßt, die wir mitbringen und
dieser Konferenz zum Nutzen der übrigen Welt anbieten - eine Rede, die auf die beachtlichen Erfolge der
Vereinigten Staaten im Bereich der Umwelt verwies.
Ein Bereich, in dem wir meiner Meinung nach in den
vergangenen 20 Jahren wahrscheinlich so viel, wenn
nicht mehr erreicht haben als jedes andere hier vertretene Land.
Die Rede trug den Bedürfnissen der Entwicklungsländer Rechnung und unserer Bereitschaft, ihnen weiterhin bei der Bewältigung von Umweltproblemen zu
helfen. In dieser Rede wurde femer auf unsere Absicht
verwiesen, im Umweltbereich weiterhin einen Führungsrolle zu übernehmen. Der Präsident stellte ausdrücklich fest, daß wir die Bedingungen der Konvention zur Artenvielfalt mehr als erfüllen. Wir werden in
diesem Bereich ebenso eine FührungsroHe übernehmen wie beim Schutz von Parks, unberührter Wildnis

AMERIKA DIENST 24

und Tierreservaten. Wir werden den Artenschutzvertrag nicht unterzeichnen, wir werden jedoch weiterhin
anderen beim Schutz der Artenvielfalt behilflich sein
und in den Vereinigten Staaten das Tempo vorgeben,
wo die Gesetze ihresgleichen suchen.
Die Konferenz war eine Folgekonferenz der 1972
abgehaltenen Stockholmer Konferenz über eine
menschliche Umwelt. Diese Konferenz war die erste
internationale Zusammenkunft zu Umweltfragen und
hat das Bewußtsein zu Umweltproblemen geschärft,
mit dem Ergebnis, daß binnen rund eines Jahres
weltweit 65 neue Umweltministerien gegründet wurden. Sie führte zu der Konvention über Entsorgung im
Meer und einer Reihe praktischer Vereinbarungen zur
Umwelt.
Diese Konferenz soll diesen Prozeß maßgeblich voranbringen und umweltpolitische Prioritäten setzen, sie
zu Prioritäten nicht nur für die Umweltminister, sondern auch für die Außen- und Finanzminister machen
und Umweltprioritäten in Handels-, Wirtschafts-, Landwirtschafts- und außenpolitische Fragen einbeziehen.

Seite 1

�Wir können auf eine Reihe von Erfolgen bei dieser
Konferenz verweisen. Ich denke an 3 Uhr heute
morgen, als wir die Verhandlungen über eine Erklärung zum Schutz der Wälder abgeschlossen haben,
von der viele dachten, wir würden sie nie erzielen. Hier
waren 170 Länder vertreten, die alle aus ihrem eigenen
Blickwinkel und von ihrem Standpunkt aus hart verhandelten. Wir hatten eine 800 Seiten umfassende
Agenda 21 mit Verpflichtungen zu Ozeanen, zur Bevölkerung, Beteiligung der Öffentlichkeit, zum Recht
der Gemeinden auf Information, zum Umweltschutz
und zu Wäldern.
Es gab eine Erklärung zum Schutz der Wälder. Es gab
die Rio-Deklaration selbst - ein Dokument, das eine
Reihe von Anliegen zur Umwelt anspricht, und zum
ersten Mal sprechen die mir bekannten Berichte - oder
Verpflichtungen - der Vereinten Nationen über die
Notwendigkeit wirtschaftlicher Instrumente, erkennen
die bedeutende Rolle freier Märkte bei der Unterstützung von Ländern an, die ihre Umweltprobleme angehen und stützt sich in der Tat auf die Erfahrungen der
Vereinigten Staaten.
Wir sind sehr zufrieden mit dem Verlauf der Konferenz
und insbesondere sind wir befriedigt, daß es uns
gelungen ist, jetzt die meisten Elemente der Agenda
21 zum Abschluß zu bringen. Einige Themen - Finanzierungsfragen - müssen heute abend noch angesprochen werden, und ich vermute, die Diskussionen werden
auch heute wieder bis spät in die Nacht gehen. Aber
die Rio-Deklaration ist eine Leistung, und sie ist abgeschlossen. Der Großteil der Agenda 21 ist bewältigt.
Eine Erklärung zum Schutz der Wälder wurde erzielt,
die in der Tat die Aussicht auf eine andauernde Überprüfung der Prinzipien und die Möglichkeit enthält,
über sie - wie Präsident Bush hofft - zu einer weltweiten
Konvention über Wälder hinauszugehen, obwohl sie
sich dem Ziel der Vereinigten Staaten nicht ausdrücklich verpflichtet, ein Versprechen zu einer globalen
Konvention über Wälder zu erhalten.
Wenn ich 3 oder 4 Monate zurückblicke, als ich hierher
kam, um mit den Brasilianern die Einzelheiten eines
möglichen Präsidentenbesuchs zu erörtern, waren
ihre Erwartungen sehr viel niedriger als sie bis jetzt
tatsächlich verwirklicht und bekräftigt wurden. Sie
hofften auf etwas mehr Geld. Nun, die Vereinigten
Staaten haben die für die Umwelt bereitgestellte Auslandshilfe verglichen mit 1990 um 66 Prozent aufgestockt -150 Millionen Dollar davon fließen in die neue
Initiative zu Wäldern. Diese Initiative wurde sehr gut
aufgenommen.
Inzwischen haben wir das Versprechen von mehreren
Ländern der G-7 erhalten, sich für sie zu engagieren
und sie zu unterstützen. Darüber hinaus gibt e: mehr
als ein halbes Dutzend Entwicklungsland? r mit Wäldern, die an uns herangetreten sind und uns gebeten
haben, ihre Projekte in Erwägung zu ziehen. Wir
hoffen, daß Sie das tun werden. Projekte hier im
Seite 2

Bundesstaat Rio de Janeiro, Projekte am Amazonas,
in Zentralamerika und anderen Teilen Lateinamerikas
sowie auch in Asien.
Dies war ein Erfolg. Und wir sind besonders erfreut,
daß sowohl Premierminister Mulroney als auch Bundeskanzler Kohl die Initiative des Präsidenten erwähnt
und sie unterstützt haben.
Jetzt möchte ich gerne auf Ihre Fragen eingehen.
Frage: Können Sie uns alles über die Konferenz vom
1. Januar sagen? Was versprechen Sie sich davon?
Ist sie ein weiteres Treffen der Staats- und Regierungschefs, nur dieses Mal zur Erderwärmung?
Antwort: Nein, der Präsident hat gesagt, daß wir uns
jetzt zu einem Vertrag über Klimaveränderungen verpflichtet haben. Das Thema, das wir in diesem Zusammenhang seit langem erörtern, sind die spezifischen
Verpflichtungen, die wir zu Klimaveränderungen eingehen. Wir haben uns hier zu einem fünfteiligen
Programm verpflichtet und Präsident Bush sagte, er
werde unser eigenes Aktionsprogramm zu Klimaveränderungen entwickeln, es der Welt vorlegen und es
bis zum 1. Januar fertiggestellt haben. Er ermutigte
andere Länder zur Beschleunigung ihrer eigenen Aktionen bei der Entwicklung spezifischer Maßnahmen
zur Kontrolle von Treibhausgasen und zu einer Zusammenkunft, um diese Informationen auszutauschen
und eine Bilanz vorzunehmen. Hier hätten wir einen
Informationsaustausch, der sich nicht auf Regierungsebene vollziehen würde.
Frage: Haben Sie realistische Erwartungen, daß
andere Länder diesen Termin und diese Herausforderung akzeptieren?
Antwort: Nun, das hoffe ich. Wir wissen, daß die
Niederlande ebenso wie wir nach einem ziemlich eng
gesteckten Zeitrahmen vorgehen. Wir werden sehen,
was die anderen tun können. Meines Erachtens ist
dies eine gute, echte Herausforderung. Er sagt praktisch: Es wird eine Weile dauern, bis der Vertrag
ratifiziert und in die Praxis umgesetzt wird. Verhalten
wir uns doch einfach so, als ob er wirksam wäre und
fangen wir an, die Dinge zu tun, die er im Hinblick auf
Wissenschaft, Bestände, Aktionspläne und so weiter
von uns verlangt.
Frage: Ich dachte, die amerikanische Position lautete,
daß wir grundsätzlich bereits einen Aktionsplan haben
und unserer Meinung nach die übrige Welt artikulieren
sollte...
Antwort: Wir haben die meisten Elemente eines
Aktionsplans erarbeitet, die entweder vorgeschlagen
und verwirklicht oder zumindest in Erwägung gezogen
wurden, und wir hoffen, daß sie in den kommenden
Monaten vom Kongreß verabschiedet werden. Nicht
alle Aspekte sind vollständig abgehandelt. Aber meines Erachtens besteht kein Zweifel, daß wir mehr

AMERIKA DIENST 24

�Stücke dieses Aktionsplans als irgendwer anders haben.
Frage: Haben Sie eine Idee, wo dieses Treffen
stattfinden wird?
Antwort: Nein.
Frage: Mr. Reiliy, als der Präsident in seiner Rede die
amerikanische Bilanz als unerreicht darstellte, hörte
man Gelächter unter den Teilnehmern. Wie konnte es
geschehen, daß die Vereinigten Staaten bei dieser
Konferenz so isoliert dastanden, und warum reagieren
die anderen Nationen so verächtlich auf seine Forderungen?
Antwort: Wie Sie wissen, begann die Konferenz mit
sehr großen Erwartungen. Die absolut unerfüllbaren
bezogen sich auf die Finanzierung. Von Brasilien, von
uns oder von der Mehrzahl der Entwicklungsländer
wurde die Konferenz nie als Veranstaltung angesehen, bei der ein größerer Transfer von Ressourcen
vorgenommen und neue Finanzierungsverpflichtungen von den Industrie- gegenüber den Entwicklungsländern eingegangen würden.
Die Vereinigten Staaten stocken ihre Finanzhilfe erheblich auf, aber verglichen mit den von Maurice
Strong genannten erforderlichen 125 Milliarden Dollar
sind offenkundig weder wir noch sonst jemand in der
Lage, dem gerecht zu werden. Soweit ich weiß, wurde
das Anliegen geäu ßert - Sie werden es heute abend in
der Debatte über die Finanzierung hören - die Auslandshilfe vom derzeitigen Niveau auf 0,7 Prozent des
Bruttoinlandsprodukts zu erhöhen. Wir sind einfach
nicht in der Lage, eine solche Verpflichtung einzugehen, und ich glaube, das bereitet einigen Ländern
Anlaß zur Sorge.
Im Hinblick auf die Leistungen zum Umweltschutz der
hier vertretenen Nationen ist, glaube ich, die Ansicht
ziemlich weitverbreitet, daß niemand mehr als die
Vereinigten Staaten getan hat. Der Präsident hat
einige davon aufgeführt - 66prozentige Reduzierung
des Partikelausstoßes in den Städten, eine 97prozentige Reduzierung des verbleiten Benzins - wohingegen
die Europäer den schrittweisen Abbau verbleiten Benzins
noch nicht abgeschlossen haben. Wir haben 1974
begonnen. Eine Reduzierung von Kohlenmonoxid und
Schwefeldioxid um über ein Drittel. Enorme Erweiterung unserer Nationalparks und unberührter Wildnis in
diesem Zeitraum.
Meines Erachtens ist weithin anerkannt, daß dies eine
vorbildliche Bilanz ist. Und ich bezweifle stark, daß
selbst die uns kritisierenden nichtstaatlichen Organisationen auf irgendein anderes Land verweisen könnten, das schärfere Gesetze, besseren Umweltschutz
oder größeren Zugang der Öffentlichkeit zur Entscheidungsfindung bei diesen Themen hat als die Vereinigten Staaten.

AMERIKA DIENST 24

Frage: Ich möchte nur sicherstellen, daß ich alles
richtig verstanden habe. Sie sagen, der Grund, warum
wir hier angegriffen wurden, ist, daß wir nicht genug
Geld ausgespuckt haben?
Antwort: Einer der Gründe für die Enttäuschung oder
Unzufriedenheit hier hatte mit dem Finanzierungsniveau zu tun. Dieses Anliegen hat die Entwicklungsländer vor einigen Monaten im Hinblick auf ihre eigene
Beteiligung sehr beschäftigt. Es gab genug Zusagen.
In der Tat konnten wir die Besorgnis Brasiliens zerstreuen und sind eine Verpflichtung in Höhe von 50
Millionen Dollar zum Kernfonds der Umweltfazilität
eingegangen, um zu zeigen, daß wir zu diesem Zweck
zur Aufstockung eines bereits hohen Betrags an Auslandshilfe bereit sind - er belief sich im vergangenen
Jahr auf 11 Milliarden Dollar.
Es besteht keine Frage, daß auch Besorgnis über
unsere Position zum Klimavertrag geäußert wurde,
insbesondere seitens der Europäischen Gemeinschaft,
die bis zum Jahr 2000 eine spezifische Stabilisierungsverpflichtung auf der Grundlage von 1990 wünschte.
Und die von uns getroffene Entscheidung, die Konvention zur Arten Vielfalt nicht zu unterzeichnen, wurde hier
offensichtlich nicht gut aufgenommen. Meines Erachtens wurde sie hier mißverstanden.
Das Argument, das ich in diesem Zusammenhang
vorzubringen versuche, lautet, wenn man die sachfremden Elemente betrachtet, die für mich als Umweltschützer überraschenderweise in einem Dokument so
breiten Raum einnehmen, das eigentlich Flora und
Fauna schützen soll - wenn man das Recht auf geistiges Eigentum, die Regeln für Gentechnologie und das
Finanzierungselement aus der Konvention zum Artenschutz herausnimmt, hätten wir damit kein Problem
gehabt.
Wir sind sehr erfreut, daß die Europäische Gemeinschaft in ihrer eigenen Signatarerklärung einige eben
dieser Probleme zitiert und die Absicht bekundet hat,
auf ihre Behebung hinzuarbeiten. In der Unterzeichnungserklärung zum Artenschutzvertrag von Präsident Collor bezog er sich auf die Notwendigkeit bei der
Behandlung eines so wichtigen Vertrags wie diesem,
daß er universell anwendbar ist und den Wunsch der
brasilianischen Regierung, dies durch Durchführungsmaßmahmen zu bewirken.
Wir sehen dies als Anzeichen, daß bei der Verfassung
von Protokollen zur Artenschutzkonvention unseren
Sorgen Gehör geliehen wird, und darüber sind wir
erfreut.
Frage: Warum mußten wir ihn unterschreiben - warum wollten bestimmte Gruppen, daß wir einen Vertag
unterschreiben, der das unterstützt?
Antwort: Zweifelsohne befindet sich die Welt heute in
einer Krise bezüglich des insbesondere auf die Zerstö-

Seite 3

�rung von tropischen Regenwäldern zurückzuführenden Verlusts von Spezies. Pro Jahr gehen Schätzungen zufolge nahezu 19 Millionen Hektar mit einem
Großteil von Pflanzen- und Tierarten verloren, wovon
viele vernichtet werden, bevor sie überhaupt entdeckt
werden und einen Namen erhalten. Das ist eine
Tragödie für unseren Planeten. Es ist ein Verlust
potentiell nützlicher Produkte, die häufig als Grundlage
für Arzneimittel, Medikamente und Heilmittel dienen.
Und es ist etwas, das wir in den von Präsident Bush
vorgeschlagenen biologischen Übersichten publik
machen möchten.
Wir haben gestern ein Programm für weltweite Bestandsaufnahmen vorgelegt, die wir gemeinsam mit
anderen Ländern durchführen wollen. Sie werden diesen Vorschlag prüfen und entscheiden müssen, ob er
für sie sinnvoll ist, und wir werden ihn entsprechend
anpassen. Der Grund für diesen Vorschlag ist jedoch,
die Grundlage für die Bilanz zu schaffen, was wir an
Arten haben und was verloren gehen könnte, und uns
ein gewisses Gefühl für die Prioritäten bei unserem
Vorgehen zu vermitteln.
Frage: Der Präsident hat gesagt, die Vereinigten
Staaten werden die Bedingungen des Artenschutzvertrags erfüllen oder sogar darüber hinausgehen. Heißt
das, daß die Vereinigten Staaten einen Beitrag zu dem
in dem Vertrag enthaltenen Finanzierungsmechanismus leisten werden?
Antwort: Ja, das trifft zu. Der Finanzierungsmechanismus...
Frage: Selbst wenn wir bei der Verteilung keine Rolle
spielen?
Antwort: Das ist zutreffend. Der Finanzierungsmechanismus der Konvention über Artenvielfalt ist die
Globale Umweltfazilität. Wir sind eine Verpflichtung im
Hinblick auf den Kernfonds dieser Fazilität eingegangen. Offensichtlich haben wir einen gewissen Einfluß
auf die Vergabe dieser Gelder, aber wir werden nur
einer von vielen Geldgebern sein, unabhängig von der
Tatsache, daß wir den Vertrag nicht unterzeichnen.
Frage: Und werden wir auf irgendeine Weise von
unserer Industrie verlangen, ihre Patente und ihr geistiges Eigentum mit anderen zu teilen?
Antwort: Wir werden unter gar keinen Umständen
unserer Industrie vorschreiben, ihre Patente weiterzugeben oder ihre Technologie auf Konzessionsbasis
anderen zugänglich zu machen. Genau dies haben wir
bei diesem Vertrag unter anderem als unangebracht
betrachtet.
Frage: Also werden wir diesem Aspekt, daß entwikkeltere Länder geistiges Eigentum mit den weniger
entwickelten Staaten teilen, von denen sie die Rohstoffe beziehen, nicht entsprechen oder darüber hinausgehen?

Seite 4

Antwort: Was unserer Meinung nach wichtig ist, ist
der Schutz von Pflanzen- und Tierwelt an sich. Wir
haben in der Uruguay-Runde des GATT verhandelt,
um Rechte an geistigem Eigentum besser zu schützen. Wir werden doch nicht hier bei einem Vertrag über
Umwelt aufgeben, was zu schützen wir uns dort so
energisch bemüht haben.
Wir werden weiterhin zur Sammlung von Informationen über Artenvielfalt ermutigen. Und in den Ländern,
in denen so etwas existiert, wie etwa in Costa Rica,
meinen wir, daß die Arten von Arrangements, die dort
zum Beispiel mit Merck ausgehandelt wurden und
denen zufolge Material im Gegenzug für eine Gewinnbeteiligung geliefert wird, sehr vernünftige und angemessene Beziehungen herstellen. Costa Rica war
dazu in der Lage, weil man dort den anderen so weit
voraus ist in dem Wissen, was man zu bieten hat.
Eine Tatsache, mit der wir bei der Agenda 21 sehr
zufrieden sind, ist das Kapitel über Ozeane. Ozeane
waren eine Priorität der Vereinigten Staaten. Wir
waren das Land, das diesen Punkt auf die Tagesordnung setzte. Wir wollten uns insbesondere auf die
Überwachung der Meere unter Einsatz unserer Weltraumtechnik konzentrieren, denn wir haben die einzigartige Fähigkeit, dies zu tun, und uns auf die extreme
Verschmutzung zu konzentrieren, die in zahlreichen
küstennahen Gewässern sowie Gewässern der Binnenmeere der Welt existiert und die im allgemeinen
von Quellen an Land hervorgerufen wird.
Wir erwarten, an der Einberufung einer Konferenz in
den nächsten eineinhalb Jahren mitzuwirken, um
Maßnahmen zur Verwirklichung dieses Kapitels zu
beschleunigen. Darüber hinaus erwarten wir, an der
Entwicklung eines Umlauffonds für die Klärung von
Abwässern mitzuwirken, die von Verschmutzungsquellen an Land produziert werden.
Frage: Könnten Sie uns etwas mehr über die Verhandlungen erzählen, die zu der Einigung über Waldprinzipien führten? Ich habe bemerkt, daß der Abbau
von Handelssanktionen im Schlußtext geblieben ist,
obwohl die Vereinigten Staaten diese Passage gestrichen haben wollten, und daß einige Verweise auf das
Recht auf Entwicklung in irgendeiner Form noch im
Text vorkommen. Wo mußten Sie Zugeständnisse
machen, um...
Antwort: Wie Sie wissen, lehnten wir die Schaffung
eines neuen "Rechts auf Entwicklung" ab, jedoch nicht,
weil wir das Recht eines Landes zu investieren, wirtschaftliche Möglichkeiten zu erschließen und sich
wirtschaftlich zu verbessern bestreiten, sondern vielmehr, weil dieses Konzept eine Vorgeschichte im
Bereich Menschenrechte hat und benutzt wurde, um
Maßnahmen zu rechtfertigen, die in einigen Ländern
die Menschenrechte verletzten und ihnen zuwiderliefen. Wir haben das "Recht auf Entwicklung" konsequent abgelehnt, und ich habe dies erst gestern abend

AMERIKA DIENST 24

�getan. Worauf wir uns geeinigt haben, ist der Wortlaut
"das Recht auf sozio-kulturelle Entwicklung auf tragfähiger Basis", was wir als ausreichend verändertes
Konzept betrachten, das wir unterstützen können.
Ihre andere Frage bezog sich auf Handelssanktionen.
Die Sprachregelung zu Handelssanktionen sah grundsätzlich vor, daß wir an freien Handel glauben und die
Souveränität der Staaten bei der Kontrolle ihrer Rohstoffe anerkennen.
Abgesehen von einigen Einzelheiten bei der Walddeklaration ist sie also nicht so stark wie wir das gern
gesehen hätten. Wir haben uns für stärkere Naturschutzbestimmungen eingesetzt, und wir haben uns
um die Anerkennung des weltweiten Beitrags der
Wälder bemüht, des Werts, den sie als Klimaregulator
und Absorbierer von Kohlenstoff haben.
Diese von uns vertretenen Anliegen wurden von den
Entwicklungsländern, in denen es Wälder gibt, energisch zurückgewiesen. Sie betrachten die Erwähnung
globaler Werte als implizite Bedrohung ihrer Souveränität, die schließlich zu einer Globalisierung oder Internationalisierung ihrer Wälder führen könnte. Deshalb
haben wir einen Großteil der gestrigen Nacht damit
verbracht, einen Wortlaut zu erarbeiten, der den Anliegen beider Seiten gerecht würde, der es uns gestatten
würde, die Gründe klarzustellen, warum wir eine Walderklärung verabschieden, nämlich, weil alle Länder
darüber besorgt sind, wie einige andere Länder mit
ihren Wäldern umgehen.
Wir versuchen nicht, ihre Wälder einem Regime zu
unterwerfen, das wir nicht auf uns selbst anwenden
würden, aber wir erkennen den globalen Wert der
Wälder an. In dem Maß, in dem sie diesen Wert
anerkennen, werden sie weitere Ansprüche auf Ausfr *

AMERIKA DIENST 24

landshilfe geltend machen können, da sie eine Schlüsselrolle bei der Milderung der Klimaveränderung spielen werden.
Wir haben eine Sprachregelung, die meines Erachtens
bei vielen Bestimmungen ziemlich vage ist. Wir haben
uns ebenso - besonders in den letzten Wochen, aber
auch während der gesamten Verhandlungen - ziemlich
energisch darum bemüht, eine Verpflichtung für eine
Waldkonvention zu erlangen. Die Sprachregelung
hierzu legt nahe, daß wir die Angemessenheit der
Erklärung selbst, der Prinzipien weiter überprüfen und
- ich habe den genauen Wortlaut vergessen - die
gegebenenfalls notwendigen internationalen Arrangements berücksichtigen. Für uns bedeutet dies eine
Konvention, für die Entwicklungsländer jedoch nicht.
Frage: Was erwarten Sie in bezug auf internationale
Organisationen, die in den nächsten fünf bis zehn
Jahren die Führungsrolle beim Umweltschutz spielen
werden?
Antwort: Es gibt eine Reihe von Aufgaben, die
verschiedenen Gremien insbesondere im System der
Vereinten Nationen zugewiesen werden - dem UNUmweltprogramm, dem UN-Entwicklungsprogramm
und einer neuen Kommission für tragfähige Entwicklung, die gegründet und dem Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen unterstellt sein wird. Die
Funktionen dieser Kommission sind noch nicht präzise
definiert worden. Sie wird sicherlich eine entscheidende Rolle dabei spielen, die Verknüpfung von Umwelt
und Wirtschaft zu betonen. Wirhoffen, daßsiebeidem
in UN-Gremien vorherrschenden Denken die Prioritäten etwas über den alten Stand hinausbringen wird.
Und das wird bei der UN-Generalversammlung diesen
Herbst in New York eingehender erörtert werden.

* *

*

Seite 5

�USA-EUROPA
17. JunM992

DAS VERSTÄRKTE AMERIKANISCHE
ENGAGEMENT IM NEUEN EUROPA
Rede von Botschafter Kimmitt bei der Konrad-Adenauer-Stiftung
BONN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir den Text der Rede, die der amerikanische Botschafter in der
Bundesrepublik Deutschland, Robert. M. Kimmitt, am 15. Juni 1992 bei der Konrad-Adenauer-Stiftung in Bonn
gehalten hat. Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,
Herr Dr. Veen,
meine Damen und Herren,
es ist mir ein großes Vergnügen, heute abend zu Ihnen
über das Thema "Verstärktes amerikanisches Engagement im neuen Europa" zu sprechen. Dies ist ein
Thema, das, wie ich glaube, für ein deutsches Publikum ebenso wichtig ist wie für einen amerikanischen
Botschafter. Darüber hinaus ist dies aufgrund des
starken Engagements der Konrad-Adenauer-Stiftung
für die deutsch-amerikanische Partnerschaft ein besonders geeigneter Anlaß, um die Zukunft der transatlantischen Verbindung zu erörtern, aus der unsere
Länder in den vergangenen vier Jahrzehnten solch
großen Nutzen gezogen haben.
Die Geschichte des Engagements der Vereinigten
Staaten in der Nachkriegszeit - in Partnerschaft mit
ihren europäischen Verbündeten - ist einer der grö ßten
Erfolge in der Geschichte der Neuzeit. Über vier
Jahrzehnte hinweg hat es unseren Ländern den Frieden und die Freiheit bewahrt, indem es die Bedrohung
des Kommunismus eindämmte. Schließlich brach
dieses furchtbare politische und wirtschaftliche System unter dem Gewicht seiner eigenen Widersprüche
und Mißerfolge zusammen.
Trotzdem wird von einigen Beobachtern die These
vertreten, das amerikanische Engagement in Europa
sei in Gefahr, Opfer seines Erfolges zu werden. In
diesem Zusammenhang werden die beiden folgenden
Fragen vielleicht am häufigsten gestellt:
Erstens, wird Amerika nach dem Sieg im kalten
Krieg nun sagen, "der Auftrag ist erfüllt" und
seine Energien und Interessen auf seine drängenden innenpolitischen Probleme richten?

AMERIKA DIENST 24

-

Zweitens, gibt es überhaupt noch eine Rolle für
ein amerikanisches Engagement im neuen
Europa nach dem Zusammenbruch des Kommunismus, und wenn ja, wie sollte diese Rolle
aussehen?

Dies sind die Fragen, die ich im folgenden erörtern
möchte.
Isolationismus ist keine Antwort
Wenn wir uns den bevorstehenden Aufgaben stellen,
müssen wir uns des Sprichworts erinnern: "Es ist in
Ordnung, Fehler zu machen, solange es nicht die
falschen sind." Für die Vereinigten Staaten wäre es ein
fataler Fehler, der Welt den Rücken zuzukehren, sich
von internationalen Verpflichtungen hinter nationale
Schranken zurückzuziehen. Weltweite Interdependenz ist mehr als ein Klischee; sie ist eine Tatsache
des internationalen Lebens in unserer Zeit.
Diejenigen, die sich Gedanken über die Möglichkeit
eines neuen amerikanischen Isolationismus machen,
verweisen auf die historische Anomalie des amerikanischen Engagements in Europa. In seiner letzten Rede
als Präsident warnte George Washington ausdrücklich
vor einer amerikanischen Verwicklung in europäische
Angelegenheiten: "Europa", erklärte Washington, "hat
eine Reihe vordringlicher Interessen, die nicht oder nur
sehr entfernt zu uns in Beziehung stehen." Bis zu ihrer
Teilnahme am Ersten Weltkrieg befolgten die Vereinigten Staaten diesen Rat rigoros. Und wie wir wissen,
folgte auf dieses anfängliche Engagement eine zutiefst isolationistische Reaktion. Könnte eine ähnliche
Reaktion auch dem Ende des Kalten Krieges folgen basierend auf der Überzeugung, Amerika habe seit
1941 für Europa "genug getan" und müsse sich jetzt
anschicken, das eigene Haus in Ordnung zu bringen?

Seite 1

�Die tiefen Wurzeln des amerikanischen Gefühls der
Einzigartigkeit, die sich in einer Art von geistigem
Isolationismus manifestierten, sind nicht von der Hand
zu weisen. Dieser Isolationismus gründete sich auf die
Vision von Amerika als einer "neuen Welt". In Lincolns
Worten bot Amerika die "letzte, beste Hoffnung der
Menschheit", oder, wie der Kolonialgouverneur von
Massachusetts, John Winthrop, mit einer Anleihe beim
Matthäus-Evangelium einmal sagte, eine "Stadt auf
dem Hügel, auf der die Augen aller Menschen ruhen".
Dieser traditionellen Sichtweise zufolge war Amerika
dem Rest der Welt überlegen. Seine Funktion bestand
darin, als Inspiration und Beispiel zu dienen - und dies
könnte am besten gewährleistet werden, wenn es nicht
durch den Kontakt mit einer alten Welt, die in feudalen
Traditionen, Kriegen, und Ungleichheit verhaftet war,
infiziert würde.
Diese utopische Vision ist immer noch nicht tot. Sie
bleibt - und das gilt auch für die Zukunft - eines von
zahlreichen Elementen, die insgesamt die amerikanische Haltung zur Rolle der Vereinigten Staaten in der
Welt formen.
Ich möchte jedoch argumentieren, daß die Erfahrung
dieses Jahrhunderts das amerikanische Volk dazu
veranlaßt hat, die von Washington in seiner Abschiedsrede geäußerte Ansicht über Europa zu revidieren.
Die Welle des Isolationismus, die Amerika nach dem
Ersten Weltkrieg erfaßte, war die letzte ernsthafte
Bestätigung seiner Ansicht, daß die Ereignisse .in
Europa für die Vereinigten Staaten belanglos seien.
Hätte es keinen Zweiten Weltkrieg gegeben, wäre
dieses Konzept vielleicht das vorherrschende Element
der amerikanischen Politik gegenüber Europa geblieben.
Es gab jedoch einen Zweiten Weltkrieg, und Amerika
stellte eindeutig fest, daß es sich von diesem Kampf
nicht fernhalten konnte, wenn die Welt ein lebenswerter Ort bleiben sollte.

Ich bin der festen Überzeugung, daß die große Mehrheit des amerikanischen Volkes die Ergebnisse sowohl des Zweiten Weltkrieges als auch des Kalten
Krieges als Bestätigung dafür betrachtet, daß die
Aufrechterhaltung von Frieden und Freiheit in Europa
für die Vereinigten Staaten von unmittelbarem und
vitalem Interesse ist.
Diese Haltung wird von jüngsten Meinungsumfragen
unterstützt. Einer unlängst von Gallup durchgeführten
Umfrage zufolge befürworten sechzig bis siebzig Prozent der Amerikaner eine aktive Rolle der Vereinigten
Staaten in der Weltpolitik, während nur zwanzig bis
dreißig Prozent ein aktives Engagement im Ausland
ablehnen. Der Anteil der Anhänger einer aktiven
amerikanischen Rolle ist erheblich größer als vor fünf
Jahren.
Sicherlich spiegeln die Meinungsumfragen ebenfalls
die Überzeugung der Amerikaner wider, daß innenpolitischen Problemen mehr Aufmerksamkeit als bisher
gewidmet werden muß. Aber sie betrachten diese
innenpolitischen Bemühungen als Ergänzung zum
weiterbestehenden amerikanischen Engagement in
der Weltpolitik und nicht als dessen Ersatz. "America
First" heißt nicht "America Alone".
Ein neues amerikanisches Engagement
In welcher Form sollte dieses Engagement jedoch zum
Ausdruck kommen? Welche Rolle soll Amerika in dem
sich abzeichnenden neuen Europa spielen? Wie können
wir dieses Engagement zum gegenseitigen Vorteil
Europas und der Vereinigten Staaten verstärken?
Zunächst, wie Präsident Bush und Außenminister
Baker wiederholt in öffentlichen Erklärungen klargestellt haben, betrachtet Amerika die europäische Sicherheit weiterhin als entscheidend für die Sicherheit
der Vereinigten Staaten. Die Vereinigten Staaten sind
und bleiben eine europäische Macht.

Während viele Amerikaner in den dreißiger Jahren
unklugerweise den Aufstieg des Nationalsozialismus
als rein europäische Angelegenheit betrachteten, die
sie ignorieren zu können meinten, wußten die Amerikaner nach dem Zweiten Weltkrieg, daß die vom
kommunistischen Expansionsdrang ausgehende
Bedrohung der Freiheit für die Vereinigten Staaten
eine Angelegenheit lebenswichtigen Interesses war.
Es war eine Herausforderung, die nicht nur in Europa,
sondern weltweit erfolgreich bestanden werden mu ßte
- und bestanden wurde.

Es trifft zu, daß der Kalte Krieg vorüber ist. Aber der
blutige Bürgerkrieg, der heute dort wütet, wo vormals
Jugoslawien war - und das Potential ethnisch begründeter Auseinandersetzungen in der ehemaligen Sowjetunion - sind eindeutige Beweise dafür, daß das
goldene Zeitalter von Frieden und Stabilität in Europa
noch nicht angebrochen ist. Die alten Bedrohungen
sind verschwunden, aber neue Ungewißheiten sind
entstanden, die nur durch anhaltendes und enges
amerikanisches Engagement in Europa und insbesondere mit unseren Verbündeten in der NATO gemeistert
werden können.

Nach vierzig Jahren war auch der Sieg im Kalten Krieg
errungen - kein Sieg über das sowjetische Volk, sondern ein Sieg über ein unmenschliches System. Endlich
haben wir - um mit den Worten Präsident Bushs zu
sprechen - ein ungeteiltes und freies Europa vor uns.

Die Vereinigten Staaten sind weiterhin der Überzeugung, daß die NATO trotz der Beendigung des kalten
Krieges das zentrale Instrument bleiben muß, mit dem
Amerika und seine Verbündeten den Frieden in Europa bewahren. Die NATO besitzt über vierzig Jahre

Seite 2

AMERIKA DIENST 24

�Erfahrung bei den Bestrebungen für dieses Ziel. Sie ist
eine Organisation, die wiederholt ihre Fähigkeit bewiesen hat, schwerwiegende Entscheidungen zu treffen
und gleichzeitig die Interessen all ihrer Mitgliedstaaten
zu respektieren. Dafür werden auch die Vereingten
Staaten im nächsten Jahr über 270 Milliarden Dollar für
Verteidigungausgaben aufwenden, einschließlich
mehrerer Milliarden Dollar zur Beibehaltung einer fähigen
Streitmacht hier in Europa. Und wir werden hier eine
fähige Streitmacht solange beibehalten, wie wir erwünscht sind. Diese Tatsachen sollte man sich vor
Augen führen, wenn man fragt, was Amerika zum
Schutz des neuen Europas zu tun bereit ist.
Einige legen nahe, daß nun, da der Kalte Krieg vorüber
ist, die NATO der Vergangeheit angehört und die
KSZE jetzt anfangen sollte, mehr Verantwortung für
die europäische Sicherheit zu übernehmen. Niemand,
der die Rolle der Vereinigten Staaten in der KSZE
beobachtet hat, kann an unserem Engagement für sie
zweifeln. Es ist jedoch auch unsere feste Überzeugung, daß NATO und KSZE sich ergänzen. Als ein
Gremium, das alle Mitglieder der europäischen/transatlantischen Staatengemeinschaft umfaßt, ist die KSZE
ein lebenswichtiges Forum zur Erörterung der ganzen
Bandbreite von Themen wechselseitigen Interesses einschließlich, aber nicht nur - der Sicherheit. Als
erprobtes Bündnis mit über vierzigjähriger operativer
Erfahrung ist die NATO in einzigartiger Weise geeignet, konkrete Maßnahmen für die Sache des Friedens
und der Sicherheit zu ergreifen. Dieser Tatsache - daß
NATO und KSZE sich gleichzeitig ergänzen und einzigartig sind - wurde von den NATO-Mitgliedstaaten
beim Gipfel von Oslo Rechnung getragen, als sie die
Dienste der NATO für Friedensmissionen im Namen
der KSZE anboten.
Die Sicht der Vereinigten Staaten zu einer europäischen Sicherheitsidentität
Selbst während wir zusammenarbeiten, um die NATO
an die Bedürfnisse des neuen Europas anzupassen,
sind sich die Vereinigten Staaten der Absicht der EGStaaten bewußt, eine europäische Sicherheitsidentität
zu entwickeln. Von Anfang an haben wir das Ziel der
europäischen Integration unterstützt, und unterstützen deshalb das Konzept einer europäischen Sicherheitsidentität. Besonders in dieser Zeit nach dem
Kalten Krieg müssen wir jedoch falsche Nullsummenanalysen ablehnen, die davon ausgehen, daß die europäische Sicherheitsidentität nur auf Kosten der NATO
geschaffen werden kann. Wie wir in Rom und Maastricht vereinbart haben, ist unser Ziel eine stärkere
NATO, die durch eine fähige, ergänzende europäische
Sicherheitsidentität entsteht.
Aus diesem Grund haben wir einige Fragen im Hinblick
auf das geplante deutsch-französische Korps vorgebracht. Da wir seit langem einen stärkeren europäischen Pfeiler befürworten, sind wir uns der Tatsache
bewußt, daß einige die Augenbrauen hochzogen, als
AMERIKA DIENST 24

wir einige Punkte zu dem vorgeschlagenen Korps
äußerten. Tatsache ist aber, daß die Vereinigten
Staaten, wenn sie weiterhin eine Verpflichtung für die
Sicherheit Europas übernehmen sollen, in der Lage
sein müssen, mit den Europäern den Charakter unserer gemeinsamen Sicherheitsarrangements zu erörtern.
Fragen über die Auswirkungen des deutsch-französischen Korps auf die NATO zur Sprache zu bringen,
zieht deshalb unsere anhaltende Unterstützung einer
europäischen Verteidigungsidentität nicht in Zweifel.
Diese Art von offenem Dialog ist eine Grundbedingung
für ein starkes Bündnis. Und, so möchte ich hinzufügen, wir begrüßen die Bereitschaft von Bundeskanzler
Kohl, Verteidigungsminister Rühe, und Außenminister
Kinkel, unsere Fragen zu diesem Thema zu erörtern.
Wir blicken kontinuierlichen Gesprächen erwartungsvoll entgegen, zwischen Europäern in der WEU und
zwischen den Verbündeten in der NATO, zu unserem
gemeinsamen Ziel einer stärkeren europäischen
Sicherheitsidentität und einer stärkeren NATO.
Zu einer breiter gefächerten Beziehung
Sicherheit ist ein entscheidend wichtiges Thema, aber
nur ein Teilbereich der deutsch-amerikanischen Beziehungen. Es stimmt, daß uns das Ende des Kalten
Kriegs - mit seinem eminent wichtigen, aber ziemlich
engen Blickwinkel darauf, wie der Bedrohung durch
eine sowjetische Aggression entgegenzutreten sei neue Möglichkeiten bietet, die Perspektive unserer
Beziehungen zu erweitern.
Ein Bereich von zunehmender Bedeutung ist dabei
sicherlich Wirtschaft und Handel. Schließlich sind
gesunde Volkswirtschaften nicht nur für das Wohlergehen unseres Volkes entscheidend, sondern auch für
unsere Fähigkeit, die Lebensbedingungen derjenigen
zu verbessern, die weniger glücklich sind als wir. Und
wir glauben, daß wir dieses Wohlergehen durch Kooperation und Kompromisse am besten garantieren
können.
Wie die schwierigen Verhandlungen über Agrarsubventionen und GATT zeigen, gibt es Bereiche, in
denen eine Zusammenarbeit schwierig ist. Aber wenn
wir unser starkes, übergeordnetes Interesse an der
Erarbeitung akzeptabler Kompromisse im Gedächtnis
behalten, sollten wir in der Lage sein, zu unserem
gemeinsamen Vorteil zusammenzuarbeiten. In dieser
Hinsicht möchte ich betonen, wie sehr wir das Engagement des Bundeskanzlers für ein beiderseitig positives
Ergebnis der GATT-Verhandlungen begrüßen.
Ein weiterer Bereich, in dem die Vereinigten Staaten
ihr Engagement in Europa zu verstärken trachten - und
dies gemeinsam mit ihren Freunden und Verbündeten
zu tun wünschen - ist die gewaltige Aufgabe, den
Ländern Osteuropas und den nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion entstandenen Staaten dabei zu

Seite 3

�helfen, das verheerende politische und wirtschaftliche
Erbe des Kommunismus zu überwinden.

"Wachstumssektoren" in den amerikanisch-europäischen Beziehungen sein sollte.

Trotz Haushaltsengpässen haben die Vereinigten
Staaten für die neuen Staaten der ehemaligen Sowjetunion etwa sieben Milliarden Dollar bereitgestellt oder
zugesagt. Gemeinsam mit Deutschland haben wir den
Grundstein für ein internationales Wissenschaftszentrum in Rußland und der Ukraine gelegt, um das
Problem der Abwanderung fähiger Wissenschaftler zu
bewältigen. Wir haben die Aktion Hoffnung ins Leben
gerufen, um die dringendste humanitäre Hilfe zu leisten. Bei der jüngsten Konferenz in Lissabon trafen
sich 63 Länder, um weitere Schritte der Hilfe für die
ehemalige Sowjetunion in Erwägung zu ziehen.
Außenminister Baker hat eine Initiative angekündigt,
um die Sicherheit des Betriebs von Atomkraftwerken
sowjetischer Bauart in Eurasien zu verbessern. Als
Teil des Pakets hat er 25 Millionen Dollar zugesagt.

Was die Zusammenarbeit der Vereinigten Staaten und
ihrer NATO-Partner in den vergangenen vierzig Jahren letztlich ermöglicht hat, war ein System gemeinsamer Werte. Nun, da der kalte Krieg vorüber ist, haben
wir die Chance - und ich würde in der Tat sagen, die
moralische Verpflichtung - diese Werte auf die Länder
auszudehnen, die jetzt aus der Dunkelheit des kommunistischen Totalitarismus herausgetreten sind.
Meines Erachtens können Kulturaustauschprogramme der Art, wie sie die deutsch-amerikanischen Beziehungen in den vergangenen vierzig Jahren bereichert
haben, als Modell für unsere gemeinsamen Bestrebungen dienen. Wir möchten unsere Werte wie die
Achtung der Rechte des einzelnen, Respektierung der
Rechte von Minderheiten und der Marktwirtschaft, die
uns so gut gedient haben, auf die Länder Osteuropas
ausdehnen.

Präsident Bush hat unsere Unterstützung für das
multilaterale makroökonomische Hilfspaket der G-7
bekundet, deren Vorsitz dieses Jahr die Bundesrepublik Deutschland innehat. Dieses 24-Milliarden-DollarPaket wird Rußland helfen, seine Volkswirtschaft zu
stabilisieren, die Inflation unter Kontrolle zu bringen,
und den Weg für Wachstum und Entwicklung zu bereiten. Die Vereinigten Staaten werden nahezu 20 Prozent zu diesem Paket beitragen. Ferner sind wir daran
interessiert, daß wir IWF-Hilfe fürdie anderen Republiken der ehemaligen Sowjetunion bereitstellen.
Die Aufgabe der Schaffung eines "ungeteilten und
freien Europas", in dem all seine Bürger sicher in
Frieden, Demokratie und Wohlstand leben, und wo die
bösen Dämonen des Völkerhasses in der Flasche
bleiben, ist eine Aufgabe für uns alle. Außenminister
Baker hat diese Aufgabe als "kollektives Engagement"
bezeichnet. Es ist eine Aufgabe für die neuen Demokratien selbst, weil keine Hilfe effektiv sein kann, wenn
sie nicht auf Selbsthilfe stößt. Es ist eine Aufgabe für
die wohlhabenden Demokratien Westeuropas, die nicht
nur Geld und Know-how bereitstellen können, sondern
- was noch wichtiger ist - ein Beispiel geben, wie alte
Haßgefühle beigelegt werden können. Und es ist eine
Aufgabe für die Vereinigten Staaten, die darin eine
direkte Fortführung des Engagements in Europa sehen, das seit fünfzig Jahren zu unserem beiderseitigen
Vorteil erfolgt ist.
Eine erweiterte kulturelle Partnerschaft
Sicherheit, wirtschaftliche Zusammenarbeit und Kooperation bei der Stabilisierung der neuen östlichen
Mitglieder der europäischen Familie - all dies ist vordringlich, schöpft aber die mögliche Bandbreite stärkeren amerikanischen Engagements in Europa in keiner
Weise aus. Während der kalte Krieg verebbt, werden
kulturelle und persönliche Kontakte noch wichtiger als
in der Vergangenheit. Ich bin der festen Überzeugung,
daß kulturelle Zusammenarbeit einer der echten

Seite 4

Einige Programme sind bereits mit der "Sicherung des
demokratischen Friedens" befaßt, wie Außenminister
Baker es bezeichnete. Wir haben das Peace Corps
auf Osteuropa ausgedehnt und hoffen, daß bis zum
kommenden Winter mindestens 250 dieser Freiwilligen in der ehemaligen Sowjetunion sein können. Darüber
hinaus benutzen wir das International Executive Service Corps, um pensionierte amerikanische Führungskräfte nach Osteuropa zu entsenden, damit sie ihre
dringend benötigte Managementerfahrung einbringen
können. Das Bürgerkorps Demokratie - eine von
Präsident Bush 1990 ins Leben gerufene nationale
gemeinnützige Organisation - hilft ferner bei der Verwaltung der freiwilligen Unterstützung des amerikanischen Privatsektors für die Volkswirtschaften im Übergang.
Gleichzeitig sollten wir die zwischen den Vereinigten
Staaten und Deutschland geschaffenen Bande weiterhin stärken, denn sie bilden die Grundlage unserer
Zusammenarbeit bei der Bewältigung der vor uns
liegenden Herausforderungen. Wir können Programmen wie dem parlamentarischen Patenschaftsprogramm Kongreß/Bundestag, dem Fulbright-Programm,
dem Deutschen Akademischen Austauschdienst, dem
deutsch-amerikanischen Partnerschaftsprogramm und
ähnlichen Bestrebungen nicht genügend Bedeutung
beimessen. Natürlich wissen wir die wichtigen privaten Austauschprogramme zu schätzen, einschließlich
der Schirmherrschaft, die die Adenauer-Stiftung jährlich über eine Delegation des amerikanisch-jüdischen
Komitees übernimmt. Letzte Woche hatte ich das
Vergnügen, diese Delegation bei einem von mir gegebenen Empfang im Anschluß an ihr Mittagessen mit
Kanzleramtsminister Bohl begrüßen zu können.
Wie Ministerpräsident Vogel von unserem Treffen in
Erfurt am 9. April weiß, möchten die Vereinigten Staaten insbesondere die Menschen in den neuen Bundesländern einbeziehen. Bei meinem Besuch in Neubran-

AMERIKA DIENST 24

�denburg im Januar konnte ich mit großer Freude
bekanntgeben, daß die Vereinigten Staaten das Fulbright-Programm und andere Austauschprogramme
um über eine Million Dollar aufstocken, um dem wachsenden Bedarf in den neuen Bundesländern gerecht
zu werden. Bis heute haben wir im Rahmen des
internationalen Besucherprogramms auf unsere Kosten über einhundert junge Deutsche aus den neuen
Ländern in die Vereinigten Staaten eingeladen - Menschen aus allen Berufssparten, in denen wir zukünftige
Führungskräfte sehen - und wir gehen davon aus,
dieselbe Anzahl im nächsten Haushaltsjahr einzuladen. Bundeskanzler Kohl und Präsident Bush haben
vor kurzem die Gründung der RIAS-Kommission
angekündigt, die die Förderung von Kontakten zwischen Medienvertretern und Medienzentren in den
neuen Ländern und den Vereinigten Staaten zum Ziel
hat. Und schließlich stiften die US-Streitkräfte in
Europa Städten und Universitäten in den neuen Bundesländern englischsprachige Bibliotheken amerikanischer Militärstützpunkte, die jetzt geschlossen werden. Bis heute wurden über 125.000 Bücher vom
Westen für den Osten gestiftet - ein greifbares Beispiel
dafür, wie "Schwerter zu Pflugscharen" werden.
Amerika und Europa: Ein Erfahrungsaustausch
Ich habe bereits auf die traditionelle Betrachtungsweise Amerikas von sich selbst als "Stadt auf dem Hügel"
hingewiesen als ein Beispiel, von dem andere etwas
lernen können. Können die Vereinigten Staaten tatsächlich als Teil ihres Engagements in Europa Lektionen anbieten, die sie aus ihren eigenen Erfahrungen
gezogen haben?
Obwohl ich ganz sicher nicht der Kategorie der gegenwärtig so in Mode gekommenen Untergangspropheten angehöre, die die Vereinigten Staaten als kurz vor
dem endgültigen Untergang darstellen, bin ich doch
nicht blind gegenüber den vielen Bereichen, in denen
mein Land große soziale Probleme hat, die dringend
bewältigt werden müssen. Los Angeles ist dafür eine
gute Gedächtnisstütze.
Dennoch bin ich der Ansicht, daß es Dinge gibt, die
Europa von Amerika lernen kann, ebenso wie es viele
Dinge gibt, die Amerika von Europa lernen kann und
lernen sollte.
Amerikanischer Utopismus - die Vision der "Stadt auf
dem Hügel" - wurde immer von einem starken Bewußtsein aufgewogen, daß die Aufgabe des Aufbaus einer
gerechten Gesellschaft stetes Bemühen verlangt. Politik
in Amerika ist keine Suche nach einer definitiven
ideologischen Wahrheit, sondern ein pragmatischer
Prozeß, bei dem die Regierung Antworten auf die
konkreten Bedürfnisse der Bürger nach einem besseren Leben finden muß.
*

AMERIKA DIENST 24

*

Keine vergangene oder gegenwärtige Regierung ist
ein Modell für eine perfekte Gesellschaft. Amerikas
einzigartiger Beitrag ist das Beispiel von Menschen
unterschiedlicher Rassen, Vorgeschichte und Kulturen mit dem kontinuierlichen Bestreben zum Aufbau
und zur Aufrechterhaltung einer demokratischen
Gesellschaft, die den Interessen aller dient. Wir haben
in der Vergangenheit bei diesen Bestrebungen Rückschläge erlitten. In Zukunft werden wir noch mehr
Rückschläge erleiden. Aber Amerika ist eine funktionierende vielrassische, multikulturelle Gesellschaft.
Während sich Europa der zunehmenden Völkervielfalt
stellt, sollten die Europäer unsere Erfahrungen prüfen,
sowohl, um die Dinge aufzugreifen, die wir richtig
gemacht haben als auch um unsere Fehler zu vermeiden.
Schlußbemerkung
Zusammenfassend gestatten Sie mir bitte, eine Geschichte über einen berühmten geistreichen Berliner
zu zitieren, der ein Doppelabteil in einem überfüllten
Schlafwagen bezahlt hatte. Einer der übrigen Passagiere, der keine Reservierung hatte, wandte sich an ihn
und erklärte, er werde jeden Betrag zahlen, um das
Abteil zu teilen. Der Berliner erwiderte postwendend:
"Vielleicht. Aber lassen Sie mich das erst einmal
überschlafen." Bei dem Versuch, den Frieden nach
dem Kalten Krieg zu sichern, können wir uns nicht den
Luxus leisten, die Sache zu überschlafen, die schwierigen Fragen der Zukunft mit Muße zu überdenken.
Wenn wir nicht die Zukunft gestalten, wird sie uns
gestalten.
Das vor uns liegende Jahrhundert hält unvergleichliche Versprechungen und beispiellose Herausforderungen bereit. Wir befinden uns an einem Punkt, wo
die alten Ideologien der Tyrannen zusammengebrochen sind, an der Schwelle der erweiterten Freiheit.
Dennoch sind Armut, die ökologische Bedrohung für
unseren Planeten Erde und politische Instabilität auf
der Welt furchteinflößende Herausforderungen. Diesen Herausforderungen können wir Amerikaner und
Europäer am besten entgegentreten - und vielleicht
nur dann entgegentreten - wenn wir weiterhin Seite an
Seite stehen. Aus diesem Grund wollen die Vereinigten Staaten ihre Verbindungen zu unseren alten europäischen Freunden und Institutionen wie Deutschland
und die NATO als bestem Mittel zum Aufbau von
Verbindungen zu neuen Freunden und neuen Institutionen vertiefen. Das ist die Bedeutung stärkeren
amerikanischen Engagements im neuen Europa.
Ich danke Ihnen und stehe jetzt gerne für Fragen zur
Verfügung.

*

*

Seite 5

�NATO
17. Juni 1992

NATO: STREITMACHT FÜR DEN FRIEDEN
IN DER ZEIT NACH DEM KALTEN KRIEG
von Paul Wolfowitz
WASHINGTON - (AD) - Der Verfasser ist Staatssekretär im Verteidigungsministerium. Der nachfolgende Artikel
basiert auf einer Rede vor der U. S. Military Academy Senior Conference in West Point (New York).

In den vergangenen drei Jahren hat sich die NATO
enorm gewandelt - sehr viel mehr als allgemein beachtet - um sich an das drastisch veränderte internationale
Umfeld anzupassen. Darüber hinaus war die NATO
eine treibende Kraft des Wandels und hat das Sicherheitsumfeld zum besseren gewendet.
Dennoch bezweifeln zahlreiche Leute - insbesondere
wenn ihnen diese Veränderungen entgangen sind,
aber auch diejenigen, die sie bemerkt haben - daß es
noch einen Bedarf für das Bündnis gibt, nun da Westeuropa sicherer ist als seit mindestens fünfzig Jahren.
Meine Antwort darauf könnte in einem Satz zusammengefaßt werden - das Bündnis ist heute erneut von
Bedeutung: erstens zur Bewahrung des bisher Erreichten, zweitens zum Schutz der Versprechungen
der Gegenwart und drittens zur Verwirklichung einer
noch vielversprechenderen Zukunft. Zunächst wird
das Prinzip der gemeinsamen Verteidigung, das eines
der größten bisherigen Leistungen der NATO war,
auch in Zukunft von ebensolcher Bedeutung sein,
wenn Sicherheitsrisiken höchstwahrscheinlich gering,
Unsicherheit und Unberechenbarkeit jedoch größer
sein werden. Zweitens ist die von der NATO heute gebotene Stabilität nicht nur für die Mitglieder des Bündnisses lebenswichtig, sondern noch mehr für die neuen Regierungen und Nationen Osteuropas und der
ehemaligen Sowjetunion, die um den Erhalt ihrer hart
errungenen Unabhängigkeit und Demokratie kämpfen. Die von der NATO gebotene Stabilität ist die
erforderliche Grundlage für den künftigen politischen
und wirtschaftlichen Erfolg dieser neuen Demokratien.
Drittens hat die NATO die Chance zur Gestaltung einer
völlig neuen Zukunft, indem sie diese neuen Demokratien Mittel- und Osteuropas und vor allem Rußland in
die demokratische Sicherheitsgemeinschaft einbezieht,
in die demokratische "Friedenszone", die während des

AMERIKA DIENST 24

Kalten Kriegs gegründet wurde. Dennoch wird der
Erfolg dieser drei Missionen weiterhin von der amerikanischen Führungsrolle und einer starken amerikanischen Rolle in europäischen Sicherheitsangelegenheiten abhängen, und diese Führungsrolle hängt wiederum davon ab, daß uns etwas gelingt, mit dem wir
immer Schwierigkeiten hatten: eine drastische Reduzierung unserer Streitkräfte vorzunehmen, ohne die
während des Kalten Kriegs unter großen Opfern erreichte Sicherheitsposition aufzugeben.
Ich möchte mit dem Eingeständnis beginnen, daß ich
immer wieder verwundert darüber bin, wie wenig Aufmerksamkeit dem bemerkenswerten Weg geschenkt
wird, den die NATO in jüngster Zeit zurückgelegt hat,
sowohl bei der Anpassung ihrer Strategie an das neue
internationale Umfeld als auch - was noch wichtiger ist
- bei der Verwirklichung der tiefgreifenden Refomen,
die in der Tat den dramatischen Kurs der jüngsten
Geschichte beeinflußt haben. Bei diesen beiden Ereignissen war die amerikanische Fühungsrolle von
großer Bedeutung.
Im folgenden möchte ich Ihnen vier Beispiele nennen,
wie die NATO unter amerikanischer Führung den Lauf
der Ereignisse verändert und beeinflußt hat. Erstens
hat die beim NATO-Gipfel im Mai 1989 in die Wege
geleitete Initiative den Prozeß der konventionellen
Rüstungskontrolle in Europa umgestaltet. Zusammen
mit anderen politisch Verantwortlichen im Bündnis hat
Präsident Bush eine dramatische neue Initiative zur
konventionellen Rüstungskontrolle vorgeschlagen, die
Bereiche erweitert, die die NATO im Rahmen des
KSE-Vertrags einzubeziehen bereit war und gleichzeitig die Verhandlungen beschleunigt. Das Ergebnis ist
ein KSE-Vertrag, der jetzt einen wesentlichen Beitrag
zur Sicherheit der Vereinigten Staaten und Europas
leisten wird.

Seite 1

�Zweitens hat das Bündnis in den vergangenen drei
Jahren das Einsatzkonzept und die Doktrin seiner
nuklearen Gefechtsfeldwaffen revolutioniert. Damit
wurde das Fundament für Präsident Bushs kühne und
historische Initiative vom 27. September 1991 zu den
Nuklearstreitkräften gelegt, in der er unter anderen
wesentlichen Schritten den Abzug aller amerikanischen landgestützten taktischen Nuklearwaffen aus
Europa ankündigte. Infolgedessen wird das atomare
Arsenal der NATO auf ein Fünftel seines bisherigen
Umfangs reduziert. Vielleicht noch wichtiger ist, daß
die kontroverse Debatte über nukleare Gefechtsfeldwaffen, die im Jahr 1989 das Bündnis zu spalten
drohte, durch einen Konsens über die Notwendigkeit
eines Mindestniveaus von aus Mehrzweckkampfflugzeugen bestehenden kriegsschauplatzgebundenen
Nuklearstreitkräften in Europa zur Bewahrung von
Frieden und Stabilität ersetzt wurde.

Im Mittelpunkt dieser bemerkenswerten Leistungen
stand die kontinuierliche Effektivität der amerikanischen Führungsrolle seit dem Zweiten Weltkrieg bei
der Schaffung der erforderlichen Bedingungen für die
westeuropäischen Nationen, ihre gemeinsame Verteidigung in kollektiver Weise bereitzustellen, statt in
vergeblichen - und damit gefährlichen - Unterfangen
Krisen als einzelne Nationen im Alleingang zu meistern
zu versuchen. Auf den Punkt gebracht ist das die
Bedeutung der NATO - eine der erfolgreichen Eindämmung des Kommunismus über vierzig Jahre hinweg
ebenbürtige Leistung und eine Errungenschaft, deren
Bewahrung selbst nach dem Zusammenbruch und
dem Verschwinden des Kommunismus lebenswichtig
ist. Dies ist die erste Antwort, die ich auf die hartnäkkige Frage geben möchte, warum wir die NATO selbst
nachdem es keine sowjetische Bedrohung mehr gibt
noch benötigen.

Drittens - und vielleicht am wichtigsten - war die
amerikanische Reaktion auf den Zusammenbruch des
Kommunismus in Ostdeutschland. Unmittelbar nach
dem Fall der Berliner Mauer nutzte Präsident Bush den
Augenblick, um unsere Unterstützung für eine rasche
Vereinigung zum Ausdruck zu bringen und setzte den
Mechanismus zu deren Verwirklichung in Gang - den
sogenannten Zwei-plus-Vier-Prozeß. Von überragender Bedeutung ist, daß das vereinigte Deutschland
Vollmitglied der NATO ist.

In dem Maße, in dem wir derzeit Frieden und Wohlstand im Großteil Europas genießen, ist dies ein
Ergebnis der Sicherheitsstruktur, die wir im Westen
nach dem Zweiten Weltkrieg geschaffen haben. Das
System der kollektiven Verteidigung hat das hervorgebracht, was Verteidigungsminister Cheney als Amerikas "stillen Sieg" bezeichnet hat - die Schaffung einer
wohlhabenden, vornehmlich demokratischen, marktorientierten "Friedenszone" in Europa und Asien. Im
Gegensatz zu der Zerstörung und Tragödie, die Europa von 1900 bis 1945 erleiden mußte, haben die
westeuropäischen Nationen praktisch ein halbes Jahrhundert beispiellosen Wohlstands erlebt. Zusammen
haben wir ein Umfeld geschaffen, von dem man fairerweise sagen kann, daß Krieg zwischen diesen Ländern wirklich undenkbar ist. Das ist ein dramatischer
Bruch mit der tragischen Vergangenheit Europas.

Schließlich hat das Bündnis wichtige Schritte zur Einbeziehung der neuen Demokratien nicht nur als ehemalige Gegner sondern als zukünftige Partner unternommen. Dies war die Botschaft des Londoner Gipfels, der eine neue NATO-Strategie für die Zeit nach
dem Kalten Krieg definierte. Eine der wichtigsten
Initiativen war die Gründung des Nordatlantischen Kooperationsrats - oder NAKR - im Dezember vergangenen Jahres, der die Zusammenarbeit zwischen den
Bündnispartnern und den Ländern des ehemaligen
Warschauer Pakts erleichtem soll. Er bietet ein Forum
und die Gelegenheit zur Arbeit mit den neuen Demokratien in Bereichen von gemeinsamem Sicherheitsinteresse, einschließlich Fragen der Verteidigungsplanung, Rüstungskonversion und anderen mit der Rüstungsindustrie und dem Verteidigungshaushalt in
Zusammenhang stehenden Themen.
Ich möchte die scharfsinnigen Worte des britischen
Verteidigungsministers Malcolm Rifkind aus einer
wichtigen, vor kurzem über die künftige Sicherheit
Europas gehaltenen Rede zitieren: "Diese Entwicklungen illustrieren das anhaltende Engagement aller 16
NATO-Mitgliedstaaten für die Zukunft des Bündnisses. Sie veranschaulichen die Flexibilität der NATO,
ihre Fähigkeit zur Anpassung an die Ereignisse und
ihre lebenswichtige Bedeutung für die Zukunft der
europäischen und transatlantischen Verteidigung."

Seite 2

Obwohl wir und unsere Verbündeten uns bewußt sind,
daß die heute abzuschreckenden Bedrohungen zweifelsohne geringer und weiter entfernt sind als zu der
Zeit, in der wir uns Dutzenden von sowjetischen Divisionen im Herzen Europas gegenübersahen, ist das
derzeitige Sicherheitsumfeld nicht frei von Gefahren.
Es ist uns allen gedient, wenn wir diese uns alle
betreffenden Gefahren gemeinsam bewältigen, so wie
wir uns der größeren Gefahr in der Vergangenheit aus
denselben Gründen gestellt haben. Die Alternative
wären individuelle Bestrebungen, die vielleicht unwirksam wären, mehr kosten und sogar zu Wettbewerb
unter ehemaligen Verbündeten führen könnten.
Die amerikanische Führungsrolle ist immer noch ein
unabdingbarer Faktor für den Zusammenhalt einer
starken Struktur des Bündnisses. Und das Schlüsselelement, das diese Struktur zusammenhält, sind immer
noch die vornestationierten amerikanischen Streitkräfte in Europa. Bedauerlicherweise sehen einige besonders in diesem Land - die amerikanische Militär-

AMERIKA DIENST 24

�macht als Gerüst, das nun, da die Struktur vollendet
ist, problemlos abgebaut werden kann. Das ist natürlich eine bloße Annahme. Wie jeder, derein altes Haus
renoviert hat, weiß, muß man, bevor man eine Wand
einreißt, sicherstellen, daß es keine "tragende Wand"
ist. Wie "tragend" sind unsere vornestationierten Streitkräfte in Europa? Ich kann es nicht mit Sicherheit
sagen, und es verblüfft mich, wenn Leute im Brustton
der Überzeugung behaupten, der Abzug unserer Streitkräfte aus Europa sei kein Problem. Vielleicht denken
sie, die Bewahrung regionalen Friedens sei eine einfachere Angelegenheit als der Umbau eines Hauses.
Die amerikanische Führungsfähigkeit bei der Bewahrung des Schwerpunkts kollektiver Aktionen ergibt sich
aus den über vier Jahrzehnte hinweg entwickelten
soliden und stetigen Arbeitsbeziehungen mit unseren
Verbündeten. Ein Schlüsselelement dieser Beziehungen ist das Muster der routinemäßigen Zusammenarbeit, das mit der Beibehaltung einer amerikanischen
Kampftruppe in Europa einhergeht, die zu Ausbildungs- und Übungsaktivitäten mit ihren europäischen
Partnern in der Lage ist. Dasselbe gilt für die Gelder,
die von den Vereinigten Staaten in verschiedene Infrastrukturprojekte der NATO in ganz Europa investiert
wurden. General Galvin hat meines Wissens mehr
Stunden als irgendjemand anders mit Versuchen verbracht, den Kongreß von der Klugheit dieser Investitionen zu überzeugen. Glücklicherweise mußten wir
diese Einrichtungen niemals in einem Krieg gegen den
Warschauer Pakt einsetzen, aber sie waren vorhanden, als wir sie während des jüngsten Golfkriegs
benötigten. Ohne Zugang zu von unseren Verbündeten - bisweilen kurzfristig - bereitgestellten Einrichtungen in Portugal, Spanien, Deutschland, Italien, Großbritannien, Frankreich, Griechenland und der Türkei
wäre es erheblich schwieriger gewesen, Truppen an
den Persischen Golf zu verlegen und dort effektiv zu
operieren.
Bündnisbeziehungen und Bündnisstrukturen werden
unabhängig davon, ob wir als offizielles Bündnis handeln oder nicht, nach wie vor wichtig für unsere Fähigkeit sein, mit Bedrohungen an Orten wie dem Persischen Golf umzugehen. Man braucht jedoch nicht
über Europa hinauszugehen, um potentielle Gefahren
zu erkennen, und damit komme ich zu dem zweiten
Grund, aus dem wir die NATO nach wie vor benötigen,
nämlich, um die Stabilität in Europa zu unterstützen,
die unerläßlich ist, wenn die jungen Demokratien des
ehemaligen Warschauer Pakts bei ihrem Kampf erfolgreich sein wollen, Demokratie und Unabhängigkeit
eine solide Grundlage zu verschaffen. Westeuropa
erscheint heute stabiler und sicherer als in den vergangenen Jahrhunderten, aber das gilt nicht für Europa als
Ganzes. Und bevor nicht Europa als Ganzes sicher ist,
wird selbst die Sicherheit Westeuropas fraglich bleiben. Die NATO muß weiterhin eine wichtige Rolle
spielen, um zu gewährleisten, daß die Bedrohungen
für die europäische Sicherheit auf ein Mindestmaß

AMERIKA DIENST 24

beschränkt bleiben oder, besser noch, gar nicht erst in
Erscheinung treten.
Dies ist eindeutig die Botschaft, die wir von unseren
Freunden in Mittel- und Osteuropa vernehmen, die
darauf zählen, daß die NATO eine solche Rolle spielt.
Es ist erstaunlich, daß einige der nachdrücklichsten
Befürworter der anhaltenden Existenzberechtigung der
NATO und der Bedeutung amerikanischer Truppen in
Europa die neuen demokratischen Entscheidungsträger wie Vaclav Havel und Lech Walesa sind. S-*hat
Präsident Havel erklärt: "Die Instabilität in der ehemaligen UdSSR, in den baltischen Republiken, und insbesondere die Instabilität am Golf zeigt, daß wir nicht nur
an die in weiter Ferne liegende Zukunft denken und
von paneuropäischen Sicherheitsstrukturen träumen
können. Natürlich sollten und müssen wir dies tun,
aber wir können uns nicht darauf beschränken, und wir
müssen darüber hinaus die spezielle und aktuelle
Sicherheitslage bedenken. Diese Lage... verdeutlicht
und verstärkt Argumente für die engere Zusammenarbeit mit der NATO." Selbst in Rußland äußern viele
Demokraten die Ansicht, daß die NATO - die neue und
umgestaltete NATO - für die Stabilität Europas unabdingbar ist.
Wir begrüßen die Entwicklung anderer Institutionen
wie der KSZE als Instrument zur Beilegung von Konflikten, der WEU als Mittel für unsere europäischen
Verbündeten, ihren Eigenbeitrag zur gemeinsamen
Verteidigung zu stärken, des Nordatlantischen Kooperationsrats (NAKR) der NATO als Mittel, mit dem
unsere ehemaligen Gegner an der NATO teilhaben
können. Aber diese ergänzenden Institutionen werden
ihre Aufgaben nur dann wirksam erfüllen, wenn daneben als Kernstück eine starke NATO besteht, so daß
sie mit der Autorität und Macht dieser außergewöhnlichen Allianz sprechen und handeln können.
Aus diesem Grund hoffen und erwarten wir, daß sich
diese anderen europäischen Institutionen im Einklang
mit den in Rom verabschiedeten und unlängst bei den
Frühjahrstagungen 1992 bekräftigten Vereinbarungen
der NATO entwickeln werden. Wir hoffen darüber
hinaus, daß solche Arrangements auch im Einklang
mit den von den Europäern selbst beim EG-Gipfel in
Maastricht getroffenen Vereinbarungen Gestalt annehmen werden, die WEU als Verteidigungskomponente der Europäischen Union zu entwickeln, um
damit Europa, das Bündnis und die Sicherheit auf dem
gesamten Kontinent zu stärken. Aus diesem Grund
sind wir sehr darum bemüht sicherzustellen, daß das
neu gegründete deutsch-französische Korps die Integrität und Effektivität des Bündnisses letztlich stärkt und nicht schwächt.
Dies bedeutet insbesondere, daß wir einige ernste
Fragen über die vorrangige Unterstellung von Einheiten sowie die Verfahren stellen, mit denen sie dem
Kommando der NATO unterstellt werden.

Seite 3

�Wenn wir das sichere Umfeld bereitstellen können, in
dem sich die neuen Demokratien etablieren und gedeihen können, werden wir die Tür zu einer noch hoffnungsvolleren Zukunft aufstoßen. Wir können über
die Bewältigung der verbleibenden Bedrohungen und
Antagonismen in Europa hinausgehen, um heute aus
ehemaligen Gegnern Sicherheitspartner zu machen.
Dazu wird hoffentlich als wichtigstes Element ein
demokratisches Rußland gehören. Eine solche Leistung würde die demokratische "Friedenszone" auf
ganz Europa und darüber hinaus ausdehnen. Und
dies wird es uns gestatten zusammenzuarbeiten, um
die ganze Welt zu einem sichereren und friedlicheren
Ort zu machen.
Wir unternehmen bereits erste Schritte, um mit Rußland, der Ukraine und den anderen ehemaligen Sowjetrepubliken sowie den Ländern Ost- und Mitteleuropas an der Schaffung einer Sicherheitsgemeinschaft
zu arbeiten, die alle demokratischen Länder bei der
Bewahrung einer friedlichen Ordnung vereint, in der
alle zu Wohlstand gelangen können. Indem wir diese
Schritte unternehmen, können wir ein Element der
Sicherheit bereitstellen, das Ru ßland und den anderen
neuen Demokratien verdeutlicht, daß es sicher ist,
Ressourcen auf den Aufbau der Demokratie und freier
Märkte zu lenken anstatt Panzer und Raketen zu
bauen.
Einer der wichtigsten neuen Wege, mit denen die
NATO ihrer Mission gerecht wird, ist die Erarbeitung
von Möglichkeiten, um mit den neuen Demokratien
gemeinsam die Neufassung ihrer Einsatzkonzepte in
Angriff zu nehmen. So kann die NATO durch Kontakte
zwischen den Militärs eine exzellente Informationsquelle sein, um den Staaten des ehemaligen Warschauer Pakts dabei zu helfen, die offensive Militärdoktrin zu einer defensiven Doktrin zu verändern. Bei
dieser Umgestaltung geht es ebenso darum, Gesellschaften vom Militarismus der Vergangenheit abzuwenden wie darum, sie zu demokratischen Werten und
freien Märkten hinzuführen. Je mehr Vertrauen diese
Staaten in ihre eigene Sicherheit haben, desto mehr
werden sie tun, um knappe Ressourcen auf die Schaf-

fung von Demokratie und freien Märkten zu konzentrieren. Dieses Ziel ist von äußerster Bedeutung für die
einzelnen Länder, für Europa als Ganzes und für die
Vereinigten Staaten.
Die NATO hat sich in diesen Prozeß auch durch die
Veränderungen eingeschaltet, die wir bei unserer eigenen Doktrin, Strategie und unserem Einsatzkonzept
vornehmen. In der Tat gibt es zahlreiche Indizien, die
beweisen, daß der Wandel der NATO im Hinblick auf
ihre strategische Orientierung grundsätzlich positive
Auswirkungen auf die Entwicklungen in der damaligen
Sowjetunion hatte. Die erfreulichste Bestätigung hierfür wurde mir bei einer kürzlichen Reise nach Moskau
zuteil, als mir ein demokratisch eingestellter Offizier
mitteilte, daß die Strategieänderungen der NATO beim
Londoner Gipfel für ihn und seine Kameraden äußerst
hilfreich gewesen seien, um die Offiziersversammlung
in Moskau im vergangenen Januar zu veranlassen,
einen gemäßigten Kurs einzuschlagen und eine Konfrontation mit der neuen demokratischen Führung
Rußlands zu vermeiden.
Der Weg zum Erfolg ist noch mit zahlreichen Fallstrikken versehen. Innenpolitisch können die wirtschaftlichen Reformprozesse äußerst schmerzhaft sein, und
die jungen demokratischen Institutionen sind noch
schwach. Darüber hinaus bestehen innerhalb der
Länder wie zwischen ihnen zahlreiche ethnische und
nationale Probleme, die spontan aufflammen oder von
Altkommunisten und extremen Nationalisten ausgenutzt werden könnten, um die demokratische Legitimität zu untergraben.
Wenn - wie Verteidigungsminister Cheney vor dem
Kongreß erklärte -, die Demokratie trotzdem in diesen
Staaten im Lauf der Zeit an Reife gewinnt, besteht jede
Möglichkeit, daß sie nicht nur in Europa, sondern auch
in anderen entscheidenden Regionen eine Kraft für
den Frieden werden. Wir können uns in der Tat sehr
gut vorstellen, daß wir in Krisen wie den Operationen
WüstenschildAMistensturm von Rußland oder anderen Staaten der ehemaligen Sowjetunion in 10 Jahren
nicht nur politische, sondern auch militärische Unterstützung erhalten.

* * * *

Seite 4

*

AMERIKA DIENST 24

�ATOMTESTS
17. Juni 1992

ATOMTESTS: WARUM SIE WEITERHIN
ERFORDERLICH SIND
Weißbuch des US-Verteidigungsministeriums
WASHINGTON - (AD) - Die Zusammenfassung und das Weißbuch über Atomtests, die wir nachfolgend im
Wortlaut veröffentlichen, wurden kürzlich vom amerikanischen Verteidigungsministerium herausgegeben.

Die jüngsten Ereignisse werden in den kommenden
Jahren eine drastische Reduzierung der Anzahl amerikanischer Kernwaffen zur Folge haben. Einige haben
die Frage gestellt, ob die Vereinigten Staaten deshalb
ihre unterirdischen Atomtests einstellen können. Tatsache ist jedoch, daß die Vereinigten Staaten ihre
Kernwaffenversuche nicht einstellen können, ohne ihr
strategisches Abschreckungspotential zu gefährden.
Dies läßt sich anhand folgender Punkte erklären:
Die Vereinigten Staaten führen Atomtests aus folgenden technischen Gründen durch:
Sicherheit - Verbesserte Sicherheitsvorrichtungen für
Kernwaffen werden weiterhin erprobt. Diese Versuche sind unerläßlich, um sicherheitstechnische Verbesserungen bei Kernwaffen vorzunehmen. Unabhängige Untersuchungen wissenschaftlicher Gremien
haben die Vereinigten Staaten dazu aufgefordert, ihre
Bemühungen zur Verbesserung der Sicherheit fortzuführen.
Zuverlässigkeit - Jeweils eines von drei seit 1958
eingeführten Konstruktionsmustern erforderte Kernwaffenversuche, um nach Stationierung dieser Waffen
entstandene Probleme zu beheben. Die Zuverlässigkeit des nuklearen Arsenals würde ohne stetige Atomtests mit der Zeit abnehmen.
Überlebensfähigkeit - Atomtests sind unabdingbar,
um die Haltbarkeit militärischer Systeme zu entwickeln
und verifizieren, die in einem nuklearen Umfeld operieren müssen.
Nukleare Abschreckung wird ein Schlüsselelement der Verteidigungsstrategie sowie die grundlegendste Voraussetzung der nationalen Sicherheit bleiben. Solange wir uns zur Abschreckung
auf Kernwaffen stützen, werden wir diese erproben müssen. Die Vereinigten Staaten führen

AMERIKA DIENST 24

diese Tests in umweltverträglicher Art und Weise
sowie im Einklang mit allen bestehenden internationalen Abkommen durch.
Einige behaupten, ein umfassendes Atomtestverbot werde den "Rüstungswettlauf beenden".
Die Ereignisse der vergangenen Jahre strafen
diese Behauptung jedoch Lügen, denn die Fortschritte in der sowjetisch-amerikanischen Rüstungskontrolle sowie jüngste amerikanische
Initiativen und russische Reaktionen zeigen,
daß die Einstellung von Atomtests nicht erforderlich ist, um stabilisierende Abrüstungsmaßnahmen zu erzielen.
Enthüllungen im Hinblick auf das irakische
Nuklearprogramm zeigen eindeutig, daß Atomtests für die Entwicklung einer Kernwaffe nicht
erforderlich sind. Behauptungen, die unser
Testprogramm mit der Weiterverbreitung von
Kernwaffen in Verbindung bringen, werden
ebenfalls nicht den Tatsachen gerecht. Die
Atomtests der Vereinigten Staaten hatten keinen erkennbaren Einfluß auf Länder, die zur
Beschaffung eigener Kernwaffen entschlossen
waren.
Ein wesentlich reduzierter Bestand beseitigt
nicht die Notwendigkeit von Versuchen. Die
Vereinigten Staaten haben das Ausmaß ihrer
Kernwaffenversuche - mit Ausnahme des Moratoriums von 1958 bis 1961 - auf den niedrigsten
Stand seit den frühen fünfziger Jahren verringert, und die Vereinigten Staaten müssen ein
bescheidenes aber effektives Programm aufrechterhalten.
Eine Einstellung der Atomtests würde weder
Kernwaffen beseitigen, noch die internationale
Sicherheit erhöhen. Sie würde aber das Ver-

Seite 1

�trauen der Vereinigten Staaten in ihr verbleibendes nukleares Abschreckungspotential untergraben und ernsthaft ihre Fähigkeit beschneiden, Verbesserungen der nuklearen Sicherheit
vorzunehmen.
Weißbuch über Atomversuche
Die jüngsten Ereignisse werden in den nächsten Jahren einen drastischen Abbau der Zahl amerikanischer
Kernwaffen zur Folge haben. Einige haben die Frage
gestellt, ob die Vereinigten Staaten deshalb ihre unterirdischen Atomtests einstellen können. Tatsache ist
jedoch, daß die Vereinigten Staaten ihre Kernwaffenversuche nicht einstellen können, ohne ihr strategisches Abschreckungspotential zu gefährden.
Infolge der Rüstungskontrollabkommen mit der ehemaligen Sowjetunion sowie einseitiger Maßnahmen
der Vereinigten Staaten und Rußlands wird der Gesamtumfang des strategischen und taktischen Kernwaffenarsenals erheblich schrumpfen. Trotzdem wird
die strategische nukleare Abschreckung ein Schlüsselelement der neuen Verteidigungsstrategie sowie die
grundlegendste Voraussetzung der nationalen Sicherheit bleiben. Solange wir uns zur Abschreckung auf
Kernwaffen stützen, werden wir diese erproben müssen.
Es ist absolut unerläßlich, daß unsere verbleibenden
Bestände durch moderne Forschung, Entwicklung und
Erprobung angemessen unterstützt werden. Die wissenschaftliche Grundlage, die Atomtests erforderlich
macht, kommt in Sicherheit, Zuverlässigkeit und
Überlebensfähigkeit unserer konventionellen und
nuklearen Streitkräfte zum Ausdruck.
Sicherheit
Die Kernwaffen der Vereinigten Staaten sind sicher,
aber neue Technologien, wie etwa zündunempfindliche Explosivstoffe, sind verfügbar geworden, um sie
noch sicherer zu machen. In den vergangenen 40
Jahren hat es mehrere Unfälle mit Kernwaffen gegeben. Sie reichten ihrer Schwere nach von solchen, die
nicht zur Freisetzung von Radioaktivität führten (wie
auf dem Titan-Raketenstützpunkt in Damascus, Arkansas), bis zu einigen wenigen, bei denen die Explosivstoffe in den Waffen zündeten und Radioaktivität
freigesetzt wurde (eine Kemwaffenexplosion fand jedoch
niemals statt). Unser Bewußtsein für die von der
Freisetzung gefährlicher Stoffe ausgehenden Gefahren für die Umwelt ist heute wesentlich stärker als auf
dem Höhepunkt des Kalten Krieges. Obwohl die
Bilanz der amerikanischen Streitkräfte bei der Vermeidung einer nuklearen Katastrophe in den vergangenen
40 Jahren beispielhaft war, können und sollten wir
mehr tun, um unsere Bevölkerung und unsere Umwelt
zu schützen.
Erstaunlicherweise argumentieren einige Befürworter
eines Atomteststopps, die vorhandenen Bestände seien
Seite 2

"sicher genug". Eine alternative, verantwortungsbewußte Perspektive wurde in einer Untersuchung präsentiert, die unlängst von einem vom Kongreß eingesetzten unabhängigen Gremium (unter dem Vorsitz
von Sidney Drell) durchgeführt wurde. Das Gremium
empfahl den Vereinigten Staaten, ein neues Gleichgewicht zwischen "den erwünschten militärischen Merkmalen (von Kernwaffen) und den Erfordernissen verbesserter Sicherheit" herzustellen. Um dies zu tun,
sollten die Vereinigten Staaten solchen Konstruktionsmustern den Vorzug geben, die Kernwaffen "so sicher
wie praktisch möglich" machen würden. Wir wissen,
wie solche Konstruktionsmuster entwickelt werden
können. Dies zu tun, erfordert jedoch Atomtests.
Zu diesen sicherheitstechnischen Verbesserungen
gehört der Einsatz von "zündunempfindlichen Explosivstoffen" (insensitive high explosives). Dies sind
Explosivstoffe, die bei der Mehrzahl möglicher schwerer Unfälle praktisch nicht gezündet werden können.
Andere sicherheitstechnische Verbesserungen betreffen elektrische Systeme, die eine verbesserte Zündsicherheit nuklearer Gefechtsköpfe bereitstellen. Solche elektrischen Systeme würden zum Beispiel eine
Waffe vor den Auswirkungen elektrischer Streusignale
wie etwa bei Blitzschlag schützen. Wissenschaftler
der National Laboratories des Energieministeriums
haben phantasievolle Möglichkeiten entwickelt, um
diese Sicherheitsvorrichtungen in bereits existierende
Kernwaffen einzubauen. Diese Waffen werden so
ausgelegt, daß eine Freisetzung nuklearen Materials
bei unbeabsichtigter Zündung praktisch ausgeschlossen ist. Ein erheblicher Teil der in den vergangenen
Jahren durchgeführten Atomtests galt hauptsächlich
der Erprobung dieser neuen Sicherheitsvorkehrungen. Mehrere Tests des kommenden Jahres werden
ebenfalls vorrangig der Erprobung sicherheitstechnischer Vorrichtungen dienen. Diese Konstruktionsmuster werden darüber hinaus umfangreiche Tests erfordern, bevor sie bestehende Gefechtsköpfe ablösen
können. Das Drell-Gremium und andere Ausschüsse,
die sich mit der Frage der Sicherheit von Kernwaffen
beschäftigten, haben die Notwendigkeit von Atomtests zur Verbesserung der Sicherheit existierender
Bestände verstanden.
Großes Vertrauen in diese verbesserten Sicherheitsvorrichtungen kann ohne ein verantwortungsbewußtes Testprogramm nicht entstehen. Die Entwicklung
zündunempfindlicher Sprengstoffe für unsere Kernwaffen erforderte über die gesamten siebziger Jahre
hinweg eine erhebliche Anzahl von Tests. Ebenso
befindet sich seit Jahren ein Gefechtskopf in der
Entwicklung, der der Hitze eines Feuers in einem
Flugzeug widerstehen kann, ohne Plutoniumdämpfe
freizusetzen. Mehrere Atomtests waren erforderlich,
um die Entwicklung so weit voranzutreiben, daß besonders ausgelegte Kernwaffen heute Feuerschutz
für bestimmte Unfallszenarien haben. Weitere Versuche werden notwendig sein, um diese Entwicklung

AMERIKA DIENST 24

�abzuschließen, damit alle Kernwaffentypen erfaßt und
noch größerer Feuerschutz gewährleistet wird.
Zuverlässigkeit
Der Kongreß und andere Organisationen haben das
Verteidigungsministerium aufgefordert, eine ausreichende Zahl von Versuchen mit konventionellen Waffensystemen durchzuführen, um deren einigermaßene Zuverlässigkeit sicherzustellen. Atomtests sind
also auch für die Zuverlässigkeit von Kernwaffen
unabdingbar. Obwohl sie zu den komplexesten Waffen im amerikanischen Arsenal zählen, werden Kernwaffen nur einen Bruchteil so ausgiebig erprobt wie
andere von unseren Streitkräften eingeführte Waffensysteme.
Seit 1958 haben die Vereinigten Staaten 41 verschiedene Kernwaffensysteme stationiert. Von diesen
benötigten 14 Kernwaffensysteme nach ihrer Stationierung oder bei Erlangung der Stationierungsreife
korrektive Modifikationen, weil Mängel entweder entdeckt wurden oder bei der Auswertung von Atomtests
zutage tragen. So wurde zum Beispiel nach der
Produktionsaufnahme eines Gefechtskopfs ein letzter
Test im extremen Tieftemperaturbereich dieses Gefechtskopfs durchgeführt. Der für den luftgestützten
Marschflugkörper entwickelte Gefechtskopf war Mitte
der achtziger Jahre zur Stationierung vorgesehen. Die
Testergebnisse waren eine große Überraschung. Der
Gefechtskopf explodierte mit nur einem Bruchteil seiner Sprengkraft. Die Waffe war in nichtnuklearen
hydrodynamischen Tests umfassend erprobt worden,
selbst im extremen Niedrigtemperaturbereich, ohne
Anzeichen von Problemen. Eine Konstruktionsveränderung zu einem sehr viel konservativeren System
wurde an dem Gefechtskopf vorgenommen, und ein
Jahr später wurde er erfolgreich erprobt.
Der nukleare Gefechtskopf für die Sergeant-Rakete
der US-Armee wurde während des Testmoratoriums
von 1958 bis 1961 entworfen, und daher basiert seine
Konstruktion auf nichtnuklearen hydrodynamischen
Tests und computergestützten Konstruktionsberechnungen. Sie wurde im April 1962 erstmals stationiert.
Weil sich die Konstruktion des Gefechstkopfs auf
einen zuvor erfolgreich erprobten Gefechtskopf stützte, herrschte großes Vertrauen, daß der SergeantGefechtskopf erwartungsgemäß funktionieren würde.
Als der Gefechtskopf schließlich erprobt wurde, setzte
er nur einen so geringen Teil seiner erwarteten Sprengkraft frei, daß er militärisch gesehen unwirksam war.
Den Wissenschaftler gelang es, den Konstruktionsfehler zu beheben und einen neu entworfenen (und
erfolgreichen) Gefechtskopf binnen drei Monaten nach
dem Atomtest zu erproben, der das Problem aufgedeckt hatte. Dieses Beispiel veranschaulicht deutlich
die Grenzen und Gefahren modifizierter Gefechtskopfkonstruktionen, die sich ausschließlich auf nichtnukleare Erprobungen und Computerberechnungen
stützen.

AMERIKA DIENST 24

Bestimmte Nuklearwaffen werden in regelmäßigen
Abständen zur Überprüfung aus den Arsenalen abgezogen. Eine unerwartete Verschlechterung bestimmter Komponenten eines Gefechtskopfs oder unvorhergesehene Bedingung, denen der Gefechtskopf ausgesetzt gewesen sein könnte, können unterschiedliche
Unsicherheitsfaktoren über die Leistung des Gefechtskopfs bewirken. Bei der ballistischen Rakete für das
Polaris-Unterseeboot wurde beispielweise festgestellt,
daß der Gefechtskopf einige Jahre nach ihrer Stationierung anfing zu rosten. Ein Atomtest des PolarisGefechtskopfs ergab, daß die Korrosion die Wirkung
des Gefechtskopfs ernsthaft beeinträchtigte. Dieser
Defekt hätte, wenn er nicht behoben worden wäre,
einen Großteil unserer seegestützten ballistischen
Raketen inoperabel gemacht. Ein neuer Gefechtskopf
wurde entworfen, um das Korrosionsproblem zu beheben. Er wurde erfolgreich erprobt, und die bereits
stationierten fehlerhaften Gefechtsköpfe wurden durch
modifizierte Gefechtsköpfe ersetzt.
Probleme mit ähnlich schwerwiegenden Konsequenzen ergaben sich bei Waffensystemen unserer gesamten strategischen Triade und unseren taktischen
Nuklearsystemen. Die Gefechtsköpfe für die Minuteman-Rakete, die ballistische Rakete für das Polaris-UBoot, weitere Raketen der US-Marine außer der Polaris sowie von B-52-Bombem und Kampfbombern getragene Bomben wiesen gravierende Mängel auf, die
durch Atomtests aufgedeckt wurden, nachdem diese
Raketen von unseren Streitkräften stationiert worden
waren. Diese Probleme traten auch in jüngster Zeit
auf, nicht nur in den Frühstadien unseres AtomwaffenEntwicklungsprogramms. Wenn eine Zuverlässigkeitsprüfung der Arsenale vor einigen Jahren schwerwiegende Mängel bei unseren strategischen Nuklearsystemen ergab, hätte es sich bei der betroffenen
Waffe um eine von sechs oder vielleicht acht Waffen
gehandelt. Bei einer sehr viel kleineren, auf weniger
Typen von Gefechtsköpfen gegründeten Nuklearstreitmacht könnten solche Fehler nur bei einer von zwei
oder drei Waffen auftreten. In Anbetracht unseres
Vertrauens in die Aufrechterhaltung einer glaubwürdigen nuklearen Abschreckung auf der Grundlage so
weniger unabhängiger Waffen kommt der Notwendigkeit, die Zuverlässigkeit unserer NuklearwaffensySterne im Auge zu behalten, größere Bedeutung zu als
bisher.
Die meisten Fortschritte, die wir bei der Entwicklung
von Atomsprengköpfen erzielt haben, sind eine direkte
Folge der Atomtests. Vor kurzem legten auf neu
entwickelte hydrodynamische Computercodes gestützte Berechnungen die Vermutung nahe, daß mehrere
aktiv stationierte Nuklearwaffen ihre operativen und
Sicherheitsanforderungen nicht erfüllten. Es war
unmöglich, die Genauigkeit der neuen Berechnungen
ohne die Durchführung von Atomtests zu bestimmen,
die die berechneten Mängel aussonderten. Nachfolgende Atomtests bestätigten die grundsätzliche Rich-

Seite 3

�tigkeit der neuen Computercodes und ergaben Daten,
die unseren Konstruktionsfähigkeiten neue Grenzen
setzten. Trotz dieser großen Vorteile bei der Entwicklung genauerer Computercodes ist der Entwurf von
Atomwaffen nach wie vor eine Art Kunst. Selbst beim
Einsatz der neuesten und modernsten jetzt zur Verfügung stehenden Codes erfordert es Jahre und mehrere Atomtests, damit ein Nuklearwaffenkonstrukteurdie
Grenzen der physikalischen und computergestützten
Konstruktion einschätzen kann, um die Leistung eines
thermonuklearen Geräts berechnen zu können. Unsere Erfahrungen mit der Stationierung von Nuklearsprengköpfen belegen hinreichend, daß Computerberechnungen kaum ein Ersatz für einen Atomtest zur
Bestätigung des richtigen Entwurfs eines Gefechtskopfs sind. Diese Tests bieten uns das einzige verfügbare Mittel, um sicherzustellen, daß das Arsenal noch
zuverlässig ist.
Überlebensfähigkeit und Effektivität unserer
Streitkräfte
Wenn Abschreckung funktionieren soll, dürfen die USStreitkräfte kein leichtes Ziel bei einem Präventivangriff in einer Krise sein. Unsere Vergeltungsstreitkräfte
sowie die Warnsensoren und Führungssysteme, die
sie in Bereitschaft versetzen und ihnen Anweisungen
geben, müssen zur Durchführung entscheidender
Funktionen in der Lage sein, während sie atomaren
Auswirkungen ausgesetzt sind und danach. Der Wert
unserer Abschreckung hängt in hohem Maße von
unserem Vertrauen ab, daß die militärischen Systeme
ihrem Entwurf entsprechend operieren - ein Vertrauen,
dessen sich jeder potentielle Gegner bewußt sein
muß. Atomtests sind der einzige Weg sicherzustellen,
daß ein solches Vertrauen erlangt werden kann.
Veränderungen der bestehenden Verteidigungssysteme wie etwa Modernisierung der Lenksysteme, Sicherheitsmodifizierungen, neue Zünder usw. müssen
geprüft werden um zu gewährleisten, daß sie die Überlebensfähigleit der Systeme nicht beeinträchtigen.
Die Erfahrungen bei der Erprobung strategischer
Raketensysteme waren außerordentlich ernüchternd.
Im Hinblick auf das Überleben atomarer Auswirkungen
wurden möglicherweise tödliche Konstruktionsmängel
bei verschiedenen entscheidenden Komponenten wie
etwa Antennenfenstern, Hitzeschilden und der Elektronik von Lenksystemen bei der Erprobung der Minuteman II und III, der Poseidon, Peacekeepper sowie
der Trident I und II entdeckt. Trotz umfangreicher
überirdischer Erprobung und Analyse wurden diese
Mängel für gewöhnlich nicht aufgedeckt, bis das vollständig integrierte System einem unterirdischen Atomtest unterzogen wurde. Es besteht Grund zu der
Annahme, daß diese Erfahrungen mit strategischen
Raketen auf andere Klassen von Waffensysiemen
anwendbar sind.

Seite 4

Die derzeitge Konzentration auf defensive Waffen wie
antiballistische Gefechtsfeldwaffen stellen eine große
Herausforderung für die Überlebensfähigkeit dar.
Defensive Systeme stützen sich auf weit verbreitete
und in hohem Maße miteinander verbundene Elemente, von denen jedes in einem atomar gestörten Umfeld
ohne Unterbrechung funktionieren muß. Bei zahlreichen defensiven Systemen müssen atomare Härtenormen noch geprüft werden, insbesondere bei weltraumgestützten Sensoren und Kommunikationssatelliten. Aus diesem Grund muß die Erprobung der
nuklearen Überlebensfähigkeit weiterhin die Haltbarkeit dieser Verteidigungssysteme bestätigen.
Obwohl nach wie vor Fortschritte bei der Entwicklung
von Simulatoren erzielt werden, die in der Lage sind,
ein nukleares Umfeld zu reproduzieren, werden sie
den gegenwärtigen und zukünftigen Testanforderungen bei weitem nicht gerecht. Zu der durch Atomtests
erzielten Röntgenerprobung der Härte gibt es derzeit
weder eine Simulationsalternative, noch kann man
eine solche Fähigkeit in den nächsten 10 oder 20
Jahren erwarten.
Erprobung und Verbreitung
Seit langem wird das Argument vorgebracht, daß ein
umfassendes Testverbot "den Rüstungswettlauf beendet". Die Ereignisse der vergangenen zwei Jahre
strafen eine solche Behauptung Lügen, denn die Fortschritte bei der amerikanisch-sowjetischen Rüstungskontrolle belegen, daß weitere Begrenzungen von
Atomtests nicht erforderlich sind, um stabilisierende
Rüstungsreduzierungen zu erreichen. Eine ähnliche
Annahme, die unser Testprogrmam mit der atomaren
Verbreitung in Verbindung bringt, hält ebenfalls einer
Analyse der aktuellen Ereignisse nicht stand. Zusätzliche Länder sind im vergangenen Jahr dem Nichtverbreitungsvertrag beigetreten (oder haben ihre Absicht
dazu bekundet), und Enthüllungen über das irakische
Programm haben erneut bewiesen, daß die Erprobung
zur Entwicklung einer grundlegenden Nuklearwaffenfähigkeit nicht erforderlich ist. Kann irgendein Zweifel
daran bestehen, daß Saddam Hussein sein Nuklearwaffenprogramm verfolgt hätte, selbst wenn die Vereinigten Staaten ihre Atomtests eingestellt hätten?
Die Initiative des Präsidenten vom 27. September
1991 und sein Bericht zur Lage der Nation vom Januar
1992 werden unser Nukleararsenal drastisch reduzieren. Die von den Vereinigten Staaten geforderte
Anzahl von Atomtests bezieht sich jedoch nicht direkt
auf den Umfang der Arsenale. Ein stark reduzierter
Bestand hebt die Notwendigkeit der Erprobung nicht
auf. Obwohl die Vereinigten Staaten ihre Atomtests
seit Anfang der fünfziger Jahre auf das niedrigste
Niveau zurückgeschraubt haben - mit Ausnahme des
Testmoratoriums on 1958 bis 1961 - müssen sie
weiterhin ein bescheidenes aber effektives Programm

AMERIKA DIENST 24

�aufrechterhalten, mit dem sie nur das für nationale
Sicherheitserfordernisse Notwendige erproben. Der
Argumentation dieses Papiers folgend sind Atomtests
zur Sicherstellung der Zuverlässigkeit und Wirksamkeit unserer Waffen unabdingbar. Ein Verbot von
Atomtests würde weder Nuklearwaffen beseitigen noch

würde die internationale Sicherheit verbessert, aber es
würde das amerikanische Vertrauen in unsere verbleibende atomare Abschreckung untergraben und unsere Fähigkeit zu Verbesserungen der nuklearen Sicherheit drastisch einschränken.

* * * *

AMERIKA DIENST 24

*

Seite 5

�KONGRESS
17. JunM992

NÄCHSTER PRÄSIDENT KÖNNTE VOM KONGRESS
BESTIMMT WERDEN
Perot-Kandidatur könnte allgemeine Wahl kompliziert gestalten
WASHINGTON - (AD) - Obwohl die Aussichten gering
sind und ein solches Verfahren seit 1824 nicht mehr
angewandt werden mu ßte, besteht in diesem Wahljahr
die Möglichkeit, daß das amerikanische Repräsentantenhaus anstelle des amerikanischen Volkes den
nächsten Präsidenten der Vereinigten Staaten bestimmen könnte.
Der Unsicherheitsfaktor besteht dieses Mal in der
erwarteten unabhängigen Kandidatur des texanischen
Milliardärs Ross Perot, der seine Bewerbung zwar
noch bekanntgeben muß, dessen enthusiastische
Anhänger sich jedoch bereits bemüht haben, seinen
Namen auf den Stimmzetteln der Bundesstaaten in
den gesamten Vereinigten Staaten zu plazieren.
Nationale Meinungsumfragen sehen ihn praktisch
gleichauf mit Präsident Bush und dem Gouverneurvon
Arkansas, Bill Clinton, den voraussichtlichen Kandidaten der Republikaner und Demokraten.
Damit dieses Szenarium eintritt, müßte Perot in genügend Bundesstaaten die Wahl gewinnen, um somit die
Mehrheit eines der beiden Kandidaten von den großen
Parteien im Wahlmännergremium zu verhindern.
Wenn die amerikanischen Wähler am 3. November zu
den Wahlurnen gehen, wählen sie zwar einen Präsidentschaftskandidaten, geben jedoch de facto ihre
Stimmen für eine Liste von Wahlmännem ab, die am
14. Dezember an der Versammlung des "Electoral
College" teilnehmen werden. Wie von der US-Verfassung vorgesehen und im 12. und 23. Verfassungszusatz modifiziert, besteht das Wahlmännergremium
aus 538 Mitgliedern, eines für jeden Senator und jedes
Mitglied des Repräsentantenhauses sowie drei als
Vertreter des District of Columbia.
Die Wahlmännerdelegation jedes Bundesstaats hängt
von der Anzahl seiner Vertreter im Kongreß ab und
verändert sich mit dieser Anzahl entsprechend. Infolge der Neufestlegung von Wahlkreisen nach der Volkszählung 1990 wird Kalifornien als bevölkerungsreichster Bundesstaat 54 Wahlmännerstimmen haben,
während die fünf bevölkerungsärmsten BundesstaaAMERIKA DIENST 24

ten, die jeweils nur einen Vertreter im Repräsentantenhaus haben, wie der District of Columbia jeweils nur
drei Stimmen haben. Die in jedem Bundesstaat ausgewählten Wahlmänner sind für gewöhnlich prominente Politiker des Bundesstaates oder von Gemeinden
sowie Aktivisten der Parteien.
Der 12. Verfassungszusatz schreibt vor, daß Kandidaten für die Ämter des Präsidenten oder Vizepräsidenten zur Wahl eine Mehrheit der Wahlmännerstimmen
(270 von 538) auf sich vereinigen müssen. Die Wahlmänner treten zusammen, um die Wahl des Volkes in
ihren jeweiligen Staaten zu bekräftigen. Nach dieser
Versammlung werden die Stimmzettel der Wahlmänner geöffnet und in einer gemeinsamen Sitzung des
Kongresses am 6. Januar 1993 ausgezählt. Kandidaten für die Ämter des Präsidenten und Vizepräsidenten, die mindestens 270 Wahlmännerstimmen erhalten, werden dann offiziell für gewählt erklärt.
Dieses Verfahren kann dazu führen, daß einem Kandidaten der Sieg verwehrt wird, der landesweit die
meisten Stimmen der Bevölkerung erhalten hat, jedoch nicht genügend Wahlmännerstimmen erringen
konnte, da seine Stärke in weniger bevölkerten Staaten lag, während sein Gegner in den größeren Staaten
mit mehr Wahlmännerstimmen erfolgreich war.
Dies ist dreimal in der Geschichte geschehen, das
letzte Mal im Jahr 1888. In jener nationalen Wahl
erhielt der Republikaner Benjamin Harrison etwa 95.000
Wählerstimmen weniger als der demokratische Amtsinhaber Grover Cleveland, aber im Wahlmännergremium lag Harrison mit 233 zu 168 Stimmen vorn.
Jedes Mal, wenn sich ein starker Kandidat einer dritten
Partei oder ein Unabhängiger um das Präsidentenamt
bewirbt, besteht die Möglichkeit, daß diese Person
genügend Bundesstaaten gewinnt, um die Mehrheit
eines Kandidaten im Wahlmännergremium zu verhindern. In diesem Fall regelt der 12. Verfassungszusatz,
daß das Repräsentantenhaus den Präsidenten der
Vereinigten Staates und der Senat den Vizepräsidenten wählt.

Seite 1

�Als im Jahr 1824 vier Demokraten/Republikaner für
das Präsidentenamt kandidierten, erhielt Andrew
Jackson die meisten Wähler- und Wahlmännerstimmen, was jedoch in beiden Fällen nicht für eine Mehrheit ausreichte. Als die Wahl vor das Repräsentantenhaus kam, wählte dieses John Quincy Adams zum
Präsidenten.
Unter diesen Umständen wählt das Repräsentantenhaus unter den drei Kandidaten, die die meisten
Wahlmännerstimmen auf sich vereinigen. Jeder
Bundesstaat gibt dabei eine Stimme ab, und die Mehrheit
der Abgeordneten jedes Bundesstaates entscheidet
vorher darüber, auf wen diese Stimme entfallen soll.
Da die Abgeordneten für gewöhnlich nach Parteizugehörigkeit abstimmen, könnte man erwarten, daß unabhängig davon, wen die Bevölkerung dieses Bundesstaates im November wählt - die Stimme eines
Bundesstaates für den Kandidaten abgegeben wird,
der der Mehrheitspartei dieses Bundesstaates im
Repräsentantenhaus angehört. Der gegenwärtigen
Zusammensetzung des Kongresses zufolge kontrol-

lieren die Demokraten die Mehrheit der Sitze von 31
Bundesstaaten im Repräsentantenhaus, die Republikaner kontrollieren zehn, bei acht herrscht Stimmengleichheit, und ein Bundesstaat ist unabhängig.
Diesem Szenarium zufolge würde bei der Abstimmung
für das Amt des Vizepräsidenten jedes der 100 Mitglieder des Senats eine Stimme für jeweils einen der
beiden führenden Kandidaten mit den meisten Wahlmännerstimmen abgeben. Auch hier besteht wiederum die - zwar geringfügige - Chance, daß der gewählte
Vizepräsident nicht der Partei des Präsidenten angehört.
Das Repräsentantenhaus hätte von der Zählung der
Wahlmännerstimmen bis zur Amtseinführung am 20.
Januar 1993 zwei Wochen Zeit, um einen Präsidenten
zu wählen. Bei Stimmengleichheit würden entweder
der gewählte Vizepräsident oder der Sprecher des
Repräsentantenhauses oder andere nachgeordnete
Amtsinhaber bis zu einer endgültigen Einigung als
Präsident amtieren.

* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 24

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11485">
                <text>17.06.1992</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11486">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11487">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11488">
                <text>Amerikadienst 17.06.1992</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11489">
                <text>&lt;strong&gt;1. Erdgipfel&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush dringt auf rasche Umsetzung der Klimakonvention&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache bei Umweltgipfel in Rio&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reilly sieht zahlreiche Fortschritte bei Umweltkonferenz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Pressekonferenz beim Erdgipfel&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. USA-Europa&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das verstärkte amerikanische Engagement im neuen Europa&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Kimmitt bei der Konrad-Adenauer-Stiftung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. NATO&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;NATO: Streitmacht für den Frieden in der Zeit nach dem Kalten Krieg&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Paul Wolfowitz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Atomtests&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Atomtests: Warum sie weiterhin erforderlich sind&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Weißbuch des US-Verteidigungsministeriums&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Kongress&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nächster Präsident könnte vom Kongress bestimmt werden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Perot-Kandidatur könnte allgemeine Wahl kompliziert gestalten&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2485" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2496">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/36f94e976301afd123a8d7c523242266.pdf</src>
        <authentication>939ac20378646a11ab3b4ce0f33d9cde</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="12961">
                    <text>amcrika
dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

17. Juni 1998

12

DROGEN

CLINTON RUFT ZU INTERNATIONALER
ZUSAMMENARBEIT IM KAMPF GEGEN
DROGEN AUF
Rede des Präsidenten
vor der UN-Generalversammlung

BOSNIEN

DIE SITUATION IN BOSNIEN HAT SICH
ENORM VERBESSERT
Stellungnahme von Robert S. Gelbard

USA-EUROPA

DIE VEREINIGTEN STAATEN UND
DIE VOLLENDUNG EUROPAS
Rede von Botschafter John C. Kornblum

TECHNOLOGIE

DAS JAHR 2000-PROBLEM
von Verkehrsminister Rodney Slater

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.: 0228-3392956
Fax: 0228-333138

Internet: http://www.usembassy.de

�DROGEN
17. Juni 1998

Clinton ruft zu internationaler Zusammenarbeit
im Kampf gegen Drogen auf
Rede des Präsidenten vor der UN-Generalversammlung

VEREINTE NATIONEN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die Präsident Bill Clinton am 8. Juni
1998 bei der Sondersitzung der UN-Generalversammlung über das weltweite Drogenproblem gehalten hat.

Herr Generalsekretär, Präsident Udovenko, Exekutivdirektor Arlacchi, verehrte Amtskollegen. Heute treffen
wir uns im Rahmen dieser Sondersitzung der UNGeneralversammlung, um unser gemeinsames
Vorgehen gegen die uns alle betreffende Bedrohung
durch den weltweiten Drogenhandel und -mißbrauch
zu erörtern.
Zuerst möchte ich meinem Freund, Präsident Zedillo,
für seine Vision danken, durch die diese Sitzung
möglich wurde, sowie für seinen couragierten und
entschlossenen Kampf gegen Drogen. Und ich danke
allen hier vertretenen Nationen, die sich durch unseren
gemeinsamen Kampf gegen Drogen für die Zukunft
unserer Kinder einsetzen.
Vor zehn Jahren verabschiedeten die Vereinten
Nationen eine bahnbrechende Konvention zur Förderung der Zusammenarbeit bei der Bekämpfung des
illegalen Drogenhandels. Derzeit ist das Potential für
diese Art von Zusammenarbeit größer denn je - und
wird mehr denn je benötigt. Heute, da weltweit
trennende Blöcke und Mauern beseitigt werden, die
Technologie Fortschritte macht und die Demokratie
sich ausbreitet, profitieren die Menschen immer
stärker, wenn Nationen zusammenarbeiten und
voneinander lernen. Aber genau die Offenheit, die
unser Leben bereichert, wird von Kriminellen, insbesondere den Drogenhändlern, ausgebeutet.
Heute verleihen wir unserer Überzeugung Ausdruck,
daß keine Nation so groß und mächtig ist, daß sie den
Kampf gegen Drogen im Alleingang gewinnen kann,
und daß keine zu klein ist, um etwas zu bewirken. Alle
haben die Pflicht, sich an dem Kampf zu beteiligen.

AMERIKA DIENST 12

Aus diesem Grund bieten wir dieser Bedrohung
unserer Sicherheit und unserer Zukunft gemeinsam die
Stirn.
Es steht viel auf dem Spiel, denn die Drogenbarone
unterminieren die Grundlagen von Demokratien,
korrumpieren die Integrität von Marktwirtschaften,
bedrohen das Leben, die Hoffnungen und die Zukunft
von Familien auf jedem Kontinent. Es darf keinen
Zweifel geben: Dies ist letzten Endes ein Kampf um die
Freiheit des Menschen.
Erstmals in der Geschichte lebt mehr als die Hälfte der
Weltbevölkerung unter einer Regierung ihrer Wahl. In
praktisch jedem Land sehen wir eine Ausweitung von
persönlicher Freiheit. Wir können das alles nicht für
Millionen von Menschen wegen einer Kombination aus
persönlicher Schwäche und nationaler Vernachlässigung aufs Spiel setzen. Wir müssen den Drogenhändlern beweisen, daß sie im Unrecht sind. Wir sind
entschlossen, und wir können etwas erreichen.
Die Nationen haben bewiesen, daß wir dieses Übel
durch entschlossene und unermüdliche Bestrebungen
bekämpfen können. Der Drogenkonsum in den
Vereinigten Staaten ist seit 1979 um 49 Prozent
gesunken. Die neuesten Studien zeigen, daß sich der
Drogenkonsum unserer jungen Menschen stabilisiert
und in einigen Kategorien abnimmt. Insgesamt ist der
Kokainkonsum seit 1985 um 70 Prozent gesunken.
Die Crackepidemie ist rückläufig. Im vergangenen
Jahr beschlagnahmte unsere Küstenwache mehr als
50.000 Kilogramm Kokain. Heute geben die Amerikaner 37 Prozent weniger Geld für Drogen aus als vor
einem Jahrzehnt. Das bedeutet, daß mehr als 34

Seite 1

�Milliarden Dollar in unsere Gesellschaft reinvestiert
anstatt für Drogen vergeudet werden.
Viele andere Nationen machen große Fortschritte.
Mexiko stellte 1997 einen Rekord bei der Vernichtung
von Drogenanbaufeldern auf.
Der peruanische
Kokaanbau ist seit 1995 um 42 Prozent gesunken. Im
Rahmen seines Programms zur Vernichtung von
Drogen aus der Luft hat Kolumbien Zehntausende
Hektar Kokapflanzen vernichtet. Der Anbau von
Schlafmohn in Thailand nimmt stetig ab - allein dieses
Jahr um 24 Prozent.
Die Vereinigten Staaten sind auch ein Partner bei der
globalen Strafverfolgung und bei Bestrebungen zur
Sicherstellung von Drogen. Im vergangenen Jahr
finanzierten wir die Ausbildung im Bereich der Drogenund Kriminalitätsbekämpfung von mehr als 8.250
Beamten. 1997 beschlagnahmten die Regierungen
Lateinamerikas und der Karibik ungefähr 166 Tonnen
Kokain. Eine besser ausgebildete Polizei mit einem
verbesserten Informationsaustauschsystem nimmt
weltweit mehr Drogenhändler fest.
Gemeinsame Informationsnetze für verdächtige
Finanztransaktionen tragen in Dutzenden von Ländern
wirksam zur Bekämpfung der Geldwäsche bei. Ende
des Jahres 2000 werden die Vereinigten Staaten
weiteren 20 Ländern Hilfe bei Aufbau und Stärkung
dieser Einrichtungen zur Bekämpfung der Finanzkriminalität geben. Wir müssen und können Drogenhändler des schmutzigen Geldes berauben, das ihren
tödlichen Handel finanziert.
Je mehr wir sind, desto stärker werden wir - vom
Drogenbekämpfungsbündnis der westlichen Hemisphäre, das beim jüngsten gesamtamerikanischen
Gipfel gegründet wurde, bis zu den von den G-8
vergangenen Monat unternommenen Schritten gegen
Drogen und Kriminalität. Das Drogenkontrollprogramm
der Vereinten Nationen (UNDCP) bekämpft unter der
Leitung von Exekutivdirektor Arlacchi Drogenherstellung, -handel und -mißbrauch in einigen der
problematischsten Regionen der Welt, während es
gleichzeitig sicherstellt, daß die von uns aufgewendeten Gelder optimale Ergebnisse hervorbringen. Ich
begrüße das Ziel des UNDCP, den Anbau von Kokapflanzen und Schlafmohn bis zum Jahr 2008 dramatisch zu senken. Wir in den Vereinigten Staaten
werden das Unsrige tun, um dieses Ziel zu erreichen.
Trotz aller Leistungen der vergangenen Jahre dürfen
wir Fortschritt nicht mit Erfolg verwechseln. Das
Gespenst der Droge geht immer noch um. Damit wir
es besiegen, müssen wir noch mehr tun - mit dynamischen nationalen Strategien, intensivierter internationaler Zusammenarbeit und mehr Mitteln.
Die Debatte zwischen Drogenanbauländern und
Konsumentenländern über die Verantwortung für das

Seite 2

Drogenproblem hat allzu lange angedauert. Um
ehrlich zu sein: Diese Debatte war dem Kampf gegen
Drogen nicht förderlich. Schuldzuweisungen lenken
nur vom eigentlichen Problem ab. Dadurch wird nicht
ein einziges Kartell zerschlagen, wird keinem einzigen
Abhängigen geholfen, wird kein einziges Kind davon
abgehalten, Heroin zu probieren und vielleicht daran
zu sterben. Darüber hinaus verwischen die Grenzen
zwischen Produzenten-, Konsumenten- und Transitländern immer mehr. Drogen stellen für jede Nation ein
Problem dar, und jede Nation muß sie bekämpfen - auf
der Straße, in der Familie und weltweit.
Das ist die Verpflichtung der Vereinigten Staaten. Jahr
für Jahr hat unsere Administration den größten
Drogenbekämpfungshaushalt in der Geschichte
verabschiedet. Unser Antrag für das kommende Jahr
beläuft sich auf mehr als 17 Milliarden Dollar, von
denen fast 6 Milliarden für die Verringerung der
Nachfrage aufgewendet werden. Unsere umfassende
nationale Drogenkontrollstrategie zielt darauf ab,
Verfügbarkeit und Konsum von Drogen in den Vereinigten Staaten in den nächsten 10 Jahren zu halbieren - durch starke Strafverfolgungsbehörden, härteres
Vorgehen bei der Beschlagnahme, verbesserte
Behandlung und ausgeweitete Prophylaxe. Wir sind
entschlossen, ein drogenfreies Amerika zu schaffen
und uns beim weltweiten Kampf gegen Drogen mit
anderen zusammenzuschließen.
Wir sind der Ansicht, daß Handlungen durch Überzeugungen bewirkt werden. Aus diesem Grund kämpfen
wir die erste Schlacht in den Köpfen unserer jungen
Menschen. Die Vereinigten Staaten haben in Zusammenarbeit mit dem Kongreß und dem Privatsektor
eine Medienkampagne zur Bekämpfung des Drogenkonsums unter jungen Menschen eingeleitet. Wenn
unsere Kinder den Fernseher einschalten, im Internet
surfen oder Radio hören, werden sie die überzeugende Botschaft erhalten, daß Drogenkonsum falsch ist
und sie umbringen kann.
Ich werde den Kongreß um die Verlängerung dieses
Programms bis 2002 bitten. Mit Unterstützung des
Kongresses und entsprechenden Finanzmitteln des
Privatsektors werden wir ein fünf Jahre laufendes

Partnerschaftsprogramm zwischen dem öffentlichen
und Privatsektor in Höhe von 2 Milliarden Dollar ins
Leben rufen, um unsere Kinder zu lehren, drogenfrei
zu bleiben.
Andere Nationen, einschließlich Mexiko, Venezuela
und Brasilien, beginnen ähnliche Kampagnen. Ich
hatte die Ehre, dieses Thema gestern mit dem brasilianischen Präsidenten eingehend zu erörtern. Ich hoffe,
alle unsere Nationen können zusammenarbeiten und
die Botschaft an alle Kinder auf der ganzen Welt
verbreiten: Drogen zerstören das Leben junger
Menschen - laß nicht zu, daß sie Dein Leben zerstören.

AMERIKA DIENST 12

�Die Vereinigten Staaten setzen sich auch für die
Gründung einer virtuellen Universität für Prävention
und Behandlung von Suchtmittelmißbrauch ein - unter
Einsatz moderner Technologie zum Austausch von
Wissen und Erfahrungen über nationale Grenzen
hinweg. Wir werden diese Bestrebungen im kommenden Monat in New Mexiko mit einem internationalen
Ausbildungskurs zur Verringerung der Nachfrage nach
Drogen einleiten. Regierungsvertreter und Angehörige
verschiedener Berufe aus Mexiko, El Salvador und
Honduras werden mit Experten für Drogenmißbrauch
und die Verhinderung von Gangbildung aus den
Vereinigten Staaten zusammenarbeiten. Der Kurs wird
vom US-Informationsamt (United States Information
Agency - USIA) per Satellit übertragen, damit jeder mit
Zugang zum Worldnet sich einschalten kann.
Unser nationales Institut für Drogenmißbrauch, das 85
Prozent der weltweiten Drogenforschung finanziert,
wird im Internet Videos seiner Drogenpräventions- und
-behandlungsworkshops anbieten. Das bedeutet, daß
jeder mit Zugang zu einem Computer und einem
Modem - ein Elternteil mit einem drogenabhängigen
Kind, ein Arzt, ein Wissenschaftler auf der Suche nach
einem Heilmittel - Zugang zu den neuesten, modernsten medizinischen Erkenntnissen über Drogen haben
wird.
Ein solcher Austausch von Informationen, Erfahrungen
und Ideen ist wichtiger denn je. Aus diesem Grund

*

AMERIKA DIENST 12

freue ich mich ganz besonders, die Einrichtung eines
internationalen Drogenforschungsstipendiums bekanntgeben zu können, das es Fachleuten aus der
ganzen Welt ermöglicht, in die Vereinigten Staaten zu
kommen und mit unseren Drogenbekämpfungsbehörden zusammenzuarbeiten.
Im Mittelpunkt
werden die Prioritäten dieser Sondersitzung stehen:
Verringerung der Nachfrage, Aufputschmittel, Grundstoffe, Geldwäsche, Zusammenarbeit im Justizwesen,
Entwicklung alternativer Stoffe und Vernichtung von
illegalen Drogenpflanzungen.
Diese Forschungsstipendien werden uns allen helfen.
Sie werden unseren Nationen helfen, voneinander zu
lernen, während sie eine globale Truppe ausgebildeter
und erfahrener Drogenbekämpfungsexperten aufstellen.
Gemeinsam müssen wir den langen Arm des Gesetzes noch verlängern und die helfende Hand noch
weiter ausstrecken, um der globalen Reichweite dieses
Problems Rechnung zu tragen. Wir wollen diese
Sondersitzung mit der Entschlossenheit verlassen,
unter Einsatz aller uns zur Verfügung stehenden Mittel
gemeinsam im Geist von Vertrauen und Respekt im Inund Ausland gegen Angebot und Nachfrage vorzugehen, um den weltweiten Kampf gegen Drogen zu
gewinnen und ein sicheres und gesundes 21. Jahrhundert für unsere Kinder zu schaffen.

* * *

*

Seite 3

�BOSNIEN
17. Juni 1998

Die Situation in Bosnien hat sich enorm verbessert
Stellungnahme von Robert S. Gelbard

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Stellungnahme des Sondergesandten des
Präsidenten und der Außenministerin für die Implementierung des Friedensabkommens von Dayton, Robert S.
Gelbard, vor dem Streitkräfteausschuß des Senats am 4. Juni 1998.

Herr Vorsitzender, verehrte Mitglieder des Ausschusses. Es ist mir eine Ehre und ein Vergnügen,
heute unsere Fortschritte bei der Erfüllung des Friedensabkommens von Dayton mit Ihnen zu erörtern.
Ich möchte eine kurze vorbereitete Stellungnahme
abgeben, die ins Protokoll aufgenommen wird, so daß
genügend Zeit für die Beantwortung Ihrer Fragen
bleibt. Ich bin mir bewußt, daß Ihr Hauptinteresse
heute Bosnien ist, aber ich möchte Sie auch über die
sich verschlechternde Situation im Kosovo informieren
- eine Situation, die das Potential hat, die umfassendere Sicherheit in der Region und unsere beträchtlichen
Investitionen in einen stabilen bosnischen Frieden zu
gefährden.
Als ich diese Position im April letzten Jahres übernahm, bestand meine erste Aufgabe in einer gründlichen Überprüfung unserer Politik und Programme
sowie der Erarbeitung eines umfassenden Plans für
die Beschleunigung des Tempos der Implementierung
zusammen mit allen anderen zuständigen Abteilungen
der Exekutive. Diese vom Präsidenten Mitte Mai
letzten Jahres genehmigte Überprüfung diente als
Grundlage für verstärkte Konzentration auf alle
Aspekte der Implementierung mit starker Betonung auf
verbesserter Zusammenarbeit zwischen den Streitkräften und den lokalen Behörden für die zivile Implementierung. Sie diente ferner als Grundlage für
eine Strategie, extremistische Hardliner auszugrenzen,
die systematisch alle Bestrebungen zur Implementierung von Dayton blockierten, insbesondere die
bosnisch-serbischen Einheiten, und gemäßigtere,
Dayton befürwortende Politiker aller drei ethnischen
Gruppen zu unterstützen, die eine glaubwürdige

AMERIKA DIENST 12

Alternative zur verkrusteten bosnischen Kriegsführung
bieten könnten.
Unterstützung von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und
mehr Pluralismus bilden das Kernstück von Dayton
und sind weiterhin eine Priorität, während wir die
Implementierung voranbringen. Wir helfen Bosnien
nicht nur, sich von der Zerstörung der vier Kriegsjahre
zu erholen, sondern wir arbeiten auch - so wie wir es in
anderen osteuropäischen Ländern getan haben - mit
den bosnischen Politikern zusammen, um die 40 Jahre
zentraler kommunistischer politischer und wirtschaftlicher Kontrolle zu überwinden. Das ist ein langwieriger
Prozeß, aber jüngste Fortschritte an der wirtschaftlichen Front veranschaulichen, wie weit wir bereits
gekommen sind: Der IWF hat vergangene Woche ein
Beistandsabkommen für Bosnien genehmigt, die
Weltbank hat heute Morgen einen größeren Strukturanpassungskredit gewährt und die neue bosnische
Währung - die während wir hier reden, gedruckt wird kommt am 15. Juni in Umlauf. Bosnien sollte bald für
die Umschuldungsmaßnahmen des Pariser Clubs in
Frage kommen und hat ein Privatisierungsregime
verabschiedet, das ausländische Investitionen anziehen sollte - den langfristigen Motor für Wachstum der
bosnischen Volkswirtschaft.
Ich möchte mich klar ausdrücken. Ich meine nicht, daß
die amerikanischen Truppen in Bosnien eine Nation
aufbauen. Das ist meine Aufgabe - in Zusammenarbeit
und mit Unterstützung der internationalen Gemeinschaft. Aber der Friedensprozeß ist nach wie vor
instabil, und ohne die durch die SFOR-Präsenz
gebotene Sicherheit und das Vertrauen - insbesondere
angesichts des Konflikts in der Bundesrepublik
Jugoslawien - könnte Bosnien sehr wohl an Boden

Seite 1

�1

•'..

- - r

.

.

i

,

4

' - '

verlieren oder, was noch schlimmer wäre, der Krieg in
Bosnien wieder aufflammen. Und das würde endlose
Instabilität in einer Region bedeuten, die von zentraler
Bedeutung für die nationalen Interessen der Vereinigten Staaten ist.
Der Implementierungsplan bietet den Rahmen - im
Grunde einen Wegweiser - für die Implementierung
aller unterschiedlichen Aspekte von Dayton. Nachdem
wir einmal genau definiert hatten, was getan werden
mußte und wo die Hindernisse für Fortschritt lagen,
begannen wir zusammen mit den Parteien - einschließlich Kroatiens und der "Bundesrepublik Jugoslawien" - jedes erdenkliche Druckmittel einzusetzen,
um sie zur Einhaltung ihrer Verpflichtungen im Rahmen des Abkommens zu drängen. Obwohl wir in den
vergangenen 14 Monaten enormen politischen und
wirtschaftlichen Druck auf sie alle ausgeübt haben, ist
das beste Druckmittel, das wir für die bosnischen
Hardliner hatten, die versuchten, die Rüstungskontrolle
oder die Reform der Polizei, die Rückkehr der Flüchtlinge oder freie Wahlen zu blockieren, zweifelsohne die
SFOR-Präsenz.
Unsere Überprüfung der Politik brachte den Konsens
hervor, daß die uneingeschränkte Unterstützung der
zivilen Implementierungsbestrebungen für den Erfolg
insgesamt unerläßlich sein wird. General Clark - der
den Posten als Oberster Alliierter Befehlshaber Europa
sowohl mit Fachwissen als auch offenkundiger
Begeisterung für die Aufgabe antritt - hat dazu beigetragen sicherzustellen, daß die Partnerschaft
zwischen den zivilen Behörden und dem Militär in
Bosnien Realität wird. Diese Partnerschaft hat zusammen mit der verstärkten amerikanischen Führungsrolle beim Drängen auf politische Veränderungen
und einer gestärkten zivilen Führung vor Ort enorme
Ergebnisse hervorgebracht.
Seit der Wahl einer gemäßigten Regierung in der
Republika Srpska hat sich das Tempo der Implementierung beschleunigt - das ist wahrscheinlich der
wichtigste Durchbruch, den wir bis heute erzielt haben.
Im Sommer letzten Jahres erkannte die Präsidentin der
Republika Srpska, Plavsic, daß die serbische konstituierende Einheit infolge der Kompromißlosigkeit
ihrer korrupten Politiker immer weiter hinter der
Föderation hinterherhinkte. Unser kontinuierlicher
Druck auf die bosnisch-serbischen extremistischen
Hardliner hat ihr den Handlungsspielraum verschafft,
um mit Radovan Karadzic und seiner Clique zu
brechen und eine Koalition mit gemäßigteren Politikern
zu bilden, die von den Extremisten seit langem zum
Schweigen gebracht worden waren.
Diese bei Parlamentswahlen im November vergangenen Jahres hart erkämpfte Verlagerung der Macht
führte zu einer beinahe paradoxen Situation: Jetzt gibt
es in der Republika Srpska größeren Pluralismus und
an einer Reihe von Fronten bessere Zusammenarbeit

Seite 2

seitens der Regierung dieser konstituierenden Einheit sogar bei dem heiklen Thema der Überstellung
angeklagter Kriegsverbrecher.
In den vergangenen Monaten haben wir auch den
Druck auf die Politiker der Föderation - Bosniaken und
bosnische Kroaten gleichermaßen - verstärkt, um die
Kämpfe unter ihnen zu beenden und auf die Erfüllung
eines breiten Spektrums von Verpflichtungen zu
drängen. Beispielsweise setzten wir die Hilfe für die
von den Bosniaken kontrollierten Teile Sarajevos aus
angesichts der mangelnden Bereitschaft, eine umfassende Rückkehr der Flüchtlinge nach Sarajevo zu
ermöglichen, die Sarajevo wieder zu einem pulsierenden multiethnischen Kulturzentrum machen würden.
Inzwischen haben sie Gesetze zur Veräußerung von
Grundbesitz erlassen, die dies ermöglichen, und wir
werden weiterhin darauf drängen zu gewährleisten,
daß sie vollständig umgesetzt werden.
Die bosnischen Kroaten, die im wesentlichen immer
noch von einer Gruppe Extremisten kontrolliert werden, blockieren die Implementierung an einer Reihe
von Fronten. Am offenkundigsten ist die Weigerung
der führenden bosnisch-kroatischen Militärs sowie der
Polizei in einer Reihe von Kantonen, die offiziellen
Insignien und Symbole der Föderation anzuerkennen;
statt dessen zeigen sie die Flaggen und Insignien der
"Republik von Herzeg Bosna" aus der Kriegszeit.
Als Reaktion auf ihre andauernde Kompromißlosigkeit
haben wir Aktivitäten im Zusammenhang mit dem
Ausbildungs- und Ausrüstungsprogramm ausgesetzt,
das eine vereinigte Föderationsarmee - nicht zwei
ethnische Armeen - unterstützen soll und erwarten,
daß die Probleme unverzüglich angesprochen werden.
Selbst angesichts der uns konfrontierenden Hindernisse - die zwangsläufig weiterbestehen werden haben wir enorme Fortschritte erzielt:
Der politische und wirtschaftliche Einfluß
angeklagter Kriegsverbrecher in der Republika Srpska wurde seit der Amtseinführung
der Regierung Plavsic-Dodik im Herbst vergangenen Jahres beträchtlich verringert. Die
Hauptstadt wurde von Pale nach Banja Luka
verlegt, staatlich gelenkte Medien wurden von
der SDS-Kontrolle befreit und umstrukturiert,
und die zivile Polizei kooperiert unter einem
neuen
Innenminister
mit
dem
Umstrukturierungs- und Reformprogramm der
internationalen Polizeieinsatztruppe (IPTF).
Darüber hinaus haben die rasche Reform der
Haushalts- und Steuergesetze der Republika
Srpska sowie ihre Privatisierungsgesetze und
die Umstrukturierung des Zollwesens die
Kontrolle von Karadzic und seinen Kumpanen
über Ressourcen der konstituierenden Einheit
beträchtlich verringert.

AMERIKA DIENST 12

�Freizügigkeit und Sicherheit haben sich
dramatisch verbessert - einzelne Bosnier
können regelmäßig zwischen den konstituierenden Einheiten hin- und herreisen. Neue
gemeinsame Kraftfahrzeugkennzeichen waren
eine enorme Hilfe, aber dieser Trend ist
hauptsächlich eine Folge von Umstrukturierung, Ausbildung und ethnischer Integration
der örtlichen Polizeieinheiten. Die ethnische
Integration der Polizeieinheiten hat sich auch
als wesentlicher Faktor für die Flüchtlinge bei
ihrer Entscheidung erwiesen, wann und ob sie
nach Hause zurückkehren.
Praktisch alle Polizeieinheiten der Föderation
wurden umstrukturiert, und wir machen jetzt
gute Fortschritte beim Abbau und der Umstrukturierung der Polizei der Republika
Srpska. Darüber hinaus wurde die Sonderpolizei - paramilitärische Einheiten - der
Republika Srpska von der SFOR aufgelöst.
Die Innen- und Justizministerien der Republika Srpska und der Föderation haben
Kooperationsabkommen unterzeichnet und
tauschen Informationen über Fragen im
Zusammenhang mit Kriegsverbrechen aus.
Die bosnische Wirtschaft setzt ihre Erholungsund Wachstumsphase fort, insbesondere in
der Föderation. Angesichts der politischen
Veränderungen in der Republika Srpska hat
auch diese die dringend benötigte Hilfe erhalten. Die Industrieproduktion in der Föderation
hat sich 1996 fast verdoppelt und ist 1997
landesweit um ungefähr 25 Prozent angestiegen.
In allen größeren Städten Bosniens
wurde die Stromversorgung und in den
meisten die Wasserversorgung wiederhergestellt. Die Eisenbahn ist landesweit wieder
in Betrieb, die regionalen Flughäfen wurden
für den zivilen und kommerziellen Luftverkehr
geöffnet, und in Bosnien wird im Juli ein
einheitliches Telekommunikationssystem mit
einer gemeinsamen Landeskennzahl eingeführt.
Mehr als 400.000 Flüchtlinge und Vertriebene
sind seit Kriegsende nach Hause zurückgekehrt -170.000 davon 1997. Wir und der UNHochkommissar für Flüchtlinge haben uns
stark für die Beschleunigung des Rückkehrprozesses der verbleibenden Flüchtlinge und
Vertriebenen eingesetzt, von denen die
meisten in Gebiete zurückkehren, in denen sie
einer ethnischen Minderheit angehören.
Bestenfalls ist der Prozeß der Wiedereingliederung von Familien in ihre Städte und Häuser
langsam und komplex, aber selbst in Gebieten, in denen die Rückkehr zu Konflikten
führte - beispielsweise in Drvar - können

AMERIKA DIENST 12

Angehörige von Minderheiten erfolgreich
zurückkehren. Tatsächlich sind trotz anfänglicher gewalttätiger Übergriffe 1.000 serbische
Familien nach Drvar zurückgekehrt und dort
geblieben.
34 von 79 öffentlich angeklagten Kriegsverbrechern wurden vor Gericht gestellt.
28
befinden sich noch in Gewahrsam des internationalen Kriegsverbrechertribunals für das
ehemalige Jugoslawien in Den Haag, drei
wurden bereits freigelassen. Vier weitere sind
nachweislich verstorben, und das Tribunal ließ
13 Anklagen fallen. 31 öffentlich angeklagte
Kriegsverbrecher sind weiterhin auf freiem
Fuß, und ihre Überstellung nach Den Haag
hat für diese Administration und unsere Verbündeten weiterhin oberste Priorität.
Dies sind konkrete, meßbare Fortschritte - die viele
von uns im Dezember aufgestellte Bedingungen
erfüllen. Wenn sie zügig fortgesetzt werden, werden
sie gewährleisten, daß der Friedensprozeß selbsterhaltend und unumkehrbar wird. Unsere nächste
große Herausforderung wird darin bestehen sicherzustellen, daß die für September anberaumten Nationalwahlen der Motor für weitere Fortschritte, mehr
Pluralismus und mehr Befugnisse für eine neue
Generation führender Politiker werden, die sich auf die
Zukunft Bosniens konzentrieren anstatt auf seine
tragische, kriegerische Vergangenheit.
Die Kommunalwahlen des vergangenen Jahres und
die Parlamentswahlen in der Republika Srpska boten
einen überzeugenden Präzedenzfall für den Wandel.
In 133 von 136 Gemeinden wurden Räte eingesetzt;
nur eine Kommune - Srebrenica - bleibt völlig unnachgiebig. In mehreren wichtigen Städten der beiden
konstituierenden
Einheiten wurden
Extremisten
abgewählt, und die gemäßigte Koalition zwischen
Plavsic und Dodik verzeichnete wesentliche Gewinne
in den ehemaligen Hochburgen Karadzics, einschließlich Bijeljina, Bratunac, Visegrad und Zvornik.
Wir arbeiten jetzt aktiv - durch die Unterstützung von
unabhängigen Medien, Oppositionsparteien
und
Nichtregierungsorganisationen an der Basis - an der
Förderung dieses Trends, damit er hoffentlich in
größerem Ausmaß in der Förderation wiederholt
werden kann. In der bosnisch-kroatischen Hardliner
Partei HDZ hat sich gerade eine größere Kluft gebildet.
Wir hoffen, daß wir dazu beitragen können, diese in
eine Chance umzuwandeln, indem wir gemäßigte
Politiker stärker fördern und diejenigen unterstützen,
die zur Förderung und Umsetzung des Daytoner
Abkommens bereit sind. In ähnlicher Weise wollen wir
den Druck auf die monolithische bosniakische Führung
und die Medien aufrechterhalten, einen Teil ihrer
Macht zu teilen und den Demokratisierungsprozeß
einzuleiten.

Seite 3

�Obwohl bereits viele Fortschritte erzielt wurden, liegt
immer noch viel Arbeit vor uns, damit das Erreichte
konsolidiert werden kann. Die internationale Staatengemeinschaft stellt bei ihren Zusammenkünften im Mai
und kommende Woche mit Hilfe des Friedensimplementierungsrats und der NATO eine wirksame Agenda
für das nächste Jahr auf. Die NATO hat nicht nur einer
Verlängerung des SFOR-Mandats zugestimmt; die
Verbündeten haben auch unsere Bedingungen für die
Bewertung des Fortschritts übernommen. Die Minister
des Lenkungsausschusses des Friedensimplementierungsrats werden am 9. Juni zusammenkommen, um
den Implementierungsprozeß in diesem Jahr zu
überprüfen und Ziele für den Rest des Jahres 1998
aufzustellen. Auch diese Agenda wird die von uns
dargelegten Prioritäten und Bedingungen reflektieren Bedingungen, die in enger Zusammenarbeit mit der
SFOR und der NATO erfüllt werden.
Obwohl sich die Situation enorm verbessert hat, sind
die Präsenz und die aktive Rolle der SFOR weiterhin
von großer Bedeutung. Keine örtliche Streitmacht
hätte Präsidentin Plavsic ein ausreichendes Gefühl der
Sicherheit geben können, sich gegen ihren alten
Mentor Karadzic zu erheben und ihn öffentlich der
Korruption anzuklagen oder trotz gewaltiger Opposition
eine Koalitionsregierung zu bilden. Noch hätten
Tausende von Flüchtlingen die zwischen beiden
konstituierenden Einheiten verlaufende Grenze
überqueren und in ihrer alten Heimat in dem Bestreben
zur Wahl gehen können, ihre Zukunft und die ihrer
Kinder zu sichern. Auch heute überqueren bosniakische Mitglieder der Stadträte in Städten der Republika
Srpska regelmäßig die zwischen den konstituierenden
Einheiten verlaufende Grenzlinie, um an Treffen
teilzunehmen und bei der Verwaltung dieser Regierungen zu helfen.
Die SFOR hat all diese Implementierungsbestrebungen entscheidend unterstützt, und ein überstürzter
Rückzug könnte diese positive Dynamik bedrohen.
Wir sind entschlossen sicherzustellen, daß dieser
Fortschritt sich noch beschleunigt und das Erreichte
unumkehrbar wird. Ebenso wie alle unsere NATOVerbündeten möchten wir nicht nur, daß diese Truppen Bosnien verlassen und in ihre Heimat zurückkehren können - wir möchten auch mit Stolz auf ihren
dauerhaften Beitrag zu Frieden, Stabilität und letzten
Endes zum Demokratisierungsprozeß in Osteuropa
verweisen können.
Der Kosovo
Obwohl der Schwerpunkt dieser Anhörung auf Bosnien
liegt, ist die eskalierende Gewalt im Kosovo angesichts
der massiven Menschenrechtsverletzungen und der
augenfälligen Bedrohung, die diese Krise für die
regionale Stabilität darstellt, Anlaß zu großer Sorge.
Wir haben im Umgang mit den Unterzeichnern des
Daytoner Abkommens, insbesondere mit Präsident

Seite 4

Milosevic [der "Bundesrepublik Jugoslawien"], unnachgiebig darauf bestanden, daß die Errungenschaften des Friedensabkommens nicht durch die
Entwicklungen im Kosovo oder durch Versuche
politischer Manipulation von Seiten Belgrads gefährdet
werden dürfen.
Die Vereinigten Staaten waren führend bei den
internationalen Bestrebungen, Belgrad dazu zu
bewegen, den legitimen Anliegen der albanischen
ethnischen Mehrheit im Kosovo mit politischen Mitteln
zu entsprechen, und bestehen seit Dayton darauf,
bestimmte Sanktionen an Fortschritte im Kosovo zu
binden. Nachdem Belgrad im Februar durch sein
brutales Vorgehen mit Hilfe paramilitärischer Polizeikräfte die derzeitige Krise ausgelöst hat, überredeten
wir unsere Verbündeten zur Verabschiedung einer
Reihe neuer Sanktionen mit dem Ziel, Belgrad zur
Aufnahme eines substantiellen Dialogs mit den
Kosovoalbanern zu bewegen.
Mit diesen Druckmitteln und durch aktive Diplomatie
der Vereinigten Staaten überredeten wir Milosevic
endlich im vergangenen Monat, Verhandlungen über
den zukünftigen Status des Kosovo zu beginnen. Die
Gespräche werden in Pristina fortgesetzt - die nächste
Runde ist für Morgen anberaumt -, aber die vom
Führer der Kosovoalbaner, Dr. Rugova, am 15. Mai bei
seinem Treffen mit Präsident Milosevic erzielten
Fortschritte stehen auf tönernen Füßen. Sie werden
durch den unverhältnismäßigen und wahllosen Einsatz
von Gewalt durch Belgrad als Reaktion auf die Gewalt
albanischer Extremisten ernsthaft in Gefahr gebracht.
Die Vereinigten Staaten bedauern den wahllosen und
übertriebenen Einsatz von Gewalt durch die Polizei
und das Militär gegen die Zivilbevölkerung. Berichte
über Greueltaten, die mutwillige Zerstörung von
Häusern und Besitz durch serbische Truppen und
Aktionen zur Verhinderung von humanitären Hilfslieferungen sind verabscheuungswürdig und verlängern und verstärken nur noch das Ausmaß der Gewalt,
indem sie die Kosovoalbaner weiter radikalisieren.
Der Dialog wird nur erfolgreich sein, wenn sich Belgrad
an sofortigen und konkreten Schritten beteiligt, um der

Gewalt Einhalt zu gebieten, die Spannungen abzubauen und gleichzeitig handelt, um die Geschwindigkeit und Ernsthaftigkeit der Gespräche zu intensivieren. Belgrad weiß, daß wir keinen simulierten
Dialog akzeptieren. Außenministerin Albright hat
deutlich gemacht, daß ausgesetzte Sanktionen schnell
wieder verhängt werden können, wenn der Dialog
keine Ergebnisse zeitigt und die Gewalt fortgesetzt
wird, und daß wir, falls nötig, gemeinsam mit den
Verbündeten zusätzliche Maßnahmen ergreifen
werden.
Wir können nicht zulassen, daß die Situation außer
Kontrolle gerät oder das in Bosnien bereits Erreichte

AMERIKA DIENST 12

�bedroht. Es ist uns gelungen, einen Dialog in Gang zu
setzen, und wir werden den Druck aufrechterhalten,

wenn Belgrad sich weigert, die Gewalt zu beenden,
Ich danke Ihnen.

* * * * *

AMERIKA DIENST 12

Seite 5

�USA-EUROPA

17. Juni 1998

Die Vereinigten Staaten und die Vollendung Europas
Rede von Botschafter John C. Kornblum

BAUTZEN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die der Botschafter der Vereinigten Staaten von
Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, John C. Kornblum, am 4. Juni 1998 in Bautzen gehalten hat.

Bautzen nimmt in der europäischen Geschichte einen
besonderen Platz ein. Im Jahr 1018 wurde in Bautzen
nach einem 15-jährigen Krieg der Waffenstillstand
zwischen Deutschland und Polen geschlossen. 1813
erlebte es die Siege Napoleons. Und in der jüngeren
Geschichte war hier das politische Gefängnis Bautzen
II - heute eine Gedenkstätte.
Wenn man auf eine lange Periode der Geschichte
zurückblickt, entwickelt man unwillkürlich Perspektiven. Wir sehen Kontinuität und Wandel. Vor allem
sehen wir die Chancen zur Gestaltung der Geschichte
von morgen auf der Grundlage der Lektionen der
Vergangenheit und einer Vision für die Zukunft.
Heute möchte ich darüber sprechen, wie Deutschland
und die Vereinigten Staaten bei der Gestaltung der
Zukunft und bei der Aufgabe zusammenarbeiten
können, die wir als die "Vollendung Europas" bezeichnen.
Anpassung der Vergangenheit
Ich spreche häufig über die gemeinsamen Erfahrungen, die Deutsche und Amerikaner verbinden. Die
Berliner Luftbrücke, der Marshallplan und die Gründung der Bundesrepublik sind Beispiele hierfür. Dies
sind wichtige historische Ereignisse. Sie schufen eine
Art emotionales Band zwischen vielen Deutschen und
Amerikanern.
Aber welche Beziehung haben die neuen Bundesländer zu diesem besonderen Band?
Einige könnten argumentieren, es gäbe keine. Andere
könnten sich als Außenstehende betrachten - Menschen, die sich der einzigartigen Beziehungen bewußt

AMERIKA DIENST 12

sind, jedoch nicht das Gefühl haben, Teil davon zu
sein. Wieder andere könnten das Gefühl haben, daß
sich dieses Band in der Tat auf alle Teile - alte und
neue - der Bundesrepublik erstreckt und in historischer
Weise bereichert wird.
Wie Sie sich denken können, schließe ich mich der
dritten Ansicht an.
Die Geschichte der deutsch-amerikanischen Beziehungen war bis Ende der achtziger Jahre unvollständig. Die Amerikaner kannten nur einen Teil
Deutschlands. Nicht alle Deutschen erlebten die
amerikanische Freundschaft. Ebenso wie der Großteil
des Sowjetblocks war die DDR zu einer Black box
geworden. Ereignisse, Entscheidungen, Ideen und die
Gesellschaft waren von der Außenwelt praktisch
abgeschottet. Wie jeder weiß, der die politischen
Entbehrungen durch das SED-Regime kennt, war in
der Tat sehr viel sogar vor den Blicken derjenigen
verborgen, die als Bürger der DDR galten. Das Bild
der Vereinigten Staaten wurde durch Propaganda und
Desinformation verzerrt.
Aufgrund dieser Geschichte ist es völlig legitim, nach
dem Kalten Krieg zu fragen: Wo finden wir die gemeinsamen Bande, die Amerikaner und Lausitzer, Sachsen
und Brandenburger verbinden? Wo fangen wir an?
1. Zivilcourage
Wir können in dem Geist und der Kraft des Widerstands danach suchen, der immer stärker wurde und
letztlich erfolgreich das SED-Regime stürzte. Die
Bürger der DDR demonstrierten im Jahr 1989 in
bemerkenswert mutiger Weise ihren Wunsch nach
Freiheit. Deutschlands Teilung wurde mit der Zivilcou-

Seite 1

�rage überwunden, mit der nicht nur eine scharfe und
möglicherweise gewalttätige Reaktion riskiert wurde,
sondern auch ein Schritt in das unbekannte Terrain
von Kapitalismus und Freiheit.
Es war ein kühner Schritt.
Ich vertrete ein Land, das das Streben nach Freiheit
auf der ganzen Welt symbolisiert und respektiert. In
den Vereinigten Staaten ist Patriotismus ein Synonym
für Freiheitsliebe. Dennoch waren die meisten meiner
Mitbürger in modernen Zeiten nicht mit einer so
dramatischen Entscheidung für die Freiheit konfrontiert
wie die Bürger der DDR damals.
Zivilcourage ist ein mächtiges und emotionales
Bindeglied zwischen allen Deutschen und Amerikanern. Sie ist ein Band, das durch die Ereignisse von
1989 in einzigartiger Weise gestärkt wurde. Sie ist
aber auch eine Eigenschaft, die immer wieder in den
Akten der Selbstaufopferung und in von hohen Grundsätzen geleiteten Aktionen in der gesamten Geschichte der deutsch-amerikanischen Beziehungen zutage
tritt.
Wenn wir nach einem gemeinsamen Band suchen,
dann gibt es wirklich kein besseres als dieses.
2. Die Unterstützung der Vereinigten Staaten für
die Wiedervereinigung Deutschlands
Wir können auch bei der Geschichte der Wiedervereinigung Deutschlands anfangen.
Im Jahr 1989 war es bei weitem nicht klar, was infolge
der Selbstbefreiung Ostdeutschlands geschehen
würde. Viele in Europa waren der Idee eines vereinigten Deutschlands gegenüber negativ eingestellt.
Selbst unter den Deutschen wurden Zweifel laut.
Eine Führungsrolle zu übernehmen, war unerläßlich,
um der Welt und den Deutschen den Weg zu zeigen und Bundeskanzler Kohl tat genau das. Aber die
Unterstützung der Vereinigten Staaten war ebenfalls
unerläßlich. Ich spreche nicht nur von unserer Rolle
als Partei bei den Zwei-plus-Vier-Gesprächen, sondern
auch von unserer Rolle als ein Freund Deutschlands.
Außenminister Baker brachte die Emotionen des
Augenblicks in seinen Memoiren mit den Worten zum
Ausdruck, er habe bei dem Gedanken an die deutsche
Einheit Freudentränen zurückhalten müssen. Während dieser dramatischen Tage reisten viele Amerikaner nach Deutschland, um an dem von Ihren Geleisteten teilzuhaben.
Die Vereinigten Staaten hatten während des Kalten
Kriegs fest an der Seite Deutschlands gestanden. In
der Frage der Wiedervereinigung Deutschlands waren
wir unerschütterlich - als sie wie ein Traum erschien,
der niemals Wirklichkeit würde, und auch als die Zeit

Seite 2

kam, diesen Traum Wirklichkeit werden zu lassen. Wir
waren zuversichtlich, daß der eingeschlagene Kurs die Vereinigung - der richtige war.
Um unser Engagement zu unterstreichen, eröffneten
wir 1992 ein Generalkonsulat und ein Amerika Haus in
Leipzig. Damit hofften wir, mehreres gleichzeitig zu
erreichen:
die neuen Entscheidungsträger in Ostdeutschland einzubeziehen,
den Ostdeutschen durch Städtepartnerschaften und Austauschprogramme beim Bau von
Brücken zu den Vereinigten Staaten zu helfen,
Professoren, Journalisten, Politiker und Mitbürger über die Vereinigten Staaten und ihre
Politik zu informieren,
Handelsbeziehungen zwischen den neuen
Ländern und den Vereinigten Staaten zu
unterstützen
und unseren Teil zur Förderung des Wiedervereinigungsprozesses beizutragen, indem wir
Menschen zusammenbringen.
Ein kleines aber erfolgreiches Beispiel der Bestrebungen des Konsulats ist die Entwicklung des Umweltprogramms GLOBE des US-Außenministeriums. In
den letzten beiden Jahren ist die Beteiligung an
GLOBE von zwei Schulen in Sachsen auf 15 - darunter
dieses Gymnasium - angewachsen.
3. Regionale Identität
Ein weiteres gemeinsames Band zwischen Amerikanern und allen Deutschen läßt sich in den kulturellen
Parallelen finden. Ungefähr 60 Millionen Menschen in
den Vereinigten Staaten haben Vorfahren, die aus
Deutschland kamen, und deswegen gibt es amerikanische Botschafter mit Namen wie Kornblum, Generalkonsuln namens Truhn und Städte in den Vereinigten
Staaten mit Namen wie Bremen oder Berlin. Wir sind
eine Nation von Nationen und eine Nation von Regionen und regionalen Identitäten.
Man hört oft Gespräche über die Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland und die Notwendigkeit, die alte künstliche Trennlinie zu überwinden. Das
heißt jedoch nicht, daß man zwangsläufig sein Identitätsbewußtsein verändern muß. Deutschland ist ein
Land mit vielen Identitäten. Mein erster Kontakt mit
Deutschland war der mit der nördlichen Variante - mit
Hamburg. Mittlerweile habe ich Bayern, Berlin, das
Rheinland und zahllose andere Regionen in den neuen
Bundesländern kennengelernt. Ebenso wie in den
Vereinigten Staaten, wo die Texaner anders aussehen
und sprechen als die Bürger von Alaska, schaffen die

AMERIKA DIENST 12

-

�Regionen Deutschlands ein kulturelles Mosaik, das
das Gesamtbild stärkt. Es gibt viele Identitäten, nicht
nur "Ossies" und "Wessies".
Identität ist insbesondere hier in Bautzen von Bedeutung, der Heimat vieler sorbischer Organisationen. Die
sorbische Sprache und Kultur sind trotz aller Widrigkeiten in Gemeinden in der ganzen Lausitz und in
Brandenburg erhalten worden. Und die sorbische
Geschichte mit ihren gleichermaßen hoffnungsvollen
und tragischen Momenten ist ein wichtiger Teil der
Vielfalt, die Deutschlands Identität bereichert.
4. Der Wiederaufbau der ostdeutschen Wirtschaft
Während des letzten Jahrzehnts wurden den Beziehungen zwischen Amerikanern und Ostdeutschen
neue Elemente hinzugefügt. Die Wirtschaft ist ein
wichtiges Beispiel. Seit der Wiedervereinigung haben
mehr als 240 amerikanische Unternehmen über 12
Milliarden Mark im östlichen Teil Deutschlands investiert. Gemeinsam haben sie in den neuen Ländern
mehr als 60.000 Arbeitsplätze geschaffen oder
erhalten.
Die US-Botschaft und die American Chamber of
Commerce arbeiten seit 1994 bei der Veranstaltung
jährlich stattfindender amerikanischer Wirtschaftskonferenzen in den neuen Bundesländern zusammen.
Die Konferenz vom letzten Jahr in Dessau verstärkte
den Konsens unter den Teilnehmern, daß die Bedingungen für Geschäftstätigkeit und Investitionen in
Deutschland im Allgemeinen und in den neuen
Bundesländern im Besonderen weitaus günstiger sind
als allgemein angenommen.
Diese Konferenzen
haben die Aufmerksamkeit der Medien auf spezifische
Stärken gelenkt, darunter das Ausmaß an Flexibilität
des hiesigen Arbeitsmarkts, die generell positive
Einstellung zum Wandel am Arbeitsplatz, die Verfügbarkeit von Risikokapital und die guten Qualifikationen
der Erwerbstätigen. Selbstkritik ist ebenfalls wichtig,
und diese Konferenzen haben sich nicht gescheut,
verbesserungsbedürftige
Gebiete
aufzuzeigen,
beispielsweise die hohen Energiepreise. Wir werden
diese Tradition im September dieses Jahres in
Rostock-Warnemünde fortsetzen.
Amerikanische Unternehmen spielen eine bedeutende
Rolle in dem Prozeß des Wandels und der Erneuerung. Das geschieht durch Investitionen und Produktion sowie andere traditionelle Wirtschaftsaktivitäten.
Es spielt aber auch noch ein anderes wesentliches
Element mit - das menschliche Element. Amerikanische Unternehmen sind nicht nur der größte Block
ausländischer Investoren in den neuen Bundesländern. Sie engagieren sich auch in der Gesellschaft,
sponsern kulturelle Ereignisse, fördern persönliche
Kontakte durch Aktivitäten wie Praktikantenprogramme
in den Vereinigten Staaten und gründeten sogar eine

AMERIKA DIENST 12

internationale Schule für deutsche und amerikanische
Kinder.
Dies ist eine Zeit dramatischer wirtschaftlicher Umstrukturierung. Ein Nebeneffekt dieser Umstrukturierung ist die Arbeitslosigkeit. Diese Region ist von
Arbeitslosigkeit stark betroffen, und wie Sie wissen,
handelt es sich hierbei nicht nur um ein wirtschaftliches
Phänomen. Arbeitslosigkeit hat Auswirkungen auf
Gemeinden, Familien und das Weltbild des Einzelnen.
Ich weiß das, weil mein Land eine schmerzliche Zeit
der Umstrukturierung durchmachte, die erst vor
kurzem endete. Ich erinnere mich an den Pessimismus der siebziger und sogar achtziger Jahre, in denen
es schien, als ob in unserer Gesellschaft nichts
klappte.
Die Wende in der amerikanischen Volkswirtschaft
wurde vor allem dank der durch neue Technologien
geschaffenen Chancen herbeigeführt. Die Situation
ähnelte in gewisser Weise der im Osten Deutschlands,
wo Innovation und saubere Hightech-Industrien an die
Stelle schmutziger Schwerindustrie und umweltschädigender Praktiken treten.
Als ein Volk, das in kurzer Zeit so tiefgreifende Veränderungen erlebte, sind Sie in vielerlei Hinsicht Ihrer
Zeit voraus. Die meisten Teile Westeuropas haben
seit dem Marshallplan keine so schnellen und einschneidenden
Veränderungen
mehr
durchlebt.
Wirtschaftsminister Rexrodt äußerte vor einigen
Monaten etwas, das hier in den neuen Bundesländern
wahrscheinlich schon längst legendär geworden ist. Er
sagte: "Vorbei sind die Zeiten, da man in Hamburg
oder München müde über die Konkurrenz aus Dresden oder Rostock lächeln konnte." Ich kann die Idee
nur unterstützen, daß Ihre Flexibilität in dem Prozeß
massiven Strukturwandels äußerst wertvoll ist. Sie ist
eine wichtige Qualifikation für die Arbeit in der "neuen
Weltwirtschaft".
Ebenso wie die Vertreter der Wirtschaft bin ich optimistisch hinsichtlich dessen, was Sie in dieser zugegebenermaßen schwierigen Zeit erreichen können.
Es müssen noch immer Hindemisse überwunden
werden, beispielsweise die Schaffung von Arbeitsplätzen und die Beseitigung von Altlasten. Aber es gibt
auch viel Grund zu Optimismus. Ich sehe Unternehmergeist und die Bereitschaft zum Wandel. Hier in
Bautzen und in der Lausitz, wo Sie mit viel Mühe die
barocke Architektur wiederherstellen und das Land
wiedergewinnen, das an den Braunkohlebergbau
verlorenging, stehen Sie für das, was erreicht werden
kann, wann man die Chancen im Wandel sieht.
Die Vollendung Europas
Manche mögen fragen: Warum legen die Vereinigten
Staaten so viel Wert auf diesen Teil Deutschlands?
Ich habe eine Reihe von Gründen aufgelistet, warum

Seite 3

�das in wirtschaftlicher Hinsicht sinnvoll ist. Aber es gibt
einen übergeordneten Grund: Weil Sie Teil des
übergeordneten Prozesses der europäischen Integration sind.
Präsident Clinton hob dieses Thema während seines
ersten Staatsbesuchs in Europa im Januar 1994
hervor. Er erklärte: "Diese Zeit entscheidet vielleicht,
ob die Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion
in das Gefüge des transatlantischen Wohlstands und
der Sicherheit eingegliedert oder aber isoliert und im
Stich gelassen werden, während sie mit denselben
beängstigenden Veränderungen konfrontiert sind, mit
denen sich so viele Staaten in Europa auseinandersetzen." Und der Präsident stellte eine Meßlatte für
unsere bisherigen Fortschritte auf. Er betonte Zusammenarbeit auf drei Gebieten: Stärkung der sicherheitspolitischen Zusammenarbeit, Aufbau von
wohlhabenden Marktwirtschaften und Schaffung
lebensfähiger Demokratien. Wir haben solide Fortschritte gemacht:
Letzten Monat stimmte der US-Senat der Ratifizierung
der Aufnahme Polens, Ungarns und der Tschechischen Republik als neue Mitglieder in die NATO zu.
Damit unternahm der Senat einen historischen Schritt
in dem Prozeß der Anpassung des Bündnisses. Dies
war ein wesentlicher Schritt, der den Höhepunkt einer
bereits guten Bilanz der Zusammenarbeit zwischen
dem Bündnis und diesen neuen Demokratien zur
Verteidigung von Stabilität und Demokratie in Europa
und auf der Welt bildete.
Deutschland und die Vereinigten Staaten - sowohl die
Regierung als auch die Wirtschaft - haben die neuen
Demokratien hier im Herzen Europas zu einer Priorität
für Investitionen und Entwicklung erklärt. Und die
Europäische Union setzt ihre Erweiterung fort um
sicherzustellen, daß diese Länder an Europa teilhaben
können. Unsere gemeinsame Botschaft ist einfach:
Pulsierende und offene Marktwirtschaften sind der
Motor, der uns den größten Wohlstand in der
Geschichte der Menschheit beschert hat.
Auf dem dritten Gebiet - Aufbau von Demokratie haben wir ebenfalls große Fortschritte erzielt. Die
enormen wirtschaftlichen Veränderungen, die an
diesen Orten stattfanden, haben nicht zu einem
sozialen Zusammenbruch geführt. Im Gegenteil: Die
neuen Demokratien prosperieren.
Als Präsident Clinton vergangenen Monat erneut
Deutschland besuchte, überzeugte er sich aus erster
Hand von den Fortschritten, die hier in den neuen
Bundesländern gemacht worden sind. Und er bezeichnete Deutschland als Säule für Offenheit und
Demokratie in Europa. Die Vollendung Europas ist
dem Präsidenten zufolge eine "seit Generationen
einmalige Chance. Gemeinsam müssen wir sie
ergreifen."

Seite 4

Wir sind jetzt in der Lage, die nächsten logischen
Schritte bei der Weiterentwicklung unserer Politik zu
ergreifen. Nachdem wir erfolgreich eine neue Architektur nach dem Ende des Kalten Krieges aufgebaut
haben, müssen wir jetzt den Mut zeigen, sie auf die
uns konfrontierenden Probleme und Herausforderungen anzuwenden.
Im kommenden Jahr werden wir in Washington zum
50. Jahrestag der NATO zusammenkommen. Das
wird nicht nur eine Gelegenheit sein, die Vergangenheit zu feiern, sondern auch, den Weg in der Zukunft
zu planen. Die NATO von morgen muß zusätzlich
noch etwas leisten: Sie muß vor externen Bedrohungen, ethnischer Gewalt, regionalen Konflikten und
Massenvernichtungswaffen schützen.
Die NATO bleibt das beste Instrument für die amerikanischen und europäischen Partner bei Sicherheitsfragen. Wir müssen uns alle für die Wahrung der
Glaubwürdigkeit des Bündnisses einsetzen, um die
uns konfrontierenden Aufgaben zu erfüllen.
Zusätzlich muß die NATO ihre Partnerschaft mit
Rußland, der Ukraine und anderen Nationen auf dem
ganzen Kontinent vertiefen und weiterentwickeln, die
unsere Interessen und Werte teilen. Und vor allem
muß die Tür für weitere NATO-Mitglieder offen bleiben.
Weitere Chancen bietet die Zusammenarbeit zwischen
den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union.
Die Vereinigten Staaten sind seit langem ein Befürworter der europäischen Integration, und wir bewundern die Entschlossenheit, die zur Gründung der
Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion geführt
hat. Auch wenn Europa und Amerika sich ihren
eigenen, separaten Herausforderungen gegenübersehen, müssen wir den neuen Demokratien
weiterhin bei der Bewältigung der doppelten Herausforderung von postkommunistischem Übergang und
Globalisierung helfen.
Eine dritte Chance stellt die Arbeit der Organisation für
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) dar.
Im kommenden Jahr wird die OSZE einen Gipfel
veranstalten - eine Gelegenheit, über Vergangenheit,
Gegenwart und Zukunft der OSZE nachzudenken. Mit
ihrer großen Mitgliederzahl und moralischen Autorität
ist die OSZE eine einzigartige Organisation in Europa.
Sie setzt die ursprünglichen Prinzipien von Helsinki
vom Balkan bis Belarus in die Praxis um, damit Krisen
abgeschreckt und entschärft werden, die unsere Werte
und unsere Sicherheit bedrohen. Die OSZE kann
jedoch mehr praktische Arbeit leisten. Sie kann sich
stärker an den Orten engagieren, an denen die
Wurzeln der Demokratie noch zart sind, darunter auf
dem Balkan, im Kaukasus und in Zentralasien. In der
Praxis könnte das die Unterstützung von Friedenssicherungsmissionen und die Ausbildung von Polizisten bedeuten. Es könnte auch die Erweiterung der

AMERIKA DIENST 12

�Aktivitäten bedeuten, die im Rahmen von OSZEMissionen durchgeführt werden können.
Das Ideal und die Anwendung
In gewisser Weise könnte man die Geschichte des
Kalten Krieges in drei Abschnitte einteilen: Als wir
unsere Träume träumten, als wir unsere Träume
lebten und als wir unsere Träume wahr werden ließen.
Wir träumten unsere Träume in der langen Nacht des
Kalten Krieges. Wir - Sie - lebten Ihre Träume, als Sie
die Teilung Deutschlands beendeten. Jetzt müssen
wir alle daran arbeiten, unsere Träume wahr werden
zu lassen, indem wir die historische Chance - die seit
Generationen einmalige Chance - ergreifen und
Realität werden lassen.

Sie hier in Bautzen, in der Lausitz, spielen eine Rolle
dabei, diese neue Realität zu schaffen. Sie sind Teil
des Aufbaus eines neuen, ungeteilten Europas. Ihre
Bereitschaft, den Wandel freudig zu begrüßen, stellt
Sie an die vorderste Front unserer gemeinsamen
Aufgabe - einer Aufgabe, an der sich Amerikaner,
Deutsche und andere Bürger Europas beteiligen: Die
einzigartige Stabilität und den Wohlstand auf ganz
Europa auszudehnen. Ich wünsche Ihnen und uns
allen Erfolg bei diesem Projekt von historischem
Ausmaß.
Vielen Dank.

* * * * *

AMERIKA DIENST 12

Seite 5

�TECHNOLOGIE
17. Juni 1998

Das Jahr 2000-Problem
von Verkehrsminister Rodney Slater

KOPENHAGEN - (AD) - US-Verkehrsminister Rodney Slater forderte weltweite Zusammenarbeit bei der Lösung
des Computerproblems der Umstellung auf das Jahr 2000, das zu Störungen in vielen Bereichen des öffentlichen
Lebens führen könnte. Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die Minister Slater am 26. Mai 1998 bei der
europäischen Konferenz der Verkehrsminister in Kopenhagen gehalten hat.

Heute schlage ich vor, daß wir zusammenarbeiten um
zu entscheiden, wie wir eine der größten Herausforderungen für das Verkehrs- und Transportwesen
bewältigen können: das Jahr 2000-Computerproblem.

Jeder in die Telematik investierte Dollar bringt acht
Dollar Gewinn - ein ausgezeichnetes Beispiel dafür,
wie mit computergestützten Technologien enorme
Profite erzielt werden können.

Das ist dringend geboten. Während der letzten
Generation haben unsere Transportsysteme stark von
computergestützten Informations- und Kommunikationstechnologien profitiert.

Vergangenen Freitag verabschiedete der US-Kongreß
das Gesetz über ein effizientes Transportsystem für
das 21. Jahrhundert, das die staatliche Finanzierung
von Highway-, Transit-, Sicherheits- und Technologieprogrammen ermöglicht.

In den Vereinigten Staaten konnten wir dank dieser
Technologien die effektive Kapazität unseres Luftverkehrssystems verdoppeln - um produktive "just-intime"-Liefersysteme zu schaffen, um den Schiffsverkehr zu verbessern und um Sicherheit und Effizienz
unserer Straßen, Schienen und Transitsysteme zu
erhöhen. Diese computergesteuerten Systeme tragen
zum sicheren und reibungslosen Funktionieren
unserer heutigen Transportnetze bei, insbesondere vor
dem Hintergrund der wesentlichen Rolle des Transportwesens in einer auf Handel basierenden Weltwirtschaft.
Diese Systeme können in Zukunft noch
größere Vorteile bringen.
Beispielsweise können intelligente Transportsysteme eine als Telematik bezeichnete Technologie - Verkehrsstaus verringern, indem sie die Effizienz bestehender Straßen- und Transitverbindungen verbessern.
Ferner können sie dazu beitragen, die Kosten für den
Bau neuer, in unseren Städten dringend benötigter
Straßen um ein Drittel zu senken und Tausende von
Menschenleben zu retten, indem sie Verkehrsunfälle
verhindern.

AMERIKA DIENST 12

Ich erwarte, daß Präsident Clinton dieses historische
Gesetz in Kürze unterzeichnet. Damit werden unsere
Bestrebungen fortgesetzt, die Grundlage für moderne
Transportsysteme des 21. Jahrhunderts zu schaffen Systeme, die uns dabei helfen, die durch die globale
Wirtschaft geschaffenen Chancen optimal zu nutzen.
Das Jahr 2000-Problem stellt uns jedoch vor eine
beträchtliche Herausforderung. Der Ursprung dieses
Problems ist einfach. Wie Sie wissen, wurden viele
Computer aufgrund begrenzter Speicherkapazität so
programmiert, daß sie das Jahr nur mit zwei Ziffern
angeben. Damals schien das eine gute Idee zu sein,
da jeder erwartete, daß diese Computer und Programme bis heute ersetzt worden wären.
Bei vielen ist das jedoch nicht der Fall, und am 1.
Januar 2000 könnten diese Computer den Datumswert
"00" möglicherweise nicht als 2000, sondern als 1900
interpretieren. Dadurch könnten sie abstürzen oder
falsche Daten erzeugen.
Wir ermitteln jetzt das volle Ausmaß des Problems.
Neuere Systeme, die entworfen wurden, nachdem man

Seite 1

�das Problem erkannt hatte, sollten eigentlich nicht
gefährdet sein, obwohl selbst sie durch ihre Verbindungen zu älteren Systemen betroffen sein könnten, die
nie ersetzt wurden. Ältere Computersysteme mit
Zentraleinheit sind am stärksten gefährdet.
Es ist an sich schon sehr frustrierend, wenn unsere
Computer nicht funktionieren. Noch Schlimmeres
könnte jedoch passieren, wenn das Jahr 2000-Problem zu einem Stillstand der Computer führt, die
Regierung und Wirtschaft am Laufen halten. Wir
riskieren größere Störungen der Finanzmärkte, der
Kommunikations- und Stromversorgungssysteme und
unseres Transportwesens. Es gibt eine Lösung. Die
technische Behebung des Jahr 2000-Problems ist
unkompliziert, auch wenn sie eine Vielzahl von Mitteln
für die Auswertung von Computersystemen und die
Durchführung der notwendigen Reparaturarbeiten
voraussetzt.
Trotzdem sind sich Präsident Clinton und Vizepräsident Gore bewußt, wie wichtig es ist, jetzt zu handeln. Sie haben uns angewiesen, alles Erforderliche
zu unternehmen um sicherzustellen, daß die staatlichen Computersysteme am 1. Januar 2000 ebenso gut
funktionieren wie am Tag davor.
Im Verkehrsministerium betrifft das nicht nur unsere
internen Managementsysteme, sondern auch die
Aktivitäten, die direkte Auswirkungen auf Dienstleistungen wie Flugverkehrskontrolle und das GPSSystem haben.
Wir haben bei nahezu 40 Prozent der für unsere
Aufgaben unerläßlichen Systeme die erforderliche
Arbeit geleistet, und wir werden alles Notwendige
unternehmen um zu gewährleisten, daß sie alle
rechtzeitig repariert werden. Unsere Sorgen beschränken sich jedoch nicht darauf, welche Auswirkungen das Jahr 2000-Problem auf die Computernetze der Bundesregierung hat.
Viele unserer Systeme stehen mit denen der Regierungen der Bundesstaaten und Kommunen sowie des
Privatsektors in Verbindung, und das Jahr 2000Problem bei diesen Systemen könnte Schwierigkeiten
für unsere eigenen Netze bewirken. Darüber hinaus
sind wir besorgt, daß die Sicherheit oder das reibungslose Funktionieren der Volkswirtschaft gefährdet sind,
wenn im Jahr 2000 nichtstaatliche Systeme stillstehen.
Präsident Clinton hat einen Rat für die Jahr 2000Umstellung gegründet, der die Bestrebungen der
Regierungen überwacht und das Bewußtsein auf
anderen Regierungsebenen sowie im Privatsektor
schärft.
Der Präsident hat uns gebeten, unsere Partner und
Kunden - in den Vereinigten Staaten und auf der
ganzen Welt - über den Rat einzubeziehen, sie zu

Seite 2

einer Überprüfung ihrer alten Systeme zu ermutigen
und alle erforderlichen Änderungen vorzunehmen.
Und genau das mache ich heute. Die im internationalen Transportwesen verwendeten computergestützten Systeme könnten durch das Jahr 2000Problem gefährdet sein. Von Flugverkehrskontrolle
über Navigationssysteme bis zu Frachtleitsystemen
könnte alles betroffen sein und stillstehen.
Die Risiken sind groß. Wenn der Flugverkehr oder die
Schiffahrt am 1. Januar 2000 zum Erliegen kommen
würden, wären die Auswirkungen katastrophal.
Abgesehen von Verspätungen und Sicherheitsrisiken
könnten wir einen irreparablen Vertrauensverlust der
Öffentlichkeit in die Zuverlässigkeit dieser Systeme
erleben.
Ich bin besorgt, daß viele Vertreter des öffentlichen
Lebens und Unternehmer dieses Problem nicht
verstehen und es nicht ernst nehmen. Viele, die es
tun, erachten es als selbstverständlich, daß ihre
Systeme keine Probleme haben oder eine einfache
technische Änderung entwickelt wird. Das wäre ein
schrecklicher Fehler. Wir auf Bundesebene übernehmen in den Vereinigten Staaten eine Führungsrolle,
weil dies wirklich im nationalen Interesse liegt, auch
wenn diese Systeme der Zuständigkeit der Bundesstaaten oder Kommunen unterstehen.
Wir möchten diese Bestrebungen erweitern, damit sie
aufgrund der potentiellen Auswirkungen auf die
amerikanischen Interessen unsere Partner auf der
Welt einbeziehen.
Ebenso wie Sie die Sicherheit und Zuverlässigkeit Ihrer
Transportsysteme sicherstellen müssen, möchten wir
die Sicherheit der Amerikaner gewährleisten, und wir
möchten gewährleisten, daß die Aktivitäten der von
Überseetransporten abhängigen amerikanischen
Firmen nicht gestört werden.
In einer globalen Wirtschaft möchten wir auch dazu
beitragen, größere Störungen der Überseetransportnetze zu vermeiden, die alle unsere Volkswirtschaften betreffen könnten.
Wir sind uns bewußt, daß der Betrieb dieser Transportsysteme eine Angelegenheit nationaler Souveränität
ist. Wir können die Systemoperatoren - weder in den
Vereinigten Staaten noch andernorts - nicht zwingen,
die notwendigen Schritte zu unternehmen, und wir
verfügen auch nicht über die Ressourcen zur Durchführung universeller Auswertungen und Reparaturarbeiten.
Wir können und sollten jedoch das Bewußtsein für das
Problem schärfen und den Austausch effektiver
Strategien fördern. Um uns dabei behilflich zu sein,
bitte ich um Ihre Zusammenarbeit beim Jahr 2000-

AMERIKA DIENST 12

�Problem und seinen Auswirkungen auf das Transportwesen. Da wir in weniger als 20 Monaten diesem
Problem gegenüberstehen, ist es unerläßlich, daß wir
unverzüglich handeln.
In den Vereinigten Staaten halten wir bereits Treffen
mit unserer Luftfahrtindustrie ab, um die sie konfrontierenden Herausforderungen an der Schwelle zum
Jahr 2000 auszumachen und Strategien zu ihrer
Bewältigung auszutauschen.
Der Stellvertretende Verkehrsminister Downey kündigte vor kurzem ein ähnliches Treffen mit unserer
Telematikindustrie an. Ich lade Ihre Vertreter ein, an
diesen Besprechungen teilzunehmen.
Wir im US-Verkehrsministerium werden auch ein
Clearinghaus für Transportwesen und das Jahr 2000Problem einrichten, das über das Internet weltweit
Informationen zur Verfügung stellt.
Das sind nur erste Schritte zur Lösung des Jahr 2000Problems - aber sie sind notwendig, wenn wir kostenintensive Störungen verhindern und die erforderliche

*

AMERIKA DIENST 12

Unterstützung der Öffentlichkeit für künftige Fortschritte behalten wollen.
Wir sind auch offen für Ihre Ideen zur Inangriffnahme
dieses Problems, insbesondere für die beste Lösung
des Jahr 2000-Problems, das internationale Transportdienste direkt betrifft.
Lassen Sie uns also zusammenkommen, das Ausmaß
des uns konfrontierenden Problems feststellen und
dann über die besten Wege zu seiner Lösung entscheiden.
Wenn es wenige Probleme gibt - und ich hoffe, das
wird der Fall sein - können wir unsere Bürger beruhigen, bevor Gerüchte und Ängste sich verbreiten. Das
schulden wir uns selbst, unseren Bürgern und der
Zukunft unserer Transportindustrie.
Es ist unsere Verantwortung, wie der englische Dichter
Wordsworth schrieb, "zu leben, zu handeln und der
Zukunft zu dienen". Ich bin zuversichtlich, daß wir
unserer Verantwortung, der Zukunft zu dienen, durch
Zusammenarbeit gerecht werden.

* * * *

Seite 3

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="12956">
                <text>17.06.1998</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="12957">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="12958">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="12959">
                <text>Amerikadienst 17.06.1998</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="12960">
                <text>&lt;strong&gt;1. Drogen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton ruft zur internationalen Zusammenarbeit im Kampf gegen Drogen auf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Präsidenten vor der UN-Generalversammlung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Bosnien&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Situation in Bosnien hat sich enorm verbessert&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Stellungnahme von Robert S. Gelbard&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. USA-Europa&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Vereinigten Staaten und die Vollendung Europas&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter John C. Kornblum&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Technologie&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das Jahr 2000-Problem&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Verkehrsminister Rodney Slater&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
</itemContainer>
